
                               Stifter, Adalbert

                                     Witiko

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                                Adalbert Stifter

                                     Witiko

                               SEINEN LANDSLEUTEN

                             INSBESONDERS DER ALTEN

                             EHRWRDIGEN STADT PRAG

                                 WIDMET DIESEN

                                DICHTUNGSVERSUCH

                               AUS DER GESCHICHTE

                              SEINES HEIMATLANDES

                                MIT TREUER LIEBE

                                 DER VERFASSER

                             Linz, im Christmonate
                                      1864

                                    Vorwort


In meiner Kindheit traten mir schon fter Spuren eines Geschlechtes entgegen,
das im mittglichen Bhmen gehaust hat und in der Erinnerung und in den
Erzhlungen des Volkes fortlebte. Als Jngling ging ich diesen Spuren nach, und
habe manchen Tag in den Trmmern der Stammburg dieses Geschlechtes zugebracht.
Hierauf strebte das Ding sich in verschiedenen kindischen Versuchen dichterisch
zu gestalten. Spter fand sich, begleitet von mancher Unterbrechung und
Wiederaufnahme, etwas Ernsteres zusammen, und ging in jngster Zeit der
Vollendung entgegen, welche Vollendung wieder durch ein langes Unwohlsein
aufgeschoben wurde. Da gaben mir Freunde den Rat, vorerst den Beginn des Werkes
vorzulegen, was hiemit geschieht. Wie weit dieses ersprielich ist, sei einem
glimpflichen Urteile anheim gestellt. Mgen die Mnner der Geschichte, wenn
einige aus ihnen die folgenden Bltter einer Durchsicht wrdigen, nicht zu viel
Unrichtiges in ihnen finden, und die Mnner der Dichtung nicht zu viel
Unknstlerisches, und mgen, wenn mir Gott die Beendigung meines Unwohlseins und
eine neue erhhtere Kraft schenkt, die folgenden Bnde besser gelingen als
dieser erste.

Linz, im Christmonate 1864.
                                                                Adalbert Stifter

                                  Erster Band



                                       1

 Es klang fast wie Gesang von Lerchen.

Am oberen Laufe der Donau liegt die Stadt Passau. Der Strom war eben nur aus
Schwaben und Baiern gekommen, und netzt an dieser Stadt einen der mittglichen
Ausgnge des bayerischen und bhmischen Waldes. Dieser Ausgang ist ein starkes
und steiles Geklippe. Die Bischfe von Passau haben auf ihm eine feste Burg
gebaut, das Oberhaus, um gelegentlich ihren Untertanen Trotz bieten zu knnen.
Gegen Morgen von dem Oberhause liegt ein anderer Steinbhel, auf dem ein kleines
Huslein steht, welches einst den Nonnen gehrte, und daher das Nonngtlein
heit. Zwischen beiden Bergen ist eine Schlucht, durch welche ein Wasser
hervorkmmt, das von oben gesehen so schwarz wie Tinte ist. Es ist die Ilz, es
kmmt von dem bhmisch-bayerischen Walde, der berall die braunen und schwarzen
Wsser gegen die Donau sendet, und vereinigt sich hier mit der Donau, deren
mitternchtliches Ufer es weithin mit einem dunkeln Bande sumt. Das Oberhaus
und das Nonngtlein sehen gegen Mittag auf die Stadt Passau hinab, die jenseits
der Donau auf einem breiten Erdrcken liegt. Weiter hinter der Stadt ist wieder
ein Wasser, das aus den fernen mittglichen Hochgebirgen kmmt. Es ist der Inn,
der hier ebenfalls in die Donau geht, und sie auch an ihrer Mittagsseite mit
einem Bande einfat, das aber eine sanftgrne Farbe hat. Die verstrkte Donau
geht nun in der Richtung zwischen Morgen und Mittag fort, und hat an ihren
Gestaden, vorzglich an ihrem mitternchtigen, starke waldige Berge, welche bis
an das Wasser reichende Ausgnge des bhmischen Waldes sind. Mitternachtwrts
von der Gegend, die hier angefhrt worden ist, steigt das Land staffelartig
gegen jenen Wald empor, der der bhmisch-bayerische genannt wird. Es besteht aus
vielen Berghalden, langgestreckten Rcken, manchen tiefen Rinnen und Kesseln,
und obwohl es jetzt zum grten Teile mit Wiesen, Feldern und Wohnungen bedeckt
ist, so gehrt es doch dem Hauptwalde an, mit dem es vielleicht vor Jahren
ununterbrochen berkleidet gewesen war. Es ist, je hher hinauf, immer mehr mit
den Bumen des Waldes geziert, es ist immer mehr von dem reinen Granitwasser
durchrauscht, und von klareren und khleren Lften durchweht, bis es im Arber,
im Lusen, im Hohensteine, im Berge der drei Sessel und im Blckensteine die
hchste Stelle und den dichtesten und an mehreren Orten undurchdringlichen
Waldstand erreicht. Dieser auch jetzt noch groe Wald hat in seinen Niederungen
vornehmlich die Buche, hher hinauf das Reich der Tanne und des ganzen
Geschlechtes der Nadelhlzer, und endlich auf dem Grate der Berge auch oft holz,
nicht der Berghhe, sondern der kalten Winde wegen, die gerne und frei hier
herrschen. Von der Schneide des Waldes sieht man in das Tal der Moldau hinab,
welche in vielen Windungen und im moorigen Boden, der sich aus dem Walde
herausgelst hat, in die ferneren Gelnde hinaus geht. Gegen sie steigt der Wald
in breiten dichten Wogen ab, nimmt sie nicht selten in seine Schatten, und lt
sie wieder in Wiesen und Hutweiden hinaus. Und so geht er von ihr in vielen
Wellen in mitternchtlicher gegen Morgen geneigter Richtung in das Land Bhmen
hinein, bis er nach vielen Stunden, die ein Mann zu wandern htte, mit der
letzten der Wellen, die den Namen Blansko fhrt, an der Ebene steht, in welcher
die Stadt Budweis liegt. Und wenn er in den Talrinnen und tellerartigen
Ausbuchtungen auch viele Wiesen Felder und Ortschaften hat, so geht in der Mitte
doch der ungeschwchte Waldwuchs von dem Blckensteine in gerader morgenlicher
Richtung ber das Hochficht die Schnebene und den Schlowald hinaus, und in ihm
ist keine Lichtung und keine Wohnung. Die Richtung der Moldau ist auch gegen
Morgen. Sie ist ganz in dem bhmischen Lande. Ihr Flieen ist in dem Tale des
groen Waldes sehr langsam. Unterhalb des Jesuitenwaldes kmmt sie in die
Kienberge, die an ihrer linken Seite stehen. Hinter ihnen begegnet sie dem Fels
der Teufelsmauer, und ihr Lauf wird an ihm ein rauschender und tosender. Hierauf
geht sie noch um schne Waldhhen, und noch ein Weilchen gegen Morgen. Dann
ndert sie ihre Richtung, wendet sich gegen Mitternacht, und beginnt das
Waldland zu verlassen. Ihr Fall bleibt da fortan ein lebendigerer und
schnellerer, als er in der moorigen Talsohle des oberen Waldes gewesen war. Sie
begegnet noch manchem dichten Fels, dann manchem Waldhaupte, das sie in
Schlangen zu umgehen gezwungen ist, und manchem langgedehnten Hange, an dem sie
in gerader Richtung hinstreichen mu, bis die Berge immer kleiner werden, die
sie leichter umspringt, bis sie nach mehreren Meilen gleich dem Blansko in die
Ebene kmmt, in der Budweis liegt. Die bedeutendsten Orte, denen sie in dem
Laufe, der genannt worden ist, in den heutigen Tagen begegnet, sind die Flecken
Oberplan und Friedberg, die Abtei Hohenfurt und die Stdte Rosenberg und Krumau.
    Zur Zeit, da in Deutschland der dritte Konrad, der erste aus dem Geschlechte
der Hohenstaufen, herrschte, da Baiern der stolze Heinrich inne hatte, da
Leopold der Freigebige Markgraf in sterreich war, da Sobeslaw der Erste auf dem
Herzogstuhle der Bhmen sa, und da man das Jahr des Heiles 1138 schrieb: ritt
in der Schlucht zwischen dem Berge des Oberhauses und dem des Nonngtleins -
welche Berge aber damals wild verwachsen waren - auf einem grauen Pferde, dessen
Farbe fast wie der frische Bruch eines Eisenstckes anzuschauen war, ein Mann
von der Donau gegen das mitternchtige Hgelland hinaus. Der Mann war noch in
jugendlichem Alter. Ein leichter Bart, welcher eher gelb als braun war, zierte
die Oberlippe, und umzog das Kinn. Die Wangen waren fast rosenrot, die Augen
blau. Das Haupthaar konnte nicht angegeben werden; denn es war ganz und gar von
einer ledernen Kappe bedeckt, welche wie ein Becken von sehr festem und dickem
Stoffe gebildet, so da ein ziemlich starker Schwerthieb kaum durchzudringen
vermochte, dergestalt auf dem Kopfe sa, da sie alles Haar in ihrem Innern
fate, und an beiden Ohren so gegen den Rcken mit einer Verlngerung hinabging,
da sie auch einen Hieb auf den Nacken unwirksam zu machen geeignet schien.
Diese Verlngerung der Hauptbedeckung aber hing nicht lose auf den Nacken herab,
sondern lag ihm vielmehr dicht an, und wurde unter dem Wamse geborgen, welches
von gleichem Leder den ganzen Oberkrper knapp umhllte. In den Achselhhlen war
ein Schnitt, da der Mann den Arm hoch heben konnte, und da man dann das Linnen
seiner innern Kleidung zu sehen vermochte. Von dem nmlichen Leder schien auch
die Beinbekleidung des Reiters. All dieses Leder war ursprnglich mattgelb
gewesen, und wiewohl man nicht verkennen konnte, da groe Sorgfalt auf seine
Erhaltung und Reinigung angewendet worden sei, so mute man doch zugeben, da es
nicht mehr neu sei, und Spuren von Wetterschden und ausgetilgten Flecken
zeigte. An der Hfte hing ein Schwert. Eine Art Mantel oder Oberkleid von Tuch
oder berhaupt einem Wollstoffe war zusammengeschnrt an den Sattel geschnallt,
weshalb man die Gestalt und das Wesen dieses Dinges nicht zu ergrnden
vermochte. Nur die Farbe schien grau zu sein. Der Reiter hatte keine Feder auf
dem Haupte und nirgends ein Abzeichen an sich. Die Hnde waren blo, die rechte
war frei, die linke fhrte die Zgel. Das Pferd hatte grere Hufe und strkere
Lenden, als Kriegs- oder Reitpferde gewhnlich zu haben pflegen. Da der Reiter
die Schlucht hinaus ritt, sah er weder rechts noch links, noch nach der Stadt
zurck. Es war eine frhe Stunde eines Tages des Sptsommers, der schon gegen
den Herbst neigte. Der Tag war heiter, und die Sonne schien warm hernieder. Das
Pferd ging durch die Schlucht in langsamem Schritte. Als es ber sie
hinausgekommen war, ging es wohl schneller, aber immer nur im Tritte. Es ging
einen langen Berg hinan, dann eben, dann einen Berg hinab, eine Lehne empor,
eine Lehne hinunter, ein Wldchen hinein, ein Wldchen hinaus, bis es beinahe
Mittag geworden war. In dieser Zeit langte der Reiter unter einigen hlzernen
Husern an, die den Namen des Hauzenberges fhrten. Die Huser lagen in
Unordnung zerstreut, und der Grund, auf dem sie standen, war ungleich. Es war
hier schon khler als an der Donau; denn da in Passau viele Obstbume standen,
ragte hier nur der Waldkirschbaum empor, er stand vereinzelt, und stand in einer
Gestalt, die in manchen Teilen zerstckt war, und bewies, da viele harte Strme
in den Wintern an ihm vorbergegangen waren. In sehr schner Bildung dagegen
stand die Eberesche umher, sie stand bei vielen Husern, und mischte das Grn
ihres Laubes und das beginnende Rot ihrer Trauben zu dem Grau der Dcher. Die
Herberge war ein Steinhaus, stand auch neben Ebereschen, und hatte ein flaches,
weit vorspringendes Dach, auf dem groe Granitstcke lagen. Die Tragebalken
gingen weit hervor, und waren zierlich geschnitzt und rot bemalt. In der
Gassenmauer war eine Tr, deren Pfosten rot angestrichen waren. Sie fhrte in
die Schenkstube. Nicht weit von ihr war ein Tor, das in den Hof ging. Auf der
Gasse standen mehrere steinerne Tische. Weiter zurck waren Pflcke, die in die
Erde eingerammt waren, und dazu dienten, da man Pferde an sie anhngen konnte.
Wieder weiter von diesen Pflcken entfernt waren auch noch ein paar offene
Schoppen, um Pferde unter ihr Dach fhren zu knnen. Hinter den Schoppen stand
Waldwuchs.
    Der Reiter ritt, da er bei diesen Husern angekommen war, auf dem schmalen
Weglein gegen das Wirtshaus, dort hielt er an, und stieg ab. Er fhrte sein
Pferd zu einem der Pflcke, nahm ihm die Gebistangen aus dem Munde, zog eine
Halfter aus der Satteltasche, und band es mit derselben an den Pflock. Da dies
geschehen war, nahm er Wollappen von der Gre starker Mnnerhnde aus dem
Sattel, und strich mit den Lappen wechselnd die Seiten und andere Teile des
Tieres. Als er damit fertig war, und die Lappen ausgeschttelt hatte, leitete er
noch seine bloe flache Hand an den Weichen und dem Rcken des Tieres hin,
welches ihn dabei anblickte. Dann breitete er den Mantel ber dasselbe. Als er
diesen auseinander gefaltet hatte, sah man, da er ein sehr einfaches kunstloses
Stck Stoff von grober Wolle und grauer Farbe sei. Dem Pferde gab er weder
Nahrung noch Getrnke, sondern lie es stehen, und ging zu einem der steinernen
Tische, an dem niemand war, und setzte sich vor demselben nieder.
    Auf der Bank, die vor dem Hause hinlief, sa ein Mann, von dem Halse bis zur
Sohle in das gleiche Stck groben braunen Tuches gekleidet. Das Tuch lag fest an
seiner schlanken Gestalt. Um die Schultern hatte er ein sehr kurzes Mntelchen
mit rmeln, das von grauer Farbe war, und noch grberes Tuch zeigte als die
andere Bekleidung. Schwere Schuhe hllten die Fe ein. Sonst hatte er nichts
auf seinem Krper. Der Kopf war ohne Bedeckung, und wucherte mit dem dichtesten
kurzen und so krausem schwarzen Haare, als wre jedes einzelne Fdchen desselben
zu einem Ringe gebogen worden. Um das Kinn, auf der Oberlippe und an den Seiten
des Angesichtes war dasselbe kurze Haar, aber wo mglich noch krauser. Aus
diesem Schwarz sah ein rotes junges Angesicht mit sehr groen schwarzen Augen
heraus. Der Mann band mit seinen Hnden einen festen Eisendraht gitterartig um
einen geklfteten irdenen Topf. Der Reiter sa mit seinem Angesichte dem Manne
gegenber.
    Seitwrts des Reiters, etwa zehn Schritte von ihm entfernt, saen an einem
Brettertische zwei andere Mnner. Sie hatten sehr beschmutzte Lederkoller an.
Die untere Bekleidung konnte man der sehr breiten Tischplatte willen nicht
sehen. Ihre Lederhauben lagen auf dem Tische. Der eine hatte rotbraune Haare und
einen roten Bart, der andere war schwarzhaarig; aber in das Schwarz war schon
sehr viel Wei gemischt. Der Rotbart schien um die dreiig Jahre zu sein, der
Graubart um die fnfzig. Beider Angesichter waren stark gebrunt. Vor ihnen
stand ein groer grauer Steinkrug mit blauen Blumen. An der Bank neben dem
Tische lehnte eine Armbrust, auf der Bank aber lag ein eisenspitziger Stock, den
man auch einen Speer nennen konnte.
    Sonst war kein Gast auf der Gasse, als an dem entferntesten kleinsten Tische
ein Krrner, der seinen Karren mit Ware, die vielleicht Tpfergeschirr sein
konnte, neben sich hatte.
    Ob in der Schenkstube jemand war, konnte man nicht sehen.
    Nur das Federvieh des Wirtes ging in der Sonne herum, und pickte zu Zeiten
ein Krnchen vom verstreuten Pferdefutter.
    Da sich der Reiter an dem Tische niedergesetzt hatte, kam auch der Wirt im
Bocklederwamse dunkeln Unterbeinkleidern und platter Haube aus der Tr mit den
roten Pfosten. Er nherte sich dem Tische, an welchem der junge Reiter sa, und
sagte: Werdet Ihr etwas bedrfen, was unser Haus geben kann?
    Wohl, wenn Ihr mir zu Diensten seid, entgegnete der Reiter, es ist nur
wenig. Sendet mir ein Stckchen Fleisch, ein Brod und einen Trunk Bier. Und wenn
ich gegessen habe, dann schickt mir einen Knecht heraus, da ich ihm sage, was
ich fr mein Pferd brauche.
    Ich werde nur selber Euer Pferd betreuen, antwortete der Wirt.
    Es wre mir lieber, wenn Ihr gerade so ttet, wie ich Euch gebeten habe,
entgegnete der Reiter.
    Es ist auch gut, sagte der Wirt, und entfernte sich.
    Sogleich kam ein Mdchen aus dem Hause, das rote Wangen hatte, und dem zwei
lichtgelbe Zpfe von dem Nacken ber den roten Latz und das wollene schwarze
Untergewand herab hingen. Das Mdchen deckte frisches Linnen auf den rauhen
Stein des Tisches, und stellte Schsselchen, und legte Messer und Gabel auf das
Linnen. Dann brachte es dem Reiter in einem grauen Kruge, der auch blaue Blumen
hatte, Bier und endlich ein Stck gebratener Rindschnitte und ein Laiblein Brod.
Der Reitersmann zerschnitt das Fleisch und das Brod, verzehrte beides, und trank
das Bier. Als er fertig war, kam der Wirt, und wollte den Krug wieder fllen;
der Reiter aber legte die Hand auf den Rand des Gefes, und sagte: Es ist
genug, ich habe meinen Durst gestillt. Sendet mir jetzt den Knecht, da mein
Pferd sein Obsorge erhalte.
    Von dem Nebentische streckte der Rotbart dem Wirte den blaugeblmten Krug
hin, da er ihn wieder flle. Der Wirt ging mit dem Kruge in das Haus.
    Als der Knecht zu dem Tische des Reiters gekommen war, und nach seinem
Begehr gefragt hatte, sagte dieser: Mache, da eine Magd mit Wasser, Stroh und
Sand ein wenig eine Pferdekufe reinige.
    Da der Knecht den Reitersmann ansah, als habe er ihn nicht recht verstanden,
sprach dieser neuerdings: Ich mu meinem Pferde Reinlichkeit geben, darum lasse
mir eine Kufe auswaschen.
    Der Knecht holte nun eine Magd, welche in einem Kbel Wasser, dann Stroh und
Sand brachte, um damit eine der hlzernen Kufen zu scheuern, die als
Pferdefuttertrog vor dem Hause standen. Der Reiter war von seinem Tische
aufgestanden, sah der Arbeit zu, und leitete sie. Als sie fertig war, wurde die
Kufe vor sein Pferd gestellt. Der Reiter nahm nun selber den flachen lnglich
runden Korb, in dem der Knecht Haber gebracht hatte, in seine Hnde, schttelte
den Haber, und gab dann einen Teil davon, mit seinen Hnden abgemessen, dem
Pferde in die Kufe. Als dieses davon fra, und in seinem Fressen fortfuhr, ging
der Reiter wieder zu seinem Tische, setzte sich dort nieder, und sah vor sich
hin.
    Nachdem eine gehrige Zeit vergangen war, stand der Reiter wieder auf, und
ging zu seinem Pferde. Er ordnete ihm neuerdings sein Futter, und gab ihm jetzt
auch Heu, welches der Knecht gebracht hatte. Er blieb nun bei dem Pferde stehen.
    Da nherte sich einer der zwei Mnner, welche nicht weit von dem Reiter
gesessen waren. Es war der ltere, der mit den grauen Haaren. Als er nahe genug
war, sagte er zu dem jungen Manne: Das ist ein schnes Tier, ein starkes Tier,
es wird auch gewi sehr schnell sein.
    Ja es ist ein gutes Tier, und fr mich reicht seine Schnelligkeit hin,
sagte der junge Reiter.
    Der andere fuhr nach einer Weile fort: Ihr mt es den Leuten hier nicht
bel nehmen, wenn sie den Umgang mit Euch nicht verstehen, sie haben keinen
Unterricht. Es kommen selten hier angesehene Reiter herauf; denn da ist kein
ordnungsmiger Heerweg, es sind keine Orte hier, die einen vielfltigen Wandel
mit einander htten, und die Hgel und die Schluchten des Bodens sind auch nicht
geeignet, da hier Fehden ausgetragen wrden. Der Gastherr ist schier nur ein
Bauer, und weiter hinauf sind gar lauter Wlder, in denen kein Mensch ist. Aber
dahin seid Ihr gewi nicht gekommen, und werdet nicht kommen.
    Ich bin mit der Nahrung, die ich in diesem Hause erhalten habe, zufrieden,
antwortete der Reiter, der Haber ist fr mein Pferd gut, und das Heu auch.
    Ja, ja, antwortete der andere, aber wie man mit vornehmen Leuten auf eine
hfliche Art umgehen soll, das wissen sie hier nicht.
    Ich bin nicht vornehm, sagte der Reiter.
    Es kann sich jetzt in diesen Kriegen viel begeben, fing der andere wieder
an, es knnen Boten und Reisige unterwegs sein und Wege und Pfade einschlagen,
auf die man gar nicht dchte.
    Mir sind nur Landbewohner begegnet, antwortete der junge Reiter.
    Dann mt Ihr von Passau herauf gekommen sein, sagte der andere.
    Es vereinigen sich mehrere Wege unterhalb dieser Huser, erwiderte der
Reiter.
    Das ist wahr, entgegnete der andere. Es gibt schlechte Menschen, die
einem Boten auflauern knnten, um Lohn zu erhalten. Da ist der Herzog Heinrich,
ein edler Mann, ein reicher Mann, ein mchtiger Mann, der Schwiegersohn unsers
seligen Kaisers - Gott segne den Kaiser in der Ewigkeit - der Herzog hat die
Kleinode, und wird sie nicht herausgeben. Dann ist der Knig Konrad, der
erlauchte Herr aus dem Hause der Staufen. Dann ist der heilige Herr, der
Erzbischof von Trier, dann der Markgraf Leopold von sterreich, ein junger Herr.
Er ist der Stiefbruder des neuen Knigs, und wird zu ihm stehen. Der Herzog
Sobeslaw in Bhmen ist schon lter, und hat Erfahrung.
    Ich habe noch keinen dieser Herren gesehen, antwortete der Reiter.
    Ja, Ihr seid noch jung, sagte der andere, und knnt Euer Glck in der
Welt schon finden. Es wird Gnaden und Ehren geben. Ich bin schon alt, und kann
nichts tun, als fr die hohen Hupter beten. Ich wnsche Euch, da Ihr recht
viel Glck habt, junger Herr, und bringt es vorwrts.
    Nun, da Ihr mir Gutes wollt, so werde ich Euch schon auch einmal einen
Dienst erweisen, so Ihr einen von mir braucht, erwiderte der Reiter.
    Gutes, nur lauter Gutes, sagte der andere, und begab sich wieder zu seinem
Gefhrten an den Tisch.
    Da nun dieser Mann von dem Reiter fortgegangen war, so war noch ein anderer
da. Der Krauskopf stand in einiger Entfernung, und betrachtete das Pferd mit
seinen schwarzen Augen. Er mute mit seinem Geschfte fertig geworden sein.
    Da der Reiter seinem Pferde die Nahrung zusammengestrichen hatte, sah er auf
den Krauskopf, und sagte: Bewunderst du auch mein Pferd?
    Dieser ging nun nher, und antwortete: Ich bewundere es schon lange, schon
so lange Ihr da seid. Hat der andere es auch bewundert? Nun, ich kann es mir
denken.
    Kannst du reiten? fragte ihn der junge Mann.
    Ja, ich kann reiten, antwortete der andere, und brauche keine Bgel und
keine Sporen und keinen Sattel. Ich reite barfu, mit den Knieen, mit den Fersen
und mit den Fusten.
    Das mu ein schnes Reiten sein, sagte der junge Mann.
    Ja, erwiderte der Krauskopf, ein gutes ist es, sie bringen mich nicht
herab, wenn sie schlagen, beien, steigen und springen.
    Hast du ein Pferd? fragte der Reiter.
    Ich habe selber kein Pferd, ich habe gar nie einmal eines gehabt; aber ich
reite mit den Pferden der andern.
    Und lassen die andern dich auf ihren Pferden reiten? fragte der junge
Mann.
    Ja, von der Weide und in die Schwemme, entgegnete der Krauskopf. Es gehen
Pferde auf dem Anger herum, und wlzen sich, oder fressen.
    Sind es gute Pferde? fragte der Reiter.
    Ja, gute Pferde, antwortete der andere, es ist ein Unterschied, einige
sind strker, andere schwcher, aber so zierlich schn und glatt wie das Eurige
ist keines. Ich mchte einmal auf einem solchen Pferde sitzen, auf einem Sattel,
und die Fe in diese eisernen Schlingen da stecken.
    Dazu mu man Geschick haben, sagte der Reiter.
    Wer schwimmt, und Rabennester abnimmt, auf Stangen ber einen Bach geht,
und einen Stier fngt, wird doch auch auf einem solchen Sattel sitzen knnen.
    Ja, das Sitzen ist leicht, sagte der Reiter, aber das Pferd zu leiten,
da es vernnftig ist, und den Willen des Reiters wei.
    Das wrde ich schon machen, antwortete der Krauskopf. Ich wrde mein
Pferd zuerst pflegen, wie Ihr tut.
    Das ist gut, sagte der Reiter.
    Ihr habt den eigenen Mantel darauf gelegt, erwiderte der andere, da es
sich nach dem scharfen Ritte nicht verkhle.
    Siehst du, da du die Behandlung der Pferde nicht kennst, sagte der
Reiter; nach einem scharfen Ritte darf man die Pferde, auch wenn sie mit einem
Mantel bedeckt werden, nicht stehen lassen, sondern man mu sie herum fhren,
erst schneller, dann langsamer, da sie die Wrme gemach verlieren, und fr
Futter und Trank tauglicher werden.
    Warum habt Ihr denn Euer Pferd dann sogleich stehen gelassen? fragte der
andere.
    Weil ich gar nicht scharf geritten bin, antwortete der Reiter.
    Ihr seid nicht scharf geritten? fragte der Krauskopf, und sah den Reiter
starrer an.
    Wenn nicht Schnelligkeit ntig ist, entgegnete der junge Mann, so lasse
ich das Pferd seinen langsamen Schritt gehen. Es dankt mir dann ein ander Mal,
wenn ich Kraft und Schnelligkeit brauche.
    Das ist sehr gut, sagte der Krauskopf. Ich wrde meinem Pferde Treue
erweisen, da es mir wieder treu wrde, und mir folgte.
    Daran wrdest du sehr wohl tun, sprach der Reiter.
    
    Weil ich die Wege in dem Walde kenne und wei, wie alle Menschen im Walde
und ihre Hunde heien, so wrde ich auch den Willen eines Pferdes kennen, sagte
der andere.
    Kann sein, entgegnete der Reiter.
    Ich werde aber nie ein Pferd haben, sagte der Krauskopf.
    Warum denn nicht? fragte der Reiter.
    Weil ich nie so viele Pfennige haben werde, mir eins zu kaufen, entgegnete
der andere.
    Ja so, sagte der Reiter.
    Und wenn ich der erste Knecht des Waldes wre, so knnte ich mir nie ein so
ritterliches Pferd kaufen, wie das Eurige ist. Mit einem ritterlichen Pferde
wrde ich Erkleckliches bewirken, sagte der Krauskopf.
    Ja, da wirst du nie eines bekommen, entgegnete der junge Mann.
    Wenn ich im Kriege bei den Unsrigen eine Lanze ergriffe, zu den Feinden
ginge, ihnen ein Pferd nhme, und darauf zu uns zurck ritte: gehrte das Pferd
mir?
    Es wre Beute, sagte der Reiter.
    Gehrte es mir? fragte der andere wieder.
    Wenn du kein Wege- und Gelegenheitslagerer bist, sondern ein zugeteilter
Kriegsknecht, und wenn du das Pferd nicht in der allgemeinen Schlacht oder sonst
in einem Angriffe erwirbst, sondern wenn du allein hinber gehst und es allein
herber bringst, so wird man es dir wohl lassen, antwortete ihm der Reiter.
    So werde ich also tun, entgegnete der Mann.
    Tu es, mein Freund, sagte der Reiter.
    Das Pferd war indessen mit seiner Nahrung lssiger geworden, und hatte fter
umgeblickt. Der Reiter lie ihm Wasser bringen, und trnkte es, dann mischte er
ihm wieder etwas Haber in seine Kufe. Whrend es denselben verzehrte, blieb er
dabei stehen. Der Krauskopf blieb auch stehen, und sah zu. Als das Pferd fertig
war, wurde es noch einmal getrnkt, und der Reiter wischte ihm dann die Lippen
ab, und die Kufe wurde seitwrts gestellt. Hierauf ging der junge Mann zu seinem
Tische, und verlangte nach dem Wirte. Als dieser erschienen war, fragte er ihn:
Was bin ich Euch schuldig?
    Die Zehrung macht siebenzehn Pfennige, und das Waschen des Troges macht
drei Pfennige, sagte der Wirt.
    Der Reiter nestelte auf der Brust ein wenig sein Wams auf, und zog ein
Beutelchen heraus. Er las aus demselben den Betrag, reichte ihn hin, zog das
Beutelchen zu, und barg es wieder in seinem Wamse. Dann begab er sich zu seinem
Pferde, zumte es, schnallte den Mantel, fhrte es ein wenig gegen die Gasse
vorwrts, und bestieg es. Der Krauskopf war mit ihm gegangen, und sah berall
zu. Da der Reiter auf dem Pferde sa, richtete er sich auf demselben zurecht,
ritt gegen den Wirt, und sagte: Ich danke Euch, lieber Herr, fr die Bewirtung,
und wnsche, da Euch Gott behte, und alle, die bei Euch sind.
    Ich danke Euch, antwortete der Wirt, und wnsche Euch desgleichen, und
reitet glcklich.
    Der Reiter ritt nun langsam von der Gasse weg, den Krauskopf, und die ihm
nachsahen, hinter sich lassend. Er ritt in der Richtung zwischen Morgen und
Mitternacht fort. Er ritt wieder eine Lehne hinan, eine Lehne hinab, ein
Wldchen aus, ein Wldchen ein, der Boden wurde immer unwirtlicher und war
endlich mit Wald bedeckt. Der Weg hatte Wurzelgeflechte und Granitsteine, und
das Pferd setzte behutsam seine Hufe.
    Da es Abend geworden war, kam der Reiter auf der Schneide eines langen von
Abend gegen Morgen gestreckten Berges an. Derselbe ging mit lauter Wald in ein
enges Tal hinab, und unten blitzte ein Wsserlein. Jenseits ging wieder ein noch
hherer und mchtigerer Wald empor, und auf seinem Rande ragte ein Steinblock in
die Hhe. - Der Reiter hielt ein Weilchen an, und sah auf den Steinblock hin.
    Dann ritt er in dem Walde, der vor ihm lag, hinunter. Er ritt unter den
sten der Bume, die um ihn waren, dahin, und mute sich vor manchem bcken,
welcher zu niedrig war. Nach einer Zeit kam er bei einem roten Kreuze an. Er
hielt an dem Kreuze stille, und tat ein kurzes Gebetlein. Dann ritt er wieder
weiter. Als es ganz finster geworden war, stieg er vom Pferde, nahm ihm die
Zgel ber den Hals nach vorwrts, ging vor ihm, und fhrte es hinter sich her.
Von dem Kreuze hatte er noch eine kurze, aber sehr steile Stelle zu dem Wasser
hinunter. An dem Wasser verbreitete sich ein Feuergeruch, der Reiter ging auf
eine offene Stelle hinaus, auf welcher aus mehreren dunkeln Erhhungen
Feuerznglein empor gingen, die die nchtlichen Tannen beleuchteten, und aus
denen sich ein lichter Rauch ber den Wald erhob. Seitwrts dieser Erhhungen
waren mehrere Htten, aus denen manches Lichtlein glnzte. Der Reiter fhrte
sein Pferd zu einer der Htten. Als er dort angekommen war, ffnete sich die Tr
der Htte, und ein Mann und ein Weib und zwei Kinder traten heraus.
    Seid Ihr da, sagte der Mann, wir haben Euch schier nicht mehr erwartet.
    Sei gegrt, Mathias, entgegnete der Reiter, von Passau kann ich wohl
nicht in krzerer Zeit da sein.
    So bringt nur Euer Pferd herein, sagte der Mann, und ffnete nicht weit
von der Tr ein Tor.
    Margaretha, leuchte mit einem Span, sagte er.
    Das Weib lief in die Htte, und kam bald mit einem brennenden Buchenspan
zurck. Sie ging mit dem Span durch das Tor ein, der Reiter mit dem Pferde
folgte ihr, und hinter ihm gingen der Mann und die Kinder. Sie kamen in einen
Stall. Zwei Khe hingen in einer Ecke dicht bei einander, und fr das Pferd
hatte man einen freien Platz gemacht. Es wurde dort angebunden, und der Reiter
und der Mann befreiten es von Zaum und Sattel. Der Reiter deckte seinen Mantel
ber dessen Rcken. Die Kinder schauten zu. Dann ging man von dem Stalle durch
eine kleine Tr in die Stube. In der Stube stand ein hoher Pflock, der mehrere
eiserne Schleifen hatte. In zweien dieser Schleifen staken brennende
Buchenspne. Die Frau steckte ihren Span in eine dritte Schleife. Der Reiter
setzte sich auf einen hlzernen Stuhl. Die Frau deckte ein Linnen auf einen
Tisch von weichem Holze und stellte dann eine Schssel mit Suppe auf den Tisch.
Der Reiter, der Mann, die Frau und die Kinder aen von der Suppe. Dann sagte der
Mann: Ich werde Euch Euer Pferd besorgen, da Ihr mde sein mgt.
    Wir werden es beide besorgen, antwortete der Reiter.
    Der Mann nahm einen Span, ging dem Reiter voran in den Stall, und dieser
folgte ihm. In dem Stalle gab der Reiter dem Pferde von dem Futter, das schon
vorgerichtet war. Dann ging man wieder in die Stube. Als dieses so oft geschehen
war, als sich ntig zeigte, bis das Pferd seine vllige Pflege erhalten hatte,
sagte der Mann: Jetzt begeben wir uns zur Ruhe, und ruhet Euch recht gut.
    Ihr auch, sagte der Reiter.
    Die Frau brachte die Kinder in ein Seitenkmmerlein der Stube, und der Mann
folgte der Frau und den Kindern.
    Der Reiter schnallte sein Schwert ab, nahm seine Haube von dem Kopfe,
lschte die Spne aus, legte sich angekleidet auf ein Bett, das in einer Ecke
der Stube stand, legte sein Schwert neben sich, und bereitete sich zum
Schlummer.
    Als des andern Tages die Sonne ber den Wald empor ging, stand der Reiter
wieder mit seiner Haube auf dem Kopfe und mit dem Schwerte an der Lende vor der
Htte. Es war ein Stckchen Feld und Wiese um diese wie um die anderen Htten.
Die schwarzen Erhhungen, welche Kohlenmeiler waren, brannten und rauchten wie
gestern.
    Aus der Htte kam die Frau mit den Kindern, die heute morgens schner
angekleidet waren, und sagte: Kommt zur Suppe, lieber Herr.
    Der Reiter ging in die Stube, und alle zusammen verzehrten eine Schssel
voll warmer Milch mit Roggenbrot.
    Der Reiter ging dann in den Stall, und vollendete die Morgenpflege seines
Pferdes.
    Als dieses vorber war, sagte er: Weil heute Sonntag ist, soll das Pferd
ruhen. Ich werde in den Wald hinauf und zu dem Fels der drei Sessel gehen. Ich
habe ihn gestern von dem Rande des breiten Berges aus betrachtet. Am Nachmittage
werde ich wieder zurckkehren. Du, Mathias, besorge die Mittagpflege des
Pferdes, wie du schon weit.
    Ich werde es betreuen, wie das schne milchweie Pferd in Plan, welches Ihr
gehabt habt, sagte der Mann.
    Das weie Pferd wre mir zu dem, was ich jetzt vorhabe, doch zu schwach,
entgegnete der Reiter.
    So steckt doch wenigstens ein Stck Brod zu Euch, sagte die Frau.
    Der Reiter nahm das dargereichte Stck Brod, und barg es in seinem Wamse.
    Dann ging er gegen das Wasser, welches in der Nhe der Htte vorber flo.
Die Bewohner der Htte begleiteten ihn bis an das Wasser.
    Euer Mihelbach fliet recht schn an deiner Htte vorber, sagte der
Reiter.
    Ja, erwiderte der Mann, zuweilen aber nicht oft auch in dieselbe hinein.
    Nun gehabe dich wohl, Mathias, und Ihr auch, Frau, mit Euern Kindlein,
sagte der Reiter.
    Gehabt Euch wohl, junger Herr, antwortete der Mann.
    Erhitzt Euch nicht zu sehr, und kommt gesund wieder zurck, sagte die
Frau.
    Es wird schon so geschehen, erwiderte der Reiter.
    Dann ging er auf dem flachen Holzstege ber das Wasser, die andern gingen
gegen die Htte zurck.
    Jenseits des Wassers ging er in dem Walde empor. Der Himmel war ganz blau,
und man konnte die Waldglocken von Rindern und manchen Schrei eines Vogels
hren. Der Reiter wich zuweilen von dem Pfade ab und ging auf eine Waldble
hinaus.
    Auf einer solchen Waldble, auf welcher kurzes Gras und kleine weie
Blmchen waren, und an deren Rande groe Ahorne standen, lag, als die Ahorne
endeten, ein sehr groer Stein, fast so gro als ein Haus, als wre er von
Menschenhnden hingelegt worden, und an dem Steine stand eine ungemein hohe
Tanne. Der Reiter kniete an der Tanne nieder, und verrichtete ein Gebet. Als er
gebetet hatte, stand er wieder auf, und ging am Rande der Ble weiter. Er kam
wieder zu Ahornen, unter denen abermals Steine lagen, aber kleine, als wren sie
zum Sitzen hergelegt worden. Der Reiter versuchte die Steine als Sitze, und sie
taugten. Da er wieder aufgestanden war, und weiter gehen wollte, hrte er
pltzlich Stimmen. Es war ein Gesang so klar und schmetternd wie von Lerchen. Es
waren aber nicht Lerchenstimmen, sondern Menschenstimmen, Mdchenstimmen. Sie
sangen jenes Lied ohne Worte, in welchem im Walde und in Bergen das Herz sich in
allerlei Schwingungen der Stimme, im Strzen und Heben derselben, im Wandeln und
Bleiben ausspricht. Es waren zwei Stimmen, die im Vereine und in Verschlingungen
klangen. Sie erklangen, hoben sich, senkten sich, trugen sich, trennten sich,
neckten sich, schmollten und jubelten. Es war die Lust und Freude, die sie
tnten. Der Gesang schien nher zu kommen. Mit einem Male traten zwei Gestalten
aus den Tannen hervor, und standen am Rande derselben Ble wie der Reiter und
in nicht groer Entfernung von ihm. Sie hielten sich mit zwei Armen die Nacken
umschlungen, die anderen zwei Arme hatten sie frei. Es waren junge Mdchen mit
bloen Kpfen, von deren jedem zwei Zpfe niedergingen. An den Armen war weies
Linnen, von den Brustlatzen, die rot waren, fiel der starkfaltige schwarze Rock
hinab. Eines der Mdchen trug wilde rote Rosen, neben einander stehend, um das
Haupt. Das andere hatte keine Zierde. Da sie auf die Wiese getreten waren, und
den Mann sahen, hrte ihr Gesang auf. Sie blieben stehen, sahen auf ihn hin, und
er stand gleichfalls, und sah auf sie. Dann begann er langsam gegen sie hin zu
gehen. Sogleich trat das Mdchen, welches keine Rosen hatte, in den Wald zurck,
das andere blieb stehen. Der Reiter ging zu demselben hin. Da er bei ihm
angekommen war, sagte er: Was stehst du mit deinen Rosen hier da?
    Ich stehe hier in meiner Heimat da, antwortete das Mdchen; stehst du
auch in derselben, da du frgst, oder kamst du wo anders her?
    Ich komme anders wo her, sagte der Reiter.
    Wie kannst du dann fragen? entgegnete das Mdchen.
    Weil ich es wissen mchte, antwortete der Reiter.
    Und wenn ich wissen mchte, was du willst, sagte das Mdchen.
    So wrde ich es dir vielleicht sagen, antwortete der Reiter.
    Und ich wrde dir vielleicht sagen, warum ich mit den Rosen hier stehe,
entgegnete das Mdchen.
    Nun, warum stehst du da? fragte der Reiter.
    Sage zuerst, was du willst, erwiderte das Mdchen.
    Ich wei nicht, warum ich es nicht sagen sollte, erwiderte der Reiter,
ich suche mein Glck.
    Dein Glck? hast du das verloren? sagte das Mdchen, oder suchst du ein
anderes Glck, als man zu Hause hat?
    Ja, antwortete der Reiter, ich gehe nach einem groen Schicksale, das dem
rechten Manne ziemt.
    Kennst du dieses Schicksal schon, und weit du, wo es liegt? fragte das
Mdchen.
    Nein, sagte der Reiter, das wre ja nichts Rechtes, wenn man schon wte,
wo das Glck liegt, und nur hingehen drfte, es aufzuheben. Ich werde mir mein
Geschick erst machen.
    Und bis du der rechte Mann, wie du sagst? fragte das Mdchen.
    Ob ich der rechte Mann bin, antwortete der Reiter, siehe, das wei ich
noch nicht; aber ich will in der Welt das Ganze tun, was ich nur immer tun
kann.
    Dann bist du vielleicht der Rechte, erwiderte das Mdchen, bei uns, sagt
der Vater, tun sie immer weniger, als sie knnen. Du mut aber ausfhren, was du
sagst, nicht blo es sagen. Dann wei ich aber doch noch nicht, ob du ein
Schicksal machen kannst. Ich wei auch nicht, ob du ein Schicksal machst, wenn
du in unserem Walde auf der Wiese stehst.
    Ich darf da stehen, sagte der Reiter, denn heute ist Sonntag, der Ruhetag
fr Menschen und Tiere, wenn es nicht eine Not und Notwendigkeit anders heischt.
Mein Pferd habe ich eingestellt. Ich bin in den Wald herauf gegangen, zu beten.
Und fr den brigen Tag will ich versuchen, ob ich nicht zu dem Steine der drei
Sessel hinauf gelangen kann.
    Das kannst du, sagte das Mdchen, es geht ein Pfad hinauf, den du immer
wieder leicht findest, wenn du ihn einmal verlierst. Weil aber der Stein von dem
Grunde, der um ihn herum ist, wie eine gerade Mauer aufsteigt, so haben sie
Stmme zusammen gezimmert, haben dieselben an ihn gelehnt, und durch Hlzer eine
Treppe gemacht, da man auf seine Hhe gelangen kann. Du mut aber oben sorgsam
sein, da dein Haupt nicht irre wird; denn du stehst in der Luft allein ber
allen Wipfeln.
    Bist du schon oben gestanden? fragte der Reiter.
    Ich werde doch, da ich so nahe bin, antwortete das Mdchen.
    Nun, sagte der Reiter, wenn du schon oben gestanden bist, so werde auch
ich oben stehen.
    Und wenn du heute von den drei Sesseln herunter kommst, sagte das Mdchen,
dann reitest du morgen nach deinem Geschicke weiter?
    Ich werde weiter reiten, sagte er; warum hast du die Rosen?
    Mu ich antworten, wenn ich gefragt werde? sagte das Mdchen.
    Wenn die Eltern fragen, mut du antworten, entgegnete der Reiter, wenn
jemand anderer artig fragt, sollst du, und wenn du es versprochen hast, mut du
antworten.
    So will ich dir so viel sagen, als du gesagt hast, antwortete das Mdchen,
ich trage die Rosen, weil ich will.
    Und warum willst du denn? fragte der Reiter.
    Fr den Willen gibt es keine Ursache, sagte das Mdchen.
    Wenn man vernnftig ist, gibt es fr den Willen immer eine Ursache,
erwiderte der Reiter.
    Das ist nicht wahr, sagte das Mdchen, denn es gibt auch Eingebungen.
    Trgst du die Rosen aus Eingebung? fragte der Reiter.
    Das wei ich nicht, entgegnete das Mdchen, aber wenn du mir mehr von dir
sagst, so sage ich dir auch mehr.
    Ich kann dir nicht viel sagen, antwortete der Reiter, ich habe eine
Mutter, die in Baiern wohnt, mein Vater ist gestorben, und ich reite jetzt in
die Welt, um meine Lebenslaufbahn zu beginnen.
    So will ich dir auch etwas sagen, erwiderte das Mdchen. Meine Eltern
haben von hier weiter oben ein Haus. Wir wrden es erreichen, wenn wir hier in
den Wald gingen, wo ich mit meiner Gespanin herausgetreten bin, wenn wir in dem
Walde nach aufwrts gingen, bis wir ein Wasser rauschen hrten, und wenn wir
dann zu dem Wasser gingen, und demselben immer entgegen, dann wrden endlich
Wiesen und Felder kommen, und in ihnen das Haus. An dem Hause ist ein Garten, wo
die Sonnenseite ist, und in dem Garten stehen viele Blumen. Und an der
Hinterseite des Hauses geht ein Riegel gegen die Tannen, auf welchem viele
Waldrosen stehen, und diese nehme ich oft.
    Hast du die Rosen heute aus Eingebung genommen? Sie sind mir ein Zeichen,
da meine Fahrt gelingen wird, sagte der Reiter.
    Ich habe einen Metallring, in welchen die Rosenstiele passen, sagte das
Mdchen, habe heute Rosen genommen, habe sie in den Ring gesteckt, und den Ring
auf das Haupt getan.
    Weil wir noch mehr sprechen werden, sagte der Reiter, so gehen wir ein
wenig an dem Waldsaume hin, woher du mich kommen gesehen hast. Da werden wir
Steine finden, welche zu Sitzen taugen. Auf dieselben knnen wir uns setzen, und
dort sprechen.
    Ich wei es nicht, ob ich noch mehreres mit dir sprechen werde, antwortete
das Mdchen, aber ich gehe mit dir zu den Steinen, und setze mich ein wenig zu
dir. Ich kenne die Steine, ich selber habe die Sitze machen lassen. Im Sommer
ist es am Vormittage dort sehr hei, am Nachmittage aber schattig. Im Herbste
ist es vormittags lieblich und mild.
    Sie wandelten nun in der Richtung an dem Saume des Waldes hin, in welcher
der Reiter zu den Mdchen hergekommen war. Sie hatten bald jene Steine erreicht,
an denen der Reiter versucht hatte, ob sie zu Sitzen tauglich wren. Er blieb
stehen, und harrte, bis das Mdchen sich gesetzt hatte. Es setzte sich auf einen
glatten Stein. Der Reiter setzte sich zu ihrer Linken auf einen, der etwas
niederer war, so da nun sein Angesicht mit dem ihrigen fast in gleicher Hhe
war. Das Schwert ragte zu seiner Linken in die niederen Steine hinab. Sie
sprachen nun nichts.
    Nach einer Weile sagte der Reiter: So rede etwas.
    So rede du etwas, antwortete sie, du hast gesagt, da du mit mir noch
sprechen willst.
    Ich wei jetzt nicht mehr, was ich sagen wollte, entgegnete er.
    Nun, ich auch nicht, sagte sie.
    Nach einer Zeit sagte der Reiter: Es ist wahr, was du gesprochen hast, da
an Vormittagen die Sonne sehr mild auf diese Steine scheint.
    Sie antwortete nicht. Nach einer Weile sagte sie: Trgst du immer diese
hliche Haube auf deinem Haupte?
    Nein, nur wenn ich sie brauche, sagte er, sie ist sehr leicht herab zu
nehmen.
    Bei diesen Worten nahm er die Lederhaube samt ihrem Anhange von seinem
Haupte, und eine Flle schner blonder Haare rollte auf seinen Nacken herab. Die
Haube legte er in das Gras.
    Ach, was Ihr fr schne Haare habt! sagte das Mdchen.
    Und was du fr rote Wangen hast, erwiderte er.
    Und wie blau Eure Augen sind, sagte sie.
    Und wie braun und gro die deinen, antwortete er.
    Und wie Ihr freundlich sprecht, sagte sie.
    Und wie du lieblich bist, antwortete er.
    Sagt, wie knnt Ihr nur die Flle dieser Haare in der ledernen Haube
unterbringen? fragte das Mdchen.
    Das mache ich so, antwortete der Reiter, ich fasse die Haare, halte sie
mit einer Hand, und setze den Helm mit der andern darauf.
    Bei diesen Worten griff er nach dem Lederhelme, fate mit seiner Linken die
Haare, hielt sie auf dem Haupte, und setzte mit der Rechten den Helm darauf.
    Ach, das ist schn, sagte sie.
    Nun sind sie bedeckt, antwortete er.
    Ja, legt nur die Haube wieder weg, sagte sie.
    Er nahm den Helm von dem Haupte, und legte ihn wieder an seine vorige
Stelle, und die Haare flossen wieder herab.
    Wenn Ihr wollt in den Kampf gehen, fuhr das Mdchen fort, wie werdet Ihr
dann die Feinde schrecken knnen, wenn Ihr so freundlich blickt?
    Wer sagte dir denn, da ich in den Kampf gehen werde? fragte der Reiter.
    Ich wei es, antwortete das Mdchen.
    Nun, in meinem Geschicke werden wohl Kmpfe sein, sagte der Reiter.
    Der Kampf ist eine Ehre, antwortete das Mdchen.
    Wenn er nicht Raub und Gewalt ist, ehret der Kampf, sagte der Reiter,
wenn man gegen feindselige Menschen den Vater, die Mutter, den Bruder, die
Schwester, den Nachbar und das Volk verteidigt, ehret er noch mehr, und mu mit
dem ganzen Leben gefhrt werden. Dazu mu man sich vorbereiten.
    Ihr habt eines vergessen, das man noch verteidigen mu߫, sagte sie.
    Was? fragte er.
    Sein Weib, antwortete sie.
    Ich habe kein Weib, und habe darauf nicht gedacht, erwiderte er; aber
wenn man schon das ganze Volk verteidigt, so verteidigt man sein Weib mit.
    Nein, dasselbe mu man am meisten verteidigen, sagte das Mdchen.
    Nun, so verteidigt man es am meisten, entgegnete der Reiter.
    Und wie werdet Ihr dann blicken, da der Feind weniger Herz hat? fragte
sie wieder.
    Das wei ich nicht, antwortete er; aber ich werde blicken, wie mir's ist,
und das wird der Feind verstehen. Dich blicke ich freundlich an, weil ich
freundlich gegen dich bin.
    Und da Ihr sagt, da man sich zur Verteidigung vorbereiten mu, so habt Ihr
Euch vorbereitet? fragte das Mdchen.
    Weil ich will ein Reiter sein, antwortete er, so habe ich gelernt, ein
Pferd zu pflegen, und darauf zu reiten; ich habe mich im Angriff und im Schutz
gebt, werde im Kriege lernen, und werde einsehen, wie man eine Schar von andern
anzufhren hat.
    Wollt Ihr ein Anfhrer werden? fragte sie.
    Wenn es sein kann, ja, antwortete er.
    Habt Ihr ein schnes Pferd? fragte das Mdchen.
    Es ist nicht ein schnes, es ist nicht ein hliches, erwiderte der
Reiter, aber unter den guten ist es eines der besten. Es ist gesund und stark,
witzig und treu. Ich liebe es, und es liebt mich wieder, und folgt mir.
    Was hat es denn fr eine Farbe? fragte das Mdchen.
    Es ist ein eisengraues Pferd, entgegnete der Reiter.
    Und warum tragt Ihr denn nicht eine Kopfzier, wie die andern hohen Mnner?
fragte das Mdchen.
    Ich bin kein hoher Mann, antwortete der Reiter, und die Haube ist mir
sehr wert. Sieh her, sie ist von der Haut des Elentieres, das weit von hier
lebt. Ein Schwerthieb geht nicht durch.
    Bei diesen Worten hatte er den Helm aufgehoben, und ihn dem Mdchen gezeigt.
Das Mdchen sah ihn an, und befhlte sein weiches Leder mit den Fingern.
    Und ist es denn nicht sehr hei, wenn Ihr die langen Haare in der Haube
tragt? fragte sie.
    Es ist heier, als wenn die Haare kurz sind, antwortete er, aber Hitze
und Klte mu dem Manne gleich sein. Bei allen alten Vlkern hat man lange Haare
geliebt, und sie schtzen auch gegen Hiebe.
    Sind Eure andern Kleider ebenfalls von der Haut dieses Tieres? fragte das
Mdchen.
    Der Panzer; das brige ist geringer, antwortete der Reiter. Sie haben
sonst auch Schienen, ich habe das Leder.
    Ihr habt Euer Schwert in den Wald mitgenommen, sagte das Mdchen.
    Ich habe es immer bei mir, entgegnete der Reiter, auer wenn ich zu Hause
in sicherer Kammer schlafe. Schwert ist zugleich Schwert und Schild.
    Ist es schn? fragte das Mdchen.
    Siehe, sagte der Reiter.
    Er wendete die Scheide gegen sich, zog das Schwert daraus hervor, und
reichte es ihr dar. Sie nahm es so, da einen Teil der bloen Klinge sie hielt,
den andern er.
    Ach, welche Zeichen! rief sie aus.
    Das ist Sankt Peter mit der Kette, sagte er, wir haben ihn zu unserm
Schutzheiligen, weil wir aus Rom stammen. Was du um ihn herum siehst, das ist
Zierat.
    Und was ist denn das andere? fragte das Mdchen.
    Das ist auch Zierat, entgegnete der Reiter.
    Das Bild ist ein schnes Bild, sagte sie.
    Es mu schn gemacht sein, antwortete er, und das Schwert mu gegen Hiebe
und Gewalt gut gestrkt sein. Das wirst du nicht erkennen.
    Nein, sagte sie.
    Er nahm die Scheide, hielt sie, und steckte das Schwert wieder in dieselbe.
    Und nun, Mdchen, wie heiest du denn? fragte er.
    Bertha, antwortete sie, und wie heit denn Ihr?
    Witiko, entgegnete er, und wie alt bist du denn?
    Sechzehn Jahre, sagte sie, und wie alt seid denn Ihr?
    Zwanzig, erwiderte er, ich bin neun Jahre nach der Zeit geboren worden,
da der Herzog Swatopluk von Bhmen erschlagen worden ist.
    Ich habe mir gedacht, da Ihr sehr jung seid, entgegnete sie.
    Und lebst du im Walde, Bertha? fragte er.
    Im Walde und auch anderswo, antwortete sie; ich habe Euch ja schon
gesagt, da wir weiter aufwrts von hier ein Haus haben. Dann ist noch das
Huschen des Vaters meiner Singgespanin, sonst ist nichts.
    Habt Ihr eine Kirche? fragte er.
    Sie steht fnf Stunden von hier in der Freiung, antwortete sie, wenn man
dann hundert Schritte von unserm Hause abwrts geht, und noch eine halbe Stunde
zur Mihel zu gehen htte, wo die Khler sind, steht ein dunkelrotes hohes
Httlein aus Holz, und in dem Httlein ist die heilige Mutter mit dem Jesuskinde
aus Holz. Der Bischof hat sie geweiht. Vor dem Httlein stehen kleine Bnklein,
daran man knieen und beten kann. Wir beten da. Hinter dem Httlein stehen
Ebereschenbume, und Ebereschenbume gehen bis zu unserem Hause. Jetzt sagt mir
aber auch etwas von Euch.
    Mein Geschlecht ist dunkel, antwortete er, es ist aber nicht immer so
gewesen.
    Und wo werdet Ihr dann hingehen, wenn Ihr morgen von hier fortreitet?
fragte sie.
    In das Land Bhmen, antwortete er.
    In das Land Bhmen? fragte sie, warum geht Ihr denn nicht zu dem neuen
Knige Konrad oder zu unserem Herzoge Heinrich?
    Das ist so, entgegnete er: im Mittage des Landes Bhmen haben meine
Vorfahren im Walde gelebt. In alten Zeiten vor vielen hundert Jahren, da es noch
gar kein deutsches Reich gegeben hat, da in dem Lande der Franken, das sehr gro
war, die tapfern Hausmeier der alten Knige geherrscht haben, ist ein Mann aus
dem Stamme der Frsten Ursini in Rom, der auch Witiko wie ich geheien hat,
wegen Verfolgung eingedrungener Feinde mit seinem Weibe, mit seinen Kindern, mit
seinen Anverwandten und mit einem kriegerischen Gefolge in das Land gegen
Mitternacht gegangen, und bis an die Donau gekommen. Von dort wollte er in das
Land Bhmen einbrechen. Aber Woyen, der Herzog Bhmens, der erstgeborne Sohn des
Herzogs Mnata, der noch heidnisch war, und die Christen hate, zog ihm mit einem
Heere entgegen, und ttete in einer Niederlage, die Witiko erlitt, fast alle
seine Leute. Da trug Witiko dem Herzoge Woyen ein Bndnis an, er wollte sich ihm
unterwerfen, und die Marken Bhmens gegen die Fremden verteidigen, wenn ihm der
Herzog in den waldigen Bergen, in welche er eingedrungen war, eine Wohnung geben
wolle. Der Herzog gab sie ihm, und nun wohnte er an einem Berge in dem Walde.
Sie breiteten sich aus, wurden mchtig, und grndeten das Christentum, da sich
vierzehn Lechen vom Mittage Bhmens lange vor der Zeit, da Boriwoy der erste
christliche Herzog Bhmens war, in Regensburg taufen lieen. Dann nahm das
Geschlecht wieder ab, wurde unbekannt, und ich bin der letzte davon. Witiko
hatte auf dem Berge an seiner Wohnung Waldrosen gepflanzt, wie auf einem Berge
neben seiner Wohnung in Rom Waldrosen gestanden sind. Alle Vorgnger des alten
Witiko, welche in die Zeiten hinauf reichten, da noch gar kein Christ auf der
ganzen Welt war, hatten Waldrosen gepflanzt, weil noch keine anderen waren, und
alle Nachfolger haben Waldrosen gepflanzt.
    Es wird doch eine Eingebung gewesen sein, da ich die Rosen genommen habe,
sagte Bertha.
    Nimmst du oft Rosen? fragte Witiko.
    Ich nehme sie zuweilen, sagte Bertha.
    Und da es in dieser Jahreszeit noch Rosen gibt, ist schon ein Wunder,
sagte Witiko.
    Ich habe diese auch nur heute im Waldschatten gefunden, und in meinen Ring
gesteckt, entgegnete Bertha.
    Siehst du, sagte Witiko.
    So mgen sie Euch ein Zeichen sein, erwiderte Bertha, und mget Ihr recht
viel Glck haben. Ich werde Euch zu meinem Vater fhren, da er Euch einen Mann
zu den drei Sesseln mitgibt, der Euch den krzesten Pfad weist.
    So fhre mich zu deinem Vater, Bertha, sagte Witiko.
    Wollt Ihr? fragte sie.
    Ich will, antwortete er.
    So kommt, sagte sie.
    Bei diesen Worten erhob sie sich, der Reiter setzte seine Lederhaube auf den
Kopf, und stand gleichfalls auf.
    Sie gingen nun an dem Waldsaume bis zu der Stelle, an welcher die Mdchen
herausgekommen waren. Dort traten sie unter die Stmme, und in kleiner Tiefe des
Waldes stand das andere Mdchen, das mit Bertha gesungen hatte. Als Bertha und
Witiko sich ihr nherten, nahm sie die Flucht, und lief vor ihnen her. Witiko
sah nun, da ihre Zpfe, die auf das dunkle Kleid hinab gingen, eine lichte fast
weigelbe Farbe hatten, whrend die Berthas braun wren. Sie lief aber so, da
sie bald nicht mehr gesehen werden konnte. Witiko und Bertha gingen unter den
hohen Tannen des Waldes und zwischen bemoosten Steinen dahin. Sie gingen
aufwrts.
    Nach einer Weile hrten sie ein Wasser rauschen, welches in der Gegend zu
ihrer linken Hand flieen mute. Bertha wendete sich nun links, und ging zu dem
Wasser, das man fast durch die Stmme aber tief unten in einer Schlucht sehen
konnte. Bertha ging an dem Wasser in der frheren Richtung wieder fort, aber
immer oben am Rande der Senkung. Sie gingen immer aufwrts. Nach einer Zeit
wurde der Wald dnner, und sie traten endlich in das Freie. Da lag eine Wiese
vor ihnen, hinter der Wiese waren Felder, und dann stand ein groes weies Haus.
Hinter dem Hause stieg der Wald empor, und war ein breites mchtiges Band.
Seinen Sesselfels konnte man wegen der Nhe nicht sehen, gegen Morgen aber waren
andere starke Steinrippen im Bande. Die Wiese war von Gestrippe und Steinen
gereinigt. Bertha lenkte nun auf einen Pfad ein, der in der Wiese auf das Haus
zuging. Der Pfad war geordnet und so breit, da selbst ein Wagen auf ihm htte
fahren knnen. Als sie auf dem Pfade so weit fortgegangen waren, da sie noch
einige hundert Schritte zu dem Hause gehabt htten, kamen sie zu der Betstelle
des roten Httchens. Es stand an dem Wege, mit seiner ffnung gegen Morgen dem
Pfade zugekehrt. Unten war es geschlossen, oben hatte es eine ffnung, in
welcher das Bild der heiligen Mutter stand, es war in Gold in roten blauen und
anderen Farben. Vier Ebereschenbume hinter dem Httchen waren hoch empor
gewachsen. Bertha kniete an einem Bnklein nieder, und tat ein Gebet. Witiko
kniete neben sie, und betete auch. Dann standen sie auf, und gingen weiter. Das
Rauschen des Wassers tnte aus der Schlucht herauf, und auch nicht weit vor dem
Httchen kam ein Wasser aus dem Grase der Wiese, und scho flchtig nach
abwrts.
    Ihr habt hier klare frhliche Quellen, sagte Witiko.
    Es sind noch mehrere, rechts und links, antwortete Bertha, sie kommen von
den drei Sesseln und von dem Blckensteine.
    Und das ist euer Bild, von dem Ihr mir gesagt habt? fragte er.
    Das ist das Bild, antwortete sie.
    Und dort ist euer Haus? sagte er.
    Dort ist das Haus, erwiderte sie.
    Nach kurzem Wandeln an den Reihen der Ebereschen kamen sie an das Haus.
    An demselben war gegen Morgen ein Sandplatz, gegen Mittag ein Garten. Das
Haus war sehr lang. Es war aus Stein gebaut, und wei bertncht. Die Fenster,
welche in einer geordneten Reihe hingingen, waren mit eisernen Stben verwahrt.
Es hatte nur ein Erdgescho, welches aber hoch war, und auf welchem sich ein
flaches Dach befand, das viele und groe Steine deckten. Die schmale Seite des
Hauses, welche dem Sandplatze zugekehrt war, hatte eine eisenbeschlagene Tr.
Durch die Tr, welche nicht geschlossen war, sondern einem leichten Drucke wich,
fhrte Bertha Witiko in das Haus. Sie kamen hinter der Tr in einen gerumigen
Vorsaal, von dem ein Gang durch die Lnge des Hauses fort lief, und von dem
Vorsaale traten sie links wieder in einen Saal. Derselbe war gro, und hatte
gegen die Schmalseite des Hauses vier, gegen dessen Langseite sechs Fenster. Der
Fuboden war von Tannenbrettern, die Wnde waren wei getncht, und die Decke
war eine starkbalkige Diele von braungebeiztem Tannenholze, an den Wnden hingen
Waffen, und in den Ecken lehnten auch einige. In der Mitte des Saales stand ein
sehr langer Buchentisch.
    An dem oberen Ende des Buchentisches sa ein Mann von etwa vierzig bis
fnfzig Jahren. Er hatte ein weitfaltiges schwarzes Oberkleid an, von dem die
lichtbraune Unterbekleidung hinab ging. Auf das Oberkleid fielen lange braune
Locken hinab. Vor ihm standen zwei andere Mnner, mit denen er sprach.
    In die Glurwiese geht ihr um fnf Uhr, sagte er, dann knnt ihr mit der
Hlfte fertig werden.
    Ja, sagte einer der Mnner.
    Ihr mt im Scherholze an der Sonnenseite schlichten, und die Eckste fest
machen, sprach er weiter.
    Ja, sagte der andere der Mnner.
    So, jetzt geht, und berichtet mir, wenn es geschehen ist, sagte er.
    Die Mnner entfernten sich, und gingen zur Tr hinaus.
    Der Mann an dem Buchentische sah nun mit zwei groen blauen Augen auf Bertha
und Witiko.
    Bertha ging einige Schritte gegen den Mann und sagte: Vater, da ist einer
in den Wald gekommen, der nach seinem Glcke geht, und sich ein Schicksal machen
will. Weil heute Sonntag ist, so ruhet er, und hat in dem Walde gebetet. Ich
habe auf der Sperwiese mit ihm gesprochen, und bringe ihn dir.
    Der Mann mit den braunen Locken stand auf, ging gegen Witiko, und sagte:
Seid mir willkommen.
    Ich nehme das Willkommen an, sagte Witiko, und wollet mein Eindringen
entschuldigen.
    Meine Tochter hat Euch gebracht, und Ihr seid willkommen, sagte der Mann,
und Ihr wret auch willkommen, wenn Ihr allein gekommen wret; denn mein Haus
ist gastlich.
    Ich heie Witiko von Pric, sagte Witiko.
    Ich Heinrich, antwortete der Mann.
    Der Reiter will heute auf die drei Sessel steigen, sagte Bertha.
    Weil Ihr auf dem Wege nach gutem Dienste in mein Haus gekommen seid,
Witiko, sagte Heinrich, so nehmet ein Mittagessen bei mir, ich werde Euch dann
einen Mann geben, der Euch zu den Sesseln geleiten soll. Jetzt biete ich Euch
einen Stuhl, und wenn es nicht gegen Eure Sitte ist, so schnallt Euer Schwert
ab, da Ihr ungehinderter seid.
    Ich nehme die Einladung zum Mittagessen und zu einem Stuhle dankbar an, das
Schwert kann ich aber nicht abschnallen, weil ich mir den Brauch auferlegt habe,
es immer, wo es tunlich ist, zu tragen, da es mir nicht einmal fehlt, wenn ich
es brauche, sagte Witiko.
    Daran tut Ihr nicht unrecht, sage Heinrich, und wenn Ihr von den drei
Sesseln zurckkommt, werdet Ihr die Nachtherberge bei uns nehmen?
    Ich reite morgen wieder weiter, entgegnete Witiko, habe mein Pferd bei
den Khlern an der Mihel, und mu heute wieder dahin zurck kommen.
    So werden wir die Zeit so einrichten, da Ihr es knnt, sagte Heinrich.
    Nach diesen Worten wendete er sich gegen den Tisch, rckte zwei Sthle
zurecht, wies auf einen, und er und Witiko setzten sich nieder.
    Dann sagte er zu Bertha: Gehe zur Mutter, und verkndige ihr, da wir einen
Gast haben.
    Bertha ging gegen einen Fensterpfeiler, und hing ihren Kranz mit Rosen an
einen Nagel.
    Warum hngst du denn dein Goldreiflein zu den Waffen? fragte der Vater.
    Lasse die Rosen heute bei den Waffen hngen, antwortete Bertha.
    Dann ging sie durch eine Tr in das weitere Innere des Hauses.
    Nach einigen Augenblicken kam sie mit der Mutter bei dieser Tr wieder
heraus. Die Mutter hatte wie Bertha braune Haare und Augen. Sie hatte feine
Hnde und Glieder. An ihrem Krper war ein enges blaues Wams mit Silberrndern,
die Vorderrmel und das weite Unterkleid waren aus blagelber Wolle. Die Haare
deckte ein weites Netz mit Goldfdlein.
    Wiulfhilt, sagte Heinrich, der junge Reiter Witiko von Pric, der Sohn
Woks und Wentilas, ist unser Gast.
    So habt Ihr meinen Vater gekannt? fragte Witiko.
    Ich habe Euern Vater gekannt, mein junger Reitersmann, und kenne Eure
Mutter, sagte Heinrich.
    Wir kennen die feine gute Wentila, sagte die Frau, welche eingetreten war,
und wenn Ihr der Sohn derselben seid, so heie ich Euch in unserem Hause
willkommen.
    Ich bin der Sohn derselben, sagte Witiko, welcher aufgestanden war, und
so bin ich in einem Hause, in welchem meine Eltern gewesen sind.
    In diesem Hause sind sie nie gewesen, sagte Heinrich, wohl aber in einem
andern.
    So seid Ihr uns in diesem Hause gegrt, sagte Wiulfhilt.
    Ich freue mich des Grues, edle Frau, entgegnete Witiko, und verzeiht,
wenn ich Eure Sorge mehre.
    Meine Sorgen fr das Haus sind meine Freude, sagte die Frau, und fr
einen Gast doppelte Freude.
    Wenn ich es nur verdiene, entgegnete Witiko.
    Ihr verdient es, weil Ihr der Sohn Eurer Eltern seid, antwortete
Wiulfhilt, und werdet es auch auerdem verdienen. Und wenn es auch nicht wre,
so wret Ihr der Gast.
    Wiulfhilt, sagte Heinrich, der Reiter will heute noch auf den Sesselfels
gehen, und abends zu den Khlern im Klaffergrunde zurckkehren. Sorge fr ein
zeitiges Mahl.
    So erlaubt, da ich mich bis zum Mittagessen beurlaube, sagte die Frau.
    Tut nach Eurem Rechte, entgegnete Witiko.
    Und ich werde der Mutter folgen, sagte Bertha.
    Dann tust du recht, erwiderte der Vater.
    Und die Mutter und die Tochter verlieen den Saal.
    Wenn es Euch genehm ist, so suchen wir bis zum Mittage die freie Luft auf,
sagte Heinrich zu Witiko.
    Es ist mir sehr genehm, entgegnete Witiko.
    Der Herr des Hauses fhrte seinen Gast nun durch eine andere Tr in den
Garten. Er schrzte sein faltiges Gewand durch einen Grtel, den er anzog,
hher, und schritt in die Beete voran. Witiko folgte. Im Garten waren
Kchengewchse, duftende Krutlein und an Mauerlatten die Birnstaude. Am Ende
des Gartens erhob sich ein Hgel, von dem sie den Garten das Haus und den Wald
bersehen konnten.
    Witiko sagte: Ich habe nie gewut, da hier ein solches Haus steht,
obgleich ich schon in dem Walde gewesen bin.
    Es ist sehr abgelegen, antwortete Heinrich, die Pfade gehen unten an der
Mihel vorber, und keiner geht herauf, der weiter in die Lnder liefe, weil
hinter dem Hause gleich der hohe Wald beginnt, ber den kein Fuweg steigt. So
ist es rckwrts umfangen von der Wand der Sessel und des Blckensteins, und vor
ihm geht der Forst bis zu der Mihel hinunter. Wenn einmal die Wlder gereutet
werden, dann knnen es die Menschen von weitem her erblicken, da es hoch gelegen
ist. Die Sesselwand und der Blckenstein werden wohl nie gereutet werden, weil
sie steil sind und nur Waldgrund haben, und dann wird es licht gegen die hintere
dunkle Waldhhe abstehen.
    Ist das Haus schon lange da? fragte Witiko.
    Ich habe es erbaut, entgegnete Heinrich.
    Und warum habt Ihr es denn in den abgelegenen Wald gebaut? fragte Witiko.
    Weil ich es so gewollt habe, antwortete Heinrich, einige bauen auf
Weiden, andere auf Felsen, andere in Wlder, und wenn man einmal des Schutzes
bedrfte, so ist dieses Haus sehr verborgen, und unbekannt. Ich bin fter mit
den Meinigen hier, wenn wir nicht anderswo zu sehr fest gehalten werden.
    Es mu auch sehr anmutig hier wohnen sein, sagte Witiko.
    Ja jetzt, und vielleicht auch in knftiger Zeit, erwiderte Heinrich, der
breite Berg, der jenseits der Mihel liegt, wird einmal eine Ortschaft werden,
weil er die Ursachen dazu hat, nmlich guten Boden und Verbindungen, es werden
vielleicht dann auch an manchen Stellen rings herum Wohnungen ja sogar Kirchen
entstehen, und dann, wenn Zeiten sind, die es weniger bentigen, da der
einzelne Mann sich um Schutz umschaue, mgen die weien Mauern dieses Hauses
weithin leuchten, und manchen einladen, zu kommen, und sich in ihnen zu
vergngen.
    Mge das Haus viele hundert Jahre dauern, sagte Witiko.
    Wenn die, welche nach mir kommen, so denken, wie ich, antwortete Heinrich,
so wird es dauern. Es knnen Tage erscheinen, da die Macht und das Ansehen
eines Stammes schwinden; aber sie knnen wieder auferstehen, wenn nur der Stamm
selber nicht ausgelscht ist. Eines Tages kann dieses Haus zerstrt und dem
Erdboden gleichgemacht werden; aber ein anderes kann an der Stelle sich erheben,
und wenn einer meiner Nachkommen hier lebt, und wenn er Freude am Walten in
Mitte seines Besitztumes hat, so wird hier eine Wohnung sein, die den Besitzern
behaglich, und den Fremden, die mit offenen Herzen kommen, freundlich ist.
    Ich denke wie Ihr, sagte Witiko, kein Stamm kann untergehen, wenn seine
Glieder recht sind, er sinkt und steigt, auer wenn Gott im Tode seines letzten
Gliedes ihm ein Ende macht.
    So ist es, wie es ist, sagte Heinrich, lasset uns weiter gehen.
    Sie gingen von dem Hgel durch ein Pfrtlein des Gartens weiter dahin, und
zwar ungefhr in einer Richtung, in der Witiko mit Bertha gekommen war.
    Da ist meine Wiese, die die Rinder nhrt, sagte Heinrich, indem er die
Hand erhob, und herum wies. Sie geht bis zu dem Walde, durch den Ihr gekommen
seid.
    Sie schritten auf einem Wege der Wiese gegen Morgen zu.
    Und dort sind meine Felder, sagte Heinrich, indem er auf den Strich wies,
der hinter dem Hause dem Walde zu ging. sie bringen, was das Haus bedarf und
erheischt. Und die Quellen geben uns freigebig ihr Wasser und der Wald seinen
Reichtum.
    Sie gingen in einem Bogen wieder gegen das Haus, und kamen an dessen
Morgenseite, an die auch Witiko mit Bertha gekommen war. Er sah jetzt, da neben
der Tr, durch die er mit Bertha hineingegangen war, auch ein eisernes Tor in
einer Mauer war, die von dem Hause hinweg ging. Heinrich fhrte ihn durch das
Tor hinein. Sie gelangten in einen Hof.
    Hier sind Pferde, sagte Heinrich, indem er Witiko gegen einen Stall
fhrte, der rechts von dem Eingange war. Witiko trat in den Stall, und
betrachtete die sechs Pferde, welche da standen, sehr genau.
    Hier sind Rinder, sagte Heinrich, indem er Witiko zum Stalle daneben
fhrte. Witiko sah hier zehn Khe stehen, die gut und schn gebaut waren.
    Hier sind Zugtiere, sagte Heinrich, da er Witiko zu einem weitern Stalle
geleitet hatte. Drei Paare schwerer Ochsen standen in dem Stalle.
    Und dort sind Klber und kleine Tiere und Geflgel, sagte Heinrich, indem
er auf weitere Gelasse nur so oberflchlich hinwies, ohne Miene zu machen,
hinzugeben. Er fhrte Witiko quer ber den Hof in das Haus, und im Hause durch
den Gang in den Saal, in welchem er ihn empfangen hatte.
    In dem Saale waren indessen Vernderungen vor sich gegangen. Der Tisch war
mit Linnen bedeckt, es standen Gefe auf ihm, und Teller und Egerte waren auf
ihn gelegt.
    Nachdem die Mnner eine Weile in dem Saale gewesen waren, ertnte eine
Schelle.
    Sehr bald ffnete sich die Tr von dem Gange herein, und mehrere Leute
traten in den Saal. Es waren Knechte und Mgde. Sie stellten sich an den Tisch.
Darauf kamen die Mutter und Bertha aus der Tr, die in das innere Haus fhrte.
Sie hatten dieselben Gewnder an wie frher. Jetzt tat Heinrich ein kurzes
lautes Gebet, in das Antworten der Leute einfielen. Dann setzten sich alle an
den Tisch. Heinrich sa obenan, Witiko wurde zu seiner Linken gewiesen, rechts
sa die Mutter und dann Bertha. Weiter unten waren die Leute. Hierauf trugen
zwei Mgde Speisen auf den Tisch. Auf das obere Ende wurden ein Rindsbraten
Geflgel Fische und Kuchen gestellt, auf das untere der Lendenbraten eines
jungen Schweines Sauerkohl und Brod. Am oberen Ende wurde in kleine feine
Silberbecher Wein eingeschenkt, am unteren aus einem groen Eimer Bier in graue
blaublumige Steinkrge.
    Am untersten Ende des Tisches erblickte Witiko den Krauskopf, der ihm mit
lachenden Augen zuwinkte.
    Heinrich munterte die, welche bei ihm saen, zum Essen auf, und am untern
Ende zerlegte einer den Lendbraten.
    Unser Gast hat gesagt, da er nach Bhmen reiten werde, sprach Bertha.
    Hast du ihn darum gefragt? sagte Heinrich.
    Wir haben allerlei gesprochen, und gefragt, und da werde ich ihn auch wohl
um dieses gefragt haben, entgegnete Bertha.
    Einen Gast forscht man nicht aus, meine Bertha, sagte Heinrich.
    Damals war er noch nicht unser Gast, antwortete Bertha, und er hat es mir
gerne gesagt.
    Ich habe es sehr gerne gesagt, sprach Witiko.
    Wenn ich von dem Steine der drei Sesseln oder von dem Blckensteine gegen
das Land von Bhmen blickte, sagte Bertha, so war es immer, als sei es in
jenen Gegenden nicht so licht als auf unserer Seite der Berge.
    Von dort blickt man in unser Land nach Mittag, antwortete Heinrich, und
nach Mittag ist der Ausblick in allen Lndern freundlicher.
    Ich wei nicht, ob ich in Bhmen wohnen mchte, sagte Bertha.
    Am freiesten und hellsten wohnte es sich wohl auf der Hhe des Waldes,
sagte Witiko.
    Die alten Bhmen haben ihre Burgen oder die Verbalkungen ihrer Zupen, in
welche sie sich bargen, wenn ein bermchtiger Feind das offene Land
durchstreifte, stets in der Ebene angelegt, entgegnete Heinrich, sie bauten
diese Vesten an Orten, wo Smpfe waren, oder zwei Wsser zusammengingen, so da
nur auf einer Seite ein Eingang war, den sie durch starke Grben wahrten. Gegen
unsere Tage her wird sich wohl auch bei ihnen einiges gendert haben, wie ja die
neuen Zeiten neue Sitten bringen.
    Ich habe immer geglaubt, wo ein steiler Fels gegen Wasser vorgeht, das um
ihn herum fliet, oder sich um ihn ausbreitet, da er rckwrts nur mit einer
schmalen Zunge an dem Lande hngt, sagte Witiko, das wird eine gute Wohnung
sein, die leicht zu verteidigen ist. Ein groer Wald, der einem zahlreichen
Feindeshaufen den Zugang wehrt, und ihm Nahrung versagt, knnte auch als Schutz
dienen.
    So ist ja dieses Haus gebaut, entgegnete Heinrich.
    Mein Kind, sagte Wiulfhilt, wir Frauen, die wir abhngig sind, wissen
nie, wo wir wohnen werden, und wo wir dann mit den Unsrigen wohnen, wird es uns
doch gefallen.
    Das Mahl dauerte nicht lange, und als es aus war, und man sich erhoben
hatte, tat Heinrich wieder ein Gebet, wie bei dem Beginne desselben, dann sagte
er: Wolfram, der junge Reitersmann, unser Gast, will die drei Sessel sehen, du
wirst ihn zu denselben fhren, und ihn, wenn er es wnscht, zu dem
Blckensteine, zum See, und wieder zu uns zurck bringen.
    Auf diese Worte antwortete der Krauskopf: Ich werde es tun, Herr!
    Als das Gerusch, welches das Fortgehen der Knechte und Mgde verursacht
hatte, geendet war, und der Hauswirt sein Gast und seine Angehrigen noch eine
Weile bei einander gestanden waren, kam der Krauskopf, der sich entfernt hatte,
wieder herzu, und sagte, da er gerstet sei. Er hatte jetzt das graue
Mntelchen um das braune Gewand, das er beim Essen angehabt hatte, trug eine
Armbrust nebst Bolzenbeutel, und reichte Witiko einen Lanzenstock dar. Dieser
empfing ihn, und sagte: Ich danke fr das Mahl, ich danke fr die Sorge um
meine Wanderung, und nehme den Antrag an.
    Geht mit Gott, und kommt bald in meine Wohnung zurck, sagte Heinrich.
    Benimm dich gut, Wolf, sagte die Frau.
    Ihr drft ihm schon trauen, sagte Bertha zu Witiko, er kennt den Wald und
die Wege.
    Es wird schon recht werden, sagte Wolf.
    Und so gingen alle bei der Tr des Vorsaales und bei der Eisentr auf den
Sandplatz hinaus. Dort verabschiedete man sich, und die zwei Mnner betraten
ihren Weg. Sie gingen vom Hause gegen Mitternacht.
    Hinter dem Hause war der Raum der Felder. Auf diesem Raume gingen die Mnner
fort. Der Krauskopf ging gegen Witiko herzu, und sagte: Ich gehe recht gerne
mit Euch.
    Du gehst gerne mit mir? fragte Witiko.
    Ja, antwortete Wolf, weil Ihr ein so schnes Pferd habt, und gut seid.
    Du hast ja gesagt, wie du dir auch einmal eins erwerben wirst, antwortete
Witiko.
    Ja, wenn nur Krieg wre, antwortete Wolf.
    Krieg ist ja schier immer, entgegnete Witiko.
    Und da ich gestern dem Wirte im Hauzenberg eine Wohltat erwiesen hatte,
wenn ich nur htte ahnen knnen, da Ihr zu unserem Herrn reitet, ich wre mit
Euch gegangen, und htte Euch den Weg gezeigt. Aber Euer Pferd ist ja gar nicht
in unserm Stalle, sagte Wolf.
    Ich bin nicht zu deinem Herrn geritten, entgegnete Witiko, und mein Pferd
steht an der Mihel bei den Khlern.
    Bei den Khlern ist ein schlechter Platz fr Euer Pferd, antwortete Wolf.
Weil ich alle Botschaften meines Herrn verrichte, so kenne ich viele Mnner und
ihre Pferde, aber keines der Pferde hat einen so schlechten Platz.
    Ich bin fr mein Pferd zufrieden, und habe selber Herberge bei den Khlern
genommen, sagte Witiko.
    Weil Ihr so gut seid, entgegnete Wolf.
    Sie waren am Saume der Tannen angekommen, und gingen nun gegen
Sonnenuntergang. Sie gingen hier wieder an mehreren solchen groen Steinen
vorber, die so ohne Zusammenhang auf dem Grunde lagen, als wren sie von
Menschenhnden hergelegt worden. An einem dieser ungeheuren Steine lag ein
Huschen, das winzig gegen den Stein war.
    Hier wohnt Trude, die Singgespanin unsers Fruleins, sagte Wolf, ihr
Vater ist ein sehr armer Mann.
    Sie gingen an dem Huschen vorber, traten dann in den Wald, und gingen im
Walde weiter.
    Es tosete wieder ein Wasser zwischen Steinen und Felsen hernieder. Ein
miger Baumstamm war ber dasselbe gelegt. Wolf lief hinber, und sah auf
Witiko zurck. Dieser ging ber den Stamm.
    Ach, Ihr knnt das schon! rief Wolf, da wird alles gut werden. Seht,
dieser Bach hadert in die Tiefe. Aber unten fast an der Mihel legt sich ihm eine
Querwulst entgegen, und er mu halten, und macht einen mchtigen Teich, ehe er
hinber klettern, und jenseits in die Wiese hinab springen kann. Ich bin in ihm
geschwommen. Einmal bin ich auch in der Donau hinber und herber geschwommen.
Der Teich wird einmal entwischen. Er wird in der Lehmwand ein Loch bohren, und
ber die Wiese in die Mihel rinnen. Einstmals wird kein Mensch etwas von ihm
wissen.
    Sie gingen nun in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend unter groen
Buchen und dann unter hohen Tannen in dem Walde fort. Nach einer Wanderung von
einer und einer halben Stunde gelangten sie auf die Schneide des Waldes hinan zu
dem Fels der drei Sessel, der aus dem Grase des Waldes ber die Gipfel der Bume
empor ragte. Witiko kletterte ber die Treppe empor, Wolf folgte ihm. Oben war
ebener Stand und drei hohe Lehnen, ber die man hinausblicken konnte. Witiko sah
in das Land Baiern. Zu seinen Fen sah er die groen Wlder, er sah dann den
Inn die Isar und die Donau, und an dem Rande sah er die Berge der Alpen. Er
wendete sich dann um, und sah gegen Mitternacht und Morgen auf die dunkeln
Hupter der nahen Wlder, welche sich da erhoben.
    Nach einer Weile sagte Wolf: Wenn Ihr immer nach dem Lande Bhmen schaut,
so wre es besser, wenn wir auf den Hohenstein oder gar auf den Blckenstein
gingen, wo wir viel grere Stcke dieses Landes sehen knnen. Der Blckenstein
ist hher als die Felsen hier, und das meiste, was man vom Bhmenlande erblicken
kann, erblickt man von ihm.
    Witiko schaute noch eine Zeit nach seiner Richtung, und sagte dann: Gehen
wir auf den Hohenstein.
    Sie stiegen von dem Fels hinab, und gingen eine kleine Strecke nach
Mitternacht. Dort stand ein hnlicher Fels. Es war der Hohenstein. Sie
kletterten ber eine gleiche Holztreppe hinauf. Von ihm sah Witiko die Berge des
bhmischen Landes hher und breiter als von den Sesseln, auch sah er neue
Waldlehnen emporstehen, aber weiter nichts von dem inneren Lande.
    Gehen wir auf den Blckenstein, sagte er.
    Sie kletterten herab, und gingen nun in der Richtung gegen Morgen. Es war
Tannengebsch, es waren Wurzeln Moore Steine und Knieholz, durch das sie gingen.
Nach zwei Stunden Wanderung war eine Hhe vor ihnen, die sie erklommen. Als sie
auf der Schneide standen, sagte Wolf: Wir stehen auf dem Blckensteine.
    Hier sahen sie weite und breite Gelnde gegen Morgen und Mitternacht; aber
es war lauter Wald. Die Moldau war an manchen Stellen zu sehen, und glnzte matt
in dem Lichte des Himmels. Witiko blieb stehen, und sah auf die Moldau hinab.
    Wolf wies mit der Hand gegen links, und sagte: Dort oben, wo der krumm
gewlbte Wald steht, wrden wir den Berg des reichen Gesteines sehen, wenn der
Wald nicht wre. Es sind Steine, in denen man Gold findet. Es wird das Gold auch
in die Moldau abgeschwemmt, da es unter dem Sande ist, und aus ihm heraus
gewaschen werden kann. Sie haben an dem Berge jetzt Htten gemacht, und wollen
die reichen Steine heraus graben. Weiter unten wre der Winterberg, wenn der
gezackte Waldkamm nicht vorstnde. Gerade hier hinab ist das Tal der
Hirschberge, in welches der See seinen Bach ablt. Und dann geht es gegen das
Land hinaus, wir knnen es aber vor lauter Wald gar nicht sehen. Dorthin, gerade
aus, ist der obere Plan. Dann wrden wir, wenn der Wald nicht vorstnde, den
Wald des heiligen Thomas sehen, und dann ist nichts mehr als der Himmel.
    Whrend der Rede des Fhrers war Witiko gestanden, und hatte auf das Land
vor ihm hinunter geschaut. Jetzt aber wendete er sich zum Gehen.
    Hier ist gleich noch der schwarze See, sagte Wolf.
    Die Mnner gingen nun von der Stelle, auf der sie gestanden waren, noch ein
wenig gegen Morgen und zugleich abwrts. Nach einer Weile standen sie an dem
oberen Rande einer Felswand, welche in fallrechter Richtung nieder ging, und zu
ihren Fen einen finstern See hatte, der zwischen Felsen und Wldern wie in
einer Hhle unten lag. Der Wald fate ihn ein, und seine Oberflche zeigte
nichts Lebendiges. Die Ufer an der Wand waren von herabgestrzten Bumen
gesumt. Der junge Reiter trat auf eine Steinplatte, welche von der Wand weg
gleichsam ber den See vorragte, und schaute eine geraume Zeit hinunter. Nachdem
er seinem Schauen ein Ende gemacht hatte, kehrte er wieder um, und schickte sich
zum Gehen an.
    Die Mnner gingen nun gegen Mittag von der Seewand gerade in der Richtung
hinunter, in der das Haus sein mute, in welches sie wollten. Nach einer Stunde
kamen sie auf einen breiteren Pfad, und in kurzem an den Rand der Felder, auf
dem Heinrichs Haus stand.
    Da sie ber diese Felder dem Hause zugingen, wollte Witiko seinem Fhrer
eine Belohnung geben. Dieser schlug sie aus, und sagte: Von Euch nehme ich
nichts.
    Wenn du alles Geld ausschlgst, dann bekommst du nie ein Pferd, sagte
Witiko.
    Denkt nur einmal daran, da wir heute mit einander gegangen sind,
entgegnete Wolf, dann ist es schon recht.
    Ich werde daran denken, sagte Witiko, und auch daran, da du ein sehr
guter Fhrer bist.
    Und ich, da Ihr so gut im Walde geht, wie sehr wenige, antwortete Wolf.
    Ich habe es wohl gelernt, sagte Witiko.
    Indessen waren sie bei dem Hause angekommen, Witiko reichte dem Fhrer
seinen Stock, und sagte: So danke ich dir recht schn, Wolf, und ich werde
nicht vergessen, wie getreulich du heute gegen mich gewesen bist.
    Das wird das Schnste sein, sagte Wolf.
    Mit diesen Worten nahm er den Stock, und ging um die Ecke des Hauses. Witiko
trat bei der Eisentr ein, und ging in den Saal. Dort war Heinrich mit seiner
Gattin und Bertha, und es war jetzt auch das Mdchen mit den lichtgelben Zpfen
da, welche die Singgespanin Berthas war. Man bot Witiko einen Stuhl. Er setzte
sich. Eine Magd brachte Wein und Brod.
    Ich hoffe, da Ihr einen guten Weg gemacht habt, und da sich mein Fhrer
bewhrt hat, sagte Heinrich.
    Ich habe einen guten Weg gemacht, und Euer Fhrer ist sehr trefflich,
antwortete Witiko.
    Jetzt nehmt etwas zu Eurer Erholung, und ruht ein wenig aus, sagte
Wiulfhilt.
    Ich will etwas nehmen, geehrte Frau, entgegnete Witiko, aber mit dem
Ausruhen kann ich nicht einstimmen. Der zurckgelegte Weg ist nicht so arg, da
er eine Ruhe ntig machte, und die Zeit drngt mich, da ich zur Pflege meines
Pferdes in meine Herberge gehe.
    Er brach hierauf ein weniges von dem Brote und a es, dann tat er einen
Trunk des Weines. Da dieses geschehen war, erhob er sich, und sagte zu Heinrich:
Ich danke Euch nun fr die gute Aufnahme, und ich werde an Euch ein Gleiches
tun, wenn es einmal geschehen kann.
    Ich werde Euch noch ein Stck geleiten, sagte Heinrich.
    Und Euch, vielwerte Frau, sprach Witiko zu Wiulfhilt, sage ich Dank fr
jede Sorge und Mhe.
    Gesegn' Euch Gott den Aufenthalt bei uns, Witiko, und mge er Euch Glck
und Ehre verleihen, sagte die Frau.
    Dann wendete sich Witiko zu Bertha, und sagte: Lebet wohl, Bertha, und
bleibet heiter und frhlich.
    Ihr auch, Witiko, sagte das Mdchen, und reitet mit Glck.
    Vielleicht hre ich Euch doch wieder einmal singen, wenn ich wieder einmal
komme, sagte Witiko.
    Kann sein, wenn Ihr denkt, und singt wie der Wald, entgegnete sie.
    Ich habe gejauchzt, sagte er, singen kann ich nicht aber denken wie der
Wald.
    Dann neigte er sich gegen Trude, und sagte: Lebet wohl, und habt Dank fr
den Gesang, den ich auch gegen Euren Willen gehrt habe.
    Lebet wohl, sagte das Mdchen, und errtete.
    Nach diesen Worten schickte sich Witiko an, den Saal zu verlassen. Er sah
noch auf Berthas Kranz.
    Heinrich ging mit ihm auf die Gasse, und von da weiter bis zur roten
Kapelle. Dort sagte er: Jetzt trennen wir uns. Wandert wohl, und wenn Ihr
wieder einmal in diese Grnde kommt und das weie Haus sehet, so besuchet es.
    Wenn es der Himmel fgt, so werde ich nicht vorber gehen, antwortete
Witiko.
    Und wir werden Euch freundlich aufnehmen, wenn wir hier sind, sagte
Heinrich.
    Noch einmal Dank, entgegnete Witiko.
    Mit Gott, antwortete Heinrich.
    Sie trennten sich, Heinrich ging mitternachtwrts, Witiko mittagwrts. Der
breite Weg hrte mit der Wiese auf, und Witiko ging auf dem schmalen Pfade, der
folgte, zur Mihel hinab. Da er in dem Khlerhause ankam, sah er sogleich nach
seinem Pferde. Dann war ein Abendessen wie am Tage zuvor, und dann ruhte Witiko
in demselben Bette.
    Am andern Morgen, ehe die Sonne aufging, sa er in seinen Unterkleidern am
Tische im Zimmer der Khlerhtte. Der Khler reinigte seine Kleider. Er aber
ging zuweilen mit den hlzernen Schuhen des Khlers in den Stall, um an der
Pflege seines Pferdes zu sein, dann kleidete er sich an, und hierauf aen alle
eine aus Milch und Mehl bereitete Suppe.
    Und nun habet Dank, ihr lieben Leute, fr eure freundliche Aufnahme, sagte
Witiko.
    Wenn Eure Mutter meinen Vater wieder einmal an Euch sendet, sagte der
Khler, so erffnet ihm, da wir Euch hier aufgenommen haben.
    Ich werde es tun, sagte Witiko.
    An der Mihel geht der Saumpfad fort, sprach der Khler. In vier Stunden
langsamen Reitens seid Ihr im Aigen. Am ersten Hause mit den roten Balken wird
Euch der Ohm Florian erwarten. Er wird fr Euch und Euer Pferd sorgen, und Euch
nach dem Friedberge fhren.
    Es ist gut, sagte Witiko.
    Dann streichelte er den Kindern die Wangen, und gab jedem einen glnzenden
Pfennig.
    Dann verlangte er sein Pferd.
    Der Khler fhrte es vor die Tr.
    Erlebet recht groe Dinge, sagte die Frau.
    Wie Gott will, entgegnete Witiko, und gab ihr die Hand.
    Er reichte auch dem Manne die Hand.
    Dann prfte er die Rstung des Pferdes, sagte: Ich danke euch noch einmal,
und schwang sich hinauf.
    Reitet mit Gott, riefen die Leute.
    Witiko ritt an die Mihel, durchritt die Furt, und ritt auf dem Saumpfade
gegen Morgen weiter.
    Wenn er rechts blickte, sah er das lange waldige Dach des breiten Berges,
links den Wald der drei Sessel, des Blckensteines und die ferneren gegen
Morgen. Die Mihel rauschte neben ihm, bald war er an ihrer Seite, bald war er
weiter von ihr entfernt. Es kamen auch Anhhen, ber welche er sein Pferd
hinber schreiten lassen mute.
    Er ritt an einem spitzigen bewachsenen Berge vorbei, welcher den Namen des
schwarzen Berges fhrte, ber einen Hgel, welchen man den Berg des heiligen
Huldrik nannte, und er hatte dann links den groen Wald neben sich, welchen sie
Hochficht hieen.
    Ehe noch der Mittag gekommen war, ging das Tal am Walde auseinander, es
wurden Wiesen und Felder, und er kam zu einem Hause, das an dem Pfade stand. Das
Haus war aus Holz, und hatte stark hervorragende Dachbalken, welche rot bemalt
waren. Er hielt ein wenig an. Da kam ein Mann mit grauem Gewande und weiem
Barte aus dem Hause.
    Heit es hier in dem Aigen? fragte Witiko.
    Ja, und ich bin Florian, der Ohm Margarethens, des Weibes des Khlers
Mathias, antwortete der andere.
    Und ich bin der, den du erwartest, sagte Witiko, stieg von dem Pferde, und
brachte es auf die Weisung des alten Mannes in einen Schoppen. Dort erhielt es
sein Mittagfutter, so wie Witiko auf einem Brettertische vor dem Hause von dem
Besitzer sein Mittagmahl erhielt.
    Er blieb zwei Stunden hier, dann zumte er sein Pferd, zahlte seine
Bewirtung, und ritt in Begleitung des alten Mannes weiter, der in einer
Lederhaube, groben Beinkleidern und groen Waldschuhen mit einem langen Stabe
vor ihm herging.
    Sie trafen von dem Hause ihrer Herberger weg noch einige andere kleine
Huser mit Wiesen und Feld, smtlich von Holz. Dann fhrte ihr Weg sie wieder in
den Wald.
    Ihre Wanderung ging zwei Stunden noch an der Mihel fort. Da war zuweilen
eine Htte mit gereutetem Lande, oder eine Khlersttte, oder ein Holzschlag mit
den Holzschlgerhtten, oder gar ein Haus mit einer Sge zu Brettern. Als sie
aber zu einem Berge gekommen waren, welcher der Berg des heiligen Oswald
geheien wurde, und als dort der Begleiter Witikos gegen den groen Wald,
welcher immer zur Linken war, einbog, traten sie in dichten Wald, der nicht
durch ein einziges kleines freies Pltzchen unterbrochen war. Ihre Wanderung
dauerte in diesem Walde ber zwei Stunden, und ihr Weg fhrte sie in der
Richtung zwischen Mitternacht und Morgen immer sachte aufwrts. Es standen sehr
dicke Stmme von Tannen in dem Boden, welcher feucht war, wenig Licht erhielt,
und teils Steine teils Untergestrppe teils grne Schattenpflanzen trug. Von
diesen Stmmen war noch nie einer durch Menschenhnde geschlagen worden, weil
noch nicht die Not um Holz dazu getrieben hatte, mancher war aus Alter gefallen,
oder vom Blitze zerstrt worden, eine andere Beschdigung war nicht sichtbar,
weil auch Winde in die Tiefe dieses Waldes nicht eindringen konnten.
    Als die Sonne gegen Abend neigte, kamen sie auf der Schneide des Waldes an,
und hier war eine freie Stelle. Auf derselben war kein Studlein, sondern nur
kurzes Gras und groe Ganitsteine. Witiko ritt das Pfadlein zwischen den Steinen
hinan, bis er auf die Hhe und auf einen Bhel gelangte, der ber die Wipfel
aller tiefer stehenden Bume empor ragte. Hier hielt er pltzlich an, und seine
Augen konnten weit und breit herum schauen. Er sah mittagwrts auf das
Bayerland, das blau mit Wldern Fluren und offenen Stellen dahin lag bis zu den
noch blaueren Alpenbergen, in denen manche Matte mit Schnee glnzte. Gegen
Morgen davon sah er auf die Ostmark mit den blauen Fluren und Wldern und
Feldern, in der der junge Leopold herrschte. Es war ein weites Gebiet, das er
betrachtete, und zu seinen Fen lag der Wald, durch den sie herauf gekommen
waren, und andere Wlder. Und als Witiko sich gegen Mitternacht wendete, ging
der Wald, auf dessen Schneide er stand, so dicht und breit hinab, wie der
gewesen war, durch den er herauf geritten war. Und unten flo die Moldau, nicht
wie gestern in kurzen Stcken sichtbar, sondern in langen Schlangen von dem
oberen Waldlande niederwrts wandelnd. Und jenseits des Wassers lag das Land
Bhmen in schnen Wldern und dann wieder in Wldern und dann in Gefilden, die
mit Gehlz, wechselnd mit nahrungtragenden Fluren, bedeckt waren. Den Wald sah
er, auf dem er gestern gestanden war, den Wald, in welchem sich der schwarze See
befand, und dann noch weiterhin stark dmmerige Wlder. Auch gegen Morgen war
Forst an Forst dahin.
    Da sollte eine Knigsburg stehen, sagte Witiko.
    Ja, da knnte ein hoher Herr hausen, sagte Florian.
    Der Wald ist weit grer, weit dichter und weit undurchdringlicher, sagte
Witiko, als der um Heinrichs Wohnung unter den drei Sesseln, und es ist hier
weit und frei und herrlich.
    Es ist schon einmal etwas da gewesen, sagte Florian, nicht eine Wohnung,
sondern ein heiliges Ding, eine Betstelle. Es stand da auf dem hchsten Platze
das Bild des heiligen Apostels Thomas in einem Huschen von Tannenholz zur
Verehrung aufgerichtet. Es war dies in alten Zeiten, da noch mehr christliche
Herren in dem Walde herrschten. Es ist ein groes Geschlecht da gewesen. Dann
sind sie aber zu den Tryznen gegangen, die in Bhmen noch abgehalten wurden, das
heilige Haus ist weggetragen worden, oder hat es das Feuer verzehrt, oder ist es
sonst zu nichte geworden, und der Ort heit nur mehr der Thomasgipfel.
    Wessen ist der Grund, auf dem wir hier stehen? fragte Witiko.
    Des Herzogs Sobeslaw von Bhmen, antwortete Florian, er kann ihn
gebrauchen, oder verschenken, wie er will.
    Und in wessen Land wohnest du? fragte Witiko.
    Ich bin ein Mann des Herzogs Sobeslaw, antwortete Florian, in der reichen
Aue da unten gegen den Oswaldberg steht meine Waldhtte mit Wiese und Vieh. Wir
haben weithin keine Nachbarn, und mssen lange gehen, um zur Mihel zu kommen.
Wir sind aber keines Herrn Gefolge als des Herzogs, und wir gehren zur Zupe
Daudleb, die wohl sieben Stunden von hier an der Malsch in der Richtung ist, in
welcher Ihr immer hinschaut.
    Ja, ich schaue in dieser Richtung, sagte Witiko, aber la uns weiter
gehen.
    Er lenkte sein Pferd auf das Pfadlein jenseits des Bhels abwrts.
    Sie kamen wieder in einen Wald, der so schn und dicht war, wie der, durch
den sie herauf gekommen waren.
    Als eine Stunde vergangen war, und die Dmmerung schon anfing, gelangten sie
an das Wasser der Moldau hinab.
    Das ist die Moldau, sagte Florian.
    Sei mir gegrt, du dunkles Wasser, das ich so lange nicht gesehen habe,
sagte Witiko.
    Sie berschritten die Moldau auf einer schmalen Brcke, und stieen jenseits
auf einen niederen langen Hgel.
    Das ist der Friedberg, sagte Florian, und hier werden wir die Nachtruhe
halten.
    Sie stiegen den Hgel, welcher Wiesen und kleine Feldei trug, hinan, und
trafen oben mehrere Huser. Sie waren alle von Holz mit breiten Dchern. Eines
aber war von Stein, und hatte einen sehr starken runden steinernen Torbogen. Zu
diesem Hause leitete Florian den Reiter, der Herr des Hauses kam heraus, und
geleitete sie in das Innere.
    In dem Hause mit dem runden Steintorbogen hielten Witiko, der Alte und das
Pferd die Nachtruhe.
    Als die Sonne aufgegangen war, rsteten sie sich zur Weiterreise. Witiko
hatte Florian gebeten, ihn bis an das Ende des Waldes zu fhren, und dieser
hatte eingewilligt. Da Witiko sagte, da er an der Moldau reiten wolle, gingen
sie wieder ber die Brcke, und schlugen einen Saumweg an dem Wasser gegen
Morgen ein. Sie zogen zwei Stunden lang durch dichten nassen niederen Wald. Dann
kamen sie zu einer Stelle, an welcher steile Felsen neben dem Wasser
emporragten. Die Moldau flo rauschend und tosend durch das Gestein. Florian und
der Reiter kletterten durch die Blcke, dann kamen sie wieder in ebneren Wald.
Nach einer Stunde gelangten sie an den Platz, an welchem die Moldau ihren Lauf
nach Morgen abbricht, und ihn nach Mitternacht wendet. Und wieder nach einer
Stunde trafen sie an dem Orte ihrer Mittagsruhe ein. Es standen mehrere Huser
an der Moldau. Eines nahm sie auf. Witiko sah, da hier die Moldau einen Kreis
mache, und gleich hinter ihm eine lange Schleife zog. An dem Kreise standen
gegen Mitternacht Steinhhen, und zogen sich in die Schleife. Witiko sagte, da
man auf den Steinen eine Burg bauen knnte, welche durch das Wasser wohl
gesichert wre. Er betrachtete den Platz mit Aufmerksamkeit.
    Als sie zwei Stunden geruht hatten, zogen sie mitternachtwrts an der Moldau
weiter. Die Waldberge wurden kleiner und geteilter, und mancher Rcken ging
mitternachtwrts hinaus. Nach vier Stunden erreichten sie die Stelle ihrer
Nachtherberge.
    Das ist die krumme Au, sagte Florian, und da wre eine Burg noch schner
als auf dem Berge der Rosen, den Ihr so lange angeschaut habt. Die Moldau macht
einen Ring, dann macht sie auerhalb desselben einen zweiten verkehrten, und
dann noch einen greren, der wieder verkehrt ist, und an ihm stehen gerade
Felsen empor.
    Er leitete den Reiter in eines der Huser, die in der krummen Au standen.
    Ehe am andern Morgen die Sonne aufging, stieg Witiko auf den Felsen, und sah
alles an. Dann stieg er wieder nieder, rstete sein Pferd, und sie zogen weiter.
    Die Waldberge wurden wieder niederer, die Moldau machte noch manche
Schleife, und da sie drei Stunden an ihr gewandert waren, ging sie in die
waldlose Ebene hinaus.
    Witiko wendete sein Pferd, und blickte auf den Wald zurck. Dann dankte er
dem Fhrer und lohnte ihn. Der Fhrer ging mittagwrts in den Wald zurck, und
Witiko ritt mitternachtwrts weiter.

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 Sie waren sorglos und frhlich.

Nach drei Tagen ritt Witiko von dem alten Zupenorte Chynow mitternachtwrts. Da
hrte er hinter sich Lachen und Pferdetraben. Er blickte um, und sah eine Anzahl
schner Reiter hinter sich herkommen. Er lenkte sein Pferd an den Rand des
Weges, und ritt in seiner Art langsam weiter, um sie vorber zu lassen. Da war
der erste, der heran kam, ein Jngling in scharlachrotem Gewande auf einem
weien Zelter. Statt an Witiko vorber zu reiten, hielt er sein Pferd an, und
sagte: Du einzelner Mann, du reitest aus, das Herzogtum Bhmen zu erobern.
    Witiko brachte sein Pferd nun vollends zum Stehen, stellte es quer an den
Weg, und sah den Mann an. Dieser blieb auch stehen, und hielt die Betrachtung
aus. Er war ein junger schner Mann mit blonden Haaren und blauen Augen. Auf
seinem Haupte hatte er eine schwarze Haube, von der eine Adlerfeder gerade empor
stand. In den Bgeln hielt er starke lederne Stiefel, und um die Schultern hatte
er an einer roten Schnur ein Hfthorn. Seine Kleider waren in Unordnung. Sie
waren bestaubt und von einem nassen Boden, auf dem er geritten sein mochte,
bespritzt. Da Witiko schaute, kamen die andern heran. Sie waren alle jung und in
schne Farben gekleidet. Die meisten waren rtlich oder rotbraun, die andern
grn. Sie hatten gleichfalls Federn auf den Hauben; Reigerfedern, Hahnenfedern
und dergleichen. Manche hatten ein Hfthorn, alle hatten ein Schwert, und einige
trugen ein oder gar mehrere Jagdlanzen. Ihre Kleider waren auch in Unordnung wie
die des scharlachroten Mannes. Sie mochten zehn oder zwlf Mnner sein.
    Was die Eroberung Bhmens angeht, sagte Witiko, so wird sie dir weit eher
gelingen als mir, da du ein solches Geleite hast, und ich allein bin.
    Unsere Rosse sind gebrechliche leichte Dinge, die dahin rennen, sagte der
Mann, und unsere Gewnder sind Flitter, die ein Stab zerreit, whrend dein
grauer Zelter, auf dem du im Schritte reitest, breit und fest ist, und deine
Gewnder undurchdringlich sind, da man meinen sollte, du knntest Hostas Burg,
die der Herzog jetzt so eilig neu baut, gemach niederreiten.
    Und wenn ich die Burg des Hosta und den reichen Wysehrad und das ganze
Bhmen niederreiten knnte, entgegnete Witiko, so wrde ich es nicht tun, so
lange Sobeslaw besteht, um dessen langes Leben ihr Gott bitten solltet; aber
deines Herzens Gelsten wre es, hier zu schalten, weil du die Worte zu mir
gesagt hast, die der Schalk dir eingab.
    Hre, Sohn des weisen Nacerat, erwiderte der Scharlachreiter, indem er
sich zu einem der Angekommenen wendete, dieser da meint, da wir alle, die hier
sind, ihn ausgenommen, den Wunsch haben, die Plage der Regierung in Brglitz zu
sitzen, oder Reichsversammlungen in Sadska zu diesen Lndern zu bernehmen, auf
dem Wysehrad oder auf halten, und die Meinungen der erfahrnen Jahrtrger und
Rte zu hren, und ihnen untertnig zu sein, statt in freier Luft zu leben, die
nachdenkenden Kpfe herrschen zu lassen, und uns um die Freuden zu bekmmern,
die uns Gott in der Welt gegeben hat: um das frhliche Reiten, um die Jagd, um
den Becher, um die Mdchen, und wre es selber die schne sterreichische
Gertrude, die Schwester des ehrbegierigen jungen Markgrafen Leopold, dem jetzt
unser ruhmreicher Herzog, welchem wir ein ewiges Leben hienieden wnschen, die
bhmische Maria, seine Tochter, zur Gemahlin geben will. Und du, Odolen, Sohn
des Striz, und Welislaw, sind wir nicht besser und jnger, uns die schnsten
Mdchen zu whlen, als jener Balg, der Wratislaw von Brnn, der sich vor fnf
oder sechs Jahren eine Prinzessin aus Ruland geholt hat, die alle sterblichen
Leute an Schnheit bertrifft?
    Und wie du auch scherzest, sagte Witiko, so mchtest du doch da der Erste
sein, nur da du es nicht kannst.
    Und du wirst den Herzog Sobeslaw strenge gegen mich verteidigen? sagte der
Scharlachreiter.
    Es ist ganz umsonst, ber nichtige Dinge zu streiten, entgegnete Witiko,
aber ich wrde ihn mit dem letzten Blutstropfen verteidigen, weil er zu Recht
eingesetzt ist, ein guter Mann ist, und recht regiert.
    Also einen schlechten Herzog wrdest du absetzen? sagte der
Scharlachreiter.
    Wenn ich einen schlimmen Herzog absetzen knnte, und nur ich allein,
antwortete Witiko, so wrde ich es nicht tun, wenn er mit Recht besteht, weil
ein schlimmerer unrechter kommen knnte; aber dienen wrde ich ihm nicht.
    Wenn du ein Steinschleifer oder ein gelehrter Mann bist, der langsam nach
Prag reitet, sagte der Scharlachreiter, so knnte der Herzog deine guten
Dienste wohl brauchen; denn er ist daran, das hlzerne Prag in ein steinernes zu
verwandeln, die Gassen nach der Schnur zu richten, die Menge von Steinen, daraus
er einen Fuboden im Wysehrad machen will, wie Tfelchen eines Kirchenfensters
zu schleifen, und Bcher anzusammeln.
    Nach diesen Worten schob Witiko sein Pferd schnell zurck, bis er auer der
Versammlung war. Dann hielt er, und rief: Wenn ihr gekommen seid, einen Mann
und sein Pferd zu hhnen, die euch nie beleidigten, so ist das eine schmachvolle
Tat von euch, da ihr zwlf oder dreizehn gegen einen seid; wenn ihr aber die
Ehre zu achten wit, da ein einzelner von euch eure Worte gegen einen einzelnen
vertritt, so bin ich da, sendet einen, da ich ihm stehe. Wollt ihr mich aber
beschimpfen oder verwunden oder tten, so tut es; ich will lieber als ein
Unbekannter mein Blut hier vergossen sehen, als Schmach annehmen, und erfahren,
da slawische Gastfreundschaft einen Fremden, der im Lande reitet, nicht ehrt.
    Hierauf zog er sein Schwert, senkte es, und blieb mit seinem Pferde stehen.
    Wie hat er denn das Tier so schnell zurckgebracht? sagte der
Scharlachreiter.
    Ich bin Odolen, der Sohn des Striz, rief einer in grner Kleidung aus dem
Haufen, und wendete den Kopf seines Pferdes gegen Witiko, und leide von keinem
Menschen in dieser Welt eine Auflehnung.
    Ich bin Welislaw, rief ein brauner Mann, indem er sich gleichfalls gegen
Witiko wendete, und nehme keine Drohung an.
    Und ich bin Casta, ich bin Ben, ich bin der Sohn des Nacerat, riefen drei
Stimmen.
    Hui, sagte der Scharlachreiter, wenn es einen Kampf geben sollte, so wre
wohl ich der Mann, den er trfe, da ich die Worte gegen jenen Trotzigen
gerichtet habe. Seht, wie das Vgelein die Federn strubt, und hat noch keinen
Flaum ums Kinn, und gleicht einer Jungfrau. Stellt euch zurck, und du,
Ledermann, komme her, wir tun dir nichts zu Leide. Ich bitte dir die Reden, die
ich dir gegeben habe, ab. Du sollst keine mehr hren. Wir sind lustige
Geschpfe, und sagen einander harte Worte, die nichts bedeuten. Wenn du lnger
in dem Lande des alten Cech reitest, so wirst du viele finden, die uns
gleichen.
    Sie sollten derlei nicht sagen, entgegnete Witiko.
    Sagen oder Nichtsagen, rief der Reiter, so komme einmal, und traue mir.
    Da du sagst, da du nichts Schlimmes gegen mich im Sinne hast, antwortete
Witiko, und da du auch versprichst, keine blen Reden mehr gegen mich zu
fhren, so will ich dir trauen, wenn deine Gefhrten auch die gleichen Gedanken
haben.
    Sie haben die gleichen Gedanken, erwiderte der Scharlachreiter, komme nur
her, und reite eine Strecke mit uns, so weit es dir gefllt.
    Ich reite nur im Schritte, sagte Witiko.
    Er gibt schon Gesetze, sagte der Scharlachreiter, wir wollen sie
befolgen, und reiten eine Strecke im Schritte mit dir.
    So komme einmal zu uns, rief eine Stimme aus dem Haufen.
    So komme, rief eine andere.
    Zugleich wendeten die, welche sich drohend gegen Witiko gestellt hatten,
ihre Pferde um, und alle machten eine Bewegung, gleichsam, um ihm Platz zu
machen, und ihn gesellig aufzunehmen.
    Witiko steckte sein Schwert in die Scheide, und ritt langsam mitten unter
sie.
    Es entstand eine Gasse bis zu dem Scharlachreiter. Dieser winkte Witiko, und
Witiko ritt zu ihm hinzu.
    So, sagte der Scharlachreiter, wenn du an meiner rechten Seite reiten
willst, so tue es. Odolen mag dann wieder an deiner Rechten reiten, wo der Weg
es zult, damit du mitten bist. Und du Welislaw und Casta und Mikul und Radmil
und andere, ihr mt folgen. Und ihr, Shne Smils, die ihr so gerne strmt, ihr
werdet nicht zu Schaden kommen, wenn eure Pferde miger schnaufen.
    Es wird schon eine Weile gehen, rief einer aus den hinteren Leuten.
    Und so stellte sich nun Witiko an die rechte Seite des Scharlachreiters und
der, den dieser Odolen geheien hatte, wieder an die rechte Witikos, und der Zug
fing, wie der Scharlachreiter gesagt hatte, sich zu bewegen an. Da sie ritten,
sagte der Scharlachreiter: Nun, Ledermann, sage, wer du bist, und woher du
kommst, und wohin du in diesem deinem Gewande reitest.
    Das werde ich euch nicht offenbaren, entgegnete Witiko, weil ich auch
nicht wei, wer ihr seid, und welche Absichten ihr habt.
    So ist denn gar kein Ende mit dir, rief der Scharlachreiter, nun so
mssen wir Bue tun, und dir sagen, wer wir sind. Du magst dann dein Wesen
enthllen, oder magst es auch nicht tun. Der an deiner rechten Seite reitet, ist
Odolen, der Sohn des Striz. Er will die ganze Welt umwerfen, darum wre es
schade gewesen, wenn du ihm ein Loch in sein grnes Wams oder in sein Herz
gestoen httest, er hat dich umbringen wollen, weil du uns herausgefordert
hast. Es wre auch schade um dich gewesen, da du ein junges Blut bist.
    Witiko sah auf den Mann zu seiner Rechten. Er ritt auf einem schwarzen
Pferde. Er war schnen braunen Angesichtes und schwarz von Haar und Augen. Er
hatte ein grnes Gewand, auf der schwarzen Haube eine Reigerfeder, und trug
Schwert und Hfthorn.
    Nun, du Lederjunge, sagte er, sehe ich wohl aus, wie ein Wegelaurer, der
die Leute tten will, die da so allein reiten?
    Nein, sagte Witiko; aber du knntest voreilig sein.
    Er ist gar nie anders, sagte der Scharlachreiter.
    Jetzt sieh aber auf den, der hinter mir ist, fuhr der Scharlachreiter
fort, der ist Welislaw, er sagt immer, da er treu sei; er wei nicht, wem, und
er ist so jung, da er noch gar nicht angefangen hat, treu zu sein. So schau
doch um auf ihn.
    Witiko blickte gegen ihn zurck. Er ritt auf einem Goldfuchs, war braun von
Haar und Augen, hatte ein braunes Gewand, auf der schwarzen Haube eine
Geierfeder, und trug Schwert und Hfthorn.
    Nun ich bin doch unverdchtig, sagte er zu Witiko.
    Ja, antwortete Witiko.
    Jetzt blicke gerade hinter dich, Lederreiter, rief der Scharlachmann, da
ist der Sohn des Nacerat, er ist immer der Sohn des Nacerat, und wird immer der
Sohn des Nacerat sein.
    So sieh doch um, rief der Mann hinter Witiko.
    Witiko wendete sich ein wenig auf seinem Pferde, und sah nach dem Manne, der
gerufen hatte. Er ritt auf einem braunen Pferde, und war ein sehr schner
Jngling mit blonden Haaren und blauen Augen und rosenrotem Angesichte. Er trug
ein scharlachbraunes Gewand und auf der schwarzen Haube eine weie Feder. Er
hatte Schwert und Hfthorn.
    Ich bin niemanden gefhrlich, sagte er zu Witiko.
    Auer allen schnen Dirnen, rief der Scharlachreiter.
    Ich knnte auch mit einem Ritter edle Freundschaft halten, wie zum Beispiel
mit dem Lederreiter, sagte der Mann.
    Es mag sein, oder auch nicht sein, ich kann es jetzt noch nicht erraten,
sagte Witiko.
    Nun kmmt die zweite Reihe hinter uns, sagte der Scharlachreiter, da ist
Ben, es heit auch ein Feldherr so, aber der ist nicht der Feldherr.
    Nicht wahr, Ben, du bist nicht der Feldherr Bhmens, rief er auf den Mann
zurck.
    Ich werde es bald sein, rief der andere hervor.
    Witiko blickte um. Der Mann ritt auf einem Rappen, hatte lichte Haare, grne
Kleider, eine schwarze Feder auf der schwarzen Haube, und trug Hfthorn und
Schwert.
    Der rechts von Ben heit Casta, sagte der Scharlachreiter. Sieh ihn nur
an, er will immer fr seine Freunde in den Tod gehen.
    Casta, du stirbst fr uns alle, rief der Scharlachreiter.
    Und ihr alle fr mich, rief Casta.
    Der Mann ritt auf einem Rappen, hatte lichte Haare, braune Kleider, eine
graue Feder auf der schwarzen Haube und Hfthorn und Schwert.
    Die hinter den beiden sind die Shne Smils, des groen Feldherrn des
Herzogs Sobeslaw, fuhr der Scharlachreiter fort, sie wollen immer das nmliche
tun, haben gleiche Pferde und Kleider, und mssen uns offenbaren, ob ihre
Liebchen auch die gleichen Augen haben. Sieh sie nur an, mein Ledermann.
    Witiko blickte um, und konnte nur erkennen, da die beiden grn gekleidet
waren, rote Federn auf den schwarzen Hauben hatten, und jeder auf einem Falben
ritten.
    Die weiter zurck sind Mikul und Radmil, und die andern, sagte der
Scharlachreiter, es ist nichts mehr Rechtes an ihnen zu sehen, wenn wir uns aus
diesem Zuge wieder in einen Haufen versammeln, kannst du sie vielleicht nher
betrachten, und sehen, ob sie dir gefallen.
    Witiko konnte erkennen, da die Mnner alle in gleicher Art gekleidet waren:
nicht gar weites Oberkleid mit einem Grtel gehalten, dann das straffere
Beinkleid und Lederstiefel mit einem kurzen rckwrts dicken Stachel. Alle
hatten sehr enge Hauben, hinter denen die Haare auf den Nacken gingen, und dann
quer abgeschnitten waren.
    Nun habe ich dir eine Menge erzhlt, du lederner Mann, sagte der
Scharlachreiter, wir sind gar nicht zurckhaltend; du aber kmmst aus Ophir
oder dem Lande der Knigin von Saba, und reitest mit deinem Gewande so dahin.
    Ich whle mir meine Rstung, wie ich sie fr gut halte, sagte Witiko.
    Und du wirst Groes vollbringen, antwortete der Scharlachreiter.
    Du vielleicht auch, sagte Witiko.
    Das siehst du gewi߫, sagte der Scharlachreiter, da wir dich nicht
beschimpfen, oder mit dir kmpfen oder dich tten wollen, wenn wir auch Spott
und Scherz sagen. Wir sind auf viel grere Dinge aus, nicht nur auf die
Eroberung Bhmens sondern auch des kleinen Lndleins sterreich und Baierns und
Sachsens und Deutschlands und der ganzen Welt - nmlich der Welt des Vergngens.
Wir sind die Knige und Vgte dieses Herrn, der alle Lnder beherrscht. Und der
Erdkreis ist ihm zu klein, und bis in die Sterne und in den Himmel wird er seine
Macht tragen. Da sitzt einer in dem Riesengebirge, und hat das Seinige dort,
einer in den Bergen bei Sachsen, und hat das Seinige dort, einer am Walde von
Baiern, und hat das Seinige dort, einer in der gesegneten Flur an der Elbe, und
hat das Seinige dort: und alle sind sie wie wir.
    Die Kleider, wie ihr sie tragt, habe ich auch in andern Lndern gesehen,
sagte Witiko.
    Nicht blo die Kleider: die Sitten die Bruche und alles andere geht durch
die ganze Welt, und wir leben mit der ganzen Welt, wir knnen nicht hinter
unserem Eichenklotze sitzen bleiben, und uns von ihm beschatten lassen. Ja, da
erzhlen die Alten, unser Volk sei einmal abgeschieden, es sei fr sich allein
gewesen, und habe nicht nach auswrts gestrebt, da hat es Gesang und Tanz
geliebt, die Gastfreundschaft geehrt, und den Boden betreut. Die Einsicht hat
als das Grte gegolten, und der Rechtspruch, den einer geben konnte, war die
hchste Zier. Und die oberste Macht unsers Landes ist nicht aus der
Kriegsanfhrung hervorgegangen, sondern aus der Richterbung. Krok erlangte die
Macht im Volke, weil sein Verstand den der andern bertraf, und weil er allen
raten und helfen konnte. Die Angriffe von auen wurden einfltig abgewehrt. Samo
hat in lngstvergangenen Zeiten die Heere des Frankenknigs Dagobert in der
dreitgigen Schlacht bei Togastburg vernichtet, das Heer Ludwigs des Deutschen,
welcher Bhmen bezwingen wollte, ist in einer unerhrten Niederlage geschlagen
worden. Und man kennt nicht den Ort der Schlacht und nicht den Namen des Mannes,
der unser Volk gefhrt hat. Da, sagen sie, seien gute Zeiten gewesen; aber wer
wei, wie damals alles geschehen ist. Alte Menschen loben das Vergangene und
frhere Zeiten. Die Jahre, die nher an uns liegen, sind auch hier zu Lande wild
genug gewesen. Und warum hat der Mann seines Namens nicht besser gewahrt, und
warum soll ich nicht einen bsen Nachbar, der qult und droht, in seinem Lande
suchen und niederwerfen drfen, warum nicht den Namen der Meinigen in die Herzen
der fremden Vlker tragen, da er geehrter und gefrchteter ist?
    Wir werden den Namen unseres Volkes ruhmreich in die fernsten Lnder
tragen, sagte Witiko.
    Nun, bei allen Heerscharen des Herrn, wenn du das Banner dahin trgst, dann
reiten wir alle, die hier sind, mit dir, rief der Scharlachreiter.
    Ich werde nicht das Banner tragen, sagte Witiko, aber ein ruhmreicher
Herzog von Bhmen wird es tragen lassen.
    Vielleicht dein Sobeslaw? sagte der Scharlachreiter.
    Vielleicht Sobeslaw, vielleicht der, der nach ihm kommt, entgegnete
Witiko.
    Warum hat er dann den Knig Lothar, als er ihn bei Chlumec geschlagen und
eingeschlossen hatte, entkommen lassen, und sich begngt, Herzog von Bhmen zu
sein? sprach der Scharlachreiter.
    Das wird er wissen, entgegnete Witiko, und er wird wissen, warum er zu
den Deutschen steht, das hindert nicht, da er unser Volk einmal ruhmvoll nach
auen fhrt.
    Also reitest du nicht aus dem Lande der Knigin von Saba oder aus Ophir
daher, sondern gehrst zu unserm Volke, wie du sprichst, sagte der
Scharlachreiter.
    Du siehst, da ich nach Mitternacht reite, also komme ich vom Mittage her,
entgegnete Witiko.
    Wir reiten ja alle mit dir nach Mitternacht, also kommen wir vom Mittage
her, erwiderte der Scharlachreiter.
    So ist es auch, sagte Witiko, und es ist nur, wer weiter her kmmt.
    So pilgerst du vielleicht von dem Walde heraus, in welchem Tannen und
Moosbeeren wachsen, sagte der Scharlachreiter.
    Tannen und Moosbeeren und anderes, sagte Witiko, und wo manche Stelle zu
einer edlen Waldburg fr einen gengsamen Mann ist.
    Dort begngen sie sich mit Frschen, sagte der Scharlachreiter.
    Sie begngen sich mit Frschen, antwortete Witiko, und das ist ein
Vorzug.
    Der Scharlachreiter wendete sich bei diesen Worten halb auf seinem Pferde
um, und rief auf seine Begleiter zurck: Wie wre es, Freunde, wenn wir einmal
in den Mittagwald unseres Landes jagen gingen, aus dem die schne Moldau kmmt,
der Ledermann hier meint, es wre nicht so schlecht dort.
    Wenn die Wlfe und Bren und Hirsche im Winter dort nicht erfrieren, so
mssen ihrer genug sein, rief der schne Jngling, welchen der Scharlachreiter
den Sohn des Nacerat geheien hatte.
    Und wir dringen mit der Lanze in der Hand und mit festen Stiefeln an den
Fen durch Gestein und Moor und Wurzelgeflecht, rief der, welchen der
Scharlachreiter Welislaw genannt hatte.
    Wer wei, ob dort schon einmal eine Jagd, wie sie die Vorschrift fordert,
abgehalten worden ist, rief Odolen an der Seite Witikos, und wenn wir die
ersten sind, die eine Kunstjagd dort einfhren, so haben wir Ruhm, und mehr
Ruhm, je mehr wir berwinden mssen. Der Sieg gilt erst recht, wenn man Berge
umwirft, um zu dem Feinde zu gelangen.
    Du trnkest einen Flu aus, um zu ihm zu kommen, sagte der
Scharlachreiter.
    Das wre viel zu langsam, rief Odolen entgegen, ich werfe mich mit unsern
Leuten hinein, und schwimme hinber.
    Wir gehen hin, rief der, welcher von dem Scharlachreiter Ben geheien
worden war, weil wir noch nicht dort gewesen sind.
    Und Wurzeln, Kruter werden wir wohl finden, da wir eine Wrze haben, wenn
wir uns einen Dachs zum Essen braten mssen, rief der, welcher Casta genannt
worden ist.
    Und die Brenfelle bringen wir den Frauen und Jungfrauen zu weicher Hlle,
rief einer der Shne Smils.
    Ja, deiner Mutter zum Fewrmen, sagte Welislaw.
    Wir gehen einmal hin, rief der Scharlachreiter, den Tag knnen wir noch
verabreden, wer wei, was wir da finden und erfahren, und der alte Cosmas lebt
ja auch nicht mehr, unsere Sitten lateinisch zu tadeln, da er die der alten
Zeiten preist.
    Wir gehen hin, rief eine Stimme.
    Wir gehen dahin, rief eine andere.
    Ja, ja, rief wieder eine.
    Und unsere Sitten sind wahre reine weie Lmmlein gegen die Wlfe, die
gewesen sind, sagte der Scharlachreiter, indem er sich auf seinem Pferde wieder
nach vorwrts wendete, wenn Cosmas nicht schon achtzig Jahre alt gewesen wre,
als er auf dem vielen Pergamente die Taten unseres Volkes aufgeschrieben hatte,
so htte er gesehen, was die Alten an sich gehabt haben: sie sind arg gewesen,
und wir sind die Guten. Hast du von den zwei groen Geschlechtern unsers Landes
gehrt, du lederner Reiter, die so gro gewesen sind, da keines grer war, und
kaum ein greres kommen wird?
    Ich habe von manchem Geschlechte dieses Landes gehrt, antwortete Witiko,
ich wei nicht, welches du meinst.
    So horche, sagte der Scharlachreiter, es war ein Mann im Lande, der auf
der Burg Libic hauste, und Shne und Tchter hatte, und Lnder besa, die quer
durch das Herzogtum gingen. Er hie Slawnik. Vor ihm waren schon viele Slawnik.
Als seit dem Heile der Welt noch nicht das tausendste Jahr angebrochen war,
wurde ein Sohn von ihm, der Woytech hie, Bischof von Prag. Er war in der Reihe
der Bischfe der zweite, und nannte sich Adalbert. Cosmas lobt ihn, und hat von
ihm auf das Pergament geschrieben, da er reich an Geburt war, schn an Gestalt,
leutselig an Benehmen, geistlich im Wandel, und da er von allen geliebt wurde.
Und da lebte auch vor alten Zeiten ein Mann namens Wrs, von dem die Wrse
stammten. Da geschah es einmal, da das Weib eines Wrsen im Ehebruche gefunden
wurde. Es war eine Sitte, da das Weib, das sich dessen schuldig gemacht, von
der Hand des Gatten sterben sollte. Sie floh aber zu Adalbert, und gelobte Bue,
und da sie Bue tun knnte, sandte sie Adalbert zu den Frauen des heiligen
Georg. Die Wrse rannten zu Adalbert, und suchten das Weib. Da sie es nicht
fanden, schmhten sie Adalbert als Verbrecher und Beschtzer des Ehebruches. Er
aber sagte: Nicht den Ehebruch schtze ich, sondern einen schrecklichen Brauch
hindere ich, der gegen das Christentum ist, das nicht den Tod des Snders will,
sondern, da er sich bessere, da sprang das Haupt der Wrse zu Adalbert, und
rief: Dich will ich nicht tten, da du nicht ein Mrtyrer wirst, aber deinen
Brdern und deinem Hause will ich es gedenken bis in das letzte Glied. Dann
liefen sie fort, und als man ihnen den Aufenthalt der Schuldigen verraten hatte,
drngten sie das Kloster, bis ihnen die Frau herausgegeben wurde. Und als ihr
Ehegatte sich entsetzte, sie zu tten, lieen ihr die Wrse durch einen gemeinen
Diener den Kopf abschlagen. Adalbert zrnte, weinte, verfluchte die Wrse,
verlie sogleich Prag, und eilte nach Rom. Die Wrse begannen die Fehde gegen die
Brder Adalberts, deren noch fnf im Lande waren, das ungeteilte Erbe Slawniks
besaen, und in der Burg Libic hausten. Der Kampf dauerte lange, er ruhte, er
fing wieder an, ruhte wieder, und begann wieder, und da die Slawnike alles bis
auf Libic verloren hatten, wurde auch Libic belagert. Anastasius der Abt von
Brewnow, der ein Freund des Geschlechtes der Slawnike war, befand sich in der
Burg, und riet, als die tapfere Gegenwehr vergeblich war, sie sollen sich in die
Kirche flchten. Alle Nachkommen Slawniks gingen in die Kirche und zu dem
Altare, und da die Wrse in die Burg kamen, und die Flchtigen aus der Kirche
durch Versprechungen gelockt hatten, ermordeten sie alle ohne Unterschied,
Mnner, Weiber, Kinder und Jungfrauen. Was sie von Dienern und Mannen der
Ermordeten in der Burg fanden, fhrten sie in die Leibeigenschaft ab. Der Abt
Anastasius floh nach Ungarn, und ist nie wieder zurckgekehrt. Die Wrse nahmen
die Gter der Slawnike, und das Haupt derselben wohnte nun fter in Libic. Drei
der Slawnike waren dem Untergange ihres Geschlechtes entronnen: Adalbert,
welcher in Rom war, Radim, sein jngster Bruder, welcher ihn begleitet hatte,
und Sobebor, der lteste, welcher, da einmal die Fehde ruhte, in einem
bhmischen Heere mit dem Kaiser Otto gegen die mitternchtlichen Slawen gezogen
war, den polnischen Knig Boleslaw kennen gelernt, in Polen geblieben war, und
dort Besitz und Ansehen erworben hatte. Aber das Geschlecht erhob sich nie
wieder, und blieb erloschen.
    Und warum haben denn die Herzoge solches nicht gewehrt? fragte Witiko.
    Ja, da war ein Prinz, antwortete der Scharlachreiter, der Boleslaw
Rothaar hie, und der mit seinem ganzen Anhange die Wrse begnstigte, und sogar
mit ihnen gegen die Slawnike kmpfte. Und als er den Herzogstuhl bestiegen
hatte, gab er einem Wrsen seine Tochter zum Weibe, und die Wrse waren die
Nchsten an ihm. Aber Boleslaw verlor alle Nebenlnder des Reiches, und war
wtig gegen Hohe und Niedere. Da brach die Emprung aus, und die Wrse waren die
ersten gegen ihn. Er mute entfliehen. Dann kam er wieder zur Macht, und lud in
der Fastnacht, in der alle sich erlustigten, die vornehmsten Mnner des Landes
und auch Wrse zu sich, und da er sie durch Freundlichkeit getuscht hatte,
berfiel er sie mit seinen Hschern, stie seinem Schwiegersohne zuerst selber
den Dolch in den Leib, und ttete alle, die er frchtete. Er wurde aber noch in
dem nmlichen Monate von dem polnischen Herzoge Boleslaw geblendet, und starb
nach Jahren unbeklagt in einer entfernten polnischen Burg. Als der Herzog
Wratislaw als Knig in diesem Lande herrschte, etwa siebenzig Jahre spter,
waren die Wrse wieder in Ansehen: Buc, Cac, Dobromil, Tista und andere. Da
jedoch der Herzog Wratislaw gestorben war, und sein Sohn Bretislaw auf dem
Herzogstuhle sa, wurden die zwei mchtigsten Wrse aus dem Lande verbannt:
Mutina, der bisher der Freund des Herzogs und Zupan von Leitmeritz gewesen war,
und Bozey, das Haupt der Wrse, Herr auf Libic und Zupan von Saaz. Der Herzog
hatte nmlich erfahren, da sie bei der Belagerung der polnischen Veste Brdo im
Einverstndnisse mit dem Feinde gewesen waren. Als vier Jahre seit dieser
Verbannung verflossen waren, da man das Jahr 1100 schrieb, und der Herzog
Bretislaw in der Abenddmmerung des heiligen Thomastages von der Jagd in den
Wldern von Brglitz gegen seinen Hof Zbecna zurckkehrte, und man ihm in dem
Dunkel der Wlder mit Fackeln entgegen ging, sprang ein Mann namens Lorek aus
dem Dickichte hervor, und stie ihm mit Gewalt einen Jagdspie in den Leib. Der
Leche Cosmas hat aufgeschrieben: Wie ein Stern vom Himmel fiel der hohe Frst in
dem Walde zu Boden. Seine Mannen kamen zu spt, und hoben den Sterbenden empor.
Man rannte dahin, den Mrder zu suchen, und fand ihn mit seinem Pferde in einen
Graben gestrzt von dem eignen Schwerte durchbohrt. Ob mit Absicht, weil er der
Verfolgung nicht entrinnen konnte, oder aus Unglck, konnte man nicht mehr
erkennen. Es war der Glaube verbreitet, da der Mrder von den verbannten Wrsen
Bozey und Mutina angestiftet gewesen sei. Und als nach Bretislaw sein Bruder
Boriwoy den Frstenstuhl inne hatte, wurden die Wrse zurckgerufen, und sie
dienten treu. Da aber der Vetter Boriwoys, Swatopluk von Olmtz, nach dem
Herzogstuhle strebte, da er einen falschen Boten an Boriwoy abgeschickt hatte,
der ihm seine Feinde nennen mute, und ihm die Wrse nannte, und da Boriwoy
mitrauisch wurde, und den Wrsen Bozey zweimal zu fangen strebte, fielen die
Wrse von ihm ab, gingen zu Swatopluk, halfen ihm siegen, und den Frstenstuhl
besteigen. Boriwoy mute nach Polen fliehen. Ein Jahr darauf ging Swatopluk mit
einem Heere zu seinem Gevatter Heinrich dem Fnften dem Knige von Deutschland
gegen Koloman den Knig von Ungarn. Er lie als Schutz des bhmischen Landes den
Herren Wacek und den Wrsen Mutina mit Heeresmacht zurck. Vor Preburg kamen
Swatopluk und Heinrich zusammen. Swatopluk hatte alles niedergeworfen und
zerstrt, was ihn an der Annherung an Preburg hindern konnte, und er strebte
nun mit Heinrich die Stadt und die Veste zu gewinnen. Da kam ein Bote, welcher
meldete, da der polnische Knig Boleslaw, der ein Freund der Ungarn war, mit
Boriwoy in Bhmen eingefallen sei, da er Wacek und Mutina besiegt habe, und die
Zupen verwste, und ein geheimer Bote von Wacek kam, der sagte, da Mutina mit
dem Feinde verstanden sei, da er sich Boriwoy gnstig erweise, da er nur zum
Scheine gekmpft habe, und da er heimlich zu seinem Vetter Nemoy gegangen sei,
der ein Anhnger Boriwoys ist. Swatopluk mute von Preburg zurck, und der
Knig Heinrich mute auch fort. Swatopluk ging mit den Seinigen gegen Bhmen,
und der polnische Knig ging nach Polen zurck. Wacek und Mutina kamen dem
Herzoge entgegen. Er empfing sie freundlich, und war freundlich gegen die Wrse,
welche mit ihm in Ungarn gewesen waren. Er zog gegen die Burg Mutinas, die
Wratislaw hie. Er bernachtete in der Burg. Als der Tag angebrochen war,
versammelte er alle Mnner, die bei ihm waren, in dem groen Saale der Burg,
Herren Ritter und andere. Es war Mutina zugegen mit seinen zwei jungen Shnen,
es waren die Wrse Domaslaw und Unislaw da. Der Herzog trat schnell in den Saal,
sprang auf die Ofenbank, und rief von dort herab, was die Wrse von jeher an
Tcke Verrat und Bsem gestiftet haben, und schrie gegen die Mnner: So gebe ich
sie der Vernichtung preis, und wer sie vertilgt, der nehme ihr Hab und Gut, was
er zu erraffen und zu ergreifen vermag. Die im Saale seien die ersten. Darauf
sprang er von der Bank, und verlie das Gemach. Mutina sa auf seinem Stuhle,
und redete nicht. Sogleich erhielt er zwei Hiebe, und regte sich nicht. Auf den
dritten wollte er empor, und da fiel sein Haupt von dem Rumpfe. Unislaw und
Domaslaw wurden erschlagen. Die Knaben Mutinas wurden fort gefhrt. Ein Freund
der Wrse, Neusa, sprang aus dem Fenster in den Wald, sein helles Gewand verriet
ihn, er ward ergriffen, und geblendet. Die Mnner Krasa und Wakula sprangen auf
ihre Pferde, und jagten gegen die Burg Libic, auf der Bozey sa. Er lie sie als
Reiter aus dem ungarischen Kriege zu sich, da er mit seinem Weibe und seinem
jungen Sohne Borita beim Mittagsmahle sa. Krasa rannte herbei, und lsterte,
und als es ihm Borita verwies, ttete er ihn, und stie das blutige Schwert dem
Vater in das Herz. Die Wrse der Burg wurden ermordet, die Toten der Kleider
beraubt, und verscharrt, und alles geplndert. Und es begann nun ein Krieg der
Wrse, die noch lebten, gegen ihre Angreifer, und der Krieg wurde immer grer,
da ihnen ihre Anhnger halfen, und ihre Feinde sich mehrten. Aber sie
unterlagen, und kamen um. Die einen fhrte man auf die Mrkte der Stdte, und
richtete sie dort hin, die andern ttete man auf dem Berge Petrin, oder brachte
sie auf den Gassen oder in den Husern um. Der alte Leche Cosmas hat
aufgeschrieben, da die Shne Mutinas gute Knaben waren, und so schn, als wren
sie auf Elfenbein gemalt worden; aber sie wurden umgebracht. Die Leute schlugen
ein Kreuz, und entflohen. Alle Wrse waren ausgerottet bis auf einen, der
entflohen war, Johann, der Sohn Tistas. Von der Burg Mutinas ging Swatopluk
wieder gegen Koloman, der ihm gefolgt war, und da er heftig in einem Walde ritt,
stie er sich einen Ast in das Auge, da es ausgestochen war. Man trug ihn nach
Prag, da er dort geheilt werde. Koloman ging nach Ungarn zurck. Da Swatopluk
genesen war, ritt er im Winter mit seinen Scharen drei Tge und drei Nchte, bis
er vor Neitra kam, in das er einreiten wollte; aber die Wchter hatten ihn
gesehen, und verschlossen die Tore. So verwstete er alles ringsum, und zog nach
Mhren zurck. Als der Sommer gekommen war, wollte er Rache an den Polen nehmen,
und lag mit dem Knige Heinrich gegen sie im Felde. Aber der Streit dehnte sich
bis zu dem Herbste ohne Gewinn, und man mute auf den Rckzug denken. Am
einundzwanzigsten Tage des Herbstmonates, als Swatopluk den ganzen Tag bei dem
Knige gewesen war, um den Rckzug zu beraten, und als er in der Abenddmmerung
gegen seine Gezelte zurck ritt, kam aus dem Walde ein fremder Ritter zu seinem
Gefolge, man sagte damals, da es der Wrse Johann, der Sohn Tistas, gewesen sei,
und warf seinen Speer mit Gewalt zwischen die Schultern des Herzogs, da er tot
von dem Rosse fiel. Der Mrder entfloh durch die Schnelligkeit seines Pferdes.
Im nchsten Jahre nach dieser Tat wurde Johann, der Sohn Tistas, als er im
Aufruhr gegen den Herzog Wladislaw ergriffen worden war, von Wacek geblendet.
Drei Jahre darauf wurde Wacek auf Gehei des jetzigen Herzogs Sobeslaw, der
damals noch ein junger Prinz war, auf dem Felde vor dem Wysehrad erschlagen,
weil dem Prinzen seine Freunde berichtet hatten, da ihn Wacek bei seinem
Bruder, dem Herzoge Wladislaw, angeklagt habe, und ihn auf den Wysehrad zur
Gefangennehmung und Blendung locken wolle.
    Das sind furchtbare Gerichte, sagte Witiko, und ich habe auch von ihnen
gewut.
    Ich sage das nur, rief der Scharlachreiter, um zu zeigen, was gewesen
ist.
    Und die Herzoge saen indessen auf ihrem herrschenden Stuhle, sagte
Witiko.
    Ja, die Herzoge, die Herzoge, entgegnete der Scharlachreiter.
    Er wendete sich um, und rief: Der Mann da, der neben mir reitet, frgt um
die Herzoge des Landes, meine Freunde.
    Ich meine nur die Herzoge, die zu jener Zeit gewesen sind, sagte Witiko.
    Ja, die Herzoge, die Herzoge, nicht wahr, meine Freunde, das ist so ein
Ding, die Herzoge, rief der Scharlachreiter.
    Einige von den Reitern lachten bei diesen Worten.
    Der Scharlachmann wendete sich wieder nach vorn, und sagte: Es waren einmal
gar keine Herzoge in diesem Lande, das so gesegnet vor uns liegt, mein Sohn. Wer
wei, was da gewesen ist, als dein Wald noch da herab reichte, wo wir reiten.
    Bren genug, und wenig Jger, sagte Odolen.
    Marbod wird doch die Bren und die Urstiere mit seinen Leuten erlegt
haben, sagte der Scharlachreiter.
    Das waren erst Zeiten, rief der, den sie den Sohn des Nacerat hieen.
    Nun, das wissen unsere Alten kaum, die von den vergangenen Zeiten
erzhlen, sagte der Scharlachreiter, sie loben nur immer, wie es war, da der
Vater Cech ber sieben Strme gegangen ist, und unsere Ahnherrn in dem Lande
gesessen sind. Da schaltete dieser in dem einen Teile des Landes, und in dem
anderen jener, und wieder in einem anderen gar keiner, und alle waren sehr
glcklich, wie es immer glcklich ist, wenn man von den Anfngen eines Volkes zu
erzhlen anhebt.
    Das wre jetzt kein Glck, sagte Welislaw, aber kann eines gewesen sein,
da die Menschen noch bei sich zu Hause sehr huslich waren.
    Und die Huslichkeit ging zu Ende, sagte der Scharlachreiter. Als der
alte Krok die Augen zutat, und sein Ansehen auf seine Tochter Libusa berging,
da wollte jeder ihr Gatte sein, und sie drngten sie, und sie nahm den edlen
Mann des Landes Premysl, und sie lebte mit Premysl, und sie hielten sich das
Land unterworfen, da sie lebten, und es kamen zahlreiche Nachkommen von ihnen,
welche sich immer das Land unterworfen hielten, und Herzoge waren: Nezamisl,
Mnata, Woyen, Unislaw, Kresomysl, Neklan, und andere, wer wei sie noch, und
Hostiwit, und Boriwoy sein Sohn, der erste christliche Herzog, und sein Enkel,
der heilige Wenzel, und dessen Bruder der grausame Boleslaw, und andere. Sie
teilten immer das Land bei ihrem Tode unter ihre Shne, da Streit und greuliche
Dinge wurden; aber kein anderer kam in den Lndern Bhmen und Mhren gegen die
Nachkommen Premysls auf. Da erschien vor hundert Jahren ein vorzglicher Mann
unter den Nachkommen Premysls, mit Namen Bretislaw, der Sohn des Herzogs Ulrich,
der Enkel des Herzogs Boleslaw des Frommen, und der Urenkel des ersten Boleslaw
des Bruders des heiligen Wenzel. Dieser Mann vereinbarte mit allen seinen
Vornehmen den Lechen und Zupanen, da Bhmen fortan ungeteilt bleiben soll, da
der lteste des Stammes Premysl Herzog von Bhmen und Mhren sein soll, und da
alle anderen dieses Stammes Lnder in Mhren erhalten sollen, davon sie leben,
da sie Herzoge heien und dem ltesten Herzoge untertan seien. So sollte der
Streit enden, der Herzog sollte immer ein lterer und erfahrener Mann sein, und
jeder Zweig Premysls sollte fr die Lnder sorgen, weil er einmal Herzog sein
kann. Aber schon die Enkel Bretislaws zerbrachen das Gesetz. Er hatte zahlreiche
Enkel. Durch seinen lteren Sohn Wratislaw hatte er vier Enkel: Bretislaw,
Boriwoy, Wladislaw und Sobeslaw, der jetzt Herzog ist. Durch seinen jngeren
Sohn Konrad, der Frst von Brnn war, und Otto, der Frst von Olmtz war, hatte
er die Enkel Ulrich, Liutold, Swatopluk, Otto, und Bretislaw. Da er gestorben
war, folgte ihm auf dem Herzogstuhle sein Sohn Wratislaw, der der lteste Zweig
des Stammes Premysls war, und der der erste unter den bhmischen Frsten den
hchsten Glanz erreichte, dessen sie teilhaftig werden knnen, nmlich die
Knigskrone. Als er gestorben war, folgte ihm sein Bruder Konrad auf dem
Herzogstuhle, der jetzt der lteste unter den Zweigen des Stammes Premysls war.
Als auch dieser bald gestorben war, folgte des Knigs Wratislaw ltester Sohn
Bretislaw, der jetzt der lteste Zweig des Stammes Premysls war. Dieser
Bretislaw ist derselbe Mann gewesen, der in dem Walde bei Brglitz ermordet
worden ist. Da er bestattet war, folgte ihm sein Bruder Boriwoy auf dem
Herzogstuhle, der nicht mehr der lteste Zweig des Stammes Premysls gewesen ist;
denn Bretislaw hatte mit den Mchtigen der Lnder festgesetzt, da ihm sein
Bruder folgen solle. Der lteste Zweig war Ulrich, der sein Recht auch
durchsetzen wollte, aber bald abstand. Nicht so tat Swatopluk, welcher Herzog
sein wollte. Er brauchte vergeblich Gewalt. Da sendete er dann, wie ich dir
schon sagte, einen falschen Mann zu Boriwoy, der berichten mute, er sei von
Swatopluk mihandelt worden, und gehe zu Boriwoy. Der Mann erzhlte Boriwoy
Wahres und Falsches, und nannte ihm als Feinde, die seine Freunde. waren.
Boriwoy wurde mitrauisch, und glich einem Manne, der auf eine Leiter steigt,
und die Sprossen hinter sich abhaut. Und als selbst sein edler Bruder Wladislaw
vor ihm fliehen mute, ward er leicht gestrzt, und Swatopluk wurde Herzog. Wie
ein Feuer, das auf dem Herzogstuhle brennt, war er zwei Jahre auf demselben.
Durch Mord, den er gegen sich erregt, mute er von hinnen.
    Ich wei von diesen traurigen Begebenheiten, sagte Witiko, die Macht der
Herzoge war durch sie bedrngt, da die bel immer wuchsen.
    Siehst du also, mein Freund, die Herzoge, die Herzoge, sagte der
Scharlachreiter. Aber es ist ein Mann gekommen, der eine Grenze gesteckt hat,
und das Unheil gedmmt hat. Einen edleren herrlicheren gromtigeren hheren
Mann hat es nie gegeben. Whrend seiner ganzen Herrscherzeit hat er keinen
Tropfen Blut vergossen, seine Feinde hat er abgewehrt, hat sie bestraft, aber
ihnen wieder verziehen, und das Volk hat er frhlich und wohlgemut gemacht. Es
ist Wladislaw gewesen, der Bruder Bretislaws, der im Brglitzerwalde ermordet
worden ist, und der Bruder Boriwoys, der von Swatopluk vertrieben worden war.
Weil durch den Bruch der Alterserblichkeit Unsicherheit in die Nachfolge
gekommen war, hatten die Mchtigen der Lnder Bhmen und Mhren sogleich nach
der Ermordung Swatopluks selber einen Herzog gewhlt, und Wladislaw erkoren, und
am eilften Tage nach dem Tode Swatopluks wurde er schon auf den Frstenstuhl in
Prag gesetzt. Da er zwei Monde herrschte, wollte er die Weihnacht in Gradec
feiern, und lud hiezu seinen Vetter den schwarzen Otto den Bruder Swatopluks
ein. Es kam aber auch eine Ladung von dem deutschen Knige Heinrich dem Fnften
an den Herzog, mit ihm das Neujahrfest in Regensburg zu feiern. Der Herzog
sendete also den bhmischen Herrn Wacek an Otto, ihn in Gradec zu begren, und
zu bewirten, und er selber begab sich auf den Zug nach Regensburg. Da er in
Pilsen war, kam ein Bote, der sagte, da sein Bruder Boriwoy am Tage vor der
Heiligen Nacht mit einem Heere Prag und den Wysehrad eingenommen, und sich zum
Herzoge ausgerufen habe. Wladislaw sandte zu Wacek und Otto, und hie sie nach
Prag aufbrechen, zugleich tat er Botschaft an Knig Heinrich um Dazwischenkunft,
und er selber ging mit seinem Geleite gegen Prag zurck. Er schlo mit Wacek und
Otto den Wysehrad ein, in welchem Boriwoy war, und es entstand ein Kampf der
Vter gegen die Shne, der Shne gegen die Vter, der Brder gegen die Brder,
der Vetter gegen die Vettern, der Landeskinder gegen die Landeskinder, und acht
Tage dauerte das Unglck, bis der Knig Heinrich in Bhmen eingebrochen war,
durch Abgeordnete einen Waffenstillstand zu Stande gebracht, und beide Brder
nach Rokycan, wo er stand, geladen hatte. Sie kamen beide, und wurden auf dem
Felde von Rokycan empfangen, Wladislaw freundlich, Boriwoy feindlich. Er wurde
in Ketten geschlagen, und auf die Veste Hammerstein am Rheine gefhrt. Wladislaw
kehrte nach Prag zurck, und hielt ber die Abtrnnigen Gericht. Die schwersten
Verrter wurden nur geblendet, andere verloren die Gter, und der Kmete der
Altstadt Prag Priwitan mute dreimal ffentlich auf dem Markte einen Hund
tragen, dann wurde ihm von dem Schergen der Bart abgehauen, und dann mute er in
die Verbannung gehen. Nach einer Zeit suchte auch der schwarze Otto seine Rechte
ber die des Herzogs auszudehnen. Der Herzog setzte ihn gefangen, und die
Freunde des Herzogs rieten, da er ihn blende. Der Herzog aber sagte: Das sei
ferne von mir, da ich den Ha unauslschlich mache. Und er lie ihn zuerst auf
dem Wysehrad und dann in Brglitz drei Jahre in Haft. Otto trug die Bue, und
wurde dann von dem Herzoge wieder in seine Gter eingesetzt. Dann war noch
Sobeslaw, der jngste Bruder des Herzoges Wladislaw, der ihn am tiefsten
krnkte, und am lngsten krnkte. Zerwrfnisse waren, Vershnungen, und wieder
Zerwrfnisse, und wieder Vershnungen. Da Sobeslaw ein Knabe war, hatte ihn sein
Bruder Boriwoy, als er vor Swatopluk floh, mit auf die Flucht genommen. Als der
polnische Knig Boleslaw in Bhmen einfiel, um Boriwoy aus der Haft in
Hammerstein zu ledigen, und wieder auf den Herzogstuhl zu setzen, war Sobeslaw
in dem polnischen Heere. In frchterlichem Streiten im Riesengebirge flo die
Menge des bhmischen Blutes, und Sobeslaw ging mit dem polnischen Heere wieder
nach Polen zurck. Als nach der Zeit der Knig von Polen sich wieder vermhlte,
und zu seiner Gattin die Schwester der Gattin des bhmischen Herzoges erkor, und
da die Schwestern zwischen ihren Gatten Frieden zu stiften strebten, und da auch
die Mutter der streitenden Shne Wladislaw, Boriwoy und Sobeslaw, die polnische
Swatawa, die Witwe des Bhmenknigs Wratislaw, herbei kam, um die Kmpfenden zu
vershnen; so schlossen die Frsten von Bhmen und Polen Frieden, Wladislaw
verzieh seinem jungen Bruder Sobeslaw, und gab ihm die Lande von Saaz zum
Unterhalte. Aber hier suchte er wie Otto seine Macht ber die des Herzogs zu
setzen, und der Herzog verwarnte ihn. Als aber die Freunde Sobeslaws gesagt
hatten, der Herzog wolle ihn nach dem Wysehrad locken, und ihn dort fangen und
blenden, und als ihn Wacek nach dem Wysehrad geleitete, lie er ihn auf dem
Felde vor dem Wysehrad erschlagen, und entfloh. Wladislaw zrnte sehr, verzieh
aber dem Bruder dennoch wieder, rief ihn, ehe zwanzig Monde vergangen waren,
zurck, und gab ihm die Lande von Gradec und darauf Brnn und Znaim zum Genusse.
Jetzt hielt Sobeslaw Treue wie Otto. Da auf dem Lukerfelde gegen den ungarischen
Knig Stephan die Schlacht war, ging er mit Otto in den Rcken des Feindes, und
bewirkte einen groen Sieg, aus dem die bhmischen Heere mit Ruhm und groer
Beute nach Prag zurckkehrten. Nach dieser Zeit ward Boriwoy seiner Haft auf dem
Hammersteine ledig, Wladislaw stieg freiwillig von dem Frstenstuhle, und
bergab ihm die Herrschaft der bhmischen und mhrischen Lnder. Aber Boriwoy
konnte die Herrschaft nicht fhren, und Wladislaw mute sie wieder bernehmen.
Als Sobeslaw acht Jahre treu gewesen war, geriet er wieder gegen seinen Bruder
in Aufstand. Wladislaw zog zrnend mit Waffenmacht nach Mhren, vertrieb ihn mit
seiner Gattin, der ungarischen Adelheid, und lie ihn nie mehr zurck. Sobeslaw
war ein ansehnlicher Ritter und schn von Gestalt, und das bhmische Volk
trauerte, da er fern sein mute. So war das unglckliche Jahr gekommen, da man
nach dem Heile schrieb 1125. In dem Beginne desselben erkrankte Wladislaw. Er
hatte das Fest der Heiligen Drei Knige in seinem Hofe in Zbecna zugebracht, es
erschien das Siechtum, und er lie sich in den Wysehrad tragen. Seine Krfte
nahmen immer mehr ab. Da traten verschiedene Menschen zu ihm, und baten um
Ausshnung mit Sobeslaw. Sobeslaw war selber im strengen Winter nach Bhmen
gekommen, und ging in dem Walde auf dem weien Berge herum. Dies war im Anfange
des Hornung. Die Mutter der zwei Shne, Swatawa, setzte sich an das Bett des
Kranken, und bat mit ihrem ehrwrdigen Munde und mit ihrer alten ehrwrdigen
Gestalt um Vershnung. Der edle Bischof Otto von Bamberg kam von einer
Bekehrungsreise nach Prag. Ihm beichtete der Herzog, und empfing von ihm die
Segnungen der Kirche. Der Bischof verlangte auch die Vershnung. Da erging am
fnfundzwanzigsten Tage des Monates Mrz die Weisung, da Sobeslaw komme. Er
kam. Weinend schlangen die Brder die Arme in einander, und Sobeslaw kniete an
dem Bette des Kranken nieder. Alle in dem Lande Bhmen kamen ber diese
Nachricht in Jubel, und beteten in den Kirchen, da der Frst genese. Aber er
starb an dem zwlften Tage des Monates April, sein Leichnam wurde in die Abtei
zu Kladrau, die er mit Reichtmern begabt hatte, gefhrt, und sein Bruder
Sobeslaw bestieg den Stuhl von Bhmen, den er jetzt im dreizehnten Jahre inne
hat.
    Und er ist jetzt anders, als er frher gewesen war, sagte Witiko.
    Du weit ja viel von unsern Dingen, du Ledermann, sagte der
Scharlachreiter.
    Das wissen sie auch in andern Lndern, entgegnete Witiko.
    Er hat die Herrschaft nicht in Ruhe angetreten, sagte der Scharlachreiter.
Der schwarze Otto ging zu dem deutschen Knige Lothar, und sagte er sei
verkrzt worden, ihm gebhre der bhmische Herzogstuhl, und er bitte den Knig
um Hilfe. Der Knig sandte an den Herzog die Botschaft: wenn er auch von dem
ganzen bhmischen und mhrischen Volke gewnscht und gewhlt worden wre, so sei
die Wahl nichtig; denn dieselbe knne nur von dem deutschen Knige angeordnet,
und ausgefhrt werden. Er gebe Sobeslaw Frist, vor seinem Richterstuhle zu
erscheinen, und des Spruches zu harren. Tue er es nicht, so habe er den Krieg zu
erfahren. Sobeslaw sagte: Ich hoffe zu Gottes Barmherzigkeit und zum Beistande
unserer Heiligen Wenzel und Adalbert, da wir nicht in die Hand der Fremden
werden gegeben werden. Dann ging er nach Mhren, und nahm Ottos Gebiete in
Besitz. Hierauf durchzog er das Land Bhmen, ermahnte das Volk, und lie in den
Kirchen Gebete halten. Er nahm die Fahne des heiligen Adalbert aus der Kirche
der Burg der Slawnike Wrbcan, befestigte sie an dem Speere des heiligen Wenzel,
und hie sie im Kriege voran tragen. Der Knig Lothar fing im nchsten Jahre, da
der Herzog Sobeslaw den Frstenstuhl bestiegen hatte, mitten im Winter den Krieg
an. Es waren fast alle Herren von Sachsen, daher er stammte, mit ihm, auch
Albrecht der Br war mit ihm und Heinrich von Groitsch. Sobeslaw erwartete ihn
mit den Seinigen in dem Tale von Chlumec. Als der Knig an den Marken Bhmens
angekommen war, sandte ihm Sobeslaw noch einmal Botschaft durch Nacerat Smil
Diwis und Miroslaw, die ein Gefolge mit sich hatten, und lie ihm sagen: Die
Bhmen haben bisher ihre Herzoge auf ihre eigene Weise bestellt, und der
rmische Kaiser hat sie als Vogt der Christenheit besttigt, so wollen wir es
halten, und ehe wir ein neues Joch auf uns nehmen, wollen wir lieber untergehen.
Richte Gott zwischen uns. Der Knig achtete nicht darauf, und stieg in der
Schlucht von Chlumec nieder. Otto kam mit den Seinigen zuerst. Er wurde mit
allen erschlagen. Dann kam eine zweite Schar. Sie wurde auch geschlagen. Dann
kamen weitere Scharen, sie wurden angegriffen, zerstreut, erschlagen, gefangen.
Der Knig floh auf einen Berg, die Bhmen umringten den Berg, da nicht er und
nicht einer von denen, die um ihn waren, entrinnen konnte. Da sandte er nach
Sobeslaw. Sobeslaw stieg auf den Berg, und sagte zu dem Knige: Wir haben diesen
Krieg nicht aus Mutwillen begonnen, um das Blut der Deinen zu vergieen, oder
dir eine Schmach anzutun, sondern um die Gewalt, die man uns zufgen wollte,
abzuwehren. Gott hat gerichtet. Wir nehmen von dir die Besttigung der
Herzogswahl an, nicht weil du deutscher Knig bist, sondern weil du rmischer
Kaiser sein wirst, und treten in die alten Rechte zurck. Der Knig kte den
Herzog, und besttigte mit der Fahne seine Wahl. Darauf lie der Herzog den
Knig und die Seinen ungehindert von dannen ziehen. Die Gefangenen gab er ohne
Lsegeld frei. Darunter war der Bischof von Merseburg, der Bischof von
Halberstadt, Albrecht der Br, und es waren drei bte. Die fnfhundert edlen
deutschen Ritter, die tot waren, und das Volk, das mit ihnen gefallen war, und
die von den Leuten aus unseren Lndern, die auch mit ihnen gefallen waren, lie
Sobeslaw begraben.
    Das war recht gut gehandelt, sagte Witiko, meine Mutter und ein edler
Priester haben mir von diesen Dingen erzhlt, da ich ein Knabe war, und sie
haben mir fter wieder davon erzhlt, da ich ein heranwachsender Jngling war.
    Als Sobeslaw einmal im fnften Jahre seiner Herrschaft mit einem groen
Geleite nach Mhren zog, fuhr der Scharlachreiter fort, nannte ihm ein
Kmmerling zwei Mnner aus seinem Gefolge, die vorhatten, ihn zu ermorden, und
einer Gelegenheit dazu erharrten. Der Herzog sagte dieses den Zupanen Zdeslaw
und Diwis, die seine treuen Rte waren, und hie sie, die zwei Mnner insgeheim
in Haft nehmen. Da dieses geschehen war, erkannte man in ihnen Dienstleute der
Brder Miroslaw und Strezimir. Ihre Waffen waren vergiftet. Sie gestanden, da
ihre Herren sie zum Morde gedungen haben. Miroslaw, welcher bei dem Herzoge war,
wurde gefangen, Strezimir suchte zu fliehen, wurde aber ereilt, und beide wurden
gebunden auf den Wysehrad gefhrt. Der Herzog kehrte auf seinem Zuge um, und
ging nach Prag. Dort zog er barhuptig barfig und in Bukleidern ein, und ging
sogleich gegen die Kirche des heiligen Veit. Die Glocken luteten, Kinder mit
Zweigen standen in den Straen, die Priester sangen den Lobgesang des heiligen
Ambrosius, und das Volk drngte sich. In der Kirche tat er ein Gebet fr seine
Rettung. Sieben Tage darnach wurde ein ffentlicher Gerichtstag und ein Landtag
abgehalten. Zweitausend Menschen kamen zu dem Tage. Der Herzog hielt eine
Anrede, und sagte, da er es mit den Lndern Bhmen und Mhren immer wohl
gemeint habe, da er ein sndiger Mensch sei, da aber seine Snden anders
gestraft werden mten als mit Mord, wie bei seinem Bruder Bretislaw, und von
einem andern als einem sndigen Menschen. Das Gericht soll nach genauer
Gerechtigkeit seines Amtes walten. Das Gericht ward gehalten, und des folgenden
Tages wurden Miroslaw, Strezimir, die zwei Dienstleute, und der Arzt, der das
Gift gegeben hatte, hingerichtet. Miroslaw hatte den Bischof Meinhard als
obersten Anstifter angeklagt, welcher auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem war.
Da der Bischof zurckgekommen war, wurde er nach des Herzogs und der Lechen
Willen dem Erzbischofe von Mainz Adalbert und dem Bischofe von Bamberg Otto zum
Gerichte bergeben. Am Tage des heiligen Wenzel wurde das Urteil verkndet. Der
Bischof von Bamberg war selber nach Prag gekommen. Meinhard wurde vor allem
Volke als unschuldig erklrt. Der Bischof Otto, der Bischof von Olmtz Zdik und
sieben bhmische Abte legten ihre Stolen nieder, und bezeugten die Unschuld
Meinhards. So ward dessen Ehre gerettet. Seit dem Tage stand niemand mehr gegen
Sobeslaw auf. Mit dem Knige Lothar lebte er in Freundschaft, und gab ihm zwei
Mal bhmische Mnner zu seiner Romfahrt. Mit dem polnischen Knige Boleslaw
hatte er wegen des ungarischen Bela Krieg. Er siegte, vershnte sich mit dem
Knige, und sie wurden Freunde. Seitdem ist Frieden.
    Der Scharlachreiter schwieg nun ein Weilchen, Witiko auch.
    Nun du Ledermann, sagte der Scharlachreiter hierauf, du hast von den
Herzogen gesagt, du hast um die Herzoge gefragt, jetzt habe ich dir Herzoge
genug genannt, und habe dir von Herzogen viel erzhlt. Und weil ich dir von
Herzogen viel erzhlt habe, und weil ich dir von Geschlechtern viel erzhlt
habe, und von ihren wilden Sitten, und von uns und unsern guten Sitten, so
knntest du jetzt auch von dir und deinem Wesen etwas offenbaren, das uns
freut.
    Ich habe dir ja schon gesagt, da ich vom Mittage komme, und nach
Mitternacht reite, entgegnete Witiko.
    Das hast du gesagt, weiser Mann, antwortete der Scharlachreiter, und das
ist sehr merkwrdig; aber da du nicht immer das Ledergewand anhaben wirst, und
es vielleicht einmal mit einem andern vertauschen wirst, so kann ich dich ja
nicht beschreiben, wenn ich zu jemanden von dir spreche, und ich kann nicht
wissen, da du gemeint bist, wenn jemand von dir zu mir redet. Du wirst doch ein
Ding haben, das ein Name ist, und das Ding wird unschuldig sein, da man es
nennen kann.
    Ich heie Witiko, antwortete Witiko, stamme aus dem Mittage des Landes,
und habe keine Angehrigen mehr als eine Mutter, die edlen Blutes ist.
    Nun, Witiko, sagte der Scharlachreiter, wenn du aus dem Mittage unseres
Landes stammst, so bist du vielleicht auch schon in Baiern gewesen, und hast den
stolzen Heinrich gesehen, der jetzt das Gerede aller ist.
    Ich habe ihn nicht gesehen, sagte Witiko. Im Randshofe, der nahe an dem
Flusse Inn steht, und wo schon vor dem groen Kaiser Karl und seinen Shnen die
Herrscher des Frankenlandes fter gewohnt haben, war einmal in den Klstern, die
an dem Hofe sind, eine groe Kirchenfeierlichkeit. Da hie es, da der Herzog
Heinrich mit seiner Gattin Gertrud und seinem kleinen Shnlein, das auch
Heinrich heit, kommen werde. Ich ging hin. Der Herzog kam nicht. Otto der
Pfalzgraf war da, Konrad der Erzbischof von Salzburg, Regimbert, der Bischof von
Passau, die Herren von Rote, von Mosebach, von Poren, Meisaha, Hagenau, und
viele andere.
    Nun der gute Herzog mag jetzt auch viele Bitterkeit haben, wie mancher
hochfahrende Herr, rief der Scharlachreiter, er hat ja nicht anders gemeint,
als er wolle dem deutschen Reiche die Gnade tun, wenn es ihn zum Knige gewhlt
haben wird, die Wahl anzunehmen. Und da sitzt nun das Schwblein Konrad auf dem
deutschen Stuhle, und sagt, der groe Herzog mge sich beugen. Und der groe
Herzog will sich nicht beugen, und da werden sie sich bei den Brten nehmen.
Sachsen ist ihm schon abgesprochen, und Baiern wird das Schwblein seinem
Halbbruder dem jungen Markgrafen Leopold von sterreich geben, der nun ein guter
Bundesgenosse wrde, wenn jemand um ihn wirbt.
    In Baiern sagen sie, da der Herzog sich nicht fgen wird, und noch weniger
Welf, entgegnete Witiko.
    So wird es Funken geben, sagte der Scharlachreiter, und Feuer werden
aufsprhen. Unser Herzog baut indessen Burgen an den Marken seiner Lnder, und
sorgt, da alle mter die Leute zu ihrer Arbeit haben, und harret seiner Zeit.
    Er wird vielleicht das Rechte tun, sagte Witiko.
    Ja, vielleicht errtst du es, du Ledermann, sagte der Scharlachreiter.
Vor drei Monaten ist er zu dem neuen Knige Konrad nach Bamberg geritten, und
hat seinen jungen Sohn Wladislaw, den er im vorigen Jahre zum Herzoge von Olmtz
gemacht hatte, mit der bhmischen Fahne belehnen lassen, und vor zwei Monaten
hat er die Herren von Bhmen auf einen Landtag nach Sadska berufen, und dort
haben alle die hohen und die niederen den jungen Wladislaw anerkannt, und ihm
Folge gelobt. Du siehst also, du weissagender Mann, da bei uns alle Sachen
geordnet und befestigt sind, und da es uns, die wir da reiten, nichts hlfe,
wenn wir auch, wie du sagtest, das Gelste htten, in diesen Lndern zu
schalten. Wir knnen nur Hirsche erlegen, und knnen nur die schnen Augen der
Jungfrauen loben, wenn wirklich schne Augen irgend wo vorhanden sind,
hchstens, da man uns verwendet, das ausfhren zu helfen, was die hohen und
niederen Herren ersonnen haben.
    Und wenn auch alles fest geordnet ist, und wenn auch ein Herzog auf dem
Stuhle sitzt, und recht und rechtlich waltet, sagte Witiko, so hindert das gar
nicht, da ein anderer sich denke, er mchte Herzog sein, und was er tte, wenn
der Stuhl in seiner Macht wre.
    Dann haben wir eine Million Herzoge, rief der Scharlachreiter, die sich
alle denken, wie sie es zur Lust und Freude machen wrden, wenn sie den
Frstenstuhl inne htten. Ich habe dir aber gesagt, da wir alle und jeder, die
da reiten, etwas Hheres vor uns haben, das uns beschftigt, das Reich der
Freude, welches die ganze Welt umspannt, und gegen welches so ein Herzogstuhl
nur ein kleines Gesiedel ist, auf welches niemand denkt. Oder mchtest du ein
anderer Krok werden, wenn nmlich die, welche von ihm durch seine Tochter Libusa
und ihren Mann Premysl abstammen, es gelten lieen, und mchtest du in Weisheit
herrschen, und ein unabsehliches Geschlecht hinter dir bis zum Ende der Welt
grnden?
    Ich habe daran nie gedacht, entgegnete Witiko, wenn aber im Kriege oder
durch Verhngnis alle, die von Premysl stammen, zu Ende wren, und die Lnder
Bhmen und Mhren mich zu Rechte zu ihrem Herzoge machen wollten, wrde ich,
wenn ich dchte, da ich es knnte, Herzog sein, und recht und gerecht herrschen
wollen.
    Nun, die Nachkommen des alten Premysl knnten in Gefahr kommen, sagte der
Scharlachreiter, unser Herzog Sobeslaw ist mit dem verblichenen Kaiser Lothar
immer in Freundschaft gewesen, hat ihm Leute zu seinen Kaiserfahrten gegeben,
hat ihn besucht, und ist einmal mit fnftausend Mnnern in groem Putze und mit
vielen Geschenken zu dem Tage des Kaisers nach Merseburg geritten. Er wird auch
mit dem Knige Konrad in Freundschaft sein, der sein Shnlein belehnt hat, und
wenn zwischen dem Knige Konrad und dem stolzen Herzoge Heinrich in Sachsen oder
irgendwo ein Krieg zu Stande kmmt, so wird der Herzog Sobeslaw mit den Seinigen
zu dem Knige als Hilfebringer reiten, und so ein Krieg kann sehr lange dauern.
    Bist du auch in Sadska gewesen? fragte Witiko.
    Ich bin nicht dort gewesen, und alle, die da reiten, sind nicht dort
gewesen, sagte der Scharlachreiter, dahin sind nur die Erfahrenen gegangen,
und die es sonst gewollt haben.
    Ich will dir nun auch etwas von unsern Absichten offenbaren, fuhr der
Scharlachreiter nach einem Weilchen fort, ich und alle, welche mit mir sind,
reiten nach Morgen zu, siehst du, auf dem Blachfelde gerade vor uns, wo der
kleine Baum ist, dort geht der Weg seitwrts nach dem Lande zu, das Mhren
heit, und weil du uns auch so freimtig geoffenbaret hast, da du gegen
Mitternacht reitest, so werden wir dort wahrscheinlich Abschied nehmen.
    So wird es auch sein, sagte Witiko.
    Und wenn du uns wieder triffst, sagte der Scharlachreiter, so reite uns
zu, und halte Geselligkeit mit uns.
    Eines mu er sich aber abgewhnen, rief Welislaw nach vorwrts, da er im
Schritte reitet.
    Ich reite nur im Schritte, wenn ich reise, sprach Witiko zurck, ich kann
es zu andern Zeiten auch anders tun.
    Wir tun es nicht einmal auf Reisen, antwortete Welislaw.
    Dann habt ihr Pferde zum Wechseln, sagte Witiko.
    Der Ledermann hat Recht, sagte der Scharlachreiter, er schont seine
Pferde, wir verderben sie, er ist klug, und wir sind leichtfertig.
    Indessen waren die Reiter bei dem kleinen Baume angekommen, an dem der Weg
sich teilte.
    Siehst du, wir reiten auf diesem Wege rechts, sagte der Scharlachreiter.
    Und ich reite auf dem andern gerade fort, entgegnete Witiko.
    So lebe wohl, du lederner Mann, sagte der Scharlachreiter.
    Lebe wohl, sagte Witiko.
    Reite glcklich deiner Wege, und suche nicht gleich Kampf mit Mnnern, die
du auf der Strae findest, rief Odolen.
    Wenn sie ihn nicht hervorrufen, suche ich ihn nicht, sagte Witiko.
    Reite frhlich, rief Welislaw.
    Du auch, sagte Witiko.
    Lebe wohl, rief Ben.
    Komme bald zu uns zurck, rief der Sohn des Nacerat.
    Lebet wohl, sagte Witiko.
    Die von hinten kamen nun auch hervor, und riefen: Lebe wohl. Reite
glcklich.
    Lebet wohl, antwortete Witiko.
    Dann hielt er ein Weilchen stille, und sagte zu dem Scharlachreiter: Ich
habe dir gesagt, wie ich heie, und woher ich komme, du hast mir manches
erzhlt, und hast mir die genannt, welche dich begleiten, sage mir, wer bist
denn du, da du dich um dieses Land so kmmerst, und was darin geschieht.
    So hre, du Ledermann, sagte der Scharlachreiter, ich bin der Sohn des
edlen gromtigen hohen Herzoges Wladislaw, der in seiner Herrschaft keinen
Tropfen Blut vergossen hat, ich bin der Enkel des ruhmreichen Knigs Wratislaw,
ich bin der Neffe jenes Herzogs Bretislaw, der im Walde von Brglitz wie ein
Stern zur Erde gesunken ist, ich bin der Neffe des unglcklichen Boriwoy, der
vor Swatopluk weichen mute, und bin der Neffe des jetzigen Herzoges Sobeslaw.
Mein Name ist Wladislaw.
    Wenn du das alles bist, sagte Witiko.
    Nun, Witiko? antwortete der Scharlachreiter.
    So solltest du ernster sein, sagte Witiko.
    Mein Sohn, sagte der Scharlachreiter, hier fhrt mein Weg nach Morgen,
dem Lande Mhren zu, der deine fhrt nach Mitternacht. Lebe wohl, und finde dein
Glck.
    Nach diesen Worten setzte er und setzten die Seinen ihre Pferde in Bewegung,
und ritten im schnellen Trabe auf dem Wege gegen Morgen hin, da der Staub ber
sie aufwirbelte.
    Witiko ritt langsamen Schrittes gegen Mitternacht fort.

                                       3


 Es war ein groer Saal.

Als man das Jahr des Heiles 1140 zhlte, lag der bhmische Herzog Sobeslaw
krank. Er war im Herbste des vorhergegangenen Jahres an die Morgengrenze seines
Reiches gegangen. Um ein Jahr frher war in derselben Jahreszeit sein Freund der
polnische Knig Boleslaw Schiefmund gestorben. Er befestigte nun das Reich gegen
Polen, baute noch an Hostas Burg, und wohnte nahe dabei in seinem Hofe zu
Chwoyno. Da erkrankte er gegen das Fest der Weihnacht, und lie sich auf Hostas
Burg tragen. Es war die Weihnacht gekommen, es war das Fest des Neuen Jahres und
der Heiligen Drei Knige vorber gegangen, und man nherte sich dem Monate
Hornung. Der Herzog lag in einem Gemache, dessen Wnde wei getncht waren, und
das drei Fenster enthielt. Zwei davon waren mit Linnen verhangen, durch das
dritte sah der Herzog in der Richtung hin, in welcher die Lnder seines
verstorbenen Freundes Boleslaw lagen. Man hatte ihm des Frostes wegen eine
Brendecke ber den Leib gedeckt, und gegen sie reichte der ergrauende Bart, und
die Hnde lagen auf ihr. Eine Frau in dunkelm Gewande sa von dem Kranken
abseits auf einem hlzernen Gesiedel. Da sprach der Herzog: Adelheid, sorge zu
erfahren, ob der Jngling, welcher am Sonntage im Vorgemache war, noch irgendwo
in der Burg oder in ihrer Nhe zu finden ist, und lasse ihn zu mir bescheiden.
    Die Frau erhob sich von ihrem Sitze, und ging hinaus.
    Nach einer Weile kam sie wieder herein, und sagte: Er ist noch hier, man
wird ihn suchen, und dir senden.
    Nach diesen Worten lie sie sich wieder auf ihren Sitz nieder.
    Als eine kurze Zeit vergangen war, ffnete ein Kmmerling die Tr, und
fhrte Witiko herein. Derselbe war in seinem Lederkleide.
    Der Herzog winkte dem Kmmerlinge, sich zu entfernen, und sagte dann:
Adelheid, du hast den erkannt, den ich meinte. Tritt nher, Witiko.
    Witiko trat einige Schritte von der Tr gegen den Herzog.
    Du mut bis zu dem Bette herzu kommen, sagte Sobeslaw.
    Witiko ging hinzu, blieb stehen, und schaute auf den Herzog. Von seinem
entblten Haupte gingen die blonden Locken auf die Schultern herab. Seine
Lederhaube hielt er in der Hand.
    Witiko, sagte der Herzog, du bist in dem Zuge, den wir mit dem Knige
Konrad nach Sachsen taten, klug gewesen, du gehrst keinem Vornehmen meines
Reiches an, du blickest ehrlich, und wirst mich nicht verraten. Nimm das beste
Pferd, welches in der Burg ist, und verwahre dich wohl gegen die Klte, und
reite nach Prag. Dort halten sie auf dem Wysehrad Versammlungen, und beraten,
was nach meinem Tode sein wird. Ergrnde, was sie sagen, und vorhaben, und
bringe mir die genaue Nachricht zurck. Ich werde dir ein goldenes Kreuzlein
mitgeben, das zeige dem Bischofe Silvester, der wird dir in deinem Werke an die
Hand gehen. Du hast dich zu denen gesellt, die hier um mich sind, du wirst
meinen Auftrag vollfhren.
    Hoher Herr, entgegnete Witiko, wenn ich dir die wahre Nachricht
zurckbringe, wirst du dann gegen die deines Landes, die dir zuwider handeln,
feindlich verfahren?
    Nein, mein junger Reitersmann, erwiderte der Herzog, ich werde nur
wissen, was es ist, und werde dann sterben.
    So werde ich gehen, und werde dir die rechte Botschaft bringen, antwortete
Witiko.
    Gott geleite dich, sagte der Herzog.
    Nach diesen Worten langte er in den hlzernen Schrein, der hinter dem Bette
stand, und zog ein Beutelchen von rotem Sammet hervor. Dann ffnete er das
Beutelchen, und tat ein sehr kleines goldenes Kreuzlein heraus.
    Hier ist das Kreuzlein, sagte er.
    Dann steckte er es wieder in das Beutelchen, und reichte dasselbe an Witiko.
Witiko nahm es, und barg es in seinem Wamse. Dann neigte er sich gegen den
Herzog und die Frau, und schritt gegen die Tr. Die Frau erhob sich, trat zu
ihm, und sagte: Geht mit Gottes Segen, junger Reiter, und bet Treue, so lange
Ihr lebt.
    Witiko antwortete nichts.
    Die Frau ging vor ihm zur Tr, und vor ihm durch dieselbe hinaus. In dem
Gemache, in welches sie kamen, spielten drei Knaben auf mehreren Hirschfellen,
die man auf den Fuboden gebreitet hatte. Auf einer Bank sa ein Priester.
    Sobeslaw, sagte die Frau zu einem der Knaben, sieh in der Stube, ob Bores
dort ist, und rufe ihn her. Dein Vater will diesen Mann da versenden.
    Ja, Mutter, rief der Knabe, sprang empor, und lief zur Tr hinaus.
    Ein anderer Knabe fragte: Mutter, schlft der Vater?
    Nein, Wenzel, antwortete die Frau, aber er mu Ruhe haben.
    Wir sind immer stille, sagte der Knabe.
    Ihr mt noch eine Zeit stille sein, entgegnete die Frau.
    Der fortgesendete Knabe kam zurck, und brachte einen bewaffneten Mann.
    Bores, sagte die Frau, der Herzog sendet diesen Reiter fort. Er soll sich
ein Pferd whlen, und das Notwendige erhalten.
    Es wird in kurzer Zeit bereitet sein, sagte Bores.
    Wo ist Wladislaw? fragte die Frau.
    Er ist in das Holz geritten, und wird sogleich wieder kommen, antwortete
Wenzel.
    Meldet es mir, wenn er kommt, entgegnete die Frau, seid gegrt,
ehrwrdiger Vater, und Ihr, Witiko, reitet wohl.
    Dann ging sie wieder in das Krankengemach. Der Priester, der aufgestanden
war, setzte sich wieder auf seinen Platz, und Witiko und Bores gingen in die
uere Stube. Dort waren mehrere Menschen: Mannen, Priester und andere. Die zwei
Mnner schritten durch sie hindurch in den Vorsaal und die Treppe hinab in die
unteren Rume und in den Stall.
    Nachdem eine Stunde vergangen war, wurde fr Witiko das Tor geffnet, und er
ritt auf einem schwarzen Pferde des Herzogs in die Schneepfade der Gegend, die
gegen Sonnenuntergang liefen, hinaus. Er hatte seine Fe fr die Bgel mit
starken Tchern umwunden, ber seiner Lederkleidung hatte er Pelzwerk, seine
Haube war mit einem Stcke Brenfell bedeckt, und seine Hnde waren in Pelz
gekleidet. In der Rechten trug er einen kurzen Wurfspie, und an seiner Seite
hing das Schwert. So ritt er fort, und am Morgen des vierten Tages kam er in
Prag an.
    Er suchte eine Herberge, brachte das Pferd unter, besorgte die Reinigung
seiner Kleider, und a etwas zum Frhmahle. Dann ging er zum Hause des Bischofs.
Er pochte mit dem Klppel an dem Tore. Der Torwart ffnete ihm, fhrte ihn zur
Treppe, und ber diese hinauf in einen Vorsaal, wo er ihn einem geistlich
gekleideten Manne bergab. Dieser fragte nach seinem Begehren. Witiko sagte ihm,
da ihn der Herzog sende, und wie er heie. Darauf wurde er von ihm in ein
erwrmtes Gemach gefhrt, in welchem unter einer Himmeldecke ein groes Kreuz
des Heilandes stand. Die Tr neben dem Kreuze, sagte der Mann, fhre zu dem
Bischofe; allein Witiko msse warten, weil ein hoher Herr bei dem Bischofe sei,
und mit ihm spreche.
    Witiko stellte sich an ein Fenster, und wartete. Der Mann lie sich auf eine
Bank nieder.
    Nach einer Zeit ffnete sich die Tr neben dem Kreuze, und zwei Mnner
traten heraus. Beide hatten ein veilchenblaues berkleid. Der eine hatte eine
hohe Stirne, dunkle Augen, und ein brauner Bart ging auf das berkleid nieder.
Der andere hatte blaue Augen und einen weien Bart. Jeder trug ein goldenes
Kreuz.
    Im Herausgehen sagte der mit dem braunen Barte zu dem andern: Lernet ihn
nur kennen.
    Ich kenne ihn, ich kenne ihn, antwortete der mit dem weien Barte.
    Dann gingen sie schweigend ber den Fuboden des Gemaches bis zur
Ausgangstr. Dort verabschiedeten sie sich, der mit dem braunen Barte ging
heraus, der mit dem weien wieder in das Gemach zurck, aus dem sie gekommen
waren. Jetzt ging auch Witikos Begleiter in das Gemach. Nach einer Weile kam er
wieder heraus, und fhrte Witiko hinein.
    Der Mann mit dem weien Barte und den blauen Augen stand in dem Gemache, da
Witiko eintrat. Der Begleiter entfernte sich.
    Ich bin der Bischof Silvester, sagte der Mann.
    Mich sendet der Herzog Sobeslaw, entgegnete Witiko.
    So sei gesegnet, und setze dich auf jenen Stuhl, sagte der Mann.
    Witiko setzte sich, der Mann setzte sich auf einen andern Stuhl, und sagte:
Nun sprich, wie erkenne ich deine Sendung?
    Weil ich es sage, entgegnete Witiko, und weil Ihr mir durch dieses
Zeichen helfen werdet.
    Er zog das rote Beutelchen aus seinem Wamse, tat das Kreuzlein heraus, und
reichte es dem Bischofe. Der Bischof nahm es, kte es, und gab es Witiko wieder
zurck.
    Wann hat er dir das Kreuzlein gegeben? fragte er.
    Vor vier Tagen am Morgen, antwortete Witiko.
    Hat er es dir aus dem Bette gereicht? fragte der Bischof.
    Er hat seine Hand von der Brendecke des Bettes gehoben, hat in den Schrein
hinter dem Bette gelangt, hat das Beutelchen mit dem Kreuze hervorgezogen, und
es in meine Hand gelegt, sagte Witiko.
    Es ist gut, erwiderte der Bischof, was ist dein Begehren?
    Sie beraten auf dem Wysehrad, entgegnete Witiko, ich soll ergrnden, was
sie sagen, und vorhaben, und soll dem Herzoge die rechte Botschaft bringen.
    So will ich dir sagen, mein Kind, was ich wei, und was ich offenbaren
kann, reite dann zu dem Herzoge, und verkndige es ihm, sprach der Bischof.
    Das hiee ja nicht ergrnden, was sie vorhaben, und dem Herzoge die rechte
Botschaft bringen, antwortete Witiko, da Ihr selber sagt, hochehrwrdiger
Bischof, da Ihr nicht alles wit, und nicht alles offenbaren knnt.
    Nun, und wie willst denn du es ergrnden? fragte der Bischof.
    Ich werde in die Versammlung gehen, und werde hren, was sie sagen, und
beschlieen, entgegnete Witiko.
    Das willst du tun! rief der Bischof, armes Kind, sie werden einen Spruch
ber dich fllen, und nach dem Spruche verfahren.
    Das wei ich nicht, sagte Witiko, aber ich mu auszufhren streben, was
ich dem Herzoge versprochen habe.
    Und wie kann denn ich dabei dir helfen? fragte der Bischof.
    Da sie mich vor sich lassen, und anhren, entgegnete Witiko.
    Das knnte ich dir vielleicht verschaffen, sagte der Bischof, und das
werden sie um so eher zugestehen, als du dich auf diese Art ihnen selber
stellst. Aber es kmmt auf dein Haupt, was dann folgen wird.
    Es kmmt, sagte Witiko.
    Es ist auch unntz, da du dein junges Blut hieher trgst, sprach der
Bischof, hast du den Mann gekannt, der von mir gegangen ist?
    Nein; antwortete Witiko.
    Es ist Zdik gewesen, der Bischof von Olmtz, der Sohn des Mannes Cosmas,
der die Geschicke dieser Lnder aufgeschrieben hat. Er gilt viel in dem Rate
unserer Vlker, und meint den schon zu kennen, der Herzog sein wird. Hast du den
Arzt bei dem Herzoge gesehen?
    Nein, sagte Witiko, nur seine Gehilfen.
    Er ist in Prag und bei mir gewesen, sagte der Bischof, und hat mir
erffnet, da der Herzog, ehe der halbe Mond vergeht, sterben wird.
    Das kann der Arzt vielleicht wissen, antwortete Witiko, meine Sache aber
ist eine andere.
    Es wird eine groe Versammlung sein, zu der viele Menschen herein kommen
werden, sagte der Bischof, und wenn in derselben Gott unser Herr nicht dem
Rechte seine Geltung verschafft, sondern es noch weiter prft, so kann der
Herzog nichts ndern. Hast du noch Eltern?
    Nur mehr eine Mutter, sagte Witiko.
    Dir wre besser, mein Sohn, sprach der Bischof, wenn du bei deiner Mutter
wrest, bis alles vorber ist.
    Das kann nun nicht mehr sein, sagte Witiko.
    Und fr den Herzog ist es einerlei, ob er jetzt wei, was geschieht, oder
ob er es spter erfhrt, sprach der Bischof.
    Ich habe ihm jetzt mein Versprechen gegeben, antwortete Witiko.
    Und wenn ich dir gar nicht an die Hand gehe? fragte der Bischof.
    So werde ich meine Sache allein vollfhren, entgegnete Witiko.
    Du hast ein vorschnelles Versprechen gegeben, sagte der Bischof.
    Ich habe es berlegt, antwortete Witiko.
    Wie die Jugend berlegt, sagte der Bischof, wie ist denn dein Name?
    Witiko, sagte Witiko.
    Ich forsche nicht weiter, sagte der Bischof, Witiko, gehe in deine
Herberge, mische dich nicht unter die Leute und in die Gesprche, sage einem der
Meinen, wo sie dich finden, ich werde dir zur rechten Zeit eine Botschaft
senden.
    Tut das, sagte Witiko, ich werde Euch folgen.
    So gehabe dich wohl, mein Sohn, sagte der Bischof.
    Er legte leicht die Hand auf den Scheitel des Jnglings, und zog sie wieder
zurck. Dieser verneigte sich tief, und ging.
    In dem Vorgemache waren jetzt mehrere Mnner. Einer geleitete Witiko die
Treppe hinab. Diesem sagte Witiko seine Herberge. Dann lie ihn der Torwart auf
die Gasse hinaus, und Witiko ging den nmlichen Weg, den er gekommen war, nach
Hause zurck.
    Es kamen nun mehrere Tage, in denen Witiko wartete. Er ging in die Stadt,
und sah die steinernen Huser an, die unter den hlzernen standen, und er ging
auf die lange hlzerne Brcke, die ber die Moldau war, und ging wieder in seine
Kammer zurck. Er sah manche Menschen, denen er anmerkte, da sie von weit herzu
gekommen waren, und in der Herberge wurde gesagt, da, weil des Herzogs Ende
nahe sei, eine Wahl sein werde, wer ihm folge.
    Da der dritte Tag des Monates Hornung gekommen war, erschien ein Mann des
Bischofes Silvester in der Herberge Witikos, und sagte ihm, der Bischof lasse
ihm melden, da er des andern Morgens wohlgekleidet und geordnet sein mge, es
werde ein Priester kommen, und ihn in die Versammlung der Lechen fhren. Witiko
versprach es.
    Als der folgende Tag, der vierte des Monates Hornung, angebrochen war, hatte
Witiko sein wohlgereinigtes Lederkleid an, die Lederhaube auf dem Kopfe, und das
Schwert an der Seite. Als der Priester gekommen war, ging er mit ihm durch die
Straen Prags. In denselben waren Menschen, welche ihre sonntglichen Gewnder
an hatten, in verschiedenen Richtungen gingen, und von den Dingen sprachen, die
heute geschehen sollten. Der Priester und Witiko schlugen den Weg nach dem
Wysehrad ein. Menschen gingen desselben Weges. Mancher Reiter zog mit groem
Gefolge dahin. Mancher verfolgte einzeln den Weg. So gelangten sie an den
Wysehrad, und gingen durch das Tor ein.
    In dem Hofe waren viele Menschen. Der Priester fhrte Witiko zu einer
Treppe, und dann ber diese in einen langen Gang. Wenn irgendwo Reisige standen,
sagte der Priester ein Wort, und auf das Wort wurden sie vorber gelassen. Von
dem Gange traten sie in ein Gemach. Das Gemach war gro, und in demselben
befanden sich sehr viele Menschen. Es waren Diener da, es waren Herren da,
selbst Frauen und Mdchen. Von dem Gemache fhrte eine Tr in ein weiteres
Gemach, in das sie gingen, und in dem wieder Menschen waren.
    Hier mssen wir warten, sagte der Priester zu Witiko.
    In dem Gemache war noch weiterhin eine sehr groe Tr, an der Bewaffnete
standen.
    Als sie eine Stunde gewartet hatten, trat ein Mann aus der hohen Tr, und
rief: Witiko.
    Du mut allein hinein gehen, sagte der Priester.
    Witiko ging an den Bewaffneten vorber durch die hohe Tr, der Mann mit ihm,
die Tr wurde hinter ihnen geschlossen, und Witiko stand vor der Versammlung.
    Es war ein sehr groer Saal. Der Saal war rckwrts und seitwrts ganz mit
Menschen gefllt. Nur wo Witiko stand, war ein grerer freier Raum. Er konnte
auf alle sehen, und alle konnten auf ihn sehen. Vorne in der Versammlung, wo ein
langer Tisch mit Schreibgerten stand, sa der Bischof von Prag Silvester. An
seiner Linken sa der Bischof mit den dunkeln Augen und dem braunen Barte,
welchen Silvester Zdik den Bischof von Olmtz geheien hatte. Dann saen mehrere
bte und geistliche Herren. Seitwrts saen Priester, die zu den Untergebenen
der Bischfe und bte gehrten. Vorne in der Versammlung sa auch ein Mann in
einem sammetnen dunkelpurpurnen weiten Gewande, das ein Grtel zusammen hielt,
in welchem aber kein Schwert hing. Auf dem Haupte hatte er eine dunkelpurpurne
Haube mit einer weien Feder. Ein weier Bart flo auf das Gewand nieder. Neben
ihm sa einer in grauem Gewande mit grner Haube weier Feder und weien Haaren.
Es war Smil ein Kriegsanfhrer, den Witiko im Zuge nach Sachsen gesehen hatte.
Neben Smil sa einer in schwarzem Gewande mit schwarzer Haube grauer Feder
weiem Barte, dann noch mehrere in kostbaren Gewndern. In den Reihen hinter
diesen saen vornehme Herren Bhmens schn geziert. Alle hatten ein Schwert.
Witiko kannte keinen, oder er konnte ihn in der Menge nicht erkennen. Unter
denen, die ganz rckwrts waren, glaubte er das Angesicht des Reiters zu
erblicken, der sich bei Chynow den Sohn des Nacerat geheien hatte. Auch sah er
einen Mann, von dem er meinte, da er damals Welislaw genannt worden war. Noch
einen sah er, der in jenem Gefolge gewesen war, er kannte aber seinen Namen
nicht.
    Als er in den Saal getreten war, nahm er seine Lederhaube mit der linken
Hand ab, neigte sich, strich mit der rechten seine Locken zurck, und stand dann
da, seine Augen auf die Versammlung richtend.
    Es war ein groes Gemurmel gewesen, als er in den Saal trat, wie es ist,
wenn viele Menschen in einem Raume sind, und es ist grer geworden, da er
eintrat. Manche erhoben sich, um ihn zu sehen, und rckwrts standen mehrere
aufrecht, um besser nach vorwrts schauen zu knnen.
    Als das Gerusch sich minderte, erhob sich ein Priester, der neben dem
Bischofe gesessen war, trat in den freien Raum vor dem Tische, und rief: Ich
bin der Abt von Kladrau!
    Hierauf schwieg er, und da sich nirgends ein Widerspruch erhob, und da fast
eine gnzliche Stille eingetreten war, hob er an: Liebe Mchtige und
Wohlgesinnte! Wir haben heute in diesem Hause eine Versammlung, die so gro und
ehrfurchterweckend ist, wie selten eine in diesem Lande stattgefunden hat. Viele
treue Mnner haben, als das Unglck zu drohen schien, welches nun nahe ist, ihre
Worte ausgetauscht, was vorzubereiten ist, da der Jammer nicht erscheine, der
schon fter bei einem Wechsel auf dem Herzogstuhle in diese Lnder gekommen ist:
als aber die Nachricht unter die Menschen ging, da es nicht mehr anders sein
werde, als da unser erlauchter Herzog Sobeslaw zum ewigen Leben in der
Gesellschaft seiner Brder, seiner Eltern und Vorfahren werde einberufen werden,
so kam eine groe Zahl edler Herren dieser Reiche herein, sie offenbarten ihren
Stand und ihren Besitz, und verlangten zu den Versammlungen gelassen zu werden.
Der Rat zu ernster Erwgung der Dinge und zur Findung des letzten Ausganges ist
nun heute in diesem Saale versammelt. Aber ehe er seinen Gegenstand pflegen
konnte, ist ein Fall gekommen, dessen Schlichtung vorher not tut. Ein junger
Reiter ist erschienen, den unser mchtiger Herzog Sobeslaw gesendet hat, da er
ergrnde, was die edlen Herren des Reiches beschlieen, und es melde. Er will
daher an die Versammlung die Bitte tun, da sie ihn ihre Beratungen und
Beschlsse anhren lasse, damit er die Wahrheit berichten knne. Sein erstes
Anliegen aber ist, da ihm der Rat gestatte, seine Bitte vor ihm selber
darzulegen. Weil durch Umfrage bei einsichtsvollen Mnnern, und dann in diesem
Rate beschlossen worden ist, da man ihn hre, und weil ich die Umfrage
verursacht, und die Frage vor dieses Haus der Versammlung gebracht habe, so
melde ich jetzt, da der junge Bote vor euch steht, damit das geschehe, was
bestimmt ist, und damit die, welche vor seiner Anhrung noch zu reden gemeldet
sind, reden.
    Als der Abt von Kladrau diese Worte gesprochen hatte, ging er wieder zu
seinem Sitze, und lie sich darauf nieder.
    Da dieses vorber war, stand der Mann mit dem schwarzen Kleide und dem
weien Barte, welcher neben Smil sa, auf, trat in den freien Raum, und rief:
Ich bin Ben der Kriegsanfhrer und der zweite Fhrer dieses Hauses.
    Als man zum Anhren bereit war, sagte er: Wer zum Sprechen nach der
Einfhrung des Abgesendeten berufen ist, der spreche. Der erste wei seinen
Platz, und jeder folgende kennt seinen Vormann.
    Hierauf nahm er seinen Sitz wieder ein.
    Da erhob sich in der Mitte der Versammlung ein Mann, der schwarz gekleidet
war, auf seiner schwarzen Brenhaube eine gerade Rabenfeder trug, und schwarze
Haare und einen schwarzen Bart hatte. Er rief auf seinem Platze stehend: Ich
bin Bogdan!
    Nach einer Weile Wartens fuhr er fort: Der ehrwrdige Abt von Kladrau hat
uns gesagt, da der Bote, welcher vor uns steht, gekommen ist, die Beschlsse
der Versammlung des Reiches zu ergrnden, und sie dem Herzoge Sobeslaw zu
melden. Der Kundschafter im Kriege sucht die Stellungen und Absichten des Heeres
zu erforschen, um sie dem Feinde zu hinterbringen. Der Kundschafter im Frieden
sucht Meinungen und Beschlsse zu erfahren, um sie irgend wohin zu melden,
daraus Krieg und greres Unheil als im Kriege entstehen kann. Darum sage ich:
Werft den jungen Mann in den Turm, setzt ein Gericht ber ihn zusammen, da es
einen Spruch flle, und verfahrt nach dem Spruche.
    Als er diese Worte gesagt hatte, setzte er sich wieder nieder.
    Nach ihm erhob sich einer in einem roten Gewande, welcher in den hinteren
Bnken sa, auf der schwarzen Haube eine rote Feder trug, und an dem Kinne einen
starken grauen Bart hatte. Er rief: Ich bin Domaslaw!
    Dann sagte er: Der Bote vor uns will unsere Beschlsse, wie wir vernommen
haben, an den Herzog Sobeslaw melden. Wir sind in der lautern Absicht hier, zu
beraten, was nach dem Tode unseres erhabenen Herzogs, welcher nahe bevorzustehen
scheint, geschehen soll, damit unser Vaterland von den beln verschont bleiben
mge, welche nach einem solchen Falle eintreten knnen. Unsere Beschlsse mgen
wie gut immer sein, so kann es geschehen, da sie dem Herzog Sobeslaw mifallen,
und da sein Geist, der von der Krankheit getrbt ist, Anordnungen trifft, die
Verwirrung und Unglck im Lande erregen. Was der junge Bote offen anstrebt, ist
daher Verrat an unserem Vaterlande. Wir knnen die Ausfhrung dieses Verrates
verhindern, wenn wir den Abgesendeten von unserer Versammlung entfernen; dann
bleibt aber noch der Versuch des Verrates brig, in welchem er in diesem
Augenblicke vor uns begriffen ist. Darum sage ich, da man den Jngling in
Gewahrsam nehmen, und dem knftigen Herzoge zum Gerichte bergeben soll.
    Hierauf setzte er sich wieder nieder.
    Nun stand auf der linken Seite des Saales ein Mann auf, der ein dunkelblaues
Gewand einen roten Bart und rote Haare und eine weie Feder auf der dunkelblauen
Haube hatte. Der Mann rief: Ich bin Benes!
    Dann sprach er: Wenn auch das alles zur Wahrheit besteht, was die Mnner
vor mir gesagt haben, so ist es gleichfalls wahr, da die hchsten Mnner des
Reiches in diesem Gemache versammelt sind, deren Name, wenn er gerufen wird,
allen bekannt ist, und die das Geschick der Vlker, welche in diesen Landen
wohnen, in ihre Hand nehmen drfen. Den Boten, der vor dem Tische steht, kennt
niemand, und seine Jahre geben ihm auch kein Recht an dieses Gemach. Es gesellt
sich daher zu dem Verbrechen die Vermessenheit, und beides mu gestraft werden.
Ich sage also: Wartet nicht auf den knftigen Herzog, sondern setzet ein Gericht
zusammen, das ber ihn urteilt.
    Er lie sich wieder auf seinen Sitz nieder.
    Sogleich stand in der Mitte der rechten Seite des Saales ein junger Mann
auf. Er hatte blonde Locken und blaue Augen. Die schwarze Haube mit den weien
Reigerfedern hielt er im linken Arme, der ein braunes golddurchwirktes Kleid
zeigte. Er rief: Ich bin Milhost!
    Dann rief er mit lauter Stimme: Weil diese Versammlung das hchste Heil des
Landes zu bewahren hat, so besitzt sie die grte Wrde, die es in diesem Lande
gibt. Soll sie aber ihren Zweck zu Ende fhren, so mu sie die hchste Gewalt
sein, der niemand widerstreben kann, die niemand zerwerfen kann, ohne sich
selber zu zerwerfen. Darum sage ich: Lasset einen hohen Pfahl vor dem Wysehrad
errichten, und hnget diesen jungen Mann auf den Pfahl, und lasset ihn zum
Schreck und Beispiele hngen bis eine Stunde vorher, da der neue Herzog in Prag
auf den Frstenstuhl gesetzt wird.
    Der, welcher so gerufen hatte, setzte sich wieder auf seinen Platz nieder.
    Nach ihm erhob sich ein alter Mann, der in einer der vorderen Bnke sa. Er
hatte ein dunkelbraunes Kleid eine schwarze Haube ohne Feder und einen langen
weien Bart. Er rief: Ich bin Bolemil!
    Ein sehr tiefes Schweigen entstand nach seinem Rufe, und er sagte dann: Ich
htte jetzt noch nicht geredet, weil ich glaubte, da unsere Redenszeit noch
nicht gekommen sei, weil aber meine Vormnner gesprochen haben, und die Reihe
mich trifft, so sage ich folgendes: Ich habe eine groe Zahl von Jahren gelebt,
und habe vieles gesehen. Ich habe noch den alten rmischen Kaiser Heinrich den
Vierten gekannt, der den Streit mit dem Heiligen Vater Gregor hatte, und der zu
gleicher Zeit mit unserem Herzoge Wratislaw lebte, welcher Herzog ein Knig
gewesen ist. Ich habe vor mehr als fnfzig Jahren Dienste getan, als dieser
Herzog zum Knige gekrnt worden ist. Ein solches Fest ist in Bhmen nicht
gewesen, und wird nicht wieder sein: der Herzog und seine Ehegemahlin Swatawa,
die vor vierzehn Jahren gestorben ist, in kniglichen Gewndern am heiligen
Veitstage im Dome des heiligen Veit von dem Erzbischofe von Trier Egilbert
gekrnt und gesalbt, Frsten Bischfe alle Lechen Bhmens und alles Volk
zugegen, und der Ruf: Dem von Gott gesalbten Knige Wratislaw dem groen und
guten Heil und Segen. Es waren damals Gesnge, die man schier vergessen hat. Ich
habe es erfahren, wie dieser Knig von dem Pferde strzte, und tot war. Ich habe
seinen Sohn Bretislaw gekannt, welcher acht Jahre geherrscht hat, und dann im
Walde bei Brglitz ermordet worden ist. Ich habe die blutigen Kmpfe erlebt,
welche um den Frstenstuhl erfolgt sind, weil unter der Herrschaft Bretislaws
die Alterserblichkeit aufgehoben worden ist. Ich habe Bretislaws Bruder und
Nachfolger Boriwoy gekannt, der zuerst mit Ulrich von Brnn um die Herrschaft
kmpfen mute, und dann mit Swatopluk von Olmtz, dem er unterlag. Ich habe
erfahren, wie Swatopluk in zweijhriger Herrschaft wieder mit Boriwoy um den
Stuhl ringen mute, wie er aus Wut in diesem Kampfe das ganze Geschlecht der
Wrse getilgt hat, und dann selber jenseits des Riesengebirges ermordet worden
ist. Ich habe den zweiten Bruder Bretislaws den guten Wladislaw gekannt, der den
blutigen Streit in Prag und in diesem Schlosse mit Boriwoy und dem Knige von
Polen dem Genossen Boriwoys um seinen Frstenstuhl fhren mute. Ich lernte dann
den dritten Bruder Bretislaws kennen unsern jetzigen guten Herzog Sobeslaw, und
bin mit ihm in der groen Schlacht bei Chlumec gewesen, die auch er schlagen
mute, damit er gegen die Ansprche des schwarzen Otto Herzog in Bhmen bleiben
konnte. So sind diese Dinge gewesen. Wir haben uns in der schweren Krankheit,
die unsern Herzog getroffen hat, hier versammelt, damit wir, wenn ihn Gott ruft,
eines Sinnes werden, nicht nur, da jetzt die tiefen Wunden nicht kommen, welche
in das unglckliche Land und in seine Vlker geschlagen wurden, wenn
Nachfolgestreite ausbrachen, sondern auch, da solche Dinge in der Zukunft nicht
mehr mglich sind. Viele mgen mit diesem Gedanken hieher gekommen sein, manche,
denen mehrere Erfahrung mangelt, mgen ihn nicht deutlich in sich gefat haben,
und einige mgen auch nur ihre eigenen Wnsche im Sinne tragen. Der Knabe,
welcher vor uns steht, kennt nicht, um was es sich handelt, der Herzog hat ihn
nicht zu uns gesendet, er ist selber zu uns gegangen, und wei nicht, da er
nicht hieher gehrt. Weil wir aber wissen, was er will, so sollen wir ihn
entfernen, ihm sagen, da seine Anwesenheit sich nicht gezieme, und ihm den Rat
geben, zu seinen Angehrigen zu gehen, und dort fr die Zukunft zu reifen.
Vielleicht mag er noch Gutes wirken. So spricht Bolemil ein alter Mann, der die
Gter der Erde nicht mehr liebt, keinen Menschen mehr hat, und sich nur zur
Vereinigung mit Gott und seinen Heiligen vorbereitet.
    Nach diesen Worten setzte sich Bolemil langsam, wie er aufgestanden war,
wieder auf seinen Sitz nieder.
    Es war nun eine Weile eine vllige Stille.
    Dann stand ein Mann in den hintern Reihen der Versammlung auf, der mittleren
Alters war, und braunes Haupthaar und braunen Bart trug. Er hatte ein schwarzes
Kleid. Er rief: Ich heie Nemoy, und bin der gleichen Meinung mit Bolemil.
    Nach ihm sprach in der Mitte ein Greis in dunkelblauem Gewande: Ich bin
Slawibor, und glaube, da der erfahrene Bolemil recht geredet hat.
    Hierauf erhob sich auf der rechten Seite ein Mann, der an Gre alle
bertraf, die bisher aufgestanden waren. Er hatte ein dunkelrotes Kleid an, und
trug eine Flle schwarzen Haares und schwarzen Bartes. Er rief: Ich bin
Predbor!
    Dann sprach er: Ich erkenne, was Bolemil gesagt hat; aber ich glaube, da
ber die Vermessenheit und Zudringung des Boten ein gerechtes Gericht gehalten
werden soll.
    Nach diesem Sprecher erhob sich mhesam ganz vorne ein alter Mann mit weien
Haaren und weiem Barte und in einem dunkelgrnen Gewande. Er sagte: Ich heie
Preda, und glaube auch, da doch ein Gericht wenn gleich ein mildes ber den
jungen Mann, der vor uns steht, von uns abgehalten werden soll; denn wenn wir
uns von seiner Jugend lenken lassen, so werden die im Lande, die auf uns sehen,
ihre Ehrfurcht vor uns mindern, und wenn wir uns seinem Willen beugen, so werden
wir unsere eigenen Beschlsse nicht achten, und sie vielleicht selber in kurzem
zerstren.
    Dann setzte er sich wieder mhevoll auf seinen Sitz nieder.
    Jetzt stand hinten ein jngerer Mann mit blonden Locken und in hellgrnen
Kleidern auf, der an seiner Haube eine lange weie Feder trug, und rief: Ich
bin Kochan!
    Dann sagte er: Ich glaube, da ein strenges Gericht von uns ber den Boten
notwendig ist.
    Nach ihm rief ein Mann in den vorderen Reihen, der gleichfalls blond aber in
feines Braun gekleidet war, und auf der schwarzen Haube eine gefleckte Feder
trug: Mein Name ist Drslaw, und ich sage auch, da ein strenges Gericht
gehalten werden soll.
    Nach diesen zwei jungen Mnnern sprach ein alter Mann in einem dunkelgrauen
Pelze und mit weien Haaren in der Mitte des Saales: Ich heie Chotimir, und
meine, da der Rat Bolemils hinreichend sei.
    Nachdem diese Mnner gesprochen hatten, war eine kleine Zeit Schweigen. Es
erhob sich niemand mehr zum Sprechen.
    Da stand der Bischof mit den dunkeln Augen und dem braunen Barte von seinem
Sitze auf, ging zu dem Tische, und schlug mit einem metallenen Stabe dreimal an
eine Glocke, da es einen hellen Klang durch den ganzen Saal gab.
    Als alle auf dieses Zeichen nach vorwrts blickten, sagte er: Ich bin Zdik
der Bischof von Olmtz und der erste Fhrer dieser Versammlung.
    Da sich auf diese Worte ein Beifallsgemurmel erhob, wartete der Bischof, bis
Ruhe eintrat. Dann blieb er an dem Tische stehen, wendete sich gegen die
Versammlung und sprach: Nach Chotimir ist die Reihe der Rede an mich gekommen.
Ich rede aber jetzt ber die gegenwrtige Sache nicht mehr, sondern ich habe mit
der Glocke das Zeichen gegeben, da ich als Fhrer der Versammlung nicht als ihr
Mitglied sprechen will. Als Fhrer aber sage ich: Die bisher gesprochen haben,
sind nicht bei dem rechten Gegenstande gewesen. Der ehrwrdige Leche Bolemil hat
gesagt, da es ihm scheine, als sei noch nicht unsere Redenszeit gekommen,
dadurch er dargelegt hat, da die Sprechsache eine andere sei. Weil der
ehrwrdige Abt von Kladrau heute die Versammlung gefragt hat, ob sie den
Jngling, der in Sachen des Herzogs Sobeslaw gekommen ist, hren wolle, und weil
die mehreren von denen, die hier sind, die Frage bejaht haben, so ist die
Ordnung die, da der, welcher auer der Frage der Anhrung des Boten noch zu
reden fr ersprielich hlt, rede, da dann der Bote gehrt werde, und da man
dann rede, was mit ihm geschehen soll. Ich verzichte, wie ich sagte, auf meine
Worte vor der Anhrung des Jnglings.
    Als der Bischof dieses gesagt hatte, ging er wieder zu seinem Sitze, und
lie sich auf demselben nieder.
    Nach ihm erhob sich Ben der zweite Fhrer der Versammlung, ging zur Glocke,
und tat einen Schlag auf dieselbe.
    Dann rief er bei dem Tische stehend: Ich Ben der zweite Fhrer des Hauses
der Versammlung rufe diejenigen auf, welche nach dem hochehrwrdigen Bischofe
Zdik zur Rede vor der Anhrung des Boten aufgezeichnet sind, da sie reden.
    Es meldete sich kein Redner mehr, und die Versammlung blieb stille.
    Nach kurzer Zeit rief Ben: Wenn die brigen Redner auf ihre Worte
verzichten, so frage ich die Versammlung, ob sie es an der Zeit halte, da der
Bote gehrt werde.
    Fast alle erhoben sich zum Zeichen der Zustimmung.
    Nun wendete sich Ben an Witiko, und sagte: Junger Reiter, die edlen Herren
des Reiches in dieser Versammlung wollen dich hren, rede.
    Witiko blieb auf seinem Platze stehen, verneigte sich, richtete sich wieder
auf, und sprach: Hohe mchtige Herren! Ich bin ein Kind dieses Landes. Wir
haben im Mittage ein kleines Eigen in Pric, noch ein kleines im Walde in Plan,
und ein noch kleineres im Wangetschlage. Mein Geschlecht soll in uralten Tagen
im groen Walde sehr mchtig gewesen sein. Aber wie es auch ist, jetzt sind wir
nichts. Ich bin vor zweiundzwanzig Jahren im Lande geboren worden. Mein Vater
starb bald. Meine Mutter war mit mir fter in Baiern, fter in unserm Eigen. Als
ich reiten gelernt hatte, und die Waffen fhren konnte, ritt ich von Baiern
durch meine Heimat nach Prag, um Sobeslaw dem Herzoge unseres Landes zu dienen.
Es sind seither achtzehn Monde verflossen. Ich kam unter Mnner, die als Reiter
dienten. Als im vergangenen Jahre der Zug unseres Volkes in Verbindung mit dem
deutschen Knige Konrad gegen die Sachsen war, und als ich einen Weg
ausforschte, durch welchen unsere Schar eine bessere Aufstellung machen konnte,
sah ich den Herzog, welcher mich belobte. Als der Herzog krank war, ritt ich auf
Hostas Burg, um zu erfahren, wie schwer er leide. In dem vorigen Monate lie er
mich in sein Krankengemach rufen, und sagte, ich solle nach Prag reiten, es
seien auf dem Wysehrad Versammlungen, welche beraten, was nach seinem Tode sein
wird. Ich solle ergrnden, was sie sagen und vorhaben, und soll ihm die genaue
Nachricht bringen. Zum Zeichen, da ich nicht aus mir selber rede, hat er mir
ein Kreuzlein gegeben, an welches geglaubt werden wird.
    Witiko brach hier ab, zog das Beutelchen hervor, nahm das Kreuzlein heraus,
trat einige Schritte vor, und reichte es dem Bischofe Zdik.
    Dieser betrachtete das Kreuz, und gab es dann an der Bischof Silvester. Der
Bischof Silvester gab es in die Hnde der bte und Priester, welche an seiner
Seite saen. Von diesen kam es an die brigen Priester, und von den Priestern an
die weltlichen Herren. Der Mann mit dem purpurnen weiten Gewande betrachtete es
genau, und gab es dann weiter. Die es besehen hatten, gaben es wieder weiter,
und es kam immer mehr zurck. Dann kam es wieder vorwrts bis in die Hnde des
Bischofes Zdik. Zdik gab es Witiko. Dieser trat an seinen Platz zurck, und barg
es in seinem Fache und mit ihm in seinem Gewande.
    Als dieses geschehen war, trat ein Priester von denen, die abseits der
Bischfe und bte saen, auf den freien Raum hervor, und rief: Ich bin Daniel
der Sohn des Magnus, ein Untergebener des ehrwrdigen Propstes von Prag Otto und
mit ihm des hochehrwrdigen Bischofes Silvester. Ich bitte mit der Genehmigung
meiner Obern die mchtigen Herren um Gestattung einer Zwischenrede wegen des
Kreuzes.
    Da nach diesen Worten alle still waren, sagte er: Das Zeichen, welches der
Bote vorgewiesen hat, gehrt unserm erlauchten Herzoge Sobeslaw. Es ist ein
Kreuzlein, welches er trgt, seit er sich mit seinem sterbenden Bruder Wladislaw
vershnt hat. Es ist von dem Bischofe Meinhard geweiht worden. Ich bin dabei im
Kirchendienste neben meinem Vater gestanden, und habe es auf einem Kissen
gehalten. Es hat den Namen Jesus in feinem Golde, und die Anfangszeichen der
Namen Wladislaw und Sobeslaw an seinem Fue. Die Weihe des Kreuzes ist in den
Schriften der Bischofkirche aufgezeichnet worden, und meine hochehrwrdigen
geistlichen Obern haben mich, da das Kreuzlein in der Versammlung beschaut
wurde, ermchtigt, das Zeugnis abzulegen.
    Nun schwieg er.
    Der Bischof Zdik aber sagte hierauf: Ich erkenne auch das Kreuz, und wei,
da es der Herzog getragen hat.
    Nach ihm erhob sich ein alter Mann mit glnzend weien Haaren und in
dunkelveilchenblauem bergewande aus der ersten Reihe, und sprach: Ich bin
Diwis ein alter Diener und Zupan des Herzogs, und wei, da er das Kreuz bis
jetzt bei sich getragen hat.
    Nun stand der Bischof Silvester auf, und rief: Ich bin Silvester, der
erwhlte Bischof von Prag. Dann sagte er: Ich habe mit dem Jnglinge, der vor
uns steht, geredet, und er hat mir Zeichen angegeben, aus denen ich sah, da ihm
der Herzog das Kreuz in die Hnde gelegt hat.
    Nach diesen Mnnern sprach niemand mehr in der Zwischensache.
    Da fragte Ben die Versammlung, ob der Bote weiter sprechen solle.
    Sie bejahten es durch Zeichen der Zustimmung.
    Daher fuhr Witiko fort: Als mir der Herzog den Auftrag gegeben hatte,
fragte ich ihn, ob er, wenn er alles wisse, gegen die, welche ihm zuwider
handeln, etwas Feindseliges ausfhren werde. Er antwortete, da er nur wissen
wolle, was geschehe, und da er dann sterben werde. So sagte ich, da ich gehen
werde, und so bin ich hier. Ich bin kein Kundschafter, weil ich nicht heimlich
zu erfahren strebte, ich habe den hochehrwrdigen Bischof Silvester gebeten, mir
zu erwirken, da mich die hohe Versammlung hre. Ich habe mit keinem Menschen
ber die Sache gesprochen, und wenn sie mich fragten, habe ich keine Antwort
gegeben. Ich bin kein Bote; denn der Herzog hat mich nicht an die Versammlung
gesendet, ich bin fr mich selber da, und stelle die ehrfurchtbezeigende Bitte,
da mich die Versammlung die Beschlsse anhren lasse, damit ich dem Herzoge
nichts Unreines und Geschndetes bringe. Ich selber komme nicht in Betracht, so
wenig, wie ein Stcklein Papier, darauf eine hohe Hand eine Zeile geschrieben
hat, die man findet, und achtet. Wenn mich die Versammlung hier duldet, werde
ich bleiben, wenn sie mich entfernt, werde ich gehen, werde wieder mit keinem
Menschen sprechen, und werde dem Herzoge den Vorgang melden, auer ich werde
hier zurckgehalten, und es wird strenger gegen mich verfahren.
    Nach diesen Worten neigte sich Witiko wieder, und blieb schweigend stehen.
    Das ist ein treuer Knabe, rief eine Stimme in den hinteren Reihen.
    Das ist ein mutiger Mann, rief eine andere Stimme in der Mitte.
    Der Bischof Zdik ging zur Glocke, und tat drei Schlge auf dieselbe.
    Man hrte keinen Ruf mehr; aber es wurde an die Schwerter geschlagen.
    Der Bischof sagte, da es ruhig geworden war: Die Ordnung der Versammlung
mu die bleiben, da die Reden und Ansprachen in der Reihe erfolgen, wie sie
verzeichnet sind. Es geht an den zweiten Fhrer der Versammlung der Ruf, ob er
den Jngling etwas fragen will.
    Er setzte sich nach diesen Worten wieder auf seinen Sitz.
    Ben stand auf, wendete sich gegen Witiko, und sprach: Dein Name ist
Witiko.
    Witiko, antwortete der Gefragte.
    Und welcher war der Name deines Vaters? fragte Ben weiter.
    Mein Vater hie Wok, entgegnete Witiko.
    Nun also, Witiko Sohn des Wok, sprach Ben, ich der Kriegsanfhrer Ben der
zweite Fhrer dieses Hauses frage dich: Bist du von dem Herzoge Sobeslaw an
diese Versammlung gesendet worden?
    Ich bin nicht an sie gesendet worden, entgegnete Witiko.
    Und weshalb stehst du vor ihr? fragte Ben.
    Ich stehe in meinem Namen mit einer Bitte, die ich gesagt habe, antwortete
Witiko.
    Und hat der Herzog dir selber das goldene Kreuzlein gegeben, welches du
gezeigt hast? fragte Ben.
    Seine Hand hat es in meine Hand gelegt, entgegnete Witiko, es soll nur
ein Zeichen sein, da ich von ihm einen Auftrag habe.
    Warum hat der Herzog nicht einen Lechen des Reiches an die Versammlung
gesendet? fragte Ben weiter, warum hat er nicht geharrt, bis ihm einer aus
dieser Versammlung die Nachricht bringt, sondern hat dich fast einen Knaben
geschickt?
    Ich wei es nicht, antwortete Witiko, er hat gesagt: Du blickest ehrlich,
du wirst meinen Auftrag vollfhren.
    Ben schwieg, und zauderte nach dieser Antwort einen Augenblick. Die
Versammlung schwieg auch.
    Da sagte Bolemil: Fragt weiter!
    Ben fragte: Und wenn du hier verweilen darfst, Witiko, wirst du auch reden
wollen?
    Das htte ich nicht getan, wenn die Frage auch nicht an mich gerichtet
worden wre, entgegnete Witiko, ich bin nicht einer der Versammlung, und meine
Bitte ging um das Hren, nicht um das Sprechen.
    Ich frage nicht weiter, entgegnete Ben.
    Er ging wieder zu seinem Sitze.
    Da er sich niedergelassen hatte, entstand wieder wie bei dem Eintritte
Witikos das Brausen der Gesprche, da die Nachbarn oder solche, die sich sonst
nahe waren, miteinander ber die Sache redeten.
    Da dieses einige Zeit gedauert hatte, wurde mit der Glocke das Zeichen
gegeben, und da es ruhiger geworden war, stand der Bischof Zdik auf, und rief:
Es ist nun an der Reihe, da die Beratschlagungen folgen, was mit dem Boten
geschehen soll.
    Ben erhob sich, und rief: Der erste von denen, die zur Rede vorgemerkt
sind, ist Zdik der hochehrwrdige Bischof von Olmtz.
    Da er sich gesetzt hatte, trat der Bischof Zdik ein wenig gegen den freien
Raum vor, wendete sich gegen die Versammlung, und sprach: Liebe Getreue
Einsichtige! In der heutigen sehr bedeutungsvollen Versammlung ist ein
Zwischenfall gekommen, von dem es besser gewesen wre, wenn er nicht gekommen
wre. Weil er aber da ist, will ich nach meiner geringen Einsicht und meinem
guten Willen eine Entscheidung vorschlagen, die ihr annehmen oder verwerfen
mgt. Lasset mich zuerst von dem reden, was uns erfreut. Unser Herzog Sobeslaw
wurde von dem bhmischen Volke bedauert, da er als ein lieblicher Knabe mit
seinem ltern Bruder Boriwoy entfliehen mute, er wurde von dem bhmischen Volke
geliebt, da er in seiner Jugend als ein schner Ritter kmpfte, fehlte, und
seine Fehler wieder verbesserte, das bhmische Volk war hoch erfreut, als er
sich mit seinem Bruder dem edelherzigen Wladislaw auf dessen Sterbebette
vershnte, er wurde anerkannt, da er nach dessen Tode den Frstenstuhl bestieg,
und ihr alle habt mit ihm gekmpft, und ihm bei Chlumec siegen geholfen, als ihm
der schwarze Otto mit Hilfe des deutschen Knigs Lothar den Herzogstuhl streitig
machen wollte. Als die Verschwrung des Miroslaw und Strezimir gegen das Leben
Sobeslaws entdeckt wurde, und er nach Prag zurckkehrte, ist er mit
Glockengelute grnen Zweigen und Jubel empfangen worden, und da die Gefahr
vorber war, sind in dem Volke Gesnge und Tnze gewesen. Der Herzog Sobeslaw
hat mit allen mchtigen Frsten Frieden gemacht, und Freundschaft geschlossen,
er hat die Lasten des Volkes erleichtert, er hat die mter gut eingerichtet, er
hat Vesten gebaut, er hat steinerne Huser in Prag errichtet, er hat dieses
Haus, in dessen Mauern wir jetzt beraten, so schn hergestellt, wie es nie
gewesen ist, er hat mig gelebt, in seinen Becher ist kein berauschendes
Getrnke mehr gekommen, er hat einen Schatz fr den Nachfolger gesammelt, und
war jetzt begriffen, die Grenze gegen Polen, woher Gefahr kommen kann, zu
schtzen. Wir sind ihm Dank und Ehrerbietung schuldig, lat uns dies erweisen,
da wir den Zwischenfall mit Dank und Gerechtigkeit lsen, wie er nur zu lsen
ist. Ich mu nun auch von Traurigem reden. Der erlauchte Herzog Sobeslaw ist
krank geworden, der Arzt sagt, er werde in kurzer Frist scheiden, er hat nicht
mehr seinen Sohn, den bestimmten Nachfolger, zur Reife erziehen knnen, da
derselbe die Lnder sicher in die Hand nehmen, und fhren knne. Wir sind ihm
Mitleid schuldig, lasset uns den Zwischenfall mit Mitleid lsen, wie er nur zu
lsen ist. Wegen des Herzogs Sobeslaw ist ein junger Mann gekommen. Der Herzog
kann einen Lechen oder einen andern gehrigen Boten nicht an diese Versammlung
schicken, weil er sie nicht zusammenberufen hat, er kann nicht warten, bis ihm
einer der Herren des Reiches die Nachricht bringt, weil ihn die Zeit drngt, und
weil er auch die Sache erst erfahren wrde, wenn sie lngst vorber ist. Der
junge Reiter sollte ergrnden, was geschehe, und es dem Herzog melden. Der
Herzog hat gromtig gesagt, er wolle blo wissen, was geschehe, und werde dann
sterben, der junge Reiter hat gromtig, ohne hinterlistig zu forschen, sich vor
uns gestellt, da wir ihn unsere Beschlsse anhren lassen. Lat uns also auch
den Zwischenfall mit Gromut lsen, wie er nur immer zu lsen ist. Der Herzog
hat einen Jngling gesendet, welcher beinahe noch ein Knabe ist, weil er an
seine Ehrlichkeit glaubt, er mitraut allen Nachrichten, die ihm auf anderen
Wegen ber uns zukommen, und er mitraut unsern Versammlungen. Es ist an uns,
dem Herzoge zu zeigen, da wir gegen ihn nichts Bses im Sinne haben, sondern,
da wir in dieser drangsalsvollen Zeit, in welcher er uns entrissen werden soll,
zusammen gekommen sind, um zu helfen, da das Heil des Landes nicht erschttert
werde oder verloren gehe. Der Herzog selber, wenn er gegenwrtig sein knnte,
mte denken wie wir, da er seinen Sohn und Nachfolger nicht mehr heranbilden
konnte, und selber der knftige Herzog, wenn einer aus dieser Versammlung
hervorgeht, knnte nicht wollen, da er aus Nacht und Geheimnis sondern
offenkundig und gerecht zu seiner Wrde empor steigt. Eine Botschaft aber knnen
wir an den Herzog nicht senden, weil er ihr nicht trauen wrde, oder sie knnte
erst abgehen, wenn alles vollendet ist. So lasset uns den Mann, den er gesendet
hat, als Boten erkennen, und lasset ihn uns in die Versammlung als Zeugen der
Verhandlungen aufnehmen, da er sie dem Herzoge berbringt, und uns vor ihm
erhht. Er ist zwar nicht von dem Herzoge an uns gesendet worden; aber er ist
des Herzogs willen da, und ihn zurckstoen, hiee den Herzog selber
zurckstoen. Er ist nicht einer der Vornehmen des Reiches; aber der Herzog hat
ihn geehrt, da er ihm einen so groen Auftrag gegeben hat, er ist gut erzogen,
wie seine Rede und seine Handlung beweist, welche wie die eines Edlen dieses
Landes ist. Auch vor denen, die von fernen Gegenden her ihre Augen auf uns
richten, verlieren wir durch Aufnahme dieses Jnglings nichts an Achtung,
sondern wir gewinnen an Strke, weil unser Tun nicht das Licht der
Mitwissenschaft scheut. Ja ich wrde Gott bitten, da wir unter freiem Himmel
tagen knnten, und da alle, die in diesen Lndern wohnen, herzu zu treten, und
zu hren vermchten, was wir sagen, und zu sehen, was wir tun. So spreche ich,
der ich fr alle mitsorgen mchte, die in diesen Lndern Bhmen und Mhren
wohnen, und der ich in meinem Gebete stndlich zu dem Herrn rufe, da er all das
Wehe und Blutvergieen von dem jetzigen Wechsel fern halte, das bei den frheren
so schrecklich und schmerzlich eingetreten ist.
    Als er schwieg, rief eine Stimme: Der Bischof ist ein gerechter Mann wie
der heilige Adalbert.
    Der Bischof aber entgegnete noch auf seinem Platze stehend: Als Fhrer
dieses Hauses sage ich, da die Ordnung desselben nicht gestrt werden soll, und
als Bischof sage ich, da der heilige Adalbert ein Mann gewesen ist, zu dem man
in Nachahmung aufschauen, den man aber nicht erreichen kann.
    Nach diesen Worten entfernte er sich von dem freien Raume, und begab sich
wieder zu seinem Platze zurck.
    Lasset die nchsten Redner sprechen, rief jetzt eine Stimme.
    Der hochehrwrdige Bischof hat gut gesprochen, antwortete eine andere
Stimme.
    Er hat vortrefflich gesprochen, fiel eine dritte Stimme ein, und es
erhoben sich verworrene Rufe des Beifalls.
    Der Bischof Zdik stand auf, ging zur Glocke, und tat auf sie die drei
Schlge, ohne etwas zu sprechen. Er blieb bei der Glocke stehen, bis es ruhig
geworden war. Dann ging er wieder zu seinem Sitze.
    Hierauf erhob sich Ben, und rief: Der zweite Redner ist der Priester
Daniel.
    Da er sich niedergesetzt hatte, ging der Priester Daniel hervor, und sprach
gegen die Versammlung: Mchtige Anwesende! Wenn ich gewut htte, was der
hochehrwrdige Bischof Zdik vor mir reden wrde, so htte ich mich gar nicht zum
Sprechen gemeldet, und auch jetzt wrde ich auf meine Worte verzichten, wenn ich
doch nicht eines anfhren mte, das tief unter seinem hohen Sinne steht, und
dessen er darum auch keine Erwhnung getan hat. Wenn es angenommen werden mte,
da unser hoher und erlauchter Herzog Sobeslaw trotz seines Wortes doch geneigt
ist, gegen diese Versammlung etwas Feindseliges zu unternehmen, und wenn dieses
Feindselige durch Nachrichten, die der Herzog ber uns erhlt, vermehrt wrde,
wie einige glauben, so mte es gewi um ein Groes wachsen, wenn er erfhre,
da der junge Mann, den er mit einem Auftrage betraut hat, von uns
zurckgestoen, oder gefangen gehalten, oder mihandelt wrde. Und wenn jemand
hier die Meinung hegt, da der Herzog unsere besten Beschlsse, weil sein Geist
durch die Krankheit getrbt ist, mibilligen knnte, so wre es mglich, da er
nach solchen Vorfllen durch sein krankes Gemt auf bereilte Ratschlsse kme,
und das Unheil gerade eintrte, das wir zu vermeiden streben. Wenn wir aber
seinen Boten zu uns lassen, so wird er auf dessen Antwort harren, und wir
gewinnen Zeit, und er verliert Zeit. Ja, es mag auch geschehen, da er nicht
blo, wenn er gegenwrtig sein knnte, wie der hochehrwrdige Bischof Zdik
gesagt hat, das Gute, das hier geschaffen wird, she, sondern, da er es auch,
wenn es ihm hinterbracht wird, trotz des Schleiers der Krankheit erkennt, und
dann alles ausgeglichen ist und gut vorber gefhrt wird. Ich meine daher, so
weit meine Einsicht alles zu fassen vermag, da nicht blo die Hochherzigkeit
dieser Versammlung, wie der hochehrwrdige Bischof vor mir dargelegt hat,
sondern auch die Klugheit verlangt, da wir den Jngling, der vor uns steht, zum
Zuhrer unserer Versammlung aufnehmen.
    Nach diesen Worten ging der Priester Daniel wieder zu seinem Sitze.
    Da rief der junge Mann Milhost: Die Erhabenheit dieser Versammlung soll
nicht durch die Klugheit geschndet werden, sich vor Feindseligkeiten zu
frchten. Ob Feindschaft ist oder nicht, gilt gleich; nur die Macht und Gewalt
dieser Versammlung soll ber allem bestehen, was ist.
    Der Bischof Zdik tat einen starken Schlag auf die Glocke, und rief: Du hast
dein Urteil in dieser Sache schon abgegeben, es ist die Reihe der Rede nicht an
dir, ich verwarne dich, Milhost, da du die Ordnung der Versammlung nicht
strst.
    Die Ordnung, die Ordnung, riefen mehrere Stimmen.
    Der junge Mann setzte sich nieder, und Zdik ging wieder zu seinem Sitze.
    Hierauf erhob sich ein dunkelgekleideter sehr alter Mann in der zweiten
Reihe der Sitze, und sagte: Ich bin Lubomir, und bin nach dem ehrwrdigen
Priester Daniel an der Reihe der Rede. Ich htte nach dem, was gesprochen worden
ist, auf meine Worte Verzicht geleistet; jetzt aber sage ich, da die
Menschlichkeit, weil wir doch hier versammelt sind, um unser armes Land vor
Unglck zu bewahren, verlangt, da wir in diesen ungewissen Zeiten Zank und
Zwietracht vermeiden. Es bedeutet nichts, wer zuhrt; die Ehre der Versammlung
hngt von ihren Taten ab, nicht von dem Dasein oder Absein eines Kindes. Lat
den Knaben niedersitzen und zuhren.
    Nach diesen Worten setzte sich Lubomir wieder nieder.
    Nun stand ein Mann in mittleren Jahren auf, grn gekleidet, mit einer
schwarzen Feder auf der Haube. Er sprach: Ich heie Jurik, und sage, da die
Versammlung so hoch ist, da sie im Angesichte der ganzen Welt beschlieen
kann.
    Nach ihm erhob sich ein alter Mann in weien Haaren dunkelbraunem Gewande
und mit einer grnen Feder auf der schwarzen Haube. Er sprach: Ich bin Wsebor,
und sage: Es ist vor allem unsere Pflicht, da wir das schwere Leiden unseres
Herzoges, dessen Untertanen wir ja noch sind, ehren.
    Es erhob sich ein Ruf des Beifalls nach diesen Worten.
    Hierauf stand in der ersten Reihe der Kriegsanfhrer Smil auf, und sagte:
Ich bin Smil, und fhre nur die Worte an: Die Kraft einer jeden Versammlung ist
ihre Migung, die Gefahr aber ihre Anmaung; und diese entsteht, wenn einzelne,
welche Macht und Ansehen nicht haben, solche mit Hilfe ihrer Versammlung
erringen wollen.
    Nach ihm erhob sich in der Mitte des Saales ein alter Mann in
dunkelrotsammetnem Gewande, und sagte: Ich bin Bozebor, und verzichte auf meine
Worte.
    Nun stand rechts ein Mann auf, welcher schwarze Haare einen schwarzen Bart
und schwarze Augen hatte. Er war in ein rotbraunes Gewand gekleidet, und hatte
eine fahle Feder auf der schwarzen Haube. Er sprach: Ich heie Bartholomus,
und verzichte auch auf meine Worte, weil sie der hochehrwrdige Bischof Zdik
gesagt hat.
    Nach diesen zwei Mnnern rief eine Stimme: Verget nicht, was ber eine
Strafe und ein Gericht ber den Boten gesagt worden ist.
    Verget nicht des Gerichtes, rief eine andere Stimme.
    Und der Strafe, rief wieder eine.
    Der Strafe, der Strafe, riefen mehrere.
    Da tat Zdik den Schlag auf die Glocke, und sagte: Haltet die Ordnung. Die
gegen Witiko sind, haben gesprochen, die fr Witiko sind, haben gesprochen. Wer
noch gemeldet ist, mge reden. Ben rufe ihn auf.
    Da erhob sich Ben, und rief: Ich fordere diejenigen, welche noch bestimmt
sind, auf, zu sprechen.
    Es sprach niemand.
    Ben rief wieder: Sind noch Mnner aufgezeichnet, ihre Worte vorzubringen?
    Es erfolgte keine Antwort.
    Da rief Ben zum dritten Male: So ist die Sprache ber den Boten des Herzogs
geschlossen.
    Nach diesen Worten setzte er sich wieder nieder.
    Jetzt ging Zdik zu der Glocke, gab das dreimalige Zeichen, und da alle auf
ihn sahen, rief er: Weil die Sprache ber den Zwischenfall, der sich in unserer
Versammlung ereignet hat, geendet ist, so rufe ich die Versammlung auf, ihren
Beschlu zu fassen. Ich sage, da ein jeder, welcher meiner Meinung ist, da zum
Frieden und Heile des Landes dieser Bote dagelassen werden mge, dieses durch
das Zeichen der Erhebung von seinem Platze aussprechen wolle.
    Zdik blieb bei der Glocke stehen, und blickte auf die Versammlung.
    Der Bischof Silvester erhob sich, und blieb aufrecht stehen Der Abt von
Kladrau erhob sich, der Abt von Brewnow,. der Abt von Wilimow, der Abt von
Sazawa, Otto der Propst von Prag, Hugo der Propst von Wysehrad, der Priester
Daniel und die andern Priester, der alte Lubomir, der alte Wsebor, Smil der
Kriegsanfhrer, Diwis der alte Zupan mit den schneeweien Haaren, Ben der
Kriegsanfhrer, und nach ihm mehrere, Jurik, Bartholomus, Bozebor, und wieder
mehrere, darunter manche junge Mnner in den letzten Reihen: Welislaw und der
Sohn des Nacerat, so wie auch Casta, der bei Chynow die gestreifte Falkenfeder
getragen hatte. Es stand endlich der grere Teil der Versammlung aufrecht neben
den Sitzen.
    Zdik der Bischof von Olmtz rief: Ich rufe die Versammlung auf, da sie auf
sich blicke, und sehe, da ihr grerer Teil sich fr meinen Antrag entschlossen
hat. Die Schreiber werden es auf dem Pergamente verzeichnen.
    Nach diesem Rufe lieen sich die, welche aufgestanden waren, wieder auf ihre
Sitze nieder.
    Der Bischof Zdik aber wendete sich gegen Witiko, und sagte: Abgesendeter
des erlauchten Herzogs Sobeslaw! Du bist als Hrer in dieser Versammlung
aufgenommen.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, wurde fr den Jngling Witiko ein Sitz
in die Versammlung gebracht.
    Zdik ging wieder zu seinem Platze.
    Witiko verneigte sich ehrerbietig, ging zu dem Sitze, welcher fr ihn herein
gebracht worden war, und lie sich auf denselben nieder.
    Nachdem diese Handlungen vorber waren, entstand eine lange Unterbrechung in
der Versammlung. Man trennte sich von seinen Sitzen, Gesprche wurden
angefangen, man gesellte sich zusammen, durch die Tren wurde aus- und
eingegangen, ja sogar ein Trunk wurde hie und da gereicht. Zu Witiko kam aus den
hinteren Reihen Welislaw hervor, reichte ihm die Hand, und sagte: Erinnerst du
dich meiner noch?
    Du bist Welislaw, antwortete Witiko.
    Ja, erwiderte Welislaw, wir werden wohl in unseren Meinungen Gegner sein;
aber du bist heute wieder wie bei Chynow, und das freut mich.
    Ich wei nicht, ob wir in unsern Meinungen Gegner sein werden, antwortete
Witiko, ich habe gar keine Meinung, ich erwarte nur die Dinge.
    Auch der Sohn des Nacerat kam zu Witiko hervor. Er war in himmelblauen
Sammet gekleidet, und hatte auf der schwarzen Haube wieder eine weie Feder wie
bei Chynow. Er sprach zu Witiko: Ich habe dir ja gesagt, da wir wieder
zusammen kommen werden. Du bist hartnckig, Witiko, und gibst nicht nach.
    Gibst du nach? fragte Witiko.
    Wenn es sein mu, tut es jeder Mensch, entgegnete der andere.
    Nur ist fr den einen leichter ein Mu da als fr den andern, sprach
Witiko.
    Auch Casta kam herzu, und sagte: Sei mir gegrt, Witiko!
    Ich entsinne mich deiner nicht mehr, antwortete Witiko.
    Ich bin Casta, sagte der andere, und bin bei Chynow im Zuge zu weit
zurck gewesen, als da du meiner noch gedenken knntest. Du bist heute hier
glcklich gewesen.
    Nur die Sache ist es, sagte Witiko.
    Als die Erholung der Versammlung eine Weile gedauert hatte, geschah wieder
das dreifache Zeichen mit der Glocke, und als die Tren geschlossen waren, die
Reihen sich geordnet hatten, und Stille eingetreten war, trat Zdik langsam vor,
richtete sein Angesicht gegen die Versammlung, sah sie eine kurze Zeit an und
sprach dann: Liebe Ehrwrdige Treue! Es ist der Augenblick gekommen, in dem wir
die groe Frage ber die Ruhe und das Heil des Landes entscheiden sollen. Mge
der Segen des allerhchsten Herrn der Heerscharen ber diesen Huptern sein, da
beschlossen wird, was gerecht und heilsam ist. Unser erlauchter edler und
umsichtiger Herzog Sobeslaw, welcher fnfzehn Jahre in diesen Lndern geherrscht
hat, ist so schwer erkrankt, da das Ende seines irdischen Lebens nahe bevor zu
stehen scheint. Die Heilkundigen sagen, da er in kurzer Zeit die Erde verlassen
wird. Nun ist, wie uns der ehrwrdige Leche Bolemil deutlich zu Gemte gefhrt
hat, in den eben vergangenen Zeiten, wenn ein Wechsel in den Herrschern
stattgefunden hat, so Schweres eingetreten, da wir sehnlich wnschen mssen,
solches jetzt zu vermeiden. Aber die Herrschertage der letzten zwei Herzoge des
gtigen Wladislaw und des klugen und gerechten Sobeslaw haben auch gezeigt, da
nicht blo bei einem Wechsel der Herrschaft die bel ferne bleiben sollen,
sondern da auch bei ihrer Dauer der Samen des Glckes unter dem Schirme des
Herrschers aufgehen, wachsen, und gegen die Zerstrungslste der einzelnen
erstarken msse. Fr diejenigen, welche aus verschiedenen Teilen des Landes
herein gekommen sind, und in groer Zahl nur der heutigen letzten Versammlung
beiwohnen, sage ich: Es sind whrend der gefhrlichen Krankheit des Herzogs von
einigen und mehreren Mnnern Zusammenknfte ber diesen Gegenstand gehalten
worden. Es ist erkannt worden, da Zwiste bei dem bergange und Bestehen der
Herrschaft nur dann ausbrechen, wenn jeder der Gegner einen groen Anhang hat,
der ihm beisteht. Es ist daher beschlossen worden, zu ergrnden, welchem Manne
aus dem geliebten Geschlechte des geheiligten Premysl die meisten der Herren
dieser Lnder zugetan sind, und ob ihre Zahl so gro ist, da ihre Widersacher
nichts gegen sie zu unternehmen vermgen, damit dann der erwhlte Mann von
dieser Zahl auf den Frstenstuhl gehoben werde, den Widerspruch durch die Zahl
zurckschrecke, und in den Jahren seiner Herrschaft durch sie das Gute in den
Lndern heranziehe, das zum Frommen aller dient. Es sind noch zahlreiche Zweige
aus dem Stamme Premysls brig. Da ist Konrad von Znaim der Sohn Liutolds des
Sohnes Konrads, da ist Wratislaw von Brnn der Sohn Ulrichs des Sohnes Konrads,
welcher Konrad ein Bruder des Knigs Wratislaw gewesen ist, da ist Otto, der
nach Ruland geflohen ist, ein Sohn des schwarzen Otto des Sohnes des schnen
Otto, der ein Bruder des Knigs Wratislaw gewesen ist. Dann sind die Enkel des
groen Knigs Wratislaw, zuerst durch seinen Sohn Boriwoy die Enkel Spitihnew
Leopold Boleslaw Albrecht, dann durch seinen Sohn Wladislaw den Milden, welcher
vor dem jetzigen Herzoge geherrscht hat, die Enkel Wladislaw Diepold und
Heinrich, dann durch seinen Sohn Sobeslaw unsern jetzigen erlauchten Herzog die
Knaben Wladislaw Sobeslaw Ulrich und Wenzel. Ich nenne nicht alle Zweiglein, da
ihr sie kennt. Vor zwei Jahren war auf den neunundzwanzigsten Tag des
Brachmonates von unserem erhabenen Herzoge Sobeslaw ein Landtag nach Sadska
einberufen worden, auf welchem die hohen und niederen Herren Bhmens und Mhrens
auf das Verlangen des Herzoges seinen ltesten Sohn Wladislaw als seinen
Nachfolger auf dem Frstenstuhle erkannt haben. Es mu entschieden werden, ob
alle oder viele an dem jungen Sohne Sobeslaws, welcher einundzwanzig Jahre
zhlt, ferner halten, oder ob sie meinen, da das vorzeitige Hinscheiden des
Herzogs die Sache so verndert hat, da ein anderes bereinkommen getroffen
werden msse. Es sind so viele Mnner aus den Lndern Bhmen und Mhren in
diesem Saale versammelt, ja fast alle, deren Wort in den Vlkern, die diese
Lnder bewohnen, Bedeutung hat, da in Wahrheit ein gltiger Endbeschlu zur
Macht und Herrlichkeit des Herrschers zu Stande kommen kann. Mge zur Festigkeit
des Herzogstuhles eine groe Einigkeit erzielt werden. Als Fhrer dieser
Versammlung rufe ich diejenigen, die ihre Stimme in der Sache zu erheben
verzeichnet sind, auf, zu sprechen, wie sie meinen, da es der Augenblick
erfordert. Es ist gro wichtig und entscheidend, was hier geschieht, und von der
heutigen Stunde hngt es ab, ob das Glck des Landes auf viele Zeit aus dem
Gemache dieses Hauses hervorgeht, oder ob sogleich der Anfang unabsehlichen,
unentwirrbaren Elendes gemacht wird. Ich habe die Einleitung zu dem Gegenstande
gesprochen.
    Nach dieser Rede erhoben sich in der Versammlung die Rufe: Sehr gut
gesprochen, sehr richtig, wahr gesprochen, und andere unverstndliche Laute
des Beifalls.
    Zdik ging wieder zu seinem Stuhle zurck, und setzte sich auf denselben
nieder.
    Als die Ruhe eingetreten war, erhob sich Ben, und rief: Es ist an der Zeit,
da die, welche angemeldet sind, ber die vorgelegte Sache in ihrer Ordnung
reden.
    Er setzte sich wieder nieder.
    Es war eine kleine Zeit still, und es erhob sich niemand. Dann stand in der
Mitte des Saales ein Mann auf, der zum Oberkleide ein schwarzes Brenfell und
auf der schwarzen Haube eine blaue Feder hatte. Er rief: Ich bin Rowno aus dem
Mittage Bhmens, und bin auf dem Reichstage in Sadska gewesen. Dort war der
Wille nicht frei. Die gro sind, erhielten Versprechungen, und wir die Kleinen
frchteten die Macht. Ich kann nicht fr Wladislaw den Sohn des erlauchten
Herzogs Sobeslaw streiten.
    Nach ihm stand ein Mann auf, der ein grobes schwarzes Oberkleid und eine
Hahnenfeder auf der Brenhaube hatte. Er rief: Ich bin Diet von Wettern aus dem
Mittage Bhmens, und stimme mit meinem Landsmanne Rowno.
    Nach diesen beiden Mnnern erhob sich Milhost, und rief: Jetzt ist wohl die
Reihe der Rede an mir, und ich sage: Es ist eine Schmach, da Mnner, welche
Weiber und Kinder, Schwestern und Brute haben, und welche die Waffen in der
Hand tragen, und auf ihren Hfen stehen haben, einem Herrn dienen, ihm ihr Gut
geben, wenn er es verlangt, ihr Blut lassen, damit er ihnen wieder befehlen, und
ihren Sinn beugen kann. Die hohen und niederen Herren des Landes Bhmen und
Mhren sollten herrschen; denn sie sind das Land. Ich trage an, da die
Versammlung, die in diesem Saale ist, Satzungen entwerfe, die der knftige
Herzog beschwre, und die ihn durch unsere Macht binden, da er, wenn er auf dem
Stuhle sitzt, nur unsern Willen zum Heile der Lnder ausfhren, unsere Kraft
nicht brechen, und uns nicht zerstren kann, wie Swatopluk mit den Wrsen tat. So
sage ich, und weiche nicht davon.
    Nach diesen Worten erhob sich in dem Saale ein tnender vielstimmiger
Beifallsruf.
    Als er geendet hatte, stand Bogdan auf, und sagte: Ich bin in Sadska
gewesen. Dort haben alle das nmliche gesagt, und ein einzelner konnte nicht
anders sagen. Der Herzog hat unser Wort gebunden; aber wir sollten die
voreiligen Bande zersprangen, und frei whlen, wie unser Inneres gebietet.
    Es ist so, wir sollten frei whlen, riefen mehrere Stimmen.
    Nun stand der rothaarige Benes auf, und rief: Ich spreche nur, da der
junge Wladislaw nie unser Herzog werden kann; denn Sobeslaw hat uns immer
unterdrckt, und endlich hat er uns nach Sadska gelockt, um uns dort unsern
Willen zu rauben.
    Sobeslaw hat uns unterdrckt, ja, er hat uns unterdrckt, rief eifrig und
drohend eine Anzahl von Stimmen.
    Hierauf erhob sich Domaslaw, und sagte: Ich fge nur bei, da Sobeslaw sehr
oft wider uns war. Ist nicht Konrad von Znaim, weil er sein Gegner war, sechs
Jahre verhaftet gewesen? Mute nicht auch Wratislaw von Brnn ein Jahr in
Gefangenschaft zubringen? Ich rede nicht von dem unglcklichen Bretislaw, dem
Sohne jenes Herzogs Bretislaw, der so traurig im Walde bei Brglitz endete, und
der ein Bruder Sobeslaws war. Und hat er nicht Herren, die diesem freundlich
zuhielten, in feste Burgen gefhrt? Und sind sie nicht auch sonst in Haft
gehalten worden, wenn sie gegen ihn waren? Hat er nicht gewollt, da Bauern
Kaufherren Mnzer Juden Fiedelspieler schwelgen? Darum ist dieses Volk gegen uns
so bermtig geworden. Der Sprling eines solchen Mannes kann nicht der Herzog
der Herren von Bhmen und Mhren werden.
    Es folgte wieder ein langer Beifallsruf auf diese Rede.
    Da es ruhiger geworden war, stand Kochan auf, und sprach: Nicht blo der
Herzog Sobeslaw hat den Herren des Landes entgegen gehandelt, sondern alle
Herzoge, darum stimme ich Milhost bei; aber nicht, da Satzungen entworfen
werden, die der Herzog beschwren mu, sondern da gar kein Herzog sei, und
wieder die Herren der Lnder herrschen wie einstens.
    Auch nach diesen Worten entstand Zuruf.
    Jetzt erhob sich auf der linken Seite des Saales ein Mann in mittleren
Jahren und in einem dunkelblauen Sammetgewande mit braunem Barte und Haare und
mit einer weien Feder auf der schwarzen Haube. Er sprach: Ich bin Bohus, und
sage auch, da alle Herzoge gegen uns gewesen sind. Das war schon in der
ltesten Zeit so. Ist nicht Premysl der erste Herr gewesen, dem die andern
schweigen muten? Hat nicht schon einer seiner Nachkommen Neklan den Lukerherren
Wlastislaw in einer groen Schlacht tten lassen? Sind nicht Spitihnew und
Wratislaw des ersten christlichen Herzogs Boriwoy Shne nach Regensburg zum
Reichstage gegangen, und haben uns in die Abhngigkeit von den Deutschen
gebracht? Hat nicht dieses ersten Wratislaw Gattin Drahomira ihre
Schwiegermutter die heilige Ludmila erschlagen, und ihr Sohn Boleslaw seinen
eigenen Bruder den heiligen Wenzel? Hat nicht Boleslaws Enkel der rothaarige
Boleslaw, den Wrsen geholfen die Shne Slawniks, die Brder des heiligen
Adalbert auszurotten, und hat er nicht gegen die Wrsen selber gewtet? Hat nicht
des Rothaars Bruder der heftige Ulrich des Wladyken Kresina schne Tochter
Bozena geraubt, und zu seiner Gattin gemacht, und hat er nicht seinen und ihren
Sohn den ersten Bretislaw, der khn und tapfer war wie der griechische
Achilleus, und der die schne Judith von Schweinfurt geraubt hat, zur Flucht
gentigt? Hat nicht dieses Bretislaws Sohn Spitihnew dreihundert Mhrer zu einem
Reichstage geladen, und sie dann als Geiseln zurck behalten? Ich rede nicht von
der neueren Zeit, der Leche Bolemil hat sie uns schon geschildert. Ich erwhne
nur eines Dinges, der Vertilgung der Wrse durch den unbndigen Swatopluk. Wre
solches mglich, wenn unsre Macht statt der Macht der Herzoge wre?
    Ein groer Beifall brach bei diesen Worten aus, und viele Stimmen riefen:
Ja, so haben sie getan, so ist es geschehen, sie waren immer gegen uns.
    Nach Bohus stand Drslaw auf, und sagte: Wenn wir Wladislaw nicht nehmen, so
nehmen wir Sobeslaws andere Kinder noch weniger, da sie kaum noch Knaben sind.
    Wir nehmen sie nicht, wir nehmen sie nicht, riefen vielfltige Stimmen.
    Nach Drslaw erhob sich in der zweiten Reihe ein alter Mann mit weien
Haaren, die einmal blond gewesen sein mochten, und mit dunkelblauen Augen. Er
trug ein schwarzes Gewand ohne Feder. Er rief: Ich bin Mireta aus dem Mittage
Mhrens.
    Dann sprach er: Wenn wir nur Klagen anfhren, erreichen wir unser Ziel
nicht. Einmal ist es anders gewesen. Da alle Vlker zu Hause in kleinen Stmmen
ihres Lebens pflegten, konnten auch wir ohne Haupt in der Heimat unsere Dinge
tun, und nur gelegentliche Angriffe abwehren; als aber die Stmme um uns sich
geeinigt haben, brauchen wir einen Herzog, der uns gegen sie einigt, und der
unser Land darstellt. Ich schlage vor, da wir den Frsten von Znaim Konrad den
Sohn Liutolds des Brudersohnes des Knigs Wratislaw whlen. Wir, die wir in dem
Mittage des Landes Mhren wohnen, kennen den Frsten. Seine Mannesjahre sind
klug und gemigt. Er ist im Unglcke in sich gekehrt worden. Der erlauchte
Herzog Sobeslaw hat ihn, da er zu weit ber seine Rechte strebte, sechs Jahre,
und zwar zuerst hier auf dem Wysehrad und dann bei Heinrich von Groitsch in Haft
gehalten. Er hat Strafe kennen gelernt, und ist in den weitern sechs Jahren, die
er wieder bei uns wohnte, mild gegen uns und achtungsvoll gegen unsere Rechte
geworden. Viele Lechen aus dem Lande Mhren wie Drslaw Zibota Soben Treba Stibor
werden mir beistimmen.
    Ich stimme bei, rief einer im Saale.
    Ich auch, ich auch, riefen mehrere.
    Nach dem alten Mireta stand ein Mann in den mittleren Jahren auf. Er trug
ein sehr grobes gelbgraues Wollkleid und eine Wolfsmtze. Er rief: Ich bin Osel
aus dem Mittage Bhmens ein kleiner Besitzmann, und sage, da wir lieber einem
Herzoge mit Gut und Waffen steuern, als uns von einem oder mehreren Lechen
qulen lassen.
    Das ist wahr, ja, ja, riefen mehrere Stimmen, und langer Beifall tnte.
    Nun erhob sich ein alter Mann in der ersten Reihe, welcher weigraue Haare
blaue Augen und ein rtliches Angesicht hatte, und dunkelbraune Sammetkleider
trug. Er rief: Ich bin Znata der Sohn des Tas.
    Ein Ruf des Beifalls entstand bei diesen Worten.
    Dann sagte Znata: Wenn wir Wladislaw den Sohn unsers erlauchten Herzogs
Sobeslaw nicht als Nachfolger seines Vaters whlen, so schlage ich einen andern
Wladislaw vor, nmlich Wladislaw den Sohn des weisen und milden Herzogs
Wladislaw, den Enkel des Knigs Wratislaw, den Bruderssohn des jetzigen Herzogs
Sobeslaw. Er ist der Sohn des Mannes, welcher in sechzehn Jahren seiner
Herrschaft nur immer gut gewesen ist, welcher freiwillig seinem Bruder Boriwoy
den Frstenstuhl abtrat, und welcher uns auf seinem Sterbebette den guten Herzog
Sobeslaw gab, der nun selber im Sterben liegt. Der Jngling ist heiter und
freundlich wie sein Vater, er geht mit unsern Angehrigen um, und er wird unsere
gerechten Ansprche erfllen.
    Ja, ja, riefen Stimmen. Ja, ja, ja, riefen noch mehrere Stimmen, und
Beifallsruf erhob sich.
    Als er verhallt war, stand Slawibor auf, und sagte: Ich denke, da wir doch
auch nicht auf Wratislaw von Brnn vergessen sollen, damit wir seine Ansprche
und Eigenschaften gerecht und genau prfen.
    Ja, wir sollen sie prfen, rief eine Stimme.
    Ja, ja, riefen mehrere Stimmen.
    Wratislaw, riefen andere, und es ertnte wieder Beifall.
    Nun erhob sich Silvester der Bischof von Prag. Er trat in den freien Raum,
richtete seine Augen gegen die Versammlung, blieb stehen, und sprach: Liebe
Gute Ansehnliche! Nach Slawibor bin ich an der Reihe zu reden. Ihr seht, da
meine Haare wei sind, und mein Nacken gebeugt ist. Ich rede nicht aus Lust oder
Unlust oder fr eine Person, sondern als der, der zum obersten Seelenhirten
dieses Landes erwhlt ist, wenn auch nicht wrdig und noch nicht von seinem
erzbischflichen Oberherrn von Mainz geweiht. Ich habe nicht fr den Jngling,
welchen der Herzog gesendet hat, gesprochen, da es nicht scheine, da ich nur
durch Gunst fr den Herzog Sobeslaw bewegt sei. Ich rede zu euch, weil ihr
Christen seid. Es sind in Prag und in dieser Burg Wysehrad Versammlungen
gehalten worden, und es ist heute hier eine groe Versammlung, zu welcher fast
alle Herren der Lnder Bhmen und Mhren gekommen sind. Diese Versammlungen
haben in der bangen Lage um Rettung und um einen Herzog gesucht. Aber die
Versammlungen bestehen vor dem Auge Gottes nicht. Unser Herzog lebt, und ist in
Hostas Burg schwer erkrankt. Die Arzneiverstndigen sagen, da er an dieser
Krankheit sterben werde; aber der den Lazarus erweckt hat, der zu dem Krppel
gesagt hat: Geh, und wandle, der kann ihn zu uns fhren, und ihn fr den
Frstenstuhl noch eine Reihe von Zeiten erhalten. Wenn aber auch in seinem Rate
bestimmt ist, da der Herzog in das selige Leben gerufen werden soll, so ist
auch darnach der Herzog vorhanden; fast alle in diesem Saale, so weit meine
Augen reichen, haben Wladislaw den Sohn unsers erlauchten Herzogs Sobeslaw,
welchen der deutsche Knig Konrad vor zwei Jahren am zweiundzwanzigsten Tage des
Monates Mai auf dem Frstentage zu Bamberg mit der Herzogsfahne Bhmens belehnt
hatte, auf dem Tage unserer Lnder in Sadska am neunundzwanzigsten des
Brachmonates desselben Jahres in diese Belehnung eingefhrt. Es besteht demnach
Wladislaw der Sohn unsers guten Herzogs Sobeslaw als knftiger Herzog. Schon die
Priester der falschen Gtter, welche in Griechenland und Rom und vor kurzer Zeit
auch noch in diesem Lande nur in einer andern Weise verehrt worden sind, haben
harte Strafen fr den Frevel des Meineides verkndet: um wie viel mehr straft
ihn der gerechte und der einzig wahre Gott der Christen. Aber nicht der Strafe
sondern des Glaubens willen halten die Christen ihr Gelbnis. Und wenn die Hand
des Meineidigen verdorrt ist, oder aus dem Grabe heraus gewachsen ist, oder wenn
Gott durch Wunder und Zeichen Entsetzen in die Seele des Meineidigen geworfen
hat, so hat er dadurch nur den Abscheu vor diesem unmenschlichsten aller Frevel
kund getan. Und auch der irdische Vorteil, den ihr durch Meineid erstrebt, wird
nicht erreicht. Die Vereinigung im Unrechte ist schwach, wie stark auch die
Verbindungsstelle zu sein scheint; denn der Frst der Zwietracht, der den Faden
geschlungen hat, zerreit ihn wieder, weil er leicht zu zerreien ist, und stt
die Glieder gegen einander, weil man von Unrecht leicht wieder zu Unrecht geht:
die Vereinigung im Rechte aber ist stark, wie schwach auch die Verbindungsstelle
zu sein scheint, weil Gott den Faden geknpft hat, und weil man erschrickt, vom
Rechte zu weichen. Wer durch den Knaben David den Riesen Goliath erschlagen hat,
wer durch den Richter Gideon tausend Feinde in das Gras strecken lie, der kann
durch den Knaben Wladislaw, dem ihr voreilig geschworen zu haben glaubt, dieses
Land retten. Und es war sein Finger, der euch so zahlreich nach Sadska gefhrt,
und dort hat schwren lassen. Drum sage ich, und bitte euch in christlicher
Demut: Sendet zu dem Herzoge Sobeslaw, und sagt: Wir sind in deiner schweren
Krankheit zusammengekommen, um zu beraten, und haben als das Rechte erkannt, da
wir Gott bitten sollen, er mge dir die Genesung wieder schenken, und da wir,
wenn er dich einmal in sein Reich aufnimmt, deinem Sohne Wladislaw als unserm
Herzoge dienen. So sage ich, und so halte ich es fr Recht.
    Als der Bischof diese Worte geredet hatte, stand ein Priester nach dem
andern und standen die bte auf, und verneigten sich tief vor ihm, und in Teilen
des Saales brach ein freudiger Zuruf aus.
    Der Bischof ging wieder zu seinem Sitze, und lie sich auf demselben nieder.
    Als einige Zeit vergangen war, und die Versammlung wieder nach einem Redner
schaute, stand der alte Bolemil auf, und sprach: Nach dem hochehrwrdigen
Bischofe Silvester kmmt die Rede an mich. Meine Worte werden gewi vergeblich
sein, weil die Jugend und viele Mnner nach ihren Gelsten vorwrts gehen; aber
ich rede sie, weil ich sie schuldig bin. Ich mu wieder von den alten Zeiten
anfangen. Als der Knig Wratislaw herrschte, waren auch Streite, er hatte, als
er Herzog war, viel Hader mit seinem Bruder Jaromir dem Bischofe von Prag, und
da er Knig war, mit seinem Bruder Konrad von Brnn, und er hatte einen
schmerzlichen Zersto mit seinem eigenen Sohne Bretislaw, welchen Kmpfen ich
selber schon als junger Dienstmann beiwohnte; aber diese Streite wurden immer
nur durch eine starke Aufreizung, wie sie bei Menschen vorkommen, angezndet,
und sie wurden mit Reueschmerz und mit Bruder- und Freundestrnen gestillt, wie
der milde Knig vor Brnn mit der sterreichischen Hilburg der Gemahlin seines
Bruders Konrad getan hat. Man wute damals stets, wer Herzog sei, sein Recht war
nie in Zweifel gestellt, man tat seine Pflicht, und alle hervorragenden Mnner
verehrten den Knig und Herzog, und das Volk insgesamt, wie sogar die Feinde des
Knigs sagen, liebte ihn, von dem grten Landmanne Bhmens bis zu dem armen
Sackpfeifer herab. Da war ein Mann, ihr mt seinen Ruf kennen, sein Name war
Bozetech, er war Abt, und stand dem Kloster an der Sazawa vor: dieser malte
liebliche Bilder, und gestaltete aus Holz und Stein und Bein Heilige und
himmlische Erscheinungen, da die Menschen herzu kamen, und sie mit Bewunderung
und Trnen ansahen. Er war ein hochgesinnter frhlicher Mann, und bei dem Knige
Wratislaw sehr wohlbeliebt. Einmal griff er bei einer hohen Messe dem Bischofe
Cosmas vor, und setzte dem Knige die Krone auf. Darber erzrnte der Bischof so
sehr, da er ihm befahl, ein Heilandkreuz von seiner eigenen Lebensgre zu
schnitzen, es auf seinen Schultern nach Rom zu tragen, und es daselbst in der
Kirche des heiligen Petrus niederzulegen. Und der Mann Bozetech tat, was ihm
befohlen worden war. Wo ist jetzt einer, der, wenn er auch wte, was Gehorsam
ist, ein solches Zeichen gbe, die Heiligkeit der Ordnung anzuerkennen? Das ist
zu Grunde gegangen. Damals folgten die Herzoge auf einander ohne Widerrede. Auf
den heftigen Ulrich folgte der erste Bretislaw, der das Alterserblichkeitsgesetz
errichtete, auf Bretislaw folgte der schne Spitihnew, und auf ihn sein Bruder
unser Knig Wratislaw, auf diesen sein Bruder Konrad, und auf Konrad der Sohn
Wratislaws der zweite Bretislaw, der die Alterserblichkeit zerstrte. Daraus
folgten die bsen Kmpfe, von denen ich heute schon gesprochen habe. Vor der
Alterserblichkeit, da die Shne der Herzoge nach der Vter Tode immer das Land
teilten, waren auch blutige wilde Streite. Diese Streite aber heilte das
Alterserblichkeitsgesetz; es brachte aber andere. Der Herzog, welcher seinen
Kindern und Brdern wohl will, wird sie eifriger als Nachfolger wnschen als den
ltesten des Geschlechtes, der seiner Liebe sehr entfernt sein kann, und weil er
die Macht hat, wird er versucht sein, sie zu gebrauchen. Der heftige zweite
Bretislaw, der schon in seiner Jugend auf einem Kriegszuge durch ein
unvorsichtiges Bad in einem Flusse, durch welches er die Feinde auf sich lockte,
vielen Groen des Reiches, die ihn bewachten, den Tod bereitete, der den Freund
seines Vaters Wratislaw Zderad, welcher ihm dies einmal vorwarf, ttete, und
dadurch Mitrauen zwischen sich und seinem Vater und sogar einen sndhaften
Sohneskrieg entzndete, hat es getan. Er hat mit seinen Lechen und Zupanen
seinem Bruder Boriwoy gegen das Alterserblichkeitsgesetz die Nachfolge
gesichert, weil er dem gesetzlichen Nachfolger seinem Vetter Ulrich zrnte. Ihr
wisset, wie er geendet hat. In dem Walde von Brglitz ist er von einem Manne
ermordet worden, wie man sagt, aus Rache der Wrse Bozey und Mutina, die er
verbannt hatte. Wer durch Totschlag zeigt, da er das Leben eines Menschen nicht
achtet, gibt andern die Lehre, das seine auch nicht zu achten. Und doch war er
sonst ein guter Mann, er herrschte zur Wohlfahrt des Landes, und da er auf so
traurige Weise gestorben war, weinte Jung und Alt um ihn. Nach seiner Herrschaft
kam, wie sie kommen mute, eine vllige Unsicherheit in die Nachfolge. Dem von
ihm eingesetzten Boriwoy entri Swatopluk die Herrschaft, nach der Ermordung
Swatopluks im Kriegslager whlte das Heer auf fremdem Boden fr sich einen
Herzog und zwar Otto den Bruder Swatopluks, ein Wahllandtag zu Hause wieder fr
sich Wladislaw den Bruder Boriwoys und Halbbruder Bretislaws, und es kam zu
einem Vergleiche, in welchem Otto seinem Anspruche entsagte. Wladislaw aber gab
aus eigenem Willen auf seinem Sterbebette die Nachfolge Sobeslaw unserm jetzigen
Herzoge, der unter der Freude des Volkes den Frstenstuhl bestieg, und nun, da
der Herzog noch lebt, da der nchste Herzog schon belohnt und anerkannt ist,
sind wir wieder versammelt, einen Herzog zu whlen. Was kann aus diesen Dingen
werden? Durch die Ungewiheit der Nachfolge sind von jenem Bretislaw an mehrere
Hunderte der hervorragenden Mnner der Lnder um das Leben gekommen, und viele
Tausende des Volkes in das Grab gesunken, es sind Stdte in Asche gelegt, Drfer
dem Erdboden gleich gemacht, und saatreiche Fluren in Einden verwandelt worden,
und das Land ist immer mehr in die Abhngigkeit von Fremden gekommen, weil
jeder, der den Herzogstuhl verlangte, gerne auswrtige Hilfe suchte, wie Boriwoy
Swatopluk und wie Otto und wie selbst der edle Wladislaw. Diese bel, die jetzt
in unserer Zeit sind, gehen tiefer, und fassen mehr alle Bestandteile der Lnder
an als die, welche frher gewesen sind. Und wenn sie fortdauern, so wird der
Herzogstuhl zittern, wird ein Schatten werden, und in die Macht eines fremden
Mannes fallen. Nicht die Frage ist jetzt die grte, wer soll Herzog sein,
sondern die, wie soll die Nachfolge bestellt werden? Und wenn ihr heute in
unserer Versammlung den Besten whlt, welcher auf dem Erdboden ist, und wenn er
ein langes Leben fhrt, und whrend dieses langen Lebens die Lnder wohl
beherrscht, so ist das Unglck nur aufgeschoben, und es bricht nach seinem Tode
aus, es wre denn, da dort wieder der Beste gewhlt werden knnte, und so immer
fort, und da jeder Gewhlte die Macht habe, die, welche die Wahl als kein
Gesetz erkennen wollen, nieder zu halten. Wie ich zu erkennen meine, neigen sich
die Herren der Lnder Bhmen und Mhren dahin, die Herzoge nach dem Tode der
Vorgnger von nun an durch die Wahl zu bestellen; aber dann wre es besser, zu
dem verlassenen schlechten Alterserblichkeitsgesetze zurckzukehren, als alles
auf diese Spitze zu setzen. Es scheint glaublich, da man durch die Wahl immer
sollte den Besten erkiesen knnen; aber ich habe lange gelebt, und viele
Menschen gesehen: wie wenige gibt es, die zu whlen verstehen, und wie wenige,
die whlen drfen. Wenn auch die Herren der Lnder Bhmen und Mhren das Land
sind, so sind doch auch die Bauern da und die anderen, derer sie gedenken
mssen; aber auch wenn sie ihrer gedenken, so ist die groe Zahl der Menschen
so, da sie zuerst ihrer selbst gedenkt, und auch nicht recht ihrer selbst
sondern ihrer Lust. Die, welche nach dem Frstenstuhle trachten, werden
Versprechungen machen, und wenn der gewhlte Herzog einigen zuwider handelt, so
werden sie sich verbinden, einen neuen zu whlen, der gefgiger ist, und wieder
einen andern, und dieses werden sie gerade desto mehr tun, je mehr sie durch
Kriege, die diese Dinge begleiten, wild und begehrlich geworden sind. Sie werden
sich teilen, bis ein Fremder den geschndeten Stuhl nimmt, wie in den traurigen
Zeiten des rothaarigen Boleslaw schon der polnische Boleslaw getan hat. Mge
dann der Fremde eine milde weise und mchtige Hand ber die Lnder strecken.
Diese meine Augen, so alt sie sind, knnen es noch sehen, da viele von denen,
die heute fr Wladislaw den Sohn des vorigen Herzoges Wladislaw stimmen, wenn er
erwhlt ist, wieder von ihm abfallen, und gegen ihn in den Waffen stehen. Ich
mu daher mit christlichem Glauben sagen: Haltet euer Versprechen, welches ihr
Wladislaw dem Sohne unseres Herzoges Sobeslaw gegeben habt, und huldiget ihm
nach dem Tode seines Vaters als Herzog. Vereinigt euch um ihn, und ihr werdet
mit ihm, wenn er auch jung ist, im Rechte stark sein, wie der hochehrwrdige
Bischof Silvester gesagt hat, sonst aber schwach. Das Versprechen in Sadska war
nicht erzwungen; denn es mute keiner hingehen, oder er konnte es wieder ohne
Zusage verlassen. Wenn aber die Herrschaft dieses Wladislaw mit euch fest
gegrndet ist, dann verbindet euch mit ihm, und errichtet in langem und reifem
Rate eine Herrscherfolge, da das jetzige Unheil und alles knftige vermieden
werde. So spreche ich, und kann in meinem Alter die Gedanken nicht mehr ndern.
    Nach diesen Worten setzte sich Bolemil wieder nieder.
    Als er geendigt hatte, brachen Rufe aus: Ja, unsere Lage ist sehr bel,
er hat recht, wir sind in Wut und Kmpfe geraten, das Land geht dem Unheile
entgegen, das mu gendert werden, wir wollen nicht wieder Gut und Blut
verlieren, wir sollen nicht von hier fortgehen, bis alles geordnet ist, wir
mssen einmal Ruhe haben.
    Hierauf waren die Laute nicht mehr verstndlich, und es war ein bloes
Getmmel.
    Als durch eindringliche Zeichen des Bischofes Zdik das Tosen sich gelegt
hatte, und eine solche Stille eingetreten war, da man Worte vernehmen konnte,
rief er: Die Reihe der Rede ist nun an mir.
    Da es ganz stille geworden war, sprach er: Ich habe nur weniges zu sagen;
aber bedenket es. Als wir vor zwei Jahren in Sadska waren, haben wir ein gutes
Werk vollbracht. Wir haben den knftigen Herzog vorbestimmt, da bei dem
bergange der Herrschaft die Ordnung des Reiches gewahrt werde. Unser edler
Herzog Sobeslaw war noch nicht so alt, da wir an seinen baldigen Hintritt
htten denken sollen, und wir erwarteten, da er seinen Sohn Wladislaw, den wir
anerkannt hatten, unter seinen Augen zum festen Herrscher bilden werde, wie er
selbst ist. Das ist aber anders geworden, unser Herzog ist dem Tode nahe, und
sein Sohn Wladislaw ist erst einundzwanzig Jahre alt. Die Zeiten aber sind
verwirrt, und die Meinungen wenden sich nach so verschiedenen Richtungen, da
ein junger Herzog sie nicht vereinigen wird knnen, da er nach dem weichen
Jugendherzen ihnen abwechselnd folgen wird, und da wir dadurch Kriegen und
Zerrttungen entgegengehen. Wenn wir das Versprechen, welches wir in Sadska
gegeben haben, nicht halten, so begehen wir keine Snde; weil die Vorbedingung,
welche wir uns alle bei dem Versprechen gedacht haben, nicht erfllt worden ist.
Durch die Haltung des Versprechens wrden wir die bel herbeifhren, welche wir
durch das Versprechen beseitigen wollten. Daher ist mein Glaube, da wir einen
andern Herzog whlen sollen, der jetzt schon auszufhren im Stande ist, was wir
erst in knftigen Zeiten von Sobeslaws Sohne erwarten knnten. Ich wei einen
Mann, der es kann. Wenn mein armes Leben fr ihn zur Brgschaft angenommen
wrde, und wenn dieses Leben verlangt wrde, da man ihn whle, so lege ich es
hin. Es ist Wladislaw der Sohn unseres vorigen Herzoges Wladislaw, der gtig und
weise geherrscht, und der uns auf seinem Sterbebette unsern jetzigen Herzog
gegeben hat. Der Sohn Wladislaw ist so jung, da er zu edler Tat krftig ist,
und so alt, da er Einsicht und Erfahrung hat, sein Krper ist schn und stark,
da er zu hohen Jahren gelangen kann, sein Geist ist hell und klug, sein Gemt
wohlwollend und leutselig, er liebt uns, er wird die Rechte des Landes achten,
sein Wohl befestigen, und es ist etwas in ihm, da er es vielleicht auch noch zu
hohem Glanze heben kann. Ich rede aus sorgfltiger Beobachtung, und rede nicht
fr mich. Ich sage: Whlen wir Wladislaw den Sohn unsers vorigen Herzogs
Wladislaw zu unserem nchsten Herzoge, und setzen wir ihn, wenn in Krze der Tod
Sobeslaws erfolgt, auf den Frstenstuhl. Wenn es aber Gott dem Allmchtigen
gefllt, unsern vortrefflichen erlauchten Herzog Sobeslaw aus seiner jetzigen
schweren Krankheit wieder zur Gesundheit zu fhren, so soll der heutige Beschlu
nichtig sein, und wieder das Versprechen in Sadska gelten. So rede ich, und ich
bitte euch, beherziget es.
    Nach diesen Worten ging Zdik zu seinem Sitze.
    Es entstand nun wieder ein starkes Rufen und eine Bewegung der Krper,
daraus nichts zu entnehmen war, bis einzelne Stimmen durchdrangen, die riefen:
Lat weiter sprechen, lat weiter sprechen.
    Als es ruhiger geworden war, stand Diwis von seinem Platze auf, und da sich
alle gegen ihn wandten, um ihn zu hren, sprach er: Ich bin ein alter
schlichter Mann, und sage: Bleibt bei eurem Worte.
    Auch jetzt folgten verworrene Rufe.
    Da hierauf eine kleine Weile niemand geredet hatte, stand in der ersten
Reihe der Mann mit dem weien Barte und dem weiten dunkelpurpurnen Sammetgewande
auf, trat einige Schritte gegen den freien Raum, kehrte sich gegen die
Versammlung, und sagte: Ich bin Nacerat der Sohn des Tas.
    Ein allgemeiner Jubelruf folgte diesen Worten.
    Als er verhallt, und tiefe Stille eingetreten war, sprach der Mann: Liebe
gewogene ansehnliche Herren! Ich bin ein unbedeutender Mann in diesen groen und
mchtigen Lndern.
    Der bedeutendste, rief eine Stimme.
    Ein unbedeutender Mann, fuhr Nacerat fort.
    Nein, nein, nein, rief eine Menge von Stimmen.
    Meine Worte sind nicht wichtig, sagte Nacerat.
    Ja, ja, ja, ja, rief es durcheinander.
    Liebe Ansehnliche, sagte Nacerat, wenn ihr mir wohlwollet, so hret
mich.
    Hrt ihn, riefen Stimmen.
    Als es stille geworden war, sprach Nacerat: Ich bin unbedeutend in dieser
hohen Versammlung. Meine Worte werden keine Triftigkeit haben, und werden in den
Waagschalen, die ihr in euren weisen Hnden haltet, und die ihr schon gerichtet
haben werdet, nichts ndern; aber ich glaube, da in diesen schweren Zeiten der
Groe und Kleine reden mu, damit er seinen Anteil zeige. Diese erhabene
Versammlung ist eine wichtige aber friedfertige, ich bin ohne Waffen gekommen,
weil sie ihr Werk in Frieden und Eintracht schlichten wird, wie einmal in
vergangenen Zeiten unser Land in Glck und Frieden verwaltet worden ist. Ihr
werdet wissen, und es ist in schnen lateinischen Worten aufgeschrieben, da
unser Volk ein stilles gewesen ist; es hat nur fremde Angriffe abgewehrt, und
hat dazu einen Kriegsfhrer gewhlt, der danach wieder keine Macht hatte. So war
der Vater Cech, der vor siebenhundert Jahren unsere Leute in dieses Land gefhrt
hat. Nach ihm erscheint kein Gewalthaber. So war Samo vor fnfhundert Jahren,
dem wieder keiner folgte. Fr das Wohl und das Recht der Gemeinden sorgten die
ltesten dieser Gemeinden, denen daher der Name Starosten blieb. Und die
Versammlung der Starosten aller Gemeinden ordnete und verwaltete auf Landtagen
das Land. Wer durch Besitz und Erfahrung hervorragend war, der konnte auch in
jngeren Jahren ein Starost werden. So entstanden die Namen Lechen Kmeten
Wladyken. Wenn einer durch Weisheit bekannt war, gehorchten ihm die andern
freiwillig wie einem Frsten, und er hatte die vterliche Macht. So war Krok.
Aber wie damals die Kinder nach dem Tode ihres Vaters ihr Erbe ungeteilt lieen,
und sich zur Verwaltung desselben aus ihrer Mitte einen Wladyken whlten, so
geschah es auch zuweilen, da die Landeskinder zur Verwaltung des Landes
gleichsam einen Wladyken des Landes whlten, der dann ihr Frst war. Das ist in
spteren Zeiten stets fter geworden. Die Landeskinder aber sind immer die
Lechen Kmeten und Wladyken gewesen. Sie sind in diesem Saale versammelt. Der
Herzog herrscht nur durch sie und mit ihnen. Eure Rechte mssen vor denen des
Herzogs gewahrt werden, weil er aus euch hervorgeht. Nur so wird eine glckliche
friedfertige Zeit, in der ein einzelner nicht die Kraft und das Gut aller fr
sich gebrauchen und verwenden kann. Es sind aber unter den Herzogen solche
gewesen, welche die Rechte der Landeskinder nicht gewrdiget, und nur ihr
eigenes Wohl bedacht haben. Selbst unser edler erlauchter und ruhmreicher Herzog
Sobeslaw, dem Gott die Wiedergenesung schenken mge, hat nicht immer den Rat der
Groen verlangt, und sie fter abseits stehen lassen. Darum bin ich auch fr
seinen Boten in dieser Versammlung nicht aufgestanden, wenn es mir gleich nicht
unlieb ist, da derselbe vor uns auf einem Stuhle sitzt. Weil nun euch als
Landeskindern die Wahl des Herzogs zusteht, so habt ihr gewi schon bis zur
Schlufassung erwogen, wer der knftige Herzog sein wird, und da er eure Rechte
achtet. Wir knnen euch nur fr diese Tat den tiefsten Dank bringen, da durch
sie wieder das Glck und die Ruhe und der Reichtum in unsere Fluren einkehrt,
wie es einstens gewesen ist. Wir die wenigeren haben in der Zeit vor eurem
Erscheinen in dieser Stadt und in diesem Saale mehrere Zusammenknfte gehabt,
und haben auch auf diese Dinge unsere Gedanken gerichtet. Es ist uns der Mann zu
Sinne gekommen, den frher mein Bruder Znata genannt, und den der hochehrwrdige
Bischof von Olmtz empfohlen hat, Wladislaw der Sohn unsers vorigen edlen
Herzogs Wladislaw. Er ist gut und freundlich, er liebt unsere Kinder, teilt ihre
Freuden und Leiden, hrt ihre Meinungen, spielt ihre Spiele, und scheut ihre
Rechte, er hat Ehrfurcht vor ihren Vtern und dem Rate derselben. Wenn ihr aber
den andern Wladislaw den Sohn Sobeslaws whlen werdet, so ist es gewi, da ihr
berzeugt seid, da derselbe noch mehr eure Rechte schtzen, noch mehr euren Rat
hren, noch mehr die Landeskinder beglcken wird. Ich ende meine Worte, die
schon zulange gedauert haben.
    Nacerat ging wieder zu seinem Sitze.
    Es entstand nun ein so starkes Rufen, da es betubend war: Nicht der Sohn
Sobeslaws, dein Wladislaw, Wladislaw, Wladislaw, Wladislaw.
    Der Sohn des Nacerat hatte sein Schwert samt der Scheide aus dem Grtel
gelst, und schwang es vor Freude jauchzend um sein Haupt. Die meisten der
Anwesenden begannen mit ihren Hnden an die Scheiden der Schwerter zu schlagen,
da es rasselte und klirrte. Die meisten standen auf, viele traten auf ihre
Sitze.
    Als wieder Stimmen vernehmbar wurden, hrte man neuerdings nur die Worte:
Wladislaw, Wladislaw, Wladislaw.
    Da das Rufen sich abschwchte, drangen Stimmen mit den Worten vor: Nicht
mehr sprechen, nicht mehr sprechen.
    Der grogewachsene schwarzhaarige Predbor rief mit einer furchtbaren Stimme:
Wladislaw ist gewhlt.
    Es erscholl nun wie aus einem Munde: Wladislaw ist gewhlt, Wladislaw ist
gewhlt.
    Endlich nach geraumer Zeit ging Zdik zu der Glocke, und schlug mit Gewalt
auf dieselbe.
    Als die Unruhe sich gemindert hatte, rief er: Und wenn ihr auch auf diese
Weise gewhlt habt, so mssen doch noch, die zu reden befugt sind, gerufen
werden, und es mu die Abstimmung folgen.
    Ben trat vor, und rief: Ich fordere als zweiter Fhrer der Versammlung
diejenigen auf, zu reden, welche noch angemeldet sind.
    Wir sprechen nicht mehr, riefen mehrere Stimmen.
    Ben rief wieder: Wenn niemand mehr sprechen will, mu die Antwort durch
Schweigen geschehen. Ich rufe daher noch einmal die nchsten Redner auf, zu
sprechen.
    Es erfolgte keine Antwort.
    So ist die Sprache ber die Herzogswahl geschlossen, rief Ben.
    Geschlossen, ertnte eine Menge von Stimmen.
    Zdik gab jetzt mit drei langsamen Schlgen das Zeichen, da man sich zur
Abstimmung richte. Dann rief er: Da man stimmen knne, mssen die Mnner
dieser Versammlung sitzen.
    Als sich alle niedergesetzt hatten, rief er: Ich Zdik der Bischof von
Olmtz der erste Fhrer dieser hohen Versammlung fordere alle diejenigen auf,
sich von ihren Pltzen zu erheben, welche des Sinnes sind, da Wladislaw der
Sohn des erlauchten verstorbenen Herzogs Wladislaw nach dem Tode unseres
ruhmreichen Herzogs Sobeslaw Herzog der Lnder Bhmen und Mhren werde.
    Nacerat erhob sich von seinem Sitze, Znata, der alte Milota, Ctibor, alle
jungen Mnner standen auf, immer mehrere erhoben sich, auch Priester, bis
endlich fast die ganze Versammlung neben ihren Sitzen stand.
    Zdik rief mit lauter Stimme: Wladislaw der Sohn des letzten gestorbenen
Herzoges Wladislaw ist von den Herren der Lnder Bhmen und Mhren fr den Tod
des Herzoges Sobeslaw zum Herzoge dieser Lnder gewhlt worden. Die Wahl wird in
die Pergamente eingetragen werden.
    Ein Jubel entstand nun, der den Saal erzittern und die Luft beben machte.
    Nach langer Zeit konnte man erst die Rufe vernehmen: Nun ist alles
glcklich geendet, nun ist wieder das Glck im Lande, nun sind wir endlich
einmal erlst, nun ist alles gut.
    Zdik gab ein Zeichen, da er reden wolle.
    Als man ihm durch vieles Bemhen Frist zum Sprechen gemacht hatte, sagte er:
Nun beantrage ich, da eine Botschaft an den Gewhlten, der sich in Wien
befindet, abgeordet werde, und auch eine Botschaft, welche dem Herzoge Sobeslaw
Nachricht von dem Geschehen gebe.
    Nacerat stand auf, und sprach: Ich meine, da der Antrag gut ist, senden
wir die Botschaft an Wladislaw, und ich schlage vor, da wir uns in drei Tagen
zur Beratung der Botschaft an Sobeslaw versammeln.
    In drei Tagen an Sobeslaw, in drei Tagen an Sobeslaw, riefen fast alle.
    Und es ward wieder ein Rufen und Jubeln.
    Der Bischof Silvester trat in den freien Raum, hob seine Arme empor, und
bewegte sie zum Zeichen, da er reden wolle. Aus seinen blauen Augen flossen
Trnen ber seinen weien Bart auf sein Kleid hinunter.
    Der Bischof will reden, der Bischof will reden, riefen mehrere Stimmen.
    Als es stille geworden war, rief der Bischof Silvester mit lauter Stimme:
Ich Silvester der erwhlte Bischof von Prag als oberster Seelenhirt des Landes
Bhmen widerspreche der Wahl. Sie ist vor dem dreieinigen Gotte ungltig und
sndhaft. Und wenn der heilige Adalbert, der unser Vorbild ist, sein Amt
niedergelegt hat, weil er nicht verantworten konnte, da seine Untertanen
heidnische Gebruche nicht ablegten, so kann ich nicht verantworten, da die mir
Anvertrauten freiwillig und feierlich das Gebot des Herrn verletzen, und lege
mein Amt nieder. Mein Gebet wird fortan sein, da Gott dem Lande nicht entgelten
lasse, was seine besten Shne gesndigt haben.
    Ein wildes Geschrei entstand auf diese Worte. Der Bischof ging gebeugten
Hauptes zu seinem Sitze, und setzte sich auf denselben nieder.
    Die meisten schickten sich an, den Saal zu verlassen.
    Zdik trat zu dem Bischofe Silvester, legte ihm beide Hnde auf die
Schultern, schaute ihm in das Angesicht, und sprach: Mein Vater und Freund, mit
dem ich zu Jerusalem an dem Grabe des Herrn gebetet habe, es ist keine Snde.
Eher hat Sobeslaw gefehlt, da er nur an die Seinigen gedacht hat. Unser
Erwhlter wird das Land von dem Untergange retten, und die werden arg getuscht
sein, welche auf ihn leichtfertige und eigenntzige Hoffnungen gebaut haben.
    Silvester wischte sich mit seinem Kleide die Trnen ab, und sagte: Mein
Sohn, es ist doch eine Snde. Und wenn Gottes Barmherzigkeit durch euren
Erwhlten das Land auf den Gipfel des Heiles fhrt, so wird doch die Strafe auf
die Hupter des Meineides fallen.
    Es geschehe, was mu߫, sagte Zdik, ein jeder kann nur nach dem gestraft
werden, was er gesndiget hat.
    So ist es, sagte Silvester, und stand auf, um den Saal zu verlassen. Viele
Priester schlossen sich um ihn, und begleiteten ihn zur Tr hinaus.
    Witiko erhob sich von seinem Sitze, und schritt bei der Tr, durch welche er
hereingekommen war, in das Vorgemach hinaus. Dort fand er noch den Priester, der
ihn hergeleitet, und hier auf ihn gewartet hatte. Sie gingen mit einander fort.
    Da sie in dem Gange gingen, trat aus einem Seitengange der Bischof Silvester
mit seinen Priestern hervor. Witiko stellte sich zurck, und wollte den Greis
vorber lassen. Dieser aber blieb vor dem Jnglinge stehen, und sagte: Mein
gutes liebes Kind, reite zu dem Herzoge, melde ihm, was hier geschehen ist, und
sage ihm, da ich aller Wrden ledig bin, und bald kommen werde.
    Nach diesen Worten machte er mit den Fingern ein Zeichen wie das des Segens,
und ging mit seinen Priestern weiter. Witiko folgte ihm mit seinem Begleiter in
einiger Entfernung.
    Als sie in den Hof gekommen waren, fanden sie dort eine Menge von Menschen.
Sie standen fast Krper an Krper gedrngt. Teils waren sie von auen
hereingekommen, teils waren sie von den Rumen des Gebudes herabgegangen.
Mitten im Hofe hielt Nacerat in seinen weiten Gewndern hoch zu Pferde, von
Freunden und andern umgeben, die Glck wnschten. Der Sohn des Nacerat in seiner
prachtvollen Kleidung zu Pferde sitzend war neben ihm. Welislaw war da, Casta,
Smil mit seinen beiden Shnen, Ben der Kriegsanfhrer war da, und mehrere Diener
hielten Pferde fr ihre Herren bereit, und manche stiegen auf. In der Richtung
von dem Tore her drngte sich der junge schne schwarze Odolen der Sohn des
Striz auf einem weien Pferde sitzend und mit dunkelbraunen Gewndern angetan
durch die Menge gegen Nacerat. Der blonde Drslaw war da, der schwarzhaarige
Bogdan, der emporragende Predbor, Milota, Nemoy, Jurik, Bartholomus, und die
rote Feder Domaslaws ragte neben den Huptern anderer Reiter empor. Der
blondhaarige grngekleidete Kochan suchte sich auf einem schwarzen Pferde seinen
Weg durch das Gedrnge nach auswrts, ihm folgte Milhost. An einem Fenster in
der Burg oben stand der Bischof Zdik, neben ihm der Priester Daniel der Abt von
Brewnow und andere. Alle Fenster waren mit Menschen erfllt. Zahlreiche sehr
schne Frauen konnte man darunter erblicken. Mdchen und Frauen aus dem Volke
standen unten im Hofe. Jubelgeschrei ertnte, und von Zeit zu Zeit rief man den
Namen des neuen Herzogs, und rief Glck und Segen. Der alte Bolemil trat aus
einer Tr in den Hof. Er wurde von mehreren jungen Mnnern, die wie Shne und
Enkel aussahen, umringt, und in ihrer Mitte gegen das Tor gefhrt.
    Auf Witiko achtete niemand. Er ging mit seinem Priester lngs der Mauer nach
dem Ausgange. Von dort eilte er gegen die Stadt. Menschen begegneten ihm, die
nach dem Wysehrad eilten. Andere gingen oder ritten von der Versammlung in die
Stadt. Auch den Bischof Silvester sah er noch einmal, wie er mit seinen
Priestern langsam der Stadt Prag zuwandelte. Witiko ging unter den Menschen, die
da waren, an ihm vorber.
    Als er an seiner Herberge angekommen war, verabschiedete er sich von dem
Priester, der ihn begleitet hatte, dankte ihm, und bat ihn, da er dem
hochehrwrdigen Bischofe Silvester sagen mge, da er nicht mehr zu ihm kommen
knne, weil er unverzglich zu dem kranken Herzoge reiten msse. Der Priester
entfernte sich, und Witiko ging in das Haus. Dort sah er nach seinem Pferde,
verlangte ein weniges zu essen, und da beide er und das Tier gestrkt waren, tat
er wieder die Pelzdinge ber seine Lederkleidung, verwahrte seine Fe, nahm
seinen Wurfspie, bestieg das Pferd, und ritt aus der Stadt hinaus.
    Er schlug den Weg nach Mitternacht ein, und ritt in einem groen Bogen gegen
Hostas Burg. Er gestattete sich nur den Aufenthalt, der zur Strkung und zum
Ausruhen des Pferdes notwendig war. Die Nachtherbergen machte er so kurz, als
seine Wegkenntnis und die Jahreszeit zulie.
    Am neunten Tage des Monates Hornung traf er in Hostas Burg ein.
    Er ging sogleich zu dem Herzoge.
    Bringst du mir die Nachricht? fragte der Herzog.
    Ja, sagte Witiko, am vierten Tage des Monates Hornung ist in einer groen
Versammlung auf dem Wysehrad von vielen hohen und niederen Herren beider Lnder
Wladislaw der Sohn deines verstorbenen Bruders des Herzogs Wladislaw fr den
Fall deines Todes zum Herzoge von Bhmen und Mhren erwhlt worden.
    Von wem hast du die Nachricht? fragte der Herzog.
    Von mir selber, entgegnete Witiko, ich bin in der Versammlung gewesen.
    Du bist in der Versammlung gewesen? fragte der Herzog, wie ist das
mglich geworden?
    Ich habe den hochehrwrdigen Bischof Silvester gebeten, da er bewirke, da
sie mich hren, entgegnete Witiko, sie haben mich gehrt, und haben mich in
der Versammlung gelassen.
    Es ist mir leid um dich, mein Sohn, da ich nicht lnger lebe, sagte der
Herzog.
    Wer hat gesprochen? fragte er nach einem Weilchen.
    Znata der Sohn des Tas hat den Antrag gestellt, antwortete Witiko, dann
hat Zdik der Bischof von Olmtz deinen Neffen gepriesen, und dann hat Nacerat,
der andere Sohn des Tas, ihn durch eine lange Rede empfohlen, und dann haben sie
ihn ausgerufen, und es hat niemand mehr gesprochen und gehrt.
    Was hat der Bischof Silvester gesagt? fragte der Herzog.
    Er hat die Wahl verdammt, entgegnete Witiko, und da sie nicht abgingen,
hat er sein Amt niedergelegt. Er wird bald hier sein, lt er dir melden.
    Und die andern? fragte der Herzog.
    Der alte Leche Bolemil hat lange fr dich gesprochen, und der Zupan Diwis,
sagte Witiko.
    Wo hast du das Kreuzlein? fragte der Herzog.
    Witiko griff in sein Lederwams, zog das rotsammetne Beutelchen hervor, und
reichte es dem Herzoge. Der Herzog nahm es, zog das Kreuzchen heraus, kte es,
steckte es dann wieder in das Beutelchen, und legte es mit demselben in den
Holzschrein hinter dem Bette.
    Es ist gut, sagte er, winkte Witiko mit der Hand zu gehen, wendete sich im
Bette seitwrts gegen die Wand, und sprach nicht mehr.
    Witiko verlie das Gemach.
    Am nchsten Tage lie er Witiko zu sich rufen. In dem Gemache war noch
Adelheid seine Gattin, die Tochter des ungarischen Herzoges Almus, dann war noch
da Maria seine Tochter, die Gattin des sterreichischen Markgrafen Leopold, dann
sein ltester Sohn Wladislaw, dann Bores der Kastellan von Hostas Burg, dann
zwei Priester, zwei bhmische Herren und der Arzt.
    Ich habe euch rufen lassen, tretet nher, sagte der Herzog.
    Als es geschehen war, fuhr er fort: Dir, Witiko, bin ich groen Dank
schuldig, meine Herzogin wird ihn abstatten. Ihr andern hret: Mein Vater der
Knig Wratislaw hat die Kirche auf dem Wysehrad neu erbaut. Er liegt in ihr
begraben. Meine Mutter Swatawa liegt neben ihm. Legt mich neben beide, wenn ich
werde gestorben sein. Jetzt geht.
    Sie entfernten sich.
    An demselben Tage lie die Herzogin Adelheid Witiko durch Bores zu sich
fhren. Bores fhrte ihn in eine groe Kammer, in der verschiedene Dinge waren.
Adelheid stand neben zwei Frauen. Als er eingetreten war, ging sie ihm entgegen,
reichte ihm ihre weie Hand, und sagte: Schner Jngling, du hast eine gute
Handlung vollbracht. Der Herzog hlt sie fr sehr hoch. Wir sind dir vielen Dank
schuldig. Ich sage ihn dir in guten und in herzlichen Worten. Nimm diese
Gewnder, nimm diese Waffen, nimm dieses Waffenhemd, und nimm dieses Kstchen
mit Gold, du bist noch jung, du kannst es brauchen. Du darfst diese Dinge
nehmen, die Gaben des Herzogs ehren ja sonst Hoch und Gering. Ich aber sage dir,
bleibe so, wie du jetzt bist.
    Witiko antwortete: Hohe Frau! ich bin wohl unerfahren; aber ich werde mich
bestreben zu lernen, was ein Mann bedarf. Diese Geschenke habe ich nicht
verdient; ich nehme sie als eine Gnade von dem guten und armen Herzoge und von
Euch, erlauchte Herzogin, und werde sie stets mit treuem Danke bewahren.
    Die Herzogin berhrte mit den Fingerspitzen ihrer rechten Hand seine Locken,
machte ein Kreuz auf seine Stirne, und winkte ihm, sich zu entfernen.
    Er neigte sich, und tat es. Ein Mann, der mit Bores gekommen war, trug ihm
die Geschenke in eine Kammer.
    Am andern Morgen reiste Maria die Markgrfin nach sterreich zurck. Sie
mute dahin, weil ihr Gatte die Burg auf dem Kahlenberge verlassen hatte, um
wieder zu dem Kriege gegen Baiern zu rsten, das ihm von seinem Halbbruder dem
deutschen Knige Konrad an der Stelle des stolzen Heinrich zugewiesen worden
war, und das er zu gewinnen suchte. Mnner, welche schne Eisenplatten unter
ihren Pelzgewndern hatten, und Frauen in Winterkleidern begleiteten sie. Es
waren sterreichische Herren und Ritter, und Frauen Marias. Der junge Wladislaw
und mehrere bhmische Herren schlossen sich dem Geleite an. Witiko sah aus dem
Fenster seiner Kammer den Zug.
    Gegen den Mittag desselben Tages kam der Abt von Ostrow, und etwas spter
kamen mehrere bhmische Herren: der alte Diwis, Bozebor, der alte Lubomir,
Wsebor, und Chotimir.
    Am Nachmittage kam der Bischof Silvester. Es war Otto der Propst von Prag
bei ihm, Hugo der Propst von Wysehrad, der Abt von Kladrau, Daniel und einige
Priester.
    Der Bischof ging in das Krankengemach.
    Als ihn der Herzog erblickte, sprach er: Silvester, du Freund meiner jungen
Tage, entbinde mich von meinen Snden, wenn sie mir Gott verzeihen kann.
    Der Bischof kniete vor dem Bette auf einen Schemel, und tat ein kurzes
Gebet. Dann wurden die Vorbereitungen gemacht, und am Abende empfing der Herzog
von dem Bischofe die letzten Trstungen des Glaubens.
    Am andern Tage dem zwlften des Monates Hornung verlangte der Herzog, da
seine Angehrigen, dann die Herren und Priester, die in der Burg waren, und
Witiko, zu ihm kommen. Als es geschehen war, winkte er seinen Sohn Wladislaw
nher, und sprach: Mein erstgeborner Sohn Wladislaw! du bist von dem deutschen
Knige Konrad mit den Lndern Bhmen und Mhren belehnt, und von den Herren
beider Lnder auf dem Tage in Sadska anerkannt worden. Jetzt aber haben sie auf
dem Wysehrad deinen Vetter Wladislaw den Sohn meines verstorbenen Bruders des
Herzogs Wladislaw fr meinen Tod zum Herzoge gewhlt. Unterwirf dich ihm, und
gehorche ihm, da die Snden nicht werden, welche in meiner Jugend gewesen sind.
Nacerat wird gegen Wladislaw nicht siegen. Ihr habt meine Worte gehrt, du
Witiko bist noch jung, und wirst sie auf viele Jahre hin bewahren, und Adelheid
wird sie meinen andern Kindern, wenn sie herangewachsen sind, verkndigen. Jetzt
knnt ihr euch entfernen.
    Die Mnner gingen aus einander.
    Am dreizehnten Tage des Monates Hornung kamen noch mehrere Herren der Lnder
Bhmen und Mhren.
    Am vierzehnten Tage des Monates Hornung sprach der Herzog nicht mehr, er
schaute durch das Fenster, welches nicht verhangen war, gegen Morgen, wohin noch
viele Zweige seines Stammvolkes wohnten, und als die Nachmittagschatten in
derselben Richtung zeigten, suchten seine Hnde in der Wolle der Brendecke, und
strebten sich zu falten. Der Bischof gab ihnen ein silbernes Kreuz, das sie
festhielten. Das Zimmer fllte sich immer mehr mit Menschen. Der Arzt wachte
ber den Herzog, die Priester sagten leise Gebete, und ehe das Licht des Tages
schied, tat er mehrere tiefe Atemzge, dann sanken die Lider, und die Zge
wurden starr.
    Der Arzt gab mit der Hand ein Zeichen, da alles vorber sei.
    Der Bischof sagte: Es ist vollbracht. Ihm wird das viele belohnt werden,
was er Gutes tat, und das wenige verziehen, was er gesndigt hat. An ihm ist
viel gesndigt worden.
    Adelheid ging gegen ein groes Kreuz des Heilandes, das in dem Zimmer stand,
kniete nieder, und umschlang es mit ihren Armen. Ihr Angesicht war so bleich wie
das des Toten, und ihre Augen lagen noch tiefer als die seinigen. Wladislaw
stand mit Zgen da, die weier als die getnchte Wand waren. Die andern Kinder
hatte man in eine abgelegene Kammer gebracht.
    Witiko entfernte sich, ging in sein Gemach, und lie den Strom der Trnen
aus seinen blauen Augen rinnen.
    Ein Eilbote jagte sogleich, nachdem der Herzog die Augen geschlossen hatte,
aus dem Tore. Nacerat hatte Leute in der Burg, und an allen Orten zwischen
Hostas Burg und Prag hatte er Pferde in Bereitschaft.
    So geschah es, da Wladislaw der Sohn des Herzogs Wladislaw am siebenzehnten
Tage des Monates Hornung auf den Stuhl der Frsten von Bhmen gesetzt wurde.
    Wladislaw der Sohn des Herzoges Sobeslaw floh nach Mhren.
    Jetzt kamen die vorzglichsten Mnner der beiden Lnder nach Hostas Burg:
Nacerat, Zdik, Smil mit seinen beiden Shnen, Ben der Kriegsanfhrer, Domaslaw,
Slawibor, Nemoy, Znata, Milota, Soben, Beneda und andere. Von den umliegenden
Zupen kamen die Zupane, und von Prag viele hohe und niedere Leute.
    Die Botschaft, welche der Bischof Zdik an den Herzog beantragt hatte, war
vor dessen Tode nicht mehr zu Stande gekommen.
    Da die Vorbereitungen vorber waren, wurde der Leib des verstorbenen Herzogs
mit Geprnge von Gold schwarzem Sammet und edlen Gesteinen, und mit geschmckten
Pferden unter dem Geleite derer, die in der Burg waren, und die sich auf dem
Wege anschlossen, nach Prag gefhrt. Der neue Herzog ging ihm, als er dort
angekommen war, entgegen, und geleitete ihn mit seinen Rten seinen Kriegern den
Priestern den Herren der Stadt, mit denen, die von ferne herzu gekommen waren,
und dem Volke zu der Kirche des heiligen Veit, und dann zu der auf dem Wysehrad,
und endlich zu der letzten Ruhesttte, in der er an der Seite seines Vaters
Wratislaw und seiner Mutter Swatawa niedergelegt wurde.
    Witiko wohnte der Bestattung bei. Sein Fu trat noch auf Reste von
Tannenzweigen, die bei der Feier der Besteigung des Herzogstuhles verwendet
worden waren, und sein Auge sah noch die Spuren im Schnee, wo sich das Volk
getummelt hatte, da Mnzen ausgeworfen worden waren.
    Als die Feierlichkeiten der Erhebung Wladislaws und der Bestattung Sobeslaws
vorber waren, gingen drei Botschaften von Prag ab.
    Die erste ging an die verwitwete Herzogin Adelheid, um ihr einen Trostgru
und eine Beileidsbezeugung des Herzogs zu berbringen.
    Die zweite ging zu Sobeslaws ltestem Sohne Wladislaw nach Mhren, da er
nach Bhmen kommen mge, er werde freundlich und in Liebe empfangen werden, und
eine reichliche Ausstattung erhalten.
    Die dritte ging mit hohen Mnnern in ihren schnsten Gewndern und mit einem
Zuge von Pferden, der Gewnder Gold und Kleinodien trug, in die Burg auf dem
Kahlenberge bei Wien, um fr den bhmischen Herzog bei Leopold dem Markgrafen
von sterreich um dessen Schwester Gertrud zu werben.
    Witiko wurde zu dem Herzoge beschieden. Er mute zu ihm auf den Wysehrad
gehen. Wladislaw sa, da er zu ihm in das Gemach gefhrt wurde, in einem
dunkelbraunen Gewande auf einem hlzernen Stuhle an einem hlzernen Tische.
Mehrere seiner Freunde saen in prchtigen Gewndern um ihn. Er war sehr ernst
und bla.
    Witiko, sagte er, setze dich auf einen jener Sthle.
    Witiko tat es.
    Siehst du, fuhr er fort, indem er lchelte, es ist doch wahr geworden,
was mir der Schalk eingegeben hat.
    Du wirst das Wort nicht im bsen Sinne aufbewahren, sagte Witiko.
    Ich bewahre es in gutem auf, sagte der Herzog, unsere Freundschaft soll
sich von Chynow her fortsetzen. Witiko, mein Oheim hat ein Auge auf dich
gerichtet, ich will desgleichen tun.
    Hoher Herr, entgegnete Witiko, ich bitte dich, da du mich jetzt noch
meiner Wege gehen lssest.
    So hltst du mich fr einen schlimmen Frsten, dem du nicht dienen magst,
wie du damals sagtest, entgegnete der Herzog.
    Nein, antwortete Witiko, aber ich mchte nur meine Gedanken sammeln.
    So sei es, wie es ist, entgegnete der Herzog.
    Wenn ich reden darf, hoher Herr, sagte jetzt der Sohn des Nacerat, so
wrde ich sagen, da es jetzt ganz anders geworden ist, als wie ich von diesem
Manne damals bei Chynow gedacht habe. Er steht gegen dich auf, und sollte
vielleicht festgehalten, und wenn er strker schuldig ist, gestraft werden. Die
Sobeslawer sind hartnckig, und pochen auf Macht. Da ist Bolemil mit seinen
mannigfaltigen Shnen und Enkeln, dann Diwis und sein Anhang, dann ist der bse
Lubomir, der in Daudleb mchtig ist, dann Wsebor, Bozebor, und andere. Diese
werden dich verderben, wenn du unserm Rat, die wir dir treu sind, nicht hrest.
    In diesem Augenblicke ging Nacerat in einem sehr schnen weiten Gewande bei
der Tr herein. Er sprach einige Worte leise mit dem Herzoge, und entfernte sich
wieder.
    Dann sagte der Herzog: Witiko, gehe deiner Wege. Ich befehle, da ihn
niemand beschimpft oder verletzt.
    Witiko erhob sich von seinem Stuhle, verneigte sich, und ging.
    Er ritt auf seinem grauen Pferde zu Silvester, der nach der Niederlegung
seines Amtes wieder in dem Kloster Sazawa, dessen Abt er frher gewesen war,
wohnte, und dankte ihm. Dann ritt er wieder gegen den Mittag des Landes.

