
                                 Thoma, Ludwig

                                  Der Wittiber

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                                  Ludwig Thoma

                                  Der Wittiber

                                Ein Bauernroman

                                 Erstes Kapitel

Um d' Kathi is schad; ds behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne
Hauserin is weit umadum net g'wes'n, sagte der Zwerger von Arnbach, und Mnner
und Weiber, die beim Leichentrunk saen, nickten beistimmend.
    De Ehr' mua ihr a niada Mensch lass'n, da ihr d' Arbet guat vo da Hand
ganga is.
    Han?
    Die Fischerbuerin von Neuried redete undeutlich, weil sie ein tchtiges
Stck Wurst kaute; aber wie sie es hinuntergeschluckt hatte, wiederholte sie
ihre Worte.
    Da ihr d' Arbet guat von da Hand ganga is, sag i.
    Und halt vastanna hat sie 's aa, rief einer ber den Tisch hinber.
    Freili hot sie 's vastanna. Und gar so viel a guate Melcherin is sie
g'wesen, sagte die Fischerbuerin, die als Schwester der Verstorbenen heute ein
Aufhebens machen durfte. Solchene mua it viel geb'n, und it leicht, da a mal
a Kuah nach ihr ausg'schlag'n hat, und vo drei Strich hat sie so viel Milli
ausg'molka, wia'r an anderene aus vieri.
    Und g'rat'n is ihr alssammete, rief die Huberin von Glonn, sie hat a
niad's Kaibi durchbracht; und bal sie oans no so g'ring herg'schaugt hat, is ihr
it umg'stanna.
    Was mg'st? fragte der Zwerger, den die Fischerbuerin anstie. Ah so!
Geh, teat's d' Wrscht no mal her!
    Und er gab der Nachbarin hinaus, die mit Messer und Gabel darberging und
wehleidig sagte: Es is schad um sie, weil sie gar so viel a guate Melcherin
war.
    Der Schormayer von Kollbach hrte die Lobreden oder hrte sie nicht; er
schaute verloren an sein Bierglas hin; und wenn er den Deckel aufmachte und
eines trank, geschah es auch gedankenlos und ohne Genu.
    Was hoscht jetzt an Sinn? fragte ihr der Zwerger.
    Wia?
    Was d' an Sinn hoscht? bergibst, oda machst alloa furt?
    I bin do it alloa.
    Ja no, die Tochta werd aa it ledi bleib'n mg'n; und bal sie heiret, was is
nacha?
    Ds woa i jetzt aa it.
    Geh, Zwerger, la guat sei! Wer red't denn von bageb'n, bal ma d' Muatta
erst vor a Stund ei'grab'n hamm?
    Der Schormayer Lenz sagte es, und zeigte sich berhaupt als rechtsinnigen
Menschen, der auch im Unglck seine fnf Sinne beisammen hat, indem er acht gab,
da beim Leichenmahl alles mit Ordnung ging und Verwandte und Gefreundete
herzhaft zugriffen.
    Ja no, antwortete der Zwerger, mi red't grad; und wer woa, wann mi wieda
beinand is. Und es is guat g'moant g'wen, Schormayer; des sell derfst g'wi
glaab'n.
    Wia?
    I sag, da i dir nix Schlecht's moan, und nix fr unguat!
    Na, na!
    Bal d' Kathi bei'n Leb'n blieb'n waar, kunnt'st freili no a fnf Jahr
regier'n, aber a so werd 's dir hart o'kemma.
    Ja, ja.
    Sie is so viel a guate Melcherin g'wen, und in Stall berhaupts hat 's koa
besserne gar it geb'n, sagte die Fischerbuerin, indes sie einen Lffel
Rbenkraut zum Schweinefleisch nahm.
    Der Herr gebe ihr die ewige Seligkeit und lasse sie ruhen in Frieden,
Amen! rief am untern Ende eine scharfe Stimme, die zu den frommen Worten nicht
recht pate.
    Und sie ging von der Asamin aus, die mit einem kleinen Gtler ein armseliges
und streiterflltes Leben fhrte.
    Sie hatte aber auch mit der Katharina Schormayer eine Schwester begraben und
mute deswegen an diesem traurigen Tage gehrt werden.
    Amen! responsierten die Verwandten und Gefreundeten, und rusperten sich
dazu; denn sie gnnten der Asamin nicht, da sie das Wort fhren sollte.
    Dann war es still; blo da man Gabeln und Messer auf den Tellern kratzen
hrte, oder auch einen, der seufzte, oder einen, der sagte: Ja no! Jetzt is
scho amal a so.
    Nach einer Weile jedoch brachte der Zwerger die Unterhaltung wieder in Flu.
    Des mua mi sag'n, sch hat da Herr Pfarra g'redt, und g'rad fei' hat a sei
Sach' frbracht.
    Er hot berhaupts a guat's Muwerk, lobte der Schneiderbauer; da is er
ganz anderst wia der inser in Arnbach. Der sell ko gar nix.
    Ds is wahr, bei dem mua mi einschlafa, aba an Herrn Metz lob' i. Er hat
der Schormayerin ihr Ehr geb'n, da mi z'fried'n sei mua.
    Ein fleiiges Weib ist eine Krone ihres Mannes, hat a g'sagt, und dessell
hat er aa g'sagt: durch ein weises Weib wird das Haus erbauet. I hon ma 's guat
g'mirkt.
    Die Asamin lie sich zu oft hren.
    Mirk d' as no! Du ko'st as guat braucha! schrie der Schneiderbauer grob
und brachte viele zum Lachen.
    
    Bal's aba da Herr Pfarra g'sagt hat!
    Is ja recht, mirk da 's no g'rad!
    Von a Predigt ko si a niada was hoam nehma, net grad i alloa.
    Is ja recht.
    Und des sell derf i do sag'n, da mi de Predigt g'fall'n hat, und
berhaupts is sie von mir so guat a Schwesta g'wen als wia vo de andern; und des
is amal wahr, da er ds g'sagt hat. Ein fleiiges Weib, hat er g'sagt, ist die
Krone des Mannes.
    Is ja recht, bal's no du aa oane waarst!
    Nacha krieget der Asam vielleicht gar was fr di, sagte der Zwerger; und
wieder lachten Verwandte und Gefreundete.
    Schaug no, da du was kriagst fr de Dei'; und des sell mua i dir no sag'n
...
    Sei amal staad! mahnte der Lenz so nachdrcklich, da die Asamin einhielt.
    Und jetzt schob auch seine Schwester Ursula die Fleischplatte vor den alten
Schormayer hin.
    Geh, Vata, i dennerscht was!
    I mog it.
    Ds is jetzt aa nix, bal du a so da hockst; is ja des best' Sach!
    I mog it, sag' i.
    Wickel 's eahm ei! sagte die Fischerbuerin. Dahoam mag er 's na scho.
    Der Wittiber trank ein ums andere Mal und schaute mit leeren Augen vor sich
hin, da es den Schneiderbauer erbarmte.
    Wie lang bist jetzt verheiret g'wen? fragte er den stillen Mann.
    I?
    Ja, mua do bald drei'g Jahr sei.
    It ganz. Achtazwanzgi san mi beinand g'wen.
    Is a lange Zeit. Da g'wohnt ma si z'samm.
    Da g'wohnt ma si z'samm, ja, ja! Und jetz woa i gar nix mehr, wo i
hi'g'hr, und dahoam is nix, und anderstwo is aa nix.
    Es werd scho wieder, Vata, la no guat sei! sagte Lenz.
    Nix werd 's. Ds vastehst du net. Bal mi achtazwanz'g Jahr mitanand g'arbet
hat, und is oan Tag g'wen wia den andern, und auf oamal is 's gar, ds is dumm
ganga. Ds htt' 's it braucht.
    No schau, bei dir is no net allssammete aus, trstete der Zwerger. Du
host a Bargeld und kost zuaschaug'n, wann's d' heut bagibst.
    Ja, bal i d' Arbet nimma hab, was is denn nacha? Und alloa is d' Arbet aa
nimma luschti. Ds is amal nix mehr und werd nix mehr.
    Er schaute wieder vor sich hin und rhrte nichts an von allem, was
aufgetragen wurde.
    Den andern aber hatte die Trauer den Appetit nicht verschlagen; sie langten
herzhaft zu, und ber Essen und Trinken wurde es lebhafter.
    Von der seligen Schormayerin war nicht mehr so viel die Rede als von der
Ernte und von den Viehpreisen; und jeder wute etwas zu sagen, was seiner
Kenntnis Ehre machte.
    Und wie sich der Eifer steigerte, wollte auch der Lenz zeigen, da er gut
beschlagen war.
    Die Fischerbuerin wieder nahm sich der Ursula an und erzhlte ihr von
einigen Bauernshnen, die rundherum mit guter Aussicht frs Leben zu heiraten
waren.
    Und wenn ihr die Namen ausgingen, wute gleich eine andere noch einen
besseren zu rhmen; und ber ein kurzes steckten die Weiber ihre Kpfe zusammen
und waren vom Sterben mitten ins Heiraten gekommen.
    Die Asamin nicht.
    Ihre Meinung hatte in solchen Fragen erst recht keine Geltung, und berdem
hielt sie es fr richtig, jetzt mit einigen Wnschen an den Schormayer zu gehen.
    Ohne da es die andern viel bemerkten, setzte sie sich hinter den Wittiber
und fing erst einmal krftig zu seufzen an. Da er nicht darauf achtete, zupfte
sie ihn am rmel und sagte: Ds is a wahr's Kreuz!
    Der Schormayer wandte sich um. Was willst?
    A Kreuz is, sag i, da d' Kathi hat sterb'n mass'n.
    Jetz la du mi aus!
    Ja, glaabst, mi bekmmert ds nix? Sie is vo mir aa'r a Schwesta g'wen.
    I woa scho.
    Und bal i aa g'rad an arme Gatlerin bi, des sell macht da gar nix aus.
Vielleicht hon i mehra Derbarma mit dir als an anderne.
    I dank da sch. Ja, is scho recht. Und er drehte ihr den Rcken zu.
    Aber die Asamin war darber nicht traurig, sie schaute links und rechts, ob
die Gesprche noch am Flieen waren; und wie sie das mit Befriedigung sah, fate
sie wiederum den Schwager am Ellenbogen.
    Was hoscht denn?
    Du, hat d' Kathi gar it dergleich'n to, da sie ihre Verwandt'n a bissel
was zuakemma lat?
    Na, gar nix.
    Koan Pfennig it?
    Na, sag i.
    Sollt'st nacha scho du a wengl was toa, da mi liaba bet' dafr.
    Bal's d' net gern bet'st, lat d' as bleib'n.
    Sie no net glei a so gach. Mi sagt ja grad, weil 's a guat's Werk waar,
wann mi an arma Menschen was gab.
    Du hoscht ihra Lebzeit'n gnua kriagt, und hoscht as do blo vabutzt.
    I?
    Ja, du! Und jetz la mi mei Ruah!
    Jetz da mua i lacha. Wos hon denn i kriagt von ihr?
    I red nix mehr.
    Der Schormayer war ein weniges aus seiner allertiefsten Trbseligkeit
gerissen und zeigte seiner Schwgerin die breite Seite.
    Luada! brummte er vor sich hin und trank einmal.
    Die Asamin gab viel und doch nicht alles verloren; sie wartete etliche Zeit,
bis nach ihrer Meinung die Trauer wieder oben auf schwamm.
    Dann kriegte sie den Wittiber noch mal am rmel.
    Ja Herrgott ...!
    Geh! Muat it a so sei! I sag nix mehr von an Geld!
    Du kriagst scho koans.
    Ds san mi arma Leut g'wohnt. Aba, pa auf, den brauna Rock von ihr und den
Spensa kunnt'st ma do scho geb'n.
    Wos fr an brauna Spensa? fragte mit einmal Ursula, und fragte es sehr
scharf. 187;I ho do mit dir it g'red't.
    Na, aba an Vata tat'st o'betteln und schamst dir gor it.
    Ds is it bettelt, bal mi fragt!
    Dei Frag'n kenn i scho, und schama tuast di du gor it. Mcht sie 's G'wand
vo da Muatta!
    Was waar's nacha, bal mi an Spensa kriagat? Hoscht du it gnua Sach? Is ds
it da Brauch, da mi an Verwandt'n was gibt? Da mcht i scho von Betteln sag'n
und 's Mu recht aufrei'n, als wenn sie koan Schwesta net g'wen waar von mi und
's Bet'n net aa braucha kunnt!
    Die Asamin deckte ihren Rckzug tapfer und gut, wie ein jeder sagen mute,
aber sie mute eben doch zurckweichen und von allen Angriffen abstehen.
    Sie sa wieder am untern Ende des Tisches und blieb von den flinken Augen
der Ursula bewacht, so da kein lautes Gesprch mehr fr sie eine neue
Gelegenheit gab.
    Und jetz geh i, sagte der Schormayer bald darauf und stand auf.
    I geh mit dir, Vata, rief der Lenz.
    Na, du bleibst do, und de andern aa. I find alloa' hoam, und koan
Unterhaltung brauch i net. S' Good beinand!
    Er schwankte etwas und hatte in Kmmernis und Nachdenken mehr Bier
getrunken, als mancher Frhliche ertragen knnte; aber die Tre erreichte er
doch in einer migen Bogenlinie.
    Die Trauerversammlung rief ihm Gre nach und hielt wieder eine Zeitlang
Betrachtungen ab ber die Schormayerin und ihr schnelles Sterben und ber den
Tod im allgemeinen.
    Es is wirkli hart fr eahm, sagte die Fischerbuerin, und bal mi 's recht
sagt, is er z' alt zu'n no mal Heiret'n und z' jung zu'n Aufhr'n.
    Die Schneiderin rckte nher zu ihr und wisperte leise, da es die
Mannsbilder nicht hren sollten: berhaupts sag i ds: bei dem Alter is besser,
wann da Mo z'erscht stirbt, weil si inseroans leichter in d' Ruah gibt.
    Da hoscht amal recht, und des sell is no allemal wahr g'wen, wie ma sagt:
bal inser Herrgott an Hanswurst'n hamm will, lat er oan mit fufz'g Jahr
Wittiber wer'n.
    Die Fischerin sah die Schneiderin bedeutsam an, und sie nickten mit den
Kpfen und waren sich einige darber.

                                Zweites Kapitel


Der Schormayer trat tiefe Lcher in die weiche Dorfgasse, wie er jetzt an dem
trbseligen Herbstnachmittage heimging, aber er achtete nicht auf den
glucksenden Lehm, der ihm an den Stiefeln hngen blieb.
    Wenn er vom Wege abkam und beinahe knietief in den Schmutz trat, fluchte er
still und lenkte in die Mitte der Strae ein, aber bald zog es ihn wieder links
oder rechts an einen Zaun, und er blieb stehen und brummte vor sich hin:
    Nix mehr is; gar nix mehr.
    Himmelherrgott! sagte er, wenn ein Windsto in die Obstbume fuhr und ihm
kalte Regentropfen ins Gesicht schleuderte.
    Ein Hund ri an der Kette und bellte ihm heiser nach; beim Finkenzeller
ffnete die alte Mariann ein Fenster und rief ihm zu: Derfst ma 's it bel ham,
da i net bei da Leich' g'wen bi; i hon an Wehdam in die Haxen und kimm it bei
da Tr aui. I waar ihr so viel gern ganga, und derfst ma 's g'wi glaab'n, i bi
ganz vokemma, wia'n i ds g'hrt hab, und weil sie gar so ...
    Der Schormayer hrte sie nicht; er bog scharf um die Hausecke und war nun
bald, unverstndliche Worte murmelnd, an der Einfahrt seines Hofes.
    Die Spuren vieler Tritte waren noch sichtbar; sie liefen mitten ber den
gerumigen Platz bis zur Haustre, und bei ihrem Anblick raffte der Schormayer
seine Gedanken wieder fester zusammen.
    Da hamm s' as raustrag'n. Ah mei! Ah was!
    Er fate zgernd nach der Trklinke, als vom Kuhstall herber eine helle
Weiberstimme klang.
    Bauer! - Was is?
    Schaugst it eina? D' Schellerin hat a Kaibi kriagt.
    Was nacha?
    A Stierkaibi.
    Die Stalldirne klapperte auf ihren Holzpantoffeln mit hoch aufgeschlagenen
Rcken nher heran.
    Vor a Stund is 's kemma, und hat gar it viel ziahg'n braucha, und i ho mir
z'erscht denkt, i schick umi zu'n Wirt, aba nacha is an Tristl sei Knecht da
g'wen, und nacha ...
    Ja, ja! Is scho recht ...
    Er trat ins Haus und schlug die Tre hinter sich zu.
    Im Fltz stand noch der weigedeckte Tisch, und darauf ein Kruzifix, auch
war ein slicher Duft von Weihrauch zu merken, und so blieb der Schormayer
nachdenklich stehen und schaute die Stiege hinauf, ber die sie vor wenigen
Stunden seine Buerin heruntergetragen hatten.
    Er zog den Mantel nicht aus und hing den Hut nicht an den Nagel; wie er war,
ging er mit schmutzigen Stiefeln in die Stube und setzte sich auf die Ofenbank.
    Es wurde schon Abend, und die Fenster schauten wie groe Augen in dei
dmmerige Stube herein; eine Uhr tickte laut und aufdringlich, als das einzige
Ding, was hier zu vernehmen war, und ihr Schlag und die Stille und dunkle Winkel
erinnerten den Schormayer an seine Verlassenheit. Er dachte wohl nicht viel
darber nach und malte sich keine wehmtigen Bilder vor, aber er sprte die
Einsamkeit, wie er sich so vornberbeugte und auf den Boden sah.
    Da waren einige weie Flecken; und wie er nachdachte, woher sie kmen, trat
ihm lebhaft und deutlich die traurigste Stunde seines Lebens vor Augen.
    Das waren Tropfen von Wachskerzen, und da herinnen waren die Weiber
versammelt, als der Pfarrer die Leiche aussegnete.
    Er hrte die Hammerschlge, die von oben herunter tnten, als sie den Sarg
zumachten, und dann schwere Tritte auf der Stiege, und das Schleifen der
Totentruhe, und die tiefen Stimmen der betenden Mnner und die hellen der
Weiber, und dann wieder durch die Stille eine fette Singstimme, der eine andere
erwiderte mit fremden Worten, die er oft und oft gehrt, aber heute sich erst
gemerkt hatte:
    Requiescat in pa-ha-ce! A-ha-men!
    Eine zitternde, verschnrkelte Stimme, und dann das Klirren des
Weihrauchfasses, und gleich darauf ein weier beizender Rauch, der viele zum
Husten brachte.
    Und ein Flstern unter den Mnnern, die den Sarg aufhoben, und wieder viele
dumpfe Tritte und schreiende Stimmen durcheinander.
    Vater unsa, der du bischt in dem Himmel, geheiliget werde dein Name ...
    Der Bauer fuhr zusammen, weil die Stubentre aufging.
    Wos geit 's?
    I bin's, sagte die Stalldirne, die auf Strumpfsocken hereinkam.
    Was willst?
    I ho ma denkt, ob's d' as Kaibi net o'schaugst, weil 's gar so fei' is.
    Morg'n nacha.
    Und d' Kuah is aa guat beinand; gar it viel ei'brocha.
    So?
    Ganz leicht is ganga; i htt an Tristl Knecht schier gar it braucht; aba
no, mi woa net.
    Der Bauer gab keine Antwort.
    Zenzi ging ans Fenster und schaute hinaus; gegen die Helligkeit erschien
ihre Gestalt so gro und mchtig, da sie der Schormayer zum erstenmal daraufhin
anschauen mute. Die hatte einen Buckel wie ein starkes Mannsbild und dicke Arme
und volle Brste.
    Soll i dir a Kaffeesuppen kocha? fragte sie.
    Na.
    Aba d' Ursula werd so schnell it kemma, und i ko d' as leicht macha.
    I mog nix.
    Zenzi trat zur Ofenbank; und wie der Bauer sie nicht wegschickte, setzte sie
sich neben ihn.
    Ihr Arm streifte den seinen, und eine Wrme ging von ihr aus, die ihm
wohltat; den ganzen Tag hatte er das Gefhl gehabt, da es ihn frstle beim
Alleinsein, und in der Stube hatte es ihn erst recht so berkommen.
    Zenzi drehte den Kopf nach ihm zu; ihr sinnlicher, breit gezogener Mund und
ihre flackernden Augen versprachen Dinge, die selten einer verschmht.
    Aber der Schormayer schaute sie nicht an.
    Wia lang is sie jetzt krank g'wen? fragte Zenzi.
    A schlecht's Blat hat sie scho lang g'hot, erwiderte er, aba g'leg'n is
sie it lnger wia 'r a viertl Jahr; ds woat ja selm.
    An da Lungl hat 's ihr g'feit, gel?
    Ja.
    A meiniger Vetta, wo i in Deanst g'wen bi, hot 's aa'r a so g'habt und is
alle Tg weniga worn. Da is g'scheidter, bal oans stirbt.
    Ja, ja.
    Ds ko mi net anderst macha, und da waar i jetzt net a so trauri.
    Ds vastehst du z'weni, sagte er und streifte sie mit einem Blick.
    Moanst?
    Wenn ma so lang vaheiret is mitanand, da g'hrt ma so z'samm, da ma sie
ds gar it anderst ei'bild'n ko.
    Aba d' Freud ko aa nimmer so gro g'wen sei.
    Was fr a Freud?
    No, a so halt, sagte Zenzi und stie ihn mit dem Ellenbogen an.
    Er schaute sie wieder an; ihr Mund war zu einem sinnlichen Lachen verzogen,
und ihre Augen wichen nicht aus.
    Ah mei! sagte er. An selle Dummheit'n denkt mi do net.
    Waar ma scho gnua! sagte sie. Da denkat i freili dro. Fr was is ma denn
vaheiret?
    Geah! Du bischt halt no jung und dumm. In Ehstand is ganz anderst als wia
lediger.
    Warum nacha?
    Weil mi halt g'scheidter werd, und lter aa, und weil mi an was anders z'
denka hot.
    Du bischt do net z' alt.
    Zenzi rckte nher, und da fate er mit einer groben Bewegung ihren Arm und
drckte ihn fest.
    Herrgott! Aber Arm hoscht scho her! sagte er.
    Da is was dro, gel?
    Ja du bischt scho a Mordstrumm Weibsbild!
    Er griff nach ihrer Brust.
    Sie kicherte.
    Geah du!
    Was hoscht denn fr an Schatz? fragte er.
    I ho koan.
    Ja, ds wer i dir glaab'n. Vielleicht bischt gar no bei'n Jungferbund?
    Da kunnt i leichter dabei sei als wia anderne. I mag mit die Bursch'n nix
z' toa hamm.
    So schaugst du aus!
    Weil nix G'scheidt's rauskimmt dabei. Aba du bischt oana! Hrst it auf?
Hrst it auf?
    Sie lachte und wehrte sich gegen seine derben Griffe; er legte den Arm um
ihre Hfte und zog sie keuchend zu sich heran, und im Ringen fiel ihm der Hut
auf den Boden.
    Pltzlich machte sie sich mit einem Ruck frei und sprang in die Hhe. Es
kimmt wer! sagte sie hastig und streifte ihren Rock zurecht.
    Er sah verstrt und mit blden Augen nach der Tre und bckte sich, um
seinen Hut aufzuheben, als Ursula eintrat. Sie warf einen schnellen Blick auf
den Vater, der seine Verlegenheit verbergen wollte und den Staub vom Hute
abblies, und dabei fuhr sie die Magd an:
    Was hoscht denn du da herin z' toa?
    I hon an Bauern g'sagt, da mi a Kaibi kriagt hamm.
    Na geh no wieda an Stall aui!
    I geh scho.
    Der Schormayer kam ihr zu Hilfe.
    A Stierkaibi is, hoscht g'sagt? Gel?
    Ja.
    Und da Tristlknecht hat da g'holfa?
    Ja. Da Toni.
    Is scho recht nacha. Sagst eahm: i zahl eahm a paar Ma.
    Jetz mach amal, da d' weiterkimmst; du hoscht di lang gnua vahalt'n da
herin, moan i, schrie Ursula.
    's nachstmal sag i halt nix mehr, bal ds aa no net recht is; und so was
geht do an Bauern o.
    Zenzi schlug die Tre hinter sich zu, und man hrte sie noch im Fltz
schelten, und ein Stck weit ber den Hof.
    Der Schormayer hatte derweilen seine Fassung gewonnen, und der rger stieg
in ihm auf.
    Da du gar a so grob bischt mit ihr? fragte er.
    Red' liaba it, Vata!
    Wos? Derfst du mir 's Mu biat'n? Gang ds scho o? Herr bin i, da d' as
woat!
    Und ds g'hrt si amal it, da des Mensch da herin steht.
    So? Geaht mi ds nix o, was an Stall draud g'schiecht? Ds waar mi des
neuest! Bin i gar nix mehr, weil d' Muatta nimma do is?
    Jetzt hatte der Schormayer einen Boden unter sich und kam sich in seinem
Rechte gekrnkt vor. Und da schrie er, da ihm die Halsadern schwollen.
    Da waar ja i der Gar-nix-mehr auf mein Hof, und 's Mu la i mi no lang it
biat'n von enk!
    Ds hon i it to.
    Jo hoscht as to! Aba probier 's grad nomal, na zoag i dir an Weg!
    Mgst mi nausschaffa am nmlinga Tag, wo mi d' Muatta eigrab'n hamm?
    Und i la mir amal 's Mu it biat'n!
    Der Lenz stand unter der Tre und schaute verwundert den Vater an, der
zornig in der Stube auf und ab ging und die weinende Ursula anschrie.
    Was geit 's denn?
    Ds is mei Sach!
    h! machte der Lenz.
    Ja, gar nix h! Und Herr bin i, ds mirkt's enk all zwoa!
    Der Schormayer ging in die Schlafkammer, die nebenan war, und schmi die
Tre krachend ins Schlo.
    Was hot er denn?
    I sag d' as scho an andersmal, sagte Ursula weinerlich und ging hinaus;
und droben hrte der Lenz sie murmeln und zwischen hinein sich schneuzen.

                                Drittes Kapitel


Es war nicht eigentlich behaglich im Wirtshause zum Lamm. Die wenigen Gste, die
zukehrten, trugen Schnee in die Stube, der zu schmutzigen Wasserlachen zerging,
und von Hut und Mantel tropfte es auf den Boden, und es roch nach schlechten
Zigarren und nassen Kleidern.
    Die Lampe ber dem Ofentische schwelte, und die dicke Kellnerin mute immer
wieder auf einen Stuhl klettern und den Docht herunterschrauben.
    Bei dem kmmerlichen Lichte sah man den Schormayer in einer Ecke vor seinem
abgestandenen Biere sitzen; und wer kam oder ging, redete ihn an.
    Aber kein Gesprch wurde so lebhaft, da nicht die Frau Wirtin schon am
frhen Abend laut ghnte und die Kellnerin aus einem Winkel heraus als Echo mit
Ghnen antwortete.
    Wenn die Uhr rasselnd und chzend, als wenn sie einen Kropf htte, achtmal
schlug, legte der Schormayer sein Geld fr drei Halbe auf den Tisch und ging mit
einem brummigen Grue hinaus.
    Er kimmt jetzt jed'n Tag, sagte die Wirtin, und frherszeiten hat ma 'n
ganz weni g'sehg'n. Er mua dahoam it viel Schn's hamm.
    Und da hatte sie das Richtige getroffen.
    Dem Schormayer verging ein Tag um den andern mit Langweile oder Verdru; und
er war recht bel daran, da ihm sein Weib gerade vor dem Winter weggestorben
war.
    Er hatte wenig Arbeit, die ihm ber seine Gedanken htte weghelfen knnen;
die Ernte war ausgedroschen, und im Holze war nicht viel zu tun; im Rostall
hantierte sein Lenz, und bei den Khen schaute er nicht gerne nach, weil ihm die
Ursula auf Schritt und Tritt nachging und jedesmal ein Geschrei mit der
Stalldirne anhob.
    Und es war ihm selber zuwider, wenn die Zenzi Augen auf ihn machte und ihn
damit an eine Dummheit erinnerte, die ihm blo im Rausche hatte geschehen
knnen.
    Davon wollte er nichts mehr wissen; und wre die Tochter so gescheit
gewesen, die Geschichte nicht immer aufzurhren, er htte sie gern vergessen.
    Aber von den Weibsbildern kann ja einer blo Vernunft erwarten, wenn er sie
nicht kennt.
    Freilich redete sie darber nicht offen, aber der Herrgott hatte auch ihr
das Talent gegeben, da sie versteckt und von hinten herum immer wieder auf die
Sache kommen konnte.
    Ging denn ein Mittag vorber, ohne da sie Streit in die Stube trug und
hinter Schimpfen und Plrren ihm einen Brocken zu schlucken gab, den er am
Geschmack recht wohl erkannte?
    Wie sie der Magd die Schssel hinschob und den Lffel hinwarf, hatte es auch
fr ihn eine Nutzanwendung, und in jeder Grobheit, mit der sie die Mahlzeit
segnete, war ein spitziger Steften, der ihm ins Fleisch drang.
    Nein, er hatte es nicht schn daheim, und wenn er auch wirklich nicht
feinfhlig war, kam ihm das Haus doch leer und fremd vor. Die eigenen Schritte
werden so laut, wenn man wei, da niemand auf sie horcht, der zu einem gehrt;
und da kriecht einem die kalte Einsamkeit ans Herz.
    Zrtlichkeiten und schne Worte braucht man wohl nicht; aber die Gewiheit,
da jemand um einen froh sein mu, hilft einem leicht einschlafen und wieder
frisch aufwachen zur Arbeit.
    Und das merkte der Schormayer berall, da sein Kmmern und Anschaffen keine
rechte Achtung fand.
    Der Lenz widersprach ihm nicht und tat auch, was er ihm sagte; aber es war
doch so, als wenn er nachprfte, ob es ihm fr das baldige Regiment pate.
    Eigenmchtigkeiten lie sich der Lenz genug zuschulden kommen, und es war
noch viel, wenn er hinterdrein dem Vater sagte, was fr eine Arbeit er bertags
getan hatte.
    Das konnte dem Schormayer mitten bei der Nacht einfallen und ihm das
Schlafen verleiden. War ihm damit nicht deutlich vor Augen gehalten, da man ihn
blo zum Schein das Regiment fhren lasse und gerade noch ein wenig Geduld mit
ihm habe?
    Da machte er sich zornige Gedanken darber, ob er es so bald und so
unabwendbar an sich kommen lassen msse, da ihm der Sohn das Regiment abnehme.
    Freilich, wenn er es ruhiger betrachtete: wie sollte er es aufhalten knnen?
    Sobald die Ursula aus dem Hause war, mute eine Frau herein; und da er noch
einmal heiraten sollte, fiel ihm nicht ein.
    In seinem Alter das Leben von vorne und mit schweren Verdrielichkeiten und
Zerwrfnissen anfangen, das konnte nicht gut ausfallen und hie ins Ungewisse
hineintappen. Auch war der Lenz fleiig und rechtschaffen und verdiente es wohl,
den Hof so zu kriegen, wie er jetzt beisammen war. Nein, noch einmal heiraten
wollte er nicht.
    Aber gerade, weil er ber eine kleine Weile nichts mehr zu sagen htte,
sollte ihn der Sohn nicht jetzt schon daran erinnern.
    Und er sagte ihm, da er noch auf dem Bock se und kutschiere und noch
lange nicht neben dem Wagen herlaufen wolle; und wenn der Lenz meine, er knne
ihm das Sitzbrett wegziehen, dann solle er blaue Wunder erleben.
    Da war dann freilich ein verdrieliches Gesicht mehr in der Stube, und neben
der keifenden Ursula setzte der Sohn grobe Ellenbogen auf den Tisch und stach
wtend in die Schssel hinein. Diesen Zustnden ging der Schormayer gerne aus
dem Wege und hockte sich lieber neben die ghnende Lammwirtin; und das beste
davon war, da sein Haus im Schlafe lag, wenn er heimkam.
    Eines Abends aber sah er schon von weitem Licht in der Kche brennen, und
auf des Nachbarn Hauswand lag der breite Schatten einer Weibsperson.
    In der blen Hoffnung, da ihn noch ein Gesprch mit seiner Tochter erwarte,
trat er mrrischer wie sonst ein; und da klinkte auch schon eine Tr auf.
    Bischt as du, Vata?
    Ja, wer sinscht?
    I htt' di gern was g'fragt.
    Frag halt!
    Die Bas'n vo Arnbach hat ma'r a Botschaft to, und i soll morg'n zu ihr
umikemma, und es waar oana do.
    Was fr oana?
    A so halt oana.
    Fallt dera nix anders ei, da sie jetza scho kuppeln mua?
    Ja no, weil 's halt da Prckl Kaschpa vo Hirtlbach waar, und an sellan geht
ma'r it alle Tag auf.
    Ko der it zu mir herkemma und bei mir frag'n, wia 's si g'hrt?
    Er werd no nix wiss'n vo dem, und er hot grad a G'schft z' Arnbach, und 's
Basl moant, wann i drent waar, na kunnt mi vielleicht auf des sell aa 'z red'n
kemma.
    Geh halt umi, vo mir aus!
    I geh aa, wann d' Zollbrechtin fr d' Aushlf' kimmt.
    Was fr an Aushlf?
    Dahoam halt.
    I brauch' koane. Z'weg'n dem verhungern mi net, bal du net do bischt.
    Aba'r i mog it, da du alloa do bleibst.
    Han?
    I mog it, da du alloa mit dem Weibsbild dahoam bischt.
    Der Schormayer rckte den Hut aus der Stirne und fragte ruhig:
    Wia red'st denn du mit dein Vata? Han?
    Ursula verzog greinend das Maul und stampfte auf den Boden.
    Weil 's wahr is!
    Aber da schrie er schon:
    Wia du mit mir red'st, frag i, du Herrgottsaggerament!
    Ja, du wurd' mi g'schimpft, und ...
    's Mu halt, du Saufratz, du nixiga!
    Sie trat einen Schritt zurck, denn er zog die Hand auf.
    No mal sag' so was, na fangst d' aba'r oane, du Rotzlffi, du! Schaug so
was o!
    Und i ho 's amal g'sehg'n ...
    Da packte der Schormayer seine Tochter mit harten Fingern am Arme und schob
sie zur Tre hin.
    Naus, sag i, und marsch in dei Bett!
    Sie schrie weinerlich auf.
    La mi do aus!
    I wer di na scho auslass'n, di! Und ds mirk' da: bei'n erst'nmal, wo's d'
no mal frech bischt, muat d' aus'n Haus! Du Kramp'n, du mistiga!
    Er gab ihr einen derben Sto und warf die Tre hinter ihr zu.
    Sie blieb eine Weile im Hausfltz stehen und berlegte sich, ob sie
gescheiterweise noch etwas sagen sollte, aber sie griff dann lieber, wie viele
Frauenzimmer, zu einem Selbstgesprch, indes sie in ihre Kammer hinaufging:
    Und bal i s amal g'sehg'n ho, da sie bei eahm sell g'hockt is auf a
Ofabank, und ganz hibei is sie g'hockt, und d' Red' hat 's eahm aa verschlag'n,
wia'r i in d' Stub'n eina bi, und jetz wisset a bal gor nimma, was er mi
allssammete hoa'n mua. Und was i amal woa, des sell woa i.
    Und was die Ursula einmal wute, das verga sie nicht und brummte es ins
Kopfkissen hinein, bis der Unwille in Schlaf und Schnarchen berging.
    Aber auch sonst gab es noch Gerusch im Hause; denn unten flog ein Stiefel
an die Kammertre, und ein Fluch wurde lnger wie der andere, bis die Mdigkeit
den Zorn wegrumte und dafr dem Schormayer einen schweren, astreichen Block
unter die Sge schob. Und oben klinkte leise eine Tre ins Schlo, und barfu
tastete jemand ber ein knarrendes Brett und schloff heimlich und still ins
warme Nest zurck und schaute noch eine Weile mit nachdenklichen Augen zur Decke
hinauf.
    Dann drehte sich die Zenzi gegen die Wand und schickte den letzten Gedanken
zwei Tren weiter, zur Ursula hinber. Wart, du Luada! sagte sie im
Einschlafen.

                                Viertes Kapitel


Alle Dinge sind in der Nacht grer und schreckhafter wie am Tage; und sie
werden kleiner, wenn sie deutlicher zu erkennen sind.
    Das graue Morgenlicht zeigte dem Schormayer, da hinter seinem gehabten
Verdru eigentlich nichts stand wie die Dummheit einer Weibsperson, die er
niemals fr gescheit genommen hatte.
    Und er htte beim Aufwachen nicht einmal daran gedacht, wenn ihm nicht
einige Nebenumstnde die Erinnerung aufgerttelt htten.
    Denn wie er mit der Hand nach dem Nagel langte, an dem sonst seine
Taschenuhr hing, fhlte er, da sie nicht dort war; und wie er sich's
zurechtlegte, wo sie nur sein knnte, fiel es ihm ein, da sie noch im Gilet
stecken mte; und als seine Augen das Gilet suchten, lag es wieder nicht auf
dem Stuhle, sondern auf dem Boden, unweit von einem Stiefel, der recht verlassen
von seinem Kameraden dastand.
    Dieser Gefhrte aber lehnte unwillig an der Tre neben einem zerknllten
Hute.
    Es war eine lange Geschichte, der man in der frhen Stunde nur langsam mit
den Gedanken folgen konnte; und erst an ihrem Ende kam die nchtliche Frechheit
der Ursula.
    Der Schormayer berdachte Ursachen und Folgen des Auftrittes, und er wollte
gerade finden, da er sich von einigen anderen recht wenig unterschied, als es
klopfte.
    Was geit 's?
    D' Kaffeesupp'n is firti.
    Das war eine fremde Stimme.
    Er richtete sich auf.
    Han? Was is?
    Da Kaffee is firti.
    Wer is denn do?
    I.
    Wer i?
    Die Zollbrechtin.
    Jetzt schaug die amol o! brummte der Schormayer vor sich hin, und laut
sagte er: I wer nacha scho kemma.
    Jetzt schaug die amal o! Is sie furtganga und hat ma ds Weibsbild als
Aufsicht umag'schickt!
    Er schloff in die Lederhose und verschob das Waschen auf spter, um
schneller in die Kche zu kommen.
    Von der Zollbrechtin wurde er mit geschwtzigem Eifer in Kenntnis gesetzt,
da die Ursula schon in aller Herrgottsfrhe bei ihr gewesen sei und sie gar
schn gebeten habe, fr einen Tag herberzukommen und dazubleiben, bis sie, die
Ursula, wieder heimkomme, und es sei schon mglich, da es bis auf die Nacht
dauern knnte; und sie, die Zollbrechtin, htte eigentlich die Zeit nicht
gehabt, weil es daheim viel Arbeit gebe, aber weil die Ursula es gar so
kreuznotwendig gemacht habe, knne sie auch nicht so sein, und sie htte ihr den
Gefallen getan wegen der guten Nachbarschaft, und berhaupt, und es solle ihr
hoffentlich gelingen, da sie es mit dem Kochen recht mache.
    Der Schormayer lffelte schweigsam den letzten Brocken Brot aus der
Kaffeesuppe und trank die Schssel aus, und indem er sich mit der Hand das Maul
abwischte, fragte er die Zollbrechtin:
    So? Arbet hoscht viel dahoam?
    Ja mei! D' Wasch soll i bgeln, und 's Brot soll i bacha, und putz'n mat
i aa no vor 'n Sunntag ...
    Nacha gehst glei hoam; es is leicht was vosamt.
    Aba bal i 's do der Ursula vasprocha hab?
    Der Schormayer legte einige Nickelstcke auf den Tisch und schob sie der
Zollbrechtin hin.
    S, sagte er, ds is fr 's Kaffeekocha, und wann 's amal auftrifft, da
i di brauch', nacha sag' i dir 's scho selm.
    Jetz ds is amal g'spaig: bal sie heunt no bei da Dunk'lheit bei mir g'wen
is und koan Ruah geb'n hot, bis i g'sagt hab, da i kimm; und auf Ehr und
Seligkeit, ho i g'sagt ...
    Des sell machst mit da Urschula aus; und jetz' pfad di Good!
    Die Zollbrechtin war gekrnkt, und, wie es jeder Mensch zugeben mu, mit
Recht; denn fr was holt man sie bei der nachtschlafenden Zeit heraus, und wenn
sie hernach in der allergrten Gutmtigkeit nachgibt, wre es schier gar, als
htte sie um die Arbeit gebettelt, und sie wird fr ihre gutnachbarliche Meinung
hinausgeschmissen. Aber vielleicht holt man sie noch einmal? Und vielleicht ist
sie noch einmal so dumm und lat daheim alles liegen und stehen? Der erlebt was,
der wieder so kommt. Adj!
    Und beim Hinausgehen rumpelte sie an den vollen Milcheimer an, den ein
Weibsbild hereintrug.
    Oha! sagte Zenzi und schaute der eiligen Person nach.
    Bleibt d' Zollbrechtin it do? fragte sie den Schormayer, der ihr den
Rcken zukehrte und zum Kchenfenster hinausschaute.
    Er gab keine Antwort.
    Wer hot an Schlssel zu'n Kella?
    Am Tisch flackt a, brummte der Bauer, ohne sich umzuwenden.
    Soll i heunt Butta rhr'n?
    Was woa i? Mach dei Arbet, wia sinscht!
    Zenzi merkte, da der Bauer keinen gesprchigen Tag hatte und ging auf
klappernden Holzschuhen die Kellerstiege hinunter. Es mute sie aber etwas
gefreut haben, weil ihr ein heimliches Lachen um den Mund spielte.
    Der Schormayer berlegte sich, da es gescheiter wre, wenn er nicht daheim
bliebe, denn da konnte ihm der Tag so zuwider verlaufen, wie er angefangen
hatte; und weil ihm in Hohenkammer ein guter Freund lebte, mit dem er zusammen
die Militrzeit durchgemacht hatte, beschlo er, einmal hinberzugehen, auch
unterwegs da und dort sich nach dem Viehstand umzuschauen. Er machte sich also
auf den Weg und verlor an dem klaren Tag auch bald die dummen Gedanken, die sich
in der Stube an ihm festhingen und ihn mahnten, da er auf der Abseite des
Lebens angelangt sei.
    Er kam mit einem kleinen Umweg an die stattliche Ackerbreite, die ihm
gehrte - jawohl, die ihm noch gehrte, - und er stapfte mit einem befriedigten
Gemt ber die gefrorenen Schollen. Da sollte ihm ein guter Weizen heranwachsen,
und weiter drben an die zehn Tagwerk schne Gerste, die ihm der Bruer in
Indersdorf abkaufen wrde; und er sah schon im Geiste die Halme in die Hhe
schieen, voll werden und reifen.
    Wie lange, und der Tag war wieder am Wachsen! Und mute nicht ber einer
Weile der Auswrts kommen? Da sollte nur die liebe Sonne scheinen wie heute;
dann muten die Wasser in den Furchen rieseln, und klingend und klirrend wollte
er wieder mit dem Pflug die Hhe hinaufkommen hinter seinen breitrckigen
Braunen.
    Das sollte ein anderes und ein rechtes Leben werden, in dem es nichts mehr
gab von Stubenhocken und Trbsalblasen.
    Ei, da war ihm beim Gehen warm geworden, und er lpfte den Hut, indes er vor
Augen die Lustbarkeit des Schaffens hatte, und Sorgen und Hoffnungen, wie
ehedem.
    Nun ging er den Weg an seinem Jungholz entlang, und liebkosend streifte er
mit der Hand die buschigen Zweige der jungen Fichten. Die hatte er alle gesetzt,
Reihe an Reihe; und gingen sie ihn heute weniger an wie zu der selbigen Zeit?
    Und warum?
    Es wurde ihm frhlich ums Herz, und beim Ausschreiten spitzte er, ohne es
selber zu wissen, das Maul und pfiff einen alten Lndler.
    Hgel auf und Hgel ab trugen ihn die Fe und wurden nicht mde; und da
hatte er sich selber was vorgeredet vom Altwerden und merkte jetzt, da es noch
lange nicht so weit war.

