, dass er ihrer Personen wegen völlige Versicherung erhalten, nimmt deswegen diesen und den folgenden Tag die sicherste Abrede mit Virgilien, so, dass weder der in sie verliebte Kauffmann, noch jemand anders auf deren vorgesetzte Flucht Verdacht legen kan.
Etliche Tage hernach, da die guten Holländer ihr Schiff, um selbiges desto bequemer auszubessern, auf die Seite gelegt, die kleinern Boote nebst allen andern Sachen aufs Land gezogen, und ihr Pulver zu trocknen, solches an die Sonne gelegt haben; kommt Amias zu ihnen, und meldet, wie es ihm zu beschwerlich falle, bei diesem guten Wetter und Winde allhier stille zu liegen. Er wolle demnach, in Betrachtung, dass sie wenigstens noch 3. biss 4. Wochen allhier verharren müsten, seine Reise nach der Insel S. Helenæ fortsetzen, seine Sachen daselbst behörig einrichten, nachher auf dem Rückwege wiederum allhier ansprechen, und nebst den Seinigen in ihrer Gesellschafft mit nach einer Ost-Indischen guten Insul schiffen. Inzwischen wolle er sie, gegen baare Bezahlung, um etwas Pulver und Blei angesprochen haben, als woran es ihm ziemlich mangele.
Die treuhertzigen Holländer setzen in seine Reden nicht das geringste Misstrauen, versprechen einen ganzen monat auf ihn zu warten, weil erwehnte Insel ohnmöglich über 100. Meilen von dar liegen könne, verehren dem guten mann 4. grosse Fass Pulver, nebst etlichen Centnern Blei, wie auch allerhand treffliche Europäische Victualien, welche er mit andern, die auf unserer Insul gewachsen waren, ersetzet, und dabei gelegenheit nimmt, von diesem und jenen allerhand Sämereien, Frucht-Kernen und Blumen-Gewächse auszubitten, gibt anbei zu verstehen, dass er unfehlbar des 3ten Tages aufbrechen, und unter Seegel gehen wolte; Allein der schlaue Fuchs schiffet sich hurtiger ein, als die Holländer vermeinen, und wartet auf sonst nichts, als die 3. bestellten Weibes-Personen. Da sich nun diese in der andern Nacht mit Sack und Pack einfinden, lichtet er seine Ancker und läufft unter guten Winde in die offenbare See, ohne dass es ein eintziger von den Holländern gewahr wird. Mit anbrechende Tage sehen sie die wüste Insul nur noch in etwas von ferne, weswegen Amias 2. kanonen löset, um von den Holländern ehrlichen Abschied zu nehmen, die ihm vom land mit 4. Schüssen antworten, woraus er schliesset, dass sie ihren kostbaren Verlust noch nicht empfänden, deswegen desto freudiger die Seegel aufspannet, und seinen Weg auf Felsenburg richtet.
Die Rück-Reise war dermassen bequem und geruhig gewesen, dass sie weiter keine ursache zu klagen gehabt, als über die um solche Zeit ganz ungewöhnliche Wind-Stille, welche ihnen, da sie nicht vermögend gewesen, der starcken Ruder-Arbeit beständig obzuliegen, eine ziemlich langsame Fahrt verursachet hatte.
Es begegnet ihnen weder Schiff noch etwas anderes merckwürdiges, auch will sich ihren Augen weder dieses oder jenes Land offenbaren, und da nachher vollends ein täglicher, hefftiger Regen und Nebel einfällt, wird ihr Kummer noch grösser, ja die meisten fangen an zu zweiffeln, die Ihrigen auf der FelsenInsul jemahls wieder zu sehen zu kriegen. Doch Amias und Jacob lassen wegen ihrer besonderen Wissenschafft und Erfahrenheit im Compass, See-Charten und andern zur Schiff-Fahrt gehörigen Instrumenten den Mut nicht sincken, sondern reden den übrigen so lange tröstlich zu, biss sie am 9ten Maji, in den Mittags-Stunden, dieses gelobte Land an seinen von der natur erbaueten Türmern und Mauern von weiten erkennen. Jacob, der so glücklich ist, solches am ersten wahrzunehmen, brennet abgeredter massen, gleich eine Canone ab, worauf die im Schiff befindlichen 15. Personen sich so gleich versammlen, und zu allererst in einer andächtigen Bet-Stunde dem Höchsten ihr schuldiges Danck-Opffer bringen.
Es ist ihnen selbiges Tages unmöglich, die FelsenInsul zu erreichen, weswegen sie mit herein brechender Nacht Ancker werffen, um bei der Finsterniss nicht etwa auf die herum liegenden verborgenen Klippen und Sand-Bäncke aufzulauffen. Indem aber hiermit erstlich eine, kurz darauf 2. und abermals 3. kanonen von ihnen gelöset wurden, muste solches, und zwar eben, als wir Insulaner uns zur Ruhe legen wolten, in unsere Ohren schallen. David kam mir demnach in seinem Nacht-Habit entgegen gelauffen, und sagte: Mein Herr! wo ich nicht träume, so liegen die Unserigen vor der Insel, denn ich habe das abgeredte Zeichen mit kanonen vernommen. Recht, mein Sohn! gab ich zur Antwort, ich und die übrigen haben es auch gehöret. Alsofort machten wir uns beiderseits auf, nahmen etliche Raqueten nebst Pulver und Feuer zu uns, lieffen auf die Höhe des Nord-Felsens, gaben erstlich aus zweien kanonen Feuer, zündeten hernach 2. Raquetten an, und höreten hierauff nicht allein des schiffes 8. kanonen lösen, sondern sahen auch auf demselben allerhand artige Lust-Feuer, welches uns die gewisse Versicherung gab, dass es kein anders als meiner Kinder Schiff sei. Diesem nach verschossen wir, ihnen und uns zur Lust, alles gegenwärtige Pulver, und gingen um Mitternachts Zeit wieder zurück, stunden aber noch vor Tage wieder auf, verschützten die Schleuse des Nord-Flusses, machten also unsere Tor-Fahrt trocken, und gingen hinab an das MeerUfer, wo in kurtzen unsere Verreiseten glücklich an Land stiegen, und von mir und David die ersten Bewillkommungs-Küsse empfingen. So bald wir nebst ihnen den fürchterlichen hohlen Felsen-Weg hinauff gestiegen waren, und unsere Insul betraten,