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, allen Insulanern ein Freuden-fest anrichten wolte, kehrete ein jeder, geistlich und leiblich vergnügt, in seine wohnung.

Herr Mag. Schmeltzer hatte bereits verabredet: Dass die Stephans- Jacobs- und Johannis-Raumer Gemeinden, den Andern Advent-Sonntag, die Christophs- und Roberts Raumer den 3ten, und letzlich die Christians- und Simons-Raumer, den 4ten Advent zum Heil. Abendmahle gehen sollten, daferne sich jede Gemeinde die Woche vorher behörig versammlen, und die Catechismus-Lehren also, wie ihre Vorgänger, die Alberts- und Davids-Raumer, annehmen wolte; Weil nun alle hierzu eine heisse Begierde gezeiget hatten, wartete der unermüdete Geistliche alltäglich seines Ammts getreulich, wir andern aber liessen unsere aller angenehmste Arbeit sein, den Kirchen-Bau aufs eiferigste zu befördern, wobei der Altvater Albertus beständig zugegen war, und nach seinem Vermögen die materialien herbei bringen halff, auch sich, ungeachtet unserer trifftigen Vorstellungen wegen seines hohen Alters, gar nicht davon abwenden liess.

Eines Morgens, da Herr Mag. Schmeltzer unsere Arbeit besahe, fiel ihm ein: dass wir vergessen hätten einige schrifftliche Urkunden, der Nachkommenschafft zum Vergnügen, und der Gewohnheit nach, in den Grund-Stein einzulegen, da nun der Altvater sich erklärete, dass hieran noch nichts versäumet sei, sondern gar bald noch ein anderer ausgehöhlter Stein, auf den bereits eingesenckten gelegt werden könnte, auch sogleich den Seinigen desswegen Befehl erteilete, verfertigte indessen Herr Magist. Schmeltzer eine Schrifft, welche in Lateinischer, Deutscher und Englischer Sprache abgeschrieben, und nachher mit Wachs in den ausgehölten Grund-Stein eingedruckt wurde. Es wird hoffentlich dem geneigten Leser nicht zu wider sein, wenn ich dieselbe Lateinisch und Deutsch mit beifüge:

Hic lapis

ab

ALBERTO JULIO,

Vero veri Dei cultore,

Anno CICICCCXXV.

d. XVIII. Novembr.

fundamenti loco positus,

ædem Deo trinuno consecratam,

sanctum cœlestium ovium ovile,

inviolabile Sacramentorum, baptismi & sacræ

cœnæ domicilium,

immotamque verbi divini sedem,

suffulcit ac suffulciet:

Machina qvot mundi postac durabit in annos,

Tot domus hæc duret, stet, vigeatque Dei!

Semper sana sonent hic dulcis dogmata Christi,

Per qvem credenti vita salusque datur!

Deutsch:

Dieser

von ALBERTO JULIO

Im Jahr Christi 1725. den 18. November.

gelegte Grund-Stein,

unterstützet und wird unterstützen:

eine dem Dreieinigen GOTT gewidmete Kirche,

einen heiligen Schaaf-Stall christlicher

Schaafe,

eine unverletzliche Behausung der Sacramenten

der Taufe und des Heil. Abendmahls,

und einen unbeweglichen Sitz des Worts

GOTTES.

So lange diese Welt wird unbeweglich stehen

So lange soll diss Haus auch nicht zu grund gehen!

Was hier gepredigt wird, sei Christi reines Wort,

Wodurch ein Gläubiger, erlangt den himmels-Port!

***

Herr Wolffgang bezohe immittelst, mit seiner Liebste, das in Christians-Raum vor dieselben neuerbauete haus, liess aber nicht mehr als die nötigsten von seinen mitgebrachten mobilien dahin schaffen, und das übrige auf der geraumlichen Albertus-Burg in des Altvaters Verwahrung. Unsere mitgebrachten Künstler und Handwercks-Leute bezeugten bei solcher gelegenheit auch ein Verlangen den Ort zu wissen, wo ein jeder seine Werckstatt aufschlagen sollte, deswegen wurden Beratschlagungen angestellet, ob es besser sei, vor dieselben eine ganz neue Pflantz-Stadt anzubauen? oder Sie in die bereits angebaueten Pflantz-Städte einzuteilen? Demnach fiel endlich der Schluss dahinaus, dass, da in Erwegung des vorhabenden Kirchen-Baues anitzo keine andere Bau-Arbeit vorzunehmen ratsam sei, die Neuangekommenen an solche Orte eingeteilet werden möchten, wie es die Umstände ihrer verschiedenen Professionen erforderten.

Diese Resolution war ihnen sämtlich die allerangenehmste, und weil Herr Wolffgang von dem Altvater freie Macht bekommen hatte, in diesem Stücke nach lichen neu-angekommenen Europäer folgender massen eingeteilet: Mons. Litzberg der Matematicus bezohe sein Quartier in Christophs-Raum bei Herr Wolffgangen. Der wohlerfahrene Chirurgus Mons. Kramer, in Alberts-Raum. Mons. Plager, und Peter Morgental der Kleinschmidt, in Jacobs-Raum. Harckert der Posamentirer in Roberts-Raum. Schreiner, der sich bei dem Tohne als ein Töpffer selbst einlogirt hatte, in Davids-Raum. Wetterling der Tuchmacher, in Christophs-Raum. Kleemann der Pappier-Müller, in Johannis-Raum. Herrlich der Drechssler, und Johann Melchior Garbe der Böttcher, in Simons-Raum. Lademann der Tischler, und Philipp Krätzer der Müller, in Stephans-Raum.

Solchergestalt blieben Herr Magist. Schmeltzer und ich Eberhard Julius nur allein bei dem Altvater Alberto auf dessen sogenannter Alberts-Burg, welcher annoch beständig 5. Jünglinge und 4. Jungfrauen von seinen Kindes-Kindern zur Bedienung bei sich hatte. Herr Mag. Schmeltzer und Herr Wolffgang ermahneten die abgeteilten Europäer, eine Gottesfürchtige und tugendhaffte Lebens-Art unter ihren wohlerzogenen Nachbarn zu führen, stelleten ihnen dabei vor, dass: Daferne sie gesinnet wären, auf dieser Insul zu bleiben, sich ein jeder eine freiwillige Ehe-Gattin erwehlen könnte. Derjenige aber, welchem diese Lebens Art nicht anständig sei, möchte sich nur aller geilen und bosshafften Aussschweiffungen gänzlich entalten, und versichert sein: dass er solchergestalt binnen zwei oder 3. Jahren nebst einem Geschencke von 2000. Tlrn. wieder zurück nach Amsterdam geschafft werden sollte.

Es gelobte einer wie der andere dem Altvater Alberto, Hrn. Mag. Schmeltzern als ihren Seel-Sorger, und Herrn Wolffgangen als ihren leiblichen Versorger, treulich an, sich gegen GOTT und den nächsten redlich und ehrlich aufzuführen, seiner