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mit so wenigen Gütern nicht alles ausrichten können. Doch, da ihm vorstellete, wie es sich nicht schicken würde, mit mehr als einem Schiffe wieder zurück zu kehren, also ein überflüssiges Geld und Gut mir nur zur Last und schlimmen Verdacht gereichen könne; überliess er alles meiner Conduite, und also gingen wir nach genommenen zärtlichen Abschiede unter tausend Glückwünschen der zurück bleibenden Insulaner am 2ten Octobr. 1724. vergnügt unter Seegel, wurden auch durch einen favorablen Wind dermassen hurtig fortgeführet, dass wir noch vor Untergang der Sonnen Felsenburg aus den Augen verlohren.

Unterwegs, nachdem diejenigen, so des Reisens ungewohnt, der See den bekannten verdrüsslichen Tribut abgestattet, und sich völlig erholet hatten, war unser täglicher Zeitvertreib, dass ich meine gefährten im richtigen Gebrauch des Compasses, der See Charten und andern Vorteilen bei der schiffes-Arbeit, immer besser belehrete, damit sie ihren Rückweg nach Felsenburg desto leichter zu finden, und sich bei ereignenden Sturme oder andern Zufällen eher zu helffen wüsten, ungeachtet sich desfalls bei einigen, und sonderlich bei dem guten alten David, der das SteuerRuder beständig besorgte, bereits eine ziemliche Wissenschafft befand.

Solchergestalt erreichten wir, ohne die geringste Gefahr ausgestanden zu haben, die Insul St. Helenæ noch eher, als ich fast vermutet hatte, und traffen daselbst etliche 20. Engell- und Holländische Schiffe an, welche teils nach Ost-Indien reisen, teils aber, als von dar zurück kommende, den Cours nach ihren Vater-land nehmen wolten. Hier wolte es nun Kunst heissen, Rede und Antwort zu gestehen, und doch dabei das geheimnis, woran uns allen so viel gelegen, zu verschweigen, deswegen studierte ich auf allerhand scheinbare Erfindungen, welche mit meinen gefährten abredete, und hiermit auch so glücklich war, alle diejenigen, so sich um mein Wesen bekümmerten, behörig abzuführen. Von den Holländern traff ich keinen eintzigen bekandten Menschen an, hergegen kam mir ein Englischer kapitän unvermutet zu gesicht, dem ich vor Jahren auf der Fahrt nach West-Indien einen kleinen Dienst geleistet hatte, diesem gab ich mich zu erkennen, und wurde von ihm aufs freundlichste empfangen und tractiret. Er judicirte anfangs aus meinem äuserlichen Wesen, dass ich unfehlbar unglücklich worden, und in Nöten stäkke? weswegen ich ihm gestund, dass zwar einige unglückliche begebenheiten mich um mein Schiff, keines weges aber um das ganze Vermögen gebracht, sondern ich hätte noch so viel gerettet, dass mich im stand befände, eine neue Ausrüstung vorzunehmen, so bald ich nur Amsterdam erreichte. Er wandte demnach einige Mühe an, mich zu bereden, in seiner Gesellschafft mit nach Java zu gehen, und versprach bei dieser Reise grossen Profit, auch bald ein SchiffsCommando vor mich zu schaffen, allein, ich danckte ihm hiervor, und bat dargegen, mich an einen seiner Lands-Leute, die in ihr Vater-Land reiseten, zu recommendieren, um meine person und Sachen vor gute Bezahlung biss dahin zu nehmen, weil ich allbereit so viel wüste, dass mir meine Lands-Leute, nämlich die Holländer, diesen Dienst nicht leisten könnten, indem sie sich selbsten schon zu stark überladen hätten. Hierzu war der ehrliche Mann nun gleich bereit, führte mich zu einem nicht weniger redlichen Patrone, mit welchen ich des Handels bald einig wurde, meine Sachen, die in Ballen, Fässer und Körbe eingepackt waren, zu ihm einschiffte, und den Vater David mit den Seinigen, nachdem sie sonst nichts als frisches wasser eingenommen hatten, wieder zurück schickte, unter dem Vorwande, als hätten dieselben noch viele auf der Insul Martin Vas vergrabene und ausgesetzte Waaren abzuholen, mit welchen sie nachher ebenfalls nach Holland segeln und mich daselbst antreffen würden. Allein, wie ich nunmehr vernommen, so haben sie den Rückweg nach Felsenburg so glücklich, als den nach St. Helena, wieder gefunden, auch unterwegs nicht den geringsten Anstoss erlitten. Mir vor meine person ging es nicht weniger nach Wunsche, denn, nachdem ich nur 11. Tage in allen, vor St. Helena, stille gelegen, lichtete der Patron seine Ancker, und segelte in Gesellschafft von 13. Engell- und Holländischen Schiffen seine Strasse. Der Himmel schien uns recht ausserordentlich gewogen zu sein, denn es regte sich nicht die geringste widerwärtige Lufft, auch durfften wir uns vor feindlichen Anfällen ganz nicht fürchten, indem unser Schiff von den andern bedeckt wurde. Doch, da ich in Canarien einen bekandten Holländer antraff, der mich um ein billiges mit nach Amsterdam nehmen wolte, über dieses mein Engelländer sich genötiget sah, um sein Schiff auszubessern, allda in etwas zu verbleiben, so bezahlte ich dem letzteren noch ein mehreres, als das Gedinge biss nach Engelland austruge, schiffte mich vieler Ursachen wegen höchst vergnügt bei dem Holländer ein, und kam am 10. Febr. glücklich in Amsterdam an.

Etwas recht nahdenckliches ist, dass ich gleich in dem ersten Gast-haus, worin ich abtreten, und meine Sachen hinschaffen wolte, einen von denjenigen Mord-Buben antraff, die mich, dem Jean le Grand zu gefallen, gebunden und an die Insul Felsenburg ausgesetzt hatten. Der Schelm wolte, so bald er mich erkandte, gleich entwischen, weil ihm sein Gewissen überzeugte, dass er den Strick um den Halss verdienet hätte. deswegen trat ich vor, schlug die Tür zu, und sagte: Halt, Camerad! wir haben einander vor drei Jahren oder etwas drüber gekandt, also müssen wir mit einander sprechen: Wie hälts