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vorging.

Hilff Himmel! Was vor Schande! Was vor ein scheusslicher Anblick! Meine schöne, fromme, keusche, tugendhaffte, ja schon halb canonisirte Gemahlin, Donna Eleonora de Sylva, ging mit einer jungen Manns-person Mutternackend im Zimmer auf und ab spatzieren, nicht anders als ob sie den Stand der Unschuld unserer ersten Eltern, bei Verlust ihres Lebens vorzustellen, sich gezwungen sähen. Allein wie kan ich an den Stand der Unschuld gedencken? Und warum sollte ich auch diejenigen Sodomitischen Schand-Streiche erwehnen, die uns bei diesem wunderbaren Paare in die Augen fielen, die aber auch kein tugendliebender Mensch leichtlich erraten wird, so wenig als ich vorher geglaubt, dass mir dergleichen nur im Traume vorkommen könne.

Mein Bruder und ich sahen also diesem Schandund Laster-Spiele länger als eine halbe Stunde zu, binnen welcher Zeit ich etliche mahl vornahm die Tür einzustossen, und diese bestialischen Menschen zu ermorden, allein mein Bruder, der voritzo etwas weniger hitzig als ich war, hielt mich davon ab, mit dem Bedeuten: dergleichen Strafe wäre viel zu gelinde, über dieses so wolten wir doch erwarten was nach dem saubern Spaziergange würde vorgenommen werden. Wiewohl nun solches leichtlich zu erraten stunde, so wurde doch von uns die rechte Zeit, und zwar mit erstaunlicher Gelassenheit abgepasset. So bald demnach ein jedes von den Schand-Bälgen einen grossen Becher ausgeleeret, der mit einem besonders annehmlichen Geträncke, welches die verfluchte Geilheit annoch vermehren sollte, angefüllet gewesen; fielen sie, als ganz berauschte Furien, auf das seitwärts stehende Huren-Lager, und trieben daselbst solche Unflätereien, deren Angedencken ich gern auf ewig aus meinen gedanken verbannet wissen möchte. nunmehr, sagte mein Bruder, haben die Lasterhafften den höchsten Gipffel aller schändlichen Wollüste erstiegen, deswegen kommet mein Bruder! und lasset uns dieselben in den tieffsten Abgrund alles Elendes stürtzen, jedoch nehmet euch so wohl als ich in acht, dass keins von beiden tödtlich verwundet werde. Demnach wurde die kleine Tür in aller Stille aufgemacht, wir traten durch die Tapeten hinein, ohne von ihnen gemerckt zu werden, bis ich den verfluchten geilen Bock beim Haaren ergriff, und aus dem Bette auf den Boden warf. Eleonora tat einen eintzigen lauten Schrei, bliebe hernach auf der Stelle ohnmächtig liegen. Die verteuffelte Beata kam im blossen Hembde mit einem Dolche herzu gesprungen, und hätte mich unfehlbar getroffen, wo nicht mein Bruder ihr einen solchen hefftigen Hieb über den Arm versetzt, wovon derselbe biss auf eine eintzige Sehne durchschnitten und gelähmet wurde. Ich gab meinem Leib-Diener ein abgeredetes Zeichen, welcher sogleich nebst 2. Knechten in dem Neben-Zimmer zum Vorscheine kam, und die zwei verfluchten Frembdlinge, so wir dahinein gestossen hatten, mit Stricken binden, und in einen sehr tieffen Keller schleppen liess.

Eleonora lag so lange noch ohne alle Empfindung, bis ihr die getreue Cornelia bei nahe dreihundert Streiche mit einer scharffen Geissel auf den wollüstigen nackenden Leib angebracht hatte, denn diese Magd sah sich von mir gezwungen, ihrer Frauen dergleichen kräfftige Artzenei einzugeben, welche die gewünschte Würckung auch dermassen tat, dass Eleonora endlich wieder zu sich selbst kam, mir zu fuss fallen, und mit Tränen um Gnade bitten wolte. Allein meine bissherige Gedult war gänzlich erschöpfft, deswegen stiess ich die geile Hündin mit einem fuss zurücke, befahl der Cornelia ihr ein Hembd überzuwerffen, worauff ich beide in ein leeres wohlverwahrtes Zimmer stiess, und alles hinweg nehmen liess, womit sie sich etwa selbsten Schaden und Leid hätten zufügen können. Noch in selbiger Stunde wurde des Menellez Frau ebenfalls gefänglich eingezogen, den übrigen teil der Nacht aber, brachten ich und mein Bruder mit lauter Beratschlagungen hin, auf was vor Art nämlich, die wohl angefangene Sache weiter auszuführen sei. Noch ehe der Tag anbrach, begab ich mich hinunter in das gefängnis zu des Menellez Frau, welche denn gar bald ohne Folter und Marter alles gestund, was ich von ihr zu wissen begehrte. Hierauff besuchte nebst meinem Bruder die Eleonora, und gab derselben die Abschrifft von der Apollonie Briefe zu lesen, wobei sie etliche mahl sehr tieff seuffzete, jedoch unseres Zuredens ungeachtet, die äuserste Verstockung zeigte, und durchaus kein Wort antworten wolte. Demnach liess ich ihren verfluchten Liebhaber in seiner Blösse, so wohl als die schändliche Beata hertzu führen, da denn der Erste auf alle unsere fragen richtige Antwort gab, und bekannte: Dass er Don Vincentio de Garziano hiesse, und seit 4. oder 5. Monaten daher, mit der Eleonora seine schandbare Lust getrieben hatte, bat anbei, ich möchte in Betrachtung seiner Jugend und vornehmen Geschlechts ihm das Leben schencken. Es ist mir, versetzte ich, mit dem T o d e eines solchen liederlichen Menschen, wie du bist, wenig oder nichts geholffen, deswegen solstu zwar nicht hingerichtet, aber doch also gezeichnet werden, dass die Lust nach frembden Weibern verschwinden, und dein Leben ein täglicher Tod sein soll. Hiermit gab ich meinem LeibDiener einen Winck, welcher sogleich 4. Handfeste Knechte herein treten liess, die den Vincentio sogleich anpackten, und auf eine Tafel bunden. Dieser merckte bald was ihm wiederfahren würde, fing deswegen aufs neue zu bitten und endlich zu drohen an: wie nämlich sein Vater, der ein vornehmer Königl. Bedienter und Mit-Glied der Heil. Inquisition sei, dessen Schimpff sattsam rächen könnte, allein es halff nichts, sondern meine Knechte verrichteten ihr Amt so, dass er unter kläglichen Geschrei seiner Mannheit beraubt