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; werden die letzteren in noch weit grössere Verwunderung gesetzt, indem sich die ihnen zugeteilte Beute höher als 12000. Tlr. belauffen hatte.

Immittelst, da die Holländer sich genötiget sehen, zu völliger Ausbesserung ihres schiffes wenigstens 14. Tage auf selbiger Insul stille zu liegen, beschliessen die Meinigen anfänglich auch, biss zu deren Abfahrt allda zu verharren. Zumahlen, da Amias gewahr wird, dass sich verschiedene, teils noch gar junge, teils schon etwas ältere Frauens-Personen unter ihnen befinden. Er sucht so wohl als Robert, Jacob und Simon, mit selbigen ins Gespräch zu kommen; doch der Letztere ist am glücklichsten, indem er gleich andern tages darauf, eine, von ermeldten Weibs-Bildern, hinter einem dicken Gesträuche in der Einsamkeit höchst betrübt und weinend antrifft. Schimmer erkundigt sich auf besonders höfliche Weise nach der ursache ihres Betrübnissses, und erfährt so gleich, dass sie eine Wittbe sei, deren Mann vor etwa 3. Monaten auf diesem Schiffe auch in einem Streite mit den SeeRäubern tot geschossen worden, und die nebst ihrer 14. jährigen Stieff-Tochter zwar gern auf dem Cap der guten Hoffnung ihres seel. Mannes hinterlassene Güter zu Gelde machen wolte, allein, sie würde von einem, auf diesem Holländischen Schiffe befindlichen Kauffmanne, dermassen mit Liebe geplagt, dass sie billig zu befürchten hätte, er möchte es mit seinem starcken Anhange und Geschencken also listig zu Karten trachten, dass sie sich endlich gezwungener Weise an ihm ergeben müsse. Schimmer stellet ihr vor, dass sie als eine annoch sehr junge Frau noch gar füglich zur andern Ehe schreiten, und einen Mann, der sie zumahlen hefftig liebte, glücklich machen könne; ob auch derselbe ihr eben an Gütern und Vermögen nicht gleich sei; Allein die betrübte Frau spricht: Ihr habt recht, mein Herr! ich bin noch nicht veraltert, weil sich mein ganzes Lebens-Alter wenig Wochen über 24. Jahr erstreckt, und ich Zeit meines Ehe-Standes nur zwei Kinder zur Welt gebracht habe. deswegen würde mich auch nicht wegern, in die andere Ehe zu treten, allein, mein ungestümer Liebhaber ist die allerlasterhaffteste Manns-person von der Welt, der sich nicht scheuen sollte, Mutter, Tocher und Magd auf einmal zu lieben, demnach hat mein Herz einen recht natürlichen Abscheu vor seiner person, ja ich wolte nicht allein meines seel. Mannes Verlassenschafft, die sich höher als 10000. Tlr. belauffen soll, sondern noch ein mehreres darum willig hergeben, wenn ich entweder in Holland, oder an einem andern ehrlichen Orte, in ungezwungener Einsamkeit hinzubringen gelegenheit finden könnte.

Schimmer tut hierauf noch verschiedene fragen an dieselbe, und da er diese Frau vollkommen also gesinnet befindet, wie er wünscht, ermahnet er sie, ihr Herz in Gedult zu fassen, weil ihrem Begehren gar leicht ein Genügen geleistet werden könne, daferne sie sich seiner Tugend und guten Rats völlig anvertrauen wolle. Nur müste er vorher erstlich mit einigen seiner Gesellschaffter von dieser Sachen reden, damit er etwa Morgen um diese Zeit und auf selbiger Stelle fernere Abrede mit ihr nehmen könne.

Die tugendhaffte Wittbe fängt hierauf gleich an, diesen Mann vor einen ihr von GOTT zugeschickten menschlichen Engel zu halten, und wischet mit hertzlichen Vertrauen die Tränen aus ihren bekümmerten Augen. Schimmer verläst also dieselbe, und begiebt sich zu seiner übrigen Gesellschafft, welcher er diese Begebenheit gründlich zu Gemüte führet, und erwehnte Wittbe als ein vollkommenes Bild der Tugend heraus streicht. Amias bricht solcher Gestalt auf einmal in diese Worte aus: Erkennet doch, meine Kinder, die besondere Fügung des himmels, denn ich zweiffele nicht, die schöne Wittbe ist vor unsern Johannem, und ihre Stieff-Tochter vor Christoph bestimmt, hilfft uns nun der Himmel allhier noch zu der dritten Weibs-person vor unsern Christian, so haben wir das Ziel unserer Reise erreicht, und können mit Vergnügen auf eine fügliche Zurückkehr dencken.

Demnach sind sie allerseits nur darauf bedacht, der jungen Wittbe eine gute Vorstellung von ihrem ganzen Wesen zu machen, und da dieselbe noch an eben demselben Abend von Marien und Sabinen in ihre Hütte geführt wird, um die annoch etwas kränckliche Elisabet zu besuchen, kan sich dieselbe nicht gnungsam verwundern, daselbst eine solche Gesellschafft anzutreffen, welche ich, als ihr Stamm-Vater, wegen der Wohlgezogenheit, Gottesfurcht und Tugend nicht selbst weitläufftig rühmen mag. Ach meine Lieben! rufft die fromme Wittbe aus, sagt mir doch, wo ist das Land, aus welchen man auf einmal so viel Tugendhaffte Leute hinweg reisen lässt? Haben euch denn etwa die gottlosen Einwohner desselben zum Weichen gezwungen? Denn es ist ja bekannt, dass die böse Welt fast gar keine Frommen mehr, sie mögen auch jung oder alt sein, unter sich leiden will. Nein, meine schöne Frau, fällt ihr der alte Amias hierbei in die Rede, ich versichere, dass wir, die hier vor euren Augen sitzen, der Tugend wegen noch die geringsten heissen, denn diejenigen, so wir zurück gelassen, sind noch viel vollkommener, und wir leben nur bemühet, ihnen gleich zu werden. Dieses war nun (sagte hierbei unser Alt-Vater Albertus) eine starcke Schmeichelei, allein, es hatte dem ehrlichen Amias damahls also zu reden beliebt, die Dame aber siehet denselben starr an, und spricht: Mein Herr! euer Ehrwürdiges graues Haupt bringet vielen Respect zu wege, sonsten wolte sagen, dass ich nicht wüste, wie ich mit euch dran wäre, ob