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 Es weheten die Banner.

Am sechsten Tage nach der Erhebung Wladislaws war die Bischofswahl in Prag, weil
Silvester bei der Niederlegung seines Amtes beharrte. Es wurde Otto der Propst
von Prag zum Bischofe ber Bhmen gewhlt, und es ging eine Botschaft an den
Heiligen Vater nach Rom, und eine an den Oberhirten, unter dessen Stabe auch das
Land Bhmen stand, an den Erzbischof von Mainz.
    Die Leute zerstreuten sich nun von Prag.
    Der Leche Bolemil war schon frher mit seinen Shnen und Enkeln und mit
Geleite nach dem Abende des Landes Bhmen gegangen, Diwis in seine Zupe nach
Saaz, Nemoy nach Netolic, Chotimir nach Decin in Mitternacht, Ctibor nach Austi,
und Lubomir mit den Seinigen in die Zupe Daudleb, und Zdik begab sich in seinen
Bischofsitz Olmtz zurck.
    Andere Leute gingen wieder nach Prag. Darunter waren junge Shne von Herren,
Kriegsknechte, dann auch Gewerbmnner, Bildner in allerlei Dingen, Mnner des
Wissens, Gaukler, Snger, Sackpfeifer, Juden, Dirnen, Geldwechsler, und
hnliche.
    Wladislaw vervollstndigte noch die mter. Er lie die Mnner, die unter
Sobeslaw Dienste geleistet hatten, in ihren Wrden. Die nchsten an ihm waren
seine Brder Diepold und Heinrich, und der alte Leche Nacerat.
    In kurzer Zeit nach der Bichofswahl ritt Wladislaw mit einem Gefolge junger
Mnner nach Hostas Burg. In derselben hatte Adelheid die Witwe Sobeslaws das
Gemach, in welchem der Herzog Sobeslaw gestorben war, mit dunkeln Tchern
behngen lassen, das Bett mit der Brendecke und der Schrein, aus welchem er das
goldene Kreuzlein fr den Bischof Silvester genommen hatte, und das hlzerne
Gesiedel, auf welchem sie gesessen war, da sie ihn pflegte, waren stehen
geblieben. Das Kreuz, das sie nach dem Tode Sobeslaws umschlungen hatte, war an
einen Fensterpfeiler gebracht worden, und davor ein Schemel gestellt. An die
Rckwand des Gemaches hatte man ihr ein Bettlein stellen mssen, in welchem sie
in den Nchten schlief. Als Wladislaw vor die Mauern der Burg gekommen war,
sandte er einen Mann zu Adelheid, um zu fragen, ob er zu ihr kommen drfe. Sie
lie ihm durch diesen Mann sagen, da sie ihn erwarte. Der Herzog ging also mit
den zwei Mnnern Welislaw und Odolen in die Burg, und wurde in das dunkle Gemach
gefhrt. Adelheid stand auf, da er eintrat, sie verneigten sich gegen einander,
und als ihm eine Frau einen hlzernen Stuhl gereicht, und als sich beide gesetzt
hatten, sagte sie: Was begehrest du, mein erlauchter Vetter?
    Ich bin gekommen, meine erhabene Muhme, antwortete Wladislaw, um dir mit
meinem eigenen Munde mein Beileid ber deinen groen Verlust zu sagen, den du
durch den Tod deines Gatten des ruhmvollen Herzoges Sobeslaw erlitten hast, um
dir mit meiner eigenen Person den Schutz meiner Macht anzubieten, und um dir zu
sagen, da ich fr deine und der Deinigen Bedrfnisse sorgen werde, du magst in
welchem Orte des Landes immer wohnen, wozu dir die Wahl frei ist.
    Mein lieber gtiger Neffe, erwiderte Adelheid, du hast mir in den ersten
Tagen deiner Herrschaft einen Trostesgru gesendet, und ich habe dir meinen Dank
dafr zurckgeschickt; nun kommst du selber, um mir dein Mitleid darzubringen,
und ich sage dir auch selber meinen Dank. Du hast meinen Gemahl geliebt, er
wute es, und hat dich auch geliebt. Er hat anders von dir gedacht als deine
Nchsten, und seine Gedanken sind auch die meinigen. Es ist gut, da es so ist.
Und wenn der Mensch auch auf das Irdische denken darf, nicht fr sich, sondern
fr seine Kinder, so habe Dank fr dein Anerbieten der Versorgung, und lasse es
uns ablehnen; unsere Habe reicht fr mich und meine kleineren Kinder hin,
brauche deine Macht, da kein Vornehmer deines Reiches sie schdige. Die Wahl
meiner Wohnung lasse auf diese Burg fallen, ich begehre keine andere.
    Habe deinen Willen, sagte Wladislaw, so lange mir Gott die Macht lt,
werde ich dich schtzen. Deine kleinen Kinder werde ich zur Erhhung unseres
Geschlechtes erziehen helfen, von den greren ist Maria in den guten Hnden
Leopolds des Markgrafen von sterreich, und wird durch seine Schwester Gertrud
mit mir und dem Lande noch mehr verbunden werden, und deinen Sohn Wladislaw
werde ich aus Mhren nach Bhmen zu einer Ausstattung ziehen, wie sie einem
aufgesproten Reise des heiligen Stammes Premysls ziemt. Bleibe mit deinen
Kindern in dieser Burg, so lange Frieden in dem Lande ist, und so lange du es
wnschest, da du das Gedchtnis Sobeslaws hegst.
    Es wird immer das nmliche bleiben, sagte Adelheid.
    In diesem Hause kann dein Herz nicht genesen, erwiderte Wladislaw.
    Es ist mir hier am wohlesten, sagte Adelheid.
    So sei es, entgegnete Wladislaw.
    Lasse es sein, sagte Adelheid, und lasse mir das Vertrauen auf deine
Worte.
    Ich nehme dieses Vertrauen als eine Freude auf meinen Weg, antwortete
Wladislaw.
    Befiehl nun deinen Mnnern, sagte Adelheid, da sie in die Burg kommen,
damit man sie bewirte. Es werden noch Vorrte aus den Tagen Sobeslaws da sein.
Bores wird sorgen.
    Ich werde meine Mnner nicht in die Burg fhren, antwortete Wladislaw,
da sie dich nicht stren. Wir haben unsere Erquickung auf Sumern mit, und
knnen sie berall einnehmen. Bores bleibt dein Kastellan, nur in Dingen des
Baues dieser Burg und ihrer Sicherheit mu er mir gehorchen.
    So bringt drei Becher Wein fr die drei Mnner, meine liebe Agnes, sagte
Adelheid.
    Eine der Frauen, die um Adelheid waren, entfernte sich, und brachte auf
einem Tragbrette drei silberne Becher mit Wein. Adelheid nahm den schnsten der
Becher, nippte von ihm, und reichte ihn Wladislaw. Dieser setzte ihn an die
Lippen, und trank den Wein aus. Die zwei andern Becher wurden den Mnnern
Welislaw und Odolen gereicht, und sie leerten dieselben ebenfalls.
    Und nun hast du die Bewirtung in deinem Hause an uns vollbracht, sagte
Wladislaw, und wir verabschieden uns. Erlaube daher, hohe Muhme.
    Er nherte sich ihr, und kte sie auf ihre Stirne.
    Dann stand er vor ihr, sie aber hob ihre Hnde empor, legte sie auf sein
Haupt, und gab ihm den Ku auf die Stirne zurck.
    Gott lasse alle deine Unternehmungen gedeihen, sagte sie.
    Mge dein Gebet nur bewirken, da die besten an ihr Ziel kommen,
antwortete er.
    Dann nahm er sie noch einmal bei der Hand, und wendete sich zum Gehen. Sie
ging an seiner Hand und seiner Seite bis zur Tr. Dann neigten sie sich, lsten
die Hnde, er ging zur Tr hinaus, sie in das Gemach zurck.
    Drauen schlug er mit den Seinigen wieder den Weg nach Prag ein.
    Als er nach Prag zurck gekommen war, sandte er Boten nach den Herren Jurik
Bohuslaw und Zdeslaw.
    Als diese zu ihm gekommen waren, sagte er: Bereitet euch, ihr drei Herren,
und reitet in die Stadt Kiew, dort werdet ihr einen Mann aus dem Stamme unseres
geheiligten Premysl finden. Es ist Otto der Sohn des schwarzen Otto des Sohnes
des schnen Otto, der ein Bruder des Knigs Wratislaw gewesen ist. Er ist nach
der Schlacht bei Chlumec, in der sein Vater durch die Scharen Sobeslaws gefallen
ist, entflohen und nicht mehr zurck gekommen. Sagt ihm: Wladislaw der Herzog
der Lnder Bhmen und Mhren lt dir seinen Gru entbieten, und lt dir sagen:
Das Herzogtum von Olmtz ist bei deinem Grovater Otto gewesen, es ist bei
deinem Vater Otto gewesen, und wird bei dir dem dritten Otto sein. Folge uns,
und gehe zu dem Herzoge Wladislaw, da er dir das Land bergebe. Die Briefe,
welche ihr dem Manne reichen sollet, werden verfertiget werden. Indessen whlt
eure Begleiter, und richtet eure Dinge in Ordnung.
    Die drei Mnner versprachen es, und verlieen das Gemach.
    Darauf sandte der Herzog Boten an die Herren Bogdan, Sezima und Zwest.
    Als sie gekommen waren, sprach er: Seid gebeten, ihr Mnner, nach Mhren in
die Stadt Znaim zu reiten. Dort ist bei dem Herzoge Konrad der erstgeborne Sohn
des verstorbenen Herzoges Sobeslaw namens Wladislaw. Sprecht zu ihm: Wladislaw
der Herzog von Bhmen und Mhren lt dir in Liebe und Freundschaft sagen, da du
auf seine erste Botschaft, die dich nach Bhmen eingeladen hat, geantwortet
hast, da du sehr gerne kommen werdest, so bittet er dich, du mgest das Geleite
dieser Mnner nach Prag nicht verschmhen, da er dir wie ein Bruder sei, da er
dir gebe, was dein Rang und dein Herkommen heischt, und da du nach Gefallen
seine Umgebung verherrlichest. Wenn du mit seinen Mnnern nicht zu ihm kmmst,
so wird er mit Leid sehen, da du gegen ihn feindlich gesinnt bist. Macht eure
Vorbereitung, und empfangt dann, was an ihn wird geschrieben werden.
    Er entlie sie, und sie entfernten sich.
    Da diese Herren ihr Gefolge ausgelesen, sich gerstet, und die Schriften
empfangen hatten, ritten sie ihrer Bestimmung zu.
    Als sich der Monat Mrz zu Ende neigte, kam die Braut Wladislaws, Gertrud,
die Schwester Leopolds des Markgrafen von sterreich nach Bhmen. Ein groes
Geleite von Frauen und Herren war bei ihr. Es waren Chunrad von Asparn, Bruno
von Pusinberg, Wernhard von Brun, Hadmar und Albero von Chunring, Heinrich von
Gundramsdorf, Marchard von Hintberg, Heinrich von Mistelbach, Hartung von
Ruhenegk und Wolftrigil von Stein. Der Herzog sendete ihr eine gleiche Zahl von
Mnnern entgegen: Nacerat, Smil, Ben, Znata, Milota, Bartholomus, Wecel,
Drslaw, Domaslaw, und Stibor. Sie legten alle Pracht an, welche ihr Reichtum
erlaubte, erwarteten den Zug an der Grenze, und geleiteten ihn nach Prag. Dort
wurde die Vermhlung vollzogen, und der Herzog Wladislaw und die Herzogin
Gertrud gingen sogleich gegen Wrzburg, um am siebenten Tage des Monates April
mit dem deutschen Knige Konrad, dem Halbbruder Gertruds, in dieser Stadt
zusammen zu treffen.
    Als Wladislaw wieder zurck gekommen war, ritt er mit einem Geleite in seine
Burgen. Er ritt in die erste, untersuchte sie, und ordnete an. Dann ritt er in
die zweite, und tat desgleichen, und so fuhr er fort.
    Witiko aber, da er Silvester verlassen hatte, ritt gegen Mittag durch die
Orte Dobris Pisek und Netolic, bis er zu dem groen Walde gekommen war, der im
Mittag und Abende das Land Bhmen von dem Lande Baiern schied. Es war jetzt
Schnee auf seinen Zweigen und zwischen seinen Stmmen, und oft lngere Zeit die
Stille des Winters. Witiko ritt in die Gehlze hinein, und in ihnen fort. An
manchen Strecken hatte er einen Fhrer. Am Mittage des dritten Tages, da er im
Walde ritt, kam er ber einen sanften Waldhang zu einem flachen spitzigen aber
baumlosen Berg, auf dessen Gipfel ein rotes Kreuz stand. Witiko ritt an dem
Berge vorber, und kam an dessen Mittagseite zu einer hochfenstrigen Kirche,
deren Turm ein braunrotes Keildach hatte, darauf kein Schnee war. Die Kirche war
in geringer Entfernung mit einer Mauer umgeben. Von ihr ging das Land sanft
gegen Mittag nieder, und es standen auf ihm zwei Zeilen von Husern und Htten
hinab. Hinter und zwischen den Husern und Htten standen noch Bume des Waldes.
Weiter unten war ein kahles Tal, und jenseits des Tales stand eine Waldwand,
welche hher und mchtiger war als alle, die Witiko bisher berritten hatte. Im
Mittage dieser Wand muten die Fluren sein, durch die Witiko vor zwei Jahren
gekommen war, als er von Heinrich und den Angehrigen desselben Abschied
genommen hatte.
    Er ritt an der Ringmauer der Kirche vorber, und ritt dann zwischen den
Husern hinunter. Gegen das Ende derselben lag ein wenig gegen Morgen von den
andern entfernt ganz allein ein steinernes Haus. Witiko lenkte von seiner
Richtung ab, und ritt auf einem schmalen Schneepfade, der sich ihm bot, dem
Hause zu. Als er dort angekommen war, ritt er durch das Tor, das sich in einer
Mauer, die vom Hause weg ging, befand, und offen stand, in den Hof. Der Hof war
gebildet durch das Haus, den Torbogen, einen steinernen Schoppen, eine steinerne
Scheuer und einen steinernen Stall. Witiko stieg im Hofe von seinem Pferde. Da
kam ein alter Mann aus dem Hause. Da ihn Witiko erblickte, rief er: Sei
gegrt, Martin.
    Der alte Mann rief: Witiko, Ihr seid es, um Gott, welch eine Freude. Da
mssen wir ja gleich das Pferd versorgen.
    Sie fhrten das Pferd in den Stall, befreiten es von Sattel und Zaum, hingen
es mit einer Halfter an, und deckten, da es sich langsam abkhle, eine groe
Wolldecke, die da war, ber den Leib. Dann schlossen sie die Stalltr gut zu,
und gingen in die Stube.
    Da seid Ihr wieder nach so langer Zeit, Witiko, rief der alte Mann.
    Witiko legte seinen groben Wollmantel ab, nahm seine Lederhaube von dem
Haupte, legte sie auf den Tisch, und setzte sich selber auf einen Stuhl.
    Ja, da bin ich, sagte er, und werde wohl eine gute Weile bei euch
bleiben.
    Das ist sehr erfreulich, antwortete der alte Mann, aber wie werdet Ihr im
Winter in dem Walde bleiben knnen?
    Im Winter, und vielleicht noch lnger, sagte Witiko.
    Da mu ja das Haus zubereitet werden, erwiderte der Mann.
    Er ging nach diesen Worten zu der Tr der Stube und rief hinaus: Lucia!
Lucia!
    Eine Magd kam herein, welche in einen kurzen dunkeln und faltigen Rock
gekleidet war, eine weie Schrze und ein weies Tuch um das Haupt hatte. Sie
fragte nach dem Begehren des alten Mannes.
    Der Sohn der Herrin dieses Hauses wird im Winter und im Sommer und
vielleicht noch lnger hier bleiben, sagte er, du mut ihm ein Essen bereiten,
mut in den Ofen neues Holz legen, und mut das Haus in den gehrigen Stand
setzen.
    Ich werde sogleich heizen, sagte das Mdchen, werde Speisen auf den Herd
setzen, und wenn die Dinge ins Sieden kommen, werde ich zu Dorotheens Agathe
gehen, da sie mir mit ihrer Schwester bei dem Ordnen des Hauses hilft.
    Tue so, sagte der alte Mann, und die Magd verlie das Zimmer.
    Dann sagte der alte Mann zu Witiko: Wir haben schon gegessen, und Ihr mt
nun ein wenig warten, bis fr Euch aufs neue etwas bereitet wird.
    Ich kann leicht warten, entgegnete Witiko.
    Ihr seid sehr lange nicht in diesem Eurem Hause gewesen, sagte der Mann.
    Nun bin ich hier, entgegnete Witiko.
    Mge es Euch eine gute Herberge werden, sagte der andere.
    Wie es ist, wird es mir recht sein, antwortete Witiko.
    Er stand nach diesen Worten auf, schnallte sein Schwert von seiner Hfte,
legte es auf den Tisch, und sagte: Hier werde ich es wohl nicht brauchen. Eben
so zog er seine Pelzhandschuhe von den Hnden, und legte sie zu dem Schwerte.
Dann setzte er sich wieder auf den Stuhl, und sagte: Hier bin ich also.
    Der alte Mann setzte sich in einiger Entfernung von Witiko auch auf einen
Stuhl, und fragte nicht, woher der junge Reiter gekommen sei.
    Witiko sprach auch nicht, und so saen sie eine Weile schweigend da.
    Dann sagte Witiko: Wir mssen nun weiter zu dem Pferde sehen.
    Sie standen auf und gingen in den Stall. Witiko befhlte mit der Hand das
Tier, ob es gut ausgekhlt sei. Dann gab er ihm reinen Haber in den Born. Der
alte Mann streute frisches Stroh, wenn es sich spter zur Ruhe legen wollte.
Auch brachte er ihm nach einer Zeit Wasser zum Trinken. So gingen sie fter zu
dem Tiere, bis es versorgt war.
    Nachdem eine Stunde seit der Ankunft Witikos vergangen war, kam die Magd mit
weiem Linnenzeuge in die Stube, legte die Lederhaube und das Schwert und die
Handschuhe von dem Tische auf eine Bank, und deckte das Linnenzeug ber den
Tisch. Dann legte sie einen hlzernen Teller und Egerte vor Witiko. Hierauf
brachte sie Brod gesottenes geruchertes Schweinfleisch geschnittenen gesuerten
Kohl, Kle, die aus Roggenmehl bereitet waren, und Bier.
    Witiko a von den Speisen nach seinem Hunger, und trank von dem Biere nach
seinem Durste.
    Sodann wurde der Tisch abgerumt.
    Hierauf ffnete Lucia eine Tr, welche in eine Kammer fhrte, die sich neben
der Stube befand. Zwei andere Mdchen kamen mit Wasser in Zubern, mit
Strohknueln und Sand, und begannen, den Fuboden der Kammer zu scheuern. Da sie
mit dieser Arbeit fertig waren, wurden die Fenster der Kammer geffnet, da die
kalte Winterluft den Boden trockne. Hierauf wurde auf ein Gestelle, das aus
Tannenbalken und Tannenbrettern gemacht war, frisches reines Stroh gebunden, auf
das Stroh wurde weie Leinwand gedeckt, und auf die Leinwand wurde ein
Strohpolster und wurden wollene Decken und Felle zu Witikos Nachtlager gelegt.
Dann wurden die Fenster geschlossen, der trockene Boden wurde mit weiem Sande
bestreut, und in dem Ofen wurde ein Feuer aus Tannenscheiten angezndet. Als die
Kammer durchwrmt war, wurde Witikos Mantel sein Schwert seine Lederhaube und
seine Handschuhe in dieselbe getragen, und ein Teil dieser Dinge auf eine Bank
ein Teil auf eine Truhe, die da stand, gelegt. Darauf wurde er gebeten, auch in
die Kammer zu treten.
    Da er es getan hatte, wurde mit der Scheurung und Reinigung der Stube der
Bank um den Ofen der andern Bnke der Sthle und des Tisches begonnen.
    Als dies Werk vollendet, die Stube mit Sand bestreut, ausgewrmt, und in
ihren Gerten in Ordnung gebracht war, ffnete der alte Mann die Tr der Kammer,
fhrte Witiko heraus, und sagte ihm, diese zwei Gemcher seien seine Wohnung, so
lange es ihm gefallen wolle, in dem Hause zu bleiben.
    Als er noch redete, trat ein Mann in einem kurzen Lammspelze und einer
Lammspelzhaube und mit einer Axt auf der Schulter in die Stube.
    Der alte Mann sagte zu ihm: Der junge Reiter ist der Sohn unserer Herrin,
er wird in dem Hause hier bleiben, so lange er es fr gut hlt.
    Dann sagte er zu Witiko: Das ist Raimund der Knecht. Er ist in dem Walde
gewesen, um Holz zu spalten, und kommt jetzt, da die Dmmerung eintritt, zurck.
Wir besorgen so das Haus, ich, der Knecht Raimund und Lucia die Magd. Die
Taglhner, die wir dingen, helfen nur bei greren Arbeiten.
    Und wo wohnet denn ihr, wenn du mir die groe Stube dieses Hauses und die
Kammer zur Wohnung einrumst? fragte Witiko.
    Das Haus hat ja noch Raum genug, sagte der Mann, wit Ihr es denn nicht,
wir wohnen ja nie in der Stube und Kammer, ich bin in dem Stblein, welches der
Stube gegenber liegt, und dessen Fenster auf den Hof hinaus sehen, Lucia
schlft in der Kammer neben der Kche, und der Knecht schlft in dem
Bretterverschlage in dem Stalle. Dann ist ja noch allerlei Raum.
    Nun es wird sich schon fgen, sagte Witiko.
    Wir werden Euch alle Dienste leisten, die Ihr braucht, sagte der alte
Mann.
    Ich werde nicht viel verlangen, Martin, entgegnete Witiko, und ich werde
euch, wo ich es kann, in euren Geschften helfen.
    Das wre nicht recht und nicht billig, versetzte Martin.
    Nein, das wre nicht recht, sagte der Knecht.
    Wir wollen nicht hadern, entgegnete Witiko, es wird sich alles finden.
    Ja, ja, sagten die andern.
    Hierauf reichte der Knecht Witiko die Hand, und ging aus der Stube.
    Es war indessen Abend geworden. Witiko besorgte sein Pferd mit der Hilfe
Martins, a noch etwas von der Suppe, die ihm Lucia gebracht hatte, sperrte, als
sich Martin entfernt hatte, die Stubentr, und legte sich in der Kammer auf
seinem Tannengestelle zur Ruhe.
    Im Morgengrauen des anderen Tages fragte er Martin, ob er ihm
Fubekleidungen verschaffen knne, mit denen er durch jede Tiefe des Schnees zu
gehen vermchte. Martin bejahte es, und brachte ihm einen Mann, der solche Dinge
verfertigte. Witiko las sich aus dem mitgebrachten Vorrate zwei Paare
langrhriger aus starkem Leder verfertigter Stiefel aus, bezahlte sie, und zog
sogleich ein Paar an. Als er sein Morgenmahl, das Lucia aus Milch und Mehl
bereitet hatte, verzehrt, als er die Besorgung seines Pferdes beendet hatte, und
als eben die Sonne ber den Fhrenwald, welcher im Morgen des Ortes stand,
herauf ging, trat er aus der Tr des Hauses in das Freie. Er ging auf dem
schmalen Pfade zu den Husern, ging zwischen ihnen empor, ging an der Kirche
vorber, und begann, den Berg, auf welchem das rote Kreuz stand, zu besteigen.
Er fand keinen Weg, sondern mute sich einen durch den Schnee brechen. Er ging
zwischen blaulichem Wacholdergestrippe, das hie und da durch den Schnee hervor
ragte, bis zu dem roten Kreuze empor. Dort tat er ein kurzes Gebetlein, und sah
dann herum. Zu seinen Fen unter dem Berge lag der Ort mit den Schneedchern
seiner Htten und Huser. Hie und da stieg ein Rauch empor. Weiter unten war die
lngliche weie Tafel des Tales. Witiko wute, da dort die Moldau sei; aber sie
war nicht zu sehen, alles war durch die gleiche weie Hlle des Schnees gedeckt.
Um das Tal war lauter Wald. Im Morgen ging nicht fern von den Husern sanft ein
Fhrenwald empor. Von ihm weiter gegen Mittag war ein breiter mchtiger
Waldrcken, dessen Rand, wohl vier Wegestunden entfernt, schon blulich
dmmerte. Witiko kannte ihn sehr wohl. Es war der Wald des heiligen Thomas, auf
dessen Rande er dort, wo das Bild des heiligen Apostels Thomas gewesen war, vor
zwei Jahren mit dem Fhrer Florian gestanden war, und von dem er dann zu der
Moldau und den Husern von Friedberg hinab gestiegen war. Witiko sah lange auf
den Wald. Dann blickte er gegen Mittag auf die Waldwand, jenseits welcher das
Aigen sein mute, von wo aus der Fhrer Florian mit ihm gegangen war. Hierauf
lenkte er seine Augen gegen Abend auf eine noch grere Waldwand, die von
Steinrippen durchzogen war, welche im Morgenlichte sichtbar wurden, und in
welchen der schwarze See war, auf den er mit Wolf hinab geschaut hatte, und
dessen Dasein von dieser Ferne kaum zu ahnen war. Gegen Mitternacht sah er ganz
nahe an seinem Berge den Waldhang, ber den er gestern herein geritten war, und
ber welchen hin in groer Ferne Prag liegen mute, das er vor zwei Jahren des
Herzogs Sobeslaws willen gesucht, und das er nun wieder verlassen hatte.
    Als er seinen Augen Genge getan hatte, sprach er vor dem Kreuze die Worte
des Kreuzzeichens, und stieg ber den Berg durch den glnzenden Schnee
hernieder.
    Da er zu den Husern gekommen war, ging er auf ein kleines Steinhuschen,
das neben der Kirche stand, zu, ging in dasselbe hinein, und trat in die Stube.
In derselben sa ein Greis mit weiem Barte vor einem groen Buche. Am Ofen sa
ein Mtterlein, und spann.
    Seid mir willkommen, ehrwrdiger Herr, sagte Witiko, ich bin in Eure
Stube getreten, Euch zu gren, und Euch zu besuchen.
    Ei, Witiko, sagte der alte Mann, indem er aufstand, seid Ihr auch wieder
einmal nach Plan gekommen? Und wie schn und frisch Ihr ausseht. Seid recht
herzlich gegrt.
    Das Mtterlein war von dem Spinnrade aufgestanden, wischte mit ihrer blauen
Schrze einen Stuhl ab, und reichte ihn Witiko zum Sitzen.
    Dieser lie sich auf den Stuhl nieder.
    So seid Ihr noch immer auf der Pfarre in Plan? sagte Witiko zu dem alten
Manne.
    Ich bin noch da, entgegnete der Mann, werde wohl auch da bleiben, und in
nicht entfernter Zeit als Pfarrer von Plan sterben. Ihr kennt ja meine Schwester
Anna auch noch?
    Freilich, antwortete Witiko, und sah gegen die Spinnerin hin.
    Diese blickte ihn mit freundlichen blauen Augen an.
    Plan ist ein sehr schner Ort, sagte der Pfarrer, er liegt lieblich in
dem Walde, und er ist auch wichtig. Als das Christentum noch wenig verbreitet
war, als das ganze Land Bhmen noch am Heidentume hielt, waren hier zwei
christliche Einsiedler, die den Fleck reuteten, darum er der obere Plan heit,
und die die christliche Lehre ausbreiteten. Darum ist dann auch eine Kirche
geworden, die sehr alt ist. Die vielen Einsiedler in dem groen langen Walde
hinauf sind die ersten Prediger der christlichen Lehre in diesem Lande geworden.
Werdet Ihr lange hier bleiben?
    Vielleicht lnger als sonst, sagte Witiko, es ist noch ungewi.
    Dann werdet Ihr doch auch zuweilen zu mir kommen, und gestatten, da ich
Euch auch in Euerem Hause begre, sagte der Pfarrer.
    Ich werde kommen, und es wird mir eine Freude sein, Euch bei mir zu sehen,
entgegnete Witiko.
    Die alte Anna, welche aus der Stube gegangen war, kam jetzt wieder herein,
und brachte auf einem Teller Brod und Salz und in einem Kelchglase Met.
    Sie stellte die Dinge vor Witiko auf den Tisch, und sagte: Wohl bekomme es
zum Grue.
    Witiko nahm ein Schnittchen Brod, salzte es, und a es. Dann tat er einen
Schluck aus dem Glase.
    Hierauf erhob er sich, um sich wieder zu entfernen.
    Der alte Pfarrer nahm einen Lammspelz von einem Nagel an der Wand, zog ihn
an, und begleitete Witiko aus dem Hause.
    Eine kurze Strecke unterhalb des Pfarrhuschens kam Witiko an der Schmiede
vorber. In derselben wurde ein Pferd beschlagen. Witiko ging nher, schaute zu,
besah das Pferd, und redete dann mit dem Schmiede und dem Eigentmer des Pferdes
ber das Pferd und ber einige andere Dinge.
    So sprach er auch mit mehreren Mnnern und Frauen, welche, da er an ihren
Wohnungen vorber ging, heraus kamen, und ihn grten.
    Des Mittags muten Martin Lucia und Raimund mit ihm an dem groen Tische in
der Stube essen.
    Am Nachmittage ritt er auf seinem Pferde in der Richtung gegen Morgen in den
Wald, und kam nach zwei Stunden wieder zurck.
    Am Abende, da das Pferd besorgt war, da Raimund und Lucia mit der Pflege der
Rinder fertig waren, und Lucia ihre Milch aus dem Stalle in die Vorratskammer
gebracht hatte, wurde das Licht auf der Leuchte der Stube, die wie ein Herd in
der Wand angebracht war, durch aufgelegte fette Kieferhlzer so verstrkt, da
die ganze Stube schimmerte. Martin Raimund und Lucia muten zu ihrem
Abendaufenthalte, wie sie auch sonst taten, in die Stube kommen. Selbst Martins
groer graugetigerter Hund mute herein gelassen werden. Lucia spann an der
Leuchte, Raimund flickte weiter entfernt an einem Dreschflegel, und Martin sa
mig auf der Ofenbank. Witiko sa auf einem Stuhle. Der Hund hatte sich unter
den Tisch gelegt.
    Nach der siebenten Stunde trat ein Mann in einem Lammspelze einer
Lammspelzhaube und in groben weiwollenen Beinbekleidungen mit schweren Stiefeln
in die Stube.
    Gottes Gru߫, sagte der Mann.
    Gottes Dank, sagten die Anwesenden.
    So lebst du auch noch, Tom Johannes, der Fiedler, sagte Witiko, es freut
mich, da du uns besuchst. Wie geht deine Kunst?
    Ei, Witiko, entgegnete der Mann, so kennt Ihr mich noch. Und die Kunst,
wie sie geht? Die Hochzeiten kommen fast ab, und bei den Tnzen werden die
Spielleute immer mehr. Ich kann von den Rben meines Feldes besser leben als von
der Kunst.
    Nun von beiden, sagte Witiko.
    Und was hat denn Euch im Winter zu uns gefhrt? fragte der Mann.
    Es hat sich so gefgt, sagte Witiko.
    Und werdet Ihr jetzt lnger bei uns bleiben als frher? fragte der Mann.
    Wie es eben geschieht, antwortete Witiko, ich wei es selber noch nicht.
    Whrend dieser Worte hatte Martin einen Laib schwarzen Roggenbrotes und ein
Messer auf den Tisch gelegt, und Salz dazu gestellt. Der Mann setzte sich zu dem
Tische, schnitt sich mit dem Messer ein Schnittchen Brod ab, bestreute es mit
Salz, und a es.
    Dann sprachen sie von mancherlei: von Leuten, die gestorben sind, von
andern, die geheiratet haben, wieder von andern, die in die weite Welt gegangen
sind, und von solchen, die in den innern Lndern Krieg wnschen, um dahin zu
gehen, und Beute zu machen. Sie sprachen von dem Landbaue von der Viehzucht, und
was sich in dem Walde begibt, und was sonst Neues in der Welt ist, und von
hnlichen Dingen.
    Um die neunte Stunde erhob sich der Mann, sagte eine ruhige Nacht, und
entfernte sich. Lucia trug ihr Spinnrad aus der Stube, Martin mit dem Hunde und
Raimund suchten ihre Schlafstellen, und Witiko legte sich auf sein
Tannengestelle, indem er die Tr von der Kammer in die Stube offen, und die
Fhrenkltze auf der Leuchte verglimmen lie.
    Am nchsten Morgen besah Witiko, so wie er am Tage vorher Berg und Tal und
Wald berschaut hatte, das Haus, in dem er war, und seine Wirtschaft. Er besah
die zwei Gespanne Ochsen, die Khe, die einigen Schafe, die Schweine und das
Federvieh, er besah die Scheuer die Holzlaube die Wagenlaube die Vorratskammer
und den Keller. Dann ging er in drei der nchsten Nachbarhuser, und besuchte
deren Bewohner. Nach dem Essen ritt er auf seinem Pferde wieder in den Wald. Am
Nachmittage lie er einen Mann kommen, welcher Kleider verfertigte, und
bestellte sich ein Gewand aus dem groben weigrauen Wollstoffe, welcher in dem
Walde gemacht und getragen wurde. Durch Martin lie er sich eine graue Filzhaube
kaufen.
    Am Abende dieses Tages kamen vier Mnner in Lammspelzen zu Witiko in die
erleuchtete Stube. Es war Tom Johannes der Fiedler, es war Stephan der
Wagenbauer, es war Christ Severin der Wollweber, und es war David der Zimmerer.
Martin setzte ihnen wieder Brod und Salz vor, und sie taten, wie gestern Tom
Johannes. Lucia sa an der Leuchte, und spann, Raimund schnitt aus Buchenkltzen
lange Spne, Martin flocht an einem breiten Tragbande, und Witiko auch an einem.
Man sprach wie gestern von verschiedenen Dingen, und um die neunte Stunde
entfernten sich die Mnner, und gingen nach Hause.
    Am dritten Tage war es ungefhr wie an den vorhergegangenen zwei Tagen.
    Am vierten Tage kam gegen den Mittag ein Mann auf einem Saumtiere gegen das
steinerne Haus. Er war in ein sehr weites dunkelbraunes Wollgewand gekleidet,
das ein Ledergrtel zusammenhielt. Auf dem Haupte hatte er eine Haube von
schwarzen Lammfellen, die ber die Ohren und den Nacken ging. Er sa zwischen
zwei Pcken von rauher Dachshaut auf seinem Saumpferde. Als er in den Hof des
Hauses gekommen war, gingen Witiko und Martin hinaus. Der Mann stieg von seinem
Tiere, und sagte: Bores lt Euch sehr schn gren, Witiko, es wird nichts
fehlen.
    Das ist gut, sagte Witiko, wann bist du in Hostas Burg weggeritten?
    Vor neun Tagen, antwortete der Mann, der Schnee hindert das Weiterkommen
sehr.
    Du bist gut genug weiter gekommen, sagte Witiko, Raimund wird die Pcke
abschnallen helfen, du bringe dann dein Pferd in den Stall, und gehe darauf in
die Stube, da man dir eine Erquickung gebe.
    Martin rief nach Raimund, und da er gekommen war, lsten sie die Pcke von
dem Saumtiere, und Raimund trug sie in Witikos Kammer. Witiko folgte ihm. Der
Mann brachte das Pferd in den Stall, und ging dann in die Stube. Dort legte er
sein baumwollenes Oberkleid und seine Lammshaube ab, und setzte sich an den
Tisch. Man gab ihm Bier und Brod.
    Witiko ging in die Kammer, kam bald darauf wieder heraus, und trug ein
Pckchen in der Hand, das in Fuchsfell genht war.
    Da ist etwas an einem meiner zwei Pcke angebunden gewesen, das ich nicht
kenne, sagte er.
    Es wird schon recht sein, entgegnete der Mann, Bores hat es mir gegeben,
und hat gesagt, ich soll sehr acht darauf haben, deshalb habe ich es an einen
Pack gebunden.
    Witiko trennte die Naht, und es kam ein sehr schlechter Grtel aus dem
Fuchsfelle. Der Grtel hatte eiserne Buckeln, und war mit Leder gefttert. Als
Witiko noch einmal in dem Fuchsfelle nachsah, fand er ein Papier, auf dem von
Bores' Hand geschrieben stand: Die hocherlauchte Herzogin Adelheid hat manchem
Manne des verblichenen Herzoges ein Ding des Herzoges gegeben, und dir Witiko
gibt sie den Grtel, den der Herzog auf dem Sachsenzuge getragen hat, sie gibt
ihn dir, weil der Herzog gesagt hat, du seiest auf jenem Zuge klug gewesen, und
sie gibt ihn dir, weil der Herzog ebenfalls gesagt hat, da du in eine groe
Gefahr fr ihn nach Prag gegangen bist.
    Witiko hielt den Grtel eine Zeit in der Hand, und betrachtete ihn. Dann
ging er in seine Kammer, und legte ihn in das Fuchsfell gewickelt in die Truhe.
    Hierauf ffnete er die rauhen Pcke, und nahm die Dinge, die in ihnen waren,
heraus. Es war die Kleidung und Ausrstung eines Reitersmannes. Er legte alles
in die Truhe zu dem Grtel. Darauf ging er in die Stube hinaus, und sagte: Es
ist alles richtig. Verweile, so lange du willst, bei uns. Ich werde dir dann
deinen Lohn geben, und du kannst wieder deiner Wege ziehen.
    Mit Eurem Wohlnehmen werde ich einen Tag rasten, und dann auf den Rckweg
gehen, sagte der Mann.
    Tue nach deinem Gefallen, entgegnete Witiko, wo ist denn die erlauchte
Herzogin?
    Ei in Hostas Burg, antwortete der Mann.
    Ist sie noch in der Burg, in welcher ihr erlauchter Herzog gestorben ist,
sagte Witiko.
    Sie schlft in dem Gemache, in welchem der Herzog gestorben ist, sagte der
Mann.
    Und wer ist bei ihr? fragte Witiko.
    Ihre kleinen Kinder, sagte der Bote.
    Und wo ist Wladislaw? fragte Witiko.
    Er ist nach Mhren entflohen, weil er den neuen Herzog frchtet,
antwortete der Bote.
    Hat sie ihren Schmerz gemildert? fragte Witiko.
    Ja, erwiderte der Bote, sie sagt gar kein Wort.
    Wird sie lange in Hostas Burg bleiben? fragte Witiko.
    Ich wei es nicht, antwortete der Mann.
    Es ist gut, sagte Witiko, und schwieg.
    Ich habe auch einen Brief von Bores, sagte der Mann.
    Nun, so gib ihn, sagte Witiko.
    Der Mann nestelte sein Wams auf, zog ein graues Papier daraus hervor,
wickelte es auf, und tat ein Pckchen Papier heraus, das mit rotseidenen Bndern
umwickelt, und mit Wachs versiegelt war. Witiko ffnete das Papier, las die
Zeilen, die es enthielt, und sagte: Ich werde dir eine Antwort mitgeben.
    Dann ging er in seine Kammer.
    Der Bote blieb an diesem Tage und an dem folgenden in dem steinernen Hause.
Er legte sich in die Heustelle in dem Stalle, wo sein Pferd stand, schlafen. Am
dritten Tage morgens richtete er sich zur Rckkehr. Er erhielt von Witiko seinen
Lohn und den Brief an Bores. Dann ritt er in seinem braunen Oberkleide und in
seiner schwarzen Lammshaube auf dem schmalen Schneepfade zu den Husern hinein,
zwischen den Husern empor, am Kreuzberge vorber, und den Waldhang hinan, ber
den Witiko vor sechs Tagen herab gekommen war.
    Da der Bote das steinerne Haus verlassen hatte, war es wieder wie vorher.
Witiko legte das weigraue Wollstoffgewand, welches fertig geworden war, an, und
setzte die graue Filzhaube auf sein Haupt. Das Gewand bestand in einem Rocke,
der mit Haften zusammen gehalten wurde, und in Beinbekleidungen, ber welche die
Stiefel empor gingen. So blieb er nun immer. Er teilte sich mit Martin in die
Leitung des Hauswesens, beriet sich mit Martin, ordnete manches an, und tat
manche Arbeit. Tglich ritt er auf seinem Pferde in der Zeit von fast zwei
Stunden in den Wald. Auerdem ging er auch auf Bergen und in Tlern herum, und
durchforschte sie. Er ging fter auf den Kreuzberg, und blickte herum. Die
Pflege seines Pferdes besorgte er mit der Hilfe Martins selbst.
    Am Abende, wenn das Licht auf der Leuchte brannte, kamen immer wieder
Mnner. Es kam jetzt auch zuweilen Peter Laurenz der Schmied, es kam Paul
Joachim der Maurer, Adam der Linnenweber, dann Zacharias der Schenke, Mathias,
Norbert, Jakob und andere. Wenn Rockenfahrt in Witikos Stube war, und zu
derselben Mdchen und auch Frauen mit ihren Spinnrdern kamen, um in der Stube
zu spinnen, fanden sich auch junge Mnner und Jnglinge ein, wie Philipp der
Steiger, Maz Albrecht, der rosenwangige Urban, der der Vetter des Schmiedes
Laurenz war, Veit Gregor, Lambert der Zimbelschlger, Wolfgang, Andreas,
Augustin der Pfeifer, und mehrere. Dann sangen zuweilen die Mdchen, zuweilen
sangen die jungen Mnner, oder beide zugleich, oder beide in Wechselliedern. Um
die neunte Stunde gingen sie nach Hause.
    Witiko war manches Mal abends auch in einem anderen Hause, so wie Martin,
oder der Knecht Raimund, oder Lucia, wenn sie auf einer Rockenfahrt war. Dann a
er von dem Brote und Salze, das ihm gereicht wurde, sa im Lichte der Leuchte,
und sprach mit den Mnnern oder den Frauen, die gegenwrtig waren. Er besuchte
zuweilen auch eine Rockenfahrt, sa unter den Sngern und Sngerinnen, die
spannen, und lobte oder tadelte einen Gesang, wie es fiel. Bei einem Vergngen,
wenn etwa ein Tanz war, wo der Fiedler die Geige klingen lie, der Pfeifer
pfiff, der Zimbelschlger die Schlgel rhrte, oder wenn man sich auf dem Eise
versammelte, sah er zu, und hielt zuweilen mit. Er besuchte nach und nach alle
Bewohner des Ortes, und wenn er auf der Gasse ging, und ihm einer begegnete,
oder wenn er im Freien wandelte oder ritt, und einer etwa auf einem Schlitten
aus groben Bohlen Dnger auf ein Feld fhrte, oder Holz nach Hause brachte, oder
zu einer Arbeit oder in den Wald ging, so blieb er bei ihm stehen, und redete
mit ihm. Er war fter bei dem greisen Pfarrer, und der Pfarrer war fter bei
ihm. An Festtagen war er in der Kirche, in welcher sich die Bewohner des Ortes
versammelten, und in welche auch Menschen aus manchem Huschen herbei kamen, das
im Walde versteckt war.
    Er betrachtete die Arbeiten der Bewohner, und suchte sie kennen zu lernen,
wie sie ihre Vorrte aufbewahrten, und zur Verzehrung einteilten, wie sie ihre
Tiere erzogen, wie sie die Feldgerte herrichteten, Pflge Eggen Wgen Rechen
Schaufeln Zuber Krbe und dergleichen, wie sie mit Axt Sge und Hammer
Ausbesserungen an ihren Husern machten, oder Holz, das sie im Winter gefllt
hatten, auf dem leichteren Mittel des Schlittens in die Nhe ihrer Wohnungen
fhrten, oder wie sie in wenigen Gewerben die anderen Bedrfnisse ihres Lebens
aufbrachten.
    Bei gemeinschaftlichen Arbeiten half er mit, wenn etwa ein Weg durch den
Schnee zu brechen war, oder wenn ein Pfad zu finden, und mit Reisern zu
bezeichnen war, da der alte samt seinen Reisern unkenntlich geworden war, oder
wenn man gegen einen Wolf oder ein anderes Waldtier ging, oder Anstalten traf,
ein solches ferne zu halten.
    Er beteiligte sich auch bei allgemeinen Angelegenheiten in Beratungen, oder
wie es sonst begehrt wurde.
    So ging die Zeit hin, es mochte eine heitere trockne Wintersonne sein, oder
Schneegestber sein, oder Sturm sein, oder der Winternebel in die Zweige der
Tannen herab reichen.
    Die Tage wurden lnger. Die Sonne war morgens schon sehr zeitlich ber den
Fhren heroben, und am Abende stand noch spt die blaue Seewand im Golde des
Himmels. Das Heulen des Wolfes war nicht mehr zu vernehmen, dafr tnte der
Schrei des Hirsches, oder der Ruf des Auerhahnes, oder ein schneller Klang der
Frhlerche.
    Der Reif ging von den Wldern, da sie dunkel da standen, der Schnee rann
als Wasser von den Bergen und durch die Senkung der Tler, bis kein kleines
Teilchen der Hlle mehr sichtbar war. Die lngliche Tafel des Tales zeigte nun
in ihrem unteren Teile Wiesen, und in dem fahlen Wintergrase war die blaue
Schlange der Moldau. Weiter oben waren die braunen Streifen der geackerten
Felder, oder die grnen derer, die Wintersaaten trugen, dann war der Wald.
    Es begannen nun die Frhlingsarbeiten, und Martin und Raimund rckten mit
ihren Gespannen in ihr Feld, und gedungene Lohnarbeiter halfen ihnen, und Witiko
war auch dabei, und legte, wo es ntig war, Hand an, bis die Wiesen und Felder
bestellt waren, und ihrer Ruhe und Entwicklung entgegen harren konnten.
    Die Wintersaaten wurden hher und grner, die Sommersaaten keimten, die
Wiesen frbten sich dunkel, der Waldkirschenbaum, welcher im Sommer die kleinen
schwarzen Kirschen bringen sollte, war mit weien Blten berdeckt, die Schlehe
und der Kreuzdorn blhten, der Holzbirnbaum auch, darnach begann der
Waldapfelbaum, die Tannen setzten die neuen lichtgrnen Sprossen an, und endlich
ffnete sich auch die Blume der lichteren und dunkleren Waldrose mit den fnf
Blttern, die am Hage oder am Saume des Waldes dahin stand.
    Die Herden des Ortes gingen mit ihren Hirten in die Wlder empor, wo Rasen
zwischen den Fhren und andern Bumen war, die Kinder spielten in der Sonne, und
die Mdchen sangen, wenn sie das junge Gras aus dem Walde trugen, jetzt in die
blaue Luft empor. Sie hatten nicht, wie tiefer im Lande, die weiten Gewnder,
sondern kurze faltige Rckchen und eine Schrze, und sie hatten weie oder rote
Tcher um das Haupt und die Schultern, und fter gingen zwei Zpfe ber den
Rcken des Mieders bis zu dem Rcklein hinunter.
    Als die Lenzarbeiten vorber waren, als die fnfblttrige Waldrose am Hage
oder zwischen dem Gesteine blhte, nahm Witiko eines Tages nach dem Essen sein
Ledergewand, kleidete sich damit, sattelte sein Pferd, schickte nach Benedikt,
dem Sohne Zacharias' des Schenken, da er ihm als Fhrer diene, und ritt von
diesem begleitet in der Richtung gegen Morgen in den Wald. Benedikt ging mit
einem langen Stabe voran, Witiko folgte ihm. Sie gelangten unter den Fhren bis
an den Kamm der Hhe empor. Dann kamen sie durch Buchenwald und Tannen wieder in
ein Tal hinab, in welchem ein Bach flo. Witiko sah Rehe daraus trinken, und
einen Hirsch darin stehen. Sie durchschritten den Bach. Dann ging ein Wald
sachte aufwrts, und da sie ihn zurckgelegt hatten, kam eine Ebene. Auf ihr
stand nicht mehr hoher Wald, sondern kurze, dnne, kranke Fhren, und viele
Stellen hatten gar keinen Baum. Das Gras war grau und trocken, und wo Erde zu
sehen war, erschien sie in dunkler aschgrauer Farbe.
    Da ist ein seltsamer Boden, sagte Benedikt, wenn man ihn auf die Achsen
der Wagenrder streicht, so gehen sie so lind wie mit fetten Dingen gelt.
    Da sollte man den Boden untersuchen, sprach Witiko.
    Ja das sollte man, sagte Benedikt.
    Sie zogen auf der Ebene hin, die Sonne schien schon tief aus
Wolkenschleiern. Und da sie an das Ende der Ebene gekommen waren, ging sie
unter. Nun fing wieder hoher Wald an, der sachte abwrts ging. Weil es in ihm
dunkelte, stieg Witiko ab, und fhrte sein Pferd hinter sich her. Nach einer
Stunde kamen sie auf eine freie Stelle. Sie hrten im Walde einen Ruf. Sie
blieben stehen. Es war stille. Dann tnte wieder der Ruf. Sie blieben noch
stehen. Die Stelle war sehr sonderbar. Es glnzte Wasser im Monde, es glnzte
das Gras um das Wasser, und die Bsche daran glnzten auch, aus ihnen ragten
dunkle Giebel wie Dcher von Htten empor, und oben war der Mond in gelblichen
Wolken. Am Saume des Waldes standen drei Gestalten, welche in weite Gewnder
gehllt waren, und die Gewnder auch ber die Hupter gezogen hatten. Sie
schienen Weiber zu sein. Es tnte wieder im Walde der Ruf, dann war es wieder
stille. Dann tnte der Ruf noch einmal aber schwach, dann begann ein Gesang wie
von vielen Stimmen. Der Gesang war ruhig und langsam. Er dauerte eine Weile,
dann war es stille. Dann begann der Gesang wieder.
    Das ist ein heidnisches Ding, sagte Benedikt leise zu Witiko, es mu
einer gestorben sein. Weil sie es nicht auf seinem Grabe tun knnen, da es die
Priester verboten haben, so gehen sie in den Wald, und tun es dort. Ich kenne
den Gesang, meine Gromutter hat ihn oft ertnen lassen, und einmal habe ich ihn
auch im Walde oberhalb Horec gehrt.
    Aber werden denn die Leute nicht belehrt? fragte Witiko.
    Sie tun es im geheimen, antwortete der Fhrer, und sagen nichts davon,
da sie von ihren Gttern nicht gestraft werden.
    Dann mssen wohl neue Geschlechter kommen, die die Snden der alten
vergessen, sagte Witiko.
    So wird es schon sein, entgegnete der Fhrer.
    Der Gesang hatte wieder aufgehrt, begann wieder, und schwieg endlich ganz.
Witiko und sein Fhrer blieben noch immer stehen. Nach einer Zeit kamen
Gestalten bei den drei Weibern aus dem Walde. Sie waren in weite Gewnder
gehllt, die durch Grtel zusammen gefat wurden. Es waren Mnner und Frauen.
Sie blieben bei den Weibern stehen, und wurden immer mehr. Dann zerstreuten sie
sich. Einige gingen auf dem Pfade am Waldsaume abwrts, auf dem Witiko seinen
Weg fortsetzen sollte, andere kamen gegen Witiko herauf, und gingen an ihm
vorber in den Wald. Manche gingen schweigend vorbei, andere sagten: Gelobt sei
der Heiland.
    Gelobt sei der Heiland, antworteten Witiko und sein Fhrer.
    Endlich war keine der Gestalten mehr zu sehen, die drei Weiber standen auch
nicht mehr auf ihrem Platze, und es regte sich nichts als der sanfte Wolkenzug,
den der Mond durchschien.
    Jetzt nahmen Witiko und sein Fhrer auch den Weg wieder auf. Sie gingen auf
dem Pfade am Waldsaume hinunter. Als sie den Grasplatz verlassen hatten, kamen
sie wieder in dichten Wald. Aber der Weg war da breiter und ausgetretener. Sie
gingen langsam auf demselben fort, und hatten manches Mal unter den Blttern
eine durchbrechende Helle des Mondes.
    Da sie eine Stunde auf diesem Wege zugebracht hatten, gelangten sie wieder
in das Freie. Es war ein breites Tal, von Wald umgeben. In dem Tale konnte man
Gebsche Felder und Wiesen unterscheiden, und hie und da glnzte es wie Wasser.
Aus dem Wasserglanze stand ein groer viereckiger schwarzer Turm empor.
    Wir haben lnger gebraucht, als ich gedacht habe, sagte Witiko.
    Die Verschlingungen des Pfades und die Wurzeln hindern das Fortkommen,
sagte der Fhrer, und die Irrgrser machen den Weg lnger.
    Es ist schon gut, entgegnete Witiko.
    Bei diesen Worten bestieg er wieder sein Pferd, und ritt auf dem Wege gegen
den Turm zu. Sie konnten nur auf einem schmalen Erdstriche zwischen Schilf und
Wasser zu demselben gelangen. Er war durch ein Tor geschlossen. An dem Tore hing
ein Ochsenhorn. Der Fhrer nahm es, und blies in dasselbe. Eine Zeit darnach
ffnete sich eine Luke im Tore, und ein Mann sah heraus. Er sprach: Sei
gegrt, Benedikt.
    Dann ffnete er das Tor.
    Witiko ritt durch den Bogen hinein, und kam in einen Hof. Das Tor wurde
hinter ihm wieder geschlossen. Im Hofe stieg er von dem Pferde. Der Fhrer und
der Mann, der das Tor geffnet und wieder geschlossen hatte, halfen ihm das
Pferd in den Stall bringen. Da es dort angebunden und bedeckt war, fhrte der
Mann Witiko und den Fhrer in eine Stube. Dieselbe war sehr gro, und hatte an
ihrem oberen Ende die Leuchte. Von derselben ging ein sehr langer Tisch aus
Tannenbrettern bis gegen die Tr. An der Leuchte sa ein barhuptiger Mann in
einem weiten schwarzen Gewande, dessen Grtel gelst war. Neben ihm sa ein
anderer in grauem Gewande, das aber gegrtet war. Er hatte gleichfalls auf dem
Kopfe keine Bedeckung. An dem langen Tannentische saen mehrere Mnner und
Jnglinge vor Krgen. Sie waren auch in weite gegrtete Gewnder gekleidet, und
trugen keine Bedeckungen auf den Huptern.
    Als Witiko und der Fhrer eingetreten waren, erhob sich der Mann im
schwarzen Gewande an der Leuchte, und rief. Ich bin Rowno der Wladyk, was
begehret ihr?
    Ich heie Witiko, antwortete Witiko, stamme aus dem Mittage Bhmens, und
bitte dich um Gastfreundschaft. Dieser da ist mein Bote.
    Komme an das obere Ende des Tisches, Witiko, entgegnete Rowno, und
Benedikt soll sich an das untere Ende setzen.
    Witiko ging an das obere Ende des Tisches, und als er bei Rowno angekommen
war, reichte ihm dieser die Hand, und sagte: Du bist willkommen, nimm dir einen
Stuhl, und setze dich neben uns an den Tisch. Es wird dir sogleich eine
Erquickung gereicht werden, und dein Fhrer wird auch Speise und Trank
erhalten.
    Witiko setzte sich nieder, wie es Rowno gesagt hatte, und dieser nahm auch
seinen Platz wieder ein. Die Mnner und Jnglinge an dem Tische waren vor Witiko
aufgestanden, und setzten sich wieder nieder.
    Nun kam ein Mann, der auf einem groen Brette das Lendenstck von gebratenem
Schweinfleisch trug. Er setzte es vor Witiko hin. Ein anderer brachte einen Krug
mit Bier und einen Laib Brod.
    Witiko schnitt sich von dem Fleische ab, schnitt sich von dem Brote ein
Stck herab, und begann, seinen Hunger und Durst zu stillen.
    Dem Fhrer hatte man auch am untern Ende des Tisches zu essen und zu trinken
vorgesetzt.
    Da Witiko fertig war, hob Rowno sein Horn, und sagte: Ich bringe dir den
Willkommtrunk, Witiko.
    Witiko hob den Krug, und erwiderte: Ich bringe Bescheid.
    Dann tranken beide.
    Dann sagte Rowno: Du bist Witiko der Knabe, der auf dem Wahltage auf dem
Wysehrad gesprochen hat, da man ihn zu einer Botschaft an den Herzog Sobeslaw
in der Versammlung belasse.
    Ich bin es, antwortete Witiko, ich wei, da du auf dem Wysehrad warst.
Ich wohne jetzt als dein Nachbar in dem Hause meiner Mutter auf dem oberen
Plane, und biete dir Gastfreundschaft an.
    Ich empfange sie, wenn ich zu dir komme, erwiderte Rowno.
    Jetzt erhob sich auch der andere Mann, der an der Leuchte sa, und mit einem
grauen Gewande angetan war. Er trat zu Witiko, und sprach: Ich bin Osel, und
habe dich auch auf dem Wysehrad gesehen, wo du gesprochen hast. Ich bin bei
Rowno auf Gastfreundschaft, und reite morgen beim Tagesgrauen fort. Wenn du nach
Dub kommst, wo wir in unsern Husern sitzen, hast du Gastlichkeit bei uns.
    Ich nehme sie an, sagte Witiko, und du hast sie auch bei mir.
    Ich empfange sie, sagte Osel, du bist ja aber auch Witiko von Pric, das
weiter im Lande ist, und dahin wir von Dub keinen groen Weg haben.
    Wir haben ein Eigen in Pric, antwortete Witiko, ich bin aber tiefer in
den Wald gegangen.
    Du bist tiefer in den Wald gegangen, erwiderte Osel, weil du zu denen
gehrst, die sich dem Herzoge Wladislaw widersetzt haben.
    Ich gehrte nur zu Sobeslaw, entgegnete Witiko, und habe einen Auftrag
von ihm vollfhrt. Alles andere lag nicht in meinen Dingen.
    Bist du nach der Wahl gleich zu Sobeslaw gegangen, und hast du ihn sterben
gesehen? fragte Rowno.
    Ich bin nach der Wahl gleich auf Hostas Burg geritten, sagte Witiko, bin
in dem Gemache gewesen, als der Herzog die Augen schlo, und war unter denen,
die ihm das Geleite in die Gruft gegeben haben.
    Wir haben es ihm auch gegeben, sagte Rowno, und der Herzog selbst hat ihn
auch geleitet. Sobeslaw war fr das Land ein guter Mann bis auf den Tag von
Sadska. Wie hast du nach seiner Bestattung von Prag fortkommen knnen?
    Der Herzog hat befohlen, da man mich ungekrnkt von dannen lasse,
entgegnete Witiko.
    Das ist gerecht, sagte Rowno. Da er auf den Frstenstuhl gesetzt wurde,
und da die Menschen jubelten, war er sehr in sich gekehrt. Hast du die
Feierlichkeiten gesehen?
    Ich bin bei dem toten Herzoge Sobeslaw in Hostas Burg gewesen, antwortete
Witiko.
    Sie haben indessen den lebendigen gegrt, entgegnete Rowno, alle, die da
waren, haben ihm vor Freude zugerufen, da er zu dem Stuhle Premysls gefhrt
wurde, weil nun das Kmpfen Morden und Zerstren vorber ist, das eintrat, wenn
ein schwacher Mann auf dem Frstenstuhle sa, und andere darnach strebten. Und
wenn auch das Unheil nicht leicht in unsern Wald kmmt, weil er unwegsam ist, so
knnte es doch jetzt eher geschehen, weil der Krieg ist, den der Markgraf
Leopold von sterreich um Baiern fhrt, und es ist gut, da es unterbleibt.
    Ich bin noch zu unerfahren in diesen Dingen, sagte Witiko. Erlaube,
Rowno, da ich mich auf ein kurzes entferne, um nach meinem Pferde zu sehen.
    Es sei, wenn du es selber tun willst, sagte Rowno.
    Witiko ging aus der Stube, und kam nach einer Weile wieder.
    Andere Mnner, sagte er, frchten doch etwas.
    Das ist der alte Bolemil und der alte Diwis, sagte Osel, und Lubomir,
welche die frheren Kriege gesehen haben. Sie sind aus Alter furchtsam geworden,
und glauben stets, das Entsetzen wird gleich wieder kommen. Die Lechen Kmeten
und Vornehmen mchten wohl immer herrschen, das ist wahr, und sie mchten
deshalb Unfrieden anzetteln; aber wir und Tausende stehen lieber zu einem
einzigen mchtigen Manne, der uns schtzt, als da wir uns von mehreren plagen
lassen, damit sie prassen, und in schimmernden Kleidern einher gehen.
    Und das, meinen sie, knnte zum Streite fhren, antwortete Witiko.
    Gegen den Mutigen fehlt der Mut, sagte Rowno. Unsere alten Priester haben
erzhlt, da gegen Premysl den Mann Libusas kein wilder Herr des Landes den Arm
aufzuheben versucht hat.
    Und mchte nur unser Wladislaw immer ein solcher Premysl sein, entgegnete
Osel, indem er wieder zu seinem Sitze ging.
    Der hochehrwrdige Bischof Zdik hat sich mit seinem Leben fr ihn
verbrgt, antwortete Rowno.
    Als der erlauchte Herzog Sobeslaw im Sterben lag, fgte Witiko hinzu,
habe ich ihn zu seinem Sohne Wladislaw sagen gehrt: Unterwirf dich Wladislaw.
Nacerat wird gegen ihn nicht siegen.
    Es haben die Mnner in Prag erzhlt, da er so gesagt hat, entgegnete
Rowno.
    Das hat er im Sterben gesagt, da sein Sinn irrte, rief Osel, Nacerat hat
ja den Herzog Wladislaw auf den Frstenstuhl gefhrt, er ist der mchtigste Mann
in dem Lande Bhmen, und wenn auch die Angehrigen Bolemils und wenn Diwis und
Bozebor und Wsebor und Lubomir versucht sein mchten, den jungen Wladislaw den
Sohn Sobeslaws auf den Herzogstuhl zu fhren, so werden sie es gegen Nacerat
nicht zu unternehmen wagen.
    Der Herzog hat auch gleich im Beginne seiner Herrschaft auf seine
Kriegsmacht gesehen, sagte Rowno, er vermehrt sie, und ist im Lande gewesen,
die Burgen zu strken. Er hat Otto den Sohn des schwarzen Otto zurckbringen
lassen, und ihm das Herzogtum Olmtz gegeben, und der junge Wladislaw der Sohn
des verstorbenen Herzogs Sobeslaw ist bei ihm in Prag voll Ehren und Reichtmer.
So hat er sich zwei Freunde gewonnen. Er hat die einundzwanzigjhrige Gertrud
die Schwester des Markgrafen Leopold von sterreich geheiratet, und ist dadurch
der Stiefschwager des deutschen Knigs Konrad geworden und der Schwager des
Markgrafen von sterreich, der, wenn er das Herzogtum Baiern, mit dem ihn der
Knig Konrad belehnt hat, dem Anhange des stolzen Heinrich zu entreien vermag,
der mchtigste Herr in den deutschen Lndern wird.
    Er wird es ihm entreien, weil der stolze Heinrich gestorben und sein Sohn
der andere Heinrich nur ein Bblein ist, sagte Osel.
    Nun so ist es ja recht, und alles ist gut, entgegnete Rowno, und wir
haben zu Hause Raum, uns zu bewegen. Im Walde geht es auch vorwrts, Witiko. Die
Hlenici bauen eine Kirche, und es werden noch mehrere entstehen, weil in dem
Walde hie und da eine Htte gebaut wird, und die Menschen mehr werden. In
Friedberg wird gereutet, in Horec sind wieder neue Huser entstanden, und an der
Stelle, wo die Moldau gegen den Thomaswald fliet, und wo es an der unteren
Moldau heit, haben sie ein stattliches Herberghaus gezimmert, damit die, welche
dort ber die tiefere Sattlung nach Baiern hinaus gehen, ins Aigen oder weiter
ins Gericht Velden, Einkehr und Erquickung finden. Die Wladyken mssen grer
werden. Wir dehnen unsere Besitzungen gegen den Wald aus, du mut auch streben,
Witiko, gleiches zu tun, und mit der Hilfe Gottes und der heiligen Jungfrau
Maria und unserer Heiligen Wenzel und Adalbert und der heiligen Diasen und Wilen
im Himmel werden wir unsere Ziele erreichen, die Groen und Herrschschtigen zu
drcken.
    Ich habe vor zwei Monaten meinen drei Knaben die Haare festlich beschneiden
lassen, sagte Osel, da sie in das Jnglingsalter eintreten, da sie tchtig
werden, und an unserem Werke mitarbeiten.
    Ich bin nur ein einzelner, und meine Kraft ist gering, sagte Witiko.
    Es ist immer nur einer gewesen, der der Stifter eines groen Geschlechtes
geworden ist, antwortete Rowno.
    Die Mnner und Jnglinge an dem Tische hatten diesen Gesprchen blo
zugehrt, und wenn sie untereinander sprachen, so war es leise, da sie keine
Strung verursachten.
    Witiko ging noch einmal zu seinem Pferde. Da er zurck kam, redete man von
den Dingen in dem Walde, von den Beschftigungen seiner Bewohner, und wie man
vieles einrichten sollte.
    Da die Nacht vorgeschritten war, stand Rowno auf, um zur Ruhe einzuladen.
Mit ihm erhoben sich alle, und verabschiedeten sich.
    Zu Witiko trat ein Mann mit einem brennenden Buchenspane, um ihn in seine
Schlafkammer zu geleiten. Er fhrte ihn ber eine Treppe empor in eine Kammer,
in welcher auf einem hlzernen Gestelle sein Lager bereitet war. Der Mann
steckte den brennenden Span in eine eiserne Schere, die in der Mauer befestigst
war, und unter welcher sich auf dem Fuboden eine groe eiserne Schssel befand,
da in sie die glhenden Kohlen des Spanes hinabfallen konnten. Er legte noch
mehrere Spne, die er unter dem Arme getragen hatte, an die Mauer, und entfernte
sich. Witiko schob den groen Eichenriegel, der an der Tr befindlich war, vor,
entkleidete sich, hing sein Gewand an den Kleiderschragen, und legte sich zur
Ruhe, indem er den einen Span in seiner eisernen Schere verglimmen lie.
    Mit dem ersten Grauen des Morgens stand er auf, und ging zu seinem Pferde in
den Stall. Da sah er noch einmal Osel, der sein Pferd zumte und sattelte, um
den Turm zu verlassen. Witiko sprach mit ihm, und sagte: Komme bald zu mir,
Osel.
    Ja bald, sagte der Mann, und du zu mir.
    Ja, sagte Witiko, und lebe wohl.
    Lebe wohl, entgegnete Osel, bestieg sein Tier, und ritt unter dem Torbogen
hinaus.
    Als Witiko die Pflege seines Pferdes beendigt hatte, ging er in die Stube.
In derselben hatten sich schon viele Menschen versammelt. Es waren jetzt auch
ltere Mnner da, die Witiko gestern nicht gesehen hatte. Auch Frauen und
Mdchen waren da. Die meisten von ihnen standen. In der Nhe eines Fensters
stand Rowno. Er hatte das schwarze Kleid an wie gestern; aber heute war es
gegrtet. Auf dem Haupte trug er eine graue Filzhaube. Neben ihm stand eine Frau
mit sanften Wangen. Sie war in ein flieendes lichtgraues Gewand gekleidet, das
ein blauer Grtel hielt. An ihrer Seite stand ein Knabe und ein Mdchen. Dann
stand eine schngewachsene Jungfrau in einem dunkelblauen Kleide mit einem
veilchenblauen Grtel. Ihre Haare waren schwarz, ihre Augen waren schwarz, ihre
Wangen tief gertet und ihre Lippen rot wie die Kirschen in dem Felde. Dann
standen die Mnner und Jnglinge. Sie waren meist alle in weite dunkle Gewnder
gegrtet. Smtliche Mnner trugen keine Waffen. Dann waren die Frauen und
Mdchen, die entweder dunkelgraue oder braune weite Gewnder hatten. Ihre Grtel
waren schn gearbeitet.
    Auf dem Tische stand ein sehr groes Gef mit warmer Milch, aus dem in
Becher geschpft wurde, die man herumreichte. Ein Mann reichte Witiko einen
solchen Becher. Witiko trank ihn aus, und setzte ihn auf den Tisch. Dann nherte
er sich Rowno. Dieser grte ihn, fhrte ihn zu der Frau mit den sanften Wangen,
und sprach: Das ist Ludmila, mein Eheweib.
    Dann wies er auf die Kinder, und sagte: Das ist Mis mein Shnlein und
Durantia mein Tchterlein.
    Dann fhrte er ihn zu der Jungfrau mit dem dunkelblauen Kleide, und sprach:
Das ist Dimut meine Schwester.
    Dann wies er auf die Mnner, die weiter hinab standen, und sagte: Das ist
Jaros mein Oheim mit seinem Erstgebornen Luta und seinen andern, das ist mein
Oheim Stan mit seinem Erstgebornen Branis und seinen andern, das ist mein Oheim
Detleb mit seinem Sohne Porey, das ist mein Vetter Wenzel, das ist mein Vetter
Misek, das ist mein Bruder Duda, und das ist mein Bruder Welis.
    Dann wies er auf die Frauen, und sprach: Diese ist Swatislawa das Eheweib
Stans, diese ist Mlada das Eheweib Detlebs, diese ist Richsa das Eheweib
Brunis', und diese Jutta das Eheweib Poreys. Die jngeren Mnner und Mdchen
nenne ich dir nicht, du wirst sie kennen lernen. Sie sind alle gekommen, dich zu
begren, und werden dann an ihre Geschfte gehen.
    Hierauf rief er gegen die Versammelten gewendet: Das ist Witiko von Plana
unser Nachbar und unser Gast.
    Nach diesen Worten kamen viele herbei, und reichten Witiko die Hand. Andere
neigten sich blo, und man fing an, sich aus der Stube zu entfernen.
    Witiko schritt gegen Ludmila Rownos Gattin, und sagte: Ich bin zu Rowno,
den ich auf dem Wahltage auf dem Wysehrad gesehen habe, und der mein Nachbar
ist, gekommen, um ihn zu besuchen, und mit ihm zu sprechen.
    Ihr seid in unserem Hause und bei unseren Sippen willkommen, antwortete
Ludmila.
    Dann wendete er sich an die Jungfrau, und sprach: Ihr werdet wohl auch den
Fremdling in der Gastlichkeit dieses Hauses nicht unhold ansehen.
    Die Freunde meines Bruders sind auch die meinigen, sagte das Mdchen.
    Nach diesen Worten war der Morgengru geendigt, und man zerstreute sich.
    Rowno fhrte Witiko in das Freie. Sie gingen durch das Tor auf die Erdzunge,
die von ihm wegfhrte. Da sah Witiko, da der groe viereckige dunkle Turm von
Moorgrunde umgeben war. Dann kamen sie ber den Damm auf nasse Wiesen, in
welchen hie und da kleine Teiche und andere Wsser waren. Endlich, wo der Boden
sich hob, fingen die Felder an, auf denen die Getreide schon die Farbe der
beginnenden Reife bekamen. Hinter ihnen war der Wald.
    Als sie auf den breiteren festen Boden kamen, standen mehrere Htten und
Huser. Von einigen ging Rauch auf, vor einigen spielten Kinder, und hie und da
trat eine Frau aus der Tr, und sah ihnen nach.
    Auerhalb der Huser gingen sie durch die Felder, auf denen Menschen an
verschiedenen Stellen arbeiteten. Wo die Felder zu Ende waren, ging noch
Weidegrund empor, auf welchem zerstreut verschiedene Bume standen, und auf
welchen sich Herden von Rindern Schafen Schweinen und Ziegen befanden, die ihre
Hirten leiteten. Dann erst begann der undurchdringliche Wald.
    Wir pflegen die Gter, welche wir von unseren Vorvtern ererbt haben,
ungeteilt und gemeinschaftlich, sagte Rowno, ich bin zum Haupte erwhlt
worden, nach meinem Tode wird ein anderer erwhlt. Sie liegen vor dir
ausgebreitet: der Turm die Wiesen die Felder die Weiden und der Wald. Der grte
Teil des Bodens, der uns gehrt, ist mit Wald bedeckt. Wir streben ihn aber zu
reuten, und unser urbares Besitztum zu vergrern. Wenn die Zahl unserer
Stammesglieder wchst, bauen wir stets ein neues Haus oder eine neue Htte. In
dem Turme haben alle Menschen mit ihrer Nahrung und alle Tiere mit ihrem Futter
Platz. Wenn uns ein Feind bedrohte, so knnten wir in den Turm gehen, und uns
verteidigen, bis er abzge; denn lange knnte er nicht bleiben, weil er in dem
Walde erhungerte. Brennt er die Huser und Htten vor dem Turme nieder, so bauen
wir sie nachher wieder auf. Seit den Zeiten unsers Urgrovaters ist aber ein
solcher Angriff nicht gemacht worden. Damals war ein Streit. Ob vorher einer
stattgefunden hat, wissen wir nicht, da niemand lebt, der von jenen Zeiten etwas
erzhlen knnte.
    Von dem Weidegrunde aus gingen Witiko und Rowno in einem Umkreise wieder
durch die Felder auf einem anderen Wege zu der Erdzunge zurck, die sie in den
Turm leitete. Im Turme zeigte Rowno Witiko die Rume und Gelasse, in denen Tiere
und Vorrte untergebracht werden knnten, und er zeigte ihm auch die Stlle, die
sonst da waren. Dann fhrte er ihn ber Treppen in die ffentlichen Gemcher
empor, die nicht zu seiner und der Seinigen Wohnung dienten. Sie waren smtlich
mit Kalk getncht, und hatten einfache Gerte aus Tannenholz. In den greren
waren Waffen Knttel Keulen Morgensterne Wurfbeile Streitxte Speere Schwerter
Armbruste und Schleudergerte. Einige der Gemcher waren zur Verteidigung
eingerichtet. Von den obersten derselben gingen sie auf das Dach hinaus. Dieses
war aus starken Bohlen wenig schief gegen innen gezimmert, und hatte auerdem
die Einrichtung, da man auf ihm aus Balken schnell einen waagrechten Boden
legen konnte, um darauf groe Wurfdinge stellen zu knnen. Das Dach hatte rings
herum starke Brustwehren aus Mauerwerk, und weil das Regenwasser nach innen
glitt, so hatte es zu seiner Ableitung eine hlzerne Rinne, die durch die Mauer
hindurch weit oberhalb des Sumpfes hinaus ragte.
    Man konnte von dem Turme nur das Tal sehen, und vermochte ber den
umgebenden Wald nicht hinaus zu blicken.
    Als der Mittag gekommen war, wurde das Mahl in der Stube eingenommen. Bei
demselben war auch Ludmila war Dimut und waren andere Frauen. Sonst aber waren
weniger Menschen anwesend, als sich am Morgen zur Begrung Witikos eingefunden
hatten, weil die, welche Angehrige besaen, mit ihnen in ihren Htten und
Husern aen. Es wurden Rinderbraten Fische Geflgel Bier und Roggenbrot auf den
Tisch gesetzt.
    Witiko blieb drei Tage bei Rowno.
    Am vierten ritt er beim Aufgange der Sonne in der Richtung nach Morgen
weiter. Er ritt durch die Wiesen Felder und Weiden, die um den Turm waren, und
kam wieder in den Wald. Da flo ein Bach in der Richtung gegen Morgen, und an
dem Bache ging der Pfad hin. Witiko ritt auf demselben weiter. Er ritt eine
Stunde lang an den Krmmungen des Wassers ber Wurzeln Moorgrund und Gestein.
Dann nderte der Bach seinen Lauf, und ging an einem groen waldigen Abhange
gegen Mitternacht. Witiko ritt auf dem Pfade an ihm eine halbe Stunde fort. Dann
nahm der Bach einen zweiten auf, und sie gingen vereinigt wieder gegen Morgen.
Witiko ritt zwei Stunden durch dichten Wald, bis er zwischen zwei Felsrcken
samt dem sprudelnden Wasser zur Moldau hinaus kam. Da war der Platz, auf dem die
krumme Au lag.
    Witiko suchte fr sich und sein Pferd eine Herberge zur Erquickung. Er blieb
zwei Stunden da. Was er das erste Mal getan hatte, tat er wieder. Er ging auf
den Fels der krummen Au, und betrachtete ihn. Im Mittage hatte derselbe an
seinem steilen Absturze die dreifache Krmmung der Moldau, innerhalb welcher die
Huser der krummen Au lagen, in Mitternacht war die Schlucht, durch welche
Witiko herein geritten war, im Abende ging er in sanftes sich ausbreitendes Land
ber, das zur Anlage von Feldern und Grten geeignet gewesen wre, und im Morgen
senkte er sich gleichfalls sachte nieder.
    Als Witiko und sein Pferd gestrkt waren, ritt er wieder weiter. Er schlug
neuerdings die Richtung nach Morgen ein. Er ritt zwischen hohen Felsen und der
Moldau fort, so lange diese nach Morgen flo. Da sie sich nach Mitternacht
wendete, verlie er sie, ritt ber Anhhen hinaus, und verfolgte seine Richtung.
Der Wald erlangte jetzt sein Ende, und Witiko ritt zwischen Feldern Wiesen
Weiden Gebschen einzelnen Wldchen und zerstreuten Husern hindurch. Als die
Sonne sich schon beinahe zu ihrem Untergange neigte, war er vor dem Zupenorte
Daudleb angekommen. Er ritt auf dem Fahrstege ber den Flu Malsch, zwischen den
Husern fort, und gegen den Zupenhof zu. Derselbe lag abgesondert, hatte graue
Mauern und steile Schindeldcher. Er war durch starke Zinnen beschtzt. Witiko
ritt gegen das Tor, welches niedrig war und einen groen Rundbogen aus alter
Zeit hatte. Es stand offen, und er ritt durch dasselbe hinein. Er kam in einen
Hof, welcher von Stllen Scheunen und hnlichen Gebuden gebildet wurde. Hier
fragte ihn ein Mann um sein Begehren. Witiko sagte, da er zum Zupane wolle. Der
Mann hielt ihm den Bgel, da er abstieg, und half ihm, sein Pferd unterbringen.
Darauf fhrte er ihn in einen zweiten Hof, und von diesem in einen groen Saal,
in welchem mehrere steinerne Tische waren. Vor einem derselben sa auf einem
steinernen unbeweglichen Stuhle, ber welchen ein Teppich gebreitet war, der
Zupan Lubomir. Er hatte ein weites dunkles Gewand an, auf welches seine
unbedecktem weien Haare nieder fielen. Vor ihm stand ein Mann in einem grauen
Grtelkleide, mit welchem Manne er redete. Einige Schritte hinter dem Manne
stand ein Weib in einem halbweiten blauen Kleide, um welches sie einen Grtel
aus einem Baststricke hatte. Der Mann, welcher Witiko herein gefhrt hatte,
bedeutete ihn, wieder einige Schritte hinter dem Weibe stehen zu bleiben, und zu
warten, und entfernte sich dann aus dem Saale. Lubomir setzte sein Gesprch mit
dem Manne in dem grauen Grtelgewande fort. Endlich machte der Mann eine
Bewegung wie die des Dankes, und verlie den Saal. Jetzt trat das Weib zu
Lubomir, und begann zu sprechen, er antwortete ihr, sie sprach wieder, und er
antwortete ihr wieder. Dieses dauerte eine geraume Zeit. Dann wollte sie den
Zipfel seines Kleides kssen, er lie es aber nicht zu, und sie ging aus dem
Saale. Nun nherte sich Witiko. Als er vor Lubomir stand, sagte dieser: Was
begehrest du, mein Sohn?
    Mein Begehren ist nur, antwortete Witiko, da Ihr erlaubt, da ich Euch
sehe, und da ich Euch danke, weil Ihr einmal fr mich gesprochen habt.
    So komme in mein Empfangsgemach, entgegnete Lubomir.
    Er stand auf, und ging gegen eine Tr. Witiko folgte ihm. Lubomir ffnete
die Tr, und fhrte Witiko ber eine steinerne Treppe empor. Sie kamen in einen
groen Vorsaal mit dunkelgrauen Wnden, in welchem mehrere Bewaffnete waren.
Lubomir sagte: Gehe hinunter, Slawa, und halte im Steinsaale Wache, wenn etwa
noch jemand vor Sonnenuntergange mit mir sprechen will.
    Einer der Bewaffneten entfernte sich ber die Treppe hinab.
    Lubomir fhrte Witiko nun in ein zweites Vorgemach, welches aber viel
kleiner war als der Saal. In demselben befanden sich drei unbewaffnete Mnner.
Lubomir sagte zu einem: Radim, bringe Empfangswein und Kuchen.
    Der Mann entfernte sich, und Lubomir und Witiko traten aus dem Vorgemache in
eine groe Stube. Dieselbe war eine Eckstube, und hatte an jeder der Auenseiten
vier Fenster. Sie war ganz mit Ulmenholz getfelt, und hatte eine Decke, die aus
Ulmenholz geschnitzt war. Der Fuboden war mit einer Hlle von Rehfellen
berzogen. In der Stube standen drei groe Tische aus Ulmenholz und viele Sthle
aus demselben Holze. ber der Tr und ber jedem Fenster war ein erlesenes
Hirschgeweih. An den Wnden hin und in die Vertiefungen der Fenster hinein lief
eine Bank ebenfalls aus Ulmenholz. Nur an vier Stellen war die Bank
unterbrochen, und an diesen Stellen standen auf hohen Unterstndern vier groe
menschliche Gestalten, die aus Eichenholz geschnitzt waren.
    Als die Mnner die Mitte der Stube erreicht hatten, blieb Lubomir stehen,
und sagte: Sei mir willkommen, Witiko, wofr willst du mir danken?
    Ihr kennt mich? fragte Witiko.
    Du bist mit mir an dem Sterbebette des gtigen Herzoges Sobeslaw gewesen,
erwiderte Lubomir, und bist fr ihn in eine Sendung gegangen, welche dir bel
htte werden knnen.
    Es rhrt mich im Herzen, da Ihr an dem Sterbebette Sobeslaws gestanden
seid, sagte Witiko, und zu danken bin ich hier, da Ihr in dem groen Saale
des Wysehrad fr mich gesprochen habt.
    Ich habe nicht fr dich gesprochen, antwortete Lubomir, sondern fr die
Sache. Aber es hat mir sehr wohlgefallen, was du getan hast, und es freut mich,
da du zu danken gekommen bist. Du siehst, wir sind hier von dem umgeben, was
ein Land bieten kann, das an den groen Wald grenzt: Holz von seinen Bumen und
Felle und Geweihe von seinen Tieren. Die Gestalten, die hier stehen, sind aus
der alten Geschichte des Reiches: Samo, Krok, Libusa und Premysl. Der Abt
Bozetech, der ein Freund meines Vaters war, hat sie geschnitzt, und hat sie ihm
gegeben. Von meinem Vater sind sie in meine Hnde gekommen.
    Als Lubomir dieses gesprochen hatte, kam der Mann Radim, den er um Wein
gesendet hatte, in die Stube, und brachte auf einem Tragbrette zwei silberne
Becher mit Wein und einen kleinen runden Kuchen. Er stellte das Brett auf den
mittleren Tisch, und entfernte sich wieder.
    Nun, Witiko, nimm den Wein des Willkommens, und brich das Stckchen Kuchen
der Einkehr dazu, sagte Lubomir.
    Witiko nahm einen der silbernen Becher, und trank etwas Wein daraus. Als er
den Becher wieder hingestellt hatte, brach er ein Stckchen Kuchen ab, und a
es. Lubomir trank aus dem anderen Becher, und brach auch ein Stckchen Kuchen.
Dann sagte er: Du bist sehr gerne in meinem Hause aufgenommen, Witiko, und
wirst in demselben als Gast geehrt werden, so lange du in ihm verweilen willst.
Setze dich jetzt zu mir auf einen dieser Sthle.
    Er wies auf einen Stuhl neben dem Tische, auf dem der Wein stand, Witiko
setzte sich auf denselben, und er auf den nchsten.
    Dann sagte Witiko: Ich danke Euch fr die gute Aufnahme, ich werde in Eurem
gastlichen Hause, wenn Ihr es erlaubt, nur einige Tage verweilen.
    Tue nach deinem Willen, wir werden diesen Willen immer achten, erwiderte
Lubomir.
    Und ich werde streben die Gastfreundschaft nicht zu verunehren, die Ihr mir
gewhret, antwortete Witiko.
    Du bist nach der Erhhung Wladislaws von Prag fortgegangen, Witiko, wir
haben es in unserer Gegend wohl gehrt, sagte Lubomir.
    Es liegt ein kleines Haus, das uns eigen ist, in dem Walde, der an Baiern
reicht, entgegnete Witiko, in dem Hause ist ein alter Schaffner, und ich bin
dahin gegangen, weil ich es lange nicht gesehen habe.
    Es liegt im Walde an der Moldau, sagte Lubomir.
    Mehr als eine Tagreise von hier im Walde gegen Abend, antwortete Witiko,
nicht ganz an der Moldau sondern bei dem Kirchenorte Plana.
    Ich wei߫, erwiderte Lubomir, das Tal ist ganz von dem groen Walde
umgeben.
    Ganz von dem groen Walde, sagte Witiko.
    Es sind dort noch Luchse Bren Wlfe, sagte Lubomir, und wren noch mehr,
wenn nicht die strengen Winter herrschten.
    Sie geben den Leuten Pelze, die sich nicht sonderlich vor den Tieren
frchten, sagte Witiko.
    Die Waldkirche des oberen Planes ist sehr alt, entgegnete Lubomir, es war
schon lange vor der Bekehrung des Herzogs Boriwoy, da sich die Lechen aus dem
Mittage des Landes taufen lieen, die Betstelle des Siedlers Ciprinus dort.
    So sagte mir ungefhr auch der Pfarrer von Plan, entgegnete Witiko.
    So besorge in der Zeit dein Haus, wie es deine jungen Krfte vermgen,
sagte Lubomir.
    Ich helfe und sorge wie ich kann, antwortete Witiko, der Boden ist dort
fr Getreide karg, und fr Obst noch karger.
    Wo der Boden karg ist, sind die Leute hart, entgegnete Lubomir, und sie
wissen beides nicht.
    Sie leben bei uns von dem, was der Boden bringt, sagte Witiko, und was
sie aus dem Walde ziehen. Einige suchen sich auch von auswrts her Erwerb zu
schaffen.
    Wenn sie es nur nicht durch den Krieg tun, an dessen Ertrag sie sich
gewhnen, sprach Lubomir.
    Es ist in frheren Zeiten wohl geschehen, sagte Witiko, sie erzhlen noch
davon, und es sind Dinge vorhanden, die vom Kriege stammen.
    Wie es berall ist, sagte Lubomir.
    Jetzt wissen sie wenig von der Zeit und ihrer Bedeutung, sagte Witiko.
    Wie alle wenig wissen, entgegnete Lubomir. Die Zeit ist noch nicht reif,
mein Sohn Witiko. Die zwei Willen, welche den Bau des neuen Herzoges
aufgerichtet haben, mssen erst zerfallen, und dann wird das Unheil und
Blutvergieen in das Land kommen, was die einen zu verhten geglaubt haben.
Unter allen war vielleicht nur ein Mann, der die Zukunft genau wute, nmlich
der Herzog Sobeslaw; doch der ist jetzt ein toter Mann. Er wollte die bel
verhindern, da er zu seinem Sohne Wladislaw sagte: Unterwirf dich deinem Vetter,
und da er Zeugen zu den Worten rief, darunter auch junge, wie dich, da sie die
Worte auf sptere Zeiten brchten; aber es wird nichts helfen, Sobeslaw handelte
unter Zwang als ein sterbender Mann mit den sterbenden Krften. Htte er gelebt,
so wrde er vielleicht alles gehemmt haben.
    Ich kann viele Menschen in ihrem Tun nicht begreifen und erkennen, sagte
Witiko.
    Sie sich selber nicht, antwortete Lubomir, sie werden von der Wut ihrer
Triebe gejagt, und knnen nicht ermessen, was sie zu einer Zeit zu tun im Stande
sein werden. Wenn der alte Bolemil das neunzigste Jahr erreicht, wie es seinem
Vater gegnnt war, dann knnen seine Augen noch sehen, was er ihnen geweissagt
hat. Dich wollte ja der neue Herzog bei sich behalten?
    Ja, entgegnete Witiko, ich mu mich aber erst zurecht finden.
    Du wirst vielleicht das Rechte finden, mein Kind Witiko, sagte Lubomir,
die Bestrebungen mssen erst offener werden, dann werden viele Sinne klarer
sehen, was sie tun sollen. Der Herzog sucht sich berall zu strken. Er vermehrt
seine Leute um sich, sucht Landesteile zu befestigen, und Freunde zu gewinnen.
Er hat den Sohn des schwarzen Otto wieder in das Herzogtum Olmtz eingesetzt,
und hat Wladislaw den Sohn des Herzogs Sobeslaw, der frher dort war, zu sich
nach Prag gezogen, um seine Augen auf ihm zu behalten. Er hat ihn sehr reichlich
ausgestattet, und zieht ihn berall hervor. Er ist auch mit seiner jungen
Gemahlin im Frhling zu dem deutschen Knige Konrad nach Wrzburg gegangen.
    Der deutsche Knig Konrad ist ja der Halbbruder Gertruds der Gemahlin
Wladislaws, sagte Witiko.
    Es kann dies der Grund sein, weshalb sie zu ihm gegangen sind, es knnen
auch Bndnisse geschlossen worden sein, entgegnete Lubomir. Die dem Wahltage
auf dem Wysehrad beigewohnt haben, sind zum Teile um Wladislaw, zum Teile sind
sie zerstreut, knnen aber immer wieder gesammelt werden. Sei es nun, wie es
ist, wir mssen harren, was kommen wird.
    Wisset Ihr etwas von der erlauchten Herzogin Adelheid? fragte Witiko.
    Ich wei etwas von ihr, sagte Lubomir, sie ist noch immer mit ihren
Kindern Sobeslaw Ulrich und Wenzel in Hostas Burg.
    Im Winter hat mir ein Bote gesagt, da sie damals dort war, entgegnete
Witiko.
    Sie ist noch dort, sagte Lubomir, und will dort bleiben, und trauern. Sie
hat die unbeschrnkte Herrschaft ber die Burg, und der Herzog hat Bores zu
ihrem Kastellan eingesetzt.
    Das ist gut fr sie, sagte Witiko.
    Es ist gut, antwortete Lubomir.
    In dem Lande ist aber berall Ruhe, sagte Witiko.
    Jetzt ist Ruhe, antwortete Lubomir, insonderheit bei uns, die wir
abgelegen sind. Hier lebt das Volk in der Unwissenheit der Dinge, die da kommen
werden, es bebaut die Felder, und liebt die Sackpfeife und den Tanz. Wir, die
wir in dem Lande zu Wchtern der Pflege des Volkes gesetzt sind, knnen nichts
tun, als ihre Anliegen schlichten, ihnen Rat und Hilfe geben, und den Glauben
frdern, durch den sie gesitteter und beglckter werden.
    Ich habe vor vier Tagen gehrt, wie sie im Mondscheine im Walde einen
heidnischen Gesang gesungen haben, sagte Witiko.
    Sie haben eine Tryzne gefeiert, entgegnete Lubomir, das geschieht noch
immer, und wird vielleicht noch lange dauern. Das Volk liebt die alten Bruche,
und das ist gut; es wrde Land und Leute umkehren, wenn es sich in jedem
Augenblicke nderte. Wenn auch der Glaube hier im Mittage viel lter ist als
gegen Mitternacht, wo sie nher an den heidnischen Gebieten liegen, so sind doch
auch hier viele Sitten geblieben, die an die alte Zeit erinnern, und werden
viele Jahre bleiben. Wenn die Bruche nicht Glaubenslehren sind, so schaden sie
nicht viel. Und einmal wird eine Zeit kommen, wo sich alles vermischt, und die
Leute nicht mehr wissen, ob ein Brauch ein heidnischer oder christlicher ist.
Wenn du zur Zeit der Sonnenwende einmal hier wrest, so wrdest du auf allen
Hgeln die alten Feuer erblicken, die sie einst der Wende der Sonne angezndet
haben. Wenn sie die heilige Jungfrau Maria anrufen, so gehen noch manche zu
heiligen Bumen, oder zu heiligen Felsen, und singen zu ihr, da sie sich die
Stirne berhren. Sie ben auch Zeichendeuterei, feien das Vieh, wenn es zum
ersten Male auf die Weide geht, und halten den Sperber fr einen heiligen
Vogel.
    Ich habe berall die Sonnenwendfeuer anznden gesehen, wo ich bisher
gewesen bin, sagte Witiko, die Baiern an der Donau an dem Inn an der Traun und
an der Enns tun es auch.
    So ist der Brauch ein weit verbreiteter, entgegnete Lubomir, und wird um
so weniger schnell verschwinden. Sonst ist unser Volk hier gut und sanft, und
verdient wohl, da man es schtzt, und wahrt, und nicht in Leiden strzt, die es
nicht verschuldet hat. Ich werde dir jetzt das Gemach zeigen lassen, das wir dir
in diesem Hause zur Wohnung geben, damit du ausruhen, oder sonst die Zeit nach
deinem Willen verwenden kannst, bis ich dich zu meiner Gemahlin fhre, und du
das Abendessen mit uns teilest. Dein Pferd wird gut versorgt werden.
    Wenn Ihr erlaubt, so besorge ich es selber, antwortete Witiko.
    Das ist gut von dir, da du es tust, sagte Lubomir, die Pferde lohnen oft
die Pflege dem Pfleger besser als jedem anderen Reiter. Tue es auf deine Art,
ich werde dir jemand geben, der dir dienen mu. Jetzt trinke aber noch aus
deinem Becher, ehe wir die Stube verlassen.
    Er griff bei diesen Worten nach seinem Becher und trank daraus. Witiko tat
das gleiche aus dem seinen.
    Dann standen sie auf, und gingen zur Tr hinaus.
    Im Vorgemache sagte Lubomir: Radim, gehe mit diesem jungen Reitersmanne,
und tue, was er heischt. Ich nehme jetzt Abschied von dir, Witiko, und werde
dich spter selber zu dem Abendtische geleiten.
    Nach diesen Worten verlie er durch eine Tr das Gemach.
    Witiko verlangte von seinem Begleiter in den Stall zu seinem Pferde gefhrt
zu werden. Da es geschehen war, gab er dem Pferde die erste Pflege, dann gebot
er seinem Manne, ihm das Gemach zu zeigen, welches fr ihn bestimmt sei. Der
Mann fhrte ihn ber zwei Treppen empor, und durch ein Vorgemach in eine
gerumige Stube, welche drei Fenster hatte. Witiko sagte hier: Du kannst dich
nun entfernen, ich bedarf deiner Dienste nicht mehr.
    Der Mann ging durch die Tr. Witiko schritt in seiner Stube vorwrts, und
sah sie an. Sie war ganz mit geflammtem Tannenholze getfelt, und hatte eine
Diele von rotem Eibenholze. Der Fuboden war mit einem Binsengeflechte
berspannt. Das Bettgestelle, auf dem ein Lager aus weichen Tchern und Fellen
bereitet war, dann der Tisch und mehrere Sthle, ein Kleiderschragen, ein
Waschgestelle und zwei Bnke, die an den Wnden hinliefen, waren von gebohntem
Eichenholze.
    Witiko ging einige Male in dem Gemache hin und wider. Dann setzte er sich
auf einen Stuhl. Dann trat er an das Fenster, und sah auf den Ort Daudleb hinab.
Giebel Dcher Schornsteine und das Dach der groen Kirche und ihr Turm ragten in
den gelben Abendhimmel empor. Er sah, da der Ort auf einer Zunge Landes liege,
welche durch eine lange Schleife der Malsch gebildet wurde. Im Morgen hing die
Zunge mit dem andern Lande zusammen. ber die Huser sah er auf schwach hgliges
Land, auf dem Felder Wiesen Weiden Wldchen und erkennbare menschliche Wohnungen
waren. Dann kam ein dunkler Streifen, der den Wald anzeigte, aus dem er gekommen
war. Der Streifen ging bis tief in den Abendhimmel zurck. Von dem Orte schollen
Tne menschlichen Lebens herauf.
    Nach einer Weile ging Witiko wieder in den Stall, um die Wartung seines
Pferdes zu vollenden.
    Als dieses geschehen war, ging er wieder in sein Gemach.
    Da die Dmmerung beinahe in Finsternis berzugehen begann, kam Lubomir, um
Witiko in das Speisezimmer zu fhren. Sie gingen durch die Tr, hinter welcher
zwei Mnner warteten, die dann hinter ihnen hergingen. Sie gingen ber die
Treppe hinab, durch einen langen Gang, und traten dann in die Speisestube.
Dieselbe war eine lange Halle, die an ihren beiden Enden groe Bogenfenster
hatte. Die Wnde waren von Granitwrfeln, die bis ber Manneshhe von
geglttetem Wacholderholze berzogen waren. An den beiden Wnden liefen
Eichenbnke hin. Durch die Lnge der Halle stand ein Tisch mit weien Linnen
bedeckt und mit Speisegerten versehen. Drei groe Lampen hingen von der Wlbung
gegen den Tisch herab, und in jeder derselben brannten mehrere Lichter.
    Innerhalb der Tr des Saales standen mehrere Mnner. Lubomir fhrte seinen
Gast an den Mnnern vorber gegen das obere Ende des Tisches. Dort stand eine
Frau in einem weiten dunkelbraunen Gewande, das durch einen goldgewirkten Grtel
zusammen gehalten wurde. Die vielen schneeweien Haare trug sie in einem
Goldnetze. Hinter der Frau standen zwei jngere Frauen und hinter denen drei
Mdchen. Lubomir fhrte Witiko zu der Frau, und sagte: Boleslawa, ich bringe
dir hier den Jngling Witiko, welcher fr den Herzog Sobeslaw zu dem Landtage
auf den Wysehrad gegangen ist, welchen der Herzog Sobeslaw unter die Zeugen
seines letzten Willens ber die Nachfolge gerufen hat, und welcher jetzt in
einem Waldhause in unserer Nhe lebt.
    Die Frau wendete ihr Angesicht mit freundlichen Mienen gegen Witiko, und
sagte: Unser Herr und Zupan Lubomir mein Ehegatte hat mir angezeigt, da Ihr
unser Gast seid, ich heie Euch in Freuden willkommen, und bitte, seid mit dem
zufrieden, was unser armes Haus gewhren kann, und was zwei alte Leute, die
einsam sind, zu Euerm Vergngen tun knnen.
    Ihr erweist mir eine hohe Gunst, erhabne Frau, entgegnete Witiko, da Ihr
mich gastlich in Euerem Hause aufnehmet, ich werde es dankbar erkennen.
    Hierauf wendete sich Lubomir gegen die Mnner, die an der Tr standen, und
indem er auf den ersten wies, sagte er: Das ist Rastislaw mein Sippe, der mir
in meinen Obliegenheiten hilft.
    Dann wies er auf den zweiten, und sagte: Das ist Widimir, mein Sippe, der
mir auch in meinen Obliegenheiten hilft.
    Dann wies er auf den dritten und sagte: Das ist Wentislaw mein Sippe, der
mir gleichfalls in meinen Obliegenheiten hilft.
    Dann wies er nach der Reihe auf die folgenden, und sagte: Das ist Kodim,
das ist Momir, das ist Dis, das ist Derad, das ist Wazlaw, und das ist
Hostiwil.
    Und bei jedem fgte er bei: Es ist mein Sippe, der mir in meinen
Obliegenheiten hilft.
    Dann fgte er noch hinzu: Sie sind alle meines Dankes, und wir sind uns
alle des gegenseitigem Schutzes versichert.
    Hierauf wendete er sich halb gegen Witiko und rief zu den Mnnern: Dieser
Jngling ist Witiko unser Nachbar im Walde, und, so lange es ihm genehm ist,
unser Gast.
    Er ist willkommen, rief einer der Mnner.
    Er ist willkommen, rief ein anderer.
    Und: Er ist willkommen, riefen alle.
    Da dieses vorber war, ffnete sich die Tr, und man brachte Speisen und
Getrnke in verschiedenen Gefen und stellte sie auf den Tisch.
    So betet nun zu Gott, sagte Lubomir.
    Ein Mann in dunklem weitem Gewande, der ganz rckwrts gestanden war, trat
an den Tisch, und sprach laut ein Gebet, dem die andern antworteten.
    Sim, weise die Pltze, sagte Lubomir.
    Ein Mann in weiem Wollgewande, der die Tren geffnet hatte, als die Diener
die Speisen brachten, wies Witiko einen Stuhl, und mit Zeichen der Hand, die
schon verstanden wurden, den Mnnern ihre Sthle. Lubomir und Boleslawa setzten
sich selber.
    Lubomir sa oben an. Zu seiner Rechten war Boleslawa zu seiner Linken
Witiko. Neben Boleslawa saen ihre Frauen. Die drei Mdchen standen hinter ihr.
Die Mnner saen an beiden Seiten hinab. Dann waren noch einige Jnglinge. Ganz
unten sa der Mann, welcher das Gebet gesprochen hatte.
    Die Speisen bestanden in Rindbraten Geflgel Fischen und Wild nebst Brod und
verschiedenen Kuchen. Das Getrnke war Wein, der aus groen Eimern in silberne
Becher geschenkt wurde. Es standen auch Krge mit Bier in Bereitschaft.
    Vor Jahren sind auch meine Shne und Tchter bei mir an dem Tische
gesessen, sagte Lubomir, jetzt aber sind alle fort, ich danke Gott, er hat mir
kein einziges genommen; aber alle haben sich ihr Haus gegrndet, und leben bei
den Ihrigen.
    Das ist nun so, sagte Boleslawa, in der Jugend ist man bei seinen Eltern,
in spteren Jahren bei seinen Kindern, und im Alter allein.
    Und doch nicht allein, entgegnete Lubomir, wir sind hier in der Burg
inmitten aller, und wenn wir auf ihre Zinnen gehen, oder wenn wir auf einem
Hgel auerhalb ihr sind, so sehen wir die Bsche oder die Wldchen oder die
Bhel, hinter denen unsere Kinder sind, die wieder ihre Kinder um sich haben,
die auch zu uns gehren. Wir denken hin, sie denken her, und wir kommen hin, und
sie kommen her.
    Meine Mutter ist in Pric oft lange allein gewesen, sagte Witiko, dann ist
sie zu einer Base nach Landshut gegangen. Ich bin jetzt immer allein.
    Nicht so, mein Sohn, sagte Lubomir, der Segen deiner Mutter und ihr
Wunsch ist dir gefolgt, und kehrt allemal wieder zu ihr zurck.
    Ja meine Gedanken kehren zu ihr zurck, sagte Witiko, und die ihrigen
werden wohl auch zu mir gehen.
    Siehst du, sagte Lubomir.
    Alle Menschen suchen ihre Zukunft, sagte Boleslawa, und glauben, da sie
noch etwas recht Gutes erreichen werden.
    Wenn sie es nicht tten, entgegnete Lubomir, so kme das Leben zum
Stehen. Es ist noch glcklich, wenn nicht von fremder Seite her Dinge kommen,
die den Menschen verwirren, und aus seinem Wesen schlagen.
    Und dann kann er noch suchen, Gutes fr die zu erwirken, die um ihn leben,
sagte Boleslawa.
    Wenn ich, der ich keine neue Zukunft mehr erstrebe, bei den Leuten drauen
bin, die um uns wohnen, sagte Lubomir, und sie mich fragen, oder etwas
begehren, oder ich mit ihnen rede, so ist das um mich, was ich ihnen wohl will.
    Des Menschen Tun und Lassen ist auch seine Gesellschaft, sprach Boleslawa,
ist es nicht so, ehrwrdiger Vater?
    Was ein Mensch in Demut verrichtet, sagte der Mann am untersten Ende des
Tisches, ist seine Nachkommenschaft, die ihm bleibt, wie sehr sie auch
Stckwerk sei.
    Wenn nur das Glck dieses Landes nicht gestrt wird, sagte Lubomir, und
nicht Unheil in die schuldlosen Htten, Huser und Felder kmmt.
    Als das Essen vorber war, trat eines der Mdchen zu Boleslawa, und hielt
ihr ein silbernes Becken unter die Hnde, das zweite go aus einer silbernen
Kanne Wasser auf die Hnde, Boleslawa wusch die Finger, und trocknete sie an dem
weien Tuche, welches das dritte Mdchen hielt. Und so wurde jedem durch Diener
ein Becken zum Hndewaschen und ein Tuch zum Trocknen gereicht. Dann standen
alle auf. Der Mann am untern Ende des Tisches sprach wieder ein Gebet, dem die
andern antworteten, wie vor dem Mahle.
    Hierauf sagte Lubomir zu Witiko: Man wird dich in dein Gemach fhren,
schlafe wohl unter diesem Dache.
    Nehmt eine erste gute Nachtruhe in unserem Hause, sagte Boleslawa, und
erwacht frhlich, wie es Euern Jahren eigen ist.
    Es wird wohl so sein, antwortete Witiko, und ich gebe den Wunsch guter
Ruhe zurck.
    Amen, sagte Lubomir, gehabt euch wohl, meine Sippen.
    Mit Gott, riefen die Mnner.
    Nun ffnete der Mann mit dem weien Gewande wieder die Trflgel, eine der
Frauen ging mit einem Wachslichte hinaus, Boleslawa folgte ihr, und ihr folgten
die zweite Frau und die drei Mdchen. Dann ging Lubomir hinaus, dem Slawa
leuchtete.
    Hierauf sagte Witiko zu den Mnnern, die da standen: Gehabt euch wohl, und
seid mir gut gesinnt.
    Auf diese Worte traten sie gegen ihn heran, und reichten ihm die Hnde.
    Ruhe unter der Gastlichkeit und unter unserm Schutze in diesem Hause,
sagte der, welchen Lubomir Rastislaw geheien hatte.
    Ruhe wohl, Lebe wohl, Gehab dich gut, riefen andere.
    Ruhet wohl, sagte Witiko.
    Und wie sich die Mnner wieder von Witiko teilten, kam der zum Vorscheine,
der am untern Ende des Tisches gesessen war. Er sagte: Ruht in Gott, und du,
junger Gast, ruhe in Gott.
    Ruht in Gott, ehrwrdiger Vater, sagte Witiko.
    Die Mnner machten Platz, und wollten ihn zur Tr hinaus lassen. Er aber
sagte: Ihr zuerst.
    Zuerst Witiko, riefen einige.
    Witiko ging zur Tr hinaus, Radim leuchtete ihm vor. Dann folgten die andern
mit Lichtern. Der letzte war der Mann im dunkeln Gewande.
    Radim fhrte Witiko in sein Gemach, zndete dort den Docht einer silbernen
Lampe an, und verlie ihn darauf.
    Witiko ging noch eine Zeit in dem Gemache herum, sa auch ein wenig auf
einem Stuhle, tat sein Abendgebet, entkleidete sich, lschte die Lampe, und
legte sich auf sein Lager.
    Sein Schlaf war, wie er ihm gewnscht worden war, und sein Erwachen, wie
Boleslawa gesagt hatte.
    Er ging in den Stall zur Wartung seines Pferdes.
    Als sich die Sonne erhob, wurde er von Radim zu Lubomir gerufen. Radim
fhrte ihn ber eine Treppe in eine groe Stube, die mit Eichenholz getfelt
war. In ihr stand ein hohes Kreuz aus Eichenholz mit dem Heilande. Viele Sthle
waren da, ein langer Tisch und mehrere Betschemel. Die Fenster waren farbig mit
dem Heilande mit Engeln und Heiligen. Alle, die sich gestern beim Abendessen
befunden hatten, waren in dem Saale versammelt.
    Ich lade dich ein, Witiko, sagte Lubomir, mit uns dem Gottesdienste
beizuwohnen.
    Ich werde es tun, entgegnete Witiko.
    Hierauf gingen alle, welche in dem Saale waren, die Treppe hinunter, aus dem
Zupenhofe hinaus, und zwischen den Husern in die groe hohe Dechantkirche. In
der Kirche war nahe am Altare ein Platz fr sie bereitet, auf dem sie sich
niederlieen. Es war viel Volk in der Kirche, das der Andachtsbung harrte.
Einige hatten das weite faltige Grtelgewand an, welches im bhmischen Lande
gebruchlich war, andere trugen engere Rcke mit Haften und Beinbekleidungen,
wie man in Baiern pflegte, Mdchen und Weiber, die zu ihnen gehrten, hatten
faltige Rcke und Brustlatze so wie Schrzen und weie Kopftcher. Einige waren
sehr bunt, andere mehr einfarbig. An dem Hochaltare wurde das Meopfer von
mehreren Priestern gefeiert, unter welchen der war, der im Zupenhofe das
Tischgebet gesprochen hatte. Nach dem Gottesdienste ging der Zug Lubomirs wieder
in die Zupanei. Der Mann, welcher das Tischgebet gesprochen hatte, war der
letzte im Zuge.
    Man ging in den Speisesaal. Dort war Milch Honig Butter und manches andere
auf dem Tische, wovon jeder sein Morgenmahl nahm.
    Willst du ein wenig zusehen, Witiko, sagte Lubomir, wie die Leute zu uns
kommen, so gehe nach dem Frhmahle in den Steinsaal. Dann sollen dir meine
Vettern Kodim und Dis die Burg zeigen, bis ich wieder Frist gewinne, selber bei
dir zu sein.
    Witiko ging nach dem Frhmahle in den Steinsaal. Dort breiteten sie Tcher
um einen steinernen Tisch, Tcher auf den Tisch und auf den Steinstuhl, und
taten ein zusammengelegtes Tuch zu den Fen des Stuhles. Nun kam Lubomir, und
setzte sich auf den Stuhl vor dem Tische. Mehrere seiner Sippen setzten sich
ebenfalls auf Sthle. Hierauf kamen Leute in den Saal, bunt und einfarbig, wie
sie in der Kirche waren, weit und eng gekleidet, alt und jung, Mnner und
Frauen, Jnglinge und Mdchen, ja selbst fast Kinder. Sie wurden in der Reihe
vor Lubomir gefhrt, und er redete mit ihnen, und schlichtete ihre Sachen. Ein
Schreiber schrieb, was ntig war, in eine Mappe.
    Als Witiko dieses eine geraume Weile betrachtet hatte, ging er mit Kodim und
Dis, die Burg zu besehen. Sie gingen zuerst in die kleine Burgkirche, dann in
den Betsaal, in den Speisesaal, in den groen Empfangsaal, in den kleinen
Empfangsaal, in welchem Witiko gestern mit Lubomir gesessen war, in die drei
Gemcher Lubomirs selber, in die Gemcher der Beherbergungen, dann in die Rume
der Bemannung der Burg, dann in die des Gesindes. Sie gingen in die Rstkammern,
in denen Waffen der Verteidigung und des Angriffes waren, Panzerhemden, Schilde,
Helme, Lederrstungen, Schwerter, Lanzen, Bogen, Pfeile, Kcher, Armbruste, und
hnliche Dinge. Sie gingen in den Raum der Wurfgerte, Schutzkrbe, Flechtwerke
und anderer Mittel. Dann besahen sie die Pferde und die anderen Tiere in den
Stllen, und die Rume der Vorrte.
    In der Zeit war es Mittag geworden, und das Mahl wurde in dem Speisesaale
gehalten.
    Nach dem Mahle ritten Lubomir und seine Sippen mit Witiko in die Felder. Es
waren da die cker, auf denen der Weizen Lubomirs stand, die Felder mit dem
Roggen der Gerste und anderen Frchten. Es waren die Wiesen die Weiden und das
Waldland. Sie kamen auf eine Hhe, von der man weit herum sehen konnte. Lubomir
hielt an, und sagte zu Witiko: Siehst du, dorthin, wo die Eichen stehen, ist
der Hof Chlum, auf welchem mein Sohn Moyslaw mit den Seinigen ist, und weiter
hin rechts in grerer Entfernung wrden wir den Hof Dauby erreichen, in dem
mein Sohn Pustimir mit seinen Angehrigen ist, dort hinter dem Waldberge ist
Trebin, wo mein dritter Sohn Radosta mit seinem Weibe und seinen Kindern lebt.
Weiter in dem Lande sind meine Tchter Maria und Euphemia bei ihren Gatten und
Kindern, und gegen Mhren hin ist die jngste, die wie ihre Mutter Boleslawa
heit, bei den Ihrigen.
    Sie ritten gegen den Abend in einem groen Umkreise in die Zupanei zurck.
    Am nchsten Tage sah Witiko den Markt von Daudleb, wo die Dinge waren,
welche die Leute von dem umliegenden Lande zum Verkaufe herein brachten, und
hinwieder die Dinge, die sie kauften, um sie nach Hause mitzunehmen. Am
Nachmittage tummelten die Sippen Lubomirs ihre Pferde auf dem Weidegrunde, und
zeigten ihr Geschick in Bewegungen und im Gebrauche der Waffen.
    Witiko blieb fnf Tage bei Lubomir. Am sechsten des Morgens nahm er
Abschied. Lubomir gab ihm zum Geschenke eine schne Armbrust: Er hing sie an
seinen Sattel. Mehrere der Sippen Lubomirs gaben ihm eine Stunde das Geleite
gegen den Wald hin, woher Witiko gekommen war. Dann verabschiedeten sie sich,
und ritten zurck.
    Witiko kam gegen den Mittag in die krumme Au. Dort blieb er zwei Stunden.
Dann ritt er eine Stunde an der Moldau dem Wasser entgegen mittagwrts. Hierauf
bog sein Weg gegen Abend, und er ritt eine lange Anhhe empor. Als er oben war,
sah er auf der Flche einen groen Hof vor sich, der von einer starken Mauer im
Gevierte umgeben war. Um den Hof standen noch Htten und Huser. In der Mauer
des Hofes war ein Tor, das offen stand. Witiko ritt durch das Tor ein. Da trat
ihm ein Mann entgegen, der in hohen faltigen Lederstiefeln ging,
Beinbekleidungen von grobem grauen Wollstoffe und von demselben Stoffe einen
Rock mit Haften hatte. Auf dem Kopfe trug er eine schwarze Filzhaube mit einer
roten geraden Hahnenfeder. Er sagte zu dem Reiter: Du bist Witiko, der auf dem
Wysehrad gesprochen hat, was begehrst du?
    Wenn du Diet von Wettern bist, der im Hornung auf dem Wysehrad gestimmt
hat, entgegnete Witiko, und wenn dieses Haus dein Hof Wettern ist, so begehre
ich, der ich Witiko bin, eine Nacht Beherbergung und einen Tag
Gastfreundschaft.
    Ich bin Diet von Wettern, der gestimmt hat, sagte der Mann, dies ist mein
Hof Wettern, und ich gewhre dir, was du begehrest.
    Dann trat er hinzu, und hielt Witikos Pferd beim Zgel, zum Zeichen, da er
absteigen mge.
    Witiko stieg ab, und der Mann fhrte das Pferd, neben dem Witiko einher
ging, am Zgel in den Stall, und versorgte es dort mit Witikos Beihilfe. Dann
geleitete er Witiko in eine groe Stube, deren Wnde mit weiem Kalke getncht
waren, und in der ein groer Tisch und Bnke und Sthle von Buchenholz standen.
In der Stube tat er einen Zug an einer groen Glocke, die da hing, da sie ein
Mal schellte. Als ein Knecht eintrat, sagte er zu ihm. Es ist ein Gast da.
    Der Knecht entfernte sich, und kam bald wieder, und stellte Roggenbrot Salz
und Bier auf den Tisch.
    Du bist willkommen bei mir, Witiko, sagte Diet.
    Witiko schnitt auf diese Worte ein Stckchen Brod ab, salzte es, und a es.
Darauf nahm er einen Trunk Bier.
    Diet tat nun zwei Zge an der Glocke, da sie zwei Mal schellte.
    Eine kurze Zeit darauf trat eine junge Frau herein. Sie hatte die schwarzen
Haare in ein Band geschlungen, um die Brust trug sie ein blaues Mieder, davon
ging ein faltenreicher schwarzer Rock und eine weie Schrze nieder. Die Fe
waren mit rotgegerbten Stiefeln bekleidet.
    Elisabeth, sagte Diet zu der Frau, dieser Mann ist Witiko, der um des
Herzogs Sobeslaw willen auf den Reichstag in den Wysehrad gekommen ist, er wird
unser Gast sein, so lange er will, begre ihn, und rste die Eichenstube und
die Bewirtung. Diese Frau ist mein Eheweib, Witiko.
    Sei mir gegrt, sagte Elisabeth zu Witiko, mein Ehemann hat mir erzhlt,
da du aus dem Teile des Landes stammst, den wir bewohnen. Nimm das mit
Freundlichkeit auf, was wir dir in unserm Hause bieten knnen.
    Ich nehme es mit groem Danke an, sagte Witiko, und biete euch
Gastfreundschaft in meinem Hause in Plan oder in Pric an.
    Es kann sein, da ich sie annehme, wenn ich einmal zu dir komme, sagte
Diet, wenn du auch dem verstorbenen Herzoge Sobeslaw anhngst, und gerne dessen
Sohn Wladislaw zum Herzoge gehabt httest.
    Die Frau verlie nach diesen Worten die Stube.
    Witiko aber sagte zu Diet: Ich bin zu Sobeslaw gegangen, und habe ihm
gedient, weil er der rechtmige und der rechte Herzog gewesen ist, und ich
htte ihm weiter gedient, wenn er mit Gottes Gnade am Leben geblieben wre. ber
die Nachfolge bin ich nicht Whler und nicht Richter; aber meine Gedanken sagen
mir, da es wohl wahr sein wird, was der alte Leche Bolemil gesprochen hat. Weil
der Herzog Sobeslaw und die Mnner des Landes zugleich mit einander in Sadska
den Sohn des Herzoges Sobeslaw Wladislaw zum Nachfolger bestimmt hatten, so war
er der rechtmige Nachfolger. Der andere Wladislaw ist nur durch eure Wahl
allein ohne Mitwirkung des Herzogs nicht der rechtmige geworden. Weil aber
spter der Herzog Sobeslaw vor den herzugerufenen Zeugen zu seinem Sohne gesagt
hat: Unterwirf dich ihm, wie ich es selber an seinem Bette von seinen Lippen
gehrt habe, so ist der andere Wladislaw der rechtmige Herzog geworden. Ob er
der rechte ist, wird sich erst zeigen.
    Es hat sich gezeigt, rief Diet, es hat ihm keiner zu widersprechen
gewagt. Die an Sobeslaw und seinem Sohne hingen, sind still auseinander
gegangen. Die groen Lechen stehen bei dem Herzoge, viele kleine sind in seinem
Gefolge, er hat die Macht, und wird unsere Rechte schtzen.
    Ich kenne diese Dinge nicht genau, sagte Witiko.
    Es ist alles gut, sagte Diet, es darf sich keiner rhren, damit wir zu
schalten vermgen, und uns in dem Besitze befestigen knnen, der von unsern
Vtern auf uns gekommen ist. Doch wozu reden wir von diesen Dingen, an denen
sich nichts mehr ndert. Da du mein Gast bist, so komme, und sieh den Hof an, in
dem du dich befindest, und alle seine Dinge.
    Die zwei Mnner verlieen die Stube, und Diet fhrte Witiko zur Beschauung
seines Besitzes. Sie gingen zuerst in die Stlle. Da standen Pferde, wie man sie
zu Reisen zur Jagd und selbst zum Kriege gebrauchen konnte. Es waren schne da,
minder schne, und solche, deren Vorzglichkeit nur in ihrer Ausdauer bestehen
mochte. Pferde zum Landbaue schienen nicht vorhanden. Dann kam eine Reihe von
Ochsen fr die Arbeiten des Hofes, mittelgroe Tiere zu Bergfeldern brauchbar.
In engeren Stnden waren die Khe der Stier und die Klber. Dann waren unter
flachen Gewlben die Stlle fr die Schweine. Die Schafe standen in groen
luftigen Rumen mit lichten Fenstern, und in einem eigenen Gehege dieser Rume
waren die Ziegen. Die Hhner und Tauben hatten einen Hof mit einem Auffluge. Fr
die Gnse und Enten war ein Anger mit einem Teiche. Diet fhrte Witiko in die
Scheuern, in welchen das Heu und das Getreide im Stroh aufbewahrt wurde, dann in
den Speicher, in welchem die Ackerfrucht in Haufen aufgeschttet war. Dann
gingen sie durch die Lauben, in welchen sich die Wgen die Pflge die Eggen und
die Ackergerte befanden, durch die Werkzeugkammer, durch die Arbeitsruhe und
durch die Kammern der Knechte und Mgde.
    Einen groen Teil dieses Wesens hat erst mein Urahn gereutet, sagte Diet,
wir besitzen es durch die Erstgeburt der Shne, und erben es nach der
Erstgeburt der Shne weiter. Die jngeren Shne und die Tchter erhalten zu
ihrem Wirken eine Ausstattung, und so hoffen wir es in ferne Zeiten zu bringen.
Wir mssen es zu vergrern suchen, darin an Besitz und Kraft wachsen. Habt Ihr
Euer Angehriges weit von hier?
    Wir besitzen im oberen Plane ein Haus mit Grnden, sagte Witiko, in Pric
haben wir mehr, und dort sind jetzt unsere Vorfahren gewesen, von dem im
Wangetschlage bei Friedberg kann wohl nicht geredet werden.
    Ist das das Haus, in welchem Huldrik ist? fragte Diet.
    Ja, sagte Witiko, kennst du es?
    Ich kenne es, antwortete Diet, und wute bisher, da es in die Fremde
gehre. Du mut dich an einem Platze festsetzen, Witiko, und vergrern, und vor
deinen Nachbarn Ansehen gewinnen, und den Lechen entgegen streben.
    Witiko antwortete nichts auf diesen Rat, und da sie ber den Hofraum gingen,
kam Elisabeth zu ihnen, und sagte, da alles geordnet sei, da man fr Witiko
die Kammer hergerichtet habe, und da in der Stube das Abendessen harre. Sie
gingen also, obgleich die Sonne noch am Himmel stand, dahin, whrend im Hofe
eine helle Glocke gelutet wurde. Als sie in die Stube traten, waren darin schon
einige Menschen versammelt, andere gingen nach ihnen hinein. Es waren fnf
Kinder da, drei Knaben und zwei Mdchen, Diet rief die Knaben herbei, stellte
sie vor Witiko, und sagte: Das sind meine Shne nach ihrem Alter: Diet Wolf und
Eberhard.
    Die Knaben hatten Kleider von gelblichem grobem Wollstoffe an.
    Dann rief er die Mdchen, stellte sie ebenfalls vor Witiko, und sagte: Das
sind meine Tchter Sophia und Helicha.
    Die Mdchen hatten ihre Haare aufgebunden, hatten rote Mieder, schwarze
Faltenrckchen und weie Schrzen.
    Dann setzte man sich an den groen Buchentisch. Obenan saen Diet und
Elisabeth, und zwischen ihnen Witiko. Dann saen die Kinder. Weiter unten waren
die anderen Leute, lauter Knechte und Mgde. Auf dem Tische waren Roggenbrote,
Gerstenbrote und Bier. Auf den oberen Teil setzte man einen gerucherten
gebratenen Schinken und Sauerkohl, auf den untern eine Suppe mit Stcken
gerucherten Schweinfleisches Klen und Sauerkohl.
    Als das Abendmahl geendet war, wurde Witiko von Diet ohne Leuchte, weil noch
der Tag an dem Himmel schien, in seine Kammer gefhrt. Sie war eine Eckstube des
Gebudes gegen den Wald. Sie hatte wie die groe Stube weie Wnde, ein starkes
Bettgestelle aus Eichenholz, darauf Witikos Lager bereitet war, und andere
Gerte aus festem Eichenholze. Als Diet Abschied genommen hatte, schlo Witiko
die Tr mit dem Eichenriegel, und bereitete sich fr die Nacht vor. Und als die
tiefe Dmmerung eingetreten war, legte er sich auf sein Bett zum Schlafe.
    Des andern Morgen besorgte er bei dem frhesten Tagscheine sein Pferd. Dann
wurde eine Suppe aus Milch und Mehl mit weiem Brote als Frhmahl in der groen
Stube verzehrt. Herauf fhrte ihn Diet in die Gemcher des Hauses. Sie waren
fast alle wie die groe Stube, und dienten zur Wohnung Diets und der Seinigen
und fr Gste. In den meisten waren Gerte aus Buchenholz, in einigen bessere
Gerte aus Eichenholz. In einem Gewlbe weiten Raumes waren Waffen und
Wurfgerte zur Verteidigung des Hofes. Auf diesem Gewlbe war ein hherer
Aufbau, in den man vom Gewlbe aus gelangen konnte. Sie stiegen empor. Dort
konnte man wie von einer Warte herum sehen.
    Siehst du, sagte Diet, auf jenem Wege bist du gestern gegen die Moldau zu
meinem Hofe her geritten, ich habe dich gesehen, und bin dir unter das Tor
entgegen gegangen.
    Und jener Fels ist der der krummen Au, sagte Witiko.
    Ja, entgegnete Diet.
    Dort sollte eine Burg stehen, sagte Witiko.
    Wenn ich dessen mchtig wre, ich htte sie schon gebaut, antwortete Diet.
    Etwa baut sie einmal einer deines Geschlechtes, entgegnete Witiko.
    Oder ein anderer, wer kann das wissen, sagte Diet.
    Nachdem sie noch ein Weilchen durch die Waldschlucht gegen den Fels der
krummen Au hingeschaut hatten, wendete sich Diet gegen Abend, und sagte: Da
sind nun unsere Felder Wiesen und Weiden. Du siehst, wie noch hie und da Felsen
oder Bume in den Wiesen und selbst in dem Getreide sind. Es konnte noch nicht
alles weggeschafft werden, das mu die Zeit reinigen. Den tiefsten nassesten
Boden haben wir zu Wiesen gelassen, dann kmmt das Feld, und hher oben gegen
den Wald ist die Weide. Wir knnen uns noch weiter gegen Mittag ausbreiten, und
werden es tun.
    Dann wies er gegen Morgen, und sagte: Da ist wenig zu gewinnen, als bessere
Sicherheit.
    Witiko sah, da hier das Haus an den Wald stie, der von da mit mchtigen
Tannen steil zur Moldau hinab stieg.
    Hierauf fhrte Diet Witiko an die Zinnen der Mauer, welche den Hof umgab,
und zeigte ihm, wie man das Haus verteidigen knnte.
    Dann gingen sie durch das groe Tor in das Freie, und beschauten die Felder.
Sie gingen an mehreren Huschen vorber, in denen Leute Diets wohnten, und an
andern, in welchen solche waren, die sich in der Nhe des Hofes Eigentum
erworben hatten. Am Mittage kehrten sie in den Hof zurck. Des Nachmittags waren
sie bei manchen Arbeitern.
    Witiko bat Diet, da er ihm fr den nchsten Tag einen Fhrer gebe, der ihn
bis in den Wangetschlag zu Huldriks Huschen geleite. Diet versprach es.
    Am andern Morgen verabschiedete sich Witiko von Diet und Elisabeth, und
stieg im Hofe auf sein Pferd. Dort wartete schon der Fhrer, welcher auf einem
kleinen Pferde sa, wie sie Witiko im Stalle gesehen hatte.
    Die zwei Mnner ritten durch die Grnde Diets mittagwrts, bis sie wieder
der Wald aufnahm. Sie ritten in ihm mittagwrts weiter.
    Nach zwei Stunden kamen sie in eine Lichtung, in welcher Stmme geschlagener
Bume lagen, in welcher an verschiedenen Stellen Feuer brannten, um das
berflssige Reisig zu verzehren, in welcher mehrere Ochsen Khe und Ziegen
weideten, in welcher einige Htten aus Balken und Baumrinden erbaut waren, und
in welcher Mnner Weiber und Kinder mit Sge Axt Karst und Haue zur Reinigung
arbeiteten. Die Mnner hatten alle die groben grauwollenen engeren Kleider an,
die in den mittglichen Teilen des Waldes gebruchlich waren, und die Frauen
trugen die kurzen Faltenrcke, und hatten ein Tuch um das Haupt gebunden.
    Das ist der Kirchenschlag, sagte der Fhrer, wohin sie die neue hlzerne
Kirche bauen wollen, weil sie da mitten in den zerstreuten Waldhusern stnde.
    Die zwei Mnner stiegen ab, und gaben den Pferden etwas Nahrung, die der
Fhrer von Wettern mitgenommen hatte, und trnkten sie dann aus einer Quelle.
Witiko ging auf der Lichtung herum, betrachtete die Arbeiten, und redete mit den
Leuten. Nach einer Stunde ritten sie wieder mittagwrts in dem Walde weiter.
    Da sie abermals zwei Stunden geritten waren, kamen sie wieder auf eine
Lichtung hinaus. Diese mute aber schon vor vielen Jahren gemacht worden sein.
Es standen zerstreute Huser auf ihr, und sie enthielt Felder Wiesen und
Hutweiden.
    Das ist der Wangetschlag, sagte der Fhrer, und jenes weie Huschen, das
aus Steinen erbaut ist, und auf dessen breitem Dache Ihr auch Steine seht, ist
Huldriks Haus. Ihr knnt nun nicht mehr fehlen.
    Reitest du nicht mit mir hin? fragte Witiko den Fhrer.
    Nein, antwortet dieser, ich mu heute wieder nach Hause kommen, und daher
umkehren. Ich werde erst im Kirchenschlage mein Pferd fttern, und selber etwas
aus meinem Vorrate verzehren.
    So habe Dank, sagte Witiko, und handle nach deinem Auftrage.
    Er reichte ihm eine Gabe. Der Fhrer nahm sie, wendete sein Pferd, und ritt
gegen den Wald zurck.
    Witiko aber ritt auf einem kleinen Pfade, der von dem Wege dem weien
Huschen zuging, an dasselbe hinan.
    Da er dort abstieg, kam ein alter Mann mit einer Flle weier Haare aus dem
Huschen. Er ging auf Witiko zu, schaute ihn eine Weile an, und rief dann
pltzlich: So ist meine Bitte im Himmel erhrt worden, und meine Augen sehen
auf dieser Stelle Witiko, von dem Heil ausgehen wird.
    Was redest du fr Dinge, Huldrik, entgegnete Witiko, ich verlange nur
eine kleine Nachtherberge.
    Nun ist Jakob im Holze und Regina im Kohlfelde, sagte der alte Mann, aber
ich werde Euch helfen.
    Sie brachten das Pferd in den Stall, wo sie eine Kuh auf einen andern Platz
hngen muten, um dem Pferde einen eigenen Stand auszuwirken. Und als Witiko das
Pferd wie gewhnlich bedeckt hatte, sagte er: Nun fhre mich in die Stube.
    In die Stube, in die Stube, sagte der alte Mann, so folgt mir.
    Er fhrte nun Witiko in die Stube, welche eine Eckstube mit vier Fenstern
geweiten Wnden und alten Buchengerten war. Daneben befand sich eine Kammer
mit einem Fenster.
    Da mu ich Euch ja gleich etwas zum Essen bringen. sagte der alte Mann.
    Tu das, Huldrik, sagte Witiko.
    Der alte Mann ging fort, und brachte dann in einem grnen Schsselchen
Milch, ein Laibchen weies Brod, ein Messer und einen Hornlffel. Er stellte die
Milch auf den Tisch, und legte Brod Messer und Lffel daneben. Witiko setzte
sich auf einen Stuhl an den Tisch, schnitt sich Stckchen Brotes in die Milch,
und a mit dem Hornlffel. Huldrik stand vor ihm. Er hatte ein sehr grobes
lichtgraues Wollgewand. Sein Rock war viel krzer und weiter als gewhnlich,
kaum ber den Oberkrper hinab reichend. Er war mit Haften geknpft. Dann war
die Beinbekleidung, schlottrig, als sei sie ihm wegen seines Alters zu gro
geworden, und dann die Stiefel auch krzer als gewhnlich, von dickem Leder, und
an den Sohlen mit dicken Eisenngeln beschlagen. Auf dem Kopfe hatte er, selbst
da er zu Witiko hinaus gekommen war, keine Bedeckung gehabt.
    Das ist eine Freude, sagte er, indem er Witiko in das Angesicht sah, nun
nahet die Erfllung. Seit Euren Kinderjahren seid Ihr nicht hier gewesen.
    Es hat sich nicht gefgt, sagte Witiko.
    Ihr seid einmal in Friedberg gewesen, sagte Huldrik.
    Damals mute ich nach Prag reiten, entgegnete Witiko.
    Ich habe es von Florian erfahren, sagte Huldrik, und wie gro und schn
Ihr seit den fnf Jahren geworden seid, da ich Euch nicht gesehen habe.
    Ich erkannte dich gleich wieder, Huldrik, sagte Witiko, aber des
Huschens htte ich mich aus meiner Kinderzeit nicht mehr erinnern knnen.
    Nun seid Ihr hier, und nun wird alles anders werden, entgegnete Huldrik,
Eure Mutter htte Euch vor fnf Jahren schon, da ich bei Euch war, mit mir
gehen lassen sollen, damit damals schon der Anfang gemacht worden wre.
    Ich bleibe aber nicht lange bei dir, sagte Witiko.
    Das ist nun einerlei, weil Ihr nur einmal da seid, und der Beginn
eingetreten ist, antwortete Huldrik, Ihr mgt nun in Plan sein, wie bisher,
oder sonst irgend wohin gehen, das ndert jetzt nichts mehr, und die Geschicke
gehen schon fort.
    Jetzt mssen wir zu dem Pferde sehen, sagte Witiko, indem er den
Hornlffel hinlegte.
    Ja, sagte Huldrik.
    Sie gingen nun von der Stube wieder in den Stall, und Witiko fuhr in der
weitern Besorgung des Pferdes fort.
    Zeige mir jetzt doch auch die Dinge bei euch, sagte er dann.
    Nun, hier sind vier Khe, sagte Huldrik, dort zwei Klber, und in den
leeren Stand gehren die zwei Ochsen, mit denen Jakob in das Holz gefahren ist.
Folgt mir nun zu den Schafen.
    Sie gingen nun in einen Stall, in welchem in einer Abteilung zwlf Schafe,
in einer andern vier Ziegen und ein Ziegenbock waren. Dann zeigte Huldrik Witiko
die vier Schweine in ihrem Stalle. Dann fhrte er ihn in die Scheuer, wo nur ein
Rest Heu vom vorigen Jahre brig war.
    Die Hhner und andern Federtiere sind im Hofe und sonst berall, sagte
Huldrik, das Gewlbe mit der Milch den Eiern und andern Dingen werde ich Euch
zeigen, wenn Regina nach Hause kmmt. Sie bewahrt den Schlssel. In der
kleineren Milchkammer ist auch immer nur der kleinere Vorrat. Durch das
Scheuertor seht Ihr hier die Hauswiese mit den zwei Rotkirschbumen, die sehr
gute Kirschen geben, und dort ber Adams Haus hin, das Stck Feld gehrt zu uns,
dann ist der Kohlacker, wo die Steine liegen, und dort rechts an den Bschen, wo
die Ebereschen stehen, ist ein Streifen Wiese, und wo der Weg von dem Walde
herab geht, und die dunkeln Flecke sind, haben wir heuer den Haber, und unter
dem Hgel ist auch noch etwas. Ich werde Euch morgen zu allem fhren, oder heute
noch, es ist nur jetzt niemand bei dem Pferde.
    Lassen wir es auf morgen, sagte Witiko.
    Morgen ist auch mehr Zeit, antwortete Huldrik.
    Sie gingen nun wieder in die Wohnteile des Hauses, und dort zeigte Huldrik
Witiko die Gelasse, in denen er und der Knecht und die Magd hausten. Dann zeigte
er ihm noch die Kammern der Vorrte.
    Wir senden doch alle Jahre einen Betrag des Anwesens ein, sagte er, wenn
es auch das jetzt nicht ist, was es war. Siebenzig schne Ziegenkse einen Laib
Rinderkse und schnes Mehl haben wir Eurer Mutter nach Landshut geschickt.
    Sie hat groe Freude daran gehabt, sagte Witiko.
    Das andere liefern wir nach Pric, sagte Huldrik.
    Es ist sehr gut, antwortete Witiko.
    Es ist, wie es sein kann, sagte Huldrik, jetzt beginnt das Weitere.
    Sie vollendeten nach einer Weile die Wartung des Pferdes.
    Nun kam auch der Knecht mit dem Holze nach Hause, und lud es an einer
Stelle, die etwas von dem Huschen entfernt war, ab. Dann kam die alte Magd
Regina, und brachte in ein grobes Tuch gebunden Kohlbltter, die man den Khen
unter das Futter mischte. Sie wurden Witiko vorgestellt, und begrten ihn, und
er begrte sie. Dann gingen sie noch an ihre heutigen Tagesgeschfte.
    Witiko wandelte nun allein noch eine Zeit gegen die zerstreuten Wohnungen
des Schlages herum. Abends bereitete ihm Regina ein Mahl aus geruchertem
Schweinfleisch und Kohl, und er begab sich, als jede Tagesarbeit vollendet war,
auf sein Lager in der Kammer zur Ruhe.
    Als am andern Tage die Morgenaufgabe getan, und das Morgenmahl eingenommen
war, fhrten sie Witiko hinaus, und Huldrik zeigte ihm die Stckchen Wiesen und
Felder, die zu dem Huschen gehrten. Jakob und Regina gingen hintendrein, sie
hatten sich wegen der Ankunft Witikos einen Feiertag gemacht. Witiko besah alles
sehr genau, und sprach darber.
    Da sie wieder in der Stube waren, sagte Huldrik, indem er auf einem Stuhle
in der Nhe Witikos sa, und indem etwas ferner auch Regina sa, und die Hnde
in dem Schoe hielt, der Knecht aber stehend zuhrte: Das ist nun das Wesen,
welches Ihr und Eure Mutter in dem Walde hier besitzet, es trgt nicht viel, es
trgt aber doch etwas, wie ich Euch gesagt habe. Euer Vater ist fter hier
gewesen, Eure Mutter auch, und einmal sind zwei Jungfrauen mit ihnen gewesen,
die auf Zeltern ritten. Wir haben ihnen ein feines Lager in der Kammer bereitet.
Euer Vater ist zuweilen unversehens von Pric gekommen, und hat sich in Stroh
gebettet, oder in Heu, oder was es war. Das letzte Mal hat er in der Kammer
geschlafen, da wir den Bren in dem Nahleswalde erlegt hatten. Und nun seid Ihr
hier, wie es geweissagt worden ist.
    Dazu braucht es keiner Weissagung, antwortete Witiko, es ist ja zu
denken, da ich einmal kommen werde, und ich will das Haus manches Mal besuchen,
wenn es sein kann.
    Ja, ja, so ist es, sagte Huldrik, da haben sie den Wald ausgereutet, und
haben hie und da ein schlechtes Haus gebaut, und haben alles den Wangetschlag
geheien, und haben Felderteile gemacht, auf denen nicht viel wchst, und Wiesen
und Hutweiden und Waldschlge, die andern gehren, und von denen auch ein Teil
uns gehrt, und im Winter liegt sehr lange der tiefe Schnee hier, und die Frucht
ist mager, welche dann gedeiht.
    Wie es eben das Land bringt, sagte Witiko, eines hat dieses, ein anders
hat jenes.
    Ja so ist es, so ist es, sagte Huldrik.
    Als sie eine Weile geruht hatten, zeigte die alte Regina Witiko die Butter-
und Milchkammer, wo sie im kalten rinnenden Quellwasser, das durch eine
steinerne Kufe ging, ihre Butterlaibe schwimmen, und ihre Milchtpfe stehen
hatte, und wo der Vorrat der Eier lag, und zeigte ihm die Kammer, in der die
Kse waren. Dann nannte sie ihm die Namen der Khe und Klber, und zeigte ihm
Geflgel im Hofe und nannte die Namen der Tiere. Am Reste des Tages gingen
Witiko Huldrik und Jakob in den Wald, der zu dem Hause gehrte, und die zwei
Mnner zeigten ihrem Herrn den schnen Bestand der Tannen Fichten Buchen und
anderen Holzes, das da war, und den Forellenbach, der zu dem Walde gehrte.
Diese Dinge waren nun sehr vollkommen.
    So verging der Tag.
    Am Abende saen sie nicht an der Leuchte, weil die Sommerdmmerung sehr
lange dauerte, sondern sie saen in der Dmmerung, und sprachen. Als es dunkel
wurde, ging man zur Ruhe.
    Am folgenden Tage besah Witiko alle Arbeiten des Hauses, und nahm Anteil an
allem. Abends saen sie wieder, da es dmmerte, in der Stube.
    Da sie am dritten Tage, nachdem die Forellen, welche Jakob gebracht hatte,
verzehrt waren, wieder in der Abenddmmerung saen, da Regina an einem alten
Rocke flickte, Jakob eine Schnur flocht, und Witiko von der Milch dem Butter und
dem Honig, das man ihm noch aufgentigt hatte, etwas gekostet, und dann die
Dinge auf dem Tische weiter geschoben hatte, sprach Huldrik: Es gehen alle
Zeichen in Erfllung, und es wird wahr, was die alten Leute gesagt haben, da es
wahr werden soll, und es ist wahr, wie sie gesagt haben, da es gewesen ist.
    Nun, was haben sie denn gesagt? fragte Witiko.
    Ihr wit es ja ohnehin, sagte Huldrik.
    Ich wei es nicht, entgegnete Witiko.
    So htten sie es Euch sagen sollen, da es Euch angeht, erwiderte Huldrik.
    Mich geht es an? fragte Witiko.
    Freilich, sagte Huldrik. In alten Zeiten, als noch Thor und Freia
herrschten und Perun und Lada, und als die Diasen waren, ist hier gar kein Wald
gewesen, weit herum gar keiner, sondern schne Felder und Grten und Fluren und
Haine, und da sind friedsame Vlker gewesen, von hier bis an das Meer. Die
Wlder waren dort, wo jetzt die Sonne steht, und hier haben milde Lfte geweht.
    Das habe ich nie gehrt, sagte Witiko.
    Das hat mir mein Urgrovater erzhlt, und ihm hat es wieder sein
Urgrovater erzhlt, und so immer die Urgrovter; denn bei uns sind die Mnner
sehr alt geworden, entgegnete Huldrik, bis auf jenen Urgrovater hinauf, der
gelebt hat, da es hier so war. Und das Land hat Eurem Stamme gehrt, Witiko, sie
haben verschiedene Schlsser gehabt, und haben bald in dem einen bald in dem
andern gewohnt. Und wo dieses Huschen steht, ist auch ein Schlo gestanden voll
Pracht. Und das ist tausend Jahre gewesen. Dann kamen kriegerische Mnner aus
Welschland, und haben ein groes Reich gemacht, und haben die Vlker vor sich
hergetrieben, da Land und Leute zerstrt worden sind. Da ist auch hier alles zu
Grunde gegangen, es ist der Wald gewachsen, als wre nie etwas anderes da
gewesen, und die winterliche Luft ist gekommen und die drftigen Gewchse. Dann
ist einmal nach langer Zeit von Euren Voreltern, die damals fortgefhrt worden
waren, ein Sprling namens Witiko mit Leuten von Rom hieher gegangen, hat den
neuen Glauben gebracht, und hat von dem Volke, das das Land an sich gerissen
hatte, den Wald erobert, und hat wieder Schlsser gebaut, und hat weit
geherrscht, und seine Nachkommen haben geherrscht; denn es ist geweissagt
worden, da immer ein Witiko den Stamm erretten werde. Sie haben Jagdhuser
erbaut, und wo dieses Huschen steht, ist zwar nicht mehr das alte Schlo voll
Pracht, aber ein Jagdhaus erbaut worden. Da haben sie Feste gegeben, und haben
des Vergngens genossen, bis wieder das Unheil gekommen ist, bis wieder alles
zerstrt worden ist, und bis wieder der Wald gewachsen ist, den man hat reuten
mssen, um dieses Huschen zu erbauen. Nun seid Ihr gekommen, Witiko, wie es in
der Weissagung heit: der reichste Herr des Stammes wird kommen, und Milch und
Honig auf dem Buchentische essen, wo dann die silbernen und goldenen Tische
stehen werden.
    Das sind wunderliche Dinge, sagte Witiko.
    Ihr seid wieder Witiko, sprach der Alte, der Stamm wird auferstehen, weil
es gesagt worden ist, und meine Augen werden es noch sehen.
    Mge dir Gott ein langes Leben schenken, sagte Witiko.
    Das geht sehr schnell, antwortete Huldrik, und ich werde Euch den Bgel
halten, wenn Ihr hier in Euer Schlo einzieht.
    Wenn ich einziehe, so halte den Bgel, sagte Witiko.
    Und zahlreiche Nachkommenschaft werde ich von Euch noch sehen, sagte
Huldrik.
    Jetzt bin ich aber allein, entgegnete Witiko.
    Die Jungfrau blht schon, die Euer Weib sein wird, sagte Huldrik.
    Versuchen wir nicht Gott, Huldrik, sagte Witiko, und erwarten wir, was
sein wird.
    Es wird sein, es wird sein, sagte Huldrik.
    Er stand auf, und sah dem Jnglinge freundlich in das Angesicht. Dieser sa
in seinem Ledergewande auf dem Buchenlehnstuhle. Der alten Magd Regina waren die
Hnde in den Scho gesunken, Jakob hatte von seiner Arbeit aufgehrt, und beide
sahen den Greis an.
    Witiko stand auch auf.
    Erlaubt, da ich Euch in Eure Kammer geleite, hoher Herr, sagte Huldrik.
    Lebe wohl und schlafe ruhig, Huldrik, sagte Witiko.
    Wie es Gott fgt, antwortete Huldrik.
    Und sie verlieen alle die Stube, und gingen in ihre Schlafkammern.
    Witiko blieb noch einen Tag in dem Hause.
    Am nchsten Tage verabschiedete er sich, und verlangte, da der Knecht mit
ihm nach dem Orte Friedberg gehe, und da er von da sein Pferd an der Moldau
aufwrts bis zu der Herberge an der untern Moldau fhre, und dort auf ihn warte;
denn er selber werde auf den Kamm des Thomaswaldes gehen, und dann in der
Herberge eintreffen. Der Greis Huldrik lie es nicht zu, und sagte, er selbst
msse das Pferd fhren, der Knecht knne neben ihm hergehen.
    Witiko fgte sich, und so ritt er von dem Wangetschlage weg. Der Greis ging
in seinem Anzuge, zu dem er noch eine graue Filzhaube mit einer kleinen blauen
Taubenfeder aufgesetzt hatte, einige Schritte hinter dem Pferde, und wieder
einige Schritte hinter dem Greise ging der Knecht Jakob. In Friedberg zogen sie
auf dem Fahrstege ber die Moldau. Am jenseitigen Ufer stieg Witiko ab, und
legte die Zgel des Pferdes in die Hnde Huldriks. Dieser schlug von dem Knechte
gefolgt das Pferd fhrend in dem Walde den schmalen Saumweg ein, der dem Wasser
entgegen fortlief, und Witiko schritt links, und begann, die breite Hhe des
Thomaswaldes hinan zu steigen.
    Auf dem Wege, den er einmal mit dem Fhrer Florian herab gekommen war,
gelangte er nach etwas mehr als einer Stunde auf den Waldkamm, und fand sehr
bald die Lichtung, auf welcher die Sule des heiligen Apostels Thomas gestanden
war. Hier blieb er stehen, und sah auf das Land Baiern hinab, um welches jetzt
Leopold und die Angehrigen des stolzen Heinrich stritten, und von welchem der
Teil gegen Morgen, durch den die Donau, die Traun und die Enns flossen, vor ihm
ausgebreitet lag, bis wo die Alpenberge zogen, und die steirische Mark begann.
Dann sah er gegen das Land Bhmen, in welchem jetzt ein so wichtiger Wechsel des
Herrschers vollzogen worden war. Er sah unter sich den blaulichen Wald
durchstreift von der lichten Schlange der Moldau, dann sah er in der Richtung
zwischen Morgen und Mitternacht den Blansko als letzte Waldhhe an dem Himmel,
in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend konnte er in den dunkeln Wldern
den fahlen Wacholderberg erkennen, der bei Plan stand, und von diesem Berge
gegen Abend die blaue Wand, die den dunkeln See und die drei Sessel hegte. Der
Ort, wo er stand, war die hchste Waldesstelle. Dann ging er auf einem schmalen
Pfade schief in der Richtung gegen Mitternacht und Abend durch den Thomaswald
wieder zu dem Wasser der Moldau nieder, und kam an der Stelle an, welche die
untere Moldau hie, und an welcher die gezimmerte Herberge stand, von der Rowno
gesagt hatte.
    In der Herberge fand er Huldrik und den Knecht Jakob und sein Pferd. Nachdem
die Pflege des Pferdes besorgt worden war, und nachdem er mit seinen Begleitern
ein Mittagmahl eingenommen hatte, verabschiedeten sie sich, Huldrik ging mit dem
Knechte auf dem Saumwege an der Moldau nach Friedberg und von da in den
Wangetschlag zurck. Witiko ritt von der Herberge auf dem Stege ber das Wasser
der Moldau, dann mitternachtwrts an dem neuen Eckschlage vorbei, dann gegen
Abend ber ein schwarzes Moor, dann durch dichte Wlder, und kam am Nachmittage
in dem oberen Plane an.
    Er wurde von den Seinigen sehr freundlich begrt, und Raimund trug die
schne Armbrust in die Kammer.
    Witiko legte nun seine Lederbekleidung wieder ab, tat sein Waldgewand an,
und lebte wie frher. Er machte nun hufig bungen mit seinem Pferde im
Schnellaufen auf einem Boden mit Unebenheiten Gestrippe und andern Hindernissen.
    Am Ende des Herbstmonates kam ein Mann mit einem Wanderstabe zu ihm, und
sagte, da er von Hostas Burg komme. Er habe zu den Leuten der Burg gehrt, weil
er aber schon alt werde, verlangte es ihn in seine Heimat, Bores erwirkte ihm
seine Verabschiedung, und er verlie die Burg. Weil seine Heimat aber auch im
Walde sei, so habe ihm Bores eine Nachricht an Witiko mitgegeben.
    Welche Nachricht? fragte Witiko.
    Da die Herzogin Adelheid gestorben ist, sagte der Mann.
    Die Herzogin Adelheid ist gestorben, rief Witiko, indem er von seinem
Stuhle aufsprang, die Herzogin Adelheid ist gestorben.
    Ja, sagte der Mann.
    Wie hat denn das sein knnen? fragte Witiko.
    Wir wissen es nicht, sagte der Mann, die erlauchte Herzogin ist in dem
Gemache gewesen, in welchem der Herzog gestorben war, hat dort ihre Kinder
gepflegt, hat dort geschlafen, ist immer dort gewesen, hat keine Krankheit
gehabt, ist stets weier geworden, und ist am fnfzehnten Tage des Herbstmonates
gestorben.
    Und was ist mit den Kindern geschehen? fragte Witiko.
    Sie sind nach Prag gebracht worden, antwortete der Mann.
    Und hast du die Herzogin in ihrer letzten Zeit gesehen? fragte Witiko.
    Ich habe die Herzogin noch gesehen, da sie tot war, erwiderte der Mann,
sie hat tot so ausgesehen wie lebendig.
    Und hat man ihr in Hostas Burg, da sie lebte, Ehren erwiesen? fragte
Witiko.
    Der Herzog hat ihr alle Macht bergeben, entgegnete der Mann, und wir
sind ihr alle untertan gewesen.
    Und wo ist sie bestattet worden? fragte Witiko.
    Sie ist mit Wrden in den Wysehrad zu ihrem Gemahle gefhrt worden,
antwortete der Mann.
    Witiko ging einige Male in der Stube auf und nieder. Dann setzte er sich
wieder an den Tisch, und sagte: So ist sie ihm also gefolgt, so ist sie ihm
also gefolgt.
    Und er sttzte sein Haupt in seine Hnde.
    Nach einer Weile sah er wieder zu dem Manne empor, und sagte: Du hast mir
eine wichtige wenn auch traurige Nachricht gebracht, ich danke dir instndig,
und bitte dich, bleibe bei uns, und geniee mit uns, was wir haben, so lange du
willst.
    Ich habe Euch in Hostas Burg gesehen, erwiderte der Mann, wo Ihr dem
Herzoge einen Dienst erwiesen habt, und bin recht gerne zu Euch gekommen, um
Euch die Nachricht zu bringen.
    Du bist auch im Walde zu Hause? fragte Witiko.
    Ja, in den Husern des Winterberges, sagte der Mann.
    Du wirst jetzt bei den Deinigen bleiben, sagte Witiko.
    Bei zwei Brdern ist mir das Verbleiben ausbedungen, antwortete der Mann.
    So geniee deiner Ruhe, wenn es die Zeiten erlauben, sagte Witiko.
    Bei uns ist es immer stille und gleich, antwortete der Mann.
    Mge es bleiben, entgegnete Witiko.
    Dann ging er in das Freie, und wandelte zwischen den Feldern dahin.
    Der Mann blieb zwei Tage in dem steinernen Hause. Dann empfing er Geschenke
von Witiko, nahm seinen Stab, und trat die Wanderung wieder an. Er ging mit dem
ersten Lichte des Tages an der linken Seite des Wacholderberges gegen Abend hin,
und strebte seinem Ziele zu, das er beim Untergange der Sonne erreichen konnte.
    Es kam allgemach der zweite Winter, den Witiko in Plan zubrachte.
    Als noch der Schnee auf den Feldern lag, erschien in dem oberen Plane ein
wirrer Mann, und sagte, da er von seinem Hause vertrieben worden sei, und da
er habe entfliehen mssen. Der Herzog wte gegen seine Untertanen, verjage sie
von Haus und Hof, oder tte sie. Es seien auch zwei Mnner in dem Walde von
Horec angekommen, und haben dort eine Siedelei grnden wollen, sie seien aber
wieder weiter gezogen.
    Da man ihn mit Speise und Trank erquickt hatte, ging der Mann in dem tiefen
Schnee durch den Wald nach Baiern hinber.
    Witiko aber grtete sein Schwert, nahm seinen Wollmantel, hie den Knecht
Raimund ihm folgen, bestieg sein Pferd, und schlug den Weg mitternachtwrts in
das Land ein.
    Als sie in die freien Gegenden gekommen waren, erfuhren sie, da der Herzog
die Ruber in dem Lande pltzlich habe verfolgen, und die, welche nicht zu
entfliehen vermochten, ergreifen und auf Bumen oder Pfhlen aufhngen lassen.
Die Kriegsknechte htten sich versammelt, seien in die Huser und Vesten
gedrungen, in denen die Schuldigen sich verteidigten, und haben sie ihrem
Urteile zugefhrt. Dann seien sie wieder in ihre Burgen, in denen sie sonst
zerstreut waren, zurck gegangen.
    In dem Lande war eine groe Unruhe.
    Witiko kehrte mit dem Knechte wieder in das steinerne Haus zurck.
    Als der Lenz gekommen war, ritt eines Tages ein Mann in einem schnen
braunen Gewande mit einer schwarzen Haube auf dem Kopfe, in der eine gerade
weie Feder stak, von einem Gefhrten begleitet, gegen das Haus. Als er vor
demselben angekommen war, stieg er von dem Pferde, lie es von seinem Gefhrten
halten, trat in die Stube, und setzte sich dort von Witiko dazu eingeladen zu
ihm an den Tisch. Er war jung, und hatte blonde Haare und blaue Augen.
    Ich bin Mikul, sagte er zu Witiko, und bin in der Versammlung auf dem
Wysehrad gewesen, in welcher du als Hrer zugelassen worden bist.
    Ich kann dich nicht erkennen, antwortete Witiko, weil ich mir die Mnner,
die in jenem Saale gewesen sind, nicht habe in das Gedchtnis sammeln knnen.
Was ist dein Begehren?
    Weil du so treu an deiner Meinung gehalten hast, und weil du so standhaft
dem Tode entgegen gesehen hast, den dir der wilde Milhost gedroht hat,
entgegnete Mikul, so haben mich einige Mnner an dich gesendet. Sie werden am
vierten Tage des Heumondes in dem Plakahofe eine Versammlung abhalten, in
welcher sie ber die Dinge des Landes sprechen werden, und in welcher manche
sich nher werden kennen lernen. Sie laden dich zu der Versammlung ein.
    Ich wei es nicht, ob ich zur Versammlung kommen werde, sagte Witiko,
aber ich danke dir fr die Reise zu mir. Lasse deinen Gefhrten die Pferde
herein bringen, und genieet in dem Hause, was es hat.
    Ich mu dir den Dank fr dein Erbieten aussprechen, antwortete Mikul;
aber unsere Zeit ist sehr kurz, und wir mssen ohne Aufenthalt weiter reiten.
    So tut nach eurem Ermessen, sagte Witiko.
    Bei diesen Worten stand Mikul auf, und verabschiedete sich. Witiko geleitete
ihn vor das Haus zu den Pferden. Mikul schwang sich auf das ledige, das sein
Gefhrte hielt, beide Mnner grten noch einmal gegen Witiko, und ritten dann
einer hinter dem andern auf dem schmalen Wege gegen die Huser des oberen
Planes.
    Am dritten Tage des Heumondes rstete sich Witiko, und ritt auf dem Wege,
auf welchem er von Prag in den oberen Plan herein geritten war, mitternachtwrts
in den Wald. Er ritt durch manche Baumbestnde, ber manche Waldble, und
bernachtete in einer Htte. Am nchsten Tage, welcher der vierte des Heumondes
war, langte er nach Sonnenaufgang in dem Plakahofe an. Derselbe lag am Saume des
Waldes auf einer sumpfigen Wiese, und war ein sehr langes Gebude. Witiko ritt
auf dasselbe zu. Als er zu dem Tore gekommen war, fand er es offen. Vor
demselben und innerhalb desselben im Hofraume waren hlzerne Stnde fr die
Pferde. Manche hatten ihre Tiere auch an Bume des Waldes vor dem Gebude
angebunden. Im Innern desselben gingen Mnner hin und her, und sprachen mit
einander. Witiko kannte manche. Es war Bogdan gekommen, der an dem Tage auf dem
Wysehrad der erste nach Witikos Eintritt in den Saal ber ihn gesprochen, und
angetragen hatte, da er zu einem Gerichte in den Turm geworfen werde, es war
Benes da, der ihn sogleich gerichtet haben wollte, es war Domaslaw gekommen, der
ihn zu einem Gerichte fr den knftigen Herzog aufbewahren wollte, es war
Milhost zugegen, welcher ihn sogleich auf einen Pfahl hatte aufhngen lassen
wollen, es war Kochan da, der ein strenges Gericht gegen ihn empfohlen hatte, es
war Bohus da, der die bel angefhrt hatte, welche dem Lande von allen Herzogen
widerfahren waren, es war der Mhrer Drslaw gekommen, der auch ber Witiko ein
strenges Gericht ausgesprochen hatte, es war Jurata da, der alte Mikul, der alte
Rodmil, und noch mehrere, welche Witiko nicht kannte. Mit jedem schienen noch
Leute und Anhnger zu sein. Witiko fhrte sein Pferd, nachdem er abgestiegen
war, in einen leeren Stand, band es an, und sorgte fr dasselbe. Dann wandte er
sich einem groen Raume zu, der in der Lnge des Gebudes zu einer Empfangshalle
hergerichtet worden war. Er mochte sonst zur Aufbewahrung von Gerten des Hofes
so wie anderer Dinge dienen; jetzt war er gerumt, und hatte einen sehr langen
Brettertisch, an dem Bretterbnke hinliefen, und auf dem Bier Wein und Speisen
standen. Auf den Bnken saen Mnner, und aen von den Speisen und tranken von
den Getrnken, andere gingen hinzu, erquickten sich, und verlieen die Stelle
wieder. Witiko a ein Stckchen Brod, und trank einen Trunk Bier.
    So lt dein Herr auch im Sommer in seinem Walde jagen, wo die Jagd nichts
ntzig ist? fragte ein Mann in einem groben rotbraunen Kleide, das er mit
Lederriemen gebunden hatte, indem er eine Hand auf seinen Bierkrug legte.
    Ja, du Gauch, sagte ein anderer, der auf einem groen Holzblocke sa,
neben dem ein Krug mit Wein stand, der Herr des Plakahofes braucht seine Tiere
nicht zu zhlen, und wie du Bier trinkst, so trinken wir Wein, und wie dein Herr
Hasen hat, so haben wir Luchse und Wlfe und Fchse und Bren, und die darf man
auch im Sommer und zu Ostern und zu aller Zeit jagen. Und darum hat unser Herr
die reichen Freunde und die mchtigen Mnner zu diesem Jagen geladen, das du
nicht begreifst.
    Bei uns sind noch ganz andere Jagen, sagte der erste.
    Ja, auf Fliegen und Hummeln, antwortete der zweite.
    Witiko achtete nicht weiter auf ihr Reden. Bisher hatte niemand zu ihm
gesprochen. Jetzt nherte sich ihm aber der junge Mikul in demselben braunen
Kleide und mit derselben weien Feder, die er gehabt hatte, als er bei ihm in
dem steinernen Hause in Plan gewesen war. Er grte ihn, und sagte: Es ist gut
und recht von dir, Witiko, da du gekommen bist, es haben mehrere Mnner dich
sicher hier erwartet. Strich, der alle zu sich geladen hat, ist drauen in dem
Walde, um mit ihnen zu jagen; aber sie mssen bald zurckkehren. Du siehst, wie
geehrte Gste er beherbergt, da er in dieser Zeit jagt.
    Es traten nun mehrere Mnner zu Witiko: der rothaarige Benes der blonde
Drslaw der schwarze Bogdan Domaslaw und Jurata, und grten ihn. Er dankte. Sie
nahmen Speisen und Wein. Es kamen andere herzu, sprachen etwas, und gingen
wieder weg.
    Als die Hlfte des Vormittages vergangen war, nherte sich eine Schar Reiter
dem Hofe. An der Spitze war ein Mann auf einem braunen Pferde, er hatte ein
weites dunkelblaues Gewand mit einem sthlernen Grtel und einem Jagdspiee. Auf
dem Haupte hatte er eine schwarze Haube mit einer grauen Feder. Er hatte braune
Haare und um das Kinn einen braunen Bart.
    Das ist Strich, der Herr des Plakahofes, sagte Mikul zu Witiko.
    Hinter dem Manne kamen die andern. Sie hatten auch weite Gewnder mit
Grteln, und trugen Jagdspiee. Diener und Hunde waren nicht bei ihnen. Sie
ritten bei dem Tore herein, ihre Pferde wurden in die Stnde verteilt, und sie
gingen in die Halle.
    Als sie sich dort verteilt und Speise und Trank genommen hatten, stieg ein
Mann in einem schneeweien wollenen Gewande und einen langen blauen Stab in der
Hand haltend auf eine Bank, und rief: Die Diener hinaus!
    Mnner von verschiedenen Gestalten und in verschiedenen Bekleidungen
verlieen auf diesen Ruf die Halle durch die zwei Tore an den zwei Enden
derselben, und an jedem Tore stellten sich drei Mnner mit Speeren auf.
    Da dieses geschehen, und einige Zeit darauf vergangen war, stieg ein Mann in
einem dunkeln weiten sammetnen Gewande, das ein aus Silber gearbeiteter Grtel
zusammen hielt, auf die Bank. Er hatte weie Haare und einen weien Bart. An
seiner Seite hing ein Schwert, und auf seinem Kopfe war keine Haube. Witiko
erkannte in ihm Nacerat, der in der Versammlung auf dem Wysehrad das
dunkelpurpurne Gewand getragen hatte. Als es in der Halle stille geworden war,
sprach der Mann: Liebe Getreue, Ansehnliche! Es sind mehrere darin berein
gekommen, da ich, weil ich vielleicht der lteste an Jahren bin, unserem Wirte
den Dank abstatte, da er uns ein so freundliches Fest und ein so schnes Jagen
auf seinem Hofe Plaka gegeben hat. Ich bin von Prag, wo ich viele Arbeit
verlassen habe, dazu her gekommen. Und wenn auch andere besser geeignet wren,
auf dem Platze zu stehen, auf dem ich jetzt stehe, so will ich doch reden, weil
mich einige Freunde hieher gedrngt haben, und weil ich aus Alter ein wenig
geschwtzig geworden bin. Ihr werdet mir es schon nachsehen. Strich der mchtige
ansehnliche und gute hat uns hieher auf einen seiner Hfe, der den Namen Plaka
fhrt, geladen, da wir erfahren, wie sein Wild sein zahmes Getier seine Kuchen
sein Bier und sein Wein schmecken, da wir die Wlder sehen, die er da besitzt,
und da wir in diesen Wldern jagen. Wir haben seit dem grauen Morgen gejagt,
und sind jetzt hieher zurckgekehrt, damit wir die Hitze des Tages nicht zu sehr
empfinden, die sich nun erheben wird. Ich sage ihm mit meinen Freunden den
besten Dank dafr, und alle werden ihm gewi so danken wie wir. Die Geladenen
knnen sich nun in ihre Heimat begeben, und nehmen eine Freude und ein Vergngen
mit sich auf den Weg. Sie haben sich hier gesehen, und haben freundschaftliche
Bande geknpft, und werden nun gewi einander, wie es die Lage ihrer Wohnungen
gibt, besuchen, bald hier, bald dort, bald anders wo, um ihre Freundschaft
fortzufhren, ihre Bndnisse fester zu machen, und von dem zu reden, was ihnen
im Herzen ist. Wenn unser guter erlauchter Herzog Wladislaw, den wir erwhlt und
eingesetzt haben, sich nicht so sehr von uns zurckzge, so knnte er in unserer
Mitte sein, knnte unser Vergngen teilen, und wrde unsere Freude erhhen.
Haben nicht die Herzoge frherer Zeiten mit den Lechen gejagt und getafelt? War
es anders? Sind nicht die Lechen ihre Gefhrten und ihre gesetzlichen
Gesellschafter? Sind sie nicht durch die Lechen eingesetzt und erhalten, und
sind nicht die Lechen fr die Handlungen derselben verantwortlich, und lastet
nicht ihre Wahl, wenn sie verfehlt war, verderblich auf dem Lande? Aber hat
unser guter Herzog Wladislaw das Vergngen eines Lechen oder Wladyken geteilt,
und ist er auf seinem Hofe gewesen, oder an seinem Tische gesessen? Ihr
schweigt, er hat es also nicht getan. Er wrde das Vergngen vermehrt haben, er
wrde selber Vergngen genossen haben, wenn er es getan htte, und wir wrden
heute noch freudiger sein, als wir sind, wenn er da wre. Wir bedauern ihn, da
er sich diese Lust versagt, und kehren ohne ihn in unsere Wohnungen zurck. Ich
kmmere mich um diese Dinge wenig, ich bin alt, und trage die Sorge fr das
Land; aber die Jugend will Freude. Unser erlauchter Herzog, ehe wir ihn auf dem
ehrwrdigen Schlosse Wysehrad zum Ersten unter uns gewhlt haben, ist immer mit
unseren Kindern und mit der Jugend des Landes gewesen, und hat ihre Frhlichkeit
mitgenossen. Er tut es jetzt nicht mehr, und darbt an Vergngen, obwohl er jung
ist. Er liest einige Leute aus, die ihm folgen mssen, wenn er in das Land
reitet, wie wir den Unsrigen sagen, da sie mit uns sein sollen, wenn wir jagen.
Er ritt mit mehreren nach Hostas Burg, und redete mit der erlauchten Adelheid
der Witwe unseres ruhmreichen verstorbenen Herzoges Sobeslaw. Da ich ihm
wohlwollend sagte, da er sich die Mhe auflade, die sonst der Rat bernhme,
spottete er meiner. Er ritt mit mehreren jungen Mnnern in die Burgen des
Landes, und machte Anordnungen, die die Rte und Herren des Reiches nicht
kannten. Als er zurckkehrte, schlossen wir, nmlich mein Bruder Znata, Milota,
dann der ltere Mikul und Domaslaw, die bei diesem Feste, das uns unser lieber
Wirt gibt, anwesend sind, und ich mit manchen unserer Leute, die wir
zusammenbringen konnten, uns ihm an, damit wir seinem Zuge den Glanz gben, der
ihm gebhrte, und den er sonst nicht gehabt htte, weil keiner der alten Lechen
dabei gewesen wre. Oder lebt unser erlauchter Herzog, wenn er schon die
Frhlichkeit unserer Jugend nicht teilt, sonst mit ihr zusammen? Ich glaube es
nicht. Hat nicht Wladislaw der lteste Sohn unseres hchst ruhmreichen
verstorbenen Herzoges Sobeslaw, der, wie er auch die Herren unterdrckte, doch
der gute und der weise war, in diesem Winter von Prag nach Ungarn fliehen
mssen? Ich bedaure unsern guten erlauchten Herzog Wladislaw, da er sich die
Vergngungen entzieht. Er nimmt die Arbeiten und die Beschlsse an sich, welche
sonst dem obersten Kmmerer und dem Hofrichter und dem Kanzler und dem obersten
Truchsesse und den Herren und Rten des Reiches gebhrten, und hat der Sorgen
und Plagen genug, da keine Freude Raum findet. Es sind nicht zwlf Wochen
vergangen, da er Kriegsknechte versammelt, und alle, die Ruber genannt wurden,
verjagt oder vertilgt hat. Und weil er dazu Macht braucht, so sitzt er, statt
unseren Festen beizuwohnen, und brtet in seinen Gedanken, wie er seine Macht
vermehre. Ich bedaure unsern guten Herzog, da er nicht bei uns ist, und unsere
frhliche Lust teilt. Boleslaw der Grausame, welcher seinen Bruder den heiligen
Wenzel erschlagen hat, ist gentigt worden, da er seine geraubte Macht erhalte,
die Lechen und die Herren des Landes zu unterdrcken. Bis zu ihm waren sie
Fhrer des Volkes wie die Herzoge, und der Herzog war unter ihnen nur der Erste
unter seinesgleichen. Es war ein Glanz durch das ganze Land, und keiner war in
Knechtschaft. Dann wurde es so, da er sie durch seinen Anhang zwang, ihm zu
dienen, da sie seine Krieger waren, und seine Geleiter. Selbst ihr Name Fhrer
verschwand, und wird nicht mehr gehrt. Und alle spteren Enkel Premysls sahen
es so, und muten bedacht sein, ihre Macht, durch die sie herrschten, zu
erhhen. Ich bedaure unsern guten Herzog, da er nicht unter uns ist. Auch den
Umgang und den Beistand seiner Angehrigen entbehrt er. Die erhabene Witwe des
preiswrdigen Sobeslaw Adelheid von Ungarn mute nach dem Tode ihres hohen
Gemahles in der einsamen Burg Hostas bleiben, und starb aus Gram und Kummer in
dem vergangenen Herbste. Ihre kleineren Kinder, die er in seine Hut nahm, knnen
ihm nichts gewhren, und so ist er allein, und beschliet allein ber das Land,
und wir werden spter sehen, ob es demselben fruchtet. Ihr erfahrt nun, da es
wahr ist, was ich gesagt habe, da ich geschwtzig bin. Ich rede immer von
allerlei anderen Dingen, und sage immer nicht unserem sehr guten Wirte unseren
Dank fr sein heutiges Fest, das er uns so gastherrlich gibt, und kann immer
nicht davon wegkommen, zu bedauern, da unser erlauchter Herzog nicht
gegenwrtig ist. Lasset uns also nur das Fest genieen, und wenn die Jugend
daran Gefallen hat, so lade ich sie auf den Laurentiustag in meine Burg Ruden,
da dort ein gleiches gefeiert werde. Ich wei nicht, ob ich werde anwesend sein
knnen; aber ich werde mich bestreben, und gewi wird alles zum besten Empfange
in Bereitschaft sein. Ich steige von der Bank herunter, damit ich nicht von ihr
herab gefordert werde, weil ich sie schon zu lange inne habe, und weil ich den
Fortgang des Festes stre. Ich fordere nur die Anwesenden, die es vermgen, zu
Gleichem mit unserem freigebigen Wirte auf, und sage ihm noch einmal unsern
Dank, unsern groen Dank, unsern aufrichtigen Dank, dessentwillen ich auf diesen
Brettern stehe.
    Unsern Dank, unsern groen Dank, unsern ehrlichsten Dank, riefen die
meisten Stimmen in der Halle.
    Nacerat stieg von zwei Mnnern untersttzt, von der Bank herab, ordnete sein
dunkles durch das Herabsteigen verschobenes Sammetgewand, und ging zu seinem
Sitze neben Strich dem Herren des Hofes.
    Nun stieg Znata der Bruder Nacerats in hellblauem Sammet auf seinen Sitz,
und rief: Von heute ab in drei Wochen lade ich alle, die hier sind, und die
sonst kommen wollen, in meine Burg Sturma zu einem Feste.
    Wir kommen, wir kommen, riefen viele Stimmen.
    Darauf stieg er herunter.
    Nach ihm stieg der graubartige Domaslaw im roten Gewande, wie er es auf dem
Wysehrad getragen hatte, auf seinen Sitz, und rief: Und von heute ab in fnf
Wochen lade ich alle, die da sind, und die sonst kommen wollen, auf meine Burg
Krut nach Mhren zu einem Feste.
    Nach Mhren, nach Mhren, erscholl ein drhnender Ruf.
    Nach Mhren, nach Mhren, in Mhren ist das Heil, rief ein Mann mit
mchtiger Stimme.
    Und ein Jubelgeschrei folgte diesen Worten.
    Domaslaw stieg von der Bank herunter.
    Nun wichen von dem unteren Tore der Halle die drei Bewaffneten zurck, und
Mnner in schneeweien Wollgewndern, wie der hatte, der den blauen Stab trug,
kamen herein, und stellten sich in eine Reihe, und begannen ein Sackpfeifen und
Fltenspielen, da der ganze Raum tnte. Und Rufe und Jauchzen der Anwesenden
mischten sich hinein.
    Jetzt kamen viele Diener, und nahmen die Dinge, die auf dem Tische standen,
weg, und brachten ein kostbares Mahl auf denselben. Das Mahl wurde sodann
verzehrt, viel Wein wurde getrunken, viele Worte wurden geredet, und es brausten
die Stimmen und das Klingen der Pfeifer in der Halle.
    Als das Mahl vorber war, standen viele auf, gesellten sich zu Gruppen und
Huflein, andere suchten ihre Pferde, bestiegen sie, und ritten lngs des
Sumpfes oder des Waldsaumes ihre Wege nach der Heimat, und andere blieben
sitzen, und sprachen oder aen noch und tranken.
    Witiko erhob sich von seinem Platze, und ging durch das Gedrnge der Mnner
gegen das Tor der Halle. Da traten der jngere Mikul und Drslaw und der junge
Milhost zu ihm, und Milhost sagte: Witiko, du weit es, wie ich mit
Schnelligkeit in meinen Sachen vorschreite, du wirst uns gegen diesen Herzog,
den du hassest, beistehen.
    Witiko antwortete: Ich bin nur ein einzelner Mann.
    Da sagte Drslaw: Viele einzelne Mnner sind ein Heer.
    Du wirst zu den Festen kommen, die angekndigt sind, sprach Milhost.
    Ich wei es nicht, antwortete Witiko.
    Er hat auch gesagt, er wisse es nicht, da ich ihn zu dem Feste Strichs
geladen habe, und ist doch gekommen, sagte Mikul.
    Er wird kommen, er ist ein wackerer Mann und ein herrlicher Junge, sagte
Drslaw.
    Er wird kommen, riefen die andern zwei.
    Jetzt mu ich mich verabschieden, da mich die Zeit drngt, sagte Witiko.
    Lebe wohl, wir sehen uns bald wieder, rief Milhost.
    Lebe wohl, rief Mikul.
    Lebet wohl, sagte Witiko.
    Er schritt weiter. Er ging durch das Tor hinaus, er suchte den Stand, in
welchem er sein Pferd angebunden hatte, band es los, untersuchte die Rstung
desselben, bestieg es, und ritt ber die sumpfige Wiese in den Wald. Er ritt im
Walde fort bis zu der Htte, in welcher er beim Herreiten bernachtet hatte. Er
blieb wieder in der Nacht in der Htte, und ritt am Morgen fort. Er ritt durch
dieselben Waldbestnde und ber dieselben Waldblen, durch die er gekommen war,
und gelangte am Abende den fahlen Wacholderberg vorber nach Plan.
    Von diesem Tage an wohnte er wieder in dem steinernen Hause. Er ging nicht
zu Znatas Feste nach Sturma, noch zu Domaslaws Feste nach Krut, noch am
Laurentiustage zu Nacerats Feste nach Ruden, noch zu einem anderen Feste, das
gefeiert wurde. Er sandte zuweilen Boten aus, und zuweilen kamen Boten zu ihm.
Einige Male ritt er selber fort, und blieb mehrere Tage abwesend.
    Als der Lenzmonat nach dem Winter kam, und wieder mehrere Mnner bei ihm an
der Leuchte saen, sagte er: Liebe Mnner, es kmmt eine ernsthafte Zeit. Ich
habe genaue Kundschaft. So wie ich zu einem Feste nach Plaka geladen worden bin,
so sind fortwhrend Festlichkeiten der Herren gewesen, bald hier, bald dort, sie
haben frhlich gezecht und gejagt, haben einander Besuche abgestattet,
Zusammenknfte gehalten, sind fter nach Mhren geritten, und nun sind alle
Herren, welche in Bhmen groe Landstriche besitzen, nach Mhren gegangen, haben
dort ein zahlreiches Kriegsvolk aufgestellt, und werden gegen unser Land
vordringen. Ich halte es fr meine Pflicht, da ich fortreite, um zu sehen, was
es ist, und da ich dort helfe, wo ich es fr recht erkenne. Ich habe euch
dieses gesagt, wenn etwa einer fr das Rechte und Gute mithelfen will.
    Es war im Jahre des Heiles 1142 gewesen, da Witiko so zu den Waldmnnern an
seiner Leuchte Besprochen hatte.
    Es antwortete Peter Laurenz der Schmied: Das ist so, wie es bei unsern
Voreltern gewesen ist, sie haben bei den Streiten mitgewirkt, da das Land
beschtzt werde, und dem Herzoge kein Schaden geschieht, und haben sich und den
Ihrigen durch die Kriegserwerbnisse aufgeholten. Ich meine, wir sollten schauen,
was es gibt.
    Es kann nun nicht andere sein, wir mssen mitgehen, sagte Tom Johannes der
Fiedler.
    Ja, wir mssen nach der Sache schauen, sagte David der Zimmerer.
    Die Feldarbeiten sind noch nicht vor der Tr, und wir knnen den Weibern
auftragen, die Anordnungen zu machen, sprach Stephan der Wagenbauer.
    Wir sollten genauere Nachrichten einholen, sagte Christ Severin der
Wollweber.
    Die werden wir auf dem Wege schon erfahren, sagte Tom Johannes der
Fiedler, sonst versumen wir die beste Zeit.
    Die Sache ist sehr gut, sagte Maz Albrecht, und so tun wir es.
    Ich glaube, da wir in wenigen Tagen gerichtet sein knnen, sagte Witiko,
und so sollten wir nichts aufschieben.
    Ja, ja, wer gehen will, ist bald fertig, sagte Tom Johannes.
    Ja, ja, sagten mehrere.
    Und so verlieen sie an diesem Abende Witikos Leuchte.
    Am fnften Tage darnach war Witiko gerstet. Er und sein Pferd waren in den
ntigen Stand gesetzt, die Reise zu erneuern, und er hatte Vorsorge getroffen,
da ihm von seiner Habe, was er brauchte, gefrdert werde. An diesem Tage waren
auch die Mnner, die ziehen wollten, bereitet. Da war Christ Severin der
Wollweber mit einem Ahornschafte dem Packe der Nahrungsmittel und einem Sacke
fr die Beute, Stephan der Wagenbauer mit Schwert und Spie dem Packe der
Nahrungsmittel und dem Sacke fr die Beute, David der Zimmerer mit Schwert und
Streitaxt dem Packe der Nahrungsmittel und dem Sacke fr die Beute, eben so Paul
Joachim mit einem Spiee, Jakob mit Spie und Schwert, Tom Johannes der Fiedler
mit einem Spiee und einem groen Sacke fr die Beute, angleichen Maz Albrecht
mit einem Ahornschafte, dann Peter Laurenz der Schmied, mit einer Eisenstange
und einer eisernen Wurfkeule, dann Urban, Zacharias, Lambert, und Wolfgang mit
Ahornschften, Gregor Veit mit Schwert und Spie, dann viele von den jungen
Leuten, und Knechte, die entbehrt werden konnten. Sie hatten die groben grauen
Wollkleider an, Stiefel mit den groen eisenbeschlagenen Sohlen an den Fen,
und dicke Filzhauben auf den Huptern. Der Knecht Raimund hatte begehrt, mit
Witiko zu gehen, und Witiko hatte eingewilligt. Weil Witiko erklrt hatte, da
er im Schritte reiten werde, sagten die Mnner, man solle bei einander bleiben,
und neben ihm gehen. Witiko hielt es fr gut.
    Als sie versammelt waren, segnete sie der Priester mit den weien Haaren,
sprach zu ihnen, und machte das Zeichen des Kreuzes ber sie. Die Weiber standen
da, und weinten, und hielten noch Kinder zum Abschiede hin. Die Mdchen schauten
verzagt und freudig auf die jungen Mnner. Die Knaben hatten Stbe und Stnglein
als Lanzen in Nachahmung der Mnner, und standen ganz vorne. Martin stand neben
dem Pfarrer, und trstete die weinende Lucia.
    Endlich zogen sie fort. Viele Weiber manche Mdchen und alle Knaben gingen
hinter ihnen her, bis sie die strenge Weisung erhielten, zurckzukehren, und
dann blieben sie erst noch stehen, bis die Mnner im Walde waren.
    Da der Abend dieses Tages heran nahte, war der Zug durch den feuchten Schnee
bis zu Rownos Turm gelangt. Dort sahen sie, da Rowno sich und die Seinigen
rste. Es war eine groe Bewegung in dem Turme und zwischen den Htten. Als
Rowno die Ankmmlinge erblickte, rief er: Da ist Witiko von Plana, das ist
recht, da du dich rstest. Witiko, wer htte das gedacht? Wir wissen nicht
einmal genau, wer gegen den Herzog ist, und wer mit ihm. Wenn alle die Anhnger
des verstorbenen Sobeslaw zu den Mhrern gehen, der wilde Wsebor, und der alte
Diwis, und der uralte Bolemil mit seiner groen Sippschaft und Untergebenheit,
und der alte Lubomir, und der starke Bozebor, so kann ein schwerer Krieg werden,
und der junge Wladislaw der Sohn Sobeslaws kann gegen den lteren Wladislaw, den
wir erwhlt haben, siegen. Wir wollen die Rechte der Wladyken schtzen, da sie
nicht von den groen Lechen verletzt werden knnen, wir wollen fr ihre
Unabhngigkeit und Wohlfahrt streiten. Komme herein, und bernachte in meinem
Hause.
    Witiko ritt in den Turm, und die andern wurden in den Htten aufgenommen,
erwrmten sich, und erhielten Speise und Trank.
    Da der Morgen des nchsten Tages angebrochen, und Witiko in die groe Stube
gekommen war, standen viele Mnner in derselben. Sie hatten das weite Kleid kurz
geschrzt und gegrtet, hatten rauwollige Beinbekleidungen und grobe Stiefel,
und auf den Huptern dicke Filzhauben. Jeder hatte ein Schwert und eine Lanze,
und viele trugen, wie es gelegentlich hervor schimmerte, Panzerhemden unter dem
berkleide. Rowno trug ein Panzerhemd und ein Schwert; aber er war noch nicht
vllig bekleidet, namentlich war sein Haupt unbedeckt. Es wurde Bier zum
Frhtrunke gereicht, und an einige Mnner, die noch in die Stube kamen, wurden
Waffen verteilt. Ludmila die Gattin Rownos war mit ihrem Knblein Mis und mit
ihrem Tchterlein Durantia in die Stube getreten, um die Mnner und Witiko zu
begren. Sie war bla und stille.
    Rowno sagte zu Witiko: Trink einen Frhtrunk, ehe du aufbrichst, und sage
Ludmila einen Morgengru.
    Witiko tat einen Trunk aus einem Krglein, in welchem Bier war, und schritt
dann zu Ludmila, und sagte: Seid gegrt, edle Frau, und es seien auch Eure
Kindlein gegret, wir werden einen Zug in das Feld bekommen.
    Der Beschlu der Mnner wird geschehen, sagte Ludmila, und sie werden
wahren, was ihnen gebhrt.
    Ich werde im Felde sein, sagte Rowno, Bustin wird den Turm besetzt
halten, der Turm wird gut versehen sein, es werden sich in ihm die ntigen
Mnner befinden, und die Knaben, die da sind, mgen in dem Walde Kundschaft
treiben, und wenn etwas geschieht, das euch Gefahr droht, sendet schnell, und
ich werde zurckkehren.
    Tue nach deinem Herzen, Rowno, sagte Ludmila, und Ihr Witiko seid
gegret, und habet Dank fr den Gru an die Kinder.
    Da ging bei diesen Worten die Tr der Stube auf, und die Jungfrau mit den
schwarzen Haaren den schwarzen Augen den roten Wangen und den kirschroten
Lippen, die das dunkelblaue Kleid mit dem veilchenblauen Grtel angehabt hatte,
da Witiko einmal als Gast in dem Turme war, Dimut die Schwester Rownos trat
herein. Sie trug aber kein dunkelblaues Kleid mit irgend einem Grtel, sondern
an ihrer Brust glnzte ein helles Waffenhemd, das wohlgereinigt schimmerte, und
mit kurzen weiten rmeln ber das Kleid ihrer Arme ging. Das andere Kleid auer
dem Panzerhemde war schwarz und weitfaltig. An den Fen hatte sie schwarze
Stiefel. Ihr Haupt war mit einer schwarzen dicken Filzhaube bedeckt. Sonst trug
sie eine Waffe nicht. Sie ging an den Mnnern vorber zu Ludmila, und sagte:
Sei gegrt, Schwester.
    Dann ging sie zu Rowno, und sagte: Ich bringe dir den Morgengru.
    Und dann sagte sie zu Witiko gewendet: Ich gre Euch auch, Witiko, Ihr
geht gegen Mhren.
    Ich gehe in den Krieg, antwortete Witiko.
    Du hast dich auch gerstet, sprach Rowno zu ihr.
    Dimut antwortete: Ihr werdet alle, die ihr es knnt, in das Feld gehen, ihr
werdet dort genau ergrnden, wo das Recht ist, und werdet fr das Recht mit
eurem Leben streiten, und wenn es sein mu, euer Leben dafr lassen. Ich will
tun, was ein Weib vermag, zu meinem Schutze soll wenigstens niemand bentigt
sein. Das Rechte mu geschehen, wie es auf Erden und im Himmel gilt.
    Du wirst immer klug handeln, meine Dimut, sagte Rowno.
    So klug, wie es der Teil Klugheit verlangt, entgegnete Dimut, der mir
geschenkt worden ist.
    Dann ging sie zu den bewaffneten Mnnern, und reichte ihnen die Hnde.
    Ich mu jetzt fortgehen, sagte Witiko.
    So gehe, und wir werden dich vielleicht noch erreichen, entgegnete Rowno.
    Witiko verabschiedete sich, verlie die Stube, suchte sein Pferd, und ritt
ber den Damm hinaus. Die Mnner von Plan schlossen sich an, und gingen mit ihm.
Als weit hinter Rownos Turm der Wald aus war, hrte der Schnee auf, und sie
kamen am Abende in den Zupenort Daudleb. Dort kaufte Witiko fr Raimund ein
Pferd, besorgte noch manches fr seinen Zug, und die Mnner beschlossen, eine
Zeit auf Kundschaft hier zu bleiben.
    Als Witiko in den Zupenhof ging, war er verschlossen, es wurde ihm das Tor
geffnet, und er wurde, weil ihm der Torwart gesagt hatte, da Lubomir fort sei,
zu Boleslawa gefhrt, die mit Mnnern in dem Hause war. Witiko begrte sie, und
sagte: So ist Lubomir in seinem Alter fortgegangen?
    Ja, er ist fortgegangen, sagte Boleslawa. Da es an der Zeit war, kam, wie
es sich gebhrt, unser Erstgeborner Moyslaw mit seinen Mnnern von seinem Hofe
Chlum zu uns, dann kam unser Zweitgeborner Pustimir von seinem Felde und Walde
in Dauby mit seinen Mnnern, dann kam auch der Drittgeborne Radosta mit seinen
Mnnern von Trebin, es kamen die Gatten Marias Euphemias und Boleslawas mit
ihren Mnnern, Lubomir hatte seine eigenen Leute versammelt, der demtige
Priester dieses Hauses hat sich auch zu trsten und zu helfen beigesellt, und
sie gingen alle zu Wladislaw dem Herzoge.
    Zu Wladislaw dem Herzoge? fragte Witiko.
    Zu Wladislaw dem Herzoge, entgegnete sie. Du bist auch auf dem Zuge,
Witiko, sei eingedenk, das Rechte zu tun.
    Gehabt Euch wohl, erhabne Frau, antwortete Witiko, ich will das Rechte
tun, das ich erkenne.
    So tue es, sagte sie, und sei in andern Zeiten wieder einmal hier unser
Gast.
    Ich werde um Einla bitten, wenn alles vorber ist, und sich das Tor mir
nicht verschliet, sagte er.
    Er verabschiedete sich, und wurde wieder ins Freie gefhrt.
    Die Mnner des Waldes blieben zwei Tage in Daudleb. Am dritten zogen sie
fort, und hielten ihre Nachtruhe in Podhrad, wo Smpfe und Einden waren.
    Am folgenden Tage gingen sie nach Austi in wohlbebautes Land. Da blieben sie
wieder zu kundschaften fnf Tage. In den Husern waren wenige Mnner, und die
Leute, welche da waren, blieben in den Stuben. Auf den Wegen waren Bewaffnete
und allerlei Volk, das gegen Mitternacht zog. Ctibor, der sonst bei Austi auf
einem Hofe wohnte, war mit seinen Mnnern zu dem Herzoge Wladislaw gegangen.
    Als sie erfahren hatten, da nach Mitternacht hin die Kriegsheere stehen
mssen, zogen sie in dieser Richtung weiter. Es begegneten ihnen Leute, die ihr
Vieh nach dem Mittage und gegen die Wlder trieben. Sie hielten die
Nachtherberge an dem Hofe Nacehrad.
    Am nchsten Tage begegnete ihnen sehr viel Volk. Es sumte meistens seine
Gter auf Pferden oder Ochsen in fernere Gegenden, oder es trug, was ihm
gehrte, auf dem eigenen Rcken. Da es Nachmittag geworden war, sahen sie in der
Richtung von Abend her viele Menschen auf einem Wege kommen, der in den ihrigen
ging, und sahen, da sie ihnen den Weg verstellten. Es waren Mnner, welche in
hochgeschrzten Faltengewndern gingen, sie hatten schwere Stiefel an den Fen,
und auf den Huptern hatten sie dicke Filzhauben, welche kaum die Augen sehen
lieen, und dann mit einem Lappen ber die Wangen und den Bart hinab gingen. Sie
trugen Schwerter und Spiee. Wo die Wege sich vereinten, hielten sie an,
sammelten sich auf dem Wege und dem Felde, und blickten auf Witiko und seine
Schar. Sie wurden immer mehr. Dann kamen auch Reiter hinter ihnen, die
Beinbekleidungen krzere gegrtete Rcke und Filzhauben mit einer geraden Feder
trugen, wie die Mnner gekleidet waren, die den scharlachroten Prinzen begleitet
hatten, ehe er Herzog geworden war. Einige hatten feine Gewnder andere grbere
und unscheinbarer an Farben. Sie trugen keine Lanzen aber alle hatten Schwerter,
und viele trugen Schilde. Es waren mehrere sehr groe und starke Mnner unter
ihnen. Sie sammelten sich ebenfalls neben den Fugngern auf dem Felde. Endlich
sprengte einer an den Reitern vorwrts, der eine graue Falkenfeder auf der
schwarzen Haube und grne Kleider hatte. Er ritt gegen Witiko und rief: Was
versperrst du hier den Weg, da unsere Leute im Weiterziehen gehindert sind?
    Ich versperre nicht deinen Weg, rief Witiko entgegen, siehst du nicht,
da unsere Richtung von Mittag nach Mitternacht geht, und da ihr von Abend
herein gekommen, und da ihr es seid, die uns den Weg versperren?
    Du hast deine Leute aufgestellt, da sie uns betrachten, rief der andere,
wir mssen uns also auch ordnen, da wir gerstet sind, wenn ihr uns etwas
anhaben wollt, und das ist es, wodurch du uns hinderst.
    Du erkennst wohl, da wir die wenigen euch die so vielen nicht angreifen
werden, entgegnete Witiko, wenn du uns aber anfllst, so werden wir unsern
Krper verteidigen, so gut wir es knnen. Diese aber sind nicht meine Leute, ich
wei nicht, was sie in der Zukunft tun werden, jetzt sind sie nur neben mir
gegangen, weil wir aus der nmlichen Heimat sind.
    Whrend dieses Rufens waren immer mehr Reiter gekommen, und hatten sich
neben den grnen Mann gestellt. Jetzt kamen zwei Saumpferde, eines vorn und
eines hinten, sie trugen eine offene Snfte, und in derselben sa ein Mann in
ein sehr weites braunes mit Pelzwerk verbrmtes Kleid gehllt, und unter der
schwarzen Haube drangen weie Haare herab, und auf das braune Kleid flo ein
sehr langer weier Bart. Der Mann war sehr alt, und sein Haupt war nach vorwrts
geneigt. Da er zu dem grnen Reiter gekommen war, hielt die Snfte an, der grne
Reiter stellte sich neben sie, und sagte: Hochehrwrdiger Grovater, dort steht
der Bote, welchen der kranke Herzog Sobeslaw einmal in die Versammlung auf den
Wysehrad gesendet hat, er richtet seine Leute gegen uns, da er uns etwa
schdige.
    Der alte Mann hob sein Haupt empor, wendete sein Angesicht und seinen Krper
gegen die Stelle, auf welcher Witiko stand, und sagte: Sohn des Wok, ziehe
deiner Wege, gehe zu Wladislaw dem Sohne Sobeslaws oder zu andern Feinden des
Herzoges, wir werden dich dort bekmpfen, hier ist nicht Zeit, da wir dich
vertilgen. Rhre keinen der Mnner an, die um mich sind.
    Dann wendete er sich an den grnen Reiter, und sprach Dalimil, sage den
Leuten, da sie weiter ziehen, und eine Sumnis nicht mehr eintreten lassen.
    Der grne Reiter ritt gegen die Fugnger vorwrts, der alte Mann in der
Snfte aber nahm sein braunes Kleid fester an sich, und neigte sein Haupt wieder
nach vorne, wie er es frher gehabt hatte.
    Die Fugnger und Reiter fingen an, sich wieder zu bewegen. Witiko aber
rief: Hochehrwrdiger Leche Bolemil, ich rhre keinen deiner Mnner an, und wer
wei, ob unsere Wege nicht die gleichen sind.
    Bolemil antwortete nicht, sondern nickte nur mit dem Haupte.
    Der Zug bewegte sich schneller, und die Pferde mit der Snfte fingen zu
gehen an. Hinter ihr kamen wieder Reiter. Witiko aber blieb stehen, bis alle
vorber waren, und man endlich auf dem fernen Wege kaum mehr einen der Mnner
erblicken konnte. Dann setzte er sich in Bewegung, und zog ihnen nach.
    Er kam mit den Mnnern, die bei ihm waren, an dem Abende dieses Tages zu
einem Hofe, der nicht weit von den Husern stand, die den Namen Suchdol hatten.
Sie beschlossen, da zu ruhen. In dem Hofe war kein Mensch, es waren die Tren
und Tore eingeschlagen, es waren keine Vorrte da, kaum Futter fr Witikos und
Raimunds Pferd. Und als die Nacht gekommen war, erblickte man gegen Morgen die
roten Scheine von entfernten Feuersbrnsten. Die Mnner lagerten in dem Hofe,
und aen von den Nahrungsmitteln, welche sie in den Pcken mit sich gefhrt
hatten. Als der Tag angebrochen war, sahen sie die Huser von Suchdol deutlich;
aber einige waren verbrannt, und andere zerstrt. Von Suchdol gegen den Hof war
ein Berg, beinahe gegen die Mittagseite gelegen, weit gedehnt und gestreckt, hie
und da mit einigem Gebsche und dann mit Wiesen und Feldern bedeckt. Er hie
Wysoka. Von ihm konnte man in entfernten Morgengegenden Rauchsulen aufsteigen
sehen, und in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend sah man auch Rauch zu
dem Himmel ziehen. Die Mnner versammelten den Hof, stellten in ihm Wachen auf,
und sandten mehrere fort, um Kundschaft einzuziehen. Die Kundschafter kamen
zurck, und sagten, da vier oder sechs Wegestunden weit zwischen Mitternacht
und Abend der Herzog mit seinem Heere sei, da er es sammle und ordne, und da
gegen Morgen hin eine Tagereise oder mehr entfernt die Lechen, welche sich
zusammen getan hatten, lagern, und da sie Zuzge und Verstrkungen rufen. Der
Leche Nacerat, der ein hoher Herr bei dem Herzoge Wladislaw gewesen sei, stehe
an ihrer Spitze. Alle Huser rings herum sind leer, viele sind verbrannt oder
zerstrt, die Menschen sind mit ihrem Vieh und ihrem Gute fortgezogen. Hie und
da zeigen sich Bewaffnete, und manches Mal ein Mensch, der etwa ein Dieb oder
ein anderer dieser Art sein kann.
    Die Mnner von Plan beschlossen, in dem Hofe zu bleiben, bis sie genauer
erkundet htten, was sich begebe. Sie gingen daran, das Gebude besser zu
befestigen.
    Es waren indessen die milderen Tage des Lenzes gekommen, die Gestruche,
welche auf dem Berge Wysoka standen, bekamen grne Blttchen, die Wiesen
erhielten Gras, und die Wintersaaten sproten. Die Felder, auf welchen die
Sommersaaten stehen sollten, waren nicht bestellt worden.
    Es war nun auch Rowno mit seiner Schar in die Gegend gekommen, und da die
Mnner von Plan streiften, trafen sie ihn, er ging mit ihnen samt den Seinen in
den Hof, und vereinigte sich mit ihnen. Auf diese Art kam auch Osel mit seinen
drei Knaben, Diet von Wettern, dann ein Mann, der an der Moldau in dem Hofe
Attes wohnte, dann der von Hora, dann Wolf von Tusch und Wernhard von Ottau.
Jeder hatte eine Schar mit sich. Es kamen dann auch die von Friedberg, von
Horec, die Hlenici, und da sie Diet von Wettern und die aus dem Turme Rownos
erfragten, gingen sie in den Hof, es kamen von denen, die im neuen
Kirchenschlage reuteten, die vom schwarzen Bache, vom Wangetschlage, vom
Eckschlage, vom Rathschlage, dann kamen, die an der Moldau hinab saen, wo bei
Friedberg gereutet wurde, dann die von den Husern an dem Moldaufelsen, welcher
der Rosenberg geheien wurde, wo Witiko einmal mit Florian ein Mittagsmahl
gehalten hatte, dann einige von den Htten, die mittagwrts von der Waldble
des heiligen Thomas lagen. Von dem Huschen im Wangetschlage, das Witikos Stamme
gehrte, kam der Knecht Jakob mit einem lahmen Pferde.
    Sie versammelten sich alle bei dem Hofe, und versprachen, zusammen zu
halten. Sie lebten von den Nahrungsmitteln, die sie mitgebracht hatten, und
richteten zu ihrem Getrnke wieder den Brunnen des Hofes zurecht. Zugleich
begannen sie, um den Raum Grben zu machen, und sich durch Pfahlwerke zu
schtzen.
    Eines Tages kam eine Schar schner Reiter gegen den Hof. An ihrer Spitze war
ein Jngling in himmelblauem Gewande mit einer weien Feder auf dem Haupte. Er
ritt nher, und betrachtete den Hof und die Befestigungen um ihn. Witiko bestieg
sein Pferd, ein Tor der Pfhle wurde geffnet, und er ritt von einer groen
Schar Fugnger begleitet hinaus. Da er zu dem Jnglinge gekommen war, rief er
aus: Wladislaw, der Sohn des Herzogs Sobeslaw!
    Ja, ich bin es, den du genannt hast, rief der Jngling im blauen Kleide
entgegen, Witiko, der treue Freund meines Vaters, Witiko, den meine Mutter
geehrt und beschenkt hat, wie freut sich mein Herz, da ich dich sehe!
    Es kamen noch mehr Fugnger aus dem Hause heraus, und alle stellten sich
halbkreisartig hinter Witiko auf. Das gleiche taten die Reiter hinter Wladislaw.
    Nun ist die Zeit gekommen, Witiko, sprach der Prinz, da wir die Schmach
auslschen, die uns geschehen ist, da wir den Hohn tilgen, der meinem Vater
angetan worden ist, da wir den Schmerz vergelten, den meine Mutter leiden
mute, und da wir alles, was recht ist, wieder herstellen. Du und die Mnner,
die dir gehorchen, sind mit dazu erlesen.
    Und wie wird das geschehen? fragte Witiko.
    Es ist alles wohl geordnet und zum Gelingen bereit, antwortete Wladislaw,
hre mich. Der uns den Herzogstuhl geraubt, und mich in die Untertnigkeit
gestrzt hat, der nmliche hat mir auch meine Habe entrissen. Er hat mir das
Herzogtum Olmtz, das ich besa, genommen, und hat es Otto dem Sohne des
schwarzen Otto gegeben, den er aus Ruland gerufen hatte. Mich zwang er nach
Prag zu sich. Aber ich bin in dem vorvorigen Winter entflohen, und bin bei
meinen kniglichen Sippen in Ungarn gewesen. Indessen hat der, welchen sie noch
bei dem Leben meines Vaters des ruhmreichen Herzoges Sobeslaw gegen ihren Eid
auf dem Wysehrad zum Herzoge gewhlt haben, die Rechte aller groen Lechen
gekrnkt, er hat sie bei Seite gesetzt, und hat ohne ihren Rat und Beistand
gehandelt. Sie sind von ihm abgefallen, und die ihn eifrig gewhlt haben, stehen
jetzt gegen ihn. Nacerat der groe und mchtige ist jetzt in Mhren, eben so
sein Sohn Dus und sein Bruder Znata. Dann ist der alte reiche Mikul, dann ist
Jurata, dann ist der alte Rodmil, dann Groznata, Slawibor, Domaslaw, Kochan,
Bohus, dann der junge tapfere Milhost, Strich von Plaka, der junge Mikul,
Bogdan, Benes und die Mhrer Drslaw, Mireta, Zibota, Soben, Treba, Stibor, und
sehr viele andere. Ich bin zu ihnen gegangen, um Vergeltung zu ben. Sie haben
einen Bund gestiftet, um eine andere Herrschaft einzufhren. Die Frsten aus dem
Stamme Premysls sind dem Bunde beigetreten: Wratislaw der Herzog von Brnn,
Konrad der Herzog von Znaim, Otto der Herzog von Olmtz, welchen Wladislaw aus
Ruland zurckgerufen hatte, dann die Shne Boriwoys des Oheims Wladislaws
Leopold und Spitihnew. Sie haben alle Konrad von Znaim zum Herzoge von Bhmen
und Mhren gewhlt. Sein Heer steht nicht zwlf Wegestunden von hier gegen
Morgen. Immer kommen noch Zge zu demselben, und wenn es gerstet ist, werden
alle Hupter zu ihm kommen, und werden gegen Wladislaw vorrcken, und ihn, der
die Herren schwchen, und sich mit den kleinen Leuten und mit dem Volke strken
wollte, vertilgen.
    Weit du das ganz genau, und bist du nicht getuscht worden, Wladislaw?
fragte Witiko.
    Die hier mit mir sind, antwortete Wladislaw, stammen aus den besten
Geschlechtern, sie streifen, um die Lage und Begebnisse der Gegend zu
erforschen, und sie knnen dir sagen, da ich die Wahrheit rede.
    Der hohe Prinz spricht wahr, rief ein Mann in dunkelroten Kleidern, der in
der vorderen Reihe des Zuges stand.
    Er spricht wahr, riefen mehrere Stimmen.
    Du wirst auch, wenn du bei uns bist, Witiko, sagte Wladislaw, die Schrift
sehen, in welcher alles verzeichnet ist. Sie enthlt die Namen, die ich dir
nannte, und in ihr sind die Rechte aufgeschrieben, welche der knftige Herzog
denen gegeben hat, die ihn whlten, und die fr ihn streiten wollen. Wir werden
nur noch ber die Felder von Suchdol reiten, wo wir in der Richtung gegen Abend
sehen knnen. Du kannst indessen deine Leute ordnen, und dann mit uns
ungefhrdet zum Heere ziehen.
    Du sagst, da alle groen Mnner der Lnder mit euch sind? fragte Witiko.
    So ist es, entgegnete Wladislaw.
    Du hast Zdik den Bischof von Olmtz nicht genannt, welcher der eifrigste in
jener Versammlung auf dem Wysehrad war, um die Wahl Wladislaws zum Herzoge von
Bhmen und Mhren zu bewirken.
    Zdik ist ein Verrter, antwortete Wladislaw, er hat schon wohl den Sinn
und die Absichten meines Vetters Wladislaw gekannt, da er die Herren
unterdrcken, und die Kleinen und die Bischfe empor bringen wird, darum hat er
dessen Wahl so emsig befrdert, und jetzt hat er seinen Bischofsitz und das Land
Mhren verlassen, und ist in das Lager Wladislaws gegangen.
    Du hast den alten Lechen Bolemil nicht genannt, sagte Witiko.
    Der ist uralt, und fhrt keine Kriege mehr, entgegnete Wladislaw.
    Er ist mit einer groen Schar von Fugngern und Reitern zu dem Herzoge
gezogen, ich habe ihn selber gesehen, und habe mit ihm gesprochen, antwortete
Witiko, der Zupan von Daudleb Lubomir ist mit seinen Scharen und mit denen
seiner Shne Moyslaw Pustimir und Radosta und mit denen seiner drei
Tchtermnner zu dem Herzoge gegangen. Ctibor, welcher mit vielen Mnnern in den
Gefilden von Austi wohnte, ist mit ihnen zu dem Herzoge gegangen. Weit du etwas
von Diwis, dem Zupane in Saaz?
    Man erzhlt, da er bei dem Herzoge sei, sagte Wladislaw, allein das
ndert nichts, wir werden sie alle niederwerfen.
    Und Bozebor und Wsebor und Nemoy und Chotimir und der alte Preda und Jurik
und der alte Milota? fragte Witiko.
    Es knnen nicht alle bei uns sein, sagte Wladislaw, die mehreren und die
besten haben wir.
    So wird der ehemalige Bischof Silvester, der deinetwegen Trnen in der
Versammlung vergossen, und deinetwegen sein Amt niedergelegt hat, bei dir sein?
fragte Witiko.
    Silvester ist ein gebrechlicher Mann, entgegnete Wladislaw, und hat sein
Kloster nicht verlassen.
    Wladislaw, sagte Witiko, von den Mnnern, die ihren Eid von Sadska
gebrochen haben, sind nur diejenigen in Mhren, welche es nicht ihres Landes
sondern ihres Nutzens willen getan haben, und sind nun ihrem neuen Eide wieder
untreu. Ich habe es geahnt, da Nacerat in der Versammlung auf dem Wysehrad
gesprochen hat, und ich habe es erkannt, als ich ihn bei einem Feste im
Plakahofe sprechen gehrt habe. Die Frsten, die Shne des Stammes Premysl, sind
ihrem eigenen Stamme untreu, da sie gegen den obersten Sohn des Stammes, dem sie
unterworfen sind, dem sie gehorchen sollen, aufgestanden sind, um fr sich
Vorteile zu gewinnen, Otto der Sohn des schwarzen Otto, den der Herzog aus der
Verbannung zurckgerufen hat, dem er das Herzogtum Olmtz gegeben hat, ist zur
Untreue auch noch undankbar, Konrad, welcher gar keine Rechte auf den
Frstenstuhl besitzt, hat ihn zu kaufen versucht, weil er seinen Helfern, wie du
sagst, in einer Schrift Zugestndnisse versprochen hat, die sie fr ihren
Beistand erlangen sollen, und du aber, Wladislaw, hast dich selber
preisgegeben.
    Witiko, du treuester Diener Sobeslaws, du willst doch nicht von ihm
abfallen? rief der Prinz.
    Nicht von Sobeslaw falle ich ab, ich bleibe ihm treu, sagte Witiko, dein
Vater hat mich rufen lassen, als er auf dem Totenbette gesagt hat: Mein
erstgeborner Sohn Wladislaw, du bist von dem deutschen Knige Konrad mit den
Lndern Bhmen und Mhren belehnt, und von den Herren beider Lnder auf dem Tage
in Sadska anerkannt worden. Jetzt aber haben sie auf dem Wysehrad deinen Vetter
Wladislaw den Sohn meines verstorbenen Bruders des Herzoges Wladislaw fr meinen
Tod zum Herzoge gewhlt. Unterwirf dich ihm, und gehorche ihm, da die Snden
nicht werden, welche in meiner Jugend gewesen sind. Nacerat wird gegen Wladislaw
nicht siegen. Ich habe mir die Worte tief in mein Gedchtnis geprgt, weil sie
mir sehr merkwrdig erschienen waren. Dein Vater hat die Wahl seines Neffen
anerkannt, und hat dir den Rat gegeben, dein Recht auf die Nachfolge in der
Herrschaft der Lnder hinzugeben, da das Heil des Reiches nicht zerstrst
werde. Du konntest den Willen deines Vaters nicht erfllen, du hast ihm damals
nichts zugesagt, du konntest mit den Waffen gegen deinen Vetter aufstehen, dein
Recht aufrecht halten, das Heil des Landes in die Schanze schlagen: viele wren
an deiner Seite gestanden, wahrscheinlich die besten, die jetzt gegen dich sind,
und ich wre gewi unter deine Fahnen gegangen; du aber hast dein Recht selber
hingeworfen, weil du in die Dienstbarkeit eines andern gegangen bist, der Herzog
sein will. Jetzt lebt die Anerkennung deines Vaters fr Wladislaw als Recht auf,
das haben sie alle, welche fr dich und das Recht auf dem Wysehrad gesinnt
gewesen waren, erkannt, der edle Diwis, der treue Freund deines Vaters, der ihm
vor den Verschwrern das Leben gerettet hat, Bolemil der weise alte Mann, der
vor den Greueln der Nachfolgekriege so ngstlich gewarnt hatte, der gute
Lubomir, der mir dem Boten deines Vaters Gehr von der Versammlung erbeten
hatte, dann Wsebor, der die Leiden deines Vaters zu ehren gefleht hatte, Jurik,
Chotimir, der Feldherr Smil, und vor allen der untadelige Bischof Silvester, dem
fr dich sein lauteres Leben zerstrt ist, sie haben es erkannt, und stehen
jetzt zu dem Rechte, das neu geworden ist, und das du selber durch dein Tun
hervorgerufen hast. Du sagst, da ich nicht treu bin. Bist du der treue Sohn
deines Vaters, der sich in seiner Herrschaft gemigt hat, da nicht das Volk
durch die Groen gedrckt wurde, und da er es nicht selber drcke, und der sich
im Tode noch mehr zu migen gewut hat, indem er das Land ber seine Kinder
stellte? Er hat dir den Rat und, ich kann sagen, den Befehl gegeben, dich zu
fgen, er hat ihn dir nicht umsonst vor so vielen Zeugen gegeben, weil er
gewollt hat, da dir keiner beistehe, wenn du dich erhebest. Bist du der treue
Sohn deiner Mutter, die ihrem toten Gatten angehangen hat, bis ihr das Herz
gebrochen ist, und bist du der treue Prinz deiner selbst, da du der Aftermann
eines Aftermannes geworden bist? Ich bin dem treu geblieben, was ich fr meine
Pflicht hielt. Ich sehe jetzt sehr klar, wo das Rechte und das Gute liegt, wie
Boleslawa die edle Gattin Lubomirs gesprochen hat, ich sage mich auf immer los
von dir, und bin von dieser Stunde an der Helfer und der Mann des Herzogs
Wladislaw. Die hier um mich sind, haben mir nicht zu gehorchen, ich bin nur als
ihr Heimatgenosse bei ihnen, ich bin nur ein einzelner fr meine Beschlsse, ich
wei nicht, was sie tun werden; aber wenn sie meinem Worte folgen, so werden sie
zu dem Herzoge gehen; eines wei ich aber ganz gewi, da, wenn du mir mit
deinen Reitern nur ein Haar krmmen wolltest, sie mich als den treuen
Heimatsmann nicht im Stiche lassen wrden.
    Es waren, als Witiko redete immer mehr Mnner aus dem Hofe und seiner Nhe
herzu gekommen, sie standen dicht hinter ihm, hielten ihre Spiee in den Armen,
und hefteten ihre Blicke auf den Prinzen.
    Dieser aber rief: So gehe zu Wladislaw, du treubrchiger Hund, der du das
Brod meines Vaters in Hostas Burg gegessen, und die Gte meiner Mutter erfahren
hast; aber wisse, wenn ich dich im Kampfe treffe, so soll nicht ein Tropfen Blut
in deinen Adern bleiben, den nicht die Erde trinkt, und wenn du jetzt mit deiner
Rotte die Reiter, welche um mich sind, beschdigen wolltest, so werden wir mit
unsern kriegsgebten Schwertern eher eine unermeliche Schmach unter euch
anrichten, ehe ihr uns nur ein kleines Unheil zufgen knnt.
    Sei ruhig, Wladislaw, sagte Witiko, wenn du mich in dem Kampfe triffst,
so tue mit mir, wie du Macht hast; wenn ich in den Kampf gehe, so ist es ja eben
nicht, da ich mir dadurch mein Leben sichern will; hier aber will ich dich
nicht ergreifen. Wenn diese da um mich zu dem Herzoge gehen, werden wir dich in
der Schlacht finden, und weil du Blut und Flammen ber das unschuldige Land
hervorrufen geholfen hast, da du der Dienstmann eines Aufrhrers geworden bist,
so werden wir dieses Land im Kampfe verteidigen, so gut oder so schlecht wir es
verstehen, die wir vom Walde gekommen sind.
    Das ist recht, rief eine Stimme hinter Witiko.
    Das ist recht, riefen sogleich viele Stimmen.
    Wladislaw sagte nach diesen Rufen etwas auf seine Reiter zurck, sie machten
eine halbe Wendung zur Seite, und ritten die Blicke auf Witikos Umgebung heftend
fort. Als sie eine Strecke zurckgelegt hatten, wendeten sie ganz, und eilten
davon. Sie ritten aber nicht gegen Abend, um, wie Wladislaw gesagt hatte, zu
kundschaften, sondern gegen Morgen, von woher sie gekommen waren.
    Witiko aber war ruhig stehengeblieben, die Mnner hinter ihm auch.
    Als die Reiter schon weit entfernt waren, und man nur mehr einen schwachen
Staub erblicken konnte, wo sie ritten, wendete sich Witiko zu den Mnnern, und
sagte: Ihr habt es nun gehrt, was sie wollen. Die Geschwtzigkeit dieses
Mannes hat uns mehr geoffenbaret, als wir je auszukundschaften im Stande gewesen
wren. Sie haben sogar ein Papier aufgesetzt, auf welchem geschrieben steht, was
der neue Herzog den Frsten und hohen Herren zahlen wird, wenn sie ihn auf den
Herzogstuhl setzen, und den Preis wird nicht er entrichten, sondern das Volk und
die kleinen Leute werden ihn zu tragen haben, deren Beschtzung die hohen Herren
dem Herzoge Wladislaw so bel nehmen, wie dieser Mann da so eben gesagt hat.
Darum sind die Shne Premysls dem Gesetze des Blutes zuwider aufgestanden, weil
sie Raub wollen, darum ist der mchtige Herr und Leche Nacerat nach Mhren
gegangen, weil er den Vorteil, den er durch die Erhebung Wladislaws, der frher
mit seinem Sohne und dessen Freunden umgegangen ist, nicht gefunden hat, und ihn
nun bei Konrad sucht. Der weise Bolemil hat alles vorausgesehen, da er auf dem
Wysehrad gesagt hat, sie werden alle Mal wieder einen Herzog whlen, wenn ihnen
der gewhlte nicht recht tut. Ich wei nun, was mir obliegt, ich brauche nicht
lnger hier auf Kundschaft zu verweilen, ich reite zu dem Herzoge. Was ihr auch
tun wollt, so glaube ich, da ihr nicht lnger mehr bei diesem Hofe verweilen
sollet, damit nicht die Mhrer kommen, und euch belagern, und damit nicht eure
Macht gelhmt oder vertilgt werde, die, wenn sie auch nicht gro ist, doch dort,
wo sie einwirkt, zur Entscheidung beitragen kann.
    Nach diesen Worten sprang Rowno hervor, und rief: Witiko von Plana, du Sohn
deines Vaters Wok, du hast recht gesprochen; wenn du auch jung bist, so
verstehst du doch schon, was ich gesagt habe. Sie wollen uns unterdrcken, sie
wollen uns berauben, da sie noch mehr prassen knnen, als bisher. Du meinst es
gut mit denen, die nicht groe Macht und groen Glanz haben, andere auszubeuten,
und du meinst es gut mit dem Volke, das im Schweie seines Angesichtes sein Brod
erwirbt. Ich werde mein Pferd satteln lassen, und meine Reiter werden ihre
Pferde satteln, und wir werden mit dir zu dem Herzoge reiten. Meine Fugnger
werden sich rsten, und uns folgen.
    Dann trat Diet von Wettern hervor, und sagte: Sie sollen uns nicht in
unserem Besitze stren, den wir von unseren Vtern ererbt haben, und den wir
erweitern wollen, und den sie verschlingen wollen, wenn ihnen der neue Herzog
mehr Macht gibt. Du siehst jetzt, Witiko, da es wahr ist, was ich gesagt habe,
da Wladislaw der rechte Herzog ist, der uns schtzt. Ich gehe mit meinen
Reitern, die die Waldpferde haben, und mit meinen Fugngern, die sich aus dem
Walde Spiee geholt haben, mit dir zu dem Herzoge.
    Dann sagte Wernhard von Ottau: Ich gehe mit meinen Leuten auch mit dir,
Witiko, zu dem Herzoge.
    Hierauf trat Osel von Dub vor, und sprach: Ich habe meinen drei Knaben die
Haare festlich beschneiden lassen, da sie in das Jnglingsalter eintreten, und
tchtig werden, ich habe sie mit mir in das Feld genommen; aber ich wollte eher,
da sie tot und blutig auf dem Felde liegen bleiben, als da der bermut
geduldet wrde, den jener blau gekleidete Knabe, der in der Sonne schimmerte wie
ein Falter, vor uns dargelegt hat. Es ist nicht so geworden, wie wir in Rownos
Turme gesprochen haben, Witiko, Diwis, Bolemil, Lubomir sind nicht Verrter
geworden, sondern Nacerat, und die andern, die ich fr Sttzen gehalten habe.
Mge dieser schurkische Nacerat in den tiefsten Grund der Hlle fahren. Ich
fhre meine drei Knaben und meine Mnner mit dir zu dem Herzoge, Witiko.
    Ich gehe auch mit dir, Witiko, sagte Wolf von Tusch.
    Hierauf rief eine gewaltige Stimme in dem Haufen: Lasset mich reden.
    So rede, du Mann unter den Leuten, rief Rowno, und komme hervor.
    Da drngte sich unter den Mnnern, welche hinter Witiko standen, einer nach
vorwrts, der gro gewachsen war, und breite Schultern hatte, die mit grobem
grauen Wollzeuge bedeckt waren. Er hatte statt des Spiees nur eine eiserne
Stange, und an seinem linken Arme hing mit einem Riemen eine eiserne Keule. Es
war Peter Laurenz, der Schmied von Plan. Da er heraus gekommen war, und im
Freien stand, sprach er nicht.
    So rede nun, sagte Rowno.
    Der Mann suchte seine Stimme zu sammeln, wendete sich gegen die Leute, und
sprach: Mnner von uns! ihr habt es gesehen, wie der junge Reiter gekommen ist,
und was er da fr Dinge gesagt hat, wie die groen Herren wachsen sollen. Das
mssen wir nicht dulden. Witiko hat es recht gesagt und Rowno und Osel und die
andern. Ihr wisset, wie der junge Witiko im Winter in seinem Hause in Plan die
Einkehr genommen hat, und er ist da geblieben, und ist zwei Jahre da geblieben,
und er wre nicht fortgegangen, wenn er nicht in den Krieg gegangen wre, und
wir sind auch in den Krieg gegangen. Er hat das Gewand getragen wie wir, wir
sind an seiner Leuchte gesessen, da es Winter war, er ist auch an unserer
Leuchte gesessen, und hat uns nicht verachtet, und ich habe sein Pferd
beschlagen, und er hat mit mir geredet, sein Haus steht bei uns, wir sollen ihn
auch nicht verachten, und ihn zu unserm Fhrer whlen die von Plan, da wir
zusammenhalten und uns nicht zerstreuen.
    Das ist recht, rief Tom Johannes der Fiedler, das htte ich lngst
gesagt, und htte es besser gesagt.
    Wie httest du es denn gesagt, du Fiedelbogentropf, rief der Schmied, und
warum hast du es denn nicht gesagt, wenn du so vernnftig bist?
    Streitet nicht, rief David der Zimmerer, Witiko soll uns fhren, weil er
es besser versteht als wir.
    Er soll uns fhren, rief eine Stimme.
    Er soll uns fhren, weil er mehr Verstand hat als ihr alle, rief Tom
Johannes der Fiedler, ich htte einen zierlichen Antrag gestellt.
    So schweige du Geiger, rief Christ Severin der Wollweber, wir sollen
zusammenhalten im Leben und Tode, da wir etwas vorwrts bringen, und da soll
uns Witiko fhren.
    Er soll uns fhren, riefen viele Stimmen.
    Er soll uns fhren, wiederholten noch mehrere.
    Dann war es still.
    Dann sagte Witiko: Liebe Freunde und Heimatgenossen, wir wollen von der
Sache noch spter reden, ich will euch, da wir beisammen bleiben, zu dem
Herzoge fhren, und wir wollen hren, was er sagt. Und wenn es ihm genehm ist,
und ihr es noch wollt, so will ich gerne getreu zu euch halten, und mich
bestreben, da ihr wirken knnt, wie es sich ziemt, und da ihr nicht
leichtfertiger Weise Schaden leidet.
    Ja, so ist es, rief Tom Johannes, und das ist gut gesprochen.
    So ist es, rief eine Stimme.
    Er ist ein guter Mann, rief ein anderer.
    Er soll uns fhren, riefen viele.
    Dann, als es stille war, rief der von Hora: Witiko, ich gehe mit dir zu dem
Herzoge.
    Und dann sagte der von Attes: Witiko, ich gehe auch mit dir zu dem
Herzoge.
    Nun trat ein Mann hervor, der einen zhen Schaft von Ebereschen hatte, und
ein weites geschrztes dunkles Gewand trug, und sagte: Ich gehre zu den
Hlenici, und ich meine, wir sollen uns unter die Fhrerschaft Rownos stellen,
der unser Nachbar ist.
    Unter die Fhrerschaft Rownos, riefen viele Stimmen.
    Dann trat ein anderer Mann gleichfalls im weiten Gewande und mit einem
Ebereschenschafte hervor, und sagte: Ich gehre nach Horec, und wir mit den
Ebereschenschften sollen alle zu Rowno stehen.
    Zu Rowno, riefen viele Stimmen.
    Dann trat einer mit faltigen Lederstiefeln groben grauwollenen
Beinbekleidungen einem Rocke desselben Stoffes mit Haften und einer schwarzen
Filzhaube auf dem Haupte vor, und sagte: Ich gehre zu denen, die im
Kirchenschlage reuten, und meine, wir sollten zu Diet von Wettern stehen, bei
dem wir nahe sind.
    Zu Diet von Wettern, riefen mehrere Stimmen.
    Jetzt trat einer hervor, der feste Lederstiefel hatte, deren Sohlen mit
Eisen beschlagen waren, der aber sonst gekleidet war wie der frhere. Er sagte:
Ich bin von dem schwarzen Bache, und wir, die wir an der Moldau sind, und die
Ahornschafte tragen, die an der untern Moldau und die vom Eckschlage und vom
Rathschlage, wir sollten zu denen von Plan und Witiko halten.
    Zu Witiko, riefen viele Stimmen.
    Und wir vom Wangetschlage, sagte einer, ohne vorzutreten, gehren zu
Witiko, weil er ein Haus bei uns besitzt.
    Zu Witiko, riefen einige.
    Wir in Friedberg gehen auch zu Witiko, dessen Haus im Wangetschlage unser
Nachbar ist, rief einer.
    Wir gehen zu Witiko, riefen ihm mehrere nach.
    Und wir, die wir von Friedberg an der Moldau hinab sind, gehren zu
Friedberg, rief eine Stimme aus dem Haufen.
    Zu Friedberg, antworteten andere.
    Jetzt rief niemand mehr.
    Die Knechte Witikos Raimund und Jakob hatten indessen ihre Pferde gezumt
und gesattelt, sie ritten heraus, und stellten sich zu Witiko.
    Witiko aber sagte: Rowno, Diet von Wettern, Osel, und ihr andern, liebe
Freunde, die Reiter, welche bei uns gewesen sind, kommen heute noch in das Lager
ihrer Freunde. In der Nacht kann von dorther aus Zorn und Rache eine groe
Abteilung aufbrechen, und in den Frhstunden des Tages belagern sie diesen Hof.
Ich meine, wir sollen in der Nacht beraten, uns ordnen, etwas Speise genieen,
und ehe der Tag zu grauen beginnt, unsern Zug zu dem Herzoge antreten.
    