Schpringt da Hirsch ber 'n Bach,
Brockt eahm drei Tritt - aberi -
Schni greani, brauni Birnblattl
Ab vo dem Baam ...

    h! Schormoar, wo aus? schrie ihn ein untersetzter, rotgesichtiger Mensch
an, der auf einem Seitenweg daher kam.
    Es war der Viehhndler Tretter von Pettenbach, ein lustiges Mannsbild,
voller Spe und mit einem gesunden Maulwerk begabt.
    Er pate dem Schormayer gut zu dem fidelen Morgen.
    Ja, gra di Good, Simmerl! Bist du um an Weg?
    Allawei. Ma mua si ja d' Hax'n weglaffa, bis ma von enk g'scheerte
Spitzbuam was kriagt.
    Mg'st was kaffa?
    Mg'n tat i scho mg'n, aba kinna ko ma net.
    Muat halt guat zahl'n, nacha geht 's scho.
    Freili. Aba wos treibt denn di umanand? - Host aa'r an Handel?
    Na, i geh' grad amal hoa'gart'n auf Hochakammer ummi.
    So, da geh' i a Trumm mit dir; vielleicht fallt da'r a Geld aus'n Sack, da
i mir a Ma Bier kaff'n ko.
    Nachdem sie eine Weile miteinander gegangen waren, fragte der Tretter: Gel,
dir is dei Wei g'storm?
    Ja, vor guatding sechs Wocha.
    Host da scho wieda 'r an anderne aufganga?
    I? A, was moanst denn?
    Da da wieda'r a resche Burin nimmst, moan i.
    I net, Simmerl.
    Den schaug o! Wia alt bist denn?
    Vierafufz'g.
    No, und i bi achtavierz'g, aba auslass'n tua'r i no lang net.
    Wer red't denn vo dem?
    I no allawei, Schormoar; und bei'n red'n bleibt 's it.
    Schormayer blieb stehen und lachte herzhaft.
    Du bist, scheint's, a ganz a scharfa, sagte er, aba 'r i moan', es kimmt
nix G'schait's raus beim zwoat'n mal heiret'n.
    Warum nacha? Schaug mi o! I hab aa scho 's zwoate Wei.
    Aba de hoscht vor zehn Jahr g'heiret; ds is was anders.
    Und bal mir de net bleibt, nimm i de dritt'.
    So was ko ma leicht sag'n.
    Und toa ko ma 's grad so leicht; und i ziag halt amal grad zwoaspannig,
weil i 's g'wohnt bi. Und da G'spa is grer, bal ma'r a neu's Weibets hot. Des
is mei Ansicht.
    Ds sagst deiner Alt'n dahoam, vielleicht dalebst nacha aa'r an G'spa.
    De? De woa des ganz g'nau. Und g'sagt hon i 's ihr aa scho oft. Bal's d'
mir heut o'schiabst, hab i g'sagt, is morg'n an Ersatz do. A bissel was hon i
allawei in da Reserv.
    Aba'r i hon halt nix.
    O jessas, ds is schnell g'fund'n.
    Mir is 's sucha z' letz, Tretter.
    Da lockst a bissel, fliag'n da grad gnua zuawa.
    I ko 's Lock'n net; i ho 's meiner Lebtag it g'lernt.
    So? No, i ho 's amal guat kinna, sagte der Tretter und pfiff durch die
Zhne.
    Mit einemmal blieb er stehen, und indem er den Stock etliche Male auf den
Boden stie, machte er ein nachdenkliches Gesicht.
    Herrgottsaggerament! Jetzt fallt ma'r aba was ei!
    Wos?
    Du, Schormoar, muat du auf Hochakammer ummi?
    Mass'n net, aba warum?
    Du, pa auf, geh mit mir nach Weichs!
    Was tat i denn do drent?
    Na, pa auf, la da sag'n: grad G'spa halba gehst mit!
    Z'weg'n was?
    Pa auf! Lus amal zua, was da'r i sag! In Weichs drent hon i a Basl, de
Limmerin, an Mathias Limmer sei Wei; und vo dera sell a Stiefschwesta is de
Kaltnerin vo Inzemoos, und dera ihr Mo is vor an Jahr g'storm, vastehst? ...
    I vasteh di scho.
    Pa auf, la da sag'n: sie hat ihran Hof z'trmmert, heuer an Hirgst; i bin
selm beteiligt g'wen beim Z'trmmern und woa des Sach guat gnua, und es san ihr
a so a fufzeh'tausad Markl blieb'n, bis de Schuld'n wegzahlt g'wen san,
vastehst? ...
    I vasteh di guat.
    Jetza pa auf: de Kaltnerin is im Kaaf mit 'n Atzenhofer vo Weichs, der a
mitter's Sach beinand hot und vokaffa mcht, und fr sie waar 's it ung'leg'n,
aba weil s' no net ganz beinand san mit 'n Preis, hot sie si ei'loschiert bei
ihra Stiafschwesta, vastehst? ...
    I vasteh di scho'.
    Ja, geh umi mit mir und schaug dir s' o! Vielleicht g'fallt s' dir.
    Ah wos! Des hot ja koan Wert it.
    Es braucht ja koan z' hamm. Bal's nix is, host an G'spa g'habt.
    Und 's G'red hon i aa berall'n da o auf d' Brautschau geh'.
    Wer red't? Wos werd g'redt? Du brauchst ja nix z' sag'n, z'weg'n da d' umi
ganga bischt.
    N ... na!
    Pa auf, la da sag'n. Mir gengan do grad zu'n Limmer; bei dem is nix zu'n
Heiret'n dahoam, und net amal de Kaltnerin ko ds schmecka, z'weg'ne was da
jetz grad du daherkimmst.
    De schmeckt nix, bal i mit dir kimm!
    Wos nacha? I ho meiner Lebtag no koan vakuppelt.
    Na ... na, Tretter; des sell hot koan Wert it.
    La da sag'n: mir is ja wurscht, net? Ob's du no amal heiretst oder net,
ds is mir ganz wurscht; aba weil mir jetz amal den Dischkursi hamm, was liegt
denn dro, bal's d' mit mir umi gehst? Host net amal so weit wia'r auf
Hochakamma.
    I ko do des Weibsbild net zu'n Narrn halt'n! Wos soll i denn red'n mir ihr,
bal i ja do koan Ernst net mach?
    Nix redst! An Limmer sein Stier schaugst o, und bei dera G'legenheit
schiagelst a bissel auf de Kaltnerin nber.
    Also vo mir aus! Grad da d' an Ruah gibst, geh'n i halt mit.
    Des is amal a Wort! lobte der Tretter. Fr was muat denn du allawei
dahoam spinna? D' Weiberleut o'schaug'n is aa'r an Unterhaltung; und ma mua ja
net all's kaffa, was ma siecht.
    Da hatte er einmal das Richtige getroffen.
    Fr was sollte der Schormayer blo immer die verdrossenen Gesichter daheim
betrachten? Und wenn er auch auf keine Meile Weges daran dachte, sich unterm
Spazierengehen eine Frau zu suchen, so war es doch lustig, einer das Maul
wsserig zu machen. Und fr einen Mann zu gelten, der leicht knnte, wenn er
blo mchte, das war auch eine gute Abwechselung nach den letzten Wochen.
    A Luada bist scho, sagte er zum Tretter, da du glei wieder oane
aufgabelt htt'st fr mi!
    O mei Mensch! Bal's d' willst, sag' i dir glei a Dutzet.
    h!
    Da is beim Eberl in Asbach oani, und beim Glas in Bruckberg waar aa koa
z'widerne, und da Prantner in Eckhof htt' an berstandige Tochter, aba no guat
bei'n Zeug, und da Sedlmoar von Arnzell ...
    Hr auf, sag i! Mit dir kam i des ganz Bezirksamt aus.
    Und no zwoa dazua. Mei Liaba, i kunnt fr an Trkl an Schmuser macha.
    Fr mi find'st aba do koani.
    Bist halt z' hoakli. Aba, pa auf: wia viel Kinda hoscht 'n du?
    Zwoa. An Buam und a Madl.
    Sell is it viel.
    Aba gnua.
    San s' scho alle zwoa g'wachs'n?
    Da Bua is sieb'nazwanz'g und 's Madl drei Jahr jnga.
    So? Ja bal's d' net o'beit, nacha kunnt i vielleicht fr de was find'n.
    Beim Madl bist vielleicht scho z' spat dro.
    Hot sie scho oan?
    Na. Aba graad heunt is sie aa'r auf da Schau.
    Und wie der Schormayer das sagte, blieb er stehen und fing zu lachen an.
    Grad heunt is sie auf Arnbach bri, und jetzt hon i des nmliche G'schft
z' Weichs drent! De moant, i hock jetzt dahoam und la mir vo da Zollbrechtin a
Mua kocha! Daweil laff i umanand und schatz d' Weibsbilder o. Do kunnt'st
varecka!
    Er lachte, da ihm der Atem ausging.
    Und dann schlug er dem Tretter, der seine Frhlichkeit ohne Verstndnis sah,
auf die Schulter.
    Siehgst, Simmerl, schrie er, jetzt freut's mi erscht, da i mit dir
hinter an Weiberkitt'l herlaff, und grad fidel mua 's heunt wer'n. Und bal ins
de oa net g'fallt, nacha renna mir wia d' Hund, bis ma'r an anderne z'weg'n
bringa.
    Wos hoscht denn auf oamal?
    Nix hab i! Kreuzluschti bin i! Herrgottsaggerament, hot si ds sch
auftroffa, da i heunt auf den nmlinga Markt treib' wia d' Urschula! Wer woa,
wer sei Viech schneller o'bringt? Ha ... ha ... ha!
    Du damischer Tropf, was g'freut di denn a so?
    De Dummheit g'freut mi ... ha ... ha ... ha! Dahoam, woat d', htten s'
ma'r a Kindsmagd ei'gstellt, und dawei laff i bis Weichs an 's Kammafenschta!
    Ds vasteh i net.
    Braucht 's net, Simmerl! Aba'r i vasteh 's guat, wia dumm ds oft is, wenn
was recht g'scheit sei mcht'. Und jetzt bin i amal kreuzfidel, und Bier trink'n
mir ins heunt gnua!
    Gilt scho! schrie der Tretter und lachte mit.
    Der Schormayer aber schritt noch um eins lebhafter aus, und zwischen Husten
und Lachen redete er vor sich hin: Jetzt kunnt 's glei ganz dumm geh' ... ha
... ha ... ha ... Du Lall'n, du dappige!

                                Fnftes Kapitel


Rosina Buchberger, die verwitwete Kaltnerin von Inzemoos, war aber ein schieches
Frauenzimmer, so viel sich abschtzen lie. Denn genau konnte man ihr Gesicht
nicht erkennen, weil die rechte Hlfte bermig angeschwollen war, und weil sie
gegen ihr heftiges Wehtun ein wollenes Tuch um den Kopf gewickelt hatte. Der
Schormayer sah nicht viel mehr als ihre spitzige, etwas angertete Nase und zwei
streitschtige Augen und das Maul, das nur durch die Zahngeschwulst etwas
behaglicher in die Breite gegangen war. Da sie in ihren argen Schmerzen noch
bissige Worte hatte und so gar nicht zur Wehmut und Milde gestimmt war, lie auf
eine schreckhafte Sure in ihrem Wesen schlieen; und was ein Mann ist, der
achtundzwanzig Jahre lang die frauenzimmerlichen Eigenschaften in der
christlichen Ehe hat aufblhen sehen, der kennt sich aus.
    Nach der ersten Viertelstunde wute der Schormayer, da er eine schlechte
Fuhre htte, wenn er sich die Kaltnerin einspannen wrde; aber diese Erkenntnis
machte ihn nicht traurig, sondern er wurde dazu aufgelegt, den Tretter und die
Limmerin und die ihm zugedachte Person zu foppen und auf aller Kosten einen
ordentlichen Spa zu haben. Da sie nach der krzesten Zeit ihre Heimlichkeiten
miteinander und gegen ihn hatten, merkte er gut, weil seine Augen durch keine
Wnsche geschwcht waren; und er beschlo, sie mit Freundlichkeit zu
hintergehen.
    Zuerst war er mit dem Limmer und dem Viehhndler im Stall gewesen und hatte
jedes Stck geprft und abgeschtzt, und der Tretter hatte sich viele Mhe
gegeben, ihm eine alte Kuh anzupreisen. Da wurden alle Fehler zu Vorzgen, und
was noch so offensichtlich war, wurde abgeleugnet; und gefiel dem Schormayer die
hintere Partie nicht, dann lobte der Tretter die vordere, und hatte der
Schormayer vorne etwas auszusetzen, dann ttschelte der Tretter die Kuh hinten
voller Bewunderung.
    Aber so oft er auch in die Hand spuckte und sie zu einem treuherzigen und
richtigen Abschlu des Handels hinstreckte, der Schormayer schlug nicht ein,
sondern beutelte den Kopf wie einer, der Fliegen abwehrt.
    Wie sie hernach mit den Limmerischen in der Stube saen und ein Weibsbild
mit eingebundenem Gesichte recht zufllig bei der halbgeffneten Tre
hereinschaute und gleich wieder zurckfuhr, schrie ihm der Tretter nach, es
solle nur hereinkommen und sich zu ihnen setzen.
    Und da lie es sich berreden und setzte sich an die Kante der Bank und war
also die Rosina Buchberger.
    So, du bischt da Schormoar vo Kollbach? sagte die Limmerin. G'hrt hin i
schon an fte'n vo dir, aba bekannt bischt du mi nix g'wen.
    Wia 's halt geht; mi siecht sich zwar und kennt si net.
    Da dei Burin an Hirgscht g'schtorm is, han i wohl vanumma. Si is vo
Arnbach g'wen, gel?
    Ja, von Gruaba z' Arnbach is sie g'wen.
    Aha, gel ja? Was hot ihr nacha g'feit, da sie schter'm hat mass'n?
    A da Lungl.
    Siehgst as do, a da Lungl! Da lat si nimma viel richt'n, bal oans da it
den recht'n G'sund hot. Wia alt is sie g'wen?
    Fufzgi waar s' auf Liachtme' wor'n.
    Ds waar freili no koan Alter! Da brauchat sie 's no gor it!
    Die Limmerin schttelte bedauernd den Kopf, und dann deutete sie mit dem
Daumen auf das verhllte Weibsmensch, das mit untergeschlagenen Armen
nebendrauen hockte.
    Ihrer Mo hat aa so fruah weg mass'n; is no koane vierz'gi g'wen.
    So? sagte der Schormayer und drehte den Kopf nach der Kaltnerin zu. Is
sie Wittiberin?
    Scho bald seit a'r an Johr.
    Was hot nacha eahm g'feit?
    Z' tot g'suffa hot er si, gab jetzt die Kaltnerin zur Antwort, und ihre
Stimme klang trotz der Geschwulst und dem Zahnbunde noch scharf genug.
    Ds is eahm jetzt aa vazie'cha, meinte die Limmerin gutmtig.
    Ja - vazie'cha! machte die Witwe und schnupfte unwillig auf.
    ber an Tot'n soll ma guat red'n, mischte sich der Tretter ein; aba was
wahr is, derf ma sag'n. Bal sie it g'wen waar, htt' da Kaltner an Hof it lang
g'habt; der hot na g'fuattert, so lang i 'n kennt hab, und de letzt Zeit is er
aus 'n Rausch nimma'r aui kemma, aba sie hat 's Sach z'sammg'halt'n, und g'rad
lobenswert. Ds mua wahr sei.
    Hat 's scho braucht! sagte die Witwe bitter und feindselig und zog das
Gesicht hinter den Bund zurck, da man nur mehr die Nasenspitze sah. Sie nahm
auch keinen Anteil mehr am Gesprch, das ber Viehstand und Haushaltung einen
bedchtigen Gang nahm.
    Bis da der Schormayer einmal auf die Seite gehen wollte und die Stube
verlie.
    Wie er zurckkam, merkte er wohl, da sie einen geschwinden und eifrigen
Diskurs ber ihn gehabt hatten.
    Der Tretter steckte noch ein angefangener Satz im Maul, den er mit einem
Husten in der Mitte abbrach und mit einem Schluck Zwetschgenschnaps
hinuntersplte; die Witwe aber war zum Tisch herangerckt und streifte den
Eintretenden mit flinken Augen.
    Der patschte in die Hnde und sagte: So, Tretter, jetzt mass'n mir ins
wieda auf 'n Weg macha!
    Ja, was waar denn it ds! wehrte die Buerin eifrig ab, und der Limmer
meinte, das ginge doch gar nicht, da der Schormayer nicht auch ein Stck
Geselchtes probiere, und der Tretter weigerte sich, und die Witwe sagte so
liebenswrdig, als es ihre Natur erlaubte:
    Du werst nix vasamma, wann's d' no bleibst.
    Aha! dachte der Schormayer. Aha!
    No vo mir aus, sagte er; bleib i halt no a wengl, denn des sll is wahr,
da dahoam neamd auf mi wart'.
    Hoscht koane Kinda? fragte die Limmerin.
    Zwee; aba de san scho lang aus da Schul'; 's Madl mcht heiretn, und da Bua
mcht regier'n.
    So, de san scho so gro?
    Ja; schier ber 'n Kopf ausg'wachs'n.
    Hoscht Vadru damit?
    Na, sell it. Aba g'freu'n ko 's mi aa it, da i bageb'n mua.
    Ds brauchst d' ja it, bal's d' it mogst, sagte die Witwe.
    Freili ko mi neamd zwinga dazua, aba woat as scho, wia 's is. A lediga
Mensch bedeut it viel auf an Hof. Da g'hrt a Bu'rin eina; es is amal net
anderst.
    Na stellst da halt oani ei!
    Han?
    A Bu'rin stellst da'r ei, na bischt wieda aufg'richt. Die Kaltnerin war
recht lebendig geworden und probierte es mit einem freundlichen Lachen, aber der
geschwollene Backen gab ihm einen schmerzhaften Zug.
    No mal heiret'n, moanst?
    Wos denn! Du brauchst no it vazag'n, und bist no bei die best'n Jahr.
    Ds nmli sag i aa, schrie der Tretter lrmend und schob dem Schormayer
ein geflltes Schnapsglas hin. Da, trink amal, da d' a Schneid kriagst!
    Dank sch; auf 's Wohlsei!
    Sollst d' scho leb'n aa! Herrgottsaggerament, wann oana so bei 'n Zeug is
wia du, und red't von bageb'n!
    Ja, mei Liaba, an Fufz'ga g'spr i guat!
    Schaug' an Ertl Kaschpa o! sagte die Limmerin. Der is nah bei sechzgi
g'wen, wia'r a de Gleixnerin g'heiret hot; und jetz is sie scho mit 'n dritt'n
Kind in da Hoffnung. - Geh?
    Freili. Gel, ds muat aa sag'n? fragte sie ihren Mann.
    Und der Limmer nickte zustimmend mit dem Kopf.
    Is scho wahr; an Ertl de sei' bringt jetzt ds dritt'.
    Na waar 's ja no gar it so weit g'feit! lachte der Schormayer.
    Durchaus it, besttigte die Limmerin. Aba was is denn, mgt's net a
bissel was z' ess'n? A G'selcht's mit an Kraut htt' i.
    Tua 's no her! lrmte der Tretter; und weil auch der Schormayer nicht
ablehnte, ging die Buerin in die Kche. Die Kaltnerin rckte noch um eines
Nher und schien mit der Zeit eine umgngliche und gesprchsame Person werden zu
wollen.
    Is schad', da d' a G'schwr host, sagte der Tretter zu ihr.
    Warum?
    Weil ma it siecht, wie's d' ausschaugst. Sie is sinscht it so unsauber!
versicherte er dem Schormayer, der freundlich nickte.
    Mir feit sinscht gar nix, sagte die Kaltnerin eifrig, und 's Kranksei is
mir eppas Fremd's, und z'weg'n dem Zhnweh schauget i gar it um, wann i an Arbet
htt', aba weil i nix z' toa hab', bleib i halt in da Stub'n.
    Bist da auf da Visit'? fragte der Schormayer.
    Ja und na, wia ma 's nimmt. I hocket mi it her blo zu'n Hoamgart'n, aba i
bin in Kaff mit 'n Atzenhofer von da, und jetz is mir ganz passet, da i bei 'n
Limmer untasteh ko.
    So, du willst was kaffa? Is ds na a grers Sach'?
    Eppas ber vierz'g Ta'werk.
    Alloa werst na wohl it furt haus'n woll'n?
    N ... ja.
    Ds leid'n mir gar it, da du Wittiberin bleibst, sagte der Tretter. Gel,
Limmer, ds gibt 's it?
    Besser waar g'schafft, wann s' an Beistander htt.
    Was na fr oan? greinte die Kaltnerin. Vielleicht wieda so oan, der all's
vasauft, was i derarbet?
    h! Es werd scho anderne aa no geb'n! Pa no auf, was da'r i fr oan
auftreibt!
    Siehgst, Kaltnerin, sagte Schormayer schmunzelnd, mir zwoa bringan an
Tretter in Schwung. Fr mi mua a'r a Weibets sucha und fr di an Mo.
    Wia waar 's denn, bal i enk zwoa glei frischweg z'sammspannet? schrie der
Viehhndler lustig.
    Der Schormayer ging lachend darauf ein und meinte, das liee sich wohl
berlegen, und wenn ihn die Kaltnerin fr einen Ganzen nehme, knne die
Handelschaft am Ende gar noch richtig werden.
    Die Kaltnerin zog den Kopf tiefer ins Tuch zurck und sagte, da sei doch
kein Ernst dabei, und der Tretter sei berhaupt so einer, der die Leute foppe.
    Ds is durchaus gar it g'foppt, schrie der Viehhndler, der einen schnen
Profit in der Ferne winken sah und darum dringender wurde. Warum soll nacha ds
blo a G'spa sei? Der Schormoar werd koa' ganz Junge net mg'n, de hint und
vorn nix vasteht, und du waarst ganz passet fr eahm. Du bischt deiner Sach sch
frg'stanna in Inzemoos und host it viel Hilf g'habt dabei.
    Ds sell is g'wi und wahr; Hilf' hon i gar koane g'habt, und berhaupts
hon i de letzten Johr alloa auf d'Arbet denka mass'n, wei' ...
    No also! Ds sag' i ja!
    Wei' da Kaltner scho berhaupts gor nimma hat o'greifa kinna, aa bal er
mg'n htt, weil a d' Sucht g'habt hot, und is eahm allssammete z' schwaar
g'wen, und bal er 's probiert hot, is er marodi worn und hot aa glei wieda
g'suffa.
    Do waar ja i no da besser, sagte der Schormayer treuherzig.
    Da host recht! Du bischt scho anderst beinand, als wia'n er g'wen is,
versicherte die Kaltnerin, indes sie voll Anerkennung ihr Gegenber anschaute.
    Bei der Arbet bin i heunt no it schlecht, und ds letzt Fruhjahr hon i selm
a fufzeh' To'werk umg'ackert, da mir koa Junga net frkemma waar.
    Und im Bett bist du aa no it schlecht, schrie der Tretter und schlug
frhlich auf den Tisch.
    Ds sell woa mi net ...
    Ganz laderli werst nacha do scho net sei, du Tropf, du eiskalta!
    Geah! Red do it so daher! wehrte die Kaltnerin ab.
    Ds g'hrt aa zu'n Handel, ob er koan g'setzlinga Fehla net hat! lrmte
der Viehhndler und lachte herzhaft ber seinen Spa.
    Du muat di do schama, was du alssammete daher bringst!
    Wos nacha? Kaffst du vielleicht d' Katz in Sack?
    Da lachten nun alle miteinander, und der Schormayer wurde blaurot im Gesicht
und mute sich die Trnen abwischen. Sogar das geschmige Weibsbild wollte
lustig kichern, und es ging aber nicht.
    Mit dampfenden Schsseln kam die Limmerin herein; Geselchtes, das von warmem
Fett glnzte und appetitlich im Kraut lag, und auch Erdpfel brachte sie; und
indes sie ihre wohlschmeckenden Gaben auf den Tisch stellte, sprach sie ihre
Freude darber aus, da es so kreuzlustig in der Stube geworden sei.
    Pa auf, Limmerin, antwortete der Tretter, es rankelt si was z'samm, und
berecks hamm mir a Hozet!
    Was na fr oane?
    Bal da Wittiber d' Wittiberin packt.
    Oho! Ds waar aba schnell ganga!
    Es is aa no it ganga, sagte der Schormayer, mi red'n g'rad a bissel
davo.
    Die Unterhaltung schwieg, denn die Mannsbilder langten zu und hatten tchtig
zu kauen.
    Die Limmerin aber setzte sich neben die Kaltnerin auf die Bank, und sie
rckten beide weiter vom Tisch weg und tuschelten eifrig miteinander; und was
sich nicht sagen lie, teilten sie sich zwinkernd und blinzelnd in der
Augensprache mit.
    Dann wischte dich der Tretter mit der Hand bers Maul. So, guat war 's. -
G'segn 's Good! sagte die Limmerin. Httst vielleicht no mehra mg'n?
    Na, es g'langt scho. Aba pa auf, Schormoar, jetz soll' mi nacha wirkli
amal vo dera Sach mit Ernst aa red'n.
    Vo was fr a Sach?
    Vo 'n Heiret'n halt. Und sie soll sag'n, was s' hat.
    Der Tretter deutete dabei mit dem Daumen auf die Kaltnerin. Die schaute nun
auch erwartungsvoll auf den ihr Zugedachten; aber der Schormayer holte sich noch
eine Gabel voll Kraut und schob sich einen Bissen ins Maul.
    Fr ds is heunt no koa Zeit, sagte er kauend und schmatzend.
    Firti macha brauchst heunt freili nix, aba red'n kinna mi do, red'n.
    Der Schormayer nickte mit dem Kopf.
    Sie soll halt red'n.
    Da blinzelte der Tretter ermunternd die Kaltnerin an.
    Jetz sag 's eahm, was d' hast.
    Und das Weibsbild lockerte sein Kopftuch, damit man es deutlicher hrte, und
schnupfte etliche Male auf und begann:
    Von Inzemoos san ins blieb'n fufzeh'tausad dreihundert und zwanzg March,
und achttausad March san Bargeld, und des ander is auf zwoate Hypathek auf'n
Kaltnero'wes'n blieb'n.
    De is aba guat; da brauchat mi koan Angst it hamm, warf der Tretter ein;
de erst Hypothek is a Bankgeld, und it viel.
    Die erscht Hypathek san viertausend March, und na kimmt des inser, und vo
dera Hypathek und von Bargeld g'hrt de Hlft mei, und des ander g'hrt de drei
Kinda, und derf aber i de Zins'n ziahg'n, bis da sie mndig wer'n; und a so
steht 's g'schrieb'n.
    Der Schormayer stocherte mit der Gabel im Kraut herum, ob sich nicht noch
ein Stck Fleisch fnde, und die andern, die ihn alle zusammen betrachteten,
muten glauben, da er seine ganze Aufmerksamkeit auf das Suchen gerichtet habe.
    Nun wandte er doch seinen Kopf der Witwe zu und fragte: So, Kinda hoscht
drei?
    Ja. Zwoa Madln und oan Buam, und des ltest is elf Jahr alt, und da
Lochmann von Inzemoos nahm 's glei zu eahm, hat er g'sagt, weil er 's zu'n
Hat'n braucha kunnt'.
    I tat ma 's selm zu der Arbet richt'n, wann i du waar.
    Ja no, mi sagt g'rad, wann eppa drei Kinda z' viel waar'n, und weil du aa
zwoa hoscht ...
    Wer red't denn vo mir?
    Mi sagt ja g'rad, fr den Fall, da 's eppas wurd mit ins zwoa, und es war
si a Hindernis vorhand'n z'weg'n die Kinda.
    Auf des sell gang 's aa nimma z'samm, aba i ko dir heunt no gar nix sag'n,
was i an Sinn ho. Ds geht so schnell it bei mir, und i bi mir it g'scheit
gnua.
    Heirat'n is it Kapp'n tauscht, sagte die Limmerin, und a niada Mensch mu
si ds g'nau berleg'n, und du werst na scho wieda zuakehrn, Schormoar, bal dir
allssammete pat.
    Ds is amal richti, versicherte der Schormayer, berlegt mua de Sach
wern. Ds lat si net auf ja und na richt'n, und i wer jetz dahoam nachdenka
ber ds.
    Moanst d', bei mir is anderst? fragte die Kaltnerin. I woa ja no gar nix
vo dir. - Mi derfragst d' leicht.
    Mit n' Derfrag'n is it to; mi mua aa wiss'n, wia du 's mit deine Kinda
hoscht.
    Desz'weg'n sag i ja, da i a Zeit brauch zu'n berleg'n.
    
    Is ja recht. berlegst d' as halt!
    Die Kaltnerin hatte ihr mildes Wesen abgelegt und wollte sich nicht mehr
liebreich zeigen; und wie der Schormayer aufstand und allerseits einen
herzlichen Abschied nahm, verklang ihr Gegengru beinahe hinter dem Tuch. Dann
aber, als er schon unter der Tre stand, schien es ihr doch, da ihrerseits
nichts versumt werden drfte, und sie schrie ihm nach, etwas htte sie noch
vergessen: da ihr Vetter, der Buchberger von Glonn, kinderlos sei und nach
seinem Ableben ihr an dreitausend Mark hinterlassen msse, wenn es nach Rechten
gehe.
    Ganz guat, sagte der Schormayer, und nacha, bal i also de Sach balegt
hab' und bal s' in Richtigkeit is, nacha kimm i wieda oder i tua dir a
Botschaft, da du zu mir umi kimmst. Pfat di!
    Und damit ging er zum Hause hinaus und schmunzelte ein wenig, weil der
Tretter noch zwischen Tr und Angel mit den Limmerischen und der Kaltnerin eine
Verhandlung hatte.
    Erst am Ende der Dorfgasse holte ihn der Viehhndler ein. Sie gingen eine
Weile miteinander, ohne zu reden; der Tretter hustete, weil ihn das Laufen
angestrengt hatte, und der Schormayer rlpste etliche Male recht krftig.
    Ds Schweinerne war aba fett, sagte er.
    Ja, ja. Und wia g'fallt s' da?
    Han?
    Wia s' da g'fall'n hat?
    I hab d' as scho g'sagt, da s' z' alt is.
    Z' alt?
    Ja, und mehra wia drei Kaibln hat s' aa scho g'habt. Do ko'st du mir nix
frmacha.
    Drei Kaibln? Vo wem redst denn du?
    Vo da Kuah halt! Aba mi drahst du net a, mei Liaba!
    Wer red't denn vo da Kuah? I frag di, wia da de Kaltnerin g'fall'n hat.
    Ah so! Der Schormayer lachte still vor sich hin. Du moanst de Kaltnerin?
    Freili! Da d' mi fei du net vastand'n host, du Plana, du elendiga! Jetzt
sag aba g'scheit, was d' moanst!
    I moan gar nix, Tretter.
    No ds sell muat d' do wiss'n, ob sie dir g'fall'n hat und ob 's mgli
waar.
    Mgli? Warum net? Mgli is all's.
    Sie is koa uneben's Weibsbild, derfst d' ma 's glaab'n, Schormoar. Mir hot
sie recht guat g'fall'n.
    Dir?
    G'wi is 's wahr. I kenn s' scho lnga, und i gib ihr ds best' Zeugnis.
    Nacha sollst da s' selm aufg'halt'n, wann's d' vielleicht do no ds
drittmal zu'n heiret'n kamst.
    Ah was! Jetzt hr mit deine G'spaetln auf und red a Wort! Magst d' as,
oder magst d' as it?
    I woa it.
    Da merkte der Viehhndler wohl, da er kein schleuniges Geschft machen
knne; aber als ein zher Mann mochte er nicht so schnell von seinen Absichten
lassen, und er versuchte noch mancherlei.
    Der Schormayer gab ihm keine Hoffnung und nahm ihm keine. Er war so lustig
aufgelegt wie schon lange nicht mehr, weil er den Tretter, der ihn hatte fangen
wollen, so schn an der Angel hielt. Auf seinen Vorschlag kehrten sie in jedem
Wirtshaus unterwegs ein, und er freute sich an dem schnen Eheglck, das ihm der
eifervolle Schmuser ausmalte, und auch daran, da sich dieser Mensch so ganz
umsonst plagte.
    Eine halbe Stunde vor Kollbach und an einem Kreuzwege mute er Abschied
nehmen von ihm, und er tat ihm auch da den Schmerz nicht an, seine wahre Meinung
zu sagen, sondern lie alles im Ungewissen und Aussichtsreichen.
    Also, Schormoar, sagte der Tretter, indem er mit glsernen Augen seinen
Weggenossen anschaute, also, es bleibt dabei: mir gengan no amal umi auf
Weichs.
    Ds hoat, bal i ...
    Nix da! Mir gengan umi, und du packst de Kaltnerin z'samm, sag i dir!
Herrgottsaggerament!
    Is scho recht. Und du gehst jetzt hoam und schlafst dein Rausch aus!
    Wos Rausch? I hon koan Rausch! Und ds mua sei Richtigkeit hamm, da mir
auf Nikolo ... ha! Jetzt htt 's mi bald g'riss'n ... also da du und de
Kaltnerin ... vastehst? Da de Kaltnerin und du ... gel? Alta Spezi! Und ... und
... woat, i bi dei Freund, und i moan da 's guat, la da sag'n ... ha! und auf
deina Hozet ... da mua i no tanz'n, und grad luschti mua wer'n, gel? Da hau
hera!
    Der Tretter spuckte saftig in die Hand und hielt sie zum Treugelbnis hin,
aber der Schormayer war schon weitergegangen und in der Dunkelheit seinen
Blicken beinahe entschwunden.
    Da schrie er ihm mit heiserer Stimme nach:
    Schormoar! Pa auf! Auf Nikolo gilt 's scho! Mir gengan umi!
Herrgottsaggerament ...
    Er schlug den Weg nach Pettenbach ein und schlug einen Haken nach rechts,
wenn er links zu nahe an den Graben gekommen war.
    Einmal blieb er noch stehen und horchte, denn es war ihm, als htte ihm der
Freund gerufen; und indem er die Hnde vor den Mund hielt, schrie er in die
Nacht hinein:
    Wos willst? Hoscht d' was g'sagt?
    Es kam keine Antwort, und der Tretter ging weiter.
    Der Schormayer hatte nichts mehr von ihm gewollt, aber er hatte laut gelacht
und mit sich selber geredet.
    Schaugt's no grad den b'suffan' Spitzbuam o! Htt er schmusen mg'n! Ha ...
ha ... und mit dera Beizanga!
    Und indem er im Gehen nach dem lrmenden Tretter hinhorchte, schickte er ihm
die allerfreundlichste Einladung nach.

                                Sechstes Kapitel


Ganz nchtern war der Schormayer selbst nicht mehr, wie er nun am Waldrande
dahinging und mit dem Stecken frhlich an die Baumstmme schlug. Alles, was er
an diesem Tage erlebt hatte, war ihm ein rechtes Gaudium gewesen, und seine
Frhlichkeit war nicht trocken gelegt. Wie das schieche Weibsbild einmal grantig
und einmal zutulich gewesen war, und sich gleich gar schon ausrechnete, was sie
mit ihren Kindern tun werde! Fr den Fall, da 's eppas wurd' mit ins zwoa.
Freilich. Her und am Baum nauf! Das htte er sich ja so gedacht! Ein zuwideres
Frauenzimmer aus dem Hause hinaus, und noch das grimmigere dafr herein, und
schlechte Tage, einen fr den anderen, bis zum letzten.
    Was sie dem Tretter versprochen haben mute, da der gar so brig auf die
Heirat wurde? Und wie schnell sich die verstanden hatten! Han?
    Ein paar Minuten war er drauen geblieben, und da waren sie schon einig. Die
Limmerischen auch. Fr die htte wohl auch geschwind was abfallen sollen; und
der Zahler wre er, der Schormayer, gewesen. Jetzt hockten sie gewi noch
beieinander und rechneten dem schiechen Weibsbild vor, was es fr ein Glck
machen knne auf dem grten Hof von Kollbach mit gutding hundert Tagwerk Grund,
sechs Ro und an die vierzig Stck Vieh. Da knnte die Kaltnerin den Hintern gar
stolz drehen, wenn sie als Buerin in dem allerschnsten Sach herumginge und
alles kommandierte und ihre scharfe Stimme ertnen liee. Was die sich blo
einbilden! Braucht gar nix, als nur gerade wollen, und das Weibsbild hockte sich
mit seinen fnfzehntausend Mark - oder nein, blo mit der Hlfte! - als
Schormayerin nach Kollbach hinein.
    Aber das war hernach lustig gewesen, wie er sie alle miteinander zwei
Stunden lang an der Nase herumgefhrt hatte, und den ganz gescheiten Tretter
erst recht. Du muat it glaab'n, da i was davo hab! Vo mir aus derfst du gnua
ledi bleib'n, und zweg'n dem bin i um koan Pfenning net rmer. Hat sie dir
nichts versprochen hinter der Tr, und meinst du, andere Leute sind dmmer wie
du? Du Trpferl! - Hopp auf! Ein vorspringender Ast streifte dem Schormayer den
Hut vom Kopfe, und da war er auch schon am Walde vorbei und stand auf der Hhe
oberhalb Kollbach. Er strengte die Augen an und schaute nach der Richtung, wo
sein Haus lag. Kein Licht schimmerte darin.
    War die Ursula noch nicht daheim, oder lag sie schon im Bett?
    Und wenn sie daheim war und nicht ihn und nicht die Zollbrechtin gefunden
hatte, dann mut sie die Augen aufgerissen haben. Herrgott, sie htte ihn heute
sehen sollen beim Limmer in Weichs, wie sich vier Leute die schnste Mhe mit
ihm gaben und ihm wie einem jungen Hochzeiter um den Bart gingen. Bist doch
nicht ganz und gar der alte Daddl und Austragler, der fr nichts mehr gut ist
auf der Welt! Mu doch noch was sein an dir, wann die Weibsbilder liebreich
werden, da sie dir gefallen! Wer wei, ob der Prckl Kaspar heute drben in
Arnbach der Ursula so schn getan hatte wie ihm die Kaltnerin, der die Augen
glanzig wurden vor hoffnungsvoller Erwartung!
    Jawohl, du Schneegans, das httest du dir nicht einfallen lassen, da der
Vater die Zollbrechtin hinauswrfe und auf die Brautschau ginge und beim
erstenmal ein Weibsbild an der Angel htte! - Die Vorstellung, wie er heute aber
schon auch alle Mitmenschen, und seine Tochter am allermeisten, hinters Licht
gefhrt hatte, machte den Schormayer immer noch frhlicher, und er stolperte
seelenvergngt in seinen Hof. Der Hund schlug an.
    Sei staad, Russel! Kennst d' mi net?
    Da schloff der Schnauzl in seine Htte zurck, und der Bauer holte unter
einem Steine den Schlssel heraus und sperrte auf.
    Er tappte schwer in das Hausfltz und tastete etwas unsicher nach der
Stubentre. Jetzt knarrte oben im Gang ein Brett, und ein Licht blitzte auf.
    H! Urschula, bischt as du?
    Na, i bin 's.
    Ah, d' Zenzi! Bischt du no auf?
    I bi scho g'leg'n, aba i bin aufg'stanna, wia'r i di g'hrt ho.
    Is na d' Urschula no it dahoam?
    Na. Sie is no it kemma.
    Zenzi war bis zur Stiege vorgegangen, und da sah sie der Schormayer im
Unterrock und Hemd oben stehen; sie hielt ein Kerzenlicht, das sie mit der Hand
gegen den Zug schtzte, und der Schein fiel auf ihr Gesicht und die bloen
Schultern.
    Irgend etwas trieb den Schormayer dazu, da er die Stufen hinauf ging und
nun auf einmal neben der Dirne stand und sie an der Schulter fate.
    Herrgott, du bischt aba g'stellt!
    Jessas, ds wenn d' Ursula wisset!
    Was pa denn i auf de auf?
    Du pat scho auf! Host d' mi ja de ganz Zeit nimma o'schaug'n derfa!
    A was! Ds is grad a so g'wen!
    La 's guat sei! Hr auf!
    Teufi no a nei! Aba du bischt sauber g'wachs'n!
    Hr auf, sag i!
    Sei g'scheit, Madl!
    Dem Schormayer ging der Atem schwer, und die heie Gier stieg ihm zu Kopf,
und er kam ins Ringen mit dem ppigen Frauenzimmer. Da losch das Licht aus.
    Jessas na! Jetz is d' Kirz'n aa no ausganga!
    Was braucha denn mir a Liacht?
    Geh abi in dei Stub'n!
    I mag it, und i bleib amal bei dir!
    Na, ds derfst it!
    Jo, sag i! Herrgott, wo bischt denn?
    Die Zenzi war ihm entwischt, und er hrte sie auf dem Gange, und da
schnappte eine Trklinke ins Schlo, und ein Riegel wurde vorgeschoben.
    Der Schormayer tappte im Dunkeln vorwrts. Er stie mit dem Fue an seinen
Stock, den er hatte fallen lassen, und dann suchte er an der Wand, bis er die
Magdkammer fand. Die Tre war verschlossen.
    Zenzi, mach auf!
    Er horchte und hielt den Atem an, weil er vor seinem eigenen Schnaufen
nichts hrte.
    Drinnen kicherte es.
    Geh, Madl, sei g'scheit und la mi eini! Es reut di g'wi it!
    Wieder war es still.
    Du, pa auf! Wann's d' mi eini lat, is dei Schad'n net.
    Da antwortete die Zenzi endlich.
    Na, ds sell derf it sei!
    Warum it? Auf wen hamm denn mir aufz'pass'n?
    Was tat'n denn deine Leut' sag'n?
    Ds is mir wurscht. Jetz' mach amal auf!
    Geh abi! D' Urschula ko all' Aug'nblick kemma!
    Vo mir aus kimmt s', wann s' mag. Und bals d' jetzt net aufmachst, tritt i
d' Tr ei!
    Jessas na! Gib do an Ruah!
    Himmisaggerament! Der Schormayer rannte wtend gegen die Tre.
    Da raschelte es in der Kammer, der Riegel wurde leise zurckgeschoben, und
der Bauer fiel beinahe ber die Schwelle der sich ffnenden Tre.
    Du bischt aba wild! sagte Zenzi vorwurfsvoll. Und jetzt gehst abi!
    Jetz wer i geh! - Freili!
    Mit festen Griffen hielt er die Dirne.
    Lo do aus! I mua ja d' Tr zuasperr'n!
    Er hielt sie am Arme, indessen sie die Kammer verriegelte, und dann umfate
er sie und drngte sie vor.
    Na, du bischt oana! Aba na! Aba na!

    Eine Stunde spter rumpelte ein Fuhrwerk in den Hof.
    Zenzi fuhr auf und stie den Bauern, der angekleidet neben ihr lag, unsanft
an.
    D' Urschula is kemma!
    Der Schormayer brummte unwillig und wachte nicht auf.
    Jessas na! Jetz flackt a do, und de ander mua scho glei herob'n sei!
    Sie schrie ihm halblaut ins Ohr: Du, d' Urschula is do!
    Er gab keine Antwort und schnarchte weiter.
    Ds werd it schlecht! seufzte die Magd und horchte hinaus.
    Indem war aber die Ursula schon ums Haus herumgegangen und zur Kche
hereingekommen. Sie machte Licht und schaute nach der Wanduhr.
    Elfi vorbei!
    Da hatte sie sich doch ein wenig lang verhalten beim Ratschen mit der Base
und dem Prckl Kaspar, der ihr nicht bel gefallen hatte. Und er war auch gar
nicht dagegen, die Schormayertochter zu nehmen; denn so fnfzehntausend Mark auf
die Hand kriegte nicht eine jede mit. Ihr Sonstiges an Vorzgen hatte die Base
auch redlich herausgestrichen, so da der Kaspar sie frischweg eingeladen hatte,
mit der Base auf Hirtlbach hinberzufahren und sein Anwesen anzuschauen. Bis man
alles gesehen hatte, war es Abend geworden, und hernach zog sich in Arnbach bei
der Base wiederum der Diskurs in die Lnge, denn es mute alles beredet werden,
bis sie dann endlich der Vetter heimfuhr.
    Schon elfi durch! Der Vater schlief wohl lngst und hrte sie nicht.
    Ursula schaute sich in der Kche um und bemerkte mit Wohlgefallen, da die
Zollbrechtin sauber aufgerumt htte. Es war alles an seinem Platze, wie sie es
verlassen hatte.
    Sie nahm nun das Licht und ging die Stiege hinauf. Was war nun das? Vor
ihrer Tre lag ein Stock; und wie sie ihn aufhob, sah sie, da es dem Vater der
seinige war.
    Wie kam jetzt der herauf?
    Sogleich war ihr Verdacht geweckt, und sie berlegte, wie sie den Alten zur
Rede stellen werde.
    Da kam ein leises Gerusch aus der Nebenkammer. Leise schlich sie vorwrts
und horchte.
    Es war wie Schnarchen und hrte pltzlich auf.
    Ursula blieb auf ihrem Posten und drckte das Ohr an die Tre.
    Und wirklich, es war wieder ein tiefes Schnarchen, das schnell erstickte und
in ein Brummen berging. Denn drinnen hielt Zenzi ihre Hand dem Schormayer auf
Maul und Nase, und er wehrte sich dagegen.
    Jetzt klopfte Ursula.
    Zenzi! - Keine Antwort.
    Zenzi, hoscht g'hrt!
    Eine schlaftrunkene Weiberstimme gab an.
    Wos is denn?
    Mach auf!
    Han?
    Aufmacha sollst!
    Zu wos denn? I schlof ja scho!
    Ds sell sag i dir nacha, z'weg'n was. Jetz mach amal auf, und g'schwind!
    Lo mi do schlafa! Wann mi an ganz'n Tag arbet, derf mi do aa'r amal sein
Ruah hamm!
    Stehst d' it auf?
    Na! I mag it; i mcht schlafa.
    So? Ds ander werst na morg'n hr'n!
    Zenzi gab keine Antwort.
    Da schrie Ursula zornig. I woa, wer bei dir drin is!
    Wo herin? Bei mir is durchaus gar neamd!
    Ja, lag no! Du Loas, du abscheilige! Aba morg'n schmei i di naus, da d'
draud lieg'n bleibst, du schlecht's Mensch, du!
    Mei Ruah la mi! Derf mi net amal in da Nacht sei Ruah hamm?
    De kriagst na morg'n! Und der sell soll si schama! Pfui Deifi! Pfui Deifi!
    Von ihrem Schreien wachte der Schormayer doch auf. Er rumpelte auf.
    Was is denn? Wo bin i denn?
    Bscht! machte Zenzi und flsterte ihm ins Ohr: D' Urschula is drausd und
hot wos g'spannt.
    Aber Ursula war schon in ihre Kammer gegangen, und auf dem Bettrande sitzend
fing sie zu heulen an.
    Da hrt sie do allssammete auf! A so a Schand!
    Derweilen rieb sich ihr Vater den Schlaf aus den Augen und wollte aufstehen.
Zenzi hielt ihn zurck.
    Bleib no a wengl do, bis sie schlaft; net da s' di no'mal hrt!
    I will in mei Bett, brummte er.
    Na ziahg aba d' Stiefeln aus, wann's d' scho abi gehst!
    Das vertrauliche Getu war ihm so zuwider, da er darber nchtern wurde; und
ein heftiger Zorn stieg in ihm auf, ber sich und ber das Weibsbild, und am
meisten ber die Ursula.
    Ds Luda hat ihra Nas'n berall'n drin, und 's Mu kunnt s' net halt'n,
de! fluchte er vor sich hin.
    Ja, die bersiecht nix, sagte Zenzi.
    Ihre Zustimmung erinnerte ihn, da er mit der Person da, mit seiner eigenen
Magd, Heimlichkeiten hatte, und er wurde erst recht unwirsch.
    La mi naus! befahl er grob.
    Aba d' Stiefln ziahg aus! bat sie.
    Ds geht di nix o! I schliaf in mein Haus net umanand wia 'r a Diab.
    Er war schon bei der Tre und ffnete sie.
    Tua mir a paar Zndhlzeln her!
    Sie gab ihm eine Schachtel und sagte schmeichelnd: Sagst d' mir na koa
pfad Good?
    Guat Nacht jetz, und la mi geh'!
    Er strich ein Zndholz an und ging laut durch den Gang und fest ber die
Stiege, da jede Stufe knarrte.
    Eine helle Wut war in ihm.
    Das sollte die Ursula erst noch sehen, ob er sndhaft und demtig
wegschliche!
    Er schlug seine Tr zu und zog sich aus und schmi sich ins Bett. Wenn es
eine Dummheit war, dann war es eine Dummheit, und fertig!
    Die Ursula hrte ihn gut, und sie mochte es seinen Schritten anmerken, da
er nicht reumtig und sanft gestimmt war.
    Sie unterdrckte ihren Wunsch, ihm etwas nachzurufen, und hrte vor Staunen
auf zu weinen.
    Da schaug her! brummte sie. Der schamt si gar it amal!

