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etwa um 3. Jahre überlebt, der vielleicht auch noch nicht so bald gestorben wäre, wenn er nicht durch einen umgeschlagenen Balcken bei dem Gebäude seiner Kinder, so sehr beschädigt und ungesund worden wäre. Jedoch sie sind unfehlbar in der ewig seeligen Ruhe, welche man ihnen des zeitlichen Lebens wegen nicht missgönnen muss.

nunmehr aber meine Lieben, sagte hierbei unser Altvater, wird es Zeit sein, dass wir uns sämmtlich der Ruhe bedienen, um Morgen geliebtes Gott des seel. Schimmers und seiner Nachkommen Wohnstädte in Augenschein zu nehmen. Demnach folgten wir dessen Rate in diesem Stück desto williger, weil es allbereit Mitternacht war, folgenden Morgens aber, da nach genossener Ruhe und eingenommenen Früh-Stück, der jüngere Albertus, Stephanus und David mit ihren Gemahlinnen, dieses mal Abschied von uns nahmen, und wiederum zu den ihrigen kehreten, setzten wir übrigen nebst dem Altvater die Reise auf Simons-Raum fort.

Allda nahmen wir erstlich eine feine brücke über den Nord-Fluss in Augenschein, nebst derjenigen Schleuse, welche auf den Notfall gemacht war, wenn etwa die Haupt-Schleusen in Christians-Raum nicht vermögend wären den Lauf des Flusses, welcher zu gewissen zeiten sehr hefftig und schnelle trieb, gnugsamen Widerstand zu tun. Die Pflanz-Stadt selbst bestunde aus 13. Wohnhäusern, worunter aber 3. befindlich, die vor junge Anfänger nur kürtzlich neu aufgebauet, und noch nicht bezogen waren. Ihr Hausshaltungs Wesen zeigte sich denen übrigen Insulanern, der Nahrhafftigkeit und accuratesse wegen, in allen gleichförmig, doch fanden sich ausserdem etliche Künstler unter ihnen, welche die artigsten und nützlichsten Geschirre, nebst andern Sachen, von einem vermischten Metall sauber giessen und ausarbeiten, auch die Formen selbst dazu machen konnten, welches der seel. Simon Heinrich Schimmer durch seine eigene Klugheit, und Larsons Beihülffe erfunden und seine Kinder damit belehret hatte. Im übrigen waren alle, in der Bau-Kunst und andern nötigen Handtierungen, nach dasiger Art ungemein wohl erfahren.

Nachdem wir allen Hausswirten daselbst eine kurtze Visite gegeben, und ihr ganzes Wesen wohl beobachtet hatten, begleiteten uns die Mehresten in den grossen Tier-Garten, den der Altvater bereits vor langen Jahren in der Nord-Ost-Ecke der Insul angelegt, und einiges wild hinein geschaffet hatte, welches nachher zu einer solchen Menge gediehen und dermassen Zahm worden, dass man es mit Händen greiffen und schlachten konte, so offt man Lust dazu bekam. Dieser schöne Tier-Garten wurde von verschiedenen kleinen Bächlein durchstreifft, die aus der kleinen Oestlichen See gerauschet kamen, und sich in den äusersten Felsen Löchern verlohren. Wir nahmen ermeldte kleine See, welche etwa tausend Schritte im Umfange hatte, wohl in Augenschein, passierten über den Ost-Fluss vermittelst einer verzäunten brücke, und bemerckten, dass sich selbiger Fluss mit entsetzlichen Getöse in die holen Felsen-Klüffte hinein stürtzte, wobei uns gesagt wurde, was massen er ausserhalb nicht als ein Fluss, sondern in unzehlige Strudels zerteilt, in Gestalt der allerschönsten fontaine wiederum zum Vorscheine käme, und sich solchergestalt in die See verlöhre. Die andere Seite der See, nach Ost-Süden zu, war wegen der vielen starcken Bäche, die ihren Ursprung im wald aus vielen sumpffigten Oertern nahmen, und durch ihren Zusammenfluss die kleine See machten, nicht wohl zu umgehen, deswegen kehreten wir über die brücke des Ost-Flusses, durch den Tier-Garten zurück nach Simons-Raum, wurden von dasigen Einwohnern herrlich gespeiset und getränckt, reichten ihnen die gewöhnlichen Geschencke, und kehreten nachher zurücke. Herr Mag. Schmelzer nahm seinen Weg in die Davids-Raumer Alleé, um daselbst seine Catechismus-Lehren fortzusetzen, wir aber kehreten zurück und halffen biss zu dessen Zurückkunfft am Kirchen-Bau arbeiten, nahmen nachher auf der Albertus-Burg die AbendMahlzeit ein, worauff der Altvater, uns Versammleten den Rest seiner vorgenommenen Lebens-Geschicht mitzuteilen, folgender massen anhub:

nunmehr wisset, ihr meine Geliebten, wer diejenigen Haupt-Personen gewesen sind, die ich im 1668ten Jahre mit Freuden auf meiner Insul ankommen und bleiben sah. Also befanden wir uns sämtliche Einwohner derselben 20. Personen stark, als 11. männliches Geschlechts, unter welchen meine beiden jüngsten Zwillinge, Christoph und Christian im 13den Jahre stunden, und dann 9. Weibs-Bilder, worunter meine 11. jährige Töchter Christina und Roberts zwei kleinen Töchter, annoch in völliger Unschuld befindlich waren. Unsere zuletzt angekommenen Frembdlinge machten sich zwar ein grosses Vergnügen mit an die erforderliche Nahrungs-Arbeit zu gehen, auch bequemliche Hütten vor sich zu bauen, jedennoch konnten weder ich und die Meinigen, noch Amias und Robert eigentlich klug werden, ob sie gesinnet wären bei uns zu bleiben, oder ihr Glück anderwärts zu suchen. Denn sie brachten nicht allein durch unsere Beihülffe ihr Schiff mit gröster Mühe in die Bucht, sondern setzten selbiges binnen kurtzer Zeit in Seegelfertigen Zustand. Endlich, da der ehrliche Schimmer alles genauer überlegt, und von unserer Wirtschafft völlige Kundschafft eingezogen hatte, Verliebte er sich in meine Tochter Elisabet, und brachte seine beiden gefährten, nämlich Jacob und David dahin, dass sie sich nicht allein auf sein, sondern der übrigen Frembdlinge Zureden, bewegen liessen, ihre beiden Geliebten an meine ältesten Zwillinge abzutreten, hergegen ihre herzen auf meine zwei übrigen Töchter zu lencken. Demnach wurden im 1669ten Jahre, Jacob Larson mit Maria, Schimmer mit Elisabet, mein ältester Sohn mit Judit, und Stephanus mit Sabinen, von mir ehelich zusammen gegeben,