, und in die strengste Sclaverei hinweg führen wolte.
Allein diese Leute gaben hierauff sehr freimütig zur Antwort: Dass sie sich um des Königs von Castilien Gnade oder Ungnade gar nichts bekümmerten, nächst diesen möchten sie zwar gern das Vergnügen haben in ihrem land mit frembden Völckern umzugehen, und denenselben ihre überflüssigen Reichtümer zuzuwenden, doch müsten sich selbige freundlich, fromm und tugendhafft aufführen. Da aber die Spanier seit ihrer ersten Ankunfft etliche Jahre daher nichts als Tyrannei, Geitz, Morden, Blutvergiessen, Rauben, stehlen, sängen und brennen, nebst andern schändlichen Lastern von sich spüren lassen, nähmen sie sich ein billiges Bedencken, dergleichen verdächtiges Christentum, Sitten und Gebräuche anzunehmen. Demnach möchten wir nur alsofort zurücke kehren und ihre Gräntzen verlassen, widrigenfalls sie sich genötiget sähen ihre Waffen zu ergreiffen, und uns mit Gewalt von dannen zu treiben.
Ich vor meine person wuste diesen sehr vernunfftmässigen Entschluss nicht im geringsten zu tadeln, zumahlen da die gottlose und unchristliche Aufführung meiner Lands-Leute mehr als zu bekannt worden. Dem ungeachtet liess der Gouverneur alsobald sein krieges-Volck an Land steigen, fing aller Orten zu sängen, zu brennen, todtzuschlagen und zu verfolgen an, verschonete auch weder Jung noch Alt, Reich noch Arm, Männ- oder Weibliches Geschlechte, sondern es muste alles ohne Unterscheid seiner Tyrannei herhalten.
Meine hände hüteten sich so viel als möglich war, dieses unschuldige Blut vergiessen zu helffen, ja ich beklagte von grund meiner Seelen, dass mich ein unglückliches Verhängniss eben in dieses jammervolle Land geführt hatte, denn es bedünckte mich unrecht und grausam, auch ganz wieder Christi Befehl zu sein, den Heiden auf solche Art das Evangelium zu predigen. Uber dieses verdross mich heimlich, dass der Gouverneur aus purer Bossheit, das Königliche Edict, welches doch eigentlich nur auf die Caraiber oder Menschen-Fresser zielete, so mutwillig und schändlich missbrauchte, und nirgends einen Unterschied machte, denn ich kan mit Wahrheit schreiben: dass die Indianer auf dem festen land, und einigen andern Insuln, nach dem Lichte der natur dermassen ordentlich und tugendhafft lebten, dass mancher Maul-Christe dadurch nicht wenig beschämt wurde.
Nachdem aber der Gouverneur Hojez um Cartago herum ziemlich reine Arbeit gemacht, und daselbst ferner keinen Gegenstandt seiner Grausamkeit antreffen konte, begab er sich über die zwölff Meilen weiter ins Land hinein, streiffte allerwegen herum, Bekriegte etliche Indianische Könige, und verhoffte solchergestallt eine grosse Beute von Gold und Edelgesteinen zu machen, weil ihm etliche gefangene Indianer hierzu die gröste Hoffnung gemacht hatten. Allein er fand sich hierinnen gewaltig betrogen, denn da wir uns am allersichersten zu sein bedüncken liessen, hatte sich der Caramairinenser König mit seinem ausserlesensten Land-Volcke in beqveme heimliche Oerter versteckt, welcher uns denn dermassen scharff zusetzte, dass wir gezwungen wurden eiligst die Flucht zu ergreiffen und dem Meere zu zu eilen nachdem wir des Hojez Obristen Lieutenant Don Juan de la Cossa, nebst 74. der tapffersten Leute eingebüsset, als welche von den Indianern jämmerlich zerhackt und gefressen worden, woraus geurteilet wurde, dass die Caramairinenser von den Caraibern oder Menschen-Fressern herstammeten, und derselben Gebrauche nachlebten, allein ich halte davor, dass es diese sonst ziemlich vernünfftigen Menschen damahls, mehr aus rasenden Eiffer gegen ihre tot-Feinde, als des Wohlschmeckens wegen getan haben mögen.
Dieser besondere Unglücks-Fall veruhrsachte, dass der Gouverneur Hojez in dem Hafen vor Cartago, sehr viel Not und Bekümmerniss ausstehen muste, zumahlen da es uns so wohl an Lebens-Mitteln als andern höchstnötigen Dingen zu mangeln begunte. Jedoch zu gutem Glücke traff Don Didaco de Niquesa nebst etlichen Schiffen bei uns ein, welche mit bei nahe 800. guten krieges-Leuten und gnugsamen Lebens-Mitteln beladen waren. So bald er demnach den Hojez und dessen gefährten aufs Beste wiederum erqvickt hatte, wurde beratschlagt, den empfangenen unglücklichen Streich mit zusammen gesetzter Macht an den Caramairinensern zu rächen, welches denn auch grausam genug von statten ging. Denn wir überfielen bei nächtlicher Weile dasjenige Dorff, bei welchem de la Cossa nebst seinen gefährten erschlagen worden, zündeten dasselbe rings herum mit Feuer an, und vertilgeten alles darinnen was nur lebendigen Otem hatte, so dass von der grossen Menge Indianer die sich in selbigem versammlet hatten, nicht mehr übrig blieben als 6. Jünglinge, die unsere Gefangene wurden.
Es vermeinete zwar ein jeder, in der Asche dieses abgebrannten Dorffs, so aus mehr als hundert Wohnungen bestanden, einen grossen Schatz an Gold und edlen Steinen zu finden, allein das Suchen war vergebens, indem fast nichts als Unflat von verbrannten Cörpern und toten-Knochen, aber sehr wenig Gold zum vorscheine kam, weswegen Hojez ganz verdriesslich zurück zohe, und weiter kein Vergnügen empfand, als den tot des de la Cossa und seiner gefährten gerochen zu haben.
Wenige Zeit hernach beredeten sich die beiden Gouverneurs nämlich Hojez und Niquesa, dass ein jeder diejenige Landschafft, welche ihm der König zu verwalten übergeben, gnungsam auskundschaffen und einnehmen wolte. Hojez brach am ersten auf, die Landschafft Uraba, so ihm nebst dem Cartaginensischen Port zustunde, aufzusuchen. Wir landeten erstlich auf einer Insul an, welche nachher von uns den Nahmen Fortis erhalten, wurden aber bald gewahr, dass dieselbe von den allerwildesten Canibalen bewohnet sei, weswegen keine Hoffnung, allhier viel Geld zu finden, vorhanden war. Jedoch fand sich über Vermuten noch etwas von diesem köstlichen metall, welches wir nebst zweien gefangenen Männern und 7. Weibern mit uns hinweg führeten. Von dar aus seegelten