Jeremias Gottelf
Wie Uli der Knecht glücklich wird
Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute
Erstes Kapitel
Es erwacht ein Meister es spukt in einem Knechte
Es lag eine dunkle Nacht über der Erde noch dunkler war der Ort wo eine Stimme
gedämpft zu wiederholten Malen »Johannes« rief Es war ein kleines Stübchen in
einem großen Bauernhause aus dem großen Bette welches fast den ganzen
Hintergrund füllte kam die Stimme In demselben lag eine Bäurin samt ihrem
Manne und diesem rief die Frau »Johannes« bis er endlich anfing zu mugglen
und zuletzt zu fragen »Was willst was gibts« »Du wirst auf müssen und
füttern
Es hat schon halb fünf geschlagen und der Uli ist erst nach den zweien
heimgekommen und noch die Stiege herabgefallen als er ins Gaden wollte Es
dünkte mich du solltest erwachen so hat er einen Lärm verführt Er ist voll
gewesen und wird jetzt nicht auf mögen und es ist mir auch lieber er gehe so
gestürmt mit dem Licht nicht in den Stall« »Es ist ein Elend heutzutag mit den
Diensten« sagte der Bauer während er Licht machte und sich anzog »man kann
sie fast nicht bekommen kann ihnen nicht Lohn genug geben und zuletzt sollte
man alles selbst machen und zu keiner Sache nichts sagen Man ist nicht mehr
Meister im Hause und kann nicht eben genug trappen wenn man nicht Streit haben
und verbrüllet sein will« »Du kannst das aber nicht so gehen lassen« sagte die
Frau »das kommt zu oft wieder erst in der letzten Woche hat er zweimal
gehudelt hat ja Lohn eingezogen ehe es Fasnacht war Es ist mir nicht nur
wegen dir sondern auch wegen Uli Wenn man ihm nichts sagt so meint er er
habe das Recht dazu und tut immer wüster Und dann müssen wir uns doch ein
Gewissen daraus machen Meisterleut sind Meisterleut und man mag sagen was man
will auf die neue Mode was die Diensten neben der Arbeit machen gehe niemand
etwas an die Meisterleut sind doch Meister in ihrem Hause und was sie in ihrem
Hause dulden und was sie ihren Leuten nachlassen dafür sind sie Gott und den
Menschen verantwortlich Dann ist mir noch wegen den Kindern Du musst ihn ins
Stübli nehmen wenn sie zMorge gegessen haben und ihm ein Kapitel lesen«
Es herrscht nämlich in vielen Bauernhäusern und namentlich in solchen die
zum eigentlichen Bauernadel gehören das heißt in solchen wo der Besitztum
lange in der Familie sich fortgeerbt hat daher Familiensitte sich festgesetzt
Familienehre entstanden ist die sehr schöne Sitte durchaus keinen Zank keinen
heftigen Auftritt zu veranlassen der irgend der Nachbaren Aufmerksamkeit auf
sich ziehen könnte In stolzer Ruhe liegt das Haus mitten in den grünen Bäumen
in ruhigem gemessenem Anstande bewegen sich um und in demselben dessen
Bewohner und über die Bäume schallt höchstens das Wiehern der Pferde aber
nicht die Stimme der Menschen Es wird nicht viel und laut getadelt Mann und
Weib tun es gegen einander nie dass es Andere hören über Fehler von Dienstboten
schweigen sie oft oder machen gleichsam im Vorbeigehen eine Bemerkung lassen
bloß ein Wort eine Andeutung fallen dass es die Andern kaum merken Wenn etwas
Besonderes vorgefallen oder das Maß voll geworden ist so rufen sie den Sünder
ins Stübli und zwar so unvermerkt als möglich oder suchen ihn bei einsamer
Arbeit auf und lesen ihm unter vier Augen ein Kapitel wie man zu sagen pflegt
und dazu hat der Meister gewöhnlich sich recht vorbereitet Er liest dieses
Kapitel in vollkommener Ruhe recht väterlich verhehlt dem Sünder nichts auch
das Herbste nicht lässt ihm aber auch Gerechtigkeit widerfahren stellt ihm die
Folgen seines Tuns in Bezug auf sein zukünftig Schicksal vor Und wenn der
Meister fertig ist so ist er zufrieden und die Sache ist so weit abgetan dass
der Abkapitelte oder die Andern im Betragen des Meisters durchaus nichts spüren
weder Bitterkeit noch Heftigkeit noch etwas anderes Diese Kapitelten sind meist
von guter Wirkung wegen dem Väterlichen das darin vorherrscht wegen der Ruhe
mit welcher sie gehalten werden wegen der Schonung vor Andern Von der
Selbstbeherrschung und ruhigen Gemessenheit in solchen Häusern vermag man sich
kaum eine Vorstellung zu machen
Als der Meister im Stall fertig war kam Uli auch nach aber
stillschweigend sie sagten kein Wort zu einander Als die Stimme aus der
Küchetüre zum Essen rief ging der Meister alsobald zum Brunnentrog und wusch
die Hände aber Uli drehte noch lange ehe er kam Er wäre vielleicht gar nicht
gekommen wenn die Meisterfrau nicht eigenmündig ihm noch einmal gerufen hätte
Er schämte sich sein Gesicht zu zeigen das braun blau und blutig war Er
wusste nicht dass es besser ist sich vor einer Sache zu schämen ehe man sie
tut als hinterher über eine Sache wenn sie getan ist aber er sollte es
erfahren
Über Tisch fiel keine Bemerkung keine Frage welche ihn betroffen hätte
nicht einmal spöttische Gesichter durften die beiden Mägde machen denn der
Meister und die Meisterfrau machten ernsthafte Als aber abgegessen war die
Mägde die Schüsseln hinaustrugen und Uli der zuletzt fertig war die Ellbogen
ab dem Tisch hob und die Kappe wieder auf den Kopf setzte also gebetet hatte
und auch hinaus wollte sagte der Meister »Kumm los neuis« ging ins Stübli und
machte hinter ihnen zu Der Meister setzte sich oben zum Tischli Uli blieb an
der Türe stehen und machte ein Schafsgesicht das sich gleich leicht in ein
trotziges oder ein reumütiges verwandeln ließ
Uli war ein großer schöner Bursche noch nicht zwanzig Jahre alt von
kraftvollem Aussehen aber mit etwas auf seinem Gesichte das nicht auf große
Unschuld und Mäßigkeit schließen ließ das ihn im nächsten Jahre leicht zehn
Jahre älter konnte aussehen lassen
»Hör Uli« hob der Meister an »so kann das nicht länger gehen du tust mir
zu wüst dein Hudeln kommt mir zu oft wieder ich will meine Rosse und Kühe
Keinem anvertrauen der den Kopf voll Brönz oder Wein hat einen Solchen darf
ich nicht mit der Laterne in den Stall lassen und ganz besonders nicht wenn er
noch dazu tubaket wie du es sind mir schon zu viele Hauser so verleichtsinnigt
worden Ich weiß gar nicht was du auch sinnest und was du denkst wo das hinaus
soll« Er hatte noch nichts verleichtsinniget antwortete Uli er hätte seine
Arbeit immer noch gemacht es hätte ihm sie niemand zu machen gebraucht und was
er saufe zahle ihm niemand was er versaufe gehe niemand an er versaufe sein
Geld »Aber es ist mein Knecht« antwortete der Meister »der sein Geld
versauft und wenn du wüst tust so geht es über mich aus und die Leute sagen
das sei aber des Bodenbauren Knecht und sie wussten nicht was der auch sinne
dass er ihn so machen lasse und dass er so einen haben möge Du hast noch kein
Haus verleichtsinniget aber denk Uli wär es nicht an einem Mal zu viel und
hättest du noch eine ruhige Stunde wenn du denken müsstest du hättest mir mein
Haus verleichtsinniget und wenn wir und die Kinder noch darin bleiben müssten
Und was ists mit deiner Arbeit Es wär mir lieber du lägest den ganzen Tag im
Bett Du schläfst ja unter den Kühen beim Melken ein siehst hörst schmöckest
nichts und stopfest ums Haus herum wie wenn du sturm wärest an der Leber Es
ist ein Elend dir zuzusehen Da staunest du so gradeaus dass man wohl sieht
dass du an nichts als an deine Schleipfe sinnest mit denen du desumetrolet
bist« Er sei mit keinen Schleipfe desumetrolet sagte Uli solches nehme er
nicht an Und wenn er ihm nicht genug arbeiten könnte so wolle er gehen Aber
so sei es heutzutage man könne keinem Meister mehr genug arbeiten wenn man
schon immer mache es sei einer wüster als der andere Lohn wollten sie je
länger je weniger geben und das Essen werde alle Tage schlechter Am Ende werde
man noch Erdflöh Käfer und Heustöffel zusammenlesen müssen wenn man Fleisch
haben wolle und etwas Schmutziges ins Kraut »Hör Uli« sagte der Meister »so
wollen wir nicht mit einander reden du bist noch gstürmt ich hätte noch nichts
zu dir sagen sollen Aber du kannst mich dauern du wärest sonst ein braver
Bursch und könntest arbeiten Ich habe eine Zeitlang geglaubt es gebe etwas
Rechtes aus dir und habe mich gefreut Aber seitdem du das Hudeln angefangen
und das Nachtgeläuf bist du ganz ein Anderer geworden Es ist dir an nichts
mehr gelegen hast einen bösen Kopf und wenn man dir wie leicht etwas sagt
so hängst du einem das böse Maul an oder tublest eine ganze Woche lang Jawohl
gibst du dich mit Schleipfen ab und zähle darauf du wirst unglücklich Du musst
nicht glauben ich wisse nicht dass du zu Gnäggerlers Anne Lisi gehst ihm alles
anhängst Und das ist ja das wüstest Meitli zentum es geht bei ihm wie in einem
Taubenhaus es gibt sich mit je dem Halunk ab und da bist du ihm gerade der
Rechte für dich anzugeben wenns gefehlt hat kannst Kindbett halten für Andere
dein Leben lang der Gatter vor der Türe und dein Leben lang mitten in der teuren
Zeit sein wie so viel tausend Andere die es gerade machten wie du und jetzt im
Elend sind und in der teuren Zeit Denn für einen der nichts vermag der immer
zu wenig hat der entweder betteln oder Schulden machen oder hungern muss währet
ja die teure Zeit wie wohlfeil es übrigens sein mag von Jahr zu Jahr in alle
Ewigkeit Geh jetzt besinne dich und wenn du dich nicht ändern willst so
kannst du in Gottes Namen gehen ich begehre dich nicht mehr Gib mir in acht
Tagen den Bescheid«
Da hätte er sich bald ausbsinnt und brauche nicht acht Tage dazu brummte
Uli im Herausgehen aber der Meister tat als hörte er es nicht
Als der Meister auch hinauskam fragte ihn die Meisterfrau wie üblich »Was
hast du ihm gesagt und was hat er wieder gesagt« Er habe nichts mit ihm machen
können antwortete der Meister Uli sei noch ganz aufbegehrisch gewesen hätte
den Rausch noch nicht verschlafen gehabt es wäre besser gewesen wenn man erst
den folgenden Tag mit ihm geredet hätte oder am Abend wenn der natürliche
Katzenjammer ihn bereits mürbe gemacht hätte Nun habe er ihm Zeit gegeben sich
zu besinnen und wolle jetzt erwarten was herauskomme
Uli ging bitterbös hinaus als ob ihm das größte Unrecht geschehen Er schoss
das Werkzeug herum als ob alles drauf müsste an einem Tage und die Tiere
brüllte er an dass es dem Meister in alle Glieder kam allein er hielt ruhig an
sich sagte ein einziges Mal »Nume hübschli« Mit dem andern Gesinde verkehrte
Uli nicht machte ihm auch ein böses Gesicht Da der Meister nicht vor den
Andern ihm abkapitelt hatte so mochte er seine eigene Schande ihnen nicht
auskramen und weil er nicht mit ihnen gemeinsame Sache machte so hielt er
dafür dass sie auf des Meisters Seite seine Gegner seien nach dem tiefwahren
Spruch »Wer nicht für mich ist der ist wider mich« Es machte ihm also hier
niemand den Kopf groß und er hatte nicht Gelegenheit sich zu verreden dieser
und jener solle ihn nehmen wenn er eine Stunde länger hier bleibe als bis
seine Zeit aus sei
Nach und nach wichen die Wein und andern Geister aus ihm und immer
schlaffer wurden seine Glieder Die frühere Spannung machte einer unerträglichen
Mattigkeit Platz
Diese Mattigkeit blieb aber nicht nur im Leibe sondern sie ging auch in die
Seele über Und wie dem matten Leib alles was er tut schwer und peinlich ist
so nimmt die matte Seele auch alles schwer was sie getan hat und was ihr
bevorsteht Worüber sie früher gelacht darüber möchte sie jetzt weinen und was
ihr früher Lust und Freude gemacht das macht ihr jetzt Gram und Kummer und in
was sie früher mit beiden Beinen gesprungen über das möchte sie sich die Haare
vom Kopfe reißen ja den ganzen Kopf ab dem Leibe Wenn diese Stimmung über der
Seele schwebt so ist sie unwiderstehlich und über alles was dem Menschen in
Gedanken kommt und was ihm sonst vorkömmt wirft sie ihren trüben Schein
Während Uli solang der Wein in ihm war über den Meister sich geärgert
hatte kam ihm nun als der Wein aus ihm war der Ärger über sich selber Er
ärgerte sich nicht mehr über den Meister der ihm das Hudeln vorgehalten
sondern über sich dass er gehudelt Es kamen ihm die dreiundzwanzig Batzen in
Sinn die er an einem Abend durchgebracht an denen er nun fast vierzehn Tage
arbeiten musste ehe er sie wieder hatte Er ärgerte sich über die Arbeit die er
deshalb tun musste über den Wein den er getrunken den Wirt der ihn gebracht
usw Er dachte an das was ihm der Meister von Gnäggerlers Anne Lisi gesagt es
ergriff ihn immer mehr eine Angst die ihm den Schweiß auf die Stirne trieb
Jetzt kam ihm manches an diesem Meitschi verdächtig vor und musste er es wohl
heiraten Er musste ohne Unterlass daran sinnen sich das Für und Wider denken
und wenn er es im Schweiße seines Angesichtes dahin gebracht hatte sich zu
überreden dass alles nichts sei keine Gefahr vorhanden oder wenn er sich ein
untrüglich Mittel ausgedacht hatte wie er sich bei vorhandener Gefahr und wenn
Anne Lisi ihn ansuche herausleugnen wolle und er sah auf tausend Schritte ein
Weibervolk gegen das Haus kommen so fielen alle seine Pläne und Tröstungen
zusammen wie ein Haufen Stroh in den das Feuer kommt die Beine schlotterten
ihm vor Angst und er floh in den Stall oder auf die Bühne Er sah hinter jedem
Fürtuch Anne Lisi und wenn jemand an die Haustüre klopfte so fuhr er zusammen
wie Aspenlaub und meinte Anne Lisi stehe draußen und wolle ihn herausrufen
lassen Und wie sollte er heiraten Er hatte ja kein Geld war Schneider und
Krämer noch die letzte Bekleidung schuldig hatte nur drei gute Hemder und vier
böse Und wer sollte ihm das Einzuggeld leihen wer ihm die Hochzeitkleidung
bezahlen und wie sollte er Weib und Kind durchbringen und die Schulden
bezahlen da er sich jetzt alleine nicht helfen konnte Ob diesen Gedanken
verlor er allen Sinn vergaß alles machte alles verehrt Er war unbehaglich
unzufrieden mit sich selber daher auch unzufrieden mit allen Menschen der
ganzen Welt er gab niemand ein gutes Wort und nichts war ihm recht Es dünkte
ihn die Meisterfrau koche express schlecht und alles was er nicht gerne habe
der Meister plage ihn mit unnötiger Arbeit die Pferde seien alle koldrig und
die Kühe täten ihm express alles zuleid was sie konnten seien die dümmsten
Kühe die auf Gottes Erdboden Gras frässen
Hätte er Geld gehabt oder nicht die Begegnung von Gnägerlers Anne Lisi
befürchtet er wäre aus Trotz und Angst dem Wein nachgelaufen um Groll Gram
Missmut in ihm zu ertränken Nun musste er zu Hause bleiben zeigte sich so wenig
als möglich vor den Leuten und fuhr alle Augenblicke in den Stall wenn er ein
Weibsbild von weitem sah Wem es vielleicht auffallen mag dass Uli solche Angst
vor Anne Lisi hatte dass seine Liebe zu demselben so schnell vergangen schien
dem muss ich bemerken dass Uli gar keine Liebe hatte Er gehörte unter die
vielen vielen Bursche welche aus Grosstuerei die leidige Sitte des Kiltganges
treiben so früh möglich welche dabei ohne Gewissensbisse ich mochte fast sagen
ganz gedankenlos alles treiben was Lust und Gelegenheit ihnen darbieten
welche ohne Ahnung von Gefahr flattern um das Licht wie die Fliegen und auf
eine wenn man dieser Leute Gedankenlosigkeit nicht kennte fast unglaubliche
Art aufschrecken wenn die notwendigen natürlichen Folgen eintreten wenn ein
Mädchen sie der Vaterschaft beklagt aufschrecken wie Menschen die man mit
verbundenen Augen an einen Abgrund geführt ihnen die Binde erst abnimmt wenn
man sie hineinstösst Bei ihnen wird nie Liebe sichtbar sobald ein Mädchen sie
anklagt sie fliehen die Mädchen mit welchen sie früher so zärtlich getan sie
so oft zu Gast gehalten nicht nur sie hassen sie recht eigentlich Und dies
wollen die Mädchen trotz tausendfältiger Erfahrung nie begreifen die Mädchen
welche mit ihrer lästerlichen Willfährigkeit ja Zutäppigkeit sich Huld und
Liebe zu erwerben und zu erhalten meinen
Der Bauer und seine Frau ließ den Burschen machen es war als ob sie sich
nicht um ihn kümmerten Es war aber nicht so Die Frau hatte ein paar Male zum
Manne gesagt Uli tue doch so wüst sie hätte ihn noch nie so gesehen ob er ihm
wohl nicht zu scharf zugesprochen Der Mann wollte das nicht glauben Uli sei ja
nicht über ihn allein böse sondern über die ganze Welt sagte er Er glaube er
sei eigentlich am meisten böse über sich selbst und lasse es nun an Andern aus
Am Sonntag wolle er mit ihm noch einmal reden so könne es nicht mehr gehen das
müsse nun einmal halten oder brechen Er solle es aber doch nicht zu grob
machen sagte die Frau Daneben sei Uli nicht der Schlimmste man wisse was man
an ihm habe aber nie was man bekomme
Zweites Kapitel
Ein heiterer Sonntag in einem schönen Bauernhause
Der Sonntag kam am Himmel herauf hell klar wunder schön Die dunkelgrünen
Gräslein hatten mit demantenen Kränzlein ihre Stirnen geschmückt und funkelten
und dufteten als süße Bräutlein in Gottes unermesslichem Tempel Tausend Finken
tausend Amseln tausend Lerchen sangen die Hochzeitlieder weissbärtig ernst und
feierlich aber mit den Rosen der Jugend auf den gefurchten Wangen sahen die
alten Berge als Zeugen auf die holden Bräutlein nieder und als Priesterin
Gottes erhob sich hoch über alle die goldene Sonne und spendete in funkelnden
Strahlen ihren Hochzeitsegen
Der tausendstimmige Gesang und des Landes Herrlichkeit hatten den Bauer früh
geweckt und er wandelte andächtigen Gemütes dem Segen nach den ihm Gott
beschert hatte Er durchging mit hochgehobenen Beinen und langen Schritten das
mächtige Gras stund am üppigen Kornacker still an den wohlgeordneten
Pflanzplätzen dem sanft sich wiegenden Flachse betrachtete die schwellenden
Kirschen die von kleiner Frucht starrenden Bäume mit Kernobst band hier etwas
auf und las dort etwas Schädliches ab und freute sich bei allem nicht nur des
Preises den es einsten gelten nicht nur des Gewinnes den er machen werde
sondern des Herren dessen Güte die Erde voll dessen Herrlichkeit und Weisheit
neu sei jeden Morgen Und er gedachte wie alles Kraut und jedes Tier jetzt den
Schöpfer preise so sollte es auch der Mensch tun und mit dem Munde nicht nur
sondern mit seinem ganzen Wesen wie der Baum in seiner Pracht wie der
Kornacker in seiner Fülle so der Mensch in seinem Tun und Las sen »Gott Lob
und Dank« dachte er »ich und mein Weib und meine Kinder wir wollen dem Herren
dienen und er braucht sich unser nicht zu schämen Wir sind wohl auch arme
Sünder und haben nur einen geringen Anfang der Gottseligkeit aber wir haben
doch ein Herz zu ihm und vergessen ihn nie einen ganzen Tag lang und essen
nichts trinken nichts dass wir ihm nicht danken und nicht nur mit Worten
sondern von Herzensgrund«
Aber wenn er des Uli gedachte und wie der liebe Gott ihn so fürstlich
ausgestattet mit Gesundheit und Kraft und wie Uli seines Schöpfers so ganz
vergesse so schnöde seine Gaben missbrauche so wurde er ganz wehmütig und stund
oft und lange still sinnend was er ihm wohl sagen solle dass er wie der werde
ein Preis seines Schöpfers Es war ihm an seiner eigenen Seele viel gelegen
darum an den Seelen Anderer auch und wie er teilnahm wenn ein Knecht oder eine
Magd am Leibe krank war so schmerzte es ihn auch wenn er ihre Seelen in Gefahr
sah und wie er für kranke Diensten den Doktor kommen ließ so suchte er auch
ihre kranken Seelen zu doktern So was ist nicht immer der Fall Den meisten
Menschen ist an den eigenen Seelen nichts gelegen darum auch an den Seelen der
Andern nicht Das ist ein Grundübel dieser Zeit
So verweilete sich der Bauer unvermerkt und die Mutter hatte schon lange
gesagt sie wollte zum Essen rufen wenn der Ätti da wäre Als er zur Küchetüre
ein kam mit der freundlichen Frage ob sie gekochet hätten und als ihm die
freundliche Antwort wurde man hätte schon lange essen können wenn er dagewesen
wäre mit wem er sich wohl wieder verdampet hätte und als er ernstaft sagte
»Mit dem lieben Gott« so kam seiner Frau fast das Augenwasser und sie sah ihn
gar sinnig an während sie den Kaffee einschenkte und die Mägde die Knechte
riefen und das Essen auf den Tisch stellten
Aus tiefem Schweigen heraus frug der Bauer »Wer geht zKilche« Die Frau
sagte sie habe es im Sinne und deswegen schon züpfet damit sie zu rechter Zeit
hinkommen möge und in ihre Stimme fielen mehrere Kinderstimmen »Mutter ich
will mit« Zwei Knechte aber und zwei Mägde blieben stumm Auf die Frage ob
denn Keines gehen wolle fehlte es dem Einen an den Schuhen dem Andern an den
Strümpfen In Keinem war der Trieb zu gehen aber Ausreden dagegen in Menge Da
sagte der Bauer So könne das nicht mehr gehen das komme ihm doch streng vor
dass sie zu jedem Geläuf Zeit hätten aber nie zum Kilchengehen Am Morgen sei
Keins vom Hause wegzubringen und am Nachmittag sei es wie wenn man sie mit
Kanonen davon wegschösse und bis am späten Abend sei Keins mehr zu sehen Das
sei ihm eine schlechte Sache wenn man nur Sinn hatte für alles Narrenwerk aber
keinen für seine arme Seele Und er wolle ihnen gerade heraus sagen dass kein
Meister einem Dienst trauen könne der Gott aus dem Sinn geschlagen habe und
Gott untreu geworden sei Wenn ein Mensch Gott untreu sei ob man dann erwarten
könne dass er Menschen treu sein werde So wolle er es aber nicht und heute
hätten sie gar keinen Grund daheim zu bleiben nur um ums Haus herumzustopfen
Zudem habe er Sachen zu verrichten Er müsste vierzig Pfund Salz haben das
könnten die beiden Mägde holen und einander ablösen Hans Joggi der andere
Knecht solle in die Mühle und fragen wann man Spreuer haben könne er wollte
lieber nicht allemal auf Bern fahren und der Müller gäbe seine eigenen Spreuer
ihm selber und nicht andern Leuten
»Aber Vater« sagte die Mutter »wer kochet dann zMittag wenn du alles
fortjagst« »He« sagte »der Vater ds Annebäbeli sein zwölfjähriges Mädchen
kann dazu sehen es muss sich auch gewöhnen dass man ihm etwas überlässt und hat
noch Freude daran Uli muss mit mir daheim bleiben ich weiß nicht was es mit
dem Kleb geben kann er fängt an einzufallen und hat vorhin so trätschet ein
Kalb ist manchmal ungesinnet da und dann geht es bös wenn niemand dabei ist«
Zu den Worten schaute er die Mutter gar ernstaft an Da fiel dieser ein dass
der Vater mit Uli allein sein wolle um mit ihm zu reden und dass er deswegen
alles fortschicke damit die gwundrigen Jungfern nicht ihre spitzigen Ohren an
Orten hätten wo sie nicht sollten Und sie musterte also bald die beiden Mägde
die gar langsam herumdrehten und es sichtbar an den Tag legten wie zuwider es
ihnen sei in die Kirche zu gehen und sich jetzt schon zu waschen und zu
strählen aus Furcht nachmittags sehe man ihnen beides nur noch halb an und die
schön glatt und rot geriebene Haut sei wieder gelb und schlumpelig geworden Und
zweimal eigentliche Toilette zu machen ist bei Bauernmägden doch noch nicht
Brauch Gottlob sie sehen höchstens im Spiegel nach so oft es sich schickt
wie das Ding noch hält und ob das Trädeli vorn an der Stirne noch schön kruslet
sei Dem Knecht war es auch nicht recht Er hatte noch nicht bartet sagte er
und sein Messer haue nichts er hätte gedacht diesen Sonntag überzuspringen und
es dann während der Woche schleifen zu lassen Allein der Meister sagte er
könne diesmal seine Rustig nehmen und hier in der Stube barten er selbst könne
es nachher machen Diese Befehle waren unwiderruflich aber ihnen zu folgen
ging hart Die Mutter musste zehnmal mahnen Bald wusste eine den Waschlumpen
nicht die Andere hatte einen ihrer Sonntagstrümpfe vernistet und als sie den
endlich fand zwischen dem Strohsack und der Bettstatt sah sie zu ihrem
Schrecken dass sie ihren bessern Lumpen nicht hätte und der war nirgends zu
finden Sie hätte fast Mut gehabt dem Bauer zu trotzen und nicht zur Kirche zu
gehen allein die Andere mit der sie zufällig heute einig war warnte sie und
versprach ihr den ihren ihr zu leihen wenn etwa Not an Mann kommen sollte da
man in der Kirche nicht wohl weder in die Finger noch in das Fürtuch die Nase
stecken dürfe
Die Bäurin war schon lange fertig hatte ihrem Johannes »Bhüet dih Gott«
gesagt und »Machs nit zruch« dem Annebäbeli anbefohlen nicht zu viel Holz
anzulegen das Fleisch sei von einer jungen Kuh und der Pfarrer mache zuweilen
wohl lang besonders wenn zu taufen sei und stund mit zweien Kindern von denen
das eine ein Bube das Psalmenbuch trug vor dem Hause und immer waren die
Mägde noch nicht da der einen wollte sich das Mänteli nicht recht schicken und
die andere ribsete noch an einem Schuh der halt nicht glänzender werden wollte
als es seine Art war »Meieli« sagte die Bäurin »geh und sage ihnen ich gehe
voran und sie sollten nachkommen und machen dass sie in der Kirche seien ehe
es verläutet habe und nicht so hintendrein in die Kirche schießen wie aus einer
Büchse« Und sie wandelte stattlich voraus den hübschen Buben an der einen
Hand das hübsche Mädchen an der andern in des Buben Kappe ein Pfingstnägeli
um dessen Hals ein rotseidenes Halstuch das Mädchen unter einem schönen
Schaubhütli ein schönes Meieli im Korset während in der Mutter stattlichem
Brustlatz ein schöner Rosmarinstengel sich wiegte und in ihrem Gesichte wohl
erlaubte Mutterfreude
Eine Viertelstunde nachher schossen den gleichen Weg zwei Mädchen mit
Gesichtern wie angelaufene Krebse Plötzlich stand das größere still und fragte
»Hast du das Salzsäckli« »Nein« sagte das andere »ich habe gedacht du
hättest es« »Das verfluchte Salzsäckli« sagte das erste »ich wollte der
Meister müsste es unküchelt fresse Du musst gehen und es holen Aber lauf was du
magst sonst balget die Meisterfrau wenn wir so hintendrein kommen« Es ging
hier auch wie allenthalben in der Welt die Meisterjungfere hatte es vergessen
die untergebene Magd musste die Mühe haben es zu holen und das ist eben in der
ganzen Welt so wenn der Obere etwas Dummes macht so soll der Untergebene daran
schuld sein oder es wieder gut machen
Unterdessen war der Meister mit Barten fertig geworden hatte im Stall sich
umgesehen stund im Schopf eine Pfeife stopfend und Sinns auf das Bänkli vor
dem Stalle sich zu setzen und hier dem Uli der noch im Stall war ans Herz zu
greifen Während er so dastund und stopfte und über das Kapitel sann sah er ein
Wägeli von der Straße ablenken ein stattlich Ross davor mit schön beschlagenem
Geschirr Leute darauf große und kleine Bald erkannte er seine Schwester die
mit seinem Schwager kam und drei Kindern eines noch an der Brust Mit
herzlichem Gottwillche trat er ihnen entgegen konnte sich aber nicht enthalten
zu denken es sei doch ds Tütschels Sach dass seine Frau heute hätte zKilche
gehen müssen Nachdem mit Mühe das Weib den schweren Weg vom hohen Wägeli auf
den Boden gefunden die Kinder ebenfalls wurde gefragt Wo er seine Alte habe
Es sei alles zKilche sagte er aber sie sollten nur hineinkommen sie werde
bald wieder da sein Er führte sie zum Hause doch brachte es der Schwager nicht
übers Herz dem Uli der das Ross abgenommen hatte nicht in den Stall
nachzugehen zu sehen wo er das Ross hinstelle wie er es abschirre und anbinde
und zu hören wie Uli es rühme Das Letztere tat Uli auch Es war ihm offenbar
ein Stein vom Herzen gefallen denn er hatte des Meisters Absicht wohl gemerket
und dass diese jetzt vereitelt war machte ihn freundlicher als er die ganze
Woche gewesen Drinnen hatte der Bauer seinem Meitschi befohlen ein Kaffee zu
machen Er selbst ging in den Keller nahm Nidle ab hieb Käse ab und brachte
alles nebst einem tüchtigen Laib Brot herauf und stellte es dem Mädchen zur
Verfügung das sich gar emsig rührte und für ein ganzes Königreich diese
Gelegenheit der Mutter und der Gotte zu zeigen was es schon verrichten könne
nicht gegeben hätte Bald war in der Tat die Sache zweg und die Gotte
ermangelte nicht das Annebäbeli zu rühmen wie gleitig es sei und wie guten
Kaffee es gemacht habe Einmal ihr Lisabetli wäre das nicht imstande gewesen
und sei doch siebenundzwanzig Wochen älter
»Trini« sagte später der Bauer seiner Schwester »dPredig ist aber lange
nicht aus und du tätest mir ein Gefallen wenn du kücheln wolltest Meine Alte
wird froh sein wenn sie heimkömmt und das gemacht ist Es ist Anken im Keller
ich will ihn dir hinaufholen« »Nein Johannes das tue ich nicht« sagte Trini
»Das manglet sich gar nicht zküechle und dann küchle ich nicht in einer
fremden Pfanne und mit fremdem Anken Ich hätte es auch nicht gern wenn mir
jemand über meine Ankenkübel ginge« »Du machst dich eigelicher als unsere Frau
Pfarreri« sagte Johannes »Warum was hat denn die gemacht« fragte Trini »Ds
Pfarrers sind letzthin hier gewesen und da war meine Alte auch nicht daheim
Sie geht manchmal so lange nicht von Haus aber allemal wenn sie fort ist
dünkt mich es komme jemand Da habe ich ds Pfarrers gesagt es sei mir gar
leid meine Alte sei nicht daheim sonst hätte die ihnen eins küchlen müssen
Ich wisse wohl Küchleni seien den Herrenleuten seltsam Oh sie wolle schon
küchlen sagte ds Pfarrers Frau ich solle ihr nur Anken geben das Mehl wolle
sie schon finden Und ist sie nicht gegangen und hat geküchelt dass man es im
ganzen Dorf gschmöckt hat und hat noch geglaubt was sie verrichte Wohl da
hat meine Alte etwas gesagt als sie heimgekommen ist So uverschant meinte
sie sei sie doch nie gewesen wenn sie schon nie im Welschland gewesen und
Gumpernantlis gelernt habe« Während Trini lachte ging der Bauer hinaus und
sagte Annebäbeli Es müsse noch mehr Fleisch in den Hafen und ein stattliches
Hammeli und dann solle es der Mutter alles zwegmachen zum Küchlen Annebäbeli
wäre im Zuge gewesen und hätte gerne selbst geküchelt um zu zeigen dass es das
auch könne Wer weiß was Annebäbeli noch unterfangen hätte wenn nicht
glücklicherweise die Mutter dazwischengekommen wäre Sie kam im Schweiß ihres
Angesichts Sie hatte von weitem das Wägeli vor dem Hause stehen sehen und
alsobald stund vor ihren Augen alles was sie noch zu tun hatte um am
Mittagessen mit Ehren bestehen zu können Das trieb zur Eile und unterwegs
dachte sie immer wenn sie nur daran gedacht haben noch mehr Fleisch überzutun
wenn ich jetzt schon wollte so wird es nicht mehr lind aber das kommt meinem
Mann nicht in Sinn und Annebäbeli ist einmal noch zjungs Und ehe sie in die
Stube kam sah sie noch über die Häfen und als sie das hinzugekommene Fleisch
und die Hamme sah war sie ganz verwundert und sagte Das hätte sie nicht
geglaubt dass das eim zSinn käme Als drinnen schön gegrüßt worden war sagte
Trini »Was hättest du gesagt Eisi wenn ich es gemacht hätte wie eure Frau
Pfarrerin und dir über die Ankenkübel geraten wäre Der Johannes hat mich wollen
dahinterreisen« »Ja das wär mir ganz recht gewesen« sagte Eisi »wärest du
nur dahintergegangen« Aber im Herzen dachte Eisi doch es sei besser Trini
habe das nicht gemacht es hätte saure Augen gegeben und der Johannes sei hie
und da noch immer so dumm wie wo es ihn bekommen Ds Mannevolk sei gar nicht zu
erbrichten
Mit Schwitzen und Essen und Brummen über die Mägde welche mit ihrem
Salzsäcklein gar nicht heimkommen wollten ging der Mittag vorüber der
Nachmittag wurde mit anderem zugebracht Die Kinder handelten mit Küngelenen
Des Johannes Bube verkaufte dem andern eine aschgraue Mähre um drei Batzen Als
derselbe ein schönes ledernes Säckeli hervorzog und die drei Batzen
hervorblechen wollte mit fröhlichem Herzen denn er hatte einen ganzen Batzen
abgemärtet und glaubte einen sehr guten Kauf gemacht zu haben sah es Eisi und
fuhr dazwischen und wollte es absolut nicht tun dass er die aschgraue Mähre
bezahle Sie hätten ja deren Küngeli mehr als genug sie hätten des Jahres
Junge es wisse kein Mensch wie oft und er solle ihm nicht ds Hergetts sein und
einen Kreuzer abnehmen das hätte ja keine Gattig Das Bübli das aufrecht und
ehrlich gehandelt hatte und von Küngeliverehren nichts wusste denn es hatte den
Vater auch nie Kühe und Pferde verehren sehen sondern verkaufen machte ein
sehr verblüfftes Gesicht und das Weinen war ihm nahe Trini nahm des Buben
Partie wollte es lange nicht tun und sagte Gehandelt sei gehandelt und es
wäre uverschant wenn sein Bub das Küngeli umsonst nähmte Als aber Eisi
standhaft blieb ging es doch nicht über seine Kasse aus gab endlich Trini
nach unter dem Beding wenn sie ihm versprechen wollten bald zu ihnen zu
kommen so könne ihr Bub die aschgraue Mähre nehmen er müsse aber dann dem
Johannesli einen hasengrauen Bock geben ein Fotzelküngeli sie hätten deren
Böcke zwei die plagten einander nur Als das Johannesli hörte vergaß er das
Weinen und der hasengraue Fotzelbock kam ihm so lange im Traum vor bis er ihn
wirklich in Händen hatte
Auf dem Wege aus dem Garten nach den Pflanzplätzen waren Trini und Eisi
zufällig zu diesem Handel gekommen Eisi machte diesen Spaziergang diesmal nicht
ganz so freudig wie sonst Die Erdflöhe waren hinter dem Flachs gewesen und das
Werch war etwas ungleich Trini rühmte aber alles gar sehr während Eisi es
ausmachte Trini dachte freilich bei sich während es rühmte zur Zeit wo es
daheim gewesen wäre hätten sie viel schönere Sachen gehabt als jetzt und
Kabislöcher wie es sie daheim habe seien hier auch keine Als es den Flachs
sah dachte es bei sich Gottlob der ist noch viel schlechter als der meine
Indessen sagte es dieses nicht sondern Es sei gar schade dass die Erdflöhe so
viel geschändet hätten es wäre sonst der schönste Flachs den es in diesem
Jahre noch gesehen der seine sei viel leider Aber Eisi sagte das würde kaum
möglich sein Gar schöne Rübli bewegten Trini etwas zum Neid und es rühmte
dieselben besonders und sagte Bei ihnen herum hätte es nie solche gesehen und
wenn es von dieser Art Samen bekommen könnte so wollte es dafür zahlen so viel
man wollte aber es wüsste nirgends welchen zu bekommen Eisi musste sagen es
wolle ihm schon geben der nichts kosten solle Trini sagte es wolle gerne
zahlen aber Eisi sagte Was es doch denke Bei sich dachte es es werde es
niemand merken wenn es schon andern Samen dareinmische Endlich ließ sich Trini
bewegen vom Bezahlen abzustehen dagegen versprach es es wolle wenn sie zu
ihnen kämen Eisi Bohnen geben wie es sicher auch noch nie gehabt Die Kifel
würden über einen halben Schuh lang seien breit wie ein Daumen und doch so
zart dass sie einem im Maul ganz vergingen wie Zucker Eisi dankte gar schön
dachte aber bei sich da werde wohl etwas abzumärten sein es könnte nicht
begreifen wie Trini zu Bohnen käme von denen es noch nichts gehört
Unterdessen war Johannes mit dem Schwager im Stall gewesen und hatte ihm
alle Herrlichkeit gezeigt Es war mehr als ein Pferd herausgenommen worden und
Johannes hatte gesagt er hätte so und so viel lösen können aber er gebe es
nicht es müsse ihm wenigstens zwei Dublone mehr gelten Dann war der Schwager
ringsum gegangen hatte es billig gerühmt sich aber nicht enthalten können so
mit einigen Winken zu verstehen zu geben dass er auch Augen im Kopfe habe Etwas
mehr Kuttlen würden ihm nichts schaden sagte er wenn das Zeichen etwas kleiner
wäre so würde es ihm wohl anstehen und wenn es die Ohren etwas näher
beieinander hätte so glaube er er würde lösen was er wollte Von da waren sie
zu den Kühen gekommen Johannes erzählte wie lange jede trage und wie viel
Milch jede gebe und was die und jene ihn gekostet und wie bsunderbar glücklich
mit dieser und jener er gewesen Unterdessen waren des Schwagers Blicke durch
einen jungen schönen Schwarzkleb gefesselt worden Von diesem zog er wie im
Vergess die genaueste Erkundigung ein und frug endlich um den Preis desselben
Johannes sagte der sei ihm eigentlich gar nicht feil und wenn er ihm nicht so
und so viel gelte so gebe er ihn nicht fort Der Schwager sagte das sei viel
zu viel Es sei wohl ein braves Rind aber er hätte noch viel brävere gesehen
es sei wohl schwer im Kopf und habe kein schönes viereckiges Uter aber es
kalbere ihm gar anständig Es gingen ihm zur selben Zeit gerade zwei Kühe gust
und da müsse er etwas Frisches einstellen das Milch gebe sonst gäbte es Lärm
im Hause Sie märteten lange miteinander märteten bis an einen Neuentaler
Unterschied aber da wollte Keiner mehr nachgeben und der Handel zerschlug sich
Hingegen bestellte der Schwager das Kalb davon wenn es ein Kuhkalb sein sollte
und Johannes versprach das sollte er nicht zu teuer haben sondern ungefähr so
wie es Kauf und Lauf sei
So war der Nachmittag vergangen und Trini suchte den Mann um ihn an die
Abreise zu mahnen Man redete ein wie früh es sei und sie sollten noch in die
Stube kommen Als Eisi immer nötlicher pressierte verstund man sich dazu
Drinnen stund wieder die stattliche Kaffeekanne eine mächtige Ankenballe
Küchli schön weißes Brot Honigwaben Kirschmus Käse Hamme und süßer Zieger
Trini schlug fast die Hände über dem Kopf zusammen und fragte Was Eisi doch
auch sinne sie hätten ja erst zu Mittag gegessen es düechs es möchte es noch
mit dem Finger erlängen und könnte es machen bis morndrist zAbe Wenn sie zu
ihnen kämten so könnte es ihnen einmal nicht so aufwarten es wüsste nicht wo
es dasselbe nehmen sollte Aber Eisi sagte es wolle ihns nur ausführen denn
das Aufwarten hätte es bei ihm gelernt wenn man bei ihnen wäre so käme man ja
den ganzen Tag nicht vom Essen weg Nachdem sich in der Tat noch hie und da ein
Plätzchen für ein Küchli oder eine Ankenschnitte gefunden nachdem die
Kaffeekanne der Weinflasche Platz gemacht auch dieser trotz vielem Weigern
zugesprochen und noch Gesundheit gemacht worden war bestieg man das schon lange
bereitstehende Wägeli Trini musste dreimal ansetzen und Johannes den Sitz auf
der andern Seite halten ehe es oben war dann wurden die Kinder aufgepackt aus
deren Säcken noch Stücke Brot sahen und endlich stieg der Schwager nach Wohin
der eigentlich sollte begriff niemand bis er mitten in die Andern
hineinplumpte Es war fast als ob ein Kindlifresser da hinaufgefahren denn
hinter seiner breiten Gestalt verschwanden die Kindlein nur hie und da
streckten sich Ärmchen hervor die fast aussahen als ob sie direkt aus seinem
Bauche kämen
Es gab viel Wegräumens und später wurde zu Nacht gegessen als sonst der
Brauch war Während demselben sagte Johannes »Mutter du musst uns die Laterne
rüsten Uli und ich müssen diese Nacht dem Kleb wachen es gibt ein Kalb ehe es
Morgen ist« Uli sagte ds Michels Hans hätte ihm versprochen diese Nacht
wachen zu helfen und wenn es bös gehen sollte so sei es immer noch früh genug
den Meister zu wecken Der Meister aber sagte er solle dem Hans nur absagen er
hätte nicht gerne wenn man fremde Knechte unnötigerweise und ungefragt brauche
Michel habe morgen Hans nötig und man erfahre es alle Tage was ein Knecht der
nicht geschlafen habe wert sei Uli meinte so könnte ja sein Nebenknecht
wachen helfen Diesmal sei er lieber von Anfang an selbst dabei sagte der
Meister Es sei das letztemal bös gegangen er möchte diesmal davor sein Uli
musste den Meister haben
Drittes Kapitel
Eine Kinderlehre während der Nacht
Nachdem sie draußen im Stalle die Laterne aufgehängt hatten den Pferden über
Nacht gegeben streute der Meister selbst dem Kleb noch der unruhig hinund
hertrappete und in seiner Unruhe nicht liegen konnte und sagte Es gehe wohl
noch eine Stunde oder zwei sie wollten hinaus auf das Bänkli sitzen und noch
ein Pfeifchen rauchen der Kleb werde sich schon künden wenn es Zeit sei
Es war eine lauwarme Nacht halb dem Frühling halb dem Sommer angehörend
Wenige Sterne glitzerten im blauen Himmelsmeer ein helles Jauchzen ein fernes
Fahren unter brach zuweilen die stille Nacht
»Hast du dich nun ausbesonnen Uli« fragte der Meister als sie auf dem
Bänklein vor dem Stalle saßen Es sei ihm noch so nebeneinander sagte Uli doch
nicht in einem bösen Ton Alles annehmen das wolle er nicht aber zuletzt sei
es ihm graglich zu bleiben Er hatte halt auch schon den allgemein angenommenen
Grundsatz dass man es nie zeigen dürfe wenn einem an etwas gelegen sei indem
sonst der Gegner Vorteil daraus ziehe Daher die merkwürdige Ruhe und
Kaltblütigkeit die Diplomaten an Bauern bewundern müssten Es ist aber in seiner
Ausdehnung und Anwendung ein heilloser Grundsatz der unsäglich viel Böses
stiftet unzählige Menschen auseinanderbringt sie gegenseitig als Feinde
gegenüberstellt und wiederum Kaltblütigkeit da erzeuget wo heiliger Eifer
brennen sollte und aus der Kaltblütigkeit eine Gleichgültigkeit macht welche
jedem Freund des Guten unwillkürlich Gänsehaut den ganzen Rücken aufschnadern
lässt Glücklicherweise war der Meister auch kaltblütig und nahm die Sache nicht
so übel sondern sagte ihm seis auch gerade so Er hätte nichts wider Uli aber
so dabeisein wolle er auch nicht Es nähmte ihn wunder wer gefehlt hätte und ob
er in seinem Hause nichts mehr sagen dürfe wenn er nicht eine ganze Woche kein
gutes Wort hören und ein Gesicht sehen wolle mit dem man ganz Amerika vergiften
könnte Er könne nicht helfen sagte Uli Sauersehn sei seine Freundlichkeit
und wenn er ein apartig Gesicht gemacht habe so sei es nicht seinetwegen
gewesen er hätte apartig über ihn nicht zu klagen und über niemand sonst Aber
er sei halt auch ein armes Knechtlein und sollte nirgends sein und keine Freude
haben er sollte nur auf der Welt sein um bös zu haben und wenn er einmal sein
Elend vergessen wolle und sich lustig machen so käme alles auf ihn los und
suche ihn unteren zu drücken Wer ihn ins Unglück sprengen könne der tue es Da
könne man nicht immer süß dareinsehen
Er sollte doch sehen dass er ihn nicht begehre ins Unglück zu sprengen ds
Gunteräri sagte der Meister Wenn ihn jemand ins Unglück sprenge so sei er es
selbst Wenn ein Bursche sich mit schlechten Mädchen abgebe so sei er sein
eigener Unglücksstifter und niemand anders Er wisse wohl es tröste sich jeder
damit es treffe ihn nicht sondern einen Andern aber einen treffe es immer
und wenn einer auch siebenmal entronnen sei und ein Anderer statt seiner im
Lätsch geblieben so gebe es ihn zum achten Male er solle nur darauf zählen
Aber solang er nicht darin sei lache er alle aus und sage allen wüst die ihn
davor warnen und wenn er einmal darin sei so sollen alle daran schuld sein
und er sage wiederum allen wüst dass sie ihm nicht davor gewesen seien »Aber
gell Uli« sagte der Meister »es ist dir diese Woche schon angst genug
gewesen es hätte dich im Lätsch Ich habe wohl gesehen wie du vor jedem
Weibervolk geflohen bist und hinter allen Zäunen Anne Lisi gesehen hast Und
deine Angst hast du dann uns und unser Vieh entgelten lassen nach Art so vieler
Diensten die allen Zorn und alles Ungerade das ihnen über den Weg läuft an
den Meisterleuten oder an ihren Sachen an Kühen oder Kacheln auslassen Deine
Angst war in dieser Woche dein Böshaben und an der war niemand schuld als du
Du hättest es ohne die Angst so gut haben können als wir selbst Nein Uli du
musst von deinem Lumpenleben lassen du machst dich unglücklich und solchen
Ärger wie diese Woche will ich deinetwegen nicht mehr haben«
Er hätte noch nichts Schlechts gemacht sagte Uli He das nehme ihn doch
wunder sagte der Meister ob Vollsein etwas Bravs sei und was er mit Anne Lisi
getrieben habe werde auch nicht das Sauberste gewesen sein und wohl auch im
siebenten Gebot vernamset Oh es seien noch viel schlechtere Leute als er
sagte Uli und es gebe viele Bauern mit denen er sich dann noch lange nicht
zusammenzählen lasse Da habe er nichts darwider antwortete der Meister aber
ein schlechter Mensch mache den andern nicht gut und wenn schon mancher Bauer
ein Trunkenbold sei oder gar ein Schelm so sei es deswegen um nichts bräver
wenn Uli ein Hudel sei und noch anderes mehr Es werde doch wohl erlaubt sein
eine Freude zu haben sagte Uli »wer möchte dabeisein wenn man keine Freude
mehr haben dürfte« »Aber Uli was ist das für eine Freude wenn man darauf
eine ganze Woche nirgends sein darf es einem nirgends wohl ist Was ist das für
eine Freude die einem für das ganze Leben elend und unglücklich machen kann
Solche Freuden sind des Teufels Lockvögel Ja freilich kannst du dich freuen es
darf jeder Mensch Freude haben aber an guten und erlaubten Dingen Das ist eben
ein Zeichen ob ein Mensch gut oder schlecht ist je nachdem er an guten oder
schlechten Dingen seine Freude hat« »Ja du hast gut krähen« sagte Uli »du
hast den schönsten Hof weit und breit hast die Ställe voll schöner Ware den
Spycher voll Sachen eine gute Frau von den besten eine schöne Kinder du
kannst dich wohl freuen du hast Sachen woran du Freude haben kannst wenn ich
sie hätte es käme mir auch kein Sinn ans Hudeln an Anne Lisi Aber was habe
ich Ich bin ein armes Bürschli habe keinen Menschen auf der Welt ders gut mit
mir meint der Vater ist gestorben die Mutter auch und von den Schwestern
sieht jedes für sich Böshaben ist mein Teil in der Welt werde ich krank so
will mich niemand haben und sterbe ich so tut man mich unteren wie einen Hund
und kein Mensch pläret mir nach Oh dass man unsereinen nicht zTod schlägt wenn
wir auf die Welt kommen« Und damit fing der große starke Uli an gar bitterlich
zu weinen »Nit nit Uli« sagte der Meister »du bist gar nicht so bös daran
wenn du es nur glauben wolltest Lass dein wüstes Leben sein so kannst du noch
ein Mann werden Es hat Mancher nicht mehr gehabt als du und hat jetzt Haus und
Hof und Ställ voll War« Ja sagte Uli solches geschehe nicht mehr und dann
müsse man mehr Glück haben dazu als er habe »Das ist eine dumme Red« sagte
der Meister »wie kann einer von Glück reden wenn er alles fortwirft und
vertut was ihm in die Hände kommt Ich habe noch kein Geldstück gesehen das
nicht aus der Hand wollte wenn man es fortgab Aber das ist eben der Fehler
dass du den Glauben nicht hast dass du noch ein Mann werden könntest Du hast den
Glauben du seist arm und bleibest arm und an dir sei nichts gelegen und darum
bleibst du auch arm Hättest du einen andern Glauben so würde es auch anders
gehen Denn es kommt noch immer alles auf den Glauben an« »Aber um tusig
Gottswillen Meister« sagte Uli »wie sollte ich auch reich werden Wie
geringen Lohn habe ich Wie viel Kleider brauche ich Dazu habe ich noch
Schulden Was hilft da husen Und sollt ich dann kein Freudeli haben« »Aber dr
tusig Gottswillen wo soll das mit dir hin wenn du jetzt schon Schulden hast
bei gesundem Leib und hast für niemand zu sorgen So musst du einen Fötzel
geben und dann mag dich niemand mehr du verdienst immer weniger und hättest
doch immer mehr nötig Nein Uli sinn doch ein wenig nach so kann das nicht
mehr gehen Jetzt ists noch Zeit und ich sage es dir aufrichtig es wäre schade
um dich« »Es trägt nichts ab was hilft mir das wenn ich schinde und mir
nichts mehr gönne Ich bringe es doch zu nichts so ein arm Bürschli wie ich
bin bleibt ein arm Bürschli« sagte Uli
»Sieh doch was der Kleb macht« sagte der Meister Und als Uli mit dem
Bescheid kam er verdrehe sich noch das Kalb komme noch nicht gleich sagte der
Meister »Ich denke mein Lebtag daran wie unser Pfarrer uns das Dienen
ausgelegt hat in der Unterweisung und wie er die Sache so deutlich gemacht hat
man hat ihm müssen glauben und es ist Mancher glücklich geworden der ihm
geglaubt hat Er hat gesagt Alle Menschen empfingen von Gott zwei große
Kapitale die man zinsbar zu machen habe nämlich Kräfte und Zeit Durch gute
Anwendung derselben müssten wir das zeitliche und ewige Leben gewinnen Nun hätte
Mancher nichts woran er seine Kräfte üben seine Zeit nützlich und abträglich
gebrauchen könnte er verleihe daher seine Kräfte seine Zeit jemandem der zu
viel Arbeit aber zu wenig Zeit und Kräfte habe um einen bestimmten Lohn das
heiße Dienen Nun sei das eine gar unglückliche Sache dass die meisten Diensten
dieses Dienen als ein Unglück betrachten und ihre Meisterleute als ihre Feinde
oder wenigstens als ihre Unterdrücker dass sie es als einen Vorteil
betrachteten im Dienst so wenig als möglich zu machen so viel Zeit als möglich
verklappern verlaufen verschlafen zu können dass sie untreu würden denn sie
entzögen auf diese Weise dem Meister das was sie verliehen verkauft hätten
die Zeit Wie aber jede Untreue sich selbst strafe so führe auch diese Untreue
gar fürchterliche Folgen mit sich denn so wie man untreu sei gegen den
Meister sei man auch untreu an sich Es gebe jede Ausübung unvermerkt eine
Gewohnheit welcher man nicht mehr loswerde Wenn so ein Jungfräuli oder ein
Knechtlein jahrelang so wenig als möglich getan so langsam als möglich an einer
Sache gemacht allemal gebrummt hätte wenn man ihm etwas zugemutet entweder
auf und davon gemacht hätte unbekümmert wie es komme oder darob geklappert
dass ihm das Gras unter den Füßen gewachsen sei zu nichts Sorge getragen so
viel als möglich gschändet nie Angst gehabt sondern für alles gleichgültig
gewesen sei so gebe das erstlich eine Gewohnheit und die könne es später nicht
mehr ablegen Zu allen Meistern bringe es diese Gewohnheit mit und wenn es am
Ende für sich selbst sei heirate wer müsse diese Gewohnheiten diese Trägheit
Schläfrigkeit Schmäderfrässigkeit Unzufriedenheit haben als es selbst Es müsse
sie tragen und alle ihre Folgen Not und Jammer bis ins Grab durch das Grab
bis vor Gottes Richterstuhl Man solle doch nur sehen wie viele tausend
Menschen den Menschen zur Last seien und Gott zum Ärgernis und sich als
widerwärtige Geschöpfe herumschleppten den Denkenden als sichtbare Zeugnisse
wie die Untreue sich selber strafe Aber so wie man durch sein Tun sich
inwendig eine Gewohnheit bereite so mache man sich auswendig einen Namen An
diesem Namen an dem Ruf der Geltung unter den Menschen arbeite ein jeder von
Kindsbeinen an bis zum Grabe jede kleine Ausübung ja jedes einzelne Wort trage
zu diesem Namen bei Dieser Name öffnet oder versperrt uns Herzen macht uns
wert oder unwert gesucht oder verstoßen Wie gering ein Mensch sein mag so hat
er doch einen Namen auch ihn betrachten die Augen seiner Mitmenschen und
urteilen was er ihnen wert sei So macht auch jedes Knechtlein und jedes
Jungfräulein an seinem Namen unwillkürlich und nach diesem Namen kriegen sie
Lohn dieser Name bricht ihnen Bahn oder verschließt sie ihnen Da kann eins
lange reden und über frühere Meisterleute schimpfen es macht damit seinen Namen
nicht gut sein Tun hat ihn längst gemacht Ein solcher Name werde stundenweit
bekannt man könne nicht begreifen wie Es sei eine wunderbare Sache um diesen
Namen und doch betrachteten ihn die Menschen viel zu wenig und namentlich die
welchen er das zweite Gut sei mit dem sie verbunden mit der inwendigen
Gewohnheit ein drittes ein gutes Auskommen in der Welt Vermögen ein viertes
den Himmel und seine Schätze erwerben wollten Er frage nun wie ein elender
Tropf einer sei wenn er schlechte Gewohnheit habe einen schlechten Namen und
um Himmel und Erde komme«
Daher soll habe der Pfarrer gesagt jeder der in Dienst trete den Dienst
nicht betrachten als eine Sklavenzeit den Meister als den Feind sondern als
eine Lehrzeit und den Meister als eine Wohltat Gottes denn was sollten die
Armen das heißt die welche nur Zeit und Kräfte also doch eigentlich viel
hätten anfangen wenn ihnen niemand Arbeit und Lohn gäbte Sie sollten die
Dienstzeit betrachten als eine Gelegenheit sich an Arbeit und Emsigkeit zu
gewöhnen und sich einen recht guten Namen zu machen unter den Menschen In dem
Masse als sie dem Meister treu wären wären sie es auch an ihnen und wie der
Meister an ihnen gewinne gewönnen sie selbst auch Sie sollten ja nie meinen
dass nur der Meister Nutzen zöge aus ihrem Fleiß sie gewönnen wenigstens ebenso
viel dabei Wenn sie daher auch zu einem schlechten Meister kämen sie sollten
ja nie meinen ihn zu strafen durch schlechte Aufführung sie täten damit sich
nur selbst ein Leid an und schadeten sich innerlich und äußerlich
Wenn nun so ein Dienstbote immer besser arbeite immer treuer und
geschickter sei so sei das sein Eigentum und das könne niemand von ihm nehmen
und dazu besäße er einen guten Namen die Leute hätten ihn gerne vertrauten ihm
viel an und die Welt stehe ihm offen Er möchte vornehmen was er wollte so
fände er gute Leute die ihm hülfen weil sein guter Name der beste Bürge für
ihn sei Man solle doch nur achten welche Dienstboten man rühme die treuen
oder die untreuen solle sich achten welche unter ihnen zu Eigentum und Ansehen
kämen
»Dann hat der Pfarrer noch ein Drittes gesagt und das geht dich besonders
an Er hat gesagt der Mensch wolle Freude haben und müsse Freude haben
besonders in der Jugendzeit Hasse nun ein Dienst seinen Dienst und sei ihm die
Arbeit zuwider so müsse er eine apartige Freude suchen und er fange daher an
zu laufen zu hudeln mit schlechten Sachen sich abzugeben und habe daran seine
Freude und sinne daran Tag und Nacht Sei aber einem Knecht oder einer Magd das
Licht aufgegangen dass sie etwas werden möchten und der Glaube gekommen dass
sie etwas werden könnten so liebten sie die Arbeit hätten Freude daran etwas
zu lernen etwas recht zu machen Freude wenn ihnen etwas gelinge wachse was
sie gesäet fett werde was sie gefüttert sie sagten nie Was frage ich dem
nach was geht mich das an Ich habe so nichts davon Ja sie hätten eine
eigentliche Lust daran etwas Ungewohntes zu verrichten etwas Schweres zu
unternehmen dadurch wüchsen ihre Kräfte am besten dadurch machten sie sich den
besten Namen So haben sie auch Freude an des Meisters Sache seinen Pferden
seinen Kühen seinem Korn seinem Gras als ob es ihnen gehöre Woran man Freude
hat daran sinnet man auch wo man den Schatz hat da hat man auch das Hetz
sagte der Pfarrer Hat nun der Knecht seinen Dienst im Kopf erfüllt ihn der
Trieb so ein vor Gott und Menschen recht tüchtiger Mensch zu werden so hat der
Teufel wenig Macht über ihn kann ihm nicht böse Sachen eingeben wüste Sachen
an die er Tag und Nacht denkt so dass er keinen Sinn für seine Arbeit hat und
die ihn noch von einem Laster zum andern ziehen und innerlich und äußerlich
verderben«
»Das hat der Pfarrer gesagt« sagte der Meister »es ist mir als ob es noch
heute wäre als er uns das sagte und ich habe schon hundertmal gesehen dass er
recht hatte Ich habe gedacht ich wolle es dir sagen es passet gerade auf
dich Und wenn du nur glauben wolltest so könntest du einen von den brävsten
Burschen abgeben und es einst haben wie du nur wolltest«
Viertes Kapitel
Wie eine schlechte Dirne einem braven Meister die Ohren des Knechtes auftut
Des Ulis Antwort schnitt der Kleb ab der seine Nöten deutlicher kündete Es gab
nun Arbeit das Gespräch konnte nicht mehr fortgesetzt werden Es ging alles
gut und endlich war ein schönes brandschwarzes Kälbchen da mit einem weißen
Stern wie Beide noch nie eins gesehen und das abzubrechen erkannt wurde Uli
war bei dem Geschäft noch einmal so tätig und aufmerksam gewesen als sonst und
das Kälbchen behandelte er ganz sanft fast zärtlich und betrachtete es mit
einer eigentlichen Zuneigung
Als sie fertig waren mit dem Kleb und derselbe seine Zwiebelnsuppe hatte
dämmerte der Morgen herauf und ließ keine Zeit zur Fortsetzung ihres Gesprächs
Die anbrechenden Werktage nahmen sie mit ihren Arbeiten hart in Anspruch
auch war der Meister in Gemeindsgeschäften abwesend so dass sie nicht
miteinander weiters redeten
Aber es schien von Beiden angenommen dass Uli bleibe und wenn der Meister
heimkam konnte die Frau nicht genug rühmen wie Uli sich zu der Sache gehalten
und wie sie nicht gebraucht hätte ihn etwas zu heißen es sei ihm alles von
selbst in den Sinn gekommen und wenn sie daran gedacht habe so sei es schon
gemacht gewesen Das freute natürlich den Meister gar wohl und machte dass er
dem Uli immer bessere Worte gab ihm immer mehr Zutrauen zeigte Es ist nichts
verdrießlicher für einen Meister als wenn er abends müde oder schläfrig
heimkommt und er findet alles im Ungreis und sein Weib voll Klagens sieht nicht
die halbe Arbeit getan die hätte abgefertigt werden sollen vieles verpfuscht
und schlecht gemacht dass es besser wäre es wäre gar nichts getan worden und
muss über das aus die halbe Nacht sein Weib jammern hören wie die Diensten sich
gegen ihns unbärdig eingestellt unverschämten Bescheid gegeben und jedes
gemacht habe was ihm gefallen und wie es ihr erleidet sei so dabeizusein und
wenn er ein andermal fortgehe so laufe sie auch fort Es ist grässlich für einen
Mann der fort muss und das muss der Mann wenn ihm auf dem Heimwege sobald er
sein Haus von weitem sieht die schweren Seufzer kommen »Was hat es wohl aber
gegeben Was muss ich sehen was muss ich hören« und er so fast nicht zum Hause
herzu darf wenn er mit Liebe und Freude heimkommen möchte und mit Donner und
Blitz einziehen muss in sein aufrührerisch gewordenes Reich
Bei Uli war etwas Neues erwacht und in die Glieder gefahren ohne dass er es
selbst noch recht wusste Er musste der Rede des Meisters je länger je mehr
nachsinnen und es dünkte ihn immer mehr der Meister hätte doch etwas recht Es
tat ihm wohl zu denken er sei nicht dazu erschaffen ein arm verachtet
Bürschli zu bleiben sondern er könnte noch ein Mann werden Er sah ein dass man
dieses nicht mit Wüsttun werde und dass je mehr man wüst tue man um so mehr
Boden verliere unter den Füßen Es dünkte ihn gar seltsam was der Meister
gesagt von der Gewohnheit und dem guten Namen die man neben dem Lohn sich
erarbeiten könne und so auch immer mehr für sich verdiene je treuer man einem
Meister sei und wie man nicht besser für sich selber sehen könne als wenn man
recht treu zu des Meisters Sache luege
Er konnte je länger je weniger ableugnen dass es also sei Es kamen ihm
immer mehr Beispiele in den Sinn von schlechten Diensten die unglücklich
geworden arm geblieben und hinwiederum wie er andere von ihren alten
Meisterleuten habe rühmen hören wie sie einen guten Knecht eine gute Magd
gehabt und die jetzt recht wohl zweg und gut im Stande seien
Nur eines konnte er nicht begreifen wie er Uli je zu Geld zu Vermögen
kommen sollte das dünkte ihn rein unmöglich Er hatte dreißig Kronen also
fünfundsiebzig Pfund bar zwei Hemden und ein Paar Schuhe zu Lohn Nun hatte er
noch fast vier Kronen Schulden bereits viel eingezogen Er hatte es bisher
nicht machen können mit seinem Einkommen nun sollte er Schulden zahlen
vorschlagen das kam ihm unmöglich vor Dem natürlichen Gang der Dinge nach war
er darauf gefasst seine Schuld jährlich größer zu machen Von den dreißig Kronen
brauchte er doch wenigstens zehn für Kleider und konnte dabei noch nicht
hoffärtig sein für Strümpfe Schuhe Hemden deren er nur drei gute und vier
böse hatte Waschen usw gingen doch wenigstens auch acht Kronen darauf alle
Wochen ein Päcklein Tubak und er brauchte meistens mehr war wieder zwei
Kronen es blieben noch zehn Kronen Nun waren fünfzig Samstagsnächte fünfzig
Sonntagsnachmittage von denen noch sechs extra Tanzsonntage Märkte es wusste
kein Mensch wieviel war eine Musterung vielleicht gar noch eine Garnison die
zufällig sich ergebenden Gelegenheiten zum Hudeln nicht einmal gerechnet wie
Niedersingeten An und Aussaufeten Schiesseten Kegelten und das wieder
einreissende Tschämeln Abendsitze die gefährlichste aller Unsitten Springeten
usw Der Verfassungsabend der in eine der ärgsten Schweinereien ausartet wo
fünfzigjährige Weibsstücke am Boden sich wälzen auf die unflätigste Weise war
damals noch nicht im Schwange Rechnete er nun fürs Ordinäre alle Wochen nur
zwei Batzen für Brönz oder Wein so machte das wieder vier Kronen Übersprang er
drei Tanzsonntage so brauchte er doch wenn er mit dem Geiger abschaffen musste
ein Mädchen haben und wie es der Brauch war voll heimgehen wollte wenigstens
eine Krone und manchmal einen Fünfunddreissiger für jeden der drei übrigen
Sonntage Jetzt hatte er für Märkte Musterungen und die übrigen Hudeleien nur
noch drei Kronen Mit dem dachte er sei es doch wirklich nicht
menschenmöglich auszukommen Schon zwei Märte und die Musterung brauchten mehr
als das für das Andere hatte er also gar nichts Er rechnete immer von neuem
probierte an den Kleidern an den andern Ausgaben abzuschränzen aber das Ding
ging nicht Er musste doch gekleidet sein musste waschen lassen barfuß konnte er
auch nicht laufen So brachte er er mochte rechnen wie er wollte immer die
traurige Wahrheit heraus dass er statt vorzuschlagen zu wenig hätte
Als er einst so in seine trostlose Rechnung vertieft war beim Grasen und
immer von vornen anfing und hintenaus immer zu wenig hatte und eben bei sich
feststellte es muss dem Meister nicht recht im Gring sein so ein Bauer wisse
nicht was ein Knechtlein alles brauche ein Bauer brauche nichts waschen zu
lassen nehme Schuhmacher und Schneider auf die Stör und hätte am Ende vom Jahr
alle Schöpplein vergessen welche er getrunken weil er sie seinem Geld nicht
anmerke wie er so verstaunet stund tönte es hinter ihm »Bist am Grase« Wie
von einer Schlange gebissen fuhr Uli auf und Anne Lisi stund neben ihm »Ich
habe geglaubt« sagte Anne Lisi »du seist krank dass du nicht zu mir gekommen
bist Ich sah allenthalben auf dich und konnte dich doch nirgends erblicken Da
konnte ich es nicht mehr erleiden vor Längizyti es hat mir fry das Essen
gestellt Ich habe schon gestern dort hinter dem Hag auf dich passet aber du
bist nie allein gewesen Es dünkt mich es hätte mir schon gewohlet dass ich
dich nur sehen kann Aber Uli mi Uli warum bist jetzt mehr als vierzehn Tage
nicht zu mir gekommen Das ist doch nichts gemacht von dir Ich bin manche Nacht
durch immer mit dem Kopf auf dem Ellbogen gewesen es het mih düecht du müsstest
kommen Warum bist du nicht gekommen« So angedonnert war Uli in seinem ganzen
Leben nicht gewesen Er kannte Anne Lisi hatte ein böses Gewissen gegen ihns
und durfte ihm nicht sagen dass er nie mehr zu kommen gedenke Zu diesem war er
fest entschlossen es war ihm zu angst gewesen und jetzt kam ihm die Angst in
verdoppeltem Masse wieder Er muckelte etwas von einem kranken Ross dem er hätte
abwarten müssen von einer Kuh zuletzt sogar von Gliedersucht Anne Lisi trat
nicht lange in die Vergangenheit ein sondern sagte Es könne da nicht recht mir
ihm reden es hätte ihm bsunderbar viel zu sagen er solle in dieser Nacht zu
ihm kommen es könne es unmöglich länger ohne ihn ausstehen Uli wollte das
nicht versprechen Der Meister sei fort mit Ross und Wägeli er müsse warten bis
er heimkomme sagte er und dann müsse er noch füttern und dann werde es kaum
mehr der wert sein »Was ist mit dir« sagte Anne Lisi »wenn dir neuis daran
gelegen wäre es würde sich dir öppe wohl schicken Das sind nur Ausreden es
hat dich jemand aufgewiesen dr Gring groß gemacht Oh ich weiß schon
Kuderjoggelis Annebäbi hat dich aufgestüpft Aber wart es nur dem rote Donner
will ich die Läuse runtermachen dass es mich nicht vergessen soll Aber wie
magst du dich auch mit einem solchen Strupf das nicht größer ist als ein
dreitägigs Kalb abgeben Das ist nicht bravs von dir Schäme dich du wüeste
Hung du Ich will dirs bim Dolder zeige Aber gell du kommst diese Nacht Bis
mir ds Hergetts und komm nicht«
Uli sagte Es hätts schon gehört er könne nicht »Was du willst nicht Du
wirst doch nit öppe welle wüest tue wie die andere Schysshüng Du wirst doch
nicht wollen vergessen was du mir gesagt hast« Er wisse nichts Apartigs das
er ihm gesagt habe sagte Uli »Was du dolderschiessige Grännihung du weißt
nicht mehr was du mir gesagt hast Hast du nicht gesagt dass du wenn du eine
zKilche führen wollest mich zKilche führen wollest« Er wisse nichts mehr
davon sagte Uli das sei ihm etwas Neues »So du besinnst dich nicht mehr
daran du verfluchte Lumpenhung was du bist Soll ich dir dBsinnig mache
umezcho Aber es ist mir sich nicht der wert deinetwegen Einen solchen
Zyberligränni finde ich hinter jedem Zaunstecken und wenn ich einen haben muss
so will ich nicht einen solchen Fötzel der nie drei Kreuzer beieinander hat und
der Meisterfrau alli Wäschlumpe stiehlt um seine Sonntagskutte zu plätzen Nei
beim Dolder eine so leidi More bin ich denn nadisch nicht dass ich mich bei
keinem Bräveren und Reicheren weiß zkündte als bei einem solchen verrebleten
Bauernknechtli Zu dir käme ich zuletzt wenn ich einen haben müsste häb nit
öppe Kummer ich well dih Sellig wett ih zehn an jeden Finger kriegen ich müsst
nicht eine Sellige sein wie ich bin Aber wart ume ds Kuderjoggis Annebäbi
dem will ich sagen was es für eine ist und ich will nicht lebig dadänne cho
wenn ich dem nicht sein Maul auftue dass man es zu Merligen für ein Tennstor
brauchen könnte Das verflucht Mönsch dich so gegen mich aufzureisen Aber du
kannst es noch machen wie du willst kommst du hinecht wohl und gut so will
ich dirs vergessen und dir auftun Kommst du aber nicht so lueg de was geht
und ich will keine gesunde Stund mehr haben wenn ich dir noch einmal auftue
Jawolle so wüst zu tun und so dr Gring zmachen«
Uli wohlete es bedenklich und er ward ganz trotzig und sagte Seinetwegen
brauch es hinecht nicht auf dem Ellbogen zu schlafen er bleibe lieber daheim
als dass er Andern ihre Suppe ausessen wolle und mit einer Selligen wolle er
sich nicht mehr bschyssen Es solle jetzt seiner Wege gehen und ihn ruhig lassen
er hätte genug von ihm Da fing Anne Lisi aufs neue an wüst zu tun bald sagte
es ihm alle Schande dann heulte es über die Schlechtigkeit des Mannenvolks
dann rühmte es sein gutes Herz das so schändlich angeführt werde seiner Güte
wegen und weil es so einem Schysshung getraut habe Dann flattierte es dem Uli
wieder auf das zärtlichste und sagte Es sei ihm noch Keiner so lieb gewesen von
denen die es an sein Herz gelassen es hätte sich für ihn können lassen lebig
schinden und es dünke ihns es well ihm ds Herz zerschryssen Aber Uli blieb
unbeweglich und als er genug hatte fuhr er mit seiner Grasbähre nach Hause und
ließ Anne Lisi im Klee stehen Aber bei sich setzte er hoch ein dasmal sei er
entronnen und das wolle er sich als Warnung dienen lassen und so muss ihm Keine
mehr kommen aus einem Haselhag hervor
Und seiner gesprengten Fesseln sich freuend ließ er ein Jodeln ertönen dass
seine Kühe in den Bahren fuhren die Pferde in die Zügel schossen die Katze ab
dem Ofen sprang der Hund aus seinem Stalle kroch und die Jungfrau sagte »Was
kommt wohl den Uli an den Göhl dass er so ablässt Man hat ihn fry lang nicht
gehört«
Bald darauf führten Meister und Knecht Steine zu einem neuen Stubenofen Auf
dem Heimweg kehrten sie ein da sie einen weiten und bergichten Weg hatten Da
der Meister nicht hundshärig war und vom schlechtesten Wein befahl wenn der
Knecht bei ihm war und für zwei Personen nur um einen halben Batzen Brot
aufstellen ließ so wurde Uli auf dem Rest des Weges gesprächig Er erzählte dem
Meister die Begegnung mit Anne Lisi und wie er froh sei dass er nun des Kummers
und dem Mensch ein für alle Male los sei Es hätte ihm gewohlet er könne es
niemand sagen wie Er begreife erst jetzt was man mit dem Sprüchwort sagen
wolle Es sind mir Zentnersteine ab dem Herzen gefallen Der Meister freute sich
der Nachricht aber warnte er solle es nicht machen wie gar Viele die solange
sie die Folgen ihres Lasters fühlen reuig seien dann aber wiederum um die
Sünde herumfahren wie die Fliege um ein Licht bis sie sich die Flügel verbrannt
und vielleicht ein für alle Male So kenne er manchen Trunkenbold der allemal
wenn er sein Geld ver und einen sturmen Kopf ertrunken sich vornehme sich nie
mehr so zuzuputzen und das nächstemal wenn er zum Wein komme sei er wieder
ein volles Kalb So gehe es Manchem mit dem Weibervolk die welche meinen die
Listigsten geworden zu sein die gebe es oft am wüstesten »Nein Uli halt dich
jetzt so kannst du noch einen Mann abgeben wie ich es dir ausgelegt habe«
sagte der Meister
»Los Meister« sagte Uli »ich habe der Sache nachgesinnet und der
Pfarrer wo dich unterwiesen hat ist nicht ganz ein Narr gewesen aber was ein
Bauernknechtli für Lohn hat und was er braucht davon hat er nichts gewusst er
wird gemeint haben ungefähr so viel als ein Vikari Aber du solltest es besser
wissen und solltest es wissen dass es aus sei mit Fürhusen und Reichwerden Ich
habe manchen Tag lang gerechnet dass es mir fast den Kopf obenabgesprengt hat
aber ich habe immer das Gleiche herausgebracht aus Nichts wird Nichts und nüt
von nüt geht auf« »Wie hast du denn gerechnet«
sagte der Meister Uli machte ihm die ganze Rechnung punktum wieder durch
und als er fertig war fragte er spöttisch den Meister »Und jetzt was sagst du
dazu ists nicht so« Der Meister sagte »Deiner Rechnung nach macht es
