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. Amias hatte von einem Holländer ein Glass voll Lein-Saamen bekommen, von welchen er etwas aussäete, um Flachs zu zeugen, damit die Weiber Spinnwerck bekämen, über dieses war seine gröste Freude, dass diejenigen Blumen und andere Gewächse zu ihrer Zeit so schön zum Vorschein kamen, zu welchen er die Saamen, Zwiebeln und Kernen von den Holländern erbettelt und mitgebracht hatte. Seiner Vorsicht, guter Wartung und besonderen Klugheit habe ich es eintzig und allein zu dancken, dass mein grosser Garten, zu welchen er im Jahr 1672 den Grund gelegt, in guten stand ist.

Doch eben in selbigem Jahre, liess sich die tugendhafte Virgilia van Cattmers, und zwar am 8. Jan., nämlich an meinem Gebuhrts-Tage, mit meinem Sohne Johanne durch meine Hand ehelich zusammen geben, und weil der jüngste Zwilling, Christian, seine ihm zugeteilte Blandina an seinen ältern Bruder Christoph gutwillig überliess, anbei aber mit ruhigem herzen auf die Gertraud warten wolte, so geschahe dem Christoph und der Blandina, die einander allem Ansehen nach recht hertzlich liebten, ein gleiches, so, dass wir abermals zwei Hochzeit-Feste zugleich begingen.

Im Jahre 1674 wurden endlich die letzten zwei von meinen leiblichen Kindern vereheliget, nämlich Christian mit Gertraud, und Christina mit David Rawkin, als welcher letztere genungsam Proben seiner treuen und geduldigen Liebe zu Tage gelegt hatte. Demnach waren alle die Meinigen dermassen wohl begattet und beraten, dass es, unser aller vernünfftigen Meinung nach, unmöglich besser erdacht und ausgesucht werden können, jedoch waren meine Concordia und ich ohnstreitig die allervergnügtesten zu nennen, denn alle die Unserigen erzeigten uns aus willigen ungezwungenen herzen den allergenausten Gehorsam, der mit einer zärtlichen Ehrerbietung verknüpfft war, wolten auch durchaus nicht geschehen lassen, dass wir uns mit beschwerlicher Arbeit bemühen sollten, sondern suchten alle gelegenheit, uns derselben zu überheben, von selbst, so, dass eine vollkommene Liebe und Eintracht unter uns allen anzutreffen war. Der Himmel erzeigte sich auch dermassen gnädig gegen uns von allen andern abgesonderte Menschen, dass wir seine barmhertzige Vorsorge in allen Stücken ganz sonderbar verspüren konnten, und nicht die geringste Ursache hatten, über Mangel oder andere dem menschlichen Geschlecht sonst zustossende betrübte Zufälle zu klagen, hergegen nahmen unsere Familien mit den Jahren dermassen zu, dass man recht vergnügt überrechnen konte, wie mit der Zeit aus denselben ein grosses Volck entstehen würde.

Im Jahr 1683. aber begegnete uns der erste klägliche Zufall, und zwar solcher Gestalt: Wir hatten seit etlichen Jahren her, bei müssigen zeiten, alle diejenigen Oerter an den auswendigen Klippen, wo wir nur vermerckten, dass jemand dieselben besteigen, und uns überfallen könnte, durch fleissige Hand-Arbeit und Sprengung mit Pulver, dermassen zugerichtet, dass auch nicht einmal eine Katze hinauf klettern, und die Höhe erreichen können, hergegen arbeiteten wir zu unserer eigenen Bequemlichkeit 4. ziemlich verborgene krumme Gänge, an 4. Orten, nämlich: Gegen Norden, Osten, Süden und Westen zu, zwischen den Felsen-Klippen hinab, die niemand so leicht ausfinden konte, als wer Bescheid darum wuste, und dieses geschahe aus keiner andern Ursache, als dass wir nicht die Mühe haben wolten, um aller Kleinigkeiten wegen, die etwa zwei oder drei Personen an der See zu verrichten hätten, allezeit die grossen und ganz neu gemachten Schleusen auf- und zu zu machen. Jedoch, wie ihr meine Lieben selbst wahrgenommen habt, verwahreten wir den Aus- und Eingang solcher bequemlicher Wege mit tieffen Abschnitten und andern Verhindernissen, solcher Gestalt, dass niemanden, ohne die herab gelassenen kleinen Zug-Brücken, die doch von eines eintzigen Menschen Händen leicht zu regieren sind, weder herüber- noch hinüber zu kommen vermögend ist. Indem nun alle Seiten und Ecken durch unermüdeten vieljährigen Fleiss in vollkommen guten Stand gesetzt waren, biss auf noch etwas weniges an der West-Seite, wo, auf des Amias Angeben, noch ein ziemlich Stück Felsen abgesprengt werden sollte, versahe es der redliche Mann hierbei dermassen schlimm, dass, da er sich nicht weit genug entfernet hatte, sein linckes Bein durch ein grosses fliegendes Stein-Stücke erbärmlich gequetscht und zerschmettert wurde, welcher Schade denn in wenig Tagen diesem redlichen mann, ungeachtet aller angewandten kräfftigen Wund-Mittel, die auf unserer Insul in grosser Menge anzutreffen sind, und die wir so wohl aus des Don Cyrillo Anweisung, als aus eigener Erfahrung ziemlich erkennen gelernet, sein edles Leben, wiewohl im hohen Alter, doch bei gesunden Kräfften und frischem herzen, uns allen aber noch viel zu früh, verkürtzte.

Es war wohl kein eintziger, ausgenommen die ganz jungen Kinder, auf dieser Insel anzutreffen, der dem guten Robert, als dessen Bruders Sohne, im wehmütigsten Klagen, wegen dieses unverhofften Todes und Unglücks-Falles, nicht eifrige Gesellschafft geleistet hätte, Jacob, Simon und David, die alle drei in der Tischler-Arbeit die geschicktesten waren, machten ihm einen recht schönen Sarg nach Teutscher Art, worein wir den zierlich angekleideten körper legten, und an denjenigen Ort, welchen ich vor längst zum Begräbniss der toten ausersehen, ehrlich zur Erde bestatteten.

Robert, der in damahligem 19ten Jahre seines Ehestandes mit der jüngern Concordia allbereit 11. Kinder, als 3. Söhne und 8. Töchter, gezeuget hatte, war nunmehr der erste, der sich von uns trennete, und vor sich und sein Geschlechte eine eigene Pflantz-Stadt, jenseit des Canals gegen Osten zu, anlegte, weil uns der Platz und