nicht darum zu verdencken, dass er dergleichen Schmach jederzeit wenig geachtet, indem ihn das Vergnügen, sich von dem allerschönsten fräulein am ganzen hof geliebt zu sehen, dieserhalb sattsam trösten können.
Donna Eleonora vermerckte vielleicht, dass sie ihre gegen sich selbst rebellirenden Affecten in die Länge nicht würde zwingen können, denn sie muste sich freilich in ihr Hertz hinein schämen, dass selbiges bisshero einem solchen übel berüchtigten Ritter offen gestanden, der sich bloss mit seinem Weibischen gesicht, oder etwa mit Geschencken und sclavischen Bedienungen bei ihr eingeschmeichelt haben mochte; deswegen sagte sie mit einer etwas verdriesslichen stimme: Don Cyrillo, lasset uns von diesem Gespräch abbrechen, denn ich mag den verächtlichen Sebastian de Urrez nicht mehr erwehnen hören, von euch aber will ich ausbitten, mir die nichtswürdigen Dinge zurück zu senden, damit ich in Verbrennung derselben, zugleich das Angedencken meines abgeschmackten bissherigen Liebhabers vertilgen kan. Was soll denn, versetzte ich, das unschuldige Band und das artige Bildniss den Frevel eines nichtswürdigen Menschen büssen, gewisslich diese Sachen werden noch in der Asche ihren hohen Wert behalten, indem sie von so schönen Händen gekommen, um aber das verdriessliche Angedencken auszurotten, so erzeiget mir die Gnade und gönnet meinem herzen die erledigte Stelle in dem eurigen, glaubet anbei gewiss, dass mein ganzes Wesen sich jederzeit dahin bestreben wird, eurer unschätzbaren Gegen-Gunst würdiger zu sein als der liederliche Urrez.
Donna Eleonora mochte sich unfehlbar verwundern, dass ich als ein junger 18. jähriger Ritter allbereit so dreuste und alt-klug als der erfahrenste Liebhaber reden konte, replicirte aber dieses: Don Cyrillo, eure besondere Tapfer- und Geschicklichkeit, hat sich zwar zu fast aller Menschen Verwunderung schon sattsam spüren lassen, indem ihr in Schertz- und Ernstafften Kämpffen Menschen und Tiere überwunden, aber mein Hertz muss sich dennoch nicht so leicht überwinden lassen, sondern vielmehr der Liebe auf ewig absagen, weil es das erste mahl unglücklich im wählen gewesen, deswegen verschonet mich in Zukunfft mit dergleichen verliebten Anfällen, erfüllet vielmehr mein Begehren mit baldiger Ubersendung der verlangten Sachen.
Ich hätte wider diesen Ausspruch gern noch ein und andere Vorstellungen getan, allein die Ankunfft einiger Ritter und Damen verhinderte mich vor dieses mahl. So bald ich nach diesem allein in meiner kammer war, merckete mein Verstand mehr als zu deutlich, dass der ganze Mensch von den Annehmlichkeiten der Donna Eleonora bezaubert wäre, ja mein Hertze empfand eine dermassen hefftige Liebe gegen dieselbe, dass ich diejenigen Stunden vor die allertraurigsten und verdriesslichsten hielt, welche ich ohne sie zu sehen hinbringen muste. deswegen nahm meine Zuflucht zur Feder, und schrieb einen der allerverliebtesten Briefe an meinen Leitstern, worin ich hauptsächlich bat, nicht allein mich zu ihrem Liebhaber auf und anzunehmen, sondern auch die Liberei nebst Dero Bildnisse zum ersten Zeichen ihrer Gegen-Gunst in meinen Händen zu lassen.
Zwei ganzer Tage lang liess sie mich hierauff zwischen Furcht und Hoffnung zappeln, biss ich endlich die halb erfreuliche und halb traurige Antwort erhielt: Ich möchte zwar behalten, was ich durch Glück und Tapfferkeit mir zugeeignet hätte, doch mit dem Bedinge: Dass ich solches niemals wiederum öffentlich zeigen, sondern vor jedermann geheim halten solle. Uber dieses sollte mir auch erlaubt sein, sie morgenden Mittag in ihren Zimmer zu sprechen, allein abermals mit der schweren Bedingung: Dass ich kein eintziges Wort von liebes-Sachen vorbrächte.
Dieses Letztere machte mir den Kopff dermassen wüste, dass ich mir weder zu raten noch zu helffen wuste, und an der Eroberung dieses Felsen-Hertzens schon zu zweiffeln begunte, ehe noch ein recht ernstlicher Sturm darauff gewagt war. Allein meine Liebe hatte dermahlen mehr Glücke als ich wünschen mögen, denn auf den ersten Besuch, wobei sich mein Gemüte sehr genau nach Eleonorens Befehlen richtete, bekam ich die erlaubnis ihr täglich nach der Mittags-Mahlzeit aufzuwarten, und die Zeit mit dem Bret-Spiele zu verkürtzen. Da aber meine ungewöhnliche Blödigkeit nebst ihrem ernstlich wiederholten Befehle das verliebte Vorbringen lange genug zurück gehalten hatten, gab ich die feurige Eleonora endlich selbst gelegenheit, dass ich meine hefftigen Seuffzer und Klagen kniend vor derselben ausstiess, und mich selbst zu erstechen drohete, woferne sie meine alleräuserste Liebe nicht mit gewünschter Gegen-Gunst beseeligte.
Demnach schiene sie auf einmal anders Sinnes zu werden, und kurz zu sagen, wir wurden von derselben Stunde an solche vertraute Freunde miteinander, dass nichts als die Priesterliche Einsegnung fehlte, uns beide zu dem allervergnügtesten Paare ehelicher Personen zu machen. Immittelst hielten wir unsere Liebe dennoch dermassen heimlich, dass zwar der ganze Hof von unserer sonderbaren Freundschafft zu sagen wuste, die Wenigsten aber glaubten, dass unter uns annoch sehr jungen Leuten allbereits ein würckliches liebes-Verbündniss errichtet sei.
Es war niemand vorhanden der eins oder das andere zu verhindern trachtete, denn mein eintziger Feind Don Sebastian de Urrez hatte sich, so bald er wieder genesen, auf die Reise in frembde Länder begeben. Also lebte ich mit meiner Eleonora über ein Jahr lang im süssesten Vergnügen, und machte mich anbei dem Könige und dessen Familie dermassen beliebt, dass es das Ansehen hatte, als ob ich dem Glücke gänzlich im Schoosse sässe.
Mittlerweile da König Carl der VIII. in Franckreich, im Jahr 1494. den Krieges-Zug wider Neapolis vorgenommen hatte, fanden sich verschiedene junge vornehme Neapolitanische Herren am Castilianischen hof ein. Einer von selbigen hatte die Donna Eleonora de Sylva kaum zum erstenmahle erblickt, als ihn dero Schönheit noch geschwinder als mich zum verliebten Narren gemacht hatte. Ich