allerdings so viel aber man kann noch ganz anders rechnen Bürschli Los
einmal ich will dir jetzt auch eine Rechnung machen auf meine Art es nimmt
mich wunder was du zu dieser sagen wirst«
An dem was du für deine Kleidung angesetzt hast will ich nicht viel
ändern Es ist möglich dass du wenn du dich ordentlich instand stellen und
namentlich Hemder haben willst um den Wascherlohn zu ersparen und überhaupt
da herkommen Sonntag und Werktag wie es einem braven Burschen wohl ansteht in
der ersten Zeit noch mehr brauchst Für Tubak hingegen hast du zwei Kronen
angesetzt das ist zu viel Ein Knecht der in den Stall und auf die Bühne muss
soll den ganzen Tag nicht rauchen niemals nach dem Feierabend Um den Hunger zu
vertreiben brauchst du bei mir nicht zu rauchen und wenn du es dir ganz
abgewöhnen könntest so würde es dir als Knecht viel nutzen Wenn einer nicht
tubaket so macht er allenthalben mehr Lohn
Die andern zehn Kronen welche du für Lustbarkeiten aller Art rechnest die
tue ich dir ganz durch vom ersten Kreuzer bis zum letzten Ja tue nur das Maul
auf und sieh mich an wie dStorche ein neues Dach Willst du dich kurieren und
etwas werden so musst du dir einmal auf etwas Rechtes vornehmen vornehmen von
deinem Lohn keinen Kreuzer zu verhudeln auf keine Weise Nimmst du dir vor nur
etwas weniger als früher zu laufen etwas weniger zu vertun als sonst so ist
das nur den Mäusen gepfiffen Bist du einmal im Wirtshaus so bist du deiner
nicht mehr Meister die alte Kameradschaft die alte Gewohnheit reißt dich hin
und du vertust wieder zwei bis drei Wochenlöhne Dann kommt der Nachdurst und
du musst andere Abende nachbessern und verlierst immer mehr allen Glauben dass du
dir je auf helfen könnest wirst alle Tage liederlicher und verzweifelst immer
mehr an dir selbst Das ist übrigens nicht so schrecklich als du ein Gesicht
machst Sieh doch wie Viele jahraus jahrein nie einen Schoppen trinken und in
kein Wirtshaus gehen Es sind nicht nur arme Tagelöhner welche genug zu tun
haben der Gemeinde sich zu erwehren sondern es sind darunter auch vermögliche
ja reiche Leute welchen es zur Gewohnheit geworden ist nichts unnütz zu
vertun und sie sind nicht nur wohl dabei sondern die können noch viel weniger
begreifen wie einem vernünftigen Menschen wohl beim Hudeln sein könne als du
mich jetzt begreifen willst dass ein Mensch ohne zu hudeln leben könne Ich
bin einmal mit einem Mannli vom Langentalermärit zeitlich heimgegangen Es
verwunderte sich mich schon auf dem Heimweg zu finden es müsse sonst
gewöhnlich alleine heim sagte dasselbe Ich antwortete ihm ich hätte apartig
nichts mehr zu tun gehabt und im Wirtshaus sitzen bis am Abend sei mir auch
zuwider gewesen Das Geld gehe drauf die Zeit damit und am Ende wisse man
nicht wann und wie man heimkomme Ja sagte er ihm sei es auch so Er hätte
mit nichts angefangen und gar kaum tun müssen Lange hätte er Vater und Mutter
alleine erhalten aber doch jetzt ein zahltes Heimat und jahraus und jahrein
zwei Kühe von denen keine minder als sechs Zentner mache Aber er habe auch von
Anfang an keinen Kreuzer zUnnutz vertan Ein einziges Mal erinnere er sich dass
er in Burgdorf ein halbbatziges Mütschi gekauft habe das er hätte können sein
lassen Er hätte es auch erleiden mögen bis heim und dort wohlfeileres Essen
gefunden Ja sagte ich so viel könne ich nicht sagen es sei mir mancher
Batzen entronnen aber man könne es auch zu weit treiben der Mensch müsse doch
auch gelebt haben »Ja freilich« sagte er Ich lebe auch und bin froh dabei
Ein Kreuzer den ich erspare tut mir wöhler als ein Neutaler einem der ihn
verhudelt Wenn ich es nicht so angefangen hätte so wäre ich wohl zu nichts
gekommen Ein armes Bürschli hat nicht den Verstand wenn er einmal angefangen
hat aufzuhören zu rechter Zeit hat er einen Batzen verschlengget so zieht der
zehn andere nach Du musst aber nicht etwa glauben dass ich dabei ein wüster
Gytung sei Es ist schon Mancher zleerem von großen Bauernhäusern weggegangen
und hat bei mir erhalten was er nötig hatte Ich habe nadisch dann nicht
vergessen wer mir den Segen zu meiner Arbeit gegeben hat und wem ich bald
Rechnung ablegen muss Auf diese Rede hin habe ich das Mannli von oben bis unten
angesehen mit großem Respekt es hätte ihm kein Mensch angesehen was hinter ihm
stecke Ehe wir voneinander gingen wollte ich ihm noch eine Halbe zahlen für
seine gute Lehre Allein er wollte nicht und sagte er hätte gar nichts nötig
und ob er mein Geld oder seines zUnnutz vertäte das käme ja einst bei der
Rechnung auf das Gleiche heraus Seiter habe ich das Mannli nicht mehr gesehen
es hat wahrscheinlich seine Rechnung schon abgelegt und wenn niemand eine
schwerere hätte als der so käme es Vielen wohl
Siehe so meine ich sei jeder Kreuzer den du von deinem Lohn für solche
unnütze Sachen brauchst durchaus ein schlecht gebrauchter Bleibe zu Hause und
damit ersparst du nicht nur zehn Kronen sondern noch gar viel dazu Es klagen
alle Knechtlein wie viel Schuhe wie viel Kleider sie brauchen wie sie in Wald
und Wetter sein mussten aber weißt du womit sie die meisten Kleider verderben
Mit ihrem Herumfahren des Nachts bei allem Wetter durch Dick und Dünn und mit
allem dem was dabei vorgeht Wenn man die Kleider vierundzwanzig Stunden am
Leibe hat so verderbt man sie offenbar mehr als wenn es nur vierzehn Stunden
geschieht Zu Kilt läuft man nicht in den Holzboden und wann sprengt man mehr
Schuhnägel aus des Tages oder des Nachts wo man keinen Stein sieht kein Loch
keinen Graben Und sag mir wie sehen die Sonntagskleider aus wenn man voll
herumghürschet ist einander herumgerissen im Kot herumgedröhlt hat Wie manche
Sonntagskutte ist so in Stücke gegangen wie manches Paar Hosen unbrauchbar wie
manche Kappe verloren worden
Es brauchte gewiss manch Knechtlein dsHalb weniger für seine Kleider wenn es
daheim bliebe von den Mädchen will ich nur nicht reden Und denk daran Uli
wenn du jetzt schon zehn Kronen für solche unnütze Gewohnheit brauchst so
brauchst du in zehn Jahren zwanzig und in zwanzig Jahren vierzig wenn du sie
hast denn so eine Gewohnheit steht nicht stille sie wächst und führt das
nicht schnurstracks dem alten Hudel zu
»Endlich Uli hast du nicht bloß dreißig Kronen sondern auch noch manchen
Batzen Trinkgeld wenn eine Kuh ein Ross usw verkauft wird Die brauche wenn
du wohin laufen musst und das Einkehren nicht vermeiden kannst Daraus kannst du
meinetalb an einer Musterung einen Schoppen trinken kannst etwas zusammentun
wenn du in Garnison musst das reicht vollkommen hin dazu Du hast schon viel
Lohn eingezogen aber wenn du mir glauben und folgen willst so kommst du schon
dieses Jahr aus den Schulden das andere Jahr kannst du ans Vorschlagen gehen
Und wenn du mir glaubst so ist dann nicht gesagt dass ich nur dreißig Kronen
Lohn geben könne Wenn ein Knecht so recht bei der Sache ist und mit seinem Sinn
nicht nur beim Narrenwerk wenn man ihm etwas anvertrauen kann und es gleich
geht sei ich dabei oder nicht und ich nicht allemal mit Kummer heim muss es
sei etwas Ungrads gegangen so Uli kommts mir auf ein paar Kronen nicht an
Denk daran Uli je besser die Gewohnheit je besser der Name desto besser auch
der Lohn«
Dem Uli gingen ob diesen Reden Maul und Nase auf und endlich sagte er Das
wäre wohl schön aber es werde es kaum geben er glaube nicht dass er das
usgstang »He probiere einmal einen Monat und siehe wie es kommt und sinn
nicht an Laufen Schoppen und das Wirtshausgehen so wird es sich schon machen«
Fünftes Kapitel
Nun kommt der Teufel und säet Unkraut in den guten Samen
Und es ging recht ordentlich manchen Sonntag lang Der Uli ging wieder zKilchen
und dachte daran dass er ein Mensch sei und dass er auch selig werden möchte Er
fing auch an zu glauben dass der Meister doch etwas recht haben möchte denn
wenigstens zwei Neutaler hätte er früher in dieser Zeit für nichts ausgegeben
die er jetzt noch im Sack hatte Er war auch ein Anderer bei der Arbeit es ging
ihm alles noch ein mal so rasch von der Hand und weil er wirklich des Nachts
schlief des Sonntags ruhte den Körper nicht durch Ausschweifungen schwächte
so schien ihm keine Arbeit mehr schwer es war ihm fast als ob er nicht mehr
müde werden könnte Der Meister sah mit Freuden dass es so gut komme und wenn
er ihm etwas zuhalten konnte so tat er es märtete ein größeres Trinkgeld ein
wenn es ihn dünkte der Metzger vermöge es und es sei ihm angst um die Sache
nahm Uli mit auf einen Märit oder schickte ihn hier oder dort aus wenn et was
zu verrichten war damit Uli doch auch sein Pläsier hätte und wenn Uli einen
Schoppen trank auf diesen Wegen so zahlte ihn der Meister
Natürlich fiel Ulis Betragen auch Andern auf zuerst seinen Mitdiensten
dann den Nachbaren Es geht unter den Diensten gerne wie unter Jakobs Söhnen
Wenn Eines besser ist als die Andern und daher auch den Meisterleuten lieber so
verfolgen es die Schlechtern führen es aus und ruhen nicht bis sie es
vertrieben haben oder so schlecht gemacht als sie selbst sind Sie wollen
nicht dass Meisterleute es erfahren was ein guter Knecht eine gute Magd
ausrichten könne sie fürchten es möchte dann allzu sichtbar werden wie
schlecht sie seien und ihnen auch mehr angemutet werden ein anderes Betragen
ein rührigeres Schaffen Das wollen sie nicht es soll der Meister keinen
Vorteil an ihnen haben sie wollen nicht Göhle Narren Tröpfe Kühe sein und
sich zTod werchen wo sie nichts davon hätten sie machten wie sie es gewohnt
seien und wenn es so nicht anständig sei so gingen sie weiters Es ist daher
sehr oft die Dienerschaft eine gegen die Meisterleute verschworne Bande Das
Komplott besteht darin so viel Lohn so viel Freiheit ein so gut Leben zu
erzwingen als möglich und wenn es nicht nach den Köpfen geht die Meisterleute
so zornig als möglich zu machen Es braucht viel Kraft und viel Klugheit solche
Komplotte zu zerstören und viel Liebe und viel aufrichtige Wohlmeinenheit sie
nicht aufkommen zu lassen Es gibt jedoch Diensten deren feindseliger Sinn auf
keine Weise zu brechen oder zu versöhnen ist und die daher gegen jeden Meister
feindselig verfahren und allenthalben den Frieden stören wohin sie auch kommen
Die Nebendiensten fingen daher bald an auf Uli zu sticheln zu sagen Sie
wollten einmal Narren sein so auf den Meister zu sehen sie begehren nicht die
Liebsten zu sein oder aber wenn sie eine Viertelstunde an ihren Hauenstielen
gedampet hatten zu trümpfen sie müssten sich zur Arbeit halten der Meister
wüsste am Abend wie manchmal eins geleuet hätte Das machte Uli böse denn er
machte nicht den Ohrenträger und mehr als einmal ließ er sich verführen mit
der Bande zu räsonieren und zu schlumpen Wenn er aber darüber dachte so dünkte
es ihn doch es sei dumm von ihm Sobald er mitmachte und miträsonierte war er
unzufrieden und missmutig sobald er nicht von Herzen arbeitete hatte er
Langeweile und er wurde noch einmal so müde dabei Er tat sich selbst also
ebenso viel zuleid als dem Meister und wenn er so fortfahre so sah er wohl
dass er einen missmutigen unzufriedenen Menschen abgebe dem die Arbeit eine
Plage sei Er sah doch dass auf des Meisters Seite die größere Gutmeinenheit sei
und dass wenn er diesem gehorche es ihm besser gehe und wenn auch der Meister
Nutzen hätte von seiner guten Aufführung so hätte er selbst doch noch den
größeren und bleibenderen davon
Es kam ihm vor als ob da zwei Mächte sich um seine Seele stritten fast
gleichsam ein guter und ein böser Engel und jeder ihn haben wollte Der Pfarrer
hatte nämlich einmal in einer Predigt gesagt Zu den ersten Eltern im Paradies
hätte Gott geredet und die Schlange Gott hatte ihnen etwas zu ihrem Besten
verboten und die Schlange hätte aufgewiesen Gott und sein Gebot verdächtigt
als ob er dasselbe nur zu seinem eigenen Nutzen gegeben hätte hätte auch den
Menschen geschmeichelt und so hätten die ersten Eltern der Schlange der
Aufweisung mit ihrer verführerischen schmeichlerischen Rede Gehör gegeben und
seien darob unglücklich geworden und hätten ihre Nachkommen mit ins Unglück
gezogen Nun sei das sehr wunderbar dass die beiden Stimmen alle Menschen durchs
Leben begleiteten und aus Menschenmund zu ihnen kämen Es sei selten ein Mensch
den nicht gute Menschen zum Guten mahnen mit Liebe und Ernst den hin wiederum
nicht böse Menschen aufreisen und zum Bösen antreiben indem sie sich mit süßer
Rede als Freunde stellen oder mit Spott seine Eitelkeit erregen Und etwas sei
in uns das mahne den guten Menschen zu gehorchen aber noch ein Anderes sei in
uns das lieber den bösen Menschen höre das sich durch Schmeichelei gerne
verführen lasse das größeren Glauben habe zu denen welche zum Bösen antreiben
als zu denen welche zum Guten mahnen Daher geschehe es zumeist dass die Bösen
die Gewalt bekämen und die Menschen ins Unglück führen könnten hintendrein
lachten sie dann und hätten ihr Gespött mit dem Unglücklichen der es zu spät
einsehe wer es eigentlich gut mit ihm gemeint hätte
So kam es Uli manchmal in Sinn es gehe ihm jetzt gerade so und doch war er
so oft nicht Meister über sich und die bösen Stimmen erhielten Gewalt über ihn
Besonders als nun auch Nachbaren auf Uli aufmerksam wurden und ihr Maul
hineinhängten und den Uli aufzureisen suchten Einer war Ulis Meister feindlich
und verstund es meisterlich fremde Dienste anzulocken und sie wenn er sie
hatte auszunutzen auf eine unglaubliche Weise Der tadelte selten einen Knecht
er rühmte sie dass die Schwarten krachten und trieb sie damit zu übermäßigen
Anstengungen und lachte den Buckel voll wenn sie so recht bysteten und
berzeten Der hatte nicht ungern wenn sie hudelten und sie hatten in seinem
Hause auch Freiheit zu allem Wüsten Mägde und Knechte konnten miteinander
umgehen wie Eheleute das behielt Viele trotz des schlechten Lohns bei ihm Er
streckte ihnen gerne Geld vor denn wenn sie seine Schuldner waren so waren sie
auch mehr oder weniger seine Sklaven die Schulden waren das Seil an dem er sie
festhielt
Diesem Meister hatte Uli schon lange in die Augen geschienen ganz wie
gemacht für ihn ein hübscher Lockvogel für Mägde die nicht ungern in ein Haus
dingen wo Freiheit ist und ein hübscher Knecht dazu ein guter Bastesel der
die Arbeit verstund aber liederlich war und etwas einfältig schien eben recht
zum Brauchen und Ausnutzen Dieser Meister spottete erst wenn er Uli des
Sonntags daheim sah Er werde wollen geistlich werden oder in die Versammlungen
gehen Es gehe auch kurzweilig zu dort und das auf die Füße Trappen sei noch
nicht abgestellt bei ihnen Das guselte Uli dass man ihn für einen Geistlichen
ansehen wollte und es juckte ihn recht wüst zu tun damit man ja nicht glaube
er sei besser als ein Anderer Es ist gar merkwürdig für was alles die Jugend
sich schämen zu müssen glaubt nicht nur minder Geld zu haben minder hübsch zu
sein minder stark minder schon gekleidet sondern es schämen sich gar Viele
auch minder wüst zu tun als Andere Doch hielt Uli noch an sich
Als der Nachbar mit Spötteln nichts abbrachte so versuchte derselbe es mit
einem andern Ton Er begann Uli zu rühmen wie er afe einer sei und wie ihm
schon lange Keiner unter die Augen gekommen sei der ihm die Schuhriemen
auflöse Gerade so einen hätte er schon lange gewünscht allein er hätte das
Gfell nicht Es sei nur schade dass ihn sein Meister hätte der wüsste nicht was
er an ihm habe So machte er Uli den Kopf groß und fing allgemach an den Dienst
ihm zu erleiden Er deutete ihm darauf hin wie man alles an ihn lasse ihm
immer mehr auf bürde ihm Sachen anmute wie sonst nirgend einem Knecht und wie
sein Meister den Faulhund mache und ihn allenthalben am schwereren Orte nehmen
lasse Der Meister hatte nämlich im Herbst den Uli einen Acker säen lassen
während er selbst geeggt hatte ihn Pflug halten lassen während er den Ackerbub
machte Er hatte Uli gesagt er müsse das auch lernen wenn er ein Hauptknecht
werden wolle Es gebe gar manchen Platz und das seien gewöhnlich die besten wo
ein Knecht alle Arbeit müsse machen können und es sei doch nichts Traurigers
als so ein Bauernknechtlein das nicht die halbe Landarbeit verstehe und deren
gäbte es ganze Hutten voll die nichts anderes könnten als so geradehin hacken
holzen und heuen So hatte der Meister gesagt und den Uli an den Pflug gestellt
was hundert Väter an den eigenen Söhnen nicht tun solange sie ein Bein machen
können ihnen Pflughalten und Säen nie anvertrauen aus Furcht es könne eine
Handvoll Korn mehr gebraucht oder sonst irgend ein Fehler gemacht werden Und
gerade seine Wohlmeinenheit wurde ihm nun so übel ausgelegt und dem Uli alle
Tage der Kopf größer gemacht wie der Meister alles an ihn lasse und wie der
Meister es nicht mehr machen könnte wenn Uli einmal fort sei
»Es nimmt mih nume ds Tüfels wunder wie es denn einist gah soll wenn du
nicht mehr da bist sie werden es dann erfahren« das ist ein Spruch mir
welchem man schon viele hundert Dienste von ihren Plätzen weggesprengt hat Es
reitet sie der Teufel immer mehr durch den Gwunder wie es dann gehe wenn sie
nicht mehr da seien Es steigt immer mehr die Lust zu Kopfe einmal seine
Unentbehrlichkeit zu zeigen zu erfahren ob man es könne ohne sie zu erfahren
dass ein Meister oder eine Meisterfrau bittend komme mit dem Bekenntnis Sie
könnten es durchaus nicht mehr machen ohne Lisi ohne Benz Es träumen tausend
halbbatzige Knechtlein und Mägdlein ganze Jahre durch von dieser
Unentbehrlichkeit und wenn Weihnacht kommt und sie ihren Bündel weitertragen so
will niemand ihnen nachlaufen und sagen »Benz Lisi bleib doch da dr tusig
Gottswille« gäb wie sie zurück schauen es kommt niemand Da treibt sie
vielleicht schon die nächste Woche der Gwunder wie man es ohne sie mache in
ein Nachbarhaus wo sie etwas sehen und etwas vernehmen können über die neuen
Diensten und den Stand der Dinge Und siehe da es geht und die neuen Diensten
sind ungefähr wie die alten und wie sie sich auch mit der Hoffnung trösten das
bleibe nicht vierzehn Tage beieinander so geht es doch wie das vorige Jahr von
einer Weihnacht zur andern Und mit jeder Weihnacht zügeln sie weiter und
niemand will sie zurückrufen und allenthalben geht es ohne sie Ach es möchten
die Menschen so gerne unentbehrlich sein und verstehen doch so selten sich
unentbehrlich zu machen
So stieg die Aufweisung dem Uli nach und nach ins Haupt Es verstehen gar
selten Menschen und selbst nicht bloß Hochgestellte die am allerwenigsten
sondern auch Hochgebildete der Aufweisung zu widerstehen es ist also Uli nicht
zu verargen wenn er die Laus nicht hinunterwarf welche ihm hinter den Ohren
krabbelte Was ihn der Meister aus Gutmeinenheit machen ließ das schien ihm
eine ungerecht und mutwillig aufgebürdete Last Er dachte selten mehr an die
guten und bösen Stimmen und sein Kopf schwoll immer mehr an und immer
unwirscher ward es inwendig und der Nachbar sah mit mächtiger Schadenfreude die
Wirkung des eingesprjetzten Giftes und wie Uli näher und näher dem aufgespannten
Garne kam Der Meister dagegen merkte mit Bedauern dass etwas wie eine finstere
Wolke zwischen ihr Vertrauen getreten Er wusste nicht was und mit angestammter
Kaltblütigkeit überließ er das Aufdecken dieses Unbekannten der Zeit denn
besondere Gelegenheit mit Uli zu reden bot sein Betragen nicht dar es war
äußerlich noch geregelt und eine Gelegenheit machen war nicht Sache von
Johannes
Sechstes Kapitel
Wie das Hurnussen dem Uli vom Unkraut hilft
Es war schon lange die Rede davon gewesen dass die Bursche aus Ulis Gemeinde
die Erdöpfelkofer mit den Brönzwylerern einen Wetturnusset abhalten sollten
Das Hurnussen ist nämlich eine Art Ballspiel welches im Frühjahr und Herbst im
Kanton Bern auf Wiesen und Äckern wo nichts zu verderben ist gespielt wird an
dem Knaben und Greise teilnehmen Es ist wohl nicht bald ein Spiel welches
Kraft und Gelenkigkeit Hand Aug und Fuß so sehr in Anspruch nimmt als das
Hurnussen Die Spielenden teilen sich in zwei Partien die eine hat den Hurnuss zu
schlagen die andere ihn aufzufangen Der Hurnuss ist eine kleine Scheibe von
nicht zwei Zoll im Durchmesser in der Mitte etwas dicker als an den Rändern
welche abgerundet und zwei Linien dick sind Derselbe wird mit schlanken Stecken
von einem Sparren der hinten auf dem Boden vornen auf zirka zwei bis drei Fuß
hohen Schwirren liegt geschlagen auf den er aufrecht mit Lehm angeklebt wird
Etwa zwanzig Schritte weit vor dem Sparren wird die Fronte des Raumes
bezeichnet innerhalb welchem der Hurnuss fallen oder abgetan werden muss Dieser
Raum oder dieses Ziel ist an der Fronte auch ungefähr zwanzig Schritte breit
erweitert sich nach und nach auf beiden Seiten hat aber keine Rückseite
sondern ist in seiner Längenausdehnung unbegrenzt so weit die Kraft reicht
kann der Hurnuss geschlagen werden Innerhalb dieses Zieles muss nun der sehr
rasch fliegende Hurnuss aufgefasst abgetan werden welches mit großen hölzernen
Schaufeln mit kurzen Handhaben geschieht Fällt derselbe unabgetan innerhalb des
Zieles zu Boden so ist das ein guter Punkt Wird er aber aufgefasst oder fallt
er dreimal hintereinander außerhalb der Grenzen zu Boden so muss der Schlagende
zu schlagen aufhören Die zwei Partien bestehen aus gleich viel Gliedern und
schlagen und tun wechselseitig den Hurnuss ab Haben alle Glieder einer Partie
das Schlagrecht verloren indem der Hurnuss entweder abgefasst worden oder außer
das Ziel gefallen so zählen sie die guten Punkte und gehen nun ins Ziel um den
Hurnuss aufzulassen den nun die andere Partie schlägt bis auch alle Glieder das
Schlagrecht verloren Welcher Partie es gelungen ist mehr Punkte zu machen den
Hurnuss ins Ziel zu schlagen ohne dass er abgetan wird die hat gewonnen Nun muss
man wissen dass dieser Hurnuss fünfzig bis siebzig Fuß hoch und vielleicht sechs
bis achthundert Fuß weit geschlagen wird und doch gelingt es bei geübten
Spielern den Partien oft nicht einen einzigen Punkt zu machen höchstens zwei
bis drei Es ist bewunderungswürdig mit welcher Sicherheit gewandte Spieler dem
haushoch über sie hinfliegenden Hurnuss ihre Schaufel entgegenrädern wie man zu
sagen pflegt und ihn abtun mit weithin tönendem hellem Klang mit welcher
Schnelligkeit man dem Hurnuss entgegenläuft oder rückwärts springt um ihn in
seinen Bereich zu kriegen Denn je gewandter ein Spieler ist ein desto größerer
Raum wird ihm zur Bewachung anvertraut Je gewaltiger einer den Hurnuss zu
schlagen vermag um so mehr müssen die Auflassenden im Ziel sich verteilen so
dass große Zwischenräume zwischen ihnen entstehen und auf den geflügelten Hurnuss
eine eigentliche Jagd gemacht werden muss Dieses Spiel ist ein echt nationales
und verdient als eins der schönsten mehr Betrachtung als es bisher gefunden
hat Dass es ein nationales ist beweist das am besten dass ein ausgezeichneter
Spieler durch eine ganze Landschaft berühmt wird und die Spieler verschiedener
Dörfer ordentliche Wettkämpfe miteinander eingehen wo die verlierende Partie
der gewinnenden eine Ürti zahlen muss das heißt ein Nachtessen mit der nötigen
Portion Wein usw
Zur Zeit als die Erdöpfelkofer und die Brönzwylerer mit einander hurnussen
wollten war noch der Dorfhass in vollem Leben Es war nämlich eine Zeit im
Kanton Bern wo jedes Dorf das andere hasste jedes Dorf seinen Spottnamen hatte
wo dieser Hass bei jedem Tanz an jedem Markte und zwischendurch im Jahr noch
sehr oft mit Blut neu besiegelt wurde daher nie veraltete sondern in seiner
gleichen Schärfe von einem Geschlecht zum andern überging Damals schlug man
sich mehr als jetzt es floss mehr Blut als jetzt aber damals war es ein
nationales Schlagen mit Scheitern Stuhlbeinen Zaunstecken und die harten
Bernergrinden wurden wohl sturm davon aber brachen nicht ein Jetzt aber ist es
mehr ein banditenmässiges Morden ein unnationales Messerbrauchen und je
stumpfer das Schwert der Gerechtigkeit wird desto schärfer werden die Messer
und je feiger die Richter sind desto frecher wird das Pack Ach Gott wenn doch
so ein Richter durch seine vermeintliche Popularität hindurch sehen könnte wie
geehrt und beliebt er sich durch seine Feigheit macht wie hoch ihn die Mit und
Nachwelt schätzt wenn er jedem Spitzbuben jedem Vieh herauszuhelfen sucht ja
dadurch so recht eigentlich zu ihrem Helfershelfer sich macht er würde zittern
und schlottern vor Angst und Scham und doch vielleicht nicht anders können von
wegen seinen natürlichen Anlagen
Schon lange hatten sie sich gegenseitig ausgeboten und verhöhnt schon
manches Loch in die Köpfe war geschlagen worden ehe man dazu kam einen Tag zum
Wettkampf an zusetzen Nun entstund in beiden Dörfern ein reges Leben jede
Abendstunde wurde zur Vorübung benutzt Die Alten brummten über viele
Zeitversäumnis sagten voraus das wer de eine schöne Geschichte absetzen und
doch nahmen sie eifrig teil an allem nahmen selbst noch die Schaufeln zur Hand
und probierten die Schlagstecken wie sie sich in die Hand schickten und was für
einen Zug sie hätten bis sie sich nicht enthalten konnten den Hurnuss auch zu
schlagen Zugleich führten sie die Jungen aus wie sie gar nichts mehr könnten
und wie die Andern ihnen den Marsch machen werden und doch ließ sich noch
einige alte Berühmteiten mit fast weißen Haaren erbitten am eigentlichen
Kampfe teilzunehmen Die Auswahl der Spielenden geschah mit der größten Sorgfalt
und nach langem Prüfen und Wägen denn die Ehre des Dorfes stund auf dem Spiele
und es war lustig anzusehen wie die Auserwählten sich ordentlich in die Brust
warfen die Nichterwählten aber sich klein machten und demütig zu den Andern
aufschauten
Unter den Auserwählten sollte auch Uli sein denn für so ein Junger war er
ein Meister und wenn ihm schon im Schlagen noch hie und da ein Streich fehlte
so war er doch im Abtun wo es Springen und Werfen galt einer der Tüchtigsten
Sein Meister riet ihm ab die Wahl anzunehmen Das sei nichts für ihn sagte
derselbe Verliere seine Partie so komme er unter fünfundzwanzig bis dreißig
Batzen nicht daraus Das sei noch das Wenigste Am Abend gebe es Streit und was
dann das kosten werde das wisse man nicht voraus Wenn es bös gehe so könne es
zu Leistungen kommen und man habe Beispiele dass so ein Streit viele hundert
Kronen gekostet habe Das sei für reiche Bauernsöhne welche gerne ihre Neutaler
sonneten und denen ihre Alten nichts darauf hätten wenn sie nicht alle halben
Jahre eine Ausmacheten hätten wenn sie nicht während ihrer ledigen Zeit einige
hundert Neutaler an Schmerzengeld und Bussen zahlen müssten Ob solchem sei schon
mancher Bauer arm geworden ein Knechtlein vermöge es vollends nicht Er solle
daher zurückbleiben meinte der Meister es könnte ihn sonst um manches Jahr
zurückschlagen ja machen dass er nie mehr ins Geleise käme Den Uli dünkte was
der Meister sagte gar vernünftig ob gleich es ihn hart hielt nicht an der
Ehre teilzunehmen an jenem Sonntag vor der großen Zuschauerschaft als ein
bewährter Hurnusser aufziehen zu können Er ging den nächsten Abend hin um
abzusagen Natürlich nahm man sein Wort nicht gerne an und unglücklicherweise
war gerade jener oben genannte Nachbar auch dabei Nachdem man lange umsonst in
Uli gedrungen war nahm jener Nachbar ihn nebenaus und stellte die Sache nun
anders dar
Der sagte nun dem Uli wie es seinem Meister nur darum zu tun sei dass er
ihm nicht etwas versäume und dass er nicht etwa einen Abend für ihn füttern
müsse Er kenne den Bodenbauer von Jugend auf sagte er Das sei ihm der größte
Fuchs und scheinheiligste Ketzer unter der Sonne und so wie er wisse Keiner die
Diensten auszunutzen Da gebe er ihnen alles Mögliche an und stelle sich lauter
gutmeinend nur um sie zu Hause zu behalten damit keiner einen Augenblick
versäume und er sie brauchen könne Tag und Nacht Auch wolle er nicht dass sie
mit andern Leuten Gemeinschaft hätten und Bekanntschaft machten damit sie nicht
vernähmten wie viel Lohn man hier oder dort gebe wie gut man es hätte usw So
mache er es allen seinen Diensten und wenn er einen recht ausgenutzet habe ihm
alles aufgebürdet und der etwas mehr Lohn wolle so jage er ihn fort und stelle
wieder einen wohlfeilern an Jetzt wolle er nur nicht dass Uli gute
Kameradschaft mache mit reichen Bauernsöhnen und dadurch vielleicht sein Glück
machen könne man wisse nicht wie Er Uli solle nur dem Meister sagen man
hätte ihn nicht loslassen wollen Es sei ihm nützlicher der Meister brumme ein
wenig als wenn die ganze Dorfschaft ihn zHass ergreifen würde Uli schwankte
gab nach solche Worte fanden noch Glauben bei ihm zudem gefiel ihm die
Kameradschaft mit reichen Bauernsöhnen er wusste nicht dass auch hier das
Sprüchwort giltet es sei bös mit großen Herren Kirschen essen weil sie einem
gerne Steine und Stiele ins Gesicht würfen das Fleisch aber behielten Wer mit
Höhern ohne eigenen Schaden umgehen will muss sehr klug sein sonst wird er
missbraucht muss die Ehre teuer bezahlen und wird am Ende doch mit Spott und Hohn
weggeworfen wenn man seiner satt hat oder ihn nicht mehr zu brauchen weiß oder
wenn er sich einfallen lässt Ansprüche zu machen Das ist ganz akkurat gleich zu
Erdöpfelkofen wie zu Paris zu Brönzwyler wie zu Bern
Als Uli dem Meister sagte er müsse doch mitalten man wolle ihn nicht
loslassen so erwiderte dieser wenig darauf nur ermahnte er Uli dass er sich
wohl in acht nehmen möchte es wäre ihm leid wenn er in Ungelegenheit käme und
wieder ans alte Ort Diese Milde rührte Uli fast und beinahe wäre er jetzt noch
zurückgegangen aber die falsche Scham war stärker in ihm als die gute Regung
Der ersehnte Sonntag brach endlich an und mit ihm nahm Manchem eine
schlaflose Nacht ihr Ende Wenige hatten Zeit die Kirche zu besuchen alle
Teilnehmer mussten sich rüsten Schaufeln probieren Stecken fecken die Andern
hatten ihnen zu helfen und alle Weiber mussten das Mittagsmahl wenigstens eine
halbe Stunde früher bereit halten als sonst was für die einen eine schwere
Aufgabe war welche Fleisch im Hafen hatten das drei Jahre im Kamin gehangen
und von einer Kuh gekommen war welche wenn sie eine Frau gewesen fast gar zur
goldenen Hochzeit gekommen wäre
Indessen wenn das Fleisch auch blieb wie mittelmässiges Sohlleder heute nahm
es niemand übel und glücklich war man als endlich nichts mehr zwischen dem
Nachmittage war an dem des Dorfes Ehre für Kind und Kindeskinder neu bewährt
werden sollte
Noch lange hatte die bestimmte Stunde nicht geschlagen als man schon mit
dem Rüstzeug auf den Achseln Einzelne dem Sammelplatz zuziehen und dort Stecken
und Schaufeln von Hand zu Hand zu sorgfältiger Prüfung wandern sah Die Knaben
drängten sich gar eifrig herbei und schwangen mit Eifer die Stecken und redeten
mit gar wichtigen Gesichtern welche Schaufel am besten in die Hand sich
schicke die Alten aber stunden scheinbar kaltblütig draußen auf der Straße die
kurzen Pfeifchen trotzig im Munde die Hände in den Kuttentäschen und
Westensäcken und redeten vom Luft und vom Säen Endlich wurde aufgebrochen die
jubelnde Jugend voran Mit glücklichen Gesichtern die welche eine Schaufel
einen Stecken tragen konnten branzend und zankend die welche leer
nebenbeiliefen kühn und trotzig hie und da einer einen ungelenken Sprung
versuchend wenn er eben ein Mädchengesicht erblickte das ihm nicht
gleichgültig war marschierten die Kämpfer in halbmilitärischer Ordnung nach
und hintendrein trätscheten wie in halbem Selbstvergessen die Alten und einer
sagte dem andern er müsse auf seinen Acker man habe ihm gesagt die Schnecken
machten gar wüst in seinem Roggen und da gehe es ihm in einem zu zu sehen wie
die Jungen es verspielten Es sei unter ihnen kein Einziger der ihm die
Schuhriemen aufgetan hätte wo er noch jung gewesen und doch seien noch ein
halb Dutzend ebenso bös gewesen oder noch böser als er Und als die Mannschaft
aus dem Dörfchen war hielt das Weibervolk Rat was sie wohl zWort haben
könnten um auch auf dem Kampfplatz zu erscheinen oder wenigstens von weitem
zuzusehen So mir nichts dir nichts dem Zuge nachzulaufen schämten sie sich Ei
nun die Vorwände waren bald gefunden Die jungen Mädchen zogen aus in langen
Zeilen Hand in Hand und flatterten herum bis sie mitten unter den Buben
saßen etwas ältere zogen langsam in weiten Kreisen um den Platz herum und
stellten sich in geziemender Entfernung auf einem kleinen Hübeli auf wo sie
weithin gesehen wer den konnten und eine Alte nach der andern trappete nach
mit einem Kinde an der einen einem Rosmarinstengel in der andern Hand und sagte
jedem Begegnenden Sie müsse auch noch da hinaus wenn es ihr schon zwider sei
aber das Kleine hätte ihr keine Ruhe gelassen Es wolle auch luegen wie dr Ätti
hurnussen könne hätte es gesagt
Es war ein schöner herbstlicher Tag hell die Luft und grün die Erde
einzelne Schäfchen gingen am Himmel ganze Scharen weideten auf der Erde und
eine liebliche Wärme lag auf Menschen und Tieren die in süßer Behaglichkeit
sich ausstreckten im grünen Grase an der hellen Sonne
Draußen trafen auf einer weiten Matte die Partien zusammen und ordneten sich
zum Spiele das hundertmal schöner und tausendmal nationaler ist als das
fratzenhafte Komödiespielen das den Leib nicht übt an dem die Seele nicht
wohl lebt das eine leidige Nachahmung ist und Gelegenheiten zum Faulenzen oder
Hudeln gibt
Der günstigste Standpunkt wurde auserlesen die Sonne für die Abtuenden in
den Rücken genommen der Sparren zum Schlagen des Hurnusses sorgfältig gestellt
wo kein dunkler Hintergrund das Aufsteigen des Hurnusses verbarg wo er gleich
von der Stange weg in freier Luft wahrgenommen werden konnte Wo dies nicht
beachtet wird oder der Tag etwas dunkel ist und der Schläger den Hurnuss rasch
und kräftig zwickt da fliegt er mit solcher Schnelligkeit dass er nicht
wahrgenommen wird bis er Einem schwer verletzend an den Kopf fliegt oder mit
dumpfem Schlage neben Einem zu Boden fällt Daher haben auch die Vordersten im
Ziele die Aufgabe denselben sobald sie ihn erblicken mit Händen und Schaufeln
den Hintern zu zeigen und weithin schallt dann das ängstliche »Da da da da
hier hier«
Lange gings bis der Sparren oder die Stange aufgerichtet war in ebenrechter
Höhe bis das Ziel ausgesteckt war in ebenrechter Weite und Breite bis die
Regeln des Spieles festgesetzt waren und geloset war wer anschlagen solle Jede
Partie suchte ihre wirklichen oder vermeintlichen Vorteile und eine brauchte
nur etwas vorzuschlagen so verweigerte es die andere hartnäckig etwas
Verdächtiges dahinter witternd Dann zankte man sich bis die Alten sich
dareinlegten den Einen oder den Andern nebenausriefen ihm etwas ins Ohr
sagten welches gewöhnlich darauf hinauslief mit Aufgeben eines Vörtelchens ein
anderes zu erlistelen
Es war schon über zwei Uhr geworden ehe die Spieler ins Ziel traten sich
verstellten vom Sparren herauf der Ruf ertönte »Weit dr ne« von dort her die
Antwort kam »Gät ume« ein Schläger rasch hinzutrat aufzog den Stecken über
den Sparren ihn hörbar berührend niedersausen ließ alle Herzen pochten alle
Mäuler aufgingen alle Augen in zitternder Spannung zum Hurnuss sahen ihn
suchten in der Luft ihn nirgends sahen und während alle die Augen aus dem
Kopfe sahen tönte ein zweiter Schlag da flog der Hurnuss hoch herein übers
Ziel wurde zu spät entdeckt und machte eins Der erste Schlag war ein
Vexierschlag gewesen
Ich will nun nicht fortfahren wie ich angefangen nicht den Lauf des
gesamten Spiels erzählen wie oft man branzte miteinander über vermeintliche und
wirkliche Täuschungen wie man sich manchmal die Fäuste unter die Nase hielt
wie die Alten Schiedsrichter sein mussten wie sie mittelten von beiden Seiten
und wie die Jungen sich ihnen fügten freilich oft sperrig wie die Alten sich
nicht enthalten konnten praktischen Unterricht zu geben einem Schläger
zuzurufen Er solle bas hingere stah oder bas füre den Abtuenden Sie sollen
sich besser auseinanderlassen und ihre Schaufeln nit zgly werfen das sei
nichts wert Ich will auch nicht weiter beschreiben wie allmählich ein dichter
Kranz von Zuschauern die Spielenden umschlang wie die alten Mütter mit
pochenden Herzen an dem Spiele teilnahmen wie die Mädchen vor Angst oder Freude
zitterten wenn ihr Liebster ans Schlagen trat oder den Hurnuss abtat auch
nicht wie die Buben von Erdöpfelkofen und Brönzwyler sich boshaft neckten und
endlich jämmerlich prügelten bis die Mütter und Schwestern sie
auseinanderrissen während die Väter und Brüder es nicht der Mühe wert fanden
einzuschreiten Das alles will ich nicht erzählen sondern bloß noch sagen dass
die Erdöpfelkofer es verloren freilich nur um eins aber doch verloren Sie
zankten sich zwar tüchtig ehe sie es glauben wollten versuchten alle List und
alle Vörtel konnten wirklich einen noch einmal schlagen lassen nachdem er
schon abgetan worden stüpften einen Hurnuss der ins Ziel gefallen war hinaus
und hoben ihn erst draußen auf und leugneten es dem alten Brönzwyler der
pfiffig in der Nähe aufpasste ab aber es half alles nichts sie mussten es
endlich verloren geben Sie waren unwirsch und hielten den Entscheid des
Schicksals für durchaus ungerecht weil sie offenbar die Bessern gewesen und
hie und da einer konnte sich nicht enthalten einem schuld zu geben dass er
schlecht geschlagen oder im Abtun sich verfehlt Die Alten verließen brummend
den Platz und meinten sie hätten es schon lange gesagt es komme so allbets
wäre es anders gegangen sie seien manchmal dabeigewesen aber so leid hätten
sie sich nie gestellt Und die Weiber und die Mädchen gingen auch mit schweren
Beinen heim und sagten Das mach ihnen zuletzt noch nichts wenns Ihrer schon
verspielt hätten wenn es hinecht nur nichts Uwatligs geb aber sie förchte die
kämen nicht ohne Kläpf auseinander He nu was das denn mache sagte so ein
alter Fäger er sei auch manchmal dabeigewesen wo es Kläpf gegeben habe und
noch ganz andere als heutzutag und er sei doch immer mit dem Leben
davongekommen
Uli hatte sich brav gestellt und doch trümpfte ihn ein Bauernsohn der
selbst den Hurnuss mehr als einmal liederlich vorbeigelassen als ob er am
Verlust schuld sei Das und die Aussicht so mir nichts dir nichts um zwei bis
drei Pfund zu kommen machte ihn ganz böse und ärgerlich er sagte Er denk er
komme nicht mit zum Trinken es sei ihm nicht darum und er müsse daheim füttern
der Meister werde kaum daheim sein es soll doch einer für ihn zahlen was es
ihm breiche er wolle es ihm dann wiedergeben Aber da sagte man ihm ob man ihn
hintersich darauslassen wolle Er hätte es verspielen helfen er müsse jetzt
auch zahlen helfen und mit den Andern halten es möge kommen was da wolle
Das wäre lustig wenn jetzt ein jeder heim wollte dem Müetti unter dScheube
schlüfen Uli musste mit unzufrieden mit sich selbst und der ganzen Welt Er
hatte im Stillen gehofft einmal wieder recht trinken zu können auf anderer
Leute Kosten nun ging es ihm umgekehrt
Es war wirklich für die Erdöpfelkofer eine harte Nuss so gleichsam im
Triumph von ihren Siegern aufgeführt zu werden dem auserwählten Wirtshaus zu und
in diesem Zuge die fröhlichen Gesichter der Brönzwyler Weiber und Mädchen zu
sehen und hören zu müssen Wie sie es nicht geglaubt hätten dass es Ihrer so
wohl könnten aber da hätten sie keinen vorbeigelassen wie hoch einer auch
dahergekommen sei und wie schnausig Sie mussten es indessen leiden gebärdeten
sich dabei aber so trotzig als möglich waren auf Spottreden mit Schlagworten
bereit und wenn die Mädchen mit schelmischen Blicken sie neckten so vergalten
sie es ihnen mit schlüpferigen Reden
Im Wirtshause glimmte das heimliche Feuer vom Weine genährt immer mehr auf
Stichelreden flogen hin und her und manche Faust hob sich und manche Flasche
wurde zum Wurfe gefasst aber noch mittelten die Eltern setzten die Jüngern und
mahnten ja nicht anzufangen aber wenn die Andern anfingen so sollten sie sich
wehren vom Teufel und nichts borgen Aber immer mehr stieg auch den Eltern der
Wein zu Haupt Sie begannen zu erzählen von vergangenen Zeiten wie sie hier und
dort sich geprügelt dass das Blut durch die Karrgläuse gelaufen sei wie aus
allen Häusern die Leute zusammengelaufen seien wie wenn man zusammengeläutet
hätte und wie sie allen Meister geworden wären Die Erdöpfelkofer hielten den
Brönzwylern vor wie oft sie dieselben gejagt gescheitert gebodiget hätten
Die Brönzwyler führten anderes an und namentlich den heutigen Tag und wenn sie
es so verspielt hätten so wollten sie sich nicht so groß machen es hätten es
ja alle Leute sehen können welche die Leideren seien Und Einer begann dem
Andern vorzuhalten wie er ihn dort in einen Bach geworfen oder in einer
Mistgülle herumgezogen mit einem Zaunstecken traktiert dass er am Boden gelegen
sei wie ein Kalb Und der Andere erhob dann die Faust und wollte er fahren wer
heute Meister sei Und die Älteren die früher abgewehrt waren jetzt die
Hitzigsten geworden und hier griff ein Paar zusammen und dort drückten sich
einige alte Mannlein an die Wand während einige mächtige Männer ruhig hinter
den Tischen saßen und mit bewunderungswürdiger Gravität in das Getümmel
schauten nur hie und da einige gewichtige Worte sprachen als »Eh eh ih wett
nit la dä gah sust wills dr zeige«und ihre Worte verfehlten ihre Wirkung
nicht Es waren die Künge die man kannte von denen man wusste dass wenn die
einmal aufstünden es den Fall Vieler zu bedeuten hätte denen es aber selten
mehr der Mühe sich lohnte ihre Kraft in die Wagschale zu legen Ihre Worte
unterstützten die Bemühungen des Wirtes der Ruhe halten wollte seiner Tische
und Stühle seiner Flaschen und Gläser wegen Er war ein kräftiger und beliebter
Mann der ohne Furcht mitten unter die Streitenden trat sie auseinandertat den
Einen hiehin den Andern dorthin setzte wenn sie sich wehren wollten und mit
mächtigem Arme den aus der Stube warf der sich nicht ergeben nicht ruhig sein
wollte
Dem guten Mann floss von der Stirne heiß der Schweiß wenn er hier
auseinandergetan so klebten dort Andere zusammen aber er gab nicht nach
sondern rief immer mächtiger Hier sei er Meister und hier dulde er keinen
Streit wer für ds Teufels Gwalt Schläge haben wolle der solle hinaus dort
hätten sie Platz genug und dort könnten sie einander seinetalb dGringe
abschrysse Die recht Streitbrünstigen ließ sich das gesagt sein Es verschwand
einer nach dem andern einer wollte dem andern auflauern und ehe er recht
draußen war hagelten Streiche auf ihn ein wie von unsichtbaren Händen er
konnte kaum seinen Kopf sichern und mit Dreinschlagen den Feind sich vom Leibe
halten Wie man es draußen so tätschen und klepfen hörte so nahm es die drinnen
immer mehr wunder wie es draußen ginge sie stürzten hinaus und hingen sich
auch in den großen immer blutiger werdenden Knäuel auf den mild lächelnd die
heitern Sterne schienen aber nicht hell genug leuchteten dass der Freund vor
Freundes Schlag sich wehren der Feind den Feind er kennen konnte Es ging wüst
draußen und hie und da kam einer herein mit Blut überströmt sagte es werde
ihm fast gschmucht und man solle ihm Wasser geben Der Wirt der Wasser holen
wollte kam auch blutend mit zerschlagener Flasche und sagte den Küngen die
noch immer am Tische saßen es wäre doch afe Zeit dass sie hinausgingen und
sähen was es gebe es dünke ihn es gehe afe wüst genug Die Mannen tranken
aus klopften ihre Pfeifen aus erhoben langsam ihre Riesenglieder und schritten
langsam hinaus sie wären schneller gegangen wenn man sie gerufen hatte
draußen einem Pferde die Fliegen zu wehren Draußen stellten sie sich
betrachteten gemächlich das Gewühl der auf dem Boden Liegenden der in Masse
Kämpfenden und endlich sagte einer Es dunke ihn es sollte jetzt genug sein
sie sollten jetzt aufhören sonst wolle man es ihnen teilen aber dann unsauber
»La gseh guetets jetzt de« rief ein anderer als der Streit fortdauerte nahm
den Nächsten und schmiss ihn rücklings in einen Haufen hinein dass er durch
denselben fuhr wie eine Kanonenkugel und jenseits in einem Zaune hängen blieb
Die andern griffen auch zu und es war merkwürdig zu sehen wie die wildesten
Schläger im Arme eines der Künge zappelten wie Fische in der Hand einer Köchin
und in kürzer Zeit war der Platz von Streitenden leer nur noch hie und da in
immer zunehmender Ferne hörte man Schläge fallen Fluche schallen Nun wurden
die Verwundeten aufgehoben ausgewaschen und suchten sich im Geleite der Künge
den Weg nach Hause Nur zwei von Brönzwyler wollten nicht fort sondern blieben
wie man zu sagen pflegt in der Leistung liegen und begehrten einen Doktor das
heißt sie blieben auf Kosten ihrer Schläger liegen so lange als möglich oder bis
der Handel ausgemacht die Entschädnis ausgemittelt war Das wollte zwar den
Küngen nicht gefallen sie sagten Zu ihren Zeiten hätte man sich wegen solchen
Flöhbicken nicht umgesehen es sei nichts mehr mit den Leuten Aber die Bursche
ließ sich nicht abwendig machen es waren halt nicht die reichsten und es war
ihnen nur um das Stück Geld zu tun
Uli war gereizten Gemütes zum Weine gekommen und hatte viel getrunken Er
dachte wenn er doch mitzahlen müsse so wolle er wenigstens machen dass er
redlich seinen Teil bekäme Er war auch im Streit gewesen aber nur so im
allgemeinen weil gerade kein besonderer Hass gegen irgend einen Brönzwylerer in
ihm war Er teilte tüchtige Schläge aus hie und da aber misshandelte niemand
insbesonders er erhielt einige rässe Kläpfe blutete und sein Sonntagsstaat
hing ihm zerrissen am Leibe Als die alten Fäger dem Streit ein Ende machten so
hatten die Erdöpfelkofer die Oberhand auch waren die beiden in der Leistung
Liegenden Brönzwylerer Die Ersten schrieben sich daher den nächtlichen Sieg zu
trösteten sich deswegen über die Niederlage beim Hurnussen und verführten beim
Heimgehen einen Mordsspektakel und manches unschuldige Bäumchen und manch noch
unschuldigeres Fenster mussten ihren Sieges und andern Rausch büßen Die Helden
von Waterloo oder Morgarten konnten nicht bäumeliger heimgekommen sein als sie
Am Morgen verging Einigen der Jubel Als Uli erwachte der zerschlagene Kopf ihn
brannte ein Arm sich fast nicht wollte bewegen lassen seine zerfetzten
Sonntagskleider ihm in die Augen und die mächtige Ürti ihm ins Gedächtnis
fielen da hätte er fast weinen mögen Jetzt sei alles aus dachte er Hausen
lohne sich nicht der Mühe Er habe doch recht ein arm Knechtlein komme zu
nichts und wenn er ein einzig Mal übertrappe so sei er fertig es möge ihm
auch gar nichts erleiden Er hatte allen Mut verloren gab nicht nur niemand ein
gutes Wort sondern ging umher wie eine geladene Kanone vor der jedermann floh
weil man fürchtete sie könnte jeden Augenblick losgehen
Unterdessen hatten die in der Leistung Liegenden zwei Männer nach
Erdöpfelkofen gesandt mit der Frage ob sie es mit ihnen in Freundlichkeit
ausmachen oder ob sie es dem Landvogt anzeigen sollten Diese Männer hatten sich
an den Bauer gewandt der den Uli aufgestiefelt hatte gegen seinen Meister und
dieser gab ihnen den Bescheid Man werde wohl ausmachen wenn es der wert sei
es werde wohl nicht so bös gegangen sein Indessen müsse er mit den Andern
reden man könne ihnen morgen den Bescheid sagen lassen Der Fuchs hatte seinen
Plan schon gemacht wie er und seinesgleichen darauskommen wollten ohne dass es
sie etwas koste Er gab unter der Hand den Andern an sie wollten den Uli
vermögen dass er sich als den Schuldigen welcher jene Beiden misshandelt
dargebe und entweder mit ihnen abmache oder sich dem Landvogt anzeigen lasse
Das tue der schon sagte er wenn man ihm den Mund recht süß mache ihm nicht
nur verspreche ihn in allem auszuhalten sondern noch einen schönen Lohn
obendrein zu geben Man könne von diesem allem hintendrein immer halten was
einem anständig sei Zugleich schmiere man so die Brönzwylerer an die an Uli
auch nicht reich werden würden
Das gefiel den Meisten wohl dass Uli die Suppe ausessen sollte sie hatten
so halb und halb Angst der Landvogt könnte diesmal nicht bloß büßen sondern
bannisieren und wenn ein reicher Bauernsohn schon das Geld lieb hat so zahlt
er doch zehnmal lieber als dass er leistet und sein Vater hundertmal lieber und
das Mütti gar tausendmal
Resli wie der alte Fuchs hieß machte sich also an Uli als der fütterte am
Abend und sagte ihm es hätte gefehlt und die Brönzwylerer hätten Mannen
geschickt und es komme jetzt darauf an wie man es etwa ausmachen könne viel
Geld könnte es allweg kosten Das war bei Uli die Lunte auf die Kanone und die
brannte nun krachend und donnernd über Resli los Uli nannte ihn einen alten
Schelm der ihn ins Unglück gestürzt Er hätte nicht kommen wollen Resli hätte
ihn beredet er hätte den Streit nicht angefangen gerade die Alten wo am
witzigsten hätten sein sollen hätten am wüstesten getan und namentlich er
Resli Nun sollte er ein armes Knechtlein ein halbes oder ganzes Jahrlöhnli
dargeben ein ganzes Jahr umsonst arbeiten das sei vor Gott und Menschen nicht
recht Aber so habe man es mit den dolderschiessigen Bauern wenn die ein arm
Knechtlein ins Unglück stoßen könnten so bsinnten sie sich nicht zweimal
Resli ließ den Sturm gelassen austoben und sagte endlich Wenn er ihn wollte
zu Worten kommen lassen so sollte er gerade das Gegenteil erfahren man hätte
sein Glück im Sinn und wenn er vernünftig tue so wolle man es einrichten dass
er allein den Vorteil vom ganzen Handel hätte Er hatte Mühe Uli zu gschweigen
und zum Losen zu bringen Als es Resli endlich gelang zu sagen dass Uli sich
als Täter dargeben solle so ging ein neuer Schuss los Uli wollte vom Nachtrag
lange gar nichts hören Endlich gelang es Resli doch anzubringen wie man
hinter ihm stehen und nicht nur alle Kosten tragen sondern auch dem Uli ein
Schönes geben wolle für sich er solle nur fordern man wolle ihm geben bis er
zufrieden sei Wenn Uli sich dargebe so könne man es viel wohlfeiler ausmachen
oder wenn es endlich vor den Landvogt komme und Uli leisten müsse so mache ihm
das ja nichts Ein Kerli wie er finde allenthalben Meister ds Gunträri es
hätte schon Mancher in der Fremde wohin er nie gegangen wenn er nicht
bannisiert worden wäre sein Glück gemacht Und die fünfzig oder hundert Kronen
die man ihm geben wolle er solle ja nur heuschen kämten ihm auch wohl er
könne lange arbeiten ehe er so viel verdient hätte Und wenn man ihm weiter
sonst dienen könne so solle er nur zusprechen man werde ihn nie stecken
lassen sondern sein Leben lang ihm daran denken Kurz Resli wusste dem Uli die
Sache so süß vorzustellen ihm es glaublich zu machen das er noch großen Gewinn
aus dem ganzen Handel ziehen würde statt Schaden zu haben dass er versprach
nach dem Feierabend in eine Versammlung zu kommen wo man das Nähere verabreden
wolle
»So komm dann« sagte Resli »aber sag deinem Meister nichts der braucht
eben nicht alles zu wissen was wir unter uns machen es geht ihn ja nichts an
darum hat er nichts dazu zu sagen«
Kaum war der Resli fort so trat der Meister zu Uli in den Stall und nach
einigen gleichgültigen Worten fragte er »Ist nicht der Resli bei dir gewesen
Hat er etwa zu mir wollen« Uli sagte er wisse es nicht er hätte nichts davon
gesagt Der Meister sagte er wüsste auch nicht was er mit ihm hätte er werde
wohl nur zu Uli gewollt haben Uli sagte sie hätten noch von gestern
miteinander brichtet Der Meister wusste wohl was Er war während Uli und Resli
miteinander geredet die ganze Zeit über im Futtergang gewesen hatte alles
gehört Es ward ihm daher nicht schwer durch eine Reihe von Fragen Uli endlich
zum Geständnis der Wahrheit zu bringen In seiner angestammten Bedächtigkeit
hatte der Meister einen Kampf in sich zu bestehen ob er sich weiter in eine
Sache mischen wolle die ihn allerdings nichts anging und ob er eines Knechtes
gegenüber von Nachbarn sich annehmen wolle Indessen siegte seine Gutmütigkeit
sein Wohl wollen zu Uli und auch etwas der Ärger dass man hinter seinem Rücken
an seinen Knecht sich mache ihn erst auf reise und dann missbrauchen wolle Er
sagte daher Uli »Du kannst meinethalben machen was du willst du hast mir
nicht gehorcht als ich dir von dem Mitmachen abgeraten du kannst jetzt auch
machen was du willst Indessen wenn ich dir gut zu Rate bin so lass dich nicht
ein man will dich hineinsprengen und die Andern wollen sich hinter dir
drausmachen Man wird dir alles versprechen was du willst aber gar nichts
halten Wenn du mit den Brönzwylerern abmachst so kannst du bezahlen wenn du
leisten musst so kannst du ihretalben gehen wohin du willst keiner wird dir
Dankeigist sagen« »Glaub mir nur so gehts der Gattigs hab ich schon mehr
erlebt« Aber das wär ihm doch dr Tüfel sagte Uli was man ihm verspreche
werde man ihm wohl halten oder er müsste sich dann gar nichts auf die Leute
verstehen »Ja du guter Tropf du« sagte der Meister »man hält was man gerne
will oder halten muss aber mehr nicht am aller wenigsten in solchen Händeln
das sind die wüstesten Bschysshändel von der ganzen Welt Wenn man da einen
hinein sprengen kann so lacht man sich den Buckel voll«
Da wurde es Uli angst es war ihm fast als wäre er schon hineingesprengt
und weinerlich sagte er Er könne nicht glauben dass die Menschen so schlecht
seien wenn es also wäre so erleide es einem dabeizusein und es wär eim am
besten wenn man dahin und daweg aus allem heraus könnte ganz aus der Welt
heraus Da müsse er die Leute nehmen wie sie seien sagte der Meister er könne
sie nicht besser machen Je gescheuter man sei desto besser komme man mit ihnen
nach denn da fanden sie nicht Gelegenheit einen zu betrügen und scheuten sich
auch mehr oder weniger davor es heiße ganz recht man solle klug sein wie eine
Schlange aber auch ohne Falsch wie eine Taube Ein dummer Mensch sei eine
immerwährende Versuchung für Andere ihn hinters Licht zu führen ihn zu
betrügen Er solle nur gescheut tun so hätte alles nichts zu sagen Ja was er
dann zu machen hätte fragte Uli »Vielleicht wäre das das Witzigste du gingest
gar nicht hin ließest dich nirgends finden da wurden sie dann von selbst
deinen Namen aus dem Spiel lassen müssen Indessen gehe und wehre dich da
werden sie dir das Schönste versprechen und immer mehr und mehr und werden
schwören und alle Zeichen setzen dass es dir ganz warm ums Herz werden wird dass
es dich dünkt es müsse wirklich so sein und es wäre die dümmste Sache von dir
wenn du nicht nachgäbest und dein Glück zu machen suchtest Dann sag in Gottes
Namen Ja aber man solle dir die Sache gschriftlich geben Sieh dann was das
für Gesichter gibt und wie man dir sagen wird das mangle sich nicht wenn es
dir ja alle versprechen so werde das wohl gut sein und man wollte sich doch
schämen so etwas zu versprechen und nicht zu halten Indessen bestehe darauf
und sieh dann zu was man dir gibt wer es unterschreibt und dass darin alle
vernamset seien und Einer für den Andern gut ist« Ja sagte Uli das wäre wohl
gut aber er könne nicht Geschriebenes lesen »Ei nun« sagte der Meister »das
macht nichts nimm das Papier nur heim man kann sehen was darin ist und du
kannst morgen noch immer machen was du willst« »Aber meinst dann Meister«
fragte Uli mit Beben »das mache nichts und ich verfehle mich nicht« »Das kommt
darauf an« sagte der Meister »wenn du mir diesmal glauben willst dich nicht
willst misstreu machen aufreisen lassen so verspreche ich dir hinauszuhelfen
Willst du aber den Andern wiederum mehr glauben als mir so kannst du
meinetalb siehe dann wie es dir geht Ich habe es dir im voraus gesagt wie
das Ding auslaufen werde aber du hattest zu den Andern mehr Glauben als zu mir
Ich weiß wohl wie sie mich werden verdächtigt und gesagt haben es sei nur
Missgunst von mir nur Zwang ich wolle meinen Leuten keine Freude gönnen und
nicht recht von dir Uli dass du solche Dinge von mir glauben konntest Ich
hätte geglaubt du solltest wissen wie ich es mit dir meine und du verdientest
wirklich dass ich dich stecken ließe Aber das sage ich dir rundweg wenn du mir
noch einmal so misstreu wirst und jedem Ohrenbläser und Lumpenhund mehr glaubst
als mir und seine Aufweisungen gegen mich annimmst so sind wir geschiedene
Leute für immerdar Wenn ich ein Vater an dir sein will so kann ich doch
fordern dass du Glauben zu mir habest und den solltest du wohl haben können«
Uli bekannte sein Unrecht und dass er nicht geglaubt dass die Menschen so seien
»Was« sagte der Meister »dass die Menschen so seien Du hast ja geglaubt ich
sei ein schlechter Meister und wolle dich ausnutzen du hast geglaubt dass der
der mit der Tat sein Wohlwollen dir zeigte schlecht sei hingegen gut
diejenigen die dir flattierten schmeichelten aber auch nicht ein Augvoll an
dir taten Du hast es gehabt wie alle du hast den Glauben an die Schlechten
gehabt und Unglauben gegen die welche gut an dir waren dann kommst du wie alle
Andern du hättest nicht geglaubt dass die Menschen so schlecht seien Das ist
eine unvernünftige Rede Aber ihr könnt Gut von Schlecht nicht unterscheiden und
habt eine natürliche Vorliebe für die welche euch aufweisen und eine
natürliche Abneigung gegen die welche euch befehlen euch in Ordnung halten
müssen und darum glaubt ihr zehnmal einem Halunk und nicht einmal einem
Meister Darum gehts den Meisten auch so gut und kommen so weit Glaubs mir nur
die welche Knechte und Mägde haben müssen sind weit mehr gestraft als die
welche Knechte und Mägde sein müssen« Der Meister war wider seine Gewohnheit
ganz heiß geworden Uli hielt ihm an Er solle doch recht nicht böse sein wenn
es jetzt so gehe wie er gesagt habe so wolle er sein Lebtag an ihn glauben und
nie mehr an Aufweisungen und Halunken
Am andern Morgen früh kam Uli zum Meister und sagte ihm Er hätts nicht
geglaubt aber punktum sei es gegangen wie er gesagt er glaube der Meister
könne hexen Sie hatten ihn fast gefressen vor lauter Liebe und Freundschaft
und zwischenein habe hie und da einer ihn wollen zu fürchten machen und am Ende
hätten sie ihm über alles aus tausend Pfund für ihn versprochen Da habe er
nachgegeben und es gschriftlich gefordert Lange hätten sie mit ihm gezankt und
endlich habe Resli gesagt He was das dann mache sie könnten es ihm wohl
geben und er solle selbst schreiben wie er es haben wolle Da habe er gesagt
er verstand sich nichts aufs Gschriftliche und Resli habe gesagt so wolle er
es machen und Zwei müssten es im Namen aller unterschreiben Nun hätten sie ihm
dieses Papier mitgegeben aber ihm gesagt er solle es bei Leib und Leben
einstweilen niemandes zeigen sonst könnte das Ganze fehlen und wie sie es ihm
abgelesen sei alles so gewesen wie sie es abgeredet Aber das hätte ihm nicht
gefallen sie hätten zäpflet untereinander und jeder habe das Maul verzogen
wenn er dareingesehen
Der Meister sagte »Soll ich dir jetzt ablesen was darauf steht Hör
Dass vergangenen Sonntag es schlecht gegangen mit dem Hurnussen und dass
nachher auch übel geschlagen worden woran des Bodenbauren Knecht schuld ist und
sich auch als schuldig dargegeben und bekannt hat und alle hiemit liberiert
sind das bezeugen mit ihren Unterschriften für sie und die Andern
Heuschrecken den siebenesiebezigst Jänner 10008005
Johnes Fürfuss
Bendicht Hemmlischilt«
Als Uli das Papier ablesen hörte wurde er bald rot und bald weiß und als es
aus war hatte er beide Hände geballt und konnte nichts sagen als »Die Donnere
die Donnere« »Und jetzt Uli« sagte der Meister »wem ist nun zu glauben«
»Schwyg doch Meister« sagte Uli »aber wart dem Donners Resli schlag ich auf
der Stelle beide Beine abenandere« »Das käme gut heraus« sagte der Meister
»Da kämest du vom Regen unter das Dachtrauf« »Aber was soll ich machen« sagte
Uli »so will ich es nicht annehmen«
»Gehe mach deine Sache« sagte der Meister »und lass mir das Papier da ich
will das Ding in der Stille fertig machen es ist am besten man mache nicht
Lärm es könnte für beide Teile nichts Gutes dabei herauskommen nichts als
Futter für die Lämmergeier welche vom Streit der Bauern leben« Als der Meister
ruhig zMorgen gegessen hatte trätschete er so wie von ungefähr gegen Reslis
Hofstatt wo dieser Äpfel auflas rühmte ihm wie viele und schöne Bäume darin
seien und wie sie bsunderbar gerne trügen Er ging darauf einige Schritte
kehrte sich dann um und sagte »Jä jetzt hätte ich es bald vergessen Uli geht
heute nicht an die Ausmacheten das Papier hat ihm nicht recht gefallen« Resli
bückte sich nach Äpfeln und sagte »He nun er hat dWehli aber sehe er nur was
er macht« »He ja ja« sagte der Meister »aber ich habe dir nur sagen wollen
dass man mir Uli eh rüeiig lässt es ist euch nützlicher ihr macht aus und
zahlet und fordert dem Uli keinen Kreuzer als dass er das Papier dem Landvogt
zeigt« Darauf gab Resli gar keine Antwort sondern sagte »Johannes es wäre
mir lieb wenn du deinen Hag besser vermachtest deine Schafe sind immer in
meiner Hofstatt und wenn eins an einem Öpfel erstickt so will ich nicht schuld
sein« Noch diesen Nachmittag solle die Lücke vermacht werden sagte Johannes
es wäre schon lange geschehen wenn man Zeit gehabt hätte Er solle es nicht für
ungut halten Nein sagte Resli aber es hätte ihn gedünkt es wäre afe Zeit Er
hätte nichts dawider sagte Johannes »aber Resli du weißt wohl wenn ds
Hurnusse nicht gewesen wäre so wäre Manches gemacht was nicht gemacht ist und
manches wäre unterwegs geblieben was nichts abtragt« Dem Resli kam der Tubak
in den letzen Hals er musste husten und Johannes ging fürbas aber zu Uli sagte
von wegen dem Zahlen niemand etwas mehr
Siebentes Kapitel
Wie der Meister für den guten Samen einen Ofen heizt
So kam er fast ungeschlagen aus großer Gefahr Freilich reute ihn das vertane
Geld die verderbte Kleidung und er konnte den Verlust fast nicht verwinden
Indessen erkannte er auch den großen Gewinn den er gemacht hatte dass er
nämlich für immer begreifen gelernt wer es gut und wer es bös mit ihm meine
dass die vom Teufel seien welche einen auf den breiten Weg locken und die von
Gott welche an den schmalen Pfad mahnen der so mühselig ist in seinem Anfang
aber so herrlich in seinem Ausgang Um dieses Gewinnes willen verschmerzte er
den Verlust und verlor den Mut zum Sparen nicht wurde aber doch erst dann recht
froh als er den Schaden wieder erarbeitet und da fortfahren konnte wo er
bereits gewesen war Das war ein groß Glück denn nichts lähmt den Mut mehr und
oft für immer als wenn man wieder von vornen anfangen soll Rasch will einer
einen Berg hinauf er kugelt wieder hinab er setzt noch einmal an es geht ihm
wie das erstemal da schleichen die Meisten lendenlahm weiter und lassen den
Berg stehen Lasst Pferde umsonst einen Wagen anziehen durch einen ungeschickten
Fuhrmann schlecht geleitet und der Wagen kommt nicht nach so werden sie
allemal schlechter anziehen und zuletzt es gar nicht mehr versuchen wollen
Gerade so ist es beim Hausen insbesonders beim Besserwerden sich Bekehren im
allgemeinen fruchtlose Versuche Rückfälle sind die gefährlichsten Feinde
wirklicher Besserungen
Uli erhielt sich indessen oben wenn schon das eigene Fleisch und Blut und
manche Gelegenheit ihn hinunterziehen wollten Am schwersten waren ihm die
Winterabende in welchen es nichts zu rüsten gab und die Sonntage im Winter da
dünkte es ihn es ziehe ihn jemand an allen Haaren nach irgend einem
Versammlungsort der Jugend wo man anfänglich scheinbar Unschuldiges treibt um
Nüsse spielt dann um Branntwein dann um Geld und endlich noch ausfliegt um
seine Lust weiters zu büßen Es ist in gar vielen Häusern eine Eigentümlichkeit
welcher man bestimmt viele schlechte Diensten zu verdanken hat In gar vielen
Häusern haben nämlich die männlichen Diensten keine helle oder warme Stube in
welcher sie sich aufhalten können Sie schlafen in den oberen Kammern diese sind
an den meisten Orten finster an allen kalt selten eine enthält Stühle noch
weniger Tische es sind bloße Schlafstätten in welchen oft im Winter Biecht an
das Dackbett sich ansetzt und wer einen Pfnüsel hat soll häufig Eiszäpfen
unter die Nase kriegen ungefähr so wie sie an Strohdächern zu Hunderten
hangen Hier können sie sich im Winter nicht anders aufhalten als im Bette und
schlafen mag man doch nicht immer von irgend etwas anders Machen ist nicht die
Rede nicht einmal von einem Knopf Annähen oder einem Fürfuss Platzen für die
Notdurft In der Stube wo gegessen wird duldet man sie meistens nicht
Gewöhnlich ist es die Wohnstube der ganzen Haushaltung Aber die Knechte sollen
nicht darin sein Bis man zum Essen ruft sollen sie nicht hineinkommen und
wenn abgegessen ist so sollen sie wieder hinausgehen sonst macht die Hausfrau
saure Augen und wenn die nichts nützen so erhält der Meister den Auftrag dem
Knecht zu sagen sein Tubak stinke gar oder aber kurzweg Wenn er gegessen
habe so hätte er nichts mehr in der Stube zu tun er könne ins Gaden hinauf
dort sei sein Platz Etwas besser haben es die Mägde die können doch in der
Stube sein auch an den Abenden wo nichts zu rüsten ist sie müssen spinnen An
Sonntagnachmittagen sieht man sie aber an vielen Orten auch nicht ungern
wandern und schon manche Bäurin hat zu der Magd gesagt Ob sie denn nie von
Hause weg wolle das zu Hause Plättern trage doch hell nichts ab und es gebe
nichts aus einem Meitschi wenn es nicht von Hause wegkomme Wo sie jung gewesen
sei da hätte man sie des Sonntags nicht einmal an einem neuen Hälsig
daheimgehalten da hätte es müssen öppe usgrüteret sy
Es gibt hie und da auch Dienstenstuben aber da bemächtigen sich meist die
Mägde derselben und entblöden sich nicht die Knechte unter irgend einem Vorwand
wegzujagen bald wollen sie die Hühneraugen abhauen bald sich anders anlegen
usw und die Knechte müssen weichen Einige Abweichungen von dieser Regel gibt
es wo die Meisterleute nicht aufpassen und die Diensten unter sich leben
können wie sie wollen und die Knechte gerade die Liebhaber der Mägde sind da
wird die Toilette ziemlich ungeniert gemacht Nun stelle man sich vor was aus
einem Knechte werden muss der jahrelang keinen Platz hat etwas zu schreiben
oder zu lesen der während einem ganzen Jahre vielleicht nicht ein Halbdutzend
Male dazukömmt etwas im Kalender nachzuschlagen der hinausverwiesen ist in den
Stall zum Vieh oder hinauf ins finstere Gaden der noch dazu ausgelacht wird
wenn er statt in den Stall einmal in die Kinderlehre wollte Man denke
vernünftig nach ob natürlicherweise diese Menschen nicht mehr oder weniger zum
Vieh herabsinken müssen denn Menschen welche zu keiner geistigen Speise mehr
kommen müssen auf feinere oder gröbere Weise dem Tiere ähnlich werden Die
welche noch einen besseren Trieb in sich fühlen und nicht ein völlig Tier werden
wollen die verlassen Stall und Gaden und suchen andere Menschen auf
Gesellschaft Diese Gesellschaft besteht aber eben aus Leuten zumeist welche
kein Heim haben keine Triftig daheim deren Seele zu etwas Höherem weder
gespeist noch getränket wird Hie und da wird ein harmlos Kurzweil getrieben
an vielen Orten aber reizen schon die Gespräche die gröbste Sinnlichkeit
Getränke tun es nicht weniger und man mag kaum die Nacht mit ihren dunkeln
Schatten erwarten um die mühsam gezügelte Begierde ganz loszulassen Es würde
ganz bestimmt selbst die welche den Sonntag nicht als einen Tag des Herrn
betrachten schaudern an Leib und Seele wenn man ihnen vor ihrem Angesicht all
das Treiben an den Wintersonntagnachmittagen und abenden könnte aufgehen
lassen Und ein bedeutender Teil dieser Unsitte rührt davon her dass die
dienende Klasse in ihren unbeschäftigten Stunden keinen heitern Platz an einem
Tische keinen warmen Platz an oder auf einem warmen Ofen hat Es klagen so
viele sonst vernünftige Leute über die Schlechtigkeit der Dienstboten und wie
sie kein Gefühl keinen Verstand und ich weiß nicht was alles nicht hätten
und diese weisen ihren Diensten oft einen Wohnort an den man nicht einmal unter
die hoffärtigen Hundeställe rechnen könnte Und wenn man ihnen die Bemerkung
macht dass wer wie das Vieh wohne doch wohl nicht viel besser als das Vieh sein
könne so sagen sie sie könnten sich nicht anders einrichten die Hauszinse
seien gar teuer und das Holz auch nicht wohlfeil Ich habe nichts dawider aber
dann müssen sie auch mit den Diensten vorlieb nehmen wie sie in Hundsställen
und in Löchern werden
Dieser Übelstand ist aber nicht nur auf dem Lande zu Hause sondern je
