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Sohn starb

1706. seines Alters 55. Jahr.

2. Maria meine älteste Tochter, starb 1708. ihres

Alters 58. Jahr.

3. Elisabet meine zweite Tochter, starb 1711.

ihres Alters 58. Jahr.

4. Virgilia van Cattmers Johannis Gemahl. starb

1713. ihres Alters 66. Jahr.

5. Meine seel. Ehe-Gemahlin Concordia, starb

1715. ihres Alters im 89ten Jahre.

6. Simon Heinrich Julius, sonst Schimmer, starb

1716. seines Alters 84. Jahr.

7. Die jüngere Concordia und

8. Robert Julius, sonst Hilter, sturben binnen 6.

Tagen, als treue Ehe-Leute. 1718. ihres Alters,

sie im 72. und Er im 84. Jahre.

9. Jacob Julius, sonst Larson, starb 1719. seines

Alters 89. Jahr.

10. Blandina, Christophs Gemahl. starb 1719.

ihres Alters 65. Jahr.

11. Gertraud, Christians Gemahl. starb 1723.

ihres Alters 66. Jahre.

nunmehr, mein Herr Wolffgang! sagte hierauff der Altvater Albertus, indem er sich, wegen Erinnerung seiner verstorbenen Geliebten, mit weinenden Augen zum kapitän Wolffgang wandte, werdet ihr von der Güte sein, und dasjenige anführen, was ihr binnen der Zeit eurer ersten Anwesenheit auf dieser Insul angetroffen und verbessert habt.

Demnach setzte selbiger redliche Mann des Altvaters und seine eigene Geschicht folgender massen fort: Ich habe euch, meine wertesten Freunde, (sagte er zu Herr Mag. Schmeltzern und mir,) meine Lebens-Geschicht, zeitwährender unserer Schiffahrt biss dahin wissend gemacht: Da ich von meinen schelmischen gefährten an diesen vermeintlichen wüsten Felsen ausgesetzt, nachher aber von hiesigen frommen Einwohnern erquickt und aufgenommen worden. Diese meine merckwürdige Lebens Erhaltung nun, kan ich im geringsten nicht einer ohngefähren Glücks-Fügung, sondern eintzig und allein der sonderbaren Barmhertzigen Vorsorge GOTTES zuschreiben, denn die Einwohner dieser Insul waren damahls meines vorbei fahrenden schiffes so wenig als meiner Aussetzung gewahr worden, wusten also nichts darvon, dass ich elender Mensch vor ihrem wasser-Tore lag, und verschmachten wolte. Doch eben an demselben Tage, welchen ich damahligen Umständen nach, vor den letzten meines Leben hielt, regieret GOTT, die herzen 6. ehrlicher Männer aus Simons- und Christians Geschlechte, mit ihrem Gewehr nach dem in der Bucht liegenden Boote zu gehen, auf selbigen eine Fahrt nach der West-Seite zu tun, und allda auf einige See-Löwen und See-Kälber zu lauren. Diese waren also, kurz gesagt, die damahligen Werckzeuge GOTTES zu meiner Errettung, indem sie mich erstlich durch den wasser-Weg zurück in ihre Behausung führeten, völlig erquickten, und nachher dem Altvater von meiner Anwesenheit Nachricht gaben. Dieser unvergleichliche Mann, den GOTT noch viele Jahre zu meinem und der Seinigen Trost erhalten wolle, hatte kaum das vornehmste von meinen Glücks- und Unglücks-Fällen angehöret, als er mich sogleich hertzlich umarmete, und versprach: Mir meinen erlittenen Schaden dreifach zu ersetzen, weil er solches zu tun wohl im stand sei, und da ich keine Lust auf dieser Insul zu bleiben hätte, würde sich mit der Zeit schon gelegenheit finden, wieder in mein Vaterland zurück zu kommen. Immittelst nahm er mich sogleich mit auf seinen Hügel, gab mir eine eigene wohl zubereitete kammer ein, zog mich mit an seine Tafel, und versorgte mich also mit den köstlichsten speisen, Geträncke, Kleidern, ja mit allem, was mein Hertz verlangen konte, recht im überflusse. Ich bin jederzeit ein Feind des Müssiggangs gewesen, deswegen machte mir alltäglich, bald hier bald dar, genug zu schaffen, indem ich nicht allein etliche 12. biss 16. jährige Knaben auslase, und dieselben in allerhand nützlichen Wissenschafften, welche zwar allhier nicht gänzlich unbekannt, doch ziemlich dunckel und Beschwerlich fielen, auf eine weit leichtere Weise unterrichtete, sondern auch den Acker- Wein- und Garten-Bau fleissig besorgen halff. Mein Wohltäter bezeugte nicht allein hierüber seinen besonderen Wohlgefallen, sondern ich wurde bei weiterer Bekandtschafft von allen Einwohnern, Jung und Alt, fast auf den Händen getragen, weswegen ein Streit in meinen herzen entstund: Ob ich bei ereigneter gelegenheit diese Insul verlassen, oder meine übrige Lebens-Zeit auf derselben zubringen wolte, als welches Letztere alle Einwohner sehnlich wünscheten, allein meine wunderlich herum schweiffenden Sinnen konnten zu keinem beständigen Schlusse kommen, sondern ich wanckte zwei ganzer Jahre lang von einer Seite zur andern, biss endlich im dritten Jahre folgende liebes-Begebenheit mich zu dem festen Vorsatze brachte: alles Gut, Ehre und Vergnügen, was ich etwa noch in Europa zu hoffen haben könnte, gänzlich aus dem Sinne zu schlagen, und mich allhier auf Lebens-Zeit feste zu setzen: Der ganze Handel aber fügte sich also: Der Stamm-Vater Christian hatte eine vortreffliche schöne und tugendhaffte Tochter, Sophia genannt, um welche ein junger Geselle, aus dem Jacobischen Geschlecht, sich eifrig bemühete, dieselbe zur Ehe zu haben, allein da diese Jungfrau denselben, so wohl als 4. andere, die schon vorher um sie angehalten hatten, höflich zurück wiese, und durchaus in keine Heirat mit ihm willigen wolte, bat mich der Vater Christian eines Tages zu gast, und trug mir an: Ob ich, als ein kluger Frembdling, nicht etwa von seiner Tochter ausforschen könne und wolle, weswegen sie diesen Junggesellen, der ihrer so eiffrig begehrte, ihre eheliche Hand nicht reichen möchte; Ich nahm