                               Siebentes Kapitel


Und wenn der Schormayer noch nie gemerkt hatte, wie dick eines Menschen Kopf
sein kann, dann wute er es an diesem Morgen, der seinem abenteuerreichen Tage
folgte.
    Er legte sich das Erlebnis mit der Creszentia Gneidl zurecht und fragte
sich, was nun geschehen msse.
    Und eigentlich erschien ihm die Lsung einfach und selbstverstndlich. Das
Mensch mute weg vom Hofe.
    Kein zrtlicher Nachgeschmack zwang ihn, das Mdchen in Gedanken hflicher
zu benennen oder um sein ferneres Wohlergehen besorgt zu sein; und sein
tchtiger Verstand verhielt sich durchaus ablehnend gegen die Vorstellung, da
ihn an der Verfehlung gegen die Reinlichkeit des Hauses auch ein Teil von Schuld
treffe. Wieso auch? Wenn die Zenzi nicht gewollt htte, wre ihr nichts
geschehen. Und man konnte die Sache anschauen, wie man wollte: jedenfalls ging
es nicht, da er eine Manklerei mit einem Dienstboten hatte, von der seine
Kinder wuten, und die auch bald genug in der Gemeinde bekannt wrde. Denn seine
Tochter knnte schon das Maul nicht halten und mte ihren Verdru bei der
ersten Gelegenheit einer Nachbarin anvertrauen. So viel wei zuletzt jeder von
den Weibsbildern. Und war die Geschichte einmal aus dem Hause, dann kroch sie
durch alle Schlssellcher. Wenn dahingegen die Zenzi im Frieden abzog, dann
konnte er seiner Ursula krftig vorstellen, da ber geschehene Dummheiten nicht
gut reden sei.
    So wer i 's macha, sagte der Schormayer und war zufrieden mit sich und dem
gehabten Vergngen. Denn ein teufelsmig sauberer Brocken war das Weibsbild,
ein ordentliches Trumm und recht nach seinem Gusto.
    Er schmunzelte und wollte gerade die Fe aus dem warmen Bett stecken, um
aufzustehen, als er durch die Wand den Lrm von kreischenden Stimmen und
klapperndem Geschirr hrte.
    Oha! San s' scho beranand, de zwoa? De Lall'n htt ja net wart'n kinna!
Er meinte seine Tochter und zog die Fe zurck.
    Denn mitten ins Gewitter hinein wollte er nicht geraden, und seine kluge
Meinung war am Ende besser an die Frauenzimmer zu bringen, wenn sie sich
ausgeplrrt htten. Und dazu hatte es gute Aussicht; die Tne gingen schneidig
in die Hhe und klangen messerscharf in der Fistel. Dann schepperte aber ein
irdener Topf, der in tausend Scherben zerschmissen sein mute, und ein gellender
Schrei folgte nach.
    Ds werd ja guat! sagte der Schormayer, und da lrmte die Ursula schon in
die Stube und klopfte mit ungestmer Faust an seine Tre.
    Bal's d' net auf da Stell auakimmst, Vata, geh'n i auf und davo!
    Was machst d' denn fr an Krach, du Herrgottsaggerament?
    I bleib nimma in dem Schandhaus herin, und koa Minut'n bleib' i mehr ...
    Du gehst in dei Kuch'l und wartst, bis i kimm ... - Aba glei!
    Dei Mu halt, sag i! Und ds Schandhaus zoag i dir na scho, du Moll'n, du!
    Da er mit der Lederhose im Bett gelegen war, mute der Schormayer nur in die
Pantoffel schliefen und war schnell in der Kche. Hinterm Herde stand
unordentlich gekmmt die Ursula; ihre Stirne war in viele Falten gezogen, und
ihre Augen flackerten; auf dem Boden lagen die Scherben einiger Tpfe, und der
blecherne Milchkbel zeigte eine groe Dulle, und daneben war reichlich Milch
verschttet.
    Was is? fragte der Bauer.
    Ja, was is? I tat no frag'n, wann i du waar! De Loas, de miserablige, kimmt
da ganz frech eina, und wia'r i ihr sag, da s' auf da Stell packa soll, lacht
s' no ganz frech; und du bischt da it Herr, sagt sie, und ds mass'n mi erst
sehg'n, was da Baua tuat, hat sie g'sagt. Und was? sag i; sehg'n willst du was,
sag i, ds sell ko'st d' sehg'n, hab i g'sagt, da i dir oane nei'hau, hab i
g'sagt, du Hadern, du Schlampen, du ausg'schamta, sag i, du ...
    La di no net gar a so aus! unterbrach sie der Schormayer.
    Ja, da soll mi vielleicht noch staad sei, bal mi so was sicht, und der
Hadern derfat si gar no aufmanndeln! Aba i hon ihr 's zoagt, ob sie frech sei
derf.
    Da du grob bischt, ds woa mi so, sagte ihr Vater und schaute die
Scherben an.
    Mit dera geh i no ganz anderst um bal s' no amal eina kimmt.
    So? Bischt du Herr da herin?
    Ds is mir wurscht. I leid 's amal it.
    Net?
    Na! Und koa Stund bleib i mehr mit dem Schlampen in oan Haus.
    Du, la da 's g'sagt sei: wann's d' mit mir redst, nacha plrrst it a so!
    Und i schrei amal! Und vo mir aus hrt 's de ganz Nachbarschaft, und des
ganz Dorf derf 's hr'n, wia 's bei ins zuageht!
    Sei staad, sag i dir!
    Net bin i staad; und von so oan, als wia du bischt, la i mir 's Mu gar it
biat'n.
    Wos?
    Ja von so oan! Pfui Deifi!
    Schier htte Ursula, die sich in sinnloser Wut heiser schrie, ausgespuckt;
aber da sah sie noch, wie ihr Vater seine Hand aufzog, und sie hielt schtzend
einen Arm vors Gesicht und duckte den Kopf nieder. Der Schormayer lie die Hand
sinken.
    Siehgst, sagte er ruhig, wann di du jetzt net a so braucht httst, nacha
htt i de Zenzi auszahlt, und si waar furt ganga. Aba jetzt bleibt s' bis
Liachtme.
    Ds will i seghn.
    Ds siechst scho, du Malafitzkramp'n, du; und grad weils d' du a so plrrt
hoscht, bleibt s' jetzt!
    Na kost ja heunt nacht wieda aufischliefa dazua!
    Mua i di frag'n, was i toa derf?
    Jawoi, weil's mi aa was o'geht, und weil 's a Schand is fr ins all
mitanand!
    Kmmer di du um dei Schand; und ds mirkst da: was du willst, ds
g'schiecht gar nia!
    Na geh'n i!
    Geh zua! Hab i di vielleicht bettelt, da d' bleibscht? Schaug mir amal so
was o! Machet ds Viech da herin in aller Fruah scho an Krach, da ma 's drei
Huser weit hrt, und schmeiet mei G'schirr umanand, und nacha reit sie 's Mu
geg'n ihr'n Vata auf!
    Wann du mit Recht'n umgehst, sagt koa Mensch was!
    Allssammete, was i tua, is mei' Sach! Herr bin i, vastehst; und ds gang
mir grad no o, da i in mein Haus an Schpion hamm mat!
    Da hat 's kan Schpion it braucht; du bischt scho so auftrappt, da ma di
hr'n hat mass'n.
    Vo dem werd it g'redt!
    So? Da derfat mi it red'n davo!
    Koa Wort werd it g'redt vo dem! Und ds sag i dir: bal i was spann, da du
da was aus 'n Haus aui tragst, na schlag i di amal mit'n Ochsenfiesel her! Du
bischt ma no lang it z' gro g'wachs'n!
    Indem jetzt der Ursula keine richtige Antwort einfiel, setzte sie sich auf
einen Hocker und fing hinter der vorgehaltenen Schrze gottesjmmerlich zu
weinen an.
    So waar 's nacha, da mi 's Kind von Haus waar und htt koa Recht umadum,
und bal mi ds sagt, was amal wahr is, na tat er gar sag'n, er schlagt oan' mit
'n Ochsenfiesel; und d' Muatta bal no lebat, de schaugat sch ...
    Dem Schormayer war es nicht gar zu wohl, und er ging zur Tre.
    Gel, sagte er, jetz kost rotz'n! Z'erscht werd alls z'sammgriss'n vo
lauta Wuat, und nacha werd g'heant. Wia halt de Weibsbilder san, de damischen!
    Und damit ging er. Aber die Ursula war einmal im Zug und mochte nicht
aufhren.
    Ds wenn d' Muatta wissat, wia 's bei ins zuageht, de htt' jetzt ja im
Grab aa no koan Ruah, und is grad guat, da s' nix woa und nix siecht vo dem
Saustall und vo dera Schand ...
    Sie merkte erst jetzt, da der Vater nicht mehr in der Kche war, und
trocknete sich mit der Hand ihr nasses Gesicht ab und schnupfte auf, und dann
griff sie nach dem Schrhaken und schaute gleich wieder fuchsteufelswild in die
Welt.
    An Grind schlog i ihr no ei', dera! sagte sie.

    Ja, die Weibsbilder!
    Der Schormayer hielt die Hnde verschrnkt hinterm Rcken und ging in der
Stube auf und ab. Noch was Dmmeres gibt's nicht wie die Ziefern! Alles htte
mit Ruhe geschehen knnen, und die Zenzi wre heute noch ohne Aufsehen
fortgekommen, und kein Wort htte man darber reden brauchen; aber nein! Es mu
einen Krawall geben, und aus der verschwiegenen Nacht mu die Dummheit ans Licht
hingestellt werden, da sie nur ja recht dreckig ausschaut! Und geredet mu
darber werden, wo jedes Wort zu viel ist und alles erst aufrhrt. Er htte sich
selber schon die Leviten gelesen und aus der Geschichte seinen Merks genommen;
aber von einem andern lt man sich so was nicht unter die Nase reiben.
    Herrgott! Wie das zuwider und dumm war! Stellt sich die Gans hin und kehrt
den Schmutz zu einem rechten Haufen zusammen.
    Bei der Magd bist gewesen in der Kammer! Zu der Magd bist hinaufgeschloffen
in der Nacht!
    O du Lall'n!
    Wre es gar nicht gegangen, da man das Maul gehalten und blo mit den Augen
geblinzelt htte? Ich wei alles, verstehst schon, aber ... Dann war dem Respekt
nicht weh getan; und wenn der Schiefling ausgezogen war, htte die Wunde schn
verheilen knnen.
    So aber war das Kurieren schier nicht mehr mglich. Wenn er die Zenzi
wegschickte, schaute es aus, als htte er reumtig der Tochter nachgegeben und
sich von ihr zwingen lassen; und ob die Magd nach der Schimpferei sich still
verziehen wolle, das war auch nicht gewi.
    Und wenn er sie bis Lichtme im Hause lie, war die Geschichte erst recht
nichts.
    So oder so: die Blamaschi war einmal da.
    Wie das Sprichwort sagt: Lange Haar und kurzer Verstand, und immer das Maul
voraus und immer zuerst plrren und nachher erst zum Denken anfangen.
    Wenn er die Zenzi daliee - gelt wie die in sich hineinlachen wrde, aber
doch nicht so heimlich, da es die andere nicht sehen knnte und nicht alleweil
wieder eine Ursach htte zum Spektakel aufschlagen!
    Ja, was tun?
    Da htte der Gescheiteste eine harte Nu zum Aufknacken! Und so einfach wr'
es zu machen gewesen! Fein still und mit aller Ruhe.
    Der Schormayer schaute zum Fenster hinaus. Gerade fuhr die Zenzi einen
Schubkarren voll Mist auf den Dunghaufen.
    Aha! Die dachte gar nicht ans Gehen und tat ihre Arbeit wie jeden Tag.
    Jetzt leerte sie den Schubkarren um und sah zu ihm her.
    Er ging zurck und setzte sich auf die Ofenbank. Das war nichts, da die
Dirn noch bleiben sollte. Wer wute denn, ob die zwei Weibsbilder nicht eines
Tags im Hofe zu raufen kmen, oder ob die Ursula vor dem Knecht ihre Worte in
acht nehmen wrde?
    Ein Ausweg war vielleicht, die Zenzi wegschicken, und gleich hinterdrein die
Ursula. Die sollte nur zum Basel nach Arnbach ziehen; eine Ausrede lie sich
schon finden. Hernach bald heiraten, und weg damit!
    Der Schormayer konnte es anschauen, wie er wollte: es war jedenfalls das
einzige, was sich noch tun lie. Und mit der Zenzi wollte er gleich reden.
    Er stand resolut auf; und wie er hinaussah, fuhr sie gerade wieder mit dem
Schubkarren aus dem Stall.
    Er ffnete das Fenster und pfiff ihr.
    Zenzi!
    Sie wandte das Gesicht lachend gegen ihn.
    Was is?
    In a halb'n Stund, und bal's d' mit der Arbet firti bist, kimmst zu mir
eina!
    Was willst denn?
    Ds sag i dir nacha scho.
    Er schlo das Fenster.
    Sein Sohn, der Lenz, stand unter der Tre und schaute ihn mit groben,
zornigen Augen an.
    Was hat denn mir d' Ursula g'sagt? fragte er schier drohend.
    Was woa denn i, was dir de g'sagt hat?
    Is dir nix bekannt?
    Frag mi net a so aus! Gel? Ds is do mir ganz wurscht, was de sagt!
    Aba mir it!
    So? Na red no fleii damit und stell di in d' Kuch'l und ratsch!
    Da braucht 's koa ratsch'n gar it! Ds is schnell g'sagt g'wen, was sie mir
zu'n sag'n g'habt hat.
    Lang oda kurz, - mir is wurscht.
    Ja, dir mua scho viel wurscht sei, wann die du gar nimma schamst und bei
da Nacht umanandsteigst wia'r an alta Koda.
    Hoscht du mi g'sehg'n?
    Na! Sinst htt i 's no bei da Nacht aui g'haut, ds laderliche Mensch!
    Bal i di lass'n htt', gel?
    I htt di scho it g'fragt, und frag' di nacha aa net, bal i aui geh und
hau s' mit da Goal zu'n Hof aui!
    Du?
    Ja, i!
    Ds will i sehg'n!
    Ds ko'st glei sehg'n, bal's d' am Fensta steh bleibst!
    Lenz griff an die Trklinke.
    Da bleibst! herrschte ihn sein Vater an.
    Was nacha!
    Du bischt a Mannsbild, und vo dir valang i was andersts, als wia von dem
dumma Frauenzimma da draud.
    Bei dir waar a jed's dumm, ds si den Saustall it g'fall'n lat!
    Was g'wen is, is g'wen; und du machst as it anders!
    Aba nausschmei'n ko i de sell.
    Na! Ds ko'st it; du hoscht no lang koa Hausrecht da herin.
    So? Ds will i sehg'n, bal ds gerichtsmai werd, ob a sellene Person in an
Haus bleib'n derf.
    Um ds kmmert si koa G'richt nix.
    I zoag 's o! Hoscht mi vastanna? An Kommadant frag i, ob mi ds leid'n
mass'n.
    Geh no und bring d' Schandarm' her; aba du kimmst nimmer eina, ds mirk da
guat!
    Amal kimm i scho wieda.
    Na, Brschei! Fr ds schiab i dir an Rieg'l vor, und auf mei Sterb'n
freust di du umasunst.
    Vo so was hab i net g'red't.
    Aba g'moant host d' as. Amal kimm i scho wieda, sagt der Lackl ganz frech
zu mir!
    Dir gib i koan Lackl net o!
    's Mu halt! Und pa guat auf, was i dir sag! Wann du bei da Tr aui gehst
und machst ma was drei und sagst was, was mir net pat, und tuast was, was mir
net pat, Brschei, nacha fahr i in der nmlinga Stund in d' Stadt nei' zu'n Jud
Levi und la an Hof z'trmmern.
    Ds ko'st du leicht sag'n ...
    Und grad so leicht toa. I bin bessa dabei, wann i z' Dachau drin
privatisier und brauch enk Maulaufreier net um mi rum hamm. s habt's mi a so
scho a bissel vagrmt, s zwoa!
    Mit was nacha? Tua 'r i mei Arbet net rechtschaff'n?
    Tua s' halt net, na stell i mir an Knecht mehra ein! Der nimmt sei Geld und
is z'fried'n und zhlt net an jed'n Tag in Kalenda nach, bis i bagib oder
o'kratz!
    Du werst vo mir aa nix sellas g'hrt hamm!
    G'hrt it. So schlau bist du freili, da d' so was it sagst. Aba Aug'n
macha und d' Trentsch'n hnga lass'n vo lauta Vadru, da i net glei Schnall und
Fall bageb'n hab'.
    Was du jetz allssammete daher brachtst!
    Ds, was i scho lang g'sprt hab, woat! Ds, was mi scho lang druckt, ds
kimmt jetzt aua, weil's du so frech bischt zu mir! Weil di du fr mi hi'stellst
und sagst, i soll aui schaug'n, wia's du mein Deanstbot'n mit da Goal aui
haust ...
    Bal amal d' Urschula ...
    Jetzt red i! Bischt du aa no oana, da du dein' Vatern mit 'n Schandarm
kimmst? Wo nimmst denn du dei Recht her, da du a so aufdrahst? Ds sell mcht i
wiss'n.
    Mi sagt grad, da mi so was it leid'n mua ...
    Muat aa net! Koa Stund net! Pack z'samm und geh und kaff dir a Huslersach
von dein' Muattaguat ...
    Ds hon i vom Vatern it vadeant, da mir da Strohsack vor d' Tr
g'schmiss'n werd!
    Ds host du dir in dera Stund vadeant mit deina Frechheit, und bal's dir it
g'fallt, ko'st mi ja ber ds aa'r o'zoag'n bei de Schandarm'. Mei Liaba, ds
hab i dir in's Wachsl druckt, da d' mir du mit 'n G'richt und mit da Polizei
daherkamst! Frag amal dein Kommadant, wia ma ds macht, wann da Herr Sohn 's
Recht hamm mcht, und der Alt lat 's it her. Vielleicht hilft a dir, du
ausg'schamta Kerl, du!
    I hab g'rad g'sagt ...
    Du hoscht g'sagt, da du mi o'zoagst! Da du dein' Vatern o'zoagst, hoscht
g'sagt.
    Ds hon i aa net so ernst gmoant ...
    Na, gib i dir an G'spa, o gel! So red'n d' Handwerksbursch'n mitanand, aba
net du zu mir.
    Ja no, bal i einakimm, und woant mir d' Urschula was fr ...
    Na gehst du rei' und bischt frech! Scheniern brauchst du di ja it, und mit
mir werst du glei ferti. Und bal's dir selm it g'lingt, host ja d' Schandarm'
auf deina Seit'n ...
    I sag da ja ...
    Nix mehr sagst, und aui gehst! I will di nimma hamm da herin.
    Und de ... de ander da, de bleibt?
    So lang, als i will, oda bis d' Schandarm' kemman und mi vahaft'n.
    Vata, la 's guat sei!
    Mach, da d' weita kimmst, und geh an dei Arbet und la mi nix mehr hr'n
vo dera G'schicht! Und ds will i dir no sag'n: zwoamal habt's mi s dumme Luada
aufg'halt'n, da i da Zenzi net heut scho an Laufpa geb'n hab. Z'erscht de
ander da draud, und jetzt du!
    Vata, sei g'scheit und tua s' weg!
    Na, sag i! Sinst moanst du, i scheuch d' Schandarm'. Und jetzt geh! I mag
nix mehr hr'n.
    Lenz sah, da keine Zeit mehr war fr gute oder gar fr zornige Worte. Er
hatte noch nie einen ernsten Auftritt gehabt mit dem Alten und merkte zu spt,
da eine unbedachte Rede nicht gar so leicht verklingt, sondern einen tiefen Ri
auftun kann; und ihn reute, was er gesagt hatte.
    Er lie den Kopf hngen und zog die Tre still hinter sich zu.
    Bst! Lenz!
    Die Ursula wisperte ihm aus der Kche zu.
    Lenz, geh eina!
    Er zgerte, ging aber doch zu ihr.
    Da er gar so g'schriean hot?
    Geh weg! Du host mi in was Schn's einibracht.
    Jetzt kamst du aa'r a so daher! Was ko denn i dafr? Mass'n mi
zuaschaug'n, bal so was g'schiecht?
    A, hr auf und red it! I wollt', i htt mi it eini g'mischt!
    Du muat ja glei gar zu der andern helfa!
    Htt'st dei Mu g'halt'n, na htt er s' selm aui g'schmiss'n.
    Ds glaabst du? Da bischt d' sch dumm!
    I moan', de Dumm' bischt blo du g'wen!
    Da ... da schaug! Jetzt kimmt sie! Sie geht zu eahm eini!
    Ursula deutete hastig gegen das Trfenster hin; ihre Blicke hingen sich an
der Zenzi fest, die ins Hausfltz herein kam und aus den Pantoffeln schloff.
    Schaug hi'! wisperte sie erregt.
    Aber die Magd war schon in die Stube eingetreten.
    Die Augen der Ursula funkelten und schauten den Lenz vielsagend an.
    Host as g'sehg'n?
    Er gab ihr keine Antwort und bi an den Fingerngeln.
    Ds mua i hr'n, was de mitanand hamm, flsterte die Ursula wieder und
wollte hinaus.
    Du bleibst da!
    La mi do lus'n!
    Na, sag' i. Bal des Mensch rauskam und di bei'n horch'n derwischet? Soll s'
des aa no im Dorf rum vazhl'n?
    Er hielt sie am Arm fest und stellte sich vor die Tre. -
    Zenzi stand in der Stube vor dem Schormayer; sie hatte ein Lcheln in den
Mundwinkeln, als sie nun fragte:
    Was willst na von mir? Do host g'sagt, i soll kemma.
    Ja so. I hab g'hrt, d' Ursula hat di ausg'schafft?
    Freili! Heut in da Fruah, woat! Sie hat ja all's g'hrt, geschtern auf d'
Nacht. I hab dir 's glei g'sagt, da ...
    Vo geschtern woa i nix mehr. Desweg'n hab i di net kemma lass'n.
    Net? Ja, was ...?
    Was i dir sag'n will, is ds, da du bis Liachtme 's Bleib'n hoast.
    Zenzi kicherte.
    Du, pa auf, aba wenn ...
    Da du bis Liachtme bleib'n kost, hab i g'sagt, und desweg'n brauchst it
so dumm lacha. Zum Lacha gibt 's gar nix. So, und jetzt gehst wieda aui und
machst dei Sach mit Ordnung!
    Zenzi schaute ihn verblfft an; er drehte ihr den Rcken zu und sah zum
Fenster hinaus.
    Da sagte sie recht kleinlaut Adjh! und schlich lautlos in das Fltz und
schloff wieder in ihre Pantoffeln und klapperte in den Hof hinaus.
    Gar so viel mass'n s' net dischkriert hamm, sagte der Lenz in der Kche.
    Ds ander sagt er ihr nacha scho auf d' Nacht, bal er wieda aufischliaft,
antwortete Ursula.

                                 Achtes Kapitel


Es war jetzt eine Krankheit im Schormayerhause, an der alle leiden muten; und
sie waren still und mimutig und so feindselig, da auch die gleichgltigsten
Worte wie Grobheiten klangen und wie Beleidigungen vom andern gesprt wurden.
Wenn sie beim Essen zusammen saen, merkte jedes das Unbehagen des andern und
strkte daran sein eigenes, und die Lffel klapperten lauter, und die Gabeln
stachen spitziger wie ehedem. ber Mittag wurde selten etwas geredet, und der
Knecht, der Hansgirgl, der erst ein paar Tage nach dem Streite aus dem
Krankenhause zurckgekommen war, wute sich zuerst in der schweigsamen
Gesellschaft nicht zurechtzufinden und rumpelte bei jedem mit seinen
unbefangenen Fragen an, bis er merkte, da hier keine Unterhaltung aufkommen
konnte. Die Ursula stellt die Schsseln unfreundlich und hart auf den Tisch, der
Lenz schlang sein Essen so schnell hinein, da man sah, wie gerne er wieder
hinaus wollte, und der alte Schormayer schnitt ein grimmiges Gesicht und fhrte
den Lffel so widerwillig zum Maul, als htte er bittere Arzneien zum einnehmen.
    Kein Mannsbild htte sich als Ursache und Gegenstand so vielen Hasses im
Gleichgewicht gehalten, aber Zenzi war, wie manche ihres Geschlechtes, mit einer
gewissen Lust am Kleinkrieg begabt und fand in der unbehaglichsten Stimmung
immer noch stille Freude an der verhaltenen Wut ihrer Feindin Ursula. Sie
erzhlte auch gerne und unbefangen von den Erlebnissen im Stalle, da die Scheck
stiere und die Prittlbacherin in der Milch nachlasse und die Hoferin gewi und
wahr aufgenommen habe. Wie ihre Stimme aber niemals ein Echo weckte, gab sie das
Reden allgemach auf und begngte sich, schmatzend und kauend durch einen
vortrefflichen Appetit stilles rgernis zu erregen.
    Woat du, was de hamm? fragte sie einmal der Hansgirgl.
    Was soll'n denn de hamm?
    No, ds siecht do a Blinda, da s' wia Hund und Katz leb'n. Da is do eppas
frkemma!
    Ko scho sei; mi bekmmert ds gar nix. Auf Liachtme geh'n i a so.
    So? Du gehst? Warum nacha?
    Weil i halt an andern Deanst mcht; allawei ds nemlinge is it sch'.
    Aha! Freili, a bissel an Abwechslung mag a niada Mensch.
    Der Hansgirgl war hell genug, da er die Kndigung der Zenzi mit allem
andern, was er sah, in Zusammenhang brachte; und ein paar Tage spter erlebte er
in der Kche einen Streit, der ihm ein Licht aufsteckte.
    Wie er frhmorgens seine Kaffeesuppe trank, kam auch die Zenzi herein, und
die Ursula schob ihr den Hafen hin, wie man keinem Hund das Fressen vorsetzt.
Nah dem ersten Lffel spuckte die Zenzi heftig aus.
    Da is ja a Petrolium drin!
    Na is halt oans drin, sagte die Ursula.
    Allssammete is do it guat gnua fr an Deanstbot'n; und bal i mei Arbet
richtig mach', derf i aa a richtig's Ess'n valanga.
    Fr so a Mensch tuat 's leicht was.
    So? Tuat 's leicht was? Ds will i sehg'n, ob i ds sauf'n mua! Da probier
's amal, Hansgirgl, ob da koa Petrolium it drin is!
    Mein' Kaffee feit nix, sagte der Knecht gleichmtig.
    Probier 's grad amal! Ds is ja ausg'schamt, da mi oan so was gibt!
    Ds is mei Sach it.
    Aba i woa scho, was i tua, schrie die Zenzi und eilte mit ihrem Hafen zur
Tre hin.
    Ursula vertrat ihr den Weg.
    Was willst du toa? Wo mgscht du hi?
    Zu'n Bauern geh'n i eini, und der mua amal sehg'n, wia du mit die
Deanstbot'n umgehst!
    Ursula ri ihr den Hafen aus der Hand und schttete den Inhalt auf den
Boden.
    So, jetz geh eini zu dein' liab'n Bauern und zoag eahm dein' Kaffee!
    Zenzi ri die Tre auf und wollte hinaus, aber da trat der Lenz ein.
    Was geit 's da?
    Dera Loas da waar da Kaffee it guat gnua, und zum Vatern mcht s'.
    Und i la ma 's it g'fall'n! Da mat ja oans krank wern aa no in dem
Haus!
    Du! Sei it so frech! sagte der Lenz drohend.
    Da waar mi frech, bal mi si net vagift'n lat! La mi aui! I geh' zu'n
Bauern.
    Lenz nahm Zenzi beim Arm und fhrte sie zu der hinteren Tre, die ins Freie
ging.
    Da gehst aui, und zu'n Vatern kimmst du it! Und drah mir da it lang auf,
sinscht hast d' as mit mir z' toa!
    Er gab ihr einen leichten Schub und schlo hinter ihr zu.
    Was is ds g'wen mit ihran Kaffee? fragte er die Schwester.
    A Petrolium hat sie auag'schmeckt. Vielleicht is oans drin g'wen. Was woa
i!
    Ds sell sollst d' bleib'n lass'n. Ds hat jetzt koan Wert gar it.
    Bal s' 'n it mag, braucht s' 'n ja it saufa!
    La 's guat sei und red' nix mehr ber ds und gib ihr ds richtig Ess'n,
so lang s' da is.
    Er gab ihr mit den Augen einen Wink und ging hinaus.
    Hansgirgl hatte sich aus diesem Auftritt einiges entnommen und kannte sich
beilufig schon recht gut aus.
    Er trank seine Kaffeesuppe ruhig und bedachtsam; und wie er fertig war,
schleckte er den Lffel sauber ab.
    Ursula hielt ihn noch auf.
    Du, Hansgirgl, hrst du gar nix, da de sell recht schimpft ber mi?
    De Zenzi?
    Ja.
    Da hon i no gar nia nix g'hrt.
    Geh weita, du sagst as g'rad it.
    Na, i mat lag'n; sie hat si no gar nia auslass'n gegen meiner.
    Bal sie 's aba tuat, na glaabst ihr nix! Ds is a ganz a schlecht's
Weibsbild.
    I gib ihr scho koan Audienz, bal si amal mit so was kam, und berhaupts:
was mi nix o'geht, um ds sell bekmmer' i mi ganz weni.
    Mi sagt g'rad, woat d', da d' di auskennst.
    Is scho recht nacha. Guad Morg'n!
    Drauen pfiff Hansgirgl leise durch die Zhne.
    Aha! Da hat 's was! Zu dein' liab'n Bauern, hat de ander g'sagt. Schau!
Schau!

    Der Schormayer hatte das Streiten wohl vernommen, aber er wunderte sich
nicht darber. Das war klar und ausgemacht, da die Weibsbilder miteinander
hakeln muten; und wenn es nicht gar zu dick kam, wollte er sich nicht
einmischen. Sonst brannte das Feuer lichterloh. Pfat di Good!
    Und das war auch gewi, da er die Ursula so bald als mglich ausheiraten
mute; denn sie wrde keinen Frieden geben, und wenn die Zenzi schon lange aus
dem Hause wre.
    Das trpfelt immer noch; das hrt nicht auf.
    Er tauchte den Kamm ins Wasser und strich sich damit die Haare nach vorne.
    Wurden auch schon dnn, sackerisch dnn, und der graue Esel schaute berall
heraus.
    Vierundfnfzig Jahre.
    In der Stadt heien sie es das beste Alter, aber herauen denken sie anders.
    Wird bald Feierabend sein, Bauer; und eine Zeit kommt, die nicht schn ist.
    Im Austrag sitzen, jeden Brocken vorgezhlt kriegen und berall im Weg und
zu nichts mehr nutz sein. Kann sich einer ja ausrechnen, wie der Herr Sohn sich
aufspielt, wenn er erst einmal am Regiment ist, und hat sich vorher nicht halten
knnen. Die Geschichte mit dem Lenz wurmte ihn, und er wurde nicht fertig damit.
    Da die Kinder mit dem Alter nicht an Zrtlichkeit zunehmen, wei man
freilich, und es mu auch nicht jedes Wort fein sein, aber den Vater kotzengrob
in die Ecke schieben und ihm mit einer Anzeige drohen, den Streit aus dem Haus
hinaustragen, - das selbige war ein wenig viel getan.
    Da es den Lenz hinterher vielleicht gereut hatte, machte nichts anders, und
wenn er den Hof einmal in Hnden hielt, wrde er dem Vater am Ende den Streit
heimzahlen. Er traute ihm nicht mehr, und er wollte sich gut vorsehen. Am Ende
war es wirklich das beste, wenn er sich mit einem guten Austrag nach Dachau
verzog?
    Ein Husel mieten oder kaufen und allein sein mit einer richtigen Person,
die ihm aufwarten konnte. Der Blank Andr von Happach hatte es so gemacht und
hockte dort noch heute zufrieden und guter Dinge. Unterhaltung konnte man genug
finden; aufs Gericht gehen und den Verhandlungen zulosen, auch fleiig Messen
und Rosenkrnze aufsuchen, seinen Diskursi haben mit allen mglichen Leuten; und
wenn man ins Wirtshaus wollte, hatte man die Auswahl.
    Was erwartete ihn denn daheim in Kollbach? An jedem Zahltag ein Schimpfen
ber den unverschmten Austrag und Jammern, da es der Sohn nicht erschwingen
knne.
    Jedesmal der Versuch, was abzuzwacken oder Schlechtes fr Gutes herzugeben,
und dieselbigen Kunststcke, mit denen man die unliebsamen Fresser in stille Wut
bringt, da sich ihre Tage verkrzen. Nur nicht angewiesen sein auf den guten
Willen der Kinder! War eine Frau im Hause, hernach hetzte sie beim Schlafengehen
und Aufstehen, wute alle Tage was Neues zu finden und den jungen Bauern wegen
seiner dummen Gutmtigkeit zu schelten. Und gab acht, da verwsserte Milch und
abgestandene Eier und immer das Schlechteste als Deputat hergegeben wurden.
Streitest dann, ist der Teufel erst recht los, und du hast vielleicht den
glcklichen Umstand, mit deiner Prozepartei Tr an Tr zu leben und einen
heimlichen Krieg mit der Schwiegerin zu fhren, der hundert Bosheiten einfallen,
bis du selber auf eine einzige kommst.
    Na - na, Lenz! Das wird sich der Schormayer noch genau berlegen, ob er sich
dir mit Haut und Haar ausliefert. Jetzt schon gar!
    Hast ja ein scharfes Maulwerk zum Erbstck bekommen und kannst gromchtig
aufdrahen, wie man's gesehen hat.
    Ein Ro, das leicht ausschlagt, mu ein schweres Kummet tragen und kurz
eingespannt werden. H, was is?
    Die Zenzi stand drauen und klopfte ans Fenster.
    Der Schormayer ffnete.
    Was is denn ds fr a Modi? Was willst denn? fuhr er sie grob an.
    An Viechdokta hon i vorbeigeh sehg'n, und weil mi d' Scheck gar it g'fallt,
hon i g'moant, ob er it herschaug'n soll.
    Vo mir aus gnua! Aba muat du ds beim Fensta eina sag'n? Kunnst du it bei
da Tr einakemma wia'r ander' Leut?
    I derf ja it.
    Was derfst it?
    Bei da Tr derf i it eini, weil mi da Lenz it lat.
    Geah! Hrt's auf mit de G'schicht'n!
    G'wi is wahr! Er hot mi bei da Kuch'l auig'schmiss'n; und, sagt a, bal i
zu dir eina will, hot er g'sagt, na hon i 's mit eahm z' toa.
    Kreuz Teufi! I wer scho mein Fried' amal kriag'n! Was gengan mi denn enkere
Streitereien o?
    Jetzt sagst d' as so, und z'erscht ...
    Du! Mach, da d' in Stall kimmst, und bal's d' ma wieda was z' sag'n
hoscht, gehst vorn bei da Haustr eina. I mach scho, da di neamd aufhalt.
    Und bal er mi amal bei da Kuch'l aui schmeit, und, sagt a, wia's d' ma
grad an Schritt einagehst, hat er g'sagt ...
    Der Schormayer schlug das Fenster zu.
    Stand nicht die Zollbrechtin am Brunnen und schaute herunter und wute jetzt
etwas ganz Merkwrdiges: da die Dirn beim Nachbarn fensterln ging!
    So eine Gans! Stellt sich brettbreit hin und sagt zum Fenster herein, da
der Tierarzt im Dorf ist. Als wenn sie wei Gott was fr ein Geheimnis zu
bringen htte!
    Aber freilich: wird schon der Herr Lenz wieder strohgrob gewesen sein! Der
Schormayer ging in die Kche.
    Mein' Kaffee!
    Da is er! sagte Ursula brummig und erhob die Tasse ber den Herd hin.
    Vielleicht tragst d' 'n her am Tisch! Und schiabst d' 'n net zuawa wia'r a
Hundsschssel!
    Ja no!
    Ursula war beleidigt, aber sie stellte den Kaffee doch recht manierlich vor
dem Vater hin. 's Brot!
    Sie brachte einige Semmeln, und er tunkte sich Brocken ein; und whrend er
sie kaute, warf er mimutige Blicke herum.
    Die Ursula machte sich daran, Teller und Schsseln zu waschen; sie konnte
dabei ihren Zorn aufweisen, indem sie das Geschirr tchtig wider einander stie.
    Du!
    Wos?
    San meine Haustr'n bei'n Tag off'n?
    Ob de Tr ...?
    Ob meine Haustr'n bei'n Tag off'n san, frag i.
    Freili san s' off'n; wer soll s' denn zuasperr'n?
    Fr was mass'n na meine Deanstbot'n beim Fensta zu mir einaredn, bal s'
was zu'n ausricht'n hamm?
    Was is jetz ds schon wieda?
    G'stell di it a so unschuldi! Du hoscht ja do wieda'r an Lenz aufg'hetzt,
da er an Lackl g'macht hot und lat d' Zenzi net bei da Tr eina!
    Jetzt a so a Lug!
    Ja, di kenn i.
    Na, so a Lug! Und all's mat i g'wen sei, und allawei waar i schuld! Und
ds werd ma scho gar z' dumm!
    Sei staad! Und an Lenz sagst, er soll froh sei, bal i net de Tr zuamach,
aba'r a so, da von enk koans mehr eina kimmt!
    Was ds Mensch wieda fr a G'red o'gricht hat! Und ds waar bald a so, da
mi gar nix mehr waar ...
    Is scho aufg'red't!
    Der Schormayer schlug die Tre hinter sich zu.
    Ursula aber lief ber den Hof in den Rostall und traf den Bruder, wie er
seinen Gulen Wasser vorgab.
    Du, Lenz, i ho da was zu'n ausricht'n.
    Vo wem denn?
    Von eahm.
    Ursula deutete mit dem Kopf gegen das Wohnhaus hin.
    Was nacha?
    Du sollst di z'sammnehma, da er dir die Tr it vor da Nas'n zuaschlagt und
di nimma ins Haus eini lat.
    Ds vasteh' i net. Was habt's denn da scho wieda g'habt?
    Ds is it schwar zum vasteh'; de ander hat 'n aufg'hetzt und hot eahm
g'sagt, du lat de Deanstbot'n nimma zu eahm eini, und sie mass'n z'an Fenschta
eini red'n, bal's an Herrn was zu'n ausricht'n hamm.
    A so a g'machte Lug!
    Lenz stellte zornig den Wasserkbel hin.
    Weil i ds Weibsbild net zu eahm in d' Kamma hab nei laff'n lass'n, da da
Krawall net scho in aller Fruah wieda'r o'geht!
    Da Krawall is scho g'wen. Er kimmt zu mir in d' Kuchl eina, und grad grob,
woat! Seine Kinda schmeit a aui, und aufpass'n tuat a auf gar nix mehr, und
was ds Mensch sagt, ds mua wahr sei, und fr ins gibt 's berhaupts koa Recht
gar nimma.
    Woat du 's gewi, da sie bei eahm g'wen is?
    Er hat 's do selm g'sagt! Sie is beim Fensta zuawi g'stanna, da sie 's ja
recht markier'n hat kinna, und grad g'hetzt mua s' hamm, und du sollst di no
z'sammnehma, hat a g'sagt, da er die Tr it zuaspirrt und ins mitanand aui
tuat ...
    Lenz sah sich mit zornrotem Gesicht im Stall um.
    Wo is mei Goal?
    Was willst d' denn, Lenz? tat Ursula erschrocken.
    Mei Goal mcht i. Ob 's g'rad oda krumm geht, jetzt hau i ds Mensch
umanand, da 's am Leb'n vazagt.
    La guat sei! Bitt di gar sch!
    Soll i mir all's sag'n lass'n? Herrgottsaggerament! Hansgirgl!
    Lenz brllte, was er aus dem Halse brachte.
    Wos? antwortete hinten eine Stimme.
    Hoscht du mei Goal weg?
    I net.
    Dort'n loahnt s'! sagte Ursula und deutete in die Ecke.
    Lenz sprang hin und krampfte die Faust um die Peitsche.
    Wart', Luada! Jetzt red'n mir mitanand!
    Er wollte zur Tre, aber da war der Hansgirgl derweilen nach vorn gekommen
und hielt ihn beim Arm zurck.
    Geh it aui, Lenz!
    Wos willst denn du? Geht di ds was o?
    It viel. Aba'r a zorniga Mensch woa net allemal, was er tuat. Bleib herin!
Es is g'scheiter.
    Ds sag i aa, fiel Ursula ein, la guat sei! Ma woat it, was allssammete
g'schiecht.
    Waarst du it eina kemma! Httst di du it herg'stellt und mir all's vazhlt!
Da i von Haus weg mua, bal 's ds Mensch da draud hamm will! Lat's mi aus,
sag i!
    Net! Net! bat Ursula.
    I la di net aus, sagte Hansgirgl. Da schaug umi! Steht da Viechtokta
bei'n Stall hiebei, und da Baua 'r aa. Werst d' eahm do vor fremde Leut'n koa
selle G'schicht it hermacha.
    Lenz schnaufte zornig und fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare.
    Ds is ihra Glck, sagte er kurz und ging von der Tre weg.
    I dank da sch, Hansgirgl, da d' eahm z'ruckg'halt'n hoscht! Ds htt ja
an Unglck geb'n! jammerte Ursula.
    Nix zu'n dank'n. Aba bessa is, bal du ds Unglck z'erscht balegst.
    Ja no, mi mua do sag'n, was g'schehg'n is; und bal er selm g'sagt hat, i
soll 's an Lenz ausricht'n.
    Mach, da d' weita kimmst in dei Kuch'l! fuhr sie Lenz an. I ko di do
herin it braucha.
    Vo mir aus! I sag da g'wi nix mehr; und was mi tuat, is it recht, und ds
waar jetzt scho bald a so, da mi gar nix mehr recht macha ko, und ...
    Vor sich hin greinend ging die Ursula auf den Hof hinaus und hielt erst das
Maul, als sie merkte da der Vater zu ihr hinschaute.
    Er pfiff grell durch die Zhne.
    Wo kimmst denn du her?
    An Stall bin i g'wen.
    Hoscht du Zeit zu'n hoamgart'n?
    Der Schormayer drehte sich um und redete wieder mit dem Tierarzt.
    Im Rostall blieb der Hansgirgl noch beim Lenz stehen und sagte:
    Du, Lenz, i bin jetzt scho neun Jahr bei'n enk, und du woat, da i zu'n
Haus halt. Aba i sag dir ds: pa auf koa Weibsbild durchaus gar it auf! Da
macht mi 's allawei verdraht, bal mi si vo dena was ei'red'n lat.
    Du woat aa it all's, Hansgirgl, was bei ins los is.
    Wiss'n tua'r i gar nix, na! Aba derrat'n hon i a bissel was.
    Was hoscht du derrat'n?
    Is g'scheita, ma red't it davo. Ds derfst d' mir glaab'n, inseroans hot aa
seine Aug'n im Kopf, und mi braucht ja net all's sag'n, was mi siecht.
    Bal's du was g'spannt host, na werst d' aa sag'n mass'n, da mi da it kalt
zuaschaug'n ko.
    Warum it, Lenz? Bal mi scho amal zuaschaug'n mua, na is bessa, ma lat si
d' Hitz'n it gar z' stark aufsteig'n.
    Na, bin i der Garneamd auf'n Hof?
    Du bischt da Sohn, und ber 's Jahr bischt da Baua. Na kost du dir
allssammete richt'n, wia's du 's hamm willst.
    Ds is no lang it g'wi, ob i an Hof kriag, bal's as so weita geht.
    -h-h! Gar so gach werd 's it oba geh'! Wer soll denn 's Sach kriag'n als
wia du?
    Wart no, was no all's kimmt!
    Na, na, Lenz! Dei Vata is so unrecht it, und i kenn eahm do aa guat. Bal's
d' di staad hebst, werd 's so weit it fehl'n.
    Heb di staad, bal's d' a niad'n Tag was anderst hrscht!
    Hr nix! Ds is ja grad, was i dir sag'. D' Weiberleut koch'n allawei was
z'samm, und d' Mannsbilder soll'n 's ausfress'n.
    Recht host scho!
    Freili hab i recht! Da werst nimma firti, bal's d' amal o'fangst und lat
di auf 's Vazhl'n ei. Hoscht du amal a Weibsbild g'sehg'n, ds von selm
aufhrt? I no net. Da mua bohrt wer'n und bohrt wer'n, bis was bricht. Na
stengan s' da und wiss'n eahr it z' helf'n, d Luada, d dumma!
    Es is a so, Hansgirgl!
    No also! Heb di staad und druck d' Aug'n zua und la di vo da Urschula gern
hamm! Gar so stocknarrisch werd scho da Baua aa'r it sei; und, da i dir 's
g'rad sag', wia 's is, von eahm aus htt' i wohl nix g'spannt, aba in da Kuch'l
drin bin i bald auf a G'spur kemma. De sell'n kinnan ja nix b'halt'n.
    I heb mi scho staad, derfst d' ma 's glaab'n; ds hoat, so lang 's geht.
    Es geht scho. Jetzt derf i aba macha, da i ei'spann. Pfat di!
    Pfat Good, Hansgirgl!

                                Neuntes Kapitel


Der Schnee lag futief, und an den windstillen Tagen hielt sich eine gute
Schlittenbahn. Der Schormayer fuhr selber mit zwei Gulen Langholz nach Dachau
hinein, und die Arbeit tat ihm wohl.
    Der Hansgirgl war bei ihm mit einem zweiten Gespann, und der Lenz legte mit
etlichen Holzknechten im Wald auf und brachte die Bume ins Dorf.
    So rhrten sich alle Hnde, und ber dem Schaffen wurden die
Verdrielichkeiten vergessen, die beim Nichtstun in die Lnge und Breite gingen.
Wenn am frostklaren Morgen der Schlitten knirschte und pfiff, schritt der
Schormayer wohlgemut daneben her und versuchte auch wohl mit der Peitsche ein
altes Gesetzel zu knallen.
    Oder er fhrte mit dem Hansgirgl, der dichtauf folgte, eine Unterhaltung.
    In Dachau setzte er sich behaglich in eine warme Wirtsstube; und schon lange
hatte ihm keine Ma Bier mehr so geschmeckt wie hier eine jede, die er sich
verdient hatte.
    Er traf auch alte Freunde und Bekannte und konnte von weit und nah manches
erfragen.
    Eines Tages, wie er beim Zieglerbru sa und rechtschaffen md seine Fe
ausstreckte, klopfte ihm jemand auf die Schulter; und wie er sich umdrehte,
mute er sich fast besinnen, da er den Limmer von Weichs erkannte.
    Ja, gra di Good, Schormoar!
    Gra di Good aa!
    Triff i di do amal! De ganz Zeit hamm mi g'wart, ob 's d' net wieda
zuakehrst; und hr'n hoscht aa nix lass'n.
    Na, hot si net auftroffa.
    A Botschaft httst d' ins scho schick'n kinna.
    I sag' d' as, wia 's is, i ho koa Zeit it g'habt.
    Ja, ja! Sie werd da halt it g'fall'n hamm.
    Net recht g'machti.
    Und sie is ganz stocknarrisch auf di.
    Geah? No, hot s' jetzt den Hof kafft, wo s' selbigsmal in Handel g'wen is?
    An Atzenhofer? Na. I glaab, sie wart' heut no, ob s' di net do am End no
dag'langt.
    Mi net. Ds ko'st ihr ausricht'n, und an schn Grua vo mir.
    Moanst it, es werd no was?
    Net leicht.
    Siehgst as, wia 's oft geht! Und sie hot si 's scho ganz fest ei'bild't!
    Ei'bild't hon i ma scho oft was.
    Woat, da Tretter hat si berhaupts a so auslass'n, als wenn 's ganz g'wi
waar, und als wenn er d' Vollmacht htt' fr di.
    So?
    Ja, g'red't hot der grad sch'! Mgst d' net moan, da d' Leut' a so lag'n
kinnan.
    De Leut muat d' nix glaab'n, Limmer. Da trink amal!
    G'segn 's Good, Schormoar!
    's Wohlsei!
    Du, hoscht da vielleicht an anderne aufganga?
    Na.
    Du Schlaucherl, du sagst ma 's grad it!
    I tat da 's aa it sag'n.
    Na werd 's scho a so sei?
    Es is it a so, aba du brauchst mir nix glaab'n.
    Kreuz Teufi! De werd d' Trentsch'n hnga lass'n, bal i 's ihr sag!
    Ds tuat nix. Sie ziagt s' scho wieda'r aufi.
    Ja, ja. No also, zu'n macha is nix?
    Na, gar nix.
    Nacha pfat di Good!
    's Good, Limmer!
    Du, Schormoar, da i net vagi: da Buachberger vo Glonn treibt 's nimma
lang.
    So?
    Er rasselt a so bei'n huast'n, woat, als wia wenn a'r a Kett'n
aufaziahgat, und des sell is a schlecht's Zoacha.
    Ds is zwider fr eahm, aba i kenn eahm ja gar net.
    Ds is do der selbige, vo dem die Kaltnerin ihre dreitausad Markln irbt!
    Ah so! Na, sie werd 's braucha kinna, bal s' den Hof wirkli kafft.
    I ho gmoant, du kunnt'st vielleicht mehra Gusto drauf hamm, bal sie ds
Geld kriagt.
    I hon koan Gusto durchaus gar it.
    Nacha is g'feit; ds siech i scho.
    Weit g'feit, Limmer. Pfat di.
    's Good, Schormoar!
    Hansgirgl hatte aufmerksam zugehrt und blinzelte lustig, wie er sah, da
der Bauer in sich hineinlachte.
    Hoscht'n geh' hr'n? fragte ihn der Schormayer.
    Er is scho so laut auftret'n, da ma 's hr'n hat mass'n. Was is denn ds
fr oana?
    Vo Weichs is er! Hat a ganz a nett's Sach.
    Htt' er schmus'n mg'n bei dir?
    Ja, a wengl. Da kunnt i no mal glckli wer'n, Hansgirgl.
    Mua dir aba net recht drum sei, was i g'spannt hab.
    Bei dera net.
    Der Schormayer trank und wischte sich lachend das Maul ab.
    Hansgirgl, um de tatst di du aa'r it rei'n.
    Is s' so schiach?
    Schiach wia'r a Nachteul'n und hantig wia'r a sauer's Bier.
    Na pfad di Good!
    Ds sell hon i mir aa denkt.
    Da sie aba so viel Glaab'n auf di hot?
    Vielleicht kimm i ihr so dumm fr; ha-ha! Da kunnt'st d' hi' wern! Ganz
bocknarrisch is sie auf mi, sagt da Limmer. Ds mcht i g'hrt hamm, was eahr da
Tretter all's aufbund'n hat!
    Is der beteiligt bei dera Sach?
    Er mcht si halt an Kupp'lpelz vodean'.
    Hoscht du an Sinn, da d' no'mal heiretst, Bauer?
    It gern.
    Ds htt i mir a so denkt; was tatst denn du mit an Wei, wo's d' de zwoa
Kinda hoscht?
    Vo dem will i net sag'n; bal ma 's guat derratet, waar 's ds schlechtest
no it.
    Ja, ja, ds sell gib i zua.
    Aba um's derrat'n is; und daneb'n tapp'n waar halt scho ganz z'wider. Es
mat allssammete stimma.
    Nacha hat dem sei Red do a bissel a Hoamat g'habt?
    An Limmer moanst? Ah, da is koa dro'denka; ds is a Viecherei g'wen,
sinscht gar nix. Na, i moan grad a so: bal ma si 's oft baleget, waar 's ds
dmmst' net.
    Ja, ja.
    Brauchst aba nix red'n ba ds, Hansgirgl. Net, da mir da no a Schmarrn
o'grhrt werat dahoam. I hon a so d' Ohr'n voll gnua.
    Vo mir aus werd nix g'redt; i vabrenn mir 's Mu net.
    Ds denk i mir aa. Bischt ja lang gnua bei mir, da d' auf meina Seit'n
steh' kunnt'st.
    Da feit si nix, Bauer.
    I hon di aa allawei fr ds o'gschaugt, Hansgirgl, und sinscht htt' i wohl
it a so g'red't mit dir.
    Der Schormayer war mitteilsam geworden.
    In der langen Zeit hatte er sich nie was vom Herzen heruntergeredet, sondern
alles in sich hineingefressen. Und da sa ein vertrauter Mensch, der die
Vergangenheit kannte und manches Jahr auf seinem Hofe neben ihm geschafft hatte,
und der wohl auch die nderungen sah, die jetzt bei ihm eingerissen waren.
    Siehgst, Hansgirgl, sagte er, i brauch dir ja nix vazhl'n, aba da
dahoam nimma all's am alt'n Fleck steht, ds sell kennst ja du selm.
    Wia 's halt is, Bauer, wenn die Junga herwachs'n und de Alt'n an 's Geh'
denk'n.
    I denk aba it gar so fest dro!
    No, was willst d' macha?
    Ds woa i selm it, siehgst! Und i schaug 's schier jed'n Tag anderst o.
Aba d' Freud zum Geh' is gar it gro bei mir.
    's bagab'n is nia luschti.
    Ds woa mi, und mi tuat 's do, wann 's rechtsinni is; aba ma mua si dabei
naussehg'n. G'rad in d' Schlamassi einihocka, ds sell is dumm.
    I htt aba an Lenz it fr uneb'n.
    I woa it, Hansgirgl. Da Reschpekt is it gro bei eahm, und na kunnt i
abscheulige Rasttg kriag'n, wann i amal der nix mehr bin.
    I ho von eahm no nix Unrecht's g'hrt; net ba di und net ber ander Leut.
    Hoscht d' aa nix g'sehg'n, da er ungeduldi werd?
    Was hoat ungeduldi? Schau, Bauer, du werst deinerzeit aa'r a bissel hart
g'wart' hamm; und bal oana jung is, nacha is ja scho d' Freud' zu'n Regier'n und
zu'n Arbet'n oamal z' gro. Ds sell is was Natrlich's.
    Der Schormayer schttelte den Kopf.
    Da er sie freut, ds sell nahm i eahm net bi; waar ja trauri, bal oana
ohne Freud an Hof bernahm. Er braucht 's scho! Es is it all's sch, was kimmt.
Aba ds sell hoa i net wart'n, wann ma'r an Vata mit die Ellabog'n wegschiab'n
mcht.
    Ds wundert mi, bal ds da Lenz tuat.
    La ma 's guat sei! Da Hauptpunkt is, da i no it alt gnua bi zu'n
Faullenz'n. Herrgott, i wer ja grad luschti bei da Arbet! Und da soll i umanand
hocka und Weillang hamm!
    Verschiab 's a Jahr, a zwoa!
    Wern ma 's scho sehg'n; und jetzt zahl i, na fahr' ma wieda.
    Auf dem Heimweg war der Schormayer frhlich und aufgerumt. Es zog fest an,
und am dunkeln Himmel flackerte ein Stern um den andern auf.
    Heuer trifft aba scho all's auf, sagte der Bauer, akk'rat, wia ma 's hamm
will. De zwlf Nacht hamm ds beschte zoagt. Am Barbaratag hat 's Knosp'n
g'habt, und d' Mett'n war hell. Pa auf, mir kriag'n a guat's Jahr.
    Mir kunnten 's braucha.
    Freili, Hansgirgl, und i moan allawei: was heuer wachst, wachst no fr mi.
Hoscht a guate Schmitz'n, na haust nachi!
    Er knallte mit der Peitsche den Fuhrmannsgru.
    Es geht no it schlecht? Gel?
    Na, i mua di lob'n.
    h, hott a wengl! Hott!
    Der Schormayer lief zu seinen Fchsen vor, weil ein Schlitten entgegen kam,
und er ging dann eine Zeit allein. Der Weg fhrte durch Hochholz, und da war es
noch stiller wie drauen auf der Freien.
    Man hrte nur das Schnauben der Pferde und ihre klingenden Schellen.
    ber den Wald schob sich der Mond herauf, und etliche Baumgipfel standen
dunkel und scharf gerndert gegen sein flssiges Gold.
    Der Schormayer summte vor sich hin und wartete wieder auf den Knecht.
    Da fallt mir a Liadl ei, ds kunnt schier gar fr 'n Lenz pass'n.

