Und gesetzt auch, dass dieses in Zukunfft geschehen sollte, so trägt diese Insul so viele Reichtümer und Kostbarkeiten in ihrem Schosse, wovor alles dasjenige, was etwa bedürfftig sein möchte, vielfältig eingehandelt werden kan. Demnach möchte es wohl sein, dass sich meines Bruders Geschlecht in Europa in solchem Zustande befände, dergleichen Schätze besser als wir zu gebrauchen und anzulegen; Warum sollte ich also ihnen nicht gönnen, was uns überflüssig ist und Schaden bringen kan? Oder solche Dinge, die GOtt dem Menschen zum löblichen Gebrauch erschaffen, heimtückischer und geitziger Weise unter der Erden versteckt behalten?
Nachdem er nun noch sehr vieles von diesen Sachen mit mir gesprochen, schloss er endlich mit diesen treuhertzigen Worten: Ihr wisset nunmehr, mein redlicher Freund Wolffgang, was mir auf dem herzen liegt, und euer eigener guter Verstand wird noch mehr anmercken, was etwa zu Verbesserung unseres Zustandes von nöten sei, darum saget mir in der Furcht GOttes eure aufrichtige Meinung: Ob ihr euch entschliessen wollet, noch eine Reise in Europam zu unternehmen, mein Hertz und Gewissen, gemeldten Stücken nach, zu beruhigen, und nach glücklicher Zurückkunfft Sophien zu ehligen. An Gelde, Gold, Silber und Kleinodien will ich zwei biss drei mahl hundert tausend Taler wert zu Reise-Kosten geben, was sonsten noch dazu erfordert wird, ist notdürfftig vorhanden, wegen der Reise-Gesellschafft und anderer Umstände aber müsten wir erstlich genauere Abrede nehmen, denn mit meinem Willen soll keines von meinen Kindern seinen Fuss auf die Europäische Erde setzen.
Ich nahm nicht den geringsten Aufschub, dem lieben Alt-Vater, unter den teuresten Versicherungen meiner Redlichkeit und Treue, alles einzuwilligen, was er von mir verlangte, weil ich mir so gleich die feste Hoffnung machte, GOtt würde mich auf dieser Reise, die hauptsächlich seines Diensts und Ehre wegen vorgenommen sei, nicht unglücklich werden lassen. deswegen wurden David und die andern Stamm-Väter zu Rate gezogen, und endlich beschlossen wir ingesammt, unser leichtes Schiff in guten Stand zu setzen, auf welchen mich David nebst 30. Mann biss auf die Insul St. Helenæ bringen, daselbst aussetzen, und nachher mit seiner Mannschafft sogleich wieder zurück auf Felsenburg seegeln sollte.
Mittlerweile, da fast alle starcke Leute keine Zeit noch Mühe spareten, das Schiff nach meinem Angeben auszubessern, und Segel-fertig zu machen, nahm ich alle Abend gelegenheit, mich mit der schönen Sophie in Gesprächen zu vergnügen, auch endlich die Kühnheit, derselben mein Hertz anzubieten, weil nun der liebe Alt-Vater allbereit die Bahne vor mich gebrochen hatte, konte mein verliebtes Ansinnen um desto weniger unglücklich sein, sondern, kurz zu sagen, wir vertauschten bei einem öffentlichen Verlöbnissse unsere herzen mit solcher Zärtlichkeit, die mir auszusprechen unmöglich ist, und verschoben die Vollziehung dieses ehelichen Bündnisses biss auf meine, in der Hoffnung, glückliche Zurückkunfft.
Gegen Michaelis-Tag des verwichenen 1724ten Jahres wurden wir also mit Ausrüstung unseres schiffes, welches ich die Taube benennete, und demselben Holländische Flaggen aufsteckte, vollkommen fertig, es war bereits mit Proviant und allem andern wohl versehen, der gute alte David Julius, der jedoch an Leibes- und Gemüts-Kräfften es noch manchem jungen mann zuvor tat, hielt sich mit seiner auserlesenen und wohl bewaffneten jungen Mannschafft alltäglich parat, einzusteigen, exercierte aber dieselben binnen der Zeit auf recht lustige und geschickte Art. Da es demnach nur an meiner Abfertigung lage, liess mich der Alt-Vater, weil er eben damahls einiges Reissen in Knien hatte, also nicht ausgehen konte, vor sein Bette kommen, und führte mir nochmahls alles dasjenige, was ich ihm zu leisten versprochen, liebreich zu Gemüte, ermahnete mich anbei GOtt, ihm und den Seinigen diesen wichtigen und eines ewigen Ruhms würdigen Dienst, redlich und getreu zu erweisen, welchen GOTT unfehlbar zeitlich und ewig vergelten würde. Ich legte hierauf meine lincke Hand auf seine Brust, die rechte aber richtete ich zu GOTT im Himmel in die Höhe, und schwur einen teuren Eid, nicht allein die mir aufgetragenen 3. Haupt-Puncte nach meinem besten Vermögen zu besorgen, sondern auch alles andere, was dem gemeinen Wesen zur Verbesserung gereichlich, wohl zu beobachten. Hierauf lieferte er mir denjenigen Brief ein, welchen ich euch, mein Eberhard Julius, in Amsterdam annoch wohl versiegelt übergeben habe, und wiese mich zugleich in eine kammer, wo ich aus einem grossen PackFasse an Geld, Gold und Edel-Steinen so viel nehmen möchte, als mir beliebte. Es befanden sich in selbigen am Wert mehr denn 5. biss 6. Tonnen Schatzes, doch ich nahm nicht mehr davon als 30. runde Stücken gediehenes Goldes, deren ich jedes ungefähr 10. Pfund schwer befand, nächst diesen an Spanischer Goldund Silber-Müntze 50000. Tlr. wert, ingleichen an Perlen und Kleinodien ebenfalls einer halben Tonne Goldes wert. Ich brauchte die Vorsicht, die kostbarsten Kleinodien und grossen güldnen Müntzen so wohl in einen bequemen Gürtel, den ich auf den blossen leib trug, als auch in meine Unter-Kleider zu verwahren, die grossen Gold-Klumpen aber wurden zerhackt, und in die mit den allerbesten Rosinen angefülleten Körbe verteilet und verborgen. Mit den Perlen taten wir ein gleiches, das gemüntzte Geld aber verteilete ich in verschiedene Lederne Beutel, und verwahrete es also, dass es zur Zeit der Not gleich bei der Hand sein möchte. Dem Alt-Vater gefielen zwar meine Anstalten, jedennoch aber war er der Meinung, ich würde