offensive zu agiren, und legte denselben, nach kurtzen chargiren, mit einem fatalen Stosse zu Boden. Er rieff mit schwacher stimme: Bärenhäuter, du hast dich gehalten als ein resoluter Kerl, mir aber kostet es das Leben, GOTT sei meiner armen Seele gnädig.
Im Augenblicke schien ich ganz wieder nüchtern zu sein, ruffte auch niemanden, der mich nach haus begleiten sollte, sondern schlich viel hurtiger davon, als der Fuchs vom Hüner haus. Dennoch war es, ich weiss nicht quo fato, heraus gekommen, dass ich der Täter sei; es wurde auch stark nach mir gefragt und gesucht, doch meine besten Freunde hatten mich, nebst allen meinen Sachen, dermassen künstlich versteckt, dass mich in 8. Tagen niemand finden, vielweniger glauben konte, dass ich noch in loco vorhanden sei. Nach verfluss solcher ängstlichen 8. Tage, wurde ich eben so künstlich zum Tore hinaus practiciret, ein anderer guter Freund kam mit einem Wagen hinter drein, nahm mich unterweges, dem Scheine nach, aus Barmhertzigkeit, zu sich auf den Wagen, und brachte meinen zitterenden körper glücklich über die Grentze, an einen solchen Ort, wo ich weiter sonderlich nichts wegen des Nachsetzens zu befürchten hatte. Doch allzu sicher durffte ich eben auch nicht trauen, deswegen practicirte mich durch allerhand Umwege, endlich nach Wunsche, in die an der Ost-See gelegene Königl. Schwed. Unniversität Grypswalda, wo ich in ganz guter Ruhe hätte leben können, wenn mir nur mein unruhiges Gewissen dieselbe vergönnet hätte, denn ausser dem, dass ich die schwere Blut-Schuld auf der Seele hatte, so kam noch die betrübte Nachricht dazu, dass mein Vater, so bald er diesen Streich erfahren, vom Schlage gerühret worden, und wenig Stunden darauff gestorben sei. Meinen teil der Erbschafft hatten die Gerichten confiscirt, doch schickten mir meine Geschwister aus commiseration, jedes 10. Tlr. von dem ihrigen, und baten mich um GOTTES willen, so weit in die Welt hinein zu gehen als ich könnte, damit sie nicht etwa eine noch betrübtere Zeitung, von Abschlagung meines Kopffs bekommen möchten.
Ich hatte, nach verlauf fast eines halben Jahres, ohnedem keine Lust mehr in Grypswalde zu bleiben, weiln mir nicht so wohl hinlängliche subsidia als eine wahre Gemüts-Ruhe fehleten, entschloss mich demnach selbige auf der unruhigen See zu suchen, und dessfals zu Schiffe zu gehen. Dieses mein Vorhaben entdeckte ich einem Studioso Teologiæ, der mein sehr guter Freund und Sohn eines starcken HandelsMannes in Lübeck war, selbiger recommendirte mich an seinen Vater, der eben zugegen, und seinen Sohn besuchte, der Kauffmann stellte mich auf die probe, da er nun merckte, dass ich im schreiben und rechnen sauber und expedit, auch sonsten einen ziemlich verschlagenen Kopff hatte, versprach er mir jährlich 100. Tlr. Silber-Müntze, beständige defrayirung so wohl zu haus als auf Reisen, und bei gutem Verhalten dann und wann ein extraordinaires ansehnliches Accidens.
Diese schöne gelegenheit ergriff ich mit beiden Händen, reisete mit ihm nach haus, und insinuirte mich durch unermüdeten Fleiss dermassen bei ihm, dass er in kurtzer Zeit ein starckes Vertrauen auf meine Conduite setzte, und mich mit den wichtigsten Commissionen in diejenigen See-Städte versendete, wo er seine vornehmsten Verkehr hatte.
Nachdem ich 2. Jahr bei ihm in Diensten gestanden, wurde mir, da ich nach Amsterdam verschickt war, daselbst eine weit profitablere Condition angetragen, ich acceptirte dieselbe, reisete aber erstlich wieder nach Lübeck, forderte von meinem Patron ganz höfflich den Abschied, welcher ungern daran wolte, im Gegenteil mir jährlich mein salarium um 50. Tlr. zu verbessern versprach, allein ich hatte mir einmal die Fart nach Ost-Indien in den Kopff gesetzt, und solche war gar nicht heraus zu bringen. So bald ich demnach meinen ehrlichen Abschied nebst 50. Tlr. Geschencke über den Lohn von meinem Patron erhalten, nahm ich von denselben ein recht zärtliches Valet, wobei er mich bat, ihm bei meiner Retour, ich möchte glücklich oder unglücklich gewesen sein, wieder zuzusprechen, und reisete in GOTTES Nahmen nach Amsterdam, wo ich auf dem Schiffe, der Holländische Löwe genannt, meinen gedanken nach, den kostbarsten Dienst bekam, weiln jährlich auf 600. Holländische Gulden Besoldung sichern Etaat machen konte.
Mein Vermögen, welches ich ohne meines vorigen Patrons Schaden zusammen gescharret, belieff sich auf 800. Holländ. fl. selbiges legte meistens an lauter solche Waaren, womit man sich auf der Reise nach Ost-Indien öffters 10. biss 20. fachen profit machen kan, fing also an ein rechter, wiewohl annoch ganz kleiner, Kauffmann zu werden.
Immittelst führte ich mich so wohl auf dem Schiffe, als auch an andern Orten, dermassen sparsam und heimlich auf, dass ein jeder glauben muste: ich hätte nicht 10. fl. in meinem ganzen Leben, an meiner Hertzhafftigkeit und freien Wesen aber hatte niemand das geringste auszusetzen; weil ich mir von keinem, er mochte sein wer er wolte, auf dem mund trommeln liess. Auf dem Cap de bonne esperence, wo wir genötiget waren, etliche Wochen zu verweilen, hatte ich eine verzweiffelte Rencontre, und zwar durch folgende Veranlassung: Ich ging eines Tages von dem Cap zum Zeitvertreib etwas tieffer ins Land hinein, um mit meiner mitgenommenen Flinte ein anständiges stückgen Wildpret zu schiessen, und geriet von ungefähr an ein, nach dasiger Art ganz zierlich erbautes Lust-haus, so mit feinen