bereits vernommen hatte, und zu erweisen, dass Franz Martin Julius des Stephani ächter Enckel im dritten Gliede sei, immassen er die ganze Sache von seinem damahligen Patron Franz Martin Julio sehr öffters erzehlen hören, und im guten Gedächtnisse erhalten.
Ich entdeckte ihm hierauff treuhertzig: wie ich den jungen Eberhard, der sich sichern Vernehmen nach, jetzt in Leipzig aufhielte, nur vor wenig Tagen durch Briefe und beigelegten Wechsel zu Reise-Geldern, nach Amsterdam in mein Logis citieret hätte, und zweiffelte nicht, dass er sich gegen Johannis Tag daselbst einfinden würde, wo nicht? so sähe mich genötiget selbst nach Leipzig zu reisen und denselben aufzusuchen. Nachdem wir aber ganz bis in die späte Nacht von meinen wichtigen Affairen discuriret, und Herr Mag. Schmeltzer immer mehr und mehr Ursachen gefunden hatte, die sonderbaren Fügungen des himmels zu bewundern, auch mir endlich zusagte: seinen Vorsatz nicht zu ändern, sondern GOTTES Ehre und den seligen Nutzen so vieler Seelen zu befördern, mir redlich dahin zu folgen, wohin ich ihn haben wolte; legten wir uns zur Ruhe, und gingen folgenden Tag in aller Frühe mit einander zum Seniori des geistlichen Ministerii. Dieser sehr fromme Mann hatte unsern Vortrag kaum vernommen, als er noch 3. von seinen Ammts-Brüdern zu sich beruffen liess, und nebst denselben Herrn Mag. Schmeltzern, in meiner Gegenwart 4. Stunden lang aufs allerschärffste examinirte, und nach befundener vortrefflicher Gelehrsamkeit, zwei Tage darauf in öffentlicher Kirche ordentlich zum Priester weihete. Ich fand mich bei diesem heiligen Actu von Freude und Vergnügen über meinen erlangten kostbaren Schatz dermassen gerühret, dass die hellen Tränen die ganze Zeit über aus meinen Augen lieffen, nachdem aber alles vollbracht, zahlete ich an das geistliche Ministerium 200 spec. dukaten, in die Kirche und Armen-Casse aber eine gleichmässige Summe, nahm also von denen Herrn Geistlichen, die uns tausendfachen Seegen zu unsern Vorhaben und Reise wünschten zärtlichen Abschied.
Herrn Mag. Schmeltzern hätte ich zwar von herzen gern sogleich mit mir nach Amsterdam genommen, da aber derselbe inständig bat ihm zu vergönnen, vorher die letzte Reise in sein Vaterland zu tun, um von seinen Anverwandten und guten Freunden völligen Abschied auch seine vortreffliche Bibliotec mitzunehmen, zahlete ich ihm 1000. Tlr. an Golde, und verabredete die Zeit, wenn und wo er mich in Amsterdam antreffen sollte, so, dass ich noch bis dato ursache habe vor dessen accuratesse danckbar zu sein.
Ich vor meine person setzte immittelst meine Rückreise nach Amsterdam ganz bequemlich fort, und nahm unterwegs erstlich den Chirurgum Kramern, hernach Litzbergen, Plagern, Harkert und die übrigen Handwercks Leute in meine Dienste, gab einem jeden 5. Französische Louis d'or auf die Hand, und sagte ihnen ohne Scheu, dass ich sie auf eine angenehme fruchtbare Insul führen wolte, wo sie sich mit ihrer Hand-Arbeit redlich nehren, auch da es ihnen beliebig, mit daselbst befindlichen schönen Jungfrauen verheiraten könnten, doch nahm ich von jedweden einen Eid, diese Sache weder in Amsterdam, noch bei dem andern schiffes-Volcke ruchtbar zu machen, indem ich nur gewisse auserlesene Leute mit dahin zu nehmen vorhabens sei. Zwar sind mir ihrer 3. nachher zu Schelmen worden, nämlich ein Zwillich-macher, Schuster und Seiffensieder, allein sie mögen diesen Betrug bei GOTT und ihren eigenen Gewissen verantworten, ich aber habe nachher erwogen, dass ich an dergleichen Betrügern wenig eingebüsset, immassen unsere Insulaner diese Künste nach Notdurfft selbst, obschon nicht so zierlich und leicht verrichten können.
Am 11. Jun. gelangete ich also mit meinen angenommenen Leuten glücklich in Amsterdam an, und hatte eine besondere Freude, da mein lieber getreuer Horn und Adam Gorques, unter Aufsicht meines werten Freundes des Banquiers G.v.B. das Schiff nebst allem Zubehör in völlige, ja bessere Ordnung als ich vermutet, gebracht hatten. Demnach kaufften wir noch das Vieh und andere Sachen ein, die ich mit anhero zu nehmen vor höchst nötig hielt. Ein jeder von meinen neu angeworbenen Künstlern und Handwerckern bekam so viel Geld, als er zu Anschaffung seines Werckzeugs und andern Bedürffnissen begehrte, und da, zu meinem ganz besonderen Vergnügen, der liebe Eberhard Julius sich wenig Tage nach meiner Ankunfft bei mir einfand, bekam er etliche Tage nach einander ebenfalls genug zu tun, die ihm vorgeschriebenen Waaren an Büchern und andern nötigen Stücken einzuhandeln. Endlich am 24. Jun. gelangte die letzte person, auf die ich allbereit mit Schmertzen zu hoffen anfieng, nämlich Herr Mag. Schmeltzer bei mir an, und weil Horn indessen die Zahl der Matrosen und Freiwillig-Mitreisenden voll geschafft hatte, hielt ich des folgenden Tages General Musterung im Schiffe, und fand weiter nicht das geringste zu verbessern, demnach mussten alle Personen im Schiffe verbleiben, und auf meine Ankunfft warten, ich aber machte meine Sachen bei der Ost-Indischen Compagnie vollends richtig, empfieng meine sichern Pæsse, Handels- und Frei-Briefe, und konte solchergestalt, über alles Verhoffen, um eben dieselbe Zeit von Amsterdam ablauffen, als ich vor etlichen Monaten gewünschet hatte.
Auf der Insul Teneriffa, wo wir nach ausgestandenen hefftigen Sturm unser Schiff auszubessern und uns mit frischen Lebens-Mitteln zu versehen, einige Tage stille lagen, zohe ich eines Abends meinen Lieutenant Horn auf die Seite, und sagte: Höret mein guter Freund, nunmehr ist es Zeit, dass ich mein ganzes Hertz offenbare, und euch zum wohlhabenden mann mache, daferne ihr mir vorher einen leiblichen