, und nachher wiederum gehefftet wurde. Ich muste zu meinem allergrösten Verdrusse sehen: Dass Eleonora dieserwegen die bittersten Tränen fallen liess, um desswillen sie von mir mit dem fuss dermassen in die Seite gestossen wurde, dass sie zum andern mahle ohnmächtig darnieder sanck. Bei mir entstund dieserwegen nicht das geringste Mittleiden, sondern ich verliess sie unter den Händen der Cornelia, der Verschnittene aber muste nebst der vermaledeiten Kupplerin zurück ins gefängnis wandern. nachher wurde auch die Cornelia vorgenommen, welche sich in allen aufs Läugnen verliess, und vor die allerunschuldigste angesehen sein wolte, so bald ihr aber nur die Folter-Banck nebst dem dazu gehörigen WerckZeuge gezeigt wurde, bekannte die liederliche Metze nicht allein, dass sie auf Eleonorens Befehl den vergiffteten Apffel zugerichtet, und ihn der Apollonie zu essen eingeschwatzt hätte, sondern offenbarete über dieses noch ein und anderes von ihrer verstorbenen Mit-Schwester Heimlichkeiten, welches alles aber nur Eleonoren zur Entschuldigung gereichen, und mich zur Barmhertzigkeit gegen dieselbe bewegen sollte. Allein dieses war alles vergebens, denn mein Gemüte war dermassen von Grimm und Rache erfüllet, dass ich nichts mehr suchte als dieselbe rechtmässiger Weise auszuüben. Immittelst, weil ich mich nicht allzusehr übereilen wolte, wurde die übrige Zeit des Tages nebst der darauff folgenden Nacht, teils zu reifflicher Betrachtung meines unglückseel. Verhängnisses, teils aber auch zur benötigten Ruhe angewendet.
Da aber etwa zwei Stunden vor Anbruch des Tages im halben Schlummer lag, erhub sich ein starcker Tumult in meinem hof, weswegen ich aufsprunge und durchs Fenster ersahe, wie meine Leute mit etlichen frembden Personen zu Pferde, bei Lichte einen blutigen Kampf hielten. Mein Bruder und ich warffen sogleich unsere Harnische über, und eileten den unsern beizustehen, von denen allbereit zwei hart verwundet auf dem platz lagen, jedoch so bald wir unsere Schwerdter frisch gebrauchten, fasseten meine Leute neuen Mut, dass 5. unbekandte Feinde getödtet, und die übrigen 7. verjagt wurden. Indem kam ein Geschrei, dass sich auf der andern Seiten des Schlosses, ein Wagen nebst etlichen Reutern befände, welche Eleonoren und Cornelien, die sich eben jetzt zum Fenster herab liessen, hinweg führen wolten. Wir eileten ingesammt mit vollen sprüngen dahin, und traffen die beiden saubern Weibs-Bilder allbereit auf der Erden bei dem Wagen an, demnach entstunde daselbst abermals ein starckes Gefechte, wobei 3. von meinen Leuten, und 8. feindliche ins Grass beissen mussten, jedoch letzlich wurden Wagen und Reuter in die Flucht geschlagen, Eleonora und Cornelia aber blieben in meiner Gewalt und mussten, um besserer Sicherheit willen, sich in ein finsteres Gewölbe verschliessen lassen.
unfehlbar hatte Cornelia diesen nächtlichen Uberfall angesponnen, indem sie vermutlich gelegenheit gefunden, etwa eine bekandte getreue person aus dem Fenster anzuruffen, und dieselbe mit einem Briefe so wohl an ihre eigene als Eleonorens Vettern oder Buhler abzusenden, welche denn allerhand Wagehälse an sich gezogen, und sie zu erlösen, diesen Krieg mit mir und den Meinigen angefangen hatten, allein ihr Vorteil war sehr schlecht, indem sie 13. tote zurück liessen, wiewohl ich von meinen Bedienten und Untertanen auch 4. Mann dabei einbüssete. Dieses eintzige kam mir hierbei am allerwundersamsten vor, dass derjenige Keller in welchem die Beata und der Verschnittene lagen, erbrochen, beide Gefangene aber nirgends anzutreffen waren, wie ich denn auch nachher niemals etwas von diesen schändlichen Personen erfahren habe.
Ich liess alle meine Nachbarn bei den gedanken, dass mich vergangene Nacht eine Räuber-Bande angesprenget hätte, denn weil meine Bedienten und Untertanen noch zur Zeit reinen Mund hielten, wuste niemand eigentlich, was sich vor eine verzweiffelte Geschicht in meinem haus zugetragen. Gegen Mitternacht aber lieff die grausame Nachricht bei mir ein, dass sich so wohl Eleonora als Cornelia, vermittelst abgerissener Streiffen von ihren Hembdern, verzweiffelter Weise an zwei im Gewölbe befindlichen Haken, selbst erhänckt hätten, auch bereits erstarret und erkaltet wären. Ich kan nicht läugnen, dass mein Gemüte dieserwegen höchst bestürtzt wurde, indem ich mir vorstellete: Dass beide mit Leib und Seele zugleich zum Teuffel gefahren, indem aber nebst meinem Bruder diesen grässlichen Zufall beseuffzete und beratschlagte, was nunmehr anzufangen sei, meldete sich ein Bote aus Madrit, der sein Pferd zu tod geritten hatte, mit folgenden Briefe bei mir an:
Mein Vetter.
Es hat mir ein vertrauter Freund vom hof in geheim gesteckt, dass sich entsetzliche geschichte auf eurem schloss begeben hätten, worüber jederman, der es hörete, erstaunen müste. Ihr habt starcke Feinde, die dem, euch ohne dieses schon ungnädigen Könige, solche Sache noch heute Abends vortragen und den Befehl auswürcken werden, dass der Königl. Blut-Richmutlich noch Morgen vor Mittags bei euch einsprechen müssen. deswegen bedencket euer Bestes, machet euch bei zeiten aus dem Staube, und glaubet sicherlich, dass man ihr möget auch Recht oder Unrecht haben, dennoch euer Gut und Blut aussaugen wird. Reiset glücklich, führet eure Sachen in besserer Sicherheit aus, und wisset, dass ich beständig sei
euer getreuer Freund,
Don Alphonso de Cordua.
nunmehr wolte es Kunst heissen, in meinen verwirrten Angelegenheiten einen vorteilhafften Schluss zu fassen, jedoch da alle Augenblicke kostbarer zu werden schienen, kam mir endlich meines getreuen Vetters Rat am vernünfftigsten vor, zumahlen da mein Bruder denselben gleichfalls billigte. Also nahm ich einen eintzigen getreuen Diener zum gefährten, liess zwei der besten Pferde satteln, und so viel Geld und Kleinodien darauf packen, als sie nebst uns ertragen mochten, begab mich solchergestallt auf die schnellste Reise nach Portugall