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Im 1698ten Jahre stiess uns abermals eine der merckwürdigsten begebenheiten vor. Denn da David Rawkins drei ältesten Söhne eines Tages den NordSteg hinnab an die See gestiegen waren, um das Fett von einem ertödteten See-Löwen auszuschneiden, erblicken sie von ungefähr ein Schiff, welches auf den Sand-Bäncken vor unsern Felsen gestrandet hatte. Sie lauffen geschwind zurück und melden es ihrem Vater, welcher erstlich zu mir kam, um sich Rats zu erholen, ob man, daferne es etwa Notleidende wären, ihnen zu Hülffe kommen möchte? Ich liess alle wehrhaffte Personen auf der Insul zusammen ruffen, ihr Gewehr und Waffen ergreiffen, und alle Zugänge wohl besetzen, und begab mich mit etlichen in eigener person auf die Höhe. Von dar ersahen wir nun zwar das gestrandete Schiff sehr eigentlich, wurden aber keines Menschen darauf gewahr, ungeachtet einer um den andern mit des seel. Amias hinterlassenen Perspectiv fleissig Acht hatte, biss der Abend herein zu brechen begunte, da wir meisten uns wiederum zurück begaben, doch aber die ganze Nacht hindurch die Wachten wohl bestellet hielten, indem zu besorgen war, es möchten etwa See-Räuber oder andere Feinde sein, die vorigen Tages unsere jungen Leute von ferne erblickt, deswegen ein Boot mit Mannschafft ausgesetzt hätten, um den Felsen auszukundschafften, mitlerweile sich die übrigen im Schiffe verbergen müsten.
Allein wir wurden weder am andern, dritten, vierdten, fünfften noch sechsten Tage nichts mehr gewahr als das auf einer Stelle bleibende Schiff, welches weder Masten noch Segel auf sich zeigte. deswegen fasseten endlich am siebenten Tage David, nebst noch 11. andern wohl bewaffneten starcken Leuten, das Hertze, in unser grosses Boot, welches wir nur vor wenig Jahren zu Ausübung unserer Strand-Gerechtigkeit verfertiget, einzusteigen, und sich dem Schiffe zu nähern.
Nachdem sie selbiges erreicht und betreten, kommen dem David sogleich in einem Winckel zwei Personen vor Augen, welche bei einem toten menschlichen körper sitzen, mit grossen Messern ein Stück nach dem andern von selbigen abschneiden, und solche Stücken als rechte heisshungerige Wölffe eiligst verschlingen. Uber diesen grässlichen Anblick werden alle die Meinigen in nicht geringes Erstaunen gesetzt, jedoch selbiges wird um so viel mehr vergrössert, da einer von diesen Menschen-Fressern jählings aufspringet, und einen von Davids Söhnen mit seinem grossen Messer zu erstechen sucht, doch da dieser Jüngling seinen Feind mit der Flinte, als einen leichten Stroh-Wisch zu Boden rennet, werden endlich alle beide mit leichter Müh überwältiget und gebunden hingelegt.
Hierauff durchsuchen sie weiter alle Kammern, Ecken und Winckel des schiffes, finden aber weder Menschen, Vieh, noch sonsten etwas, wovor sie sich ferner zu fürchten ursache hätten. Hergegen an dessen statt einen unschätzbaren Vorrat an kostbaren Zeug und Gewürtz-Waaren, schönen Tier-Häuten, zugerichteten Ledern und andern vortrefflichen Sachen. Uber dieses alles trifft David auf die fünfftehalb Centner ungemüntzet Gold, 14. Centner Silber, 2. SchlagFässer voll Perlen, und drei Kisten voll gemüntztes Gold und Silber an, von dessen Glantze, indem er an seiner Jugend-Jahre gedenckt, seine Augen ganz verblendet werden.
Jedoch meine guten Kinder halten sich hierbei nicht lange auf, sondern greiffen zu allererst nach den kostbarn Zeug- und Gewürtz-Waaren, tragen so viel davon in das Boot als ihnen möglich ist, nehmen die zwei Gebundenen mit sich, und kamen also, nachdem sie nicht länger als etwa 4. Stunden aussen gewesen, wieder zurück, und zwar durch den wasser-Weg, auf die Insul. Wir vermerckten gar bald an den zweien Gebundenen, dass es rasende Menschen wären, indem sie uns die grässlichsten Gebärden zeigten, so oft sie jemand ansahe, mit den Zähnen knirscheten, diejenigen speisen aber, welche ihnen vorgehalten wurden, hurtiger als die Kraniche verschlungen, weswegen zu Alberts-Raum, ein jeder in eine besondere kammer gesperret, und mit gebundenen Händen und Füssen aufs Lager gelegt, dabei aber allmählich mit immer mehr und mehr Speise und Tranck gestärckt wurde. Allein der schlimmste unter den Beiden, reisset folgende Nacht seine Bande an Händen und Füssen entzwei, frisset erstlich allen herum liegenden SpeiseVorrat auf, erbarmt sich hiernächst über ein Fässlein, welches mit einer besonderen Art von eingemachten Wurtzeln angefüllet ist, und frist selbiges ebenfalls biss auf die Helffte aus, bricht hernach die Tür entzwei, und läufft dem Nord-wald zu, wo er folgendes Tages gegen Abend, jämmerlich zerborsten, gefunden, und auf selbiger Stelle begraben wurde. Der andere arme Mensch schien zwar etwas ruhiger zu werden, allein man merckte doch, dass er seines Verstandes nicht mächtig werden konte, ungeachtet wir ihn drei Tage nach einander aufs Beste verpflegten. Endlich am 4ten. Tage, da ich Nachmittags bei ihm in der kammer ganz stille sass, kam ihm das Reden auf einmal an, indem er mit schwacher stimme rief: JESUS, Maria, Joseph! Ich fragte ihn erstlich auf Deutsch, hernach in Holländischer und letztlich in Englischer wie auch Lateinischer Sprache: Wie ihm zu Mute wäre, jedoch er redete etliche Spanische Worte, welche ich nicht verstund, deswegen meinen Schwieger-Sohn Robert herein ruffte, der ihn meine Frage in Spanischer Sprache erklärete, und zur Antwort erhielt: Es stünde sehr schlecht um ihn und sein Leben. Robert versetzte, weil er JESUM zum Helfer angerufft, werde es nicht schlecht um ihn stehen, er möge sterben oder leben. Ich hoffe es mein Freund, war seine Antwort, daher ihn Robert noch ferner