länger je mehr auch in den Städten Man mag kein Stübchen mehr für Mägde mieten
ja man baut große Häuser wo man nur wirkliche und eigentliche Hundeställe für
Dienstboten anbringt und keine Stube für Menschen Aber wie alles sich
vergiltet so auch dieses und es gibt Häuser welche gerade wegen dieser
Unsitte nie rechte Dienstboten haben können sie nie haben werden solange sie
das nicht ändern Man glaube mir nur einen großen Segen würde manchem Hause
eine Stube bringen wo der arme Knecht der eine ganze Woche am Wetter gewesen
wenigstens am Sonntag Licht und Wärme einen freien Platz am Tisch ein
vernünftig Buch ganz besonders die Bibel und allfällig auch ein Schreibzeug
finden würde Man bedenke die Diensten sind keine Hunde je vornehmer man sich
gegen sie beträgt um so gemeiner werden sie und wenn unser Betragen gegen sie
nicht mönschelet so mönschelen sie auch nicht mehr
Dieser Übelstand drückte auch Uli Er wollte die Sonntagnachmittage daheim
zubringen aber was sollte er machen Sie wurden ihm so lang wie des Samihanse
Taunern im Buchiberg die Vormittage wenn er dieselben mit dem Frühstück des
Morgens um fünf Uhr angehen lässt durch keinen Imbiss sie unterbricht und erst
nachmittags um zwei Uhr mit dem Mittagessen sie schließt Wir wollen wetten das
ist der Einzige an der ganzen BucheggbergSonnseite bei dem es so halb und halb
pariserlet
Einst traf der Meister Uli an wie er unter dem Dachtrauf stund und das eine
Bein schon außer demselben hatte und doch nicht ganz darüberauskam Nachdem er
ihm lange zu gesehen fragte er ihn endlich »Was Schiessigs hast du Bist du da
angeklebt dass du nicht fortkömmst« »Nein Meister« sagte Uli »aber es reißt
mich fast voneinander etwas reißt mich hinaus und ein Anderes hinein und
Keines mag das Andere recht und so bin ich übel daran und fast wie gebannt ich
wollte es würde mir jemand entweder hinaus oder hineinhelfen es friert mich
bereits dass ich meine Füße gar nicht mehr fühle« Der Meister lachte und
fragte Was er da Wunderlichs habe das ihn so hierher und dorther ziehe er
solle ihm es brichten
»He Meister ich habe grausam Langeweile und weiß gar nicht was machen
und da habe ich gedacht ich wolle etwas zur Gesellschaft Aber ich weiß nur an
ein Ort hin und weiß wie es da geht wie ich davonkomme das aber weiß ich
nicht da dachte ich es sei besser daheim zu bleiben Aber was soll ich daheim
machen Ins Bett mag ich nicht im Stall ist es mir auch erleidet und ums Haus
herum geht der Bysluft dass es einem fast die Knöpfe ab den Kleidern nimmt so
dass es mich wegtreibt und gar nicht daheim dulden will Meister was soll ich
machen«
»Du bist ein dummer Bursche« sagte der Meister »Kannst du nicht in die
Stube Dort ist der Ofen warm geht der Bysluft nicht und wenn du schon einmal
ein Kapitel lesen würdest so würde es dir gar nichts schaden«
»Jä ich weiß es neue nit mit der Stube« sagte Uli »obs denn allen recht
ist wenn ich da drinnen hocke ich habe es neue einist welle probiere und da
hat es mich gedünkt als wäre ich allen Leuten im Wege«
»He das wäre mir gspässig« sagte der Meister »wenn es mir recht ist wenn
du da drinnen bist so wirds den Andern wohl auch recht sein müssen«
»Ich weißs neue nit« sagte Uli Indessen kam er doch vom Bysluft weg und
dem Meister nach in die Stube Doch gebärdete er sich wie wenn er zVisite wäre
und wusste nicht recht wo er absitzen solle Er setzte sich endlich an die
untere Ecke des Tisches und der Meister gab ihm die Bibel welche in der oberen
Ecke des Tisches stand und zeigte ihm noch andere Bücher auf dem Buffert und
sagte ihm Wenn er in der nicht mehr möge so soll er da nehmen was ihm
gefalle Angeklebt an Tisch und Bank begann Uli zu lesen aber den beiden
Jungfrauen war er da im Wege Die eine wollte da wo er die Bibel hatte gerade
das Kacheli mit Wasser stellen welches sie zum Strählen brauchte und als er
weiterrutschte so wollte die zweite gerade da wo er jetzt war ein Mänteli
fieggen und als er noch weiterging war er mit den Beinen im Wege und sie
klagten dass sie nicht sauft zueche und dänne könnten Da begann er doch auch
aufzubegehren Dass er so gut das Recht hätte da zu sein als sie der Meister
habe ihn ja selbst geheißen hineinkommen und es dunke ihn dBible sollte so gut
Wyti auf dem Tische haben als so ein ausgegriffener Hemlideckel Die Mägde
sagten aber Was frügen sie dem Meister nach Es sei so lange sie hier seien
nie der Brauch gewesen dass ihnen die Knechte hier am Tische den Platz
verschlügen Das wär ihnen afangs lustig wenn der Meister alle Tag einen neuen
Brauch einführen wollte und sie die Kühdreckhosen einen ganzen Tag in der Nase
haben sollten es sei genug wenn sie ihnen alle Essen verstänkten Das gehe den
Meister nichts an da habe er nichts zu befehlen Uli sagte er dächte der
Meister hätte so viel zu befehlen hier als so eine halbbatzige Jumpfer und er
wisse dass seine Hosen nicht so stänken als andere welche sie ganze Nächte in
der Nase gehabt
So zankten sie bis die Meisterfrau aus dem Stübli kam und sagte Es sei
doch afange eine böse Sache Am Werchtig kämen ihrer Gattig Leut nie dazu ein
Buch zu nehmen Und wenn man dann am Sonntag eins nehmen wolle und öppe auch
tun wie es dr Brauch sei so könne man nicht einmal mehr ruhig ein Kapitel
lesen Öppige sei das nicht so gewesen und die Diensten hätten auch öppe gwüsst
was dr Bruch syg »Vrzieht Meisterfrau« sagte Uli der den Trumpf wohl
begriff »Der Meister hat mich hinein geheißen aus mir selber wäre ich nicht
gekommen aber ich kann wieder gehen« »Bleib nur Uli« sagte die Frau als sie
vom Meister hörte »ich habe dich ja nicht geheißen zu gehen aber des Zanks
mag ich nicht und ihr könntet einander ruhig lassen Wenn ich öppis lesen will
so mag ich das Branzen nebenzuche nit«
Das Zanken hörte auf aber es war Uli doch nicht recht wohl da er war froh
als die Fütterungszeit kam und er hinaus konnte Dort traf ihn der Meister der
von einem Gange heimkam und fragte ihn Wie ihm jetzt der Nachmittag
fürgegangen »Ho so« sagte Uli das Lese in der Bibel sei ihm neue no
kurzweilig gewesen er hätte es nicht geglaubt aber sonst wisse er neue nicht
es hätte ihm doch geschienen er sollte nicht drinnen sein Ob ihn jemand hätte
hinausgehen heißen fragte der Meister Oh apartig nicht sagte Uli aber er
hätte es sonst merken können
Weiter fragte der Meister nicht aber als er hineinkam fragte ihn seine
Frau Sie möchte ihn doch fragen aber er solle nicht höhn werden was ihm denn
eigentlich in Sinn komme dKnechte heißen in die Stube zu kommen am
Sonntagnachmittag Das sei bei ihnen nie dr Bruch gewesen Wo man dann
eigentlich sein solle wenn auf jedem Bank so ein Gstabi eim am Weg sei und
wenn e Mönsch zu eim chömm wo man dann mit ihm ein vertrautes Wort reden wolle
wenn die Stube voll Diensten sei Im Sommer könne man in die Hinterstube aber
im Winter sei es dort zu kalt und man müsse mit den Leuten in die Vorderstube
wo es auch viel freiner sei von wegen der Sonne die den ganzen Tag da
hineinscheine
Der Meister hatte ernstaft der Frau zugehört und sagte dann »Jetzt Frau
höre mich auch und werde auch nicht höhn aber ich will dir sagen was ich
gemacht habe und während ich da so herumgelaufen bin habe ich darüber
nachgedacht und die Sache ist mir viel wichtiger vorgekommen als ich afangs
gsinnet« Nun erzählte er dass er so ganz zufällig den Uli getroffen und wie und
dann habe hineinkommen heißen aus Erbarmen denn es sei doch wirklich grüselich
wenn so ein Knechtlein nirgends sein solle und wenn er in schlechte Gesellschaft
müsse um nur irgendwo zu sein Dem habe er so nachgedacht und die Sache sei
ihm je länger je ernsthafter vorgekommen So könne ja kein Knecht ein Buch
nehmen keiner o öppige einist einen Buchstaben machen alles was er in der
Schule erlernt habe vergesse er und wenn er einmal etwas anfangen wolle oder
Kinder bekomme so könne er kaum das Druckte mehr vrschwyge de das Gschriebne
So komme ja gar nichts mehr Vernünftiges in seinen Kopf und er vergesse ganz und
gar dass er ein Mensch sei Und noch eins habe er gedacht Fast allemal wenn
eins fortgehe so komme es mit einem großen Kopfheim sie machen sich die Köpfe
gegenseitig so groß wie Ofenhäuser »Eine jede Frau hat die Freude
auszufrägeln aufzuweisen und die boshaftesten können sich dabei so verflümeret
gutmeinend stellen dass es mich schon manchmal gejuckt hat so einem Giftlöffel
eins zum Gring zu geben dass es dünke es fahre zring um dWelt Da habe ich
gedacht wenn man sie ungezwungen und ungeheissen daheim behalten könnte so wäre
man ds Halb bas und wenn sie bei dem Daheimbleiben vernünftiger würden und öppe
o sinne lernte was ihr eigener Nutze wäre so wär man nicht nur ds Halb bas
sondern noch einmal so wohl«
»Eh Johannes« sagte die Frau »schnup doch du kommst ja ganz vom Atem und
machst es akkurat wie üse Predikant der redet auch es ist am Halbe zviel Es
ist mir zuwider einen neuen Brauch anzufangen und wo sollen wir sein Sollen
wir keinen rühigen Ecken haben wo wir für uns sein sollen wo uns nicht immer
so ein Gstabi am Weg ist wenn man auch etwa ein vertraulich Wort miteinander
reden möchte wozu man durch die ganze Woche keine Zeit hat« Der Johannes
meinte sie hätten immer das Stübli oder man könnte am Sonntag die Hinterstube
heizen es trage es eim wohl ab wenn man die Diensten nicht in der Wohnstube
haben möchte »Was würden die Leute sagen wenn wir so etwas Neues anfangen
wollten« sagte die Frau »Du Tröpfli« sagte Johannes »merkst du noch nicht
dass die Leute immer zu reden haben du magst alte oder neue Sachen machen Den
Leuten entrinnt man nie man mag es machen wie man will aber man kommt am
ungebissensten davon wenn man es mit ihnen gerade macht wie mit den Hunden
ihre Ehre vorbehalten diese beißen die am meisten welche sich am meisten vor
ihnen fürchten«
»Aber Johannes denkest du denn nicht an deine Kinder Die werden immer bei
den Diensten sein wollen und du weißt ja was sie da für wüste Sachen lernen
Es ist gerade verzeih mir Gott meine Sünde als ob der Tüfel sie stüpfe ihnen
das Wüsteste zu sagen« »Aber Frau« sagte Johannes »du verhütest es nicht dass
die Kinder nicht bei ihnen sind und finden dieselben die Diensten nicht in der
Stube so laufen sie zu ihnen in den Stall du kannst nicht immer daran denken
Gerade jetzt habe ich zwei bei Uli gefunden Nun werden sie ihnen in der Stube
unter unsern Ohren gewiss weniger wüste Sachen brichten als draußen im Stall Und
wenn sie etwas Vernünftiges vernehmen in der Stube so ist es mir weit lieber
dass die Kinder bei ihnen seien als draußen auf der Gasse woher sie dir ja
gewöhnlich heimkommen als hätte man sie durch Dornhäge gezogen und in Güllen
herumgetröhlt«
Die Frau hatte noch manches einzuwenden doch gab sie am Ende nach und
Johannes führte den neuen Brauch ein dass seine Knechte an Sonntagen und nach
dem Feierabend Triftig hatten an einem warmen hellen Orte Herd warf es
freilich allemal auf wenn an Abenden hie und da zwei Lichter notwendig wurden
Es wollte der Bäurin fast vor den Atem kommen wenn der Johannes die zweite
Lampe anzündete damit ein Knecht im Kalender lesen könnte Müssen doch an
vielen Orten Knechte ohne Licht ins Bett und jetzt gab ihnen Johannes eins nur
so für die Gwundernase Es düechte sie das hätte afe sy Seel ke Gattig
Indessen sie gewöhnte sich daran und es ging je länger je besser und zu
ihrer eigentlichen Freude
Die Diensten gewöhnten sich daran dass immer ein Platz für sie da sei und am
Sonntag bald in der Wohnstube bald in der Hinterstube wie es sich schickte
Dort konnte einer auf dem Ofen liegen oder am Tische sitzen wie er wollte aber
meistens geschah das Letztere Eins las eins machte Buchstaben zwei Andere
versuchten etwas zu rechnen die Einen halfen den Andern und wenn niemand mehr
aus und an wusste so ward man rätig den Meister zu fragen und wenn der zum
Beispiel ein vorkommend Wort nicht zu erklären wusste so musste ein Kind am
folgenden Tag den Schulmeister fragen der aber auch nicht einen Kopf hatte in
dem alles stand was Andere nicht wussten An allem diesem nahmen die Kinder teil
und hatten eine unbändige Freude wenn sie die großen Knechte etwas brichten
konnten und wenn es hieß »Dr Johannesli ist afe e Gschickte dr Schumeister cha
ne wäger bald nüt meh lehre« Aber sie hatten nicht nur Freude Selbst die
Bäurin musste sagen Es düech se sie hätten noch keinen Winter so viel gelernt
als in diesem und man hätte so wenig mit ihnen zu tun und wüsste doch immer wo
sie wären
Aber auch die Diensten schienen anders zu werden Es gab viel weniger
Verdruss mit ihnen viel weniger Streit unter ihnen Sie hatten etwas das ihre
Gedanken beschäftigte und mussten nicht um etwas zu denken ihren bösen
Gelüsten ihrem Neid gegen den Meister den Aufweisungen ablosen und sie immer
wiederkauen Es rührte sich etwas Besseres in ihnen und sie begriffen immer
mehr dass es doch eigentlich ein Unterschied sei zwischen einem Mooskalb und
einem vernünftigen Menschen Wie beim gesund werdenden Menschen der Hunger kommt
und solange kein Hunger da ist immer noch der Tod seine Krallen zweg hat so
kam bei ihnen auch der Appetit nach Gottes Wort und sie gingen gerne in eine
Predigt ja sogar hie und da in eine Kinderlehre und wussten dann nicht nur zu
sagen was verlesen und verkündet worden sondern auch wo der Herr den Text
gehabt und bald dies bald das was ihnen in der Predigt aufgefallen Dar an
knüpften sich dann über Tisch Gespräche und zwar recht ernsthafte und wenn
einer etwas spotten wollte so wurde er zurechtgewiesen Sie wurden dabei sich
immer mehr bewusst dass es doch etwas Hohes und Bedeutendes sei ein Christ zu
sein und dass ein christlicher Knecht doch viel besser daran sei als ein
heidnischer König der nicht recht wisse warum er auf der Welt sei während der
christliche Knecht doch wisse dass er da sei um ein Kind Gottes zu werden und
das Himmelreich erblich zu erwerben
Die Nachmittage gingen vorbei wie im Fluge und allemal wenn es viere
schlug wollte es niemand glauben Das könne unmöglich sein sagten sie man
hätte ja erst gegessen Die Bäurin sagte selbst sie hätte das nicht geglaubt
und hätte selber recht kurze Zyti dabei Ja es kam sie mehr als einmal an dass
sie im halben Tag ein Kaffee machte über den ganzen Tisch weg und nicht einmal
daran dachte was die Leute sagen werden dass sie am Sonntag im halben Tag ein
Kaffee mache für Knechte und Mägde
Etwas Unerwartetes hätte die ganze Geschichte beinahe verkehrt und zerstört
Man sieht im Winter da wo die Sonne warm und viel scheint die Fliegen sich
hinziehn und da an der Sonne ihr Leben genießen gerade so ists an Sonntagen wo
ein warmer Ofen für Diensten frei ist mit den Diensten Es ist recht traurig zu
sehen wie sie sich fast unwillkürlich herzulassen wie die Fliegen an die Sonne
und sich wärmen und im Gefühl der Wärme auftauen und ihres Lebens sich freuen
Freilich ist dann dieses Auftauen oft ein schmutziges und die Freude gibt sich
auf eine wüste Art kund
Es ging nicht lange so merkte hie und da einer dass am Sonntag beim
Bodenbauer eine warme Stube sei Wo nun das Gelüsten treibt macht ein
Knechtlein nicht lange Komplimente »Seh komm« sagt er zu seinem Kameraden
»wir wollen da hinein sie werden uns notti nit fresse er ist öppe kei Herr nit
und mi wird öppe wohl i si Stube dörfe Er het zwo vrfluecht brav Jumpfere die
werde wohl öppe o dinne sy« Mit diesem Sinne drang nun der Eine den Andern
hinein und wollten nun drinnen Flausen machen den Narren treiben Karlishof
haben Es kamen nicht nur Knechte sondern diesen nach zogen auch Jumpfern und
diesen war es auch nicht um etwas Vernünftiges sondern nur um die Knechtlein zu
tun Das gab nun ein Zök ein wüst unsauber Wesen in Reden und Gebärden in
Liedern und Werken dass der Bodenbauer Holla machen musste so unangenehm es ihm
war Denn es wird wohl einem Landmann nichts unanständiger sein als wenn er
fremde Diensten zurechtweisen ja überhaupt wenn er sich geradeaus einen Tadel
eine Zurechtweisung erlauben muss die man ihm übel nehmen übel auslegen
nachtragen könnte Aber es musste geschehen Er sagte daher einmal Er wolle
niemand verbieten in sein Haus zu kommen allein dasselbe sei kein Haus für
Kilbi zu halten wer nur wüst tun wolle solle an ein ander Ort hingehen und
des Zöks begehre er nichts Man könne ja bald nicht einmal stehen in der Stube
und es stinke von Tubak dass es eim fast erstecke Es gutete nun Freilich
räsonierten einige kreuzerige Knechtlein und einige viererige Jungfräulein
rümpften die Nase aber was frug dem der Bodenbauer nach
Achtes Kapitel
Ein Knecht kommt zu Geld und alsbald zeigen sich die Spekulanten
Den ganzen Winter über hatte Uli fast kein Geld gebraucht und so wenig Kleider
dass er sich selbst verwunderte Ein einziges Mal war er im Wirtshaus gewesen
und da hatte ihn der Meister noch selbst gehen heißen Er solle auch einmal
gehen und eine Halbe haben damit er nicht vergesse wie es in einem Wirtshause
sei Er komme später selbst nach dann wollten sie miteinander heim So ging es
auch Der Meister zahlte ihm noch einen Schoppen und zum erstenmal in seinem
Leben kam Uli mit einer Ürti von wenig Batzen und als ein vernünftiger Mensch
zum Wirtshaus hinaus Er hätte nicht geglaubt sagte er dem Meister dass das
möglich sei
Es schien als sei er mit der Erkenntnis dieser Möglichkeit um einen ganzen
Fuß größer geworden Als er so mit seinem Meister vernünftig heimging und mit
ihm redete als wie mit einem Kameraden da durchrieselte ihn eine Ahnung dass er
auch einst als Meister aus einem Wirtshause gehen könne wenn er so fortfahre
und er träumte die ganze Nacht durch von Höfen die er kaufen wollte und von
Sacken Geld die er mit sich herumtrug um die Höfe gleich zu bezahlen Aber er
bystete berzete gruchsete unter dem Gewichte dieser Säcke dass er manchmal
fast zu ersticken fürchtete und wenn er sie abstellte so wurden sie ihm
gestohlen oder er konnte sie sonst nicht mehr finden Dann versprach ihm ein
schönes Meitschi es wolle sie ihm zeigen und ging voran ihm aber fielen die
Schuhe von den Füßen als er dem Meitschi nach wollte und als er diese in beide
Hände nahm konnte er seine Beine nicht vorwärtsbringen es war ihm als ob er
gspannet wäre Das Mädchen aber lief immer geschwinder er konnte je länger je
weniger Schritte machen obschon er bachnass sich schwitzte Endlich verschwand
das Mädchen und eine alte Frau kam mit dem Besen und wollte ihn fortjagen weil
er ihr durch die Bäunde gehe und er wollte davonlaufen und konnte wieder nicht
und musste dem Besen darhalten und sich wüst sagen lassen und endlich rief er
aus »Uy Uy su hör doch du alts Räf« Darob erwachte er und sein Mitknecht
fragte ihn was er doch gehabt hätte er hätte ihn schon lange gemüpft aber er
hätte nicht erwachen wollen Er hätte sich bald angefangen zu fürchten und hätte
noch den Meister geholt wenn er jetzt nicht erwachet wäre Ds Toggeli hätte ihn
gedrückt sagte Uli Den Traum konnte er lange nicht vergessen und wenn er sich
nicht geschämt hätte er wäre seinetwegen zu einer Wahrsagerin gelaufen denn er
selbst konnte gar nicht einig darüber werden ob derselbe bedeute dass er einst
einen Hof werde kaufen können oder aber das Gegenteil heute dünkte ihn dies
und morgen das Andere Auffallend war es dass wenn er gegessen und gut
geschlafen hatte es ihm immer schien als sei er eine gute Vorbedeutung
hingegen wenn er müde war und hungrig so hätte ihm niemand ausgeredet der
Traum bedeute dass er um alles kommen werde was er habe oder sich erwerbe und
zuletzt aller Menschen Schuhwisch abgeben müsse
Unterdessen ging es ihm sehr gut Er ging dem Meister mit allem Fleiß an die
Hand als ob es seine eigene Sache wäre und fühlte dabei alle Tage mehr dass er
doch auf diese Weise ein ganz anderer Kerli werde als er zu selber Zeit einer
gewesen sei wo er es für eine Schande geachtet ein guter treuer Knecht zu
sein und seinen Ruhm dareingesetzt den Meister zu überlistelen zu viel zu
fressen und zu wenig zu arbeiten Er setzte eine Ehre darein das ganze Jahr
durch vom Lohne nichts einzuziehen ihn ganz stehen zu lassen und er zwängte es
auch durch Er ließ es sich gesagt sein dass man nicht auf die Zukunft hin oder
vielmehr auf künftigen Erwerb hin anschaffen dürfe sondern dass der zukünftige
Erwerb der Zukunft gehöre und die Vergangenheit die Gegenwart ernähren müsse
das heißt dass man aus dem verdienten Lohn seine Bedürfnisse müsse bestreiten
können Und da in der Zukunft der Gebrauch wohl sicher ist aber nicht der
Erwerb so muss die Vergangenheit uns auch die Notpfennige liefern für die Tage
von denen man sagt sie gefallen mir nicht
Es war aber auch ein Tag großer Freude für Uli als auf Weihnacht
nachmittags der Meister ihn ins Stübli rief ihm dreißig Kronen vorzählte und
noch einen Neuentaler als Trinkgeld dazulegte Dem starken Burschen zitterte die
Hand als er es einstrich denn so viel Geld hatte er noch nie beisammen gehabt
Und als der Meister ihn noch lobte und ihn er mahnte so fortzufahren so gäbte
er noch ein Kerli ab so bekam er Augenwasser Er begann nun auch zu danken und
zu erzählen was er mit dem Gelde machen wolle Kleider musste er haben Hemder
besonders aber wenn nicht den halben doch den Drittel des Lohns wolle er
beiseitetun Er hätte nicht geglaubt sagte er wie wohl so dreißig Kronen
bschüssten wenn man Sorg dazu hätte es schienen nur so dreißig Krönlein und
doch könnte man weit längen damit wenn man abzuteilen wüsste Er hatte nie
geglaubt dass das Geld so darhalten könne früher hätte er es immer damit gehabt
wie der Bauer mit dem herbeigeführten Heu wo man ein Klafter nur anzusehen
brauche so sei es nicht mehr da Jetzt gehe es ihm mit dem Gelde wie mit einem
selbstgemachten gutgelegenen Stock Heu gäb wie man davon nehme so scheine es
eim er mindere nicht und man hätte immer gleich viel Der Meister musste lachen
ob dieser Vergleichung die Meisterin dagegen wurde gerührt und sagte ihm Er
sei ihr recht lieb geworden und wenn die Näherin auf die Stör komme so werde
die ihm als Weihnachtskindli von ihr ein Hemd machen das Tuch sei schon lange
zweg dafür Uli meinte der Meister hätte ihm schon zu viel gegeben und alles
dürfte er nicht nehmen er hätte es nicht verdient Der Meister hätte so viel
an ihm getan dass er ein Lehrgeld fordern könnte Aber wenn sie ihm einen
Gefallen tun wolle so solle sie doch so gut sein und ihm Tuch für etwa drei
Hemder kaufen er wolle gleich recht viel zusammen machen lassen es hätts dann
eine gute Weil Wenn man nur so eins ums ander kaufe so müsse man immer
hingerfür anfangen Er verstehe sich nicht auf das Tuch und sei noch allemal
betrogen worden entweder hätte man es ihm zu teuer gegeben oder das Tuch sei
dünn gewesen oder der Faden bröde es hätte immer an einem Orte gefehlt und es
sei nicht lange gegangen so hätte er Hemder gehabt wie Spinnhubbelen Sie wolle
ihm wohl den Gefallen tun sagte die Bäurin aber dass sie es allemal treffe sei
auch nicht gesagt Die Weber und Krämer seien so einer Bäurin je länger je mehr
zschlimm Vielleicht dass sie selbst hätte wo sie ihm für drei Hemder geben
könnte sagte Uli Ja sie hätte wohl sagte die Meisterfrau aber sie verkaufe
den Diensten nicht gerne etwas Sie hätte es auch schon getan aber noch allemal
Verdruss davon gehabt Die Diensten seien den Krämern fast die besten Kunden
denn sie profitierten am meisten an den Diensten könnten ihnen die dümmsten
Sachen anhängen allweg die welche niemand Witzigs kaufen wolle Es brauche nur
eine Bäurin einem Dienst etwas zu verkaufen so führten es alle Krämer alle
Schneider alle Näherinnen kurz alle die welche miteinander im Kornplatz
seien aus und sagten An einem andern Ort hätten sie es wohlfeiler gekauft
wenn ds Buren es für sich hätten brauchen können sie hätten es den Diensten
nicht verkauft Es sei doch schlecht ihnen fürs Erste schlechten Lohn zu geben
und dann noch für gutes Geld schlechte Sachen »Bald sagt der Schneider es
halte den Stich nicht und die Näherin behauptet es bekomme ihr Löcher unter
den Fingern und so wird man verdächtigt und verbrüllet dass es eine
schröckliche Sache ist Ich weiß wohl dass es Meisterleute gibt welche ihre
Diensten betrügen und ihnen den sauer verdienten Lohn abläschlen aber die sind
doch die mindern und es meinen es mehr Meisterleute gut mit den Diensten als
die Diensten glauben und die Krämer sagen Darum Uli will ich sehen dass ich
dir irgendwo kaufen kann so gut als wenn es für mich wäre Ich brauche mein
Tuch dann so dass mich kein Krämer verbrüllet und kein Schneider verdächtigt«
Uli hatte gar große Freude an seinem Schatz und betrachtete ihn oft im
Stillen Es hatten aber noch andere Leute ihre Augen auf demselben So ein
Bürschchen das Geld hat ist gerade wie ein Hunghafen für die Wepsen es sucht
ein jeder der gerne Geld härte und es nicht verdienen mag daraus zu schlecken
Da sollte er dem fünf Batzen leihen weil dieser gerade kein Geld bei sich
hatte dort wollte ein Anderer nur einen Batzen für ein Päckli Tubak Sein
Nebenknecht wusste auf einmal einen herrlichen Schick zu machen mit einer Uhr
allein es fehlte ihm ein Neuertaler Die eine Jumpfere wollte ein prächtiges
blaues Tüchlein kaufen von einem Aargauer der ins Haus geschlichen seine
Baumwollenware für seidene ausgab allein Uli sollte ihr dreizehn Batzen leihen
weil sie es der Meisterfrau nicht sagen mochte Der Schuhmacher der auf der
Stör war hatte absolut vier Kronen nötig und versprach teuer und fest bis
Ostern es wiederzugeben mit einer Krone Zins Der Hechler der bald darauf kam
sollte vier Neutaler haben er wüsste mit Flachs gerade jetzt viel zu machen und
wollte mit Uli den Profit teilen Dem Uli gefiel das ganz prächtiges flimmerte
ihm lauter Gold vor den Augen Er dachte es wäre ja dumm wenn er das Geld im
Trögli haben wollte während es ihm so viel verdienen könnte da sei er nicht
ein Narr und gebe es nicht Er ließ es sich noch einmal gut versprechen dass man
ihm auch halten wolle und gab es dann hin So hatte er auf einmal freilich kein
Geld mehr sondern Gülten schöne Pfosten an einem Orte vier Kronen am andern
mehr als sechs Das sei besser dachte er als so die Stümpleten batzenweise
die trage nichts ab Jetzt könne er doch sagen er hätte kein Geld mehr er
hätte alles ausgeliehen Er kam sich recht gewichtig vor mitten unter seinen
Schuldnern aber seinem Meister sagte er nichts davon Der brauche nicht alles
zu wissen dachte er und vielleicht hätte er den Profit lieber selber genommen
und dem Hechler das Geld selbst gegeben Er müsse auch etwas anfangen das nicht
alle Leute wussten Er hatte den besten Glauben zu seinem Meister indessen das
Misstrauen noch nicht ganz verloren und gar wenige Diensten lassen es gerne den
Meister wissen wieviel Geld sie haben und beichten ihm noch weniger was sie
mit demselben anfangen
Das ging eine Zeitlang recht schön und Uli rechnete zum öfteren nach
wieviel Zins ihm bereits gelaufen sei Ostern ging vorbei und der Schuhmacher
brachte kein Geld aber er entschuldigte sich bündig indem er vornehme Kunden
bekommen Stiefelschäfte gekauft und diese bar hätte bezahlen müssen und
versprach der Zeit nach am Zins nachzutun Nun mühte sich Uli ab zu rechnen
wieviel per Woche der Schuhmacher ihm nachzutun hätte aber das brachte er trotz
vielem Schwitzen nicht heraus Es pressierte übrigens auch nicht denn
Michelstag kam und Uli hatte seine vier Kronen noch nicht gesehen Dem Hechler
ging es sehr fatal Der Flachs hatte eher ab als aufgeschlagen Er fand mit
dem einen Teil wäre besser zu warten als ihn jetzt zu verkaufen den andern aber
hatte er einem Händler dings verkauft und den konnte er auf keinem Märit mehr
antreffen und hatte vergessen zu fragen wie er heiße und niemand wollte von
so einem wissen er habe schon viele Leute gefragt Da begann es Uli doch Angst
zu machen Es fing ihm an vorzukommen wenn er nur sein Geld wieder hätte so
wollte er zufrieden sein an den Zins nicht denken von Profit nichts sagen
aber eben das Geld wieder zu kriegen das war eine Kunst So oft er es
forderte waren neue Ausreden da und wenn er ungestüm wurde so blieb man ihm
die Antwort auch nicht schuldig Man könne es einmal nicht aus den Steinen
herausschlagen er höre ja wenn man es hätte so wollte man es ihm geben Er
solle machen was er könne und wenn er sehe es zu nehmen so solle er es
nehmen Man hätte gar nicht geglaubt dass er ein so Wüster sei sonst hätte man
lieber nichts mit ihm wollen zu tun haben Er wusste sich gar nicht zu helfen und
lief wie sturm herum Der Gedanke es sei doch schrecklich was er so sauer
verdient so liederlich zu verlieren und gar nichts dafür zu haben ließ ihn
nicht mehr essen nicht mehr schlafen Ehedem beim Hudeln dachte er hätte er
doch gewusst was er mache und sein Geld selbst verschlengget jetzt wo er
meine gut zu tun und bös habe gehe es ihm noch ärger als zuvor und er komme
gerade so weit als der ärgste Hudel das sei doch schrecklich und er sei der
unglücklichste Hung auf der Welt und das werde wohl an einem Orte geschrieben
sein dass er zu nichts kommen solle Jetzt wüsste er was sein Traum bedeuten
solle und die Geldsäcke die er nicht mehr finden könne
Der Meister konnte gar nicht begreifen was Uli hatte Endlich glaubte er
ihn krank denn er sah keine andere Ursache seines sonderbaren Wesens Er sah
der Sache noch einige Zeit zu aber als Uli immer schlechter aussah fragte er
ihn einmal was ihm doch fehle etwas sei nicht recht da Uli wollte nicht mit
der Sprache heraus Erst als der Meister sagte wenn er so dumm tun wolle so
könne er seinetalben aber er hätte doch geglaubt mehr Vertrauen zu verdienen
als so Uli wisse ja dass wo er ihm helfen könne es nie Nein sei bei ihm
Nachdem Uli noch manchmal gesagt er dürfe es nicht sagen gestund er endlich
seinen Kummer und wie seine ganze Ersparnis vom letzten Jahr auf die er sich so
gefreut dem Tüfel zu sei er werde wohl nie einen Kreuzer davon wiedersehen
»Ja das hättest du denken sollen« sagte der Meister »es wissen so viele
Diensten nichts mit ihrem Gelde anzufangen lassen es sich ablocken und kommen
so darum Aber ich mische mich nicht gerne in diese Sache wenn man mich nicht
apartig frägt« fuhr er fort »Man meint sonst gleich ich wolle Vogt sein oder
gar das Geld für mich und sie werden misstrauisch Es tut mir leid für dich
aber den Hechler und den Schuhmacher hättest du kennen sollen du weißt ja was
das für Vögel sind Aber gell Uli dr Gyttüfel hat dich plaget Weißt du dass
dir der Schuhmacher nicht weniger als hundert Prozent versprochen hat per Jahr
während ehrliche Leute sonst nur vier geben Und der Hechler hat dir das Maul
sonst süß gemacht Aber eben so fängt man die einfältigen Leute und wenn einer
so viel verspricht so sollte man doch denken können der werde nicht halten
wollen er würde sonst nicht so viel versprechen« Ja sagte Uli das alles
komme ihm jetzt hintendrein selbst in Sinn aber er möchte dem Meister doch
angehalten haben dass er ihm zu seinem Gelde verhelfe er hintersinne sich sonst
noch Der Meister schüttelte den Kopf dazu indessen rettete er mehr als er
anfangs erwartete da weder Schuhmacher noch Hechler gerne seine Kundsame
verlor
Als er Uli das Geld übergab sagte ihm dieser »Meister behalte du es und
kalte es Ich brauche es nicht und wenn ich es habe so behalte ich es nicht
lange ich bin gar ungfellig mit dem Gelde entweder vertue ich es oder man
betrügt mich darum oder es wird mir gestohlen und zuletzt wenn niemand sonst
dazu käme so würden es mir die Mäuse fressen« »Nein« sagte der Meister »das
Geld will ich nicht behalten ich habe genug an meinem zu hüten wenn ich schon
nicht viel habe Aber weißt du was tue du das i dKasse« »Was ist das« fragte
Uli »He das ist eine Kasse wo man das Geld welches man nicht braucht
hineinlegen kann bis man es braucht und unter der Zeit bekommt man einen
billigen Zins und es ist gut versichert dass man gar nichts zu fürchten hat«
»Das ist kommod« sagte Uli »aber kann man hineintun so viel man will und
kommt es einem dann nicht aus wenn man dort Geld hat« Das sei eben gar kommod
bekam er zur Antwort dass man viel und wenig hineintun könne und wann man wolle
Was das Auskommen anbetreffe so solle er sich deshalb nicht fürchten Wer Geld
am Zins habe dem komme es früher oder später immer aus Und zudem glaube er
nicht dass es einem Knechte schade wenn man vernehme er hätte Geld am Zins Ds
Gunträri er glaube das vermehre nicht wenig seinen guten Namen und verschaffe
ihm einen gewissen Respekt In einer solchen Kasse brauche er sich auch um den
Zins nicht zu bekümmern So bald ein Jahr um sei werde der Zins zum Kapital
geschlagen und trage wieder Zins so könne sich zu vier Prozent gerechnet in
siebenzehn Jahren das Kapital verdoppeln Und sobald er es nötig habe kriege er
es ohne Umstände in gesetzlicher Frist wieder ganz bestimmt denn solche Kassen
seien gut verbürget und hintersetzt Da könnten Diensten weitaus am besten ihre
Gelder einlegen eben weil man auch weniges nehme und zu jeder Zeit weil sie
sich da vor keinen Schelmereien Kunstgriffen usw in acht zu nehmen hätten
nichts zu tun hätten mit Benefizien Inventarien Geltstagen oder gar mit
Rechtsagenten Da könnten sie ganz ruhig ihr Geld hin tun arbeiten lassen bis
sie es einmal brauchten und könnten jedem der ihnen abentlehnen wolle ohne
Lüge sagen sie hätten keins Nur solle er sich vor einer St Galler Kasse
hüten die seien nicht die richtigsten entweder könnten sie da gar nicht
rechnen oder nur zu gut und überdem geltstagen sie dort gerne Da schmollte Uli
mit dem Meister dass er ihm dieses nicht früher gesagt so wäre er nicht zu
Schaden gekommen »Du hasts gehört« sagte darauf dieser »ich kann einen Knecht
nicht behandeln wie ein kleines Kind Willst du aber dass ich dich halte wie ein
Kind so musst du vor allem aus mit Zutrauen an mich kommen musst mir das Maul
gönnen Das Kind kommt zum Vater und frägt um Rat und sagt Vater was meinst
Vater was glaubst«
Uli bekannte sich im Fehler und bat den Meister sein Geld in die
Ersparniskasse zu tun es waren fünfzehn Kronen welche er übrig zu haben
glaubte Es trage zwar nicht viel ab meinte er aber es sei ihm doch sicher
»Das scheint dir« sagte der Meister »und eben diese Ungeduld ists was so
viele Menschen um Hab und Gut bringt Wem es auf dem rechten Weg zu langsam
geht wird entweder ein Spitzbube oder ein Hudel Warte nur einige Jahre lege
immer zu so wirst du sehen zu welchem Kapital du kommen wirst«
Neuntes Kapitel
Uli steigt im Ansehen und kommt Mädchen in den Kopf
Und Uli tat so Er blieb sparsam ward immer anschlägiger und emsiger und wuchs
zugleich an Weisheit und Verstand und an Gnade bei Gott und den Menschen Es war
recht merkwürdig auch äußerlich die Veränderung wahrzunehmen die mit ihm
vorgegangen Er ging eigentlich erst jetzt recht aufrecht wie ein Mensch man
sah es ihm von weitem an dass das kein Sauniggel sei man nahm ihn sehr oft für
einen Bauernsohn und nicht für einen Bauernknecht und zwar nicht bloß wegen der
Kleidung und weil er eine silberne Uhrenkette hatte sondern wegen seiner guten
Haltung seinem anständigen Betragen Es redete jeder Bauer gerne mit ihm
fragte ihn »Uli was meinst« Und seine Worte hatten eine Bedeutung Er fühlte
auch dass sie eine Art von Gewicht er hielten darum laferte er nicht mehr in
den Tag hinein sondern besann sich was er sagte wog seine Worte ab so dass es
schon hie und da hieß »Ds Bodebure Üli het gseit er hets o gmeint«
Er fühlte dass er nicht mehr nur so ein arm Knechtlein sei der nirgends
sein sollte sondern dass er in der Welt sich auf einen Platz gestellt wo man
ihn gerne sah wo er etwas zu bedeuten hatte Wie das alles so nach und nach kam
und bei welchen einzelnen Anlässen indem er dem Meister vor Schaden zum Nutzen
war Mängel an Rossen entdeckte die der Meister kaufen wollte günstige
Witterung benutzte in seiner Abwesenheit usw kann ich nicht erzählen es wäre
zu weitläufig Er begann auch zu fühlen dass man ganz anders auf die Erde
trappe auch sie mit andern Augen ansehe wenn man ein Besitzer ist als wenn
man ein Habenichts ist Es kommt so eine Art ruhige Sicherheit die bei Vielen
in dummen Stolz ausartet über den Menschen wenn er angehängt hat an der Welt
das heißt wenn er Früchte seiner Arbeit Ertrag seiner Kräfte vorgespart Vorrat
gewonnen hat auf künftige Jahre Er fühlt er ist nicht mehr ganz allen Winden
fremder Willkür preisgegeben er ist schon selbständiger mehr Herr seiner
selbst Er kann schon einige Krankheitswochen unbesorgt ertragen kann einige
Wochen ohne Meister sein das macht ihn zufriedener gelassener er schießt auch
nicht mehr herum wie wenn er in einer Wesperen wäre denn mit der innern Ruhe
nimmt auch die äußere zu und in dem Masse als er wirklich zufrieden in seinem
Inwendigen wird wird er auch zufriedener mit seinen Meisterleuten Und je mehr
er zu etwas kommt um so mehr erkennt er den Wert der Dinge huset nicht nur für
sich sondern es reut ihn überhaupt etwas zu vergeuden er huset also auch den
Meisterleuten um so zufriedener werden diese auch mit ihm Es stellt sich sein
Name fest er ist ein hauslicher arbeitsamer Bursche
Was dieser Name bedeute und wie jeder Name auch seine Versuchungen
herbeilocke so wie jede Blume ein Insekt jede Frucht einen Esser das sollte
er bald erfahren Der Titel »Es ist ein huslicher Bursche« ist ein Lockvogel
und auf der Stelle finden sich freilich nicht Insekten sondern Mädchen ein
die den Vogel locken möchten
Bei ihnen waren zwei Mägde die Meisterjumpfere und die Untermagd Die
Erstere war griesgrämlich gab nicht drei gute Worte im ganzen Jahr hässlich
sie hatte haarichte Warzen im Gesicht und Blattergruben und rote Augen und weiße
Lefzgen und eine blaue Nase daneben war sie arbeitsam sparsam und hätte für
ihr Leben gerne einen Mann gehabt aber ihre Liebe konnte sie nicht anders
zeigen als durch Rauen und Knurren so ein Gemisch von Hunde und
Katzengeschrei und jedesmal rauete und knurrte sie mit dem am meisten den sie
am liebsten gehabt hätte Es schien als ob sie alle Augenblicke auf ihn
schießen ihn kneipen kratzen oder beißen wollte Die sagte Erst wenn sie
einen Mann hätte sei es sich recht der wert zu arbeiten und zu sparen dann
wolle sie zeigen dass mit Husen sie Keine möge
Die Andere aber war ein leichtfertig Ding mit leichtfertigem Gemüt
leichtfertigem Gesicht leichtfertigem Leibe alles schön rot und weiß
angestrichen glatt gerieben und die Augen wusste sie so süß zu stützen und den
Mund so süß zu spitzen dass es jeden dünkte er müsste daran kleben bleiben Sie
putzte sich gerne arbeitete um so ungerner wusste nichts von Sparen gut Leben
war ihr um so lieber aber am allerliebsten wäre ihr ein Mann gewesen In einem
Mann dachte sie sich Heil Glück Seligkeit kurz alles beieinander Die knurrte
nicht und biss nicht die wusste sich anlässig zu machen und strich an einem herum
wie eine Katze wenn sie bei guter Laune ist Die meinte wenn sie einmal einen
Mann hätte so wollte sie ihn lieb haben wie Keine und dann wollten sie es sich
recht wohl sein lassen Es zwings kei Tüfel länger zu dienen bis es einen Mann
hätte dann wolle es kochen was ihm gschmöcke und aufstehen wenn es ihm
gefalle
Beide richteten ihre Augen auf Uli und wollten ihn glücklich machen Beiden
gefiel er Die Erste meinte der werde ihr husen helfen die Zweite der werde
husen dass sie mit ihm glücklich sein könne das heißt dass sie nichts zu tun
brauche und doch alles habe nach was es sie gelüste
Beide warfen ungefähr zu gleicher Zeit nach dem Glücklichen ihre Netze aus
Stini zankte allemal mit ihm wenn er in der Küche mit einem Schwefelholz
oder auch mit einem Span die Tabakpfeife anzünden wollte Seine Finger wären
nicht zu vornehm ein Köhli zu nehmen er werde sie einmal nicht verbrennen dar
ob Es schnauzte ihn allemal an wenn er in die Laterne wollte bald füllte er
das Ampeli zu sehr bald kam ein Tropfen daneben Er werde noch anders müssen
husen lernen sagte Stini Seine Lederschuhe stunden oft eine Woche lang zum
Salben in der Küche Stini rührte sie nicht an Es tue ihm sauft die Holzböden
zu tragen was mangle er um das Haus herumzustopfen Lederschuhe Das sei ihm
eine neue Mode Stini hoffte wenn Uli keine Lederschuhe habe so müsse er
daheim bleiben Wenn zuweilen nach dem Feierabend die Knechte noch auf den
Bänken vor dem Hause saßen so jagte Stini sie ins Bett »Kein Wunder« sagte es
Uli »dass du am Morgen so dr Faulhung machst wennd am Abe nie is Nest wottst
aus dir gibts dir Lebetag nüt« Der Meisterfrau redete Stini beständig von Uli
aber unter lauter Schimpfen und Schelten es war nichts recht was er machte so
dass die Meisterin manchmal sagte »Aber Stini ich weiß gar nicht was du über
Uli hast er tut doch niemand etwas zuleid und ist einer von den brävsten
Bursche wo es gibt einen tölleren sieht man nicht«
Ürsi machte es ganz anders Ürsi flattierte machte süße Büschelimüli stund
ganz nahe unter die Augen hatte immer bei Uli was zu tun entweder musste es ihm
helfen oder er ihm es neckte ihn bis er ihns anrühren mit ihm ringen musste
Bald wollte es ihm das Nastuch stehlen bald eine Blume ab dem Hut wollte ihm
süße Äpfel zustecken oder teigge Biren Beim Kornmähen wollte es ihm nachlegen
und hatte immer ein gutes Wort für ihn auf der Zunge und eine Liebeserklärung in
den Augen Es wolle einen Mann sagte Ürsi oft und der solle es gut haben bei
ihm man lebe ja nur einmal und da wäre man ja einfalt wenn man miteinander
bös haben nicht miteinander glücklich sein wollte
Natürlich sagte es Beiden der weibliche Instinkt bald dass sie
Nebenbuhlerinnen seien und jede suchte die Andere auszustechen
Stini schimpfte über die Mannevölcher welche einem jeden Schlärpli
nachliefen und beim Weiben nur auf das Gfräss sähen und sagte Uli er sei gerade
einer von den Dümmsten und Nichtsnutzigsten er sei eigentlich gar nicht wert
dass ein braves Mönsch sich mit ihm abgebe So einer der so eim wie dem Ürsi
dem liederlichsten Uflat nachsehe und sich mit ihm abgebe dem sött me dHose
achela Mit so eim zähl es sich dann notti nicht zusammen Wenn es schon kein
solch Gesichtli hätte das man nicht an der Sonne brauchen könne wenn es nicht
abschiessen solle so hätte es doch zwei Dutzend Hemder und sieben Paar
Sommerstrümpfe und fünf Winterstrümpfe einer sei ihm verloren gegangen vier
Kittle zwe verfluecht brav und zwe minger und dann Geld hätte es auch noch es
sage nicht wieviel Aber wenn es mit eim anfinge zu husen so für zwei Bett und
zwei Kühe und vielleicht für ein Schaf auch noch brauchte der keinen Kummer zu
haben Das wär doch dann öppis angers als son es Plätterfüdle wo nit emal Geld
hätte für Stroh zkaufe wenn es es einmal wischen möchte Es könnte viel noch
sagen aber es sei kein so Anlässiges das meine es müsse einmal mannen es
hätte zu leben und sein lediger Leib sei ihm auch noch etwas wert Allbets
hätte es schon lange einen Mann gehabt und vor zwanzig Jahren hätte es mehr als
einmal mannen können aber jetzt sei nichts mehr zu machen unter Hunderten gäbe
es keinen vernünftigen Bursch mehr son e Mistmore sei heut zutage allen lieber
als es bravs Mönsch mit einer guten Hinter lag Zu einer solchen Rede machte es
gewöhnlich ein Gesicht dass man junge Katzen hätte erstecken können und ließ
Kräuel hervor dass ein Lämmergeier schalus geworden wäre
Ürsi war nicht halb so böse über Stini sondern lachte und spottete über
dasselbe führte es aus wie gerne es mannen möchte aber gäb wie es seine
Augzähne hervorstrecke einem Eber zTrotz wolle ihm Keiner daran bhangen Es
schnürfle zNacht dass es Späne absprenge an der Wand und brülle manchmal
geradeaus mitts in der Nacht Und wenn es dann frage was es so brülle so
schreie es »Es het mr ertraumt es heig mih eine la hocke u ih ha scho gmeint
ih heig ne« Hemder habe es in der Nacht an wo siebni keinen Ofenwüsch gäbten
anstatt Gloschleni ziehe es Hudlen an einen Faden wie Bohnen binde sie dann um
den Leib und rühme wie die grusam warm gäbten Wenn es an einem Morgen Stinis
Strümpfe anziehen sollte so könnte es die ganze Nacht aus Angst nicht schlafen
ob es je zum Fürfuss kommen konnte denn an manchem Ort seien sie fast zringsum
abenandere und hingen nur an einzelnen Fäden dass es das größte Wunder sei wie
es sie noch an die Beine bringen könne Es nähme es nur wunder wo es mit dem
Geld hinkomme es schaffe nichts an und hätte doch nie fünf Kreuzer beieinander
Es wollte nur es ließe sich einer anschmieren durch Stini und nähmte es in der
Hoffnung er kriege eine reiche Frau der könnte ihns lächern wenn er Hudlen zu
erlesen bekäme statt Geld zu zählen »Uli das wäre eine für dich« sagte dann
Ürsi »da könntest du eine Nase voll usenäh dass du den Säumist nicht mehr
riechen würdest nicht einmal den Kuhdreck du hättest sie dein Lebtag voll
genug von der Frau Ich rühme mich nicht halb so als das Stinkloch aber es wäre
mir doch noch ein himmelweiter Unterschied eine süferliche Frau zu bekommen
als so ein Mistloch so ein ungewaschenes Tier es gruset mich alle Nacht wenn
ich zu ihm ins Bett muss und es kötzeret mich allemal wenn es kochet und nicht
die Meisterfrau«
So führten die Nebenbuhlerinnen ihre Gefechte hinter ihren respektiven
Rücken indessen auch vorwärts schonten sie sich nicht und Stini schimpfte
Ürsi und Ürsi verspottete Stini Und Uli den vernünftigen Kerli in seinem
übrigen Betragen hätte man vernünftig glauben sollen glauben sollen da werde
es ihm nicht gehen wie einem Esel zwischen zwei Heuhaufen und doch ging es Uli
dem verständig gewordenen Knecht so Es ist eine ganz merkwürdige Sache wie
der gescheiteste Kerli in allen Dingen der Welt beim Heiraten ein dummer Stöffel
werden kann Wie irgend ein Trieb im Menschen eine verborgene oder schon
offenkundig gewordene Lust durch ein Weibsstück fast wie mit einer Lunte
entflammt werden kann dass Feuer in ihm aufgeht ins Dach schießt und ihm wird
als müsste er mit diesem Stück glücklich werden und hätte die ganze Welt gerade
nichts für ihn als dieses Stück nichts Reiz für ihn mehr als dieses Stück das
sieht man alle Tage und wer es hundertmal gesehen den gibt es auch zu seiner
Zeit er ist an Andern nicht klug geworden Man sieht tausend Ehen geschlossen
werden wo Tausende sagen mit aller Bestimmtheit »So gewiss eins und eins zwei
machen werden die unglücklich« alle pflichten bei der Erfolg gibt ihnen
recht nur die Beiden oder wenigstens eins ist blind hörlos es schmeckt und
riecht nichts Irgend eine Begierde lag in ihm in noch unentwickelter Kraft in
mächtiger Anlage ein Weibsstück tritt als Leben gebendes Element hin zu und
nun entsteht eine Gärung in welcher alle Besonnenheit untergeht in welcher
diese Aufwallung einzig den Willen bestimmt alle sonstigen Rücksichten
verdunkelt und einzig das ins Licht stellt was Ziel jenes Triebes ist Das ist
allerdings eine sehr handgreifliche Erklärung vieler sogenannter Liebe Aber man
erkläre es mir anders wenn die widerwärtigste Person wegen hundert Kronen
geheiratet wird das fäulste Schlärpli weil es eine schöne Haut hat die
sinnlichste üppigste Witwe weil sie das Flattieren versteht während aller
früheres Leben das meist den Betreffenden bekannt ist ihre Umstände ihre
Anlagen die unglücklichste Ehe wie mir Kanonendonner predigen
Kann man bei einem Menschen die Zeit dieser Gärung vorbeiweisen ehe er ans
Heiraten gekommen ist so geht der Rausch vorbei er erwacht wie aus einem
Traume es ist ihm als ob die Augen ihm aufgingen Schuppen von denselben
fielen ganz anders sieht er alles an ganz anders rechnet er und sein
Dringlichstes ist von seinem sogenannten Lebensglück sich zu befreien Daher
das Geschrei über verschwundene Liebe über Untreue daher die Trennung vieler
Brautpaare daher die noch zahlreicheren sogenannten unglücklichen Ehen Einen
solchen Gärungsprozess hat man halt für Liebe angesehen es hat nun ausgejäset
der natürliche Zustand kehrt wieder da ist nun keine Liebe mehr was eins
werden sollte hat sich nicht binden wollen sondern liegt ausgeschieden
feindselig sich gegenüber
Nun steckte in Uli noch immer der einige zwanzig Jahre alte Bursche der
beim Flattieren warm wird und ein hübsches Mädchen lieber hat als ein wüstes
dem die Sinnlichkeit zur Brille wird mit der er ein Mädchen und das durch
dasselbe zu erlangende Glück ansieht Aber in Uli regte sich auch die
Huslichkeit der Trieb etwas Selbständiges anzufangen ein Meister zu werden
Einige hundert Kronen und eine sparsame Frau hatten daher eine eigene Bedeutung
in seinen Augen mit so einer glaubte er alles gewonnen und seine Dienstjahre um
vieles abgekürzt
Daher konnte er sich nicht enthalten mit Ürsi zu tschänzlen zu denken es
sei doch ein liebes und gutes Meitschi und mit ihm würde er ein gut Leben
haben Und er spielte oft in Gedanken mit diesem Leben und wie er und Ürsi es
treiben wie sie miteinander Kilbi haben und einen Haushalt führen wollten Dann
kam ihm wieder vor dass man am Ende von der Hübschi nicht leben könne und dass
Ürsi nicht nur nichts habe sondern noch hoffärtig sei zu ihren Kleidern nicht
recht Sorge tragen könne wie es eben nicht das Eifrigste in der Arbeit sei
Indessen dachte er daran könnte er es gewöhnen Dann kam ihm aber auch Stini
in Sinn und es kam ihm vor als ob er es mit demselben viel besser machen
würde Stini hatte Geld war werchbar und huslig Freilich war es hässig aber
daran gewöhne man sich dachte er dass man es zuletzt gar nicht mehr achte Es
war sehr wüst aber dann dachte er wieder zletzt sei eine Frau wie die ander
es könnten nicht alle schöne Weiber haben und Mancher würde seine schöne Frau
an eine wüstere tauschen die aber minder hoffärtig und werchbarer wäre Dann
schwatzte er wohl mit Stini und ließ sich mit ihm an dann grinste Stini ihn
noch grimmiger an es war fast als ob die Haare sich ihm zu Berge stellten und
zankte ihn noch einmal so innig und inbrünstig aus und sparte die Uflät und
wüeste Hüng nicht während es noch einmal so wenig Mehl und Anken in die Suppe
tat Dann dachte Uli es sei doch wahrhaftig nicht alles mit einer Frau leben
zu müssen deren Freundlichkeit Sauersehen deren Wohlmeinenheit Zanken sei und
wenn sie ihm nichts gönne und er bei ihr keine Leute haben könnte ob er nicht
ein geschlagener Mann wäre und was ihm dann das Schübeli Geld hilfe
So wurde Uli von zwei Gewalten angezogen und abgestoßen immer dringlicher
kam es ihm vor sich bald zu entscheiden denn es schien ihm als ob er nach und
nach veralte und dass wenn er sich nicht bald entscheide es bei ihm mit dem
Heiraten vorbei sein werde so einen Alten Keine mehr nähme Denn man kommt sich
heutzutage viel früher alt vor als ehemals der Schnuderbube will schon ein Mann
sein was kann daher ein Mann anders sein als ein Greis Ehedem schämte sich
einer zu heiraten vor dem dreissigsten Jahre jetzt rümpfen die Meitscheni die
Nase wenn einer über fünfundzwanzig ist und nehmen am liebsten mit den
Flaumbärtigen von achtzehn bis zwanzig vorlieb Das gibt einen guten Begriff
wie witzig die heutigen Mädchen sind und für was sie die Ehe ansehen und wie
wenig sie danach fragen was Kinder mit Kindern anfangen sollen
Glücklicherweise für Uli wurde in diesem Hause nicht geduldet dass die
Dienstboten sich nächtlich besuchten zudem waren die beiden Nebenbuhlerinnen in
einem Bette da wäre jedenfalls ein strubes nächtliches Besuchen gewesen Aber
eben dieser Hemmungen wegen suchten sie ihn um so eifriger bei Tage auf denn
auch bei ihnen wuchs der Drang die Vereinigung zu beschleunigen Ulis sicher zu
sein Deswegen war Uli nirgends sicher Im Stall beim Melken im Futtergang beim
Füttern auf der Bühne beim Futterrüsten beim Grasen und Misten schlich sich
bald Stini bald Ürsi herbei Stini zankend Ürsi liebelend Aber kaum war Stini
da so war auch Ürsi nicht weit trennte entweder die Zwiesprache oder plagte
Uli später deswegen Und kaum war Ürsi dem Uli an einem Ort unter die Augen
gestanden und blinzelte mit den Augen zu ihm auf so schoss Stini daher wie aus
einer Büchse ließ die Milch ins Feuer laufen schnüzte wie eine taube Katze
warf mit ungschämten Mönschern um sich und Fotzelbuben usw
Je länger je ungerner ließ Ürsi und Stini sich vertreiben immer mehr
hielten sie einander stand hielten sich gegenseitig die wüstesten Sachen vor
und Eine drohte der Andern immer beim Meister sie zu verklagen es nähmte sie
wunder ob er denn ein solches Zök und Gschleipf dulden wolle Der Meister und
die Meisterfrau sahen das Ding schon lange und allerdings immer mehr mit
Unwille denn es störte den Gang der Arbeit und weder Stini noch Ürsi hatten
Sinn für ihre Geschäfte vergaßen alles unter den Händen auch Uli bösete es
Die Meisterin meinte schon lange Johannes sollte doch mit dem Uli reden sie
hätte schon manchmal den Mägden abgeputzt aber es sei nur wie wenn sie Öl ins
Feuer schütte es dunke sie dieselben würden alle Tage stürmer und sie hätte
afe Kummer Stini werde ein Narr es hätte letzthin afe pläret und das hätte es
noch nie getan so lange sie es kenne Ürsi selbem tue es nichts das denke
Gits nit dä su gits e angere Johannes sagte es sei ihm zuwider mit Uli zu
reden er hätte ihm noch nichts davon gesagt aber wenn es nicht gute so werde
es doch sein müssen so könne es nicht länger gehen
Uli kam die Sache auch immer peinlicher vor Er schämte sich nach und nach
seiner beiden Schätze die Gärung war am Verrauchnen Eine war der Andern im
Wege gestanden und Beide hatten dem Uli Zeit verschafft wieder zu sich selbst
zu kommen Er begann nach und nach die Zwiesprachen zu vermeiden desto
hitziger stellten sie ihm nach desto wüster sagten sie einander Er war ohne
Laterne im Stall desto emsiger suchten sie ihn Einmal gab er den Rossen über
Nacht und kaum hatte er angefangen so war Ürsi da und schätzelete mit ihm und
fragte endlich ganz bedauerlich was er auch habe er sei nicht mehr der
Gleiche Daran sei nur Stini schuld aber dem solle es gezeigt werden es wolle
Stini dahin helfen wohin es gehöre Und wie Ürsi das sagte fing es draußen an
zu poltern zu plätschern und dann so wunderlich zu tönen und zu möggen Ürsi
jauchzte auf und schrie »Es hets es hets« lief hinaus und Uli zündete nach
aus dem Hause liefen die Leute herbei und da fanden sie Stini im Mistloch das
triefende Haupt aus der schwarzen Jauche emporstreckend und gar erbärmlich
schnopsend hustend und brüllend in allen Tönen Es konnte nicht selbst heraus
und niemand mochte das triefende Mensch anrühren Die ganze Haushaltung stund
ums Loch herum niemand konnte sich des Lachens enthalten selbst die Meisterin
musste auf die Seite weil sie nicht mehr Meisterin ihrer Mienen war Stini
streckte beide Hände empor und begann zu fluchen Ürsi lachte immer lauter
Stini brüllte immer wüster Es wolle es Ürsi zeigen sobald es heraus sei denn
das Mönsch und niemand anders hätte das Loch abgedeckt dass es auf dem Weg zum
Brunnen hätte hineinfallen müssen Während die lachten und Buchten wollte
niemand zugreifen der Eine redete vom Mistaken der Andere von einer
Schossgabel der Dritte meinte man solle es mit Pulver heraussprengen Endlich
erbarmte sich der Meister nahm einen drei bis vier Fuß langen Knebel hielt ihn
an einem Ende und gab Uli das andere und Stini musste nun mit beiden Händen
diesen Knebel in der Mitte fassen So hoben sie mit Anstrengung aller ihrer
Kräfte Stini langsam aus dem Loch empor
Man kann sich keine Vorstellung machen was das im Scheine der Laterne für
ein Luegen war als die von Jauche triefende Gestalt in schwarzen Kot gehüllt
mit den roten Augen der blauen Nase den weißen Lippen so nach und nach aus dem
schwarzen Loch tauchte und schwarze Ströme nach allen Seiten aus ihren Kleidern
sich ergossen bis sie endlich wie ein eigentlicher Drecksack auf festen Boden
gestellt werden konnte Die Zuschauer wollten sich fast am Boden herumwälzen vor
Lachen Aber kaum fühlte Stini festen Boden so stürzte es zsämefüesslige wie
eine Hyäne auf Ürsi los Dieses laut aufschreiend wollte fliehen aber schon
war es von Stini umkrallt an den Züpfen zu Boden gerissen auf dem schönen Ürsi
wälzte sich der Drecksack dessen grässliche Finger wühlten in seinem glatten
Gesicht und wie das gestrählte Ürsi der tusig Gottswillen um Hilfe schrie
schrie wie am Messer es kam ihm niemand zu Hilfe niemand mochte Stini
anrühren das bei jeder Bewegung Jauche weit um sich her spritzte Da musste
endlich Ürsi sich wehren und Stini schrie auf und sie wälzten verschlungen
zu einem Knäuel geballt sich am Boden Von ferne hörte man Schritte die
Meisterin sagte wenn man die Möntscher nicht bald voneinandertun wolle so
wolle sie es selbst tun Das durfte man sich nicht zweimal sagen lassen man
suchte Ürsi zu ergreifen Aber Ürsi war um nichts sauberer als Stini wer
zugriff wurde besudelt und als Uli helfen wollte wären Beide bald über ihn
hergefallen an allem sollte er schuldig sein Stini fluchte dass er es habe ins
Loch sprengen helfen und Ürsi dass er ihm Stini angereiset und wenn der
Meister nicht aus Angst vor den nach und nach sich nähernden Nachbarn die beiden
Unholdinnen ins Haus gewiesen hätte allen Ernstes so hätte Uli mit ihrem Zorn
noch härter zu kämpfen gehabt als mit ihrer Liebe Wie die beiden Liebhaberinnen
ausgesehen wie sie zusammen ins Gaden gekommen und dann endlich auch ins Bett
das muss ich der Einbildungskraft meiner Leser über lassen Nur das kann ich
sagen dass ihr Anblick Uli wirklich über den Magen kam und er von Stund an von
Beiden genug hatte Sie fühlten es Beide auch selbst dass das Ding ein Ende
haben müsse und erneuerten nur sehr schwach ihre Versuche Stini tröstete sich
damit das verfluchte Mönsch überkömm ihn emel auch nicht und Ürsi fasste sich
im Vertrauen es gebe noch Andere als Uli und wenn ein schönes Meitschi einen
Mann wolle so brauche es nur den kleinen Finger zum Fenster hinauszustrecken
so hingen ihm zehn daran einen jedern nehme es aber auch nicht es sei nicht
gewachsen für an einem Orte der Schuhwisch zu sein
Aber ganz war Uli die Lust zum Weiben noch nicht vergangen es dünkte ihn
noch immer es wäre jetzt Zeit und er hätte nichts mehr zu versäumen
Zehntes Kapitel
Wie Uli um eine Kuh handelt und fast eine Frau gekriegt hätte
Einmal und damals war es heiß hatte er eine Kuh zu Markt geführt Der Meister
hatte ihm gesagt wieviel er lösen solle was er darüberaus ermärte das könne
er behalten aber er solle sich dabei wohl in acht nehmen dass er nicht zwischen
Stühle und Bänke komme und am Ende die Kuh heimbringen müsse Es sei schon
Manchem so gegangen dass er den Preis hätte lösen können aber zu hoch gespannt
und zuletzt keinen Käufer mehr gefunden habe Uli hatte beim Mästen dieser Kuh
sich viele Mühe gegeben und ging gespannter Erwartungen voll auf den Markt Kann
ich wohl zwanzig kann ich vierzig Batzen herausschlagen oder muss ich mit gar
nichts vorliebnehmen das ging ihm beständig rundum im Kopfe
Schon weit vor der Stadt passten Leute auf schrien ihn an »Junge wie teuer
das Kuhli« Sie griffen mit ihren Händen um die Kuh herum führten alle Griffe
aus und die Haut sei gar dünn sagten sie und Unschlitt nicht viel mehr als
für einem Kind die Schühli zu salben Sie führten die Kuh aus dass Uli bald
dreingeschlagen hätte Dann kamen Andere und fingen an zu loben so halb und
halb Man müsse sie dieses Jahr nehmen wie man sie finde es seien Häufen Kühe
feil aber das sei noch keine von den schlechtesten das Mästen gehe etwas hart
bei grauem Heu
Fast wie Brämen das Vieh beim Eintritt in einen Wald empfangen wurde Uli
und seine Kuh von Leuten umsumst die ausführten rühmten bald die Kuh bald
ihn und verlangten er solle sie schätzen er solle doch sagen was er fordern
dürfe für so ein Rämpeli Uli begann zu ahnden dass die Ware besonders bsüchig
sei dass er einen Schnitt machen könne Er forderte fünf Neutaler mehr als der
Meister ihm gesagt hatte Nun erhob sich ein Gebrüll gegen ihn wie wenn er in
eine Wespern geguselt und akkurat so fuhren die Menschen von ihm weg Indessen
bemerkte er doch dass ihn Einige nicht aus den Augen ließ und sich den Ort
merkten wo er auf dem Märit sich und seine Kuh stellte Einen Bekannten der
vorbeiging rief er herbei um die Kuh ihm einen Augenblick zu halten und
durchstrich flüchtig den Markt um zu hören was Kauf und Lauf sei Er sah zu
seiner Freude dass seine Ahnung ihn nicht betrogen und heute etwas für ihn zu
machen sei Als er zurückkam fand er seinen Stellvertreter in großer
Verlegenheit es waren Käufer da wollten den Preis wissen und er kannte ihn
nicht Alsobald kam Uli in Handel Er blieb bei seiner Forderung man bot man
märtete man ging weg aber er merkte dass die meisten der Bietenden die Kuh im
Auge behielten dass man ungern aus dem Märit ging und einen Andern dazuliess er
kam zur Einsicht dass er um eine Dublone Gewinn verkaufen könne und er tat es
endlich auch fürchtend durch zu langes Hinhalten möchte er endlich um alle
Käufer kommen
Es verzögerte sich bis er das Geld in Empfang genommen und es brannte eben
die heisseste Nachmittagssonne als er heimging Er war noch nicht weit außerhalb
der Stadt als er ein großes Weibsbild mit vier kleinen Schweinen sich
herumtreiben sah Diese wollten nicht parieren und alle Fünfe lechzten und
schnupeten zum Erbarmen Er erkannte die Tochter eines ihrer Nachbarn die fast
atemlos und erschöpft ihn dr tusig Gottswille bat er möchte ihr beistehen sie
bringe sonst die Donners Ketzern nicht lebendig heim Uli half mit etwas mehr
Ruhe als das Mädchen gehabt und bald brachten sie auch die Schweinchen in
einen ruhigen Gang Denn wie die Tiere tun hängt meist von ihren Treibern ab
Es ließe sich da ein merkwürdig Kapitel für Eltern und Regenten anknüpfen Doch
diesmal haben wir nicht Zeit uns mit ihnen abzugeben wir müssen jetzt
erzählen wie Käti wieder zu Atem kam und wie sie mit den ersten freien
Atemzügen zu erzählen begann wie manches Schwein sie daheim hätten und wie viel
sie jährlich nur mit dem Schweinmästen gewönnen Aber die Mutter verstehe das
bsunderbar sie gebe aber ihren Mastschweinen im Winter mehr Nidlen als ganze
Milch Aber mit dem Gspünnst machten sie noch viel mehr Sie pflanzten alle
Jahre grusam viel und alle Jahre gerate es ihnen bsunderbar wohl und dann
hätten sie Fleiß mit Spinnen und schon zWeihnacht alle Stangen voll Der Baucher
habe schon manchmal gesagt er treffe in keinem Hause so vieles und so schönes
Garn an Und wenn die Mutter schon tuchen lasse dass es einem übel gruse sie
hätte den halben Spycher und alle Trög voll Tuch so könne doch die Mutter von
Weihnacht bis Ostern alle Wochen mit großen Burdenen Garn zMärit gehen Für ein
jedes Kind hätte sie schon lange den Drossel zweg da seien Anzüge und Fassene
und flächsiges Tuch für Hemder und reistenes zu Tischlachen und Lylachen man
könne weit laufen ehe man solches sähe Schon manchmal wenn sie Dorf bekommen
und die Mutter die Leute in den Spycher geführt hätte so hätten sie die Händ
über dem Kopf zusammengeschlagen vor Verwunderung und hätten gesagt so viel
Sachen und so schöne hätten sie noch nie beieinander gesehen Wo das sei werde
auch noch anderes sein da möchten sie einist helfen teilen Der Vater hätte
aber auch schon manchmal gesagt es sei Mancher er meine er sei ein Bauer
aber er gstiengs nicht aus nur was jährlich die Mutter an Weber und
Bleicherlohn ausgebe Es käme ihm wohl seien die Zinse gegeben Es käme ihm
wohl wüsste er aus dem Stall zu losen mehr als ein Anderer da mög es wohl etwas
erleiden »Aber das ist noch alles nichts« fuhr Käti fort »aber es hat mir
manchmal übel gruset was jährlich der Müller dem Vater für Geld geben muss ich
glaube mängs hundert Kronen Aber er sagt auch allemal so gutes Korn wie
unseres finde er nirgends es sei allemal wenigstens eine halbe Krone mehr wert
als den andern Bauern im Dörfli ihres Aber wir haben auch Ackere dafür viel
Jucharten aneinander ich weiß nur nicht wieviel und alles eben wie ein Teller
und so schöner schwarzer murber Herd man kann nicht genug luege und die
Leute haben schon manchmal gesagt sellig Ackere treff man nirgends an ds Land
uf und ab man möge hinkommen wohin man wolle« Es sei kein schöneres Luegen
als so einer ihrer Ackern voll Korn wenns so schön graduf stang und dick wie
eine Bürste und alle Halmen gleich lang wie wenn man sie mit der Schere
abgehauen hätte Es stünden allbets alle Leute dabei still und sagten sie
wüssten doch nicht wie es der Vater auch mache aber solches Korn sehe man
nirgends und es dunk eim er müsse es vorauswissen ob es einen frühen Winter
gebe oder nicht ob er dicker oder dünner säen müsse er treffe es allemal und
hätte alle Jahre immer gleich schönes Korn immer ebenrecht dick und ihm falle
es nie nume hie und da öppe es Hämpfeli am ene Port
So schwatzte Käti in einem fort während der Schweiß ihr von der Stirne
rann und es einem dünkte der Mund sollte ihr zusammenkleben und nicht mehr
voneinander wollen Et was dergleichen muss wahrscheinlich auch gewesen sein
denn als man zu einem Wirtshause kam sagte Käti Wenn es dSäuleni könnte in
einen Stall lassen und ihnen etwas zu saufen darhalten so glaube es es täte
ihnen wohl Unterdessen könnte es Uli eine Halbe zahlen weil er ihm so
behilflich gewesen es glaube nicht dass es sie allein heimgebracht hätte Uli
sagte es sei ihm recht eine zu haben wenn es sich nicht schäme ume so mit
einem Knecht im Wirtshause zu trinken er hätte aber auch Geld um eine zu
zahlen Käti sagte er solle nicht Gspäss haben es sei schon mit manchem
Bauernsohn im Wirtshause gewesen der minder vorgestellt als er Der Vater hätte
ihn auch schon manchmal gerühmt und gesagt Er wollte er hätte einen Knecht
wie er sei und er wüsste manchen Bauernsohn er wäre ihm als Tochtermann minder
anständig als Bodenbauren Uli wenn der schon nur ein Knecht sei
Der Stall fand sich und eine Halbe auch Es waren nicht viel Leute im
Wirtshaus Zwischen drei und vier Uhr findet man nicht auf dem Heimwege wer am
Ordinäri sitzt oder tanzen will Die gehen heim welche mit einem halben
Schoppen vorlieb nehmen Anken Garn verkauft haben oder sonst etwas Ziegen
Schafe Schweine gekauft die sogenannten Mannleni und die Hausmutteni die sich
nicht gerne lange säumen und doch noch etwas möchten ehe sie heim ans dünne
Kaffee müssen Derlei Leute saßen einige in der Gaststube hatten ihre halben
Schöpplein vor sich ihre Körbchen oder Märtsäcklein neben sich und verhandelten
den Märit und was dies oder jenes gegolten und wenn man es nur gewusst hätte
wie es ginge so hätte man etwas anderes auf den Markt gebracht das bsüchiger
gewesen als der Anken den man gehabt Es sei gar grusam viel gewesen es heig
eim fry dunkt die Ankekörbleni wachsen us dm Bode use und dLüt hätten aus
Brunnwasser Anken gemacht Käti rühmte wie sie es getroffen Sie hätten der
Gattig gehabt aber die Mutter hätte es gesagt Heute solle man nicht mit Anken
kommen die Leute welche einen Kreuzer Geld mangeln werden alle heute Anken
verkaufen wollen Es düechs sagte es zu Uli es möcht etwas essen der Wein
mache ihm Hunger ob sie neuis wollen heißen cho Es sei ihm gleich sagte Uli
Er könnte es machen aber er wolle mitalten Käti rief den Wirt und fragte
was sie hätten Der Wirt sagte Wenn sie noch ein Brösmeli Geduld hätten so
könnten sie Bratis haben und Würste und von einem Hammli aber es sei noch alles
über sie hätten nicht geglaubt dass die Leute heute so früh kämen Dem Käti
war es recht zu warten von wegen den Säulene sagte es es kuhle dann
derweilen Da werden sie noch eine Halbe haben müssen sie hätten so enangerena
trunke und nicht daran gedacht dass sie noch etwas essen wollten
Endlich war aufgegessen und ausgetrunken und Käti rief »Wirt was sy mr
schuldig« »Kann man euch nicht noch mit etwas aufwarten« sagte er »öppe no
mit emene Schöppli« Als er das Nein vernahm sagte er »He nu so de su isch es
zäme sechszeche Batze« Sie fuhren Beide in die Säcke und Käti sagte dem Uli
er solle nicht Geld fürezieh es wolle zahlen Uli sagte das wäre ihm gspässig
er sei auch froh gewesen etwas zu nehmen Uli zog eine Handvoll Münze hervor
und Käti nur sechs Kreuzer oder drei Batzen dazu dann drei oder vier Neutaler
Es müsse wechseln lassen sagte Käti aber seine Neutaler reuten es schier man
