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drunge durch, und Ferdinandus muste nach Arrogonien weichen.

Mittlerweile hatte sich mein Vetter Gonsalvus zu Neapolis in grosses Ansehen gesetzt, regierte daselbst, jedoch zu Ferdinendi grössten Nutzen, als ein würcklicher König, indem alle Untertanen Furcht und Liebe vor ihm hegten. Allein so bald Ferdinandus dieses etwas genauer überlegte, entstund der Argwohn bei ihm: Ob vielleicht mein Vetter dahin trachtete, dieses Königreich dem Philippo zuzuschantzen, oder sich wohl gar selbst dessen Krone auf seinen Kopf zu setzen? deswegen kam er unvermutet in eigener person nach Neapolis, stellte sich zwar gegen Gonsalvum ungemein gnädig, hielt auch dessen gemachte Reichs-Anstalten vor genehm, allein dieser verschlagene Mann merckte deñoch, dass des Königs Freundlichkeit nicht von herzen ginge, dem ungeachtet verliess er sich auf sein gut Gewissen, und reisete, ohne einige Schwürigkeit zu machen, mit dem Könige nach Arrogonien, wo er vor seine treu geleisteten Dienste, mehr Hohn und Spott, als Danck und Ruhm zum Lohne empfieng. Meine person, die Ferdinando ebenfalls verdächtig vorkam, muste meines Vetters Unfall zugleich mit tragen, jedoch da ich in Aragonien ausser des Königs Gunst nichts zu suchen, sondern mein Väter- und Mütterliches Erbteil in Castilien zu fordern hatte, nahm ich daselbst meinen Abschied, und reisete zu Philippo, bei dessen Gemahlin die Donna Eleonora de Sylva aufs neue in Dienste getreten, und eine von ihren vornehmsten Etaats-Fräuleins war.

Philippus gab mir sogleich eine Cammer-HerrensStelle, nebst starcken jährlichen Einkünfften, also heiratete ich wenig Monate hernach die Donna Eleonora, allein ob sich hiermit gleich ein besonders schöner, weiblicher körper an den Meinigen fügte, so fand ich doch in der genausten Umarmung bei weiten nicht dasjenige Vergnügen, wovon die Naturkündiger so vieles Geschrei machen, und beklagte heimlich, dass ich auf dergleichen ungewisse Ergötzlichkeit, mit so vieljähriger Beständigkeit gewartet, und den ehemaligen Zuredungen meiner vertrauten Freunde nicht mehrern Glauben gegeben hatte.

Jedoch ich nahm mir sogleich vor, dergleichen unglückliches Verhängniss mit möglichster Gelassenheit zu verschmertzen, auch meiner Gemahlin den allzuzeitlich gegen sie gefasseten Eckel auf alle Weise zu verbergen, immittelst mein Gemüte nebst eiffrigen Dienstleistungen gegen das Königliche Haus, mit andern vergönnten Lustbarkeiten zu ergötzen.

Das Glücke aber, welches mir biss in mein dreissigstes Jahr noch so ziemlich günstig geschienen, mochte nunmehr auf einmal beschlossen haben, den Rükken gegen mich zu wenden. Denn mein König und mächtiger Versorger starb im folgenden 1506ten Jahre, die Königin Johanna, welche schon seit einigen Jahren an derjenigen Ehe-Stands-Kranckheit laborirte, die ich in meinen Adern fühlete, jedoch nicht eben dergleichen Artzenei, als ich, gebrauchen wolte oder konte, wurde, weil man so gar ihren Verstand verrückt glaubte, vor untüchtig zum regieren erkannt, deswegen entstunden starcke Verwirrungen unter Grossen des Reichs, biss endlich Ferdinandus aus Arragonien kam, und sich mit zurücksetzung des 6. jährigen Cron-Printzens Caroli, die Regierung des Castilianischen Reichs auf Lebens-Zeit wiederum zueignete.

Ich weiss nicht ob mich mein Eigensinn oder ein

allzu schlechtes Vertrauen abhielt, bei diesem meinem alten, und nunmehr recht verneuerten Herrn, um die Bekräfftigung meiner Ehren-Stelle und damit verknüpffter Besoldung anzuhalten, wie doch viele meines gleichen taten, zumahlen da er sich sehr gnädig gegen mich bezeigte, und selbiges nicht undeutlich selbst zu verstehen gab; Jedoch ich stellte mich in diesen meinen besten Jahren älter, schwächer und kräncklicher an als ich war, bat mir also keine andere Gnade aus, als dass mir die übrige Zeit meines Lebens auf meinen Väterlichen Land-Gütern in Ruhe hinzubringen erlaubt sein möchte, welches mir denn auch ohne alle Weitläufftigkeiten zugelassen wurde.

Meine Gemahlin schien hiermit sehr übel zu frie

den zu sein, weil sie unfehlbar gewisser Ursachen wegen viellieber bei hof geblieben wäre, jedoch, sie sah sich halb gezwungen, meinem Willen zu folgen, gab sich deswegen ganz gedultig drein. Ich fand meine Mutter nebst der jüngsten Schwester auf meinem besten Ritter-Gute, welche die Hausshaltung daselbst in schönster Ordnung führeten. Mein jüngster Bruder hatte so wohl als die älteste Schwester eine vorteilhaffte und vergnügte Heirat getroffen, und wohneten der erste zwei, und die letztere drei Meilen von uns. Ich verheiratete demnach, gleich in den ersten Tagen meiner Dahinkunfft, die jüngste Schwester an einen reichen und qualificierten Edelmann, der vor etlichen Jahren unter meinem Regiment als Hauptmann gestanden hatte, und unser Gräntz-Nachbar war, die Mutter aber behielt ich mit grössten Vergnügen bei mir, allein zu meinem noch grösseren Schmertzen starb dieselbe ein halbes Jahr darauf plötzlich, nachdem ich ihr die Freude gemacht, nicht allein meinen Schwestern ein mehreres Erbteil auszuzahlen, als sie mit Recht verlangen konnten, sondern auch dem Bruder die Helffte aller meiner erblichen Ritter-Güter zu übergeben, als wodurch diese Geschwister bewogen wurden, mich nicht allein als Bruder, sondern als einen Vater zu ehren und zu lieben.

nunmehr war die Besorgung der Ländereien auf drei nahe beisammen gelegenen Ritter-Gütern mein allervergnügtester Zeitvertreib, nächst dem ergötzte mich in Durchlesung der geschichte, so in unsern und andern Ländern vorgegangen waren, damit mich aber niemand vor einen Geitzhalss oder Grillenfänger ansehen möchte, so besuchte meine Nachbaren fleissig, und ermangelte nicht, dieselben zum öfftern zu mir zu bitten, woher denn kam, dass zum wenigsten alle monat eine starcke Zusammenkunfft vieler vornehmer Personen beiderlei Geschlechts bei mir anzutreffen war.

Mit meiner Gemahlin lebte ich ungemein ruhig und verträglich, und ungeachtet wir beiderseits wohl merckten, dass eins gegen das andere etwas besonders müste auf dem