Voda, wann gibst ma denn 's Hoamatl,
Voda, wann lat ma 's denn schreib'n?
's Dirndl wachst auf wia'r Groamatl,
Ledi will 's aa nimma bleib'n.

    Hoscht ds scho amal g'hrt, Hansgirgl?
    Jo, und de ander Strupf'n woa i aa.
Der Knecht sang mit dnner Stimme:

Da Voda, der gibt ma scho 's Hoamatl,
Da Voda, der lat ma 's scho schreib'n,
Mei Dirndl werd g'maht wia'r a Groamatl,
Braucht koan alte Saudirn it bleib'n.

    Da lachte der Schormayer herzhaft.
    Ds pat wieda auf mi, und amal la i 's scho schreib'n. Aba was ds Jahr
wachst, wachst no fr mi.

    Daheim wartete schon wieder allerhand Verdru auf ihn. Sein bestes Ro, ein
Schimmelwallach, mit dem der Lenz ins Holz gefahren war, hatte den Krampf in den
Muskeln und legte sich, kaum da es in den Stall zurckgekommen war, matt auf
die Seite.
    Der Hansgirgl, der sich auf die Sachen gut verstand, schttelte bedenklich
den Kopf und meinte, es knnte die schwarze Harnwinde sein. Er wollte gleich zum
Tierarzt fahren, aber in der Nacht wrde der haute kaum mehr kommen, und bis zum
andern Tag knnte es lang zu spt sein.
    Nun beratschlagte er mit dem Bauern, was fr die nchste Zeit zu tun sei;
und auch aus der Nachbarschaft kam der Deindl hinzu, ein Mann, der viel
Erfahrung hatte, und der Schmied Finkenzeller, ein Meister im Hufbeschlag. Die
Mnner umstanden den Gaul, und der matte Schein der Stallaterne fiel auf recht
besorgte Gesichter.
    Schormoar, es steht it guat, sagte der Schmied; 's Ro is hartleibi und
rahrt si kalt o.
    Kreuzteufi, da ma ds g'schehg'n mua! I ho da 's g'sagt, Lenz: la ma'r
an Schimmi koan Tag im Stall steh! Wann s' bei dera Klt'n aui kemman, is
schnell was g'schehg'n. Jetz hamm ma 's.
    Ds bescht waar, mi holet de alte Metzin, sagte der Deindl.
    I waar der Meinigung, mi wickeln 's Ro recht warm ei und wasch'n 's mit 'n
hoa'n Wassa, schlug der Hansgirgl vor.
    Ds is ds allererscht, besttigte der Schmied, und bal's d' mir
folgscht, Schormoar, nacha lat d' an Baldriantee siad'n. I htt' oan dahoam.
    Den mua d' Zenzi hol'n, und du, Lenz, gehst umi und sagst zu da Urschula,
sie soll Wassa kocha, so viel als geht. Hansgirgl, hol amal d' Zenzi!
    Der Schormayer befahl alles bedchtig und griff selber fest an, wie sie das
kranke Tier in Decken einhllten.
    No was! sagte der Schmied. Lat's an etla rupfane Sck' hoa macha; de
leg'n mir nach'n Wachen ba.
    Ds bescht waar, mi tat de alt Metzin hol'n, lie sich der Deindl wieder
hren.
    Z'weg'n was denn?
    Schormoar, d ko'n a niade Kranket bered'n. I ho 's selm bei meina Kuah
ausprobiert. Sie hat ihran Spruch to, und an andern Tag is d' Kuah wieda frisch
g'wen.
    Der Schormayer schaute den Schmied fragend an.
    Schad'n ko 's nia, sagte der, und bal mir sinscht nix vasamma, kinnan mir
ja der Metzin ihran Spruch drei'geb'n.
    Du werscht segh'n, ds hilft alloa.
    Is na scho recht.
    Zenzi kam hinter dem Hansgirgl in den Stall. Ihr Gesicht war gertet, und
ihre Haare schienen in Unordnung zu sein; auch waren die Augen etwas
geschwollen, wie vom Weinen. Aber darauf achtete jetzt niemand.
    Du gehst jetzt glei' zum Schmied abi und sagst, sie soll'n da'r an
Baldriantee geb'n. Ko'scht da ds mirka?
    Jo, antwortete die Zenzi mit weinerlicher Stimme.
    Laff no, und den Tee gibscht da Ursula, da s' 'n auf da Stell kocht!
    Zenzi schaute den Schormayer erschrocken an.
    Hoscht mi vastanna?
    Jo, sagte sie noch gedrckter.
    Na mach und steh it lang umanand!
    Und de alt Metzin soll s' hol'n, mahnte der Deindl.
    Ja so! Vom Schmied ummi gehst aa zu'n Metz und sagst, de Alt' soll glei
kemma. Jetzt g'schwind a wengl! Schleun' di bessa!
    Jo.
    Sie ging zgernd weg; und wenn der Bauer gesehen htte, wie sie einen
Schritt fr den andern setzte und auch stehen blieb und aufschnupfte, htte er
ihren Eifer nicht gelobt.
    Er sah es nicht und hatte einen anderen Grund zum rger.
    Wo bleibt denn der Lenz?
    Do bin i.
    Was is mit 'n Wassa? Und schaug, da d' a paar Sck herbringscht; de soll
d' Urschula hoa macha.
    D' Urschula is it do; i ko s' it find'n.
    Brav! Ds mag i! Mass'n mir wart'n, bis sie mit 'n Ratsch'n firti is.
Hansgirgl, schaut zu da Zollbrechtin umi; ganz g'wi hockt s' wieda dort.
    Die Vermutung war richtig.
    In der niedrigen, rauchgeschwrzten Kche der Nachbarin sa die Ursula beim
Herd und erzhlte der teilnehmenden Person ihr heutiges Abenteuer mit der
scheusligen Zenzi.
    Woat, am Dreikinitag hot da Vata an ihra Kammatr aa'r an Kaschpa,
Melchior und Balthasar mit da g'weicht'n Kreid'n aufig'schrieb'n, und mi hat ds
scho so vadross'n, da i dir's gar it sag'n ko.
    Mi schreibt 's aba berall'n.
    Dera g'hrt 's it zua; und vo mir aus is da Brauch, was da will, i leid 's
amal it; und heut a da Fruah bin i herganga und ho de Schrift mit an nass'n
Hadern ausg'wischt, und sie kimmt grad dazua und fangt 's mamms'n o und hoat mi
a boshaft's Luada; und hoscht scho amal so was g'hrt, wia frech da so oani
waar? Woat, sag i zu ihr, du sndigscht auf ds, hab i g'sagt, da du a Hilf
hoscht, aba du muat it moa'n, sag' i, da i vielleicht auf ds aufpa, oda
mgst eppa gar, hab' i g'sagt, da da'r i sch tua? A so waar 's ja recht, sag
i, da d' Tochta an sellan Schlampn nachlaffa mat, hab i g'sagt, und mi
ko'scht du gnua vaklamperln, weil i auf ds gar it aufpa, und na hon i ihr den
nass'n Hadern um 's Mu uma g'haut.
    Da hoscht amal recht g'habt, lobte die Zollbrechtin.
    I hon ihr den Hadern sch' eini g'haut, und net grad oamal, ds sell derfst
ma glaab'n; und, sag i, jetza stellst die wieda an 's Fenschta und jammerscht,
da da gar a so schlecht geht, und da hoscht no oani, hon i g'sagt, da d' di
auskennst, sag i.
    De hoscht d' amal sch' herg'richt'!
    Ds glaab i, und 's letztmal is ds it g'wen, und a so geh i scho um mit
dera, da s' g'wi koa Freud it hat.
    Dera g'hrt 's it anderst, und du derfst as scho scharf o'pack'n, sinscht
bringst d' de it aus 'n Haus. Ds sell sag da 'r i.
    Ah, de bring i scho aui!
    Woat, Urschula, mi g'fallt de G'schicht gar it. Wia'r i 's selbigsmal beim
Fenschta hibei g'sehg'n ho, is mir a Liacht aufganga; und bal's d' ma du aa it
all's sagscht, desz'weg'n kenn i mi do aus, aba du derfst mir all's sag'n, weil
i bei dir steh, vastehst; und vo mir derfragt neamd was.
    Bal's d' ma d' Hand drauf gibscht, Zollbrechtin, da d' nix weita sagst
...!
    Auf Ehr und Seligkeit it, und ber ds brauchst da koan Kumma gar it z'
macha, weil i ds berhaupts it mag, de Tratscherei ...
    Die Zollbrechtin rckte ganz nahe zur Ursula hin, und in ihren Augen war
eine lebhafte Freude zu lesen, da ihr nun etwas Neues offenbar werden sollte;
aber leider kam es nicht dazu, weil heftig an das Fenster geklopft wurde.
    Wer isch draud?
    I bin 's, da Hansgirgl.
    Die Zollbrechtin riegelte die Tre auf, und da bestellte der Knecht seine
Botschaft, da die Ursula auf der Stelle und geschwind heim kommen msse.
    Was geit 's denn scho wieda?
    An Schimmi feit was, und da muat Wassa hoa macha, und vielleicht werst d'
ins na was z' ess'n geb'n aa. Mir san grad hoam kemma.
    I kimm scho.
    Tua no a wengl g'schwind, da Vata is it gar z' guat aufg'legt.
    Mir werd aa'r amal in Hoamgart'n geh derfa, bal mi an ganz'n Tag alloa
g'wen is ...
    Es pressiert weg'n an Schimmi. Geh zua!
    Ursula band ihr Tuch um den Kopf und nahm Abschied von der Nachbarin, die um
eine Hoffnung betrogen war.
    Pfad di Good, und i kimm scho amal wieda.
    Adj! Und pa auf, Urschula, bal's du morg'n koa Zeit it hoscht, da d' zu
mir umakimmst, na geh'n i zu dir, und na vazhlst ma ds sell ... - Is scho
recht.
    Und du derfst g'wi glaab'n, da vo mir neamd nix dafragt, weil i ds scho
gar it mag.
    I glaab da 's scho, pfat di ...
    Du, ds sagscht ma no g'schwind! Gel, es handelt si vo dem Mensch und dein
Vata, und ...?
    Ja, ja, aba i mua jetzt geh.
    Siehgst d' as, i ho ma 's do glei denkt, und g'fall'n hat mi da gar nix,
scho von O'fang it, weil d' Muatta no krank g'wen is ...
    Ursula eilte weg und wurde daheim hart angelassen.
    Du tuast da ganz leicht, du! Bal mir vo da Arbet hoam kemman, hockst du in
da Nachbarschaft umanand! Hoscht du nix herz'richt'n fr ins?
    s habt's enka Sach noch allemal kriagt, und mi is do aa koa Hund, da mi
it von Haus wega geh' derf!
    Halt 's Mu und marsch di in d' Kuch'l und mach 's Wassa hoa und warmst a
paar Sck!
    I geh scho, aba mi werd do it oiwei dahoam hocka mass'n.
    Der Schmied hatte unterweilen den Schimmel aufstellen lassen, und alle
Mannsbilder halfen zusammen und sttzten ihn.
    Die alte Metzin war auch gekommen, und sie schaute mit ihrem scharf
geschnittenen, hagern Gesicht in dem Halbdunkel wie eine richtige Hexe aus.
    Der Deindl redete eifrig mit ihr.
    I ho 's an Schormoar g'sagt: bal wer helfa ko, bischt as du, und du woat
no de alt'n Sprch.
    I woa scho oan.
    Da Schimmi werd de Harnwind'n hamm, sagt da Schmied; und hoscht du eppas
fr ds?
    Freili hon i eppas.
    Du, Schormoar, sie werd 's glei hamm, schrie der Deindl eifrig. La amal
de Alt zuawi!
    Ds kimt auf d' letzt; z'erscht mass'n mi an Gaul wasch'n. Zenzi, geh umi
und hol 's Wassa!
    Die Magd zupfte den Bauern am rmel und winkte ihm.
    Er wandte sich unwillig zu ihr.
    Was hoscht 'n scho wieda?
    Geh, schick wen andern in d' Kuch'l, i trau ma'r it ...
    Herrgott ... ah was! Jetzt vazhlst ma nix! Hansgirgl, geh du! Dera is
heunt it guat, und sie kunnt 's Schaffl it trag'n. Geh du in dein Stall, oda leg
di in 's Bett! fuhr er die Magd an. Du gehst ins do im Weg um!
    Zenzi lie den Kopf hngen und machte sich langsam davon.
    Wie dann der Hansgirgl mit dem dampfenden Wasser ankam, wusch der Schmied
den Gaul sorgfltig, und hinterher deckte er ihn mit heien Scken zu und sagte
dem Lenz, er solle das noch einigemal tun. Wie er aber dem Schimmel heien
Baldriantee eingab und alles das ziemlich lange dauerte, sagte die Metzin, sie
knne auch gehen, wenn man sie nicht brauche, und sie wre nur dem Schormayer zu
Gefallen gekommen und htte wohl lieber geschlafen.
    Da schaute der Deindl alle Anwesenden vorwurfsvoll an und meinte, man sollte
die Leute nicht holen, wenn man ihre Hilfe nicht annehme, und es wrde aber den
Bauer noch lange reuen.
    Der Schormayer mute der Alten gut zureden, bis sie sich dazu hergab, als
letztes Mittel noch ihren Spruch zu geben.
    Sie stellte sich neben den zitternden Gaul und lispelte mit ihrem zahnlosen
Mund den Vers:

Jerusalem ist eine schne Stadt,
Darinnen Jesus Christus gekreuzigt ward.
Er ward gekreuzigt mit Wasser und Blut,
Das ist fr Wrmbeien und Darmgicht gut.

    Und dreimal wiederholte sie:
    Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!
    Dabei strich sie jedesmal mit der Hand ber den Rcken des kranken Tieres.
    Alle sahen voll Scheu zu, und indes sie die Hte abnahmen, machten sie auf
Stirn, Mund und Brust das Zeichen des Kreuzes.
    Amen! sagte der Deindl mit tiefer Stimme. Und jetzt feit nix mehr,
Schormoar; werst d' as sehg'n.
    Hoffatli. Und i dank da recht sch, Metzin, da d' kemma bischt.
    Er zog seinen Geldbeutel aus der Tasche, aber die alte wehrte ernsthaft ab.
    La guat sei! I nimm nix fr ds!
    No, nacha schick i dir scho was abi, Schmalz und an Loab Brot. - Ds
braucht 's it. Guat Nacht beinand!
    Sie humpelte aus dem Stall, und auch die andern richteten sich zum Gehen.
    Oana mua halt Wacht halt'n, sagte der Schmied, und wenn's grad waar, da
a si schlechta herschaugt, na mat's mi halt aus 'n Bett aua hol'n. I kimm
gern wieda.
    Es werd it schlechta; jetzt is 's scho g'wunna, versicherte der Deindl.
    Sie gingen, und in der stillen Winternacht hrte man noch von weit her ihre
Stimmen, indem der Deindl die tiefe Wissenschaft der Metzin lobte und der
Schmied seine Ansicht ber die Krankheit uerte.
    
    Der Schormayer schaffte noch an, da sich der Lenz und der Hansgirgl bei der
Nachtwache ablsen sollten, und wollte ber den Hof ins Haus.
    Da trat ihm die Zenzi in den Weg.
    I mua da was sag'n, Baua.
    Sag ma 's morg'n; jetzt is koa Zeit.
    Sie fing zu weinen an.
    Jetzt woa i ma koa Hilf gar nimma; und mi is do koa Stck Viech, da ma si
umanand schlag'n lass'n mua ...
    Wer hat di g'schlag'n?
    D' Urschula, und an Hadern hot s' ma um 's Mu uma g'haut, da i no
g'schwoll'n bi ...
    Habt's halt wieda streit'n mass'n, s damischen Weibsbilda!
    Wer hot g'stritt'n? Koa Wort hon i g'sagt, und g'rad desz'weg'n hot si mi
g'schlag'n, weil's d' ma du die heilinga drei Kinni auf d' Kammatr aufi
g'schrieb'n hoscht ...
    Z'weg'n nix andern?
    Na, bal i d' as amal sag', und an nass'n Hadern haut s' ma'r um 's Mu, da
ma's Feua vo de Aug'n wega ganga is ...
    Ds sagst d' ma all's morg'n!
    Ja, morg'n! s fahrt's wieda mit 'n Holz, und i waar alloa mit ihr!
    De werd di it fress'n!
    I trau ma nimma z' bleib'n. I sag d' as, wia's is; de tat ja mit mir, was
s' gern mcht, und i la all's lieg'n und steh' und laff davo.
    De zwoa Wocha bis Liachtme werst d' as no aushalt'n.
    I trau ma nimma, und i mua da'r a so was sag'n.
    Wos denn?
    Zenzi prete beide Arme vors Gesicht und weinte und schluchzte jmmerlich.
    Ja, red halt!
    Da schnupfte die Magd auf und sagte zgernd und mit leiser Stimme.
    I glaab, i bi in da Hoffnung.
    Wos? Wia ds?
    Ja, woat as scho!
    Himmisaggera! Du, pa auf, mach mi da koan Pflanz it vor!
    Was brauch i dir denn vorz'macha! Ds sell werd si scho aufweis'n, und bal
mi so beinand is, haut oan de ander wia'r a Stuck Viech!
    Kreuz Teufi! Wia ganga nacha ds, da du ...
    Vata! Die Stimme der Ursula gellte vom Hause her, und aus der offenen Tr
drang ein Lichtschein in den Hof.
    Geah zua! Sinscht siecht s' mi, flsterte Zenzi und huschte weg. -
    Vata! D' Supp'n is firti!
    Plrr' it a so, du Loas! schrie der Schormayer zornig zurck und ging auf
das Haus zu.
    I hon it g'wit, da du im Hof umanand stehst, sinscht htt i wohl it so
g'schrie'n, sagte Ursula.
    I steh dir scho umanand, dir! Wo hoscht mei Ess'n?
    In da Kuch'l halt.
    Tragst d' as in d' Stub'n eini!
    Warum nacha?
    Weil i di net sehg'n will, du grob's Viech, du!
    Er schlug die Tre hinter sich zu.
    Hat s' scho wieda g'ratscht? Ds zahl a da hoam! sagte Ursula vor sich
hin, indes sie Schssel und Teller in die Stube trug und einen Lffel klirrend
daneben auf den Tisch warf.
    Der Schormayer hrte sie nicht.
    Er stand in seiner Kammer und schaute zum Fenster in die Nacht hinaus.
    Der Mondschein lag voll auf den verschneiten Feldern, und sie glitzerten,
als htten alle Engel Diamanten darauf gestreut.
    I glaab, i bin in da Hoffnung.
    So is recht!

                                Zehntes Kapitel


Am andern Tag klingelte zeitig in der Frh ein sauberes Schlittengespann durch
Kollbach; und wer gerade am Fenster stand, schaute ihm gerne nach. Die Pferde
hatten blaue und rote Federbsche aufgesteckt und ein hell tnendes Gelute
umgehngt und gingen auch darum einen stolzen und vornehmen Trab.
    Im Schlitten sa ein aufgeputztes Frauenzimmer, von dessen seidenem
Kopftuche stattliche Zipfel in die Luft hineinflatterten; auch war es in einen
feiertglichen Schal gehllt und so vermummt, da man es nicht erkennen konnte;
daneben sa ein junger Bauernmensch von hagerem Gesicht, aus dem eine scharfe
Hakennase vorsprang, und er trug auf dem Hute ein buntes Struel.
    Beim Schormayer bog der Schlitten in den Hof ein und hielt, und derselbige
junge Mensch knallte stolz mit der Peitsche, da die Anfahrt ein nobles Ansehen
hatte.
    Da kam auch gleich der Lenz, der wegen des kranken Gauls daheim geblieben
war, aus dem Stalle, und die Ursula trat unter die Haustre.
    Ihr Gesicht zog sich in Frhlichkeit auseinander, als sie die Gste
erkannte: das Basel, die Schneiderbuerin von Arnbach, und den jungen
Prcklbauern, Kaspar Eichinger von Hirtlbach.
    Die Ursula tat, sie sich 's gehrte, geschmig und erstaunt und nicht
wissend, warum diese zwei willkommenen Menschen auf Besuch erschienen.
    Ja, Basel, bischt du do? Was treibt denn di daher?
    I ho 's geschting aa no it an Sinn g'habt, aber der sell hot ma koan Ruah
it lass'n, und i mua mit eahm uma fahr'n.
    Sie deutete lachend nach dem Kaspar hin, der mit Hilfe des Lenz seine Pferde
ausspannte.
    Aba geh no grad eina in d' Stub'n, Basel, und warm di auf! Du muat it
schlecht g'fror'n hamm.
    Es is heunt nimma so kalt, aba beim Ofa is bessa dischkrier'n. Du, Kaschpa,
i geh dawei mit da Urschula eini; du kimmst nachi.
    I kimm scho, sagte der Kaspar mit Ruhe und fhrte hinter dem Lenz einen
Gaul in den Stall.
    Sie hingen hier die Pferde an, versorgten das Geschirr; und erst als die
Arbeit getan war, fragte der junge Prcklbauer:
    Du bischt da Ursula ihr Bruada? Gel?
    Ja. Und wo bischt du her?
    Vom Prckl z' Hirtlbach. Du werst d' as scho denk'n kinna, z'weg'n was da
i do bin?
    A wengl was hat ma d' Urschula g'sagt.
    Bal allssammete stimmt, kunnt'n mi heunt richti wer'n.
    Ja - ja.
    Is dei Vata dahoam?
    Na, der is ins Holz aui, Bamm fahr'n. I mua dahoam bleib'n, weil ins a
Gaul krank wor'n is.
    Der da?
    Sie standen vor dem Schimmel, der noch in Decken eingehllt war.
    Ja. Heunt schaugt a sie bessa her; geschting hot ma graust.
    Er werd scho wer'n. Wann moanst denn, da dei Vata hoam kimmt?
    An Namittag amal kimmt a scho.
    Saggera, ds werd lang! No, heunt is nia nix mehr vosamt.
    Der Prckl Kaspar bi mit starken Zhnen die Spitze seiner Zigarre ab, und
indes er sie ausspuckte, fragte er:
    Du, pa auf, vielleicht ko'scht ma du an Auskunft geb'n, wia vui da d'
Urschula kriaget?
    Lenz kam mit einer zgernden und bedchtigen Antwort.
    G'nau woa i 's wohl it. So um a'r a fufzehntausad March umanand.
    Baar und auf d' Hand?
    I moan scho. Von da Muatta her hat s' sieb'ntausad, und ds ander legt
vielleicht da Vata zua. Aba da muat d' scho eahm selm frag'n.
    Ds is g'wi. Es is grad, da ma si a wengl auskennt.
    Ja - ja.
    Vo da Schneiderin hon i 's aa scho beilufi g'hrt.
    Pat 's da nacha?
    Ja. Wann sie fufzeh'tausad auf d' Hand kriagt, mag i.
    Der Lenz kaute an einem Strohhalm und war nachdenklich.
    Du, fragte er, hoscht du dahoam 's Anwes'n scho banomma?
    No it. Wann i an Eh'vatrag protakallier, kriag i aa'r an Hof.
    Wia alt bischt denn?
    Achtazwanz'g wer i.
    Du hoscht as sch! Der Lenz seufzte, wie er das sagte.
    Aa'r it schna wia du. Bei dir werd 's wohl aa nimma lang hergeh'!
    Recht lang werd 's nimmer hergeh'!
    Der Prckl Kaspar lachte.
    I woa scho: es is it gar so leicht, bis ma de Alt'n zu da Ruah bringt; i
ho de letzt'n Jahr her aa g'stritt'n und g'mammst grad gnua.
    Han? Hoscht d' aa z' toa g'habt?
    Lenz drehte sich lebhaft seinem Gast zu.
    It z' weni; ds derfst d' g'wi glaab'n.
    Aba do is ganga?
    Sinscht waar i heut it da. Freili is 's ganga. Was woll'n denn de Alt'n
macha? Amal massen s' geh'.
    Aba wann halt!
    Um ds handelt 's a si. No, mir hat ds g'holfa, da an Vata a Schlagl
g'stroaft hot, und d' Muatta hot si auf mei Seit'n g'schlag'n. - Nacha is
freili leicht!
    Sag ds it! Der Alt hot si no ei'gespreizt, als wia, und halt gar it
glaab'n hat er's woll'n, bis i eahm anderst kemma bi. Auf 's Fruhjahr, hon i
g'sagt, heiret i und banimm, oda du stellst da no an Knecht ei'. I mach dir
koan mehr.
    A niada gibt it nach auf ds.
    Was woll'n s' macha? So lang kinnan s' do aa'r it wart'n, bis mir kitzgraab
san und 's Heiret'n vasammt hamm!
    A Muatta is halt da ds best! sagte Lenz und seufzte wieder. De kunnt
drauf drucka.
    Ds muat halt jetz selm toa.
    Da schaug 's schiach aus, und vadriat an Alt'n.
    Ds sell gib i zua; aba wann 's da'r a Hochzeiterin woat, nacha kunnt'n ja
dera ihre Leut a bissel umrhr'n.
    Von an fremd'n Mensch'n lat sie oana it gern was drei'red'n.
    Ja no! Du muat halt wart'n; recht lang werd 's nia nimma dauern; und bal
d' Urschula aus 'n Haus is, werd dei Vata schnell zeiti wer'n.
    Ko sei; bal 's dir recht is, genga ma jetzt zu de Weibsbilda umi.
    Als sie ber den Hof kamen, stand die Zenzi am Brunnen und pumpte Wasser in
einen Trankkbel. Der Kaspar musterte sie mit einem schnellen Blick.
    Was habt's denn da fr oani? fragte er.
    D' Kuahdirn; auf Liachtme marschiert s', sagte Lenz kurz und ein wenig
verchtlich.
    Saggera Hosenzwickl, de htt' Hax'n!
    I ho s' no it o'g'schaugt auf ds.
    Geh, hr auf! lachte der Kaspar und drckte ein Auge zu. Da du so was it
sehgast!
    I mag 's Hausbrot it.
    Es lag in der Antwort des Lenz eine sonderbare Schrfe, die sein Gast wohl
bemerkte; jedennoch, er kmmerte sich nicht viel darum und dachte so obenhin, es
werde schon irgendwie einen Grund haben.
    Unter der Haustre warf er verstohlen noch einen Blick auf das saubere
Frauenzimmer, das ihm neugierig nachschaute.
    Fr einen ledigen Burschen wr 's kein bler Brocken gewesen, so um die
Zeit, da er noch beim Leibregiment war.
    In der Stube hatte das Basel einen argen Jammer.
    Ds hamm ma dumm darat'n, Kaschpa! Da Vetta kimmt erscht uma drei hoam; i
hab da 's glei g'sagt, mi htt'n eahm was z' wiss'n macha soll'n. Wos tean mir
jetzt?
    Jetzt mass'n ma scho wart'n, bis er hoam kimmt; no amal umafahr'n waar aa
z'wida.
    Ja, freili; mi vasammt ja sei Zeit, und i ko aa net oiwei von dahoam furt.
    Bleibt's halt do! schlug Ursula vor. Mir dischkrier'n mitanand, und na
werd d' Zeit scho vageh'.
    I woa scho, was i tua, sagte der Kaspar, mir hot da Plank vo Bruckberg
g'sagt, da er a Rog'schirr zum vokaffa htt'. Da geh i umi dazua; is eh grad a
kloane Stund zu'n geh'.
    Geh weita! bat Ursula. Werst do it glei wieda davo renna?
    Wos tat i denn do? I ko do net fnf Stund herhocka!
    Schaugst d' halt insern Hof o!
    Den siech i danach aa; bis um oans bin i wieda z'ruck, und na werd mi d'
Zeit do it gar z' lang.
    Eigatli hot a recht, sagte die Schneiderbuerin, fr was soll a
herwart'n, wann er dawei a G'schft o'macha ko? I und d' Urschula, mi untahalt'n
uns scho, und da Lenz werd a so im Stall bleib'n mass'n; na vasammst d' nix,
Kaschpa, wann's d' auf Bruckberg gehst; aba da d' it z' spat kimmst!
    Um oans bin und z'ruck. Pfad Good beinand!
    Ursula lief zur Haustre und rief ihm nach:
    Kimm fei bald z'ruck, Kaschpa!
    Gilt scho! sagte er gerade hin, ohne sich umzudrehen, und ging weiter.

    An dem kriagst d' amal an richtinga Mo, sagte die Schneiderbuerin zur
Ursula, werst as sehg'n.
    Bal 's g'wi is, da i 'n kriag'.
    Warum it? Bal da Vata a bissel mag, werd de Sach heut richtig.
    Ob er it z' viel valangt?
    Na, na, was i eahm so beilufi g'sagt hab', ds sell is eahm Sach gnua
g'wen. - Moanst do?
    Freili! La di no nix bekmmern, Urschula! Hoscht 'n denn in da Thomasnacht
it g'sehg'n?
    Wia ds?
    s junge Mad'ln wit's ja nix mehr, weil's koan recht'n Glaab'n aa nimma
habt's. In da Toamsnacht httst d' as leicht dafragt, ob's d' in dem Jahr de
Prcklburin werst.
    Ah, ds san so Abaglaub'n!
    Weil's no s all's bessa wit's! Aba ds derfst g'wi glaab'n: bal si oani
in da Thomasnacht ganz nackert auf 'n Schemmi vor's Bett stellt und sagt den
selbinga Spruch, nacha siecht s' den Bursch'n, der wo s' heiret.
    Glaabst du ds?
    Und g'wi glaab i 's, weil 's amal wahr is!
    Wia hoat na der Spruch?
    Pa no auf!

Betscheml, i tritt di,
Heiliger Thomas, i bitt di,
La mich sehgen den Herzallerliebsten meinigen
Diese heitige Nacht!

    Und nacha kimmt a dem Madl im Traam fr.
    Mir waar liaba, i wissat an Spruch, da da Vata rechtsinnig waar geg'n
meina.
    Ds werd a schon sei; was will a denn mehra? Koa besserne G'leg'nheit
find't a gar it fr di.
    O mei, Basel! sagte Ursula und seufzte recht tief auf.
    Was is jetza ds? Lebt's s schlecht mitanand, seit d' Muatta g'storm is?
    Und war der Ursula beinahe ihr Geheimnis ber die Lippen gesprungen bei der
Zollbrechtin, weil ihr Herz zum berlaufen voll war, so konnte sie es jetzt
schon gar nicht mehr zurckdrngen in Gegenwart dieser nahen Verwandten, die ihr
stets Freundlichkeit bezeigt hatte und ihr jetzt einen Mann zubringen wollte.
    Das Wasser scho ihr in die Augen, und sie sagte unter Schluchzen:
    Na, Basel, mi leb'n gar it guat mitanand!
    Was waar denn jetzt ds! Aba i ho ma 's oiwei denkt: d' Muatta hat z' fruah
von enk weg mass'n.
    Ursula wischte hastig ihre Trnen ab.
    Na, Basel, sie is it z' fruah weg! Trst s' da liabe Good, aba mi mass'n
allsammete froh sei, da s' no bei Zeit'n g'storm is!
    Was sagscht ma denn jetzt da?
    Sie htt nix schn's mehr dalebt; es is g'scheita, sie liegt an Grab.
    Geah! Was is denn ds?
    Ursula rckte nher zur Base hin, dann stand sie auf und schaute auf das
Fltz hinaus, ob keine Horcherin in der Nhe sei, und setzte sich wieder.
    Woat, mi hamm da a ganz a schlecht's Mensch fr a Kuahdirn, und mit dera
hot si da Vata ei'lass'n.
    Ds glaab i do it! Vielleicht moanscht as grad?
    Bal i 's do selm g'hrt hab, wia'r a aus ihra Kamma aua is; und er hat 's
aa gar it g'laugn't.
    De Mannsbilda! Na! Na! Je lta da s' wer'n, desto dmmer wer'n s'!
    Die Schneiderbuerin hatte die Hnde zusammengefaltet und schttelte den
Kopf.
    Wer htt' ds vom Schormoar glaabt, und hat so guat g'haust mit deine
Muatta!
    Ja, und an dem Tag, wo ma s' ei'grab'n hamm, hat a scho o'gfangt mit dem
Schlamp'n.
    Geah, Madl, i ko 's vllig it glaab'n!
    Wia'r i vom Leich'ntrunk hoam kemma bi, is sie bei eahm in da Stub'n herin
g'hockt und is aufg'sprunga, und ganz vahofft is s' g'wen.
    Am Grbnistag?
    Ja, Basel!
    Ds sell is a bissel viel g'sagt; da mcht mi scho ganz vazag'n.
    Die Schneiderbuerin kam nicht aus ihrer erschrockenen Verwunderung heraus.
    Jessas, Marand Josef! Wos mi all's daleb'n mua! Ja, wos sagt nacha da
Lenz?
    Der derf it viel sag'n. Oamal hot a 's probiert, und na hot eahm da Vata
glei an Strohsack vor d' Tr hi'g'schmiss'n.
    Sein' eig'na Kind?
    Was glaabst denn, da er mi allssammete hoat? Grad oa Viech hi und her;
und bal i 's Mu it halt, sagt a, mua i auf da Stell aus'n Haus, wia da
schlechtest Deanstbot, und koa Gragood und Pfadgood mehr, und grad d' Tr'n
schmeit a zua, und koa Freundlichkeit siecht mi de ganz Woch it.
    Da bedauert's mi scho all zwoa recht.
    Mi san aa zu'n bedauern. Da so was frkemma kunnt, htt jo koa Mensch it
glaabt.
    I amal g'wi it. Jetzt sag ma no grad amal, Urschula, wo geht denn ds
aui?
    Ds kon i dir it sag'n, da bin i ma it g'scheidt gnua. Auf Liachtme, hat a
g'sagt, mua der Schlamp'n weg, aba i glaab gar nix mehr, weil a mir erscht
geschting wieda an Krach g'macht hat z'weg'n dera.
    O mei, o mei! Is a ganz in ihra G'walt?
    Da hoscht recht! Woat, bal amal a paar Tg a Ruah waar, na spinnt sie
wieda was z'samm und hetzt 'n auf; und glei ans Fenschta vo seine Schlafkamma
stellt si ds Luada hi und red't vo draut eina.
    Aba woat, Madl, da muat du scho koa Schneid gar it hamm; ds lasset i mir
it g'fall'n; und de nchst Pfann nahm i her und schlaget ihr an Kopf ausanand.
    I ho s' scho umanandlass'n, de Loas! sagte Ursula, und ihre Augen
blitzten. Geschting hon i s' it schlecht herg'schlag'n.
    Und da Lenz? Warum haut s' der it glei ganz aui, bal da Alt amal it dahoam
is?
    Der traut eahm it, Basel. Da Vata mua eahm ganz grob kemma sei, weil er so
dasig is.
    No, vielleicht is g'scheita, er schaugt no a weng zua; aba bal s' auf
Liachtme it aus 'n Haus kimmt, na soll er amal fescht o'packa.
    Ja, nacha kenn i aa nix mehr.
    Urschula, bal i 's recht badenk, na is g'scheidta, du hebscht di jetzt
ganz staad und heiredtst, so g'schwind, als geht, an Kaschpa, und na bischt du
in dein Haus und ko'st zuaschaug'n.
    Bal no ds g'wi waar!
    La mi macha, i red' an Vata guat zua ...
    Aba koan Schnaufa derfst d' it toa, da da'r i was g'sagt hab!
    Waar 's it g'scheita, i redat frischweg mit eahm und saget eahm pfeigrd,
was mi si denkt ba so was?
    Na, Basel, da kunnt 's g'feit sei. Da Vata waar imstand und tat ma 's
Heiratguat krz'n.
    Dos is scho weit kemma, bal mi so was fercht'n mua; aba du hoscht recht:
es is aa z'weg'n an Kaschpa bessa, bal's koan Streit it gibt.
    Jessas, bal er 's dafragt: moanst d', er stand z'ruck?
    Z'weg'n dem it. Was kmmert eahm ds, was da'r Alt in sein Haus tuat; aba
bal's heunt an Krach gab, kunnt er leicht moan, da na mit 'n Geld it all's in
Ordnung waar.
    La da no grad nix mirka, Basel! Schaug, i ho dir 's sag'n mass'n, weil 's
mi gar so viel druckt hot; aba jetz derfst d' ma ds it o'toa, da d' an Vata in
d' Hitz'n bringscht.
    Ds derf dir da g'ringst Kumma sei, i bring de heiret it ausanand. Wos
hoscht 'n?
    Ursula war aufgesprungen und schaute auf den Hof hinaus.
    Schaug aui! sagte sie aufgeregt. Do is sie jetzt; sie fahrt an Mischt
aua!
    Die Schneiderbuerin schaute lange und forschend das starke Weibsbild an,
welches mit aufgeschlagenen Rcken auf dem Dunghaufen stand.
    Ds is s'? fragte sie mit gedehntem Ton. Wos a no grad an dera find't? De
tat jetzt mir gar it g'fall'n, a so a grob's G'stell, wia de hot! - Gel, sagst
d' as aa?
    De hot ja do scho nix fein's gar it! Ja, de Mannsbilda! Da mua ma si scho'
frag'n, wo de oft d' Aug'n hamm!

    Vor der Essenszeit ging die Schneiderbuerin mit der Ursula in den Stall, um
Khe und Hennen zu mustern. Und das htte sie zu keiner Zeit unterlassen; denn
was eine gute Hauserin ist, hlt fleiig Umschau in anderer Leute Wirtschaft,
weil es dabei was zum Lernen und noch mehr zum Kritisieren gibt. Aber hier und
heute htte es die Schneiderin schon gar nicht bers Herz gebracht, von der
Gewohnheit abzulassen, weil sie das Weibsbild, die Magd, in der Nhe sehen
wollte.
    In zwei langen Reihen stand das liebe Vieh und schaute gedankenlos auf die
Eintretenden, indes es an seinem Futter kaute. Es waren Khe wie andere auch,
einfarbig oder gefleckt, mit stark oder schwach gebogenen Hrnern; und alle
hatten an den Seiten ziemlich viel Schmutz. Die eine und andere streckte wohlig
den Buckel auf, hob den Schweif und lie ihr Wasser rinnen, von einer andern
platschte es anders zu Boden, und die Ketten klirrten und wetzten sich an den
Barren. Der unkundige Betrachter wre vermutlich vorne an den hbschen Tieren
vorbeigewandelt und htte ihre Kpfe gestreichelt und jeder Kuh in die
treuherzigen Augen geschaut.
    Was aber die Schneiderbuerin war, die ging hinten herum und bersann sich
lange bei jedem Stck.
    Mi kemman s' so maga fr, sagte sei zur Ursula, so ei'g'fall'n san s' auf
da Seit'n. Es mua mit 'n Fuatta it all's richti sei.
    Ds sag i ja scho lang, da s' laderli g'halt'n san, antwortete die
Haustochter sehr laut.
    So laut, da es Zenzi, die etwas entfernt davon stand und mit der Mistgabel
die Streu auseinander teilte, hren mute.
    Sie schnupfte jedoch nur verchtlich auf und stocherte emsig auf einem Fleck
herum.
    Kopfschttelnd schritt die Schneiderin weiter.
    Drecki san s'. Auf ds solltst wohl schaug'n, Urschula, da ds it bahand
nimmt; guat putz'n is halbat g'fuattert.
    Ja, da schaug, bal mi sellane Deanstbot'n hot! De wo grad was anderst's an
Sinn hamm als wia d' Arbet!
    Die Zenzi steckte den Kopf tiefer zwischen die Schultern. Eine Antwort wre
ihr schon eingefallen, und schnell auch noch; aber dann war der Streit fertig,
und sie war mutterseelenallein. Und das war leicht zu erraten, da die grobe
Kotzen sie blo herauskitzeln wollte vor der Fremden.
    Was das fr eine war, und wie sich die aufspielte und berall was
auszusetzen wute!
    Sie rusperte sich und stach die Zinken heftiger ins Stroh.
    A was! Red's, was mgt's, i hr 's it.
    De wella is jetzt de Bescht? fragte die Schneiderbuerin.
    De dritt von vorn eina, antwortete Ursula; mi hamm s' vom Schiel z'
Eisenhofa kafft.
    De braung'fleckelte?
    Die Schneiderin ging ein paar Schritte zurck und musterte die Kuh auf ein
neues.
    So, ds is enka Beschte? Wia viel geit na de Milli?
    Du, hoscht as g'hrt? schrie Ursula grob zur Zenzi hinunter. Wia viel d'
Schielin Milli geit?
    A zwlf Lita, brummte die Magd.
    Zwlf grad? sagte die Schneiderin. Ds is amal gar it viel auf de Bescht.
Ds gibt bei mir a mitter'ne.
    
    Bei dir werd halt a bessa aufpat auf 's Sach; wia ma s' kriagt hamm, hat
de aa mehra geb'n.
    Die Ursula hatte einen schneidigen Ton an sich; aber diesmal verblieb die
Zenzi nicht in Stillschweigen.
    De hot no nia mehra geb'n, sagte sie kratzig.
    So? Muat du ds wiss'n? Unta da'r andern Dirn hamm mi vo da Schielin
vierzeh' Lita kriagt.
    Wer 's glaabt!
    Wos? Wia red'st denn du? Derfst du frech sei do herin, du ... du?
    Die Schneiderin hielt Ursula zurck und winkte ihr mit den Augen.
    La guat sei! hie das.
    Und noch ein bedeutsamer Blick sagte der Erzrnten, da es an diesem Tag
keine Aufregung geben drfe, wegen des Alten, wegen des Kaspar, wegen alles
mglichen.
    Ursula verstand die Base und knurrte etwas Unverstndliches vor sich hin,
und es war ganz gewi etwas Beleidigendes.
    bahaupts is ds gar it de Bescht, fing die Zenzi wieder an; de da geit
mehra. Sie stie mit dem Gabelstiel eine Kuh an, die nher bei ihr stand.
    Die Schneiderin schaute aber nicht das Tier, sondern die Magd prfend von
der Seite an und drehte sich geringschtzig weg, ohne eine Antwort zu geben.
    Sie ging die andere Reihe entlang und fand immer wieder einen Grund, den
Kopf mit Mibilligung zu schtteln.
    Mi siecht aa, da 's Auter it ganz sauba g'halt'n is, und do bin i hoakli.
Bal i ds dahoam mirk, jag i oani auf da Stell davo'; und red'n la i bahaupts
meinen Deanstbot'n gar nix. I valang d' Arbet, und firti!
    Waar no i Herr, nacha waar 's bei ins g'rad a so! sagte Ursula.
    Aba du bischt it Herr! dachte sich die Zenzi. Und red't's no zua, weg'n
meina. I pa auf ds gar it auf.