bekäme immer so schlechte Münze in den Wirtshäusern Es hätte einen ganzen
Bieter voll Münze bei sich gehabt aber dem Vater davon geben müssen als er die
Säuleni gezahlt habe sein Geld habe ihn gereut »Weißt was Uli« sagte Käti
»zahl du auch für mich ich will es dir wieder geben sobald wir heim sind Ich
habe zu Hause noch mehr Geld als das da es hat noch Manche nicht so viel als
ich es wär mänge Bur froh er könnte mit mir tauschen Die Mutter sagt immer
es sei nicht manche Bauerntochter ds Land auf und ds Land ab die sövli
Bietersackgeld habe wie ich Aber ich bekomme Trinkgelder alle mal wenn wir
Schweine verkaufen auf das mindest immer fünf Batzen von einem Und wenn etwas
zu vertragen ist kommt es an mich Die Metzg ins Pfarrhaus trage ich auch aber
dort hats böset Die vorige Pfarrere hat fünf Batzen gegeben wenn eine Hamme
dabeigewesen ist die gibt nur dreieinhalb Batzen auf ds Vielst Alle Jahre habe
ich einen eigenen Flachsplätz wo ich schon manchmal fünfundzwanzig Pfund
gemacht habe Aber die Mutter sagt es sei nichts als billig dass ich für mich
pflanzen könne es gäbte ds Land auf und ab nicht Manche die sich zum Spinnen
hielte wie ich und sie wolle ausbieten es seien im ganzen Kanton nicht ein
Dotzend die mit mir machen konnten welches besser Dann ist auch der Vater gar
gut gegen mir wenn ihm Geld eingeht und ich bin umeweg so tut er es nie ins
Bureau bis er mir ein oder zwei Neutaler gegeben ja ich weiß schon ich habe
eine ganze Dublone bekommen Aber dr Vater hat schon manchmal gesagt das sei
nichts als billig Wenn er einen Knecht bekommen sollte der mir die Stange
hielte und den er brauchen konnte wie mich in alle Spiel er müsste ihm vierzig
bis fünfzig Kronen Lohn geben und dann könnte er ihn im Winter doch nicht zum
Spinnen brauchen wie mich Er hat schon manchmal gesagt er hätte noch kein
Meitschi gesehen das mähen könne wie ich Wo er jung gewesen sei so hätte er
mich müesse förchte und doch hätte ihn nie einer mögen Aber ds Wetzen verstehe
ich aus dem ff es haut mir durch Schärhüfe und durch den Wurmherd wie gschisse
und ich fahre noch lange zu wenn die Andern schon lange nichts mehr machen
können Aber sie haben mir auch schon manchmal alle ihre Segessen zu wetzen
gegeben und haben gesagt es nehme sie nur wunder wie ich es mache so hauig
hätten sie noch niemand wetzen sehen und doch meine man ich nehme die Segesse
bloß i dFinger so nüt ztue gebs mr Da bin ich am Morgen immer zuerst zweg
und wenn abends die Knechte schon lange im Nest sind so fichten ih noch in der
Küche und wasche ab oder helfe der Mutter zMorgen rüsten Sie hat schon manchmal
gesagt es nehme sie nur wunder wie ich es ausstehen möge Aber gschau mini
Arme Uli und Beine habe ich noch dickere da ist öppis drinne Voriges Jahr
habe ich zweitausend Korngarben so schwer wie wir sie machen wo wir von einer
immer fünf Immi dröschen in einem halben Tag allein hinaufgegeben es ist dem
gschmuecht worden wo sie hat abnehmen müssen Die Leute haben von allem Wunder
brichtet und gesagt das sei noch nie erlebt worden dass ein Meitschi
zweitausend sellig Garben in einem halben Tag allein hinaufgegeben habe und ich
bin doch gar nicht müde gewesen Unser Melker hat gesagt jetzt werde ich doch
afe gstabelig sein Und da habe ich ihm gesagt ich wolle ihm es zeigen wenn er
wolle und da habe ich ihn dreimal auf den Rücken geschlagen gäb er mich
einist Da hat er gesagt es sei im ganze Bernbiet keine Küherstochter die mich
möchte und es werde nicht mancher Küherssohn sein Aber wie hat er afe ein
Gesicht gemacht wo ich ihm einist habe helfen melken und immer geng zwei Kühe
gmolchen habe gäb er eine wohl Da hat er gesagt Es sei verflucht schad wenn
ich nicht eine Kühersfrau gebe Es könnte einer denken er wäre glücklich wenn
er mich bekämte der wüsste dann dass er eine Frau hätte und der könnte
ausbieten Im Bernbiet und im Länderbiet gäbt es kei selligi Aber da hat unser
Ätti gesagt und ds Augewasser ist ihm gekommen uf my armi wien e Husbrunne er
begehre nicht dass einer käme und wenn ihm einer die beste Kuh im Stall
wegnähmte es ginge ihm nicht so übel als wenn ich ihm fortkämte und es muss
nichts mehr zu machen sein sonst lasse er mich nicht Und darauf ist er ins
Stübli gegangen und ist mit einer ganzen Handvoll Neutaler herausgekommen und
hat mir sie gegeben und hat gesagt Eine ganze Scheube voll reuten ihn nicht für
mich wenn es sein müsste Und im Aargau habe ich vier reiche Basen und wenn es
zmachen ist so erben wir sie alle und die kommen nie zDorf dass sie mir nicht
Kittlen und Fürtücher mitbringen von den schönsten wo es gibt und wenn sie
fortgehen so drückt mir eine jedere noch Silber in die Hand so viel sie
hämpfelen kann Die sagen aber allemal erst wenn sie mich sähen werde es ihnen
recht leid dass sie keinen Sohn hätten wie der afe glücklich mit mir sein
könnte Im ganzen Aargau sei Keine die mir nur von weitem die Zechen längte
Sie hätten es schon manchmal drunten gesagt und es nähme sie wunder dass nicht
ganze Haufen aus dem Aargau gekommen seien die mich hätten haben wollen denn
da wäre ich doch andere Rustig als ihre bauelige Meitscheni wo man könne
abenangereluege Aber das seien gar ynbildisch Leut da unten die meinten es
gäbe nirgend etwas Gutes als in ihrem Ärgäu wo dr Wy eim dZäng abfress und
dRüebe eim dr Buuch verderbe und verkälte dass längs Stück nüt as Ischzäpfe von
eim gingen« Der Vater hätte schon manch mal gesagt wenn es wollte bei ihm
bleiben und die Basen gestorben seien und sie dieselben geerbt hatten so wollte
er ihm einen Stock bauen lassen wie in der ganzen Stadt Bern keiner sei und
Land zum Pflanzen müsste es genug haben Da könnte es sich lassen wohl sein
besser als manche Herrenfrau Es wisse es noch nicht sagte Käti wie es es
machen wolle Ja ein schöner Stock sei schön und so gut haben sein Leben lang
sei auch schön Aber es wisse es nicht so ein werchbar Mensch wie es sei
fürchte es es hätte nur Längizyti Was es doch anfangen wollte so alleine Es
düechs immer wenn so einer käme der ihm anständig wäre es wollte noch lieber
mannen Es hätte schon Manchen haben können aber einen jedern nehme es nicht
es wolle dann nadisch auslesen es könns und wenn ihm Keiner anständig sei so
hätte es sonst zu essen und dann sei es noch früh genug mit dem Stock Es sehe
nicht auf den Reichtum es hätte schon Solche haben können die zahlte Heimet
gehabt hätten und große aber dPerson habe ihm nicht gefallen Es wolle e
Hübsche und e Freine auf das Geld brauche es nicht zu sehen es bekäme für ihns
und noch einen genug Es düechs wenn es so einen bekäme es wollte sich nicht
lange besinnen und die Eltern hätte es nicht zu scheuen bsungerbar wenn der
öppe bei ihnen bliebe Wenn einer käme öppe e rechte Bursch der ihm anständig
wär und sagte er wolle Käti ne öppe la solang sis manglete und wenn man ihn
öppis schätzte so wolle er auch kommen so glaubte es sie würden ihm mängs
tusig mal lieber Ja sagen als dem Reichsten wenn der ihns fortnehmen wollte
Sie hassten die Diensten afe gar denen seis nicht zu breichen Wunderselten
treffe man einen an der öppe zufrieden sei mit dem wie man es selber habe
und sie hätten es nadisch bei ihnen gut aber sie meinten man solle die
Erdöpfel selbst fressen und ihnen eiertätschlen Ja wenn sie alle wären wie er
sagte Käti so wollte sie nichts sagen aber Solche treffe man unter Hunderten
nicht einen mehr an »Es nimmt mich my armi nur wunder dass du immer dienen
magst so einer wie du e sellige tolle Bursch un e huslige der scho öppis i de
Fingere hät der kann öppe öppis anfangen wenn er will und wenn ihm das nicht
pressiert so kann er eine Frau bekommen wo er zu essen hat wenn er schon
nicht Knecht ist Es wäre Manche froh wenn sie so einen genommen hätte statt so
einen reichen Gytgnäpper der ihr nichts gönnt und ihr alle Tag vorhält wie
reich er sei« Die Mutter hätte manchmal gesagt gäb sie ihre Tochter so einem
geben wollte wollte sie sie lieber dem ersten Besten ab der Gasse geben So
einen aber möchte es notti nit sagte Käti aber es wolle nicht sagen dass es
sich lange besinnen würde wenn ein rechter Bursch käme mi syg notti da für
zhürate und mi heig viel Byspiel dass die wo am eigeligsten gewesen und am
wunderlichsten im Auslesen die unglücklichsten Hüng geworden von der Welt Und
wenn es einen hätte so wollte es sy armi eine manierligte Frau sein und ds
Fresse müsste einer haben so gut als es selber Da sei es doch nicht von denen
eins die öppis Apartigs fressen und dem Mann nichts davon geben möchten Das
düechs wüests es düechs wenn man alles gemein hätte so sollte man das Fressen
auch gemein haben es hätte es ja Eins vom Andern zu genießen
Käti brichtete Uli konnte nicht mit einem Hämmerlein dazwischen und so
kamen sie bis zu ihrem Scheideweg Da dankte Käti dem Uli gar schön und sagte
es hätte die Tüfels Tiere nicht heimgebracht ohne ihn »Dankeigist dafür und
dann bin ich dir noch acht Batzen schuldig und ich bin nicht gerne etwas
schuldig man könnte es vergessen und das hätte ich ungern Komm kurzum und
hole es hörst sonst hab ichs ungern Oder weißt was« sagte Käti schon zehn
Schritte weiter mit seinen Schweinchen »chums hinecht cho yzieh« »Ists dr
Ärst« rief Uli zurück »Ja my armi türi« antwortete Käti
Ganz wunderlich ging es dem guten Uli im Kopf herum
Käti war eine Person wie man sagt von den töllsten eine hatte eine
Postur wie eine Fluh einen Gring wie ein check Arme wie ein Ankenkübli und
Beine wie es selbst gesagt noch dickere Käti war eine Bauerntochter der
Vater hatte ein großes Wesen Käti hatte Bietersackgeld mehr wie mancher Bauer
Geld die vier Basen im Aargau waren auch nicht zu verachten und Käti war
nicht spröde und Käti nahm vielleicht Uli er glaubte das aus dessen Worten
abnehmen zu können Ein glücklicher Bursch war wer Käti erhielt so ein
werchbar Mensch Das alles machte Uli sturm dass er fast den Weg nicht getroffen
hätte
Als Uli vom Stolpern sich aufschnellte sah er das Haus des Meisters in der
Nähe Da vergaß er Käti und dachte an die Dublone die er heute verdient hatte
Es fiel ihm ein die werde den Meister reuen und ob es eigentlich nicht besser
wäre er verheimlichte sie ihm und redete nur von zwei oder vier Franken Kein
bekannter Mensch war beim Kauf gewesen und ein fremder Händler der Käufer Er
ersparte auf diese Weise dem Meister Ärger und behielt nichts für sich als was
ihm von Gott und Rechts wegen zugehörte was er in eigentlichem Sinne verdient
hatte Aber wusste der Meister wie Kauf und Lauf ginge sollte er seine
Gutmeinenheit dass er ihm das Verkaufen anvertraut also missbrauchen Denn wenn
der Meister nicht gut gegen ihn gewesen so wäre er selbst gegangen und als
einem alten Fuchs den die Vorgumper so nennt man die Treibauf der Küh und
Rosshändler nicht täuschen wäre auch ihm der Profit nicht entgangen Das
arbeitete in ihm die Wage stieg auf und ab und es war noch nichts entschieden
als er zum Hause kam und am Stüblifenster ihm der Meister klopfte und ihn
hineinkommen hieß Er kam und trat mit einer Art Respekt in dieses Heiligtum in
dieses Kämmerlein das Allerheiligste des Hauses
Das Allerheiligste in der großen Welt ist ein Salon Nach diesem fragen die
Herrn und Damen wenn sie ein Haus mieten wollen messen wie hoch er sei ob
ein Leuchter darin Platz habe wie breit er sei und wie manchen Spieltisch man
placieren könne und sehen sich an den Wänden um ob Glanzfarbe daran sei oder
geschmackvolle Tapeten aber nach einem Stübli fragen sie nicht Und haben sie
einen Salon gefunden so gehen sie glücklich heim machen ein glücklich Gesicht
und raten ab ob man die alten Meublen noch brauchen könne oder neue mangle Und
Beide machen ein glücklich Gesicht solange Beide einer Meinung sind und sobald
in diese irgend ein Unterschied trittet so ziehen die Gesichter sich schief
das Unglück trittet in alle Züge die Frau kriegt Krämpfe der Mann Taubsucht
Eins fällt hier aus das Andere läuft dort aus Da können sie den Salon nicht
mehr brauchen und Stübli haben sie keins höchstens einen Alkoven Kein Stübli
wo sie mit treuem Sinn und halblauter Stimme die gemeinsamen Angelegenheiten
beraten Keines zu einem hohen oder lauten Ton sich hinreißen lässt Keines
anders als einig mit dem Andern das Stübli verlässt das Stübli der Ehe
Heiligtum wo Leiden und Freuden Hoffen und Kümmern Meinen und Glauben
treuherzig geteilt treuherzig aufgenommen und treuherzig verarbeitet getragen
werden Ja wenn ihnen ein Stübli Bedürfnis würde und sie nach einem Stübli
fragen würden statt nach einem Salon es wurde manche Ehe wieder eine Ehe die
jetzt nichts anders ist als ein Salonstück bestehend aus einem Mann und einer
Frau in einem Salon Beide nach Möglichkeit aufgeputzt wenigstens die Frau
geschnürt und mit einem Schnepf versehen aber jedenfalls Beide mit langweiligen
Gesichtern und mit unflätigen Mauggern bis das Kammermeitli die erste Person
anmeldet Dann strengt man sich zu graziösen Gesichtern an macht glückliche
Augen und rudert wie in einem Meer von Wonne dem Sofa zu Es ist aber nur
Salonwonne
Kein Kammermeitli weder ein weltsches noch eins vom Buchholterberg meldete
den Uli an sondern er trat alleine ein aber doch mit einer Art von Respekt
denn in demselben war er noch nie gewesen als wenn ihm der Meister die Kuttlen
gewaschen oder den Lohn gegeben Darum trat er diesmal ein wie in einen
geheimnisvollen Hain in dem einem Dinge begegnen konnten die noch kein
sterbliches Auge gesehen Drinnen saßen der Meister und die Frau Meisterin bei
einem Kaffee und der Meister frug den Uli nach seiner Verrichtung Er werde den
Scheck verkauft haben dass er ihn nicht heimgebracht Die Frau Meisterin aber
stund auf ob auf einen Wink oder eigenmächtig war nicht bemerkbar holte ein
Kacheli schenkte es voll stellte es zweg und sagte »So hock ab nimm das und
hau dr selber Brot ab du sottst durstig sy Es macht heiß« Nachdem Uli gesagt
hatte das hätte sich nicht gemangelt hockete er doch ab und begann zu
brichten wie es ihm ergangen und von Anfang bis ans Ende war alles lautere
Wahrheit alles was er gesagt gedacht getan erfuhren der Meister und die
Frau Meisterin es wäre ihm unmöglich gewesen hier im Stübli ein unwahres Wort
aus dem Mund zu bringen Zuletzt zählte er das Geld auf und alles bei Batzen und
Kreuzer was er gelöst und schob es dem Meister dar Der Meister lachte und
die Meisterin sagte Er hätte es ihnen recht gemacht aber sie hätte nicht
geglaubt dass er sövli merkig wäre
Sie aßen und tranken und als der Meister fertig war nahm er seine Dublonen
und schob die eine dem Uli hin mit der Bemerkung dass er diese nicht wolle die
gehöre ja ihm laut Abrede Uli sagte Ja wenn es ein Zwänzger kein
östreichischer wäre so möchte es angehen allein eine Duble das sei zu viel
die nehme er nicht Das wäre gspässig sagte der Meister wenn Uli nicht an
seinen Profit gedacht hätte er wäre vielleicht auch nicht so merkig gewesen Er
hätte sie verdient und er sollte sie auch nehmen Uli weigerte sich und meinte
Er sage nicht dass er gar nichts wolle aber er solle ihm öppen geben was ihn
billig düeche aber eine Duble sei zu viel Der Meister sagte Er hätte es schon
gehört sie wollten nicht weiter chären »Aber los« sagte die Meisterin die
wie die meisten Frauen nicht gerne grundsätzlich verfuhr besonders wenn eine
ganze Dublone auf dem Spiele stund eine Dublone in Kreuzern hätte sie an so
viel Personen als Kreuzer waren unbedenklich ausgeteilt »los wenn der Uli
vernünftig sein will so tue nicht ungattlich es düecht mich wenn ihr
halbieren würdet so hätte Keiner sich zu klagen Seh da nimm Uli zwei
Neutaler und du Johannes tue das Geld weg es könnte sonst noch jemand
dazukommen und den könnte es lächern ob eurem Branzen und ihr kämet noch in
die Brattig« Uli sagte »Dankeiget de aber es ist noch zviel« Im Hinausgehen
dachte er nichts aber es regte sich doch ein Gefühl in ihm das ihm sagte die
Sache sei nicht ganz nobel zugegangen Indessen was wollte er anders er musste
sich darein schicken Der Meister aber strich sein Geld ein tat es weg ohne
dass er etwas sagte weder mit einer Miene noch mit einem Worte
Nachdem die Tagesgeschäfte vorbei und abgegessen war sagte Johannes zu
seiner Frau er müsse noch hinaus Uli hätte noch die Sonntagshosen anbehalten
es nehme ihn wunder ob der noch fortwolle etwa zu Hubechbure Käti da wolle
er doch auch noch ein Wort dazu sagen Draußen traf er allerdings den Uli an
verdächtig in den Sonntagshosen und der Gelegenheit abpassend wo er am
unbemerktesten sich vom Hause wegstehlen konnte Der Meister trat zu Uli und gab
ihm zwei Neutaler »Da nimm noch was dir gehört Hast du geglaubt ich wolle
dir das vorenthalten was von Rechts wegen dein ist Da bist du am Unrechten«
Uli wollte wieder Komplimente machen und sagte Aber es sei doch nicht billig
er hätte es auch gelöst wenn er selbst gegangen wäre und sechszehn Pfund sei
doch ein zu großer Taglohn für ein Knechtlein »Hast du es gehört« sagte dar
auf der Meister »geredet ist geredet und wenn es zehn Dublonen wären was
einer versprochen hat das muss er halten und ich bin zufrieden Aber wegen
meiner Alten habe ich da nicht wollen zanken man muss den Weibern etwa einmal
recht geben man kann dann immer noch machen wie man will oder wie es recht
ist Die Weiber haben in solchen Sachen nicht immer den rechten Verstand wenn
sie schon das beste Herz haben« Uli nahm endlich den Rest der Dublone und hoch
vor Freuden schlug ihm sein Herz an einem Tage um so viel reicher geworden zu
sein und er legte bei sich selbst das Zeugnis ab sein Meister müsse doch
wirklich ein braver Mann sein unter Hunderten hätte das nicht einer getan
Und wie der Meister so bei ihm stund so ging das Herz ihm immer mehr auf
es düechte ihn er möchte ihn doch neuis fragen Aber er redete doch von etwas
anderm und wenn der Meister gehen wollte so fing er wieder etwas Frisches an
aber doch nicht das Rechte Endlich sagte der Meister »Es ist Zeit dass wir
niedergehen gute Nacht« »Gute Nacht Meister« sagte Uli »aber wenns dr
gleich wär so hätte ich dich gerne noch was gefragt« »He was de« sagte der
Meister »He es ist mir wunderlich gegangen mit ds Hubechbure Käti Das hat
mir neue so zuechegredt dass es scheint als hieße es dort nicht Nein wenn ich
es begehrte Das muss ein bsunderbar werchbar Mönsch sein in alle Spiel zu
brauchen es geht für einen Knecht Und für einen der nicht viel hat muss da
ein großes Vermögen sein das wäre ein schöner Anfang Käti hat mir so um die
Stauden herum geschlagen dass es mir auftäte wenn ich käme und es zweiet mir
sich ob ich gehen solle Da habe ich gedacht ich wolle dich fragen du meinst
es gut mit mir und könnest mir die beste Auskunft geben«
»Für was mangelst du einen Knecht« fragte der Meister »Knecht mangle ich
aparti keinen« sagte Uli »aber ich habe geglaubt Käti wäre eine rechte Frau
für mich« »Jä so« sagte der Meister »aber du hast mir an Käti ausgestrichen
was zu einem guten Knecht gehört und nicht zu einer Frau und eine Frau und ein
Knecht sind nicht nur ganz verschiedene Krebse sondern ein guter Knecht kann
eine schlechte Frau und ein schlechter Knecht eine gute Frau sein Was trägt es
dir ab wenn deine Frau den Knecht macht und von der Haushaltung so viel
versteht als ein Gusti vom Geigen Und so ist es mit Käti Es mäht und mistet
wie Mädchen das können und trappet dir den Mist mit den bloßen Füßen dass er
ihm bis weit über die Stumphosen hinaufspreiset aber eine repetierliche Suppe
die man von irgend einem Gschlüder unter scheiden kann ist es nicht imstande
zu machen Die Mutter macht die Haushaltung und nur wenn sie krank ist chaaren
dTöchtere i dr Pfanne herum und sagen sie müssten kochen und kochen dann dass
es eine eigeliche Sau nicht fressen möchte Zu den Zeiten wo sie meinen sie
müssten etwas Apartes haben oder wenn der Vater nicht zu Hause ist tätschlet
eine jedere für sich Wenn sie nur viel Anken und Eier und Mehl vergeuden
können so meinen sie die Sache müsse auch gut sein Keine kann dir ein Loch
plätzen ich glaube nicht dass eine noch je eine Nadel in den Fingern gehabt
hat Es ist da ein schrecklicher Hausbrauch es sind Sachen genug jedes
braucht so viel es kann und niemand achtet sich wieviel Deswegen sind die
Leute nicht reich da geht es eher zurück als vorwärts wie es allenthalben
geht wo keine Ordnung ist Eine Tochter wird da niemals viel erhalten Käti
mag sagen was es will das Vermögen ist im Land das nehmen die Buben und die
Meitscheni können luegen was sie kriegen Von den Basen aus dem Aargau habe ich
auch schon gehört aber das sind nur so Zuckerstengel die sie den Leuten durchs
Maul ziehen Ich wüsste gar nicht woher sie Basen im Aargau haben sollten Es
geht nicht um diese Meitlein sie rühmen viel zu fast da denkt man es hätte
sich nötig Schon ihre Mutter hat es so gehabt Sie hätte mich auch bei nahe
gefangen und ich wäre mich übel reuig geworden Ich glaube du bekämest Käti
aber was wolltest du mit ihm Geld kriegtest noch lange keins du könntest
hingegen dort Knecht sein ohne Lohn Sühniswyb Oder wenn du etwas anfangen
wolltest so könntest du eine Jungfrau anstellen für die Haushaltung zu machen
während Käti dir den Mist vertrappet Dann würde Käti nirgend genug sehen und
wenn es nicht die Milch von vier Kühen verchaaren könnte so würde es über
Mangel und Not schreien Du glaubst nicht was man mit Bauerntöchtern oft
angeführt ist aus denen man das größte Wesen macht und die aus einem großen
Wesen heraus kommen Die wissen oft in Gottes Namen nichts als gradane dryschla
nie genug zu sehen wenn sie nicht bis an den Hals in der Milch und im Anken
flotschen können so meinen sie es gehe ihnen übel und wenn nicht immer der
Schneider hinter ihnen die Näherin vor ihnen ist so sehen sie aus dass man
nicht weiß was hinten und vornen ist Und wenn man nicht Jungfrauen vermag oder
die nicht mehr Verstand haben als die Meisterin so weiß man oft in einem
solchen Hause nicht wo trappen und das Essen ist wie wenn es die Hühner ab
dem Mist gekratzet hätten Dafür wollen sie manchmal Pflug halten meinen was
das sei wenn sie einige Tage im Jahre vom Morgen früh bis am Abend spät mit dem
Volk auf dem Felde sind Zwischen den großen Arbeiten machen sie gewöhnlich den
Faulhung Wenn du so eine kriegtest so hätte sie es dir das ganze Jahr alle
Tage für und in den langen Tagen zweimal wie gut sie es daheim gehabt hätte und
aus welchem Hause sie käme und wie bös sie es bei dir habe und wie sie doch dr
dümmst Hung gsy syg sie hätte Andere haben können als so ein Bauernknechtlein
Das ist meine Meinung Uli« sagte der Meister »mach darneben was du willst
aber weil du mich gefragt hast so rate ich es dir nicht«
Uli hatte ganz andächtig zugehört und sagte endlich »So will ich denk gehen
und meine Sonntagshosen abziehen du hast mir so eine Bauerntochter ganz
erleidet aber du magst öppis recht haben Wenn man eine Frau will so muss man
nicht auf einen Knecht sehen und ich könnte da selbst der Knecht sein und
nichts davonbringen als eine Kuppelen Kinder und eine böse Frau die nie genug
sehen würde aus Vertünligi Wenn du mir nicht gewehrt hättest ich wäre gegangen
und hätte da vielleicht den Schuh noch völler herausgenommen als mit Stini oder
Ürsi Es ist doch gut wenn man noch jemand hat der witziger ist als man
selbst ist« »Ja« sagte der Meister »das ist kummlich aber dann muss man ihn
fragen und ihm glauben sonst trägt es einem nichts ab«
»Du hast recht« sagte Uli »so witzig bin ich doch jetzt auch worden zu
fragen und zu glauben du sollest Dank haben« »Ist gerne geschehen« sagte der
Meister »Gut Nacht« »Gut Nacht« antwortete Uli »Aber los dass du dann
niemand plauderst was ich dir gesagt« »Häb nit Kummer« sagte Uli »sellig
Sache bhäben ih für mih«
Elftes Kapitel
Wie bei einem Knechte Wünsche sich bilden und wie ein rechter Meister sie ins
Leben setzt
So vergingen Uli einstweilen die Heiratsflausen und er ward wieder der recht
emsige Knecht der seinem Dienst alle Aufmerksamkeit widmete Seine Rosse waren
die schönsten weit und breit die Kühe glänzten und einen solchen Mistaufen
hätte er noch nie gehabt sagte der Meister Wenn es einer verstehe so könne er
mit dem gleichen Stroh fast ds Halb mehr Mist machen als ein Anderer das sehe
man hier Aber er hätte schon Knechte gehabt gäb wie er es ihnen gesagt habe
sie seien in ihrem Trapp fortgefahren und hätten gelächelt in den Maulecken Es
mach ihn aber auch nichts täuber als so ein ybildisches Bürschchen das nichts
verstehe und sich doch nicht wolle brichten lassen das meine der Meister habe
zu seiner eigenen Sache nichts zu sagen Das seien die wo in Gottsnamen nichts
lernten und ihrer Lebenlang gleich dumm blieben wo zuletzt niemand gerne als
Tauner brauche für zehn Kreuzer des Tags Uli fliss sich aber auch zu allen
Arbeiten außer dem Hause Im Fahren war er ein Meister und seine vier Rosse
zogen so satt und gleichlig an wenn er die Geissel hob dass sie wenigstens ein
Drittel mehr als andere ab Platz zogen ja soviel der Wagen tragen mochte zogen
sie sie ließ nichts stehen Er hielt Pflug trotz einem alten Bauer und mit
Säen mochte ihn nicht bald einer Selbst das kleine Gsäm Klee Flachs usw
konnte ihm der Meister zu säen überlassen und die Meisterfrau sagte Sie sehe
fry keinen Unterschied wenn dr Johannes säe oder dr Uli Der Meister sagte
manchmal das gehe aufs Haar ganz gleich sei er daheim oder nicht und man
wisse gar nicht wie viel wöhler man sei wenn man einen Knecht habe dem es am
Dienst gelegen sei und dem man etwas anvertrauen könne als wenn man so einen
Stopfi habe dem nichts in Sinn komme als heute eine Unfläterei und morgen eine
Lümmelei Er habe das schon Manchem gesagt dann habe man ihm geantwortet »Du
hast gut krähen du vermagst Lohn zu geben üsereim muss Zinsen geben da
vermögen wir nicht vierzigkrönig Knechten wir müssens mit mingere machen« Dann
habe er ihnen gesagt wenn sie doch rechnen wollten so würden sie finden dass
die wohlfeilsten Knechte die teursten seien aber das hätten sie nicht fassen
wollen
So predigte Johannes oft und war stolz auf seinen Knecht Uli hatte nach und
nach bis auf vierzig Kronen Lohn erhalten und von diesen wenigstens zwanzig
vorgespart und doch war er stolz gekleidet und hatte mehr Hemder und zwar
gute als mancher Bauernsohn Er hatte viel über hundert Kronen in der Kasse und
sah sich bereits für einen vermöglichen Mann an Doch wie oft mit dem Essen der
Hunger kommt so kommt oft mit dem Huslichwerden mit dem Vermögengewinnen die
Ungeduld Es scheint viel zu langsam zu gehen es dunkt einem es sei nicht zu
erwarten bis etwas Erkleckliches beisammen sei und das müsse anders gehen Das
ist ein eigen Kapitel über diese Krankheit die alle mehr oder weniger ergreift
die zu einigen eigenen Kronen kommen und denen der Gedanke geboren worden ist
vermöglich zu werden Sie ergriff auch Uli und es dünkte ihn von zweien eins
entweder sollte er etwas Eigenes anfangen oder noch mehr Lohn zu machen suchen
so sechzig Kronen dünkte ihn sollte er an einem Orte danach wohl zu erhalten
imstande sein und wenn er einen guten Platz als Stallknecht bekommen könnte so
könnte er leicht auf hundert Kronen kommen Es reue ihn freilich da fort
dachte er und es seien ihm alle lieb aber es müsse ein jeder für sich selber
auch sehen
Der Meister sah diese Krankheit und merkte sie aus einzelnen Äußerungen
aber er zürnte nicht darüber Er war nicht von denen einer die glauben wenn
sie einem Dienstboten Gutmeinenheit zeigen so solle derselbe dafür ein
lebenslängliches Opfer bringen das heißt ihnen um einen Lohn dienen lebenslang
der ihren Kräften nicht angemessen ist Wohlverstanden ich rede hier nicht von
der Sucht der meisten Diensten alle Jahre weiterzuziehen um ein zwei Kronen
Lohn mehr wobei sie gar nichts in Anschlag bringen weder ihre Fähigkeit noch
die ihrer wartende Arbeit noch den sittlichen Namen den sittlichen Schutz eines
Hauses Das Bewusstsein etwas Gutes an einem getan zu haben ist auch ein Lohn
und jedenfalls genießt man einige Zeit lang den besser gewordenen Menschen Aber
dann gehe man nicht zu weit Kann man denselben bei sich nicht seinen Kräften
angemessen stellen und lohnen so sei man ihm nicht selbstsüchtig vor seinem
Weiterkommen sondern setze sein Werk also fort dass man ihm selbst
weiterzuhelfen ihn recht zu stellen sucht dann hat man für zeitlebens ein
dankbares Herz einen Freund gewonnen
So recht klar sah Johannes das gleich anfangs nicht ein und es wurmte ihn
dass er Uli für einen Andern erzogen haben sollte aber er ließ es sich nicht
merken und kam endlich doch zum Schluss »Entweder musst du ihn belohnen bis er
zufrieden ist oder ihn gehen lassen« Als daher Uli in seinem zum Meister
gewonnenen Vertrauen ihm einmal eröffnete er wisse nicht recht was anfangen ob
etwas kaufen oder mieten oder was so konnte derselbe ohne Bitterkeit ihm raten
»Ich begreife es« sagte er »dass du nicht immer bei mir bleiben kannst du bist
jung und musst deine jungen Jahre brauchen und dir mit dem Lohn noch viel
nachezmache gruset mir auch wenn es mir vielleicht schon nützlicher wäre Aber
was denkst du ans Kaufen oder Empfangen Was willst du mit deinen hundert Kronen
anfangen Etwas Großes ist nicht möglich da sind hundert Kronen grad wie
nichts Und wenn man nicht auch etwas Geld in den Fingern hat so kann man gar
nichts zwängen und ist immer am Hag Man muss alles wohlfeiler verkaufen denen
die bar zahlen und die es wohl merken wenn einer Geld haben muss man kann nie
warten bis es die rechte Zeit ist Dagegen muss man alles teurer kaufen von
denen die es einem dings geben man kann sich nie wehren ist immer im
Hinterlig bis man die Beine ob sich kehren muss Noch schlimmer ist es mit etwas
Kleinem Es gruset mir allemal wenn ich jemand so an ein kleines Heimwesen sich
hängen sehe wo man alles was darauf wächst librement selber braucht woraus
soll man den Zins geben Die Kuhheimetli sind zum Kaufen und Empfangen weitaus
die teuersten auf solchen gehen die Meisten zugrunde wenn sie den Zins
innerhalb des Hages nehmen müssen Wo ein Gewerbe dabei ist oder sonst ein
anderweitiger Verdienst da ist es ein Anderes Mit deinem Gelde kannst du
keines zahlen hast höchstens für die Bsatzig was willst du darauf an fangen
Nein dafür habe noch Geduld du kämest um deine Sache ehe du daran dächtest
Aber wenn ich etwa einen Platz vernehme wo du recht Lohn machen kannst so will
ich dir nicht davor sein Öppe nit Stallknecht da gibt es gerne böse Alter dr
Gliedersucht oder dr Wysucht entrinnt öppe nit menge Du reust mich freilich
aber ich kann doch nicht klagen dass du öppe grad fort gewollt hast und öppe
uverschant mit dem Lohn gewesen seist dass du nicht öppe eingesehen dass du mir
auch etwas zu verdanken hättest Du bist nun bald zehn Jahre bei mir und so
habe ich allerdings auch deine Besserung zu Nutzen gehabt Zähl darauf wenn mir
etwas anläuft so will ich an dich sinnen Du kannst selber auch nachsehen nur
sag es mir immer öppe i dr Zyt« So offen redeten Knecht und Meister
miteinander sie mochten sich das Maul gönnen und es war Keinesten Schade
Herbst war es Voll Obst hingen die Bäume voll Kühe waren die Matten voll
Erdäpfelgräber die Äcker voll Eichhörnchen die Birnbäume voll Jäger die
Wälder voll Wirte das Weltschland Der Johannes hatte den Zug heimgebracht vom
Felde und stopfte auf der Bsetzi die Pfeife um sie auf dem Bänkchen zu genießen
vor dem Nachtessen seine Frau kam eben aus dem Keller wo sie Obst auf die
Hürde hatte schütten lassen und sagte schwer Atem schöpfend »Sag Johannes
ich weiß einmal nicht was anfangen drunten sind schon fast alle Hürden voll
hochauf und es hangen noch fast tausend Körbe voll du musst sehen dass da etwas
geht so kann es nicht länger bleiben wenn es schon fast nichts giltet so ist
neuis doch immer besser als es la zSchange gah zUnnutz Der liebe Gott hat es
wachsen lassen und da muss es für neuis gebraucht sein« »Ich möchte mich
nadisch nicht versündigen Frau« sagte Johannes »ich habe auch schon daran
gedacht Willst morgen mit zMärit Ich habe allerlei zu tun sollte für eine Kuh
sehen sollte auf den Metzger luegen der mir das Kalb noch nicht bezahlt hat
und hätte noch neuis zrede mit einem Schreiber wegen Gemeindssachen und da hab
ich gedacht es sollte sein dass ich zMärit gehe Da kann ich nach sehen ob so
ein Essig oder Brönzmacher sie gleich alle miteinander wolle« »Eh was
sinnist Johannes wie könnte ich zMärit Ich will von allem andern noch nichts
sagen aber wir haben die Schneider auf der Stör denk doch was das sagen will
Da müsste ich Tuech füregä u Fade für e ganze Tag He nu ih chönnt wohl füregä
un es wär ne viellicht ds Rechte aber vo wegem Tuech u Fade denke ich doch ich
verdiene am meisten daheim U de lan ih dJumpfere u dSchnyder o nit gern alleini
daheim das chönnt arig gah Aber gang du und nimm Ross und Wägeli und nimm ein
Füderli Äpfel mit« »O Frau das trägt nichts ab« sagte Johannes »Morgen ist
der ganze Märit gstacket voll Ein jeder bringt ein Füderli und man löset nicht
was Ross und Wagen versäumen und vertun Aber Ross und Wägeli will ich doch
nehmen Es ist mir zwider zu laufen es ist mir gar in den Beinen und morgen
können wir doch nicht zAcher fahren Es muss Mist geführt sein und da kommt man
mit drei Rossen so weit als mit vieren Man kann nicht laden der Boden ist zu
nass« »Du hast recht dass du fährst Aber da musst du mir doch eine Ankenballe
mitnehmen ich will gleich noch anken lassen Ich kann dann den Schneidern
morgen im halben Tag einen Ankenbock geben Es ist ihnen seltsam und macht öppe
dass si mr minger zMittag esse Es isch i Gottsname ke Sege i nüt wenn die da
sy«
»Uli« sagte am Abend der Meister »mach mir doch morgen den Blass zweg und
bürst mir das Wägeli ein wenig man hat es lange nicht gebraucht Ich mag weiß
Gott nicht mit einem Wägeli fahren wie die Oberaargauer und die Bauern um Bern
so ferndrigen Dreck an den Rädern an den Speichen und an der Nabe und Gras in
den Spälten Es meint einem sie könnten keinen Wagen waschen Das muss sufer
aussehen um ihre Häuser da wird man wohl noch nach fünfzig Jahren dem Grossätti
sein Ghüder und Gfräss ums Haus herum finden damit wenn er wiederkäme es ihn
heimelete« Da lachten die Schneider und jeder wusste dem Johannes zu Lieb und
Ehr etwas von den Bauern um Bern herum
Am Morgen stund der stattliche Blass und das saubere Bernerwägeli vor dem
Hause Die Bäurin legte dem Johannes noch das Halstuch um machte ihm den
Hemdekragen zu recht wie sie meinte dass er ihm am besten stehe steckte ihm
ein Nastuch in die Tasche nachdem sie es aufgemacht um sich zu vergewissern
dass nicht etwa ein Loch darin sei fragte ihn »Hast du jetzt alles« Und als
Johannes nach allen Säcken griff fehlte ihm noch Schwamm den die Frau ihm aus
der Küche holte Draußen war der Anken zweg in einem Bogenkorbe und mit einem
schönen weißen Zwecheli mit roten Strichen bedeckt Johannes setzte sich auf
nachdem er dem Uli die nötigen Anweisungen eingeschärft hinter ihm war die
Bäurin und gab ihm den Anken hinauf und sagte Er könne ihn einstweilen auf den
Sitz stellen aber wenn eine Hübsche und Muntere ihn ums Reiten frage so solle
er es ihr nicht etwa absagen sie sei nicht so schalus wie die Gufebüri die
apartige Leute bestelle und bezahle welche ihr aufpassen müssten mit wem ihr
Mann geritten sei dass sie es allemal wüsste ehe er noch heim wäre »Komm aber
notti nicht zspät heim« sagte die Frau »und bring den Korb und das Zwecheli
wieder mit Hast jetzt alles« »Ja« sagte Johannes »bhüet ech Gott und heit
guet Sorg zu enangere Hü i Gottsname« Der Blass schritt stattlich vor und Uli
stund im Wege und die Bäurin auf der Bsetzi und sahen dem stattlichen Meister
nach Nach hundert Schritten eben als Uli umkehren wollte dem Stalle zu hielt
der Meister »Lauf gschwing Uli« sagte die Frau »er hat etwas vergessen Es
nimmt mich nur wunder dass der nicht einmal dr Gring am ene Ort vrgisst e
vrgesslichere Mönsch gits nit« brummte die Bäurin während Uli lief und den
Bescheid vernahm der Meister hätte im Stübli auf dem Tischli noch Schriften
vergessen die Frau solle ihm sie geben er hätte sie zweggelegt Von weitem
schon vernahm die Frau den Auftrag und brachte sie dem Uli Nun fahr der Meister
fort und kam aus den Augen und als die Frau in die Stube ging abzuräumen
sagte sie zu sich selbst »Ich bin allemal froh wenn er einist fort ist man
hat immer nur mit ihm zu tun er kann nie fortkommen und doch hat er immer noch
etwas vergessen«
Unterdessen fuhr Johannes dem Märit zu Seine Augen betrachteten
allenthalben den Stand der Herbstarbeit die Kornäcker die gesäet waren die
Erdäpfel die noch auszumachen waren übersah die Bäume wie sie behängt und ob
nicht hier oder da eine schöne Sorte sei die er noch nicht besitze
Er sah vor sich mit einem schweren Korb am Arme mühsam ein schlank Weibchen
gehen die zuweilen ein rosiges Gesicht zurückdrehte »Hü Blass« sagte er
»spring es bitzeli« Aber kaum war der im Zuge so zog der Meister das Leitseil
wieder an und frug »Anne Meieli wottsch öppe ryte« Und Anne Meieli stund
still und sagte »Gar gern wes dih nüt irrt es het mih scho vo wytem düecht
es sott dih sy und wed mih heissist cho su wells dr nit absäge« »So gib mir
dein Körbchen« sagte Johannes schlug den Fusssack zurück versorgte die
Körbchen unten im Gestell und bot dann dem Weibchen die Hand während er mit der
andern den Blass mühsam zügelte »So« sagte Anne Meieli »jetzt wär ih dobe es
isch mr viel zguet gange Mein Korb hätte mich würden plagen wenn ich ihn
hätte tragen müssen bis hinein Aber ich habe viel zu kaufen und da habe ich
gedacht ich wolle einmal nehmen dass ich etwa lösen könne was ich brauche«
»Ihr werdet kein Geld mehr haben daheim« sagte Johannes Selb nicht sagte Anne
Meieli eine junge tätige Nachbarsfrau aber es düechs geng solange man etwas
zu verkaufen habe das einem nichts abtrage so solle man verkaufen und nicht
das Geld das man habe wiederum aus dem Hause tragen »Für son e Jungi« sagte
Johannes »bist du nicht die Letzte« Oh sagte Anne Meieli es sei nicht
gesagt dass die Ältesten immer die Besten wären und die Witzigsten wenn manche
Junge machen könnte was sie wollte es würde noch an manchem Orte besser gehen
Nit sie wolle aparti nicht klagen aber es hätte sie schon manchmal düecht
ihres Manns Mutter hätte einen Brauch es wäre besser er wäre nicht Aber sie
sage nichts man könne alte Leute nicht anders gewöhnen und es sei ein
Söhniswyb geng dumm wenn es alles nach seinem Brauch machen wolle Wenn man
jung sei so könne man sich am besten leiden wenn man einst alt werde so hätte
man es auch nicht gerne wenn so eine Junge käme und alles besser machen wollte
Johannes antwortete darauf wie es einem solchen Manne anständig war
Unter solchen Gesprächen fuhr man durch die sich mehrende Menge von allerlei
Geschöpfen grüßte links und grüßte rechts und Anne Meieli machte ein recht
glückliches fast stolzes Gesicht auf dem schönen Wägeli und neben dem tollen
Mann Endlich angelangt sprang Anne Meieli zuerst herab empfing die beiden
Körbchen und sagte Wenn er seins ihm anvertrauen wolle so wolle es seinen
Anken auch verkaufen es gehe ihm in einem zu und es wolle es machen so gut es
könne es wisse wohl dass die Männer mit dem nicht gerne zu tun hätten »Anne
Meieli« sagte Johannes »du tust mir einen großen Gefallen aber ich will dir
die Körbchen tragen bis auf den Ankenmärit Ich mag die besser als du« Anne
Mareili machte Komplimente indessen es ließ es geschehen und Johannes fragte
ihns noch wann es wieder fort wolle Es solle mit ihm heimreiten er wolle auch
nicht spät sein Es könnte ihm doch zu lange gehen sagte Anne Mareili Er solle
sagen wo es ihn antreffen könne so um Mittagszeit Es wolle ihm dann das Geld
bringen und da könne man immer noch luegen ob es sich schicken wolle
Johannes ging seinen Geschäften nach tat dieses ab und jenes und bald war
es Mittag Da schiens ihm in dichtem Gedränge er höre rufen hinter sich
»Vetterma los neuis Johannes wart doch« Endlich stund er still sah um sich
wollte wieder gehen hörte wieder rufen stund wieder still bis ein altes
schitteres Mannli sich zu ihm durcharbeitete und keuchend sagte »Ich habe
geglaubt ich bringe es nicht zweg bis zu dir zu kommen Vetter Johannes« »Eh
Gottwilche Vetter« sagte Johannes »Ich hätte eher an den Tod gedacht als an
Euch was bringt Euch hier zMärit so weit« »Gerade deinetwegen komme ich«
sagte er »ich habe neuis mit dir zu reden wenn du der Zeit hast mir abzlose«
»Warum nit Vetter sagt ume« »Hier nicht« sagte er »hier schickt es sich
mir nicht aber wenn wir etwa an einen Ort könnten wo wir ein rühig Stübli
haben könnten wo nit alles zuechelauft so wär es mir anständig Aber ich bin
hier gar nicht bekannt« »Kommet nur Vetter ich weiß schon wo wir hin wollen
Da wo ich eingestellt habe da gibt uns die Wirtin schon ein Stübli es ist
noch von weitem meine Base und wenn ich etwas möchte so ist es nie Nein wenns
einmal zmache ist« Es ging nicht lange so saßen sie in der freundlichen
Wirtin Schlafstübli nachdem die viel Entschuldigung gemacht dass sie kein
anderes habe aber es sei heute alles voll es düech se noch nie so Hier seien
sie ruhig und womit sie aufwarten könne »Denk emel afe mit ere Halbi und dann
wanns Zeit ist auch etwas zMittag« »Was begehret ihr zesse und was für Wein
soll ich bringen« »Bring guete und zesse was dr öppe heit aber emel lings
Fleisch ich kann gar nichts mehr daran machen wenns nicht gut gchochet ist
Allbets isch es mr öppe glych gsi aber ih spüre ds Alter a alle Orte und es
düecht mih mengisch wenn ih ume nimme wär« »He Vetter« sagte Johannes »man
siehts Euch noch gar nicht an und wenn Ihr so klagen wollt was sollen wir
Andern dann sagen wo wir nicht den Zehnten Sachen haben wie Ihr habt« »Los
Vettermann auf den Reichtum kommt es nicht an das erfahre ich alle Tage und
das ist gerade was mir Kummer macht und deswegen kam ich heute um mit dir zu
reden Du weißt ich habe ein großes Wesen und muss eine große Kuppele Leute
haben um es zu arbeiten Meine Alte und ich sind schitter und mögen nicht mehr
nach My Bueb der Johannes ist zu vornehm geworden im Weltschland für auf dem
Land zu arbeiten dem musste ich ein Wirtshaus kaufen den kann ich nichts
rechnen als dass er hie und da kommt wenn er Geld nötig hat oder etwas anderes
Meine Tochter ist hell nichts Die hat geglaubt sie käme gegen den Bruder zu
kurz wenn sie nicht auch ins Weltschland könnte Und jetzt ist sie helf mir
Gott nüt angers als es Schlärpli und lismet öppe dem Schatten nach wird bleich
wie ein weiß gewaschenes Tuch dass es eim übel gruset und meint wenn sie etwas
anrühren solle me well se hänke Du kannst dir vorstellen wie das nun geht bei
der Kuppele Leute die ich haben muss Da flökt Eines hier aus das Andere dort
aus die Sache wird nur halb gwerchet das Land wird alle Jahr schlechter der
Hof trägt mir fast nichts mehr ein und was es noch gibt geht in den Kosten
auf Ja weiß Gott wenn ich nicht noch Gülti hätte ich könnte es nicht mehr
machen bei einem solchen Hof wo vielleicht nicht ein Dutzend sind im ganzen
Bernbiet Ich habe geglaubt ich hätte einen guten Meisterknecht und hab ihm
alles anvertraut Er ist elf Jahre bei mir gewesen und ich hätte ein Haus auf
ihn gebaut so hat er mir reden können Und jetzt was macht er mir Verkauft
mir der Hundsbub nicht sechzig Mütt Korn und der Müller zahlte mir nur fünfzig
und den Rest teilen die Schelmen miteinander und das ist schon mehr so
gegangen Es hats mir endlich ein Tauner verraten dem ich Götti bin Er könns
nicht mehr übers Herz bringen wie es mir gehe hat er gesagt er müsse mir
etwas sagen aber ich solle ihn dr tusig Gottswillen nicht verraten Und das
haben alle gewusst und niemand mir etwas gesagt weil alle das Gleiche treiben
da kannst du wohl denken wie es mir geht Was soll ich anfangen Verkaufen will
ich nicht gäb wie es der Sohn meint Der könnte noch einmal froh über den
Hofsein oder wenigstens seine Kinder Lehenmann mag ich auch keinen Da hätte
ich gar nichts zu befehlen und der Hof käme vollends in Abgang Und du magst
mirs glauben oder nicht ich kann nicht ruhig sterben bis der öppe wieder im
Gang ist My Vater hat mir ihn gut im Stand übergeben Wie dürfte ich wieder zu
ihm kommen wenn ich schlecht hinterlassen würde was er mir gut übergeben Ich
möchte einen Meisterknecht aber recht einen hauptäntischen an den ich kommen
könnte der alles wohl verstünde und dem ich trauen dürfte Aber er müsste aus
einer andern Gegend sein bei mir herum ist alles unter einer Decke und sie
betrachten mich alle wie die Adler das Aas noch ehe ich gestorben bin Da habe
ich gedacht vielleicht könntest du mir am besten zu einem verhelfen und darum
bin ich express hiehergekommen ich habe gedacht ich treffe dich an Auf den
Lohn käme es mir gar nicht an ich wollte einem sechzig Kronen geben wenn es
sein müsste ja hundert Kronen reuten mich nicht wenn ich einen kriegte wie ich
ihn haben wollte«
Unterdessen war Johannes ganz still gesessen und auch als der Vetter
ausgeredet hatte antwortete er nichts Die Wirtin kam darauf herein deckte
ihnen dar und brachte Essen und sagte Sie müssten heute vorlieb nehmen wie es
komme so an einem Märit könne man es nicht immer geben wie man es gerne
möchte sie wüsste nicht wie die Suppe öppe wäre sie hätte zwar ausgelesen so
gut möglich Der Vetter redete allerlei mit der Wirtin Johannes sagte nicht
viel dazu Es kam eine Magd herein und fragte ob der Bodenbauer da sei es
frage ihm draußen eine Frau nach Er werde etwas Bestelltes haben spöttelte die
Wirtin Die Magd sagte es sei einmal eine Hübsche Sobald Johannes draußen war
sagte der Vetter Ob denn der so einer sei Er hätte das nicht von ihm geglaubt
»Bhüetis« sagte die Wirtin »da ist nichts Böses das ist von den Brävsten
einer Es wird öppe eine sein die mit ihm heimreiten will« Johannes brachte
die Körbchen herein und bestätigte der Wirtin Meinung und sagte es sei eine
Nachbäurin gewesen die ihm seinen Anken verkauft habe Sie habe nicht warten
wollen und wolle mit einem Andern heimreiten wenn es sich schicke Das sei ihm
leid wenn er im Weg gewesen sei es hätte ihn schon lange düecht er erwarte
jemand er habe ihm nur halb zugehört und noch keine Antwort gegeben »Bhüetis
Vetter« sagte Johannes »da seid Ihr letz dra wisst Ihr was ich gesinnt habe
und warum noch keine Antwort gegeben Es ist mir etwas im Sinn herumgegangen
und es hat sich bei mir gwerweiset ob ich es Euch sagen wolle Ich will es
jetzt fry graduse bekenne Ich hätte gerade so einen Knecht wie Ihr ihn
mangelt aber er reut mich ich kriege einen solchen nicht bald wieder und doch
möchte ich nicht vor seinem Glück sein« »Das wäre« sagte der Vetter »aber
warum willst du ihn fortlassen was scheust du an ihm« »Gar nichts« sagte
Johannes »er ist mir gerade recht und ich wünsche mir keinen bessern allein
er trachtet nach großem Lohn und er verdient ihn auch Er kann einem
Bauernwesen vorstehen mit Arbeiten und Handeln wie der beste Bauer und dazu ist
er fromm man könnte ihn in Königs Schatzkammer lassen er würde um keinen
Kreuzer betrügen da ist alles sicher vor ihm« »Das wär mir afe« sagte der
Vetter »grad so einen möchte ich Und was meinst du käme mir der um vierzig
Kronen Das ist ein schönes Geld« »Gerade so viel gebe ich ihm selbst« sagte
Johannes »Vetter wenn Ihr den wollt so kostet er sechzig Kronen und keinen
Rappen weniger« »Ist er dir verwandt« fragte der Vetter »Nein« sagte
Johannes »er ist ein armer Bursch gewesen wo er zu mir gekommen ist« Noch ein
gar langes Examen stellte der misstreue Vetter an bis er sich endlich entschloss
mit Johannes heimzufahren und den Knecht selbst ins Aug zu nehmen Johannes war
fast reuig dass er etwas gesagt
Bald befahlen sie anzuspannen und der Vetter bezahlte die ganze Ürti geb
wie Johannes sich wehrte Als sie hinunter kamen kam Anne Meieli wiederum
daher und sagte Da sei es ihm schön ergangen der Burri Uli hätte ihm
versprochen ihns mitzunehmen er wolle nur noch eine Verrichtung machen es
solle hier warten Es habe nun gewartet ihn noch gesucht und könne ihn nirgends
finden und wenn es jetzt heim laufen müsse so komme es es wisse niemand
wann heim es schäme sich schon jetzt so lang auf dem Märit zu sein Johannes
sagte der alte Platz warte ihm noch und so fuhren sie fort Johannes voran
der Vetter in seinem schönen Reitwägeli hintendrein Er dachte allerlei so
allein fahrend und als sie noch etwa eine Stunde vom Bodenhof waren rief er
Johannes Ob nicht im nächsten Dörfchen eine Schmiede sei er müsse ein Eisen
festschlagen lassen er verliere es sonst Johannes sagte Ja und er wolle ihm
warten es sei gleich dabei auch ein Wirtshäuschen Aber der Vetter wollte
nicht Die Frau pressiere sagte er und es sei nicht der wert einzukehren er
komme gleich nach
So fuhr Johannes voraus Joggeli der Vetter gar langsam nach ließ beim
Wirtshaus ausspannen und zum Schein einen Nagel einschlagen Beim Ausspannen
frug er den Stallknecht was das für ein Bauer sei der da vor ihm hergefahren
Ob das seine Frau sei »Nein« sagte der Stallknecht »Sie werden einander sonst
lieb haben« meinte Joggeli Er wisse nichts Apartigs er hätte von Beiden
nichts dergleichen gehört sagte der Stallknecht Er hätte gar ein braves Ross im
Wägeli gehabt sagte Joggeli er mangelte schier so eins und hätte auf dem Märit
nichts Anständiges gefunden ob das wohl dem Bauer feil wäre und ob er noch
mehrere hätte Der hätte einen ganzen Stall voll Ross sagte der Stallknecht Da
finde man selten die besten Rosse wenn man so viel habe so werde gewöhnlich
schlecht gefüttert und schlecht zu ihnen gesehen warf Joggeli ein Das sei da
nicht der Fall antwortete der Stallknecht der Bauer täts nicht so das sei
einer von den Mehbessern und dann hätte er einen bsonderbar guten Knecht es
gäb weit und breit keinen solchen Joggeli schwieg ließ den Stallknecht das
Pferd besorgen ging in die Stube und fing dort fast das gleiche Examen an
während er seinen Schoppen trank nur mit ganz andern Wendungen kam aber am
Ende aufs Gleiche heraus dass sein Vetter Johannes ein gar braver Mann sei
soviel me emel wüss seine Gefährtin ein ehrbares unbescholtenes Weib und dass
der Bodenbauer allerdings einen berühmten Knecht hätte den ihm schon Mancher
gerne abgedinget hätte aber der Meister und der Knecht seien gar bsunderbar
wohl für einander die ließ nicht von einander Ob es denn nicht kurzum etwas
zwischen ihnen gegeben habe frug Joggeli Gar nichts dass man wisse sie hätten
erst am Sonntag hier miteinander eine Halbe getrunken daneben wüssten sie nichts
Genaueres erhielt er von den Wirtsleuten zur Antwort
Unterdessen war Johannes heimgefahren hatte Anne Mareili bis zum Hause
mitgenommen und als die Frau zum Wägeli kam und die Geissel abnahm sagte
Johannes »Jetzt Frau magst recht freini sein sonst will Anne Mareili bei mir
bleiben« »Da werde ich anwenden müssen« sagte die Bäurin freundlich nahm auch
die Körbchen ab hieß Anne Mareili hineinkommen sie hätte Kaffee zweg und tät
es nicht anders als dass Anne Mareili ein Kacheli nähme Anne Mareili wehrte
sich sagte es werde daheim auch finden sagte es hätte schon früher absteigen
wollen es wüsste Weiber es wollte nicht um zwanzig Batzen mit ihren Männern bis
zum Hause fahren »Hast du geglaubt ich sei son e Schalusi« sagte die Bäurin
lachend »Nein da bin ich zu alt dazu Nit ich will nicht sagen dass es nicht
auch eine Zeit gegeben habe wos mr vrflüemeret i Kopf cho ist wenn dr Johannes
eine Andere angesehen hat selbist het es mih düecht er sollte alle Andern
angrännen nur mich nicht Aber das vergeht einem so nach und nach wenn man
sieht dass man keine Ursache hat schalus zu sein«
Das gab zu einigen Geschichten Anlass von schalusen Weibern bis die Bäurin
auffuhr und fragte »Was kommt dort für ein Reitwägeli gegen das Haus« »Tüfel
abenandere das ist dr Vetter us dr Glungge er kommt zu uns zum Übernachten«
sagte Johannes »Und sagst einem nichts du bist mir doch einer Was will der
dass der kommt der ist ja viel Jahr nie dagewesen« »Du wirst es schon
erfahren« sagte Johannes und Anne Mareili nahm Abschied und ging am
herbeifahrenden Vetter vorbei
Beim Hause stund alles zweg den Vetter zu empfangen der etwas schlotternd
und mühselig vom Wägeli stieg während Uli herbeisprang das Ross abzunehmen
»Reib es mir doch ein wenig ab« sagte Joggeli »und gib ihm nicht gleich zu
saufen es hat warm Ihr füttert doch Dürrs« fragte er den Johannes und erst
als er über alles beruhigt war ging er auf seinen wackeligen Beinen ins Haus
Kaum war er abgesessen so fragte er »Ist das ne gsi« »Ja« sagte Johannes
»Er düecht mih no wohl junge und gar so lüftig« »Er ist bald dreißig« sagte
Johannes »und e Gleitige das ist wahr aber es ist kommöder so als wenn er
nicht fürers möcht« Mit dem ging er in den Keller und holte Wein und Käs und
im Vorbeigehen in der Küche frug ihn die Frau »Was hat der nach Uli zu fragen
was wott der mit Uli« »Ich habe jetzt nicht Zeit es dir zu sagen« antwortete
Johannes »komm herein du wirst es dann schon hören« »Was hats dem Johannes
gä« dachte die Frau »er ist ganz wunderliche und so agschnellt hat er mich
jetzt lange nie« Darinnen fing der Vetter wiederum an sein Leid zu klagen und
wie sie arme beschissene Leute wären und kaum war Johannes hinaus um das
heutige Tagewerk zu überschauen so fragte er »Base was ist mit Eurem Knecht
dem Uli Dr Johannes wett mr ne gä für Meisterknecht«»Das wird öppe nicht
sein« fuhr die Baurin auf »dr Uli ist der beste Knecht den man weit und breit
antrifft wir haben noch nie so einen gehabt« »So« sagte der Vetter »aber wie
hat ers denn mit dem Weibervolk Es hat mir geschienen er sei gerade so einer
wie sie am schlimmsten seien« Es wäre gut sagte die Frau wenn es keine
Schlimmern gäbte er sei mehr als ein Jahr zNacht nie aus dem Hause gewesen
»So so« sagte der Vetter »Dr Johannes ist da mit einem lustigen Wybli
heimgeritten und hats bis zum Haus gebracht wie ich gesehen wer ist das
gewesen« »Das ist unsere Nachbäurin es hauptäntisch bravs Fraueli und sie ist
bsunderbar wohl für mich Es ist ds einzig Hus in das ich so jeweilen gehe«
»So so« sagte der Vetter »dr Uli war Euch denn mit Schein nicht erleidet«
»Wer sagt das« fragte die Frau »der Johannes wird doch nicht so dumm sein und
den Uli fort tun wollen da wollte ich auch noch ein Wort dazu sagen« Mit dem
kam Johannes wieder herein redete von Gleichgültigem die Frau ging hinaus und
der Vetter sagte »Sag Vetterma es düecht mih dy Frau könn es bsunderbar gut
mit Uli und er sei ihr gar wert« »Ja« sagte Johannes »es ist ihr noch Keiner
so wert gewesen über all hat sie mir immer zu klagen gehabt aber seit manchem
Jahr über den kein Wort Es ist ein ganz anders Dabeisein« Es schade dann
vielleicht nicht wenn sie auseinanderkämen sagte Joggeli Bhüetis er wolle
damit nichts Böses gesagt haben aber es sei doch nicht allemal gut wenns
dWyber und Knechte zu gut miteinander konnten Oh das mache nichts sagte
Johannes wenn es da bei die Weiber noch besser mit den Männern könnten als mit
den Knechten Und das sei bei ihnen so Er und seine Frau seien einig und keins
mache eine Partei weder gegen die Kinder noch gegen die Diensten und seit
einiger Zeit seien sie auch mit ihren Diensten einig und die machen keine
Partei gegen sie unter sich und so befänden sie sich bsunderbar gut dabei »Ich
weiß neue nit« sagte der Vetter »wenn sie zu einig sind so hat sich sonst der
Meister zu klagen Wenn es allen gegangen wäre wie mir so würde noch Mancher
anders reden« Die Bäurin konnte nicht ins Klare kommen bis endlich bei Tische
das Kapitel wieder auf Uli kam und sie sich überzeugen musste dass es Ernst sei
mit dem Platz bei Joggeli Da sagte sie »Aber Johannes sinnest auch was du
machst« »Ich möchte dem Uli nicht vor seinem Glück sein« antwortete er »Es
ist nicht immer alles Glück was glänzt« sagte sie halblaut und ging zur Türe
hinaus Da fing der Vetter an zu treiben dass man den Uli hineinkommen heiße er
möchte mit ihm reden und Johannes meinte das pressiere den Abend noch nicht
morgen wolle er ihm alles zeigen und dann könne er noch immer machen was er
wolle Aber der Vetter sagte er müsse morgen zeitlich fort wolle die Sache
heute noch richtig machen so könne er vielleicht wieder einmal gut schlafen
und Uli musste herein
Uli war ganz voll Gwunder was er im Stübli solle und stellte sich an der
Türe auf Der Vetter füllte sein Glas brachte es Uli und sagte »Tue Bscheid
und chumm hock ich möchte neuis mit dir reden« Nun begann er wie Johannes ihm
Uli als Meisterknecht angeboten habe wie er einen mangle wie er einen schönen
Lohn gebe und bei Zufriedenheit noch mehr nicht scheuen wolle »Und wenn es dich
gelüstet zu kommen so fordere Lohn wir wollen es gleich miteinander richtig
machen« Uli war ganz verstummet Endlich sagte er es sei ihm hier nicht
erleidet er begehre gar nicht fort Wenn der Meister meine es sei sein Glück
so wolle er probieren aber ungern »Du kannst probieren« sagte Johannes »und
wenn ihr nicht für enandere seid so nehm ich dich wieder jede Stund« »Und nun
was forderst du für Lohn« »Der Meister soll für mich heischen« sagte Uli »Was
düecht Euch sechzig Kronen zwei Paar Schuhe vier Hemder und dann noch
Trinkgelder« sagte Johannes Ihm sei es recht sagte Uli wie es der Meister
mache Es sei wohl viel sagte der Vetter und so für den Anfang hätte man es
mit etwas Wenigerem auch machen können indessen wolle er nicht märten Nur mit
den Trinkgeldern könne er nicht viel versprechen für die Rosse nehme sie der
Karrer für die Kühe der Melcher und sonst gebe es nicht viel »He nun« sagte
Johannes »so gebt Ihr am Neujahr noch einen schönen Kram wenn Ihr zufrieden
seid« Das werde sich schon machen sagte Joggeli da hätte er fürs erste
zwanzig Batzen Haftpfennig und dann solle er ihm zur rechten Zeit kommen um
anzustehen Somit gab er Geld und Hand und die Sache war abgetan ehe Johannes
und Uli es sich versahen und ehe die Bäurin ein Wort dazu sagen konnte Er hätte
gedacht er wolle es heute noch richtig machen sagte Joggeli es hätte sonst
vielleicht nichts mehr daraus werden können man wisse nie was es über Nacht
gebe
Und Joggeli der alte Fuchs hatte verdammt recht Die Frau schwieg jetzt
sie fühlte jetzt könne sie nicht mehr reden Aber sobald Johannes neben ihr
hinterem Umhang lag so begann sie mit der Frage »Aber sag mir auch was
sinnest du Ich hätte nie geglaubt dass du ein solcher Löhl wärest Einen
solchen Verdruss hast du mir nicht gemacht seit wir verheiratet sind Du bist
viel fort und wie soll es gehen wenn Uli nicht mehr da ist Der alte Verdruss
kommt wieder an mich Dem alte wunderliche Narr der niemand trauet und meint
alle Leute seien schlecht den besten Knecht anzubieten Man sollte dich my Seel
vogten Ich glaube du bist voll gewesen wo du das gemacht hast Sag mir nur
was hast du auch gesinnt« Aber Johannes dem der Handel selbst übers Herz
gekommen wusste nicht viel zu sagen seine Gründe schienen ihm selbst nicht mehr
stichhaltig Er wisse es selber nicht seufzte er Er habe geglaubt dem Uli
sein Glück zu machen Knecht könne der auch nicht immer bleiben und um etwas
anzufangen müsse er Geld haben und einen größeren Lohn zu geben vermöge er
nicht Aber die Frau tat ihm alles durch und wollte von Glück nichts wissen das
Uli mache dass sie ihm einen größeren Lohn hätten geben sollen oder dass sie einen
größeren nicht vermöchten kurz sie war zu einem eigentlichen Redhaus geworden
und ließ Johannes in selber Nacht wenig schlafen Auch Uli schlief nicht er war
auch halb reuig nur der Vetter schnarchte behaglich dass man meinte es sprenge
Laden an der Diele auf und Schindeln vom Dache
Am andern Morgen war alles wie verstört aber dessen achtete Joggeli sich
wenig er machte dass er fortkam gab Uli noch einen Walliserbatzen Trinkgeld
und fuhr vergnügt von dannen
Uli hätte den Handel gerne aufgegeben und auch die Frau Meisterin war der
Meinung Was frage man dem Vetter nach man hätte ja sein Lebtag nichts von ihm
gehabt und werde nichts von ihm haben und er wohne ja sieben Stunden dadänne
man sehe ihn vielleicht in seinem Leben nicht mehr Uli sagte wenn er im neuen
Dienst noch alleine wäre so würde es ihm noch minder machen aber dass er da
drei vier Knechte regieren solle noch Jungfrauen dazu und Tauner die Menge
das gruse ihm Er wisse wohl wie er es mit denen bekomme Sage er zu allem
nichts so sei er nur ihr Schuhwisch und der wolle er nicht sein wolle er
regieren so gäbe es Händel er hätte lauter Streit und wisse nicht wie dann
der Meister ihn unterstütze Es wäre wohl am besten er schicke das Haftgeld
zurück zu rechter Zeit Aber Johannes war nicht dieser Meinung Es wäre
schlecht einen fremden Menschen so anzuführen geschweige dann einen Vetter Es
komme nichts von ungefähr und man wisse nicht wofür das gut sei Gewöhnlich
seien die Sachen wo einem im Anfang am meisten zuwider seien später einem die
vorteilhaftesten Jetzt müsse man der Sache ihren Lauf lassen es werde öppe
beidseitig gut gehen Wenn Uli nur im Anfang recht süferli tue und suche Boden
zu bekommen so werde sich alles machen Hans ihr zweiter Knecht sei gut
angeleitet und hätte vielen guten Willen es wäre möglich dass man mit ihm auch
nicht schlecht fahren werde Jedenfalls sei die Sache jetzt so lasse sich nicht
ändern es wäre daher am besten wenn man sich hineinschicken würde und so wenig
als möglich davon redete
So verstrich die Zeit und Weihnachten nahte Schneider Näherinnen
Schuhmacher wechselten ab auf der Stör und wenn man es auch nicht sagte so war
es doch größtenteils Ulis wegen dessen Kleider man alle in den besten Stand
setzen ließ fast wie einem Sohn der in die Fremde will Bald hatte die
Meisterin noch einen Resten Tuch den sie nicht zu brauchen wusste zu einem
Hemde oder der Meister eine Kutte die ihm zu enge war oder ein Gilet das ihm
der Schneider verpfuscht hatte Eines Abends sagte der Meister »Uli du musst
noch einen Heimatschein holen beim Pfarrer gehe morgen damit man Zeit hat ihn
ausfertigen zu lassen« »Meister das ist mir zwider« sagte Uli »Nit der
Pfarrer ist mir lieb und ich habe viel auf ihm seine Predigten haben mir wohl
getan und ich habe bei ihm einsehen gelernt dass wenn man ein Mensch sein will
man unserm Heiland nachfolgen müsse Aber ich bin gar ein wüster und
ungeschickter Bube gewesen in der Unterweisung er hat viel mit mir müssen
balgen und daher habe ich ihn seither immer geflohen und kein einzig Wort mit
ihm geredet Das habe ich nun ungern ich darf mich nicht vor ihm zeigen denn
wenn ich gehe so wird er glauben ich sei noch immer der wüste Bub wie früher
und mir einen Abputzer geben vom Tüfel Du könntest mir ihn nehmen Meister du
kommst wohl öppe zum Pfarrer« »Nein« sagte der Meister »es ist anständig dass
du selbst gehst und wenn er dir schon noch eine Ermahnung gibt so schadet die
dir allweg nichts«
Uli mochte wollen oder nicht er musste selbst gehen Aber es wurde ihm recht
schwer als er gegen das Pfarrhaus kam das Herz klopfte ihm als er
hineingeheissen wurde und als drinnen der Pfarrer fragte »Was wotsch was wär
dir lieb« da fand er das einfache Wort »einen Heimatschein« fast nicht und
brachte es mit Mühe heraus Der Pfarrer schlug große Bücher auf frug »Du
heissest Ulrich Merk dein Vater hat Christian geheißen deine Mutter Madle
Schmöck dein Götti ist der Vrenechbur gsi« Das wunderte den Uli gar fast wie
der Pfarrer das alles so wissen könne und dass er ihn noch gekannt hätte seit
der Unterweisung sei er doch fast einen Schuh größer geworden Dann fragte ihn
der Pfarrer wieder »Du gehst in die Glungge in die Gemeinde Üflige He nun es
soll mich freuen wenn es dein Glück ist« sagte der Pfarrer »Es hat mich schon
lange gefreut dass du dich so brav aufgeführt hast es freut mich allemal wenn
ich einen auf einem bessern Weg sehe Wo du in die Unterweisung gekommen bist
hätte ich das nicht von dir erwartet Aber es ist dem lieben Gott gar viel
möglich woran der Mensch nicht denkt Vergiss aber in der Glungge nicht dass
dort der gleiche Gott ist der hier sein Auge auf dir gehabt hat und dass es dir
nur so lange wohl geht als er dir hilft und du ihm treu bist Vergiss nie dass
er alles gseht und alles gehört wenn es schon dein Meister nicht sieht und nicht
hört Jetzt wirst du über viel gesetzt es wird auch viel von dir gefordert
werden Jetzt hast du Gott nötiger als nie und denke immer was du sagst wenn
du betest Führe mich nicht in Versuchung Denke daran was der Heiland gesagt
hat Wachet und betet dass ihr nicht in Anfechtungen fallet Es wird mich immer
freuen wenn ich gute Nachricht von dir habe und wenn du hieher zDorf kommst
so komm auch zu mir und gib mir Bricht wie es dir geht es wird mich recht wohl
freuen«
Uli ging ganz gerührt und verwundert fort und mochte nicht warten bis er
dem Meister sagen konnte »Denk dr Pfarrer hat mich noch gekannt und es ist ihm
alles bekannt gewesen Er hat gewusst dass ich mich geändert dass ich in die
Glungge komme und wie es dort ist hat mir geschienen wisse er auch Wie ist
das auch möglich er hat doch nie mit mir geredet und ist die längste Zeit nicht
bei dir gewesen« »Jä« sagte der Meister »das ist der Name von dem ich dir
gesagt habe Der gute Name kommt weit und der böse noch weiter und es ist kein
Mensch so gering es wird von ihm brichtet Und so ein Pfarrer soll auf diese
Namen mehr oder weniger acht haben damit wenn die Gelegenheit kommt er weiß
wie er mit den Leuten reden soll So ein unerwarteter Zuspruch bei Gelegenheit
tut manchmal recht gute Wirkung es schadet niemere nüt wenn man weiß dass auf
einen gesehen wird« »Ja das muss ich sagen« sagte Uli »der Zuspruch hat mich
gefreut und ich wollte nicht dass ich nicht selbst gegangen wäre Er hat mir da
ein paar wichtige Worte gesagt die ich nicht vergessen will«
Der Meister hatte sich entschlossen Uli selbst auf seinen neuen Platz zu
führen er solle mit dem Züglen nicht Kosten haben sagte er und dann könne er
ihm vielleicht einen oder den andern Rat geben wenn er die Gelegenheit selbst
angesehen Uli ließ seinen Lohn fast ganz zurück und hatte nun in der Kasse
ordentlich über hundertfünfzig Kronen Einen Trog hatte er machen lassen mit
einem guten Schloss damit ihm nicht jeder über seine Sachen könne
Neujahr kam da wurde auch gneujahret nach allgemeinem Gebrauch Wein und
Fleisch war genug auf dem Tisch sonst ging es recht lustig zu Jetzt saß man
beisammen aß und trank und wollte lustig sein Da sagte Uli »Hocken ih echt
zum letztenmal da« und das Augenwasser schoss ihm über die Backen ab und er
stund auf und ging hinaus Und allen kam das Augenwasser und stellte ihnen das
Essen und sie redeten lange nichts bis endlich die Frau sagte »Johannes du
musst doch use und ga luege wo Uli bleibt er soll hineinkommen Es ist jetzt
so und ich bin nicht schuld daran aber mir wei die letzti Stund doch noch
binenangere sy«
Zwölftes Kapitel
Wie Uli seinen alten Dienstort verlässt und an den neuen einfährt
Am folgenden Morgen wurde der Schlitten zurecht gemacht das Tröglein
aufgebunden und Uli musste noch im Stübli mit ihnen frühstücken Kaffee Käs und
Eiertätsch Als angespannt war konnte er fast nicht fort und als es endlich
sein musste und er der Meisterin die Hand längte und sagte »Lebet wohl Mutter
und zürnet mr nüt« da schoss ihm wieder das Wasser aus den Augen und die
Bäurin musste das Fürtuch vor die Augen nehmen und sagte »Ich wüsste nicht was
ich zürnen wollte wenns dir nur gut geht aber wenn es dir nicht gefällt so
komm wieder welche Stunde du willst je eher je lieber« Die Kinder wollten ihn
fast nicht lassen es düechte ihn als wolle es ihm das Herz zerreißen als
endlich der Meister sagte Sie sollten lugg lassen sie müssten fort wenn sie
noch heute an Ort und Stelle wollten und es werde nicht das letzte Mal sein
dass sie einander sehen Es sei einmal jetzt so Als sie fortfuhren wischte sich
die Frau noch lange die Augen ab und musste die Kinder trösten die fast nicht
vom Jammern lassen wollten
Die Beiden fuhren lange stillschweigend durch den glitzernden Schnee »Na
na« musste der Meister zuweilen sagen wenn der wilde Blass in Galopp fiel den