    So ist es gut, und so tun wir, sagte Rowno.
    Wir tun so, sagte Diet.
    So tun wir, riefen alle.
    Die Mnner mssen sich nun einteilen, wie sie gesagt haben, sprach Witiko.
    Der Haufen lste sich, und ordnete sich anders, viele gingen in den Hof,
andere blieben herauen. Witiko ritt in das Gebude, und die Seinen begleiteten
ihn.
    Als der Abend gekommen war, hielten sie insgesamt Beratschlagung, dann aen
sie, dann ordneten sich die Mnner, wie sie im Zuge zu gehen hatten, und ehe
noch irgend ein Schein des Tages auf den Berg Wysoka fiel, begann der Zug.
    Es waren drei Abteilungen, die Witikos, Rownos und Diets von Wettern. Osel
fhrte ein Teilchen, das er zu Rowno stellte, darunter die drei Knaben, jeder
mit einem Schwerte und jeder auf einem falben Pferdchen. Wernhard von Ottau,
Wolf von Tusch und die von Hora und Attes und die vom Rosenberge waren noch
besondere Huflein; aber sie schlossen sich zu Abteilungen.
    In der Mitte des Zuges waren die Karren mit der Habe, die teils von Pferden
teils von Menschen gezogen wurden.
    Sie gingen auf den Anhhen zwischen Gestruchen und auf Feldwegen, welche
ihre Spher in den Tagen vorher erkundet hatten, dahin, damit, wenn Reiter auf
sie eindringen wollten, dieselben schwer oder nur einzeln auf sie heran kommen
knnten. Es kam aber keiner. Als die Morgenrte von Mhren her aufging, waren
sie schon weit von ihrem Platze, und ehe die Sonne zum Abende neigte, stiegen
sie zu der Ebene hinab, in welcher sich Wladislaws Lager befand, das weit
verteilt war, und in dessen Mitte ein groes rosenfarbenes Banner wehte. Sie
wurden, als man sie erkannt hatte, und als sie ihre Absicht angegeben hatten, zu
denen gestellt, die von dem Walde gekommen waren; denn der ganze Wald in seiner
Lnge hielt zu Wladislaw. Sie kamen zu denen, die weiter von Plan hinauf waren.
Da standen die von Prachatic, die in den Schneehusern wohnten, die in
Wallernreut waren, die bis zu den Wildnissen des Ursprunges der kalten und
warmen Moldau hinauf streiften, die vom Winterberge, die von dem Berge des
reichen Gesteines, und andere.
    Die Mnner schritten daran, sich sehaft einzurichten. Besonders suchten sie
Stellen, auf welchen sie Feuer anznden konnten, um an denselben kochen, und
neben denselben ruhen zu knnen.
    Witiko besorgte sein Pferd an einer guten Stelle, empfahl es dann der Obhut
Jakobs und Raimunds, und verlangte zu dem Herzoge. Ein Mann von denen aus dem
Walde, die schon lnger da waren, erbot sich, ihn zu fhren. Er ging voran,
Witiko folgte. Sie kamen an allerlei Menschen vorber. Zunchst waren noch die
aus dem Walde. Sie hatten fast keine Zelte. Sie hatten sich trockene Stellen
ausgesucht, hatten dort Feuer angezndet, welche mit Kltzen groer Bume oder
mit Zaunpfhlen oder Dachbalken genhrt wurden, und hatten sich auf grobe Hllen
zu den Feuern nieder gelegt. Einige kochten Speisen. Die Ahornschfte oder die
Schfte aus Ebereschen oder die Spiee aus der Steinbuche staken in Spitzhaufen
neben einander in der Erde. Die wenigen Pferde waren in Stnde verteilt, und mit
Decken verhllt. Dann kamen die von den fruchtbaren Feldern in dem Abende des
Landes. Sie hatten grobe Linnen ber Stangen gebreitet, darunter zu ruhen.
Witiko sah die Leute Bolemils. Sie waren alle bei einander. Die groen starken
Mnner, die er gesehen hatte, standen in einem Haufen, und blickten auf ihn. Den
grnen Reiter sah er auch, der mit ihm gesprochen hatte, und mehrere, die an ihm
vorber gezogen waren. Es redete keiner von ihnen mit ihm. Es war ein groes
schnes Gezelt aus wachsgetrnkter Leinwand da, welches aber leer und offen war,
da die Luft durchziehen konnte.
    Da drinnen wohnt ihr Fhrer Bolemil, sagte der Mann, der bei Witiko war,
aber er ist jetzt bei dem Herzoge.
    Die Pferde der Mnner standen in langen Reihen von Stnden dahin. Dann kamen
die aus der Mitte des Landes. Sie hatten viele Zelte. Sie trugen die weiten
Gewnder mit metallenen Grteln hoch hinauf geschrzt, und hatten Hauben tief in
Stirn und Nacken geschnitten. An den Zeltstangen hingen zahlreiche Bogen und
Kcher so wie Schilde und andere Gerte. Tische und Bnke standen da, und Weiber
verrichteten Hausgeschfte. Dann kamen die Krieger von Prag. Sie hatten bunte
Gezelte schne Waffenkleider Schwerter Lanzen Schilde glnzende Kissen und
Decken und mutige Pferde in langen Reihen. Die Pfeifer und Fltenspieler lieen
frhliche Weisen hren.
    Da gehest du nun ber den breiten Raum, der hier leer ist, und von den
Kriegsleuten, die auf ihm verteilt sind, wird dich einer fragen, und dich zu dem
Herzoge fhren, sagte der Mann, der Witiko geleitet hatte, das graue groe und
lange Gezelt, vor dem die Stange mit dem roten Banner ist, gehrt dem Herzoge.
Weiter hin, wo die Federn auf den Gezelten sind, lagern die von Decin, welche
Chotimir anfhrt, und dann sind die, welche von dem Riesengebirge gekommen sind.
Den Rckweg zu unserem Lager wirst du schon allein finden.
    Ich werde ihn finden, sagte Witiko, und ich danke dir fr dein Geleite.
    Nichts zu danken, sagte der andere, und trat seinen Rckweg an.
    Witiko ging auf dem Platze vor dem langen grauen Gezelte, davor das
rosenfarbene Banner wehte, vorwrts, Hier war es weniger prunkend als in dem
Lager der Prager Krieger. Einige Abteilungen von Kriegern standen wohlgerstet
und geordnet da, manche Mnner saen auf den Pferden, Diener hielten ledige
Pferde, und Geleite schienen auf Herren zu warten. Als Witiko in gerader
Richtung gegen das graue Gezelt ging, trat ihm ein Mann aus einer Rotte, die mit
ihren Speeren da stand, entgegen, und sagte: Wer bist du, und wohin gehst du?
    Ich bin Witiko von Pric, und gehe zu dem Herzoge, antwortete Witiko.
    Du mut hier warten, sagte der Mann.
    Witiko blieb stehen, und wartete.
    Der Mann ging zur Rotte, und sagte einem etwas. Dieser trat vor, ging gegen
das Gezelt, kam wieder zurck, und machte die Meldung. Der Mann, welcher Witiko
aufgehalten hatte, trat nun wieder zu ihm, und sagte: Du bist der rechte Witiko
in dem ledernen Gewande, und darfst zu dem Herzoge gehen.
    Witiko schritt nun ungehindert bis zu dem grauen Gezelte. Vor demselben
standen Krieger, und ein Mann in einem glnzenden Waffenkleide sagte zu Witiko:
Witiko, du mut hier warten, bei dem Herzoge ist Rat.
    Witiko sah den Mann an, der seinen Namen genannt hatte, er kannte ihn aber
nicht.
    Er blieb bei den Kriegern stehen.
    Nach einer Stunde kam ein junger schlanker Mann aus dem Gezelte. Er hatte
schwarze Haare, auf denselben eine schwarze Haube mit einer kurzen grauen
Reigerfeder, um die Brust hatte er ein schimmerndes Waffenhemd, und von dem
sthlernen Grtel hing in rotsammetner steinbesetzter Scheide das Schwert.
Witiko blickte gegen ihn, und rief: Odolen!
    Ja, du lederner Reiter, bist du endlich gekommen, du toller Kopf, gehe
hinein, da dich der Herzog strafe, sagte der andere, nahm ihn bei der Hand,
schttelte sie ihm, und sah ihm mit den schwarzen Augen freundlich in das
Angesicht. Dann schob er mit dem andern Arme die Falte des Gezeltes bei Seite,
und fhrte Witiko in das Innere.
    Dasselbe war ein groer langer Raum, in welchem ein langer Tisch aus
Tannenholz stand von vielen Feldsthlen umgeben. Witiko sah hier viele Leute,
die er kannte. An dem oberen Ende des Tisches sa Wladislaw der Herzog. Sein
Haupt war entblt, und hatte die blonden Haare nieder gestrichen. Die schwarze
Haube mit der kurzen geraden weien Feder lag neben ihm auf dem Tische. Er hatte
ein Panzerhemd an, und dunkelbraune Kleider. Der Grtel war aus Metallfden
gewirkt, und das Schwert hatte eine braunsammetne Scheide ohne Steine. Neben ihm
sa auf einem Stuhle der greise Bolemil in schwarzem Sammetgewande. Links von
ihm und ein wenig weiter zurck stand Zdik der Bischof von Olmtz mit seinem
braunen Barte und in Waffenrstung. Dann sa Diwis der Kastellan von Saaz in
dunklem Gewande, und dann Lubomir in schwarzem Kleide mit dem weien Barte und
den weien Haaren. Neben Bolemil standen zwei bte mit Kreuzen und in der
Rstung. Den einen erkannte Witiko als den von Kladrau, der ihn vor zwei Jahren
in der Versammlung auf dem Wysehrad vorgestellt hatte, den andern hielt er fr
den Abt von Brewnow. Hinter ihnen stand jener Priester Daniel in Rstung, der
das Kreuzlein beglaubigt hatte, welches Witiko nach Prag mitgegeben worden war.
Dann sah er Ben, welcher in der Versammlung auf dem Wysehrad der zweite Fhrer
des Hauses gewesen war, und neben ihm Smil, den er auch in der Versammlung
gesehen, und den er schon auf dem schsischen Zuge als Kriegsanfhrer kennen
gelernt hatte. Dann erblickte er noch Nemoy von Netolic und Ctibor von Austi,
und an der Stelle, wo er herein gekommen war, standen junge Mnner, die er in
jenem frhlichen Ritte hinter der Zupenstadt Chynow bei dem scharlachroten
Reiter gesehen hatte, der jetzt Herzog war, Odolen, Welislaw, die zwei Shne
Smils, Ben der jngere, Casta der jngere. Sonst waren noch Mnner und Herren
da, welche Witiko nicht kannte. Vor dem Bischofe Zdik sa neben dem Herzoge ein
Mann in schner kirchlicher Kriegertracht, es war Otto der neuerwhlte Bischof
von Prag. Er schien den Ehrenplatz an der andern Seite des Herzogs dem greisen
Bolemil berlassen zu haben. Neben dem Bischofe standen zwei junge Mnner. Sie
waren veilchenfarb gekleidet, hatten ein schimmerndes Waffenhemd, einen
silbernen Grtel, und auf dem Haupte eine veilchenfarbene Haube mit einer
geraden grauen Feder. Sie waren die Brder des Herzogs Diepold und Heinrich, die
sich gleich gekleidet hatten. Dann waren noch Bozebor und Wsebor da in
Waffenhemden, die alten Mnner Preda und Milota in weiten gegrteten Gewndern,
dann Bartholomus und Gervasius in kriegerischem Priesterschmuck, Chotimir und
Predbor in Rstungen, und mehrere andere.
    Als Witiko eintrat, waren die meisten der Herren von ihren Sitzen schon
aufgestanden, und sprachen mit einander.
    Auf dem Tische neben dem Herzoge lagen mehrere Schriften.
    Da Witiko durch die Zahl der jungen Mnner, die am Eingange standen,
vorwrts in den freien Raum getreten war, wurde es stiller, und manche Blicke
wendeten sich auf ihn.
    Tritt nher, Witiko, rief der Herzog.
    Witiko ging bis zu dem Herzoge vorwrts, und verneigte sich. Dieser stand
auf, reichte ihm die Hand, und sagte: Sei willkommen. So bist du doch gekommen,
dem schlimmen Herzoge zu dienen? Oder bringst du ihm die Absage in eigener
Person, wie du es getan hast, nachdem ihm andere in Prag gehuldigt hatten?
    Nein, hoher Herr, entgegnete Witiko, ich bin gekommen, dir zu dienen, und
bringe einige arme Waldleute mit.
    Ich wei es, antwortete der Herzog, es ist mir schon gesagt worden. Du
bist in den Wald trotzen gegangen, Witiko, bist du nicht ein unvernnftiger
Mann?
    Ich habe die Vernunft in einer andern Gestalt als in der ihrigen nicht
erkannt, sagte Witiko.
    Da war gar keine Vernunft in gar keiner Gestalt, als du mich kennen
lerntest, entgegnete der Herzog, aber du httest die Zeit abwarten sollen.
    Ich bin von dir fortgegangen, hoher Herr, sagte Witiko, weil ich dem
Herzoge Sobeslaw, wenn er auch tot war, dienen wollte, und weil, wenn auch
Sobeslaw seinem Sohne Wladislaw geraten und ihm geboten hatte, sein in Sadska
erworbenes Nachfolgerecht auf dich zu bertragen, er es nicht getan hat, und mir
sein Recht zu bestehen schien. Jetzt aber hat er es weggeworfen, und auf einen
unbefugten Mann kommen lassen, und es fllt auf dich, weil du gewhlt bist, und
dich Sobeslaw anerkannt hat, du bist der Herzog, und ich bin gekommen, meine
Pflicht zu erfllen.
    Seht ihr, die ihr dort unten steht, ich habe es gesagt, da er kommen
wird, entgegnete der Herzog, und es freut mich, da du es wahr gemacht hast,
Witiko, du gutes junges Blut. Das Land bedarf der Ehre, und hier ist sie um mich
versammelt. Du darfst nun so wie diese Mnner, die du hier siehst, ohne da dich
meine Wachen aufhalten knnen, zu mir in mein Zelt kommen, wenn du willst. Du
und dein Anhang werdet auf dem uersten rechten Ende des Heeres sein, und Smil
wird die Oberleitung bei euch bernehmen. Ihr knnet dann meinem treuen Diener
Nacerat begegnen, der von Mhren gegen uns herber kommen wird. Eure
Untereinteilungen und Fhrerschaften mget ihr behalten, wie ihr sie
eingerichtet habt, da die beisammen sind, welche sich lieben, und sich
wechelweise zu verteidigen geneigt sind. Jetzt gehabe dich wohl, Witiko, und
komme bald wieder zu mir.
    Witiko verneigte sich, und trat zurck. Als er vor dem alten Bolemil vorber
ging, neigte er sich auch vor diesem.
    Bolemil sagte zu ihm: Du hast den rechten Weg gefunden, mein junger Knabe.
Es freut mich deinetwillen.
    Ich habe es ihm gesagt, da er ihn finden wird, sprach ber den Tisch
herber Lubomir.
    Du hast gut getan wie auf dem Wysehrad, mein Sohn, sagte Diwis.
    Witiko ging bis zu den jungen Mnnern, die an der Tr standen. Sie umgaben
ihn, begrten ihn, reichten ihm ihre Hnde, und drckten die seinigen.
    Der Herzog aber rief: Ihr Herren, Bischfe Prinzen Lechen Fhrer und
andere! Wir haben beraten, und was beschlossen worden ist, wird in Vollzug
gesetzt werden. Ich verabschiede euch fr heute, da ihr die Zeit dieses Tages
noch fr euch verwendet. Ich danke euch, und bitte euch, da ihr dem Lande
wieder zur Seite steht, wenn es eurer bedarf.
    Nach diesen Worten neigte er sich vor der Versammlung, nahm seine Haube von
dem Tische, und setzte sie auf das Haupt.
    Die Mnner, die noch gesessen waren, erhoben sich, alle in der Versammlung
grten gegen den Herzog, und begannen, sich aus dem Gezelte zu entfernen.
    Die jungen Mnner, welche an der Tr standen, wichen zu beiden Seiten
zurck, und es gingen an ihnen die Bischfe die Prinzen die Lechen die Fhrer
und die lteren Mnner hinaus. Da dieses geschehen war, nahmen die jngeren
Witiko in die Mitte, und fhrten ihn auch in das Freie. Dort warteten sie
wieder. Den Prinzen Diepold und Heinrich wurden von Dienern ihre Pferde
zugefhrt, sie bestiegen dieselben, und ritten mit einem Gefolge nach ihrem
Lager. Die Bischfe gingen zu ihren Pferden, und ritten in einem Geleite von
Priestern und Dienstmnnern gegen ihre Gezelte. Bolemil wurde in die Snfte
gehoben, von vielen, die mit ihm in das Lager gekommen waren, umringt, von den
Snftenmnnern gehoben, und fortgetragen. Lubomir ging zu Witiko, blickte ihn
freundlich an, und sagte: Wenn alles vorber ist, und uns Gott erhalten hat,
dann komme wieder nach Daudleb, Witiko, und nimm eine gern gegebene
Gastfreundschaft an.
    Ich werde kommen, wenn es Gott gefllt, antwortete Witiko, und werde
wieder wie frher Eure gtigen Worte hren.
    Dann trat Lubomir zu den Seinigen zurck, und seine Shne und seine
Tchtermnner umringten ihn. Sie stiegen alle zu Pferde, und schlugen den Weg in
ihr Lager ein.
    Smil sagte zu Witiko: Wir werden unser Werk mit einander schon in Eintracht
vollfhren, junger Kriegsmann.
    Dann ging er zu seinem Gefolge.
    Die andern zerstreuten sich alle nach ihren Richtungen.
    Jetzt fingen auch die jungen Mnner an, den Platz zu verlassen.
    Odolen Welislaw, die Shne Smils, Casta und Ben die jngeren, denen sich
noch einige junge Krieger anschlossen, erboten sich, Witiko zu den Seinigen zu
begleiten. Er sagte, da er kein Pferd mit sich genommen habe. Sie lieen also
ihre Pferde auch bei ihren Dienern zurck, und gingen mit ihm auf dem Wege, auf
dem er hergekommen war, zu den Waldleuten.
    Die Mnner von Plan hatten indessen fr Witiko ein Zelt errichtet. Sie
hatten grobe Wolltcher, wie sie an Scken oder Bndeln auf den Gepckkarren
hatten, ber schiefe Stangen gedeckt, und im Innern aus Pfhlen und Brettern ein
Bnklein ein Tischlein und ein Lager gemacht, auch stand die kleine Truhe
darinnen, in welcher Witiko seine Feldhabe hatte. Vor dem Gezelte brannte ein
Feuer, und an demselben kochte der rotwangige Neffe des Schmiedes von Plan Urban
eine Speise. Die Knechte Witikos Jakob und Raimund halfen ihm. Weiterhin
brannten noch mehrere Feuer, an denen Leute lagerten. Als die Mnner von Plan
Witiko in dem Geleite der jungen Krieger mit den schnen Gewndern kommen sahen,
standen viele auf, und blickten erstaunt auf sie. Die Begleiter Witikos aber
schttelten ihm die Hand, verabschiedeten sich, er dankte ihnen, und sie gingen
wieder zu dem Zelte des Herzoges und zu ihren Pferden zurck.
    Witiko ging in das Zelt, besah es, und dankte denen, die es errichtet
hatten. Dann ruhte er ein Weilchen. Hierauf a er mit mehreren von der Speise,
die bereitet worden war, und sah nach seinem Pferde.
    Dann ging er an der Zeile dahin, und betrachtete auch noch die anderen
Dinge, welche errichtet worden waren. Da hatten sich einige Mnner zusammen ein
Obdach gemacht, oder einer allein hatte sich eine Haut oder dergleichen
gespannt, oder sie hatten fr ihren Obmann gesorgt. Rowno hatte ein gerumiges
Zelt, so auch Diet von Wettern, Osel war mit seinen drei Shnen in einem, dann
der von Ottau von Tusch und andere.
    Es war indessen Abend geworden, und es begann zu dunkeln. Zu dem groen
Feuer, welches vor Witikos Zelte brannte, kamen nun Mnner, wie sie in
Winterabenden zu seiner Leuchte in dem steinernen Hause gekommen waren. Er
reichte ihnen Brod und Salz, und sie nahmen es. Sie setzten sich an das Feuer,
und es wurde von verschiedenen Dingen gesprochen. Als die neunte Stunde sein
mochte, entfernten sie sich, und suchten, so weit es anging, die Ruhe. Witiko
legte sich im Zelte auf sein Lager. Daneben hatten Raimund und Jakob auf der
Erde Schlafstellen.
    Am frhesten Morgen sprach Witiko mit Rowno und Diet, was zu tun sei, und
riet, da man die Anordnung und Aufstellung der Mnner bewirken, und sehr gut
einben mge. Die beiden andern waren einverstanden. Witiko stellte die, welche
sich zu ihm gesellt hatten, auf. Rechts an diese schlossen sich die Leute
Rownos, und von diesen wieder rechts waren die, welche zu Diet gehrten. Die
Reiter wurden zwischen den Fugngern in kleinen Huflein aufgestellt, wie es
ersprielich schien. Unter den Reitern war Osel mit seinen drei Shnen. Als die
Aufstellung vollendet war, lste man sie auf, bildete sie wieder, lste sie
wieder auf, bildete sie wieder, und tat dieses mehrere Male, und sagte den
Mnnern, da man diese bung alle Tage so lange machen werde, bis jeder genau
seinen Platz kenne, und sich alles schnell ohne Wirrnis fgen knne. Die Mnner
begriffen dieses, und willigten ein. Von Witiko weiter gegen den Herzog zu waren
Leute aus dem Waldsaume hauptschlich aus der Gegend des Plakahofes. Dann kamen
die Leute Bolemils. Von Diet gegen rechts waren noch die ferneren Waldleute aus
Prachatic Winterberg und weiterhin. Alle diese nahmen an den bungen nicht Teil,
weil sie andern Unterfhrern gehorchten.
    Gegen den Mittag kam Smil mit seinen beiden Shnen und einer Schar von
Reitern zu den Leuten des Waldes, und kndigte sich ihnen als ihr Oberfhrer an,
der nun hier bei ihnen bleiben, und unter ihnen lagern wolle. Er sammelte
sogleich einen Rat von mehreren Mnnern. Da waren Witiko, Rowno, Diet von
Wettern, Osel, Wolf von Tusch, Wernhard von Ottau, Witislaw von Hora, Hermann
von Attes, Wyhon von Prachatic, Wenzel von Winterberg und noch andere. Sie
berieten die Aufstellung und Einteilung der Mnner. Es wurde die beibehalten,
welche schon gemacht worden war. Nur die Reiter stellte Smil anders.
    Am Nachmittage wurden ihm und seinen Shnen und seinem Geleite Zelte
gemacht.
    An jedem Tage wurden die bungen fortgesetzt. Zu der andern Zeit durften die
Mnner auch herum gehen, und sehen, was auerhalb ihres Platzes geschehe, wie
sie sich dort bten, oder erlustigten, oder wie neue Zuzge kamen, oder
Lebensmittel eingebracht wurden.
    Witiko ging fter zu dem Herzoge. Auch die andern Unterfhrer wurden zu ihm
beschieden.
    Der Herzog kam auch mehrere Male mit seinem Geleite zu den Waldleuten, besah
ihre Aufstellung und Einteilung, prfte sie, belobte sie, munterte sie zu
bungen auf, und sprach mit mehreren.
    Die jungen Mnner besuchten zuweilen Witiko, und er besuchte sie wieder.
    So war der zwanzigste Tag des Monates April gekommen.
    An diesem Tage wurde die Weisung gegeben, sich fr den zweiten Tag zum
Abzuge gegen den Feind zu rsten. Im ganzen Lager wurde die Weisung vollfhrt.
Die Zelte wurden abgebrochen, die Wagen geladen, und die Leute geordnet.
    Mit dem Morgengrauen des zweiundzwanzigsten Tages des Monates April begann
die Bewegung. Sie war so geordnet, wie das Lager geordnet gewesen war. Die
Waldleute gingen voran. Sie hatten Pfeifer mit langen geraden Pfeifen, die helle
Tne gaben. Zunchst hinter ihnen gingen und ritten die aus dem Waldsaume, und
hatten Sackpfeifer und Fltenspieler. Weiter von denen kamen Bolemils Leute mit
Trompeten und Hrnern, und weiter die andern.
    Als der Mittag dieses Tages schien, kamen Witiko und Rowno und Diet, und die
zu ihnen gehrten, auf dem Berge Wysoka an. Der Hof, den sie frher besetzt
gehabt hatten, war nun verbrannt und zerstrt. Sie gingen an ihm vorber, weiter
mittagwrts, um auf dem Grn des Berges zu lagern.
    Gegen Ende des Tages war das ganze Heer auf dem Berge angekommen.
    Der nchste Tag wurde dazu verwendet, sie so aufzustellen, wie die
Kampfbereitschaft es forderte. Sie lagerten nun in dieser Ordnung.
    Da der Morgen des vierundzwanzigsten Tages des Monates April angebrochen
war, konnte man die Scharen der Verbndeten sehen, und die weien Banner
derselben in dem Grn des Landes erblicken.
    Es trafen hierauf Boten von den Feinden ein, welche Friedensfhnlein trugen,
und berichteten, da mehrere der groen Herren und Lechen, die bei Konrad wren,
zu Wladislaw kommen wollten, um mit ihm den Streit friedlich beizulegen.
    Bolemil, der herbeigetragen wurde, sagte: Hre sie, Herr, vielleicht ist
doch noch der morgige Tag zu wenden.
    Der Herzog sagte: Ich werde sie hren.
    Er lie Friedensfahnen aufstellen, und melden, da die Lechen kommen sollen.
    Er berief die Seinen zusammen. Es war auf dem Platze vor dem verbrannten
Hofe. Er und die Herren saen auf Sthlen, die jngeren Mnner standen, und
hinter ihnen im groen Kreise waren Reiter und erlesene Fugnger aufgestellt.
    Gegen den Mittag erschienen die Lechen. Sie kamen mit einem groen Gefolge
von Reitern heran. Als sie gegen den Herzog ritten, wurde ihnen das Zeichen zum
Halten gegeben. Sie hielten. Die Herren stiegen von den Pferden, die Reiter
stellten sich hinter ihnen dicht geschart auf. Die Herren nherten sich dem
Herzoge. An ihrer Spitze ging in ein weites geschrztes rotsammetnes Gewand
gekleidet entblten Hauptes Nacerat, neben ihm war der alte Mikul und der alte
Rodmil, dann war Znata der Bruder Nacerats, sie waren auch in weite geschrzte
Gewnder gekleidet. Dann waren noch Domaslaw, Slawibor, Drslaw und Jurata in
Rstung. Alle hatten die Hupter entblt.
    
    Setzt euch, und bedeckt euch, sagte der Herzog.
    Sie setzten sich auf die Sthle, die dem Herzoge und den Seinigen gegenber
aufgestellt waren, und bedeckten ihre Hupter.
    Es rede, wer von Euch zum Reden erlesen ist, sagte der Herzog.
    Da erhob sich Nacerat, entblte neuerdings sein Haupt, und wollte sich dem
Herzoge nhern.
    Nacerat, rief dieser, im Feldrate raten wir immer sitzend und bedeckt,
und wir wollen es heute auch so halten.
    Nacerat befolgte die Weisung, und sprach dann von seinem Sitze: Erlauchter
Sprling des geheiligten Stammes Premysl, hochgeehrter Sohn des ruhmreichen und
milden und gtigen Herzoges Wladislaw! mich sendet Konrad der Herzog der Lnder
Bhmen und Mhren an dich, und bietet dir seinen liebreichen Gru als Vetter und
Herr, es bieten dir die liebreichen Gre Wratislaw von Brnn, Otto von Olmtz,
Spitihnew und Leopold, dann Wladislaw der Sohn des letzten ehrwrdigen Herzoges
Sobeslaw lauter Vettern von dir und Sprossen des heiligen Stammes Premysl. Sie
wollen dir nur Liebes und Gutes, sie wollen, da kein Blut vergossen werde, und
da keine weitere Habe mehr von den armen Leuten dieser Lnder zu Grunde gehe,
als zu ihrem groen Schmerze und zu unser aller Schmerze schon zu Grunde
gegangen ist. Sie lassen dich durch mich fragen, was du begehrest, damit diese
Heere, welche sich jetzt gegenber stehen, sich friedlich als Kinder der
nmlichen Lnder vereinigen, und dann auseinander gehen. Sie werden mit Freude
erfllen, was dein Herz wnschet.
    Nacerat, antwortete der Herzog, Diener der Lnder Bhmen und Mhren, der
du oft im Rate dieser Lnder geredet hast! da du auch hier wie im Rate reden
darfst, danke dem alten Manne mit den weien Haaren neben mir, den ich verehre
wie einen Vater, und den du in der Versammlung auf dem Wysehrad sprechen gehrt
hast. Meinen lieben Vettern sage meine Wnsche. Sie sollen das Heer entlassen,
und von mir dem Herzoge von Bhmen und Mhren fr sich und ihre Verbndeten um
Gnade flehen.
    Hoher erlaubter Herr, entgegnete Nacerat, du sagst Unmgliches. Konrad
von Znaim ist der Herzog der Lnder Bhmen und Mhren, er steht mit einem sehr
groen Heere vor dir, wie kann es einen andern Herzog geben? Er wird dir mit
vieler Liebe Znaim und weitere Lndereien erteilen.
    Und wie ist Konrad von Znaim der Herzog der Lnder Bhmen und Mhren
geworden? fragte der Herzog.
    Er ist von den erhabenen Shnen des Stammes Premysl und von den groen und
mchtigen Lechen und Herren dieser Lnder dazu gewhlt worden, antwortete
Nacerat.
    Hier sitzt mein Bruder Diepold, ein Sohn des Stammes Premysl, entgegnete
der Herzog, neben ihm sitzt Heinrich mein Bruder, ein Sohn des Stammes Premysl,
dann bin ich selber auch ein Sohn des Stammes Premysl, dort sitzt Otto der
Bischof von Prag, neben ihm sitzt Zdik der Bischof von Olmtz, dann sitzen die
bte von Kladrau Wilimow und Brewnow, dann sitzt Daniel der Propst von Prag, und
es sitzen andere Priester und Diener Gottes hier. Da sitzt der ehrwrdigste
Leche der Lnder, Bolemil, dessen Redlichkeit, wie sie sagen, nicht gebeugt
werden kann, dann sitzt Lubomir, dann Diwis, Wsebor, Chotimir, Preda, Milota,
und wie du sie weiterhin alle kennest, haben die auch zu Konrads Erhhung
mitgewhlt?
    Sie sind gegen den Herzog in den Waffen, sagte Nacerat, und ich bin von
ihm als Bote zu ihnen gesendet, um ihnen Liebes zu bieten.
    Am vierten Tage des Monates Hornung des Jahres 1140, entgegnete der
Herzog, ist von allen Lechen Herren und Wladyken der Lnder Bhmen und Mhren
nicht blo von einem Teile auf dem Wysehrad ein Herzog gewhlt worden, am
siebenzehnten Tage des nmlichen Monates ist er auf den Frstenstuhl gesetzt
worden. Wohin ist jener Herzog gekommen, und wann ist Konrad auf den
Frstenstuhl gesetzt worden?
    Es erfllet mich mit groem Schmerze, was ich jetzt sagen mu, hoher und
erlauchter Herr, antwortete Nacerat, jener Herzog hat geschworen, da er die
Rechte der Lnder schtzen und achten werde, und es ist, da er den Frstenstuhl
inne hatte, anders geworden. Die Lechen waren gekrnkt, und haben, weil durch
den Wegfall des Beschworenen die Wahl nichtig geworden war, den erhabenen
Frsten des Stammes Premysl Konrad zum Herzoge gewhlt. Auf den Frstenstuhl ist
er noch nicht gesetzt, aber er ist jetzt auf dem Wege nach Prag, um dort auf
denselben gesetzt zu werden.
    Hast du die vllige Macht, mit mir vollstndig und bis in das Reine
abzuhandeln und abzuschlieen, Nacerat? fragte der Herzog.
    Ich habe diese Macht, antwortete Nacerat.
    Nun so hre, und handle, und schliee auf folgende Dinge mit mir ab,
entgegnete der Herzog, oder wenn du nicht abschlieen kannst oder willst, so
verkndige die Dinge denen, die dich gesandt haben. Ich verzeihe den Frsten des
Stammes Premysl, da sie sich gegen mich erhoben haben, und belasse sie in ihren
Besitzungen und Rechten, ich verzeihe den Priestern Lechen und Herren ihre
Emprung gegen mich, und belasse sie in ihren Besitzungen Rechten mtern und
Wrden, ich verzeihe jedem, der gegen mich aufgestanden ist, und werde ihn nicht
verfolgen und schdigen, wenn sie sich unterwerfen, die Waffen niederlegen, und
die Verzeihung verlangen.
    Auf diese Dinge kann ich nicht abhandeln und abschlieen, erwiderte
Nacerat; denn Konrad ist der Herzog der Lnder Bhmen und Mhren, und mu es
bleiben.
    Hochehrwrdige Bischfe bte Priester und Diener des Herrn, Shne Premysls
Diepold und Heinrich, ehrwrdige Lechen Wladyken und Mnner, die ihr um mich
versammelt seid, sagte der Herzog, habe ich genug getan?
    Otto der Bischof von Prag stand auf, und sagte: Bolemil mge reden.
    Der Bischof Zdik sagte: Es rede Bolemil.
    Bolemil rede, riefen mehrere Stimmen.
    Es wurde stille, Bolemil neigte das Haupt mit den weien Haaren, und sagte
nichts. Nach einer Weile erhob er es, sah den Herzog an, und sprach: Es ist
genug.
    Es ist genug, riefen die Stimmen um den Herzog.
    Hebe dich hinweg, Nacerat, sagte der Herzog, doch halt. Wenn du nicht auf
dem hchsten Baume hngst, so dankst du es meinem Wunsche, Blutvergieen zu
vermeiden, weshalb ich die Unterhandlung zulie. Dein Geschick wird dich
ereilen. Meinst du, durch die Wahl allein wird der Herzog? Mich hat auch
Sobeslaw anerkannt. Du bist nie an der Spitze eines Volkes gestanden, das dir
traut, das sein Wohl in deine Hnde legt, und dem dein Gewissen entgegen
schlgt, du weit daher nicht, was in das Herz kmmt, wenn man diese Pflicht
bernimmt. Du kennst nur dein Gelste und die Macht, die du gegen das Volk
ausben mchtest. Du bist nicht das Land, Nacerat, und wenn ich jetzt, um das
Blut zu schonen, das flieen wird, nachgbe, so httet ihr, die ihr Herzoge
macht, den Erfolg fr euch, der Frstenstuhl wrde in eurer Hand ein Spielzeug,
mit dem ihr handeltet, und das Land wrde in unabsehliche Verwirrung und
Blutvergieung gestrzt werden. Ja, ich will das Land schtzen und schirmen, wie
ich es geschworen habe, aber gegen euch und euren bermut. Und wenn mein
Vorgnger der ehrwrdige Sobeslaw euren Willen nicht tat, und wenn dessen
Vorgnger mein gtiger und milder Vater euren Willen nicht tat, und wenn ich
bisher deinen Willen nicht tat, Nacerat, so werde ich diesen Willen und den
Willen derer, die gegen mich in den Waffen stehen, jetzt noch weniger tun. Ihr
habt die Zeit gewhlt, in welcher der Markgraf Leopold von sterreich tot und
sein Bruder Heinrich in die neuen Wirrsale mit Baiern verwickelt ist; aber wenn
mir der allmchtige Gott das Leben schenkt, so werde ich die Mittel gegen euch
erstreben, bis ich den letzten Zug meines Atems getan habe, und auf euren Seelen
liegt das Elend, das entstehen wird. Jetzt gehe.
    Mge immer Segen und Heil auf deinem Haupte ruhen, erlauchter Herr,
entgegnete Nacerat, ich verabschiede mich, und gehe zu dem Herzoge.
    Nacerat erhob sich bei diesen Worten von seinem Sitze, neigte sich in seinem
rotsammetnen Kleide vor dem Herzoge, und wendete sich zum Gehen. Die um ihn
waren, wendeten sich gleichfalls, setzten wie er ihre Hauben, die sie zum
Abschiedsgrue gelftet hatten, wieder auf das Haupt, gingen zu ihren Pferden,
bestiegen sie, vereinigten sich mit ihrer Begleiterschar, und ritten mit dieser
davon.
    Jetzt rstet die Schlacht, riefen zahlreiche Stimmen um den Herzog.
    Es ist noch nicht genug, sagte der Herzog, Otto, Bischof von Prag, tritt
her zu mir, Daniel, du Priester des Herrn, und tretet hervor Chotimir, Jurik,
Nemoy und Ctibor, besteigt schnelle Rosse, nehmt die hundert Reiter meiner
Gezelte zur Begleitung, und reitet in Hast mit dem Friedensfhnlein zu Konrad
von Znaim und den andern Frsten des Stammes Premysl. Wir wissen nicht, ob
Nacerat ihnen das Rechte von uns sagen wird, und ob er uns das Rechte von ihnen
gesagt hat, ihr aber sprecht: Wladislaw der Herzog von Bhmen und Mhren
verzeiht jedem Menschen, der an diesem Tage gegen ihn in den Waffen steht, er
lt einem jeden mter Wrden Besitzungen Rechte, die er hat, und es soll alles
sein, wie es zuvor gewesen ist, wenn die Waffen niedergelegt werden, und man zu
seiner Pflicht zurckkehrt. Der Herzog tut dieses darum, da nicht Menschen,
welche dieselbe Sprache reden, dieselben Kleider haben, dieselben Fluren
bewohnen, dieselben Voreltern zhlen, dieselben Gesichtszge tragen, sich
zerfleischen. Ist aber einmal das Blut unseres Landes geflossen, dann mu es
geshnt werden, und die Strafe mu folgen, so hart sie verdient wird. Zu Otto
von Olmtz aber sagt: Der Herzog Wladislaw hat dir, den er aus der Verbannung
durch eigene Boten zurck geholt hat, das Herzogtum Olmtz gegeben: was kann dir
zu Teil werden, Otto, wenn du betest, da dir gemessen werde, wie du andern
gemessen hast? Wenn ihr gesprochen habt, erwartet die Antwort. Unterwerfen sie
sich, so reitet mit gehobenen Friedensfhnlein in dieses Lager; verweigern sie
es, so senket die Fhnlein, da wir es von weitem sehen, und uns richten
knnen.
    Wir werden deine Sendung vollbringen, hoher Herr, sagte der Bischof von
Prag.
    Dann entfernten sich die Mnner, um ihren Weg anzutreten.
    Im spten Nachmittage kamen sie mit gesenkten Fhnlein.
    Als sie vor dem Herzoge standen, sagte Otto der Bischof von Prag: Hoher
Herr, sie haben deinen Antrag verworfen, und verlangen, da du kommest, und
Konrad huldigest.
    Chotimir warf sein Friedensfhnlein von dem Pferde in das Gras, und sagte:
Daniel hat zu ihnen Worte gesprochen, wie die Priester aus den heiligen
Bchern; aber es war vergebens, und sie mgen in die Hlle fahren, die Hunde.
    Es ist genug, sagte der Herzog, kommt zum Rate ber die Schlacht.
    Sie setzten sich nun vor dem verbrannten Hofe zum Rate.
    Als er geendet war, sagte der Herzog: So sei also die Ordnung, wie wir
beschlossen haben. Nun esse jeder, und bete, und ruhe unter dem Zelte, wenn er
ein Zelt hat, auf der Decke, wenn er eine Decke hat, und auf dem Grase, wenn ihm
Gras hinreicht. Und ehe der Morgenhimmel sich grau frbt, werden die Zelte und
die Wagen und die Gerte hinter uns gebracht, und wir stehen da. Und sobald
unsere Spher sich auf uns zurckziehen, und wir die Banner der Gegner vor uns
sehen, dann beginnen wir mit der Hilfe Gottes des Allmchtigen, was not tut. Der
Ruf des Tages sei: Heiliger Markus!
    Die Mnner entfernten sich hierauf von dem Rate, und sie und das Heer
genossen ihre Abendspeise, und ruhten dann einige Stunden in der
Schlachtordnung.
    Ehe der Tage graute, wurden die Hindernisse zurck gebracht, und die Mnner
stellten sich auf. Witiko nahm seine Waffen, er hatte ber seinem Lederkleide
das Panzerhemd Adelheids, und sein Schwert hing an dem Grtel, den sie ihm
gesendet hatte. Auf dem Haupte trug er seine Lederhaube, und von dem Sattel
seines Pferdes hing heute ein kleiner Schild, den er vorgerichtet hatte. Er
bestieg sein Pferd, und ordnete auf seinem Platze seine Leute. Er sagte nur die
Worte: Mnner, wir gehren zusammen, und wollen beisammen ausharren.
    Beisammen ausharren, riefen alle.
    Dann stieg er von dem Pferde, und blieb neben ihm unter seinen Leuten
stehen. Rechts von ihm stand Rowno mit den Seinigen, und mit Osel und den drei
Knaben, dann weiter Diet von Wettern und die andern. Die Waldleute hatten ein
rosenrotes Banner von Wladislaw erhalten, und es wehte ber ihnen. Links von
Witiko befanden sich die aus der Gegend des Plakahofes und des Waldsaumes mit
einem rosenroten Banner. Dann waren die Bolemils mit einem rosenroten Banner.
Dann stand der Bischof Zdik und Ben mit den Mnnern der Mitte, dann Lubomir,
dann war Diepold mit denen von Prag, und weiterhin, jeder mit einem rosenroten
Banner. Dann war der Herzog mit auserlesenen Kriegern. Er hatte das groe
Banner, das vor seinem Zelte gewesen war. Dann war Chotimir von Decin, dann
Diwis von Saaz, dann Bozebor und Jurik, jeder mit dem roten Banner. Sie standen
alle auf dem Berge Wysoka, und man konnte an den roten Seidenbannern die
Seinigen absehen.
    Als der Morgen helle geworden war, sah man die Feinde gegen den Rand des
Berges. Sie hatten weie Banner, und ihre Reihe war lange hin gedehnt und sehr
gro.
    Jetzt ging die Sonne auf, und da fielen die Mnner von Plan, die um Witiko
waren, auf die Kniee, und beteten. Witiko kniete auch nieder, und betete. Und
die von Rowno fielen auf die Kniee, und beteten, und die von Diet, und alle
weiterhin. Die aber links von Witiko aus der Gegend des Plakahofes und des
Waldsaumes knieten nicht. Die Mnner des Waldes murrten darber.
    Die Vlker unten am Rande des Berges, welche dieselben Kleider hatten,
dieselben Vorfahren zhlten, dieselben Gesichtszge trugen, wie die auf dem
Berge, rckten nun langsam vor.
    Witiko trat zu dem Haupte seines Pferdes, liebkoste es, wie man ein
vertrautes, vernnftiges Geschpf liebkoset, und sagte: Nur heute bleibe treu.
    Das Pferd gab Zeichen auf die Liebkosung zurck.
    Dann nahm er den Schild von dem Sattel, und fgte ihn an den linken Arm. Er
war wei, und hatte in der Mitte eine dunkle fnfblttrige Waldrose. Witiko
sagte laut, da es seine Nachbarn hrten: Wenn es wahr ist, Rose, da du schon
einmal geblht hast, so blhe wieder.
    Dann bestieg er sein Pferd, stellte sich unter die Seinen, zog sein Schwert,
und blieb unter ihnen stehen.
    Jetzt kam Smil mit seinen zwei Shnen und einem Geleite von Reitern nach
vorwrts. Er war in sehr schnen grnen Sammet gekleidet, hatte ein schimmerndes
Waffenhemd, Steine auf der Schwertscheide und einen Stein an der weien Feder
seiner Haube. Sein Pferd war schwarz mit einer scharlachroten Decke. Seine Shne
trugen auch grne Gewnder aber lichtere, sie hatten glnzende Waffenhemden und
rtlichfalbe Pferde wie einstens bei Chynow.
    Smil ritt eine Strecke an den Waldleuten hin, dann hob er sein Schwert, und
rief: Gelobt sei Gott der Herr, ich gre euch Mnner und Brder, wir wollen
einander treulich helfen, und allen hilft Gott.
    Dann stellte er sich zum Befehle unter sie.
    Die Reihe der Feinde kam nun so nahe, da man die Kleider sehen konnte, und
da man zwischen den Kleidern das Schimmern von Panzern zu erblicken vermochte.
Sie trugen weie Abzeichen an sich. Sie erhoben jetzt ein groes Geschrei. Die
Mnner des Waldes waren ganz still, sie schlossen sich dicht aneinander, senkten
die Schfte waagrecht, hielten ihre Kpfe tief, da sich die Pfeile an den
dicken hereingezogenen Filzhauben fingen, und gingen wie berhaupt das Heer
Wladislaws vorwrts, indem sie mit ihren schweren Stiefeln in die Erde drckten.
Und wie der Zusammensto folgte, war das Herangehen der Feinde geendet, die
Feinde waren nun selber ein Schild gegen die fliegenden Speere und Pfeile, und
die Waldmnner drckten vorwrts.
    Smil ragte in seinem Schmucke unter ihnen hervor, und lenkte die Ordnung.
    Gegen die Mnner aus der Gegend des Plakahofes und des Waldsaumes links von
Witiko, die nicht zu dem Gebete niedergekniet waren, wurden von den Feinden
keine Pfeile gesendet. Aber gegen Smil mehrte sich der Andrang, und es kamen
Mnner in Panzern zu Pferde, darunter der rothaarige Benes, der junge Bohus, der
blonde Soben, der hochgewachsene Treba und der junge Stibor. Und sie wurden
immer mehr. Aber Smil hielt sie mit seinen Reitern auf, und die zu Fue neben
ihm standen fest, und lieen den Drang nicht vorwrts. Da flog hinter den
Panzerreitern ein Pfeil hervor Smil in das Angesicht, da er tot von dem Pferde
fiel. Er wurde von zwei Reitern aufgefangen, und hinter die Reihe getragen.
Seine zwei Shne ritten nun strmend zur Rache vor; aber sie sanken schnell
hinter einander zu Boden, da die ledigen falben Pferde in die Reihen liefen.
Jetzt kam Diet mit den Reitern der Waldpferde zu Hilfe. Die Pferde waren kleiner
und schmchtiger als die der Panzerreiter, es kam Rowno mit seinen Mnnern, Osel
mit den drei Knaben, Wernhard von Ottau und Witiko mit mehreren Reitern. Die
kleinen Waldpferde flogen sofort unter die Panzerreiter, und Stan der Oheim
Rownos stach den blonden Soben vom Pferde, ein Reiter Diets durchbohrte den
jungen Bohus, Treba fiel von der Lanze eines niederen Mannes, und Rowno schlug
Stibor zurck. Benes wich, und es wurde der Platz frei, auf dem die jungen Shne
Smils lagen. Ihre Krper wurden aufgehoben und hinter die Reihe getragen.
    Witiko ritt nun schnell zu Rowno rechts, und dann zu Diet und zu Wernhard
und weiter bis zu Wyhon von Prachatic, und ermahnte zum Vorwrtsgehen, und gab
Zeichen zu denen von Winterberg und Bergreichenstein, da sie vorwrts gehen.
    Die Mnner des Waldes, auf deren Angesichtern der Zorn zu erblicken war,
gingen vorwrts, sie zerstieen nun noch mehr mit ihren schwerbeschlagenen
Stiefeln den Boden, und rannten nieder, was sich ihnen entgegen stellte, da das
Grn des Wysokaberges, auf dem sie oft, da sie sich in dem Hofe aufhielten,
gegangen waren, sich mit Blut trnkte, und die zarten Gestruche, die sie damals
gesehen hatten, vom Blute rieselten.
    Die rosenfarbene seidene Fahne, welche ihnen Wladislaw gegeben hatte, und
welche ein starker Mann von Prachatic trug, war schon tief unten gegen den Rand
des Berges, und wie Witiko links schaute, sah er das rosenfarbene Banner bei
Bolemil auch schon gegen den Rand des Berges, und dann das von Lubomir auch
schon, und das von Zdik und von Diepold, und das groe seidene rosige Banner des
Herzogs ragte fast im Herzen des Feindes, und dann das von Chotimir und Diwis,
und so fort.
    Wir siegen, wir siegen, tnten mehrere Stimmen.
    Da rief links von Witiko, wo die von der Gegend des Plakahofes und des
Waldsaumes standen, welche nicht zu dem Gebete niedergekniet waren, eine laute
Stimme, da sie weithin vernehmlich war: Rette sich, wer kann.
    Und die Reiter, welche an jener Stelle standen, flohen auf den Ruf der
Stimme zurck oder zu den Feinden, die Fugnger warfen die rote Fahne auf den
Boden, und rannten zu den Feinden.
    Witiko rief: Lat sie fliehen, jetzt ist die Ehre erst rein, und die
Waldleute werden sie wahren. Schmied von Plan, drcke unsere Leute links, Osel,
rcket links, Rowno, Diet, schreit es weiter nach rechts zu denen von Ottau und
von Attes und von Prachatic und von Winterberg, da sie links rcken, zieht euch
auch ein wenig zurck, da der Kreis kleiner wird, lat die Reiter zuerst auf
den Platz jagen, da das Offene weniger sichtlich ist, alle Heiligen im Himmel
hassen den Verrat, ich eile an den Rand der Lcke, um Hilfe zu holen.
    Und als er diese Worte gerufen hatte, flog er mit seinem grauen Pferde ber
das Grn des Berges durch Gestruche und Unebenheiten, wie er das Pferd im Walde
gelehrt hatte, da die Zweige fast den Bauch des Tieres streiften, bis er zu
Scharen Bolemils kam, von deren Seite sich die Verrter losgelst hatten. Die
hohen Mnner Bolemils saen auf den Pferden, hatten ihr Banner tief in den Feind
getragen, und kmpften mit ihm. Bolemil sa hoch in der offenen Snfte, welche
Pferde trugen, auf denen Reiter saen. Er hatte den schnsten Schlachtschmuck
an, trug ein Panzerhemd und schimmernde Steine auf der Haube. Die weien Haare
des Hauptes und des Bartes flossen auf das Waffenkleid. Er fhrte aus der Snfte
den Befehl. Die Reiter hatten den Verrat ihrer Nachbarn gemerkt, sie zogen sich
kmpfend langsam zurck, und drckten gegen rechts.
    Bolemil, rief Witiko, lasse deine Leute gegen rechts gehen, Verrter
haben einen Platz gerumt, der gefllt werden mu, sende zuerst die Reiter, und
lasse die Fugnger folgen.
    Mein Sohn, entgegnete Bolemil, ich wei alles, und habe an Dalimil die
Befehle schon gegeben. Reite links zu Lubomir.
    Und Witiko ritt zu Lubomir, und sagte ihm die Sache, und er ritt dann zu dem
Bischofe Zdik, der sein Banner hart an den Feinden hatte, und berichtete ihm,
und er ritt zu Ben; aber er fand Ben nicht mehr, derselbe war gefallen, und lag
weit hinter den Reihen, wo man die Zelte gelassen hatte. Witiko ritt nun zu
Diepold und von da zu dem Herzoge. Der Herzog hatte sein groes Banner an der
Stelle, welche die Mitte der feindlichen Reihe bezeichnete. Um ihn waren seine
Reiter und erlesenen Mnner. Odolen ganz in schwarze Kleider getan mit einer
schwarzen Feder auf der Haube und in ein schwarzes glanzloses Waffenhemd
gehllt, war auf seinem schwarzen Pferde mitten in den Feinden, er warf nieder,
was sich ihm nahte, und die Mnner um ihn lfteten den Raum. Neben ihm war
Welislaw in blauem Gewande und mit guten Reitern, und weitete die Strae in die
Feinde. Dann war Casta, der mit Reitern die Wucht der feindlichen Reiter
drngte. Dann war Ctibor mit seinen Mnnern zu Pferde und neben ihm Beneda und
der junge Zwest. Sie durchbrachen die Mauer der feindlichen Reiter. Dann war
Bohuslaw, der junge Jurik, Sezima und Wecel. Um den Herzog, welcher in einem
dunkelbraunen Gewande und in einem matten Waffenhemde und einer Spangenhaube
ohne Feder auf einem schwarzen Rosse sa, waren Heinrich sein Bruder, Otto der
Bischof von Prag, die drei bte und der Probst Daniel, Nemoy von Netolic, der
alte Milota, Bartholomus, der alte Preda, Gervasius und Wsebor. Dem Herzoge
gegenber in den Reihen der Feinde war Konrad von Znaim, den die Mhrer zum
Herzoge von Bhmen und Mhren gewhlt hatten, Wratislaw von Brnn, Otto von
Olmtz, Spitihnew der Sohn Boriwoys des Oheims des Herzoges, der alte Mikul, der
alte Rodmil, Domaslaw mit roten Federn auf dem Haupte, Slawibor, Bogdan, Mireta,
Strich und Jurata. Sie hatten das groe weie Banner ihres gewhlten Herzoges
bei sich.
    Witiko kam auf seinem Pferde zu dem Herzoge geflogen, und rief: Herzog
Wladislaw, die von der Gegend des Plakahofes und des Waldsaumes unter Sohen, die
zwischen Smil und Bolemil standen, haben dein Banner weggeworfen, und sind zu
dem Feinde gegangen. Es ist ein Raum geworden, der erfllt sein mu. Smil ist
tot, und seine zwei Shne sind tot; aber Rowno und Diet und Osel und ich und die
andern halten die Waldleute zusammen, sie folgen uns, und werden stehen; aber
lasse rechts rcken, da sie nicht von dir getrennt werden.
    Witiko, sagte der Herzog, wir haben schon die Kunde des Verrates, und
Befehle sind erteilt worden; du hast ihn genauer genannt, und der Raum zwischen
dir und Bolemil ist zu ordnen. Nemoy, lasse Botenreiter zu Odolen und zu
Welislaw und zu Ctibor und den andern gehen, da sie sich zurckziehen und
fester schlieen, die Reihe mu krzer werden, wir selbst mssen zurckgehen.
Heinrich, schicke Boten nach links zu Chotimir und zu Diwis mit seinem Sohne
Zdeslaw und zu Bozebor und Jurik, und lasse sagen, da sie langsam zurck gehen
und rechts drcken, und den Schlu mit der rechten Seite halten. Gott wird das
Recht segnen. Witiko, nimm die zweihundert Reiter der blauen Fhnlein von mir,
Wecel, berbringt ihnen den Befehl, reite mit ihnen zu dem den Platze, und
bedecke ihn mit rennenden Reitern, da ihn die Feinde nicht fest mit Mnnern
bestellen knnen, bis wir uns wieder geschlossen haben. Eile von dannen. Und
ihr, Mnner und Herren um mich, geht zurck, und haltet den Schlu, da die
Feinde nicht eindringen knnen, wir werden uns ohne die zweihundert behelfen,
wenn wir fest in dem engeren Raume sind. Mit Gott und dem heiligen Markus.
    Witiko ritt zu den Reitern mit den blauen Fhnlein, und dann an ihrer
Spitze, was ihre Pferde zu laufen vermochten, dahin, und wies ihnen mit seinem
grauen Pferde den Weg. Er kam an Diepold vorbei, an denen, wo Ben, der jetzt tot
war, befehligt hatte, an denen von Zdik, an Lubomir mit seinen Shnen
Schwiegershnen und ihren Scharen, und an der Snfte des alten Bolemil. Dann
traf er an den Platz der Plakaverrter. Da lagen die hohen Reiter Bolemils tot
und zerstreut auf dem Felde, und ihre Rosse und ihre Feinde lagen umher. Sie
hatten die Aufgabe, den Platz rein zu erhalten, mit dem Verluste ihres Lebens
erfllt. Bolemil ordnete eben Fugnger auf den Platz ab. Witiko ritt vorwrts
gegen rechts. Da kam ihm eine Rotte Fugnger entgegen, er konnte die Abzeichen
nicht erkennen, und rief: Heiliger Markus! sie antworteten: Swatopluk, er
stie gegen sie, und warf sie. Dann ritt er weiter, und kam wieder auf
Fugnger, die Swatopluk riefen, und er warf sie wieder. Und dann kam er auf
einen groen Haufen von Fugngern, die das Wort Swatopluk hatten, er griff sie
an, und hieb sie zum Teile nieder, und zerstreute sie zum Teile. Dann kamen
Mnner mit langen Schften gegangen. Er schrie gegen sie: Heiliger Markus! und
sie schrien entgegen: Heiliger Markus!
    Peter Laurenz, Schmied von Plan, rief Witiko.
    Ja, Witiko, mein junger Kriegsmann, wir sind es, rief der Schmied, deine
Nachbarn alle, die an der Leuchte gesessen waren, und fest hinter uns kommen die
des Rowno und von Wettern und von Friedberg und die Waldleute alle. Wir haben
uns verabredet, da wir uns nicht auseinander lassen wollen, wir hatten viel zu
tun, uns so fest zu stellen, wie wir jetzt sind, wir gehen zu den Leuten des
Herzogs, von denen sie uns haben reien wollen.
    So folget mir, sagte Witiko.
    Er schwenkte mit den Reitern herum, ritt wieder links, und die Mnner gingen
hinter ihm her, und wenn sich feindliche Haufen eindrngen wollten, so warfen
sie dieselben auseinander, und gingen weiter, bis sie zu Scharen kamen, die
riefen: Heiliger Markus! Es waren die Bolemils, sie fgten sich an, und die
Reihe war wieder geschlossen. An die Stelle der Reiter, die gefallen waren,
stellte Witiko die zweihundert mit den blauen Fhnlein.
    Und wie sie geordnet waren, und wie die Glieder sich festigten, kam eine
groe Schar von Reitern aus den Feinden gegen sie, und drngte nach vorwrts.
Sie waren sehr schn gekleidet, hatten feurige Rosse, und es schimmerten viele
Panzer.
    Ha, da kommen sie nun in grter Zahl und Pracht, da sie den Platz mit
Gewalt haben, den ihnen der Verrat zugedacht hat, rief Predbor, der in den
blauen Fhnlein war, haltet Stand.
    Haltet Stand, rief Witiko.
    Und als die Feinde nher kamen, und die Reihe des Herzogs geordnet sahen,
hielten sie pltzlich an, und warteten ein Weilchen. Es war ein Mann unter
ihnen, der den grten Schlachtenschmuck hatte. Er war in ein gegrtetes Gewand
von grauem Sammet mit silbernen Verzierungen gekleidet. Darber trug er ein
schimmerndes Panzerhemd und einen Grtel mit Steinen, und von einem funkelnden
Steine an der schwarzen Haube stieg eine weie Feder empor. Zu Seiten seiner
Wangen sah man graue Haare. Es war Nacerat. Er sa auf einem goldlichten Pferde.
An seiner Rechten war Znata sein Bruder in scharlachrotem Gewande mit
Silberverzierungen einem Waffenhemde und steinbesetztem Geschmeide. Er sa auf
einem schwarzen Pferde. Zur Linken Nacerats war sein Sohn Dus. Er war in blasses
Blau von Sammet gekleidet, das mit Silber geziert war, er hatte ein glnzendes
Waffenhemd, der Grtel und die Schwertscheide waren mit spiegelnden Steinen
besetzt, auf der blauen Haube waren funkelnde Steine und eine weie Feder. Unter
der Haube quollen die blonden Haare hervor. Sein Pferd war milchwei. Dann war
der junge Milhost da in grnem Waffenschmucke, dann der junge Mikul, auch grn,
dann der junge Rodmil in braunem Gewande, dann Drslaw in Dunkelblau, dann Zibota
in Scharlachrot, und dann Mnner und Knechte Nacerats und Znatas in
kriegerischem Schmucke.
    Nacerat rief herber: Bolemil, du tust nicht gut, du hast den Mann, der
jetzt von euch Herzog genannt wird, in der Versammlung auf dem Wysehrad
verworfen, und jetzt verwirfst du den, welchen du damals gewhlt hast: Wladislaw
den Sohn Sobeslaws.
    Nacerat, antwortete Bolemil, rufe nicht dein Geschick. Der Herzog hat
gesagt, es wird dich ereilen, und wenn mein Enkel Dalimil nicht tot auf dem
Felde lge, so htte es dich schon ereilt.
    Es wird ihn auch so ereilen, den verdammten Satansvater der Heuchelei und
der Lgen, der ganz Bhmen haben mchte und Mhren, rief eine drhnende Stimme
aus den blauen Fhnlein.
    Es war der grogewachsene schwarzhaarige Predbor, der gerufen hatte. Er
richtete sich im Sattel empor, und legte zum Fluge ein.
    Mit mir, ihr guten Reiter, rief er.
    Vorwrts mit dem heiligen Markus, rief Witiko, und in der nchsten Frist
waren die Reiter an den Feinden, und die Schwerter waren handgemein.
    Mit zornesrotem Angesichte und glhenden Augen strmte Predbor vorwrts, er
strzte alles auf seinem Wege nieder, und war in wenigen Augenblicken bei
Nacerat.
    Kaum zwei Hiebe wurden gewechselt, da sank der Arm Nacerats, er wankte auf
dem Pferde, und sein graues Gewand frbte sich von innen heraus rot.
    Gebt Raum, schrie Znata, und eilte hinzu.
    Gebt Raum, schrie der Sohn Nacerats, und war auch da, und mit ihm waren
Milhost und der junge Mikul.
    Wie aus Entsetzen wich man zurck, und der Kampf ruhte einen Augenblick.
    Die Mnner nahmen Nacerat von dem Pferde, senkten ihn gegen die Erde, und
beugten sich ber ihn.
    Er aber sagte nur die Worte: Silvester, Silvester.
    Dann trat Schaum und Blut vor seinen Mund, und er starb.
    Mnner aus seinem Gefolge trugen ihn zurck, und wie der Raum von der Leiche
frei war, begann wieder der Kampf. Znata sprang zu Pferde, und strmte wtend
vorwrts. An seiner Seite war Drslaw. Dus der Sohn Nacerats war auch schon auf
dem Pferde, und drang vor. Predbor verwundete Znata, da er zurckgetragen
werden mute, und strzte Drslaw in sein Blut. Die brig gebliebenen Reiter
Bolemils hatten sich gesammelt, und mordeten jetzt mit Wut und Rachgier in den
Feinden.
    Dus der Sohn Nacerats hatte sich gegen links gewendet, wo neben Witikos
Reitern die Waldmnner standen, und die Schfte nach vorwrts hielten. Er suchte
durch die Fugnger eine Lcke in die Reihe zu gewinnen. Hinter ihm waren die
Jnglinge Milhost und Mikul und die Anhnger Nacerats. Er schlug eine Lanze
seitwrts. Der erste Mann, der vor ihm stand, war Norbert von Plan. Hinter
Norbert stand Zacharias, und hinter Zacharias der Jngling Urban. Norbert sank
in sein Blut. In diesem Augenblicke hrte man von hinten eine furchtbare Stimme
rufen: Rhre den Knaben nicht an.
    Es war Peter Laurenz der Schmied von Plan, welcher gerufen hatte.
    Der Sohn Nacerats aber drang gegen Zacharias den Vordermann des Jnglings
Urban. Da sah man eine eiserne Keule gegen seine Stirne fliegen. Dus der Sohn
Nacerats sank auf seinem Pferde gegen rckwrts, sein rosiges Antlitz ward
aschfarb, und in diesem Augenblicke strmte das Blut auf seine schnen Kleider
und auf die milchweie Farbe seines Pferdes. Milhost und Mikul suchten ihn
aufzufangen, er entglitt ihnen aber, und strzte auf die Erde. Da jetzt wieder
an dieser Stelle der Kampf auf die Zeit eines Augenblicks ruhte, konnten die
Seinen die besudelte und entstellte Leiche des Jnglings nach rckwrts bringen.
Der Schmied holte sich seine Keule.
    Die Waldmnner schlossen die Lcke ihrer Reihe, welche Dus, der Sohn
Nacerats, gemacht hatte, wieder, und suchten sie jetzt fester zu erhalten. Der
Kampf ging fort. Witiko leitete die Reiter mit den blauen Fhnlein, und rief
seine Befehle auf die Fugnger rechts. Milhost, da er sich von der durch Dus
gemachten Lcke ausgeschlossen sah, schrie: Witiko, du meineidiger Schurke,
htten sie dich doch auf den hchsten Baum gehngt.
    Als er diese Worte kaum vollendet hatte, stach ihn ein Waldschaft durch die
Brust, Blut strzte auf sein grnes goldgewirktes Kleid, und er fiel ber das
Haupt seines Pferdes in das Gras. Der Jngling Mikul wurde gleich nach ihm
gestrzt. Jetzt kamen auch die kleinen Waldpferde Diets und Rownos. Zibota wurde
noch gestrzt, mehrere Mnner Nacerats wurden noch gestrzt, und die glnzenden
Reiter, jetzt auch ohne Fhrer, wendeten sich, und flohen zurck.
    Die Mnner unter Bolemil Witiko und weiter rechts hatten nun Ruhe. Der Platz
vor ihnen war leer. Sie suchten jetzt durch Fhlung gegen links zu erfahren, ob
die Reihe des Herzogs zusammenhnge. Da kam eine Botschaft von ihm, da die
Reihe wieder fest gefgt sei, und da sie sie halten sollten. Die Botschaft ging
gegen rechts weiter. Wirklich konnte man die rosenfarbenen Seidenbanner fort und
fort an der Reihe sehen, wie sie in Abstnden standen, und wie die hohe Fahne
des Herzoges ragte; aber sie waren nher bei einander, die Reihe war sehr kurz
geworden, und sie standen nicht mehr unten an dem Rande des Berges sondern
wieder oben, wo am Morgen begonnen worden war. Die weien Banner des Feindes
rckten auch wieder geordnet vor, und der Kampf begann an den ganzen Reihen der
Heere. Stunde an Stunde verflo, Mnner von groem Ansehen, Reichtum, Wrden und
mtern fielen auf die Erde, Mnner von geringerer Bedeutung sanken auf das
zertretene Gras, und niedere unbekannte Leute gingen zu Grunde: aber der Raum
des Kampfes wurde nicht verndert. Die Feinde des Herzoges hatten die grere
Zahl, ihre Zahl war durch die Verrter noch vermehrt worden, und sie hatten die
Begierde, ihre Sache zur Entscheidung zu bringen: die Mnner des Herzoges hatten
den besseren Stand des Ortes, und hatten das Recht. Die letzte Kraft wurde
verwendet, die Sonne neigte bereits zum Untergange, man hatte nicht geruht und
nichts genossen, Leib und Seele war ermattet, und der Kampf erlosch. Die Reihen
von beiden Seiten schwankten zurck, da ein Raum wurde. Man stand, und es war,
als knnte man sich nicht regen.
    Die Heere standen nicht wie solche, welche ruhen, und wieder zum Kampfe
vorwrts gehen wollen, sondern wie solche, die ausgerungen haben.
    Einzelne Rotten und Abteilungen wichen zurck, und der Raum vergrerte
sich.
    Kundschafter schlichen hinvor, um zu ersphen, was die Gegner etwa beginnen
wollten.
    Und als der Raum immer grer wurde, und als man erfahren hatte, da die aus
Mhren gegen ihr Lager zurck drngten, lie Wladislaw seine Mnner auch zurck
gehen. Sie waren jetzt wieder wie am Morgen vor dem verbrannten Hofe in der Nhe
der Huser, welche Suchdol hieen.
    Ganze Scharen sanken in das Gras, und ehe sie nach Speise und Trank fragten,
suchten sie das Nchste zu erlangen, was not tat, Ruhe.
    Witiko war unter den Mnnern des Waldes, die zu ihm gehrten. Sie lagen,
oder saen auf der Erde. Einige hatten ihren Sack geffnet, und langten Brod,
oder was sie hatten, hervor, um zu essen, andere ruhten blo. Man hatte in einem
groen Kruge Wasser aus dem Bache herzu gebracht, weil der Brunnen unbrauchbar
war, und die Mnner tranken aus dem Kruge.
    Es wird doch ntig sein, liebe gute und getreue Heimatgenossen, sagte
Witiko, so ermdet wir auch sind, da einige von uns zu der Stelle gehen, wo
wir mit den Feinden gekmpft haben, sobald man nmlich dahin gelangen kann, um
zu sehen, wer aus den Unsrigen dort etwa verwundet oder gar tot liege, da wir
ihm beistehen, oder, wenn er ausgelebt hat, ihn, so es sich tun lt, begraben.
Indessen knnen wir unter uns hier sehen, wer etwa fehle.
    Auf diese Worte erhoben sich Maz Albrecht und Lambert und Urban und andere
junge Mnner, und Lambert sagte: Wir sind nicht so ermdet, es ist nicht der
Rede wert, wir knnen schon gehen.
    Es haben sich schon etliche fortgeschlichen, sagte Christ Severin, ihr
knnt ihnen nachgehen. Wir mssen uns einander beistehen, und da wir zu Hause
keinen Vorwurf haben.
    Die jungen Mnner hielten ihr Stck Brod, das sie aen, in der Hand, und
gingen fort.
    Witiko sandte nun auch eine Botschaft zu Rowno und Diet und den andern, und
erfuhr, da sie dicht an ihm zur Rechten gelagert seien, sich erquicken, und
auch schon nach ihren Verwundeten und Toten gesendet haben.
    Nach einer Weile kam von dem Herzoge Wladislaw die Nachricht, da die Mnner
sich lagern drften, da sie aber in der Ordnung bleiben sollten, welche sie in
der Schlacht gehabt haben, da sie Speise und Trank genieen mchten, da sie,
wenn die Nacht komme, schlafen drften, und dann des weitern, was geschehen
wrde, gewrtig sein sollten. Die Fhrer seien nach kurzer Frist zu dem Herzoge
zu einer Beratung geladen.
    Die Mnner richteten sich nun bequemer zur Ruhe, suchten Lagerstellen zu
bereiten, zndeten hie und da Feuer an, und Witiko brachte sein Pferd an eine
gute Stelle, und versorgte es reichlich mit Hllen.
    Dann ging er zu dem Herzoge.
    Er ging an den Leuten vorbei, wie sie sich in der Schlachtordnung befunden
hatten, da er zu dem Herzoge um Hilfe geritten war; aber die Reihe war jetzt
wieder um viel viel krzer als damals, teils, weil der Mnner weniger geworden
waren, teils, weil sie sich tiefer zurck gelagert hatten, teils weil manche in
die Zelte, die noch hinter den Reihen in dem Lager standen, rckwrts gegangen
waren.
    Der Herzog befand sich vor dem abgebrannten Hofe. Viele Sthle waren auf den
Platz gebracht worden. Eine groe Anzahl von Mnnern war um ihn. Einige saen,
mehrere aber standen. Gleich nach Witiko waren auch Rowno und Diet angelangt.
Als alle versammelt waren, stand der Herzog in seinem braunen Gewande und in
seinem matten Waffenhemde von seinem Stuhle auf, und sprach: Da sind wir wieder
auf dem Platze, auf welchem wir gestern mit den Verrtern verhandelt haben. Es
liegt ein schwerer Tag dazwischen. Gott hat das Recht nicht sinken lassen, wenn
er es auch noch weiter prft. Der Verrat hat unser Werk vereitelt, doch das
seine nicht vollbracht. Wir sind in der festgefgten Ordnung, in welcher wir in
der Schlacht gewesen waren, zurck gegangen, und stehen nun am Beginne fernerer
Mhen. Ich habe die Wachen ausgestellt, die den Raum um uns durchblicken, ich
habe die Kundschafter ausgesendet, die alles durchforschen sollen, ich habe
Mnner abgeordnete die nach den Toten und Verwundeten suchen sollen. Die edlen
Toten, die eine ferne Grabsttte haben, werden wir fortsenden, eben so die
Verwundeten, welche eine Reise vertragen. Fr die Beerdigung und Pflege der
andern ist die Einleitung getroffen worden, und es wird noch weiter geschehen,
was die Umstnde zulassen. Die Kundschafter haben gemeldet, da die Feinde
wieder ihr Lager bezogen haben, aus dem sie am Morgen gegen uns ausgerckt sind.
Ich habe gesagt, da doch einige von uns, wenn sie nicht gar zu ermdet sind, zu
beiden Seiten des Heeres ausgesendet wrden, um zu erforschen, ob die Feinde
nicht in der Nacht an uns vorbergehen, und uns die Wege verlegen knnten.
    Es ist geschehen, hoher Herr, sagte Chotimir, junge Reiter und Fugnger
haben sich zu diesem Geschfte erboten, sie werden sich zu Zeiten ablsen, und
berichten.
    Es ist gut, sagte der Herzog. Ehe wir zu dem schreiten, was ferner zu tun
ist, lasset uns den Dank abstatten. Mnner, Herren, teure Freunde! habet den
Dank des Landes, habet meinen Dank. Lasset uns zuerst von denen sprechen, die
selber nicht mehr sprechen knnen. Smil und Ben liegen tot auf der Erde, zwei
edle tapfere Mnner und Fhrer unserer Heere. Ihr Werk ist vollbracht, und die
Geschichten werden von ihnen reden. Smils Shne sind hingestreckt. Die guten
Jnglinge haben ausgefhrt, was sie oft gesagt haben, da sie sich gegenseitig
ihr Leben schtzen wollen. Sie haben es sich gegenseitig bis zum Tode geschtzt.
Dalimil, der Enkel des alten hochehrwrdigen Lechen Bolemil hat sein Leben zum
Opfer gebracht, da auf dem Platze neben ihm der Verrat nicht siegreich wurde.
Andere Enkel werden die Tat den Urenkeln, und diese sie andern Urenkeln
erzhlen. Pustimir, der Sohn unsers teuern vterlichen Mannes Lubomir, hat fr
die Sache, die er sich erwhlt, seinen Geist zum Himmel gesendet. Und mehrere
werden sein, die wir noch nicht kennen, und deren Namen uns heute noch werden
genannt werden. Den Toten gibt Gott im Himmel die Ruhe und auf Erden den Ruhm.
Jedem Freunde, er sei hoch oder gering, der heute auf diesem Berge verstummen
mute, folgt unser Gebet, und bleibt ihm sein Lohn in der Ewigkeit.
    In der Ewigkeit, sagten die Anwesenden mit leiser Stimme nach.
    Und nun zu den Lebenden, fuhr der Herzog fort. Otto Bischof von Prag, ich
danke dir fr deine Taten und deine Worte.
    Ich glaube, ich bin auf der Seite des Rechtes gestanden, sagte der
Bischof.
    Ich glaube es, so mir der Allmchtige helfe, sagte der Herzog.
    Dann fuhr er fort: Zdik Bischof von Olmtz, ich sage dir meinen Dank, du
hast, als Ben an deiner Seite gefallen war, den Streit geleitet.
    Ich habe den Mann beweint, hoher Herr, antwortete Zdik, die Schlacht hast
du gefhrt, wie ich wute, da du sie fhren wirst.
    Ich danke dir Daniel, Propst von Prag, fr deine Taten und Worte, sagte
der Herzog.
    Die Taten sind gering, die Worte halfen nicht, entgegnete Daniel, mge
mein Gebet krftiger sein, da dieser Streit ohne zu groes Unheil fr die
Lnder beendigt werde.
    Ich danke euch, bte von Brewnow, Kladrau und Wilimow, und allen
Priestern, fuhr der Herzog fort, und ich sage euch meinen Dank, Brder Diepold
und Heinrich, Shne Premysls, ihr seid die einzigen aus dem Stamme, die treu
geblieben sind.
    Wir werden es auch immer bleiben, sagte Diepold.
    Ich wei es, entgegnete der Herzog.
    Dann fuhr er fort: Bolemil, du vielerfahrener Mann, der immer seiner Treue
folgt, und sie auch bt, wo sie ihn schmerzt, du Mann, der so viele Dienste
verrichtete, von der Zeit meines Grovaters, des Knigs Wratislaw, an bis auf
heute, wo du weit ber deine Zeit hinaus geholfen hast, habe meinen Dank. Mein
Dank ist viel zu klein fr deine Tat und deinen Verlust.
    Hoher Herr, antwortete Bolemil, ich habe gewut, was geschehen wird, es
konnte uns nicht erspart werden. Als ich von dem Sterbebette Sobeslaws gehrt
hatte, wute ich auch, was ich tun werde, und habe mich darauf vorbereitet.
Meine Sippen und Mnner liegen auf dem Felde erschlagen. Die leben, mgen um sie
trauern. Ich werde bald mit ihnen vereint sein. Sorge nur, Herr, da dieser
Streit kurz daure.
    Wir werden sorgen, da es so sei, sagte der Herzog.
    Nach diesen Worten war eine kleine Stille.
    Dann sprach der Herzog: Lubomir, du hast tiefes Herzeleid erfahren. Ich
danke dir, und traure mit dir.
    Wenn ich wieder in Daudleb bin, mein erhabener Herr, antwortete Lubomir,
und wenn ich dort allein an meinem Tische sitze, und meine Kinder, die in
andern Fluren sind, zhle, so zhle ich auch Pustimir mit, obwohl er jetzt weit
von mir ist, und dann zhle ich die Enkel, und auch die von ihm, und trste
Boleslawa, weil er heldenmtig gestorben ist. Er ruhe friedlich, Herr, und mge
der Streit mit den geringsten Opfern des unschuldigen Landes enden.
    Euch, Chotimir, Diwis, Bozebor, Jurik, euch Fhrern danke ich, fuhr der
Herzog fort, ihr habt festgehalten, wo der Verlust einer Handbreit Erde ein
groes Unglck gewesen wre, und ihr habt eure Mnner stark geschart wie die
Glieder einer Eisenkette zurck gefhrt. Diwis, du bist immer treu, und dein
Sohn Zdeslaw folgt dir. Euch Mnner Milota Preda Wsebor hat das Alter nicht
abgehalten, auf dem Felde der Ehre zu sein. Predbor, ich danke dir. Denken wir
nicht mehr im Zorne dessen, mit dem du gestritten, und der gestern noch in der
Flle des reichsten Mannes dieser Lnder und in der Flle des Lebens hier vor
uns gesprochen hat, und jetzt sich mit einem Hufchen Erde begngt. Nemoy, du
bist ein Nachbar Bolemils, und strebst seinen Tugenden nach, und du Ctibor
hltst es wie Lubomir, an den du grenzest, du hast deine Leute genommen, und sie
zum Schutze des Frstenstuhles gefhrt. Casta, du hast immer gesagt, da du fr
deine Freunde in den Tod gehen knntest, rufe dein Schicksal nicht, es htte dir
heute bald fr mich willfahrt. Pflege deine Wunde, da ich dir bald einen
Gegendienst tun kann. Welislaw, wie kannst du wagen, hieher zu kommen? Dich
haben sie halb tot vom Felde getragen, und nun sitzest du hier, und trotzest
deiner Wunde? Du bist der Genosse meiner Jugend gewesen, willst du mich in
meinen Mannesjahren verlassen?
    Solche Dinge heilen in der Ttigkeit am ehesten, versetzte Welislaw.
    Ich werde dir den Arzt zugeben, der dir nicht mehr von der Seite darf,
sagte der Herzog, und denke, da ich nicht Mnner brauche, die sich so sinnlos
dem Feinde entgegen werfen.
    Dich mu ich auch schmhen, Odolen, fuhr der Herzog fort, ich sehe, da
es wahr ist, was deine Feinde sagen, da du Berge umwerfen mchtest, um zu
strmen. Hast du keine Wunde empfangen?
    Welislaw, der mir in allem zuwider handelt, hat sie mir weggenommen, sagte
Odolen.
    Sezima Wecel Zwest, sagte der Herzog, habt meinen Dank, ich wei, was ihr
getan habt. Jurik, du bist immer in der Nhe deines Vaters, du bist in einer
guten Schule, aber sie ist nicht ohne Gefahr. Beneda, du hast dir dein Lob
verdient.
    Witiko, Rowno, Diet, und ihr andern Mnner des Waldes, fuhr er dann fort,
wie danke ich euch. Ihr habt einen harten Teil bestanden. Bei euch hat man den
Versuch gemacht, alles zu gewinnen. Man hat euch abtrennen wollen, wie man einen
Tropfen Wasser von der Hand schttelt; ihr aber seid gewesen wie das Pech eures
Waldes, und seid kleben geblieben. Ich werde doch noch diesen Wald einmal sehen,
und euch in ihm wieder danken knnen. Wer sind die Knaben?
    Osel trat vor, und sprach: Wenn du die Mnner des Waldes Pech heiest,
hoher Herr, so sind diese junges Pech. Ich heie Osel, wohne in Dub im Walde,
und bin ihr Vater. Sie haben sich von einer falben Stute drei falbe Pferdlein
auferzogen, und in der Sonnenwende habe ich ihnen die Haare beschnitten, da sie
Jnglinge werden, und habe sie jetzt in den Krieg mitgenommen, da sie gegen den
bermut der Lechen streiten, und lieber einem einzigen dienen lernen, der uns
wohl will. Ich habe sie auf diesen Platz gefhrt, da sie dich sehen, und es zu
Hause erzhlen.
    Nenne mir die Namen der Knaben, sagte der Herzog.
    Osel antwortete: Dieser ist Olen der lteste, dann kmmt Dis, der um ein
Jahr jnger ist, und dann Os, der wieder um ein Jahr spter kam.
    Die zwei jngsten bluten ja, sagte der Herzog.
    Ein wenig, entgegnete Osel, ich habe es schon angesehen, es ist nichts.
Sie sind nicht trge gewesen, aber kindisch. Der lteste tut auch das Seine,
wenn gleich das Zeichen ausblieb.
    Sorge, da du auf deine schnen Knaben siehest, Osel, sagte der Herzog,
damit sie Mnner werden.
    Im Walde lernt man frh ein hartes Leben, antwortete Osel.
    Meine Kinder, entgegnete der Herzog, ich werde euch schon wieder sehen,
und dann mt ihr mir eure falben Pferdlein zeigen, und in eurem Walde mt ihr
mir eure schnen Bume zeigen.
    Ja, antwortete Olen.
    Mnner, Priester, Prinzen, Lechen, Wladyken, Freunde, fuhr der Herzog
fort, ermdet noch nicht. Wir haben der ersten Pflicht gengt, der des Dankes,
lat uns nun auch zu der zweiten gehen, der des Rates, was nun ferner zu tun
sei. Die Feinde sind in das Lager gegangen, wir auch, die Feinde sind erschpft,
wir auch, die Feinde haben schwere Verluste gehabt, wir auch, und die unsrigen
sind durch den schimpflichen Verrat, der auf lange Zeit dieses Land verdstern
wird, noch grer geworden, als sie sonst gewesen wren, die Zahl der Feinde ist
die grere, die der Unsern die kleinere, und sie ist durch den Verrat noch
kleiner, die der Feinde grer geworden, die Feinde haben ein bses Gewissen,
weil sie zum Verrate gegriffen haben, unser Bewutsein ist gut, sie kmpfen fr
Raub und Vorteil, und whlen jedes Mittel des Blutvergieens und der Zerstrung,
wir streiten zum Schutze des Landes, und mssen alles sparen, was dem Lande
kostbar ist, sie haben die ungnstigere Stellung im Tale, wir die gnstigere auf
der Hhe: wir knnen heldenmtig den Kampf wieder aufnehmen, und mit Gott den
Sieg erringen, oder ruhmreich erliegen: oder wir knnen in eine sichrere
Stellung gehen, uns verstrken, und dann mit gengender Macht die Entscheidung
suchen. Wie weit wir heute geschmolzen sind, lt sich noch nicht genau sagen,
nur im allgemeinen berschauen. So wird es im Vergleiche auch bei den Feinden
sein. Und nun Otto Bischof von Prag rede.
    Zur Schonung des Blutes und Lebens des Landes soll grere Sicherheit
gesucht werden, sagte der Bischof.
    Und du Zdik? fragte der Herzog.
    Ich meine das gleiche, antwortete Zdik der Bischof von Olmtz.
    Und Daniel? sagte der Herzog.
    Das gleiche, antwortete der Propst Daniel.
    Und du, ehrwrdiger Bolemil? fragte der Herzog.
    Ich habe schon gesagt, antwortete Bolemil, sorge, da dieser Streit kurz
daure, hoher Herr. In dem, was auf dem Wysehrad geschah, lag das bel, nmlich,
da man zu dem Whlen griff, wie man bei deinem Vater zu dem Whlen gegriffen
hatte. Was damals gekommen ist, mute wieder kommen, und ist gekommen. Der
sterbende Sobeslaw hat alles gewut, da er gesagt hat: Nacerat wird gegen
Wladislaw nicht siegen. Ergreife jedes Mittel, das die grte Sicherheit des
Sieges ber den Feind gibt.
    Und Lubomir? fragte der Herzog.
    Suche die grte Sicherheit fr das Land, sagte Lubomir.
    Und Diwis? fragte der Herzog.
    Ich spreche wie Bolemil, sagte Diwis.
    Und was sagt Chotimir? fragte der Herzog.
    Chotimir sagt das gleiche, antwortete der Gefragte.
    Und Wsebor? fragte Wladislaw.
    Ich rede wie meine Freunde. Suche mit Macht, den Streit eines Schlages zu
enden, antwortete Wsebor.
    Und Jurik? fragte der Herzog.
    Die Mnner, welche gegen uns in den Waffen sind, suchen den Raub, sagte
Jurik, darum haben sie schon die Schrift aufgesetzt, in der enthalten ist, was
ihnen ihr Herzog fr ihre Beihilfe zusagen mute. Sie ergriffen deshalb jedes
Mittel, zu ihrem Ziele zu gelangen, wie schon heute ihr Verrat gezeigt hat.
Wider solche Mnner ist schwerer streiten als wider ehrliche Gegner, weil man
nicht die gleichen Mittel will. Darum sage ich wie Bolemil: whle die Wege
grter Sicherheit.
    Und was sprechen meine andern alten Rte? fragte der Herzog.
    Und Milota und Bozebor und die bte und Bartholomus sprachen fr die grte
Sicherheit.
    Preda sprach gleichfalls dafr.
    Und euch Prinzen frage ich erst jetzt, weil ihr jnger seid, sagte der
Herzog.
    Ich rede fr grere Sicherheit, antwortete Diepold.
    Ich fr morgige Entscheidung, sagte Heinrich.
    Und ihr dort weiterhin? fragte der Herzog.
    Fr morgige Entscheidung, rief Zwest.
    Fr morgige Entscheidung, rief Jurik der Sohn Juriks.
    Fr morgige Entscheidung, rief Beneda.
    Morgen Schlacht, und ganz gewisser Sieg, schrie Odolen.
    Morgen Schlacht, morgen Schlacht, riefen nun mehrere Stimmen der jungen
Mnner.
    Es ist gut, sagte der Herzog, ihr wollt die Schlacht und ruhmreichen Sieg
oder ruhmreichen Untergang. Ich rede als Ritter wie ihr. Ihr drft euer Leben
hinwerfen; ich der Herzog aber darf euer Leben nicht hinwerfen, und das Heil des
Landes nicht auf die Spitze stellen. Wir gehen in unsere feste Stadt Prag, in
welcher der Frstenstuhl steht, festigen die Mauern um ihn und um uns noch mehr,
und suchen Verstrkungen zu gewinnen, wie wir sie nur immer zu gewinnen
vermgen. Haben wir dann die Macht, die letzte und gewisse Entscheidung
herbeizufhren, so treten wir an den Feind, und suchen diese letzte
Entscheidung, aber Entscheidung fr uns. Ihr, meine jungen Mnner, zeigt hier
die grere Tapferkeit, nmlich die, euern Mut zu zgeln, und folgt dem Rate der
Alten, die auch tapfer aber auch weise sind.
    Es wird so gut sein, sagte Bolemil.
    Es ist gut, sagte Otto der Bischof von Prag.
    So tun wir, sagte Zdik der Bischof von Olmtz.
    So tun wir, sagte Lubomir.
    Pflegt einige Stunden in der Nacht der Ruhe, sprach der Herzog, dann, ehe
der Tag scheint, brechen wir auf, es wird die Weisung erfolgen. Und nun noch
eines. Es wird ein bichen Abendkost bei mir bereitet, und wohl auch noch ein
Wein wird vorhanden sein. Wer es mit mir teilen will, ist abends willkommen.
Jetzt, Herren, seid fr euern Rat bedankt.
    Die Mnner begannen sich zu zerstreuen.
    Fhrt mich hinweg, sagte Welislaw, ich bin weder zum Rate noch zur
Schlacht tauglich.
    Zwei Mnner fhrten ihn von dannen.
    Witiko ging zu den Seinigen. Rowno, Diet, Osel, und die andern gingen auch
zu ihren Waldleuten.
    Nun, da der Herzog mit den Fhrern beraten hatte, ging er auch noch zu den
Kriegern. Er ging lngs der ganzen Reihen, besah die Mnner, sprach mit ihnen,
trstete die Verwundeten, und ermunterte die andern.
    Als er zu Witiko kam, stellte dieser seine Leute auf.
    Witiko, sagte der Herzog, wir rechnen noch einmal eigens fr den heutigen
Tag ab.
    Dann sprach er zu den Leuten: Mnner des Waldes, ihr habt eigentlich den
Tag gerettet. Ich sage euch den grten Dank. Ich will mir eure Angesichter
einprgen, da ich sie wieder kenne, wenn ich sie sehe. Haben wir diese Sache
geendet, will ich eurer gedenk sein, und ihr sollt keinen undankbaren Herzog an
mir finden.
    Der junge Witiko hat die Sache gefhrt, als Smil gestorben war, sagte
Stephan der Wagenbauer.
    Ich wei es, antwortete der Herzog, und gedenke es ihm.
    Wir gehen nach Prag, um die Stadt zu verteidigen, fuhr er fort, bis wir
wieder angreifen. Ihr werdet wollen in euern Wald gehen?
    Mit Gewhrung, Herr Herzog, sagte der Schmied von Plan, wir konnten auf
diesem Berge nicht von dir abgetrennt werden, weil wir wieder zu dir gingen, als
die Lgner vom Plakahofe davon gelaufen waren, sonst htten wir unser Vorhaben
nicht ausgefhrt. Wir werden schier alle mit dir nach Prag gehen, wenn du uns zu
essen geben kannst; denn das Brod und das Rauchfleisch in unseren Scken ist zur
Neige. Und sie werden uns die Stadt so wenig nehmen knnen, wie diesen Berg, und
etwa reien wir ihnen dann den Flimmer und die schnen Steine vom Leibe, die sie
prahlerisch angelegt haben.
    Wer mit mir nach Prag geht, wird die Lebensmittel erhalten, die wir haben,
sagte der Herzog.
    Dann ist es schon recht, entgegnete der Schmied.
    In diesem Augenblicke kamen einige Mnner herbei, und trugen den Fiedler Tom
Johannes.
    Wer ist der Mann? fragte der Herzog.
    Das ist der Fiedler von Plan, sagte Paul Joachim, und die ihn tragen,
haben wir um unsere Leute auf die Kampfstelle geschickt.
    Ist er tot? fragte der Herzog.
    Nein, mein guter Mann, antwortete der Fiedler, aber der Fiedelbogen wird
wohl krumm bleiben.
    Ich werde sogleich jemanden senden, der fr dich sorgen soll, sprach der
Herzog.
    Dann sagte er etwas zu einem Manne seines Geleites, der sich darauf
entfernte.
    Dieser wird einen Arzt bringen, sagte der Herzog.
    Habt ihr noch mehr Verwundete? fragte er dann.
    Der ist der letzte, welchen wir herauf getragen haben sagte Maz Albrecht,
den armen Norbert haben sie zu einem Strauche hingelegt, den Zimmerer David und
Veit Gregor haben wir zur Pflege hergetragen, Christ Severin der Wollweber und
Mathias und Urban sind selber gegangen. Sie haben schon Tcher mit Wasser um,
und Philipp ist um Kruter gegangen.
    Der Arzt wird alle in Pflege nehmen, sagte der Herzog, und nun ruhet ein
Weile, und wer nach Prag gehen will, wird in der Nacht das Zeichen erfahren.
    Nach diesen Worten entfernte er sich, und ging zu Rowno und Diet und zu den
andern, um ihnen zu danken.
    Als es Abend war, gingen viele zu dem Herzoge, das kleine Mahl zu teilen.
Mehrere saen in dem Gezelte, andere standen. Die Kundschafter meldeten, da die
Feinde Spher ausgesandt haben, die erfahren sollen, ob sie nicht in der
Finsternis der Nacht von dem Heere des Herzogs Wladislaw wrden umgangen werden
knnen.
    Desto sicherer ist unser Zug, sagte Wladislaw.
    Als das Mahl aus war, verabschiedeten sich die Mnner, und gingen, die Ruhe
zu suchen.
    Witiko begab sich zu seinem Pferde, und wusch ihm mit Wein, den er sich
verschafft hatte, die Gelenke.
    Dann legte er sich auf seine Schlafstelle.
    Und nun war Ruhe und Stille in dem Lager des Herzogs, nur da die Wachen
sich regten, Kundschafter streiften, und die Feuer gemach verbrannten.
    Dieser Tag war der fnfundzwanzigste des Monates April des Jahres 1142
gewesen.
    Ehe der Morgen graute, wurde ein Zeichen, welches kein Laut war, durch das
Lager gesendet, zum Aufbruche bereit zu sein.
    Und noch in der Dunkelheit setzte sich der Zug nach Prag in Bewegung.

                                  Zweiter Band



                                       1

 Der Schein ging ber Feld und Wald.

Als der Herzog Wladislaw auf seinen Zug nach Prag ging, war derselbe in der
folgenden Weise eingerichtet. Zuerst waren Reiter, welche den Weg erforschen,
berichten, und Hindernisse, wenn es geschehen konnte, zerstreuen sollten. Dann
kamen Fugnger mit jenen Reitern und Wgen, die zu ihnen gehrten. Diese Vorhut
fhrte Diepold der Bruder des Herzogs. Dann kamen die Verwundeten Welislaw,
Casta, Hermann von Attes, Beneda, und andere. Sie waren in Tragbahren, deren
Bnder ber die Buge von je zwei Pferden gingen. Sie wurden von Reitern behtet,
die Milota fhrte. Dann kamen wieder Reiter und Fugnger. Diese fhrte Heinrich
der zweite Bruder des Herzogs. Nach ihnen waren Wgen, welche Kriegsdinge und
Kranke und Verwundete trugen. Die Mnner der Wgen befehligte Jurik der Sohn
Juriks. Hierauf kamen die entseelten Krper derjenigen, die auf dem Berge Wysoka
ihr Leben ausgehaucht hatten, und denen man die Sorge weihen wollte, da sie
nach Prag gebracht wrden. Darunter waren die Krper Smils und seiner beiden
Shne, Bens, Dalimils, Pustimirs und anderer hervorragender Mnner. Die rzte
hatten sie in der Nacht, soweit es erreicht werden konnte, mit Spezereien gegen
das Verderben eingerieben. Diese Krper waren in Tcher gehllt, und wurden
entweder von Sumern getragen, oder auf Wgen gefhrt. Das Geleite dieser
Mitfolge befehligte Zwest. Nun erschien zum Schlusse die grte Schar der
Krieger Wladislaws, Reiter und Fugnger. An diese Stelle waren die erfahrensten
Kriegsherren und jene Abteilungen der Mnner gewiesen worden, die den
geschlossensten Stand zu halten vermochten, damit sie, wenn die Feinde nacheilen
und angreifen sollten, schnell in Schlachtordnung wren, und so lange ausdauern
knnten, bis auch die andern in Kampfesbereitschaft wren. Diese Nachhut fhrte
der Herzog Wladislaw selbst. Um ihn waren die vorzglichsten Mnner, die
Bischfe und die Fhrer. Der alte Bolemil war in seiner Tragbahre mit seinen
noch brigen Reitern da. Der alte Lubomir ritt mit seinen Shnen, die ihm
geblieben waren, neben dem Herzoge. Diwis und sein Sohn Zdeslaw waren da. Odolen
folgte mit seinen Freunden. Preda und Gervasius ritten mit. Die Waldleute hatten
den Vorzug erhalten, der Abteilung des Herzogs einverleibt zu werden, und zogen
nun in ihr dahin. Unter ihnen war Witiko, Rowno, Diet von Wettern, Osel und die
anderen, die von dem Mittage des Landes stammten. Zwei der Mnner trugen in
Tchern, die man an zwei Stangen gebunden hatte, den verwundeten Tom Johannes
den Fiedler. Sie hatten ihn sorgsam zugedeckt, und hatten ihm einen Pack
Frhlingskruter auf die Wunde gebunden. Zwei andere Mnner trugen David den
Zimmerer, und wieder zwei Veit Gregor. Christ Severin der Wollenweber und
Mathias und Urban, der Neffe des Schmiedes, gingen in dem Zuge, weil sie
geringere Wunden hatten. Die Waldleute hielten sich geschlossen, und suchten das
Benehmen der andern Krieger nachzuahmen. Am Ende des Zuges waren wieder Reiter,
wie sie am Anfange waren. Zu beiden Seiten des Weges waren Reiterfhnlein
ausgesendet worden, das Land zu durchsuchen, und zu melden, was sie gesehen
htten.
    Die Huser von Suchdol waren nach und nach rckwrts des Zuges gekommen, die
Mauern von Radbar, die zuerst gegen Mitternacht gestanden waren, konnten nun
gegen Mittag erblickt werden, und man nherte sich den Wiesen von Wolesec.
    Von den streifenden Reitern kamen Abgesendete herzu, die sagten, da kein
Mensch in der Gegend sei, da sich die Felder in Unordnung befinden, und kein
Vieh zu sehen ist, und da sich keiner der Feinde zeige.
    Die Sonne ging nun ber die Lnder Mhren und Bhmen herauf, und beleuchtete
den Zug. Man konnte an dem Rauche, der gegen Morgen war, sehen, da die Feinde
etwa an der Stelle seien, von der aus sie die Schlacht begonnen hatten, ja aus
entfernterem Rauche, da einige vielleicht schon gegen Mhren zurck gehen.
    Die Scharen kamen in den Ort Wolesec, und gingen durch ihn, der leer war,
hindurch. Als die letzten die Huser hinter sich hatten, wurden die Zeichen zur
ersten Rast gegeben. Die Zeichen wiederholten sich in den Abteilungen, und man
richtete sich zur Ruhe. Einige Zelte wurden aufgeschlagen, zumeist aber lieen
sich die Mnner nur in die Breite auseinander, um sich nieder zu setzen. Die
Waldleute kamen an eine Mauer aus losen Steinen, die neben dem Felde lief.
Einige setzten sich auf die Steine der Mauer, andere an die Mauer in das kurze
Frhlingsgras der Wiese, die neben dem Felde war. Wie ihnen der Herzog
Lebensmittel versprochen hatte, ging es jetzt in Erfllung. Es kamen Trger und
Karren zu ihnen, und brachten Scke mit geruchertem Schweinefleisch, mit Brod
aus Gerste und Roggen, mit Kseziegeln und Klen. Auch Fsser mit Getrnken
wurden herbei gefhrt, von denen die meisten mit klarem Wasser gefllt waren,
das man aus khlen Quellen geschpft hatte. Andere enthielten Bier und Met. Die
Waldmnner erquickten sich zuerst an den Getrnken, am Wasser, am Biere, am
Mete. Dann nahmen sie von den Speisevorrten in ihre Scke, was sie zum Zuge
nach Prag als ntig gedachten. Dann aen sie, tranken wieder, und machten sich
zurecht, die kurze Rast zu genieen. Was von den Lebensmitteln brig geblieben
war, wurde wieder fort geschafft. In dieser Zeit kam Jakob, der Knecht aus dem
Wangetschlage, mit seinem lahmen braunen Pferde zu den Waldleuten. Man hatte
nichts von ihm gewut, und in dem Kampfe seiner nicht gedacht. Er erzhlte, da
er in der Schlacht gewesen sei, und da sie ihn mit einer Lanze in die Wange
gestochen haben. Er habe sich aber sehr gewehrt, und sei jetzt dem Zuge nach
geeilt, um ihn einzuholen. Witiko untersuchte seine Wunde, und fand sie geringe.
Dann gab er ihm von seinen Vorrten zu essen, und lie das gehetzte Pferd
erquicken.
    Als die Ruhezeit aus war, tnten die Hrner zum Aufbruche. Die Eckmnner der
Waldleute gaben ihre Zeichen mit Hrnern von Ziegenbcken.
    Der Zug richtete sich wieder ein, und ging weiter.
    Man rastete noch zwei Male, und am Abende lagerte man sich auf weiten
baumlosen Feldern, an denen keine Huser waren, und die in dieser Kriegszeit
keine Saaten trugen. Es wurden Gezelte geschlagen, die Grenzen des Lagers
gesteckt, Wachen gestellt, und Kundschafter ausgesendet. Dann zndete man Feuer
an, pflegte sich, und bereitete Schlafstellen. Und die Krper der Krieger
genossen eine festere Ruhe, als sie in der vorigen Nacht gehabt hatten. Bis zum
Morgen war es stille in dem Lager und um das Lager.
    Wie an diesem Tage, so war es hnlich an dem zweiten und an dem dritten und
an dem vierten.
    Und am fnften Tage kam Wladislaw mit seinen Kriegern vor der Stadt Prag an.
    Die Augen aller Krieger sahen auf diese Stadt. Da war der hohe Wald des
Berges Petrin, und von diesem Walde gingen die lichten Mauern dahin, die
Sobeslaw hatte umbauen und mit Trmen versehen lassen, und hinter den Mauern
ragten die Gebude empor: die Kirche des heiligen Veit, die Kirche der heiligen
Jungfrau Maria, die Kirche des heiligen Georg, die Hofburg des Herzoges, der
Bischofsturm, die Priesterhuser, die Huser der mter, und noch viele andere,
die sie nicht kannten. Aber zwischen dieser Stadt, die sie aufnehmen sollte, und
den Kriegern war der weit gedehnte rechtsufrige Burgflecken Prag. Und vor dem
Burgflecken standen unzhlige Menschen gedrngt, um den Herzog und sein Heer zu
sehen. Einige waren auf Dcher und Bume geklettert. Vor allen Menschen aber
stand die Herzogin. Neben ihr stand der Hofrichter und der Kmmerer und der
Maier des Herzogs, welche nicht in den Streit hatten mitziehen drfen, es
standen die Kmeten neben ihr, die der Herzog ber seinen rechten und linken
Burgflecken gesetzt hatte, und es standen der Unterkmmerer, der Truchse und
der Schenk des Bischofes und der Dechant und der Hter und Priester neben ihr,
es stand Hugo, der Propst vom Wysehrad mit Priestern neben ihr, und der Kmete
vom Wysehrad, und jeder hervorragende Mann, der zur Hut von Prag hatte
zurckbleiben mssen. Die Herzogin und alle, die sie umstanden, begrten den
Herzog und die Seinigen.
    Der Herzog dankte des Grues, die Herzogin und die um sie bestiegen ihre
Pferde, und der Herzog fhrte von allen begleitet seine Krieger durch die langen
Gassen des Burgfleckens und die vielen Menschen in ihnen auf das groe Feld, das
zwischen dem Burgflecken und dem Wysehrad war, und als Verkaufsplatz diente.
    Dort lie er sie ein Lager schlagen, und in dem Lager sich niederlassen. Er
aber ritt mit der Herzogin und mit den Bischfen Priestern Lechen Kriegsherren
und einem Geleite von Kriegern in die Burg. Diwis ging in sein eigenes Haus,
dort zu bernachten, eben so Bolemil. Lubomir ging in das Haus seines Stammes,
so tat auch Ctibor, so Chotimir und Nemoy und Preda und andere. Der Bischof Zdik
ging mit seinen Priestern und Leuten in das Haus des Bischofes von Prag, und
auch Bozebor ging mit einem Geleite dahin. Witiko wurde in dem Hause der
Priester des heiligen Veit aufgenommen. In zwei kleinen Gemchern neben dem
Torwege fand er Raum fr sich und die Knechte Raimund und Jakob, und fr die
Pferde erhielt er einen kleinen Stall.
    Im Morgengrauen des nchsten Tages machte Wladislaw mehrere Anordnungen. Die
erste war, da die Krper der Toten zu ihrer Bestattung mchten hergerichtet
werden; die zweite war, da man die Einteilung treffe, da die Krieger von dem
Verkaufsfelde in die Stadt hinauf zgen, und ihre Abteilungen die Pltze
einnhmen, die fr sie bestimmt wren. Hierauf sendete er Kundschafter aus, dann
ordnete er Werbungen von Arbeitern an, die Mauern, wo es notwendig wre, noch
mehr zu befestigen, und auszubessern. Dann befahl er Sendungen in das Land, um
Krieger zum Zuzug aufzufordern, und Lebensmittel einzubringen, und endlich
schickte er seinen Bruder Heinrich in das Land Budissin, um dort Mnner zur
Beihilfe zu werben.
    Da der Abend heran nahte, wurde gemeldet, da man zur Bestattung der Toten
in Bereitschaft sei. Der Herzog begab sich auf das Verkaufsfeld, wo sie
aufgestellt waren. Eine groe Menschenmenge und die Schar der Priester war um
sie. Pustimir in schwarzen Sammet gekleidet lag auf einem mit schwarzem Sammet
berzogenen Wagen, um nach Daudleb gefhrt zu werden. Der demtige Priester von
Daudleb kniete an dem Wagen, und betete. Smil und seine zwei Shne lagen auf
drei Wgen von grnem Sammet und Silber in dunkelgrne Sammetgewnder gekleidet
mit Silber verziert, die weien Federn auf den Hauben, und das helle Schwert an
der Seite, um gegen Decin gebracht zu werden. Dalimil, in Braun und Gold
gekleidet sollte von seiner Sippschaft nach Taus geleitet werden. Swen, ein
hochbeherzter Mann, dessen Begrbnisstelle in Mhren lag, sollte, da er mit
Spezereien eingesalbt war, in eine Gruft der Marienkirche getragen werden, da
er nach Beendigung des Streites endlich in seine Heimat gebracht werden knnte.
Die andern sollten in Prag begraben werden. Der Bischof Otto von Prag, der
Bischof Zdik von Olmtz, Peter der Abt von Brewnow, Gezo der Abt von Strahow,
die bte von Kladrau und Wilimow, der Priester Daniel und viele Priester
feierten die heilige Handlung. Der Bischof Otto hielt nach der Segnung eine
Predigt, und als sie geendigt war, und als alle auseinander gehen wollten, viele
darunter mit Trnen in den Augen, sagte der Herzog: Die Waffenbrder der
Verstorbenen, dann Mnner und Frauen und Jnglinge und Jungfrauen, welche das
Land lieben, mgen die, welche fr das Land gestorben sind, nicht vergessen.
    Sie werden nicht vergessen, riefen sehr viele.
    Nein, wir vergessen sie nicht, riefen andere.
    Mehrere Menschen gingen noch besonders zu der Sttte Bens des
Kriegsanfhrers, um von ihm Abschied zu nehmen, der so bald nach dem Tage auf
dem Wysehrad sein Leben hatte verlieren mssen.
    Dann zerstreuten sich alle, und die Toten wurden ihren Bestimmungen entgegen
geleitet.
    Am Morgen des nchsten Tages begann der Zug der Krieger von dem
Verkaufsfelde und derer, die bisher in dem Burgflecken gewesen waren, in die
Burg, welche besonders und mit Vorzug die Stadt Prag geheien wurde. In langer
Reihe gingen sie ber die hlzerne Brcke, sie gingen zu dem Brckentore der
Stadt, und dann in der Stadt empor, an allen den hohen und erhabenen Gebuden,
die da waren, und an dem Herzogstuhle vorber.
    Sie wurden in der Stadt eingeteilt, und jeder Abteilung der Platz
zugewiesen, der ihr zur Wirksamkeit dienen sollte.
    Witiko erhielt von dem Herzoge den Oberbefehl ber die Waldleute, die sich
auf dem Wysoka freiwillig unter ihn gestellt hatten.
    Da die Krieger in die Stadt gezogen waren, rsteten sich nun die Bewohner
der beiden Burgflecken auf die Dinge, die da kommen sollten. Die fremden
Kaufleute in dem Teyn verpackten ihre Waren, und sendeten sie auf dem Wege ber
Pilsen gegen Taus in die deutschen Lnder hinaus, oder sendeten sie sonst irgend
wohin, und richteten sich, ihnen zu folgen. Die Juden bargen, was sie Wertvolles
hatten, und schickten, was in kleinem Raume groen Wert hatte, in entfernte
Gegenden. Manche Menschen verlieen die Stadt, und die da blieben, vergruben
Habseligkeiten, und behielten so viel, den Feinden, die da kommen wrden,
Verpflegungen zum Schutze vor Mihandlung reichen zu knnen.
    Als die Krieger auf der Burg ihre Pltze eingenommen, und sich dort
eingerichtet hatten, ordnete Wladislaw eine Versammlung auf dem freien Platze
vor dem Herzogstuhle an, zu welcher die Kriegsherren und Unterfhrer geladen
waren, und zu welcher Preda mit den Gefangenen kommen mute. Als sich alle
versammelt hatten, und rings um sie viele andere Krieger und Leute aus dem Volke
standen, erschien der Herzog auf seinem Pferde, und neben ihm ritt die Herzogin
in einem schnen Gewande. Sie stiegen von den Pferden, und der Herzog begab sich
auf eine Erhhung, die hergerichtet war, und sprach zu der Versammlung:
Waffenbrder, Freunde, Kriegsherren, Mnner des Landes, Krieger und Volk, das
gekommen ist! Ich spreche zu euch allen, ich spreche, was ich fr unser Land als
ntig erachte. Mein Grovater Wratislaw ist ein groer und weiser Knig gewesen,
den Lndern zum Wohle, sein Sohn, der Herzog Wladislaw, mein Vater, war
gromtig und gtig, sein anderer Sohn, der letzte Herzog Sobeslaw, lebt in
euerm Angedenken, und wird in dem Angedenken derer nach Euch leben. Ich bin auf
sie gefolgt. Ich bin nicht wie mein Grovater, mein Vater und mein Oheim. Ich
wei nicht, ob ich ihnen an Gaben gleich oder untergeordnet bin; aber im Guten
will ich ihnen gleich sein. Vor diesem ehrwrdigen Stuhle, der schon so viele
groe und gute Frsten getragen, und auch manche Verirrungen gesehen hat, kann
ich es aussprechen, da ich die Pflichten treu in mein Herz geschrieben habe,
die mir durch diesen Stuhl entstanden sind. In dem Kampfe, der naht, werde ich
entweder siegen, und dieses wird nach dem Ratschlusse Gottes dem Lande zum Heile
sein, wir werden Gott preisen: oder ich werde unterliegen, und dieses wird nach
dem unerforschlichen Ratschlusse Gottes dem Lande zum Heile sein, wir werden
auch Gott preisen. Wir kleinen Menschen knnen das Hchste nicht sehen; aber
wir, die wir hier versammelt sind, glauben, da wir auf dem Rechte stehen, und
wir mssen das Recht mit der Herzhaftigkeit und der Einsicht, die wir haben, zu
Ende bringen. Ich werde alle Mittel, die zu erringen sind, gebrauchen. ber die
Mittel werden wir beraten, wenn wir wissen, was not tut. Jetzt aber sage ich
nur, wer im geringsten an der Gerechtigkeit unseres Vorhabens zweifelt, oder wer
nicht mit seiner ganzen Seele bei dem Vorhaben ist, der verlasse dasselbe mit
getrostem Mute, er mag gehen, wohin er will. Der grte Teil der reichen und
vornehmen Herren der Lnder ist bei den Feinden, der ehrenreichste kleinste Teil
der Priesterschaft und der Lechen ist bei mir, und jener kleinerer Mnner, die
von mir Schutz erwarten, den ich gewhren will. Selbst von meinen Burgflecken
kann gehen, wer es verlangt. So sage ich, wie jener khne Fhrer aus der alten
heiligen Zeit, der zu mehreren Malen die fortgehen lie, die dem Kampfe
abtrglich sein knnten. Beherziget es.
    Wladislaw schwieg. Da trat Otto der Bischof von Prag hervor, und sprach:
Die Lechen und Herren, die um dich versammelt sind, haben gedacht, wie du
sprechen willst, erlauchter Herzog, und haben mich zur Antwort erwhlt, nicht um
meiner Gaben willen, sondern, weil ich die kirchliche Herrschaft in dem Lande
fhre, und so sage ich: Keiner aus denen, die schon auf dem Wysoka fr das Recht
gekmpft haben, und keiner aus denen, die zu dem jetzigen Kampfe gekommen sind,
zweifelt an dem Rechte, und keiner wird sich dem, was kommt, entziehen. Wer von
den untergeordneten Kriegern gehen will, die werden sie verzeichnen, und die
mgest du ziehen lassen.
    Sie werden in dem Amte meiner Kammer das Reisegeld zum Wege in ihre Heimat
finden, sagte der Herzog.
    Heil Wladislaw, rief eine Stimme.
    Heil dem gromtigen Herzoge, rief eine andere.
    Heil, Segen, Glck und andere Rufe tnten nun vielstimmig
durcheinander.
    Da es wieder ruhig geworden war, rief Wladislaw: Ihr, die ihr dort unter
der Hut meines alten Zupanes Preda steht, und die der Tag auf dem Berge Wysoka
als Gefangene in meine Hnde gegeben hat, ihr seid frei. Ich fordere nicht, da
ihr versprechet, in diesem Kriege nicht mehr gegen mich zu kmpfen, wer Ehre
hat, wird es nicht tun, der andere wird es nicht lassen, und wenn er in meine
Hnde fllt, wird er auf einem Baume aufgehngt, wie vor zwei Jahren die Diebe
des Landes. Wer geht, erhlt morgen das Reisegeld in meiner Kammer, wer aber
seine Handlungen gegen mich bereut, und mir dienen will, der melde sich, er wird
mit Liebe angenommen werden. Jetzt aber entfernet euch.
    Unter den Gefangenen entstand ein Jubelruf; sie wendeten sich gegen den
Herzog; aber auf den Befehl Predas stellten sie sich, und zogen unter
Freudenrufen ab.
    Unter dem Volke ertnten wie aus allen Kehlen Rufe der Freude und des
Vergngens.
    In diesem Augenblick aber ritt ein Mann auf den Platz, und meldete, da die
Spher eine Jungfrau mit mehreren Begleitern gefangen htten, und da die
Jungfrau vor den Herzog wolle.
    So lat sie kommen, antwortete Wladislaw.
    Der Mann ritt fort, und kam in kurzer Frist wieder zurck. Es waren nun vier
Mnner auf kleinen Pferden bei ihm und ein Mdchen auch auf einem Pferde. Die
Mnner waren in sehr grobe dunkelwollene weite gegrtete Gewnder gekleidet,
trugen Schwerter, und auf den Huptern rauhe Wolfshauben. Das Mdchen sa auf
einem schnen braunen Pferde, es hatte ein schwarzes Grtelgewand an, darber
ein Waffenkleid, das wie Silber glnzte, und an dem Grtel ein Schwert. Auf dem
Haupte trug es eine Spangenhaube, darunter schwarze Haare hervor sahen. Das
Angesicht war jung.
    Der Mann fhrte seine Begleiter vor den Herzog, wies mit der Hand auf ihn,
und sagte: Das ist der erlauchte Herzog, edle Jungfrau, welcher dir die Huld
erweist, mit dir zu reden.
    Das Mdchen stellte sich mit seinem Pferde vor die vier Mnner, sah den
Herzog an, und sprach: Bist du der Herzog Wladislaw, welcher im Kriege mit den
hohen Frsten ist, die im Lande Mhren einen Bund wider Bhmen geschlossen
haben?
    Kaum hatte das Mdchen diese Worte gesprochen, so ertnte aus dem hinteren
Geleite des Herzoges ein Laut, der das Wort Dimut ausrief. Es war Rowno gewesen,
der den Ruf ausgestoen hatte, und der nun sein Pferd gegen den Herzog vorwrts
drngte.
    Rowno, sagte das Mdchen gegen ihn hin, ich rede jetzt nicht mit dir,
jetzt rede ich mit dem Herzoge, und wenn das Gesprch geendet ist, so komme ich
zu dir, und werde mit dir reden.
    Wenn du Rechte gegen die Jungfrau hast, Rowno, sagte der Herzog, so be
sie ungeschmlert aus; jetzt aber erwarte das Ende des Gesprches, um das sie
gebeten hat, und das ich ihr gewhrt habe.
    Rowno zog die Zgel des Pferdes zurck, und blieb stehen.
    Der Herzog wendete sich wieder zu dem Mdchen, und sagte: Dimut heiest du,
schne Jungfrau?
    Ob ich schn bin, reden wir nicht, antwortete das Mdchen; aber Dimut
heie ich.
    Schn bist du, und als dich meine Krieger gefangen nahmen, hast du zu mir
verlangt? fragte der Herzog.
    Nein, antwortete das Mdchen, ich bin von meiner Heimat aus zu dir
geritten.
    Zu mir? fragte der Herzog.
    Ja, sagte Dimut, in dem Walde im Mittage des Landes steht in einem
gereuteten Tale ein Turm, in welchem mein Bruder Rowno herrscht. Er ist der
Wladyk seines Stammes, und sein Stamm wohnt um ihn. Ich bin in dem Turme. Als
noch der Schnee lag, kam die Kunde, da reiche und mchtige Herren und Frsten
wider dich in Waffen wren, und das Land Bhmen nehmen wollen. Da beschlo
Rowno, und es beschlossen Leute aus unserer Zupe, auszuziehen, um zu sehen, was
sich ergbe. Ich sagte damals: ihr werdet alle ins Feld gehen, die ihr knnt,
ihr werdet ergrnden, wo das Recht ist, und dafr mit euerm Leben streiten, und,
wenn es sein mu, sterben. Ich will tun, was ein Weib vermag. Das Rechte mu
geschehen, wie es auf Erden und im Himmel gilt. So sagte ich, und Rowno und Osel
und Diet von Wettern und Witiko zogen fort. Und darauf meldete Rowno, da das
Recht bei dir sei, da die reichen Herren noch reicher werden und noch mehr
Zupaneien haben wollen, und da du die kleineren Mnner gegen sie schtzest. Und
weil die Knaben des Waldes auf Kundschaft liefen, brachten sie die Nachricht,
da eine groe Schlacht gewesen sei, in der Herren und Frsten und niedere
Mnner und Knechte erschlagen worden sind, und weil ich solche Dinge, so lange
ich lebe, nicht gehrt habe, so konnte ich nicht mehr bleiben, ich nahm die vier
Mnner, und ritt fort, und da erfuhren wir, da die Schlacht erst jetzt gewesen
ist, da du nach Prag gezogen bist, und da ritt ich nach Prag zu dir.
    Wenn alles so ist, schne Jungfrau, ich mu dich wieder schn nennen,
antwortete der Herzog, was ist in Prag bei mir dein Begehren?
    Zu sehen, wie die Sache ist, antwortete Dimut.
    Nun, so siehe, wie die Sache ist, erwiderte der Herzog; aber beeile dich,
es knnte bald alles anders werden, und wenn drauen Gefahr ist, knnten wir dir
kein groes Rckgeleite geben, weil wir die Mnner brauchen.
    Dann wrde ich ja nur wissen, wie die Sache jetzt ist, nicht wie sie immer
wieder ist, entgegnete Dimut.
    Und das willst du wissen, Dimut? fragte der Herzog.
    Ja, hoher Herr, antwortete Dimut.
    Was sagt meine erlauchte Herzogin dazu? fragte der Herzog.
    Lasse das Mdchen heute abends zu mir in meinen Hof kommen, damit ich mit
ihm spreche, antwortete die Herzogin.
    So machet die Sache nach Euerm Sinne in das Reine, sagte der Herzog, die
Jungfrau wird uns von unsern Vorrten hier wenig wegzehren. Aber Rownos Wille
mu gehrt werden, und seinen Rechten mu Genge geschehen.
    Wenn das Gesprch zu Ende ist, sagte Dimut, so werde ich jetzt mit meinem
Bruder reden.
    Es ist zu Ende, sprach der Herzog, rede mit ihm.
    Ich aber rede nicht mit ihr, rief Rowno von seinem Platze, ich bitte den
erlauchten Herzog um ein Wort meiner Stimme zu ihm.
    Du hast jederzeit die Erlaubnis, mit mir zu reden, sagte der Herzog.
    Hoher Herr, rief Rowno, ich bin kein Krieger deiner Zupe Daudleb, was wir
gegen die Zupanei schuldig sind, haben wir erfllt, und Lubomir ist mit allen
Zupenkriegern zu dir gegangen, ich bin ein freier Mann in Rowna, dem Eigen
unserer Sippen, ich bin freiwillig mit den Rownakriegern in die Schlacht auf dem
Berge Wysoka gegangen, bin dir freiwillig nach Prag gefolgt, und bleibe
freiwillig bei dir. Ich bitte dich, erlauchter Herzog, um die Vergunst, da ich
vor der ganzen Versammlung reden darf.
    Wenn es notwendig ist, so rede, sagte der Herzog.
    Du wirst selber sehen, da es notwendig war, wenn ich gesprochen habe,
entgegnete Rowno.
    So komme hervor, und sprich, sagte der Herzog.
    Rowno lie seinem Pferde den Stachel spren, es setzte sich in Bewegung, die
Mnner machten eine Gasse, und er ritt durch dieselbe vorwrts bis zu dem
Herzoge. Dort stellte er sich den vier Mnnern gegenber, die mit Dimut gekommen
waren. Er war wie einer von ihnen. Er hatte wie sie ein dunkelwollenes weites
gegrtetes Gewand an, trug ein Schwert, und hatte auf dem Haupte eine rauhe
Wolfshaube. Er richtete sich aber hoch empor, sah die Mnner an, und rief mit
lauter Stimme: Du, Wentimir, und du, Dis, und du, Menes, und du, Walchun,
reitet ungesumt ber diesen Berg hinab, und reitet ohne einen andern Aufenthalt
fort, als zu eurer und eurer Pferde Erquickung notwendig ist, reitet immer fort,
bis ihr in Rowna angekommen seid. Dort stellt euch unter die Herrschaft Bustins,
den ich zur Verteidigung des Turmes zurckgelassen habe, und sagt, euer Urteil,
da ihr Rowna verlassen habt, werde ich sprechen, wenn ich aus diesem Streite
werde nach Hause zurckgekehrt sein, und sagt, Bustins Urteil, da er euch
fortgelassen hat, werde ich zu derselben Zeit sprechen.
    Er schwieg, und die versammelt waren, schwiegen, und warteten.
    Die vier Mnner wendeten ihre Pferde um, und suchten einen Weg nach abwrts.
Keiner sprach ein einziges Wort. Man machte ihnen Platz, und man sah sie nach
dem Tore gegen den Burgflecken hinab reiten. Sie waren bald nicht mehr zu sehen.
Jetzt war nur mehr Rowno allein mit einer Wolfshaube auf dem Platze.
    Er sprach nun zu Dimut: Wenn ich von dieser Stelle fort reite, wirst du mir
folgen.
    Ich werde dir folgen, antwortete Dimut.
    Nach diesen Worten wendete er sich zu dem Herzoge, und sagte: Erhabener
Frst und Herzog! Du siehest, da ich vor allen, die hier sind, sprechen mute,
weil die Snde des Ungehorsams vor allen begangen worden ist. Das Land und die
Leute mssen wissen, da die Wladyken Gerechtigkeit ben, weil sonst das Land
und die Leute zu Grunde gingen. Wer gegen seinen Obern seinen eigenen Willen
verlangt, ist ein Unterdrcker.
    Du hast recht getan, so zu sprechen, sagte der Herzog, ich bin ja auch
ein Wladyk, gegen den seine Sippen jetzt ihren eigenen Willen verlangen, und
diese Sippen fgen sich nicht so wie die deinigen, darum dieser Kampf entstanden
ist. Ich denke nun, du wirst, wenn hier in Prag oder bei Prag alles ausgeordnet
ist, und du wieder in deine Heimat zurck gekehrt bist, Bustin, den du zum
Fhrer deiner Burg zurck gelassen hast, bestrafen, da er Mnner leichtfertig
aus derselben gelassen, und du wirst ihn belohnen, da er die Torheit deiner
Schwester unschdlich gemacht hat, und du wirst die vier Mnner strafen, da sie
ihren Platz verlassen haben, und du wirst sie belohnen, da sie deiner Schwester
in Gefahren beigestanden sind.
    Hoher Herzog, hre mich an, sagte Rowno, da lebt in der Burg Daudleb der
edle Zupan Lubomir. Er hat seine Sippen in den mtern. Da ist sein Sippe
Wentislaw der Zupenrichter, sein Sippe Rastislaw der Meier, sein Sippe Widimir
der Schreiber, sein Sippe Kodim der Kmmerer, sein Sippe Momir der Zllner, und
da ist seine Base die Kleideralte. Mit diesen richtet und rstet er alles, die
Pflege der Zupanei, die Gerechtigkeit, die Zier und Ordnung des Krieges, und sie
sind ihm untertan, und er hlt sie in der Zucht. Ich bin kein Zupan, ich bin ein
Wladyk des Waldes; aber ich will in meinen Sippen das Recht erhalten, wie ein
Zupan, und werde nach der Gerechtigkeit sprechen, wie Lubomir.
    Wenn dieser Mann seinen Wert so genau betrachtet, und auch so eifrig ist in
den Taten des Krieges, so knnen wir auf ihn bauen, sagte die Herzogin.
    Das knnen wir, entgegnete Wladislaw, er hat es auf dem Berge Wysoka
erwiesen. Rowno, du hast dir an Lubomir ein gutes Vorbild des Rechten gewhlt,
und denke, da jeder, der ein Zupan ist, einmal keiner gewesen ist.
    Ich bin in den Krieg gegangen, sagte Rowno, da das Recht werde, da der
Unterdrcker gestraft werde, und da ein kleiner Mann sich etwa dehnen knne.
    So strebe darnach, sagte der Herzog, und mit deiner Schwester rede nach
deinem Rechte und deinem Ansehen, damit das, was wir mit ihr vorhaben, deine
Billigung erhlt.
    Sie wird meinen Befehlen folgen, antwortete Rowno.
    So sprecht mit einander, zeige uns vor Abend deinen Beschlu an, und jetzt
entferne dich, erwiderte der Herzog.
    Rowno verneigte sich, bedeutete Dimut, ihm zu folgen, wendete sein Pferd,
und ritt wieder unter die versammelten Menschen hinein. Dimut grte, wie Frauen
von Pferden zu gren pflegen, gegen den Herzog und die Herzogin, und folgte
ihrem Bruder.
    Wladislaw sagte nun. Die Versammlung ist schon zu lange aufgehalten worden,
es ist billig, da wir sie schlieen, seid nicht ungnstig des Verzuges, hohe
Herren, und seid fr das Erscheinen bedankt.
    Er und die Herzogin bestiegen ihre Pferde, und entfernten sich.
    Die Versammlung ging auseinander, und die Leute sahen teils dem Herzoge und
der Herzogin, teils Dimut und ihrem Bruder nach, und zerstreuten sich dann.
    Als der nchste Tag gegen das Ende ging, kamen mehrere Mnner von dem Berge
Wysoka an. Es waren die Mnner, die Wladislaw zur Besorgung der Verwundeten und
Begrabung der Toten zurckgelassen hatte. Die Begraber sagten, es seien in der
Nacht, die auf die Schlacht gefolgt ist, ruchlose Menschen gekommen; denn am
Morgen haben sie sehr viele nackte Tote gefunden, und nur einen Teil mit
Gewndern. Sie haben alle zur Ruhe bestattet, und auch manchen Feind, weil sie
ihn nicht kannten, geborgen. Die Feinde haben desgleichen getan, und fromme
Priester sind herbei gekommen, und haben geholfen. Die fr die Verwundeten
sorgten, sagten, es seien mildttige Frauen und Brder mit Labung und Tragen
gekommen, und denen haben sie einige gegeben, andere haben sie mitgenommen, und
haben sie in abgelegene Huser, wenn ein Mensch in ihnen zu finden war, oder in
die Stadt Prag gebracht. Die Feinde sind noch immer weit entfernt, und die
Gegend zwischen Suchdol und Prag ist leer.
    Von den Leuten des Waldes kamen auch einige Mnner. Sie sagten, da sie
Norbert unter den Bschen begraben haben. Dann haben sie Tesin von Prachatic und
Arnold vom schwarzen Bache und auch einige Leute von den untern Friedberghusern
und den Steingewnden begraben, weil sie gelobt haben, im Kriege einander
beizustehen. Und weil sie Verantwortung geben mssen, so haben sie an den
Grbern aller gebetet, und ein Pfarrer hat mitgebetet. Wenhart vom Drrwalde hat
einen Haufen Mnner um sich versammelt, und sie haben gesagt: arme Leute knnen
hier nichts mehr erwerben, sie gehen in die Heimat, weiter von diesem Berge
werde ihnen schon jemand Nahrung geben, und immer wieder so, bis sie zu ihren
Sippen kommen.
    Das sind verzagte Rehe, sagte der Schmied von Plan, die Herren, welche
bei dem anderen Herzoge Konrad sind, haben groe Zupaneien, es hat einer gar
drei Zupaneien, und sie haben Grnde und Felder und Sippen und Gesinde, und sie
haben Steine, deren einer leicht ein Pfund Pfennige wert ist, und Gold und
Silber. Das alles gehrt dem Herzoge, wenn wir sie besiegt haben, und er
verteilt davon an die, welche ihm geholfen haben. Die einen werden Zupane, die
andern kommen in mter, und die andern erhalten Wlder und Lnder, und die
andern Geld und Gut. Und die fort gegangen sind, haben sich alles vereitelt. Ihr
habt ja gehrt, wie manche Mnner gro geworden sind. Und dem armen Witiko
werden auch ein paar Hnde voll Goldstcke wohlbekommen.
    Die Leute, die von dem Wysoka gekommen waren, sagten, darum seien sie nach
Prag gegangen, und werden in Prag bleiben.
    An diesem Tage machten die Kriegsherren auch die Namen derer kund, die sich
zum Wegziehen aus Prag gemeldet haben. Sie sagten, es seien Strolchenmnner, die
dem Lotterleben nachliefen, und keiner Sache gehrten. Die Leute erhielten ihr
Weggeld, und wurden entlassen. Von den Gefangenen gingen viele fort, andere
gesellten sich zu den Kriegern Wladislaws.
    Am Morgen des Tages, der folgte, ritt der Herzog herum, und sah, wie weit
alles in der Stadt gediehen sei. Mit ihm ritten Diepold und die Herzogin,
gefolgt von Frauen ihres Hofes, darunter Dimut in ihrem Waffengewande. Der
Herzog ritt zu allen Pltzen, und sah, wie die Mnner von ihren Fhrern gebt
und belehrt wurden, und wie die Krieger und die Hilfsarbeiter die Gerte und die
Wehren richteten. Er belobte sie, ordnete noch manches an, und beriet sich mit
den Kriegsherren. Die Mnner auf den Zinnen hatten zuversichtliche Angesichter,
und taten willig die Arbeit. Als die Schau beendigt war, ritten der Herzog und
die Herzogin wieder in ihren Hof.
    In dieser Zeit kamen fortan auch Wgen mit Lebensbedrfnissen in die Stadt,
es kamen Boten und Kundschafter, und wurden wieder fort gesendet. Es kamen noch
manche Krieger, welche sich von dem Berge Wysoka aus zerstreut hatten, und nun
wieder die Ihrigen suchten. Es kamen auch neue Krieger, welche bei der
Verteidigung der Stadt helfen wollten. Noch immer verlieen Menschen die
Burgflecken, und zogen in weite Entfernungen, andere aber kamen von den Feldern
herein, und suchten Schutz in den Husern.
    Witiko brachte seine meiste Zeit bei den Waldleuten zu. Er unterrichtete und
bte die, welche ihm untergeben waren, in allem Notwendigen, und sie suchten es
zu erlernen. Eine andere Zeit wendete er dazu an, da er die genaue Einsicht
gewinne, was seine Fhrerschaft verlange, und wie die Verteidigung werde gefhrt
werden. Er ging zu den lteren Fhrern um Rat, und sie erteilten ihn gerne,
besonders Lubomir, der es fter so einrichtete, da Witiko zusehen konnte, wenn
die Daudlebkrieger ihre bungen machten. Der alte Bolemil gab manche gute
Weisung. Auch zu den jngeren Rittern ging Witiko fter, und sie gingen zu ihm.
Mehrere Male war er in dem Geleite des Herzoges, wenn dieser seine Umritte
machte. Er besuchte die Kranken und Verwundeten, und war gerne bei Welislaw, der
in einem Gemache der Hofburg war, und dort auf einem weichen Gesiedel sa oder
lag, oder auch an ein Fenster ging, um, so weit er konnte, zu sehen, welche
Einrichtungen man treffe, von denen er auch stets Erzhlungen verlangte. Seine
Verwundung ging schneller Genesung entgegen. In seiner Wohnung hatte es Witiko
so, da Raimund die Pflege derselben und die Wartung der Pferde besorgte, Jakob
aber alles Auswrtige tat, weil er dazu geschickter war.
    Wenn seine Leute ihre Arbeiten verrichtet hatten, waren sie mig, und so
standen nun die Mnner des Waldes oft in ihren groben Rcken und schweren
Stiefeln auf den Mauern der Stadt, und blickten auf das, was sie sehen konnten,
besonders der Schmied in seiner grauen Filzhaube, dem grauen Rocke und den
grauen Beinbekleidungen und den ngelbeschlagenen Stiefeln. Um seine Schulter
hing die Keule, mit welcher er den Sohn Nacerats erworfen hatte. Seinem Neffen
Urban war ein grobleinenes Tuch ber die Wunde gebunden, und so auch Christ
Severin dem Wollenweber. Tom Johannes den Fiedler, David den Zimmerer und Veit
Gregor hatten sie bei den guten Frauen des heiligen Georg zur Pflege
untergebracht.
    Die Mnner sahen nun da auf die lange Brcke der Moldau hinunter, auf die
vielen Huser der beiden Burgflecken, auf die Berge an dem Wasser, oder auf die
Felder auer den Husern. Dann blickten sie ganz nahe hinab auf die Kleider,
welche die Leute hier trugen, auf die Pferde, wenn Reiter vorber zogen, oder
gar ein Wagen ging, und zeigten sich die Fgungen der Steine oder des Holzes,
woraus die Huser gebaut waren. Sie saen auch sehr gerne auf vielerlei
Gegenstnden in dem Kreise herum, und erzhlten sich von den Dingen, die sie
durch zahlreiche Leute auf vieles Fragen hier erfahren hatten. Da stand auf
einem Felsen an der Moldau, ehe ihre Wasser nach Prag kommen, die Burg Wysehrad.
Als noch der anfngliche Wald alle diese Berge an der Moldau bedeckte, ist sie
gebaut worden, lange, bevor der Held Zaboy lebte und der Snger Lumir. Und dann
ist Krok gekommen, und hat auf der heiligen Burg seinen goldenen Sitz gehabt.
Dann ist Libusa gewesen, die unter allen Schwestern sein liebstes Kind gewesen
ist, und sie hat den Ackersmann Premysl geheiratet, und sie hat den ersten
Holzblock zu der Burg Prag aushauen lassen. Und von ihr ist ein zahlreiches
Geschlecht gekommen, und sie haben ber die Vlker gewaltet. Einer hat sich
taufen lassen, da Christus geboren worden ist, und den heiligen Glauben in die
Welt gebracht hat. Er hat der Herzog Boriwoy geheien. Sein Enkel ist der
heilige Wenzel gewesen, und seine Hausfrau die heilige Ludmila. Er hat die erste
Kirche in Bhmen gebaut, in seiner Burg Hradec. Dann hat er sogleich die Kirche
der heiligen Jungfrau Maria in der Burg Prag gebaut. In dieser Kirche hat der
Herzog Wratislaw das Abschneiden der Haare seines Sohnes, des heiligen Wenzel,
gefeiert, und sie bringt bis heute Heil allen Glubigen. Dann steht die hohe
Kirche des heiligen Veit da. Sie ist mit Mhseligkeiten gebaut worden. Der
heilige Wenzel hat sie gebaut, und der Bischof von Regensburg, Tuto, hat es ihm
erlaubt. Und dann ist der Bischof Tuto gestorben, und, der nach ihm gekommen
ist, der Bischof Michael, hat sie geweiht. Sie hat von Gold und Silber
gestrahlt, und war voll von Pracht. Und da sie zu klein war, hat sie der Herzog
Spitihnew wieder niedergerissen, und weit grer gebaut, und dann ist sie
verbrannt, und ist abermals wieder aufgebaut worden, und dann hat ein
Blitzschlag den Turm zerstrt, und der Turm ist wieder errichtet worden. Die
grten Heiligtmer sind in ihr. Der deutsche Knig hat dem heiligen Wenzel
einen Arm des heiligen Veit in sie geschenkt. Dann ist der Leib des heiligen
Wenzel selber in ihr begraben worden, und es sind dann seit der Zeit viele
Wunder geschehen. Und der Leib des heiligen Mrtyrers Adalbert ruht in ihr, und
seine Megewnder sind in ihrer Schatzkammer aufbewahrt, und der Leib des
Mrtyrers Podiwen, des treuen Dieners des heiligen Wenzel, ist in ihr begraben,
und der Leib Radims, des Bruders des heiligen Adalbert. Sie kann die Menge der
Menschen gar nicht fassen, wenn das Fest des heiligen Wenzel ist, und auch
Kranke um Genesung aus fremden Lndern herbei kommen, und wenn das Fest des
heiligen Adalbert gefeiert wird. Diese Kirche ist die heiligste Kirche in dem
ganzen Lande Bhmen. Dann ist auch die Kirche des heiligen Georg. Sie ist noch
frher gebaut worden als die Kirche des heiligen Veit. Es hat sie schon der Sohn
des getauften Herzogs Boriwoy, der Vater des heiligen Wenzel, der Herzog
Wratislaw gebaut. Er ist sodann in ihr begraben worden, und der Leib seiner
Mutter, der heiligen Mrtyrerin Ludmila, ruht auch in ihr. Neben ihr steht das
Kloster der frommen Frauen des heiligen Georg, wo jetzt die Verwundeten gepflegt
werden. Dann ist der groe Begrbnisplatz allhier, wo Priester und Herzoge und
Herren liegen, und wohin der Herzog Bretislaw begraben zu werden verlangte, da
er in dem Walde von Brglitz zu Tode gestochen worden ist. Vor der Kirche des
heiligen Veit steht unter freiem Himmel der steinerne Stuhl des Herzogs. Er ist
tausend Jahre in der Burg Wysehrad gestanden, und ist dann mit sechzehn Pferden
und acht Ochsen in die Burg Prag gefhrt worden. Der Herzog von Bhmen und
Mhren legt schlechte Gewnder und die Bastschuhe des Ackermannes Premysl, die
in der Kammer der Burg Wysehrad aufbewahrt werden, an, damit er sich seines
Ursprungs erinnere, und dann wird er mit schnen Gewndern bekleidet, und auf
den steinernen Frstenstuhl gesetzt, und dadurch wird er erst der Herzog. Darum
wollen die von Mhren den Frstenstuhl gewinnen. Und neben dem Frstenstuhle
steht die Hofburg des Herzoges, darin er in Pracht und Herrlichkeit lebt, und
von dem Sller derselben werden Mnzen unter das Volk geworfen, wenn der Herzog
den Frstenstuhl besteigt. Und dann ist das Haus des Bischofes, welches der
Bischofsturm heit, und die Huser des Propstes, der Kirchenherren, der
Kirchendechante, und der Priester und der Diener, da sie den Gottesdienst in
Prag, das ber alle Lnder herrscht, feiern. Dann sind die Huser des
HofZupanes, des Hofrichters, des Hofkmmerers, des Hofkanzlers, des Hofjgers,
des Truchsessen, des Marschalles, des Schenken, und mehrerer Herren und Mnner,
und dann noch viele, in denen die Herren wohnen, und ihre Hausfrauen und die
schnen Jungfrauen, die sich zeigen.
    So erzhlten sich die Mnner unter einander von den Dingen, die um sie
waren.
    Oft gingen einzelne oder mehrere zu ihren Genossen, die bei den milden
Frauen gepflegt wurden, sie zu trsten.
    Eines Tages verlangte Sebastian, der Schuster von Plan, da ihm Witiko
gestatte, nach Plan zu gehen, um sich notwendige Dinge zu holen, er werde schon
zurckkehren, wenn man ihn brauche.
    Witiko sagte: Du weit, da der Herzog gesagt hat, jeder drfe gehen, also
gehe.
    Sebastian ging nun ber den Berg hinunter, ber die Brcke, durch den
Burgflecken, und gegen den Wysehrad hinaus.
    Nach mehrerer Zeit kam der Spher Wladiwoy, der mit Reitern weit in das Land
geritten war, zurck.
    Der Herzog versammelte die Kriegsherren. Wladiwoy mute herbei kommen, und
seine Nachrichten verkndigen.
    Er sprach vor der Versammlung.
    Hohe Herren! Wir sind in einem groen Umkreise durch das Land bis gegen
Mhren geritten, und auf einem andern Wege wieder zurck. Die Feinde sind von
dem Berge Wysoka zurckgegangen, haben aber dann ein Lager befestigt, und haben
ihre Mnner geordnet und eingeteilt. Sie haben angefangen, Belagerungswerkzeuge
aller Art und von allen Orten zusammen zu bringen, und neue zu bauen,
dergleichen bisher noch gar nicht zu sehen gewesen sind, deren Zahl noch nie
angewendet worden ist, und die schwerere Lasten weiter schleudern, als es bis
jetzt im Kriege geschehen ist. Sie senden Abteilungen von Reitern und einzelne
Mnner durch das ganze Land, um zu werben, und Vorteile zu versprechen, die der
neue Herzog gewhren werde; sie sagen, die reichsten und grten Herren sind bei
Konrad, und das Ende kann gar nicht ungewi sein. Ganze Haufen strmen ihnen
tglich zu, und sie vermehren sich bestndig. Es sind aber auch Leute in dem
Lande fr uns, sie sagen, wenn die Frsten und Herren den Herzog Wladislaw zu
Grunde gerichtet htten, dann wrden sie die Macht und Gewalt gegen das Land
richten, und alles an sich reien, und nach ihrem Willen leben. Mancher Zupan,
der nicht in Prag ist, hat die reitenden Scharen der Feinde angegriffen,
geschlagen und zerstreut, zwischen manchem kleinen Manne und den Fhnlein der
Mhrer kmmt es zu Kmpfen, und die Streifer, die von Prag ausgesendet wurden,
befehden den Feind, wo sie ihn finden. So ist ein zerstckter Krieg schon in
groen Strichen des Landes. Und Tagediebe, die zu keinem Herzoge gehren, und
nur Beute suchen, ziehen herum, und greifen jede Schar an, der sie berlegen
sind, und erklren sich als Freunde jeder, der sie nicht gewachsen sind. Die
Felder zwischen den Feinden und Prag sind verdet und die Ortschaften meistens
verlassen.
    Ipoch, ein anderer Mann, wurde vorgerufen, und er sagte das nmliche.
    Und ein dritter sprach auch so.
    Darauf sagte der Herzog: Es gefalle euch, Herren, morgen, da der
siebenzehnte Tag des Monates Mai gekommen ist, mit dem frhesten Tage in dem
groen Saale euch zur Beratung zu versammeln. Alle, die da eine Fhrerschaft
haben, sind geladen.
    Da der Morgen des nchsten Tages anbrach, kamen alle, die geladen worden
waren. Sie reihten sich um den langen Tisch. Da sie geordnet waren, kam der
Herzog in einem braunen Gewande und einer dunkelbraunen Haube herein. Seinen
Oberkrper zierte ein Waffenhemd, und an seiner Seite hing ein Schwert. Neben
ihm ging sein Bruder Diepold. Hinter ihm war das Hofgeleite seiner Krieger. Als
die Mnner eingetreten waren, schlo sich hinter ihnen die Tr, und das Geleite
blieb an derselben stehen. Der Herzog aber ging mit seinem Bruder an das obere
Ende des Tisches, und sie setzten sich. Nach einem Augenblicke stand Wladislaw
auf, und alle Versammelten erhoben sich. Wladislaw entblte sein Haupt, grte
und sprach: Seid willkommen, Herren des Landes, du, Diepold, der einzige von
den Sprossen des Stammes Premysl, welcher hier ist, ihr, Bischfe, bte, Prpste
und Priester, ihr, Lechen, Zupane, Fhrer, und ihr, meine Kmeten meiner
Burgflecken! Ich bitte, setzet euch nieder!
    Die Mnner setzten sich.
    Der Herzog legte seine Haube auf den Tisch, blieb stehen, und sprach: Es
ist endlich dahin gediehen, da wir ber den Entscheid der Sache, die sich in
diesen Reichen erhoben hat, beraten, und zu einem Schlusse kommen, der allen
lieb ist, und den alle gerne ausfhren werden. Ihr habet die Nachrichten
vernommen, die ber das Land und ber die Feinde eingegangen sind, und werdet
ber dieselben nachgedacht haben. Ich habe den allmchtigen Gott angefleht, da
er mich erleuchte, das vorschlagen zu knnen, was am sichersten fromme. Ich habe
auch mit vielen der weisen einsichtsvollen und guten Mnner, die hier versammelt
sind, gesprochen. Ihr werdet ebenfalls euer Gemt zu Gott erhoben, und mit
einander geredet haben. Wir wollen nun zum Ende gelangen. Im Hornung des Jahres
1140 bin ich von einer Versammlung der Herren der Lnder Bhmen und Mhren auf
dem Wysehrad zum Herzoge dieser Lnder erwhlt worden. Einige der anwesenden
Mnner haben mich gewhlt, andere nicht, weil sie ihres Versprechens an Sobeslaw
gedachten. Sie haben mich aber spter anerkannt, und mir gedient. Auch Sobeslaw
hat auf seinem Sterbebette seinem Sohne Wladislaw geraten, sich mir zu
unterwerfen. So ist das Recht geworden, und so habe ich zwei Jahre ohne
Widerrede als Herzog gehandelt. Da hat ein Teil jener Mnner, die mich gewhlt
haben, wieder einen neuen Herzog gewhlt. Sie haben eine Kriegsmacht zusammen
gebracht, und sind heran gezogen. Wir sind ihnen entgegen gegangen. Auf dem
Berge Wysoka konnte es nicht zur Entscheidung kommen, weil sie der Verrat in
unseren eigenen Gliedern gehindert hat. Wir sind nach Prag gegangen, und haben
uns vor den heiligen Stuhl Premysls gestellt. Sie bauen Gerte aller Art, den
Stuhl zu gewinnen. Ich habe gesagt, da wir mit allen Mitteln, und mit unserer
Einsicht und Herzhaftigkeit kmpfen werden, und ihr habt auf dem Berge Wysoka
gesagt, da fr das Land der Weg der grten Sicherheit und schnellsten
Entscheidung gewhlt werden msse. Ich habe in dieser Stadt gesprochen, da wir
die Mittel beraten werden, wenn wir alles genau wissen. Heute ist nun der Tag,
die Mittel zu beraten, und den Weg der grten Sicherheit und schnellsten
Entscheidung zu suchen. Schon auf dem Berge Wysoka ist vieles Blut unglcklicher
und unschuldiger Leute vergossen worden, jetzt wird vieles Blut in
leichtfertigen, freventlichen, unntzen und heftigen Kmpfen vergossen, bis zur
Schlacht ist vieles Eigentum vernichtet worden, und wird noch vernichtet. Und es
ist gar nicht zu ergrnden, was fr Elend Wildheit und Zuchtlosigkeit noch
kommen kann. Die tapferen und starken Herzen in diesen Mauern werden auf lange
Zeit widerstehen, ehe die Feinde in die Stadt kommen. Ja vielleicht mssen die
Feinde durch Zeit und Leiden aufgerieben von der Belagerung abstehen, und die
Stadt verlassen. Aber der Krieg ist dann nicht beendet, und der Weg der
schnellsten Entscheidung ist nicht betreten. Die Zahl der Feinde ist weit grer
als die unsrige. Und wie streitbar unsere Schar auch ist, und wenn sie im
offenen Felde auch immer siegte, so kann sie schnelle Entscheidung nicht
bringen. Mit meinem Bruder Heinrich werden Mnner aus dem Lande Budissin kommen;
aber ihre Zahl wird nicht hinreichend sein. Wir knnen in dem Lande werben; aber
die Feinde werben auch, und die Zeit des Unheils geht indessen immer fort, weil
die Werbezeit lange sein mu. Da ist nun mein Gedanke, da jetzt Hilfe von auen
notwendig ist. Mein Schwager Leopold, der Sohn Leopolds, des Markgrafen von
sterreich, wrde sie bringen, aber ihr wit, da er zu Altaich in Baiern nach
dem Kriege, den er gegen den Wittelsbacher so herrlich gefhrt hat, gestorben
ist. Sein Bruder Heinrich, mein anderer Schwager, ist wieder im Kriege um das
Herzogtum Baiern. Aber da ist mein Nebenschwager, Konrad, der Knig der
Deutschen, der Stiefbruder meiner Gemahlin Gertrud, die mit ihm von Agnes der
Tochter des unglcklichen Kaisers Heinrich abstammt. Diesem Kaiser Heinrich ist
auch mein Oheim Boriwoy gegen seinen aufrhrerischen Sohn Heinrich zu Hilfe
gezogen. Ich habe an den Knig Konrad gesendet. Er will aus Liebe zu seiner
Mutter Agnes, aus Liebe zu seiner Schwester Gertrud, aus Liebe zu seinem
Grovater, dem gestorbenen Kaiser Heinrich, und aus Dankbarkeit gegen Bhmen
Scharen gewhren, die ergiebig sein sollen. Ihr, geliebten Freunde und
Kampfgenossen, bleibt in der Stadt, und haltet den Feind von ihren Mauern
zurck; ich gehe mit wenigem Geleite, da ihr nicht geschwcht werdet, zu
Konrad, werbe auf dem Zuge, kehre mit seinen Kriegern und mit denen, die ich aus
unserem Lande gezogen habe, zurck, und schlage vor den Mauern hier die
Schlacht. Die Feinde knnen in einigen Tagen vor diesem Berge sein, und unsere
Handlungen drfen nicht zgern. Ich habe gesprochen, und fordere die Herren aus
den Lndern auf, ihre Meinung zu sagen.
    Nach diesen Worten blieb der Herzog noch einige Augenblicke stehen, dann
setzte er seine Haube auf, und lie sich auf seinen Stuhl nieder.
    Es war eine kleine Zeit stille.
    Da erhob sich der Bischof von Prag von seinem Stuhle, und sprach: Hoher
Herr, treuer Sohn der Kirche! Ich glaube, du hast den krzesten Weg zum Heile
und zur Sicherheit angedeutet, wie wir auf dem Berge nach der Schlacht gesagt
haben, da es der krzeste sein msse; ich glaube, du sollst diesen Weg wandeln,
und Gott segne dich, und seine Himmelsscharen geleiten dich.
    Und der Bischof setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder.
    Dann erhob sich Zdik der Bischof von Olmtz, und sprach: Ich glaube, damit
das Unheil vermieden werde, das die frheren Nachfolgekmpfe gebracht haben, sei
kein anderes Mittel mglich, als welches der erlauchte Herzog ausgesprochen
hat.
    Dann setzte er sich wieder nieder.
    Der Abt von Kladrau sprach: Mge deine gute Absicht, hoher Herr, eine
gedeihliche Vollendung finden.
    Der Abt Gezo von Strahow sagte: Wir hoffen, da der Freund im hinreichenden
Mae eintreten wird.
    Der Abt von Brewnow sagte: Er wird es tun, wie wir ihm ja auch vor drei
Jahren gegen die Sachsen Zuzug geleistet haben.
    Hierauf sprach kein Priester mehr.
    Und was sagt mein Bruder Diepold? fragte der Herzog.
    Diepold erhob sich, und sprach: Du bist das Haupt unseres Geschlechtes, der
Wladyk unseres Stammes, ich unterwerfe mich deinem Willen.
    Dann setzte er sich wieder nieder.
    Der alte Wsebor mit den weien Haaren hob beide Arme empor, zum Zeichen, da
er reden wolle. Der Herzog wies mit der Hand gegen ihn hin, die Mnner sahen auf
ihn, man half ihm, sich empor zu richten, und da er stand, sprach er: Ich tue
Einrede. Das Ansinnen ist ein Fehler, das Vorhaben ist nicht gut. Da wir vor
zwei Jahren in dem Saale der Burg Wysehrad saen, und ich noch nicht so alt war
wie jetzt, und da wir dich, erlauchter Herr, auf den Frstenstuhl der Lnder
Bhmen und Mhren whlten, da sprach ein Mann, der lter war als ich, und dem
die Gnade des Himmels erlaubt hat, noch heute unter uns zu sein, ein Mann, der
viele Dinge gesehen und erlebt hat, ein Mann, dem weise Gesinnungen in dem
Haupte sind, und der das Land und die Leute liebt, dieser Mann sprach, da wir
stets in der Gewohnheit haben, in unsern Streitigkeiten die Fremden zu rufen,
da der Fremde kommt, da er immer mehr Macht bei uns gewinnt, und da er eines
Tages unsern Frstenstuhl nehmen wird. Ich habe schon viele Fremde hier gesehen,
und habe gesehen, wie sie gewaltet haben. Unser verstorbener ruhmreicher Herzog
Sobeslaw hat selbst seinen Knaben Wladislaw von dem deutschen Knige Konrad in
Bamberg mit der Fahne von Bhmen und Mhren belehnen lassen, von einem Fremden;
denn Konrad war noch nicht der Kaiser und noch nicht der Schirmvogt der
Christenheit. Wir verlieren die Gewalt ber uns, und werden bald nichts mehr
haben, worber wir streiten knnten. Deine Weisheit, Herr, und die Weisheit der
Rte, die um dich sitzen, wird ein anderes Mittel ersinnen, das uns hilft, und
das uns nicht unser eigenes Eigen raubt.
    Nach diesen Worten fate er mit beiden Hnden den Rand des Tisches, und lie
sich wieder auf seinen Sitz nieder.
    Nach ihm erhob sich Bozebor, und sagte: Ich rede mit Wsebor. Hoher Herr!
ich bin noch dabei gewesen, als vor sechzehn Jahren Veit, der Hofkaplan des
Herzogs Sobeslaw, mit Panzer und Helm bei Chlumec die Fahne des heiligen
Adalbert auf dem Speere des heiligen Wenzel in die Schlacht trug, und wir haben
den ruhmreichsten Sieg gegen Lothar erfochten. Tu desgleichen. Ziehe mit der
Fahne von Berg zu Berg, von Tal zu Tal, und sammle die Deinigen. Es ist besser,
wenn wir unser eigenes Blut hingeben, wenn wir unsere Habe aufopfern, wenn wir
bis zu dem Rande des Unterganges kmpfen, ja wenn wir sogar unsere Rechte lassen
mssen, als wenn von auen ein Herr kmmt, der das Land und die Sitten nicht
kennt, der schaltet, wie er will, und wie es uns schmerzt, und der vielleicht
statt des vielen alles nimmt.
    Wecel sprang schnell auf, und rief: Ich spreche mit Bozebor.
    Ich auch, rief eine Stimme.
    Ich auch, eine andere, und eine dritte.
    Und es entstand nun ein Rufen der Mnner durcheinander und eine Unruhe.
    Da streckte Bolemil die Hand ber den Tisch, und gab ein Zeichen.
    Als sich nach und nach die Ruhe herstellte, und er sich erheben wollte,
sagte der Herzog: Bolemil, rede auf deinem Stuhle sitzend.
    Bolemil aber antwortete: Ich bin noch nicht so hinfllig, hoher Herr, da
ich die Gebhr vergesse.
    Darauf erhob er sich langsam, und da er mit den weien Haaren und dem langen
weien Barte vor dem Tische stand, sprach er: Wenn Wsebor von einem Manne
geredet hat, der lter ist als er, und der sich in diesem Saale befindet, so bin
ich es; denn sonst ist niemand hier lter als er. Wenn er aber von weisen Gaben
gesagt hat, die in dem Haupte dieses Mannes sind, so bin ich es nicht; denn in
meinem Haupte sind viele Torheiten gewesen, und ich bin nur bestrebt, sie
abzulegen. Aber das ist wahr, was er gesagt hat, da ich viele Dinge erlebt
habe. Ich habe viele Dinge erlebt, und habe mir manches gemerkt. Ich habe es
erfahren: wenn ble Krner in die Erde gelegt worden sind, so ist eine ble Saat
aufgegangen, sie ist uns in unsere Huser hinein gewachsen, sie ist uns in
unsere Kirchen hinein gewachsen, sie ist uns in unsere Kammer und in unsere
Schlafsttte hinein gewachsen, und wir haben die bittere Frucht davon weg zehren
mssen. Ich habe auch erkennen gelernt, wann es eine bse Saat war, die gelegt
worden ist. Und auf dem Herzogschlosse des Wysehrad ist eine solche Saat geset
worden. Ich habe damals unsern Herzog Wladislaw nicht whlen geholfen, weil es
gegen das Recht war, und weil jedes Whlen der Herzoge bel ist; aber da er dann
der Herzog war, und da Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, sein Recht weg gegeben
hat, so bin ich ihm nach meiner Pflicht gefolgt. Ich habe in der Versammlung
gesagt, da aus dem Whlen die Kmpfe folgen werden, wie sie in den frheren
Jahren gefolgt sind. Die Kmpfe sind da, und ich bin wieder in ihnen, wie ich
frher in ihnen gewesen bin. Ich habe auch gesagt, da in Nachfolgekmpfen der
Fremde gerufen wird, es ist so gewesen, und mu so sein, entweder ruft ihn der
eine Teil oder es ruft ihn der andere, oder er kmmt, wenn die Teile sich bis
zum Niedersinken zerfleischt haben, selber. Die Fahne des heiligen Wenzel hilft
euch in solchen Streiten nichts, weil er der Heilige beider Teile ist, und jeder
auf ihn hofft, und ihn ruft. Aber er hrt ihn nicht, und Gott und alle Heiligen
wenden sich von solchen Streiten mit Verdammnis ab, weil sie Bruderstreite sind,
und wenn Gott in solchen Streiten dem Rechte hilft, so geschieht es durch
Bitterkeit und Not, da wir das Recht in Zukunft vor Leichtfertigkeit sichern.
Weil es nun nicht zu vermeiden ist, da der Fremde komme, so komme er zu uns,
nicht zu den Feinden; damit aber unser bel kurz daure, komme er bald, und damit
er sich nicht an das Land gewhne, ende er schnell. Dann, hoher Herzog, sage ich
in meinem Alter, herrsche fort, und herrsche, wie du begonnen hast. Aber
versammle deine Rte, und errichtet mit Langsamkeit und Weisheit ein Gesetz der
Frstenfolge, das mit groer Macht wirkt, die keiner anzutasten wagt, und das
die Leiden endet, die ich sonst fr alle Zeiten sehe, und denen ich nicht mit
diesen weien Haaren, und nicht mit diesen Worten meines Mundes wehren kann.
    Als er dieses geredet hatte, lie er sich wieder so langsam, wie er
aufgestanden war, auf seinen Sitz nieder.
    Nach ihm meldete sich niemand sogleich, zu sprechen, sondern die Mnner
redeten wieder mit einander.
    Da gab Diwis das Zeichen, da er sprechen wolle, und da es stille geworden
war, sprach er: Ich habe in der Versammlung auf dem Wysehrad fr Wladislaw, den
Sohn Sobeslaws, gesprochen. Aber Wladislaw hat sein Recht aufgegeben, und Konrad
hat gar kein Recht. Wladislaw, der Sohn unsers vorletzten milden Herzoges, ist
jetzt der Frst und im Rechte, und wir kmpfen fr das Recht. Und wenn wir auch
unser und unserer Angehrigen Blut, und unsere Habe, wie Bozebor gesagt hat,
dafr hingeben, so drfen wir doch nicht das Blut von tausend andern hingeben,
die nicht wissen, weshalb gekmpft wird, und es flieet dieses Blut der tausend
andern wie von Unschuldigen, ihre Habe wird vertilgt, wie die von Verfolgten,
da sie dem Jammer verfallen, davon sie zeitlebens nicht genesen. Damit das bel
nicht grer werde, und lnger daure, gehe der erhabene Herzog zu Konrad, und
dieser helfe. Dann aber sage ich wie Bolemil, es werde Vorsicht getroffen, da
die Streite der Shne Premysls nicht mehr entstehen.
    Als er gesprochen hatte, setzte er sich wieder nieder.
    Nach ihm redete Lubomir, und sprach: Weil der hohe Herzog durch zwei
Meinungen gewhlt worden ist, durch die eine Meinung, die das Wohl des Landes
zum Ziele hatte, und durch die andere Meinung, deren Ziel war, statt des jungen
Herzoges, den sie frhlich und eitel meinten, schalten und herrschen zu knnen,
so war es unvermeidlich, da komme, was gekommen ist. Die zwei Meinungen muten
zerfallen. Wir sind bei der besseren Meinung des Wohles des Landes und bei dem
Rechte des Herzogs. Wenn die andere Meinung siegte, htten wir gar keinen
Herzog, sondern nur die Macht vieler einzelner, und der Streit wre
unauslschlich. Darum mu der jetzige ausgestritten werden. Solche Streite
kommen wie Gewitter, die Wehe und Unheil bringen, das getragen werden mu. Vter
verlieren ihre Shne, die Kinder verlieren ihren Vater, ein edles Weib wird eine
Witwe, eine alte Mutter berlebt den jungen Sohn, und das Geschenk Gottes, die
Liebe in den Banden des Blutes wird zerrissen. Ich rede nicht von dem Verluste
der Habe; denn Habe kann wieder zu dem Menschen kommen; aber das Blut, das
verloren ist, bleibt verloren. Damit das Unglck nicht noch unglcklicher werde,
und durch den Sieg der Feinde erst recht unglcklich, ergreift zum schnellen
Ende jedes christliche Mittel, das geboten wird, dann, sage ich auch, macht ein
Nachfolgegesetz. Zu seiner Hilfe aber streuet den heiligen Glauben aus, da sich
die Menschen zhmen, und nicht nach Unrecht trachten. So rede ich wie viele, die
gewut haben, was kommen wird, und sich ihm, da es gekommen ist, gestellt
haben.
    Er nahm nach diesen Worten seinen Platz wieder ein.
    Ctibor stand auf, und sprach: Und wenn sie sollten doch herein kommen, die
sich jetzt den Mauern nhern, so werden sie uns erst recht alles nehmen, Weib
und Kind und Hab und Gut, und wir sind verloren. Das bedenkt.
    Nach ihm erhob sich der Kmete des rechten Burgfleckens, und sagte: Hoher
Herr, ich bin noch dabei gewesen, als der Herzog Boriwoy Prag gegen deinen guten
Vater berfiel, da sind viele Menschen desselben Blutes gegen einander
gestanden, Dinge unerhrter Art geschehen, so entsetzlich, da sich die Greise
die Haare ausrauften, und die Frauen ihren Leib verfluchten, da er geboren hat.
Gehe zu dem erlauchten Knige Konrad, hoher Herr, wir werden in der Zeit die
Stadt mit unserm Leben verteidigen, da kein Stein in die Hnde der Feinde
geraten soll. Dann aber erscheine, und rette alles, da nicht das grte Unglck
geschieht.
    Ja, es ist wahr, die groen Unheile drfen nicht kommen, sie drfen nicht
kommen, riefen mehrere Stimmen.
    Der Kmete setzte sich wieder auf seinen Platz.
    Nun erhob sich noch einmal mhsam von seinem Stuhle der alte Wsebor, und
sprach: Ich bin ein alter Mann, und kann nicht mehr viel vollbringen, ich kann
auch nicht ansagen, welche Mittel auer den Fremden helfen wrden, und weil sie
unvermeidlich sind, wie Bolemil gesagt hat, so fge ich mich; aber ich beklage
es.
    Er suchte wieder seinen Platz einzunehmen.
    Da stand auch Bozebor noch einmal auf, und sprach: Ich beklage es auch;
aber ich fge mich nicht. Wenn das, wovon ihr redet, unvermeidlich ist, so ist
es doch schlimm, und ich will nicht helfen, da das Schlimme geschehe.
    Rufe nicht den Zwiespalt hervor, schrie Zwest.
    Du stiftest Hader, rief Odolen.
    Keine Uneinigkeit, nicht Uneinigkeit, riefen mehrere Stimmen, und ein
Teil der Mnner sprang von den Sitzen empor.
    Der Herzog winkte mit seiner Hand. Und als sich die Ruhe wieder nach und
nach eingefunden hatte, fragte er, wer weiter sprechen wolle.
    Es sprach niemand.
    Nach einer Weile stand er auf, und sagte: Es hat hier ein jeder die
Freiheit, zu reden, wie sein Herz denkt. Es soll nicht gesagt werden, ich hre
meine Rte nicht; aber es soll gesagt werden, da ich nicht in der Gewalt meiner
Rte bin. Wer in unserem jetzigen Streite gerufen wird, ist nicht ein Fremder.
Es ist der Bruder, welcher zu der geliebten Schwester, es ist der Schwager und
Freund, welcher zu dem Schwager und Freunde kmmt. Es ist bei der Menschheit so,
da der Mensch dem Menschen, der Nachbar dem Nachbar, der Freund dem Freunde
hilft. Wessen Haus brennt, dem stehen die bei, die um ihn sind. Und es werden
die Zeiten kommen, da die Vlker nicht mehr allein sind, da sie sind, wie
Mensch und Mensch, wie Nachbar und Nachbar, wie Freund und Freund. Und dessen
Hilfe ich heute brauche, der braucht die meinige morgen. Es wre uns besser,
wenn wir unser brennendes Haus selber lschen knnten, aber ehe wir mit dem
Lschen fertig sind, verbrennt es. Es ist mir in das Herz gegangen, als Bolemil
gesagt hatte, da er in den frheren Kmpfen gewesen ist, und da er in dem
jetzigen wieder ist, als Lubomir gesagt hatte, was getragen werden mu, und als
mein Kmete gesagt hatte, was geschehen ist, da mein Vater um den Frstenstuhl
ringen mute. Ich rufe: es sei Gott vor, da sich solche Dinge bei mir erneuern.
Konrad wird in das Land kommen. Ich werde meine Mnner mit den seinigen
vereinen, und ich, der Herzog, werde es sein, der die Schlacht schlgt. Er wird
sich wieder entfernen, und wir werden daran gehen, eine Schranke zu gewinnen,
da solche Zwiste nicht mehr mglich sind. Du aber, Bozebor, handle nach deinem
Sinne, und so jeder, der da will. Bleibe in deinem Hofe, oder wo du willst, bis
diese Sache aus ist, und dann komme zu mir, so es dir gefllt, und ich werde dir
die Hand reichen. Die unseres Sinnes sind, lade ich fr die dritte Stunde des
Nachmittages wieder in diesen Saal, da wir das weitere in das Werk setzen.
Jetzt aber rede noch jeder, der zu reden gesonnen ist.
    Der Herzog schwieg.
    Es redete niemand mehr.
    Dann sagte er: So bringe ich euch meinen Dank dar, da ihr euch hier
eingefunden habt, und wir zerstreuen uns.
    Die Versammlung ging auseinander. Dann verlie er seinen Sitz, sprach noch
mit mehreren, und ging dann aus dem Saale. Die Krieger seines Hofes folgten ihm.
    Als die dritte Stunde des Nachmittages gekommen war, versammelten sich die
Mnner wieder in dem Saale des Herzoghofes. Es waren alle gekommen, die am
Morgen in dem Saale gewesen waren, nur Bozebor nicht.
    Der Herzog ging zu seinem Stuhle, und setzte sich auf denselben.
    Als eine aufmerksame Stille eingetreten war, erhob er sich, und sprach:
Liebe und Getreue! ich danke euch, da ihr, wie ich sehe, alle bis auf einen
gekommen seid. Ich habe euch heute gesagt, da die Feinde in einigen Tagen vor
diesem Berge sein werden, und da unsere Handlungen nicht zgern drfen. Lasset
uns dieselben in Schnelligkeit vollfhren. Ehe das Licht des morgigen Tages
scheint, verlasse ich die Stadt. Fr die Zeit, in der ich fort sein werde, ordne
ich an, wie folgt: Dir, Otto, Bischof von Prag, vertraue ich die Stadt zu dem
berirdischen Schutze. Bitte Gott, da er dem Rechte hilft, wenn es auch durch
Bitterkeit und Not geschieht, wie Bolemil sagt. Dir, Bruder Diepold, vertraue
ich die Stadt zum irdischen Schutze. Du wirst eher das Leben lassen, als deine
Ehre und deinen Ruhm auf dieser Erde und deine Seligkeit im Himmel verlieren.
Dir, Zdik, Bischof von Olmtz, vertraue ich unsern Zug zum berirdischen
Schutze, begleite uns, und bitte um sein Gedeihen. Fr den irdischen Schutz
unseres Zuges werde ich selber sorgen, so gut ich kann. Ich nehme einen kleinen
Teil des blauen Fhnleins mit. Du, Welislaw, gehst mit mir nach Deutschland, und
dann in die Schlacht; du, Odolen, desgleichen. Witiko, du gehst mit mir, sei in
der neuen Schlacht umsichtig, wie in der letzten. Und da es uns nicht an
Schreibern fehlt, gehen aus meinen Hofkaplnen Wiliko und Berthold mit.
Versammelt euch, ehe morgen die Frhdmmerung kmmt, vor dem Herzogstuhle der
Stadt. Ihr andern aber, hret mich: Otto, du Mann der Kirche, Bolemil, du
Schwerbetroffener, Lubomir, dessen Schmerz ich gedenken werde, Diwis, du treuer
Zupan, Chotimir, Preda, Wsebor, ihr bte, Daniel, Gervasius, Nemoy, und du,
Ctibor, Bartholomus, Predbor, und du, Casta, der du kaum von deiner Wunde
genesen bist, und du, Wecel, der du, wenn gleich ein Widersacher meines
Vorhabens, doch hieher gekommen bist, und Diet, und Osel, und Rowno, und die
Kmeten meiner Burgflecken, und alle! Mein Befehl an euch hrt in diesem
Augenblicke auf, und es beginnt der meines Bruders. Wenn ich auf den Zinnen der
Stadt das groe rosenfarbene Banner wieder berhre, ist der Befehl wieder bei
mir. Verteidiget die Stadt, und wenn ihr mich kommen seht, so zieht das
rosenfarbene Banner hher hinauf, und wenn die Schlacht vor der Stadt ist, so
kommt hinaus, wenn die Zeit es gebietet.
    Da er diese Worte redete, kam die Herzogin mit ihren Frauen in den Saal. Sie
ging an das obere Ende des Tisches, und stellte sich neben den Herzog an die
Stelle, von der Diepold zurckgetreten war. Ihre Frauen standen hinter ihr.
    Der Herzog sagte: Ich vertraue euch Gertrud, die Herzogin der Lnder Bhmen
und Mhren, die Tochter des frommen Markgrafen Leopold von sterreich, meine
erlauchte und vielgeliebte Gemahlin. Ihr seht, wie gewi ich es wei, da die
Stadt in eurer Gewalt bleiben wird.
    Otto, der Bischof von Prag, antwortete hierauf: Erlauchter Herzog, wir
werden deine Anordnungen befolgen. Gott geleite dich, und kehre siegreich, wie
Josua in das Gelobte Land, und die Herzogin werden wir hten, wie seine Krieger
den Bundesschrein gehtet haben.
    Lubomir sagte: Gehe mit Gott, hoher Herr, lasse uns bald dein Banner vor
diesen Zinnen sehen, da unsere Augen und die Augen der Herzogin dieses Zeichen
schauen knnen.
    Bolemil sprach: Auf diesem Berge, wie in einem Herzen des Landes steht der
Frstenstuhl. Auf diesem Berge steht die Kirche des heiligen Veit, die
Herrscherin der Kirchen des Landes, auf diesem Berge und in dieser Kirche sind
unsere Heiligtmer, die Leiber unserer Heiligen, Wenzel und Adalbert, auf diesem
Berge ruhen manche hohe Frsten, auf diesem Berge steht der Herzogshof und der
erste Zupenhof, auf diesem Berge, in der Kirche des heiligen Veit, sind
Schriften und Zeichen aufbewahrt, die die Handfesten und Geschicke des Landes
enthalten, und auf diesem Berge ist jetzt das lebende Kleinod, die Herzogin,
weil sie die Herzogin ist. Wir werden die Heiligtmer und das Kleinod bewahren.
Du, Herr, siege, wie du gesagt hast, in deinem Namen, und ende bald.
    Diwis sagte: Wir werden treu sein wie immer, gehe mit Zuversicht deine
Wege, hoher Herr!
    Wir werden treu sein dem Lande, dem Herzoge und der Herzogin, rief Jurik.
    Treu und streitbar, rief Predbor mit seiner gewaltigen Stimme, wie er
einst auf dem Wysehrad gerufen hatte: Wladislaw ist gewhlt.
    Treu und streitbar, riefen fast alle Anwesenden nach.
    Der Kmete des rechten Burgfleckens sagte: Hoher Herr! lasse die Herzogin
durch die Leiber deiner Krieger des Burgfleckens wahren, sie werden alle eher an
diesen Mauern nieder sinken, als gestatten, da eine Schleife ihres Gewandes
gebogen werde.
    Ich danke euch, sagte der Herzog, alle werden mannhaft sein wie immer,
und meine Krieger der Burgflecken werden mit allen andern die Herzogin
schtzen.
    Die Herzogin sagte darauf: Ziehe in Frieden, mein Gemahl, wir alle werden
die Stadt schtzen.
    Und so sei es geschlossen, was hier noch zu reden gewesen ist, sagte der
Herzog.
    Erlaube noch ein Wort, hoher Herr, sagte Otto, der Bischof von Prag,
nicht ein Wort dieser Erde, sondern kraft meines Kirchenamtes ein Wort des
Segens, das der Herr im Himmel neu erfllen mge, wenn es so in seiner heiligen
Vorsicht ist.
    Der Herzog neigte sich.
    Der Bischof machte das Zeichen des Segens, und sprach die Worte des Segens.
    Alle beugten ihre Leiber vor der heiligen Handlung.
    Dann verlie der Herzog mit der Herzogin den Tisch, sprach noch manches
kurze Abschiedswort gegen die Nchsten, machte mit der Hand ein Abschiedszeichen
gegen alle, und dann gingen der Herzog und die Herzogin mit ihren Gefolgen aus
dem Saale.
    Nun ertnten auch Hrner zum Zeichen, da die Versammlung geendet ist.
    Die Mnner verlieen den Saal.
    Witiko begab sich zu den Waldleuten, und rief diejenigen, die ihm untergeben
waren, zusammen.
    Als sie in einer Ordnung standen, trat er vor sie, und sprach: Liebe
Heimatgenossen! Der erlauchte Herzog Wladislaw wird fortgehen, und mit einer
Macht kommen, um die Feinde, welche diese Stadt umringen und erobern wollen,
anzugreifen und zu zerstreuen. Er hat mir befohlen, ihn zu begleiten. Ich mu
euch daher auf eine Zeit verlassen. Traget in dieser die Willigkeit, die ihr mir
bisher erwiesen habt, auf Rowno ber, er ist in der Heimat euer Nachbar, ist in
dem Streite auf dem Berge Wysoka euer Nachbar gewesen, und ist in der hiesigen
Anordnung wieder euer Nachbar. Ich sage es euch zuerst, um zu hren, ob es euch
so genehm ist. Einige von uns mgen mit mir gehen, wenn sie wollen, Lambert,
Urban, Augustin und noch andere, die zu reiten verstehen. Der Herzog wird uns
Pferde geben.
    Du mut den Knaben Urban sehr gut bewahren, rief Peter Laurenz, der
Schmied von Plan, er ist meiner Schwester Kind, ich brge fr ihn, und belehre
ihn. Wenn er besser reiten lernt, ist es gut, und es ist gut, wenn er vor den
Herzog kmmt. Wir sind ohnehin die Kriegsgenossen des Herzogs, und der Herzog
hat den Knaben schon gesehen. Werft die Feinde nieder, und wehret euer Leben.
Der erlauchte Herzog wird zu dem Knige Konrad nach Deutschland reiten. Wir
wissen es schon, heute vormittag ist es sicher gemacht worden. Urban kann zu dem
deutschen Knige mitgehen, und der Knig kann ihn sehen. Und mit Rowno werden
wir uns schon vertragen. Und wenn die kommen, die auf dem Berge Wysoka so gegen
uns waren, so werden wir ihnen die Stadt nicht lassen, wie wir ihnen den Berg
nicht gelassen haben, damit das Recht besteht, und wir werden ihnen das Gold und
die Steine nehmen, die sie hieher gebracht haben, Redet, Mnner, wie es mit
Rowno ist.
    Rowno soll nur bei uns bleiben, wenn Witiko fortgeht, sagte Stephan, der
Wagenbauer.
    Rowno soll bei uns bleiben, bis Witiko kmmt, rief Adam.
    Wir halten mit Rowno, rief Paul Joachim.
    Rowno, Rowno, schrien mehrere Stimmen.
    Ich gehe mit dir zu den deutschen Rittern, rief Lambert.
    Ich gehe auch mit, rief Augustin.
    Ich gehe auch mit zu dem Knige Konrad, rief Urban.
    Ich auch, rief Zacharias.
    Ich auch, rief Maz Albrecht.
    Das werden wir schon ordnen, antwortete Witiko, jetzt mssen wir Rowno
fragen, ob er die Fhrerschaft bernehmen will, wenn nicht zu viele dagegen
sind.
    Niemand ist dagegen, rief Tobias.
    So geht zu ihm, Maz Albrecht, und Zacharias, und sagt, da wir ihn bitten,
er mchte auf ein kurzes zu uns kommen, sagte Witiko.
    Die zwei Mnner gingen, und als sie mit Rowno zurckkamen, sagte Witiko zu
ihm: Rowno, du hast in dem Saale gehrt, da ich mit dem Herzoge gehen mu. Ich
mchte nun, so lange ich fort bin, dir, hochehrbarer Wladyk, den Schutz und die
Fhrung derer anvertrauen, die mich auf dem Berge Wysoka zu ihrem Vormanne
gewhlt haben, und ich mchte dich bitten, diesen Schutz und die Fhrerschaft zu
bernehmen. Meine Mnner sind einverstanden.
    Ja, wir sind einverstanden, riefen mehrere Stimmen.
    Rowno antwortete: Meine lieben Heimatleute! wir sind benachbart, ihr kennt
mich und meine Angehrigen, und ich und meine Angehrigen kennen euch. Wir haben
uns immer Gutes gewnscht. Ich tue gerne, was Witiko verlangt. Wenn ihr Euch,
bis er wieder da ist, unter meine Leute einordnen wollt, so werden wir zusammen
halten, und uns gegenseitig helfen, wenn die Feinde vor die Stadt kommen.
    Ja, bis er da ist, rief der Schmied.
    Bis er da ist, rief Philipp.
    Bis er da ist, riefen mehrere Stimmen.
    Es ist schon recht, sagte Zacharias, wir und Osel und die andern werden
zusammen stehen.
    Witiko sprach: Das ist nun geordnet. Lambert, Augustin und Urban reiten mit
mir, sie mgen sich rsten, und eine Stunde nach Mitternacht zu mir kommen. Und
ihr, Mnner, werdet fest und stark sein, wenn die Feinde erscheinen, und haltet,
wenn ihr an einer Stelle angehen msset, die Reihe geschlossen.
    Wie geschweites Eisen, antwortete der Schmied, da sie uns eben so wenig
wie damals von dem alten Manne, der in einer Tragtruhe sa, trennen knnen.
    Ja, tut nur so, rief eine Stimme wie von der Erde auf. Witiko blickte um,
und sah Tom Johannes den Fiedler, der auf einem gehauenen Steine sa.
    So bist du wieder in frhlicher Gesundheit da? sagte er zu ihm.
    Ja, entgegnete der Fiedler, gesund bin ich fast, aber mit der
Frhlichkeit ist es aus. Sieh nur, wie ich verndert bin, wie wenn der Wind
einen Dornstrauch verdreht hat.
    Der verdrehte Dornstrauch bringt wieder Rosen, sagte Witiko.
    Weil er ein Narr ist, der in jeder Gestalt blhen kann, antwortete der
Fiedler. Meine Hand ist wie das Winkelma Davids des Zimmerers, ich kann nicht
mehr geigen, und wenn ich zur Vergeltung einen Spie nhme, so mte ich mich
seitlings stellen, um werfen zu knnen.
    Sie werden es ohne deinen Spie auch machen, sagte Witiko, du wirst fr
dich etwas ersinnen, und wenn die lustigen Tage kommen, wird deine Fiedel wieder
im grnen Walde singen, wie immer.
    Da die Dohlen und Hher davon fliegen, entgegnete Tom Johannes.
    Habt acht auf ihn, da ihm nichts geschieht, sagte Witiko.
    Wir werden schon sorgen, antwortete der Schmied, und von unserer Beute,
die die Feinde bringen werden, ihm etwas geben. Er ist nicht zu bewegen gewesen,
nach Hause zu gehen.
    Weil ich erwarten will, was hier noch geschieht, und weil ich nicht fort
sein will, wenn der Herzog seine Mnner belohnt, antwortete Tom Johannes.
    Du wirst belohnt werden, Tom, sagte Witiko, und den Verwundeten wird man
es wohl insonderheit gedenken.
    Ich meine, wenn sie sich nichts erwerben knnen, sagte der Fiedler.
    Da Witiko noch mit Tom Johannes sprach, kam Sebastian, der Schuster von
Plan.
    Die Mnner lachten, riefen und begrten ihn. Er hatte einen geflochtenen
Korb auf seinem Rcken, wie Frauen, wenn sie Dinge zum Markte tragen.
    Bist du da, sagte Witiko, und was bringst du uns?
    Sie sind alle gesund, antwortete Sebastian, Martin und Lucia gren euch,
es sind nur zwei Weiber gestorben, davon eine nicht aus der Pfarre war, ich habe
den Weg in zehn Tagen hin und zurck gemacht, und der Brettermelchior hat einen
wunden Fu. Ich habe Stiefel und Futcher und andere notwendige Dinge geholt,
und mir Marderblge und Iltisblge mitgebracht.
    Wozu brauchst du denn die Blge? fragte Witiko.
    Die Schuster nhen hier Blge zu so wunderbar feinen Sachen zusammen,
antwortete Sebastian, zu zierlichen Fuschuhen, zu Hauben, zu Umwrfen, zu
Grtelsumen, und da will ich das lernen, und in Plan solche kostbare Dinge
verfertigen.
    Du hast eine ungefge Lernezeit gewhlt, entgegnete Witiko, bringe nur
deine Blge in Sicherheit, und stelle dich wieder zu deinen Mnnern.
    Ich werde alles verrichten, was not tut, erwiderte Sebastian.
    Dann setzte er sich mit seinem Korbe neben Tom Johannes, den Fiedler, auf
einen andern behauenen Stein.
    Hierauf sagte Witiko: Ich mu mich von euch verabschieden, ihr Mnner, Gott
behte euch, wir werden nicht lange getrennt sein.
    Gott behte dich, riefen mehrere Stimmen.
    Sieh nur, da sie dich nicht verunstalten wie mich, sagte Tom Johannes der
Fiedler.
    Ich werde mich schon wehren, antwortete Witiko.
    Ich habe mich auch gewehrt, sagte der Fiedler.
    Und sieh nur auf den Urban, rief der Schmied.
    Witiko reichte Rowno die Hand, dann auch mehreren Mnnern, grte alle, und
entfernte sich.
    Er ging in seine Wohnung, und richtete zurecht, was er mitnehmen wollte.
    Eine Stunde nach Mitternacht kamen Lambert und Augustin und Urban zu ihm. Er
sendete seinen Knecht Jakob um vier Pferde aus den Pferden des Herzoges, Jakob
brachte die Tiere, die Mnner rsteten sich, und bestiegen sie, Witiko sein
eigenes, und Jakob und die drei andern die Pferde des Herzogs. Raimund mute in
Prag zurckbleiben. Da sie von dem Priesterhause weg ritten, sahen sie, da vor
dem Hofe des Bischofes Pferde standen, und da die Leute Bozebors daran waren,
sie zu besteigen.
    Witiko ritt mit seinen Mnnern gegen den Herzogstuhl, und als alle dort
versammelt waren, und der Herzog mit seinem Geleite erschienen war, nahm der
Bischof, es nahmen die Priester und die hohen Kriegsherren, die herzu gekommen
waren, Abschied, und der Zug begann. An der Spitze ritt eine Abteilung des
blauen Fhnleins, dann kam der Herzog, an dessen linker Seite der Bischof Zdik
ritt, dann kam das Gefolge des Herzogs und des Bischofs, dann kamen Welislaw,
Odolen und Witiko und die Kaplne. Welislaw hatte dreiig Mnner, Odolen sieben,
Witiko vier. Den Schlu machte die andere Abteilung des blauen Fhnleins.
    Sie ritten zu dem Tore nieder.
    Da sie dort anlangten, stand Bozebor mit den Seinigen da.
    Der Herzog sagte zu ihm: Du wirst mir gnnen, Bozebor, da ich mit meinen
Mnnern zuerst durch das Tor reite.
    Bozebor stellte sich mit seinen Leuten seitwrts, das Tor wurde geffnet,
und der Zug des Herzoges ritt hinaus.
    Der Zug ging in den Bschen dahin gegen die Waldhhe, welche neben dem Dorfe
Brewnow war. Sie konnten, wenn sie umsahen, Bozebor mit seinen Mnnern eine
Strecke hinter sich sehen. Als sie auf der Waldhhe zu dem Scheidewege
Zernownice gekommen waren, und auf dem einen der Wege fortritten, sahen sie dann
Bozebor nicht mehr hinter sich.
    Der Zug ging nun unablssig in der Richtung gegen den Abend des Landes fort.
    Diepold, der neue Befehler der Stadt, machte sofort an diesem Tage mehrere
Anordnungen. Fr den folgenden Tag hie er alle, wenn die Sonne aufginge, an
ihren Stellen sein.
    Als sich die Sonne an diesem Tage erhob, ritt Diepold mit den Mnnern seines
Geleites gegen die Zinnen der Stadt. Er hatte den Waffenschmuck an sich, den er
auf dem Berge Wysoka getragen hatte. Ein schwarzes Kleid bedeckte seinen Krper,
eine schwarze Haube sein Haupt. Ein roter Edelstein hielt eine weie kurze Feder
an der Haube. Auf dem Oberkrper trug er ein dunkles mattes Waffenhemd. Der
Grtel hatte rote Edelsteine, und so auch die schwarzsammetne Schwertscheide. An
der rechten Seite Diepolds ritt die Herzogin Gertrud. Sie war in ein
dunkelbraunes Gewand gekleidet, wie es ihr Gemahl gerne trug. Hinter ihr ritten
einige Frauen in weiten Grtelkleidern. Unter den Frauen war auch Dimut auf
ihrem braunen Pferde. Sie hatte ihr schwarzes Gewand an, darber das
Waffenkleid, das wie Silber glnzte, und auf dem Haupte die schwarze
Spangenhaube, daran eine Rabenfeder empor ging. Am Grtel trug sie ihr Schwert.
Sie wre wie Diepold gewesen, wenn sie nicht das lichte Waffenkleid und die
schwarze Rabenfeder gehabt htte. Da sie an die Zinne kamen, trafen sie vor der
Brustwehre den Zupan Jurik mit seinen Mnnern und den Schleudergerten und
Wurfdingen, dann war Chotimir mit denen aus Decin und den Gertschaften, dann
war Diwis, der Zupan von Saaz, mit groen Geschossen fr Pfeile, Balken, Steine
und Brandwerke, dann weiterhin der alte Lubomir mit vielen Gersten fr dicke
Bolzen und andere schwere Dinge, und dann war der Leche Bolemil mit dem Reste
der Seinigen. Er sa unter ihnen auf einem Stuhle, und die grte Schleuder,
welche die Mnner hatten, war bei ihnen. Dann kamen Wecel und der alte Wsebor,
und Preda, und Ctibor, und die bte, und der Bischof, und Gervasius, und Milota,
und andere. Dann war Nemoy von Netolic mit seinen Mnnern vom Rande des
mittglichen Waldes und seinen Schleudergerten, dann kamen die von Taus, und
die weiter hinauf vom Walde herstammten: Wenzel von Winterberg, und Wyhon von
Prachatic, dann war Rowno von Rowna mit den Seinigen und mit denen, die ihm von
Witiko bergeben worden waren. Sie hatten eine Schleuder bei sich, die groe
Steine bewltigen konnte, dann kam Diet von Wettern, und Hermann von Attes, der
kaum von seiner Wunde genesen war, und Wernhard von Ottau, und andere. Dann war
Ben, der Sohn Bens, des Fhrers, der auf dem Berge Wysoka sein Leben gelassen
hatte, dann Bartholomus, Zdeslaw, Casta und andere Mnner. Als Diepold und die
Herzogin bei allen gewesen waren, und alles besehen hatten, und mit vielen
Mnnern gesprochen hatten, ritten sie wieder in die Hofburg zurck.
    Auf den zweiten Tag nach diesem Tage war in der Morgenstunde ein groer
Gottesdienst in der Kirche des heiligen Veit angesagt. Als diese Morgenstunde
kam, feierte Otto, der Bischof von Prag, mit den bten und Priestern in
kirchlichem Schmucke den Gottesdienst wie an einem erhabenen Feste des Herrn.
Die Herzogin, Diepold, die Fhrer, viele Krieger und andere Menschen waren
zugegen. Am Ende des heiligen Opfers war das Kriegsgebet und die Segnung.
    Am Nachmittage des nmlichen Tages kamen die Feinde gegen die Stadt. Man sah
den lichten Schein der Lanzen und die Bewegung der Scharen. Unzhlige Menschen
blickten hinaus. Sie breiteten sich vor dem rechten Burgflecken aus, wie um ein
Lager zu errichten. Alle Krieger waren auf den Mauern. Die Herzogin war bei
ihnen.
    Als der Abend dieses Tages gekommen war, sah man eine Schar von Reitern von
dem rechten Burgflecken ber die Brcke eilen. Sie hatten Friedensfhnlein auf
den Lanzen. Als sie in dem linken Burgflecken angekommen waren, hielten sie
stille.
    Diepold sagte zu Sezima: Nimm zwanzig Reiter, reitet mit Friedensfhnlein
hinaus, und frage um ihr Begehren.
    Sezima ritt mit zwanzig Reitern gegen das Brckentor, man lie ihn hinaus,
er nherte sich den Feinden, und von den Zinnen aus konnten sie ihn eine Zeit
bei ihnen verweilen sehen.
    Dann kehrte er wieder zurck.
    Als er vor Diepold gekommen war, berichtete er: Sie sagen, da ein Mann
unter ihnen sei, der die Macht habe, im Namen Konrads, den sie ihren Herzog
nennen, mit dir, wenn du der Befehler der Stadt bist, weil du Boten sendest, zu
sprechen. Konrad will Blutvergieen meiden. Wratislaw von Brnn, Otto von
Olmtz, Spitihnew, Leopold und Wladislaw lassen dir Gutes sagen.
    Diepold antwortete: Reite wieder hinaus, und sprich: Diepold redet nur mit
denen, die sich unterwerfen, und er wird es daran erkennen, da sie mit zwei
Friedensfhnlein auf einer Lanze kommen. Ein anderes Fhnlein wird er nicht mehr
anerkennen, und die jetzt da sind, sollen sich entfernen, so sie Schaden meiden
wollen. Mit den Nachkommen Premysls, Wratislaw von Brnn, Konrad von Znaim, Otto
von Olmtz, Spitihnew, Leopold und Wladislaw wird er sprechen, wenn sie mit
Scken auf dem Haupte und Stricken und Steinen um den Hals vor ihm knien.
    Sezima ritt wieder hinaus, und da er zurckgekommen war, sagte er: Sie
verlangen mit Wladislaw zu sprechen, und wenn dieser, wie es heit, entflohen
sei, mit Gertrud.
    Gertrud sprach: Diepold, lasse Kugeln in sie werfen.
    Diepold sagte: Sezima, du gehst jetzt nicht mehr hinaus.
    Dann schwieg er.
    Die feindlichen Reiter blieben auf ihrem Platze stehen.
    Nach einer Weile sagte er: Legt auf.
    Die Mnner legten einen Stein auf die Schaufel einer Schleuder.
    Wieder nach einer Weile sagte Diepold: Richtet, und dreht ab.
    Die Mnner gaben der Schleuder eine Richtung, dann drehten sie an kurzen
Speichen, die Schaufel fuhr in die Hhe, und in dem Augenblicke fiel eine groe
Steinkugel im Bogen gegen die Reiter nieder.
    Diese wendeten sich um, und ritten ber die Brcke davon.
    Ein Geschrei des Jubels folgte ihnen von den Mauern der Stadt.
    Es kam der Abend, und als es finster geworden war, konnte man den Schein der
Feuer der Feinde von den Burgflecken und von den Feldern her sehen.
    Nach dem Frhgottesdienste des nchsten Morgens sahen die Mnner, da Feinde
am unteren Ende des rechten Burgfleckens mit Schiffen, Flen und
Brettergersten ber die Moldau und auf das hohe Feld Letne gingen, in welchem
die Drfer Owenec, Holisowic und Buben waren. Der andere Teil stand in Ordnung
am Wasser.
    Es wurde an diesem Tage keine Botschaft an Diepold gerichtet.
    An dem folgenden Tage und an dem nchsten waren alle Feinde herber
gegangen, und errichteten ein Lager. Diepold strte sie nicht, und wenn es in
der Stadt stille war, und die Luft von dem Felde daher ging, konnte man die
Hammerschlge und den Schall der Arbeiten vernehmen.
    Endlich erhob sich eine groes weies Banner bei den Feinden, und mehrere
kleine weie Banner wurden sichtbar. Sofort entfaltete sich auch auf der Kirche
des heiligen Veit das groe rosenrote seidene Banner Wladislaws, und es wehten
auf dem Herzogshofe und auf anderen Bauwerken und an Stellen der Zinnen kleinere
rosenrote Banner.
    Das groe weie Banner auf dem Felde war das Konrads von Znaim, den sie zum
Herzoge erwhlt hatten, weiterhin war das weie grngernderte Banner Wratislaws
von Brnn, dann war das Banner Ottos von Olmtz, dann Spitihnews und Leopolds,
dann waren die Zeichen der andern Mnner, Bogdans, Domaslaws, des alten Mikul,
und mehrerer. Weit hinter den Feinden war Kochan, und man sagte, da er gekommen
sei, zu sehen, wie sich beide Herzoge vernichten, worauf dann die brigen Lechen
herrschen wrden.
    Da der sechste Tag gekommen war, seit sich die Feinde vor der Stadt gelagert
hatten, nherten sich am Morgen dieses Tages verschiedene Gerte der leichten
Art den Mauern. Auf Wgen wurden allerlei Dinge gefhrt. Die Mnner der Feinde
rckten auch heran. Da sie nahe waren, hielten sie an, und von den Gerten
flogen nun Pfeile, Pflockbolzen, Steine, Wurflanzen und Eisenstcke auf die
Zinnen. Die Mnner Diepolds rhrten sich nicht. Auf seinen Befehl hatten sie
sich hinter die Bergen begeben mssen. Da endete das Werfen der Dinge, und von
den Feinden sonderte sich ein Haufen Krieger ab, und ging gegen die Mauern
vorwrts, dies tat auch ein zweiter, ein dritter und mehrere. Da sie nahe an der
Mauer waren, begannen sie zu rennen, indem sie Leitern, Stangen, Haken, Schilde,
Stricke und Kletterdinge trugen. Sie befestigten Werkzeuge an den Mauern, und
suchten, empor zu klimmen. Hinter ihnen standen viele Bogenschtzen, welche
unaufhrlich Pfeile gegen den oberen Rand der Zinnen sendeten. Jetzt gab Diepold
ein Zeichen in die Luft, und auf dieses Zeichen ertnte die grte Glocke des
Turmes des heiligen Veit, und da der erste Klang erscholl, strzten die Mnner
Diepolds heran, und warfen Ziegel, Steine, Blcke, Bume, eisengezackte Balken,
siedendes Wasser und brennendes Pech auf die Emporklimmenden nieder. Ein Teil
der Krieger war in Bereitschaft, dort, wo sich zwischen den Schirmen, die die
Feinde ber sich emporschoben, menschliche Glieder zeigten, Pfeile und Lanzen
hinein zu schicken. Ein anderer Teil suchte insbesondere diese Bergeschirme der
Feinde durch schwere Wurfdinge oder Feuer zu zerstren, oder auf die Feinde
selber zu schleudern. Viele Krieger sendeten bestndig aus Gerten Steine und
Wurflanzen und von Bgen Pfeile gegen die Schtzen der Feinde.
    Die Glocke des heiligen Veit tnte fort.
    Zuweilen erscholl ein geller Ruf zum Zeichen einer schweren Verwundung, oft
rann an einem Manne Blut hinunter, ohne da er es wute, man sah manchen Krieger
taumeln, ohne da man erkennen konnte, ob die Schauer des Todes ihn strzen
wollten, oder eine Verwundung. Er wurde zurckgetragen, wo die Pfleger
versammelt waren. Auch Feinde sah man fallen, oft wurden mehrere zugleich samt
ihren Gerten von den Leitern gestrzt, und man sah, wie Mnner von den Mauern
weg getragen wurden. Aber neue drangen nach, und die Leitern fllten sich immer
wieder. Der Bogenschtzen, welche die Verteidiger zu schdigen suchten, wurden
immer mehr. Diepold vermehrte auch die seinigen. Er sah, da die Bergen, die von
jenen Mnnern hinaus geschoben wurden, welche die Dinge auf die Felder hinunter
zu werfen hatten, zu schwach seien, und suchte sie durch strkere zu ersetzen.
Auf der ganzen Strecke, an der die Feinde empor drangen, waren die Verteidiger
versammelt, und die ermdet wurden, lie Diepold mit frischeren wechseln. Die
Waldleute fanden sich in die Sache, und arbeiteten stetig, wie sie mit den
Baumstmmen ihrer Felsen oder gegen die Tiere ihres Waldes arbeiteten. Tom
Johannes sa hinter einer Berge, und schrie Worte, die niemand vernahm, und
machte mit den Hnden Zeichen, auf die niemand achtete.
    Da dieses geschah, ritt die Herzogin an die Zinnen. Sie war von mehreren
Hofherren begleitet, aber von keiner ihrer Frauen. Nur Dimut ritt in ihrem
Waffenkleide neben ihr. Die Herzogin ermunterte die Mnner, und belobte sie. Als
sie zu den Waldleuten kam, erhoben diese einen so wilden Ruf, da die Glocke des
heiligen Veit dagegen nicht zu vernehmen war.
    Von den Feinden lsete sich jetzt eine Schar ab, welche grer war als alle,
die bis zu der Zeit an die Mauern gekommen waren. Sie eilte gegen eine Stelle,
welche weniger Krieger enthielt, und strebte in Schnelligkeit empor zu klimmen,
indes andere unter ihnen durch Sandscke Rasen Reisig und dergleichen schleunig
den Boden an den Mauern zu erhhen versuchten; aber die Mnner Diepolds kamen
wie eine Wolke, welche den Hagel birgt, herbei, und sie erhoben ein
Freudengeschrei, weil sie die Absicht der Feinde erkannten, und die Mittel
hatten, sie zu vereiteln. Das Hinabwerfen der Verteidigungsdinge wurde dichter,
als es bisher gewesen war, es wurde ein Schtten, und wenn man meinte, das
Schtten sei am heftigsten, wurde es noch heftiger. Das Hinaussenden der Lanzen,
Pfeile, Steine, und anderer Wurfsachen auf die Bogenschtzen wurde ein stetiger
Strom. Der Kampf war sehr kurz. Die Feinde glitten zurck, verlieen ihre
Gerte, und wichen gegen die Ihrigen. So taten sie an allen Stellen. Da sie in
Unordnung zurckgingen, ffnete Diepold das Tor, und drang mit einer Schar
Mnner, die er bereit gehalten hatte, hinaus, indem er auf seinem schwarzen
Pferde unter ihnen ritt. Er eilte den Feinden nach, und was durch Lanze und
Schwert zu erreichen war, wurde durch Lanze und Schwert geschlagen. Als sie
gegen das ganze Heer der Feinde kamen, wendeten sie um, ritten in Schnelligkeit
zurck, und wurden durch das Tor aufgenommen.
    Jetzt war Ruhe auf den Mauern, und die Glocke des heiligen Veit tnte nicht
mehr.
    Diepold, die Herzogin, der Bischof, bte, Priester und Fhrer gingen jetzt
auf den Kampfplatz. Da waren die Rstzeuge des Krieges, die man gebraucht hatte,
da waren die ermatteten Krieger, es waren Verwundete und Tote. Die rzte und die
Pflegediener waren da, Leute aus der Stadt, Frauen, Jungfrauen, Priester und
andere waren gekommen, und spendeten Labung. Manche Mnner gingen herum, und
bluteten an diesem oder jenem Teile ihres Krpers. Andere saen oder lagen. Der
Priester von Daudleb wusch Moyslaw die Wunde eines Lanzenstiches, die er an der
Achsel erhalten hatte, und verband sie ihm. Dann schnitt er Zwest die Spitze
eines Pfeiles aus dem Arme, und verband ihn, Jurik, der Sohn Juriks, dem ein
Stein das Knie gestreift hatte, und Zdeslaw, der Sohn Diwis', der einen
Lanzenstich hatte, wurden verbunden. Andere wurden von den rzten in Sorge
genommen, und jeden, wenn es sein konnte, trug man in die Verpflegungsorte.
Diepold und seine Begleiter gaben berall Trost. Diepold verlangte, die Toten zu
kennen. Man wute sie noch nicht alle. Budilow, ein reicher Wladyk aus den
Fluren von Gradec, hatte sein Leben verloren, so auch Wat, ein Leche aus den
Gebirgen an Polen, der mit seinen Leuten unter Jurik gestanden war, so der
Wladyk Kunes aus dem Abende des Landes, so Izzo von Tynec, Welich von Suchomast,
Radoslaw von Bezno, Welkaun von Jesenic, und andere Mnner, die auf ihrem Eigen
mit Sippen gesessen waren. Diepold verordnete, da von allen ein genaues
Verzeichnis gemacht werde, wenn etwa Verhandlungen mit ihren Angehrigen wrden.
    Dann ging er mit allen, die um ihn waren, zu den Verwundeten und Kranken in
die Verpflegungshuser. Dann ordnete er an, da Erquickung an Speise und Trank,
reichlicher und besser als zu anderen Zeiten, an die Krieger komme.
    Nach einer Zeit ritt eine Schar von Feinden gegen die Mauern, mit schwarzen
Fahnen, welche die Bitte anzeigten, da ihnen gestattet werde, ihre Toten und
Verwundeten weg zu bringen. Diepold lie eine schwarze Fahne der Gewhrung
errichten. Sogleich gingen die Feinde daran, die Ihrigen zu bergen. Die Mnner
auf den Mauern sahen auf sie, und konnten die Gewnder erkennen, wie sie in dem
einen oder in dem andern Striche des Landes getragen wurden, und wenn einer
Verwandte unter ihnen gehabt, und auf sie hinab gesehen htte, so htte er ihre
Angesichter zu erkennen vermocht.
    Am Abende des Tages wurde ein ernster Lobgesang in der Kirche des heiligen
Veit gehalten. Diepold, die Herzogin, und alle Fhrer wohnten bei, und so viele
Krieger, als die Kirche zu fassen vermochte. Die Waldleute knieten in ihren
rauhen Gewndern auf dem Boden der Kirche.
    Als die Nacht anbrach, ging man, die Wurfdinge zu ergnzen, da sie zum
Gebrauche wieder hergerichtet wren.
    An dem nchsten Tage begannen die Feinde nichts gegen die Stadt.
    Da der Abend gekommen war, lie Diepold die Fhrer rufen, und erffnete
ihnen, wie er wisse, da an dem Felde, auf welchem die Feinde gelagert seien,
sich eine Wiese befinde, die Sumpf und Moor habe, da das Lager gegen die Wiese
weniger befestigt und bewacht sei. Er aber wisse einen festen Weg durch den
Sumpf und das Moor, und ein vertrauter Mann habe noch in diesen Tagen Rtchen
auf den Weg gesteckt. Er wolle in der Nacht mit einer Schar durch den Sumpf
gehen, und das Lager berfallen, und so viel Schaden tun, als er knne. Und wenn
er zurck ginge, wolle er die Verfolger in den Sumpf locken. Die Fhrer mchten
die Mnner whlen, die sich zu dem Unternehmen melden. Um Mitternacht ist die
Versammlung bei dem Herzogstuhle.
    Die Fhrer entfernten sich.
    Als die Mitternacht gekommen war, standen die Mnner an dem Herzogstuhle. Es
waren mehr als not tat. Diepold las sie aus, erklrte ihnen die Sache, und
sagte: Unser Wort heit: Wladislaw, und das Wort zur Umkehr heit: Gertrud.
    Hierauf gingen sie gegen das Tor, gefolgt von einem Huflein Reiter, das
Jurik fhrte. Das Tor ffnete sich. Auerhalb desselben stellte Diepold das
Huflein Reiter auf. Dann ging er mit den Mnnern gegen die Wiese. Auf derselben
gingen sie gegen den Sumpf, und dann auf dem festen Wege in den Sumpf hinein.
Der Mann, welcher die Ruten gesteckt hatte, ging als Fhrer zwischen zwei
Kriegern mit. Sie kamen auf dem Wege bis an das Lager. Dort war eine Umzunung
von Pflcken, die in die Erde getrieben waren. Diepold hie mit Brechstangen
Pflcke ausheben. Die Werkleute schritten daran. Da lehnte der Schmied von Plan
seine Keule seitwrts, fate einen Pflock mit seinen Hnden, und zog ihn heraus,
dann einen zweiten, dann einen dritten, und so fort. Als er zwanzig ausgezogen
hatte, sagte Diepold, es sei genug, lie einen Pflock ber der Umzunung als
Zeichen erhhen, und fhrte seine Mnner durch die Lcke ein. Nach einer Weile
fanden sie drei Mnner, die im Grase standen, und von denen sie nicht erkannt
wurden, sie nahmen dieselben mit. Bald gelangten sie zu Lichtern. Da scholl
ihnen entgegen: Konrad.
    Sie riefen: Wladislaw, und rannten gegen die Feinde.
    Da standen Wachen, sie wurden niedergeworfen. Dann standen wieder solche,
sie wurden wieder niedergeworfen. Dann kamen sie zu Gezelten, und wenn Mnner
aus denselben eilten, oder von der Erde empor sprangen, wurden sie gestrzt,
oder weiter getrieben. Ein Schreien erhob sich, und pflanzte sich in das Lager
hinein fort. Diepold verbot, etwas anzuznden, da seine Schar von dem Scheine
nicht erhellt werde. Der Fliehenden wurden immer mehr, und wenn einige Haufen
sich widersetzten, wurden manche aus ihnen niedergestreckt, und die andern
zurckgedrngt. Diepold war stets hinter ihnen, und schlug sie, und es durfte
zwischen den Fliehenden und den Verfolgern kein Raum entstehen. So drang er in
das Wirrsal der Feinde, wie eine Meereswoge gegen den kiesreichen Strand dringt,
und alles mitnimmt.
    Da wurde in dem Lager ein Lichtschein in gerader Richtung. An dem Scheine
bewegten sich Lichter hin und wider, und glnzten Waffen. Die Feinde hatten eine
Reihe gebildet.
    Gertrud, rief nun Diepold.
    Gertrud, riefen die Mnner sich zu.
    Und sie wendeten sich, und rannten gegen die Umzunung zurck.
    Sie hrten hinter sich Kriegsruf und das Drhnen von Schritten.
    Da kamen sie an ihre ffnung, warfen den erhhten Pflock herab, und drangen
hinaus. Sie gingen auf ihrem festen Wege in langer Zeile dahin. Bald hrten sie
hinter sich ein Geschrei, wie wenn jemand von Entsetzen ergriffen wird, dann
hrten sie Rufe der Weisungen und Mahnungen, und dann, wie sie immer weiter
vorschritten, hrten sie nichts mehr. Da sie an dem Rande der Wiese ankamen,
schollen zu ihrer Rechten Hufschlge, und an dem Tore fanden sie feindliche
Reiter mit den Reitern Juriks im Kampfe. Sie griffen von hinten an, die Feinde,
an den zwei Enden gedrngt, verwirrten sich, suchten seitwrts zu entkommen, und
litten Schaden, da die einen den Hang empor ritten und berschlugen, die andern
den Hang hinunter ritten, und strzten. Diepold und Jurik verfolgten sie, wie es
mglich war, dann kehrten sie um, und gnnten ihren Kriegern die Ruhe des Teiles
der Nacht.
    Als der Morgen des nchsten Tages angebrochen war, sahen sie die Feinde in
ihrem Lager an der Wiese eifrig arbeiten. Bald sonderte sich ein Haufen Krieger
ab, und ging in Schiffen ber die Moldau in den rechten Burgflecken. Ihm folgten
noch andere. Dann erhob sich Rauch an verschiedenen Stellen des Burgfleckens,
und Huser brannten, und das Feuer wurde immer grer, und die Einwohner
bestrebten sich, zu lschen.
    Die Mnner auf den Mauern schrien: Die Tiere, die Scheusale, die Wlfe,
wenn wir einen fangen, sollen wir ihn tten, und keiner, wenn Tausende in unsere
Hnde kommen, soll das Leben behalten.
    Leute aus der Stadt rannten herzu, und riefen: Diepold, lasse uns hinaus
gehen, und sie morden, vernichten, vertilgen, und wenn es auch unser und aller
deiner Krieger Tod wre.
    Wir werden hinaus gehen, wie wir in der heutigen Nacht hinaus gegangen
sind, sagte Diepold.
    Die Herzogin ritt herzu. Sie war im Waffenkleide, ihr goldenes Haar deckte
ein glnzender Helm, und in der Hand hatte sie ein gezogenes Schwert. Hinter ihr
ritten mehrere Herren des Hofes und andere Mnner. Alle waren bewaffnet. Neben
ihr ritt Dimut in ihrem gewhnlichen Waffenkleide.
    Diepold, rief die Herzogin, ich bringe Krieger, und werde noch mehrere
bringen, ich will eingereiht sein unter die Verteidiger der Stadt.
    Hohe Herzogin, sagte Diepold, es geschehe nach deinem Sinne.
    Nun kamen auch Mnner und Jnglinge der Stadt, und verlangten unter die
Verteidiger aufgenommen zu werden.
    Diepold sagte es zu, und wies sie an Pltze zur Einteilung.
    Erst gegen den Abend snftigte sich das Feuer, und in der Nacht wurde ihm
Einhalt getan.
    Am vierten Tage darnach kamen die Feinde wieder gegen die Mauern. Sie waren
um viele mehr als das erste Mal, und fhrten eine groe Zahl von Wagen mit sich,
auf denen Erkletterungsgerte, Leitern, Schilde, Bergen, Dinge, um den Boden zu
erhhen, und anderes waren. Eine grere Menge von Bogenschtzen war
aufgestellt, eine grere Menge von Mnnern rannte gegen die Mauern, und sie
suchten mit grerer Heftigkeit und grerer Eifrigkeit empor zu dringen. Aber
die Verteidiger waren auch schneller und unermdlicher, in dichter Menge
strzten die Abwehren hinunter, in ununterbrochener Reihe flogen die Geschosse
hinaus, und wenn man die Krieger wechseln wollte, lieen sie es nicht zu. Aus
der Stadt rannten Menschen herbei, und trugen in ihren Hnden oder in ihren
Kleidern Steine, Ziegel, Eisen, Blei, da es auf die Feinde geworfen wrde, wenn
etwa der Vorrat der Krieger nicht ausreichen sollte. Die Herzogin war mit ihrer
Schar auf den Zinnen, und eines Augenblickes ritt sie auch zu allen Kriegern.
Ihre Augen waren glnzender und ihre Wangen rter als sonst. Dimut folgte ihr,
und auch ihre Augen waren glnzender und ihre Wangen rter. Sie kam zu Jurik,
der die Seinigen befehligte, sie kam zu Chotimir, der unter seinen Mnnern war.
Sie grte und wurde gegrt. Sie kam zu Diwis, der seine Balkengerste ordnete.
Er grte sie ernst. Sie kam zu Lubomir, der unter seinen Zupenleuten stand, und
dicke Bolzen versendete. Er neigte sich ehrerbietig. Sie kam zu Bolemil. Er sa
neben der groen Schleuder, und befehligte. Seine Haube war ihm entfallen, und
seine weien Haare glnzten in der Luft. Er neigte sein Haupt vor der Herzogin,
und fuhr fort zu befehlen. Sie kam zu dem Bischofe, der seine Mnner leitete.
Sie kam zu Milota. Sie kam zu den Waldleuten. Rowno trat einen Augenblick vor,
zu gren. Die Mnner des Waldes warfen Dinge gegen die Feinde, von denen man
glaubt, da sie von Menschenhnden nicht zu bewltigen sein knnten. Sie kam zu
dem jungen Ben, zu Zdeslaw, Casta, und den weitern. Die Feinde muten von ihrem
Beginnen ablassen, Diepold verfolgte sie mit groen Scharen, und ttete viele,
und ein Wehegeschrei und ein Geschrei des Zornes war unter den Verfolgten und
Verfolgern.
    Nun begannen die Feinde andere Arbeiten in ihrem Lager. Sie machten Wlle,
Bollwerke und Grben gegen die Stadt, als wollten sie gegen die Veste eine
zweite Veste errichten. Sie bauten Bergen aus Balken und Bumen, und arbeiteten
hinter den Bergen. Und wenn ein Werk aus Erde fertig war, so schoben sie die
Bergen nher gegen die Stadt, und vergrerten das Werk. Sie gruben auch Grben
mit Wllen, um sich in den Grben der Stadt zu nhern.
    Diepold lie seine Mauern verbessern. Die Mnner mauerten an schwachen
Stellen eine zweite Mauer hinter der ersten, Verbalkungen, Bergen, Schutzwerke
und neue Schleuderwerke wurden erbaut, und die Zimmerer, Schmiede, Pechgieer,
Waffenmeister, Flechter, Pfeil- und Lanzendreher und alle, die in Pflicht
genommen waren, arbeiteten rastlos.
    Mit Greifzangen lie Diepold Gerte und Dinge, welche die Feinde an den
Mauern gelassen hatten, herauf nehmen, und was man nicht herauf nehmen konnte,
wurde durch Feuer zerstrt.
    Alle Wurfdinge, welche tauglich erachtet wurden, sandte man gegen die
Feinde, und sie sandten ihre Wurfdinge gegen die Stadt. Und oft ging Diepold mit
Kriegern aus den Seinigen aus der Stadt, und kmpfte in dem Felde. Wenn er eine
Stelle erkundigt hatte, die ihm eines Angriffes wert erschien, machte er mit
Kohle eine Angriffszeichnung auf dem Tische, erklrte den Seinigen die
Zeichnung, und brach dann mit einer Schar aus dem Tore, berfiel die Stelle auf
Wegen, die ihm bekannt waren, und schlug mit Lanzen, Spieen, Keulen,
Schwertern, Messern, was diese Waffen erzwingen konnten, und drngte mit Kraft
gegen den Feind, so stark sie die Seinigen zu erregen vermochten. Die Mnner
faten sich so nahe, als sie sich fassen konnten, an Riemen der Rstungen, an
Sumen der Gewnder, mit den Armen an den Armen, Brust gegen Brust, Krper an
Krper, wie wtende kmpfende Brder, wie Shne der nmlichen Fluren, die mit
Shnen der nmlichen Fluren kmpfen. Und nach dem Kampfe eilte er wieder mit den
Seinen in die Stadt.
    So dauerte es eine Zeit.
    Endlich stellten die Feinde ihre groen Gerte, die sie zusammen gebracht
oder neu gebaut hatten, und die Diepold nicht hatte hindern knnen, in die
Erdwerke gegen die Mauern, die gegen sie befestigst worden waren. Und nun
begannen sie die grten Wurfdinge gegen die Mauern zu schleudern, um sie zu
zertrmmern. Von kleineren Gerten sandten sie Geschosse gegen die Verteidiger
der Zinnen. Diepold sandte seine groen Geschosse gegen die Werke der Feinde,
und die kleinen gegen die Angreifer. Wenn sich an einem Platze die Mauer zu
lockern begann, lie er Rahmen mit Geflechten ber die Stelle hngen, und wenn
die Geflechte sich zerfaserten, erneuerte er sie, und wenn die Feinde gerade
dahin ihre Wrfe richteten, lie er dicke Stierhute hinab, und brachte immer
neue solche Hute.
    Und die Nacht unterbrach nicht die Bemhungen, sie dauerten fort, und
dauerten Tage und Nchte, und wenn kurze Fristen eintraten, so endeten sie bald
wieder, und der Drang, zu gewinnen und zu verteidigen, kam mit erneuerter Kraft
an ihre Stelle.
    Die Fhrer, der alte Lubomir, der alte Diwis, Wsebor, Preda gaben sich der
Sache hin, der alte Bolemil gab das Teilchen seiner Tage, die ihm noch gegeben
waren, preis, die bte waren da, der Bischof Otto, und Jurik und Gervasius und
Nemoy und alle andern. Die Krieger wurden in ihren Anstrengungen abgelst, die
Fhrer nicht.
    Die Herzogin befehligte ihre Schar Kriegsleute wie ein Mann, sie leitete mit
Diepold die ganze Verteidigung. Dann ging sie zu den Kriegern, und sprach mit
ihnen. Dimut war bei ihr. Sie lie oft, wenn die Mauer Schaden litt, durch hinab
gelassene Pechpfannen und andere Dinge Rauch erregen, und die Mnner arbeiten.
Fast alle Menschen der Stadt halfen bei der Verteidigung. Die Pflege der
Verwundeten ging ununterbrochen fort.
    Der Priester aus dem Zupenhause von Daudleb war stets bei Lubomir. Er suchte
keine Bergen auf, sondern er fhrte hier einen Verwundeten abseits, um ihn zu
verbinden, er trachtete dort etwas herbei zu schaffen, das man bedurfte, er
sprach einem, der gestrzt war, Trost in das Angesicht, oder in die Ohren, wenn
seine Augen aus Schwche schon geschlossen waren, oder er suchte sonst Beistand
zu leisten, wie er konnte.
    Endlich griff man zu dem Feuer. Die Feinde sendeten brennende Pfeile,
glhendes Eisen, lodernde Pechkugeln und andere Zndstoffe gegen die Zinnen, um
Brand zu erregen, oder die Mnner zu schdigen. Diepold lie brennendes Harz,
lgetrnkte brennende Ballen, glhende Metalle, flammende Balken und hnliches
in die Werke der Feinde werfen. Und wenn auf den Zinnen Feuer aufloderte, lie
man es durch nasse Zottentcher, Sandscke, Wassergsse oder, wie man konnte,
lschen. So taten auch die Feinde.
    Es war eine Schleuder in den Belagerungswerken, welche ungemein groe Steine
warf, und die Mauer so beschdigte, da man dieses kaum auszugleichen vermochte.
Da las Diepold eine Schar der Seinigen aus, und da einmal in der Nacht das
Strmen sehr gro war, ging er mit ihnen, die Leitern xte und Hauen trugen, aus
der Stadt, fhrte sie in dem Getobe gegen die Schleuder, und begann, ehe die,
welche bei dem Werke waren, es ahnten, die Verwallung zu strmen, erkletterte
sie, drang vor, kam zu der Schleuder, und der Schmied von Plan, David der
Zimmerer, dann Stephan der Wagenbauer, dann Kaspar von dem schwarzen Bache, dann
Witek von Decin und Wok von Gradec hieben mit xten gegen die Planken, Balken
und Stangen der Schleuder, da die Spne flogen, und alles gelockert und
gefasert wurde. Da tat der Wollweber Christ Severin Feuer hinzu, da bald das
Holz in Flammen empor brannte. Die Feinde mischten sich in die Schar Diepolds,
wehrten sich des Angriffes, Mann kmpfte gegen Mann, und mit der Spitze des
Schwertes, mit der Handhabe desselben, mit xten, Keulen, Spieen und Stangen
hieb, stach, stie und schlug man in die Glieder der Mnner. ber manche Augen
sanken die Schatten des Todes, und ber manche kam seine Finsternis, da sie
Vater und Mutter und Geschwister und Heimatgenossen nie mehr sehen werden, und
andere sanken mit zerschmetterten Gliedern oder schweren Wunden in das Wirrsal
der Menschen nieder. Osel blutete an zwei Stellen, Grup von Wettern an drei, es
bluteten Wolf von Winterberg, Branis von Rowna und Luta und Radim von Daudleb.
Simon, ein gewaltig gro gewachsener Mann vorn Reutschlage, lag mit entzwei
gehauener Hirnschale da, und Pet von Saaz, ein Mann Diwis', lag mit einer
breiten Spalte in der Brust. Da die Schleuder berall lohete, rief Diepold die
Seinigen zur Sammlung zu sich, und da sie ihn erreicht hatten, gingen sie fast
rcklings stets kmpfend gegen den Rand des Werkes zurck, und als sie zu
demselben gekommen waren, glitten sie schnell hinab, und suchten auf einem Wege,
der ihnen mehr als den Feinden bekannt war, die Stadt zu gewinnen. David der
Zimmerer und Kaspar vom schwarzen Bache trugen den toten Simon, Pet von Saaz ist
bei den Feinden liegen geblieben.
    Am nchsten Tage flogen die groen Steine der groen Schleuder nicht mehr
gegen die Stadt, auch die andern waren sparsamer. Und nach einiger Zeit kam Ruhe
von den Angreifern und den Verteidigern. Aber in der Ruhe rsteten sich beide
Teile wieder mit Eifer zu ihrem Werke, und es war nicht zu erkennen, wie alles
endigen wrde.
    Da diese Dinge in Prag geschahen, ritt der Herzog Wladislaw mit seiner Schar
auf dem Wege gegen den Abend des Landes weiter.
    Es kamen von beiden Seiten Mnner herzu und vermehrten die Schar. Es kamen
von Zupenhfen Leute, die dort noch entbehrt werden konnten, und es kamen
Abgeordnete von den Zupanen, welche um die Dinge fragten, und Zuzug anboten. Und
auch mancher kleine Wladyk und andere Mann kam herzu. Der Herzog ordnete an, da
sich Krieger sammelten, wie sie knnten, da sie dann harrten, bis er wieder
nach Prag zge, und da sie sich anschlssen.
    Es wurde die Verheiung gemacht.
    Als der Zug des Herzoges am dritten Tage des Abends auf dem ebenen Wege
durch den Fhrenwald gegen den Ort Mies ritt, sahen die Krieger einen andern
Zug, der auf einem Waldwege daher kam, und ihren Weg in einem geraden Kreuze
schnitt. Dieser Zug ging sehr langsam, und die Mnner, welche ihn bildeten,
waren in dunkle weite Gewnder gekleidet. Die Reiter des Herzoges Wladislaw
ritten nher hinzu. Die Mnner in den dunkeln Gewndern ritten auf ihrem Wege
immer zu dreien. Endlich kamen starke Saumpferde in dunkelgrauem Sammet. Die
Saumpferde trugen auf einer Bahre eine lange Truhe, ber welche ebenfalls
dunkler grauer Sammet mit Silberzierden gebreitet war. Den Saumpferden folgten
wieder Saumpferde, die eine andere ganz gleiche Truhe trugen.
    Da sagte Stran, ein Mann des blauen Fhnleins: Ich kenne die Lilienblumen,
die auf dem Sammet sind. Der Leche Nacerat hat sie auf manchen Dingen gehabt,
wie die Sitte jetzt wird.
    Dort reitet hinter den Sumern Znata, der Bruder Nacerats, sagte Dihus,
ein anderer Mann.
    Sie fhren die Leichname Nacerats und seines Sohnes in die Lnder, die sie
besessen haben, da sie dort begraben werden, sagte Mil, ein dritter Mann.
    Der Herzog Wladislaw und Zdik und Welislaw waren ganz nach vorne gekommen,
und sahen den Zug an.
    Da rief Times, ein Begleiter Welislaws: Reiet das Aas aus seiner schnen
Truhe, und werfet es den Vgeln des Waldes hin. Da es noch in den prchtigen
Kleidern ging, hat es Unheil gestiftet, und ist schuld, da tausend Menschen ihr
Leben verloren, da Stdte und Drfer rauchen, da Felder dorren, da Prag
zerstrt wird, da Menschen nach Menschen umkommen, und der Herzog Wladislaw als
Bitter in die Fremde reiten mu.
    Der Herzog aber antwortete auf diese Rede: Nacerat hat viel gewirkt, und
hat Bses getan; jetzt ist er ein Mann der Ruhe, und die Wandelbarkeit der
menschlichen Dinge hat ihn getroffen. Einige verwnschen ihn nur noch; die hier
um ihn sind, lieben ihn, wir haben nichts zu tun, strt sie nicht in ihrem
Werke.
    Die Reiter Wladislaws blieben ruhig stehen. Die Mnner in den dunkeln
Gewndern zogen an ihnen vorber, sahen sie an, und ritten ihres Weges weiter.
Da die letzten drei hinter den Fhren waren, und nicht mehr gesehen werden
konnten, setzte Wladislaw die Seinigen wieder in Bewegung, und sie ritten in
ihrer Richtung gegen Sonnenuntergang fort.
    Da sie Mies erreichten, und den Berg gegen den Ring des Ortes hinan
strebten, brannten schon die Lichter, und sie wurden von vielen Menschen
empfangen.
    Wladislaw zog von Mies auf schmalen Wegen durch Felder und Heiden und Wlder
weiter, bis er bei der deutschen Stadt Amberg wieder zu dem groen Heerwege
gelangte.
    Am fnfundzwanzigsten Tage des Monates Mai kam er vor Nrnberg an.
    Die grne Ebene im Mittage der Stadt war weithin mit Gezelten bedeckt, und
Banner und Fhnlein und Wimpel weheten ber denselben: Banner von Kurherren, von
Erzbischfen und Bischfen, von Herzogen, Frsten, Herren, Rittern und Stdten.
Eine Menge von Menschen war da in Rstungen, in schnen Gewndern und in
veralteten Wmsern und in Lumpen.
    Da die Schar der bhmischen Mnner herzu geritten war, kamen Lagermeister,
und zeigten ihnen einen Platz, auf dem sie sich einrichten knnten. Es kam auch
ein Geschwader von Herren und Rittern, namens des Knigs den Herzog Wladislaw zu
begren. Der Herzog dankte ihnen, und sie ritten wieder fort.
    Nun wurden die Saumtiere entladen, man sendete zu den Mnnern, die auf den
Feldern ihre Verkaufsgerste aufgeschlagen hatten, um Dinge, die man brauchte,
zu erhandeln, und es wurde zur Errichtung des Lagers geschritten.
    Der Knig sendete einige Mnner zu dem Herzoge, um ihr Geleite und ihre
Dienste anzubieten. Zu Witiko kam Wolfgang von Ortau, ein junger Ritter, der
Sohn Anselms von Ortau, eines Herren aus der Wetterau, der bei allen Zgen
Konrads gewesen war. Er bot Witiko Genossenschaft und Dienste an. Witiko empfing
sie, und sagte, er werde sie erwidern, wenn Wolfgang zu ihm kme.
    Da die Gezelte des Herzoges Wladislaw, des Bischofes Zdik und andere
aufgerichtet standen, und da der Herzog mit den Seinigen festlichere Gewnder
angezogen hatte, ritt er mit dem Bischofe Zdik und mit Welislaw, Odolen, Witiko,
und den Kaplnen, mit einem Geleite der Seinigen, und mit dem Geleite, das der
Knig Konrad gesendet hatte, in die Stadt Nrnberg und durch die Stadt in die
Burg zu dem Knige Konrad empor.
    Zdik, Welislaw, Odolen, Witiko und die andern Mnner der beiden Geleite
blieben in Gemchern der Burg; Wladislaw aber ging in die Stube des Knigs, und
blieb eine Stunde bei ihm. Dann kam er wieder zu den Seinigen, sie begaben sich
in den Burghof, bestiegen die Pferde, und ritten in das Lager zurck.
    Des andern Tages tnten die Zeichen zu einer Versammlung in der Kaiserburg.
Die Herren zogen von dem Lager in die Stadt. Der Herzog Wladislaw ritt mit einem
festlichen Gefolge, und mit Zdik und Welislaw und Odolen und Witiko und den
Kaplnen in schnen Gewndern dahin. Neben Witiko ritt Wolfgang von Ortau. Sie
sahen unzhlige Menschen an ihrem Wege. Sie ritten in die Burg hinauf, und
ritten durch das Tor neben dem alten Heidenturme in den Hof. Da sahen sie eine
Linde inmitten des Hofes, welche schon hundert Jahre stand, und welche von der
Kaiserin Kunigunde gepflanzt worden war. Bei der Linde stiegen sie von den
Pferden, und die Pferde wurden auf einen Platz vor der Burg gefhrt, um dort zu
harren. Die Mnner aber stiegen die Treppe zu den Gemchern an dem Kaisersaale
empor. Da man sich sammelte, und da die Geleite harreten, stand Witiko mit
Wolfgang an einem Fenster gegen den Hof, und Wolfgang zeigte ihm die
Ankommenden, und sprach: Siehst du, der Mann in den veilchenfarbnen Gewndern
mit den grauen Haaren, dem man jetzt an der Linde von dem milchweien Zelter
hilft, ist Albero, der Erzbischof von Trier, der dem Knige Konrad in dem ersten
Sachsenkriege mit Wein einen groen Dienst geleistet hat. Der andere in dem
vergoldeten Harnische mit dem Kreuze ist Markolf, der Erzbischof von Mainz. Er
ist immer schnell, und wird Albero auf der Treppe einholen. Die zwei, die jetzt
in schimmernder Rstung beim Tore herein reiten, sind der Markgraf Hermann von
Baden und der Pfalzgraf Hermann am Rheine. Der auf dem schwarzen Pferde ist der
Pfalzgraf. Der Mann auf dem Maultiere, der ihnen ausweicht, und der den breiten
Hut trgt, und um den Priester sind, ist der Schwabe Dietwin, der Kardinal, den
der Papst Innozenz nach Deutschland gesendet hat. Er hat unsern Knig Konrad am
dreizehnten Tage des Monates Mrz im Jahre des Heiles 1138 gekrnt. Der ist der
nmliche Kardinal, der vor Jahren den Bann ber Konrad ausgesprochen hat. Nun
kmmt mit seinen bunten Leuten Ludwig, der Landgraf von Thringen, den sie den
Eisenmann heien. Er sitzt sehr aufrecht auf seinem Pferde. Wenn wir von seinen
Leuten die andern, die kommen, wieder sehen, werde ich sie dir nennen. Der nun
durch Reisige und Priester von seinem Pferde gehoben wird, ist Egibert, der
Bischof von Bamberg, und der noch auf dem braunen Zelter sitzt, mit den weien
Haaren unter dem Helme und dem Harnische ber dem Priestergewande, ist Embriko,
der Bischof von Wrzburg. Die alle werden in dem Zuge gegen Bhmen mitgehen. Sie
sind nicht immer so zahlreich gekommen. Vor vier Jahren ist es noch anders
gewesen. Da der Knig Konrad im Beginne seiner Herrschaft auf dem Hoflager in
Augsburg war, kam der stolze Herzog Heinrich von Baiern mit so groen
bewaffneten Scharen, da der Knig in der Nacht vor ihm entfliehen mute. Auch
auf den Hoftagen zu Wrzburg und zu Goslar zauderten sie noch; aber der Knig
Konrad, von dem neuen Geschlechte der Hohenstaufen, konnte sich eine solche
Wrde geben, und gewann solche Macht, da sie endlich fast alle zu ihm gingen.
Euer gestorbener Herzog Sobeslaw ist frhe an seiner Seite gewesen. Mein Vater
hat ihm vom Beginne treu gedient. Der auf dem goldlichten Pferde dort ist der
reiche Graf von Namur, und der im blauen Gewande der Graf von Kleve. Da kommen
die von Ztphen und Rineck, und der dort auf dem schwarzen Zelter mit Mnnern
herein reitet, ist der Bischof von Utrecht. Er ist zumeist der letzte. Und wenn
auch noch Leute herein dringen, so ist es Zeit, da wir in den Kaisersaal gehen,
weil dort jetzt die Sammlung sein wird.
    Und Witiko und Wolfgang traten in den Kaisersaal.
    Der Saal war mit Mnnern gefllt. Die Geleite, welche sich sehr drngten,
wurden nun verabschiedet, und entfernten sich. Die Herren suchten sich an einem
Tische zu ordnen.
    Wolfgang sagte zu Witiko: Siehe den Mann dort an dem ersten Fenster, der
nicht zu gro ist, und die lichten Haare um die Stirne hat: der ist jetzt ein
sehr gewaltiger Mann, wenn auch sein Vater Bren, obgleich von edlem Stamme,
doch im Beginne selber nur ein edler Mann war. Er ist der Herzog Friedrich von
Schwaben, der Sohn der Agnes, die noch auf dem Kahlenberge bei Wien lebt, der
Tochter des Kaisers Heinrich des Vierten, er ist der Bruder unsers Kniges
Konrad, und der Stiefbruder der Kinder des gestorbenen frommen Markgrafen
Leopold von sterreich, also auch eurer Herzogin Gertrud, und also der Schwager
deines Herzoges Wladislaw. Der mit dem schwarzen Ritter spricht, und die blauen
Augen und die blonden Haare und den jungen blonden Bart hat, den einige einen
Helden nennen, weil er schon Mnner siegreich gefhrt hat, ist Friedrich, der
Sohn des Herzogs von Schwaben, den sie den Rotbart nennen. Der dort am Ende der
Bank, mit dem Rcken an der Vertflung, ist Arnold, der Erzbischof von Kln, und
der Blonde, der mit ihm spricht, ist Otto, der Bischof von Freisingen. Er ist
ein Sohn der Agnes und des frommen Markgrafen Leopold, und also ein Halbbruder
unseres Knigs. Man sagt, da er auf alle Begebenheiten der Welt achtet, und sie
aufschreiben will. Sein Bruder Heinrich, der Markgraf von sterreich, setzt sich
eben schrghin von uns an den Tisch.
    Die Herren setzten sich nun alle an den Tisch. Ordner wiesen Witiko und
Odolen und Welislaw und Ortau und andern Mnnern einen Platz auf der Bank des
Wandgetfels.
    Nun trat der Knig Konrad mit Geleite des Hoflagers in den Saal, und begab
sich auf die kleine Erhhung, die an dem Tische fr ihn errichtet war. Er hatte
den Kaiserrock an seinem Leibe, und seine Gestalt, die nicht zu gro und nicht
zu klein war, konnte von allen gesehen werden. Um seine Stirne waren blonde
Haare, und seine blauen Augen blickten auf die Versammlung.
    Da es stille geworden war, sprach er: Hochehrwrdige und hocherhabene
Herren der Erzbistmer, Bistmer, Stifte und Kirchen, dann der Herzogtmer, der
Markgrafschaften, Grafschaften, Gaue, Burgen und Stdte, seid in Gott gegrt.
Es sei sein Segen ber euern Huptern, und Gedeihen in unserer Zukunft. Das
Reich schuldet euch Dank, da ihr zu dessen Macht und Strke in so groer Zahl
auf den Reichstag in diese alte und ehrwrdige Stadt, und heute zu seinem
Schlusse gekommen seid. Das auf diesem Reichstage geschlichtet werden mute,
habt ihr zu Nutz und Frommen geschlichtet. Die groe Sache, die nach dem Tode
des im Himmel seligen Kaisers Lothar in das Reich gekommen ist, der Streit wegen
der Herzogtmer Baiern und Sachsen, ist beendet. Der junge Heinrich, der Sohn
des Herzoges Heinrich von Sachsen und Baiern, ist mit Sachsen begabt worden,
Baiern wird vergeben werden, wie es Nutz und Recht einmal verlangt. Die
Geschlechter, die sich bekmpft, sind vereinbart: zwischen Gertrud, der Witwe
Heinrichs des Herzoges von Sachsen und Baiern, und zwischen Heinrich, dem
Markrafen von sterreich, ist ein heilig Band vorbereitet, und wird bald
geschlossen werden. Ihr habt alle mitgewirkt, und Markolf, der hochehrwrdige
Erzbischof von Mainz, hat seines Friedensamtes gewartet. Aus dem Streite sind
die Kaiserin Richenza und Heinrich, der mchtige Herzog von Sachsen und Baiern,
und Leopold, der junge Markgraf von sterreich, zu Gott gerufen worden, und
werden dort von unserem Tun billigen, was zu billigen ist. Zu der Herrlichkeit
des Reiches ist nun noch eines ntig, dazu ihr nach euerm Wunsche und meiner
Meinung die Vorbereitungen gemacht habt, und das jetzt in Erfllung gehen kann.
Wladislaw, der Sohn Wladislaws des vorvorigen Herzoges von Bhmen und Mhren,
ist als Herzog der Lnder Bhmen und Mhren anerkannt worden. Nun aber nennen
die Frsten in Mhren und viele reiche und groe Herren der Lnder Bhmen und
Mhren Konrad von Znaim ihren Herzog, sie stehen mit Kriegsmacht vor der Stadt
Prag, und hhnen das Reich. Es ist also an dem, da sie vertrieben, und die
Anerkennung aufrecht erhalten werde. Wladislaw, der Herzog von Bhmen und
Mhren, und der hochehrwrdige Bischof von Olmtz, Zdik, sind gekommen, und
sagen, da es an der Zeit ist.
    Der Knig schwieg.
    Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, aber sprach: Hochehrwrdige
Mnner der Kirche, erhabene Frsten des Reiches. Am vierten Tage des Monates
Hornung des Jahres 1140 bin ich auf dem Schlosse Wysehrad von einer Versammlung
der hohen und niederen Herren der Lnder Bhmen und Mhren auf den Fall des
Todes des Herzoges Sobeslaw, der in Hostas Burg krank lag, zum Herzoge von
Bhmen und Mhren gewhlt worden. Am zwlften Tage des Monates Hornung hat der
kranke Herzog Sobeslaw zu seinem Sohne Wladislaw, der vor mir auf einem Tage zu
Sadska als knftiger Herzog von Bhmen und Mhren bestimmt worden war, gesagt,
da er sich mir unterwerfen solle. Am vierzehnten Tage des Monates Hornung ist
der Herzog Sobeslaw gestorben. Am siebenzehnten Tage des Monates Hornung des
Jahres 1140 bin ich in Prag auf den heiligen Frstenstuhl gesetzt worden. Meine
Herrschaft hat begonnen und gedauert. Da der Frhling des Jahres 1142, dieses
jetzigen Jahres, herannahte, haben viele der Herren der Lnder Bhmen und
Mhren, welche mich auf dem Wysehrad gewhlt hatten, und viele andere reiche und
mchtige Herren wieder einen Herzog gewhlt, den Nachkommen Premysls, Konrad,
den Frsten von Znaim. Sie haben auf ein Pergament geschrieben, was er ihnen
zugestehen mu, wenn sie ihm helfen. Im Monate April kamen ihre Krieger nach
Bhmen. Ich habe in der Schlacht auf dem Wysoka die Entscheidung nicht erreichen
knnen, weil Verrter in meinem Heere waren. Meine treuen Mnner stehen nun um
den Frstenstuhl in Prag gegen die Belagerer. Was ein groes Heer, das schnell
das Ende bringt, an Geld und Gut auch erheischt, das knnen die Lnder Bhmen
und Mhren leichter tragen als einen langen Krieg, der Menschen hinrafft und die
Ordnung umstrzt. Und so rufe ich um Beistand, wie ich wieder einmal Beistand
gebe, wenn man ruft.
    Als der Herzog seine Worte geendet hatte, sprach Markolf, der Erzbischof von
Mainz: Weil der Stab des heiligen Erzstiftes Mainz in den christlichen Dingen
ber die Lnder Bhmen und Mhren waltet, so achte ich es erlaubt, da ich der
erste nach dem erlauchten Herzoge in der Sache dieser Lnder die Rede ergreife,
und sage: Damit in dem Lande Bhmen im Gebsche des Heidentumes der gttliche
Glaube empor wachse, und damit es aufhre, da sie mehrere Weiber nehmen, und
Sippen heiraten, das Eheband auflsen, heilige Haine, Bume und Vgel haben, zu
den Diasen und Wilen beten und Gtzenopfer bringen, heidnische Dinge auf
abgelegenen Grbern ben, und Wahrsager, Zeichendeuter und Zauberer in dem Lande
haben, damit gefestigte Pfarrstellen, wie oft geboten, errichtet werden, da sie
die Sonntage und Feiertage feiern, und die Fasttage halten, und da nur der
Heiland in dem Lande herrsche, dazu mu der Frieden und die Ordnung aufgebaut
werden, und mssen die, welche gegen die gottgefllige Macht die Waffen fhren,
niedergeworfen werden, da sie gleiches fr jede knftige Zeit nicht mehr
versuchen, und forthin die gerechte Herrschaft das Frommen und das Gedeihen
erstreben kann. Darum habe ich meine Ritter und meine Mnner zu dieser Stadt
gefhrt, und gehe mit ihnen zum Kampfe.
    Als der Erzbischof Markolf geredet hatte, sprach Arnold, der Erzbischof von
Kln: Es ist in den heiligen Pergamenten verzeichnet, wie die frommen
griechischen Brder Cyrillus und Methodius in alter Zeit in das Land Mhren zu
dem Frsten Rastislaw gekommen sind, und wie Cyrillus wunderbare Buchstaben
erfunden hat, welche die Laute der slawischen Sprache ausdrckten, und wie er in
dieser Sprache die heiligen Bcher aufschrieb, und wie er die Slawen bekehrte,
und wie der gottselige Papst Hadrianus die Lehre des Cyrillus und Methodius als
die rechtglubige erklrt hat. Darum sind die Mhrer schon lnger Christen
gewesen als die Bhmen, und sie bten Gottesdienst und Frmmigkeit. Da es nun
in Bhmen auch so werde, und da die beiden Lnder in die gleiche heilige Zucht
gelangen, und da das glnzende Licht, welches von dem Erzstifte Mainz ber
diese beiden Lnder gehalten wird, immer gleich leuchte, mu, wie der fromme
Erzbischof von Mainz gesagt hat, die Ordnung und der Frieden aufgerichtet
werden, ich habe meine Herren und Mnner hieher gefhrt, und ziehe mit ihnen in
den Streit.
    Dann sagte Albero, der Erzbischof von Trier: Und wenn mein Bruder in Gott,
der hochehrwrdige Erzbischof von Mainz, in dem Streite wegen der Herzogtmer
Sachsen und Baiern seines Friedensamtes gewaltet hat, so habe ich auch in
Sachsen einen kleinen Dienst getan, und der heilige Glaube soll in allen Lndern
stets sieghafter sein, und ich bringe meine Streiter, und was sonst not tun
sollte, in den Krieg.
    Nun erhob Ludwig der Eiserne, der Landgraf von Thringen, seine Rede, und
sprach: Vor dreizehn Jahren sind die Deutschen von bhmischen Kriegern bei
Chlumec geschlagen worden, und mehrere hundert edle Mnner, darunter der Vetter
des Kaisers, Gebhard von Querfurt, und der Graf Milo von Ammensleben, und der
Graf Berthold von Achem, und Tausende der tapferen Krieger haben das Leben
verloren, und viele sind in Gefangenschaft geraten: der Markgraf Albrecht der
Br und der Bischof von Merseburg und der Bischof von Halberstadt, und bte und
Grafen und Herren. Es ist seitdem kein Heer der Deutschen in das Land Bhmen
gekommen, und es ist an den Mnnern, die bei Chlumec gewesen, und an denen, die
nachher gekommen sind, da sie den Bhmen zeigen, wie der Deutsche kriegt, und
sein Schild ber ihrem Lande hlt. Ich habe meine Pflichtigen anher gefhrt.
    Darauf sagte Heinrich, der Markgraf von sterreich: Der Herzog Sobeslaw,
gegen den damals der Kaiser Lothar von dem schwarzen Otto trgerisch aufgehetzt
worden ist, ist im Siege mig gewesen, er ist im Jahre darauf mit mehreren
tausend Reitern zu dem Frstentage Lothars nach Merseburg gekommen, und hat
Gaben gebracht, und wieder um ein Jahr hat der Kaiser Lothar das Shnlein
Sobeslaws aus der Taufe gehoben, und Sobeslaw hat zu den zwei Romfahrten des
Kaisers Reiterscharen gestellt, und die Frstentage des Kaisers besucht, und er
hat dem erlauchten Knige Konrad Zuzug nach Sachsen geleistet. Der jetzige
Herzog Wladislaw ist mit seiner Gemahlin zu dem Knige Konrad nach Wrzburg
gegangen, ist bei Reichstagen gewesen, und ist jetzt um einen Bund hier, fr den
er Dank verspricht. Ich meine, das Reich soll wie aus anderer Rcksicht so auch
aus Rcksicht der Freundlichkeit mit Bhmen umgehen, und dadurch die eigne
Strke mehren. Ich habe, was ich an Leuten und Kriegsbedarf vermochte, nach
Nrnberg gebracht.
    Nach dem Markgrafen von sterreich sprach Friedrich, der Herzog von
Schwaben: Das Reich soll zu andern Rcksichten auch die Rcksicht als Schirm
der Christenheit tragen, da es nicht die bse Lehre des Aufruhrs duldet. Mein
Stamm steht zu dem Rechte, wie mein Vater zu dem Kaiser Heinrich gestanden ist,
und ich stelle, was Schwaben vermag, zum Streite.
    Und ich meine, rief jetzt der Pfalzgraf am Rheine, die Rcksicht ist die
Macht und die Herrlichkeit und das Ansehn des Reiches.
    Das Reich, das Reich, das Reich, riefen mehrere Stimmen.
    Es soll das Reich nicht geschdiget, es soll als das Hchste geachtet
werden, was da besteht, rief der Graf von Kleve.
    Es ist das Hchste, und mu so angesehen werden, rief der Graf von Rineck.
    Keine Schmlerung ist zu dulden, rief Rudolph, der Graf von Stade.
    Keine Schmlerung, keine Schmlerung, riefen mehrere Stimmen.
    Und die Ordnung mu in jeder Mark hergestellt werden, und sohin auch in der
gegen Polen, rief Konrad von Meien.
    Die Ordnung soll sein, und die Kurherren, und die Kirche, und die Frsten,
und die Stifte und die Stdte sollen die Wchter sein, rief der von Ztphen.
    So ist es, so soll es immer sein, gedenkt es, so ist es, so ist
es, so tut es, riefen mehrere Stimmen durcheinander.
    Da es stille geworden war, sprach Embriko, der Bischof von Wrzburg: Es
sind alle die angefhrten Ursachen giltig und aufrecht, wir bedenken sie, und
ziehen in die gerechte Entscheidung.
    Und der Herr wird sie segnen, wie er die Kmpfe fr den heiligen Glauben
und fr die Schirmmacht des Reiches gesegnet hat, sagte der Abt von Hirschfeld.
    Dann erhob Wallram, der Herzog von Niederlothringen, seine Rede, und sprach:
Weil wir nach den bereinstimmungen zu dieser Stadt Nrnberg mit unsern Mnnern
gekommen sind, und die Rstungen schon vollbracht haben, so sollen die Punkte
festgestellt, und es soll sogleich der Zug begonnen werden.
    Nun stand ein geharnischter Mann auf, es war der Graf von Quenstide, und
legte die Hand auf den Tisch, und sprach: Ich sage, es ist in der vergangenen
Zeit schon genug geredet worden, und wir sollten endlich zur Tat gehen.
    Zur Tat, zur Tat, wir sollen zur Tat kommen, die Tat sollen wir tun,
die Tat, die Tat, riefen verschiedene Stimmen.
    Da streckte der Knig Konrad die Hand aus, und als es stille geworden war,
sprach er: So ist ja daher der Beistand beschlossen, die Mnner sind geeinigt.
Es ist mancher gekommen, der ein Gegner der neuen Zeit gewesen ist, und so wird
unsere Macht sich erhhen. Wir werden die Einteilung, die schon gemacht ist, in
das Heer stellen, und den Zug beginnen. Seid bedankt, ihr Herren, fr die
heutige Zusammenkunft, sie ist die letzte, und der Reichstag geschlossen. Und so
sage ich: mit Gott der Dreieinigkeit.
    Mit Gott der Dreieinigkeit fr das Reich und den Knig, rief der
Erzbischof von Mainz.
    Gott und das Reich und der Knig, riefen die Mnner. Konrad ging von
seinem Platze, und redete mit mehreren Mnnern.
    Die Herren standen auf, und traten zu verschiedenen Haufen zusammen. Viele
kamen zu dem Herzoge Wladislaw, und umringten ihn.
    Wir werden dir, der du ein treuer Sohn der Kirche bist, Raum verschaffen,
da du ihr Gedeihen wie seit deinem Beginne frdern magst, sagte Markolf, der
Erzbischof von Mainz.
    Ich trachte, da die Heiligkeit unseres Glaubens ihre Wurzeln immer mehr
ausbreite, antwortete Wladislaw.
    Albero, der Erzbischof von Trier, sagte zu dem Herzoge: Ich bringe den
Mhrern keinen Wein, wie den Sachsen; aber es ist manches Fuder in meinem
Geleite, dessen Lieblichkeit ihr alle erfahren sollt.
    Der hohe Kirchenherr fhrt manche Waffen, sagte Hermann, der Markgraf von
Baden.
    So mssen wir ja in unserem Amte mit Liebe und Strenge walten, entgegnete
Albero.
    Der Markgraf von sterreich nahm den Herzog Wladislaw bei der Hand, und
sagte: Ja, du lieber Schwager, so mir Gott helfe, werde ich mit den Mnnern,
die mir nach meinen Hnden frei sind, nicht der Schwchste sein, die Strolche
von Prag zu verjagen. Die Angst meiner Schwester Gertrud wird bald dahin sein,
wir werden in Prag ein Fest feiern, und dann ein anderes, zu dem die Ladung
kommen wird.
    Habe Dank, mein Schwager, entgegnete Wladislaw, der Krieg wird kurz sein,
du wirst zu deiner Gertrud zurckkehren, und ich werde dir mit meiner Gertrud
folgen. Diese wird aber jetzt in Prag nicht Angst, sondern etwas Hheres
empfinden.
    Die Angst um ihr Volk, erwiderte der Markgraf; denn die aus dem Stamme
Babenberg wissen nichts von Angst um sich.
    So ist es, antwortete der Herzog, und mge Gertrud neues Glck zu deinem
Stamme bringen.
    Ich werde sie in die heitere Stadt Wien fhren, in der ich eine Wohnung
errichte, sagte der Markgraf, die heiteren Sangeszeiten meines Geschlechtes
werden wieder sein, und mgen ihnen noch heitrere folgen.
    Und wenn ich dir heitrere und schnere erringen helfen kann, Schwager,
werde ich auch nicht der Schwchste sein, wie du eben gesagt hast, sprach
Wladislaw.
    Jetzt trat Friedrich, der Herzog von Schwaben, herzu, und sagte: Nun, mein
hoher Schwager Wladislaw, jetzt werden die, welche um den hohen Staufen wohnen,
auch die Gefilde von Bhmen sehen, und ich hoffe, der Raum, den sie bedecken
werden, wird nicht der kleinste sein.
    Und er wird durch solche Krieger, die ihn betreten, geehrt sein, mein
erlauchter Schwager, antwortete Wladislaw.
    Wir bringen dir auch die vom Rheine, sagte Wallram, der Herzog von
Niederlothringen.
    Sie werden willkommen sein, entgegnete Wladislaw.
    Wir fhren selber unsere Ritter und Mnner, sprach Arnold, der Erzbischof
von Kln.
    Ich werde des in aller Zeit gedenk sein, sagte Wladislaw.
    Und mich wirst du doch auch begren, lieber Schwager, wenn ich nach Prag
komme, sprach Otto, der Bischof von Freisingen.
    Ich werde dich gren, Otto, und deine Schwester Gertrud wird dich gren,
antwortete Wladislaw.
    Wir kommen mit reichen Scharen, sagte der Pfalzgraf.
    Und es sind noch immer Zuzge da, sagte der Graf von Kleve.
    Habet Dank, ihr Herren, entgegnete Wladislaw, ich hoffe euch zu
vergelten.
    Das wissen wir, und es wird die Zeit kommen, riefen mehrere.
    Und da alles ausgesprochen war, und da der Knig den Saal verlassen hatte,
schickten sich die Mnner an, auseinander zu gehen.
    Die Geleite kamen heran, die Pferde wurden in den Hof gebracht, und die
Herren ritten in ihren Gewndern aller Art durch das Tor, durch die Stadt und
durch die Zuschauer in das Lager.
    Der Herzog Wladislaw ritt desselben Tages noch zu dem Knige Konrad, und war
mit dem Bischofe Zdik und den Kaplnen zwei Stunden bei dem Knige und dem
Kanzler.
    Dann ritt er zu dem Kardinale Dietwin dem Schwaben, um zu erwirken, da der
Heilige Vater einen Beauftragten von Rom nach Bhmen und Mhren sende.
    Am Nachmittage war ein Mahl. Der Knig und die Mnner des Saales und die
erhabenen Frauen und Jungfrauen, welche in dem Lager waren, saen unter einem
Gezelte, und genossen bei dem Klingen der Flten und Geigen die Speisen und
Weine des deutschen Landes.
    Nach dem Mahle waren Kampfspiele, und die Frauen verteilten die Preise.
    Am nchsten Tage kamen Herren und Frsten zu Wladislaw, um ihn zu begren,
und er ritt wieder zu ihnen, um den Gru zurck zu geben.
    Zdik fhrte die Bischfe und ihre Priester zu Wladislaw, und Wladislaw ging
mit Zdik wieder zu ihnen.
    Er fhrte an dem Tage auch Welislaw, Odolen, Witiko und andere Mnner zu dem
Knige Konrad.
    Der Knig sprach mit jedem, und sagte: Witiko hat uns bei Fulda die Furt
gewiesen, durch die wir die gute Stellung erlangten.
    Ich bin noch ein Knabe gewesen, hoher Herr, antwortete Witiko, und ein
Bauer hat mir die Furt gezeigt.
    Und hast Gutes gestiftet, mein Kind, sagte der Knig.
    Am Nachmittage ging Witiko mit Wolfgang von Ortau zu mehreren deutschen
Rittern, und es wurde Genossenschaft gestiftet.
    Seinen Begleitern Lambert, Augustin, Urban und dem Knechte Jakob gab er
Freiheit, sich am Lager, an der Stadt, an Liedern und Gauklern zu erlustigen.
    Da es Abend wurde, ging eine groe Zeile von Wagen und Saumtieren in der
Richtung gegen Morgen, und es ritten auch Mnner dahin, um den Zug des Heeres
vorzubereiten. Durch die grnen Felder kamen von Erlangen her noch Reisige, und
es kamen Reisige von Wrzburg.
    Am dreiigsten Tage des Monates Mai nahmen die hohen und niederen Herren von
ihren Ehefrauen und Mttern oder Schwestern oder Kindern, die in dem Lager
waren, Abschied, und der Zug begann. An der Spitze war der Herzog Wladislaw mit
seiner Schar. Dann kamen die Mnner von der Mosel und dem Rheine, von der Donau
und der Weser, von dem Neckar und dem Maine, vom Spessart, vom Taunus, vom
Schwarzwalde und den Alpen. Der Knig der Deutschen, Konrad, aus dem Geschlechte
der Hohenstaufen fhrte sie. Volk und Tro war am Ende der Reihe.
    Bei dem Orte Taus gelangten sie in den Wald, der Bhmen von Deutschland
scheidet.
    Auf dem bhmischen Boden kamen die Mnner herbei, die sich fr Wladislaw
gesammelt hatten. Es waren so viel, da seine Schar selber eine Macht wurde. Er
teilte sie ein, und gab den Zupenmnnern die Zupenkrieger, den Wladyken die
Wladyksippen, und Welislaw, Odolen und Witiko eigene Leute.
    Diese streiften oft vor oder neben dem Heere.
    Bei Pilsen sammelten sich alle, und lagerten.
    Eines Tages ritt Witiko mit seiner Schar auf dem Wege, der von Pilsen gegen
Prag fhrt, vorwrts. Nach einer Zeit folgte ihm Odolen auch mit seiner Schar.
Sie kamen am Mittage zusammen, und vereinigten ihre Leute. Es war an der Stelle
ein kleiner Fhrenwald neben einer Seite des Weges, und hinter ihm waren
trockene Wiesen. Odolen und Witiko fhrten ihre Reiter auf die Wiese hinter dem
Walde, da sie geborgen wren, und lieen sie ruhen, und sie und die Pferde die
Mittagsnahrung einnehmen. An die Spitzen des Waldes und an den Saum gegen den
Weg hin wurden Spher gestellt.
    Da die Erquickung fr Menschen und Tiere schon fast vollendet war, kam einer
der Spher von der unteren Spitze des Waldes, und meldete, da sich Reiter auf
dem Wege von Prag her nherten. Witiko und Odolen hieen ihre Leute sich rsten,
die Pferde besteigen, und ruhig stehen bleiben. Sie aber faten den Entschlu,
da sie die Reiter, wenn sie Feinde, und in nicht zu groer Zahl wren, an dem
Walde vorber lassen, und ihnen dann nachreiten wollten.
    An den Waldrand wurden noch mehr Spher gestellt.
    Da kam einer von ihnen, und sagte, die Reiterschar sei um vieles kleiner als
die ihrige, es mssen Feinde sein, weil man kein Abzeichen des Herzogs an ihnen
sehe. Sie reiten sehr langsam, und haben keine Vorreiter.
    Nun stiegen Witiko und Odolen von ihren Pferden, lieen dieselben unter die
Bume fhren, und dort von Knechten bewachen. Sie aber gingen gegen den Weg an
den Saum des Waldes, um die Reiter kommen zu sehen.
    Diese kamen, und ritten in ruhigem Gange ihrer Pferde an dem Rande des
Waldes dahin. An ihrer Spitze war Wratislaw, der Herzog von Brnn, Otto, der
Herzog von Olmtz, und Wladislaw, der Sohn des verstorbenen Herzoges Sobeslaw.
Sie hatten keine Zierden an sich. Dann war Bogdan mit der Rabenfeder, dann der
rothaarige Benes mit weien Federn, dann Domaslaw mit seinem roten Gefieder,
dann der ltere Bohus mit der Feder aus einem Schwanenfittiche. Sonst waren
Mnner, die als Mhrer erkannt wurden, und einige, die von Bhmen stammten. Die
Reiter gingen bis gegen die Mitte des Gehlzrandes. Dort blieben sie stehen, als
hielten sie Beratung. Witiko und Odolen gingen gegen die Stelle so weit
vorwrts, da sie die Worte der Reiter vernehmen konnten. Es sprach nur zuweilen
einer von ihnen. Sie sandten dann einen Mann vorwrts an die Spitze des Waldes,
der dort stehen blieb. Es war an dem Orte eine Krmmung des Weges gegen Pilsen,
und der Mann stand vielleicht als Spher.
    Nach einer langen Zeit sah man ein Huflein Reiter auf einem Wege zwischen
den Feldern gegen den Wald heran reiten. Sie kamen nher, und man sah, da sie
in Gewnder der Landleute gekleidet seien. Sie ritten zu den Mhrern, und einer
grte gegen Wratislaw.
    Swak, du hast Jarohnew verlassen, sagte Wratislaw zu ihm.
    Der Mann antwortete: Er wird mit den Seinigen sogleich kommen, wir haben
verschiedene Wege eingeschlagen.
    Und wann seid ihr umgekehrt? fragte Wratislaw.
    Heute nach Mitternacht, der Weg von Milin her ist weit und beschwerlich,
antwortete der Gefragte.
    Und warum bist du abseits nach Milin gegangen? fragte Wratislaw.
    Damit Zeugen sind, welche uns in Milin gesehen haben, antwortete der Mann.
    So frchtest du Gefahr? fragte Wratislaw.
    Ja, entgegnete der Mann, und Jarohnew ist gegen Manetin geritten, davon
er noch weiter hieher hat.
    Und wo seid ihr gestern gewesen? fragte Wratislaw.
    In Pilsen, und auf dem Felde vor Pilsen sind wir auseinander gegangen,
antwortete der Mann.
    Und seid umgekehrt? sagte Wratislaw.
    Der Knig Konrad ist nach Pilsen gekommen, entgegnete der Gefragte, wir
sind in seinen Scharen gewesen, dann haben wir das weite Feld gesucht, und haben
uns getrennt.
    Nun? fragte Wratislaw.
    Hoher Herr! antwortete der Mann, der Kriegsbann der Deutschen ist dreimal
und viermal grer als das Heer vor der Stadt Prag, sie tragen blanke Harnische
von Stahl oder von Gold, und da sie auf dem ebenen Boden vor Pilsen standen,
erglnzte das Feld und der Wald von ihrem Scheine. Dann hat Wladislaw noch eine
groe Schar.
    Du bist ein kluger Mann, Swak, sagte Otto, der Herzog von Olmtz, und es
ist gut, Wratislaw, da wir selber gekommen sind.
    Es ist gut, sagte Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, es mssen unsere Augen
schauen, und unsere Herzen dabei sein.
    Da sie noch sprachen, gab der Mann an der Spitze des Waldes ein Zeichen, und
bald darauf kam ein Huflein anderer Reiter auf dem Pilsener Wege zu den
Frsten.
    Wratislaw sagte: So bist du auf dem Rckwege, Jarohnew?
    Wir haben in Manetin nur eine Stunde gerastet, antwortete der Mann, wir
sind in der finsteren Nacht und auf den ungefgen Wegen geritten, und die Tiere
haben kaum eine Handvoll Futter verzehrt.
    Und warum bist du so geritten? fragte Wratislaw.
    Weil mein Weg weiter ist als der von Swak, antwortete der Mann, und weil
ich nicht wissen konnte, ob er nicht gefangen worden ist; denn darum haben wir
uns getrennt, und weil ich die Botschaft zu dem Herzoge bringen wollte.
    Ist deine Botschaft so ntig? fragte Wratislaw.
    Sie ist ntig, antwortete der Mann, der Knig Konrad ist bei Pilsen,
seine Macht ist sechsmal grer als die eurige, alles glnzt von Helmen,
Harnischen, Schilden, Schwertern.
    Hast du sie gezhlt? schrie Otto, der Herzog von Olmtz.
    Die deutsche Macht ist zehnmal grer als die mhrische, rief ein Mann aus
den Reitern Jarohnews.
    Zehnmal, zwlfmal grer, und sie wird noch grer, rief einer von dem
Geleite Swaks.
    Ja, immer grer, rief ein anderer.
    Ihr seid Trpfe, und also, lieben Brder, vorwrts, rief Wratislaw.
    Vorwrts, rief Wladislaw, der Sohn Sobeslaws.
    Wir mssen nach vorwrts, rief Bogdan.
    Vorwrts, vorwrts, riefen mehrere.
    Nehmt die Mnner Swaks und Jarohnews in die Mitte, sagte Wratislaw, sie
mssen mit uns gegen Pilsen.
    Wir knnen nicht gegen Pilsen, sagte Jarohnew, wir sind im Dienste des
Herzogs Konrad, und mssen ihm die Botschaft bringen.
    Ihr bringt sie nicht, sagte Wratislaw, ich werde den Herzog Konrad
bedeuten.
    Ach, hoher Herr, sagte Jarohnew, reitet nicht gegen Pilsen, der Knig
Konrad zieht heran, Wladislaw wird wie ein Sturmwind daher reiten, ihr knnt ihm
nicht entrinnen, und er wird euch die Hupter von den Leibern hauen. Nehmt in
der Gegend jemanden gute Pferde, gebt sie uns, da wir eilig mit der Meldung an
die Stadt Prag kommen, damit der Herzog Konrad die Stadt erobere, und sich auf
den Herzogstuhle setze, und da der Knig Konrad dann Prag belagern mu. Der
Hunger wird die Deutschen tten, oder ihr wollt euch dem Herzoge Wladislaw
ergeben.
    Du Hund, schrie Wratislaw, ich lasse dich mit deinen Genossen an diesen
Fhren aufhngen.
    Habt Barmherzigkeit, rief Swak, ich habe Weib und Kinder.
    Nehmt sie unter euch, rief Wratislaw, und vorwrts.
    Vorwrts, riefen mehrere.
    Die Mnner der Reiterschar umringten die von Swak und Jarohnew, die Pferde
derselben wurden gewendet, und der Zug ging auf dem Heerwege gegen Pilsen
weiter.
    Odolen und Witiko verlieen jetzt ihre Stelle an dem Waldsaume, gingen zu
ihren Pferden, und ritten zu den Ihrigen, um sie zu ordnen, und den Feinden
nachzueilen.
    Witiko hatte eine grere Zahl, und brauchte eine lngere Zeit.
    Als er nun seine Mnner von der Wiese auf den Heerweg hinaus gefhrt, und
Odolen eingeholt hatte, standen die Scharen schon zum Streite. Die Mnner
drohten und die Pferde drngten zum Kampfe, und das Schwert Odolens war gegen
Wladislaw gerichtet.
    Da sprengte Witiko mit einem Satze seines Pferdes zwischen die Reihen, und
rief: Odolen, tte ihn nicht.
    Gib Raum, schrie Odolen.
    Ich gebe nicht Raum, rief Witiko, tte ihn nicht, ich habe das Brod
seines Vaters gegessen, und die Hand seiner Mutter hat auf meinem Haupte geruht.
Sobeslaw hat das Land beglckt, und Adelheid hat darauf geschienen wie eine
Sonne. Du darfst das Kind dieser beiden nicht tten.
    Der Krieg hat seine Art, schrie Odolen, man frgt nach nichts, man kann
siegen oder unterliegen, es ist alles gleich. Gib Raum, da dich die Schrfe des
Schwertes nicht trifft.
    Ich weiche nicht, Odolen, rief Witiko, Odolen, du hast gesagt, du liebest
mich wie einen Bruder, und wollest mir einen Bruderdienst tun, wenn ich ihn
nenne: ich habe ihn nicht genannt, jetzt nenne ich ihn. Gib Frist, da mit
diesen Mnnern gesprochen werden kann.
    Sie stehn nicht Rede, sagte Odolen, aber weil ich dir den Dienst tun
will, so rede, wenn du Worte weit, die diese Menschen rhren knnen.
    Sie werden wohl einen Fhrer haben, sagte Witiko.
    Der dort ist Wratislaw von Brnn, sagte Odolen, ein abtrnniger Sprosse
Premysls; der da ist Otto, der Frst von Olmtz, der mit Verrat dankt; und
dieser ist Wladislaw, der Knecht des Knechtes der Lechen.
    Das sind nicht die Worte, Odolen, sagte Witiko, hret mich, erlauchte
Herren. Ich sage: Erhabene Shne Premysls, ich kann nicht denken, da ihr
leichthin von der Belagerung Prags in das Land hinaus reitet, ich mu erkennen,
da ihr einen groen Vorsatz habt. Wenn die Reue in euer Herz gekommen ist, und
ihr zu Wladislaw zieht, um euch zu unterwerfen, so werden wir euch mit
Ehrerbietung geleiten, und das Herz des Herzogs wird voll Freude sein.
    Wer bist du denn, der du zu reden wagst wie ein Gebieter, schrie Bogdan,
du Landstreifer!
    Ich rede nicht zu euch, und doch will ich dir antworten, Bogdan, ihr habt
mich einst zu eurer Versammlung geladen, sagte Witiko.
    Damit du uns verraten konntest, schrie Bogdan.
    Ich habe nichts versprochen, entgegnete Witiko.
    Er will Worte machen, wie auf dem Wysehrad, schrie Bohus.
    Nicht um Worte ist es zu tun, sagte Witiko, und um den, der sie redet,
sondern da sie Gutes wirken, und da ihnen dazu die Kraft gegeben sein mchte.
Aber ich rede nicht mit euch, und eure Antwort gilt mir nichts.
    Du Gauch! schrie jetzt der rothaarige Benes, den wir selber auf dem
Wysehrad bermtig gemacht haben, statt ihn auf den Pfahl zu hngen, wie der
arme Milhost geraten hat. Whnst du denn, da die Frsten dir antworten werden,
der du hier weniger bist als die Lehmscholle, die ihr Hufschlag schleudert, wenn
sie ber ihre Lnder reiten?
    Es ist niemand unter euch, mit dem die Herzoge sprechen wollen, sagte
Domaslaw.
    Hohe, erlauchte Herren, sprach jetzt Witiko wieder, mge es euch
gefallen, mir ein Zeichen zu geben, ob ihr mir antworten wollet oder nicht.
    Die Frsten schwiegen.
    Hast du nun Zeichen genug? schrie Odolen mit tnender Stimme, bei allen
Heiligen im Himmel, bei Gott dem Vater, und bei allen Gtzen, die unsere
Vorfahren angebetet haben, und die ihr etwa noch anbetet, hier ist einer, der
wirklich ein Gebieter ist, und dieser bin ich. Seht her, unsere Macht ist
zehnmal, zwlfmal, fnfzehnmal grer als die eurige, in fnf Augenblicken kann
ich euch vertilgen. Wratislaw, der du Herzog von Brnn gewesen bist, Otto, der
du durch Wladislaws Gnade Herzog von Olmtz gewesen bist, und du, Wladislaw, der
du des besten Vaters Sohn bist, und die ihr alle nur bettelhafte Snder seid:
ich befehle euch, legt eure Schwerter nieder, und folgt mir als Gefangene zu dem
erlauchten Herzoge Wladislaw, der euer Richter ist, und der nur immer zu gelinde
richtet, was bei euch Gott verhten mge. Mit euch andern, die ihr hier wie
allwrts unntz seid, rede ich nicht. Ihr folgt als Tro in das Lager.
    So haut ihn doch in tausend Stcke, schrie Bogdan.
    Haue, rief Odolen, indem er sein Schwert schildgem ber dem Haupte
hielt, und an der Spitze seiner Mnner stand.
    Du Hund, du Katze, du Scheusal, rief Benes.
    Bohus und Domaslaw aber drangen in diesem Augenblicke durch ihre Leute gegen
Odolen vor.
    Doch Witiko stellte sein Pferd in ihren Weg, hielt sein Schwert zur Abwehr,
und rief: Um die Barmherzigkeit Gottes und die Frbitte des heiligen Adalbert!
haltet inne, es darf kein Kampf hier sein. Mnner, ihr seid in unserer Gewalt.
Fnfzehnfach stehen wir gegen euch, ihr knnt nicht entrinnen, ein Kampf ist
hier nur ein Mord, und wir morden nicht. Er ist auch ganz unntz. Wir machen
euch eine Gasse, geht zu Konrad, und sagt ihm, da sein Kampf vergeblich ist,
und zerstreut das Herr.
    Bist du sinnlos? schrie Odolen, ich gebe keine Gasse. Und ehe man ein
Auge hebt und senkt, erfllet meinen Befehl.
    Odolen, der Herzog selber verabscheut unntzes Blutvergieen, rief Witiko,
und diese, wenn sie zurckkehren, und berichten, wie die Sache ist, werden den
Streit enden, wie kein Mensch denken kann.
    Das ist Sache des Herzogs, rief Odolen, der Herzog kann sie entlassen.
    Was kann indessen in Prag geschehen, augenblicklich mssen sie fort, rief
Witiko.
    Du feiges Tier, schrie Benes herber, wir werden den Mut zu den Unsrigen
tragen, und wir werden wie Samo heran ziehen und euch vertilgen.
    Benes, rief Witiko, ihr werdet den Mut nicht zu den Eurigen tragen, ihr
und eure Boten werdet die Sache erzhlen, und wenn ihr auch lgen wollt, so wird
die Wahrheit durchscheinen. Und von Samo reden wir nicht.
    In diesem Augenblick erhielt Witiko von einem Manne der Mhrer unversehens
einen Schlag, da Blut aus seiner Schulter flo. Sogleich wendete er sich gegen
den Mann, und strzte ihn von dem Pferde. Er drang nun gegen die andern vor,
seine Mnner scharten sich um ihn, und es wurde der heieste Kampf.
    Jetzt haltet fest, ihr Brder, schrie Wratislaw, macht die Spitze, wir
werden die bermacht besiegen wie oft, ihr seid Helden, sie Gesindel.
    Jetzt haben die Hundeherzoge die Sprache, schrie Odolen. Auf, und in
sie.
    Sofort war er an den Feinden, und seine Mnner mit ihm.
    Die Mhrer lieen ihre Boten zurck, machten einen Schlachtkeil, und
drngten vor.
    Sie hatten die Kriegserfahrung und die Kunst, die andern den Mut, und Odolen
und Witiko beteuerten ihn noch mehr. Die Schwerter mischten sich in dichter
Nhe, Blut flo durch die Gewnder, Blut flo auf die Pferde, Mnner sanken, und
in die groe Tapferkeit der Mhrer kam die Mdigkeit schneller; immer neue
Streiter drangen gegen sie, sie wankten. Da gab Witiko seinen Reitern den Befehl
zu einer Wendung der Umgehung der Feinde, es entstand eine Lcke, und die Feinde
flohen durch dieselbe auf dem Wege gegen Prag davon.
    Verrat, Verrat, Verrat! schrien die Mnner Odolens, und drangen gegen
Witiko vor.
    Auch die Leute Witikos riefen: Verrat, Verrat, und wendeten sich gegen
ihn.
    Augustin, Lambert, Urban und der Knecht Jakob suchten ihn zu schtzen.
    Da sprengte Odolen durch die Scharen, deckte Witiko mit seinem Leibe, und
rief: Haltet! Er ist nur ein Tor, ich werde ihn zum Gerichte fhren.
    Witiko rief: Mnner, hrt mich nur einen Augenblick.
    Und da es stiller geworden war, rief er: Alles wird zur Klarheit kommen.
Odolen, ich gebe mich dir gefangen, und bergebe dir den Befehl ber meine
Leute. Ich werde mit dir gehen, und wenn du kmpfst, werde ich mitkmpfen, und
Gott mag verfgen, was ihm gefllt.
    So ist es gut, Witiko, wie du tust, rief Odolen, und ihr, verworrene
Mnner, ihr habt in euerm Durcheinanderstrmen dem Feinde einen Vorsprung
gegeben, wir mssen ihn erreichen, stellt euch in Ordnung. Die Pfleger bleiben
bei den Verwundeten und Toten.
    Die Mnner machten schnell ihre Reihen, und in dem nchsten Augenblicke
ritten sie, was die Pferde zu rennen vermochten, auf dem Wege gegen Prag den
Mhrern nach, die vor ihnen waren.
    Sie sahen den Staub, den sie erregten, und sie erregten selber Staub, und
bestndig sahen sie auf den Abstand dieser zwei Staubsulen. Nach einer Stunde
erkannten sie, da der Abstand sich mindere.
    Da kamen sie in den Wald von Holaubkau. Sie sahen in dem Walde die Feinde
nicht; erkannten aber an dem Staube, da sie durchgeritten seien. Sie
durchritten den Wald. Da sie sein Ende erreichten, brannte vor ihnen das Dorf
Holaubkau, und Menschen und Gerte und Wgen und Haustiere waren vor ihnen auf
dem Wege, und die Flammen von den hlzernen Husern wehten ber denselben.
    Odolen ritt gegen die Menschen, und rief: Zeigt einen Weg um das Dorf.
    Eine Menge Stimmen antworteten, da man die Antwort nicht verstehen konnte.
    Der mit den weien Haaren und dem blauen Gewande antworte allein, schrie
Odolen.
    ES geht kein Weg um das Dorf, sagte der alte Mann, die Wege gehen alle
von den Wiesen und Feldern in die Huser.
    Nur einen festen Grund, einen festen Grund, auch ohne Weg, rief Odolen.
    Ich zeige einen, ich zeige einen, riefen mehrere Stimmen.
    Fnf Reiter folgen einem jeden, der sich gemeldet hat, rief Odolen, und
wo sie Boden fr die ganze Schar finden, kommen sie zurck, und zeigen es an.
    Die Reiter sonderten sich ab, und folgten den Boten.
    Odolen ritt selber mit dem Greise und mit vier Mnnern rechts an dem Dorfe
hin, und forschte. Es waren meist weiche Wiesen, und wo er Boden fr die Schar
fand, war er wieder unterbrochen, und an dem Greise sah er, da derselbe nicht
wisse, welchen Grund eine Reiterschar brauche. Eine Richtung, die er endlich
erkannte, war ein langer Bogen. Er ritt wieder zurck, die Reiter kamen auch,
und jeder sagte, wie man es versuchen knne, und jeder sagte, da man vorber
knne.
    Man kann vorber, rief Odolen, ich habe es selber gesehen, und ich kann
euch auch fhren; aber Brder, Freunde, Kampfgenossen, das andere ist auch
vorber. Mehr als eine Stunde ist vergangen, seit wir hier angekommen sind, ihr
seht es an dem Niederbrennen des Feuers. Und wenn wir den Abstand von den
Feinden in jeder Viertelstunde um tausend Ellen krzen knnten, erreichen wir
sie in fnf Stunden, und sind in der Steinschlucht am Wasser, oder in der Nhe
ihres Lagers. Pflegt die Pferde, nehmt Nahrung, ruhet, und wir kehren um.
    Die Mnner fhrten ihre Pferde in die Waldschatten, und bereiteten sich zu
dem, was Odolen gesagt hatte.
    Witiko blickte in das Feuer, und sprach kein Wort.
    Dann lie er seine Wunde, die gering war, von Jakob verbinden.
    Als Menschen und Tiere erquickt waren, lie Odolen den Vorstand des Dorfes
kommen, und sagte, da er die armen Leute der Gnade des Herzogs empfehlen werde,
und dann begann die Schar den Rckweg.
    Auf dem Platze des Kampfes fanden sie nichts mehr.
    In der Nacht kamen sie in das Lager des Herzogs.
    Odolen ging zu ihm, und berichtete ihm den Hergang. Dann besuchte er die
Verwundeten, und fragte nach den Toten.
    Nach Odolen ging Witiko zu dem Herzoge in das Gezelt, und sagte: Hoher
Herr! du weit, was geschehen ist. Ich bergebe dir mein Schwert mit dem Bilde
des heiligen Petrus, dem ich vertraut habe. Ich bitte dich, lasse mich erst
richten, wenn deine Sache entschieden ist. Wenn eine Schlacht sein sollte, so
gib mir in deiner Gnade mein Schwert, da ich in ihr kmpfe, wie ich sonst
gekmpft habe. Dann reiche ich es dir wieder.
    Witiko, antwortete der Herzog, behalte dein Schwert, und gebrauche es.
Dem Gerichte aber stelle dich.
    Ich werde es tun, hoher Herr, sagte Witiko.
    Darauf verlie er das Gezelt, und ging auch zu den Verwundeten.
    Indes diese Dinge geschahen, war es in Prag, wie es schon viele Tage vorher
gewesen war. Das Schleudern gegen die Mauern dauerte, und die Verteidigung
dauerte. Die Mnner in der Stadt waren weniger, und die Mnner vor der Stadt
waren auch weniger. Die Mauern zeigten grere Beschdigungen, die Gerte der
Feinde waren in geringerer Wirkungskraft, und die auf den Mauern auch.
    Am fnften Tage des Brachmonates drngten sich so viele Feinde gegen die
Stadt, da die auf den Mauern meinten, kein einziger Mensch sei in dem Lager
zurckgeblieben. Das Werfen aus den Schleuderstcken der Feinde wurde strker,
als es frher gewesen war. Sie schoben Gerste und Gerte noch nher an die
Stadt, obgleich sie da ohne Bergen waren, und harreten bei ihnen whrend des
Werfens gegen sie aus. Diepold sandte an Geschossen in die Feinde, was er zu
senden vermochte. Die Mhrer nderten ihre Feuerwrfe. Da sie frher nur
Branddinge gegen die Krieger auf den Zinnen geschleudert hatten, so ging nun ein
brennender Pfeil in hohem Bogen gegen die Gebude der Stadt. Dem Pfeile folgten
bald mehrere, und Feuerballen gingen in die Luft. Die Feinde suchten auch an der
schwchsten Stelle der Mauer empor zu klimmen. Diepolds Scharen drngten sich
zur Verteidigung heran. Da, als es schon gegen den Abend ging, begann die Kirche
des heiligen Veit zu brennen. Der Trmer lie das groe Banner des Herzogs
Wladislaw nieder, und rettete es zu Diepold. Darauf fate das Feuer das ganze
Dach, und es ging eine breite Lohe gegen den Himmel empor. Und fast zur
nmlichen Zeit begannen das Kloster und die Kirche des heiligen Georg zu
brennen, und die Flammen gingen in die Lfte.
    Die Mnner auf den Mauern wendeten ihre Angesichter dahin, und es war, als
erstarrten sie.
    Da sprang Dimut unter den Pfeilen auf eine hohe Stelle der Zinnen, streckte
ihren blutenden Arm mit dem Schwerte empor, und rief: Jetzt kommt der Retter,
jetzt kommt der Retter, der Feind wei es, und sendet uns das Zeichen. Er bt im
Aberwitze der Verzweiflung Rache an den Heiligtmern. Unsere Heiligtmer sind
nicht verloren, wir werden sie wieder aufbauen, sie werden schner sein als
frher, und mit der Weihe des Erzbischofes wieder hilfreich und gnadenreich; die
aber an ihnen gefrevelt haben, werden mit zerrauften Haaren und mit entbltem
Armen auf der Erde liegen, und den Himmel um Barmherzigkeit anflehen, und den
irdischen Richter um Gnade, da er nicht zu hart strafe. Der Retter kommt, der
Retter kommt.
    Sie schwang ihr Schwert freudenvoll um das Haupt, und hundert Mnner riefen:
Der Retter kommt, der Retter kommt.
    Sie stieg von der Zinne nieder, und zwei Pfeile hingen an ihrem Panzer, und
einen trug sie in der linken Hand.
    Der Ruf verbreitete sich lngs der Mauern.
    Die Herzogin sendete Trompeter, die verkndeten: Der Herzog Wladislaw
kommt.
    Jetzt sah man den Bischof Otto mit seinen Priestern in kirchlichem Zuge
heilige Kleinodien aus der Kirche des heiligen Veit gegen die Kirche der
heiligen Jungfrau Maria tragen.
    Da riefen sie: Lat uns hinaus gegen sie, lat uns hinaus.
    Diepold antwortete: Mit dem Herzoge gehen wir hinaus, jetzt wahrt die
Mauern.
    Und die Mnner strzten noch eifriger zur Verteidigung vor.
    Er aber lie das groe rosenrote Banner des Herzoges an einem hohen glatten
Baume empor ziehen.
    Nun regte alles, was in der Stadt Hnde hatte, dieselben. Man warf nicht nur
die Dinge des Krieges gegen die strmenden Feinde: Pfeile, Bolzen, Pflcke,
Steine, Fchen mit siedendem le und tzenden Flssigkeiten, Brandpech,
glhende Metalle und brennende Pfeile und Brandwerke, es wurde nicht nur, was
von den Feinden herein kam, und tauglich war, wieder gegen sie gesendet, sondern
man nahm jedes, was zu bewegen und zu zerreien war, Mauertrmmer, Bausteine,
Treppenstufen, Stcke, die man von Werken oder Gittern ri, Dachrinnen,
Brunnenrhren, und was Hnde fassen konnten, und warf es auf die Feinde.
    Diese lieen nicht ab.
    Endlich kam die spte Abenddmmerung dieser Jahreszeit, und die Feinde
wichen von den Mauern, und gingen zurck, und gingen immer weiter zurck, und
endeten ihr Werfen. Die Verteidigung hrte auch auf, und es war nach einer
Stunde so stille, als ob nichts gewesen wre, nur da der Schein der Feuer, die
sanfter brannten, gegen die Luft empor leuchtete.
    Der Bischof Otto hielt nun mit seinen Priestern unter dem freien Himmel ein
Dankgebet. Dann ging er in die Kirche der heiligen Jungfrau Maria, und betete
mit ihnen dort wieder, und es beteten die Krieger mit.
    Man konnte nun die Sorge fr die Verwundeten und die Toten anwenden. Es
hatten viele Menschen das Leben verloren, auch solche, die aus der Stadt und
nicht von den Kriegern waren. Dobromil, ein edler Mann aus dem Morgen des Landes
und Ded, aus dem Mittage, hatten ihren Tod gefunden.
    Die Herzogin ging zu der Brandstelle der Kirche des heiligen Veit, und
fragte, was man denn von den Heiligtmern und wichtigen Dingen zu bergen im
Stande gewesen sei. Die, welche die Rettung der Kirche und die Lschung des
Brandes versucht hatten, sagten, da manches schnell fortgeschafft worden sei,
da man es in verschiedene Pltze gebracht habe, da man aber nicht erkennen
knne, was gerettet worden sei, und was das Feuer verzehrt habe.
    Hierauf konnte man die Ruhe, die mit der Sicherheit mglich war, suchen.
    Die kurze Nacht ging bald vorber.
    Als sich der erste Schein des Morgens lichtete, sphten Menschen nach jeder
Richtung. Und da es endlich hell geworden war, sah man, da das Lager der Feinde
leer sei, und da die Nhe und die Ferne um die Stadt und die Burgflecken leer
sei. Kein Feind war zu erblicken, und kein Retter war zu erblicken. Im Lager der
Feinde standen die Gerte da, es standen Reihen von Gezelten, und es lagen Dinge
des Krieges und andern Gebrauches umher.
    Die Mnner auf den Zinnen erhoben einen Siegesruf, und die Menschen in der
Stadt riefen ihn nach, und die in den Burgflecken auch, da man die Stimmen von
oben herab und von unten hinauf zu hren vermochte.
    Kundschafter kamen und sagten, da die Feinde abgezogen seien.
    Da ertnten, als die Sonne sich erhob, die Glocken der Kirche der heiligen
Jungfrau Maria, die Glocken der Kirche am Teyn, und es ertnten die Glocken in
den Burgflecken, die Glocken der Kirchen im Wysehrad, und in allen Kirchen
wurden Gottesdienste gefeiert.
    Fabian, der Zupan vom Wysehrad, sandte Boten an Diepold, die sagten, da die
Burg dem Herzoge unverletzt sei.
    Nun wurde gerufen, da man hinaus gehen, und das Lager der Feinde plndern
solle. Diepold aber verweigerte es; er lie die Tore und die Mauern besetzt, und
sandte wieder Kundschafter aus.
    Die Mnner zeigten sich nun von den Mauern die Stellen, wo gekmpft worden
war, wo arge Geschosse gestanden waren, und was sonst die Feinde getan hatten.
    Gegen Menschen, die sich in dem Lager blicken lieen, befahl Diepold einige
Steine zu werfen. Darauf gingen sie fort.
    Die Kundschafter kamen wieder, und sagten, das Heer der Feinde sei im
Eilwege in der Richtung nach Mhren.
    Diepold lie nun das Brckentor ffnen.
    Da es zwei Stunden nach dem Mittage war, sprengten Reiter vom Abende her
gegen die Stadt, welche rosenfarbene Fhnlein auf den Lanzen trugen. Sie ritten
ein, und meldeten, da der Herzog Wladislaw am Abende dieses Tages mit seinen
Scharen in Prag eintreffen werde, da der Knig Konrad ihm mit einem groen
Heere folge, und morgen kommen werde. Die Feinde seien schon eine Tagereise weit
von Prag entfernt, und wrden sich auflsen.
    Diepold lie die Kunde allen seinen Kriegern mitteilen, und die Herzogin
lie sie in der Stadt und in den Burgflecken ausrufen.
    Diepold sendete Leute zur Hut in das verlassene Lager der Feinde.
    Am Nachmittage war der Weg nach dem Petrin hin mit Menschen gefllt.
    Gegen die Abendzeit, ehe die Sonne den Berg Petrin rot frbte, sah man in
ihrem Scheine vom Abende her unzhlige Lanzen funkeln. Sie wogten auf und nieder
wie von Reitern getragen, und nherten sich, und man erkannte dann das blaue
Banner und die rosenfarbenen Fhnlein, und in der Mitte die groe rote Fahne. Es
war die Schar Wladislaws, des Herzogs von Bhmen und Mhren.
    Ein luftbewegender Ruf erhob sich weit drauen jenseits des Berges Petrin,
und ging an allen Menschen bis in die Stadt hinein. Das groe rosenrote Banner
auf den Zinnen der Stadt rckte nun bis an die Spitze seines Tragbaumes empor.
    Der Herzog Wladislaw ritt mit den Seinigen sehr langsam auf dem Wege an der
Moldau zwischen der Menschenmenge gegen die Stadt Prag dahin. Sein Schwert war
in der Scheide und sein Haupt entblt. Nur der Schmuck der blonden Haare war
auf demselben und um die Stirne. Alle Glocken der Stadt und der Burgflecken
begannen zu luten. Neben dem Herzoge ritt in schner Rstung der Bischof Zdik,
dann ritt Welislaw in schnem Gewande, Odolen in schimmerndem Ringleinpanzer,
Witiko mit besonders schnem Kleide geziert, die zwei Hofkaplne in Rstungen,
und Zupane und Wladyken und andere Fhrer. Viele deutsche Jnglinge hatten sich
dem Zuge beigesellt, Wolfgang von Ortau mit dreien seiner Freunde zu Witiko,
Rudolph von Bergheim mit drei Freunden zu Welislaw, Hanns vom Wrthe mit fnf
Freunden zu Odolen, und Adalbert von der Au, und Werinhart von Hochheim, und der
junge Graf Heinrich von Rineck. Da der Herzog gegen die Stadt kam, warfen Knaben
in schnen Kleidern und schngekleidete Mdchen Blumen und Zweige auf den Weg,
und das Volk warf grne Reiser und Krnze, und sang Lieder.
    An dem Brckentore harrete Otto, der Bischof von Prag, mit seinen Priestern,
mit den Priestern der Burgflecken und den Jungfrauen des heiligen Georg, dann
der Propst vom Wysehrad mit seinen Priestern, dann die bte mit ihren Priestern,
und dann die Herren des Hofes.
    Da Wladislaw vor dem Bischofe angekommen war, stieg er von seinem Pferde.
Der Bischof begrte ihn mit dem Zeichen des Segens, und er und die Priester und
die Jungfrauen sprachen die Begrungsworte. Wladislaw antwortete dem Gebete mit
der Kirchensprache, dann grte er den Bischof, und kte seine Stirne. Dann
bestieg er wieder sein Pferd, und zog im Geleite aller, die da waren, und in dem
Geleite seines Heeres in die Stadt empor.
    Da er zu den Trmmern der Kirche des heiligen Veit gekommen war, stieg er
wieder von dem Pferde, kniete vor der Kirche nieder, und tat ein Gebet. Dann
ritt er zu der Kirche der heiligen Jungfrau Maria, ging in dieselbe, und betete.
    Hierauf ritt er gegen die Zinnen der Stadt. Dort standen alle Krieger,
welche die Stadt verteidigt hatten. Als er zu ihnen gekommen war, stieg er von
dem Pferde, schritt zu dem Baume, auf welchem das groe Banner war, berhrte den
glatten Schaft, und rief: So beginnt mein Befehl und meine Macht wieder ber
alle, die in Prag sind.
    Dann wendete er sich gegen die, welche neben dem Banner standen.
    Da war Diepold, der Befehler der Verteidigung, und es waren alle Fhrer, und
hinter ihnen alle Unterfhrer, und hinter diesen die Krieger. Die Herzogin stand
unter den Fhrern.
    Wladislaw verlangte sein Pferd.
    Man fhrte es herzu, er bestieg es, und stellte sich mit ihm gegen die
Mnner. Dann zog er sein Schwert aus der Scheide, und begann mit demselben das
Gren.
    Er grte zuerst Diepold, indem er das Schwert tief senkte, dann grte er
den alten Bolemil, der aufrecht da stand, er grte den alten Wsebor und den
alten Preda, dann Lubomir und Diwis, dann die Fhrer, dann die Herzogin Gertrud
und Dimut, die neben der Herzogin stand, und dann weiter alle die Unterfhrer.
    Die gegrt worden waren, dankten mit dem Schwerte.
    Dann grte der Herzog mit seinem Schwerte weithin ausholend das ganze Heer
der Verteidiger. Dann das Schwert in seiner Rechten haltend sprach er: Mnner,
Freunde, Brder, Kampfgenossen! Seid gegret in dem Herrn. Wir sind wieder
vereinigt. Gott hat alles gewendet. Kein Feind ist mehr vor der Stadt und in dem
Lande, und es ruht der Kampf. Lob, Preis und Ehre allen, die dazu gewirkt haben.
Ihr habt im Mute der Helden diese Stadt geschirmt, und mit Herzen der Mnner
ausgedauert. Lob und Dank euch allen. Lob und Dank denen, die Lob und Dank nicht
mehr hren knnen, weil sie den Tod herrlicher Krieger gefunden haben; Lob und
Dank denen, welche Wunden an ihrem Krper tragen, denen sie fr das Recht
entgegen gegangen sind; Lob und Dank auch dem edlen Herzoge Sobeslav, der diese
Mauern so gefestigt hat, da sie euch die Stadt verteidigen halfen; Lob und Dank
allen Vorgngern, die den Schutz des Herzogstuhles gepflegt haben; Lob und Dank
denen, welche aus dem ganzen Lande sich zu mir gesellt und die Macht so erhht
haben, da die Feinde vor ihr flohen, und Lob und Dank denen, die dem Feinde den
Mut genommen haben: das grte Lob und den grten Dank aber dem, ohne den alles
vergeblich gewesen wre, dem groen dem gerechten dem allmchtigen Gott. Ihr
habt ihm schon gedankt, ich tat es auch schon, vereinigt werden wir ihm morgen
danken, wenn das erste Licht scheint. Morgen kmmt der Knig Konrad, empfanget
ihn als Gast, nicht als Hilfsgenossen; denn es ist keine Schlacht mehr. Er wird
den Kirchenfesten beiwohnen, und dann in sein Land zurckkehren. Und nun noch
einmal: Gru und Dank. Fr heute abend lade ich alle Fhrer und Unterfhrer zum
Mahle in die Hofburg. Albero, der Erzbischof von Trier, hat Wein und der Knig
Konrad allen Bedarf in die Stadt geschickt. Teilt den Mnnern auf den Wllen aus
und den Leuten in der Stadt, die Mangel haben. Nach der Kirchenfeier kommet
morgen in den Saal der Hofburg, da wir kurz einen kleinen Entgelt fr alle die
Mhe beraten. Ich gehe jetzt in mein Haus, geleitet mich, wenn es euch gefllt,
und zum dritten Male: Gru und Dank.
    Gru und Dank, riefen alle Mnner einstimmig, und schlugen an ihre
Schwerter.
    Der Herzog steckte sein Schwert in die Scheide, wendete sein Pferd, und
begann mit seinem Geleite den Zug in die Hofburg. Die beiden Heere begleiteten
ihn, wie der Raum es zulie.
    Da sie an dem Hofe angekommen waren, hingen an dem Tore Blumengewinde, und
es standen schngekleidete Jungfrauen mit Blumenkrnzen und Blumenstruen vor
dem Volke da, und Gras und Laub und Blumen bedeckten den Boden. Eine aus den
Jungfrauen sprach zu dem Herzoge Wladislaw Begrungsworte, und reichte ihm
einen Strau.
    Der Herzog nahm den Strau, und dankte ihr.
    Dann sangen alle Jungfrauen einen Begrungsgesang.
    Der Herzog dankte gegen alle hin.
    Da es stille geworden war, stieg er von seinem Pferde, ging zu der Herzogin,
fate sie an ihrer Hand, kte sie auf die Stirn, und sprach: Hocherlauchte und
vielliebe Frau! Ich habe Euch auf den Mauern als Fhrer begrt, und begre
Euch jetzt als Herzogin. Ich fhre Euch von dem Kriegsplatze in Euer Haus, und
seid bedankt fr das, was ihr ber Euer Geschlecht getan habt.
    Hierauf wendete er sich zu Diepold, schlo ihn in die Arme, und sprach: Sei
gegrt, mein lieber Bruder, gehe unter mein Dach ein.
    Sei gegrt, sagte er dann zu Bolemil, und nahm seine rechte Hand.
    Dann reichte er die Hand an den Bischof und die bte, an Diwis, Lubomir und
an mehrere.
    Sei gegrt, Jungfrau, sprach er zu Dimut, du bist so tapfer als schn,
wir sind in deiner Schuld, und Rowno wird dich nicht zu hart strafen.
    Die Fhrer des Heeres des Herzogs nherten sich denen der
Verteidigungsscharen, reichten die Hnde, und gaben Gre.
    Du schner Krieger, sagte Welislaw zu Dimut, du fngst ja die Pfeile der
Feinde mit den Hnden?
    Durch das Wunder eines Heiligen, den ich nicht kenne, sagte Dimut, ist
ein Pfeil ohne Schaden zwischen mein Panzerhemd und den Kleiderrmel gedrungen,
und ich habe mir den Pfeil aufbewahrt.
    Wenn ich ein hoher Mann dieses Reiches wre, antwortete Welislaw, wrde
ich dich um den Pfeil bitten.
    Und wenn du ein hoher Mann des Reiches wrest, entgegnete Dimut, wrde
ich dir den Pfeil nicht geben.
    Der Herzog aber fhrte nun die Herzogin im Geleite seines Bruders Diepold,
der Fhrer, der Hofherren und der Frauen in den Herzogshof.
    Die Jungfrauen erhoben wieder einen Gesang, welchen sie lieblich
fortfhrten, da auch der Herzog nicht mehr unter ihnen war. Dann mischte sich
eine Stimme von dem Volke bei, und wieder eine, und wieder eine, und endlich
sangen die Krieger und das Volk jenen Gesang, welcher in dem ganzen Lande Bhmen
bekannt und geliebt war.
    Als der Gesang geendet war, harreten sie eine Weile, und sangen ihn dann
noch einmal. Dann aber zerstreueten sich die Menschen nach allen Richtungen. Die
Scharen des Herzoges Wladislaw wurden ber die Brcke in den rechten Burgflecken
gefhrt, um auf dem groen Marktplatze zwischen dem Burgflecken und dem Wysehrad
zu lagern. Von den Mnnern Diepolds wurden die ausgelesen, welche auf den
Wachepltzen und Sphetrmen sein muten, die andern durften in ihre
Lagerstellen und in ihre Ruhestellen gehen.
    Als die Krieger Wladislaws auf dem groen Marktplatze angekommen waren, und
sich einzurichten begannen, ritt Witiko mit Lambert Augustin und Urban und mit
seinem Knechte Jakob im Geleite Wolfgangs von Ortau und seiner drei Freunde von
ihnen weg zu den Waldleuten. Diese hatten ihre Lagerstelle noch auf dem Walle,
wo sie die Mauern verteidiget hatten. Da sie die heran reitenden Mnner sahen,
stellten sie sich zusammen, und die auf dem Boden lagen, erhoben sich, und die,
welche Witiko auf dem Berge Wysoka zu ihrem Fhrer erwhlt hatten, und alle
andern auch, die von dem Walde stammten, riefen ihm einen Gru zu.
    Witiko rief ihnen auf seinem Pferde sitzend entgegen: Seid mir von Herzen
gegrt, alle ihr Mnner, deren Heimat von Fichtenzweigen umweht ist oder von
den Zweigen der Tannen und Fhren, oder umrauscht von denen der Buchen und
Ahornen, welche zu den Millionen der Bume gehren, die da wachsen, wo die junge
Moldau von Abend gegen Morgen geht. Ich erkenne es, da wir ein anderes
Geschlecht sind, als das auf den offenen Feldern. Wir sind hart und arm aber
guten Herzens und guter Treue. Ich glaube, da die Waldmnner fest zusammen
gehalten haben. Und ihr seid im besondern gegrt, die ihr mich jungen Krieger
zu euerm Vormanne gewhlt habt. Ich bin wieder bei euch.
    Nach diesen Worten stieg er von seinem Pferde, seine Begleiter stiegen auch
von den ihrigen, und sie traten nher zu den Mnnern.
    Es kam auch Rowno herzu, und Diet und Osel und Hermann und mehrere andere.
    So seid ihr also noch immer zwischen den gemauerten Steinen, sagte er,
wir sind indessen durch ein weites grnes Land geritten, und wieder durch ein
weites grnes Land zurck. Ihr habt bittere Arbeit getan, wenn ihr nur nicht zu
Groes erduldet habt.
    Es ist zum Ertragen, sagte Stephan der Wagenbauer, sei gegrt, Witiko.
    Sei gegrt, rief Adam.
    Sei gegrt, rief Paul Joachim.
    Ich gre dich auch, Witiko, sagte Christ Severin der Wollweber, dem
Wolfgang haben sie mit einem Steine den Kopf eingeschlagen. Er hat kein Weib und
keine Kinder, und seine Mutter wird um ihn weinen. Dem starken Simon vom
Reutschlage hat einer, da wir das groe Schleuderholz anzndeten, die
Gehirnschale entzwei gehauen. Osel hat eine doppelte Wunde erhalten.
    Es ist mehr Blut als Verletzung gewesen, sagte Osel, und die Sache
bessert sich schon.
    Und Grup von Wettern hat drei Wunden erhalten, sagte Christ Severin, und
Wolf von Winterberg eine, und Branis aus Rowna eine. Dem Schmied haben sie den
linken Arm mit einem Stricke an den Leib gebunden, weil er sich ihn verrenkt
hat; dem Mathias haben sie, als wir in der Nacht auf der sumpfigen Wiese drauen
waren, mit einem Pfeile den Ohrflgel durchschossen, Zacharias hat ein Pfeilloch
im rechten Arme, es heilt aber schon, und dem Maz Albrecht hat ein Balken das
ganze Fleisch auf der Brust zerrissen, hat aber die Rippen nicht brechen knnen,
und er wird heil. Wir andern sind gut, und haben Schrammen und blaue Flecke.
    Jetzt nahm Peter Laurenz, der Schmied, das Wort, und rief: Du hast den
Urban gesund zurckgebracht, das ist gut, Witiko, und er sitzt recht schn auf
dem Pferde, wie ihr herzu geritten seid. Er wird noch viel lernen. Und sieh nur,
Witiko, was wir fr einen schnen groen Schleuderschragen haben. Steine, die
wir unser fnf Mnner kaum heben konnten, haben wir mit dem Haspel auf die
Dcher ihrer Holzhuser geworfen, die sie herzu geschoben haben, als ob ich nach
einem Uhu wrfe. Wir htten ihnen die Stadt schon noch eine Weile nicht
gelassen, bis alles zerbrckelt und angezndet gewesen wre wie die Kirche des
heiligen Veit und des heiligen Georg.
    Ihr habt gekmpft, und wir haben zu keinem Kampfe gelangen knnen, sagte
Witiko.
    Weil sie vor dem neuen Heere davon gerannt sind, antwortete der Schmied,
der Herzog wird uns doch von den kostbaren Dingen im Lager etwas geben, die sie
jetzt so bewachen lassen, und morgen kmmt der Knig Konrad, hat er gesagt, und
wir werden ihn und die Ritter sehen.
    Und ich habe gar nichts tun knnen, sagte Tom Johannes.
    Du hast die Leute angeeifert, antwortete Witiko.
    Und sie haben nicht gefolgt, entgegnete der Fiedler.
    Urban drngte sich jetzt auch vor, sprach mit den Mnnern von der
Kuckuckspfeife und dem Messer und dem Buffenrocke, den er sich gebracht habe,
und der noch bei dem Packzeuge sei.
    Und auch Lambert und Augustin begannen zu erzhlen.
    Witiko aber wendete sich zu Rowno, und sprach: Verzeihe, ehrenvoller
Wladyk, da ich zuerst die Mnner begrte, welche zu mir gehren. Ich bringe
dir jetzt den Freundschaftsgru, und den Dank, da du sie gefhrt hast. Gewhre
mir die Bitte, ein Schwert aus guter Waffenarbeit Nrnbergs, welches ich dir
gebracht habe, anzunehmen. Ich denke, da alle willig gewesen sind.
    Willig und treu wie die Waldleute, antwortete Rowno. Ich gre dich,
Witiko, ich nehme dein Geschenk gerne an, und gebe dir die Leute mit einigen
Beschdigungen wieder. Den Wolfgang von Plan und den starken Simon vom
Reutschlage kann ich dir nicht mehr geben. Sie liegen schon in der Erde der
Stadt Prag. Sie haben ihrem Platze genug getan, und Simon hat den Feinden im
vorhinein vergolten, ehe sie ihn weggerafft haben.
    Wir werden die Mutter Wolfgangs in Plan trsten und sttzen, sagte Witiko,
und um Simon tut es mir leid, er ist ein starker treuherziger Mann gewesen. Hat
er Angehrige?
    Die vom schwarzen Bache sagen, antwortete Rowno, da er Vater und Mutter
hat und einen Bruder, der an der Stelle des Alten die Felder besorgt.
    Gott lohne ihm, er hat ihn gerufen, sagte Witiko, und den Seinigen werden
wir helfen, wie wir knnen.
    Man kann in einer Stadt nicht viel tun, wenn man blo abwehren mu߫, sagte
Rowno, aber zur Erhaltung haben wir doch beigetragen.
    Beigetragen und es wird anerkannt, sagte Witiko.
    