    Nach dem Essen setzten sich die zwei eintrchtigen Frauenzimmer zu einem
langen Diskurse in die Kche; es fehlte nicht an Nudeln und Kaffee, und auch
nicht am Gegenstande, ber den sich vieles sagen lie.
    Siehgst, Urschula, jetzt weil's d' ma du mehra vazhlt hoscht, moan i, es
waar it gar so weit g'feit. Ds war a b'suffane Gaudi, und es waar g'schaidta
g'wen, du httst nix dagleicha to.
    Mi ko do aa 's Mu it halt'n, bal mi so was spannt ...
    Freili kunnt ma 's halt'n, aba du bischt halt no it alt gnua und kennst di
no z' weng aus in da Welt. Mi wundert 's gar it so viel, da dei Vata de
Dummheit g'macht hot.
    Du bischt guat troffa, Basel! Z'erscht hoscht aba ganz anderst g'red't.
    I lob 's jetz aa it, und koa richtiga Mensch werd da anderst g'sinnt sei.
Bal so was vorkimmt, is ja scho da Respekt bei de Deanstbot'n nimma vorhand'n.
    No also!
    Aba wundern tuat 's mi it, sag i, weil d' Mannsbilda allsammete so san, bal
s' z' viel Bier hamm.
    Von dem dein' glaabst d' na so was do it?
    Moanscht?
    I mcht di it sehg'n, wann du an sellan Vadacht httst.
    An Vadacht hon i koan, und i glaab it, da was frkimmt, aba trau'n tua'r i
eahm gar it.
    Geah?
    Na, gar it. Freili, unta da Woch und bei da Arbet und so, da woa i scho,
da si nix feit, aba bal a grad am Sunntag a wengl rauschi hoamkam und stand
eahm so a schlecht's Luada hi, na waar glei was g'schehg'n.
    Da waar mi ja oiwei in da G'fahr!
    Mi mua halt Obacht geb'n, Urschula.
    Na, ds sag i glei, bal i so was glaabet, laffet i auf und davo.
    Mi lafft it so g'schwind.
    I scho; und bal i ds wissat, da da Kaschpa aa'r auf dera Seit'n waar, na
mcht i liaba it heiret'n.
    Na muat d' ledi bleib'n, weil oana is wia da'r ander.
    Du sagscht ma was schn's!
    Schaug, Urschula, i will da was vazhln; i hon den mein aa'r amal dawischt,
wiar' a so sch staad b'suffa bei da Mitterdirn hibei g'stanna is und a weng
deutli mit die Hnd' g'red't hot. G'rad liab waar er g'wen!
    Aba da bischt drei'g'fahrn?
    Na, ds sell hon i gar it to. I ho mi g'stellt, als wenn i gar nix g'sehg'n
htt, und hon eahm sch to, als wia'r an Krank'n, und hon an in 's Bett eini
bracht, und da hot a sein Rausch und sei Dummheit ausg'schlafa; sie san ja gar
it so scharf, als wia s' tean, und de mehra Zeit san s' froh, bal s' eahnan Ruah
hamm.
    Da mat inseroans oiwei auf da Pa steh?
    A bissel Obacht geb'n braucht 's scho; und de G'leg'nheit auf d' Seit'n
ramma, ds is a Hauptsach.
    Jetzt mua i dir scho sag'n, Basel, da mei Freud g'ringa wor'n is.
    Ja, g'rad weg'n an sch' hamm und weg'n da Luschtbarkeit braucht ma'r it
heiret'n, mei liab's Madl; do werd da no viel untakemma, was da'r it g'fallt. 's
Kinda kriag'n is it luschti, und 's Kinda wart'n aa it; aba 's mua amal sei,
und ledi bleib'n is ds alleschlechtast. Da woa oans auf oamal nimma, wo 's
hi'g'hort; und als Burin auf seine Sach hocka, is it zu'n varacht'n.
    Aba bal's was werd mit 'n Kaschpa, na mua a am an eigna Schwur ableg'n,
da er nia an anderne o'schaugt.
    Da wurd' a bald meineidi. No, gar z' schiach derfst d' as aa it frstell'n.
Bei an junga Bauern is de G'fahr it so gro; d sell'n hamm mehra Stolz und
mehra Eifa zu'n regier'n, aba bal's amal ber 'n vierzga umi gengan, nacha mua
mi guat aufpass'n. Do kemman s' in zwoat'n Saft und schlag'n no mal aus, und
g'schleckig waarn s' nacha'r aa, und passet eahna so a bissel an Abwechs'lung.
Do kam 's eahna glei fr, als wenn s' scho lang gnua bei oane blieb'n waar'n,
und sie san viel dmma. Bal sie da oani o'schmeichelt glaab'n s' ihr mehra und
hr'n 's gern, da s' no' was taug'n.
    Auf ds pa i amal guat auf.
    Aba'r it grob sei und it streit'n, sinscht bild'n s' eahna an Stolz ei, da
sie 's erscht recht tean. bahaupts, mirk da ds: de Mannsbilda mua mi oiwei
auf 'n Glaab'n lass'n, da all's nach eahnan Kopf geht. Mi tean ja do de mehra
Zeit, was mi mg'n; aba zoag'n derfen mi ds it, und d' Nas'n derf'n mi eahna it
drauf st'n. Vo selm sehg'n s' as it, weil s' so viel ei'bilderisch san und
moanan, es ko gar it anderst sei, als da sie allssammete regier'n. De Freud
mua mi eahna lass'n, und na red'n s' recht g'scheit an Wirtshaus und in da
Gmoa, aba staad und hoamli hamm mi 's Heft in da Hand.
    Die Schneiderin zwinkerte bedeutsam ihrem Schtzling zu und tauchte eine
Nudel in den Kaffee; die Ursula aber hielt sich die Hand vors Maul und lachte
voll Verstndnis und sah die Zukunft wieder in schneren Farben.
    Indem warf sie aber einen Blick auf die Uhr und rief:
    Jessas, jetzt is scho zwoa, und da Kaschpa is no it da!
    Der bleibt it aus, und mi hamm ins glei bessa untahalt'n, weil er it da
war.
    Genga ma fri, na sehg'n ma 'n vielleicht kemma.
    Vo mir aus! sagte die Schneiderin, und sie gingen in die Stube und
schauten vom Fenster aus in den Hof.
    Es war wieder Trankzeit, in der die Khe Wasser zu kriegen hatten, und darum
stand Zenzi wieder am Brunnen und pumpte mit krftigen Armen.
    Siehgst d', Urschula, sagte die Base, ds leid i net, da sie de
Weibsbilda d' Rck gar so hoch aufischlag'n.
    So oane schamt sie ja it!
    De amal g'wi it! Schaug s' no grad o! Bis zu de Strumpfbandln siecht ma'r
ihr aufi.
    Wart', i schrei ihr g'schwind!
    Ursula wollte das Fenster ffnen, aber die Schneiderin hinderte sie daran.
    La 's guat sei jetz; da kimmt grad da Kaschpa eina.
    Der Prcklbauer schlenkerte gemchlich durch die Einfahrt; und wie er die
Zenzi sah, schob er den Hut zurck und pfiff lachend durch die Zhne.
    Er trat von hinten an sie heran und klopfte ihr mit dem Stecken derb auf die
Waden.
    Sie fuhr herum:
    Du hoscht mi aba daschreckt!
    Bischt du so g'schrecki, Madl? Siechst gar it aus danach.
    Bal's d' ma du auf d' Hax'n haust!
    I ho g'rad sehg'n woll'n, ob s' it ausg'stopft san.
    Ja freili, i wer s' ausstopfa.
    Saggera Hos'nzwickel! lachte der Kaspar und schob den Hut verwegen aufs
Ohr.
    Aber die Zenzi hatte mit einem schnellen Blick die zwei Frauenzimmer am
Fenster gesehen.
    Geah zua! sagte sie. La mi mei Arbet toa; i ho koa Zeit it fr
Dummheit'n.
    Da besann sich der junge Prcklbauer, da er auf fremdem Grund und auf
Freiersfen stehe, und ging von ihr weg dem Hause zu.
    Die Ursula atmete schwer, und ihre Augen funkelten.
    Hoscht d' as g'sehg'n, Basel?
    Ja no, jetzt sei no staad! Mit an Krach derfst d' it o'fanga; bei'n
Hoamfahr'n sag i 's eahm na scho, da a si schama soll.
    So a Schlamp'n! schnaufte die Ursula und hatte groe Mhe, ein
freundliches Gesicht aufzusetzen.
    Und setzte es aber doch auf, wie nur ihr Zuknftiger eintrat.

    Der Schormayer war mit seiner Arbeit im Holz fertig und machte sich auf die
Heimfahrt. Seine Gule zottelten Schritt fr Schritt durch den Wald, schlfrig
und faul; aber der Bauer trieb sie nicht an, sondern ging tiefsinnig hinter dem
Schlitten her.
    Das Gestndnis der Zenzi hatte ihn den ganzen Tag nicht losgelassen.
    Das ging schon mit dem Teufel zu, da eine allereinzige Dummheit gleich
solche Folgen hatte.
    Er sah es deutlich und unschn vor sich, wie es nun kommen werde. War sie
bei andern Leuten im Dienst, hernach brachten ein paar Weibsbilder das Geheimnis
schnell genug heraus, und jeder hatte Verdacht auf ihn. Hinterdrein kam das Kind
zur Welt und mute vor Gericht einen Vater haben; und was sollte das
Frauenzimmer abhalten, den zahlungsfhigen Schormayer anzugeben, wenn es
obendrein nicht mehr in seinem Dienst war?
    Heilig's Kreuzdonnerwetter! Wie sie in der Gemeinde zahnen wrden, wenn sie
's fr gewi hatten, da ein alter Esel aufs Eis gegangen war! Stichelreden im
Wirtshaus und Geznk daheim, und Alimenten zahlen als Austrgler.
    Der Handgaul fuhr erschrocken in die Hhe, weil ihm der Bauer in seiner
stillen Wut eins berzog.
    Und die ganze Verwandtschaft rundherum hatte ihre Unterhaltung ber ihn.
    Gelt, das war Zeit, da der Schormayer abdankte, wenn er zu seinen Ehhalten
in die Kammer schlich und den Respekt nicht mehr aufrechthalten konnte?
    Wie oft sie die Schormayerin im Grabe umdrehen wrden, damit sie seine
Schlechtigkeit in der ganzen Gre ausmalen knnten! Das war eine liebe Zukunft,
die sich da zusammenzog.
    Du Kramp'n, du vadchtiga, ko'scht du it aufpass'n? Fall am ebna Weg z'samm
vor lauta Faulheit!
    Diesmal bekam der stolpernde Sattelgaul einen saftigen Peitschenhieb.
    Aber vielleicht war es nur eine ngstlichkeit von der dummen Person. Sie
glaubt es, da sie in der Hoffnung ist, sie glaubt es blo; also war es noch
nicht gewi?
    Nix! In der Sache kennt sich die Dmmste aus und wird ehender zu wenig als
zu viel sagen. Mit dem Trost war es nichts, Saggeradi! Wenn er der Dumme war,
der fr einen andern zahlen sollte? Aber nie war ein Sterbenswrtel davon laut
geworden, da es die Zenzi mit einem Burschen in Kollbach hatte, und nicht
einmal die Ursula hatte in der grten Wut eine Andeutung gemacht, und der wr
's doch gewi nicht ausgekommen.
    Es bleibt schon an dir hngen, Schormayer, und das Netz hat kein Loch. Da
war guter Rat teuer.
    Das nchste mute sein, einmal ausfhrlich mit der Zenzi zu reden; und sie
fragen, wie sie 's selber im Sinn hatte mit der Sache da, mit der Angabe von der
Vaterschaft, und auch, wohin sie in Dienst gehen wolle.
    Ja, das war das nchste.
    Vielleicht lie sich das Mensch berreden, weit fort zu gehen und fr ein
paar hundert Mark sich einzulassen, da es berhaupt keinen Vater nannte.
    Das gab es doch auch, da eine dem Gericht nichts sagte; und bei der ersten
Fuhr nach Dachau wollte er einen Advokaten fragen. So, als wenn es sich um einen
andern handeln wrde.
    Also, das war jetzt einmal zu tun, und hernach konnte man sehen, wie das Rad
weiter lief.
    Er war schon nahe am Dorfe, und der Moosrainer Simon, ein Kleingtler, kam
ihm mit seinem Ochsenschlitten entgegen.
    Gra di Good, Schormoar!
    's Good, brummte der Bauer.
    Fahrst d' oiwei no Bamm fr 'n Maier z' Dachau?
    Ja.
    Heunt hoscht an B'suach kriagt, gel?
    I?
    Freili; an Vormittag scho.
    Da woa i nix; i bin an Holz draud g'wen.
    D' Leut sag'n, es waar g'wi a Hochzeita fr dei Urschula?
    De wiss'n na mehra wia'r i.
    Mi moant halt, wei' s' gar so a nobles Zeug'l g'habt hamm.
    Vo mir aus!
    Di bekmmert ds gar it viel, han?
    I wer' 's scho sehg'n, bal i hoam kimm.
    No ja, freili! Du bringscht dei Tochta leicht a. Pfat di!
    Adjes!
    Es bekmmerte den Schormayer wirklich nicht viel, ob die Ursula ein halbes
Jahr frher oder spter aus dem Haus kam; er hatte andere Sorgen. Er ging
deswegen um keinen Schritt schneller; und wie er daheim angelangt war, spannte
er ohne bereilung die Gule aus.
    Der Lenz half ihm dabei und sagte:
    Vata, 's Basel vo Arnbach is scho seit a'r a fnf Stund do.
    So?
    Und da Prckl vo Hirtlbach is bei ihr.
    So? Was macht denn da Schimmi?
    I moan, es gang eahm bessa.
    Is da Dokta it da g'wen?
    Jo. Er sagt, er kimmt scho durchi.
    I wer 'n amal o'schaug'n.
    Der Schormayer ging zu dem kranken Gaul und fhlte ihn an.
    Mir kimmt fr, da a nimmt so hart waar.
    Es is guat g'wen, da ma 'n glei warm ei'geb'n hamm, sagt da Dokta.
    Pa no weita guat auf! Du bleibscht morg'n no dahoam, und i fahr wieda n 's
Holz aui.
    Er ging gemchlich dem Hause zu; unterwegs blieb er stehen und schaute zum
Kuhstall hinber.
    I wer' s' morg'n in 's Holz aui kemma lass'n, da hamm ma na nacha Zeit
zu'n Dischk'rier'n, brummte er vor sich hin, und dann stampfte er vor der Tre
den Schnee von den Schuhen.
    Im Fltz kam ihm Ursula entgegen.
    Vata, es waar a B'suach da.
    Is scho recht.
    Soll i da'r an Kaffee in d' Stub'n eini bringa; du werst was Warms mg'n?
    Du bischt ja heunt ganz ausnahmsweis freundli.
    Es konnte ihm schon auffallen, da er nach langer Zeit wieder ein lachendes
Gesicht daheim sah.
    I ho da'r oan aufg'hob'n, sagte Ursula zuckers.
    Bring an no eina!
    Wie der Schormayer in die Stube eintrat, stand die Schneiderin von der
Ofenbank auf, und der Prckl Kaspar rkelte sich langsam in die Hhe.
    Du werscht it schlecht schaug'n, da du ins da auftriffst? sagte die
Schneiderin.
    Mi is ganz recht, da d' amal kemma bischt.
    I ho oan bei mir, an Prckl Kaschpa vo Hirtlbach.
    Der Schormayer nickte dem fremden Menschen zu.
    So? Du bischt da jung Prckl? An Vata kenn i wohl.
    Er hot ma 's g'sagt.
    A G'schft htt' a mit dir, fiel die Schneiderin ein.
    Was fr oans?
    Der Kaspar rusperte sich und fuhr sich mit der Hand ber den Kopf.
    I, sagte er, soll an Fruhjahr an Hof banehma, und durch ds sollt i
heiret'n, indem da de Alt'n aa nimma weita macha woll'n, und weil na do a
Burin in 's Haus mua, und durch ds hon a ma denkt, ob's d' ma du it dei
Urschula geb'n kunntst.
    So?
    Der Schormayer holte sein rotes Sacktuch hervor und schneuzte sich erst
einmal.
    Mhm! sagte er. I sag it na, und ba de Sach lat si red'n. Hock di no
hi!
    Der Kaspar lie sich auf die Ofenbank nieder, und der Bauer setzte sich an
den Tisch.
    So, so? Mei Urschula mgst du heiret'n? Wia viel moanst d', da s' nacha
kriag'n sollt?
    Kaspar sah zur Schneiderbuerin hinber, und sie nahm fr ihn das Wort.
    A tausend a fufzehni, hon i eahm g'hoan.
    Fufzehni?
    Der Schormayer schaute nachdenklich auf den Boden.
    Bal's mehra san, macht 's aa nix, sagte der Kaspar frhlich.
    Mehra wer'n 's kaam, mei Liaba. Aba auf fufzehni kunnt 's nausgeh.
    Do waar er scho z'fried'n, fiel die Schneiderin ein.
    Ds hoat, bal sie 's baar kriaget, sagte Kaspar.
    Baar oiwei; de Hypathek'ng'schicht mag i selm it, und 's Geld liegt auf.
Nach da Hozet wurd' 's auszahlt.
    Die Schneiderin stie ihren Schtzling mit dem Ellenbogen an.
    No also! Nacha seid's ja scho handeloans, braucht's grad ei'schlag'n.
    Aber der Kaspar rusperte sich doch noch einmal.
    Wia is na ds? Tat sie na was irb'n aa no?
    Ursula hrte die Frage, denn sie brachte gerade den Kaffee herein; und
nachdem sie ihn auf den Tisch gestellt hatte, blieb sie erwartungsvoll stehen.
    Der Schormayer rhrte den Zucker um und berlegte sich die Antwort.
    Irb'n? fragte er. Ko sei, aba hoa'n tua'r i nix g'wi; und bal nix
dazwisch'n kimmt, bis i stirb, kriagt s' scho no a Brocka.
    Ursula hatte wirklich ihren freundlichsten Tag, und mit der mildesten Stimme
sagte sie:
    Was soll si denn do dazwisch'n kemma, Vata? Do kimmt si do nia nix
dazwisch'n.
    Ds woa mi it.
    Aba Vata, woat do, da mi di in Ehr'n hamm; und bahaupts brauchst d' koa
Kumma ba ds gar it hamm.
    I ho scho koan; und bal all's mit Recht'n geht, werst d' scho was kriag'n.
Aba ds is mei guata Will'n, was i hint la; und vasprecha tua'r i nix.
    Die Schneiderbuerin wollte noch hilfreich sein.
    's Heiret'n hoscht d' do nimma'r an Sinn?
    Heunt net. Aba woa i, was morg'n is?
    Geah zua! Du werst ba Nacht it anderst g'sinnt wer'n.
    I glaab 's selm it; aba ds is sch' gnua, wann i fufzehtausad baar
auszahl, und auf nix anders la i mi net ei.
    Kaspar hrte es am Ton, da weiterreden keinen Wert hatte.
    Er patschte aufs Knie und sagte frischweg mit lauter Stimme:
    Alsdann is mi a so aa recht; und ds ander werd scho amal kemma, wia 's
Recht und G'setz is.
    Er hielt dem Schormayer die Hand hin, und dieser schlug ein.
    Du hoscht as g'hrt, da er di heiret'n mcht; vo mir aus liegt nix an
Weg, sagte er zur Ursula.
    Sie strich die Schrze hinunter und hielt den Kopf gesenkt.
    Ja no ... Sie stockte und schaute den Zuknftigen von unten herauf an ...
Mi is na aa gleich.
    Gilt scho! sagte Kaspar und gab auch ihr die Hand darauf.
    I mach mei Gratalation; und s zwoa werd's it schlecht mitanand haus'n, und
s hockt's enk aa'r in a schn's Sach. Du kennst an Hof, Schormoar? fragte die
Schneiderin.
    I kenn an scho. Wia werd denn da Austrag fr de Alt'n, Kaschpa?
    Sie halt'n si scho a Geld z'ruck und nehma si it z' weni aus. Aba'r i tua
ma'r it hart.
    Ds is na enka Sach. Und wos i sag'n will: mit 'n Aufgebot und mit 'n Lad'n
und mit dera ganz'n G'schicht kon i mi net befass'n, ds mat's selm macha.
    I hilf scho, und bahaupts geh'n i da Urschula an d' Hand, weil d' Muatta
nimma do is.
    I dank da sch, Basel.
    Ds tua'r i gern, und wann moant's da d' Hozet sei kunnt?
    Oiwei no vor die Fascht'n, schlug Kaspar vor.
    Ds waar in a vier Wocha? I moan, ds lia si richt'n, Schormoar?
    Richt's as no. Herwart'n hot aa koan Sinn.
    Kimmst d' vielleicht morg'n auf Arnbach umi, Urschula?
    Bal's an Vata recht is?
    Mi is gleich. I bin a so in Holz draud.
    Also no geh'n i morg'n zu dir, Basel.
    Ds is des G'scheidtest; da macha mi allssammete aus; und was beim Pfarra
und an Bezirksamt sei mua, ds sell trifft an Kaschpa, und mit 'n Hozetlada
kinna mir red'n, und ...
    Jetzt is aba Zeit, da ma gengan, drngte Kaspar, mi hockan scho den
ganz'n Tag her.
    Spann no ei; i bin glei g'richt', sagte die Schneiderin.
    Der junge Prcklbauer nahm seinen Hut von der Ofenbank und ging hinaus.
    Im Stall fand er den Lenz auf ein paar Strohbndeln liegend im festen
Schlaf.
    H, Lenz!
    Der fuhr auf und rieb sich die Augen.
    Wos is?
    Ei'spanna hilf ma; i fahr.
    Lenz ghnte.
    So, du fahrst scho weg? Was is nacha wor'n?
    Mi san richti.
    Is a so g'wen, wia'r i g'sagt hab? Fufzehntausad?
    Ja. No, mi wer'n na scho z' toa kemma, und d' Urschula is ja a guate
Hauserin.
    Do feit dir nix. Wiah! Geht's aua! Er koppelte einen Gaul ab, den andern
nahm Kaspar. Als sie eingespannt hatten, zndeten sie die Laternen an, denn es
wollte schon dunkel werden.
    Die Pferde scharrten ungeduldig mit den Hufen, und es dauerte eine Weile,
bis die Schneiderin noch dies und das gesagt hatte.
    Endlich stieg sie ein. Der Kaspar setzte sich neben sie und grte ein
letztes Mal seine Hochzeiterin, die mit verschrnkten Armen unter der Tre
stand.
    Adjs beinand! H!
    Die Gule zogen scharf an, und klingelnd ging es zum Tor hinaus.
    Pfad di Good, Kaschpa! klang die Stimme der Ursula nach.
    Schier fein und lieblich.

                                 Elftes Kapitel


Mit rot gefrorenem Gesicht kam die Zenzi ins Mselholz, wohin sie der Bauer
bestellt hatte, damit sie Daxen zusammenklauben sollte. Aber sie dachte sich
gleich, da noch ein anderer Grund dabei sein werde. Ein Holzknecht zeigte ihr,
wo sie den Schormayer antreffen knnte; und als sie ihn sah, ging sie, zgernd
und von allerlei Bedenken beschwert, auf ihn zu.
    Wo soll i na Dax'n z'sammklaab'n? fragte sie schchtern.
    Ds pressiert it. I ho mit dir was z'red'n.
    Wos nacha?
    Ds werst d' glei hr'n.
    Der Schormayer machte erst die Zugstrnge von den Wagscheiteln los, damit
die Gule nicht anziehen konnten; dann schaute er die Person, die ihre Hnde
schtzend unter ihr Tuch versteckt hatte, scharf an.
    Du hoscht ma vorgeschtan was g'sagt. Wos soll denn ds sei?
    Ja no.
    Da du in da Hoffnung waarst?
    J-ja.
    Wia kam denn ds?
    Woat as ja so!
    Die Zenzi gab ihre Antworten in weinerlichem Ton, denn die Fragen des Bauern
kamen grob und mitrauisch daher, und von Mitleid war nichts darin zu spren.
    Woat as ja so!
    Nix woa i. Und da vo dem oa'mal, vo dera Dummheit, so was kam, ds sell
glaab i dir no lang it. I bin ja volla Rausch g'wen.
    Gar so b'suffa werst d' it g'wen sei.
    Da hon i Zeug'n dafr, mei Liabi; de mass'n ds aufweis'n, da i durchaus
rauschi g'wen bi.
    Wos ko denn i dafr, da du kemma bischt? I ho da 's ja g'sagt, du sollst
ds it toa, und ho no mei Tr vor deina zuag'spirrt, und hoscht ma s' schier
ei'tret'n mit de Stiefeln.
    So g'stellt si a jede; ds kennt mi guat.
    I ho mi durchaus gar it g'stellt. Mi is selm it recht g'wen.
    Ja, mei Liabi! Net recht g'wen! Weil ds it a jede daher bringt! Und bal's
d' as it an Sinn g'habt httst, nacha httst ja d' Tr zualass'n kinna. I bi
halt in Rausch a weng hi'g'falln.
    Zenzi verzog ihr Gesicht schmerzlich und fing zu weinen an.
    I ho ma 's scho glei denkt, da d' di weglaugna willst, weil i jetzt an
Elend do hock, und weil i mir selm nimma z'helfa woa.
    Plrr it a so! Ds sell hot jetz gar koan Wert.
    Da sollst d' it woana, bal's du a so daher kummst und sagst, i war schuld.
    Ds sag i pfeigrd. Z'weg'n was bischt denn du daher kemma im Hemmad? Hot
dir ds wer g'hoa'n?
    I hon a Untarock aa'r o'ghabt!
    Ja. Aba ob'nauf hoscht di sehg'n lass'n und hoscht d' as mit Flei recht
herzoagt. Und bal mi b'suffa is, na is schnell was g'schehg'n.
    Is vielleicht it a so? fragte er barsch, weil Zenzi schwieg und vor sich
bin schluchzte.
    I sag gar nix mehr, wei i ds scho siech, da di du weglaugna willscht.
    Ja no! Moanst, i zahl fr an andern?
    Zenzi hob den Kopf rasch in die Hhe.
    Wos fr an andern?
    Werst scho anort mit oan z' toa g'habt hamm! Was woa i?
    Bal's d' as it woat, muat d' as aa'r it sag'n.
    Weil i 's net glaab, da i mit mein Rausch do auf 's erstmal scho da Vata
sei mat.
    Ds werd si wohl aufweis'n, weil mi d' Zeit aa woa.
    Vo dem is nix bekannt, da mi 's auf oan Tag sag'n ko.
    Bring ma halt oan her, der wo ds mit Recht'n behaupt'n ko, da i mit eahm
beinand g'wen bi.
    Zenzi, vala di it z' viel auf ds! So was kimmt gern auf.
    Bei mir kimmt gar nix auf, weil nix aufkemma ko.
    Net, moanst d'?
    Na, durchaus gar it, und da kon i a niad'n Eid schwiarn.
    Aba meini Zeug'n kinnan aa schwiarn, da i durchaus b'suffa g'wen bi.
    Ds werd na 's G'richt scho ausmacha; und jetzt geh'n i, und i ho ma 's
glei denkt, da 's a so kimmt ...
    Zenzi wandte sich langsam um und ging erst zgernd und dann schneller den
Waldweg hinunter.
    Sie war nicht weit gekommen, als der Schormayer laut pfiff und sie beim
Namen rief.
    Da blieb sie stehen und schaute rckwrts.
    Wos willscht no?
    Geh nomal her!
    Z'weg'n wos denn?
    Geh no her! I sag da 's scho.
    Seine Stimme klang ruhiger, und sie kam gehorsam zurck. Er hatte den Fu
auf einen Baumstamm gestellt und schaute in Gedanken verloren zu Boden.
    Schchtern fragte sie wieder.
    Was willscht d' ma denn no sag'n?
    Der Schormayer redete nun beinahe sanft und mit Gte.
    Siehgst, i will koan Proze g'wi it, und i moan, wir kinnan da aa'r in
Guat'n ausanand kemma. Aba ds derfst d' ma'r it bl nahm, da mi ds vadriat,
wann i z'weg'n dera oan' Dummheit ganz und gar an Vata macha mat.
    Zenzi gab keine Antwort.
    Er stimmte seinen Ton noch um eins milder.
    Schaug, fr di is ds aa koa Vorteil, bal's du g'rad an alt'n Mensch'n
hernimmscht, und no dazua dein Bauern, weil dir ds d' Leut ganz schlecht
ausleg'n. Bal's du aba an junga Bursch'n aufweist, na is ds fr di vui bessa;
wei' di der villeicht aa heiret', und wei' ds bahaupts schna ausschaugt.
Hoscht d' denn gar koan?
    Na, Baua! G'wi it! Bal i da 's amal sag.
    Du b'stehst ma 's halt net ei! Aba du moat it moan, da i di zu dein'
Schad'n frag, und da i nacha bei'n G'richt den selbinga o'gab. Ds is durchaus
net da Fall. Ds sell ko'scht da leicht ei'bild'n, da i mi it fr 's G'richt
hi'stell und ba d Vataschaft streit wia'r Deanstknecht. I moan da 's guat, und
is ja besser aa, wann mir zwoa z'sammhelfan, da si de G'schicht no guat
ausgeht. Du derfst ma 's g'wi sag'n, was fr an Bursch'n da d' g'habt hoscht.
    Zenzi schaute ihren Herrn ehrlich an und gab aufrichtig Antwort:
    Siehgst, i tat da 's gern sag'n, bal i oan g'habt htt'. Aba es hot si it
auftroffa ...
    Geah zua, so a sauber's Madl wia du werd na leb'n wia'r an alta
Betschwesta!
    Mi sagt it vo dem, und ds laugn' i aa gar it, da i frherszeit'n mit an
Bursch'n was z' toa g'habt ho, aba ds is scho a guate Zeit her, und in Kollbach
bahaupts it ...
    Wia lang is na ds her?
    Ja, weit ber 's halbi Johr, und der lasset si 's wohl net g'fall'n, bal i
eahm o'geb'n tat.
    B'sinn di no a wengl, vielleicht is 's do it so lang her.
    Bal i da 's sag, Baua, da 's a so is. I bin unta'n Johr bei dir
ei'g'stanna, in der Arndt, und seit dera Zeit woa i von koan' Mannsbild nix
mehr.
    Du moanst vielleicht, i mcht mi von Zahl'n drucka, Zenzi. Ds is aba it
wohr. I zahl scho, und i tat glei an schn Betrag auf oamal hergeb'n, und na
kunntst d' mit dem Geld heiret'n aa ...
    Ds waar mir freili ds liaba.
    I sag da 's aufrichti; i hoa da'r an g'wiss'n Betrag, und du gibst den
richtinga Vata o und sagst eahm, da du a bissel a Vermg'n aa hoscht; und bal
er g'scheit is, na heiret a liaba, als da er si bucklat zahlt.
    Aba, Baua, es is koana do!
    Herrgottsaggerament, jetzt fangst d' ma wieda'r a so o!
    I mua sag'n, wia 's is. Was hoscht 'n du davo, bal i di o'lag?
    Du lagst mi scho o!
    Auf Ehr und Seligkeit it! Auf da Stell sollt' i tot umfall'n, bal's it wahr
is!
    A!
    Siehgst d', Baua, i waar ja selm froh, wann i an ledinga Bursch'n aufweis'n
kunnt. Wei' de ganz Sach anderst waar, und bal er mi aa net heiret'n tat, auf
ds gang 's it z'samm, aba 's G'redt waar it so viel, und da Vadru a it ...
    Der Schormayer schaute nachdenklich vor sich hin; er kratzte mit dem Fu den
Schnee zusammen und wieder auseinander. Es war still um sie herum.
    Ein Nuhher, der in ihrer Nhe aufbaumen wollte, flog erschrocken und
schimpfend weg.
    Von weither klang eine Sge, und dazwischen auch der Ruf eines Holzknechts.
    Da fragte der Bauer vor sich hin, ganz leise, als wenn er mit sich selber
redete:
    Wia denkst dir nacha du, da ds werd?
    I woa wohl it.
    Hoscht du scho an Platz auf Lia'me?
    Beim Untaburger kunnt' i ei'steh'.
    Wos? Bei ins in Kollbach? In da nscht'n Nachba'schaft?
    
    Er hat mir sag'n lass'n, da i zu eahm kemma sollt.
    Und du hoscht di scho vadingt?
    Na. I ho de Botschaft erscht gesting kriagt.
    Der Schormayer redete wieder laut und befehlshaberisch:
    Aus dem werd nix! Ds sag' i da glei.
    Was will i macha? I mua do an Deanst hamm!
    Ja, muat d' hamm! In an etla Monat woa ds ganz Dorf, wia 's bei dir
steht. Ds sell geht it.
    Die Zenzi schaute ihren strengen Herrn ganz und gar hilflos an. Aber der
fuhr eifrig fort:
    Und wia lang ko'scht d' denn dei Arbet richti macha? Mitt'n an Summa muat
d' weggeh'. Na, ds pat mi gar it.
    Leb'n mua mi na do und si was vodean.
    Aba'r it bei ins in Dorf. Du bischt vo Wolnzach umanand dahoam, gel?
    J-ja.
    Warum gehscht na it dort hi? Du werscht dort aa'r an Platz find'n.
    Bal i neamd mehr kenn', und meine Leut' leb'n nimma. Da bin i ganz fremd,
und auf's Grat'wohl hi'laffa kon i do it!
    Der Schormayer dachte nach; und da fiel ihm sein Freund Tretter ein. Der war
fr so eine Sache zu brauchen.
    
    Vielleicht kunnt da i an Platz zuabringa, sagte er.
    Wo nacha?
    Ds woa i jetzt an Aug'nblick aa it, aba i bi mit an Handler bekannt, der
wo weit umadum kimmt, und dem selln reib' i a bissel was ei', da a fr di an
Deanst ausfindi macht. Ja, ds tua i.
    Werd' na do scho a richtiga Platz sei? fragte die Zenzi kleinlaut.
    Warum it? Anderst wo is aa net schlechta wia'r in Kollbach.
    Aba bis er oan findt?
    Bis a'r oan findt, bleibscht bei mir! Jetzt geht 's auf a paar Wocha nimma
z'samm, und vielleicht kimmt ins scho bis Lia'me was passet's unta. Is da recht
a so?
    Mi mua 's scho recht sei.
    Na red'n ma nix mehr drba. Und was i no sag'n will: i befrag mi bei an
Advikat'n z' Dachau, ob ds it glei g'scheita waar, bal's du koan Vatern
berhaupts gar it o'gibscht.
    Na! Ds sell mcht i net!
    Z'weg'n wos net?
    A niad's Kind mua do an Vatern hamm!
    Wo steht ds g'schrieb'n? Ds, glaab i, lia si ganz guat macha.
    Na! Wia schaugst denn ds aus, bal ds Kind vo gar neamand waar?
    Auf ds geht 's wohl net z'samm, wann 's amal a ledig's is.
    Na, auf ds sell la i mi it ei ...
    Spreiz di no it gar a so! Bal da Advikat sagt, da so was nach 'n G'setz
geht, z'weg'n wos soll'n denn mir nacha so a Blamaschi hermacha?
    An Vatern mua a niad's Kind hamm, und ds waar ja grad, als wenn 's vo da
Stra'n aufklaubt waar.
    Mein Nama ko 's nia kriag'n.
    Aba ds wurd' geschrieb'n, vo wem da er is, und bal a gra wurd, na
wisset a do, wer'n herg'setzt hot ...
    Du red'st g'rad, als wann's d' an Buam scho do httst.
    Bal's a Madl werd, is aa it anderst.
    Pa auf, Zenzi! Und tua no it glei ob'n aui fahr'n! I woa ja heunt aa net
mehra wia du. Aba bal da Advikat ins den Rat gab, g'setzt den Fall, da er 'n
gab, na is do g'scheidta, mir tean, wos er sagt, indem da a 's do bessa
vasteht. Es is ja g'rad z'wenga dem.
    Zenzi gab keine Antwort. Zwischen den Augenbrauen sa ihr eine Falte, und in
ihrem Schweigen lag ein trotziger Widerstand.
    Red amal a Wort! mahnte der Schormayer gutmtig.
    
    Da wissat ma'r amal gar nix vo eahm, bal nix g'schrieb'n werd, und d' Leut
kunnt'n moana, woa Gott wos das frkemma is ...
    Ds is a G'red't, ds koa Hoamat it hot. Du muat do vui g'scheidta sei. Mi
kunnt'n mit anand an Hand'l macha. Bal da'r i an achthundert, a tausad March
gab, nacha httst du an auflieget's Geld, und waar it schlecht spekaliert, indem
da ja ds Kind sterb'n ko.
    Aba'r a niad's mua an Vatern hamm!
    Geah zua! Mi red'n heunt nix mehr ba ds, und balegst da de Sach amal
richti, na kimmst scho auf 'n Vastand, da i 's g'rad guat moan. Und bal di oana
heiret, der sell kunnt ja ds Kind o'nehma. Waar ds it des allabescht?
    Aba ...
    Na, jetzt gehst hoam, und la da nix o'kenna; und bal da Untaburga no mal
was sagt, nacha lat d' eahm wiss'n, da du it mogst, oda sagst glei, du
bleibscht bei mir in Deanst.
    Da i bei dir bleib?
    Ja. No hoscht dein Ruah. Und jetzt pfad di!
    Pfa Good!

    So a Weibsbild is scho wirkli was Dumm's, sagte der Schormayer zu sich
selber und schaute der Zenzi nach. Auf ds kimmt oana gar it vo selm, wos dena
all's eifallt. 's Kind mua an Vatern hamm, sagt s', und ganz wehleidi tuat s',
als wann ds wos davo htt', bal s' mi ins Protakoll eini schreib'n! Na! Es is
wirkli a so: sie san abscheuli dumm! Wiah! Steh um, Brundl! h! ... - Aber gar
so einfltig waren die Gedanken der Magd nicht, als sie durch den stillen Wald
ging und ber lauter Sinnieren ihre Schritte langsamer werden lie.
    Die letzte Meinung des Bauern hatte sich fest bei ihr eingehakt.
    Geld haben und einen heiraten, das wre freilich das Beste und Schnste. Und
als richtiges Frauenzimmer wute sie alsobald, wer derselbige sein knnte. Eine
Viertelstunde auerhalb Kollbach stand in einer Waldecke das kleine Haus, in dem
tausend bare Mark eine gute Hilfe gewesen wren. Und es gehrte der alten
Holzweberin, die zwei Khe hatte und einen Sohn. ber den Winter verdingte er
sich als Holzknecht, und im Sommer taglhnerte er, wenn daheim die Arbeit getan
war, die nicht viel hie bei den etlichen Tagwerken Acker und Wiesen. In der
letzten Ernte hatte er beim Schormayer ausgeholfen, und sie waren oft beisammen
gesessen in der Mittagzeit auf einem Feldrain oder im Schatten einer
Haselnustaude. Er war ein lustiger Mensch, der keck zu reden wute mit jedem
Mdel; und auch der Zenzi hatte er diesmal was gesagt, das ihr jetzt einfiel.
    Vorhin, auf ihrem Weg zum Bauern, hatte sie ihn von weitem gesehen, und er
hatte die Axt niedergestellt und herber geschaut. Wenn es der fr gewi htte,
da sie tausend Mark kriegen knnte, liee er vielleicht mit sich reden. Sie
blieb stehen; seitab von ihr rief jemand in langgezogenem Ton, und dann fiel
krachend ein Baum zu Boden.
    Wie sie hinschaute, sah sie etliche Leute an der Waldlichte stehen; einer
wischte sich mit dem rmel den Schwei von der Stirne, und ein anderer trank
lange und herzhaft aus einer Bierflasche.
    Das war der Holzweber Simmerl.
    Die Zenzi erkannte ihn gleich mit scharfen Augen, und schier von selber
tappte sie vom Weg ab in den Schnee und ging auf die Holzknechte zu.
    Guat Morg'n beinand! sagte sie und lachte den Simmerl freundlich an. Is
insa Hansgirgl it bei enk?
    Der Simmerl wischte sich den Schnurrbart ab.
    Na. Is er enk valor'n ganga? Der kimmt scho wieda, bal 'n hungert.
    Geah weita!
    Lang gnua is er do beim Schormoar, da a wieda hoam find't.
    Du bischt oana!
    Hoscht an Strick bei dir, da d' 'n glei o'hngscht, bal a dir untakimmt?
    I ho ma grad denkt, ob er it do is, wei' i eahm wos sag'n mcht.
    Du muat vui Zeit hamm, bal's du zu'n Dischkriern do aua gehscht?
    I bi ja beim Baua'n hint'n g'wen.
    I woa scho; mi hamm di scho g'sehg'n.
    Der Simmerl drckte ein Auge zu und lachte.
    Und da sagte die Zenzi eifrig:
    Du muat dir nix denka dabei.
    Mit 'n denka hob 's i bahaupts it.
    Ja no, weil's d' a so lachst. I ho grad Daxn z'sammklaab'n mass'n.
    So, Daxn? D hoscht aba g'schwindi beinand g'habt. Und buckt hoscht di aa
it viel, wos ma g'sehg'n hot.
    Er blinzelte lustig zu seinen Kameraden hinber.
    Geah zua, du lachst oiwei! sagte Zenzi schmollend. I woa it, wos du zu'n
lacha hoscht.
    I wer halt mein luschtinga Tag hamm.
    Du bischt wohl it oft trauri, han?
    Net leicht, so lang i mir no a Ma Bier kaffa ko.
    Da ma di gar nia siecht?
    Zenzi schaute bei der Frage den Simmerl ganz freundlich an.
    Er nahm wieder einen Schluck aus der Bierflasche und sagte:
    Muat halt fta zu'n Daxn klaab'n kemma, na siechst mi scho.
    Du tatst mi jetzt grad dablecka.
    I? Ja, was moanscht denn? I dableck koa Madl g'wi it.
    Du net?
    Na! D' Madln san fr was anders do.
    Ah du! Jetz red amal g'scheidt: kimmscht d' gar it amal zu'n Hoamgart'n?
    Zenzi fragte leise, da es der andere nicht hren konnte; aber Simmerl
dmpfte seine Stimme nicht.
    Mgst d' ma was vazhln?
    Vielleicht woa i was.
    Wos nacha? - A so halt.
    Da lachte der Bursche wieder kreuzvergngt.
    I wer amal schaug'n, sagte er, bal i an Weg find', kimm i vielleicht.
    Du find'st 'n scho.
    It allmal. Bei da Nacht is gar finschta.
    Gehscht halt beim Mo'schei.
    Ds is wohr. Heunt schaug i amal glei an Kalenda nach.
    Vielleicht g'freut 's di, wos i dir sag?
    Warum it? Mir g'freut so wos schnell.
    Nacha pfat di, Simmerl.
    Adjes, Zenzi! Und kimm vielleicht wieda ins Daxn klaabn!
    N ... du!
    Sie stapfte durch den Schnee zurck, und am Weg schaute sie noch einmal
freundlich lachend herber. Aber sie konnte nicht sehen, was fr ein Gesicht der
Simmerl machte, denn er stand zurckgebogen da und trank den Rest aus der
Flasche.
    Und sie war auer Hrweite, wie der andere Holzknecht sagte:
    Mit dera kunntst d' bal glckli wer'n.
    Moanscht?
    De hot si ja d' Aug'n auakegelt vo lauta Gernmg'n.
    Vo mir aus!
    Du tuast it feini um?
    Na.
    I mcht g'rad wiss'n, was de bei'n Schormoar hint to' hot.
    Hoscht as ja g'hrt. Daxn hot s' klaabt.
    Da lachten alle zwei, und der Simmerl nahm seine Axt und ging daran, den
Baum zu putzen. Nach ein paar Hieben fiel ihm ein alter Vers ein:

He, s meine Menscher,
Enk darf 's net vadria'n,
De Manner zahl'n sauren Wein,
D' Jungg'sell'n an sa'n!