leichten Schlitten pfeilschnell dahinriss und mit hochgeworfenen Beinen den
Schnee weit in die Luft warf »Es macht mir Kummer« sagte Uli »und je länger
je mehr je näher wir kommen es ist mir so schwer ich kann nichts anderes
glauben als dass ich meinem Unglück entgegenfahre es ist mir als wenn es mir
vor wäre«
»Das ist nichts anders« sagte der Meister »und ich wollte das nicht für
eine böse Bedeutung nehmen Sinn daran vor bald zehn Jahren wo du ein Nütnutz
gewesen bist und ich zum Bessern dich angetrieben wie schwer kam dich die
Besserung nicht an wie wenig Glauben hattest du an die Möglichkeit dass alles
gut kommen werde Und doch kam es nach und nach gut dein Glaube mehrte sich
und jetzt bist ein Bursch von dem man wohl sagen kann dass es mit dem gewonnen
sei Darum kümmere nicht was du jetzt vor dir hast ist ds Halb leichter da
kann es öppe nicht übeler gehen als dass du nach einem Jahr wieder zu mir
kommst Halte dich nur gut nimm dich in acht der Vetter ist grusam misstreu
aber wenn er dich einmal erfahren hat so kannst du dich seiner trösten Mit den
Diensten wirst du es am bösten haben da mach süferli nur nach und nach solang
es geht in der Liebe und nützt das nicht so gschirr einmal recht aus dass du
weißt woran du bist so darinnen hangen ein ganzes Jahr möchte ich auch nicht«
Es war ein heller klarer Jennertag als sie durch schöne Felder dann
zwischen weißen Zäunen glitzernden Bäumen durch der Glunggen zufuhren Dieses
Gut lag etwa eine Viertelstunde von Üfligen war über hundert Jucharten groß
sehr fruchtbar doch nicht ganz in einer Einhäge einige Äcker und eine Matte
lagen entfernter In nassen Jahren mochte es an einigen Orten wohl nass werden
doch dem ließ sich helfen Als sie anfuhren trätschete Joggeli an einem Stock
ums Haus herum das etwas im Boden lag und sagte Er hätte schon lange auf sie
gesehen und bald geglaubt sie kämen nicht mehr es hätte ihn blanget »Es soll
einer kommen und das Ross abnehmen« rief er gegen das Scheuerwerk hin das am
Hause war Es kam niemand Uli musste selbst abspannen und frug wo er mit dem
Blass hin solle »Seh es soll einer kommen« Keiner kam Da ging der Alte
ärgerlich gegen den Stall riss die Türe auf und da striegelte der Karrer ganz
gelassen Pferde »Ghörst denn nichts wenn man ruft« sagte Joggeli »Ich habe
nichts gehört« »Su los es andermal und chumm nimm das Ross« Er müsse ihm
zuerst Platz machen schnauzte der Bursche und fuhr nun unter seine Rosse wie
der Habek in ein Taubenhaus dass die in die Krippe schossen aufwarfen und Uli
unter beständigem »Ü ü ü« und Lebensgefahr seinen Blass zuhinterst in den Stall
brachte Dort konnte er lange keine Halfter kriegen »Hättest eine mitgebracht«
erhielt er erst zur Antwort Als er wieder zum Schlitten kam und sein Trögli
abband sollten Holzer es ihm tragen helfen aber lange rührte sich keiner
Endlich schickten sie den Bueb der auf der Treppe die Handhabe fahren ließ so
dass Uli beinahe rückwärts hinabgefahren wäre und nur seiner Kraft es zu
verdanken hatte dass es nicht geschah Das Gemach in das man ihn führte war
nicht hell unheizbar und mit zwei Betten besetzt Etwas trübselig stund er
darin als man ihn hinunterrief Er solle kommen und etwas Warmes nehmen
Draußen nahm ihn ein munteres schönes Mädchen in Empfang nussbraun an Haar
und Augen rot und weiß an den Backen kusslicht die Lippen blendend die Zähne
groß fest aber schlank gebaut mit ernsten Mienen hinter denen der Schalk
lauerte aber auch die Gutmütigkeit Über das Ganze war das bekannte aber
unbeschreibliche Etwas gegossen das da wo es sichtbar wird von innerer und
äußerer Reinlichkeit zeuget von einer Seele die das Unreine hasst deren Leib
daher auch nie unrein wird oder nie unrein scheint mitten in der wüstesten
Arbeit Vreneli so hieß das Mädchen war eine arme Verwandte im Hause die ihr
Lebtag nirgends hätte sein sollen allenthalben für Aschenbrödel gehalten wurde
aber immer die Asche abschüttelte weder äußerlich noch innerlich getrübt wurde
Gott und Menschen und jedem jungen Tage in neuer Frische entgegenlachte daher
auch allenthalben sein konnte und sich Platz machte in den Herzen gäb wie man
sich dagegen wehren mochte daher es oft schon lange von Verwandten innerlich
geliebt wurde während sie glaubten sie hassten es noch und verschüpften es als
den Zeugen des unerlaubten Umganges einer vornehmen Verwandtin mit einem Tauner
Vreneli hatte die Türe nicht aufgemacht Als Uli heraustrat überflogen ihn die
braunen Augen und ganz ernst frug Vreneli »Du wirst der neue Meisterknecht
sein sollen du sollest hinunterkommen und öppis Warms näh« Es hätte sich nicht
gemangelt sagte Uli sie hätten unterwegs etwas genommen Indessen ging er
stillschweigend hinter dem raschen Mädchen her der Stube zu Dort saßen Joggeli
und Johannes schon hinter dem Tische hinter dampfendem Fleische grünes und
gesalzenes hinter Sauerkabis und Birenschnitzen und eine alte runde
freundliche Frau trat ihm entgegen strich die Hand noch am Fürtuche ab bot
ihm sie dar und sagte »Bist du dr neu Meisterknecht He nu so de wed son e
Fromme bist wie de e Brave bist so wirds scho guet cho ih ha kei Kummer Hock
zueche u nimm schüch dih nüt es isch da für dass me nähm« Auf dem Ofentritt
saß noch eine dünne Gestalt mit weißem Gesicht blassen glanzlosen Augen die
tat als bekümmere sie sich um alles nicht ein schönes Druckli vor sich hatte
und blauen Seidenfaden von einem Klungeli auf das andere wand
Joggeli brichtete wie er es mit dem letzten Meisterknecht gehabt habe und
über was alles er seither noch gekommen sei und wie es ihn düeche es sei noch
viel übler gegangen als er jetzt nur sinne »Was eim doch so ein Kerli Verdruss
machen und schaden kann und Sellig darf man nicht henke es ist my Seel nicht
recht Allbets ist das nicht so gewesen es ist eine Zeit gewesen wo man jeden
gehängt hat der eines Strickes wert gestohlen Selbist ist es recht gsi aber
jetzt ists nüt meh Es sollte einem meinen die schlechten Leute sollten lauter
ihresgleichen an der Regierung haben so luegen sie ihnen durch die Finger Ja
nicht einmal die Weiber welche ihre Männer vergiften hängt man mehr Es nimmt
mih nume wunder was schlechter ist wenn man einen gegen das Gesetz tötet oder
einen gegen das Gesetz lebendig lässt es düecht mih das sei eins wie das
Andere Und dennoch dünkt mich wenn die wo die Gesetze aufrecht erhalten
sollen selber darinnen gange ga chaflen so sei das ihnen vor Gott und Menschen
nicht zu verzeihen Da dünkt es mich sollte man das Recht haben die zu tun
wo sie hingehören statt ihnen noch müssen den Lohn zu geben«
Während dieser langen Rede von Joggeli die er glücklicherweise innerhalb
seiner vier Wände hielt ansonst sie ihm leicht nicht sowohl einen Pressprozess
denn die waren damals noch nicht Mode sondern eine Hochverratsgeschichte hätte
zuziehen können sagte seine Frau fortwährend zu Johannes und besonders zu Uli
»Näht doch näht es isch drfür da oder düecht es ech nit guet Mir gäs wie
mrs hei Joggeli schenk doch y lue sie hei us trinkit doch es isch no meh
wo dä gsi isch Der Sohn het ne gä es soll guete sy er het ne selber gchauft
im Weltschlang aber er het is währli füfehalb Batze gchostet die Maß und de
ist no nit wohl gmesse gsi« Als Uli nicht mehr nehmen wollte so legte ihm die
Alte immer noch vor stach die größten Stücke mit der Gabel an und stieß sie
dann mit dem Daumen ihm aufs Teller ab und sagte dazu »He du wärist mr e Lyde
wed das nit no möchtist e sellige tolle Bursch muess gesse ha wenn er bi dr
Kraft blybe soll und mir gönnen es we si arbeite solle su muess me ne o zesse
gä Nimm ume nimm« Indessen Uli vermochte doch endlich nichts mehr nahm die
Kappe in die Hände betete und stund auf um weiterzugehen »Bleib doch« sagte
Joggeli »wo wotsch hi Sie werden schon zum Blass sehen ich habe es ihnen
streng befohlen« »He ih will use öppe e wenig go umeangere luege wies mir
gfall« sagte Uli »He nu so gang chum de wieder yche wes dih friert du sost
mir hüt no nit werche« sagte die Mutter
»Der wird noch etwas erleben« sagte Joggeli »sie sehen ihn gar grusam
ungern kommen ich glaube der Karrer wäre selbst gerne Meisterknecht geworden
Aber es ist mir recht wenn sie schon wider einander sind Es ist nie gut wenn
das Gesind zu einig ist der Meister muss es immer entgelten« »He« sagte
Johannes »das ist wie man es nimmt Ja wenn das Gesind auf einer Seite ist
und der Meister auf der andern so geht es dem Meister bös und er kann nichts
zwängen Aber wenn auch das Gesind wider einander ist und Eines dem Andern das
Mögliche zuleid tut Keines dem Andern helfen will so geht es dem Meister auch
bös denn es geht am Ende doch alles über den Meister und seine Sache aus Ich
meine das Wort sei allweg richtig Friede bauet Unfriede zerstört Es will mir
hier nicht recht gefallen Da ist kein Mensch gekommen das Ross abzunehmen
niemand wollte dem Uli tragen helfen da macht ein jeder was er will und sie
fürchten niemand Das Vetter kommt nicht gut Das muss ich sagen so bleibt Uli
nicht dabei Wenn er Meisterknecht sein die Verantwortung haben soll so will
er auch Ordnung da lässt er nicht jeden machen was er will Da wirds nun Lärm
geben alles wird auf ihn darkommen und wenn Ihr ihn nicht unterstützet so
läuft er fort Ich will es fry graduse säge ich habe ihm gesagt wenn er es
hier nicht länger ausstehen könne so solle er wieder zu mir kommen für ihn
hätte ich immer Platz Er reut uns übel genug und meine Frau het pläret wo ich
mit ihm fortgegangen bin wie wenn er ihr Kind wäre« Das düechte die alte
Mutter gar schön und sie wischte bloß vom Hörensagen schon die Augen aus und
sagte »Häb nit Kummer Vetter Johannes dem soll es öppe nit übel bei uns
gehen wir vermögen es auch zu ihm zluege Es düecht mich wenn wir nume afe
einen hätten dem man trauen könnte und dem an der Sache gelegen wäre es reute
mich kein Lohn« »Base« sagte Johannes »es kommt auf den Lohn nicht alles an
aber Unterstützig muss Uli haben und glauben muss man ihm Wir haben ihn fast
gehabt wie ein Kind vom Hause und da täte es ihm gar ungewohnt wenn er nur so
der Knecht sein sollte« »He« sagte die Mutter »häb nit Kummer Johannes mir
wei ds Mügliche tue Wenn wir für uns ein Kaffee machen so zwüsche yche so muss
es nicht zu machen sein oder er muss ein Kacheli davon haben Und wir haben öppe
alle Tage unser Möckli Fleisch die Diensten aber nur am Sonntag Wo käme man
hin wenn man ihnen alle Tage geben wollte Aber wennd meinst so wei mr luege
dass dr Uli o allbeneinisch zwüsche yche Fleisch überchunt« »Base« sagte
Johannes »das macht die Sache nicht aus und Uli begehrt das auch nicht es
macht die Andern nur schalus Geb wie man es anstellt die Andern merken es
doch Wir haben eine Jungfrau gehabt die hat allemal wenn sie vom Felde kam
in allen Kachelene gschmöckt und hat allemal es richtig erraten wenn ein Kaffee
gemacht worden von dem sie nichts erhielt wohl aber ein anderer Dienst und
dann hat sie acht Tage dr Kolder gemacht dass man es bei ihr kaum aushalten
konnte Aber Zutrauen müsst ihr haben und ihm helfen dann kömmts gut«
Der Vetter mochte das Gespräch nicht länger dauern lassen und führte den
Johannes herum in Ställen und Spycher solange es heiter war fragte um Rat und
erhielt welchen aber rühmen wollte ihm Johannes nichts Bei den Kälbern sagte
er es wäre gut wenn man dazu täte die hätten Läuse und bei den Schafen die
wären wohl dicht ineinander sie erdrückten sich und die Lämmer verrigelten
ganz Die übrige Inspektion tat er stillschweigend ab Als sie wieder
hineingingen trafen sie Uli trübselig im Schopfe an nahmen ihn hinein aber
trübselig blieb er den ganzen Abend Das Weinen war ihm zvorderst sobald jemand
ein Wort zu ihm sagte
Am folgenden Morgen rüstete Johannes sich zur Abreise nachdem er über
Vermögen hatte essen und auf alles hinauf noch ein Schnäpschen hatte trinken
müssen gäb wie er sagte Er trinke nie Selligs am ene Morge Uli hing ihm fast
an der Kutte wie ein Kind das fürchtet der Vater laufe ihm fort und als er
ihm die Hand geben wollte so sagte Uli wenns ihm erlaubt würde so wollte er
noch einen Plätz mit ihm fahren er wisse nicht wann er ihn wieder sehe »Und
wie gefällt es dir« sagte Johannes sobald sie vom Hause weg waren »O Meister
ich kann nicht sagen wie es mir ist Ich bin an vielen Orten gewesen aber so
habe ich es nirgends angetroffen Da ist helf mir Gott nirgends keine Ordnung
Die Bschütte läuft in den Stall der Mist ist noch nie recht ausgemacht worden
die Rosse stehen hinten höher als vornen am Stroh ist noch das halbe Korn auf
der Bühne ist es Gsau das Werkzeug sieht aus man darfs nicht ansehen Sie
sehen mich alle an als ob sie mich fressen wollten Entweder geben sie mir
keinen Bescheid oder messen mir unverschämte Worte zu dass es mih düecht ich
muss ihnen eine zum Grind geben« »Häb Geduld und lyd dih« sagte Johannes
»Fange hübscheli an nimm sHeft unbemerkt mach selbst so viel du kannst sag
alles mit Manier und lueg dass du sie nach und nach äne ume bringest oder
wenigstens Einige auf deine Seite So warte eine Zeitlang und lueg wie es geht
und bis du recht gut mit allem bekannt worden bist dass du siehst wo du am
besten zwegkommen magst So grad afangs dryzschiesse trägt nichts ab man kennt
die Sache gewöhnlich zu wenig und greifts nicht recht an Wenn du dann weißt
woran du bist und gutet es nicht so turniere dann einmal recht aus dem ff aus
damit sie wissen woran sie mit dir sind und mach dass Einer oder Zwei fort
müssen es wird dann schon bessern Darneben habe nur guten Mut du bist ja kein
Sklave kannst gehen wann du willst Es ist aber eine Lehrzeit für dich und je
mehr ein junger Mensch ausstehen muss desto besser ist es ihm Du kannst da viel
lernen kannst lernen Meister sein und das ist eine größere Kunst als du
meinst und es ist mir immer als könnest du da so recht dein Glück machen und
ein Mann werden Mach nur dass du es mit dem Weibervolk wohl kannst aber doch
nicht dass der Alte misstreu wird wennds mit denen kannst so hast du schon viel
gewonnen Aber wenn sie dich zu viel nebenausrufen wollen zu einem Kaffee so
tue es nicht hebs wie die Andern und im Werche sei immer voran so müssen sie
sich am Ende ergeben sie mögen wollen oder nicht«
Das richtete Uli auf er fand neuen Mut und doch konnte er fast nicht vom
Meister Erst jetzt kamen ihm eine Menge Dinge in Sinn die er noch hätte fragen
sollen Es schien ihm als wüsste er gar nichts Er fragte übers Säen und wie er
wohl dies hier anfangen solle oder jenes ob diese Pflanze hier käme wie jene
besorgt sein müsse Er wurde nicht fertig mit Fragen bis Johannes endlich bei
einem Wirtshause anhielt noch eine Halbe mit ihm trank und ihn dann fast
gewaltsam heimsandte Ermutigt ging endlich Uli und fühlte nun allein zum
erstenmal so recht seine Bedeutsamkeit Er war etwas er tat seine Augen ganz
anders auf als er auf das anvertraute Gut trat das von ihm allein seine
Besorgung erwartete er ging mit ganz andern Schritten dem Hause zu wo er
gewissermaßen regieren sollte wo man ihn erwartete wie ein rebellisch Regiment
seinen neuen Obersten
Dreizehntes Kapitel
Wie Uli sich selber als Meisterknecht einführt
Ruhig mit gefasstem Entschluss kam er zu den Arbeitenden es war Nachmittag bald
nach dem Essen Zu Sechsen wurde gedroschen Melcher und Karrer rüsteten Futter
zu diesen trat er und half mit Sie brauchten ihn nicht sagten sie und könnten
das alleine Im Tenn könne er heute nicht helfen bis zum Herausmachen und so
wolle er ihnen helfen heute Futter rüsten und dann misten antwortete er Sie
brummten allein er griff zu schüttelte mit seiner gewohnten Eigelichkeit das
Futter durcheinander den Staub davon und zwang da durch die Andern
stillschweigend es auch besser zu machen als sonst Drunten im Gang schüttelte
er wieder und die Futterwalmen zog er so schön und exakt wischte dann mit dem
Besen den Gang zwischen dem Ross und Kuhfutter dass es eine Freude war Der
Melcher sagte Wenn das all Tag so gehen sollte so möchte man in zwei Tagen
nicht rüsten was die Ware an einem Tage fressen möchte Das käme darauf an
sagte Uli wie man sich gewohnt hätte zu rüsten und je nachdem die Ware gewohnt
wäre zu gschänden Beim Misten hatte er seine liebe Not mit dem Melcher der nur
das Gröbste obenabnehmen wollte so gleichsam die Nidle ab der Milch Es sei
schön warm draußen sagte Uli da erkalte ihnen das Vieh nicht sie wollten ein
wenig zBoden ha Und wirklich war es nötig es war da alte Rustig dass sie fast
die Reutaue nehmen mussten um nur zu den Steinen der Bsetzi zu kommen das was
zwischen denen war herauszugäbelen dazu kamen sie nicht einmal Es musste aus
dem Bschüttiloch geschöpft werden da das Wasser sich auftrieb fast bis zu
hinterst in den Stall und dass das Ausgeschöpfte in die Hofstatt geführt und
nicht auf die Straße geschüttet würde konnte er nur mit Mühe erzwingen Als der
Mist draußen war wollte ihn niemand verlegen und auf seine Frage erhielt er
zur Antwort Heute hätte man nicht Zeit man müsste bald füttern es sei morgen
noch früh genug Das sei gar kommod zwischen dem Füttern zu machen und den Mist
müsse man verlegen während er warm sei besonders im Winter Sei er einmal
gefroren so setze er sich nicht mehr und man erhalte keinen Mist Somit ging er
selbst ans Werk und die Beiden ließ getrost ihn machen und zäpfelten ihn aus
hinter den Stalltüren und im Futtergang
Drinnen hatte man schon lange sich gewundert dass der neue Meisterknecht
nicht heimkomme und schon Kummer gefasst er möchte auf und davongefahren sein
Joggeli hatte sich ans Fenster gesetzt von wo aus er auf den Weg sehen konnte
und sah sich fast die Augen aus und begann zu schimpfen Den Johannes habe er
doch so schlecht nicht geglaubt und dazu sei er sein Vetter und Selligs mochte
er dem frömdest Mensch nicht machen Aber es sei sich heutzutage auf niemand zu
verlassen nicht einmal auf die eigenen Kinder Während er am besten im Zuge
war kommt Vreneli herein und sagt »Da könnt Ihr lange hinaussehen der neue
Knecht verlegt draußen den Mist den sie herausgemacht er wird auch der Meinung
sein es sei besser ihn nicht von zwei Malen lassen zusammenzukommen Wenn es
niemand anders tut so wird er meinen er muss es selber machen« »Warum kündet
der sich nicht wenn er heimkommt« sagte Joggeli und »Herr Yses warum chuntr
nit cho esse« sagte die Mutter »Gehe und sag ihm er solle auf der Stelle
hineinkommen es sei ihm dänne deckt« »Wart« sagte Joggeli »ich will selber
gehen und sehen wie er es macht und was gegangen ist« »Aber heiß ihn kommen«
sagte die Mutter »es düecht mih dWurmlöcher sollten ihm aufgegangen sein«
Joggeli ging hinaus sah wie Uli den Mist sorgfältig verstreute und tüchtig
niedertrat das gefiel ihm Er wollte den Melcher und den Karrer suchen um
ihnen zu zeigen wie Uli es mache und dass sie es künftig auch so machen sollten
er blickte in den Futtergang und konnte lange seine Augen nicht herausbringen
als er die schönen runden appetitlichen Futterwalmen sah und den gesäuberten
Gang dazwischen Er blickte in den Stall und als er wohlbehaglich die Kühe in
reinem Stroh stehen sah und nicht mehr auf altem Mist da ward ihm auch wohl
und erst jetzt ging er zu Uli und sagte ihm das sei doch dann eigentlich nicht
so gemeint dass er das Wüsteste selbst mache das sei eigentlich an andern
Leuten Er hätte wohl Zeit gehabt sagte Uli beim Dreschen sei er zu viel
gewesen und da hätte er es gemacht um zu zeigen wie er es künftig haben
wolle Joggeli wollte ihn in die Stube heißen aber Uli sagte er möchte noch
gerne beim Usemachen des Kornes sein er möchte auch wissen wie es da gehe Da
sah er dass alles nur auf frühen Feierabend hin gemacht werde Das Korn war
schlecht gemutzet es waren noch eine Menge halber Ähren dann noch schlechter
gereitert und gewannet das Korn in der Bütti war unsauber es gelüstete ihn es
auszuleeren und die Arbeit von neuem anfangen zu lassen indessen besaß er sich
und dachte er wolle das morgen anders machen Joggeli aber sagte drinnen Der
neue Knecht gefalle ihm wohl er verstehe die Sache aber wenn er nur nicht zu
viel regieren wolle das wäre ihm doch zuwider Man könnte es nicht an einem
Orte machen wie am andern und zuletzt hätte er selbst nichts mehr zu befehlen
Nach dem Essen suchte Uli den Meister und fragte ihn was eigentlich alles
noch zu tun sei diesen Winter es dünke ihn man sollte so die Arbeit
ineinanderreisen dass wenn der Hustagen komme man fertig und zweg sei für die
neue Arbeit Ja sagte Joggeli es wäre wohl gut aber zwingen könne man nicht
alles auf einmal es wolle alles seine Zeit haben Man habe noch zirka drei
Wochen zu dreschen dann könne man anfangen zgrechtem zholzen und wenn man
mit dem fertig sei so werde der Hustagen wohl da sein Wenn er etwas sagen
dürfe sagte Uli so dünkte es ihn man sollte jetzt das Holz herbeimachen Es
sei gar schön Wetter und der Weg gut es gehe ds Halb ringer Im Horner sei
meist schlecht und leid Wetter da bringe man nichts ab Platz und verkarre alle
Wagen Das könne es nicht wohl geben meinte Joggeli es sei nicht der Brauch
erst im Horner zu dreschen Das sei nicht seine Meinung sagte Uli Man solle
fortfahren zu dreschen Er und noch einer wollten dem Karrer wohl so viel
niedermachen und zurüsten als er heimzuführen vermöge Und bis etwas fertig
sei könne der Karrer ihnen ja auch im Wald helfen Dann könne man nicht mehr zu
Sechs dreschen wenn er einen aus dem Tenn nehme sagte Joggeli und wenn alle
miteinander holzeten so hätte man bald viel geholzet »He« sagte Uli »wie Ihr
wollt es het mih so düecht könnte der Melcher nicht dreschen helfen durch den
Morgen und auch am Nachmittag wenn man über Mittag einander helfen will misten
und Futter rüsten Und manchmal verrichten Zwei im Walde mehr als eine ganze
Kuppele wo Keiner etwas anrühren will« »Ja« sagte Joggeli »es geht manchmal
so aber wir wollen das Holzen doch bleiben lassen das Dreschen tut jetzt
nöter« »Wie Ihr wollt« sagte Uli und ging gedankenschwer ins Bett
»Du bist doch e bloße Wunderliche« sagte die Alte zu ihrem Manne »Es hat
mir bsunderbar wohl gefallen was Uli gesagt hat Es wäre unser Nutzen gewesen
und wenn schon da die zwei Musjö der Karrer und der Melcher nicht könnten
beständig ihre Nasenlocher an der Sonne tröcknen so schadete es diesen zwei
Lumpenhünden nichts So tut dir Uli bald nicht mehr gut wenn du es so machst«
»Ich will aber von einem Knecht mir nicht lassen befehlen Wenn ich ihn so
machen ließe so würde er gleich meinen es hätte niemand zu befehlen als er
Man muss es so einem gleich von Anfang zeigen wie man es haben will« »Du bist
der Recht für es ihnen zu zeigen die Guten verderbst du und die Schlechten
förchtest du und lässest sie machen was sie wollen so hast dus« sagte die
Alte »Wir haben es immer so gehabt und es wird jetzt auch nicht anders gehen
sollen«
Am andern Morgen sagte Uli der Meisterfrau eine Jungfrau sei überflüssig im
Tenn sie solle die behalten welche ihr anständiger sei Und Uli hielt nieder
im Tenn stellte den Flegel und traf den Nebenmann auf den Flegel dass er über
den ganzen Schenkel hin bis an die Wand dreschen musste und wenn eine Tenneten
fertig war so wurden die Zwischenarbeiten rasch abgetan und zu einer neuen
geschritten und das zwang Uli nicht durch Worte sondern durch das Drängen mit
der eigenen Arbeit In der Stube sagten sie es düech sie sie hätten im Tenn
ganz andere Flegel das räble ganz anders als sonst das gehe doch auch zBode
Die Jungfrau welche in der Stube bleiben konnte erzählte Vreneli wie man es
dem machen wolle der müsse nicht meinen dass er eine neue Ordnung einführen
wolle von so einem wollten sie sich nicht kujinieren lassen Er daure sie noch
es wäre ein manierlicher Bursche und arbeiten könne er man müsse es bekennen
Alles was er in die Finger nehme stehe ihm wohl an Unterdessen man im Tenn
drosch war der Karrer auf einem Rosse ausgeritten es hieß er sei in die
Schmiede Der Melcher war mit einer Kuh fortgefahren er hatte aber niemand
gesagt wohin Es war Mittag ehe einer von ihnen heimkam Keiner hatte einen
Streich gearbeitet
Nach dem Mittagessen half Uli noch Erdäpfel schinden wie es in geordneten
Haushaltungen wenn die Zeit es erlaubt üblich ist die Andern liefen hinaus
nahmen sich kaum Zeit zum Beten Als Uli hinauskam war Lärm im Tenn zwei Paare
schwangen auf dem Stroh der letzten Tenneten die Andern sahen zu Er rief dem
Melcher er solle kommen sie wollten geschwind die Kälber herausnehmen und
sehen wie es mit ihnen stehe wahrscheinlich müssten sie geschoren und gesalbet
werden Der Melcher sagte das gehe Uli nichts an die Kälber solle ihm niemand
anrühren die seien noch lang wohl so Und der Karrer trat zu Uli »Wei mr öppe
eis mit enangere mache wed darfst« Es kochte Uli in den Adern und er sah dass
das ein angelegtes Spiel sei dem er sich nicht wohl entziehen könne Früher
oder später das wusste er wohl musste er ihnen stehen und sich fecken lassen
Darum also gerade jetzt so wüssten sie doch woran sie mit ihm seien »He
wennds probiere witt es ist mir gleich« und zweimal hintereinander schlug er
den Karrer auf den Rücken dass es krachte Da sagte der Melcher er wolle es
auch probieren es sei ihm zwar fast nicht der wert mit einem solchen
Hagstecken zmachen der Scheichleni heig wie ein Tubakröhrli und Wadli dran
wien e Flöhdreck Mit seinen braunen haarigen Armen packte er Uli an als ob er
ihn wie einen alten Lumpen verrupfen wollte Aber Uli hielt stand der Melcher
brachte nichts ab Er wurde immer zorniger setzte immer giftiger an schonte
weder Arme noch Beine müpfte mit dem Kopf wie ein Tier bis endlich Uli die
Sache auch satt hatte alle Kraft zusammennahm und dem Melcher einen solchen
Schwung gab dass er über den Kornwalm in die Mitte des Tenns flog und auf dem
jenseitigen Schenkel niederfiel alle Viere in die Höhe streckend lange nicht
recht wissend wo er sei Wie zufällig hatte Vreneli den Schweinen gebracht und
Ulis Sieg gesehen Drinnen sagte es der Gotte es hätte etwas gesehen das ihns
gefreut Sie hätten Uli zuschanden machen wollen er hätte mit ihnen schwingen
müssen aber er hätte sie alle mögen Den struben Melcher hätte er auf den
Rücken geschlagen als ob er nie gestanden wäre Das sei ihm kommod wenn er sie
alle möge so müssen sie ihn doch fürchten und Respekt haben Uli aber an
seinem Kälberexamen gestört ergriff den Flegel und sagte dem Melcher bloß
Heute habe er keine Zeit mehr für die Kälber sie wollten denen dann an einem
andern Tag lausen Das Kornmutzen nahm diesmal mehr Zeit weg als sonst und doch
war man früher fertig als sonst und das Korn besser geputzt aber man hatte sich
auch anders gemühet als sonst und dabei auch weniger gefroren Als Uli dem
Meister angab wieviel Korn es gegeben so sagte der So viel hätten sie noch
nie gemacht in diesem Jahre und doch hätten sie Gefallenes gedroschen
Am Abend als sie bei Tische saßen kam der Meister und sagte Es düeche
ihn das Holzen wäre jetzt kommod man hätte die Pferde nichts zu brauchen und
das Wetter sei schön und es düeche ihn das Holzen und das Dreschen sollten
miteinander gehen wenn man es recht einrichte Der Karrer sagte die Pferde
seien nicht gespitzt und ein Anderer meinte dann könne man nicht mehr zu
Sechsen sondern höchstens zu Vieren dreschen und werde so nie fertig Uli sagte
nichts Endlich fragte Joggeli als er nichts mehr zu antworten wusste von den
Diensten übermaulet »Seh du was meinst denn du« »Wenn der Meister befiehlt
so muss es gehen« antwortete Uli »Hans der Karrer und ich bringen das Holz
schon heim und wenn der Melcher dreschen hilft und die Andern ihm misten und
Futter rüsten helfen so säumt das Holzen das Dreschen nicht« »He nu so macht
es so« sagte Joggeli und ging Nun brach das Wetter über Uli los in einzelnen
Schlägen erst dann in ganzen Batterien Donnerwettern Der Karrer verfluchte
sich er gehe nicht ins Holz der Melcher verfluchte sich er rühre keinen
Flegel an die Andern verfluchten sich sie wollten nicht zu Vieren dreschen
Sie ließ sich nicht kujinieren sie seien keine Hüng sie wüssten was Brauch
sei usw Aber sie wüssten wohl von wem es käme aber der solle sich in acht
nehmen wenn er hier wolle sechse läuten hören Es sei schon Mancher gekommen
wie ein Landvogt und hätte sich streichen müssen wie ein Hund Es sei einer ein
schlechter Donner wenn er um dem Meister die Augen auszubohren seine
Nebendiensten vermalestiere Aber einem Solchen hätte man es nadisch dann bald
erleidet Uli sagte nicht viel dazu als dass was der Meister befohlen vollzogen
werden müsse Der Meister hätte befohlen und nicht er und wenn Keiner
schlechter da wegkäme als er so sollten sie Gott danken Er wolle niemand
kujinieren aber er lasse sich auch von niemanden kujinieren er hätte keine
Ursache einen von ihnen zu fürchten Der Meisterfrau sagte er sie solle doch
so gut sein und für ihrer Drei zMittag rüsten zum Mitnehmen denn sie würden zum
Essen kaum heimkommen aus dem Walde
Am Morgen ging es in den Wald Gäb wie der Karrer brummte und fluchte er
musste mit Der Melcher wollte nicht dreschen und der Meister zeigte sich nicht
Da nahm die Meisterfrau sich zusammen ging hinaus und sagte Es düech se er
sollte nicht zu vornehm sein zum Dreschen es hätten schon viel vornehmere Leute
als er gedroschen Sie vermöchten keinen Melcher zu haben der den ganzen Morgen
die Zähng am Luft trocknen wolle So wurde das Holz heimgebracht man wusste
nicht wie und im Horner war Wetter und Weg so bös dass man bös gelebt hätte
beim Holzen
Wie Uli auch draußen gearbeitet hatte und bös gehabt im Walde denn er nahm
immer am schwereren Orte er wollte der Meister sein nicht nur im Befehlen
sondern auch im Arbeiten so half er doch am Abend rüsten was die Meisterfrau
aufzuschütten befahl es mochte sein was es wollte Er drehte sich nie davon
und wehrte auch den Andern es zu tun je mehr man einander helfe desto eher
sei man fertig sagte er und wenn man davon essen wolle so sei es doch billig
dass man daran helfe Überhaupt war er behilflich wo er nur konnte Wenn eine
Jungfrau einen Korb mit Kartoffeln gewaschen hatte und ihn nicht gerne alleine
trug weil sie dabei ganz nass wurde so half er selbst tragen oder befahl es dem
Buben und als der sich anfangs weigerte auf seine Worte nicht kam so gewöhnte
er ihn mit Ernst zum Gehorsam Das sei nichts gemacht sagte er wenn ein Dienst
dem andern nicht helfe Sorge tragen zu seinen Kleidern überhaupt ein Dienst den
andern plage So mache man sich ja selbst das Dienen mutwilligerweise noch
schwerer als es sonst sei Sie wollten das lange nicht fassen Es war überhaupt
da eine merkwürdige Weise Die Knechte plagten die Mägde wo sie nur konnten da
war nirgends eine gegenseitige Hülfsleistung Wenn ein Knecht dem Weibervolke
Hand bieten sollte so höhnte er und fluchte tat keinen Wank selbst die
Meisterfrau musste sich dieses gefallen lassen und wenn sie Joggeli klagte so
sagte er Sie hätte immer nur zu balgen Er hätte die Knechte nicht um dem
Weibervolk zu helfen die hatten anderes zu tun als das Meienzeug
desumzzaaggen Das Benehmen von Uli der an eine solche Zwiespältigkeit in
einem Hause nicht gewohnt war fiel daher auf und zog ihm von den Knechten argen
Hohn und Spott zu
Dieser Hohn dieser Spott steigerte sich noch wegen andern Sachen bis zum
Unerträglichen auf Am ersten Samstag schon wollte der Melcher aus bloßem
Mutwillen nicht misten sondern es versparen auf den Sonntagmorgen Uli sagte
das tue er nicht es sei durchaus kein Grund dazu da es aufzuschieben So könne
man ja am Samstag nicht aufräumen ums Haus herum wie es auch der Brauch sei
Zudem heiße es man solle am Sonntag nicht arbeiten du und dein Knecht und
deine Magd Am allerwenigsten schicke es sich die wüsteste Sache auf den
Sonntag zu sparen Der Melcher sagte »Sunntig hi Sunntig her was gheit mich
der Sonntag und heute miste ich nicht« Uli kochte es hoch im Kopf indessen
besaß er sich und sagte bloß »He nu so miste ich« Der Meister der das Brüll
hörte ging hinein und brummte für sich »Wenn doch Uli nicht alles zwänge wett
und neu Brüch yfüere selb isch mr nit recht Man hat lange am Sonntag gemistet
und es ist allen gut gsi es wäre auch noch gut genug für ihn«
Vierzehntes Kapitel
Der erste Sonntag am neuen Orte
In der Samstagnacht ging es aus und ein wie in einem Taubenhaus Als am
Sonntagmorgen Uli zur gewohnten Stunde hinunterkam war es still von Menschen
aber die Pferde scharrten die Kühe brüllten und kein Melcher kein Karrer waren
da Uli gab einmal Futter gab zum zweitenmal setzte sich endlich selbst ans
Melchen denn es ist nichts schlimmer als wenn nicht immer zur gleichen Stunde
gemolken und gefüttert wird Mit Schrecken sah er wie verwahrloset die Euter
der Kühe waren nicht die halben Striche gut es schien ihm als wenn der
Melcher nicht melchen könne oder sich nicht Zeit nehme es gut zu machen Er war
bald fertig als der Melcher fluchend kam und sagte das hätte nicht so
pressiert die Kühe hätten wohl der Zeit gehabt zu warten bis er gekommen und
wenn er ihm mehr unter eine Kuh sitze so schlage er ihn unter sie dass er sich
seiner Lebenlang daran besinne Uli sagte das könnte er machen wie er wolle
aber es wäre möglich dass der Melcher eher unter der Kuh wäre als er Übrigens
wolle er dass zur rechten Zeit gemolken würde und zwar gut sonst tue er es Die
Kühe mangelten es dass man gut zu ihnen sehe
Im Hause verwunderte man sich gar sehr als diesmal die Milch so früh kam
und Vreneli sagte Es sei gut wenn es eine andere Ordnung gebe es wäre schon
lange nötig gewesen Als es zum Essen rief war Uli zuerst auf dem Platz selbst
die beiden Jungfrauen erschienen erst später verstrupft und schliefrig
anzusehen die Knechte drehten sich mit unerträglicher Langsamkeit herbei
Vreneli balgete Es sei ein unerträglich Warten man könne an einem Sonntag gar
nicht mehr fertig werden um in die Kirche zu gehen Von den Schlinglen gehe
keiner es wäre auch schade um die Kirche wenn einer hineinkäme aber das sei
das Verflüchtest dass ihretwegen auch niemand anders hineinkomme Uli fragte
wie weit es sei bis zur Kirche wann man gehen müsse um zu rechter Zeit zu
kommen und wo syr Gattig säßen darin »Die werden doch luegen« sagte Vreneli
»wenn einer aus der Glungge in die Kirche kommt das ist schon manches Jahr
nicht der Brauch gewesen Der Vetter geht wenn er Götti sein muss die Base
zweimal im Jahr zum Nachtmahl und übers ander Jahr an dem Bettag Lisabetli
Elisi sött men ihm säge allemal wenn es ein neues seidenes Tschöpli bekommen
ich wenn ich einmal allen wüst gesagt dass sie doch zur rechten Zeit zum Essen
kämen und die Andern gar nie die denken so wenig daran dass sie eine Seele
haben als unser Ringgi Es nimmt mich wunder was einist der liebe Gott aus
sellige Trüssle wenn sie gestorben sind macht bsunders mit dem Melcher Wenn
ich ihn wäre den wollte ich einbeizen hundert oder zweihundert Jahre in ein
Bätzifass und ihn dann erst hervornehmen und luegen ob er noch stinke dann wär
es erst noch Zeit zu denken was man aus ihm machen wolle Aber Uli sie
lachen dich aus« sagte Vreneli »wenn du gehst und du hast Verdruss« »I
Gottsname« sagte Uli »aber zKilche zgah brauch ich mich doch nicht zu
schämen und wenn ich hier nicht gehen dürfte so wollte ich lieber fort Der
Lohn wäre mir noch lang zu klein als dass ich meine Seele darob vergessen
sollte« »Du hast recht« sagte Vreneli »geh du nur ich wollte ich könnte mit
dir Aber dene Tüfels Trüssle will ich einmal wieder recht wüst sagen vielleicht
kann ich dann den andern Sonntag gehen« »Warum sagt auch der Meister zu solchen
Sachen nichts Mein Meister wohl der hat uns gesagt ob wir in die Kirche
sollten oder nicht« »Der Vetter« sagte Vreneli »sagt es gehe ihn nichts an
was sie mit ihren Seelen anfangen wollten wenn sie ihm nur brav werchen und
nicht stehlen täten und das sei fast nicht zu erwehren« »Das glaube ich«
sagte Uli »das kann er nicht erwehren wenn da nicht ein Anderer wehrt so ist
Joggeli lang zmutze dazu«
Uli machte sich zweg trotz dem Gespött der Andern nahm ein Psalmenbuch in
die Kuttentäsche und wanderte der Kirche zu Die Andern lachten ihm nach und
sagten Er wolle zu Üfligen den neuen Meisterknecht zeigen er werde meinen die
Leute werden auf die Bänke hinaufsteigen um ihn zu sehen Aber Solche hätte man
schon manchen gesehen und noch Brävere Vielleicht meine er gar der Pfarrer
ziehe ihn an in der Predig aber sellig Flause wollten sie ihm schon vertreiben
Vreneli war vielleicht zufällig vielleicht nicht unter der Türe gestanden und
hatte ihm nachgesehen und sagte den Andern Es wäre eher möglich dass der
Pfarrer sie anzöge und von Hurenbuben Faulhüngen und Lugibuben redete darum
dürften sie nicht in die Kirche gehen Dann wer den sie denken solche Fötzel
an Leib und Seele gehörten nicht in die Kirche »Säg ume« sagte einer »es
uverschants Mul hescht aber gäll der gfiel dr du redst sonst nicht so du
bist nicht besser als die Andern sonst wärst du auch zKilche gange Du wirst
denken wenn er nur einmal mit dir zKilche chömm so heigs de für dyr Lebtig«
»Das geht dich nichts an einmal mit dir begehre ich nicht zKilche lieber mit
einem Schinderhund« sagte Vreneli und verschwand Wildes Gelächter scholl ihm
nach
Uli fand bald Begleiter auf seinem Wege und ein Geständ um das Schulhaus wo
die Predigt abgehalten wurde Das werde der neue Meisterknecht in der Glungge
sein sagte hier einer dort einer Es nehme sie wunder wie lange er es mache
Meisterknecht möchten sie da nicht sein Alle Andern hätten es gut der müsse
für alle ausfressen Könne er es wohl mit den Diensten und mache auch was sie
so passe ihm Joggeli auf wie ein Häftlimacher bis er ihn fortschicken könne
Wolle einer Ordnung halten und das Land werchen lassen wie öppe der Brauch sei
so hocken ihm die Diensten auf und Joggeli werde zuletzt noch gar schalus und
meine er wolle regieren und statt ihn zu unterstützen kujiniere er ihn bis
er fort laufe Hintendrein sei er dann reuig und laufe ihnen nach aber kaum
habe er sie wieder so fange das alte Spiel von neuem an Das sei der
wunderlichste Joggi den es auf der Erde gebe und dJoggeni seien doch füra
etwas wunderlich es wohne dem Namen an
Jeder wusste von Joggeli ein Müsterli zu erzählen was er gemacht und wie es
ihm dieser und jener gereist und alle er mahnten ihn er solle sich da nicht
plagen sondern für sich sehen wenn er es verstehe so sei da etwas zu machen
Uli wurde ganz sturm darob und konnte seine Gedanken gar nicht bei der Predigt
behalten Alles was er schon gesehen bestätigte ihm das Gesagte dasselbe kam
ihm immer ärger greller vor das Unangenehme wuchs handgreiflich vor seinen
Augen bis zur Unerträglichkeit Er werde wohl nicht mehr oft in die Kirche
gehen dachte er da halte er es nicht lange aus Als er heimging finster und
trübselig schien die Sonne so freundlich und es glitzerte der Schnee so rein
und weiß und traulich hüpften und flogen die Gilberiche vor ihm her dass ihm
ganz heimelig zumute wurde dass es ihm ward als sei er wieder am alten Ort und
Johannes gehe neben ihm und rede zu ihm Und da ward ihm als hörte er ihn
sagen »Weißt du noch von den zwei Stimmen die einen begleiten im Leben einer
aufweisenden und einer mahnenden und weißt du wie die aufweisende
schmeichelnde Stimme vom Versucher kommt der Schlange im Paradiese und wie sie
einem den Kopf groß machen ableiten will vom rechten Pfade und hinterher
auslachet wenn sie einen in Unglück und Schande gebracht wie man die von sich
weisen und sagen muss Weiche von mir Satanas Wie sollte ich ein so großes Übel
tun und wider den Herrn meinen Gott sündigen« So glaubte Uli den Johannes
reden zu hören und da gedachte er was die Menschen die gekommen waren an
Gottes Wort sich aufzuerbauen zu ihm gesagt wie sie ihn aufgewiesen den Kopf
groß gemacht Da erkannte er was das für Stimmen seien was sie für eine
Bedeutung hätten und wie er vor ihnen die Ohren verschließen müsse Aber es fing
ihm fast an zu grusen vor den Leuten die zusammenkommen das Wort Gottes zu
hören Gott zu dienen wie sie sagen und die statt Gott zu dienen dem Satan
dienen statt sich zu erbauen Andere niederziehen wollen in den Abgrund der
Sünde Es sei doch fürchterlich dachte er wenn den Leuten die Kirchenwege zu
Höllenwegen würden und es sei doch fürchterlich ein Herz zu besitzen das
einem das Wort Gottes in Gift verkehre und dem Satan angehöre während man mit
dem Leibe Gott zu dienen vermeine Da richtete er sich wieder auf und ward
wohlgemut dass er wieder wusste woran er sei und den rechten Weg wieder unter
den Füßen fühlte Doch schämte er sich fast dass er beinahe und so leicht
verführt worden und er dachte dass der Mensch fast sei wie ein Rohr das der
Wind hin und herbewege und wie notwendig es sei zu wachen und zu beten damit
man nicht in Versuchung falle Nun begriff er was aus den Menschen werden
müsse die nicht wachen nicht beten und es kam ihm fast verwunderlich vor dass
nicht noch größere Ruchlosigkeit sei unter den Menschen
Beim Mittagessen konnte er ohne Zorn die Spöttereien er tragen Er solle
sich schicken er werde wohl noch in die Kinderlehre gehen und Fragen aufsagen
wollen Er solle doch für sie alle beten es käme ihnen jetzt kommod dass sie
einen Geistlichen unter sich hätten der könne es für sie alle machen Aber
fluchen werden sie nüsti doch dürfen Uli hätte es nie geglaubt dass an einem
Orte die Gottlosigkeit auf einem solchen Punkte stünde dass sie so frech sich
zeigen und die offen verfolgen dürfe welche Gott dienen wollten Uli wusste dar
um nicht dass alle die etwas Apartiges wollen Glaubensfreiheit
Gewissensfreiheit wollen bis sie in dieser Duldsamkeit zur Macht erwachsen und
dann despotisch und gewaltsam Zwang und Tyrannei des Gewissens und des Glaubens
einführen Und merkwürdigerweise ist gerade die Gottlosigkeit am unduldsamsten
sobald sie das Recht erstritten hat mit Frechheit offen sich zeigen zu dürfen
Sie will keine Gottesverehrung mehr dulden und verfolgt jede mit allen ihr zu
Gebote stehenden Mitteln legt euch Glaubens und Gewissensfreiheit so aus dass
niemand mehr einen Glauben haben niemand ein Gewissen zeigen solle Wer fühlt
nicht diese zur Macht strebende Gottlosigkeit und den Zwang den sie bereits
auszuüben beginnt
Nach dem Essen ging Uli in sein Stübchen herauf das kalt und dunkel war Er
nahm die Bibel hervor die er im Trögli verschlossen hatte es war eine sehr
schöne die ihm seine Meisterfrau zum Andenken geschenkt mit grobem weitem
Druck und stattlichem Einbande Da schlug er gleich das erste Kapitel auf las
die Schöpfungsgeschichte und staunte ob den Wundern die Gottes Hand geschaffen
und dachte wie weislich alles sich gestaltet und wie unendlich der Raum sein
möge den Gottes Allmacht mit Sternenheeren bevölkert Er freute sich ob der
Herrlichkeit des Paradieses und dachte sich in dieses wunderherrliche Tal über
das ein ungestörter Friede sich gelagert hatte das noch keine Leidenschaft
gesehen keine Störung erfahren Er musste es sich denken in herrlichem
Sonnenschein wie ein himmlischer Sonntag der in aller seiner Heiligkeit sich
ausgebreitet wie ein unsichtbarer aber alles verklärender Teppich über diesen
schönen Garten Vor seine Augen stellte sich wie ein himmelanstrebender dunkler
Tannenbaum an silbernem Gewässer der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen
Goldene Früchte sah er strahlen in dunklem Laube er sah die bunte Schlange
schimmern in den dunklen Ästen sah sie spielen mit der goldenen Frucht und
naschen davon mit lustfunkelnden Augen Und wie zwei Lichter strahlten diese
Augen weithin in die Ferne zwei andere Augen begegneten ihnen und er sah
flüchtigen Schrittes die junge Mutter des alten Menschengeschlechtes nahen dem
verhängnisvollen Baume Und in zierlichen Ringen funkelte die Schlange so
herrlich in dunklem Laube und naschte so zierlich von der prangenden Frucht und
ringelte sich noch funkelnder hinaus auf des Baumes Äste wiegte sich in süßem
Behagen und hinauf mit glänzenden Augen sah die junge Mutter Die Schlange
prangte so üppig die Frucht duftete so süß in ihrer jungen Brust schwoll das
Gelüsten auf Da wiegte die Schlange näher und naher sich walzte spielend die
schönsten der Früchte zu des Weibes Füßen und lockte in süßen Tönen die neu
geborene Lust zum fröhlichen Genuss Schmeichelnd pries sie des Weibes Wohlgestalt
und herrlich Wesen und schalt bitter des Allvaters Missgunst der ihr diesen
Genuss verpönt damit sie nicht an Herrlichkeit würden wie er Er sah wie die
giftigsüssen Worte schwellten die Lust wie sie höher und höher wuchs wie die
schmeichelnde Stimme verdrängte des Allvaters gebietend Wort er sah wie Eva
naschte in neugieriger Schüchternheit wie sie eilte mit Adam die Sünde zu
teilen wie einer düstern geheimnisvollen Wolke gleich ein düsteres Etwas über
das Tal sich senkte es verhüllte Wüst und dürre breitete der Erdboden vor ihm
sich aus und im Schweiße ihres Angesichtes sah er die ersten Eltern verdüstert
und verstört den ersten Acker bauen sie die ersten Opfer der verlockenden
Stimme die vom Vater die Geschöpfe locket und ihnen Elend gibt zum Lohn
So saß Uli in seinem kalten Stübchen vertieft in die heilige Geschichte und
seine Einbildungskraft stellte ihm das alles so lebendig vor als wenn er es
wirklich vor Augen hätte Er vergaß dass er in der Glungge war und es kam ihm
wirklich vor als sei er im Paradies hinter einem Holderstock und er lebe alles
mit Da wurde plötzlich die Türe aufgerissen und eine raue Stimme sagte »Seh
bist du da und wieder geistlich« Uli obgleich er nicht nervös war fuhr doch
hochauf als die unerwartete Stimme ihn anrief er wusste es nicht gleich war es
die des Engels Michael der ihn dem Adam nachjagen wolle und erst bei näherem
Besinnen merkte er dass es einer der Knechte war Sie hatten ihn allenthalben
gesucht sagte dieser aber nicht gedacht dass er in diesem kalten Loch sei Er
solle hinüberkommen in die Küherstube Uli war aufgestanden und fühlte erst
jetzt die Kälte die ihn ganz steif gemacht Was er dort solle fragte Uli Er
solle nur kommen hieß es er werde es dann schon sehen In des Kühers großer
warmer Stube war die ganze Dienerschaft versammelt sogar die zwei Mägde Einige
spielten mit einem Kartenspiel das so beschmutzt war wie zehnjährige Küherhosen
Andere lagen auf dem Ofen herum Fluchen und Zotenreissen waren Trumpf Als Uli
kam brüllte ihm alles entgegen Er müsse Brönz oder Wein zahlen was er lieber
wolle das täte jeder neue Meisterknecht Es komme auf sie an ob er dableiben
könne oder nicht und sie wollten ihn bald weghaben wenn er sich nicht nachela
well Uli wusste anfangs gar nicht was er da machen solle Das Geld reute ihn
er hatte nicht Lust gemeine Sache mit ihnen zu machen fürchtete sich nicht vor
ihnen aber geizig mochte er auch nicht scheinen und zuletzt dachte er wenn er
hier etwas nachgebe so könne er vielleicht um so besser beharren auf seinen
Forderungen an sie
Es wurde abgeredet dass sie nach dem Abendessen ins Wirtshaus wollten und
die Leute die nicht Zeit hatten für die Kirche sich anzuziehen die hatten
jetzt Zeit genug sich anzuziehen für das Wirtshaus die Leute welche um Gottes
und ihrer armen Seele willen zu faul waren zu rechter Zeit aufzustehen die
waren jetzt mit Freuden bereit um einer Man Wein willen viele Stunden ihres
Schlafes zu opfern Als beim Nachtessen die ganze Sippschaft gsunntiget erschien
und die Mägde mit dem Essen pressierten machte Vreneli große Augen und fragte
was das geben müsste He sie wollten alle ins Wirtshaus hieß es Uli müsse Wein
zahlen Vreneli war das nicht recht Es konnte nicht begreifen warum Uli das
tat Wollte er jetzt auch mit ihnen gemeine Sache machen und war es ihm schon
erleidet ihr Widerpart zu sein oder hatte er sich betören lassen Es hatte das
für sein Leben gerne gewusst Es war kurz angebunden beim Nachtessen und trümpfte
alles was ihm nahe kam verzweifelt ab Und als Uli ehe er wegging es fragte
ob es nicht auch mitkommen wolle so antwortete es Es wurde sich schämen mit
sellige Fötzle ins Wirtshaus zu gehen für so was sei es noch lange nicht gut
genug Als Uli schon unter der Türe war rief es ihm noch nach »Nimm dich in
acht wenn dr rate cha«
Auf dem Hinwege und im Wirtshause wollte jeder Uli der Liebere sein Einer
drängte sich näher als der Andere Einer rühmte dies an ihm ein Anderer etwas
anderes Hie und da warf Einer einen Zweifel auf aber nur damit die Andern Uli
desto höher heben könnten Der Melcher meinte Er hätte nicht bald einen
gesehen der sich auf das Vieh besser verstünde und der Karrer sagte Im Fahren
fürchte er Keinen aber beim Holzführen hätte er von Uli lernen können Und wenn
der jüngste Knecht sagte sie wollen sehen ob er vormähen könne da wollten sie
ihm noch heiß machen so sagte ein Anderer Einmal er begehre nicht mit ihm zu
machen sondern er wolle es im voraus verspielt geben Und wenn die eine Magd
klagte er sei gar so ein Stolzer und möge sich nicht mit einem abgeben ihrer
Gattig seien ihm nur zu gering sie wisse aber wohl wer ihm in die Augen
scheine sagte die andere Einmal sie hätte nichts über ihn zu klagen so ein
Bhülflige und Manierlige sei ihr noch nicht bald vorgekommen Die seien ihr dann
nadisch nicht die Liebsten die meinten sie müssten ihre Finger gleich an allen
Orten haben Und dann sei Uli auch erst acht Tage da und wisse es noch nicht
mit wem er sich könne anlassen und wer es eigentlich gut mit ihm meine Während
sie so rühmten verschwand eine Maß nach der andern und Uli konnte gar nicht
Einhalt tun Vom Rühmen ging man in Vorschläge über und sagte ihm er werde bald
sehen wer es gut mit ihm meine Er solle doch nicht ein Narr sein und meinen
er wolle dem Meister husen und zu seiner Sache sehen Gerade das wolle der
selbst nicht und wer es am besten mit ihm meine den nehme er am meisten auf
die Mugge Wenn man aber mache wie es einem in Gring komme und mit ihm
aufbegehre wenn er etwas sage so furchte er einen und habe Respekt vor einem
Er sollte doch nicht sich und Andere plagen für nichts und wieder nichts sein
eigen Sohn mache es akkurat nicht besser und wenn er den Alten bschummeln
könne so lache er sich den Buckel voll Wenn man einander verstehen wolle so
ließe sich da et was machen nur müsse er es nicht machen wie der frühere
Meisterknecht der habe alles für sich wollen und Andern nichts gegönnt darum
sei es ihm auch so gegangen Wenn er öppe auch Andern etwas gegönnt er hätte
noch lange gut Sach haben können Joggeli hätte nichts vernommen So er zählte
und brichtete man Uli dass er ganz sturm wurde und lange nicht wusste waren das
die gleichen Leute welche die ganze Woche durch ihm alles Mögliche in den Weg
gelegt oder waren es ganz andere Ein Glück für ihn waren die Vorgänge des
Tages der Wein das Rühmen die Gutmeinenheit hätten ihn überwältigt Nun aber
an das Erlebte an Vrenelis Rat denkend blieb er vorsichtig konnte sich aber
des Gedankens fast nicht erwehren die Leute seien doch besser als er sie
gedacht und sie im ersten Augenblick ihm geschienen hätten und es müsste bös
gehen wenn er mit denen nicht nachkommen sollte
Endlich wollte der Wirt keinen Wein mehr geben weil es über die Zeit sei
Da wusste man noch was für Zeit es sei Wo man aber nie weiß was für Zeit es
ist da ist eine Hudelornig mags nun ein Haus ein Bureau oder gar ein Oberamt
sein Ach so ein verhudeltes Oberamt ist doch eine grässliche Sache Es schämt
sich jeder Mensch in verhudelten Kleidern zu laufen und Mancher der keinen
vorrätigen Kreuzer hat schickt doch sein Kleid zum Schneider zum Plätzen aber
ein Oberamt lässt man verhudeln und läuft in diesem verhudelten Oberamte herum
dick und breit und meint noch wer man sei Du guter Gott hat man denn ganz
vergessen dass die Welt alles verachtet das in Hudeln herumgeht Hudeln an sich
hängen hat Wenn aber einer nie weiß was für Zeit es ist so ist er immer wie
sturm im Kopf legt die Nachtkappe an wenn er einen Dreiröhrenhut aufsetzen
sollte setzt sich aufs hohe Ross wenn er kusch machen sollte unter den ersten
besten Ofen
Während Uli mit innerlichen Seufzern die ziemlich hohe Ürte bezahlte ging
Eins nach dem Andern hinaus nur ein Knecht blieb bei ihm Draußen war es
dunkel es schneite stark man sah kaum eine Hand vor den Augen Sein Begleiter
sagte ihm jetzt wolle er ihn zKilt führen Ihm seien alle Meitscheni bekannt
weit und breit und er wolle sie alle unters Fenster bringen und es sei in der
ganzen Gemeinde nicht manches Gaden in dem er noch nicht gewesen sei Uli
weigerte sich und sagte er sei noch fremd hier und habe keine Lust zu
erfrieren an unbekannter Mädchen Fenstern sie wollten machen dass sie den
Andern nachkämen die vorausgegangen seien So solle er doch mit ihm nur einen
Augenblick da nebenauskommen nicht fünfzig Schritte vom Wege es nähmte ihn
wunder ob dort die Tochter einen Kilter hätte oder nicht Es solle sie nicht
fünf Minuten aufhalten Uli ging Kaum war er vom Wege ab in einem dunklen
Gässchen zwischen schwarzen Gebäuden so pfiff ein Scheit ihm hart am Kopf
vorbei ein Streich surrete ihm im Nacken ein anderer auf der Achsel Rasch
griff er ins Dunkel hinein packte eine Hand mit einem Scheit riss es aus
derselben tat zwei drei tüchtige Schläge um sich dass es klepfte schmiss mit
gewaltiger Kraft einen ihm im Wege stehenden Gegenstand weit in eine Hofstatt
hinaus und war verschwunden wie wenn ihn der Boden verschluckt hätte Man hörte
noch hie und da einen Tätsch dann »Nit nit zDonner ih bis« flüsternde
Stimmen »Wo ist er wo ist er Ih weiß ne niene meh es isch wie wenn ne dr
Tüfel gno hätt Aber chumm hilf mr dr Karrer aufstellen der hat ein Näggis
erwütscht Ich blüte auch wie eine Sau aber dem Donner wollen wir es noch
eintreiben Wir wollen ihm vorlaufen und dann beim Türli ihm warten es müessts
dr Tüfel tue wenn wir ihn dort nicht erwütschen und dort wollen wir ihn dann
salben bis er zfrieden ist« Sie liefen taumelten warteten beim Türli aber
kein Uli kam Endlich wurde ihnen angst er konnte vielleicht bewusstlos
niedergefallen sein und nun erfrieren Sie schlichen sich heim und der Karrer
fluchte in einem fort E sellige Ketzer hätte er noch nie bekommen und er
wollte Uli erfriere aber wenns dann nur nicht auf sie herauskäme weil sie mit
ihm aus dem Wirtshaus gegangen es sei jetzt gar verflucht kalt i dr Kefi
Am Morgen erschraken sie heftig als Ulis Stimme wie gewohnt aufrief »Dä
Dolder lebt scheints noch« sagte der Karrer zum Melcher »Wie Tüfel ist der
heimgekommen« Aber niemand konnte Bescheid geben Sie fragten Uli wie er
heimgekommen sie hätten ihm lange gewartet doch umsonst er werde zu Kilt
gewesen sein Darauf erzählte Ulis Begleiter wie es ihnen im Gässchen ergangen
und klagte Uli an dass er ihn im Stich gelassen und davongelaufen sei ohne sich
darum zu bekümmern ob er zu Tod geschlagen wurde Uli antwortete nicht viel
als dass jeder zu sich selbst sehen müsse Er hätte übrigens nicht gewusst wie
ihm helfen da er ihn gleich nicht mehr gesehen Die Andern taten gar unbefangen
und wünschten nur dass sie dabeigewesen denen hätten sie es zeigen wollen Uli
nahm das hin ohne nach ihren Beulen zu fragen ohne einlässlich über die Art
seiner Heimkunft zu antworten Vreneli welches auf die Heimkehr der Abwesenden
bange gewartet hatte Uli zuerst und alleine heimkommen hören und schlief darauf
ein Am Morgen sah es einige blaue Beulen und im Vorbeigehen sagte ihm Uli »Du
sollst Dank haben du hast recht gehabt« Aber mehr zu sagen schickte es sich
nicht Es wurde natürlich darüber gwunderig und endlich gelang es ihm von der
einen Magd die sich etwas auf Ulis Seite neigte zu vernehmen wie die Abrede
gewesen Uli recht tüchtig zu prügeln nachdem man seinen Wein getrunken und mit
Rühmen ihn recht zutraulich gemacht Man habe das schon im Dorfe versucht damit
man die Schuld auf die Dorfbuben werfen konnte Aber sie wisse nicht recht wie
es gegangen und niemand könnte rechten Bricht geben Es seien ein paar Streiche
gewechselt worden dem Karrer sei es gschmucht geworden der Herdknecht sei
unter einen Wagen gefahren wie aus einer Kanone der Melcher habe ein Loch in
den Kopf erhalten dass das Blut herausgefahren sei wie aus einer Brunnröhre
aber keinen Uli hätte man mehr gemerkt so dass sie fast glauben sie hätten
einander selbst geschlagen Sie hätten ihm noch gepasst beim Türli aber kein Uli
sei gekommen dagegen habe er sie heute geweckt sie könnten gar nicht wissen
wie das gekommen da auch sie Mägde die auf der Straße geblieben von Uli gar
nichts gemerkt Heute beim Betten habe sie Blut auf Ulis Hauptkissen gesehen so
dass sie glaube er müsse doch dabei gewesen sein Aber wie es zugegangen könne
sie nicht sagen und wenn man ihr den Gring abschreisse Und niemand kam darüber
Auch Vreneli hätte es nie erfahren wenn Uli es ihm später nicht selbst erzählt
wie er nachdem er einige ausgewischt unter das schwarze Dach eines Ofenhauses
gestanden weil er zu alt dazu gewesen eine Schlägerei auf Tod und Leben
fortzusetzen Da ganz an ihnen an hätte er ihre Reden vernommen ihre Stimmen
gekannt und sei unvermerkt aber schnell ihnen die noch mit dem Karrer zu tun
gehabt vorausgekommen und heim ehe sie daran gedacht Es hätte ihn freilich
gejuckt selbst beim Türli zu lussen allein am Ende habe er gedacht es könnte
ein Unglück geben und am wöhlsten sei er daheim im Bett Das habe ihm wieder die
Augen aufgetan was man den Leuten trauen könne und wie er hier zweg sei Er
solle nur nicht gerade erschrecken sondern sich niemere nüt achten und seine
Sache recht machen so werde das schon gut kommen sagte Vreneli Dann aber
sagte es auch der Mutter was gegangen und wie die Diensten den Meisterknecht
verfolgeten und man müsse doch ein wenig zu ihm luegen sonst laufe er
ungsinnet fort Er scheine ein braver Bursche und nehme sich der Sache an man
kriege vielleicht nicht bald wieder so einen »Wir wollen sehen« sagte die
Mutter »wir wollen öppe machen was wir können wenn nur der Ätti nicht so ein
Wunderlicher wäre dem ist bim Schiess Keiner recht«
Fünfzehntes Kapitel
Uli kriegt Platz in Haus und Feld sogar in etlichen Herzen
Am nächsten Sonntag rief die Mutter Uli ins Stübli Joggeli war zum Sohn
gefahren mit der Elisi die dort einem Ball beiwohnen wollte und deswegen
Schneider Näherin Schuhmacher fast auf den Tod geplagt hatte sie schön zu
machen und da alles nichts helfen wollte weinte und Krämpfe kriegte Im
Weltschland jammerte sie sei sie immer von den Schönsten eine gewesen und
hier wolle alles nichts helfen gäb wie sie anwende und kein Geld sie reue aber
die Schneider und die Näherinnen könnten in Gottsname nüt und dann düechs es
geng man hätte hier gar nicht solches Zeug wie im Weltschland dort möge man
anlegen was man wolle so stehe es einem wohl an und sollte es der Ofenwüsch
sein Gäb wie leicht es sich angelegt und noch lange nicht das Schönste so
hätten seine Frauen gesagt »O quelle mignonne vous êtes quelle jolie tournure
vous avez et le teint est si fin si noble vous êtes un Göscheli comme on dit
à Berne« Und hier sage man ihm nur »Du bisch es Bleechs un e Räbel« das sei
das Schönste wo es höre
»Uli« sagte die Mutter »seh trink eis und nimm Brot und es Bitzli vom
Hammli wennd magst« Er begehre nichts sagte Uli er hätte ja erst gegessen
und es mangle sich dessen nicht Er möchte sie nur etwas anderes fragen und
wenn es ihr nicht recht sei so solle sie es ihm nur gleich sagen er zürne es
nicht Er wisse wohl dass an jedem Ort ein anderer Brauch sei Ob sie ihm nicht
erlauben wollte an Sonntagnachmittagen in der Wohnstube zu sein wenn ihn der
Meister nicht etwa aussende Er gehe nicht gerne wo die Andern er wisse nur zu
gut wie es da gehe Ins Bett möge er auch nicht Er lese am Sonntag gern öppe
ein Kapitel und möchte seinem frühern Meister einen Brief schreiben und dazu
sei es gar zu kalt in seinem Stübchen »He ja freilich« sagte die Frau »ja
freilich Joggeli wird öppe nichts dagegen haben und dem Elisi wird es auch
nichts machen Du bist nicht wie die Angere die begehrte ich nicht die können
meinethalben gheie wo sie wollen Mit dem Rüsten und mit dem Haspen magst du
dich gmühen wie es noch Keiner gemacht hat Und überall wennd so fortfahrst
so bin ich mit dir bsunderbar wohl zfriede und der Joggeli auch Aber er kann es
nicht zeigen und wenn er schon allbeneinisch e wenig wunderlich ist so musst du
dich seiner nüt achten und deine Sache nur fortmachen« Während sie ihm so
zusprach nötigte sie ihm doch etwas vom Hammli und etwas aus der Flasche auf
und trug ihm noch auf er solle morgen für Saumehl fassen dr Joggeli brauch
eben nicht alles zu sehen Er sage freilich nichts darwider aber er hätte ihr
doch immer vor wie viel sie brauche zum Säumästen Verschleipfe wolle sie ihm
nichts und er esse so viel von den Schweinen als sie und so werde das wohl
keine große Sünde sein
Vreneli machte ein kurios Gesicht als Uli mit seinem Schreibgeräte
dahergezügelt kam »Was solls« fragte es »was kommt dich an« »He die
Meisterfrau hat mir erlaubt am Sonntagnachmittag hier zu sein« sagte er »Beim
Küher mag ich nicht sein droben ists mir zu kalt und alle Sonntage ins
Wirtshaus will ich nicht« Vreneli ging zur Base und sagte Es habe nichts gegen
Uli aber wenn es mit ihm ins Geschrei komme so solle sie daran denken dass sie
schuld sei und der Vetter werd auch ein gspässigs Gesicht machen wenn Uli tue
wie wenn er da daheim wäre »Du Göhl« sagte die Base »was hab ich machen
sollen wo er mich gefragt Und er ist doch auch kein Hung wenn er schon ein
Knecht ist und zuletzt ist es doch besser er sei da als dass er uns beim Küher
hilft ausführen und dr Plätz machen« »Wie gesagt« sagte Vreneli »ich habe
nichts darwider allein sinnet dann daran dass ich nicht schuld bin wenn
allerlei geredet wird«
Das ärgerte allerdings den Joggeli den nächsten Sonntag gar sehr als er Uli
Platz nehmen sah und die gute Mutter hatte manches Stichwort auszustehen ja
sie sollte ihn schicken Das wollte sie aber doch nicht er könne es ihm selber
sagen sagte sie das wollte aber Joggeli nicht
Nicht minder grännete ds Elisi wie ihr die Mutter sagte Die packte
gewöhnlich alle Nachmittage ihren Kram aus sonnete ihn und packte ihn dann
wieder ein in die schonen Druckleni Krälli Seidenfaden Ketteli Ringe Häfte
Tüchleni Mänteli sie hatte manchmal damit wenn es sie recht ankam den ganzen
Tisch überlegt und alle Stühle dazu hielt eins nach dem andern bald ans Licht
bald an den Kopf oder an den Rücken und dann sollten ihr die Anwesenden sagen
was ihr am besten stehe das legte sie zweg für den nächsten Sonntag Da sie
dieses aber fast alle Nachmittage vom Montag bis am Samstag trieb so änderte
der projektierte Putz gar manchmal denn man trieb das Spiel mit ihm Die Eltern
durften ihm nichts sagen sonst plärete Elisi und lag ins Bett wollte sterben
weil sie verfolget würde man musste den Doktor holen lassen und es gab eine
Geschichte vom Gugger Vreneli und Elisi waren einander nicht hold Elisi
behandelte Vreneli wie eine arme Verwandte die das Gnadenbrot isst und bedachte
nicht dass die Last der ganzen Haushaltung eigentlich auf ihm lag auch mochten
Vrenelis gesunde Farbe und rüstiges Wesen nicht wenig geheimen Neid erwecken
obgleich Elisi manchmal sagte Im Weltschland hätten sie ein Wochenmönsch
gehabt das Vreneli auffallend ähnlich gewesen sei und von dem hätten seine
Frauen immer gesagt »O ciel quel air commun elle a« Vreneli dagegen sah mit
Bedauern der Verwandtin Narrochtigi und Meisterlosigkeit nahm derselben Hochmut
nicht sehr zu Herzen ließ hie und da ein Wort fallen um Elisi abzumahnen dass
es sich doch nicht lächerlich machen möchte was aber allemal übel aufgenommen
und ausgelegt wurde als ob Vreneli nur schalus sei
Elisi grännete als sich Uli an den Tisch setzte und etwas zu lesen begann
Er war ihr allenthalben im Wege er sollte nicht an diesem Platze sein sondern
an einem andern und war er an dem andern so war er doch wieder nicht am
rechten Elisi hatte wieder den ganzen Tisch überlegt eine ganze Menge
Haarschnüre aufgerollt eine schöner als die andere und Uli konnte kaum mehr
sein Buch darauf haben Er ward in sich böse Er sah die verdrießlichen Gesichter
wohl und die offenbare Absicht ihn zu verdrängen und nun meinte er bei sich
selbst wenn er eine ganze Woche bös habe an Wind und Wetter sei allenthalben
der Erste und der Letzte so sollte doch wohl zwei oder drei Stunden für ihn
Platz in einer warmen Stube sein Er war darauf und daran seinen Unmut laut
werden zu lassen und aufzuprotzen obgleich es ihm so halb und halb vorkam als
wäre dieses dumm indem er sich damit selbst strafe das Klügste sei zu tun
als achte er sich ihrer nicht und zu machen was ihm bequem sei Aufzubegehren
seis dann immer noch Zeit wenn man ihm etwas sage Wenn aber Ärger im Menschen
ist so macht er selten das Klügste sondern gewöhnlich das Dümmste Da fiel
eins der Bänder Uli zu Füßen er hob es auf sah darüber hin und sagte
unwillkürlich Das sei das schönste Seidenband das er noch gesehen es nähmte
ihn nur wunder wie man sellig Blumen hineinweben könnte Das sei noch gar
nichts sagte Elisi es hätte noch viel schönere Diese schöneren brachte es
herbei und Uli bewunderte sie aus aufrichtigem Herzen denn er hatte wirklich
noch keine solchen gesehen Es nehme ihn aber nicht wunder setzte Uli hinzu
dass es schöne Haarschnüre begehre es hätte auch schöne Züpfen dazu Von da an
fand Uli Platz am Tische und Gnade in Elisis Augen Elisi war nun alle
Sonntagnachmittage in der Wohnstube züpfete darin und Uli musste raten welche
Haarschnur einzuflechten sei Uli war aber auch ein hübscher Mann freilich bald
dreißig aber schön von Wuchs und Farbe im Kopf hatte er blaue heitere Augen
und auf demselben dunkelblondes gekrauselt Haar bas nieden eine schöne Nase
und darunter weiße Zähne welche die Juden auch gestohlen haben würden wenn sie
sich an einen solchen Mann getraut hätten
Das sah aber Joggeli wiederum nicht gerne er wurde überhaupt immer
ärgerlicher auf Uli Der Schnee war vergangen und mit dem Holzen war man fertig
geworden Aber Uli hatte zugleich unnötiges Gräbel aller Art das ums Haus lag
aufgeholzt und weggeräumt und die Scheiterbygen so zierlich gemacht dass die
Bäurin große Freude daran hatte und sagte Jetzt sei eim doch einmal recht wohl
man könne zring ums Haus gehen man stolpere über nichts und könne zring ums
Haus luegen und es mache einem nichts taub Joggeli aber brummte gewaltig So
einen hätte er noch nicht gehabt dem nichts recht sei er lasse nichts am alten
Ort und zuletzt komme er ihnen noch ins Stübli und räume da auf Zugleich hatte
er um Erlaubnis gefragt die Bäume die in ganz jämmerlichem Zustande voll
Moos Misteln und dürren Ästen waren putzen zu dürfen Er machte es einem
Meister zTrotz aber Joggeli doch nicht recht und alle Knechte schimpften er
ziehe die Arbeit aus dem hintersten Ecken hervor um sie zu kujonieren Die
Bschütti musste ausgetan werden damit man für das Frühjahr neue machen könne
das war wieder Keinem recht Sobald es recht auffror ging es hinter die Matten
die eigentlich im Herbst hätten instand gesetzt werden sollen Hier waren Wuhre
aufzutun und Graben und neue Britschen hätten sollen gemacht sein Aber
Joggeli obgleich er das Holz hatte sperrte sich mit allen Füßen und wollte
nicht es war als ob Uli den Nutzen davon hätte Die seien lange gut gewesen
sagte er er wüsste gar nicht warum jetzt auf einmal alles neu sein solle Die
andern Knechte hätten mit denen wässern können und wenn Uli so ein Meister sein
wolle so düech es ihn er sollte es mit denen auch können
Im März an einem hellen Sonntagnachmittag sagte Uli zu Vreneli er möchte
gerne ein Wort mit dem Meister reden es solle ihn doch heißen herauskommen
Vreneli richtete den Auftrag aus und Joggeli brummte »Was wott er echt aber
was ist ihm wieder zSinn cho Er ist e Tüfels Chäri und lässt einem Sunndig und
Werchtig nit rüeiig«
Draußen nun fragte ihn Uli um die Frühlingsarbeit Sein Meister und er
sagte er hätten in jeder Jahreszeit und vor jedem Werch die ganze Arbeit und
alle Geschäfte ins Auge genommen und dann sich eingerichtet dass öppe alles
zusammen gegangen und nichts zurückgeblieben sei Wenn man alles ein wenig ins