    Wir gehren nun wieder zu dir, Witiko, rief David der Zimmerer mit heller
Stimme.
    Zu dir, rief Philipp.
    Zu dir, riefen mehrere Stimmen.
    Zu dir, riefen dann alle.
    Wir gehren zu ihm, sprach der Schmied, weil er zurckgekehrt ist, wie
wir gesagt haben, wir gehren zu ihm, so lange diese Sache dauert.
    Freunde und Waffengenossen, sprach Witiko, die Sache ist aus. Es ist kein
Feind mehr da, der Herzog hat die Lnder und den Frstenstuhl, und wir knnen
nach Hause gehen. Er hat aber befohlen, da er noch mit uns sprechen will.
    Wenn der Herzog mit uns sprechen will, warten wir schon, sagte der
Schmied.
    Jetzt aber gehabt euch wohl, sagte Witiko, ich und Urban und Augustin und
Lambert und Jakob gehren noch zu des Herzogs Leuten, und mssen zu ihnen.
Morgen und zunchst wird sich schon das andere fgen. Heute werden noch Speisen
und Getrnke zu euch geschafft werden, genieet sie frhlich und gedenket
unser.
    Wir gedenken eurer, riefen die Mnner.
    Wie du schn angezogen bist, Witiko, sagte Tom Johannes der Fiedler.
    Ich habe dir auch ein Wams aus Nrnberg gebracht, du armer Mann,
antwortete Witiko, es wird, wenn du im Sommer keinen Rock an hast, weithin im
Walde leuchten.
    Das ist schn, sagte Tom Johannes, wenn nur auch die Fiedel wieder wre.
    Sie wird sein und klingen, und gewi wird sie klingen, du zaghafter Mann,
sagte Witiko.
    Und nun erquickt euch, fuhr er dann fort, ruhet gut in der Nacht, und
morgen komme ich wieder zu euch. Lebe wohl, Rowno, du auch, Osel, und ihr
andern. Jetzt, Reisegenossen, besteigt die Pferde, und wir gehen zu unserer
Schar.
    Nehmt auch einen deutschen Gru und ein deutsches Lob fr eure Taten, ihr
Mnner der Wlder, rief Wolfgang von Ortau.
    Wir danken euch, sprach Rowno, gewhret uns einmal einen Besuch in dem
Walde, und genieet unser Haus.
    Ja, ja, ja, riefen mehrere Mnner des Waldes, kommt und wir danken fr
das Lob.
    Wer wei, was geschieht, sagte Wolfgang von Ortau, und ob wir nicht
einmal in die Heimat Witikos kommen.
    Witiko antwortete: Dann seid ihr dort wie die Unsrigen.
    Wir denken es, Witiko, sprach Wolfgang von Ortau.
    Ihr mt dann von einem zu dem anderen gehen, sagte Rowno.
    Nach Dub auch zu mir, rief Osel.
    Und zu mir nach Wettern, rief Diet.
    Und nach Hora, rief Witislaw.
    Und nach Attes, rief Hermann.
    Und nach Tusch, rief Wolf.
    Es ist gut, ihr Mnner, sagte Wolfgang von Ortau, wir kommen. Ruhet in
der Nacht, morgen reiten wir wieder zu euch.
    Witiko und die Seinigen bestiegen die Pferde, und sie und die deutschen
Begleiter ritten in das Lager auf dem groen Marktplatze.
    Dort war neben dem Gezelte Witikos ein schneres und gerumigeres fr
Wolfgang und seine Freunde hergerichtet worden. Witiko fhrte sie in dasselbe
ein.
    Jetzt kam auch der Knecht Raimund, den Witiko in Prag zurckgelassen hatte,
um in der Nacht bei Witiko zu bleiben.
    In dem Lager wurden des Abends Speisen bereitet, zu den Verteidigern der
Stadt und zu andern Leuten derselben wurden Speisen und Getrnke gesendet, und
in dem Hofhause des Herzogs wurde das angekndigte Mahl abgehalten.
    Am andern Morgen war bei dem Aufgange der Sonne unter dem freien Himmel auf
dem groen Platze vor dem Herzogstuhle ein heiliger Dankgottesdienst. Der
Herzog, die Herzogin, die Fhrer, die Hofherren, die Geleite und alle Krieger
auer den Wachen und sehr viele Menschen waren bei dem Gottesdienste zugegen.
Nach dem Danke wurden die Gebete fr die Toten gesprochen.
    Dann gingen der Herzog, die Herzogin, die Bischfe, bte und viele Priester
und die Fhrer zu den Verwundeten und Kranken.
    Wladislaw verlangte, da man ihm ein Verzeichnis von allen verfertige,
welche Wunden erhalten, und welche den Tod erlitten haben.
    Darauf versammelte man sich zu dem Rate in dem Saale der Hofburg.
    Nach dem Rate wurden die Mnner, welche den Herzog Wladislaw auf seinem Wege
nach Nrnberg begleitet hatten, und welche zu dem Heere, das auf dem Wysoka
gekmpft hatte, gehrten, wieder zu den Ihrigen eingeteilt.
    Witiko ging zu den Waldleuten, und lie fr seine deutschen Freunde und fr
sich und seine Knechte Zelte errichten. Lambert, Augustin und Urban gingen auf
ihre Pltze, und die Pferde des Herzogs wurden in ihren Stall zurck geschickt.
    Jetzt kam auch Heinrich, der Bruder des Herzoges Wladislaw, mit den
Hilfsmnnern aus dem Lande Budissin an. Es wurde ihnen ein Platz gegen das Dorf
Buben hin neben dem verlassenen Lager der Feinde angewiesen.
    Als die Sonne an dem Mittage des Himmels stand, meldeten die Spher, da das
Heer des Knigs Konrad komme.
    Eine groe Zahl Menschen versammelte sich an dem Wege, auf der Brcke und an
anderen Stellen, um es kommen zu sehen.
    Bald zog es auf dem Wege neben der Moldau herein. Und alle Menschen und alle
Dinge, welche sich neben dem Wege befanden, und auch alle, die weiter waren, die
Bsche des Berges Petrin und die Felsen gegen die Burg hin leuchteten von dem
Scheine der Waffen und Rstungen. An der Spitze des Zuges ritt der Knig Konrad.
Er hatte einen goldenen Harnisch und einen goldenen Helm. Unter dem Helme waren
an der Stirne blonde Haare und seine blauen Augen blickten freundlich umher.
Weil man sagte, da er so mnnlich sei, wie der erste Ritter in seinem Heere, so
sahen alle Augen auf ihn. Dann waren die Erzbischfe, Bischfe, bte, Kurherren,
Herzoge, Grafen, Ritter, Herren und Fhrer der Klster und Stdte. Oft waren auf
ihren Rstungen und Schilden Verschlingungen von Laub und Zweigen, von Gestalten
und Zeichen aus Gold, Silber oder edlen Steinen. Hermelin oder anderes Rauhwerk
war an Sumen und Rndern. Dann kamen die Krieger meist in heller Beschienung,
und alles, was zu dem Zuge gehrte. Die Menschen riefen dem Knige zu, und
warfen ihm Blumen oder Reiser.
    Als der Knig zu der Brcke gekommen war, harrten an derselben auf ihren
Rossen sitzend der Herzog Wladislaw, die Herzogin Gertrud, Diepold und Heinrich,
die Brder des Herzoges, dann die Bischfe Otto und Zdik, die bte und Priester,
dann die Herren der mter des Hofes und die Fhrer der Krieger. Sie begrten
den Knig und die Seinigen, und geleiteten sie ber die Brcke. An das Heer des
Knigs schlo sich das Heer der Stadtverteidiger an, und das, welches Heinrich
aus dem Lande Budissin gebracht hatte. In langen Zgen bewegten sich die Mnner
ber die Brcke der Moldau dahin. Sie durchzogen den rechten Burgflecken bis zu
dem Marktplatze, der zwischen dem Burgflecken und dem Wysehrad war. Dort
schlossen sich auch die Krieger an, die seit gestern auf dem Marktplatze
lagerten. Vor dem Burgflecken des Wysehrad blieben die Heere stehen, und der
Herzog und die Seinigen geleiteten den Knig mit seinen Vornehmen durch den
Burgflecken gegen das Pankratiustor der Burg empor. Vor dem Tore stand der
Propst Hugo und der Diakon und der Subdiakon in dem Schmucke der kirchlichen
Haube und der Fusohlen, die sie aus Vergunst des Heiligen Vaters tragen
durften, und es stand der Dechant, der Meister, der Hter, und es standen die
brigen Priester des Hauses da, und neben ihnen stand der greise Zupan Fabian
mit dem Gaurichter, dem Kmmerer, dem Maier, dem Jgermeister und den anderen
Zupenherren, und hinter ihnen standen die Diener der Kirche und die Diener der
Zupanei.
    Der Propst machte das Zeichen des Segens gegen den Knig und die Seinigen,
und sprach die Worte des Segens.
    Der Knig bezeichnete sich, antwortete mit den Segensantworten, und sprach
dann: Wir werden eure Heiligtmer, hochehrwrdiger Herr, mit unsern Bitten und
Gebeten belstigen.
    Gott wird das Gebet erhren, das du, hoher Herr, in unserer Kirche tust,
antwortete der Propst, und unser Haus ist dein Haus.
    Ich bin der Gast meines Schwagers, und besuche auch euer Haus, sagte der
Knig.
    Unser Haus ist das der Herzoge, wie alles hier der Herzoge ist, sagte der
Propst. Der erste Boriwoy hat diese Kirche gegrndet, der Knig Wratislaw hat
sie grer gebaut, und zwlf Krbe Steine dazu getragen, und der Herzog Sobeslaw
hat sie erst glnzen gemacht. Und was wir an Friedenssteuer, berfuhren,
Ansssigkeiten, Pflugmaen und andern Dingen haben, stammt von den Herzogen. Und
mgen auch deine Herren Gelegenheit zu unserer Gastlichkeit nehmen.
    Darauf sprach Fabian, der Zupan von Wysehrad: Durch die Gnade des Herzogs
bin ich dein Wirt, hoher Herr, und die Zupanei ist von dem Saale bis zur
Kleiderstube hinab dein Eigentum.
    Ich werde wie meine Vorgnger, sagte der Herzog, die Pfrnde dieser
Kirche mehren, weil sie auch so guten Absichten dienet. Jetzt aber, Herr, gehe
in das Haus.
    So gehen wir denn in diese Hochburg, sagte der Knig, welche in uralter
Zeit so heilig gegolten hat.
    Sie ist heilig gewesen, da sie noch in dem Walde gestanden ist, und die
heidnischen Frsten in ihr geherrscht haben, und sie ist noch heiliger geworden,
da christliche Kirchen in sie gekommen sind. Der Knig Wratislaw und der Herzog
Sobeslaw haben hier gewohnt, und die knftigen Herzoge werden desgleichen tun,
sagte Hugo.
    Der Knig und alle, die um ihn waren, ritten in die Burg.
    Dort stiegen sie von den Pferden, und der Knig ging gegen die Kirche der
Heiligen Petrus, Paulus und Clemens.
    Er betrachtete ihren Bau.
    Siehe, Herr, die Krone an der Mauer wiegt zwlf Mark Gold und achtzig Mark
Silber, sagte Hugo, sie hat der Herzog Sobeslaw machen lassen. In der Kirche
wirst du den Fuboden mit glnzenden Steinen belegt sehen, goldene und silberne
Kreuze und kostbare Tcher an den Altren, und schne Wandelgnge an den Mauern.
Das alles hat Sobeslaw errichtet.
    Ich habe von diesem Baue gehrt, sagte der Knig, und bin erfreut, ihn
nun mit meinen eigenen Augen zu sehen, und, wenn auch das uralte Kirchlein
Boriwoys nicht mehr steht, hier meine Andacht zu verrichten.
    Das Kirchlein Boriwoys, entgegnete Hugo, an dessen Stelle dieses
schimmernde Haus steht, ist ein heiliges Kirchlein gewesen; in ihm hat Cyrillus
drei Jahre den Leib des heiligen Clemens aufbewahrt, ehe er ihn nach Rom
brachte.
    So erzhlen die heiligen Geschichten, sagte der Knig.
    Dann gingen alle in die Kirche. Sie gingen an den goldenen und silbernen
Kreuzen und schnen Tchern der Altre und an den Wandelgngen vorber zum
groen Altare.
    Dort kniete der Knig, und es knieten alle andern nieder, und taten ein
kurzes Gebet.
    Dann betrachteten sie die Kirche.
    Dann gingen sie noch in die Kirche der heiligen Maria Magdalena und in die
des heiligen Martin, und beteten dort, und betrachteten die Kirchen.
    Dann besuchte der Knig die Grber der Herzoge Wratislaw und Sobeslaw und
der Herzoginnen Swatawa und Adelheid.
    Dann besah er in der Kammer des Frstenhofes die Bastschuhe des Herzoges
Premysl.
    Dann ging er in den groen Saal.
    In diesem Saale, sagte Hugo, werden die Landtage und die Feste des
Reiches abgehalten, und hier ist unser hoher Herzog Wladislaw gewhlt worden.
Vor zwlf Jahren sind mit dem Herzoge Sobeslaw einmal dreitausend Menschen in
diesem Saale gewesen.
    Hier, sagte der Knig, nehme ich Abschied von dir, erlauchter Herzog, und
gehe in meine Stube. Das andere dieser Herrscherburg, in welche du mich geladen
hast, werde ich mit den Meinigen allein einmal besehen.
    Hierauf ging er in sein Gemach, und dort verabschiedete sich der Herzog, und
ritt mit den Seinigen in die Burg Prag zurck.
    Die geistlichen und weltlichen Frsten ritten zu den Ihrigen.
    Das Heer des Knigs Konrad zog auf das Feld vor dem Wysehrad, um dort ein
Lager zu errichten. Alle andern Krieger gingen auf ihre Pltze.
    Gegen den Abend ritten der Knig Konrad, dann Heinrich, der Markgraf von
sterreich, und Otto, der Bischof von Freising, mit Geleiten in die Burg Prag.
    Dort sprach der Knig zur Herzogin Gertrud die Worte: Sei mir in deinem
Hause gegrt, du liebe Schwester. Ich sollte dir Bolzen und Lanzen und
Schwerter und Harnische bringen statt der Perlen, die ich fr dich in der Hand
halte. Wenn man dich im Flitter unter deinen Frauen sieht, sollte man es nicht
glauben, was die Leute von dir erzhlen. Ich werde meine Versumnis durch ein
schnes Waffenkleid zur Erinnerung an die vergangenen Tage gut machen. Meine
Hausfrau Gertrud sendet dir auch einen Gru, und die andere Gertrud, die bald
deine Schwgerin sein wird, hat einen andern Boten fr ihre Gre gewhlt.
    Ich bringe sie, sagte Heinrich, der Markgraf von sterreich, und bringe
die Ladung zur Vereinigung mit ihr. Bei diesem Feste werden die drei verwandten
Gertruden in einem Saale sein.
    Ich nehme alle Gre und Ladungen mit Freuden auf, antwortete Gertrud.
    Ich bin mit den zwei andern Brdern auch hier, sagte Otto, der Bischof von
Freising, um meine liebe Gertrud zu begren. Wir haben kmpfen wollen, und
finden nur Feste. Gott hat uns gefhrt, und das Gebet unserer frommen Mutter auf
dem Kahlenberge hat uns begleitet.
    Sie hat gewi gebetet, und ihr Gebet ist erhrenswert, sagte Gertrud, und
du, den sie so liebt, wirst es gedenken.
    Wenn ich es kann, ist es durch meinen Wandel, sagte Otto, und den will
ich unserer Mutter genehm zu machen suchen.
    Als es Nacht wurde, ritten alle in den Wysehrad zurck.
    Witiko bergab an diesem Tage Rowno das Schwert, welches er fr ihn aus
Nrnberg gebracht hatte, und teilte an die Waldleute die Geschenke aus, die er
fr sie dort erworben hatte.
    Der Knig blieb drei Tage in der Stadt Prag.
    Es waren an diesen Tagen Feste der Kirche und andere Feste, und die Herren
gaben sich Gastlichkeiten. Kostbare Fische und Speisen aller Art wurden herbei
gebracht, und der Herzog Wladislaw vergalt an Wein, der an der Elbe gewachsen
war, den, welchen die Herren vom Rheine und vom Neckar gebracht hatten. Es
wurden Spiele gehalten, und die deutschen Ritter zeigten, was sie mit Waffen und
Pferden konnten, und die bhmischen Herren zeigten, was in ihrem Lande
gebruchlich war. Unzhlige Menschen waren gekommen, und die bhmischen Mdchen
wiesen den fremden Reitern die Schnheit ihrer Landeskleider und ihrer
Angesichter. Auch die Mnner des Waldes kamen herzu, und lieen sehen, was sie
an Laufen und Ringen und Springen vermochten, und der Schmied von Plan verma
sich, zu sagen, kein Mann knne einen so schweren Stein heben wie er. Geschenke
wurden gegeben und empfangen.
    Die Kundschafter meldeten, da die Feinde wirklich auseinander gegangen
seien.
    Am vierten Tage zog das deutsche Heer auf dem Wege zwischen dem Petrin und
der Moldau hinaus, auf dem es herein gekommen war.
    Der Herzog Wladislaw nahm nun das verlassene Lager der Feinde in Empfang.
Was an Wert dort war, wurde verteilt. Die Schleudergerte, welche brauchbar
waren, wurden zu dem Kriegszeuge des Landes gestellt. Das Holz der Verbalkungen
und anderer Werke wurde den Armen gegeben. Die Verwundeten, welche man fand,
wurden zu einer besseren Besorgung in die Burgflecken von Prag getragen, und die
schlecht begrabenen Toten wurden besser mit Erde bedeckt. Die Priester sprachen
den christlichen Segen ber sie. Aus Dingen, die man in dem Lager oder auf dem
Kampfplatze fand, konnte man erkennen, da alle an den letzten Kmpfen Teil
genommen haben muten, die es vermocht hatten, Arbeiter, Schenken, Hndler,
Trdler, Trobuben, selbst Frauen.
    Wladislaw lie nun die Ebnung des Bodens beginnen, und verkndigen, da
alle, welche ein Eigentum dort haben, sich ausweisen sollen, um eine
Entschdigung zu erhalten.
    Als diese Dinge geschehen waren, hielt der Herzog einen Rat, wie die Kirche
des heiligen Veit und des heiligen Georg wieder aufzubauen sei, und wie man die
Mauern der Stadt wieder herrichten und mehr festigen knne, damit sie knftigen
Bestrmungen noch wirksamer zu widerstehen vermgen.
    Der Herzog, die Priester und die Herren des Rates beschaueten den Schutt der
Kirche, und beschlossen, da sie strker und schner aufgerichtet werde, und da
man ein steinernes Dach setze.
    Es wurden nun die Weisungen an die Werkmeister und Bauherren des Landes um
Rat und Beihilfe gesendet.
    Darauf versammelte Wladislaw alle Fhrer der Krieger, und verteilte an sie
Lndereien, Gold, Silber, Geschmeide, Waffen, Pferde, Gewnder, Gezelte,
Kriegszeuge, und was sonst zum Lohn und zur Erinnerung dieser Tage zu dienen
vermochte. Er bestimmte auch, was an alle brigen Krieger zu verteilen sei, und
gab die Art an, wie es sogleich getan werden msse.
    Dann sprach er: Wir haben nun einen kleinen Entgelt fr eure Taten
abgefertigt, wie wir ihn am Morgen nach meiner Ankunft in diesem Saale beraten
haben. Er soll kein Lohn sein, sondern nur der Beginn des Lohnes, und was ein
treuer Mann von mir wnscht, dafr werde ich zu aller Zeit ein offenes Ohr
haben. Die Gabe stammt aus dem frstlichen Gute, und das Gut hat nach den
Krften getan, die ihm jetzt eigen sind. Wir werden frder ohne Hilfe fremder
Mnner die Mittel des Landes rsten, um den Feind vollstndig zu besiegen, und
dann ist es nach dem Kriegsgebrauche Recht, da das Gut des Frsten durch das
Gut des Feindes wieder erstarken und die Getreuen ihre Beteiligung erhalten. Wer
in diesem Streite zu mir gezogen ist, und seine Mnner gebracht hat, mge in
seine Heimat ziehen, und dem Lande wieder helfen, wenn das Land seiner bedarf.
Meine Krieger verteile ich an ihre bestimmten Pltze. Und so mge jeder das
Denkmal der Waffenbruderschaft dieser Zeit dahin nehmen, und keiner in blem
Mute von hier scheiden. Darauf sprach Otto, der Bischof von Prag. Sie haben
mich zur Antwort an dich gewhlt, hoher Herr! Wir sind in diesen Streit gezogen
aus Liebe zu Gott und den Himmlischen, da durch Blut und Wirrsal nicht der
heilige Glaube, die heilige Religion und die christliche Sitte leide; ferner aus
Liebe zu dem Lande, da es vor groem Schaden bewahrt werde, und dann aus Liebe
zu dir, hoher Herr, da dir dein Recht erhalten werde. Gott und die Heiligen
haben geholfen, wir haben ihnen gedankt, und sind zu Ende. Wenn du gromtig wie
deine Vorgnger Gaben verteilt hast, so ehren die Gaben uns, wie die Gaben
deiner Vorgnger unsere Voreltern geehrt haben, und wir ehren die Gaben wieder
und genieen sie in Ansicht ihres Ursprungs. Zur weiteren Schlichtung der Dinge
wird dir die Treue der Deinen nicht fehlen.
    Es soll immer das Rechte und Gute geschehen, rief Bolemil.
    Das Rechte und Gute, riefen nun alle Mnner.
    Dann sprach wieder der Herzog. Ehe wir scheiden, geliebte Herren, haben wir
noch ein Urteil ber einen Schuldigen zu sprechen. Er harret drauen, und hat
sich in der Freude, die jetzt in dem Lande ist, zu dem Empfange seines Spruches
gestellt. Der Spruch wird gerecht sein, und die Gerechtigkeit wird vollzogen
werden. Rufet den Mann.
    Einer der Krieger an der Tr des Saales ging hinaus, und kam mit Witiko
zurck.
    Witiko, tritt vor, sagte der Herzog.
    Witiko ging von der Tr des Saales auf den Platz vor der Versammlung.
    Er hatte das Ledergewand an, welches er auf dem Ritte bei Chynow getragen
hatte, und in welchem er vor der Wahlversammlung in dem groen Saale des
Wysehrad gestanden war.
    Der Herzog sprach: Ihr kennet diesen Mann, und habt ihn schon einmal vor
euch gesehen.
    Wir kennen ihn, sprach Bolemil.
    Wir kennen ihn, sprach Lubomir.
    Wir kennen ihn, sprach Otto.
    Wir kennen ihn, sprach Zdik.
    Wir kennen ihn, sprachen viele.
    Odolen, der du die Tat des Mannes gesehen hast, derentwillen er hier steht,
erzhle in Getreuem, was sich alles zugetragen hat, sagte der Herzog.
    Odolen erhob sich von seinem Sitze, der in einer hinteren Reihe stand, und
sprach: Hoher Herr! Wir ritten zwischen Pilsen und dem Dorfe Holaubkau. Da kam
eine Schar von Reitern der Feinde. Es waren die Frsten Wratislaw von Brnn,
Otto von Olmtz, und Wladislaw, der Sohn des Herzogs Sobeslaw, unter ihnen. Es
wurde ein Kampf. Wir waren ihnen an Zahl um vieles berlegen. Wir standen so,
da sie mit dem Rcken gegen das Lager der Unsrigen gekehrt waren, wir gegen das
Lager der Ihrigen. Der Sieg zeigte sich fr uns. Witiko befehligte eine grere
Zahl Reiter als ich. Da die Feinde zur Flucht drngten, hie Witiko seine Reiter
nach der Seite wenden, da ich glaubte, er wolle die Feinde umgehen, und in
ihrem Rcken ihre Flucht hemmen. Es wurde aber eine Lcke gegen Prag, sie
wendeten ihre Pferde, und flohen durch die Lcke in der Richtung gegen Prag hin.
Meine und Witikos Reiter riefen Verrat, kamen in Unordnung, und als die Ordnung
wieder hergestellt war, hatten die Feinde eine groe Strecke vor uns. Witiko
bergab seinen Befehl an mich, ich ordnete die Verfolgung an. Witiko ritt als
Streiter mit uns. Auf dem Wege fanden wir die hlzernen Huser des Dorfes
Holaubkau brennen. Wir konnten durch den Brand nicht hindurch, und ehe wir einen
Umweg entdeckten, war so viele Zeit vergangen, da die Erreichung der Feinde
vereitelt war. Wir kehrten um, Witiko mit uns, und in dem Lager ging er zu dem
erlauchten Herzoge Wladislaw. So ist die Sache.
    Nach diesen Worten setzte sich Odolen wieder nieder.
    Witiko, sprich, sagte der Herzog.
    Witiko neigte sich vor dem Herzoge, und sprach: Ich habe den Kriegsfehler
nicht gemacht, da ich die Flucht der Feinde gegen das Lager der Unsrigen zu
hemmen gesucht htte. Ich wollte sie zu den Ihrigen entfliehen lassen, und es
ist gelungen. Weil drei Frsten selber so weit gegen unser Lager vorgeritten
waren, habe ich gedacht, sie mssen etwas Bedeutungsvolles im Sinne haben. Weil
sie aber zeigten, da es nicht auf die Unterwerfung an den erlauchten Herzog
Wladislaw abgesehen sei, so konnte es nur sein, da sie nicht durch Spher und
Gerchte Entmutigung in das Heer Konrads von Znaim kommen lassen wollten,
sondern selber vorritten, um nach der Rckkehr Mut und Anspornung zu den Ihrigen
zu bringen. Aber unsere Sache war so, da sie selber gegen ihren Willen die
Fruchtlosigkeit weitern Kampfes zu Konrad zurckbringen muten, und so habe ich
sie, da keine Verzgerung wrde, entkommen lassen. Verrat beging ich nicht;
denn sonst wre ich bei den Feinden, ich habe gegen das Kriegsgesetz gefehlt und
gegen den hohen Herzog gefehlt, und erwarte die Strafe.
    Wir kennen, was sich begeben hat, sagte der Herzog. Nun sprecht, Mnner,
ist Witiko strafbar?
    Witiko ist strafbar, und hat fr seine Jugend weise gehandelt, sagte Zdik,
der Bischof von Olmtz.
    Und was spricht mein Bruder Diepold? fragte der Herzog.
    Ich spreche nicht, sagte Diepold, Frsten aus Premysls Stamme stehen
gegen uns, man soll nicht sagen, da mich irgend eine Scheelsucht leite.
    Und Heinrich? sprach der Herzog.
    Ich rede wie Diepold, sagte Heinrich.
    Und Bolemil? fragte der Herzog.
    Bolemil sprach: Wir haben gesagt, da die Hilfe des Fremden in unserem
Streite ein Unglck ist, und da die Sache sehr schnell entschieden werden
sollte. Sie ist entschieden, der Fremde ist fort, und es hat keines Schwertes
bedurft. Wie es Gott so gefgt, wer kann entscheiden? Witiko aber hat in dieser
Art gehandelt, strafe ihn so hart du darfst, weil er deine Rechte gebt hat.
    Und was sagt Lubomir? fragte der Herzog.
    Lubomir sprach: Witiko ist gut wie ein Kind, ich habe ihn wie mein Kind
angesehen, da er bei mir gewesen ist, und werde ihn so ansehen, weil er keinen
Vater hat.
    Und Wsebor? sagte der Herzog.
    Strafe ihn nach Ermessen, sagte Wsebor.
    Und du, Diwis? sagte der Herzog.
    Strafe ihn, wie du es verstehst, sagte Diwis.
    Nach deiner Weisheit, sagte Chotimir.
    Und Daniel? fragte der Herzog.
    Weil du mich rufst, hoher Herr, antwortete der Priester Daniel, so sage
ich: ich kenne nicht genau das Streiten; aber der Frieden des Heilandes und
seine Liebe zu dem menschlichen Geschlechte soll ber allen Lndern schweben.
    Und was spricht Welislaw? fragte der Herzog.
    Welislaw sagte: Witiko hat bei Chynow fr sein Pferd entschieden gehandelt,
da wir ihm folgen muten, und hat jetzt fr das Land entschieden gehandelt.
    Und ist einer hier, der Witiko fr einen Verrter hlt? fragte der Herzog.
    Es antwortete keine Stimme.
    Nun, da ihr schweigt, sagte der Herzog, so spreche ich, wie folgt:
Witiko, du hast in der Schlacht auf dem Wysoka einen groen Dienst getan, und
nach der Schlacht wieder gedient. Als vor einigen Tagen die Fhrer in diesen
Saal kamen, um die Entgeltung der Verdienste zu beraten, und als sie heute
kamen, um die Entgeltung zu empfangen, warest du nicht unter ihnen. Du hattest
die Fhrerschaft eines meiner Reiterfhnlein an Odolen gegeben, und die
Fhrerschaft der Waldleute noch nicht bernommen. Dein Entgelt an Gold,
Gewndern und Waffen ist in meiner Kammer, und zwei Pferde sind fr dich in
meinem Stalle. Empfange alles. Bei Pilsen bist du nicht ein Verrter gewesen,
und hast nicht Abfall gesonnen; denn das httest du gesagt, wie du es mir vor
zwei Jahren gesagt hast; aber du hast das Kriegsgesetz und mein Recht verletzt,
und ich strafe dich; du bleibst so lange von meinem Hofe verbannt, bis ich dich
rufe, und zahlst sechshundert Denare in den Schatz des Landes, und weil du deine
Pfennige jetzt selber brauchen wirst, so leiht dir meine Kammer die Denare.
Jetzt entferne dich.
    Witiko verneigte sich, und verlie den Saal.
    Ich glaube, es war nicht zu hart, sagte der Herzog.
    Nein, nein, riefen mehrere Stimmen.
    Nun haben wir noch mit einem Krieger zu sprechen, sagte der Herzog, fhrt
Dimut, die streitende Schwester des Wladyken Rowno, herein.
    Zwei junge Ritter des Herzoges gingen durch die Tr hinaus, und geleiteten
nach einer kurzen Weile Dimut herein, welcher mehrere Mdchen folgten.
    Dimut war in ein weites flieendes Gewand von veilchenblauer Farbe
gekleidet, das von einem silbernen Grtel zusammen gehalten wurde. Die schwarzen
Haare waren in einem Silbernetze.
    Als sie vor den Herzog gekommen war, sagte er: Dimut, wir knnen dir keinen
Sitz anbieten. Ein Krieger, der kein Fhrer ist, mu vor den Fhrern stehen, und
ein Krieger bist du, wenn du auch keine Kriegsgewnder an hast.
    Ich stehe, Herr, sagte Dimut.
    Dimut, sprach der Herzog, die Bischfe, Priester, Frsten, Herren und
Lechen dieses Saales erkennen, da du heldenmtig gewesen bist, wie dein
Geschlecht es nicht ist, und da du Dank und Gaben verdienst. Den Dank sagen wir
hier, und in Prag und in dem Lande werden sie es sagen, was du getan hast. An
Gaben sind wir arm. Ich gebe dir ein Kriegerkleid, Goldschmuck, ein Schwert, das
so klein ist wie das deinige, und ein weies Pferd, das meine Herzogin mit
Silber geschmckt hat. Deinem Bruder habe ich Land an seinem Lande gegeben, und
du wirst es mit genieen. Und ich warte, da dich einer als Hausfrau heim fhrt,
und werde dann sinnen, was euch erfreuen kann. Du mut jetzt mit deinem Bruder
nach Hause gehen, da du wegen des Verrates, den du an der Veste Rowna gebt
hast, gestraft werdest. Wenn du die Strafe abgebt hast, komme nach Prag, du
gehrst zu der Herzogin, bleibe bei ihr, oder gehe wieder nach Hause, oder
komme, so oft du willst.
    Hoher Herr, antwortete Dimut, ich verdiene keinen Dank und keine Gaben,
weil ich getan habe, was ich nicht lassen konnte. Was mir deine Huld beschert,
dafr gebhrt dir der Dank, ich sage ihn, und werde alles mit Freude gebrauchen.
Man sagt, du werdest die zerstrten Heiligtmer wieder schner aufbauen, als sie
gewesen sind. Ich werde dann kommen, in ihnen zu beten, und dann werde ich in
Ehrfurcht zu der hohen Herzogin gehen.
    Nun so nimm als Krieger Abschied von den Kriegern, die mit dir gekmpft
haben, Dimut, sagte der Herzog, und auch von denen, die mit dir gekmpft
htten, wenn sie nicht mit mir nach Deutschland htten ziehen mssen.
    Die Mnner erhoben sich von ihren Sitzen, und nherten sich Dimut.
    Diepold reichte ihr die Hand, Heinrich reichte ihr die Hand, das taten auch
die Bischfe und die bte, der greise Bolemil, Lubomir, Diwis, Chotimir, Wsebor,
und alle lteren Fhrer. Die jngeren Krieger drngten sich herzu, faten nach
ihrer Hand, und sprachen zu ihr. Welislaw sagte: Du gibst mir noch den Pfeil
nicht.
    In meinem Leben nicht, sagte Dimut.
    Als alle Mnner zurck getreten waren, sagte der Herzog: Nun verschmhe
auch meine Hand nicht.
    Er reichte sie ihr.
    Dimut fate sie, und neigte sich mit der Stirne auf sie.
    Da sie zurck getreten war, sagte sie: Herrsche glcklich und gerecht,
hoher Herr.
    Gehe mit Gott, Dimut, sagte der Herzog, gebe der Himmel das eine, und
vermge ich das andere.
    Dimut wendete sich, ihre Mdchen umringten sie, und sie gingen aus dem
Saale.
    Und nun, hohe Herren, sagte der Herzog, gehabt euch wohl als Krieger und
nach dem Kriege. Als Freunde kommen wir heute am Abende noch in der Hofburg
zusammen, vielleicht fhrt bald den einen oder den andern sein Wille auf den
Heimweg. Mget ihr dort alles gut finden, und bringet meinen Gru euern
Angehrigen und denen, die im Lande um euch wohnen.
    Nach diesen Worten riefen die Mnner dem Herzoge ein Lebewohl zu, er dankte
entblten Hauptes, und sie verlieen den Saal.
    In dem Lager auf dem groen Verkaufsplatze zwischen dem rechten Burgflecken
und dem Wysehrad wurde an dem Tage auch eine groe Bewegung. Mnner aus den
Hofherren des Herzoges waren bei den verschiedenen Abteilungen, die Fhrer kamen
aus der Hofburg zu ihren Kriegern, und man verteilte die Gaben und Geschenke des
Herzoges an jeden Mann, der in dem Lager war.
    So geschah es auch bei den Mnnern aus Budissin, welche in der Nhe des
Dorfes Buben ihren Platz hatten. Sie empfingen Lohn, da sie gekommen, und zu
dem Streite bereitwillig gewesen waren.
    Und so geschah es auch bei den Verteidigern der Stadt Prag. Diepold war bei
ihnen, und alle Fhrer waren bei ihnen, welche den Kampf mit ihnen geteilt
hatten. Sie erhielten reiche Geschenke, und die, welche verwundet worden waren,
empfingen noch besondere Gaben.
    Vor dieser Frist wurde Witiko zu dem Herzoge gerufen. Der Herzog gab ihm die
Fhrerschaft ber die Waldleute zurck, und sagte, er mge zu den Seinigen
eilen, um bei der Verteilung der Gaben zu sein, welche sie fr ihre Taten
erhalten sollen.
    Witiko dankte, und ritt zu den Mnnern des Waldes. Da waren schon Hofherren,
da war Rowno, Hermann, Wyhon, Diet, Wolf, Wernhard, und alle, die zu fhren
gehabt hatten. Und die Gaben wurden verteilt. Als Witiko erschien, begann auch
die Verteilung bei den Seinigen. Sie war reichlich, und der Kammerschreiber gab
ihm auch Geld fr diejenigen, die vom Wysoka heim gegangen waren, und fr die
Angehrigen der Toten. Es war viel Freude und Frohlocken, und sie zeigten sich
wechselweise, was sie bekommen hatten.
    Der Herzog und die Herzogin ritten in schnen Gewndern mit einem Gefolge,
das in prunkenden Kleidern war, zu allen Abteilungen, an welche die Gaben
gereicht wurden.
    Am Abende dieses Tages waren Festmahle in allen Lagern, es waren Feste in
den beiden Burgflecken von Prag, und in dem Burgflecken des Wysehrad, und es war
ein Festmahl in der Hofburg des Herzogs.
    Witiko ritt zu dem Festmahle des Herzogs, und wurde von vielen seiner Leute
bis zu dem Tore begleitet.
    Nach dem Mahle wurde er in das Priesterhaus gefhrt, in welchem ihm wieder
seine Wohnung bereitet worden war, weil man die Lager zu verlassen begann.
    Am Morgen des folgenden Tages ging er zu den Seinigen, um sie zu begren,
und Anordnungen zu treffen.
    Sie standen oder saen im Sonnenglanze an den Htten oder Schirmen, die sie
auf ihrem Platze errichtet hatten, herum, und sprachen von verschiedenen Dingen.
Sie sprachen von dem, was geschehen war, von ihren Geschenken, und zeigten sich
dieselben neuerdings wieder, und mancher zhlte sein Geld aus einer Hand in die
andere. Der Schmied von Plan hatte ein sehr groes und starkes und altes
Waffenhemd erhalten, und hatte es ber seinen groben Rock angetan. David der
Zimmerer, welcher auf dem Berge Wysoka verwundet worden war, trug alle Gerte
des Zimmerwerkes herbei, welche klarer und spiegelnder waren, als er je gesehen
hatte. Veit Gregor zeigte ein Becken aus Silber, in welches er das heilige
Wasser, wenn es im nchsten Frhlinge geweiht sein wrde, zu gieen gesonnen
sei. Tom Johannes, der Fiedler, sa auf Holzblcken, welche zum Verbrennen
hergerichtet waren. Er hatte eine Geige in der Hand, und betrachtete sie.
    Da hast du ja wieder eine Fiedel, sagte Witiko.
    Ich habe niemals etwas so Schnes gesehen, antwortete Tom Johannes, und
wenn ich daran kneipe, so klingt sie, wie gar keine geklungen hat. Ich werde
jemanden in Plan unterrichten, da er sie streichen lerne, damit wir auch hren,
wie sie singt.
    Du wirst sie schon selber streichen, da sie singt, sagte Witiko.
    Ach, Witiko, sprach der Fiedler, du bist doch ein Tor.
    Wir werden sehen, ob ich ein Tor bin, sagte Witiko.
    Er zeigte nun auch manches von dem, was er von dem Herzoge erhalten hatte,
und es wurden die Pferde herbei gefhrt, da die Waldleute sie shen. Sie waren
ganz gleich lichtbraun, und mit Silber gezumt. Raimund fhrte sie hierauf
wieder in das Priesterhaus.
    Jeder der Knaben Osels ritt auf einem weien Pferdchen herum, das er von dem
Herzoge erhalten hatte.
    Witiko hie nun die Seinen sich zum Abzuge in die Heimat rsten, und sagte,
da er sie bis zu ihren Husern fhren werde.
    In dem Lager auf dem groen Marktplatze wurden die Gezelte abgebrochen, und
die Krieger bereiteten sich zum Fortziehen. Die Mnner von Budissin gingen in
der Richtung nach ihrer Heimat davon, und die Lechen ordneten die Ihrigen zum
Heimwege, nur diejenigen, welche mit dem Herzoge zu der Hochzeit Heinrichs, des
Markrafen von sterreich, nach Frankfurt zu gehen gesonnen waren, richteten ihre
Kostbarkeiten zu dem Zuge.
    Die Fhrer gingen gegenseitig zu einander, um Abschied zu nehmen. Sie
reichten sich mannigfaltige Geschenke. Witiko ging zu den lteren, und dann zu
seinen jungen Freunden. Er brachte manchem etwas mit, und empfing von manchem
etwas. Bolemil gab ihm den wohlgegliederten Waffenrock, den Dalimil auf dem
Wysoka getragen hatte, da er ihn als Erinnerung an jenen Tage bewahre, an
welchem er die Lcke des Verrates ausgefllt hat, und dadurch sein Kampfnachbar
geworden ist. Lubomir gab ihm ein Schwert mit einem Silbergrtel.
    An alle Stellen, auf denen Mnner waren, die fortziehen wollten, wurden
Nahrungsmittel gebracht, da sie sich fr ihren Weg versehen konnten.
    Der Herzog ordnete noch manches, setzte Diepold zu seinem Stellvertreter
ein, und ging mit der Herzogin und mit einem groen Geleite auf seinen Zug zur
Hochzeit seines Schwagers Heinrich.
    Witiko verkaufte noch das lahme Pferd, welches Raimund whrend der
Belagerung Prags gepflegt hatte, und kaufte fr den Knecht Jakob ein anderes.
    Dann begannen die Mnner des Waldes gegen den Mittag des Landes zu ziehen.
    Rowno zog mit den Seinen zuerst davon. Dimut ritt auf ihrem Pferde neben
ihm. Das weie Pferd wurde von einem Manne Rownos gefhrt. Dann ging Hermann von
Attes, dann Wyhon von Prachatic.
    Die Leute Witikos richteten auch ihr Letztes zu ihrem Heimzuge. Sie bargen
oder nhten gar ihr Hauptgeld in ihre Gewnder, sie fllten ihre Scke mit
Nahrung und anderen Dingen, und hngten daran noch allerlei seltsame Sachen aus
der Lagerbeute oder Werkzeuge. Sie kauften Honigbrote und Brote aus Weizenmehl,
geflochtene und gebackene Krnzlein fr die Kinder, dann Hausgeschirre,
besonders gar schne runde gedrechselte Holzkrge und anderes Gerte, wohl auch
Stoffe zu Schleifen und Latzen. Und dann gingen sie an der Burg Wysehrad vorber
in der Richtung gegen ihren Wald dahin.
    Witiko fhrte sie auf dem Wege, den er eingeschlagen hatte, da er von
Wladislaw fort gegangen war, als derselbe den Herzogstuhl bestiegen hatte. Er
ritt in seinem Ledergewande auf seinem grauen Pferde, und jedes der braunen
Pferde wurde von einem Knechte gefhrt. Saumpferde trugen alles grere Gepcke.
    Gegen den Abend des sechsten Tages kamen sie an der Rckseite des
Kreuzberges von Plan an. Die Leute hatten auf ihre Zurckkunft gewartet, und von
dem Berge gegen den Wald ausgeschaut. Jetzt liefen sie ihnen entgegen. Die
Mnner aber, die von dem Kriege kamen, hielten vor dem Berge an, setzten sich in
das Gras, zogen ihre Stiefel aus, hingen dieselben auf ihre Schfte oder Stbe
oder Schwerter, und zogen barfig in die Kirche. Witiko ritt aber als Fhrer in
seiner Bekleidung vor ihnen, und gab das Pferd vor der Kirche zum Halten. In der
Kirche harrte der Pfarrer auf die Mnner, segnete sie beim Eingange, sprach dann
vor dem Altare ein Dankgebet. Dann wendete er sich um, und hielt eine Festrede.
Er ermahnte die Mnner, sie sollen Gott preisen, der sie erhalten hat, sollen
der Toten gedenken, und sollen durch den erlangten Reichtum nicht bermtig und
leichtfertig werden. Beim Ausgange segnete er sie wieder.
    Auerhalb der Kirche begannen nun die Mnner erst ber alles zu sprechen.
Die Ihrigen und andere umringten sie, und Freuden und Reden wurden getauscht.
Die Mnner drngten sich dann zu Witiko, verabschiedeten sich, und zerstreuten
sich in ihre Wohnungen.
    Witiko ritt in das steinerne Haus.
    Er verteilte an diesem Tage noch das Geld, welches ihm der Kammerschreiber
fr die Streiter auf dem Wysoka und die Angehrigen der Toten mitgegeben hatte,
er trstete die Mutter Norberts und Wolfgangs, und besuchte den Pfarrer.
    Am nchsten Morgen ging er auf den Kreuzberg, und sah auf den Wald des
schwarzen Sees und auf den Wald des heiligen Thomas.

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 In einfachen Gewndern.

Witiko blieb eine Woche in dem steinernen Hause und bei den Mnnern von Plan.
    Dann ritt er in das Kloster an der Sazawa zu Silvester.
    Er fand ihn in dem Garten mit Gemsepflege beschftigt.
    Als der Greis den Jngling erblickte, sagte er: Kmmst du zu mir, Witiko?
    Ich bin zu Euch gekommen, antwortete Witiko.
    So sei gegrt, und folge mir in meine Stube, sagte Silvester.
    Ich folge Euch, sagte Witiko.
    Silvester streifte noch einige Erde, die an seinem Gewande klebte, ab, und
schlug den Weg gegen die Mauern des Gebudes ein. Witiko ging hinter ihm her.
    Das Gemach Silvesters erreichte man durch einen Gang, welcher von den Beeten
des Gartens gerade in das Gebude fhrte. Die zwei Mnner kamen zuerst in eine
kleine Vorhalle mit steinernem Fuboden, in welcher sich nichts befand als ein
Wasserbecken von dunkelrotem Marmor, in das ein feiner Strahl aus einer Rhre in
der Mauer nieder flo. Aus der Vorhalle traten sie in die Zelle. Sie war nicht
gro. In ihr stand das hohe Kreuzbild des Heilandes, welches Witiko, da er in
der Sendung Sobeslaws in Prag war, in dem Bischofhause neben der Tr gesehen
hatte, durch welche die Bischfe Silvester und Zdik heraus getreten waren. Sonst
standen einfache Gerte da, und die zwei Fenster sahen auf die Bume und
Gestruche des Gartens hinaus.
    Setze dich auf eines dieser Gesiedel, sagte Silvester.
    Witiko tat es.
    Dann setzte sich Silvester auf ein anderes, und sprach: Ich sage dir noch
einmal einen Gru in dem Herrn, da du zu mir gekommen bist. Kann ich dir einen
Dienst erweisen?
    Ich bin zu Euch gekommen, entgegnete Witiko, weil mich der Dank an Euch
bindet, welchen ich damals nur kurz erweisen konnte, als ich von Wladislaw ging,
da er den Herzogstuhl bestiegen hatte, und ich bin zu Euch gekommen, weil mich
die Liebe an Euch bindet; denn Ihr habt in jener Versammlung auf dem Wysehrad,
heiliger Vater, die besten Worte geredet.
    Nenne mich nicht einen heiligen Vater, antwortete Silvester, es wre wie
Hohn und Spott; ich bin in meinen Werken ein gebrechlicher Mensch, ich konnte
die Worte nicht finden, jene Versammlung zu bewegen, und kann meine
Klosterbrder nicht leiten, sie lieben mich, und folgen mir nicht. Die Gemse
gedeihen leidlich, wenn ich sie begiee, und ihnen die gehrige Erde gebe. Ich
bin nicht einmal ein rechter Grtner fr den folgsamen Kohl und die gelben
Blumen.
    Ihr habt aber doch alle Vorkommnisse erkannt, sagte Witiko.
    Ich habe nur erkannt, was gut ist, antwortete Silvester, und das hat mir
mein Heiland gesagt, und mit dem Guten ist alles andere verbunden, wenn es auch
die Augen nicht sehen.
    Wenn mir undeutlich ist, was ich tun soll, sagte Witiko, so erlaubet, da
ich in Euern Garten komme, und Euch um das Gute frage, an welchem das andere
dann hngt, ich werde Euch kurz fragen, da ich Euch die Zeit nicht entziehe,
und ich werde doch einer sein, der Euch folgt.
    Komme, so oft du willst, antwortete Silvester, und so oft dein Herz dich
mahnt; jeder Mensch mu dem andern helfen, wenn Hilfe not tut, und er mu auch
helfen, wenn Hilfe nicht not tut, wenn er aber doch darum gebeten wird, und der
Priester mu noch mehr helfen, weil er der Priester ist, und der oberste
priesterliche Vater des Landes mu am meisten helfen, weil er der oberste
priesterliche Vater des Landes ist, und ich wre es gewesen, wenn mir Gott nicht
durch ein Geschehnis gezeigt htte, da ich dieses Land nicht zu dem heiligen
Geiste versammeln kann. Ich habe es einem andern berlassen. Zu dem Guten aber,
Witiko, tut Hilfe nicht not; denn das wei ein jeder Mensch.
    Und warum tut er es denn nicht? fragte Witiko.
    Weil er gegen das Wissen handelt, wenn ihn die Lust oder die Schlauheit
treibt, sagte Silvester. Im Ntzlichen kann man dem Menschen raten, wenn man
es kennt.
    Und dann befolgt er den Rat nicht, sagte Witiko.
    Weil er es selber besser zu wissen meint, entgegnete Silvester, und so
kommen die Erfahrungen. Es sind sehr viele Dinge, mit denen die Menschen sich
beschftigen. Wir haben in unserem Klosterbesitze Wlder, die uns vor dem Froste
des Winters schtzen, von denen wir bauen, die uns die Speisen bereiten helfen,
und die uns noch Tiere und Gewchse liefern. Wir pflegen sie. Wir haben Felder
und Wiesen, auf denen Dienliches sprosset. Wir warten ihrer sorgsam. Wir haben
Untertanen, Grundhrige, Gewerkleute und Volk, die Brder suchen sie zu lenken.
In diesem Garten ist Obst, Gemse, Blumenwerk, wir hegen es, und teilen den
Menschen gerne mit, die um uns sind, und unterrichten sie.
    Ich bin mit Leuten aus dem Walde, welche in den Krieg gingen, sagte
Witiko, und welche sich dann meiner Fhrung anvertrauten, zu dem jetzigen
Herzoge Wladislaw gezogen.
    Wladislaw, der Sohn unseres verstorbenen Herzoges Sobeslaw, sagte
Silvester, hat nicht geantwortet, als sein Vater auf dem Sterbebette zu ihm
gesagt hatte, er solle sich Wladislaw, der jetzt Herzog ist, unterwerfen. Dann
hat er sich dem Herzoge von Znaim, Konrad, gegen Versprechungen hingegeben. Den
jetzigen Herzog Wladislaw haben viele Herren der Lnder Bhmen und Mhren
gewhlt, und sie haben sich die Macht zur Wahl selber gegeben. Und so ist jetzt
berall kein Recht. Seit dem Aufhren der Alterserblichkeit sind die Herzoge
durch die Gewalt Herzoge gewesen, und wir haben ihnen gehorcht. Der Herzog
Wladislaw ist auch durch die Gewalt Herzog, und die Guten sind zu ihm gegangen.
Was Bolemil getan hat, was Lubomir getan hat, und was der rechtschaffene Diwis
getan hat, das hast du auch getan, mein Sohn.
    Ich meine, Wladislaw handelt wie ein guter Herzog, sagte Witiko.
    Er hat bisher so gehandelt, antwortete Silvester, und ich glaube, da er
auch im Knftigen so handeln wird. Er ist gromtig, wie sein Vater gromtig
gewesen ist. Er ist ein besserer Mann als Wladislaw, der Sohn Sobeslaws. In
diesem Gedanken hat der ehrwrdige Bischof Zdik gehandelt. Das Gute, das
geworden wre, wenn die Mnner auf dem Wysehrad an dem Rechte gehalten htten,
und das Gott auch mit dem minderen Manne Wladislaw eingeleitet htte, kann nun
nicht mehr werden. Der Herzog Wladislaw wird ein anderes Gute bringen, und er
wird das Schlechte, das aus dem Unrechte auf dem Wysehrad folgen mu, zu
vermindern streben, wie er es jetzt schon getan hat. Aber er wird nicht alles
vermeiden knnen, wie er es jetzt nicht vermocht hat. Heiligtmer sind dahin,
Menschenleben sind verloren, und Gut ist zerstrt. Das Gericht ist viel frher
gekommen, als ich gedacht habe, und mancher steht vor Gottes Thron, und mu
sagen, was er getan hat. Nacerat, der Hchste, ist erschlagen worden, und sein
Sohn, der blhte, ist von einem Manne gefallen, dessen Namen vorher nur die
nannten, denen er die Hufe der Rosse beschlagen hatte. Ich bedaure den
wohlmeinenden Zdik. Mein Gebet um Schonung ist nicht erhrt worden, weil ich
sndig bin, und Gott weiser ist. Das Gericht dauert noch fort, viele Lippen
werden klagen oder beten oder fluchen. Ich ziehe nicht in den Krieg; aber ich
bitte Gott, da Wladislaw siege.
    Und wie wird er dann gegen die Herzoge verfahren? fragte Witiko.
    Wenn sie sich reuig unterwerfen, wird er ihnen verzeihen, und sie noch mit
Gnaden begaben. Er wird selbst dem undankbaren Otto nicht nach dem Leben
streben.
    Wenn er doch dem verblendeten Wladislaw verziehe, und den andern Kindern
Sobeslaws stets liebevoll wre, sagte Witiko.
    Er wird es sein, sagte Silvester, wie er es bis jetzt gewesen ist, und
wie er ehrerbietig gegen die sanfte Adelheid gewesen ist. Den Knaben Wladislaw,
der sich sein eigenes Recht nicht zu erhalten wute, achtet er nicht hoch, und
frchtet ihn nicht.
    Ich mchte recht gerne Wladislaw einen groen Dienst tun knnen, sagte
Witiko, da ich das Recht gewnne, fr die Kinder Sobeslaws zu bitten.
    Das Recht hast du auch jetzt schon, antwortete Silvester, wie ein jeder.
Wladislaw ist fr dich gut gesinnt. Er erkennt die Treue, die du Sobeslaw
erwiesen hast, und mit der du an ihm halten wirst.
    Ich werde ihm die Treue bewahren, sagte Witiko, wem ich den ersten Dienst
tue, dem tue ich auch den zweiten und den dritten, und alle, wenn auch er die
Treue gegen die Seinigen bewahrt.
    Er wird sie bewahren, sagte Silvester, die Reichen und Mchtigen der zwei
Lnder sind gegen ihn, die Geringeren sind mit ihm, er wird sie belohnen, da
sie ihm in der Beherrschung der Lnder beistehen, und wird an ihnen halten, wie
er an dir gehalten hat, da du noch gar nicht bei ihm warst. Er hat in Nrnberg
mit dem hochehrwrdigen Kardinale Dietwin geredet, da der Heilige Vater in Rom
einen Boten in das Land Bhmen schicke. Mgen ihn die Engel begleiten, da der
Glaube, den der gottselige Herzog Boriwoy gegrndet hat, und den die Heiligen
Wenzel und Adalbert zu befestigen gestrebt haben, die Gewaltttigkeit hindert,
die noch in den Geschlechtern lebt, und da der Glaube ber allem sei, wie
dieses geschnitzte Bild des Heilandes, das einmal ein guter Abt dieses Klosters,
Bozetech, mit seinen eigenen Hnden verfertigt hat, vor den Gerten des Gemaches
hervorragt, die zu tglichem Dienste sind. Du hast fter mit Besonnenheit
gehandelt, Witiko, wandle in Demut vor Gott, und trachte nicht nach Macht, dann
werden die Deinigen Groes wirken, wenn sie nicht auch Bedrckung und Gewalt
ben, und sich dadurch zerstren. Der Herzog Wladislaw kann Ruhm und Ansehen
ber dieses Land bringen, mir deucht, er hat etwas, das dieses vermag; aber ich
meine, da es besser wre, wenn er in dem Lande mit Segen, als drauen mit Ruhm
genannt wrde. Doch, wie es Gott fgt, ist es gut.
    Ich werde tun, wie Ihr gesagt habt, hochehrwrdiger Vater, antwortete
Witiko, und will Euch als ein Vorbild meiner Handlungen nehmen.
    Dann tust du nicht gut, Witiko, sagte Silvester, whle dir dein Vorbild
aus den christlichen Helden, die gelebt haben, oder aus den Mnnern in unsern
Lndern, die Krieger und doch weise und mig sind.
    Ich trage noch eine Bitte in mir, ehrwrdiger Vater, derentwillen ich eines
Teiles zu Euch gekommen bin, sagte Witiko.
    So sprich, entgegnete Silvester.
    Ich habe auf einem Zuge, den ich mit meiner Schar und mit Odolens Schar
machte, die Herzoge Wratislaw, Otto und Wladislaw im Kampfe absichtlich
entrinnen lassen, sagte Witiko, damit sie zu Konrad von Znaim kmen, und ihm
berichteten, wie seine Sache ohne Hoffnung sei, da er abziehe, und der weitere
Krieg vermieden wrde. Sagt mir, hochehrwrdiger Vater, ob das, was ich getan
habe, gut ist, wie Ihr gut nennt.
    Ich wei es, was du getan hast, sagte Silvester, und ich meine, da es
nicht gut ist. Du hast dich dem Herzoge als Krieger verpflichtet, und hattest
nur zu tun, was die Sache des Krieges ist.
    Ich danke Euch, hochehrwrdiger Vater, fr alle Worte, die Ihr zu mir
gesprochen habt, sagte Witiko, es ist gut, da ich Euer Urteil wei.
    Und was wirst du denn jetzt, da noch Ruhe ist, beginnen? fragte Silvester.
    Ich werde nach Pric gehen, antwortete Witiko, dann werde ich zu meiner
Mutter gehen, die ich schon lange nicht gesehen habe, und wenn die Zeit ist, in
der ich wieder einen kleinen Dienst tun kann, werde ich kommen.
    Handle so, mein Sohn, sagte Silvester. Enden wir die Rede, es naht die
Stunde des Mittagmahles, folge mir in das Speisegemach, und teile unser Brod und
unsern Trunk mit mir und meinen Brdern. Lasse dein Pferd pflegen, oder pflege
es selber, wie du gewohnt bist, und bleibe so lange in dem Kloster, als es dir
gefllt.
    Mit diesen Worten erhob er sich von seinem Sitze, Witiko erhob sich auch,
und in kurzem gingen die zwei Mnner aus dem Gemache, und wandelten durch den
Gang in die Speisestube.
    Witiko blieb vier Tage in dem Kloster an der Sazawa, und betrachtete die
Gegenstnde, welche in dem Kloster waren, und die Wlder und die Grten und die
Felder.
    Am fnften Tage nahm er Abschied. Silvester sprach:
    Komme wieder, du wirst mit Freundlichkeit empfangen werden.
    Ich werde kommen, sagte Witiko, weil Ihr so gut seid.
    Dann bestieg er sein Pferd, und ritt in der Richtung gegen Pric davon.
    In dem Hofe von Pric, der dem Geschlechte Witikos gehrte, blieb er eine
lange Zeit, und tat, wie er dem Hofe fr ersprielich hielt.
    Eines Tages kam gegen den Untergang der Sonne ein Mann geritten, welcher ein
braunes weites Gewand an hatte, das mit einem schwarzen Lederriemen gegrtet
war. Auf dem Haupte hatte er eine braune Filzhaube ohne Feder oder sonstiges
Zeichen. Aus dem Angesichte flo ein langer brauner Bart auf das Gewand. Von
Waffen konnte man nichts an ihm bemerken. Der Mann begehrte eine Nachtherberge
in dem Hofe. Sie wurde ihm gewhrt. Witiko sagte zu dem Knechte Kuto, fhre das
Pferd in den Stall.
    Er selber fhrte den Mann in die groe Stube. In derselben setzte sich der
Mann auf die Bank neben dem groen Buchentische. Eine Magd stellte Brod und Salz
und einen Krug mit Bier auf den Tisch. Der Mann nahm von dem Brote und Salze,
und trank von dem Biere. Dann, da es zu dem Abendessen kam, erhielt er ein
Stcklein gerucherten Schweinfleisches. Witiko wies ihm hierauf eine
Schlafkammer an. Als der nchste Morgen erschienen war, sagte Witiko zu dem
Knechte: Kuto, ich werde mit dem fremden Manne fort reiten, und du mut mich
geleiten. Richte dich zurecht.
    Dann sagte er: Mira, Glota, Wacemil, ihr htet mit den andern das Haus, bis
ich wieder komme.
    Dann legte er sein Ledergewand an, und in kurzer Frist ritten die drei
Mnner von dem Hofe weg.
    Sie ritten mittagwrts dem Walde zu. Im Walde ritten sie auf einem schmalen
Pfade zwischen die Bume hinein. Sie ritten auf dem Pfade unablssig fort.
Zuweilen trank einer aus einer Quelle, die an allen Orten im Walde rieselten. Da
es wrmer wurde, hielten sie auf einem Rasenplatze an, neben dem ein Bach flo,
und gaben den Pferden etwas Nahrung und Trank. Dann ritten sie wieder weiter.
    Am Mittage kamen sie zu Waldhtten, die den Namen Elhenic hatten. Dort gaben
sie den Pferden ihre Mittagpflege, und sie selber aen Gerstenbrote, Milch und
Eier, und tranken von dem Waldwasser. Nach zwei Stunden ritten sie wieder ihres
Weges. Sie ritten nur einmal noch am Nachmittage an Htten vorber, die den
Namen Tis fhrten. In der Zeit nach der Hlfte des Nachmittages nhrten sie ihre
Pferde wieder ein wenig, und setzten dann ihren Weg fort. Sie kamen in den
dichten Wald des Andreasberges und von ihm hinunter auf Ogfolds Heide, auf
welcher schon die Bsche und Grser von der untergehenden Sonne rot waren. Von
Ogfolds Heide ritten sie den hohen Tannenwald hinan, und dann seinen
langgestreckten Abhang hinunter, und dann wieder hinan, und wieder hinunter. Am
Ende des letzten Abhanges gelangten sie in freies Land. Sie sahen an dem
Abendhimmel einen flachen kegelartigen Berg. Sie ritten an seiner linken Seite
dahin, und erblickten dann den keildachigen Turm und die Kirche und dann die
mittagwrts hinabgehenden Huser des oberen Planes. Sie ritten in den Ort, und
von ihm wieder hinaus in das steinerne Haus Witikos.
    Die Bewohner des Hauses schliefen schon. Witiko stieg von dem Pferde, und
klopfte mit dem Klppel an die Tr. Ein Fenster wurde geffnet, Martin sah
heraus, und tat einen Ruf der Freude, da er Witiko erblickte. Er ffnete hierauf
das Hoftor, und Witiko ging mit seinem Pferde hinein, und der Fremde und Kuto
ritten in den Hof. In demselben stiegen sie ab. Es kam nun auch Raimund, der
Knecht, und Lucia, die Magd. Martin klagte, da man drei Pferde nicht werde in
den Stall bringen knnen, wenn man nicht die Khe in den Schoppen stelle. Witiko
lie die Pferde in den Schoppen fhren, und dort anhalftern. Die Magd Lucia
sendete er in die Stube um ein Licht in einer Laterne. Als sie damit
zurckgekommen war, wurden die Pferde weiter versorgt, und es wurde lngs der
offenen Seite des Schoppens eine Mauer aus Strohbnden gemacht. Dann gingen die
Mnner in die Stube. Lucia brachte Brod und Salz und Butter und Kse. Sie wollte
um Bier zum Schenken gehen; Witiko lie aber nicht zu, da sie jemanden wecke.
Die Mnner aen von dem Brote, vom Kse und Butter, und tranken Wasser, welches
ein Strahl lieferte, der hinter dem Hause in eine Steinkufe rann. Dann suchten
sie die Nachtruhe.
    Am nchsten Morgen sendete Witiko Kuto zurck, und sagte dem Knechte
Raimund, da er sich rste, ihm und dem Manne in dem braunen Gewande zu folgen.
Da alles in Bereitschaft war, und da die Mnner die warme Milch, welche Witiko
hatte bereiten lassen, getrunken hatten, bestiegen sie ihre Pferde. Raimund war
in das grobe graue Gewand gekleidet, das man in der Gegend hatte, trug eine
kurze Wurflanze in der Hand, und hatte ein kleines Beil in die Schleife seines
Sattels gesteckt. Sie ritten nun auf dem Wege gegen den Wald des heiligen
Thomas, und nach kurzer Frist lenkte Witiko von dem Wege gegen mittagwrts. Sie
kamen bald an das Ufer der Moldau, und durchritten das Wasser, das an dieser
Stelle seicht war, und ritten jenseits im Sumpfgrunde auf einem festen Riegel
einem rauschenden Bache entgegen. Sie kamen in den dichten Wald der
Glckelberge, ritten in ihm drei Stunden lang fort, und gelangten dann zu dem
Berge des heiligen Ulrich hinunter. Dort hielten sie Mittagruhe und Mittagpflege
in den Gefilden des bayrischen Herzoglandes. Nach zwei Stunden Rast ritten sie
in der Richtung zwischen Abend und Mitternacht an dem Wasser der entgegen
kommenden Mihel weiter, und da noch die Sonne hoch am Himmel stand, bogen sie
wieder von der Mihel gegen Mitternacht, und ritten dem Hause zu, in dessen Nhe
Witiko an einem Sonntage das Mdchen Bertha mit Waldrosen bekrnzt gefunden
hatte, und wo er als Gast aufgenommen worden war.
    Die Mnner ritten an das Tor des Hauses. In dem Tore ffnete sich ein
Schubfach, und das Haupt eines Knechtes sah heraus. Dann schlo der Knecht das
Fach, und ffnete das Tor. Unter dem Bogen des Tores stand Heinrich, und sagte
zu Witiko: Seid gegrt. Es ist gut von Euch, da Ihr auf meine Einladung nicht
vergessen habt, und wieder einmal in mein Haus gekommen seid. Ihr werdet mit den
Eurigen freundlich in demselben aufgenommen.
    Ich danke Euch, entgegnete Witiko, wir bitten nur um Raum zu einer kurzen
Rast fr heute, um etwas Nahrung fr uns und unsere Pferde und um eine Herberge
fr die Nacht. Mit dem frhen Morgen werden wir unsern Weg wieder betreten.
    Wie es Euch gefllt, und wie Ihr in Absicht habt, entgegnete Heinrich, es
wre ein Unrecht, den Gast zu zwingen, lnger zu bleiben, als er will, er wisse
nur, da er gerne begrt wird.
    Ich danke Euch fr Eure Gesinnungen, sagte Witiko.
    So reitet ein, antwortete Heinrich.
    Nach diesen Worten trat er seitwrts, und Witiko ritt mit seinen Gefhrten
in den Hof. Dort stiegen sie von den Pferden. Der Knecht, welcher das Tor
geffnet hatte, und ein anderer, welcher herbei gekommen war, nahmen die Pferde,
und fhrten sie in den Stall. Heinrich geleitete Witiko gegen eine Tr, die von
dem Hofe in das Gebude ging, die zwei andern folgten. Als sie an der Tr
angelangt waren, sah Witiko, da von ihr mehrere Stufen empor fhrten. Er stieg
mit seinem Gastherrn die Stufen hinan. Dann gelangten sie in einen Gang, in
dessen Mitte ein Fallgitter war, unter welchem sie hindurch gingen. Dann kamen
sie an eine Tr. Heinrich ffnete sie, und lie die Mnner in ein Gela, welches
aus zwei Gemchern bestand, und Gerte und Betten hatte.
    Hier haltet Rast und Herberge, Witiko, sagte Heinrich, Ihr seid von allem
Gerusche entfernt. Und wenn es Euch dann genehm sein wird, so kommt zu meiner
Haufrau, sie zu begren.
    Ich werde bald kommen, entgegnete Witiko, sagt der hohen Frau indes meine
Ehrerbietung.
    Ich werde es tun, antwortete Heinrich, und gehabt euch wohl.
    Gehabt Euch wohl, sagte Witiko.
    Heinrich verlie die Gemcher.
    Die drei Mnner standen nun in dem Raume, der ihnen angewiesen worden war.
    Ich werde nach den Pferden sehen, sagte Raimund.
    Tue das, entgegnete Witiko, ich werde dir sogleich folgen.
    Raimund ging fort, der Mann in dem braunen Gewande setzte sich auf ein
Gesiedel, das in einer Ecke stand, und Witiko verlie nun auch das Gemach.
    Als er in den Hof kam, sah er dort den Knecht, welcher das Tor geffnet
hatte.
    Der Knecht nherte sich ihm, und sagte: Das ist sehr gut, da Ihr gekommen
seid, das ist sehr gut.
    Es kann gut sein, sagte Witiko, und es freut mich, da du das sagst.
    Und das schne Pferd habt Ihr auch noch, das bei den Khlern gestanden
ist, sagte der Knecht, und Ihr werdet wieder zu ihm gehen, wie damals.
    Das werde ich tun, antwortete Witiko, wie heiest du denn?
    Hando, erwiderte der Mann.
    Nun, Hando, entgegnete Witiko, du wirst mir wohl behilflich sein, wenn
ich etwas brauche.
    Es ist der Befehl des Herrn, da ich bei den Pferden bleibe, sagte Hando,
ich glaube, da Euer Pferd sehr rechtschaffen sein wird.
    Es ist schon rechtschaffen gewesen, und wird wieder rechtschaffen sein,
sagte Witiko.
    Nach diesen Worten ging Witiko von dem Knechte in den Stall. Er sah, da die
Pferde gut eingestellt und mit Decken versorgt worden waren. Er sagte Raimund
noch genauer, was er tun solle, streichelte sein graues Pferd, und ging dann
fort. Er ging ber den Hof, und suchte den Saal, in welchem er einst von
Heinrich empfangen worden war, und in welchem man das Mittagmahl eingenommen
hatte. Er kam in den Saal. Der Saal war gerade so wie damals, er hatte die
Tische, die Waffen, und an einem Fensterpfeiler hing auf einem Nagel ein
Kopfgoldreifchen mit kleinen ffnungen. Es war aber niemand in dem Saale. Witiko
ging durch eine Tr in ein weiteres Gemach. Auch dieses war leer. Als er in
demselben stand, hrte er Tritte kommen, und Heinrich ging herein. Er fhrte
Witiko durch ein zweites Gemach, das gleichfalls leer war, in ein drittes, in
welchem Wiulfhilt sa. Sie stand von dem Stickrahmen auf, und ging Witiko
entgegen.
    Seid willkommen, Witiko, sagte sie.
    Ich bringe meinen ehrerbietigen Gru߫, sagte Witiko, ich bin in Euer
gastliches Haus gekommen, hohe Frau, um darin um eine Nachtherberge zu bitten.
    Und mein Gemahl und ich gewhren sie, entgegnete die Frau, und wrden
viele Nachtherbergen gewhren.
    Mein Weg ruft mich morgen wieder weiter, entgegnete Witiko.
    So genieet heute, was unser Haus vermag, sagte Wiulfhilt.
    Nach diesen Worten ging sie zu ihrem Sitze, und lud Witiko ein, sich auch
nieder zu setzen.
    Er tat es. Heinrich setzte sich auch.
    Wiulfhilt richtete ihre blauen Augen auf Witiko, und sagte: Ihr seid vier
Jahre nicht in unserem Hause gewesen.
    Ich habe oft an dasselbe gedacht, entgegnete er.
    Dann gebt Ihr jenen Stunden, die Ihr da waret, ein gutes Gedchtnis, sagte
Wiulfhilt.
    Oft denkt man weniger Stunden, und vergit vieler, antwortete Witiko.
    Ja, so ist es, entgegnete Wiulfhilt, und wie Ihr in jener Zeit nicht
einmal eine Nacht unter unserem Dache geblieben seid, so wollt Ihr heute auch
wieder nur nach einer Nacht weiter.
    Es hat sich alles gefgt, sagte Witiko, und fgt sich jetzt auch wieder.
    Nun, so gehorcht Eurer Fgung, und mge sie immer eine gnstige sein,
erwiderte die Frau.
    Es wechselt das Gute mit dem beln, sagte Witiko.
    Und mit dem Ehrenvollen, entgegnete Wiulfhilt, Ihr seid lange bei dem
bhmischen Herzoge Sobeslaw gewesen, und seid von ihm zu dem Landtage geschickt
worden.
    Ich bin ein Jahr in Bhmen gewesen, da Sobeslaw herrschte, und nur wenige
Tage bei ihm, da er sich zum Sterben rstete, sagte Witiko, und es ist kein
Landtag gewesen, zu dem ich gegangen bin, erhabene Frau, sondern eine
freiwillige Versammlung der Herren der Lnder Bhmen und Mhren, um fr das
Sterben Sobeslaws einen Nachfolger zu whlen, obgleich sie schon dem Sohne
Sobeslaws den Eid geleistet hatten. Ich bin auch nicht zu der Versammlung
geschickt worden, sondern Sobeslaw, der mir traute, wollte nur wissen, was in
seiner Krankheit geschehe. Ich bin selber in die Versammlung gegangen.
    Und Ihr habt dort geredet, sagte Wiulfhilt.
    Und sie haben mich ihren Beratungen und Beschlssen zuhren lassen,
antwortete Witiko.
    Seid Ihr bei dem Tode Sobeslaws gewesen? fragte Heinrich.
    Ich habe ihn sterben gesehen, antwortete Witiko.
    Er hat sich dem Hohenstaufen Konrad verbndet, und ist ein Feind unseres
verstorbenen Herzoges Heinrich gewesen, sagte Heinrich, aber ich habe ihn doch
geehrt, und habe es ihm gezeigt, wenn ich ihn gesehen habe.
    Habt Ihr seine Adelheid gesehen, Witiko? fragte Wiulfhilt.
    Ich habe mit ihr gesprochen, und sie hat mir die Geschenke des Herzogs fr
meinen Dienst gegeben, antwortete Witiko.
    Wie hat sie den Tod ihres Gemahles ertragen? fragte Wiulfhilt.
    Sie hat fr ihn gebetet, und ist in Trauer gestorben, sagte Witiko.
    Wir haben davon gehrt, entgegnete Wiulfhilt; ist fr ihre Kinder gesorgt
worden?
    Der Herzog Wladislaw ist ehrfurchtvoll gegen Adelheid gewesen, sagte
Witiko, er ist gromtig gegen ihre Kinder, und er wird selbst gegen den
aufstndigen Wladislaw nicht hart sein.
    Ihr seid, da auf dem Herzogstuhle gewechselt worden, lange in dem oberen
Plane gewesen, Witiko, sagte Wiulfhilt.
    Da ist eine traurige Zeit verflossen, entgegnete Witiko, ich wollte dem
neuen Herzoge nicht dienen, und bin in dem kleinen Hause geblieben, das wir in
Plan besitzen. Ich habe nur mit den Waldleuten geredet und einmal mit einem
alten Zupane und zwei kleinen Herren des Landes, ich habe meine Mutter nicht
gesucht, und konnte nichts tun, als was ein Knecht bei einem kleinen
Hausverwalter tut.
    Ihr habt Euch aber dann dem Herzoge Wladislaw zugewendet, sagte Heinrich.
    Da der andere Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, sein Recht aufgegeben hatte,
bin ich im Gedchtnisse der Sterbeworte Sobeslaws, die seinem Sohne die
Unterwerfung an Wladislaw angeraten hatten, zu dem Herzoge gegangen.
    Und Ihr seid in der Schlacht gegen die Mhrer und bei den anderen Kmpfen
gewesen, sagte Heinrich.
    Nicht bei allen, da ich anderwrts hin befohlen wurde, antwortete Witiko.
    Wladislaw ist der Sohn des Herzoges Wladislaw, der ein starkmtiger Mann
gewesen ist, und er ist der Neffe des Herzoges Sobeslaw, der auch ein
starkmtiger Mann gewesen ist, und er wird selber starkmtig sein, sagte
Heinrich.
    Gegen mich ist er gut und freundlich gewesen, sagte Witiko.
    Es wre ersprielich, wenn auch in unserem Herzogtume Baiern alles geordnet
wrde, sprach Heinrich, es haben in den Kmpfen viele Mnner, denen noch eine
lange Zeit auf der Erde bevor stand, das Leben verloren, andere haben auch sonst
ihr Ende gefunden. Unser hochsinniger Herzog Heinrich, der zwischen den Meeren
gebot, und dem der Kaisermantel gebhrte, ist aus der Welt gegangen, Richenza,
die Witwe des Kaisers Lothar, die als Heldin bei den Sachsen stand, ist in das
Grab gestiegen, und Leopold, der Markgraf von sterreich, den der Knig Konrad
mit dem Herzogtume Baiern belehnt hatte, und der sich dieses Herzogtum mit allen
Krften erstreiten wollte, liegt in der Erde. Und Adalbert, der Erzbischof von
Mainz, der dem Knige Konrad so feindlich gewesen ist, mute von hinnen. Jetzt
vermhlen sie die Witwe unseres hohen verstorbenen Herzoges dem feindlichen
Geschlechte, Heinrich, dem Bruder Leopolds, dem Markgrafen von sterreich. Das
Shnlein unsers mutvollen Herzoges belohnten sie mit Sachsen, und Baiern behlt
der Knig Konrad noch fr einen Ergebenen in der Hand. So meinen sie es
geendiget zu haben. Aber es wird wieder auferstehen, und mancher Mann, nachdem
er in vielen Lndern und Kmpfen gewesen ist, kann sich den Sitz der Ruhe nicht
grnden, indes die besten Jahre dahin gehen.
    Tragen wir es, sagte Wiulfhilt, Gott kann alles fgen, und kann uns
Freuden bereiten, die wir gar nicht vermutet haben.
    So fge er es, antwortete Heinrich, und fge es bald. Ihr habt Euch bei
den Leuten Vertrauen erworben, die in dem Walde wohnen, Witiko.
    Ich liebe das lange und breite Waldesband und seine Leute, sagte Witiko.
    Im Walde stehen noch viele Dinge bevor, sagte Heinrich, beachtet sie,
Witiko.
    Ich suche nach dem Rechten zu streben, so wie ich es verstehe, sagte
Witiko.
    Tut immer so, dann knnt Ihr manches erreichen, entgegnete Heinrich.
    Ihr seid in den Jahren, die wir Euch nicht gesehen haben, viel stattlicher
geworden, Witiko, sprach Wiulfhilt.
    Die Jugend ndert sich schnell, sagte Heinrich, in spteren Zeiten ist
man oft Jahre lang gleich.
    Ihr scheint mir auch wirklich wie damals, hochedle Frau, sagte Witiko,
selbst die Haare tragt Ihr wieder im Goldnetze.
    Das ist so die Gewohnheit, sagte Wiulfhilt, habt Ihr Euch das gemerkt?
    Es ist so, als wre seit jenen Tagen keine Zeit vergangen, sagte Witiko.
    Nun, wenn Ihr wieder nach mehreren Jahren erst abermals hieher kommt,
sprach Heinrich, mget Ihr uns dann auch als die gleichen und nicht lter sehen
als heute.
    Oder mgen alle Verwirrungen enden, und mget Ihr bald wieder zu uns
kommen, und lnger bleiben, sagte Wiulfhilt.
    Wenn ich den freundlichen Empfang wie die zwei Male erwarten darf, werde
ich wiederkommen, antwortete Witiko.
    Der Empfang wird immer gut sein, erwiderte Heinrich.
    Ich habe Euch, erhabene Frau, den Ankunftsgru gebracht, sagte Witiko,
und Eure Zeit genommen. Erlaubet, da ich Euch nun verlasse.
    Mit diesen Worten stand er von seinem Sitze auf.
    Wiulfhilt sagte: Nehmt noch einmal das Willkommen, und handelt bei uns nach
Euerm Gefallen.
    Gebraucht Eure Zeit nun fr Euch, Witiko, sagte Heinrich, und seid
gedenk, da Ihr, wenn die Glocke schallt, mit den Eurigen zum Abendessen kommt.
    Ich werde folgen, antwortete Witiko.
    Er verlie hierauf das Gemach.
    Er ging jetzt wieder in die Kammern, die ihm zur Herberge angewiesen worden
waren. Dort standen auf einem Tische Speisen und Wein; aber es sa niemand vor
ihnen. Raimund war nicht da. Der Mann in dem braunen Gewande lag angekleidet auf
einem Bette, und schlief.
    Witiko verlie nun auch die Gemcher wieder.
    Er ging durch den Hof in das Freie. Dort lenkte er seine Schritte dem
rauschenden Wasser entgegen, das von dem Walde der drei Sessel herab flo. Er
ging auf dem weichen Rasen dem Wasser entgegen und dem groen breit
aufsteigenden Walde zu. Als er an den Rand desselben gekommen war, teilte sich
der Weg. Der eine Zweig ging gerade zwischen den Stmmen empor in der Richtung
gegen die drei Sessel, der andere ging links an dem Saume des Waldes fort.
Witiko wendete sich gegen diesen Pfad. Da sah er in der Tiefe unten, in welche
ein Arm des Wassers hinab flo, auf einem Steinblocke zwischen Gebschen den
Mann mit den schwarzen krausen Haupthaaren sitzen, der einmal im Hauzenberge den
Topf mit Draht umwunden, und den Heinrich im Waldhause Wolf geheien hatte. Der
Mann blckte seine weien Zhne gegen Witiko, lchelte, und wies fter mit
seinem Finger in der Richtung des Waldsaumweges hin.
    Witiko ging auf diesem Wege fort.
    Er ging zuerst an dem Waldrande, dann zwischen Stmmen, dann wieder frei an
dem Waldrande, immer aufwrts. Dann gelangte er zu einem sehr groen
Granitsteine, der aus dem weichen Grase emporstand, und hher als eine Waldhtte
war, und nach unten auf Ahorne und das Waldhaus und weiter hin auf Berge blicken
lie. Vor dem Steine war eine Bank aus Holz, und neben der Bank stand Bertha,
die Tochter Heinrichs. Zu ihren Fen war grner Rasen, unter ihr graues
Gestein, ober ihr graues Gestein, und hinter ihr der dunkle Wald.
    Sie hatte nicht wie damals, da Witiko sie zuerst gesehen hatte, die weien
rmel des Hemdes und die Zpfe, sondern ein reiches veilchenfarbenes Kleid und
die Haare in einem silbernen Netze.
    Sie stand, und sah auf Witiko, Witiko sah auf sie.
    Dann sagte sie: Bist du gekommen, Witiko?
    Ich bin gekommen, sagte er, und du stehst wieder wie meine Weissagung am
Rande des Waldes, aber ohne Rosen.
    Man knnte allerlei Krnze tragen, sagte Bertha, von dem Heidekraute, von
dem wohlriechenden Kunigundenkraute, von den grnen Blttern der Preuelbeeren.
    Die dunkelrote Waldrose ist dein schnster Schmuck, entgegnete Witiko,
und mein Glck. O Bertha, du bist sehr schn geworden.
    Du bist auch schn geworden, Witiko, sagte Bertha, und du bist zwei Jahre
in dem oberen Plane jenseits des Waldes gewesen.
    Meine Mutter hat dort ein kleines Haus, antwortete Witiko.
    Und in dem Hause bist du gewesen, sagte Bertha, du hast geholfen, kleine
Arbeit zu tun, du bist zu Leuten in die Stuben gegangen, du hast Leute in deine
Stube geladen, du bist auf deinem grauen Pferde die Wege um Plan geritten, du
hast Nachbarn in dem Walde und fern des Waldes besucht, und bist auf den Berg
gegangen, auf welchem das rote Kreuz steht.
    Ich habe von dem Berge auf die Wlder geschaut, die rings um ihn zu sehen
sind, antwortete Witiko.
    Die Mdchen von Plan nennen den Berg Witikos Berg, sagte Bertha.
    Das habe ich nie gehrt, entgegnete Witiko.
    Sie haben ihn so genannt, als du dort warest, erwiderte Bertha, und
nennen ihn so, da du fort warest. Du bist mit den Leuten des Waldes auf den Berg
Wysoka und in die Stadt Prag gegangen, und hast sie wieder in ihre Heimat
zurckgefhrt.
    Woher weit du denn diese Dinge, Bertha? fragte Witiko.
    Von der Moldau sind viele Wege herber, mancher heilige Mann geht sammeln,
und unser Knecht Wolfram kennt alle Fluren.
    Der Berg heit der Kreuzberg, sagte Witiko.
    Du bist zu dem Herzoge Sobeslaw gegangen, und hast ihm treu gedient,
sprach Bertha.
    Er ist unserm Lande ein gerechter und wohlttiger Herrscher gewesen, sagte
Witiko.
    Du bist zu ihm auf die Burg gegangen, da er sich zum Sterben rstete,
sagte Bertha, und bist bei ihm geblieben, da sich die Herren zur Wahl eines
Nachfolgers versammelten.
    Manche sind treu geblieben, manche sind abgefallen sagte Witiko.
    Und du bist fr den Herzog nach Prag gegangen, sprach Bertha, bist in die
Versammlung der Herren gegangen, hast sie bewogen, hast sie gehrt, und dem
Herzoge die Botschaft gebracht.
    So ist es gewesen, Bertha, sagte Witiko.
    Und du bist bei des Herzoges Sterben und seiner Bestattung gewesen, sagte
Bertha, und bist von dem neuen Herzoge auf zwei Jahre Groll in den Wald
gegangen.
    Nicht auf Groll, antwortete Witiko, sondern ich habe dem Herzoge nicht
gedient, weil noch das Recht bei Wladislaw, dem Sohne Sobeslaws, war.
    Und nach dem Ende dieses Rechtes, sagte Bertha, bist du mit den Guten zu
dem andern Wladislaw gegangen, du bist in der Schlacht auf dem Berge Wysoka
gewesen, du hast den Schaden der Verrter gut gemacht, du hast nach dem Tode
Smils den Befehl ber die Waldleute gefhrt, und hast in dem Kampfe ein weies
Schild mit der dunkelroten fnfblttrigen Waldrose getragen.
    Was ich getan habe, wei ich nicht mehr genau, antwortete Witiko, aber
den weien Schild mit der dunkelroten fnfblttrigen Waldrose habe ich
getragen.
    Ihr seid, du und die Waldleute, mit dem Herzoge nach Prag gezogen, sagte
Bertha, du bist ihr Fhrer geworden, du bist mit dem Herzoge zu dem Knige
Konrad nach Nrnberg geritten, du hast mit Odolen die Feinde geschlagen, und
hast die mhrischen Frsten entrinnen lassen. Der Herzog hat in dem Gerichte
darber dich geehrt, und du bist mit den Waldleuten wieder nach Plan gegangen.
    So ist alles, Bertha, sagte Witiko.
    Ich wei es, antwortete Bertha; aber weit du, was ich gesagt habe?
    Nein, ich wei es nicht, antwortete Witiko.
    Ich habe gesagt, entgegnete Bertha, keiner soll mein Gatte werden, der
nicht ist wie Witiko, oder er selber soll mein Gatte werden. So habe ich gesagt.
Ihr aber, edler Witiko, seid nicht zu uns gekommen, und wisset nur, als ich Euch
heute in unsern Hof reiten sah, bin ich von Euch fort zu dem Walde gegangen.
    Und ich habe dich in dem Walde gesucht, antwortete Witiko, und mein
Himmelgeschick hat mich dich finden lassen wie an jenem Sonntage. Du Bild des
heitern Sonntages, Bertha, ich habe deinen roten Mund nicht vergessen, der auf
den sonnigen Steinen gesprochen, und dein Auge nicht, das in dem Walde geglnzt
hat. Da ist die schne Dimut in dem Turme von Rowna, da ist die schne Herzogin
Gertrud in der Hofburg in Prag, da wandeln die schnen Frauen und Jungfrauen in
den Straen und Grten von Prag, und wohnen in den hohen Husern und Schlssern,
da sind in dem Hoflager des Knigs Konrad und in Nrnberg Frauen und Jungfrauen
voll der Schnheit, in Plan, in Daudleb, in Wettern, in Friedberg, im Walde sind
die Mdchen wie die Rosen; ich aber habe nicht vergessen, da ich mit dir auf
den Steinen des Waldes gesessen bin, und da du hher bist als die Rosen.
    Und doch hast du den Weg ber den Wald herber zu mir nicht gesucht, sagte
Bertha.
    Ich habe zu dir in jenem Walde unten einmal gesagt, antwortete Witiko,
da ich ein rechter Mann werden wolle. Und weil ich noch kein rechter Mann
geworden war, bin ich aus Scham nicht gekommen, Bertha. Aber auf dem Kreuzberge
bin ich gestanden, und habe auf den Wald geschaut, hinter dem ich dich zum
ersten Male gesehen habe, und habe wieder auf den Wald geschaut. Ich wre auch
heute nicht gekommen, nur ein kleiner Umstand hat mich hergefhrt. Aber ich wre
einmal gekommen, wenn ich ein rechter Mann geworden wre, und htte dann
gesehen, ob du denkest wie ich.
    Ja, Witiko, so ist auch alles recht, wie du getan hast, sagte Bertha.
    Und ich werde kommen, sagte Witiko.
    Und du weit schon, wie ich denken werde, sagte Bertha.
    So ist alles gut und klar, sagte Witiko.
    Baue dir ein Haus, Witiko, sagte Bertha, und wenn dann noch keine Makel
an dir ist, so folge ich dir, und harre bei dir bis zum Tode. Dann rede zu den
Mnnern deines Landes, bringe sie zu dem Groen, und tue selber das Groe.
    Ich habe dir gesagt, da ich das Ganze tun will, was ich kann, antwortete
Witiko.
    Ich will, da dir keiner gleich ist, sagte Bertha, so weit die Augen
blicken, es mgen unten die Bume des Waldes emporstehen, oder die goldenen
Felder der hren oder der grne Sammet der Wiesen weit und weit dahin gehen.
    Ich will zu dem Hchsten streben, sagte Witiko.
    Und wenn du ein niederer Mann wrdest, sagte Bertha, so wrde ich als
dein Weib von dir gehen, dahin du mir nicht folgen knntest.
    Du gehst nicht, und alles wird sich erfllen, sagte Witiko.
    Alles wird sich erfllen, sagte Bertha.
    Und nun bitte ich dich um etwas, Bertha, sagte Witiko.
    Sprich, entgegnete Bertha.
    Lasse mich deine Lippen kssen, ber welche einmal der Quell des Gesanges
geklungen hat, sagte Witiko.
    So ksse sie, Witiko, sagte Bertha.
    Und er nahete sich, und kte ihren Mund.
    Dann sagte er: Wie schn ist die Stelle, darauf wir stehen, es hat jemand
die Bank gebaut.
    Ich habe sie errichten lassen, entgegnete Bertha, so wie ich die Steine
habe legen lassen, auf denen wir vor vier Jahren gesessen sind.
    Bist du oft hier? fragte Witiko.
    Da wir in dem Walde waren, bin ich oft da gewesen, und habe an dich
gedacht, antwortete Bertha.
    Und wenn ich auf die Waldhhen geschaut habe, auf denen eine Burg schn
ragen wrde, sagte Witiko, so schaute ich am lngsten auf die Hhe der
Sessel.
    
    Und mein Herz jauchzte, als du sie auf dem Wysehrad gezwungen hast, dir
einen Sitz zu geben, sagte Bertha.
    Und ich habe in meinem Sinne die Worte gesagt, die du im Walde gesprochen
hast, antwortete Witiko.
    Und ich habe auf Wolf gelauscht, wenn er von dir erzhlte, sagte Bertha.
    Ich habe dieser Tage das Gewand angelegt, das ich hatte, als ich dich zum
ersten Male sah, sprach Witiko.
    Ich dachte es, antwortete Bertha.
    Ich habe die rote Rose auf dem weien Schilde deinetwegen in dem Kampfe
getragen, sagte Witiko.
    Ich wute es, entgegnete Bertha.
    Und ich kann hier nur weilen, bis die Sonne des Morgens scheint, dann mu
ich wieder fort, sagte Witiko.
    Ich wei es, antwortete Bertha.
    Du weit es? fragte Witiko.
    Ja, ich wei es, sagte sie, und lasse uns schnell zu den Eltern gehen.
    Sie wendeten sich. Witiko reichte ihr den Arm. Sie legte ihren Arm in den
seinigen, und so gingen die zwei Gestalten auf den Pfad an dem Waldsaume dahin,
und gingen auf dem Pfade gegen das Haus Heinrichs. Als sie gegen die Tiefe
kamen, wo die zwei Wege sich vereinigen, sah Witiko den Mann Wolf noch immer auf
dem Steine in der Schlucht neben dem Gebsche sitzen. Da Wolf die Wandler
erblickte, sprang er von dem Steine, und eilte in groen Sprngen durch die
Schlucht gegen das Haus. Witiko und Bertha aber gingen an dem Bache dem Hause
zu, von dem Witiko vor kurzem allein herauf gegangen war.
    Als sie das Haus erreicht hatten, gingen sie durch die nmliche Tr in
dasselbe, durch welche Bertha Witiko herein gefhrt hatte, da er das erste Mal
hieher gekommen war. Sie traten in den Vorsaal, und von demselben in den Saal.
Er war leer. Hier lste Bertha ihren Arm von dem Witikos, und eilte in die
ferneren Gemcher.
    Witiko aber ging zu den Seinigen.
    Der Mann in dem braunen Gewande schlief noch immer auf dem Bette, und
Raimund war wieder nicht in der Herbergwohnung.
    Witiko ging auch wieder von den Stuben fort, und ging gegen die Stlle.
    An der Tr zu den fremden Pferden standen die Knechte Hando und Raimund, und
sprachen.
    Hando, sagte Witiko, gehe zu deinem Herrn, und frage ihn von mir, ob ich
zu dieser Frist zu ihm kommen, und mit ihm reden drfe.
    Ich werde es tun, sagte Hando.
    Er ging in das Haus.
    Witiko sprach zu Raimund: In unsern Kammern stehen Speisen und Getrnke.
Wenn du essen und trinken willst, so gehe hin, und nimm, was du bedarfst. Ich
esse jetzt nicht. Der andere schlft, und lasse ihn schlafen.
    Ich werde etwas von den Speisen nehmen, sagte Raimund.
    Der Knecht Hando kam zurck, und sagte: Ich soll Euch zu dem Herrn fhren.
    So fhre mich, antwortete Witiko.
    Der Knecht ging voran, Witiko folgte ihm. Aus dem Gange des Vorsaales hinter
der eisenbeschlagenen Eingangstr fhrte der Knecht Witiko in ein Gemach, in
welchem Heinrich an einem Tische sa. Er stand auf, da Witiko eingetreten war.
    Da der Knecht sich entfernt hatte, sagte Witiko: Wenn es Euch genehm ist,
mich zu hren, so htte ich Euch etwas mitzuteilen, das Euch und mich betrifft.
    Sprecht, Witiko, sagte Heinrich, das Gemach ist zu meinem Gebrauche.
    Er wies auf einen Stuhl, und als sich Witiko darauf niedergelassen hatte,
setzte er sich auf einen andern.
    Witiko sprach: Ich bin vor vier Jahren auf einem Ritte von Passau nach
Bhmen in Euern Wald gekommen. Weil des andern Tages ein Sonntag war, lie ich
mein Pferd bei den Khlern an der Mihel stehen, und ging in den Wald, um zu
beten. Ich sah nach dem Gebete an dem Waldrande ein Mdchen stehen, das noch
sehr jung war. Das Mdchen trug rote Waldrosen in einem Kranze um das Haupt. Ich
sprach mit dem Mdchen, wir setzten uns auf Steine, und redeten Dinge, wie sie
Kinder zu reden pflegen. Das Mdchen war Eure Tochter Bertha, und fhrte mich in
Euer Haus. Ich habe das Kind nicht vergessen, und trug es in dem Sinne. Dann
dachte ich, wenn ich etwas getan habe, da ich zu den guten Mnnern unseres
Landes gezhlt werde, wolle ich kommen, und fragen, ob Bertha mein Weib werden
knne. Die Zeit zu dieser Frage war noch nicht gekommen, weil ich noch nichts zu
tun vermocht habe. Ich bin heute zu Euch geritten, Eure Gastfreundschaft fr
eine Nacht zu erbitten. Ihr gewhrtet sie. Dann ging ich zu Eurer Gemahlin, um
ihr den Ankunftsgru zu bringen. Sie sprach mit Gte zu mir. Hierauf ging ich in
den Wald. Es war mein Wille, Bertha zu suchen. Ich fand sie, und da kam
vorzeitig aus dem Munde, was spter htte gesprochen werden sollen. Ich sagte,
da ich nie ein anderes Weib zu meiner Gattin nehmen werde als Bertha, und
Bertha sagte, da sie nie einen andern Mann zum Gatten nehmen werde als mich,
und ich kte Eure Tochter auf den Mund. Wenn Ihr ein Mann seid, der meint, da
durch diese Handlung die Gastlichkeit verletzt worden ist, so werde ich Euch die
Genugtuung leisten, die Ihr gerecht fordern knnet. Morgen mu ich fortreisen.
Bestimmt nach vier Tagen einen Tag, ich werde kommen. Was ich zu Bertha
gesprochen habe, ist wie eine Handfeste, die gilt. Bertha tue, wie sie mu.
    Witiko schwieg.
    Heinrich aber sprach nach einer Weile: Witiko, jetzt hret mich an. Von dem
alten Randshofe, dem Eigen der Pipine und der Shne Karls, sieht man ber die
Brunnenau und den Innstrom wasserabwrts einen Fels, darauf die Burg Jugelbach
steht. Die Burg ist das Haus unseres Geschlechtes. Ich bin Heinrich von
Jugelbach. Man nennt mich Fahrirre, weil ich die Eigen vieler Herren gesehen
habe, und ber Land und Meer gefahren bin. Ihr seht aber an meinem Waldhause,
da ich auch stille lebe. Mein Vater ist Werinhart von Jugelbach, meine Mutter
ist Benedicta von Aschach. Mein Bruder ist Gebhart von Jugelbach, der lteste
Bruder Werinhart ist gestorben. Meine Gattin ist Wiulfhilt von Dornberg. Bertha
ist unser einziges Kind. Der edle Mann, Adelram von Aschach, unser Grovater und
der Vater unserer Mutter Benedicta, ist gestorben, und das Erbe von Aschach mit
Mauten und Gebhren diesseits und jenseits der Donau ist an unsere Mutter
gekommen, weil Adelram keine anderen Kinder hatte. Da ist in dem Aschachwinkel
der Ort Hilkering, der gehrt den zwei edlen Brdern von Schillingsfirst, und
der ist der einzige, welcher nicht ein Teil der Erbschaft ist. Ich und mein
Bruder Gebhart sind von dem Inn an die Donau nach Aschach herab gestiegen, und
werden zwei Burgen bauen. Die eine werden wir auf dem Berge hinter dem Orte
Hilkering bauen, und sie wird Stauf heien, und die andere werden wir auf der
Waldhhe, die von Aschach gegen die alte Stadt Eferdingen geht, bauen, und sie
wird Schauenberg heien, weil sie in das Land ber die Donau schaut, darin die
Mihel fliet, und in das Land, dahin die Donau geht, und auf die Berge, die
gegen die Steiermark sind. Die von Jugelbach sollen in Stauf und Schauenberg
gro werden, und in die Geschicke ihrer Lnder hinein wachsen. Jetzt, Witiko,
kennt Ihr unser Geschlecht. Nun will ich von der Genugtuung sprechen. Ihr habt
in der Schlacht die rote Waldrose auf dem weien Schilde getragen, sehet, da
die Rose in die Geschicke Eurer Lnder hinein blhet, und dann kommt. Bis dahin
ist Bertha von Euch getrennt, und seid Ihr von Bertha getrennt. Ist Euch diese
Genugtuung gerecht?
    Sie ist mir gerecht, sagte Witiko, ich danke Euch fr Eure Worte. Ich
habe nie gedacht, Bertha anders zu gewinnen als so, und ich habe nie gedacht,
anders zu handeln, wenn auch Bertha nicht wre.
    Tut so, sagte Heinrich, und wenn eine Burg wird, in der die Rose ist, so
denke ich, da die Burg der Rose und da Stauf und Schauenberg in gleicher Gre
und in Wohlvernehmen fortbestehen mgen. Ihr seid als Gast in meinem Hause immer
willkommen. Jetzt mu ich den Frauen verknden, was wir gesprochen haben.
Beurlaubet mich.
    Er stand auf, Witiko stand auch auf, die Mnner reichten sich die Hnde, und
Witiko verlie das Gemach.
    Da er in den Hof gekommen war, sah er Wolf.
    Wolf ging eilig zu ihm, und sagte: Ihr seid sehr lange nicht mehr in unser
Haus gekommen.
    Ist es dir lange geworden? fragte Witiko.
    Ja, entgegnete Wolf, es ist mir lange geworden.
    Ich habe nicht anders gekonnt, entgegnete Witiko.
    Zhlt nur auf mich, ich will Euch in allen Dingen beistehen, sagte Wolf.
    Nun, ich werde es dir sagen, wenn ich deines Beistandes bedarf, antwortete
Witiko, und werde dir dafr danken.
    Es ist nicht Dankes halber, sagte Wolf, ich tue es gerne. Unser Herr ist
strenge, er hat die ganze Welt gesehen, die Leute nennen ihn Fahrirre, ich habe
es ihm aber nie gesagt. Sonst ist er auch gut.
    Ich habe es erfahren, sagte Witiko, er ist immer gastlich gegen mich
gewesen.
    Ja, gastlich ist er, sagte Wolf.
    Witiko verabschiedete sich von Wolf, und ging in seine Wohnung.
    In derselben sa der Mann, der die braunen Kleider hatte, auf einem Stuhle,
und der Knecht Raimund sa auf einem andern Stuhle. Witiko sah, da von den
Speisen und den Getrnken etwas verzehrt worden war. Raimund berichtete, da die
Pflege der Pferde vorber sei, und da sie jetzt ruhen knnten. Witiko nahm von
den Speisen und Getrnken nichts, und setzte sich auf einen Stuhl.
    Es dauerte noch eine Zeit, bis die Sonne unterging. Da ertnte eine Glocke
in dem Hause.
    Witiko erhob sich, und ging mit Raimund und dem fremden Manne in den groen
Saal.
    In demselben war alles so zum Speisen angeordnet, wie es Witiko gesehen
hatte, da er zum ersten Male in dem Hause gewesen war. Er wurde an das obere
Ende des Tisches zu Heinrich und Wiulfhilt gefhrt. Heinrich stand obenan,
Witiko wurde zu seiner Linken gewiesen, rechts war die Mutter und dann Bertha.
Es waren auch noch zwei Mnner am oberen Ende des Tisches, die Heinrich
Dienstmannen, Hartnit und Liutolt, nannte. Die Leute des Hauses harrten weiter
unten, bei ihnen waren auch der Knecht Raimund und der Mann in dem braunen
Gewande. Heinrich sprach ein lautes Gebet, in das die Leute antworteten. Nach
dem Gebete setzten sich alle nieder, und die Speisen wurden von zwei Mgden
gebracht. Sie wurden alle zugleich auf den Tisch gestellt. Auf dem oberen Ende
waren Fische, es war gebratenes Geflgel, es war Hirschfleisch, es waren Kuchen,
es war Brod und Wein. Auf dem unteren Ende des Tisches war gebratenes
Hammelfleisch, Bier und Brod.
    Als das Mahl geendet war, sprach Heinrich wie vorher ein Gebet. Nach
demselben gingen die Leute, welche an dem unteren Ende des Tisches gesessen
waren, fort.
    Heinrich sagte zu Witiko: Mge Euch als Gast mein Abendessen wohl bekommen,
und weil ihr morgen mit dem Anbruche des Tages fortreiten wollt, so nehmen wir
heute Abschied.
    Wiulfhilt sagte: Lasset Euch gengen, was wir Euch in Eurer kurzen Zeit
hier bieten konnten, und kommet als Gast bald wieder in unser Haus. Mein Gemahl
und ich werden Euch gerne aufnehmen. Sein Wille ist der meinige.
    Ich danke Euch, edle Frau, sagte Witiko.
    Darauf wendete er sich zu Bertha, und sprach: Mge Bertha das Glck
erfahren, das ihr die wnschen, die sie lieben.
    Mge Witiko erreichen, was er hofft, entgegnete Bertha.
    Er will darnach streben, sagte Witiko, Gott fgt das weitere.
    Er reichte Bertha die Hand, und Bertha reichte ihm die Hand.
    Ich werde Euch in Eure Stube geleiten, sagte Heinrich.
    Witiko und Bertha lsten ihre Hnde auseinander. Witiko neigte sich vor
Wiulfhilt, vor Bertha, und auch vor den Dienstmannen.
    Diese alle gaben den Gru zurck, und Witiko ging mit Heinrich gegen die
Tr. Heinrich fhrte ihn in die Wohnung, die ihm zur Herberge bestimmt war.
    Dort verabschiedeten sie sich.
    Raimund und der Mann in dem braunen Gewande waren schon in den Stuben, und
die drei Mnner suchten nun die Ruhe der Nacht.
    Als der Morgen noch wenig dmmerte, verlie Witiko die Gemcher. Da war in
dem Gange vor denselben Heinrich, und ffnete mit einem Schlssel das
Fallgitter, und zog es empor. Dann ging er fort. Witiko ging unter dem
geffneten Fallgitter hinaus. Er ging in den Stall. Raimund kam auch sogleich
herunter, und die Pferde wurden mit der Beihilfe des Knechtes Hando besorgt.
    Da dieses geschehen war, aen die drei Mnner etwas von den Morgenspeisen,
die in ihre Wohnung gebracht worden waren. Dann wurden die Pferde in den Hof
gefhrt, und die Mnner gingen zu ihnen.
    Da kam Wolf herzu, und brachte mehrere Stricke, welche Raimund an seinem
Sattel befestigte.
    Darauf bestiegen die Mnner ihre Pferde.
    Nun kam Heinrich zu ihnen, und geleitete sie bis zu dem Tore.
    Wolf ffnete die beiden Flgel des Tores, und nickte im Grue gegen Witiko.
    Heinrich geleitete die Mnner durch das Tor hinaus.
    Da sie auerhalb seines Hauses waren, reichte er Witiko die Hand auf das
Pferd, und sagte: Ich danke Euch fr das Vertrauen, welches Ihr mir heute in
der Nacht erwiesen habt.
    Lebt wohl, sagte Witiko.
    Lebt wohl, sagte Heinrich.
    Die Mnner setzten sich in Bewegung, und Heinrich ging durch das Tor in den
Hof zurck.
    Witiko und seine Begleiter ritten an dem rauschenden Bache nieder zu dem
tieferen Walde, und in dem Walde fort bis an die Mihel. Sie durchritten die
Wasser der Mihel, und Witiko ritt mit ihnen an die Htte des Khlers Mathias.
    Der Khler Mathias kam von dem rauchenden Meiler herzu, und sein Weib
Margaretha kam mit den Kindern aus der Htte.
    Gib uns einen Trunk frischen Wassers, Mathias, sagte Witiko.
    Wollet Ihr denn nicht in das Haus gehen? fragte der Khler.
    Wir reiten sogleich wieder fort, antwortete Witiko.
    Ihr haltet Euch gar nicht auf? sagte Margaretha.
    Ich komme schon wieder einmal, entgegnete Witiko.
    Ach, nach vielen Jahren, sagte das Weib.
    Dann ging sie, und brachte in einem grnen Kruge frisches Waldwasser. Witiko
trank aus dem Kruge, und auch seine Begleiter tranken.
    Dann reichte er von dem Pferde dem Khler die Hand, und reichte sie auch
seinem Weibe Margaretha.
    Hierauf ritten die Mnner an dem Rauche der Meiler vorber in der Richtung
gegen Mittag weiter.
    Sie ritten unter den hohen und alten Tannen des breiten Berges empor. Sie
ritten auf dem schmalen Pfade unter den tiefen sten einer hinter dem andern.
Als sie zu dem roten Kreuze gekommen waren, taten sie ein Gebet, und ritten
wieder weiter im Walde aufwrts. Nachdem noch eine halbe Stunde vergangen war,
kamen sie auf der Hhe in die Waldlichtung hinaus, vor der Witiko zum ersten
Male den Dreisesselwald gesehen hatte. Sie wendeten sich jetzt auch um, und
sahen die Forste und die Hhen, und sahen den Rauch, der von Heinrichs Hause
empor stieg.
    Darnach ritten sie wieder in einen neuen Wald auf einer Flche sanft
abwrts.
    Nach einer Stunde erquickten sie, wie sie es gewhnlich taten, an einer
Waldstelle die Pferde.
    Dann ritten sie wieder weiter.
    Gegen den Mittag kamen sie auf einen Platz, auf dem niedriges Buschwerk auf
Rasen weit dahin ging. An der Grenze waren Bume, davon viele durch Winde
gestrzt waren. Da sie auf dem Platze ritten, kam ein Bolzen gegen Witikos Seite
geflogen, und prallte von dem Leder ab. Witiko blicke auf den Mann im braunen
Gewande. An dem braunen Gewande desselben hing auch ein Bolzen. Sofort auch
schaute Witiko in der Richtung hin, woher die Bolzen gekommen sein mochten. Da
waren zwei Mnner in den Gebschen, und ragten mit dem Oberkrper ber sie
empor. Der eine hatte einen roten Bart, der andere einen grauen. Sie hatten
beschmutzte Ledergewnder. Witiko nahm die Lanze Raimunds, und ritt in die
Bsche, und in ihnen, so schnell es sein Pferd vermochte, gegen die Mnner. Da
die Mnner dieses sahen, ergriff der graubrtige die Flucht.
    Witiko rief gegen den andern: Wenn du dich regst, und von dem Platze
weichen willst, so werfe ich dir diese Lanze in den Leib, wenn du ruhig stehen
bleibst, so schone ich deines Lebens.
    Der Mann blieb stehen.
    Raimund kam nun auch auf dem Pfade, den Witiko in den Bschen gemacht hatte,
herzu, und hinter ihm der Mann in dem braunen Gewande.
    Raimund rief: Und ich schleudere dieses Beil in deinen Krper, wenn du dich
rhrst.
    Nimm ihn gefangen, Raimund, sagte Witiko.
    Raimund nestelte die Stricke, welche ihm Wolf gegeben hatte, von dem Sattel,
und stieg von seinem Pferde. Dann reichte er dem Manne in dem braunen Gewande
die Zgel desselben, und sagte: Halte mir das Ro, bis ich fertig bin.
    Der Mann in dem braunen Gewande nahm die Zgel, und hielt an denselben das
Pferd Raimunds.
    Raimund aber nherte sich dem rotbrtigen Manne, indem er das Beil hoch in
der Hand trug.
    Der Mann stand ruhig.
    Da Raimund zu ihm gekommen war, lie er das Beil in das Gras fallen, nahm
die beiden Hnde des Mannes, legte seine Unterarme vor der Brust bereinander,
umwickelte sie mit einem Stricke, und knpfte die Enden des Strickes zusammen.
    Der Mann lie es geschehen.
    Dann nahm er wieder sein Beil, nahm die Armbrust, die auf der Erde lag, und
fhrte den Mann zu Witiko.
    Dort hieb er mit dem Beile einen Ast aus dem Gestruche, hieb aus dem Aste
einen Knebel zurecht, befestigte den Knoten mit dem Knebel noch besser, und band
an den Fesselstrick noch einen andern Strick als Leitseil.
    Dann sagte er: So, mein Gaurabe, jetzt bist du versorgt.
    Fhre ihn mit uns, sagte Witiko.
    Raimund gab dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles in die
Hand, und sagte: Jetzt mut du mir diesen da ein wenig halten.
    Der Mann in dem braunen Gewande tat es.
    Raimund hing die Armbrust an seinen Sattel, stieg auf sein Pferd, richtete
sich zurecht, nahm dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles
wieder ab, und sagte: Jetzt bin ich fertig.
    So reiten wir, sagte Witiko.
    Der Zug setzte sich wieder in Bewegung.
    Witiko ritt von dieser Stelle fortan schneller, als er bisher geritten war.
Die andern folgten. Der Mann an dem Leitstricke mute mit beschleunigten
Schritten hinter dem Pferde Raimunds gehen.
    So gelangte man endlich zu den Husern Hauzenberg.
    Die Mnner stiegen von den Pferden.
    Das Leitseil des Gefangenen wurde an einen der Pflcke gebunden, die auf der
Gasse zum Anhngen der Pferde in die Erde getrieben waren.
    Dann wurden die Pferde mit Halftern an Pflcken befestigt, mit Decken gut
behllt, und man begann ihre Verpflegung.
    Als dieses geschehen war, setzte sich Witiko an einen der Gassentische, und
der Mann in dem braunen Gewande setzte sich in kleiner Entfernung von Witiko auf
eine Bank an demselben Tische.
    Der Krmer, welchen Witiko vor vier Jahren auf dieser Gasse gesehen hatte,
sa wieder auf der Gasse der Herberge.
    Sonst war kein Gast zugegen.
    Raimund, sagte Witiko, fhre nun den Mann an seinem Stricke zu mir.
    Raimund lste das Leitseil von dem Pflocke, und fhrte den Gefangenen an den
Tisch Witikos.
    Dort blieb er mit ihm stehen.
    Aus der Tr und dem Tore des Wirtshauses kamen mehrere Menschen, und
blickten von ferne auf Witiko und auf die, welche bei ihm waren.
    Witiko sagte zu dem Gefangenen: Es werden bald vier Jahre werden, da bist
du an einem Tische auf der Gasse vor dieser Herberge mit deinem graubrtigen
Genossen, der heute durch die Bsche entronnen ist, gesessen, eben da ich mit
diesem meinem Pferde und in diesem meinem Gewande hier Mittagruhe hielt. Ist es
nicht so?
    Ich wei es nicht, wo ich vor vier Jahren oder vor drei Jahren gewesen
bin, sagte der Mann. Wenn Ihr mich den Schergen bergeben wollt, oder wenn Ihr
mich von hier wieder fortfhren, und in einem Graben erschlagen wollt, knnt Ihr
es tun.
    Ich habe dir das Leben zugesichert, sagte Witiko.
    Ihr knnt mich martern lassen, antwortete der Mann.
    Ich lasse dich nicht martern, sagte Witiko.
    Ich habe dem Herzoge Heinrich immer treu gedient; aber die Bischflichen
sind arge Genossen, erwiderte der Mann.
    Ich werde dich den Bischflichen nicht ausliefern, sondern werde dich
selber richten, sagte Witiko.
    Da ist wenig zu richten, weil ich unschuldig bin, sagte der Mann.
    Das ist gut, antwortete Witiko, und ich werde die unschuldigen Leute
schtzen. Jetzt sprich.
    Ich werde wohl vor vier Jahren auf dieser Gasse gesessen sein, sagte der
Mann.
    Und weshalb hast du heute mit dem andern Bolzen auf uns geschossen? fragte
Witiko.
    Hat der andere Bolzen geschossen? Ich habe es nicht gesehen, da ich zu ihm
kam, sagte der Mann.
    Bist du aus Zufall zu ihm gekommen? fragte Witiko.
    Ich bin aus Zufall zu ihm gekommen, antwortete der Mann, da ich meines
Weges zu dem Kirchlein des heiligen Ulrich beten ging.
    Bist du auch vor vier Jahren aus Zufall mit ihm auf dieser Gasse gesessen?
fragte Witiko.
    Aus Zufall, antwortete der Mann.
    Gehst du, wenn du auf dem Wege zu dem heiligen Ulrich bist, in den dichten
Gebschen statt auf dem Pfade? fragte Witiko.
    Ich habe den Mann stehen gesehen, und bin von dem Wege zu ihm in die Bsche
gegangen, weil er es wollte, antwortete der Gefragte.
    Und als mich der Bolzen traf, und als ich in der gleichen Zeit einen Bolzen
an dem Gewande meines Begleiters sah, entgegnete Witiko, standest du mit
deinem Gefhrten in den Gebschen, und ihr blicktet auf uns, und als mein Knecht
zu dir kam, lag eine Armbrust neben dir in dem Grase. Wenn ich dir auch das
Leben verbrgte, und dich nicht martern lasse, so denke, da die Strafe durch
die Lge hrter wird.
    Es ist alles ein beklglicher Irrtum, sagte der Mann, ich habe immer dem
hohen Herzoge Heinrich treulich gedient, und bin belobt worden. Und der hohe
Herzog hat verkndet, da man die Kundschafter fangen, und einbringen soll. Mein
Nachbar hat damals vor vier Jahren an dem Tische gesagt, Ihr seid ein
Kundschafter; aber Ihr seid gar nicht zu dem Feinde Leopold nach sterreich
geritten.
    Also habt ihr auf dem Wege nach sterreich gelauert? sagte Witiko.
    Nein, entgegnete der Mann, es ist nur erzhlt worden.
    Das ist gut, antwortete Witiko, und wie war es heute?
    Als mein Nachbar die Bolzen geschossen hat, erwiderte der Mann, hat er
gesagt, Ihr seid ein Kundschafter, und kommet von Leopold. Er wollte euch ein
wenig ritzen, weil ihr drei waret; allein seine Pfriemen sind nicht durch Euer
Leder und durch das Tuch Euers Knappen gegangen.
    Ihr habt damals im Hauzenberge die Elenhaut meines Panzers zu wenig
angeschaut, sprach Witiko.
    Ich habe meinem Nachbar gesagt, entgegnete der Mann, da Ihr ein sehr
edler Herr seid, und kein Kundschafter.
    Hat dir dein Nachbar anvertraut, weshalb er auf meinen Knappen geschossen
hat? fragte Witiko.
    Er hat ihn mehr gefrchtet als den andern, sagte der Mann, und auf den
andern htte er dann auch noch geschossen.
    Und wenn er uns blo geritzt htte, hat er dann gemeint, da wir uns nicht
wehren wrden? fragte Witiko.
    Ihr httet Euch gewehrt, erwiderte der Gefangene, und mein Nachbar wre
davon gerannt, weil ich Euch nicht htte fangen lassen, da Ihr ein sehr edler
Herr und kein Kundschafter seid.
    Von welchem Orte bist du denn auf den Weg zu dem heiligen Ulrich gegangen?
fragte Witiko.
    Von dem Hauzenberge, antwortete der Mann.
    Und hat dir dein Nachbar gesagt, von welchem Orte er in die Bsche gegangen
ist? fragte Witiko.
    Nein, er hat es mir nicht gesagt, antwortete der Mann, aber er wird auch
von dem Hauzenberge hin gegangen sein.
    Welcher Ort ist deine Heimat? fragte Witiko.
    Passau, edler Herr, antwortete der Mann.
    Und weit du die Heimat deines Nachbars? fragte Witiko.
    Es werden etwa die Innhuser bei Passau sein, sagte der Mann.
    Und wo bist du denn die letzten drei oder vier Tage oder die letzten Wochen
gewesen? fragte Witiko.
    Ich bin zu Hause gewesen, oder im Hauzenberge, oder in Vilshofen, oder
wohin ich eine Botschaft zu tragen gehabt habe, oder wo es eine Arbeit fr mich
gegeben hat, sagte der Mann.
    Ist dein Nachbar auch in der Gegend gewesen? fragte Witiko.
    Ich habe ihn hin und wieder gesehen, antwortete der Gefangene.
    Witiko rief nun gegen die Leute, die an dem Hause standen: Ist der Wirt der
Herberge bei euch?
    Ja freilich, antwortete eine Stimme.
    So bitte ich Euch, kommet zu uns an den Tisch, sagte Witiko.
    Der Wirt ging zu dem Tische.
    Beantwortet mir einige Fragen in Angelegenheiten dieses Mannes, der da
gebunden vor uns steht, sagte Witiko.
    Wenn ich sie beantworten kann, entgegnete der Wirt.
    Ist dieser Mann heute schon einmal hier gewesen? fragte Witiko.
    Er hat am Vormittage hier Kse gegessen, antwortete der Wirt.
    Ist er allein gewesen? fragte Witiko.
    Nein, es ist noch einer bei ihm gewesen, sagte der Wirt.
    Hat der andere einen grauen Bart gehabt? fragte Witiko.
    Er hat einen grauen Bart gehabt, sagte der Wirt.
    Sind diese zwei Mnner oft bei einander? fragte Witiko.
    Wie es sich fgt, antwortete der Wirt, ich habe sie schon fter gesehen.
    Sind sie zu vieler Zeit in dieser Gegend hier? fragte Witiko.
    Sie sind einmal Kriegsknechte des seligen Herzoges Heinrich gewesen, sagte
der Wirt, sie mssen in der Nhe von Passau zu Hause sein, und werden manches
Mal bei uns und da herum gesehen.
    Gehen sie auch ber den Wald hinein? fragte Witiko.
    Das wird sich schwerlich zutragen, weil es dort nichts zu verdienen gibt,
entgegnete der Wirt.
    Sind sie in diesem Sommer nicht einmal in einer lngeren Zeit abwesend
gewesen? fragte Witiko.
    Ich glaube es nicht, sagte der Wirt, sie haben sich in der letzten Zeit
sehr oft auf unserer Gasse erblicken lassen.
    Also auch in den letzten zwei Wochen? fragte Witiko.
    Da gewi߫, antwortete der Wirt.
    Ist der Mann an jenem Tische ein Krmer? fragte Witiko.
    Ja, sagte der Wirt.
    So erweiset mir den Dienst, ihn zu unserem Tische her zu bitten, sagte
Witiko.
    Der Wirt ging zu dem Krmer, und kam mit ihm zu Witiko zurck.
    Ihr seid ein Krmer, sagte Witiko.
    Ja, entgegnete der Mann.
    Ihr reiset wohl in mehreren Gegenden herum? fragte Witiko.
    Nun, wie es der Brauch ist, sagte der Krmer.
    Beantwortet mir eine Frage wegen dieses Mannes da, sagte Witiko.
    Wenn ich das wei, um was Ihr fragt, sagte der Krmer.
    Habt Ihr ihn etwa mit einem andern, der einen grauen Bart hat, fter
gesehen? fragte Witiko.
    Ja, sehr oft, antwortete der Krmer.
    Habt Ihr diese Mnner auch in der Weite gesehen, wenn Ihr so herum kommt,
auch jenseits des Waldes, in diesem Sommer? fragte Witiko.
    Sie sind im Frhlinge bis auf diese Zeit herzu von dem Grafen von Formbach
eingesperrt gehalten worden, sagte der Krmer.
    Wit Ihr das gewi? fragte Witiko.
    So gewi, weil ich diesem Manne da Linnen von seiner Mutter bringen mute,
antwortete der Krmer, ich habe sie ihm in sein Verlies getragen, wo auch der
andere war.
    Kennt Ihr sie genauer? fragte Witiko.
    Sie kommen zuweilen an meinen Karren, und haben mir nie ein Leides getan,
antwortete der Krmer.
    Welche sind ihre Namen? fragte Witiko.
    Sie heien beide Heinrich, wie der junge Herzog, antwortete der Krmer.
    Ich danke Euch und dem Wirte fr die Antworten, sagte Witiko.
    Dann wendete er sein Angesicht gegen den Gefangenen, und sprach: Ich habe
dir vor vier Jahren hier gesagt, da ich dir einmal einen Dienst erweisen werde.
Jetzt ist die Zeit dazu gekommen. Ich lasse dich frei; aber merke dir: ich bin
oft in diesen Wldern, oft in dem der drei Sessel, und weiter gegen Morgen. Ich
werde mir in dem Walde ein Haus bauen, und wenn ich dich einmal mit Waffen in
dem Walde treffe, so lasse ich dich auf dem Baume, unter dem du stehst,
aufhngen. Sage das auch deinem Genossen. Ich erflle meine Worte, wie ich sie
jetzt erfllt habe. Raimund, lse ihm die Bande.
    Raimund band zuerst seinen langen Strick los, dann entfernte er den Knebel,
und lste die Schleife um die Hnde.
    So, jetzt laufe, so weit dich deine Fe tragen, sagte er.
    Der Mann rieb sich mit den Hnden die Knchel, und strich mehrere Male ber
sein Koller herab. Dann sagte er: Schnen Dank, schnen Dank.
    Geh, sagte Witiko.
    Ich wrde um die Armbrust bitten, sagte der Mann.
    Die Armbrust wird zerbrochen werden, sprach Witiko, du, gehe.
    So geh um deines Heiles willen, rief ihm Raimund zu.
    Der Mann ging nun von dem Hause weg gegen die Bume, und wurde dann hinter
denselben nicht mehr gesehen.
    Zerschlage mit deinem Beile die Armbrust, sagte Witiko zu Raimund.
    Dieser zerhieb das Holzwerk der Armbrust und den Strang mit dem Beile. Den
eisernen Bogen zerbrach er dadurch, da er ihn mit der Wlbung nach oben legte,
und auf ihn sprang.
    Da dieses geschehen war, bestellte Witiko Speise und Trank fr sich und
seine Begleiter.
    Als sie die Speisen verzehrt hatten, und als die Pflege der Pferde vollendet
war, ritten sie wieder weiter.
    Sie ritten in einer Richtung zwischen Mittag und Abend an Gehlzen,
Waldhtten, kleinen Wiesen und Feldern vorber, und kamen, da die Sonne sich zu
ihrem Untergange neigte, gegen die Stadt Passau.
    Sie ritten ber den Hals an die Ilz hinab, neben der Ilz an die Donau
hinaus, dann zwischen der Donau und den Felsgesteinen eine Strecke dem Wasser
entgegen, bis sie zu einer Brcke kamen. Dann ritten sie ber die Brcke in die
Stadt.
    Witiko ritt durch eine lange Gasse, die zwei andern folgten ihm.
    Er gelangte aus der Gasse auf einen freien Platz, der ber die andere Stadt
erhht war. An einer Seite dieses Platzes stand die groe Kirche des Hochstiftes
Passau. Witiko ritt an der Kirche vorber in der Richtung gegen Morgen von dem
Hgel abwrts. Da kamen sie an ein sehr groes Haus, das eine dunkle Farbe
hatte, und in breiten Gliedern gebaut war. Witiko hielt an einer Pforte dieses
Hauses an, neigte sich von dem Pferde, und schlug mit dem eisernen Klppel, der
sich an dem Tore befand, drei Mal auf die Eisenschiene, auf welche der Klppel
pate. Es ffnete sich hierauf ein kleines Trchen in dem Tore, und unter dem
Trchen stand ein Mann, der eine veilchenfarbene Haube und ein veilchenfarbenes
Mntelchen hatte, sonst aber in ein gelbes Wams und in gelbe Beingewandung
gekleidet war. Er hatte weie Haare und einen weien Bart. Dieser Mann sagte:
Was begehret ihr?
    Wir begehren zu dem hochehrwrdigen Bischofe von Passau, sagte Witiko, da
wir ihm Nachrichten bringen.
    Ich htte es nicht geglaubt, antwortete der Mann, da Ihr so bald wieder
kommen werdet, Witiko, weil Ihr einen so groen Schmerz um den Tod des Bischofes
Regimar empfunden habt, und weil Ihr fort geritten seid. Wie ist es Euch denn
ergangen?
    Ich werde dir schon meine Schicksale erzhlen, Odilo, sagte Witiko, aber
jetzt ist mir daran gelegen, zu dem Bischofe zu gelangen.
    Wenn ich sagte, da ich nicht eine groe Freude habe, Euch wieder zu
sehen, antwortete der Mann, so wre es eine Lge. Und zu dem hochehrwrdigen
Bischofe werde ich Euch weisen; denn er schenkt mir das Vertrauen, das mir der
selige Herr Regimar geschenkt hat. Und ist denn der Krieg aus, in welchem Ihr
gewesen seid?
    Jetzt ist er aus, sagte Witiko, und ich wei, da du in dem Hause als der
Torwart viel giltst, und du wirst uns das Tor ffnen, da wir einreiten, die
Pferde unterbringen, und zu dem hochehrwrdigen Bischofe gehen knnen.
    Ja, sagte der Mann, und ich habe mit dem hocherhabenen Bischofe von Euch
gesprochen, wie Ihr klug gewesen seid, und tapfer sein werdet. Und wenn Ihr
meint, da ich einem Freunde, der an mein Tor klopft, die Gastlichkeit
verweigere, so irret Ihr Euch.
    Er wendete sich in dem Trchen um, und rief nach innen: Hans!
    Ja, ertnte im Innern eine sehr starke Stimme.
    Schliee auf, sagte der Torwart.
    Hierauf rasselten hinter dem Tore Eisenstangen, der andere Flgel, in
welchem sich kein Trlein befand, wurde geffnet, und ein sehr groer junger
Mann stand an dem Flgel. Er hatte wie der Torwart ein veilchenfarbenes
Mntelchen, aber auf seinem Haupte war eine Eisenhaube, um seine Brust ein
Harnisch, und an seinen Beinen Schienen.
    Witiko und seine Begleiter ritten an dem Manne vorber in einen groen Hof.
Dort hielten sie an, und stiegen von den Pferden. Der Torwart und der junge Mann
gingen ihnen nach.
    Hans, sagte der Torwart, rufe die Stallbuben, und gehe zu Rudolph, dem
Steiner.
    Der junge Mann rief gegen die Vertiefung des Hofes, und ging dann in das
Gebude.
    Es kamen drei Stallbuben, und wollten die Pferde hinwegfhren.
    Wartet noch, sagte Witiko.
    Die Stallbuben und alle andern blieben bei den Pferden stehen.
    Hans kam wieder aus dem Gebude, und ein ritterlich gekleideter junger Mann
ging neben ihm.
    Da sie herzu gekommen waren, sagte der Torwart: Dieser ist der Schler
Witiko, und sie haben fr den hochehrwrdigsten Bischof Nachrichten. Ich
empfehle Witiko.
    Sei mir gegrt, du treues Blut, sagte der ritterlich gekleidete Mann.
    Sei gegrt, Rudolph, sagte Witiko, wir sollten zu dem hochehrwrdigen
Bischofe.
    Wir sind nicht mehr in der Schule des Bischofes, Witiko, antwortete
Rudolph, aber einer sollte den andern so lieben wie damals, und ich liebe dich,
Witiko. Gehe nur mit deinen Knappen ber die Treppe zu der Rathalle, und von ihr
in den roten Saal, und dort harre. Morgen werden wir mit einem Feste den Gru
erst recht begehen, weil du wieder da bist.
    Das werden wir tun, sagte Witiko.
    Nachdem dieses gesprochen war, ging Rudolph wieder durch eine Tr in das
Gebude zurck.
    Witiko sagte zu den Stallbuben: Jetzt zeigt uns den Weg zur Unterbringung
der Pferde.
    Die Buben zeigten den Weg, und halfen die Pferde in den Stall fhren.
    Als die ersten Notwendigkeiten geschehen waren, sagte Witiko zu seinen
Begleitern, sie mgen ihm folgen.
    Er ging mit ihnen wieder in den Hof hinaus. Dort stand noch der Torwart und
Hans.
    Ich danke dir, Odilo, sagte Witiko, was nun ferner sein mu, wei ich
schon.
    Ich habe eingerichtet, da alles fr dich gut wird, sagte der Torwart.
    Das ist gut, antwortete Witiko.
    Nach diesen Worten ging der Torwart in ein Gemach, das neben dem Torbogen
war. Hans schlo den Flgel des Tores, und stieg ber eine Treppe neben dem Tore
in ein Gemach empor.
    Witiko aber fhrte seine Begleiter durch die Tr, durch welche Rudolph in
das Gebude gegangen war, in eine groe Halle. Von der Halle fhrte Witiko seine
Begleiter ber eine breite Stiege in einen Gang empor. In dem Gange wandelten
sie eine Strecke weiter. Dann ffnete Witiko eine hohe Tr, und sie kamen durch
dieselbe in ein Gemach, in welchem viele Sthle und Tische waren. Von dem
Gemache gingen sie in einen groen Saal. Der Saal war mit rotem Marmor
gepflastert. An seinen Wnden waren Bnke von gelben Plstern. Sonst enthielt er
nichts. Er hatte drei Tren. Durch eine war Witiko gekommen, die andere war
geschlossen, und durch die dritte, welche offen war, sahen sie in eine groe
Stube mit vier Fenstern, deren Wnde mit roter abgeblater Seide beschlagen
waren, und die viele Bnke und Gesiedel von gleicher Seide enthielt. Die Fenster
des Saales und der Stube sahen auf die Berge, die an dem jenseitigen Ufer des
Flusses Inn standen.
    In dem Saale wartete Witiko.
    Nach einer Weile kam aus der Seidenstube ein Mann heraus, der eine hohe
Gestalt, braune Haare, einen braunen Bart und ein lngliches Angesicht hatte. Er
war in ein weites veilchenblaues Gewand gekleidet, und trug ber demselben eine
goldene Kette und ein goldenes Kreuz. Hinter ihm gingen zwei Mnner in
priesterlichen Kleidern. Der Mann sah Witiko und seine Begleiter an. Dann gab er
den zwei Mnnern, die hinter ihm waren, ein Zeichen zur Entfernung. Die zwei
Mnner ffneten die geschlossene Tr, und gingen durch dieselbe in ein weiteres
Gemach.
    Da dieses geschehen war, trat der Mann in dem braunen Gewande, der mit
Witiko gekommen war, gegen den mit der goldenen Kette vor, und stand ein
Weilchen vor ihm.
    Dann nahm er die Haube von seinem Haupte, und sprach mit laut tnender
Stimme: Hochehrwrdiger Bischof von Passau, hochedler Graf von Peilstein und
Hagenau, ehrwrdiger geweihter Priester Regimbert! ich komme zu dir in dem
Gewande Jakobs, da er in der Wste auf der Flucht war.
    Hochehrwrdiger Bischof und teurer Bruder Zdik, antwortete der Bischof von
Passau, und wenn du in dem Gewande des Lazarus kmest, so wrest du der Herr
dieses Hauses. Sei gegrt.
    Er legte die Hnde auf die Schultern des Mannes in dem braunen Gewande, und
kte ihn auf die Stirne. Der Mann in dem braunen Gewande legte dann auch die
Hnde auf die Schultern des Bischofes, und kte ihn auch auf die Stirne.
    Dann sagte er: Ich will nicht der Herr des Hauses sein, sondern ich bitte
nur, da ich den Panzer und das Schwert, welche ich durch Tage und Nchte unter
diesem Kleide trage, ablegen darf, da ich in einfltigen Kleidern gehe, da
dein Dach ber meinem Haupte sei, da ich die geringe Speise geniee, die mein
Krper bedarf, und da ich in deiner Kirche zu Gott bete.
    Lebe, wie du es wnschest, und wie ich dich ehre, sagte der Bischof von
Passau. Und du, Witiko, hast dich der Mhe unterzogen, den hochehrwrdigen
Bischof zu mir zu geleiten. Sei gegrt.
    Witiko antwortete: Der hochehrwrdige Bischof und Abt Silvester hat zu mir
gesagt, ich solle in Demut vor Gott dem Herrn handeln, und ich htte jeden
Verfolgten des Weges gefhrt, und htte ihn geschtzt, um wieviel mehr den hohen
Bischof Zdik, den ich verehre. Ich bin nebst meinem Knechte, der da steht, mit
ihm geritten.
    So gehe mit mir in meine Stube, hochehrwrdiger Bruder Zdik, und du auch,
Witiko, bis eure Wohnung bereitet ist, sagte der Bischof von Passau.
    Witiko sprach zu Raimund: Du hast gesehen, was geschehen ist, gehe nun zu
unsern Tieren, sie zu pflegen, und sei dessen gewrtig, was ich dich weiter
heien werde.
    Raimund ging durch die Tr hinaus.
    Der Bischof von Passau berhrte den rmel an dem braunen Gewande Zdiks, und
fhrte ihn an diesem rmel in die Stube von Seide. Witiko folgte. In der Stube
fhrte der Bischof seinen Gast zu einem rotseidenen Stuhle, ber dem ein
Seidendach war, und ntigte ihn, dort nieder zu sitzen. Witiko wies er ein
anderes seidenes Gesiedel an. Witiko setzte sich auch. Der Bischof aber ging zu
einer silbernen Glocke, die an einem silbernen Wandarme befestiget war, und tat
mit einem silbernen Hammer einen Schlag auf die Glocke. Da dieses Zeichen
erscholl, ffnete sich eine Tr, und ein Kmmerling, der ein Gewand von
veilchenblauer und gelber Farbe hatte, trat herein.
    Rufe mir den Vater Konstantin, sagte der Bischof.
    Der Kmmerling ging wieder durch die Tr hinaus. Der Bischof setzte sich auf
einen Stuhl neben Zdik. Nach einer Weile kam ein Priester in die Stube, welcher
ein schwarzes Gewand an hatte, und eine silberne Kette auf der Brust trug.
    Zu diesem Priester sagte der Bischof von Passau: Ehrwrdiger Bruder
Konstantin, und Meister im Hochstifte, der hochehrwrdige Oberpriester des
Landes Mhren wird dieses Haus als Gast ehren, ich bitte dich, lasse ordnen, was
zu dieser Absicht notwendig ist.
    Ich werde meines Amtes walten, sagte der Priester.
    Er verneigte sich vor den zwei Bischfen, und ging wieder durch die Tr
hinaus.
    Und nun sei noch einmal in meinem Hause willkommen, Bruder Zdik, sagte der
Bischof von Passau.
    