                                Zwlftes Kapitel

Der Lichtmetag hatte sich, wie es die Bauernregel lobt, mit Schnee und Wind
eingestellt; und aus der Kirche, worin heute das heilige Wachs geweiht worden
war, ging die ehrengeachtete Brautperson Ursula Glas nach Hause. In Hnden trug
sie einen roten Wachsstock, der nach altem Brauche dieser baldigen Ehefrau zukam
und ihr als hoffentlicher Wchnerin gute Dienste leisten konnte. Denn, um Hand
und Fu gewunden, wehrte er bsen Zauber von Mutter und Kind ab.
    In der Stube sa die Nherin, die mit flinker Nadel und klappernder Schere
hantierte und an der Ausstattung arbeitete. Da gab es Allerwichtigstes zu reden,
und Ursula war schier unwillig, als ihr der Lenz zur Tr hineinrief, da sie nur
gleich in die Kche kommen solle.
    Er machte zornige Augen, und seine Stimme klang gepret:
    Woat d' as scho? D' Zenzi is doblieb'n!
    Mi is gesting scho auffallend g'wen, da sie si net zu'n geh' richt'.
    Du hoscht as g'hrt, da a g'sagt hot, sie mua auf Liachtme aus 'n Haus?
    Freili hot o 's g'sagt.
    Also du bischt mei Zeug'n. I wart jetzt grad auf Mittag, und bal s' do it
weg is, nacha frag i 'n schnurgrad. I will sehg'n, wos a sagt.
    Du, Lenz, la 's guat sei!
    Wos? Kamst du jetzt aa mit'n guat sei lass'n? I zoag 's enk all mitanand,
da i net g'rad da Hanswurscht im Haus bi!
    Schrei do it a so! Hrt 's ja d' Natherin.
    Ds is mir ganz wurscht. Moanst, d' Leut' red'n it an ganz'n Dorf? Und
lachan ins aus, den alt'n Depp'n und di, und mi erscht recht? Is ja wohr aa, is
denn ds no a Hauswes'n?
    Aba schaug', jetzt mach do koa G'schicht it her, de paar Wocha, wo i no
dahoam bi!
    Wos geht denn ds mi o? Du redt'st da leicht! Bal no du in Hirtlbach
hockst, na derf do da grt' Saustall sei, moanst? Du siechst und hrscht nix
davo.
    Es helft dir ja do nix!
    Ds wer'n ma sehg'n, ob i da gar neamd bi, und ob ma bei ins auf koa
Ehrbarkeit bahaupts nimma aufpass'n mua. Woat denn du, wo ds no hi'geht?
    Er werd eahm nacha do selm schama!
    Der schamt si brav, ja! Jetzt redt'st a so, und z'erscht httst da liaba 's
Mu z'riss'n, und hoscht mi grad oiwei g'hetzt.
    Wo hon i di g'hetzt? I ho da blo g'sagt ...
    Du hoscht blo g'sagt, da der Alt aufischliaft, und da er in Hnd'n vo
dem Himmiherrgottssaggeramentsschlamp'n is, und da mi gar nix mehr san, und da
vielleicht no amal alssammete hi' werd, und ...
    Lenz, du muat it a so plrr'n. La da no sag'n ...
    Nix la i mar sag'n. Du gangst, und de bleibat, und i waar da Lapp auf und
auf, und bal s' den Lattrl, den damisch'n, ganz rumkriagt, werd s' vielleicht
no Burin.
    Geah! So muat jetzt aa it red'n! Ds glaabst je selm it.
    Wos is da vui zu'n glaab'n? Hot ma ds no nia g'hrt, da so an Alta dappig
wor'n is und auf gar nix mehr aufpat?
    Scho! Aba ...
    Aba dir is wurscht, gel? Du hoscht dei Geld brav ei'g'steckt und bischt
drei Stund weg vo dera Gaudi. Aba'r i mat s' vor Aug'n hamm, und mat mi
schind'n und plog'n und z'letzt von Hof geh' wia'r a Handwerksbursch, mit 'n
Stecka in da Hand! Na, mei Liabi, jetzt drah i amal auf.
    Da machst d' Sach it bessa.
    Ah? So g'scheit bischt du jetz wor'n?
    La da sag'n ...
    Pa auf und la da sag'n, und grad guat waarst du und grad sanftmai. Du
redt'st halt aa, wia 's dir g'leg'n is.
    Bal's d' ma da it zualus'n willst, nacha geh'n i wieda zu da Natherin
eini.
    Auf wos soll i lus'n?
    Weil i mit 'n Basel g'redt hab ba ds, und de is do g'wi auf inserna
Seit'n und hot an Vastand.
    Und du hoscht ihr all's g'sagt?
    Freili! Wia s' z'letzt do g'wen is, und an andern Tag in Arnbach no'mal.
    So? Hot na de aa nix ausz'setz'n an dem Zuastand, an dem abscheilinga?
    Gnua hot s' ausz'setz'n, aba sie sagt, es waar bahaupts g'scheidta g'wen,
mi htt'n gar it dagleicha to.
    Sagt sie?
    Ja, wei da Vata durch ds erscht recht sttzig werd', und indem da a si
ei'bildt, er derf ins it nachgeb'n, und wei eahm 's Sach z'letzt do no g'hrt,
und ...
    Hot sie g'sagt?
    Ja, und da 's bahaupt so Leut gibt, de wo si auf ds ei'spreiz'n, da s'
eahna nix sag'n lass'n. Und durch ds waar 's vielleicht bessa g'wen, bal mi
koan Streit gar it g'habt htt'n.
    Httst halt dei Mu g'halt'n, na htt i nix g'wit; hintadrei kimmst jetzt
mit da G'scheitheit!
    Desweg'n muat as du it no irga macha; und bal's jetz no mal an Krach gibt,
werst d' sehg'n, da bringst an Vata ganz ausanand.
    I ho koa Wort nimma g'sagt, die ganze Zeit her, aba heunt is Liachtme, und
die Loas mua weg.
    Du hoscht ja recht, es is schiach gnua, da er s' it geh' lat; aba moanst,
er tuat 's, bal du heunt aufmahrig werst?
    Na woa a do, was i mir denk.
    Ds woa a'r a so. Wos hoscht denn du davo? Ds geht na wieda, wia 's
letztmal, da a dir sagt, du bischt it Herr, und bal's da'r it g'fallt, ko'scht
geh.
    Also, i mua ma ds g'fall'n lass'n?
    Wart'n sollst ...
    Bis du aus 'n Haus bischt, gel?
    Z'weg'n dem gar it; aba red'st d' halt selm mit 'n Basel.
    Lenz setzte sich und prete die Hnde zwischen den Knien zusammen.
    Da i zuaschaug'n mua wia'r a Lausbua, und derf mi net rahr'n! Liaba waar
i Knecht; na durft' i do' red'n, bal ma wos it g'fallt, und gang mi aa nix o,
kunnt g'schehg'n, wos mcht! So mua i oiwei in da Angst leb'n, da d' Leut
hinterrucks lacha und ds ganz Haus schlecht macha und a niada mi grad fr an
Buam o'schaugt, auf den it aufpat werd.
    Wos kinnan denn d' Leut red'n? De wiss'n ja nix.
    Na, gar nix. Ds hoscht scho du g'macht, da si de guat untahalt'n kinnan
ber ins. - I?
    Jawoi. Wo mi d' Zollbrechtin dawischt, red't s' mi dumm o und hot ihr'n
Jamma und ihr Wehleidigkeit mit mir. Moanst, da de grad zu mir was sagt?
    I hon ihr aba nix vazhlt!
    Hr ma'r auf! s Weibsbilda kinnt's ja 's Mu it halt'n, aa net, bal's
mgt's.
    De soll amal herkemma und soll sag'n, da i ihr wos vazhlt hab. Ds waar
ma scho z'dumm, bal de a so lagt.
    Na hot s' as aus da Luft?
    Wos woa denn i, wo s' as her hot? De ko si denka, wos s' mag, aba ds
braucht s' it sag'n, da i g'ratscht hab. Weil ds durchaus it wohr is. De soll
herkemma und soll ds behaupt'n.
    A was! Und is aa ganz wurscht, ob sie 's vo dir oder vo ander Leut hot; aba
mi mass'n staad sei, weil 's wohr is. Vorgeschtern hot s' as daher bracht, da
ds Mensch bei 'n Alt'n in Holz draud g'wen is.
    Ds hoscht ja du g'wit.
    Scho; aba da s' zu'n Arbet'n aui is, glaab'n d' Leut it. Da lachan sch
hoamli.
    Jessas na! Wann no ds amal an End' htt!
    Kimmt drauf o, wos fr oans. Vielleicht kriag'n ma no a sauberne
Stiafmuatta.
    Geah! So was mag i gar it hr'n. Und ds sell mua aa wohr sei, Lenz: sei
den selbinga Mal hon i nia mehr wos g'spannt.
    Vielleicht geht a nimma mit de g'nagelt'n aufi, und schliaft strumpfsckli
umanand.
    I hret 'n scho; muat it moan, da i ds it spannet.
    Treibt a 's, wia'r a mog; umasinscht hot er s' it do lass'n.
    Ursula horchte. Sei staad jetzt, sagte sie hastig, er kimmt!
    Der Schormayer war im Hausfltz.
    Da stand Lenz auf und ging ohne Gru an ihm vorbei in den Hof.
    Wos hot 'n der? fragte der Alte. Macht a G'sicht, als wenn eahm d' Henna
's Brod g'numma htt'n. Hot 's wos geb'n?
    Na! log die Ursula. I woa gar nix. Vielleicht is eahm it recht extra.
    So?
    Er holte aus der inneren Rocktasche ein mit Papier umwickeltes Ding: eine
Wetterkerze, die auch am heutigen Tage geweiht worden war.
    Er gab sie der Tochter.
    Leg ma s' ob'nauf in Kast'n eini.
    Is scho recht.
    Was i sag'n will: i ho ma 's balegt, bal's du jetzt nacha aus 'n Haus
gehst, mua i wen hamm.
    Wen? fragte Ursula rasch.
    A Hauserin. Is, wer da will - wann s' no ihra Sach vasteht.
    Hoscht scho oani an Sinn?
    Da Wirt hot ma g'sagt, er wisset oani; a seinige Bas'n; sie lebt in
Freising und kennat si guat aus.
    Wia alt waar na de?
    Ds is wieda de richtige Frag fr a Weibsbild und d' Hauptsach.
    A junge kunntst do it hamm.
    Warum it? Ds is koa Pfarrhof. Aba da d' schlafa ko'scht heunt nacht, will
i dir 's sag'n: sie hot scho fufzgi am Buckel.
    Na is was anders.
    So? Sinscht htt i d' Erlaubnis it kriagt von enk?
    Mi sagt it vo dem, Vata. Es is grad weg'n de Leut, und bahaupts waar 's aa
nix fr a junge; sie hot ja do koa lang's Bleib'n.
    Wos woat du, wia lang de bleibt?
    No, recht lang werd 's nimma hergeh', bis d' bagibscht?
    Der Schormayer zwickte die Augen zusammen und schaute Ursula forschend an.
    Aha! Habt's vo dem wieda a guate Untahaltung g'habt. Desweg'n hot da ander
so an Schdel aufg'setzt!
    G'wi it, Vata. Mi hamm vo dem durchaus gar nix g'redt.
    Na! Der red't ja nia vo dem! I mcht wiss'n, wos der sinscht an Sinn hot
als wia ds! Von in da Fruah bis auf d' Nacht dankt der an nix anders und macht
a G'frie wia'r a vabrennte Wanz'n.
    Er tat si halt leichta wart'n, bal er was g'wi wissat.
    Ds gang mehra Leut so. Aba eppas g'wi koscht d' eahm sag'n: heuer werd 's
nix. Und wos ds nachst' Johr is, ds sehg'n ma frah gnua. I ko 's dawart'n,
da i in Austrag kimm.
    Z'erscht hoscht d' as aba anderst an Sinn g'habt!
    Do wer i da net viel g'sagt hamm vo dem.
    Wia d' Muatta g'storm is, hoscht oiwei von bageb'n gred't, und da di 's
Regiern gar nimma freut.
    Wos ma beim Notari schreibt, ds gilt; ds ander is blo g'red't. An
Wirtshaus drin hamm scho vui Leut kafft und tauscht und bageb'n.
    Mi geht 's ja nix o, und i misch mi a gar it ei'.
    Ds werd ds g'scheita sei, und bal's dem andern gar a so pressiert, na
sagst d' eahm, da i no auf 'n Bock sitz und kutschier, und da Wag'n lafft it
schnella, als wia 's i hamm will.
    I brauch bahaupts nix red'n; in an etla Wocha bin i a so nimma do.
    Jetz hoscht d' amal recht. Und, da i net vagi, i ho da Zenzi g'sagt, sie
ko no bleib'n, bis s' an richtinga Platz kriagt.
    Den kriagt ma'r aba sinscht auf Liachtme.
    Ganz richti. Mi waar 's aba it passend g'wen, bal s' jetzt ganga waar.
    Geah, Vata!
    's Mu halt und lus zua! Du werst dir jetzt aa net d' Zeit nehma, da d' a
neue z' o'richt'n kamst, und de Hauserin kunnt aa it vor an Monat kemma.
    I richt liaba a neue o, und is ma koa Mah it z' viel.
    Sagst d' jetzt. Und nacha hockst bei da Natherin drin, und gehst auf Dachau
in's Bezirksamt, und muat zu'n Basel umi, und in mein Stall kunnt 's geh', wia
's mcht.
    Bal mi a richtige Dirn hamm, de sell werd ihra Sach' scho vasteh.
    Woat du oani?
    N ... na; an Aug'nblick it.
    Und i geh it auf d' Suach, grad weil 's dir passend waar. D' Zenzi bleibt,
wia'r i 's ihr g'hoa'n ho.
    Aba bal d' Hauserin kimmt, stellst d' da'r an anderne ei; ds muat ma
vasprecha. - Mua i?
    Schaug', Vata, i gang viel leichta furt, bal i de G'wiheit htt.
    Du gangst it, wann 's dir net g'freuet. Und bal du amal Prcklin bischt, z'
Hirtlbach drent, na hoscht di du gnua z'kmmern um dei Sach und um dein Bauern,
aba'r it um mi.
    Ursula hielt ihre Hand hin und lachte so freundlich, als sie konnte.
    Vata, geah, sei g'scheidt und vasprich ma 's!
    La ma do mei Ruah mit dein Schmarrn! I ho 's durchaus it an Sinn, da i d'
Zenzi do g'halt, aba ds is mei Sach. Warum soll i denn dir was vasprecha?
    D' Leut kunnt'n ds schlechtast glaab'n, bal de it geht.
    Hamm d' Leut in mein Hof herin was z' schmecka? Und mua i auf ds
aufpass'n, wos de alt'n Weiba sag'n?
    Du woat scho!
    Nix woa i.
    Schaug', es is aa weg'n an Lenz!
    Geht da Wind do her? Habt's viel zu'n Dischkrier'n mitanand ba mi? Na, mei
Liabi, i kriach no lang it zu'n Kreuz und vasprich dir und dem andern net, da i
brav sei will. De G'schicht hot koan Wert it, und bal's d' no so freundli vo
hint'n her kimmst.
    I ho 's guat g'moant, Vata.
    Du hoscht nix zum moana; s braucht's mi net bei da Hand fhr'n. I ko scho
alloa geh. Ds waar ja de vakehrt Welt! Bal i ...
    Du muat it vazrnt sei ba ds.
    Bal i auf enk htt' wart'n mass'n, na waar i scho lang z' spat dro. Do
seid's s no Rotzlffeln g'wen, wia'r i an Hof vorg'stanna bin, und werd koana
sag'n kinna, da a schlecht beinand is, und derselbige do, der ganz G'scheit',
der hockt si amal in ds Sach eina, ds i herg'richt' hab. I alloa, gel? Und ho
koa Lenz it braucht dazua und koan Vormunda.
    Mi sagt it vo dem.
    Mi sagt bahaupts gar nix mehr. Mi san schon an etlas Mal z'sammg'ruckt ba
ds, und wann du wirkli g'scheidt bischt, nacha sparst da du deine Wort fr 'n
Prckl. Den ziaghst dir, da er genau a so werd, wia's 'n du hamm mgst, und
bal's d' amal Kinda hoscht, na lernst d' eahna, wos da Brauch is. Da hoscht
Arbet gnua.
    G'wi und wohr, Vata: i htt it g'redt't, wann du it selm o'g'fanga
httst.
    Und jetz hon i aufg'hrt. Und bal dir der ander d' Ohr'n voll blast mit
seine Kmmernis, na gibst d' eahm den guat'n Rat, er soll si sei G'scheiteit
aufheb'n, bis er s' amal braucha ko. Er soll it so umanand schmei'n damit, weil
's bessa is, bal ma no was hint hot. Guat Morg'n!

    Im Rostall hockte Lenz auf der Habertruhe und bi von etlichen Strohhalmen
Stcke ab, die er grimmig ausspuckte. Nicht weit von ihm stand Hansgirgl im
Sonntagsgewand und schaute behaglich zu, wie seine Gule mit malmenden Zhnen
aus den Barren fraen.
    Siehgst, Hansgirgl, i tat glei mit dir tausch'n.
    Heunt vielleicht. Aba morg'n wurd'st da 's baleg'n, wann's d' amal da Herr
bischt.
    Ja, morg'n!
    Oda bamorg'n. La da no daweil! D' Zeit geht vo selm, de braucht ma'r it
treib'n.
    D' Zeit vogeht, und de bescht'n Jahr hockt inseroana her.
    Du tuast dei Arbet wia'r i.
    Um an halb'n Lohn!
    Wos da Alt' daspart, kimmt dir amal z'guat.
    Hoscht du ds fr g'wi?
    Wer soll 's denn kriag'n?
    Vielleicht de do drent.
    Lenz deutete mit dem Kopf gegen den Hof hinaus, und Hansgirgl lachte
gemtlich.
    Ah! La da nix traama!
    Du ko'scht leicht lacha; geht 's, wia 's mag, di bekmmert 's nix.
    Ds is aa it da Fall.
    Du kriagst dein Lohn danach wia davor.
    N ... no, Lenz, wann ma lang in an Haus is, hot ma 's gern, bal d' Sach mit
Ordnung geht.
    Do werscht jetz it viel Ordnung sehg'n.
    I siech nix, ba was i red'n mat.
    Hoscht du it g'spannt, wia d' Leut hinter ins drei red'n?
    I hr' hint it.
    Ds muat du it so g'ring schatz'n! Ds is a Schand fr ins allsammete.
    Wos denn? Bal ds Weibsbild da drent aufdrah'n derfat, und durft si
g'scheidt macha im Haus und o'schaffa, nacha waar 's anderst. Nacha gang i, weil
mi ds vadria'n tat. Aba i siech ja nix davo. I ho no nix g'mirkt, da si de
aufmanndeln derf.
    Ds sollt aa no sei!
    Um ds geht 's aba! So lang ma do nix siecht, feit 's it weit.
    Weit gnua, sinscht htt' er s' it do g'halt'n.
    Ja no. Du woat aa it all's, warum da er s' da lat.
    Ds is schwar zun Derrat'n; weil sie eahm in Hnd'n hot.
    Er schaugt it a so aus.
    Hilf du aa no dazua! Ds is sch vo dir!
    So muat d' mir it kemma! Mir is a so it recht, wann d' mi du in an sellan
Dischkursi ber 'n Bauern einiziagst. Aba bal i dir o'gib, muat it moana, da i
dir nach 'n Mu red'.
    Aba dem andern! No ja, hoscht d' ja recht aa; er is da Herr, und auf mi
brauchst du no lang it aufpass'n. Bis i amal dro'kimm, ko'scht di leicht wieda
drah'n.
    Ds wart'st amal o, wos i tua. Aba ds trau i mir z' sag'n: bal du Herr
bischt, werst d' aa koan Knecht it mg'n, der blo ds schlecht an dir siecht.
    I schaff mir aa selle o, de mi lob'n, wann i hinta de Weibakitt'l herlaff.
    Du woat heut nimma, was d' sagst.
    Aba ds woa i, wia du bischt. Di kenn i jetzt, du Fei'schpinna!
    Du brauchst mir koan Nam it geb'n, gel?
    A Fei'schpinna bischt.
    Ah was! I streit mi mit dir umanand, bal i dumm bi!
    Du bischt scho it dumm! Du bischt ganz hell, woat? Ganz a Feina.
    La mir halt mei Ruah mit dein G'lump! Jamma ander Leut fr, de 's no irga
macha und a rechte Bedauernis hamm mit dir, da dir dei Vata so schlecht g'rat'n
is. Aba mi la steh'!
    I la dir steh' und geh'. Derfst aa umiroas'n zu eahm, und koscht eahm
brahwarm all's sag'n. Derfst mi gern vaklamperln!
    Hab' i di scho amal vaklamperlt?
    Ja, du!
    Bal i umi geh, sag i an Bauern was anders. Er soll si um an Knecht
schaug'n, der 's Hetz'n bessa vasteht.
    Du koscht ds it? Du Fei'schpinna!
    Du Rotzbua, du trauriga!
    Wos?
    Lenz sprang von der Truhe herunter und wollte sich ber den Hansgirgl
hermachen.
    Aber der hatte blitzschnell eine Mistgabel in den Hnden und hielt sie
drohend vor sich hin.
    Geh no her, du! Du bischt ma no lang it z' guat, da i di net durch und
durch renn.
    Da wich Lenz zurck.
    Stell dei Gabl hi! I mcht di gar it o'rhr'n.
    Und als der Hansgirgl mit zornrotem Kopf aus dem Stall ging, schrie er ihm
hhnisch nach. - Heut derfst da an extrig's Trinkgeld geb'n lass'n vom Alt'n!
    Aber wie er dann allein auf der Truhe sa, fing er pltzlich an zu heulen
wie ein Schulbub.

    Hingegen war es dem Hansgirgl nicht weinerlich zumut. Aber zornig! Schon so
zornig, da es ihm in den Hnden juckte, irgend was zu packen, zu zerreien, in
der Mitte auseinander zu brechen.
    Was? Ein Feinspinner wre er gar noch, und einer, der das dumme Gered von so
einem jungen hirntappigen Lappen hinterbrchte. Noch jedesmal hatte er seinem
Bauern gut zugeredet, wenn er gegen den Lenz was vorbrachte.
    Der hatte wohl recht, da er sich dem wetterlaunischen Burschen nicht auf
Gnad und Ungnad auslieferte. Bricht einen Streit vom Zaun, weil man ihm die
Hitze ein wenig lschen mchte, und schimpft einen alten Knecht, der ihm von
jung auf blo alleweil gefllig war, schimpft ihn wie einen hergelaufenen
Tagedieb und packt ihn gleich gar an.
    Feinspinner! Wenn einen was zu allertiefst wurmen kann, ist es der Name!
Hingestellt werden als ein falscher Kerl, der auf zwei Achseln trgt und kein
Vertrauen wert ist, das brennt und beit.
    Mit einem beisammen bleiben, der so was sagt? Nein! Es gibt anderswo auch
noch einen Platz, einen stilleren als beim Schormayer, wo der Junge ber den
Alten her ist und es fr Falschheit ausgibt, wenn man zum Herrn hlt. Wie es der
Brauch ist, und wie es recht war in neun langen Jahren. Aus!
    Der Hansgirgl ri die Tre der Wirtsstube so heftig auf, als ging es da
hinein in das neue Leben; und erst ein lustiges Johlen weckte ihn aus seinen
zornmtigen Gedanken auf.
    Das Schreien kam von einem Tische her, an dem etliche junge Burschen saen
neben einem grauhaarigen Kerl mit spitziger Nase und verquollenen Augen.
    Der war ihm bekannt. Ein alter Dienstknecht und Herumtreiber, der zwei- und
dreimal im Jahr den Platz wechselte, und ganz gewi einmal in der dringendsten
Arbeitszeit.
    Man hie ihn den Unterlnder Sepp, weil er aus dem Niederbayrischen war.
    Die jungen Burschen trugen Strue und bunte Bnder auf den Hten, zum
Zeichen, da sie aus dem alten Dienst ausgestanden waren.
    Sie schrien dem Hansgirgl mit lauter Frhlichkeit zu:
    Siecht ma di aa'r amal! Da setz di zuawa! Hau di no her, alta Schwed! Mir
san znfti beinand. Bei oan Bauern strenga ma'r aus und bei'n ander'n ei, aba
drscht'n tuat ins berall'n!
    Zu einer andern Zeit htte es dem Hansgirgl schlecht gefallen, mit dem
Unterlnder Sepp beisammen zu hocken; aber zu einer andern Zeit wre er auch um
Mittag nicht ins Wirtshaus gegangen. Jetzt war es schon gleich!
    Er rckte in die Bank hinein und gab frs erste einen schweigsamen Zuhrer
ab.
    Sepp war dabei, vieles zu erzhlen und gute Lehren zu geben, wozu ihn seine
reichen Erfahrungen gar wohl ermchtigen.
    s Buama, sagte er, s mat's glaab'n, da de Deanstbot'n geg'n de
Bauern z'sammhalt'n mass'n, sinscht san mir allsammt vokafft. Als ds erscht
mirkt 's enk: no grad nix brig's arbet'n; wos ma grad oamal freiwilli tuat,
werd oan' am andern Tag g'schafft. I hon no koan Bauern g'sehg'n, der auf d' Uhr
schaugt, bal ma ba sei Zeit arbet; aba wann's d' am andern Tag wieda eh'nder
aufhrscht, ziahgt a g'wi sein Prater aua.
    Ds werd da no it oft frkemma sei?
    It leicht, Xaverl, wei' i a Mensch bi, der wo a G'fhl hot fr de andern
Deanstbot'n. Und zu'n Beischpiel, bal mir d' Arbet in an halb'n Johr firti
macha, moant's s, de Bauern fuattern ins de andern sechs Monat? Also mua mi
tracht'n, da oane bri bleibt.
    Die Burschen lachten und waren es ganz zufrieden.
    Nacha mit 'n Essen, fuhr der Sepp weiter, do ko ma vui Zeit g'winna. Es
geit Groknecht, de an Lffi it g'schwind gnua aus 'n Mu bringa, und no glei
wieda aui an d' Arbet! Selle Leut san da grt Schad'n fr ins all mitanand;
wos a richtiga Mensch is, der lat si daweil und braucht zun Lffi o'schlecka a
schni Zeit.
    Du bischt wohl no it Groknecht g'wen, du Hadalump!
    Na, aba o'g'richt' hon i mehra wia'r oan, da as Ess'n it so eini gruacht
hot wia'r a Hennahund. Und beim Bet'n hon i eahr aa zoagt, da a rechta Chrischt
langsam tuat; sinscht is ja koa Andacht dabei.
    Jetzt mischte sich aber doch der Hansgirgl ein.
    Geh, red' do it a so mit de Buam!
    Warum it? Jetzt hamm s' Zeit, da s' wos lernan.
    De schiab'n z'erscht it z' vui o.
    Bal s' g'scheit san, it. Aba du bischt aa so oana, der d' Arbet fress'n
mcht. Moanst, du hoscht an Dank davo? Wart no, bis d' lta werst, na zoag'n 's
da de Bauern scho.
    Da fiel es dem Hansgirgl siedhei ein, wie sich der Lenz gegen ihn
aufgespielt hatte, und er schlug seine harte Faust auf den Tisch.
    Z'letzt hoscht glei recht aa, sagte er, a Deanstbot'n is grad a Viech.
    Er schluckte sein Bier hastig hinunter und bestellte lrmend eine neue
Halbe.
    Oho! Hansgirgl! lachte der Wirt. So hon i di no gar nia g'sehg'n.
    I mi aa no net, brummte der Schormayer-Knecht.
    A Deanstbot is grad a Viech, fing der Sepp wieder an, aba oft glei no
dmma. Hot ma scho amal a Ro g'sehg'n, ds no ziahg'n mcht, bal eahm da Baua
Feierabend gibt? Is it a jeda Ochs froh, bal ma 'n ausspannt? Aba selle Knecht
gibt 's, de umanand lins'n, ob s' it no g'schwind wos zun arbet'n find'n, und a
selle, de vor da Zeit aufstengan.
    De mogst du it, Sepp? fragte ein ganz Junger.
    Na, du Grasteufi, de mog i net; und wann du amal bei neunanneunz'g Bauern
g'wen bischt, werst aa so hell sei.
    Bischt du bei so viel ei'g'stanna?
    Ja, mei Liaba, und ausg'stanna. Sepp zog den Hut weiter in die Stirne und
sang mit heiserer Stimme:
    
    Vo Weichs bis auf Irgertsham
     Kenn i s' schier allesamm,
     Und i ho deraz'weg'n
     Ziemli oa Spitzbuam g'sehg'n.
    
    
    Alle lachten. Blo der Hansgirgl schaute finster vor sich hin und krampfte
seine schwielige Hand um den Henkel und trank in kurzen Abstzen.
    Er redete auch mit sich.
    Ah wos! Dir gib i na scho an Fei'schpinna! Ds wer'n ma ja sehg'n!
    Wos sogscht? fragte ihn sein Nachbar.
    Nix sag' i.
    Lass'n steh'! schrie der Sepp. Der hot Zeitlang nach der Arbet, weil scho
zwlf Stund Feiertag is.
    Du! Mi muat it dablecka, sinscht dalebst wos! knurrte der Hansgirgl.
    I sag ja, sie soll'n dir an Ruah lass'n. Also, Buam, pat's auf, da was
kinnt's, bal's jetzt bei an neuch'n Bauern aufziagts. I will enk amal an Kalenda
ausleg'n, denn de Wiss'nschaft kimmt oiwei mehra o, und de Bauern halt'n ganz
weni auf den alt'n Brauch.
    La di no aua, Sepp!
    Mirkt's enk ds: alle Aposcht'ltg san halberte Feiertg; und ds lat's
enk it nehma, wei' da Mensch a Religion hamm mua. Nacha steht g'schrieb'n: am
Karsamschta soll die Erde ruhen. Ruhen, vasteht's?
    Mir vastenga di scho.
    Also! Net, da oana aui fahrt und ackert! Ds sell war a Frev'l. Und grad
so is am erscht'n April. Da soll ma d' Arbet einschrnken, sagt da Kalenda.
bahaupts an koan Samschtag an Mist fahr'n, sinscht hagelt 's.
    Woat na selle Tg aa, wo ma mehra arbet'n soll?
    Na. De hamm si de Bauern g'mirkt, und es waar'n guatding dreihundert.
    Wie nun alle in ein schallendes Gelchter ausbrachen, kamen etliche Bauern
in die Wirtsstube, der Unterburger dabei.
    Der drehte sich im Vorbeigehen um, ob er auch recht gesehn habe, da der
Schormayer-Knecht bei den windigen Burschen sa, die wohl seit der Kirche schon
tranken und jetzt die Kpfe zusammensteckten.
    Aber es war so. Der Hansgirgl hockte mitten unter ihnen. Da winkte der
Unterburger, nachdem er am Ofentisch Platz genommen hatte, verstohlen dem Wirt.
    Wos is denn, da an Schormoar der sei' bei de andern hibei sitzt?
    I woa it; i ho mi selm g'wundert.
    Htt ma'r it denkt, da si der it z' guat waar.
    Er is erscht nach de andern kemma und hot a bissel z'wida drei'g'schaugt.
    Ds tuat a no'; da hot 's was geb'n.
    Soll i 'n amal sch staad frag'n?
    Na, na! Mi geht 's nix o. Bringst ma'r a Halbi!
    Beim Untaburga bin i aa'r amal g'wen, tuschelte der Sepp den Burschen zu.
Der teile si 's richti ei: viel Arbet und weng Fress'n. Da Schmalzhafa is ds
kleanst im Haus.
    Du g'freust mi, und i kimm zu eahm, sagte ein junger Knecht, der stark
schielte.
    Do werst was daleb'n, Toni! Sie is gar a G'naue. Kach'ln bracht s' so
gro, da ma s' an da Uhrkett'n trag'n kunnt, und bal's d' zwoa g'fress'n
hoscht, fahrt s' mit da Schssel o.
    Ds mcht i sehg'n!
    Da siechst it viel, wann's d' a kreuzweis in de andern eahnere Teller
schiagl'n ko'scht. Es is nirgats was drin.
    Die Unterhaltung wurde am Burschentisch immer lauter, und so oft ein neuer
Gast kam, wute Sepp etwas ber ihn und sein Hauswesen, und zuletzt gab er sich
keine Mhe mehr, leise zu reden, so da die Bauern aufmerksam wurden und
drohende Blicke hinberwarfen.
    Sing amal oans, Sepp! Woat d' as scho, ds sell vo de Deanstbot'n! schrie
der Toni; und der alte Vagabund war gleich aufgelegt, alle ehemaligen
Dienstherren miteinander zu rgern.
    Er sang, so laut er konnte, und seine heisere Stimme gellte zum Ofen
hinber.

Bauern, enk kenn i gnau,
Enk derf koa Ehhalt trau,
Mit enkern toa und Treib'n
Kon enk koa Ehhalt bleib'n,
Braucht's oi Jahr drei und vier,
Koa richtiga bleibt enk nia,
Alle Tag fangts Jammern an,
Wann Liachtme kam.

    Die Bauern wurden unruhig.
    Wia is denn ds? schrie der Unterburger. Derf a so a Kerl ins aussinga?
    Aber der Sepp lie sich nicht irr machen und sang, da ihm die Stirnadern
anschwollen.

An Ehhalt'n schinden s' her,
Da eahm glei d' Haut werd speer,
Mit lauter Plag'n und Scheern
Mua a sein Lohn vodean,
Z'letzt tean s' oan no betrag'n,
Tean eahm an Lohn o'ziahg'n,
Grobheit'n kriagst recht sch',
Nacha ko'scht geh'!

    Wirt! Der mua aui! sagte der Steffelbauer, ein Mann mit breiten
Schultern, und er sagte es im tiefen Ba, ohne Erregung, aber so bestimmt, wie
einer, der nicht viel Widerspruch leidet.
    Wer mua aui? Mir zahl'n insa Bier so guat wia s. Ds woll'n mi sehg'n,
wer ins ausschaff'n ko? brllte der Toni.
    Halt staad! mischte sich der Wirt ein und stellte sich breitbeinig vor den
Burschentisch. Ds geht it, Buam! s mat's enka Bier mit Fried'n und Anstand
trink'n, sinscht habt's koa Bleib'n bei mir!
    So? Ds is brav! Du leid'st koane Deanstbot'n bei dir herin?
    Lag it, Sepp! Vo dem is koa Red it g'wen. Mir is a jeda Mensch recht, der
bei mir was vazehrt, aba'r a Ruah mua sei.
    Und koa Hadalump derf sei Schlechtigkeit do herin ausab'n, schrie der
Unterburger.
    Bin i dei Hadalump? plrrte der Sepp zurck.
    Jetzt nimma; aba g'wen bischt da schlechtast.
    So? Ds will i sehg'n, ob du ds sag'n derfst.
    Sei staad, sag i no'mal! drohte der Wirt, und den Unterburger
beschwichtigte er: La guat sei jetzt; es kimmt nix mehr fr.
    Is ja wohr aa! brummte der Bauer. Da so a herg'laff'na Kerl de ganz Gmoa
aussinga derfat.
    Der is dir z' weni, sagte ein anderer, aba bal a nomal singt, tean ma 'n
aui, und glei a so, da a'r in Kollbach koa Bleib'n nimma hot.
    Es wurde ruhig in der Stube; die Knechte sagten wohl zu einander, da sie
nicht htten nachgeben drfen, aber sie dmpften ihre Stimmen und schauten sich
scheu nach dem Wirt um, der an der Schenke stand und die Augen berall hatte. Am
Ofentisch war der Streit schneller vergessen ber Gemeindesachen und anderen
Dingen, um die sich ein gestandener Bauer mehr bekmmern mag als um die
Frechheit eines zugewanderten Dienstboten.
    Aber pltzlich klang vom Burschentisch herber in die gedmpfte Erregung
hinein eine tremolierende Stimme, die noch einmal den letzten Vers sang:

Grobheit'n kriagst recht sch',
Nacha ko'scht ge'h!

    Ja, Herrgott! Is koa Ruah gar it? Aba jetz is a zeiti wor'n.
    Lat's an Sepp steh'! schrien die Burschen dagegen. Hot ja da Hansgirgl
g'sunga!
    Wer?
    Da Hansgirgl! Jawoi!
    Und wirklich sa der Schormayer-Knecht mit glsernen Augen zu hinterst in
der Bank und sang es noch einmal in wehmtig zitternden Tnen:

Na-cha ko'scht geh'!

    Wos waar denn ds, Hansgirgl? Scham di do!
    Weil 's wohr is! schrie der Knecht und schlug in den Tisch hinein. Do
brauch i mi gar nix z' schama.
    Geh zua! Vo dir hot ma no nia an unrecht's Wort g'hrt! sagte der
Steffelbauer.
    So? Hob i no nia was Unrecht's g'sagt? Fr wos bin i nacha a Fei'schpinna?
    In diesem Augenblick kam der Schormayer zur Tre herein und sah verwundert,
wie die Bauern um den Burschentisch standen, und noch verwunderter, wie da
mitten unter den jungen Leuten sein Hansgirgl sa und betrunken und zornig den
Steffel anstierte.
    Und er hrte ihn noch einmal schreien:
    Ko'scht ma du ds sag'n, z'weg'n wos i a Fei'schpinna waar?
    Da trat der Schormayer an den Tisch hin und sagte gutmtig:
    Gra di Good, Hansgirgl! Di htt i do aa it g'suacht.
    I pa ganz guat her do; i g'hr zu dena.
    Du woat recht guat, da da'r i nix ei'red.
    Und i g'hr amal zu dena! schrie der Hansgirgl und nahm seinem Nachbar den
geschmckten Hut vom Kopf und setzte sich ihn mit einem Ruck auf.
    Mi g'hrt 's aa zua, da i a Struerl trag als an ausg'stand'ner Knecht.
    No, no! Da mat i aa was wiss'n.
    Aba'r i woa 's.
    I vasteh di net, und jetzt sei no wieda guat! Hock di a bissel zu mir uma!
    I mog it; i g'hr' amal zu dena do.
    Dem Rauschigen weicht ein Wagen aus; und der Schormayer sah ein, da er
jetzt mit seinem Knecht nichts richten konnte.
    Lat's 'n geh'! sagte er zu den andern und setzte sich an den Bauerntisch.
    Es war ihm aber nicht recht und ging ihm nicht aus dem Kopf, da der
Hansgirgl solche Andeutungen gemacht hatte, als wolle er den Dienst verlassen.
Im Rausch sagt einer erst recht die Wahrheit. Und da der brave, nchterne
Mensch, den er in der ganzen Zeit nie betrunken gesehen hatte, jetzt in dem
Zustand dort drben hockte, mute seine eigene Bewandtnis haben. Er fragte die
Nachbarn.
    Hot 's do was geb'n? Hot er an Streit g'habt?
    Nix, wos i g'sehg'n ho, antwortete der Unterburger. I bin selm vahofft
g'wen, wia'r i eina kemma bi und er hockt dort hibei.
    Ds ko it sei, da er si grad a so an Rausch hersauft.
    Da Wirt woa aa nix; er sagt, da da Hansgirgl scho fuchsteufelswild daher
kemma is.
    Na kenn i mi net aus, sagte der Schormayer, und es war ihm nicht wohl
zumut. Denn ganz gewi hatte es daheim was abgesetzt; irgend was hinter seinem
Rcken, wie er 's ja in der letzten Zeit hie und da erlebt hatte. Am liebsten
htte er den Hansgirgl gleich herausgerufen und gefragt, aber der war jetzt
schon bockbeinig und wre ihm doch nicht gegangen. Also abwarten bis zum
Heimweg! Und dazu kam es schneller, als er gemeint hatte, denn pltzlich stand
der Hansgirgl auf und sagte grob zum Nebenmann:
    Aui la mi!
    Er versuchte, gerade zu stehen, als er zahlte, und ging dann so aufrecht,
als es mglich war, hinaus.
    Der Schormayer trank sein Bier nicht aus, legte das Geld daneben hin und
eilte ihm nach. Auf der Strae traf er ihn, wie er gerade tiefsinnig stehen
blieb und mit sich selber redete.
    So, Hansgirgl, jetzt genga ma mitanand hoam.
    Han? Wo ... genga ma hi?
    Hoam.
    I bi nirgats ... dahoam.
    Wos hoscht denn du?
    An schn Dank hon i ... jawoi ... an schn Dank.
    I vasteh di net; red halt amal!
    Hoscht it g'hrt, wos der g'sunga hot:

Grobheit'n kriagst recht sch',
Nacha ko'scht geh'!

    Du, Hansgirgl, schaug mi amal o! Ho da'r i wos Unrecht's to?
    Der Knecht schaute seinen Herrn bolzengerade an und wurde etwas nchterner.
    Na, du hoscht ma nix to, sagte er kurz.
    Bischt mit wem andern ber 's Kreuz kemma? G'wi mit 'n Lenz? - I red it
davo.
    Jo, sag ma 's!
    I mag it. Aba ... ds kon i dir sag'n, da i morg'n geh.
    Waar it aus! Du werscht auf Schnall und Fall weglaffa, und mir tatst it
amal an Grund sag'n!
    I geh.
    Z'weg'n wos denn? Herrgottsaggerament!
    I ... i ... bin a Fei'schpinna ... vastehst? So a ... so a schlechta Kerl,
der wo d' Leut verklamperlt ... und an sellan mua ma net halt'n. Vastehst?
    Na, i vasteh di gar it. Und des ander wer i na scho morg'n in da Fruah
hr'n. Da red'n ma wieda mitanand.
    Der Schormayer kehrte um und ging zum Wirtshaus zurck. Aus dem Hansgirgl
war heute nichts mehr heraus zu kriegen; und je lnger er ihn gefragt htte,
desto widerhaariger wre er geworden. Morgen lie sich das besser an. Aber gewi
hatte ihm der Lenz da was angerhrt. Na! Er wollte ihm hernach schon kommen mit
der Richtung.
    Er schaute zurck und sah in der Dmmerung den Hansgirgl mit den Hnden
fuchteln. Der redete heftig mit einem unsichtbaren Feind.
    Derfst du mi schlecht macha ... du ... aba jetz is aus ... aus!

                              Dreizehntes Kapitel


Htt'n ma 's ins geschtan fruah aa'r it denkt, mir zwoa, da mir heut scho
ausanand kemman, gel, Brunl?
    Bei diesen Worten patschte der Hansgirgl seinen Lieblingsgaul zrtlich aufs
Hinterteil.
    Ja, htt ma 's it gmoant, wiederholte er und seufzte. Aba so geht 's
nimma'r um; der Lalli, der dappige, wurd' jed'n Tag hlicha auf mi, und beim
Bauern kennt man si aa net recht aus; der woa ja selm it, ob a weita macha soll
oda bageb'n. Und na hocket i do. Z'letzt bracht mi da Lenz no in 's G'redt, als
wann i zu woa Good wos fr a Dummheit g'holfa htt. Na; i mog nimma. In dem
Haus g'winn i nix mehr, und zwisch'n an Alt'n und an Junga steh', pat ma'r it.
    Er putzte den Stall sauber zusammen, stellte alles an seinen rechten Platz
und legte dann den blauen Arbeitsschurz ab.
    So! Do waar'n ma wieda'r amal firti; schaug'n ma'r um a Haus weita! Wia mi
da Lenz heunt in da Fruah o'g'schaut hot! Warum i net in d' Arbet fahr', fragt a
mi. Fr mi gibt 's do koan Arbet mehr, sag i. Und da lacht a recht drecki. Na,
Brschei, mit dir mog i nimma z'sammg'spannt sei. Is scho gar wor'n.
    Der Hansgirgl nahm seinen Janker vom Nagel und schloff hinein. Hernach hielt
er noch einmal Umschau. Es war alles in Ordnung, und kein Mensch konnte ihm
nachreden, da er seine Sache nicht richtig hinterlassen htte.
    Im Haus drben traf er die Ursula in der Kche an.
    Is da Baua scho in da Hch?
    Jo. Er hot grad voring sei Kaffeesupp'n kriagt.
    Na wer i eini geh dazua.
    Geh no eini! Wos hoscht 'n du heunt, da du dei guat's G'wand o'g'legt
hoscht? - Feierabend hon i.
    Wia ds?
    Ds siehgst d' scho, sagte der Hansgirgl und ging in die Stube.
    Ah, du bischt do! lachte der Schormayer. Hoscht dein Sausa vo geschtern
ausg'schlaffa?
    Do hon i net vui zu'n Ausschlaffa g'habt.
    h, mei Liaba, du bischt guat beinand g'wen.
    Zu'n Abschied macht na ds aa nix.
    Wos Abschied?
    I tat di sch' bitt'n, Baua, da d' ma'r a Zeugnis schreibst.
    Der Schormayer sprang vom Stuhl auf.
    Wos is denn mit dir, Mensch? Is dir de Dummheit net aus 'n Kopf ganga?
    I hab 's fr koa Dummheit it.
    Ah! Ds hoscht do grad im Rausch g'sagt! Bal mi neun Johr auf oan Platz is,
lafft ma'r it ohne Grund weg.
    I ho scho mein Grund.
    Den tat i halt nacha sag'n; und bal wos feit, ko ma 's ja richt'n.
    Do is nix zum Richt'n. I sag da 's glei, Schormoar, i bi liaba auf an
fest'n Plotz, und den hon i bei dir nimma. Du kunnt'st morg'n bageb'n, und i
hngat do.
    Wos woat du vo mein bageb'n? Hot da ander dumm daher g'redt? Der kunnt
sie aba schneid'n.
    Na; der hot nix g'red't. I passet aa net auf.
    Wia kimmscht ma nacha mit dem?
    Ja no, ds werd amal schnell geh', bal jetzt d' Urschula weg is.
    Wos bekmmern di de Sacha? I sag da 's fr ganz g'wi, da i heuer net
bagib.
    Sell mog scho sei, aba i hon an weitschichtinga Vetta in Vierkirch'n drent,
und ... und bei dem kriagat i jetzt an ruhig'n Plotz, und ds mog ma halt do it
auslass'n.
    Ds is dir erscht geschtan ei'g'fall'n?
    Na, ds woa i scho lnga; er hot ma scho auf 's Neujohr g'schrieb'n.
    Geh, hr' auf! Ds braucht an stark'n Glaab'n. Da du de ganz Zeit her koan
Schnaufa it to htt'st vo dem?
    Weil i mir selm it g'scheidt gnua g'wen bi. Aba no, lta werd ma'r aa, und
bal bei dir all's anderst wurd, kunnt i mi aa nimma ei'g'wohna, und drent htt i
de G'leg'nheit vasammt.
    M-hm! Und z'weg'n wos bischt na du geschtan so belzi g'wen?
    I?
    Es schteht da it guat o, Hansgirgl, da d' ma du it d' Wahrheit sagst.
    I ho nix zu'n sag'n.
    Ds hamm mehra Leut g'mirkt, net i alloa, da du geschtan wos g'habt
hoscht; und mit wem ko'scht d' di denn z'kriagt hamm? Mit mir net. Also hoscht
mit dem Lackl an Streit g'habt. Und i brauch nix z' wiss'n; mir schmeit d' an
Strohsack hi und gehst, als wia wann mir it neun Johr mitanand g'arbet' htt'n.
    Der Hansgirgl war nahe dabei, etwas von seinem Verdru zu sagen, aber da
fiel ihm das Wort vom Lenz ein, da er ihn seinetwegen auch verklamperln knne.
    Und die Nachrede wollte er sich nicht verdienen; zu was auch? Gehen mute
er, weil das Bleiben kein gut mehr tat.
    Also kratzte er sich hinter den Ohren und setzte eine lngere Rede zusammen.
    I bi gern bei dir g'wen, Schormoar, ds sell woat du recht guat, und hot
aa nix geb'n; aba, net, bal ma si nimma aui siecht, indem da also du nimma
lang regierscht, und mi werd aa'r lta, und durch ds, da mir da Vetta
g'schrieb'n hot, i htt bei eahm 's Bleib'n, derf ma halt so wos it vo da Hand
weis'n; mi lebt it g'rad heut und mua aa'r auf morg'n denka. Ds sell muat d'
selm sag'n.
    Wann's d' it bleib'n willst, - i kon di net halt'n; und i dank da recht
sch, da d' ma so mit da Tr ins Haus rumpelst. Eh'nder httst d' ma 's it
sag'n kinna, oda mi glei gar um an Rat frag'n, - ds sell waar gar it ganga!
    Ma balegt si 's halt hinum und herum ...
    Und red't hinum und herum. Mei Liaba, fr so dumm muat du mi net kaffa,
da i gar nix spann. Du hoscht mit 'n Lenz wos g'habt, und i mua 's Bad
aussaufa. Aba dem kimm i, und net schlecht.
    Na, ds mcht i fei gor it. I mog it mit an Vadru wegkemma ...
    Ds is na mei Sach. Seit an halb'n Johr htt i nix als Z'widrigkeit'n mit
dem Kerl, und jetzt vatreibat er mir no d' Leut'!
    Ds kam nacha so aua, da 'n i schwarz g'macht htt.
    I glaab 's amal net anderst, und i schenk 's eahm it.
    Nacha muat du an Zeug'n macha, bal's hintadrei hoat, i htt 'n
vaklamperlt. Du muat as bezeug'n, da i vo dem gar nix g'sagt hab.
    Vo wos? Gel', da 's richti is? Jetzt hon i di g'fangt.
    I woa nix, Schormoar, und mi waar 's liaba, wann mir jetzt nix mehr red'n
ba ds, und di tatst mir mei Zeugnis schreib'n.
    Hoscht d' as fest an Sinn, Hansgirgl?
    Jo. Schaug', es is amal it anderst!
    Aba bal i ganz auf deina Seit'n steh?
    Ds ko'scht d' it. Du muat mit dein Buam lnga haus'n als wia mit mir ...
    Wart 's o, wia lang i mit dem no haus'!
    I wnsch enk it, da s ausanand kemmt's, und z'weg'n meina scho gar it. I
wer an ander'n Platz kriag'n.
    I hon g'moant, du hoscht 'n scho bei dein Vetta? Gel, Hansgirgl, hoscht d'
di wieda vared't?
    Na, bal i dir 's amal sag; aba du mgst mi so ausfratscheln, und ds hot
koan Wert it. La guat sei, Schormoar! Mir gengan in Fried'n und schn
ausanand.
    Und i mua schaug'n, wo i an Knecht herkriag.
    I woa da'r oa'n. Vom Blank in Neuhof drent an Blasi; der gang gern vo
dahoam weg und hot aa scho fta g'sagt, da 's eahm bei dir g'fallat.
    Ds is sch! Mua i wiada'r auf a neu's mir oan o'fanga.
    Der kennt sei Arbet; an dem hoscht d' it viel z' richt'n, und da Lenz is aa
do.
    Red' ma no g'rad net vo dem!
    Mogst d' ma 's Zeugnis it schreib'n, Schormoar?
    Wanns 's sei' mua, schreib' i s' halt.
    Der Schormayer ging zur Tre und rief der Ursula.
    Bring ma'r a Tint'n und a Feda!
    Es mua all's drin sei.
    Tua 's no her! I mog 's it suacha.
    Ursula kam in die Stube und fand endlich im Wandschrank hinter alten
Medizinflaschen ein Tintenglas und auch einen Federhalter.
    Wo is na mei Brill'n? fragte der Bauer. Ohne Brill'n kon i it schreib'n.
    Sie war nicht im Schrank und nicht in der Tischschublade und nicht im
Schubfach unter der Bank, und fand sich zuletzt, in einen Kalender eingeklemmt,
auf dem Fensterbrett. Der Schormayer setzte sie auf, und da wickelte der
Hansgirgl sein Dienstbuch aus allerhand fettfleckigen Papieren und gab es ihm.
    Ja, geht denn da Hansgirgl? rief Ursula.
    Geht a? Freili geht a! Weil ma bei enk it bleib'n ko.
    Wos hon eahm denn i in Weg g'legt?
    Ma red't net vo dir alloa.
    Und i ho vo so was bahaupts nix g'sagt, fiel der Knecht ein.
    Also, geh aui! befahl der Schormayer seiner Tochter. Mi braucha'n di net
zu dem G'schft.
    Er schlug das Dienstbuch auf und las.
    Eingetreten bei mir am viert'n Februar neunzehnhundart und oans. Do steht
no mei Untaschrift. Selbig'smal is da Prel Brgamoasta g'wen. Ds san jetz
akrat neun Johr. Er schaute ber die Brille weg vor sich hin, als wenn er ber
manches nachdchte. Selbig'smal is no schna g'wen. De Burin guat beinand, und
sinscht aa all's ganz anderst. No ja! Jetz is scho so.
    Er rckte die Brille nher an die Augen und schrieb es mit kratzender Feder
und nach mehrmaligen Pausen hin, da Johann Georg Egermayr diese Zeit her bei
ihm in Dienst gestanden und auch seine volle Zufriedenheit durch Treue, Flei
und Ehrlichkeit erworben habe.
    Ds ko ma bei dir mit guat'n G'wiss'n schrei'm, sagte er.
    ber den Hansgirgl kam es nun doch wie Heimweh, als er sein Bchel in
Empfang nahm und in die Tasche steckte; der Kragen wurde ihm eng, und er zog ihn
auseinander und schluckte ein paarmal.
    I ho schne Tg bei dir g'habt, Baua, und i sag dir vagelt's Gott; und des
ander woat scho.
    Und i wnsch dir Glck, Hansgirgl, und auf den selbinga Vetta waar i schier
harb, wenn i dro glaabet, setzte der Schormayer hinzu, und um seine Mundwinkel
war ein verstecktes Lcheln.
    Aber dann wurde er wieder ernst, als er sagte:
    Mit dir geht was Guat's vom Hof weg, und i wollt, du waarst blieb'n; aba
geg'n dein Will'n derf i di it halt'n. Pfat di Good, und la da 's guat geh'!
    Adjes! Und no'mal schn Dank; und bal i auf Kollbach kimm, derf i scho
zuakehr'n?
    Allamal, so lang i do bin.
    Hansgirgl zog den Kopf ein und machte sich still hinaus.
    Eine halbe Stunde spter sah ihn der Schormayer vom Fenster aus mit seinem
Koffer ber den Hof gehen und unterm Tor sich noch einmal wenden.
    Da schaute er zurck auf neun Jahre Leben und Arbeit.

