den Kirchhof begraben lasse, und etliche SeelMessen vor denselben lese. Ihr aber, mein Schatz! sagte ich ferner, werdet, so es euch gefällig ist, die Güte haben, und nebst mir immittelst zu einem unserer Nachbarn reisen, und zwar, wohin euch beliebt, damit unsere Gemüter, nicht etwa dieser verdrüsslichen Begebenheit wegen, einige Unlust an sich nehmen, sondern derselben bei lustiger Gesellschafft steuren können.
Es schien, als ob ihr diese meine Reden ganz besonders angenehm wären, auf mein ferneres fragen aber, wohin sie vor dieses mahl hin zu reisen beliebte? schlug sie so gleich Don Fabio de Canaria vor, welcher 3. Meilen von uns wohnete, keine Gemahlin hatte, sondern sich mit etlichen Huren behalff, sonsten aber ein wohlgestaltet, geschickter und kluger Edelmann war. Ich stutzte ein klein wenig über diesen Vorschlag, Eleonora aber, welche solches so gleich merckte, sagte: Mein Schatz, ich verlange nicht ohne Ursache, diesen übel-berüchtigten Edelmann einmal zu besuchen, um welchen es Schade ist, dass er in so offenbarer Schande und Lastern lebt, vielleicht aber können wir ihn durch treuhertzige Zuredungen auf andere Wege leiten, uñ dahin bereden, dass er sich eine Gemahlin aussuchet, mitin den Lastern absaget. Ihr habt recht, gab ich zur Antwort, ja ich glaube, dass niemand auf der Welt, als ihr, geschickter sein wird, diesen Cavalier zu bekehren, von dessen Lebens-Art, ausser der schändlichen Geilheit, ich sonst sehr viel halte, besinnet euch deswegen auf gute Vermahnungen, ich will indessen meine nötigsten Geschäffte besorgen, und so dann gleich Anstalt zu unserer Reise machen lassen. Hierauf liess ich den Kercker-Meister zu mir kommen, und erkauffte ihn mit 200. Cronen, wegen des briefes und Apolloniens weitern Geschichten, zum äusersten Stillschweigen, welches er mir mit einem teuren Eide angelobte. Mit dem Pater Laurentio, der mein Beicht-Vater und Pfarrer war, wurde durch Geld alles geschlichtet, was des toten Cörpers halber zu veranstalten war. Nach diesen befahl meinem allergetreusten Leib-Diener, dass er binnen der Zeit unserer Abwesenheit eine kleine schmale Tür aus einem Neben-Zimmer in dasjenige Gemach durchbrechen, und mit Bretern wohl verwahren sollte, wo die Beata nebst ihrer Tochter von meiner Gemahlin gewöhnlich verborgen gehalten wurde, und zwar solchergestalt, dass Niemand von dem andern Gesinde etwas davon erführe, auch in dem Gemach selbst an den Tapeten nichts zu mercken sein möchte. Mittlerweile erblickte ich durch mein Fenster, dass die Beata nebst ihrer verstellten Tochter durch die HinterTür meines Gartens abgefertiget und fortgeschickt wurden, weswegen ich meinen Leib-Diener nochmahls alles ordentlich zeigte, und ihn meiner Meinung vollkommen verständigte, nach eingenommener Mittags-Mahlzeit aber, mit Eleonoren zu Don Fabio de Canaria reisete.
nunmehr waren meine Augen weit heller als sonsten, denn ich sah mehr als zu klärlich mit was vor feurigen Blicken und geilen Gebährden Eleonora und Fabio einander begegneten, so dass ich leichtlich schliessen konte: wie sie schon vor dem müsten eine genauere Bekanndtschafft untereinander gepflogen haben, anbei aber wuste mich dermassen behutsam aufzuführen, dass beide Verliebten nicht das geringste von meinen gedanken erraten oder mercken konnten. Im gegenteil gab ihnen die schönste gelegenheit allein zusammen zu bleiben, und sich in ihrer verdammten Geilheit zu vergnügen, als womit ich Eleonoren ausserordentlich sicher machte, dem Fabio aber ebenfalls die Meinung beibrachte: ich wolte oder könnte vielleicht nicht Eifersüchtig werden. Allein dieser Vogel war es eben nicht allein, den ich zu fangen mir vorgenommen hatte. Er hatte noch viele andere Edelleute zu sich einladen lassen, unter denen auch mein Bruder nebst seiner Gemahlin war, diesem vertrauete ich bei einem einsamen Spazier-Gange im Garten, was mir vor ein schwerer Stein auf dem herzen läge, welcher denn dieserwegen eben so hefftige GemütsBewegungen als ich selbst empfand, jedoch wir verstelleten uns nach genommener Abrede aufs Beste, und schienen so wohl als alle andern, drei Tage nach einander rechtschaffen lustig zu sein. Am vierdten Tage aber reiseten wir wiederum aus einander, nachdem mein Bruder versprochen, alsofort bei mir zu erscheinen, so bald ich ihm dessfalls nur einen Boten gesendet hätte. Zwei Tage nach unserer Heimkunfft, kam die verhüllte Beata nebst ihrer vermeinten Tochter in aller Frühe gewandelt, und wurde von Eleonoren mit gröstem vergnügen empfangen. Mein Hertz im leib entbrannte vom Eiffer und Rache, nachdem ich aber die Arbeit meines Leib-Dieners mit Fleiss betrachtet, und die verborgene Tür nach meinem Sinne vollkommen wohl gemacht befunden, liess ich meinen Bruder zu mir entbieten, welcher sich denn noch vor Abends einstellete. Meine Gemahlin war bei der Abend-Mahlzeit ausserordentlich wohl aufgeräumt, und schertzte wieder ihre Gewohnheit sehr lange mit uns, da wir aber nach der Mahlzeit einige Rechnungen durchzugehen vornahmen, sagte sie: Meine Herren, ich weiss doch, dass euch meine Gegenwart bei dergleichen ernstlichen Zeitvertreibe beschwerlich fällt, deswegen will mit eurer gütigen erlaubnis Abschied nehmen, meine Andacht verrichten, hiernach schlafen gehen, weil ich ohnedem heute ausserordentlich müde bin. Wir fertigten sie von beiden Seiten mit unverdächtiger Freundlichkeit ab, blieben noch eine kurtze Zeit beisammen sitzen, begaben uns hernach mit zweien Blend-Laternen und blossen Seiten-Gewehren, ganz behutsam und stille in dasjenige Zimmer, wo die neue Tür anzutreffen war, wo man auch durch die kleinen Löcher, welche so wohl durch die Breter als Tapeten geschnitten und gestochen waren, alles ganz eigentlich sehen konte, was in dem, vor heilig gehaltenen Gemache