den 9. auge. von meiner Mutter Blanca de Cordoua im Feld-Lager unter einem Gezelt zur Welt gebracht worden. Denn mein Vater Don Dionysio de Valaro, welcher in des neuen Castilianischen Königs Ferdinandi krieges-Dienste, als Obrister über ein Regiment Fuss-Volck getreten war, hatte meine Mutter mit sich geführt, da er gegen den Portugisischen König Alphonsum mit zu feld gehen muste. Dieser Alphonsus hatte sich mit der Joanna Henrici des IV. Königs in Castilien Tochter, welche doch von jedermann vor ein Bastard gehalten wurde, verlobet, und dieserwegen nicht allein den Titul und Wapen von Castilien angenommen, mitin unserm Ferdinando die Crone disputirlich gemacht, sondern sich bereits vieler Städte bemächtiget, weilen ihn, so wohl König Ludwig der XI. aus Franckreich, als auch viele Grandes aus Castilien stark zu secundiren versprochen. Nachdem aber die Portugiesen im folgenden 1476ten Jahre bei Toro ziemlich geklopfft worden, und mein Vater vermerckte: Dass es wegen des vielen hin und her marschirens nicht wohl getan sei, uns länger bei sich zu behalten, schaffte er meine Mutter und mich zurück nach Madrit, er selbst aber kam nicht ehe wieder zu uns, biss die Portugiesen 1479. bei Albuhera totaliter geschlagen, und zum Frieden gezwungen worden, wobei Alphonsus nicht allein auf Castilien, sondern auch auf seine Braut renuncirte, Johanna aber, der man jedoch unsern Castilischen Printzen Johannem, ob selbiger gleich noch ein kleines Kind war, zum Ehe-Gemahl versprach, ging aus Verdruss in ein Closter, weil sie vielleicht gemutmasset, dass sie nur vexiret würde.
Ich weiss mich, so wahr ich lebe, noch einigermassen der Freude und des Vergnügens, doch als im Traume, zu erinnern, welches ich als ein 4. jähriger Knabe über die glückliche Zurückkunfft meines lieben Vaters empfand, allein wir konnten dessen erfreulicher Gegenwart sehr kurtze Zeit geniessen, denn er muste wenige Wochen hernach dem Könige, welcher ihn nicht allein zum General bei der Armee, sondern auch zu seinem Geheimbden Etaats-Ministre mit ernennet, bald nach Arragonien folgen, weiln der König, wegen des Absterbens seines höchst seel. Herrn Vaters, in diesem seinen Erb-Reiche die Regierung gleichfalls antrat. Doch im folgenden Jahre kam mein Vater nebst dem Könige abermals glücklich wieder zurück, und erfreuete dadurch mich und meine Mutter aufs neue, welche ihm mittler Zeit noch einen jungen Sohn gebohren hatte.
Er hatte damals angefangen seine Hausshaltung nach der schönsten Beqvemlichkeit einzurichten, und weil ihm nicht so wohl der Krieg, als des Königs Gnade zu ziemlichen Baarschafften verholffen, verschiedene Land Güter angekaufft; indem er auf selbigen sein gröstes Vergnügen zu empfinden verhoffte. Allein da mein Vater in der besten Ruhe zu sitzen gedachte, nahm der König Anno 1481. einen Zug wider die Granadischen Mauros vor, und mein Vater muste ihm im folgenden 1482ten Jahre mit 10000. neugeworbenen Leuten nachfolgen. Also verliess er uns abermals zu unsern grössten Missvergnügen, hatte aber vorher noch Zeit gehabt, meiner Mutter Einkünffte und das, was zu seiner Kinder Standesmässiger Erziehung erfodert wurde, aufs beste zu besorgen. Im Jahre 1483. war es zwischen den Castilianern und Mohren, bei Malacca zu einem scharffen Treffen gekommen, wobei die Erstern ziemlich gedränget, und mein Vater fast tödtlich verwundet worden, doch hatte er sich einigermassen wieder erholet, und kam bald darauff nach haus, um sich völlig ausheilen zu lassen.
Der König und die Königin liessen ihm beiderseits das Glück ihres hohen Besuchs geniessen, beschenckten ihn auch mit einer starcken Summe Geldes, und einem vortrefflichen Land-Gute, mich aber nahm der König, vor seinen jungen Printzen Johannem, der noch 3. Jahr jünger war als ich, zum Pagen und Spiel-Gesellen mit nach hof, und versprach, mich bei ihm auf Lebens-Zeit zu versorgen. Ob ich nun gleich nur in mein zehentes Jahr ging, so hatte mich doch meine Mutter dermassen gut erzogen, und durch geschickte Leute erziehen lassen, dass ich mich gleich von der ersten Stunde an, nicht allein bei den Königl. Kindern, sondern auch bei dem Könige und der Königin selbst, ungemein beliebt machen konte. Und da sich eine besondere natürliche Fertigkeit bei mir gezeiget, hatte der König allen Sprach- und Exercitien-Meistern ernstlichen Befehl erteilet, an meine person so wohl, als an seinen eigenen Sohn, den allerbesten Fleiss zu wenden, welches denn nebst meiner eigenen Lust und Beliebung so viel fruchtete: Dass mich ein jeder vor den Geschicktesten unter allen meinen Cammeraden halten wolte.
Mittlerweile war mein Vater aufs neue wieder zu feld gegangen, und hatte, nicht allein wegen seiner Verwundung, an denen Mohren in etlichen Scharmützeln ziemliche Rache ausgeübt, sondern auch vor den König viele Städte und Plätze einnehmen helffen, bei welcher gelegenheit er auch zu seinem Teile viele Schätze erobert, und dieselben nach haus geschickt hatte. Allein im Jahr 1491 da die Stadt Granada mit 50000. Mann zu Fuss, und 12000. zu Ross angegriffen, und der König Boabdiles zur Ubergabe gezwungen wurde, verlohr mein getreuer und Heldenmütiger Vater, sein edles Leben darbei, und zwar im allerletzten Sturme auf den erstiegenen Mauern.
Der König bekam die Briefe von dieser glücklichen Eroberung gleich über der Tafel zu lesen, und rieff mit vollen Freuden aus: GOTT und allen Heiligen sei gedanckt! nunmehr ist die Herrschafft der Maurer, welche über 700. Jahr in Spanien gewähret, glücklich zu grund gerichtet. deswegen entstunde unter allen, so wohl hohen als niedrigen Bedienten, ein