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wir gerades Weges nach der Landschafft Uraba, durchstreifften dieselbe glücklich, und baueten Ostwärts in der Gegend Caribana einen Flecken an, nebst einem wohlbefestigten schloss, wohin man sich zur Zeit der feindlichen Empörung und plötzlichen Uberfalls sicher zurück ziehen und aufhalten könnte. Dem ungeachtet, liess sich der schon so oft betrogene Hojez abermals betriegen, indem ihn die gefangenen Indianer viel Wesens von einer austräglichen Gold Grube machten, welche bei dem, 12000. Schritt von unserm Schloss gelegenen Dorffe Tirafi, anzutreffen wäre. Wir zogen also dahin, vermeinten die Einwohner plötzlich zu überfallen und alle zu erschlagen, allein selbige empfiengen uns mit ihren vergiffteten Pfeilen dermassen behertzt, dass wir mit Zurücklassung etlicher toten und vieler Verwundeten schimpflich zurück eilen mussten.

Folgendes Tages kamen wir in einem andern Dorffe eben so übel, ja fast noch schlimmer an, auf dem Rükk-Wege aber begegnete dem Gouverneur Hojez der allerschlimste und gefährlichste Streich, denn es kam ein kleiner König, dessen Ehefrau von dem Hojez Gefangen genommen war, und gab vor, dieselbe mit 20. Pfund Goldes auszulösen, wie denn auch 8. Indianer bei ihm waren, welche, unserer Meinung nach, das Gold bei sich trügen, allein über alles Vermuten schoss derselbe einen frisch vergiffteten Pfeil in des Gouverneurs Hüffte, und wolte sich mit seinen gefährten auf die Flucht begeben, wurden aber von der Leib-Wacht ergriffen, und sämtlich in Stücken zerhauen. Jedoch hiermit war dem Gouverneur wenig geholffen, weiln er in Ermangelung kräfftiger Artzeneien, die dem Giffte in der Wunde Widerstand zu tun vermögend, entsetzliche Quaal und Schmertzen ausstehen muste, wie er sich denn seiner Lebens-Erhaltung wegen, etliche mahl ein glüend Eisen-Blech auf die Wunde legen liess, um das Gifft heraus zu brennen, als welches die allergewisseste und sicherste Cur bei dergleichen Schäden sein sollte, jedennoch dem Hojez nicht zu seiner völligen Gesundheit verhelffen konte.

Mittlerzeit kam Bernardino de Calavera, mit einem starcken Schiffe, das 60. tapffere krieges Leute, nebst vielen Lebens-Mitteln aufgeladen hatte, zu uns, welches beides unsern damahligen gefährlichen und bedürfftigen Zustand nicht wenig verbesserte. Da aber auch diese Lebens-Mittel fast aufgezehret waren, und das Krieges-Volck nicht den geringsten glücklichen Ausschlag von des Hojez Unternehmungen sah, fiengen sie an, einen würcklichen Aufstandt zu erregen, welchen zwar Hojez damit zu stillen vermeinte, dass er sie auf die Ankunfft des Don Martin Anciso vertröstete, als welchem er befohlen, mit einem Last-Schiffe voll Proviant uns hierher zu folgen, jedoch die krieges-Knechte, welche diese Tröstungen, die doch an sich selbst ihre Richtigkeit hatten, in Zweiffel zohen, und vor lauter leere Worte hielten, beredeten sich heimlich, zwei Schiffe von den Unsern zu entführen, und mit selbigen in die Insul Hispaniolam zu fahren.

So bald Hojez diese Zusammen-Verschwerung entdeckt, gedachte er dem Unheil vorzubauen, und tat den Vorschlag, selbst eine Reise nach Hispaniolam anzutreten, bestellete deswegen den Don Francisco de Pizarro in seiner Abwesenheit zum ObristenLieutenant, mit dem Bedeuten, dass wo er innerhalb 50. Tagen nicht wiederum bei uns einträffe, ein jeder die Freiheit haben sollte hin zu gehen wohin er wolte.

Seine Haupt-Absichten waren, sich in Hispaniola an seiner Wunde bei verständigen Aertzten völlig heilen zu lassen, und dann zu erforschen, was den Don Anciso abgehalten hätte, uns mit dem bestellten Proviant zu folgen. Demnach setzte er sich in das Schiff, welches Bernardino de Calavera heimlich und ohne erlaubnis des Ober-Admirals und anderer Regenten aus Hispaniola entführet hatte, und segelte mit selbigen auf bemeldte Insul zu.

Wir Zurückgebliebenen warteten mit Schmertzen auf dessen Wiederkunfft, da aber nicht allein die 50. Tage, sondern noch mehr als zweimahl so viel verlauffen waren, und wir binnen der Zeit vieles Ungemach, so wohl wegen feindlicher Anfälle, als grosser Hungers-Not erlitten hatten; teilete sich alles Volck in des Hojez zurückgelassene zwei Schiffe ein, des willens, ihren Gouverneur selbst in Hispaniola aufzusuchen.

Kaum hatten wir das hohe Meer erreicht, da uns ein entsetzlicher Sturm überfiel, welcher das Schiff, worin unsere Mit-Gesellen sassen, in einem Augenblicke umstürzte und in den Abgrund versenckte, so dass kein eintziger zu erretten war. Wir übrigen suchten dergleichen Unglücke zu entgehen, landeten deswegen bei der Insul Fortis, wurden aber von den Pfeilen der wilden Einwohner dermassen unfreundlich empfangen, dass wir vor unser gröstes Glück schätzten, noch bei zeiten das Schiff zu erreichen, und von dannen zu seegeln.

Indem nun bei solchen kümmerlichen Umständen die Fahrt nach Hispaniola aufs eiligste fortgesetzt wurde, begegnete uns über alles verhoffen der Oberste Gerichts-Præsident Don Martin Anciso, welcher nicht allein auf einem Last-Schiffe allerhand Nahrungs-Mittel und Kleider-Geräte, sondern auch in einem Neben-Schiffe gute krieges-Leute mit sich führte.

Seine Ankunfft war uns ungemein tröstlich, jedoch da er nicht glauben wolte, dass wir von unsern Gouverneur Hojez verlassen wären, im Gegenteil uns vor Aufrührer oder abgefallene Leute ansahe, mussten wir uns gefallen lassen, erstlich eine Zeitlang in der Einfahrt des Flusses Boyus zwischen den Cartaginensischen Port und der Landschafft Cuchibacoam bei ihm stille zu liegen, hernachmahls aber in seiner Begleitung nach der Urabanischen Landschafft zurück zu seegeln, weil er uns weder zu dem Niqvesa noch in Hispaniolam führen wolte, sondern vorgab, er müsse uns alle, Krafft seines tragenden Ammts und Pflichten, durchaus in des Gouverneurs Hojez Provinz zurücke bringen, damit dieselbe nicht ohne