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Stunde durch verschiedene schwere Verwundungen dahin, dass er abermals halb tot und gänzlich Krafftlos zur Erden sincken muste. Indem ich aber hinzu trat und seinen Helm öffnete, erkannte ich ihn vor den Sohn eines vornehmen Königlichen Etaats-Bedienten, NahGnade, so der König seinem Vater erzeigte, ungewöhnlich viel einbildete, sonsten aber mehr mit Geld und Gütern, als Adelichen Tugenden, Tapffer- und Geschicklichkeit hervor zu tun wuste. Mir war bekannt, dass ausser einigen, welche seines Vaters Hülffe bedurfften, sonst niemand von rechtschaffenen Rittern leicht mit ihm umzugehen pflegte, derowege wandte mich mit einer verächtlichen Mine von ihm hinweg, sagte zu den Umstehenden: Dass es mir hertzlich leid sei, meinen allerersten ernstlichen Kampff mit einem Hasen-Kopffe getan zu haben, weswegen ich wünschen möchte, dass niemand etwas darvon erführe, setzte mich auch nebst meinem Secundanten Don Alfonso, der seinen Gegner ebenfalls sehr blutig abgespeiset hatte, sogleich zu Pferde, und ritten zurück nach Madrit.

Der alte Urrez hatte nicht bloss dieses Kampffs, sondern seines Sohnes hefftiger Verwundung wegen, alle Mühe angewandt mich bei dem Könige in Ungnade zu setzen, jedoch seinen Zweck nicht erreichen können, denn wenig Tage hernach, da ich in dem Königl. Vor-Gemach aufwartete, rief mich derselbe in sein Zimmer, und gab mir mit wenig Worten zu verstehen: Wie ihm meine Herzhafftigkeit zwar im geringsten nicht missfiele, allein er sähe lieber, wenn ich mich vor unnötigen Händeln hütete, und vielleicht in kurtzen desto tapfferer gegen die Feinde des Königs bezeugte. Ob ich nun gleich versprach, mich in allen Stücken nach ihr Majest. allergnädigsten Befehlen zu richten; so konte doch nicht unterlassen, bei dem bald darauff angestellten Stier-Gefechte, so wohl als andere Ritter, einen Wage-Hals mit abzugeben, dabei denn einen nicht geringen Ruhm erlangete, weil drei unbändige Büffel durch meine Faust erlegt wurden, doch da ich von dem Letzten einen ziemlichen Schlag an die rechte Hüfften bekommen hatte, nötigte mich die Geschwulst, nebst dem geronnenen Geblüte, etliche Tage das Bette zu hüten. Binnen selbiger Zeit lieff ein Schreiben folgendes Innhalts bei mir ein:

Don Cyrillo de Valaro.

Warum wendet ihr keinen bessern Fleiss an, euch wiederum öffentlich frisch und gesund zu zeigen: Denn glaubet sicherlich, man hat zweierlei Ursachen, eurer Aufführung wegen schwere Rechenschafft zu fordern, erstlich dass ihr euch unterstanden, beim letzteren Turnier eine frembde Liberei zu führen, und vors andere, dass ihr kein Bedencken getragen, eben dieselbe beim Stier-Gefechte leichtsinniger Weise zurück zu lassen. Uberlegt wohl, auf was vor Art ihr euch redlicher Weise verantworten wollet, und wisset, dass dennoch mit euren itzigen schmertzhafften Zustande einiges Mittleiden hat

Donna Eleonora de Sylva.

Ich wuste erstlich nicht zu begreiffen, was dieses fräulein vor ursache hätte, mich, meiner Aufführung wegen zur Rede zu setzen; biss mir endlich mein LeibDiener aus dem Traume halff. Denn dieser hatte von der Donna Eleonora vertrauten Aufwärterin so viel vernommen, dass Don Sebastian de Urrez bei selbigen fräulein bishero in ziemlich guten Credit gestanden, nunmehr aber denselben auf einmal gänzlich verlohren hätte, indem er sie wahnsinniger Weise einer groben Untreue und Falschheit beschuldigte. Also könnte ich mir leichtlich die Rechnung machen, dass Eleonora, um sich rechtschaffen an ihm zu rächen, mit meiner person entweder eine Schertz- oder Ernstaffte liebes-Intrigue anzuspinnen suchte.

Diese Mutmassungen schlugen keines weges fehl, denn da ich nach völlig erlangter Gesundheit im königlichen Lust Garten zu Buen-Retiro gelegenheit nahm mit der Eleonora ohne beisein anderer Leute zu sprechen, wolte sie sich zwar anfänglich ziemlich kaltsinnig und verdriesslich stellen, dass ich mir ohne ihre erlaubnis die Freiheit genommen, Dero Liberei und Bildniss zu führen; Jedoch so bald ich nur einige trifftige Entschuldigungen nebst der Schmeichelei vorgebracht, wie ich solche Sachen als ein besonderes Heiligtum zu verehren, und keinem Ritter, wer der auch sei, nicht anders als mit Verlust meines Lebens, zurück zu geben gesonnen wäre, fragte sie mit einer etwas gelassnern Stellung: Wie aber, wenn ich dasjenige, was Don Sebastian nachlässiger Weise verlohren, ihr aber zufälliger Weise gefunden, und ohne meine Vergünstigung euch zugeeignet habt, selbst zurück begehre? So muss ich zwar, gab ich zur Antwort, aus schuldigen Respect eurem Befehle und Verlangen ein Genügen leisten, jedoch darbei erkennen, dass ihr noch grausamer seid als das Glücke selbst, über dessen Verfolgung sich sonsten die Unglückseeligen eintzig und allein zu beklagen pflegen. Es ist nicht zu vermuten, sagte sie hierauff, dass euch hierdurch eine besondere Glückseeligkeit zuwachsen würde, wenn gleich dergleichen Kleinigkeiten in euren Händen blieben. Und vielleicht darum, versetzte ich, weil Don Sebastian eintzig und allein bei eurer schönen person glückseelig sein und bleiben soll? Unter diesen Worten trat der Donna Eleonora das Blut ziemlich in die Wangen, so dass sie eine kleine Weile inne hielt, endlich aber sagte: Seid versichert Don Valaro dass Urrez Zeit seines Lebens weniger Gunst-Bezeugungen von mir zu hoffen hat, als der allergeringste Edelmann, denn ob ich mich gleich vor einiger Zeit durch gewisse Personen, die ich nicht nennen will, bereden lassen, vor ihn einige Achtbarkeit, oder wohl gar einige Liebe zu hegen, so ist mir doch nunmehr seine ungeschickte und pöbelhaffte Aufführung besser bekannt und zum rechten Eckel und Abscheu worden. Ich weiss ihm, sprach ich darauff, weder böses noch guts nachzusagen, ausser dem, dass ihn wenig rechtschaffene Ritter ihres Umgangs gewürdiget. Allein er ist