? Was macht Jean le Grand? hat er viel auf seinen gestohlnen Schiffe erworben? Ach, mein Herr! gab dieser Strauch-Dieb zur Antwort, das Schiff und alle, die darauf gewesen, sind vor ihre Untreu sattsam gestrafft, denn das erstere ist ohnweit Madagascar geborsten und versuncken, Jean le Grand aber hat nebst allen Leuten elendiglich ersauffen müssen, ja es hat sich niemand retten können, als ich und noch 3. andere, die es mit euch gut gemeinet haben. So hast du es, versetzte ich, auch gut mit mir gemeinet? Ach, mein Herr! schrye er, indem er sich zu meinen Füssen warff, ist gleich in einem Stücke von mir Bossheit verübt worden, so habe doch ich hauptsächlich hintertreiben helffen, dass man euch nicht ermordet hat, welches, wie ihr leichtlich glauben werdet, von dem ganzen Complot beschlossen war. Ich wuste, dass dieser Kerl zwar ein ziemlicher Bösewicht, jedoch keiner von den allerschlimmsten gewesen war, deswegen, als mir zugleich die Geschicht Josephs und seiner Brüder einfiel, jammerte mich seiner, so, dass ich ihn aufhub und sagte: Siehe, du weist unfehlbar, welches dein Lohn sein würde, wenn ich die an mir begangene Bossheit gehöriges Orts anhängig machen wolte; Allein, ich vergebe dir alles mit Mund und herzen, wünsche auch, dass dir GOtt alle deine Sünde vergeben möge, so du jemals begangen. Mercke das Exempel der Rache GOttes an deinen unglücklichen Mitgesellen, wo du mich anders nicht beleugst, und bessere dich. Mit mir habt ihrs böse zu machen gedacht, aber GOtt hats gut gemacht, denn ich habe voritzo mehr Geld und Güter, als ich jemahls gehabt habe. Hiermit zohe ich ein Gold-Stück, am Wert von 20 deutschen Talern, aus meinem Beutel, verehrte ihm dasselbe, und versprach, noch ein mehreres zu tun, wenn er mir diejenigen herbringen könne, welche sich nebst ihm von dem verunglückten Schiffe gerettet hätten. Der neubelebte arme Sünder machte mir also aufs neue die demütigsten und danckbarlichsten Bezeugungen, und versprach, noch vor Abends zwei von den erwehnten Personen, nämlich Philipp Wilhelm Horn, und Adam Gorques, zu mir zu bringen, den dritten aber, welches Conrad Bellier gewesen, wisse er nicht mehr anzutreffen, sondern glaubte, dass derselbe mit nach Gröenland auf den Wall-fisch-Fang gegangen sei. Ich hätte nicht vermeinet, dass der Vogel sein Wort halten würde, allein, Nachmittags brachte er beide erst erwehnten in mein Logis, welche denn, so bald sie mich erblickten, mir mit Tränen um den Halss fielen, und ihre besondere Freude über meine Lebens-Erhaltung nicht genug an den Tag zu legen wusten. Ich hatte ebenfalls nicht geringe Freude, diese ehrlichen Leute zu sehen, weiln gewiss wuste, dass sie nicht in den Rat der Gottlosen eingestimmet hatten, sonderlich machte mir Horns person ein grosses Vergnügen, dessen Klugheit, Erfahrenheit und Courage mir von einigen Jahren her mehr als zu bekandt war. Er hatte sich ohnlängst wiederum in Qualität eines Quartiermeisters engagiret, und zu einer frischen Reise nach Batavia parat gemacht, jedoch, so bald er vernahm, dass ich ebenfalls wiederum ein Schiff ausrüsten, und eine neue Tour nehmen wolte, versprach er, sich gleich morgenden Tag wiederum loss zu machen, und bei mir zu bleiben. Ich schenckte diesen letzteren zweien, so bald sich der erste liederliche Vogel hinweg gemacht, jeden 20. dukaten, Horn aber, der zwei Tage hernach wieder zu mir kam, und berichtete, dass er nunmehr frei und gänzlich zu meinen Diensten stünde, empfing aus meinen Händen noch 50. dukaten zum Angelde, und nahm alle diejenigen Verrichtungen, so ich ihm auftrug, mit Freuden über sich.
Ich heuerte mir ein bequemer und sicherer Quartier, nahm die vor etlichen Jahren in Banco gelegten Gelder zwar nicht zurück, assignierte aber dieselben an mein Geschwister, und tat denselben meine Anwesenheit in Amsterdam zu wissen, meldete doch anbei, dass ich mich nicht lange daselbst aufhalten, sondern ehestens nach Ost-Indien zurück reisen, und alldorten Zeit Lebens bleiben würde, weswegen sich niemand zu mir bemühen, sondern ein oder der andere nur schreiben dürffte, wie sich die Meinigen befänden. Mittlerweile muste mir Horn die Perlen und einige Gold-Klumpen zu gangbaren Gelde machen, wovor ich ihm die vortrefflichen Felsenburgischen Rosinen zur Ergötzlichkeit überliess, aus welchen er sich denn ein ziemlich Stück Geld lösete.
Hierauf sah ich mich nach einem Nagel-neuen Schiffe um, und da ich dergleichen angetroffen und baar bezahlet hatte, gab ich ihm den Nahmen der getreue Paris, Horn aber empfing von mir eine punctation, wie es völlig ausgerüstet, und mit was vor Leuten es besetzt werden sollte. Ob ich nun schon keinen bösen Verdacht auf diesen ehrlichen Menschen hatte, so muste er doch alle hierzu benötigten Gelder von einem Banquier, der mein vertrauter Hertzens-Freund von alten zeiten her war, abfordern, und eben diesen hatte ich auch zum Ober-Aufseher meiner Angelegenheiten bestellet, bevor ich die Reise, mein Eberhard, nach eurer Geburts-Stadt antrat. Dieselbe nun erreichte ich am verwichenen 6ten Maji. Aber, o Himmel! wie erschrack mein ganzes hertze nicht, da ich auf die erste Frage, nach dem reichen Kaufmanne Julius, von meinem Wirte die betrübte Zeitung erfuhr, dass derselbe nur vor wenig Wochen unvermutet banquerot worden, und dem sichersten Vernehmen nach, eine Reise nach Ost- oder West-