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sichersten heimlichen Auffentalt versprach, sondern sich zugleich erbot, alles auszuforschen, was von meiner Flucht bei hof gesprochen würde.

Da es nun das Ansehen hatte, als ob der König dieserwegen noch hefftiger auf mich erbittert worden, indem er meine gehabte Wacht selbst gefangen zu setzen, und mich auf allen Strassen und im ganzen land aufzusuchen befohlen; vermerckte ich mehr als zu wohl, dass in Castilien meines bleibens nicht sei, liess mir deswegen von meiner Mutter eine zulängliche Summe Reise-Gelder übersenden, und practicierte mich, nach verlauff etlicher Tage, heimlich durch nach Portugal, wo ich in dem nächsten Hafen zu Schiffe und nach Engelland überging, um daselbst unter König Henrico VII. der, der gemeinen Sage nach, mit den Schotten und einigen Rebellen Krieg anfangen wolte, mich in den Waffen zu üben. Allein meine Hoffnung betrog mich ziemlicher massen, indem dieses krieges-Feuer bei zeiten in seiner Asche erstickt wurde. Ich hatte zwar das Glück dem Könige aufzuwarten, und nicht allein seines mächtigen Schutzes, sondern auch künfftiger Beförderung vertröstet zu werden, konte aber leicht erraten, dass das Letztere nur leere Worte wären, und weil mir ausserdem der Englische Hof allzuwenig lebhafft vorkam, so hielt mich nur einige Monate daselbst auf, besahe hierauff die vornehmsten Städte des Reichs, ging nach diesen wiederum zu Schiffe, und reisete durch die Niederlande an den Hof Kaysers Maximiliani, wo zur selbigen Zeit alles Vergnügen, so sich ein junger Ritter wünschen konte, im grössten Uberflusse blühete. Ich erstaunete über die ganz seltsame Schönheit des Käyserlichen Printzens Philippi, und weiln bald darauff erfuhr, dass derselbe ehestens, mit der Castilianischen prinzessin Johanna vermählet werden sollte, so preisete ich dieselbe allbereit in meinen gedanken vor die allerglücklichste prinzessin, wiewohl mich die hernach folgenden zeiten und begebenheiten ganz anders belehreten.

Inzwischen versuchte mein äuserstes, mich in dieses Printzen Gunst und Gnade zu setzen, weil ich die sichere Rechnung machen konte, dass mein König mich auf dessen Vorspruch bald wiederum zu Gnaden annehmen würde. Das Glücke war mir hierbei ungemein günstig, indem ich in verschiedenen Ritter-Spielen sehr kostbare Gewinste, und in Betrachtung meiner Jugend, vor andern grossen Ruhm erbeutete. Bei so gestallten Sachen aber fanden sich gar bald einige, die solches mit scheelen Augen ansahen, unter denen sonderlich ein Savoyischer Ritter war, der sich besonders Tapffer zu sein einbildete, und immer nach und nach gelegenheit suchte, mit mir im Ernste anzubinden. Er fand dieselbe endlich noch ehe als er vermeinte, wurde aber, in Gegenwart mehr als tausend Personen, fast tödtlich verwundet vom platz getragen, dahingegen ich an meinen drei leichten Wunden nicht einmal das Bette hüten durffte, sondern mich täglich bei hof öffentlich zeigen konte. Wenig Wochen darnach wurde ein Gallier fast mit gleicher Müntze von mir bezahlet, weil er die Spanischen Nationen mit ehrenrührigen Worten, und zwar in meinem Beisein angriff. Doch eben diese beiden Unglücks-Consorten hetzten den dritten Feind auf mich, welches ebenfalls ein Neapolitaner war, der nicht so wohl den Savoyer und Gallier, sondern vielmehr seinen in Madrit verunglückten Lands-Mann an mir rächen wolte.

Er machte ein ungemeines Wesen von sich, bat unseres Zwei-Kampffs wegen bei dem Käyser selbst, nicht allein die Vergünstigung, sondern auch frei und sicher Geleite aus, in so ferne er mich entleibte, welches ihm der Käyser zwar anfänglich abschlug, jedoch endlich auf mein untertänigstes Ansuchen zugestunde.

Demnach wurden alle Anstallten zu unserm MordSpiele gemacht, welchem der Käyser nebst dessen ganzer Hofstatt zusehen wolte. Wir erschienen also beiderseits zu gehöriger Zeit auf dem bestimmten platz, mit Wehr, Waffen und Pferden aus dermassen wohl versehen, brachen unsere Lantzen ohne besonderen Vorteil, griffen hierauff zun Schwerdtern, wobei ich gleich anfänglich spürete: Dass mein Gegner kein ungeübter Ritter sei, indem er mir dermassen hefftig zusetzte, dass ich eine ziemliche Weile nichts zu tun hatte, als seine geschwinden Streiche abzuwenden. Allein er war sehr stark und ungeschickt, mattete sich also in einer vierteils Stunde also hefftig ab, dass er lieber gesehen, wenn ich ihm erlaubt hätte, etwas auszuruhen. Jedoch ich muste mich dieses meines Vorteils auch bedienen, zumahlen sich an meiner rechten Hüffte die erste Verwundung zeigte, deswegen fing ich an, meine besten Kräfte zu gebrauchen, brachte auch die nachdrücklichsten Streiche auf seiner Sturm-Hauben an, worunter mir einer also Missriet, dass seinem Pferde der Kopf gespalten, u. er herunter zu fallen genötiget wurde. Ich stieg demnach gleichfalls ab, liess ihn erstlich wieder aufstehen, und traten also den Kampf zu fuss, als ganz von neuen wieder an. Hierbei dreheten wir uns dermassen offt und wunderlich herum, dass es das Ansehen hatte als ob wir zugleich tantzen und auch fechten müsten, mittlerweile aber drunge allen beiden das Blut ziemlicher massen aus den zerkerbten Harnischen heraus, jedoch mein Gegner fand sich am meisten entkräfftet, weswegen er auf einige Minuten Stillstand begehrte, ich vergönnete ihm selbigen, und schöpffte darbei selbst neue Kräffte, zumahlen da ich sah, dass mir der Käyserl. Printz ein besonderes Zeichen seiner Gnade sehen liess. So bald demnach mein Feind sein Schwerdt wiederum in die Höhe schwunge, liess ich mich nicht träge finden, sondern versetzte ihm einen solchen gewaltsamen Hieb in das Haupt dass er zu taumeln anfieng, und als ich den Streich wiederholet, endlich tot zur Erden stürtzte. Ich warff mein Schwerdt zurück, nahete mich hinzu, um durch Abreissung des Helms ihm einige Lufft zu schaffen, da