der gute David aber, dessen zugeteilte Christina noch allzu jung war, geduldete sich noch etliche Jahr, und lebte unter uns als ein unverdrossener redlicher Mann.
Die Lust ein neues Schiff zu bauen war nunmehr so wohl dem Amias, als uns andern allen vergangen, indem das zuletzt angekommene von solcher Güte schiene, mit selbigem eine Reise um die ganze Welt zu unternehmen, jedoch es wurden alle Schätze an Gelde und andern Kostbarkeiten, Waaren, Pulver und Geschütze gänzlich ausgeladen und auf die Insul, das Schiff selbst aber an gehörigen Ort in Sicherheit gebracht. nachher ergaben wir uns der bequemlichsten haus-Arbeit und dem Land-Baue dermassen, und mit solcher Gemächlichkeit, dass wir zwar als gute HaussWirte, aber nicht als eitele Bauch- und MammonsDiener zu erkennen waren. Das ist so viel gesagt, wir baueten uns mehrere und beqvemlichere Wohnungen, bestelleten mehr Felder, Gärten und Weinberge, brachten verschiedene Werckstädten zur Holz-SteinMetall- und Saltz-Zurichtung in behörige Ordnung, trieben aber damit nicht den geringsten Wucher, und hatten solchergestalt gar keines Geldes von nöten, weil ein jeder mit demjenigen, was er hatte, seinen nächsten umsonst, und mit Lust zu dienen geflissen war.
Im übrigen brachten wir unsere Zeit denmassen vergnügt zu, dass es keinem einzigen gereuete, von dem Schicksal auf diese Insul verbannet zu sein. Meine liebe Concordia aber und ich waren dennoch wohl die allervergnügtesten, da wir uns nunmehr über die Einsamkeit zu beschweren keine fernere Ursache hatten, sondern unserer Kinder Familien im besten Wachstum sahen, und zu Ende des 1670ten Jahres allbereit 9. Kindes-Kinder, nämlich 6. Söhne und 3. Töchter küssen konnten, ungeachtet wir dazumahl kaum die Helffte der schrifftmässigen menschlichen Jahre überschritten hatten, also gar frühzeitig GrossEltern genennet wurden.
Unser dritter Sohn, Johannes, trat damahls in sein zwantzigstes Jahr, und liess in allen seinen Wesen den natürlichen Trieb spüren, dass er sich nach der Lebens-Art seiner älteren Brüder, das ist, nach einem Ehe-Gemahl, sehnete. Seine Mutter und ich liessen uns dessen sehnsucht ungemein zu herzen gehen, wusten ihm aber weder zu raten noch zu helffen, biss sich endlich der alte Amias des schwermütigen Jünglings erbarmete, und die Schiff-Fahrt nach der Helenen-Insul von neuem aufs Tapet brachte, sintemahl ein tüchtiges Schiff in Bereitschafft lag, welches weiter nichts als behörige Ausrüstung bedurffte. Meine Concordia wolte hierein anfänglich durchaus nicht willigen, doch endlich liess sie sich durch die trifftigsten Vorstellungen der meisten Stimmen so wohl als ich überwinden, und willigte, wiewohl mit tränenden Augen, darein, dass Amias, Robert, Jacob, Simon, nebst allen unsern 5. Söhnen zu Schiffe gehen sollten, um vor die 3. Jüngsten Weiber zu suchen, wo sie selbige finden könnten. David Rawkin, weil er keine besondere Lust zum Reisen bezeugte, wurde von den andern selbst ersucht, seiner jungen Braut wegen zurück zu bleiben, hergegen gaben sich Stephani, Jacobs und Simons Gemahlinnen von freiem Willen an, diese Reise mit zu tun, und bei ihren Männern gutes und böses zu erfahren. Roberts und Alberts Weiber aber, die ebenfalls nicht geringe Lust bezeigten, dergleichen Fahrt mit zu wagen, wurden genötiget, bei uns zu bleiben, weil sie sich beide hochschwangern Leibes befanden.
Dennoch gingen binnen wenig Tagen alle Anstalten fast noch hurtiger von statten, als unsere vorherige Entschliessung, und die erwehnten 12. Personen waren den 14. Januar 1671. überhaupt mit allen fertig in See zu gehen, weil das Schiff mit gnugsamen Lebens-Mitteln, Gelde, notdürfftigen Gütern, Gewehr und dergleichen vollkommen gut ausgerüstet, auch weiter nichts auf demselben mangelte, als etwa noch 2. mahl so viel Personen.
Jedoch der tapffere Amias, als kapitän dieses wenigen schiffes-Volcks, war dermassen mutig, dass die übrigen alle mit Freuden auf die Stunde ihrer Abfahrt warteten.
Nachdem also Amias, Robert, Jacob und Simon mir einen teuren Eid geschworen, keine weitern Abendteuern zu suchen, als diejenigen, so unter uns abgeredet waren, im Gegenteil meine Kinder, so bald nur vor dieselben 3. anständige Weibs-Personen ausgefunden, eiligst wieder zurück zu führen, gingen sie den 16ten Jan. zur Mittags-Zeit freudig unter Segel, stiessen unter unzehligen Glückwünschungen von dieser Insul ab, und wurden von uns Zurückbleibenden mit tränenden Augen und ängstlichen Gebärden so weit begleitet, biss sie sich nach etlichen Stunden sammt ihren Schiffe gänzlich aus unsern gesicht verlohren.
Solcher Gestalt kehreten ich, David, und die beiden Concordien zurück in unsere Behausung, wo Judit und meine jüngste Tochter Christina, auf die kleinen 9. Kinder achtung zu haben, geblieben waren. Unser erstes war, so gleich sämmtlich auf die Knie nieder zu fallen, und GOTT um gnädige Erhaltung der Reisenden wehmütigst anzuflehen, welches nachher Zeit ihrer Abwesenheit alltäglich 3. mahl geschahe. David und ich liessen es uns mittlerweile nicht wenig sauer werden, um unsere übrigen Früchte und den Wein völlig einzuerndten, auch nachero so viel Feld wiederum zu bestellen, als in unsern und der wohlgezogenen Affen Vermögen stunde. Die 3. Weiber aber durfften vor nichts sorgen, als die Küche zu bestellen, und die unmündigen Kinder mit Christinens Beihülffe wohl zu verpflegen.
Jedoch weil sich ein jeder leichtlich einbilden kan, dass wir die hände allerseits nicht werden in Schooss gelegt haben, und ich ohnedem schon viel von unserer gewöhnlichen Arbeit und Hausshaltungs-Art gemeldet, so will voritzo nur erzehlen,