    Ich habe es gewut, da du dem flchtigen Haupte ein Kissen geben wirst,
antwortete Zdik, der Bischof von Olmtz.
    Was ihr dem geringsten eurer Brder getan habt, das habt ihr mir getan,
sagte der Bischof Regimbert.
    So ist es, entgegnete Zdik.
    Und weil die Geringen dem Heilande gleich sind, so mssen wir sie ehren,
und mssen sie ehren, wenn sie Gott heimgesucht hat. In deinem Sprengel sind die
Sachen hoch gediehen, Zdik, sagte Regimbert.
    Ich habe meine Hand erhoben, und den Bann ber das Land Mhren
ausgesprochen, und irre nun flchtig auf der Erde, und mu die Menschen eines
guten Herzens bitten, da sie mich geleiten und schtzen, antwortete Zdik.
    Und so segnet dich der Herr, begnadeter Bruder Zdik, sagte der Bischof
Regimbert.
    Ich kann einen Segen nicht erkennen, weil ich eines Segens nicht wert bin,
erwiderte Zdik.
    Du bist des Segens wert, sprach Regimbert, weil du dem frommen Bischofe
Adalbert nachstrebest, Zdik, der einmal aus einem hohen Geschlechte den
Hirtenstab ber eure Lnder ergriffen hat. Dann aber hat dir der allmchtige
Gott die Huld gewhrt, da du schon zwei Male in Jerusalem gewesen bist, und an
dem Grabe seines Sohnes gebetet hast. Und dann hat er das Zeichen des Unglckes
auf dein Haupt gesetzt, da er dich erhhen wolle. Siehe, wie Hiob mehr bekam,
als er je hatte, wie Jakobs Trauer um Joseph in Jakobs Freude ber Joseph
verwandelt wurde, wie David aus den Hhlen der Erde in die Gemcher des
Knigshauses ging, wie der Tempel nach der Gefangenschaft herrlicher wurde als
vorher, wie die Schmach des Todes Petrus' Rom zum Haupte der Christenheit erhob,
wie die Verbannung und der Tod Gregors die Kirche mchtiger machte, als die
Siege Heinrichs die Welt machen konnten: so verklret der Herr das Haus des
Glaubens durch Kmmernis, und die Sulen, die dieses Haus tragen, werden
glnzender sein, als sie vordem gewesen sind.
    Mir geziemt es nicht, so zu sprechen, sagte Zdik. Ich bin ein Snder, und
habe Strafe verdient, und was gekommen ist, das ist die Strafe. Hre mich an,
ehrwrdiger Bruder Regimbert. Seit langen Zeiten ist wegen der Snden vieler die
Hand des Herrn schwer auf unsern Lndern gelegen, und sie ist wegen der Snden
der einzelnen auch auf die einzelnen gekommen. Da unsere Vlker noch Heiden
waren, hat ihnen Gott, soweit er Heiden, die nicht an ihn glauben, beglcken
kann, zuweilen Mnner gesandt, die ihnen in ihrer Finsternis beistanden. So war
Zaboy, so war Lumir, so war Samo, so war Krok, so war die Frau Libusa, und so
war Premysl, der Ackerer und der Gatte Libusas. Von ihm ist ein Geschlecht
gekommen, aus dem die Hupter des Landes wurden, die Wladyken, wie wir das Haupt
eines Hauses den Wladyk nennen. Es sind Nezamysl, Mnata, Woyen, Unislaw,
Kresomysl, Neklan und Hostiwit gekommen. Sie sind lauter Heiden gewesen, da bei
euch schon lange das Christentum entstanden war. Dann ist Boriwoy gewesen, der
ein Christ geworden ist, und dann sind sie lauter Christen gewesen. Sie haben
sich Herzoge genannt, und sind geworden, wie bei euch Pipin von Heristal und
Karl Martell und die andern, die sich zu Herrschern gemacht haben. Die
Nachkommen Premysls sind immer zahlreicher geworden. Sie betrachteten das Land
als ihr Eigentum, teilten es, haderten darum, und fhrten Kriege, in welchen
ihre Anhnger das Blut verloren. Da machten sie ein Gesetz, es sind jetzt
neunzig oder hundert Jahre, da in jeder Zeit der lteste des Stammes der Herzog
sein solle, da die andern zu ihrem Nutzen Gebietsteile in Mhren bekommen, und
da sie dem Herzoge gehorchen mssen. Aber bald wurde das Gesetz nicht mehr
befolgt; denn wer die Macht hatte, suchte die Nachfolge dem zu gewinnen, den er
liebte, oder den er sonst wollte. Da entstanden Kmpfe von entsetzlicher Art,
und es kam noch greres Unheil in die Lnder, als frher gewesen war. Den
Beginn machte Swatopluk, der ein wilder Mann gewesen ist, und er dauerte
siebenunddreiig Jahre, bis auf unsere Tage, und wir wissen noch das Ende nicht.
Swatopluk ist ermordet worden, weil er gemordet hat, und sein Nachfolger,
Wladislaw, der Vater des jetzigen Herzoges, ein gerechter und guter Mann, mute
sich den Frstenstuhl gegen seinen Bruder Boriwoy erkmpfen, und Sobeslaw, der
dann folgte, mute mit dem deutschen Knige Lothar wegen des schwarzen Otto von
Olmtz, der das Herzogtum anstrebte, Krieg fhren. Als der starke und
rechtgesinnte Sobeslaw herrschte, und als das Volk die Sigkeit der Ordnung
kennen lernte, wollten viele Mnner der Lnder, deren ich auch einer war, die
Vorsorge treffen, da bei seinem Ende nicht wieder das Unglck herein komme.
Sobeslaw hatte einen Sohn, namens Wladislaw, den er sehr liebte. Wir, die Mnner
und ich, sagten, er solle ihn von Konrad, dem Knige der Deutschen aus dem
Geschlechte der Hohenstaufen, mit den Lndern Bhmen und Mhren belehnen lassen,
und Konrad belehnte den Knaben Wladislaw auf dem Tage in Bamberg, da derselbe
achtzehn Jahre alt war. Und in einem Monate darnach schwuren auf unserem Tage in
Sadska so die hohen wie die niederen Herren der Lnder dem jungen Wladislaw. Als
ein halbes Jahr vergangen war, erkrankte der Herzog Sobeslaw, und die rzte
sagten, er werde sterben. Da riefen die Mnner: Jetzt haben wir einen
Knabenherzog, den sein Vater nicht mehr zu einem rechten Herzoge hat erziehen
knnen, ein jeder wird ihn anfallen, und sie sagten: Nun mssen wir selber einen
Herzog whlen. Der erwhlte Bischof Silvester, der die weien Haare des Alters
auf dem Haupte hat, sagte aber: Tut das Gute, und bleibt bei eurem Schwure,
alles andere wird kommen. Allein wir vermeinten klger zu sein, und versammelten
uns auf dem Wysehrad zur Wahl. Da war Wladislaw, der Sohn des guten vorigen
Herzoges Wladislaw, von dem einige Macht und Ansehen, andere eine gute Regierung
erhofften, und wir whlten ihn zum Herzoge. Im Frhlinge dieses Jahres aber
whlten viele wieder einen andern Herzog, Konrad von Znaim, und zogen in Waffen
gegen Bhmen. Auf dem Berge Wysoka ist eine Schlacht gewesen, und viele hundert
Menschen, ja tausend, sind erschlagen worden. Und dann waren Kmpfe und die
Belagerung von Prag. Die Saaten sind zerstrt, die Huser de, weil die Menschen
fliehen, die heiligen Bauwerke und kostbare Handschriften und Kirchenschtze
sind verbrannt worden, und in die Geschlechter ist die Wildheit gekommen. Der
Herzog Wladislaw ist zu dem deutschen Knige Konrad um Hilfe gegangen, und als
die Hilfsheere heran zogen, haben sich die Feinde zerstreut. In Mhren sind die
Frsten gegen mich aufgestanden, sie haben die Kirchengter genommen, und
Zuchtlosigkeit gestiftet. Ich sprach die Worte des Bannes. Und als der Bann in
dem Lande war, als das heilige Opfer bei verschlossenen Kirchentren gehalten
wurde, als man die Toten nicht kirchlich beerdigen konnte, als die
Gnadenspendungen nur den Sterbenden gereicht wurden, und als sich alle nach
einem Zeichen auf die Erde werfen muten, um Gott zu bitten, da er das Unglck
wende: da drangen sie gegen mich, sie suchten mich an dem Halse zu drosseln, da
ich das bel wegnehme, und da ich darauf meine Mnner zur Hilfe aufbot, boten
sie noch mehr auf, und ich floh aus dem Lande durch des Gefild nach Bhmen, und
ich wurde dann flchtig in fremde Lnder, wo die Zahl ihrer Anhnger nicht ist.
Das ist Strafe, hochehrwrdiger Bischof, und Silvester hat gesagt, da sie
kommen wird.
    Und wenn es Strafe ist, hochehrwrdiger Bruder, antwortete der Bischof von
Passau, so bist du durch Gott beglckt, da du hienieden noch ben kannst,
wenn du gefehlt hast. Die er zchtiget, die liebt er, und wenn deine Gedanken,
die Gutes wollten, nicht zum Guten taugten, so wird er dich zu dem Guten fhren.
Ich wrde mich an deiner Stelle preisen, und ich bete, da ich meine Snden auf
dieser Welt abben knne. Wie oft habe ich gebetet, da ich auf jener Sttte
Bue zu tun vermochte, auf welcher mein Erlser gelitten hat.
    Gott wird dir diese Gnade gewhren, sagte der Bischof Zdik.
    Wenn die Spanne meines Lebens nicht schon zu kurz ist, so werde ich die
Pilgerschaft in die heiligen Lnder beginnen, antwortete der Bischof von
Passau; dir aber, Zdik, wird er den Kranz reichen, der nach der Strafe bestimmt
ist, die Wilden werden Lmmer werden, und dein Volk wird zurckkehren, und vor
den Altren auf die Kniee fallen.
    Ich erwarte, was in der Hand des Herrn ist, sagte Zdik.
    Er hat deinen Gegner gerhrt, da er dich beschtzt hat, sagte der Bischof
Regimbert, ist nicht dieser Jngling auf dem Wysehrad dir entgegen gestanden?
    Ich bin bei der Wahl nicht ein Gegner des hochehrwrdigen Bischofes Zdik
gewesen, sagte Witiko, ich bin ein Diener des Herzoges Sobeslaw gewesen, und
habe der Wahl nur zugeschaut. Aber wenn ich auch ein Gegner des hochehrwrdigen
Bischofes gewesen wre, so htte ich ihn doch geleitet und beschtzt, wenn ich
es gekonnt htte. In meiner Sache hat mich der hochehrwrdige Bischof damals
sehr untersttzt. Jedoch beschtzen habe ich ihn jetzt nicht knnen, weil auf
den Wegen, die wir geritten sind, nirgends eine Gefahr gewesen ist.
    Ihr habt mich doch beschtzt, Witiko, sagte Zdik, denn wer solche Wege
whlt, da es wie ein Tuch vor den Augen meiner Feinde ist, und wer solche
Nachtlager findet, auf denen ich ruhig sein kann, der ist mein Beschtzer wie
der, der gerade die Waffe des Feindes zurck schlgt.
    Welche Wege seid Ihr denn geritten, Witiko? fragte der Bischof von Passau.
    Von Pric gleich in den Mittagwald, sagte Witiko, und in ihm auf Pfaden,
die die Sumer nicht besuchen, ber Elhenic, Tis und ber die Heide Ogfolds nach
Plan in mein Huschen zur Nachtruhe. Von Plan durch die Moldau, durch den ebenen
Wald, an dem Berge des heiligen Ulrich vorber zu dem Mittagsfue der drei
Sessel, wo wir in dem Waldhause Heinrichs von Jugelbach bernachteten. Von dem
Waldhause ber den breiten Berg und den Hauzenberg nach Passau.
    Du hast gute Wege gewhlt, sagte der Bischof von Passau, obgleich noch
wildere und abgelegenere sind, darauf ein Fu kaum gehen oder klettern kann.
    Ja, sagte Witiko, von dem schwarzen See ber den Blckenstein oder ber
die drei Sessel zu der kalten Moldau, die durch lange und breite Wlder fliet.
    Oder von dem Hohensteine auf der Waldschneide zum Arber, wo Luchse und
Bren und Hirsche und Rehe sind, sagte der Bischof Regimbert. Hat euch
Heinrich von Jugelbach erkannt?
    Mich hat er von frherer Zeit gekannt, sagte Witiko, er hat meinen Vater
gekannt, und kennt meine Mutter. Er hat uns eine feste Wohnung in seinem Hause
gegeben, hat den hochehrwrdigen Bischof beim Mahle unter den Knechten sitzen
lassen, hat das eiserne Zugangsgitter zu unserer Wohnung mit seinen eigenen
Hnden gesperrt und geffnet, und hat bei dem Abschiede zu mir gesagt: Ich danke
Euch fr das Vertrauen, welches Ihr mir heute in der Nacht erwiesen habt.
    Er ist ein gewaltttiger ehrenhafter Mann, sprach der Bischof von Passau,
und beschtzt, wen er beschtzen will. Hast du schon Botschaft an den Heiligen
Vater getan, hochehrwrdiger Bruder?
    Ich habe sie getan, entgegnete Zdik, und es kann in jeder Frist die
Antwort nach Mhren gelangen.
    Sie wird dahin gelangen, und eine Leuchte ihrer Taten sein, sagte der
Bischof von Passau.
    Mge es so werden, antwortete Zdik.
    Heinrich von Jugelbach ist schon in sehr vielen Lndern gewesen, sagte
Regimbert, und hat dich gewi gesehen und kennt dich, ehrwrdiger Bischof von
Olmtz. Er hat schon zum ftern die Gnade genossen, zu der Sttte dies Leidens
und des Sterbens des Heilandes gelangen zu knnen, und er will wieder dahin
gehen. Ich habe ihn vor sieben Jahren in groem Schmucke mit seinem Vater
Werinhart gesehen, da die Klster an dem Randshofe eingeweiht worden sind. Er
wollte verhindern, da, wie der Pfarrer Erimbert von Pfaffing das Ordenskleid
nahm, desgleichen auch die Herren Ebo von Aua, Richer von Rohr und Stilicho von
Engersheim tten, weil er nicht gemeint war, da das weltliche Gut in die
heiligen Hnde gelange. Sie haben es aber doch getan, und er und sein Vater sind
im Unmute von den Klstern fort geritten. Sie sind immer der Habe und des
Wachsens begierig gewesen. Werinhart, der Vater Heinrichs, hat wegen einiger
Rechte und einigen Besitzes mit dem Kloster Berchtesgaden Streit begonnen.
Konrad, der Erzbischof von Salzburg, und Roman, der Bischof von Gurk, haben
vermittelt, ja es ist sogar die Hilfe des Heiligen Vaters angegangen worden, und
der Streit hat sein Ende bis in unsere Tage nicht erlangen knnen. Da der letzte
Herr von Aschach gestorben ist, so hat die Tochter desselben, welche die Mutter
Heinrichs von Jugelbach ist, das ganze Habe von Aschach geerbt. Und die zwei
Brder Heinrich von Jugelbach und Gebhart von Jugelbach wollen gegen Aschach
gehen, und zwei Burgen bauen, indes der alte Werinhart in Jugelbach sitzt. Wenn
die Abtei Wilhering, die man stiften will, entstehen kann, dann wollen sie ihr
Totenlager von der Abtei Formbach nach Wilhering verlegen. Von Benedicta erbt
Heinrich einmal die Wassermaut von Aschach, und da kann ich durch meine Schiffer
mit ihm in Streit geraten, wie das Kloster Berchtesgaden mit seinem Vater in
Streit geraten ist. Die zwei Brder werden die Fittiche schon regen.
    Das Totenlager verlegen sie, sagte Zdik, es ist allwrts wie bei uns,
erst ben sie Gewalt, dann haben sie Reue, und begaben die Orte ihrer letzten
Ruhe. In deinem Lande, ehrwrdiger Bruder, ist uns Gewalt begegnet. Man hat
Bolzen auf uns gesendet, die abgeprallt sind.
    Wer hat solches gewagt? fragte der Bischof von Passau.
    Ich habe einen der zwei Mnner fangen lassen, entgegnete Witiko.
    Und habet Ihr ihn in unser Gericht gebracht? fragte der Bischof.
    Nein, antwortete Witiko, ich habe ihn selber abgeurteilt. Weil ich durch
Fragen im Hauzenberge erkannt hatte, da er nur einen Gauneranfall hatte verben
wollen, so lie ich ihn mit einer Drohung aus der Haft. Wir hatten nicht Frist
zu Gerichtsdingen, und ich wollte nicht, wenn ich den Mann bei unserem
Weiterreiten mitziehen liee, die Aufmerksamkeit der Leute auf uns richten.
    Das ist gut, Witiko, sagte der Bischof.
    Du darfst die Sache nicht beachten, hochehrwrdiger Bruder, sagte Zdik,
die Bolzen stammen nicht aus dem Lande Mhren, und der Mann, der aus eigenem
Rate auf uns geschossen hat, wird der Strafe nicht entrinnen.
    Es ist arg, da sich die Ordnung in diesen Tagen immer mehr verwirrt,
sagte Regimbert, und am rgsten, da in unserm Lande Baiern kein Herr und
Herzog ist. Der Knig hlt das Land in seiner Macht, und es mte vieles
geschehen, wenn nicht der Markgraf Heinrich in Wien einen Teil davon erhielte.
    Der Knig ist der Stiefbruder des Markgrafen Heinrich, antwortete Zdik,
und weil er mit euerm stolzen Herzoge Heinrich und seinem Bruder Welf den
schweren Krieg gehabt hat, so frchtet er, wenn er dem Knblein Heinrich zu
Sachsen auch noch Baiern gbe, da es einst zu mchtig werden knnte. Und so
kann es schon geschehen, wie du gesagt hast.
    Dann ist der Sprengel des Bischoftumes Passau noch weiter in die Ostmark
hinein gelegt, als jetzt, sagte Regimbert.
    In unsern Zeiten werden die Dinge vielfltig von ihrer Stelle gerckt,
antwortete Zdik, und die Kirche erleidet auch nderungen.
    Ja, es geschehen Zeichen und Wunder, und Mchte wachsen und vergehen, wie
wir nicht geahnt haben, sagte Regimbert, wir sollten sorgsam auf diese Zeichen
achten. Denke an Friedrich von Bren, und was er geworden ist. Er ist ein edler
Mann gewesen, wie auch sein Vater ein edler Mann gewesen ist, und wie sein
Grovater gewesen sein mag. Aber er ist nur ein edler Mann gewesen, und um sein
Vorgeschlecht war Dunkelheit gehllt. Er stieg von seinem Dorfe Bren auf den
Gipfel des hohen Staufen, und baute dort eine Burg. Und dann hat er mit seiner
Hand und seinem Rate dem vierten Heinriche stets gedient, da dieser endlich
gesagt hat: Ich gebe dir meine Tochter Agnes zum Weibe, und verleihe dir das
Herzogtum Schwaben. Und sitzt nicht der Sohn dieses Mannes Bren, Konrad, jetzt
auf dem Knigsstuhle der Deutschen, dem ersten weltlichen Stuhle auf dieser
Erde, welcher gleich nach dem Stuhle des Heiligen Vaters kommt? Und wird dieses
Geschlecht nicht wachsen? Hat er nicht die alten Welfe, die in Baiern und
Sachsen mchtig waren, nieder geworfen? Und wird er nicht gegen Heinrich, den
Sohn unsers verstorbenen stolzen Herzoges Heinrich, dem sie Sachsen gegeben
haben, und in dem ein rchender Lwe heran wchst, einst streiten? Und wenn die
Mchtigen streiten, kannst du sagen, Bruder Zdik, in welche Zeiten und in welche
Lnder sich der Streit fortpflanzen wird? Und wie der Mann Bren auf den hohen
Staufen gestiegen ist, und seinem Geschlechte den deutschen Knigstuhl errungen
hat, so hat ein anderer Mann in der Zeit vor unsern Tagen seine Shne
ausgesendet, da sie sich ihren Lebensunterhalt suchen, und sie haben
Knigskronen gefunden, die furchtbar sind, und die noch furchtbarer werden
knnen. Es ist der Mann Tankred gewesen, der in dem Lande Normandie gehauset
hat. Er ist auch nur ein edler Mann gewesen, und sein Geschlecht hat einiges
Ansehen gehabt. Er hat die edle Jungfrau Moriella geheiratet, und sie hat ihm
Tchter und fnf Shne geboren. Und da sie gestorben war, hat er die edle
Jungfrau Fresenda geheiratet, und sie hat ihm Tchter und sieben Shne geboren.
Und sie hat die Tchter und die Shne erzogen. Und die Jnglinge waren in allen
Tugenden der Mnner und Ritter gebt. Da sagte der Vater: Wenn meine Habe unter
euch geteilt wird, so hat jeder wenig, wenn sie aber einer bekmmt, so kann er
sein Geschlecht in Ansehen fortfhren, und wenn die brigen sich Ruhm und Habe
erwerben, so knnt ihr alle bedeutsam sein. Da gingen drei Shne, Wilhelm, Drogo
und Humfried, nach Italien, und verdingten sich dem Frsten von Capua. Als der
Frst kargte, gingen sie in den Dienst des Frsten von Salerno. Derselbe bergab
sie dem griechischen Kaiser Michael, und sie schlugen mit den Mnnern der
Normandie, die nach gekommen waren, fr ihn ein sicilisches und saracenisches
Heer auf der Insel Sicilien. Die Griechen aber betrogen sie um die Beute, und
waren arglistig, und die Mnner muten nach Italien fliehen. Dort errannten sie
im Sturme die Stadt Malfi, machten aus ihr eine Veste, und sie sollte
gemeinschaftliches Eigentum sein, und was man erobern wrde, sollte geteilt
werden. Wilhelm wurde als Haupt erkannt. Er fhrte sie gegen die Griechen,
welche bestrebt waren, die Eindringlinge aus dem Lande zu werfen, und besiegte
die Griechen. Aber er starb. Da wurde Drogo das Haupt, und es kamen wieder
sieben Shne Tankreds zu ihm. Weil die Griechen nicht zu siegen vermochten, und
auch durch Geschenke die Fremden nicht aus dem Lande bringen konnten, dachten
sie auf Hinterlist. Drogo wurde, als er in die Kirche von Montello ging,
ermordet, viele seiner Leute wurden gettet, und es sollten an diesem Tage alle
Normannen ermordet werden. Aber an Drogos Stelle trat Humfried, er rief die
Seinigen zusammen, sie erstrmten Montello, tteten die Verrter, und
befestigten ihre Macht. Nun wies sie der Heilige Vater Leo aus dem Lande, und
befahl, da sie aus Italien weichen sollten. Sie gehorchten nicht. Und so zog er
mit den Leuten des Frsten von Benevent, mit Griechen, und selbst mit Deutschen
gegen sie. Allein sie siegten, und nahmen den Heiligen Vater gefangen. Sie
bezeugten ihm groe Ehrerbietung, und er belehnte sie mit dem, was sie hatten,
und was sie in dem untern Italien erwerben wrden. Als Humfried starb, kam der
nchste der Shne Tankreds, Robert Guiskard, an seine Stelle. Sie sagen, da
Robert sehr schne rote Wangen und blaue Augen und blonde Haare gehabt hatte.
Aber die Mnner gehorchten dem Haupte nicht mehr. Sie zerstreuten sich in
Fehdefahrten, und wohnten auf Burgen. Robert baute sich ein Schlo, und mute
sich dahin Lebensmittel stehlen, er mute einen falschen Leichenzug in ein
Kloster fhren, um von den Mnchen durch Schreck Geld und Nahrung zu erpressen,
und er trug einen reichen Mann gegen sein Schlo, um Lsegeld zu erzwingen. Da
kam nun auch der jngste der Shne Tankreds, Roger, nach Apulien. Er war schn
und blond wie sein Bruder, aber grer. Zuerst war er mit seinem Bruder Robert
vereinigt. Aber sie zerfielen dann, und bekriegten sich. Roger erhielt von einem
Bruder eine Burg zum Geschenke, und er mute Wegelagerung treiben, und stahl in
der Nacht mit seinem Knechte Pferde. Die Brder vershnten sich wieder, und da
sie vershnt waren, bezwang Robert Lnder in Apulien, und Roger machte Raubzge
nach Sicilien, und behielt die Stadt Messina in seiner Gewalt. Sie entzweiten
sich dann wieder, und kmpften gegen einander. Da rettete Roger einmal seinen
Bruder aus der Gefangenschaft und von dem Tode, und nun blieben sie vereint
durch die Zeit ihres Lebens, und halfen einer dem andern. Roger besiegte die
Saracenen in Sicilien, dann kam Robert zu ihm, und sie durchzogen die Insel.
Dann gingen beide nach Apulien, bezwangen Stdte durch Hunger, durch Sturm oder
durch Schreck, und dann eroberten sie wieder Palermo, und dann die letzten Teile
von Apulien. Roger wurde als Frst von Sicilien und Robert als Frst von Apulien
anerkannt. Robert rstete darauf ein Heer gegen den griechischen Kaiser Alexius,
schiffte nach Griechenland, besiegte den Kaiser in mehreren Schlachten, und war
daran, das ganze Reich zu bezwingen. Da ward ihm zu Hause Emprung erregt, und
der Heilige Vater Gregor der Siebente rief ihn zu Hilfe, weil er in der
Engelsburg von dem Kaiser Heinrich belagert wurde. Robert lie seinen Sohn
Boemund in Griechenland, ging heim, schlug die Emprer, zog mit seinem Bruder
nach Rom, und befreite den Heiligen Vater. Boemund besiegte in der Zeit die
Griechen in drei Schlachten. Robert machte nun den zweiten Zug gegen sie; allein
da starb er. Seine Shne haderten, und endlich erlosch seine Nachkommenschaft
gnzlich. Und da auch Roger gestorben, und da ihm sein Sohn desselben Namens
Roger gefolgt war, kam alle Herrschaft in Sicilien und Apulien an diesen zweiten
Roger. Er wurde dann Knig und vor zwlf Jahren in der heiligen Weihnachtzeit
von dem Gegenpapste Anaklet durch einen Kardinal in der erzbischflichen Kirche
in Palermo gesalbt. Der im Himmel selige Kaiser Lothar hat wohl nach seinem
Krnungszuge nach Rom das ganze Land Italien erobert, und Roger auf Sicilien
zurck gedrngt, und den Heiligen Vater Innozenz auf seinen Stuhl nach Rom
gefhrt; aber da Lothar nach Deutschland zurck gezogen, und auf dem Wege
gestorben war, eroberte Roger wieder alle Lnder des untern Italien, und wurde
von dem Heiligen Vater Innozenz als Knig von Apulien, Calabrien, Capua und
Sicilien erkannt. Und da steht er nun, der Enkel des Mannes Tankred, als ein
gewaltiger Herrscher da, bereit, alles zu nehmen, und sei es so viel, als eines
Menschen Haupt zu denken vermag. Und wie sind die Sachen indessen in dem oberen
Italien gediehen? Wenn man mit Worten den Kaiser nennt, so achtet in Taten
niemand sein, die Begierden herrschen, und Venedig kmpft mit Ravenna, Florenz
und Pisa mit Lucca und Siena, Verona und Vicenza mit Padua und Treviso, Bologna
mit Modena, und die Herren in dem Lande sind dabei, der Markgraf von Tuscien
steht zu den Florentinern, der Graf Guido zu den Feinden derselben, und es
erheben sich Ruberhorden, die den Freund und den Feind plndern, und Bischfe
und bte anfallen. Und hat nicht der Abt von Clugny, der auch von Rubern
ergriffen worden war, an den Knig Roger geschrieben: Oh, wenn nur das arme Land
deinen Befehlen unterworfen wrde? Und sind nicht diese Worte bekannt gemacht
worden? Wenn nicht ein deutscher Knig zu retten kommt, so wird Roger das Land
ergreifen, es mit einem Arme halten, und mit dem andern ber die Alpen langen,
und alles zu verschlingen streben, oder alles wird zerfallen.
    So ist es, hochehrwrdiger Bruder Regimbert, sagte Zdik, das Erhobene
wird gedemtigt, das Kleine wird erhoben. So stark wie dieser Roger, Robert,
Boemund, Wilhelm und Drogo, so sind noch andere auf dieser Welt, und wer wei,
ob nicht der deutsche Knig und rmische Kaiser schon unter uns wandelt, der die
Rettung bringt.
    Konrad wird jetzt auf seinen Rmerzug gehen, sagte Regimbert, auch
preisen viele den Knaben Friedrich.
    Was ist alles vor den Augen Gottes, antwortete Zdik, Geschlechter steigen
in die Grube, andere breiten sich aus, Reiche vergehen, und werden. Bei uns sind
Mnner von dem Herzogstuhle in das Elend gegangen, andere von dem Pfluge zur
Herrschaft, Stdte und Stmme haben geboten, und sind dahin. Aber Gott wirkt
durch die Menschen Wunder, welche leuchten von dem Aufgange bis zu dem
Untergange, und welche nicht vergessen werden, wenn wir sie auch durch
Unreinheit des Herzens verlieren.
    Du sagst es, Bruder Zdik, antwortete Regimbert, das ist die Befreiung des
Heiligen Landes von der Schmach der Entweihung durch den Eifer gebrechlicher
Menschen. Das ist das Wunder, das vor unserer Zeit geschehen ist, und das nicht
vergessen werden kann. Es ist mein Gebet beim Tage, meine Betrachtung in der
Nacht, und mein Traum in dem Schlafe, da ich einmal in das Land gelange. Ich
erzhle mir, und wiederhole mir, wie es sich wundervoll zugetragen hat. Da ist
ein Mann mit einem kleinen Krper, mit schwachen Gliedern, mit geschwrzten
Wangen, und mit nackten Fen, der Einsiedler Peter, zu dem Heiligen Vater Urban
gekommen. Er hat erzhlt, wie er nach Jerusalem gegangen ist, und wie ihn die
Leute gepflegt haben, und wie ihm vornehme Frauen die Fe gewaschen haben; denn
es hat sich ausgebreitet, da die Pilgerungen zum Seelenheile dienen, damit man
sich von Schuld lse, oder frmmer werde, oder berbleibsel hole, die ewigen
Segen bringen, und viele Menschen sind nach Jerusalem gewandelt, und immer
mehrere, um des Heiles teilhaftig zu werden. Und je mehr Menschen nach Jerusalem
gezogen sind, desto mehr Unglubige sind aus dem Lande Asien heraus gezogen, und
haben alles erobert bis an das Meer, und sind den Pilgern zum Schrecken und zur
Gefahr geworden, und haben Zins begehrt, wenn man die heiligen Sttten betreten
wollte. Aber die Pilger duldeten den Schrecken und die Gefahr, und leisteten den
Zins. Siegfried, der Erzbischof von Mainz, Otto, der Bischof von Regensburg,
Gnther, der Bischof von Bamberg, Wilhelm, der Bischof von Utrecht, die groe
Geleite hatten, wurden angefallen, und verloren Habe und Mnner. Von
siebentausend Christen, die eine Wallfahrt unternommen haben, sind fnftausend
gettet worden. Dietrich, der Graf von Trier, welcher Kuno, den Erzbischof von
Kln, erschlagen hatte, ging, um die schwere Schuld zu shnen, nach Jerusalem,
und ist nicht wieder zurckgekehrt. Die pilgernden Herren von Wulfenberg, vom
Thal, von Bingen sind verschollen, und ist nie mehr etwas von ihnen gehrt
worden. Eine schne btissin hat man bis zum Tode entwrdigt. Die Trken
schndeten die heiligen Orte, die Kirchengerte wurden zerstrt, die Priester
geschlagen und mihandelt, der Patriarch wurde bei den Haaren und dem Barte zu
Boden geworfen, und es wurde ihm in das Angesicht gespien, und wenn die armen
Pilger den Zins nicht zahlen konnten, so wurden sie zurck gejagt, und die
Christen konnten ihnen nicht helfen, weil sie selber beraubt und geplndert
worden waren, und da man die Pilger nicht pflegen konnte, muten sie oft auf der
Heimkehr verschmachten. Der Einsiedler zog Briefe heraus, die ihm Simeon, der
Patriarch, gegeben hatte, die ihm andere Leute gegeben hatten, und die ihm
unzhlige Leute gegeben hatten. Der Heilige Vater antwortete, da er auf Abhilfe
denken werde. Peter ging darauf ber die Alpen, und erzhlte dort, und teilte
Briefe aus. Auf den November des Jahres 1095 berief der Heilige Vater eine
Versammlung nach Clermont. Es kamen ber dreihundert Bischfe und bte, und dann
Frsten, Edle, Ritter und Volk. Der Heilige Vater hielt die Versammlung unter
dem freien Himmel, und sprach: Die Lehre des Heilandes ist durch viele hundert
Jahre in dem Lande Asien gebt worden, sie ist von da in die ganze Welt
ausgegangen; jetzt aber sind Unglubige dort, und walten. Welch ein Jammer ist
dieses! Und doch ist der Jammer noch grer. Die heilige Stadt Jerusalem und das
Heilige Land ist in ihrer Gewalt. Der Erlser, welcher die menschliche Gestalt
angenommen hat, ist dort gewandelt, hat dort seine Worte gesprochen, seine
Wunder gewirkt, hat dort gelebt, und ist dort gestorben. Jetzt ist dort keine
Erlsung mehr. In der Kirche der Auferstehung, durch die er dem Tode die Macht
genommen hat, werden Teufelsworte verkndiget, in dem heiligen Raume stehen
Lasttiere, die Christen werden verfolgt, die Priester mihandelt und erschlagen,
und um das nur anblicken zu knnen, mssen die Pilger einen schweren Zins
zahlen. Uns allen wre besser, da wir strben, als da wir leben, und dieses
Unheil dulden. Ich sage: Jeder verleugne sich selbst, jeder nehme das Kreuz des
Heilandes, kein Christ streite mehr wider den andern, keiner rufe den andern vor
Gericht, keiner sei tapfer gegen den Nachbar, sondern gegen die Heiden zur
Vergebung der Snden, keiner frchte Gefahr; denn wer reinen Herzens fr den
Herrn streitet, dem sind die Feinde dahin gegeben, keiner frchte Mangel; denn
wer Gott gewinnt, ist reich, keiner lasse sich durch Klagen der Seinigen
hindern; denn die Gnade schtzet das Haus. Und der Heilige Vater konnte seine
Worte nicht endigen; denn es entstand ein Donnerschrei in dem Volke, und es rief
gesamt wie ein einziger Mensch: Gott will es! Und da es wieder stille geworden
war, sagte der Heilige Vater: Wahrhaftig sind die Worte der Schrift: Wo zwei
oder drei in meinem Namen versammelt sind, werde ich bei ihnen sein. Er ist bei
euch gewesen, und hat durch euch wie mit einem Munde das Wort gerufen: Gott will
es. Das Wort ist nun fortan euer Feldwort, und das Kreuz sei euer Zeichen, es
ist das Zeichen der Macht und der Demut. Wer das heilige Unternehmen zu stren
wagt, den trifft der Fluch des ppstlichen Stuhles, wer es frdert, dem wird
sein Beistand im Namen des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit. Da der Heilige Vater
geendet hatte, kniete Ademar von Monteil, der Bischof von Puy, vor ihm nieder,
und bat, da er bei dem heiligen Zuge sein drfe, dann kniete Wilhelm, der
Bischof von Orange, nieder, und bat auch so, und dann knieten viele, und baten,
und die meisten der Versammelten riefen auf, und gelobten den Zug. Man ri
pltzlich, wo irgend ein rotes Tuch oder rote Seide oder rotes Linnen auf einem
Kleide war, dasselbe herab, und schnitt Kreuze daraus, und heftete sich die
Kreuze auf die Schultern. Alte Mnner, welche zu jener Zeit gelebt haben,
erzhlen, da sich die Kunde von dem, was zu Clermont geschehen ist, in allen
Lndern der Christenheit zu der gleichen Zeit verbreitet hat. Die Bischfe und
die Priester predigten nun das Kreuz, und die Pilger riefen zum Zuge. Der Mann
trennte sich von dem Weibe, das Weib von dem Manne, die Eltern von den Kindern,
die Kinder von den Eltern, der Bruder von der Schwester, die Schwester von dem
Bruder, der Landmann verga den Acker, der Hirt die Herde, Mnche und Nonnen
verlieen ihre Zellen, und alle, Mnner und Weiber, Hohe und Niedere wollten
nicht ausgeschlossen sein von der Wanderung der Vlker nach dem Heiligen Lande.
Es war nicht mehr Frist, das auszuschlieen, was nicht tauglich war, und wie ein
brausendes Gewsser lief alles vorwrts. Unzhlbare Menschen zogen sogleich mit
dem Ritter Walter und mit dem Einsiedler Peter dahin; aber sie gingen zu Grunde.
Dann zogen andere mit dem Grafen Emiko; aber sie gingen auch zu Grunde. Da zog
der edle Herzog von Lothringen, Gottfried von Bouillon mit Ratschlu und
Besinnung aus. Es zogen mit ihm seine Brder Balduin und Eustathius. Es zogen
mit ihm Robert, der Graf von der Normandie, der Bruder des Knigs von England,
dann Robert, der Graf von Flandern, es zogen mit ihm Hugo, der Graf von
Vermandois, der Bruder des Knigs von Frankreich, dann der Graf Stephan von
Blois, der Burgen hatte, wie Tage im Jahre sind, dann Raimund, der Graf von
Toulouse, welcher der reichste unter den Rittern war, dann Boemund, der Sohn des
Normannen Robert Guiskard, der Enkel des Mannes Tankred, und mit ihm war sein
Neffe Tankred, der in jungen Jahren schon hohes Lob gewonnen hatte, es zog mit
ihm noch eine groe Zahl von Herren, Rittern und Edlen. Sie gingen durch das
Land Ungarn und durch das Reich der Griechen, und waren, als sie auf den Boden
des Erdteiles Asien stiegen, eine halbe Million und hunderttausend Menschen.
Darunter waren dreihunderttausend gewappnete Fugnger und hunderttausend
Reiter. Sie gingen in dem Erdteile Asien vorwrts, und waren Leute aller Zungen
und Vlker. Sie litten durch Hunger und Durst, durch Feinde und Zank, durch
Krankheit und Erschpfung, durch Kmpfe und Aufenthalt, weil sie nicht ganz
reinen Herzens waren. Und als sie sich gereiniget hatten, eroberten sie Nica,
Edessa, und Antiochia, und am sechsten Tage des Brachmonates des Jahres 1099
hatten sie die Gnade, Jerusalem zu sehen. Sie fielen auf die Knie, sangen
Loblieder, und weinten vor Freude. Dann nherten sie sich der Stadt, und
rsteten sich zur Belagerung, und am neununddreiigsten Tage nach ihrer Ankunft,
am fnfzehnten des Heumonates erstiegen sie im Sturme die Stadt Jerusalem. Alle
hatten die grte Anstrengung erwiesen, und man hatte diejenigen, welche auf dem
Zuge gestorben waren, wieder unter den Kmpfern erblickt. Sie kten den
Erdboden, berhrten alles mit ihren Hnden, feierten in der heiligen Kirche den
Gottesdienst, taten Bue, und gelobten mit lauter Stimme Besserung. Dann
errichteten sie, da sie riefen: Gott will es, ein christliches Reich, und
erwhlten Gottfried zum ersten Knige von Jerusalem. Dieses ist im dritten
Jahre, nachdem sie die Heimat verlassen hatten, geschehen. Siehe, mein Bruder
Zdik, das ist das Wunder, das von Gott durch gebrechliche Menschen gewirkt
worden ist, wie du gesagt hast. Es ist nichts Greres seit dem Leben und
Sterben des Heilandes auf der Welt gewesen. Eine Freude war in der ganzen
Christenheit.
    Es ist nichts Greres gewesen, sagte Zdik, und ich halte es mir immer
vor die Seele.
    Aber die Menschen in Jerusalem sind nicht fortan reinen Herzens geblieben,
erwiderte der Bischof Regimbert.
    Nein, sie sind nicht reinen Herzens geblieben, sagte Zdik, und ich habe
es selber in Jerusalem gesehen, da sie nicht solchen Herzens geblieben sind.
    Darum mute auch wieder die Heimsuchung kommen, antwortete Regimbert. Der
fromme Knig Gottfried hat nur kurz geherrscht. Dann fhrte unter Mhen und
Erwerbungen sein Bruder Balduin siebenzehn Jahre das Knigtum. Dann kam der
andere Balduin, sein Vetter, der Graf von Edessa, und stiftete ein Reich von
Tarsus bis nach gypten. Er vermhlte in unseren Tagen seine lteste Tochter
Melisenda mit Fulko, dem Grafen von Anjou, und als er gestorben war, wurde Fulko
Knig. Der Knig Fulko ist jetzt schon alt, er ist irdisch und unsicher, und
auch die andern sind irdisch und habgierig. Da hat Gott zwei Feinde des Reiches
erweckt. Der eine ist der griechische Kaiser Johannes, der Sohn des Kaisers
Alexius, der in Griechenland geherrscht hatte, als Gottfried in die heiligen
Lnder gezogen war. Er ist ein tapferer Mann, und besiegte gleich nach dem
Beginne seiner Herrschaft die Trken und Petschenegen. Darauf fingen die Ungarn
gegen ihn Krieg an, weil er Almus, den flchtigen Bruder ihres Knigs, gtig
aufgenommen hatte. Er war auch gegen die Ungarn siegreich. Da er diese Dinge
beendiget hatte, zog er mit seinem Heere nach Asien, und drngte die Unglubigen
zurck. Es mgen jetzt fnf Jahre sein, da er Tarsus und das ganze Cilicien
eroberte, und vor die christliche Stadt Antiochia kam. Weil einmal diese Lnder
zu Griechenland gehrt hatten, und weil die ersten Pilger dem Kaiser Alexius die
Lehensherrlichkeit darber versprochen hatten, so begehrte sie nun Johannes.
Aber die jetzigen Pilger verweigerten sie, und so sind nun Christen wider
Christen. Der zweite Feind ist Emadeddin Zenki, der Unglubige. Er ist Herr von
Aleppo, Syrien und des Landes zwischen den Flssen. Er hat seine Waffen gegen
die Christen gekehrt, und Raimund, den Grafen von Tripolis, gefangen, zugleich
auch den Knig Fulko in einer Burg bei Akkon eingeschlossen. Den Grafen Raimund
gab er gegen ein Lsegeld und den Knig gegen die Burg frei. Jetzt rstet er
gegen Edessa. Wenn nicht mit neuem Glauben und neuem Eifer Pilger von uns in das
Morgenland ziehen, kann alles verloren werden. Boemund hat ein irdisches Mittel
angesagt. Man soll das griechische Reich erobern, dort eine starke
abendlndische Herrschaft stiften, und von ihr aus die weiteren Lnder erwerben
und anfgen. Gott wird aber die Seinigen ohne dieses Mittel retten und
befreien.
    Und wenn alles durch die Snden der Menschen verloren wird, so wird alles
einmal wieder gewonnen werden, und es wird ein Hirt und eine Herde sein, sagte
Zdik.
    Und glcklich sind, die zu diesem Gewinne werden auserkoren sein, sprach
Regimbert. Sage, Zdik, wird der Herzog Wladislaw zu dem heiligen Kampfe seine
Mitwirkung bringen?
    Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, wird zuerst in seinen Lndern
seine Macht in Sicherheit stellen, antwortete Zdik, und dann wird er tun, was
der Kirche und den Menschen frommt.
    Und Knige und Frsten und alle, die die Macht haben, sollen dem Werke
nicht fehlen, sagte der Bischof von Passau, und du, mein Sohn Witiko, wirst du
auch deine Jugend in die heiligen Lnder tragen?
    Wenn mein geringer Dienst etwas wirken kann, werde ich ihn nicht versagen,
antwortete Witiko.
    Ich glaube es, sagte der Bischof.
    Ihr habt in Eurer Rede einen Namen genannt, welchen ich kenne,
hochehrwrdiger Bischof, sagte Witiko, Almus, der flchtige Bruder des
ungarischen Knigs, den der griechische Kaiser Johannes gtig aufgenommen hatte,
ist der Vater Adelheids, der Gemahlin des bhmischen Herzoges Sobeslaw, gewesen,
welche die Lnder Bhmen und Mhren geliebt hat, welche in diesem Leben wie eine
Heilige gewandelt ist, und mir Wohlwollen erwiesen hat. Und erlaubet mir auch,
hochehrwrdiger Herr, da ich von Wladislaw, dem Herzoge von Bhmen und Mhren,
rede. Wenn es die Ehre und der Ruhm seiner Lnder erheischt, wird er seine
Banner ber die Grenze zu entfernten Vlkern tragen, und wir werden ihm folgen.
    Ich habe Adelheid gekannt, mein Sohn, sagte Regimbert, sie geniet im
Himmel den seligen Lohn. Wladislaw mge nicht nur die Ehre und den Ruhm seiner
Lnder wahren, sondern vielmehr tun, was die Ehre und der Ruhm Gottes
erheischt.
    Wie Gott durch alle Zeit hindurch die Zeiten lenkte, sagte Zdik, und die
erweckte, welche er fr die Zeiten brauchte, so wird er auch die erwecken, die
in den weltlichen Dingen und auch in den himmlischen seine Ehre und seinen Ruhm
erfllen, und wenn es auch in so entfernten Jahren ist, dahin wir nicht zu sehen
und nicht zu denken vermgen.
    Amen, sagte der Bischof von Passau, so ist es gewesen, und so wird es
sein. Und was fr die jetzige Zeit not tut, wie du sagst, da der Herzog
Wladislaw seine Macht festigen mu, so wird der Heilige Vater einen Gesandten
nach Bhmen schicken, der die geheiligten Dinge ordnet, und der Herzog kann dann
weiter walten, und in Deutschland wrde ein Knig taugen, der das Blut der
Hohenstaufen und der Welfen zugleich in sich trgt, wie der junge Friedrich,
damit der Streit zwischen ihnen ruhte, Italien mu gehorchen, der Heilige Vater
Innozenz und der Kaiser, wenn er einmal gekrnt sein wird, sollten in
Freundschaft sein, und dann wrden die Zelte die nicht fassen, die zu dem Zuge
in die heiligen Lnder kommen, und den Herrn dort verherrlichen wurden.
    Als der Bischof noch diese Worte sprach, trat der Priester Konstantin in das
Gemach. Er blieb in der Entfernung stehen, bis der Bischof ausgesprochen hatte.
    Nun, was hast du zu berichten, lieber ehrwrdiger Bruder Konstantin?
fragte ihn der Bischof.
    Der Priester trat nher, neigte sich, und sprach: Es ist alles vollendet,
was zur Aufnahme des hochehrwrdigen Bischofes von Olmtz notwendig gewesen ist,
und der hochehrwrdige Herr kann in seine Wohnung kommen.
    Wenn du in dein Gemach begehrest, hochehrwrdiger Bruder Zdik, sprach
Regimbert, so wirst du es sagen.
    Die Sonne ist untergegangen, wie ich an jenen Bergen sehe, antwortete
Zdik, es wird an der Zeit sein, seine Wohnung zu suchen, um dort ein Abendgebet
zu sprechen.
    So gehe ein in dein Haus unter meinem Dache, sagte der Bischof von Passau,
und die von Hagenau und von Peilstein und die von dem Bischoftume werden dich
schtzen.
    Er erhob sich nach diesen Worten von seinem Sitze.
    Der Bischof Zdik in seinem braunen Gewande stieg auch von dem seidenen
Stuhle herab, Regimbert nahm ihn bei der Hand, und sagte: Lasse dich geleiten.
Und du, edler Witiko, folge uns, da dir auch deine Herbergstube gezeigt werde.
    Er fhrte den Bischof an der Hand gegen eine andere Tr, als durch welche
die Wanderer herein gekommen waren. Witiko folgte den zwei Kirchenherren. Hinter
Witiko ging der Priester Konstantin. Als sie in das Vorgemach gekommen waren,
standen noch Priester, Kmmerlinge und Diener da. Sie reihten sich nach ihrer
Wrde dem Zuge an. Der Bischof Regimbert fhrte seinen Gast durch Gemcher mit
Holzgetfel und geschnitzten Gestalten von Aposteln und Heiligen, und dann ber
Tcher eines kurzen Ganges in einen andern Teil der kirchlichen Burg, und hielt
vor einer Eichentr an, indem er sagte: Gott segne den Eingang.
    Ein Diener ffnete die Flgel der Tr, und der Zug trat in ein groes
Vorgemach, in welchem brennende Lichter waren. Von dem Vorgemache konnte man in
andere beleuchtete Gemcher sehen.
    Der Bischof von Passau fhrte Zdik an der Hand in diese Gemcher.
    Sie kamen zuerst in eines, welches mit roter Seide berzogen war. In
demselben stand unter einem roten Seidendache ein Kreuz mit dem Heilande, davor
ein Betschemel war, den rote Seide bedeckte. Dann kamen sie in ein Gemach von
dunkelblauer Seide mit vielen dunkelblauseidenen Sthlen und mit Tischen. Dann
gelangten sie in das Speisegemach. Es war mit dunkelm Birnholze getfelt. In
demselben standen die Speisegerte. Sie waren schon zum Abendmahle bereitet.
Dann war ein Wohnzimmer, das gleich dem Speisezimmer Birnholzgetfel hatte. Dann
ging der Zug in ein Zimmer, dessen Getfel braunes Nuholz war. In dem Zimmer
standen Schreine aus Eichenholz, deren Tren offen waren. In einigen Schreinen
hingen Gewnder, welche ein hoher Kirchenherr in der Kirche, dann, welche er
auerhalb derselben im Hause, im Felde und im Walde tragen konnte, und in andern
Schreinen waren Trutz- und Schutzwaffen. Nach dem Gewandgemache war ein
Ankleidegemach mit braunem Nuholze, und nach diesem Gemache war hinter einem
gelbseidenen Vorhange die Schlafstelle.
    Als der Bischof von Passau den Gast durch alle Gemcher gefhrt hatte, blieb
er an dem seidenen Vorhange stehen, und sagte: Ich habe dir deine Wohnung
gezeigt, ehrwrdiger Bruder Zdik, bentze sie wie dein Haus, und offenbare jeden
Wunsch zur Erfllung eines Bedarfes. Erlaube, da ich mich entferne. Gelobt sei
Gott der Herr!
    Er lie bei diesen Worten die Hand des Bischofes Zdik los.
    Zdik sagte: Gelobt sei Gott der Herr. Ich bringe dir den Dank, und werde
dich geleiten.
    Der Bischof von Passau trat den Rckweg an, und Zdik geleitete ihn bis in
das Vorgemach. Regimbert ging aus dem Vorgemache, und es folgten ihm einige
Priester, Kmmerlinge und Diener. Konstantin, zwei Priester, zwei Kmmerer und
vier Diener blieben bei Zdik zurck.
    Zdik wendete sich zu den Priestern, und sprach: Ehrwrdige Herren, ich
danke euch fr euer Geleite, ich glaube, es ist nicht geziemend, da ich euch
noch ferner von euerem Gebete und eueren Obliegenheiten abhalte.
    Wir sind zu dir gehrig, hochehrwrdiger Herr, sagte Konstantin, rufe
uns, so du willst.
    Ich werde es tun, sagte Zdik.
    Darauf entfernte sich Konstantin mit den Priestern aus dem Vorgemache.
    Harre ein Weilchen, Witiko, sagte Zdik.
    Nach diesen Worten ging er in das rote Zimmer, kniete dort auf den
Betschemel vor dem Kreuze nieder, und betete.
    Dann stand er auf, ging wieder hinaus, und sprach: Zuerst der Dank an Gott,
dann der Dank an dich, Witiko, du hast treue Christenpflicht an mir gebt; mge
sie dir im Walde gelohnt werden, von dem Hause Heinrichs von Jugelbach bis an
die Waldstelle, in der du wohnen wirst. Mge Wladislaw die Stelle zieren, und
mge ich etwas hinzu tun knnen. Die Reisetage werde ich nicht vergessen, und
die Vergeltung wird im Jenseits nicht vergessen werden.
    Nach diesen Worten legte er die Hnde wie zum Segen auf den Scheitel
Witikos.
    Hoher Herr, sagte Witiko, ich danke Euern Worten. Was ich getan habe, das
habe ich nicht des Lohnes wegen getan, sondern weil ich meinte, da es gut sei.
Und darum habe ich es mit Liebe getan, die sich zur Liebe gegen Euch gesellte.
Jedes Glck, das mich findet, ist eine Gnade des Herrn, und das Glck im Walde
ist meinem Herzen lieber als das Glck anderswo.
    Lasse die Liebe zu mir dauern, Witiko, wie die meinige zu dir dauert,
sagte Zdik, geniee die Ruhe nach dem Ritte, und zeige mir morgen wieder dein
Angesicht.
    Dann wendete er sich zu den Dienern, und sagte: Weise einer dem Ritter
seine Schlafstelle.
    Ein Diener schickte sich zum Gehorchen an.
    Habt gute Ruhe, hochehrwrdiger Herr, sagte Witiko.
    Du auch, mein Sohn, sagte Zdik.
    Darauf ging Witiko mit dem Diener aus dem Gemache.
    Der Diener fhrte ihn ber den erleuchteten Gang, dann ber eine Treppe
hinauf zu einer groen Eichentr.
    Sie gingen durch die Tr in ein Vorgemach. In dem Vorgemache saen zwei
Diener und Raimund.
    Diese Mnner sind zu Euern Diensten, hoher Herr, sagte der, welcher Witiko
geleitet hatte, und entfernte sich.
    Die Diener in dem Vorgemache erhoben sich.
    Witiko sagte zu Raimund: Folge mir.
    Raimund erhob sich auch von seinem Sitze.
    Witiko ging mit ihm von dem Vorgemache in ein zweites kleineres Vorgemach,
in welchem ein Lager bereitet war, das er als das Nachtlager Raimunds erkannte.
Dann gelangte er in ein Speisezimmer, in welchem der Tisch zum Abendessen
gerstet war. Aus dem Speisezimmer kamen sie in ein Gemach, in welchem Waffen
und schne Kleider waren. Und neben diesem Gemache befand sich das Schlafzimmer
fr Witiko. In allen Gemchern brannten Lichter.
    Nun hast du unsere Wohnung gesehen, Raimund, sagte Witiko, jetzt folge
mir in den Stall.
    Er lehnte das Geleite eines Dieners ab, und fhrte Raimund in den Stall.
    Dort sahen sie nach den Pferden, und gingen dann wieder in ihre Gemcher.
    Witiko ging mit Raimund in das Kleiderzimmer, dort setzte er sich nieder,
nahm die Lederhaube von seinem Haupte, und strich sich die blonden Haare zurck.
    Siehe, Raimund, sagte er, nun ist die Mhsal berstanden. Sie haben uns
in dieser kirchlichen Burg schne Zimmer gegeben, und werden auf den Tisch bald
Speisen stellen, die uns wohltun werden, und auf den guten Lagern wird die Ruhe
gut sein.
    ber mich aber wird harte Strafe kommen, sagte Raimund.
    Warum wird Strafe kommen? fragte Witiko.
    Ich habe dem hochwrdigsten Bischofe mein Pferd zu halten gegeben, und habe
ihm gar den Strick des Diebes in die Hand gegeben, antwortete Raimund. Ihr
habt mich nicht belehrt, und ich habe ihn nicht gekannt; denn das braune Gewand
ist schlechter gewesen, als die weiten Gewnder, die sie im innern Lande tragen,
es ist auch schlechter gewesen als das andere braune Gewand, das der Mann
angehabt hatte, der Euch den Schwertgrtel des Herzogs und Eure andern Dinge in
den obern Plan gebracht hat. In der groen Stadt Nrnberg hat der
hochehrwrdigste Bischof ein veilchenblaues Kleid gehabt und eine goldene Kette
und ein goldenes Kreuz und eine schne Haube und einen gekruselten Bart. So
htte ich ihn gekannt. Und in dem Hause, wo wir zur Nachtherberge waren, habe
ich ihm die besten Speisen weggegessen.
    Und was httest du denn getan, wenn du ihn gekannt httest? fragte Witiko.
    Ich wre auf die Knie gefallen, und htte zu Martin und Lucia gesagt, da
sie auch auf die Knie fallen, antwortete Raimund.
    Und httest ihn verraten, sagte Witiko, du hast ihm gedienet, weil du ihn
nicht gekannt hast. Der Herr des Waldhauses, in welchem wir eine Nacht gewesen
sind, hat ihn gekannt, hat ihn unter die Knechte gesetzt, und hat ihm so
geholfen; denn der hochehrwrdige Bischof mute auf der Flucht aus unsern
Lndern sein, weil ihm dort Menschen nach Leib und Leben trachten.
    Und trifft diese nicht ein fallender Baum oder die Strafe Gottes? fragte
Raimund.
    Es kann sein, antwortete Witiko, es kann aber auch sein, da ihnen noch
Frist gegeben werde.
    Mir wird der hochwrdige Bischof alles nachtragen, was ich gegen ihn getan
habe, sagte Raimund.
    Er wird dir es nachtragen, da er dir einen Lohn gibt, antwortete Witiko,
du aber gedenke, wenn du wieder mit deinesgleichen bist, da du ihnen nicht die
besten Speisen wegissest.
    Ich bin so hungrig gewesen, sagte Raimund, er wird immer daran denken.
    Er denkt an vieles, aber an dieses nicht, antwortete Witiko.
    Sagt es ihm, sprach Raimund.
    Ich werde es tun, antwortete Witiko.
    Nun schwieg Witiko, und Raimund blieb vor ihm stehen.
    Nach einer Zeit kamen Speiseknechte, brachten Speisen und Wein, und stellten
alles auf den Tisch in dem Speisegemache.
    Witiko erhob sich, befahl Raimund, ihm zu folgen, und ging in das
Speisegemach hinaus. In demselben setzte er sich an den Tisch, und hie Raimund
sich zu ihm setzen, und mit ihm essen, und der Herr und der Knecht aen an dem
Tische der Bischofsburg, und die Diener walteten an ihnen ihres Amtes. Als sie
gegessen und getrunken hatten, stand Witiko auf, lie die Speiseknechte die
Reste des Mahles fort tragen, und sagte zu Raimund, da er in seine Kammer
schlafen gehe, zu den Dienern, da sie in allen Gemchern auer in seinem
Schlafgemache die Lichter auslschten. Dann ging er in das Schlafgemach, schlo
es zu, zndete die Nachtlampe an, lschte die andern Lichter aus, entkleidete
sich, und legte sich auf sein Lager.
    Da es Morgen geworden war, sorgte Witiko mit Raimund fr die Pferde, dann
gingen sie wieder in ihre Wohnung, und verzehrten ein Frhmahl, das ihnen die
Speiseknechte gebracht hatten.
    Als die Sonne an dem Himmel leuchtete, erschollen die Glocken in dem Mnster
der Bischofstadt. Witiko und Raimund gingen in den Hof der Burg, und von dort
durch das offene Pfrtchen in das Freie. Da waren viele Menschen, die harrten,
den Bischof in die Kirche reiten zu sehen. Witiko und Raimund blieben unter den
Menschen stehen.
    Da eine Zeit vergangen war, hrte man Stangen und Riegel an dem Tore der
Bischofburg rasseln, und Hans, der schn gewappnet war, und andere schn
gewappnete Mnner ffneten die beiden Flgel des Tores, und blieben an ihnen
stehen.
    Die Menschen drngten sich gegen die offene Wlbung. Odilo erschien mit
seinen Untergebenen. Er war in schnen Gewndern, und trug einen schweren Stab
in der Hand, mit dem er die Menschen zurck wies.
    Sie erzhlten sich wechselweise, da ein Kardinal aus Rom gekommen sei, da
in der Nacht der Schenke und der Marschalk gekommen seien, und da ein sehr
schner Kirchengang sein werde.
    Da sie sprachen, kam der Zug vom Hofe durch das Tor heraus.
    Zuerst ritten bischfliche Mnner, dann ritten Mnner, die nach Peilstein
und Hagenau dienstbar waren. Dann ritten in hellen Platten und schnen
Pelzverbrmungen die Herren Marquard von Wesen, der Schenk des Hochstiftes
Passau, und Chunrat von Heichenbach, der Marschalk des Hochstiftes Passau. Ihnen
folgten einige ihrer Dienstmannen. Dann ritten Dienstmannen anderer Herren. Dann
kamen die zwei Bischfe auf weien Zeltern. Sie waren in veilchenblauen
Gewndern, und die Kreuze waren aus Gold und Edelsteinen. Zdik ritt an der
rechten Seite des Bischofes Regimbert. Das Volk warf sich auf die Knie, und die
Bischfe gaben den Segen. Hinter den Bischfen kamen Priester und Herren, die in
den bischflichen mtern waren, dann priesterliche Schler und Diener der
Kirche. Dann wurde in einer Snfte die Schwester des Bischofes von Passau
getragen, die edle Frau Anna von Peilstein und Hagenau. Sie war in roten Sammet
gekleidet, und neben ihr gingen Frauen und Jungfrauen. Dann kamen Mnner von
Peilstein und Hagenau und dann Mnner des Bischofsitzes.
    Als der Zug vorber war, eilten die Menschen in die Kirche, um der heiligen
Handlung beizuwohnen.
    Raimund erhob sich auch von der Erde, und Witiko ging mit ihm in die Kirche.
    Es sammelten sich in diesen Stunden noch mehrere Ritter und Mnner des
Bischofes in der bischflichen Burg.
    Am Mittage war in dem groen Saale ein Mahl, und Herren und Ritter und
Frauen und Jungfrauen und Priester und Dienstmannen waren an dem Tische. Witiko
war auch dazu gerufen worden, und sa neben Rudolph dem Steiner.
    Nach dem Mittagmahle waren an dem Innflusse einige Waffenspiele.
    Am Nachmittage, da Witiko mit dem Knechte Raimund in seine Wohnung gegangen
war, kam ein Diener des Bischofes zu ihnen, und sagte, er bringe von dem
hochehrwrdigen Bischofe von Olmtz ein Geschenk an den Knecht des jungen
Ritters. Er nahm bei diesen Worten ein Beutelchen von rotem Leder aus seinem
Wamse, und reichte es an Raimund. Dann entfernte er sich wieder. Raimund ffnete
das Beutelchen, und fand zehn Goldstcke darinnen. Witiko deutete ihm den Wert
der Goldstcke, und sagte, er mge diese Menge des Geldes gut bewahren. Raimund
versteckte das Beutelchen an der innern Seite seines Wamses, und band es dort
an.
    Am Abende kam Rudolph der Steiner zu Witiko, fhrte ihn in eine Stube der
Burg, und sie erfreuten sich dort mit andern jungen Rittern an Wein und an
mancherlei Scherzen.
    Und alle Tage ritten nun die Bischfe in die Kirche, um dort das Meopfer zu
feiern. Wenn Zdik zurck gekommen war, legte er in seiner Wohnung ein hrenes
Gewand an. Nach einiger Zeit kamen Dienstmannen des Bischofes Zdik nach Passau,
und brachten auf Saumtieren Dinge, die zu dem Eigentume des Bischofes gehrten.
    An einem Tage wurde eine Jagd abgehalten. Dazu kamen Marquard von Wesen, der
Schenk des Hochstiftes Passau, Otto von Aheim, der Kmmerer des Hochstiftes von
Passau, Chunrat von Heichenbach, der Marschalk des Hochstiftes Passau, Heinrich
von Tannenbach, der Truchse des Hochstiftes Passau, dann Cholo von Wilheringen,
Werinhart von Martspach, Calhochus von Valchenstein, und andere Ritter und
Kriegsherren. Die Bischfe ritten mit Hfthorn und Speer auf dem linken Ufer der
Donau hinunter. Witiko war im Geleite des Bischofes Zdik. Dienstmannen,
Edelknechte, Knechte, Jagdmeister und Hundemeister waren am Ende des Zuges. Sie
ritten an hohem Waldlande, das mit dichten Bumen jh von dem Wasser empor
stieg, dahin.
    Der Bischof Zdik sagte zu Regimbert: Das ist ein sehr schnes Gehege.
    Es geht viele Wegestunden an dem Strome bis Aschach dahin, wo die Brder
von Jugelbach die zwei Burgen bauen wollen, antwortete der Bischof von Passau.
Der Wald da neben uns steigt hoch hinan, und geht dann in Abstzen immer hher
bis zu dem Lande Bhmen fort, wie es an dem Wege ist, auf dem du zu mir gekommen
bist. Oben ist es vielfach gereutet, und es stehen Ortschaften und Burgen da.
Von den Burgen sind manche dem Hochstifte noch nicht unterworfen. Wir suchen
aber zu erwerben, und die Kirche zu verstrken. Unser Gericht Velden ist vor
kurzer Zeit wieder ausgedehnt worden. Dort sitzt der Gaurichter, und hlt die
Dinge zum Urteile. Wir geben den Insassen mehr Rechte als die weltlichen Herren.
Fchse und Hasen darf sich jeder nehmen, fr einen Marder und Iltis bekommen sie
Geschenke, wer einen Wolf bringt, darf sich einen Hirsch erlegen, und die Bauern
haben drei Haghackenwrfe weit von ihrem Felde in den Wald hinein das
Holzrecht.
    Und wenn ihr noch manches zuwendet, so werden die Fluren ein hheres
Gedeihen und einen greren Reichtum gewinnen, sagte Zdik.
    Der Krummstab soll segenreicher sein als das Schwert, entgegnete der
Bischof von Passau.
    Und mge sich im Glauben noch alles mehr mildern und snftigen, antwortete
Zdik.
    Und als sie so gesprochen hatten, erscholl das Hfthorn zur Versammlung, und
sie ritten in den Wald empor zu der Jagd.
    Ein anderes Mal war ein Jagen auf dem Gebiete der Grafen von Formbach und
von Neuenburg.
    Es war auch ein Kirchenfest bei Konrad, dem Erzbischofe von Salzburg.
    Als vierzehn Tage vergangen waren, seit Witiko sich in der bischflichen
Burg befand, meldete er sich zur Abreise. Er verabschiedete sich bei den
Bischfen und bei den lteren und jngeren Herren der Burg. Die Bischfe gaben
ihm schne Gewnder und Gold zum Geschenke. Er gab den jngeren Rittern
Geschenke, und sie gaben auch ihm Geschenke.
    Am anderen Tage, ehe noch die Menschen in der Stadt ihren Geschften
nachgingen, und die Tore und die Fensterlden geffnet waren, ritt er mit
Raimund ber die schwache Anhhe zu der Donau hinab. Saumpferde mit seiner Habe
folgten. Auf dem Wasser stand an dem Ufer ein schngebordetes Schiff. Es hatte
eine grne Farbe und einen roten Schnabel. Auf dem Schiffe stand ein Haus von
einer andern grnen Farbe und mit roten Zieraten. Es wurden Gter auf das Schiff
geladen, und Menschen gingen auf dasselbe. Witiko und Raimund ritten zu dem
Schiffe, stiegen von den Pferden, fhrten die Pferde ber eine Brcke in das
Schiff, brachten sie dort in ein Gela, in dem Borne und Heuleitern waren, und
halfterten sie an. Dann wurde Witikos Habe in das Schiff geladen. Hierauf
setzten sich Witiko und Raimund auf eine Bank, die auf dem Dache des
Schiffhauses nach der Lnge dahin ging. Als die Gterladung vollendet war, und
alle Menschen sich auf dem Schiffe befanden, wurde die Brcke abgetragen, die
Taue gelset, und die Schiffer drckten mit Stangen den Schnabel vom Ufer. Als
der Schnabel von dem Fahrwasser gefat worden war, wendete sich das Schiff, und
glitt auf dem Wasser hinunter. Die Steuermnner walteten auf ihrem Gerste mit
dem langen Baume des Steuers, und die andern Ruder wurden in das Wasser gesenkt,
und trieben das Schiff vorwrts. Es fuhr an den Husern der Stadt vorber, an
der Mndung der schwarzen Ilz vorber, und in das breite Wasser hinunter, wo
sich die Flsse Inn und Donau berhrten. Die Stadt Passau rckte zurck, der
klippige Ilzberg rckte zurck, und das Schiff ging in die Waldschlucht nieder,
in welche Witiko mit den Bischfen zur Jagd geritten war. Es war lauter Wald
ohne eine lichte Stelle. An den Ufern waren Streifen Wiesen und Felder, und es
stand hie und da ein Haus. Auf den Waldhhen war manche Burg. Die Augen aller
Menschen sahen auf die Burg Martspach, in welcher der Ritter Werinhart wohnte.
An dem andern Ufer stand in der Niederung auf einer grnen Wiese das Haus
Marquards von Wesen, des Schenken des Hochstiftes Passau. Wo die obere und die
untere Mihel in die Donau mndeten, waren feste Gebude. Das rotschnablige
Schiff fuhr beinahe den ganzen Tag in der Schlucht fort. Als die Sonne schon
gegen den Abend neigte, kam es mittagwrts in ebnes Land hinaus. Man sah hier in
der Ferne die Alpenberge, wie sie Witiko von dem Walde des heiligen Thomas
erblickt hatte. Wo die Waldschlucht endigte, war der Ort Aschach. Es wurde hier
das Schiff an das Ufer gelegt. Es wurde die Wassermaut gezahlt, es wurden Waren
ausgeladen und eingeladen, und Menschen gingen aus dem Schiffe, und andere kamen
wieder auf dasselbe. Dann fuhr man weiter gegen breite Auen hinab. Man fuhr zwei
Stunden zwischen den Auen fort. Dann kamen wieder Berge an den Flu. Auf dem
linken Ufer waren waldige Hhen. Auf dem rechten stand ein finsteres Waldhaupt
empor, und die Leute sagten, dort sei die Burg der Herren vom Krenberge, die
man aber nicht sehen knne. Witiko zeigte Raimund das Waldhaupt, und sagte, von
da stamme der junge Ritter vom Krenberge, der mit ihm ein Knabe des alten
Bischofes Regimar gewesen sei, und damals schn gesungen und die Fiedel gespielt
habe. Das Schiff fuhr eine halbe Stunde zwischen den Bergen, dann kam es wieder
in freies Land, und auf dem rechten Ufer lag die Stadt Linz. Das Schiff wurde in
dunkelm Abende an das obere Gelnde der Stadt gelegt. Witiko und Raimund fhrten
ihre Pferde ber die errichtete Brcke auf das Land, und dort durch den
Wasserturm in die Stadt. In der Wasserherberge fanden sie Unterkunft. Ehe sie
aber die Ruhe suchten, rsteten sie die Pferde, und ritten, damit die Glieder
derselben bewegt wrden, eine Strecke an der Donau abwrts, und dann in die
Stadt. Sie ritten in der Stadt herum, und betrachteten, wo ein Schein aus den
Husern kam, die Gebude und die wandelnden Menschen. Dann ritten sie in ihre
Herberge, pflegten sich und die Pferde, und begaben sich zur Ruhe.
    Als am andern Tage das erste Morgenlicht an dem Himmel war, fuhr das Schiff
wieder weiter abwrts. Witiko und Raimund saen wieder auf der Bank des Daches.
Das Schiff fuhr gegen Auen hinab, und zwischen Auen fort. Nach zwei Stunden sah
man auf dem rechten Ufer die Zinnen und Mauern der Stadt Enns, an welcher Stelle
die alte Stadt Lorch gestanden war. Die Donau wurde nun ein groer Strom, weil
die Flsse Traun und Enns hinzu gekommen waren. Und wieder nach zwei Stunden sah
man auf dem nmlichen Ufer die groe Burg der Herren von Walse. Darauf fuhr das
Schiff in eine finstere Schlucht ein, wie die gewesen war, welche man unterhalb
Passau durchfahren hatte. Das Wasser wurde in der Schlucht eingeengt, und flo
mit grerer Schnelligkeit dahin. Als das Schiff eine Zeit in der Schlucht
gefahren war, kamen von einem hlzernen Hause, das auf dem Ufer stand, drei
Mnner in einem Kahne an das Schiff, hefteten den Kahn an dasselbe, bestiegen
es, und die Schiffer bergaben ihnen die Leitung des Fahrzeuges. Sie lenkten es
an dem Orte Grein vorber. Unterhalb des Ortes wurde die Schlucht noch wilder.
Es standen auf groen Felssteinen Trme, und auf einem Inselfelsen stand auch
ein Turm. ber den Schiffschnabel hin sah man auf dem Strome eine Flche, die so
wei wie Schnee war. Die Leute sagten, man komme zu den Stellen Strom und
Wirbel, die den Schiffen sehr gefhrlich seien. Alle sammelten sich nach und
nach auf dem Dache des Schiffes. Als man zu der weien Flche gekommen war,
stimmten die Menschen ein lautes Gebet an. Die Mnner, denen die Leitung des
Schiffes anvertraut worden war, spheten sorgsam, arbeiteten emsig, und lenkten
das Schiff in ein schnelles tiefes Wasser zwischen dem Inselturme und der weien
Flche, welche schumendes tosendes Wasser ber Geklippe war. Das Schiff ging
geschwinde in dem tiefen Wasser hinunter, wurde um einen Fels gelenkt, und
hinter dem Felsen sah man den Wirbel, der sich in groen Ringen drehte. Die
Mnner lenkten das Schiff an dem Rande der Ringe vorber. Dann ruheten sie,
blickten nach vorwrts, und lieen das Schiff in das breitere stillere Wasser
hinaus gehen. Das Hilfegebet der Menschen verwandelte sich in ein Dankgebet. Als
es geendiget war, erhielten die Mnner, welche das Schiff gelenkt hatten, ihren
Lohn, bestiegen den Kahn, und fuhren wieder an das Ufer. Dann kam ein anderes
Schifflein herzu, aus welchem Menschen an einer langen Stange einen hlzernen
Kbel empor hielten, und eine Gabe fr die Armen und fr eine Kirche zur
Behtung der Schiffe verlangten. Alle legten eine Gabe in den Kbel. Hierauf kam
noch ein greres Schiff, und heischte Wassermaut und Wasserzins. Die Wassermaut
und der Wasserzins wurden bezahlt. Dann ging das rotschnablige Schiff zwischen
kleineren Waldhhen in freies Land mit Wiesen und Feldern und Wldern und
Kirchen und Burgen hinaus. Das Land war zu beiden Seiten des Stromes das des
Markgrafen von sterreich. Auf dem rechten Ufer lag die Stadt Ybbs, und auf dem
linken eine alte dunkelbraune Kirche. Dann kam an gerade emporstehenden Felsen
der Ort Marbach. Dort legten sie das Schiff an, und hielten Nachtruhe.
    In der Morgendmmerung fuhren sie wieder weiter, und Witiko und Raimund
saen wieder auf dem Dache. Sie fuhren an der alten Stadt Bechelaren vorber, an
der Veste und dem Mnster Melk, und kamen dann wieder in eine Schlucht hinunter,
die grer und tiefer war als diejenigen, durch welche sie bisher gefahren
waren. Auf den dichten Waldhhen standen Burgen, die dem Geschlechte Chunring
oder andern angehrten, an dem Saume des Wassers waren Kirchen und Ortschaften,
Wiesen und Felder, und es grnete der Weinstock. Bei dem Orte Stein endigte die
Schlucht, und die Schiffer fuhren in ein sehr weites ebenes Land hinaus. Sie
fuhren an den Stdten Stein und Krems vorber, und an der alten Stadt Tuln. Als
die Sonne schon dem Untergange nahe war, kamen sie wieder zu einem Berge. Es war
der Kahlenberg, auf dem die Burg der Markgrafen von sterreich stand. Sie fuhren
an dem Berge vorber. Sie fuhren noch an Grten und Wldchen und Husern
vorber, und als die Nacht schon dunkelte, landeten sie an dem Gestade der Stadt
Wien. Die Menschen gingen nun aus dem Schiffe. Witiko und Raimund fhrten ihre
Pferde auf das Ufer. Dann lie Witiko seine Habe aus dem Schiffe tragen und auf
Saumtiere laden, und ritt neben den Sumern mit Raimund in die Herberge des
Salzgriees. Dort verbrachten sie die Nacht.
    Am nchsten Morgen pflegten sie die Pferde, dann ging Witiko durch das Tor
der Stadt in das Kirchlein des heiligen Rupert, welches auf der Hhe des
Gestades stand, und betete. Als er zurck gekommen war, rsteten sie die Pferde,
bestiegen sie, und ritten fort. Sie ritten an dem Rande des Stadtgrabens bis zu
einer Stelle, welche die Freiung hie, weil sie fliehenden Missettern einen
Schutzraum bot. Sie ritten an der Freiung vorber, dann von der Stadt hinweg in
ein grnes Gefilde, auf dem manches Huslein stand, mancher Garten eingezunt
war, hie und da Bume empor ragten, und an manchem Pflocke und an manchem Gitter
Weinreben angebunden waren. Sie ritten an Husern, Grten, Bumen und Weinreben
vorber, bis sie in den Wald gelangten, der zu der Hhe des Kahlenberges empor
ging. Sie ritten auf dem Pfade des Waldes zu der Burg der Markgrafen von
sterreich hinauf.
    Als sie vor dem Tore der Burg angekommen waren, lie Witiko den Klppel des
Tores erschallen. Da ffnete sich das kleine Pfrtchen neben dem Tore, und der
Torwart trat heraus. Er fragte um den Namen des Reiters. Witiko nannte ihn.
Darauf ging der Torwart wieder hinein, und es wurde ein Flgel des Tores
geffnet. Die Reiter ritten in den Hof. Dort stiegen sie von den Pferden, und es
kam ein Mann herzu, welcher sagte, er diene dem Marschalke des durchlauchtigsten
Markgrafen, und werde die Pferde besorgen. Witiko und Raimund brachten mit
diesem Manne die Pferde in einen Stall, und gaben ihnen die erste Pflege. Dann
fhrte sie der Mann in ein Wartegemach, und ging fort. Nach einer Zeit kam ein
anderer Mann, der sagte, da ihm der von den Reitern, welcher Witiko heie,
folgen solle. Witiko befahl dem Knechte, der Pferde zu achten, und auf ihn dann
in dem Stalle oder in dem Gemache, in dem sie jetzt wren, zu harren. Dann ging
er mit dem Manne fort. Dieser fhrte ihn ber eine Treppe empor, dann ber einen
Gang, und dann in ein Gemach, in welchem junge Mdchen saen, die spannen. Hier
lie er Witiko stehen, und ging wieder durch die Tr hinaus. Eines der Mdchen
stand von seiner Spindel auf, ffnete die Tr in ein weiteres Gemach, und ging
hinein. Nach einer Weile kam es wieder heraus, und sagte, Witiko mge hinein
gehen.
    Witiko ging in das Gemach. Es war eine gerumige Stube in einer Ecke der
Burg mit vier Fenstern in zwei Seiten. An einer Rckwand stand ein hlzernes
Kreuz mit dem Heilande. Vor dem Kreuze stand ein Betschemel mit braunem Tuche,
und ber dem Kreuze war ein Dach von dem nmlichen Tuche. Die ganze Stube war
mit Eichenholz getfelt. An einem Tische waren vier Frauen, die dunkelgraue
Gewnder hatten. Die Gewnder wurden durch einen Grtel zusammen gehalten. Auf
dem Haupte trugen sie weie Hauben. Die Frauen waren an einem groen Tuche mit
der Nadel beschftigt, eine Stickerei darauf zu verfertigen. Zwei von ihnen
waren jung, eine war in mittlerem, die andere in hherem Alter. Die Frau
mittleren Alters sa etwas tiefer als die ltere, die jungen noch tiefer. Die
Frau hatte ein sanftes Angesicht von feiner weier, ein wenig rot schimmernder
Farbe. Ihre Augen waren blau, und die Haare, die unter der Haube hervor sahen,
waren blond, und schienen blasser zu werden. Die lteste der Frauen hatte
ebenfalls ein sehr feines Angesicht voll Freundlichkeit; aber das Rot darauf war
schwcher als bei der andern. Die Augen waren dunkelblau, und die Haare waren
wei wie die Haube.
    Als Witiko in dieses Gemach gekommen war, nahm er seine Haube ab, da die
blonden Haare sein Angesicht umwallten, neigte sich und sprach nicht.
    Die ltere der Frauen erhob sich von ihrem Sitze, legte die Nadel auf den
Tisch, und sagte: Du bist verwundert, Witiko, da du in diese Stube der Frauen
gekommen bist. Verharre ein Weilchen hier, und nimm zum Zeichen, da du uns
nicht verschmhest, einen Sitz.
    Eine der jungen Frauen stand auf, und wollte einen Stuhl gegen Witiko
rcken. Er kam ihr aber zuvor, nahm den Stuhl, und da sie wieder zu ihrem Platze
gegangen war, setzte er sich auf denselben nieder.
    Die ltere Frau hatte auch ihre Stelle wieder eingenommen.
    Dann sprach sie: Witiko, da du jetzt unter uns bist, gre ich dich. Ich
bin Agnes, die Witwe Leopolds, des vorvorigen Markgrafen von sterreich, die
Tochter des Kaisers Heinrich des Vierten.
    Witiko stand schnell von seinem Sitze auf.
    Sie aber sagte: Bleibe auf deinem Stuhle, und wenn du reden willst, so rede
von ihm aus.
    Witiko setzte sich nieder, und sprach: Hocherlauchte Frau, da es sich so
gefgt hat, so erlaubt, da ich Euch meinen Dank fr die Aufnahme in diesem
Gemache sage, und fr die Huld, die Ihr mir erweiset.
    Agnes aber sprach: Witiko, als mein Vogt in dieses Zimmer kam, uns deinen
Namen zu sagen, so befahl ich, weil deine Mutter hier war, dich zu uns zu
fhren. Verzeihe mir; meine Augen wollten sehen, wie ein guter Sohn zu der guten
Mutter komme. Unterlasse den Empfangsdank, und gre deine Mutter; denn das ist
dein erstes.
    Witiko stand nach diesen Worten auf, nherte sich der Frau des mittleren
Alters, lie sich vor ihr auf ein Knie nieder, und sagte: Ich gre dich, meine
gute vielgeliebte Mutter!
    Ich gre dich, mein treuer Sohn, antwortete die Frau.
    Sie zog ihn an seiner Hand empor, und legte ihre Hnde auf sein Haupt.
    Da sie dieselben herab genommen hatte, beugte er sich auf ihre rechte Hand
nieder, und kte sie.
    Als er sich wieder erhoben hatte, und in ihr Angesicht schaute, waren in
ihren Augen Trnen, und es waren in seinen Augen Trnen.
    Die zwei jungen Frauen hrten zu sticken auf, und sahen auf die Mutter und
den Sohn.
    Gehe wieder auf deinen Platz, Witiko, sagte die Mutter, und erweise der
hohen Frau, die dich vor ihr Angesicht gerufen hat, deine Verehrung.
    Witiko aber blieb auf seiner Stelle stehen, und sprach: Ja, die Verehrung,
welche der erhabenen Frau gebhrt, die Verehrung, welche sich gegen die Tochter
des denkwrdigen Kaisers Heinrich geziemt, die Verehrung, welche der Mutter des
deutschen Knigs Konrad zukmmt, die Verehrung, welche ich der Mutter Gertruds,
der Gattin Wladislaws, des Herzogs von Bhmen und Mhren, zolle, die bei der
Belagerung von Prag eine Heldin geworden ist, die Verehrung, welche ich gegen
die Frau hege, die in ihren Shnen und Tchtern auf geistlichen und weltlichen
Sthlen und auf den Kriegsfeldern und im Frstenrate waltet, und die Verehrung,
die der Jngling der Frau bringt.
    Witiko, antwortete Agnes, meine Schwiegertochter Maria hat mir erzhlt,
da ihr Vater Sobeslaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, gesagt hat, du
knnest, wenn du auch noch jung bist, deine Worte gut stellen, und du hast uns
ein Zeichen davon gegeben. Ich glaube, da du mich verehrest, aber es ist fr
meine weien Haare und fr meinen gebeugten Krper, wie stets ein Alter wirkt,
ber welches Gott viel verhngt hat.
    Hocherhabne Frau, sagte Witiko, der Herzog Sobeslaw ist immer mild gegen
mich gewesen, und meine Worte rede ich nach meinen Gedanken, und kann oft die
Gedanken nicht in Worte bringen. In dir aber verehre ich, was du bist, und
verehre auch dein Alter.
    Gehe zu deinem Sitze, Witiko, sagte Agnes, und harre noch eine Frist, ich
werde dich deiner Mutter nicht lange entziehen.
    Witiko ging zu seinem Stuhle, und setzte sich auf denselben nieder.
    Bist du von Pric gekommen? fragte Agnes.
    Ich bin von Pric gekommen, antwortete Witiko; aber ich habe von Pric den
hochehrwrdigen Bischof von Olmtz, Zdik, der auf der Flucht ist, nach Passau
geleitet, und bin dann von Passau donauabwrts nach Wien gefahren.
    So ist der Bischof Zdik auf der Flucht? fragte Agnes.
    Wegen der Mchtigen in seinem Lande, die einen schweren Groll gegen ihn
tragen, sagte Witiko.
    Es ist immer so, und immer so, entgegnete Agnes.
    Wie lange hast du deine Mutter nicht gesehen, Witiko?
    Vier Jahre, antwortete Witiko.
    Er ist in dem nmlichen Gewande gekommen, in welchem er Abschied genommen
hat, sagte die Mutter.
    So hast du dein Jugendgewand angelegt? sprach Agnes.
    Ich habe das Gewand angelegt, antwortete Witiko, weil ich dachte, da
auch die Mutter daran Freude habe, und dann ziemt mir ein schnes Ritterkleid
noch wenig, weil ich noch keine Rittertaten habe vollbringen knnen, die von dem
Herrn des Landes, dem man dient, und von frstlichen Gebietern mit Verleihungen
ausgezeichnet werden, und die den Ruhm und den Glanz vor den Menschen erringen.
    Dieser junge Ritter spricht auch wieder von Taten, sagte Agnes, und wei
man denn, was Taten sind? Siehe, Witiko, heute ist hier ein Gedenktag, und ich
habe, als du kamest, eben den Frauen von der Vergangenheit erzhlt. Ich will
weiter erzhlen, dir kann es auch fruchten, Witiko, wenn du es hrst, und in
deinen Gedanken berlegst.
    Sie schwieg eine Weile, dann sprach sie: Mein Vater hat seinen Sohn Konrad
zum erwhlten rmischen Knig gemacht, und er sollte nach ihm rmischer Kaiser
werden. Aber Konrad stand gegen den Vater auf, und wollte ihm die Herrschaft
entreien. Die Frsten entsetzten ihn auf dem Reichstage in Mainz seines
Knigtumes und seines Anrechtes auf das Kaisertum, weil keine Gewalt auf Frevel
gegrndet werden sollte. Der Vater zog jetzt seinen geliebten jungen Sohn
Heinrich hervor, und derselbe wurde zum rmischen Knige und Nachfolger des
Vaters erwhlt. Er wurde in Aachen gekrnt, und schwur, da er dem Vater in
allem gehorchen, und sich nie gegen seine Pflicht erheben werde. Mich vermhlte
der Vater, da ich noch sehr jung war, dem herrlichen Manne, Friedrich von Bren,
der immer treu gewesen war, der sich die Burg auf dem hohen Staufen erbaut
hatte, und den der Vater zum Herzoge von Schwaben gemacht hatte. Ich gebar ihm
die Shne Friedrich und Konrad. Als fnf Jahre nach der Krnung meines Bruders
verflossen waren, ging dieser zu den Emprern nach Baiern. Der Vater sandte
meinen Gatten, dann die Erzbischfe von Trier und Kln zu ihm, da sie ihm
seinen Schwur und das vierte Gebot vorhielten. Aber er blieb unbeweglich. Er
gewann die Sachsen und manche andere, und zog gegen den Vater. Da starb mein
Gatte. Der Bruder sagte, er wolle nicht gegen den Vater kmpfen, er wolle nur,
da sich derselbe von dem Banne lse, und mit seinen Kindern, die ihm dann
gehorchen werden, christlich lebe. Im Erntemonate kam die Heeresmacht meines
Vaters bei Regensburg gegen die Heeresmacht meines Bruders. Die Heeresmacht des
Vaters war grer als die Heeresmacht des Bruders. Es waren viele getreue Herren
bei dem Vater, es war Leopold, der Markgraf von sterreich, bei ihm, es war
Boriwoy, der Herzog von Bhmen und Mhren, bei ihm, und es waren noch andere bei
ihm. Es war vorauszusehen, da, wenn eine Schlacht wrde, dem Vater der Sieg
bliebe. Da ging der Bruder in der Nacht vorher zu dem Markgrafen Leopold, und
sagte, er wolle mich ihm zur Gemahlin geben, wenn er dem Vater in der Schlacht
nicht beistnde. Leopold versprach es, ging zu dem Vater, und sagte ihm, da er
fr ihn nicht kmpfen werde. Darauf sagte Boriwoy, der Herzog von Bhmen und
Mhren, man knne dann berhaupt nicht kmpfen, weil die Macht zu geringe sei.
Als dieses geschehen war, sandte mein Bruder einen Boten an den Vater, der
melden sollte, es sei eine Verbindung in dem Heere des Vaters geschlossen
worden, ihn zu verlassen, und ihm nach dem Leben zu streben. Weil der Markgraf
Leopold den Kampf verweigert hatte, weil der Herzog Boriwoy gesagt hatte, da
man nicht kmpfen knne, glaubte der Vater die Botschaft, er verzweifelte, und
floh in der Nacht aus dem Lager. Mein Bruder lie mich am andern Tage in seine
Zelte bringen, und sagte mir, ich sei die Braut Leopolds, des Markgrafen von
sterreich. Ich wei, da ich einen Schrei tat, und da mir dann die Sinne
vergingen. Als ich erwachte, lag ich auf dem Boden. Mein Bruder stand vor mir,
und sah mich an. Die Frauen halfen mir nicht, weil sie den Bruder frchteten. Da
sa ein bhmisches Mdchen bei meinem Haupte auf der Erde, das Mdchen trufelte
Wasser auf meine Stirne, und befeuchtete meine Lippen damit. Und als ich wieder
in dem Leben war, drckte es seinen Mund auf den meinen, und streichelte meine
Wangen, und liebkoste mich. Ich fate mit meiner Hand den Arm des Mdchens, und
das Mdchen half mir auf einen Stuhl. Und es ist den ganzen Tag und dann mehrere
Tage bei mir geblieben. Dann zog es wieder mit den Ihrigen in das Land Bhmen.
Ich sagte, da ich Leopold, den Markgrafen von sterreich, ehelichen werde. Es
ist das Sterbejahr meines Gatten gewesen, und es sind seitdem siebenunddreiig
Jahre verflossen. Das bhmische Mdchen aber habe ich erforscht, es ist meine
Freundin geworden, ich bin seine Freundin geworden, und wir haben uns Liebe
durch das ganze Leben gewhrt. Das Mdchen hat den bhmischen Herrn Zaton
geheiratet, und das erstgeborne Kind dieser Ehe ist deine Mutter geworden,
Witiko, und diese hat mir auch ihre Liebe whrend des Lebens und nach dem Tode
ihrer Eltern gegeben.
    Meine Mutter hat nur eine Christenpflicht gebt, sagte die Mutter Witikos.
    Und mein Dank ist auch nur eine Christenpflicht gewesen, antwortete Agnes.
    Dann sprach sie: Mein Eheleben mit Leopold ist sehr glcklich geworden. Er
ist fromm und gut gegen seine Untertanen gewesen, er hat Mnster und Klster
gestiftet, durch diese Fenster kann man auf das Kloster der neuen Burg hinab
schauen, das er gegrndet hat. Unsere Kinder sind in der Liebe zu uns und in der
Liebe zu einander aufgewachsen. Dann ist er gestorben, und ich trauere hier um
ihn.
    Sie schwieg eine kleine Zeit, und die andern schwiegen auch.
    Dann sprach sie wieder: Der Vater ist nach Bhmen geflohen. Der Herzog
Boriwoy ist ihm nachgezogen, und hat ihn dann ehrerbietig behandelt. Er
geleitete ihn zu seinem Schwager Wipprecht von Groitsch. Wipprecht von Groitsch
geleitete ihn weiter, bis er an den Rhein kam. Bei Koblenz sammelte er ein neues
Heer. Mein Bruder zog auch an den Rhein, und es standen wieder die Mnner des
Sohnes gegen die Mnner des Vaters. Da schickte mein Bruder Boten an den Vater,
welche die Worte melden muten: Auf die heilige Weihnachtzeit ist ein Reichstag
nach Mainz angeordnet worden, ich bitte meinen Vater demtig, da wir vorher
zusammen kommen, und bereden, was unserer beiden Sache ist, und da wir uns
vershnen. Der Vater kam zu der Unterredung, und als er den Sohn erblickte,
flossen Trnen aus seinen Augen, und er sagte: Heinrich, um Gott des
Allmchtigen willen bitte ich dich, lade nicht die Tat auf dich, die weder in
diesem Leben noch in jenem Leben verziehen wird. Wir mten beide verzweifeln.
Mein Bruder fiel auf die Erde, und fate die Knie des Vaters, und sagte, er
bereue alles, was er gegen ihn getan habe, er bitte um Verzeihung, er werde
gehorsamen, der Vater mge sich mit der Kirche vershnen, und beide wollen sie
auf den Reichstag nach Mainz gehen, und dort die Vershnung besiegeln. Der Vater
verzieh. Dann sagte mein Bruder, er wolle nach Mainz gehen, und dort alles
vorbereiten, der Vater mge indessen warten. Er ging fort, der Vater wartete. Er
kam wieder zurck, und schwor, er sei bereit, fr den Vater Leib und Leben zu
opfern, und er wolle ihn weiter geleiten. Sie zogen fort, und kamen bis gegen
Bingen. Ein jeder hatte dreihundert Begleiter. Auf dem Wege wurden die Begleiter
meines Bruders immer mehr. Vor Bingen sagte er: Vater, meine Besorgnis wchst,
da Euch der Erzbischof von Mainz wegen des Bannes nicht in seine Stadt
einlassen werde. Bleibet in Bingen, und feiert dort das Weihnachtfest, ich werde
nach Mainz gehen, und fr Euch wirken. Der Vater antwortete: Heinrich, Gott
richtet zwischen mir und dir, ich vertraue auf dich. Mein Bruder schwor zum
dritten Male, da er das Leben fr den Vater lassen wolle. Er zog nach Mainz,
der Vater nach Bingen. Aber in Bingen wurde er von Mnnern meines Bruders
Heinrich, welche dort waren, und von Mnnern Gebharts, des Bischofes von Speyer,
welche sich zu ihnen gesellt hatten, umringt, die Mnner des Vaters wurden
besiegt, und er wurde gefangen genommen. Und in der Haft wurde ihm des Leibes
Bedrfnis und Bequemlichkeit versagt. Und es kamen dann von Mainz die
Erzbischfe von Mainz und Kln, der Bischof von Worms, und der Markgraf von
Meien. Sie sagten zu dem Vater: Gib die Kleinode heraus, die Krone und den
Purpur und den Ring, da wir sie deinem Sohne Heinrich bringen. Mein Vater
fragte: Wo ist das Recht zu dem Begehren? Sie sagten: Weil du priesterliche
Stellen fr Geld verkauft hast, weil du in dem Banne bist, und weil alle im
Reiche an Leib und Seele Schaden leiden, so wollen der Heilige Vater und die
Frsten dich deiner Wrde entsetzen. Der Vater rief: Du, Rothart, Erzbischof von
Mainz, du, Friedrich, Erzbischof von Kln, und du, Adalbert, Bischof von Worms,
was habt ihr mir fr eure Stellen gegeben? Sie antworteten: Nichts. Der Vater
sagte: Nun also bin ich hierin gerechtfertigt; denn ihr httet mir viel fr eure
Stellen zahlen mssen. Euch aber sage ich, beflecket diese Stellen und die
kaiserliche Wrde nicht. Wollen die Frsten ber die andern Dinge einen
Entschlu fassen, so werde eine Frist zur Untersuchung gesetzt, und werde ich
schuldig befunden, so werde ich selber die Krone von meinem Haupte nehmen. Die
Abgesandten sagten, eine Frist werde nicht gewhrt, der Kaiser msse sogleich
willfahren. Darauf entfernte sich der Vater aus dem Gemache, und kam dann wieder
in dasselbe zurck, angetan mit dem Purpur, die Krone auf dem Haupte, und den
Ring an dem Finger. Er sprach: Der Kaiser hat sonst dem Verbrecher Frist und
Gehr bewilligt, dem Kaiser werden sie nicht bewilligt. Wohlan, so nehmet,
wornach euch gelstet. Als er dieses gesagt hatte, standen die Boten, und regten
sich nicht. Da sprach der Markgraf von Meien: Unser Knig Heinrich hat gesagt,
wenn der Kaiser schnell einwilligt, so kann sein Leben gerettet werden. Der
Erzbischof von Mainz sagte: Wenn wir den Wrdigsten auf den Kaiserstuhl setzen
drfen, warum sollen wir den Unwrdigsten nicht absetzen drfen? Und da dieses
gesprochen war, nahmen sie dem Vater die Krone von dem Haupte, zogen ihm den
Ring von dem Finger, und entkleideten ihn des Purpurs. Er aber rief: Herr, ich
leide fr die Snden meiner Jugend. Ihr aber habt das Amt des Rchers nicht, und
die Strafe wird euch ereilen wie den Verrter des Herrn. Und die Boten brachten
dann die Kleinode nach Mainz, und die Frsten und die Priester und die
Abgesandten des Heiligen Vaters verlangten, der Kaiser solle nun kommen, soll
Bue tun, und freiwillig dem Reiche entsagen. Der Bruder lie den Vater nach
Ingelheim bringen, die Frsten und die Versammelten gingen auch dahin. Sie
droheten dem Vater, und sagten, er solle die Herrschaft freiwillig niederlegen.
Der Vater fragte: Wenn ich das tue, werde ich dann Ruhe und Sicherheit haben?
Darauf antwortete Gebhart, der Bischof von Konstanz, welcher der Gesandte des
Heiligen Vaters war: Nein, du wirst so lange nicht Ruhe und Sicherheit haben,
bis du eingestehst, da du an der Kirche und an ihrem Haupte gefrevelt hast. Der
Vater sagte: So setzet ein Gericht aus Frsten und Priestern zusammen, da es
untersuche und entscheide. Gebhart sprach wieder: Du bleibest lebenslang
gefangen, wenn du dich nicht sogleich entschlieest. Der Vater sagte: Und wenn
ich bekenne, und wenn ich die Herrschaft niederlege, wirst du dann den Bann von
mir nehmen? Gebhart antwortete: Das ist nicht in meiner Macht. Der Vater sagte:
Wer die Beichte hrt, mu auch lossprechen knnen. Gebhart antwortete: Das wird
vielleicht der Heilige Vater tun, wenn du nach Rom pilgerst, und Genugtuung
leistest. Nach diesen Worten fiel mein Vater auf die Knie, und rief: Um der
Gnade und Barmherzigkeit des Himmels willen bitte ich euch alle um Milde und
Gerechtigkeit, und an dich, Heinrich, mein Sohn, richte ich die Beschwrung,
vollbringe nicht an mir das Unwrdigste und Entsetzlichste. Vielen Frsten
rannen nun die Trnen von den Wangen, Gebhart blieb bei seinen Worten, Heinrich,
mein Bruder, sagte nichts, und blickte nicht auf den Vater. Da sprach der
Kaiser: So entsage ich also dem Reiche, und werde der Kirche gengen, und nach
dem Gebote der Verzeihung empfehle ich euch meinen Sohn. Sie whlten und
weiheten dann darauf noch einmal meinen Bruder Heinrich zum Knige. Den Vater
aber lieen sie nicht fort. Da eine Zeit vergangen war, bat er Gebhart, den
Bischof von Speyer: Gib mir eine Pfrnde in deinem Stifte, da ich zum Chore
gehen kann. Der Bischof verweigerte es. Und da der Vater dachte, da sein Leben
nicht sicher sei, so versuchte er die Flucht, und sie gelang ihm. Er floh nach
Kln, und zog dann mit einem kleinen Geleite gegen Lttich. Als sie auf dem Wege
waren, hrten sie Jagdhrner, und der Herzog von Lothringen, den der Vater
einmal abgesetzt hatte, trat ihm mit seinen Mnnern entgegen, und sagte: Du hast
sehr unrecht an mir gehandelt. Der Vater antwortete: Ich leide jetzt dafr und
fr das andere. Der Herzog aber sagte: Ich will zu dir stehen, der du verfolgt
bist. Und er ging darnach mit allen seinen Kriegsmnnern zu dem Vater nach
Lttich. Und Kln und Jlich und andere Stdte erklrten sich nun fr den Vater,
und es kam ein Kriegsheer zusammen. Da sandte nun mein Bruder Heinrich Boten zu
dem Vater, ihn demtig zu gren, und zu sagen, da er sich mit ihm ausshnen,
und da er bei ihm in Lttich das Osterfest feiern wolle. Der Vater antwortete:
Ich vertraue dir nicht, ich bin an das Ende des Reiches gegangen, um Ruhe zu
finden, und du bleibe fern, das Volk hier ist dir feindlich. Mein Bruder aber
ging mit einem Heere gegen Lttich, er wurde geschlagen, und rettete kaum sein
Leben. Der Vater lie einen Brief ergehen, darin stand: Ich klage Gott und den
Heiligen mein Leid von der Kirche; aber ich will mich ihr unterwerfen, und ihr
Genugtuung leisten, und so ist die Ursache gehoben, um die mein Sohn gegen mich
ist, es mte nur sein, da er einzig nach der Gewalt strebt. Mein Bruder
sammelte wieder ein Heer, und belagerte Kln durch lange Zeit, bis Hunger und
Krankheit seine Leute dahin nahmen. Dann verlie er Kln, sammelte neuerdings
Mnner, und zog gegen Lothringen. Da kam eines Tages Burkhard, der Bischof von
Mnster, zu ihm, und sagte: Dein Vater, der Kaiser, sendet dir das
Reichsschwert, welches damals nicht in Bingen gewesen ist, du sollst es hinfort
fhren; denn er ist am siebenten Tage des Erntemonates in Lttich gestorben. Er
lt dich bitten, da du ihn begrabest, und den Seinigen verzeihest. Aber
Heinrich begrub den Vater nicht. Der Bischof von Lttich begrub ihn christlich;
aber er mute ihn wieder ausgraben, weil er im Banne gestorben war. Die Leiche
stand nun auf ungeweihetem Grunde auf einer Insel der Maas, und nur ein einziger
Pilger aus Jerusalem betete und sang bei ihr. Dann wurde sie mit dem Willen
meines Bruders in einem steinernen Sarge nach Speyer gebracht. Der Diener des
Vaters, Erkenbald, wollte sie mit Priestern und Volk in der Kirche der heiligen
Jungfrau Maria, welche der Vater gebaut hatte, begraben; aber der Bischof von
Speyer gestattete es nicht. Von da stand sie fnf Jahre in einer ungeweiheten
Kapelle. Nach dieser Zeit wurde sie begraben, und der Bruder feierte das
Begrbnis. Er waltete nun fortan als das weltliche Haupt der Christenheit. Heute
ist der Tag des Gedchtnisses an jenen Tag, an welchem mir endlich nach vielem
Beten von Gott die Gnade verliehen worden ist, meinem Bruder gnzlich verzeihen
zu knnen, was er an dem Vater gesndigt hat. Darum war feierlicher
Gottesdienst, und darum erzhle ich davon. Es ist meinem Bruder auch die Gnade
zu Teil geworden, seine Schuld noch hier ein wenig ben zu knnen. Der Scho
seines Weibes blieb unfruchtbar, er wurde in den Bann der Kirche getan, und er
starb in den Mannesjahren an einem kleinen Geschwre, das sich vergrerte, und
ihn dahin raffte. Die deutsche Krone ist auf den Sachsen Lothar bergegangen.
Rothart, der Erzbischof von Mainz, der den Namen von Hartesberg trug, starb drei
Jahre nach dem Vorgange in Bingen, Adalbert, der Bischof von Worms, zwei Jahre
darauf, Friedrich, der Erzbischof von Kln, der den Namen Ortenberg hatte, lebte
noch ber zwanzig Jahre, ist aber jetzt auch tot. Eben so ist jener Markgraf von
Meien dahin gegangen, der so schnell gestiegen ist, und dessen Geschlecht dann
so Unglckliches erlebte.
    Agnes schwieg nun. Die Mutter Witikos nahm das Wort, und sagte: Hohe Frau,
lasse diese traurigen Dinge nicht in deinem Gemte empor leben, sie sind
vergangen, Gott hat sie geschehen lassen, und richtet ber sie. Denke an die
Gegenwart. Du bist verehrt wie eine der Frauen, die im Leben heilig gewandelt
sind, das Volk in diesen Lndern heiligt das Andenken deines Gemahles, und du
hast wohlgeratene Kinder. Der Kaiser Lothar, der Sachse, ist tot, und die
Herrlichkeit der deutschen Knigskrone ist auf das Haupt deines Sohnes Konrad
gekommen, und auf die Knigskrone wird die Kaiserkrone folgen. Das neue starke
Geschlecht der Hohenstaufen wird von der Krone geziert, und ziert die Krone bis
in Zeiten, die in der entfernten Zukunft sind. Dein Sohn anderer Ehe, Heinrich,
herrscht als Markgraf in diesem schnen Lande, er hat sich die Witwe seines
Feindes in Liebe verbunden, er wird den Herzoghut tragen, und die sterreicher
werden mit den Hohenstaufen in Freundschaft des gleichen Weges gehen bis in die
Zeiten, von denen ich gesagt habe.
    O Wentila, entgegnete Agnes, die traurigen Dinge leben nicht in meinem
Gemte empor, sie leben in demselben immer fort, und wenn sie auch vergangen
sind, und Gott ber sie richtet, so ist die Vergangenheit doch in mir, und ich
bin in ihr. Und heilig kann ich nicht wandeln, ich kann nur fr meine Snden
ben, und fr die Lebenden und Toten beten. Die Macht und die Kronen aber sind
Dinge, welche tauglich sind, mit ihnen Gutes zu tun, sonst sind sie nichtig.
    Und die Deinigen haben mit diesen Dingen schon Gutes getan, sagte Wentila,
Konrad hat den wilden Krieg des trotzigen Mannes aus Baiern beendigt, er hat
die Kraft des deutschen Landes viel befestigt, und wird sie noch mehr
befestigen, und dann seine Augen auf Jerusalem und Bethlehem richten. Heinrich
waltet in seiner Mark. Er wird der erste Herzog derselben sein, und die Dinge in
den heiligen Lndern knnen durch ihn auch an Gedeihen gewinnen.
    Mgen die Hohenstaufen die Macht immer zum Guten wenden, sagte Agnes, und
durch sie nicht in Verwirrung geraten, wie die, welche die Macht vor ihnen
gehabt haben. Ich habe Taten genug gesehen, die gepriesen worden sind, und bles
gestiftet haben. Wer seine Ehefrau liebt, seine Kinder in Gott erzieht, seine
Habe ehrbar mehrt, und seine Untertanen schtzt und frdert, hat rechte Taten
getan. Und wer wei es, ob es nicht eine bessere Tat ist, wenn wir hier dieses
Tuch zum Dienste der Kirche sticken, oder auch nur zum weichen Futritte eines
Greises, als wenn wir Herzogtmer eroberten oder zertrmmerten.
    Hohe Frau, sagte Wentila, es sind der menschlichen Dinge unzhlbare, wie
es unzhlbare Bume und Kruter gibt.
    Sie sind, sagte Agnes, und Gott leitet sie. Witiko, meine
Schwiegertochter hat von dir geredet, mein Sohn hat von dir geredet, und deine
Mutter hat mir erzhlt, wie gut du bist. Ich habe dich gesehen. Gehe jetzt mit
deiner Mutter in ihre Kammer, und redet, wie ihr redet, wenn ihr allein seid.
Bleibe bei uns und deiner Mutter auf dem Kahlenberge, so lange du willst. Gehe
zu meinem Sohne Heinrich, und gehe zu den alten und zu den jungen Rittern, und
sage dann in der Heimat deinen Freunden, wie es bei uns ist. Hecila, melde
Kunigunden, da sie den Vogt anweise, Witiko seine Wohnung zu zeigen.
    Eine von den zwei jungen Frauen erhob sich von ihrem Sitze, und ging aus dem
Gemache.
    Du beurlaubest uns, erlauchte Frau, sagte Wentila, und wir entfernen
uns.
    Sie stand von ihrem Sitze auf, und Witiko stand auch auf.
    Er sprach, da er stand: Nehmet noch einmal den Dank fr die gute Aufnahme,
hocherlauchte Frau, und den fr die Gewhrung der Beherbergung, ich werde ihrer
in Gemeinschaft mit meiner Mutter pflegen, und mich bestreben, sie zu
verdienen.
    Geniee mit deiner Mutter, sagte Agnes, wie es ist, wenn Eltern und
Kinder einig sind.
    Die junge Frau, welche aus dem Gemache gegangen war, kam wieder zurck.
    Du hast deinen Auftrag vollbracht, Hecila, sagte Agnes.
    Es ist geschehen, antwortete die Frau.
    Nun, so wollen wir, die wir zurck bleiben, wieder an die Arbeit gehen, und
sie zu frdern suchen, sagte Agnes.
    Gehabe dich wohl, hohe Frau, sagte Wentila.
    Du auch, entgegnete Agnes.
    Wentila und Witiko neigten sich vor Agnes, und verlieen das Gemach.
    Sie gingen durch die Stube, in welcher die jungen Mdchen spannen, und als
sie drauen waren, setzte Witiko die Lederhaube wieder auf sein Haupt.
    Wentila geleitete Witiko durch einen Teil des Ganges, und fhrte ihn zu
einer Tr. Sie ffnete dieselbe, und sie traten in ein Gemach, in welchem ein
Mdchen sa, und nhte.
    Das Mdchen stand auf, da die Mutter und der Sohn herein kamen.
    Sei gegrt, Lutgart, sagte Witiko.
    Seid gegrt, hoher Herr, antwortete das Mdchen.
    Es ging zu einer Tr, und ffnete sie in eine zweite Stube.
    Sorge, da wir nicht gestrt werden, sagte Wentila.
    Ich werde es tun, hochverehrte Frau, antwortete das Mdchen.
    Wentila fhrte Witiko in die zweite Stube, und das Mdchen schlo hinter
ihnen die Tr.
    Lege deine Haube auf diesen Tisch, Witiko, und lege dein Schwert dazu,
sagte Wentila.
    Witiko nahm seine Haube von dem Haupte, und legte sie auf den Tisch. Dann
lsete er sein Schwert ab, und legte es zu der Haube.
    Hierauf sagte er: Sei mir nun erst recht gegrt, meine liebe, ehrwrdige
Mutter.
    Sei mir gegrt, mein guter Sohn des guten Wok, antwortete Wentila.
    Sie nahm ihn mit beiden Hnden an dem Haupte, und kte ihn auf die Stirne.
    Dann streichelte sie mit den Hnden seine Wangen.
    Setze dich zu mir auf eine dieser Bnke, sagte sie darauf, und genieen
wir die Einigkeit, wie die Frau Markgrfin gesprochen hat.
    Sie setzte sich auf eine gepolsterte Bank, und Witiko setzte sich zur ihr.
    Er nahm ihre Hand, und drckte seine Lippen ehrerbietig darauf.
    Sie sah ihn freundlich an, und sprach: Wo hat dich denn mein Bote
getroffen?
    Er ist nach Pric zu mir gekommen, antwortete Witiko.
    Als ich dir durch Smitan auf deine Botschaft zurck hatte sagen lassen, da
ich dir eine Kammer in Landshut richten werde, sagte Wentila, ritt Gerhard,
der Marschalk Ottos, des Bischofes von Freising, nach Landshut, und meldete mir,
da mich Agnes, die verwitwete Markgrfin von sterreich, zu sich auf den
Kahlenberg entbietet, weil ein Geschwader des Bischofes nach Wien geht, das mich
geleiten wrde. Ich willigte ein, und schickte dir gleich den alten Michael mit
der Nachricht zu.
    Er ist ber Plan nach Pric geritten, sagte Witiko, ich mute nur vorher
den Bischof Zdik nach Passau geleiten.
    Und auf einem Schiffe bist du von Passau nach Wien gefahren? fragte
Wentila.
    Auf einem Schiffe, antwortete Witiko.
    Ich habe dich lange nicht gesehen, sagte Wentila.
    
    Es werden jetzt bald vier Jahre, seit ich von Passau ber den Wald geritten
bin, entgegnete Witiko.
    Vier Jahre sind eine lange Zeit, sagte Wentila.
    Mutter, antwortete Witiko, ich mute manche Tage harren, ob sich etwas
ereigne, daran ich mitwirken knnte, und ob ich auch etwas zu vollbringen
vermchte, zu dir kommen zu knnen; aber endlich wollte ich dich wieder sehen,
und mit dir ber verschiedene Dinge sprechen. Ich habe dir in manchen Zeiten
Nachrichten geschickt.
    Ich habe sie empfangen, und habe dir Nachrichten zurck geschickt, sagte
Wentila. Und in dem Kleide bist du zu mir gekommen, in dem du von mir weg
geritten bist.
    Ich habe das Kleid deinetwillen angelegt, entgegnete Witiko, und auch
eines andern Menschen willen, von dem ich dir spter sagen werde.
    Du bist viel strker geworden, Witiko, sagte Wentila.
    Ich habe es nicht beachtet, antwortete Witiko.
    Auch deine Wangen sind rter geworden, sagte Wentila.
    Das kann von den freien Lften herrhren, entgegnete Witiko.
    Gott im Himmel wird dir ferner noch Gedeihen geben, sprach Wentila.
Witiko, sage, befolgst du die Lehren der heiligen Kirche?
    Ich suche nach dem zu leben, wie mich der ehrwrdige Vater Benno angeleitet
hat, entgegnete Witiko.
    Dann wirst du gottgefllig leben wie er, sagte Wentila. Bist du gtig und
freundlich gegen alle Menschen, auch gegen die Geringen?
    Ich liebe die Menschen, und strebe, gegen sie gut zu sein, antwortete
Witiko.
    So ist dein Vater Wok gewesen und dein Grovater Witek, sprach Wentila.
Der ehrwrdige Vater Benno sagt, da das recht gewesen ist, was du getan hast,
Witiko.
    Sagst du das auch, Mutter? fragte Witiko.
    Benno wei es besser, antwortete Wentila, und ich sage, es wird schon
recht sein.
    Da ist auch der hochehrwrdige Silvester, sagte Witiko, welcher Abt in
dem Kloster an der Sazawa gewesen ist, dann erwhlter Bischof von Prag wurde,
wegen Ungerechtigkeit zurckgetreten ist, und jetzt wieder in dem Kloster an der
Sazawa wohnt. Er sagt, da man nur das Gute tun soll, und alles andere ist damit
verbunden. Er lobt nicht alles, was ich getan habe. Ich mchte unter allen, die
ich kenne, zuerst dir, Mutter, Genge tun, und dann Benno und Silvester, und
dann noch einem Menschen.
    Witiko, ffne mir dein ganzes Gemt, sagte Wentila.
    Ich bin lange in Plan gewesen, antwortete Witiko.
    Ich wei es, entgegnete Wentila.
    Dort sind die Grnde Waldland, sagte Witiko. Von dem Walde sind Gerlle,
Grobsand und Steinmehl in unsern ckern. Aber Martin und Raimund und Lucia
bewirtschaften mit Taglhnern das kleine Anwesen gut. Das Haus ist nicht
schadhaft, und liegt handsam in dem Walde.
    Du hast dort Arbeiten wie ein Knecht verrichtet, sagte Wentila. Florian,
den mir Mathias geschickt hat, ist ein guter Bote gewesen.
    Ich habe geholfen, und es ist mir dabei gut geworden, sagte Witiko.
    Und in Pric hast du auch geholfen, sagte Wentila.
    Pric hat einen besseren Boden, und es wird noch immer besser werden,
antwortete Witiko. Kuto ist ein treuer Diener, er versteht die Pflege, und ist
gelassen und sparsam. Kan und Peko und Mira und Glota dienen ihm gerne. Die
Brcke ist fertig geworden, das Dach ist verbessert, und die zwei Khe sind von
dem Fichtelberge gekommen.
    Es ist gut, Witiko, sagte Wentila, deine Vorfahrer haben kleine
Besitzungen gehabt, sind fr sie sorgsam gewesen, und haben auch gerne selber
die Hnde angelegt.
    Im Wangetschlage ist der harte Boden doch gedeihlich, und wird gut
gehalten, sagte Witiko. Das Huschen bedarf noch lange keiner Ausbesserung,
und die Wiesenmauer hat Jakob aus Steinen gelegt. Huldrik wacht auch ber die
Tiere, und sucht berall nachzuhelfen.
    Er ist in seinen Sendungen richtig, und die Knoten seiner Merkschnre sind
genau, sagte Wentila.
    Und er nimmt fr sich das Armseligste, antwortete Witiko.
    Ich wei es, sprach Wentila.
    Er hat mich nach Friedberg geleitet, sagte Witiko, und hat mir das Pferd
wie ein Knecht gefhrt.
    Weil er uns fr ein vornehmes Geschlecht hlt, antwortete Wentila.
    Das Pferd hat er ledig von Friedberg durch den Wald in die untere Moldau
hinauf gefhrt, sagte Witiko; denn ich bin von dem Ufer, das bei Friedberg
ist, durch die Waldlehne bis auf den Kamm hinauf gestiegen, wo ein Platz ist,
auf dem einmal eine Denksule des heiligen Apostels Thomas gestanden ist.
    Ich kenne den Platz, sagte Wentila, man sieht von ihm auf Baiern, Bhmen
und sterreich, und der Wald ist um ihn.
    Ja, so ist es, sagte Witiko.
    Und dann bist du auf dem langen Wege durch den Thomaswald in die untere
Moldau hinab gegangen, wo die Herberge steht, sagte Wentila.
    Ja, entgegnete Witiko, und in der Herberge haben Huldrik und Jakob mit
dem Pferde auf mich gewartet.
    Ich habe jetzt lange diese Dinge nicht gesehen, sagte Wentila, der Wald
ist dort sehr gro und sehr schn.
    Er ist dort am schnsten, antwortete Witiko.
    In dem schnen Walde ist Huldrik, sagte Wentila, und mchte in einem
Schlosse Marschalk sein.
    Er soll zu mir kommen, wenn ich mir einmal einen festen Ort erwhle, und er
dann noch lebt, sagte Witiko.
    Nun, er sagt ja, sprach Wentila, da die Angehrigen seines Stammes sehr
alt werden, und da er dieses auch hofft.
    Gott gewhre es ihm, sagte Witiko.
    Er gewhre es ihm nach meinem Wunsche, antwortete Wentila.
    Mutter, sprach Witiko, ich habe dir in meinen Botschaften etwas nicht
erzhlt, ich will es dir jetzt sagen. An jenem Sonntage, an welchem ich in dem
Walde der drei Sessel betete, habe ich ein Mdchen des Namens Bertha kennen
gelernt, das damals dunkelrote Waldrosen, die du liebst, als gutes Zeichen auf
dem Haupte trug. Ich bin, da ich den hochehrwrdigen Bischof Zdik nach Passau
geleitete, wieder in dem Hause der Eltern Berthas gewesen, und habe mich mit
Bertha in Zuneigung und Liebe geeinigt, da wir Ehegatten werden wollen. Sie ist
die Tochter Heinrichs von Jugelbach.
    Er wird sie dir nicht geben, sagte Wentila.
    Es ist noch ungewi߫, sprach Witiko.
    Du hast die Sache den Eltern Berthas geoffenbart, sagte Wentila.
    Ich habe sie dem Vater geoffenbart, entgegnete Witiko, und er hat zurck
geredet: wenn die Rose, welche ich auf dem Berge Wysoka in dem weien Schilde
getragen habe, in einer Burg ist, und wenn sie in die Geschicke unserer Lnder
hinein blht, solle ich wieder kommen, und fragen.
    Ich wei nicht, ob es so gewesen ist, wie der Vater Benno sagt, antwortete
Wentila, da unsere Vorfahren einst reiche Gter gehabt haben, und die Herren
in dem Walde gewesen sind; aber die Geschlechter werden reich, und wieder arm,
und knnen wieder reich werden, und es wechseln die Geschicke. Wenn du Bertha zu
deinem Eheweibe gewinnen kannst, so erfreue dich darber; wenn es aber nicht
mglich ist, so trage es gelassen.
    Ich werde es tragen, sagte Witiko.
    Wiulfhilt, die Mutter Berthas, ist sehr gut, sprach Wentila, und Bertha
wird auch gut sein.
    Sie ist gut und starkherzig, sagte Witiko, und hat die schlechten Taten
wie die Frau Markgrfin, aber anders, und liebt die groen und herrlichen. Sie
hat gesagt, ich solle tun, da mir keiner gleich sei in dem Felde der goldenen
hren und in dem Walde der Wipfel der Bume.
    Strebe nicht mit Hoffart nach deinem Ziele, Witiko, entgegnete Wentila.
Und wenn du auch nicht tust, da dir keiner gleich ist in dem Felde der
goldenen hren oder in den Wldern der Wipfel der Bume, und wenn dir nur die
Gnade verliehen ist, Geringeres zu tun, was recht ist, wie du mir die Meinung
Silvesters gemeldet hast, so wird es am besten sein.
    Ich werde suchen, das Gute zu tun, wie es dein und Silvesters Gedanke ist,
antwortete Witiko.
    Tue es, mein Sohn, sagte Wentila. Ich habe Bertha gesehen, da sie ein
kleines Kind war. Vielleicht sehe ich sie wieder, wenn ihre Eltern nach
Jugelbach heimkehren, und ich auf der Rckreise bin.
    Wenn du zu ihr kommst, so wirst du wissen, da meine Neigung gut ist,
sagte Witiko.
    Ich wei es schon, antwortete Wentila, weil ich dir vertraue.
    Und wann meinst du wieder nach Landshut zurckzukehren? fragte Witiko.
    Wenn es die hohe Frau, die mich auf diesen Berg geladen hat, anordnet,
entgegnete Wentila. Es wird ihr Sohn Otto, der Bischof von Freising, kommen,
und ich glaube, da ich mit seinem Geleite nach Baiern zurckreisen werde.
    Ich habe auch Berthas willen das Lederkleid angelegt, weil sie mich zuerst
darin gesehen hat, sprach Witiko.
    Ich denke es mir, sagte die Mutter.
    Und nun, Mutter, sprach Witiko, wie lebt denn der hochehrwrdige Vater
Benno?
    Er lebt in Gesundheit, antwortete Wentila, er hlt seinen Gottesdienst in
der Kirche des heiligen Martin, er stellt Betrachtungen an, und schreibt in ein
groes Buch die Dinge der Kaiser ein; denn er sucht alles zu ergrnden, was
einmal geschehen ist. Er hat mir aufgetragen, dir einen feierlichen Gru von ihm
zu sagen.
    Bringe ihm den Dank, wenn du heimkehrst, sagte Witiko, und bringe ihm
meine Ehrerbietung.
    Ich werde es tun, antwortete Wentila, und es wird ihn freuen, weil er
dich liebt, wie, da du noch ein Kind warest. Er sagt, da die Baiern mit Sorge
auf sterreich schauen, seit Konrad, der Halbbruder des Markgrafen Heinrich, in
Deutschland herrscht, und seit der Markgraf die Witwe ihres verstorbenen Herzogs
geheiratet hat.
    Wird er denn auch wieder einmal nach Pric kommen? fragte Witiko.
    Pric erweckt ihm seit dem Tode deines Vaters Traurigkeit, antwortete
Wentila, aber er wird schon kommen.
    Die Leute dort lieben ihn, sagte Witiko.
    Die Leute aller Orten lieben ihn, entgegnete Wentila.
    Und wie lebt denn die Base Hiltrut? fragte Witiko.
    Sie ist fromm, antwortete Wentila, geniet der Gesundheit des Leibes,
sorgt in dem Hause, und denkt deiner, wie sie dachte, da sie dich noch in den
Windeln pflegte.
    Ich mchte ihr recht viel Gutes tun, sagte Witiko.
    Das tust du, entgegnete Wentila, da du ihr bestndig die guten Gre
schickest, die ihr angenehm sind.
    Mir ist es auch angenehm, Gre zu schicken, antwortete Witiko; bringe
ihr wieder einige, wenn du hier fort gehst.
    Sie bedarf ja nichts als Zuneigung, sagte Wentila.
    Und diese empfngt sie von uns reichlich, antwortete Witiko.
    Du bist in Plan zu den Leuten in ihre Stuben gegangen, sagte Wentila.
    Ja, Mutter, entgegnete Witiko.
    Wir haben es auch immer so gepflegt, wenn wir dort lebten, sagte Wentila,
sie sind gut, ernsthaft und treu.
    Sie sind dieses alles in ihrer Armut und in der Hrte und Strke ihres
Krpers, sagte Witiko. Sie haben in dem vergangenen Kriege der Gerechtigkeit
zur Entscheidung geholfen, sind meine Gefhrten geworden, und ich bin ihr
Gefhrte geworden.
    Du hast sie auch in deiner Stube versammelt, sagte Wentila.
    Ja, sie haben dort Brod und Salz gegessen, antwortete Witiko.
    Es ist gut so, sagte Wentila, das Land des Waldes ist vielen Menschen
noch unbekannt; aber es ist sehr bedeutsam. Was wirst du denn nach der jetzigen
Zeit tun, Witiko?
    Ich werde wieder nach Plan und Pric gehen, antwortete Witiko, dann werde
ich nach Prag zu dem Herzoge reiten. Im Frhlinge wird der Krieg gegen die
mhrischen Frsten beginnen, und ich werde in ihm sein.
    Du wirst tun, was dir obliegt, mein Sohn Witiko, sagte Wentila, und du
wirst klug und vorsichtig sein.
    Ich werde tun, wie ich es nur immer als gut und recht einsehe, entgegnete
Witiko.
    Und Gott wird das Gute und Rechte schtzen, antwortete Wentila, und nach
dem Kriege werde ich mit der Base Hiltrut nach Pric kommen.
    Ich werde euch von Landshut holen und nach Pric geleiten, sagte Witiko.
    Bleibe jetzt eine Weile auf diesem Berge, mein Sohn, sagte Wentila,
Agnes, die hohe Frau, ist gegen mich und dich gut gesinnt. Siehe nur, welch ein
schnes Gemach mit den gepolsterten Gesiedeln und der Aussicht in das ganze Land
sie mir gegeben hat. Ihr Sohn Heinrich hlt seinen Hof in Wien, und um ihn sind
die Herren der Kirche und die Mnner des Rittertumes und der Knste, und
befleiigen sich zierlicher Sitten. Du wirst zu ihm gehen, und wirst manches
sehen, was dir gut ist.
    Ich bleibe bei dir, und werde fter nach Wien gehen, antwortete Witiko,
es mte nur sein, da ich in unserem Lande ntig werde, dann reite ich schnell
in dasselbe.
    Es wird sich alles erweisen, sagte Wentila. Jetzt, Witiko, ruhe. Lasse
dir deine Kammer zeigen, und wenn es dich gemahnt, dann komme wieder zu mir.
Richte dich hier ein, und mge es dir gefallen.
    Sie stand bei diesen Worten auf, Witiko auch.
    Er setzte seine Haube auf das Haupt, und befestigte sein Schwert an seiner
Seite.
    Dann machte sie ein Kreuz auf seine Stirne, und er kte ihre beiden Hnde.
    Hierauf verabschiedeten sie sich. Witiko verlie die Stube, sie blieb in
derselben zurck.
    Als Witiko in das Vorgemach gekommen war, in welchem das Mdchen Lutgart
sa, sah er auch einen Mann auf einem Stuhle sitzen. Es war der nmliche Mann,
welcher ihn in das Gemach der spinnenden Mdchen gefhrt hatte.
    Der Mann stand auf, und sagte: Ich bin der Hausvogt der hocherhabenen Frau
Markgrfin, Ezelin, und bin von der hohen Frau Markgrfin befohlen, Euch, edler
Witiko, in Eure Herberge in dieser Burg zu geleiten.
    So geleitet mich, edler Vogt Ezelin, sagte Witiko.
    Die zwei Mnner verlieen nun die Vorstube.
    Der Vogt fhrte Witiko ber eine Treppe empor in ein Gemach, an welchem noch
eine zweite Stube war.
    Hier sollet Ihr mit Euerm Diener wohnen, sagte er, und der Speisemeister
und der Gewandmeister und der Meier und der Marschalk sind angewiesen, Euch zu
gehorchen, wie Ihr wnschet.
    Ich danke Euch fr Euer Geleite, edler Vogt, sagte Witiko, ich bedarf zu
dieser Zeit keines andern Dinges als der Stube.
    So verabschiede ich mich, sagte der Mann.
    Gehabt Euch wohl, entgegnete Witiko.
    Der Mann entfernte sich, und Witiko stand allein in dem Gemache.
    Dasselbe war nicht gro, hatte weie getnchte Wnde, und es standen starke
Gerte aus Eichenholz darinnen. Durch die zwei schmalen Fenster, welche spitzige
Bgen hatten, sah Witiko auf einen Wald und dann auf ebenes Land, das gegen
Morgen hin ging, und in welchem die Donau flo. Die zweite Stube war kleiner,
war auch wei, und hatte auch Eichengerte.
    Witiko verlie diese Herberge wieder, und ging in das Wartezimmer um
Raimund. Raimund war nicht in dem Zimmer. Darauf ging Witiko in den Stall. In
dem Stalle stand Raimund bei den Pferden. Witiko fhrte ihn in die
Herberggemcher, und zeigte sie ihm. Dann sagte er: Rste dein Pferd, reite in
die Stadt Wien hinab, und lasse unsere Habe in die Burg herauf bringen.
    Raimund schickte sich an, den Befehl Witikos zu vollfhren. Er verlie das
Zimmer, und nach einer halben Stunde ritt er in dem Walde des Berges hinunter.
    Witiko aber blieb in seinem Gemache, ging an ein Fenster, und sah auf das
Land sterreich hinab. Der Wald des Berges trug nicht wie die Wlder, die an den
Ufern der jungen Moldau stehen, die dunkle Tanne, die grne Buche, die
leuchtende Birke, den langarmigen Ahorn, die Eibe, die Ulme, die Esche, die Erle
und den zackigen Wacholder, sondern gleichartiges Laubwerk der Buche, Esche,
Eibe, des Haselstrauches und das Dmmer der Fhre und andern Nadelgehlzes. In
der Donau waren breite und gestreckte Inseln, welche Auwald trugen, und auf dem
ebenen Lande war Auwald. Dem Kahlenberge gegenber sah Witiko wieder einen Berg.
Und von diesen zwei Bergen flo die Donau in der Ebene gegen das Land Ungarn
hinaus.
    Als es Mittag war, kam ein Mann, und fhrte Witiko in das Speisegemach.
Dasselbe war ein Saal mit langen Tischen, Sthlen und Speisegerten. In dem
Saale waren Mnner in schnen Gewndern. Sie waren die Mannen der Markgrfin.
Sie gingen Witiko entgegen, und grten ihn, und er grte sie. Dann setzten
sich alle an den Tisch, ein Priester sprach das Gebet, und es wurden ihnen gute
Speisen und guter Wein aufgetragen.
    Nach dem Essen ging Witiko wieder zu seiner Mutter, sie wandelten auf
verschiedenen Wegen des Waldes, und saen dann in Wentilas Stube.
    Des Nachmittages kam Raimund aus Wien zurck, und ein Sumer brachte auf
einem Saumtiere das Reiseeigentum Witikos. Dasselbe wurde in die
Beherberggemcher gebracht, und dort geordnet.
    Am andern Tage des frhen Morgens rstete sich Witiko zum Ritte an den Hof
des Markgrafen Heinrich. Er hatte sein Ledergewand an, und trug sein
Petrusschwert an Sobeslaws Grtel. Er ritt auf seinem eisengrauen Pferde den Weg
zwischen dem Laubwerke des Berges hinunter. Raimund ritt in seinem Waldgewande
hinter ihm. Sie kamen in das grne Gefilde, und durch dasselbe bis zu der
Freiung, und von da ber die Brcke des Grabens in die Stadt.
    Sie ritten an vielen Menschen und Dingen vorber an das Haus, das der
Markgraf baute, um mit Gertrud darin zu wohnen. Es war gro und gewaltig, und an
manchen Teilen waren noch Gerste. Man wies die Reiter in einen Hof. Dort
standen Pferde und Knappen, Reiter stiegen auf oder stiegen ab, und Mnner in
Kriegesgewndern waren da. Witiko stieg von seinem eisengrauen Pferde, und gab
die Zgel desselben in die Hnde Raimunds. Er ging gegen eine Treppe, an welcher
Mnner in schnen Kleidern standen. Einer, der sehr langschnblige purpurrote
Schuhe, einen grauen Bart und graue Haare hatte, rief ihn an, und sprach: Nun,
du Ledermann, wohin gehst du?
    Was frgst du? entgegnete Witiko.
    Ich frage, weil ich frage, sagte der Mann.
    Und ich gehe, weil ich gehe, sagte Witiko.
    Und hast du ein Recht? fragte der Mann.
    Und hast du ein Recht? fragte Witiko.
    Wenn Thiemo von der Aue kein Recht hat, wer soll es denn haben? fragte der
Mann.
    Die umher standen, lachten nach diesen Worten.
    Wenn du ein Recht hast, sagte Witiko, so wisse, da ich zu Heinrich, dem
erlauchten Markgrafen von sterreich, will.
    Und will Heinrich, der erlauchte Markgraf von sterreich, auch, da du zu
ihm willst? fragte der Mann.
    Das wei ich nicht, sagte Witiko, und das werde ich erfahren, wenn er
gefragt wird.
    Und wer wird ihn fragen? sagte der Mann.
    Wer Geleite zu ihm geben kann, antwortete Witiko.
    Thiemo von der Aue kann Geleite geben, sagte ein Mann, der ein
dunkelgrnes Gewand und einen braunen Mantel hatte, ich bin Marchard von
Hintberg, und wenn du ein Anliegen hast, mein Kind, lasse deinen Namen sagen,
der Markgraf wird dir behilflich sein, er ist gut.
    Ich habe kein Anliegen, antwortete Witiko, ich will nur den erlauchten
Markgrafen sehen, und ihm meine Ehrerbietung bezeigen. Ich bin in dem Zuge
gewesen, als der erhabene Knig Konrad mit Wladislaw, dem Herzoge von Bhmen und
Mhren, gegen Prag ging, um die Emprer zu besiegen, und der erlauchte Markgraf
ist auch in dem Zuge gewesen.
    Ihr seid also Kriegsgenossen, entgegnete der Mann. Nun ich bin auch ein
solcher Kriegsgenosse, ich bin auch in dem Zuge gewesen, und Thiemo von der Aue
ist in dem Zuge gewesen, und Gebhard von Abbadesdorf, und Ebergus von Aland, und
Werinhard von Brun, und Juborth von Tribanswinchel, und Viricus von Gaden, die
alle hier stehen. Du bist aus einem fremden Lande, wie wir sehen, und kennest
die sterreichischen Degen noch nicht.
    Ich kenne sie nicht, sprach Witiko, aber ich will dir meinen Namen sagen,
ich heie Witiko, stamme vom Lande Bhmen, und diene dem Herzoge Wladislaw.
    Du bist Witiko, sagte Marchard von Hintberg, der die Herzoge aus Mhren
gefangen, und dann hat weiter reiten lassen.
    Ich habe den Herzogen die Flucht gestattet, antwortete Witiko.
    Du bist Witiko, rief Gebhard von Abbadesdorf.
    Witiko, sagte Viricus von Gaden.
    Du bist Witiko, und bist noch so jung, sprach Ebergus von Aland.
    Er hat sie geschlagen, und hat sie dann wacker davon gejagt, sagte Thiemo
von der Aue.
    Du hast sie nicht einen Deut geachtet, Witiko, sagte Juborth von
Tribanswinchel, sei uns gegrt.
    Seid gegrt, sagte Witiko.
    Du hast nrrisch gehandelt, sprach Werinhard von Brun, aber sei gegrt,
hat dich dein Herzog getadelt?
    
    Er hat mich geehrt, antwortete Witiko.
    Und die Mnner traten herzu, und reichten Witiko die Hand.
    Du hast heute den guten Tag gewhlt, sagte Thiemo von der Aue, der
Markgraf wird dich anhren, morgen wrde es nicht sein knnen, weil
Kahlenbergritt ist.
    Wir werden dich geleiten, sagte Marchard von Hintberg.
    Die Mnner gingen nun mit Witiko ber die Treppe in das Innere des Hauses
hinan.
    Sie kamen in einen Gang und dann durch eine Tr in einen Vorsaal.
    In dem Vorsaale waren wieder Mnner in verschiedenen schnen Kleidern, es
waren Jnglinge da und auch Knaben in feinen Gewndern.
    Thiemo von der Aue schritt gegen einen Mann, der ein dunkles weites Gewand
und ein silbernes Kreuz hatte.
    Rudpert, sagte er zu dem Manne, da bringe ich einen, der drei goldene
Fische gefangen, und sie in das Wasser geworfen hat. Er ist Witiko, von einem
bhmischen Schlosse, wie heit es?
    Kein Schlo, nur der Hof Pric, sagte Witiko.
    Ich wei alles, entgegnete der Mann, ich bin als Kapellan mit dem
Markgrafen auf die Vogelweide gegangen, und Witiko hat die Vgel verjagt. Was
willst du denn hier, mein Sohn?
    Er will mit dem erlauchten Markgrafen sprechen, weil derselbe sein
Kriegsgenosse gewesen ist, sagte Thiemo.
    Es ist gebhrlich, Freundschaft mit Kriegsgenossen zu halten, sagte der
Kapellan. Dort steht Tibert, der Kmmerer. Komme nur, Witiko.
    Nach diesen Worten fate er Witiko an dem Arme, und fhrte ihn im Geleite
der andern Mnner gegen einen Ritter, der in einem dunkelrotbraunen Kleide
dastand.
    Er sprach zu dem Ritter: Tapferer Tibert, da ist ein Mann aus Bhmen, der
mit seinem Herzoge Wladislaw in unserem Kriegszuge von Nrnberg nach Pilsen und
Prag gewesen ist. Er hat unser Land besucht, den hocherlauchten Markgrafen zu
sehen. Man nennt ihn Witiko von Pric.
    Du bist Witiko, du junges Blut? sagte der Kmmerer. Sie haben von dir
bel geredet wegen der mhrischen Herzoge, und gut wegen deiner Tapferkeit im
Frhlingskriege und bei Pilsen. Bist du dieser Mann?
    Ich war in dem Kriege wie ein anderer, sagte Witiko, und habe bei Pilsen
nach meiner Einsicht getan.
    Nun der hohe Markgraf wird schon mit dir sprechen, sagte der Kmmerer.
    Dann rief er gegen die Knaben: Komm her, du kleiner Chunring.
    Ein Knabe in einem Gewande, das rot und wei war, ging herzu.
    Lauf zu dem Herrn Otto von Lengenbach hinein, und sage ihm, da ein Ritter
aus Bhmen da ist, der Witiko heit, und der zu dem Herrn Markgrafen will,
sprach der Kmmerer zu dem Knaben.
    Ja, sagte der Knabe, und ging von dem Saale in ein Gemach.
    Nach einer Weile kam er wieder heraus, und sagte zu dem Kmmerer: Der Herr
Ritter soll hinein kommen.
    Tibert, der Kmmerer, und Thiemo von der Aue fhrten Witiko in das Gemach,
aus welchem der Knabe die Botschaft gebracht hatte.
    In dem Gemache waren wieder Herren und Ritter, und auch Frauen, welche
warteten.
    Ein alter Ritter in einem grnen Kleide sagte zu Witiko: Du mut ein wenig
harren, junger Kriegsmann, der erlauchte Markgraf ist beschftigt.
    Witiko blieb stehen, und wartete.
    Die Mnner sprachen mit einander.
    Nach einer Zeit kam ein alter Mann aus der Tr eines weiteren Gemaches,
grte die, welche da waren, und ging dann in den Vorsaal hinaus.
    Nun ist es an dir, Witiko, sagte der Ritter in dem grnen Gewande.
    Er wies mit der Hand gegen die Tr, aus welcher der alte Mann gekommen war.
Witiko ging gegen die Tr, ein Greis in einem Gewande, das rot und wei war,
stand vor derselben, ffnete sie, und Witiko ging hinein.
    Er kam in ein Gemach, das mit Birnholz getfelt war. An verschiedenen
Stellen hingen rote Stoffe in langen Falten herab. An einem Tische sa in
ritterlichen Kleidern Heinrich, der Markgraf von sterreich, aus dem Geschlechte
der Herren von Babenberg. Eine schne Haube aus rotem Sammet lag vor ihm auf dem
Tische. Er hatte blonde Locken und blaue Augen.
    Witiko nahm seine Haube ab, und stand vor ihm.
    Sei gegret, du junger Degen, sagte der Markgraf, bist du in unser
Lndlein sterreich gekommen?
    Ich bin in das Land gekommen, sprach Witiko, und die erhabene Frau
Markgrfin, deine erlauchte Mutter, hoher Herr, hat gesagt, da ich mich
unterfangen drfe, dir den Ehrfurchtsgru zu bringen.
    Ich danke dir fr den Gru, mein Sohn, sagte der Markgraf, unsere
erlauchte Mutter hat dir gut geraten, ich nehme dich so lieb auf wie andere
fremde Mnner, die mich mit einem Heimsuche bedenken und achte dich, weil mein
Schwager Wladislaw und meine Schwester dich genannt haben, da du in ihrer Sache
mit Entscheid gehandelt hast.
    Ich habe gemeint, das Geziemende zu tun, antwortete Witiko.
    Der Herzog sagt, da du nach Gerechtigkeit strebest, entgegnete der
Markgraf.
    Ich mchte sie nur so einsehen knnen, wie die weisen Mnner, welche um den
Herzog sind, antwortete Witiko.
    Das wird in den Jahren kommen, welche noch vor dir sind, Witiko, sagte der
Markgraf. Du bist mit deiner Mutter auf dem Kahlenberge bei unserer
vielgeliebten Mutter als Gast.
    Meine Mutter ist frher da gewesen, ich bin dann gekommen, und es hat mir
die erlauchte Frau Markgrfin Herberge gewhrt, sagte Witiko.
    Unsere Mutter liebt deine Mutter als die Tochter ihrer Mutter ungemein,
antwortete der Markgraf, genieet die Herberge, und komme oft zu mir und meinen
Mnnern herunter. Ich werde meinen Herren und Kriegsleuten befehlen, da sie
gtlich mit dir umgehen. Erheitere dich in unserer Weise, da noch die Waffenruhe
vor dem Kriege gegen die Mhrer, die du entlassen hast, dauert.
    Ich dachte, da der Krieg leichter gegen jeden Frsten allein sein wird,
als gegen ihre Vereinigung, antwortete Witiko, und dann werden wir den Streit
auch ohne fremde Hilfe vollfhren knnen.
    Das liegt bei Gott, Witiko, und das werden die Kriegsherren ermessen und
die weisen Mnner, von denen du sagst, da sie bei dem Herzoge sind, entgegnete
der Markgraf. Fahre im Guten fort, Witiko, du bist noch jung, und kannst vieles
erstreben, ich bin auch nicht alt, und so mir Gott hilft, werde ich das
Ehrengren, das du bringst, und das mir andere bringen, erst recht verdienen.
Bleibe lange bei uns, und wenn du scheidest, lasse dir nicht leid sein, da du
gekommen bist, und wenn du eine sterreichische Sitte gelernt hast, lasse dich's
nicht krnken, und komme wieder.
    Es wird mir nicht leid sein, sagte Witiko, und ich werde suchen, von dir
und den Deinigen zu lernen.
    So etwas zu lernen ist, erwiderte der Markgraf. Bringe unserer geliebten
Mutter einen Gru, gre deine Mutter, und gehabe dich wohl.
    Er stand nach diesen Worten auf, und reichte Witiko die Hand. Witiko sah,
da die Hand wei und schn gebildet sei.
    Er fate sie, und sagte. Lebe glcklich, hoher Herr!
    Das wre ein guter Wunsch, wenn Gott ihn erfllen will, antwortete der
Markgraf.
    Darauf verneigte sich Witiko, und verlie das Gemach.
    
    In dem Vorgemache grte er den Ritter in dem grnen Gewande, und setzte
dann seine Lederhaube wieder auf das Haupt.
    Der Ritter aber sagte. Ich bin Otto von Lengenbach, und so du einmal in
meine Veste kommen willst, Witiko, so wirst du freundlich aufgenommen werden.
    Ich danke Euch, Herr, sagte Witiko, es knnte sich fgen, und dann nehme
ich die Einladung an.
    Hierauf wurde er von Tibert, dem Kmmerer, und Thiemo von der Aue in den
Vorsaal gefhrt.
    Von dem Vorsaale ging er im Geleite derer, die mit ihm gekommen waren, ber
die Treppe hinab.
    In dem Hofe waren nun Pferde von den Knechten der Ritter, die bei ihm waren,
herbei gefhrt worden.
    Witiko bestieg sein Pferd, die Ritter bestiegen auch die ihrigen, und
Marchard von Hintberg sagte: Wir werden dich eine Strecke geleiten, Witiko.
    Ich freue mich eurer freundlichen Art, entgegnete Witiko.
    Alle die Mnner und hinter ihnen ihre Knechte ritten nun aus dem Hause auf
den groen Platz hinaus.
    Dort rief Thiemo von der Aue: Wo hast du denn deine Herberge, du junger
fahrender Ritter, der du da fremde Lnder besuchst?
    Ich bin nicht genau ein fahrender Ritter, sagte Witiko, meine Mutter ist
in euerm Lande, und ich bin zu ihr gekommen und so auch gerne in euer Land.
    Und wo herbergt denn deine Mutter, so du jetzt etwa zu ihr reitest? fragte
Thiemo von der Aue.
    Ich reite zu ihr, antwortete Witiko, und sie herbergt auf dem Kahlenberge
bei der hocherlauchten Frau Markgrfin Agnes, zu der sie beschieden worden ist.
    Das ist die bhmische Wentila, rief Thiemo von der Aue, und herbergest du
auch bei ihr auf dem Kahlenberge?
    Ich herberge auch dort, entgegnete Witiko.
    Dann werden wir dich morgen sehen, weil Kahlenbergritt ist, sagte Marchard
von Hintberg, du mut dich anschlieen, und mit uns reiten.
    Wenn es sich ziemt, sagte Witiko.
    Es ziemt sich, rief Ebergus von Aland, und es ist deine Ritterpflicht und
Kriegerpflicht, weil du dem Markgrafen einen Heimsuch gemacht hast.
    Dann werde ich mitreiten, entgegnete Witiko.
    Und ich werde dich schtzen, rief Thiemo von der Aue.
    Ich hege groen Dank fr deinen Schutz, sagte Witiko, aber ich denke, ich
werde mich selber schtzen, oder eines Schutzes nicht bedrfen.
    Gegen den Witz schtze ich dich, rief Thiemo, und gegen den Witz kann
dich kein anderer so schtzen.
    So schtze mich, Vater, antwortete Witiko.
    So bist du ein folgsamer Knabe, rief Thiemo.
    Ich werde dir immer gehorsamen, sagte Witiko.
    Das wird zu deinem Heile sein, antwortete Thiemo.
    Die Mnner ritten durch das Tor der Stadtmauer gegen den tiefen Graben
hinaus. Sie ritten ber die Brcke des Grabens, und an der Freiung vorber.
    Dann nahmen sie Abschied.
    Reite wohl, Witiko, rief Marchard von Hintberg.
    Gehabe dich gut, sagte Viricus von Gaden.
    Gedenke des Gehorsams, rief Thiemo von der Aue.
    Freue dich in unserem Lande, sagte Werinhard von Brun.
    Bleibe recht lange da, rief Gebhard von Abbadesdorf.
    Habet Dank, ihr Herren, rief Witiko entgegen, und gehabet euch wohl.
    Gehabe dich wohl, riefen mehrere, und sie riefen ihm noch zu, da er sie
in ihren Vesten besuchen solle.
    Dann wendeten sie ihre Pferde, und ritten der Freiung entlang wieder gegen
die Stadt.
    Witiko aber ritt mit Raimund auf den Kahlenberg.
    Nach dem Mittagessen zeigte Ezelin, der Vogt, Witiko die ganze Burg, er
zeigte ihm ihre Vorrte und ihre Waffen, und zeigte ihm, wie sie den Ungarn
Widerstand geleistet habe, und wie sie in Zukunft zu verteidigen wre.
    Ehe an dem folgenden Tage die Sonne aufgegangen war, begannen sich die
Mnner auf dem Kahlenberge zum Empfange derer, die da kommen sollten, zu rsten.
Sie schmckten sich und ihre Pferde, und luden Witiko ein, das gleiche zu tun.
Er aber rstete nur sein Pferd, legte sein Hausgewand ab, tat das Ledergewand
an, und grtete an dasselbe sein Schwert mit dem Sobeslawgrtel. Dann bestiegen
alle die Pferde, ritten vor die Burg, und stellten sich in eine Reihe.
    Als sie eine Zeit gewartet hatten, kam ein Zug von Reitern und Reiterinnen
auf dem Pfade des Laubwaldes herauf. Der erste in dem Zuge war Heinrich, der
Markgraf von sterreich. Er hatte ein blarotes Kleid, und auf der dunkelroten
Sammethaube eine weie Reigerfeder. Sein Pferd war schwarz. Neben ihm ritt die
Markgrfin in einem weien Kleide und einem grnen Schleier. Sie hatte blonde
Haare, blaue Augen und ein helles Angesicht. Die Farbe ihres Pferdes war
goldbraun. Hinter dem Markgrafen und der Markgrfin ritten Herren und Frauen in
schnen Gewndern. Die Herren hatten Obsorge, da die Frauen gut ritten.
    Als der Zug zu dem Tore der Burg gelangte, ritt Agnes, die verwitwete
Markgrfin von sterreich, durch das Tor heraus. Sie hatte ein graues Gewand und
einen weien Schleier. Ihr Zelter war wei. Hinter ihr ritten Herren und Frauen.
Die Herren hatten schne Kleider, die Frauen aber nur graue. Unter den Frauen
war Wentila, Witikos Mutter.
    Als Agnes zu dem Markgrafen und der Markgrfin gekommen war, wurde sie von
ihnen ehrerbietig gegrt. Sie dankte des Grues. Dann sprachen sie noch ein
wenig mit einander. Dann stellten sie ihre Pferde neben einander, und ritten von
der Burg weg auf einem Pfade, der gegen Abend fhrte. Die Mnner und Frauen, die
zu Heinrich und Gertrud und die zu Agnes gehrten, folgten ihnen. Vorn ritten
solche, welche Hofmter hatten. Dann kamen die andern. Die Mnner der beiden
Geleite vermischten sich, wie es sich ergab, oder ihr Wunsch es fgte. Am Ende
des Zuges ritten die jngeren Leute, und waren auseinander gestreuter. An den
Seiten des Zuges standen die grnen Bume, und streckten ihre Zweige gegen die
bunten und schimmernden Gewnder, gegen die Panzergeflechte und gegen die
Waffen.
    Witiko ritt zwischen Weringand von Plaien und Poto von Potenbrun. Sie
zeigten ihm Mnner und Frauen, die vor ihnen ritten, und nannten ihre Namen.
    Gebhard von Abbadesdorf lenkte sein Pferd herzu, und sagte: Sei gegrt,
Witiko, tummle dein Ro unter sterreichischen Reitern.
    Sei gegrt, antwortete Witiko, auf diesem Pfade ist wenig zu tummeln.
    So komme zu uns hinab, wo der Raum grer ist, sagte der andere.
    Ich werde kommen, entgegnete Witiko.
    Dann ritten Ebergus von Aland und Viricus von Gaden herbei, und Ebergus
sagte: Bist du da, junger Reiter?
    Ich bin da, entgegnete Witiko, du hast ja gesagt, da es meine Pflicht
ist.
    Und du erfllest sie, sagte der andere.
    Ich werde sie immer zu erfllen streben, sagte Witiko.
    Dann erflle sie auch gegen die Frauen, und huldige ihnen, sie sind schn,
und verdienen es, sprach Viricus von Gaden.
    Ich bin in Huldigungen nicht gebt, antwortete Witiko.
    So be dich, und nimm von Thiemo deinen Unterricht, der sich schon lange
bt.
    Marchard von Hintberg kam herzu, und sagte: Sei gegrt, du Freund von
gestern, es ist gute Art, da du bei uns bist, nun lebe recht wacker mit uns.
    Sei gegrt, antwortete Witiko, wie es sich fgt und schickt.
    Es fgt sich und schickt sich, entgegnete Marchard.
    
    Dann kam Werinhard von Brun, und sagte: Bhmischer Rittersmann, du bist in
dem Zuge, nun lasse es dir gefallen, wie es auch andern gefallen hat, die
gekommen sind.
    Hierauf ritt Thiemo von der Aue von hinten nach vorne gegen Witiko, und
sagte: Sei gegrt, Witiko, ich habe jetzt nicht Zeit, ich werde spter wieder
zu dir kommen.
    Dann ritt er vorwrts, und schlo sich an die lteren Mnner an.
    Und so kamen noch andere Mnner herzu, und ritten wieder weg, und sprachen
mit einander.
    Nach einer Zeit hrte Witiko hinter sich schnellere Pferdetritte, wie wenn
einer nher reitet, und dann hrte er die Worte: Es hat mir an dem Herzen viel
dicke weh getan, da mich es des gelste, das ich nicht mochte han.
    Er blickte um, und es war ein sehr junger Mann in blauen Kleidern auf einem
weien Pferde hinter ihm.
    Witiko rief: Der Fiedler vom Krenberge.
    Ja, du Lederhaube, so bist du in sterreich, antwortete der Mann.
    Ich bin bei meiner Mutter und der Frau Markgrfin auf dem Kahlenberge,
entgegnete Witiko.
    Ich wei es, sagte der Mann, und mute dich im Zuge mit den Augen
herausstechen, wie man eine Lerche an den Pfeil heftet.
    Nach diesen Worten trieb er sein Pferd vorwrts, bis er neben Witiko war.
    Und wie bist du denn nach sterreich gekommen? fragte Witiko.
    So wie du in die Welt gegangen bist, antwortete der Ritter vom Krenberge.
Als der alte Regimar tot war, und als du fort warest, ritt ich von Passau
hinweg. Ich bin in vielen Gebieten und Burgen gewesen, und dann bin ich an den
Hof der Markgrafen von sterreich gezogen. Als der Krieg kam, der zwischen dem
Markgrafen von sterreich und dem Herzoge von Baiern war, zogen wir nicht in den
Krieg, es zog mein Vater nicht, die Ritter von Rohre zogen nicht, der alte
Heinrich von Oftering zog nicht, der unser Nachbar ist, die Herren von
Wilheringen zogen nicht, der Ritter von Traun zog nicht, und viele nicht, die um
uns waren. Wir halfen aber auch dem Markgrafen von sterreich nicht. Ich ritt zu
meinem Vater auf den Krenberg, und blieb auf dem Krenberge. Als der Krieg
geendiget war, und als der Ruf ging, da wir nach Bhmen ziehen werden, um die
mhrischen Frsten zu zchtigen, so kamen wir aus den Gauen der Traun und der
Enns und der Donau zusammen, und zogen mit unseren Fhnlein den bayrischen Wald
hinan, und vereinigten uns bei dem Orte Furth mit dem Knige Konrad. Und als die
Sache aus war, und als ich von Prag wieder auf den Krenberg gekommen war, ritt
ich eine Weile zu Erlustigungen nach Linz und nach Wels und nach Eferdingen und
nach Enns und nach Kremsmnster und nach Rohre, und dann ritt ich nach Wien an
den Hof Heinrichs, des Markgrafen von sterreich; denn die Babenberge sind doch
anders als die Welfe, und das Herzogtum Baiern ist jetzt ledig, und weil der
Markgraf Heinrich der Stiefbruder des Knigs Konrad ist, so wird er von dem
Knige Konrad mit Baiern belehnt werden, und wenn er auch damit nicht belehnt
wird, so kann das bayrische Land zwischen der Enns und dem Inn losgetrennt und
zu sterreich gefgt werden, und der Markgraf Heinrich wird dann der erste
Herzog von sterreich sein, und wir werden Mannen des Herzoges von sterreich
sein.
    Ich habe Zdik, den Bischof von Olmtz, der auf der Flucht ist, von Bhmen
nach Passau geleitet, sagte Witiko, und bin dann auf einem Schiffe die Donau
herab nach Wien gefahren, und da ich gegen Linz kam, habe ich auf den Wald des
Krenberges geschaut, und habe deiner gedacht.
    Hast du meiner gedacht? rief der Ritter vom Krenberge, nun so habe
meinen Dank dafr. Auf der Burg des Krenberges sitzt nun mein Vater allein. Er
reitet nicht mehr an den Hof. Es ist kein Hof in Baiern, und zu dem Hoflager des
Knigs reitet er nicht, und an den Hof des Markgrafen auch nicht. Er waltet mit
den Knechten, streicht die Fiedel, lt noch seine Stimme erschallen, gibt Rat,
trstet meine Mutter, wenn sie ein Leid hat, und sendet mir Botschaften. Unten
an dem Krenberge, wo die kleinen Fhren gegen die Stadt Wels hingehen, sitzt
auf dem ebenen Boden der alte Heinrich von Oftering, der noch manchen Streitsang
hegt. Er ist der Vater des jungen Heinrich von Oftering, der mit uns ein Knabe
bei dem alten Regimar gewesen ist, du weit noch die roten Wnglein und die
blonden Haare.
    Ich wei es, sagte Witiko.
    Und wie ist es denn bei euch in Prag? fragte der vom Krenberge.
    Der Hof des Herzogs Wladislaw ist bisher mit Sorgen und mit Krieg erfllt
gewesen, sagte Witiko.
    Der Krieg ist auch herrlich, sprach der Ritter vom Krenberge, er ist
nach dem Sange das Herrlichste, und gibt den Ruhm.
    Uns hat er Zerstrung und Jammer gegeben, sagte Witiko.
    Und der Ritter Gertrud und ihr Knappe Dimut sind jetzt in dem Munde aller
Snger an dem Hofe ihres Bruders Heinrich, entgegnete der Ritter vom
Krenberge.
    Das geschieht mit Recht, antwortete Witiko, wer ein Groes tut, dessen
Name soll in Ewigkeit genannt werden.
    In Ewigkeit, rief der Ritter, und sein Snger dazu.
    Es sind auch alte Helden in dem Kampfe gewesen, sagte Witiko.
    Wir wissen es, und ehren sie, antwortete der Ritter. Bist du nach dem
Kriege in die Heimat gegangen?
    Ich bin in die Heimat gegangen, antwortete Witiko.
    Ich habe erst von dir reden gehrt, als wir auf dem Rckwege nach
Deutschland waren, sagte der Ritter.
    Da ist nicht viel zu reden, antwortete Witiko.
    Sie haben hingeredet und haben widergeredet, sagte der Ritter, du
solltest jetzt bei uns bleiben.
    Ich diene meiner Heimat, entgegnete Witiko.
    So diene ihr, wie wir im Deutschen dienen, antwortete der Ritter, aber du
sollst recht lange in Wien bleiben.
    So lange es sich fgen mag, entgegnete Witiko.
    Wenn der Hof des alten Regimar frhlich gewesen ist, sagte der Ritter,
wenn der Hof Regimberts noch frhlicher ist, so ist der Hof zu Wien nur
wonniglich. Der Hof der Markgrafen von sterreich ist der Erste in der
Christenheit, zu dem die Jugend wandert. Die alten lobebaren Recken sind da, die
sich im Ernste und im Schimpfe umtun, und Ruhm gewinnen, und es sind die jungen
zierlichen Degen da, die alle kommen. Heute sind manche versammelt. Der hinter
dem Markgrafen reitet, und den braunen Mantel trgt, ist der von Chunring. Er
ist in dem Geleite gewesen, das der Schwester des Markgrafen, Gertrud,
mitgegeben worden ist, da sie die Brautfahrt nach Bhmen gemacht hat. Sein Gemt
ist tapfer; er achtet aber des Klanges nicht. Der in dem dunkeln Gewande ist der
Kapellan Rudpert. Der in dem schwarzen Gewande reitet, und die weie Feder hat,
ist Rudeger, welcher bei dem Markgrafen fnf Mnner gilt. Er ist ein Degen der
Ehren, stark und viel kunstreich, und hat die schnste Hausfrau in den Landen.
Neben ihm reitet Tibert, der Kmmerer, in dem grnen Kleide, ein guter Mann und
vieledler Degen. Dann kmmt Chunrad von Aspan, der auch im Brautgeleite gewesen
ist, und an seiner rechten Seite reitet Gotescalc, der Abt von Heiligenkreuz.
Dann kommen Bruno von Pusinberg, Albero von Chunring, ein starker Degen,
Heinrich von Mistelbach, Hartung von Ruhenegk, Udalrich von Marbach und Heinrich
von Gundramsdorf. Siehst du dann den Mann, der ein gelbes Gewand hat und ein
grnes Wams und eine rote Feder?
    Ich sehe ihn, sagte Witiko.
    Der ist Thiemo von der Aue, sagte der Reiter von dem Krenberge, er hat
Kleider wie ein Zeisig und Fe wie Krebsscheren. Seine roten Schuhschnbel
werden immer lnger, da er sie an den Grtel wird binden knnen, und seine
rmel werden weiter, da sie auf die Schuhschnbel reichen mgen. Er trgt die
Farbe des Fruleins Kunigunde von Hartheim, das er in Regensburg gesehen hat,
als er mit dem vorvorigen Markgrafen dort gewesen ist, und das er heiraten
gewollt hat. Neben ihm reitet ein junger Mann im blauen Kleide auf einem weien
Pferde.
    Ich sehe ihn, sagte Witiko.
    Der ist der junge Heinrich von Oftering, sprach der Ritter, wir tragen
immer gleiche Kleider. Und auf der andern Seite reitet einer mit einem grnen
Mantel.
    Ich kann ihn sehen, sagte Witiko.
    Der ist der junge Ruhenegk aus der Waldschlucht, entgegnete der Ritter.
Oftering und Ruhenegk zwingen den alten Knaben immer, da er Reimzeilen sagt,
die so ungefg sind wie die Wollkittel der bhmischen Mnner Boriwoys, die er in
Regensburg gesehen hat. Er hlt die Reime aber immer fr hfisch. Sie lassen ihn
nicht zu dir zurck, wie er sonst tte, weil er alle Fremden beschtzt. Du
solltest schne Kleider anziehen, so lange du bei uns bist, Witiko.
    Ich habe das Leder in Freud und Leid getragen, und werde es fortan tragen,
erwiderte Witiko.
    Du bist noch so tricht wie du in Passau gewesen bist, sagte der Ritter
vom Krenberge; aber ich will dir weiter von unserem Hofe erzhlen. Da ist das
Werfen der Speere, das Schieen der Pfeile und das Brechen der Lanzen, wenn man
in vollen Platten in den Bgeln steht, und gegen einander reitet, da die
Splitter fliegen, und der Palast und der Saal ertost, und wenn man dann doch
mauerrecht in dem Sattel sitzt, da die Frauen und Jungfrauen auf dem Sller
jubeln, und mit dem Scheine ihrer Augen herab sehen.
    Ich wrde es vorziehen, antwortete Witiko, durch das, was ich vollbringe,
nicht den Schein der Augen einer Jungfrau zu gewinnen, sondern ihr Herz zu
treffen, da es nichts anderes kennt als die Liebe zu mir, und da ich ihr die
grte Lust auf der Erde bin, wenn ich es nmlich vermag.
    So triff das Herz, du waghalsiger Mann, sagte der Ritter vom Krenberge,
hier und allerwrts sind die schnsten Jungfrauen. Oder hast du es schon
getroffen?
    Ich habe noch nichts Groes zu vollbringen vermocht, sagte Witiko.
    Und wer dann im Stechen die Ehren gewann, sprach der Ritter vom
Krenberge, der erhlt im Angesichte aller den Preis, und sein Name wird
genannt in den Lndern und Burgen. Und wie die liebe Sonne auf das Land
sterreich scheint, so ist ein Klingen und Singen in dem Lande, und wird viel
geehrt, und es wird noch immer hher und hher gehen. Wer da Geltung hat in Sang
und Klang, der geht nach sterreich, und der Preis, den er gewinnt, ist dem der
Waffen gleich. Die von Babenberg sollten Kaiser sein. Da wrde das Hoflager bald
in Wrzburg, bald in Nrnberg, bald in Speyer, bald in Frankfurt, bald in
Regensburg schimmern, und es wrde das schimmerndste auf der Erde sein. Die
neuen Herzoge in Schwaben, die sich erst ihre Burg auf dem hohen Staufen erbaut
haben, und schon die Knigskrone tragen, mgen herrlich sein, wie der starke
Bren gewesen ist, und wie der junge Friedrich werden wird, dem der goldene Bart
wchst, der Neffe der verwitweten Markgrfin Agnes: aber sterreich ist alt und
aller Ehren und aller Freuden voll. Seine Mnner ziehen in den Krieg in Schmuck
und Zier, und reiten klar und sonder Umschweif in den Feind, da er weicht, und
die Rckkehr scheut, und sie ziehen auf die Jagd, und wieder an den Hof zu
Sitten und Spielen.
    In unseren Landen ist auch ein altes Volk, das seine Sitten und seine
Tapferkeit wahrt, sagte Witiko.
    Ja, ja, entgegnete der Ritter vom Krenberg. Sage, Witiko, tragt ihr auch
schon die glnzenden Harnische?
    Einige tragen sie, antwortete Witiko, andere haben die biegsamen
Waffenhemden, und viele haben Leder. Das Leder schtzt besser, und ist leichter.
Und der Schild ist das Schwert, welches ein Rad vor dem Leibe macht, und dem
Zudringen der Waffen wehrt.
    Das wre ein Zeug gegen die Ungarn, sagte der Ritter. Diese kmpfen nicht
nach der Sitte. Und wenn wir noch so zierlich gegen sie reiten, so achten sie
die Zier fr nichts, sie fliehen, und fliehen um unseren Waffenbann herum, und
senden Pfeile herzu, da mancher Mann und manches Pferd verwundet oder gettet
wird, indes wir sie nicht erreichen, und in unsern Helmfssern hungern knnen.
Du wrdest an sie kommen, wenn du ein Pferd dazu hast, wrdest sie treffen, und
ihre Pfriemen wrden an deinem Elen oder Schelch, oder was es fr ein Getier
ist, hngen bleiben.
    Sie blieben hngen, sagte Witiko.
    Und wenn ihr nicht in dem Kriegsgewande geht, sprach der Ritter, so habt
ihr weite Kittel, da es eine Schande ist, und bindet sie mit einem Riemen oder
Stricke zusammen, und die Mnnerzier, die Locken, schneidet ihr zu einem
Strohdchlein herab, und auf der Haube habt ihr die gerade Feder wie einen
Pfahl.
    Die gerade Feder ist der Trotz, sagte Witiko, und wenn ich meine Haube
abtte, so wrdest du meine Locken sehen.
    Trgst du die Locken nach deutscher Art? fragte der Ritter.
    Wie sie die jungen Mnner in Bhmen und Mhren tragen, habe ich sie nicht,
antwortete Witiko, weil ich aus andern Lndern kam; aber unsere Ritter nhern
sich schon eurer Kleidersitte; obgleich ich sagen mu, da, wenn der alte
Bolemil oder Lubomir in das dunkle flieende Gewand gekleidet sind, und die
reichen Grtel tragen, es erhabener aussieht, als eure schimmernden Fhnlein. In
dem Mittage des Landes haben sie enge Gewnder aus grober Wolle. Ich trage sie
auch, wenn ich dort bin.
    Die werden wohl in diesen Gewndern nicht turnieren, sagte der Ritter vom
Krenberge.
    Diese turnieren gar nicht, entgegnete Witiko, wo sie mit ihren Keulen
oder Hmmern oder Eisenstangen hinschlagen, gilt es gleich auf das Leben.
    Ich bin von den Bumen, die in unserem Lande mit der unendlichen Obstblte
und der unendlichen Obstfrucht stehen, nicht zu euern Buchen und Tannen hinein
gekommen, sagte der Ritter, und habe keinen Bren gesehen, der seinem Feinde
die Haut abziehen, oder ihn erdrcken will.
    Wir werden in dem nchsten Kriege sehen, was der Br vermag, sagte Witiko,
wenn dann auch kein zierlicher Snger von ihm singt.
    So mu ein unzierlicher singen, wenn sie unzierlich kmpfen, sprach der
Ritter.
    Er singe, wie sie kmpfen, sagte Witiko.
    Lasse uns vorwrts zu Heinrich von Oftering reiten, sagte der Ritter vom
Krenberge, er wird sich freuen, da du da bist. Heinrich und ich werden einmal
einen Sang anheben von dem hrnernen Sifrid und von den Burgonden und von Island
und von dem Knige Etzel und von Dietrich von Bern. Es mge nur nicht so werden,
wie mit der schnen Frau in Passau, von der ich als Bblein die Farbe trug, und
die ich nicht mochte han, was mir an meinem Herzen viel dicke weh getan.
    So hast du das Lied von Passau nicht vergessen? fragte Witiko.
    Ich habe es von Passau nach Wien getragen, antwortete der Ritter; aber
ich achte jetzt mehr auf das Lied als auf die Frau. Witiko, reite recht oft zu
mir in die Stadt Wien hinab, ich werde dir zeigen, was man tut und baut und
singt, und werde dich zu Mnnern und Leuten fhren.
    Ich werde kommen, sagte Witiko.
    Nun aber trachten wir zu dem hochgemuten Degen Heinrich von Oftering,
sprach der Ritter.
    So tun wir es, sagte Witiko.
    Mit Vergunst, ihr Herren, sprach der Ritter vom Krenberge zu den Mnnern,
die um Witiko waren, gebt euerm Gaste Urlaub, wir reiten zu Heinrich von
Oftering, der ihm ein Freund ist.
    Reitet zu ihm, und gehabt euch in der Frist wohl, sagte Poto von
Potenbrun.
    Gehabt euch wohl, sagte Witiko.
    Und sie setzten ihre Pferde in schnellere Bewegung, und waren bald bei
Heinrich von Oftering. Witiko grte ihn, er grte Witiko, und Witiko ritt nun
auf seinem grauen Pferde zwischen den zwei Mnnern mit den blauen Gewndern und
den weien Pferden, und sie begannen zu sprechen.
    Der Zug des Markgrafen ging nach mehrerer Zeit auf einem Wege in dem Walde
nach abwrts. Er kam in ein enges Tal, in welchem ein Bach flo. Die Mnner und
Frauen ritten an dem Bache dahin. Dann kamen sie in ein weiteres Tal, ritten in
demselben fort, bis die Bume des Waldes zu Ende waren, und das Mnster der
neuen Burg vor ihnen stand. Sie ritten in das Mnster, in dem Vorhofe stiegen
sie von den Pferden, die Pferde wurden den Knechten zur Wahrung bergeben,
Hartmann, der Abt, kam herzu, begrte die Mutter des Markgrafen, den Markgrafen
und seine Gemahlin, und geleitete sie in die Kirche. Die Ritter, die Frauen und
Jungfrauen folgten. Der Markgraf und die Markgrfinnen wurden zu einem
geschmckten Platze gefhrt, die andern nahmen ihre Pltze ein, das Volk
sammelte sich in dem hinteren Teile der Kirche, und es wurde ein feierlicher
Gottesdienst gehalten. Nach dem Gottesdienste gingen die Gste in den groen
Saal, es wurde Wein und es wurden Speisen gereicht, und verschiedene Gesprche
wurden gefhrt. Dann bestiegen die, welche von dem Kahlenberge gekommen waren,
ihre Pferde, und ritten wieder auf den Berg zurck.
    Dort wurden die Pferde in die Stlle gebracht, und die Reiter und
Reiterinnen gingen in die Gemcher der Burg.
    Am Mittage wurde in dem Saale ein Mahl abgehalten.
    Nach dem Mahle waren Gesprche, und es war Lustwandeln in dem Walde.
    Gegen den Abend ritten die, welche aus der Stadt gekommen waren, wieder in
die Stadt zurck, und Mnner der Burg, unter denen auch Witiko war, geleiteten
sie ber die Hhe des Waldes hinab.
    Dann ritten sie wieder in die Burg zurck.
    In den Tagen, die nun kamen, schlo Witiko Genossenschaft mit den Mnnern
der Burg, und lernte die Frauen und Jungfrauen kennen, und diente ihnen nach der
Sitte, wie er hier sah.
    Eines Tages ritt er mit Raimund in die Stadt Wien hinunter. Er ging zu dem
Fiedler vom Krenberge und mit ihm dann zu Heinrich von Oftering. Sie grten
ihn, und wandelten dann mit ihm in der Stadt herum. Sie zeigten ihm den Bau des
Markgrafen, an dem geschaffen wurde. Sie zeigten ihm die Kirchen, und dann
Huser, die schon von alten Zeiten her da standen, und solche, welche neu
emporgerichtet wurden. In den Gassen und auf den greren Pltzen sah Witiko
Mnner und Frauen, Herren und Knechte, Ritter und Reisige, Feiernde und
Arbeitende, Jnglinge und Kinder teils herumstehen, teils wandeln, teils reiten,
teils sogar fahren. Er sah Werksttten der Waffen, der Stoffe, der Gewnder, und
Sttten, wo Gold und Silber verwendet wurde, und kostbare Edelsteine in Fassung
kamen. Er betrachtete die Htten, in denen Dinge zum Verkaufe lagen, und
betrachtete freie Gassenschenken, wo die Leute Wein, Bier, Met und Zugehriges
genossen, und ein Harfner zu Zeiten Weisen ertnen lie. An einem Hause sang ein
Mann Lieder von einem Gerste herunter, und viele hrten ihm zu, und an einer
andern Stelle tanzten auf Brettern zu der Fiedel bunte Mnner und Frauen. Die
wandernden Krmer schrieen ihre Waren aus, die sie trugen. Auch manchen fremden
Mann und manche fremde Frau sah Witiko in der Tracht des Landes Ungarn oder der
Lnder Bhmen und Mhren oder des weiteren deutschen Reiches. An dem Saume der
Stadt waren Grten mit grnen Bumen, mit Blumen, Gemsen und Frchten, und mit
Wegen zum Wandeln. Die jungen Ritter fhrten Witiko an diesem Tage auch zu
Chunrad von Asparn, zu Werinhard von Brun, zu Udalrich von Marbach, zu
Wolftrigil von Stein und zu Thiemo von der Aue. Dann a und trank Witiko mit
mehreren Rittern, und kehrte am Abende wieder auf den Kahlenberg zurck.
    Und so kam er nun fter in die Stadt, und trachtete, sie immer mehr zu
ergrnden. Er ging auch zu lteren Herren und Rittern, und hielt mit den
jngeren Genossenschaft. Er lernte auch Frauen und Jungfrauen kennen, und wurde
in manche Wohnungen geladen. Zu Zeiten ritten einige seiner neuen Freunde auf
den Kahlenberg, und pflegten mit ihm ihrer bungen.
    Einmal wurde ein Fest des Hofes angesagt, und Witiko dazu entboten. Man
errichtete auf einem Anger auerhalb der Stadt vor den Husern der Wollzeile
viele Schranken. An den Schranken wurde ein Gerste mit Sitzen und Sllern
gezimmert, und noch andere Gerste wurden herum errichtet. ber die Gerste
wurden kostbare Tcher gebreitet, und ber die Sller seidene Dcher gespannt.
An dem Tage des Festes saen der Markgraf und die Markgrfin auf dem hchsten
Sller unter dem seidenen Dache, und auf den andern Sllern und Sitzen saen die
Herren und Frauen des Hofes und die hohen Mnner und Frauen des Landes, und
Ritter und Ritterfrauen und Jungfrauen. Auerhalb der Schranken war viel Volk.
Auf einem sehr schn gezierten Gerste erhoben Ritter in prchtigen Gewndern
ihre Stimme zum Gesange, und bten die Fiedel. Der Ritter vom Krenberge und
Heinrich von Oftering waren unter den Mnnern. Hierauf wurden die Preise in Gold
und in Seide und in Kleinodien ausgeteilt. Dann ritten die Mnner zum Turniere.
Witiko ritt auf seinem grauen Pferde und einem schnen Sattel, dessen Schemel
Goldrnder hatten, in die Schranken. Er trug einen Ringpanzer, einen Helm mit
goldenen Zierden und an dem Arme einen weien Schild, darauf eine Waldrose war,
die fnf Bltter und die dunkelrote Farbe hatte. Er erstritt sich den Preis
einer Binde aus Goldstoff mit edlen Steinen. Die Markgrfin reichte ihm die
Binde. Der Ritter vom Krenberge, Heinrich von Oftering, Wolftrigil von Stein,
Udalrich von Marbach, Werinhard von Brun, Chunrad von Asparn und Erchambert von
Mosebach erhielten Preise. Thiemo von der Aue ritt auf einem weien Pferde in
die Schranken. Er hatte eine weie und eine grne und eine rote Feder auf dem
Helme. Sein Harnisch glnzte silbern, die Beinschienen waren blau und der Schild
gelb. ber den Harnisch trug er eine veilchenblaue Schrpe, welches die Farbe
des Fruleins von Hartheim war. Er legte drei Ritter in den Sand, erhielt einen
kostbaren Preis, und ritt zu den jungen Mnnern zurck, bei denen er seinen
Stand hatte. Das Volk erhob groen Jubel ber die Spiele, Zinken und Pfeifen
ertnten zu Zeiten, und helle Rufe stiegen empor, da der Markgraf, die
Markgrfin und die Herren und Ritter und die Frauen und Jungfrauen in die Stadt
zurckkehrten.
    Als dreiunddreiig Tage vergangen waren, als Witiko und seine Mutter ber
alles geredet hatten, was sie im Sinne und Gedanken trugen, und als sie sich
geeint hatten, was in ihrem Eigentume noch geschehen solle, rstete sich Witiko
zur Fortreise. Er ging zur Markgrfin Agnes, den Abschiedsdank zu sagen. Sie
sprach zu ihm: Witiko, ziehe mit Gottes Gnade, und bleibe gut. Denke an uns,
und denke auch an meinen Vater, und bete einmal fr ihn. Er ist schn an Gestalt
gewesen, sein Geist hat viele Gaben gehabt, von seinen Lippen sind demtige
Worte gegangen, und er hat so Herbes erdulden mssen.
    Ich werde an Euch und an Euern Vater und an alle hier gedenken, und mein
Gebet fr sie zu Gott richten, antwortete Witiko.
    Sie gab ihm ein leuchtendes Gewand und eine schne Helmzier zum Geschenke.
    Dann verabschiedete er sich von seiner Mutter. Sie gab ihm ein
Sammetbeutelchen mit so viel Gold, als sie vermochte. Er nahm es im Danke an.
    Dann verabschiedete er sich von den Herren und Frauen der Burg.
    Dann sagte er Lutgart, dem Mdchen seiner Mutter, einen Scheidegru.
    Dann ordnete er seine Habe, bergab sie Sumern, und ritt mit Raimund in die
Stadt Wien.
    Dort verabschiedete er sich von allen seinen neuen Genossen, und noch
besonders von dem Ritter vom Krenberge, von Heinrich von Oftering und von
Werinhard von Brun.
    Dann ritt er mit Raimund aus der Stadt Wien ber die lange Donaubrcke
hinaus, und schlug den Weg nach dem oberen Plane ein.

                                       3


 Mit Waldschften.

Witiko ritt mit Raimund ber die groe Ebene, welche in Mitternacht der Stadt
Wien an dem linken Ufer der Donau liegt. Er ritt einen Tag lang dem Wasser der
Donau entgegen. Am Morgen des zweiten Tages ritt er ber eine Anhhe hinan, auf
welcher dann das Waldland begann. Er ritt durch Gebiete der Herren von Chunring,
durch die Stadt Horn, und bernachtete in einer Herberge des Waldes. Am dritten
Tage ritt er ber Hgel, durch Tler, an Bschen, Htten und Gehften vorber,
und kam darauf in den dichteren Wald, in dem grere und mchtigere Bume
standen. Am vierten Tage gelangte er in die krumme Au. Am fnften Tage ritt er
an dem Turme Rownos vorber, dann zwischen den Husern von Horec hindurch, und
kam am Mittage in dem oberen Plane an.
    Er ritt in den Hof des steinernen Hauses, und brachte dann mit der Hilfe
Martins und Raimunds die Pferde in eine Ruhestelle, und begann die Pflege
derselben. Hierauf ging er in die Stube, legte seine Lederhaube von sich, und
setzte sich mit Martin an den groen Tisch.
    Lucia bereitete Speisen, und als sie fertig waren, verzehrten Witiko und
Raimund dieselben.
    Nach dem Essen ging Witiko zu dem alten Pfarrer. Die Leute, welche ihm auf
dem Wege begegneten, grten ihn, und auch aus Husern kamen manche zum Grue.
Witiko sprach mit einem jeden.
    Bei dem alten Pfarrer blieb er eine Stunde.
    Dann ging er zu David, dem Zimmerer, und sagte zu ihm: David, hast du
trockenes Baumholz?
    Sie sind in der Laube geschichtet, die wir vor drei Jahren nach dem Tage
des heiligen Andreas geschlagen, und im Sommer behauen haben, antwortete David,
der Zimmerer.
    Hast du Gehilfen, schnell einen Holzbau aufzurichten? frage Witiko wieder.
    Ich habe Gehilfen, und kann berall Gehilfen bekommen, antwortete David.
    Bei uns liegen auch behauene und trockene Kernstmme, sagte Witiko. Ich
werde die Laube in einen warmen Holzstall umwandeln lassen, und an einer andern
Stelle eine neue Laube bauen. Ehe die Frste des spten Herbstes kommen, mu die
Sache fertig sein.
    Sie wird fertig sein, sagte David, der Zimmerer.
    So nimm Mnner zu deiner Arbeit, sprach Witiko, und komme morgen in der
ersten Frhe zu mir, da wir die Mae des Platzes nehmen, und da wir ber das
Werk sprechen.
    Ich werde vor dem Aufgange der Sonne bei dir sein, sagte David.
    Dann zimmere mir aber auch zugleich vier Truhen, welche geeignet sind, da
man Habschaften in ihnen aufbewahren kann, sagte Witiko.
    Ich werde in der Frist das Zimmern der Truhen beginnen, in der du mein Haus
verlassen hast, antwortete David.
    So tue es, sagte Witiko. Ich werde in diesem Winter bei euch bleiben.
    Das wird schn sein, antwortete David.
    Nach diesen Worten verlie Witiko das Haus Davids, und ging noch zu Peter
Laurenz, dem Schmied, und zu Christ Severin und zu Veit Gregor und zu Tom
Johannes, dem Fiedler, und zu Stephan und zu der Mutter Norberts.
    Dann ging er wieder in sein Haus.
    Dort sprach er mit Martin ber die Dinge, welche in der Zeit seiner
Abwesenheit in dem Hause geschehen waren, und lie sich manches zeigen.
    Am Abende sa er mit mehreren Mnnern, die gekommen waren, auf der Gasse des
Hauses, und als es Nacht geworden war, legte er sich in der Kammer auf sein
Lager.
    Nach dem Anbruche des nchsten Tages zog er sein graues grobes Wollgewand
und seine langen Stiefel an, und setzte seine dunkle Filzhaube auf das Haupt.
Dann kam David, der Zimmerer. Er zeigte ihm die behauenen Stmme, die im Hause
waren, sie maen die Lnge und Breite der Laube, und bestimmten, was geschehen
msse, da daraus ein Stall werde.
    Dann ging David, der Zimmerer, wieder fort.
    Witiko bestellte nun drei Mnner mit Saumrossen, und trug ihnen auf, da sie
am Mittage in Bereitschaft wren, in die krumme Au zu ziehen, dort seine Habe,
welche Sumer aus Wien bringen wrden, auf die Rosse zu laden, und sie nach Plan
zu frdern. Raimund wurde beauftragt, mit den Mnnern zu reiten, und die Habe
von den Sumern aus Wien zu bernehmen.
    Als dies geschehen war, ging Witiko auf den Kreuzberg, tat vor dem Kreuze
ein kurzes Gebet, und blickte dann auf den Wald, in welchem der dunkle See lag,
und hinter welchem das Haus Heinrichs von Jugelbach stand. Dann blickte er auf
den Wald des heiligen Thomas.
    Nach dem Mittagessen kamen vier Mnner mit einem Gehilfen Davids, des
Zimmerers, und begannen die Arbeit an der Laube.
    Am Nachmittage ritt Witiko auf seinem grauen Pferde eine Wegstunde in der
Richtung gegen den Thomaswald und wieder zurck.
    Am Abende kamen Stephan, der Wagenbauer, Peter Laurenz, der Schmied, Tom
Johannes, der Fiedler, Christ Severin, der Wollweber, Zacharias, der Schenke,
Roman, den sie den grnen Weber hieen, Tobias, Maz Albrecht, Urban und Mathias
zu Witiko. David, der Zimmerer, sandte sein Weib, und lie sagen, da er Witiko
nicht besuchen knne, weil er an den Truhen mit seinen Knechten arbeite, so
lange ein Tagesschein ist. Witiko lie durch Martin und Lucia Holzschragen aus
dem Hause auf die Gasse tragen, die Mnner legten lange Bretter darber, so da
Bnke wurden, und sie setzten sich im Vierecke auf die Bnke. Sie sagten, weil
Witiko einen Stall baue, und weil der Stall vor dem Herbste fertig sein msse,
und weil es der Brauch sei, da die Einwohner von Plan einer dem andern helfen,
wenn er etwas baut, oder unternimmt, so wollen sie ihm auch beistehen und mit
Werkzeugen kommen. Witiko nahm mit Dankbezeugung das Anerbieten an.
    Ich werde morgen in der Frhe heraus gehen, sagte Tobias.
    Ich auch, sagte Mathias.
    Ich werde auch kommen, sagte Maz Albrecht.
    Ich kann nicht selber kommen, sagte Zacharias, der Schenke; aber mein
Altknecht ist in Bereitschaft, und wird an manchem Tage da sein.
    Ich komme selber, sagte Roman, und wir werden abwechseln.
    Jetzt nahm Peter Laurenz, der Schmied, das Wort, und sprach: Witiko, wir
haben alles ausgewirkt, was dem Herzoge von Nutzen war, und das Eisenwerk zu dem
Stalle wird keinen Tadel leiden, und ich werde nichts verzgern, und eher das
andere liegen lassen, und Urban ist kein Kind, das um Taglohn arbeitet, er hat
dessen nicht Not, er hat seine Geschfte, und wird etwas Erkleckliches in der
Welt werden, ich erziehe ihn dazu; aber er wird kommen, und wird bei dir
arbeiten, weil er mit dir in Nrnberg gewesen ist, ich habe ihn unterrichtet,
da er es besser machen kann als die andern. So sage ich.
    Und ich werde erfreut sein, wenn Urban an meinem Holzbaue mitwirkt, und
werde ihm auch wieder helfen, wenn er einmal einer Hilfe bedarf, sagte Witiko.
    Du kannst ihm raten, wenn er nach groen Dingen geht, weil du doch lter
bist als er, antwortete der Schmied.
    Ich werde morgen kommen, sagte Urban, und man wird mir schon zeigen, wie
ich die Sache angreifen mu, da ich nicht ungeschickt verfahre.
    Mache alles so, wie ich dir gesagt habe, sagte der Schmied.
    Nun, wir wollen den Bau einrichten, wie wir ja schon andere Baue in die
Hhe gebracht haben, sagte Roman.
    Ja, das haben wir, antwortete der Schmied, und ich habe sie geleitet.
    Mnner, sprach Witiko, helft, wie ihr euch erbietet. Und wenn ich einmal
ein greres Ding unternehme, so helft mir wieder. Und wenn dann einer von euch
etwas zu erbauen gesonnen ist, werde ich mich ebenfalls erbieten, werde die
Leute, die ich habe, senden, oder werde, wie es sich fgt, wohl auch selber die
Hnde an das Werk legen.
    So lege sie an, und es wird dich zieren, wie es eine Zier ist, wenn du mit
dem Herzoge reitest, sagte der Schmied. Aber das Haus da ist ja nur ein
kleines Kmmerlein, du brauchst ein groes mit Klammern und Sparren. Baue es um,
wir werden es schon recht machen.
    Was in einer Zeit sein mu, wird sein, sagte Witiko, dieses Haus von
Stein hat einmal einer meiner Vorfahrer, den niemand mehr kennt, erbaut, und so
mag es noch eine Weile stehen.
    Es kennt niemand die, welche Plan gebaut haben, sagte der Schmied, aber
der Pfarrer wei alles, und er kann die Namen aus der alten Zeit sagen.
    Das ist ja nicht auf einmal gebaut worden, sagte Zacharias, der Schenke,
sondern es hat sich einer nach dem andern angesiedelt.
    Das kann man nicht wissen, wie es nach der Erschaffung der Welt geworden
ist, da Drfer und Kirchen entstanden sind, sagte Christ Severin, der
Wollweber.
    Die heiligen Vter haben Kirchen und Drfer gebaut, sagte Tom Johannes,
der Fiedler, Loth und Abraham, und die andern, und als sie den babylonischen
Turm bauen wollten, haben sie auch an Stdte gedacht. Ich kann mit Hauen und
xten nicht mehr umgehen, Witiko; aber ich werde dir meinen Buben senden, da er
hilft, und ich werde den Leuten Anweisungen geben.
    Die Anweisungen geben wir selber, sagte der Schmied.
    Diese gibt Witiko und der Zimmerer, sagte Roman.
    Aber es mu einer sein, der sorgt, da sie erfllt werden, sagte Tom
Johannes, der Fiedler.
    Lernt Urban bei dir schon geigen? fragte Zacharias, der Schenke.
    Er lernt es, da du es nicht begreifst, antwortete Tom Johannes.
    Wer handhabt denn die Geige des Herzogs fragte Witiko.
    Die handhabt niemand, entgegnete Tom Johannes, sie hngt in meiner
schnen Stube, und ich hlle ein Tuch darber, und ich streiche zu mancher Zeit
mit der linken Hand sachte auf die Saiten, da sie singen, und ich kneipe sie
schwach, und den Urban und meinen Buben unterrichte ich, da die guten Geiger in
Plan nicht aufhren.
    So bemhe dich nur, sagte Witiko.
    Ich bemhe mich, und ich kann es auch, antwortete Tom Johannes, der
Fiedler.
    Und so sprachen die Mnner fort, sie sprachen vorzglich von dem Kriege, in
dem sie gewesen waren, und was jeder darin erfahren hatte, und sie gingen erst
in ihre Wohnungen, als die Sterne schon an dem Himmel standen.
    Am andern Morgen kamen die, welche bei dem Baue des Stalles zu arbeiten
versprochen hatten, und es kamen auch noch andere mit ihren Werkzeugen.
    David, der Zimmerer, ordnete sie, da sie sich nicht hinderten, und es
begann die emsige Arbeit.
    Gegen den Abend traf Raimund mit den Sumern von der krummen Au ein, und sie
brachten die Habschaften Witikos. Dieselben wurden abgeladen, und in dem Hause
aufbewahrt, wie man es konnte.
    Vor dem Anbruche der Nacht saen wieder Mnner mit Witiko vor seinem Hause.
Es waren an diesem Tage mehr gekommen als an dem vorigen.
    Und in der Zeit, die folgte, wurde fleiig gearbeitet, und an den Abenden
saen Mnner vor dem Hause Witikos.
    Von denen, welche arbeiten halfen, blieben an manchen Tagen einige weg, weil
sie in ihrem Hause Verrichtungen hatten, dafr kamen andere. Und so wechselten
sie nun fort und fort.
    Die Abendversammlungen aber wurden stets zahlreicher.
    Am sechzehnten Tage nach der Ankunft Witikos waren die vier Truhen fertig
geworden. Er lie sie neben einander in die groe Stube stellen, und legte von
seiner Habe dasjenige, was die Sumer gebracht hatten, und was sonst noch in dem
Hause war, hinein.
    So lange die Arbeit an dem Holzstalle dauerte, war er dabei beschftigt, und
leitete sie. Zu einem jeden der Mnner, die an den Abenden zu ihm kamen, konnte
er nicht sogleich wieder gehen, um die Ehre des Heimsuches zurckzugeben, weil
ihrer zu viele waren; aber er ging nach und nach zu allen, sprach mit ihnen, und
a an ihrem Tische Brod und Salz. An jedem Tage tat er auf seinem grauen Pferde
einen Ritt, und oft ging er auf den Kreuzberg, und sah auf die dunkeln Bnder
der Wlder. Wenn die Mdchen auf einer Gasse oder auf dem Anger einen Gesang
hielten, oder wenn zwischen ihnen und den jungen Mnnern ein Wechselgesang
stattfand, war er unter den alten Mnnern und Frauen, welche zuhrten. Er war
auch dabei, wenn ein Tanz oder eine Belustigung angestellt wurde. An Sonntagen
und Festtagen sa er in der Kirche auf der Stelle, welche zu dem steinernen
Hause gestiftet worden war. Auf dem groen Anger auerhalb der Huser, auf
welchem Gnse, Schafe, Hunde und andere Tiere herum gingen, Linnen zur Bleiche
lag, und Kinder spielten, stieg er zuweilen von seinem Pferde, zeigte den Knaben
die Ausrstung des Pferdes, und erzhlte ihnen Mrchen. Oder er gesellte sich zu
manchem alten Manne, der nicht mehr arbeiten konnte, und die Spiele der Knaben
leitete, und die Streite ausglich. Er sah, ob die Spiele noch so seien wie in
seiner Knabenzeit. Sonst war er auch bei den Beschftigungen seines Hauses
ttig.
    Im Herbste wurde der hlzerne Stall fertig. Die Mnner pflanzten ein
Tannenbumlein mit Zierden auf den Giebel, und erhoben ein Jauchzen. Witiko
hielt auf der Gasse ein Mahl, zu dem die Mithelfer und alle kommen durften, die
da wollten. Der alte Pfarrer tat einen frommen Spruch, und die andern wnschten
dem Hause Gedeihen.
    Am nchsten Morgen wurden Raimund und Benedikt, der Sohn des Schenken
Zacharias, der Witiko einmal zu Rowno geleitet hatte, nach Pric geschickt, da
sie die zwei braunen Pferde, welche Witiko von dem Herzoge Wladislaw zum
Geschenke bekommen hatte, an Zumen mit ihrer Ausrstung nach Plan fhrten.
    Sie kamen nach vier Tagen mit den Pferden zurck.
    Witiko entkleidete mit Raimund die Tiere ihres Schmuckes, und lie sie mit
weichen Hllen versorgt in den neuen Stall fhren. Den Schmuck aber verwahrte er
sorgsam in dem Hause. Dann wurden auch das graue Pferd Witikos und das Pferd
Raimunds in die Stnde des neuen Stalles, die fr sie bestimmt waren, gestellt.
    Nun ging Witiko zu Peter Laurenz, dem Schmiede, und sagte: Ich will deinem
Neffen Urban Unterricht in der Kunst des Reitens geben, wenn du einwilligest,
und wenn es seinen Eltern genehm ist.
    Es mu so sein und ist notwendig, antwortete der Schmied, seinen Eltern
ist es recht; denn ich mu auf den Knaben schauen, da er lerne sich selber zu
verteidigen, wenn ich einmal nicht mehr auf der Welt bin, und ihm einer das
Leben nehmen will. Er soll mit meinem Danke besser bei dir reiten lernen. Und
ich werde nach Netolic gehen, und werde ihm ein Pferd kaufen, wie es die Ritter
brauchen.
    So tue es, sagte Witiko.
    Ja, ich werde es tun, antwortete der Schmied.
    Hierauf ging Witiko zu Elias, dem Steinhauer, und zu Anna, seinem Eheweibe,
welche die Eltern Urbans waren, und sagte ihnen und dem Jnglinge Urban, was er
mit dem Schmiede gesprochen habe.
    Elias und Anna willigten ein, und Urban war sehr erfreut.
    Da dieses geschehen war, ging Witiko zu Paul Joachim, dem Maurer, und sagte,
er wolle seinen Sohn Augustin, den Pfeifer, welchen er im Frhlinge von der
Stadt Prag mit sich in die Stadt Nrnberg genommen habe, im Reiten unterrichten.
Er brauche kein Pferd, er knne das Pferd Raimunds nehmen.
    Paul Joachim sagte Dank, und rief seinen Sohn Augustin herbei.
    Augustin war wie Urban erfreut.
    Und an dem folgenden Tage begann der erste Unterricht in dem Hofe des
steinernen Hauses. An dem Pferde Raimunds wurden die ersten Stellungen und
Handgriffe gezeigt. An jedem Tage war nach der Morgenpflege der Pferde der
Unterricht durch zwei Stunden. Der Schmied war schon an dem ersten Tage zugegen,
und schaute zu. Dann kamen auch andere Leute, besonders junge Mnner, um zu
sehen, was da geschehe. Witiko lie sie gewhren. Der Steinhauer Elias und sein
Weib Anna kamen, und es kam Joachim, der Maurer, mit seinem Weibe. Tom Johannes,
der Fiedler, stand jedes Mal an der Mauer des Stalles. Selbst Mdchen liefen
zuweilen gegen das Tor, und sahen von ferne hinzu. Jeder, in dessen Hause ein
Pferd und ein junger Mann war, gestattete, da der junge Mann sich auf das Pferd
setzte, und darauf nachahmte, was er in dem Hofe des steinernen Hauses gesehen
hatte, oder was ihm Augustin und Urban zeigten. Selbst mancher ltere Mann stieg
auf ein Ro, und Witiko zeigte ihnen, wie sie die Zurstungen zu machen htten.
    Der Schmied ging nun nach Netolic, und kam nach fnf Tagen mit zwei Pferden
zurck, einem fr Urban, dem andern fr sich. Wenn die Pferde auch nicht waren,
wie sie Ritter brauchen, so war das Pferd fr Urban hinlnglich, und das Pferd
des Schmiedes war ein sehr starker Rappe mit groen Hufen und einer struppigen
Mhne. Nun mute Raimund auch an dem Unterrichte Anteil nehmen.
    Als eine kurze Zeit vergangen war, ritt Witiko mit seinen drei Schlern auf
den Bachanger hinaus, und lie sie dort ihre Bewegungen machen. Da kamen nun
noch mehr Menschen herzu. Oft verlieen sie die Arbeit, und standen an dem
Reitplatze.
    Der Schmied ging hierauf mit Joachim, dem Maurer, noch einmal nach Netolic,
und sie brachten zwei Pferde. Eines hatte Joachim fr Augustin gekauft, und das
andere hatte der Schmied zu dem Ende gebracht, da er es ausleihe, oder wieder
verkaufe.
    Es ritten tglich die vier Reiter auf den Anger, Witiko, Augustin, Urban und
Raimund.
    Der Schmied lie aber auch auf der Gasse vor seiner Werksttte Sand streuen,
und es versammelten sich ltere und jngere Mnner, welche Pferde zu besteigen
hatten, und machten dort ihre Reitbungen. Der Schmied sa auf seinem starken
Rappen. Die Lehrmeister waren Urban und Augustin. Die Reiter liehen aber ihre
Pferde auch wieder an andere, und wurden ihre Lehrer. Witiko kam oft herzu, und
unterwies die Mnner. Zwei von ihnen durften tglich, abwechslungsweise in den
Hof des steinernen Hauses zum Unterrichte kommen, weil der Raum nicht mehrere
fate, und auf den Anger durften vier mit hinaus reiten, die er dann wie seine
Schler unterrichtete.
    Nach einigen Wochen ritt Witiko schon mit den jungen Mnnern auf allerlei
Wege, besonders auf den gegen den Thomaswald, und zeigte ihnen wie man auf einer
Flur schnell Hindernisse des Reitens besiegen knne.
    Peter Laurenz, der Schmied, David, der Zimmerer, und Sebastian, der
Schuster, verfertigten im Vereine Sttel und Zaumzeug, und lernten diese Dinge
immer besser machen.
    Witiko zeigte den Leuten auch die Pflege und den Unterricht der Pferde, und
den Gebrauch der Waffen auf ihnen.
    Wenn am Abende die Mnner bei dem Scheine der Leuchte in Witikos Stube
saen, so wurde jetzt hufig vom Reiten gesprochen, und man sagte Urteile und
brachte Neckereien vor.
    Witiko bte seine eigenen Pferde an jedem Tage auch noch besonders,
namentlich die, welche er von dem Herzoge erhalten hatte.
    Als Urban und Augustin schon so reiten konnten, da sie einem guten Pferde
nicht mehr schdlich wurden, lie er sie zuweilen auch auf seine Pferde steigen,
da sie gemach mit edlen Pferden umgehen lernten.
    Es zeigte sich nun der Schnee, er hinderte aber die Reitbungen nicht; ja es
kamen Nachrichten, da auch auf anderen Stellen des Waldes sich die Mnner im
Reiten bten.
    Als der vllige Winter gekommen war, und die Arbeiten auerhalb der Huser
bis auf das Fllen der Bume im Walde aufgehrt hatten, ging Witiko zu David,
dem Zimmerer, und fragte ihn, welches Holz er im Vorrate habe, das zu rechter
Zeit geschlagen worden sei.
    Es ist Buchenholz da, entgegnete David, der Zimmerer, es ist Holz von dem
Ahorn, der Esche, der Birke, der Eibe, der Tanne und der Fichte vorhanden. Wir
haben es im Winter vor zwei und drei Jahren geschlagen, es ist trocken und
fest.
    So richte die Stcke zurecht, aus denen Schfte fr Lanzen gemacht werden
knnen, sagte Witiko.
    Ich werde es tun, antwortete David, der Zimmerer.
    Und als das Holz geordnet war, und als es Witiko besehen hatte, schlug er
vor, da aus Balken der Buche, Esche und des Ahorns Lanzenschfte gemacht
werden. Mnner, die sich selber Schfte verfertigen wollen, mgen es tun,
anderen, die entweder nicht Zeit oder Geschick oder Geld haben, werde er sie
verfertigen lassen, und sie ihnen, wenn sie dieselben begehren, schenken.
    David, der Zimmerer, nahm nun Leute, und es wurden Lanzenschfte geschnitten
und geglttet. In verschiedenen Husern ging man daran, sich selber solche
Schfte zu machen.
    Als der tiefe Schnee in dem Walde und auf dem ganzen Lande lag, rstete sich
Witiko, fort zu reiten. Er sagte, die Mnner und Jnglinge mchten in seiner
Abwesenheit ihre Pferde fleiig ben, und wenn er zurckkomme, werde er mit
ihnen fortfahren, wie er begonnen habe. Dann ritt er mit Raimund nach Prag.
    Als drei Wochen vergangen waren, kam er wieder zurck. Er untersuchte die
Schfte, die fertig geworden waren, und gab Anleitungen, wie einiges besser
werden knne.
    Alle Tage ritt er nun aufs neue mit den Mnnern und Jnglingen in das Freie,
wo ein Pfad oder eine Bahn oder eine taugliche Flche war. Und als Mathias die
Jungfrau Barbara, die Tochter des Schenken Zacharias, heiratete, und Urban und
der Sohn des Fiedlers Tom Johannes mit ihren Geigen den Zug geleiteten, war
Witiko unter den Gsten.
    Da spter die Tage lnger wurden, ritt er an einem Morgen mit Raimund zum
zweiten Male fort. Er ritt in die Herberge an der unteren Moldau. Dort stellte
er die Pferde ein, und mietete sich eine Stube und fr Raimund eine
Schlafstelle.
    Wenn Mnner in der Herberge einsprachen, redete er mit ihnen von dem Kriege,
der gewesen ist, und der im Frhlinge wieder gegen die Feinde in Mhren beginnen
werde.
    Und so redete er noch fter bei Gelagen.
    Die Leute breiteten seine Worte aus.
    Und als an dem zweiten Tage des Monates Hornung eine groe Zahl von Gsten,
Mnnern, Frauen, Jnglingen, Jungfrauen teils, um sich an dem Festtage zu
vergngen, teils aus Neugierde, was Witiko sprechen werde, in die Herberge
gekommen waren, mischte er sich unter sie, er sa mit mehreren an einem Tische,
brachte und empfing den Grutrunk, und redete mit den Leuten.
    Als sie sehr frhlich waren, sagte er: Leute, ich mchte gerne von einem
Dinge mit euch reden, das uns alle angeht, wollet ihr mir zum Gehre sein, so
wrde es mich freuen.
    So rede, rief ein Mann in einem groben grauen Rocke und mit einem langen
weien Barte.
    Rede, Witiko, rief ein anderer, wir hren dich gerne.
    Rede, rede, riefen mehrere.
    Witiko, sagte einer, du meinst es gut mit uns, das haben wir in dem
Kriege erfahren, und du hast das Geld den Leuten gebracht, die ihre Kinder
verloren haben, und den Geschdigten sind Geschenke gegeben worden.
    So schweigt, rief jetzt ein Mann mit groben Fusten und groen Schultern,
wenn ihr redet, kann kein anderer reden.
    Als es nun stille geworden war, und die Angesichter gegen Witiko blickten,
stand er auf, nahm seine Lederhaube von dem Haupte, legte sie auf den Tisch, und
sah auf die, welche um ihn waren, und auf die, welche sich entfernter gesammelt
hatten. Dann sprach er: Mnner und Jnglinge, hret mich an, und auch ihr,
Frauen und Jungfrauen, mget es hren, was ich sage, ihr werdet mich nicht
strenge tadeln; denn ich rede von einer Sache, die Vorsicht verlangt, da nicht
ein Schaden und ein Unheil zu uns kommt. Der allmchtige Gott in dem Himmel mge
uns vor Schaden bewahren.
    Der allmchtige Gott in dem Himmel und seine Heiligen bewahren uns vor
Schaden, sagte eine Frau.
    So lat ihn zu Ende sprechen, rief der Mann mit dem weien Barte.
    Rede, Witiko, sagte ein anderer, und enthlle uns, was du weit.
    Mnner und Frauen, Jnglinge und Jungfrauen! sehet um euch, wir haben ein
schnes Wohnland. Die Bche rinnen von den Bergen, die Moldau wandelt in den
Tlern, und die groen Bume stehen daran. Wir haben Felder und Wiesen und
Weiden, und gewinnen uns unsere Nahrung. Wenn man von uns gegen Mitternacht
geht, sind Grnde, in denen der Weizen steht, und wo das Obst in Flle gedeiht;
aber in den reichen Grnden des Weizens und des Obstes ist ein Herr und Leche,
dem die Bewohner eine Burg bauen muten, dem sie die Burg erhalten und
ausbessern mssen, dem sie Wege und Stege und Brcken bauen mssen, dem sie
Getreide und Obst und Vieh und Wild und Fische liefern mssen, dem sie Grben
und Schanzen und Verhaue errichten mssen, dem sie in der Burg Wachedienst tun
mssen, dem sie streiten helfen mssen, und wenn er Feste feiert, mssen sie das
bringen, was die Gste verzehren, und wenn er reiset, mssen sie ihn und die
Seinigen beherbergen und verpflegen, und wenn er jagt, mssen sie ihn und die
Jger erhalten, und seine Hunde ernhren, und wenn ein Verbrechen begangen wird,
mu die Flur Gerichtskosten zahlen, und fr den Schaden haften. Bei uns ist nur
der hocherlauchte Herzog der Herr, dem wir kleine Gaben senden, und der uns
beschtzt. In dem Frhlinge des vorigen Jahres sind viele reiche Herren, wie der
ist, von dem ich sagte, nach Mhren gegangen, weil sie noch reicher werden
wollten, und weil der, welcher eine oder zwei Zupaneien hatte, noch mehr
Zupaneien haben wollte; denn der Herzog Wladislaw beschtzte die kleinen Mnner,
und litt nicht, da die groen alles an sich reien. Sie sind zu Konrad, dem
Herzoge von Znaim gegangen, der ihnen viele Versprechungen gemacht hat, da er
ihnen reichlich geben wolle, wenn sie ihm den Herzog Wladislaw von dem
Frstenstuhle vertreiben helfen. Sie haben ein Kriegsheer gesammelt, und sind in
dem Monate April nach Bhmen gedrungen. Zu dem Herzoge Wladislaw haben sich die
kleinen Mnner gesellt, und auch viele von den groen, denen noch Gerechtigkeit
in dem Sinne war. Auf dem Berge Wysoka ist der Streit gewesen. Nun, ihr wisset,
was dort geschehen ist, ihr seid dabei gewesen, und habet zum groen Teile das
Gute bewirket. Die Feinde haben dann die alte Stadt Prag belagert, und haben
Unheil und Verwstung gestiftet; aber der Herzog ist mit seinem Schwager Konrad,
dem Knige der Deutschen, gekommen, und sie muten nach Mhren zurck fliehen.
Der deutsche Knig ging wieder heim, und Wladislaw belohnte seine Krieger, und
entlie sie, und zeichnete sich auf, wer ihm gute Dienste getan hatte. Die
Feinde sind von der Zeit in ihren Lndern und Burgen; aber wenn der Schnee von
den Gefilden schmilzt, knnen sie wieder hervor kommen, und aufs neue beginnen.
Der Herzog Wladislaw ruft die Seinigen auf, um die Entscheidung zu gewinnen.
Wenn Konrad, der Herzog von Znaim, den Sieg erhlt, wird er seine Helfer
belohnen, und ein reicher Leche wird zu euch als Herr in den Wald kommen. Ich
meine also, Mnner unserer Fluren, wir sollten, so viele wir es vermgen,
aufstehen, und zu dem gtigen Herzoge Wladislaw gehen, damit ein Kriegsheer
werde, das nach Mhren eile, ehe es sich die Feinde versehen, und sie
niederwerfe, und ihnen die Macht und alles nehme, was zur Vergeltung notwendig
ist, und da sie nicht mehr schaden knnen. Der Herzog wird dann immer ein
Freund der Geringen sein, er wird mit uns leben, und wir werden mit ihm leben.
Und wenn er uns einen Herrn sendet, so wird er von einem kleinen Geschlechte
sein, das uns liebreich ist, das Kirchen stiftet, ein wohlttiges Kloster baut,
und das Leben in dem Walde versteht. An vielen Stellen rsten sie schon, weil
sie so denken wie ich, und meine Meinung ist, wir sollten die Sache in unserem
Haupte berlegen, und nach dem Sinne verfahren, der uns eingegeben werden wird.
So rede ich, der ich mit Sorgfalt auf das sehe, was geschieht, und auf das, was
geschehen wird.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, setzte er seine Lederhaube wieder auf
das Haupt, und nahm seinen Platz auf der Bank wieder ein.
    Es war eine kurze Zeit eine Stille. Dann sagte ein alter Mann: Ich habe mir
das auch schon so ein wenig gedacht, was du gesagt hast, Witiko.
    Mir sind die Gedanken auch schon in dem Kopfe gewesen, sagte ein anderer.
    Ich habe auch darauf gedacht, und das ist so eine Sache, sagte wieder
einer.
    Das ist so eine Sache, sagte ein sehr alter Mann.
    Die Dinge mssen wir sehr berlegen, sagte ein Mann, der ebenfalls hoch in
den Jahren war.
    Wir begreifen sie nicht recht, und uns achten die Herren nicht, sagte ein
anderer.
    Es ist nur, da man davon redet, sprach wieder ein anderer.
    Da man redet, und wir drfen reden, und wir reden auch, sagte wieder
einer.
    Wir reden davon, und wir denken daran, sagte einer, der neben Witiko sa.
    Und wir sollen es recht berlegen, das ist eine Sache, das ist so eine
Sache, sagte ein anderer.
    Das ist leicht berlegt, sprach ein junger Mann, wer mitziehen will, der
zieht mit.
    Die Herren haben einen Streit, und der Streit geht uns an, sagte ein
lterer Mann.
    Wir mssen in dem Streite mit tun, und mssen in dem Streite entscheiden,
und mssen etwas lenken, da sie mit uns nicht tun drfen, wie sie wollen,
sagte ein Mann in den mittleren Jahren.
    Die Felder und die Wiesen und die Hausarbeiten sind auch zu betrachten,
sagte ein lterer Mann.
    Und wer wei denn genau, was der Streit eintrgt, sagte ein anderer.
    Wir mssen mitreden drfen, wenn alles aus ist, wir mssen den Herren sagen
drfen, was wir wollen, wir mssen unsere Sache verteidigen drfen, rief ein
junger Mann, und es braucht nicht ein jeder mitzugehen; wer nicht den Mut hat,
bleibt daheim.
    Nach diesen Worten sprangen mehrere junge Mnner von den Bnken auf.
    Wir mssen unsere Sache verteidigen, rief einer.
    Wir mssen uns verteidigen, rief ein anderer.
    Wir mssen erlangen, was wir wollen, rief wieder einer.
    Wer Mut hat, steht ein, und gewinnt sich, was er begehrt, rief einer.
    Wer Mut hat, steht ein, und gewinnt, rief ein anderer.
    Er gewinnt, und wir haben Mut, rief wieder einer.
    Wir gehen zu Wladislaw, wir streiten, wir rsten, Witiko hat recht,
riefen mehrere durcheinander.
    Dann folgten Rufe mit unverstndlichen Worten.
    Als es stiller geworden war, sprach der Greis mit den weien Haaren: Hret
mich an.
    Nach diesen Worten wurde es ganz stille, und der Greis sagte: Witiko, du
kennest mich, ich bin der Wenhart von der Friedau, ich bin in dem Kriege
gewesen, der mit dem Herzoge Swatopluk und der mit dem Herzoge Boriwoy und der
mit dem Herzoge Wladislaw gewesen ist, mit dem frheren Herzoge Wladislaw. Die
Wohnungen haben gebrannt, die Tiere sind auf den Hfen geschlachtet, und ihr
Fleisch ist vergeudet worden, die Saatfelder waren zerrttet, was fleiige Hnde
zur Bedeckung des Leibes gewebt haben, ist geraubt und verschleppt worden, die
Weiden, die Anger, die Kruter waren niedergetreten und erstorben. In den Wald
ist kein Unglck herein gekommen; aber es knnte herein kommen, und wir knnten
es dann in vielen Jahren nicht gut machen, weil wir das Geld nicht verwenden
knnten. Wir mssen daher wehrhaft sein.
    Es ist Weib und Kind, Haus und Hof, Feld und Wald, was zu verteidigen ist,
sagte Witiko.
    Wir mssen vorbereitet sein, sprach Wenhart, wir mssen rsten, und
mssen gegen die Feinde sein wie gegen die Wlfe. Weil es aber nicht genug ist,
da wir vor dem Walde stehen, und warten, bis die Feinde kommen; denn dann
wrden sie uns besiegen, weil unsere Zahl zu geringe ist, so mssen wir zu dem
gutherzigen Wladislaw gehen, und ihn verstrken, wie ihn viele verstrken, da
der Feind von vielen abgewendet sei. Und du, Witiko, bist gegen den armen Simon
vom Reutschlage, den sie gettet haben, mild gewesen, und hast seinen Leuten das
Geschenk des Herzoges gebracht, und du hast die Mnner aus dem Walde auf dem
Berge Wysoka angefhrt, und sie haben dir gehorcht, und du wirst sie wieder
anfhren, wenn sie es wollen, und sie werden dir wieder gehorchen. Und wenn fr
uns ein Herr in den Wald kommen sollte, so komme du, Witiko; du hast in Plan
gearbeitet, und wirst bei uns wieder arbeiten. Und die Weissagungen sind, von
denen Huldrik, der dein Vogt in dem Hause des Wangetschlages ist, erzhlt hat,
da von Witiko das Glck in den Wald kommen wird. So meine ich, und so glaube
ich, da viele meinen sollten.
    Ich meine so, rief der Mann mit dem starken Krper und den starken Hnden.
    Ich meine auch so, rief ein anderer.
    Sie sollen nicht unser Korn und unser Heu und unsere Lmmer und unsere
Rinder nehmen, sagte ein alter Mann.
    Wir drfen nur einen Herrn unter uns haben, der so ist wie wir, rief der
groe junge Mann.
    Ja, der so ist wie wir, rief ein anderer.
    Wir sind keine Hundewrter, wir sind keine Gebietseigenen, wir sind keine
Schlowchter, sondern betreuen unsere Felder, rief ein Mann, der einen sehr
groben Rock auf dem Leibe und eine sehr alte Filzhaube auf dem Kopfe hatte.
    Eher znden wir die Wlder an, rief ein goldblonder Jngling.
    So wehrt euch, schrie eine alte Frau, die an dem untern Ende des Tisches
sa.
    Sagt dir denn jemand, da wir uns nicht wehren werden, Susanna? rief ein
anderer Jngling, wir werden uns wehren, als seien wir ein einziger Mann, und
werden unsere Kraft anwenden, und der alte Wenhart sagt recht, Witiko soll uns
wieder anfhren.
    Wir werden zusammen halten, rief ein Mann mit grauen Haaren, wie wir
zusammen gehalten haben, und es ist wahr, Witiko soll uns wieder anfhren. Oder
sagt jemand anders?
    Nein, niemand sagt anders, Witiko soll unser Fhrer sein, rief der Mann
mit den starken Hnden.
    Ich sage auch so, rief der mit dem groben Rocke.
    Witiko soll der Fhrer sein, rief der goldblonde Jngling.
    Ich sage, Witiko soll uns fhren, rief ein alter Mann, er hat uns besser
gefhrt, da auf dem Berge der grne Mann gettet worden war, als uns vor ihm der
grne Mann gefhrt hat.
    Witiko, der Fhrer, riefen mehrere.
    Witiko, der Fhrer, riefen fast alle.
    Und Witiko soll als der Herr in den Wald kommen, und soll der Leche sein,
der gutttig ist, rief der Mann mit dem groben Rocke.
    Witiko soll der Leche sein, rief der mit den starken Hnden.
    Er soll es sein, rief ein alter Mann, und soll nicht leiden, da ein
anderer komme.
    Witiko soll der Leche sein, rief der groe junge Mann.
    Witiko, der Leche, riefen mehrere.
    So tut alles behutsam, und fhret doch alles in der Ordnung, da es zu
einem gedeihlichen Ende komme, sagte der Mann, welcher gemahnt hatte, da man
auch die Felder und Wiesen und die huslichen Arbeiten betrachte.
    So lasset doch Witiko sprechen, rief jetzt der alte Wenhart von der
Friedau.
    So sprich, Witiko, rief der starke Mann.
    Sprich, rief der blonde Jngling.
    So sprich, Witiko, rief ein anderer Jngling.
    Sprich, riefen mehrere.
    Witiko gab mit der Hand ein Zeichen, und da es stiller geworden war, sagte
er: Mnner, Leute, hret mich. Hre mich, Wenhart. Ich habe dich frher nicht
gekannt; jetzt aber kenne ich dich. Es ist wahr, was du gesagt hast. Weil die
Feinde von Mhren gegen Bhmen heran ziehen knnen, und wenn sie immer weiter
zgen, und wenn sie in den Wald herein kmen, so wrde das alles werden, was du
in dem Kriege gesehen, und was du erzhlt hast. Das mssen wir abwenden. Es ist
aber nicht ntig, da ihr die Wlder anzndet. Macht aus starkem Holze
Lanzenschfte, und befestiget die Eisenspitzen daran, richtet Keulen und Hmmer,
schmiedet Schwerter, und nhet aus dickem Tuche die Streitgewnder. Zugleich
aber bet euch, in festem Zusammenschlusse zu stehen, zu gehen, und vorwrts zu
dringen. Da ihr nicht zurckweichet, wei ich ohnehin.
    Nein, wir weichen nicht, rief der goldblonde Jngling.
    So lasse Witiko sprechen, schrie Wenhart.
    Und die Pferde haben, sagte Witiko, die sollen fleiig reiten, da sie
und die Pferde es gewhnen. Und wenn dann der Herzog Wladislaw ruft, und wenn er
gegen die Feinde nach Mhren zieht, so gesellet euch zu dem Heere, und macht
Gebrauch von den Dingen, die ihr vorbereitet habt. Und wenn ihr es wollet, da
ich euch geleite, und da ich euch einige Ratschlge gebe, so werde ich es gerne
tun, und werde bei euch sein wie im vorigen Frhlinge, wenn es der Herzog nicht
anders gebietet. Und Gott und die Heiligen im Himmel werden das Rechte
beschtzen, ihr werdet mit Wladislaw siegen, und der Wald wird unser bleiben,
und er wird Vergeltung erhalten.
    Gott und die Heiligen werden uns schtzen, riefen mehrere Frauen.
    Unterbrecht Witiko nicht, rief Wenhart.
    Und der Herzog, der Herr des Waldes, sprach Witiko, wird euch nicht
bedrcken, die ihr ihm geholfen habt, und wird euch keinen Bedrcker senden. Ich
strebe nicht darnach, da ich Untertanen in dem Walde habe. Wenn es mein Glck
fgt, werde ich in dem Walde wohnen, werde dort arbeiten, und mich meiner Arbeit
freuen.
    Witiko ist ein Mann, schrie die alte Susanna.
    Witiko ist ein Mann, riefen mehrere Mdchen.
    Ja, er ist es, rief ein alter Bauer, aber mischt euch nicht ein.
    Witiko, ich bringe dir den Bundestrunk, sagte ein Mann, der eine
Lammshaube und einen Lammspelz hatte.
    Er reichte Witiko seinen Krug hin.
    Ich nehme den Trunk an, sagte Witiko.
    Er fate den Krug, und trank ein wenig daraus.
    Witiko, ich bringe dir den Trunk, sagte ein anderer.
    Witiko tat wieder Bescheid.
    Ich bringe dir den Trunk, Witiko, riefen mehrere.
    Und so riefen endlich alle.
    Witiko fate den Krug eines jeden, und nippte daraus.
    Jetzt trat Raimund in die Stube, und mit ihm war Jakob, der Knecht Huldriks,
der von dem Wangetschlage in die untere Moldau herauf gekommen war.
    Mehrere von den Gsten boten den zwei Mnnern den Grutrunk an, und er ward
von ihnen angenommen.
    Setzet euch zu uns an den Tisch, es ist noch Platz, sagte der Mann mit den
starken Hnden.
    Und die Mnner rckten etwas nher an einander, und Jakob und Raimund
setzten sich an den Tisch.
    Und die Tochter des Schenken brachte ihnen einen Krug mit Bier.
    Jetzt erhob sich ein Mann von seinem Sitze, der in Lmmerfelle gekleidet
war, reichte Witiko die Hand, und sprach: Ich bin der Richter von dem schwarzen
Bache, und wir werden schon so tun, wie du gesagt hast.
    Und wir werden zu der Heiligen Jungfrau an dem braunen Steine und an dem
kalten Wasser der Alsch beten, sagte eine alte Frau.
    Der Richter von dem schwarzen Bache setzte sich wieder nieder.
    Ein anderer Mann aber sagte: Ich bin der Richter von der Mugrauer Heide,
und ich gedenke, da wir uns vorbereiten werden.
    Die in Stuben werden nicht fehlen, wie die Weissagungen sind, sagte wieder
ein anderer Mann.
    Und wir haben auch Bume und Lammswolle und Schmieden, sagte einer.
    Der Rat ist berall ein gutes Ding, wenn man ihn vernnftig befolget,
sprach ein anderer.
    Rat befolgen oder nicht, jeder rt sich selber. Die in der Steinleithe und
in den Waldhusern des Heurafels sind auch immer Mnner gewesen, sagte einer
mit rtlichen Haaren.
    Und die vom Rathschlage haben ihren Nachbarn stets geholfen, sagte ein
sehr alter Mann, der ganz weie Haare hatte.
    Ja, da wir in den Stubnerhusern das groe Feuer hatten, sind alle
gekommen, sagte ein anderer.
    Und die alten Leute, die vor Zeiten gelebt haben, sind auch nicht Toren
gewesen, rief jetzt eine sehr alte Frau, welche neben Susanna am unteren Ende
des Tisches sa, wenn die Fsser um Mitternacht in dem Mnchgraben daher
rollten, und sehr schwarz waren, und immer grer wurden, wenn der Kiebitz in
den Mooswiesen schrie, wenn in dem Scheine des Vollmondes nach dem Tage des
heiligen Bartholomus der Wassermann auf dem Rande des Moldauufers sa, und sich
seine grnen Haare kmmte, wenn der Tule von Plan den schwarzen Mann von dem
Hammer bis zu den Badehusern tragen mute, wenn man immer ein Weinen hrte, und
die Hunde sich nicht aus den Husern getrauten, so waren das Zeichen, und auf
die Zeichen mu man achten, und die Zeichen werden wieder kommen, und es sind
seltsame Dinge geschehen, der alte Wossic in Wodnian, der auf der Zupanei sitzt,
und alles hat, was sich ein Mensch wnschen kann, hat einen Vorfahrer gehabt,
der Holzschuhe gemacht hat, und der alte Lubomir, der in Daudleb ist, stammt
auch von einem Manne, der Pech gesammelt hat, und mit dem Herzoge Samo in den
Krieg gezogen ist, und dann eine weie Reigerfeder und einen goldenen Grtel
getragen hat. In dem Hause des gelben Melchior an dem hinteren Glckelberge ist
schon ein hlzerner Lffel von dem Ofensimse, auf dem er trocknen sollte,
freiwillig in die Stube gesprungen, und in dem Bufferwalde hat sich eine Buche
in der Richtung, wohin Mhren liegt, weggebogen, und hat sich gegen uns herein
geneigt.
    Die Jnglinge und die Mnner und die alten Mnner sollen nur tun, was in
der Mglichkeit ist, schrie die alte Susanna, und dann wird jedes Ding recht
werden. In unsern Zeiten haben sie sich vor nichts gefrchtet, und werden sich
auch jetzt vor nichts frchten. Wir werden fr sie die Raben zhlen, und in die
Abendrte schauen, und die Mdchen sollen fr sie beten, und ihnen rote Bnder
ziehen, wenn sie heimkehren, und sie sollen fremde Sachen bringen, und wir haben
niemanden ntig, der so ist wie der alte Wossic in Wodnian und der alte Lubomir
in Daudleb.
    Wohin liegt denn Mhren? fragte eine Frau in dem mittleren Alter, welche
neben dem Manne mit dem groben Rocke sa.
    Da mut du gegen den neuen Kirchenschlag gehen, Azela, sagte der Richter
von der Mugrauer Heide, und dann durch den Wald immer fort, bis du in den
Wetternhof kmmst, wo Diet ist, und dann gegen die krumme Au, und dann gegen
Daudleb, wo kein Wald mehr ist, und dann ist eine Zupe, die Chynow heit, wohl
einen Tag httest du zu gehen, da die Morgensonne an deiner rechten Hand ist,
und dann httest du gegen die Morgensonne zu gehen, wohl einen Tag oder zwei,
und dann kmest du an das Land Mhren.
    Ist es fruchtbar? fragte der Mann mit dem groben Rocke.
    Wohl fruchtbarer als du denkst, sagte der alte Wenhart von der Friedau.
Jetzt sind die Frsten dort, die von unserem Herzogsgeschlechte abstammen, und
es mu uns dienen. Aber einmal ist es ein starkes Reich gewesen, es ist
Swatopluk dort gewesen, aber nicht der Swatopluk, mit dem ich in den Krieg
gezogen bin.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, stand ein Mann auf, welcher eine weie
Lammshaube und einen weien Lammspelz trug, und lederne Beinbekleidungen und
starke Stiefel hatte. Der Mann sprach: Leute, ich mu euch etwas sagen. Mein
Weg ist der weiteste. Ich mu noch bis gegen den Kienberg in mein Steinhauerhaus
hinab, und mu jetzt fortgehen, und mein Bruder auch. Wir sind in Baiern im
Aigen wegen der groen Wasserkufe gewesen. Der Krmer, der mit dem zweirdrigen
Wagen fhrt, vom Hauzenberge, vom Breitenberge, vom Berge des heiligen Ulrich,
und da herum, hat uns erzhlt, ehe wir durch den Wald der Schnebene heraus
gingen, wie es in Mhren ist. Der Herzog Wratislaw von Brnn ist ein
entsetzlicher Mensch. Er wirft alle nieder, die sich ihm widersetzen. Den
hochehrwrdigen Bischof Zdik von Olmtz haben sie erschlagen wollen, und ein
Zuber voll von Edelsteinen htte ihn nicht erretten knnen, wenn er nicht zu dem
hochehrwrdigen Bischofe von Passau geflohen wre. Gehabet euch wohl, ich mu
mich sehr sputen. Was ist meine Schuldigkeit, Lukas?
    Dreizehn Pfennige, sagte der Schenke.
    Hier sind dreizehn Pfennige, sagte der Mann, lebet wohl.
    Lebe wohl, Andreas, sagte der Richter von dem schwarzen Bache, bringe den
Leuten an der weiteren Moldau unten im Walde unsern Gru.
    Ich werde ihn bringen, antwortete der Mann.
    Lebe wohl, riefen mehrere.
    Lebt wohl, sagte der Mann.
    Und er ging mit dem, der neben ihm gesessen war, von der Bank zwischen den
Mnnern und dem Tische heraus, nherte sich der Tr, und entfernte sich mit
seinem Genossen durch dieselbe.
    Als dieses geschehen war, sagte der Richter von der Mugrauer Heide: Es wird
Zeit sein, da wir auch unsern Weg antreten, wir haben zwei Stunden zu gehen,
und auf dem Schneepfade wohl noch mehr. Es ist wahr von dem hochehrwrdigen
Bischofe, das sind schwere Zeiten, er tut in einem groben Gewande Bue in
Passau.
    In der Kirche ist er in groem Schmucke, sagte ein Mann.
    Das mu sein, des Gottesdienstes willen, antwortete ein anderer.
    Und dann gehen wir auch gleich mit, sagte der Richter von dem schwarzen
Bache, weil ihr ohnehin ber den schwarzen Bach geht, und durch Reden die Zeit
krzer wird.
    Wir gehen ber den schwarzen Bach, und geht mit, sagte der Richter von der
Mugrauer Heide.
    Dann gehen auch die vom Eckschlage mit, weil sie in euerem Wege sind,
sagte ein Mann.
    Sie knnen mitgehen, sagte der Richter vom schwarzen Bache.
    Und mehrere Mnner zahlten dem Schenken, was sie fr ihre und der Ihrigen
Zehrung schuldig geworden waren, und dann verabschiedeten sich Mnner und
Frauen, die von der Mugrauer Heide waren, und die vom schwarzen Bache waren, und
die vom Eckschlage waren, und verlieen die Stube.
    Wir von der Steinleithe haben einen noch weiteren Weg, und gehen doch noch
nicht fort, sagte der mit den rtlichen Haaren.
    Aber wir gehen, sagte Wenhart von der Friedau, Witiko, gehabe dich wohl,
und denke unserer Sache.
    Ich werde denken, antwortete Witiko, und gedenke du auch.
    Ich vergesse nicht, sagte Wenhart.
    Darauf bezahlte er seine Schuld, und ging mit einigen Mnnern und einer Frau
und einem Mdchen fort.
    Es gingen dann noch mehrere fort, und die alte Susanna und die alte Frau,
welche von den Zeichen gesprochen hatte, gingen fort.
    Andere Menschen kamen wieder, und setzten sich an einen Tisch.
    Endlich gingen auch die von der Steinleithe ihres Weges, und es waren nur
noch wenige Mnner da, und darunter waren solche, deren Heimat in der unteren
Moldau selber war.
    Witiko erhob sich von seinem Sitze, und ging zu einem Fenster.
    Der Knecht Jakob folgte ihm.
    Du bist also doch heute wieder herauf gekommen, sagte Witiko.
    Euer Verweser Huldrik sagt, da es sich ziemt, da er mich alle Tage, die
Ihr in der Herberge seid, zu Euch schickt, ob Ihr nichts befehlet, antwortete
Jakob.
    Ja, ich befehle etwas, sagte Witiko, melde Huldrik, da er niemanden mehr
herauf schickt, ich werde selber bald in den Wangetschlag kommen.
    Ich werde es vermelden, sagte Jakob.
    Und nun gehe, sprach Witiko.
    Ich gehe, und gehabt Euch wohl, antwortete Jakob.
    Gehabe dich wohl, und gre Huldrik, sagte Witiko.
    Ich werde es tun, entgegnete Jakob.
    Darauf reichte er an Raimund seine Hand, verlie die Stube, und begab sich
auf seinen Weg nach dem Wangetschlage.
    Witiko aber ging von der Herbergstube in seine Kammer.
    Als der Morgen des anderen Tages gekommen war, untersuchte er den Weg, der
von der unteren Moldau durch den Wald zu der Stelle des heiligen Thomas empor
fhrte. Der Pfad war nirgends zu erkennen. Der Schnee war hoch ber ihn
gebreitet, wie er ber alle andern Grnde gebreitet war.
    Dann untersuchte er die anderen Wege, welche in verschiedenen Richtungen von
der unteren Moldau durch den Wald nach abwrts fhrten.
    Nun begannen die Mnner in der unteren Moldau und im Rathschlage und im
Reutschlage und an dem schwarzen Bache und auf der Mugrauer Heide und in
Friedberg und in der Friedau und in der Steinleithe und gegen die Waldhuser des
Heurafels und weiter hinab aus Eschen oder Ahornen oder anderem zhen Holze
Lanzenschfte und Keulen zu machen, Lanzenspitzen und Schwerter zu schmieden,
Riemzeug zu schneiden, Bogen und Armbruste, Pfeile und Bolzen zurecht zu
richten, Stiefel zu machen, aus Filz und aus Wolltuche Hauben und Gewnder zu
nhen, und auf Pferden, wo sie vorhanden waren, zu reiten.
    Als diese Dinge geschahen, bestieg Witiko in der Herberge der unteren Moldau
sein Pferd, und ritt mit Raimund in den Wangetschlag.
    Dort ritt er gegen sein Huschen. Auf dem flachen Dache lag der Schnee, und
man konnte es von dem Schnee in den Gefilden kaum unterscheiden. Ein dnner
blauer Rauch ging von dem Schornsteine empor.
    Als die zwei Mnner an dem Huschen angekommen waren, standen Huldrik und
Jakob und Regina vor dem Tore, sie zu empfangen.
    Wir haben nach Euch ausgeschaut, sagte Huldrik, und haben Euch kommen
gesehen. Weil Ihr die Gebhr, da ich nach Euern Befehlen fragen lasse, verboten
habt, konnten wir den Tag Eurer Ankunft nicht wissen. Seid gegret, Witiko. Ihr
seid in dem Kriege gewesen, Ihr seid in mehreren Lndern gewesen, und msset
wieder zu Euerem Hause in den Wangetschlag kommen.
    Ich bin gekommen, dich wieder zu sehen, und die Unsrigen hier zu sehen, und
unser Haus zu sehen, sagte Witiko.
    Ihr seid gekommen, weil es so ist, entgegnete Huldrik, und ich habe schon
Sorge getragen, da Eure Pferde in einen guten Stand gelangen, so wie das Pferd
Jakobs, das er im Kriege erhalten hat, auf einem guten Stande ist. Wir haben
dieses Jahr an dem Gelasse gemauert. Sttzet Euch nur auf mich, Witiko, da Ihr
bei dem Absteigen nicht auf dem Eise gleitet, wohin Regina immer das Splwasser
giet.
    Ich werde mich nicht auf dich sttzen, sagte Witiko, sondern es trete
Jakob herzu.
    Jakob, diene dem Herrn, rief Huldrik, ich aber werde den Zgel halten.
    Jakob ging an die Seite Witikos, um ihm zu helfen; Huldrik aber fate den
Zgel des Pferdes.
    Witiko stieg mit einem leichten Tritte von dem Pferde, und stand auf dem
glatten Boden des Eises.
    Raimund stieg auch von seinem Pferde.
    Nun fhret die Pferde durch das Tor hinein, sagte Huldrik, aber haltet
euch rechts, da die Eiszapfen des Daches die Sttel nicht streifen.
    Raimund und Jakob fhrten die Pferde durch das Tor in den Hof. Witiko ging
nicht durch die Tr in das Haus, sondern folgte den Pferden. In dem Hofe wurden
die Pferde gegen einen Zubau gefhrt, der an den Stall angefgt worden war.
    Witiko sah, da vier Pferde in diesem Raume stehen konnten.
    Es ist gut, Huldrik, sagte er, da du diese Sorgfalt getroffen hast.
    Es mute fr diese Zeit Sorge getragen werden, bis alles fertig ist, und
sich alles vollendet, erwiderte Huldrik.
    Sie brachten die Pferde in den Stall, und begannen, sie zu versorgen.
    Dann ging Witiko in die Stube.
    Die Wnde der Stube waren frisch getncht worden, da sie ganz wei
glnzten, die Fensterscheiben waren gereinigt, da das Licht, so hell es der
Winter geben konnte, herein schien, der Fuboden war gewaschen, und der
Buchentisch war so gescheuert, da keine Makel an ihm war.
    Die Stube ist ja wie an einem hohen Festtage, sagte Witiko.
    An der unteren Moldau ist nur eine Herberge, antwortete Huldrik; das aber
hier ist Euer Eigen, in dem Ihr seid, und das dauert, und immer anders wird, bis
sich die Zeiten erfllen.
    Mgen die Zeiten immer Gutes bringen, sagte Witiko.
    Sie werden Gutes bringen, antwortete Huldrik, lasset es Euch hier
gefallen, wie es sich wandelt, bis alles geschehen ist.
    Witiko nahm seine Haube von dem Haupte, und setzte sich an den Buchentisch.
    Regina wird Euch ein Mittagessen bereiten, sagte Huldrik; es wird aber
heute eine lngere Zeit vergehen, bis es fertig wird, als sonst.
    Ich drnge Regina nicht, antwortete Witiko.
    Wir suchen die Dinge wahrzunehmen, wie es sein kann, sagte Huldrik.
    Witiko ging indessen noch einmal zu den Pferden.
    Als die Speisen bereitet waren, brachte sie Regina auf den Tisch. Sie waren
gebratenes Wild und Fische. Dazu wurde Wein gestellt.
    Witiko verlangte, da auch die Speisen der andern auf den Tisch gestellt
wrden, und da dann alle mit einander das Mittagmahl verzehrten.
    Weil Ihr es befehlt, so mu es sein, sagte Huldrik.
    Die Speisen wurden auf den Tisch gebracht, und Witiko und Huldrik und
Raimund und Jakob und Regina setzten sich zu denselben.
    Du mut das Gebet sprechen, Huldrik, sagte Witiko.
    Huldrik tat es.
    Dann wurde das Mahl eingenommen, und Witiko teilte jedem von seinen Speisen
und seinem Weine mit. Nach dem Mahle sprach Huldrik wieder das Gebet.
    Da sie noch an dem Tische blieben, sagte er: Eure Vorfahrer haben die
Ihrigen geliebt, und sind von ihnen wieder geliebt worden. Und so geschieht
alles. Da der erste Witiko in den Wald geritten ist, sind Gold und Edelsteine an
den Zgeln seines Pferdes gewesen, und Ihr seid auch zu diesem Hause geritten.
    Die Zeiten sind ungewi߫, sagte Witiko, wer wei es, wann ich wieder
kommen kann.
    Ihr werdet kommen, sagte Huldrik; denn Ihr habt Milch und Honig an dem
Buchentische gegessen. Und es werden viele da sein, Euch zu sehen.
    Deine Gedanken bringen Menschen in die Einsamkeit des Waldes, Huldrik,
sagte Witiko.
    Die Rosen haben in Rom herrlich geblht, erwiderte Huldrik, die Rosen
sind hieher gebracht worden, und haben hier auch zur Lust geblht, und die Rose
wird Dinge und Kleinodien aus Welschland bringen.
    Die Rose mchte erst ihre Bltter ffnen, sagte Witiko.
    Ihr werdet noch oft in Euerm Schllein da sein, wie es sich verwandelt,
antwortete Huldrik, wo das Schlo voll Pracht gestanden ist, wo das Jagdschlo
gewesen ist, wo die goldne Burg sein wird, und wo die fnf roten Bltter allen
Raum bedecken werden.
    Du siehest in seltsame Zeiten, Huldrik, sagte Witiko.
    Ihr habt Mnner gesammelt, und seid in den Krieg gegangen, entgegnete
Huldrik, sie sehen auf Euch, und die Jungfrau aus dem starken und groen
Geschlechte wandelt schon fr Euch an dem Rande des hohen Waldes, und Raimund
freut sich des Bildes, das Euch in der Wildnis ist, und ich freue mich, und
Jakob freut sich, und Regina freut sich.
    Huldrik, sagte Witiko, zeige mir die Dinge in dem Hause, wie sie seit der
Zeit, in der ich hier gewesen bin, geworden sind.
    Ihr befehlet es, und ich gehorche, antwortete Huldrik.
    Dann setze deine Haube auf, damit dein Haupt nicht von der Klte Schaden
leidet, sagte Witiko.
    Ich werde es tun, entgegnete Huldrik.
    Witiko stand auf, und die andern erhoben sich auch von dem Tische.
    Witiko bedeckte sich mit seiner Haube, Huldrik setzte auch seine graue
Filzhaube auf, und beide Mnner verlieen die Stube.
    Huldrik fhrte Witiko in alle Rume des Hauses. Witiko besah alles, und
belobte ihn und die Seinigen.
    Die Felder und die Wiesen und den Wald werde ich besehen, sagte er, wenn
ich einmal des Sommers hier bin, und die Gewchse auf ihnen grnen.
    Tut es so, antwortete Huldrik, und Ihr werdet dann in den Umliegenheiten
sehen, da ein guter Grund zum Bauen ist, und wie jetzt die Wlder in die
Fenster des Hauses schauen, so wird der Nahleswald, der Bhelwald, der
Thomaswald und das fernere Hochficht von einer Seite, der Blckenstein und der
Seewald und der Hausberg von der andern Seite, und der obere Wald und der
Blansko von der dritten Seite in zahlreiche groe und breite Fenster schauen,
die hoch oben in glatten Mauern sind, und die Bume und die Gestruche
berragen.
    Weil schon die Dmmerung beginnt, sagte Witiko, so lasse ein Licht auf
der Leuchte der Stube anznden.
    Ich werde ein Licht anznden lassen, entgegnete Huldrik.
    Die zwei Mnner gingen in die Stube.
    Huldrik befahl, da Regina mit Splittern des fetten Kienholzes der
Fhrenstcke ein Feuer auf der Leuchte errichte.
    Regina tat es.
    Und als das Feuer brannte, setzten sich Witiko und Huldrik und Raimund und
Jakob und Regina an die Leuchte.
    Nach einer Zeit kam ein Mann herein, um Witiko zu sehen und zu besuchen.
Spter kam wieder einer, und dann kamen mehrere, und endlich so viele, da die
Stube kaum hinlnglich Raum gab. Jakob und Regina trugen die Gesiedel aus dem
ganzen Hause zusammen, und die Mnner saen umher, aen Brod und Salz des
Hauses, und Witiko redete mit ihnen von verschiedenen Dingen, und von dem
Kriege, der im Frhlinge gewesen ist, und der im nchsten Frhlinge sein wird.
    Die den weitesten Weg hatten, zndeten zuerst eine Leuchte an, und
verfolgten ihre schneeigen Pfade nach heimwrts.
    Dann gingen andere, und zuletzt alle.
    Witiko dankte ihnen fr den Besuch, und bat sie, wieder zu kommen.
    Da die Mnner fort waren, ging er in seine Kammer, entkleidete sich, und
legte sich auf dem Gestelle zur Ruhe, auf welchem ihm Regina aus Stroh und
Fellen und weien groben Linnen ein Lager bereitet hatte. Die andern Bewohner
des Hauses suchten auch ihre Schlafstellen.
    Als am Abende des zweiten Tages Milch und Brod gegessen worden war, als im
Ofen ein Feuer brannte, und als man die Kienstcke auf der Leuchte angezndet
hatte, kamen wieder Mnner, und es kamen an diesem Abende noch mehr, als an dem
vorhergegangenen Abende gekommen waren.
    Und so geschah es an dem Abende des dritten Tages und des vierten Tages und
des fnften Tages.
    An dem fnften Tage verabschiedete sich Witiko von den Mnnern, und sagte:
Ich reite morgen von diesem Hause fort. Ich werde stets der Worte gedenken,
welche ihr hier gesprochen habt, und bitte euch, da ihr auch dessen mget
eingedenk sein, was ich geredet habe.
    Darauf sagte ein alter Mann mit roten Wangen und weien Haaren: Du bist
gut, junger Witiko, und hast einen treulichen Sinn fr uns. Wir werden aller
Dinge gedenk sein, und was getan werden mu, das wird getan werden, es wird
nichts fehlen, und wir werden schon bestrebt sein. Und so gehabe dich wohl.
    Gehabe dich wohl, Johannes, sagte Witiko, und erhalte dir deine
Gesundheit.
    Wie es Gott will, antwortete der alte Mann.
    Reite mit Gott, Witiko, sagte ein anderer alter Mann, wir werden nicht
vergessen, und komme bald wieder.
    Ich komme, wenn es in der Mglichkeit ist, sagte Witiko.
    Du bist ein gerechter Mann, Witiko, sprach ein Jngling, und wir werden
auch tun, was man nicht schmhen kann.
    Du hast auf dem Berge Wysoka gut gewaltet, und wirst wieder gut walten,
sprach ein anderer.
    Reite wohl, und wenn du wieder kommst, so bleibe lange bei uns, sagte ein
Mann, der ein kleines Huschen im Wangetschlage hatte.
    Ja, bleibe recht lange bei uns, sagte ein Greis.
    Bleibe bei uns, und siehe, wie es bei uns ist. In dem Walde ist es nicht
schlecht, sprach ein Mann, der groe starke Holzschuhe an den Fen hatte.
    In dem Walde ist ein annehmbares Wohnen, sagte Witiko.
    Wir halten zusammen, sprach ein alter Mann.
    Tut immer so, sprach Witiko, und es wird recht sein, und jeder rechte
Mann, der sich bei euch niederlt, wird auch zu euch halten.
    Das wird er tun, sprach der Mann.
    Gott beschtze dich in der schweren Zeit, die kommt, sagte ein Greis.
    Gott beschtze dich, riefen mehrere.
    Gott beschtze euch, und mgen wir uns frhlich wieder sehen, rief Witiko.
    Und als alle ihren Abschiedsgru gesagt hatten, und als die Stube leer war,
legte sich Witiko zum letzten Male fr diese Zeit in seiner Kammer zur Ruhe.
    Am nchsten Tage ritt er mit Raimund in den Ort Friedberg.
    In Friedberg war er drei Tage.
    Dann ritt er noch weiter in den Wald hinunter, wo Huser waren, die hie und
da an Bchen lagen, die aus Tlern hervor sprudelten.
    Als er auf die Erhhung gekommen war, auf welcher die Stifthuser lagen, von
denen ein Bach, den sie die kleine Mihel hieen, gegen Mittag flo, um sich in
dem Lande Baiern mit der groen Mihel zu vereinigen, wendete er sich um, und
ritt wieder nach Friedberg zurck.
    Es war ein Saumpfad, der von Friedberg durch den hohen Wald nach Baiern
hinaus fhrte, und der auch im Winter betreten und gangbar war. Auf diesem Pfade
ritt Witiko durch den Wald hinan, bis er zu der Stelle gelangte, auf welcher die
Sule des heiligen Apostels Thomas gestanden war.
    Auf dieser Stelle hielt er an.
    Er blickte vor sich nach Baiern hinaus. Es waren dunkle und weie Streifen
bis an die Alpen dahin. Die Alpen waren blauer und schrfer, als er sie im
Sommer gesehen hatte, und der Schnee war klar in ihren Spalten, in ihren Mulden,
und auf ihren sanften Hngen. Dann wendete er sich um, und sah in das Land
Bhmen. Der breite dunkle Wald ging in Schimmerreif hinunter, die Moldau war
verhllt, und jenseits war wieder dunkler stiller und bereifter Wald. Witiko sah
den blauen Zug der Schnebene, des Hochfichtes, des Blckensteines und der
Seewand. Er sah den blauen Blansko. Er sah auch den Kreuzberg, der in
Mitternacht von dem oberen Plane steht.
    Von der Stelle des heiligen Apostels Thomas ritt er wieder nach Friedberg
zurck, und ritt noch an dem nmlichen Tage nach Plan.
    In Plan forschte er nach dem, was in seiner Abwesenheit geschehen war, und
fragte nach verschiedenen Dingen.
    Der Schmied und Tom Johannes, der Fiedler, und David, der Zimmerer, und
Zacharias, der Schenke, sagten ihm, da eine groe Zahl von Lanzenschften
fertig und mit guten Eisenspitzen versehen ist, da junge und alte Mnner
reiten, da sich alle ben, und da Gewand in Bereitschaft ist.
    Witiko besah, und durchforschte selber alles.
    Dann ritt er nach Ogfolds Heide und in die Gefilde von Tis und Elhenic, und
von da wieder links gegen den hheren Wald bis an jene Stellen, wo der eine der
zwei Moldaufden, den sie die kalte Moldau hieen, aus der dicken Wildnis hervor
rann.
    Als er zurckgekehrt war, blieb er mehrere Tage in Plan.
    Dann ritt er zu Rowno, zu Osel, zu Diet von Wettern und zu Hermann von
Attes.
    Dann kam er wieder nach Plan, und setzte fort, was er begonnen hatte.
    Es nahete endlich der Ausgang des Monates Mrz, und der Schnee begann,
hinweg zu schmelzen. Die Moldau hatte ihr Eis von sich geschoben, und flo
wieder mit dem dunkeln Wasser dahin, und an sonnigen Lehnen schauten schon
manche befreite Stellen des Bodens hervor.
    Da erschien ein Bote in dem Walde. Der Bote sagte, man solle zum Kriege
rsten. Der Herzog werde in dem ersten Frhlinge gegen Mhren ziehen, um die
mhrischen Frsten zur Demut zu bringen. An den Stdten Beneschau, Domasin,
Pilgram, Caslau und Wilimow werden die Versammlungen sein.
    Als der Bote diese Nachricht gesagt hatte, ging er gegen den schwarzen Bach
und gegen die untere Moldau hinab.
    Witiko aber rief die Mnner zusammen, und sagte ihnen: Wer meines Glaubens
ist, da wir ber den Krieg eine Sprache halten sollen, der komme nach dem
Mittagessen zu dem groen Kreuze auf dem Platze vor der Kirche.
    Und es kam eine groe Zahl von Mnnern zu dem Kreuze. Auch Frauen und
Jungfrauen und Kinder und Greise scharten sich hinzu.
    Witiko sagte zu ihnen: Jetzt ist die Zeit gekommen, da alles ntzlich sein
kann, was vorbereitet worden ist. Der Herzog duldet nicht die reichen Bedrcker,
und schirmet die, welche bedrckt werden sollen. Er zieht gegen die, welche
Bedrckung beabsichtigen, und es ziehen die mit ihm, gegen welche Bedrckung
gebt werden sollte. Ich sage nicht viel. Ihr wit, wie es in dem vergangenen
Frhlinge gewesen ist. Wer von uns in den Krieg ziehen will, ist gerstet, und
kann ziehen. Ihr wit auch die Orte, an welchen man sich versammelt.
    Ich ziehe, ich ziehe, ich ziehe, riefen beinahe alle, welche sich
versammelt hatten.
    Und Witiko soll uns fhren, rief eine Stimme.
    Witiko soll uns fhren, rief die Versammlung.
    Mnner und Freunde, sagte Witiko, ihr denket noch, wie der vorige Krieg
gewesen ist. Alles kann jetzt anders sein, es kann auch so sein, wie es gewesen
ist, wir wissen es nicht. Wenn ihr mir vertrauet, so werde ich euch, so wie ich
euch von Prag nach Plan gefhrt habe, zu dem Herzoge fhren, und der erlauchte
Herzog kann dann beschlieen, wie die Sache geschehen soll.
    Wir wollen bei einander bleiben, wir wollen alles mit einander teilen, und
wir wollen einer dem andern beistehen, schrie Adam, der Linnenweber.
    Ja, so wollen wir, wir wollen nicht auseinander gehen, schrie Paul
Joachim, der Maurer.
    Wir wollen fest bei einander sein, rief Tobias, der Hirt.
    Und ein Mann von uns mu uns fhren, rief der junge Mathias.
    Nur ein Mann von uns, rief Augustin, der Pfeifer.
    
