noch auf ein sehr kurtzes entfernete, um eine gewisse Frucht von der andern Seite des Gartens herzuholen, gab mir die Dame mit untermengten feurigen Küssen zu vernehmen: Ich sollte mir Morgen, ungefähr zwei Stunden früher als ich heute gekommen, ein Gewerbe machen, wiederum an dieser Stelle bei ihr zu erscheinen, da sie mir denn eine gewisse Nacht bestimmen wolte, in welcher wir ohne Furcht ganz alleine beisammen bleiben könnten. Weiln mir nun die Alte zu geschwinde auf den Halss kam, muste die Antwort schuldig bleiben, doch da es mich Zeit zu sein dünckte Abschied zu nehmen, sagte ich noch: Madame, ihr werdet mir das Glück vergönnen, dass Morgen Nachmittags meine Auffwartung noch einmal bei euch machen, und vor das heute genossene gütige Tractament einige geringe Raritäten aus Europa præsentiren darff. Mein Herr, gab sie zur Antwort, eure Visite soll mir lieb sein, aber die Raritäten werde nicht anders annehmen, als vor baare Bezahlung. Reiset wohl, GOTT sei mit euch.
Hiermit machte ich ein nochmahliges Compliment, und ging meiner Wege, die Alte begleitete mich fast auf eine halbe Stunde lang, von welcher ich unter weges erfuhr, dass diese Dame eine gebohrne prinzessin aus der Insul Java wäre. Der auf dem Cap unter dem Holländischen Gouverneur in Diensten stehende Adjutant, Nahmens Signor Canengo, ein Italiäner von Geburt, hätte sich bereits in ihrem 12ten Jahre in sie verliebt, da ihn ein Sturm gezwungen, in Java die aussbesserung seines schiffes abzuwarten. Er habe die zu ihr tragende hefftige Liebe nicht vergessen können, deswegen gelegenheit gesucht und gefunden, sie vor 2. Jahren im 17den Jahre ihres Alters, auf ganz listige Art von den ihrigen zu entführen, und auf das Cap zu bringen. Das Lust-haus, worin ich sie angetroffen, gehöre, nebst den meisten herum liegenden Weinbergen und Gärten, ihm zu, wo sie sich die meiste Zeit des Jahres aufhalten müste, weiln er diese seine liebste Maitresse nicht gern von andern Manns-Personen sehen liesse, und selbige sonderlich verborgen hielte, wenn frembde Europäische Schiffe in dem Cap vor Ancker lägen. Er weiss zwar wohl, setzte die Alte letzlich hinzu, dass sie ihm, ungeachtet er schon ein Herr von 60. Jahren ist, dennoch allein getreu und beständig ist, jedoch, zu allem Uberfluss, hat er mich zur Aufseherin über ihre Ehre bestellet, allein ich habe es heute vor eine Sünde erkannt, wenn man dem armen kind allen Umgang mit andern frembden Menschen abschneiden wolte, deswegen habe ich euch, weil ich weiss, dass mein Herr vor Nachts nicht zu haus kommt, diesen Mittag zu ihr geführt. Ihr könnet auch morgen um selbige Zeit wieder kommen, aber das sage ich, wo ihr verliebt in sie seid, so lasset euch nur auf einmal alle Hoffnung vergehen, denn sie ist die Keuschheit selber, und würde eher sterben als sich von einer frembden Manns-person nur ein eintzig mal küssen lassen, da doch dieses bei andern ein geringes ist. Inzwischen seid versichert, dass, wo ihr meiner Gebieterin etwas rares aus Europa mitbringen werdet, sie euch den Wert desselben mit baaren Gelde doppelt bezahlen wird, weil sie dessen genug besitzet.
Ich sah unter währenden Reden der lieben Alten beständig ins gesicht, da aber gemerckt, dass dieselbe im rechten einfältigen Ernste redete, wird ein jeder mutmassen, was ich dabei gedacht habe, doch meine Antwort war diese: Liebe Mutter, glaubt mir sicherlich, dass sich mein Gemüte um liebes-Sachen wenig, oder soll ich recht reden, gar nichts bekümmert, ich habe Respect vor diese Dame, bloss wegen ihres ungemeinen Verstandes und grosser Höfflichkeit, im übrigen verlange ich nichts, als, vor das heutige gütige Tractament, deroselben morgen ein kleines Andencken zu hinterlassen, und zum Abschiede ihre Hand zu küssen, denn ich glaube schwerlich, dass ich sie und euch mein lebtage wieder sehen werde, weil wir vielleicht in wenig Tagen von hier abseegeln werden.
Unter diesen meinen Reden drückte ich der Alten 3. neue Spanische Creutz-Taler in die Hand, weil sie, wie ich sagte, sich heute meinetwegen so viel Wege gemacht hätte. So verblendet sie aber von dem hellen glantz dieses Silbers stehen blieb, so hurtig machte ich mich nach genommenen Abschiede von dannen, und langete, nach Zurücklegung zweier kleinen deutschen Meilen, glücklich wieder in meinem Logis an.
Ich muste, nachdem ich mich in mein apartement begeben, über die heute gespielte Comœdie hertzlich lachen, kan aber nicht läugnen, dass ich in die wunderschöne brunette unbändig verliebt war, denn ich traff bei derselben seltene Schönheit, Klugheit, Einfalt und Liebe, in so artiger Vermischung an, dergleichen ich noch von keinem Frauenzimmer auf der Welt erfahren. deswegen wolten mir alle Stunden zu Jahren werden, ehe ich mich wieder auf den Weg zu ihr machen konte. Folgenden Morgen stunde ich sehr früh auf, öffnete meinen Kasten, und nahm allerhand Sachen heraus, als: 2. kleine, und 1. mittelmässigen Spiegel, von der neusten façon. 1. Sonnen-Fechel mit güldner Quaste. 1. Zinnerne Schnupff-Tobacks Dose, in Gestalt einer Taschen-Uhr. 2. Gesteck saubere Frauenzimmer-Messer. 3erlei artige Scheeren, 20. Elen Seiden-Band, von 4erlei coleur, allerhand von Helffenbein gedresseltes Frauenzimmer-Geräte, nebst Spiel- und andern Kinder-Sachen, deren mich voritzo nicht mehr erinnern kan.
Alle diese Waare packte