Auge nehme so wisse man was für Leute man nötig habe wann man anfangen und
wie man die Leute brauchen müsse dass an allen Orten etwas gehe Wenn man die
Sache nur so von einem Tag zum andern nehme so vergesse man immer etwas man
glaube immer mehr Zeit zu haben als es sich ergebe und weniger Geschäfte als
sich dann nach und nach zeigen so komme man in Hinderlig und zuletzt werde
alles zur Unzeit gemacht und schlecht so auf und davon gearbeitet Er möchte
daher fragen da es bald angehen werde was für Sommerfrucht gepflanzt werde
wieviel Erdäpfel wie große Bäunde usw und wo man dieses und jenes haben wolle
Wenn es ihm anständig wäre so sollte er ihm heute das Land anweisen es sei ein
so freiner Nachmittag dass es ein rechtes Pläsier sei ein wenig an der Sunne
umezträtsche
Da seis noch lange Zeit dafür sagte Joggeli der Schnee sei ja kaum ab
wenn es dann Zeit sei so wolle er es ihm schon sagen Das Pressiere trage
nichts ab sie hätten bis dahin den Hof werchen können ohne ein sellig Pressier
»Aber nichts desto besser« sagte die Frau »es gibt ja bald keine Sachen mehr
Und ich wollte mit Uli gehen es tut dir nur wohl wenn du dich auch ein wenig
an die Sonne lässest Warum willst du hingere hangen und den Leuten umsonst
zfressen und den Lohn geben Andere Jahre sind wir mit Holzen und Dreschen drei
Wochen später fertig gewesen und mussten immer um so viel später anfangen als
andere Leute und blieben so das ganze Jahr durch im Hinderlig Was sollen die
Leute jetzt machen wenn du nicht Arbeit anweisen willst« Joggeli zog brummend
seine Finkenschuhe aus und andere an die Frau musste ihm das Halstuch umlegen
und ein Nastuch in die Tasche tun Hinter dem Ofen suchte er einen Stecken und
ging endlich zankend und ärgerlich
Joggeli hatte sein Lebtag noch nie sein ganzes prächtiges Gut ins Auge
genommen und darüber nachgedacht wie es zu benutzen sei dass nicht nur ein
bedeutender Ertrag her auskomme sondern dass das Gut selbst gesünder werde ein
Teil dem andern nachhelfe usw Er säete so viel an als er Mist hatte oder die
Zeit erlaubte Mussten Erdäpfel gesetzt werden so suchte er einen Plätz dazu
aber immer so klein als möglich dass man nach dem Neujahr mit den Erdäpfeln zu
sparen anfangen musste So machte er es mit den Flachs Raps und Werchplätzen
Er ließ sich die von der Frau nur so abmärten und Mist dazu und Bschütti musste
fast gestohlen werden Alles Land das nicht Korn oder Futter trug reute ihn
er hielt es wie für verloren So war auf dem ganzen Gute nur so eine Stümperei
Hier ein Plätzli von dem dort ein Plätzli von jenem je nachdem zufällig ein
Stücklein wenig oder viel Gras gehabt Zudem stund das Angebaute mit dem
Liegenden nie in rechtem Verhältnis So wenig als sein Gut nahm er seine
Dienerschaft ins Auge berechnete und verteilte nie ihre Kräfte in der
Bearbeitung des Gutes Er hatte eben nicht am liebsten zu viele Leute die Leute
aber die er hatte wusste er nicht zu beschäftigen und anzuleiten er brummte
freilich wenn sie so wenig und so schlecht als möglich arbeiteten allein
weiter brachte er es nicht Daher fehlten dem Gute die nötigen Kräfte es wurde
nicht bearbeitet bald fehlte Mist zum Ansäen meist die Zeit Man wurde nie
fertig und doch wurde kaum die Hälfte von dem was nötig gewesen wäre getan
Daher nahm das Leben des Gutes denn jedes Gut hat ein Leben das halb von der
Beschaffenheit des Bodens halb von der Arbeit abhängt ab und somit auch alle
Jahre der Ertrag Und das ist die Ursache vom unglücklichen Siechtum vieler
Güter dass man das Gleichgewicht nicht zu finden weiß zwischen dem was das Gut
will und dem was sein Besitzer will zwischen den Kräften und Bedürfnissen des
Gutes dass man das Maß und die Art und Weise der Arbeit nicht gehörig würdigt
Uli hatte seine liebe Not mit dem Alten Es reute ihn jeder Boden den er
hergeben sollte für dies oder das aller Mist der nötig war Er wollte Boden
und Mist immer für etwas Anderes Besseres versparen Vergebens stellte ihm Uli
vor Man könne doch nicht alles auf den Herbst sparen und es dünke ihn für
eine solche Weite Landes sei viel zu wenig angesäet man müsse auch den Frühling
benutzen und Mist für den Herbst wolle er schon genug machen Mit der größten
Not brachte er ein größer Erdäpfelstück heraus als sonst der Brauch war und
einigen Sommerweizen in den er dann Klee säen wollte Daneben sah er auf dieser
Wanderung Häge zwei Klafter breit Börder mutwillige sah Arbeit für die
Zwischenzeit auf viele Jahre
Auf dem Heimwege sagte Uli Er müsse ihm noch etwas sagen wenn er es nicht
ungern haben wolle Joggeli sagte Es düech ihn er hätte ihm afe viel gesagt
und sollte zufrieden sein für heute Doch solle er es auch noch füremache es
gehe am Ende in einem zu »Meister« sagte Uli »es ist in den Ställen nicht
alles wie es sein sollte An unsern Rossen ist nicht mehr viel zu erfüttern
wenn man nicht etwas ändert so kommen die meisten in Abgang Bei den Kühen ists
noch viel schlimmer Die geben nicht Milch wie sie sollten die meisten haben
nur zwei oder drei Striche sind auch wohl alt und es dünkte mich wenigstens
mit vieren sollte man fort und dagegen etwas Junges einstellen mit ganzen
Eutern man käme viel weiter« Diesen Weg füttere man fast ganz zUnnutz
»Ja ja« sagte Joggeli »verkaufen kann man wohl verkaufen kann ein jeder
wenn er etwas hat aber wenn man dann etwas anderes hätte« Man werde heutzutage
mit allem betrogen Und wer sich mit diesem Handel abgeben solle Er möge nicht
mehr nach und wem er es anvertrauen solle dass er nicht bschissen werde Oh
sagte Uli das müsse ein jeder Bauer riskieren und betrogen sei schon ein jeder
geworden aber bei seinem Meister habe er Rosse und Kühe gekauft und sei noch
glücklich gewesen dabei »Jä so« sagte Joggeli »du wolltest das also machen
verkaufen und einkaufen jä so das ist öppis angers jetzt nimmts mich nicht
mehr wunder He nun wir wollen sehen wir wollen sehen das ist eine
wunderliche Sache«
Daheim klagte er seiner Alten bitter wie Uli ihn drängseliert habe Nichts
sei ihm recht Er würfe ihm das ganze Gut zunderobis wenn er ihn machen ließe
Und beide Ställe wolle er ihm neu besetzen Er merke aber das Bürschli wohl und
wolle es ihm reisen So einer der keine Handbreit Land hätte wolle wie man
ein Gut werche besser wissen als einer dessen Ätti und Grossätti schon vornehme
Bauern gewesen seien Das sei ein Hochmut in den Leuten vom Tüfel es sei gar
nicht mehr dabeizusein Als er nun insbesondere erzählte um was ihn Uli
drängseliert so sagte seine Alte »Bauern hin Bauern her aber wenn Mancher nur
halb so witzig gewesen wäre als mancher Knecht ist so wäre er zHalbem reicher
und sein Hof trüg ihm noch einmal so viel ab«
Indessen lief die Arbeit und alle Welt verwunderte sich wie früh man in
der Glunggen erwacht sei Kamen die Üfliger zu den Diensten zum Karrer der
Mist führte zum Melcher wenn er Salz holte usw so sagten sie Das müsse
scheints streng gehen in der Glunggen das sei doch schlecht von einem Knecht
die Leute so zu drängselieren aber sie täten es nicht sie würden aufbegehren
und so von einem herzugelaufenen Burschen sich nicht lassen befehlen sie
wollten ihm zeigen dass sie länger dagewesen seien als er Es gehe alles bis es
genug sei sagte der Karrer man solle nur sehen Kamen sie zu Joggeli so
sagten sie Was ihn ankomme dass er so pressiere Oder ob er etwa einen neuen
Meister bekommen habe Es sei eine Gegend nicht wie die andere und sie hätten
noch nie gesehen dass zu fast pressieren viel abtrage Er lasse ihn wohl viel
zwängen für den Anfang Daneben wollten sie nichts gesagt haben er werde wohl
wissen was er mache Kamen sie dann zu Uli so sagten sie So einer wäre auf
der Glunggen schon lange nötig gewesen Man sehe es schon von weitem dass da ein
Anderer predige Daneben sei er ein Göhl dass er sich so plagen möge er bleibe
doch nicht lange da bei Joggeli halte er es nicht aus und ein solcher Kerli
wie er werde nicht immer Knecht sein wollen oder dann noch auf einen andern
Pfosten pretendieren
Dieses trug nicht dazu bei die gegenseitige Anhänglichkeit zu vermehren
den Gang der Dinge zu erleichtern Erst jetzt nahm Ulis Bürde zu und es war
ihm als ob er bis an die Knie im Lett wandeln müsse Alles musste er Joggeli
abdiputieren abzanken und wenn ers dann ausführen wollte so hatte er
allenthalben unwillige ungeschickte Hände Er musste allenthalben stoßen und
stüpfen an allem machte man so lange und so schlecht als möglich Er glaubte es
nicht dahin bringen zu können dass man den Flachsplätz sauber rüste dass man auf
irgend einem Acker die Furchen auch recht zu Boden hacke Man sah noch in
zweijährigem Grashoden Furchenstreifen so oberflächlich war gehacket worden Er
wusste wie schwer sich über das Arbeiten etwas sagen lässt wie ungern sich ein
Mensch vorwerfen lässt er mache eine Landarbeit nicht gut wie ein
sechskreuzeriges drei Schuh hohes Knechtlein auffährt wie ein Güggel wenn man
ihm sagt er könne nicht mähen oder hacken wie er sagt »Ich bin schon bei
manchem Meister gewesen und habe es ihnen recht gemacht und wenn ich dir nicht
genug arbeite so brauchst du es nur zu sagen es Bürschli wie ich findet
Meister dGnüegi« Nehmen es die Leute von einem Meister nicht an wie sollen sie
es von einem Knecht annehmen Er meinte daher auch Joggeli sollte dies sollte
jenes sagen aber Joggeli wollte nicht »Sag du es ihnen wenn es dir nicht
recht ist was sie machen« sagte er »das ist deine Sache darein mischle ich
mich nicht Ich wollte ein Narr sein einem Meisterknecht einen großen Lohn zu
geben und dann noch alles machen zu sollen was an ihm ist« Wenn ihm aber die
Diensten klagten heute hätten sie das machen müssen und jenes noch und am Ende
noch hintenfür müssen es sei alles nicht gut genug gewesen so balgete Joggeli
wieder Von dem hätte er nichts gewusst es täte es Uli doch wohl zu fragen
aber er mache wie wenn ihm niemand etwas zu befehlen hätte wie wenn der ganze
Hof der seine wäre Uli begriff es alle Tage besser wie man von einem sagen
könne er habe die Wände auf springen wollen kam es ihn doch selbst alle Tage
an
Indessen ging die Sache doch wenn auch mühselig Sie waren mit den
Frühlingsarbeiten so früh fertig als andere Leute und hatten mehr gepflanzt als
sonst Sie konnten dieses Jahr zweimal in die Erdäpfel konnten sie kärstlen und
häuflen und mussten nicht das Unterlassen des einen oder des andern mit einigen
hundert Mässen büßen Der Flachs wurde gesteckelt und war so schön dass die
Bäurin fast alle Tage hinging ihn zu besehen und wenn die Üfliger
vorbeigingen so sagten sie zu einander »Es ist schade dass Joggeli diesen
Knecht hat Man sieht er versteht die Sache es bekäme gleich alles eine andere
Nase in der Glungge Er wird ihn aber bald fortgchäret ha«
Sechzehntes Kapitel
Uli kommt zu neuen Kühen und neuen Knechten
Unerwartet sagte Joggeli eines Morgens dem Uli Er hätte der Sache nachgesinnet
und gefunden dass es nicht übel wäre wenn man im Stall etwas ändere Morgen sei
zu Bern Monatmärit und dort mache man es gewöhnlich am besten Er solle den
Zingel und den Stär nehmen und nachmittags mit ihnen fahren Er könne über Nacht
sein wo es sich ihm schicke damit er morgens zeitlich auf dem Markte sei Wenn
ihm auf dem Markt etwas Anständiges anlaufe so solle er es kaufen sonst könne
man am Burgdorfmaimärit sehen Uli hatte nicht viel einzuwenden obgleich es ihn
seltsam dünkte dass er mit zwei alten Kühen fünf Stunden weit auf den Markt
fahren sollte auf die Gefahr hin im Fall Nichtverkaufens sie nicht mehr
heimbringen zu können
Es war ein warmer Mainachmittag Staub auf den Straßen die Kühe des Gehens
des Sonnenscheins ungewohnt Uli hatte Mühe mit ihnen Doch die Kühe kannten
ihn sie sprangen nicht erschrocken wenn er ihnen nahe kam sie folgten ihm
zutrauensvoll ohne Metzgerhund Während er langsam ihnen den Weg zeigte hatte
er Augen für alles an dem er vorbeikam keine Pflanzung entging ihm keine
Hofstatt keine Einrichtung an einem Hause und alles erwog er in verständigem
Gemüte Und wenn er nichts Besonderes bemerkte so dachte er über die Preise
nach die er machen müsse denn Joggeli hatte ihm durchaus nichts sagen wollen
Er solle luegen was Kauf und Lauf sei hatte er gesagt und dann machen was
ihn gut düeche Er hatte sich lange gewehrt bis endlich die Frau sagte »Was
willst du doch da lange käre Du hörst ja dass er dirs überlässt machs so gut
du kannst und da wird es wohl gut sein« Joggeli hatte ihm noch einige Dublonen
mitgegeben damit er mit dem Einkaufen es machen könne so gut als möglich Da
ergötzte er sich an dem Gedanken wenn er doch die alten Kühe verkaufen könnte
und junge schöne heimbringen für das gleiche Geld und dem Joggeli seine
Dublonen darzählen Wie der Alte Augen machen würde dachte er
Weiter als vier Stunden kam er nicht mit seinen Kühen Er dachte wenn er
sie heute nicht übertreibe so komme er am folgenden Morgen um so besser
vorwärts Es war wenig Ruhe im Wirtshause das kam und ging die ganze Nacht
durch rechtliche Leute und Hudelpack schmutzige Juden und geizige Christen
Käufer und Verkäufer alles im Schweiße des Angesichtes rennend und jagend gutem
Glücke nach das Vorspiel der morgigen Schlacht bereits eröffnend um die Ställe
herum in der Gaststube ja bis in die Schlafkammern hinauf das war ein Handeln
und Märten ununterbrochener als in einer großen Schlacht der Kanonendonner Es
war ihm nicht geheim unter diesem Volke mit seinen Dublonen im Sacke er nahm
seine Hosen unters Hauptkissen zog ein Bein davon herab und lag darauf und
schlief nur wellig Er wollte aus den Juden heraus die ihm schon am Abend
zugesetzt hatten und fuhr am Morgen in aller Frühe von dannen
Der Morgen war heraufgezogen in aller Schöne die Mattenblumen dufteten
köstlich in süßem Tau erglänzend munter und heiterwanderten er und seine Kühe
in die Zukunft hinein Nicht lange war er gegangen so gesellte sich ein langer
hagerer Mann zu ihm von dem er nicht wusste wie er zu ihm kam Alsobald begann
derselbe mit ihm zu handeln um die Kühe ließ nicht nach bis Uli schätzte und
ehe sie in Bern waren hatte Uli verkauft und zwar wie er glaubte wenigstens
um zwei Dublonen zu teuer Noch vor der Stadt zahlte ihn der Mann aus fuhr mit
den Kühen von dannen und er sah ihn nicht wieder Es wurde Uli doch noch angst
er möchte sich übereilt haben der Preis anders stehen als er gemeint Allein
er sah bald viel Ware daherkommen sah dass sie sehr feil war weil man wegen
trocknem Wetter nicht viel Heu erwartete Das sei ihm gut gegangen dachte er
und ein guter Schick fehle ihm nicht Er wartete nicht weit vom oberen Tore und
sah die schönen Rinder herbeitreiben die aus den reichen Gemeinden oberhalb der
Stadt und aus dem Freiburger Gebiete kamen Es fiel ihm eine große junge Kuh mit
gewaltigem Knochengebäude in die Augen welche ein kleiner Mann mit einer
Speckseitenkutte und breitem niederm Wetterhute führte Die Kuh war mager
strub anzusehen hatte noch lange nicht ausgetragen aber an der sei etwas zu
machen dachte er wenn sie nicht ungerecht sei Das war sie nicht die Haut
ließ schön von den Knochen Aber der Mann roch gar übel dass man ihn auf zehn
Schritte in die Nase fasste sein ganzes Aussehen gab mit dass er nebenaus wohne
und in der Welt nicht recht daheim sei Diese sind sehr oft im eigenen Hauswesen
auch nicht daheim haben absonderliche Gebräuche wissen sich nicht zu helfen
fangen alles verkehrt an geizen tun genug bis aufs Blut und kommen doch nicht
vorwärts sondern hangen so zwischen Leben und Sterben Das Mannli sagte als
Uli die Kuh visitierte »Ja visitier sie nur der Kuh fehlt nichts Ich habe
den halben Winter durch Stroh füttern müssen ich habe zu viel Ware gehabt und
doch hat es mich gereut etwas zu verkaufen und Heu kaufen vermag unsereinem
nicht Ich habe mich auf das Grün getröstet und jetzt will das auch fehlen und
so muss ich jetzt abstossen Sie reut mich übel aber wenn ich alles eingrase so
habe ich dann im Winter nichts Dr Ätti hat immer drei Kühe gehabt und ich
zwänge es jetzt fünf Haupt zu halten es ist mir von wegen dem Mist aber es
geht manchmal kaum genug zu« Das gute Nebenausmannli wusste auch noch nicht dass
zwei gut gefütterte Kühe mehr Nutzung und Mist geben als vier schlecht
gefütterte Dem Nebenausmannli war aber das nicht zu verargen wissen dieses
doch große Männer an großen Straßen nicht halten dreizehn Kühe und bringen es
auf zehn Maß Milch von dreizehn Kühen Das Mannli weinte fast und Uli hatte
das Herz nicht ihn zu drücken wie er vielleicht gekonnt hätte denn niemand
sah auf die strube Kuh niemand kam ihm ins Spiel Er kaufte sie wohlfeil doch
war das Mannli zufrieden und wünschte ihm alles Glück zu der Kuh der er mit
nassen Augen nachsah Zu dieser kaufte Uli noch eine andere nähig leicht in
den Hörnern fein von Haaren hintenaus wie ein Eisenwecken kurz wie man die
Kühe von denen man Milch haben will gerne hat Bald nach zehn fuhr er schon
zum Tore hinaus mit fröhlichem Herzen denn er hatte drei Neutaler weniger
ausgegeben als gelöst und glaubte doch viel bessere Ware heimzutreiben als er
fortgeführt
Was Joggeli sagen werde und der Melcher dachte er Freilich werden sie ihm
die magere ausfuhren aber er wolle sie nur reden lassen bis zum Kalben solle
die eine andere Gattig haben wenn er das Salz an ihr nicht spare und zu rechter
Zeit ein Trank gebrauche damit die bessere Fütterung nicht böse Säfte erzeuge
und ungerecht mache Die drei Neutaler konnte er dabei nicht aus den Fingern
lassen Es kam ihm immer mehr vor als ob die eigentlich ihm gehörten Es war ja
ganz seine Schuld dass so teuer verkauft so gut eingekauft worden
Dazu hatte er schon manchen Batzen für Joggeli gebraucht den er nicht
anrechnen konnte hatte schon manchen Schuhnagel ausgesprengt der bei minderer
Anstrengung im Schuh geblieben wäre Es begann ihm vorzuschweben die große Ürti
die er den Diensten bezahlt um Fried und Ruhe willen wovon der größte Nutzen
eigentlich Joggeli zugefallen wäre An der hatte ihm auch niemand etwas gegeben
zu seinem Lohn war ihm auch nichts gekommen die Trinkgelder aus den Ställen
fielen dem Melcher und dem Karrer zu Billig und recht war es nicht dass er der
die meiste Muhe und Sorge hatte nichts extra erhielt Wenn er die drei Neutaler
für sich behalte so könne der Meister sich wahrhaftig nicht klagen er müsse
noch zufrieden sein dass er ihm nicht mehr anrechne Die gekauften Kühe wolle er
ihm nicht teurer anschlagen hingegen könne er den Erlös für die zwei verkauften
um drei Neutaler geringer angeben ohne dass das jemand im Geringsten merke Sie
seien ja immer noch zu teuer er habe sie einem fremden Mann verkauft und kein
Mensch sei ja dabeigewesen der etwas ausplaudern konnte Hatte er das so recht
sich festgestellt so tauchte bald wieder etwas Unheimliches in ihm auf das
sagte ihm es sei doch nicht recht und was er da aussinne seien nur Ausreden
des Teufels nur Versuche einer Schelmerei ein schönes Mänteli umzuhängen Er
begann sich zu erinnern aus früheren Zeiten dass er damals für sein Wüsttun auch
gerade solche Ausreden gehabt und sich selbst eingeredet habe er tue von Gott
und Rechts wegen wüst Es fiel ihm ein wie er schon früher einen ähnlichen
Kampf bestanden und die Ehrlichkeit ihm wohl bekommen Und mehr und mehr erhob
sich in ihm das Bewusstsein es solle ihm niemand etwas vorzuhalten haben er
wollte unbescholten untadelich sein damit er mit ungebrochner Kraft gegenüber
den Andern Meisterknecht sein könne Er fühlte es in sich wenn er diese Untreue
begehe so sei er schon nicht mehr der Gleiche er müsste vieles übersehen er
hätte das Herz nicht mehr gegen die Andern aufzutreten weil er sich als
ihresgleichen fühle Und wenn es ihm auskäme welch Gesicht sollte er machen
Wie würden die Andern frohlocken Welche Schmach würde ihn überfluten Der gute
Uli konnte es einem fast glaublich machen die gegenwärtige Schonung des Lasters
habe ihren Grund nicht in christlicher Milde sondern in schlechtem Gewissen
ein Schelm hängt selten gerne einen andern Schelm er müsste ja denken Heute
dir morgen mir Vor Gott könnte er es ja auch nicht verantworten dachte er
und wie kindlich zu Gott beten mit solcher bewusster Untreue auf dem Gewissen
Nein das wolle er nicht tun dachte er und ließ die drei Neutaler aus den
Fingern fahren pfiff munter ein Liedchen bis er zu einem Wirtshause kam Da
stellte er seine Kühe an Schatten setzte sich hinter einen Schoppen ließ sich
etwas Warmes geben ein Schnäfeli Fleisch und ließ die größte Hitze
vorübergehen
Unerwartet früh und wohlgemut kam er heim Seine Ware wollte man ihm nicht
besonders rühmen Es komme auf den Preis an meinte Joggeli und mit so magerer
Ware wisse man nie wie es einem gehe Die einen würden so zäh dass sie nicht
mehr nachzufüttern seien Daneben wolle er nichts sagen sondern zuerst hören
was sie kosten Uli musste ins Stübli legte dort Rechnung ab frank und wohlgemut
und zählte das erhaltene und gewonnene Geld vor Joggeli horte mit wunderlichem
Gesicht zu verwunderte sich über den guten Handel meinte aber ob er aus den
Kühen nicht noch mehr gelöst wenn er sie bis nach Bern genommen Indessen seien
sie gut bezahlt die gekauften seien auch nicht teuer in dessen wisse man noch
nicht wie es mit ihnen gehe Das Trinkgeld das Uli auch dargelegt solle er
mit dem Melcher teilen und seinen Teil an die Kosten rechnen Jä sagte Uli das
verstehe er nicht so er sei gesinnt die Kosten ihm anzurechnen denn er habe
ihn geschickt und solche Auslagen zahlten allenthalben die Meister Da komme
bei dem weiten Märitgeläufe nicht viel heraus sagte Joggeli und bezahlte mit
Widerstreben die wenigen Batzen »Du bist doch beim Schiess eWüeste« sagte die
Frau als Uli heraus war »Der hätte einen Neuentaler aus deinem Sack verdient
und jetzt willst du ihm noch das Trinkgeld abzwacken So verderbst du alle
Diensten es ist keine Freude dir helfen zu husen« »Meinst du das sei etwa
ein guter Schick gewesen und Uli schuld daran Jä jere nei Ich habe einen
gesandt der hat ihm auf meinen Gunten die Kühe abgekauft ich habe nadisch
wissen wollen ob er mich betrügt oder nicht« »Du bist doch der wüstest Hung«
sagte die Frau »Und jetzt ist es dir noch leid dass er nicht ein Schelm an dir
gewesen ist Nei das hat auf my armi türi afe kei Gattig Statt dass du am
lieben Gott danken solltest e Sellige zha willst du ihn noch zum Schelm
machen Nimm dich in acht wenn er dich merkt so gheit der dir den Bündel an
den Kopf dass der dir dein Lebtag wackelet«
Es ging nicht lange so kam Uli zum Meister mit der Frage Wann man anfangen
wolle zu heuen es düech ihn es wäre Zeit daran zu denken »Du bist ein ewiger
Käri es hat ja noch niemand angefangen und ich habe nie gemeint dass es gut
sei in allem der Erste zu sein« »Ja« sagte Uli »wir können nicht auf andere
Leute sehen wir haben weitaus am meisten zu heuen und wenn wir nicht beizeiten
anfangen so sind wir bald ein ganzes Werk hinter allen drein Wenn man einmal
im Hinderlig ist so kommt man nie nach und hat am bösten dabei Das ist akkurat
gleich wie beim Militär die Hintersten müssen am härtesten laufen und
versäumen sie sich ein bisschen so kommen sie gar nicht mehr nach und wenn man
im Hinderlig mit dem Geld ist so düecht mich bschüss keis Huse nüt« Joggeli
sperrte sich drehte doch musste er diesmal der Erste anfangen
Uli war gewohnt mit gutem Werkzeug zu arbeiten als man aber das
Sommerwerkzeug untersuchte war alles im schlechtesten Zustande Er fand keine
einzige Segessen die sich ihm in die Hand schickte Joggeli behauptete er
hätte im vergangenen Jahre vier neue und Rechen und Gabeln gekauft Er wisse
nicht wo es hingekommen und wenn es ihm gestohlen werde so wollte er ein Narr
sein immer Neues zu kaufen Ja sagte Uli das könne er machen wie er wolle
aber mit den Beinen könne er nicht mähen mit den Fingern nicht rechen wenn die
Sache gehörig gemacht sein solle so müsste Werkzeug dafür da sein Endlich
kaufte Joggeli aber alles so wohlfeil als möglich Wie nützlich schlechte
wohlfeile Segessen sind weiß jeder Uli kaufte sich endlich eine aus eigenem
Gelde Wollte er aber dem Einen oder dem Andern über sein Mähen etwas zu
verstehen geben so sagte ihm dieser Er solle ihm eine bessere Segessen geben
oder aber schweigen
Uli war gewohnt mit dem Mähen morgens um drei anzufangen Um diese Zeit
wollte ihm anfangs niemand auf er hatte Mühe um vier sie auf die Matte zu
bringen Melcher und Karrer wollten auch nicht anbeissen selbst wenn man
zunächst des Hauses mähte und wann sie kamen so trieben sie nur Flausen
wollten Uli durchtun und ihm vormähen bis er ihnen seine Meisterschaft
beurkundet und sie zehn Schritte im Rücken gelassen hatte Hatte er endlich die
Knechte auf der Matte so fehlten ihm noch die Tauner und kamen erst um vor dem
Morgenbrot noch eine Mahde zu mähen Der Eine hatte etwas für sich gemäht der
Andere seine Segessen anders anschlagen müssen der Dritte seiner Frau Bschütti
geführt aber alle meinten der Meister brauche es nicht zu wissen und wollten
den ganzen Taglohn
Uli hätte es nie geglaubt welch Unterschied es sei von drei bis zehn Uhr
morgens mit zehn rüstigen Burschen versehen mit gutem Werkzeug und gutem Mut
zu mähen oder aber mit zehn lässigen wo alle nach dem Takte »Komm ich nicht
heute so komme ich doch morgen« arbeiten einer hieraus zieht der andere
dortaus liegt Es schien ihm als sei man förmlich verhexet während die Andern
jammerten so drängseliert und kujiniert seien sie noch nie worden Hatte er
seine liebe Not am Morgen ausgestanden so war am Abend erst das rechte Elend
da Kam er des Mittags nach dem Dängelen und Rüsten der Wagen auf die Matte so
war nicht gekehrt das Heu nicht zusammengemacht er musste warten ging er mit
den Andern hinaus so musste man auf die Wagen warten Lud er auf der Matte und
sollte ein Teil der Leute abladen so verrichteten diese nichts die Wagen kamen
nie zurück sie mussten halbe Stunden müßig warten Ging er ans Abladen so
wurden sie fertig aber der Karrer brachte kein Heu sie konnten lange Zeit
ruhig am Schatten liegen Am Abend hatte niemand Zeit zum Aufrechen er musste es
mit Wüsttun erzwingen von Birligen war vollends keine Rede die konnte er
selbst machen wenn er welche gemacht haben wollte Er trieb und jastete sich
fast zu Tode von früh bis spät die Weiber hatten rechtes Mitleid mit ihm aber
er brachte nichts ab er fühlte es war da ein angelegtes boshaftes Spiel Und
Joggeli sah der Sache nicht bloß kaltblütig sondern fast boshaft zu gäb wie
die Weiber ihn stüpften er solle doch auch ein Wort sagen er sehe ja Uli möge
nicht gfahren und die Andern täten ihm alles zuwider He sagte er dem sei es
nur gut wenn er nicht alles zwängen könne wenn alles nach seinem Kopf ginge
so kriegte er bald einen so großen dass Sonne Mond und Sterne nicht mehr neben
ihm Platz hätten
Es war zudem ein Sommer mit sehr unbeständigem Wetter Es gab wohl schöne
Tage aber mit vielen andern untermischt an denen man nichts Dürres machen
konnte Es bedurfte also an den schönen Tagen doppelten Fleiß mit diesem ist
ein guter Landmann imstande mittelmässiges Wetter gut zu machen Uli konnte das
aber nicht bloß einer sondern zehn Schleiftröge legten sich ihm unter die
Beine Das ist ein peinvoller Zustand es begreift ihn aber nur der welcher ihn
erlebt hat Entweder erstickt erworget man in demselben oder aber es gibt
einen Ausbruch dass Funken sprühen die Wände zittern Haare fliegen und Brülle
durch die Welt fahren dass Kometen und Planeten davonfliegen und nirgends mehr
warten dürfen Uli schrieb am Sonntag seinem alten Meister So halte er es nicht
mehr aus Der Zorn sei ihm zu oberst er könne ihn mit einem Finger erlangen
Essen bringe er keins mehr hinunter es düech ne er müsse an jedem Stücklein
Brot ersticken und wenn er einen von den Möffen sehe so gramsle es ihm in den
Fingern Sie hätten noch viel zu mähen und morgen von dreien Tagen einzuführen
Wenn sie es ihm nun machen wie die andern Tage und der Meister noch seine Freude
daran hätte so schirre er aus und komme ihm ungesinnet daher Das sei ein
Teufels Dabeisein wenn man die Mitdiensten wider sich hätte und auch noch den
Meister Die Frau sehe das wohl aber sie könne nicht viel zwingen wenn sie
Meister wäre so ginge es anders
Schön Wetter war es am Morgen auf den Abend drohte ein Gewitter Schon um
acht hörte Uli auf zu mähen um beizeiten zetten und kehren zu können schon am
Morgen wurden zwei Fuder eingeführt Beim Mittagessen sagte Uli das Nachtessen
soll man nicht früh zweg haben heute werde es wohl späten Feierabend geben Das
Heu werde alles gut sollte alles hinein es wäre schade wenn es noch einmal
Regen kriegte Im Nachmittag fing es sich an zu stecken es wollte nichts mehr
vorwärts man steckte die Köpfe zusammen statt dass man die Arme rührte Wo Uli
war ruckte es wo er hinkam war alles im Hinderlig Der Melcher zeigte sich
nicht auf der Matte der Karrer fuhr wie wenn er Schnecken hätte und als Uli
ihm sagte er solle doch schneller laufen lassen es täte es den Pferden wohl
warf er mutwillig ein Fuder in den Bach dass man darob fast eine Stunde verlor
Und als Uli dazukam und aufbegehrte da müsse einer doch fahren wie ein Blind
um da ein Fuder umzuwerfen so sollte er an allem schuld sein mit seinem
Pressier solange er da sei gehe es schlecht Er könne nichts sagte der
Karrer als alle Leute kujiniere und wenn er ihm nicht recht fahre so solle er
selbst fahren er rühre keine Geissel mehr an bis der Meister es ihm selbst
befehle Damit warf er Uli die Geissel zu und legte sich behaglich auf einen
Heuwalm Uli hatte schon die Geissel am dünnern Ort gefasst um zu versuchen was
ungebrannte Asche vermöge doch besaß er sich und führte kochend in Zorn das
Fuder heim
Die Alte rüstete zu Nacht und als sie Uli mit dem Fuder kommen sah fragte
sie Vreneli die vorankam Was es gegeben dass Uli fahre »Frag ihn selbst
Base« sagte Vreneli »Es ist ein grusamer Streit unter den Diensten und wenn
sich der Vetter des Ulis nicht annimmt so kömmts nicht gut Ich wäre schon
lange fortgelaufen« Da stund die Base auf ging Uli entgegen und frug »Warum
fahrst du Was hats gegeben« Und Uli fragte mit bleichen bebenden Lippen »Wo
ist der Meister er söll usecho« »He Ymmers wie siehst du aus Komm du in die
Stube er ist dort Es söll derweilen einer die Rosse halten« Uli ging nach
und die Base nahm aus einer Ecke auf dem Ofen ein Kacheli mit Kaffee und sagte
»Nimm das geschwind und trinks Ich hatte es dem Vreneli dänne deckt aber nimm
dus es bekommt dann ein andermal Aber sag mir geschwind was hats gegeben was
ists« »Meisterfrau ich will fort und das auf der Stelle so will ich nicht
mehr dabeisein Ich will dem Meister die Geissel geben dann meinen Lohn und noch
heute fort Ich will mich nicht töten für Andere und noch dazu ausgelachet
sein« »He Uli Uli wer lachet dich aus« »Gerade der Meister der treibt nur
den Narren mit mir und ist kein Meister sonst würde er sehen was seine Pflicht
und sein Nutzen ist darum will ich fort« »Und was ist denn meine Pflicht und
mein Nutzen« sagte Joggeli der eben zur Türe hineinkam »Ich will meinen
Lohn« sagte Uli »und will fort« »Du hast keinen Grund« sagte Joggeli »du
wirst wohl bleiben« »Nein Meister ich bleibe nicht und habe guten Grund Ihr
habt mich als Meisterknecht angestellt und unterstützt mich nirgends Ihr
befehlet selbst nichts ich soll aber auch nicht befehlen da kann ein jeder
machen was er will So braucht Ihr keinen Meisterknecht und habt mich falsch
gedinget und deswegen will ich nicht mehr dabeisein« »Aber was hast du denn zu
klagen« fragte Joggeli schon nicht mehr recht keck »He dass Ihr kein Meister
seid Wenn Ihr ein Meister wäret so wäret Ihr heute gekommen und hättet auch
pressiert und befohlen oder hättet wenigstens gesagt man solle sich schicken
Aber statt dessen habt Ihr mich allein fechten lassen habt wohl gesehen wie
sie drehen der Melcher der Karrer nicht vom Hause wollen und habt mich
stecken lassen darum will ich fort« »He ume nit grad so prüssisch« sagte
Joggeli »ich kann nicht immer an allen Orten sein Hättest du mir das Maul
gegönnt so hätte ich etwas sagen können aber wenn man so viel zu sinnen hat
wie ich so kann man nicht immer an alles sinnen« »Sinnen hin Sinnen her«
sagte Uli »ich will meinen Lohn ich bleibe nicht mehr« »He Uli« sagte die
Meisterfrau »nimm non es Kacheli und bsinn dih Du bist uns ganz der Recht und
es hat dir noch niemand von uns ein Unantwort gegeben Ds Gunträri ds Vreneli
und ich haben schon manchmal zueinander gesagt wenn es so seinen Fortgang
nehme so komme der Hof wieder instand und es gebe auch wieder eine Ornig«
»Solang der Karrer und der Melcher da sind kommt es nicht gut und mit ihnen
bleibe ich nicht mehr keine Stunde entweder gehe ich oder sie müssen gehen«
He he sagte Joggeli man mache im Zorn leicht etwas Unrechtes sie wollten
sich gegenseitig noch bsinnen bis morgen man könne dann immer noch sehen
»Meister das ist ausbsinnet« sagte Uli »das ist mir schon zu lang auf dem
Magen gelegen entweder gebt Ihr dem Karrer und dem Melcher noch heute den Lohn
oder mir eins von beiden« »Ich werde mir doch von einem Knecht nicht sollen
befehlen lassen« sagte Joggeli »Ich will Euch nichts befehlen ich lasse Euch
ja dWehli aber eins von beiden muss sein« »Bis doch nit e Göhl« sagte die
Meisterin »da wollte ich mich bald ausbesonnen haben« »Ja aber wo dann einen
anderen Karrer und einen anderen Melcher her nehmen gerade in dieser unmussigen
Zeit Das kann nicht gehen« »He« sagte Uli »wenn die fort sind so geht die
ganze Sache ds Halb ringer und dann kann ich auch noch melken und fahren so gut
als die Ich will einstweilen den Dienst für Beide machen und ich denke es
wird nicht lange gehen bis man Andere hat Aber Ihr könnts machen wie Ihr
wollt es ist mir ganz recht zu gehen Ich habe es gestern geschrieben ich
werde wohl bald wieder kommen«
Das schlug bei Joggeli ein und er bequemte sich den Karrer und den Melcher
kommen zu lassen um ihnen den Lohn zu geben Die meinten er wolle ihnen nur
ein Kapitel lesen und begehrten gleich von Anfang ganz fürchterlich auf und
machten als ob sie die ganze Erde dem Mond ins Gesicht spucken wollten Als
Joggeli so hübscheli von Lohngeben zu reden anfing da sagten sie das sei ihnen
gerade recht und sie begehrten es aber dann könne er sehen wie es ihm ergehe
wenn Uli alle die weggebissen hätte die ihm im Wege seien Er solle nur
füremachen es lächere sie nur größeren Lohn hätten sie schon längst haben
können Joggeli wurde ganz lugg Glücklicherweise war die Frau in der Stube
geblieben um den Wagen zu reisen wenn er bestechen oder in den Graben fahren
sollte Diese sagte nun »Seh Joggeli mach füre sie haben ja gesagt sie
begehrten ihn Die zwei Schlinglen sind mir schon lange im Weg gewesen es ist
gut wenn die einmal fort sind ich hoffe sie gehen noch heute« Keine Stunde
länger blieben sie in einem solchen Hause sagten Beide Sie könnten ihretalben
bis Martistag heuen es lächere sie nur und je eher sie fort könnten desto
lieber sei es ihnen
Joggeli zählte Beiden den Lohn zweg Draußen fing es an zu winden die
Wolken flogen am Himmel schwarze Wände der Zukunft einer kummervollen Seele
vergleichbar erhoben sich langsam die Vögel suchten die Gebüsche die Fische
sprangen nach Mücken Windspiele rissen hoch in die Lüfte bald Heu bald Staub
Draußen hastete Uli Heu so viel möglich einzubringen drinnen zählten
hohnlächelnd die Beiden ihr Geld und meinten Ob Joggeli nicht auch noch wolle
gehen und helfen es mangelte sich bei dem schonen Heuwetter Der Wind riss das
Heu von den Gabeln die Mähnen der Pferde flogen im Winde die Heulader flogen
den Walmen nach die schönen Recherinnen spudeten sich wie flüchtige Rehe in
hochgefüllten Fürtüchern das Zusammengerechete nachtragend »Häb dih« scholl es
von unten herauf die mächtigen Rosse jagten im Trabe die Heraufgeber sprangen
nach warfen mitten im Laufe Gabeln voll auf den Wagen die der kundige Lader
auf den Knien mit ausgebreiteten Armen empfing Schwere Tropfen rauschten der
Wind stieß heftiger nach dem Bindbaum sprang einer im Hui war er auf dem
Fuder mit dicken Wellenseilen wurde er niedergeschnürt flink eilten die
Recherinnen um das Fuder kämmten es glatt Da jagte das Wetter heran es
glitzerte der schwere Regen es krachte aus den schwarzen Wolken Staub stob
weit dem Regen voran Die mächtigen Rosse flogen weit aus greifend aber durch
Ulis sichere Hand geleitet der Scheune zu Mit den Gabeln auf den Achseln
rannten die Heuer nach und mit den Fürtüchern über Achseln oder Kopf formierten
den flüchtigen Nachtrab die lustigen Heuerinnen die unter Lachen und Schäkern
sich schüttelten unter sicherem Dache Da platzte der Regen herab in ungemessnen
Strömen es zuckte die Glut des Blitzes durchs dunkle Tenn hart klepfte es über
dem Hause Ängstlich und andächtig stund das Gesinde im Schopf es wusste der
Herr rolle nahe über seinen Häuptern weg
Es dunkelte man rief zum Essen schwarz war es noch am Himmel aber der
Regen rauschte sanfter der Donner rollte ferner da kamen aus dem Gaden herab
der Melcher und der Karrer gsunntiget machten Adie bei ihren Freunden die ganz
erstaunt frugen was das geben solle He sie sollten Uli fragen hieß es der
sei jetzt der Meister und weil sie nicht unter einem Solchen sein wollten so
gingen sie lieber sie möchten für kein Geld bleiben Nachdem sie ihre Sachen
die sie würden holen lassen guter Obhut empfohlen den Andern geweissaget dass
sie es auch nicht lange mehr da machen würden wanderten sie fort wie zwei
Nachtvögel zwischen Tag und Nacht das angebotene Essen verschmähend
Uli sah sie nicht gehen aber als er hörte dass sie fort seien leichtete es
ihm ordentlich ums Herz und die ihm zugefallene Arbeit kam ihm fast wie ein
Lohn eine Freude vor Es war auch als ob zwei Sperrscheiter aus einer Maschine
genommen worden Trotzdem dass zwei Arbeiter weniger waren wurde doch nicht
weniger gemacht Uli spudete sich freilich ganz wunderbar und es schien
manchmal als ob er zwei und dreifach sei Er mähte und besorgte doch die
Ställe dängelte größtenteils und war doch nicht viel länger daheim als die
Andern aber er wusste alles anzukehren konnte zwei drei Sachen fast
miteinander machen Im Vorbeigehen gleichsam ging ihm dies und jenes wozu ein
Anderer eine Stunde brauchte Erst da sieht man was für ein Unterschied es ist
zwischen einem Gstabi und einem beseelten Menschen Zudem konnte nun Uli die
Kräfte recht zusammenspannen dass Eins dem Andern helfen musste Unter ihm
verrichtete der Bub so viel als sonst ein Knecht Aus der übrigen Diener und
Taunerschaft schien ein böser Geist gefahren zu sein es war alles willig und
rührsam Es schien fast als ob ihnen selbst etwas an der Sache gelegen sei
Die welche in der Verschwörung gegen Uli am tiefsten verflochten waren die
zeigten sich nun nach deren unglücklichem Ausgang als die Eifrigsten Ja sie
rühmten nun Uli und erzählten ihm alles was der Karrer und der Melcher getan
gesagt und im Sinn gehabt und wie sie ihnen oft abgewehrt und gesagt hätten es
komme nicht gut wie es sich ihnen aber nicht geschickt hatte sich
dareinzumischen und dazu hätten sie ihn nicht sövli gekannt
Der Melcher und der Karrer hielten mit großem Jubel in einer nahegelegenen
Pinte sich auf rühmten mit weitem Maul wie sie es gemacht und konnten vor
Freude nicht schlafen weil sie nicht erwarten mochten welche Zerstörung und
Verwirrung nun in der Glungge zum Vorschein kommen werde weil sie nicht mehr da
seien Aber es ging den ersten Tag Da sagten sie Ja das sei noch so gegangen
aber man werde es morgen schon sehen Es ging aber morgen auch Da vertrösteten
sie die Leute auf den dritten Tag Aber auch dieser verstrich in der Glunggen
war alles emsig und ruhig Kein Mensch fragte nach ihnen Ja wenn sie sich von
weitem zeigten so taten ihre ehemaligen Freunde als hätten sie keine Augen
Das begann sie doch zu gmühen denn es hatte insgeheim jeder für sich die
Erwartung gehegt man werde nach ihm schicken und ihn wieder haben wollen Jeder
hatte bei sich schon ausgedacht wie er aufbegehren wieviel Lohn er mehr
fordern wolle und jetzt kam niemand Niemand sah nach ihnen Da sandte der
Karrer eine geheime Botschaft an Joggeli ab Diese sollte verblümt zu verstehen
geben der Karrer käme wieder Eigentlich sei der Melcher an allem schuld der
habe immer alles hintereinandergereiset und der Karrer es nicht besser gsinnet
Es sei ihm jetzt leid er sehe sein Unrecht ein Der Melcher aber sandte eine
gleiche Botschaft an Uli ließ ihm einen Neutaler versprechen wenn er mache
dass er wieder darkomme Der Karrer sei an allem schuld wenn der nicht dagewesen
wäre so hätte der Melcher nicht daran gesinnt so wüst zu tun Sobald er zu
Uli komme wolle er ihm sagen was der Karrer für einer sei Er wisse noch
Sachen woran jetzt niemand sinne
Als Uli dängelete kam Joggeli zu ihm und sagte »Der Karrer wäre neue
Sinns wieder zu kommen er hat neue gmurbet der Melcher syg neue an allem
schuld Es wird wohl am richtigsten sein wenn man ihn wieder kommen heißt Er
ist sich gewohnt hier ein Neuer muss man erst wieder brichten wie man es haben
will«
»Meister« sagte Uli »das könnt Ihr machen wie Ihr wollt aber mit dem
Karrer will ich nichts zu tun haben Der Melcher hat mir einen Neutaler
versprechen lassen wenn ich ihm zbest rede und gibt dem Karrer an allem
schuld Es ist Einer wie der Andere ich kehre nicht die Hand um Und so gewiss
einer wieder kommt so haben wir wieder Streit«
»Jä nu« sagte Joggeli »so ists Aber was meinst denn was sollen wir
anfangen wenn dir kein Anderer recht ist Gwerchet muss die Sache doch sein so
kann es nicht länger gehen«
He sagte Uli er glaube die Sache sei gwerchet worden so gut als wo der
Melcher und der Karrer dagewesen Mit dem Heuen seien sie ja bald fertig und
hätten trotz dem schlechten Wetter weit weniger lang daran gemacht als die
Leute sagen dass man andere Jahre daran gezogget habe Er glaube nicht dass
etwas versäumt worden sei »Du bist doch afe so prüssische Uli« sagte Joggeli
»man kann gar nicht mit dir reden« »He nei Meister« sagte Uli »aber ich habe
auch gemeint ich schaffe dass öppe nit viel dahintenbleibt und da macht es
mich taub wenn ich immer hören muss ohne Melcher und ohne Karrer gehe es
nicht« »Ja das habe ich nicht gesagt« antwortete Joggeli »verstehe mich
wohl Aber was soll dann gehen So kann es nicht bleiben Jemand muss herzu«
»Ja« sagte Uli »das meine ich auch und ich habe geglaubt Ihr hättet für
Andere gesehen« »Nein« sagte Joggeli »ich habe geglaubt du wollest nach
Andern sehen weil du die Andern nicht mehr gewollt« »Ich bin ja nur Knecht«
sagte Uli »und kann ja nicht andere Knechte dingen das würde Euch öppe nicht
anständig sein Aber wenn Ihr nichts darwider habt so möchte ich Euch etwas
sagen« »He« sagte Joggeli »red ume es düecht mich ich brauche dirs nicht
lange zu erlauben«
Nun setzte Uli auseinander dass wenn es gut kommen solle einer Meister sein
müsse Bisher sei ein jeder Meister gewesen der Karrer der Melcher jeder
souverän in seinem Stall über seine Person seine Zeit und alle Andern hätten
nach ihrem Beispiel nach der gleichen Freiheit gestrebt Joggeli solle es ihm
nicht für übel nehmen aber er müsse es sagen er habe nicht recht den Meister
gemacht und befohlen die Leute hätten ihn nicht gefürchtet und doch hatte er
niemand die Meisterschaft anvertrauen wollen daher sei ein jeder Meister
geworden Eins habe hieraus das Andere dortaus gezogen und mit allem sei man in
Hinderlig gekommen Er wolle nicht lebig dadänne wenn mit dem Hof nicht ds
Halbe mehr zu machen wäre wenn man recht zum Herd sehe und auch aus den Ställen
ziehe was öppe der Brauch sei Aber dafür müsse einer da sein der befehle und
die Andern müssten wissen dass sie zu gehorchen hätten Nun sei ihm ganz recht
wenn Joggeli befehlen wolle aber wenn er es nicht tue so müsse es ein Anderer
tun in seinem Namen sonst wolle er lieber nichts mit der Sache zu tun haben
»So befiehl doch« sagte Joggeli »ich habe dir ja manchmal gesagt du sollest
befehlen es sei deine Sache« »Ja gesagt habt Ihr mirs wohl aber den Andern
nie dass sie mir gehorchen sollen ds Gunträri« »Du bildest dir das nur ein«
sagte Joggeli »aber du musst nicht meinen man könne da so einem den man nicht
kennt gleich das ganze Heft in die Hand geben und machen lassen als wenn
niemand sonst mehr daheim sei Meinetalb befiehl allesame nur der Frau nicht
was sie kochen soll« »Das begehre ich nicht Meister« sagte Uli »aber dem
Karrer und dem Melcher muss man befehlen dürfen was sie machen sollen und wie
man es haben will Man kann nicht in einem Stall die Ordnung haben und im andern
eine andere und einer muss dem Andern helfen Das geht bei den Herren gewöhnlich
so schlecht weil die nicht wissen wie eine Sache sein soll und daher auch
nicht befehlen können wie sie es haben wollen Es machts nun ein jeder nach
seinem Kopf So ist man hinger em Haus im Emmental vor dem Haus im Oberland und
nebendran im Seeland und zuletzt ringsum im Uflat«
Joggeli ergab sich in sein Schicksal Zwei Knechte wurden angestellt mit der
Weisung Uli zu gehorchen Der alte Karrer und der Melcher wanderten endlich in
die Weite hoffnungslos nachdem sie in der Nähe umsonst Platz gesucht Sie
fluchten nicht übel über die Falschheit der Leute Als sie noch in der Glungge
gewesen hätte sie jeder gerühmt ihnen den Kopf groß gemacht als ob jeder sie
wolle jetzt da sie zu haben wären begehre sie Keiner
Siebzehntes Kapitel
Wie Vater und Sohn an einem Knechte operieren
In der Glungge zog alles schön an einem Seile und die Mutter sagte es sei ihr
lange nicht so wohl gewesen es sei fry es ganz angers Leben und so freu es
einem auch dabeizusein Es düech se nichts so ungewohnt als wie man jetzt
melke im Stall Von den gleichen Kühen kriegten sie fast ds Halb mehr Milch Es
düech se sie hätten es ihr sonst zuleid getan dass sie selten in einem Werch
genug Milch gehabt und wenn man nicht Milch habe so wisse man gar nicht wie
die Haushaltung machen Jetzt dürfe sie die Ernte auch erwarten und die
Ankenhäfen werden ihr an der Sichelten nicht leer
Joggeli hingegen war es nicht wohl Es schien ihm immer als hätte er zur
Sache nichts mehr zu sagen Noch einmal so viel strich er auf dem Lande herum
in den Ställen suchte etwas zu sehen an dem er sich ärgern über das er balgen
konnte wenigstens vor seiner Frau Gegen Uli redete er nicht recht heraus
stichelte nur so hintenum konnte sich aber nicht enthalten hie und da das
Gegenteil von dem zu befehlen was Uli angeordnet hatte
Einst strich er auch so missmutig um einen Kornacker her um ärgerte sich
über dessen schlechtes Aussehen und hätte gerne Uli schuld gegeben aber der
hatte noch keine Hand daran gelegt Da trat der Müller zu ihm und sagte »Da
hast du einen braven Acker voll und bald Reifes Und ich möchte dich eben
gefragt haben ob du mir nicht etwa dreißig Mütte geben könntest Ich mangelte
sie sehr übel und weiß sie gar nicht zu bekommen« Joggeli und der Müller wurden
des Handels einig Da sagte der Erste »Du könntest mir einen Gefallen tun
Versprich meinem Knecht einen Neuentaler wenn er mache dass du das Korn um den
und den Preis kaufen könnest Es nimmt mich wunder was er macht Man kann
Keinem zu viel trauen wenn man schon meint man habe es getroffen so ist man
gerade am übelsten zweg« Der Müller versprach es natürlich und machte sich an
einem Abend an Uli Dieser las just einen Brief von seinem alten Meister worin
ihm dieser zusprach auszuhalten und nicht den Kübel auszuleeren Er solle nur
mit Joggeli recht reden und ihm die Sache in der Manier sagen Das sei weit
besser als den Ärger so in sich zu verschlucken da jäse dann dieser mache
einem übel und breche zuletzt unaufhaltsam und ungereimt aus dass man sich
dessen schämen müsse Er sei kein Meitschi das am Kupen am Ärger sterben
werde Darum solle er nicht mutlos werden es hätte im Leben jeder sein Bürdeli
und je eher man sich daran gewöhne das manierlich zu tragen desto leichter
komme es einem später vor Er solle nicht alles auf einmal wollen und wenn er
wieder dinge auf die Entlassung derer dringen mit denen er nicht fahren könne
Dann waren noch viele Grüße dabei und wie er bald einmal kommen solle es
blangeten alle gar grusam nach ihm Zu dem in seinen Brief Vertieften trat der
Müller setzte sich zu ihm und redete mit schönen Worten von allerlei über Ulis
Verdienste rühmte den Mistaufen und das Gras in der Hofstatt dem man es
ansehe dass es beschüttet worden sei Nach langem Vorspiel kam er endlich zum
Kornkauf Er müsse Korn haben und Joggeli könne ihm geben Aber der sei gar ein
grusam Wunderlicher und könne die Sache nie im Preis geben Zuerst wolle er viel
zu viel und hernach wenn sie ihm erleidet sei gebe er sie ums halbe Geld Er
könne diesmal aber nicht auf das Erleiden warten und doch möchte er nicht gar
zu viel bezahlen Er wisse nun dass Uli alles zu sagen habe und was er sage
das sei geredet Er solle ihm doch zbest reden und wenn er mache dass er den
Mütt um neunzig Batzen kriege so komme es ihm auf einen oder zwei Neutaler
nicht an Es sei zwar noch immer mehr als zahlt aber wie gesagt er mangle es
übel und wisse vor der Ernte es nirgends zu bekommen Uli sagte Darein mische
er sich nicht das sei seines Meisters Sache Der Müller aber gab nicht nach
zog endlich einen heraus und wollte ihn ihm in die Hand drücken Uli stund auf
und begann nun dem Müller wüst zu sagen Er müsse ein schlechter Mann sein dass
er Diensten schlecht machen wolle es müsse ihm scheints alles ums Geld feil
sein dass er meine Andere hätten es auch so Aber um eines Müllers willen wolle
er sein Gewissen nicht beladen und wenn er ihm alles Mehl geben wollte was er
in seinem Leben den Bauern gestohlen usw Das machte am Ende den Müller auch
warm und er sagte Es gebe Bauern die noch schlechter seien als die Müller mit
denen er sich noch lange nicht zusammenzähle Übrigens habe er das nicht aus
sich selbst gemacht und er habe noch niemand schlecht machen wollen »Wer hat
dir denn das angegeben« fragte Uli »He das sollte dir doch in Sinn kommen
wenn du so ein Listiger sein willst« antwortete der Müller »Öppe der Meister«
»Ich will nichts gesagt haben« antwortete der Müller »aber da solltest öppe
nicht lange fragen« Da fasste eine zornige Wehmut Uli presste ihm die Brust dass
ihm fast der Atem fehlte große schwere Tropfen aus den Augen kamen und die
geballten Fäuste stieß er geradeaus Er konnte nichts mehr sagen als »Ist das
so gemeint« und sprang hinauf ins Gaden
Der Müller schlich sich hinter dem Haus durch zur Küche und sagte dort der
Meisterin Sie solle doch hinauf ins Gaden gehen und sehen was Uli mache er
glaube es habe gefehlt und darauf erzählte er wie er ihn habe fecken sollen
und wie Uli es aufgenommen und den Meister erraten »Vreneli gang guck« sagte
sie »und komm sag dann was er macht« Zum Mann aber ging sie und sagte »Du
bist doch dr wüstest Hung hast du denn nicht an einem Male genug gehabt Du
hast den besten Knecht weit und breit und es reitet dich dr Tüfel bis du ihn
fortgesprengt« Man könne niemand zu viel trauen sagte Joggeli und weil sie an
Uli den Narren gefressen so müsse er zusehen es wüsste kein Mensch wie es
ginge wenn er nicht öppe es bitzli luegti und es könne sich ein Mensch von
einem Tag zum andern ändern Und man probiere ja jedes Ross und so wüsste er
nicht warum man nicht auch einen Menschen auf den es doch noch viel mehr
ankomme als auf ein Ross sollte probieren können »Und wenn er schon den
Neutaler genommen hatte deswegen hätte ich ihn nicht fortgeschickt aber ich
hätte dann gewusst wie weit ich ihm trauen könne oder nicht« »Aber Joggeli
glaubst du denn ein braver Bursche sei an einem Ort wo man ihm nicht trauet
wo man ihm all Finger läng eine Täsche beizt Wer ein rechtes Gefühl hat kann
nicht in einem Hause sein wo er sieht dass man eine schlechte Meinung von ihm
hat« »Du bist geng e Göhl Alti« sagte Joggeli »Heutzutag luegt man auf den
Nutzen und nicht auf die Meinung und es nähmte mich wunder wo Uli einen
größeren Lohn machen könnte Er wird sich wohl bsinnen was er macht«
Unterdessen war Vreneli hinaufgegangen und hatte gesehen wie Uli einpackte
während ihm große Tropfen über die Backen kamen und zuweilen »Dä Donner« halb
verdrückt über die Lippen kam Vreneli trat unter die Türe und fragte »Was
machst was hast« Uli antwortete lange nicht bis Vreneli näher trat und
endlich vernahm »Furt wott ih« »Das tue nicht« sagte es »es ist ja nicht dr
wert du musst dr Vetter näh wie er ist« Aber Uli sagte An Solches sei er
nicht gewohnt und habe es nie erfahren Ob das nun der Lohn sei dass er sich halb
tot arbeite und dem Meister seinen Nutzen suche wo er könne Er sehe wohl wo
das hinaus solle Zuletzt hänge ihm dä alt Donner noch einen schlechten Namen
an er begehre ihn zum Schelmen zu machen Er wolle gehen während es Zeit sei
dä Gränni könne dann sehen wo er einen Andern hernehme Er sei schon mehr als
ein halbes Jahr da und dä wüest Tüfel hatte ihm noch nie gesagt dass er
zufrieden sei »Du hast es dann auch wie die Andern« sagte Vreneli »Ich mache
die ganze Haushaltung er gibt mir keinen Lohn und ist noch imstande mir zu
sagen er hätte mich dr Gottswillen Wenn die Base nicht wäre wer weiß was ich
schon gemacht hätte Aber los tue es uns nicht zuleid du bist allen anständig
und es ist es freins Debysi und es geht alles dass man Freude daran hat Denk
nur was der Melcher und Karrer für Freud hätten wenn du auch fortgingest Sie
würden dir einen Lärm machen weit und breit wie du fortgejagt worden Du
mochtest sagen was du wolltest die Leute glaubten doch das Bösere« »Mira
chönne sie« sagte Uli »was gheit es mih so dabeisein will ich nicht mehr« Da
dröhnten die schweren Schritte und der schwere Atem der Mutter die hölzerne
Treppe auf welcher die Verhandlungen im Gaden zu lange gegangen waren »Es ist
gut kommst du Base« sagte Vreneli »du kannst ihm nun selbst sagen er solle
nichts Einfaltes machen Er will absolut fort« »Das sollst du mir nicht« sagte
die Alte »Was haben wir dir zuleid getan« »He Ihr nichts« sagte Uli »Ihr
wäret mir gar recht aber der Meister ist wüst gegen mich und trauet mir nichts
will mich zum Schelmen machen und bei einem Solchen bleibe ich nicht my armi
« »Verred dich nicht Uli« sagte die Alte »Denk es ist ein alter Mann man
muss Geduld mit ihm haben du wirst einmal auch froh sein wenn man Geduld mit
dir hat Das soll nicht mehr geschehen ich verspreche es dir und wenn wir dir
etwas tun können so sag es nur es soll nicht Nein sein« »Ihr könnt lang
versprechen« sagte Uli »ich weiß wohl dass das nicht Euer Wille ist aber für
Euren Mann könnt Ihr nicht gut sein« »Wohl das kann ich dann nadisch wenn es
sein muss er muss mich dann zZeiten auch noch fürchten aber er soll selbst noch
kommen und versprechen dass er dich künftig mit Beizen und Fecken ruhig lassen
will Vreneli geh und sag ihm er solle heraufkommen« Aber Vreneli hatte einen
sehr harten Stand Joggeli sagte das wäre das erstemal dass er vor einem Knecht
würde anekneue das tue er nicht Wenn Uli ds Wüstest machen wolle so könne er
aber anhalten tue er nicht Vreneli sagte »Aber Vetter Ihr seid doch zuerst
wüst gegen Uli gewesen wenn Ihr mirs so machtet ich lief auch fort« »Würdest
aber bald wieder kommen wenn dir niemand nachliefe« sagte Joggeli »Das ist
noch die Frage« sagte Vreneli »aber Uli kommt nicht wieder das kann ich Euch
sagen und wer soll dann ernten« »He nu so sag myr Alte sie söll ihm anhalten
und öppe ein paar Batzen in die Hand drücken so wird er sich schon
niederlassen« »Base hat Euch schon manchmal gut gemacht« sagte Vreneli »aber
dasmal macht es sich nicht damit Uli will fort wenn Ihr ihm nicht versprechet
dass so etwas nicht mehr geschehen soll und dann könnt Ihr sehen wie es gehen
wird in der Ernte während jetzt ja alles wie am Schnürchen lauft« »Gell es
ging dir am übelsten wenn Uli fortging du könntest dann nicht mehr mit ihm
desumeschleipfe« »Vetter ich schleipfe mit niemand desume aber Ihr seid dr
wüstest Mann wo es gibt Ihr müsst doch afe ein Nichtsnutziger gewesen sein
dass Ihr niemand trauet Aber macht meinetalb was ihr wollt was gheit mich dr
Uli und was gheits mih wenn ds Korn auf den Äckern bleibt«
Damit war Vreneli verschwunden umsonst rief ihm der Vetter nach Er nahm
nun seinen Stecken ging langsam hinaus rief seiner Frau Als die nicht
Bescheid gab kam er immer näher an Ulis Gaden bis seine Alte ihm sagen konnte
Er solle hinaufkommen sonst gehe es nicht gut Das sei ihm doch ein Lärm um
nichts sagte Joggeli er könne gar nicht begreifen was er da tun solle und
warum Uli so dr Gring mache das sei ihm afe dr wert Er hätte es ja nicht böse
gemeint und nur wissen wollen woran er sei und dazu habe er das Recht das
lasse er sich nicht nehmen »Du hättest doch afe Ursache gehabt dem Uli
zglauben« sagte seine Frau Er hätte auf dem Glauben nicht viel sagte
Joggeli er wolle seine Sache lieber gewiss haben Wenn einer so viel betrogen
worden sei in seinem Leben wie er er nähmte dann die Sache auch genauer Es sei
immer alles unter einer Decke gegen ihn er nehme niemand aus Das sei schon
lange gewesen und werde immer so bleiben bis er die Augen zutue Darum begehre
er nicht mehr dabeizusein sagte Uli er sehe wohl dass er ihm nie trauen werde
und er möge nicht an einem Orte sein wo Keines dem Andern traue Ja sagte
Joggeli da könne er weit laufen ehe er einen Ort finde wo alles einander
traue Darum solle er nicht so wüst tun Fecken wolle er ihn nicht mehr das
wolle er ihm gesagt haben Aber er solle dann deshalb nicht meinen er hatte
nicht zwei Augen im Kopf Es müsse sich ein Mensch immer etwas zu furchten
haben der Teufel gehe ja umher wie ein brüllender Löwe und suche wen er
verschlinge Diesmal sei aber er der Tüfel gewesen der ihn habe verschlingen
wollen und das sei wüst von ihm sagte Uli He er wolle es nicht mehr tun
sagte Joggeli er solle jetzt zufrieden sein er selbst sei auch zufrieden und
es wäre ihm zwider wenn er wieder um einen neuen Knecht aus müsste und er
glaube erfände kaum einen bessern Die Leute seien neue heutzutage nichts mehr
wert Wenn man sie schon übergülden wollte so finde man sie nicht wie man sie
suche »He« sagte die Frau »wir sind alle arme Sünder und du bist auch kein
Engel Aber gät jetzt enangere dHäng und hört uf branzen Uli du hast gehört
mein Mann will das nicht mehr tun und komm jetzt herab ich habe ein Kaffee
zweg du musst auch ein Kacheli nehmen Man wird erst recht mit einander
zufrieden wenn man mit einander isst und trinkt bsunderbar ein Kacheli Kaffee«
Uli auch an den Brief seines Meisters denkend ließ sich dazu verstehen ward
wieder zufrieden Joggeli tat auch zufrieden bei sich selbst aber dachte er
seinem Weibervolk müsse er aufpassen das könne es viel zu gut mit Uli wenn das
so fortgehe so sei er verraten und verkauft
Die Ernte kam mit all ihren Anforderungen Zur Erntezeit treffen mehrere
Arbeiten zusammen Die Kirschen sind reif Flachs Werch wollen gezogen besorgt
sein Es beginnt auch an manchen Orten schon das Strauchen Lewatsäen usw Es
ist kein Werch wo so das Ganze ins Auge gefasst die Zeit benutzt die Arbeiter
verteilt sein wollen damit allem sein Recht geschieht nichts zuschanden geht
wie die Ernte In derselben wird recht eigentlich die Tüchtigkeit des Landmannes
gefeckt Fast allemal in der Ernte hatte Joggelis Frau das Gallenfieber gehabt
Entweder war niemand da der ihr kirschen wollte als die Spatzen das Werch
überreifete oder man ließ es an den Haufen heiß werden den Flachs vergaß man
entweder zu ziehen oder auf die Roosse zu führen und auf der Roosse zu kehren Für
nichts hatte man Zeit Wohl aber konnte man ganze halbe Tage ums Haus herum
drehen und werweisen ob man an dieses hin wolle oder an jenes Und während man
für dieses die Zeit zu kurz fand für jenes zu lang verrann die Zeit und es
blieb keine mehr als für zu essen und zu Bette zu gehen
Nun ging die Sache anders Uli hatte alles im Auge und daher auch für alles
Zeit Jeder Augenblick wurde benutzt jeder Arbeiter wusste was er zu tun Hatte
man nicht mit dem Korn zu schaffen so wusste man schon im voraus woran man
musste verlor mit Stotzen Fragen Werweisen keine Zeit Es wurde auch nicht
gezankt nicht die Last von Einem zum Andern geschoben denn sie war gleichmäßig
verteilt daher fühlte sich niemand gedrückt Die Arbeit ging aus den Händen
fort man wusste nicht wie und der Meisterfrau lachte ununterbrochen das Herz im
Leibe wenn die Körbe mit Kirschen kamen Flachs und Werch in schönen Spreitenen
vor ihr sich ausdehnten dort hängte man den Flachs nicht an Schatten ehe man
ihn räffelte Hingegen Joggeli trippelte gar unruhig umher er dachte nur ans
Korn hatte Angst man versäume dasselbe und konnte gar nicht begreifen wie
das zuging dass man an allem sein konnte und doch das Korn auch einkam und zwar
so dass sie die Sichelten mit den andern Leuten am gleichen Samstag haben
konnten Sonst war es der Brauch dass man sie in der Glunggen acht oder vierzehn
Tage später hatte Und Joggeli meinte sich noch damit Er sagte »Mir hei se
erst über acht Tag aber es ist sich nichts zu verwundern kurzi Haar sy bald
bürstet« Er wollte es da her fast ungern haben als er mit den Andern fertig
war Die Leute werden meinen dachte er er vermöchte nicht mehr so viel
anzusäen als sonst Die Leute wussten aber wohl woher es kam
Die Sichelten ist einer der Haupttage im Bauernleben Einem armen Tauner und
seinem Weibe welche das ganze Jahr durch die Erdäpfel sparen müssen und kein
Brösmeli Fleisch sehen ist eine Sichelten an der Wein zwei oder dreier
Gattig Fleisch und Küchleni genug sind wirklich ein Tag aus dem tausendjährigen
Reich auf den sie sich das ganze Jahr durch freuen und traurig seufzen wenn er
vorbei ist Der Geizigste schämt sich an diesem Tag zu schmürzelen und wenn es
ihn schon reut er verbirgt es Es liegt auch eine Art von religiösem Gefühl
oder wenn man will eine Art von Aberglaube zugrunde Es ist eine christliche
Opfermahl zeit Der Geber alles Guten hat wiederum seine Hand aufgetan den
Fleiß des Landmanns gesegnet den Schoss der Erde gesegnet da kömmts auch dem
Härtesten dass er Gott Dank schuldig sei etwas opfern solle Er rüstet eine
Mahlzeit gibt ungezählt die Küchleni weg an der Küchetüre und lässt essen und
trinken eine Nacht und einen Tag lang seine Leute seine Söhne und Knechte und
Mägde und den Fremdling der bei ihm wohnet so viel ihr Herz gelüstet Wo die
rechte alte Freigebigkeit noch vorwaltet da heißt man nicht nur die welche in
der Ernte gearbeitet haben kommen sondern noch Andere die durch das Jahr
durch für das Haus gearbeitet haben Und weit und breit wird erzählt wie einst
einer einen Arbeitsmann auf der Stör gehabt habe an einem Samstag der am Abend
mit aller Arbeit fertig geworden wäre Am Mittag sei er zu ihm gegangen und habe
ihm gesagt er wolle mit ihm abschaffen sie könnten ihn jetzt entmangeln
Darauf habe jener gesagt es sei ihm zwider jetzt fortzugehen so verliere er
einen halben Tag und bis am Abend wurde er fertig »Nein sag du nur was ich
dir jetzt schuldig bin wir können dich entmangeln Ich will dirs fry sagen
warum diese Nacht haben wir die Sichelten da haben wir neue nicht Platz für
dich Komm dann eher morgen e Rung wieder wennd gern willst«
Ist dieser Opfertag vorbei dann liest der Geizige die Brosamen zusammen
tut sie sorgfältig an Schatten und schließt Kisten und Kästen für ein Jahr lang
zu
Freilich muss es dem Landmann an diesem Tage wohl zu mute sein Es hat ihm
der Herr für ein Jahr das tägliche Brot beschert sein Fleiß ist gesegnet
worden seine Kinder dürfen nicht Hunger leiden und seine Frau kann wieder Arme
speisen Dürstende tränken in behaglicher Fülle sitzet er Da kann ihm wohl
sein es ist ihm erlaubt Aber Essen und Trinken sollten doch nicht das einzige
Opfer für Gott sein nicht die einzigen Dankeszeichen Der Herr hat die
eingeernteten Früchte ein ganzes Jahr durch gesegnet und behütet kann man ihn
wohl mit einem einzigen Tage abspeisen Sollte man für diesen Herrn nicht auch
das ganze Jahr hindurch ein Herz im Leibe tragen das in Dankbarkeit fruchtbar
ist das nie vergisst dass ohne den Willen des Herren kein Haar von unserm Haupte
fällt und dass jedes Wort und jeder Gedanke vor ihm offenbar ist und dass wir die
Armen allezeit bei uns haben und nicht nur an der Sichelten
In der Glunggen war das auch ein sehr festlicher Tag und nichts wurde
gespart Viele Menschen genossen ihn da und aus dem Anken der verküchelt
worden war seit die Glungge bestund hätte man wohl einen Murtensee machen
können An diesem Tage wenn auch das ganze Jahr nie kam der Sohn mit seiner
Familie von Frevlingen wo er sein Wirtshaus hatte und tat sich gütlich an den
väterlichen Küchlene Er tat wie einer der gerne hätte man meine er sei
vornehm er setzte den Hut auf die Seite hatte die Hände in den Hosensäcken
oder schlenggete die Arme und machte ein Gesicht wie wenn er die sieben
Haimonskinder samt ihrem Rosse Bayard lebendig gefressen hätte und sagte allem
»Bunschur Bunschur« Seine Frau war ein Häpeli und Zipperynli und sagte
»Merci« Sie war eine reiche Tochter gewesen und hatte gelernt zu schlottern
wenn sie etwas anrühren sollte Sie zog sich prächtig an aber alles blampete an
ihr herum wie an einem Geisselstecken Sie tat sehr meisterlosig ein
Hähnelifecken war das Gemeinste an dem sie schleckete Sie gebärdete sich sehr
vornehm aber das gemeinste Stüdi war ihr gut genug um ihm zu rühmen wie reich
sie sei und wie vornehm wenn es ihr nur zuhören wollte Sie hatten drei Kinder
in denen Vater und Mutter verschmolzen waren Sehr hoffärtig waren sie
angetoggelt und machten sehr freche Gesichter Kehrum schrie eins und dann
schrie der Mann »Wer macht mr dKing geng zbrülle Ih will de luege ob das
geng so gah müess« Und sie sagte »Schwyg ume schwyg du musst dann eine Feige
haben und ein paar Mandlen dazu« Hatte dieses das erhalten so schrien die
andern bis sie auch hatten Sagte die Mutter »Jetzt hab ich keine mehr« so
fingen alle drei zu schreien an Dann fluchte der Vater Warum sie auch nicht
genug mitgenommen hätte sie mache es immer so Aber sie sollten nur schweigen
beim nächsten Krämer wolle er kaufen bis sie genug hatten Die Knaben hießen
Edewarli und Ruedeli das Mädchen aber Karelini
Joggeli hatte immer ein heimlicher Schrecken wenn die kamen er wusste wohl
warum indessen meinte er sich doch mit ihnen Die Alte hatte eine recht
mütterliche Liebe zu ihrem Sohne und eine noch größere zu seinen Kindern
indessen klagte sie sie kämen ihr gar so fremd vor und wenn sie fortfuhren so
leichtete es ihr allemal denn sie wusste nach zwei Tagen schon nichts mehr zu
essen zu geben dass es ihnen recht war Elisi hatte rechte Freude wenn sie
kamen Elisi und die Schwägerin Trinette ehemals Trini zeigten einander ihre
Kostbarkeiten und Eins redete herrscheliger als das Andere von seinen
Krankheiten und Eins tat dummer als das Andere mit seinen Manieren Glaubte nun
Elisi Meister zu sein mit den Kostbarkeiten und Krankheiten und Manieren so
hatte es große Freude und ließ Trinette ungern ziehen und plärete und wollte
nicht Adie machen Ward aber Trinette Meister und hatte schwerere Hafte oder ein
sydigeres Tschöpli mehr Krämpfe gehabt oder eine längere Badefahrt gemacht
eine vornehmere Mauggere ersonnen oder zümpferere Schessti so plärete Elisi
solange sie noch da waren versteckte sich und kam erst wieder zum Vorschein
wenn Trinette schon im Schärbank war Da lächelte Elisi dann hatte Handschuhe
an an denen die Fingerspitzen abgehauen waren ein schönes weißes Nastuch in
der Hand eine Stündelikappe auf dem Kopf glitzerte von lauter Gold und Silber
sagte »A revoir« und »Bon voyage« und wenn der Kohli zog so sagte Elisi Es
sei froh dass sie endlich fort seien der Bruder sei ein Grobian Trinette hätte
mauvais goût und die Kinder de mauvaises manières Es möchte keinen Mann
pfitusig Aber wenn es einen bekommen sollte so möchte es keine Kinder
pfitusig Aber wenn es deren bekommen sollte und man wisse ja was man hasse
müsse man haben so wollte es die ganz anders erziehen sie müssten ihm nicht so
dicke Knüderen sein und so verfrorne Nasen haben und rote Schuhe sie müssten ihm
