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, und wollüstiger Kaufmann, und hatte schon öffters in Amsterdam gelegenheit gesucht, mich zu einem schändlichen Ehe-Bruche zu verführen. Ich hatte ihn schon verschiedene mahl gewarnet, meine Tugend mit dergleichen verdammten Ansinnen zu verschonen, oder ich würde mich genötiget finden, solches meinem mann zu eröffnen, da er aber dennoch nicht nachlassen wolte, bat ich würcklich meinen Mann inständig, seine und meine Ehre gegen diesen geilen Bock zu schützen, allein, mein William gab mir zur Antwort: Mein Engel, lasset den Haasen lauffen, er ist ein wollüstiger Narr, und weil ich mich eurer Tugend-vollkommen versichert halte, so weiss ich auch, dass er zu meinem Nachteil nichts bei euch erhalten wird, indessen ist es nicht ratsam, ihn noch zur Zeit zum offenbaren Feinde zu machen, weil ich durch seine person auf dem Cap der guten Hoffnung einen besonderen wichtigen Vorteil erlangen kan. Und eben in dieser Absicht sah es auch mein William nicht ungern, dass Severin in seiner Gesellschafft mit dahin reisete. Ich indessen war um so viel desto mehr verdrüsslich, da ich diesen geilen Bock alltäglich vor mir sehen, und mit ihm reden muste, er führte sich aber bei meines Mannes Leben noch ziemlich vernünfftig auf, jedoch gleich etliche Tage nach dessen jämmerlichen tod, trug er mir sogleich seine eigene schändliche person zur neuen Heirat an. Ich nahm diese Leichtsinnigkeit sehr übel auf, und bat ihn, mich zum wenigsten auf ein Jahr lang mit dergleichen Antrage zu verschonen, allein er verlachte meine Einfalt, und sagte mit frechen Gebärden: Er frage ja nichts darnach, ich möchte schwanger sein oder nicht, genug, er wolle meine Leibes-Frucht vor die seinige erkennen, über dieses wäre man auf den Schiffen der Geistlichen Kirchen-Censur nicht also unterworfen, als in unsern vaterland, und was dergleichen Geschwätzes mehr war, mich zu einer gleichmässigen schändlichen Leichtsinnigkeit zu bewegen, da ich aber, ungeachtet ich wohl wuste, dass sich nicht die geringsten Zeichen einer Schwangerschafft bei mir äuserten, dennoch einen natürlichen Abscheu so wohl vor der person als dem ganzen Wesen dieses Wüstlings hatte, so suchte ihn, vermöge der verdrüsslichsten und schimpfflichsten Reden, mir vom Halse zu schaffen; Allein, der freche Bube kehrete sich an nichts, sondern schwur, ehe sein ganzes Vermögen nebst dem Leben zu verlieren, als mich dem Witwen-stand oder einem andern mann zu überlassen, sagte mir anbei frei unter die Augen, so lange wolle er noch Gedult haben, biss wir das Cap der guten Hoffnung erreicht hätten, nach diesem würde sich zeigen, ob er mich mit Güte oder Gewalt ins Ehe-Bette ziehen müsse.

Ich Elende wuste gegen diesen Trotzer nirgends Schutz zu finden, weil er die Befehlshaber des schiffes so wohl als die meisten andern Leute durch Geschencke und Gaben auf seine Seite gelenckt hatte, solcher Gestalt wurden meine jämmerlichen Klagen fast von jedermann verlacht, und ich selbst ein Spott der ungehobelten Boots Knechte, indem mir ein jeder vorwarff, meine Keuschheit wäre nur ein verstelltes Wesen, ich wolte nur sehr gebeten sein, würde aber meine Tugend schon wohlfeiler verkauffen, so bald nur ein junger Mann – – – –

Ich scheue mich, an die lasterhafften Reden länger zu gedencken, welche ich mit gröster Hertzens-Quaal von diesen Unflätern täglich anhören muste, über dieses klagte mir meine Aufwärterin Blandina mit weinenden Augen, dass ihr Severin schändliche Unzucht zugemutet, und versprochen hätte, sie auf dem Cap der guten Hoffnung nebst mir, als seine Kebs-Frau, beizubehalten, allein, sie hatte ihm ins Angesicht gespyen, davor aber eine derbe Maulschelle hinnehmen müssen. Meiner zarten und fast noch nicht mannbaren Stieff-Tochter, der Gertraud, hatte der Schand-Bock ebenfalls seine Geilheit angetragen, und fast Willens gehabt, dieses fromme Kind zu notzüchtigen, der Himmel aber führte mich noch bei zeiten dahin, diese Unschuldige zu retten. Solcher Gestalt war nun mein Jammer-Stand abermals auf der höchsten Stuffe des Unglücks, die Hülffe des Höchsten aber desto näher. Ich will aber nicht weiter beschreiben, welcher Gestalt ich nebst meiner Tochter und Aufwärterin von den Kindern und Befreunden des teuren Alt-Vaters Albert Julii aus dieser Angst gerissen und errettet worden, weil ich doch versichert bin, dass selbiger solches alles in seiner Geschichts-Beschreibung so wohl als mein übriges Schicksal, nebst andern mit aufgezeichnet hat, sondern hiermit meine Lebens-Beschreibung schliessen, und das Urteil darüber andern überlassen. GOTT und mein Gewissen überzeugen mich keiner mutwilligen und groben Sünden, wäre ich aber ja eine lasterhaffte Weibs-person gewesen, so hätte töricht gehandelt, alles mit solchen Umständen zu beschreiben, woraus vielleicht mancher etwas schlimmeres von mir mutmassen könnte.

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Dieses war also alles, was ich Eberhard Julius meinen Zuhörern, von der Virgilia eigenen Hand geschrieben, vorlesen konte, worauf der Alt-Vater seine Erzehlung folgender massen fortsetzte:

Unsere allseitige Freude über die gewünschte Wiederkunfft der Meinigen war ganz unvergleichlich, zumahlen da die mitgekommene junge Wittbe nebst ihrer Tochter und einer nicht weniger artigen Jungfrau bei unserer Lebens-Art ein vollkommenes Vergnügen bezeugten. Also wurde der bevorstehende Winter so götzlichkeit zugebracht. Das Schiff luden meine Kinder aus, und stiessen es als eine nicht allzu nötige Sache in die Bucht, weil wir uns nach keinen weitern Handel mit andern Leuten sehneten. Dahingegen erweiterten wir unsere alten Wohnungen, baueten noch etliche neue, versperreten alle Zugänge zu unserer Insul, und setzten die haus-Wirtschafften in immer bessern Stand