gesund und frisch befunden hatten.
Meinem kapitän war im rechten Ernste bange worden, bei meiner so lange anhaltenden Kranckheit, und indem er mir beständig sein hertzliches Mittleiden spüren liess, durffte es an nichts, was zu meinem Besten gereichte, ermangeln; biss meine Gesundheit wiederum völlig hergestellet war, da ich denn sonsten nichts bedaurete, als dass mich nicht im stand befunden hatte, von den Frantzösischen und Englischen Küsten, im vorbei fahren etwas in nahen Augenschein zu nehmen.
nunmehr sah nichts um mich, als wasser Himmel und unser Schiff, von den zurück gelegten Ländern aber, nur eine dunckele Schattirung, doch hatte kurz darauff das besondere Vergnügen: bei schönem hellen Wetter, die Küsten von Portugall der Länge nach, zu betrachten.
Eines Tages, da der kapitän, der SchiffLieutenant Horn, Johann Ferdinand Kramer, ein gar geschickter Chirurgus von 28. biss 29. Jahren, Friedrich Litzberg, ein artiger Mensch von etwa 28. Jahren, der sich vor einen Matematicum ausgab, und ich, an einem bequemlichen Orte beisammen sassen, und von diesen und jenen discoutirten, sagte der Lieutenannt Horn zu dem kapitän: Mein Herr, ich glaube sie könnten uns allerseits kein grösseres Vergnügen machen, als wenn sie sich gefallen liessen, einige, ihnen auf dero vielen Reisen gehabte Avanturen zu erzehlen, welche gewiss nicht anders, als sonderbar sein können, mich wenigstens würden sie damit sehr obligiren, woferne es anders, seiten ihrer, ohne Verdruss geschehen kan.
Der kapitän gab lächelnd zur Antwort: Sie bitten mich um etwas, mein Herr, das ich selbsten an Sie würde gebracht haben, weiln ich gewisser Ursachen wegen schon 2. biss drei Tage dazu disponirt gewesen, will mir also ein geneigtes Gehör von ihnen ausgebeten haben, und meine Erzählung gleich anfangen, so bald Mons. Plager und Harckert unsere Gesellschafft verstärckt haben. Litzberg, welchem so wohl, als mir, Zeit und Weile lang wurde, etwas erzehlen zu hören, lieff stracks fort, beide zu ruffen, deren der erste ein Uhrmacher etliche 30. Jahr alt, der andere ein Posamentirer von etwa 23. Jahren, und beides Leute sehr feines Ansehens waren. Kaum hatten sich dieselben eingestellet, da sich der kapitän zwischen uns einsetzte, und die Erzehlung seiner geschichte folgendermassen anfing.
Ich bin kein Mann aus vornehmen Geschlechte, sondern eines Posamentiers oder Bortenwürckers Sohn, aus einer mittelmässigen Stadt, in der Marck Brandenburg, mein Vater hatte zu seinem nicht allzu überflüssigen Vermögen, 8. lebendige Kinder, nämlich 3. Töchter und 5. Söhne, unter welchen ich der jüngste, ihm auch, weil er schon ziemlich bei Jahren, der liebste war. Meine 4. Brüder lerneten, nach ihren Belieben, Handwercke, ich aber, weil ich eine besondere Liebe zu den Büchern zeigte, wurde fleissig zur Schule und privat-Information gehalten, und brachte es so weit, dass in meinem 19. Jahre auf die Universität nach Franckfurt an der Oder ziehen konte. Ich wolte Jura, muste aber, auf expressen Befehl meines Vaters, Medicinam, studiren, ohne zweiffel, weil nicht mehr als 2. allbereit sehr alte Medici, oder deutlicher zu sagen, privilegirte Liferanten des Todes in unserer Stadt waren, die vielleicht ein mehreres an den Verstorbenen, als glücklich curirten Patienten verdient haben mochten. Einem solchen dachte mich nun etwa mein Vater mit guter manier und zwar per genitivum zu substituiren, weiln er eine eintzige Tochter hatte, welche die allerschönste unter den hässlichsten Jungfern, salvo errore calculi, war, und der die dentes sapientiæ, oder deutsch zu sagen, die letzten Zähne nur allererst schon vor 12. biss 16. Jahren gewachsen waren.
Ich machte gute progressen in meinen studiren, weiln alle Quartale nur 30. Tlr. zu vertun bekam, also wenig debauchen machen durffte, sondern fein zu haus bleiben und fleissig sein muste.
Doch mein Zustand auf Universitäten wolte sich zu verbessern mine machen, denn da ich nach andertalbjährigen Absein die Pfingst-Ferien bei meinen Eltern celebrirte, fand ich gelegenheit, bei meinem, zu hoffen habenden Hrn. Schwieger-Vater mich dermassen zu insinuiren, dass er als ein Mann, der in der Stadt etwas zu sprechen hatte, ein jährliches stipendium von 60. Tlr. vor mich heraus brachte, welche ich nebst meinen Väterlichen 30. Tlr. auf einem Brete bezahlt, in Empfang nahm, und mit viel freudigern herzen wieder nach Franckfurt eilete, als vor wenig Wochen davon abgereiset war.
nunmehr meinete ich keine Not zu leiden, führte mich demnach auch einmal als ein rechtschaffener Pursch auf, und gab einen Schmauss vor 12. biss 16. meiner besten Freunde, wurde hierauff von ein und andern wieder zum Schmause invitirt, und lernete recht pursicos leben, das ist, fressen, sauffen, speien, schreien, wetzen und dergleichen.
Aber! Aber! meine Schmauserei bekam mir wie dem Hunde das Grass, denn als ich einsmals des Nachts ziemlich besoffen nach haus ging, und zugleich mein Mütlein, mit dem Degen in der Faust, an den unschuldigen Steinen kühlete, kam mir ohnversehens ein eingebildeter Eisenfresser mit den tröstlichen Worten auf den Hals: Bärenheuter steh! Ich weiss nicht was ich nüchterner Weise getan hätte, wenn ich gelegenheit gesehen, mit guter manier zu entwischen, so aber hatte ich mit dem vielen getrunckenen Weine doppelte Courage, eingeschlungen, setzte mich also, weil mir der Pass zur Flucht ohnedem verhauen war, in positur, gegen meinen Feind