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Eid zu schweren gesonnen, nicht allein dasjenige geheimnis, welches ich sonsten niemanden als euch und dem redlichen Gorques anvertrauen will, so viel als nötig, zu verschweigen, sondern auch die billige Forderung, so ich an euch beide tun werde, zu erfüllen. Horn wurde ziemlich bestürtzt, doch auf nochmahliges Ermahnen, dass ich von ihm nichts sündliches, unbilliges oder unmögliches verlangte, schwur er mir einen leiblichen Eid, worauff ich ferner also redete: Wisset mein Freund, dass ich nicht Willens bin mit nach Ost-Indien zu gehen, sondern ich werde mich ehester Tages an einem mir gelegenen Orte nebst denen dazu bestimmten Personen und Waaren aussetzen lassen, euch aber will ich nicht allein das Schiff, sondern auch alles dazu gehörige erbund eigentümlich schencken, und eure person statt meiner zum kapitän und Patron denen übrigen vorstellen, weil ich hierzu laut meiner Pæsse und Frei Briefe von denen Häuptern der Ost-Indischen Compagnie sattsame Gewalt und Macht habe. Hergegen verlange ich davor nichts, als dass ihr dem Adam Gorques, welcher an eure statt Lieutenant werden soll, nicht allein seinen richtigen Sold zahlet, sondern ihm auch den 3ten teil von demjenigen, was ihr auf dieser Reise profitiret, abgebet, auf der Rückreise aber, die ihr doch unfehlbar binnen 2. oder drittehalb Jahren tun werdet, euch wiederum durch etliche kanonen-Schüsse an demjenigen Orte meldet, wo ich mich werde aussetzen lassen, im übrigen aber von meinem Auffentalt weder in Europa noch sonst anderswo ruchtbar machet.

Der gute Horn wuste mir anfänglich, ohne Zweiffel wegen verschiedener dessfalls bei ihm entstandener Gemüts-Bewegungen, kein Wort zu antworten, jedoch nachdem ich mich noch deutlicher erkläret, und ihm eine Specification derer Dinge eingehändiget, welche er bei seiner Rück-Reise aus Ost-Indien an mich mitbringen sollte; schwur er nochmals, nicht allein alles, was ich von ihm begehrte, redlich zu erfüllen, sondern danckte mir auch dermassen zärtlich und verbindlich, dass ich keine Ursache habe, an seiner Treue und Erkänntlichkeit zu zweiffeln. Ich habe auch die Hoffnung dass ihn GOTT werde glücklicher sein lassen, als den Bösewicht Jean le Grand, denn solchergestallt werden wir, durch seine Hülffe, alles was wir etwa noch in künfftigen zeiten aus Europa vonnöten haben möchten, gar beqvem erlangen können, und uns darbei keiner Hinterlist und Bossheit sonderlich zu befürchten haben.

Wie es mit unserer fernern Reise und glücklichen Ankunfft auf dieser angenehmen Insul beschaffen gewesen, ist allbereit bekannt, deswegen will nur von mir noch melden, dass ich nunmehr den Haafen meiner zeitlichen Ruhe und Glückseligkeit erreicht zu haben verhoffe, indem ich den lieben Altvater gesund, alle Einwohner in unveränderten Wohlstande, und meine liebe Sophia getreu und beständig wieder gefunden. nunmehr aber, weil mir der liebe Altvater, und mein gutes Gewissen, alle glücklich ausgelauffene Anstalten auch selbsten zeugnis geben, dass ich alles redlich und wohl ausgerichtet habe, werde ein Gelübde tun: ausser der äusersten Not und besonders wichtigen Umständen nicht wieder aus dieser Gegend in ein ander Land zu weichen, sondern die übrige Lebens-Zeit mit meiner lieben Sophie nach GOTTES Willen in vergnügter Ruhe hinbringen. Der liebe Altvater inzwischen wird mir hoffentlich gütig erlauben, dass ich künfftigen Sonntags nach vollbrachten GOttes Dienste mich mit meiner Liebsten durch den Herrn Mag. Schmeltzern ehelich zusammen geben lasse, anbei das Glück habe, der erste zu sein, der auf dieser Insul, christlichem Gebrauche nach, seine Frau von den Händen eines ordinirten Priesters empfängt. Tut was euch gefällig ist, mein werter Hertzens Freund und Sohn, antwortete hierauff der Altvater Albertus, denn eure Redlichkeit verdienet, dass ihr allhier von niemanden erlaubnis bitten oder Befehle einholen dürffet, weil wir allerseits vollkommen versichert sind, dass ihr GOTT fürchtet, und uns alle hertzlich liebt. Diesem fügte der Altvater annoch seinen kräfftigen Seegen und sonderbaren Wunsch zu künfftigen glücklichen Ehe-stand bei, nach dessen vollendung Herr Mag. Schmeltzer und ich, ebenfalls unsere treugesinnten Glückwünsche bei dem Herrn Wolffgang abstatteten, nachher aber ihm einen schertzhafften Verweiss gaben, dass er weder unterwegs, noch Zeit unseres hierseins noch nicht das allergeringste von seinen liebes-Angelegenheiten entdeckt, vielweniger uns seine Liebste in person gezeiget hätte, welches doch billig als etwas merckwürdiges angeführet werden sollen, da wir am verwichener Mittwochen die Pflantz-Stadt Christians-Raum und seines SchwiegerVaters wohnung in Augenschein genommen.

Herr Wolffgang lächelte hierüber, und sagte: Es ist, meine wertesten Freunde, aus keiner andern Ursache geschehen, als hernach die Freude unter uns auf einmal desto grösser zu machen. Meine Liebste hielt sich an vergangener Mittewochen verborgen, und man hat euch dieserwegen auch nicht einmal entdeckt, dass die neu erbaute wohnung, welche wir besahen, Zeit meines Abwesens vor mich errichtet worden. Doch diesen Mittag, weil es bereits also bestellet ist, werden wir das Vergnügen haben, meinen Schwieger-Vater Christian Julium, nebst meiner Liebsten Sophie bei der Mahlzeit zu sehen.

Demnach aber der bissherige kapitän, Herr Leonhard Wolffgang, solchergestallt seine völlige Erzehlung geendiget, mitin die Mittags-Zeit heran gekommen war, stelleten sich Christian Julius und dessen Tochter Sophie bei der Mahlzeit ein, da denn, so wohl Herr Mag. Schmeltzer, als ich, die gröste ursache hatten, der letzteren besondere Schönheit und ausnehmenden Verstand zu bewundern, anbei Herrn Wolffgangs getroffene Wahl höchst zu billigen.

Gleich nach eingenommener Mittags-Mahlzeit, begleiteten wir ingesammt Herrn Mag. Schmeltzern in die Davids-Raumer Alleé, um abgeredter massen das Glaubens-