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vermerckte mehr als zu frühe, dass er sich aufs eiffrigste angelegen sein liess, mich bei ihr aus dem Sattel zu heben, und sich an meine Stelle hinein zu schwingen, jedoch weil ich mich der Treue meiner Geliebten höchst versichert schätzte, über dieses der Höflichkeit wegen einem Fremden etwas nachzusehen verbunden war, liess sich mein vergnügtes Hertze dieserwegen von keinem besonderen Kummer anfechten. Allein mit der Zeit begunte der hoffärtige Neapolitaner meine Höflichkeit vor eine niederträchtige Zaghafftigkeit zu halten, machte sich also immer dreuster und riss eines Tages der Eleonora einen Blumen-Strauss aus den Händen, welchen sie mir, indem ich hurtig vorbei ging, darreichen wolte. Ich konte damahls weiter nichts tun, als ihm meinen dieserhalb geschöpfften Verdruss mit den Augen zu melden, indem ich dem Könige eiligst nachfolgen muste, allein noch selbigen Abend kam es unter uns beiden erstlich zu einem höhnischen, bald aber zum schimpfflichsten WortWechsel, so dass ich mich genötiget fand, meinen Mit-Buhler kommenden Morgen auf ein paar spitzige Lantzen und wohlgeschliffenes Schwerdt hinaus zu fordern. Dieser stellte sich hierüber höchst vergnügt an, und und vermeinte mit einem solchen zarten Ritter, der ich zu sein schiene, gar bald fertig zu werden, ungeachtet der Prahler die Jünglings-Jahre selbst noch nicht ganz überlebt hatte; Allein noch vor MitterNacht liess mir der König durch einen Officier von der Leib-Wacht befehlen, bei Verlust aller seiner Königl. Gnade u. meines zeitlichen Glücks, mich durchaus mit dem Neapolitaner, welches ein vornehmer Printz unter verdeckten Nahmen wäre, in keinen ZweiKampf einzulassen, weiln der König unsere nichtswürdige Streit-Sache ehester Tages selbst beilegen wolte.

Ich hätte hierüber rasend werden mögen, muste aber dennoch gehorsamen, weil der Officier Ordre hatte, mich bei dem geringsten widerwärtigen Bezeigen sogleich in Verhafft zu nehmen. Eleonora bemühete sich, so bald ich ihr mein Leid klagte, durch allerhand Schmeicheleien dasselbe zu vernichten, indem sie mich ihrer vollkommenen Treue gänzlich versicherte, anbei aber hertzlich bat, ihr nicht zu verargen, dass sie auf der Königin Befehl, gewisser staates-Ursachen wegen, dem Neapolitaner dann und wann einen Zutritt nebst einigen geringen LiebesFreiheiten erlauben müste, inzwischen würde sich schon mit der Zeit noch gelegenheit finden, dessfalls Rache an meinem Mit-Buhler auszuüben, wie sie denn nicht zweiffelte, dass er sich vor mir fürchte, und dieserwegen selbst unter der Hand das Königl. Verbot auswürcken lassen.

Ich liess mich endlich, wiewohl mit grosser Mühe, in etwas besänfftigen, allein es hatte keinen langen Bestand, denn da der König die Untersuchung unserer Streit-Sache verzögerte u. ich dem Neapolitaner allen Zutritt bei Eleonoren aufs möglichste verhinderte, gerieten wir unverhofft aufs neue zusammen, da der Neapolitaner Eleonoren im Königlichen Lust-Garten an der Hand spatzieren führte, und ich ihm vorwarff: Wie er sich deñoch besser anzustellen wisse, ein Frauenzimmer, als eine Lantze oder blosses Schwerdt an der Hand zu führen. Er beteurete hierauff hoch, meine frevele Reden sogleich mit seinem Seiten-Gewehr zu bestraffen, wenn er nicht befürchtete den Burg-Frieden im Königl. Garten zu brechen; Allein ich gab mit einem höhnischen Gelächter zu verstehen: Wie es nur bei ihm stünde, mir durch eine kleine Pforte auf einen sehr bequemen Fecht-Platz zu folgen, der nur etwa 100. Schritte von dannen sei, und gar nicht zur Burg gehöre.

Alsobald machte der Neapolitaner Eleonoren, die vor Angst an allen Gliedern zitterte, einen Reverentz, und folgte mir auf einen gleichen Platz ausserhalb des Gartens, wo wir Augenblicklich vom Leder zohen, um einander etliche blutige Characters auf die körper zu zeichnen.

Der erste Hieb geriet mir dermassen glücklich, dass ich meinem Feinde sogleich die wallenden Adern am Vorder-Haupt eröffnete, weil ihm nun solchergestalt das häuffig herabfliessende Blut die Augen ziemlich verdunckelte, hieb er dermassen blind auf mich loss, dass ich ebenfalls eine kleine Wunde über den rechten Arm bekam, jedoch da er von mir in der Geschwindigkeit noch zwei starcke Hiebe empfangen davon der eine in die Schulter, und der andere in den Hals gedrungen war, sanck mein feindseeliger Neapolitaner ohnmächtig zu Boden. Ich sah nach Leuten, die ihn verbinden und hinweg tragen möchten, befand mich aber im Augenblick von der Königl. Leibwacht umringet, die mir mein Quartier in demjenigen Turme, wo noch andere Ubertreter der Königl. Gebote logirten, ohne alle Weitläufftigkeit zeigeten. Hieselbst war mir nicht erlaubt an jemanden zu schreiben, vielweniger einen guten Freund zu sprechen, jedoch wurde mit den köstlichsten speisen und Geträncke zum Uberflusse versorgt, und meine geringe Wunde von einem Chirurgo alltäglich zweimal verbunden, welche sich binnen 12. Tagen zu völliger Heilung schloss.

Eines Abends, da der Chirurgus ohne beisein der Wacht mich verbunden, und allbereit hinweg gegangen war, kam er eiligst wieder zurück und sagte: Mein Herr! jetzt ist es Zeit, euch durch eine schleunige Flucht selbst zu befreien, denn ausserdem, dass kein eintziger Mann von der Wacht vorhanden, so stehen alle Türen eures Gefängnisses offen, darum eilet und folget mir! Ich besonne nicht lange, ob etwa dieser Handel mit fleiss also angestellet wäre oder nicht, sondern warff augenblicklich meine völlige Kleidung über mich, und machte mich nebst dem Chirurgo in gröster Geschwindigkeit auf den Weg, beschenckte denselben mit einer Hand voll Gold-Cronen, und kam ohne eintzigen Anstoss in des Don Gonsalvo Ferdinando de Cordua, als meiner Mutter leiblichen Bruders Behausung an, dessen Sohn Don Alphonso mir nicht allein den