schlanke Tournure haben und feine Gesichter und gwixte Stifeli Es würde sich
schämen mit solchen groben Tätschen spazieren zu fahren
Vreneli sprach selten ein freundlich Wort solange der Besuch da war Sie
behandelten ihns nicht wie eine Dienstmagd sondern mit recht eigentlicher
Verachtung höchstens versuchte der Sohn einige handgreifliche Späße an ihm
auszulassen Zudem ärgerte es ihns wie sie die Alten auszubeuten suchten auf
jegliche Weise und ihnen doch alles nicht gut genug war Trinette konnte nicht
genug erzählen wie viel sie von Hause erhielte und wie sie es gar nicht machen
könnten wenn ihre Eltern nicht so viel geben würden Dann wusste sie zu sagen
dieses hätte ihr der Vater gegeben und jenes die Mutter und als sie das
letztemal bei ihnen gewesen hätte ihr der Vater sechs Neutaler gegeben und die
Mutter zehn und Beide ihr gesagt wenn sie etwas mangle so solle sie nur
kommen wo das gewesen sei sei noch mehr Natürlich wollte dann die gute Mutter
auch nicht die Letzte sein rückte auch aus fast über Vermögen und bekam kaum
ein Dankeigist dafür
Die Kinder waren in allem verdarben alles und wehrte man ihnen das
Geringste ab so sagten sie einem entweder wüst oder schrien wie angeschossene
Seekälber Der Sohn trieb seine Sache dagegen ins Große Bald kaufte er dem
Vater eine Kuh ab und zahlte sie ihm nie oder brachte ein lahmes Ross und nahm
das beste mit vorgebend das eine zurückzusenden das andere holen zu lassen
vergaß es aber oder er musste einen Wechsel zahlen den ein Weinherr auf ihn
gezogen und war nicht überflüssig im Gelde und der Vater sollte ihm
vorschiessen erhielt es aber nie wieder Irgend eine dieser Schräpfeten ging
allemal vor wenn er da war dabei behandelte er Vater und Mutter als dumme
Bauernleute mit souveräner Verachtung nicht viel besser als zwei Geldseckel zu
denen man Sorge trägt solange Geld darin ist Er brachte es allemal als einen
Tageswitz heim nach Frevligen wie er seinen Alten abermals zu Ader gelassen Er
wunderte sich diesmal gar sehr über die Ordnung die er in der Glunggen antraf
Die schön glatten sauberen Bäume aufgebunden die jungen der stattliche
Mistaufen die Aufgeräumteit allenthalben trotz der Ernte fielen ihm alsobald
in die Augen Als er sein Pferd in den Stall begleitete wie üblich wunderte er
sich noch mehr über die Reinlichkeit darin und die schönen wohlbesorgten Pferde
und ärgerte sich dass er diesmal kein lahmes mitgebracht Nicht weniger gefiel
ihm der Kuhstall und absonderlich die junge Kuh die Uli in Bern gekauft die
jetzt zu kalben stand und wenigstens drei Dublonen mehr wert war als vor drei
Monaten so gut hatte sie getan »Ätti was fangst du an in deinem Alter« sagte
der Sohn »fangst erst jetzt recht an dich zu rühren Hast die schönste War und
es ist allenthalben wie an einem Sonn tage« »Gefällt es dir« sagte Joggeli
kurz Aber die Mutter konnte sich nicht enthalten zu sagen »Wir haben einen
gar guten Meisterknecht der nimmt sich der Sache an wie wenn sie sein wäre
und versteht alles wohl wie ein alter Bauer es ist jetzt auch eine rechte
Freude dabeizusein« Der Sohn sagte auch nicht viel darauf aber er trappete
mehr als sonst auf dem Lande herum sah das letzte Korn laden und einführen
ging durch die Matten dass der Alte sagte Er könne nicht begreifen was der
Johannes habe er laufe allenthalben herum und gschaue alles so wohl ob er wohl
meine er könnte den Hof vielleicht bald erben Aber er sei sich noch nicht
Sinus bald da dänne und es hätte schon mancher Alte mit jungen Beinen Äpfel ab
den Bäumen geworfen Nicht dass er das begehre aber nur so zu sagen
Als es dunkelte sollte die Sichelten angehen aber man hatte seine liebe
Not die Leute herzuzubringen Vreneli krebsrot von Kücheln und Kochen den
ganzen Tag war zuletzt zornig und sagte Die Tüfels Schnürfline hätten den
ganzen Tag schon die Finger geschleckt bis zu den Achseln und noch bas hingere
und jetzt wollte sich Keiner dafür halten Keiner sich herbeilassen so könne
man nicht anrichten nicht mit der Sache ab Weg und dann am Morgen sei Keiner
vom Tisch wegzubringen und hockten da wie angebränntet Man musste diesem
nachschicken und jenem und am Ende war doch noch jemand nicht da den man bei
den Ohren hätte herbeireissen sollen
Da war eine gelbe Safferetsuppe in mehreren Kacheln auf dem Tische wo das
Brot so dick eingeschnitten war dass man auf eine Kachel hätte knien können
ohne dass das Brot ein Dümpfi bekommen hätte Dann kam Rindfleisch grünes und
dürres Speck Schnitze Küchleni von drei Arten alles hoch aufgebyget und
einige mäßige Flaschen stunden auf dem Tisch und für alles war kaum Platz dass
die Auftragenden oft in der größten Verlegenheit waren wo abstellen Spatzen im
Hirse muss es wohl sein aber die wissen doch noch lange nicht wie es einem an
einem Sicheltentisch ist der unter seinen Lasten sich biegt und unter dem man
seine Beine gar nicht zum Stillehalten bringen kann weil sie auch hinauf
möchten und sehen was da oben so herrlich riecht
Und doch war es nicht allen gut genug dort Ds Elisi und Trinette mochten
nicht zu den groben Leuten und Speisen Im Stübli war ein besonderer Tisch
gedeckt auf dem war roter Wein waren Fische an einer Sauce und Zuckererbse und
Braten von Kälbern und Tauben gebackene Fische Hamme und Kuchen Züpfen statt
Brot und ein Kännchen voll süßen Tees für die Liebhaber und Dessert den die
Wirtin seit der vorjährigen Zehntsteigerung aufbewahrt hatte Die Kinder gingen
von einem Tisch zum andern taten immer an einem Tisch wüster als am andern bis
sie endlich zu voll von Speise und Trank wie wüste kleine Teufelchen zu Bette
gebracht werden mussten Ds Elisi und Trinette erzählten einander was sie alles
erleiden möchten was nicht rümpften über alles die Nase und sagten was ihnen
dies mache und was jenes das Eine blähte sie und das Andere lag ihnen sonst im
Magen das Eine ließ sie nicht schlafen das Andere brachte ihnen das Toggeli
das Eine schlug ihnen in die Augen das Andere in die Ohren das Eine verstopfte
sie das Andere machte ihnen den Durchlauf Unterdessen aßen sie von dem was
sie verstopfte und was ihnen Durchlauf machte das musste sich ja gegenseitig
aufheben und auch dem Trinken sah man ihre Kränklichkeit eben nicht sehr an
Johannes hielt sich nicht lange am Familientische auf sondern machte sich
bald hinaus zum Gesinde und blieb dort bis der Morgen grauete und alles die
Betten suchte Er gab sich besonders mit Uli ab setzte ihm zu mit Trinken gab
ihm Tabak und führte mit ihm Gespräche über allerlei dass es Uli vorkam der
Wirt von Frevligen sei nicht halb so hochmütig als man ihn verschreie Am
meisten aber verwunderte sich Uli als derselbe schon morgens früh in den Stall
kam wo er alleine hantierte während die andern Knechte noch schliefen
»So bist du schon zweg und alleine« sagte der Wirt »He ja« antwortete
Uli »Die War hat gestern nicht Sichelten gehabt und hart arbeiten müssen da
wäre es nicht billig wenn sie länger auf ihr Fressen warten müsste« »Es denken
aber nicht alle so« sagte der Wirt »und darum habe ich dich etwas fragen
wollen Weißt du was komm du zu mir ich hätte einen Platz für dich wo du
wenigstens zehn Kronen höher kommst als hier und all Tag musst du deinen Wein
und dein Schnäfeli Fleisch haben« »Aber was sagt der Meister wenn Ihr mich
abdinget« »Was geht das dich an« sagte der Wirt »da lass du mich sorgen Du
bleibst doch nicht lange da mein Alter ist viel zu wunderlich und misstreu er
kann niemand behalten Bei mir ist das ganz anders ich bin viel nicht daheim
und meine Frau ist ein Pflartsch da muss ich einen Knecht haben dem ich alles
anvertrauen darf Und wenn mir einer anständig ist so hat einer bei mir einen
Posten wie im ganzen Land keiner mehr ist er kann es haben wie ein Herr Komm
du sollst dich nicht reuig sein Sä da hast du einen Neutaler Haftgeld«
»Behaltet nur Euer Geld« sagte Uli »das macht sich nicht so geschwind Ich
habe diesen Augenblick nichts zu klagen vor vier Wochen wäre es anders gewesen
Man ist gut gegen mich besonders die Meisterfrau und dann halte ich nichts
darauf weiterszugehen wenn es einem an einem Orte wohl ist« Der Wirt ließ
nicht nach mit Drängen man hörte Geräusch am Brunnen Uli sagte endlich er
wolle sich besinnen Er musste versprechen in vierzehn Tagen den Bescheid zu
geben Als sie aus dem Stall traten ging eben Vreneli mit einem Züber Wasser
ins Haus
Am Mittag ging Essen und Trinken von neuem an nur Elisi und Trinette taten
schmächtig klagten über allerlei und taten als ob sie kein Brösmeli
hinunterbringen könnten packten aber doch unvermerkt ziemlich ein Im
Nachmittag reiste der Besuch wieder ab nachdem Johannes noch einen neuen
schönen Fünfbätzler dem Uli in die Hand gedrückt und mit den Augen bedeutsam
zugewinkt hatte Die Großmutter sah dem Schärbank lange nach und sagte endlich
»Die Kinder sind mir lieb aber wüst tun die doch es hat keine Gattig die
müssten mir noch anders drässiert sy wenn ich immer um sie sein sollte« Drinnen
sagte sie zu Vreneli »Dr Johannes macht doch je länger je mehr dr Groß denk
doch het dä schiessig Narr nit dem Uli einen neuen Fünfbätzler zTrinkgeld gä«
»Er wird wohl wissen warum er das getan hat« sagte Vreneli »Dr Herr wott er
mache u zeige dass er weiß was unter dr Herrschaft dr Bruch syg das wott er«
sagte die Alte »Nein Base« sagte Vreneli »er will noch etwas anderes ich
darfs Euch fast nicht sagen aber es ist ein wüstes Stücklein vom Johannes
Diesesmal hat er den Vetter weder um ein Ross noch um eine Kuh gebracht aber den
Uli will er ihm ab dingen darum hat er ihm auch das Trinkgeld gegeben« »Was
du nicht sagst dä Uflat« sagte die Alte »Wenn man den eigenen Kindern nicht
mehr trauen darf dann ist doch nicht mehr dabeizusein Johannes Johannes was
bist du doch für ein Umönsch Aber seine Frau ist schuld daran sie macht ihn
so er ist allbets doch nicht so gewesen Aber woher weißt du das« »Ich holte
am Morgen früh Wasser es wollte aber keine Jungfrau auf Da war Johannes der
sonst bis um zehn im Bett liegt schon bei Uli im Stall das wunderte mich
Während mir das Wasser in den Züber lief loste ich der Sache ab und hörte wie
Johannes Uli drängesilierte und ihm einen Neutaler Haftgeld geben wollte« »Uli
hat er ihn genommen« »Nein er stellte sich recht brav ich hätte es nicht von
ihm geglaubt Sie hörten mich wahrscheinlich und brachen ab ich vernahm nur
noch wie Uli vierzehn Tage Bedenkzeit nahm Aber ich glaube wenn der Vetter
ihn zur rechten Zeit frägt ums Dableiben so werde es keine Not haben« »Er hat
mich schon manchmal fast wild gemacht« sagte die Alte »Er will die Diensten
nie fragen er meint es sei an ihnen Aber seit wann frägt ein rechter Knecht
selbst Dann sagt er sie arbeiteten viel bräver ehe man sie gefragt habe
Sobald man sie einmal wieder für ein Jahr gedungen sie des Dienstes sicher
seien so werden sie ganz gelassen und sie dächten es hatte es wieder für ein
Jahr ob sie nun etwas mehr oder etwas weniger arbeiteten« »Ja« sagte Vreneli
»dr Vetter nimmt immer alles in eine Wid und weil er die guten wie die
schlechten hält so kommt er nie zu guten« »Er muss den Uli noch heute dingen«
sagte die Alte »Aber verratet mich nicht dass ich es gehört sonst hingt mir
der Vetter wieder ein Schlemperlig an er trauet mir auch nicht mehr als dem
ärgsten Mönsch« ermahnte Vreneli
Die Alte suchte ihren Eheherrn und brachte ihm vor »Denk ume o was dr
Johannes für e Uflat isch wott er is nit dr Üli abdinge« Joggeli tat nicht
halb so verwundert sondern meinte etwas müsse der Johannes immer verüben
entweder ihm etwas abstehlen oder abschwatzen er sei von Jugend auf so gewesen
aber er sei nicht schuld daran Darauf wollte er wissen wie seine Frau die
Sache vernommen Natürlich bekannte sie bald dass sie es von Vreneli habe »Ich
kann dir nicht sagen Frau« sagte Joggeli »wie mir das Meitli zwider ist es
hat seine Nase in allem innen und hinten und vornen heissts immer nur Vreneli
Vreneli Das hat ein Gschleipf mit dem Uli zahl darauf Was hätte es so früh
beim Stall zu tun gehabt wenn es ihm nicht hätte nachstreichen wollen Aber
zähl darauf sobald ich darüberkomme so jage ich es fort Es hat schon Schande
genug in die Familie gebracht es soll nicht noch mehr bringen die wüste
Täsche« Dann könne er selbst die Haushaltung machen sagte seine Frau Das sei
nicht reche dass Vreneli jetzt alles ausessen solle Es hätte ihnen zGutem
wollen und jetzt wolle er es schlecht machen Wenn sie von allen verraten und
verkauft würden so sei er selbst schuld daran Sobald eins ihnen einen Dienst
erweise so hänge er ihm etwas an statt ihm zu danken »Aber mach meinetalb
was du willst me isch umen e Göhl we me dir zGuetem will«
Joggeli bedachte sich die Sache wohl und sie ging ihm im Leibe herum wie
ein Wurmpulver
Achtzehntes Kapitel
Wie eine gute Mutter viel Ungerades gerade viel Böses gut macht
Am Abend ging Uli den Kirschbäumen nach um zu sehen wo noch gekirschet werden
müsse unversehens war Joggeli bei ihm Nachdem sie allerhand verhandelt sagte
Joggeli
Die Ernte sei gut gegangen die Arbeit gut gelaufen nur müsse er nicht
meinen dass man dem Weibervolk alles machen müsse woran es sinne das Korn sei
die Hauptsache der andern Sachen hätte man sich nicht zu achten wenn es nur
mit dem Korn gut gehe Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm da etwas
geben Er drückte ihm einen Neutaler in die Hand Uli dankte sagte aber doch
Es sei ihm nicht wegen dem Weibervolk und er wisse wohl dass das Korn die
Hauptsache sei aber er meine man müsse alle Sachen achten und womöglich gar
nichts Schaden leiden lassen Er hätte ihn auch gleich fragen wollen ob er
gedenke zu bleiben fragte Joggeli Er wisse nicht recht was er sagen solle
es sei ihm zu wider fürers aber er sei auch nicht gerne an einem Orte wo man
nicht mit ihm zufrieden sei ihm nicht traue Wenn er wüsste dass noch etwas der
Art geschehen würde wie letzt hin so wollte er gleich gehen antwortete Uli
Er hatte es ja gehört sagte Joggeli dass er zufrieden sei und so wolle er ihm
gleich noch einen Neutaler Haftpfennig geben Er hätte es sonst nicht im Brauch
wenn er wieder dinge aber am Ende vermochte er es so gut als Andere Er wolle
lieber seine Neutaler selbst brauchen wie er wolle als Andere mit seinen
Neutalern ihm Streiche spielen lassen Da dachte Uli an diesen Morgen und sagte
Wer ihm das schon wieder gesagt habe »He Uli« sagte Joggeli »es ist denen
immer am mindesten zu trauen wo vorwärts am meisten schlecken und einem
nachstreichen So machen es gewöhnlich die falschen Katzen die geben einem
hinterrucks den Talpen« und damit höpperlete Joggeli an seinem Stecken gegen
Üfligen zu wo er gerne an einem Sonntage seinen Schoppen nahm
Die letzten Worte warfen Uli einen Stachel ins Herz er wollte fast er
hätte den letzten Neutaler nicht genommen Wem sollte er nicht trauen Wer hatte
ihm den Talpen gegeben Doch wohl Vreneli Das war vom Brunnen weggegangen
musste allem an die Verhandlungen gehört haben Er hatte es mit allen gut
gemeint niemand etwas zuwider getan und glaubte sich namentlich mit Vreneli in
einem gewissen zutraulichen Einverständnisse ohne alle Liebe Die Bezüglichkeit
die mehr oder weniger zwischen einem hübschen Burschen und einem hübschen
Mädchen welche in einem Hause wohnen entweder anziehend oder abstoßend
stattfindet merkt man oft lange nicht Aber Vreneli war im Hause was Uli außer
dem Hause sie konnten einander viel zuwider viel zu lieb tun Uli hatte nun
geglaubt das Letztere getan zu haben weil es auch der Meisterleute Nutzen war
dass sie einander in die Hand arbeiteten und gemeinsam das Gemeinsame förderten
Ulis schlichter Verstand begriff wohin es kommen muss wenn ein Departement
hieaus will das andere daaus und die Departemente ungefähr das vorstellen am
Staate was die unbändigen Hengste an einem Verbrecher der zerrissen werden
soll Uli hatte in dieser Beziehung mehr gesunden Verstand als manches
Departement in corpore zum Beispiel als gegenwärtig das Departement des
Auswärtigen in Paris
Nun war also Vreneli falsch an ihm und verklagte ihn hinterrücks das tat
ihm weh Er hasste das Kesslerwesen wo immer Feindseligkeit herrscht bald die
Einen verbündet sind und bald wieder die gestern Verbündeten als Feinde sich
gegenüberstehen er war daran nicht gewohnt
Je länger die Sache ihm im Herzen wurmte desto ärgerlicher wurde er er war
oft darauf und daran den Haftpfennig wiederzugeben und express zu Johannes zu
gehen Natürlich war er dabei mürrischer als sonst hatte sein fröhliches
Aussehen nicht war einsilbig über Tisch ließ hier und da einen Trumpf fliegen
und tat manchmal als hörte er etwas nicht das ihm gesagt wurde Die Mutter
fragte mehr als einmal »Was hat doch auch Uli er ist ganz ein Anderer was ist
ihm über den Weg gelaufen oder wer hat ihm etwas zuleid getan« Es wusste
niemand etwas Sie fragte Joggeli Ob er ihm etwas getan und ob er ihn
eigentlich gedinget oder nicht Der lächelte und sagte Sie solle nicht Kummer
haben es sei alles im Reinen Sie sagte Vreneli was doch wohl das sei und es
solle mit Uli reden Aber Vreneli sagte Das tue es nicht Es hätte Uli nichts
zuleid getan und doch sei er gerade gegen ihns am wüstesten Wenn es ihm etwas
sage so tue er als höre er es nicht und handkehrum lasse er etwas fliegen
das ein Trumpfsein solle aber es wisse nicht auf was Sie solle selbst mit Uli
reden es schicke sich für sie am besten So sei allerdings ein langweilig
Dabeisein und es wollte lieber das währte nicht zu lange
Die Mutter ging einmal wieder zur Kirche es war ein Ereignis zu Üfligen
Die gute Mutter hatte so viel zu sehen die Kanzel war neu angestrichen worden
einige Bänke hatten Lehnen bekommen junge und alte Menschen waren da die sie
nicht kannte dass die Predigt aus war ehe sie daran dachte Sie hätte ihr
Lebstag noch nie so kurze Zeit in einer Predigt gehabt sagte sie es müsse ihr
künftig wahrhaftlich mehr gegangen sein Der Pfarrer könne es wie Schnupf nur
mache er es wohl kurz sagte sie Nach der Predigt ging sie zum Krämer kramete
allerlei unter anderm auch ein seidenes Halstuch mit schönem Rande
Als sie heimkam wartete alles mit Verlangen auf sie zum Essen denn die
gute Frau hatte gar lange beim Krämer sieh aufgehalten Dort war ja fast noch
mehr zu sehen als in der Kirche dazu musste man noch märten und konnte darüber
ein noch manches fragen das man in der Kirche gesehen Sie konnte sich nicht
satt erzählen von ihren Genüssen während diesem Morgen und sagte auch Das müsse
ihr künftig wäger fleißiger in die Kirche gegangen sein Wenn der Pfarrer nur
nicht so exakt läuten ließe sie glaube sie ginge alle Sonntage
Nachmittags als das Volk verflog sah sie unvermerkt nach Uli wo der
hinginge Als sie ihm nach einiger Zeit in sein Stübchen folgte fand sie ihn in
der Bibel lesend »Du siehst ja nichts hier« sagte die Frau »warum kommst du
nicht mehr hinab in die Stube Du tust seit einiger Zeit so wunderlich ich kann
mich nicht auf dich verstehen und sonst wäre ich so zufrieden mit dir Du hast
mir so schon zum Flachs und zu den Kirschen gesehen und deswegen habe ich dir
nur so als ein Zeichen ein Halstuch gekramet aber jetzt möchte ich auch wissen
was du hast Hat dir jemand etwas in den Weg gelegt oder dich aufgereiset oder
was ists« Das hätte sich nicht gebraucht sagte Uli das Halstuch mit
Wohlgefallen betrachtend er hätte nichts Apartes gemacht »Aber was dublest
was hast dann« He so wolle er es geradeaus sagen Böse sei er über Vreneli
Das hätte ihn nicht gebraucht beim Meister zu verrätschen und anzuschwärzen als
Johannes ihn hätte dingen wollen er hatte sich dessen nichts vermocht und
nichts gesagt was nicht alle Leute hätten hören dürfen aber was es dazu
gelogen habe das wisse er nicht »Wer hat dir gesagt dass Vreneli dich
angeschwärzt« sagte die Frau »Das ist gar nicht wahr« »Es wird doch wohl wahr
sein« sagte Uli »der Meister hat es selbst gesagt freilich nicht gerade
heraus aber er hat es merken lassen dass man es mit dem Zwilchhändschen greifen
konnte« »Er ist doch geng der wüstest Hung verzeih mir Gott meine Sünde«
antwortete die Frau »Vreneli hat ihm ja gar nichts gesagt sondern bei mir den
Johannes verklagt und dich noch gerühmt dazu du bist aber auch nicht der
Witzigist dass du gleich alles glaubst Du weißt ja wie er ist Du solltest
doch wohl sehen dass Vreneli dir nichts in den Weg legt sondern dass du ihm gar
anständig bist« »Was weiß man« sagte Uli »es ist sich bös auf das Weibervolk
zu verstehen und es ist doch auch traurig wenn man dem Meister nicht glauben
darf« »Was willst« sagte die Frau »es ist einmal so und ich meine wenn man
wolle so sei es sich auf das Weibervolk besser zu verstehen als auf das
Mannenvolk von dem sagt man ja es sei falscher als Galgenholz Und dann möchte
ich auch wissen wer den Heiland verraten hat ob ein Mann oder eine Frau Sei
wieder zufrieden aber sage es dem Vreneli nicht was du gehabt es hassete sonst
meinen Alten noch mehr als jetzt täte wüst mit ihm und bekehrte ihn doch nicht
Er ist ehemals nicht so gewesen aber seit alles ihn betrügen will und an ihm
saugen ist er so miss treu geworden und trauet keinem Menschen mehr Herr Ises
selbst mir nicht Anfangs han ih pläret dass es mir den Kopf fast
obenabgesprengt Ich habe gemeint das müsse nicht sein das könne ich nicht
leiden Aber so nach und nach habe ich mich darein ergeben ich weiß jetzt
nichts anderes mehr und ich lebe doch und ich will es gerade heraus sagen
nicht böser als ehemals Wo das nit gsi isch da isch öppis angers gsi Öppis
muess me geng ha ists nit das so ists öppis angers und das ist geng am
schwersten wo me grad het Da kommt es nur darauf an ob man sich darein
schicken kann oder nicht und ob man annehmen kann was man nicht wehren kann
das ist dKunst Uli das lass dir gesagt sein an allen Orten ist etwas und
Meiner ist noch nicht der Böste Wenn du immer bleibst wie du bist so hast du
ihn ja nicht zu scheuen und er plagt sich am meisten selbst Er hat mich
manchmal duret dass ich pläret ha seinetwegen Ich habe gedacht er müsse viel
mehr leiden seinetwegen als kein anderer Mensch Mit den Meisterleuten müssen
die Dienste auch Geduld haben es haben ja alle Menschen ihre Fehler Aber sag
doch dem Vreneli nichts ich glaube es liefe fort oder sagte meinem Alten wüst
Es ist ein freines Meitli aber Solches verträgt es nicht und kann dann wüst
tun dass es einem übel gruset« Uli versprach es und die Meisterfrau hatte im
Treppeabgehen eine Ausrede bei der Hand für das fragende Vreneli Als der Friede
wieder kehrte die Spaltung aufhörte welcher der Alte mit Freuden zugesehen
hatte wunderte er sich sehr aber er fragte mit keinem Worte Ebenso wenig
verriet ihm seine Frau dass sie ihm über seine Schliche gekommen und den
Friedensstifter gemacht Diesmal ging alles so diplomatisch zu dass selbst Louis
Philipp sich darob verwundert hätte
Nun lief die Arbeit wieder freudig fort wie gesalbet Denn wenn man einig
ist und zufrieden die Gemüter so geht alles ds Halb ringer und es tat not es
war sehr viele Arbeit Aber eben wenn am meisten Arbeit ist dieselbe fast über
den Kopf wachsen will so bemächtigt sich ein gewisser Hast eine Ungeduld des
Menschen Die lässt sich an den Umgebungen an den Mitarbeitenden aus die werden
böse hinterstellig und der Schleiftrog ist untergeworfen
Der Herr hatte die Bäume gesegnet dass man fast nicht wusste wo mit diesem
Segen hin Es war viel Mist viel Land bedurfte desselben es war also viel
anzusäen Wildes strubes Land kriegte man unter den Pflug das doppelter Arbeit
bedurfte Nun war man aber in der Glunggen wie schon gesagt an ein Hacken
gewöhnt das dem Nidle ab der Milch Nehmen gleicht Man schürpfte nur das Gras
obenab die zähe Furche und das darin befindliche Wurzelgeflecht blieb
unverhauen das Samkorn fand keinen mürben uneingenommenen Boden zum Wurzeln
und zur Nahrung daher mageres schlechtes Korn trotz allem Misten Zu gleicher
Zeit wurde der Pflug nicht tief geführt trotzdem dass es in der Glunggen nicht
steinichter Boden war So musste der Boden unfruchtbar werden Tiefer gefahren
besser gehackt musste er werden wenn es eine gute Ernte geben sollte Dazu es zu
bringen hatte Uli Mühe man war der Sache halt nicht gewohnt Es grusete
Joggeli als er die dichte Reihe der Hacker sah als Uli sechs Haupt vorspannte
statt sonst nur viere als der rohe wilde Boden an die Sonne gekehrt ward Das
sei ja die dümmste Sache von der Welt sagte er halblaut vor sich hin die gute
Erde zu verlochen und die böse magere obenfürzumachen so mache man ja den
Boden express wieder mager wenn man den Mist unteren fahre dass er ganz gegen
Amerika hinunterkomme und dort hervorgewässert werde während man in den
schlechten wilden Boden pflanze Das könne unser Lebtag nichts geben das komme
doch jedem Kind in Sinn Glücklicherweise ging er mit seinem Sohn ins
Welschland um Wein zu kaufen oder vielmehr um für den Sohn zu zahlen was
dieser kaufte Er musste also freie Hände lassen und war ganz verwundert als er
zurückgekehrt die junge Saat so schön erronnen sah im reingemachten Acker Man
werde es aber im Hustagen sehen dachte er wie das komme der größte Teil werde
im Winter dahintenbleiben
Indessen war vergnüglich eingeherbstet worden denn wieder hatte man früher
angefangen als Andere Nichts musste unter dem Schnee hervorgeholt werden man
fand Zeit bei schlechtem Wetter unter Dach zu bleiben und fand dort auch immer
Dinge zu tun welche die Arbeit draussenförderten Das Wetter mache freilich
viel sagte die Mutter aber sie wisse Herbste wo das Wetter noch schöner
gewesen sei und doch sei man später fertig geworden und habe nicht so viel
angesäet und nicht so viel Mist auszutun gehabt Da sehe man dass man selbst
auch etwas zwingen könne Freilich wenn das Wetter danach sei so könne man
nichts zwingen im sechzehner Jahr stund der Hafer noch um Weihnacht draußen
aber sie wisse Leute die nicht fertig würden und wenn der Herbst bis Fasnacht
dauern wurde Die meinten es sei eine Sünde wenn sie nicht etwas den ganzen
Winter draußen ließ Kartoffeln Rüben Rübli oder sollten es nur die
Bohnenstecken sein
Die Matten kamen in Ordnung Gräben Wühre wurden aufgetan der gewonnene
Schlamm aufs Land geführt ja Uli schlug sogar noch das Tonen vor in der nassen
Matte Tonen sind nämlich tiefe Graben im Boden die nachher wieder zugedeckt
werden welche das Wasser sammeln und abfuhren so dass die Oberfläche
austrocknet und fruchtbar wird Solchen Tonen hat man viele tausend Jucharten
gutes Land zu verdanken und noch viele konnten sie gut machen Freilich können
sie nur da angewendet werden wo Fall ist Das kam Joggeli aber zu streng vor
Sie wollten doch nicht alles auf einmal machen sagte er es sei das andere Jahr
auch noch ein Jahr Und dann sei es Zeit das Dreschen anzufangen sonst werde
man ja bis Ostern damit nicht fertig Wenn man Zeit finde so könne man im
Frühjahr sehen aber alles zunteroben zgheien sei ihm nicht anständig Es gebe
nur Kosten und man wisse nicht was dabei herauskomme So redete er Bei sich
dachte er noch die Leute müssten doch nicht meinen dass dem Uli alles allein in
Sinn komme und dass man in der Glungge nur auf ihn gewartet habe um solche
Sachen zu machen Der Bursche würde ihm nur zu übermütig er mache jetzt schon
wie wenn alles sein wäre und wie wenn vor her niemand da daheim gewesen wäre
Ja Joggeli rühmte noch den andern Knechten Was sie wurden gesagt haben wenn
sie noch den ganzen Winter hätten tonen müssen Uli hätte wollen Er aber hätte
es doch besser mit ihnen gemeint als sie hinter eine solche Arbeit zu reisen
wo alle Kleider drufgiengen Uli könne notti nicht alles zwängen er sei selbst
immer noch Meister und das komme ihnen noch manchmal wohl Er hätte noch mehr
Verstand als Mancher der es doch eigentlich mit ihnen halten sollte
Begreiflich fanden die Knechte die Rede des Meisters sehr erbaulich
Alle Extraarbeiten sind den meisten Knechten zuwider weil die laufende
Arbeit doch getan also strenger und fleißiger gearbeitet werden muss Gar manch
Knechtlein verlässt seinen Platz wenn es eine solche Arbeit kommen sieht
»Machen sie es meinetalb wenn ich fort bin« sagt es »ich aber wollte ein
Narr sein mich da halb zu töten und meine Kleider drufzumachen Da kann ein
Anderer den Schleck haben« Diese Sucht nichts Ungewohntes zu machen geht so
weit dass Viele wenn sie nur die geringste nicht täglich vorkommende Arbeit
machen sollen den Kopf aufsetzen poltern fluchen aus dem Dienst laufen
Daher kommt es auch dass so Viele die geringste Handbietung dem weiblichen
Geschlechte verweigern und nie Ohren haben für einen Befehl oder Wunsch der
Meisterfrau Das gibt die Leute die nicht aus dem Trapp zu bringen sind die
sich nie weder anstrengen können noch anstrengen mögen die mit der gelassensten
Lauheit dem Elend zuwandern im Elend sich wälzen Allerdings sind viele
Meisterleute da daheim dass sie mit wenig Diensten das Unmögliche erschinden
wollen Und wie das Kamel sich weigert aufzustehen wenn man ihm zu schwer
aufgeladen so wer den übernutzete Diensten halsstarrig und weigern sich des
Dienstes Diesen kann man es nicht verübeln Nun aber verbreitet sich von diesen
aus die Halsstarrigkeit nach und nach über die ganze Klasse und wenn einmal ein
Dienst schwitzen muss so schreit er Zetermordio und wenn er einmal ermahnt
wird schnell zu machen sich zu schicken so wirft er den Bündel vor die Füße
und begehrt auf wie ein Häftlimacher Du mein Gott was soll aus Menschen
werden die sich nicht schicken können nicht schicken wollen die wo es immer
möglich ist vier Stunden an einer Sache machen welche in zwei leicht abzutun
wäre Das gibt die armen Leute Sie strafen sich also selbst und da erwahret
sich das Sprüchwort wieder dass Untreue den eigenen Herren schlägt Da entsteht
die böse Gewohnheit von der wir schon gesprochen haben und die Rührigkeit
welche durchs Leben hilft vergeht
Gar viel besser als Andere waren Joggelis Knechte nicht und wenn man schon
dem Meister es verübelt und flucht und täubelet wenn er etwas extra vornimmt
so mussten sie es dem Mitknecht noch weit böser aufnehmen dass er eine so wüste
Arbeit ihnen aufsalzen wolle Sie fluchten nicht nur über den Werchteufel den
er im Leibe habe und der ihm und Andern nie Ruhe lasse sondern sie suchten
hinter seinem Fleiß und Eifer der ihnen so ungewohnt vorkam Gründe und zwar
eigennützige und selbstsüchtige Es ist dies ein eigentümlicher tiefliegender
Zug im Volke Im Fragenbuch heißt es alle unsere guten Werke seien mit Sünden
befleckt und Paulus sagte all unsere Gerechtigkeit sei wie ein unflätig Kleid
Diese Aussprüche haben allerdings ihren guten Grund in unserer Natur Gar zu oft
regt der äußere Nutzen uns zu einer guten Tat an und wenn wir auch aus innerem
schönem Triebe etwas Gutes vollbracht so kommt hintendrein gezogen die
Eitelkeit der Stolz und Übermut und beschmutzt die Tat Das sind die
Befleckungen der guten Werke Nun nimmt das Volk diese Befleckungen obgleich
die Meisten der eigenen sich nicht bewusst sind so allgemein als sich von selbst
ergebend an dass alsobald sobald man etwas Gutes sieht nach den Flecken
gespürt wird Und je weniger man sich selbst innerer guter Triebfedern bewusst
ist um so mehr sucht man nach den äußern Befleckungen nach eigensüchtigen
äußern Beweggründen die zum Guten angespornt Je eifriger einer zum Beispiel
der Uneigennützigkeit sich ergibt und mit raschem Hervortun für Andere lebt um
so eifriger wird man ihn der geheimen Eigennützigkeit zeihen und verdächtige
Absichten ihm zudichten Die unwillig gewordenen Knechte begnügten sich daher
nicht mit bloßem Fluchen und Sticheln sondern sie suchten nach den Triebfedern
von Ulis Tun und die glaubten sie mit leichter Mühe gebunden zu haben Sie
wüssten wohl was der Narr meine aber er habe den Bären noch nicht im Sack Er
wolle sich wert machen hätte Flausen im Gring und meine da Bauer zu werden
Aber das komme nicht nur auf das Schlärpli an und die alte Stürme da predige
dann noch ein Anderer Diesem allgemeinen Satz reihten sie eine Menge
Einzelheiten an und jeder wusste neue dazuzufügen samt neuem Spott und neuem
Hohn
Neunzehntes Kapitel
Eine Tochter erscheint und will Uli bilden
Ds Elisi hatte nämlich großes Wohlgefallen an Uli und tat recht dumm mit ihm
Schon im Winter hatte es dasselbe gefasst und wenn des Sonntags nachmittags
Uli allein in der Stube war so machte sich Elisi an ihn kramte ihm alles aus
und er musste raten und bewundern so dass es Uli recht erleidete in die Stube zu
kommen Die bessere Jahreszeit unterbrach diese Konferenzen da bekam ds Elisi
Längizyti Es hatte ein halb Dutzend Blumentöpfe Die hatten bisher monatelang
ruhig an einem Ort stehen können wenn Vreneli sie nicht der Sonne oder dem
Regen nachtrug Nun waren sie ihm nie am rechten Ort Uli stund selten vom Essen
auf dass ds Elisi ihm nicht sagte er müsse ihm seine Meienstöcke fürerstragen
das Vreneli trüge gar keine Sorge zu ihnen es ließe sie je eher je lieber
zugrunde gehen Und selten kam Uli so schnell fort als er wollte er musste bald
an diesem bald an jenem schmöcken und wenn er fort wollte so kam es Elisi in
Sinn an einem andern Ort wären sie noch besser und er musste sie noch einmal
weitertragen und noch an einem schmöcken welcher das vorige Mal übersprungen
worden war Saßen die Knechte am Abend auf dem Bänkli vor dem Stalle so kam
Elisi mit einer Giesskanne zum Brunnen und tat so ungeschickt und schüttete sich
Wasser in die Schuhe bis Uli ging und half während die Andern tapfer lachten
und ziemlich unverhohlen über das Schlärpli spotteten Regnete es oder waren ihm
die Meien sonst nicht im Kopf so trippelte es doch da herum ja einigemal nahm
es sogar eine Lismete in die Hand und spazierte damit den Schopf auf und ab
weil es seine kalten Füße erwärmen müsste wie es sagte
Ja einmal im Emdet legte es sein Schaubhütli auf zog lange Handschuhe an
schob zwei Paar Bracelets daran herauf nahm sein Sonnenparesöli und ging
hinaus als sie mit dem Wagen Emd holen wollten Uli musste ihm einen Rechen
auslesen und nun fuhr Elisi mit der einen Hand das Sonnenparesöli haltend mit
der andern den Rechen in die Matte sich schrecklich gebärdend über den harten
Sitz auf dem Wagen und dessen jämmerliche Stöße In der Matte wollte es Uli der
Heu auf den Wagen gab nachrechen das ging aber nicht Erstlich fing sich ihm
der Rechen immer im Grase dass es ihn nicht loskriegen konnte zweitens konnte
es nicht rechen und zugleich das Paresöli halten und die Sonne schien doch so
heiß Elisi setzte sich daher auf den Wagen mit seinem offenen Paresöli Es war
eine schwere Aufgabe für den Lader den Wagen gehörig zu laden bei dem darauf
sitzenden Elisi das kein Glied machen konnte das wenn es etwas Platz machen
sollte Brülle ausliess dass es den Schwalben welche den Wagen umflogen fast
gschmucht wurde Er musste es hin und herheben samt seinem Paresöli wie ein
kleines Kind Ringsum in den Matten stunden die Leute still als sie das
Parisöli auf dem Heufuder sahen wussten zuerst nicht was das war denn so etwas
hatten sie noch nicht gesehen und lachten sich dann fast tot als sie unter dem
Parisöli auch das Elisi wahrnahmen Als das Fuder höher und höher wurde war es
in einem beständigen Kreischen und wollte doch nicht herab Als es auf dem
schwankenden Wagen heimfuhr hörten die »Herr Jeses Herr Jeses Ach heit mih
heit mih dr tusig Gottswille« nicht auf Endlich war man glücklich im Tenn
aber nun fing die Not erst an Elisi durfte weder hinten dem Wellenseil nach
hinunter noch vornen über das Fürgstütz Der Vater und die Mutter kamen heraus
als sie das Geschrei hörten und als die Letztere ihre Tochter mit dem Parisöli
schreiend auf dem Fuder sah sagte sie »Du Tüfels Göhl was kommt dir doch in
Sinn Hat man unser Lebtig e sellige Göhl mit dem Parisol uf enem Heufuder
gesehen« Joggeli begehrte mit der Mutter auf dass sie jetzt hintendrein balge
sie hätte vorher wehren sollen dass es nicht gehe jetzt mache sie ihm nur
Angst Diese war in der Tat groß Uli hatte hinten ans Fuder eine Leiter
angestellt und Elisi sollte auf die hinaustreten und da hinunter Aber Elisi
stund zitternd auf dem Fuder das offene Parisöli in der Hand und allemal wenn
es den Fuß hob schrie es »Herr Jeses Herr Jeses Heit mih heit mih ih
fallen abe« Endlich sagte Joggeli Das tue nichts so Uli solle hinauf und
Elisi holen es sei aber dumms von ihm dass er Elisi einmal da hinauf gelassen
er hätte wohl denken sollen das komme so Uli ging die Leiter auf und wollte
Elisi die Hand bieten Aber Elisi schrie noch ärger Da ging er aufs Fuder und
wollte Elisi hin aus auf die Leiter heben damit es auf derselben allein
hinuntergehen könne da schrie aber Elisi geradeaus als ob man es am Messer
hätte Es blieb Uli endlich nichts übrig als Elisi auf den Arm zu nehmen wie
ein kleines Kind und so es zu tragen Das ließ auch Elisi sich gefallen und
hielt sich so wacker an Ulis Hals dass er ganz braun und blau den Boden
erreichte Solange Elisi lebte bildete diese Heufahrt seine Hauptgeschichte
Wenn man es erzählen hörte was es da ausgestanden und erlebt so stunden einem
fast die Haare zu Berge und man kam zur Überzeugung dass was der Kapitän Parry
auf seiner Nordpolexpedition erlebt nur Kleinigkeiten seien gegen das was
Elisi von der Matte bis ins Tenn erfahren Daneben behandelte es Uli handkehrum
wieder mit gar mächtigem Hochmut antwortete ihm so wenig als den andern
Diensten wenn er guten Tag oder gute Nacht wünschte hielt ihm vor er rieche
nach dem Kühstall führte ihn aus über seine rauen großen Knechtenhände
konnte sich aber denn doch nicht enthalten mit seinen mageren bleichen Händen
daran herumzufingerlen
Uli war dieses sehr unangenehm ohne dass er eine weitere Bedeutung darein
setzte Er meinte das gehöre zu den Eigentümlichkeiten und Meisterlosigkeiten
des verzogenen Kindes Er war damit geplagt und wurde von den andern Diensten
ausgeführt Indessen benahm er sich anständig denn es war immerhin die
Meisterstochter während hingegen die Andern das Mädchen zum Narren hielten oder
es so rücksichtslos verhöhnten besonders wenn sie zu Weihnacht aus dem Dienst
wollten dass es gar oft heulend und schreiend vor seinen Alten Klage führte und
sich ins Bett legen musste sich gebärdend fast wie ein wirbelsinnig Kind
Joggeli nahm dann seinen Stecken und höpperlete weiters Die Mutter sprach zu
es solle doch nicht so plären es sei doch nicht dr wert gab ihm Tropfen und
wenn es weit kam so ging sie hinaus und putzte dem Sünder ab dass er inskünftig
ihr Meitschi rüeiig lasse Dagegen erhielt sie gewöhnlich zur Antwort Dass man
Elisi gern rüeiig lasse aber es solle dann in der Stube bleiben und brauche
nicht zu ihnen zu kommen und anzufangen Man sei doch nicht dafür da sich von
einem Sellige das auf der Himmelswelt nichts sei kujonieren zu lassen
Dem Elisi kam es auf einmal in Kopf es wolle seinen Bruder besuchen es
wusste niemand warum Es war eine unmussige Zeit Der Vater wollte es nicht
führen man wollte es ihm ausreden aber ds Elisi fing an zu plären zu
schnopsen als ob es ersticken wolle bis es endlich hieß Uli solle es morgen
führen Nun kam es nach und nach zu sich selbst tat Kästen und Schäfte und
Kommoden auf und füllte die ganze Stube mit seinen Herrlichkeiten und rief das
ganze Haus zu Rate mit was es die Trinette ärgern könnte Dem Uli war die Reise
nicht anständig er ging nicht gerne zu Johannes und auch hörte er den Spott
seiner Mitknechte nicht gerne die sich lustig darüber machten dass er mit der
Meisterstochter im Lande herumfahren könne Zudem schien ihm Vreneli puckt und
mutz gab ihm kurzen Bescheid und warf seine Schuhe die er zum Salben brachte
gar unsanft in eine Ecke Diese Unfreundlichkeit mühte Uli doch und er hätte
gerne gewusst woher sie stamme aber er hatte keine Gelegenheit zu fragen Als
er am Morgen erschien schön angetan mit dem Halstuch das ihm die Meisterfrau
gekramet da warf es ihm spöttische Blicke zu und sagte ihm er hätte wohl
angewendet aber er werde gedacht haben Helf was helfen mag aber dem Elisi
möge er doch nicht nach Allerdings erschien dieses gar schön und glitzerig
umbunden und aufgezäumt mit allem Möglichen zwei Jungfrauen hinter sich von
denen jede ein Pack mit Kleidern trug und hintendrein die Mutter mit einer
Drucke worin noch eine Kappe und die Mänteli waren die nicht verdrückt werden
durften Es wollte freilich den andern Tag wiederkommen aber es sagte man
wisse nie was es gebe und es sei einem nicht wohl wenn man sich nicht
wenigstens zweimal anders anziehen könne Als der Zug durch die Stube war
ergriff Vreneli die Katze und trug sie einige Schritte nach mit der Frage auf
der Zunge ob es die nicht auch noch mitnehmen wolle Doch besann es sich eines
Andern setzte die Katze wieder ab ging zurück und drückte trübe Augen ans
angelaufene Fenster
Uli hatte sich voraufgesetzt im verdeckten Sitz saß vergnügt ds Elisi Es
versuchte sobald das Haus im Rücken war mit Uli zu reden aber das wilde junge
Ross fesselte dessen Augen so dass er nicht rückwärtssehen seine Antworten nur
so abgebrochen über die Achsel geben konnte Da wurde ds Elisi ungeduldig und
einige Regentropfen gaben ihm den Vorwand den Uli zu heißen auf den Sitz zu
kommen Er machte Umstände allein da er endlich den Regen und seinen Hut
bedachte so setzte er sich neben ds Elisi Nun war diesem recht wohl neben Uli
und es sagte ihm mehrere Male er solle sich nur nicht so in den Ecken drücken
sie hätten gar wohl Platz nebeneinander sie seien ja Beide noch nicht so dick
wie der Vater und die Mutter und die müssten doch auch Platz haben Die Mutter
sei auch nicht immer so dick gewesen wie jetzt sie hatte manchmal gesagt sie
sei zu ihrer Zeit noch dünner gewesen als es Es werde ihm auch schon bessern
der Doktor hätte ihm schon manchmal gesagt wenn es einmal einen Mann habe so
werde es schon wieder rote Backen bekommen Es sei das schönste Kind gewesen wo
man hätte sehen wollen Die Leute seien allbets bei ihm stillgestanden und
hatten die Hände ob dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt »Nei aber wie ist
das doch ein Kind So ein schönes haben wir noch nie gesehen« Es besinne sich
gar wohl daran Noch wo es ins Weltschland gekommen sei sei nit mengs schöners
Meitschi im Kanton gsi Backen hatte es gehabt wie gmalet und eine Haut so
glatt man hätte sich können darin luegen wie in einem Spiegel Wenn es allbets
sys Gitarrli an einem rot und schwarzen Bändel umgehängt habe und vor dem Hause
auf und ab spaziert sei und schöne Lieder gespielt und gesungen habe zum
Beispiel»Im Aargäu sy zweu Liebi und die händ enandere gern« oder »Üsi Chatz
und ds Herre Chatz hei enandere bisse« so seien ganz Kuppele Weltsch um es
gestanden und hätten ihm flattiert es hätte nur brauchen Ja zu sagen so hätte
es zehn für einen haben können von den Vornehmsten wo im Weltschland seien und
so schön so schön dass man hier nichts so sehe Das seien dort andere Leute als
hier Da sei es aber krank geworden und hätte wieder heim gemüsst und da sei man
gar wüst gegen ihns gewesen es hätte arbeiten sollen wie öppe eine gemeine
Bauerntochter und Speise hätte es brauchen sollen so wie sie andere Leute auch
hätten wie sie aber kein Hund im Weltschland fresse der leicht meisterlosig
sei Seiter hätte es es könne es wohl sagen keine gesunde Stunde gehabt aber
es werde ihm schon noch bessern Darauf erzählte ds Elisi seine ganze
Krankengeschichte dem Uli die dauerte bis sie das Städtchen vor sich sahen wo
ds Elisi noch kramen wollte
Da ließ es halten und sagte dem Uli es regne nicht mehr er solle wieder
voraufsitzen die Leute würden sonst nicht wissen was das gegeben habe dass es
mit dem Knecht im Schesli hocke und könnten ihm einen wüsten Lärm machen den
es nicht begehre Das stach Uli in die Nase und schweigend setzte er sich
vorauf Im Wirtshaus machte sich ds Elisi ganz breit ließ sich nicht übel
aufwarten nachdem es doch auch an Uli gedacht und befohlen hatte dass man ihm
einen Schoppen gebe und etwas Weniges zu essen öppe es Mümpfeli Fleisch und es
Brösmeli Gchöch und aß nur vom Besten Rindfleisch nahm es keins deren hätten
sie daheim alle Tage sagte es und vom Gemüse dass es deren keins gegessen
seit ihm der Herr erlaubt es treibe ihm den Bauch gar auf und vom Kalbfleisch
wollte es wissen dass es zu fett mache und im Weltschland in den Häusern wo
man leicht vornehm sei esse man gar keins Hingegen den Fischen Tauben
Hähnelinen sprach ds Elisi munter zu als ob es gedroschen hatte Es kramete
tüchtig und sagte in jedem Laden es wolle seinen Knecht schicken die Sache zu
holen »Wo ist mein Knecht« frug es sobald es wieder im Wirtshause war »Mein
Knecht muss mir das holen mein Knecht soll anspannen« So ging es an einem fort
bis sie endlich wieder zum Tor aus waren
Kaum dachte Elisi nun könne vom Städtchen aus sie niemand mehr sehen nicht
einmal mehr der Sigrist im Turm oder der Landjäger im Schloss so zog es ein
rotes Nastuch hervor und sagte Uli es hätte ihm auch etwas gekramet er solle
sehen Er begehre nichts sagte Uli er könne es sonst machen »So sieh doch«
sagte Elisi Er hätte nicht Zeit sagte Uli er müsse auf das Ross sehen Er
solle halten und hereinkommen befahl Elisi Er sei wohl da sagte Uli es
könnte es ja jemand sehen »Bist höhn Uli Bis doch recht nit höhn« sagte
Elisi »Was kann ich dafür Üserein muss tun was dr Bruch ist we me nit will
vrbrüllet werde Gmein Lüt heis gar chumlig es git niemer druf acht was si
mache sie chönne mache was es sie achunt es seit niemere nüt aber üsereim
passt alles uf Bis doch recht nit höhn sunst han ih kei Freund meh« So bat
befahl jammerte weinte endlich Elisi bis Uli hineinging aus Angst Elisi
möchte etwas Ungattlichs anfangen Nicht weit von Frevligen hielt er aber von
selbst und wechselte stillschweigend seinen Platz
Frevligen ist ein großes Dorf in ebenem Lande reich an Feldern und Wäldern
eine Heerstraße zieht sich durch dasselbe und schöne Bäche bewässern es viel
Reichtum ist dort aber auch viel Übermut Die Leute können notdürftig lesen und
schreiben haben Bildung darum sind sie auch grenzen los einbildisch Weil sie
vom A bis Z alle Buchstaben geläufig kennen so meinen sie sie kennten auch
alle Dinge im Himmel und auf Erden sprechen daher mit weiten Nasenlöchern den
Hut auf der Seite und die Hand am Geldseckel über himmlische und irdische Dinge
ab dass Funken davonfahren als ob die sieben Weisen Schnuderbuben gegen sie
wären und jeder von ihnen eine lebendige herumwandelnde Universität mit allen
vier Fakultäten und den sieben freien Künsten im Leibe Und wenn sie zufällig
eine Tabakspfeife im Maul haben dann will ich niemand raten ihnen zu
widersprechen Jupiter mit Blitz und Donner in beiden Händen im Begriff
Städte Länder zu zerschmettern muss ein lieblich Mieneli gemacht haben mit dem
Gesicht verglichen das ein Frevliger macht wenn er eine Tabakspfeife im Maul
hat und Widerspruch vernimmt Die Flüche entströmen ihm nicht einzeln sondern
dutzendweise und die »Himmelsdonner« und »Dr Tüfel soll mih näh« hängen
aneinander wie Fröschmalter und je gebildeter er sich glaubt um so länger und
um so grässlicher flucht er dass einem dünkt er sei nicht bloß eine lebendige
Universität sondern auch eine lebendige Dampfmaschine die Flüche fabriziert en
gros Wenn sie von weitem eine Wahrheit hören seis nun eine religiöse oder eine
medizinische eine politische oder juridische so blähen sie sich dagegen auf
mit Schnauben und Tabak als ob sie Schwefel unter der Nase fühlten Wenn ihnen
aber ein halb witziger Gumi oder ein am Verunglücken begriffener juridischer
oder medizinischer oder politischer Spekulant die sinnlosesten Unwahrheiten die
wüstesten Lästerungen vorplaudert so tut es ihnen wohl durch den ganzen Leib
sie strecken wohlbehaglich die Beine von sich aus und wohl Einer oder der
Andere steht auf schlägt auf den Tisch und brüllt indem er Maul und Augen
aufreisst dass sein ganzes Gesicht nur ein Loch scheint »Dä het jetzt auf meine
armi türi Himmelsgottsseel recht dä vrfluecht Millionstusigsdonner« Diese
Leute sind ein fürchterlicher Beweis von einem menschlichen Zustande in welchem
man nur Lügen zu lieben zu glauben imstande ist sie beweisen die Wahrheit der
Worte dass nur wer aus der Wahrheit ist ein wahrhaft Gemüt in sich trägt
Wahrheit begreifen lieben und glauben kann Wer diese psychologische Wahrheit
im Auge behält der kann sich gar manches Rätsel im Staatenleben erklären und
gar manche Erscheinung mit der er sonst nichts zu machen wusste wird ihm
deutlich Wenn der widerlichste wüsteste selbstsüchtigste Lümmel mehr Glauben
mehr Anhang findet als der auf richtigste Menschenfreund so weiß er was da
einzig trösten kann
Als sie dort vor das Wirtshaus fuhren worin Johannes der Wirt war so kam
der Stallknecht das Pferd abzunehmen Kinder stunden vor dem Hause aber
bewegten sich nicht Gesichter fuhren vom Fenster weg und zeigten sich nicht Ds
Elisi stund da vor dem Wirtshaus in grüner Seide mit halb verfrornem Gesicht
wie ein Krautblatt im Winter und Uli packte aus Pack um Pack die ihm niemand
abnahm Als endlich alles ausgepackt das Pferd längst im Stall war wanderten
sie der Haustüre zu bei den Kindern vorbei die sie mit großen Augen
anglotzten die liebe Tante weder mit Gebärden noch Worten begrüßten sondern
sich herumschlenggeten und den Rücken wiesen wenn man sie anreden wollte
Endlich als sie unter der Haustüre waren kam Johannes durch den Gang und
grüßte zärtlichst seine Schwester »Bunschur Bunschur Was Donners kommt dir
jetzt in Sinn dass du zu uns kommst An dich hätten wir jetzt nicht gesinnt Wo
Donners wottst du hin mit deinen Bünteln« Den Uli grüßte er vertraulich und
hätte ihm sogar die Hand gegeben wenn Uli eine freie gehabt hätte Ds Elisi
sagte es hätte Längizyti gehabt und es hätte es düecht es möchte einist zu
ihnen zDorf cho »Dr Vater und dMuetter lassen dich grüßen« Somit hatte
Johannes eine Stube geöffnet wo die honetteren Reisenden eintraten und ds
Elisi hineingeführt Uli legte seine Packs ab und ging Johannes ihm nach
sagend er wolle es seiner Frau sagen dass es da sei Die aber hatte Elisi wohl
gesehen Johannes brauchte es ihr nicht zu melden Er ging Uli nach der zu
seinem Ross sehen wollte sprach mit ihm des Langen und Breiten darüber zeigte
ihm dann seine Pferde und Kühe und machte ihm zwischendurch Vorwürfe dass er
nicht zu ihm gekommen er hätte ein ander Leben bei ihm haben sollen als er in
der Glunggen habe wo ein ewig Gchär sei und man es nie treffe bald zu wenig
bald zu viel mache Unterdessen saß ds Elisi alleine in der Wartstube sah sich
zuerst die greulichen Helgen an welche an den Wänden hingen zu großer Erbauung
manches Kindbettimannes der nie etwas Gemaltes gesehen als die Wegweiser die
Kirchenzyt und Hochzeitschäfte und tröge Nachdem es diese und endlich alles
andere angesehen was in der Stube war so fing es an auszupacken und Trinette
kam noch immer nicht und niemand offerierte dem Elisi etwas nicht einmal etwas
Kaltes verschweige etwas Warmes Trinette machte nämlich die Toilette So wie
sie war an diesem Nebeltage mit angelaufenem Mänteli und Fingern ohne Gufen
und Ringe in Schuhen ohne Hinterstück und Kittel ohne Häfte einer gemeinen
Haarschnur und wohlfeiler Ärgäuer Scheube wollte sie sich vor Elisi das sie
schön seiden gesehen nicht zeigen Während nun Trinette sich sträubelte und
aufzäumte blies Elisi unten Trübsal und nahm sich allerhand vor was es tun und
sagen wolle Mitten in den besten Entwürfen rauschte Trinette heran und sagte
»Bonsoir Elise es freut mih dih zseh« und Elisi sagte »Merci Trinette
ich ha glaubt mi heig mih ganz vrgesse« Trinette entschuldigte sich dass sie
noch mit der Näherin zu tun gehabt die ihr das check zu einem neuen Tschöpli habe
nehmen müssen und sie habe geglaubt der Mann sei da Unterdessen musterten die
beiden Schwägerinnen einander mit Kenneraugen von oben bis unten und während
Trinette in stolzer Freude diesmal dr Däche zsy Elisi Erfrischungen anbot
der Köchin und der Stubenmagd Befehle gab sagte Elisi es möchte in ein Stübli
sich anders anzuziehen Es hätte für die Reise das Leidest angezogen wo es
gehabt Es sei nicht gewohnt in solchen Kleidern zu sein und möchte sich auch
öppe anziehen wie es der Brauch sei Gäb was nun Trinette einwandte Elisi sei
ja so de bon goût angezogen wie wenn es grad aus dem Weltschland käme setzte
es Elisi doch durch dass man ihm eine Stube anwies und eine Magd ihm alles
nachtrug Drunten wurde nun auf getragen allerlei Gutes die Köchin musste
Strübli machen und der Johannes sollte Neuenburger holen im Keller tat aber
nur Roquemoore in eine Neuenburgerflasche und sagte für sich »Was wissen doch
die was Neuenburger ist Roquemoore tuts denen zwee Gäuggle wohl«
Endlich erschien Elisi und diesmal nicht grasgrün sondern schön
himmelblau mit brodiertem Mänteli großer Gufe goldener Uhrenkette Haften am
Kittel wie Zwanziger und Göllerketteli die es ganz vorniederzogen und deren
Blämpel mit Gold ausgelegt waren Es war eine helle Pracht wie das funkelte und
so neu und schön aussah Trinette ward ganz grün und gelb vor Neid und war auf
dem Punkte die Strübleni abzusagen Indessen besaß sie sich doch und rühmte
Elisis Pracht aber stichelte dabei Wie es gar kommod sei hoffärtig zu sein
wenn man noch bei Vater und Mutter sei da möge es alles erleiden Wenn man aber
für alles selbst sorgen müsse und noch Kinder habe so tue einem das die Nase
hintere Sie hätten Beide noch nichts geerbt und wenn ihre Eltern nicht so gut
gegen sie wären sie könnten es nicht machen Wenn man schon grusam viel
verdiene so gehe doch grusam viel darauf so in einer Wirtschaft Elisi wurde
nun ganz zweg aß und trank nach Herzenslust rühmte die Strübli und besonders
den Neuenburger Der Vater müsse auch solchen anschaffen sagte es er hätte
immer nur so Kuttlenrugger wo man im Weltschland damit den Mäusen vergebe man
sage ihm Taveller er komme da von Biel her Nun packte Elisi auch seinen Kram
aus unter dem feines Guttuch zu einem Tschöpli für Trinette war über das
dieselbe aber gar sehr die Nase rümpfte Sie sei gar froh darüber sagte sie es
sei schön warm und sie hätte schon lange so etwas gemangelt sie sei voriges
Jahr beim Sauerkabiseinmachen schier erfroren im Keller Freilich machten
solches die Mägde man müsse doch aber auch zuweilen sehen wie sie es machen
Die Diensten seien heutzutage gar schlecht sie luegten nur zu sich Das war die
längste Rede welche diesen Abend Trinette hielt
Da kriegte Elisi doch nach und nach Langeweile Aus der Nebenstube ertönte
Gelächter der Stoff der Rede ging ihm aus und es düechte ihns es sei doch
schade wenn niemand in Frevligen seine himmelblaue Bkleidig sehe als die
missgünstige Trinette und die dumme Stubenmagd die noch mit keinem einzigen Wort
ihre Bewunderung bezeugt hatte Immer mehr wuchs ihm der Glust wenn die daneben
doch auch sehen könnten wie schön es bkleidet sei vielleicht wäre einer
darunter der ihm gefiele und da könnte sich eine gute Partie machen ungsinnet
Es müsse daheim versauren und komme den Leuten nicht vor die Augen da sei es
doch kein Wunder dass es noch keine Partie gemacht Darum wolle es doch wenn es
einmal fort sei nicht in einem Hinterstübli vrgrauen und sich vor niemand
zeigen Aber Trinette wie sehr auch Elisi um die Stauden schlug tat keinen
Wank und wenn es fragte wer wohl drüben sei so sagte Trinette es werden die
Säutreiber sein von Lutern oder von Eschlismatt Aber es düechte Elisi die
Säutreiber von Lutern sollten nicht so mögen lachen und endlich sagte es sein
Knecht werde wohl auch dort sein Trinette sagte er werde wohl Da sagte Elisi
es müsste doch gehen und ihm sagen wann sie morgen fort wollten es hätte ihm
noch nichts befohlen Trinette aber antwortete es wolle ihn kommen lassen man
könne ihm hier ja auch befehlen Aber Elisi wollte hinüber stund auf
entschuldigte sich dass es nicht Mühe machen wolle und tat die Zwischentüre
auf
Drinnen saßen an zwei Tischen einem den Fenstern einem der Wand nach
viele Männer fluchend lachend rauchend trinkend spielend Es waren aber
allerdings nicht Säuhändler von Lutern sondern alte und junge Frevliger die an
ihrem gewohnten Abendwerk saßen denn da war des Wirtshauses wegen alle Tage
Sunntig in der Kirche aber alle Tage Werchtig Bei ihnen saßen Johannes und
Uli der Letztere vom Erstern zu Gast gehalten mit Tabak und Wein Langsam kam
aus dem dunklen Hintergrunde das himmelblaue Elisi stüpfte dem Uli auf die
Schulter und sagte ihm sie wollten am Morgen zeitlich fort er solle machen
dass zu rechter Zeit gefüttert sei Jenseits dem Tische saß ein lustiger
Gerichtsäss der fragte Was das für eine schöne Jumpfere für ein hoffärtig
Meitschi sei ob ers ihm bringen dürfe Ein Wort gab das andere Elisi saß bald
auf einem leeren Platz und lebte wohl an den Spässen der Alten und Jungen sagte
aber nicht viel sondern lachte nur zimperlig und fuhr oft mit dem schönen
Schnupftuch manierlich zur Nase wobei man die Finger ringe sah und zog oft an
seiner goldenen Kette wobei man dann eine kleine goldene Uhr sah nach alter
Façon wie man sie wohlfeil beim Uhrenmacher kauft Elisi saß da gar wohl mehr
als zwei Stunden lang und hatte seine Schwägerin ganz vergessen
Als endlich niemand mehr viel zu ihm sagte ging es wieder in die
Nebenstube Da war aber keine Trinette mehr sondern nur die Stubenmagd die
Tisch deckte und sagte Trinette sei zu Bette gegangen sie hätte gar Zahnweh
gehabt Obs öppe öppis angers syg fragte Elisi Sie wisse es nicht sagte die
Stubenmagd daneben könnte es wohl sein wunderlich genug sei sie dafür Das war
Elisi angeholfen und vielleicht wären die Beiden die ganze Nacht hinter
Trinette gewesen wenn nicht die Köchin mit einem Fluch zur Türe hereingefahren
wäre Ob es aber angebacken sei dass es die Suppe nicht hole Es brännte draußen
alles an Als aufgetragen war kam Johannes mit Uli und fluchte nicht wenig als
er nur zwei Teller sah fluchte über seine Frau dass sie schon im Nest sei e
selligi Plättere gebe es keine mehr im Kanton entweder fehle es ihr am Gring
oder im Gring fluchte über die Stubenmagd dass die Dolder Gans nicht drei
zählen könne oder meine sie fressen wie dSäu aus einem Trog Johannes
behandelte Uli wie einen alten Kameraden und sagte ihm alle Augenblicke »Seh
suf Seh friss« Mit Elisi war er nicht halb so freundschaftlich sondern fragte
bloß »Wotsch« und wenn Elisi Nein sagte so sagte Johannes »He nu so hesch
scho gha« Daneben spottete er über ihns Obs nicht bald einen Mann habe am
Wollen fehle es nicht Er wollte an seinem Platz lernen eine Suppe machen und
Strümpf plätzen vielleicht bekäme es dann einen »Vielleicht nähmte dich Uli«
sagte er »wenn du ihn fragst soll er diese Nacht etwa bei dir liegen« Mit
solchen brüderlichen Spässen würzte Johannes das Mahl
Am folgenden Morgen sah man Uli zuerst nicht gar viel später erschien
Johannes zu großem Schreck seines Gesindes zu eigenem großem Zorn Jedes
pflegte seiner Behaglichkeit im Glauben der Meister tue es ebenfalls der
Meister faulenzte im Glauben es wüsste jeder Dienst was er zu tun hätte Als
er nun einmal zur unerwarteten Stunde aufstund da erfuhr er was die Faulheit
der Meisterleute für Wirkung tut auf die Diensten Er fluchte sich fast die
Zähne aus dem Maul die Zehen ab den Füßen aber am andern Morgen lag er wieder
bis gegen neune was half da das Fluchen Was kann in einem Wirtshause alles
gehen von morgens fünf bis um neune wo der Herr Wirt und die Frau Wirtin
aufstehen Nirgends straft wohl Gott die zeitlichen Sünden schneller und
deutlicher als die der Wirte welche überwirten Wenn Wirt und Wirtin nicht Ruhe
schaffen in ihrem Hause zu rechter Zeit mit Hudeln mit Spielen oder auch nur
Dasitzen und Zusehen wie Andere hudeln über die Zeit so haben die Einen einen
schweren Kopf und zitternde Glieder am Morgen die Andern mögen sonst nicht auf
und während dieser Zeit geht ihnen weit mehr zugrunde als sie am Abend verdient
haben und zum Trinkgeld haben sie den ganzen Tag den schweren Kopf die faulen
Glieder zum Trinkgeld haben sie ein böses Alter und schlechte Kinder und was
Mancher am Ende seines Lebens davonbringt ist Bettlerbrot Spitalsuppe und ein
schlechter Strohsack O wenn mancher Wirt wusste was ginge ehe er aufsteht er
würde wohl am Abend früher Feier abend machen
Johannes donnerte und wetterte solange er seine verstrupften Diensten sah
welche die Gaststube noch nicht aufgeräumt die Kühe nicht gemolken die Pferde
nicht gestriegelt hatten und auf dem Wege zu seinem Lande das er Uli zeigen
wollte klagte er gar bitterlich über alle seine Diensten wie sie alle nichts
wert seien und wie er hundert Kronen geben wollte um einen guten Knecht Er
wusste noch nicht dass ein schlechter Meister nie gute Diensten hat dass die
einen unter ihm schlecht werden die welche gut bleiben wollen ihm weglaufen
müssen
Als sie endlich zurückkamen von ihrem Beschauen fanden sie das Elisi
diesmal ganz in schwefelgelber Montur das heißt in schwefelgelbem Tschöpli und
Fürtuch betrübt in der Nebenstube wohin man eben das Frühstück gebracht hatte
zirka um halb zehn Uhr Strübli von gestern Anken Käs Nidle Kaffee und
schönes weißes Brot Trinette ließ sich nicht sehen Es hieß sie hätte in der
Nacht nicht schlafen können und mache jetzt etwas nach Nachdem man fertig war
sagte ds Elisi noch nichts vom Anspannen Johannes führte den Uli in seine
Keller und ds Elisi spazierte schön schwefelgelb vor dem Hause auf der Tärasse
im Garten ums Haus herum die Handschuhe an den Händen das Nastuch darin
spazierte hin und her auf und ab bis es endlich elf Uhr schlug Da winkte es
dem Uli und sagte Sie müssten fort er solle zwegmachen es wolle gehen und sich
anders an ziehen sobald es fertig sei müsse er anspannen Es ging fast eine
Stunde bis ds Elisi grasgrün wieder zum Vorschein kam Und wer saß da prächtig
in schokoladefarbener Seide Donna Maria war noch nicht Mode kostbar um und
um hinten Silber und vornen Gold Es war Trinette Trinette welche die
schwefelgelbe Pracht nicht sehen wollte und auf das grasgrüne Elisi gewartet
hatte um ihm zu zeigen dass es dann auch noch Kleider hätte wenn es sich
zeigen wolle und wenn es schon noch nicht geerbt hätte und nicht mehr daheim
sei Ds Elisi wurde noch einmal so grün als es die vor ihm sitzende
Herrlichkeit sah und brachte seinen Mund gar nicht auf zu einem Bonjour und der
Frage nach dem Zahnweh Hingegen Trinette tat wohl etwas schmächtig war
übrigens die Freundlichkeit selbst wollte Elisi nötigen heute so grasgrün
noch dazubleiben Als alle Bitten umsonst waren erhielt die Stubenmagd Befehl
schleunig den Tisch zu decken und aufzutragen gäb wie Elisi wehrte weil sie
erst dischiniert hätten
Es war ein stattlich Essen da das Beste was das Haus vermochte allein es
schmeckte heute dem grasgrünen Elisi nicht halb so gut als gestern dem
himmelblauen sobald es Trinette ansah stockte ihm der Bissen im Halse selbst
dem Johannes sein Neuenburger hatte heute einen ganz andern Geschmack als
gestern Es hatte keine Ruhe bis angespannt war
Als endlich angespannt alles eingepackt war ds Elisi im Sitz saß wollte
Uli vorauf aber Johannes tat es nicht Er solle doch nicht ein Narr sein sagte
er sie werden da innen einander nicht beißen nicht kräbeln hingegen draußen
regne es und sei unlustig Sie sollten sich nur gut zusammenlassen so hätten
sie nicht kalt man sei ja dafür auf der Welt für einander zu helfen Uli
mochte wollen oder nicht er musste hinein und ds Elisi ruckte weg drückte sich
in eine Ecke und ließ sich nicht hervor bis sie weit außer Frevligen waren
Endlich hob es den Kopf auf und sagte es sei froh dass sie auf dem Heimweg
seien ds Bruders seien wüste Leute er sei ein Grobian ein Unflat Trinette
ein böses Mönsch e halbe Narr Die werden schön für den Hag hinaus husen Sie
könnten Beide wohl brauchen aber nichts verdienen was das Maul wolle müsse
gefressen was den Augen gefalle gekauft sein Für die ledig zu bleiben die es
nur für einen Narren zu halten begehrten dazu sei es nicht dumm genug und
sollte es einen von der Gasse nehmen so wollte es heiraten nur dass die keinen
Kreuzer von ihm bekämen Wenn einst Vater und Mutter gestorben seien und es noch
keinen Mann hätte so wüsste es wohl wie es ihm ginge die würden es
eingänterlen bis es murbe genug zum Erben wäre Aber es sei ihnen noch zu
schlimm und wolle dem Trini sein schokelaseidenes Tschöpli eintreiben Eins das
hunderttausend Pfund erben könne lasse so das Spiel nicht mit sich treiben Auf
den Reichtum brauche es nicht zu sehen es vermöchte einen Mann zu erhalten dass
sie Beide gut haben könnten Aber hübsch müsste er sein und frein es wolle
Freude an ihm haben können Die Alten scheue es nicht wenn es wüst tue so
könne es bei ihnen alles zwängen Wenn es nume afe einer wollte noch heute
wollte es die Sache richtig machen nume ihnen zTrutz Nit es hätte bereits gar
Manchen haben können und sie alle abgewiesen sie hätten ihm nicht gefallen
Aber jetzt meine die Göhle es wolle gar Keinen und es dürfe sich niemand mehr
an ihns lassen Wenn es vornen anfangen könnte so machte es es ganz anders es
nähme den Erstbesten so riskierte es wenigstens nicht dass es für den Hag
hinaus käme So redete ds Elisi aus seinem ingrimmigen Herzen und rückte immer
mehr aus seiner Ecke hervor und sagte »Uli du musst nit so schüch sy« Kurz
aus lauter Täubi wurde ds Elisi unter dem Fusssack recht zärtlich bloß den Kopf
hielt es solange es Tag war in angemessener Entfernung An dem Städtchen ließ
es vorbeilenken und bestimmte einen unbedeutenden Ort zum Füttern Uli ward es
bei dem allem wunderlich zumut indessen vergaß er nicht dass seines Meisters
Tochter neben ihm sitze machte von ihrem Gerede keine besondere Anwendung auf
sich und von allem Näherrücken keinen Gebrauch trotz der Aufforderung nicht so
schüch zu sein
Diesmal bannisierte ds Elisi Uli nicht zu einem aparten Schoppen nebenaus
sondern ließ gleich eine Halbe für sie Beide bringen und dann etwas auf einem
Teller und dann schien ihm dieser Wein noch nicht gut genug sondern es befahl
vom mehbessern und dem Kohli noch ein Immi ließ sich da zBoden wohl sein und
sorgte dafür dass es dem Uli und dem Kohli nicht übler sei Der Erstere musste
Hammeschnittli essen bis er zuletzt glaubte selbst eine Hamme zu sein
Als sie wieder fortfuhren irrte der Sonnenschein die Tagesheiteri nicht
mehr und ds Elisi wurde auch oberhalb des Fusssackes zärtlich lehnte sich an
Uli an und redete allerlei bis es endlich sagte Es gelüste ihns ihm ein
Müntschi zu geben ob er etwas dawider hätte Seit dem Weltschland hätte es
keine mehr gegeben es müsse doch probieren ob es das noch könne Im
Weltschland hätte man beim Pfänderspiel ihm immer gesagt es könne das Keins so
gut wie es Was sollte Uli dagegen haben Ds Elisi küsste ihn nun nach
Herzenslust ab und er gab wohl hie und da ein Müntschi wieder aber ziemlich
kaltblütig Dem Elisi waren sie wirklich auch wohl kalt und es meinte dem
Vreneli würde er wärmere geben und ungeheissen Uli wollte von Vreneli nichts
wissen und sagte dem hätte er noch keine gegeben er wusste nicht wie dazu
kommen Elisi meinte das sei doch kurios es seien nur Müntscheni und täten eim
doch so wohl man wurde es niemand glauben wenn man es nicht selbst erfahren
täte Und es eine reiche Tochter hätte so manches Jahr keine er halten dass
es ganz vergessen gehabt wie wohl sie eim täten Aber das muss ihm künftig nicht
mehr so gehen »gäll Uli« Als Uli antworten wollte tat der Kohli einen Satz
dass sie Beide hoch auffuhren wollte in einen Acker hinaus dass Uli mit beiden
Händen wehren musste Endlich wieder gerade auf der Straße war er so ertaubet
dass Uli aus Leibeskräften ihn halten musste Da war es mit dem Küssen aus und
Elisi froh dass es mit ganzen Gliedern heimkam
Zwanzigstes Kapitel
Uli kriegt Gedanken und wird stark im Rechnen
So lief die Fahrt glücklich und unschuldig ab aber nicht ohne Folgen Es stieg
Uli nach und nach doch zu Haupt dass er da leicht zu einer reichen Frau kommen
glücklich werden könne Denn so unsinnig es ist so ist doch im gemeinen
Sprachgebrauch Glücklichwerden und Reichwerden gleich bedeutend Man hört ja so