    Witiko hat es besser gemacht als der grne Ritter, rief Lambert, der
Zimbelschlger.
    Er hat es besser gemacht, schrie Andreas.
    Jetzt rief Peter Laurenz, der Schmied: So lrmet doch nicht, ihr versteht
nichts, wir sind zusammen gehmmert, und knnen gar nicht zerrissen werden, und
das bringt uns die Ehre, und das hat jeder gesehen, der von dem Kriege wei, und
der Fhrer ist der eiserne Kloben, an dem das Eisen hngt.
    Wir sind ein Kriegsheer, und erwerben, was sich ziemt, rief Stephan, der
Wagenbauer.
    Wenn ihr nur alle wtet, was es ist, und wie es ist, rief Tom Johannes,
der Fiedler, und wenn ihr nur dem Rate eines Mannes folgtet, der mit dem
geschndeten Arme nicht kmpfen kann, und der die Einsicht besitzt.
    So gib uns deine Einsicht mit, sagte Mathias.
    Dann wre dir geholfen, antwortete der Fiedler, aber ich trage meine
Einsicht selber mit mir, und sie wird meinem linken Arme mehr helfen als die
deinige deinem rechten.
    Wir sind auf dem Berge eins gewesen, und die Fhrung ist eins gewesen, und
so mu es bleiben, rief Philipp, der Steiger.
    Mnner und Kriegsgefhrten, sagte jetzt Witiko, der hocherlauchte Herzog
hat euch auf jenem Schlachtberge geehrt, er hat euch auf den Zinnen von Prag
geehrt, er hat eure Namen in ein Buch gezeichnet, und er hat gesagt, da er euch
immer besser kennen lernen will: der hocherlauchte Herzog wird nur dasjenige
tun, was ist, und wie es ist, und wie es besteht, und was euch frommt. Er wird
eure Begehren achten, und hohe Mnner werden beitragen, da er sie achtet, und
wenn ich etwas beitragen kann, so werde ich es tun, und alles wird recht sein.
    Es wird schon recht sein, sagte David, der Zimmerer.
    Und ich werde auch schon machen, da es recht ist, sagte der Schmied, ich
werde mit dem Herzoge sprechen.
    Und ich werde es noch besser machen, sagte Tom Johannes, der Fiedler.
    Und so, meine ich, lassen wir alle Fragen, sagte Witiko, und schreiten
wir zu der Ordnung und zu der Einteilung.
    Zu der Ordnung und zu der Einteilung, riefen mehrere.
    So sollen alle diejenigen auf eine Stelle zusammen treten, welche reiten
gelernt haben, rief Witiko.
    Die Mnner sonderten sich, und die Aufgerufenen traten auf eine Stelle.
    Unter ihnen waren Veit Gregor, Maz Albrecht, Lambert, Philipp, Augustin,
Urban, Mathias, Andreas, und noch mehrere jngere und ltere Mnner.
    Witiko sprach: Wer ein Pferd hat, und reiten kann, nehme das Pferd mit auf
den Zug. Und wenn sich auch sonst noch so viele zusammen finden, da eine
Reiterschar wird, so wollen wir auch als Reiter in dem Kriege sein. Sagt es
denen, die hier nicht anwesend sind, und doch mitziehen wollen. Ihr mt euch
aber auch so einrichten, da ihr auch auf euern Fen stehen, und kmpfen
knnt.
    So ist es recht, riefen mehrere.
    Und nun ordnen wir auch die andern, sagte Witiko.
    Ordnen wir sie, riefen einige Mnner.
    Die auf dem Berge Wysoka gewesen sind, rief Witiko, und die auf der Mauer
von Prag gegen die Belagerung gekmpft haben, sollen so stehen, wie sie auf dem
Berge gestanden sind, und wie sie in Prag gewesen sind, und die sich hier gebt
haben, sollen stehen, wie sie zusammen gewhnt sind.
    Ja, ja, riefen schier alle, so ist es am besten.
    Sagt es allen andern, die nicht da sind, sprach Witiko, und kommet morgen
wieder, wir werden uns zusammenstellen. Und bringet eure Waffen mit. Jetzt
trennen wir uns, da sich ein jeder vorbereiten kann.
    Und die Mnner zerstreuten sich, und sprachen noch eifrig von der Sache, und
die Zuschauer gingen auch von dem Platze, und redeten von dem, was sie gesehen
hatten.
    Am andern Tage nach dem Mittagessen versammelten sich die Krieger wieder auf
dem Platze vor der Kirche. Auch viele andere Menschen kamen herbei.
    Die Krieger hatten ihre starken Gewnder, welche hergerichtet worden waren,
und ein jeder, er mochte ein Schwert haben, oder eine Keule, oder einen Hammer,
oder eine eiserne Stange, hatte auch einen Schaft von starkem Holze des Waldes
und daran eine feste Spitze von Eisen.
    Sie stellten sich in der Art zusammen, wie Witiko gesprochen hatte.
    Er sagte, sie sollen sich die Stellung sehr gut merken, und sie sehr schnell
wieder finden, wenn sie auseinander gegangen sind.
    Sie versuchten es, wie er gesagt hatte.
    Dann teilte er die Mnner in kleinere Haufen, und zeigte, wie sie sich
scharen, und wieder in die Haufen trennen knnten.
    Sie versuchten auch dieses.
    Nun bet die Dinge, sprach er, da sie immer gangbarer werden.
    Dann sammelte er die Reiter in einen Haufen, und stellte sie, wie sie
zusammen gehren sollten. Und als die Stellung gut geordnet war, begann er die
Bewegungen im Reiten.
    So lasset uns nun eine kurze Frist ausben, was einmal sehr notwendig sein
knnte, sagte er, bis der Tag kmmt, an welchem wir uns auf unsern Zug
begeben.
    Und die Mnner sammelten sich nun jedes Tages zu den bungen.
    Da auch viele gewohnt waren, mit Bolzen oder Pfeilen auf Tiere oder um
Preise auf Ziele zu schieen, so machte er auch eine Einteilung von denen,
welche Armbruste oder Bogen herbei gebracht hatten.
    Als diese Dinge geschahen, kam eine Schar von Mnnern von dem schwarzen
Bache nach dem oberen Plane. Sie hatten graue dicke Wollgewnder, starke
Filzhauben und schwere Stiefel mit hlzernen Sohlen. Jeder trug eine Lanze und
ein Schwert, oder eine Keule, oder eine andere Waffe, und einen Pack mit
Lebensmitteln. Mehrere ritten auf kleinen Pferden des Waldes, und manche hatten
Bogen oder Armbruste. Sie verlangten mit den Mnnern von Plan zu ziehen. Witiko
ordnete sie zu ihnen.
    Dann kamen Scharen von dem Reutschlage, von dem Eckschlage, von der unteren
Moldau, von dem Rathschlage, von Friedberg, von der Friedau, von dem
Wangetschlage, von dem Kirchenschlage, von den Husern der tieferen Waldmoldau,
des Heurafels, und den Husern der Stift, die an dem Lande Baiern lagen, wo die
kleine Mihel gegen den Mittag hinab fliet. Sie hatten die groben Wollgewnder,
die dicken Filzhauben und die schweren Stiefel. Jeder trug eine Waldlanze, ein
Schwert oder einen Hammer, oder eine Keule, oder eine Stange, oder eine
Armbrust, oder einen Bogen, und einen Pack mit Lebensmitteln. Eine Zahl sa auf
Pferden. Der Greis mit den weien Haaren, welcher auf die Anrede Witikos in der
Herberge an der unteren Moldau zuerst geantwortet hatte, ritt auf einem kleinen,
schwarzgrauen, starken Pferde. Der Richter von der Mugrauer Haide ritt auf einem
braunen Pferde, und der Richter von den Steinleithenhusern auch auf einem
solchen. Es waren noch mehrere sehr alte Greise auf Pferden. Auch Jnglinge und
junge Mnner saen auf Pferden. Der Jngling mit den goldblonden Locken, welcher
gesagt hatte, da man die Wlder anznden solle, war auf einem schnen weien
Rosse. Er rief zu Witiko: Wir sind nun da, ich bin nur ein geringer Mann, meine
Mutter kocht sich ihre Suppe auf der Leuchte eines Flachsbrechhuschens; aber
ich habe die Glieder wie jeder andere Mann, und will tun, was ich kann, und die
weie Reigerfeder und den Goldgrtel erwerben, und der alte Roder Peter, dessen
Pferde ich warte, hat mir dieses gegeben, weil er selber auf keines mehr kann,
und ich will ihm, wenn ich das Pferd verliere, die hundert besten von den
Feinden bringen.
    Wie nennt man dich denn? rief Witiko.
    Sifrid von Milnet, weil mein Vater dort geboren ward, sagte der Jngling.
    Nun, Sifrid von Milnet, sprach Witiko, mgest du die weie Reigerfeder
und den Goldgrtel erlangen, und wenn du auch nicht mit hundert Pferden
zurckkehrest, mgest du nicht ohne Pferd heim kommen.
    Dann komme ich selber auch nicht heim, sagte der Jngling.
    Der Greis mit den weien Haaren ritt zu Witiko hinzu, und als er bei ihm
war, sagte er: Wir haben in den Kriegen, die gewesen sind, das Zusammenstehen
kennen gelernt, wie es richtig ist, und wir sind auch auf dem Berge Wysoka
zusammen gestanden, und wir haben den Weg hieher gesucht, da wir wieder
beisammen sind.
    Wenhart, sei mir gegrt, sagte Witiko, die Vereinigung ist gut, und
suchen wir zuerst alles so zu fgen, wie es am frdersamsten sein mag.
    Witiko und Wenhart ordneten die Schar zu den Kriegern von Plan hinzu.
    Und wie Wenhart gesprochen hatte, so sprachen auch von jeder Schar, wie sie
ankam, Mnner zu Witiko, und die Scharen wurden zu denen, die schon vorhanden
waren, hinzugefgt.
    Jetzt aber strebte man, den Zug zu beginnen, und es wurde ein Tag zu
demselben angesetzt.
    Als das Licht dieses Tages sich erhob, versammelten sich die Mnner auf dem
Platze vor der Kirche.
    Die Fugnger von Plan hatten ein Banner, welches wei war, und in dessen
Mitte sich etwas Dunkelrotes befand. Rupprecht, der groe Sohn Romans, des
grnen Webers, trug das Banner.
    Die Reiter von Plan hatten ein gleiches Fhnlein, welches aber kleiner war.
Dasselbe hatte man auf die Lanze Philipps des Steigers geheftet.
    Witiko fragte, wer das angeordnet habe, und was es bedeute.
    Ich habe es angeordnet, und die Mnner haben beigestimmt, rief der
Schmied. In der Mitte ist die rote Waldrose, und Christ Severin hat die Banner
gewebt, und die Mdchen haben sie mit Bndern und mit Sumen verziert.
    Die kleine Schar aus dem Wangetschlage hatte auch ein weies Banner mit der
dunkelroten Waldrose.
    Witiko, sagte der Mann, welcher die groen Holzschuhe angehabt hatte, als
im Wangetschlage die Versammlungen gewesen waren, du hast auf dem Berge Wysoka
ein weies Schild getragen, auf welchem eine rote Waldrose gemalt gewesen war,
und Huldrik hat gesagt, da vor Zeiten dein Geschlecht Rosen von Rom gebracht
hat, und da die Rosen recht viel Gutes von Welschland bringen werden, darum
haben wir die Rose auf das Banner gesetzt.
    Und die Mnner von der unteren Moldau hatten ein blaues Banner und Fhnlein,
und die vom schwarzen Bache ein weies, und die von der Mugrauer Heide ein
grnes, und die von Friedberg ein rosenrotes, die vom Eckschlage hatten
Geierfedern auf eine Stange gebunden, die vom Rathschlage trugen ein weies
Kreuz, die von der Steinleithe ein rotes, und die vom schwarzen Bache hatten
himmelblaue Bnder von einer Lanze flattern.
    Witiko sagte: Mnner, der hocherlauchte Herzog Wladislaw hat allen, die von
dem Walde stammen, in dem vergangenen Frhlinge ein groes rosenrotes Banner
gegeben, um anzuzeigen, da sie zusammen gehren; er wird euch auch in diesem
Frhlinge wieder eines geben, und unter diesem Zeichen mgen alle Zeichen, die
ihr gebracht habt, siegen.
    Sie werden siegen, riefen viele Stimmen.
    Was nicht ein jeder Mann in jedem Augenblicke braucht, das gebet zu den
Sumern, sagte Witiko.
    Sebastian, der Schuster, stand mit einem greren Packe da, als die andern
hatten.
    Was trgst du denn hier? fragte Witiko.
    Ich habe schne Dinge aus rauhen Blgen in dem Sacke, welche ich
verfertiget habe, um sie reichen Leuten zu verkaufen, antwortete Sebastian.
    Nun, mgest du einen Kufer in solcher Zeit finden, sagte Witiko, die
Dinge aber mut du zu den Sumern geben.
    Dann sprach er: Mnner, jetzt werden wir Gott um seine Hilfe zu dem bitten,
was wir tun, und was wir nur darum tun, weil wir es fr das Gerechte halten.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, stieg er von seinem Pferde, gab die
Zgel in die Hand Raimunds, und ging in die Kirche.
    Und die Mnner gingen in die Kirche, und erfllten sie, so viele nur von ihr
gefat werden konnten. Die andern scharten sich vor der Tr, und standen vor
derselben.
    Dann wurde der Morgengottesdienst gefeiert, und die Mnner in der Kirche
knieten auf den Boden nieder, und die Mnner vor der Kirche knieten in dem
Schnee, und die Reiter waren von den Pferden gestiegen, und knieten neben den
Pferden.
    Als der Gottesdienst geendigt war, segnete der Pfarrer die Mnner in der
Kirche, und dann ging er vor die Tr, und segnete die Mnner auerhalb der
Kirche.
    Nach der Segnung erhoben sich die Mnner von dem Schnee, verabschiedeten
sich noch ein Mal von den Ihrigen, und suchten in ihre Stellungen zu gelangen.
Die in der Kirche gewesen waren, kamen heraus, nahmen auch noch von ihren
Angehrigen Abschied, und stellten sich in die Ordnung. Witiko ging, von dem
Pfarrer geleitet, zu seinem Pferde. Dort nahm er von dem Pfarrer und von Martin
und Lucia Abschied, und bestieg das Pferd. Augustin, Urban und Mathias waren auf
ihren Pferden neben ihm, damit sie dasjenige, was er whrend des Zuges anordnen
wrde, schnell an die Orte brchten, an denen es notwendig sein knnte. Die zwei
Herzogspferde Witikos wurden von Raimund und Jakob an den Zgeln neben den
Pferden, auf denen sie ritten, gefhrt.
    Veit Gregor hatte das groe Horn des Bockes. Andere aus Plan und aus anderen
Orten hatten kleinere Hrner.
    Witiko, da er auf dem Pferde sa, angetan mit dem groben Wollgewande, wie es
die Bewohner des Waldes trugen, gab das Zeichen, und es ertnte das groe Horn,
und die kleinen Hrner antworteten.
    Auf diesen Schall erhob sich ein Geschrei der Mnner, die zurck blieben,
der Frauen, der Mdchen und der Kinder. Es war zum Teile ein Geschrei der
Ermutigung, zum Teile der Freude, zum Teile des Schmerzes.
    Der Zug setzte sich in Bewegung. An der Spitze waren die Reiter, welche ihre
Pferde in langsamem Schritte gehen lieen. Dann kamen die Fugnger. Am Ende
waren die Sumer, dann die Frauen, welche mancherlei Arbeiten bei dem Kriegszuge
zu verrichten hatten, und verschiedene Knechte.
    Man zog in der Richtung gegen den Morgen. So viele Menschen, als aus dem
Orte Plan und aus den umliegenden Waldhusern und aus greren Entfernungen
herbei zu kommen vermocht hatten, gingen mit dem Zuge. Man kam an dem steinernen
Hause Witikos vorber, man gelangte unter die Fhren, welche in der Richtung
gegen Morgen von Plan weg dahin standen, man gelangte auf die Hhenscheide der
Fhren, von der man noch das Tal von Plan und die Moldau sehen konnte, und ging
jenseits der Scheide hinunter. Mehrere Haufen der Menschen, die den Zug
begleiteten, sonderten sich ab, und gingen zurck. Man zog ber die Talschlucht
des Waldes, in welcher der Bach rieselte, und ging dann in dem Waldesdickichte
sachte gegen die Mugrauer Heide empor. Als man auf die Heide gekommen war,
hatten sich alle Begleiter umgewendet, und hatten den Rckweg angetreten. Andere
kamen dafr aus verschiedenen Gegenden herzu, sahen den Zug an, und mehrere
begleiteten ihn eine Weile.
    Gegen den Mittag langten die Mnner bei dem Turme Rownos an. Da blieben sie
stehen. Witiko ritt mit einem Geleite in den Turm. Rowno stand in dem Hofe, ihn
zu begren. Witiko und seine Begleiter stiegen von den Pferden, und gingen in
die groe Stube. Dort waren mehrere Sippen Rownos versammelt. Es wurde der
Empfangstrunk gereicht. Dann sagte Rowno: Es ist gut, Witiko, wie du es
versprochen hast, sei gegrt, und wir werden nicht sumen.
    Ich komme, dir nur den Gru zu bringen, antwortete Witiko, es ist, wie
wir gesagt haben.
    Es ist so, entgegnete Rowno, meine Mnner ziehen heran. Es knnen dich
nicht alle meine Sippen begren, sie sind zu den Jungfrauen geritten, sich
weissagen zu lassen.
    Es ist gut, sagte Witiko.
    In dieser Frist ffnete sich die Tr, und Ludmila, die Ehefrau Rownos, und
Dimut, seine Schwester, traten herein. Ludmila war in einem grauen Gewande mit
einem goldgewirkten Grtel, Dimut trug ein dunkles Kleid, wie sie es in der
Verteidigung Prags gehabt hatte, und das Kleid war mit Silber gegrtet.
    Ludmila ging zu Witiko, reichte ihm die Hand, und sprach: Seid gegrt,
edler Mann Witiko, Ihr ziehet wieder auf die Felder zum Schutze des Reiches, und
mge der hhere Schutz des Himmels Euch geleiten. Wir zu Hause wnschen es, und
bringen unseren Anteil an dem Gebetschemel des Schlafgemaches dar.
    Seid gegrt, verehrungswrdige Frau, sagte Witiko, es ist wahrhaftig der
Schutz des Reiches, und es wird wahrhaftig der hhere Schutz nicht fehlen, um
den gerechte Frauen bitten.
    Nun ging Dimut zu Witiko, reichte ihm gleichfalls die Hand, und sagte: Sei
gegrt, Witiko, du gehest wieder so, wie du im vorigen Jahre gegangen bist, und
wirst wieder finden, die du in dem vorigen Jahre gefunden hast. In Prag werden
die Heiligtmer aufgerichtet, und wenn sie fertig sind, werden die kommen, die
sich des Werkes freuen, und werden darin beten. Und ihr werdet das Reich
aufrichten, und wenn das Rechte geschieht, wie es auf Erden und im Himmel gilt,
werden die kommen, die sich dessen freuen. Sei gegrt, edle Jungfrau,
entgegnete Witiko, du hast Worte gesagt wie im vergangenen Jahre. Mgen sie
sich auch so erfllen.
    Sie werden sich erfllen, sagte Dimut.
    Darauf sprach Witiko zu Ludmila: Beurlaubet mich, hohe Frau, meine Mnner
stehen drauen in dem Schnee. Gehabet Euch wohl.
    Gehabet Euch wohl, Witiko, sagte Ludmila.
    Lebe wohl, Dimut, sprach Witiko.
    Behalte die Freude, mit der du ziehst, antwortete Dimut.
    Ich werde sie behalten, sagte Witiko.
    Darauf sprach er zu Rowno: Lebe wohl.
    Rowno antwortete: Lebe wohl.
    Dann rief Witiko zu den Mnnern, die in der Stube waren: Seid gegrt, ihr
Krieger, und gehabet euch wohl. Wir werden bald wieder auf dem nmlichen Boden
stehen.
    Sei gegrt, und lebe wohl, riefen die Mnner.
    Dann ging Witiko aus der Stube. Rowno und mehrere Mnner geleiteten ihn. Da
er in dem Hofe war, bestieg er sein Pferd, und seine Begleiter bestiegen ihre
Pferde. Desgleichen setzten sich Rowno und seine Mnner auf ihre Pferde, und da
Witiko durch das Tor und ber den Damm hinaus ritt, gaben sie ihm das Geleite,
bis er bei seinem Zuge angekommen war. Dort grten ihn Rowno und die Seinigen
noch mit kriegerischer Ehre, und wandten sich dann zu dem Turme zurck. Witiko
aber gab das Zeichen, die Hrner ertnten, und der Zug setzte sich wieder in
Bewegung.
    Er ging in dem Tale an dem Bache dahin, der gegen den Morgen flo.
    Hie und da begegneten ihm Mnner, die zu Rowno zogen.
    Als der Mittag schon vorber war, gelangte der Zug in die krumme Au. Von
dort ging er zwischen den Felsen und der Moldau hinaus in freieres Land. Auf
diesem Lande machte er ein Lager. Mehrere Mnner saen auf Steinen, mit denen
die cker eingefat waren, andere saen auf Stellen, welche schon der Schnee
verlassen hatte, oder auf Dingen, die aus dem Schnee hervor ragten, und viele
standen, und sttzten sich auf ihre Lanzen. Sie nahmen Nahrung hervor, und
erquickten sich. Die Frauen und manche Mnner, die ihnen halfen, machten aus
Holz, das sie gesammelt oder aus Dingen umher gewonnen hatten, zahlreiche Feuer,
daran man sich wrmen, und Speisen bereiten konnte. Den Pferden wurde ihre
Nahrung gereicht, und ihr Trank aus der Moldau geholt.
    Da dieses geschah, ritt eine Zahl von Mnnern von der krummen Au her gegen
das Lager. Als sie an demselben angekommen waren, und man sie gefragt hatte, was
sie wollten, sagten sie, Diet von Wettern sende sie, und sie mten mit Witiko
sprechen. Sie wurden zu Witiko gefhrt, und er sprach eine Zeit mit ihnen. Dann
ritten sie auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren, wieder zurck.
    Als die Menschen und Tiere gerastet hatten und gesttiget waren, ging der
Zug wieder gegen Morgen weiter. Er ging zwischen Feldern und Wiesen und kleinen
Wldchen und zerstreuten Wohnungen hindurch, er ging an dem Orte Welesin
vorber, und kam gegen den Abend nach Daudleb. Als er dort auf den Feldern
stehen blieb, ritt eine groe Zahl von Mnnern ber die Brcke zu ihm heraus. An
der Spitze dieser Mnner war der alte Lubomir, dann war Rastislaw, dann war
Widimir, dann war Wentislaw, dann war Kodim, und es waren Momir und Dis. Witiko
erkannte unter den Mnnern auch Slawa und Radim und Hostiwil und andere. Hinter
allen ritt der Priester in dem dunkeln Gewande, der bei der Verteidigung von
Prag gewesen war. Witiko war vor seinen Mnnern auf seinem Pferde. Hinter ihm
waren die Reiter, und hinter den Reitern waren in einem groen Bogen die
Fugnger. Alle richteten ihre Angesichter gegen die, welche kamen.
    Als die Reiter zu Witiko gelangt waren, hielten sie an. Lubomir sa auf
einem schwarzen Rosse. Er hatte ein dunkles faltiges Gewand an, das von einem
silbernen Grtel gehalten wurde, auf dem blaue Steine waren. Sein Haupt trug
eine schwarze Haube aus Sammet, von der aus einem groen blauen Steine eine
kurze weie Feder emporragte. Unter dem Rande der Haube waren die weien Haare
zu erblicken. Das Pferd hatte eine dunkle Ausrstung und Zumung, die mit Silber
besetzt war.
    Als nach seiner Ankunft einen Augenblick Schweigen gedauert hatte, hob er
seine rechte Hand empor, fuhr mit ihr in einem Bogen gleichsam ber die Mnner,
hielt sie dann ruhig aus dem faltigen rmel gestreckt, und rief: Lubomir, der
Zupan, begrt die Mnner auf dem Boden seiner Zupanei, und seine Sippen
begren die Mnner. Die Krieger wird er morgen begren, wenn seine Krieger
versammelt sind.
    Dann lie er die Hand wieder nieder sinken.
    Dann rief er: So viele die Zupenburg beherbergen kann, sind geladen, sich
zu erquicken. Es werden Speisen und Getrnke und Decken und Lagerzeuge und
Geschirre und Pferdebedrfnisse auf das Feld hinaus geschafft werden, und so
mein Wort gilt, werden die Tren der Huser des Burgfleckens geffnet werden.
    Auf diese Worte rief eine Stimme unter den Mnnern, die hinter Witiko waren:
Das ist der edle Zupan, und er ist in Prag gewesen, und wir sind ihm
Dankbarkeit schuldig fr das, was er bietet.
    Es war die Stimme des Schmiedes, Peter Laurenz, gewesen, welche gerufen
hatte.
    Dankbarkeit und Dank, rief eine groe Zahl von Stimmen.
    Dann wandte sich Lubomir zu Witiko, und sagte: Du reitest so wie einer von
diesen Mnnern vor ihnen. Sei gegrt, und wenn du mein Dach nicht verschmhst,
so lasse es heute mit denen ber deinem Haupte sein, die noch darunter eingehen
wollen.
    Ich nehme Eure Gastlichkeit mit Ehrfurcht an, sagte Witiko, seid
gegret, hoher Zupan.
    Und nun waltet eurer Bequemlichkeit, rief Lubomir.
    Nach diesen Worten wendete er sein Pferd, und seine Begleiter wendeten ihre
Pferde, und sie ritten wieder ber den Fahrsteg gegen die Huser von Daudleb
hinein.
    Aber viele Menschen waren von Daudleb heraus gekommen, sie drngten sich
ber den Steg, sie drngten sich an die Mnner, welche von Plan gekommen waren,
und einer, der ein dunkelblaues Wollkleid an hatte, das mit einem roten Grtel
gebunden war, rief gegen die Mnner: Ihr seid einer wie der andere, man kann
euch nicht unterscheiden, ich wei nicht, wer der Vorgesetzte ist, ich bin der
Kmete des Burgfleckens von Daudleb, und lade alle ein, die bei uns Platz haben,
wir werden tun, was wir vermgen.
    Wir sind einer wie der andere, sagte Witiko, und es ist einerlei, an wen
du deine Worte richtest, edler Kmete, wir sind alle dankbar.
    Wir sind dankbar, riefen viele Stimmen.
    Kommet zu uns herein, kommt zu uns, zieht in mein Haus, geht in
unsere Herbergen, riefen die Stimmen der Menschen von Daudleb durcheinander.
    Schnen Dank, wir kommen, das freut uns, das ist recht, ihr seid
freundlich, scholl es entgegen.
    Dann rief Witiko: Augustin und Urban, saget jedem Zeichen, da das Lager an
dem Flusse Malsch abgesteckt werde, es soll einen Bogen haben, und vierzig
Mnner der Zeichen haben in Ablsung die Wache der Nacht. Und, Mathias, nimm
Mnner der Zeichen, und ordnet, wer in den Burgflecken gehen will, und vier
Reiter jedes Zeichens und vier Fugnger jedes Zeichens begleiten mich in die
Burg. Wir werden durch die Gastlichkeit des hohen Zupanes und des Burgfleckens
geehrt, und ehren die Gastlichkeit wieder.
    Das ist herrlich, das ist in Pracht, riefen Menschen aus Daudleb.
    Das ist wie Reiter und Krieger, riefen Mnner, die mit Witiko waren.
    Die Ehre ist hier, und die Ehre ist dort, und die Ehre mu bewahrt werden,
rief der Schmied von Plan, sonst ist es einerlei, ob wir auf der Wolldecke
schlafen oder in dem Hause, und wir werden uns einteilen, wer die Ehre geben und
nehmen soll.
    Wir werden uns einteilen, schrie Paul Joachim, der Maurer.
    Wir werden uns einteilen, und in den knftigen Tagen wechseln, rief
Stephan, der Wagenbauer.
    Ja, ja, riefen mehrere.
    Nun rstet das Lager, rief Witiko.
    Nach diesen Worten wendete er sein Pferd, und ritt durch den Haufen der
Reiter gegen die Fugnger zurck, und ritt an ihnen dahin, und sah, wie die
Zge der Mnner sich auflsten, und daran gingen, das Lager zu errichten. Die
Menschen von Daudleb mischten sich unter die Angekommenen, und es waren
vielfache Gesprche.
    Als das Lager geordnet war, und als die Wachen um dasselbe gestellt waren,
zog Witiko mit zwanzig Reitern und vierzig Fugngern ber die Brcke gegen die
Burg. Die Mnner in dem Lager whlten dann auch aus den ihrigen, und die
Gewhlten zogen im Geleite von Menschen aus dem Burgflecken gegen die Huser des
Burgfleckens.
    Witiko wurde mit seinem Geleite durch das Tor in die Burg gelassen, und die
Schar der gewhlten Mnner wurde in den Husern des Burgfleckens verteilt.
    Und Witiko wurde mit den Seinigen in der Nacht in der Burg gepflegt, und
schlief innerhalb der Mauern derselben, und die gewhlten Mnner wurden in den
Husern des Burgfleckens gepflegt und beherbergt, und die anderen Mnner und die
Frauen, die mit dem Zuge gekommen waren, schliefen auf Decken in dem Lager, und
Feuer brannten berall, und die Wachen waren rings um das Lager, und wurden
abgelst, wie es Witiko eingerichtet hatte.
    Als das erste Licht des Morgens schien, verabschiedete sich Witiko von dem
alten Zupane Lubomir, von seiner Gattin Boleslawa, und von seinen Sippen.
    Lubomir geleitete mit seinen Sippen Witiko bis an das Tor der Burg. Dort
sprach er: Ziehe mit Gott. Wie ich gesagt habe, findest du das Rechte. Du
ziehest frher des Weges als wir andern. Ich werde dir mit den Meinigen, und mit
Moyslaw und Radosta, die mir geblieben sind, folgen. Die Kinder des dritten
Sohnes, Pustimir, welcher auf dem Berge Wysoka das Leben verlassen hat, sind
noch zu klein, als da sie auf das Feld reiten knnen. Sammle deine Leute zu dem
Kriegsgrue, den wir bringen. Lebe wohl.
    Lebet wohl, hochehrwrdiger Zupan und Leche Lubomir, sagte Witiko.
    Dann zog er mit den Seinigen von der Burg gegen das Lager.
    Als sie in das Freie kamen, sahen sie von verschiedenen Seiten Reiter und
Fugnger gegen Daudleb eilen.
    Die Mnner, welche in dem Burgflecken bernachtet hatten, zogen wieder in
das Lager. An ihrer Spitze ging der Fiedler, Tom Johannes. Witiko rief ihm zu:
Wie ist es denn, da du bei den Streitern bist, Tom Johannes, da deine Hand der
Waffe nicht mchtig ist?
    Er ist mit Gewalt mitgegangen, da wir ihn zurckweisen wollten, rief
David, der Zimmerer.
    Sie verstehen die Dinge nicht, sagte Tom Johannes, ich halte mit der
linken Hand die Lanze, und habe es gut gelernt, und heute in der Nacht bin ich
bei dem Kmeten dieser Stadt gewesen, ihn zu ehren, wie du bei dem Zupane.
    So fhre deinen Schaft nur gut, wie du es kannst, sagte Witiko.
    Ich fhre ihn besser als auf dem Berge, sagte Tom Johannes.
    Dann wird es recht sein, antwortete Witiko.
    Und die Mnner Witikos und die anderen Mnner kamen in das Lager, und Witiko
wies sie an ihre Stellen. Und die Wachen wurden herein gerufen, und Witiko
ordnete an, da das Lager aufgehoben werde, und da die Mnner zum Zuge sich
stellen.
    Als dieses geschehen war, tnten die Hrner, der Zug ging durch die Menschen
gegen die Brcke, er ging ber die Brcke, er ging durch den Burgflecken, er
ging an der Zupenburg vorber, und gelangte dann auf freies breites Feld. Auf
dem Felde stand eine Macht von Kriegern, und hinter den Kriegern standen sehr
viele Menschen. Der erste an den Kriegern war Lubomir. Er sa auf dem schwarzen
Rosse. ber dem dunkeln Gewande hatte er ein glnzendes Waffenkleid und einen
goldenen Grtel mit grnen Steinen. Auf der schwarzen Haube hatte er einen
grnen Stein und eine weie gerade Feder. Er hielt das entblte Schwert in der
Hand empor. Hinter ihm war auf einem Rosse Wentislaw, der Zupenrichter, neben
diesem war Rastislaw, der Meier, daneben Widimir, der Schreiber, daneben Kodim,
der Kmmerer, daneben Momir, der Zllner, dann Dis, der Schenke, dann Hostiwil,
der Marschalk und die andern Mnner der mter. Sie hatten lichte Waffenkleider,
weie Federn auf den Hauben, und die emporragenden Schwerter in den Hnden. Dann
waren die Reiter in Waffen und im Schmucke. Dann standen die Fugnger. Sie
hatten Schwerter an den Seiten und Lanzen in den Hnden. Witiko ritt mit
Augustin, Urban, Mathias und noch vier Mnnern gegen Lubomir. Lubomir senkte vor
Witiko das Schwert, und die Mnner der mter senkten die Schwerter. Witiko
senkte sein Schwert, und seine Mnner senkten ihre Schwerter. Dann ffnete sich
die Kriegsmacht Lubomirs, und zeigte eine Gasse. Witiko ritt in die Gasse ein,
und seine Mnner ritten in die Gasse, und seine Krieger zogen in dieselbe. Und
sie zogen durch die Gasse hindurch. Die Krieger Lubomirs hielten ihre Waffen
gesenkt, die Reiter Witikos trugen gesenkte Schwerter und die Fugnger geneigte
Lanzen oder Armbruste und Bogen. Keulen oder Schwerter oder Stangen oder Hmmer
hatten sie mit Riemen an den Leibern hngen. Als die Mnner Witikos und sein
Tro durch die Gasse waren, hoben sich die Waffen empor, sowohl bei Witiko als
bei Lubomir. Die Macht Lubomirs schlo sich hinter dem Zuge und geleitete ihn.
Hinter der Macht gingen viele Menschen. Dann erhoben die Mnner Lubomirs einen
Ruf des Grues, und alle Mnner Witikos antworteten mit einem Rufe. Dann riefen
auch die Menschen, die von Daudleb gekommen waren. Darauf blieb die Kriegsmacht
Lubomirs stehen, der Zug Witikos ging weiter.
    Er ging in der Richtung zwischen Mitternacht und Morgen dahin.
    Die Krieger Lubomirs wendeten sich um, und zogen nach Daudleb zurck, und
die Menschen von Daudleb gingen mit ihnen.
    Die Krieger Witikos aber setzten ihren Weg fort.
    Sie kamen am Mittage nach Lisau und am Abende nach Lomnic.
    Am dritten Tage zogen sie mitternachtwrts nach Wessely, und dann in die
Felder von Austi. Sie waren an diesem Tage in ein Land gekommen, in welchem kein
Schnee mehr lag. In Austi waren die Scharen Ctibors, und es kam ein Zug Nemoys.
    Am vierten Tage gingen die Krieger Witikos morgenwrts nach Chynow und gegen
die Nacht auf die Felder vor Pilgram.
    Sie hatten auf ihrem Zuge nicht Leute gesehen, welche ihr Vieh oder ihre
Habe vor den Feinden flchteten. Menschen kamen an den Weg, den sie gingen, und
grten sie, und auf ihren Haltpltzen wurden sie wie in Daudleb geehrt und
gepflegt, und wo Krieger waren, von ihnen mit Kriegsbrauch geachtet.
    Auf dem Lande vor Pilgram war ein groes Lager. Die Mnner Witikos sahen,
weil die Dmmerung schon gekommen war, viele Feuer an vielen Stellen brennen.
Auf dem Wege, den sie gekommen waren, stand mit einer kleinen Schar Reiter
Hermann von Attes.
    Sei gegrt, Hermann! rief Witiko.
    Sei gegrt, Witiko, antwortete Hermann.
    Du hast deine Zusage erfllt, sprach Witiko.
    Ich habe sie erfllt, entgegnete Hermann, lasse mir deine Leute folgen.
    Und Hermann von Attes ritt mit seinen Mnnern des Weges, und der Zug Witikos
folgte. Sie kamen nach einer Zeit auf einen freien Platz, und Hermann sagte:
Diese Stelle ist dir zum Lagern zugewiesen.
    Habe Dank, sagte Witiko.
    Ruhet, und morgen werden wir ratschlagen, was weiter zu tun ist, sprach
Hermann.
    Dann ritt er mit seinen Mnnern seitwrts, und verlie den Zug Witikos.
    Die Mnner Witikos errichteten nun ein Lager, wie es in der Dunkelheit
mglich war.
    Am andern Tage befestigten sie das Lager, und richteten es zum Verweilen
ein.
    Es hatten sich schon mehrere Zge von Herren und Zupanen in diesen Feldern
gesammelt, und die Fhrer kamen zu den Waldleuten, und Witiko ging wieder zu den
Fhrern. Sie sagten, an vielen Stellen sammeln sich Mnner, und sie erwarten
Boten von dem Herzoge, was weiter zu unternehmen sei; denn die Kundschaftet
melden, da die Feinde stark rsten, und hier seien ihnen die Krieger des
Herzoges nher als an den andern Sammelpltzen.
    Nach mehreren Tagen kam Rowno mit den Seinigen, und es kam Osel und Diet. Am
Tage darnach kam der von Ottau und von Hora. Und drei Tage nach diesen kam der
Zupan Lubomir mit seinen Zupenleuten, mit seinen Shnen und mit den Leuten
seiner Shne. Boten meldeten, da Wyhon von Prachatic und der von Winterberg und
die anderen Waldleute, die weiter nach Mitternacht wohnten, sich in Caslau
versammelt haben.
    Witiko sendete mit Mnnern Lubomirs Kundschafter gegen Mhren. Sie kamen
zurck, und meldeten, da Zge von allen Gegenden des abendlichen Landes Mhren
in der Richtung gegen Znaim gehen, um zu Konrad zu gelangen, und die Leute
erzhlen, da der Herzog Konrad mit einer Macht vorwrts gehe, um die Zge zu
sich aufzunehmen.
    Es kamen Boten von dem Herzoge Wladislaw, welche sagten, die Scharen ziehen
sich von den Sammelpltzen zusammen, und das Heer werde gegen Pilgram hervor
kommen.
    Alle, welche vor Pilgram gelagert waren, befestigten sich immer mehr, und
harrten. Witiko bte tglich seine Leute.
    Es kamen nun neue und grere Zge auf die Lagerfelder, und am siebenzehnten
Tage, nachdem Witiko angekommen war, ritt der Herzog Wladislaw mit den Seinigen
auf diese Felder. Es waren seine Brder bei ihm, es war der Bischof von Prag bei
ihm, es waren die Abte bei ihm, Bolemil war wieder da, der alte Wsebor und Diwis
und fast alle, welche auf dem Berge Wysoka gekmpft hatten, und dort von dem
Tode verschont worden waren. Die fehlten, standen nur noch auf andern
Sammelpltzen. Die Scharen des Herzoges lagerten, und pflanzten ihre Zeichen
auf, und vor dem Gezelte des Herzoges war das groe seidene rosenrote Banner.
    Welislaw, Odolen, Jurik, der Sohn Juriks, Beneda, Sezima, Zwest und andere
junge Ritter kamen sogleich zu Witiko, ihn zu begren.
    Witiko ging wieder zu jedem, und begrte ihn.
    Auf den fnften Tag nach der Ankunft des Herzogs war ein Rat in dem Gezelte
des Herzoges angeordnet, zu dem alle Fhrer entboten waren.
    Witiko ging in das Gezelt. Es war sehr lange, und man hatte in seiner Lnge
aus Brettern einen Tisch errichtet. Am oberen Ende des Tisches sa Wladislaw,
der Herzog von Bhmen und Mhren. Er war, wie schon oft, in ein dunkelbraunes
Gewand gekleidet, hatte eine braune Haube ohne Feder, trug ein dunkles
Waffenhemd und an der Seite in einer dunkelbraunen steinlosen Scheide ein
Schwert. Zu seinen Seiten saen die Abkmmlinge Premysls, die Frsten der
Kirche, die Lechen und Zupane und die lteren Fhrer des Heeres. Die jungen
Mnner standen geschart gegen das untere Ende des Tisches, und es war mancher
geringere Mann und Wladyk unter ihnen.
    Als die Zeit des Rates gekommen war, erhob sich Wladislaw, und sprach: Seid
gegrt, ihr alle, die ihr die Sulen des Landes seid. Ich danke euch fr das
Land, da ihr gekommen seid. Die wir noch vermissen, sind auf dem Wege, und der
hochehrwrdige Bischof Zdik wird bei der nchsten Versammlung anwesend sein. Wir
sind in Eile, gehen wir an das Werk. Erhebe dich, Gervasius!
    Gervasius stand von seinem Sitze auf. Der Herzog setzte sich nieder.
    Von seinem Stuhle aus sprach er: Rede die Worte, welche ich dir an Konrad,
den Zweig Premysls, den Herzog von Znaim, mitgegeben habe.
    Gervasius sprach: Du hast gesagt: Konrad, lege die Waffen nieder, unterwarf
dich dem Herzoge Wladislaw, dem Sohne Wladislaws, bitte um Verzeihung deiner
Schuld, und du wirst ungeschdigt als ein rechter Sprosse des geheiligten
Premysl bestehen knnen.
    Wer hat die Worte, welche du gesprochen hast, gehrt? fragte Wladislaw.
    Die Worte, welche ich gesprochen habe, sagte Gervasius, haben die Mnner
gehrt, die du mir mitgegeben hast: Zwest, Wecel, Zdeslaw, Bohuslaw und Casta.
    Die Mnner mgen sprechen, sagte Wladislaw.
    Ich habe die Worte gehrt, sprach Zwest.
    Ich habe die Worte gehrt, sprach Wecel.
    Ich habe die Worte gehrt, sprach Zdeslaw.
    Ich habe die Worte gehrt, sprach Bohuslaw.
    Ich habe die Worte gehrt, sprach Casta.
    Und welche Worte hat Konrad, der Herzog von Znaim, geantwortet? fragte
Wladislaw.
    Konrad, der Herzog von Znaim, hat geantwortet, sagte Gervasius: Ich bin
von den hohen Mnnern der Lnder Bhmen und Mhren als rechter Herzog gewhlt
worden, und mu meines Amtes walten, und will nicht erfahren, da ich von
Wladislaw gettet oder geblendet oder in einer Burg gefangen gehalten werde.
    Und sprechen die andern Mnner auch, da Konrad, der Herzog von Znaim, die
Worte gesagt hat? fragte der Herzog Wladislaw.
    Er hat sie gesagt, sprach Zwest.
    Er hat sie gesagt, sprach Wecel.
    Er hat sie gesagt, sprach Zdeslaw.
    Er hat sie gesagt, sprach Bohuslaw.
    Er hat sie gesagt, sprach Casta.
    Kanzler Bartholomus, schreibe die Worte in das Pergament, sagte
Wladislaw.
    Dann war eine Zeit Stille.
    Hast du die Worte geschrieben? fragte Wladislaw.
    Ich habe sie geschrieben, antwortete Bartholomus.
    Erhabene Sprossen des Stammes Premysl, sagte nun Wladislaw,
hochehrwrdige Gebieter der Kirche, hohe Zupane und Lechen der Lnder, Fhrer
des Heeres und Unterfhrer und Herren und Wladyken! Die Mnner und Herren, die
in meinem Rate in Prag sind, die Mnner und Herren, die zu mir nach Prag
gekommen sind, die Mnner und Herren, welche die Boten gehrt haben, die von mir
in das ganze Land gesendet worden sind, haben erfahren, da ich die Worte zu dem
Herzoge Konrad gesagt habe, und da ich die Antwort von dem Herzoge Konrad
erhalten habe, als wir von Deutschland zur Befreiung Prags gekommen waren; da
ich die Worte zu dem Herzoge Konrad gesagt habe, und da ich die Antwort von dem
Herzoge Konrad erhalten habe, als sich die Heere seiner Anhnger zerstreut
hatten; da ich die Worte zu dem Herzoge Konrad gesagt habe, und da ich die
Antwort von dem Herzoge Konrad erhalten habe, als wir im Winter unsere Mnner
gerstet und gesammelt haben; und ihr alle habet jetzt gehret, da ich die
Worte zu dem Herzoge Konrad gesagt habe, und da ich die Antwort von dem Herzoge
Konrad erhalten habe, da wir gesammelt auf dem Wege nach Mhren sind. Die Sache
steht nun fest. Wir sind nicht schuldig an dem Blute, das verloren gehen wird,
und an dem Unheile, das in die Lnder kommen wird. Ihr habt in den
Ratschlagungen der frheren Zeit erklrt, da wir fr das Recht die Waffen
erheben. Ist einer in der Versammlung, der einen Weg erkennt, auf dem das
Blutvergieen und das Unheil vermieden werden kann?
    Es war ein Schweigen, als der Herzog seine Frage ausgesprochen hatte.
    Redet, Shne Premysls, sagte der Herzog endlich.
    Als sie schwiegen, sprach er: Rede, Diepold.
    Es mgen die Mnner und die Herren reden, welche von dem Volke kommen, weil
es an dem ist, da die Nachkommen Premysls gegen einander im Streite sind,
sagte Diepold.
    Rede, Heinrich, sprach der Herzog.
    Ich rede, wie mein Bruder Diepold geredet hat, entgegnete Heinrich.
    Sprecht, ihr Herren der Kirche, und sprecht, ihr Lechen und Wladyken der
Lnder, die ihr von dem Volke kommt, sagte der Herzog.
    Hocherlauchter Herr und erhabener Herzog der Lnder Bhmen und Mhren,
sprach Otto, der Bischof von Prag, der allmchtige, der gtige, der barmherzige
und gerechte Gott hat den Krieg in unsere Lnder gesendet, da wir ben, was
wir verschuldet haben, da wir gereiniget werden, da wir das Rechte
verteidigen, und da wir uns zur Besserung wenden. Wir mssen ihn dulden und
fhren, wie er ihn auferlegt hat, und wir drfen uns gegen seinen Rat nicht
auflehnen.
    Was sprechen die bte? fragte der Herzog.
    Die bte sprechen durch mich, wie der hochehrwrdige Bischof gesprochen
hat, sagte der Abt von Kladrau.
    Und der Priester Daniel? fragte Wladislaw.
    Du hast die rechten Worte zu dem Herzoge gesendet, und es knnen keine
andern gesendet werden, sagte Daniel.
    Und Bolemil? fragte der Herzog.
    Es ist, wie es ist, und wir mssen es zu Ende fhren, sagte Bolemil.
    Wir mssen es zu Ende fhren, sagte Diwis.
    Zu Ende, sagte Lubomir.
    Zu Ende, zu Ende, riefen alle in der Versammlung.
    So sind wir geeinigt, und es geschehe, was geschehen mu߫, sagte der
Herzog. Ihr seid sehr zahlreich gesammelt gekommen, wir haben uns an einander
gefgt, ihr kennt die Ordnung, und, was spter gekommen ist, wird noch gefgt
werden. Lubomir, du bist wieder zwischen dem Zupane Diwis und dem Lechen
Bolemil, wie bei der Verteidigung von Prag, und Jurik und Chotimir, ihr seid wie
in Prag, die andern Zupenkrieger und die Krieger, die noch zugefhrt worden
sind, erhalten die Ordnung des Wysoka. Witiko, tritt vor.
    Witiko ging von dem untern Ende des Tisches gegen den Herzog vorwrts, und
blieb stehen.
    Du hast die Waldleute gebracht, Witiko, sagte der Herzog, sie haben dich
zum Fhrer gewhlt, und du bleibst ihr Fhrer. Mein Bote wird es ihnen
verknden. Lagere dich sogleich rechts von dem ehrwrdigen Lechen Bolemil, wie
du auf dem Berge Wysoka gewesen bist, da die Schlechten vom Plaka die Flucht
ergriffen hatten. Ich gebe dir ein rotes Banner, es soll ber deinen andern
Zeichen sein. Rechts von dir sind die von Rowna, Wettern, Tusch, Ottau, Hora,
Attes, Prachatic, Winterberg und vom reichen Bergsteine. Diepold wird rechtseits
von dem Herzogsbanner befehlen. Und so, ihr Herren und Fhrer, ziehen wir; und
Gott, der Herr des Himmels, und die Heiligen in dem Himmelreiche schtzen uns,
und wir flehen zu Gott dem Herrn des Himmels und zu den Heiligen in dem
Himmelreiche.
    Zu Gott, dem Herrn des Himmels, und zu den Heiligen im Himmelreiche,
riefen die Mnner der Versammlung.
    Seid bedankt, ihr Herren, sagte Wladislaw, und achtet der Zeichen, wenn
sie tnen werden, da wir vorwrts dringen.
    Er erhob sich von seinem Sitze, und die Mnner um ihn erhoben sich von ihren
Sitzen.
    Da ging ein Krieger von denen, welche an dem Eingange des Zeltes standen, zu
dem Herzoge, und sagte: Hoher Herr! Der Leche Bozebor harret, seit die
Beratungen begonnen haben, vor dem Zelte, und bittet um Einla. Er ist mit
vielen Mnnern gekommen. Sie sind auer dem Lager gehalten worden.
    Er trete ein, sagte der Herzog.
    Der Krieger entfernte sich aus dem Zelte, und gleich darauf kam Bozebor in
dasselbe.
    Gehe zu mir, Bozebor, sagte der Herzog.
    Bozebor ging bis zu dem Herzoge, und blieb stehen.
    Was begehrest du? fragte der Herzog.
    Bozebor lste sein Schwert von dem Grtel, reichte es gegen den Herzog, und
sprach: Ich bringe dir mein Schwert, da du es nehmest, hoher Herr, und mich
strafest, so du mich einer Strafe wrdig erachtest. Die mit mir gekommen sind,
lasse an dem Kampfe fr die Lnder Anteil nehmen, und gib ihnen einen Fhrer,
welcher ihnen gut ist.
    Bozebor, sagte der Herzog, ich habe in der Hofburg von Prag gesprochen:
Es hat ein jeder die Freiheit, zu reden, wie sein Herz denkt, ich habe zu dir
gesprochen: Handle nach deinem Sinne, bleibe, wo du willst, bis diese Sache aus
ist, und dann komme zu mir, ich werde dir die Hand reichen. Du bist da, und ich
reiche dir die Hand. Befestige dein Schwert wieder an deinem Grtel, und fhre
deine Mnner; denn du bist ihnen gut.
    Nach diesen Worten reichte er Bozebor die Hand.
    Bozebor nahm sie, und sprach nicht.
    Dann sagte der Herzog: Fhre deine Schar in das Lager, und die Ordnung
werde eingeleitet wie auf dem Wysoka.
    Da rief Bozebor: Ich werde sie herein fhren, es wird sein wie auf dem
Wysoka, und mehr.
    Gepriesen sei Wladislaw, rief Predbor mit lauter Stimme.
    Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, riefen alle in der
Versammlung.
    Wir sind alle Freunde, sagte der Herzog, und ich glaube, wir werden es
bleiben.
    Immer, immer, immer, riefen die Mnner.
    Und so trennen wir uns, und tue jeder, was er fr ntig erachtet, sagte
der Herzog.
    Und die Versammelten schickten sich an, das Zelt zu verlassen. Die lteren
Mnner gingen zuerst, und ihnen folgten die jngeren.
    Vor dem Gezelte grten sich viele, und sprachen noch mit einander. Mehrere
gingen zu Bozebor, und reichten ihm die Hand. Er befestigte das Schwert erst
jetzt an seinem Grtel, und ging auf den Weg, seine Mnner zu holen. Einige
geleiteten ihn.
    Witiko gab Welislaw, Odolen, Sezima, Jurik, dem Sohne Juriks, Zwest, Ben,
dem Sohne Bens, Zdeslaw und Beneda den Gru, den sie brachten, zurck, und ging
dann mit Rowno und Diet von Wettern und Osel und Hermann von Attes und Wyhon von
Prachatic gegen die Stelle, auf welcher die Waldleute gelagert waren.
    Als er dort angekommen war, verkndete er seinen Mnnern, was der Herzog
verfgt hatte.
    Das mu sein, rief der Schmied von Plan.
    Das haben wir gemacht, rief Tom Johannes, der Fiedler.
    Das ist recht, das ist gut, riefen die Mnner.
    Wir werden zeigen, wie der Wald ist, rief Sifrid von Milnet, der
goldblonde Jngling.
    Gleich darauf kam auch der Bote des Herzogs, welcher die Meldung machte, da
Witiko der Fhrer der Krieger aus dem Walde sei, welche sich unter ihn gestellt
haben. Ein Herold des Herzogs brachte den Kriegern ein seidenes rosenrotes
Banner.
    Witiko sagte seinen Mnnern, sie sollen das Lager abbrechen, und nach dem
Platze ziehen, welchen ihnen der Herzog angewiesen hatte. Die Mnner brachen das
Lager ab, und zogen nach dem Platze. Das rosenrote Banner wurde vor ihnen
getragen. Auf dem Platze errichteten sie ein neues Lager. Rowno und die andern
Leute aus dem groen Walde nahmen auch ihre neuen Stellen ein.
    Witiko teilte nun seine Krieger nach den Zeichen ab, die sie hatten, und
sagte, sie sollen unter jedem Zeichen einen Mann whlen, da er in dem Zeichen
befehle. Sie vollbrachten die Wahl. Er befestigte jetzt noch mehr die Anordnung
der Abteilungen, und bestimmte die leichtere Bewegung der Reiter und Schtzen.
Vor seinem Zelte wurde die rote Fahne aufgerichtet.
    An einem Tage zog der Herzog mit Mnnern der Kirche und Kriegsherren durch
alle Lager. Sie kamen auch an die Stelle, an welcher hin die Krieger
ausgebreitet waren, die den Weg von dem langen Walde, welcher der jungen Moldau
entgegen ging, zu dieser Stadt der Versammlung gemacht hatten. Die Mnner
standen nach ihren Ordnungen. Der Herzog sah auf alle, und er sprach mit Witiko
und mit Rowno und mit Osel, bei dem seine Knaben auf den Pferden waren, welche
ihnen der Herzog geschenkt hatte, und mit Diet von Wettern und mit Hermann von
Attes und mit Witislaw von Hora und mit Wolf von Tusch und mit Wernhard von
Ottau und mit Wyhon von Prachatic und mit Wenzel von Winterberg und mit mehreren
der untergeordneten Mnner. Dann wendete er sich mit seinem Geleite, und zog
wieder durch die Lager zurck.
    Des zweiten Tages darauf wehete die Fahne der Versammlung auf dem Zelte des
Herzogs. Die Fhrer gingen in das Zelt. Der Herzog sprach: Es sind alle Sachen
geordnet, welche geordnet werden muten, und es sind die Scharen gekommen,
welche kommen sollten. Es werden heute noch die Zeichen gegeben werden, da in
dem nchsten Frhlichte der Zug beginne. Wir mssen die Veste Znaim hinweg
nehmen. Die Feinde ziehen uns entgegen; aber wir werden doch des Weges dahin
gehen. Die Ordnungen werden wir erfllen, wie wir sie beraten haben, und ich
wnsche einem jeden Heil und Segen auf der Stelle, auf welcher er ist.
    Heil und Segen, riefen die Mnner.
    Und wir werden Ordnung und Kriegszucht erfllen, sagte Bolemil.
    Wir werden sie erfllen, riefen die Mnner.
    Und so sagen wir uns Lebewohl, bis wir uns wieder auf einem andern Platze
versammeln, sprach der Herzog.
    Lebe wohl, riefen die Mnner, und zerstreuten sich, und gingen zu ihren
Leuten.
    Nach einer Stunde tnten die Zeichen, da mit dem Anbruche des folgenden
Morgens der Zug in Bewegung kommen solle, und die Zeichen pflanzten sich durch
alle Lager fort.
    Und es begannen die Arbeiten zur Beseitigung alles dessen, was hindern
knnte.
    Und als das Licht nach der Frhlingsnacht wieder gegen die Erde dmmerte,
standen die Tausende der Mnner auf ihren Fen oder saen auf ihren Pferden,
und die Ordnungen waren eingerichtet, da die Zge sich entfalten konnten.
    Witiko hatte sein dichteres Lederkleid angelegt, und sa auf dem eisengrauen
Pferde. Er bildete die Stellung seiner Schar, lie zu der Meldung der Zeichen
die Hrner der Ziegenbcke bestehen, und zu dem Zuge die langen Pfeifen, wie sie
auf dem Wege zu dem Berge Wysoka gewesen waren, und die Mnner des Waldes gingen
auf den Gefilden, die ihnen zugewiesen worden waren, dahin.
    Weit ausgebreitet auf den Feldern und Wiesen und Weiden und in den Wldern
gingen auf allen Wegen und Pfaden die Zge Wladislaws dem Lande Mhren entgegen.
    Auf dem Boden des Landes Mhren standen die meisten Banner der Feinde.
    Witiko empfing die Nachrichten von Boten, die er ausgesendet hatte, und
sendete wieder neue Boten aus, und eines Morgens sahen die Mnner die weien
Zeichen in den dunkeln Gefilden des Frhlings. Und wie die Sonne hher an dem
Himmelsbogen stieg, waren die Zeichen vor den Scharen Witikos.
    Witiko lie die Mnner antreten, wie er sie gelehrt hatte.
    Da kam ein Reiter von den Feinden mit einem Friedensfhnlein, und andere
Reiter waren hinter ihm. Er verlangte zu dem Fhrer. Da er vor Witiko stand,
sprach er: Ich will mit dir allein sprechen.
    Ich nicht mit dir, antwortete Witiko, rede vor allen.
    Mnner, rief der Reiter, der hocherlauchte Herzog Wratislaw, der uns
fhrt, sagt mit dem Auftrage Konrads, des Herzogs von Bhmen und Mhren, da er
euch Ehren und Rechte und Befugnisse und Reichtmer geben wird, wenn ihr nach
eurer Pflicht zu seinen Scharen steht. Er wird die Krieger Wladislaws
zurckwerfen, da sie des Weges gegen Znaim nicht gedenken knnen, und die
widerstehen, wird er vertilgen.
    Mann, rief Witiko, reite Augenblicks zurck. Wenn ein Mund bis auf die
Zahl hundert hinauf gezhlt hat, und dich eine Lanze oder ein Pfeil oder ein
Bolzen noch erreicht, so wird er dich treffen.
    Der Mann zauderte. Es erhob sich keine Stimme. Dann rief er: Euer Blut ber
euch.
    Dann ritt er von dannen, und die Seinigen schlossen sich an.
    Witiko lie Jnglinge, welche Pferde gut zu leiten verstanden, zu Bolemil
reiten, der links von ihm in den Fluren war. Es stand ein kleiner Wald an der
linken Seite Witikos. Die Jnglinge ritten durch den Wald. Witiko schickte
Mnner in den Wald, da sie denselben inne htten. Dann lie er die Reiter auf
einer offenen Flche, die zwischen ihm und Rowno war, bereit sein. Die Schtzen
waren auf den Seiten.
    Die Feinde gingen mit groem Geschrei vorwrts. Die Mnner Witikos gaben
keinen Laut von sich. Da tnten die Hrner der Ziegenbcke den einzelnen langen
Ton des Streits. Die Mnner senkten die Waldschfte in eine waagrechte Lage, und
gingen vor. Sie drckten wie auf dem Wysoka mit den schweren Stiefeln den Boden.
Pfeile und Bolzen flogen gegen sie. Sie gingen vor. Der Sto an den Feind
geschah. Sie gingen langsamer vor. Schild und Schwert und Lanze und Speer und
Hammer und Keule wurden gegen sie verwendet. Sie gingen vor. Das grne und weie
und rote und blaue Zeichen, das Zeichen mit den Federn und Bndern, das weie
Banner der Mnner von Plan mit der dunkelroten Waldrose, alle gingen gleichmig
vor, und das groe rosenrote Seidenbanner war bei ihnen. Die Scharen Rownos und
der andern gingen vor. Die Reiter waren an den Feinden, und Sifrid von Milnet
war auf dem weien Rosse des alten Roder Peter bemerkbar. Die Schtzen sendeten
Pfeile und Bolzen, wie sie dieselben auf Luchse und Marder senden. Die Feinde
erhoben ein greres Geschrei als frher, die Mnner des Waldes antworteten
nicht, der lange Ton des Streites erscholl. Da erhob, als es stiller wurde, der
Schmied von Plan die Stimme, und rief laut, da alles bertnt war: Wir
siegen.
    Wir siegen, riefen die Mnner mit lauten Stimmen.
    Dann war es wieder still. Die Feinde gingen schneller zurck, die Krieger
des Waldes gingen schneller vorwrts, und dann lseten sich die Ordnungen der
Feinde, sie zerstreuten sich in Flucht, und es wurde ein freier Raum vor den
Kriegern des Waldes. Diese fielen auf die Knie.
    Einen Augenblick knieten sie.
    Dann erhoben sie sich. Witiko ritt vor ihrer Reihe hinab, und grte sie
ehrerbietig mit dem Schwerte.
    Dann rief er: Jetzt zur Verfolgung.
    Und die zwei Tne der Verfolgung erschollen aus den Hrnern.
    Links von dem Walde konnte man Scharen Bolemils erkennen, und die Mnner,
die den Wald gehtet hatten, kamen nach vorwrts.
    Die Krieger gingen zur Verfolgung, und alle die Reiter strebten den Feinden
nach.
    Als man endlich von der Verfolgung abgestanden war, als man Verwundete und
Tote besorgt hatte, als die Zeit der Ruhe und Erquickung vorber war, und als
Witiko Boten an den Herzog abgesendet hatte, gingen die Mnner in der Richtung
gegen die Veste Znaim vorwrts.

                                  Dritter Band



                                       1

 In Amt und Gut.

Als an dem Tage, an welchem die Scharen des Frsten Wratislaw durch die Schfte
des Waldes zurckgedrngt worden waren, der Abend heran kam, erreichten die
Mnner des Waldes die Anhhe, welche ihnen von dem Herzoge Wladislaw als
Nachtlagerungsplatz bestimmt worden war.
    Sie breiteten sich auf der Hhe aus, und suchten die Stellen, welche sich
zur Nachtruhe eigneten.
    Witiko lie Sifrid von Milnet zu sich rufen, und sagte zu ihm: Sifrid, bist
du von dem Kampfe so ermattet, da du in der heutigen Nacht nicht noch einen
Dienst tun knntest, und ist dein Pferd noch im Stande, einen migen Ritt von
einigen Stunden zu ertragen?
    Sifrid antwortete: Ich habe gesagt, da meine Glieder sind wie die eines
andern Mannes, und da ich tun will, was ich kann: und da nun der andere Mann
den Dienst tte, so tue ich ihn auch, und oft haben wir den ganzen Tag
gearbeitet, und in der Nacht getanzt. Und was das Pferd anlangt, so habe ich dir
ja erzhlt, Witiko, da ich die Pferde des alten Roder Peter warte, und ich
warte sie sehr gut, und wei, was sie ertragen, und habe mir das beste
ausgesucht, da ich fort geritten bin.
    Also wirst du reiten? fragte Witiko.
    Ich werde reiten, sagte Sifrid.
    Also, hre. Hast du dir alles gemerkt, was heute in dem Kampfe geschehen
ist? fragte Witiko.
    Ich habe es mir gemerkt, antwortete Sifrid.
    Wie heit der Fhrer der Scharen, die gegen uns gekommen sind? fragte
Witiko.
    Es ist Wratislaw, der Herzog von Brnn, ein nichtsnutziger Vetter unseres
erleuchten Herzoges Wladislaw, antwortete Sifrid.
    Gut, und wie viele Stunden sind wir seitwrts nach rechts in der Verfolgung
gegangen, und wie viele wieder links zu unserem Wege, und wohin sind die meisten
der Feinde geritten, und wie heit der Berg, auf dem wir jetzt stehen? sagte
Witiko.
    Wir sind vielleicht drei Stunden gegen Sonnenuntergang hinter den Feinden
her gewesen, und sind dann vier oder fnf Stunden wieder in der Richtung gegen
Sonnenaufgang gezogen, und die Feinde sind zerstreut gegen Sonnenuntergang
geritten, und der Berg, auf dem wir stehen, heit Branis, antwortete Sifrid.
    Es ist, wie du sagst, entgegnete Witiko, reite nun zu dem Herzoge, und
berichte ihm das alles genauer als meine ersten Boten konnten, und erzhle ihm,
was du von dem Kampfe der Wahrheit nach weit, sage, da ich dich sende, und da
wir wenige Mnner verloren haben. Ich werde dir noch vier Begleiter mitgeben.
Strket euch und die Pferde durch Nahrung und etwas Ruhe. Dann reitet zu
Bolemil, Bolemil wird euch einen Boten zu dem nchsten Fhrer geben, dieser gibt
euch wieder einen, und so jeder, bis ihr zu dem Herzoge kommt. Zu Bolemil werde
ich auch noch einen andern Boten schicken.
    Es wre mir lieb, wenn ich selber meine Begleiter auslesen drfte, sagte
Sifrid, ich kenne Genossen, die den Ritt gut vollbringen werden.
    So whle sie, entgegnete Witiko, und wenn ihr bei dem Herzoge gewesen
seid, dann reitet wieder an den Scharen rechts herber, und sehet, da ihr
morgen wieder bei unserem Zuge seid.
    Ich werde alles genau tun, wie du gesagt hast, antwortete Sifrid, und
meine Genossen werden in jedem folgsam sein.
    So gehe, und sei an der Sache, sprach Witiko.
    Sifrid ging.
    Als dieses geschehen war, lie Witiko die Obmnner der Abteilungen zu sich
rufen. Und ehe diese dem Rufe des Hornes von ihren Stellen her folgen konnten,
wurde das groe rosenrote Banner vor Witiko aufgerichtet, und es wurde ein
Gezelt fr ihn zu Stande gebracht. Als die Obmnner vor dem Gezelte und vor dem
rosenroten Banner erschienen waren, sprach Witiko zu ihnen: Ehrenvolle Mnner!
Wir sind auf dem Boden der Feinde, und schon unter den Feinden, und es tut not,
da wir alle Vorsicht ben, welche der Krieg gebietet. Wir werden zu allen
Zeichen gehen, um ihre Anstalten fr die Nacht zu betrachten.
    Wir werden dir folgen, sagte einer der Mnner.
    Witiko ging nun mit den Fhrern rechts von seinem Gezelte zu dem weien
Banner mit der dunkelroten Waldrose, welches die Fugnger von Plan in den Boden
gesteckt hatten. Er sah den Lagerplatz der Mnner an, und die Wachen, welche sie
ausgestellt hatten. Dann ging er wieder weiter rechts zu dem grnen Banner der
Mnner von der Mugrauer Heide, und betrachtete ihr Lager und ihre Wachen. Dann
ging er zu dem weien Banner der Mnner von dem schwarzen Bache, dann zu dem
blauen Banner der Mnner von der unteren Moldau, dann zu dem weien Kreuze der
Mnner vom Rathschlage, dann zu der Stange, auf welche die Mnner vom Eckschlage
Geierfedern gebunden hatten, und berall betrachtete er die Lagerung und die
Wachen. Dann ging er wieder zurck bis zu seinem Gezelte, und ging von demselben
links zu dem weien Banner mit der dunkelroten Waldrose, welches die Mnner von
dem Wangetschlage hatten, und dann weiter links zu dem rosenroten Banner der
Mnner von Friedberg, und dann zu dem roten Kreuze der Mnner von der
Steinleithe, und dann zu dem gelben Fhnlein der Mnner von der Friedau, und
dann zu der Stange mit dem grnen Kranze der Mnner des neuen Kirchenschlages,
und dann zu der Stange mit den himmelblauen Bndern der Mnner der Waldmoldau,
des Heurafels und der Stift, welche Bnder die vom schwarzen Bache unter ihrem
weien Banner abgelst, und ihnen gegeben hatten. An allen diesen Stellen
betrachtete Witiko auch die Lagerungen und die Wachen, und sah, da die Sachen
recht waren. Dann ging er zu den Reitern, und sah auf ihre und ihrer Pferde
Nachtstellen und auf die Wachen. Und auch diese Dinge waren geordnet.
    Als dieser Umgang vollendet war, entlie er die Fhrer.
    Dann sammelte er ein Geleite, in welchem sich auch seine Befehlstrger
Augustin, Urban und Mathias befanden, und ging mit diesem Geleite zu den Mnnern
von Plan, und hie die Mnner sich ordnen, und blieb vor ihrem Banner stehen. Da
die Mnner geordnet waren, sprach er: Stephan, sie haben dich zu ihrem Obmanne
gewhlt, du hast heute Zucht und Festigkeit gewahret, und die Mnner haben
gezeigt, da sie auf dem Wysoka gewesen sind, und auf den Zinnen von Prag, und
da sie der Kriegsfelder immer mchtiger werden. Es gebhrt ihnen Ehre und Dank.
Und wenn die rote Rose in solcher Blte wie heute bleibt, so wird sie ein
Zeichen der hohen Achtung der Geschlechter werden. Haltet gute Nachtruhe,
Mnner, und gedenkt meiner, wie ich eurer.
    Gute Nacht, Witiko, rief der Schmied, wir gedenken deiner.
    Dann ging Witiko zu den Mnnern der Mugrauer Heide, und sprach: Wolfgang,
du hast die Mnner im Streite gut gefhrt, und sie haben die Fhrung gelohnt.
Das grne Banner ist hinter keinem geblieben. Habet Dank und gute Nacht, ihr
lieben Leute.
    Gute Nacht, Witiko, riefen die Mnner.
    Dann ging er zu denen vom schwarzen Bache, und sagte: Simon, dir und den
Deinigen gebhret Lob und Dank, und wenn euer Banner immer so leuchtet, so wird
es eine Sonne der Ehre. Genieet eine gute Nachtruhe, ihr geliebten Mnner.
    Gute Nachtruhe, Witiko, riefen die Leute.
    Und hierauf ging Witiko zu den Mnnern der unteren Moldau, und sagte: Veit,
du hast mit deinen Leuten eifrig gekmpft, und ihr verdienst Dank und Erkennung.
Ruhet in der Nacht wohl aus von den Mhen des Tages.
    Ruhe auch wohl, Witiko, sagte Veit, du bedarfst der Ruhe am meisten.
    Sie wird kommen, wenn die Zeit ist, antwortete Witiko.
    Dann ging er zu den Mnnern vom Rathschlage, und sprach: Gregor, sie haben
recht an dir gewhlt, du bist standhaft und stark mit ihnen gewesen. Habet alle
einen groen Dank und eine gute Nacht.
    Gute Nacht, Witiko, sagte Gregor, und gute Nacht riefen noch mehrere
Mnner.
    Darnach ging er weiter zu denen vom Eckschlage, und sagte: Michael, du bist
mit den Deinigen streitbar gewesen wie der Vogel, von dem ihr euer Zeichen
genommen habt. Und wenn auch nur eine Feder auf eurer Stange bleibt, so wird sie
sein wie der Stab eines Herzogs, und die Frsten und die Herren werden euch
darum beneiden. Habet eine ruhige Nacht, ihr lieben festen Leute.
    Habe eine gute Nacht, Witiko, sagte Michael, und gedenke unser.
    Ich gedenke eurer, sprach Witiko.
    Nachdem er dieses gesprochen hatte, ging er wieder an allen Leuten zurck zu
seinem Gezelte, und von demselben links zu den Mnnern aus dem Wangetschlage. Er
sprach zu ihnen: Johannes, wenn auch schon eine Zahl von Jahren ber dein Haupt
gegangen ist, so sind doch die Wangen desselben noch rot, wie wei die Haare
sein mgen, und die haben wohl getan, die dich zu ihrem Obmanne gewhlt haben.
Liebe Heimatgenossen, da ihr die rote Waldrose in euer weies Banner gesetzt
habt, weil ich eine rote Waldrose auf dem weien Schilde in dem Streite des
Wysoka getragen habe, und weil Huldrik gesagt hat, da meine Vorfahren Rosen von
Rom gebracht haben, so ist mir dieses ein liebes Zeichen, und ich habe das
Zeichen der kleinen Schar gesehen, als wir von den Feinden angegriffen worden
sind, und ich habe gesehen, wie das Zeichen ruhig gegen die Feinde ging, als
wre eure kleine Schar eine groe. Nehmet dafr den Dank und die Ehre, und mge
die Rose allen Gutes bringen, die in unserer Heimat wohnen.
    Witiko, sagte Johannes, du wirst die Rose zu uns bringen, und durch dich
und deine Nachkommen wird sie Gutes in dem ganzen Walde verbreiten.
    Wenn Nachkommen auf mich folgen, entgegnete Witiko, und wenn sie die
Heimatgenossen so lieben wie ich, so werden Nachkommen und Heimatgenossen in
trauter Verbindung mit einander fort und fort in die Zeiten leben.
    Sie werden in dieser Verbindung leben, sagte Johannes, sie werden.
    Und so pflegt heute eines zufriedenen Schlummers, sprach Witiko.
    Du auch, antwortete Johannes.
    Darnach ging Witiko zu den Leuten von Friedberg, und sagte: Oswald, euer
Banner hat die rosenrote Farbe der Herzogsbanner, und ist im Streite gewesen wie
die Banner des Herzogs. Lob und Vergeltung wird kommen. Ruhet heiter nach der
Arbeit.
    Ruhe heiter, Witiko, riefen mehrere Mnner.
    Dann ging er zu denen der Steinleithe, und sprach: Liebhart, ihr seid die
wenigsten gewesen; aber wie das Kreuz von den Hhen der Lnder in die Ebenen
herrschet, so ist euer Kreuz in den Feinden sichtbar gewesen. Habet Preis und
Dank und eine friedliche Nacht.
    Gute Nacht, Witiko, sagte Liebhart.
    Dann ging Witiko zu den Mnnern der Friedau, und sagte: Peter, ihr habt
sehr wenig Htten; aber ihr habt die Mnner aus dem tiefen Walde heraus gezogen,
und seid eine groe Zahl geworden, und seid im Kampfe verllich gewesen wie die
harten Stmme des Waldes. Habet eine gute erfrischende Nacht.
    Du auch, riefen mehrere Mnner, gute erfrischende Nacht.
    Dann ging er zu denen des Kirchenschlages, und sprach: Dietrich, euer Kranz
ist aus grnen Wollbndern gewunden, ihr habt ihn hoch gehalten, und wenn er so
hoch in allen Streiten bleibt, so wird er nicht wie aus Sammet und Seide sein,
sondern wie das Grn der kstlichsten Gewchse, die nie erbleichen und welken.
Habet Dank und eine erquickende Nacht.
    Gute Nacht, Witiko, sagte Dietrich.
    Dann ging Witiko zu den Mnnern der Waldmoldau, des Heurafels und der Stift,
und sagte: Thomas, ihr seid die letzten an dem Saume des Landes gegen Baiern
hin; aber ihr seid nicht die Letzten im Kampfe gewesen, und werdet es nie sein.
Nehmet Lob, und strkt eure Glieder in frhlichem Schlummer.
    Du auch in frhlichem Schlummer, riefen mehrere Mnner.
    Als Witiko bei allen diesen Scharen gewesen war, ging er zu dem Platze der
Reiter. Er blieb vor der Lanze Philipps, des Steigers, stehen, die in dem Boden
stak, und daran das weie Fhnlein mit der dunkelroten Waldrose hing. Als sich
die Mnner nach seinem Wunsche vor ihm gesammelt hatten, sprach er: Wenhart, du
liebwerter alter Mann, der du in den Kriegen des Herzoges Swatopluk mit Boriwoy
gewesen bist, in den Kriegen Wladislaws, des Vaters unseres erlauchten Herzoges,
mit Boriwoy, der du in dem Kampfe auf dem Berge Wysoka gewesen bist, und der du
gesagt hast, da ihr in den Kriegen das Zusammenstehen gelernt habt, wie es
richtig ist: dich haben die Reiter zu ihrem Fhrer gewhlt, wenn du auch alt
bist, wenn du auch von den wenigen kleinen Htten der Friedau stammst, und wenn
auch die grte Zahl der Reitenden aus Plan und der Umgebung von Plan ist. Und
du hast es dargetan, da die Wahl recht war. Auf dem Zuge ist die Ordnung und
Zucht der Reiter immer besser geworden, und in dem Kampfe des heutigen Tages
sind sie gewesen wie ein einzelner kriegerischer unbezwinglicher Mann. So der
Jngling mit seinem schlanken Leibe auf dem Rosse, so der Mann in seiner Strke,
so der Greis mit seinen weien Haaren, wie mehrere unter euch reiten. Es ziemt
sich, Lob und Ehre ber die Schar zu sprechen. Und wenn kein fernerer Kampf
schlechter wird als der heutige, so werden die Reiter des Waldes mit ihren
kleinen Pferden, wie du auf einem schwarzgrauen reitest, Wenhart, und wie der
Richter von der Mugrauer Heide auf einem braunen reitet, und wie der Richter von
den Steinleithenhusern auch auf einem braunen reitet, unter denjenigen sein,
die in allen Teilen des Landes werden genannt werden.
    Es wird kein Kampf schlechter sein, rief ein Mann, der neben der Lanze
Philipps, des Steigers, stand.
    Ich glaube es, sagte Witiko, und ich habe dich im Streite schon gesehen
auf deinem struppigen ziegelfarbigen Pferde, du Rufer.
    Darauf fuhr er fort: Und wenn es so ist, so wirst du mithelfen, Wenhart,
da die Drangsale des Krieges nicht ber unser Waldland kommen, von denen du uns
in dem Schenkhause der unteren Moldau erzhlt hast.
    Wenn Gott und die Heiligen nicht dagegen sind, antwortete Wenhart, so
werden wir alle getreulich helfen, da sie nicht kommen.
    Wir werden helfen, riefen mehrere Mnner.
    Und du hast gewi auch geholfen, Wenhart, sagte Witiko, da aus dem
groen schnen Walde, der von den Friedauer Htten gerade hinan steigt, bis zu
der Stelle des heiligen Apostels Thomas, und der links von den Friedauer Htten
gegen den Heurafel und gegen die Stift geht, und der rechts von den Friedauer
Htten sehr weit fortgeht ber die untere Moldau, ber die Glckelberge, bis zu
dem Hochfichte, so viele Mnner zu euch gekommen sind, da die kleine Zahl der
Friedauer eine groe geworden ist.
    Da haben viele zusammen geholfen, sagte Wenhart, die als Jger, als
Holzknechte, als Khler, als Pechsammler, als Krutersucher, als Bienenvter in
dem Walde sind. Und nicht blo aus denjenigen Wldern stammen sie, die du
genannt hast, sie sind auch aus dem Schnwalde, aus dem Gesenke und aus dem
Walde, der von dem heiligen Apostel Thomas gegen Baiern hinabsteigt, und aus der
reichen Au gekommen. Florian, der alte Mann, der dich einmal von Baiern herein
gefhrt hat, ist unter ihnen.
    Das habe ich nicht gewut, sagte Witiko, ich mu einmal zu ihm gehen. Und
so hlt der Wald zusammen, da durch viele der Feind von ihm abgewendet werde,
wie du gesagt hast, und da die vielen gegen den Feind sind wie gegen die Wlfe.
Wo ist denn der andere Wenhart, der vom Drrwalde? Ich habe ihn unter den
Fugngern nicht gesehen.
    Er ist auch nicht unter den Reitern, sagte Maz Albrecht von Plan, wie er
nach dem Streite auf dem Berge Wysoka Mnner aufgewiegelt hatte, da sie nach
Hause gingen, weil sie nichts mehr gewinnen knnten, so ist er jetzt gar nicht
mitgegangen, weil ihm das Spiel zu teuer schien fr gehofften Gewinn.
    Er fahre wohl, sprach Witiko. Und nun, ihr Mnner, gnnt euch und euern
Tieren Erquickung und Ruhe. Ich sehe euch im Frhlichte wieder, und sage jetzt
gute Nacht.
    Gute Nacht, Witiko, gute Nacht, gute Nacht, riefen mehrere.
    Witiko ging nun mit seinem Geleite zu seinem Gezelte.
    Als er dort angekommen war, dmmerte das Land schon im tiefen Abende, und er
sah links von sich weit zurck die Lichter an dem Platze, wo die Leute Bolemils
lagern muten, und weiter zurck sah er noch Lichter in sehr mattem Schimmer.
    Vor seinem Gezelte harrten Boten von Rowno und von den andern Fhrern.
    Witiko entlie sein Geleite, lie die Boten in sein Gezelt kommen, hrte sie
an, und fertigte sie dann ab.
    Hierauf ging er wieder aus seinem Gezelte, und ging zu Rowno. Mit Rowno
sprach er durch lngere Zeit.
    Dann ging er zu den andern, und sprach mit ihnen auch.
    Dann ging er wieder zu seinem Gezelte zurck, und von demselben ging er, und
sah, wie die Pferde gepflegt wrden, und ordnete noch manches an.
    Als dieses alles geschehen war, ging er in das Gezelt, setzte sich zu dem
Tische, und a von den Speisen, die ihm Jakob als heutiges Abendmahl brachte,
und trank von dem Weine, der auf dem Tische stand.
    Dann legte er sich zur Ruhe.
    Er hrte die ordnungsmigen Rufe der Wachen in dem Lager.
    Zu einer Zeit der Nacht erhob er sich, ging vor das Gezelt, und nahm von den
Mnnern, welche sich an demselben befanden, drei, und ging mit ihnen durch das
ganze Lager. Er fand alles in dem Stande, wie er es angeordnet hatte.
    Dieses tat er nach Mitternacht noch einmal.
    Im schwachen Morgenlichte stand er auf, und da die Leute ihr Morgenmahl
verzehrt hatten, gab er den Befehl, da die Zeichen zu der Aufstellung der
Mnner tnten. Die Zeichen tnten, und die Mnner bewirkten ihre Sammlung und
Stellung.
    Als dieses vollbracht war, bestieg Witiko sein Pferd, ritt vor sie und
sprach: Mnner und Kriegesbrder, ich habe gestern das Recht der Ehre ber den
gewesenen Kampf vor jeder Abteilung ausgesprochen. Ich spreche es heute vor euch
allen Versammelten gebhrend aus. Ihr habt getan, was sich geziemt, und was in
euern Herzen war. Den Lohn des Herzens habt ihr euch gegeben, den Lohn der Ehre
und des Gutes werdet ihr erhalten. Ich habe gestern Boten an den erlauchten
Herzog Wladislaw gesendet, welche ihm alles melden sollen. Und wenn ich wieder
das Angesicht des hohen Herzoges sehe, und wenn Raum zum Sprechen ist, so werde
ich ihm erzhlen, wie sich der Kampf in jedem Stcke begeben hat, und er wird
das Ntige verfgen. Nun ist es aber an uns, den Zug weiter fortzusetzen. Wir
werden an den Zeichen der Abteilungen, die uns zunchst gelagert haben,
Weisungen sehen. Der Zug mu in dem Lande der Feinde, wo berall ihre Scharen
sein knnen, vorsichtiger geschehen als bisher. Enthaltet euch von lediglicher
Grausamkeit, die Kinder dieses Landes sind wie die Kinder des Landes Bhmen, und
der erhabene Herzog Wladislaw ist der Herzog des Landes Bhmen und des Landes
Mhren. Achtet, wenn es nicht der Krieg bedarf, der Habe der Bewohner, wie es
euch auch schmerzen wrde, wenn Brderscharen kmen, das Eurige dahin zu nehmen.
Was die Feinde im Kampfe und nach dem Siege lassen mssen, dessen wird jeder
seinen Teil erhalten. Was einer in dem Einzelkampfe dem Feinde nimmt, behalte
er, und wahre sich's zum Denkmal, oder wende es zur Not der Seinen. Ich
wiederhole nun als Bestellter des Herzoges den Dank fr den gestrigen Kampf noch
einmal, und jetzt gebt das Zeichen zur Zugsbereitschaft.
    Ein Fahnenzeichen wurde vor dem Gezelte Witikos gemacht, und sofort erscholl
der Ton der Zugsbereitschaft aus Veit Gregors groem Horne, und die kleinen
Hrner wiederholten ihn.
    Die Mnner lseten ihre Stellung auf, und suchten sich zum Zuge zu rsten.
    Die Arbeiter brachten die Gezeltstcke und die Lagerstcke zu den Sumern,
mancher der Mnner strebte noch, das eine oder das andere Beuteding, welches von
dem gewesenen Kampfe herrhrte, bei dem Gepcke sicher zu bergen, und in kurzer
Frist waren alle zu dem Zuge gerichtet.
    Witiko hielt auf seinem Pferde vor ihnen. Da kamen noch Boten von Rowno und
den andern. Witiko hrte sie und sendete sie wieder zurck. Es kamen auch Boten
von Bolemil. Als sie abgefertigt waren, blickte er zu seiner Linken in die
Gefilde, er blickte lange dorthin, wo noch Scharen des Herzogs sein muten.
    Hierauf befahl er, zu ziehen.
    Der Ton des Zuges erscholl aus dem Horne und ward weiter gegeben.
    Und unter den Klngen der langen Pfeifen schritten die Mnner vorwrts, und
mit Pfeifen und Heerpauken strebten die Reiter ihres Weges dahin. Der Tro
folgte.
    Nach drei Stunden war eine kurze Vormittagsruhe, und wieder nach drei
Stunden kam die Ruhe des Mittages. Die Mnner und die Frauen, welche mitgekommen
waren, machten Feuer, und bereiteten Speisen, und man richtete die Getrnke
zurecht. Den Pferden wurde Nahrung und Trank gereicht.
    Da sie noch ruheten, sahen sie groen Rauch vor sich in dem Lande
emporsteigen.
    Witiko sendete sogleich Kundschafter in der Richtung dahin.
    Dann lie er die Mnner sich so lagern, da sie schnell in Kampfbereitschaft
sein konnten.
    Ehe seine Boten aber einen groen Weg zurckgelegt hatten, kamen Wakul, der
Sohn des Bus, und Ferin, der Sohn Ferins, die zu den Kundschaftern Witikos
gehrten, und sagten, da der Ort Jamnic brenne, und da Mnner des Herzogs,
welche aus den Gebirgen gegen Polen stammen, als Vorhut seitwrts gestreift und
das Feuer angezndet haben, und da sie den Einwohnern jede Habe genommen haben,
die man wegtragen konnte. Die Mnner in dem Lager sahen jetzt auch noch an
anderen Stellen Rauch aufsteigen, wo vielleicht Krieger des Herzoges waren.
    Die Witiko ausgesendet hatte, kamen zurck, und sagten das nmliche, was
Ferin und Wakul gesagt hatten.
    Witiko lie, da die festgesetzte Zeit zu der Mittagsruhe aus war, die Mnner
wieder zu dem Zuge sich sammeln.
    Und der Zug ging in Ordnung, wie ihn Witiko eingerichtet hatte, weiter.
    Auf den Fluren fand er jetzt keinen Menschen mehr, auch war beinahe kein
Tier zu erblicken. Raben, Dohlen, Krhen und derlei Gevgel waren in der Nhe
der Scharen, als zgen sie mit. Wo sie Huser trafen, waren ihre Tore und Tren
offen, und ihre Gelasse erbrochen. Selbst die Kirchentore waren eingeschlagen,
und Gerte des Gottesdienstes aus den Heiligtmern entwendet. Das Gras der
Wiesen und die emporstrebenden Wintersaaten waren verwstet, und was man hatte
erraffen knnen, war zu Pferdefutter und zu Futter der Ochsen verwendet, die bei
dem Heere waren.
    Am spten Nachmittage kamen die Mnner Witikos nach dem Orte Jamnic. An
vielen Stellen brannte das Feuer noch. Wo keines brannte, war es erstorben, weil
alle brennbaren Stoffe verzehrt waren; denn zum Lschen waren keine Arme
vorhanden gewesen. Die Mauern standen geschwrzt aufrecht, oder waren zum Teile
gestrzt, durch die Fensterhhlen sah man in leere Rume, und die Schornsteine
ragten hoch aus dem Getrmmer empor. Es waren keine lebenden Geschpfe zugegen.
    Witiko lie seine Leute teils durch die Brandsttte, teils um dieselbe
gehen. Die Mnner schauten mit sehr ernsten Gesichtszgen auf die Dinge, und die
Weiber klagten laut, da man alles weggenommen habe.
    Von dieser Stelle bewegte sich der Zug Witikos weiter gegen rechts, und
gelangte in Fluren, durch welche noch keine Krieger gezogen waren. Man hatte den
ganzen Tag keinen Feind gesehen.
    Als Nachtlagerplatz war die Stelle bestimmt, wo die Huser von Petrein
standen. Es waren auch zwei groe Burgen in der Nhe. Die Mnner Witikos
ordneten den Lagerplatz, wie es in Feindesland eingefhrt worden war. Als die
Huser und die Burgen durchsucht waren, sendete Witiko Abteilungen von Kriegern
in dieselben, da sie, was an Nahrungsmitteln, an Futter fr die Tiere und an
Zugesbedarf vorhanden wre, nhmen, damit ein Teil heute noch gebraucht, ein
anderer Teil fr den weiteren Gebrauch mit dem Zuge fortgeschafft wrde. Die
Krieger brachten auf Wgen weniges Getreide, Mehl, Eier, Brod, einiges
geruchertes Schweinfleisch, Bier, Wein, Heu und Stroh. Sie sagten, da die
Huser und Burgen offen stehen, und da sie nur den Rest bringen, den die
Fliehenden nicht mehr haben bewltigen knnen. Es habe keiner der Mnner etwas
fr sich genommen, wie Witiko eingeschrft habe. Es sei auch fast nichts
gewesen, was man htte nehmen knnen. In der Nacht aber gingen Leute des Trosses
doch noch in die Streife, und brachten Hhner und anderes Geflgel nebst Lappen
fr ihren Leib in das Lager.
    Witiko lie die Nachtruhe halten wie in der vergangenen Nacht. Er
untersuchte wieder mehrere Male das Lager.
    Am Himmel sah man, als es finster geworden war, Rten von groen Feuern.
    Als sich der Morgenhimmel lichtete, stand Witiko vor seinem Gezelte, und
schaute in die Gegend hinaus, so weit man schon irgend etwas erblicken konnte.
    Nach einer Zeit sagte er zu dem Knechte Jakob: Gehe zu denen aus der
Friedau, und frage nach dem alten Florian, der im Walde an der reichen Au
hauset, die im Mittage von der Waldstelle des heiligen Apostels Thomas liegt.
    Ich kenne den Mann, sagte Jakob, Huldrik hat uns erzhlt, da er Euch
durch den Wald aus Baiern herein gefhrt hat, zu jener Frist, da Ihr nicht in
dem Wangetschlage gewesen seid.
    Es ist dieser Mann, sprach Witiko, fhre ihn zu mir.
    Ich werde es tun, sagte Jakob.
    Darauf entfernte er sich, und kam in kurzer Zeit mit Florian zurck.
    Witiko war noch vor dem Gezelte. Er sprach zu Florian: Komme mit mir in
meine Wohnung.
    Als sie in dem Gezelte waren, sagte Witiko: Setze dich auf diesen Stuhl,
Florian.
    Florian tat es. Witiko setzte sich auf einen andern Stuhl, und sprach: Sei
mir von meinem Herzen gegrt, Florian. Ich habe dich selber bei deinen
Mitstreitern besuchen wollen; aber weil Boten und Nachrichten kommen knnen,
mute ich bei dem Gezelte bleiben.
    Ich bin recht gerne zu dir gegangen, Witiko, sagte Florian.
    Und du bist auch in deinem Alter noch in den Krieg gegangen, sprach
Witiko.
    Sie haben erzhlt, wie du in der unteren Moldau gewesen bist, antwortete
Florian, und gesagt hast, was von den Feinden und von einem Herren, der in die
Wlder kommen wird, zu frchten ist, und da habe ich gesagt: Wir im Mittage von
dem heiligen Thomas haben auch wie die andern Waldleute nur den Herzog zum
Herrn, und ich habe Witiko vor Jahren, da er schier noch ein Knabe war, durch
unsern Wald und durch die Wlder an den Moldaufllen und durch die krumme Au bis
in das ebene Land hinein gefhrt, und wenn manche Waldleute dem alten Wenhart
von der Friedau folgen, so sollen wir auch nicht zurckbleiben, und mit den
Friedauern sein, und manche sind gegangen, und ich bin mit gegangen.
    Ich gedenke es dir noch mit Dankbarkeit, sagte Witiko, wie du im
Einvernehmen mit deinem Sippen, dem Khler Mathias, der unter dem breiten Berge
wohnt, und in dessen Htte ich geschlafen habe, mir gutes Geleite aus Baiern in
das Land Bhmen gegeben hast. Es ist ein schner Wald, in dem du wohnst, und auf
dessen Schneide die Sule des heiligen Apostels Thomas gestanden ist.
    Er ist der schnste weit und breit, sprach Florian.
    Es mag wohl so sein, antwortete Witiko, und du hast Mnner aus dem
schnen Walde gebracht, und bist selber mit ihnen gekommen, der Sache des
Herzoges zu helfen. Ich habe es gestern gehrt, und habe Freude darber gehabt,
und wollte mit dir sprechen.
    Und wir haben Freude darber, da du uns fhrst, sagte Florian, du bist
nicht herrisch, und meinst es gut.
    Jetzt nimm einen Morgenwein und ein Stckchen Morgenbrot mit mir, sprach
Witiko.
    Das werde ich gerne tun, wenn du es willst, sagte Florian.
    Witiko lie aus seinem Vorrate etwas Wein bringen, dann Brod und zwei
Schnitten kalten Bratens.
    Er teilte das Gebrachte mit Florian.
    Als sie gegessen und getrunken hatten, sagte Witiko: Jetzt gehe zu den
Mnnern von der Friedau, und bringe ihnen meinen Gru, und sage ihnen, wir
wollen recht getreulich zu einander halten, und wenn alles aus ist, an den Ufern
der Waldmoldau von den Dingen sprechen.
    Ja, das werden wir tun, sagte Florian, und wir werden sprechen.
    Witiko geleitete seinen Gast aus dem Gezelte, reichte ihm die Hand,
verabschiedete sich, und der alte Mann schlug seinen Weg zu denen von der
Friedau ein.
    Der Tagesschein war nun vllig klar geworden, die Morgenarbeiten des Lagers
waren im Gange, und Krieger aller Arten gingen bei Witiko in Feldttigkeit ab
und zu.
    Als dieses geschah, kam Sifrid von Milnet mit seinen Gefhrten gegen das
Gezelt Witikos. Mit ihnen ritten mehrere Reisige des Herzogs. Zwei von den
Reitern trugen jeder ein groes rotseidenes Banner.
    Seid ihr zurck, rief Witiko, und hast du mit dem Herzoge gesprochen,
Sifrid?
    Ja, mit dem hocherhabenen Herzoge und mit Bischfen und mit alten Fhrern
und mit dem Bruder des Herzoges, der Prag verteidigt hat, und mit dem andern
Bruder, und noch mit andern, Welislaw grt dich, und ich bringe den Dank des
Herzogs, sagte Sifrid.
    Seid ihr in der Nacht geritten? fragte Witiko.
    Nicht in der ganzen Nacht, aber gegen den Morgen lange, sagte Sifrid.
    So erquicket euch, und sorget, da die Tiere Pflege bekommen, sprach
Witiko. Ihr knnt von den Speisen und Getrnken, die ich schaffen werde, vor
dem Zelte genieen, und rckwrts sind Stnde fr Pferde, und meine Knechte
werden das Notwendige liefern. Die Botschaft von dem hohen Herzoge wirst du vor
allen Mnnern verkndigen, Sifrid.
    Soll ich sie dir nicht zuerst allein sagen? fragte Sifrid.
    Nein, du sollst alles, was du von dem Herzoge und von andern weit, vor
allen sagen, entgegnete Witiko.
    Wenn es dir so genehm ist, werde ich es tun, antwortete Sifrid.
    So steigt von den Pferden, und verfahret, wie ich gesagt habe, entgegnete
Witiko.
    Die Mnner stiegen von den Pferden. Krieger, die vor dem Gezelte waren,
standen ihnen bei, die Anordnungen Witikos auszufhren.
    Witiko hie seine Leute Speise und Trank fr die Angekommenen herbei
bringen, und seine Knechte das Notwendige fr die Pferde in Bereitschaft setzen.
Dann lie er die Zeichen fr die Aufstellung der Mnner geben.
    Als nicht nur Sifrid, und die mit ihm gekommen waren, sondern auch alle, die
sich in dem Lager befanden, ihr Morgenmahl verzehrt, und sich dann aufgestellt
hatten, fhrte Witiko Sifrid und die Reiter des Herzogs vor sie, und sprach
Mnner, Krieger, Freunde, hret, und was jeder hrt, sage er weiter seinen
Nebenmnnern, und die wieder weiter, da alle wissen, was gesprochen worden ist.
Sifrid von Milnet, den ich mit der Botschaft des gewesenen Kampfes zu dem
erlauchten Herzoge geschickt habe, ist zurckgekehrt, und bringt die Antwort des
Herzoges. Sifrid, rede.
    Sifrid stellte sich vor die Mnner, und sprach: Kampfesbrder und
Feldgesellen, unser Obmann Witiko hat zu mir gesagt: reite zu dem hohen Herzoge,
und erzhle ihm alles, was du von dem Kampfe jetzt gesagt hast; denn er hat mich
vorher gefragt, und was du der Wahrheit nach noch weit, und sage, da ich dich
sende, und da wir nur wenige Mnner verloren haben. Ich ritt mit vier Freunden
zu dem Herzoge. Ehe die Morgenzeichen gegeben waren, standen wir bei dem groen
roten Banner vor seinem Gezelte. Und als ich gesagt hatte, was ich wolle, und
als es ihm gemeldet worden war, lie er Mnner in sein Gezelt kommen, und lie
uns dann vor sie hinstellen. Es war sein Bruder da, der erlauchte Diepold, dann
sein anderer Bruder, der erlauchte Heinrich, es war der Bischof von Prag da, es
war der Bischof von Olmtz da, welcher erst gekommen war, es war der Zupan
Lubomir da, es war Diwis da, es war der Abt von Kladrau da, und der Abt von
Wilimow, und der Kanzler Gervasius, und ein Priester, den sie Daniel hieen, und
es war der Zupan, der Zupan, ich habe die Namen vergessen, ein guter junger
Mann, Welislaw, der ein Freund Witikos ist, hat sie mir alle gezeigt, da die
Sache aus war, und hat gesagt, er lasse Witiko aus dem Gemtsgrunde gren. Und
der hohe Herzog hat gesagt: Junger Bote, rede. Und ich habe dann geredet: die
Feinde sind vor uns gekommen, und einer hat gesagt, wir werden groen Lohn
bekommen, wenn wir zu dem unrechten Herzoge Konrad halten wollen, der Herzog
Wratislaw von Brnn sende ihn, und der Herzog Wratislaw brge fr seine Worte,
und wenn wir uns nicht fgen, werden wir alle vertilgt werden. Und unser Obmann
Witiko hat den Boten fortgejagt, und hat uns zu dem Kampfe gefhrt, und hat
angeordnet, wie alles geschehen msse, und hat im Kampfe gerufen, und hat seine
Rufe durch die Boten berall hin geschickt, und hat es sehr gut gemacht.
    Erzhle, was du von den Mnnern gesagt hast, nicht von mir, ich habe dir
nichts davon aufgetragen, unterbrach ihn Witiko.
    Du hast gesagt: Erzhle, was du von dem Kampfe der Wahrheit nach weit,
sprach Sifrid, und das ist die Wahrheit.
    Es ist die Wahrheit, rief ein Mann, Witiko hat gut geordnet.
    Witiko hat gut geordnet, riefen zahlreiche Stimmen.
    Mnner, rief Witiko, lat den Boten reden, unsere Zeit ist kurz. Rede
weiter, Sifrid.
    Sifrid sprach weiter: Witiko hat es sehr gut gemacht. Wir gingen, da die
Hrner der Ziegenbcke erschallten, immer vorwrts, wie es sein mu. Der Herzog
Wratislaw hat selber die Scharen gegen uns angefhrt, die Reiter drngten auch
vorwrts, und die Bogenschtzen, und alle, wir htten eher gewollt, da der
Boden, auf dem wir standen, mit uns in den Abgrund strze, als da wir den
Feinden einen Grashalm gelassen htten, und sie wankten, und sie wurden locker,
und flohen auseinander. Und da vor uns ein Raum geworden war, fielen die Mnner
auf die Kniee, und dankten Gott. Und dann verfolgten wir die Feinde drei Stunden
oder dergleichen rechts ab von der Richtung unseres Zuges, und sie zerstreuten
sich immer weiter, und wir gingen dann fnf Stunden lang wieder gegen links, da
wir unseres Weges gewnnen. Und keiner hat sich mehr weiter blicken lassen, der
uns etwas angehabt htte, und alle die Zeichen, welche die Abteilungen Witikos
haben, sind unter der roten Fahne ganz gleich in dem Kampfe vorgegangen, und
Rowno befehligte Waldleute im Kampfe an unserer rechten Seite, und sie gingen
mit ihren kleinen Zeichen vor, wie wir mit dem groen, und Wyhon von Prachatic
befehligte die anderen Waldleute rechts von Rowno, und diese gingen auch mit
ihren kleinen Zeichen vor, wie wir und Rowno, und alle waren gleich. So ist die
Sache gewesen. Wir haben wenige Mnner verloren. Die Toten sind begraben worden,
die Verwundeten haben sie in Pflege genommen, es wird schon fr sie gesorgt
sein, ich wei nicht, wer sie sind, ich mute am Abende mit meinen Freunden
gleich fort reiten, um die Botschaft zu bringen, wie ich sie wei, und so, wie
ich sagte, wei ich sie. Heute mu ich wieder zurck reiten, um den Zug Witikos
zu treffen, wie er in der Anordnung weiter geht, die bestimmt worden ist. So
habe ich zu dem hohen Herzoge geredet, und dann redete ich nicht mehr.
    Der Herzog aber fragte mich, ob die Schar Wratislaws gro gewesen sei.
    Ich sagte: Wir haben die Mnner nicht gezhlt; aber unsere Kriegsleute haben
nach dem Kampfe gesprochen, da ihre Zahl grer gewesen sei als die unsrige.
Wir haben sie blo in die Flucht gejagt.
    Haben eure Mnner gerufen, da sie eher mit dem Boden in den Abgrund
strzen, als dem Feinde einen Grashalm lassen wollen? fragte der Herzog.
    Nein, antwortete ich, ich habe mir gedacht, da sie so denken wie ich.
    Denke nur in jedem Kampfe so, sprach der Herzog.
    Ich denke im Kampfe und auf dem Zuge immer so, antwortete ich, ich habe
einmal zu Hause gesagt, da wir eher die Wlder anznden als sie dem Feinde
lassen sollen; aber Witiko hat geantwortet, das wird nicht ntig sein.
    Eure Wlder werden grnen, wenn die Feinde lngst zu Boden geworfen sind,
sagte der Herzog.
    Bist du unter den Reitern Witikos, und stammst du aus dem Walde? fragte er
mich dann wieder.
    Ich bin der Sohn eines armen Weibes, antwortete ich, der mein Vater vor
vielen Jahren gestorben ist, und warte die Pferde des alten Mannes Roder Peter,
und weil er nicht mehr in den Krieg ziehen kann, so hat er mir ein weies Pferd
geliehen, und mit dem bin ich unter den Reitern Witikos, weil ich in Milnet im
Walde nicht weit von Witiko wohne.
    Und ihr Reiter habt euch gut gehalten? fragte der Herzog.
    Die Feinde haben sehr schne Pferde gehabt, antwortete ich, aber wir haben
nicht nachgegeben, und haben ihnen vierzig oder fnfzig genommen.
    Es sind siebenzig, rief Maz Albrecht.
    Das habe ich nicht gewut, sonst htte ich es gesagt, antwortete Sifrid.
    Unterbrecht den Boten nicht, rede weiter, Sifrid, rief Witiko.
    Und Sifrid redete weiter: Der Herzog sprach: Sage den Mnnern aus dem Walde
meinen groen Dank fr ihren Kampf, sage ihnen den Dank der Lechen und Herren,
die um mich sind. Wenn wir sie sehen, werden wir ihnen alle danken, und sie
ehren, und den Lohn, der ihnen aus den Kriegseroberungen gebhrt, werden sie
erhalten. Sage Witiko meinen Dank und Rowno und Wyhon, ich gedenke ihrer. Und
weil Rowno und Wyhon kleine Zeichen haben, werde ich ihnen und zwar einem jeden
ein groes rotes Banner senden. Reiter von mir werden mit dir reiten, und die
Banner bringen. Rowno und Wyhon sollen auf die Zeichen achten, wie sie auf ihre
kleinen Zeichen geachtet haben. Fr die Verwundeten und die Angehrigen der
Toten werde ich dir ein Geld mitgeben, verteilt es redlich und ohne Zank. Jetzt
erquickt euch, und zeigt es an, wenn ihr wieder weiter ziehen wollt. Merke dir
meine Worte, da du sie berbringst, wie ich gesagt habe.
    Ich merke sie mir, hoher Herr, sagte ich.
    Dann stand der hocherlauchte Herzog auf, nahm seine Haube von dem Haupte,
und sprach: So ehre ich die Leute aus dem Walde.
    Und sein hocherlauchter Bruder Diepold stand auf, und sein Bruder Heinrich
stand auf, und die hochehrwrdigen Bischfe standen auf, und die Herren und
Lechen standen auf, und sie nahmen die Hauben von den Huptern, und riefen: So
ehren wir die Leute aus dem Walde.
    Mit mir drehete sich der Raum, als sie so riefen, und als ich vor ihnen
stand. Dann gingen sie zu mir, und fast ein jeder sprach mit mir, ich wei
unsere Worte nicht mehr. Und ein junger Mann, der so lichte Haare hat wie ich,
nahm mich bei der Hand, und sagte: Es wird schon recht werden, du junges Blut,
erinnere dich meiner, ich heie Welislaw, und bringe Witiko einen Gru von mir
aus dem Gemtsgrunde, und er nannte mir die Mnner, die da waren, und dann
gingen wir aus dem Gezelte, und wir bekamen Speise und Trank und unsere Pferde
Futter, und dann kamen die Reiter des Herzogs zu uns, welche die zwei roten
Fahnen hatten, und als wir sagten, wir wollen fortziehen, gab mir ein Mann einen
Beutel mit Geld fr die Verwundeten und fr die Angehrigen der Toten, und die
Schnre des Beutels sind mit einem roten Wachspetschaft verklebt, und jeder von
uns fnf Boten erhielt drei Goldstcke, und dann ritten wir fort, und die Reiter
mit den zwei roten Bannern ritten mit uns. Die Banner sind da, und den Beutel
habe ich zu bergeben, und ich gebe ihn unserem Obmanne Witiko.
    Sifrid zog einen rotledernen Beutel aus seinem Wamse, und reichte ihn
Witiko.
    Witiko rief: Ich verwahre das Geschenk des hohen Herzoges, und werde das
Siegel mit Rowno und Wyhon und den Mnnern des Rates ffnen, und der Rat wird
die Verteilung vorschlagen.
    Segen und Heil dem hohen Herzoge von Bhmen und Mhren, rief der Schmied
von Plan.
    Segen und Heil dem hohen Herzoge, riefen fast alle Mnner mit einem
erschtternden Schalle der Stimmen.
    Wir sind dem hohen Herzoge Dank schuldig fr seine Worte und sind ihm Dank
schuldig fr seine Geschenke, rief Witiko, wir werden den Dank auf dem
Kriegsfelde bezeigen.
    Auf dem Kriegsfelde, riefen die Mnner.
    Jetzt aber, Freunde und Genossen, sagte Witiko, mssen wir die Banner zu
Rowno und Wyhon bringen. Tretet vor, Fhrer der Abteilungen. Indessen die andern
noch alles in Ordnung richten, was nach der heutigen Lagerung not tut, gehen wir
zu Rowno und Wyhon, und bergeben ihnen die Fahnen.
    Die Fhrer sammelten sich, und Witiko ging mit ihnen und mit Sifrid und
seinen Begleitern und mit den Reisigen des Herzogs, davon zwei die Banner
trugen, zuerst zu Rowno.
    Als sie vor ihm angekommen waren, sprach Witiko: Rowno, der erlauchte
Herzog erkennt, was du im gewesenen Kampfe geleistet hast, und was die Deinigen
geleistet haben. Er lt dir durch den Boten, den ich zu ihm geschickt habe,
seinen Dank sagen, und sendet euch ein groes rotseidenes Banner durch Mnner
seiner Schar, die vor dir stehen, da du dieses Zeichens so achtest, wie du
deiner Zeichen bisher geachtet hast. Empfange von dem Manne das Banner.
    Der Mann senkte die Fahne grend vor Rowno und seinen Kriegern, und gab sie
Rowno. Dieser sagte kein Wort, und es standen Trnen in seinen Augen, dann kte
er den Zipfel der Fahne, und reichte sie einem seiner Krieger.
    Hierauf ging er zu Witiko, und schlo ihn in die Arme.
    Die Mnner aber riefen: Glck dem Herzoge.
    Glck dem Herzoge, riefen sie dreimal.
    Dann verabschiedete sich Witiko von Rowno, und ging mit seinem Geleite zu
Wyhon von Prachatic.
    Demselben sagte er die Worte, die er zu Rowno gesagt hatte, und der Mann des
Herzogs grte mit der Fahne, und gab sie Wyhon. Dieser schwenkte sie, und rief:
Im ganzen Kriege und in allen Kriegen, die noch kommen werden, soll sich unser
Dank und unsere Erkennung des Herzoges erweisen.
    Die Mnner Wyhons riefen: Heil dem Herzoge, Heil dem Herzoge.
    Die Fahne wurde einem Manne in die Hand gegeben, und Wyhon bezeigte Witiko,
und seinem Geleite und den Reisigen des Herzogs seinen Dank. Dann
verabschiedeten sie sich, und Witiko ging mit allen wieder zu den Seinigen
zurck.
    Nach kurzer Zeit begaben sich die Reisigen des Herzoges auf den Rckweg.
Witiko aber ordnete alles zu dem Weiterzuge, und in kleiner Frist setzten sich
seine Scharen in Bewegung.
    Am Abende dieses Tages, da das Nachtlager eingerichtet war, kamen Boten von
Bolemil, welche bedeuteten, da man an der Stelle angekommen sei, von der aus
die Entscheidung gesucht werden wrde. Die Boten gaben die Bewegungen an, die
gemacht werden sollen, da das Heer sich sammle.
    Und am nchsten Tage und an dem folgenden Tage sammelte sich das Heer.
    Als es gesammelt war, wurden die Fhrer zu dem Herzoge entboten, damit Rat
gehalten werde.
    Im Rate wurde beschlossen, was geschehen, und wie der Feind angegriffen
werden soll.
    Ehe die Mnner des Rates auseinander gingen, wurde gemeldet, der Mhrer
Drslaw sei gekommen, und verlange mit dem Herzoge zu sprechen.
    Fhrt ihn herein, sagte Wladislaw.
    Drslaw wurde herein gefhrt.
    Sprich, Drslaw, was begehrest du? fragte der Herzog.
    Ich will dir allein eine Enthllung machen, hocherlauchter Herzog, sagte
Drslaw.
    Mache die Enthllung, so du willst, vor allen diesen, oder gehe ohne
Enthllung deine Wege, sagte der Herzog.
    Du befiehlst es so, hoher Herzog, sagte Drslaw, und ich gehorche. Mehrere
von uns, die ich dir nennen werde, wenn du unser Vorhaben gut heiest, haben
beschlossen, deiner Sache zu dienen, wenn du uns den Fortbesitz unserer Habe und
unseres Gutes gewhrleistest, und ihre Vermehrung nach deinem Sinne versprichst.
Wir werden in der Schlacht die Reihen Konrads verlassen, und Unordnung stiften,
werden, wenn es mglich ist, sogleich fr dich kmpfen, und den Sieg in deine
Hnde bringen.
    Was soll dem Manne geantwortet werden? fragte der Herzog.
    Alle schwiegen.
    Sprich, Otto, Bischof von Prag.
    Er bringt Verrat, sagte Otto.
    Er verrt den in dem Augenblicke, der ihm in dem Augenblicke vertraut,
sagte Zdik.
    Haben die Frsten aus dem Stamme Premysls noch viele solche Freunde?
fragte Diepold.
    Und was sagt Bolemil? fragte der Herzog.
    Dem Manne antworte ich nicht, entgegnete Bolemil.
    
    Hngt ihn an den nchsten Baum, rief Welislaw.
    Es wird wohl des Rates nicht viel ntig sein, sagte der Herzog. Drslaw,
wenn du aus Reue zu mir gekommen wrest im offenen Zurcktritte von Konrad,
htte ich dich mit Freuden aufgenommen, und die Gewhrleistung und Vermehrung
deiner Habe wre dir sicher gewesen wie jedem meiner Krieger; aber du wolltest
durch dein Beginnen eine weit grere Vermehrung erzielen, und hast dich geirrt.
Wenn ich mit einem fremden Feinde in einem ordnungsgemen Kriege wre, wrde
ich dich binden lassen, dich gebunden dem Feinde berliefern, und dein Ansinnen
melden. Nun aber bin ich auf einem Zuge wider Ruber von Lndern und Gewalt, sie
zu strafen, nicht Sitte und Gestalt eines Krieges zu ben. Gehe daher deiner
Wege. Deine Habe ist dem Sieger verfallen, weil du bei den Emprern bist. Und
wenn allen Emprern verziehen werden wrde, so wrde dir nicht verziehen werden,
und deinen Helfern nicht, wenn sie mir bekannt werden. Und sie werden bekannt
werden; denn Verrter verraten einander wieder. Ist der Mann mit einem Geleite
gekommen?
    Wir haben niemand bei ihm gesehen, sagte der Anmelder, die Vorwachen
haben ihn gefangen gesendet.
    So gebt ihm zwlf Mnner, da sie ihn ungefhrdet an die Grenze des Lagers
bringen. Welislaw, tue mir den Dienst, die zwlf Mnner beizuordnen. Ich frage
nun alle Herren und Lechen, ist einer der Meinung, da mit dem Manne anders
verfahren werde? Ist er dieser Meinung, so bitte ich ihn, da er rede.
    Alle schwiegen.
    So sind wir einig, sagte der Herzog, Welislaw, sorge, wie ich gesagt
habe.
    Wenn du, hoher Herzog, auf diese Art gegen diejenigen handelst, die dir
Gutes tun wollen, so ist es bel, sagte Drslaw.
    Fort von hier, sagte Wladislaw.
    Welislaw ging aus dem Gezelte, kam mit zwlf Mnnern und einem Fhrer
zurck, sie umringten Drslaw, Welislaw gab ihnen Weisung, und sie fhrten den
Eingeschlossenen aus dem Gezelte.
    Hohe Herren, sagte Wladislaw, ich habe gedacht, da wir mit froherem Mute
aus der Versammlung gehen werden, als uns nun dieser Mann eingeflt hat.
Verget es.
    Man nimmt das Bse auf dem Wege, und verdammt es, sagte der Bischof Otto,
und sucht es aus dem Gemte zu bringen.
    Wre jedes rgernis so leicht zu berwinden, wie das von diesem Wichte,
sagte Zdik.
    Und wir werden unsere Sache rein zu Ende fhren, sagte Lubomir.
    Und so nehmet meinen Dank, ihr Mnner und Freunde, sagte der Herzog, da
ihr mit Rat und Stimme bei mir gewesen seid. Ich glaube, wir haben, was not war,
heute vollendet. Lasset es euch frder nicht verdrieen, der Sache treulich
beizustehen.
    Nein, nein, riefen mehrere Stimmen, wir stehen bei.
    Der Herzog erhob sich, die Mnner erhoben sich auch, und zerstreuten sich
nach ihren Abteilungen.
    Am Abende dieses Tages kamen noch Leute aus dem mittglichen Walde. Sie
sagten, da sie den Weg nach Pilgram genommen htten, weil man ihnen denselben
gewiesen hat, im Walde seien noch Zusammenknfte gewesen, und man habe an Witiko
und Wenhart gedacht, und sie htten sich zurecht gerichtet, und seien
nachgegangen. Sie wollen jetzt mit Witiko reden.
    Witiko trat vor sie, und sprach: Seid gegret, ihr Mnner, was ist euer
Begehren?
    Wir mchten mit denen aus unserer Gegend an dem Kriege teilnehmen,
antwortete einer aus ihnen.
    Und weil du ein Fhrer bist, so mchten wir von dir gefhrt sein, sprach
ein anderer.
    Wie viele seid ihr? fragte Witiko.
    Wir sind einhundertundfnf Mnner, antwortete der, welcher zuerst
gesprochen hatte.
    Es kommen noch mehrere, sagte ein alter Mann, weil sie von der Sache
reden, und weil eine Entscheidung sein mu.
    Es ist gut, und es mu eine Entscheidung sein, sagte Witiko, und wir
mssen zusammenhalten, die zusammen gehren. Ich kenne einige von euch, und
manche werden mich kennen.
    Wir kennen dich, riefen viele Stimmen.
    Haben einige unter euch reiten gelernt? fragte Witiko.
    Ich habe mich gebt, rief ein Mann.
    Ich auch, ich auch, ich auch, riefen andere.
    Das ist gut, sagte Witiko, wir haben Pferde. Ihr alle werdet unter die
verteilt werden, welche den Krieg und seine Bewegungen schon kennen, da ihr die
Sache in der Art verrichten lernt, wie sie die verrichten, welche schon lange
dabei sind. Aber, liebe Heimatgenossen, ich darf das nicht allein tun. Lagert
euch an dieser Stelle, erquickt euch, ich werde sogleich zu dem hohen Herzoge
reiten, werde ihm das Vorkommnis erzhlen, und werde ihn bitten, da er euch zu
meinen Mnnern gebe.
    Er wird es tun, weil wir zu dir gekommen sind, sagte der alte Mann.
    Er wird es tun, sprach Witiko.
    Darauf verlangte er sein Pferd, Jakob brachte es, er bestieg es, und schlug
den Weg in der Richtung nach dem Lager des Herzogs ein.
    Als er dort angekommen, und zu Wladislaw gefhrt worden war, sagte dieser:
Du kmmst noch gegen die Nacht, Witiko, was bringst du?
    Es sind einhundertundfnf Mnner aus unserem Walde gekommen, und verlangen
als Streiter mit meinen Leuten vereinigt zu werden. Weil ich ihre Art und Weise
kenne, und weil ich die Hoffnung habe, da ich sie wie die andern zu leiten
vermgen werde, so bitte ich dich, hoher Herr, da du die Vereinigung genehm
halten wollest, sagte Witiko.
    Werden sie brauchbar sein? fragte der Herzog.
    Sie werden unter meine Mnner verteilt werden, und dann werden sie tun wie
die brigen, und unsere Kraft vermehren.
    So vereinige sie mit dir, Witiko, sprach der Herzog. Du weit aus dem
Rate, da eure Abteilung wichtig werden kann. Links von dir ist Bolemil, und
wird ausdauern. Ich habe Vertrauen auf Bolemil und dich. Wir andern werden mit
unsern Streitern auslangen, und auch das Unsere tun.
    Die Mnner des Waldes haben den Willen wie die Besten, sagte Witiko, wenn
nur meine Fhrung ausreichend ist.
    Gebrauche deine Einsicht frei und unbeirrt, wie der Augenblick es fordert,
du bist nur dir und mir Rechenschaft schuldig, das andere walte Gott, sagte der
Herzog.
    Oft sind unvorhergesehene Geschehnisse, welche unvorhergesehene Mittel
erheischen, sprach Witiko.
    Gebrauche die Mittel, wie du sie erkennst, antwortete Wladislaw, du wirst
sie der Gelegenheit anpassen.
    Mge der Herr im Himmel zu der rechten Zeit das Rechte in mein Haupt
geben, sagte Witiko.
    Wo das Rechte in dem Sinne ist, fliet es fr den Bedarf hervor, sprach
der Herzog.
    Und so wie du mir vertraust, will ich der Zukunft vertrauen, sagte Witiko.
    Vertraue ihr, sprach der Herzog, ich will noch eines zu dir sagen. Du
hast den Kampf gegen Wratislaw sehr gut gefhrt, ich habe dir und den andern vor
meinen Fhrern gedankt, und danke dir allein hier wieder herzlich. Berate mit
Rowno und Wyhon genau euer Zusammenwirken in den Dingen, die uns bevorstehen,
und handelt immer in Einigung nach der beschlossenen Richtung.
    Rowno, Wyhon und ich haben aus unseren Waldleuten wegen ihres harten
mhseligen sorgsamen Lebens taugliche Kundschafter, sagte Witiko, wir
gebrauchen sie fleiig, und wie wir die Lage der Feinde wissen, darnach beraten
wir, und nach dem Rate handeln wir dann treu zusammen.
    So tut auch immerfort, und wenn der Erfolg nicht unmglich ist, wird er
kommen, antwortete der Herzog.
    
    Ich strebe die Mglichkeiten durchzudenken, sprach Witiko.
    Das hast du bei Pilsen erwiesen, sagte der Herzog. Ich spreche jetzt
etwas zu dir, Witiko, darber ich nie gesprochen habe. Ich rede nicht von dem,
was geworden wre, wenn ihr damals die Frsten gefangen httet, ob das arme
Holaubkau verschont worden, und noch mehr, ob der jetzige Kampf unterblieben
wre. Welcher Mensch kann das ermessen: aber in groer Wahrscheinlichkeit kann
ich sagen, da durch deine Handlung die Schlacht vor Prag unterblieben ist,
wenigstens war dein Wille dahin gerichtet, und da wir dadurch der Hilfe der
Fremden nicht not hatten. Den jetzigen Kampf werden wir allein ausfechten, und
das Land wird auf sich allein stehen. Das wei ich so hoch zu schtzen, wie
jeder der Herren, wie jedes Landeskind, und wie der zornmtige Bozebor.
    Darf ich noch ein Merkmal der Sache sagen, auf das ich damals gedacht
habe? fragte Witiko.
    Sprich, sagte der Herzog.
    Wenn die Frsten gefangen vor dich gebracht worden wren, httest du sie
strafen mssen, antwortete Witiko, du httest Wratislaw, du httest Otto, du
httest den unwichtigen Wladislaw strafen mssen, der aber der Sohn des
wichtigen Sobeslaw ist, mit dem dein hochherziger Vater auf seinem Sterbebette
die Arme in Vershnung verschlungen hat. Wenn du auch mild bist, so htte vieles
kommen knnen, da geschehen wre, was dir spter leid getan htte. Sie sind
auch in ihrer Verblendung noch Zweige des heiligen Baumes Premysl. Jetzt
bekmpfen wir sie. Wir werden ihre Scharen schlagen. Wahrscheinlich werden sie
in fremde Lnder fliehen. Eine Zeit wird vergehen, manches wird vershnlicher
angesehen werden, und dein milder Sinn kann freier walten.
    Witiko, sagte der Herzog, reiche mir die Hand.
    Witiko reichte dem Herzoge die Hand, dieser fate sie, und sagte: So wie
ich dir deine Hand drcke, so bin ich dein Freund, und werde es nach meiner
Hoffnung auch bleiben. Sei mir zugetan in jede Zukunft, wenn ich es verdiene.
    Hoher Herr, antwortete Witiko, ich bin zu dir gegangen, weil ich dich fr
den rechtmigen Herzog hielt, ich habe dir dann mit Freuden gedient, weil du
ein guter Herzog bist, und ich habe Liebe fr dich gewonnen, weil du ein rechter
Mann bist.
    Du erinnerst dich der Worte, die du bei Chynow gesagt hast, erwiderte der
Herzog, und es freut mich. Ich habe dich damals erkannt, wie ich dich jetzt
erkenne. Mgen deine Gedanken ber mich nie andere werden.
    Du wirst kein anderer mehr, und meine Gedanken werden keine anderen, sagte
Witiko.
    So dauere unser Bund, und es dauere der Bund der Guten allwrts, sagte der
Herzog.
    Und er werde ein immer grerer Bund, sprach Witiko.
    Fge es Gott im Himmel, antwortete der Herzog. Wenn aber jetzt die
Frsten in meine Hnde fallen, Witiko, was wird dann geschehen?
    Dann wird der Bund grer werden, sagte Witiko, wer nicht gut ist, kann
es werden, und ist gewonnen.
    Reiche mir zum zweiten Male die Hand, Witiko, sprach der Herzog, und lebe
wohl.
    Die Mnner faten sich noch einmal an den Hnden, Witiko verneigte sich
ehrerbietig, und verlie das Gezelt.
    Unter denen, die sich vor dem Zelte befanden, waren Welislaw und Odolen. Sie
traten zu Witiko, und Welislaw sprach: Du hast neuerdings Zuwachs an Mnnern
erhalten, Witiko.
    Weit du es schon? fragte Witiko.
    Es wurde bekannt, da sie in das Lager zogen, sagte Welislaw.
    Du hast jetzt schon eine grere Schar als ich und Welislaw, sprach
Odolen, und wenn die Waldmnner so zu dir kommen, werden die Wlfe und Bren
und Urstiere in dem Walde zu viel werden, insonderheit, wenn wir mit dem
Scharlachreiter nicht bald dahin kommen, zu jagen, wie wir es versprochen
haben.
    Der Scharlachreiter mu jetzt anderes jagen als die Hirsche in jenen
Wldern, sagte Witiko.
    Und kmmt er nicht dahin, so kommen wir einmal, sagte Welislaw, ich komme
gewi, und Witiko mu den Wirt machen.
    In einem winzigen Huschen, um das ihr Zelte bauen knnt, antwortete
Witiko, und aus dem euch jede Gastlichkeit flieen wird, die das Huschen
vermag.
    Das wissen wir, sagte Welislaw, und ich werde auch zu Rowno gehen, und zu
Diet, und zu Osel, und zu Wyhon, und zu Hermann, und wie die Namen sind.
    Und ich gehe auch ganz gewi mit, sprach Odolen, und alle die Mnner
mssen dann auch zu uns kommen, und unsere Gastlichkeit genieen.
    Das mssen sie tun, sprach Welislaw.
    Wenn dieser Krieg zu Ende ist, und wir unter den Lebenden sind, sagte
Witiko.
    Ich lasse mein Leben diesen abtrnnigen Herzogen nicht, sprach Odolen,
wir mssen ja noch in spteren Zeiten unsere ruhmreichen Banner und den Namen
unsers Volkes in ferne Lnder tragen, wie du bei Chynow gesagt hast, Witiko. Und
etwa holen wir uns noch vorher Brute aus dem Walde.
    Frevle nicht, Odolen, sagte Witiko, wie die schnsten Blumen und sesten
Beeren im Walde blhen und reifen, so sind dort Mdchen, wie du nicht ahnst.
    Und du hast dir eine solche Waldblume gewhlt, sagte Odolen, und achtest
nun der Grten nicht.
    Witiko schwieg.
    Vielleicht sehen wir diese Blume, sprach Welislaw, und das soll ein
weiterer Antrieb sein, in die Wildnis zu gehen.
    Du hast ja eine Blume der Wildnis schon gesehen, und hast wieder nach ihr
gesehen, sagte Witiko.
    Das ist die dunkle Dimut, sprach Welislaw, aber sprde.
    Wie das, was in dem Walde wchst, sagte Witiko.
    Ihr Bruder wird uns wohl Gastrecht geben, sprach Odolen.
    Ganz und vollkommen in seinem Turme, antwortete Witiko.
    So soll es bald sein, mir wird das Stilliegen in diesem Lager schon
lstig, sagte Odolen, ich wollte, wir gingen morgen gegen Konrad.
    Der Herzog und die Herren werden die Zeit ermessen sagte Witiko.
    Man mu auch wagen, sprach Odolen.
    Wir wagen im rechten Augenblicke, und reden in der Versammlung mit, sagte
Witiko. Jetzt aber, ihr Mnner, seid gegrt, und verabschiedet, ich mu zu
meinen Leuten, um ihre Einteilungen zu machen.
    Ist dem Herzoge die Vermehrung genehm? fragte Odolen.
    Er hat sie gebilligt, und die Mnner, weil sie aus der Heimat meiner andern
gekommen sind, unter mich gestellt, sagte Witiko.
    Du wirst sie brauchen, sagte Welislaw, und kannst sie whrend der
jetzigen Beratungen ben.
    In welchen Beratungen die Herren mit den weien Haaren und die Priester
immer recht haben, wie jener Daniel, sagte Odolen.
    Der wird noch viel werden, sprach Witiko.
    Schlau ist er jetzt schon, antwortete Odolen.
    Du wirst Recht haben, wenn du handelst, Odolen, sagte Witiko, und groes
Recht, wie du schon gehabt hast.
    Ja, wenn ich den Flu austrinke, um zu den Feinden zu gelangen, wie der
Scharlachreiter gesagt hat, entgegnete Odolen.
    Oder hinber schwimmst, wie du geantwortet hast, sagte Witiko.
    Hier ist aber nichts zu schwimmen, wir sehen bereits Znaim, und knnten es
schon haben, erwiderte Odolen.
    Wir werden es um so sicherer haben, wenn Wladislaw seine Vorbereitungen
gemacht hat, sagte Witiko.
    So bereitet nur vor, entgegnete Odolen.
    Jetzt gehabt euch wohl, ihr Mnner, sagte Witiko, ich scheide.
    Lebe wohl, Witiko, und sei tapfer im Streite, sagte Welislaw.
    Oder im Rate, wenn wir uns nach vielen Tagen wieder dazu versammeln, sagte
Odolen.
    Witiko bestieg sein Pferd, und ritt zu den Seinigen.
    Als er dort angekommen war, und als man nach und nach die Wachfeuer
angezndet hatte, verlangte er, da sich diejenigen von den Angekommenen vor ihn
stellten, welche sich im Reiten gebt hatten.
    Da dieses geschehen war, sprach er zu ihnen: Wir haben den Feinden sehr
gute Pferde genommen. Mehrere hat der Herzog in sein Lager erhalten, mehrere
sind noch da. Kommt morgen bei dem ersten Lichte vor mein Zelt, die Pferde
werden auch da sein, und wir werden die Versuche machen.
    Die Mnner versprachen es.
    Dann redete er mit den andern, und fragte, welche nach ihrem Wohnorte
zusammen gehren, oder welche am liebsten bei einander bleiben wollten.
    Die Mnner erzhlten ihm, wo sie herstammen, wie sie sich zusammengefunden
haben, und wie sie in das Lager gezogen seien.
    Als er ihre Worte aufmerksam angehrt hatte, und als sie nichts mehr zu
sagen wuten, teilte er sie in so viele Teile, als er Fhrer hatte, und sagte
einem jeden Teile, zu welchem Fhrer er gehre.
    Dann sprach er noch: Ruhet heute an eurem Platze bei einander, und habt
eine frhliche Nacht. Der Herzog hat erlaubt, da ihr bei uns bleibt. Seid eurer
Ankunft willen gegrt, ich bin erfreut ber euer Vertrauen zu mir, und die
Mnner, zu denen ihr kommt, werden auch erfreut sein. Beredet euch noch bis
morgen unter einander, und wenn irgend einer eine nderung in der Einteilung
wnscht, so sage er mir den Wunsch. Und nun habt eine gute Nacht.
    Gute Nacht, Witiko, riefen die Mnner.
    Witiko entfernte sich, und ging in sein Gezelt.
    Von den Kriegern, die nicht eben in dem Lagerdienste waren, kamen nun viele
zu den Angekommenen, sie zu begren, und mit ihnen zu sprechen. Sie teilten
ihnen von den Lebensmitteln mit, die sie hatten, und empfingen von ihnen auch
hinwieder dergleichen.
    Am frhesten Morgen des nchsten Tages stellten sich die, welche sich als
Reiter gemeldet hatten, vor das Gezelt Witikos. Witiko ging zu ihnen, und die
Pferde wurden herzugefhrt. Hierauf mute sich jeder im Reiten zeigen. Als diese
Darstellungen vorber waren, whlte Witiko diejenigen aus, die ihm tauglich
erschienen, teilte ihnen Pferde zu, lie ihnen auch noch an Waffen geben, was
ihnen mangelte, und was man im Lager als Vorrat oder Beute hatte, und
beauftragte dann Wenhart, sie und die andern, die schon auf Pferden gekommen
waren, unter die Reiter einzuteilen.
    Hierauf fragte er die brigen der angekommenen Mnner, ob sie sich ber ihre
Einteilung besprochen haben, und ob jemand einen Wunsch darlegen wolle.
    Die Mnner waren mit der Einteilung zufrieden, und nur einige wnschten
einen Tausch oder eine Vernderung.
    Witiko willfahrte ihnen.
    Dann geschahen die Einteilungen.
    Als der Tag weiter vorrckte, wurden die bungen gemacht, wie sie an allen
Tagen waren, seit das Lager bestand.
    Am Nachmittage sprach Witiko mit mehreren Boten, und ritt dann mit Sifrid,
Augustin, Urban und dreiig Mnnern aus dem Lager fort. Er blieb drei Stunden
aus, und ritt dann wieder mit seinen Begleitern in das Lager herein.
    Neun Tage blieb das Heer Wladislaws in dem errichteten Lager.
    In diesen Tagen kamen noch immer Zuzge, indem noch Krieger geworben wurden,
und Mnner, welche in entfernten Teilen des Landes gewesen waren, eintrafen.
Auch wurden Kriegsbedrfnisse aller Art noch stets herbeigeschafft, insonderheit
Wurfgerte, welche fr das Kriegsfeld tauglich waren, und solche, welche zu
Belagerungen dienten. Wladislaw empfing und sandte Boten, und suchte sich genaue
Kenntnis der Berge, Tler, Schluchten, Felder und Ebenen ringsherum zu
verschaffen. So wie es ntig war, wurde der Rat der Fhrer berufen, es wurde der
Stand der Dinge dargelegt, und es wurden die Mittel angezeigt, welche in
Anwendung gebracht werden sollten.
    Die Feinde suchten sich auch noch immer zu strken, jeden Bedarf herbei zu
schaffen, Stellungen zu gewinnen, und sich in den gnstigsten Stand zur
Entscheidung zu setzen. Wie es den Anschein hatte, strebten sie nicht, einen
Angriff zu machen, sondern das Heer des Herzoges heran kommen zu lassen, oder
es, wenn es nicht heran kme, durch Hinzgern in Mangel oder sonstige bel zu
bringen, die bei einer groen Menge von Menschen, die an eine Stelle gebannt
sind, nicht ausbleiben.
    Witiko bte indessen seine Leute, suchte alles in gutem Stande zu halten,
und wenn im Rate Manahmen festgesetzt worden waren, beriet er sich wieder mit
Rowno und Wyhon und den andern, wie sie durch ihren Anteil ausgefhrt werden
knnten. So wie er einmal mit Mnnern in die Gegend hinaus geritten war, so tat
er es nun fter, und schaute alle Teile der Umgebungen an.
    So waren die Dinge dahin gediehen, da es sich bald zeigen sollte, ob bei
Wladislaw oder bei Konrad die Herrschaft ber die Lnder Bhmen und Mhren sein
werde.
    Es wurde in dem Rate Wladislaws festgestellt, da man gegen die Feinde
vorgehen solle. Und als dieses festgestellt, und die ganze Gestalt der Schlacht
ausgemittelt war, wurde der Tag derselben bestimmt.
    Am Morgen dieses Tages stand das Heer in Schlachtordnung, und zum
Vorwrtszuge eingeteilt.
    Die Feinde waren auch aufgestellt, und warteten des Angriffes.
    Das Heer Wladislaws ging vor.
    Und ehe die Sonne den vierten Teil ihres Bogens zurckgelegt hatte, war es
an den Feinden. Wie auf dem Berge Wysoka die Mhrer gegen Wladislaws Krieger
eine Anhhe empor gehen muten, so muten jetzt die Krieger Wladislaws gegen
sanftere oder schroffere Hhen gehen, um die Feinde zur Entscheidung zu bringen.
    Witiko war in seinem Ledergewande in der Mitte der Seinen. Ehe der Kampf
beginnen sollte, hielt er einen Augenblick, und sprach zu ihnen: Jetzt, meine
lieben Freunde und Kampfesbrder, ist uns eine wichtige Aufgabe gegeben worden.
Sie ist im Rate den Fhrern mitgeteilt worden, die Fhrer haben sie den
Unterfhrern, und diese euch gesagt. Wir werden sie vollbringen. Haltet nur
jetzt alle Bewegungen fest, wie die Wurzeln eurer Bume den Waldboden in ihrer
Ruhe fest halten. Der kleinste Fehler knnte sehr bel sein, und wir mten
schamrot werden vor jedem Strauche unseres Waldes. Bittet Gott, und dann zum
Kampfe fr das Recht.
    Die Mnner sagten kein Wort. Er stieg von dem Pferde, und kniete auf die
Erde nieder, und alle Mnner knieten nieder, und beteten einige Augenblicke.
    Die Feinde standen eine Strecke von ihnen entfernt auf dem oberen Rande
einer sacht hinauf gehenden Wiese, sahen dieses, regten sich aber nicht, und
warteten auf den Kampf. An der rechten Seite der Waldleute war eine Schlucht
neben der Wiese, und durch diese Schlucht war die Stellung der Feinde gesichert.
    Die Mnner des Waldes erhoben sich von ihrem Gebete, Witiko bestieg sein
Pferd, und alle, Fugnger und Reiter, setzten ihre Bewegung gegen die Feinde
fort.
    Die Scharen, welche gegen Witiko standen, hatten an ihrer rechten Seite eine
flache Erhhung. Vor derselben teilten sich nun die Feinde aus einander, und
Wurfgerte, fast wie man sie bei der Belagerung einer Stadt zu sehen gewohnt
ist, wurden erkennbar. Und Steine, Eisen, Holz, und was geworfen werden konnte,
wurde aus diesen Werken gegen die Angreifer geschleudert. Besonders wurden die
Wrfe gegen die Mitte, in welcher sich Wladislaw befand, gerichtet.
    Als die Waldleute bei ihren Feinden angekommen waren, wurde ein Kampf.
Zuerst war er mit Pfeilen und Lanzen, dann mit den Schften und Speeren. Die
Feinde standen fest. Da begannen die Waldleute rckwrts zu weichen. Wie einer
in Vorsicht sich zurckzieht, gingen sie rcklings Schritt fr Schritt, immer
mit den Speeren wehrend, und so fest geschlossen, da kein Mann und kein Schaft
eindringen konnte. Auch links von den Waldleuten ging Bolemil zurck, und links
von ihm die andern, und der Herzog, und alle. Die Feinde drngten nach. Als die
Waldleute am unteren Rande der Wiese ankamen, von dem sie ausgegangen waren,
stoben sie pltzlich gegen rechts in Flucht davon, gerade von der Seite des
Schlachtfeldes hinweg. Ihre Feinde verfolgten sie nicht, weil Bolemil da war,
sondern wendeten sich gegen diesen, und untersttzten die Scharen, die schon
gegen ihn kmpften. Wladislaw ordnete Mnner zu Bolemil, ihm zu helfen. Und an
dieser Stelle wurde nun der dichteste Knuel des Kampfes.
    Die Waldleute gebrauchten die grte Schnelligkeit ihrer Fe, die sie in
ihrer Heimat eingebt hatten, und als sie zu der Schlucht an der Wiese kamen,
beugten sie in dieselbe ein. Kein einziger der Fugnger fehlte. Sie rannten in
der Schlucht fort, sie kletterten, sie sprangen, sie brachten alles in
Ausfhrung, was ihre Wlder oft zum Durchdringen fordern, und erschienen endlich
am oberen Rande der Wiese. Die roten Banner weheten in den Lften, das groe
Horn des Ziegenbockes und die kleinen Hrner, die in der Flucht geschwiegen
hatten, drhnten nun den Schlachtruf. Witiko, Rowno, Wyhon und alle ordneten
schnell ihre Leute, schritten vor ihnen her, und fhrten sie hinter die groen
Schleudergerte. Die Mnner, welche bei denselben waren, wurden angegriffen,
viele gettet, die andern in die Flucht getrieben. Die Gerte wurden angezndet.
Da sie brannten, strmten die Mnner in Schnelligkeit die Wiese hinab, denen in
den Rcken, die gegen Bolemil kmpften. Die Hrner tnten unausgesetzt den
Schlachtruf. Die Reiter des Waldes flogen nun auch von ihrem Fluchtfelde herzu,
denen in die Seite, die gegen Bolemil kmpften. Witiko, Rowno, Wyhon, Diet, Osel
und die andern bekamen ihre Pferde wieder, und die Fhrer leiteten den Kampf.
Und wie die Moldau in den Felsen der Kienberge durch Gestein und Trmmer dahin
tost, so tobten die Mnner aus Rache, da sie einen Augenblick geflohen waren,
in den Feind, niederwerfend, zerspaltend, vertreibend. Und wie sie gegen die
wilden Tiere ihres Waldes ausdauerten, so dauerten sie auch jetzt aus.
Verwirrung entstand in den Feinden, und mehrte sich. Es konnte eine geordnete
Schlacht nicht mehr bei ihnen statt haben, jeder wehrte sich, wo er stand,
seines Lebens, oder suchte zu entrinnen. Bolemil gab aus seiner Snfte Befehle,
und sendete Mnner nach Mnnern gegen den Feind. Die Unordnung verbreitete sich
auch in seine weitern Scharen, und wo Wladislaw stand, und Zdik und Welislaw und
Odolen und ferner hin, sah man die roten Banner vorrcken. Und an der uersten
Stelle links wehten die rotseidenen Fahnen schon hinter den Feinden, die auch
dort umgangen worden waren. Und in krzester Frist war der Streit entschieden.
Die Mhrer waren in verworrener und ungebndigter Flucht. Die Mnner Wladislaws
drangen nach, und bald war man vor den Zinnen Znaims. Wo ein Haus stand, wo eine
Htte stand, wo ein Dorf stand, wo was immer fr Wohnungen und Gter der
Menschen waren, gingen Feuersulen empor, und selbst an fernen Stellen, wohin
keine Schlacht und kein Krieger gekommen zu sein schien, verdsterte wallender
Rauch den Himmel. Verwstung, Zerstrung, Vernichtung waltete zwischen Leuten,
die sonst friedlich unter der gleichen obersten Herrschaft leben sollten. Die
Trmmer des Heeres Konrads wurden von den Verfolgern noch mehr zertrmmert, und
wie Staub zerstreut. Nur ein Teil rettete sich nach Znaim.
    Als Schlacht und Verfolgung aus war, lagerte sich Wladislaw vor der Stadt.
Die Krieger erhielten Ruhe und Erquickung. Dann schritt man zur Ordnung des
Lagers. Und es kamen auch noch die Scharen, welche sich in der Verfolgung zu
weit hatten hinreien lassen. Die Verwundeten wurden herbei gebracht. Bei dem
Danke des Herzoges an seine Mnner, und bei dem Mahle, welches folgte, wurde
kein einziger der hohen Fhrer vermit.
    Witiko lie vor der Nacht noch seine Verwundeten zu sich bringen. Und in der
Nacht ging er wie nach dem ersten Kampfe wieder zu allen seinen Abteilungen, und
dankte ihnen.
    Und eine tiefe Ruhe und eine Erholung kam in der Nacht ber die Scharen des
Herzogs.
    Am frhen Morgen wurden zwei Krieger aus der Stadt zu dem Herzoge gebracht,
welche mit ihm zu sprechen wnschten.
    Wladislaw versammelte den Rat der Fhrer. Dann wurden die Mnner vor den Rat
gestellt.
    Was ist euer Begehren? fragte der Herzog.
    Ich bin Unislaw, sagte einer, und mute ein Fhnlein Konrads befehligen,
mein Genosse ist Mladota, und hatte auch ein Fhnlein zu fhren. Die Krieger,
welche in Znaim sind, haben uns gewhlt, zu dir zu gehen, hoher Herr, und dir zu
sagen, da wir dir die Stadt bergeben wollen, so du uns schonest. Der Herzog
Konrad von Znaim ist nicht in der Stadt, und keiner der vornehmlicheren Fhrer
ist in ihr. Wir wollen uns unterwerfen, und werden dir in der Zukunft treulich
dienen.
    Leget die Waffen auf dem Marktplatze der Stadt nieder, und kommet alle vor
mein Lager, sagte der Herzog, es wird eures Leibes und Lebens geschont werden.
Wenn aber Konrad oder einer der groen Fhrer in der Stadt gefunden wrde,
gehrt er vor mein Gericht. Ihr knnt mir dienen, wie ihr Konrad gedient habt,
und wie ihr, wenn ihr dem Gebiete von Znaim angehrt, einem Herzoge von Znaim
wieder dienen werdet, der gesetzt werden wird. Nur gegen den Herzog von Bhmen
und Mhren drft ihr in der Zukunft nicht mehr dienen, er knnte vielleicht
nicht verzeihen, und ich wrde zum zweiten Male nicht verzeihen. Jetzt geht, und
kndet denen meine Worte, die euch gesandt haben. Ich glaube, Herren meines
Rates, es ist nicht ungerecht, wie ich gesprochen habe.
    Es ist nicht ungerecht, riefen viele Stimmen.
    So geht, ihr Mnner, sprach der Herzog.
    Die zwei Mnner gingen. Nach einer Stunde kam ein langer Zug von Kriegern
ohne Waffen aus der Stadt, und stellte sich vor dem Lager des Herzogs auf. Der
Herzog trat vor sie, und Unislaw sagte: Das sind die Krieger der Stadt Znaim.
    Man wird euch ein Lager anweisen, und dort harret des weitern, sprach der
Herzog.
    Nach den unbewaffneten Kriegern kam ein Zug von Menschen in verschiedenen
Kleidern aus der Stadt, und verlangte zu Wladislaw.
    Wladislaw lie sie vor sich und die Seinen.
    Sie knieten vor ihm nieder, falteten die Hnde, und baten um Schonung.
    Stehet auf, sagte der Herzog.
    Sie standen aber nicht auf, und blieben mit gefalteten Hnden knien.
    Stehet auf, sonst spreche ich nicht mit euch, und kehre euch den Rcken,
sagte der Herzog.
    Die Leute erhoben sich.
    Ich erkenne an deinem Gewande, da du ein Vorsteher bist, sagte der Herzog
zu einem, rede, was ist eure Bitte?
    Hocherlauchter Herr, sprach der Angeredete, ich bin der Kmete der armen
Stadt Znaim. Die Stadt steht dir zu deinem hohen Einzuge offen. Wir sind alle
nicht schuld an dem Abfalle deines untergebenen Herzoges Konrad, und flehen
demtig und unterwrfig, du wollest uns das Unheil nicht entgelten lassen, das
geschehen ist, und unser Leben nicht nehmen, und uns nicht mit Brand und
Zerstrung heimsuchen. Unsere jungen Mnner, die noch da sind, oder die kommen
werden, sollen dir als Streiter dienen, und wir alle werden dir dienstbar sein.
    Ich bin der Herzog der Lnder Bhmen und Mhren, antwortete Wladislaw,
und nehme den Leuten meiner Lnder nicht mutwillig das Leben, und zerstre
nicht mutwillig die Gter der Lnder. Ihr gebt eine Kriegesgabe aus der Stadt,
und Leib und Gut des einzelnen wird geachtet, der nur ein Bewohner der Stadt
ist. Wer ein hervorragendes Werkzeug des Verrates gewesen ist, wird vor ein
mildes aber gerechtes Gericht gestellt werden, und eben so der, der ihn
verbirgt. Sagt das denen, die in Znaim sind.
    Wir verbergen niemanden, sprach der Kmete, und wrden dir jeden, der uns
als Hehler bekannt wrde, bergeben. Die Rdelsfhrer sind entflohen. Gepriesen
seiest du, milder, gromtiger, hocherlauchter Herr!
    Gepriesen, und gesegnet, hoher Herr, wir beten fr dich, riefen die
Flehenden durcheinander.
    Und der Kmete neigte sich vor Wladislaw, und kte den Zipfel seines
Kleides. Und die andern warfen sich wieder auf die Knie, und suchten nher zu
kommen, und griffen nach den Kleidern Wladislaws, sie zu kssen.
    Er wehrte ihnen aber, und sprach: Ich tue nur das Rechte, erhebet euch, und
geht, und trstet die Eurigen.
    Da die Leute aber in ihren Gebrden flehentlich fortfuhren, lie er
geschehen, was sie verlangten, und redete ihnen freundlicher zu, sich zu
erheben.
    Da standen sie auf.
    Dann sprach er: Du hast gesagt, Kmete, da ihr mir dienstbar sein wollet.
    In allem, hocherlauchter Herr, das du befehlen wirst, antwortete der
Kmete.
    So rstet in eurer Stadt sogleich Gemcher, die Verwundeten in sie
aufzunehmen, die meinigen und Konrads, sagte der Herzog, dann sendet Mnner
mit Tragbahren, Snften, und was ihr habt, um meine Leute bei dem Hineinbringen
der Verwundeten zu untersttzen. Sind Menschen aus dem Lande in eure Stadt
gekommen?
    Viele, hoher Herr, haben Zuflucht hinter unseren Zinnen gesucht,
antwortete der Kmete.
    So lasse verknden, da sie in ihre Wohnungen zurckkehren, und ihrer
Verrichtungen pflegen, sagte Wladislaw, meine Krieger sind um mich versammelt,
der Krieg ist in dem Herzogtume Znaim geendigt, und sie knnen unter meinem
Frieden ruhig leben. Ich werde dir einen Herold mitgeben, der deine Worte
besttigt. Sie sollen das Land hegen, da nicht Nten und andere bel dem Kriege
folgen, sonst wrde Verantwortung geleistet werden mssen. Dann sende so viele
eigene und fremde Leute, als du nur vermagst, auf das Schlachtfeld zur Begrabung
der Toten. Sie finden dort meine Mnner, die ihnen helfen und Weisung geben
werden. Hast du meine Worte verstanden?
    Ich habe sie verstanden, hocherhabener Herr, und werde sie vollfhren,
sagte der Kmete.
    So eilet nun, da nicht eine unntze Zeit vergehe, sprach der Herzog.
    Wir danken dir, wir preisen dich, wir ehren dich, hoher Herzog, rief der
Kmete.
    Wir preisen dich, wir ehren dich, riefen die Leute, und manche brachen in
Schluchzen aus.
    Dann winkte ihnen der Herzog, zu gehen. Sie neigten sich vielmal, wendeten
sich, und schlugen den Weg in die Stadt ein.
    Der Herzog ordnete nun alles an, das notwendig war, damit ein festes Lager
wrde, in welchem seine Krieger eine Zeit wohnen knnten.
    Dann lie er die Zeichen geben, da das Heer in Ordnung aufgestellt werde.
    Als dieses geschehen war, ritt er mit einem Geleite an allen seinen Mnnern
und Fhrern hin, und dankte, und gab Versicherungen der Belohnung. Er sprach mit
vielen der Fhrer und der anderen Leute. Er ritt langsam an den Kriegern des
Waldes hin, die geschlossen da standen, und auf ihn blickten. Er dankte fr
ihren besonderen Dienst, und hielt sein Schwert zum Grue gesenkt. Er sprach mit
Witiko, mit Rowno, mit Wyhon, mit Osel, auch zu den Shnen Osels sprach er, dann
sprach er mit Diet, mit Werinhard, mit Wolf, mit Witislaw, mit Hermann, mit
Wenzel, er sprach zu dem alten Wenhart, zu dem alten Florian, zu Johannes aus
dem Wangetschlage, und noch zu mehreren Mnnern, meist zu solchen, welche weie
Haare auf dem Haupte hatten.
    Als der Dank des Herzogs vorber war, wurden die Krieger wieder in ihre
Lagerpltze entlassen.
    Der Herzog ging jetzt aber mit den Bischfen zu den Verwundeten, und
trstete sie. Er fand bei ihnen schon manchen Trster und selbst Pfleger aus der
Priesterschaft und den hohen Fhrern.
    Als er wieder in sein Gezelt gekommen war, lie er die Zeichen zur Sammlung
der Scharen ertnen, welche mit ihm in Znaim einziehen sollten.
    Da die Sammlung vollendet war, begann der Zug. Eine Menge von Menschen war
schon an dem Wege, und sie riefen dem Herzoge zu. Aber noch dichter waren sie in
der Stadt. Vor dem Tore wurde Wladislaw von den Priestern, von den Vorstehern
und von schn gekleideten Jungfrauen begrt. Dann ritt er in seinem einfachen
braunen Gewande in die Stadt. Hinter ihm ritten Diepold und Heinrich, dann die
Bischfe, Bolemil wurde in seiner Snfte von zwei Saumpferden getragen, die
einer seiner Enkel leitete, und der alte Wsebor ritt neben Bolemil, und dann war
Diwis und Lubomir, dann waren die bte, und dann waren Preda und Chotimir. Die
brigen Fhrer ritten bei ihren Abteilungen. Vor dem Herzoge und seinem Geleite
waren Kriegerscharen, und hinter ihm auch. Das Volk rief ihm zu, und sang
Gesnge. Wladislaw ritt zur Kirche, stieg mit seinem Geleite von dem Pferde, und
weil der Bann auf dem Lande war, taten sie vor der Kirche kniend ein Dankgebet.
Dann ritt er in die Burg, und als die Fhrer ihn dahin geleitet hatten, wurden
sie entlassen. Die in der Stadt blieben, erhielten ihre Wohnungen angewiesen.
Die brigen Scharen zogen wieder in das Lager.
    Bald nach dem Einzuge Wladislaws wurden die Verwundeten in die Stadt
gebracht.
    Am Nachmittage dieses Tages ritt Witiko mit seinen Befehlstrgern, mit
Wenhart und dreiig Reitern auf das Schlachtfeld zu den Mnnern, die er zur
Begrabung ihrer Toten dahin geschickt hatte. Er fand sie am unteren Rande der
Wiese.
    Seid gegret, ihr Mnner der Trauer, sagte er.
    Es ist traurig, wenn man einen Angehrigen verliert, sprach David, der
Zimmerer, sie werden weinen und wehklagen, wenn wir ihnen die Nachricht
bringen, und wenn wir ihnen auch die Geschenke des Herzogs bringen, und es ist
traurig fr uns, da wir einen Mann begraben mssen, den wir kennen, und den die
erschlagen haben, die uns alles nehmen wollten, und die einen Herrn bringen
wollten, der uns dann weiter nimmt, was wir wieder erworben.
    Wir sollten ihnen noch mehr vergolten haben, als es geschehen ist, rief
der Schmied von Plan, es ist schade, da sie geschlagen sind, und da sie davon
sind, da wir sie nicht noch einmal schlagen knnen.
    Dann htten wir wieder Tote, und mten sie wieder rchen, und das ginge so
fort, antwortete Witiko.
    Ja, das ginge fort, sagte der Schmied.
    Habt ihr wohl gemerkt, wen ihr begraben habt, da wir alle aufzeichnen, und
da kein Irrtum entsteht, der einen vergeblichen Jammer hervorrufen wrde?
fragte Witiko.
    Andreas hat einen Zettel, sagte der Schmied, und dann hat er jeden
sogleich mit einem spitzigen Blei darauf geschrieben, wenn wir auf seinem Grabe
gebetet hatten.
    Habt ihr viele? fragte Witiko.
    Nicht viele, sagte Andreas, und zog seinen Zettel heraus.
    Er las: Melchior von der Stift. Er ward durch und durch gestochen. Wenzel
aus den Auhusern. Er hatte die Wunde im Halse. Kaspar von Reichenau. Ich wei
nicht mehr, David, war es der mit dem zerbrochenen Kopfe?
    Es ist nicht ntig, da du die Verwundung ansagst, lese nur die Namen,
sprach Witiko.
    Andreas las weiter: Michael von dem schwarzen Bache. Johannes aus den
Heurafelwaldhusern. Arnold von der unteren Moldau. Jobst von dem Rathschlage.
Sebastian aus Friedberg. Ruprecht vom Kirchenschlage. Simon von Mugrau.
    Es sind zwei, die so heien, sagte Witiko.
    Es ist der kleine, antwortete Andreas. Dann haben wir noch den alten Lenz
von dem Schwenberggute. Er hat drei Wunden, und sein weier Bart ist ganz
blutig. Wir mssen die Grube erst zuwerfen, und beten.
    Gebt ihr jedem eine Grube? fragte Witiko.
    Wir geben jedem eine, sagte Andreas, wenn auch die Arbeit mehr ist, weil
wir treulich an einander halten mssen, und weil sie es uns in der andern Welt
danken werden. Es halfen uns fremde Leute, die aus der Stadt gekommen sind, und
die Pfarrer in dem Walde werden den Segen beten, wenn wir nach Hause kommen.
    Sie werden ihn beten, sagte Witiko. Habt ihr keinen mehr gefunden, der
schwer verwundet ist?
    Nein, antwortete Andreas, unsere Verwundeten haben wir sorgsam schon
frher ausgesucht, und die von andern Scharen sind auch schon fortgebracht
worden. Wir haben viele Verwundete.
    So forschet nur fort nach den Toten, sagte Witiko, und schreibe sie
sorgfltig auf. Hier hast du noch ein Stck Papier, schreibt sie zwei Male auf,
und gebt an zwei verschiedene Mnner die zwei Zettel, da der andere brig ist,
wenn einer verloren wrde.
    Er reichte nach diesen Worten ein Papier an Andreas.
    Wir werden tun, wie du sagst, antwortete Andreas.
    Es ist trbselig, die Gruben mit den Heimatleuten in der Fremde auf dem
den Felde zu fllen.
    Es ist ein christliches Werk, und es ist ein Trost fr die daheim, sagte
Witiko.
    Wir tun es auch gerne, sagte Andreas, wie sie es uns getan htten, wenn
uns das Unheil widerfahren wre.
    Seinen Vater verteidigen, seine Mutter, seine Schwester, sein Weib, seine
Kinder, seine Braut, die Greise und Greisinnen der Heimatgenossen, die Kranken
und alle, die nicht mitziehen knnen, ist ein schnes und heiliges Werk, das nur
immer ein Mann verrichten kann, sagte Witiko, und wenn er in dem Werke sein
Leben lassen mu, so ist es ein noch heiligeres, und alle mssen sein Andenken
ehren, fr die er ausgezogen ist.
    Wir ehren es auch, die wir doch mit ihm gezogen sind, sagte Andreas.
    Wenn ihr in dem Walde gegen die Wlfe geht, da sie sich einmal zu sehr
mehren, sagte Witiko, und wenn ein Mann durch diese Wlfe im Streite
verunglckt, so tragt ihr es.
    Wir tragen es, wenn es auch ein Unglck ist, weil es sein mu߫, sagte
Andreas, und diese Menschen, die gegen uns und den Herzog sind, diese sind auch
wie Wlfe, die sich vermehrt haben.
    Wohl ist es so, sprach Witiko, nur da den Wolf sein Hunger treibt; diese
aber ihr Gelste.
    Und darum mssen wir gegen sie noch mehr gehen, als gegen die Wlfe, sagte
David, der Zimmerer.
    Wir gehen, sprach Witiko, und wir werden mit den andern Scharen und mit
Gottes Hilfe alles vollenden.
    Wir werden alles vollenden, riefen mehrere Mnner.
    Ich werde euch in eurer Arbeit ablsen lassen, sagte Witiko.
    Wenn du Leute sendest, sprach Andreas, so knnen sie uns helfen; aber wir
bleiben auch hier.
    Tut, wie ihr bereinkommt, sagte Witiko, und gehabt euch wohl, lieben
Mnner.
    Gehabe dich wohl, riefen ihm die Mnner zu.
    Witiko ritt mit seinen Begleitern nun noch auf andere Stellen des
Schlachtfeldes. Er sah, wie man berall beschftiget war, die Toten, Freund und
Feind, zu bestatten, und einen oder den andern, in welchem noch Leben war, er
gehre zu Konrad oder Wladislaw, zu laben, und zu versorgen. Er fand Rowno, der
seinen Oheim Stan verloren hatte, er fand Diet, er fand Osel, er fand Wyhon und
manche andere.
    Dann ritt er wieder in das Lager der Seinigen, und sandte sogleich Mnner,
denen auf dem Schlachtfelde zu helfen.
    Er ging jetzt zu den Verwundeten. Man hatte aus Balken, Brettern, und wessen
man habhaft werden konnte, ein Nothaus zu bauen begonnen, und in demselben waren
bereits die Verwundeten. Es war ein Arzt aus dem Lager des Herzogs gekommen;
aber die Mnner Witikos vertrauten mehr den Mitteln, die sie sonst anwendeten,
wenn der Wald Wunden brachte.
    Witiko sprach, da er unter ihnen war: Meine lieben Freunde und Heimatleute,
ich bin zuerst zu den Toten auf das Schlachtfeld gegangen, weil sie das hchste
irdische Gut verloren haben, das Leben. Ich habe sie besucht, und habe innerlich
ein kurzes Gebetlein gesagt. Wir werden alle, wenn es an der Zeit ist, auf ihre
Grabsttte gehen, und zu ihrer Ruhe beten. Ich bin auch darum hinaus gegangen,
ob nicht noch einer drauen ist, der an einer schweren Wunde leidet. Aber es ist
keiner mehr. Dann bin ich zu euch gekommen, denen das zweite Gut dieser Welt
unterbrochen worden ist, die Gesundheit. Gott wird sie euch allen wieder geben,
wir bitten ihn darum, und wollen alles tun, was wir mit unseren Krften
vermgen, euch zu helfen. Man macht jetzt ber euch ein Obdach; aber wenn ihr
wollt, werden wir euch in gute feste Huser der Stadt bringen.
    Lasse mich bei unsern Leuten, sagte Adam, der Linnenweber aus Plan, ich
strbe in der Stadt.
    Mich auch, sagte Sebastian, der Schuster von Plan.
    Mich lasse auch da, Witiko, sagte Tobias, der Hirt von Plan, ich wei
schon, wie man mit Wunden tun mu, und habe meinen Sohn unterrichtet, und er
wird zu Hause bei den Tieren Rat geben, wenn einem etwas zustt.
    Mich lasse auch da, sagte Raimund von der Mugrauer Heide.
    Mich lasse auch da, sagte ein anderer Mann.
    Mich auch, sagte wieder einer.
    Mnner, antwortete Witiko, wer nicht in die Stadt gebracht werden will,
der kann an dieser Stelle bleiben, so lange das Lager dauert, und wir werden
sorgsam fr ihn sein. Und wer in ein Gemach der Stadt begehrt, der wird auf
einer guten Tragbahre dahin gebracht werden. Saget nur denen, die euch warten,
was ihr wollt, und sie werden eure Wnsche zu mir bringen.
    So ist es recht, so ist es gut, sagte einer und der andere der
Verwundeten.
    Und nun ging Witiko zu jedem, fragte ihn um seinen Zustand, und lie sich
erzhlen wie er verwundet worden sei, und was man jetzt gegen seine Wunden an
ihm getan habe. Dann trstete er ihn, und redete daneben von der Zeit, in der er
wieder frhlich bei seinen Kampfesbrdern sein, und von der Zeit, in der er
wieder die grnen Bume seines Waldes sehen werde.
    Witiko blieb noch eine lange Zeit in dem Hause der Verwundeten.
    Es waren viele von den Waldleuten da, einige waren gekommen, ihre Freunde zu
besuchen, andere, welche Kenntnisse hatten, wie man bei Verwundungen verfahren
msse, waren als Pfleger da. Frauen aus dem Lager halfen in allen Dingen, und
der Priester von Daudleb hatte sich als Krankenwrter eingerichtet.
    Witiko ging von den Verwundeten zu seinen andern Leuten, um zu besorgen, was
nach der Lage der Dinge zu besorgen war.
    An dem nmlichen Tage ritt auch der Herzog Wladislaw noch mit einem Geleite
auf das Schlachtfeld, und er kam dann zu den Verwundeten der Waldleute.
    Als schon die Nacht eingebrochen war, kamen die Mnner Witikos, die mit dem
Begraben der Toten beschftigst gewesen waren, in das Lager, sagten, sie seien
fertig, und Andreas gab Witiko die beiden Zettel, auf denen die Namen der
Begrabenen geschrieben waren.
    Witiko dankte ihnen, und sagte, sie sollen ruhen, und sich nach der
klglichen Arbeit pflegen.
    In dieser Nacht sendete Witiko auch noch einen Boten an seine Mutter nach
Landshut fort.
    Am andern Morgen fragte er den Priester von Daudleb, welche der Verwundeten
sich zur berbringung in die Stadt gemeldet htten.
    Sie wollen alle hier bleiben, sagte der Priester.
    So sollen sie hier bleiben, antwortete Witiko, ich werde selber zu dem
Herzoge reiten, und ihn um die Vergnstigung bitten.
    Die Menschen, welche in dem Walde geboren worden sind, und in dem Walde
gro gewachsen sind, sagte der Priester, bekommen gerne Heimweh, wenn sie
nicht mehr in dem Walde leben knnen, und die Kranken wrden Heimweh bekommen,
wenn sie von ihren Genossen, die hier sind, entfernt wrden.
    Ich wei es, ich wei es, sagte Witiko.
    Und von dem Gemte aus heilt man den Krper oft leichter als mit Salben und
Mitteln, sprach der Priester.
    Und in den Gemtern wollen wir alle sie trsten, sagte Witiko.
    So wollen wir, sprach der Priester.
    Witiko ritt sogleich zu dem Herzoge, und berichtete ihm die Sache. Wladislaw
gestattete, da die Mnner ihren Willen haben, und sandte sogleich guten Wein
und Lebensmittel und Bettstcke und anderen Bedarf in das Haus der Verwundeten.
    Witiko ritt wieder zu den Seinigen.
    Ehe die Sonne den Mittag erreichte, zogen alle Mnner des Waldes auer
denen, die bei den Verwundeten bleiben muten, mit Witiko auf das Schlachtfeld,
knieten dort nieder, und beteten fr ihre Begrabenen, und dann fr die
Begrabenen der andern. Zu Hause beteten die Pfleger der Verwundeten fr sie, und
es beteten die Verwundeten fr sie.
    Man sendete nun auch Boten in die Heimat, zu berichten, was vorgefallen war.
    Das Lager vor der Stadt Znaim und die Hofhaltung in der Burg wurden immer
fester eingerichtet. Wladislaw bestellte eine Verwaltung des Gebietes von Znaim.
Er hielt Gericht, und hrte jeden, der von den Lndern Bhmen oder Mhren kam,
und ein Anliegen vorbrachte. Die Kriegsbeute und die Kriegsgaben wurden aus dem
Gebiete gesammelt, und die Gter der Feinde, welche bei Konrad gewesen waren,
wurden zu dem herzoglichen Gute geschrieben. Mnner strmten nun von allen
Seiten herzu, und wollten Wladislaw dienen. Es wurden die Ntigen gewhlt, und
in das Heer eingeteilt. Von dem mittglichen Walde kamen noch
einhundertfnfunddreiig Mnner, und wurden Witiko zugeteilt. Wladislaw hielt
fter mit seinen Fhrern Rat, was weiter zu beginnen sei, und oft vereinigte er
sie bei den bungen des Heeres oder bei einem frhlichen Mahle.
    So waren siebenunddreiig Tage nach der Schlacht vor Znaim vergangen, und
die weiteren Zurstungen waren vollendet; Wladislaw verlangte von den Fhrern,
da sie ihre Mnner in Bereitschaft setzten, den Auszug zu beginnen.
    Eines Tages wurde Witiko gemeldet, da der Schuster von Plan, Sebastian,
sehr traurig sei, und immer sage, er werde sterben.
    Witiko ging zu dem Manne in das hlzerne Haus der Verwundeten, und sprach zu
ihm: Sebastian, sie haben mir gesagt, da du bekmmert bist, aber deine Wunde
heilt schon, und du wirst sehr bald wie frher unter uns sein.
    Sie heilt, antwortete Sebastian, aber innerlich ist alles anders, und mir
ist sehr wehe.
    Das wird sich erhellen, wenn du unter der Sonne und in der freien Luft mit
uns ziehest, und die Lieder und die Gesprche erschallen, sagte Witiko.
    Ich werde hier sterben, sagte Sebastian.
    Aber ehe du stirbst, wirst du drauen sein und gesund, sagte Witiko.
    Ich habe sehr schne Dinge aus rauhen Blgen gemacht, sprach Sebastian,
sie sind immer bei dem Gepcke gewesen, und jetzt wei ich nichts, und sie
werden zu Grunde gegangen sein.
    Ich will selber nach diesen Sachen sehen, antwortete Witiko, und werde
sie dir zu dem Bette senden, und sie sollen dir jedes Stck zeigen.
    Wenn sie zu finden sind, sagte Sebastian.
    Von dem Gepcke ist nichts verloren worden, sprach Witiko, wir haben nach
der Schlacht alle Sumer hieher gebracht.
    Wir haben gro gesiegt, sagte Sebastian.
    Alles Land von Znaim ist unser, antwortete Witiko, und jetzt wird bald
Brnn und das ganze Land Mhren unser sein.
    Das ist recht gut, das ist recht gut, sagte Sebastian, und du bist sehr
besorgt, Witiko.
    Ich gehe sogleich zur Nachfrage um deine Balgdinge, sprach Witiko, und
werde in einer Zeit wieder zu dir kommen, und deine Wunde wird wieder besser
sein, und du wirst auch besser sein.
    Ich werde bis dahin noch nicht sterben, sagte Sebastian.
    Und spter auch nicht, sagte Witiko, und jetzt gehabe dich wohl.
    Gehabe dich wohl, sprach Sebastian.
    Witiko ging zu dem Trolager, und fragte um die Balgwaren des Schusters
Sebastian von Plan. Man suchte einen Sack unter den andern Sachen hervor, in dem
sie waren. Witiko lie den Sack zu Sebastian tragen.
    Er erzhlte nach einem Rate bei dem Herzoge das Vorkommnis, und die Lechen
und Herren kauften von Sebastian alle Dinge, da er mehr Geld erhielt, als er je
gehofft hatte. Und er starb nicht und sa spter in der Sonne vor dem hlzernen
Hause, und zhlte sein Geld. Den Sack schickte er zu knftigem Gebrauche nach
Hause.
    Als fnfzig Tage vergangen waren, seit das Lager vor Znaim bestand, wurde
der Zug gegen die anderen Frsten von Mhren angeordnet, die auch immer
geworben, und sich gerstet hatten. Das Heer Wladislaws war aber so stark
geworden, da trotz der Kraft der Feinde kein Krieg mehr war. Was jetzt
erfolgte, war nur ein Fortdrngen der Feinde, ein Nehmen von Beute, ein Sammeln
von Kriegsgaben, und eine Verwstung und Zerstrung; der Herzog und die Fhrer
suchten der Verwstung zu wehren, aber die Verwstung geschah. Und so gingen die
Krieger wie eine Wolke ber das ganze Land.
    Nach zwei Monden war Mhren in der Gewalt des Herzogs Wladislaw. Die Frsten
und die vornehmlicheren Fhrer flohen in fremde Lnder. Auf grner Heide hielt
Wladislaw den Dankgottesdienst.
    Es wurde ein groes Lager der Krieger Wladislaws vor Brnn errichtet, und
von diesem Lager aus wurden die Dinge des Landes geordnet.
    Eines Tages lie der Herzog einen groen Platz zu einem Feste schmcken, und
sandte Boten aus, alle, die entfernt waren, zu laden.
    Als der Tag des Festes gekommen war, sah man einen grnen Raum mit Schranken
eingefat, welche mit kostbaren Tchern behngt waren. Auf dem Raume sah man
Bnke in einem halben Kreise, welche mit Sammet und Seide belegt waren. Vor den
Bnken stand ein Tisch, auf dem Sammet war, und an dem Tische stand ein
gezierter Stuhl. Weiter rckwrts waren viele Tische zu einem Mahle gerstet.
Von den Schranken weg stand in einer langen Reihe das Heer mit seinen Fhrern.
Wladislaw, hinter dem ein Geleite war, kam von dem Lager, und ritt an der ganzen
Reihe dahin, grte jede Abteilung, dankte fr die Treue, und nahm Abschied von
denen, die nach Hause gehen wrden. Als er am Ende der Reihe war, ritt er wieder
gegen die Mitte, entfernte sich eine Strecke von der Reihe, und grte mit dem
Schwerte noch einmal gegen alle.
    Es erhob sich ein Ruf des Jubels und der Freude, der in den Lften zitterte.
    Der Herzog ritt wieder gegen sein Lager.
    Dann lste sich die Reihe des Heeres, und die Abteilungen zogen in ihre
Pltze.
    Die Fhrer aber gingen auf den grnen Raum in den Schranken, und setzten
sich auf die Bnke. Unzhlige Krieger und Volk umstanden die Schranken.
    Da kam auch der Herzog, und setzte sich auf den Stuhl vor dem Tische. Als
das Brausen der Stimmen sich gelegt hatte, stand er auf, lftete seine Haube,
und sprach: Frsten der Kirche, Shne des Stammes Premysl, Lechen, Herren,
Wladyken und Obmnner. Unsere Sache ist vollendet. Das Reich Premysls steht
fest. Wir haben, als der Aufruhr niedergeworfen war, auf grner Heide in
feierlichem Gottesdienste dem Herrn im Himmelreiche fr seine Hilfe gedankt, und
haben tglich bei der Opferfeier bis heute gedankt, und werden fortwhrend
danken. So gebhrt es gegen Gott. Dem Heere und den Fhrern habe ich gedankt,
und habe heute zum Abschiede den Dank wiederholt. Und auch hier wiederhole ich
euch den Dank, und sage: Kehret glcklich zu den Eurigen, und freuet euch der
Tage, die da kommen werden. Denkt in Liebe an einander, wie ich in Liebe eurer
gedenke. Suchet meinen Hof, so oft es euch gefllt, weilet dort oder in meinem
Lager, so lange ihr wollt, besuchet einer den andern, und wenn ich zu einem
komme, gebe er mir eine kleine Gastfreundschaft. Wer von heute an noch in diesem
Lager bleiben will, ist in demselben geehrt, wer es verlassen will, dem senden
wir einen freundlichen Segen auf seinen Weg. Wir haben Pergamente schreiben
lassen, jedem von euch wird ein Pergament gegeben werden, auf welchem er lesen
kann, was ihm an Ehre, Amt und Gut zugedacht ist. Er sei mit den Seinigen
darber zu Rate, und komme dann nach Prag zu meiner Kammer, und sage, welche
nderungen er in dem Pergamente wnsche, und wir werden seine Wnsche zu
erfllen trachten. Herren der Kirche, der Heilige Vater Innozenz wird in diesem
Jahre noch den hochehrwrdigen Kardinal Guido mit voller Gewalt in die Lnder
Bhmen und Mhren schicken, da er alle die kirchlichen Dinge ordne und richte.
Es wird des Heiles und der Ehren eine Flle sein, wenn er kmmt. In den
Pergamenten ist verzeichnet, was den Kirchen und Abteien und allen Heiligtmern
nach dem jetzigen Kriege zukommen soll. Diepold und Heinrich, Shne des Stammes
Premysl, ich werde streben, euch zu lohnen. Bolemil, teurer greiser Krieger, du
wirst dich noch des Landes freuen, das dir zuwchst, und deine Shne und Enkel
und Urenkel werden sich freuen. Lubomir, mgest du und mgen deine Shne
zufrieden gestellt sein. Und ihr auch, Diwis, treuer Zupan, Wsebor, Preda,
Chotimir, alte Krieger, mget ihr euern Teil hinreichend finden. Und Nemoy, und
Jurik, und Bartholomus, und Ctibor, und Predbor, und Casta, und Wecel, mgen
euch eure neuen Fluren in der Reihe von Jahren gefallen, die euch noch
bevorstehen. Welislaw, treuer Genosse, du trittst die Zupanei von Wysehrad an.
Odolen, du Strmer, pflege der Felder, Wiesen und Wlder, die in deinem
Pergamente geschrieben sind, und jage auf ihnen. Witiko, lese mit Zufriedenheit,
was dir von dem Walde des Herzoges an der jungen Moldau, und was dir dort an
Untertanen und Abgaben zugewiesen ist, und sei ein milder Herr deiner Leute.
Rowno, du bist erweitert, Diet von Wettern, du auch, ihr grenzet jetzt an
Witiko, seid drei friedliche Nachbarn. Wyhon, du findest bei Prachatic dein
neues Gut, und das der andern Mnner des Mittages des Landes ist vermehrt. Osel,
ich habe deiner aber auch deiner Shne gedacht. Und Sezima und ihr andern jungen
Leute, mehret, was euch wird, in knftigen Kriegen noch um vieles. Und mge
keiner von allen, die hier sind, gekrnkt sein, und mge er seine Wnsche
darlegen, da sie nach Krften erfllt werden. Morgen beginnen wir, in
Freundschaft von der beweglichen Beute an Kleinodien, Waffen, Pferden, Kleidern,
Prunk und Gold und andern Dingen zu teilen. Und morgen werden auch meine Mnner
die Gaben an alle Krieger, die bei uns sind, zu reichen anfangen. Und nun bringe
ich euch noch einmal meinen Dank, und saget euern Angehrigen, wenn ihr heim
kommt, liebe und gute Gre von mir, und saget den Leuten in euern Lndern, da
ich jedem Wohltaten erweisen mchte, und ich bringe den Wunsch: es komme eine
frhliche und glckliche Zeit.
    Frhliche und glckliche Zeit, erscholl es aus tausend Kehlen.
    Und ehe noch einer der Herren auf den Bnken etwas sprechen konnte, rief das
Volk vor den Schranken: Heil, Heil Wladislaw, dem Herzoge von Bhmen und
Mhren.
    Heil Wladislaw, dem Herzoge von Bhmen und Mhren, riefen die Mnner auf
den Bnken.
    Heil dem Kriegsherrn, riefen die Streiter, welche sich an die Versammlung
herzu gedrngt hatten.
    Wladislaw ging nun zu denen, die sich auf dem grnen Platze befanden, und
redete mit ihnen.
    Dann war unter dem freien Himmel ein Mahl des Herzogs und der Herren, und es
war ein Mahl aller Krieger, und an das Volk wurde Wein und es wurden
Lebensmittel verteilt.
    Boten gingen noch an diesem Tage in allen Richtungen ab, zu melden, was
geschehen war. Auch in den Wald wurden Boten gesendet.
    In einer Reihe von Tagen, die da folgten, wurde nun die Beute verteilt, und
es wurden die Gaben an die Krieger gegeben.
    Und dann empfing der Herzog die Besuche der Herren, die kamen, ihm zu danken
und Abschied zu nehmen.
    Und die Mnner tauschten unter sich Besuche und Geschenke und Versicherungen
der Liebe, und viele rsteten sich zur Heimkehr. Der Herzog setzte noch ein
Gericht ein, die Verwster auszuforschen und zu bestrafen, er sendete von seinen
Kriegern Abteilungen in Stdte und Vesten, da sie des Landes wachten, und
bereitete seinen Zug nach Prag vor. Viele der Herren beschlossen, ihn zu
geleiten. Weil das Land Mhren noch im Banne war, so rstete sich auch der
Bischof Zdik, mit ihm zu ziehen, um dann von Prag wieder nach Passau zu gehen.
    Witiko und Rowno und Wyhon und die anderen aus dem Walde dankten dem Herzoge
in seinem Gezelte fr sich und ihre Krieger, und ordneten dann ihren Zug, um
gemeinschaftlich nach dem Walde heim zu kehren.
    Als Witiko mit den Seinigen nach Plan kam, waren die Jungfrauen schn
gekleidet, fast alle andern waren auch in ihren festlichen Gewndern, viele
Menschen waren von den umliegenden Gegenden gekommen, alle drngten sich, die
Heimkehrenden zu sehen, und Witiko wurde mit Freudenrufen und mit Jubel
empfangen.
    Die Mnner aber taten feierlich wie nach dem ersten Kriege, der Pfarrer
segnete sie, Witiko dankte ihnen vor der Kirche, und verabschiedete sich. Die
Mnner von Plan gingen nun gleich zu den Ihrigen, die andern aber schlugen den
Weg in ihre Heimat ein.
    Witiko begab sich in das steinerne Huschen.

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 Im hohen Walde.

Als Witiko von seinen Mnnern vor der Kirche im oberen Plane Abschied genommen
hatte, und den Weg gegen das steinerne Huschen einschlug, ritten alle Reiter
von Plan mit ihm, viele der andern Krieger, welche die Ihrigen begrt hatten,
kamen auch wieder herzu, und gingen mit ihm auf seinem Wege, und es gingen auf
dem Wege Mnner, Frauen, Jungfrauen und Kinder mit. Sie riefen ihm zu: Witiko,
sei gegrt, Witiko, bleibe bei uns, Witiko, du gehrst jetzt zu uns.
    Witiko ritt sehr langsam in der Mitte der Menschen, und blickte herum, und
grte mit seinen Mienen gegen viele. Vor seinem Huschen hielt er an, die
Menschen fllten den Platz vor demselben, und um dasselbe, da sie das Gras der
Wiese zertraten. Martin stand aufrecht vor dem Tore, und Lucia weinte. Da Witiko
von dem Pferde steigen wollte, ging Martin hinzu, den Steg des Sattels zu
halten. Alte Mnner wollten Witiko dienstlich sein. Er aber schwang sich wie
sonst von seinem Tiere. Das Pferd wurde von seinen Knechten hinweg gefhrt. Dann
sprach Witiko zu den Leuten: Liebe Heimatgenossen, ich danke euch fr euer
Geleite, und fr das Gute, das ihr mir wollet. Wir werden unter unsern grnen
Bumen in Frieden und Treue leben, wir werden zusammen halten, und das Brod und
das Salz der Gastlichkeit teilen.
    Gott segne Witiko, unsern Herrn, der von uns ist, rief Peter Laurenz, der
Schmied von Plan.
    Gott segne unsern Herrn, unsern Herrn, riefen die Menschen durcheinander.
    Frauen hoben ihre Kinder empor, da sie Witiko shen.
    Gott segne euch, sagte Witiko, und er segne mein Tun.
    Er segne es, riefen die Menschen.
    Und empfanget noch einmal meinen Dank, sagte Witiko, und gehabt euch
wohl, geht zu den Eurigen, und seid mit ihnen in Freude, und seid ein Trost
derer, die Schmerzen leiden. Der hocherlauchte Herzog Wladislaw hat seine Feinde
besiegt, er wird uns Glck und Wohl in das Land bringen, und es wird nun lange
Zeit kein Krieg und kein Streit mehr sein.
    Heil und Glck, Witiko, riefen die Menschen.
    Witiko dankte grend mit seiner Hand, und ging in das Huschen.
    Er ging in die Stube, und legte sein Schwert und seine Haube auf den Tisch.
    Martin stand vor ihm, und sagte: Witiko, Witiko.
    Sei gegrt, Martin, sprach Witiko, jetzt werden wir andere Dinge zu tun
haben, als mit dem Schwerte.
    Und diese Freude, die ber uns gekommen ist, sagte Martin. Ihr mt jetzt
Dienstmannen haben und ein Geleite.
    Du vielgetreuer Mann, du wirst mir beistehen, sagte Witiko.
    Wenn ich es nur kann, ich ungefger Mensch, antwortete Martin.
    Du wirst das knnen, was ich dir auftrage, sagte Witiko.
    Und die hocherhabene Mutter, sprach Martin.
    Ich habe ihr von der Stadt Brnn aus Botschaft geschickt, antwortete
Witiko.
    Und Mathias, der Khler, und sein Vater, und der hochehrwrdige Priester
Benno und die Leute, sagte Martin.
    Ich werde meine Mutter und Benno, wenn er will, nach Pric geleiten,
entgegnete Witiko, und der anderen werde ich gedenk sein.
    Und du mut dir eine Burg bauen, sagte Martin.
    Ich werde ein Haus errichten, darin wir alle wohnen knnen, sprach Witiko.
    Wir haben Speise und Trank fr dich vorbereitet, sagte Martin.
    Ich werde noch zu den Pferden gehen, und dann werden wir mit einander das
Mahl verzehren, antwortete Witiko. Bestelle mir indessen Mnner, welche meinen
Knechten helfen, die Sumer, die meine Habe tragen, vor das Haus zu bringen, sie
abzuladen, und die Sachen herein zu schaffen.
    Ich werde es tun, sagte Martin.
    Witiko ging zu den Pferden. Dann ging er wieder in die Stube. Martin kam mit
zwei Mnnern. Witiko gab ihnen den Auftrag, zu den Husern hinein zu gehen, sich
die Saumtiere zeigen zu lassen, welche seine Sachen tragen, und bei ihnen zu
harren, bis seine Knechte kmen.
    Die Mnner versprachen es.
    Darauf mute Lucia den Tisch fr ihn, fr Martin und sich selber und fr die
Knechte rsten. Eine gedungene Magd war ihr behilflich. Sie verzehrten das Mahl,
und tranken von dem Weine, der aufgesetzt worden war.
    Als sie sich erquickt hatten, nahm Witiko sein Schwert um, setzte seine
Haube auf, befahl den Knechten, nach den Sumern zu sehen, und seine Habe in
Sicherheit zu bringen, und ging dann zu den Husern von Plan hinein.
    Auf dem Raume zwischen den Husern waren viele Saumrosse, ein Teil der
Dinge, die sie getragen hatten, war schon abgeladen, und lag herum, und Mnner
waren beschftigt, das Ihrige auszulesen, und fort zu bringen. Andere Mnner,
welche nicht von Plan waren, suchten ihre Saumtiere hervor, um mit ihnen den Weg
in ihre Heimat einzuschlagen. Viele Menschen und vornehmlich Weiber und Kinder
standen herum, und bewunderten die Sachen.
    Witiko ging in die Wohnungen, in denen er Gaben des Herzogs zu verteilen
hatte, und in denen Leute um die Ihrigen trauerten. Er verteilte die Gaben in
der Art, wie es in dem Rate der Fhrer der Waldkrieger beschlossen worden war,
und trstete die Wehklagenden, wie er konnte.
    Dann ging er zu dem alten Pfarrer.
    Der alte Pfarrer empfing ihn mit Ehrerbietung, und geleitete ihn in die
Stube. Witiko begrte ihn, und der Pfarrer dankte des Grues; dann sprachen sie
von dem, was sich zugetragen hatte, und der alte Pfarrer fragte um vieles, und
Witiko erzhlte, um was er gefragt worden war.
    Von dem Pfarrer ging Witiko auf den Kreuzberg, und sah auf die Schneide des
dmmerigen Waldes hin, hinter welcher das Haus Heinrichs von Jugelbach lag. Dann
sah er auf den breiten schweren Wald des heiligen Thomas.
    Von dem Kreuzberge ging er wieder zu den Husern hinab, sprach mit vielen
Menschen, die auf der Gasse waren, und ging dann in sein steinernes Haus.
    Am Abende dieses Tages kamen wie frher Mnner zu ihm, kosteten sein Brod
und Salz, und saen dann mit ihm und Martin auf Bnken, die man vor dem Hause
hergerichtet hatte, und redeten von dem, was geschehen war, und wie es jetzt in
Plan sei, und wie es sein werde, und noch von andern Dingen. Als die Finsternis
der Nacht kam, verabschiedeten sie sich, und gingen nach Hause.
    Witiko legte sich auf sein gewhnliches Lager zur Nachtruhe.
    Am andern Morgen lie er seine Dinge in vollstndige Ordnung bringen, setzte
sich dann an den groen Tisch, entfaltete sein Pergament, und las in demselben.
    Ehe der Tag weit vorgerckt war, kamen mehrere Mnner zu ihm. Es war der
alte Pfarrer, es war Peter Laurenz, der Schmied, es war Stephan, der Wagenbauer,
es war David, der Zimmerer, es war Paul Joachim, der Maurer, es war Elias, der
Steinhauer, es war Zacharias, der Schenke, und es war Tom Johannes, der Fiedler.
    Als die Mnner zu ihm in die Stube gekommen waren, lie er Bnke und Sthle
stellen, da sie sich niedersetzten. Als sie saen, sprach er: Seid gegret,
Mnner, ich freue mich, da ihr kommt. Habet ihr einen Wunsch, den ich erfllen
kann?
    Die Mnner schwiegen, und sahen einander an.
    Dann sagte der Pfarrer: Wir htten wohl eine Bitte.
    So sprecht, sagte Witiko.
    Wir haben davon geredet, antwortete der Pfarrer, und dann haben wir
gestern und heute wieder geredet, und dann haben wir uns etliche zusammen getan,
und haben gesagt: wir gehen zu ihm.
    Ich will gerne einem Verlangen, das ihr habt, nachkommen, wenn ich kann,
entgegnete Witiko.
    Es ist so, sagte der Pfarrer, die Wege des Herrn im Himmel sind
wunderbar. Dein Vater hatte ein Haus aus Stein in dem oberen Plane, und hatte
Grnde bei dem Hause, und ist fter in dem Hause gewesen. Und dann hat ihn der
Herr im Himmel zu sich genommen, du bist auch in dem steinernen Hause gewesen,
Witiko, und unsere Mnner sind mit dir gezogen, und andere auch, die aus den
Teilen des Waldes daher gekommen sind. Und als die Boten von dem Lande Mhren
hier eingetroffen sind und gesagt hatten: Witiko ist der Herr des ganzen Waldes
geworden, da sagte es wieder einer dem andern, es sagte es wieder einer dem
andern, und wer es schon wute, dem sagte man es noch einmal. Und die Mdchen
haben schon frher den Kreuzberg den Berg Witikos genannt. Und die Leute sagten,
weil er der Herr des Waldes ist, so wird er sich eine Burg in dem Walde bauen.
Und wir haben davon geredet, und sind gekommen, dich zu bitten, hoher Herr, da
du die Burg bei uns bauest. Wir werden dir in allem behilflich sein, da sie
bald fertig und schn empor steht.
    Wir haben die Burgen in manchen Lndern gesehen, sagte der Schmied, die
Hofburg des hocherlauchten Herzoges Wladislaw auf dem Berge der Stadt Prag, die
Burg des uralten Wysehrad, die auf einem Felsen an der Moldau oberhalb des
rechten Burgfleckens von Prag liegt, die Burg des Frsten Konrad in Znaim, die
Burg in Brnn, die Burg in Olmtz, die Burg des Zupan Lubomir und die Burgen von
allerlei Herren, und so schn wie die Hofburgen knnen wir deine Burg nicht
bauen; aber wir werden sie sehr schn bauen, da sie wie aus Eisen geschmiedet
in dem Lande steht, und wie ein Ambo ist, der nicht zerschlagen werden kann.
    Wir werden das Dach fgen, wie keines gefgt ist, sagte David, der
Zimmerer.
    Und kein Stein soll zierlicher sein, als wir sie vorbereiten werden, sagte
Elias, der Steinhauer.
    Und wir werden sie fgen, da sie aus der Mauer schwerer zu brechen wren
als aus dem Fels der Erde, als wren die Wnde mit dem besten Weine gebaut
worden, sagte Paul Joachim, der Maurer.
    Und Tr und Tor und Treppe und Gelnder und Fubden wird aus dem strksten
Holze des Waldes gemacht, sagte Stephan, der Wagenbauer.
    Und ein Rat mu sein, da alles gut gemacht werde und recht und sehr schn,
und es sind schon Mnner, die einen solchen Rat geben, sagte Tom Johannes, der
Fiedler.
    Dann sagte keiner mehr etwas.
    Darauf sprach Witiko: Lieben Mnner, ich danke euch vom Herzen fr eure
Wohlmeinung, und da ihr mich wollt als einen Genossen bei euch behalten. Ich
werde immer euer Genosse bleiben, und werde immer einer der Mnner von Plan
sein, wie meine steinerne Htte bei den eurigen steht. Ich werde mir in dem
Gebiete des Waldes, das mir der gtige Herzog verliehen hat, ein Haus zur
Sicherheit und Verteidigung bauen. Das ist zuerst zum berlegen. Dann denke ich
auch daran, was sonst den Sinn eines Menschen bei einem Hause erfreuen kann.
    Das mu alles so sein, sagte der Pfarrer, und an dem Hause mssen die
Bewohner eine Freude haben, und wenn das alles bei dem oberen Plane sein kann,
so wirst du bei uns bleiben.
    Ich werde erwgen, was meine Gedanken mir eingeben, sagte Witiko.
    Und ich werde die Gegend fleiig betrachten und durchsuchen, sprach Tom
Johannes, der Fiedler.
    Und dann bitten wir dich noch, hoher Herr, sagte der Pfarrer, wir mchten
ein Huslein bauen, darin die Kinder Gott frchten lernen, und Anweisung in
ntzlichen Dingen erhalten.
    Wie ihr mir bei meinem Baue geholfen habt, werde ich euch bei diesem helfen
und helfen lassen, antwortete Witiko.
    Du wirst dir aber kein so grobes Haus bauen, wie Rowno den Turm hat, oder
Osel die runden Mauern, oder Diet die Scheuern und Stlle, sagte Peter Laurenz,
der Schmied.
    So sprich nicht so, sagte Tom Johannes, der Fiedler, Witiko ist ein
hherer Mann als Rowno und Osel und Diet, und das Schlo wird in dem Walde
prangen, und es werden manche Mnner mit reden, ehe es fertig wird.
    Und wir werden bei dem Einzuge gegenwrtig sein, und Heil rufen, sprach
David, der Zimmerer.
    Ihr werdet bei mir sein, wie ihr in der Schlacht an meiner Seite waret,
sagte Witiko, und werdet die Gastlichkeit meines neuen Hauses nicht
verschmhen.
    Und wenn einer in die Schlacht wollte, und nicht mehr konnte, weil sie ihm
in einer andern die Glieder verdorben haben, sagte Tom Johannes, der Fiedler.
    So wird er mit den verdorbenen Gliedern mir willkommen sein, antwortete
Witiko.
    So ist es schn und recht, sagte Tom Johannes.
    Das ist sehr schn und recht, sagte Stephan, der Wagenbauer.
    Und so machen wir es, wie wir beschlossen haben, sagte der Schmied, und
sagen den andern, wie alles ist.
    Gehabe dich wohl, hoher Herr, sagte der Pfarrer, wir gehen jetzt, und
wissen, da du uns zugetan bist.
    Ja, sagte Witiko, ich bin allen im Walde zugetan, und habe die Krieger
des Waldes geehrt.
    Ja, du hast sie geehrt, sprach der Schmied, und so gehabe dich wohl.
    Gehabt euch wohl, entgegnete Witiko.
    Die Mnner erhoben sich, und verlieen die Stube.
    Witiko ging an diesem Tage in einige Huser von Plan, und a dort von ihrem
Brote und Salze.
    Und am Abende kamen wieder Mnner zu ihm, und saen mit ihm auf seiner
Gasse.
    Und so geschah es alle Tage.
    In diesen Tagen bildete sich Witiko ein kleines Geleite von Mnnern, welche
sich ihm hiezu anboten. Es waren Augustin, Urban und Mathias unter ihnen, welche
im Kriege seine Befehlstrger gewesen waren. Er machte auch Vorbereitungen zu
einem Waldesdankfeste.
    Dann ritt er mit seinem Geleite an alle Stellen des Waldes, von denen
Abteilungen whrend des Krieges in seinen Scharen gewesen waren, und dankte
ihnen, und lud sie zu seinem Feste in den oberen Plan ein. Von diesen Stellen
schlossen sich mehrere Mnner seinem Geleite an. Darunter war Sifrid von Milnet.
In Plan wurden fr das Geleite Lagergezelte errichtet.
    Auf der groen grnen Weide an den Ufern der Moldau wurde der Platz zu dem
Feste gerstet. Es wurden Schranken gezogen, es wurden aus Brettern und Latten
Tische und Bnke gemacht, es wurde ein Altar gebaut, es wurden Gezelte
aufgezogen, und Rume fr neue Gezelte angewiesen, und es wurden Pltze zur
Bereitung von Speisen tauglich gemacht.
    An dem Tage vor dem Feste kamen sehr viele Menschen in den oberen Plan. Alle
Abteilungen von Kriegern, wie sie gekommen waren, um an dem Zuge gegen Mhren
Teil zu nehmen, zogen mit ihren Zeichen heran. Sie machten unter den Fhren,
welche im Morgen von Plan standen, ein Lager. Aus allen Waldstellen, von denen
sie gekommen waren, gingen auch andere Menschen nach Plan: Greise, Weiber,
Jungfrauen, Kinder, um zu sehen, was da werden wrde. Von der oberen Moldau
kamen Leute herunter, und von Baiern kamen viele herein. Von den Mnnern, die in
dem tiefen Walde sind, davon einige Pech brechen, andere Fallen stellen, um
Pelztiere zu fangen, andere Teer brennen, andere Honig suchen, andere Wurzeln
und Kruter sammeln, um sie den Sumern zu verkaufen, ging mancher hinaus, um zu
sehen, wie ein Herr des Waldes aussieht. Diese Leute lagerten auf den freien
Feldern, und zndeten Feuer an, um sich ihre Speisen zu kochen.
    Am frhen Morgen des Festtages hie Witiko die Mnner von Plan, welche mit
ihm in dem Kriege gewesen waren, und alle die andern Scharen des Waldes vor der
Kirche sich sammeln, wie damals, da sie nach Mhren gezogen waren. Als sie vor
der Kirche standen, ritt Witiko in seinem Ledergewande zu ihnen. Und als er vor
ihnen war, sprach er: Mnner, ich habe an euch die Bitte gerichtet, da ihr
heute zu mir kommt. Es ist an dem, da wir auch in unserer Heimat Gott fr
seinen Beistand in dem Kriege danken, und da wir, wie ich auf dem Schlachtfelde
von Znaim gesagt habe, in der Heimat fr unsere Verstorbenen beten. Folget mir
auf den grnen Platz des Gottesdienstes.
    Er stellte sich an ihre Spitze, und die Krieger von Plan und die Krieger aus
den anderen Waldstellen zogen mit ihren Zeichen und unter dem Schalle der langen
Pfeifen hinter ihm auf die grne Weide an dem Ufer der Moldau. Und sehr viele
Menschen gingen mit ihnen. Die Krieger zogen auf den Platz, der mit Schranken
umgeben war. Dort harrete der alte Pfarrer ihrer mit den Kirchenvtern und den
Kirchenvorstehern. Als sie sich aufgestellt hatten, segnete er sie. Dann ging er
zu dem Altare, und ward dort mit dem Gottesdienstgewande bekleidet. Die Krieger
steckten die Stangen ihrer Zeichen in die Erde, und knieten alle auf den grnen
Rasen nieder. Und die vielen Menschen, die auerhalb der Schranken waren,
knieten alle nieder. Und der alte Pfarrer hielt vor dem Altare unter dem freien
Himmel den feierlichen Gottesdienst. Als der Gottesdienst beendet war, sprach
der Pfarrer der Kriegesgemeinde die Dankesworte an Gott den Allmchtigen fr
Errettung aus den Gefahren und Abwendung des Unheils vor, und die Krieger
sprachen die Worte nach. Und alle Menschen, welche vor den Schranken knieten,
sprachen die Worte nach. Dann sprach der Pfarrer die Gebetworte fr die
Verstorbenen vor, und die Krieger sprachen sie nach. Und die Menschen vor den
Schranken sprachen sie nach. Dann segnete er wieder die Krieger, und segnete
alle, die auf der grnen Weide waren. Dann war die heilige Handlung aus. Hie und
da blieben noch Krieger knieen, und es knieten noch andere Menschen, um fr sich
Gebete zu sprechen. Da alle aufgestanden waren, hie Witiko die Krieger sich in
eine Reihe aufstellen. Da sie aufgestellt waren, ritt er an der ganzen Reihe
hin, und wieder an der ganzen Reihe zurck, und grte vor dem Angesichte aller
Menschen mit seinem Schwerte ehrerbietig die Krieger. Sie grten mit ihren
Zeichen und mit Schwertern, Lanzen, und Bogen zurck. Dann stellte er sich mit
seinem Pferde vor die Reihe, und rief: Mnner und Krieger, wir stehen wieder
auf der Erde der Heimat. Wir sind ausgezogen, um eine Schar in dem Heere des
hocherlauchten Herzoges Wladislaw zu sein, der die Reichen nicht durch Raub noch
reicher werden, und die Armen bedrcken lassen will, wir sind ausgezogen, da
nicht ein Feind zu uns komme, und unsere Greise, unsere Weiber und Kinder
schdige, und unsere Habe nehme, wir sind ausgezogen, da nicht ein Herr kommt,
der unsere Arbeit und unser Gut zu seinem Bedarfe und zu seiner Lust verwendet.
Wie wir gedacht haben, so haben viele Scharen des Landes Bhmen gedacht, und
sind zu dem Herzoge gegangen. Und es ist eine Macht geworden, durch welche die
Feinde niedergeworfen worden sind. Unsere Greise und Weiber und Kinder sind
gesichert, es ist kein fremder Herr zu euch gekommen, und der gekommen ist, der
wird mit euch leben wie ihr, er wird schonen, was ihr tut, und habt. Ihr seid zu
dem, was geschehen ist, kein kleiner Teil gewesen. Ihr habt die Schar des
Herzoges Wratislaw besiegt, ihr habt in dem Kampfe bei Znaim durch euer Geschick
und durch euern Mut den Sieg erringen geholfen. Freut euch dessen unter unsern
grnen Bumen, redet von euern Taten, und erzhlet sie denen, die heran wachsen,
da sie einmal Gleiches tun. Verwendet das, was ihr im Kriege erworben habt, zu
euerm Nutz und Frommen und zu Nutz und Frommen der Eurigen. Es wird jetzt eine
Zeit der Ruhe kommen; denn von denen, die gegen den Herzog Wladislaw
aufgestanden sind, sind die Reichen arm, die Mchtigen schwach geworden, und
keiner kann sich mehr gegen ihn erheben. Wenn er manchem verzeiht, so wird der
in der Zukunft treu sein, oder er wird zu wenig Genossen zu einem neuen Kriege
finden. Und wenn der Herzog Wladislaw einmal in einer gerechten Sache unsere
Waffen und unseren Namen in entferntere Lnder tragen will, so wird vielleicht
mancher aus euch mit mir zu ihm gehen, und sich im neuen Kampfe erinnern, wie er
in dem alten gekmpft hat. Und vielleicht ist es auch einem oder dem andern aus
dem schnen grnen Walde beschieden, wenn wieder ein Zug der Christen in das
Heilige Land geht, mit zu ziehen, und an der Sttte zu kmpfen, wo der Heiland
gelebt hat, und dort zu beten, wo er fr uns gestorben ist. Und wie ich euch auf
dem Schlachtfelde und im Lager gedankt habe, so danke ich euch auch hier in der
Heimat fr alles, was ihr getan habt, und da ihr bereitwillig und folgsam gegen
mich gewesen seid. Meine Fhrerschaft hrt heute auf, wir leben wieder jeder
einzelne als ein einzelner Mann; aber wir wollen in Liebe und Treue einander
gedenken, die gekmpft haben, und in Liebe und Treue derer gedenken, die ihr
Leben lassen muten, und in Liebe und Treue und Untersttzung derer gedenken,
die an ihren Gliedern ein dauerndes bel erlitten haben. Und so gehabt euch
wohl, und lset euch auf, die ihr zur Gemeinsamkeit bisher gefgt gewesen waret.
Nur ein Mal wollen wir noch in Gemeinsamkeit sein, und zwar heute bei einem
Mahle, und in Gemeinsamkeit der Lust, welche alle die genieen, die zu diesem
Platze gekommen sind.
    Die Worte Witikos, als er sie sprach, sind von denen, die sie gehrt hatten,
teilweise an die nchsten gesagt worden, von diesen wieder an die nchsten, und
es ist auch etwas davon zu den Leuten gedrungen, die vor den Schranken standen.
    Als er geendet hatte, riefen die Mnner: Heil, Glck, Segen Witiko.
    Heil, Glck, Segen Witiko, riefen dann auch die andern, die auf der Weide
versammelt waren.
    Witiko steckte sein Schwert in die Scheide, ritt dann noch einmal an der
Reihe der Krieger dahin, und reichte jedem Obmanne die Hand.
    Dann stieg er von dem Pferde, und lie es zu einem der Stnde der
Pferdeumzunung fhren, die man hergerichtet hatte.
    Die Reiter stiegen auch von den Pferden, und stellten sie in die Umzunung.
    Die Scharen pflanzten ihre Zeichen in die Erde, lsten sich auf, blieben auf
dem grnen Platze, traten hie und da zusammen, und sprachen mit einander.
    Witiko war unter ihnen.
    Nach einer Zeit wurde mit einem Horne das Zeichen gegeben, da nun das Mahl
beginne. Die Krieger und manche andere Mnner aus Plan und aus Stellen des
Waldes setzten sich an die Tische. An der rechten Seite Witikos sa der alte
Pfarrer, an der linken der Richter von Plan. Die Speisen wurden von den
Herdstellen, die errichtet waren, herbei gebracht, die Getrnke wurden aus den
Fssern geholt, und auf den Tisch gestellt. Es waren Braten von zahmen und
wilden Tieren, es waren Fische und Kuchen da. In den Trinkgefen war Bier, Met
und Wein. Fr die Menschen, welche herzu gekommen waren, wurde auf dem Anger ein
Rind gebraten, und jeder konnte sich ein Teil fr seinen Hunger abschneiden, und
er konnte sich ein Stck Brotes von dem Haufen der Laibe nehmen, der daneben
lag. In Fssern war Bier und Met, und wer ein Gef hatte, oder wem eines, wie
sie neben den Fssern waren, geliehen wurde, der konnte es sich fr seinen Durst
fllen lassen. Manche Menschen hatten selber Feuer angezndet, und bereiteten
Speisen.
    Nach dem Mahle waren verschiedene Spiele im Laufen, Springen, Klettern,
Ringen und andern Dingen. Es erschollen Klnge aus Pfeifen, Zimbeln, Fiedeln und
Hrnern, und die jungen Mnner und die schn gekleideten Mdchen des Waldes
begannen Tnze auf dem grnen Rasen, und mancher ltere Mann tanzte auch noch
mit seiner Ehefrau oder mit einer andern. Lambert, der Zimbelschlger, stand mit
seinem Schwerte gegrtet an der Zimbel, und sandte ihre Tne fr die Tnzer ber
die grne Weide. Tom Johannes, der Fiedler, ging von einem zum andern, und
sagte, wie Tne und Klnge zu Tnzen beschaffen sein mssen. Zu den Klngen der
Tnze mischten sich dann auch Gesnge. Lieder erschallten, von einzelnen
gesungen oder im Wechselgesange, oder im Gesange von mehreren. Auch jenes Singen
ohne Worte, wie es Witiko von Bertha und ihrer Singgespanin gehrt hatte, erhob
sich, und zog durch die Lfte. Und wie die Shne des Waldes stets das Jauchzen
ben, um sich zu rufen, um sich zu necken, oder eine Lust durch die Zweige
fliegen zu lassen, erklang unter den Tnen manch ein Jauchzen, und suchte sich
besonders preiswrdig zu machen.
    Als die Krieger von den Tischen aufgestanden waren, ging Witiko mit dem
Pfarrer und mehreren Mnnern unter den Leuten herum, und sprach mit vielen. Er
ging auch zu denen hinaus, die auerhalb der Schranken waren, um mit ihnen zu
sprechen, und zu sehen, ob es an nichts gebreche, oder ob keiner eine Strung
veranlasse.
    Gegen den Abend ritt Witiko mit dem grten Teile der Krieger und Gste nach
Plan zurck. Andere blieben noch auf der Weide an der Moldau, und erlustigten
sich bis in die Nacht hinein.
    Am nchsten Tage zogen die Abteilungen der Krieger aus den ferneren
Waldgegenden wieder in ihre Heimat, und viele Menschen, die gekommen waren,
gingen fort. Andere blieben noch da, und erst nach mehreren Tagen waren alle,
die nicht nach Plan gehrten, von dort hinweg gegangen.
    Die Mnner von Plan fingen nun an, das, was sie in dem Kriege erworben
hatten, zu genieen. Zuerst gingen solche, welche nicht in dem Kriege gewesen
waren, und dann Weiber und besonders Kinder in die Huser, und lieen sich
zeigen, was heim gebracht worden war. Mancher Mann und manche Frau trugen aus
ihrem Hause selber das eine oder das andere Stck zu einem Nachbarn oder
Freunde, um es vorzuweisen. Dann wurde verfertigt, was verfertigt werden konnte:
Schleifen, Gewnder, Waffen, Hauszierden und anderes. Manche begannen, ihr Haus
auszubessern oder zu erweitern, manche suchten ein Flecklein Grund zu kaufen,
und manche pflegten lnger in der Schenke zu sein, als sie sonst getan hatten.
    Witiko sendete einen Teil seiner Habe durch Sumer nach Pric.
    Die Zeichen, welche die Krieger im Kriege gehabt hatten, wurden nach
Beratungen in einen Schrein in der Kirche gelegt.
    Die Mnner von Plan hoben nun auch an, das Haus zu bauen, in welchem die
Kinder unterrichtet werden sollten. Witiko dingte drei Werkleute, welche fr ihn
in der Zeit des Baues arbeiten sollten, er lie Zugtiere zu manchen
Verrichtungen stellen, und schenkte das Holz fr den Dachstuhl.
    In dieser Zeit kamen Wentislaw, der Zupenrichter, und Rastislaw, der Meier
von Daudleb, mit mehreren Mnnern zu Witiko in den oberen Plan, und sagten, sie
mten nach dem hohen Befehle des erlauchten Herzoges Wladislaw und nach dem
hohen Befehle des edlen Zupanes Lubomir Witiko im Walde die Grenzen dessen
ausweisen, was in seinem Pergamente als Gabe an Land geschrieben stnde. Witiko
mge sich Zeugen auslesen, und die Grenzen mit ihnen beschauen.
    Witiko sagte: Weil es so ist, da ich Zeugen whlen mu, so werde ich sie
whlen.
    Und er whlte die jungen Mnner Augustin, Urban, Mathias und Maz Albrecht.
    Und er und seine Zeugen und Wentislaw und Rastislaw und die Mnner aus
Daudleb gingen an der Grenze dessen hin, das Witikos Gebiet sein sollte. Sie
schrieben, was sie fanden, auf Papiere, und als sie nach drei Tagen wieder nach
Plan zurckgekommen waren, wurde noch alles auf zwei Handschriften gebracht.
Eine legte Witiko zu dem Pergamente, und die andere nahmen die Mnner nach
Daudleb mit.
    Als dieses geschehen war, rstete Witiko ein Geleite zu einer Reise, und zog
eines Morgens mit dem Geleite von dem oberen Plane fort. Sie zogen auf dem Wege,
auf dem Witiko einmal mit dem Bischofe Zdik geritten war, durch den Wald in das
Aigen. Von dort zogen sie mittagwrts durch Wlder und durch das Gericht Velden
an die Donau. Sie waren an die Stelle derselben gekommen, von welcher man
jenseits des Wassers die Huser von Aschach liegen sah. Sie wurden auf Fhren
ber den Strom gebracht. In Aschach waren Mnner, welche behauene Steine und
allerlei Baudinge aus Schiffen brachten, und auf Wgen luden. Die Leute
erzhlten, das gehre zu der Burg, welche der edle Herr, Heinrich von Jugelbach,
auf der Hhe im Mittage von Aschach bauen lasse. Witiko fragte, ob Heinrich von
Jugelbach bei dem Baue sei, und erhielt die Antwort, er sei in der Burg
Jugelbach. Witiko ritt nun mit seinem Geleite gegen die Waldhhe, welche von
Aschach mittagwrts gegen die Stadt Eferdingen geht. Er ritt die Waldhhe
entlang. Als sie zu der Stelle kamen, oberhalb welcher der Bau errichtet wurde,
ritten sie zu dem Werke empor. Es war eine Hhenzunge, welche sich von dem Berge
hinweg streckte. Auf der Zunge wurde die Burg erbaut. Gerste standen am Ende
der Zunge empor, und an den Gersten wurden die Mauern hinan gearbeitet. Ein
sehr mchtiger Turm strebte inmitten der Bauwerke schon hher in die Luft als
alles andere, und Gemcher und Gnge und Sle und eine Kirche und andere Rume,
die zu der Wirklichkeit einer Burg gehren, waren in Gliederungen schon
sichtbar. Schaffner waren ttig, Werkleute mauerten und hmmerten, Zimmerer
behauten Stmme, Zureicher trugen Kbel ber Holztreppen empor, Steine wurden an
Seilen in die Hhe gezogen, und auf Balkenwgen und auf Sumern wurden Dinge den
Berg hinan geschafft.
    Diese Burg wird Schauenberg heien, sagte Witiko.
    Sie heit schon so, seit der erste Stein gelegt worden ist, sagte ein
Schaffner, der Stein ist geweihet worden, und in der Weihe hat die Burg den
Namen erhalten. Steiget herauf, und sehet, wie man von dem Berge schauen kann.
    Witiko stieg von seinem Pferde, und auf ein Gerste, und der Schaffner
zeigte ihm, wie die Donau durch das schne Land geht, da hinab, wo Wilheringen
liegt und der Wald und die alte Burg Krenberg, und wie jenseits der Donau die
Berge hinan steigen, immer einer hher als der andere, bis sie das bhmische
Land erreichen, wo sie am hchsten sind.
    Dort wrde auch eine Burg schn stehen, sagte der Schaffner, und sie
wrde so weit in das Land schauen als der Schauenberg.
    Sie wrde sehr schn stehen, antwortete Witiko, und weiter schauen.
    Dann zeigte der Schaffner Witiko die Alpengebirge, die im Mittage weit
entfernt gegen das Land sterreich und gegen das Land Ungarn dahin gehen.
    Und von hier bis zu den blauen Bergen ist ein gesegnetes Land, sagte der
Schaffner, Hfe und Burgen liegen in ihm, und das Getreide und das Obst ist in
Flle, und Ortschaften und Stdte sind da, und die Mutter Heinrichs von
Jugelbach hat noch manches Eigen daselbst, und ihre Shne Heinrich und Gebhart
werden erben, und wer Bertha, das einzige Kind Heinrichs, in sein Haus fhrt,
hat eine reiche Braut. Die Burg auf dem bhmischen Walde htte kein so schnes
Land um sich.
    Es sind dort lauter Wlder, sagte Witiko, und sie liegen in einer groen
Pracht dahin, und haben einen anderen Reichtum als Getreide.
    Seid Ihr in jenem Lande bekannt? fragte der Schaffner.
    Ich kenne das Land, antwortete Witiko.
    Getreide ist ein schnes Ding, sagte der Schaffner.
    Ein schnes Ding und ein Segen Gottes, antwortete Witiko.
    Nach diesen Worten stieg er ber die Holztreppe von dem Gerste wieder
hinab, und ging zu seinem Pferde. Der Schaffner geleitete ihn.
    Reiset recht glcklich, und mget Ihr Eure Ziele erreichen, junger Herr,
sagte er.
    Witiko bestieg sein Pferd, und antwortete: Das walte Gott, und gehabt Euch
wohl.
    Gehabt Euch wohl, sagte der Schaffner.
    Witiko ritt mit seinem Geleite wieder den Berg hinab, und von da in die
Stadt Eferdingen. Von der Stadt Eferdingen ritten sie in dem Lande Baiern immer
gegen Sonnenuntergang fort, bis sie eines Tages in die Stadt Landshut kamen. In
Landshut lie Witiko sein Geleite in einer Herberge unterbringen, und bergab
dem Geleite sein Pferd. Er aber ging von der Herberge wieder fort. Er ging durch
die Gassen, bis er an den Rand der Stadt kam. An dem Rande der Stadt war an der
Stelle, zu der Witiko gegangen war, nicht weit von der Mauer der Stadt ein
kleiner Garten, und an dem Garten stand ein kleines Haus. Witiko ging zur Tr
des Hauses, und pochte mit dem Klppel auf sie. Die Tr wurde geffnet, ein
altes Mtterlein stand in ihr, und rief. Heiliger Gott, Witiko.
    Ich bin nun da, sagte Witiko.
    Seit so vielen Jahren wieder, antwortete das Mtterlein.
    Sei vielmals gegrt, Marhild, sagte Witiko.
    Sei gegrt, Witiko, sprach das Mtterlein.
    Sind alle gesund? fragte Witiko.
    Alle sind gesund, antwortete das Mtterlein, gehe nur hinein.
    Witiko ging durch die Tr in einen Raum, der mit Steinen gepflastert war,
und von diesem Raume in ein Gemach. Dasselbe hatte weie Wnde, grn gepolsterte
Gerte, und vor den Fenstern weie Vorhnge. In dem Gemache saen zwei Frauen.
Da Witiko eintrat, standen sie auf, und eine rief: Witiko.
    Mutter, sei zu tausendmal gegrt, sagte Witiko.
    Sei gegrt, mein Sohn, antwortete Wentila, die Mutter Witikos.
    Sie reichte ihm die Hand, er kte dieselbe, und sie kte ihn auf die
Stirne.
    Ich gre dich auch, Witiko, sagte die andere Frau, welche lter war als
Wentila, und schneeweie Haare hatte.
    Ich gre dich, Base Hiltrut, sagte Witiko, jetzt bin ich bei euch.
    So lege dein Schwert und deine Haube ab, und setze dich zu uns, sagte die
Base.
    Witiko tat es, und setzte sich auf eines der grnen Gesiedel. Die Frauen
setzten sich auch wieder nieder.
    Gesegnet sei deine Rckkehr in dieses Haus, sagte Wentila.
    Es sind fnf Jahre vergangen, seit du von Passau hieher gekommen bist,
Abschied zu nehmen, und seit du von dieser Schwelle fort geritten bist, sagte
die Base.
    In dieser Zeit sind allerlei Dinge geschehen, Hiltrut, antwortete Witiko.
    Du hast mir wieder Botschaft gesendet, die mich freute, sagte Wentila.
Jetzt ist der ble Streit im Lande Bhmen aus.
    Die Macht Wladislaws ist gesichert, sagte Witiko, und der Streit ist
aus.
    So danken wir Gott zuerst, da unser Vaterland wieder in Ruhe ist, sprach
Wentila, und dann danken wir, da du nur einmal eine geringe Verletzung
erhalten hast, das ist eine Gnade von dem Herrn, und dann danken wir, da er
dich hat wirken lassen, wie du immer nach deinem besten Sinne wirst gewirkt
haben, und endlich danken wir, da du geehrt und belohnt worden bist, was eine
Sache ist, die vor den Menschen gilt, und die dir zu Gute kmmt.
    Wir haben Gott dem hohen Herrn fr seinen Beistand in dem Unglcke unseres
Vaterlandes gedankt auf dem Schlachtfelde, wir haben ihm feierlich auf grner
Heide gedankt, weil in Mhren noch der Bann ist, und keine Kirche offen steht,
wir haben ihm in der Kirche des oberen Planes gedankt, und haben ihm bei Plan
unter dem offenen Himmel gedankt, sprach Witiko, und ich habe ihm gedankt, da
er mich erhalten hat, ich habe ihm gedankt, da er mir in meinem guten Willen
geholfen hat, und ich habe ihm gedankt, was er dem gtigen Herzoge fr mich
eingegeben hat. Und so danke ich ihm noch, und werde ihm zu jeder Zeit danken.
Und immer danke ich auch dabei, da er mir eine so gute Mutter geschenkt hat.
    Wir haben ihm auch gedankt, Witiko, sagte die Mutter, und danken ihm
noch, und werden ihm wie du zu jeder Zeit danken. Und ich danke ihm auch, da
ich einen guten Sohn habe.
    Witiko, Witiko, sagte die Base, du bist jetzt in deinen jungen Jahren ein
Herr in dem Lande, und bist mit den anderen Herren in dem Rate des Herzogs.
    Zum Rate mu ich mir erst das Wissen sammeln, antwortete Witiko.
    Wer htte das gedacht, sagte die Base, als du hier in deinem Kmmerlein
mit dem frommen Benno die schweren Worte lerntest. Wir haben dir das Kmmerlein
recht schn hergerichtet.
    Unser Besitz ist immer klein gewesen, sprach Wentila, sie sagen, unsere
Vorfahrer haben eine groe Macht gehabt; aber wie es ist, in dem kleinen Besitze
ist dein Vater, ist dein Grovater und sind alle vor ihnen gegen die Ihrigen
gtig gewesen, du wirst es auch gegen deine neuen Untertanen sein.
    Sie haben mir fr das Vaterland und fr die Heimat geholfen, sagte Witiko,
und ich werde ihnen wieder helfen, wo ich kann.
    Ich wei es, ich wei es, sprach Wentila, und mag auch, was du noch
wnschest, in Erfllung gehen.
    Ich bitte Gott, da es in Erfllung geht, sagte Witiko.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, wurde die Tr geffnet, und ein
Priester trat herein. Er hatte ein freundliches Angesicht, blaue Augen und weie
Haare.
    Erlauben mir die Frauen, zu dieser Zeit in ihr Gemach zu kommen, sprach
er, Lutgart ist zu mir gegangen, und hat mir gesagt, da Witiko gekommen ist,
und da wollten meine Augen nicht lnger warten, ihn zu schauen.
    Witiko stand auf, ging zu dem Manne, und sagte: Sei mir in Ehrfurcht
gegrt, Vater Benno.
    Sei gegrt, mein Kind, sprach der Priester, legte eine Hand auf den
Scheitel Witikos, und kte ihn auf die Stirne.
    Wir sind erfreut, da Ihr zu dieser Stunde gekommen seid, sagte Wentila,
Ihr habt ja immer gesprochen, da Ihr zu uns gehret, und so gehret ihr auch
jetzt zu uns, da er hier ist, und es ehret uns stets, wenn Ihr unser Gemach
betretet.
    Nehmet doch einen Sitz ein, hochehrwrdiger Vater, sprach die Base.
    Bleibe an deiner Stelle neben deiner Mutter sitzen, mein Kind Witiko,
sagte der Priester, ich werde mir einen Platz finden.
    Nach diesen Worten setzte er sich auf einen Stuhl, und Witiko setzte sich
wieder zu seiner Mutter.
    Er ist jetzt zurckgekehrt, der uns vor fnf Jahren verlassen hat, sagte
Wentila.
    Er hat wohl schon in frherer Zeit dieses Huschen verlassen, da er ein
Dienstknabe des Bischofes von Passau geworden ist, sagte die Base.
    Der Bischof ist ein milder Herr gewesen, antwortete Wentila, und hat ihm
oft erlaubt zu uns und zu dem hochehrwrdigen Vater Benno zu gehen, der ihn zu
ihm gefhrt hatte, und hat ihm erlaubt, oft lange Zeit bei uns zu bleiben, und
mir ist er erst fort gewesen, da er in das Land Bhmen geritten war.
    Ich habe ihn, da er empor wuchs, alle Tage hier gesehen, entgegnete die
Base, und als er nach Passau gegangen war, ist mir das Huschen zu gro
geworden.
    Es ist nun so, da Knaben von der Mutter fort gehen, um sich ein Leben zu
grnden, sagte Benno.
    Ich konnte nichts mehr tun, als fr ihn beten, sprach die Base.
    Das hast du ja auch frher getan, sagte Wentila.
    Wir haben fr ihn gebetet, sprach die Base, wie wir fr alle die Unsrigen
beten, und fr andere Leute und fr die, auf welche niemand in einem Gebete
denkt.
    Und du hast auch in allen anderen Dingen auf ihn gedacht, sagte Wentila,
schon da er geboren wurde, und du in Pric bei uns als Gast warest, und ich
seiner wegen Krankheit nicht warten konnte, und dann, als mein lieber Ehegatte
gestorben war, und wir als Gste bei dir in Landshut lebten. Du hast in jeder
Sache fr ihn geschaltet.
    Ich bin es schuldig gewesen, und dann, da er fort war, konnte ich es nicht
mehr tun, und es ist mir die Zeit leer geblieben, sagte die Base. Er ist auch
immer so gut in seinem Gemte gewesen.
    Ich bin fr dich noch gut in meinem Gemte, und werde es in der Zeit meines
ganzen Lebens sein, sprach Witiko.
    Ich glaube, du bist auch sonst gut in deinem Gemte, sagte Wentila.
    Ich meine einen guten Sinn gegen alle Menschen zu tragen, antwortete
Witiko.
    Und als er dann mit dem hochehrwrdigen Vater Benno lernen mute, httest
du ihm gerne Honigscheiben gegeben, da er sich nicht zu sehr krnke, sagte
Wentila.
    Hast du die lateinische Sprache nicht vergessen, Witiko? fragte der Vater
Benno.
    Wenn ich eine Schrift des Heiligen Vaters in der lateinischen Sprache she,
wrde ich sie wohl verstehen, antwortete Witiko, und dann hat uns ja der
hochehrwrdige Bischof Regimar in Passau sehr zur lateinischen Sprache
angehalten, und ich habe manches in meinen Habschaften bei mir, das ich mit dir,
hochehrwrdiger Vater Benno, gelernt habe.
    Das Beste hat doch der fromme Vater Benno fr Witiko getan, sprach die
Base, er hat ihm Gottesfurcht und schne Sprachen und gute Sitten und
Kenntnisdinge und Lebensart und, was sich in der Welt zugetragen hat, in das
Herz gepflanzt, und er hat ihn auch dorthin gefhrt, wo er den Waffenbrauch und
das Reiten und das Schwimmen und das Laufen und andere Geschicklichkeiten lernen
konnte. Es ist wohl recht lieblich gewesen, da der fromme Vater Benno mit euch
von Pric gekommen war, da wir alle mit einander hier lebten, da wir zu manchen
guten Leuten gingen, und am liebsten wieder bei einander zu Hause waren. Es wre
schn gewesen, wenn es so geblieben wre.
    Es wird jetzt wieder so sein, antwortete Witiko, ich bin gekommen, euch
alle, wie ich zu meiner Mutter auf dem Kahlenberge gesagt habe, nach Pric zu
geleiten, und wenn der hochehrwrdige Vater Benno auch mit uns geht, so werden
wir dort noch nher bei einander leben als hier, da wir alle in dem Hofe von
Pric wohnen werden.
    Der fromme Vater Benno ist so oft von seiner Wohnung in unser Huschen zu
dir gekommen, da ich meinte, er sei immer hier, entgegnete die Base. Und es
wird auch in Pric nicht dauern.
    Die Menschen trennen sich, und haben Schmerz, sagte Benno, und sie kommen
wieder zusammen, und haben Freude.
    Ich wei, da es so ist, sprach die Base, und gebe den Scheidenden
Segenswnsche auf den Weg, und freue mich, wenn sie wieder kommen.
    Der hochehrwrdige Vater Benno hat gesagt, Witiko, sprach Wentila, da er
mit uns nach Pric gehen wird.
    Ich werde dahin gehen, sagte Benno, und werde die Menschen wieder sehen,
die ich dort kenne, und werde auf dem Grab deines Vaters beten, Witiko.
    Es ist mir eine groe Freude, da du nach Pric gehst, Vater Benno,
antwortete Witiko, ich werde sorgen, da die Reise leicht ist.
    Witiko, mein Kind, sagte Benno, du hast uns Nachrichten von dir
geschickt, und das ist gut gewesen, wir lebten wie mit dir. Du hast nun in der
Zeit, in der du fort gewesen bist, Dinge der Welt gesehen, wie sie Schicksale
der Menschen grnden und strzen.
    Hochehrwrdiger Vater, antwortete Witiko, du hast an mir so Groes und
Gutes getan, da du mich unterwiesest, belehrtest und anleitetest, da ich es
erst jetzt, da ich diese Dinge der Welt gesehen habe, recht erkenne und besser
erkenne als frher, und da ich dir es erst jetzt danke und besser danke als
frher, und da ich es immer noch besser erkennen und danken werde. Du hast mir
von dem erzhlt, was zwischen Menschen in frheren Zeiten geschehen ist, und du
hast mich die Taten, wie sie gut und bse sind, und wie sie erfolgreich sind,
schauen lassen. Ich habe daher in den Dingen, bei welchen ich jetzt war, manches
gelernt, und werde bei anderen Dingen wieder manches lernen.
    Da ich dir meinen armen Unterricht zu Teil werden lie, Witiko, sagte
Benno, das ist so, wie der Grtner eine Blume zieht, da sie schn werden soll,
und wie er sich an der Pflanze freut. Und ich bin mit deinem Vater in
Freundschaft gewesen, ich liebte ihn, und er liebte mich, wie ein Bruder den
andern liebt, und da er gestorben war, dachte ich immer an dich, Witiko. Und
wenn du in menschlichen Dingen gelernt hast, und noch lernen wirst, so ist es
wie bei uns allen, die wir lernen mssen, bis wir in das andere Leben kommen.
    Bist du noch mit Emsigkeit daran, die Geschicke der Kaiser aufzuschreiben?
fragte Witiko.
    Als ich nach einer langen Krankheit die Besorgung der Kirche meiner
Glubigen aufgeben mute, sagte Benno, habe ich angefangen, in meiner Stube
aufzuschreiben, was den hocherhabenen Kaisern begegnet ist, da sie noch lebten,
und ich fahre darin fort, und werde darin fortfahren, bis ich auf den Kaiser
unserer Zeit komme, wenn mir Gott das Leben so lange fristet.
    Da knnen viele lernen, denen die Worte bekannt werden, sagte Witiko.
    Ich habe daraus gelernt, antwortete Benno, die Menschen lernen aber nicht
gerne aus den Schicksalen anderer.
    Silvester sagte, sie handeln nach ihrer Lust, sprach Witiko.
    Davon ist das Unglck des Landes Bhmen ein Zeuge, antwortete Benno, sie
ben Rache und ergtzen sich an der Grausamkeit der Rache, sie reien Gter mit
Gewalt an sich, und genieen die Gter mit bermut. Dann kmmt ein anderer, und
rcht sich an ihnen und nimmt die Gter wieder, oder ein starker Herzog wirft
die Emprer nieder, zieht ihr Gut an sich, und strzt sie in Ohnmacht. Und die
nach ihnen kommen, ben wieder Rache, ben wieder Gewalt, und werden wieder
gestrzt. So ist es oft gewesen, und so wird es wieder sein, wenn nicht ein
fester Brauch errichtet wird, wie der Herzog nach dem Tode des frhern Herzoges
folgen soll, und wenn nicht der heilige Glaube tief gegrndet, und in schnen
Ordnungen durch das ganze Land geleitet wird, da er die Herzen erleuchtet. Mge
der Segen des Himmels auf Guido, dem Gesandten des Heiligen Vaters, ruhen, der
erwartet wird.
    Viele erwarten ihn mit Ungeduld, sagte Witiko.
    Mgen sie aber auch seinem Tun entgegen kommen, sprach Benno. Mein Kind,
wenn du nicht anders als in deiner frhen Jugend bist, so wirst du gewi nicht
Hochmut, Raub und Unterdrckung ben. Und dir wird ein groes Gut entstehen, die
Liebe der Deinen, und dazu wird der Himmel sich freuen. Aber auch deine Macht
wird sich vermehren, wenn man gleich ihre Vermehrung nicht sieht. In jedem Baume
deines Waldes wchst dir Reichtum empor, und in jedem Baume wchst deinen
Untertanen Reichtum empor, an ihrem Reichtume wirst du reicher, und in ihrer
Willigkeit wirkst du in das Schicksal unseres Landes. Du wirst auch die Gebote
unseres Glaubens hegen, und ihn in seinen Dienern weiter unter die Deinigen
verbreiten, und ein viel hherer Lohn des Herrn wird dich dereinst erwarten, als
hienieden irdische Macht ist. Und wenn nach dir wieder Mnner kommen, die so
sind, so wird ein Geschlecht entstehen, schner und herrlicher, als die Sage von
deinen Vorfahrern dichtet.
    Hochehrwrdiger Vater, sagte Witiko, da ich ein Kind war, und da ich
empor wuchs, hast du so viel zu mir gesprochen, und hast vor mir gehandelt,
meine ehrwrdige Mutter hat zu mir gesprochen, und hat vor mir gehandelt, meine
ehrwrdige Base hat zu mir gesprochen, und hat vor mir gehandelt, ich habe die
Handlungen des guten Bischofes Regimar gesehen, und ich habe jetzt viele
Handlungen gesehen, von denen einige den deinigen hnlich, andere ihnen
entgegengesetzt waren. Ich werde immer so handeln, wie es in mir bei euch allen
und bei dem guten Bischofe Regimar geworden ist, und wie es sich durch das, was
ich jetzt gesehen habe, noch mehr gefestigt hat. Ich habe zu meiner Mutter auf
dem Kahlenberge gesagt, ich mchte ihr Genge tun, und dann dir, Benno, und dann
Silvester, und dann noch einem Menschen, und was ich gesagt habe, werde ich
halten.
    Aus den Nachrichten, die Witiko gesendet hat, sagte Wentila, und aus den
Nachrichten, die der fromme Vater Benno von Lechen und Herren erhalten hat,
glauben wir, da Witiko so ist, wie er gewesen ist, und er wird auch in der
Zukunft so sein. Dieses glaubt auch der hochehrwrdige Benno, und die gute
Base.
    Witiko kann ja nicht anders sein als er ist, sagte die Base.
    Ich habe dir auf dem Kahlenberge gesagt, Mutter, antwortete Witiko, da
der hochehrwrdige Silvester nicht alles lobt, was ich getan habe. Ich will mich
nach seinen Worten richten, und werde klger werden. Ich habe nach meinem guten
Sinne gehandelt, und werde in der Zukunft nach gutem Sinne und immer besserer
Einsicht handeln.
    Handle so, und das andere richtet Gott, erwiderte Benno. Und weil du noch
von einem Menschen gesprochen hast, dem du recht tun mchtest, mein Kind, so
spreche ich auch von ihm. Es wird sich jetzt erfllen, was du in deinen Gedanken
trgst. Ehre deine Gefhrtin, sie wird dich wieder ehren, und ihr werdet Freude
haben bis in das hchste Alter.
    Es ist der tiefste Wunsch meines Herzens, da deine Weissagung erfllt
wird, sagte Witiko.
    Sie wird es gewi, Kind Witiko, sagte die Base, und meine Augen werden es
schauen.
    Nun, meine lieben Frauen, sprach Benno, ihr werdet noch manches mit
Witiko reden wollen, ich verabschiede mich. Witiko, komme, so lange du in
Landshut bist, zuweilen zu mir in meine Stube, und erlaube, da ich auch fter
in dein Kmmerlein komme.
    Ich werde kommen, antwortete Witiko, und werde erfreut sein, wenn du zu
mir kmmst.
    So gehabt euch alle wohl, sagte Benno.
    Gehabt Euch wohl, hochehrwrdiger Herr, sagten die Mutter und die Base.
    Gehabe dich wohl, Vater Benno, sagte Witiko.
    Und der Priester Benno erhob sich von seinem Sitze, und verlie das Gemach.
    Wentila, Witiko und die Base sprachen noch lange und mancherlei mit
einander.
    Dann ging Witiko wieder in die Herberge, ordnete dort verschiedene Dinge an,
und sah nach den Leuten und den Tieren.
    Hierauf ging er in das kleine Huschen zu der Mutter und der Base zurck.
Sie hatten ein Abendessen gerichtet, verzehrten es mit einander, und Witiko
legte sich dann in dem Kmmerlein seiner Kindheit auf ein Lager, das grer als
damals bereitet worden war.
    Er blieb eine Woche in Landshut, indessen sich die Frauen und Benno zur
Reise rsteten.
    Er ging jeden Tag zu Benno, und Benno zu ihm.
    Dann begaben sich alle auf den Weg nach Pric. Die Frauen und die Dienerinnen
wurden von Saumrossen in Snften getragen. Auch das alte Mtterlein Marhild
wurde mitgenommen. Die Mnner ritten. Die Habschaften trugen ebenfalls
Saumtiere.
    Als sie in Pric ankamen, waren viele Menschen versammelt, und grten sie
mit Zurufen der Freude. Sie riefen die Namen, und wiederholten den Ruf fter.
Alle Leute des Hofes standen vor dem Tore, und grten die Herrin und den Herrn,
und den hochehrwrdigen Vater Benno und die Base, und endlich auch die Mnner
des Geleites Witikos, und die Frauen des Geleites Wentilas.
    Als die Mnner von den Pferden gestiegen waren, und die Frauen aus den
Snften gehoben hatten, fhrte Witiko die Mutter in die Wohnung des Hofes,
welche immer die ihrige gewesen war. Dann geleitete er die Base in die zwei
Gemcher, in denen sie gehauset hatte, als sie gastlich in dem Hofe Pric
beherbergt worden war. Dann geleitete er Benno in die Stube, in welcher er das
Buch der Kaiser aufzuschreiben begonnen hatte. Hierauf ging er erst in seine
Wohnung. Die Gemcher der Mutter waren noch in dem nmlichen Stande, in dem sie
gewesen waren, als sie mit ihrem Gatten in denselben gewohnt hatte. Die zwei
Gemcher der Base waren daneben, und waren auch in der frheren Gestalt. Und so
war auch die Stube Bennos. Witiko hatte nur eine Stube und ein Kmmerlein. Fr
die Unterkunft des Geleites wurde durch Gemcher und in der ersten Nacht auch
durch Gezelte gesorgt.
    An dem Morgen nach der Ankunft gingen die Mutter, die Base, Benno und Witiko
mit einem Gefolge in die Kirche, die auf einem Berge bei Pric stand. In der
Kirche wurde der Gottesdienst gefeiert, und dann beteten sie auf den Grbern des
Vaters Witikos, seines Grovaters und seines Urgrovaters. Die Grber der
anderen Vorfahrer wute man nicht mehr.
    Und nach dieser heiligen Handlung begannen sie das Leben in Pric.
    Die Leute des Hofes, die Leute, die zu dem Gebiete des Hofes gehrten, und
die Leute, die sonst in der Umgebung wohnten, kamen, und bezeugten Witiko
Ehrerbietung und Huldigungen zu seiner Standeserhhung.
    Er besah die Angelegenheiten des Hofes, und besprach sich mit den Seinigen
darber.
    Als die Bltter der Bume abgefallen waren, ritt er an den Hof des Herzogs
Wladislaw nach Prag. Er wurde von dem Herzoge mit Ehren empfangen, und wenn Rat
war, zu demselben gezogen. Er sa bei den Herren und Lechen, und sprach, wenn
von den Geschicken des Landes gesprochen, und ber dieselben ein Entscheid
eingeleitet wurde. Er durfte zu der Herzogin kommen, und wurde von ihr ber sein
Leben und das Leben der Seinigen befragt. Er ging zu den Herren und Lechen, die
er kannte, und die in Prag waren, er ging zu Welislaw, der nach dem Tode des
frheren Zupanes vom Wysehrad jetzt als Zupan auf dem Wysehrad wohnte. Er ging
auch zu dem hochehrwrdigen Bischofe Otto, und wurde von ihm in dem Gemache
empfangen, in welchem er einmal mit dem gewhlten Bischofe Silvester geredet
hatte. Er ging zu dem Baue der Kirche des heiligen Veit, und betrachtete, wie
weit er gediehen sei. Er ging zu dem Kloster des heiligen Georg, und sah, wie
man es wieder errichtete, und er ging an manche Stellen der Stadt und der
Burgflecken, um zu sehen, was man seit der Belagerung wieder erneuere und
verschnere. Er ging auch mit seinem Pergamente in die Kammer des Herzoges, und
sagte, da er keinen Wunsch einer nderung habe. Es wurde in einem zweiten
Pergamente der genauere Bestand seines Gebietes aufgeschrieben, an die beiden
Pergamente hingen viele Herren und Lechen ihre Siegel, und die Pergamente wurden
ihm gegeben. Er bewahrte sie in einem festen ledernen Trhelchen bei den Sachen,
die ihm wert waren. Er ging auch zu verschiedenen Mnnern, und beriet sich mit
ihnen ber Dinge, die er vor hatte.
    Dann verabschiedete er sich von Prag, und ritt zu Silvester.
    Von Silvester ritt er wieder nach Pric.
    In Pric lebte er im Winter mit seiner Mutter, mit Benno, und mit der Base,
und sie beratschlagten, was in dem Walde geschehen msse, und was berhaupt in
der Zukunft weiter zu tun sei.
    Im Frhlinge ritt er mit seinem Geleite in den Wald gegen Mittag.
    Er ritt in den Wangetschlag, und hie seine Leute Gezelte vor dem Huschen
errichten.
    Als er von dem Pferde gestiegen war, wurde er von Huldrik, der sein Haupt
entblt, und seinen Nacken gebeugt hatte, in die Stube gefhrt. Er legte seine
Haube und sein Schwert ab, setzte sich an den Tisch, und sagte: Sei mir sehr
viele Male gegrt, du guter alter Huldrik.
    Huldrik fiel auf die Knie vor Witiko nieder, und rief: Witiko, Witiko, ein
Witiko wird kommen, und Witiko ist gekommen.
    Stehe auf, Huldrik, sagte Witiko, ich kann sonst nicht mit dir reden.
    Lasset mich nur Gott danken, da meine Augen es schauen, sagte Huldrik.
    Dann rief er: Ich danke dir, Gott, ich danke dir, Gott.
    Dann stand er auf, und schluchzte, da sein ganzer Krper erzitterte.
    Regina stand neben ihm, und weinte auch, wie Lucia in dem oberen Plane
geweint hat. Der neue Knecht, der an Jakobs Stelle jetzt in dem Huschen war,
stand auch da, und die Trnen flossen ihm herab.
    So fasse dich, mein lieber alter Huldrik, sagte Witiko, ich habe es dir
ja versprochen, da ich nach dem mhrischen Kriege kommen werde, als ich mit den
Mnnern im vorvorigen Winter an deiner Leuchte sa.
    Aber wie Ihr kommen werdet, habt Ihr nicht gesagt; ich aber habe gesagt,
da ich es erleben werde, und da ich Euch den Bgel halten werde, wenn Ihr in
Euer neues Schlo einzieht, rief Huldrik, und nun ist es da, Ihr seid der Herr
im Walde, so weit meine Augen sehen und noch weiter, und Eure Macht wird noch
wachsen, bis sie unendlich ist. Der reichste Herr des Stammes wird Milch und
Honig an dem Buchentische essen, Ihr habt sie gegessen, und ich habe gesagt, da
es sehr schnell geht, und nun geht es schnell, und Ihr werdet der reichste Herr
des Stammes.
    Huldrik, entgegnete Witiko, und ich habe dir gesagt: Versuchen wir nicht
Gott. Der gute Herzog Wladislaw hat mir Waldesland gegeben. Ich werde in
demselben schalten, wie ich es fr gut und recht halte, und wenn es sein kann,
es vermehren, ich werde den Leuten Gutes tun, und dir und dem Wangetschlage
gewi nicht das wenigste.
    Das ist der Anfang sagte Huldrik, alles mu einen Anfang haben, und der
Anfang ist gewesen, wie Ihr zu Milch und Honig habt kommen mssen. Und wie jetzt
Eure Leute Gezelte vor diesem Hause bauen, so werden Lager vor Euerem Schlosse
hier sein, weit dahin, und Tausende von Zelten, und Rosse und Reiter, und Wagen
und Mnner mit Edelsteinen und Waffen, die gekommen sind, Euch zu huldigen, und
es werden Hunderte und Tausende von Eiern verzehrt werden und Tausende von
Fischen und Tausende von Hhnern und Tausende von Lmmern, und das Heu fr die
Pferde wird wie ein husergroer Schober lagern, und Ihr werdet wie ein Knig
sein, der noch genug hat, und der einen Hofrichter und einen Schenken und einen
Truchse und einen Kmmerer besitzt.
    Indessen sollen wir doch denen, die drauen Gezelte bauen, behilflich
sein, sagte Witiko, und ihnen mit Rat und Weisung beistehen.
    Ja, das sollen wir, und so ist es der Burggebrauch, sagte Huldrik.
    So tun wir es, entgegnete Witiko.
    Witiko nahm seine Haube und sein Schwert, und sagte dann zu dem Knechte und
zu der Magd: Ich gre euch freundlich, lasset euch nicht leid sein, was ihr
fr mich und die Meinigen Mhe habt.
    Wir tun alles gerne, recht gerne, sagte der Knecht.
    Regina kte den rmel von Witikos Kleide, und weinte fort.
    Dann gingen Witiko und Huldrik hinaus zu den Mnnern, die drauen das Lager
machten, und der Knecht folgte.
    Es waren die Sumer mit Witikos Habe angekommen, und er lie die Dinge in
das Huschen bringen.
    Leute aus den Husern von dem Wangetschlage gingen herzu, und betrachteten,
was da geschah. Einige riefen Witiko Heil und Segen zu, und grten ihn. Er
dankte, und redete mit mehreren. Viele halfen bei dem Lager.
    Am Abende kam der alte Johannes, und es kamen manche, welche mit Witiko in
dem Kriege gewesen waren, zu dem Huschen. Sie saen vor demselben auf Bnken,
die man aus Brettern errichtet hatte, und sprachen von den Dingen, die gewesen
sind, und die etwa sein werden.
    Am nchsten Tage kaufte Witiko eine Wiese und ein Feld, welche zu dem
Besitztume gut gelegen waren.
    Seht Ihr, wie es sich erfllt, sagte Huldrik, aber es wird noch viel um
das Schlo ntig sein.
    Ich sage es dir, Huldrik, antwortete Witiko, du wirst mir den Bgel
halten, wenn ich in mein Haus einziehe; aber wie noch alles wird, ist in Gottes
Hand.
    Es wird, es wird, sagte Huldrik. Und wenn es doch wre, da es nicht
wrde, dann, dann.
    Was dann? fragte Witiko.
    Dann mte noch ein Witiko kommen, der das Schlo baut, in dem die goldenen
Tische stehen werden, an denen man aus goldenen Schsseln essen wird,
antwortete Huldrik. Mein Vater hat es gesprochen, mein Grovater hat es
gesprochen, und mein Urgrovater, und es stammet von dem Himmel.
    Die Dinge gehen oft auf eine andere Art in Erfllung, als wir uns denken,
sprach Witiko.
    Sie erfllen sich, wir denken oder nicht, sagte Huldrik.
    So werden sich auch diese erfllen, sprach Witiko.
    Sie werden, sie werden, und Ihr werdet es sehen, entgegnete Huldrik.
    Witiko blieb zwei Tage in dem Wangetschlage. Dann ritt er nach Friedberg.
    In Friedberg kaufte er das steinerne Haus mit dem starken runden steinernen
Torbogen, in welchem er einmal mit seinem Fhrer Florian bernachtet hatte. Er
machte die Einleitung, da das Haus fr ihn und sein Gefolge, so weit es mglich
wre, hergerichtet wrde. Dann fragte er, ob Mnner wren, die bei der Grabung
eines Brunnens arbeiten und mauern knnten. Man nannte ihm die Mnner. Er lie
sie rufen, und sagte ihnen, da sie sich bereit hielten, wenn er sie brauche.
Sie versprachen es.
    Hierauf ritt er in den oberen Plan. Von dort sandte er Botschaft an den
Zupan Lubomir nach Daudleb. Lubomir sandte Botschaft zurck, da nach fnf Tagen
Wentislaw, der Zupenrichter, zur Verkndung der Herrschaft Witikos kommen werde.
Witiko sendete Boten aus, und lie alle Richter aller Orte seiner Besitzung auf
den Tag nach Plan entbieten.
    Als der Tag gekommen war, wurde ein Tisch vor die Kirche von Plan gestellt.
Und als Wentislaw und Witiko und die Richter und viele Menschen dem
Gottesdienste beigewohnt hatten, traten Wentislaw und Witiko vor den Tisch. Der
Pfarrer stellte ein Kreuz des Heilandes auf den Tisch, und ging dann an die
Seite Witikos. Die Richter standen in einer Entfernung von dem Tische mit den
Angesichtern gegen Wentislaw und Witiko. Weiter zurck und herum standen die
andern Menschen. Wentislaw las nun den Befehl des hocherlauchten Herzoges
Wladislaw, da Witiko von Pric mit Gebieten des Waldes und allen Gebhren begabt
worden sei. Er las aus dem Pergamente die Orte und das Gebiet und die Grenzen,
und forderte die Richter zum Gelbnisse der Untertnigkeit unter Witiko auf das
Kreuz des Heilandes auf.
    Die Richter gelobten die Untertnigkeit unter Witiko auf das Kreuz des
Heilandes.
    Dann rief der Schmied von Plan mit lauter Stimme: Heil dem guten Witiko,
den wir zu unserem Herrn erkoren haben.
    Heil Witiko, riefen die Menschen rings herum.
    Und wieder riefen sie Heil, und wiederholten es mehrere Male.
    Witiko, der Obmann im Kriege, und der Obmann zu Hause, rief David, der
Zimmerer.
    Der Obmann im Kriege und der Obmann zu Hause, riefen die Menschen.
    Wir haben es auf jenem Berge so gesagt, da er uns fhren msse, ehe noch
die Schlacht gewesen ist, rief Zacharias, der Schenke, und er hat es gut
gemacht, und er ist wie wir, und wir sind wie er. Und es ist alles gut.
    Und er hat die ganzen Waldleute, die auch nicht zu uns gehrten, gefhrt,
als der grne Feldherr erschlagen war, rief Paul Joachim, der Maurer, und es
ist gut gewesen, wir haben ihn verstanden, und alles ist gut gewesen, und ist
jetzt gut.
    Die zu Hause wissen nicht, wie es im Kriege ist, rief Stephan, der
Wagenbauer, aber wir, wir knnen es sagen, da es nun gut ist.
    Tom Johannes, der Fiedler, sprang hervor, da er zwischen den Leuten und den
Herren stand, er streckte seine verstmmelte Hand empor und die andere auch, und
machte mit den Mienen und den Hnden Zeichen, da er reden wolle. Als alle
stille waren, rief er: Ja, wir wissen es, die wir in dem Kriege gewesen sind,
wir wissen es, wir wissen alles; aber alle wissen nicht, wie es sich gebhrt,
und wie es in der hohen Sitte bei dem Herzoge ist und bei den groen Lechen und
bei den Herren und bei denen, die es verstehen, und wer es versteht, dem mssen
sie folgen, und ich sage euch, da redet ihr alle, bevor der Herr geredet hat,
als ob ihr vornehmer wret, erst redet der Herr und dann der Untertan.
    Du redest auch vor dem Herrn, und mehr als wir alle, rief Zacharias, der
Schenke.
    Die Menschen lachten; aber sie schwiegen.
    Da sprach Witiko: Redet, es rede, wer da wolle.
    Sie redeten aber jetzt nichts mehr.
    Da erhob Witiko seine Stimme, und rief: Richter der Huser und Orte meines
Gebietes, ihr habt mir das Gelbnis der Untertnigkeit fr alle Menschen des
Gebietes auf das Kreuz des Heilandes geleistet, ich nehme das Gelbnis an, und
leiste auf das Kreuz des Heilandes euch und allen Menschen des Gebietes das
Gelbnis der Treue eines Herren gegen seine Untertanen und der Erfllung der
Pflichten der Herrschaft entgegen. Ich beginne an dem heutigen Tage die
Herrschaft, und sage: den zehnten Teil dessen, was ihr dem hocherlauchten
Herzoge Wladislaw als Gebieter des Waldlandes gegeben habt, erlasse ich euch auf
die Zeit meines Lebens. Das andere werdet ihr mir entrichten. Die Dienste fr
mich allein zu meinem Bedarfe und zu meinem Vergngen werde ich nicht von euch
erzwingen, meine Bauwerke, meine Wege, meine Stege und Brcken, meine Reisen,
meine Jagden und meine Bewachung schpfe ich aus meinem Eigentume. In den
Diensten fr das Gebiet und fr den hocherlauchten Herzog werde ich euch nicht
bedrcken, und werde euch, wenn die Notwendigkeit dazu kmmt, die Notwendigkeit
darlegen. Den Guten werde ich gut sein, wie ein Genosse des Waldes dem
Mitgenossen des Waldes ist. Die da fehlen, werde ich zu bessern suchen, und wenn
Strafe sein mu, werde ich nach dem Erweise der Schuld milde aber sicher
strafen. Wer Hilfe braucht, der komme zu mir, und ich werde nach meinen Krften
helfen. Die Tore meiner Wohnung werden offen stehen, da keiner meiner
Untertanen ausgeschlossen ist. Ich danke euch, da ihr gekommen seid, gehet zu
den Eurigen und verkndet, was ich gesagt habe.
    Als er diese Worte mit lauter Stimme gerufen hatte, entstand ein Schreien in
dem Volke, da kein einziger Ruf zu verstehen war; aber es war ein Schreien der
Zustimmung und ein Schreien der Freude. Sie drngten sich herzu, da kein Raum
mehr zwischen ihnen und Witiko war, und es stie einer den andern. Und in dem
Schreien des Volkes hrte man das Aufweinen von Kindern und das Kreischen von
Weibern, die gedrckt wurden. Die Richter aber streckten ihre Hnde gegen
Witiko, und er reichte jedem die seinige. Und als das Schreien sich gemildert,
und als man einzelne Rufe vernommen hatte: Heil Witiko, Segen Witiko, Das
ist recht, Das ist gut, und als nur mehr die Stimmen durcheinander redeten,
nannte Witiko jeden Richter mit seinem Namen, und sagte ihm, da er seine
Insassen und seine Angehrigen gren mge.
    Dann wurde das Kreuz des Heilandes in die Kirche getragen, Witiko und
Wentislaw und der Pfarrer und der Richter von Plan bahnten sich einen Weg durch
die Menschen, und gingen gegen das steinerne Huschen Witikos. Alle Menschen,
die vor der Kirche gewesen waren, gingen mit ihnen, und die zu Hause hatten
bleiben mssen, standen jetzt auf der Gasse, und sahen dem Zuge nach, und immer
dauerte das Rufen der Freude und das Jubeln. Witiko und seine Gefhrten traten
in das Huschen, und verzehrten dort ein Mahl. Als das Mahl geendiget war, kamen
junge Mnner und Mdchen in ihrem Festtagputze auf die Gasse vor dem Huschen,
und sangen Lieder. Witiko und seine Gste gingen zu ihnen hinaus, und hrten zu.
Und als die Lieder zu Ende waren, dankte Witiko den Sngern und Sngerinnen
herzlich, und es dankten die Gste. Dann dankte Witiko auch den Menschen, die
noch immer auf der Gasse versammelt waren, und sie zerstreuten sich nach und
nach.
    Am nchsten Tage ritt Wentislaw mit seinem Geleite wieder gegen Daudleb
zurck.
    Als die Morgenstunden dieses Tages vergangen waren, kamen der Pfarrer und
der Richter von Plan mit mehreren Mnnern zu Witiko, und brachten ihm die
Huldigung von Plan dar. Er reichte ihnen Brod und Salz, und dankte. Dann
sprachen sie von verschiedenen Dingen. Witiko sagte, er werde von Mnnern wie
Lubomir und Bolemil lernen, was in dem Walde zu tun sei, es liege ein Schatz in
dem Walde, der gehoben werden knne. Wenn er die Mittel wisse, werde er jedem,
der es wnscht, in seinem Gebaren behilflich sein. Die Mnner dankten, und
sagten, sie wrden sich folgsam erweisen. Witiko lud sie ein, an den Abenden, so
lange er da sei, zu ihm zu kommen. Die Mnner versprachen es.
    Und am Abende des Tages sa er mit vielen Mnnern vor dem Huschen, und sie
sprachen, bis die Zeit zum Nachhausegehen gekommen war.
    Witiko ging auch an Abenden in andere Huser, und sa dort bei den Mnnern,
die sich versammelt hatten.
    In diesen Tagen kamen noch Richter mit Mnnern aus Waldstellen nach Plan, um
Witiko die Huldigungen darzubringen. Er sprach zu ihnen, wie er zu denen von
Plan gesprochen hatte.
    Hierauf ritt er nach Friedberg, und wohnte in dem steinernen Hause. Da kamen
auch noch Richter mit Mnnern zur Huldigung, und es wurde gesprochen, was in
Plan gesprochen worden war.
    Eines Tages sandte Witiko Botschaft an den Brunnenmeister in Daudleb. Der
Brunnenmeister kam nach einer Zeit zu ihm. Witiko lie die Brunnenarbeiter, mit
denen er bei seinem frheren Aufenthalte in Friedberg gesprochen hatte, kommen,
und er ging dann mit allen durch den breiten Wald hinauf zur Stelle, auf welcher
die Sule des heiligen Apostels Thomas gestanden war. Dort, sagte er, mchte er
einen Brunnen graben lassen, wenn man gutes Trinkwasser finde. Der
Brunnenmeister meinte, es werde reines Trinkwasser im Granitsteine gefunden
werden. Und dann bestimmte er die Zeit, wann begonnen werden knnte, und machte
die Vorbereitungen. An dem bezeichneten Tage begannen die Mnner zu graben. In
der Zeit, da sie gruben, ritt Witiko mit einem Geleite zu Lubomir, zu Rowno, zu
Diet von Wettern, zu Osel und den anderen Herren, die in der Nhe seines
Gebietes hausten. Diese Herren kamen dann auch mit Geleiten zu Witiko in das
steinerne Haus nach Friedberg, und wurden von ihm bewirtet.
    Es kam auch der Richter von Friedberg mit mehreren Mnnern zu ihm, und sie
baten ihn um Untersttzung zur Erweiterung des kleinen hlzernen Kirchleins.
Witiko sagte die Untersttzung zu, und bald wurden die Anstalten zu dem Baue
gemacht.
    An einem Tage kam auch Huldrik zu Witiko, und sagte, da er eine Bitte habe.
    So bitte, Huldrik, sagte Witiko, es wird nichts Ungebhrliches sein, und
ich werde es erfllen.
    Es ist etwas Notwendiges, sagte Huldrik.
    So sprich, sagte Witiko.
    Ich bitte, erlaubet mir, da ich auf dem steinernen Torbogen dieses Hauses,
in dem Ihr wohnt, eine Rose mit fnf Blttern einmeieln lassen darf, sagte
Huldrik.
    Liegt dir viel daran, da dies geschehe? fragte Witiko.
    Es ist ein Zeichen der Zeiten, und die Zeichen und die Zeiten werden
wachsen, antwortete Huldrik.
    So lasse die Rose meieln, sagte Witiko.
    Und die fnf Bltter werde ich ein wenig mit der roten Farbe bemalen
lassen, sprach Huldrik, denn die Rose ist die rote Rose.
    Mir sind die roten Waldrosen einmal ein Zeichen geworden, sagte Witiko.
    Seht Ihr, sprach Huldrik.
    So mache sie rot, aber nur ein wenig, entgegnete Witiko.
    Nur so viel, da die Rose die rote Rose ist, sagte Huldrik.
    So tue es, und mache deine Vorbereitungen, wenn du einmal anfangen willst,
sprach Witiko.
    Es mu jetzt geschehen, sagte Huldrik.
    Wer wird die Rose machen? fragte Witiko.
    Elias, der Steinhauer von Plan, antwortete Huldrik, und er wird auch die
rote Farbe bringen.
    So sei es, sagte Witiko.
    Huldrik ging nun in den oberen Plan, und kam mit dem Steinhauer Elias
zurck. Elias begann nun auf einem Gerste an dem Torbogen zu meieln, und
meielte fnf Tage, und Huldrik stand fnf Tage bei ihm. Dann wurde das Gerste
weggenommen, und man sah auf dem Scheitel des steinernen Torbogens eine
fnfblttrige Rose mit schwacher roter Farbe.
    Erlaubet, hoher Herr, sagte Huldrik zu Witiko, da ich den Werklohn fr
Elias aus dem Eigen des Hauses in dem Wangetschlage zahle, weil von dem
Wangetschlage alles stammt.
    So tue es, sagte Witiko.
    Und habet Dank, da Ihr das Werk erlaubt habt, sprach Huldrik.
    Dann zahlte er Elias den Arbeitslohn, zeigte den Leuten von Friedberg die
rote Rose, und erklrte ihre Bedeutung, und ging wieder in den Wangetschlag
zurck.
    Und da Witiko in dem steinernen Hause in Friedberg wohnte, kamen fter
Menschen aus verschiedenen Stellen des Waldes, und brachten Geschenke zu ihm und
zu seinem Geleite, das im Hause war, und zum Teile noch an der Moldau lagerte.
Sie brachten Feldfrchte, Geflgel, Fische, Tierfelle, ein Lamm, ein Zicklein,
und hnliche Dinge. Witiko nahm die Geschenke, und gab Gegengeschenke.
    Nach einer Zeit kam ein Brunnenarbeiter zu Witiko, und sagte, da sie auf
Wasser gelangt seien.
    So ruhet drei Tage an dem Brunnen, und vergnget euch, sagte Witiko, da
wir sehen, ob das Wasser sich klre. Am vierten Tage werde ich mit Mnnern zu
euch hinauf kommen, da wir das Wasser beschauen und begren.
    Witiko lie nun den Pfarrer, den Richter, die ltesten und die
Kirchenvorsteher von Friedberg, dann den Richter und die Vorsteher von der
Friedau, den Richter und die Vorsteher von der Stift und den Waldhusern des
Heurafels, vom Kirchenschlage, von der unteren Moldau, und von anderen nahen
Stellen bitten, da sie von heute am vierten Tage zu ihm kommen, und mit ihm zum
Brunnen des heiligen Thomas gehen mchten. Wenn noch andere Menschen mitgehen
wollen, so werde es ihm eine Freude sein.
    Und die Mnner, welche gerufen worden waren, kamen alle an dem vierten Tage
zu Witiko, und er ging mit ihnen und mit Leuten seines Gefolges durch den groen
Wald zu dem Brunnen empor. Viele andere Menschen gingen aus Neugierde mit.
    Als sie zu dem Brunnen gekommen waren, und sich um ihn herum gestellt
hatten, sagte Witiko zu dem Brunnenmeister von Daudleb: Nun zeige uns das
Wasser.
    Der Brunnenmeister nahm einen Eimer aus Ahornholz, und stieg mit demselben
auf der Leiter in den Brunnen hinab. Er brachte den Eimer mit Wasser gefllt
herauf, stellte ihn auf einen Bock, und sagte: Siehe das Wasser, hoher Herr.
    Witiko blickte in den Eimer, und sprach: Ich sehe den Boden des Gefes und
die Fden des Holzes so klar wie durch die klare Luft.
    Und auch die andern schauten in den Eimer.
    Dann sagte Witiko: Urban, reiche den Becher.
    Urban nahm aus einem Lederfache, das er trug, einen silbernen Becher, und
reichte denselben Witiko.
    Der Brunnenmeister schenkte aus dem Eimer Wasser in den Becher.
    Witiko sagte: Das Silber blickt glnzend aus dem Wasser.
    Dann setzte er den Becher an den Mund, trank, und sagte: Das Wasser ist
lieblich wie die lieblichen Steinquellen unserer Wlder.
    Er reichte den Becher dem Pfarrer von Friedberg, und der Pfarrer trank. Und
die anderen Mnner, die Witiko geladen hatte, tranken aus dem silbernen Becher,
der immer wieder gefllt wurde.
    Die Mnner sagten: Das Wasser ist wie das beste, das aus den Waldfelsen
quillt.
    Der Becher wurde wieder in das Fach getan.
    Hierauf sprach Witiko: Mnner, ihr sagt, da das Wasser gut sei fr
menschliches Leben.
    Sehr gut, riefen die Mnner.
    Und wird es in Flle sein, und wird es dauern? fragte Witiko den
Brunnenmeister.
    Es wird in Flle sein, und dauern, sagte der Brunnenmeister, es sind drei
Quellen auf dieser Hhe, und eine davon haben wir in dem Brunnen gefangen; sie
strmt unten nicht mehr hervor.
    Und alle, die hier vorber kamen, haben in den drresten Jahren aus den
Quellen getrunken, sagte der alte Melchior von der Stift.
    Die Feldquellen versiegen, die Waldquellen nicht, sagte der alte Wenhart
von der Friedau.
    Nach diesen Worten nahm Witiko seine Haube von dem Haupte, und sagte: So
danke ich Gott fr die Erfllung meines Sinnes, da ich mir hier ein Haus bauen
kann. Um den Brunnen werde ich mir in der Mitte des Waldes ein Haus bauen, in
der Mitte derer, die jetzt zu mir gehren. Ich habe euch gebeten, mit mir zu dem
Brunnen zu gehen, da ihr Zeugen dessen seid, was geschehen soll. Sagt es den
Eurigen. Du aber, Brunnenmeister, fertige den Brunnen aus, da er ein
Burgbrunnen wird. Ich werde die Einleitungen zu dem Baue fortfhren, und werde
euch bald bitten knnen, da ihr der frommen Handlung beiwohnet, wenn zu diesem
Baue die erste Erde mit der Schaufel aus dem Grunde gehoben wird. Jetzt
erquicket euch mit einem Trunke Wein, und dann gehen wir wieder nach Friedberg.
    Er setzte seine Haube wieder auf, und ging mit den Gsten in die
Brunnenbauhtte zu einem kleinen Mahle.
    Die anderen Leute aber, die bei dem Brunnen gestanden waren, tranken jetzt
auch von dem Wasser aus den Trinkgefen der Arbeiter, in welche es aus dem
Eimer geschenkt wurde.
    Als die Mnner in der Brunnenhtte sich mit Wein und Speisen erquickt
hatten, gingen alle wieder nach Friedberg hinunter.
    Am anderen Tage sandte Witiko eine Botschaft nach Prag fort.
    Dann lie er verknden, da er ein Haus bauen werde, und da sich Leute
melden sollen, die um Lohn arbeiten wollen.
    Die Menschen aber, die bei dem Thomasbrunnen gewesen waren, breiteten aus,
was sie dort gehrt hatten, und es kamen Leute herbei, welche freiwillige Arbeit
anboten. Insbesondere kamen Mnner aus Plan. Witiko nahm die Anerbietungen an,
und sagte, da die Arbeiterordnungen dann schon eingeleitet werden wrden.
    Nach einiger Zeit kam ein junger Mann aus Prag, und Witiko stellte ihn den
Seinigen vor, und sagte: Dieser Mann ist der Bauherr Eppo aus Prag, welcher mir
versprochen hat, meine Burg zu bauen. Wer von Euch dem Werke zugewiesen ist, mu
den Weisungen dieses Mannes folgen.
    Eppo lie nun alle die Dinge richten und ordnen, die vor dem Beginne des
Baues notwendig waren.
    Als er sie beendiget hatte, sendete Witiko die Einladungen zu der Feier des
Anfanges des Werkes aus.
    Es kam nun der alte Zupan Lubomir von Daudleb, es kam der alte Pfarrer von
Plan, es kam Rowno, Diet von Wettern, Osel, Wyhon von Prachatic, Wolf von Tusch,
Wernhard von Ottau, und die anderen Herren aus der Gegend des Waldes. Es kamen
Herren aus dem Lande Baiern herauf. Es kamen die Richter aus dem Gebiete Witikos
und noch andere Menschen aus dem Walde.
    Als der Morgen des anberaumten Tages angebrochen war, ging der Zug von
Friedberg durch den hohen Wald empor. Viele Menschen folgten, und andere gingen
von allen Richtungen her zur Stelle des heiligen Apostels Thomas. Als der Zug an
dieser Stelle angekommen war, sahen die Mnner den Platz weit herum gelichtet,
zwischen den grauen Gesteinen standen Bauhtten, es lagen Baudinge herum, Stbe
waren gesteckt, wo die Mauern werden sollten, und auf dem grnen Rasen war ein
Altar errichtet. Aus Brettern war eine Reihe von Bnken und Tischen gemacht.
    Die Mnner des Zuges setzten sich auf die Bnke, und der Pfarrer von Plan
feierte mit der Beihilfe des Pfarrers von Friedberg und der Kirchendiener vor
dem Altare den Gottesdienst. Als dieser beendiget war, segnete der Pfarrer von
Plan die Stelle, auf welcher die Burg stehen sollte. Dann nahm er die Schaufel,
welche ihm gereicht wurde, und hob mit ihr ein Stckchen Rasen heraus, wo der
Grund fr die Mauern gegraben werden sollte. Dann nahm Lubomir die Schaufel, und
hob ein Stckchen Erde heraus. Dann nahm sie Rowno, dann Wyhon von Prachatic,
dann Diet von Wettern, und alle die Herren und Gste, und jeder hob ein
Stckchen Erde heraus. Der letzte, der es tat, war Witiko.
    Hierauf stellte sich eine Reihe von Mnnern, die von Plan, von Friedberg und
von anderen Orten gekommen waren, im Festtagsgewande mit Schaufeln auf.
    Der Pfarrer von Plan aber sprach: So wird ein neues Haus begonnen, der
Himmel ist jetzt ber ihm, der Himmel sei dann in ihm, und der Himmel weiche
nicht von ihm.
    Und er sei ber dem ganzen Walde, sagte der Pfarrer von Friedberg.
    Darauf sprach Lubomir: Witiko, du treuer freundlicher Sohn unseres Landes,
wie du uns hier auf dem grnen Rasen versammelt hast, so versammle uns einmal in
dem Hause. Lebe in dem Hause, und mgen noch viele in dem Hause leben, und ein
Geschlecht hervorgehen, das gro und mchtig ist, wie einmal Geschlechter in
unserem Lande gewesen sind, und wie sie noch sind. Und mge die Macht nie zur
Frevelmacht werden, und die Zerstrung auf sich selber rufen, wie in unseren
Tagen Mchte und Reichtmer hingeschwunden sind, die noch im Jahre zuvor selbst
dem Herzoge Trotz geboten haben. Das Geschlecht halte den Schild ber den Wald
und ber das Vaterland, da im Walde seine Spuren dauern, wenn es lngst
entschwunden ist, und da im Vaterlande seine Taten in Worten, in Gesngen und
in Pergamenten erzhlet werden.
    Wie ich damals gesagt habe, als du zum ersten Male bei mir in meinem Turme
gewesen bist, rief der Wladyk Rowno: Es ist nur immer einer gewesen, der der
Stifter eines groen Geschlechtes geworden ist, so kann aus dem kleinen Anfange
ein groer Fortgang werden. Und ich habe gesagt: die Wladyken mssen grer
werden. Ich, der Wladyk, bin grer geworden, Diet ist grer geworden, Osel ist
grer geworden, Hermann ist grer geworden, und alle im Walde sind grer
geworden, und du bist jetzt auch ein Herr in dem Walde. Und ich habe gesagt: Wir
dehnen unsere Besitzungen gegen den Wald, und wir haben sie gegen den Wald
gedehnt, und du dehnest sie gegen den Wald. Wer htte gedacht, da du so bald
die Burg deiner Herrschaft bauen wirst. Aus dem Walde kann Groes ausgehen, er
hat die Kraft, und treibt sie hervor, aus jedem von uns kann das Groe kommen.
    Mein Ahnherr ist ein Pechsammler in dem Walde gewesen, sagte Lubomir.
    Und Ihr seid ein mchtiger Zupan und Kriegsanfhrer, antwortete Rowno,
was kann aus jedem werden? Wir mssen zusammenhalten und in freundlicher
Nachbarschaft leben. Du bist jetzt einer wie wir, Witiko, und wir sind wie du.
    In freundlicher und guter Nachbarschaft, rief Osel.
    In guter treuer Nachbarschaft, sagte Diet.
    Wir werden zusammen stehen, wie wir zusammen gestanden sind, und werden
nicht streiten, sagte Wernhard von Ottau.
    Ja, in guter Nachbarschaft, riefen mehrere.
    Dann sprach Witiko: Hochwrdige Priester, hoher Zupan und ehrwrdige
Mnner. Ich danke euch fr eure Wnsche. Mge der Himmel in dem Hause sein, wie
der hochwrdige Pfarrer gesagt hat; darin liegt alles. Was sonst geschieht, fge
Gott. Ich werde bestrebt sein, das Gute zu tun, alles andere, sagt Silvester,
ist darin enthalten. Ich werde ein treuer Nachbar sein, und niemand schdigen.
Und so reiche ich meine Hand darauf.
    Er reichte die Hand hin, und einer nach dem andern fate sie.
    Nun brachte Eppo, der junge Baumeister aus Prag, ein Pergament herbei,
faltete es aus einander, und zeigte es. Auf ihm war die Burg abgebildet, wie sie
sein wrde, wenn sie fertig wre. Die Mnner gaben einer dem andern das
Pergament, und jeder betrachtete es, und jeder lobte es.
    Dann wurde es wieder in sein Fach gelegt.
    Hierauf sprach der Meister der Maurer den Maurerspruch. Dann sprach der
Meister der Zimmerer den Zimmererspruch, und dann senkten die Mnner, die in
ihren Festgewndern mit den Schaufeln dagestanden waren, die Schaufeln, stieen
sie in die Erde, und es begann das Schaufeln des Festes. Und das Festschaufeln
tiefte einen Graben aus, wie ihn das wirkliche Schaufeln getieft htte. Dann gab
der Baumeister das Zeichen, da die Arbeit zu Ende sei, und es wurde an den
Tischen, auf den Bnken, auf dem grnen Rasen, wie es sich fgte, ein Mahl
verzehrt. Die Menschen, welche als Zuschauer da waren, bekamen Speise und Trank,
so weit die Dinge nur reichen mochten.
    Nach dem Mahle ging der Zug wieder nach Friedberg hinunter.
    Noch an dem Tage und an dem folgenden traten die fremden Gste den Heimweg
an.
    Es begann nun auf dem Berge des heiligen Thomas der Bau der Burg. Eppo
teilte die Werkmnner, die er gedungen hatte, und die Mnner, die freiwillig
herzu gekommen waren, zur Arbeit ein. Die Grben wurden als Grund der Mauer
getieft, und die Bume wurden erhht, an denen die Gerste werden sollten. Und
wie bei dem Baue der Burg Schauenberg wurden in allen dienlichen Richtungen die
Baugegenstnde herbei geschafft. Die zahlreichen Mnner und Weiber, die bei dem
Werke beschftiget waren, hielten Ordnung, und wie die Ameisen sonst bestrebt
sind, in dem Walde ihre Wohnung zu frdern, so trachteten jetzt die vielen
Menschen in dem Walde eine menschliche Wohnung zu errichten.
    Witiko wohnte indes in dem steinernen Hause in Friedberg.
    Eines Tages aber ritt er in seinem Ledergewande, nur von Raimund begleitet,
von dem Hause fort. Er ritt in die Herberge der unteren Moldau, und von dort auf
dem Saumwege des groen Waldes zu den Husern von Aigen hinaus. In Aigen wurde
das Mittagmahl verzehrt, die Pferde rasteten, und bekamen Nahrung. Von Aigen
ritten die zwei Mnner im Walde auf dem Saumwege den Wassern der Mihel entgegen.
Und am Nachmittag kamen sie in das Waldhaus Heinrichs von Jugelbach. Das Tor
wurde ihnen geffnet, sie ritten in den Hof, Witiko wurde von Heinrich begrt,
und die Pferde wurden versorgt. Witiko sprach: Jugelbach, Erlaubt, da ich
zuerst in Euer Gemach gehe.
    Heinrich fhrte ihn dahin.
    Als sie in dem Gemache waren, sagte Heinrich Jugelbach: Seid mir gegrt,
Witiko. Ich habe eine Freude darber, da Ihr zu dieser Frist gekommen seid.
    Ich habe Eurer Worte gedacht, antwortete Witiko, und habe meiner Worte
gedacht.
    Und Ihr habt nach den Worten gehandelt, sagte Heinrich, reicht mir die
Hand.
    Witiko reichte ihm die Hand. Heinrich fate sie, und sprach: Eure Hand ist
die Hand eines Mannes, und meine Hand ist auch die eines Mannes.
    Witiko sagte: Ihr habt mich in Euerm Gemache begrt, und ich habe Euch
begrt, fhret mich nun zu der hohen Frau Wiulfhilt.
    So gehen wir, sprach Heinrich.
    Sie gingen in das Gemach Wiulfhilts.
    Da sie eingetreten waren, stand Wiulfhilt von ihrem Sitze auf, ging Witiko
entgegen, reichte ihm die Hand, und sprach: Seid mir von Herzen gegrt,
Witiko, Ihr habt uns wieder in unserem Waldhause aufgesucht.
    Witiko beugte sich auf die dargebotene Hand nieder, und kte sie, dann
richtete er sich auf, und sprach: Ich begre Euch in Ehrerbietung, hohe Frau.
Ich habe der Reife der Zeit geharrt, in der ich wieder zu euch kommen darf. Ich
glaube, da die Reife eingetreten ist, und da habe ich einen Mann gesendet, der
erkunden soll, ob ihr in dem Waldhause wohnet. Der Mann hat mir die Nachricht
zurck gebracht, da ihr in dem Hause wohnet, und so bin ich zu demselben
geritten. Und weil ich nun vor Euch stehe, hoher Herr, und vor Euch, erhabne
Frau, so erlaubet, da ich vor allen Dingen zuerst von dem rede, was zu reden
ich gekommen bin.
    Nehmen wir Sitze, sagte Heinrich.
    Sie setzten sich.
    Sprecht, Witiko, sagte Heinrich.
    Weil ihr gtig hret, so rede ich, sprach Witiko. Ihr, hoher Herr, habt
einmal zu mir gesagt: ihr seid als Gast in meinem Hause immer willkommen, und
Ihr, erhabene Frau, habt gesagt: Kommt als Gast bald wieder in unser Haus. Ich
bin aber als Gast nie mehr gekommen, weil ich in anderen Ehren kommen wollte,
oder gar nicht mehr. Ihr, Herr Heinrich von Jugelbach, habt vor zwei Jahren in
Euerem Gemache zu mir gesagt: Ihr habt in der Schlacht die rote Waldrose auf dem
weien Schilde getragen, sorget, da die Rose in die Geschicke Eurer Lnder
hinein blhet, und dann kommt. Ihr, Herr Heinrich von Jugelbach, habt vor zwei
Jahren in dem Gemache Eurer hohen Gattin gesagt: Ihr habt Euch bei den Leuten
Vertrauen erworben, die in dem Walde wohnen. Im Walde stehen noch viele Dinge
bevor, beachtet sie, Witiko. So habt Ihr gesagt. Ihr, erhabene Frau Wiulfhilt
von Dornberg, Gattin des Herrn Heinrich von Jugelbach, habt vor zwei Jahren in
dem Speisegemache zu mir gesagt: Der Wille meines Gemahles ist der meinige. So
habt Ihr gesagt. Und so bin ich hier. Ich bin in jener Zeit, da ich von euch
fortgeritten bin, mit Zdik, dem Bischofe von Olmtz, zu Regimbert von Peilstein
und Hagenau, dem Bischofe von Passau, nach Passau geritten, wohin ich Zdik
geleitete. Ich bin bei dem hochehrwrdigen Bischofe von Passau so lange als Gast
geblieben, so lange ich nach Geziemung bleiben mute. Dann bin ich auf einem
Donauschiffe von Passau bis zur Stadt Wien gefahren, und bin auf den Kahlenberg
in die Burg des erlauchten Markgrafen von sterreich, Heinrich, geritten, in
welcher Burg meine Mutter bei Agnes, der hocherhabenen Mutter des Markgrafen,
als Gast war. Ich habe meine Mutter besucht, welche ich lange nicht gesehen
habe. Ich bin so lange bei meiner Mutter geblieben, als es die Gebhr erfordert
hat. Ich bin in jener Zeit auch bei dem erlauchten Markgrafen gewesen, und habe
mit ihm gesprochen. Von Wien bin ich nach Plan in den Wald geritten, und bin in
dem Walde geblieben. Im Frhlinge mute der Krieg des hocherlauchten Herzoges
von Bhmen und Mhren, Wladislaw, gegen die Emprer in Mhren beginnen. Die
Mnner des Waldes haben in groer Zahl beschlossen, in den Krieg zu gehen. Sie
hatten Vertrauen zu mir, und die, welche von den Husern der oberen Moldau bis
zu den Husern der Stift und der Kienberge wohnen, haben mich zu ihrem Fhrer
gewhlt, da wir einen Teil der Scharen des Herzoges Wladislaw bilden. Ich
fhrte sie zu dem Herzoge, und der hat mir den Befehl ber sie gegeben. Die
Mnner des Waldes haben allein einen Kampf gegen die Scharen Wratislaws, des
Herzoges von Brnn, bestanden, und haben die Scharen des Herzoges in die Flucht
geschlagen. Sie sind in der Schlacht bei Znaim gewesen, und sind dort wie starke
und tchtige Leute des Waldes bestanden. Sie haben die Zge gegen Brnn und
Olmtz und durch das ganze Land mitgemacht. Als die Feinde niedergeworfen, und
das Land Mhren in der Gewalt des Herzogs war, belohnte er sie, und sie zogen in
ihre Heimat. Mir gab er ein Pergament, darauf ein Strich Waldlandes verzeichnet
ist, das er mir mit Gebhren und Untertanpflichten erteilte. Ich bin dadurch
einer der Herren geworden, wie sie in unserem Lande ber Untertanen sind, und
bin als ein solcher Herr zu dem Rate des Herzoges berufen. Ich habe diesem Rate
in Prag auch schon beigewohnt. Das Pergament habe ich in seiner Tasche auf
meinem Pferde mitgebracht, und werde es euch zeigen. Nach dem Kriege in Mhren
bin ich zu meiner Mutter nach Landshut geritten, und habe sie und den
ehrwrdigen Priester Benno, der ein Freund meines Vaters war, und mein gtiger,
wohlwollender Lehrer und Erzieher ist, und unsere Base Hiltrut, in deren
Huschen meine Mutter als Gast war, in unseren Hof nach Pric geleitet. Dann bin
ich nach Prag zu unserem Herzoge gegangen, und in die Kammer des Herzoges. Dort
haben sie mein Pergament in die vollstndige Ordnung gebracht. In Prag habe ich
den jungen kundigen Baumeister Eppo erforscht, und habe mit ihm den Bau eines
Hauses verabredet. Im Winter war ich in Pric bei meiner Mutter, bei Benno,
Hiltrut und meinen Leuten. Im Frhlinge bin ich nach Friedberg geritten, dessen
Huser auf einem Hgel an der Moldau stehen. Von Friedberg geht im Mittage ein
breiter und langgedehnter Wald empor, der eine hohe Schneide hat, und er geht
von der Schneide wieder breit und weit hinunter, bis wo die Mihel fliet. Auf
seiner Schneide stand einmal eine Sule des heiligen Apostels Thomas, darum er
jetzt der Thomaswald heit. Auf der Stelle der Waldschneide, wo die Sule des
heiligen Apostels gestanden war, baue ich mir jetzt eine Burg, welche das
Witikohaus heien soll, wie ihr auf der Steinzunge der Berge zwischen Aschach
und Eferdingen eine Burg baut, die Schauenberg heien wird. Der Baumeister Eppo
hat eine Abbildung der Burg gemacht, wie sie sein wird, wenn sie fertig geworden
ist. Ich habe die Abbildung in ihrem Fache mit mir genommen, und werde sie euch
zeigen. Als das Bauen der Burg begonnen war, und fortschritt, bin ich zu euch
geritten, und nun bin ich da, und frage euch: Darf ich den Gedanken fassen, da
ich der sicheren Ehren teilhaftig werden kann, unter welchen ich dann fter in
eurer Burg erscheinen werde?
    Als Witiko seine Rede geendet hatte, sprach Heinrich von Jugelbach: Wir
haben gewut, da Ihr kommen werdet, Witiko, und haben gewut, was Ihr reden
werdet, und wir: ich, meine Gattin, Wiulfhilt von Dornberg, mein Vater,
Werinhart von Jugelbach, meine Mutter, Benedicta von Aschach, mein Bruder,
Gebhart von Jugelbach, und noch Mnner, die in unserem Vertrauen sind, haben
beraten, was Euch geantwortet werden soll. Seid in meinem Hause herzlich
gegrt, Witiko. Ich mu aber doch den Anfang der Antwort ein wenig anders
machen, als ich und Wiulfhilt nach der Anhrung des Rates der Unsrigen
beschlossen haben. Ihr habt Eure Erlebnisse nicht genau erzhlt, oder die Mnner
in dem Walde haben nicht genau geredet, oder die, welche die Erzhlungen der
Mnner des Waldes brachten, sind in ihren Nachrichten nicht genau gewesen. Nicht
die Leute des Waldes haben fr sich sofort beschlossen, zu dem Herzoge Wladislaw
in den bevorstehenden Krieg zu ziehen. Ihr habt den Zug vorbereitet, Witiko. Ihr
habt zu den Leuten gesprochen, ihr habt ihnen gesagt, wie die Dinge sind, und
habt ihren Willen den Dingen zugelenkt. Ihr habt Waffen vorbereitet und Gewnder
und Zurstungen und bungen, und seid selbst der Lehrer in den bungen gewesen.
Ihr habt durch Euch die Liebe der Leute erworben, und sie sind in groer Zahl
Eurer Einsicht zugefallen. Es sind im Winter Leute ber den Wald heraus gekommen
bis zu uns an den Inn, und haben von diesen Dingen erzhlt, und Leute, die von
uns im Kaufe und Tausche in dem Walde gewesen sind, haben davon erzhlen gehrt,
und in unserem Lande ist davon erzhlt worden. Und weil das gerecht ist, wozu
Ihr die Menschen angeleitet habt, so haben wir eine Freude ber die Erzhlung
gehabt. Ihr seid mit den Mnnern zu Wladislaw gezogen, und Ihr habt durch Eure
Fhrung Wratislaw geschlagen, und Ihr habt im Kriegsrate des Herzoges angeboten,
durch die Schlucht vor Znaim den Feind zu umgehen, weil es die Waldleute knnen.
Ihr habt die Schlucht bewltiget, und ein Teil jenes Sieges ist Euer. Ihr seid
in den andern Zgen umsichtig gewesen, und habt berall fr Eure Leute durch
Ordnung, Nahrung, Pflege und Erfllung jedes Bedarfes gesorgt, und habt Migung
bewiesen. Nicht jedem Fhrer hat der Herzog Waldland gegeben. Ich habe gesagt,
in dem Walde stehen noch viele Dinge bevor, und Ihr, Witiko, habt ein Werkzeug
gefunden, die Dinge hervor zu rufen, die Zuneigung der Leute, und Ihr habt die
Art, die Dinge zu rufen, und die Klugheit, und jetzt auch die Macht. Ihr werdet
sie rufen, Ihr wit jetzt selber noch nicht, wie weit. Das hat mir mein Freund
Lubomir gesagt, das hat mir mein Freund Ctibor gesagt, das hat mir mein Freund
Nemoy gesagt, das hat mir mein Freund Rowno gesagt, das hat mir mein Freund
Hermann gesagt, und das hat ein Mann gesagt, der nicht mein Freund ist, der aber
die Dinge kennt, Strich von Plaka, der frchtet, da Ihr durch Bentzung des
Waldes ihm Schaden zufgt. So, Witiko, mu ich in meiner Antwort sprechen, und
Euch der Ungenauheit in Eurer Erzhlung bezchtigen, und so, Witiko, hat die
Rose in die Geschicke Eures Landes hinein geblht, und sie wird ferner hinein
ranken und Wurzeln fassen. Ich wei Friedberg sehr gut, und kenne die Stelle der
Sule des heiligen Apostels Thomas. Sie ist fr eine Burg so gut, da ihr wenige
gleich sind. Das Pergament drft Ihr mir nicht zeigen; aber die Abbildung der
Burg zeigt mir. Und so sage ich Euch, Witiko, Ihr drft, wie Ihr die Worte
gesprochen habt, den Gedanken fassen, da Ihr der hheren Ehren teilhaftig
werdet, unter denen Ihr fter in meiner Burg sein sollet. Meine Gattin hat mit
mir den gleichen Willen.
    Ich habe ihn, sagte Wiulfhilt, wie es beschlossen worden ist, und ich
habe ihn noch frher gehabt als die andern, weil ich Euch mit meinen inneren
Augen frher kannte, als Euch die andern mit ihren ueren Augen kennen
lernten.
    Hoher Herr, antwortete Witiko, hocherhabene Frau, ich danke mit
Ehrerbietung der Antwort, die ihr mir gegeben habt. Euch, hocherhabne Frau,
danke ich noch, da Ihr mit Euern inneren Augen Gutes an mir gesehen habt, und
Euch, hoher Herr, danke ich noch, da Ihr gut von mir geredet habt. Ihr habt zu
gut geredet. Die Dauer und Kraft der Waldleute hat gewirkt und die Gte des
Herzogs.
    Und beide haben gerne fr Euch gewirkt, sagte Heinrich, erhaltet Euch
beide.
    Ich will darnach streben, sagte Witiko. Und nun, hoher Herr und erhabene
Frau, erlaubet, da ich auch das zweite rede, weshalb ich gekommen bin.
    Sprecht, sagte Heinrich.
    Eure hochedle Tochter Bertha, sprach Witiko, hat zu mir bei dem groen
Steine an dem Waldessaume gesagt: Baue dir ein Haus, Witiko, und wenn dann noch
keine Makel an dir ist, so folge ich dir, und harre bei dir bis zum Tode.
Gestattet, hoher Herr und hocherhabene Frau, da ich Bertha sage, ich baue mir
nun ein Haus, und da ich sie frage, ob eine Makel an mir ist.
    Sagt ihr, und fragt sie, antwortete Heinrich.
    Und wenn sie sagt, es sei keine groe Makel an mir, darf ich sie dann
fragen, ob sie mir folgen wolle? sprach Witiko.
    Ihr drft sie fragen, entgegnete Heinrich.
    Und wenn sie sagt, sie folge mir, darf ich dann feierlich kommen, um sie zu
werben, da sie mein Eheweib werde? sprach Witiko.
    Ihr drft kommen, und vor allen den Unsern werben, antwortete Heinrich,
und so gehet zu Bertha.
    Gehet, Witiko, sie harret Eurer, sagte Wiulfhilt.
    Geleite Witiko zu ihr, sagte Heinrich.
    So folget mir, Witiko, sprach Wiulfhilt.
    Ich folge Euch, hocherhabene Frau, sagte Witiko.
    Sie standen auf. Heinrich reichte Witiko die Hand, Wiulfhilt ging bei der
Tr hinaus, und Witiko folgte ihr.
    Sie fhrte ihn ber den Gang in das Gemach Berthas.
    Bertha sa in dem Gemache an einem Tische. Von ihrem Haupte hingen zwei
Zpfe nieder, an den Armen war weies Linnen, der Brustlatz war rot, und von ihm
fiel der stark faltige schwarze Rock hinab.
    Sie stand auf, da ihre Mutter mit Witiko in das Zimmer kam.
    Bertha, sagte die Mutter, Witiko hat deinen Vater und mich gefragt, ob er
mit dir sprechen drfe, und wir haben ihm geantwortet, er darf mit dir sprechen.
Willst du ihn hren, und auch mit ihm sprechen?
    Ich will ihn hren, und mit ihm sprechen, Mutter, sagte Bertha.
    So sprecht, und ich gehe zu dem Vater, sagte Wiulfhilt.
    Sie verlie nach diesen Worten das Gemach.
    Witiko stand in seinem Ledergewande vor Bertha, und sah sie an. Bertha sah
ihn an.
    Was willst du zu mir sprechen, Witiko? fragte sie.
    Du hast an dem schnen groen Steine neben dem Waldsaume vor zwei Jahren zu
mir gesagt, Bertha, antwortete Witiko: Baue dir ein Haus, Witiko, und wenn
dann noch keine Makel an dir ist, so folge ich dir, und harre bei dir bis zum
Tode. Nun baue ich mir ein Haus, und bin gekommen, dich zu fragen, ob eine Makel
an mir ist?
    Es ist keine Makel an dir, Witiko, antwortete Bertha.
    So wirst du mir in das Haus folgen? fragte Witiko.
    Ich werde dir in das Haus folgen, entgegnete Bertha.
    Und wirst dort harren bis zu dem Tode? fragte Witiko.
    Ich werde harren bis zu dem Tode, antwortete Bertha.
    So ist gesprochen, was zuerst gesprochen werden sollte, sagte Witiko.
Bertha, Bertha, sei mir tausendmal gegrt.
    Sei tausend und tausend Mal gegrt, Witiko, antwortete Bertha.
    Und sie reichten sich die Hnde, hielten sich an denselben, und schauten
sich in das Angesicht.
    Bertha, sprach Witiko, du hast gesagt: Ich will, da dir keiner gleich
ist, so weit die Augen blicken, es mgen unten die Bume des Waldes emporstehen,
oder die goldenen Felder der hren, oder der grne Sammet der Wiesen dahin
gehen. Nun aber sind mir viele gleich, es sind sehr viele ber mir, wirst du
mich in hoher Achtung halten knnen, Bertha?
    Witiko, antwortete Bertha, als ich jene Worte gesagt hatte, gabst du mir
die Erwiderung: Ich will zu dem Hchsten streben.
    Ich wollte es, und will es noch, sagte Witiko, und ich habe auch gesagt,
da ich das Ganze tun will, was ich kann.
    Nun, das Streben ist der Anfang, sagte Bertha, und den Anfang hast du
gemacht, Witiko. Ich habe an jenem Steine auch gesagt: Wenn ich dir folge und
bei dir harre, dann rede zu den Mnnern deines Landes, bringe sie zu dem Groen,
und tue selber das Groe. Ich kann also nicht wollen, da dir jetzt schon keiner
gleich ist; aber die Jahre werden es nach den Jahren bringen, und einmal werde
ich sagen: Witiko, jetzt ist dir keiner gleich.
    Und die Jahre werden nach den Jahren vergehen, und du wirst es nicht sagen
knnen, antwortete Witiko.
    Dann werde ich noch weiter harren, sprach Bertha.
    
