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die Gegend um den Hügel herum, fast zu enge werden wolte. Mein ältester Sohn, Albert, folgte dessen Beispiele mit seiner Judit, 6. Söhnen und 2. Töchtern am ersten, und legte seine PflanzStadt Nordwerts an. Diesem tat Stephanus mit seiner Sabina, 4. Söhnen und 5. Töchtern, ein gleiches nach, und zwar im Jahr 1685, da er seine wohnung jenseit des West-Flusses aufschlug. Im folgenden Jahre folgte Jacob und Maria mit 3. Söhnen und 4. Töchtern, ingleichen Simon mit 3. Söhnen und 2. Töchtern, auch Johannes mit der Virgilia, 2. Söhnen und 5. Töchtern.

Ich ersahe meine besondere Freude hieran, und weil sie alle als Brüder einander im haus-Bauen und andern Dinge redlich zu Hülffe kamen, so machte auch ich mir die gröste Freude daraus, ihnen kräfftige Handreichung zu tun. Bei uns auf dem Hügel aber wohnete also niemand mehr, als David und Christina mit 3. Söhnen und 3. Töchtern, Christoph mit 3. Söhnen und 4. Töchtern, und letztlich Christian mit 2. Söhnen und einer Tochter, ingesamt, meine Concordia und mich mit gerechnet, 24. Seelen, ausserhalb des Hügels aber 59. Seelen. Summa, im Jahr 1688. da die erstere Haupt-Verteilung vollendet wurde, aller auf dieser Insul lebenden Menschen, 83. nämlich 39. Mannes- und 44. Weibs-Personen.

Ich habe euch aber, meine Lieben, diese Rechnung nur dieserwegen vorgehalten, weil ich eben im 1688ten Jahre mein Sechzigstes Lebens-Jahr, und das Vierzigste Jahr meines vergnügt geführten Ehestandes zurück gelegt hatte, auch weil, ausser meinem letzten Töchterlein, biss auf selbige Zeit kein einziges noch mehr von meinen Kindern oder Kindes-Kindern gestorben war, welches doch nachher eben so wohl unter uns, als unter andern sterblichen Menschen-Kindern geschahe, wie mein ordentlich geführtes TodtenRegister solches bezeuget, und auf Begehren zur andern Zeit vorgezeiget werden kan.

Nun sollte zwar auch von meiner Kindes-Kinder fernerer Verheiratung ordentliche Meldung tun, allein, wem wird sonderlich mit solchen allzu grossen Weitläufftigkeiten gedienet sein, zumahlen sich ein jeder leichtlich einbilden kan, dass sie sich mit Niemand anders als ihrer Väter und Mütter, Brüders- und Schwester-Kindern haben vereheligen können, welches, so viel mir wissend, Göttlicher Ordnung nicht gänzlich zuwider ist, und worzu mein erster SohnesSohn, Albertus der dritte allhier, anno 1689. mit Roberts ältesten Tochter den Anfang machte, welchen die andern Mannbaren, zu gehöriger Zeit, biss auf diesen Tag nachgefolget sind.

Es mag aber, liess sich hierauf der Alt-Vater hören, hiermit auf diesen Abend sein Bewenden haben, doch Morgen, geliebt es GOtt, und zwar nach verrichteten Morgen-Gebet und eingenommenen Frühstück, da wir ohnedem einen Rast-Tag machen können, will ich den übrigen Rest meiner Erzehlung von denjenigen Merckwürdigkeiten tun, die mir biss auf des kapitän Wolffgangs Ankunfft im Jahr 1721. annoch Erzehlens-würdig scheinen, und ungefähr beifallen werden.

Demnach legten wir uns abermals sämmtlich zur Ruhe, da nun dieselbe nebst der von dem Alt-Vater bestimmten Zeit abgewartet war, gab er uns den Beschluss seiner bisshero ordentlich an einander gehenckten Erzehlung also zu vernehmen:

Im Jahr 1692. wandten sich endlich die 3. letzten Stämme auch von unserm Hügel, und baueten an selbst erwehlten Orten ihre eigene Pflantz-Städten vor sich und ihre Nachkommen an, damit aber meine liebe Concordia und ich nicht alleine gelassen würden, schickte uns ein jeder von den 9. Stämmen eins seiner Kinder zur Bedienung und Gesellschafft zu, also hatten wir 5. Jünglinge und 4. Mägdleins nicht allein zum Zeitvertreibe, sondern auch zu täglichen Lust-Arbeitern und Küchen-Gehülffen um und neben uns, denn vor Brodt und andere gute Lebens-Mittel durfften wir keine sorge tragen, weil die Stamm-Väter alles im Uberflusse auf den Hügel schafften. Die Affen machten bei allen diesen neuen Einrichtungen die liederlichsten Streiche, denn ob ich gleich dieselben ordentlich als Sclaven meinen Kindern zugeteilet, und ein jeder Stamm die seinigen mit einem besonderen Halss-Bande gezeichnet hatte, so wolten sich dieselben anfänglich doch durchaus nicht zerteilen lassen, sondern versammleten sich gar öffters alle wieder auf dem Hügel bei meinen zweien alten Affen, die ich vor mich behalten hatte, biss sie endlich teils mit Schlägen, teils mit guten Worten zum Gehorsam gebracht wurden.

Im Jahr 1694. fingen meine sämmtlichen Kinder an, gegenwärtiges viereckte schöne Gebäude auf diesem Hügel vor mich, als ihren Vater und König, zur Residentz aufzubauen, mit welchen sie erstlich nach 3en Jahren völlig fertig wurden, weswegen ich meine alte Hütte abreissen und ganz hinweg schaffen liess, das neue hergegen bezohe, und es Albertus-Burg nennete, nachher habe in selbigem, durch den Hügel hindurch biss in des Don Cyrillo unterirrdische Höle, eine bequemliche Treppe hauen, den auswendigen Eingang derselben aber biss auf ein Lufft-Loch vermauren und verschütten lassen, so dass mir selbige kostbare Höle nunmehr zum herrlichsten Keller-Gewölbe dienet.

So bald die Burg fertig, wurde der ganze Hügel mit doppelten Reihen der ansehnlichsten Bäume in der Rundung umsetzt, ingleichen der Anfang von mir gemacht, zu den beiden Alléen, zwischen welchen Alberts-Raum mitten inne liegt, und die nunmehr seit etliche 20. Jahren zum zierlichsten stand kommen sind, wie ich denn nebst meiner Concordia manche schöne Stunde mit Spatzieren-gehen darinne zugebracht habe