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verdunckeln, sondern euch Morgen früh auf Leib und Leben ausfodern wird: Der Verehrer der schönen Schäferin.

Auf diese trotzige Schrifft gab ich dem Schild-Knaben mündlich zur Antwort: Sage demjenigen, der dich zu mir geschickt: Woferne er seine Anfoderung etwas höflicher an mich getan, hätte ich ihm mit Vergnügen willfahren wollen. Allein seiner unbesonnenen Drohungen wegen, wolte ich vor heute durchaus meinen eigenen Willen haben.

Der Schild Knabe ging also fort, und ich hatte die Lust denjenigen Ritter zu bemercken, welchem er die Antwort überbrachte. Selbiger, so bald er mich kaum ein wenig müssig erblickt, kam ganz hochmütig heran getrabet, und gab mir mit ganz hönischen Stellungen zu verstehen: Dass er Belieben habe mit mir ein- oder etliche Lantzen zu brechen. Er trug einen Feuerfarbenen silber gestreifften Harnisch, und führte einen blass blauen Feder-Stutz auf seinem Helme, welcher mit schwartz und gelben Bande umwunden war. In seinem Schilde aber zeigte sich das Gemählde des Apollinis, der sich einer jungen Nymphe, Isse genannt, zu gefallen, in einen Schäfer verstellet, mit den Bei-Worten: Similis simili gaudet, als wolte er deutlich dieses zu verstehen geben:

Machts, dass ich ein Schäfer bin.

Ich vermerckte sogleich bei Erblickung dieser Devise, dass der arme Ritter nicht allzuwohl unter dem Helme verwahret sein müsse. Denn wie schlecht reimete sich doch der Feuerfarbene Harnisch nebst dem blaulichen Feder-Stutze, auch gelb und schwartzen Bande zu der Schäferischen liebes-Grille? Indem mir aber das fernere Nachsinnen durch meines Gegners Anrennen unterbrochen wurde, empfing ich ihn mit meiner hurtig eingelegten Lantze zum ersten mahle dermassen, dass er auf beiden Seiten Bügel los wurde, und sich kaum mit Ergreiffung seines Pferdes Mähne im Sattel erhalten konte. Dem ungeachtet versuchte er das andere Rennen, wurde aber von meinem hefftigen Lantzen-Stosse so gewaltig aus dem Sattel gehoben, dass er halb ohnmächtig vom platz getragen werden muste. Solchergestalt war der verliebte Feuerfarbene Schäfer vor dieses mahl abgefertiget, und weil ich mich die übrige Zeit gegen andere noch ziemlich hurtig hielt, wurde mir bei Endigung des Turniers von den Kampf-Richtern der andere Preiss zuerkannt, welches ein vortrefflicher Maurischer Säbel war, dessen güldenes Gefässe mit den kostbarsten Edel-Steinen prangete. Die Printzessin Johanna hielt mir denselben mit einer lächlenden Geberde schon entgegen, da ich noch wohl 20. Schritte biss zu ihrem auferbaueten Trone zu tun hatte, indem ich aber auf der untersten Staffel desselben nieder kniete, und meinen Helm abnahm, mitin mein blosses gesicht zeigte, stutzte nicht allein die prinzessin nebst ihren andern Frauenzimmer gewaltig, sondern Dero liebstes fräulein, die Donna Eleonora de Sylva, sanck gar in einer Ohnmacht darnieder. Die Wenigsten mochten wohl erraten können, woher ihr dieser jählinge Zufall kam, und ich selbst wuste nicht, was es eigentlich zu bedeuten hatte, machte mich aber in noch währenden Auflauffe, nachdem ich meinen Gewinst empfangen, ohne von andern Rittern erkannt zu werden, ganz hurtig zurücke.

Zwei Tage hernach wurde mir von vorigen SchildKnaben ein Cartell folgendes Innhalts eingehändiget:

Unredlicher Ritter,

So kan man euch mit gröstem Rechte nennen, indem ihr nicht allein einem andern, der Besser ist als ihr, dasjenige Kleinod listiger Weise geraubt, welches er als seinen kostbarsten Schatz geachtet, sondern euch überdieses frevelhafft unterstanden habt, solches zu seinem Verdruss und Spott öffentlich auf dem Helme zu führen. Jedoch man muss die Bossheit und den Unverstand solcher Gelb Schnäbel bei zeiten dämpffen, und euch lehren, wie ihr mit würdigen Leuten umgeeuch wegen des letzteren ungefähr erlangten Preises beim Lantzenbrechen, das Glücke zur Braut bekommen zu haben, einbildet. Allein wo ihr das Hertz habt, Morgen mit Aufgang der Sonnen, nebst nur einem eintzigen Beistande, auf der grossen Wiese zwischen Madrit und Aranjuez zu erscheinen; wird sich die Mühe geben, euch den Unterscheid zwischen einem lustbaren Lantzen-brechen und ernstlichen SchwerdtKampffe zu lehren, und den Kindischen Frevel zu bestraffen,

euer abgesagter Feind.

Der Uberbringer dieses, wolte durchaus nicht bekennen, wie sein Herr mit Nahmen hiesse, deswegen gab ihm nur an denselben folgende wenige Zeilen zurück:

Frecher Ritter!

Woferne ihr nur halb so viel Verstand und Klugheit, als Prahlerei und Hochmut besasset, würdet ihr rechtschaffenen Leuten wenigstens nur etwas glimpflicher zu begegnen wissen. Doch weil ich mich viel lieber mit dem Schwerdt, als der Feder gegen euch verantworten, und solchergestalt keine ursache geben will, mich vor einen zaghafften Schäfer-Courtisan zu halten, so verspreche Morgen die bestimmte Zeit und Ort in acht zu nehmen, daselbst soll sich zeigen dass mein abgesagter Feind ein Lügner, ich aber sei

Don Cyrillo de Valaro.

Demnach begab ich mich noch selbigen Abend nebst dem Don Alphonso de Cordua, meiner Mutter Bruders Sohne, den ich zum Beistande erwählet hatte, aus Madrit in das allernächst der grossen Wiese gelegene Dorff, wo wir über Nacht verblieben, und noch vor Aufgang der Sonnen die grosse Wiese betraten. Mein Gegner, den ich an seinen Feuerfarbenen Harnisch erkannte, erschien zu bestimmter Zeit, und konte mich ebenfalls um so viel desto eher erkennen, weil ich das grüne Band, nebst dem Bilde der Schäferin, ihm zum Trotz abermals wieder auf den Helm gebunden hatte. Er gab mir seinen Verdruss, und die Geringschätzung meiner person, mit den allerhochmütigsten Stellungen zu erkennen, jedoch ich kehrete mich an nichts, sondern fing den verzweiffeltesten Schwerdt-Kampf mit meinem annoch unbekandten Feinde an, und brachte ihn binnen einer halben