    H! Is der alt' Spitzbua it dahoam?
    Vor der Kchentre stand ein vierschrtiger Mensch und klopfte mit seinem
Stecken ans Fenster.
    Ursula fuhr erschrocken zusammen; sie kannte den Fremden nicht.
    Wos willst?
    Ob der alt Spitzbua it dahoam is?
    Wann's d' mein Vata moanst, der is an Rostall vorn.
    Ah, da schaug her; du bischt de Tochta? De jetzt Prcklin vo Hirtlbach
werd? - De waar i, ja.
    Da gratalier i; kriagst d' an warma Plotz. Feit si nix.
    Wer bischt denn du?
    I bin da Tretter Jackl vo Pettenbach und htt' eppas z' red'n mit dein'
Vata. So, so, du bischt an Prckl de sei? Da ma fei wos z' kaffa kriagt aa aus
enkern Stall!
    Ds werd na scho er macha.
    Er is a bissel a G'naua.
    Werd' scho not toa.
    Gar a so brauchat's as it, aba er hot 's vo seina Muatta. Auf de muat d'
Obacht geb'n, da s' da'r it z' viel drei'red't.
    Sie kimmt ja in Austrag.
    Ja mei! Austrag! De alt'n Weiba geb'n si ja nia und lass'n it nach; de hamm
mehra Hut wia'r a Zwief'l. Und de alt Prcklin kenn i, de schliaft da nach in
d' Millikamma und in Kella; und bal's d' ds den erscht'n Tag leid'st, na bischt
vakafft, ds sag da'r i.
    I leid 's scho it.
    Derfst d' aba'r a guat's Mu hamm, denn de sell halt 's mit drei
Schaar'nschleifa aus. Und mit 'n alt'n Prckl werst d' aa dei Kreuz hamm; der
fallt in d' Froas, wann a moant, es kunnt um an Pfenning Sach hi'wer'n.
    Du g'fallst ma, da du so daher kimmscht und meine Leut veracht'n tatst.
    Sei froh, bal i da'r a bissel an Auskunft gib; es is do bessa, du woat,
wia's d' di zu'n vahalt'n hoscht; du kriagst it lauta Schn's.
    I wer 's scho aushalt'n.
    Rhr' di nicht g'rad de erscht'n acht Tg und hau ehr mit 'n Kochlffi auf
'n Rass'l, bal's dir z' fleii in dein' Haf'n einischaug'n. Na wer'n s'
katholisch, bal's sehg'n, da 's so leicht it geht. Aba wia's d' ds it tuast,
bischt d' scho drunt.
    I dank da halt sch fr dein guat'n Rat, sagte Ursula und lachte.
    Is gern g'schehg'n. I hilf zu de junga Leut, und da Teufi zu de alt'n.
Jetzt mua i aba zu'n Vata.
    Geh no umi an Rostall.
    Dort steckte der Schormayer Heu in die Raufen und ging mit dem Trankeimer
herum, als der Tretter unter der Tre auftauchte.
    Herrgott, hoscht du an Eifa!
    Wann ma koan' Knecht it hot, mua ma selm o'greifa.
    Hoscht du koan?
    Na. Der mei is heunt ausg'stanna.
    Du, do htt i oan fr di; aba scho an ganz an guat'n.
    I kunnt vom Blank in Neuhof oan hamm.
    Vo seine Buam? Woa it, ob ds guat is, wann ma si an Deanstbot'n aus da
Nachbarschaft nimmt.
    Das war eigentlich richtig. Und der Schormayer hatte noch einen besonderen
Grund, da es ihm nicht lieb war.
    Da hoscht it unrecht, sagte er.
    Nimm den mein'; der ko heunt no ei'steh.
    Woher is na der?
    Vo mein Nachbar'n in Pett'nbach; er is heunt mit mir umaganga, weil a no
koan Plotz it hot.
    Ds sell waar a bissel vadchti, aba schick 'n her! Bal a mir it g'fallt,
brauch' i 'n net nehma.
    I mach eahm 's z' wiss'n; er hockt beim Wirt. Und wos willst na du vo mir?
Da Tristl Toni hot ma'r a Botschaft to, da du mit mir red'n mgst.
    Ja. I mcht di was frag'n, sagte der Schormayer zgernd und bedchtig.
Bischt du weit umanand mit de Bauern bekannt? - I moa' scho.
    Pa auf! Wissast du koan Deanst fr a Madl, vastehst, fr a Dirn? A bissel
an leicht'n Deanst?
    An leicht'n?
    No ja, im Stall, und da s' it de schwaarst Arbet htt'. Und net in da Nh,
sondern a bissel weit weg.
    Weit weg?
    Der Tretter schmunzelte und drckte ein Aug zu.
    So, so? An leicht'n Deanst, und recht weit weg? Du mei Liaba, wo bischt d'
denn do wieda zuawi kemma?
    I frag di ja g'rad. Bal's d' nix woat, is ma'r aa gleich.
    Weg'n an gleich sei httst d' it umi g'schickt zu mir.
    I ho wem an G'fall'n toa woll'n; da brauchscht du mi it auslacha.
    h! No net glei ob'n aus! Vielleicht fallt ma wos ei; aba wia steht 's
denn do?
    Der Tretter rieb Daumen und Zeigefinger aneinander.
    Mua ma di fr an Auskunft zahl'n?
    I will ds it sag'n. Aba oa G'fall'n is den andern wert. Muat halt an
christlinga Preis macha, wann i da a Stuck Viech o'kaff.
    Do wer'n mi schon mitanand red'n kinna.
    Jetzt la mi amal b'sinna. Recht weit weg! Bei Bruck umanand, han?
    J-ja, ds gang.
    In Olching, moan i, kunnt i wos find'n. Und an leicht'n Plotz, sagst?
    Wia s' halt san. Net?
    M-hm. Bis auf wann kriagt s' na 's Kind?
    Wos Kind?
    No, ds is it schwaar zun darat'n, z'weg'n wos oane de schwaar Arbet it toa
sollt?
    Du bischt do scho a g'machta Hanswurscht! Kimmt er do mit 'n Kind daher!
    I kimm it damit, aba sie werd halt mit oan' kemma.
    Kunnt de it a so aa krank sei?
    Wann ds is, na muat du s' in a Krankahaus schick'n, aba'r it in Deanst.
    Bal du a so denkst, na la ma 's bleib'n. Do kam i no in 's G'red' aa.
    Mit mir kimmst in koa's; aba i ko do net auf an Plotz, wo i a G'schft
mach, a Dirn hi'bringa, de vielleicht d' Lunglsucht hot!
    Ds is it da Fall.
    Se werd scho die Neunmonatkranket hamm! Du Spitzbua, du o'drata!
    Tretter lachte, da er auer Atem kam, und er htte schier den Schormayer
angesteckt.
    An leicht'n Platz braucht a! Ha - - ha - - ha! Bis ans End weit weg! H ...
ha ... ha ... ha! Bis ans End der Welt? O du Tropf, du schei'heiliga!
    Jetzt sag amal g'scheit: woat an Deanst, oda woat koan?
    Auf da Stell it. I mua in Olching nachfrag'n, ob wos Passat's do is ...
fr a ... ha ... ha ... ha! ... fr a Wchnerin.
    Vo dir la i mi lang fr 'n Narr'n hamm, gel? Geh weita, i brauch di it.
    Sei no net glei so harb! I find scho wos. Mua ... ha ... ha! Mua 's
g'schwind sei?
    Pressiert gar it.
    Nacha frag i a wengl nach und kimm wieda her. Wer is na de selbige?
    Ds sag' i dir, wann's d' wieda kimmst.
    Vo mir aus! I bi net neugieri.
    Dem Schormayer kamen allerlei Bedenken, weil der Mensch gar so lustig war.
Er hielt ihm die Hand hin und sagte ernst:
    Tretta, bal's d' ma du in dera Sach an G'fall'n tuast, werst d' mi aa
find'n, wann du wos brauchscht.
    Gern, sag i. Du kennscht mi ja.
    Ja, ja. Aba mach koa Gaudi it draus! Und ds sag' i dir g'schwind: wann i
hr, da du's Mu it haltst und selle Spaetln umanand bringst, na san mir
z'kriagt.
    I red g'rad di a bissel dumm o, sagte der Tretter und kam wieder ins
Husten und Schnaufen und Lachen. I sag 's g'rad zu dir, weil's d' ma du gar so
guat g'fallst als barmherziga Bruada.
    Mi reut 's schier, da i di um de G'flligkeit o'ganga hab.
    Warum nacha?
    I trau dir net.
    O jessas! Mir derfst du gnua trau'n. I bring di net a so in Valeg'nheit als
wia du mi.
    I di?
    Ja, g'stell di no recht unschuldi! Wos moanst denn? I derf mi ja nimma in
Weichs sehg'n lass'n, sinscht reit si de Kaltnerin vo da Kett'n los!
    A mei! De Dummheit!
    Du redtst da leicht, aba i hon an schn Dank dafr, da i dir 's guat
g'moant ho.
    Geh weita! Hoscht du ds an Ernscht glaabt, da i ds alt Reibeis'n mcht?
    Htt'st ma 's g'sagt, aufrichti und wia 's a si g'hrt, na waar 's anderst
g'wen.
    Ds koscht du da ei'bild'n, wann d' ma du auf'n Weg untakimmst, und mir
genga Spa halba wo hi, da i nacha glei hnga bleib.
    Es waar dei Schad'n nit g'wen. Fr wos sollst denn du it heiret'n?
    Aba de it. So a Kloahuslerin, so an armselige!
    Du httst as bei a'r a andern g'rad a so g'macht.
    Ds woa i no lang it.
    Es war etwas in der Stimme des Schormayer, was den Tretter stutzig machte.
    Es is ja no it z' spat, wann du an Ernscht macha mgst.
    Ds lat si im Voraus it sag'n; ma mua do oiwei z'erscht wiss'n, wen ma'r
ins Haus kriag'n kunnt.
    I ho da selbig'smal a paar g'sagt. Beim Eberl in Asbach waar oani do, und
beim Prantner im Eckhof, und da Sedlmoar vo Arnzell htt oani, und ...
    h! No staad! Wann ma mog, g'langt oani, aba auf 's Mg'n kimmt 's o.
    Siehgst, jetz redt'st wieda'r a so.
    Pa auf, Tretta, i sag' da wos; und bal's d' g'scheid bischt, red'st nix
davo, sinscht kam dir ds G'schft ganz g'wi aus.
    Red' no! drngte der Viehhndler.
    D' Urschula heiret, und i haus' it guat mit mein Sohn. G'rad heunt hon i
wieda an Vadru, da i 'n am liabst'n nimma o'schaug'n mcht.
    Dein Buam?
    Ja, mein Buam. Er kennt si nimma aus vo lauta Gier auf 'n Hof und z'kriagt
si mit Good und da Welt. Geschtan hot a ma mein Knecht, der neun Jahr bei mir
g'wen is, so ausanand bracht, da a ma aufg'sagt hot. bageb'n mag i net, und
als Lediga dahocka und mit eahm furt haus'n, ds g'freut mi gar nimma. I siech
mir bald nimma anders aui: heiret'n oda z'trmmern.
    Ds sagst d' jetz aus Zorn! und wann i wos o'band'l, nacha mogscht wieda
nimma.
    Ja no, ds pat mir gar it, da i ganz ffatli auf d' Brautschau geh'; do
bin i z' alt dazua und mog aa den Krach dahoam it. Ds mat oiwei staad geh und
it auffllig, und bal i oane sehg'n tat, de mir guat o'stand und de do her
passet, na sag' i net na, aba'r aa net so g'schwind ja.
    Geh mit mir umi auf Arnzell!
    So mach ma de G'schicht nimma! I mat unta da Hand dafrag'n, wia 's mit 'n
Geld steht und ob s' a Hauswes'n fhr'n kunnt; und bal's do koa Ausstellung it
gab, nacha kunnt i s' amal o'schaug'n, aba alloa, und so, da koa Mensch nix
dabei denk'n mat.
    De Auskunft bring i dir schnell gnua her.
    La da Zeit! Vor da Urschula ihra Hozet hot 's jetz koan Wert it, und nacha
mcht i aa ds mit dera Dirn z'erscht in Ordnung hamm.
    Ja so, de gang da sinscht im Weg um?
    Mir?
    I will di it ausfrag'n. Obwoi da 's bessa waar, wann i a bissel wos inne
wurd. Weil i nacha do leichta mit der Leut in Olching red'n kunnt.
    Du fragscht, ob s' a richtige Person brauch'n kinna, und vo mir sagst d'
gar nix.
    Ds tat i a so net; aba bal nacha ds auftrifft?
    Wos?
    No, ds sell halt!
    Ah so! Ds werd it auftreffa, und fr den Fall, da also ... a ... fr den
Fall is ander Leut aa'r it bessa ganga, und du ko'scht hintadrei sag'n, du
hoscht ds it schmecka kinna.
    Is recht. I wer mei mglich's toa. Und vo Arnzell, do bring i dir a ganz a
g'naue Beschreibung.
    Ds sehg'n ma nacha scho.
    Es mua dir ernscht sei, Schormoar!
    Jetz is mir ernscht; aba bal i morg'n anderst g'sinnt bi, nacha heiret i
dir z'liab it, ds ko'scht glaab'n.
    Ds lat si denga; aba entschdinga mat d' mi fr meine Gng.
    I mog nix umasunst. Und jetz pfad di Good und halt 's Mu.
    Is scho recht. Adj! Und pa auf, i schaug dei Viech a wengl o. Hoscht d'
nix zum vokaffa?
    A paar Kaibln stenga do. Schaug da s' o und mach an Preis!
    Das hatte nun der Schormayer zu wenig bedacht, da im Stall drben die Zenzi
war.
    Der Tretter musterte alles Vieh und fand auch Gefallen an den Klbern, mehr
aber noch an dem stattlichen Weibsbild, das sich ihm zeigte.
    Weil aber in ihm sogleich ein Verdacht aufstieg, wollte er sich Gewiheit
holen.
    Er fing damit an, die Zenzi ausbndig zu loben.
    Du hoscht dein Stall sauber beinand, g'rad sauba. Ma siecht it viel
solchene. Bischt d' g'wi scho lang auf 'n Hof?
    Na. Erscht seit 'n Juli.
    Mit dir is oana aufg'richt'. Du haltst dei Viech, wia 's a si g'hrt.
    Mi tuat halt sei Arbet.
    A jede vasteht 's it a so; mit 'n Arbet'n alloa is it g'macht. Wann's d'
amal nimma do bleibn mogscht, na la d' ma 's wiss'n. Fr di htt i an
ausnehmend guat'n Plotz.
    Hoscht du a grer's Sach?
    Es waar it bei mir. Aba no, du werst da so schnell it geh'.
    Wo waar denn nacha ds?
    Bei Bruck umanand. Aba i mcht di fei ja it wegred'n; ds tat i scho net
z'weg'n an Schormoar.
    Um ds brauchscht di it kmmern; an Baua waar 's aa ganz recht.
    Bal du wegkimmscht?
    Ja, weil a halt a Hauserin her tuat, und bahaupts.
    So ... so?
    Hab i di! dachte sich der Tretter. Also, de is? No, da G'schmack waar gar
it so schlecht!
    Und laut sagte er:
    Nacha sollt' i dir an guat'n Deanst varat'n?
    Waar ma scho recht.
    Du muat ma halt a wengl sch toa; du Fackei, du mollet's!
    Geah, wos hoscht denn!
    Sie wich den derben Hnden des Tretter aus.
    Tua no it so! I rei da nix oba vom Fleisch.
    Wos fallt dir denn ei?
    Unseroana werd aa'r amal was sauber's o'rhr'n derf'n?
    I mag ds it.
    Hot blo da Schormoar 's Recht dazua?
    Wos red'st denn du daher?
    Geh, hr auf, du Sukei, du g'schmach's! Bal an oa'schichtiga Mensch so was
mollet's in Haus hot, no woa ma 's scho.
    Du bischt guat troffa!
    Herrschaftseit'n beranand, bal i di no bei mir ei'stell'n kunnt, mi
vastand'n ins bald.
    Glaab ds it! I mag so was net.
    Gar net?
    Na!
    Da waar i wieda anderst.
    Er griff noch einmal unzart nach ihr, aber sie kam ihm mit einer schnellen
Wendung aus. Und sie war nicht dazu aufgelegt, mit dem wsten Menschen einen
Spa zu haben.
    berhaupt war sie nicht lustig gestimmt.
    Ihr Zustand und die Ungewiheit, und auch da der Holzweber Simmer gar nicht
dergleichen tat, und alles mitsammen machte ihr zuwidere Tage.
    Hr de Sach'n auf! sagte sie unwirsch. I bi koa Handtuach, wo dir du d'
Hnd' o'putz'n koscht.
    Deifi beranand! So stolz! Vielleicht gibst du 's billiga, wann i di auf
den sell'n Plotz bring.
    I brauch di net dazua.
    Selm suacha werd da halt oiwei hrta o'kemma.
    I vasteh di net; und jetz geh amal zua!
    Adj, schnes Mdichen, und gra ma'r an Jungfernbund; und bal's d' in dem
Jahr no an Schnulla brauchscht, schick i da'r oan.
    Gel, du mogscht it so frech sei?
    Aber der Tretter war schon lachend zur Tre hinaus und schlenkerte pfeifend
ber den Hof. Er suchte den Bauern auf.
    Was kost'n de Kaibln?
    Wos willst d' geb'n?
    Fufzgi, wia da Preis is.
    's Pfund gilt jetz oansafufz'g, hot ma g'hrt.
    Da hoscht falsch g'hrt.
    Also nimm s' im fufzgi! sagte der Schormayer. Es gilt na fr des ander
aa.
    Der Tretter gab den Handschlag, und listig blinzelnd, sagte er:
    A Kalbin hoscht in dein Stall, a recht a foaschte.
    Da is mir nix bekannt.
    No de sell, de wo i auf Olching umi treib'n soll.
    Geh, la de G'spa! Ds stimmt gar it.
    Net? No, nacha sag i halt Pfat Good; de Kaibln la i hol'n, und den Knecht
schick i her.
    Auf der Strae blieb der Tretter noch fter stehen und lachte vor sich hin.
    Mi mcht' a o'drah'n! O du Bauernspitzbua!

                              Vierzehntes Kapitel


Aus den Fenstern des Hirtlbacher Wirtshauses klangen Bombardon und Klarinette,
einmal tief hinunter und einmal hoch hinauf, und lockten immer neue Gste herein
zur Hochzeit des Kaspar Prckl.
    ber die Stiege gingen Mdeln mit hochroten Gesichtern und wischten sich die
Schweitropfen ab; Burschen in Hemdrmeln riefen ihnen Spe zu; Teller
klirrten, und die Deckel der frisch eingeschenkten Krgel klapperten, und der
Bierschlegel schlug drhnend den Hahn in ein neues Fa.
    Frhlichkeit und Lrm verrieten schon in den Vorrumen ein reiches Fest. Im
Saale aber schleiften die Paare, tauchten im Lampenlicht auf und verschwanden
drehend in dmmerigen Ecken.
    Aus einer Wolke von Rauch und Dunst schoben sich allmhlich bekannte
Gesichter vor.
    In der Mitte am Ehrentisch das der wohlgezierten Hochzeiterin Ursula
Kiening, nunmehrigen Prcklbuerin; sie sa neben dem hochwrdigen Herrn
Pfarrer; daneben war das Elternpaar des Hochzeiters, zwei Leute, denen Sparen
und Arbeit anzukennen war.
    Da sah man auch die Fischerbuerin von Neuried und den gewichtigen Schneider
von Arnbach und, etwas entfernt von ihnen, am bescheidenen Platze die Asamin,
die mit flinken Augen alle Leute beobachtete, alle, die saen und standen und
tanzten, und der gar nichts auskam.
    Sie hatte es mit der Grieblerin, einer armen Verwandten des Hochzeiters,
getreulich ausgerechnet, was die Sache kosten knne, und alle zwei waren der
Meinung, da es ungeheuer viel sei, und da diese Verschwendung sich abscheulich
unterscheide von der Sparsamkeit gegen Verwandte, die es brauchen knnten.
    Und die Asamin war nebenher noch angefllt mit Schmerz darber, da man noch
nicht ein halbes Jahr nach dem Tode ihrer Schwester, der Schormayerin, eine
Hochzeit abhielt.
    Do ko nix Guat's auakemma, sagte sie, und mi g'fallt ds amal gar it,
da ma'r an Tot'n so schnell vagit.
    Hoscht ds it g'sehg'n, fragte die Grieblerin, da si d' Hochzeiterin
umdraht hot, wia s' in d' Kircha ganga san; wer ds tuat, sagt an alta Spruch,
der schaugt si nach an andern Ehstand um.
    Bei der Schormayerisch'n tat mi gar nix wundern, ds sag i dir.
    Is it all's richti dabei?
    O mei! Da mag mi gar it o'fanga. Vom Alt' sag'n d' Leut allahand.
    Wos denn? Die Grieblerin rckte nher.
    Der is auf d' Weibaleut aus, da 's a wahre Schand is. Ganz bocknarrisch is
a, sag'n s'.
    Geah? Der Alt?
    Zu dem is a no it z' alt. Hinta a jed'n Weibakitt'l is a her.
    Gel? Gel? Ja, wann eahr d' Weiba ster'm, wern s' ganz brig. Ds hrt ma'r
oft sag'n.
    Und zuageh' mua bei eahm! Oiwei Krach und Unfried'n. De Zollbrechtin, sei
Nachbarin, hot ma vazhlt, da ma 's oft weitum hrt.
    Ds lat si denga.
    Mi sagt aa, da a desz'weg'n sei Urschula so g'schwind ausg'heiret hot; und
do hot ma freili net wart'n kinna bis auf 'n Hirgst. D' Schwesta wann 's halt no
wissat!
    Good schenk ihr de ewig Ruah!
    De braucht s'. Chrischtlich's O'denk'n hat s' net viel bei ihre Leut. Wann
inseroans it a diam dafr bet'n tat, kriaget s' net viel Vaterunsa.
    Da tuast d' freili a guat's Werk.
    Obwoi da i gar nix kriagt ho vo ihran Sach. It an Spensa oda'r an Rock oda
sinscht wos. Liaba lat ma 's in Schrank daful'n, als da mi da Schwesta wos
gab.
    Selle Leut kinnan koa Glck hamm, Asamin.
    Na, und mi wern 's aa daleb'n. Jessas, is ds a Spektakl!
    Die Klarinettentne stiegen kreischend in die Hhe, hielten sich gellend
oben und kletterten wieder herunter, wo sie ein gumpender Ba auffing im
lustigen Takte, da die Rcke schwenkten.
    Die Fischerbuerin rckte ihren Stuhl etwas nher zum hochwrdigen Herrn
Pfarrer Kern und hub mit ihm und der tugendsamen Hochzeiterin ein Gesprch an.
    Ds hot ins scho alle mitanand g'freut, Herr Pfarra, da S' vo da Urschula
ihra Muatta so schn g'red't hamm; i ho woana mass'n.
    Das ist recht, sagte der geistliche Herr, ein vergngter alter
Junggeselle; bei einer Hochzeit soll 's na hergehen. Regnen soll 's, weil das
ein Glck bedeut', weinen sollen die braven Frauenzimmer, weil 's ihnen ja so
net hart ankommt; und beim Mahl, da soll 's dann was Ordentlich's zum Trinken
geb'n. No, das is ja auch vorhand'n. Und er nahm einen braven Schluck.
    D' Muatta htt 's halt daleb'n soll'n, meinte die Fischerin immer noch
wehleidig.
    Ja no, das lat sich nicht ndern. Sterb'n ist unser aller Los. Der eine
frher, der andere spter. Wo hat denn brigens die Wirtin das Kochen gelernt.
Das war ja heute ausgezeichnet.
    I glaab, in Dachau, sagte Ursula.
    So? Da war sie in einer guten Schule. Ganz delikat war alles zubereitet.
    Sie hot si bahaupt a Mah geb'n.
    Und hat sich ausgezeichnet und bewhrt als eine gute Regentin in ihrer
Kche.
    Sie sollt' halt do bei ins hocka, sagte die Fischerbuerin.
    Rufen wir sie herauf!
    Na, i moan ja da Urschula ihra Muatta ...
    Ach so! Das lat sich nun freilich nicht machen. Gnnen wir ihr den
Frieden; und berhaupts, net wahr, sitzen wir da bei einer Hochzeit und haben
die Hoffnung, da wieder neues Leben daraus spriet. Ja.
    Und nachdem er eine Prise genommen hatte, legte er die Dose wieder neben das
Schnupftuch und sagte mit einem gutmtigen Lachen: Der Kaspar scheint mir schon
der Mann zu sein, auf den man gewisse Erwartungen setzen kann, und auch die
Hochzeiterin ist vertrauenerweckend.
    Die Nchstsitzenden lachten noch herzhafter, weil der Spa von ihrem
geistlichen Herrn kam; und die Ursula wute, was geziemend war, und schaute
verlegen in den Scho.
    Da werd nix fei'n, sagte die Fischerin, mi g'fallt scho ds, da de Hozet
bei zuanehmad'n Mond g'wen is. Ds hot mi gern; denn bei'n abnehmad'n Mond, sagt
mi, bleib'n d' Kinda aus. Is it wohr, Herr Pfarra?
    Jawohl, das ist ein alter Glaube; ob er richtig ist, knnen wir nicht
wissen. Aber es g'hrt halt noch was andres dazu als wie der zunehmende Mond.
    Er zwinkerte lustig, und alle lachten wie auf Befehl.
    Ds werd' na scho aa vorhand'n sei.
    Hoffentlich, Fischerin; mich freut's, wenn ich Arbeit krieg in dreiviertel
Jahr, und wir wollen uns den Taufschmaus gut schmecken lassen.
    Bal amal wos um an Weg is, kimm i zu dir, Urschula, sagte die
Schneiderbuerin, denn die junga wiss'n it, wia ma si vahalt'n mua. Da mir
vor da sieb'nt'n Wocha koa Kindswasch ins Freie hnga derf, und da mi ja nix
davo ausleicha sollt, und da d' Wchnerin sechs Wocha lang in koan Kella it
geh' derf, ds san lauta Sacha, auf de mi guat aufpass'n mua.
    Z'weg'n wos sollt' oans it in Kella geh?
    Z'weg'n de Hex'n, Fischerin. Hoscht du ds no nia g'hrt?
    Na, aba ds woa i, da a Wchnerin it von Haus weg geh' soll, so lang s'
net in da Kircha war.
    Und da mi in da Schwangerschaft net ber an Pfluag steig'n derf, und ba
koa Loata, sinscht gibt 's a harte Geburt.
    Ds hon i aa scho g'hrt, und drei Oar soll ma siad'n und 's Wassa
trink'n.
    Oda drei Nss' ess'n.
    Das sind weise Lehren, sagte der Pfarrer lachend, und diesmal kommt der
gute Rat nicht zu spt.
    Aba Sie mass'n do selm sag'n, Hochwrd'n, da mi auf de alt'n Bruch wos
halt'n mua?
    Freilich, und auf die alten Weiber, denn die wissen mehr wie die Gelehrten.
Aber jetzt mu ich mich verabschieden.
    Bleib'n S' wirkli nimma, Herr Pfarra?
    Es geht leider nicht, Hochzeiterin, und ich wnsch also einen guten Anfang.
Gute Nacht beieinander!
    Die Ehrengste begleiteten den geistlichen Herrn zur Tre; und wie alles
wieder Platz nahm, setzte sich der Schormayer zum alten Prckl.
    Sitz' ma'r a bissel z'samm! sagte dieser. Mi wer'n jetz bal Kamarad'n si'
im Austrag.
    Woa i no it.
    Wos ko'scht d' macha? De Junga druck'n nach, bal eahna Zeit kemma is.
    Ob 's halt scho so viel g'schlag'n hot?
    A diam is g'scheidta, ma ruckt d' Uhr fri und hrt eh'nder auf. In da
letzt'n Viertlstund richt ma nimma viel aus.
    Es is it bei an jed'n gleich, Prckl.
    Freut di halt aa net, gel? Mir is selm it leicht wor'n, vom Sach weg geh'
und vo da'r Arbet. Weil mi g'rad zuaschaug'n mua, geht 's krumm oda g'rad, und
bal da d' Hnd jucka, koscht d' halt 's Loatsoal nimma nehma.
    Drum mua ma si 's baleg'n, vor ma 's hergibt.
    No, i ho koan Angst it bei'n Kaschpa; er hot 's Haus'n von jung auf
g'lernt.
    Seid's guat ausanand kemma bei'n Austrag?
    Mi san handeloans wor'n; g'stritt'n hamm ma freili a weng, aba ds g'hrt
dazua; wer leicht wos vaspricht, dem is mit 'n Halt'n net ernscht.
    Und dei Urschula hat ds bessa Mu g'habt, sagte die Prcklin, d
vahungert it, wo ma si mit'n Red'n a Geld vodeana ko.
    Is s' a bissel a scharfe? Gel? Ds hon i dahoam aa g'spannt.
    Scharf sei' schad't it. Es braucht 's scho bei de Zeit'n und mit de
Deanstbot'n, sagte die Alte.
    Und da Kaschpa werd ihr scho a Beikorb o'leg'n.
    So is, und d' Schneid valiert si a wengl im Ehstand. Wos tuast jetzt du,
weil d' Urschula weg is?
    I wer a Hauserin ei'stell'n.
    A junge?
    Jetz mua i do lacha, sagte der Schormayer, ds is wirkli de erscht Frag
von a niad'n Weibats. D' Urschula, d' Schneiderin und du, a jede hot ds gleich
g'fragt.
    Mi woa scho, warum.
    Ja, i woa 's aa. Is aba koa Grund it vorhand'n, denn sie is scho
bastandi.
    G'halt s' no it z' lang, denn ds derfst glaab'n, ea selle haust oiwei in
ihr'n Sack.
    I mua s' halt g'halt'n, bis amal a Burin aufziagt.
    Hoscht d' scho oane fr'n Lenz?
    Na. Mi pressiert aa nix.
    Moanst d' nimma in dem Johr?
    In dem Johr amal g'wi it, Prcklin.
    I kenn 's, fiel der alte Prckl ein, i woa guat, wia ds is. I htt ma
's aa no a Johr balegt, bal sie it a so bengst htt'.
    Auf mi muat d' as it schiab'n. Wann di da Schlag net g'stroaft htt', na
htt' i wohl nix g'sagt.
    Ds sell mua aa wieda wohr sei. Mi hot 's bs g'habt an Ausgang Novemba,
Schormoar, und a Wocha, a drei hon i gar nix mehr glaabt.
    Da i net vergi, sagte der Schormayer, i ho g'hrt, s seid's
weitschichti vawandt mit'n Sedlmoar vo Arnzell. Is vo dena wer do?
    Er it, aba sie; er hot dahoam bleib'n mass'n, weil a'r an Wehdam hot.
Schaug no umi, an dem Tisch sell hockt s', neb'n an Schuasta vo Pellhamm; kennst
d' 'n scho mit seina Platt'n.
    So, de is? San Kinda do bei'n Sedlmoar?
    Zwoa Tchta. Die oa is vaheiret in Sulzemoos, und de ander is dahoam; de
hot an krumb'n Hax'n.
    Krumb is s'?
    Vo Kind auf scho. Sie hot desweg'n it g'heiret.
    Aha!
    Wia kimmscht du auf 'n Sedlmoar? Hoscht du g'moant weg'n Lenz? De waar nix
fr eahm; sie is scho bald drei'g Johr alt und mua vui doktern, weil s' a
G'schwr aa hot am Hax'n.
    Von heiret'n und von Lenz hon i nix g'moant. I ho g'rad a so g'fragt, weil
z'nachst oana g'sagt hot, da a'r eahm a Holz vokaffa kunnt.
    Do hot s' koa G'fahr it; zahl'n tuat a guat, da Sedlmoar; no, da ziemli oa
Schuld'n do san, is ja richti, aba er haut si scho durch.
    Mi geht 's bahaupts nix o, sagte der Schormayer gleichgltig, nahm sich
aber vor, den Tretter schn hinauszuwerfen, fr den Fall, da dieser
unverschmte Mensch zu ihm kommen werde. Vor ein paar Tagen hatte ihm der einen
Brief geschrieben, und da war kein Wort darin gestanden von dem Olchinger Platz
fr die Zenzi, aber drei Seiten lang Lobsprche ber die Tugenden und Reichtmer
der Sedlmayertochter von Arnzell. Und wie man nur ein wenig genauer hinschaute,
waren es lauter Lgen. Der hatte sich 's rein vorgenommen, ihm eine
briggebliebene anzuhngen und sich noch brav zahlen zu lassen.
    Bischt d' it guat aufg'legt? fragte die alte Prcklin.
    I? Mir feit gar nix.
    Werst d' halt heut oft an dei Burin denga mass'n? Ds ko ma sich
ei'bild'n.
    Ja ... ja. Aba jetzt wer i mi a bissel zu'n Burgamoaschta umi hocka. Pfad
Good dawei! -
    G'freut di 's Tanz'n gar it? fragte die Schneiderin den Lenz, der mit
finsterem Gesicht seinen Stuhl zwischen sie und die Ursula geschoben hatte.
    Na, zu so wos bin i net aufg'legt.
    La da 's do it gar a so o'kenna! mahnte die Ursula.
    Sei no du z'fried'n; du hoscht jetzt dein' Will'n und ziagst als Burin
auf. Da ko'scht du g'scheit red'n.
    I sag 's grad, wei da Vata scho a paarmal herg'schaugt hot.
    Lass'n herschaug'n! Mua i G'sichta schneid'n, wia 's eahm pat?
    I vasteh an Lenz guat, sagte die Schneiderin.
    Woat, d' Urschula is guat troffa; de helfat jetzt bald zu'n Alt'n.
    I helf gar it zu eahm; ds muat d' it sag'n; aba 's z'kriag'n hot a koan
Wert it.
    Du hoscht recht; und vo Hirtlbach bis auf Kollbach umi braucht ma'r aa net
streit'n.
    Pst! machte die Schneiderin. Gebt's auf d' Leut Obacht!
    Und auf meina Hozet werst d' ma na do koan Krach it macha?
    I mach da koan; und ds liabst waar ma, i waar gar it herganga.
    Do httst d' beralln an Vadru aufg'hob'n, begtigte die Schneiderin.
    Auf a bissel mehra geht 's nimma z'samm. Und, is wohr aa, i pa gar it her.
Zu de Bursch'n mog i net, und zu den Bauern g'hr i net.
    No, Lenz, in dein' Alta mass'n de mehrer'n dahoam an Deanstbot'n macha.
    Ja, aba sie sehg'n an Ehrbarkeit und hamm a G'wiheit, da s' scho amal dro
kemma.
    Ds hoscht du aa.
    An Dreck hon i.
    Pscht! D' Asamin schaugt scho oiwei umma!
    Ah wos! Ds, wos mir hoamli red'n, pfeifan morg'n d' Spatz'n vom Dach.
    Is wos neu's?
    Na, lauta alt's; bei ins braucht 's nix neu's mehr. Jetz hot a ds Mensch
scho als Hauserin ei'g'stellt.
    De Zenzi?
    Jawoi.
    Ds is it wohr, Lenz, sagte die Ursula, ds muat d' it sag'n.
    Net is wohr? Wer is na in da Kuch'l?
    Sie is grad zu da Aushilf drin.
    So? Woat du ds?
    Ja, ds woa i. Pa auf, Schneiderin, de G'schicht is a so: er hot eahm a
Hauserin dunga, de eahm da Wirt zuabracht hot, aba de sell is krank worn und ko
erscht in a Wocha oda zwee vo Freising her kemma. Und weil d' Zenzi a wengl wos
vasteht vom Kocha und scho lnga do is, mua sie dawei' aushelfa, und fr d'
Stallarbet hot a'r a Taglhnerin.
    Der Lenz lachte hhnisch und sagte:
    Ds hrt si ganz unschuldi o, gel, Schneiderin? Aba ganz so dumm bin i net,
da i 's glaab. Ds geht, wie 's de ganze Zeit her ganga is. Da vageht oa Wocha,
und zwoa Wocha, und deselbige Hauserin werd oiwei no mehra marodi, und der
Schlamp'n bleibt.
    Die Schneiderin machte ein sorgenvolles Gesicht.
    Mi g'fallt aa nix mehr. Hot a denn gar i denkt, wos d' Leut jetza scho
red'n?
    Na tuat a 's erscht recht. Aba'r i schaug den Saustall it o, i geh nimma an
d' Stub'n eini, i i nimma'r am Tisch.
    Sagt's ma no grad, wo ds no hi'geht!
    Ds kon i dir g'nau sag'n, Basel. Vor a Johr um is, derfst d' wieda in a
Hozet geh, in a ganz luschtige, da heiret a schlecht's Mensch an alt'n Depp'n.
    Jessas na! Es wer 's do scho insa Herrgott it zualass'n! -
    Hh! Was macht's denn s fr G'frie her? So mcht i 's net bei meina
Leich'!
    Der Hochzeiter kam von seinem Rundgang bei den Gsten zurck und setzte sich
mit lauter Frhlichkeit neben seine junge Buerin.
    Da, trink amal, Lenz, da d' a Schneid kriagst! Flankl a weng umanand! San
ja sauberne Madl gnua do.
    I rei mi it um ds.
    Bischt denn du aa'r a Kerl? Wann i net scho o'g'hngt waar, heunt kunnt'st
was sehg'n.
    Ja, red' no zua! Du ko'scht di leicht prahl'n.
    Ah! Mach' do koa G'schicht it her! Pa no auf, wia'r i auf deina Hozet amal
tanz.
    So is recht, Buam! schrie er den Burschen zu, die zum Zwiefach mit ihren
Mdeln antraten. Helft's ma mein' Jungherrnstand sch' ei'grab'n. Auf geht 's!
    Und das wirbelte durcheinander, schob links und rechts und drehte sich, die
Burschen jauchzend und lachend, die Mdchen mit ernsten Gesichtern und
niedergeschlagenen Augen.
    Der Schormayer, der manchen tiefen Schluck getan hatte, ging ein wenig
unsicher an den Tanzenden vorbei zum Ehrentisch und wurde vom Kaspar herzlich
begrt.
    Jetz is amal recht, Vata; den ganz'n Tag san ma no it viel z' red'n kemma.
Ko'scht ma glei helf'n, da ma'r an Lenz a weng aufriegeln.
    La 'n do trauri sei, den Lapp'n! Mi bekmmert ds ganz weni.
    Er schaute seinen Sohn an, und einen Augenblick kreuzten sich ihre Blicke;
Zorn und Verachtung blitzten darin auf. Aber whrend Lenz sich zur Ruhe zwang,
berkam den Alten eine wilde Lust, den Sohn zu reizen.
    Wia kimmscht da denn fr als junga Baua? fragte er den Kaspar. Gel, ds
is wos schn's, wann ma d' Arm rhr'n ko, und mua si nimma ducka und sein
hoamlich'n Zorn vastecka und braucht sein Vata nimma sch toa ins G'sicht?
    Ds hon i nia to.
    Net? Na bischt du an Ausnahm. Aba selle gibt 's gnua, de si gar nimma
auskenna vor lauta Sucht nach'n Regiment, dena d' Zung auahngt, woat, und
mcht'n an Alt'n liaba vagift'n, als da s' 'n no o'schaug'n, und derfen 's aba
it zoag'n, vastehst? Und mass'n sch toa und g'rad falsch sei, und kusch macha,
kusch! sag i.
    Geh, Vata, wos hoscht 'n? fiel Ursula ein.
    Nix hon i. I vazhl g'rad dein' Kaschpa, was ma siecht, wann ma lnga lebt.
Setz eahm no Kinda her, na werd a no fta an mi denka.
    De ziag i mir scho, sagte der junge Prckl.
    Ziag dir s' no, und schaug, da du zu'n o'kratz'n kimmscht, vor s' gro
san. Na hoscht d' lauta Freud g'habt, und d' Kinda aa.
    Schormoar, jetz san ma no g'matli! rief der Schneiderbauer, der sah, wie
der Lenz in verhaltner Wut kswei wurde.
    Freili san ma g'matli! Warum soll'n ma 's denn it sei, so lang ma g'sund
san? Und scho so g'sund, da ma'r auf und auf koa Kranket it g'sparn und halt
scho gar it vareck'n kinnan.
    Gib nach, Vata, es horch'n d' Leut scho!
    La s' horcha, Urschula! Da sehg'n s' amal, da da Schormoar luschtig is
auf deine Hozet. So luschti bin i scho lang nimma g'wen. Geh her, du junga Baua,
und st amal o! Mi g'freut 's, bal i an Junga regiern siech. Ds is was anders
als wia so a Lapp, der blo mcht und net derf!
    Vata!
    Lenz war aufgesprungen und beugte sich keuchend vor, und seine Faust prete
sich auf den Tisch.
    Han? fragte der Schormayer wegwerfend.
    Du ... du muat 's it batreib'n.
    Red i mit dir?
    Allssammete geht it, Vata!
    Kusch! sag i.
    Lenz, b'sinn di, wo's d' bischt! beruhigte Kaspar den vor Wut Zitternden
und fate ihn beim Arm.
    Der schaute wild um sich und sah neugierige Gesichter sich nher schieben
und sprte ihre Blicke.
    Da drehte er sich schweigend um und ging hinaus.
    Der Schormayer patschte sich in die Hnde.
    Heunt g'freut mi amal s' Leb'n, und hoam geh' tua i no lang it. Wos steht's
denn s da? fragte er barsch die jungen Leute, die sich an den Tisch
herangedrngt hatten. Tanz'n sollt's und it Maulaff'n fei'halt'n! Aufg'spielt!
sag i.
    Er warf einen Taler auf den Tisch. Da gebt's 'n de Musikant'n, und i will
an recht an schiaberisch'n Landla hr'n. So, Kaschpa, jetzt trink' i; mir
schmeckt 's glei bessa, weil i mi a bissel ausdischkriert ho.
    I misch mi in de Sach it, Schormoar.
    Do hoscht recht, und es hot 's aa it notwendi. I brauch koan Helfa, und dem
andern nutzet's nix.
    Er griff nach einem Makrug und trank in langen Zgen.
    Htt' mi schier gar trucka g'red't, sagte er, und wischte sich das Maul
ab.
    Wie er am Tisch herumschaute, sah er viele erschrockene Gesichter und
merkte, da die Frauenzimmer einander was zuflsterten.
    Habt's no koane Hoamli'keiten! schrie er. I sag mei Sach aa, wia'r i mir
's denk, und schneid' it lang um. I ho ma durchaus nix z' fercht'n, und bal an
etla Weibaleut in Kollbach de Kpf' z'sammsteckan, ds macht mir gar nix. I bin
da Schormoar.
    Der alte Prckl trat hinter ihn und klopfte ihm auf die Schulter. Er wandte
sich hastig um.
    Ah! Du bischt aa no do? Hock di her zu mir, alta Austragla, und vazhl ma
wos vo dein Zuastand, da 's ma no bessa graust davor.
    Wos hoscht denn du?
    I? Mein ganz Sach' hon i no, und i gib 's so schnell it her.
    Hoscht ja recht, bal's d' it mogscht, aba jetz red'n ma vo was andern!
    Moanst?
    Freili! Wer werd si denn an Zorn ei'bild'n auf a Hozet?
    I bi kreuzluschti, und mir feit nix. Aba scho gar nix!
    Ds is a Wort!
    Der alte Prckl ging mit dem Aufgeregten so vorsichtig um wie mit einem
geschrften Ei und fragte ihn viel nach frheren Zeiten, nach Arbeit und
Wirtschaft und nach bekannten Leuten.
    Und der Schormayer wurde ruhig und betrunken und schlfrig.
    Die Asamin an der unteren Tischecke hatte alles gehrt und jedes Wort
richtig gedeutet.
    Hoscht d' as g'sehg'n, Griablerin, wia de anand g'sinnt san, da Jung und da
Alt? De htt'n si liaba o'packt vor de Leut!
    Mi is scho ganz anderst wor'n.
    I htt' aa koan Tropf'n Bluat nimma geb'n! Pa auf, da daleb'n ma no wos,
und nix schn's it.
    Wia hart da 'n da Alt' g'red't hot!
    Der gibt eahm an Hof it; und wer woa, was da no g'schiecht!
    Und Aug'n hot da Jung' g'macht!
    Da siecht ma 's wieda, Griablerin, es is it all's, bal ma'r a Geld hot, und
a Religion mua vorhand'n sei in an Haus, sinscht is koa Glck it dabei. - Ds
is amal wahr.
    Und bal mi a Religion hot, na gibt mi an arma Mensch'n wos, der wo a tote
Schwesta in Ehr'n halt und fleii bet' dafr.
    Sell is g'wi, Asamin.
    Noch manches gute Wort der Frommen wurde bertnt von stampfenden Fen.

Drei Paar lederne Strmpf,
Und zwoa dazua san fnf,
Hot ma mei Vata a Kart'n kafft,
San nix wia lauta Trmpf.

    Die rindsledernen Stiefel wurden gar ausgelassen, und die Rcke schlugen an
runde Waden bis tief in die Nacht hinein. Am Ehrentisch war es leer geworden;
die Brautleute hatte man schon lange mit schmetternder Musik hinausgeblasen, die
Eltern des Brutigams und fast alle Verwandten hatten sich auf den Heimweg
gemacht, da legte sich der Schormayer md in den Tisch hinein und schlief, bis
ihn der Wirt aufrttelte.
    He! Schormoar!
    Mei Ruah la ma!
    Wach auf! Du werst hoam woll'n!
    Der Schormayer schaute mit blinzelnden Augen ber die leeren Sthle hin.
    Ja no, fahr ma halt hoam! Da Lenz soll ei'spanna.
    Der is scho lang furt.
    Furt? Ah so! Nacha spannst halt du ei!
    Schlfrig erhob er sich und ging mit unsicheren Schritten ber die Stiege
hinunter. Neben der Haustre lehnte er sich an die Wand; der Kopf fiel ihm nach
vorne, und die Arme lie er schlaff herunterhngen, bis ihn der Hausknecht zum
Wagen fhrte und ihn hinaufschob. Er drckte sich in die Ecke und lie den
Brundl nach seinem Willen gehen, bergauf und bergab, und im langsamsten
Schritt.
    Ein zorniger Fhnwind heulte hinter dem Wagen her und strzte sich wtend in
die Bume, die am Wegrande standen; der Schormayer hrte ihn nicht, und der Gaul
ging mit flatternder Mhne ruhig frba.