    Und wenn du immer harrest, sagte Witiko.
    So wei ich dich auf dem Wege, antwortete Bertha. Witiko, ich habe
gesagt: Wenn du ein niederer Mann wrdest, so wrde ich als dein Weib von dir
gehen, dahin du mir nicht folgen knntest.
    Ich werde niemals ein niederer Mann, sagte Witiko, und so, Bertha, in
diesen Gefhlen wirst du mein Weib.
    So werde ich dein Weib, entgegnete Bertha.
    Und so ist nun erfllet, was erfllt werden sollte, gehen wir jetzt zu den
Eltern, sprach Witiko.
    Gehen wir, sagte Bertha.
    Ich bitte dich noch um etwas, sprach Witiko.
    Sage es, entgegnete Bertha.
    Gehe mit mir heute an diesem Tage, wenn es deinem Vater und deiner Mutter
genehm ist, sprach Witiko, zu der Stelle, auf welcher ich dich zum ersten Male
gesehen habe, da du mit Rosen bekrnzt da standest, und gehe mit mir zu den
Steinen, auf welchen wir an jenem Tage gesessen waren.
    Ich werde sehr gerne mit dir gehen, Witiko, sagte Bertha, und wir werden
den Vater und die Mutter darum bitten.
    So gehen wir nun, sprach Witiko.
    Und sie gingen ber den Gang zurck in das Gemach Wiulfhilts. In demselben
war noch Heinrich bei seiner Gattin. Witiko und Bertha traten vor die Eltern.
Wiulfhilt stand auf, und kte Bertha auf die Stirne. Heinrich nahm Witikos Hand
in die seine, und legte sie dann in die Hand Wiulfhilts.
    Lasse die Kinder an unserer Seite sitzen, Wiulfhilt, sagte er.
    Setzet euch zu uns, sprach Wiulfhilt.
    Heinrich und Wiulfhilt setzten sich auf ihre Sthle, und Witiko und Bertha
setzten sich auf Sthle daneben.
    So sind Eure Wnsche gesichert, sprach Heinrich, und die Vollendung wird
folgen. Und da Ihr nun, Witiko, wie Eure Worte gelautet haben, der hheren Ehren
bei uns teilhaftig geworden seid, so werdet Ihr auch die minderen nicht
verschmhen, und eine Weile unser Gast sein.
    Ich werde es mit Freude sein, antwortete Witiko, und werde auch diese
Ehre ehren.
    Und uns wird es eine Freude sein, Euch lnger zu sehen als sonst, sagte
Wiulfhilt.
    Wir knnen dann auch ber viele Dinge sprechen, die sich ereignet haben,
und Ihr knnt mir manches erzhlen, Witiko, sprach Heinrich. Auch knnt Ihr
Bertha besser kennen lernen, und Bertha Euch.
    Ich kenne Witiko schon, mein Vater, sagte Bertha.
    Und ich kenne Bertha, sagte Witiko.
    Und wenn ihr eines das andere kennet, sprach Heinrich, so wird die
Gegenwart euch doch erheben.
    Ja, sagte Bertha.
    Ja, sagte Witiko.
    Und unser Haus und unser Wald und unsere andern Liegenschaften knnen Euch
zu mancher Betrachtung dienen, sagte Heinrich.
    Und ich kann fr die Zeit, die mir zunchst liegt, etwas lernen, sprach
Witiko.
    Ihr knnt fr Eure Handlungen, die Ihr jetzt tut, bald die Einsichten
gewinnen, sagte Heinrich.
    Und Ihr werdet mir mit Eurem Rate gewi beistehen, sprach Witiko.
    Wenn Ihr ihn bedrft, und wenn er etwas ntzt, werde ich ihn gerne geben,
antwortete Heinrich.
    Ich werde ihn bedrfen, und er wird ntzen, sagte Witiko.
    Jetzt aber, sprach Heinrich, ist es die erste Pflicht des Wirtes, den
Gast zu pflegen. Ihr seid von dem Pferde gestiegen, und seid gleich in mein
Gemach gefhrt worden. Es ist billig, da ich Euch in Eure Wohnung geleite, da
Ihr Euch strkt, vorerst einrichtet, und dann sagt, was Ihr weiter bedrfet.
    Es ist eine Bitte ganz anderer Art, welche ich stellen mchte, sprach
Witiko.
    So redet, sagte Heinrich.
    Gebet Eure Genehmhaltung, sprach Witiko, da Bertha und ich an diesem
heutigen Tage die Stelle besuchen, an welcher ich Bertha zum ersten Male gesehen
habe. Bertha bittet das Gleiche.
    Ich bitte das Gleiche, Vater, sagte Bertha.
    So besuchet die Stelle, antwortete Heinrich, wenn die Mutter meiner
Meinung ist.
    Lasse die Kinder gehen, sagte Wiulfhilt.
    Ich danke, sprach Witiko, wir werden wieder in das Gemach zurckkommen.
    Ich danke, Vater und Mutter, sagte Bertha.
    Nach diesen Worten standen Witiko und Bertha auf, verabschiedeten sich von
den Eltern, und verlieen das Gemach. Sie gingen durch die Tr des Hauses auf
den Sandplatz hinaus, und von dem Sandplatze auf dem Wiesenpfade gegen Mittag
dahin, wie sie vor sechs Jahren auf demselben Pfade gegen Mitternacht dem Hause
zugegangen waren. Sie sprachen beide kein Wort. Als sie zu der Betstelle des
roten Huschens gekommen waren, knieten beide neben einander nieder, und
beteten. Dann gingen sie stumm weiter. Sie kamen an den Saum der Schlucht, in
welcher das Wasser rauschte, wie es vor sechs Jahren gerauscht hatte. Sie gingen
am Rande der Schlucht in der Richtung des rinnenden Wassers dahin. Der Wald nahm
sie auf. Sie verlieen dann das Wasser, und gingen links zwischen den Stmmen
weiter.
    Da sagte Witiko: Bertha, Bertha, vor sechs Jahren sind wir auf diesem Wege
herauf zu deinem Vater und zu deiner Mutter gegangen, zu denen du mich, den
Fremdling, gefhrt hast. Wer von uns beiden htte damals gedacht, da wir einmal
diesen Weg gehen werden, wie wir ihn heute gehen?
    Das habe ich nicht gedacht, sagte Bertha, aber das war mir, da wir oft
mit einander gehen werden.
    Und mir war, entgegnete Witiko, da ich oft mit dir gehen mchte. Hast du
mich also gerne in das Haus deiner Eltern gefhrt?
    Ich wre sonst nicht an der Waldstelle mit den Rosen auf meinem Haupte
stehen geblieben, als du dich nhertest, sagte Bertha, sondern wre in den
Wald geflohen wie Trude geflohen ist.
    Also bist du meinetwillen an der Stelle stehen geblieben? fragte Witiko.
    Ich wollte dich sehen, sagte Bertha, und als ich dich gesehen hatte,
warst du mir lieb.
    Und als ich dicht gesehen hatte, warst du mir auch lieb, sprach Witiko.
Wir waren zwei Kinder.
    Ja, aber ich habe schne Ritter und Knaben vor dir gesehen, und keiner war
mir lieb, antwortete Bertha.
    Und ich habe schne Jungfrauen und Mdchen vor dir gesehen, und keine war
mir lieb, sagte Witiko.
    Siehst du? sprach Bertha.
    Und weil ich dir lieb war, hast du mit mir geredet? fragte Witiko.
    Weil du mir lieb warst, habe ich mit dir geredet, antwortete Bertha.
    Und weil ich dir lieb war, bist du mit mir zu den Sitzsteinen an den
Ahornen gegangen? fragte Witiko.
    Weil du mir lieb warst, bin ich mit dir zu den Sitzsteinen an den Ahornen
gegangen, antwortete Bertha.
    Und bist neben mir auf den Steinen gesessen, sagte Witiko.
    Und bin neben dir auf den Steinen gesessen, sprach Bertha.
    Und mir bist du so lieb gewesen, sagte Witiko, da ich immer bei dir
htte sitzen, und immer mit dir htte reden mgen. Du bist heute wie damals
gekleidet, Bertha.
    Es ist das nmliche Gewand, welches ich an jenem Sonntage an gehabt hatte,
antwortete Bertha, nur das schwarze Rcklein ist mir ein wenig krzer
geworden.
    Mir ist alles wie in jener Zeit, sagte Witiko.
    Ich habe jetzt das Kleid nie mehr getragen; aber ich habe mir es
aufbewahrt, sprach Bertha, und da du heute kamest, und da ich wute, um was du
mich fragen wrdest, habe ich es angezogen. Du bist auch in einem Gewande wie
damals.
    Es ist das nmliche, sagte Witiko, ich trage es oft, aber nicht immer,
und habe es genommen, weil ich dich heute um das fragen wollte, um was ich dich
gefragt habe. Und warum bin ich dir denn damals lieb gewesen, Bertha?
    Du bist mir lieb gewesen, weil du mir lieb gewesen bist, antwortete
Bertha.
    Ich bin dir ja ganz fremd gewesen, sprach Witiko.
    Du warst mir nicht fremd; als ich dich sah, habe ich dich lange gekannt,
antwortete Bertha.
    Und ich habe dich ja immer gekannt, da du mit den Rosen an dem Waldsaume
standest, sagte Witiko.
    Ich habe es gewut, entgegnete Bertha.
    Deine Mutter, Bertha, hat gesagt, sprach Witiko, sie habe mich mit ihren
inneren Augen schon frher gekannt, als mich die anderen mit ihren ueren Augen
kennen lernten. Hast du auch solche innere Augen, Bertha?
    Ich wei es nicht, antwortete Bertha, aber ich habe dich nicht frher als
die andern kennen gelernt, sondern habe dich gleich gekannt.
    Ich habe dich auch gleich gekannt, und wei nicht wie, sagte Witiko. Und
doch bin ich, da ich an dem Steine deinen Mund gekt hatte, nicht mehr gekommen
bis heute.
    Du durftest nicht kommen, Witiko, antwortete Bertha, da du mich
erschleichest, sondern, weil du mich an dem Steine gekt hattest, mutest du
kommen, mich zu fordern, und du bist gekommen.
    Und wenn ich heute nicht gekommen wre, sprach Witiko.
    So wrest du spter gekommen, sagte Bertha.
    Und wenn ich gar nicht gekommen wre, sprach Witiko.
    Das ist nicht mglich, sagte Bertha, weil du gekommen bist.
    Ja, es ist nicht mglich, antwortete Witiko. Wenn aber deine Eltern stets
nein gesagt htten.
    Das tun sie nicht, weil sie uns kennen, sprach Bertha, und wenn sie es
getan htten, so wre ich durch mein Leben geblieben wie unsere Base, die
Nonne.
    Und ich htte in meinem Gebiete, und im Lande ohne Weib geschaltet, sagte
Witiko.
    Hier ist die Stelle, sprach Bertha.
    Hier bist du mit den Rosen gestanden, sprach Witiko.
    Und dort bist du gestanden, da die Sonne auf die Steine geschienen hat, und
bist dann gegen mich her gegangen, sagte Bertha.
    Ich bin erschrocken, da ich die Waldrosen auf deinem Haupte gesehen hatte,
sprach Witiko, weil bei uns oft auf die Rosen gedacht wird.
    Und ich mute an diesem Tage die Rosen nehmen, und wir mssen die Rosen
ehren, sagte Bertha.
    Wir mssen sie ehren, antwortete Witiko, und sie werden mir immer ein
Sinnbild bleiben.
    Hier ist Trude gestanden, sagte Bertha.
    Werde ich sie sehen, wenn ich in euerem Hause bin? fragte Witiko.
    Du wirst sie sehen, antwortete Bertha, sie ist sehr schn geworden.
    Und dieser Platz, auf dem wir stehen, soll uns sehr lieb bleiben, sagte
Witiko.
    Er soll uns lieb bleiben fort und fort, entgegnete Bertha.
    Nun gehen wir zu den Steinen, sprach Witiko.
    So gehen wir, sagte Bertha.
    Sie wandelten an dem Saume des Waldes dahin, bis sie zu den Steinen
gelangten, von denen Witiko damals auf die singenden Mdchen geschaut hatte.
    Da sie bei den Steinen angekommen waren, sagte Witiko: Bertha, setze dich
nieder.
    Ich bin auf diesem gesessen, sagte Bertha.
    So setze dich wieder auf ihn, sprach Witiko.
    Sie tat es.
    Und ich bin neben dir auf diesem gesessen, sagte Witiko, er ist niederer,
und ich setze mich wieder auf ihn.
    Er tat es.
    Siehst du, Bertha, sagte er, unsere Angesichter sind nun wieder in
gleicher Hhe, wie damals, da ich dich angeblickt hatte, und da du mich
angeblickt hattest.
    Bist du grer geworden, Witiko? fragte Bertha.
    Es mu ein wenig sein, antwortete Witiko, da ich dir hier wieder gleich
bin, und da du gesagt hast, da dir dein Rcklein krzer geworden ist. Mein
Lederkleid dehnt sich.
    Und so wie damals ragt dein Schwert in die niedreren Steine, sagte Bertha,
und in den nmlichen Gewndern sitzen wir hier wie vor sechs Jahren.
    Nur die Bume, die jenseits der hellen Wiese stehen, an deren Rande wir
sitzen, sprach Witiko, glnzen nun im Sonnenscheine, da sie damals im Schatten
waren, und die Bltter der Ahorne ber uns sind dunkel, die damals geschimmert
hatten.
    Ich habe dir gesagt, sprach Bertha, da es im Herbste hier am Vormittage
mild ist, im Sommer sehr hei, da aber am Nachmittage Schatten ist. Der
Schatten ist lieblich, lege deine Haube wieder in das Gras wie damals, Witiko.
    Er nahm die Lederhaube von seinem Haupte, und legte sie in das Gras, und die
blonden Haare rollten auf seinen Nacken herab.
    Und seine blauen Augen schauten in ihr Angesicht, und ihre braunen in das
seine.
    Wie wird denn die Burg heien, die du baust? fragte Bertha.
    Witikohaus, antwortete Witiko. Aber, Bertha, du hast einmal gesagt: Ich
wei nicht, ob ich in Bhmen wohnen mchte; und die Burg wird in Bhmen stehen.
    Und die Mutter hat gesagt, antwortete Bertha: wir Frauen, die wir
abhngig sind, wissen nie, wo wir wohnen werden, und wo wir dann mit den
Unsrigen wohnen, wird es uns auch gefallen.
    Und wird es dir so gefallen? fragte Witiko.
    So wird es mir gefallen, antwortete Bertha.
    Dein Vater hat gesagt, Bertha, sprach Witiko: Die alten Bhmen haben ihre
Burgen und die Verbalkungen ihrer Zupen stets in der Ebene gebaut, wo Smpfe
waren, oder zwei Wsser zusammen gingen, so da nur auf einer Seite ein Eingang
war. Ich baue meine Burg nicht so.
    Das wre hlich, sagte Bertha.
    Ich habe damals deinem Vater geantwortet, sprach Witiko: Wo ein steiler
Fels gegen Wasser vorgeht, da er rckwrts nur mit einer schmalen Zunge am
Lande hngt, wird eine gute Wohnung sein. Und dein Vater baut jetzt die Burg
Schauenberg auf einer solchen Zunge, nur da kein Wasser vor dem Felsen ist.
    Kennst du den Schauenberg? fragte Bertha.
    Ich bin auf einem Gerste der Burg gestanden, die gebaut wird, als ich nach
Landshut ritt, antwortete Witiko. Ich habe aber, da ich zum ersten Male bei
euch war, auch gesagt: Ein groer Wald, der einem zahlreichen Feindeshaufen den
Zugang wehrt, und ihm Nahrung versagt, knnte auch als Schutz dienen. Und so
baue ich mir die Burg.
    Sieht man von ihr so herum, wie von der Burg Schauenberg? fragte Bertha.
    Noch viel weiter, antwortete Witiko. Bertha, du wirst auf dem Sller der
Burg stehen wie auf dem Fels der drei Sessel, und wirst das ganze Alpengebirge
sehen, so weit Augen zu reichen vermgen, da, wo das Land Baiern im Mittage an
diese Gebirge stt, und weiter gegen Morgen hin, wo das Land gegen Mittag an
die Gebirge stt, das der Markgraf von sterreich beherrscht, bis zu dem Lande
Ungarn, in das sich die Berge senken. Du wirst die Gaue des Landes Baiern sehen,
wo die Mihel fliet, wo die Donau strmt, wo die Enns und die Traun ist, du
wirst Gaue des Landes sterreich sehen, und Wiesen und Felder und Wlder in
allen Gauen, und lichte Stellen, die Burgen sind oder Kirchen oder Ortschaften.
Und wenn du mitternachtwrts schauest, so siehst du die Moldau unten in den
Forsten, und du siehst die Flecke in dem groen Walde, wo Wiesen und Felder und
Wohnungen sind, und siehest dahin bis zu den letzten Sumen der Bume.
    Der Vater lobt die Stelle, sagte Bertha, er ist oft dort gewesen, und ist
in der letzten Zeit wieder in dem Lande Bhmen gewesen.
    Und unterhalb deiner Augen von der Burg hinab, sagte Witiko, ragen, wie
du an dem groen Steine gesagt hast, die Wipfel des Waldes empor; aber es gehen
nicht die goldenen Felder der hren dahin oder der grne Sammet der Wiesen, wie
an dem Fue des Felsens, auf welchem die Burg Schauenberg steht.
    Ist der Wald, in dem die Burg stehen wird, gro? fragte Bertha.
    Er ist ein Wald in den Wldern, antwortete Witiko. Wenn du von dem
Friedbergwalde, wo die Huser von Friedberg an der Moldau liegen, durch ihn zur
Burg hinan gehst, so ist das der krzeste Weg, und du brauchst lnger als eine
Stunde zu ihm. Von der Burg gegen Mittag hinab bis zur Mihel gingest du leicht
in zwei oder drei Stunden, und gegen Abend, und wo der Wald sich biegt, gegen
Mitternacht, brauchtest du viele Tagereisen, und gegen Morgen wenigere, oder
auch viele.
    Und wo ist dein Gebiet? fragte Bertha.
    Du wirst von der Burg den Kreuzberg sehen, von dem gegen Mittag der obere
Plan liegt, antwortete Witiko. Von Plan der Moldau entgegen kmmt man zu dem
Saume des Berges, darauf euer schwarzer See ist. Von diesem Saume ber den
oberen Plan hin nach Friedberg, und weiter an der Moldau hinab, bis wo sie durch
die Schlucht der Kienberge geflossen ist, und mitternachtwrts gegen den Fels
des Rosenberges und gegen die krumme Au geht, sind die Huser und die Menschen
zerstreut, die mir pflichtig sind. Andere sind dazwischen, die zu Rowno gehren
oder zu Diet oder zum Herzog. Die Stcke Waldlandes, die mir der Herzog gegeben
hat, sind um Plan, um die untere Moldau, und um Friedberg. Die Bume, die du von
der Burg bis gegen die Mihel siehst, und von der andern Seite bis an die Moldau
vor Friedberg, sind unsere Bume.
    Ist eine Kirche bei der Burg? fragte Bertha.
    Es ist die kleine Burgkirche in der Burg, entgegnete Witiko, in Friedberg
ist eine hlzerne Kirche, die jetzt grer gebaut wird, und wenn mich Gott
segnet, beginne ich noch den Bau einer steinernen Kirche des heiligen Apostels
Thomas in der Nhe meines Hauses.
    Und in diesem Hause wirst du sein, Witiko, sagte Bertha, du wirst Mnner
und Freunde haben, du wirst des Waldes pflegen, du wirst in die Geschicke des
Landes handeln, und in den Rat des Herzoges gehen.
    Und in diesem Hause wirst du sein, Bertha, sagte Witiko, du wirst Frauen
haben, du wirst der Heimat pflegen, du wirst in die Geschicke des Landes blhen,
und zu Hofe nach Prag gehen.
    Und in diesem Hause werde ich sagen: Witiko, jetzt ist dir keiner gleich,
antwortete Bertha.
    Und ich werde in dem Hause sagen: Bertha, dir ist keine gleich, und sage es
jetzt schon, sprach Witiko.
    Nun aber gehen wir zu den Eltern, antwortete Bertha, Witiko, nimm deine
Haube wieder, und komme.
    Witiko nahm seine Haube, und setzte sie auf.
    Dann erhoben sie sich, er nahm Bertha bei der Hand, und sie gingen am Saume
des Waldes hin, und gingen auf dem nmlichen Wege in das Haus, auf welchem ihn
Bertha vor sechs Jahren in dasselbe gefhrt hatte.
    Als sie in das Gemach kamen, von welchem sie ausgegangen waren, sahen sie
den Vater und die Mutter noch bei einander sitzen.
    Sie grten die Eltern, die Eltern grten sie.
    Nun, habt ihr die Stelle besucht? fragte Heinrich.
    Wir haben sie besucht, antwortete Witiko.
    Wir sind auch auf den Steinen an der Sperwiese gesessen, sagte Bertha.
    Habt ihr an dem Huschen der heiligen Mutter ein kurzes Gebet gesprochen?
fragte Wiulfhilt.
    Wie wir vor sechs Jahren bei dem Huschen gebetet haben, antwortete
Bertha, so haben wir heute auch gebetet.
    Vergi den Himmel nicht, mein Kind, und der Himmel wird deiner nicht
vergessen, sagte Wiulfhilt, und bei Witiko wird es auch so sein.
    Witiko hat vor sechs Jahren am Sonntage in dem Walde gebetet, sagte
Bertha.
    Und dann habe ich mein Glck gefunden, sprach Witiko. Gott hat mir stets
mehr gegeben, als ich verdient habe. Hoher Herr und hocherhabene Frau, ist es
euch genehm, die Abbildung der Burg zu sehen, die ich baue, so lasse ich sie
bringen?
    Zeigt sie uns, antwortete Heinrich, lat aber das Begabungspergament bei
Seite.
    Wie es Euer Wille ist, sagte Witiko.
    Heinrich rief durch einen Schlag auf eine Glocke einen Diener herbei. Witiko
sagte ihm, er mchte sich von seinem Knechte Raimund die braune Ledertasche
geben lassen, und sie bringen.
    Der Diener brachte die Tasche.
    Witiko ffnete ihr Schlo, und zog ein Pergament heraus, und legte es vor
Heinrich und Wiulfhilt auf den Tisch. Das Pergament war schneewei, und auf dem
weien Grunde war das Bild einer Burg und eines Waldes an ihren Seiten in
Farben.
    Wie schn, sagte Heinrich.
    Das ist ein Bild, der Aufbewahrung wert, sprach Wiulfhilt.
    Es wird auch aufbewahrt, antwortete Witiko. Diese Fenster sehen nach
Mittag, diese nach Morgen, die auf den Rckseiten, welche auf dem Bilde nicht
erscheinen, sehen nach Mitternacht und Abend, und innerhalb aller dieser Fenster
sind rings die Gemcher des Burgherrn und der Burgfrau. ber diesen sind andere
Gemcher, und unter ihnen ist die Burgkirche, der Saal, und andere Gelasse. Hier
sind die Vorbauten mit Wohnungen, und zwischen dem Vorbaue und dem Hauptbaue ist
der Burghof. Hier sind Stlle und Vorratsrume, und hier schliet sich die
Verteidigungsmauer. In den andern Blttern sehet ihr die innere Ausdehnung und
Einteilung.
    Witiko zog noch mehrere Bltter aus der Ledertasche, auf welchen Zeichnungen
mit Linien waren.
    Heinrich betrachtete die Bltter sehr genau, dann sagte er: So wie ich
jetzt meine, ist die Burg gut erdacht und berlegt. Hat sie der Baumeister Eppo
erfunden?
    Ich habe ihm den Platz beschrieben, auf dem die Burg stehen soll,
antwortete Witiko, und habe ihm gesagt, wie ich mir die Burg denke. Dann hat er
auf Blttern zu zeichnen angefangen, wir haben daran abgendert, bis die Sache
so wurde, wie sie ist. Dann hat er die Abbildungen verfertigt, und mir die
Nachbilder auf Pergament gemacht.
    Und er baut jetzt die Burg, sagte Heinrich.
    Er baut sie, antwortete Witiko.
    So sei der Segen Gottes ber ihm, sprach Heinrich.
    Er mge es sein, sagte Witiko.
    Dann reichte er das Pergament mit dem Farbenbilde an Bertha.
    Bertha betrachtete es, gab es dann wieder zurck, und sagte: Witiko, es ist
ein schnes Bild und ein schnes Haus.
    Und die drinnen wohnen werden, sollen glcklich sein, sprach Witiko.
    Dann ordnete er die Bltter wieder in die Ledertasche, schlo die Tasche,
und schickte sie in sein Gemach.
    Es waren hierauf noch verschiedene Gesprche zwischen Heinrich, Wiulfhilt,
Bertha und Witiko.
    Dann verabschiedete sich Witiko, und ging in sein Gemach.
    Das Abendessen war in dem Waldhause wie in frheren Zeiten.
    Des andern Morgens ging Witiko zu dem Khler Mathias.
    Der Khler und sein Weib erhoben einen Freudenruf, als sie Witiko
erblickten.
    Witiko, Witiko, rief die Frau, jetzt ist alles gut, jetzt hat Gott mein
Gebet erhrt, wir wissen es, und wissen schon alles, es ist alles gut.
    Und sie reinigte mit einem Tuche die Bank, auf welche sich Witiko setzen
sollte.
    Der Himmel hat Euch gesegnet, seit Ihr an jenem Sonntage von uns fort
geritten seid, und wir freuen uns des Segens, sagte Mathias.
    Ich wei es, sagte Witiko, ich habe eurer oft gedacht, und werde eurer
noch denken.
    Wollt Ihr eine Milch, sie ist die beste in dem Walde, sprach die Frau.
    Gib mir spter eine Milch, Margaretha, sagte Witiko, jetzt aber nenne und
bringe mir einen Mann, Mathias, der sicher eine Botschaft zu meiner Mutter in
unsern Hof Pric trgt.
    Ich wei schon, sagte Mathias, das mu Eure Mutter schnell erfahren, und
weil meine Meiler rauchen, mu der alte Peter gehen, er geht in seinem
Ledergewande in einem und unausgesetzt fort, bis er dort ist, und dann geht er
wieder zurck.
    Und brgst du fr ihn? fragte Witiko.
    Ich brge fr ihn, antwortete Mathias.
    So hole ihn, sprach Witiko.
    Mathias ging fort, und kam nach einer Zeit mit Peter zurck, und sagte: Er
wird nach Pric gehen.
    Bist du des Weges kundig? fragte Witiko den Mann.
    Wie der Diele meiner Stube, antwortete der Mann.
    So trage den Brief, der in diesem Tuche ist, nach Pric, sagte Witiko, gib
ihn Wentila, meiner Mutter, und bringe mir die Antwort am achten Tage nach
Friedberg. Hier hast du Lohn fr den Hinweg, in Friedberg erhltst du ihn fr
den Rckweg. Rste dich, da du bald fort gehen kannst. Spute dich, raste, wo du
es bedarfst, und geniee deiner Nahrung.
    Ich raste nicht viel, sagte der Mann, und habe meine Nahrung bei mir.
    Witiko gab ihm den Brief und etwas an Gelde. Peter nahm beides, und ging
fort.
    Witiko blieb noch eine Weile bei den Khlerleuten, und trank etwas von der
Milch, welche ihm Margaretha nun reichte. Die Kinder kamen von dem Walde, und
Witiko beschenkte sie. Die Khlerleute sprachen von den Dingen, die geschehen
waren, und Margaretha sagte, sie habe Witiko geweissagt, da er einmal von ihnen
Abschied genommen habe; denn sie habe die Worte gesagt: Erlebet recht groe
Dinge.
    Sie sind so gro nicht geworden, sagte Witiko.
    Nach einer Zeit verabschiedete er sich, und ging wieder in das Waldhaus
Heinrichs von Jugelbach zurck.
    Er lebte nun als Gast in dem Hause mit Heinrich, Wiulfhilt und Bertha.
Heinrich zeigte ihm genau alle Zubehr des Hauses, und sie sprachen von der
Gebarung mit Feld, Wiese, Wald und Viehstand. Einmal waren alle und drei
Dienstmannen Heinrichs, die gekommen waren, auf dem Fels der drei Sessel, und
ein anderes Mal waren sie bei dem schwarzen See, und wieder andere Male an
verschiedenen Stellen des groen Waldes. An einem Vormittage saen Witiko und
Bertha auch auf den Steinen der Sperwiese, da die Sonne auf dieselben schien.
    Am sechsten Tage, da Witiko in dem Hause Heinrichs war, ging er des
Nachmittages allein im Walde auf dem Wege, der zu den Sesseln fhrt. Da sprang
ber grnbemooste Steine zwischen den Stmmen Wolf zu ihm, blieb stehen, sah ihn
an, und sprach: Ihr habt mir schon im Hauzenberge Vergunst zum Reden gegeben,
gebt sie mir heute auch.
    Die hast du immer, Wolf, sagte Witiko, ich habe mit dir in dem
Speisesaale geredet, und du mit mir, und du hast alle Tage mit mir reden
knnen.
    Aber geheim und allein, sagte Wolf.
    So rede geheim und allein, sprach Witiko.
    Es mu so sein, antwortete Wolf. Ich bitte Euch, nehmet mich in Eure
Dienste.
    Willst du deinen Herrn, Heinrich von Jugelbach, verlassen? fragte Witiko.
    Ich will ihn nicht verlassen, antwortete Wolf, sondern recht bei ihm
bleiben, nmlich bei Bertha, seiner Tochter. Ihr werdet sie heiraten, und da
werden Frauen mit ihr zu Euch gehen, ihr zu dienen, ich wei nicht, ob auch
Mnner mitgehen, die ihre und Eure Diener sind; aber es soll einer mitgehen, und
ich ginge mit.
    Bist du Bertha so zugetan? fragte Witiko.
    Freilich, und ich mu ihr ja in vielem helfen, sagte Wolf, sie ist
hochgeistig wie ihr Vater, und hilft sich in manchem nicht, was sie will. Es
wre eine wahre Schandtat gewesen, wenn Ihr sie nicht geheiratet httet. Und
seit Ihr mit den zwei andern da gewesen seid, seid Ihr wieder gar nicht
gekommen, was nicht recht ist.
    Bertha sagt, es ist recht gewesen, sprach Witiko.
    Sie sagt es; aber ich sage, es ist gar nicht recht gewesen, antwortete
Wolf, da seid Ihr aber doch gekommen, und alles ist gut geworden, ich wei es
schon, alles ist mir gelungen.
    Dir ist es gelungen, sagte Witiko.
    Da Ihr einmal bei uns gewesen seid, und da ich mit Euch auf dem Sesselfels
und auf dem Hohenstein und bei dem schwarzen See gewesen bin, sprach Wolf, und
da Ihr fort geritten waret, und da Ihr so lange in dem oberen Plane wartet, da
bin ich manches Mal in den Wacholderbschen gelegen, wenn Ihr von dem Kreuzberge
auf unseren Wald geschaut habt. Ich bin in dem Walde gelegen, wenn Ihr geritten
seid, ich bin in den Kornhalmen gewesen, wenn Ihr mit den Mnnern auf Euren
Gassenbnken gesessen seid. Ich bin in manchem Hause gewesen und in mancher
Ortschaft, und habe ihnen einen Topf gebunden oder Reifen geschnitten, und da
habe ich gehrt, was sie von Euch sagen.
    Du bist also mein Spher gewesen, sagte Witiko.
    Ja, entgegnete Wolf, Bertha hat kein Wrtlein gesagt; aber wenn ich ihr
von Euch erzhlte, da ich Euch gesehen habe, und was Ihr getan habt, blickte
sie sehr freundlich. Es sind nur jetzt keine Rosen; aber da Ihr damals fort
geritten waret, trug sie immer Rosen auf dem Haupte, seit Ihr sie mit den
schlechten roten Rosen gesehen habt. Und bei Eurem Feste auf dem Pferdeanger bei
dem oberen Plane bin ich auch gewesen.
    Bist du bewirtet worden? fragte Witiko.
    Ich habe Eures Bieres und Eures Bratens hinlnglich bekommen, sagte Wolf,
und ich habe auch unserem Herrn erzhlt, was Ihr getan habt, wie die Leute
davon reden, und was ich selber gesehen habe, und ich bin auf den Grund
gekommen, da Ihr treu sein werdet.
    Und du mchtest in meiner Burg leben? fragte Witiko.
    Ja, entgegnete Wolf, sie wird sehr schn, ich habe sie schon bauen
gesehen, und bin neulich hinein gerannt.
    Wenn Heinrich von Jugelbach, und wenn seine Ehegemahlin Wiulfhilt von
Dornberg nicht dagegen sind, sprach Witiko, und wenn Bertha es will, so magst
du in meine Burg kommen.
    Seht, ich habe es gewut, da Ihr gut seid, entgegnete Wolf, es wird
ihnen schon genehm sein, und ich werde Euch Tag und Nacht dienen, und wir werden
oft zu Herrn Heinrich und Frau Wiulfhilt kommen. Und Bertha wird mir die Befehle
erteilen. Habt Ihr das schne Pferd noch?
    Ich habe es noch, sagte Witiko, aber es altert schon.
    Gute Pferde halten lange in die Zeit, sprach Wolf. Unser Herr nimmt die
guten von hier immer mit nach Jugelbach, und lt die da, welche langhaarig
sind. Eure Reiter auf dem Anger haben auch kleine langhaarige Pferde gehabt.
    Diese Pferde waren in dem Kriege sehr brauchbar, sagte Witiko.
    Ich wei es, weil sie Waldpferde sind, und gengsam und arbeitsam, und weil
sie gut klettern knnen, sprach Wolf, das Pferd, auf dem Ihr gekommen seid,
ist fein.
    Mir hat es der Herzog Wladislaw gegeben, antwortete Witiko.
    Bei uns ist kein Krieg, sagte Wolf, und wenn ich bei Euch bin, werde ich
mit Euch in den Krieg gehen, und mir Geschenke und Pferde erwerben.
    Wenn du im Kriege tchtig bist, wird es dir nicht fehlen, sagte Witiko.
    Ich werde tchtig sein, antwortete Wolf.
    Und nun, Wolf, hast du noch andere Dinge an mich? fragte Witiko; denn
sonst mu ich mich von dir verabschieden.
    Nein, verabschiedet Euch nur, und ich danke Euch fr alles, und alles wird
recht werden, und gehabt Euch wohl, hoher Herr, sagte Wolf.
    Gehabe dich wohl, sagte Witiko.
    Und Wolf sprang wieder ber die Steine zwischen den Stmmen davon, wie er
gekommen war. Witiko aber ging seines Weges weiter.
    Am siebenten Tage verabschiedete er sich von dem Waldhause Heinrichs von
Jugelbach, und ritt nach Friedberg zurck.
    Zwei Tage darauf brachte ihm der alte Peter den Brief seiner Mutter.
    Witiko lohnte den alten Peter, und dieser begab sich auf den Heimweg.
    Nun lie er Zeichen in Bume seines Waldes schlagen, da sie gefllt wrden,
wenn es an der Zeit wre. Dann begann er an einer Stelle reuten zu lassen, und
machte den Anfang, einen hlzernen Hof fr Rinder zu bauen, und dann ritt er zu
seiner Mutter nach Pric, und blieb eine Woche dort. Hierauf begab er sich wieder
nach Friedberg zu dem Baue seiner Burg.
    Der Bau ging schnell fort, weil immer viele Menschen daran arbeiteten, und
immer neue freiwillig herzu kamen.
    Und ehe die Bltter der Birken gelb wurden und die Bltter der Buchen rot,
ragte der Bau mit den Gersten wie ein groer viereckiger Turm von dem Saume des
Waldes empor, da er weither gesehen werden konnte. Man vermochte ihn von den
Berggipfeln des Landes im Mittage bis von den Hhen an den Donauufern aus zu
erblicken, man vermochte ihn von den Gipfeln der Wlder an der Moldau, und von
dem Tale der Moldau oberhalb Plan bis Friedberg hinunter zu erblicken, und die
Mdchen von Plan stiegen auf den Kreuzberg, um den Bau Witikos recht deutlich
erschauen zu knnen.

                                       3


 Es kamen tausend Scharen.

Als sich wieder der Herbst annherte, ritt Witiko mit einem Geleite von
Friedberg gegen Prag. Er sah auf seinem Wege manche Herren mit ihrem Gefolge des
nmlichen Weges ziehen, und er sah andere Menschen dahin wandern.
    Da er in Prag angelangt war, zog er mit seinen Mnnern in eine Herberge des
rechten Burgfleckens. Es waren sehr viele Menschen in Prag, insonderheit von den
hohen und niederen Herren mit ihren Mannen.
    Witiko ging an dem Tage nach seiner Ankunft zu dem Herzoge. Bei dem Herzoge
waren Herren, die zu dem Grue des Herzoges gekommen waren. Witiko brachte auch
seinen ehrerbietigen Gru dar, und der Gru wurde von dem Herzoge freundlich
erwidert. Der Herzog und die Herren sprachen von den mannigfaltigen Dingen, die
sich in dem Lande vollendeten. Manche Herren gingen fort, andere kamen wieder.
Witiko verabschiedete sich auch, und ging zu der Herzogin. Bei ihr waren
hervorragende Mnner, ihren ehrfurchtvollen Ankunftsgru darzubringen. Witiko
tat es ebenfalls, und er wurde von der Herzogin liebreich empfangen. Dann
verabschiedete er sich, und ging wieder in seine Herberge.
    In der folgenden Zeit besuchte er mehrere Herren, Mnner und Freunde, mit
denen er in dem ersten und in dem zweiten Kriege gewesen war.
    Auf den vierten Tag nach seiner Ankunft war eine Versammlung bei dem Herzoge
anberaumt.
    Witiko ging in dieselbe.
    In dem groen Saale des Herzoghofes sa auf einem erhheten Stuhle
Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren. Dann sa auf einem gleichfalls
erhheten Stuhle Guido, der Gesandte des Heiligen Vaters Innozenz. Dann saen
auf Sthlen Otto, der Bischof von Prag, Daniel, der Dompropst von Prag,
Silvester, der ehemalige erwhlte Bischof von Prag, Gezo, der Abt von Strahow,
Peter, der Abt von Brewnow, dann die bte von Kladrau und Wilimow, und andere
bte, Prpste und Priester. Dann saen auf Sthlen Diepold und Heinrich, die
Brder des Herzogs, Bolemil, der alte Leche, Wsebor, der alte Leche, Lubomir,
Diwis, Preda, Bozebor, und alle, welche in der Schlacht bei Znaim gewesen waren,
und noch viele, die Witiko nicht kannte.
    Da sich alle geordnet hatten, rief Wladislaw, der Herzog von Bhmen und
Mhren: Saget ihnen, die in dieser Versammlung sprechen wollen, da sie
kommen.
    Ein Mann ffnete die Flgel einer Tr, und nach kurzer Zeit kamen in reichen
Gewndern durch die Tr Konrad, der Herzog von Znaim, Wratislaw, der Herzog von
Brnn, Otto, der Herzog von Olmtz, dann Leopold und Spitihnew, die Shne
Boriwoys, und Wladislaw, der Sohn des verstorbenen Herzoges Sobeslaw.
    Setzet euch auf eure Sthle, sagte der Herzog.
    Die, welche herein gekommen waren, setzten sich auf Sthle, welche da
standen, und von der Versammlung durch einen Raum des Saales getrennt waren.
    Dann sprach Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren: Konrad, welcher du
Herzog von Znaim gewesen bist, Wratislaw, welcher du Herzog von Brnn gewesen
bist, Otto, welcher du Herzog von Olmtz gewesen bist, Leopold und Spitihnew,
Shne meines Oheims Boriwoy, und Wladislaw, Sohn meines Oheimes Sobeslaw, ihr
seid auf meine Kunde nach Prag gekommen, die Beschwerde zu fhren, weshalb ihr
die Waffen gegen mich ergriffen habet. Weil ihr eure Beschwerden durch die
Waffen fhren wolltet, mute euer Aufstand niedergeworfen werden. Fhret nun
eure Beschwerden mit Worten. Sind die Beschwerden gerecht, so werde ich sie
abstellen, und euch Genugtuung geben. Sind sie ungerecht, so kann der, welcher
es will, nach Gebhr um Verzeihung bitten, der es aber nicht will, kann in das
fremde Land zurckkehren, aus dem er nach Prag gekommen ist. Es wird keiner
geschdigt werden, wie ich es versprochen habe. Konrad, wenn es dir genehm ist,
rede.
    Konrad schwieg eine kurze Frist, dann sprach er: Wladislaw, Sohn des
ruhmreichen Herzoges Wladislaw, Neffe des letzten verstorbenen ruhmreichen
Herzoges Sobeslaw, der du jetzt den Stuhl der Herzoge von Bhmen und Mhren in
deiner Gewalt hast, hre mich. Du bist von den hohen und niederen Herren der
Lnder Bhmen und Mhren auf dem Tage in der Burg Wysehrad zum Herzoge von
Bhmen und Mhren gewhlt worden, und bist nach dem Tode des ruhmreichen
Herzoges Sobeslaw auf den Frstenstuhl gesetzt worden. Die Sprossen aus dem
Stamme Premysl sind nicht bei der Wahl gewesen. Dann aber sind auch die
reichsten und mchtigsten und vornehmsten Lechen, welche dich whlen geholfen
haben, zu mir gekommen, und haben gesagt, du erfllest die Erwartungen nicht,
welche sie zu Recht von dir als Herzog tragen muten. Sie machten eine neue
Wahl, und erkoren mich zum Herzoge von Bhmen und Mhren. Die Sprossen des
Stammes Premysl stimmten bei, nur deine zwei Brder nicht. Ich meinte, da es
meine Pflicht fr die Lnder fordere, und nahm die Wahl an. Du widerstrebtest,
als ich nach Prag gehen, und mich auf den Frstenstuhl setzen wollte, und es
entstand der schwere Krieg, welcher sehr viel Unheil brachte, und du behieltest
nach dem Kriege die Macht. Das ist meine Rede.
    Der Herzog Wladislaw antwortete: Konrad, du bringst keine Beschwerde vor;
denn wenn ein Herzog durch die Ladung aller hohen und niederen Herren der Lnder
zu einer Wahl von denen, die der Ladung gefolgt sind, als Herzog gewhlt wird,
und wenn dann von einer Zahl von Herren wieder ein Herzog gewhlt wird, indes
eine andere Zahl widerstrebt, und der frhere Herzog mte dem spteren weichen,
so knnte von verschiedenen Zahlen von Herren eine Reihe von Herzogen gewhlt
werden, die einander verdrngen, und das Herzogtum wre kein Herzogtum, sondern
ein Wettspiel. Wenn du aber keine Beschwerde gebracht hast, so hast du nur
gesagt, da du im Aufruhr gewesen bist. Wratislaw, wenn es dir genehm ist,
rede.
    Wratislaw sprach: Es ist mir genehm. Du bist einst nur der Neffe des
Herzoges Sobeslaw gewesen, ein Zweig des Stammes Premysl wie wir. Du warst unser
Genosse und warst der Genosse der jungen Shne der mchtigen Lechen der Lnder.
Du bist mit uns nach den Vergngungen gezogen, nach denen wir und sie gezogen
sind. Du hast unsern Rat in allem befolgt, und hast gesagt: Wenn ich Herzog
wre, wrden wir diese Sache anders machen, jene wrden wir wieder anders
machen, dieses wrden wir tun, dieses wrden wir lassen. Du hast uns Mitwirkung
eingerumt. Und hast du sie uns, den Jungen, eingerumt, so hast du sie um so
mehr den Rten des Herzogstuhles und den alten weisen Lechen eingerumt. In
diesem Sinne bist du zum Herzoge gewhlt worden. Du aber hast dann als Herzog
gehandelt, wie du allein wolltest. Du hast unsere Anliegen, die Anliegen der
Shne Premysls, nicht gehrt, du hast die Anliegen der alten Rte und Lechen und
der mchtigsten Herren nicht gehrt, du hast uns unterdrckt, und du hast die
Rede und die Mitwirkung der Herren bei der Verwaltung der Lnder, welche alle
Herzoge seit den ltesten Zeiten geehrt haben, in die Luft gestreut. Darum
wrest du kein Herzog mehr, sondern ein Eroberer, und wir haben uns unseren
Herzog gewhlt, und haben die Waffen erhoben, um unsere Rechte zu wahren. Du
hast im Kriege deine Gewalt behalten und vermehrt. Willst du, wie du sagst, den
Beschwerden abhelfen, und Genugtuung leisten, so kannst du wieder ein Herzog
werden, und wir werden dir dienen, so sie dich whlen. Diese Worte habe ich
geredet.
    Darauf sagte Wladislaw: Ich werde dir spter antworten, Wratislaw. Otto,
sprich.
    Otto sagte: Ich rede wie Wratislaw geredet hat.
    Dann sagte Wladislaw: Leopold, sprich.
    Leopold antwortete: Ich rede wie Wratislaw.
    Dann sagte Wladislaw: Spitihnew, sprich.
    Spitihnew entgegnete: Ich rede genau so wie Wratislaw.
    Dann sagte Wladislaw: Wladislaw, Sohn Sobeslaws, sprich.
    Wladislaw antwortete: Du sagst mit Recht: Sohn Sobeslaws; darin liegt meine
Klage. Ich rede zuerst, wie Wratislaw geredet hat, und dann rede ich, wie ich
rede. In der Rede Wratislaws sage ich: Du hast uns unterdrckt und
hintangesetzt. In meiner Rede sage ich: Du hast mir den Herzogstuhl geraubt. Die
hohen und niederen Herren der Lnder Bhmen und Mhren haben auf dem Tage in
Sadska meinem erhabenen Vater Sobeslaw angelobt, da ich nach seinem Tode Herzog
sein soll, und sie haben mich als den Nachfolger Sobeslaws mit ihrem Eide
anerkannt. Dann haben sie, als mein Vater erkrankt war, ihren Eid gebrochen, und
haben dich auf dem Wysehrad zum Herzoge erkoren. Die Wahl ist nichtig gewesen.
Und als mein Vater gestorben war, haben sie dich auf den Herzogstuhl gesetzt,
und die heilige Feier ist nichtig gewesen. Ich bin der Herzog gewesen, du aber
hast die Macht gehabt, und hast sie noch. Das ist meine Rede.
    Habt ihr gesprochen? fragte der Herzog Wladislaw.
    Es antwortete keiner.
    Ist einer unter euch, der zu dem, was geredet worden ist, noch etwas hinzu
fgen will? fragte der Herzog Wladislaw wieder.
    Es antwortete keiner von den Mnnern.
    So rede ich, wie folgt, sprach der Herzog. Es ist wahr, was du gesagt
hast, Wratislaw, da ich in der Jugend euer Genosse gewesen bin, und ich bin der
Genosse der jungen Shne der hohen und mchtigen Herren gewesen, und es hat sich
auch mancher zu uns gefunden, der von keinem hohen oder mchtigen Herren der
Lnder stammte. Ich wollte ein guter Genosse sein, und weil ich es wollte, lie
ich euch schalten. Es ist wahr, da ich euern Rat befolgt habe. Ihr rietet Dinge
des Vergngens an, und weil in den Dingen ein Vergngen lag, so gingen wir nach
ihnen. Es ist wahr, da ich gesagt habe: Wenn ich Herzog wre, so wrden wir
dieses oder jenes tun. Aber es ist nicht wahr, da ich euch die Mitwirkung
versagt habe, als ich Herzog geworden war, es ist nicht wahr, da ich die
Anliegen nicht gehrt habe, es ist nicht wahr, da ich euch unterdrckt habe, es
ist nicht wahr, da ich die Rede und die Mitwirkung der Herren bei der
Verwaltung der Lnder in die Luft gestreut habe. Es sind zu allen wichtigen
Dingen der Lnder die Versammlungen des Rates berufen worden, und es ist in dem
Rate beschlossen worden, und es ist nach dem Beschlusse gehandelt worden. Viele
der Mnner unserer Lnder, die in diesem Saale sitzen, sind in dem Rate
gesessen. Viele sind in dem Rate gesessen, die jetzt in der Verbannung irren,
mithin zu euch gestanden sind, und manche sind in dem Rate gesessen, die auf dem
blutigen Felde der Waffen den Tod gefunden haben. Und wenn ich an dem heutigen
Tage einen Rat halte, und euch zu sprechen erlaube, und euch antworte, da alle
eure Macht und die Macht eurer Anhnger meine Macht ist, um wie viel mehr werde
ich frher des Rates der Meinigen gepflogen haben. Und das habe ich in grerem
Mae getan als ehemalige Herzoge, von denen du gesprochen hast, Wratislaw, und
unter welchen Swatopluk mit dem Hauche seines Mundes ein ganzes Geschlecht
vertilgt hat. Ihr seid aber zu dem Rate nicht gekommen. Ihr habet nicht
Vorschlge an mich geschickt, die das Wohl des Landes betrafen. Ihr habet
Forderungen gestellt, die eure Macht und euren Reichtum vermehren sollten, und
wenn die Forderungen nicht bewilliget werden konnten, so ist auch der Grund dazu
gesagt worden. Auch solche, die in dem Rate saen, haben Forderungen auer dem
Rate gemacht, denen keine Statt gegeben werden konnte. Sie wollten nicht
Mitwirker des Herzoges sein, sie wollten selber der Herzog sein. Der Herzog aber
ist der Vater des Landes, und darf nicht einem Manne, wie hoch er sei, Macht und
Gut zu seiner Lust verleihen, und darf nicht seine Herzogsmacht in fremde Hnde
legen.
    Du hast mir meinen Hof zu Chynow genommen, rief Wratislaw.
    Der Herzog antwortete: Wratislaw, bringe nicht einzelne Dinge in deine
Worte; ber die einzelnen Dinge richten die Hfe, zu denen sie gehren. Du hast
deinen Hof zu Chynow in dem Streite um ihn durch den Spruch des Gerichtshofes
verloren.
    Du bist der Gerichtshof gewesen, rief Wratislaw.
    Das beantworte ich nicht, sagte der Herzog, oder ich mte ber dich ein
Gericht halten lassen, was dem sicheren Geleite zuwider wre, das ich euch
versprochen habe.
    Und wenn du nicht Macht und Gut in die Hnde der Frsten der Lnder und in
die Hnde der hohen Diener der Lnder legen wolltest, rief Wratislaw, so hast
du sie in die Hnde geringerer Leute gelegt. Den niederen Mann Odolen, dessen
Vater nichts ist, und den Knaben Witiko, dessen Herkunft man nicht kennt, welche
beide aber bei Pilsen die hohen Sprossen des Stammes Premysl gedemtigt haben,
hast du zu Macht und Gut und Ehren erhht, da sie den alten treuen Lechen des
Landes ein Widerstreit sind. Odolen wird bermtig werden, und den edeln Shnen
des Landes rgernis geben, und Witiko wird ein Leche werden, das Waldland, das
unter der sanften Hand der Herzoge war, als seinen Hof betrachten, der ihm
Nahrung gibt, und wird es drcken und berauben.
    Odolen, rede, sagte der Herzog.
    Ich rede nicht, antwortete Odolen.
    Witiko, rede, sagte der Herzog.
    Witiko sprach: Ich rede, weil ich allein bei Pilsen eigenmchtig gehandelt
habe, und ich rede aus Achtung vor der Abstammung von dem hochehrwrdigen
Premysl. Wratislaw, ich habe euch bei Pilsen durch einen Fehler gegen die
Oberhoheit des erlauchten Herzoges die Freiheit, die ihr vor der berzahl
unserer Mnner schon verloren hattet, gegeben, um Blutvergieen im Kriege und
anderes Unheil zu vermeiden. Der hohe Herzog hat mir den Fehler in Gnade
verziehen. Welchen Sinn die Frsten, die ich befreit habe, fortan gegen mich
tragen werden, das habe ich damals nicht bedacht. Ob ich das Waldland bedrcken
werde oder nicht, wird in der Zeit bekannt werden. Die Mnner des Waldes sind
durch keine andere Macht mit mir in den Krieg gegangen als durch mein Wort und
ihren guten Willen gegen mich. So wird es bleiben, und sie werden eine Sache
nicht verlassen, wenn ein Unglck kmmt, wie sie von dem Berge Wysoka, auf dem
wir euch nicht besiegen konnten, nach Prag zur Verteidigung des Herzogstuhles
gegangen sind. Wer durch Zwang folgt, verlt im Unglcke den Zwinger, wie
Tausende von Mnnern nach der Schlacht bei Znaim von den Mhrern abgefallen
sind.
    Wladislaw, du hast dem Manne zu reden erlaubt, nicht ich, sagte Wratislaw,
ich spreche daher nur weiter zu dir. Du hast den Jngling Welislaw als Zupan
auf den heiligen Wysehrad gesetzt, wohin ein edler gereifter Sohn des Landes
gehrte.
    Welislaw, rede, sagte der Herzog.
    Welislaw antwortete: Wie Odolen nicht geredet hat, so rede ich auch nicht.
    Ich aber spreche zu dir, Wratislaw, sagte der Herzog. Wie in allen
frheren Zeiten die Herzoge die, welche im Kriege, im Rate und in anderen
Angelegenheiten und Fhrlichkeiten des Landes Dienste getan haben, belohnt
haben, so habe ich die, welche in den schweren Jahren, die jetzt vergangen sind,
ihre Taten in Blut und Gut dargebracht haben, belohnt. Es sind die Hohen und die
Niederen belohnt worden. Es ist gesetzt worden, da Beschwerden in der Sache der
Belohnungen in die Kammer des Herzoges kommen drfen, und da den Beschwerden
abgeholfen werden wrde, so es mglich ist. Es sind nur wenige Einwendungen
gekommen, und diese sind gehoben worden, weil auch die Belohnungen frher in dem
Rate beschlossen worden sind. Du hast wieder von einzelnen Dingen gesprochen,
Wratislaw. Alle einzelnen Dinge sind den Mnnern, die in diesem Saale sitzen,
bekannt. Die Forderungen, welche die Frsten gestellt haben, sind den Mnnern
bekannt, und es ist vor dieser Versammlung alles, was in euern Sachen
aufgeschrieben worden ist, kund gemacht worden. Du hast Beschwerden gegen den
Herzog, weil er der Herzog ist, nicht gemacht. So frage darum ich: Habe ich
unschuldiges Blut vergossen? Habe ich einen Pfennig aus dem Lande gepret? Habe
ich meinem Gerichtshofe die Urteile befohlen? Habe ich das Landesgut
verschleudert? Habe ich der Trgheit gepflogen? Habe ich die Diener der Kirche
und des Landes geschmlert, und gekrnkt?
    Alle schwiegen auf diese Worte des Herzoges.
    Dann sprach der Herzog Wladislaw wieder: Weil wir die Shne des Stammes
Premysl, welche in den Waffen gegen uns gestanden sind, eingeladen haben, zu
kommen, und ihre Klage zu sprechen, und weil sie gekommen sind, und gesprochen
haben: so sagen nun die hohen und die niederen Herren der Lnder Bhmen und
Mhren, welche in diesem Saale versammelt sind, ihre Meinung ber das, was
gesprochen worden ist. Otto, hochehrwrdiger Bischof von Prag, rede.
    Otto, der Bischof von Prag, erhob sich von seinem Sitze, und sprach:
Wladislaw, erlauchter Herzog der Lnder Bhmen und Mhren, du hast einen andern
Weg nach den Herzogskmpfen der Landeskinder gegen die Landeskinder zu wandeln
beschlossen, als manche Herzoge vor dir getan haben. Die Herzoge haben ihre
Sippen, welche gegen sie die Waffen erhoben hatten, um die Nachfolge zu stren,
nach der Besiegung gestraft. Sie muten oft an der Freiheit und oft an ihrem
Leibe ben. Du wolltest deinen Sippen, wenn sie eine hinreichende Beschwerde
haben, Recht widerfahren lassen, und hast deine Herren der Kirche und des Landes
berufen, sie zu hren. Du hast deine Sippen berufen, und hast ihnen zugesichert,
da sie unbeschdigt kommen und wieder gehen drfen. Sie sind gekommen, und
haben gesprochen. Und weil ihre Beschwerden nicht hinreichend sind, so erkenne
ich, da sie gefehlt haben, und da sie dich in der gebhrenden Art um
Verzeihung bitten sollen. Du, hoher Herr, wirst ihnen gndig sein.
    Nach diesen Worten setzte sich der Bischof wieder nieder.
    Der Herzog Wladislaw sprach: Diepold, rede.
    Diepold stand auf, und sprach: Du bist der Herzog der beiden Lnder und der
Wladyk unseres Stammes. Einige deiner Sippen haben die Waffen gegen dich
gekehrt, weil sie ihren Willen gegen den deinigen setzen wollten. Und htten sie
sonst was immer fr Beschwerden, denen man gerecht werden mte, so ist es doch
an dem, da sie ihres Aufruhres willen dich um Verzeihung bitten mssen. Du
wirst mild sein und nicht Rache ben.
    Er setzte sich wieder nieder.
    Der Herzog sprach: Heinrich, rede.
    Heinrich sprach: Sie haben gegen dich, den Herzog und Wladyk, Krieg
gefhrt, und mssen dieser Tat wegen um Verzeihung bitten. Du wirst sie ihnen
aber auch gewi gewhren.
    Dann sprach der Herzog: Silvester, ich habe dich bitten lassen, zu kommen,
sage uns jetzt deine Meinung.
    Silvester stand auf. Sein weier Bart flo auf das Kleid seines Klosters
hernieder, und seine blauen Augen blickten auf die mhrischen Frsten, die auf
ihren Sthlen saen. Einen Augenblick sagte er nichts. Dann aber sprach er:
Hocherlauchter Herr, als dich die Versammlung der hohen und niederen Herren der
Lnder Bhmen und Mhren auf dem Wysehrad zum Herzoge gewhlt hatten, bin ich
der Meinung gewesen, da die Wahl nicht giltig ist, und da du der Herzog nicht
bist, weil in unseren Lndern berall kein Recht vorhanden ist, den Herzog zu
whlen, und weil die hohen und niederen Herren der Lnder Bhmen und Mhren fr
den Tod des Herzoges Sobeslaw schon seinen Sohn Wladislaw als seinen Nachfolger
mit ihrem Eide anerkannt hatten. Als aber Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, sein
Recht aufgegeben und sich unter Konrad von Znaim gestellt hatte, bist du in der
Art der Herzog geworden, wie es alle vor dir seit der Aufhebung des
Altererblichkeitsgesetzes geworden sind, durch die Tatsache und die Macht. Und
es mute so sein, weil sonst so lange kein Herzog mglich wre, als bis ein
Nachfolgegesetz gemacht wird. Alle Guten sind zu dir gegangen, und mein Sinn ist
auch bei dir gewesen. Darum meine ich, da der Krieg deiner Sippen gegen dich,
als ihren Herzog, Aufruhr gewesen ist, und da er Auflehnung gegen dich, als
ihren Wladyk, gewesen ist. Sie mssen daher in der Demut, die in dem Lande
gebruchlich ist, um Verzeihung bitten. Wer deine Handlungen beobachtet hat,
wei, was du tun wirst. Ich danke dir, hocherlauchter Herr, da du mich gerufen
hast, meine Meinung in dieser groen Sache vor dieser hohen Versammlung zu
sagen.
    Nach diesen Worten setzte sich Silvester wieder auf seinen Sitz nieder.
    Hierauf sagte der Herzog: Daniel, Propst von Prag, rede.
    Daniel sprach: Meine Rede ist kurz. Der Aufruhr deiner Sippen gegen dich,
den Herzog und Wladyk, ist da gewesen, und die Sippen sollen in gebruchlicher
Art die Verzeihung erflehen.
    Dann sagte der Herzog: Gezo, Abt von Strahow, rede.
    Gezo, der Abt von Strahow, aber sprach: Ich rede, wie Daniel, der Propst
von Prag, geredet hat.
    Und wie Gezo sprachen auch die andern bte und Priester.
    Und was sprichst du, Bolemil? fragte der Herzog.
    Ich spreche, antwortete Bolemil, machet ein Herzogs-Nachfolgegesetz, und
macht Einrichtungen, da es gehalten werden mu. Jetzt aber ist es das Recht und
der Gang der Dinge wie immer, da deine Sippen deine Verzeihung erflehen.
    Und was spricht Diwis? fragte der Herzog.
    Diwis antwortete: Ich spreche wie Bolemil.
    Und was spricht Lubomir? fragte der Herzog.
    Lubomir antwortete: Ich spreche, da deine Sippen, welche hier vor uns
sitzen, freventlich gegen dich im Aufruhre gewesen sind, weil in den Schriften
und in ihren Worten kein Anla enthalten ist, der sie dazu gezwungen hat. Sie
mssen dich daher um Verzeihung anflehen. Du aber, hoher Herr, sei mild, und
gewhre sie ihnen.
    Und so wie die Mnner, welche von dem Herzoge gerufen worden waren,
gesprochen hatten, so sprachen alle hohen und niederen Herren der Lnder Bhmen
und Mhren, welche in dem Saale versammelt waren. Sie sagten, die Frsten mssen
um Verzeihung bitten. So sagte jeder, und kein einziger sagte das Gegenteil.
    Als alle Mnner ihr Urteil deutlich ausgesprochen hatten, sagte der Herzog:
Ihr habt gehrt, Abkmmlinge des Stammes Premysl, die ihr im Kriege gegen mich
gewesen seid, was die Herren hier gesagt haben. Ich fge nichts bei. Mit dir
aber, Wladislaw, spreche ich noch. Du hast den schwersten Vorwurf gegen mich
erhoben, des Raubes des Herzogstuhles. Dein Vater hat den Vorgang, durch den ich
Herzog wurde, begonnen. Er hat auf dem Tage in Sadska die Herren der Lnder
Bhmen und Mhren veranlasset, da sie schwuren, dich als Herzog zu erkennen,
wenn er gestorben sein wrde. Er hat so fast das Recht, den Herzog zu ernennen,
in die Hnde der Herren gelegt. Und die Herren haben dieses Recht gebraucht, und
haben mich zum Herzoge gewhlt. Sie haben vor der Wahl gesagt, sie htten dich
mit ihrem Eide als Nachfolger anerkannt im offenbaren Sinne, da dein Vater noch
so lange lebe, bis du gereift, und zur Herrschaft unterrichtet bist. Als aber
dein Vater todkrank wurde, ehe sich der Sinn des Eides erfllen konnte, war der
Eid erloschen. Die Herren whlten statt eines Jnglinges, der noch nicht
herrschen konnte, einen Mann, von dem sie vermuteten, er werde es knnen. Ich
zauderte vor der Wahl; aber sie sagten, es sei die Pflicht meines Herzens, da
ich die Herrschaft nehme, und ich nahm sie. Die mich whlten, um in dem Lande
schalten zu knnen, sind im Irrtume gewesen. Und wenn ich damals selbst
unrechtmig Herzog gewesen wre, so ist dein Recht erloschen, Wladislaw, als du
dich Konrad unterworfen hattest, den die, welche an meiner Stelle nicht
herrschen konnten, zum Herzoge gewhlt haben. Und ist dein Recht erloschen, so
ist das meinige auferstanden. So sind die Dinge, Wladislaw, und so hat dein
Vater ahnend vor dem Sterben gesagt: Unterwirf dich Wladislaw, Nacerat wird
gegen ihn nicht siegen.
    Du hast die Macht, und deine Anhnger sagen, du hast das Recht, antwortete
Wladislaw.
    Ich habe zu dir gesprochen, sagte der Herzog.
    Dann rief Wratislaw: Du hast von Schriften geredet, in denen von
Beschwerden zu lesen ist, und welche du den Herren, die hier versammelt sind,
vorgelegt hast. Wer wei es, welche Papiere du gezeigt hast.
    Der Herzog Wladislaw antwortete: Wenn ich htte ungebhrlich handeln
wollen, Wratislaw, htte ich euch nicht hieher berufen, sondern euch blo
verfolgt.
    Und wenn ich zu Grunde gehen und in die Erde versinken sollte, rief jetzt
Wratislaw mit lauter Stimme, so werde ich nicht um Verzeihung bitten.
    Du hast gesprochen, sagte der Herzog, was reden die andern?
    Ich werde nicht um Verzeihung bitten, sagte Konrad.
    Ich werde auch nie deine Verzeihung anflehen, sagte Otto.
    Mir kmmt eine Bitte um Verzeihung nicht zu, sagte Leopold.
    Mir auch nicht, sprach Spitihnew.
    Und da ich zu meinem Vater nicht gesagt habe: Ich unterwerfe mich
Wladislaw, so unterwerfe ich mich auch jetzt nicht, sagte Wladislaw, der Sohn
des vorigen Herzoges Sobeslaw.
    Ihr habt gesprochen, sagte der Herzog Wladislaw, und was ihr tun werdet,
ist eure Sache. Die nicht um Verzeihung bitten, haben noch einen Monat Frist,
und dann knnen sie ungeschdigt dorthin gehen, woher sie gekommen sind.
    Nach diesen Worten schwieg der Herzog eine kleine Zeit, dann wendete er sich
gegen Guido, den Abgesandten des Heiligen Vaters, und sprach: Guido,
hocherhabener Kardinal, hochehrwrdiger Abgesandter des Heiligen Vaters
Innozenz, die Shne dieses Landes haben jetzt eine Sache dieses Landes
abgehandelt. Weil Ihr in das Land gekommen seid, zu schlichten, und zu richten,
ist es Euch genehm, einige Worte zu reden?
    Guido antwortete: Hocherlauchter Herzog, ich werde im Berufe meiner Sendung
meine schwachen Worte verkndigen. Konrad, Wratislaw, Otto, die ihr Macht in dem
Lande Mhren gehabt habet, ihr habt diese Macht gegen die hocherhabene Kirche
und gegen den rechtmigen Herzog gewendet. Es sind rgernisse in die Seelen und
Blutvergieen in die Leiber gekommen. Zur Milderung dient es euch, da ihr
vielleicht nicht wutet, wie gro die Snde ist, die ihr begangen habt; aber so
gro ist sie, da der hochehrwrdige Bischof von Mhren, Zdik, den Bann ber das
ganze Land Mhren in Kraft seiner Apostelswrde aussprechen mute. Ihr habt aber
die Gre eurer Snde nicht erkannt, oder seid halsstarrig geblieben. So gro
ist die Snde, da der Heilige Vater den Bann nicht nur besttigte, sondern ihn
verschrfte. Und ihr seid dennoch in der Snde geblieben. In das dritte Jahr
liegt die Traurigkeit des Bannes auf dem unglcklichen Lande. Alle Seelen, die
nach den Labnissen des Glaubens schmachteten, alle Seelen, die in Wirrsale
gestrzt wurden, alle Seelen, die irrten, und alle Seelen, die durch den Bann
verloren gingen, schreien zu Gott dem Allmchtigen um Shnung gegen die, welche
den Bann verschuldet haben. So gro ist die Snde, da der Heilige Vater in
seiner Erbarmnis eine Sendung in das Land zur Ermahnung, zur Ordnung, zur
Schlichtung, zur Shnung beschlossen, und da er mich geringes Werkzeug dazu
auserkoren hat, der ich aus geistlichem Gehorsame gekommen bin. Ehe ich kam, hat
Gottes Langmut euch schon einen Teil eurer Schuld ben lassen. Ihr seid in dem
Kriege gegen euern rechtmigen Herzog besiegt worden, habt eure Macht und eure
Bezge verloren, und seid in dem fremden Lande in der Verbannung, oder wie
Flchtlinge auf der heimatlichen Erde. Und doch habt ihr nicht erkannt, was
durch euch geschehen ist. Viele Mhsal und viele Worte sind dann um eurer
Erbitterung willen, um eurer Rachsucht willen, um eurer Herrschgierde willen
angewendet worden, und sind vergeblich gewesen. Jahre sind darber hingegangen.
Endlich hat sich Gottes Gte eurer erbarmt, und hat euer Herz erweicht. Ihr und
das Volk habt geschworen, da ihr der Kirche und euerm Bischofe die vllige
Genugtuung geben wollet. Ich bin darauf mit meinem Geleite zu Regimbert, dem
hochehrwrdigen Bischofe von Passau, gegangen, bei welchem euer Bischof Zdik
gewesen ist. Euer Bischof ist mit mir und mit meinem Geleite nach Prag gezogen.
Ihr wisset, er ist hier. Er wollte nicht unter euern Richtern sein, darum ist er
nicht in diesem Saale. Aber vor dieser hohen und ehrwrdigen Versammlung der
mchtigsten und besten Shne der Lnder Bhmen und Mhren, der hchsten Priester
und der hchsten Herren msset ihr euern Schwur verkndigen, und vor dem
Angesichte des hochehrwrdigen Bischofes Zdik mt ihr ihn verkndigen, wenn er
der tiefe, der ernste, der heilige Schwur ist.
    Ich habe nie einen Schwur gebrochen, rief Wratislaw.
    Ich auch nicht, rief Konrad.
    Und so riefen auch die andern.
    Weil es so ist, sagte der Kardinal Guido, so werdet ihr es der
Versammlung und dem Bischofe sagen, da ihr auf das Kreuz des Heilandes
geschworen habt, der Kirche und dem Bischofe von Mhren die vllige Genugtuung
zu leisten. Und ich bitte dich, Konrad, rede.
    Konrad stand auf, und sprach: Weil Ihr bittet, hocherhabener Kardinal, so
sage ich: Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche und dem
Bischofe von Mhren die vllige Genugtuung zu leisten.
    Dann sprach Guido: Ich bitte dich, Wratislaw, rede.
    Wratislaw stand auf, und sprach: Wenn Ihr nicht eine Bitte getan httet,
hocherhabener Kardinal, htte ich nicht geredet, so aber sage ich: Ich habe auf
das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche und dem Bischofe von Mhren die
vllige Genugtuung zu leisten.
    Dann sprach Guido: Ich bitte dich, Otto, rede nun auch du.
    Otto stand auf, und sprach: Aus dem Grunde Eurer Bitte, hocherhabener
Kardinal, sage ich: Ich habe auf das Kreuz des Heilandes geschworen, der Kirche
und dem Bischofe von Mhren die vllige Genugtuung zu leisten.
    Ihr habt nun vor dieser hohen Versammlung gesprochen, sagte der Kardinal
Guido, es ist nun brig, da ihr auch in der Versammlung vor dem
hochehrwrdigen Bischofe sprecht, und ich bitte euch darum.
    Weil ich schon geschworen habe, so bin ich der Mann, da ich es sage,
sprach Wratislaw.
    Ich rede auch so, sprach Konrad.
    Und meine Worte sind die nmlichen, sprach Otto.
    Nachdem die Frsten von Mhren diese Worte gesprochen hatten, wurden die
Flgel einer Tr geffnet, und im Geleite mehrerer Priester ging Zdik, der
Bischof von Olmtz, in seinem bischflichen Gewande und mit dem goldenen Kreuze
in den Saal. Er setzte sich auf einen Stuhl, der neben Otto, dem Bischofe von
Prag, fr ihn in Bereitschaft stand.
    Als dieses geschehen war, sprach Guido, der Kardinal: Zdik, hochehrwrdiger
Bischof von Olmtz, Bischof des Landes Mhren, die Sprossen des hohen Stammes
Premysl, welche gegen die Kirche in Mhren und gegen dich gefehlt haben, sind
des Fehls gestndig und reuig, und haben auf das Kreuz des Heilandes geschworen,
der Kirche und dir die vllige Genugtuung zu leisten. Ist es nicht so? Ich bitte
dich, Konrad, rede.
    Es ist so, sagte Konrad.
    Ich bitte dich, Wratislaw, sprich, sagte Guido.
    Es ist so, sprach Wratislaw.
    Ich bitte dich, Otto, rede, sagte Guido.
    Es ist so, sagte Otto.
    Dann sprach Guido, der Kardinal: Leopold, Spitihnew, Wladislaw, ihr seid
nicht mit einem groen Lnderbesitze in Mhren sehaft gewesen, und habt der
Kirche und dem hochehrwrdigen Bischofe nicht Einknfte, Pfrnden und Gter
entzogen; aber ihr habt sonst gegen die Kirche und gegen den hochehrwrdigen
Bischof gefehlt, und habt auf das Kreuz des Heilandes den Schwur abgelegt, jede
christliche Genugtuung, die ntig ist, der Kirche und dem Bischofe zu leisten.
Ich bitte euch, saget dem hochehrwrdigen Bischofe vor dieser hohen Versammlung,
da ihr so geschworen habt.
    Ich habe so geschworen, sagte Leopold.
    Ich habe so geschworen, sagte Spitihnew.
    Ich habe so geschworen, sagte Wladislaw.
    Darauf sprach Guido: Und was ihr alle geschworen habt, wird geschehen. Der
hochehrwrdige Bischof wird in das Land Mhren zurckkehren, ich werde in seinem
Geleite sein, und die Genugtuung wird vollzogen werden.
    Nach diesen Worten stand Zdik, der Bischof von Olmtz, auf, und sprach: Ich
werde in Ehrerbietung, hocherhabener Kardinal, wenn Ihr wieder mein Kirchenland
besuchen wollet, ein Diener in Euerm Gefolge sein. Und wenn die Genugtuung
geschehen ist, Shne des Stammes Premysls, so soll das Vergangene vergessen
sein, ich werde mit denen, die im Lande sind, in christlicher Demut leben, und
die nicht in dem Lande sind, werde ich segnen, und werde fr sie beten.
    Er setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl nieder.
    Darauf sprach Guido, der Kardinal: Und nun hret mich weiter, Sprossen des
Geschlechtes Premysl. Ich rede jetzt als Christ, ich rede als Priester, ich rede
als Abgesandter des Stuhles der Menschheit, und ich rede mit der Zunge der
Barmherzigkeit des Heiligen Vaters. Und was ich sage, gilt, welchem Lande ich
immer angehre, und welchem Lande ihr angehret. Wenn ihr durch Reue, Bue und
Genugtuung euch mit der Kirche und dem Bischofe von Mhren ausgeshnt habt, so
ist eure Snde noch nicht getilgt. Ihr habt auch gegen euren rechtmigen Herrn,
den Herzog von Bhmen und Mhren, gefehlt, da ihr mit den Waffen gegen ihn
gestanden seid, da ihr das Blut der Seinen vergossen habt, und da ihr ihn
gezwungen habt, das Blut der Eurigen zu vergieen. Ihr habt eine schwere Snde
gegen den heiligen Glauben begangen, der sagt, da ihr der Obrigkeit gehorchen
sollet, und der sagt, da ihr nicht tten sollet. Ihr habet die Snde der
hoffrtigen Engel begangen, ihr habet die Snde Kains begangen. Und wie heilig
und wie gro der Glaube ist, gegen den ihr gesndiget habt, soll ich euch das
sagen? Haben es nicht die weisesten Mnner aller Lnder, haben es nicht die
Mnner, die wie eine Sonne unter den Vlkern leuchteten, haben es nicht die
Mnner, welche von der ganzen Menschheit verehrt wurden, gezeigt? Haben sie
nicht mit ihrem Leben nach dem Glauben gerungen, durch den der Mensch zu Gott
gelangt, und ohne den er nichts ist? Ich rede nicht von den Apostelmnnern
Cyrillus und Methodius und ihren unsglichen und unablssigen Bemhungen, mit
denen sie bestrebt waren, dem Lande Mhren den Glauben zu geben, ich rede nicht
von den tausend Martyrern, die in allen Teilen der Welt zu allen Zeiten fr den
Glauben gestorben sind, ich rede von den Heiligen des Landes Bhmen und von
Mnnern des Landes Bhmen. Der heilige Wenzel, Herzog von Bhmen, baute die
Kirche des heiligen Veit, und legte in sie einen Arm des heiligen Veit nieder,
er grndete andere Kirchen, er tat demtig Dienste bei den gottesdienstlichen
Handlungen, er betete in hrenem Gewande, er fastete, und gab Almosen, und starb
den Tod des Martyrers fr den Glauben. Der heilige Adalbert ging in geringen
Gewndern, und a und trank nur zur Notdurft, und verwendete seinen Reichtum fr
den Glauben, er lebte nach den Vorschriften des Glaubens, und gab den Armen
einen Teil seiner Einknfte. An jedem Feiertage gab er den Bettlern groe
Almosen, an jedem Tage hatte er zwlf Arme bei sich, denen er in Erinnerung an
die zwlf Apostel Speise und Trank reichte. Er ging in Mhsal in fremde Lnder,
den Glauben zu predigen, und litt dort den Tod fr den Glauben. Und wie hoch
haben die Menschen den heiligen Adalbert geehrt. Da der Frst Bretislaw vor mehr
als hundert Jahren von dem Kriege gegen Polen mit seinem Heere zurckkehrte, und
die Nachricht sich erhob, da er den Leichnam des heiligen Adalbert aus der
Stadt Gnesen, dem Sitze der polnischen Frsten, bringe, zog die ganze
Priesterschaft von Prag und alles Volk dem Heere entgegen, da das breite Feld
am Bache Rokytnice die Menge der Menschen nicht fate. Dann trugen der Herzog
Bretislaw und der Bischof von Prag auf ihren Schultern den Schrein, in welchem
der Leichnam des heiligen Adalbert war. Nach ihnen kamen die bte, und trugen
die irdischen berreste der fnf heiligen Einsiedler, die zur Zeit des
polnischen Boleslaw den Martyrertod erlitten hatten. Dann trugen Erzpriester der
Kirche von Prag den Leichnam Radims, des Bruders des heiligen Adalbert, welcher
der erste Erzbischof von Gnesen gewesen war. Dann kamen die Kleinode, die zu
Adalberts Grab gehrt hatten, das hinter dem Altare der Kirche zu Gnesen gewesen
war. Zwlf Priester trugen das goldene Kreuz, das der polnische Boleslaw hatte
machen lassen, dreimal so schwer als er selber. Dann wurden drei goldene Tafeln
getragen, die den Altar in Gnesen umgeben hatten, davon die grte dreihundert
Pfund wog, und mit edlen Steinen besetzt war. Dann kam das Heer, und es kamen
alle Menschen. Zuletzt gingen hundert Wgen, welche die Beute fhrten, und es
gingen die Gefangenen. Sie gingen zuletzt, weil sie nicht zu der Verherrlichung
Adalberts gehrten. Prag hat nie einen solchen Tag gesehen. Ich spreche weiter
von andern Mnnern. Der Bischof Izzo besuchte eifrig die Gefangenen und Kranken,
und speisete tglich vierzig Arme, denen er den Tisch segnete, und denen er die
Speisen und Getrnke austeilte. Der Herzog Spitihnew wohnte in der Fastenzeit in
dem Priesterhause zu Prag, in ein Priestergewand gekleidet. Er schwieg von der
ersten Abendstunde bis zu der ersten Morgenstunde, er brachte den Vormittag in
geistlichen Dingen, beim Gottesdienste, in Almosengeben, in Wachen und Beten zu,
und erst nach dem Mittagmahle bte er die weltlichen Geschfte. Der Bischof
Jaromir ging in der Fastenzeit in jeder Nacht in grobe Leinwand gekleidet in die
Kirche, und betete dort auf dem Pflaster. Und in jeder Nacht teilte er vor den
Psalmen und nach den Psalmen, und nach der Frhmesse, die noch in der Nacht war,
vierzig Laibe Brod und vierzig Heringe aus, und bei der Morgendmmerung wusch er
zwlf Pilgern die Fe, und gab jedem einen Denar, und am Mittage a er mit
vierzig Armen. Und zu jeder andern Zeit des ganzen Jahres wurden tglich vierzig
Arme in dem bischflichen Hause gespeiset, und zweimal im Jahre gekleidet. Der
Herzog Sobeslaw und seine Gattin Adelheid stifteten und hielten noch bei der
Zeit ihres Lebens ihr Totenjahresgedchtnis. Es wurde eine Woche von
Allerheiligen an mit Gottesdienst, Beten, Fasten, Almosen von dem Herzoge und
der Herzogin und den Priestern und Nonnen Prags gefeiert, und am letzten Tage
hielt der Herzog mit den Priestern ein festliches Mahl in dem Priesterhause des
Wysehrad. Soll ich euch noch sagen, was die erlauchten Herzoge von Bhmen und
Mhren fr den Glauben und die Kirche gestiftet und getan haben? Ihr wisset
dieses alles ohnehin. So hoch haben solche Mnner den Glauben geachtet. Du,
Wratislaw, wirst in dieser Welt nicht zu Grunde gehen, und wirst nicht in die
Erde versinken, wenn du fr die Snde gegen den Herzog nicht Bue tust; aber du
wirst in jener Welt ewig verdammt sein. Und wie die Freude kein Auge gesehen,
und kein Ohr gehret, und wie sie in keines Menschen Herz gekommen ist, die Gott
denen bereitet hat, die ihn lieben: so hat die Strafe kein Auge gesehen, kein
Ohr gehret, und sie ist in keines Menschen Herz gekommen, welche die trifft,
die seine Gebote verachten. Und von allem Fehler mu man sich reinigen, zur
Zerknirschung, zur Reue, zur Bue, zur Genugtuung mu man kommen, wenn man zu
dem Vater in dem Himmel eingehen will. Der Heiland hat gesagt: Ich bin
sanftmtig und von Herzen demtig. Der Heiland hat gesagt: Wer in das
Himmelreich eingehen will, nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Der
Heiland hat gesagt: Wenn ihr nicht unschuldig werdet wie diese Kleinen, werdet
ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Nicht nur um Verzeihung mut du wegen der
Snde gegen den Herzog bitten, Wratislaw, du mut Reue fhlen, du mut Bue
ben, du mut Genugtuung leisten, und mut alles das Gott opfern in der Liebe zu
Gott. So habe ich zu dir gesprochen, so habe ich zu denen gesprochen, die gegen
den Herzog gesndiget haben. Bedenket es, und denkt an den Glauben.
    Nach diesen Worten schwiegen alle in der Versammlung, und es schwiegen die
Abkmmlinge Premysls, an welche die Worte gerichtet gewesen waren.
    Nach einer Zeit sprach der Herzog: Hocherhabener Kardinal, Ihr habt geredet
in den Sachen des heilgen Glaubens, und fr den heiligen Glauben. Wir haben
gehret. Und wie wir Euch danken fr alles, was Ihr schon in unseren Lndern
geredet und getan habt, und wie wir auch danken werden fr das, was Ihr noch
reden und tun werdet: so danken wir Euch fr diese Worte.
    Otto, der Bischof von Prag, stand auf, und sprach: Wir danken demtig und
ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale, dem Abgesandten des Heiligen Vaters.
    Und alle Mnner in der Versammlung erhoben sich, und sagten: Wir danken
demtig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale, dem Abgesandten des
Heiligen Vaters.
    Der Herzog sprach hierauf: Und nun rede ich zu euch, ihr hohen Herren der
Kirche, Priester der Kirche, Sprossen Premysls, hohe und niedere Herren der
Lnder Bhmen und Mhren. Weil wir zu Ende gefhrt haben, weshalb wir in diesem
Saale versammelt waren, so danke ich euch, und verabschiede euch. Und wenn
kleinere Rattage sind, so werden wir in dieser Zahl, und noch um Tausende
vermehrt zusammen kommen, wenn die Kirche des heiligen Veit eingeweiht wird, die
hergestellt ist, und in der der Gottesdienst beginnt. Und so gehabt euch wohl.
    Die Versammelten blieben noch sitzen.
    Dann stand Guido, der Kardinal, auf, und sagte zu dem Herzoge Wladislaw:
Sei gesegnet, Sohn der Kirche.
    Wladislaw stand auf, und entblte sein Haupt.
    Dann sprach Guido, der Kardinal, zu den Versammelten: Seid gesegnet, Shne
unseres Glaubens.
    Die Versammelten standen alle auf, und entblten ihre Hupter.
    Dann sagten der Herzog und der Kardinal einander die Abschiedsgre, und
jeder von ihnen ging mit seinem Gefolge bei einer andern Tr hinaus.
    Die Mnner, welche versammelt gewesen waren, zerstreuten sich jetzt auch von
ihren Sitzen, und verlieen den Saal.
    Die mhrischen Frsten gingen auch bei einer Tr hinaus.
    Von dem Tage an waren nun viele Versammlungen der hohen Herren der Kirche,
zu denen auch Rte und Hofherren des Herzoges und Lechen und Herren des Landes
geladen wurden. Es war an dem, da kein Priester fortan mehr in der Ehe leben
sollte, und der eine Gattin hatte, sollte sich von ihr trennen, oder seine Wrde
verlassen. Dann sollten die beiden Bischoftmer Bhmen und Mhren in einzelne
stndige Pfarreien eingeteilt werden, und jeder Priester sollte die Weihe nur
fr eine voraus besagte Pfarre erhalten. Die heidnischen heiligen Haine und
Bume, Feste auf den Grbern, Wahrsagerei und Zauberei sollten aufhren, und es
sollten die christlichen Sonntge und Feiertge und Festtge gehalten werden.
Guido beriet mit den Kirchenherren die Mittel dazu. Es kamen nun aus vielen
Gegenden Pfarrer und Priester, und selbst solche, die nur unvollkommene Weihen
erhalten hatten, und der Kardinal Guido sprach mit einem jeden von ihnen. Er
lie auch manche berufen.
    Zu dem Rate ber das mittgliche Waldland wurde auch Witiko, und es wurden
die anderen Herren und Mnner des Waldes geladen. Als Witiko gefragt wurde, wie
es in dem Walde sei, sprach er: Hocherhabner Herr Kardinal, erlauchter Herzog,
hohe Herren der Kirche, und Herren des Landes. Was ich sage, habe ich selber
erfahren, und es hat mir ein frommer Priester, Benno von Pric, der mein gtiger
Lehrer und Erzieher war, davon erzhlt. In dem Walde an der jungen Moldau ist
das Christentum viel frher gewesen als in den andern Teilen des Landes.
Gotterfllte Einsiedler haben hin und hin in dem Walde gelebt, und haben die
Andacht des Glaubens gebt. Ihr Glcklein und die Sage von ihnen rief Menschen
herbei, und diese beteten mit, und wurden in dem Glauben belehrt, und breiteten
ihn aus. Und aus mancher Siedelei ist eine Kirche geworden. Bei jeder Kirche und
bei jedem Kirchlein, wenn es auch nur von Holz ist, besteht ein stndiger
Pfarrer. Und da die ersten Priester die Siedler gewesen sind, so hat nach ihrem
Brauche keiner, der auf sie gefolgt ist, ein Weib genommen. In der sehr alten
Zeit aber, da noch das Heidentum in all den Lndern um uns gewaltet hat, da ist
der Wald an der jungen Moldau so gro und so unwirtlich gewesen, da keine
Menschen in ihm gewohnt haben. Es sind also dort wenige Heiden gewesen, und
wenige Gewohnheiten aus dem Heidentume brig geblieben. Die Pfarrer streben, sie
auszurotten, da sie dieselben verbieten, und mit kirchlichen Strafen belegen,
und da sie die Kinder belehren, da mit den alten Leuten die Gewohnheiten
aussterben. Und wir alle sollten, wie wir es verstehen, mit den Pfarrern dazu
wirken. Und die Herren im Walde tun es auch, und ich werde es tun. Die Kirchen
sind noch sehr weit von einander entfernt; es werden aber neue, wo Menschen an
einer Stelle sich mehren, und ich werde im Walde bei meinem Hause eine Kirche
errichten, sobald ich es tun kann.
    Was Witiko gesagt hatte, sagten auch Rowno und Diet und Hermann und die
andern. Und der Zupan Lubomir sprach auch so, der einen Teil des Waldes
beherrschte.
    Und nach den Sachen des Glaubens sollten auch noch Dinge ber die
Besitztmer der Kirche oder Streitigkeiten darber geschlichtet werden,
insonderheit der alte Streit zwischen den Bischfen von Prag und Olmtz ber
Podiwin.
    Guido hatte manche Zusammenknfte mit den mhrischen Frsten.
    fter war auch Rat bei dem Herzoge.
    Als vierzehn Tage seit der groen Versammlung vergangen waren, geschah die
Einweihung der Kirche des heiligen Veit.
    Der Herzog Wladislaw kam an dem Festtage mit dem Gefolge aller seiner
Hofherren und der Lechen und Fhrer und Herren der Lnder Bhmen und Mhren vor
die Kirche. Die Herzogin kam mit ihren Frauen. Guido kam mit seinem Geleite. Es
kamen Otto, der Bischof von Prag, Zdik, der Bischof von Olmtz, und Daniel, der
Propst, und die Erzpriester und Priester von Prag und die bte der Klster, und
die Nonnen, und die Prpste und Priester und Pfarrer aus vielen Teilen der
Lnder, und selbst aus der Fremde. Es kam ein Teil der Krieger Wladislaws, und
es kam unzhliges Volk. Mehr als tausend Scharen von Menschen sind von allen
Seiten der Lnder Bhmen und Mhren zu dem Feste der heiligen Kirche Bhmens
gekommen. Die Herbergen hatten sie nicht gefat, und sie lagerten unter dem
freien Himmel.
    Auf einem Platze abseits der Kirche, der mit unbehauenen Schranken umgeben
war, knieeten mit entbltem Haupte, mit bloen Armen, mit nackten Fen und in
Gewnder von grober Leinwand gekleidet, Konrad, Wratislaw, Otto, Leopold,
Spitihnew und Wladislaw, die Sprossen aus dem Stamme Premysls.
    Die Weihe der ueren Teile der Kirche wurde begonnen.
    Alle, die vor ihr waren, knieeten in Andacht auf die Erde nieder. Es knieete
der Herzog mit den Seinigen, die Herzogin mit den Frauen, alle Priester, die
nicht bei der heiligen Handlung mitwirkten, und alle anderen. Es war der ganze
Berg mit knienden Menschen voll.
    Unter den Frauen der Herzogin knieete Dimut, und betete. Sie war in ein
schwarzes Gewand gekleidet, und ihre Augen waren gegen die Erde gewendet.
    Da die Heiligung vor der Kirche vollendet war, wurden ihre Tore geffnet,
und die Priester und der Herzog und die Herzogin und die Hofherren und die
Herren der Lnder und Krieger und Volk gingen in dieselbe.
    Die mhrischen Frsten blieben auf ihrem Platze knien, da sie nicht in die
Kirche gehen durften, weil sie in dem Banne waren.
    In der Kirche wurde die Weihe ihrer inneren Teile begonnen, und dann war ein
feierlicher Gottesdienst. Nie waren so viele und so hohe Kirchenherren bei einem
Feste zugegen. Die Kirche war mit Menschen erfllt. Und die Menschen vor der
Kirche knieeten dicht an einander, und weit ber den Berg knieten sie, und
manche warfen sich auf die Erde, und beteten und weinten.
    Als die Feier in der Kirche vollendet war, ging der Zug des Herzogs, der
Herzogin, des Hofes, der kirchlichen Herren und der Herren der Lnder wieder aus
der Kirche.
    Da der Zug an den mhrischen Frsten vorber ging, lagen diese mit ihren
Angesichtern auf der Erde. Manche Menschen, die vorber gingen, weinten.
    Die Herzogin Gertrud sagte zu ihren Frauen: Das sind Sprossen des ersten
Geschlechtes des Landes.
    Dimut antwortete darauf: Gott ist allmchtig und herrlich. Er hat mir die
Worte eingegeben, die ich im Kampfe gesagt habe: Unsere Heiligtmer sind nicht
verloren, wir werden sie wieder aufbauen, und sie werden schner sein als
frher, und hilfreich und gnadenreich. Und die an ihnen gefrevelt haben, werden
mit zerrauften Haaren und mit entbltem Armen auf der Erde liegen, und den
Himmel um Barmherzigkeit anflehen. Und so ist es in Erfllung gegangen.
    Der Herzog, die Mnner der Kirche und des Landes, die Krieger und andere
gingen an den Frsten vorber.
    Dann verflo eine Stunde.
    Nach derselben sa der Herzog Wladislaw in dem Schmucke des herzoglichen
Gewandes mit Kleinodien und Gold und Edelsteinen geziert auf dem Herzogstuhle
vor der Hofburg. Der Kardinal Guido sa auf einem Throne, der fr ihn errichtet
worden war. Die Bischfe, bte, Erzpriester, Prpste und Priester und die
Hofherren und die Lechen der Lnder und die Fhrer des Heeres und Wladyken und
Herren der Zupen standen um den Herzogstuhl und um den Thron, und hinter ihnen
rings um sie war Volk, da ein Mensch an den andern festgedrckt war. Die
Herzogin sa in ihrem Schmucke mit ihren Frauen auf dem Sller, und auf anderen
Sllern waren andere hohe Frauen mit ihren Gefolgen.
    Es wurde nun mit Mhe in der Menge der Menschen eine Gasse gemacht, und
durch diese Gasse gingen die mhrischen Frsten vor den Herzogstuhl. An den
Seiten jedes Frsten gingen zwei Mnner, und hielten zwei Schwerter ber dem
bloen Haupte des Frsten gekreuzt. Als die Frsten auf den freien Raum vor dem
Herzogstuhle gekommen waren, knieeten sie in den Sand nieder, und hoben die
Hnde der nackten Arme aus der groben Leinwand empor. Die gekreuzten Schwerter
wurden ber ihren Huptern gehalten.
    Die Menschen waren alle still.
    Da rief Konrad die Worte: Ich, Konrad, der Sohn Liutolds, aus dem Stamme
Premysl, bereue die Snde, welche ich durch den Kampf gegen den rechtmigen
Herzog von Bhmen und Mhren, Wladislaw, begangen habe, ich tue Bue, will
Genugtuung leisten, und bitte den hocherlauchten Herzog und Herren des Stammes,
da er mir verzeihe, wie mir Gott verzeihen mge.
    Dann rief Wratislaw: Ich, Wratislaw, der Sohn Ulrichs, aus dem Stamme
Premysl, bereue die Snde, welche ich durch den Kampf gegen den rechtmigen
Herzog von Bhmen und Mhren, Wladislaw, begangen habe, ich tue Bue, will
Genugtuung leisten, und bitte den hocherlauchten Herzog und Herren des Stammes,
da er mir verzeihe, wie mir Gott verzeihen mge.
    Und Otto, und Leopold, und Spitihnew und Wladislaw riefen nach einander die
nmlichen Worte.
    Als sie geendigt hatten, schwieg der Herzog eine kleine Zeit, und das Volk
sah auf ihn.
    Da ffnete er den Mund, und rief: Entfernet die Schwerter.
    Die Schwerter wurden entfernt.
    Dann rief der Herzog: Stehet auf.
    Die Frsten erhoben sich, und standen aus dem Sande auf.
    Dann rief der Herzog: Empfindet die Reue, tut Bue, und leistet Genugtuung
vor Gott dem Richter, und er wird euch durch den Mund der Kirche verzeihen. Ich
verzeihe euch, und verlange keine andere Genugtuung als knftig Treue gegen
mich. Konrad, ich setze dich in dein Besitztum Znaim mit allen Gebhren und
Bezgen wieder ein, wie es vor dem Kriege gewesen ist. Wratislaw, ich setze dich
in dein Besitztum Brnn mit allen Gebhren und Bezgen wieder ein, wie es vor
dem Kriege gewesen ist. Otto, ich setze dich in dein Besitztum Olmtz mit allen
Gebhren und Bezgen wieder ein, wie es vor dem Kriege gewesen ist. Leopold,
Spitihnew und Wladislaw, ich setze euch in alle eure Bezge und Gebhren wieder
ein, wie sie vor dem Kriege gewesen sind, und will sie vermehren. Jetzt gehet in
eure Herbergen, kommt dann wieder, und teilet heute mein Brod mit mir an meinem
Tische.
    Und wie es stille gewesen war, da man die Worte aus dem Munde des Herzoges
wie eine Glocke in klarer Luft vernommen hatte, so wurde jetzt ein Schrei, der
durch die Wolken des Himmels drang. Nach dem Schrei kamen die Worte: Heil,
Segen, Glck, Freude Wladislaw, dem guten Herzoge.
    Wladislaw, dem guten Herzoge, tnte es immer fort, und Glck, Segen,
Heil tnte es fort.
    Frauen und Mdchen aus dem Volke lsten Schleifen oder Blumen aus ihren
Gewndern, lieen sie durch Mnner vorwrts geben, und vor den Herzogstuhl zu
den Fen des Herzoges werfen. Mnner nahmen nun Federn oder Bnder oder anderen
Schmuck von ihren Hauben und lieen sie auch vor die Fe des Herzoges legen.
    Der Herzog winkte mit der Hand, und dankte mit der Hand.
    Dann erst konnten die Frsten reden.
    Konrad sprach: Ich hoffe, da mir Gott verzeihen wird, ich danke dir,
hocherlauchter Herzog, fr deine Verzeihung, und ich werde dir treu sein, so
lange ich lebe.
    Wratislaw rief: Gott wird mir vergeben, wie mir der hohe Herzog vergeben
hat, dem ich treu sein werde durch mein ganzes Leben.
    Und solche Worte riefen die brigen Frsten einer nach dem andern.
    Dann tnte wieder ein Rufen des Volkes.
    Dann sagte Wladislaw: Seid treu, und wir gedenken alle in der Zukunft des
heutigen Tages.
    Die Frsten wendeten sich zum Gehen. Das Volk machte ihnen eine Gasse. Sie
gingen in dieselbe, die Gasse schlo sich hinter ihnen wieder, und sie waren
nicht mehr zu sehen.
    Der Herzog stieg von dem Herzogstuhle, so stieg auch Guido von dem Throne,
und beide und alle hohen und niederen Herren der Kirche und der Lnder gingen
der Hofburg zu. Da der Zug sich gegen die Burg bewegte, stimmte das Volk das
Landeslied an, und der Gesang dauerte noch fort, da der Zug schon in die Burg
eingegangen war.
    Die Menschen zerstreuten sich. Viele gingen in die Kirche des heiligen Veit,
die Kirche leerte sich nicht; wenn einige gingen, kamen wieder andere. Aus der
Hofburg kam ein Mann, die Schleifen, die Bnder, die Strue, die Zierden, die
man vor den Herzogstuhl geworfen hatte, zu sammeln, und in die Burg zu tragen.
    Als der Mittag gekommen war, wurde ein Mahl in dem Herzoghofe gehalten. Die
Zahl der Gste war so gro, da in dem Saale und in vielen Gemchern die Tische
standen. Die Herren der Kirche waren in ihrer hchsten Zierde bei dem Mahle. Der
Herzog und die hohen und niederen Herren der Lnder hatten ihren grten
Schmuck, und die Frauen und Jungfrauen prangten in den auserlesensten Gewndern
und Kleinodien. Die Frsten von Mhren saen in Sammet und Seide, in Gold und
Edelsteinen in der Nhe des Herzoges auf Ehrenpltzen. Posaunen und Flten und
Pfeifen erschallten zuweilen von den inneren Sllern, und zuweilen tnten von
auen herein Gesnge.
    Als das Mahl geendiget war, versammelten sich die Gste in verschiedenen
Abteilungen und sprachen mit einander, oder sie wandelten redend in
verschiedenen Richtungen in den Gemchern.
    Wratislaw kam mit dem Herzoge gegen Witiko, reichte ihm die Hand, und sagte:
Witiko, da du uns verchtlich entrinnen lieest, hat mich mehr gekrnkt als
die tollen Worte des wilden Odolen. Rede nicht, du hast klug und rechtlich
gehandelt. Wir haben Konrad geraten, die Belagerung aufzugeben. Wenn du ein
Leche wirst, wie ich sagte, so wnsche ich dir alles Glck, du wirst ein
hochgesinnter.
    Witiko, sprach der Herzog, der Bund ist grer geworden, wie du in dem
Lager in meinem Zelte damals zu mir geredet hast. Und dir, Wratislaw, sage ich,
da er mir an jenem Abende gestanden hat, da er auch die Shne Premysls vor
Rache und Unbill habe sichern wollen.
    Ich wute es, sagte Wratislaw, und wenn uns Demtigung wurde, so haben
wir die Demtigung gesucht. Wir konnten auf Feinde treffen, die anders gewesen
wren. Wenn du nach Brnn kommst, so stehen dir die Tore der Burg offen, und es
wird sie ehren, wenn du eingehst.
    Und wenn wir alle, die jetzt vereint sind, in deine Nadelwlder jagen
kommen, wie wir bei Chynow versprochen haben, sagte der Herzog, so wirst du
uns Herberge und Bewirtung geben.
    Ich kann auch ein Stcklein Brod und ein Pltzchen in dem Hause geben, das
ich durch deine Gnade habe, hocherlauchter Herzog Wladislaw, antwortete Witiko.
Und was ich getan habe, erlauchter Herzog Wratislaw, das habe ich getan, weil
es so in meinen Sinn geflogen ist. Wenn ich nach Brnn komme, werde ich nicht
versumen, dir meinen Ehrfurchtsgru zu bringen.
    Alle Menschen handeln, wie es in ihren Sinn fliegt, sagte der Herzog,
aber die Sinne sind verschieden. Wir werden einmal mit Absicht nach Brnn
gehen, und dann gehst du mit, Witiko; aber nimm ein anderes Tier, als das nur im
Schritt geht.
    Einmal ist es schneller gewesen, sagte Witiko.
    Von dem reden wir jetzt nicht mehr, sagte der Herzog.
    Da sie noch sprachen, kamen auch Otto und Wladislaw herzu, und sprachen mit.
Sie wendeten sich dann gegen Witiko, und dankten ihm, wie er bei Pilsen gegen
sie gewesen ist, und Wladislaw dankte ihm, da er ihn gegen Odolen geschtzt
habe.
    Der Herzog und die Frsten trennten sich nach diesem Gesprche von Witiko.
    Nach einer Zeit kam Zdik, der Bischof von Olmtz, zu Witiko und sagte:
Edler Waldherr, du suchest ja deine Freunde nicht, sie suchen dich. Erinnerst
du dich noch, wie Regimbert, der Bischof von Passau, gesagt hat: Die Wilden
werden Lmmer werden? Seine Worte sind in Erfllung gegangen. Aber es ist ein
starker Hirte gewesen, vor dem sie Lmmer geworden sind. Guido hat mehrere Jahre
mit Mhsal gearbeitet. Die Shne Premysls haben heute einen Sieg errungen, der
der grte ist, den sie erringen knnen, und den ein Mensch erringen kann. Das
Volk und alles Land hat gesehen, da ein Herr in dem Himmel ist, und die Erde
Staub, in den er den Snder wirft. Und das Volk und alles Land hat gesehen, da
ein Herr in dem Himmel ist, der den Snder, wenn er Bue getan hat, erhebt; er
hat ihm durch die Kirche verkndigt, da ihm verziehen ist, und er hat das Herz
des Herzogs Wladislaw erweicht, da er das Unrecht vergessen mute.
    Die Frsten werden jetzt wohl treu sein, sagte Witiko.
    Sie werden treu sein, antwortete Zdik. Sie haben bereut, und haben den
Brauch der Kirche und des Landes auf sich genommen. Und wenn sie ihre Reue
vergessen sollten, so ist die Macht des Herzoges Wladislaw jetzt schon zu gro,
und sie wird noch grer werden, als da sie etwas gegen sie ersinnen knnten.
    Der Herzog Wladislaw hat jetzt den freien Weg vor sich, sagte Witiko.
    Das Unglck, welches der hochehrwrdige Bischof Silvester geahnt hat,
erwiderte Zdik, und von welchem der edle Leche Bolemil gesprochen hat, ist
eingetroffen, und ist berwunden worden. Jetzt wird das Gute kommen, welches die
voraus gesehen haben, die deshalb die Wahl Wladislaws gefrdert haben.
    Er bt Gerechtigkeit, und ist gut, sagte Witiko.
    Wir wissen alle noch nicht, was werden wird, sagte Zdik; aber es wird
etwas werden. Er wird den Glauben schtzen, er wird die Bsen niederhalten, wird
sorgen, da alle ihren Bedarf stillen knnen, und wird unser Ansehen mit dem
Ansehen anderer Lnder verknpfen.
    Er wird unser Ansehen in ferne Reiche tragen, sprach Witiko.
    Auch das kann geschehen, antwortete Zdik, und mge ihm dann Treue und
Freudigkeit der Seinen zur Seite stehen.
    Er ruft die Treue und Freudigkeit hervor, sagte Witiko, und sie werden
ihm in der Zeit nicht fehlen.
    So ist es, entgegnete Zdik. Witiko, der hocherhabene und milde Kardinal
Guido ist in Passau gewesen, und der hochehrwrdige Bischof Regimbert und ich
haben ihm von dir erzhlt. Er hat gesagt, da ich dich heute zu ihm fhren soll.
Folge mir.
    Ich folge Euch, sagte Witiko.
    Zdik fhrte Witiko an vielen Menschen vorber in ein Gemach. In demselben
sa der Kardinal auf einem Stuhle, und viele Menschen waren um ihn: die Herren
der Kirche, Priester und andere. Witiko mute warten, weil mehrere da waren, mit
denen der Kardinal reden sollte. Als diese Reden geendiget waren, fhrte Zdik
Witiko an der Hand dem Kardinale nher. Der Kardinal sah es, und winkte sie mit
der Hand hinzu. Da sie vor ihm standen, sagte Zdik: Hocherhabener Kardinal,
dieser Mann ist Witiko, erlaubet, da er Euch die Ehrfurcht bezeugt.
    Der Kardinal reichte Witiko das Kreuz.
    Witiko kte es.
    Dann sagte der Kardinal: Mein junger Sohn, du hast der Kirche in der
Bedrngnis gedienet, und du hast im Streite die Friedfertigkeit angestrebt.
    Hocherhabener kirchlicher Frst, sagte Witiko, ich suchte zu tun, wie es
die Dinge fordern, und wie die Gewohnheit will, die mir in der Kindheit
eingepflanzt worden ist.
    Und der Glaube, mein Sohn, den der gute Priester Benno in dein Herz gesenkt
hat, sagte der Kardinal. Du hast an dem Sonntage im Walde, da nirgends eine
Kirche war, den Tag gefeiert, dein Tier hat geruht, und du hast in der
Einsamkeit der Bume gebetet. Und wenn du zu tun strebst, was die Dinge fordern,
so wre gut, wenn alle wten, was die Dinge fordern, und wenn alle tten, was
die Dinge fordern; denn dann tten sie den Willen Gottes.
    Oft wei ich nicht, was die Dinge fordern, sprach Witiko.
    Dann folge dem Gewissen, und du folgst den Dingen, sagte der Kardinal.
Der Herzog hat dich fr deine Dienste belohnt, Witiko, und ich hege den Wunsch,
da dir der Segen immer gewrtig sei, der zu dem Guten kmmt. Ich habe zu den
Namen der jungen Leute dieser Lnder, die ich mir merken will, auch deinen Namen
geschrieben. Ich werde die jungen Namen dem Heiligen Vater als das Gute bringen,
das nachwchst. Und wenn du das Heil hast, nach Rom zu kommen, so will ich dich
vor das Angesicht des Heiligen Vaters fhren.
    Wenn mir zu Teil wird, da ich die Stadt der ewigen Dauer sehen soll,
sagte Witiko, und wenn ich es erlebe, vor den Heiligen Vater gestellt zu
werden, mge ich dann dessen auch wrdig sein.
    Du wirst es, wenn du dich nicht nderst, sagte der Kardinal, und reichte
Witiko das Kreuz zum Kusse.
    Witiko kte das Kreuz, und entfernte sich mit Zdik. Mehrere Menschen gingen
zu dem Kardinale.
    Zdik sagte zu Witiko: Der hocherhabene Kardinal geht jetzt nach Mhren, den
Bann aufzuheben. Dann geht er wieder nach Bhmen, weil vieles werden mu. Er
will dann den Priester Benno zu sich rufen lassen.
    Das wird Benno sehr freuen, sagte Witiko, er ist aus Demut nicht zu dem
Kardinale gegangen.
    Der hocherhabene Kardinal wei es, sprach Zdik.
    Benno ist jetzt in unserem Hofe Pric, sagte Witiko.
    Es ist uns bekannt, antwortete Zdik. Wenn du dein Haus gebaut hast, und
wenn eine Zeit ist, nach Mhren zu kommen, so komme nach Olmtz, da ich dir die
Gastfreundschaft vergelte, die du an mir gebt hast, und in die du mich bei
andern eingefhrt hast.
    Ich werde Euch meine Ehrerbietung und meinen Dank fr Eure Freundlichkeit
darbringen, sobald ich es werde tun knnen, sagte Witiko.
    Und so gehabe dich wohl, mein edler Waldherr, sprach Zdik, und gedenke
meiner.
    Ich danke Euch fr das Gute, das Ihr mir heute getan habt, ich denke stets
Eurer, und gehabt Euch wohl, antwortete Witiko.
    Sie trennten sich.
    Witiko wollte nun Silvester aufsuchen.
    Er ging durch die Menschen dahin.
    Er sah Rowno in dem Festgewande eines Waldwladyken, mit dem Waldschmucke und
dem goldenen Grtel.
    Er sah auch Wolf von Tusch und Wernhard von Ottau in sehr schnen Gewndern.
    Der alte Bolemil sa auf einem kostbaren Gesiedel. Er hatte ein wallendes
Kleid von braunem Sammet an seinem Leibe, und das Kleid wurde von einem goldenen
Grtel mit grnen Steinen umspannt, und der weie Bart flo auf den braunen
Sammet nieder. Um ihn saen mehrere alte Mnner, und es standen mehrere junge
neben ihm, und hrten auf seine Worte, und sprachen zu ihm.
    Witiko kam zu Welislaw und Dimut, welche mit einander aus einem Gemache
gegen andere Gemcher gingen. Welislaw hatte ein blaues Sammetgewand mit einem
silbernen Grtel, auf dem rote Steine zu Rosen gefat waren. Auf dem blonden
Haupte hatte er eine weie Sammethaube mit einer kurzen geraden weien Feder,
die auch aus einer roten Steinrose emporstand. Dimut hatte ein dunkelblaues
Sammetgewand mit einem Grtel, gewebt aus Gold und Silber, hellblauen Steinen,
und ihr Haarnetz hatte das Gewebe und die Steine des Grtels.
    Welislaw sagte zu Dimut: Und wie du heute, sehr schner Krieger, keine
Waffen an dir hast, sondern in dem prchtigen Frauenkleide mit den groen
Edelsteinen einhergehst, die nur nicht so glnzen wie die zwei Edelsteine deiner
Augen, so bedarfst du auch jenes Pfeiles nicht mehr, den du von unsern Feinden
gefangen hast, die jetzt unsere Freunde sind.
    Sehr schner Zupan vom Wysehrad, entgegnete Dimut, der du nur dieses
Spielzeug an deiner Seite trgst, und in dem prchtigen Mnnerkleide mit den
roten Rosen einhergehst, die du von unserm Freunde Witiko genommen hast, und der
du auch zwei blaue Edelsteine als Augen in deinem Angesichte trgst, du bedarfst
der Pfeile nicht.
    Ich bedarf ihrer, um dort zu verwunden, wodurch nichts anderes verwundet
werden kann, sagte Welislaw.
    Du bist der zweite Zupan des Landes, und kannst dir Pfeile genug schneiden
lassen, antwortete Dimut.
    Diese gehen nur in die Herzen der brtigen Krieger, entgegnete Welislaw,
wenn ich deinen Pfeil htte, wre die Wunde schon da.
    Er ist in dem Turme zu Rowna bei dem roten Banner, welches der Herzog
meinem Bruder gegeben hat, sagte Dimut.
    Und wenn du von deinem Bruder fort ziehst, wird der Pfeil bei dem roten
Banner zu Rowna bleiben? fragte Welislaw.
    Und wenn ich von meinem Bruder fortziehen so wei ich nicht, was mit dem
Pfeile geschieht, antwortete Dimut.
    Witiko grte die beiden, sprach einige Worte mit ihnen, und ging dann
seines Weges weiter.
    Er sah an einem Fenster Odolen und Sezima stehen. Odolen hatte ein grnes
Sammetgewand mit einem silbernen Grtel, und auf seinen schwarzen Haaren hatte
er eine weie Haube mit einer schwarzen Feder. Sezima war in Blau und Gold
gekleidet. Witiko ging zu ihnen, und fragte, ob sie nicht wten, wo er den
Bischof Silvester finden knne.
    Odolen antwortete: Der ist bei denen, die jetzt in unserem Lande die
rmische Sprache reden.
    Witiko verabschiedete sich, und ging gegen das Gemach, in welchem der
Kardinal Guido war. Er sah den Kardinal auf einem Stuhle sitzen, und an seiner
rechten Seite sa der ehemalige Bischof Silvester und an der linken der Propst
Daniel. Er sprach mit beiden. Weiter entfernt saen die Bischfe Otto und Zdik,
und dann saen oder standen noch andere Herren der Kirche und Priester und
verschiedene Menschen.
    Witiko entfernte sich wieder von der Tr des Gemaches, und ging eines
anderen Weges zurck, als den er gekommen war. Er sah jetzt auch die Herzogin
unter Frauen und Jungfrauen sitzen, und sah manche Herren und Frauen neben
einander wandeln, und mit einander sprechen.
    Er kam auch zu Lubomir. Derselbe sa auf einem Stuhle. Er hatte ein
schwarzsammetenes Gewand, und auf dem Grtel waren viele edle Steine in
schimmernden Farben. Die schwarze Haube mit der weien Feder hielt er in der
Hand, und seine weien Haare und sein weier Bart leuchteten aus dem schwarzen
Gewande. Es saen mehrere alte Mnner bei ihm, und junge standen daneben.
    Witiko, sagte er, du gehest allein in diesen Gemchern, und sinnest nach
andern Dingen.
    Ich habe mit einigen Herren gesprochen, sagte Witiko, und suchte nun den
hochehrwrdigen Bischof Silvester.
    Mit dem hat der hocherlauchte Kardinal zu reden, antwortete Lubomir, er
hat ihn und den Propst Daniel zu sich rufen lassen.
    Ich habe gesehen, wie er mit ihnen sprach, sagte Witiko.
    Meine Hauswirtin freuet sich schon, sprach Lubomir, wenn du einmal in
deinem festen Stande bist, und auf eine lngere Zeit zu uns kommen kannst, wie
du es versprochen hast. Jetzt werden friedliche Zeiten kommen, und wir knnen
von dem reden, was wir in unserem Lande, in unserer Gegend und unter unseren
Leuten, und was wir in unserem Hause tun wollen. Boleslawa kann dir auch noch
manches sagen, was dir zu gute kommen knnte.
    Wenn der Frhling in das Land zieht, und unser Wald neu grnt, antwortete
Witiko, werde ich in dem festen Stande sein, wie Ihr sagt. Und dann werde ich
zu einer Zeit um freundliche Gastlichkeit in Daudleb bitten, und ich werde Euch
auch bitten, da Ihr mit den Eurigen nicht verschmhet, eine ehrerbietig
gebotene Gastlichkeit in meinem Hause anzunehmen.
    Ich bin bei dem Beginne deines Hauses gewesen, sagte Lubomir, und es
geziemt sich, da ich es auch betrachte, wenn es fertig ist.
    Ihr drft nicht allein kommen, sprach Witiko.
    Wir werden in dein Haus kommen, sagte Lubomir, und werden fter kommen,
und werden kommen, wenn die junge Burgfrau in demselben schaltet.
    Witiko antwortete nicht.
    Lubomir sprach: Wenn wir gemach in die andere Welt gehen, die wir weie
Haare haben, so mssen die, deren Scheitel noch dunkel ist, in dem Lande sein,
und nach ihnen wieder dunkle Scheitel. Du bist ein guter Mann, Witiko, und die
nach dir kommen, werden wieder gute Mnner sein.
    Das sind Dinge der Zukunft, sprach Witiko.
    Und die Zukunft wird sich erfllen, antwortete Lubomir. Eines ist nicht
mehr weit zuknftig, ich wnsche dir recht viel Glck und Heil.
    Das liegt in Gottes Hand, sagte Witiko, und mgen die Friedensjahre, die
wir erwarten, voll Segen sein.
    Und mgen wir den Segen bringen helfen, sprach Lubomir. Witiko, komme
doch, so lange wir in Prag sind, noch zu mir.
    Ich werde Euch noch in dem Hause Eures Stammes aufsuchen, wie ich Euch
aufgesucht habe, antwortete Witiko.
    Tue das, sagte Lubomir.
    Nach diesen Worten verabschiedete sich Witiko, und wandelte wieder weiter.
    Er traf noch mehrere seiner Freunde, und sprach mit ihnen.
    Endlich wurde das Zeichen gegeben, da das Fest zu Ende sei, und Witiko ritt
mit einigen seiner Mnner, die ihn drauen erwartet hatten, in seine Herberge.
    Die Feier der Kirche des heiligen Veit dauerte noch acht Tage. Der Herzog
und die Herzogin, der Kardinal Guido und alle Herren der Kirche und die Herren
des Landes waren tglich bei dem Gottesdienste. Die mhrischen Frsten beteten
vor der Kirche. Viele Menschen kamen noch von allen Gegenden, und die zuerst
keinen Platz in der Kirche gefunden hatten, suchten ihn spter zu gewinnen. Nach
dem Gottesdienste segnete der Kardinal die Glubigen, und er segnete sie auf
seinem Heimwege. Von dem mittglichen Walde kamen auch Zge nach Prag, um des
Heiles dieser Tage teilhaftig zu werden, und jeder Zug hatte ein kirchliches
Banner. Sie lagerten sich zwischen dem Wysehrad und dem rechten Burgflecken.
Manche gingen zu Witiko, und Witiko ging zu ihnen, und er erteilte ihnen Rat
und, wo es ntig war, Gaben. Und als sie ihre Gebete verrichtet hatten, und als
sie alles, was ihnen zu sehen wrdig schien, in Prag betrachtet hatten, traten
sie wieder den Heimweg an.
    Der Kardinal Guido besuchte alle Kirchen und heiligen Orte, und er hielt in
dieser Zeit auch Versammlungen, wie er sie vor ihr gehalten hatte.
    Als die Feier der Kirche des heiligen Veit zu Ende gegangen war,
verabschiedeten sich Konrad, Wratislaw und Otto in einer Versammlung von dem
Herzoge, und gingen mit ihren Geleiten in ihre Lnder nach Mhren. Viele Herren
der Lnder Bhmen und Mhren begleiteten sie. Leopold, Spitihnew und Wladislaw
blieben in Prag.
    Fnf Tage darnach traten Guido und Zdik ihren Zug nach Mhren an. Ein groes
Geleite von Priestern und Herren war bei ihnen.
    Witiko blieb in Prag.
    Es waren noch Versammlungen bei dem Herzoge, und Witiko war bei den
Versammlungen. Und er besuchte Bolemil und Lubomir und Diwis und Preda und
Chotimir und Wsebor, und er besuchte seine jungen Freunde, und seine jungen
Freunde besuchten ihn.
    In dieser Zeit strebte er auch, zu Mnnern zu kommen, welche nach Dingen des
Waldes begehrten, damit er ein Einkommen in den Wald leite. Er nannte ihnen das
Holz zu Kunstwerken, zu Gerten, zum Bauen und zum Brennen, er nannte ihnen die
Kohlen, er nannte ihnen, was die Hfe liefern, deren Tiere die Waldkruter
genieen, er nannte die Felle der wilden Tiere, er nannte die Jagdtiere, die
Frchte und Pflanzen des Waldes, die in entfernte Gegenden gesendet werden
knnen, den Honig der Waldbienen, das Pech, den Teer, die Rinden, die Steine und
anderes, er nannte ihnen, was die Menschen aus den Dingen des Waldes
verfertigen, und machte Verabredungen.
    Er brachte auch vieles in Ordnung, was er fr sein neues Haus bedurfte.
    Und als es schon gegen den Winter ging, verabschiedete er sich bei dem
Herzoge, und ritt mit den Seinigen nach Friedberg zurck.
    Nach einer Zeit sagte ihm der Bauherr Eppo, da das Witikohaus fertig sei.
Die Gerste waren weggenommen, und die Burg stand sichtbar gegen den grnen
Wald. Auf der Spitze des hchsten Daches war der Wipfel eines Tannenbumchens
mit Bndern. Witiko ging in den Hof. Der Brunnen war mit schnen Steinen umfat,
hatte ein schnes Dach, und um die zierliche Spindel war die Kette geschlungen,
an der die Eimer hingen. Witiko ging in das Innere. Alle Rume waren bereit,
ihre Ausrstung zu empfangen.
    Nun wurden Wgen und Sumer ttig, alles, was ntig war, in die Burg zu
bringen, und Eppo arbeitete mit Mnnern und Werkleuten eifrig, sie wohnlich zu
machen.
    Witiko besuchte im Winter verschiedene Stellen des Waldes. Er war fter in
dem oberen Plane, er war in dem Huschen im Wangetschlage, er war bei den
Khlern, in den Meierhfen und an anderen Orten. Eines Tages ritt er nach Pric,
und von dort zu Silvester, und von Silvester wieder nach Friedberg.
    Als der Frhling in das Land zog, und der Wald grnte, wie Witiko zu Lubomir
gesagt hatte, war das Witikohaus in festem Stande.
    Witiko sammelte ein Geleite, und zog mit demselben nach Pric. Von Pric kam
er mit diesem Geleite und mit einem neuen und mit seiner Mutter und mit seiner
Base und mit Benno nach Friedberg zurck.
    In Friedberg ordnete er sich und die Seinigen, um eines Tages in die neue
Burg zu ziehen.
    Als der Tag gekommen war, legte er das Gewand an, welches er in der Schlacht
auf dem Berge Wysoka getragen hatte, und nahm den weien Schild mit der roten
Waldrose. Dann sammelte er seine Dienstmannen aus Plan, Friedberg und Pric und
alle seine anderen Mnner. Seine Mutter und seine Base und ihre Frauen saen in
Snften. Benno bestieg ein Pferd. Witiko setzte sich auf das alte eisengraue
Pferd, auf dem er von Passau nach Bhmen geritten war, und so begann er mit den
Seinigen den Zug. Es waren viele Menschen gekommen, da in Friedberg ein
Gedrnge war, da der Zug nur langsam gegen den Steg der Moldau kommen konnte.
Und auch im Freien waren Menschen. Der Zug gelangte nach einer und einer halben
Stunde durch den breiten Wald hinan vor die Burg. Auf dem grnen Anger vor
derselben war ein Altar, und an dem Altare stand der greise Pfarrer von Plan und
der Pfarrer von Friedberg, und neben ihnen stand Huldrik in einem Festgewande,
wie ein Burgdiener, es standen alle Mnner von Plan da, welche mit Witiko in dem
Kriege gewesen waren, und auch andere Mnner von Plan standen abgesondert da, es
standen aus verschiedenen Teilen des Waldes, die im Kriege gewesen waren, und
andere da, es standen in schnen Kleidern Jungfrauen von Plan und von Friedberg
und vom Wangetschlag und von der untern Moldau und vom schwarzen Bache und von
anderen Gegenden da, und hielten Festgewinde in den Hnden, und weiter zurck
standen Mnner und Weiber und Kinder aus dem Walde, aus Fluren, die an den Wald
grenzten, aus dem Lande der Mihel, das schon in Baiern ist, und aus entfernteren
Strichen von Baiern.
    Die Menschen blickten auf Witiko, als er heran ritt.
    Er ritt mit den Seinigen vor den Altar. Der Pfarrer von Plan machte ihnen
das Zeichen des Segens entgegen. Darauf stiegen sie von den Pferden, und die
Frauen wurden aus den Snften gehoben. Sie knieten nun alle vor dem Altare
nieder, und das ganze Volk kniete in das grne Gras. Der Pfarrer von Plan hielt
nun mit Hilfe des Pfarrers von Friedberg den Gottesdienst vor dem Altare. Als
der Gottesdienst geendigt war, segnete der Pfarrer Witiko und die Seinigen
wieder, und segnete das ganze Volk. Dann stieg Witiko auf sein Pferd, die Frauen
wurden in die Snften gehoben, und die Mnner Witikos bestiegen ihre Pferde. Der
Pfarrer von Plan aber schritt von dem Altare gegen die Burg. Ihm folgte Witiko,
dann folgten die Snften, dann folgten Witikos Mnner. Die Jungfrauen sumten
jetzt mit ihren Festgewinden den Weg.
    Vor dem Tore der Burg stand der Pfarrer stille, und der Zug stand stille.
Der Pfarrer segnete nun mit dem heiligen Wasser gegen das hohe Dach empor, er
segnete gegen die Mauern, und er segnete gegen das Tor. Dann trat er seitwrts.
Das Tor wurde geffnet. Witiko hielt noch einen Augenblick stille. Dann machte
er mit seiner rechten Hand das Zeichen des Kreuzes auf seine Stirne, auf seinen
Mund, und auf seine Brust. Dann ritt er langsam unter das Tor. In dieser Zeit
trat Huldrik zu ihm, und hielt ihm den Steg des Sattels. Als er unter dem Tore
war, tat das Volk einen Glcksruf, der wie ein Gebrause gegen den Himmel ging.
    Von dem Torbogen ritt Witiko in den Hof. Seine Mutter, die Base, und alle
Frauen folgten ihm, und Benno und die Pfarrer von Plan und Friedberg folgten
ihm, es folgten seine Mnner, und es folgten die Jungfrauen und die Krieger, und
es folgten so viele Menschen, als Platz finden konnten. Im Hofe stiegen die
Frauen aus den Snften und die Mnner von den Pferden. Witiko fhrte seine
Mutter die Treppe hinan in die kleine Burgkirche. Die andern gingen hinter
ihnen. In der Burgkirche wurde Benno mit dem kirchlichen Gewande bekleidet, und
gab den Segen. Dann sprachen alle ein stilles Gebet. Dann ging Witiko mit seiner
Mutter und seinem Gefolge in den Saal. Dort blieb er stehen, neigte sich auf die
Hand der Mutter, und kte dieselbe, die Mutter aber schlang beide Arme um
seinen Nacken, und kte ihn auf die Stirne. Dann geleitete er sie zu einem
kostbaren Sitze. Sie lie sich auf denselben nieder. Er setzte sich auch auf
einen Sitz, und die Pfarrer, und Benno und andere setzten sich auf Sitze. Nun
brachte Huldrik Brod und Salz, und reichte es jedem, der in dem Saale war, und
jeder kostete davon.
    Als dieses geschehen war, stand Witiko auf, und sprach: Mnner, die ihr zu
mir gehrt, und Freunde, die ihr gekommen seid, ich danke euch. Eppo und Mathias
und Urban, und die ihnen dienen, werden euch weisen, wie alles eingerichtet
werden soll.
    Dann fhrte er seine Mutter mit ihren Frauen in ihre Wohnung. Sie hatte
Trnen in ihren Augen.
    Hierauf fhrte er die Base Hiltrut in ihre Wohnung. Sie konnte vor Weinen
nicht sprechen.
    Dann geleitete er Benno in seine Wohnung.
    Dann ging er in sein Gemach. In demselben befestigte er den Schild mit der
roten Rose unter dem Bilde des Heilandes.
    Dann ging er in den Saal, und von demselben auf den Sller hinaus. Unten
waren zwanzig Mnner beschftigt, den Leuten Brod und Salz zu reichen. Sie
nahmen alle davon. Und als sie Witiko sahen, riefen sie ihm zu. Er dankte ihnen
mit Winken seiner Hand.
    Viele Werkleute waren beschftigt, aus rohen Brettern Tische und Bnke zu
errichten. Aus den Schatten des Waldes wurden Fsser herbei gerollt, in denen
Getrnke waren, und es wurden viele Feuer angezndet, und an ihnen Speisen
bereitet.
    Und als die Zeit des Mahles gekommen war, hielt Witiko mit allen, die auf
den Bnken an den Tischen saen, die auf den Steinen oder im Grase saen, oder
die standen, das Mahl, und was da war, wurde unter alle verteilt.
    Als das Mahl beendiget war, und die Menschen durcheinander gingen, war
Huldrik unter ihnen, und sagte: Die Weissagungen gehen in Erfllung. Jetzt hat
Witiko den Anfang gemacht, und dann wird er die goldene Burg bauen, die einmal
auf der Erde gestanden ist, und die jetzt nirgends auf der Erde steht, und meine
Nachkommen werden es sehen.
    Du hast ja kein Weib, rief Tom Johannes, der Fiedler.
    Wenn es die Weissagungen sprechen, so werde ich ein Weib und Nachkommen
haben, sagte Huldrik.
    Und wenn es die Weissagungen sprechen, so werde ich noch mit dem
Winkelhaken meiner Hand auf der Geige des Herzoges die lieblichsten Tne
spielen, rief Tom Johannes, der Fiedler.
    Wenn es die Weissagungen sprechen, so wirst du sie spielen, sagte Huldrik.
    Witiko hat es geweissagt, entgegnete Tom Johannes.
    Wenn Witiko weissagen kann, so wirst du spielen, sagte Huldrik.
    So werden wir erleben, wie das wird, sprach Tom Johannes.
    Wir werden es erleben, antwortete Huldrik.
    Zu Witiko aber kamen, da er noch an dem Tische sa, mehrere Jungfrauen. Sie
gaben ihm einen Kranz aus Blumen und Blttern des Waldes, und gaben ihm einen
Strau aus solchen Blumen. Eine reichte ihm die fnfblttrige dunkelrote
Waldrose.
    Die Rosen blhen ja noch nicht, sagte Witiko.
    Sie blhen noch nicht, antwortete die Jungfrau, wir haben sie aus Sammet
und Seide gemacht.
    Sie ist sehr schn gemacht, sagte Witiko.
    Wenn das Einzugsfest zur Rosenzeit gewesen wre, so htten wir dir eine
wirkliche Rose als dein Zeichen gegeben, sprach das Mdchen, wir haben nun
diese gemacht, weil die Rose sehr lange blhen, und Glck bringen soll.
    Diese Rose wird lange dauern, sagte Witiko, wenn auch ihre Farben
schwinden. Ich werde mir sie aufbewahren, und werde deiner gedenk sein,
Margareth, wenn du auch einmal ein Fest feierst.
    Das Mdchen antwortete nichts.
    Witiko betrachtete die Waldrose, und er betrachtete die Blumen der Krnze
und Strue. Dann gab er alles seiner Mutter zum Beschauen. Diese sah den Kranz,
die Strue und die Waldrose an, lobte die zierliche Arbeit, und lobte, da die
Waldblumen gewhlt und so an einander gereiht worden waren. Dann gab sie die
Geschenke wieder an Witiko zurck. Witiko dankte den Jungfrauen, und reichte die
Gaben an Jakob, da er sie in die Burg trage. Die Jungfrauen brachten ihren
Abschiedsgru, und entfernten sich von dem Tische Witikos.
    Der Schmied von Plan, und David, der Zimmerer, und Paul Joachim, der Maurer,
und Elias, der Steinhauer, traten nun herzu, und brachten die Sprche aus,
welche bei dem Einzuge in ein neues Haus im Brauche waren, und Witiko und die
anderen Mnner gaben die Antworten, welche auf die Sprche gehrten.
    Dann standen alle von den Tischen auf.
    Witiko ging unter die Leute, und sprach mit vielen Mnnern, mit Frauen, mit
Jnglingen, mit Jungfrauen und selbst mit Kindern.
    Die Mutter Witikos ging auch unter die Menge der Menschen, und sprach mit
ihnen. Viele, besonders Frauen und Jungfrauen, drngten sich zu der Frau.
    Die Base Hiltrut sprach mit jedem, zu dem sie kam, und erzhlte von Witikos
Kindheit.
    Die drei Priester, der Pfarrer von Plan, der Pfarrer von Friedberg und
Benno, wandelten auf dem grnen Anger in Gesprchen herum, und redeten mit den
Leuten, die auf sie zugingen, und gingen selber auf Leute zu.
    Als der Nachmittag vorrckte, begannen die Menschen, sich zu zerstreuen.
    Am Abende verabschiedete sich Witiko, und ging mit seiner Mutter und mit der
Base und mit Benno und mit den Frauen und mit denjenigen, die zu seinem Dienste
gehrten, in die Burg.
    Als die Sonne untergegangen war, ertnte ein schner Gesang aus dem Walde.
Er war ein Gesang von Jungfrauen, dann kam ein Gesang von Jnglingen, dann kam
ein Wechselgesang von beiden, und dann ein Zusammengesang von ihnen. Und so
verschrnkten sich und lseten sich die Gesnge immer anders. Witiko und die
Frauen und Benno gingen auf den Sller hinaus, der gegen den Wald gekehrt war.
Unten standen die Menschen dicht gedrngt gegen den Wald, um den Gesngen zu
lauschen. Die Snger und die Sngerinnen konnte man nicht sehen.
    Als es finster geworden war, erglhete an dem fernen Gipfel des Hochfichtes
ein Feuer wie ein Waldbrand.
    Witiko wendete seine Augen dahin, und Wentila auch.
    Aber dann glhte auf dem Gipfel des Bufferberges im Morgen von Friedberg ein
gleiches Feuer empor. Es glhte eines auf dem Markwalde, eines auf dem
Kienberge, eines auf dem Schwarzwalde, drei glhten auf den Wldern, die hinter
dem Kreuzberge bei Plan emporstanden, und man konnte eines auf dem Kreuzberge
erkennen. In den Auen und auf den Weiden und Angern und Feldern und in den
tiefen Waldstrichen, die an der Moldau dahin gingen, brannten viele kleinere
Feuer.
    Witiko ging nun mit den Seinigen von dem Sller in die Burg, und sah aus
derselben gegen die Morgenseite. Da brannten in dem Walde rechts von der Moldau
Feuer bis gegen die Wasserflle der Kienberge hinab. Im Mittage brannten auf den
kleineren Bheln, die sich absenkten, Feuer, und im Abende waren Feuer in dem
Walde bis zum Hochfichte, und eines war weit zurck auf der Senkung des
Seewaldes zu erblicken.
    Die Feuer brannten fort, und die Gesnge dauerten fort.
    Witiko lie nun in allen Gemchern der Burg Lichter anznden, da sie in
diesem Scheine weithin gesehen werden konnte.
    Nach einer Zeit schwieg der Gesang, und als ein Weile Stille gewesen war,
ertnten pltzlich die Pfeifen und die Hrner, die Witiko in dem Kriege gehabt
hatte, und es erschollen die Weisen, die auf den Zgen und in der Schlacht auf
dem Wysoka und in der Schlacht vor Znaim erschollen waren.
    Witiko hie zwei Knechte Fackeln anznden, und ging mit ihnen auf den
Waldsller. Dort nahm er seine Haube von dem Haupte, und schwenkte sie in dem
Fackellichte dreimal zum Grue.
    Es ertnte von den Pfeifen und Hrnern ein freudiger Gegengru.
    Dann rief das Volk einen lange dauernden Ruf des Grues empor.
    Dann tnten die Pfeifen und Hrner wieder Kriegsweisen.
    Dann erschollen die Gesnge der Jungfrauen.
    Witiko ging wieder in die Burg.
    Und die Gesnge der Jungfrauen und der Jnglinge und ihr Zusammengesang und
das Tnen der Pfeifen und Hrner wechselte mit einander ab, und machte endlich
eine Verschlingung.
    Die Feuer brannten ringsumher fort.
    Und als mit Zwischenrumen der Gesang der Jungfrauen und der Jnglinge und
der Klang der Pfeifen und Hrner eine Zeit gedauert hatte, erhob pltzlich eine
Mnnerstimme unter den Menschen die Tne eines Waldgesanges, den alle Menschen
in dem Walde kannten, und der das Lob des Waldes enthielt, und eine zweite
Stimme gesellte sich hinzu, und ein dritte, und alsbald sangen alle Menschen,
die versammelt waren, den Waldgesang. Und als er geendiget war, erhob eine
Pfeife seine Tne wieder. Und die Menschen begannen den Gesang wieder, und
strker, als das erste Mal, und die Pfeifen und Hrner mischten sich darunter,
und gingen in der Verbindung der Tne mit. Und als der Gesang zum zweiten Male
aus war, tnte von den Pfeifen und Hrnern die Weise der Schlacht vor Znaim. Und
dann tnten jene Rufe, die getnt hatten, als man den Feinden auf dem Berge vor
Znaim in den Rcken gebrochen war. Und auf diese Rufe folgte ein groer Ruf der
Freude von den versammelten Menschen. Dann war eine Weile eine Stille. Dann
sangen die Jungfrauen einen sehr sanften Nachtgesang.
    Hierauf war kein Gesang mehr und kein Tnen von Pfeifen und Hrnern. Von den
Feuern umher waren einige erloschen, andere brannten schwcher.
    Wentila erhob sich von ihrem Sitze in der Stube, in welcher alle versammelt
waren, reichte Witiko die Hand, und sagte: Ich suche meine Schlummersttte.
Ruhe in der ersten Nacht hier so sanft, mein Sohn, wie der Schlummergesang der
Jungfrauen angedeutet hat.
    Witiko antwortete: Geliebte Mutter, das Dach unseres Hauses sei zum ersten
Male lieb und hold ber deinem Haupte.
    Dann verabschiedeten sie sich, und Wentila lie sich von Marhild und zwei
anderen Frauen in ihr Gemach geleiten.
    Die Base sagte: Witiko, wie mut du gut sein, weil sie dich so lieben, und
wie mu es damals in dein Herz gegangen sein, als die schrecklichen Tne der
wilden Hrner, die heute hier erschallten, dort erschollen sind, wo die Menschen
einander gemordet haben.
    Das ist dort anders als hier, sagte Witiko. Lasse es dir hier wohl sein
in der ersten Nacht, und mge es dir sehr lange, und wenn du willst, fr immer
hier wohl sein.
    Fast so wohl wie in dem kleinen Huschen in Landshut, weil wir alle
beisammen sind, sagte die Base.
    Dann lie sie sich in ihr Gemach geleiten.
    Witiko, mein Kind, sagte Benno, das ist ein wichtiger Tag gewesen; es
beginnt nun eine neue Wirksamkeit. Du hast den Tag ohne Prunk begehen wollen,
und die Menschen haben den Prunk ihres Herzens gebracht. Das ist gut. Es wird
noch ein zweiter schner Tag zur Freude deines Gemtes kommen. Beschliee den
heutigen Tag mit einem Gebete, und beginne den Schlummer mit der Hoffnung auf
jenen zweiten Tag.
    Gott hat mir so viel Gutes fr meine Mutter und fr meine Freunde gegeben,
sagte Witiko, da ich es nur durch einen dankbaren Wandel gegen Gott werde
abtragen knnen.
    Du wirst es, sagte Benno, gehabe dich wohl.
    Gehabe dich wohl, sagte Witiko.
    Die Mnner reichten sich die Hnde.
    Dann ging Benno mit Jakob, der ihm eine Lampe trug, in sein Gemach.
    Witiko befahl nun, da die Knechte die Lichter in der Burg auslschen.
    Da dieses geschehen, und ihm die Nachricht davon gebracht worden war, sagte
er: Dienstmannen, Kuto und Beda, weil es der Gebrauch so will, so geleitet mich
in meine Stube. Es ist nur dieses Mal, ich werde es dann nie fordern.
    Wir tun unsers Dienstes jedes Mal, sagte Beda.
    Wie es die Gepflogenheit fordert, sprach Kuto.
    Die zwei Mnner geleiteten Witiko in sein Gemach. Raimund trug eine silberne
Lampe. Vier Mnner des Gefolges gingen hinter ihnen.
    In dem Gemache wurden die Abschiedssprche gesprochen. Die Mnner entfernten
sich, und Witiko und Raimund blieben allein. Witiko lie sich durch die Hilfe
Raimunds zum Teile entkleiden, dann sendete er ihn in seine Kammer, die vor dem
Schlafgemache war.
    Als Witiko nun allein in dem Zimmer weilte, kniete er vor dem Bilde des
Heilandes nieder, und verrichtete ein Gebet.
    Dann entkleidete er sich vollends, und legte sich zum ersten Male auf das
Schlummerbette seiner Burg.
    Als der Morgen des anderen Tages angebrochen war, sah Witiko, da auf dem
Anger vor der Burg Menschen ber die Nacht geblieben waren. Teils hatten sie
Feuer angezndet, um sich zu erwrmen, teils hatten sie, in ihre Gewnder
gehllt, den Frhlingsrasen als Schlummersttte bentzt. In manchen Teilen der
nheren und entfernteren Wlder sah er noch Rauch von den Feuern aufsteigen,
welche in der Nacht gebrannt hatten. Er befahl Raimund, da er Huldrik, wenn er
noch schlafe, wecke, und ihm sage, er mge Sorge tragen, da die Leute vor der
Burg etwas zu essen und zu trinken bekmen.
    Raimund ging fort, und kam wieder, und sagte, Huldrik sei schon unter den
Leuten, und habe fr sie gesorgt.
    Als die Sonne aus dem Walde emporgestiegen war, ging Witiko in die
Burgstube, und die Seinigen und Leute des Gefolges kamen auch dahin.
    Dann wohnten alle, welche in der Nacht in der Burg gewesen waren, dem
Morgengottesdienste bei, welchen Benno zum ersten Male feierte.
    Hierauf wurde das Frhmahl gemeinschaftlich in dem Saale verzehrt.
    Witiko ordnete nun an, da jene Dienstmannen und Leute des Gefolges, welche
nicht in die Burg gehrten, sondern irgend wo anders ihre Wohnung und ihre
Beschftigung hatten, acht Tage als Gste in der Burg bleiben sollten. Dann lie
er alle vor sich kommen, denen er einen zeitlichen Dienst in der Burg
aufgetragen hatte, und erklrte ihnen den Dienst, und sagte, diese Dinge werden
alle spter mit Giltigkeit geordnet werden.
    Und ehe die Sonne noch hoch gestiegen war, kamen Menschen, und brachten nach
dem Brauche, wenn einer in ein neues Haus zieht, Gaben.
    Die Gaben sollten zum Bedarfe und zur Zierde des Hauses sein, oder in
Werkzeugen zu allerlei Dingen, zur Fischerei, zum Vogelfange, zur Jagd, und
selbst zum Kriege bestehen. Der alte Florian brachte ein Salzfa, welches er aus
einem Stcke weien Ahorns geschnitten hatte, Wenhart aus der Friedau brachte
zwei zierliche Fsser fr Wein, der Richter aus der Stift brachte Holzteller,
von dem kleinsten bis zu dem grten, wie sie in dem Walde gemacht wurden, und
seine Gattin brachte eine Sammlung Holzdeckel, um sie auf Milchtpfe oder andere
Gefe zu legen, Johannes aus dem Wangetschlage brachte Eimer und Zuber, der
Richter von Friedberg brachte einen Betschemel, aus dicken Stmmen des
Wacholders geschnitzt, und ein himmelblaues Tuch, auf welches die Jungfrauen von
Friedberg rote Waldrosen gestickt hatten, Liebhart aus der Steinleithe brachte
alle Gattungen Kien aus allen Harzhlzern des Waldes, die Mnner aus dem
Kirchenschlage brachten sechs kunstreich aus Eschen geschnittene Speere, Gregor
vom Rathschlage brachte vier Fischnetze, Thomas von der Waldmoldau brachte zwlf
Besen, deren Stiele die zwlf feinsten Hlzer des Waldes waren, deren Bund er
mit schimmernden Farbreisern geflochten hatte, und deren Zweige alle Farben
zeigten, welche die Ruten im Walde haben, die alte Susanna aus der unteren
Moldau brachte zwanzig Eier, und sagte, sie habe nicht mehr.
    Die, welche weiter entfernt wohnten, kamen spter.
    Gegen Abend kamen die von dem oberen Plane, und brachten ein kreisrundes
Gitter, das fein aus Eisen geschmiedet war, und einen Boden aus Buchenholz
hatte, da man Tpfe mit Blumen hinein stellen konnte. Und dann brachten sie
noch vier junge ganz weie Milchkhe. Tom Johannes brachte sechs Bogensehnen,
die er selber aus Darmsaiten von Geigen gedreht hatte, Stephan, der Wagenbauer,
brachte die sechs Bogen aus rotem Eibenholze dazu, und Peter Laurenz, der
Schmied, sechs Bndel Pfeile, deren Spitzen er selber geschmiedet hatte.
Sebastian brachte Marderverbrmungen und Marderfelle und anderes Pelzwerk des
Waldes. Christ Severin brachte ein Stck feinen Tuches.
    Den ganzen Tag kamen Leute, und in mehreren folgenden Tagen auch. Sie
brachten noch Linnen und Wollstoffe und Felle und Leder und Nahrungsmittel und
Tiere. Witiko sprach mit allen, und dankte ihnen. Wentila sprach auch mit den
Leuten, und besonders mit den Frauen. Die Mnner Witikos waren beschftiget, die
Gaben an ihre Orte zu bringen, besonders die lebenden Tiere.
    In der folgenden Zeit kamen die Gaben von Lubomir, von Diet, von Rowno, von
Osel und anderen Nachbarn des Waldes, sie bestanden in Schmuck, in Waffen, in
Gewndern, in Tieren.
    Darauf begann Witiko seine Gegengaben zu versenden.
    Dann ritt er zu den Nachbarn, um sie zu besuchen, und nahm sie in seiner
Burg auf, wenn sie zu dem Gegenbesuche kamen, und bewirtete sie.
    Da dieses geschehen war, ordnete er den Dienst der Burg. Huldrik wurde der
Schaffner, um fr Fremde und alles, dessen sie bedurften, zu sorgen. Martin
hatte die Aufsicht ber die Nutztiere. Und so wurde ber die Gemcher, ber die
Gewnder, ber die Waffen, ber die Kche, ber den Keller, und ber alles
andere jemand gesetzt.
    Der Bauherr Eppo blieb eine Zeit als Gast, weil man seines Rates noch
vielfach bedurfte. Dann trat er seinen Weg nach Prag an.
    Die Base blieb bei Wentila in dem Walde, weil sie Witiko bat, und Benno
blieb bei Witiko, und feierte den Gottesdienst in der Burgkirche.
    Da die Dinge in der Burg geordnet waren, ritt Witiko auf seinem alten grauen
Pferde, welches den Wald zu berwinden verstand, an alle Stellen, an denen er
Arbeiten hatte, und untersuchte den Fortgang der Dinge.
    In dem Walde an der untern Moldau legte er eine Khlerei an, und Mathias,
der Khler vom breiten Berge, war der Schaffner derselben, und von den Meilern
gingen wie sonst an dem breiten Berge im Lichte die goldigen oder im Schatten
die blauen Sulen des Rauches in die Lfte. Fr Mathias war ein hlzernes
Wohnhaus, und ein steinernes fr ihn und die Arbeiter ward begonnen.
    Am Abende kamen zuweilen, wie einst in dem steinernen Huschen in Plan oder
in dem Huschen im Wangetschlage, Mnner zu Witiko in die Burg, und er gab ihnen
Brod und Salz, und sie nahmen es, sprachen mit ihm ber verschiedene Dinge, und
er reichte ihnen dann Speise und Trank, und sie gingen in der Nachtdmmerung
durch den Wald nach Friedberg., oder in die Friedau, oder in die Steinleithe,
oder in die Heurafelhuser, oder an der Mittagseite gegen die Huser der reichen
Au. Wenn die Mnner von einer greren Entfernung gekommen waren, so beherbergte
er sie in der Burg.
    Es kamen nun auch Leute um Rat, es kamen Leute um Hilfe, und Witiko gewhrte
beides, wenn er es konnte.
    Indessen waren Wentila und die Base und die Frauen beschftigt, Stoffe,
Gewnder, Kleinodien und dergleichen Dinge zu dem Brautwerbungszuge Witikos zu
rsten.
    Als zwei Monden vergangen waren, seit Witiko in seine Burg eingezogen war,
sandte er Beda, seinen Dienstmann, mit einem Geleite in die Burg Schauenberg zu
Heinrich von Schauenberg, um Anfrage zu halten, ob es Heinrich von Schauenberg
und Wiulfhilt von Dornberg, seiner Gemahlin, genehm sei, Witikos Werbungszug zu
empfangen, und welchen Tag sie dafr bestimmten.
    Beda kam zurck und sagte, es sei Heinrich von Schauenberg, und Wiulfhilt
von Dornberg, seiner Gemahlin, genehm, Witikos Werbungszug zu empfangen, und sie
bestimmen den zwanzigsten Tag nach dem Tage der Anfrage dazu.
    Witiko bildete nun sein Geleite zu dem Werbungszuge, und gab ihm Gewnder,
Schmuck und Waffen.
    Am Morgen des dritten Tages vor dem Werbungstage feierte Benno in der
kleinen Burgkirche des Witikohauses einen Gottesdienst, dann sprach Wentila
einen Segen ber Witiko, die Base kniete in der Kirche vor dem Heilande, und
betete fr Witiko, und Witiko und Benno setzten sich auf Pferde, und dreiig
Mnner setzten sich auf Pferde, und sieben andere Mnner setzten sich auch auf
Pferde, die mit Saumpferden verbunden waren, welche Belastungen trugen. Und der
Zug dieser Mnner ging durch das Tor des Witikohauses hinaus. Sie waren alle in
Waffenrcken.
    Der Zug ging durch den Wald in das Aigen und von dem Aigen an diesem Tage
noch in das Gericht Velden. Des andern Tages ging er ber die Hhen an die Donau
hinab, wurde mit Fhren ber das Wasser gebracht, und ging noch in die Stadt
Eferdingen. In Eferdingen ging er in Herbergen, und blieb ber die Nacht.
    Als am nchsten Morgen das Geleite Witikos sich vor seiner Herberge
aufstellte, versammelten sich sehr viele Menschen bei demselben, standen da, und
betrachteten die fremden Mnner. Die fremden Mnner waren in sehr kostbaren
Gewndern, an denen Silber und Gold und edle Steine glnzten. Sie hatten runde
Hauben, an jeder Haube war ein Stein, und von dem Steine ragte eine gerade weie
Feder empor. Die Pferde hatten rote mit Silber gezierte Zume und rote Decken.
Zwei Edelknechte hielten zwei Pferde, die noch keine Reiter hatten. Das eine war
ein feines Pferd von goldbrauner Farbe, es hatte blagrne Zume von Sammet und
Gold und roten Steinen, und eine gleiche blagrne Decke. Die Stege des Sattels
waren von Silber. Das andere Pferd war dunkelgrau, hatte weie Zume mit Gold
und eine gleiche Decke, und silberne Sattelstege. Hinter allen den Mnnern und
Pferden standen noch Saumpferde, die mit allerlei Gepcke beladen waren, und
neben ihnen standen Reiter, die sie zu leiten hatten.
    Als die Menschen eine Zeit gewartet hatten, kamen die zwei Reiter, die zu
den zwei schn geschmckten Pferden gehrten. Witiko hatte ein blagrnes
Ritterkleid von Sammet, Gold und edlen Steinen. Auf dem Haupte hatte er eine
gleiche Haube, und an ihr war aus roten Steinen eine dunkle Waldrose, und aus
der Rose ragte eine kurze weie Feder empor. Er hatte blonde Locken, blaue
Augen, sanfte Wangen und einen goldschimmernden Bart. Benno trug ein dunkles
Priestergewand, und darauf ein kleines goldenes Kreuz. Er hatte weie Haare,
blaue Augen und einen weien Bart. Die zwei Reiter bestiegen ihre Pferde, die
Edelknechte auch die ihrigen, und es begann der Zug.
    Er ging durch eine Strae der Stadt, durch das Tor der Stadtmauer und in das
freie Land hinaus in der Richtung gegen die Burg Schauenberg. Viele Leute
standen an dem Wege, und die auf den Feldern arbeiteten, kamen herzu, und
betrachteten den Zug. Die schimmernden Mnner ritten durch schne Wiesen und
Felder und unter vielen Obstbumen dahin. Als sie an die Stelle gekommen waren,
an welcher der Seitenweg gegen die Burg Schauenberg ging, ritten sie den
Seitenweg hinan.
    Der Trmer gab ein Zeichen mit seinem Horne, und einer von Witikos Leuten
erwiderte das Zeichen. Als sie an die erste Zugbrcke gekommen waren, legte sich
die Zugbrcke nieder, und die Mnner ritten ber sie. Sie ritten auf einem Wege
zwischen Bumen und Bauwerken dahin. Dann tnte das zweite Zeichen, und wurde
erwidert, und die zweite Zugbrcke legte sich nieder, und die Mnner ritten ber
sie. Und es tnte das dritte Zeichen, wurde erwidert, und die dritte Zugbrcke
senkte sich, und die Mnner ritten in den Burghof. An der rechten Seite des
Hofes stand ein sehr hoher, starker, viereckiger Turm empor. Der Turm hatte ein
groes Tor mit einem eisernen Fallgitter. Hinter dem Gitter ging eine Treppe
hinan. Vor dem Gitter standen drei Mnner in ritterlichen Kleidern. Einer
nherte sich dem Zuge, und sprach: Ich bin Liutolt, ein edler Dienstmann und
Truchse des Herren von Schauenberg, der Mann neben mir ist Berthold von Stal,
ein edler Dienstmann des Herren von Schauenberg, und der Mann neben uns ist
Hartnit, ein edler Dienstmann des Herren von Schauenberg. Wir Mnner fragen
euch, wer ihr seid, da wir euch begren.
    Auf diese Worte ritt Beda vor, und rief: Ich bin Beda, der Dienstmann des
Herren Witiko vom Witikohause, und der neben mir ist Kuto, der Dienstmann des
Herren Witiko vom Witikohause, und der neben uns ist Peter, der Dienstmann des
Herren Witiko vom Witikohause, und wir Mnner sagen euch: Witiko vom Witikohause
ist gekommen, mit dem Herren Heinrich von Schauenberg in wichtigen Dingen zu
sprechen.
    Wir gren fr den Herren Heinrich von Schauenberg den Herrn Witiko vom
Witikohause, und bitten euch, steiget von den Pferden, rief Liutolt.
    Witiko und seine Mnner stiegen von den Pferden, und Knechte der Burg kamen
herbei, die Pferde weg zu fhren.
    Gehet ein zu dem Herren Heinrich von Schauenberg, sagte Liutolt.
    Das Fallgitter hinter den drei Mnnern Heinrichs von Schauenberg stieg
empor, die Mnner wichen seitwrts, und wiesen auf die Treppe als auf den
Eingang.
    Witiko ging mit Benno die Treppe hinan, und Liutolt ging als Fhrer hinter
ihnen. Dann kamen die Mnner des Gefolges Witikos mit den zwei Mnnern Heinrichs
von Schauenberg. Liutolt geleitete Witiko und die Seinen am oberen Ende der
Treppe aus dem Turme auf einen offenen Sulengang hinaus, und auf dem Gange fort
um eine Ecke des Hofes zu zwei groen Tren mit steinernen Spitzbgen. An der
Tr rechts standen Reisige und ein Pfrtner. Der Pfrtner ffnete die Flgel der
Tr, und Witiko und seine Leute traten durch dieselbe in einen sehr groen Saal.
    In dem Saale sa auf einem schnen Stuhle Heinrich von Schauenberg in
rotsammetenem Rittergewande ohne Verzierungen. Neben ihm sa Wiulfhilt von
Dornberg, seine Gemahlin, in einem dunkelbraunsammetenen Gewande ohne Schmuck.
Dann saen noch Mnner und Frauen, und zur linken Hand standen an der Wand dahin
Dienstmannen und Leute aus dem Gefolge Heinrichs von Schauenberg.
    Wer ist gekommen? rief ein Mann in schnen Gewndern.
    Witiko vom Witikohause, antwortete Beda.
    So empfange er den Sitz, rief der Mann.
    Witiko und Benno setzten sich auf Sthle, welche zur rechten Hand Heinrichs
von Schauenberg an der Wand standen. Die Mnner Witikos stellten sich lngs der
Wand auf, den Mnnern Heinrichs von Schauenberg gegenber.
    Was bringt Witiko vom Witikohause? rief der Mann in dem schnen Gewande.
    Er bringt eine heilige Werbung, sagte Beda.
    Nach diesen Worten stand der Burgpfarrer Heinrichs von Schauenberg auf, und
sagte: Welche heilige Werbung bringt Witiko vom Witikohause?
    Benno stand auf, und sagte: Witiko vom Witikohause bringt die heilige
Werbung der Ehe.
    So sage er die Werbung der Ehe, rief der Mann.
    Hierauf stand Witiko von seinem Sitze auf, trat einen Schritt vor, wendete
sich gegen Heinrich und Wiulfhilt, und sprach: Hoher Herr, Heinrich von
Schauenberg, erhabene Frau, Wiulfhilt von Dornberg, ich, Witiko vom Witikohause,
ein Herr im mittglichen Bhmen unter dem erlauchten Herzoge von Bhmen und
Mhren, Wladislaw, werbe in Gutem und Treuem um eure Tochter, das tugendreiche
Frulein Bertha, da sie mir in freiem Willen als Ehegemahlin folge, und da ich
sie ehre und liebe und ihr treu bin, so lange ich lebe. Ich bitte euch um eine
Antwort auf meine Werbung.
    Heinrich von Schauenberg stand auf, und sprach: Witiko vom Witikohause,
Herr im mittglichen Bhmen unter dem Herzoge Wladislaw, ich, Heinrich von
Schauenberg, gebe dir in Gutem und Treuem meine Tochter Bertha, da sie dir in
freiem Willen als Ehegemahlin folge, da du sie ehrest und liebest, und ihr treu
bist, so lange du lebst, und da sie dich ehret und liebt und dir treu ist, so
lange sie lebt. Hier ist Wiulfhilt von Dornberg, meine Gemahlin, hier ist
Werinhart von Jugelbach, mein Vater, hier ist Benedicta von Aschach, meine
Mutter, hier ist Gebhart von Stauf, mein Bruder. Sie sagen, da die Ehre der
Werbung gepflogen ist, und da Bertha in deinem Stamme ist, wie in unserem
Stamme.
    Wiulfhilt stand auf, und sprach: Die Ehre ist gepflogen, und Bertha ist in
Witikos Stamme wie in unserem Stamme.
    Werinhart stand auf, und sprach: Die Ehre ist gepflogen, und Bertha ist in
Witikos Stamme wie in unserem Stamme.
    Und Benedicta stand auf, und sprach: Die Ehre ist gepflogen, und Bertha ist
in Witikos Stamme wie in unserem Stamme.
    Und Gebhart von Stauf stand auf, und sprach: Die Ehre ist gepflogen, und
Bertha ist in Witikos Stamme wie in unserem Stamme.
    Nun sprach Heinrich von Schauenberg. So sage Bertha, da sie in freiem
Willen der Werbung folge, oder da sie in freiem Willen die Werbung nicht
annehme.
    Drei Frauen erhoben sich von ihren Sitzen, und gingen aus dem Saale.
    Alle, die aufgestanden waren, blieben stehen.
    Die Frauen kamen wieder zurck, und mit ihnen kam Bertha. Sie hatte ein
Gewand von braunem Sammet ohne Schmuck. Hinter ihr gingen vier Jungfrauen.
    Sie ging mit den Frauen und Jungfrauen bis zu ihrem Vater, und stellte sich
an seine linke Seite.
    Heinrich von Schauenberg sprach: Bertha von Schauenberg, Tochter Heinrichs
und Wiulfhilts, hier steht Witiko vom Witikohause, ein Herr im mittglichen
Bhmen unter dem Herzoge Wladislaw, und wirbt in Gutem und Treuem, da du ihm in
freiem Willen als Ehegemahlin folgest, und ihn ehrest und liebst und ihm treu
bist, so lange du lebst, und da er dich ehret und liebt und dir treu ist, so
lange er lebt. Gib ihm eine Antwort.
    Bertha sprach: Ich, Bertha von Schauenberg, die Tochter Heinrichs und
Wiulfhilts, werde in freiem Willen Witiko vom Witikohause, dem Herrn im
mittglichen Bhmen unter dem Herzoge Wladislaw als Ehegemahlin folgen, da ich
ihn ehre und liebe und ihm treu bin, so lange ich lebe.
    So ist die Werbung geschlossen, sagte Heinrich von Schauenberg. Wir
reichen uns zur Urkunde zuerst die Hand, und werden das Pergament ausfertigen,
und unsere Siegel daran befestigen, und werden die Herren Freunde und Unsrigen
bitten, da sie ihre Siegel zu den unsrigen hngen.
    Nach diesen Worten gingen Heinrich und Witiko einander entgegen, und
reichten sich die Hnde.
    Dann trat Witiko vor Wiulfhilt, und Wiulfhilt und Witiko reichten sich die
Hnde.
    Und es reichten sich Werinhart und Witiko, und Benedicta und Witiko, und
Gebhart und Witiko die Hnde.
    Und zuletzt reichten sich Witiko und Bertha die Hnde.
    Dann gingen alle zu ihren Sitzen, und setzten sich auf dieselben. Bertha sa
mit ihren Jungfrauen an der linken Seite ihrer Mutter.
    Als dieses geschehen war, gingen alle Mnner Witikos und alle Mnner
Heinrichs von Schauenberg einander entgegen, sie kamen in der Mitte des Saales
zusammen, und reichten sich die Hnde. Dann trennten sie sich wieder, und gingen
an die Wnde zurck.
    Hierauf rief Heinrich von Schauenberg: Und so lade ich dich, Witiko vom
Witikohause, in diese Burg zu Gaste, und so lade ich alle deine Mnner in die
Gastlichkeit der Burg.
    Witiko antwortete: Ich nehme auf die Frist von vier Tagen die Gastlichkeit
an, und dann ziehe ich mit den Meinigen heim, zu ordnen, was sich geziemet.
    So folget mir, und erquicket euch, sagte Heinrich von Schauenberg.
    Es bildete sich nun ein Zug. An der Spitze gingen Heinrich und Witiko. Dann
folgten Werinhart und Benedicta, dann Wiulfhilt und Gebhart, dann Bertha und die
Frauen, dann gingen die Priester und dann die andern.
    Sie gingen in einen Saal, in welchem Speisen und Getrnke waren. Die Speisen
und Getrnke wurden zur Erquickung gereicht.
    Dann wurde Witiko in sein Gemach geleitet, und die Seinigen erhielten
Wohnungen.
    Und am dritten Tage nach diesem Tage kamen Herren mit Gefolge in die Burg.
Es kamen Erchambert von Marbach, Odescalch von Meisaha, die Brder Otto und
Walchun von Machland, Eppo von Windberg, Hartwik von Hagenau, Uthalrik von
Willeringe, Otto von Rote, Marquard von Wesen, Chunrat von Heichenbach, Heinrich
von Tannenbach, und Calhochus von Valchenstein. Es kamen noch die Dienstmnner
Herwig von Uberacha, Adelhart von Hutte und Dietmar vom Randshofe. Allen diesen,
und Dienstmannen von ihnen und Dienstmannen Heinrichs und Werinharts und
Gebharts wurde das Pergament vorgelegt, und sie hingen ihre Siegel zu den
Siegeln Heinrichs, Werinharts und Gebharts.
    Nun wurden an dem Tage Geschenke ausgetauscht. Witiko gab Bertha einen Kranz
aus Gold und edlen Steinen mit dunkelroten Waldrosen. Bertha gab Witiko fnf
dunkelrote Waldrosen aus edlen Steinen so zusammen gefgt, da man einen Grtel
damit schlieen konnte. Heinrich gab Witiko ein Waffengewand aus kunstvollen
Ringen und edlen Steinen, und Witiko gab ihm ein erlesenes Schwert mit kostbaren
Steinen. Von Wiulfhilt bekam Witiko einen Goldgrtel mit Kleinodien, und er gab
ihr ein Sammetgewand mit Gold. Den Angehrigen Heinrichs und seinen Mnnern gab
Witiko weie Stoffe aus sehr feiner Schafwolle, wie sie in Prag gemacht wurden,
dann die schnsten Pelzwerke, die in dem Walde gefunden werden konnten, dann
Waffen, Jagdgerte und Pferdeverzierungen. Er empfing von ihnen auch Stoffe,
Waffen, Kleinodien, Gewnder, und Gerte. Die Geleite Heinrichs und Witikos
tauschten Geschenke, und die fremden Gste empfingen und erteilten Gaben.
    Dann war ein groes Festmahl in dem Saale, und nach dem Festmahle waren
Spiele und ritterliche bungen. Abends wurden bunte Zelte an dem Berghange hin
errichtet, darin Mnner aus den Gefolgen bernachten konnten.
    Am nchsten Tage wurde vereinbart, da nach dreiig Tagen die Vermhlung
sein solle, und die Gste begannen sich zu zerstreuen.
    Witiko ordnete in seinem Reisegewande seinen Zug. Heinrich und Werinhart und
Gebhart geleiteten ihn mit Gefolgen bis an die Donau, und ein erlesener Zug von
Mnnern Heinrichs und Werinharts und Gebharts ging mit ihm bis in das
Witikohaus.
    Von dem Tage an rstete Witiko nun alles, was er fr die Feste in dem Walde
als notwendig erachtete. Er sandte auch Boten in vielen Richtungen aus, die
Gste zu laden.
    Vier Tage vor dem Vermhlungstage wurden Witiko, seine Mutter, seine Base,
Benno, die Frauen der Mutter und der Base und die Dienstmannen und die Geleite
Witikos durch einen feierlichen Zug von Mnnern Heinrichs, den Liutolt fhrte,
in das Schlo Schauenberg abgeholt. Der Zug ging am ersten Tage nach Velden, am
zweiten in die Burg Schauenberg.
    In die Burg kamen nun auch die Mnner, welche bei der Verlobung Zeugenschaft
geleistet hatten, und es kam noch eine groe Zahl anderer Mnner und Frauen und
Jungfrauen.
    Am festgesetzten Tage wurde die Vermhlung in der Schlokirche gefeiert. Es
vollzog sie der Burgpfarrer des Schlosses Schauenberg, und der Pfarrer der Stadt
Eferdingen. Der Pfarrer von Aschach und Benno waren an seiner Seite. Witiko
hatte ein weies Sammetgewand mit Gold, und er trug den goldenen Grtel
Wiulfhilts, und daran als Schlo die Waldrosen Berthas. Bertha hatte ein weies
Gewand aus Seide und Gold, und sie trug den Kranz der Waldrosen Witikos. Von
ihrem Haupte ging ein Schleier bis zu der Erde nieder.
    Nach der Vermhlung gingen alle in den groen Saal, und von dem Saale gingen
Heinrich, Wiulfhilt, Wentila, Witiko und Bertha in ein Gemach.
    Heinrich reichte Witiko die Hand.
    Wiulfhilt sprach: Ich habe einmal gesagt: Gott kann alles fgen, und kann
uns Freuden bereiten, die wir gar nicht vermutet haben, und mein Gatte hat
geantwortet: So fge er es. Ich glaube, da er es gefgt hat. Witiko wird in
Festigkeit und Treuem an unserem Kinde halten.
    Mutter, wie Ihr saget, wird es sein mein ganzes Leben lang, sprach Witiko.
    Bertha ging zu ihrer Mutter, und schlang beide Arme um ihren Nacken. Und die
Mutter kte ihre Tochter.
    Dann schlo Wentila die neue Tochter an ihr Herz.
    In dieser Zeit kam ein Bote, und sagte, es sei ein Ritter in einem weiten
Gewande mit goldenem Grtel, und es seien mit ihm Mnner in weiten Gewndern und
silbernen Grteln gekommen, und verlangen sogleich Gehr.
    Lasset sie in den Saal fhren, sprach Heinrich.
    Und da die Mnner im Saale Heinrichs standen, sagte der Ritter: Ich bin
Kriwosud, der Marschalk des hochehrwrdigen Bischofes von Olmtz, Zdik. Der
hochehrwrdige Bischof sendet mich an Euch, Herr Heinrich von Schauenberg, und
an Eure hohe Frau Gemahlin und an den Brutigam und an die Braut mit Briefen und
mit Kstchen.
    Ehe Ihr Eure Botschaft vollendet, sprach Heinrich, sagt, ob Euch eine
Frist zur Heimkehr gesetzt ist.
    Uns ist eine solche Frist nicht gesetzt, antwortete der Marschalk.
    So bleibt mit den Eurigen bei uns als Gast des Festes, und dann, so lange
es Euch beliebt, sagte Heinrich.
    Ich bleibe mit den Meinigen als Gast des Festes, sagte der Marschalk.
    Und lasset mich nun meine Gemahlin und Witiko und Bertha rufen, sprach
Heinrich, weil Ihr auch an sie Botschaft bringt.
    Und Heinrich sendete um Wiulfhilt, Witiko und Bertha, und diese kamen.
    Dann bergab Kriwosud die Briefe. Sie waren von dem Bischofe selber
geschrieben.
    In dem Briefe an Heinrich standen Worte des Dankes, da er ihn einmal nicht
erkannt hatte, da er ihn doch erkannt hatte, und die Bitte, da er eine
Erinnerungsgabe des Beschtzten nicht verschmhe.
    An Wiulfhilt und Bertha war die Bitte gerichtet, da sie eine freundliche
Gabe freundlich annehmen mgen.
    In dem Briefe an Witiko waren die Worte: Ich habe zu dir in Passau gesagt,
Witiko: Du hast treue Christenpflicht an mir gebt; mge sie dir im Walde
gelohnt werden, von dem Hause Heinrichs von Jugelbach bis an die Waldstelle, in
der du wohnen wirst. Mge Wladislaw die Stelle zieren, und mge ich etwas hinzu
tun knnen. Gott hat dich belohnt von dem Hause Heinrichs von Jugelbach aus, wie
ich es geahnet habe, bis an die Waldstelle, in der du nun wohnest. Wladislaw hat
deine Waldstelle geziert, ich habe nichts dazu zu tun vermocht, weil Wladislaw
alles getan hat. Vielleicht kann ich einmal eine Zierde bringen, die dich freut.
Nimm von meinem Boten an, was er dir berreicht, und halte es fr ein Denkmal
deiner Vermhlungszeit.
    Nachdem die Briefe gelesen waren, brachten vier Mnner die vier Kstchen
herbei, und die Kstchen wurden geffnet. In dem Kstchen Heinrichs lag ein
Schwert. Die Scheide war aus weiem Sammet mit roten Steinen. Der Griff war aus
Gold, und die Klinge hatte goldne Zieraten.
    In dem Kstchen Wiulfhilts war roter Sammet und weies Hermelin.
    In dem Kstchen Berthas war ein Halskleinod von Gold und kostbaren Steinen.
    In dem Kstchen Witikos war ein Waffenkleid mit kunstreichen Ringen, und die
Sume waren Gold und edle Steine.
    Die Gaben wurden empfangen, der Dank wurde gesprochen, und Kriwosud wurde
gebeten, die Briefe, die man fertigen wrde, zurck zu bringen.
    Die Feste nach der Vermhlung dauerten sieben Tage. Und wer kam, wurde
bewirtet, und wenn er es bedurfte, beschenkt.
    Dann begannen die Gste Abschied zu nehmen, und es wurde in der Burg der Zug
in das Witikohaus gerstet.
    Da kam einmal ein Mann zu Witiko, und sagte: Erlaubet mir, hochedler Herr,
da ich die Burg betrachte, die Ihr auf dem hohen Walde erbaut habt, wie Ihr die
Burg Schauenberg, da sie gebaut wurde, betrachtet habt. Ich habe Euch Euer Glck
geweissagt.
    Du bist der Schaffner, der mir den Bau der Burg Schauenberg gezeigt hat,
sagte Witiko.
    Ja, entgegnete der Mann, und ich habe gesagt: Reiset glcklich, und mget
Ihr Eure Ziele erreichen, junger Herr. Und Ihr habt das Ziel erreicht. Wer htte
damals gedacht, da Ihr der Ehegemahl unserer Bertha sein werdet. Ihr werdet
jetzt oft zu uns kommen, und einige von uns werden zu Euch kommen, vielleicht
sehe ich da die Burg.
    So komme einmal mit der Genehmigung deines Herrn als Gast zu mir, und ich
werde dir die Umsicht aus der Burg meines Waldes zeigen, wie du mir die Umsicht
der Burg dieses Berges gezeigt hast.
    Ich werde kommen, hochedler Herr, sagte der Mann, und gehabt Euch wohl.
    Gehabe dich wohl, sagte Witiko.
    Am neunten Tage nach der Vermhlung wurde eine Reihe Saumtiere mit Gut und
Habe gegen das Witikohaus gesendet.
    Am eilften Tage ging der Zug von der Burg Schauenberg fort. Es waren
Heinrich, Werinhart und Gebhart mit ihren Geleiten, es waren Wiulfhilt und
Bertha mit ihren Frauen und Jungfrauen, es war der Burgpfarrer von Schauenberg,
es war Witiko mit seinen Mnnern, es waren Wentila und Hiltrut mit ihren Frauen,
und es war Benno. Dann war Kriwosud, weil ihn Witiko geladen hatte, und es waren
Herren und Ritter mit ihren Gefolgen, die Gste des Witikohauses waren, und sich
zu dem Zuge gesellt hatten. Unter den Jungfrauen, die bei Bertha bleiben
sollten, war Trude, und unter den Dienern Wolf.
    Es kamen wieder Menschen herzu, den Zug zu betrachten.
    In Aschach waren die Schiffe Heinrichs. Sie waren bemalt, waren mit schnen
Stoffen belegt, und trugen farbige Wimpel. In den Schiffen fuhr der Zug ber die
Donau.
    Dann ging er die Hhen hinan, und ging auf den Hhen und in den Wldern dem
Witikohause zu.
    Am Nachmittage des nchsten Tages nherte er sich demselben.
    In ihm waren schon Herren und Ritter als Gste. Diese ritten in dem
schnsten Schmucke durch den Wald herunter, um den Zug hinan zu geleiten.
    Als er gegen die Burg kam, sahen die Mnner und Frauen desselben sehr viele
Gezelte unter den hohen Tannen und Buchen des Waldes und auf dem grnen Rasen
vor der Burg stehen. Die Menschen aus dem Walde und aus den Gegenden neben dem
Walde waren herzu gekommen, und brachten Jubelrufe und Glckrufe und Segenrufe
aus. Und Pfeifen und Hrner und Zimbeln und Geigen erschallten, und Gesnge
mischten sich hinein. Vor dem Tore der Burg war ein Bogen aus Blumen, und
Jungfrauen brachten der Burgherrin Blumen, und streuten Blumen auf ihren Weg.
Dann standen alle Richter Witikos, und einige sagten die Hochzeitsprche, die in
den Wldern galten. Dann standen Huldrik und Martin und alle Leute Witikos. Von
den Fenstern hingen schne Tcher herab, und zwischen den Fenstern waren
Blumengewinde. Der Zug und die geschmckten Gste, die ihm entgegen geritten
waren, gingen durch das Tor ein.
    Und bis zu dem Abende kamen noch immer Gste. Es waren dann in der Burg der
alte Lubomir, Ctibor und Nemoy, es waren Rowno, Diet, Osel, Wyhon, Hermann,
Witislaw und alle Herren des Waldes, die mit Witiko in dem Kriege gewesen waren,
es waren Welislaw, Odolen, Wecel, Casta, Zwest, Jurik, Sezima, Zdeslaw, dann
Moyslaw und Radosta, die Shne Lubomirs, und dann die Sippen Rownos, es waren
der alte Ritter vom Krenberge, der alte Heinrich von Oftering, Uthalrik von
Willeringe, Otto von Rore, Marquard von Wesen, es waren Thiemo von der Aue, der
junge Heinrich von Oftering, der junge Ritter vom Krenberge, Marchard von
Hintberg, Gebhart von Abbadesdorf, Ebergus von Aland, Werinhard von Brun,
Juborth von Tribanswinchel, Viricus von Gaden, und der junge Hartung von
Ruhenegk, und es waren Wolfgang von Ortau, Rudolph von Bergheim, Hans vom
Wrthe, Werinhart von Hochheim und Heinrich von Rineck bei dem Zuge. Mit den
Mnnern waren Frauen und Jungfrauen, und es waren Dienstmannen und Gefolge
gekommen. Aus dem Walde waren die Pfarrer von Friedberg und Plan da, es waren
die Richter da, und es waren die da, welche in dem Kriege Obmnner gewesen
waren, und wer sonst hatte kommen wollen, war als Gast aufgenommen worden. Viele
wurden in der Burg beherbergt, viele waren in den Gezelten, und von dem Volke
war ein Teil in der warmen Nacht unter den Bumen des Waldes, ein Teil war auf
dem freien Rasen zwischen den grauen Gesteinen.
    Am Morgen des nchsten Tages wurde ein feierlicher Gottesdienst unter dem
offenen Himmel des Waldes abgehalten. Dann saen Witiko und Bertha unter Tannen
auf schnen Gesiedeln, und die Gste, Herren und Frauen, und die Richter und die
Obmnner und andere Untertanen Witikos und noch andere Leute aus dem Walde,
Mnner und Frauen, kamen hinzu, und brachten Glckwnsche dar, oder sagten
Sprche, oder reichten Blumen und Krnze. Dann wurden die Gste zu einander
gefhrt, wurden einander genannt, und sie schlossen Genossenschaft und
Bekanntschaft. Dann war ein Mahl, und nach dem Mahle war ein groer Zug in
prunkenden Gewndern durch allerlei Richtungen des Waldes, und durch andere
Richtungen wieder zurck.
    Am folgenden Tage waren Spiele. Es war in dem Tale, in welchem die Moldau
flo, ein Anger mit Schranken eingefat, und es war Sand auf den Anger
geschttet, da er ein Turnierplatz wurde. Witiko und seine Gste, und die zu
Witiko und den Gsten gehrten, zogen von der Burg durch den Wald zu der Moldau
hinab. Und es waren die ritterlichen Festkmpfe, die in Deutschland und die in
sterreich und die in Bhmen im Gebrauche waren. Frauen verteilten von den
Sllern die Preise.
    Auf den vielen freien Pltzen, die sich in dem Walde an der Moldau befanden,
waren die Spiele und Erheiterungen der Bewohner des Waldes. Sie hatten ihre
Wettkmpfe im Bogenschieen, im Schieen mit der Armbrust, im Werfen von Lanzen
oder Steinen, im Laufen, im Springen, im Klettern und im Ringen. Dann waren
Spiele mit Reifen, mit Bllen, mit Stangen und mit Seilen. Dann waren Tnze und
Gesnge, es waren Neckbungen in Rede und Antwort, und mancher kam als Pilger
oder Jger oder Kohlenbrenner oder Pechsammler, und suchte sich in seinen Reden
und Schaustellungen darzutun.
    Witiko und viele Herren und Frauen gingen auf die Pltze, und sahen, was da
geschah.
    Witiko und Bertha und Wentila und Wiulfhilt und Lubomir und Boleslaw und
Welislaw und Dimut und Odolen und Rowno kamen nach und nach gegen den dichteren
Wald, und wo man von den Menschen nichts mehr vernehmen konnte. Da hrten sie
eine Geige tnen, und die Tne der Geige waren sehr lieblich. Sie gingen der
Stelle zu, und kamen auf einen lichteren Platz, auf welchem Fhren in
Zwischenrumen standen. Unter den Fhren waren Menschen, und unter einer Fhre
sa auf einem Baumstrunke Tom Johannes, und spielte auf der Geige. Die Menschen
hrten ihm zu. Sie machten Raum, da Witiko kam, und er ging mit denen, die bei
ihm waren, bis zu Tom Johannes. Der Fiedler fuhr in seinem Spiele fort, und alle
hrten zu. Als er geendet hatte, sprach Witiko: Ich habe dir gesagt, Tom
Johannes, da deine Geige noch in dem grnen Walde singen wird, und sie singt
schner als sonst.
    Sie singt schlecht, sagte der Fiedler, diese Geige des hohen Herzoges
kann singen, wie keine Geige auf der Welt; aber ich kann sie nur so gut singen
machen, wie ich kann. Siehe, Witiko, ich habe mir ein Knie an den Bogen gemacht,
wie meine Hand ein Knie hat, und nun vermag ich wieder zu streichen.
    Und du streichst, wie es andere nicht knnen, sagte Witiko.
    Sonst habe ich es besser vermocht als andere, sprach der Fiedler, wie es
jetzt ist, wei ich nicht.
    Und hast du schon fter auf der Geige des Herzogs gespielt? fragte Witiko.
    Ich habe es auf ihr gelernt, antwortete der Fiedler, und spiele heute zum
ersten Male vor Menschen, weil ein Tag der Ehren fr dich ist, Witiko.
    So mu ich dir Dank bringen, sagte Witiko, und ich danke dir, und wenn du
in meine Burg kommen willst, werde ich dir noch mehr danken, und wenn ich nach
Plan komme, werde ich zu dir gehen, und dir wieder danken.
    Ich werde einmal in deine Burg kommen, sagte der Fiedler.
    So tue es, antwortete Witiko.
    Und Tom Johannes geigte noch manches auf der Geige des Herzogs, und Witiko
und seine Gefhrten hrten zu.
    Dann lobten sie ihn, verabschiedeten sich, und gingen ihres Weges weiter.
    Ehe der Abend kam, ging der Zug wieder zu dem Witikohause hinauf.
    Am nchsten Tage wurde das Pergament Witikos ausgefertigt, und seine Freunde
und andere Mnner hingen ihre Siegel daran.
    In den folgenden Tagen war fters Jagen nach den wilden Tieren des Waldes,
und da lernte der Ritter vom Krenberge, wie er einmal gesprochen hatte, die
Buchen und Tannen des Waldes und die Bren kennen, und Odolen und Welislaw und
die andern bhmischen Freunde Witikos lernten kennen, wie der Wald Witikos ist,
und Wolfgang von Ortau und seine Freunde erfuhren die Gastlichkeit der
Waldleute, wie sie von denselben in Prag angeboten worden ist.
    Es geschahen dann auch Zge zu manchen Herren in dem Walde.
    Und an einem Tage sprach Welislaw zu Dimut: So hast du mich, schner
Krieger, besiegt, den ich besiegen wollte, und so kann ich nicht ohne dich sein,
kein Gedanke ist in mir ohne dich, ich kann ohne dich nicht leben und nicht
sterben, und so nimm mich, da ich dein Gatte sei in Liebe und Treue und
Sorgfalt und Unzertrennlichkeit, immer fort und fort, so wahr mir Gott in jener
Welt helfe.
    Und Dimut antwortete: Und weil du getreu und stark bist, Welislaw, so will
ich deine Gattin sein in Liebe und Treue und Dauer, so wahr mir Gott helfe.
    Dann gibst du mir doch den Pfeil, sprach Welislaw.
    Er wird das Eigentum von uns beiden sein, antwortete Dimut.
    Und als die Feste zwlf Tage gedauert hatten, schieden die Freunde Witikos
mit Segenswnschen fr sein Glck, und mit Lobpreisungen Berthas und mit
Lobpreisungen des Waldes. Und andere Gste schieden auch mit dem Ruhme und
Preise der Burgherrin und dem Ruhme und Preise der Wlder.
    Und als alle fort waren, stand Witiko mit Bertha auf dem Mittagsller des
Schlosses, und zeigte ihr die Fluren und Berge, von denen er ihr auf den Steinen
der einsamen Wiese bei dem Waldhause ihres Vaters erzhlt hatte.

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 Schwellende Fluten.

Als nach der Entfernung der Gste von dem Witikohause eilf Tage vergangen waren,
ritten fnf Mnner auf dem Wege von Friedberg durch den Wald zu dem Witikohause
empor. Da sie vor der Burg waren, tnte in derselben das Zeichen, sie erwiderten
das Zeichen, und ritten in den Hof. Sie waren in weiten gegrteten Gewndern,
und einer fhrte ein Saumro. In dem Hofe stiegen sie von den Pferden, die
Pferde wurden von den Knechten Witikos in den Stall gebracht, und die Mnner von
Huldrik in den Saal zu Witiko gefhrt.
    Witiko ging ihnen entgegen, und als er zu dem gekommen war, der ihr Fhrer
schien, weil er einen silbernen Grtel hatte, rief Witiko: Bores, du getreuer
Mann, den ich seit dem vierzehnten Tage des Monates Hornung des Jahres 1140
nicht gesehen habe, an welchem Tage der gute Herzog Sobeslaw gestorben ist.
    Witiko, ich gre dich, sagte Bores. Und wie ich dir in jenem traurigen
Winter einen Mann in dein Haus nach Plan geschickt habe, der dir meine
Botschaften brachte, und wie ich dir mit einem Briefe, den ich geschrieben
hatte, den Grtel des Herzoges Sobeslaw geschickt habe, den dir die Herzogin
Adelheid geschenkt hat, so bin ich heute als ein Abgesandter des Herzoges
Wladislaw in deiner Burg, um dir Dinge von dem Herzoge zu bringen.
    Und dich hat der Herzog zu der Sendung gewhlt? fragte Witiko.
    Ja, entgegnete Bores. Der Herzog hat gesagt: Bores, der du ein treuer
Diener Sobeslaws in seinem Leben und bei seinem Tode gewesen bist, der du die
Herzogin Adelheid behtet hast, bis sie schon nach einem halben Jahre ihrem
Gatten aus Gram gefolgt ist, reite zu Witiko, der meinen Oheim Sobeslaw geliebt
und seine Gattin Adelheid geehrt hat, und bringe ihm, was ich ihm schicke.
    Und welche Schicksale hast du seit jenem Winter erlebt? fragte Witiko.
    Ich habe gar keine Schicksale erlebt, antwortete Bores; der Herzog
duldete nicht, da ich etwas anderes sei als der Kastellan von Hostas Burg, und
da ich etwas anderes tue, als die Befestigung der Burg zu leiten, und die Burg
zu behten. Der Herzog sagte, ich drfe nicht in den Krieg ziehen, in welchem
als Feind Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, ist, weil Sobeslaw unter meiner Burghut
gestorben ist, und ich ihn den Mnnern bergeben habe, die ihn geziert und auf
den heiligen Wysehrad gebracht haben.
    So nehmet Sitze in meinem armen Hause, sagte Witiko, und verschmhet
nicht die Gastlichkeit desselben.
    Er wies auf Sthle, die an einem schnen langen Buchentische standen, und
die Mnner setzten sich auf die Sthle. Er setzte sich zu ihnen.
    Dann gab er einem der Seinen ein Zeichen.
    Derselbe entfernte sich, und kam mit Huldrik zurck, dem zwei Mnner
folgten, von denen einer Brod und der andere Salz trug. Sie stellten das Brod
und das Salz auf den Tisch. Witiko bot es den Mnnern an. Alle nahmen etwas
davon.
    Huldrik verneigte sich nun tief vor den Mnnern, und verlie den Saal.
    Er kam nach kurzer Frist wieder, und drei Knechte trugen hinter ihm Wein und
Kuchen und Becher. Sie stellten die Dinge auf den Tisch.
    Witiko sprach darauf zu den Mnnern: Weil ihr die Gastlichkeit meines
Hauses durch Brod und Salz angenommen habt, und mich ehret, so teilt mit mir den
Empfangswein und den Empfangskuchen.
    Huldrik lie durch einen Mann den Kuchen zerschneiden, und durch einen
anderen Wein in sechs Becher fllen.
    Jeder der fnf Mnner nahm nun einen Becher, und trank daraus. Dann nahm
jeder ein Stckchen Kuchen, und a es.
    Hierauf trank auch Witiko aus seinem Becher, und nahm ein Stckchen Kuchen,
und a es.
    Und nun verweilet in dieser Burg, so lange es euch gefllt, sagte er zu
den Mnnern.
    Wir werden hier so lange verweilen, als es unsere Zeit gestattet, sprach
Bores, weil du uns unter dein Dach freundlich aufgenommen hast.
    Und bist du zu jeder Frist in Hostas Burg gewesen? fragte Witiko.
    Ich bin immer in Hostas Burg gewesen, antwortete Bores. Nur ein Mal jedes
Jahres bin ich nach Prag gekommen, wenn die Gedchtnisfeier des Herzogs Sobeslaw
und der Herzogin Adelheid gewesen ist, die sie gestiftet haben, da sie noch
lebten. Und da habe ich auf ihrem Grabe gebetet. Der Herzog Wladislaw hat mir
jedes Mal die Erlaubnis gegeben.
    Und haben viele Menschen der Gedchtnisfeier beigewohnt? fragte Witiko.
    Viele, antwortete Bores, alle Priester des Wysehrad, auf dem die Feier
ist, die Priester der Stadt Prag und der beiden Burgflecken, bte und andere
fremde Priester, alte Lechen der Lnder und auch junge und viel Volk. Und wenn
der Herzog in Prag war, feierte er mit der Herzogin die Gedchtnisfeier mit,
sonst nur die Herzogin allein.
    Ich gedenke die nchste Sterbezeit Sobeslaws und Adelheids in Prag mit zu
begehen, und meine Ehegemahlin Bertha dahin mit zu bringen, sagte Witiko.
    Wenn Ruhe ist, und du nicht im Felde liegen mut, sagte Bores.
    Es wird wohl ruhig sein, sprach Witiko.
    Der Herzog vermehrt seine Kriegsmnner, antwortete Bores, er ordnet sie,
sorgt fr den Waffenvorrat, und befestiget seine Burgen.
    Ist Hostas Burg schon fertig geworden? fragte Witiko.
    Sie ist noch nicht fertig, antwortete Bores; die Befestigungen werden
stark gemacht, und dehnen sich aus. Der Herzog ist selber schon manches Mal in
der Burg gewesen, und hat gesagt: Bleibe in deinem Horste, Bores, und rste ihn.
Jetzt aber hat er mich nach Prag rufen lassen, und hat gesagt, da ich mir vier
Mnner auslesen, und zu dir reiten soll. Ich habe mir vier Mnner ausgelesen,
und nun bin ich bei dir.
    Und sind die Gemcher, in denen Sobeslaw und Adelheid gewesen sind, noch in
dem alten Stande? sagte Witiko.
    Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, ist nach dem Tode seines Vaters von der Burg
fort, antwortete Bores, und ist nicht mehr in dieselbe gekommen. Adelheid hat
dunkle Tcher in das Sterbezimmer Sobeslaws hngen lassen, und hat in demselben
gelebt, und ist in demselben gestorben. Dann sind die andern Kinder fortgebracht
worden. Der Herzog Wladislaw hat durch Gerichtsmnner alles durchsuchen und
aufschreiben lassen, und hat alles gelassen, wie es ist. Ich und Welkaun und
Bawor, die mir beigegeben wurden, sind die Hter. Das Bett mit der Brendecke
steht noch in dem Gemache, und der Schrein steht an dem Bette, und in dem
Schreine ist das rote Beutelchen mit dem goldenen Kreuzlein, das er dir
mitgegeben hatte, als du von ihm nach Prag geschickt worden bist. Und dann steht
auch noch das groe Kreuz in dem Gemache.
    Ich danke dir, Bores, sagte Witiko. Weil der hocherlauchte Herzog
Wladislaw dich als den treuen Diener Sobeslaws zu mir geschickt hat, so ehrt er
das Andenken Sobeslaws, und er wird es verzeihen, wenn ich die Ehre ehrte, und
zuerst um Dinge fragte, die Sobeslaw und Adelheid angehen. Und nun, Bores, was
begehrt der hocherlauchte Herzog von mir, und gehrt die Botschaft fr mich
allein?
    Sie gehrt dir nicht allein, antwortete Bores.
    So lasse dich im Kreise meiner Mnner empfangen, sagte Witiko.
    Er schlug mit einem Stabe auf eine Glocke, und als ein Diener eintrat, sagte
er: Huldrik lade Beda und meine Mnner in den Saal, eine Botschaft des hohen
Herzoges Wladislaw ist angekommen.
    Der Diener entfernte sich, und in kurzer Zeit kam Beda, und es kamen Mnner
Witikos in den Saal. Sie stellten sich in einer Ordnung auf. Witiko erhob sich,
Bores und seine Mnner erhoben sich auch. Bores trat vor Witiko, und sagte:
Witiko vom Witikohause, sei gegret.
    Witiko antwortete: Bores, sei gegret, was ist dein Begehr?
    Ich bringe Gru und Botschaft von Wladislaw, dem hocherlauchten Herzoge von
Bhmen und Mhren, sagte Bores.
    So erffne uns den Gru und die Botschaft und den Befehl des hocherlauchten
Herzoges, sagte Witiko.
    Bores antwortete: Der hocherlauchte Herzog Wladislaw sendet durch mich,
Bores, den Kastellan von Hostas Burg, an dich, Witiko vom Witikohause, und an
deine hohe Gemahlin, Bertha von Schauenburg, den besten Gru, und er sendet an
euch beide den Glckwunsch zu eurer Vermhlung, und er sendet eine Hausgabe, und
bittet, sie zu nehmen, wie ihr die andern Hausgaben genommen habt. Und Gertrud,
die hocherlauchte Herzogin von Bhmen und Mhren, die Gemahlin des Herzogs
Wladislaws, sendet durch mich, Bores, den Kastellan von Hostas Burg, an dich,
Witiko vom Witikohause und an deine hohe Gemahlin, Bertha von Schauenberg, den
besten Gru, und sie sendet an euch beide den Glckwunsch zu eurer Vermhlung,
und sie sendet eine Hausgabe, und bittet, da ihr sie annehmet.
    Witiko antwortete darauf: Bores, Kastellan auf Hostas Burg, Abgesandter des
hocherlauchten Herzoges Wladislaw, ich habe vernommen, was du von dem
hocherlauchten Herzoge und der hocherlauchten Herzogin an mich berichtet hast.
Es geziemt sich, da meine Gemahlin, Bertha von Schauenberg, auch vernehme, was
an sie von dem hocherlauchten Herzoge und der hocherlauchten Herzogin berichtet
wird. Beda und zwei Mnner, bittet sie, da sie zu uns in den Saal komme.
    Beda und zwei Mnner entfernten sich aus dem Saale.
    Die in ihm zurckgeblieben waren, schwiegen nun.
    Nach einer kurzen Zeit ffneten sich die Flgeltren des Saales, und Bertha
ging in denselben herein, zwei Frauen und zwei Jungfrauen folgten ihr. Beda und
die zwei Mnner gingen zuletzt herein. Bertha hatte ein dunkelblaues Kleid aus
Sammet und einen silbernen Grtel.
    Sie blieb mit ihren Begleiterinnen an der Seite Witikos stehen.
    Witiko sprach zu ihr: Bertha, meine Gemahlin, es ist von dem erlauchten
Herzoge Wladislaw Botschaft an mich und dich gekommen, hre sie an.
    Bertha blieb stehen. Bores trat vor sie, neigte sich, und sprach:
Wladislaw, der hocherlauchte Herzog von Bhmen und Mhren, und Gertrud, die
hocherlauchte Herzogin, seine Gemahlin, senden durch mich, Bores, den Kastellan
von Hostas Burg, an Witiko vom Witikohause und an seine hohe Gemahlin, Bertha
von Schauenberg, die besten Gre und die Glckwnsche zur Vermhlung, und sie
senden eine Hausgabe, und bitten, da ihr sie annehmet, wie ihr die andern
Hausgaben angenommen habt.
    Nach diesen Worten verneigte sich Bores wieder, und trat zurck.
    Beda aber geleitete Bertha und ihr Gefolge zu Sitzen.
    Witiko sprach nun: Ich nehme in Ehrerbietung den Gru und den Glckwunsch
und die Hausgabe des hocherlauchten Herzoges und der hocherlauchten Herzogin an,
und sage ihnen durch dich, Bores, den Kastellan von Hostas Burg, den
unterwrfigen Dank, und werde ihnen meinen ferneren Dank in Prag darbringen.
    Bertha erhob sich nun von ihrem Sitze, und sprach: Ich nehme in
Ehrerbietung den Gru und den Glckwunsch und die Hausgabe des hocherlauchten
Herzoges und der hocherlauchten Herzogin an, und sage ihnen durch dich, Bores,
den Kastellan von Hostas Burg, den unterwrfigsten Dank.
    Nach diesen Worten setzte sich Bertha wieder auf ihren Stuhl.
    Witiko aber sprach: Wenn es meiner Gemahlin genehm ist, so bitte ich sie,
mit mir auch den Dank in Prag darzubringen.
    Ich folge meinem Gemahle mit Freuden nach Prag, sagte Bertha.
    Bores aber sprach: Gebet mir nun die Erlaubnis, hoher Herr und hohe Frau,
da ich die Hausgabe bringen lassen darf.
    So lasse sie bringen, sagte Witiko.
    Die Mnner, welche bei Bores waren, entfernten sich aus dem Saale. Sie kamen
aber bald wieder, und mit ihnen kamen Knechte, welche Kstchen trugen. Sie
stellten die Kstchen auf den Tisch, und gingen fort.
    Bores reichte Witiko einen kleinen goldenen Schlssel, wies auf ein
Kstchen, und sagte: Der hocherlauchte Herzog bittet dich, da du das Kstchen
ffnest.
    Das Kstchen war aus sehr schnem Wacholderholze und mit goldenen Zierden
belegt.
    Witiko ffnete es.
    Das Innere war mit weier Seide berzogen, und auf einem Kissen aus weiem
Sammet lag in einer Vertiefung ein lngliches Stckchen Holz wie ein schmaler
Span, der von einer Linde gelst worden ist.
    Witiko sah auf Bores.
    Bores aber sagte: In dem Gemache, in welchem der Herzog Sobeslaw gestorben
ist, steht das hohe Kreuz des Heilandes. Das Kreuz ist aus dem Holze der Linde
geschnitzt worden, unter der der Herzog Sobeslaw auf einem Zuge nach Mhren von
seinen treuen Rten Zdeslaw und Diwis die Botschaft empfangen hatte, da ihm die
Herren Miroslaw und Strezimir durch zwei Dienstleute nach dem Leben streben, und
unter der er die Verhaftung der Schuldigen angeordnet hatte. Dieses Kreuz
umschlang die Herzogin Adelheid nach dem Sterben ihres Gemahles, und vor diesem
Kreuze betete sie bis zu ihrem Tode. An einem heiligen Pfingstsonntage fiel ein
Span von dem Rcken des Kreuzes herunter, und die Mnner, die kunstreich in Holz
arbeiten, konnten nicht sagen, wie der Span sich von dem Kreuze gelset habe.
Der Herzog Wladislaw lie zum Denkmale den kleinen Span aufbewahren, und lie
die Stelle an dem Kreuze, aus welcher er gekommen war, offen. Das Stckchen Holz
in dem Kstchen ist der Span, und der Herzog sendet ihn dir. Er hat alles in
eine Schrift setzen lassen, und die Schrift liegt unter dem weien Kissen.
    Witiko antwortete: Ich nehme in Demut das heilige Kleinod, und werde es in
meiner Burgkirche aufbewahren, und wenn ich eine grere Kirche gebaut habe,
werde ich es in der greren Kirche aufbewahren. Der Schlssel zu dem Kstchen
wird in der Kirche sein. Rufet den frommen Vater Benno, und geleitet meine
Mutter und meine Base und ihre Frauen hieher.
    
