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Ambrosius, seine lasterhafte Mutter und schändliche Schwestern, vermittelst einer grossen Geld-Summe, von der fernern Inquisition zu befreien, zumahlen da ich ihnen das mir zugefügte Unrecht von herzen vergeben hatte, allein, er konte nichts erhalten, sondern muste der Gerechtigkeit den Lauff lassen, weil sie nach der Zeit überzeugt wurden, dass dieses schon das dritte Kind sei, welches seine zwei ältesten Schwestern gebohren, und mit Beihülffe ihrer Mutter ermordet hätten, weswegen sie auch ihren verdienten Lohn empfingen, indem die Mutter nebst den zwei ältesten mit dem Leben büssen, die jüngste aber in ein Zucht-Haus wandern muste.

Jedoch, ehe noch dieses geschahe, reisete mein Ambrosius mit mir nach Amsterdam, weil er vermutlich dieses traurige Spectacul nicht abwarten wolte, liess sich aber doch noch in selbigem Jahre mit mir ehelich verbinden, und ich kan nicht anders sagen, als dass ich ein halbes Jahr lang ein recht stilles und vergnügtes Leben mit ihm geführt habe, indem er eine der besten Handlungen mit seinem Compagnon daselbst anlegte. Allein, weil das Verhängniss einmal beschlossen hatte, dass meiner Jugend Jahre in lauter Betrübniss zugebracht werden sollten, so muste mein getreuer Ambrosius über Vermuten den gefährlichsten Anfall der roten Ruhr bekommen, welche ihn in 17. Tagen dermassen abmattete, dass er seinen Geist darüber aufgab, und im 31. Jahre seines Alters mich zu einer sehr jungen, aber desto betrübtern Wittbe machte. Ich will meinen dieserhalb empfundenen Jammer nicht weitläufftig beschreiben, genug, wenn ich sage, dass mein Herz nichts mehr wünschte, als ihm im grab an der Seite zu liegen. Der getreue Ambrosius aber hatte noch vor seinem Ende vor mein zeitliches Glück gesorget, und meine person so wohl als sein ganzes Vermögen an seinen Compagnon vermacht, doch mit dem Vorbehalt, dass, wo ich wider Vermuten denselben nicht zum mann verlangete, er mir überhaupt vor alles 12000. Tlr. auszahlen, und mir meinen freien Willen lassen sollte.

Wilhelm van Cattmer, so hiess der Compagnon meines seel. Ehemannes, war ein Mann von 33. Jahren, und nur seit zweien Jahren ein Wittber gewesen, hatte von seiner verstorbenen Frauen eine eintzige Tochter, Gertraud genannt, bei sich, die aber, wegen ihrer Kindheit, seinem haus-Wesen noch nicht vorstehen konte, deswegen gab er mir nach verflossenen Trauer-Jahre so wohl seine aufrichtige Liebe, als den letzten Willen meines seel. Mannes sehr beweglich zu verstehen, und drunge sich endlich durch tägliches Anhalten um meine Gegen-Gunst solcher Gestalt in mein Hertz, dass ich mich entschloss, die Heirat mit ihm einzugehen, weil er mich hinlänglich überführete, dass so wohl der Wittben-Stand, als eine anderweitige Heirat mit Zurücksetzung seiner person, vor mich sehr gefährlich sei.

Ich hatte keine ursache über diesen andern Mann zu klagen, denn er hat mich nach der Zeit in unsern 5. jährigen Ehe-stand mit keiner Gebärde, vielweniger mit einem Worte betrübt. Zehen monat nach unserer Vereheligung kam ich mit einer jungen Tochter ins Kind-Bette, welche aber nach andertalb Jahren an Masern starb, doch wurde dieser Verlust bald wiederum ersetzt, da ich zum andern mahle mit einem jungen Sohne nieder kam, worüber mein Ehemann eine ungemeine Freude bezeigte, und mir um so viel desto mehr liebes-Bezeugungen erwiese. Bei nahe zwei Jahr hernach erhielt mein Wilhelm die betrübte Nachricht, dass sein leiblicher Vater auf dem Cap der guten Hoffnung Todes verblichen sei, weil nun derselbe in ermeldten land vor mehr als 30000. Taler wert Güter angebauet und besessen hatte; als beredete er sich dieserwegen mit einem einzigen Bruder und einer Schwester, fassete auch endlich den Schluss, selbige Güter in Besitz zu nehmen, und seinem Geschwister zwei Teile des Werts heraus zu geben. Er fragte zwar vorher mich um Rat, auch ob ich mich entschliessen könnte, Europam zu verlassen, und in einem andern Welt-Teile zu wohnen, beschrieb mir anbei die Lage und Lebens-Art in selbigem fernen land aus dermassen angenehm, so bald ich nun merckte, dass ihm so gar sehr viel daran gelegen wäre, gab ich alsofort meinen Willen drein, und versprach, in seiner Gesellschafft viel lieber mit ans Ende der Welt zu reisen, als ohne ihn in Amsterdam zu bleiben. Demnach wurde aufs eiligste Anstalt zu unserer Reise gemacht, wir machten unsere besten Sachen teils zu Gelde, teils aber liessen wir selbige in Verwahrung unsers Schwagers, der ein wohlhabender Jubelier war, und reiseten in GOttes Nahmen von Amsterdam ab, dem Cap der guten Hoffnung, oder vielmehr unserm Unglück entgegen, denn mittlerweile, da wir an den Canarischen Insuln, uns ein wenig zu erfrischen, angelandet waren, starb unser kleiner Sohn, und wurde auch daselbst zur Erde bestattet. Wenig Tage hierauf wurde die fernere Reise fortgesetzt, und mein Betrübniss vollkommen zu machen, überfielen uns zwei Räuber, mit welchen sich unser Schiff ins Treffen einlassen muste, auch so glücklich war, selbigen zu entgehen, ich aber sollte doch dabei die allerunglückkseeligste sein, indem mein lieber Mann mit einer kleinen Kugel durch den Kopff geschossen wurde, und dieserwegen sein redliches Leben einbüssen muste.

Der Himmel weiss, ob mein seeliger William seinen tödtlichen Schuss nicht vielmehr von einem MeuchelMörder als von den See-Räubern bekommen hatte, denn alle Umstände kamen mir dabei sehr verdächtig vor, jedoch, GOtt verzeihe es mir, wenn ich den Severin Water in unrechten Verdacht halte.

Dieser Severin Water war ein junger Holländischer, sehr frecher