                              Fnfzehntes Kapitel


Dei Vata is sch' vo da Hozet hoamkemma, sagte Christl, der neue Knecht vom
Schormayer, ein rothaariger, aufgeschossener Bursche, in dessen sommersprossigem
Gesicht ein paar freche Augen saen. I hon eahm im Wagl drin aufwecka mass'n.
    Lenz gab keine Antwort; er putzte an einem Rogeschirr herum, blo um irgend
etwas zu tun; es htte Arbeit auf dem Feld drauen gegeben aber es hielt ihn
etwas daheim, und er schickten nun den Knecht hinaus und war erst recht
mimutig, da er im Hof die Zeit vertragen sollte. - Aber hatte er berhaupt
noch etwas zu arbeiten?
    Wos is? fragte er nun den Knecht, der fortgeredet hatte.
    Lacha hon i mass'n, wia'r i an Bauern g'fund'n ho. I hon an Gaul g'hrt
und mach 's Tor auf, do steht 's Wagl drau'n, und da Brunl scharrt mit 'n
Huaf, und na hr' i schnarcha, und wia'r i nachschaug, flackt dei Vata im Wagl
und schlaft. Der waar jetza no it aufg'wacht.
    Schleun di a weng, da d' mit n' Dunga aui fahrst!
    I spann glei ei. Woat, na hon i dein Vata aufg'weckt und hon eahm ins Haus
umig'fhrt, und na hon i an Schlss'l g'sucht, aba dawei is scho enka Hauserin
kemma und hot an Bauern einizarrt.
    Wos fr a Hauserin? - De Zenzi halt.
    Is de vielleicht insa Hauserin?
    Vo mir aus is s', wos mog. I vazhl blo, da s' aufg'macht hot, und sie
bringt 'n scho in d' Stub'n, hat s' g'sagt, und hoffentli hot eahm de Klt'n it
g'schadt. Sie werd' eahm nacha scho aufg'warmt hamm.
    Christl hatte ein schmutziges Lachen in den Mundwinkeln, wie er das sagte.
    Mach amal, da d' weita kimmscht mit 'n Fuhrwerk! befahl der Lenz barsch
und lie den Knecht stehen.
    Er war mde und abgeschlagen und wurde nicht fertig mit dem, was ihm gestern
geschehen war. Vor allen bekannten und fremden Leuten hatte ihm der Vater
Feindschaft angesagt, und aus jedem Wort war es nicht blo fr ihn deutlich zu
hren gewesen, da es aus sei zwischen ihnen; und die Hoffnungen, die schon so
gewi waren, da er sie mit Hnden htte greifen knnen, hatten keinen Boden
mehr. In einem kurzen halben Jahr war alles verndert. Warum? Das konnte ihm
doch niemand weismachen, da es von dem selbigen Streit herkam! Ein paar heftige
Worte, wie sie anderswo genug fallen, die hatten das nicht gemacht. Aber er
hatte es ja deutlich genug sehen mssen, wie der Vater von einem Tag zum andern
gehssiger auf ihn wurde; und da war jemand dahinter; ja, ganz gewi war eines
dahinter und hetzte und schrte. Und niemand anders wie das verfluchte
Weibsbild, das sich an den Alten hingemacht hatte, schon den allerersten Tag,
nachdem die Mutter aus dem Haus war.
    Die verstand es! Ganz fein ging sie es an und schob sich heimlich auf den
Ehrenplatz im Hause. Da es die Ursula nicht wahr haben wollte und das nicht
sah, was doch so deutlich war! Die hatte halt mit Ruhe wegkommen wollen, weil
sei es doch nicht ndern konnte; und jetzt war vielleicht an ihm die Reihe, zu
gehen, aber anders: in Feindschaft und Ha.
    Lenz wischte sich ber die Stirne; der Schwei stand ihm darauf. Herrgott!
Wenn er 's berdachte, - das konnte ja gar nicht sein, da ihn der Vater wegen
der hinausjagte, und alle Leute mten auf seiner Seite stehen und es dem Alten
sagen, was es fr ein Unrecht sei.
    Vielleicht, wenn er selber mit ihm reden wrde, ganz ruhig, und wrde es ihm
vor Augen stellen, da es die Jahre her nie etwas gebraucht htte zwischen
ihnen, und da die Mutter verstorben sei im festen Glauben, da ihr Sohn einmal
das Sach in Hnden haben werde, und da jetzt eine fremde Person ihm Lgen
erzhle, damit sie ihren Vorteil davon habe, dann mte doch der Vater auf das
Rechte kommen.
    Und das sollte nun gleich sein und nicht aufgeschoben werden, denn der
Zustand war nicht mehr zum Aushalten. Wie ein Knecht herumstehen, dem man das
Davonjagen angetragen hat, und der nicht wei, ob es noch der Mhe wert tut,
eine neue Arbeit anzufangen, das war das allerschlechteste.
    Dem Lenz war sonderbar zumut, wie er sich auf den schweren Weg machte. Es
war ihm, als sei er ber Nacht fremd geworden daheim, als gingen ihm die
altvertrauten Dinge, die er um sich herum sah, nichts mehr an, oder als mte er
von neuem ein Recht darauf suchen.
    Zgernd trat er ins Haus. Im Fltz stand Zenzi vor einem offenen Schrank und
kramte in der Wsche herum. Oft hatte Lenz seiner Mutter zugeschaut, wenn sie
die sauber gewickelten Leinwandrollen umschichtete oder ein weies Linnen
zusammenlegte und mit der Hand sorgsam glttete; und von klein auf hatte er
Respekt gehabt vor diesem bunt bemalten Kasten, ber den die Mutter eiferschtig
wachte.
    Jetzt langte das Weibsbild mit frechen Hnden hinein und warf die alte
Ordnung ber den Haufen. Er gab ihm seinen Gru nicht zurck, und wie es fragte,
ob er zum Vater hinein wolle, hrte er nicht und ging ohne Antwort in die Stube.
    Da setzte er sich an den Tisch und berlegte sich, wie er am besten seine
Rede anfangen knne.
    Wenn der Alte im Stuhl sitzen wrde, ihm gegenber, und er wrde dann sagen:
Schau, Vata, des sell hat jetzt koan Wert gar it, da mir da aufanand hlich
san. Also, net wahr? Jetzt hamm ma so lang mitanand g'haust, und z'weg'n wos
soll'n denn nacha mir auf oamal z'kriagt sei? I tua mei Sach', und du werscht
g'wi it sag'n kinna, da i net gern arbet, und du muat it sag'n da mir d'
Zung auahngt vo lauta Gier nach 'n Sach. Da i gern auf 'n Hof kam, ds sell
is amal g'wi, und weil mi aa gar nia was andersts g'wit hot, und weil ds aa
da Brauch is, da mi 's Sach' vo de Eltern kriagt, und hot mi aa seine bescht'n
Johr' dahoam zuag'setzt, durch ds, da ma 's gar it anderst g'moant hot, aba
desweg'n is durchaus it da Fall, da i di mit G'walt weg hamm mcht', oda da i
dir dei G'sundheit it vagunn, und bal's du wos sogscht, nacha mua dir ds wer
anderna ei'g'red't hamm, und ds is amal frech g'log'n von dera
Herrgottsaggerament ...
    Lenz redete immer lauter in seiner Erregung und schlug mit der Hand auf den
Tisch.
    Da hrte er in der Nebenkammer husten und ruspern und gleich darauf den
Vater rufen:
    Wer red't denn da draud?
    I bin 's, Vata.
    Mit wem streit'st denn?
    I ho g'rad a so fr mi hi'g'redt.
    So? Sag' der andern, sie soll an Kaffee in d' Stub'n bringa.
    I htt' nacha aa mit dir wos z' red'n.
    Wos denn?
    Z'weg'n da Arbet, und a so halt.
    Do bin i gar it aufg'legt dazua; ds sogscht d' ma spata.
    Wann nacha?
    Ds wer'n ma scho sehg'n; aber jetz la mir mei Ruah!
    Sollt' i in a Stund wieda kemma?
    Na, sog i. Du werst scho wart'n kinna!
    Mit der Rede war es vorlufig nichts, und Lenz ging verdrossen aus der
Stube.
    Er sah Zenzi in der Kche arbeiten und sagte, so grob er s' herausbrachte,
zur halbgeffneten Tre hinein:
    An Kaffee sollscht d' eahm bringa!
    Das Frauenzimmer war in seiner wichtigen Stellung mitteilsam geworden und
rumorte mit der ungewohnten Arbeit mehr im Hause herum, als gerade notwendig
war. Und jetzt wollte es auch arglos sich vor dem Sohn ein wenig prahlen und
geschftig zeigen.
    Hoscht d' an Vata aufg'weckt? Ds httst it toa soll'n.
    Htt' i di frag'n mass'n?
    Na, aba weil a halt so spat hoam kemma is, und i ho scho a weng Angst
g'habt, da a si wos to hot, weil a no im Wagl draud g'schlafa hot, und i hon
an aa so lang it g'hrt, bis da Christl nacha aui is ...
    Lenz unterbrach die gesprchige Person, die er mit zugekniffenen Augen
feindlich ansah.
    Du! Gel, du bild'st da wos ei? Aba ds is no lang it da Fall! Vastehst d'
mi?
    Nein, die Zenzi verstand ihn und seinen Ha wirklich nicht.
    Wos tat i mir ei'bild'n?
    Ds, was nia werd. Gar nia! Fr ds steh da'r i guat, du Schlamp'n, du
vadchtiga!
    Und da war er weg und lie das Weibsbild in wirklicher Traurigkeit zurck;
denn es schmerzt, mit einem friedfertigen Sinn und der allerbesten Meinung einen
solchen Schlag auf den Kopf zu kriegen. Man grbelt darber nach, und weil man
keinen Grund zu dieser besonderen Roheit finden kann, glaubt man bald an die
Schlechtigkeit der Welt oder daran, da man sterbensverlassen der Gegenstand des
allgemeinen Unwillens ist. Und hernach steht das hilflose Weibsbild mit
trnenden Augen am Herd und wischt sich mit ruigen Fingern bers Maul und
schaut aus wie ein Haufen Unglck.
    Wos feit denn dir? fragte der Schormayer, wie ihm Zenzi mit stillem
Schmerz den Kaffee hinstellte.
    Nix, sagte sie.
    Weg'n nix werst d' na do it trenz'n?
    Mi feit nix.
    Vo mir aus! I brauch 's it z' wiss'n.
    Sie zog die Tre still hinter sich zu; und in dem Gefhl, das unschuldigste
Opfer einer ganz abscheulichen Grobheit gewesen zu sein, trstete sie sich nach
und nach.
    Der Schormayer lffelte im dumpfen Bewutsein, da hier wieder einmal eine
Ursache zum rger vorhanden sein knnte, seinen Kaffee aus.
    Der werd all Tag bessa, sagte er vor sich hin, mit alle Leut is er
saugrob, und mir schneid't er a G'sicht hi' wia neun Tag Reg'nwetta. An
Hansgirgl hat a vatrieb'n, de ander trenzt im Haus umanand, und nacha wer i
dro'kemma. Bal's d' di no it schneid'st, du Grobian, du haglbuachana!
    Wenn es einmal so weit ist, da sich zwei Leute, die zueinander gehren
nicht mehr verstehen, dann helfen die besten Meinungen nichts. Lenz hatte mit
sich selber eine groe Erbarmnis, da ihm sein anerkennenswerter Versuch
sogleich milungen war, und in der dummen Geschftigkeit der Zenzi sah er nichts
als wohl angelegte Boshaftigkeit.
    Und da er seinen Charakter behaupten und keine Arbeit angreifen wollte vor
der Unterredung mit dem Alten, ging er am frhen Vormittag ins Wirtshaus. Als
einziger Gast an diesem fhnwarmen Werktag, der jeden Pflug auf den Acker rief,
erregte er das gerechte Aufsahen der Wirtin, und sie setzte sich mit einem
dicken Knuel Wolle neben ihn und hub ein Stricken und Fragen an, da es dem
verdrossenen Menschen zu eng in seiner Haut ward. Er gab mrrische Antworten,
und gab keine Antworten; aber das war fr die kluge Frau erst der rechte
Ansporn, von allen Seiten und hinten herum anzugreifen, denn das war doch einmal
nicht natrlich, da der Schormayer-Lenz nach der gestrigen Hochzeit mit einem
solchen Gesicht herumging; und da war irgend etwas geschehen, was sich aus einer
halben Antwort auf drei Fragen am Ende schon erraten lie.
    Auerdem war ja die Unterwirtin nicht gerade auf den Kopf gefallen, hatte
auch schon einiges luten hren und wute deswegen, wo sie das Brett lupfen
mute, um auf den Boden zu sehen.
    Nach einigen Stunden wute sie ungefhr, wie der Lenz ber die Verhltnisse
daheim gesonnen war, und wute gewi, da er acht Halbe abgestandenes Bier
getrunken hatte.
    Beim Schormayer daheim war die Stimmung auch nicht viel schner. Als er sah,
da die Pferde mig im Stall standen, wurde er verdrielich; und wie der
Christl heimkam und sagte, da weiter nichts angeschafft sei fr den Tag, merkte
er gut, da ihm der Lenz trotzen wolle. Beim Mittagessen wollte er ihn schon zur
Rede stellen, ob das eine Manier sei, am schnsten Tag alles liegen und stehen
zu lassen; aber der Lenz blieb aus, und der Schormayer mute seinen rger
aufsparen.
    Es kam auch gleich ein neuer hinzu, wie er seine Kommandogewalt ausbte und
dem Christl befahl, noch diesen selbigen Nachmittag nach dem Scharrerwinkel
auszurcken und frischweg draufloszuackern. Ja, das ginge nicht! Der eine Pflug
sei noch beim Schmied, und bei dem andern msse auch erst das Streichbrett
gerichtet werden.
    Kreuzteufel! Ob da keine Zeit dazu gewesen wre den ganzen Winter? Und
jetzt, wo jeder Nachbar auf dem Feld sei, dchte man erst daran, das Zeug
herzurichten?
    Es war gut, da der Schormayer wieder einmal selber zum Rechten schaute, und
er machte sich auch gleich auf den Weg in die Schmiede. Bei der ersten
Straenbiegung wre er beinahe an seinen Sohn hingerumpelt, der im eifrigen
Selbstgesprch um die Ecke kam.
    Oha!
    Der Lenz schaute seinem Vater, der an ihm vorbeiging, verblfft nach und
richtete erst einmal seine Gedanken auf, die ein wenig bers Kreuz stolperten.
Dann lief er dem Alten nach und pfiff ihm.
    Halt a wengl! Vata!
    Der Schormayer blieb stehen.
    Ds is grad recht, da i di siech, sagte der Lenz, und jetzt mcht i amal
wiss'n, wann mir mit anand z' red'n kemman.
    Vielleicht spata, wann's d' nimma b'suffa bischt.
    Wo bin i b'suffa?
    Na, gar it! Stinkst auf drei Schritt nach 'n Bier.
    Ds is it wahr!
    I streit vielleicht mit dir auf da Stra'n? Mach', da d' hoam kimmscht,
und schlaf dein Rausch aus! Ds is sch, beim bescht'n Wetta blitz'n und in
Wirtshaus hocka, wia'r a Handswerksbursch!
    Lenz schaute den Vater mit aufgerissenen Augen an, und pltzlich liefen ihm
die Trnen die Backen herunter.
    Du ... du willscht mi ja it arbet'n lass'n, und hoscht ma 's vor alle Leut
g'sagt, da i a ... a Lapp bi, hoscht g'sogt ...
    Geh jetzt zua, und scham di! I red' da nix mehr.
    Der Schormayer ging weg und schaute sich um, ob niemand sie beobachtet habe.
    Das war noch das allerschnste! Mit einem Rausch am hellichten Werktag
durchs Dorf gehen und mitten am Weg einen Streit anfangen. Und doch tat ihm der
Bursch wieder leid, da er sich auffhrte wie einer, der ganz aus dem Geleise
geworfen war; und es war etwas in seiner Stimme, und auch, wie er so zu weinen
anfing, was ihn unruhig machte.
    Er drehte sich um und sah, da der Lenz noch immer auf dem gleichen Fleck
stand und ihm nachstierte. Das rgerte ihn wieder, und er brummte im Gehen: De
b'suffene Sau!
    Lenz ging mit zgernden Schritten heim; aber bevor er an den Hof kam, packte
ihn die Scheu, geradeswegs hineinzugehen, und er schlich hinter den Stallungen
vorbei in die Wagenremise. Hier setzte er sich auf eine alte Kiste und brtete
lange vor sich hin.
    Es war ihm zumute, als wenn er nicht mehr auf das Anwesen gehrte, und als
wenn hier feindselige und fremde Menschen das Recht htten, ihn fortzuweisen.
Drauen rieselte in allen Furchen das Schneewasser, und starker Erdgeruch drang
zu ihm herein. Er frischte ihn nicht auf, sondern machte ihn mde und schlfrig.
Von der Dachrinne tropfte es in regelmigen Pausen, und es war wie eine
eintnige Musik zu seinen wirren Gedanken.
    Es fiel ihm nur immer wieder ein, da ihn der Vater zum zweitenmal
abgewiesen hatte.
    Er mag it red'n, sagt a. In da Fruah is eahm it recht g'wen, jetzt is eahm
it recht g'wen; i bi' neamd mehr dahoam.
    Der Kopf sank ihm tiefer, und er schlief ein.
    Erst nach etlichen Stunden wachte er auf und fuhr frstelnd zusammen; als
die Sonne hinter den Hgeln verschwand, blies eine kalte Luft ber die Felder.
    Lenz mute sich erst besinnen, wie er da in sein Versteck hereingekommen
war; und alles, an was er sich erinnerte, machte ihn zornig gegen sich und die
andern. Einen Tag so dumm verhockt und verfaulenzt, blo weil er in der Frhe
nicht hatte reden drfen!
    Aber jetzt wollte er's herunter haben, was ihn drckte; und, gern oder
ungern, der Alte sollte ihn heute noch anhren. Er wollte sich nicht mehr
abweisen lassen wie ein Bettelmann, dem man die Tr vor der Nase zuschlgt, und
vielleicht morgen wieder ums Haus herumschleichen und warten aufs gndige Gehr.
Am End hatte er doch auch ein Recht, das er behaupten konnte.
    Er horchte. Im Hof klangen Schritte, und dann hrte er den Vater rufen:
Chrischtl! Woat du aa nix, wo da Lenz is?
    Na; i hon an den ganz'n Tag it g'sehg'n.
    Lenz schlich zur Remise hinaus, ging um die Stallung herum und kam nun mit
festen Schritten auf das Haus zu.

    Bischt du amal dahoam? fragte ihn der Schormayer, als sie nun in der Stube
einander gegenberstanden. Hoscht dein Rausch ausg'schlaffa? - I woa nix von
an Rausch.
    No, da red'n ma'r it lang drba. Aba ds sell sagst d' ma vielleicht, wos
dir du ei'bild'st? Selm nix arbet'n, an Knecht nix o'schaff'n, 's Zeug net
beinand hamm, da mi zuaschaug'n mua, wia d' Nachbarn aufs Feld auifahr'n -
werd ds de neu Modi auf mein Hof?
    Da bischt du schuld, Vata.
    I?
    Vielleicht woat du ds nimma, was d' ma du geschtan g'sogt hoscht vor alle
Leut?
    Und desweg'n saufst du heut umanand?
    Wann du sogscht, da i fr nix bin!
    I wer schon wiss'n, wos i sog'n derf; und di wer i no kaam frag'n mass'n.
Und moanst du ...
    Du derfst aa it all's sag'n ...
    La mi ausred'n, gel! Mua i no freundli sei, wann d' ma du an Knecht
vatreibst, der neun Johr bei mir g'wen is?
    I hab an Hansgirgl it vatrieb'n.
    Na, du bischt ganz unschuldi. Dem is vo selm ei'g'fall'n, da a ganga is.
    Bal a g'sagt hot, da 'n i vatrieb'n ho, na lagt a. Soll a hergeh', und
soll ma ds in 's G'sicht eini sag'n, bal a ko. Der Leutverhetza!
    Der hot it g'hetzt und hot nix g'sagt. Aba gar so alt und so dumm, wia's d'
mi du gern htt'scht, bin i halt no net, und sehg'n tua'r i aa no, und durch ds
woa i, da da Hansgirgl blo weg'n deine ganga is.
    Ander Leut sehg'n aa, Vata, und kinnan glaab'n, da da Hansgirgl weg'n wos
andern nimma bleib'n hot mg'n.
    Weg'n wos?
    Lenz zuckte die Achseln.
    Allssammete pat it an jed'n.
    Der Schormayer hatte in Erinnerung an den Nachmittag ruhiger geredet, aber
jetzt fuhr er wieder zornig auf.
    Wann du wos zum sag'n hoscht, nacha kimm net vo hint' uma, und bring' dei
Sach fr! De vasteckt'n G'schicht'n hamm bei mir gar koan Wert.
    Es is it leicht, vo so was red'n.
    Na muat d' gar nix sag'n, aba so hoamli muat d' as it o'bringa woll'n.
    Lenz gab sich einen Ruck und sagte dann, indem er es vermied, den Vater
anzuschauen. Es is wohr! Amal mua g'redt wer'n, und i bi ja desweg'n kemma.
    No aua damit!
    Der Schormayer stellte sich ans Fenster mit dem Rcken gegen seinen Sohn,
und so war der eher imstand, alles vorzubringen, was er sich die langen Tage her
ausgedacht hatte.
    Siehgst d', Vata, a so geht 's nimma um. D' Leut veracht'n ins ...
    Wen?
    Ins all mitanand, weil ... weil ...
    Red no weita!
    Weil 's amal a Schand is, und so dumm san d' Leut it, da s' ds it mirka,
z'weg'n was d' Zenzi ba Liachtme bleib'n hot derfa ...
    Wos is denn dei Meinung, z'weg'n wos de bleib'n hot derf'n?
    Lenz stockte und wandte den Kopf nach rechts und links und zog sich den
Hemdkragen weiter und sagte dann:
    No ja! Z'weg'n dem halt ...
    Da du gar so g'schamig bischt, und sagscht zu mir it ds nmli, wia zu de
Leut?
    I ho no nia wos g'redt ba ds.
    Woher woat na du, da a G'redt umgeht?
    Ds sag'n oan' d' Leut, ohne da mi fragt.
    No also, wos sag'n s' denn?
    Da ... da du 's hoscht mit da Zenzi.
    Und du glaabst ds aa?
    Lenz zuckte die Achseln.
    I mua scho glaab'n. Du hoscht d' as ja it g'laugn't, wia dir 's d'
Urschula frg'hebt hot!
    Na, i ho 's it g'laugn't.
    Is ds na koa Schand it, da du so oane im Haus haltst?
    I halt s' net z'weg'n dem. Ja, da muat du it lacha! Ds steht dir gar it
o, da d' mi du o'bleckst!
    Da soll ma'r it lacha. Oamal hoscht d' as, und 's andermal hoscht d' as
it!
    Bal mir mit anand red'n soll'n, tua mi net Lag'n straffa. Sinscht hamm ma
glei ausg'redt!
    Ja no, na hr i halt nimma richti.
    Wiss'n tuast d' nix, und ei'bild'n tuast da z' vui!
    Wos is da no zu'n ei'bild'n?
    I sag da jetz ds, und du ko'scht glaab'n oda it, ds is dei Sach: i ho
oamal im Rausch a Dummheit g'macht, und es ko sei, da 's mi danach net g'freut
hot. ba ds gib i dir koa Rech'nschaft; aba mit dem oanmal is 's aus g'wen.
    Ds lat si denga!
    Du brauchst as net glaab'n, und brauchst net so zahna!
    Fr so dumm muat d' mi na do scho it o'schaug'n! Z'weg'n wos httscht du
nacha ds Mensch als Kchin her to und hoscht d' as ba Liachtme g'halt'n?
    Ds hat an andern Grund.
    Aha!
    Gar nix aha! Weil 's mi g'freut hot, hab i s' g'halt'n; weil 's mi g'freut
hot, is s' in da Kuch'l; und bal 's mi freut, nacha geht s'.
    Und weil 's di g'freut hot, bischt d' mit ihr im Holz draud z'sammkemma.
    Bischt du ds inne wor'n? Do schaug her! Hon i an Schpion im Haus!
    Ds hamm scho d' Holzknecht vazhlt und hamm di brav dableckt.
    Fremde Leut kon i 's net vabiat'n, aba du reit 's Mu it auf geg'n meina!
    I sag da 's g'rad, da d' siehgst, wia'r i all's woa.
    An Dreck woat!
    Ja, dreckig is 's, do hoscht recht!
    Ah! Bischt du a Pfarra dazua zu'n Schpion?
    Du muat ma'r it all's sag'n, Vata! Mi geht 's a so durch 'n Kopf, da i mi
nimma auskenn!
    Bischt d' vielleicht no bsuffa?
    Na! Bsuffa bin i gar it! I woa grad, da ds nimma sei derf, da du a
Luadaleb'n fhrscht mit dem Schlamp'n, und i leid 's nimma!
    Kimmscht wieda mit de Schandarm?
    I brauch koan. I wer scho selm firti mit dem Hadern!
    Trau da! Du Lausbua, du nixiga! Rhr g'rad an Finga, sag i, und du flackst
draud auf da Stra'n!
    Ds sogscht du zu mir? Und tatst dir it Snd'n fercht'n? Und tatst 's
O'denk'n it fercht'n vo da Muatta?
    De mat si z'erscht schama mit dir, du Tagdiab!
    I kunnt dir aa Nama geb'n, Vata!
    Gib s'! Scheuch di net lang! Und weil's d' ma so kimmscht, sag i dir wos! I
mog di nimma! Scho lang mag i di nimma, weil i di kenna g'lernt hob! Du tatst
oan' mit Fa'n tret'n, wann's d' kunntst und an Herrn spiel'n derfast. Aba du!
Du hoscht di g'schnitt'n! Da Herr bischt net und werst net! Du bischt grad da
Hanswurscht do herin!
    Sinnlos vor Wut, die ihm die Augen verdunkelte, trat Lenz auf seinen Vater
zu und packte ihn an der Brust.
    Der ri sich heftig los und wich einen Schritt zurck und schrie mit
gellender Stimme:
    Oho! Brschei! An Vata o'greif'n! San ma scho so weit? Du Hund!
    Lenz griff sich an den Kopf. Der Atem ging ihm schwer.
    Schimpf zua! sagte er dumpf.
    I schimpf di nimma. Mit ins zwoa is 's aus. Suach da'r an Plotz und geh, je
eh'nder, desto liaba! I will di nimma sehg'n.
    So hat 's ausgeh' mass'n, da ma sei eigen's Kind vajagt!
    A sellas, ds sein Vata schlag'n mcht!
    I hab nimma g'wit, wos i tua.
    Na b'sinn di bei fremde Leut; und weil's d' so guat predinga koscht, richt
d' a'r amal ds z'samm, wos in viert'n Gebot steht!
    Lenz ging mit ksweiem Gesicht an die Tre; seine Lippen waren bla, als
wre kein Tropfen Blut mehr in ihm.
    Keuchend fragte er noch einmal:
    Is ds dei letzt's Wort, da i koa Hoamat nimma hab?
    Mei letzt's Wort!
    Da i Platz macha mua fr de? Fr de da draud?
    Fangst d' wieda o? schrie der Schormayer und ging mit schnellen Schritten
in seine Kammer und schlug die Tre hinter sich zu.
    Lenz blieb ein weniges stehen, als wartete er auf ein vershnendes Wort.
    Aber es blieb still.
    Und da schlich er zum Hause hinaus.

                              Sechzehntes Kapitel


Es war an Kunigund, den 3. Mrz, und ein Tag, so fein wie Seide, warm und
sonnig. ber die Berge, die ganz ferne wie weie Streifen die Ebene abgrenzten,
war der Frhling gekommen und schritt ber die braunen Moore die dunkeln cker
her. Der Schormayer trat unter die Tre und atmete mit vollen Zgen die
Morgenluft ein.
    Eine lange Nacht lag hinter ihm, in der er wenig geschlafen hatte. Zornige
Gedanken, schlechte und gute Gedanken hatten ihn wach gehalten, und zuletzt
hatte er doch den Weg gefunden, den er gehen mute.
    So viel er dagegen suchen mochte, stellte sich doch immer klarer die Mahnung
vor ihn hin, da es den ganzen Verdru nicht gebraucht htte, wenn er von Anfang
beim Rechten geblieben wre.
    Alles htte sich vernnftig und redlich schichten lassen. Und war der Fehler
auch nicht gar zu gro gewesen, so wuchs er doch jetzt mchtig an und bedrohte
sein Hauswesen und seine Ehrbarkeit mit groem Schaden.
    Das war ja unmglich, da er alle Fden zerschneiden sollte, die ihn an der
Vergangenheit festhielten.
    Die Erinnerung wurde in ihm lebendig, wie er die ersten Jahre mit seiner
Buerin gehaust hatte, wie dann die Kinder kamen und als frhliche Hoffnungen
heranwuchsen, die Erinnerung an das Siechtum der armen Frau, an manchen Blick,
der eine Bitte gewesen war, an den letzten Hndedruck, der als treues
Versprechen hatte gelten mssen. Und jetzt sollte er das alles wegwerfen und
vergessen; und jetzt, wo er zu altern anfing, sollte er den Versuch machen, eine
neue Zukunft zu grnden?
    Das war ja dumm! Das konnte sich einer blo im Zorn auf eine kleine Weile
einbilden. In Ehrbarkeit die letzten Jahre leben und bei der alten Sitte
bleiben, darin lag Vernunft; und blo das konnte ihm Ruhe und Glck versprechen.
Und wegen was sich Unrast auflegen und Feindseligkeit und Miachtung?
    Er dachte doch in seinem Herzen nicht daran, auf die Freite zu gehen; und
nicht eine halte Stunde weit htte ihn die Lust getrieben, sich ein Weibsbild
daraufhin anzuschauen.
    Selbst wenn er frei von allen Pflichten gewesen wre, htte er lieber als
Wittiber fortgehaust, als wie in diese zweifelhafte Lotterie gesetzt. So was
sagt man nur und tut es nicht. Und gar in seinen Umstnden! Mit den erwachsenen
Kindern uneins werden, ihre bitterste Feindschaft erregen, die ganze
Verwandtschaft rundum in Bewegung setzen!
    Und alles frs Ungewisse?
    Noch einmal: das war unntzes Zeug und war so schnell vergessen, wie es
gesagt war. Aber noch ein paar Jahre neben dem Lenz hausen und dermaleinst einen
vernnftigen Austrag machen und die mden Fe in Behagen ausstrecken und mit
Zufriedenheit zurckschauen auf vergangene Mhsal, das war gescheit und war der
Brauch.
    Und so wollte er es machen.
    Es war ihm vllig leicht zumut, wie er den Entschlu gefat hatte.
    Teufel bereinander, er hatte lang genug gebraucht und wstes Zeug geredet
und gedacht, bis er so weit war.
    Aber nun war's vergangen, und mit dem Lenz wollte er bald bereins kommen.
    Der wrde Augen machen nach dem gestrigen Verdru!
    Und wenn man's recht bedachte, war der Schaden nicht so gro fr spter,
wenn der heftige Mensch gesehen hatte, da der Alte auch noch auf seinen Fen
stand.
    Freilich, da der Bursch seine Ruhe so ganz verloren hatte und auer Rand
und Band geraden war, das lag nicht blo an ihm.
    Und brauchte es gute Worte, um wieder ins alte Gleichma zu kommen, so
wollte er sie suchen und finden.
    Und hernach war es auch nicht bel, wenn er in Gte ihm das noch zusichern
konnte, da das Weibergeschwtz ber ihn und die Zenzi schiech bertrieben war.
    Heda! Du!
    Er schrie dem Knecht, der einen Gaul aus dem Stall fhrte.
    Guat' Morg'n, Baua!
    Is da Lenz no drin?
    Wo drin?
    Ob a im Stall is, frag i.
    Na. Er is bahaupts it drin g'wen.
    Christl schaute den Schormayer lauernd an, in Hoffnung auf ein paar
Hindeutungen.
    Er hatte gestern wohl etwas von dem Lrm in der Stube gehrt, aber leider zu
wenig.
    Aber er tuschte sich in seinen Erwartungen. Der Schormayer blieb
gleichmtig und sagte:
    Na is a vielleicht in alla Fruah scho auf Arnbach umi, wia ma 's ausg'macht
hamm.
    Da htt' i 'en do' sehg'n mass'n.
    Du werscht aa it all's sehg'n, bal's d' schlafst; und jetzt roas' aui in
Scharrerwinkl! I kimm glei nach mit 'n zwoat'n G'spann.
    Mir kimmt 's a so fr, als wann er gar it in sein Bett g'wen waar!
    Herrgott! Kmmer di du um dei Bett, wann d' mit da Arbeit firti bischt! Auf
geht 's, sag i, und a wengl g'schwind!
    Christl war noch nicht lange aus dem Hof, da hatte der Schormayer schon
seine zwei Brundl angeschirrt und fuhr mit dem Pflug weg. Einmal fest
geschnalzt und noch einmal! Es war schon ein Staat, zum erstenmal wieder
hinausziehen hinter dem klirrenden Eisen.
    Eine Amsel flog zwitschernd durch die Stauden hinter einer andern her.
    So is recht! Treibt 's o fleii! Es is nimma z' fruah!
    Beim letzten Haus berkam ihn der Gedanke an den Lenz.
    Htte er nicht warten sollen und gleich reden? A was! Soll er noch ein paar
Stunden bocken! Vielleicht kam er aufs Feld hinaus; und da htt man 's gleich am
leichtesten, den ganzen Verdru zu begraben.

    Wie der Schormayer mit Ro und Pflug einen Hohlweg hinaufschepperte, trat
aus des Zollbrechts Stadel der Lenz heraus und schaute ihm nach.
    Und schaute aus hohlen Augen ihm lange nach.
    Dann, wie einer pltzlichen Eingebung folgend, wandte er sich rasch um und
lief heim zu.
    Der Bursch sah schlecht aus, bernchtig, verstrt; die Haare hingen ihm
wirr und ungekmmt in die Stirne herein, und seine Stimme hatte einen heiseren
Klang.
    Im Hof blieb er fter stehen, als htte er was zu berlegen, und seine
Blicke hefteten sich auf den Boden, wenn er zgernd weiter schritt. Er schlich
sich in den Viehstall und suchte die Aushelferin, die erst seit etlichen Tagen
eingestanden war.
    Sie sa hinter einer Kuh und melkte, und er trat leise an sie heran.
    Liesi!
    Sie fuhr herum und wre bei seinem Anblick schier noch mehr erschrocken.
    Bischt du krank?
    Na; g'rad a weng hoaser bin i.
    Und de Hoor san voll Heu.
    Is ma's a Schppl aufig'fall'n. Pa auf, du sollscht aufs Feld auigeh.
    Wia kon i ds? I mua do melka.
    Ds macht scho d' Zenzi. Da Vata hat g'sogt, du muat glei aui zu eahm.
    Bis an Scharrerwinkl hintri?
    Er hat 's amal g'sagt, du muat unbedingt kemma.
    Jetzt kenn i mi gar it aus. Was soll i denn da draud toa?
    Vielleicht muat d' no wohi' geh. I woa gar nix.
    Ja, da a ma 's it selm g'sogt hot?
    Da frogscht mi umasinscht. Er hot ma g'schriean, wia'r a hint aufi is; und,
sogt a, d' Liesi soll in halb'n Stund auikemma und soll bei'n Wirt a paar
Flasch'n Bier mitnehma.
    Vielleicht moant a d' Zenzi?
    Na! Bal i dir 's amal sag. Er hot 's no ausdrckli g'sagt, d' Zenzi soll
daweil aushelfa im Stall.
    No ja, na geh'n i halt.
    Da sie gerade mit dem Melken fertig war, stellte sie den Stuhl auf die Seite
und strich den Rock herunter.
    Ds woa i gar it, was ds is.
    Vielleicht hoscht dir eppas z'schuld'n kemma lass'n, sagte Lenz und ging
ein paar Schritte weg.
    Da mat i scho aa wos wiss'n, und ds kunnt ma'r oan' dahoam sog'n!
    Tua, was d' mogscht! I ho da 's ausg'richt', und do hoscht 's Geld fr 's
Bier. Ds hot a ma no eigens geb'n.
    Mua i mitt'n vo da Arbet weg, und 's Bier htt' da Chrischtl leicht gnua
mitnehma kinna, und ...
    Wo san denn de Kaiblstrick? fragte Lenz kurz.
    Hinta da Trucha, beim Fenschta.
    Ah, da san s' ja; de kunnt ma'r aba bessa aufheb'n.
    Brauchst as du?
    Na, mi is g'rad ei'g'fall'n, wei' d' Kaibln erscht furtkemma san.
    Lenz hatte einen von den fettigen, dick gedrehten Stricken genommen und
strich mit der Hand darber hin.
    Nach einigem Hin- und Herreden war Liesi so weit, da sie gehen wollte.
    I mua aba jetzt da Zenzi sag'n, da d' Scheckin und d' Bla no it g'molka
san. - Ds sag scho i.
    Aba mirk dir 's: d' Scheckin und d' Bla.
    I woa scho; und jetz geh amal zua!
    Kopfschttelnd ging die Taglhnerin weg und drehte sich noch ein paarmal um.
    Was einem alles angeschafft wird!
    Lenz schaute ihr nach; und als sie durchs Tor verschwunden war, lief er mit
langen Sprngen dem Haus zu.
    Zenzi splte in der Kche Geschirr ab und verzog das Gesicht, als sie den
Burschen sah. Sie hatte ihm die letzte Grobheit noch nicht vergessen.
    Aber heute redete er freundlich; mit rauher Stimme, die ihm ein paarmal
schier in der Kehle steckenblieb, aber recht freundlich.
    Du, Zenzi, da Vata hat g'sagt, du sollscht in Stall aui geh.
    Wos tat i denn im Stall?
    Ja, woat d', wei' d' Liesi furt hat mass'n, solltst du aushelfa, und de
Bla is no it g'molka, und g'fuattert is aa no it ...
    Da de vo da Arbeit weglafft?
    Sie hot mass'n; bei ihr dahoam is was auskemma, und da Vata hot 's ihr
verlaabt und hot g'sagt, du bischt scho so guat und machst heunt amal firti im
Stall ...
    Da sie nix sagt zu mir?
    Vielleicht hot 's a so pressiert ...
    Hoscht denn du an Baua no g'sehg'n? Er hot di g'suacht.
    I bin grad bei'n Hof eina, wia d' Liesi furt is und er aa; da hot a ma ds
o'g'schafft.
    Na wer i halt umi geh' mass'n.
    Sie werd da nacha scho aa'r amal an G'fall'n toa; und bal i dir a wengl
helfa ko, hilf i dir gern.
    Du?
    Warum it? Im Rostall is nix zu'n Arbet'n, und aufs Feld geh'n i erscht in
an Stund.
    Der Zenzi kam die Freundlichkeit auffallend vor, aber sie dachte nicht viel
darber nach und band sich die Schrze ab und ging ber den Hof.
    Lenz ging einen Schritt hinter ihr drein.
    Im Stall wollte Zenzi gleich die Bla melken, aber wieder hatte der Bursche
eine freundliche Bitte an sie.
    Geh, du kunnt'st in d' Tenn aufisteig'n und Heu obaschmei'n, na gib i de
Kah vor, wann du melkst.
    Sie wandte den Kopf nach ihm; in einem halben Jahr hatte er nicht mit ihr
geredet, und ganz gewi nie ein gutes Wort. Aber Lenz hatte sich umgedreht und
ging langsam den Barren entlang.
    Wenn er freundlich war, konnte er schon einen Grund haben; und es tat ihr
wohl, ihn auch einmal handsam zu finden.
    Is scho recht, sagte sie, i wer' glei drob'n sei.
    Sie ging zur Tre hinaus, die nach dem Heuboden fhrte, und stieg die Leiter
hinauf.
    Sowie Lenz allein war, griff er nach der Tasche. Das Seil war darin.
    Mit ein paar Sprngen war er an der Leiter und kletterte hastig nach.
    Dann kam ein gellender, markerschtternder Schrei, der ber den Hof weg
klang und einen Flug Tauben aufscheuchte.
    Und ein paar gurgelnde Laute.
    Und dann war es still.
    Kurze Zeit spter schlich Lenz aus dem Stall, horchte, sah sich um und
horchte wieder.
    Und dann lief er zum Brunnen und pumpte und wusch sich die Hnde.
    Und wusch sich in fieberiger Hast die Hnde.

    Am Scharrerwinkel hatte der Schormayer erst etlichemal gewendet; und wie er
wieder auf der Hhe des ansteigenden Ackers angelangt war, mute er sich
verschnaufen, denn bei der ersten Arbeit wird einer gern kurzatmig.
    Wohlgefllig sah er, wie in dem prallen Sonnenschein alle Ackerkrummen
aufweichten, und wie sich frmlich sichtbar berall das neue Leben regte,
whrend in einer schattigen Waldecke Schnee und Eis noch den Platz halten
wollten. Er setzte sich auf einen Ranken und indes er den Hut abnahm, schaute er
frhlich gegen Kollbach hinunter auf die breiten Dcher seiner Scheunen und
Stlle.
    Da drunten sollte nun wieder nach dem faulen Winter der rhrigste Flei
obenauf kommen, und Ordnung.
    Ja, Ordnung, die er heute schon in sich selber geschaffen hatte, und mit ihr
auch wieder die Lustigkeit. Denn eigentlich war es doch ein jmmerliches Ding um
das versteckte Streiten, wenn kein Gru mehr galt und jedes Wort einen
Widerhaken hatte.
    Aber jetzt konnte es anders werden unter den grauen Schindeln, die sich in
der Wrme zu strecken schienen.
    Hoppla! Was hamm denn de Taub'n?
    Er sah den Schwarm aufsteigen und ber die Huser wegflattern.
    Als wenn eine Katze drein gesprungen wre.
    Ihre weien Federn glitzerten in der Sonne, und sie strichen weit hinaus in
die Felder und wollten lange nicht zur Ruhe kommen.
    Jetzt sah er unten ein Weibsbild auf dem Feldweg mit eiligen Schritten
gehen.
    Sein rotes Kopftuch leuchtete wie Feuer.
    Wahrscheinlich eine Magd aus dem Dorfe, die was zu bringen hatte. Und Leute
gab es ja genug rundum auf allen ckern; berall sah man Gespanne bergauf und
bergab wandeln, und auf allen Seiten blitzten weie Hemdrmel und flatterten im
Frhlingswind.
    Das war ein anheimelndes Bild vom Wiederaufwachen der Arbeit.
    Jetzt kam die Weibsperson nher heran und winkte herauf.
    Ging ihn das an?
    Doch wohl nicht; aber sie nahm den Weg gerade zu ihm her.
    Der Schormayer stand auf und wollte den Pflug aus der Furche heben, da hrte
er seinen Namen rufen.
    Er hielt ein und schaute noch einmal schrfer hin, und dann ging er dem
Frauenzimmer entgegen.
    Die Liesi war's.
    Schon auf zehn Schritte rief er sie an:
    Wos willscht ma denn du?
    I will da nix, aba was willscht denn du?
    Han?
    Fr wos mi du hol'n hoscht lass'n?
    Er schaute erstaunt in ihr gertetes Gesicht.
    I hab di hol'n lass'n?
    No freili! Da Lenz hot ma 's ausg'reicht', i soll auf da Stell zu dir aua
kemma und soll a Bier mitbringa.
    Dabei langte sie ihm zwei Flaschen hin.
    Wos soll denn ds fr a G'spa sei, da er di do aua sprengt?
    Liesi schaute nun auch hilflos ihren Bauern an.
    Hoscht eahm du ds it o'g'schafft?
    Ah! I hon an Lenz heut no it g'sehg'n.
    Jessas na! Jetz hot 's ma vlli an Stich geb'n!
    Da der heunt zu sellane Dummheit'n aufg'legt is, htt i net glaabt.
    I woa it, Schormoar, ob da a G'spa dabei is; mir is scho den ganz'n Weg
her it recht g'wen, weil a gar so schiach drei'g'schaugt hot.
    Was soll 's denn sei?
    I woa wohl it.
    Der Schormayer wurde unruhig und lie sich von der Liesi den ganzen Hergang
erzhlen. Und da sie nicht einmal hatte ausmelken drfen und auf der Stelle
hatte fortgehen mssen.
    Und d' Zenzi, hot a g'sagt, mua dei Arbet firti macha?
    Ja! De Bla und d' Scheckin san no it g'molka g'wen, und ds macht scho d'
Zenzi, hot a g'sagt, und du hoscht as ausdrckli o'g'schafft, sagt a ...
    Jetz g'fallt ma selm nix mehr, sagte der Schormayer vor sich hin.
    I spann aus und geh mit dir hoam, setzte er entschlossen bei, und gleich
darauf schritt er mit den zwei Gulen hinter der Magd her.
    Da er gerade die Zenzi zu der Arbeit hinstimmen wollte? Und nach dem Krach
von gestern? Und daheim hatte er gar nicht geschlafen, wie der Christl meinte?
    Liesi!
    Die Taglhnerin blieb stehen.
    Is dir wos auffallat g'wen? Wei's du sogscht, da a so schiach
drei'g'schaugt hat?
    Freili bin i an eahm ganz vahofft g'wen. D' Hoor san eahm einig'hngt, und
so bloach is a g'wen wia'r a Krank's, und auf'm G'wand und auf'n Kopf is eahm 's
Heu g'hngt, als wann a in an Schober banacht htt, und d' Aug'n hot 's eahm
ganz aua trieb'n ...
    Vielleicht is eahm grad a weng schlecht g'wen, und junge Leut banacht'n
oft auf g'spaige Platz. Aba geh a weng g'schwinda!
    Nach einer Viertelstunde, die ihm recht lange vorkam, war der Schormayer
daheim.
    Der Hof lag still im tiefsten Frieden.
    Lenz!
    Es kam keine Antwort.
    Geh in Stall und hol d' Zenzi! I bring dawei d' Ro eini.
    Schnell hatte der Bauer die Pferde angebunden, den Kummet nahm er ihnen
nicht ab. Und dann lief er wieder ins Freie.
    Drben kam die Liesi aus dem Stall.
    D' Zenzi is it do, schrie sie.
    Ja, Herrgott!
    In starker Unruhe eilte er ins Haus und gleich in die Kche.
    Zenzi! Zenzi!
    Nichts rhrte sich.
    Der Schormayer stellte sich ins Hausfltz und schrie noch lauter.
    Zenzi!
    Niemand gab Antwort.
    Aber da war es, als ob ein Brett droben knarrte. Und nun lief der Bauer die
Stiege hinauf und nahm drei Stufen auf einmal.
    Im Gang hinten, neben dem Fenster, lehnte in der Ecke, die Schultern
zusammengezogen und mit Augen wie ein scheues Tier, der Lenz.
    Lenz, was is denn?
    Der sagte nichts und streifte den Vater nur mit einem Blick von unten
herauf.
    Mensch, was tuast denn?
    Jetzt redete er endlich, mit zusammengepreten Zhnen.
    Mei Sach pack i.
    Mach koana Dummheit'n, Lenz! Es is it so g'moant g'wen, und mir lass'n de
G'schicht guat sei'!
    Es wird nix mehr guat!
    Warum denn it? Do hoscht d' mei Hand drauf!
    Lenz fuhr zurck.
    Na! Na! I gib da mei Hand it! I gib da s' it!
    Geh, Lenz!
    Bitt' di gar sch! Rhr mi net o!
    Dem Schormayer griff es ans Herz, den armen verstrten Menschen zu sehen,
und er wollte ihm wieder zureden.
    Da drang ber den Hof ein langgezogener Schrei an sein Ohr.
    Erschrocken horchte er.
    Und wieder schrie es, unten an der Tre:
    Baua! Baua! D' Zenzi hot si aufg'hngt!
    In frchterlichem Entsetzen warf der Schormayer einen Blick auf seinen
Buben.
    Der zog den Kopf zwischen die Schultern, und ein Zittern lief ber ihn hin.
    Da brachen dem Alten die Knie.
    Jesus, Maria und Josef!

    Das Anwesen des Sebastian Glas, zum Schormayer in Kollbach, ist im Herbst
des selbigen Jahres zertrmmert worden, nachdem sein Sohn Lorenz zur schwersten
Zuchthausstrafe verurteilt worden war.
    Der Vater bewohnt in Dachau ein kleines Haus und ist durch starkes Trinken
in seiner Gesundheit sehr zurckgekommen.