    Mehrere Mnner gingen aus dem Saale, und einer kam mit Benno, und die andern
kamen mit den Frauen und ihren Geleiten zurck.
    Die Frauen setzten sich auf Sthle.
    Witiko sprach: Hochehrwrdiger Vater Benno, Mutter Wentila, Base Hiltrut,
dieser Mann ist Bores, der Kastellan in Hostas Burg, in welcher der Herzog
Sobeslaw und die Herzogin Adelheid gestorben sind. Er bringt von dem
hocherlauchten Herzoge Wladislaw und der hocherlauchten Herzogin Gertrud gute
Gre und Glckwnsche zur Vermhlung und Hausgaben.
    Bores neigte sich gegen alle, die genannt wurden, und sie neigten sich gegen
ihn.
    Darauf sprach Witiko: Der hocherlauchte Herzog Wladislaw sendet mir einen
kleinen Span von dem Kreuze aus dem Sterbegemache Sobeslaws, welcher Span sich
an einem heiligen Pfingstsonntage von dem Kreuze gelst hatte, wie es die
kunstfertigen Mnner, die im Holze schnitzen, nicht zu erkennen vermgen. Eine
Schrift, die der hohe Herzog hat verfertigen lassen, besaget alles.
    Nach diesen Worten zog er an einem kleinen Bndchen ein Fach unter dem
weien Kissen heraus, und nahm aus dem Fache ein Pergament. Er reichte dasselbe
dem Priester Benno, und sagte: Lese es uns, frommer Vater.
    Benno las die Schrift laut vor.
    Dann wurde sie wieder in das Fach gelegt, und das Fach unter das Kissen
geschoben.
    Hierauf nahm Benno das kleine Stcklein Holz, und reichte es Witiko zum
Kusse. Dann reichte er es Bertha, dann Wentila, dann Hiltrut, dann allen Frauen
und allen Mnnern, und zuletzt kte er es selber. Dann legte er es wieder auf
das Kissen.
    Witiko schlo das Kstchen, reichte den Schlssel dem Priester Benno, und
sprach: Hochehrwrdiger Vater Benno, der du jetzt den Gottesdienst in unserer
Burgkirche feierst, ich gebe dir den Schlssel zu dem heiligen Kleinode in deine
Verwahrung, und gebe das Kleinod in die Verwahrung der Kirche. Es mge heute
hier bewacht und morgen feierlich in die Kirche gebracht werden.
    Es geschehe, wie du sagst, Herr, antwortete Benno.
    Nach diesen Worten barg er das Schlsselchen an seiner Brust.
    Dann sagte Bores: Ist es dir genehm, hoher Herr, die andern Kstchen zu
ffnen?
    Es ist mir genehm, hoher Kastellan, antwortete Witiko.
    Bores reichte nun einen zweiten Schlssel an Witiko, und sagte: Er schliet
das dunkelbraune Kstchen auf.
    Witiko ffnete mit dem Schlssel ein Kstchen von dunkelbraunem Holze,
welches sehr schn gebohnt war.
    In dem Kstchen waren zwei silberne Kannen und zwlf silberne Becher. Auf
einer Kanne war das Bild des Heilandes, auf der andern das Bild Marias, und auf
den Bechern die Bilder der zwlf Apostel. Sonst waren Stbe und Laubranken
kunstreich in die Gefe gegraben.
    Bores reichte wieder einen Schlssel an Witiko, und sagte: Er schliet das
schwarze Kstchen auf.
    In dem schwarzen Kstchen waren zwlf silberne Teller, und sie waren
kunstvoll gearbeitet wie die Trinkgeschirre.
    Bores reichte wieder einen Schlssel an Witiko, und sagte. Er schliet das
rote Kstchen auf.
    In dem roten Kstchen war roter Sammet, kostbares Pelzwerk aus der Fremde
und Juwelen.
    Witiko schaute alle diese Dinge an, und Bertha und Wentila und Hiltrut und
Benno wurden von ihm zu dem Tische gerufen, und sie betrachteten diese
Geschenke. Als sie dieselben betrachtet hatten, rief Witiko seine Mnner herzu,
die Geschenke des Herzoges zu sehen.
    Die Mnner gingen einer hinter dem andern an den Tisch, und sahen die
Geschenke an.
    Darauf sagte Witiko: Gott lohne es dem hohen Herzoge, da er an einen
seiner geringen Mnner und an sein Weib denkt, und Gott lohne es der hohen
Herzogin, da sie des Sinnes ihres Gatten ist. Ich nehme in Ehrerbietung die
Hausgaben an, trage dir, Bores, Kastellan von Hostas Burg, in Lieb und Treuen
den Dank auf, bis ich selber mit meiner Gemahlin nach Prag komme. Ich rufe: Heil
Wladislaw, dem hocherlauchten Herzoge von Bhmen und Mhren, und Heil Gertrud,
der hocherlauchten Herzogin.
    Die Mnner Witikos riefen: Heil Wladislaw, dem hocherlauchten Herzoge von
Bhmen und Mhren, und Heil Gertrud, der hocherlauchten Herzogin.
    Darauf erhob sich Bertha von ihrem Sitze, und sprach: Weil der hohe Herzog
und die hohe Herzogin meinen Gatten geehret und mich genannt haben, wie bei uns
in den deutschen Landen die Frsten ihre Mnner und die Frauen derselben ehren,
so bitte ich dich, Bores, Kastellan von Hostas Burg, bringe meinen Dank an den
hocherlauchten Herzog und an die hocherlauchte Herzogin, bis ich mit meinen
Gatten nach Prag komme. Und ich rufe wie mein Gatte: Heil Wladislaw, dem hohen
Herzoge von Bhmen und Mhren, und Heil Gertrud, der hohen Herzogin.
    Und Wentila und Hiltrut und Benno und die Mnner Witikos riefen: Heil
Wladislaw, dem hohen Herzoge von Bhmen und Mhren, und Heil Gertrud, der hohen
Herzogin.
    Dann sagte Bertha: Und weil du, Bores, mit deinen Mnnern unser Dach nicht
verschmht hast, so werde ich trachten, euch eine Hauswirtin zu sein, wie sie
meine Mutter, Wiulfhilt von Dornberg, ist, und wie sie meine Gromutter,
Benedicta von Aschach, ist. Dann setzte sie sich wieder nieder.
    Witiko aber sprach: Lasset nun die Kstchen schlieen, und bis auf das
heilige in die Kleinodienstube bringen. Dich, Bores, und deine Mnner werde ich
in eure Stuben geleiten, da ihr ruhet, und da ihr dann das Brod an unserem
Tische teilet.
    Zwei Mnner gingen nach diesen Worten Witikos fort. Sie kamen mit andern
Mnnern wieder. Zwei bewaffnete Knechte stellten sich auf die Weisung zu dem
heiligen Kstchen. Die andern empfingen von Witiko die geschlossenen Kstchen,
und trugen dieselben fort. Dann erhoben sich die Frauen und ihre Geleite von
ihren Sitzen. Bertha und Wentila grten mit freundlichen Worten Bores und seine
Mnner, und dann gingen die Frauen und ihre Geleite aus dem Saale. Dann fhrte
Witiko Bores und seine Mnner in ihre Gemcher, und alle auer den zwei
bewaffneten Knechten verlieen den Saal.
    Am andern Tage wurde das Kstchen mit dem Holze des Kreuzes des Heilandes
feierlich von dem Saale in die Kirche gebracht, und alle Menschen der Burg waren
bei dem heiligen Gottesdienste, welchen der fromme Vater Benno verrichtete.
    Bores blieb acht Tage als Gast in dem Witikohause, und wurde dort geehrt. Es
kamen Nachbarn Witikos, ihm Ehre zu bringen, und die Geschenke des Herzoges zu
sehen. Auch Leute aus dem Walde kamen, um die Gaben des Herzoges und der
Herzogin zu beschauen. Witiko lie sie ihnen durch Huldrik zeigen. Huldrik sagte
den Leuten: Die Geschirre sind jetzt von Silber; aber sie werden einmal von
Gold sein.
    Am neunten Tage verabschiedete sich Bord, und Witiko geleitete ihn mit einem
Gefolge bis in die krumme Au.
    An dem nmlichen Tage kam auch die Botschaft an Benno, da er zu dem
Kardinale Guido nach Prag kommen mge.
    Witiko gab ihm ein gutes Pferd, und rstete fnf Reiter und zwei Mnner mit
Saumtieren aus, und Benno zog des andern Tages mit diesem Gefolge aus dem
Witikohause gegen Prag fort.
    Es wurde von dem Tage an auch alles gerstet, was notwendig war, da Witiko
mit Bertha nach Prag reisen konnte. Und als zehn Tage vergangen waren, ritt er
mit zwanzig Reitern aus dem Tore der Burg. In der Mitte der Reiter waren sechs
Snften, in denen Bertha und ihre Frauen saen, und hinter den Reitern gingen
fnf Saumrosse.
    So gelangten sie endlich nach Prag.
    In Prag ging Witiko zuerst allein zu dem Herzoge. Er dankte ihm fr die
Gaben, und fragte, ob er seine Gemahlin, Bertha von Schauenberg, zu ihm und zu
der hohen Herzogin fhren drfe.
    Wladislaw antwortete: Danke mir nicht, Witiko. Du bist ein treuer Mann des
Herzoges Sobeslaw gewesen, und bist ein treuer Mann von mir. Ich habe dir darum
durch Bores das Holz von dem Kreuze des Heilandes aus Hostas Burg geschickt, da
du shest, da ich dir auch ein treuer Mann sein will. Das andere sind Gaben,
die ein Freund dem andern in das Haus sendet. Sei mein Freund, wie ich dein
Freund bin, seit ich dich bei Chynow gesehen habe. Was deine Gattin angeht, so
bringe die hohe Frau zu mir und zu der Herzogin, wir werden sie als Gast ehren.
    Witiko antwortete: Ich danke dir, hoher Herr, fr deine Gte. Und weil ich
dem Herzoge Sobeslaw aus Pflicht treu gewesen bin, so bin ich auch dir aus
Pflicht treu. Und dir bin ich auch treu aus Freundschaft, wie du schon frher
einmal gesagt hast, und wie du es jetzt wieder sagtest, da du mein Freund bist,
und wie ich aus dem ganzen Gemte dein Freund bin. Ich werde die Treue und die
Freundschaft nie verletzen. Und haben mich deine andern Gaben geehrt, so hat
mich deine Gabe aus Hostas Burg und der berbringer derselben erfreut.
    An dem folgenden Tage wurde Witiko und seine Gattin Bertha zu dem Herzoge
und der Herzogin gerufen.
    Sie gingen im Schmucke zu Hofe.
    Sie wurden in einen kleinen Saal der Hofburg zu dem Herzoge und der Herzogin
gefhrt. Wladislaw und Gertrud saen geschmckt und allein auf Sthlen, und
wiesen Witiko und Bertha Sthle an. Beide setzten sich. Gleich aber erhob sich
Witiko wieder, nahm Bertha bei der Hand, fhrte sie vor den Herzog und die
Herzogin, und sprach: Hocherlauchter Herzog, hocherlauchte Herzogin, die Frau,
welche vor euch steht, ist die Tochter Heinrichs von Schauenberg, der vorher
Heinrich von Jugelbach gewesen ist, und Wiulfhilts von Dornberg. Sie heit
Bertha. Heinrich ist ein Herr und edler Mann, Wiulfhilt ist eine edle Frau, und
Bertha durch beide edel. Sie hat es nicht verschmht, als meine Gattin in Lieb
und Treue mir anzugehren, wie ich ihr als Gatte in Lieb und Treue angehre. Wir
erkennen und achten die Ehre hoch, da wir heute vor euch haben kommen drfen.
    Witiko, Bertha, sagte der Herzog, nehmet eure Sitze wieder ein.
    Witiko und Bertha setzten sich auf ihre Sthle.
    Dann sprach der Herzog: Witiko, wie du mir sonst als Mann und Freund
gegrt warest, so sei mir heute als Ehegatte gegrt. Bertha, seid mir heute
als Ehegattin Witikos gegrt, und gebt mir die Hoffnung, da ich Euch knftig
auch als Freundin werde begren knnen.
    Die Herzogin sprach: Ich gre Witiko als Freund, ich gre ihn als treuen
Mann des Herzoges und der Lnder, und ich gre ihn als Ehegatten. Ich gre
Bertha von Schauenberg als Ehegattin Witikos, und ich gre sie als Freundin.
Die aus solchem Geschlechte entsprossen ist, wird jeder Freundschaft wrdig
sein, und wird, wo man es nicht unwert ist, auch Freundschaft gewhren.
    Witiko antwortete: Hocherlauchter Herzog, hocherlauchte Herzogin, ich danke
inniglich des Grues.
    Bertha sprach: Hocherlauchter Herzog, ich danke des Grues, und wer, wenn
ich ihn auch nicht kenne, der Freund meines Gatten ist, dessen Freundin bin ich.
Hocherlauchte Herzogin, ich danke des Grues, und wer so hehr getan hat, wie
Ihr, der geniet die Bewunderung und Verehrung, man gibt ihm Freundschaft, und
achtet es als hchste Ehre, seiner Freundschaft wrdig zu werden.
    Du sprichst entschieden wie dein Vater, Bertha, sagte die Herzogin.
    Mein Vater, hohe Frau, hat Euch noch an dem Hofe in Wien gesehen, und er
hat Euch in Prag gesehen, sprach Bertha.
    Wir kennen Heinrich von Jugelbach und Schauenberg sehr gut, und ich kenne
ihn schon lange, sagte der Herzog, wir sind fter bei einander gewesen, als
ich noch nicht auf diesem Frstenstuhle war, und spter auch noch. Er ist in
Prag gewesen, da du fern von mir, Witiko, in deinem Walde geweilt hattest. Ich
kenne Gebhart von Jugelbach, der jetzt Gebhart von Stauf ist, den Bruder
Heinrichs. Heinrich ist ein edler Herr und stark und verstndig und vorsichtig
und unternehmend, ein Spiegel eines Ritters. Das Geschlecht Dornberg ist sehr
edel und mchtig und gut, und war vielfach mit denen von Jugelbach verbunden.
Gebhart ist ein treuer ehrenwerter Ritter, und die von Aschach sind edel und gut
gewesen, und Eure Gromutter, Bertha, Benedicta von Aschach, ist eine sehr edle
Frau, und sie ist gut und treumtig und fromm. Sie hat dem alten Kloster
Kremsmnster triftige Gaben zugewendet, und ist ihm noch wohlgesinnt.
    Wir bitten, da sie Gott dafr segne, sagte Bertha.
    Er wird es tun, sprach der Herzog. Wir haben beide, ich und Gertrud, die
Herzogin, groe Freude gehabt, als uns durch den hochehrwrdigen Bischof Zdik
aus Passau die Kunde ward, Witiko denke auf Bertha von Jugelbach, und wir haben
den Bestrebungen Witikos das beste Gedeihen gewnscht, und htten diese
Bestrebungen gerne gefrdert.
    Du hast sie gefrdert, hoher Herr, sagte Witiko. Berthas Vater hat zu mir
gesprochen, wenn ich ein Haus habe, in dem meine Rose emporblhen kann, drfe
ich um Bertha kommen, und du hast das Haus gegrndet. Aber wie konnte der
hochehrwrdige Bischof Zdik meine Gedanken wissen?
    Er hat wohl deine Gedanken aus deinen Mienen gesehen, sagte der Herzog.
    Es ist nun ein so greres Glck, sagte Witiko, da du, hoher Herr, den
Bund billigest, den ich mit Bertha geschlossen habe, und da ihn die
hocherlauchte Herzogin billigt. Und es ist nun eine grere Freude und eine
grere Ehre, da ihr, du und die hohe Herzogin, Hausgaben zu unserem Bunde
gesendet habt. Hocherlauchter Herzog, hocherlauchte Herzogin, ich bringe den
besten und treu ergebenen Dank fr die Gaben dar.
    Bertha sprach: Ich ehre meine Eltern und ihre Vorfahrer, und erkenne sie
als vortrefflich, und ich danke dir, hoher Herzog, fr die Worte, die du ber
meine Angehrigen gesprochen hast. Hocherlauchter Herzog, hocherlauchte
Herzogin, ich bringe auch wie mein Gemahl den besten und treu ergebenen Dank fr
die Hausgaben dar.
    Der Herzog antwortete: Ich habe Witiko schon gesagt, da ich ihm die Gabe
aus Hostas Burg als treuem Manne des Herzoges Sobeslaw und als treuem Manne von
mir gesendet habe. Und ich habe ihm gesagt, da die andern Dinge so sind, wie
sie die Freunde den Freunden geben. Und das sage ich auch Euch, edle Frau.
    Gebrauchet die Gerte und die Stoffe, sagte die Herzogin, erfreut Euch
derselben ein wenig, und denkt dabei unser.
    Ich habe den Glauben, sagte der Herzog, wenn Gertrud und ich nicht schon
vermhlt wren, und erst vermhlt wrden: du, mein Witiko, wrdest uns Hausgaben
aus deinem Walde senden, was er Besonderes und Kstliches hervorbringt.
    Ich wrde mich freuen, wenn du die Gaben nhmest, hoher Herr, sagte
Witiko. Mge der Bund des hohen Herzoges und der hohen Herzogin bis in das
letzte Alter dauern, und mgen ich und Bertha es erleben, da ihre Kinder
Friedrich, Swatopluk, Adalbert und Agnes sich vermhlen, und unsere Hausgaben
aus dem Walde dann nicht verschmhen.
    Sie werden sich derselben freuen, sagte der Herzog.
    Und nun, Witiko, sage ich: Lebe lange und glcklich mit Bertha, freut euch
eures Bundes, und er werde gesegnet, da die Freude in die knftigen
Geschlechter fortwchst.
    Ich wnsche euch auch jedes Glck und jeden Segen, sagte die Herzogin, es
daure euer Bund so lange, wie Witiko es dem unsrigen gewnscht hat, und euer
Stamm sei ein Teil der schnen Geschlechter, die in diesen Lndern sind, und der
Stamm blhe empor, und werde immer bedeutender.
    Gott gebe mir das Glck, etwas Gutes und Rechtes auf der Welt wirken zu
knnen, sagte Witiko, er lasse uns das Glck, das wir in unserem Bunde finden,
dauern, und alles andere sei seiner Weisheit anheimgestellt.
    So sei es, und so mge es werden, sagte der Herzog. Und nun, Witiko,
gestatte, da auch andere an unserer Zusammenkunft Teil nehmen.
    Als er diese Worte gesprochen hatte, gab er mit einem Schlage auf eine
Glocke ein Zeichen, und es ffneten sich die zwei Flgel einer Tr in dem Saale.
Und durch die Tr kamen mehrere Herren und Lechen und Frauen in den Saal. Es war
Diwis, Preda, Wsebor, Chotimir, Bartholomus, Welislaw, und mehrere andere.
    Der Herzog sprach zu ihnen: Hier ist Witiko, den ihr kennt, und neben ihm
ist Bertha von Schauenberg, seine Gemahlin. Wir freuen uns dieser Verbindung,
und wer das Geschlecht Berthas kennt, wird sich auch freuen.
    Ich kenne es, und erachte es als ein Glck fr Witiko, da er Bertha
heimgefhrt hat, sagte Wsebor.
    Es ist ein sehr edles Geschlecht, sagte Diwis, und Bertha wird nicht
minder sein als die Frauen dieses Geschlechts.
    Ich kenne Heinrich von Jugelbach schon lange, sagte Bartholomus, und
freue mich, da Witiko seine Tochter zur Ehegemahlin erhalten hat.
    Mge Witiko, der gut ist, so empor blhen, wie der Stamm der Jugelbach, den
ich lange kenne, blht, sagte Preda, und mgen beide Stmme in die Zeiten
hinein mchtig und stark sein.
    Und alle sagten nun Witiko und Bertha Glck, und sprachen Segen aus.
    Witiko und Bertha dankten.
    Die Frauen sprachen mancherlei mit Bertha, und Bertha antwortete ihnen.
    Ich komme sehr bald zu euch, sagte Welislaw.
    So komme, entgegnete Witiko.
    Als die Gesprche zu Ende waren, sagte der Herzog: Und so bitte ich alle,
die hier sind, am vierten Tage von heute mit mir mein Brod an meinem Tische zu
essen.
    Alle verabschiedeten sich hierauf, und verlieen den Saal.
    Witiko suchte an diesem Tage noch Benno, und da er ihn gefunden hatte,
fhrte er ihn zu Bertha. Sie sprachen von vielerlei Dingen, und beschlossen
recht oft zusammen zu kommen.
    Witiko ging mit Bertha zu Herren und Freunden, welche Gattinnen hatten, und
diese kamen wieder zu Witiko und Bertha. Die unvermhlt waren, kamen, und
brachten Gre dar.
    Bei dem Mahle des Herzoges hatte Bertha ein Gewand aus dem roten Sammet, der
in einem Kstchen der Hausgaben des Herzogs und der Herzogin gewesen war.
    Witiko und Bertha sahen und betrachteten in der Stadt Prag alles, was wrdig
war, gesehen und betrachtet zu werden.
    In der Kirche des Wysehrad beteten sie an den Grbern Sobeslaws und
Adelheids und an den Grbern der Eltern Sobeslaws, des Knigs Wratislaw und der
Knigin Swatawa. Welislaw zeigte ihnen die alte Burg, und bewirtete sie in
derselben.
    Als die Zeit heran nahete, in der sie Prag verlassen wollten, ging Witiko
noch einmal zu dem Herzoge.
    Der Herzog sprach zu ihm: Gehabe dich wohl, Witiko. Der hocherhabene
Kardinal Guido hat sehr vieles gewirkt. Es ist nun in den kirchlichen Dingen
eine Ordnung und Festigkeit, in die Mnner der Kirche kmmt eine Anstndigkeit
und eine Sitte, und die Frmmigkeit und Reinigkeit wird folgen. Der Bund ist
also grer geworden, wie du einmal gesagt hast. Aber er mu erst reifen. Was
auch geschieht, wenn der Kardinal die Lnder verlassen hat, so mssen wir alle
durch Umsicht trachten, da der Bund gedeihe. Und du, Witiko, wirst gewi nicht
der letzte sein. Achte der Zeichen. Und wenn der Bund endlich gefestigt ist,
dann kann erst das Grere kommen.
    Ich werde zu tun streben, was recht und nach deinem Sinne ist, sagte
Witiko.
    Ich wei es, antwortete der Herzog, und ziehe mit Glck in die Burg
deines Waldes.
    Witiko verabschiedete sich, und am anderen Tage ging sein Zug von Prag weg
dem Mittage des Landes zu.
    Fnf Tage nach ihm kam auch Benno in das Witikohaus zurck.
    Witiko versammelte nun einmal in seinem Hause alle die Gste, welche bei dem
ersten Erdausheben zum Baue der Burg gewesen waren, wie bereits Lubomir gesagt
hatte. Die Gste betrachteten nun das Haus, da es fertig war, sehr genau, und
wurden in alle Rume gefhrt. Und wie damals ein Mahl unter dem freien Himmel
gewesen ist, so war jetzt eines in dem groen Saale, und es war so geordnet, wie
Wentila es sonst bei ihrem Gatten in Pric geordnet hatte, und wie Bertha es in
den Burgen des Stammes Jugelbach geordnet gesehen hatte.
    Dann zog Witiko mit Bertha an verschiedene Stellen des Waldes. Sie gingen
nach Friedberg, in den Wangetschlag, zu den Husern der unteren Moldau, in den
oberen Plan, in die Glckelberge und in die reiche Au. berall wurde Bertha mit
Feierlichkeiten empfangen, die Menschen riefen ihr Glck zu, und priesen ihre
Schnheit. In der reichen Au sprach der alte Florian zu ihr: Da ich Witiko vor
langer Zeit als Wegkundiger durch den Wald hinein gefhrt hatte, und da wir auf
der Stelle des heiligen Apostels Thomas gestanden waren, hatte Witiko gesagt:
Hier sollte eine Knigsburg stehen, und ich hatte geantwortet: Da knnte ein
hoher Herr hausen. Und nun steht seine Burg auf der Stelle. Wer htte das
gedacht, und wer htte gedacht, da er die hochedle Bertha aus dem Hause, das in
dem Walde steht, wo Mathias und Margaretha gewesen sind, als seine Ehegemahlin
in seine Burg fhren wrde. Viel Glck, viel Segen in alle Zeit fort und fort.
    Ich danke dir, Florian, sagte Bertha. Komme zu uns in die Burg, und sieh,
ob dort eigentlich eine Knigsburg stehen sollte. Und wenn auch Margaretha und
Mathias nicht mehr in dem Walde an der Mihel sind, so werden wir doch fter in
dem Waldhause meines Vaters sein, und es wird mich freuen, wenn ich dich wieder
in jenem Walde sehe, wie ich dich frher gesehen habe.
    Weil ihr so gute Worte redet, hohe Frau, entgegnete Florian, so werde ich
wohl in Eure Burg kommen. Ich bin ja sehr oft auf dem Platze des heiligen Thomas
gestanden, und wenn auch Margaretha und Mathias nicht mehr in dem Walde an der
Mihel sind, so haben sie es jetzt viel besser, und ich gelange doch noch hie und
da in den Sesselwald hinauf, und da werde ich auch zu Eurem hohen Vater und zu
Eurer hohen Mutter und zu Euch und zu Witiko gehen, wenn er dort ist.
    Das wird sehr gut sein, sagte Bertha.
    Witiko und Bertha besuchten auch Herren und Frauen, die im Walde oder in der
Nhe des Waldes wohnten, und die Herren und Frauen besuchten sie wieder in dem
Witikohause. Der alte Lubomir war mit seiner Gattin Boleslawa und mit einem
kleinen Gefolge drei Tage in der Burg, und Witiko suchte ihm die Aufnahme, die
er in dem Zupenhofe in Daudleb gefunden hatte, zu vergelten. Und die Mnner
sprachen viel von den Dingen des Landes und der Zupanei, und die Frauen
erzhlten, wie es in ihrem Hause sei, und redeten von den Angelegenheiten der
neuen Burg.
    Da dieses geschehen war, wendete sich Witiko wieder den Dingen zu, die er in
seinem Gebiete fr notwendig hielt.
    Ehe der Herbst in das Land rckte, war in Rowna die Vermhlung Welislaws mit
Dimut. Viele Herren und Lechen und Freunde Welislaws und ihre Frauen und Tchter
und Shne waren in den Wald gekommen, und Herren im Walde und an dem Walde und
Freunde und Nachbarn Rownos waren mit ihren Angehrigen gekommen, und Witiko und
Bertha und Wentila und Hiltrut und Benno und ein Gefolge waren nach Rowno
gezogen. Welislaw war bei der Vermhlung in einem hellblauen Sammetgewande mit
Gold und edlen Steinen, Dimut hatte ein weies Sammetgewand mit Gold und edlen
Steinen, und einen weien Schleier. Rowno und seine Gattin und seine Sippen
waren in dem hchsten Prunke des Waldes, und die Gste trugen ein Geprnge, wie
es in dem Landstriche eines jeden Sitte war. Daniel, der Propst von Prag,
vollzog mit Beihilfe zweier Erzpriester von Prag, dann dem Pfarrer von
Friedberg, von Horec, vom Kirchenschlage, von Plan und Bennos in der kleinen
Kirche des Rownaturmes die heilige Verbindung. Und wie es nach dem Einzuge
Witikos und Berthas in dem Thomaswalde gewesen war, so war es nun in dem
Rownawalde. Geschmckte Gezelte waren berall und Htten und Umzunungen und
Gerste, und die Gste und das Volk erlustigten sich. Die Feste dauerten sechs
Tage. Am siebenten Tage verabschiedeten sich die Gste, und bald darauf rstete
Welislaw seinen Zug nach Prag. Manche Herren und Frauen aus der Mitternacht des
Landes schlossen sich dem Zuge an. Rowno geleitete ihn mit seinen Sippen bis
Prag.
    Dann kam der Herbst in die groen Wlder an der jungen Moldau, und dann kam
der Winter.
    Als die Tage des heiligen Christfestes und des neuen Jahres gefeiert worden
waren, gelangten Nachrichten in den Wald, da in Mhren schlechte Taten
geschehen seien, und da sich die Frsten gegen den Herzog erhoben haben.
    Witiko rstete sich, und zog schnell mit einem Geleite nach Prag.
    Vor dem Abschiede sagte Benno zu Witiko: Der hocherhabene Kardinal Guido
hat einmal zu mir gesagt: Die Wlder wachsen langsam aber sicher, wenn sie Sonne
und Feuchtigkeit haben; noch langsamer aber beugt sich der Sinn eines ganzen
Volkes, er beuget sich dennoch auch sicher, wenn der rechte Sonnenschein ber
ihm ist. Der hohe Kardinal ist mild und stark, und wre wohl ein Sonnenschein,
wie er gesagt hat.
    Witiko traf manche, die nach Prag zogen, und hrte viel ber geschehene
Dinge reden.
    In Prag meldete er sich sogleich bei dem Herzoge. Es waren viele Mnner
gekommen, und auf einen Tag war eine Versammlung in den Saal der Hofburg
berufen.
    Die Mnner der Kirche und des Landes versammelten sich an dem Tage in dem
Saale. Der Herzog Wladislaw kam mit seinem Bruder Heinrich herein.
    Als sich alle geordnet hatten, stand der Herzog von seinem Sitze auf, und
sprach: Liebe getreue Herren der Kirche und des Landes, und ihr, Shne
Premysls, die ihr zugegen seid. Habet Dank, da ihr in dem harten Winter zu mir
gekommen seid, und hret aufmerksam an, was euch berichtet werden wird. Otto,
Herzog von Olmtz, Zweig des Stammes Premysl, wenn es dir genehm ist, so rede.
    Otto, der Herzog von Olmtz, stand auf, und sprach: Erlauchter Herzog, es
ist meine Pflicht, da ich rede, und ich rede, wie ich es gesehen und erfahren
habe. Von dem Heiligen Vater kam ein Sendschreiben an den hochehrwrdigen
Bischof Zdik, da er zu ihm ziehen mge. Zdik bereitete sich sogleich, und
rstete sein Geleite. Ich rstete zwanzig Mnner, um den hochehrwrdigen Bischof
zu begleiten, soweit es ntig wre. An einem der Tage abends langten wir in dem
Hofe zu Moren an, um dort Nachtruhe zu halten. Da wir bei dem Mahle waren, kam
einer der Mnner, welche wir herum streifen lieen, und sagte, es ziehe eine
Schar Reisige heran. Es kam ein zweiter Mann alsogleich, und sagte, es ziehen
auf mehreren Wegen Reisige herzu. Zdik und ich lieen unsere Mnner in
Bereitschaft treten, und Nikolaus, der Besitzer des Hofes, sammelte die
Seinigen. Wir riefen, die drauen waren, herein, und die Tren und Tore wurden
noch mehr verrammelt. Ich stieg unter das Dach empor, um durch Lcken herum zu
schauen. Der ganze Hof war von bewaffneten Mnnern umringt, und sie machten
Anstalt, ihn zu erstrmen. Der Hofwart rief durch ein Fenster, was die Leute
begehren, sie sollten reden. Sie redeten aber nicht, und es wurde eine Lanze
gegen den Hofwart geschleudert. Darauf rief ich: Wenn ihr Ruber seid, so wird
euch unser Eisen treffen, seid ihr Mnner der Ehre, so sagt, was ihr da
beginnet. Sie antworteten nicht, und schlossen ihren Kreis nher. Ihre Zahl war
mehr als das Zehnfache der unsern. Ich sagte: Wenn sie die Tren erbrechen, so
unterliegen wir; wenn wir aber unsere Macht pltzlich gegen eine Stelle ihres
Kreises richten, so knnen wir den Kreis durchbrechen, und uns in der Nacht in
dem Lande zerstreuen. So wurde es beschlossen. Wir entfernten leise die
Bollwerke des groen Tores, ffneten es, und gingen schnell an die nchste
Stelle des Kreises. Der Kampf zeigte, da gebte Krieger vor uns waren. Wir
konnten im ersten Angriffe nicht durchdringen. Von weiteren Stellen kam unsern
Feinden Hilfe zu. Ich erkannte die Zeichen der Herzoge Konrad und Wratislaw, und
hrte die Stimme Wratislaws, der befahl. Da richtete ich schnell den Angriff auf
die andere Seite, als von der Wratislaw kam, wir durchbrachen den Kreis, ich
wendete mich mit den Meinigen, die Verfolger abzuhalten, und rief Zdik zu, er
mge sich entfernen. Er tat es, und als ich ihn nicht mehr sah, und als die
ganze Menge von Wratislaws Mnnern gegen uns kam, lseten wir uns auf, und
suchten uns in der Tiefe des Schnees zu zerstreuen. Ich wute einen schmalen
getretenen Pfad. Auf dem Pfade ging ich schnell dahin, und die Feinde, die mir
in dem unwegsamen Schnee folgten, blieben zurck. Ich ging so mit zwei Mnnern
eine Stunde fort. Dann wendeten wir uns seitwrts zu abgelegenen Htten, die ich
kannte. In den Htten bernachteten wir. Gegen den Morgen sahen wir ein Feuer
gegen Moren hin. Da es Tag geworden war, schickte ich Boten aus den Bewohnern
der Htten auf Kundschaft. Sie kamen zurck, und sagten, der Morenhof sei ganz
abgebrannt, und von den Mnnern, die ihn berfallen hatten, sei keiner mehr in
der ganzen Gegend. Es kamen auch einige von meinen Leuten, welche gedacht
hatten, da ich auf dem schmalen Pfade werde fortgegangen sein. Wir nherten uns
nun wieder dem Hofe. Da sahen wir einen Mann, welcher im unwegsamen Schnee ging.
Er trug einen Sack auf der Schulter. Da wir ihm nher kamen, suchte er sich von
uns zu entfernen. Ich gab meinen Leuten den Befehl, ihn zu fangen. Vier Mnner
liefen ihm in dem Schnee nach, sie erreichten ihn, und brachten ihn gebunden zu
mir. Ich lie den Sack ffnen. In demselben waren silberne Geschirre, Gewnder
und Stoffe. Ich sagte zu dem Manne, ich werde ihn mit seinem Stricke auf einen
Baum hngen lassen, wenn er uns nicht berichte, wie die Sache mit dem Hofe zu
Moren sei, oder wenn er uns belge. Sage er die Wahrheit, so werde ich ihm das
Leben schenken. Der Mann sagte, er sei Dobrohost, und sei bei den Leuten des
Herzoges Konrad gewesen. Da sie aber ber die Beute stritten, und da er
frchtete, da sie ihm die silbernen Geschirre nehmen, so sei er vor dem
Anbruche des Tages heimlich fortgegangen, und habe das Land sterreich gewinnen
wollen. Als ich ihn fragte, ob Krieger in dem Hofe seien, antwortete er, da
alle abgezogen sind, weil sie den Bischof und den Herzog Otto nicht gefunden
haben. Wir nahmen den Mann in den Hof mit. An dem Hofe war alles, was brennen
konnte, verbrannt. Was fortgebracht werden konnte, war fortgebracht. Wir fanden
unsere Pferde und unsere Habschaften nicht mehr. Von den Bewohnern waren nur
zwei Knechte da. Der Mann mute erzhlen, was er gesehen habe. Er sagte, da die
Scharen den Hof umringt haben, und da ein kurzer Kampf gewesen ist. Dann ist
der Hof mit Fackeln umstellt worden. Dann sind sie in den Hof gegangen, und
haben den Bischof Zdik gesucht. Sie haben ihn mit Lichtern und Fackeln in allen
Gemchern und Kellern, Stllen und Winkeln die ganze Nacht gesucht. Und da sie
ihn nicht gefunden hatten, und da sie durch Martern von seinen Leuten nicht
erfahren konnten, wo er sei, zndeten sie den Hof an. Und dann sind alle mit
Beute fortgegangen. Als ich ihn fragte, wer den berfall gemacht habe, nannte er
die Mnner: Slawibor, Kuno, Rodmil, Bogdan, Domaslaw, Hinek, Frowin, Jurata, und
den alten Mikul. Ich sagte: Du hast die Fhrer nicht genannt. Da nannte er
Konrad, den Herzog von Znaim, Wratislaw, den Herzog von Brnn, und er nannte den
Bruder des hocherlauchten Herzoges Wladislaw, der jetzt in Jamnic hauset,
Diepold.
    Diepold, riefen mehrere Stimmen.
    Diepold ist dabei gewesen, sagte der Herzog.
    In den Augen des Herzoges waren Trnen, da er diese Worte sprach.
    Otto redete wieder weiter: Ich fragte den Mann, welches Vorhaben die Herren
mit dem hohen Bischofe gehabt haben. Er sagte, da er es nicht wisse. Da wir
noch redeten, kamen Leute des Bischofes. Sie sagten, da sie geschlagen,
gekneipt, bei den Haaren gerissen und angespien worden sind. Von ihrem Herrn
wuten sie nichts. Sie forschten nach ihm. Ich sendete Mnner in der Gegend
herum, sie brachten keine Nachricht von ihm zurck. Da ging ich zu der Stelle,
wo ich den hochehrwrdigen Bischof fortgehen geheien hatte. Wir fanden die Spur
eines einzelnen Mannes, und gingen ihr nach. Wir kamen nach einer Zeit in ein
Gebsch. Dort verwirrte sich die Spur. Wir sahen Tritte von einer andern Seite
gegen das Gebsch hin, sahen im Gebsche viele Tritte, und dann von ihm weg
Tritte von zweien oder mehreren Mnnern. Wir gingen den Tritten nach. Sie
fhrten endlich auf einen Pfad, und waren nicht mehr zu erkennen. Wir suchten
nun Huser auf, um Nahrung zu erhalten. Ich forschte dann tglich nach dem
hochehrwrdigen Bischofe. Am fnften Tage erhielt ich die Nachricht, ein hoher
Herr sei krank in Leitomysl. Der Herr habe aber die Kleider eines Bauers gehabt.
Ich ritt nach Leitomysl. Es war der hochehrwrdige Bischof Zdik, der dort krank
war. Er konnte damals noch erzhlen, und sagte, da er sich in einem Gebsche
versteckt habe, da er groe Klte gelitten habe, da ein Bauer in das Gebsch
gekommen sei, da ihm der Bauer einen Teil seines Gewandes gegeben, und da er
ihn dann auf abseitigen Pfaden nach Leitomysl gefhrt habe. Dort sei er krank
geworden, und knne nicht weiter reisen. Er ist aber noch schwerer krank
geworden, und hat sein Bewutsein verloren. Ich sendete Botschaft an den hohen
Herzog Wladislaw. Der hohe Herzog schickte zwei rzte nach Leitomysl, da sie
den Kranken nach Prag brchten. Er konnte aber nicht fortgebracht werden, und
die rzte blieben bei ihm. Ich ritt nach Prag, um dem erlauchten Herzoge die
genaue Nachricht ber das, was sich ereignet hatte, zu bringen. Der
hochehrwrdige Bischof ist noch in Leitomysl in schwerer Krankheit befangen. So
habe ich die Dinge gesehen und gehrt, und so habe ich sie geredet.
    Er setzte sich nach diesen Worten wieder nieder.
    Da sprach der Herzog: Es sind noch die Mnner Hugo, Hroznata, Kunes,
Sulislaw und Wot bei dem berfalle gewesen. Von dem hochehrwrdigen Bischofe
wissen wir noch nicht, ob er in dieser Krankheit am Leben bleiben werde oder
nicht. Wir haben ber alles Kundschaft holen lassen, und es ist so, wie der
Herzog Otto gesagt hat. Nun sprich noch, was ist mit dem Manne geschehen, den du
gefangen hast?
    Ich habe ihn frei gelassen, weil er die Wahrheit gesagt hat, antwortete
Otto. Die Gefe waren aus der Habschaft des hochehrwrdigen Bischofes, und
sind jetzt bei ihm in Leitomysl.
    Als er diese Worte geredet hatte, rief Odolen mit lauter Stimme: Und wenn
es zehentausendmal unziemlich ist, da ich jetzt rede, der ich zu den jngeren
und Geringeren gehre, so mu ich reden, weil ich nicht anders kann, so wahr mir
Gott in meinem letzten Hauche gndig sein wolle. Sitzen wir ungesumt auf die
Pferde, so viel wir nur Mnner aufbringen knnen, reiten wir nach Znaim, und
hngen wir den eidbrchigen, ehrvergessenen, gewissenabtrnnigen Konrad auf die
Zinnen seines Schlosses, und reiten wir dann nach Brnn, und hngen Wratislaw,
der alles ist, was Konrad ist, auf den hchsten Turm der Stadt, und die Helfer
lasse erschlagen, und in eine Grube werfen. Die Ruber und Diebe, die Menschen
berfallen, und Kasten erbrechen, sind ehrlicher, als diese.
    Und Diepold? fragte der Herzog.
    Der tapfere, gute Diepold ist gar nicht dabei gewesen, rief Odolen.
    Er ist dabei gewesen, sagte Wladislaw, er hat es gestanden.
    Dann haben sie ihm Zauberei gegeben, da er aberwitzig geworden ist, rief
Odolen.
    Gegen diese Menschen mu das uerste unternommen werden, rief Welislaw.
    Der Himmel wird eine Strafe auf sie senden, die wir gar nicht ahnen
knnen, sagte Otto, der Bischof von Prag.
    Ich habe an Diepold Botschaft geschickt, da er komme, sprach der Herzog,
er ist aber nicht gekommen. Dann habe ich Konrad und Wratislaw aufgefordert,
sich zu verantworten, und sie haben es nicht getan.
    Mit welchem Rechte kann nun noch einer dieser Gebieter den Dieb, den
Ruber, den Mrder strafen? sagte Gezo, der Abt von Strahow.
    Das schreit bis zu dem Himmel, sprach Peter, der Abt von Brewnow.
    Sie werden es Kriegfhrung gegen den Bischof nennen, sprach Daniel, der
Propst von Prag.
    Das Ma mute voll werden, wie es allemal voll geworden ist, sagte der
alte Bolemil.
    Ich meine, es werden sich alle Umstnde ergrnden lassen, und dann mu ein
Gericht gehalten werden, sagte Lubomir.
    Es wird der hocherlauchte Herzog das Gericht halten, sprach Witiko, und
der heilige Vater wird auf die Handlung der Herzoge antworten; Konrad und
Wratislaw haben das heilige Gelbnis der Bue und Genugtuung, das den Bann von
ihnen nahm, gebrochen.
    Nun sprach der Herzog: Hohe Herren und Freunde, ich habe euch die Kunde
mitteilen lassen, und ihr habt gehrt, was geschehen ist. Gegen das Recht des
Herzoges hat keiner der Frsten die Waffen erhoben. Ihre Snde gegen den
hochehrwrdigen Bischof und gegen die Kirche aber ist gro. Es ist jetzt noch
nicht an dem, da ein Krieg gefhrt werde; aber ich rste mich, und ich bitte
euch, rstet eure Mnner, da die grte Bereitschaft ist, wenn sie notwendig
wird. Vielleicht vermeiden wir so den Krieg. Ein Gericht ber diese Gewalttat
werde ich halten, und den Spruch den Frsten und den Schuldigen verkndigen
lassen. ber die Snde wird der Heilige Vater richten. Halten wir die Kraft und
die Gerechtigkeit und die Migkeit aufrecht, da aus dem Bsen das Gute werde.
    Hoher Herr, sagte Bolemil, lasse einen alten Mann noch ein Wort
sprechen.
    Rede, Bolemil, sagte der Herzog.
    Wenn etwas gefunden werden kann, das der Sache zu Rechte ist, sprach
Bolemil, ohne da es Rache wird, so wre es gut. Wenn auf die Rache die Rache
gebt wird, so wird auf die zweite Rache die dritte gebt, und jede wird
bitterer, und auf die dritte die vierte, und das geht fort, bis alle, die in
diesem Saale sind, nicht mehr leben, bis ihre Enkel und die Enkel der Enkel
nicht mehr leben. So ist es die Zeiten her gewesen, und so wird es sein. Zu
allem aber, was not tut, rsten wir uns.
    Wir rsten uns, riefen die Mnner.
    So tun wir es, und bentzen wir die Zeit des Winters, sagte der Herzog,
und jeder der Herren und Mnner, die in dieser Zeit zu unserem Rate kommen
wollen, wird uns eine Ehre erweisen, und einen Dienst tun.
    Darauf ging die Versammlung aus einander.
    Witiko ritt wieder in seine Heimat, verkndete dort, was geschehen ist,
rstete seine Mnner, und rief die Mnner des Waldes auf, bereit zu sein, wenn
sie zu der Sache des Herzoges stehen wollten.
    Indessen lie der Herzog immer genauere Kundschaft ber das, was geschehen
ist, einbringen, damit alles geordnet wre, wenn die Mnner des Gerichtes
zusammen gerufen wrden.
    Da die Krankheit des Bischofes Zdik milder wurde, lie ihn der Herzog nach
Prag bringen, und dort pflegen.
    Als der Frhling kam, konnte er seine Reise zu dem Heiligen Vater wieder
beginnen. Er zog mit dem Kardinal Guido und mit Daniel, dem Propste von Prag,
gegen Italien. Sie gelangten an den Hof des heiligen Vaters Eugenius nach
Viterbo. Der Heilige Vater sprach in der Kirche den Bann ber Konrad, Wratislaw,
Diepold und ihre Helfer aus. Er sendete ein Schreiben an den Herzog Wladislaw
mit kirchlichem Lobe des Herzoges und der Herzogin und mit dem Auftrage, den
Bann zu verkndigen, und mit Macht zu vollfhren.
    Der Bann wurde verkndiget.
    Der Herzog sendete in alle Teile der Lnder Botschaft, da die Mnner bereit
seien, den Bann in Wirklichkeit zu bringen.
    Er schickte auch Boten an Diepold, und lie ihn bitten, nach Prag zu kommen.
    Diepold kam.
    Er wurde zu dem Herzoge und der Herzogin gefhrt.
    Er fiel vor beiden auf die Knie, fate eine Hand des Herzogs und eine Hand
der Herzogin, und sprach nicht.
    Der Herzog sprach: Deine Augen sehen wieder auf unsere Angesichter, und
unsere Augen sehen auf dein Angesicht, Diepold.
    Du hast gesagt, sprach Diepold, als du mir die Verteidigung von Prag
bertrugest: Du wirst eher das Leben lassen, als deine Ehre und deinen Ruhm auf
dieser Erde und deine Seligkeit im Himmel. Wie kann ich nun in dein Angesicht
schauen, und in das der Frau, die dazumal als ein Krieger an meiner Seite
gestanden ist?
    Diepold, erhebe dich, sagte der Herzog.
    Ich kann es nicht, rief Diepold.
    Die Herzogin beugte sich zu Diepold, fate mit ihrer andern Hand auch noch
nach ihm, und zog ihn empor.
    Er stand vor dem Herzoge und der Herzogin.
    Diepold, du Glanz der Mnner, sagte der Herzog.
    Wie ich es tun konnte? antwortete Diepold. Es war Streit mit dem Bischofe
ber Hfe und Liegenschaften, mir zitterte das Herz, da du, den ich so liebte,
ihn vorzogest. Da kamen die Zwischentrger, und die Ohrenbelagerer, und die zwei
Frsten sagten: er hat den Bann schon einmal ber uns gebracht, jetzt geht er
nach Italien, und wird den Bann wieder ber uns und ber dich bringen. Wir
mssen ihn fangen, da er uns Gewhr gibt. Und ich willigte ein. Wir fingen ihn
nicht, und es geschah bles.
    Weshalb wurde der Morenhof angezndet? fragte Wladislaw.
    Sie sagten, jetzt werde der Bischof aus dem Feuer fliehen, und wir knnen
ihn fangen, antwortete Diepold.
    Wenn er aber im Feuer umgekommen wre? fragte Wladislaw.
    Ich wei es nicht, ob einer die Absicht gehabt hat, sagte Diepold; aber
als ich den Brand tadelte, sprach ein jeder, er habe den Befehl nicht gegeben;
aber der Bischof werde jetzt kommen. Mich fate Abscheu.
    Ich wute es, sagte die Herzogin.
    Und nun ist alles so geworden, sprach Diepold.
    Wutet ihr alle denn nicht, da ein erzwungenes Versprechen nicht bindet?
fragte der Herzog. Ihr durftet den hochehrwrdigen Bischof nicht fangen, um von
ihm etwas zu erreichen, so wie ich keinen von euch fangen lie, um ihn nach Prag
zu bringen. Ich habe nur jeden gerufen.
    Ich war ohne Sinne, sprach Diepold.
    So hat Odolen gesagt, antwortete der Herzog. Diepold, ich habe dich nie
zurckgesetzt, so hoch ich auch Zdik achte. Du hast schon meine Stelle
vertreten, er nie.
    Ich wei es, sagte Diepold.
    Du wirst wieder mit uns handeln, wie du auf den Zinnen von Prag mit mir
gehandelt hast, sagte die Herzogin, und wie du mit meinem Gatten in dem Kriege
gegen die Frsten gehandelt hast.
    Diepold, sprach der Herzog, du bist in deiner Zornmtigkeit gegen einen
Mann aufgestanden, wie sie jetzt zuweilen auch in andern Lndern tun, um ihn zu
zwingen, und die andern haben gewollt, da du mit ihnen seiest, da sie mehr
Ansehen gewinnen. Keiner ist gekommen, da ich sie rief. Du bist gekommen.
Diepold, ich bitte dich, gehe zu dem Heiligen Vater, tue Bue, leiste
Genugtuung, und lse dich von dem Banne. Du bist mein geliebter Bruder.
    Der Herzog ffnete die Arme, Diepold auch, die Brder umfaten sich.
    Die Herzogin ging hinzu, und kte Diepold auf die Stirne.
    Ja, ich gehe nach Rom und nach Viterbo, und werde Bue tun und Genugtuung
leisten, sagte Diepold. Es ist so der Ehre gem.
    So ist es, antwortete Wladislaw.
    Und so ging Diepold von Prag fort, und dann zu dem Heiligen Vater nach
Viterbo, und dann nach Rom, tat Bue, leistete Genugtuung, wurde des Bannes
ledig, und kam wieder nach Prag zurck.
    Gegen die Sommerszeit ritt ein Eilbote von Mhren gegen Prag zu dem Herzoge
Wladislaw. Als er zu dem Herzoge kam, sagte er: Ich komme von Brnn, der Herzog
Wratislaw ist schwer krank, er bittet dich, hocherlauchter Herzog, wenn du einst
vom Himmel Gnade hoffest, da du ihm Gnade gebest, und an sein Sterbebette
kommest, damit er an dir Bue tue, und die letzte Verzeihung erlange. Er hat
auch den hochehrwrdigen Bischof Zdik um die Erbarmnis bitten lassen.
    Der Herzog gewhrte das Verlangen Wratislaws. Er zog nach Brnn, und kam mit
dem Bischof Zdik an das Krankenbette des Herzogs.
    Wratislaw streckte einen Arm empor, und rief matt und schwer verstndlich:
Nehmt Sthle.
    Wladislaw und Zdik taten es.
    Dann sprach er mit ungelenker Zunge: Guido hat recht gesagt. Ich wre nicht
zu Grunde gegangen und in die Erde versunken. Aber ich habe wieder gesndigt,
und da ist der Zornesengel auf dieser Welt ber mich gekommen. Mich hat der
Schlag gerhrt, und eine Hand und ein Fu sind fremd. Er ist gekommen, der
rchet. Wladislaw, du gerechter Mann, Zdik, du heiliger Mann, schtzet mich.
    Denke an die Reue, sagte Zdik, und Gott schtzt dich.
    Denke an Genugtuung, und der Bann wird von dir weichen, sagte der Herzog.
    Ich wollte, da er verbrenne, sprach Wratislaw, ich wollte, da er
erschlagen werde. Der andere Fu wird auch fremd werden, und das Haupt auch, und
dann werde ich ewig verdammt sein. Guido hat es gesagt.
    Wratislaw, sagte Zdik, und wenn du mich wirklich erschlagen httest, und
ich knnte in der andern Welt bei dem allmchtigen Gotte fr dich bitten, so
wrde ich es deiner Reue willen tun, und ich wrde dir vergeben, so wie ich hier
an deinem Bette Gott fr dich bitte, dir verzeihe, und bei dem Heiligen Vater
fr dich bitten werde.
    Da der Bann geht, ehe ich verdammt werde, sagte Wratislaw.
    Da er sogleich geht, antwortete Zdik.
    So tue es, so tue es, sagte Wratislaw, nehmt Genugtuung, Genugtuung.
    Ich schreibe sogleich an dieser Stelle auf dem Pergamente und mit den
Werkzeugen eines meiner Mnner, sagte Zdik, und sende Boten an den Heiligen
Vater.
    Tue es, sprach Wratislaw.
    Und Zdik rief einen Mann herein, und lie sich aus einer ledernen Tasche ein
Pergament und Schreibgerte reichen. Und er setzte sich an einen Tisch und
begann zu schreiben.
    Hast du deine Hand fr mich? fragte Wratislaw den Herzog.
    Der Herzog reichte ihm die rechte Hand, und er tastete mit einer seiner
Hnde darnach.
    Dann hob er den Arm dieser Hand auf, und lallte: Ich habe dich in der
Schlacht tten wollen, ich habe dich ermorden wollen. Rette mich.
    Ich rette dich, sagte Wladislaw. Ich bitte Gott fr dich, ich verzeihe
dir, gib Genugtuung.
    Es ist alles fremd, sagte Wratislaw, ich kann es nicht mehr in Gebrauch
setzen, nehmt Genugtuung, nehmt alle Genugtuung.
    Wir werden dir helfen, sagte Wladislaw.
    Wir helfen dir, rief Zdik.
    Wratislaw sprach nicht mehr. Und nach einer Zeit verlieen die Mnner das
Krankenbett.
    Zdik sendete die Botschaft an den Heiligen Vater, und Wratislaw wurde von
dem Banne erlset. Er starb aber nicht, sondern genas, und wurde seiner Glieder
wieder mchtig.
    Jetzt forderten Wladislaw und Zdik Konrad auf, Bue zu tun, und Genugtuung
zu leisten.
    Konrad verweigerte es.
    Es waren Priester in seinem Gebiete, welche den Gottesdienst verrichteten,
und er beharrte im Widerstande gegen den Herzog und gegen den Papst.
    Da rief Wladislaw seine Mnner auf, die in Bereitschaft waren. Sie kamen in
allen Richtungen herbei. Von dem Walde im Mittage kam Witiko mit mehr Leuten,
als in dem mhrischen Kriege bei ihm gewesen waren. Auch der alte Bolemil kam
noch, und alle die jungen Krieger und die jungen Fhrer ritten in Eile heran.
Und man zog nach Mhren, und es wurde in Schnelligkeit die Burg Znaim erobert
und zerstrt. Konrad mute in schlechten Gewndern und ohne Habe in die
Verbannung fliehen. Wladislaw nahm das Gebiet von Znaim in Besitz.
    Da richtete Konrad ein demtiges Flehen an Wladislaw, er tat Bue, und
gelobte Genugtuung, Konrad, der Knig der Deutschen, bat fr ihn bei Wladislaw,
und Wladislaw gewhrte ihm wieder Gnade. Er wurde durch den Heiligen Vater des
Bannes ledig, und wurde von Wladislaw in sein Gebiet Znaim eingesetzt, das aber
jetzt in Verwstung war.
    Alle Scharen, welche zu Wladislaw in diesen Krieg gekommen waren, zogen in
ihre Heimat zurck.
    Die Mnner, welche der Dinge in den Lndern Bhmen und Mhren kundig waren,
sagten, jetzt seien die Streitigkeiten Wratislaws und Konrads mit Wladislaw
geendet.
    Witiko suchte in seinem Gebiete dasjenige zu beginnen und zu vollfhren und
die Leute dazu anzuleiten, was er fr notwendig hielt, den Schatz zu heben, der,
wie er gesagt hatte, in dem Walde liege. Er bte auch die Mnner in den
kriegerischen Dingen, und lie Waffen und alles Gehrige in Bereitschaft setzen,
wenn wieder ein Heereszug notwendig wrde.
    Da erscholl die Kunde, da im Reiche Jerusalem die Stadt Edessa von den
Unglubigen erobert worden, da das Heilige Land in Gefahr sei, da der Abt von
Clairvaux, Bernhard, in Frankreich zu einem Zuge in die heiligen Lnder rufe,
da der Knig von Frankreich, Ludwig, das Kreuz zum Zuge in das Heilige Land auf
sein Gewand geheftet habe, da seine Gemahlin, seine Brder, und viele Bischfe,
Herren und Edle mitziehen wollen, da der Knig der Deutschen, Konrad, zum Zuge
rste, und da sein Neffe Friedrich, dann der Herzog von Baiern und der von
Lothringen, der Markgraf von sterreich, der von Steier, der von Krnten, viele
Bischfe, so auch Regimbert von Passau, und unzhlige edle Mnner und Mnner aus
dem Volke mitgehen wollen. Die Worte Bernhards wurden in den Kirchen von Bhmen
und Mhren verkndiget, und der Bischof Zdik predigte in eifrigen Worten den Zug
in die heiligen Lnder. Der Herzog Wladislaw, sein Bruder Heinrich, Spitihnew,
der Sohn Boriwoys, und viele Herren und viele aus dem Volke hefteten das Kreuz
auf ihr Gewand. Die Herrschaft des Landes bertrug Wladislaw seinem Bruder
Diepold.
    Aus dem Walde im Mittage des Landes zog auch eine Schar von Mnnern aus.
Witiko aber ging zu diesem Zuge nicht.
    Der groe Eifer kam aber nicht zu seinem Ziele. Es waren Schlachten, Kmpfe,
Siege, Niederlagen, Nten, Unbilden, und man erreichte nicht, was man wollte.
Wladislaw, Konrad und Friedrich und andere kehrten wieder in ihre Heimat zurck.
Manche Mnner hatten ihren Untergang gefunden. Jurik wurde im Kampfe gettet,
und Bartholomus, der Kanzler des Herzogs, gefangen, und man hat nie mehr etwas
von ihm vernommen. Regimbert, der Bischof von Passau, der gesagt hatte: Wenn
die Spanne dieses Lebens nicht schon zu kurz ist, so werde ich die Pilgerschaft
in die heiligen Lnder beginnen, sah die Heimat nicht mehr, er starb auf dem
Rckwege in Griechenland.
    In dem Jahre, da Wladislaw zurckgekehrt war, starb Otto, der Bischof von
Prag, und es wurde Daniel, der Propst von Prag, zum Bischofe gewhlt, und dann
in Mainz geweiht.
    Es starb in dem gleichen Jahre auch der alte Bolemil in der Burg bei Taus.
Der Herzog, dann sein Bruder Diepold, dann Silvester, bte und Erzpriester und
Priester, dann Lubomir, Diwis, Preda, Wsebor, Bozebor, Welislaw, Odolen, Witiko,
und zahlreiche Herren und Lechen und Wladyken zogen zu der Bestattung. Bolemil
lag, wie er einstens in der Snfte gesessen war, und seine Befehle in der
Schlacht erteilt hatte, angetan mit dem braunen weiten Gewande, auf das sein
weier Bart niederflo, so nun auch auf der Bahre in braunem Sammetgewande mit
Gold, dessen Oberteil sein weier Bart deckte. Eine ungemein groe Zahl von
Menschen war gekommen, von sehr vielen flossen ihm die Trnen in das Grab nach.
    Im dritten Jahre darauf starb Gertrud, die Gemahlin Wladislaws, des Herzogs
von Bhmen und Mhren. Sie hatte nur ihr zweiunddreiigstes Lebensjahr erreicht.
Es war ein Klagen und Jammern in dem ganzen Lande. Und wie einstens die Snger
in manchem Lande ihre Taten gesungen hatten, so sangen sie jetzt auch ihren Tod.
Wladislaw legte sie an die Seite seiner Vorfahrer.
    Ehe ein Jahr vergangen war, folgte seiner Schwester auch ihr Bruder Konrad,
der Knig der Deutschen, in das Grab.
    Sein Neffe, Friedrich, empfing die deutsche Knigskrone.
    Und nun kam in das Reich Wladislaws, des Herzoges von Bhmen und Mhren, die
Zeit, in welcher die Streite aufgehrt hatten. Er fhrte nun aus, und
befestigte, was der Kardinal Guido eingeleitet hatte. Er stiftete Klster oder
vollendete sie, wie Strahow, Sedlec, Pla, Nepomuk, dann die Frauenklster Doxau
und Lunowic. Die Klster hegten den Glauben und die Kirchenzucht, und in ihnen
waren Gelehrte und Dichter und Baumeister, von denen Werke der Kunst ausgingen,
dann Maler, Steinbildner, Holzschnitzer, Handwerker, Pfleger des Landes und
Waldes, und Versender der Dinge in fernere Gegenden. Zu allem dem hatten sie
Schulen. Wladislaw ordnete mit seinem Rate die mter, da jedes seinen Kreis
kenne, und Recht und Wohlstand gedeihen. Er errichtete in der Stadt und in
Teilen des Landes Bauwerke, oder vergrerte oder verschnerte sie. Er ging auf
seine Burgen und in die herzoglichen Besitzungen und in die Zupaneien und in
Teile des Landes. Wohin er kam, waren Versammlungen und Beratungen, und er hielt
Gerichte.
    Als er zwei Jahre um Gertrud getrauert hatte, vermhlte er sich mit Judith,
der Tochter Ludwigs, des Landgrafen von Thringen. Die Ritter in den deutschen
Lndern sagten, es sei keine so schne Frau, in keinem Geiste seien so hohe
Gedanken und khne Unternehmungen, keine Frau liebe so die Knste, und keine
knne so schn in der deutschen und lateinischen Sprache reden.
    Witiko und Bertha brachten dem Herzoge und der Herzogin Hausgaben, und die
Gaben wurden freundlich angenommen.
    In dieser Zeit lie Witiko emsig in dem Walde Kohlen brennen, und in das
ebene Land befrdern. Er schwemmte Holz auf der Moldau in die krumme Au, und
flte es dort weiter. Er lie bessere Tiere in seine Hfe kommen, oder
vermehrte sie, er ordnete die Geschfte der Hfe, und sah nach Stellen, wo er
einmal neue errichten knnte. Er strebte Mnner zu finden, welche allerlei Dinge
aus den Hlzern des Waldes zum Versenden verfertigten, und was sonst die Hhen
und Tler der Wlder hervorbrachten, suchte er einem Gebrauche zuzuwenden. Er
lie in dem Walde Wege und Pfade machen, Brcken und Stege bauen, Einfriedungen
errichten, drre Grnde bewssern, und aus sumpfigen das Wasser ableiten. Zwei
Male in der Woche sa er zu Beratschlagungen mit Leuten bereit, und er lie zu
jeder Zeit Menschen in seine Burg, wenn die Sache dringend war. Er bewirkte, da
Herren und Mnner des Waldes sich fter versammelten, um ber die Dinge des
Gebietes und des Landes zu reden. Die Versammlungen wuchsen, es kam endlich auch
Lubomir zu ihnen, es kamen seine Sippen, es kamen Mnner, die in der Nhe des
Waldes waren, so Ctibor und Nemoy und Strich von Plaka. In der Burg fhrte
Bertha die Herrschaft ber die Wirtlichkeit. Wentila und Hiltrut standen ihr
bei. An manchen Abenden, wenn Mue war, las Benno vor Witiko, Bertha, Wentila,
Hiltrut und vor manchen Mnnern und Frauen, die in die Burgstube geladen worden
waren, aus verschiedenen geschriebenen Blttern vor, oder er las auch etwas von
dem, was er ber die Geschicke der Kaiser zusammen gesammelt hatte. Oft wurde
von Dingen der Welt und der Menschen gesprochen, wie sie gewesen waren, und wie
sie jetzt sind.
    In dieser Zeit zogen auch zuweilen die Bewohner des Witikohauses in die Burg
Schauenberg, und die von Schauenberg in das Witikohaus.
    Eines Tages begaben sich Heinrich und Wiulfhilt und Witiko und Bertha mit
Geleiten auf einen Zug nach Olmtz, um dem Bischofe Zdik fr seine Geschenke zu
danken. Sie blieben eine Woche bei dem Bischofe.
    Witiko und Bertha gingen zu Zeiten in die Wohnsitze der Nachbarschaft sowohl
in dem bhmischen Lande als auch in dem Gebiete von Passau und an der Mihel, und
sie empfingen die Bewohner jener Wohnsitze auch wieder in ihrer Burg. Wentila
und die Base gingen oft mit, oft nicht.
    Welislaw und Dimut kamen manches Mal nach Rowna, und dann auch in das
Witikohaus. Auch andere Mnner und Freunde aus Prag oder ferneren Landstrichen,
aus Baiern, aus sterreich kamen, und es waren verschiedene Festlichkeiten und
manche vergngliche Tage.
    Witiko war fter mit den Seinigen in Plan. Und wenn er dort verweilte, kamen
die Mnner wie sonst zu ihm in das steinerne Haus, und saen an Abenden in
Gesprchen da, und er kam an andern Abenden in andere Huser, nahm dort Brod und
Salz, und redete mit den Mnnern. So tat er auch im Wangetschlage und in
Friedberg. Er verbesserte die Huser in Plan und im Wangetschlage, und vermehrte
ihr Grundland.
    In mancher Zeit waren die Bewohner des Witikohauses auch in Pric.
    Der alte Huldrik kam einmal mit dem Anliegen, da er ein Weib nehmen msse,
weil er zu seinem Dienste in der Burg und zu seinem Ansehen ein Weib brauche.
Witiko sagte, wenn es sein msse, so mge er ein Weib nehmen, und Benno verband
ihn mit einer Jungfrau aus Friedberg, die Azala hie.
    So war das Jahr des Heiles 1154 gekommen.
    In diesem Jahre erging von dem Knige der Deutschen, Friedrich, an alle
Herren des deutschen Landes und an alle, die sonst verpflichtet waren, der Ruf,
da sie sich und ihre Mnner stellten, damit er seinen Kaiserzug nach Rom
antreten knne. In dem Rate des Herzoges Wladislaw sagten die lteren Mnner,
man msse sich dem jungen Knige, der kaum das dreiigste Jahr berschritten
habe, wichtig erhalten, man msse sich ihm nicht geneigt zeigen, weil er die
Ansprche Heinrichs, des Markgrafen von sterreich, des Schwagers des Herzogs
Wladislaw, auf Baiern nicht anerkenne, mit dem doch der Bruder Heinrichs, der
vorige Markgraf Leopold, von dem Knige Konrad begabt worden war, und man msse
ihm die dreihundert Reiter, welche sonst die Herzoge von Bhmen und Mhren zu
den Romzgen gesendet hatten, verweigern. Die jngeren Mnner sagten, man msse
mit dem Knige in Verbindung kommen, um dem Herzogtume Bhmen und Mhren Ansehen
und Ehre zu gewinnen. Mit der Meinung dieser Mnner hielten es Welislaw, Witiko,
Odolen, Sezima, Zwest und Jurik, der Sohn Juriks.
    Wladislaw tat nach dem Rate der Alten.
    Das Heer des Knigs Friedrich sammelte sich ohne die bhmischen Reiter im
Weinmonate des Jahres 1154 vor der Stadt Augsburg, und zog dann durch Tirol an
den Gardasee. Dann ging es gegen Verona und Piacenza. Auf den roncalischen
Feldern hing der Knig seinen Schild auf einen Pfahl, da die hchsten
Lehentrger in der folgenden Nacht bei ihm Wache hielten. Dann zogen sie von
Stadt zu Stadt, und die lombardischen Stdte ergaben sich, oder wurden
bezwungen. Tortona, das lange widerstand, wurde zerstrt. Am siebenzehnten Tage
des Ostermonates des Jahres 1155 wurde der Knig in der alten Hauptstadt des
Knigreiches Italien, Pavia, mit der lombardischen Krone von dem Bischofe der
Stadt in der Kirche des heiligen Michael gekrnt. Am achtzehnten Tage des
Brachmonates des Jahres 1155 wurde der Knig von dem Heiligen Vater Hadrianus in
Rom in der Kirche des heiligen Apostels Petrus zum Kaiser gekrnt. Dann besiegte
er die aufrhrerischen Rmer, zchtigte die widerspenstige Stadt Spoleto, schlug
in den Felsenengen der Etsch die verrterischen Bewohner von Verona, und kam im
Sommer wieder nach Deutschland zurck.
    In Deutschland verurteilte er den Erzbischof von Mainz Arnold, und den
Pfalzgrafen Hermann von Stahleck, welche sich gegen seine Abmahnung in einer
verwstenden Einzelfehde bekriegten, auf dem Reichstage zu Worms im Anfange des
Jahres 1156 mit allen Grafen, die ihnen halfen, zum Hundetragen. Dem Erzbischofe
wurde wegen seines Alters und Amtes die Strafe erlassen; alle andern aber
erlitten sie. Dann zog er an dem Rheine hinab, zerbrach die Raubschlsser, und
lie die Schuldigen hinrichten. Die Zlle, welche ohne die Genehmigung des
Kaisers errichtet worden waren, erklrte er fr nichtig, und sie muten sogleich
aufhren.
    Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, schickte nun Daniel, den
Bischof von Prag, zu dem Kaiser Friedrich.
    Daniel kehrte wieder zurck, und erzhlte dem Herzoge Wladislaw von dem
Kaiser Friedrich.
    Er erzhlte ihm, da Beatrix, die schne Erbtochter von Burgund, von ihrem
Oheime Wilhelm in einen Turm gesperrt worden sei, da sie dort umkomme. Der
Kaiser aber hat sich gerstet, sie zu befreien. Und er hat sich entschlossen,
sie, wie einst der Kaiser Otto die schne Adelheid von Italien, zu freien.
Wilhelm hat sie losgelassen, und an den heiligen Pfingsttagen wird auf einem
groen Reichstage die Vermhlung vollzogen werden.
    Und es ergingen sodann von dem Kaiser die Einladungen zu dem Reichstage auf
das heilige Pfingstfest nach der Stadt Wrzburg.
    Und als sich die Tage des Pfingstfestes nherten, zog Wladislaw, der Herzog
von Bhmen und Mhren, mit dem Bischofe Daniel, mit Priestern, Herren und
Rittern und einem groen geschmckten Geleite gegen die Stadt Wrzburg. Witiko
und alle die jngeren Herren und Krieger folgten dem Herzoge.
    Wladislaw und die Seinigen wurden von dem Kaiser freundlich empfangen. Und
es kamen die Frsten und Herren des Reiches zu dem Reichstage, und Gezelte
reihten sich an Gezelte. Und alle die jungen Ritter, die unter der Fhrerschaft
Friedrichs gewesen waren, als er fast noch als ein Knabe, den Wolfartshauser
Grafen geschlagen hatte, kamen zu seiner Vermhlung. Sie waren jetzt mit Macht
und Ehren begabt. Witiko freute sich seines Freundes Wolfgang von Ortau, der mit
Gut belehnt worden war, und er fand manche Freunde, die er in Nrnberg und in
Wien kennen gelernt hatte.
    Die erste Feier des Reichstages war die Vermhlung. Das Brautpaar war vor
dem Altare. Friedrich in weiem Sammetgewande mit Gold und edlen Steinen und
feinem Hermelin, ein Mann von mittlerer Gre, wohlgebildet, mit hellem
rosenwangigen Angesichte, mit blauen Augen und blonden Haaren, und mit einem
goldschimmernden Barte. Beatrix in weiem Sammetgewande mit Gold, edlen Steinen
und Hermelin, auch mittelgro, fein, mit rosigem Angesichte, blauen Augen und
blonden Haaren. Nach der Vermhlung war ein Mahl voll Heiterkeit und Freude;
aber es war Ma in Speisen und Getrnken und in Schmuck und Geschirren.
    Und in den Tagen nach der Vermhlung waren andere Geschfte.
    Es kam Wladislaw, der Herzog von Polen, der von seinem Bruder Boleslaw
vertrieben worden war. Er suchte Hilfe. In der Versammlung der Frsten sprach
Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, fr ihn. Der Kaiser und die Frsten
entschlossen sich zur Hilfe, und es wurden Boten nach Polen gesendet.
    Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, hatte mehrere Gesprche mit dem
Kaiser ber die Dinge zwischen sterreich und Baiern. Er sprach auch mit Frsten
ber diese Dinge.
    Der Reichstag in Wrzburg wurde beendigt.
    Nach demselben ging der Bischof Daniel mit dem Willen des Kaisers und des
Herzoges Wladislaw zu dem Kaiser, da die Beratungen ber sterreich und Baiern
fortgesetzt wrden.
    Und als die Beratungen vollendet waren, wurde auf den Herbst des Jahres ein
Reichstag nach Regensburg zur Schlichtung berufen. Die Frsten erschienen sehr
zahlreich, und Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, zog mit dem Geleite,
welches mit ihm in Wrzburg gewesen war, und noch mit andern Mnnern, die sich
angeschlossen hatten, nach Regensburg. Auf dem Reichstage in Regensburg gab nun
Heinrich, der Markgraf von sterreich, die Lnder sterreich und Baiern in die
Hnde des Kaisers zurck. Der Kaiser aber trennte von Baiern das Land zwischen
der Enns und Passau, und belehnte mit dem, was brig war, Heinrich, den Sohn des
vorigen stolzen Herzogs Heinrich von Baiern. Das abgetrennte Stck Baierns legte
er zu sterreich, erhob sterreich zu einem Herzogtume, und belehnte damit den
Markgrafen Heinrich als Herzog von sterreich. Und groe Vorzge wurden dem
neuen Herzogtume gegeben. Es konnte auf Frauen vererbt werden, und der letzte
Besitzer, wenn alle Erben mangelten, konnte darber verfgen. Alle Zge des
Herzogs zu Versammlungen und Kriegen waren freiwillig, auer den Versammlungen,
die der Kaiser selbst berief, und auer den Kriegen gegen die Ungarn. Die
Frsten begrten den neuen Herzog, sie freuten sich der Austragung des
Streites, der schon seit dem Beginne der Herrschaft des Knigs Konrad gedauert
hatte, es freuten sich alle, die auf dem Reichstage waren, es freuten sich die
Bewohner der Stadt Regensburg, und bald kamen auch die Zeichen der Freude aus
den Gauen des Reiches herein.
    Von Polen wurde die Nachricht gebracht, da der Herzog Boleslaw dem Kaiser
trotze. Also wurde der Krieg gegen Polen auf das nchste Jahr beschlossen.
    Im Sommer dieses nchsten Jahres zog das deutsche Heer gegen Polen.
Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, kam mit seinen Brdern Diepold und
Heinrich und mit vielen Lechen und Herren der Lnder Bhmen und Mhren, und mit
erlesenen Scharen von Kriegern an der Oder zu dem Kaiser. Im Erntemonate wurde
die Oder bezwungen, und die Heere drangen bis gegen Posen vor. Da bat Boleslaw
um Frieden, und rief den Beistand des Herzoges Wladislaw an. Der Herzog brachte
mit mehreren andern Frsten die Vereinbarung zu Stande. Es wurde festgesetzt:
Boleslaw kmmt in bloen Fen, da ihm ein bloes Schwert von dem Halse hngt,
zu dem Kaiser, und kniet vor seinen Fen. Er leistet den Lehenseid, und
beschwrt, da er seinem Bruder sein Gebiet zurckgebe. Dem Kaiser zahlt er
zweitausend Mark Silber, den Frsten tausend Mark, dem Lehenhofe zweihundert,
und der Kaiserin vierzig Mark Goldes. Dem Kaiser sendet er zu seinen Zgen nach
Italien dreihundert Reiter, und er stellt sich zur Schlichtung aller noch
brigen Dinge auf den nchsten Reichstag nach Magdeburg. Zur Sicherheit gibt er
Geiseln.
    Boleslaw leistete die Shne und die Schwre, und gab die Geiseln, darunter
sein Bruder Kasimir war. Die Geiseln gingen auf den Befehl des Kaisers nach
Prag.
    Dann zog der Kaiser wieder nach Deutschland zurck.
    Er berief auf den Herbstmonat einen Reichstag nach Wrzburg. Noch mehr
Frsten und Herren und Kirchenobere kamen auf diesen Reichstag, als auf frhere
gekommen waren. Es kam Wladislaw, der Herzog von Bhmen und Mhren, und es kamen
Gesandte aus Frankreich, England, Spanien, Italien, Dnemark, Burgund und
Griechenland. Die Herren aus Burgund unterwarfen sich dem Kaiser, und die
Erzbischfe und Bischfe von Lyon, Valence, Vienne, Arles und Avignon huldigten
ihm. Waldemar, der Knig von Dnemark, lie ihm anzeigen, da er als Knig
gewhlt worden sei, und lie ihn bitten, da er die Wahl besttige, und ihn
belehne. Der Kaiser sagte es unter dem zu, da Waldemar einen Eid leiste, er
werde selber zu dem Kaiser kommen. Stephan, der Bruder Geisas, des Knigs von
Ungarn, bat den Kaiser um Hilfe wegen mancher Unbilden, die er von seinem Bruder
erlitten hatte. Der Kaiser bat den Bischof Daniel, da er zu Geisa gehe, und die
Dinge erkunde, weil er dem Knige Geisa schon bekannt sei, da er mit ihm
vermittelt hatte, da seine Tochter Elisabeth die Gattin Friedrichs, des Sohnes
Wladislaws, des Herzoges von Bhmen und Mhren, geworden ist. Daniel sagte den
Zug zu Geisa zu, und ging, nachdem der Reichstag beendiget war, nach Ungarn.
    Der Kaiser aber durchzog das Reich, bestrafte alle, die Unruhe oder sonst
bles stifteten, und ordnete die Sachen der Lnder und der Kirche.
    In dieser Zeit sendete Heinrich, der Knig von England, Geschenke an den
Kaiser, und sendete geschriebene Worte, in denen enthalten war: Wir sind bereit,
was Eure Ehre fordert, zu vollfhren. Wir vertrauen England und unsere
Herrschaft Eurer Gewalt und Eurem Willen an. Es sei ein Bund zwischen unsern
Vlkern, darin Ihr den Befehl habt, und darin wir den Gehorsam nicht verabsumen
werden. An den Geschenken sehet nicht den Wert, sondern die Liebe dessen, der
sie gibt, und nehmt sie auf, wie sie gegeben sind.
    Von Ungarn kamen Gesandte, durch welche der Knig seine Handlungen darlegen
lie, und durch welche er versprach, dem Kaiser Krieger zu seinem Zuge nach
Italien zu senden.
    Indessen diese Dinge geschahen, kamen aus Italien Botschaften, da sich die
Stdte bekriegen, da Mailand die Freunde des Kaisers unterdrcke und
unterwerfe, da es die Mahnungen des Kaisers nicht achte, und da es sich mit
seinen Feinden verbinde.
    Friedrich richtete nun ein Schreiben an alle geistlichen und weltlichen
Frsten, und sagte: Mailand hat sich gegen das Rmische Reich aufgelehnt, und
hhnet die Ehrfurcht, welche die Untertanen ihrem Beherrscher schuldig sind,
wenn auch derselbe von ihnen entfernt ist. Es strebt darnach, Italien seiner
Herrschaft zu unterwerfen, und hlt uns fr unfhig, es zu besiegen und zu
bestrafen. Ein solcher Frevel darf jetzt und in der Zukunft nicht gelingen. Wir
mssen die Widerspenstigen mit unserer ganzen Macht bekmpfen, und das ble
Glied von dem Krper schneiden, da er nicht auch die Verderbnis empfange, und
zu Grunde gehe.
    Es wurde wegen Italiens auf den sechsten Tag des Monates Jnner des Jahres
1158 ein Reichstag nach Regensburg ausgeschrieben. Auf diesen Reichstag kamen
die Frsten und Herren des deutschen Reiches, und es kam Wladislaw, der Herzog
von Bhmen und Mhren, mit dem zahlreichsten Geleite, das er bisher gehabt
hatte. Es wurde fr den Sommer ein Zug nach Italien festgesetzt, und alle, die
da waren, stimmten ein, und versprachen ihre Zurstungen.
    Am fnften Tage der Versammlung gab Friedrich, der rmisch-deutsche Kaiser,
Wladislaw, dem Herzoge von Bhmen und Mhren, in Anerkennung seiner Tugenden und
seiner groen Dienste in der Gegenwart aller Frsten eine Knigskrone, Wladislaw
wurde mit Feierlichkeit als Knig von Bhmen gekrnt, und von allen Frsten als
Knig von Bhmen begrt. Und diese Knigswrde sollte von nun an auf alle seine
Nachfolger bergehen.
    Es war in allen Lagern und es war unter den Begleitern Wladislaws eine groe
Freude ber dieses Ereignis.
    Und als er heimkehrte, kamen ihm in seinem Lande ganze Scharen von Menschen
entgegen, und riefen ihm Heil und Segen und Jubel zu, und streuten Tannenzweige
auf seinen Weg, und geleiteten ihn groe Strecken. Viele junge Krieger und
Herren kamen herzu, und zogen mit ihm nach Prag. In Prag wurde er von dem Volke
mit Feierlichkeit empfangen, mit Freude begrt, und er und Judith wurden in
kirchlicher Festlichkeit als Knig und Knigin anerkannt.
    Er berief darauf eine groe Versammlung in die Knigsburg.
    Und als der Tag der Versammlung gekommen war, und als sich die hohen und
niederen Herren der Lnder Bhmen und Mhren und die Herren der Kirche in einer
so groen Zahl eingefunden hatten, wie sie sonst nie herbei gezogen waren,
sprach der Knig zu ihnen: Erhabene Herren der Kirche, Shne des Stammes
Premysl, Herren, Mnner und Krieger der Lnder Bhmen und Mhren, hret meine
Worte. Sie zielen nun nicht mehr wie in der vergangenen Zeit auf die Not und das
Unglck unserer Lnder, um Abhilfe zu verlangen; sie zielen auf das Ansehen und
die Ehre unseres Reiches, da es mit andern Reichen wirke, ihnen gleich sei, und
geachtet und gefrchtet werde. In Italien ist die groe und mchtige und reiche
Stadt Mailand durch Gewalt, durch Khnheit, durch Verrat, durch Frechheit und
durch Verhhnung aller gttlichen und menschlichen Gesetze die Beherrscherin des
oberen Teiles des Landes geworden. Die Krmer, die Hndler, die Handwerker der
Stadt sind tapfer, sie spotten aber jedes Rittertumes, jedes Kriegertumes, und
mchten die Herren aller Dinge sein. Und sie werden nach und nach die Herren der
Dinge werden, wenn ihnen nicht Einhalt getan wird, und sie werden wachsen, und
nach uns allen greifen. Es ist daher ein Bund gegen sie entstanden. Friedrich,
der Knig der Deutschen, der auch in Rom zum rmischen Kaiser gekrnt worden
ist, der in Pavia die lombardische Krone empfangen hat, und dessen Untertanin
daher die Stadt Mailand ist, dessen Ansehen und Befehlen sich aber die Stadt
widersetzt, ist der Fhrer des Bundes. Alle deutschen Frsten gehen mit ihm. Das
Land Ungarn wird Reiter senden, Polen wird Kriegsvlker stellen, und andere
werden vielleicht desgleichen tun. Das groe schne Land Italien soll geeinigt
und geordnet werden. Ich habe dem Kaiser versprochen, da ich zu seinem Zuge
gehen, und da ich die Mnner zu ihm fhren werde, die sich mir zugesellen
wollen. So wird, wie schon andere Ehren unserem Lande zu Teil geworden sind,
auch aus dieser groen Sache Ehre und Macht fr das Land erwachsen. Ich
verkndige euch dieses, da ihr es wisset, und da jeder, der nach Mailand zu
ziehen gesonnen ist, sich rsten knne. Mit dem Frhlinge beginnt der Auszug.
    Da der Knig gesprochen hatte, setzte er sich wieder auf seinen Stuhl
nieder.
    Mehrere Mnner erhoben den Ruf: Wir ziehen, wir ziehen.
    Andere riefen darunter, und man verstand ihre Worte nicht, und es wurde, ehe
einer der vorzglicheren Mnner reden konnte, ein Rufen in dem ganzen Saale, aus
dem nichts Deutliches vernommen werden konnte.
    Dann drang wieder der Ruf durch: Wir ziehen.
    Dann erscholl der Ruf: Wir ziehen nicht.
    Dann tnten Stimmen: Es darf nicht sein, es ist gegen das Recht.
    Dann riefen andere dagegen, und es entstand ein verworrenes Geschrei, das
strker wurde, als es frher gewesen war. Dann sprangen viele von ihren Sitzen
auf, und schlugen an ihre Schwerter. Andere sprangen nun auch auf, und schlugen
auch an ihre Schwerter wie gleichsam zur Antwort.
    Der Knig blieb auf seinem Stuhle, und sah auf die Mnner.
    Casta hob seine Haube mit dem rechten Arme empor, und schwang sie in den
Lften.
    Es achtete aber niemand auf dieses Zeichen.
    Immer mehrere erhoben sich von ihren Sitzen, bis fast alle, die in dem Saale
waren, standen.
    Nun stieg Wecel auf seinen Stuhl, und machte mit seinen Armen Zeichen.
    Das Schreien wurde aber noch strker, und die Nchsten zogen ihn von seinem
Stuhle wieder herunter.
    Jetzt stand Diwis auf, und ging von den Sthlen in den freien Raum, da er
von allen gesehen werden konnte, und hob seine beiden Arme empor.
    Das Schreien minderte sich aber nicht.
    Diwis ging wieder zu seinem Sitze.
    Nun tat Lubomir das nmliche, was Diwis getan hatte.
    Aber das Schreien dauerte fort, und zu Zeiten rasselten die Waffen.
    Lubomir ging wieder zu seinem Stuhle.
    Nun stand langsam der alte Wsebor mit seinem weien Barte auf. Er stieg auf
den Schemel, den man ihm seines Alters willen vor seinen Stuhl gestellt hatte.
Er nahm seine Haube ab, und hielt sie vor die Brust. So blieb er stehen, und
regte sich nicht.
    Und wie er immer so stand, minderte sich das Schreien allgemach. Es minderte
sich stets, und man hrte den Ruf: Wsebor.
    Da schrie Predbor mit gewaltiger Stimme: Wsebor.
    Dann riefen mehrere: Wsebor.
    Dann rief Predbor vernehmlich: Wsebor liebt Land und Leute, hret ihn.
    Wsebor, Wsebor, Wsebor, riefen nun viele Stimmen.
    Dann wurde es stiller, und es war endlich kein Laut mehr in dem Saale.
    Darauf sprach Wsebor, da er auf dem Schemel stand: Liebe, gute
Landesgenossen. Ich danke euch, da ihr mit meinem Alter Nachsicht habt, und
euern Unwillen beschwichtigt. Ich bin jetzt der lteste in dem Saale, seit
Bolemil ist, wo die Jahre nicht mehr gezhlt werden. Gnnet mir, da ich Worte
sage, was ich in meinem Leben erfahren habe. Bolemil spricht nicht mehr, und
mein Mund ist viel schlechter.
    Rede, rede, riefen viele Stimmen.
    Wsebor sprach: Es sind viele hundert Jahre vergangen, seit der Vater Cech
mit seinen Begleitern ber die Strme in dieses Land gekommen ist. Und sie haben
ruhig gelebt, und haben die Nachbarn nicht beraubt. Und wenn Feinde gegen das
Land gekommen sind, so haben sie dieselben abgewehrt. Die Fremden, welche als
Gste gekommen sind, haben sie beherbergt und gepflegt. Und wenn ein fremder
Mann einem Manne dieses Landes ein Geschenk gegeben hat, so hat er es dankbar
angenommen, und hat den fremden Mann wieder beschenkt. Aber niemals haben sie
von dem Fremden ein Geschenk fr das Land angenommen, da er nicht ein Recht an
das Land bekomme. Darum haben sie auch nicht in entfernten Lndern Hilfe leisten
mssen. So sind sie daheim in ihrer Sitte geblieben, und es ist das Gesetz
geworden, da sie nicht in Kriegszge weit ber die Grenzen des Landes gehen
drfen. Hocherlauchter Knig Wladislaw, wenn du die Dinge, ehe sie geschehen
sind, vor den Rat deiner Mnner gebracht httest, so wren vielleicht von der
Weisheit der Mnner andere Wege zum Heile der Lnder gefunden worden.
    Als er diese Worte geredet hatte, stieg er wieder von seinem Schemel herab,
und setzte sich auf seinen Stuhl.
    Von den Mnnern in dem Saale aber riefen viele: Das ist wahr, das ist
gut, so mu es sein.
    Und es entstand wieder ein Durcheinanderrufen.
    Dann erhob sich Gezo, der Abt von Strahow, um zu sprechen.
    Als es stille geworden war, redete er: Wir haben die Heiligtmer in unserer
uralten Stadt Prag, und haben den goldenen Sitz unserer Frsten im Wysehrad,
welche Burg noch lter ist als Prag, und welche eine goldene Burg bei den Heiden
gewesen ist, und eine goldene Burg mit herrlichen Kirchen bei den Christen
geworden ist. Zu den Heiligtmern schaut das ganze Volk, und betet bei ihnen zu
Gott, und zu den Heiligtmern wallfahren Fremde, um ihrer Wunder teilhaftig zu
werden. In unserem Lande ist die Sule unsers Gebetes, ist die Sule unserer
Andacht, ist die Sule unserer Macht, und ist die Sule unserer Ehre. Bei den
Deutschen aber sind allerlei Pfalzen der Knige, sind allerlei Stdte, und der
Knig hat in keiner seinen goldenen Stuhl, und zieht von der einen zu der
andern.
    Es erhob sich nach diesen Worten ein drhnender Lrm in dem Saale. Die
Mnner schlugen an ihre Schwerter, und. manche schwangen sie mit der Scheide um
ihr Haupt.
    Gezo aber setzte sich wieder auf seinen Stuhl.
    Keine Stimme redete gegen Gezo.
    Es erhob sich Peter, der Abt von Brewnow.
    Man machte ihm endlich Raum zum Reden, und er sprach; Wie der
hochehrwrdige Abt von Strahow, und wie der hohe Leche Wsebor geredet haben, so
rede auch ich. Wenn wir unser Land aus seinen Gesetzen und aus seinen Sitten und
Gewohnheiten in die Schicksale anderer Lnder heben, so ruht es nicht mehr in
sich, und kann strzen. Ich beklage jede nderung, die nicht reiflich in dem
Rate seiner Shne erwogen worden ist.
    Nach dieser Rede entstand ein groes Beifallrufen, und es entstand auch ein
Rufen des Mibilligens.
    Mehrere Mnner sprangen zugleich empor, um zu sprechen.
    Da es stiller geworden war, erhob sich der Knig, und da man ihn vernehmen
konnte, sprach er: Es soll ein jeder, der in dieser Sache reden will, reden. Er
rede, was er in seinem Sinne fr recht und gut hlt, und rede, so lange es ihm
genehm ist. Ich werde jeden hren, und bitte aber auch die Mnner, da ein jeder
den andern anhre, wie er selbst angehrt zu werden wnscht. Da jedoch nicht
mehrere zugleich reden knnen, wenn sie auch zugleich zum Reden aufgestanden
sind, so meine ich es geziemend, da dem ltern zuerst das Wort gegnnt werde.
    Ja, ja, riefen fast alle Stimmen im Saale.
    Lubomir, sagte der Knig, ich glaube, da du schon vor einer Zeit von
deinem Sitze aufgestanden bist. Und wenn es auch nicht so wre, so bist du doch
der lteste. Sprich.
    Lubomir sprach: Hocherlauchter Knig, wenn du mich hren willst, und wenn
mich die Versammlung hren will, so werde ich reden.
    Rede, rede, riefen viele Mnner in dem Saale.
    Lubomir schwieg einen Augenblick. Dann redete er: Liebe hochehrwrdige
Herren der Kirche und der Lnder. Wie mir nach meinen geringen Einsichten und
nach meinen Jahren mein Sinn eingibt, ist die Vernderung, die sich in unseren
Lndern zugetragen hat, sehr wert, da wir derselben unsere genaue
Aufmerksamkeit schenken. Wir wissen jetzt noch nicht, was aus alledem werden
wird. Wir wissen nicht, was werden wird, wenn unser Herzog ein Knig ist, und
wenn alle unsere knftigen Herzoge Knige sind. Werden die Knige die Art der
Herzoge fortbehalten, oder wird eine andere Art werden? Sind unsere Lnder in
der alten Lage gegen ihre Nachbarn, oder wird die Lage neu sein? Werden wir in
Pflichten gegen die kommen, welche die Ehre gespendet haben? Wenn wir alles erst
wohl berdacht haben, wenn ein jeder das, was ihm zu Sinne gekommen ist, den
andern in Lieb und Treue mitgeteilt hat, dann knnen wir beraten, wie das Gute,
das in den Dingen liegt, von uns nach unsern Rechten und Pflichten dem Lande
zugefhrt werden kann, und wie wir das ble, das die Sache hat, von dem Lande
fern zu halten vermgen. Ich denke wohl, da es gut gewesen wre, wenn vorher
alle Obliegenheiten und Notwendigkeiten der Sache beraten und festgestellt
worden wren. Aber ihr wisset alle sehr gut, wie unser erlauchter Herzog
Wladislaw, seit er auf dem Frstenstuhle ist, immer in den Dingen des Landes den
Rat zusammen berufen hat, und wie in dem Rate beschlossen worden ist. Wenn er es
jetzt nicht getan hat, so wird er Ursachen dazu gehabt haben. Er wird alles sehr
reiflich erwogen haben, und er kann uns am sichersten sagen, was in dieser
Angelegenheit liegt, und was nicht in ihr liegt.
    Das ist wahr, das ist gut, riefen mehrere Mnner.
    Er htte es aber heute sagen sollen, rief eine Stimme.
    Und es wurde ein Rufen des Beifalls und des Tadels.
    Lubomir setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder.
    Preda, sprich, sagte der Knig.
    Preda, welcher stand, redete nun: Meine Worte sind die Worte Lubomirs. Es
kann sehr bles fr die Lnder in der Sache sein. Ich fge nur hinzu, da es
jetzt fast ist, als wren die, welche viele Jahre dem Lande gedient haben, nicht
mehr die Rte und nicht mehr die Freunde des Herzogs.
    So ist es, riefen viele Mnner.
    Preda setzte sich auf seinen Stuhl nieder.
    Slawibor, rede, sagte der Knig.
    Slawibor sprach: Wir haben in unserem Reiche gelebt, und die Herzoge haben
nur uns ber die Angelegenheiten befragt. Wratislaw, der Grovater unseres
erlauchten Herzoges, ist ein Knig gewesen; aber es war nur ein Ehrenkleid, und
er hat als Herzog fortgeschaltet. Und nach ihm sind wieder Herzoge gewesen, wie
Wladislaw, der Vater unsers jetzigen Knigs, der gute und gromtige, und wie
Sobeslaw, der Oheim und Vorgnger unsers jetzigen Knigs, der feste und
ruhmreiche, und wie unser Herzog, der bis jetzt auch ein Herzog gewesen ist. Nun
ist das Land fr alle Zeiten ohne Ratschlu in ein Knigreich umgewandelt
worden, und Pflichten und Abhngigkeiten sind im Wege, und das Blut soll in das
Ausland gegossen werden. Vor diesen Dingen stehen wir, und ich sage: Wenn der
erlauchte Herzog nicht unsern offenen Rat gehabt hat, so hat er geheimen gehabt,
und diesen trifft Verantwortung und Strafe.
    Die Strafe, die Strafe, die Strafe, riefen Mnner durcheinander.
    Nein, nein, nein, riefen andere.
    Und es wurde wieder ein wster Lrm.
    Als er sich gemildert hatte, rief der Knig: Diwis, rede.
    Diwis redete: Ich sage wie Lubomir, da es gut gewesen wre, wenn die
Umwandlung der Lnder in dem Rate genau erwogen worden wre. Ich sage wie
Slawibor, da es ein alter Brauch ist, da die Shne unserer Lnder nicht in
entfernten Reichen kmpfen drfen. Aber ich sage auch, da wir ber diese Sache
noch nicht urteilen knnen, weil sie uns noch nicht mit allen ihren Teilen
bekannt ist. Der hocherlauchte Knig Wladislaw hat nur von dem Zuge nach Mailand
gesprochen, dann ist der Zorn der Mnner entstanden, und es ist weiter eine
Wesenheit der Sache nicht dargelegt worden. Ich meine wie Lubomir, ein jeder
solle gehrt werden, und der soll am meisten gehrt werden, der am meisten von
der Sache reden kann. Und dann sollen wir umsichtig beratschlagen, da wir das
Gute einfhren, und das ble abhalten.
    Die Sache ist ja deutlich, rief Mireta.
    Sie ist deutlich, deutlich, deutlich, rief eine Zahl von Mnnern.
    Da rief der Knig: Es mu ein jeder gehrt werden, wie ihr gehrt werden
wollet.
    Hret einen jeden, das Recht hat er, schrie Predbor.
    Hret ihn, hret ihn, riefen fast alle in der Versammlung.
    Dann sprach der Knig: Rede, Nemoy.
    Nemoy redete: Da das Alterserblichkeitsgesetz gemacht wurde, sind alle
Lechen und Herren und Wladyken der Lnder dazu zusammen berufen worden, und es
ist die Nachfolge auf dem Frstenstuhl ruhig vor sich gegangen. Als das
Alterserblichkeitsgesetz aufgehoben wurde, hat es der Herzog Bretislaw mit der
Mithilfe des deutschen Kaisers Heinrich allein getan, und es sind die
Nachfolgekmpfe gekommen, die bis in unsere Zeit gedauert haben, und die nach
euch in die Zeiten hinein dauern knnen. Ich sage das, weil es geschehen ist,
und weil es zu beachten ist.
    Es ist zu beachten, riefen mehrere Mnner.
    Es ist so, riefen andere, es ist jetzt wieder so.
    Ja, ja, ja, riefen andere.
    Nein, nein, nein, riefen wieder andere.
    Als das Rufen aufgehrt hatte, sagte der Knig: Jetzt haben die gesprochen,
welche mit einander aufgestanden sind. Ich glaube, da ich sie nach dem Alter
genannt habe.
    Du hast sie genannt, hocherlauchter Knig, sagte Nemov.
    Nun stand der alte Rodmil auf, und sprach: Es ist eine Verletzung der
Rechte und der Bruche der Lechen gewesen. Die Lechen sind die Shne des Landes,
sie sind das Land. Und das Land ist der Quell der Ehren und der Macht, und fr
das Land ist das Blut seiner Kinder.
    Es wurde ein Beifallsrufen nach diesen Worten, und man hrte: Ja, eine
Verletzung, eine Verletzung, und kein Blut fr andere.
    Nach Rodmil stand Daniel, der Bischof von Prag, auf. Und wie er stand, wurde
es stiller, und wurde immer stiller, und endlich so stille, da nicht ein
einziger Laut in dem ganzen Saale zu vernehmen war.
    Dann wartete Daniel noch eine kurze Zeit.
    Dann sprach er: Es war einmal ein Mann, der hatte einen schnen Hof mit
schnen Grnden. Sein Vater und sein Grovater und sein Urgrovater und sein
Ururgrovater haben vor ihm den Hof besessen. Aber der Hof ist nicht immer schn
geblieben. Es kamen Regengsse, und es flo ein Wasser daher, und brachte Bume
und Strucher und Sand und Steine und Unrat. Und als es abgelaufen war, lagen
Steine und Sand auf den Streifen, auf dem es gewandelt. Der Mann und seine
Knechte brachten die Steine und den Sand fort, und der Streifen grnte wieder.
Aber es kamen wieder Regen, und es kam wieder Sand und kamen Steine. Und jeder
Regen brachte Sand und Steine. Da ging der Mann von dem Hofe fort, dem Wasser
nachzuspren. Er ging durch das Gut mehrerer Mnner, und kam in den entfernten
hohen Wald. Dort waren in Mulden weite Wsser. Die Wsser hatten eine Erdwulst
durchfressen, und durchfraen sie bei jedem Regen mehr. Der Mann und die
Besitzer der Gter und der Besitzer des Waldes verbauten die Lcke der Erdwulst,
und leiteten die Wasser in Schluchten. Wre der Mann in seinem Hofe geblieben,
so wre sein Hof ein Haufen von Sand und Steinen geworden.
    Bogdan sprang auf, und rief: Ja, ihr beide, du und dein Schreiber
Vincentius, seid fleiig in die Fremde gegangen, und habt dort gesphet, du hast
dich von dem deutschen Kaiser in allerlei Orte senden lassen, und bist sein
Diener geworden, und bist ein Fremder geworden, und bringst so viel von der
Fremde, bis wir selber Fremde sein werden.
    Ein drhnender Lrm entstand nach diesen Worten.
    Der Bischof Daniel setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder.
    Nach ihm erhob sich Bozebor.
    Als der Lrm sich nach und nach gelegt hatte, sprach er: Hohe und niedere
Herren der Kirche und der Lnder, Mnner und Freunde. Der alte Rodmil hat
gesagt: Das Land ist der Quell der Ehren und der Macht. Es ist der Quell der
Ehren und der Macht, und ein anderer Quell ist eine Pftze. Hocherlauchter
Herzog Wladislaw, wer hat dich gentigt, von den Deutschen Ehre und Macht zu
gewinnen? Htten wir dir nicht beides geben knnen? Wir haben den Kaiser Lothar
besiegt, und haben von ihm die Knigskrone gewonnen. Konntest du sie nicht von
uns empfangen? Du wrest dann ein Knig der Bhmen gewesen, und wir htten dich
auf unsern Schilden getragen. Jetzt aber bist du ein deutscher Knig, und mut
den Lohn bezahlen. Du bist zinspflichtig, und wir sind die Knechte eines
Knechtes. Oder sollen wir uns von dir lossagen? sollen wir die Lnder in Krieg
und Jammer strzen? Wer wird das Elend ergrnden knnen? Die alten Herzoge von
Bhmen sind lange, ehe ein deutscher Knig und Kaiser war, zur Zeit, da noch ein
Wald stand, wo jetzt die Stadt Prag ist, auf der heiligen goldenen Burg im Walde
gesessen, und ihre Lechen und Wladyken waren um sie, und sie haben gerichtet und
geurteilt, und ihre Vlker haben auf sie geschaut, und niemand konnte eine Nadel
von ihren Wldern nehmen, und sie waren ehrenreich, da die uralten Snger und
die Vlker von ihnen gesungen haben. Die Herzoge sind hher gewesen, als die
Knige und die Kaiser. Da sie Herzoge wurden, sind sie auf den alten
geheiligten Herzogstuhl gesetzt worden. Darum hie der Felsstuhl der
Herzogstuhl. Soll er jetzt ein Knigsstuhl werden? Oder willst du dir einen
andern schnitzen lassen, und ihn mit Gold und Farben verzieren? Werden nach dir
die Knige die Bastschuhe Premysls anziehen wollen, der nur ein Herzog gewesen
ist? Werden die Knige nach dir sich, ehe sie auf den Herzogstuhl gesetzt
werden, schlechte Kleider anziehen lassen, um sich ihres Ursprunges zu erinnern?
Werden sie sich auch nur auf den Herzogstuhl setzen lassen, dadurch sie ja nur
Herzoge wrden, und jetzt schon durch den Spruch des Fremden, ehe sie noch in
dem Leibe ihrer Mutter entstehen, Knige sind? Unsere geheiligten Gebruche,
unsere heimatlichen Sitten, unsere vorvterlichen Gerte werden verschwinden,
und so gro der Fels des Herzogstuhles ist, so werden Jahre kommen, in denen man
nicht mehr wei, wo er gestanden ist. Wenn wir die Sache eingeleitet htten, so
htten wir das Geheiligte sichern knnen. Die Knige werden wie du ohne uns
handeln, sie werden ihres Glanzes pflegen, und wir werden die Diener und die
Sklaven eines Herrn sein. Und wenn wir uns emprten, und alle aus dem Stamme
Premysl entfernten, so wrde einer von uns der Herr werden, er wrde sich durch
seine Macht wieder zum Knige machen, und wir stnden vor dem nmlichen Dinge,
vor dem wir jetzt stehen. Wer zu solchem den Rat gegeben hat, der verdient an
das Kreuz geschlagen zu werden. So sage ich, so rede ich, und so habe ich die
Sache bis in mein Alter erfahren, und so spreche ich von der Sache.
    Da er diese Worte geredet hatte, setzte er sich schnell auf seinen Stuhl
nieder.
    Aber nun brachen viele in ein Schreien aus, das strker war als jedes, das
sich bisher erhoben hatte. Es machte fast die Fenster erzittern, und machte die
Ohren unfhig, irgend etwas zu vernehmen.
    Nach langer Zeit erst hrte man die Rufe: Ans Kreuz, ans Kreuz, ans Kreuz.
    Und nicht lange hrte man die Rufe. Es wurde wieder ein bertubendes
Schreien, aus dem nichts zu vernehmen war.
    Dann schlugen die Mnner an die Schwerter, da es rasselte, und manche
schwangen sie in der Scheide wieder wie frher um das Haupt.
    Bogdan zog das seinige hervor, da es durch den Saal blitzte; aber die
zunchst um ihn waren, umschlossen ihn mit ihren Armen, zogen ihn nieder, und
nahmen ihm das Schwert.
    Das Schreien und das Rasseln mehrte sich.
    Dann hrte man wieder Stimmen: Ans Kreuz, ans Kreuz, ans Kreuz.
    Dann drang der auerordentliche Ruf Predbors durch den Lrm: Lat die
andern reden, und hret sie; ihr habt es versprochen.
    Der Lrm wurde auf diese Worte etwas geringer.
    Dann standen einige auf, um zu beschwichtigen. Da sie aber nicht gehrt
wurden, muten sie ihre Stimmen strker erheben, und das Getse wurde wieder
rger als frher.
    Jetzt erhob sich der Knig Wladislaw langsam von seinem Stuhle, und stand
aufrecht da.
    Er nahm nach einiger Zeit seine Haube von dem Haupte, und legte sie auf den
Tisch.
    Seine blonden Haare waren um sein Angesicht, und seine blauen Augen blickten
auf die Versammlung.
    So stand er da.
    Und wie es bei Wsebor und bei dem Bischofe Daniel gewesen war, so wurde es
auch bei ihm. Das Getse minderte sich, und endlich wurde es so stille, da man
keinen Laut vernehmen konnte.
    Da sprach der Knig: Hchste und hohe Herren der Kirche, Sprossen des
Stammes Premysl, hohe Herren und Herren der Lnder, Herren des Hofes, Fhrer,
Kriegsgenossen, Rte und Freunde. Ich htte erst geredet, wenn alle andern ihre
Rede vollendet gehabt htten; allein es sind immer mehr Worte gegen mich
entstanden, und eure Herzen sind von den Worten ergriffen worden. Ich will also
jetzt schon meine Worte entgegen sprechen. Dann sollen alle andern reden, die
noch reden wollen, und sie sollen gehrt werden. Vielleicht wird ihre Meinung
durch meine Worte ein wenig gendert. Wenn sie bei ihrer Meinung bleiben, so
sollen sie dieselbe aussprechen. Ich bitte euch, hret mich an.
    Hret die Worte, riefen mehrere Stimmen.
    Hret die Worte, riefen dann fast alle in dem Saale.
    Als es wieder stille geworden war, sprach der Knig: Ihr habt getadelt, da
ich mit den Fremden in Verbindungen gekommen bin. Als die Reiche noch klein und
einsam waren, schalteten sie in ihrem Hause, und mochten, wenn ein berfall
eines Nachbars kam, ihn abwehren. Aber die Reiche sind gewachsen, und einzelne
sind erstarkt. Und andere haben sich an dieses Reich angeschlossen, um seine und
ihre Macht zu mehren. Wer in seinem Hause bleibt, der ist ohne Bundesgenossen,
und wird von denen besiegt, die Bundesgenossen haben. Ihr habt gesagt: Wir haben
den Kaiser Lothar besiegt. Lothar ist mit einem Heere in die Schlucht von
Chlumec und in den Hinterhalt der Bhmen gegangen, und einzelne Teile seines
Heeres wurden vernichtet, und der Rest umringt. Und dennoch hat unser fester und
kluger Herzog Sobeslaw, mein Oheim, da Lothar fast gefangen war, von ihm die
Besttigung der Herzogswrde von Bhmen angenommen, nicht weil er Knig der
Deutschen war, sondern weil er rmischer Kaiser sein wrde. Sobeslaw hat die
Gefahr solcher Kriege erkannt, die gekommen wre, wenn er auch das Heer Lothars
vllig vernichtet und Lothar gefangen htte. Friedrich, welcher jetzt in
Deutschland herrscht, ist nicht wie Lothar, er fhrt die Heere besser. Habt ihr
gesehen, was er getan hat? Friedrich hat zuerst das Reich beruhigt, es ist dann
die Krone der Lombarden und die rmische Kaiserkrone auf sein Haupt gesetzt
worden. Er hat hierauf die Mchtigen im Reiche, die eigene Fehden fhrten, zu
schimpflicher Strafe verurteilt, und keiner wagte zu widersprechen, und die
Frsten standen zu ihm. Und er hat die Raubritter ausgerottet, und seine Macht
wuchs ber Dnemark und Polen und ber Lyon bis Avignon, und England schickte
Geschenke, und trug ein Bndnis an, und Spanien und Frankreich und Burgund und
andere schickten Abgesandte, und Ungarn verpflichtete sich ihm mit Reitern. Wenn
Friedrich die Lnder Bhmen und Mhren zu einer deutschen Mark machen wollte,
wie einmal vor ihm der Kaiser Karl mit dem Lande der Avaren bis zur Raab getan
hat, so wrde der Streit ein sehr schwerer sein. Eure Tapferkeit wrde fter
siegen; aber der endliche Ausgang wre sehr ungewi. Denn der Kaiser hat
Bundesgenossen, und sie wrden sich mehren. Ihr werdet sagen: Das wre ein Raub.
Wenn nun Friedrich ein Ruber sein wollte, wie Attila und andere vor ihm, wer
htte es gehindert? Wenn wir den Ruber, der in unsere Huser oder Burgen
bricht, strafen und ihn vernichten, so werden wieder andere Ruber. Wre es
nicht besser, wenn wir machen knnten, da gar keine Ruber mehr entstnden?
Wenn eben so nun Friedrich Rubergedanken hegen sollte, wre es da nicht
zutrglicher, zu bewirken, da solche Gedanken gar nicht emporkeimten? Ich bin
im Anfange wider Friedrich gewesen, weil es mir geschienen hat, da er gegen
sterreich und meinen Schwager Heinrich nicht gerecht ist. Ich fhrte mit ihm
Verhandlungen, und die Verhandlungen erreichten kein Ziel. Da ging ich selber zu
Friedrich, erkannte ihn, lernte ihn lieben, und wurde sein Freund, und er wurde
mein Freund. Und die Sache mit sterreich und Baiern lsete sich glcklich fr
alle, und der Zug gegen Polen brachte uns Ehre und Ruhm und Beute, und die Macht
der Lnder Bhmen und Mhren wurde befestigt. Wer in Verbindung mit Fremden ist,
der ist darum nicht abhngig von den Fremden, wie einer, der von einem
Handelsmanne etwas kauft, von ihm nicht abhngig ist. Oder sind wir von dem
Fremden abhngig, so ist der Fremde ingleichen von uns abhngig, wie der Kufer
und Verkufer von einander abhngig sind, aber beide zu ihrem Frommen. Wenn
viele in einer Verbindung sind, so sichern sie sich, wenn sie ber die Dinge
gemeinsam reden, und in ihnen gemeinsam handeln. Es sollten alle Reiche unseres
Erdteiles ihre Angelegenheiten gemeinsam schlichten, so wrde keines von einem
andern besiegt, und keines wrde die Beute eines entfernten Feindes. Ich kann es
euch sagen: Wenn Friedrich weit ber mein Leben hinaus in Deutschland herrscht,
so wird ihm nie zu Sinne kommen, die Lnder Bhmen und Mhren sich zu Fen zu
werfen, oder sie auch nur zu schmlern. Das habe ich ber die Verbindung und
ber den Umgang mit den Fremden gesprochen. Denket daran, und denket, was ich
einst ber die gleichen Dinge gesprochen habe, und was erfolgt ist, da wir
meinen Schwager Konrad, den Knig der Deutschen, um Hilfe gegen die mhrische
Verbindung angegangen haben. Nun rede ich von der bhmischen Knigskrone. Ihr
sagt, ihr httet sie mir gegeben. Meinet ihr, die Krone htte in die weiten
Lnder, oder auch nur in dem eigenen Lande geleuchtet? Wir htten uns selber zu
einem Knigreiche gemacht, und htten dem Beherrscher dieses Reiches die
Knigskrone aufgesetzt. Wer sich aber selber mit einer Ehre schmckt, der hat
keine Ehre. Die Ehre mu von der Hhe kommen, da sie heilig ist. Und was wrden
die Mnner und Weiber unserer Fluren von der Krone gesagt haben? Das ist die
Krone, wrden sie gesagt haben, die die hohen Herren des Landes gemacht, und dem
Herzoge geschenkt haben; sie wrden die Krone wie eine Burg angeschaut haben,
die vor ihren Augen gebaut worden ist. Der uralte Wysehrad ist heilig, und der
uralte Herzogstuhl ist heilig, weil sie da sind aus der grauen Zeit, und den
Menschen scheint, da sie von der Hhe stammen. Und wie wrdet ihr selber die
Krone angeschaut haben? Sie wre euer Werk gewesen, und ihr wret hher gewesen
als euer Werk. Ihr habt gesagt: Unser Land ist der Quell der Ehren und der
Macht. Aus dem Lande fliet Ehre und Macht; aber der hchste Quell aller Ehren
und aller Macht ist der allmchtige Gott. Er sendet Gaben und Geschicke, auf die
Ehre und Macht folgt, und er sendet die, welche Ehre und Macht verteilen drfen.
Die sind aber immer ber uns, nicht neben uns oder unter uns. Wenn der deutsche
Knig eine noch hundertmal grere Macht htte, so knnte er sich nicht die
rmische Kaiserkrone auf das Haupt setzen, sie bliebe eine deutsche Krone, und
bliebe strahlenlos. Aber der Heilige Vater, der Herrscher aller Glubigen auf
der Erde, setzt sie ihm auf, er wird der weltliche Herr der Christenheit, und
die Kaiserkrone glnzt ber die Vlker, und von ihr erglnzen die Knigskronen,
und aus ihr entstehen die Knigskronen. So glnzen die Kronen von Frankreich,
von Spanien, von England, und so entstand auch die Krone von Bhmen. Nicht
Friedrich, der Knig der Deutschen, hat mir die Knigskrone gegeben, sondern
Friedrich, der rmische Kaiser, der Schirm und Schimmer der Christenheit hat sie
mir freiwillig verliehen, und sie strahlet in die Welt. Er hat mich geehret, er
hat alle geehret, die nach mir herrschen, und er hat das Land und hat euch
geehret. Ihr knnt die Ehre nicht ablehnen, und wenn ihr es auch tut, so strahlt
ihr wider euern Willen in der Ehre. Unser Volk hat sie erkannt, und hat
gejauchzt, als ich in das Land gekommen bin. Jetzt rede ich davon, da ich wegen
der Krone nicht vorher euern Rat einberufen habe. Der Kaiser hat mir freiwillig
die Krone gegeben, es konnte also nicht vorher des Rates darber gepflogen
werden. Ich rede nun auch von den Lasten, die das Knigtum bringen soll. Es wird
keine bringen: denn die Hoheit liegt in der Krone, und geht auf die Dinge. Und
unsere Sitten und unsere Gebruche und unsere Heiligtmer werden heilig sein wie
frher, und ihre Heiligkeit wird den Wert der Krone noch heiliger machen.
Zuletzt rede ich von dem Zuge nach Italien. Es ist wahr, da nach den Satzungen
unserer Lnder keiner verpflichtet ist, in die Kriege ferner Reiche zu ziehen.
Ich habe aber auch den Heerbann unserer Lnder nicht nach Italien aufgeboten,
sondern ich habe gesagt, da ich dahin ziehe, damit jeder es wisse, der sich
freiwillig zu mir gesellen wolle. Der Kaiser Friedrich ist ein Ritter voll
Schimmer und Adel, der auszieht, die bermtige Stadt zu zchtigen, und die von
ihr unterdrckt werden, zu schirmen. Ich habe zu ihm gesagt: ich ziehe mit dir.
Und wenn das Wunderbare geschhe, da von meinem Volke keiner mit mir ginge, so
wrden die Menschen sagen, Bhmen hat noch einen Ritter, den Knig. Und wenn
manche mit mir ziehen, so sind sie in ihrem Rechte, wie ich in meinem Rechte
bin, und ich verleihe ihnen aus meinem Eigentume jede Zier der Ehre und Mittel.
Und die in der Heimat bleiben, tun auch nach ihrem Rechte und ihrer Pflicht. Es
werden auch solche sein, die mit Frauentndeleien und Mue zufrieden sind, diese
mgen sicher unter meinem Frieden in ihrem Hause sitzen. Endlich spreche ich
noch von einem. Bozebor hat gesagt: Wer zu solchen Dingen den Rat gegeben hat,
der verdiene an das Kreuz geschlagen zu werden. Ich sage euch: es ist niemand
da, der an das Kreuz geschlagen werden knnte. Ich habe nach keines Menschen
Rate gehandelt.
    Nach diesen Worten setzte der Knig seine Haube auf das Haupt, und lie sich
auf seinen Sitz nieder.
    Im Saale aber riefen die Mnner: Wir ziehen, wir ziehen.
    Dann wurde gerufen: Heil, Ehre, Glck Wladislaw, dem groen und mchtigen
Knige.
    Heil, Ehre, Glck Wladislaw, dem groen Knige, riefen sie wieder.
    Da stand Witiko von seinem Sitze auf.
    Hrt Witiko, riefen Stimmen.
    Hrt Witiko, rief Predbor.
    Und als es nach und nach stiller geworden war, sprach Witiko: Ich rede noch
von einem Dinge, das bei den Menschen gro und erhaben ist, und ber ihre Lnder
und ihr Leben hinaus reicht, von dem Ruhme. Wenn ein Mann das Hchste tut, das
preiswrdig ist, wenn viele Mnner, wenn ganze Vlker das Hchste tun: so kmmt
es in den Mund der Menschen, sie erzhlen es, sie preisen es, einer sagt es dem
andern, und wieder sagt es einer dem andern, und dann kmmt es in die Lieder,
und die Lieder und die Erzhlungen tnen in allen Zungen der Vlker, und die das
Groe getan haben, sind in der Liebe und Bewunderung der Menschen, und ihre Ehre
und ihre Macht wchst gegen die Wolken empor. Und die Menschen haben die Kunst
erfunden, ihre Worte in Buchstaben zu legen, die dauern, und durch diese
Erfindung und durch das, was noch erfunden werden wird, lebt der Ruhm fort, wenn
die, welche Groes verbt haben, lngst schon vor dem Throne Gottes sind. So
haben schon Mnner vor uns aufgeschrieben, was geschehen ist, und so schreiben
Mnner jetzt auf, was geschieht. Und das wirkt in die Zeiten; denn die Worte
sind so mchtig, da sie alles bewegen, wie das feste Recht der Taten die
Menschheit gestaltet. Das Wort ist strker als die Wurfschleuder, und die
Migung besiegt den Erdkreis. Wenn wir nach Italien gehen, so sind wir in einem
Lande, auf welches die Vlker schon in den ltesten Zeiten geschaut haben, als
das grte Reich der Welt von Italien ausgegangen ist, und auf das jetzt die
Vlker schauen, weil dort der Herrscher aller christlichen Seelen seinen Sitz
hat. Und wenn wir in dem schnen Lande siegreich die Ordnung und das Recht
wieder einfhren geholfen haben, und der bermut zu unsern Fen geworfen ist,
so kmmt unser Land in die Erzhlungen von weiten Vlkern, weil es vor weiten
Vlkern gehandelt hat, und es kmmt in die Lieder und Schriften, und durch sie
in die folgenden Zeiten, und unser Volk ist geachtet und stark unter den
Vlkern. Und da es geachtet und stark bleibe, mssen wir einig sein, da nicht
jeder nach einem andern Sinne geht. Wren die Christen unseres Weltteiles gegen
die Unglubigen einig, und stnde das griechische Reich aufrichtig zu uns, so
wre das Land Jerusalem, das noch heiliger ist als Italien, gesichert bei den
Glubigen, whrend nun ein starker Mann, welcher die Heiden einmal einigt, alles
an sich reit. Ich bin nicht zu dem Zuge in das Heilige Land gegangen, weil ich
gesehen habe, da er mit seinen Mitteln die Ziele nicht erreicht. Und er hat sie
nicht erreicht. Aber Friedrich wird mit Ruhmesschimmer seinen Zug vollenden, und
wenn wir heimkehren, wird dieser Schimmer von unsern Helmen, von unsern
Schilden, von unsern Schwertern, von unsern Panzern leuchten.
    Er setzte sich nach diesen Worten wieder auf seinen Stuhl.
    Nun riefen viele Stimmen: Witiko, Witiko, Witiko.
    Dann riefen sie: Wir ziehen mit, wir ziehen mit.
    Andere riefen: Verzagte bleiben.
    Da sprang Kochan auf, und schrie, da es alles Rufen bertnte: Lat mich
reden.
    Als er aber nicht gehrt wurde, schrie er noch strker: Lat mich reden.
    Und das wiederholte er mehrere Male.
    Und da man ihn vernommen hatte, und da es stiller geworden war, rief er:
Ich habe in der Versammlung auf dem Wysehrad, da der Herzog Wladislaw gewhlt
wurde, gesagt: Es sollen gar keine Herzoge mehr sein, sondern es sollen die
Herren der Lnder herrschen, wie man erzhlt, da es einst das gewesen ist. Und
da sich der neugewhlte Herzog Konrad und der frher gewhlte Herzog Wladislaw
bekmpften, habe ich gehofft, sie werden sich beide zu Grunde richten, und dann
werden die Lechen in Frieden die Lnder verwalten, und wir werden sie zu
gleichen Rechten, zu gleicher Macht und gleicher Herrschaft fhren. Aber ich
habe mich in allen Dingen geirrt, und es sind mir andere Gedanken in meinem
Sinne kund geworden. Viele der mchtigen Lechen haben nur fr sich Nutzen
erstrebt, und jeder suchte ber den andern empor zu kommen, und wenn es ihm
gelungen wre, so wre er gewaltttiger geworden, als alle Herzoge je gewesen
sind. Da kehrte ich meinen Willen zu dem erlauchten Herzoge Wladislaw, und der
erlauchte Herzog gedachte nicht mehr meines frheren Tuns, und ich lernte den
erlauchten Herzog kennen, und liebte ihn. Ich bin zu dem Kaiser Friedrich
gegangen. Ich habe sein schnes Angesicht und seinen goldenen Bart gesehen und
den starken Blick seiner blauen Augen, und ich habe seine tnende Stimme gehrt.
Ich habe ihn auf seinem Zuge gegen die Ruber gesehen, auf Reichstagen, und
unter den Abgesandten fremder Knige. Und mit ihm und mit unserem hocherlauchten
Knige Wladislaw zu ziehen, und in Gemeinschaft mit tapferen Rittern Siege zu
erkmpfen, ist eine Freude, welche fr einen Mann keine gleiche hat. Und du,
Bogdan, und du, alter Rodmil, denen der erlauchte Herzog ihre Tat gegen Zdik
verziehen hat, der nun in dem Himmel ist, ihr solltet nicht gegen den Herzog
sein, weil er nun ein Knig ist, sondern ihn in Demut bitten, da er euch mit
sich ziehen lt. So rede ich, und habe ein Recht; denn ich bin nie ein Knecht
eines Herzogs oder Knigs gewesen, und bin nun der Freund des Knigs.
    Nein, nein, nie ein Knecht, Kochan, riefen Stimmen.
    Und es entstand ein Rufen des Beifalles in dem Saale.
    Jetzt stand Rowno auf, und rief: Ich ziehe mit unserem erhabenen Knige,
und meine Sippen ziehen mit, und alle die sollen nicht Ehre und Macht erringen,
die sie fr sich allein wollen.
    Diet rief von seinem Sitze: Ich und meine Mnner ziehen mit.
    Und ich und meine Shne und die Meinigen ziehen mit, rief Osel.
    Odolen schrie: Die Sache ist so schimmerreich, da nicht jeder zu sagen
braucht: ich ziehe mit; sonst werden wir mit dem Hren fertig, wenn der Sieg
erfochten ist. Der Knig rstet, wir rsten, und wenn gezogen wird, ziehen wir.
    Und wenn du es auch verbietest, rief Predbor mit seiner starken Stimme,
ich habe heute schon viel gerufen, und rufe jetzt: ich ziehe mit, und weiche
dort nicht von dem Platze, bis jeder niedergeschmettert ist, der bermut gegen
uns erhebt.
    Dann stand Bogdan auf, und schrie: Wenn einer sagt, ich sitze zu Hause, und
tndle mit Weibern, den verfluche ich. Und ich ziehe mit, und werde mit meinem
Schwerte zeigen, da kein Schwert dem meinen gleicht.
    Ich aber rufe, sagte Welislaw, Leib und Leben und Gut und Blut fr die
Ehre und den erlauchten Ritter, den Knig.
    Leib und Leben und Gut und Blut, riefen die Mnner.
    Nun stand Lubomir auf, und sprach: Hoher Knig Wladislaw, wenn auch schon
viele Jahre auf meinem Scheitel sind, so ziehe ich doch mit dir, und meine
Mnner und Sippen ziehen mit, und meine Shne werden wohl auch mitziehen.
    Radosta, der Sohn Lubomirs, stand auf, und rief: Ich und meine Mnner
ziehen mit.
    Moyslaw, der andere Sohn Lubomirs, stand auf, und rief: Ich und meine
Mnner ziehen mit.
    Und ein groer Ruf der Billigung erscholl in dem Saale.
    Mein Alter soll mich nicht von dem Zuge abhalten, rief Slawibor.
    Ich ziehe mit, rief Nemoy.
    Jetzt erhob sich wieder langsam der alte Wsebor von seinem Sitze, stieg
wieder auf seinen Schemel, und sprach: Ich tndle zwar nicht in meinem Hause
mit Weibern; aber ich kann nicht mehr nach Italien ziehen, weil die vielen Jahre
meinen Krper dazu untauglich gemacht haben. Ich und mein Weib, das in meinem
Hause alt geworden ist, beten fr dich, o Knig. Aber meine Mnner und Sippen
ziehen mit.
    Ein Jubelruf erhob sich nach diesen Worten.
    Wsebor setzte sich wieder langsam auf seinen Stuhl.
    Nach ihm stand Preda auf, und sagte: Ich spreche wie Wsebor, und meine
Mnner werden nicht die letzten sein, die unter den Rittern genannt sind, wenn
Ruhm erworben wird, wie der junge Mann Witiko gesagt hat. Sie werden ihn ehrlich
mit denen teilen, die noch Freude an ihm haben.
    Und es ertnte wieder ein Ruf der Zustimmung.
    Ich habe nie mit Weibern getndelt, schrie Bozebor, und mein Schwert soll
es in Italien erhrten, da ich ein Mann bin, und die Schwerter der Meinigen
sollen erhrten, da sie Mnner sind.
    Nach diesen Worten erhob sich der Knig.
    Es wurde sogleich ganz stille, und er sprach: Ich danke dir, alter Wsebor,
ich danke dir, Preda, ich danke dir, Lubomir, ich danke dir, Diwis, und dir,
Slawibor, und dir, Nemoy, und auch dir, Bozebor, und allen. Ich frage nun die
Versammlung, ob einer in ihr ist, der noch seine Rede in einem anderen Sinne
oder ber ein anderes Ding erheben will, als ber den Zug nach Italien.
    Es antwortete niemand.
    So kann keiner sagen, da ihm seine Rede entzogen worden ist, sprach
Wladislaw.
    Keiner, keiner, riefen die Mnner.
    Es ist aber nun nicht mehr ntig, da ein jeder, der nach Italien ziehen
will, es ausdrcklich verkndige, sagte der Knig.
    Wir ziehen, wir ziehen, riefen fast alle Mnner in dem Saale.
    So danke ich euch von dem Grunde meines Gemtes, sagte der Knig, und wie
ich ein schlichter Herzog gewesen bin, so werde ich ein schlichter Knig sein,
und wenn ich es vergessen sollte, so werden mich meine alten Freunde und Rte
erinnern. Und so schlieen wir die Versammlung. Und wer bei dem Zuge nach
Italien sein will, der komme in der Mitte des Monates Mai nach Prag, da wir uns
vereinigen. Und ehe der Sommer erscheint, sind wir in den lombardischen Lndern,
und gehen mit Gott nach Mailand.
    Nach Mailand, nach Mailand, nach Mailand, riefen im Sturme die Mnner.
    Und sie erhoben sich schnell, und scharten sich um den Knig, und riefen ihm
zu, und sprachen zu ihm.
    Und der Knig verlie seinen Sitz, reichte ihnen die Hnde, und sprach mit
vielen. Und er ging in dem Saale von der einen Stelle zu der andern, wo Mnner
waren.
    Als er so eine Zeit mit ihnen gesprochen hatte, und als sie mit ihm
gesprochen hatten, ging er wieder zu seinem Sitze, grte noch einmal alle,
verabschiedete sich, und verlie im Geleite von Hofherren die Versammlung.
    Aber die Mnner blieben noch in dem Saale, und sprachen mit einander. Und
als sie sich zerstreuten, und im Freien waren, zogen immer mehrere mit einander,
und sprachen noch eifrig.
    Die nicht in Prag wohnten, eilten in ihre Heimat, um sich zu rsten.
    Witiko ritt mit den Seinigen gegen den mittglichen Wald. Und es gesellten
sich noch viele, die im Mittage wohnten, zu ihm, um mit ihm zu ziehen.
    Nun begannen die Rstungen bei den Jungen und bei den Alten. Die Sache von
dem Zuge nach Mailand breitete sich unter den Bewohnern der Lnder aus, und es
entstand eine Begierde, bei dem Zuge zu sein. Die Krieger unter den jungen
Mnnern sprachen von Mailand, die Leute aus dem Volke redeten von Mailand, es
wurden Lieder auf den Zug nach Mailand gemacht, und gesungen. Es wurden Waffen
herbeigeschafft und ausgebessert, und Landleute achteten nicht mehr des Pfluges,
und Arbeiter nicht mehr des Pfriemens, und wollten an dem Zuge teilnehmen.
    Als Witiko in seine Burg gekommen war, rief er seine Mnner, und die, welche
in der Nhe der Burg wohnten, zusammen, und verkndigte ihnen den Zug, und
sagte, wer mitgehen wolle, msse sich bereiten. Dann ritt er in die Herberge der
unteren Moldau, in den Kirchenschlag, und nach Plan, und an andere Stellen, und
versammelte berall die Mnner, und sprach mit ihnen von dem Zuge. Sie riefen
ihm zu, da sie mitgehen wollen. Und er sagte, in Friedberg sei im Anfange des
Monates Mai die Versammlung. Und die Mnner in dem Walde rsteten sich, und es
rsteten sich die Mnner der Burg. Wolf, der mit Bertha in das Witikohaus
gekommen war, hatte reiten gelernt, wie die Reiter des Waldes, und hatte sich in
Reiterwaffen gebt. Er durfte, weil er bat, mit dem Zuge gehen. Als sich der Tag
der Versammlung nherte, bergab Witiko die Herrschaft der Burg an Bertha, die
Verteidigung derselben und den Befehl ber die Mnner und die Geschfte des
Gebietes an Beda. Benno wollte mit nach Mailand gehen. Witiko aber bat ihn, in
der Burg zu bleiben, und mit Rat und Zuspruch bei der Hand zu sein. Benno fgte
sich. Die Base Hiltrut bat Witiko, sie mge, bis er wieder komme, bei Bertha,
Wentila und den Seinigen bleiben. Sie versprach es.
    Am Tage der Versammlung ging Witiko, da er gerstet war, zu seiner Mutter
und Hiltrut, um den letzten Abschied zu nehmen. Die Frauen segneten ihn. Dann
ging er zu Bertha. Sie kam ihm entgegen, und trug einen Kranz von roten
Waldrosen auf dem Haupte.
    Bertha, du hast jetzt Rosen? sagte er.
    Sie sind von dem Strauche, der an der Seite des Burghofes in dem glsernen
Schreine steht, und haben mich heuer sehr bald begrt, antwortete Bertha.
    Ich habe einmal am Waldfels zu dir gesagt: Die dunkelrote Waldrose ist dein
schnster Schmuck, und er ist dein schnster, entgegnete Witiko, ich habe
mehrere Tage den Strauch nicht gesehen, und habe nicht gewut, da seine Blumen
blhen.
    Sie blhen, antwortete Bertha, und ich habe sie heute genommen. Witiko,
du bist ein Mann, sei ein Mann, und gedenke derer, die zu Hause sind.
    Dann nahm sie ihn an der Hand, und fhrte ihn in eine Kammer, in welcher die
Kinder schliefen. Es waren zwei Knaben, Witiko und Heinrich. Eine Wrterin sa
auf einem Stuhle.
    Witiko ging zu jedem Bettlein, und machte in der Luft ein Kreuz ber die
schlafenden Knaben.
    Dann wandte er sich um, und schlo Bertha in die Arme, und sie kten sich
auf die Lippen.
    Die Wrterin weinte.
    Dann ging Witiko zu Benno, und dann gingen alle in die Kirche, und Benno
feierte das heilige Opfer.
    Von der Kirche ging Witiko in den Burghof, und bestieg sein Pferd. Von dem
Pferde grte er noch die Seinigen, und alle, die da standen, und grte auch
Huldrik, welcher mit den Armen Zeichen machte. Dann gesellte er sich zu den
Kriegern, die sich gesammelt hatten, und ritt mit ihnen zu den andern hinaus,
die schon vor der Burg waren.
    Und von da ritten sie durch den Wald nach Friedberg hinunter.
    Als sie in Friedberg angekommen waren, fand Witiko die Krieger schon von der
Kirche aufwrts zwischen den Husern aufgestellt. Ihre Lager waren auf den
Angern an der Moldau zerstreut. Es waren um vieles mehr Mnner gekommen, als
versprochen hatten, und als in dem mhrischen Kriege gewesen waren. Alle
Abteilungen trugen ihre Zeichen. Die Frauen und Mdchen von Friedberg sagten,
sie geben denen vom Eckschlage ein schneres Zeichen, als ihre Geierfedern sind;
die Mnner vom Eckschlage lehnten es aber ab. Witiko ordnete die Scharen wie in
dem mhrischen Kriege, und versammelte die Obmnner. Diese waren die nmlichen,
nur statt derer, die ein zu hohes Alter hatten, waren jngere gewhlt worden.
Mit den Obmnnern untersuchte er die Krieger, und vorzglich die Reiter. Mit den
Obmnnern und seinen Befehlstrgern schlo er die, welche unzulnglich gerstet
waren, oder deren Waffengeschick man nicht kannte, oder von denen man nicht
wute, ob man ihrer Tauglichkeit vertrauen knne, von dem Zuge aus. Die andern
wurden eingeteilt, und erhielten die Weisung, bereit zu sein, da sie am Morgen
des nchsten Tages ihren Weg betreten knnen.
    Am Morgen des nchsten Tages feierte der Pfarrer von Friedberg den
Gottesdienst. Ein Teil der Krieger war in der Kirche, ein Teil vor derselben.
Nach dem Gottesdienste segnete der Pfarrer die Schar. Dann zog dieselbe von
Friedberg auf dem Wege gegen Prag dahin. Sehr viele Menschen begleiteten sie
weit, und riefen ihnen Glck zu, und sangen Lieder.
    Als sie in Prag angekommen waren, zeigte ihnen der Lagermeister den Platz zu
ihrem Lager an. Es waren noch viele Lager da, und sie sahen, da noch immer
Menschen herzu zogen. Und an vielen Stellen bten sich Scharen in Waffen.
    Als die Zeit verflossen war, welche der Knig zur Sammlung der Krieger
bestimmt hatte, las er die tauglichsten aus, und bestimmte sie zum Zuge. Die
andern, deren Zahl sehr gro war, muten, wenn sie bereits Krieger waren, zur
Hut des Landes bleiben, oder, wenn sie erst jetzt mit Waffen herbei gekommen
waren, wieder in ihre heimatlichen Wohnungen zurckkehren.
    Die Mnner, welche Witiko aus dem Walde nach Prag gefhrt hatte, wurden alle
aufgenommen, und Witiko erhielt wieder den Befehl ber sie.
    Am siebenundzwanzigsten Tage des Monates Mai im Jahre des Heiles 1158
erfolgte der Auszug aus Prag.
    Die Weiber vieler Krieger, welche frher mit ihren Mnnern die Lieder von
der Belagerung Mailands gesungen hatten, kamen jetzt herzu, und kten noch
einmal mit Trnen ihre Gatten, und reichten ihnen die Kinder zum Kssen.
    Der Zug ging aus der Stadt Prag an dem Ufer der Moldau ihrem Wasser entgegen
in der Richtung gegen Sonnenuntergang dahin.
    Der Knig ritt an der Spitze des Zuges. Er war jetzt in einem schneren
Waffenschmucke als in dem Kriege in Mhren, weil es nicht ein innerer Krieg war.
Neben ihm ritt Daniel, der Bischof von Prag. Er hatte die Priester und Kapellane
Deslaw, Peregrin, Detleb, Vincentius, Otto und noch andere mitgenommen. Dann
ritt auch sein Bruder Diepold neben ihm. Weiter zurck ritt Gervasius, der
Propst vom Wysehrad und Kanzler des Knigs war, dann ritten noch hervorragende
Herren und Krieger. Die untergeordneten Fhrer waren bei ihren Abteilungen.
    Am dreiigsten Tage des Monates Mai war der Zug in Bohnik angekommen. Dort
legte der Bischof Daniel zur Ehre Gottes und zum Heile der Unternehmung in der
Kirche, welche Gervasius gebaut hatte, berbleibsel von Heiligen nieder. Der
Knig und die Herren der Kirche und der Lnder und die Krieger wohnten der
heiligen Handlung bei, und der Knig schrieb seinen Namen als Zeuge in die
Pergamente.
    Dann ging der Zug wieder weiter.
    Als er ber die Grenze von Bhmen gekommen war, wurde er wie im Kriege
eingerichtet.
    Er ging gegen die Stadt Regensburg, und mitten durch sie hindurch. Der
Kaiser war vor der Stadt Augsburg, und sammelte dort sein Heer. Der Knig ging
aber nicht zu ihm, sondern, weil es so bestimmt war, gegen Freising, und von
Freising mittagwrts in das Land Tirol. Dort ging der Zug an Wilten vorber, und
weiter bis an den Flu Etsch. An den Wassern der Etsch ging er mittagwrts fort.
Oberhalb der Stadt Bern, die die Welschen Verona nannten, bauten die Mnner aus
Schiffen eine Brcke ber die Etsch, die auch dem Kaiser dienen sollte, und
zogen ber dieselbe an das rechte Ufer. Sie zogen an Verona vorber, und kamen
an den Gardasee. Dort machten sie ein Lager, und schlugen die lbume und
Granatpfelbume zu Verzunungen, zu Pferdestllen, zum Bereiten ihrer Speisen,
und zu anderen Dingen nieder. Das rosenrote Banner des Knigs Wladislaw wurde in
dem Lager aufgerichtet.
    Der Kaiser Friedrich zog dann mit seinem Heere desselben Weges, auf dem
Wladislaw gezogen war. Bei ihm waren die Erzbischfe von Mainz, Trier und Kln,
die Bischfe von Eichsttt, Verden, Wrzburg und andere, und Frsten und Herren
des Reiches. Indes der Kaiser durch Tirol zog, gingen der Herzog von sterreich
und der Herzog von Krnten durch Friaul. Bei ihnen waren fnfhundert ungarische
Reiter. Friedrich, der Herzog von Schwaben, fhrte die Schwaben und Franken an
den See von Como. Berthold, der Herzog von Zhringen, fhrte die Burgunder und
Lothringer ber den groen Berg des heiligen Bernhard.
    Da Wladislaw an dem Gardasee lagerte, kamen Gesandte von der Stadt Verona zu
ihm, und baten ihn, er mchte das Gebiet verschonen, weil dasselbe samt der
Stadt Verona zu dem Kaiser stehe, und er mge lieber gegen die Stadt Brescia
ziehen, welche mit den Mailndern im Bunde sei. Zur Verpflegung des Heeres
wollen sie viel Geld zahlen. Der Knig Wladislaw willfahrte ihnen.
    Im Anfange des Heumonates brach er sein Lager ab, und zog gegen Brescia. Die
Mnner fanden vor der Stadt ein ebenes Land voll Korn und anderer Frchte. In
diesem Felde stellte der Knig sein Heer in Schlachtordnung, und ging so bis vor
die Stadt. Die Krieger derselben kamen aber nicht heraus. Daher machten die
Mnner des Knigs ein Lager, und nahmen Getreide, Vieh, und was sie erreichen
konnten, als Beute. Vieles davon wurde durch Mnner nach Bhmen gesendet. Die
Bewohner der Stadt ergriff Verzagnis, und auf die Frsprache des Bischofes
Daniel gestattete der Knig, da der Kardinal Odo und die Konsuln der Stadt zu
ihm als Abgesandte kmen. Sie kamen, und baten, der Knig mchte ihnen die Gnade
des Kaisers wieder verschaffen. Sie brachten dem Knige groe Geschenke.
Wladislaw verspricht ihnen, ihre Bitten zu erfllen. Indessen blieb er aber in
dem Lager vor der Stadt, und harrte der Ankunft des Kaisers und der andern Zge.
    Es kam nun zuerst Friedrich, der Herzog von Schwaben. Da die Mnner
Wladislaws schon zwei Wochen in dem Lager vor Brescia gewesen waren, kam der
Kaiser. Der Knig zog ihm mit seiner Macht entgegen, der Knig und der Kaiser
begrten sich, und die Krieger des Kaisers und die Krieger Wladislaws bezeugten
einander ihre Freude.
    Dann kamen die andern Zge.
    Der Knig Wladislaw bat nun fr die Bewohner von Brescia um Frieden. Der
Kaiser gewhrte ihn. Die Bewohner von Brescia brachten Geschenke, zahlten
sechstausend Mark Silber, stellten Geiseln, und schworen, eine hinreichende Zahl
von Kriegern mit dem Heere des Kaisers gegen Mailand zu senden. Gegen diese
Dinge nahm der Kaiser die Stadt wieder in seine Gnade auf.
    Nun kamen auch von den andern treuen Stdten des lombardischen Landes
Kriegesscharen herbei, und es kamen die treuen Lehenstrger mit ihren Mnnern
von den Burgen.
    Als das ganze Heer versammelt war, gab und verkndete der Kaiser die
Kriegesgesetze. Sie waren strenge, da das Heer in Zucht erhalten werde, und
siegesfhig sei. Er sprach zu den versammelten Frsten und Herren von seinem
Stuhle: Ihr sehet, da ich nicht Beute und Gewinn suche, noch andern diese
Dinge gestatte, sondern da ich gekommen bin, um das Recht und den Frieden
herzustellen. Ich kenne die bel des Krieges, und habe ihn nicht aus
Herrschsucht und Grausamkeit begonnen. Wenn wir die Schmach von Mailand
ertrgen, wrde man nicht unsere Gte preisen knnen, sondern uns der
Fahrlssigkeit zeihen. Wir tun nicht Unrecht, sondern wehren Unrecht ab, und ihr
msset mit allen Krften helfen. Wer den Kaiser hhnt, hhnt euch, was dem
Kaiser entrissen wird, wird euch entrissen, daher werdet ihr eher alles tun, als
da diese aufrhrerische Stadt sagen drfe, sie habe uns ausgeartet gesehen, und
uns die Rechte und Ehren geraubt, welche unsere Vorfahrer errungen und behauptet
haben. Da aber Gerechtigkeit sei, werde ich die Abgesandten der Stadt Mailand,
die ich vorgeladen habe, hier empfangen, und wenn die Stadt zur Erkenntnis
gekommen ist, und wenn ihre Vorschlge angenommen werden knnen, dann ist das
Recht und der Frieden gewahrt.
    Die Frsten und Herren riefen dem Kaiser freudig zu, und gelobten, seine
Weisungen genau zu befolgen, und die Rechtsgelehrten des Lagers sagten, es sei
gut, da man eine solche Stadt nicht ungehrt verdamme.
    Es kamen die Abgesandten der Stadt Mailand.
    Sie sprachen: Die gute und getreue Stadt Mailand bringt der Hoheit des
Kaisers, welcher der Knig des italienischen lombardischen Bodens ist, ihre
Huldigung und ihre Unterwrfigkeit dar. Die gute und getreue Stadt Mailand hat
nie die Rechte des Knigs verhhnt oder sie verletzt. Der Knig hat das Recht,
die obersten Lehen zu verleihen, er hat das Recht, die Lehenstrger zusammen zu
rufen, er hat das Recht, auf den Reichstagen Gesetze zu geben, er hat das Recht,
Richter und Notare zu ernennen, seine Stellvertreter abzuordnen, und zu
verlangen, da sein Heer im Lande verpflegt werde. Die gute und getreue Stadt
Mailand hat das eifrige Verlangen, da diese Rechte im aufrechten Bestande sind.
Der frnkische Knig Karl hat die rmische Kaiserkrone von dem Heiligen Vater
empfangen. Er hat das longobardische Reich erobert, hat den longobardischen
Knig entsetzt, und ist selber der longobardische Knig geworden. Und dann sind
in spter Zeit die Knige der Deutschen die Nachfolger Karls geworden, sie haben
von dem Heiligen Vater die rmische Kaiserkrone erhalten, und haben sich zu
Knigen des lombardischen Landes gemacht. Aber die Knige waren selten in dem
Lande, und die Herren in den Schlssern bten ihren Willen und ihre Gewalt. Da
halfen sich die armen Stdte selber. Ihre Brger sammelten sich Kenntnisse und
Mittel, schlossen sich an einander, fhrten mit Ausdauer die Waffen, da ihnen
die Herren nicht schaden konnten. Sie gaben sich seither Satzungen, fr die sie
ihr Leben einsetzten. So ist es in vielen geworden, und so ist es in der guten
getreuen Stadt Mailand geworden. Und weil es so ist, so sollten sie von der Wahl
ihrer Knige nicht ausgeschlossen sein, sie sollten auf den Reichstagen zu den
Gesetzen mitwirken, und es sollte ihnen gegen ihren Willen kein Stellvertreter
des Knigs, kein Richter, kein Notar, kein Konsul, kein Oberer gesetzt werden.
Dem Knige werden die Mailnder dann stets reiche Geschenke senden, sie werden
ihm ein hinreichendes Geld zur Bestreitung der Landeskosten geben, und sie
werden, wenn er im Lande ist, zu seiner Hofhaltung und zur Verpflegung seines
Heeres nach Krften und nach Einsicht beitragen. Sie werden immer demtige
Untertanen sein, und die Frsten seines Reiches mit groen Geschenken und
Ehrenbezeugungen bedenken, da das alles in Vollziehung kmmt.
    So hngt ihnen tote Hunde um den Hals, und jagt sie aus dem Lager, rief
Friedrich, der Herzog von Schwaben.
    Richte nicht du allein, sagte der Kaiser.
    Dann sprach er zu den Abgesandten: Ihr habt recht geredet, da ihr gesagt
habt, wie die Herrschaft an die deutschen Knige gekommen ist. Ihr habt schlecht
geredet, da ihr gesagt habt, wie sie gebt werden soll. Den Knig wollt ihr
whlen, der Knig soll Gesetze geben, die ihr wollt, der Knig soll Obere
einsetzen, die ihr wollt, und der Knig soll empfangen, was ihr ihm gebet. Wer
ist dann der Knig? Ihr redet von der Hilfe, die ihr euch selbst gewhren
mutet. Sind die bel nicht entstanden, weil die Macht der Knige zu schwach
gebt wurde? Daher die wilden Kriege gegen die Herren im Lande, die Kriege der
Stdte unter einander. Sind die Kriege durch die Knige oder durch euch
entstanden? Ihr wollt frei von Bedrckung sein, und bedrckt andere. Seid ihr
nicht grausamer gegen Lodi gewesen, als je ein fremder Kriegsmann? Meint ihr,
ich habe vergessen, da ihr bei meinem Heimzuge aus Rom mit denen von Verona im
Einverstndnisse eine Brcke bautet, die unter meinem Heere brechen sollte, und
da ihr mich in den Engpssen berfielet, damit ich umkomme? Meint ihr, ich habe
vergessen, da ihr Tortona, das ich zerstrt habe, sogleich wieder hergestellt
und in euern Bund gezogen habt, da ihr meine getreue Stadt Pavia bekmpft und
ihr einen Vorsteher von Mailand gegeben habt, da ihr meinen Markgrafen von
Montferrat bekriegt und seine Schlsser erobert habt, da ihr Brescia und
Piacenza in euern Bund wider mich genommen habt? Und soll ich es vergessen, da
ihr vor meinen Ohren jetzt die Frsten zu gewinnen strebt, da sie euch zu Sinne
sind?
    Darauf antwortete einer der Gesandten: Wir wissen nichts von dem Verrate
bei Verona, wir haben denen von Tortona, weil sie baten, nachbarliche Hilfe
geleistet, und haben uns gegen die, welche uns unterdrcken wollten, gewehrt.
Wir sind nichts anders als treue Untertanen des Knigs gewesen. Was die Kriege
der Stdte gegen einander betrifft, so ist das in Freistaaten so, sie haben ihre
Liebe und ihren Ha fr sich.
    Du hast das Wort gesagt, sprach der Kaiser, ihr seid Freistaaten, und ein
Freistaat ist kein Untertan. Ist die Stadt Mailand die getreue, und bedarf sie
des Schutzes, so rufe sie den des Knigs, wie die andern treuen Stdte getan
haben. Ihr habt hier Worte der Herrschaft gesprochen, habt ihr nicht auch die
der Unterwerfung?
    Wir haben nach Auftrag die demtigen Bitten der Unsern vor unsern Knig
gebracht, sagte der Abgesandte.
    So sind wir fertig, sprach der Kaiser. Hochwrdiger Erzbischof von Mainz,
wie nennt man das, was Mailand bt?
    Emprung, sagte der Erzbischof.
    Und du von Kln? fragte der Kaiser.
    Emprung, antwortete der Erzbischof von Kln.
    Und du von Trier? fragte der Kaiser.
    Emprung, antwortete der Erzbischof von Trier.
    Und ihr andern? fragte der Kaiser.
    Emprung, riefen alle.
    So mssen wir mit unserm Heere weiter vorgehen, ob die von Mailand andern
Sinnes werden, sagte der Kaiser, ihr Abgesandte aber gehet von hinnen.
Hocherlauchter Knig von Bhmen, erlauchter Herzog von sterreich, ich bitte
euch, befehlet Mnner aus euern Heeren, welche diese da ungefhrdet aus dem
Lager bringen.
    Der Knig von Bhmen sandte zu Witiko, der Herzog von sterreich zu
Chunring.
    Beide kamen mit Scharen, und fhrten die Abgesandten Mailands hinweg.
    Und von diesem Augenblicke an wurde der Zug gegen Mailand gerstet.
    Wladislaw, der Knig von Bhmen, brach zuerst sein Lager ab, und war mit
seinen Mnnern an der Spitze des Heeres.
    Man zog im Anfange nach Blancanuga, und von dort zog man gegen Cassano, wo
die groe Brcke ber den Flu Adda war. Da die Heere an den Flu gekommen
waren, sahen sie, da die Brcke zerstrt worden sei, und die Kundschafter
sagten, es seien schon vor langer Zeit auch alle andern Brcken in der Gegend
hinweg genommen worden.
    Der Kaiser lagerte also an der zerstrten Brcke, und tausend Schritte von
ihm abwrts lagerte der Knig von Bhmen, sein Bruder Diepold und der Bischof
Daniel. Die brigen Frsten und Herren hatten weiter rckwrts ihre Stellen.
    Die Wasser der Adda waren von Regengssen hoch angeschwollen, und auf dem
jenseitigen Ufer waren von dem mailndischen Heere wohl ber tausend schwer
geharnischte Mnner, und es war eine groe Menge von Bogenschtzen und
Schleuderern. Und wie Krieger von beiden Heeren sich an den Ufern einander
gegenber zeigten, sendeten die Mailnder Pflcke, Lanzen, Pfeile, Lagerbolzen
aus ihren Schleudergerten herber.
    Der Kaiser versammelte den Rat der Frsten. Von der groen Brcke war nur
der Teil zerstrt, der sich an dem Ufer der Feinde befand. Es wurde beschlossen,
von den Brckengegenstnden, welche bei dem Zuge waren, und von dem Holze von
Bumen und Husern, und wo man es bekme, das wieder herzustellen, was zerstrt
worden war. Es sollten Schleudergerte aufgerichtet werden, aus denen Wurfdinge
auf die Feinde, die gegenber wren, gesendet wrden, da unter diesem Schutze
leichter an der Brcke gearbeitet werden knnte. Indessen sollte an dem Ufer
eifrig gespht werden, ob sich nicht eine Furt fr die Reiter oder sonst ein
gnstiger Umstand fr den bergang entdecken liee.
    Am dreiundzwanzigsten Tage des Heumonates ritten Witiko, bei dem Urban und
Mathias waren, dann Odolen, Welislaw, Bogdan, Sezima, Bohus, Beneda und Bernard,
der Sohn des Mannes Sobeslaw, zu dieser Sphe.
    Aber sie konnten nichts entdecken.
    An der Wiese bei Corneliano, die nahe an dem Lager Wladislaws war, flossen
die Wasser ruhiger.
    Da sagte Odolen: Hier mssen unsere Reiter hinber schwimmen, dann nehmen
sie die Feinde in dem Rcken, und der unvergleichlichste Sieg steigt von dem
Himmel nieder.
    Mein Pferd trgt mich ber das Wasser, sagte Witiko, die Waldpferde
schwimmen hindurch, und wenn die andern auch die Kraft haben, so knnte das
geschehen, was du sagst, und dann entstnde die Freiheit, Brcken ber den Flu
zu machen.
    Ich schwimme leicht hinber, sagte Welislaw.
    Ich auch, ich auch, riefen die andern.
    Und da alle Reiter unsers Knigs sehen, da es mglich ist, rief Odolen,
reite ich auf der Stelle in den Flu und schwimme hinber. Ihr kndet es dem
Knige, und zeigt es dem ganzen Heere.
    Und da er diese Worte sprach, sahen sie in dem Flusse etwas schwimmen wie
ein lebendes Wesen. Es wurde bald der Kopf eines Pferdes sichtbar, und mit dem
Pferde waren nackte Arme und Glieder eines Menschen verschlungen. Beide kamen
nher, und nach kurzer Frist ritt ein nackter Mann auf einem goldhellen Pferde
das Ufer hinan mitten in die Mnner hinein.
    Wolf, rief Witiko.
    Ich habe mir ein Pferd geholt, sagte Wolf, der auf dem Tiere schlotterte,
es wird doch jetzt mir gehren. Da sind Reiter gewesen, und haben ihre Pferde
an Bume gebunden, und sind der Kurzweil nachgegangen, und da habe ich mein
Gewand ausgezogen, bin hinber geschwommen, und habe ein Pferd genommen.
    Wo sind die Reiter? fragte Bohus.
    Weiter oben, ich bin herab geschwommen, da sie mich nicht mehr sehen,
sagte Wolf.
    So ziehe deine Kleider an, sprach Witiko.
    Wenn mir einer das Pferd hlt, da ich sie suche, sagte Wolf.
    Ich halte dir das Pferd, sprach Mathias.
    Wolf sprang jetzt herunter.
    Du herrlicher Gauch, sagte Odolen, du hast getan, was wir tun sollen, und
was ich jetzt tun werde, du solltest ein Ritter sein.
    Und nach diesen Worten ritt er schnell in den Flu, und sein Pferd begann zu
schwimmen. Bernard und Bohus folgten ihm. Bohus kehrte wieder um.
    Zu dem Knige, rief Witiko.
    Und er ritt im schnellsten Rosseslaufe zu dem Zelte des Knigs. Die andern
folgten ihm.
    Da er in das Gezelt getreten war, sa der Knig mit seinem Bruder Diepold
und dem Bischofe Daniel bei dem Mittagmahle.
    Witiko, Welislaw, Sezima, rief er.
    Hoher Knig, rief Witiko, eine Furt ist nicht da; aber Odolen schwimmt
eben mit seinem Pferde durch den Flu, um allen unsern Reitern zu zeigen, da
sie hinber schwimmen knnen.
    Odolen, rief der Knig.
    Er sprang von seinem Sitze auf, eilte aus dem Zelte und zu dem Flusse.
Diepold, Daniel und die andern folgten ihm. Von den Begleitern Witikos war die
Sache in dem Lager ausgerufen worden, und viele Krieger und selbst die Priester
Daniels eilten herzu.
    Sie sahen noch den schwimmenden Odolen und den schwimmenden Bernard. Bald
war es ihnen, als sei in den Fluten das Pferd oben, bald der Mann. Aber die
Schwimmer erreichten das Ufer, und ritten ber dasselbe hinauf.
    Was ein Mann kann, das kann auch ein zweiter, rief der Knig, und das
knnen viele und Tausende. Rhrt die Reiterpauken zur Sammlung.
    Ein Jubelruf der Krieger antwortete dem Knige auf diese Worte.
    Alle eilten in das Lager, und es ertnten die Pauken.
    Witiko ritt zu den Seinigen, und lie das Reiterhorn der Sammlung ertnen.
Und als die Reiter gerstet in Ordnung standen, sprach er: Brder und Freunde,
es ist keine Furt in dem Flusse, Odolen, der Sohn des Striz, und Bernard, der
Sohn des Sobeslaw, schwammen mit ihren Pferden durch das Wasser, und der Knig
und seine Reiter werden hinber schwimmen. Ich tue desgleichen, und rufe zu
euch: wer es wei, da sein Pferd hinber schwimmen kann, der folge mir, wenn er
will.
    Ich schwimme mit, rief Mathias.
    Ich schwimme mit, rief Urban.
    Ich schwimme mit, rief Maz Albrecht.
    Ich schwimme mit, rief Wolf, der nun im Kriegsgewande auf seinem geraubten
Pferde herzu ritt.
    Unsere kleinen Rosse schwimmen oft zum Spiele ber die hohe Moldau auf gute
Weiden hinber, rief Philipp, der Steiger.
    Ich schwimme mit, rief Augustin.
    Ich schwimme mit, ich schwimme mit, riefen alle Mnner.
    Also zu den Reitern des Knigs, und mit ihnen und dem Knige durch das
Wasser, und dann mit Gottes Hilfe auf die Feinde, rief Witiko, blaset zum
Zuge.
    Und es ertnte das Horn zum Zuge, und Witiko ritt mit seinen Reitern zu dem
Knige.
    Dort erschollen noch immer die Pauken, und es sammelten sich die Mnner. Der
Knig ritt gerstet zu ihnen, und rief: Ihr wit, was Odolen und Bernard getan
haben. Mir wre es Schmach, wenn ich hinter ihnen zurckbliebe, und wer so ist,
wie Odolen, der folge mir zur Vernichtung der Feinde.
    Heil Wladislaw, riefen die Reiter.
    Und die Pauken tnten die Zugsbereitschaft, der Knig stellte sich an die
Spitze, und die Reiter ritten auf die Wiese. Und von der Wiese ritt der Knig
zuerst in das Wasser, gleich nach ihm Diepold, dann Welislaw, dann Zwest, dann
Beneda, Predbor sprang mit seinem Pferde hinein, da der Schaum emporschlug,
Kochan war eines Satzes drinnen, Bogdan auch, Witiko suchte eine Stelle, und
ritt an der Spitze aller seiner Waldreiter hinein, so auch Rowno mit den
Seinigen, Diet von Wettern, der von Prachatic, Osel mit seinen Shnen, und so
alle aus dem Walde. Sogar die lteren Fhrer und Lechen blieben nicht zurck,
und die Reiter drngten sich nach, da kein einziger in dem Lager war. Und bald
war die weite rinnende Flche mit schwimmenden Pferden und Mnnern bedeckt, die
Tiere arbeiteten und strebten dem Ziele zu, die Mnner suchten sich zu erhalten,
und sogar die Tiere zu lenken. Sie wurden auseinander getragen, und viele
trieben in den Wogen hinunter. Dann erreichten zuerst einige das Ufer, dann
mehrere, dann wieder mehrere, bis der Flu leer war. Sie ritten auf festen
Grund, und ordneten sich nach dem Schalle der Pauken und Hrner zu ihren
Zeichen. Die nicht da waren, auf die konnte nicht gewartet werden.
    Wladislaw lie sie an dem Wasser aufwrts reiten.
    Bald waren sie bei den Feinden. Diese waren nicht in Kampfesbereitschaft.
Die Reiter strzten gegen sie, umringten sie von allen Seiten, tobten mit ihren
Waffen gegen sie, und tteten eine groe Zahl, und nahmen viele gefangen. Von
beiden Teilen stieg das Geschrei gegen den Himmel, von den Bhmen ein freudiges
ber den Sieg, von den Mailndern ein jammerndes ber das unvermutete Unheil.
    Die Krieger in dem Lager des Kaisers hrten das Getmmel und das Rufen, und
eilten an das Wasser. Sie meinten, es seien Hilfsscharen zu den Mailndern
gekommen; als sie aber den Schall der Reiterpauken der Bhmen erkannten, und
sahen, wie diese ihre Gegner niederstrzten, erhoben sie ein Jubeljauchzen ber
einen solchen Sieg und ber das Wunder, wie man durch das reiende Wasser habe
gelangen knnen. Der Kaiser kam selber an den Flu, und sah, was auf dem Ufer
der Feinde geschah. Und die Nachricht ging in alle andern Lager, und von allen
Seiten kamen Krieger herzu.
    Als die Mailnder sich in die Flucht wendeten, befahl Wladislaw seinem
Bruder Diepold, sie mit einer groen Zahl erlesener Reiter zu verfolgen. Er
begab sich mit den brigen Mnnern zu der Brcke, und sie begannen eifrig zu
arbeiten, um die Brcke wieder herzustellen. Der Kaiser lie auf seiner Seite
auch mit allem Ntigen an das Werk gehen. Aber es kam die Finsternis der Nacht,
und die Brcke war noch nicht fertig. Diepold kehrte mit seinen Reitern zurck.
Nun arbeiteten die Mnner, ein Lager mit Grben und Wllen zu befestigen. Die
Reiter des Waldes, welche mit Witiko an dem Zuge Diepolds Teil genommen hatten,
gruben nun eifrig mit Schaufeln in den Grben, da das Lager bald fertig werde.
Dann strkten sie sich durch Speise und Trank, und brachten die Nacht unter dem
freien Himmel zu.
    In der Finsternis sah man Drfer, Huser und Schlsser brennen.
    Bei dem ersten Lichte des Morgens begannen sie und die Mnner des Kaisers
wieder an der Brcke zu arbeiten. Da kam die Nachricht, da das Heer der
Mailnder, welches von Gorgonzola zur Verteidigung der Brcke abgeschickt worden
war, heranziehe. Der Knig berief einen Rat, und es wurde beschlossen, da man
den Feinden, so weit man knnte, entgegen gehen wolle. Eine erlesene Schar von
Reitern wurde vorausgesendet, um die Lage und die Zahl der Feinde zu erkunden.
Sie stieen auf ein groes Heer der Mailnder, und begannen sogleich den Kampf,
die Mailnder stritten sehr tapfer. Zwest, ein sehr geehrter Mann, der Zupan von
Melnik, sank zum Tode getroffen von seinem Pferde. Gegen den edlen Lechen Diwa
sprengte ein starker Mailnder an, und schlug ihn an der Stirne zu Tode; aber
sein Schwestersohn Bernard strmte an den Mailnder, und spaltete ihm das Haupt.
Und wie Odolen gestern durch die Fluten gedrngt hatte, so drngte er heute in
die Feinde. Welislaw ging mit seinen Mnnern vorwrts, Predbor mit den seinigen
auch, Bozebor kmpfte, als wollte er sich die Hoheit der Krone erkmpfen, Kochan
und Bogdan taten, was sie in der Versammlung in Prag gesagt hatten. Die Reiter
des mittglichen Waldes waren wie in den frheren Kriegen an der rechten Seite
der Scharen, und wie die Fugnger des Waldes auf dem Wysoka geschlossen
vorwrts gegangen waren, so gingen jetzt die Reiter auf ihren kleinen Rossen
dicht nach vorn, und wie Sifrid von Milnet gesagt hatte, da sie den Scharen
Wratislaws keinen Grashalm gelassen htten, so lieen sie jetzt den Mailndern
keinen. Witiko war an ihrer Spitze, und gab mit seiner hellen Stimme die
Befehle, und die Mnner sahen fter auf seine blauen Augen. Und Rowno und die
andern gingen gleichmig mit Witiko vorwrts. An der linken Seite der
Waldreiter war nicht mehr der alte Bolemil in seiner Snfte, zu der einst kein
Krieger einen Feind hatte nahen lassen; aber es waren seine Enkel und Urenkel
da, und sie lieen wie die auf dem Wysoka ihren Platz den Mailndern nicht.
Links von ihnen waren Moyslaw und Radosta, die Shne Lubomirs, und es waren ihre
Shne und Sippen und die Sippen und Mnner von Daudleb. Links von diesen waren
die Sippen Wsebors, und kmpften, als ob die Augen ihres uralten Wladyken bei
ihnen wren. Und diejenigen Reiter Wladislaws, welche zurckgeblieben waren,
kamen nun herzu, und das an der Zahl der Mnner so ungemein berlegene Heer der
tapferen Mailnder begann zu wanken, und geriet endlich in die Flucht. Die
Reiter Wladislaws verfolgten sie, so weit sie konnten, und die Mailnder
erlitten eine Niederlage, wie sie wenige erlitten hatten. Als die Reiter
zurckkehrten, fhrten sie viele Gefangene mit sich, darunter siebenzig sehr
vornehme Mnner.
    Nach diesem Kampfe konnte aber noch keine Ruhe kommen; denn der Knig
arbeitete mit einer groen Zahl seiner Mnner an der Brcke. Andere seiner
Mnner suchten durch Fle und Bume eine zweite Brcke fr ihre Fugnger
herzustellen.
    Die Brcke bei Cassano wurde endlich fertig. Der Kaiser war der erste,
welcher hinber ritt. Er ritt zu dem Knige Wladislaw, welcher ihn stehend
erwartete. Als er bei dem Knige angekommen war, stieg er von dem Pferde, und
schlo den Knig in seine Arme. Die Krieger erhoben einen Jubelruf.
    Und hinter dem Kaiser drngte sich das Heer auf der Brcke.
    Als der Bischof Daniel diesen Sieg des Knigs Wladislaw erfahren hatte,
beschlo er zu ihm zu eilen. Er ging auf die Brcke. Viele aus seinem Lande
strebten zu den Ihrigen hinber. Ihr Ungestm vermochte niemand zu bndigen, und
es wurden Verwirrungen, Stockungen und Verwundungen. Man sagte, die Brcke werde
brechen. Daniel verweilte aber auf derselben. Er spendete Verwundeten, die er
traf, kirchlichen Trost, und kam glcklich zu dem Knige. Sie begrten sich,
Daniel segnete den Knig des Sieges willen, der Knig dankte, und beide Mnner
sprachen Worte der Freude. Nur eines war schmerzlich, da die Nachricht kam, da
Mladorka, der Schildtrger des Bischofs, unter den Toten sei.
    Die Brcke des Kaisers brach, und manche verloren ihr Leben. Man arbeitete
neuerdings, den Schaden wieder gut zu machen.
    Auf der Brcke der Bhmen wollten die Fhrer den bergang leiten; aber auch
hier herrschte die Begierde, die Brcke brach, und viele gingen zu Grunde.
    Man schritt wieder an die Ausbesserung.
    Am fnfundzwanzigsten Tage des Heumonates gingen die letzten Teile des
Heeres ber den Flu Adda.
    Wladislaw sorgte fr die Toten und Verwundeten, ordnete seine Scharen,
dankte denen, die mit ihm ber den Flu geschwommen und denen, die nachgekommen
waren. Er nahm manchen Mann bei beiden Hnden, so Odolen, Bernard, Welislaw,
Witiko. Dann gnnte er dem Heere eine kurze Ruhe.
    Die kirchlichen und weltlichen Frsten des deutschen Reiches, so wie treue
vornehme Mnner des lombardischen Landes kamen zu dem Knige Wladislaw, und
brachten ihm ihre Ehrerbietung ber seine Taten dar, und priesen die Taten
seiner Mnner. Es kamen die Erzbischfe von Mainz, Trier und Kln, es kam
Heinrich, der Herzog von sterreich, es kam Friedrich, der Herzog von Schwaben,
es kam Konrad, der Pfalzgraf am Rhein, es kam Heinrich, der Herzog von Krnten,
es kam Ludwig, der Landgraf von Thringen, Berthold, der Herzog von Zhringen,
der Markgraf von Montferrat und andere.
    Witiko brachte seine Mnner in die Verbindung, in der sie auf dem Zuge bis
zu der Adda gewesen waren. Dann dankte er den Reitern fr das, was sie getan
hatten, wie er seinen Mnnern in dem mhrischen Kriege nach den Schlachten
gedankt hatte. Die Verwundeten lie er in gute Obsorge bringen. Dann sammelte
man die Namen der Mnner, die fehlten. Witiko leitete die Forschungen ein, um,
wie es nur immer geschehen knnte, ihr Schicksal zu ergrnden, damit er es in
der Zeit den Ihrigen melden knnte. Vor seinem Gezelte war das rosenrote Banner,
welches Wladislaw den Waldleuten gegeben hatte. Als die Ordnung hergestellt war,
zndete man Feuer an, um Speisen zu bereiten.
    In dieser Zeit kam Heinrich, der Vater Berthas, zu Witiko in das Gezelt. Er
redete von dem Siege des Knigs Wladislaw, und lobte, was Witiko getan hatte,
und Witiko freute sich mit seinem Schwiegervater. Es kam auch Gebhart, der
Bruder Heinrichs, und pries die zwei Tage. Es kamen noch Heinrich von Oftering,
dann die Ritter vom Krenberge, Udalrich von Marbach, Werinhard von Brun,
Chunrad von Asparn, Hartung von Ruhenegk, Marchard von Hintberg, Wolftrigil von
Stein, Thiemo von der Aue, es kamen Wolfgang von Ortau, Rudolph von Bergheim,
Hans vom Wrthe und Adalbert von der Au. Sie jubelten ber den Ruhm, den Witikos
Taten verdienten, und Thiemo schlo ihn in die Arme und rief: Du bist fast so
tapfer, wie wir in der alten Zeit gewesen sind, nur nicht so lustig. Und das ist
schade. Wenn alle, die da singen und sagen, von euerm Ritterknige singen und
sagen werden, von Odolen, von Bernard, von dir, von Welislaw, und von andern,
deren Namen ich nicht aussprechen kann, so werden sie von dir nicht sagen
knnen, er war frhlich und ausgelassen wie die Blume der Ritter, und das
herrliche Bildwerk ist dann nicht vollendet.
    Ich bin ein lndlicher Mann, sagte Witiko, und stehe weit hinter dir,
Thiemo, und von mir wird niemand singen und sagen.
    Wie weit du das? sprach Thiemo. Von uns allen werden sie singen und
sagen: von dem zierlichen Degen, dem Kaiser Friedrich mit dem roten Barte, von
dem Knige von Bhmen, von dem erlauchten Herzoge von sterreich, und von dem
von Krnten und Dalmatien und Zhringen und Schwaben und von den Frsten und
Bischfen und Erzbischfen, und was so da ist. Und von uns und von dem berhmten
Kriege gegen die Mailnder werden die Menschen bis zu dem letzten Gerichte
Gottes reden, und wir andern, Rudeger, der Degen, und die Chunringe, und ich und
alle werden bei Mailand schon auch etwas tun, das der Rede wert ist. Und in
euerm Lager ist ja schon ein frommer friedfertiger Mann, der alles aufschreibt,
was getan wird, Vincentius, der der Schreiber eures Bischofes ist. Der fromme
Mann ist, da die Gefahr auf der Brcke war, von ihr weg bei uns vorber zu dem
Herzoge von Krnten gegangen, und hat die Nacht dort gewartet.
    Nach meiner Hoffnung, Witiko, wird unser Herzog sorgen, sagte Marchard von
Hintberg, da wir sterreicher nicht zu weit zurckstehen. Wir haben noch den
Weg nach Mailand, und wir haben die Arbeit vor Mailand.
    Ihr werdet wohl Greres tun als wir, sagte Witiko, die wir ber einen
brckenlosen Flu schwammen, weil wir schwimmen knnen, die wir uns wehrten, da
Mailnder daher kamen.
    Und in dem Lager des Kaisers wird wohl auch vergnnt sein, zu wirken,
sagte Wolfgang von Ortau.
    Und des Herzogs von Schwaben, sagte Hans vom Wrthe.
    Und des von Zhringen, sagte Adalbert von der Au.
    Wir werden noch alle genug erhalten, ihr aus Franken und Schwaben und
Burgund und wir aus sterreich, rief Thiemo von der Aue, der Kaiser scheint
nicht darnach angetan, uns ohne Arbeit zu lassen, da wir Kurzweil treiben wie
heute.
    Gehabe dich wohl, Witiko, sprach Marchard von Hintberg, vielleicht ist
doch vor Mailand eine Stunde, in der wir uns wieder sehen.
    Es wird mir eine Freude sein, dich zu sehen, Marchard, und, wenn es sein
kann, komme ich in euer Lager, sagte Witiko.
    Du brderlicher Mann, sagte der Ritter vom Krenberge, wenn wir einmal
graue Haare haben, werden wir mit Bechern bei einander sitzen, und von der
Vergangenheit reden und singen; jetzt jagen wir frhlich in die Gegenwart.
    Und sei uns allen ein Freund, wie wir deine Freunde sind, rief Heinrich
von Oftering, und gehabe dich wohl, und komme, wenn alles aus ist, bald wieder
in unser Oberland, das jetzt ein Stck lustigen sterreichs ist, und betrachte
sein Getreide und sein Obst, du magst nun zu den Eltern deiner Gattin auf die
Burg Schauenberg bei der Stadt Eferdingen gehen, oder ein wenig links davon nach
Oftering oder auf den Krenberg. Und wir werden wohl wieder auch in deinen Wald
kommen, und da eure Berge und Schluchten und Wasser und Felsen betrachten.
    So knnen wir tun, wenn wieder der Frieden ist, sagte Witiko.
    Und so gehabe dich wohl, sprach Heinrich von Oftering.
    Gehabe dich wohl, riefen die andern.
    Gehabt euch wohl, sagte Witiko.
    Und sie entfernten sich, und begaben sich in ihre Lager.
    Und als die Heere sich durch eine kurze Ruhe und durch Nahrungsmittel
erquickt hatten, zog der Kaiser noch an diesem Tage vor die Veste Trezzo, um sie
zu belagern.
    Am fnften Tage der Belagerung mute sich die Veste ergeben.
    Von da zog das Heer nach Lodi. Dort lagerte es. Der Kaiser lagerte in den
Trmmern der Stadt, die von den Mailndern zerstrt worden war. Die rosenroten
Banner des Knigs Wladislaw ragten auch von diesen Trmmern empor. Die andern
waren weithin an dem Lambro ausgebreitet.
    Hier hielt der Kaiser mit dem Knige Wladislaw und den Frsten einen Rat, um
den Zug gegen Mailand zu ordnen.
    In diese Versammlung kamen Abgesandte derer, die Lodi bewohnt hatten, und
flehten den Kaiser um Hilfe an.
    Der Kaiser sagte, es werde ihnen geholfen werden.
    Dann kamen auch noch einmal Abgesandte von Mailand, welche unter dem Schutze
des Kaisers zugelassen wurden.
    Sie sprachen vor der Versammlung: Die Stadt Mailand sendet dem
hocherhabenen Kaiser die untertnige Verehrung. Die Stadt Mailand mchte den
Frieden aufrecht erhalten, und da der Frieden bleiben knne, will die treue
Stadt Mailand unterwrfig sein, sie will die Hoheit des Kaisers unverbrchlich
ehren, und dem Kaiser die volle Genugtuung leisten.
    Der Kaiser fragte: Bringet ihr die unbedingte Unterwerfung, oder habet ihr
Bedingungen in Bereitschaft?
    Die Abgeordneten antworteten: Wir bringen zuerst die Unterwerfung, dann
werden die erscheinen, welche die Bedingungen bringen.
    Und was sprechen die Herren, die in dem Rate sind? fragte der Kaiser.
    Berthold, der Herzog von Zhringen, sagte: Wenn Mailand eine giltige
Brgschaft gibt, da es die volle Genugtuung leisten wolle, so knnte wohl der
Frieden wieder hergestellt werden.
    Es mu eine vollstndige Gewhr gegeben werden, sagte der Herzog von
Krnten.
    Konrad, der Pfalzgraf am Rheine, sprach: Sie sollten unverzglich
verkndigen, welche Gewhr sie fr die volle Genugtuung bieten, und dann mge
beschlossen werden, ob die Gewhr anzunehmen ist oder nicht.
    Wir sollten alles tun, den Frieden zu errichten, und das Blutvergieen zu
enden, sagte der Bischof von Eichsttt.
    Und du sprichst nicht, erlauchter Knig von Bhmen? fragte der Kaiser.
    Ich htte spter gesprochen, antwortete Wladislaw, jetzt aber sage ich:
in dieser Zeit kann eine volle Gewhr nicht gegeben werden. Sie htte sollen
frher gegeben werden, oder sie mu gegeben werden, wenn noch grere Dinge
geschehen sind.
    Das ist wahr, das ist wahr, riefen mehrere Stimmen.
    Und es ist auch der Wille gar nicht vorhanden, eine giltige Gewhr zu
geben, sagte der Markgraf von Montferrat.
    Sie geben keine, rief der Fhrer derer von Pavia.
    Nun stand Anselm, der Erzbischof von Ravenna, auf, und sprach: Es erlaube
mir deine Hoheit, erhabener Kaiser, da ich zu denen, die gesendet sind, und da
ich zu den erlauchten Frsten einige Worte rede.
    Rede, sagte der Kaiser.
    Und Anselm wendete sich zu den Abgesandten Mailands, und sprach: Ihr habt
se Worte in dem Munde, und den Fuchs in dem Herzen. In der Versammlung von
Brescia habet ihr Forderungen der Herrschaft gemacht, ihr wolltet euch den Knig
und die Obrigkeiten whlen, ihr wolltet euch Gesetze geben: und nun bringt ihr
Unterwerfung. Seid ihr zur Erkenntnis gekommen, da eure Forderungen ungerecht
sind? Und wodurch seid ihr zu der Erkenntnis gekommen? Ihr seid nicht zu ihr
gekommen, oder ihr seid immer bei ihr gewesen, und habt nur nicht nach ihr
gehandelt, sondern habt Gewalt und Herrschaft gewollt, und httet gerne die
Herrschaft des Knigs und Reiches ber euch ferne gehalten. Ihr redet jetzt, wie
ihr redet, um in der Gegenwart dem bel zu entgehen, das euch droht. Warum habt
ihr keine Bedingungen des Friedens bei euch? Da Zeit vergeht, da dem groen
Heere in derselben irgend wie Abbruch geschehe, da sich etwas ereigne, das euch
gnstig ist, und wie es sonst noch in der Zeit sein kann. Der erlauchte Markgraf
von Montferrat hat gesagt: sie wollen keine Gewhr geben, und die Weisheit des
hohen Knigs von Bhmen hat gesagt: sie knnen keine geben. Und sie knnen auch
keine geben. Sie htten sie frher aus Gerechtigkeit geben mssen, und sie
mssen sie spter aus Ohnmacht geben. Ich rede zu euch, ihr hohen Herren der
Versammlung. Welche Brgschaft werden sie geben, die gilt? Sie werden aus ihrem
Reichtume viel Gold darbringen, sie werden sich allem, was der hocherhabene
Kaiser verlangt, fgen, und werden versprechen, alle seine knftigen Befehle zu
befolgen, und sie werden Geiseln stellen. Und wenn der Kaiser seine
Einrichtungen in dem lombardischen Lande gemacht hat, und wenn er seine
Stellvertreter und seine Obrigkeiten eingesetzt hat, wenn er dann ber die Alpen
zurckgekehrt ist, wenn der Frieden gesichert scheint, und die Geiseln entlassen
worden sind: dann wird Mailand handeln, wie es frher gehandelt hat, es wird die
Oberherrschaft fhren, wo es kann, es wird die kaiserlichen Mahnungen nicht
befolgen, und, wenn es auf Sieg hofft, den Kaiser bekriegen. Wann hat Mailand
seine Versprechen gehalten? Ich rede nicht von frheren Kaisern; ihr wit, wie
es war. Ich rede nur von dir selber, hocherhabener Herr. Hat nicht Mailand die
treue Stadt Lodi zerstrt? Hat es nicht Como zerstrt, und die Bewohner
gezwungen, auerhalb der Stadt zu leben? Hat es nicht die getreue Stadt Pavia
mit schwerem Kriege berzogen? Und hat es auf deine Mahnungen Reue gezeigt?
Nein. Als du verlangtest, Lodi und Como sollten wieder hergestellt werden, boten
sie dir viertausend Mark, wenn du ihnen die Herrschaft ber diese Stdte
gewhrest. Sie begehrten auf die Weise Herrschaft ber andere sogar von dir.
Haben sie vor vier Jahren ihr Versprechen, dein Heer zu verpflegen, gehalten?
Sie haben dich in eine Gegend, die schon ausgezehret war, gefhrt. Am ersten
Tage fehlte es den Pferden an Futter, und in den zwei folgenden litt in Rosate
das Heer Hunger. Die Mailnder hatten dort groe Vorrte, du botest ihnen dafr
Bezahlung, und sie verweigerten sie. Das taten sie, als du mit einem groen
Heere in dem Lande warest, was werden sie tun, wenn du mit dem Heere ferne bist?
Hat dir nicht Tortona getrotzt, weil es mit Mailand im Bunde war, und auf dessen
Sieg hoffte? Und ist es nicht, da du es zerstrt hattest, von Mailand wieder
aufgebaut worden? Die Mailnder werden deine Hoheit nur ehren, wenn sie nicht
mehr anders knnen. Du mut ihnen die Macht nehmen. Und selbst dann, wenn ihnen
nur ein Schein von Hoffnung zum Siege kmmt, werden sie wieder gegen dich
aufstehen, und dich zu einem neuen Zuge gegen sie zwingen. Mgest du nicht, wenn
du einmal Gte gegen sie ben solltest, in einer Zeit erfahren, wie bel sie
angewendet war, und mge nicht einst viel Blut die Sache heilen mssen, die
jetzt weniges heilet. Jetzt kann die Entscheidung gebracht werden. Jeder
Frieden, er sei, wie er wolle, schiebt sie auf, und macht sie schwer. Sie haben
Gewalt gebt, so mgen sie nun Gewalt erfahren. Mit dem Mae, mit dem sie
gemessen haben, soll ihnen wieder gemessen werden. So rede ich, der ich die
Leute der Stadt Mailand und ihre Hoffnungen und ihre Wnsche und ihre Begierden
kenne.
    Es ist so, ja so ist es, so ist es, riefen viele Mnner.
    Sie haben die wilden Forderungen gestellt, da du schon die groe
Kriegsmacht gegen sie fhrtest, und sie sagen die demtigen Worte, um alles zu
verwirren. Ihre letzte Waffe mu zerbrochen werden, da sie nicht mehr schaden,
rief Friedrich, der Herzog von Schwaben.
    Sie haben immer Tcke gebt, und zu uns kam sehr oft die Kunde, sagte
Heinrich, der Herzog von Krnten.
    Und sie haben Grausamkeiten gebt, wie sie die Heiden in den alten Zeiten
nicht gebt haben. Um uns herum, wie wir versammelt sind, stehen die berreste
der Stadt Lodi, einer Stadt des nmlichen Landes wie Mailand, einer Schwester
von Mailand, die sie zerstrt haben. Die traurigen Trmmer sehen zu dem blauen
Himmel empor, und schreien zu dem Himmel um Rache, und zerreien uns das Herz,
sagte der Bischof von Wrzburg.
    Und so sind auch die Trmmer von Como, und von mancher Kirche und von
manchem Schlosse und von mancher Veste, die dem Kaiser treu war, und so wren
die Trmmer von Pavia, wenn sie die Stadt erobert htten, rief der Fhrer von
Pavia.
    So ist es, so ist es, riefen mehrere Mnner.
    Heinrich, der Herzog von sterreich, sprach: Sie bringen nur Worte, und
wollen durch Lockungen von dem Weg abfhren. Ich denke, wir sollen auf ihm zur
Entscheidung gehen, wie wir sie erstreben.
    Ja, wie wir sie erstreben, und wie sie auch nur gerecht ist, sagte der
Erzbischof von Mainz.
    Wozu wir ausgezogen sind, und was wir erstreben, sagte Otto, der Pfalzgraf
in Baiern.
    Der hocherhabene Kaiser ist dem Reiche und wir sind den Lndern entfremdet,
wenn wir durch Verhandlungen hingeschleppt werden, sagte Ludwig, der Landgraf
von Thringen.
    Zur Entscheidung, riefen mehrere der Herren.
    Und was ist die Folge des Beschlusses? fragte der Kaiser.
    Der Bann, sagte der Erzbischof von Mainz.
    Der Bann, sagte der Erzbischof von Trier.
    Der Bann, sagte der Erzbischof von Kln.
    Der Bann, sagten die Herzoge und Bischfe und Frsten.
    Dann sprach der Kaiser zu den Abgesandten von Mailand: Ihr habt den Krieg
gegen mich dem Gehorsame fr meine Worte vorgezogen, und mich zu dem Zuge nach
Italien gentigt. Ihr seid mir mit aufrhrerischen Forderungen entgegen
gekommen, und habt dann die Waffen gegen mich gebraucht. Es ist sehr viel Blut
vergossen worden, und da es nicht ungerecht vergossen worden ist, mu vollendet
werden, was begonnen worden ist. Wir fhren den Krieg weiter, den ihr erhoben
habt, und wir schlieen die Emprung, in der ihr verharren wollt. Und so banne
ich mit der Zustimmung der Frsten und der Herren des Reiches eure Stadt.
    Und er warf nach dem Brauche sein Szepter auf die Erde.
    Dann sprach er zu den Abgesandten: Verkndiget dieses denen, die euch
gesandt haben, und sagt ihnen, wir werden die Gesetze des Friedens bei ihnen
machen, da er daure. Jetzt entfernt euch.
    Die Abgesandten verlieen die Versammlung.
    An dem folgenden Tage, dem fnften des Erntemonates, ging das Heer in sieben
Zgen gegen Mailand. Den ersten Zug fhrte Konrad, der Bruder des Kaisers, der
Pfalzgraf am Rheine. Den zweiten Zug fhrte Friedrich, der Herzog von Schwaben,
den dritten Wladislaw, der Knig von Bhmen, den vierten Heinrich, der Herzog
von sterreich, den fnften der Kaiser, den sechsten Otto, der Pfalzgraf in
Baiern, den siebenten Friedrich, der Erzbischof von Kln.
    An diesem Tage ritt Eckbert, der Graf von Ptten, mit fnfhundert Reitern
und einem Gefolge bis nahe gegen Mailand. Aber da es Abend wurde, und da er der
Gegend unkundig war, ritten mailndische Scharen gegen ihn aus der Stadt,
erreichten ihn, und besiegten ihn, und er verlor sein Leben. Die Mnche der
Abtei Chiaravalle begruben ihn. In dem Heere entstand Trauer um den Mann, weil
sie ihn als sehr edel und tapfer geachtet hatten. Der Kaiser aber gab das
Gesetz, da keiner Anordnungen treffe, als unter dem Befehle des Feldherrn, es
sei denn, da er zum Kampfe gezwungen wrde.
    Am sechsten Tage des Erntemonates zog das Heer vor die Stadt.
    An der Spitze des Zuges waren die Lagermeister, dann kamen die Trger der
kaiserlichen Adler und die, welche mit Zinken und Pauken, mit Pfeifen und
Hrnern, mit Posaunen und Flten kriegerische Tne erschallen lieen. Dann kam
das Heer. Es sang Lieder zu den Tnen des Krieges. Dann waren die
Kriegswerkzeuge und die Wgen und Sumer mit den Habschaften. Dann kam der Tro.
    Die Mailnder waren auf den Mauern ihrer Stadt, und sahen das Heer kommen.
    Und als das Heer vor der Stadt angekommen war, schauten die Augen aller
Mnner auf sie. Sie sahen, da sie sehr gro und mit sehr starken Befestigungen
umgeben sei.
    Der Kaiser befahl nun, da man sich vor der Stadt lagere, und die Lager mit
Grben und Wllen und Verrammlungen umgebe. Die Krieger und alle die Leute, die
herbei genommen worden waren, begannen nun sofort die Arbeit. Die Feinde in der
Stadt sahen auf dieses Beginnen, strten es aber nicht.
    Mit sieben groen Lagern war noch an dem nmlichen Tage die Stadt umgeben.
    Der Kaiser lagerte um die Allerheiligenkirche fast in der Richtung gegen den
Morgen von der Stadt. Wladislaw stellte in der Richtung zwischen Morgen und
Mitternacht seine Gezelte mit seinem Bruder Diepold und dem Bischofe Daniel in
dem Kloster des heiligen Dionysius und um dasselbe herum auf. Etwas weiter von
ihm entfernt gegen den Abend hin standen die Gezelte Konrads, des Pfalzgrafen am
Rheine, und Friedrichs, des Herzogs von Schwaben. Sie standen neben einander,
weil sie Gezelte von Verwandten waren. Im Mittage von dem Kaiser waren die
andern Frsten. Der Erzbischof von Kln war bei der Kirche des heiligen Celsus
in der Richtung zwischen Mittag und Abend von der Stadt. Weiter gegen Abend
waren die, welche dem Befehle des Herzoges von Schwaben zugeteilt waren, der
Markgraf von Montferrat und die aus Verona, Brescia und Mantua. Dann waren die
aus Vicenza, Pavia, Cremona, Como und andern Gebieten.
    Witiko ordnete seine Leute in dem Teile des bhmischen Lagers, der ihm
zugewiesen worden war, wieder in ein eigenes Lager. Die Obmnner muten in der
Mitte der Abteilungen und unter sich und mit Witiko in Verbindung sein. Die
Reiter waren an der rechten Seite der Fugnger. Von ihnen rechts waren wieder
andere Reiter des Waldes. Witiko hatte sein Gezelt zwischen Fugngern und
Reitern. Alle Mnner, besonders die Reiter, muten stets in Kampfesbereitschaft
sein. Witiko sorgte gleich nach der Errichtung des Lagers fr Nahrung, und er
traf die Obsorge, da sie in den folgenden Tagen nicht fehle.
    So waren seine Mnner nun in dem Lager um ihn, und harrten der Dinge, die da
kommen sollten. Und wie sie einstens von den Zinnen der Stadt Prag, die sie
verteidigen sollten, auf die Stadt und auf die Belagerer hinabschauten, und sich
von der Stadt allerlei Dinge erzhlten, so schauten sie nun von dem Lager, von
dem aus sie eine Stadt gewinnen sollten, auf die Stadt, und erzhlten sich von
ihr und von dem Lande, in dem sie waren, verschiedene Dinge, die sie whrend
ihres Aufenthaltes in dem Lande schon erfahren hatten.
    Gegen den Abend des ersten Tages kam Urban mit einem Boten in das Gezelt
Witikos, und der Bote sagte, das Lager Konrads, des Pfalzgrafen, und das
Friedrichs, des Herzogs von Schwaben, sei berfallen worden, und der Pfalzgraf
sei in argen Nten, und bitte um schleunige Hilfe.
    Lat alle Reiter auf die Pferde sitzen, rief Witiko.
    Urban eilte aus dem Gezelte, bald tnten die Zeichen des Hornes, und die
Reiter setzten sich in Bereitschaft. Witiko bestieg sein Pferd, und stellte sich
an ihre Spitze.
    Da kam auch der Befehl des Knigs, mit ihm in das Lager des Pfalzgrafen zu
reiten.
    Witikos Reiter schlossen sich mit andern Waldreitern denen des Knigs an.
Der Knig fhrte die bhmischen Reiter, und sie ritten in der grten
Schnelligkeit gegen das Lager Konrads. Und wie die Waldreiter gelernt hatten,
durch Gebsche und ber Gebsche hinweg zu reiten, so ritten sie jetzt auch ber
die Verwallungen der Weingelnde, ber Umfriedungen der Grten und ber das
Ungleiche und Ungewohnte des Bodens dahin. Der Knig brach unter dem Schalle
seiner Pauken in das Lager Konrads. Die Pferde sprangen an manchen Stellen ber
die Verrammlungen. Als die Mnner Konrads den Schall der bhmischen Pauken
hrten, erhoben sie ein Freudengeschrei, und kmpften ermutigter und frhlicher.
Witiko fhrte seine Mnner geschlossen in die Feinde. Der Knig eilte ihm
voraus, und strzte in sie. Er brachte denen, die im Gedrnge waren, schnell
Hilfe, und kmpfte, und befahl. Er stie mit seiner Lanze den Fahnentrger der
Mailnder, Tazo von Mandello, zu Boden, und eben so den Vizegrafen Gerhard.
Witiko drngte an die Seite des Knigs, kmpfte und befahl auch, und die Reiter
des Waldes waren mit ihren Waffen behende gegen die Mailnder wie sonst gegen
die Bren ihrer Heimat. An der andern Seite des Knigs waren Odolen und Welislaw
und Kochan und Predbor und Bogdan. Sie drckten die Feinde rckwrts. Die Mnner
Konrads erhoben sich auch zu erneuertem Grimme, und wie die Tapferkeit der
Mailnder auch leuchtete, so muten sie doch weichen. Sie flohen gegen die
Stadt. Der Knig verfolgte sie. Odolen rief, man drnge mit den Mailndern in
die Stadt. Es war im Gelingen; aber da kam die Finsternis der Nacht, die den
Mailndern zum Nutzen, den Bhmen zum Hindernis ward. Der Kampf mute enden.
    Man sorgte nun fr die Verwundeten und Toten.
    Manche Mnner des Pfalzgrafen Konrad und manche des Knigs Wladislaw hatten
Wunden empfangen, und manche hatten ihr Leben verloren. In dem Morgengrauen
brachten Reiter des Knigs die entseelten Krper der edlen Herren Mikus, Otto,
Zwestec und Herart in das Lager. Der Bischof Daniel bestattete sie mit dem
Beistande seiner Priester und in der Gegenwart des Knigs und seiner Fhrer und
vieler Krieger in der Abtei Chiaravalle, neben der Stelle, wo der Graf Eckbert
von Ptten ruhte.
    An diesem Tage begannen die Mailnder an jenem Teile der Stadt, gegen
welchen die Bhmen lagerten, die Befestigungen zu verstrken. Sie verschtteten
dann die Tore mit Steinen, und lieen nur ein kleines Pfrtchen an dem Tore
frei, welches das neue Tor hie.
    Der Kaiser berief die Frsten zu einem Rate. Manche waren bekmmert, wie man
eine so groe und wohlbefestigte Stadt werde einnehmen knnen.
    Der Kaiser sagte: Weil sie so gro ist, wird sie bald in unsere Hnde
fallen. Sie braucht tglich so viele Dinge, da bald Mangel in ihr sein wird.
Und weil sie so viele Landleute in sich aufgenommen hat, wird dieser Mangel eher
kommen als sonst. An uns ist es nun, da wir alles, was in sie gebracht werden
knnte, ausschlieen, und da wir, wenn die Mailnder hervorbrechen, sie stets
zurckschlagen. Darauf, meine ich, mssen wir unsern Ratschlu fassen.
    Wladislaw, der Knig von Bhmen, wurde zuerst um seine Meinung gefragt. Er
stimmte dem Kaiser bei. Dann sprachen die Erzbischfe, die Herzoge und Frsten
die nmliche Meinung aus.
    Darauf wurde beraten, wie man die Lager zur Umschlieung der Stadt stellen
msse.
    Die Lager wurden nach dem Beschlusse enger an einander gerckt, und der
Kreis um die Stadt wurde kleiner. Zwischen den Lagern und in der Umgebung
streiften Scharen, die alles wegnahmen, was fr die Stadt bestimmt war. Die
bhmischen Mnner zerstrten in der Umgegend Schlsser, machten Beute, und
brachten Gefangene herein. Die Krieger von lombardischen Stdten, gegen welche
Mailand feindselig gewesen war, bten Rache, und zerstrten ringsum Felder und
Grten bis auf den Grund. Die Mailnder kamen oft heraus, und es waren an
verschiedenen Stellen Kmpfe. Aber sie konnten den Kreis nicht durchbrechen oder
zerstren.
    Auerhalb der Stadt war ein starker Turm, welcher der rmische Bogen genannt
wurde, weil die Sage war, da die Rmer einmal den Turm zur Erinnerung ihrer
Eroberung Mailands gebaut haben. Auf dem Turme waren Mailnder mit
Kriegswerkzeugen und Schleudergerten gegen die Belagerer aufgestellt. Die
Zinnen des rmischen Tores und des Tonsatores schtzten den Turm. Seit dem
Beginne der Belagerung suchten die Mnner des Kaisers den Turm zu gewinnen; aber
sie konnten nicht zu ihrem Ziele gelangen. Da strmte eines Tages der Kaiser das
rmische Tor und das Tonsator, und andere Abteilungen kmpften gegen den Turm.
Da muten sich die Mnner des Turmes ergeben.
    Es war gleich darauf an diesem Tage ein groer Kampf der Mailnder gegen die
Bhmen an dem neuen Tore. Die Mailnder wurden zurckgetrieben.
    Es entstand auch noch an dem Tage ein erneuerter Kampf an dem rmischen
Tore.
    An dem folgenden Tage, dem zwlften Tage des Erntemonates, sendeten die
Mailnder Boten in das Lager des Kaisers, welche baten, da man den Frieden
verhandle. Der Kaiser lie sich zur Nachsicht bewegen. Er ernannte zur
Einleitung der Verhandlungen Peregrin, den Patriarchen von Aglei, Eberhard, den
Bischof von Bamberg, und Daniel, den Bischof von Prag. Die Verhandler der
Mailnder waren der Graf Guido von Biandrate, der Erzbischof Hubert von
Pirovano, und die Konsuln.
    Als die Verhandlungen eine Zeit gedauert hatten, wandten sich die Mailnder
auch um Beratungen und um Vermittlung an Wladislaw, den Knig von Bhmen. Er
gewhrte ihnen mit dem Willen des Kaisers ihre Bitte. Er hielt ber diese
Angelegenheiten auch mit seinen Herren der Kirche und des Heeres Rat.
    Nach dieser Zeit berieten sich die Mailnder auch mit dem Herzoge von
sterreich, mit dem Erzbischofe von Kln, mit dem Bischofe von Bamberg, mit dem
Bischofe von Prag, mit Otto, dem Pfalzgrafen in Baiern, und mit dem Kanzler
Reinald.
    Die Verhandlungen dauerten viele Tage.
    An diesen Tagen war Waffenruhe zwischen den Lagern und der Stadt. Aber in
die Umgegend geschahen noch verschiedene Zge, es waren Verwstungen und
mancherlei Kmpfe.
    In dieser Zeit kamen auch manche Mnner aus den Lagern zu einander, und
schlossen Bndnisse und Freundschaften.
    Witiko ging zu seinem Schwiegervater, Heinrich von Schauenberg, und zu dem
Bruder desselben, Gebhart von Stauf. Und diese kamen auch wieder zu ihm. Er ging
zu seinen Freunden aus sterreich, und diese gingen zu ihm. Er wurde durch sie
zu Heinrich, dem Herzoge von sterreich, gebracht, und wurde von demselben mit
Achtung und Freundlichkeit aufgenommen. Er ging auch zu seinen Freunden in das
Lager des Kaisers, und diese gingen wieder zu ihm. Mit Welislaw, Odolen und den
andern im Lager des Knigs wurde die Freundschaft noch fester geknpft, als sie
frher gewesen war. Durch die Liebe des Knigs von Bhmen zu ihm kam er vor das
Angesicht des Kaisers und hoher Herren und Frsten, und erhielt Ehren.
    So ging die Zeit dahin.
    Die Lager muten aber immer in Bereitschaft sein, einen berfall der
Mailnder, den sie etwa machen knnten, abzuwehren.
    Als die Friedensverhandlungen beendet waren, meldeten die Frsten dem Kaiser
die Zugestndnisse der Mailnder, und den Mailndern die Forderungen des
Kaisers.
    Wladislaw, der Knig der Bhmen, wurde zum Vermittler des Friedens bestellt.
    Die Bedingungen des Friedens waren in dreizehn Abteilungen enthalten.
Vincentius, der Kapellan und Schreiber des Bischofes Daniel, schrieb sie auf,
und am siebenten Tage des Herbstmonates wurden sie angenommen. Die Stadt Mailand
mu die Stdte Lodi und Como, welche sie zerstrt hatte, wieder aufbauen. Diese
Stdte sind dann von Mailand unabhngig. Jeder Mailnder von dem vierzehnten bis
zu dem siebenzigsten Jahre schwrt dem Kaiser Treue. Die Stadt Mailand zahlt
neuntausend Mark Silber. Sie stellt dreihundert Geiseln aus den Vornehmen, aus
den Rittern und aus dem Volke. Von dem Erzbischofe von Mailand, von dem Grafen
von Biandrate, von dem Markgrafen von Montferrat und den Konsuln mu die Wahl
der Geiseln als treu vorgenommen beschworen werden. Die jetzigen Konsuln leisten
dem Kaiser den Amtseid. In dem nchsten Hornung aber werden neue Konsuln von dem
Volke gewhlt, und von dem Kaiser besttigt. Ist der Kaiser in dem Lande, so
schwren ihm die Konsuln selber, sonst reisen nur zwei zu ihm, den Eid fr alle
abzulegen. Die brigen schwren den kaiserlichen Bevollmchtigten. Mailand zahlt
hinfort alle Abgaben, welche den frheren Kaisern gegeben worden sind, es baut
die Pfalzen des Kaisers wieder nach der gebhrenden Wrde auf, es mu die Ehre
der Krone und des Reiches mit dem Schwerte schtzen, und dem Kaiser Hilfsvlker
zufhren, wohin er will. Die Gefangenen werden dem Knige von Bhmen gegeben,
der Kaiser sendet die seinigen zurck, sobald die Geiseln gestellt sind. Die
Mailnder leisten die ffentliche Shnung. Es erscheinen zwlf Konsuln der
Stadt, die der Kaiser selber bestimmt, barfu, ein bloes Schwert auf den Nacken
gebunden, vor dem Throne des Kaisers, und flehen um Gnade. Auf diese Bedingungen
wird Mailand wieder in die Gnade aufgenommen, und der Bann hrt auf. Die
Verbndeten Mailands sind in den Frieden einbegriffen.
    Der achte Tag des Herbstmonates, der Tag der Geburt Marias, wurde bestimmt,
da die Geiseln gestellt werden, und die Shnung erfolge.
    Die Geiseln wurden an diesem Tage in das Lager des Knigs von Bhmen
gefhrt. Dann wurden die Gefangenen aus dieser Zeit und aus frheren Zeiten in
das nmliche Lager gefhrt.
    Als dieses geschehen war, wurden von dem Kaiser die Bischfe Eberhard von
Bamberg und Daniel von Prag auserlesen, da sie den Erzbischof von Mailand,
Hubert von Pirovano, vor den Kaiser fhrten.
    Die sieben Zge des Heeres wurden um den Thron des Kaisers aufgestellt. Der
Knig von Bhmen, die kirchlichen und weltlichen Frsten des Reiches, die treuen
Lehenstrger des lombardischen Landes, die Vornehmeren aus den treuen Stdten
und die Fhrer fremder Krieger versammelten sich in kostbaren Gewndern neben
dem Throne des Kaisers. Hinter den Kriegern stand ein unermeliches Volk,
welches aus allen Gegenden herbei gekommen war.
    Als es die Zeit forderte, bestieg der Kaiser in kaiserlichem Schmucke den
Thron, und alsbald nherte sich der Zug aus Mailand. Die Bischfe von Bamberg
und Prag fhrten den Erzbischof von Mailand. Dann kamen die Priester der
erzbischflichen Kirche, dann die der andern Kirchen, dann die der Klster, alle
mit Kreuzen, Rauchfssern und im kirchlichen Schmucke. Dann kamen die zwlf
Konsuln, barfu und mit einem bloen Schwerte, das ihnen auf den Nacken gebunden
war. Und eben so kam der Rat, und es kamen die Vornehmsten der Stadt, und es kam
das Volk mit Stricken um den Hals.
    Der Erzbischof mute vor dem Kaiser versprechen, da er seine Gewalt ber
die Stadt nicht mehr hart wie bisher, sondern mild und gerecht ausben wolle.
Und als er dieses versprochen hatte, wurde er von dem Kaiser in seine Gnade
aufgenommen.
    Dann trat der Konsul Hubert von Orto an die Stufen des Thrones, und kniete
nieder, und alle andern knieten nieder, und Hubert sprach: Mchtiger Kaiser und
Herr, weltlicher Stellvertreter Gottes und Richter der Erde, wir haben
gesndiget, wir haben Unrecht getan, und bitten um Gnade. Wir und alle Mailnder
neigen unsere Schwerter vor deiner Macht, und wir und alle Mailnder legen unser
Haupt unter dein Schwert.
    Darauf antwortete der Kaiser: Es ist gut, da die Mailnder den Frieden
vorziehen, und da ich ihnen von nun an nichts bles mehr tun mu. Htten sie
von jeher diesen Teil gewhlt, so wre viel Bses vermieden und viel Gutes
gestiftet worden. Ich belohne lieber als ich strafe, und merket euch, da ich
leichter durch Gehorsam als durch Krieg besiegt werden kann. Und so be ich nun
in dem Glauben, da die Mailnder jetzt die rechten Wege wandeln werden, Gnade,
nehme die Acht hinweg, und sage, da wir alle vershnt sind. Erhebet euch von
der Erde.
    Und die Mnner standen auf.
    Der Kaiser sprach nun noch mehreres mit ihnen, und seine Worte waren gtig
und freundlich.
    Hierauf wurde diese ernste Angelegenheit des Friedensschlusses und der
Vershnung durch einen feierlichen Gottesdienst bekrftigt, welchen der
Erzbischof von Mailand nach der ambrosianischen Weise abhielt.
    Der Kaiser sa bei diesem Gottesdienste in seinem Gezelte auf dem Throne,
und war mit der Kaiserkrone geschmckt. Um ihn war die Menge der deutschen und
italienischen Frsten. Und whrend dieses Gottesdienstes beschenkte er
Wladislaw, den Knig von Bhmen, mit einer kniglichen Krone sehr kostbarer Art,
die er von dem Knige von England erhalten hatte. Dem Knige wurde an diesem
Tage die Krone auf das Haupt gesetzt, da sonst in der Kirche die Knigskronen
nur an hohen Festtagen getragen wurden; die bhmische zu Weihnachten, Ostern und
Pfingsten und an den Festen des heiligen Wenzel und des heiligen Adalbert, an
welchen Tagen sie die Bischfe von Prag und Olmtz dem Knige aufsetzen durften.
    Als der Gottesdienst geendet war, sprach der Kaiser zu den Frsten:
Hocherlauchter Knig von Bhmen, erlauchte Kurfrsten kirchlichen und
weltlichen Standes, Herzoge und Frsten und Herren der Stdte, nach dem
allmchtigen Gotte danke ich euch fr die Dienste, welche ihr dem Reiche und der
Krone geleistet habt. Weshalb wir nach Italien ziehen muten, das haben wir
erreicht. Die Ehre und die Macht sind gewahrt. Es ist nun noch brig, da wir
auf einem Reichstage alle Rechte und Pflichten festsetzen, und das ergrnden,
was einem jeden gebhrt, und was er zu tun hat. Und ist die Ordnung
aufrechtgestellt, dann mge uns eine ruhige Heimkehr zufallen. Wir sind gtiger
gewesen, als die Worte Anselms, des hochehrwrdigen Erzbischofes von Ravenna,
geraten haben. Er ist vor dieser Stadt aus unserer Mitte zu dem gerechten Gotte
abgerufen worden, und wird nun wissen, ob seine Worte gegrndet sind oder
nicht.
    Die Frsten antworteten durch den Erzbischof von Mainz: Hocherhabener Herr,
deine Weisheit hat die Dinge geleitet, und wir haben uns bestrebt, zu tun, was
unsere Pflicht war. Wir danken dir fr deine Guttaten gegen uns, und da du auf
unsern Rat gehrt hast. Es gibt uns Freude, da durch den Frieden mit Mailand
und durch den Reichstag, der abgehalten werden wird, der Zug und das Wirrnis,
das er unsern Lndern zu Hause bringt, geendet ist.
    Wladislaw, der Knig von Bhmen, sprach: Hocherhabener Kaiser, du hast fr
das, was meine Mnner getan haben, mich, meine Mnner und unsere Lnder mit
unaussprechlichen Ehren geziert. Ich lege meinen Dank, den Dank meiner Mnner
und den Dank unserer Lnder vor deinen Thron. Er wird nicht enden, so lange
einer lebt, der geehrt worden ist, und er wird auf die Nachkommen vererben. Und
weil das erste Ziel des Ritterzuges nach Mailand erreicht ist, die Wahrung der
Wrde durch die Strafe der Stadt, und weil das andere kein Ding der Waffen,
sondern des Rates ist, so erlaube mir, da ich mit den Meinigen heimziehe. Es
sind Krankheiten unter meinen Mnnern, und sie wrden sich schnell vermehren.
Ich empfinde auch, da ich in Italien durch die Luft und die Sonne erkranke.
    Der Kaiser antwortete: Hocherlauchter Knig, du hast den Ritterzug erfllt,
ziehe in Frieden, wenn wir auch deines Rates sehr schwer entbehren. Heilet die
Krankheiten, die uns von der Stadt gekommen sind, wie auch wir unverzglich von
hier fortziehen wollen, um die unsrigen zu heilen. Wenn der Ratschlu Gottes
will, da ich wieder deiner Hilfe bedrfte, so wirst du sie wohl nicht
versagen.
    Ich werde sie mit Freuden leisten, antwortete der Knig.
    Als dieses geschehen war, lie sich der Kaiser die Krone und den Mantel
abnehmen. Dann setzte er einen Helm zu seinem Kriegsgewande auf das Haupt, stieg
von dem Throne, und ging vor das Gezelt. Dort bestieg er ein Pferd, ritt gegen
das Heer der sieben Zge, und dankte mit der Spitze seines Schwertes gegen alle
Krieger, die da standen. Die Krieger erhoben ein freudiges Rufen, und die Bhmen
erneuerten es dreimal.
    Dann begannen die Zge in ihre Lager zurckzukehren.
    Der Kaiser aber feierte in einem groen offenen Gezelte mit den Frsten ein
Mahl.
    Nach dem Mahle ritt Wladislaw zu dem Gezelte des Kaiser, um sich von ihm zu
verabschieden.
    Dann verabschiedete er sich von den Frsten.
    Hierauf ritt er mit den Seinigen in sein Lager. Dort ritt er zu allen
Abteilungen seiner Mnner, und dankte ihnen, wie er ihnen nach der Schlacht auf
dem Berge Wysoka gedankt hatte. Er verkndete ihnen die Rckkehr in die Heimat,
und hie sie auf den folgenden Tag gerstet sein. In jeder Abteilung sprachen
Fhrer und Mnner freudige und hochehrende Worte zu dem Knige.
    Sie begannen sofort auch die Rstungen zu dem Heimzuge.
    Als der Knig in seinem Gezelte war, ritt der Kaiser mit einem geschmckten
Gefolge zu demselben. Sie stiegen alle von den Pferden. Die Mnner des Gefolges
verteilten sich in die Zelte, die um das des Knigs waren; der Kaiser aber ging
allein in das Gezelt des Knigs, der Knig entfernte diejenigen, die bei ihm
waren, und die zwei Mnner befanden sich nun allein in dem Gezelte. Sie setzten
sich auf Sthle. Da sprach der Kaiser: Was du getan hast, Wladislaw, wird
bleiben, so lange die Menschen dessen gedenken, was auf der Erde geschehen ist,
und davon erzhlen. Du hast es dir getan, und dann auch andern. Ich habe dir aus
dem Reichsgrunde schon gedankt, jetzt danke ich dir aus Freundschaft, da du
bist, der du bist.
    Du hast die Sache zum Groen gelenkt, sagte Wladislaw, und ich habe mich
erfreut. Es ist an der Seite eines ritterlichen Mannes leichter, nach Rittertum
zu streben.
    Wir haben durch eine Zeit einige Taten mit einander getan, sprach der
Kaiser, jetzt sind wir wieder getrennt. Du bist in deinen Lndern und ich in
Italien.
    Wir werden Anteil an einander nehmen, sagte der Knig.
    Wir werden ihn nehmen, antwortete der Kaiser. Die Frsten und Herren, die
Rte der Krone, sind oft ritterlichen Sinnes, und denken an das Gute. Sie denken
auch, was ihren Lndern not tut, und reden und handeln darnach. Ich bitte dich,
Wladislaw, lasse mir den Bischof Daniel, als einen Mann der Weisheit und des
Rates, in Italien zurck.
    Er wird meiner Kirche und meinen Lndern sehr mangeln, sagte Wladislaw;
aber er bleibe bei dir.
    Ich danke dir, sagte der Kaiser, ich werde ihn nur zu dem Ntigsten
halten, und mgen wir uns bald auf einem frhlichen Reichstage in dem frhlichen
Deutschland sehen.
    Mge es sein, sprach Wladislaw.
    Und erhalte mir deine Liebe, sagte der Kaiser.
    Und du auch, antwortete Wladislaw.
    Dann schlossen sich die zwei Mnner in die Arme.
    Hierauf verlie der Kaiser das Gezelt, und Wladislaw geleitete ihn.
    Vor dem Gezelte waren Diepold, Daniel und viele alte Lechen und Herren des
bhmischen Lagers. Sie geleiteten den Kaiser ehrerbietig zu seinem Pferde; die
Mnner aber, die ferner standen, riefen ihm Glck und Segen zu, und er ritt mit
seinem Gefolge wieder in sein Lager.
    Der Kaiser sendete Geschenke an den Knig Wladislaw. Es wurden ihm von dem
Golde der Mailnder tausend Mark gegeben. Dann waren in Fchern schne Gewnder,
goldene und silberne Geschirre, Schwerter, Helme, Panzer, Mnzen, die des
Kaisers Bildnis trugen, edle Steine, Grtel, Waffenzieraten und andere kostbare
Dinge. Es wurde auch eine Reihe schner Pferde herbeigefhrt.
    An mehrere alte Lechen und an die Mnner Odolen, Bernard, Witiko, Welislaw,
Kochan, Bogdan und Predbor sendete der Kaiser eigene Geschenke.
    Wladislaw teilte mehreres an seine Mnner aus, besonders Dinge, die zur
Erinnerung an Italien dienen konnten. Die groe Verteilung der Dinge aus dem
Kriege, sagte er, werde in Prag geschehen.
    Es kam der Herzog von sterreich mit seinen besten Degen zu dem Knige, mit
Hadmar von Chunring, Rudeger, Rudpert, Tibert, Chunrad von Asparn, Gotescalc von
Heiligenkreuz und andern, es kam der Herzog von Krnten, der Herzog von
Schwaben, der Pfalzgraf am Rheine, der Herzog von Zhringen, der Pfalzgraf in
Baiern, die Erzbischfe und Bischfe und alle andern Frsten des Reiches und
italienische Frsten und Herren der Stdte, um Abschied zu nehmen. Wladislaw
ritt dann auch zu ihnen, und ritt noch einmal zu dem Kaiser, um ihm fr den
Besuch und fr die Geschenke zu danken.
    Am Abende war der Abschied des Knigs und Diepolds von dem Bischofe Daniel.
    Es nahmen auch die Lechen und Herren des bhmischen Lagers von dem Bischofe
und den Seinigen Abschied.
    Es waren viele Herren und Mnner aus den Lagern in das bhmische Lager
gekommen, um Abschied zu nehmen, und bhmische Herren und Mnner waren in andere
Lager geritten.
    Witiko ritt an diesem Tage, da der Gottesdienst geendet worden war, und die
Seinigen sich wieder in ihrem Lager versammelt hatten, zu allen Abteilungen
derselben, und dankte ihnen, wie er ihnen nach jedem Kampfe und nach dem Ende
jedes Krieges gedankt hatte. Als spter die Nachricht von der Heimkehr
verkndiget worden war, teilte er unter seine Mnner Geschenke aus, die er jetzt
austeilen konnte, und sagte ihnen, da das andere in der Heimat ausgeteilt
werden wrde. Dann gab er ihnen die Weisung, da sie sich rsteten, um sich
morgen dem Zuge anschlieen zu knnen. Die Mnner begannen nun alles
vorzubereiten, da bei dem Aufbruche kein Hindernis entstnde. Jeder suchte auch
das, was er an Geschenken, an Beute oder sonst wie erworben hatte, in einen Sack
oder in Leder oder in ein Fell oder, was ihm zu Handen war, zu packen, damit es
leichter fortgebracht werden knnte.
    Witiko ritt nun zu seinem Schwiegervater Heinrich und zu Gebhart, um von
ihnen Abschied zu nehmen. Er ritt dann zu allen seinen Freunden in die
verschiedenen Lager. Heinrich und Gebhart und die Freunde kamen dann auch zu
ihm. Es wurden vielerlei Erinnerungsgaben ausgetauscht.
    Dann bereiteten seine Mnner das Abendmahl, und dann war die Nachtruhe des
Lagers.
    Als noch die Sterne an dem Himmel glnzten, ertnten die Hrner in dem
bhmischen Lager, es ertnten die Pauken der Reiter, und es ertnten dann die
Bockhrner in dem Lager Witikos. Und als das erste Licht des Tages den
Morgenhimmel sumte, stand das bhmische Heer in Zugsbereitschaft.
    Der Bischof Daniel war mit seinen Priestern und seinen Mnnern herbei
gekommen. Er segnete das Heer, man rief sich noch einmal Abschiedsgre zu, und
der Zug setzte sich in Bewegung.
    Mit dem Bischofe Daniel waren einige Mnner des bhmischen Heeres in Italien
zurckgeblieben. Unter ihnen war auch Sifrid von Milnet.
    Der Zug des Knigs Wladislaw ging von Mailand nach Brescia, von Brescia nach
Verona, dann dem Etschflusse entgegen, dann durch Baiern, und dann durch den
bhmischen Wald in die Fluren des eigenen Landes.
    Dort lief das Volk in dichten Scharen an die Wege des Heeres, und staunte
die Mnner an, die so weit gewesen waren, und so Wunderbares getan hatten, wie
durch die Boten aus Italien und durch Wanderer gemeldet worden ist. Es rief dem
Heere zu, warf ihm Zweige, Bnder, Zieraten und andere Dinge zu, und sang ihm
Lieder. Die Mnner antworteten auf den Ruf, grten, und zogen singend weiter.
    Es kamen Zupane, Lechen und Ritter mit Mnnern herzu, und geleiteten den
Knig bis nach Prag.
    Am zweiundzwanzigsten Tage des Herbstmonates kam das Heer auf dem Pilsener
Wege nach Prag.
    Eine ungemein groe Anzahl von Menschen ging dem Heere entgegen. Es waren
Bewohner der Stadt Prag, es waren Leute, die aus allen Teilen des Landes herein
gekommen waren. Sie warfen Zweige auf den Weg, und warfen dem Knige und den
Fhrern Blumen, die die Jahreszeit noch spendete, und gewundene Krnze entgegen,
und riefen ihnen und allen Kriegern Lob und Preis zu, und geleiteten das Heer in
die Stadt. Die Stadt und die beiden Burgflecken waren geschmckt. Von den Trmen
der Kirchen weheten Banner, auf Mauern und Husern waren Banner, von den
Fenstern hingen kostbare Stoffe, Gewinde verzierten Huser und Wege, Blumen und
Kruter waren auf den Boden gestreut. Wsebor, Preda und alle alten Lechen hatten
sich in Prag versammelt, und standen nun mit der Knigin, den Priestern, den
Nonnen, den Herren des Hofes, den Kmeten, vielen Rittern und Herren, den
Vornehmsten der Stadt und unzhligem Volke vor dem Tore. Sie empfingen den
Knig. Alle riefen dem Knige und dem Heere entgegen, und solche, welche heftig
gegen den italienischen Zug geredet hatten, lieen Freudenrufe ber den Ruhm der
bhmischen Waffen erschallen. Als der Knig unter das Tor einritt, ertnten die
Glocken auf den Kirchen der Stadt, und es ertnten alle Glocken der beiden
Burgflecken. Der Propst von Prag gab den Segen, und man geleitete den Knig und
das Heer die Stadt empor. Wladislaw ging zuerst mit der Knigin, mit Diepold,
mit den Priestern, den Lechen und Fhrern in die Kirche des heiligen Veit und
dann in den Knigshof.
    Das Heer errichtete auf dem Marktplatze zwischen dem rechten Burgflecken und
dem Wysehrad ein Lager.
    Am andern Tage war in dem Lager ein feierlicher Gottesdienst. Dann wurde das
Heer von dem Knige und den Bewohnern von Prag und der Burgflecken bewirtet.
    Und sieben Tage wurde das Heer bewirtet, und sehr viele Menschen kamen zu
ihm, und brachten Geschenke, und redeten mit den Kriegern, und priesen sie, und
lieen sich von ihnen erzhlen.
    Indessen teilte Wladislaw die Belohnungen des Zuges aus. Seine Mnner waren
reichlich mit Gold und Silber, mit Waffen und Pferden, mit Gewndern und
kostbaren Dingen bedacht. Viele erhielten auch eine Begabung mit Land, darunter
Witiko war.
    Dann dankte er allen noch einmal, und entlie das Heer.
    Die Mnner nahmen nun Abschied von einander, Hohe und Niedere, sie weinten
Trnen, gaben sich Erinnerungszeichen, und versprachen, wieder zusammen zu
kommen. Weiber brachten ihre Kinder herzu. Die Vter kten die Kinder, und wer
kein Weib und kein Kind hatte, nahm doch ein Kind auf den Arm, und kte es. Und
weil sie nun erkannten, da die, welche die Heimat nicht wieder gesehen hatten,
nicht viele sind, so war ihnen das ein Trost, sie freuten sich darber, und
gingen von Prag den Fluren ihrer Angehrigen zu.
    Witiko fhrt seine Mnner gegen den mittglichen Wald des Landes, und Rowno
und Diet und Osel und die andern folgten mit den ihrigen seinem Zuge.
    Er fhrte sie wieder wie in frhern Zeiten nach Plan. Eine weit grere Zahl
von Menschen war zusammen gekommen, um die Mnner zu begren, als bei den
sonstigen Zgen, weil von allen Stellen des Waldes Leute herzu gekommen waren.
Sie verwunderten sich, da die Mnner gar so braune Angesichter bekommen hatten.
Sie riefen ihnen zu, und konnten mit dem Rufen kaum enden. Und die Mnner waren
freudiger und frhlicher, weil sie nicht ein bloes bel von sich abgewendet
hatten, sondern weil sie in dem fernen Lande bei dem Kaiser gewesen waren, und
die Geschicke der ganzen Welt entscheiden geholfen hatten. Der Pfarrer von Plan
gab wieder seinen Segen, Witiko dankte den Leuten, und entlie sie. Die Mnner
aber sagten, die Schar wolle Witiko in seine Burg geleiten.
    Und so ging der Zug an dem nmlichen Tage noch nach Friedberg. Eine groe
Menschenmenge ging den ganzen Weg mit. Die alte Susanna von der untern Moldau
stimmte Waldlieder an, und die alte Willbirg rief, wenn es stille ward, Sprche.
Sie rief: Ich habe es gesagt, da Zeichen gewesen sind, und es sind wieder
Zeichen gekommen, wir brauchen nicht mehr den alten Wossic von Wodnian und den
alten Lubomir von Daudleb, wir haben jetzt einen, der mehr ist als Wossic und
Lubomir.
    Bei Friedberg zogen die Mdchen rote Bnder ber den Weg, und die Krieger
muten sich durch Geschenke aus der Fremde loskaufen.
    In Friedberg wurde die Schar von dem Pfarrer und den Vorstehern und von den
Menschen, die herbei gekommen waren, mit Freudenrufen empfangen, und der Pfarrer
segnete sie.
    Witiko dankte noch einmal allen, sie riefen ihm Dank entgegen, Wenhart
sprach dann fr alle, und hierauf zerstreuten sie sich. Ein Teil machte ein
Lager, ein anderer Teil suchte noch die Heimat zu gewinnen.
    Witiko ritt mit den Seinigen gegen die Burg hinan. Viele Krieger und andere
Menschen geleiteten ihn.
    Vor der Burg waren Bertha, Wentila und Hiltrut mit den Frauen, Mdchen,
Dienern und Dienerinnen, es waren Benno, und es waren die Mnner der Burg.
    Sie riefen den Gru entgegen, und Witiko grte mit seinem Schwerte.
    Dann stieg er von dem Pferde. Bertha reichte ihm die Hand, Wentila umschlang
ihn, und die Base rief: Witiko, Witiko, du bist mit deinem Pferde durch das
frchterliche Wasser geschwommen.
    Es war leicht, sagte Witiko, ich wute, da mein Pferd hinber schwimmen
wird.
    Dann gingen alle in die Burg, und die Krieger zogen hinter ihnen ein.
    Bertha fhrte Witiko an der Hand in die Kammer der Kinder. Witiko kte sie,
dann schlossen sich Bertha und Witiko in die Arme, und kten sich auf den Mund.
    Bertha, ich bringe dir den Gru deines Vaters, er ist gesund, und wird bald
zurckkehren, sagte Witiko.
    Ich danke dir fr diese Nachricht, Witiko, sagte Bertha.
    Die Mnner der Burg suchten indessen die Pferde und die Habe und alles, was
auf den Sumern gebracht worden war, in die Burg zu schaffen. Fr manche Krieger
wurde in der Burg eine Wohnung bereitet, fr die andern begann man Gezelte zu
errichten.
    Bertha und Witiko gingen auf den Sller, und grten gegen die Menschen, die
vor der Burg waren, hinunter. Die Menschen riefen Gre hinauf.
    Dann lie Witiko Nahrung und Getrnke hinausschaffen, die Menschen
erquickten sich, und zerstreuten sich dann.
    Dann ging Witiko mit den Seinigen und manchem seiner Mnner in die
Burgstube, und sie sprachen dort mit einander.
    Dann war das Mahl, und dann die Nachtruhe.
    Am andern Tage war ein feierlicher Gottesdienst in der Burg. Nach demselben
dankte Witiko seinen Mnnern, gab ihnen Geschenke, die nur fr sie bestimmt
waren, und es zogen hierauf die, welche nicht in die Burg gehrten, ihren
Wohnsttten zu, die in die Burg gehrten, traten wieder in ihre Dienste.
    Hierauf belohnte Witiko Beda und die Mnner, die unter ihm gewesen waren,
fr die treue Hut der Burg. Diejenigen von ihnen, die nicht in der Burg wohnten,
gingen in ihre Heimat.
    Nach einer Woche versammelte Witiko auf der Stelle an der Moldau, auf
welcher die Kampfspiele nach seiner Vermhlung gewesen waren, alle seine Krieger
des Mailnderzuges, und es war wieder ein Fest, wie es nach dem mhrischen
Kriege bei Plan gewesen war. Es war ein feierlicher Gottesdienst unter dem
offenen Himmel, es geschah dann die groe Danksagung an die Krieger, dann war
ein Mahl, und dann waren Gesprche und Tnze und Spiele und Lieder und
Erlustigungen. Die vielen Menschen, die auer den Kriegern zugegen waren,
erfreuten sich wie damals der Dinge. An dem nchsten Tage war die Verteilung
alles dessen, was auer den Geschenken, die die Mnner von Wladislaw erhalten
hatten, ihnen nach dem Sinne Witikos aus dem Mailnderzuge noch zukam.
    In der Zeit, die nun folgte, besorgte Witiko wieder seine Angelegenheiten,
wie er sie vor dem Kriege besorgt hatte. Insbesonders suchte er sein neues Land
nach der herkmmlichen Weise mit dem alten in Verbindung zu bringen. An Abenden,
wenn sie in der Burgstube saen, und wenn auch der eine oder der andere Mann aus
der Umgegend zu ihnen gekommen war, erzhlte er von dem Kriegszuge, und wie es
in Italien ist, und was sich sonst dort ereignet hatte.
    Wenn mir Gott mein Leben nur so lange fristete, sagte Benno, da ich auch
die Taten dieses Kaisers aufschreiben knnte. Dieser Kaiser wird noch viele
Taten tun.
    Und die Mnner der Burg, die mit Witiko gewesen waren, erzhlten auch von
den Dingen in Italien, und die daheim geblieben waren, hrten ihnen zu, und
fragten, und verlangten immer wieder Erzhlungen.
    Wolf erzhlte unaufhrlich, und wenn man das Pferd, welches er gebracht
hatte, und welches ihm Witiko ernhrte lobte, sagte er: Mein Herr hat mich nie
auf ein schnes Pferd steigen lassen, jetzt habe ich ein so schnes Pferd, wie
die seinigen sind, und ich reite darauf mit mehr Geschick, als ihr auf euern
langhaarigen Tieren reitet, und ich reite nach der neuen Art, und ich bin auf
dem Pferde geritten, als wir die Welschen an dem Wasser, da wir noch ganz na
waren, besiegt hatten, und als wir sie dann wieder besiegt hatten, und als wir
sie immer besiegt hatten, und als wir in dem Lande hin und her zogen, und als
wir mit den Pferden ber den Zaun des Lagers jenes Herzogs sprangen, auf den die
Welschen aus der groen Stadt Mailand heraus gekommen waren. Wenn ich nicht so
herum geritten wre, woher htte ich denn die schnen Sachen und das schne
Gewand, und wenn nicht alle herum geritten wren, woher htte denn Witiko den
Reichtum und das Land, das ihm der Knig gegeben hat? Das wird in der Schlacht
gewonnen. Und wenn ich euch von den Mnnern sage, die durch den Addastrom
geschwommen sind, so ist unter allen bhmischen Mnnern nur einer, der gleich
nach einander dreimal durch den Strom geschwommen ist.
    Huldrik war bei allen Erzhlungen, und er sprach: Ich habe gesagt, Witiko
wird aus Italien die Rose bringen, und er wird sie einmal erst recht bringen.
    Und die andern Krieger des ganzen Waldes erzhlten auch von Italien und von
Mailand, und von dem Kriege, und bald war es so, da die alten Frauen und die
Mdchen und die Kinder des Waldes von Italien und Mailand redeten.
    Als der Knig Wladislaw das Lager des Kaisers verlassen hatte, zog der
Kaiser auch sogleich mit seinem Hofgeleite nach dem Orte Bolzano, und ging dann
mit seinem Heere nach Monza.
    Der groe Reichstag wurde auf den eilften Tag des Monates November auf die
roncalischen Felder ausgeschrieben. Von Monza zog der Kaiser nach Trezzo,
welches wohlbefestigt worden war, und in welches der Kaiser seine Schtze
niederlegte. Dann ging er nach Brescia, Lodi, Cremona und Ferrara, dann wieder
nach Mantua, Verona und in andere Stdte, um zu ordnen, was berall zu ordnen
war.
    Indessen kam die Zeit zum Reichstage. Der Kaiser hatte alle italienischen
Kirchenherren und die Frsten und die Herren der lombardischen Stdte dazu
berufen, er hatte die vier vorzglichsten Rechtsgelehrten Italiens aus der Stadt
Bologna berufen: Bulgarus, Jacobus Hugolinus, Martinus Josias und Hugo de Porta
Ravennate. Er zog im Geleite der deutschen Erzbischfe, Bischfe, Herzoge,
Frsten und Herren nach den roncalischen Feldern. Es kamen die italienischen
Erzbischfe und Bischfe, viele italienische Herzoge, Markgrafen, Grafen und
Ritter und die Konsuln der lombardischen Stdte, und es kamen die
Rechtsgelehrten.
    Auf der groen Ebene wurde ein Lager errichtet. In der Mitte stand das
schne Gezelt des Kaisers. Dann standen die Gezelte der Herzoge und Frsten je
nach ihrer Wrde entfernt. Die Deutschen lagerten auf der linken Seite des Po,
die Welschen auf der rechten. Zwischen beiden Lagern war eine Brcke. Die
Kaufherren, die Handwerker, die Knstler, die Nahrungsfrachter und hnliche
Leute hatten ein eigenes Lager. Auerhalb der Lager war eine groe Menge Volkes.
    Der Reichstag wurde begonnen.
    Der Kaiser sagte zu den Rechtsgelehrten, sie mchten erklren, was in
Hinsicht der Dinge zwischen dem lombardischen Knige und seinen Untertanen
Rechtens sei.
    Die Rechtsgelehrten aber antworteten, sie knnten ihre Untersuchungen nicht
ohne die Richter der lombardischen Stdte machen.
    Der Kaiser whlte aus jeder von vierzehn lombardischen Stdten zwei Richter,
und befahl ihnen, zu kommen.
    Sie kamen, und fingen mit den Rechtsgelehrten die Beratungen an.
    Der Kaiser hielt sich von diesen Beratungen ferne. Er versammelte aber
Bischfe, darunter Daniel war, und Herren, die zu seinem Rate gehrten, und
verhandelte mit ihnen ber die Ruhe der Kirche und ber knigliche Gerechtsame,
die nach und nach vergessen worden waren.
    Als die Beratungen der Rechtsgelehrten geendiget waren, hielt der Kaiser
wieder eine allgemeine Versammlung. Er sa auf einem erhheten Platze, und
sprach von demselben: Durch die Gnade Gottes habe ich die Herrschaft erlangt,
und durch sie ist mir aufgetragen, die Guten zu schtzen, die Bsen zu zgeln
und zu strafen. Ich habe durch den Krieg die Strafe vollzogen, jetzt mu ich im
Frieden durch die Gesetze auch den Schutz vollfhren. Kein Herrscher darf tun,
was er nur immer will, er mu herrschen, da jedem sein Recht unverkrzt
verbleibt, dem Untertane und dem Knige. Das Recht der Untertanen zu den
Untertanen ist durch die Bemhungen der Knige, der Richter, der Lehrer und
durch die Anwendung geordnet, und niemand bestreitet es; die Rechte zwischen dem
Knige und den Untertanen sind oft dunkel, und bedrfen der Erhellung und der
Bekrftigung. Nach der Erhellung haben wir durch Untersuchungen gestrebt, die
Bekrftigung werden wir durch die Verkndigung und durch die Beschwrung
erlangen. Dann wird nicht mehr ber die Gesetze allerlei geredet, sondern nach
ihnen gehandelt werden.
    Es entstand ein groer Beifall ber die Worte des Kaisers.
    Dann erhob sich von den Welschen nach ihrer Art einer nach dem andern, um
eine Rede zu halten, in der er den Kaiser ehrte, oder seine Redegabe zeigte.
Zuerst redeten die Bischfe, dann die Herren, dann die Konsuln und Abgesandten
der Stdte.
    Zuletzt sprach der Erzbischof von Mailand: Alles Recht der Gesetzgebung ist
von dem Volke an dich, erhabener Kaiser, bertragen worden. Was immer der Kaiser
durch einen Brief festgesetzt hat, oder in seiner Kenntnis verordnet hat, oder
durch einen Erla vorgeschrieben hat, das ist, so besteht es, ein Gesetz. Wem
die Last eines Dinges zukmmt, dem mu auch der Nutzen zukommen, und da du,
erhabener Kaiser, alle schtzen mut, so darfst du auch alle beherrschen.
    Die Reden dauerten bis in die Nacht.
    Dann wurde das, was ber die Rechte und Pflichten der Knige und ber die
Rechte und Pflichten der Untertanen aus den Untersuchungen nach den jetzigen
Dingen und nach den Dingen aus der Zeit des Kaisers Karl und nach den Dingen aus
der Zeit der alten rmischen Kaiser hervorgegangen war, verkndiget, und zu
Recht beschworen.
    Die Abgesandten der Stadt Mailand leisteten auch den Schwur.
    An dem folgenden Tage hielt der Kaiser nach altem Brauche Gericht, und es
kamen so viele Klagen, da noch Richter bestellt werden muten. Und es wurden
die Sachen der Armen, der Herren und der Stdte entschieden.
    Und da alles geordnet war, wurde der Reichstag geschlossen, und die
deutschen Frsten und Herren und auch die italienischen hatten Freude ber die
Dinge, die geschehen waren.
    Der Kaiser brachte auch noch die Stadt Genua, welche den roncalischen
Beschlssen nicht beigetreten war, zum Treuschwure, und sandte dann Abgeordnete
in die lombardischen Stdte, um dort die Obrigkeiten einzusetzen, wie es auf dem
Reichstage auf den roncalischen Feldern beschworen worden war. Die Abgeordneten
waren: Daniel, der Bischof von Prag, Reinald, der Kanzler, Hermann, der Bischof
von Verden, Otto, der Pfalzgraf von Regensburg, und Guido, der Graf von
Biandrate. Sie setzten in den Stdten Pavia, Piacenza, Cremona, Lodi und in
anderen die Vorsteher ein.
    Am Anfange des Monates Jnner kamen sie nach Mailand; allein die Mailnder
weigerten sich, da ihnen der Kaiser ihre Vorsteher einsetze, und wilde Haufen
des Volkes bedrohten das Leben der Abgeordneten des Kaisers. Sie waren von den
Mnnern Martinanus Malaopera, Azo Bultrafus, und Castellus von Ermenulfis
gefhrt. Die Abgeordneten wehrten durch Verrammlungen das Eindringen zu ihnen
ab; aber durch die Fenster wurden Steine geworfen. Und in der nchsten Nacht
entfloh Otto, und in der folgenden entflohen die andern. Sie berichteten alles
dem Kaiser.
    Der Kaiser hielt am zweiten Tage des Monates Hornung einen feierlichen
Hoftag, auf welchem auch Gesandte von Frankreich und von Griechenland und von
Ungarn waren, die ihm ihre Ehrfurcht bezeugten. Die ungarischen Gesandten
erklrten dem Kaiser, da ihr Knig wegen des Wunsches Wladislaws, des Knigs
von Bhmen, noch mehr Hilfsvlker senden wolle, als er frher gesendet habe. Der
Kaiser stellte den Frsten das Benehmen Mailands vor, und sprach: Wilde Vlker
achten das Recht der Gesandtschaften, Mailand nicht, meine und eure Ehre ist
befleckt, viele haben das Verbrechen begangen, an vielen mu es gestraft
werden.
    Die Frsten stimmten den Worten des Kaisers bei.
    Der Bischof von Piacenza sagte, es gezieme sich aber doch, da man auch die
Mailnder hre.
    Sie sollen gehrt werden, sagte der Kaiser.
    Die Mailnder wurden vorgeladen, und sie schickten Abgesandte.
    Diese sagten, die Mailnder wollen dem Kaiser volle Genugtuung geben. Als
Tag hiezu wurde der neunzehnte Tag des Monates April bestimmt. Den kaiserlichen
Stdten schwuren die Mailnder Frieden.
    Nach dieser Zeit aber schlo Mailand mit Brescia, Piacenza und Bologna einen
Bund.
    Als der Kaiser das Osterfest zu Modena feierte, und am Osterdienstage den
Waffenspielen zusah, kam die Nachricht, da die Mailnder die Veste des Kaisers,
Trezzo, belagerten. Die Spiele hrten auf, alle rsteten sich, und bei dem
ersten Lichte des nchsten Tages begann der Zug gegen Trezzo. Aber auf dem Wege
begegnete dem Heere ein Bote, welcher sagte, da Trezzo von den Mailndern
erobert worden ist, und da sie alle Schtze weggenommen haben. Der Kaiser zog
nun nach Bologna, und belegte dort die Stadt Mailand mit dem Banne. Dann ging er
nach Lodi, ein Heer zu sammeln. Er befahl allen Stdten Italiens, Hilfsmnner zu
dem Kampfe gegen Mailand zu stellen. Dann ging er wieder nach Bologna, um die
Seinigen gegen Mailand zu fhren.
    Am siebzehnten Tage des Monates Mai kamen sie nach Melegnano, und am
nchsten Tage vor Mailand. Hier wurden nun weithin ringsherum alle Saaten und
Weinpflanzungen zerstrt, die lbume und Fruchtbume wurden umgehauen, Huser,
Drfer, Flecken, Burgen, Vesten wurden verbrannt.
    Eine Belagerung unternahm der Kaiser aber nicht, weil sein Heer noch zu
klein war.
    Er zog im Monate Juni gegen den Mittag Italiens, um manche widerspenstige
Stdte zur Pflicht zu fhren, oder zu strafen. Er belagerte Crema, und die
Belagerung dieser Stadt dauerte von dem Heumonate bis zum fnfundzwanzigsten
Tage des Monates Jnner des folgenden Jahres. An diesem Tage beschlossen die
Bewohner von Crema die bergabe der Stadt. Die Verhandlungen fhrte Peregrin,
der Patriarch von Aglei, und der Vetter des Kaisers, Heinrich, der Herzog von
Sachsen und Baiern. Am siebenundzwanzigsten Tage des Monates Jnner wurde die
Stadt bergeben, und dann zerstrt.
    Die Mailnder suchten denen von Crema whrend der Belagerung Hilfe zu
leisten, indem sie kaiserliche Stdte angriffen; aber sie erlitten zwei Male
durch Scharen des Kaisers schwere Niederlagen.
    Weil die deutschen Frsten schon lange ber ihre Zeit auf dem Kriegsfelde
waren, und weil die lombardischen Lnder durch die Heere schon so gelitten
hatten, da der Bedarf nur mehr schwer geschafft werden konnte, so entlie der
Kaiser die, welche es wollten, im Frhlinge mit reichen Geschenken. Sie
versprachen in einem Jahre mit ausreichender Hilfe wieder zu kommen.
    In der Zeit waren nun verschiedene Kmpfe der kaiserlichen Scharen mit den
Mailndern an verschiedenen Stellen des Landes.
    Der Kaiser erlie hierauf die Ladungen an die deutschen Frsten, da sie in
dem nchsten Frhlinge zur Vollendung des Werkes kommen mchten.
    Und die Frsten begannen im Frhlinge ihren Zug nach Italien.
    Wladislaw, der Knig von Bhmen, sandte seinen Bruder Diepold und seinen
Sohn Friedrich mit einer auserlesenen Hilfsschar.
    Witiko war mit jenen Waldleuten, die mit ihm in dem vorigen Kriege waren,
nun zum zweiten Male bei dem Zuge nach Italien.
    Als die geladenen Mnner allgemach angekommen waren, schlo der Kaiser die
Stadt Mailand ein. Die Mailnder kamen oft aus der Stadt hervor, und begannen
tapfere Kmpfe gegen den Kaiser; aber sie konnten wie in dem ersten Kriege die
Einschlieung nicht brechen.
    Der Kaiser errichtete auch ein Winterlager in Lodi, befestigte mehrere
Schlsser, um das Einbringen von Nahrung in die Stadt Mailand zu hemmen. Er
setzte fr die, welche es taten, und berwiesen wurden, das Abhauen der Hnde
zur Strafe, und bestimmte ihren Angebern Belohnungen.
    So wurde in Mailand die Not sehr gro, und Angst und Hoffnungslosigkeit und
Zorn und Streit kam in die Gemter. Der Erzbischof, welcher auf den roncalischen
Feldern so unterwrfige Worte gegen den Kaiser gesprochen hatte, jetzt aber der
eifrigste Kmpfer gegen ihn war, mute vor dem Volke entfliehen. Und sie
schickten Abgeordnete an den Kaiser, welche sagten, Mailand wolle seine
Befestigungen niederreien, es wolle alle seine Bndnisse lsen, es wolle dem
Kaiser eine Burg bauen, es wolle ihm alle Hoheit bergeben, es wolle sich von
ihm Obrigkeiten setzen lassen, es wolle ihm eine groe Summe zahlen und fr
alles dreihundert Geiseln auf drei Jahre stellen, wenn er den Frieden gewhre.
    Der Kaiser sagte: Es stimmt mein Rat mit mir berein, da ihr euch
unbedingt unterwerfen msset.
    Und nun verging wieder eine Zeit.
    Da kamen an den ersten Tagen des Monates Mrz des Jahres 1162 die Konsuln
und die Vornehmen der Stadt Mailand in das Lager des Kaisers, knieten vor ihm
und der Versammlung der Frsten nieder, und schwuren, da sie sich ohne
Bedingung und ohne Vorbehalt unterwerfen, und da sie den nmlichen Schwur von
allen Mailndern bewirken wollen.
    Nach drei Tagen kamen dreihundert ausgewhlte Mnner aus der Stadt in das
Lager des Kaisers, und bergaben ihm die Schlssel aller Tore, und bergaben ihm
die sechsunddreiig Vorbanner der Stadt, und schwuren, wie die vor drei Tagen
geschworen hatten.
    Und wieder nach drei Tagen kam das ganze Volk. Es war in hundert Scharen
abgeteilt. Sie hatten Stricke um den Hals, Asche auf dem Haupte, und Kreuze in
den Hnden. Sie brachten das Carrocio, das hchste Feldzeichen der Stadt. Es war
ein Mastenbanner, das von einem eisernen Rstwagen emporragte, und auf der
Spitze das Kreuz und das Bildnis des heiligen Ambrosius trug. Das Carrocio wurde
zertrmmert. Dann warf sich das Volk auf die Erde, und bat im Namen des
Heilandes um Erbarmen.
    Der Kanzler Reinald las ihnen die Unterwerfungsurkunde vor, und sie nahmen
dieselbe an.
    Dann sagte der Kaiser: Ich schenke euch das Leben, das ihr verwirkt habt;
aber ich werde sorgen, da ihr eure Verbrechen nicht wieder begehen knnt.
    Das Volk durfte sich erheben und in die Stadt zurckkehren.
    Dann leistete es vor zwlf Mnnern, die der Kaiser aus Deutschen und
Italienern bestimmt hatte, den Unterwerfungseid, und mute vierhundert Geiseln
stellen.
    Hierauf hielt der Kaiser in Pavia eine groe Versammlung ab, damit das
Schicksal der Stadt Mailand entschieden werde. Die Versammlung untersuchte die
Lage der jetzigen Dinge, und untersuchte den Gang alles dessen, was geschehen
ist, und machte die Entscheidung. Die Konsuln der Stadt Mailand wurden
vorgeladen, da ihnen der Spruch verkndiget werde. Der Spruch lautete: Mailand
soll wst und leer sein, alle, die darin gewohnt haben, verlassen es in acht
Tagen, und bauen sich an vier Sttten, die eine Meile von einander entfernt
sind, neue Wohnungen.
    Dann ging der Kaiser wieder gegen Mailand, und zog am sechsundzwanzigsten
Tage des Monates Mrz durch eine ffnung, welche man in die Mauern gerissen
hatte, in die Stadt ein. Darauf wurden die Befestigungen der Stadt zerstrt. Der
Kirchen und der andern Gebude schonte der Kaiser.
    Als dieses geschehen war, zog der Kaiser wieder nach Pavia, und feierte in
der Domkirche der Stadt ein groes Dankfest.
    Nach demselben sagte er: So ist vollbracht, was die Worte des seligen
Erzbischofes Anselm geraten hatten. Die Barmherzigkeit des Himmels wird es mir
verzeihen, da ich in gutem Glauben frher nicht die Stadt Mailand, diesen Angel
aller Emprung und Kirchenspaltung, vertilgt habe. Die andern Stdte werden
jetzt zu ihrer Pflicht kommen.
    Es war nun ein groes Mahl, zu welchem Herren, Gemeine und Fremde eingeladen
wurden. Der Kaiser Friedrich und die Kaiserin Beatrix trugen bei demselben ihre
Kronen auf den Huptern.
    In der Zeit darauf unterwarfen sich die Stdte Brescia, Imola, Faenza,
Bologna, Piacenza, und noch mehrere andere.
    Die Erzbischfe, Bischfe und Priester und die Frsten und Herren und
Krieger brachten aus diesem Zuge Gebeine der Heiligen, geweihte Gerte, teure
Gefe, Kleinodien und merkwrdige Gegenstnde und Gold und Silber, Gewnder,
Waffen, Pferde und die verschiedensten Dinge in ihre Heimat.
    Diepold und Friedrich fhrten das bhmische Heer nach Prag. Der Knig
Wladislaw erstattete, wie er es immer nach den Kriegen tat, dem Heere seinen
Dank, er teilte die Beute aus, und belohnte sonst noch die Krieger, und sie
zogen wieder zu den Ihrigen.
    Witiko und die Waldleute wurden mit noch mehr Freude, mit noch mehr
Zusammenlauf des Volkes und mit noch mehr Zuruf empfangen als sonst, weil sie so
lange entfernt gewesen waren. Die Kriegsmnner gingen mit Freuden zu ihren
Angehrigen. Sie zeigten Dinge, die man nie gesehen hatte, deren Preiswrdigkeit
man gar nicht kannte, und deren Menge so gro war, wie man nie ein Gleiches
erfahren hatte. Und die Dankesfeier an der Moldau und die Austeilung war auch
grer als jede frhere. Die Krieger teilten von dem, was sie hatten, an ihre
Sippen, an ihre Freunde, an ihre Bekannten und an ihre Heimatgenossen mit, und
machten Opfer in die Kirchen.
    Sie erzhlten jetzt noch mehr von dem Lande Italien, als das erste Mal, weil
sie es nun viel besser kannten als frher.
    Der Schmied von Plan erzhlte von der auerordentlichen und weitgestreuten
Stadt Mailand, die sie zertrmmert haben. Sie sind jetzt in ihr gewesen, und da
sind wunderbare Kirchen und seltsame Trme und alte Bogen und unerhrte
Heiligengestalten. Er erzhlte auch von anderen groen Stdten, in denen sie
gewesen sind. Da sind auch wundersame Kirchen und Steinbauwerke und Burgen der
Vornehmen, die mitten unter den Husern stehen, und Dinge aus den Heidenzeiten.
Da sind uralte zerfallene Kirchen, so gro, wie ein ausgerundeter Berg, oben
offen, da der Himmel hinein schaut, und viele tausend Steinbnke sind ber
einander, und da haben sie vor mehreren tausend Jahren gespielt, wie sie im
Walde die Geburt Christi und die Engel und die Hirten und die heilige Jungfrau
Maria spielen. In dem Lande sind ungeheure Schtze; weil es hei ist, wchst
dort das Gold. Und es sind Frchte da, die niemand gesehen hat, und die sich
niemand vorstellen kann.
    Und die andern Mnner erzhlten auch. Sie sagten, sie haben reden gehrt,
da Diepold viele Scke auf Saumrosse geladen habe, und da lauter Goldmnzen in
den Scken gewesen seien. Und die Gebeine der Heiligen Drei Knige, der
makkabischen Brder und ihrer Mutter, des heiligen Celsus und anderer Heiligen
sind von Mailand fortgebracht worden. Und Diepold hat einen kirchlichen Leuchter
nach Prag gebracht, auf dem Wunder und Gestalten gearbeitet sind, die die
uralten Juden abgegossen haben, weil der Leuchter in der frhen Zeit in dem
Tempel des Knigs Salomon gestanden ist.
    Tom Johannes redete darber, was er getan htte, wenn er in dem Lande
Italien gewesen wre, und was der Kaiser und der Knig und die Erzbischfe und
die andern Herren htten tun sollen.
    Wolf sagte, sie wren alle gestorben, wenn Witiko nicht gesorgt htte. Die
goldenen pfel mit dem sen goldenen Safte und die rosenroten Feigen und die
Johannishrner und andere Dinge schaden sehr, wenn man zu viel it. Witiko hat
sie davor bewahrt.
    Und aus diesem neuen Dinge, welches durch die Kriegsmnner in den Wald
gekommen war, entstanden bald Lieder, die gesungen und oft gesungen wurden.
    Witiko ging nun wieder an seine heimatlichen Geschfte. Insbesonders suchte
er sein neues Waldland mit dem alten in eine immer gleichere Gebarung zu
bringen.
    Benno fhrte einen jungen Priester zu Witiko, welcher der Kapellan der Burg
wurde. Er selber war oft im Witikohause, oft in Pric, oft irgend wo anders, wie
er es fr die Abfassung der Schicksale der deutschen Kaiser ersprielich
erachtete.
    Die Base Hiltrut ging nach dem zweiten italienischen Zuge wieder nach
Landshut. Witiko kam mit den Seinigen zuweilen zu ihr. Als sie einmal auf dem
Wege dahin im Hauzenberge ihr Mittagmahl einnahmen, erkannte der nunmehr sehr
alte Wirt Witiko wieder, und rief seine Freude ber dessen Gedeihen und Ansehen
aus.
    Huldrik war in dem Witikohause sehr rhrig, und predigte seinen Jubel ber
das, was geschehen war. Seine Gattin hatte ihm ein Shnlein geboren, und
dasselbe durfte mit Witikos Shnen reiten und Waffen fhren lernen.
    Witiko wuchs in der Liebe und Neigung der Seinigen immer hher, er wurde oft
zu dem Knige gerufen, um bei seinem Rate und bei seinen Taten zu sein, er war
mit Bertha und seiner Mutter dabei, als die steinerne Brcke, welche die Knigin
Judith in Prag ber die Moldau hatte bauen lassen, die feierliche kirchliche
Weihe erhielt, er wurde von Rowno, von Diet, von Osel, von Hermann, von Witislaw
und andern geachtet, Lubomir, der sehr alt wurde, achtete ihn sehr hoch, es
achteten ihn die Shne Lubomirs, es achteten ihn Ctibor, Nemoy und alle, die in
der Nhe wohnten, und er war eine Ehre fr den Stamm Jugelbach, fr den Stamm
Aschach, fr den Stamm Schauenberg, fr den Stamm Dornberg und fr den Stamm
Stauf.
    Er begann nicht weit von dem Witikohause eine Kirche in der deutschen Art
durch Eppo bauen zu lassen, und er gedachte der Mittel, ein Kloster in dem Walde
zu grnden.
    In den Zeiten, die nun nach und nach ber die Wipfel des grnen Waldes dahin
gingen, wie Gutes und Schweres sie auch brachten, da sich manche teure Hupter
in die Grube legten, wurde er Zupan von Prachem, Heerfhrer, Gesandter und
oberster Truchse des Knigreiches Bhmen. Und wenn er in dem Witikohause
verweilte, kamen oft des Abends Mnner in Lammspelzen zu ihm, und er sa mit
ihnen in Gesprchen in der Burgstube, wie er einst an der Leuchte des Huschens
in Plan oder im Wangetschlage gesessen war.
    Bertha sagte oft freundlich zu ihm: Witiko, jetzt ist dir keiner gleich.
    Er antwortete freundlich: Es sind viele ber mir; dir aber gleicht keine.
    In dem Jahre 1184 beschlo der Kaiser Friedrich einen sehr groen Reichstag
abzuhalten. Er wollte ein Fest feiern, weil der Streit im Reiche, der mit der
Kirche, und der in Italien geendet war. Er berief alle, die kommen wollten, auf
Pfingsten nach Mainz. Witiko fate den Entschlu, diesen Reichstag zu besuchen.
Er lud den alten Benno ein, mit ihm zu gehen, da er den Glanz des Kaisers
schaue.
    Er zog mit Benno, Bertha, seinen Shnen und einem schn geschmckten Geleite
von Pric gegen Mainz.
    Erzbischfe, Bischfe, bte, Priester, Herzoge, Frsten, Grafen, Ritter
waren da versammelt, es waren die fremden Gesandten da, die sich an dem
Kaiserhofe befanden, es waren Herren und Ritter aus den Lndern England,
Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Illyrien da. Die Zahl der Ritter, welche
in Geleiten oder fr sich selber gekommen waren, war siebenzigtausend. Und
ungemein groe Scharen des Volkes hatten sich eingefunden. Auf der Ebene an dem
Rheinstrome war eine schne Pfalz fr den Kaiser und eine Kirche erbaut worden.
Ringsherum standen die Wohnungen der Frsten, die in Schmuck und Zierde einander
zu bertreffen suchten, und dann waren weithin die andern bunten Gezelte. Die
Nahrungsmittel wurden durch eine Menge von Schiffen auf dem Rheine gebracht, und
es waren eigene Huser fr sie errichtet. Alle, die gekommen waren, wurden von
dem Kaiser bewirtet.
    An dem ersten Pfingsttage war der Kirchenzug, es war das kirchliche Fest,
und es war ein Mahl. Man erschaute da die Erhabenheit des Kaisers, die
Holdseligkeit der Kaiserin, die Schnheit der Frauen, den Schimmer der Frsten,
die Herrlichkeit der Ritter, den Strahlenglanz der Gewnder, der Waffen und der
Pferdeverzierungen. Bei der Kirchenfeier war die Heiligkeit und Pracht der
kirchlichen Gerte und Gewnder. Bei dem Mahle taten Herzoge und Markgrafen
Dienste bei dem Kaiser.
    Am andern Tage waren die ritterlichen Spiele. Der Kaiser nahm selber daran
Teil. Frsten und Herren und Ritter in groer Zahl zeigten ihre
Geschicklichkeit. Die Shne des Kaisers, Heinrich und Friedrich, die schon an
Macht und Ehren reich waren, taten ihre ritterlichen Tugenden kund, und wurden
mit jeder gebhrenden Feier zu Rittern geschlagen.
    In den folgenden Tagen waren auch noch andere Spiele und andere Ergtzungen.
    Die auf der Fiedel oder in Tnen des Erzes oder der Pfeifen erfahren waren,
lieen ihre Kunst vor dem Kaiser, vor der Kaiserin, vor den Frauen, vor den
Frsten und Rittern erschallen, und ernteten den Dank. Die Mnner aus dem
Geleite des Kaisers oder der Kirchenfrsten oder anderer Herren, welche schon
groe heilige Bauwerke zum Dienste Gottes errichtet hatten, stellten Vorbilder
zu neuen Bauwerken auf, und wurden geehrt. Dann waren die Snger, Ritter und
andere, die einzeln und abwechselnd ihre Worte und Weisen, oder zusammen singend
oder einzeln die Worte und Weisen frherer Dichter in die Herzen der Mnner und
Frauen senkten. Sie wurden mit besonderen Ehren und Freuden geziert.
    Es sagten damals einige, es werde ein groes Lied kommen, in welchem die
Treue der Mnner gegen ihren Knig und die Treue des Knigs gegen seine Mnner
gepriesen werden wird.
    Heinrich von Oftering, der noch die blonden Haare trug, sprach: Es kann
schon ein solches Lied kommen, das uns von alten Mren, von Helden voll der
Ehren, von Mh und Festlichkeiten, von khner Ritter Streiten, von Weinen und
von Klagen, viel Wunders mge sagen.
    Dann waren die, welche in Erz oder Stein oder Holz bilden konnten, oder die
Farbenwerke der Kirchen auf Glas oder auf Tafeln verstanden. Sie wiesen
Gestalten Gottes, des Heilandes, der Jungfrau, der Engel, der Heiligen oder
andere Weihedinge vor, und wurden mit hohen Ehren begabt.
    Und viele, die irgend ein Schauding hervorgebracht hatten, waren gekommen,
es vor die Augen zu stellen.
    Und was sich sonst an Tugend der Leibesbungen und der Waffen und der Tnze
und anderer Erlustigungen zeigte, wurde auch noch in Zierde und Sitte und Anmut
ausgefhrt.
    Witiko kam mit manchen Frsten und Herren zusammen, und gelangte auch vor
das Angesicht des Kaisers. Bertha wurde von der Kaiserin in dem Kranze der
Frauen, die um sie waren, geehrt.
    Witiko und Bertha kamen auf dem Reichstage zu ihren Sippen, und ihre Sippen
kamen zu ihnen.
    Der Ritter vom Krenberge und Heinrich von Oftering und andere kamen zu
Witiko, und saen in dem Gezelte bei dem Becher, und sagten und sangen von einer
noch grern Vergangenheit, wie die Helden unverzagt in dem brennenden Saale
gekmpft hatten
    Witiko ging auch wieder zu ihnen.
    Es kamen auch seine andern Freunde aus Bhmen und Mhren, aus dem Lande
sterreich und aus andern deutschen Lndern zu ihm, und er kam zu ihnen.
    Witiko sah auf diesem Reichstage auch Sifrid von Milnet der ein Reiterfhrer
geworden war. Er hatte den goldenen Grtel und die Reigerfeder.
    Als der Reichstag geschlossen worden war, zogen Hohe und Niedere erfreuten
Herzens ber das, was sie erlebt hatten, von dannen. Weithin wurde von den
auerordentlichen Festen in Mainz erzhlt, und es entstanden Lieder darber, die
in Deutschland gesungen wurden.
    Witiko zog mit den Seinigen und Benno zuerst in die Burg Schauenberg, und
dann in seine Waldburg.
    Er hatte in spteren Jahren noch eine groe Freude, als sein Sohn Witiko auf
dem Fels der krummen Au, die nun zu Witikos Stamme gehrte, eine Burg zu bauen
begann.