oft »Der kann wohl der ist glücklich gewesen im Heiraten und hat mehr als
zehntausend Pfund erwybet Freilich ist seine Frau ein Laschi und er hat viel
mit ihr aber was macht das wenn man Geld hat Das Geld ist doch die
Hauptsache« Von dieser allgemeinen und doch so unbegründeten Ansicht war Uli
nicht frei wollte er ja doch auch reich ein Mann werden Wenn er an Elisi
Äußerungen dachte die freilich im Nebel und im Regen getan waren so kam es ihm
immer wahrscheinlicher vor dass es ihn nehmen würde wenn er es recht begehrte
Der Bruder hatte ihn so freundschaftlich behandelt so viel Zutrauen ihm
gezeigt dass er meinte der würde wirklich nicht sehr darwider sein Wenn es
einer sein müsste so wäre er ihm lieber als mancher Andere Den Eltern dachte
er wäre es wohl im Anfang nicht recht und sie wurden wüst tun aber wenn
einmal Elisi es erzwängt hätte die Sache geschehen so machte es ihm keinen
Kummer ihnen lieb zu werden
Der Gedanke einmal auf der Glungge Bauer zu sein und so ganz frei schalten
zu können tat ihm gar unendlich wohl In zwanzig Jahren rechnete er manchmal
aus wollte er gut noch einmal so reich sein der ganzen Gegend wolle er zeigen
was das Bauern könne Es stieg ein Plan nach dem andern vor ihm auf wie er es
anfangen was er alles vornehmen wolle was der Pfarrer sagen werde wenn er mit
der reichen Tochter die Hochzeit angebe was die Leute in seiner Heimat sagen
werden wenn er einmal mit eigenem Ross und Wagen daherkomme und es heiße der
Uli hätte sechs Ross im Stall und zehn Kühe von den schönsten Freilich wenn er
dann das Elisi schlärplen sah so gab es ihm einen Tolgg in seine Rechnung Er
sah wohl dass es für die Haushaltung nichts daneben wunderlich und bräuchig und
mit allem unzufrieden sei Das Letztere würde bessern dachte er wenn es einen
Mann hätte Er vermöge dann Diensten zu haben es gehe sonst wenn die Frau
nichts mache bei solchem Reichtum möge es wohl etwas erleiden Es sei bei einer
jeden etwas zu scheuen er hätte noch von Keiner gehört die gewesen sei dass
man nicht noch etwas anderes gewünscht Reich reich das sei doch immer die
Hauptsache Und doch wenn er Elisi sah so wollte es ihm erleiden Das
verschienene Tirggeli Hämpfeli kam ihm gar zu unappetitlich vor Wenn es ihn
mit seinen feuchtkalten Händen anrührte so schauderte es ihn es war ihm als
müsse er den Fleck abwischen den es berührt Wenn er es erst reden hörte so
zimperlig und doch so dumm so wollte es ihn aus der Stube treiben und er musste
für sich denken »Nein bei dieser haltest du es nicht aus bei jedem Wort das
sie sagt müsstest du dich ja schämen« Aber wenn er dann von Elisi weg war so
sah er wieder den schönen Hof hörte das Geld klingen sah sich im Ansehen und
es kam ihm vor als sei Elisi doch so wüst nicht und nach und nach wollte es
ihn dünken als sei es wirklich gescheuter als man glaube und wenn es Liebe zu
einem hätte und man vernünftig mit ihm rede so wäre noch etwas mit ihm zu
machen und bei einem rechten Mann könnte es noch eine recht vernünftige Frau
abgeben
Das alles ging nur in Ulis Kopf vor allein es ist nichts so rein gesponnen
es kommt doch endlich an die Sonnen Die Reise hatte Elisi und Uli vertraulicher
gemacht es war ein anderer Ton in dem sie zueinander redeten und mit den
eigenen Augen eines gewissen Einverständnisses blickte ihn ds Elisi an Uli
freilich suchte die Augen zu meiden besonders wenn sie in Vrenelis
Gesichtskreis waren Denn so wie Elisis Reichtum ihn alle Tage heftiger lockte
so schien ihm Vreneli alle Tage hübscher und anschlägiger Am besten dachte er
oft würde es gehen wenn Vreneli bei ihnen bleiben und die Haushaltung machen
wurde Mehr als früher zog Elisi Uli nach und wenn es an einem
Sonntagnachmittag einen Augenblick alleine mit ihm in der Stube war so ruhte es
nicht bis es ans Küssen kam Es wäre für sein Leben gerne wieder einmal mit ihm
ausgefahren allein es wusste nicht wohin und an die Märkte kamen Vater oder
Mutter mit Indessen hätte Uli Böses im Sinne gehabt und auf schlechtem Wege zu
einer Heirat kommen wollen wie man deren Beispiele von Schlechtern als Uli
war viele hat Elisi hätte Gelegenheit genug dazu gegeben und in sich nichts
getragen das ihns davor geschützt »Uli bis nit so schüch« hatte es
vielleicht noch gesagt Aber Uli war brav begehrte nichts Böses mied solche
Gelegenheiten ging der Anlässigkeit von Elisi recht oft aus dem Wege wollte
viel lieber Elisi verdienen als verfuhren Er arbeitete um so emsiger ließ sich
alles besonders angelegen sein und wollte sich das Lob erwerben wenn er schon
jetzt nicht reich sei so könne es ihm bei solcher Anstelligkeit nicht fehlen
es zu werden Das glaubte er werde so viel bei den Eltern ziehen als viele
tausend Pfund Er dachte nicht an das Schreckenswort Ume dr Knecht
Nun aber hatten die Nebendiensten auch Augen im Kopf und weit eher als Uli
noch an etwas gedacht hatten sie Elisis zutäppisches Wesen bemerkt und Uli
damit aufgezogen Sie schrieben immer mehr seine Tätigkeit der Absicht zu
Tochtermann zu werden Die Veränderung seit der Reise blieb ihnen nicht
verborgen Sie ersannen allerlei Märlein über die Vorginge auf derselben
stichelten Uli ins Angesicht und verleumdeten hinter seinem Rücken Alle
Zumutungen die er machte deuteten sie als ob er sich nur auf ihre Kosten wert
machen wolle nahmen sie daher böse auf stellten sich ungebärdig und dachten
dem wollten sies vrha Sie passten Elisi und Uli auf wo sie nur konnten suchten
ihr zufällig oder absichtlich Beisammensein zu stören oder zu belauschen
allerhand Schabernack ihnen zu machen und hätten gar gerne irgend ein grobes
Ärgernis aufgedeckt aber dazu gab Uli keine Gelegenheit Noch ging die Wage bei
ihm auf und ab Es erleidete ihm manchmal Elisi und das Dasein in der Glungge
dass er gerne hundert Stunden da dänne gewesen wäre Das Mädchen aber ward immer
verliebter kramete Uli bei jeder Gelegenheit verehrte ihm mehr als er
annehmen wollte tat so narrochtig mit ihm dass es endlich selbst den Eltern
auffiel Joggeli muckelte Da hatte man es jetzt da könne man sehen was Uli
eigentlich im Schilde führe dem wolle er aber einen Strich durch die Rechnung
machen Indessen tat er nichts insgeheim hätte er es seinem Sohn der ihn so
oft bschummelte gönnen mögen wenn Elisi einen dummen Streich gemacht und hätte
heiraten müssen
Die Mutter nahm das mehr zu Herzen und sprach Elisi zu Es sollte doch mit
Uli nicht so narrochtig tun und auch denken was die Leute sagen und wie sie es
auf die Trommel nehmen werden Es schicke sich doch wahrhaftig nicht für ein
reiches Meitschi mit einem Knecht zu tun wie mit einem Schatz Nit sie hätte
nichts wider Uli aber er sei doch immer nur der Knecht und es werde doch
keinen Knecht wollen Dann plärete ds Elisi und sagte Es sei alles nicht recht
was es mache man hätte in Gottsname immer mit ihm zu balgen bald halte man ihm
vor es sei zu hochmütig bald es mache sich zu gemein Wenn es mit einem
Knecht ein freundlich Wort rede so mache man ihm einen Lärm einen ärgern
könnte man ihm nicht machen wenn es schwanger wäre Aber man gönne ihm in
Gottsnamen keine Freude und alles sei nur auf ihm Es wäre ihm am wöhlsten wenn
es bald sterben könnte Und Elisi plärete dabei immer heftiger bis es keinen
Atem mehr hatte die Mutter in aller Eile das Göllert auftun musste und wirklich
glaubte das Elisi wolle sterben Dann schwieg die gute Mutter wieder denn sie
wollte wirklich nicht dass ds Elisi sterbe Sie klagte nur zuweilen Vreneli sie
wisse nicht was sie da machen solle Tue sie wüst so wär ds Elisi imstand
etwas Ungeschicktes zu machen lasse sie es gehen und geschehe dann wirklich
auch etwas Ungeschicktes so werde sie an allem schuld sein sollen und man werde
sagen warum sie nicht zu rechter Zeit dazu getan Aber einmal jetzt wüsste sie
nichts zu machen Über den Uli könne sie nicht klagen er führe sich vernünftig
auf und sie glaube es sei ihm eher zuwider Und so mir nichts dir nichts bis
man mehr zu klagen habe ihn fortzuschicken reue sie auch Und wenn sie es
täte so wäre Joggeli der Erste der ihr immer vorhielte sie hätte aus leerem
Kummer den besten Knecht fortgeschickt den sie noch gehabt Aber er mache es
immer so da wo sie möchte dass er rede da schweige er und wo er schweigen
sollte da möffele er drein Vreneli solle immer gut Achtung geben und wenn es
etwas Apartes sehe es ihr sagen Aber von Vreneli hatte die Alte wenig Trost
das tat als ob die Sache ihns nichts anginge Ds Elisi konnte sich nicht
enthalten dem Vreneli von Uli zu reden wie er ein Hübscher und Freiner sei und
wie es sich nicht verschworen wolle dass es ihn nicht noch einmal heirate wenn
sie es einmal taub machten und ihm nicht tun wollten was es begehre so sollten
sie nur sehen was es mache Es besinne sich dann nicht lange und es brauche nur
ein Wörtlein zu sagen so gehe Uli und gebe das Hochzeit an Wenn Vreneli dann
auch zu diesem wenig sagte so hielt ds Elisi ihm vor es sei schalus Oder wenn
Vreneli ihm zusprechen wollte es solle doch Uli nicht so zum Narren halten es
begehre ihn doch nicht oder es solle den Eltern nicht diesen Verdruss machen so
hielt es ihm vor es möchte Uli selbst und wolle ihns nur abspenstig machen um
selbst ans Brett zu kommen aber so eine mit einem blutten Füdle nehme Uli
nicht dafür sei er zu gescheut Es solle sich nicht einbilden dass es so bald
einen Mann bekäme der leidest Knecht besinne sich ehe er so ein arm Meitli
nehme und zweimal ehe er ein unehliches nehme Das sei immer noch die größte
Schand die es gebe Obgleich Vrenel solche Reden tief empfand so ließ es es
doch nicht merken weinte nicht und zankte nicht sagte höchstens »Elisi dass
du nicht auch unehlich bist dafür kannst du nichts und dass du nicht schon ein
Unehliches hast daran bist du auch nicht schuld«
Am meisten Not machte Vreneli das eigene Betragen gegen Uli Je mehr diesem
Elisis Geld zu Kopfe wuchs desto mehr fühlte er sich zu Vreneli gezogen er
konnte es gar nicht leiden wenn es ihm kurzen Bescheid gab oder böse über ihn
schien und suchte es auf alle Weise zu versöhnen gut zu stimmen Er floh Elisi
oft und suchte es nie auf er floh Vreneli nie suchte es aber oft auf während
es ihn floh und Elisi ihn suchte Vreneli wollte mit Uli kurz sein und trocken
und doch konnte es wenn es den besten Vorsatz hatte oft nicht anders als
freundlich mit dem freundlichen Burschen sein konnte zuweilen sich bei ihm
vergessen und zwei drei Minuten mit ihm schwatzen und lachen Wenn das dann
zufällig ds Elisi sah so gab es grässliche Geschichten Zuerst hielt es Vreneli
die wüstesten Sachen vor bis es nicht mehr reden kaum Atem finden konnte In
diesem Zustande schoss es manchmal an ihns hin und hätte es prügeln mögen wenn
es ihm nicht an Kraft gebrochen hätte Dann ging es über Uli her er musste
hundertmal hören dass er ein Unflat sei und nur der Knecht Und es sehe jetzt
was es zu erwarten hätte wenn es so dumms wäre wie man meine Aber es sei
Gottlob noch früh genug und es wolle nicht so ein Narr sein sein Geld einem zu
bringen von dem es fürchten müsse er verbrauche es mit Huren Dann fing es an
zu heulen über solche Falschheit und wie es sterben wolle Manchmal versöhnte
es sich schon während diesen Tränen und Uli musste versprechen nicht mehr Andern
nachzulaufen dem wüsten Vreni das ihn locken verführen wolle kein gutes Wort
zu geben Bald dauerte der Unfriede lange und ds Elisi kupete Dann kam es Uli
doch vor eine die so schalus sei die ihm den Knecht so oft vorhalte so
heulen oder kupen könne sei doch nicht die liebenswürdigste Frau und da gebe
es ein bös Dabeisein und es wäre besser wenn er die ganze Sache sich aus dem
Sinne schlüge So wie er nun gleichgültig gegen das Kupen ward so ward es Elisi
angst und es suchte die Versöhnung kramete etwas oder suchte sonst eine
Gelegenheit wo es Uli flattieren ihm anhalten konnte er solle es doch lieb
haben es habe sonst keine Freude mehr am Leben Und wenn es ihn so bös mache
so solle er ihm nicht zürnen das geschehe nur weil seine Liebe so groß sei
weil es ihn keiner Andern gönne usw Wenn es ihn einst recht hätte so wollte es
nicht mehr schalus sein aber solange es so dahange und nicht wisse woran es
sei komme es ihm manchmal als ob es lieber sterben wollte Es wisse auch nie
recht ob Uli ihns lieb habe es dunke ihns manchmal wenn er es recht lieb
hätte so setzte er ganz anders an und nähme die Sache besser in die Hand er
sei da so wie ein Gstabi und mache kein Gleich Wenn dann Uli sagte er wüsste es
nicht besser zu machen er wisse ja auch nicht recht ob ds Elisi ihn eigentlich
wolle und wenn es ihm Ernst sei so solle es mit den Eltern reden oder sie
wollten zum Pfarrer gehen und das Hochzeit angeben und dann sehen was daraus
werden wolle so sagte Elisi Das pressiere nicht halb so Hochzeit halten könne
sie immer noch Das sei die Hauptsache dass er es lieb habe und dann sei es in
einem Jahr noch frühe genug oder wenn er recht dransetze das komme auf ihn an
es wolle sehen in einem halben Aber mit dem Donners Vreni solle er nichts
mehr zu tun haben sonst kratze es Beiden die Augen aus und das Mönsch müsse aus
dem Hause
Natürlich gab die Sache ein groß Gerede weitumher und man redete weit mehr
davon als daran war Es gab zwei Partien die eine gönnte die Geschichte den
Eltern die andere die reiche Frau dem Uli Je länger die Sache dauerte und das
ging nicht nur ein Jahr desto mehr gewann der Erfolg an Wahrscheinlichkeit
desto mehr unterzogen sich die Dienstboten dem Uli und stellten sich auf die
Seite des mutmasslichen Tochtermanns so dass der Hof ein immer blühenderes
Aussehen bekam und Uli immer unentbehrlicher wurde Selbst Joggeli dem der bare
Gewinn in den Sack floss und der wohl rechnen konnte was zwanzig Klafter Futter
tausend Garben Korn mehr zu bedeuten hätten verbiss seinen Ärger tat ein Auge
zu und tröstete sich damit er wolle Uli brauchen so lange als möglich wenn es
einmal Ernst gelten sollte so könnte man immer noch sehen
Als einmal Johannes daherkam der auch von dem Gerede gehört hatte und
verdammt aufbegehrte und forderte dass man Uli fortschicke so wollte Joggeli
nichts davon hören Solange er lebe hätte er hier zu befehlen und Uli wäre
Johannes der Rechte wenn er ihn hätte Was hier gehe gehe Johannes nichts an
und wenn man dem Uli ds Elisi geben wolle so gehe es ihn auch nichts an Er
müsse nicht glauben dass er alles allein erben wolle einstweilen sei was sie
noch hätten und was er ihnen nicht abgeläschlet noch ihr Je wüster Johannes
tue desto eher müsse ds Elisi heiraten es sei nicht dass es Uli sein müsse es
gebe Andere auch noch Sie wüssten wohl wie lieb sie ihm alle seien wenn er das
Geld hätte so früge er Vater und Mutter und Elisi nichts mehr nach sie könnten
seinetalb alle noch einmal heiraten und wenns Schinderknechte wären so wäre
es ihm gleich So redete Joggeli zu seinem Sohne in seinem kärigen hustenden
Tone dass es der Mutter ganz angst war und sie einredete er solle doch nicht
Kummer haben das geschehe nicht sie sei auch noch da und ds Elisi werde nicht
alles zwängen und Uli sei ein braver Bursche usw Johannes wollte nun mit Uli
selbst reden aber der war nicht zu finden Er sei um eine Kuh aus hieß es
Trinette diesmal noch viel schöner schwefelgelb als früher Elisi bewegte sich
um Elisi mit verachtender Miene und gerümpfter Nase und sagte endlich zu
demselben »Pfitusig wie gmein machst de dih Mit eme Knecht sih möge abzgä Es
ist eine Schande für die ganze Familie Wenn meine Leute gewusst hätten dass
meines Mannes Schwester einen Knecht sollte heiraten sie hätten ihn geschickt
Band hauen er gefiel ihnen ohnehin nicht sonderlich Aber ih bi Göhls gnue gsi
u han e abselut welle Mi cha dih nimme zur Familie zelle und du kannst dann
sehen wo du untereschlüfst einmal hier sollt ihr dann nicht mehr bleiben
Pfitusig so mit emene Knecht es Glscheipf zha Pfitusig es gruset mr fry ab
dr ih ma dih nume nimme aluege Pfitusig schämst dih nit i dys bluetig Herz
yche und teuf i Bode ache« Aber ds Elisi schämte sich nicht sondern hängte
Trinette noch ein viel böser Maul an und meinte Ein Meitschi hätte dWehli sich
abzugeben mit wem es wolle und könne einen Knecht oder einen Herrn heiraten
vor Gott seien all Menschen gleich Aber wenn es einmal eine Frau sei dann
würde es sich schämen bald mit dem Stallknecht und bald mit dem Metzger bald
mit dem Herdknecht und bald mit dem Karrer und zletzt noch mit allen Zundleren
und allen Ländern im Geschrei zu sein und Kinder zu haben wo keins eine Nase
habe wie das andere und eins dem andern gleiche wie ein Gäuer einem Weltsch
Wenn Vreneli und die Mutter nicht gewesen wären so hätten sich die beiden
Schwägerinnen die grasgrüne und die schwefelgelbe Seide vom Leibe gerissen Als
die Mutter Trinette mit Zusprechen helfen wollte so ereiferte sich ds Elisi so
dass man es zu Bette bringen musste Erst jetzt sagte es als es wieder zu sich
und zur Sprache kam erst jetzt wolle es machen was ihm anständig sei Es wolle
sich nicht einmetzgen lassen wie eine feisse Sau Und es sei schlecht von den
Eltern dass sie meinten es solle ein Kind einzig erben und das andere ohne Mann
verrebeln nur damit alles auf einem Haufen bleibe
Johannes und seine Frau blieben nicht lange da Auf dem Heimwege öfters
einkehrend wobei aller Rückhalt verloren ging kramten sie ihren guten
Freunden Kollegen und Kolleginnen die ganze Geschichte aus und ihre Erzählung
erhob das Gerücht zur vollen Gewissheit Der Bruder und seine Frau haben es
selbst gesagt hieß es und die werden doch etwas davon wissen
Nicht lange darauf fuhr Uli mit einem Ross zMärit sah aber bald dass er es
nicht verkaufen könne um das was er lösen sollte Da es schlecht Wetter war so
nahm er es ab dem Markt und stallete es in einem Wirtshause ein Wie er in die
Gaststube wollte und um eine Ecke bog prallte er an seinen alten Meister Mit
unverhohlener Freude bot Uli ihm die Hand und sagte wie froh er sei ihn
anzutreffen und ein wenig bei ihm zu sein Der Meister war trockener und redete
von vielen Geschäften gab aber doch endlich Uli ein Stelldichein wo sie ruhig
eine Halbe trinken könnten Dort nachdem sie in einem Winkel ziemlich gedeckt
saßen eröffneten sie die Vorrede und Johannes fragte ob es viel Heu gegeben
und Uli sagte »Ja« und ob bei ihnen das Korn auch schon gefallen wäre ihres
hätte der erste Luft gestoßen »Du bist alle zweg« fuhr der Meister nach
einigen weitern Zwischenreden fort »und was hab ich gehört Du werdest bald
Bauer in der Glunggen werden sagen die Leute« »So wer redt das« fragte Uli
»He die Leute sagens es sei weit und breit das Gerede und man rede es für eine
bestimmte Wahrheit« »Die Leute wissen immer mehr« sagte Uli »als die welche
es angeht« Öppis werde doch an der Sache sein antwortete der Meister He
sagte Uli er wolle nicht sagen dass es es einst nicht geben könne aber die
Sache sei noch im weiten Felde geredet sei noch nichts darüber und es könnte
noch beid Weg gehen »He« sagte Johannes »es düecht mih es sei genug
geredet« »He wieso« fragte Uli »He ds Meitschi ist ja schwanger« »Das ist
eine verfluchte Lüge« sagte Uli »ich habe es nie angerührt dä Weg Ich will
nicht sagen dass ichs nicht hätte können aber ich hätte mich geschämt es so zu
machen Es hätten da alle Leute mir schuld gegeben und gedacht es sei ein
Schelmenstreich von mir wie schon mehr dergleichen geschehen und das habe ich
nicht gewollt Die Leute müssen mir nicht nachreden ich sei dä Weg zu einer
reichen Frau gekommen« »So« sagte Johannes »das ist dann anders als ich
gehört und ich habe geglaubt Uli wolle mich ansprechen ihm zbest zreden
Das wäre mir zwider gsi ich muss es sagen und deswegen habe ich lieber gewollt
ich hätte dich nicht angetroffen Es freut mich dass es nicht so ist ich hätte
auch noch Schmutz davon auf den Ärmel gekriegt Jedenfalls hätte es mich
geärgert wenn du es auch so gemacht wie andere Lusbueben« Aber öppis werde
doch an der Sache sein He sagte Uli er wolle nicht leugnen dass er nicht
glaube die Tochter wollte ihn und es wäre zu erzwingen wenn sie recht
ansetzten Und es hätte ihn allerdings düecht für ein armes Bürschli wie er
sei wäre das ein großes Glück besser machen könnte er es nie »Das wird doch
wohl das bleich durchschynig Meitschi sy wo geng ab em Luft muess wenn ers nit
näh soll« fragte Johannes »Öppe gar ds Brävst ist es nicht« sagte Uli »es
ist magers und ungsüngs aber es werde ihm schon bessern wenn es einen Mann
habe hat der Doktor gesagt aber hunderttausend Pfund bekommt es« »Höcklets no
geng so da ume oder rührt es auch etwas an macht es die Haushaltung« fragte
Johannes »Werche tut es nicht viel und in der Küche ist es wenig aber schön
lismen kann es und mit Krällene allerlei Styfs machen Aber wenn es den Hof
einmal bekommt so vermag man eine Köchin zu halten Wenn es nur hie und da
nachsieht es braucht ja nicht selber alles anzurühren« meinte Uli »Jä für
nachezluege muss man die Sache selbst verstehen das ist gar dumm dass man meint
wenn eine Frau bei einer Sache hocke so sei damit alles getan Es kann zum
Beispiel eine Frau lang in einer Apotek hocke und lismerle die Knechte können
doch machen was sie wollen« sagte Johannes »Aber es het mih düecht es lueg
gar ulydig dry und gränn eim nume so an statt eim auch es freundlich Wort
zgä« Es fehle ihm viel sagte Uli und es sei gar ein Empfindliches Aber wenn
es einen freinen Mann hätte und öppe zu tun so viel es möcht dass es sich ein
wenig vergessen könnte es würde ihm schon bessern Es sei doch nicht dass es
dann nie könne freundlich sein Es könne bsunderbar flattieren und wenn man den
Hof recht werche so könne man darauf wenigstens zehntausend Garben machen und
zwar nur Korngarben Das sei viel sagte Johannes und solche Höfe gebe es nicht
mehr viel im Kanton Aber wenn man ihm die Wahl ließe einen gfreuten Hof und
eine ungfreuti Frau dazu oder keins von beiden er wollte hundert mal lieber
das Letztere Reichsein sei eine schöne Sache aber reich mache noch nicht
glücklich wenn man so einkybig Häpeli daheim habe das über alles entweder
gränne oder pflenne so möchte der Tüfel dabeisein Und wenn man einmal die
Freude außer dem Hause suchen müsse so hätte es gefehlt
»Aber Meister« sagte Uli »du hast mich doch immer brichtet ich solle
husen und sparen so gebe ich auch einen Mann ab man sei nichts wenn man
nichts habe« »Ganz recht Uli« sagte der Meister »das habe ich gesagt und sage
es noch Es ist einer glücklicher wenn er huset als wenn er liederlich ist
und es ist einer kein Mann wenn er in seinen ledigen Tagen nicht für die alten
sorgen kann Wenn einer in den jungen Jahren nicht einen guten Anfang macht so
kommt er zu einem bösen Ende Ein braver Bursche mit etwas Geld kann auch besser
heiraten als ein Hudel und soll auf eine rechte Frau sehen aber die reichste
Frau ist nicht immer die beste Es gibt Weiber die mir ohne einen Kreuzer
lieber wären als andere mit hunderttausend Pfund Es kommt immer auf die Person
an Mach was du willst aber besinne dich wohl« »Ds Elisi ist freilich eine
elende Person« sagte Uli »aber es kann ihm bessern es ist Manche mager
gewesen in der Jugend sie ist im Alter noch dick geworden und bös aparti ist
es nicht besonders wenn es zufrieden ist Wenn es höhn ist dann weiß es
freilich nicht recht was es sagt und hält mir den Knecht vor und andere
Meitscheni aber wenn es wieder zufrieden geworden ist so kann es recht
kurzweilig sein und hat das beste Herz von der Welt Es hat mir schon gekramet
es weiß kein Mensch wie viel und hätte mir noch viel mehr gegeben wenn ich
nicht immer gewehrt hätte« »Mach was du willst« sagte Johannes »aber ich
sage dir noch einmal besinne dich wohl es tut selten gut wenn so Ungleiches
zusammenkömmt und es ist noch selten gut gekommen wenn der Knecht des Meisters
Tochter geheiratet hat Es ist mir etwas an dir gelegen einem Andern hätte ich
nicht so viel gesagt Jetzt muss ich heim komm einmal in müßiger Zeit zu uns
dann wollen wir noch weiter über das Kapitel reden wenn es nicht zu spät ist«
Uli sah seinem Meister unzufrieden nach Ich hätte nicht geglaubt dachte
er dass der mir mein Glück nicht gönnte Aber so sind die Donners Bauern sie
sind alle gleich sie mögen es nicht leiden wenn ein Knecht zu einem Hof kommt
Der Johannes ist noch von den Besten einer aber er mag es auch nicht vertragen
dass sein alter Knecht reicher wird als er ist und zu einem schönen Hof kommt
Was hätte es ihm sonst gemacht ob ds Elisi hübsch oder wüst ist Er hat doch
auch nicht allein auf die Hübschi gesehen als er seine Frau genommen Sie sehen
das fast wie eine Sünde an wenn unsereiner an eine Bauerntochter nur denkt und
doch wär noch Manche froh sie bekäme einen manierlichen Knecht und müsste nicht
ihr Lebtag der Hund auf einem Hofe sein Er lasse sich aber nicht so mir nichts
dir nichts absprengen das sei ihm jetzt schon zu lang gegangen und das Gerede
zu fast unter die Leute gekommen als dass er so davon wolle Aber ab Brett müsse
die Sache dachte er er wolle einmal wissen woran er sei so zwischen Tür und
Angel zu hangen sei ihm nicht länger anständig Er wolle es Elisi sagen es
solle mit den Alten reden bis im Herbst müsse das Hochzeit zu verkünden sein
oder er wolle auf Weihnacht fort dr Narr wolle er nicht länger sein
Einundzwanzigstes Kapitel
Wie eine Badefahrt durch eine Rechnung fährt
Solche Entschlüsse fasste er hinter einem Schoppen Als er dann auf seinem
Braunen heimritt ging ihm der ganze Hof im Kopf herum und ob der wohl sein
würde oder ob Johannes das Wirtshaus verlassen und ihn beziehen würde
Das Letztere glaubte er nicht er hielt Johannes und Trinette zu sehr an das
Weltgetümmel gewohnt als dass sie auf der einsamen Glunggen sich gefallen
sollten Wenn er den Hof bekäme dachte er so würde er sicher nicht viel darauf
schuldig
Johannes hätte bereits viele Tausende und so viel er merken mochte hatte
Joggeli noch weit über siebentausend Pfund Gülte Nun begann er zu rechnen was
er aus dem Hof ziehen könnte Er überschlug die Hauskosten dann den Abtrag aus
Feld Wald und Stall rechnete die Fehljahre ein rechnete alles mäßig und er
glaubte wenn er weder Zins noch Schleiss auszurichten hätte so wollte er wohl
eher vier als nur drei tausend Pfund jährlich vorsparen Er rechnete wenn ihm
Gott das Leben schenken würde nur fünfundzwanzig Jahre lang so wollte er so
viel Geld am Zins haben als der Hof gelten würde Dann sollte einer kommen und
ihm die reiche Frau vorhalten und das Geld komme von ihr Dem wolle er dann
sagen es sei keine Kunst viel zu erben aber hunderttausend Pfund zu erwerben
sei eine Kunst und ds Elisi hätte manchen Reichen nehmen können und in
fünfundzwanzig Jahren hätten Beide nichts mehr zu beißen und zu brechen gehabt
geschweige dann noch einmal so viel als sie geerbt
Unter solchen Gedanken kam der Weg dem Uli unendlich kurzweilig vor und der
Braune rächelete am Stalle ehe Uli daran dachte dass er schon daheim sei Es
ging nicht lange so hatte ihn ds Elisi gefunden und forschte nach dem Kram Uli
packte aus Feigen und Mandeln und Kastanien aber sagte zugleich Er möchte
doch bald wissen woran er sei so könne das nicht länger gehen die Leute
lachten ihn allenthalben aus Entweder wollten sie Hochzeit haben oder er wolle
fort Ds Elisi sagte das sei an ihm zu sagen wann es Hochzeit haben wolle
Sobald sie es einmal recht taub machten so müsste es am nächsten Sonntag sein
und wenn der Bruder noch einmal komme und das Geringste sage so laufe es auf
der Stelle zum Pfarrer und der müsse auf der Stelle Predig anstellen und es
verkünden Jetzt aber könnte es unmöglich daran sinnen Die Mutter hätte ihm
versprochen mit ihm in den Gurnigel zu gehen für acht oder vierzehn Tage Da
müsste nun die Näherin noch kommen der Schneider der Schuhmacher es hätte an
so viel zu sinnen dass es ganz sturm sei müsste zudem noch hieaus daaus Sachen
einzukaufen dass es gar nicht wüsste wo man Zeit zum Hochzeit nehmen wollte
Wenn der Gurnigel verrumpelt hätte dann wollte es sehen wie es ihm im Kopf
sei So komme es auch zweimal zu neuen Kleidern es nähmte es doch wunder ob
dann die Hex zu Frevligen ihre Nase nicht müsste hinteren halten Uli mochte
sagen was er wollte ds Elisi aß Feigen und dachte an den Gurnigel Ganze Tage
packte es aus und ein machte die Koffern fertig und packte wieder aus Es
dachte nicht nur was es wohl für Aufsehen machen werde sondern es erzählte
allen die einen Augenblick bei ihm stillestehen konnten wie gewiss droben Keins
sein werde das solche Kleider habe und was wohl die Herren dazu sagen werden
es sollen gar schöne und reiche hinaufkommen Es frug alle Leute wie manchmal
des Tages man sich anders anziehe und wie manche Bkleidig es mit sich nehmen
solle Ob wohl fünfe genug seien oder ob man sechs haben müsste ob man die
Mänteli droben auch könnte waschen und glätten lassen und ob man wohl gutes
Ammermehl hätte von körnigem Mehl oder ob es mit hinaufnehmen solle Mit so
Tüfelsdreck von Erdöpfeln wolle es sich seine Mänteli nicht verderben lassen
Was man wohl meine ob es Mode sei die heiteren Bkleidigen am Morgen anzuziehen
oder am Abend Wo man wohl das beste Schmöckwasser zu kaufen bekomme zu Bern
oder zu Burgdorf oder ob es dasselbe sollte von Neuenburg kommen lassen Man
hätte ihm gesagt dort schmöcke man weitaus am besten weit und breit So hatte
ds Elisi fast Tag und Nacht zu tun und die Mutter sagte manchmal Sie wollte
sie hätte nichts davon gesagt oder sie wären schon dort das Meitschi werde ihr
noch zum Narren sie hätte ihr Lebtag noch nie so tun sehen
Als die Mutter endlich auch ans Einpacken denken wollte war kein Platz für
sie Ds Elisi hatte schon zwei Koffern gefüllt und eine Menge Sachen sollten
noch mit aber man wusste nicht wie Die Mutter meinte freilich Elisi könnte
füglich dies und jenes daheim lassen sechs Tschöpli brauche es doch nicht und
an zwei Kitteln wäre es wohl auch genug Aber allemal wenn die Mutter so etwas
sagte so weinte das Meitschi und statt etwas wegzutun riss es Neues hervor
noch mehr Kittel noch mehr Tschöpleni und Gloschleni ohne Zahl Joggeli hatte
eine Art Galgenfreude daran und riet ihnen sie sollten eine Zügelkiste von Bern
kommen lassen man hätte dort welche wie ein kleines Ofenhaus da könne man am
kommodsten einpacken nicht nur Kittel und Gloschleni sondern die Sachen
mitsamt den Schäften und Trögen da werde doch am wenigsten verrumpfet Dem
Elisi gefiel das gar wohl und Uli sollte auf der Stelle fort eine solche Kiste
zu holen Aber die Mutter wie auch ds Elisi weinte und tat wollte das durchaus
nicht zugeben Sie wolle nicht in die Brattig sagte sie und was würden die
Leute sagen wenn sie mit einer solchen Kiste dort ankamen man könnte sie viel
leicht nur nirgends hintun Es sei schon viel gemacht dass sie mit einem solchen
Narr in den Gurnigel gehe sie brauche nicht noch eine solche Kiste Sie ginge
gar nicht wenn es ihr nicht der Doktor befohlen hätte und sie fürchten müsste
das Meitschi hintersinnete sich Er sei immer der Wüstest sagte sie zu ihrem
Mann statt etwa einen guten Rat zu geben oder dem Meitschi abzubrechen treibe
er nur das Gespött mit ihnen Sie wisse wohl am liebsten wäre es ihm wenn sie
gar nicht gingen und es hätte ihn von jeher jeder Kreuzer gereut den er für
sie hätte ausgeben müssen und doch sei sie auch nicht mit leeren Händen
gekommen Dann sagte Joggeli sie hätte das Meitschi so gemacht ihm zu allem
zbest geredet sie könne es jetzt haben wie es sei er wisse nichts zu machen
Sie wolle doch nicht alle Schuld tragen sagte sie Wer ihm immer die schönsten
Sachen gekramet hätte und wer es ins Weltschland getan woher es so wunderligs
heimgekommen Einmal nicht sie Aber sie wisse es wohl es sollten immer alle
Leute schuld sein nur er nie und doch rede er immer zur letzen Zeit und
schweige immer zur letzen Zeit nur um Andern schuld geben zu können Während
sie zusammen branzten branzte Elisi mit Uli dem die Gurnigelfahrt nicht recht
gefallen wollte und der jetzt Elisi noch dazu verhelfen sollte seine ganze
Garderobe mitzunehmen Wenn er nur ein Wörtlein einreden wollte dies oder jenes
sei doch nicht nötig mitzunehmen so fuhr ein Wetter über ihn aus das
fürchterlich war Da könne es s schon sehen weinte Elisi was es von ihm zu
erwarten hätte er sei schon jetzt der Wüstest von allen gegen ihns usw Er
wusste sich endlich nicht anders zu helfen als dass er unvermerkt ein tüchtiges
Kistchen zwegmachte es durch Elisi füllen ließ und unter dessen Adresse durch
den Boten voranschickte Auf das hin versprach ihm Elisi im Gurnigel wolle es
mit der Mutter reden und plären bis sie Ja sage und es solle nicht Martistag
werden so müssten sie verkündet sein
Nun hatten Mutter und Tochter in zwei großen Koffern Platz für ihre Sachen
da die Mutter mit viel Wenigerm zufrieden war Nur etwas warme Rustig sagte
sie wolle sie mitnehmen man hätte ihr schon manchmal gesagt es schneie dort
zuweilen wie mitts im Winter Ds Elisi war nicht zu bewegen wollene Strümpfe
mitzunehmen Wenn es an einem Orte lustig gegangen sei so hätte es noch nie
gefroren sagte es Viel Kaffeepulver nahm die Mutter mit wie die Junge sie
auch auslachte und meinte sie wolle im Gurnigel bessere Sachen haben als
Kaffee Ein gutes Kaffeeli sagte die Mutter sei immer die Hauptsache und so
an einem Ort verbrenne man ihn immer ganz besonders die Basler man bekomme
nie guten Schmarotzen oder entlehnen schicke sich ihr auch nicht und man sei
manchmal froh wenn man für eine gute Bekannte ein gutes Tröpfli hätte Statt so
viel Kleider wollte sie lieber eine frischmelchige Kuh mitnehmen von wegen der
Nidle Sie hätte manchmal gehört dort sei die Nidle noch schöner himmelblau als
Elisis Tschöpli Als das Kistchen fort war ward Uli fast vergessen und es
gmühte ihn sehr wie Elisi fast nicht Zeit hatte »Adie leb wohl« zu sagen
als er das Ross hielt mit dem Joggeli sie auf Bern fuhren wollte
Als sie fort waren trat eine rechte Windstille ein es wohlete dabei
ordentlich den Zurückgebliebenen Uli konnte mit Vreneli reden ohne dass er
immer ringsumblicken musste ob nicht Elisi hinter irgend einem Baum ihnen
abgugge Und obgleich Vreneli ziemlich trocken mit ihm war so floh es doch
nicht und brach die Rede nicht so kurz ab Bloß als einmal Uli es fragte warum
es so leid aussehe es dünke ihn es hätte seit einiger Zeit viel gemagert
kehrte es sich um und gab ihm keine Antwort Übrigens war es eine Freude zu
sehen wie es die Haushaltung machte Das Ding schien fast von selbst zu gehen
wie ein Zeit Es schien Uli als könne er die Jungfrauen nie mehr draußen
brauchen als jetzt und doch ging alles im Gleichen fort daheim Vreneli rührte
sich aber wie wenn es auf Rädlene ginge die Hände bewegten sich flink wenn
schon der Mund ging und wenn auch Mund und Hände im Gang waren so konnte es
noch an einem dritten Orte sehen was dort ging Es sah an den Augen ringsum und
nicht nur zmittendrin gerade hinaus dabei meinte es nicht um eine rechte
Hausmutter zu scheinen müsse es so recht strub und wüst daherkommen um dann
sagen zu können wenn man in allem sein müsse so könne man nicht gsunntiget
sein Vreneli war von den Leuten die sie mögen anrühren was sie wollen immer
ein sauber und nett Aussehen haben während es hingegen Leute gibt die sie
mögen anwenden wie sie wollen es nie dahin bringen dass zwischen ihnen und
einem Ofenwisch ein merklicher Unterschied ist Mit Fragen und Werweisen wurde
keine Zeit verloren Es schien als ob dem Mädchen sobald es aufstehe das
ganze Tagewerk klar und geordnet wie eins nach dem andern komme vor Augen
stehe so dass es nie vergebene Gänge gab man nie von ihm hörte Ih ha nit
gsinnet ih ha n denkt ih ha nit gmeint Als Uli draußen und Vreneli drinnen
nach ihrem Sinn unumschränkt herrschten die Arbeiten ineinanderreiseten
einander in die Hände arbeiteten ging alles so wie gpfiffen dass Joggeli
brummte es werde ihm ganz wunderlich dabei und es ginge ihm alles ringsum Er
sei froh wenn seine Alte wieder komme er frage dem nichts nach wenn alles so
ginge wie ghexet So könne man sich nie ordentlich besinnen was und wie man es
machen wolle Das mahne ihn daran wie wenn man ohne Schleiftrog im Galopp den
Stalden ab sprengen wolle oder wie wenn Zwei in den neumodischen Tänzen denen
man Länguus sage davonfuhren wie wenn sie Fecken hätten und in die Hölle
fahren wollten zsämefüesslige
Indessen war die Alte im Gurnigel wo es dem Elisi ganz besonders wohl
gefiel wenn es ihm schon fast die Füße abfrieren wollte bei dem kalten Sommer
und seinen hoffärtigen Schuhen und Strümpfen Peinvoll war ihm die Reise
gewesen Es hatte sich himmelblau angezogen in Bern in Riggisberg kam es ihm in
Sinn es wolle sich schwarz anziehen schwarz scheine viel vornehmer Die
vornehmen Frauen kämen ja auch oft in schwarzseidenen Kleidern Der Kutscher
wollte aber die Koffer nicht abpacken und fluchte es gar jämmerlich an Das
hätte ihm noch kein vernünftiger Mensch zugemutet dass er in Riggisberg abpacke
und doch hätte er vornehmere Leute geführt als er heute habe Kurz er tat es
nicht und ds Elisi plärete bis hinauf wo auf einmal die Kutsche hielt und es
aussteigen sollte um den steilen Weg hinauf zu Fuß zu gehen Elisi wollte
nicht wollte auch die Mutter aufweisen Sie hätten bezahlt um zu fahren und
nicht um zu laufen und das sei ein grober Stadtlümmel und dem täte es wohl sie
hinaufzufahren Aber die Mutter war eine zu verständige Bäurin als dass sie vom
Elisi sich meistern ließ Ihr Leben lang sei sie nie einen solchen Berg
hinaufgefahren und die Rosse vermöchten sich dessen nichts dass der Kutscher
ein Lümmel sei Sie stieg aus druckte aber dem Kutscher ein Trinkgeld in die
Hand dass er ihr Meitschi fahren lasse es sei ihm übel und wandelte nun im
Schweiße ihres Angesichtes und mit schwerem Atem den Berg auf oft stillestehend
und schwer aufseufzend
Im Gurnigel war große Freude als ds Elisi so schön himmelblau zum Vorschein
kam Die Frauen lächelten auf den Stockzähnen und mochten fast nicht warten bis
die Ankömmlinge im Hause waren um laut zu lachen Sie mussten aber lange warten
denn da gab es viel auf und abzupacken Spazierende Herren lachten ungeniert
und einige mit Schnäuzen traten ganz nahe hinzu stützten sich mit beiden
Händen wenn nicht die eine den Schnauz drehte auf ihre Stöcke hielten sich
schön gerade ließ ihre Äugelein zu Zeiten martialisch zwitzern beugten ihre
steifen Oberleiber einander seitwärts zu und machten unter schallendem Gelächter
ihre deutschen weltschen und holländischen Bemerkungen
Der Raum dieses Büchleins das schon viel größer geworden ist als es es im
Sinne hatte erlaubt es nicht diese merkwürdige Badefahrt des Näheren zu
beschreiben nur das Notwendigste ist erlaubt aufzuzeichnen Ds Elisi machte
Aufsehen im Gurnigel und war recht glücklich ja wie im Himmel Nur zwei Dinge
waren ihm nicht recht Es konnte gar nicht leiden dass sie am Bürgertisch aßen
Wenn nur eine Schneiderin dagewesen wäre es hätte sich auf der Stelle städtisch
kleiden lassen hätte die Mutter im Stich gelassen und wäre an den Herrentisch
gezogen Es sagte der Mutter manchmal es hätte gar keinen Appetit unter den
groben Leuten wo eim niemer serviere ein jeder nur für sich selbst sehe und
esse wie wenn die Andern nichts bekommen sollten Zweitens klagte es schwer
dass man des Morgens so früh aufstehen musste um das Wasser zu trinken Die
ersten Tage blieb es im Bette Als die Herren es aber fragten warum es nicht
komme es sei am Morgen so schön zum Schwarzbrünnli zu gehen usw da wollte es
diese Zeit versäumen und zwang sich aufzustehen Aber es ging genug zu und die
Mutter schwitzte oft mehr als den ersten Tag den Berg auf bis sie ds Elisi aus
dem Bett auf den Beinen und aus der Stube hatte
Die ganze männliche Welt gab sich mehr oder weniger mit dem Elisi ab dessen
Bekanntschaft man den ersten Tag beim Tanz gemacht hatte tanzen war nämlich
das was Elisi wahrscheinlich am besten konnte So tanzte man nicht ungerne mit
ihm und trieb dabei seinen Spaß mit ihm Zuerst meinten die Herren es sei eine
der sentimentalen Närrinnen die sich mit Bücherlesen abgeben Sie fragten nach
seiner Lektüre ob es den Klauren kenne und den Kotzebue und den Cramer nach
dem Lafontaine und dem la Motte Fouqué und Andern nach Eberhards Pastetik und
Stapfers Seufzern der Liebe Aber sie sahen bald dass sie auf dem Holzweg seien
Ds Elisi las das ganze Jahr aus nichts seit es in der Schule das Fragenbuch im
Weltschland die Grammaire aus der Hand gelegt hatte es vielleicht kein Buch
mehr in die Hand genommen kaum mehr den Kalender ja es wäre zweifelhaft
gewesen ob es eine Zeile ohne Fehler hätte lesen können Ds Elisi beschäftigte
sich nur mit seinen Kleidern seiner Person seinem Essen seinem Heiraten
sonst mit nichts In die gelehrten Gespräche trat es also nicht ein und gab sich
nicht einmal den Schein als ob es einen von den genannten Herren kenne es war
von dieser Krankheit unangesteckt Die Herren waren einen Augenblick in
Verlegenheit als sie mit diesem ausgetretenen Thema nicht Glück machten Sie
schwadronierten hin und her bis sie endlich merkten wie wohl das Rühmen bei
Elisi angehe Das trieben sie nun anfangs auf die unverschämteste Weise dass
ihnen die Augen übergingen Elisi in Wonne schwamm die nicht dumme Mutter aber
manchmal sagte »Aber Meitschi wie magst du dich doch mit diesen abgeben Sie
halten dich nur zum Narren glaub es mir doch ich weiß auch noch was Trumpf
ist Wenn mir einmal einer solche Sachen gesagt hätte wie sie dir sagen ich
hätte ihm einen Klapf gegeben dass er nicht mehr gewusst ob er den Kopf noch
hätte oder nicht«
Das Ding nahm aber eine etwas andere Farbe an als man vernahm das
schwefelgelbe Ding sei Erbin von wenigstens hunderttausend Pfund man
betrachtete es nun mit andern Augen und kriegte eine Art Respekt vor ihm
Hunderttausend Pfund pardieu sind keine Kleinigkeit Wenn die Herren beisammen
waren so war der gleiche Spott da und jeden Abend ging ein neu Geschichtlein
von Elisi herum Dem hatte es erzählt wieviel Mänteli es habe und wieviel
Gloschli ein Anderer wusste woher sie ihr Schmöckwasser hätte kommen lassen
ein Dritter brachte eine Krankheitsgeschichte zum Vorschein ein Vierter war
darübergekommen das ds Elisi nicht wusste in welchem Lande es wohne Wenn aber
die Herren alleine waren jeder für sich so dachte Mancher an die
hunderttausend Pfund stellte sich vor den Spiegel drehte den Schnauz warf
sich forsche Blicke zu und dachte ein schöner Kerl sei er noch aber es sei
Zeit dass er an Schermen komme machte sich dann Pläne zu einem Feldzug auf die
hunderttausend Pfund Hier im Gurnigel waren ihm zu viel Leute blossgeben mochte
er sich nicht später dann wollte er das Ding näher besehen Hier wollte er sich
unterdessen gut Spiel machen Anknüpfungspunkte suchen usw Wenn sie zu Elisi
kamen so suchte nun Keiner es absichtlich lächerlich zu machen sondern seine
eigene Person ins rechte Licht zu stellen sich angenehm zu machen redete vom
Glück der Bekanntschaft vom Glück sie fortzusetzen wo man die Ehre hätte es
anzutreffen ob es wohl erlaubt wäre ihm einmal einen Besuch zu machen was
Vater und Mutter wohl sagen würden wenn man einmal käme und sie um eine Suppe
bitten würde usw Das Elisi schwamm im Glück
Hie und da einer wagte sich auch an die Mutter mit seinen Redensarten
erhielt aber gewöhnlich höchstens ein zweisilbig Wort zur Antwort »Die Alte ist
une bête« sagte er dann »so was man sagt ein Bauerntolgg« Die Mutter aber
sagte »Wie magst du doch auch Solchen ablosen Das sind mir doch die dümmsten
Menschen die ich erlebt habe Solange ich da bin wissen die mich nichts
anderes zu fragen als ob ich nicht meine dass es bald schön Wetter gebe und ob
wir schon verheuet hätten Unser Bub wäre witziger er wüsste doch noch von etwas
anderem zu schwatzen als vom Wetter und vom Heu Solche Herren meinen doch man
sei so dumm auf dem Lande dass man von nichts zu reden wisse als vom Wetter und
vom Heu die Löhle«
Während diese Herren in aller Ruhe ihre Pläne machten in aller angewohnter
Steifheit jeder sich den Weg zu öffnen suchte für die Zukunft in aller
angeborenen Selbstgefälligkeit sich dachten das werde sich schon machen ohne zu
pressieren verstund es ein Anderer anders
Es war ein Baumwollenhändler im Gurnigel und zwar ein grusam vornehmer Er
hatte zwar keinen Schnauz aber er war mit Gold überhängt und sein Uhrenbhänk
läutete fast wie ein Rossgschäll konnte tanzen wie dr Tüfel und schwatzen wie
eine Elster Der wusste mit Mutter und Tochter zu schwatzen dass es ihnen
wohlgefiel Der Mutter wusste er von allen Arten von Baumwollenzeug und Garn zu
reden was gut und nicht gut sei dass sie den Mund offen vergaß »Wenn man immer
einen Solchen bei sich haben könnte wenn man etwas kaufen wollte das wäre
kummlich« sagte sie Dann sprach er wie nebenbei von seinen Geschäften wie ein
großes Lager er habe um wieviel Tausende er hier eingekauft um wieviel
Tausende dort dass der guten Mutter ganz der Verstand stillestund Wenn der
nicht grusam reich sei oder einen Geldscheisser habe so begreife sie nicht
woher er das Geld nehme so viel zu kaufen sagte sie Sie seien auch reich
aber so viel Geld brächten sie doch nicht so bald zusammen und zu entlehnen
schäme man sich wenn man es schon bekäme Mit Elisi schwatzte er von seinen
Kleidern und lobte ihm den Stoffund die Farbe wusste aber wo man beides noch
besser kriege erbot sich ihm zu verschreiben was es wolle Er garantiere ihm
sagte er von solcher Qualität wie er sie zu bekommen wisse hätte keine
Ratsherrenfrau in Bern und wenn ihm eine schon hundert Louisdor bieten würde
wenn er ihr auch verschaffen wolle er lachete sie nur aus was frag er hundert
Louisdor nach Die Jungfer Elise müsse die Einzige sein im Kanton die solches
Zeug trage Die größte Freude hätte er über die Augen welche die Töchter in
Bern machen wer den wenn sie solches Zeug sehen würden und es nicht bekommen
könnten Dann wusste er mit Elisi vom Weltschland zu schwatzen kannte alle Orte
wo es gewesen war auf das Genauste wusste von dessen Bekannten zu reden wie
wenn er sie erst heute verlassen so dass ds Elisi sich nicht genug verwundern
konnte dass es ihn dort nie gesehen nie angetroffen Es war ihm bei dem
Baumwollenhändler weitaus am heimeligsten er besaß sein vollkommenes Vertrauen
aber die Schnäuze gefielen ihm doch fast noch besser Sövli schön Herre sagte
es hätte es syr Lebtig no nie gseh die gingen so graduf dr Tüfel chönnt se
nit chrümme es glaub mi chönnt se am ene Bei graduse ha es miech kene kes
Gleich
Der Baumwollenhändler war nicht dumm er merkte das und wusste wohl dass wenn
eine Spekulation einem vor die Füße fällt man nicht Wochen lang sich besinnen
darf ob man sie aufheben will oder nicht Als es endlich wieder recht schön
Wetter war lud er Mutter und Tochter ein zu einer Partie nach Blumenstein
Elisi war das gleich recht die Mutter machte Umstände Sie ginge nicht ungern
einmal nach Blumenstein sagte sie aber das gebe große Kosten nur schon das
Fuhrwerk sei unverschämt teuer Wenn sie eins von ihren sechs Rossen herpfeifen
könnte so wollte sie nicht Nein sagen Das solle ihr keinen Kummer machen
sagte der Einlader das sei eine Kleinigkeit nicht der Rede wert Es würde ein
Affront für ihn sein wenn sie nur noch ein Wort davon reden würde Die Freude
für ihn sei unendlich größer als die Kosten Aber sie müsse doch noch einmal
davon anfangen sagte die Mutter er möge sagen was er wolle Sie wolle schon
mit ihm fahren die Kosten werden zwar nicht alles zwingen allein ihren Teil
wolle sie tragen Wo sie ein junges Meitschi gewesen da hätte sie Mancher zu
Gast gehalten sie wolle es nicht leugnen aber jetzt sei sie zu alt dazu jetzt
tue sie es nicht mehr Mein Baumwollenherr war nicht verlegen Er lachte Das
werde sich schon machen sie solle nur kommen Er wolle für ein Fuhrwerk sorgen
sie sollten nur machen dass sie um acht Uhr zweg seien Wenn sie nur zur Tafel
dort seien Die dürften sie nicht versäumen dort wisse man auch was Kochen
sei Hier meine man wenn man etwas in einen Hafen werfe Wasser darauf schütte
Feuer darunter mache und das zusammen machen lasse bis die Essglocke gehe so
sei das gchochet und die Gäste müssten wohl daran leben und doch sei es manchmal
ein Fressen das einem Magenweh machen müsse
Es war ein recht schöner Sonntag da oben im Lande Die sonst etwas dunkle
Gegend wurde durch die Sonne fröhlich und ihre Einförmigkeit wurde ihr benommen
durch die vielen Fuhrwerke die vielen Wandelnden die dem Gurnigel zueilten
oder sonst wohin In leichtem schönem Fuhrwerk mit schnellem Rosse eilten sie
windschnell durch das Tal nieder funkelnd in köstlichstem Putze Der Mutter
schönster Putz war das strahlende Hemd auf der breiten Brust Die Tochter
dagegen haue andere Dinge aufzuweisen Gold Silber Seide doch diesmal nicht
schwefelgelbe sondern schwarze aber keine breite Brust dafür aber war ihr
Mänteli brodiert und bögelte sich einer Brieftasche ähnlich in die Höhe bis fast
zum Kinn Der Herr vorauf strahlte vor Vergnügen glänzte in neuen Tüchern mit
gelben Handschuhen und schwarzen Stiefelchen hatte Kasimir an den Hosen ein
seidenes Schnupftuch im Sack und fuhr wie einer der nie ein eigenes Ross in den
Händen gehabt Die Mutter hatte immer die Hand auf dem Schlage als ob sie sich
halten wolle und machte allemal wenn sie an einem Fuhrwerk vorbeifuhren das
ängstlichste Gesicht So sei sie nie gefahren und doch hätten sie gute Rosse im
Stall sagte die Mutter aber sie möchte es einem Ross nicht zuleid tun Wenn eim
ein Rad abginge so führe man ja desus es wüsste kein Mensch wie weit Und
bsonderbar rainab sprenge er es hätte kei Gattig sie möchte ihm kein Ross
anvertrauen Ein Ross sei freilich kein Mensch aber eben deswegen weil es ein
Unvernünftiges sei so hätten die Menschen den Verstand dass sie ihm nicht mehr
anmuten sollten als es wohl erleiden möge Es lachte der Baumwollenhändler gar
sehr über die altväterische Sorglichkeit der Mutter für ein Ross und er wusste
eine Menge Heldentaten zu erzählen die er auf Kosten von Pferden verübt wie
geschwind er hier und dort gefahren und wie er so ein Ross zu morischinieren
wisse wie Keiner Viel von seines Vaters Rossen wusste er auch zu erzählen von
Engeländern und Mecklenburgern Er dachte die wüssten nicht dass sein Vater
Baumwollenzeug in einer Drucke im Lande herumgetragen
Im Fluge waren sie im bekannten Blumenstein wo auf der Laube die
zahlreichen Gäste den Besuchern entgegensahn und sie musterten
Es geht nun splendid zu in Blumenstein Der Baumwollenhändler spielt den
Herren vortrefflich regiert und befiehlt dass die Mutter ganz erstaunt sagt
Dem sehe man es an dass er nicht zNütigen daheim sei der könne beim Sacker
regieren wie ein General einmal sie dürfte nicht Die Kellner kämen ja daher
dass ihrereins sich schämen müsste und froh sei wenn sie eim ruhig ließ Bei
Tische lässt man es sich wohl sein Kein Wein ist dem Herrn gut genug er
schimpft über jeden auch der Neuenburger ist nicht recht obgleich ds Elisi
sagt er sei viel besser als der des Bruders zu Frevligen und der sei doch auch
gut gewesen Er weiß ganz vortrefflich zu nötigen und seine Begleiterinnen
trinken ein Glas mehr als üblich ohne dass sie es merken
Nach Tische geht das Tanzen an und Elisi fliegt dahin wie im Himmel Nun
will der Baumwollenhändler auch hinein Er beginnt sich zärtlich zu machen er
drückt die Hände ds Elisi drückt wieder Er macht seine Augen liebetrunken ds
Elisis werden zärtlich er drückt Elisi an sich Elisi hilft nach O wenn er
doch sein Lebtag nicht weiter von ihm wäre sagt er Ds Elisis sieht ihn an was
noch nachkomme Er wollte er hätte es nie gesehen sagt er »Ihr seid ein
Wüster« sagt ds Elisi und gibt ihm einen Mupf mit dem Ellbogen »Ach Gott was
fange ich an wenn ich fort muss Ich schieße mir eine Pistole vor den Kopf«
»Herr Yses« sagt ds Elisi »das wollte ich nicht tun etwas Dumms so« »Wohl
das tue ich« sagte er »auf parole dhonneur« »So lasst mich gehen« sagt ds
Elisi »ich will nicht dabei und dann noch etwa schuld sein« »Ach« flötete der
Baumwollenhändler »wenn ich hoffen dürfte« und drückte wieder ds Elisi sah
ihn wieder an und drückte auch »Ach wenn ich hoffen dürfte« sagte er und
drückte Da drückte ds Elisi nicht sondern sagte »Ach das isch es Gstürm ih
cha mih nüt druf vrstah« »Ach« sagte er »wenn Ihr Herz redete Sie würden
mich verstehen« »Öppis Dumms eso han ih üser Lebelang nie gehört Mi redt mit
dem Mul u nit mit dem Herz We die o no rede wette wer wett zletscht lose«
»Ach« seufzt er »Elise Sie zerreißen grausam mein Herz« »Öppis Dumms eso«
sagt ds Elisi »Nun mag es kosten was es will und sollte es das Leben sein«
rief der Baumwollenhändler pathetisch aus dass die Tanzenden alle auf ihn sahen
»es muss heraus Sie müssen mich verstehen Elise ich liebe Sie ohne Sie gehe
ich dem Teufel zu wollen Sie mein sein mich glücklich machen mit Ihrer Hand«
»Hürate« fragte ds Elisi wieder zärtlich blickend »ach ganget mr Dir weit
mih nume für e Narr ha« »Ach Gott nein es ist mein blutiger Ernst« rief der
Baumwollenhändler »Ohne Sie lebe ich nicht mehr bis zur Zurzacher Mess« »Dr syt
e Wüeste grad eso zcho« sagte Elisi zärtlich »und eim so angst zmache
chönnet dr Eui Sach nit o manierlich säge u dass mes o bigryft« Das tat nun auch
der Baumwollenhändler und Elisi sagte ihm zu mit etwas innerlichem Zögern
freilich wenn es an die mit den Schnäuzen dachte die kein Gleich machen
würden wenn man sie bei einem Bein geradeaus hielte Indessen dachte es Hätten
sie die Gosche aufgetan und zur rechten Zeit geredet es geschehe ihnen jetzt
gar recht Es wolle nicht ein Narr sein und jetzt noch länger warten und zuletzt
zwischen Stühle und Bänke kommen Uli blieb weit aus seinem Sinn Nun war auch
der Baumwollenhändler im Himmel tanzte wie wenn er über das Stockhorn aus
wollte ließ Champagner kommen und ließ es flott gehen dass es der Mutter die
sich auch herbeigefunden angst und bange wurde Sie begehrte fort und fragte
diesen jenen was sie schuldig seien sie wollten fort und dabei überschlug
sie immer ob sie wohl Geld genug bei sich hätte das gebe einen Gunten von dem
wollte sie Joggeli nichts sagen Aber die gute Frau fragte eine lange Stunde
umsonst Immer hieß es »Plötzlich plötzlich« Aber niemand stund ihr weiter
Rede Der helle Schweiß stund ihr endlich aus lauter Angst vor der Stirne Ds
Elisi und der Händler taten auch so dumm miteinander dass sie sich schämte und
sich vornahm diesmal wolle sie dem Meitschi doch die Sache sagen es möge dann
plären oder nicht das sei ihr gleich Was werden doch die Leute sagen dachte
sie und meinen was ich für eine Mutter sei dass mein Meitschi angesichts
meiner Augen sich so aufführt
Endlich nach einer grausamen Stunde hieß es es sei angespannt abgeschafft
sie können fort Jetzt dachte sie sobald sie einmal im Fuhrwerk sitze wolle
sie ihnen das Kapitel lesen dass es eine Gattig hätte Aber kaum hatte sie dem
Kellner der das Türchen zumachte »Dankeigit lebit wohl« gesagt als es
davonging in sausendem Galopp und immerzu immerzu was sie auch rufen mochte
er solle doch hübschli machen dass sie endlich sagte das sei ihr ein Donners
Sturm mit dem fahre sie ihr Lebtag nicht mehr Wie im Hui waren sie in
Riggisberg Dort ward gehalten trotz allem Protestieren der Mutter sie hätte
nichts nötig es sei ihr nur wenn sie da heim wäre Auf das Verlangen des
Herrn wurden sie in eine aparti Stuben geführt trotz dem Protestieren der
Mutter die meinte nicht länger als man bleiben könne wäre es ihr wöhler in
der Gaststube Vom besten Wein musste gebracht werden wenn schon die Mutter
sagte »Herr Yses noch immer mehr Kosten« und »Wer soll den Wein trinken Ich
mag nicht und es scheint mir die Andern hätten auch genug« Als er gebracht
ward das Stubenmädchen ihn entsiegelt mit den Händen aufeinander gefragt
hatte »Ihr werdet heute in Blumenstein gewesen sein Es war gar schön Wetter
Es werden viele Leute dort gewesen sein Wir haben auch Leute gehabt dass wir
fast nicht zu wehren wussten« dann mit rascher Wendung nach einigem Räuspern den
Abzug genommen hatte begann der Baumwollenhändler in wohlgesetzter Rede Sie
möchte ihm doch ja seine Aufführung nicht übel nehmen die Freude hätte ihn
übernommen Er sei reich habe ein gut Geschäft es hätte ihm nur eine Frau
gefehlt für glücklich zu sein Viele hätte er haben können aber Keine sei ihm
recht gewesen Er habe nicht aufs Geld gesehen und nicht auf die Schönheit er
habe eine nach seinem Herzen gesucht mit der er glücklich sein könne Erst in
ihrer Jungfer Tochter der Jungfer Elise habe er gefunden was sein Herz
verlangt Vom ersten Augenblick an wo er sie gesehen sei es ihm wie angetan
gewesen »Die oder Keine« habe er bei sich selbst gesagt Je länger je mehr
habe er gefühlt dass er ohne sie nicht mehr leben könne und es endlich gewagt
sie auf die heutige Partie einzuladen Im Gurnigel unter den vielen Leuten
hätte er es nicht wagen dürfen seine Erklärung zu machen Er hätte schier nicht
dürfen hätte sein Herz in beide Hände nehmen müssen und doch erst nach dem
Essen und beim Tanzen die Jungfer Elise fragen dürfen ob sie ihn nicht
verschmähe ob er glücklich oder unglücklich sein solle in Zeit und Ewigkeit
»Und meine liebe teure Elise hat mich beglückt hat meine Hand mein Herz nicht
verschmäht Oh da habe ich gefühlt was es heißt der Himmel tue sich einem
auf Aber ich bin nicht ruhig gewesen es hat mich geplagt bis ich auch der
guten Mutter meiner teuren Elise meine Absichten eröffnet bis meine und meiner
teuren Elise Bitten zu ihrem Herzen gedrungen dass sie mich als Sohn annehmen
und mit dem Besitz der unvergleichlichen Elise selig machen wolle schon hier auf
Erden«
Der guten Mutter liefen die Tränen die Backen ab während dieser schönen
Rede Sie dachte bei sich ein solches gutes Herz habe sie noch bei keinem
Menschen gesehen Aber wunderlich müsste doch so ein Herr sein Sie müsse sagen
wenn ds Elisi schon ihr Meitschi sei zur Frau wäre es ihr zu wüst und zu
hässig aber in der Stadt sei alles gerade das Gegenteil als auf dem Lande Da
frässen sie ja auch Schnecken und verachteten Küchleni Als er endlich geendet
hatte und ihre beiden Hände gefasst hielt knien tat er nicht von wegen dem
Kasimir an den Hosen war sie in großer Verlegenheit was sie antworten sollte
He ja sagte sie endlich das sei wohl gut und schön aber er müsste den Vater
fragen der hätte zu befehlen und was der sagen werde wisse sie nicht er sei
allbets einist ein wenig wunderlich Es komme darauf an in was für einem Laun
er sei und wie man es ihm breichen könne Oh sagte der Baumwollene das mache
ihm gar keinen Kummer wenn es ihr recht sei sie ein gutes Wort für ihn
einlegen wolle Sie solle nur Ja sagen so sei ihm schon geholfen »Aber Elise
kommt und helft mir die gute Mutter bitten« sagte er zu seiner holden Braut
die unterdessen gar emsig Mandeln gegessen und Haselnüsse aufgemacht hatte Die
gute Mutter war nicht unbarmherzig Sie dachte an Uli und wie auf diese Weise
der Lärm ihr erspart würde dass die Tochter den Knecht heirate Der reiche
Tochtermann mit seinem guten Mundstück gefiel ihr wohl indessen sagte sie bloß
He darwider wollte sie nicht sein wenn ds Elisi nichts darwider habe und kein
Anderer mehr ihm im Kopf sei Aber versprechen könne sie nichts das müsse der
Mann machen und dann müsse man doch noch etwas genauer wissen woher er sei und
was er wohl für Mittel hätte Sie zweifle nicht daran dass alles so sei wie er
sage aber es habe sich schon Mancher für reich ausgegeben und nachher sei man
darübergekommen dass alles lauter Lügenwerk gewesen Und bsunderbar an solchen
Orten wie der Gurnigel auch eins sei gebe es gar allerlei Leute da müsse man
wohl luegen wem man traue Sie denke immer an das Sprichwort es gebe gar viel
Beeren allein es seien nicht alle Kirschen Da war der Baumwollhändler ganz
vergnügt und sagte Oh wenn es nur das sei so sei er glücklich und die Jungfer
Elise sein Er wolle sich ausweisen dass es eine Art hätte Sie sollte nur
keinen Kummer haben er mache ein Haus wie es wenige gebe Er hätte unter den
reichsten Fabriktöchtern im Aargau auslesen können und auch im St Gallerlande
Man hätte ihm manchmal unter den Fuß gegeben man möchte gerne ein Geschäft der
Art mit ihm machen Aber er hätte sie nicht verstehen wollen Die Töchter dort
seien ihm alle zu bauelig gewesen Er handle zwar mit Baumwolle aber das müsse
er sagen die Töchter habe er lieber sydig als bauelig Die Alte lachte gar
herzlich nahm einen guten Schluck und vergaß fast das Pressieren zum
Heimfahren Es ging nun langsamer das Tal auf und der Herr schwatzte ganz
traulich mit seinen Damen und er zählte ihnen von seinen Herrlichkeiten seinen
Einrichtungen Geschäften Plänen dass es der Mutter ganz wunderlich im Kopfe
ward und es ihr manchmal schien die Tannen höben die Füße und tanzten Länguus
um sie herum Wenn es nicht so wäre dachte sie so würde er es nicht sagen und
alles Misstrauen schwand Sie konnte sich nicht sattsam an den Betrachtungen
erlaben wie das doch eine glückliche Badefahrt sei und wie das sich auch hätte
treffen müssen dass ds Elisi so einen hier gefunden der so reich sei und gerade
so gnatürt dass er ds Elisi absolut haben wolle In hundert Jahren meinte sie
hätte das vielleicht sich nie so breicht Das Zeichen im Kalender wolle sie sich
aber merken in dem sie die Badefahrt angetreten das müsse ihr ein vornehmes
sein es nehme sie doch wunder was für eines Während die Alte ihre
Betrachtungen machte schätzelete der Herr mit der Jungen wie es dieser auch
recht war Die Zeit verrann auf dem langen Weg sie wussten nicht wie
Als sie bald heim waren sagte ds Elisi Es hilfe aber droben von dem allem
was heute vorgegangen nichts sagen es begehrte nicht dass die Herren es
wüssten es müsste sonst gar viel ausstehen von ihnen Möglicherweise dachte ds
Elisi wenns dem einen oder andern auch noch einfiele mit ihm nach Blumenstein
zu fahren so könnte es immer noch machen was es wolle Dem Baumwollenhändler
war der Vorschlag auch ganz recht aber aus andern Gründen Im Gurnigel könnte
manches bekannt sein was ihm nicht lieb war und der Neid es leicht vor die
unrechten Ohren bringen Die Mutter meinte das verstehe sich Das würde ein
schöner Lärm daheim absetzen wenn Joggeli vernähmte seine Tochter sei
Hochzeiterin im Gurnigel und er wüsste nichts davon Und so etwas trag der Luft
in einem Tag man wisse es nicht wie weit bsunderbar wenn es Leute seien auf
die man öppe luege und die nicht zum Pöbel gehörten
Die Mutter hatte nichts darwider dass der Baumwollenhändler seine Elise zur
guten Nacht noch herzlich küsste und tat als könne er fast nicht von ihr lassen
Endlich sagte die Mutter es dünke sie es sei genug es sei morgen auch noch
ein Tag es sei hohe Zeit wenn man etwas schlafen wolle Aber trotzdem dass die
gute Mutter endlich im Bette war konnte sie doch nicht schlafen Vor allem zog
sie den Atem tief herauf wie wenn es ihr geleichtet hätte auf der Brust ds
Elisi darab gefallen wäre Dann dachte sie was Joggeli wohl sagen werde
Diesmal werde es ihm doch wohl recht sein was sie gemacht da jetzt ds Elisi
dem Knecht entronnen sei Sie konnte aber auch nicht umhin an Uli zu denken
was der sagen und machen werde Es ist ihm nicht übel gegangen dachte sie
zuletzt er wird wohl noch etwas finden das sich besser für ihn schickt als ds
Elisi Dann dachte sie an den Trossel ließ alle Bettstücke alle Ziechen alle
Leintücher die zu diesem Zwecke gemacht bereit lagen die Musterung passieren
zählte alle Stücke Tuch die sie noch ganz hatte auf und sann und sann ob sie
alle hinreichten den Trossel so zu vervollständigen dass er für eine reiche
Herrenfrau passe Und endlich gingen ihr noch alle Strangen Garn gebauchetes
und ungebauchetes die vorrätig waren an den Augen vorüber sonderten sich zu
dieser und jener Bestimmung wanderten zu diesem jenem Weber je nachdem es
Tischzeug oder Bettzeug oder Hemlituch oder Naselümpen geben sollte Endlich ob
dem Rechnen mit den Webern kam der gute Schlaf und ließ die gute Mutter nicht
aus den Armen bis die Sonne hoch am Himmel stund
In wenig Tagen lief der Aufenthalt im Gurnigel zu Ende Der
Baumwollenhändler leuchtete wie ein Siegesheld bei der Mutter wechselten Sorgen
mit mütterlicher Freude Elisi aber war während der ganzen übrigen Zeit in
beständigem Werweisen begriffen ob es es mit diesem oder jenem Schnauz nicht
noch besser gemacht und ob es nicht hätte warten sollen bis sie fort wären bis
Keiner etwas gesagt um das Jawort zu geben Indessen tröstete es sich damit dass
im gegebenen Fall noch nichts Schriftliches vorhanden sei so dass es noch immer
machen könne was es wolle Diese Bedenken ließ es nicht zum reinen Genuße
seines Glückes kommen Am Tage vor ihrer Abreise ward Elisi nicht müde allen
Leuten zu sagen morgen früh um sechse reisten sie ab und dann ging es
spazieren nach jedem einsamen Winkel hin Dann schwebte der Baumwollenhändler
hinter ihm drein wie eine Bremse hinter einem Pferde und wollte zärtlich tun im
Verborgenen Aber Elisi fand der Bysluft gehe kalt und steuerte wieder der
Laube zu Kaum dort strich es sich zu einer andern Türe aus wiederum spazieren
Horch was säuselt hinter ihm drein ists ein Schnauz in dem der Wind weht Ach
nein es ist der Baumwollenhändler der Staub ab dem Ermel bläst und dem Elisi
nachschiesst wie eine hungrige Fliege einem Suppenteller Da klagt Elisi über den
Wetterluft der ihm gehe durch Mark und Bein und segelt wiederum der Laube zu
Endlich am Abend als niemand mit ihm spazieren gehen wollte als man nur so in
allgemeinen Redensarten die es kaum verstund sein Weggehen bedauerte dachte
es Einer sei besser als Keiner und es kam zu einem zärtlichen Abschied und
näherer Abrede in ihrer Kammer oder Stube man kann beid Weg sagen
Endlich hatten sie den Gurnigel im Rücken und die Mutter meinte Sie wollte
ihr Herz wäre so leicht wie ihr Geldseckel »Joggeli wird luegen wenn er sieht
wie er die Auszehrig hat Doch das macht mir wenig wenn ihm nur das Andere
recht ist Und was wird Uli sagen Es macht mir ein rechter Kummer
heimzugehen« »Mir nicht« sagte ds Elisi »Was wird der Vater sagen Er wird
brummen und räsonieren und wird mich machen lassen Und was frage ich Uli nach
Er ist nume dr Knecht die Mutter wusste aber nicht was Elisi und Uli alles
verhandelt hatten und wie sie eigentlich zusammen stunden sondern bloß dass sie
einander süße Augen machten Er ist e Göhl gsi dass er gmeint het er überchömi
e Buretochter we si öppis Bessers wüssti« Aber Elisis Herz wurde doch schwer
Es kam die Eifersucht und spiegelte ihm nun vor Augen was sein
Baumwollenhändler alles treiben werde wenn es fort sei Alle Mägde alle
weiblichen Gäste gingen vor seinen Augen vorüber und der Gwunder und der Kyb
töteten es fast was er wohl mit allen diesen anfangen und was er ihnen sagen
werde Wenn die Mutter nicht Meister gewesen wäre es wäre umgekehrt und hätte
in irgend einer Verkleidung den Verlobten beargauget
Sie wisse nicht sagte die Mutter wie sie es machen wolle ob sie es dem
Vater gleich sagen oder warten wolle bis er komme Sie wollte es wäre vorbei
Am Kummer der Mutter nahm ds Elisi keinen Teil es dünkte ihns es gäbe alles
Geld welches es hätte wenn es nur wieder im Gurnigel wäre ja es plärete
endlich und sagte Es stehe es nicht aus so lang von ihm fort zu sein Elisi
plärete bis zum Bären wo die Wirtin gar teilnehmend sich bewies mit
Hoffmannstropfen und vielen Fragen Es besserte Elisi nicht bis die Mutter
sagte sie müsse doch noch etwas in der Stadt herum Sie sei lange fort gewesen
und wenn sie nicht auch etwas heimkramete so ginge es übel Es gruse ihr
freilich sagte sie sie hätte Geld gebraucht es sei eine Schande sie hätte
nicht von weitem an so viel gesinnt Wenn sie etwa mangle sagte die Wirtin so
solle sie es nur sagen es stehe ihr zu Diensten so viel sie wolle sie wisse
wohl wie das gehen könne Nein sagte die Bäurin sövli bös zweg sei sie doch
noch nicht Sie hätte da noch öppis in einem Säckeli für die Not Sie hätte
freilich gemeint sie wolle es nicht angreifen Nun wollte ds Elisi auch mit es
wusste wohl warum Die Mutter wollte erst nur für die Hauptpersonen etwas kramen
Aber wenn sie für dieses gekramet hatte so dauerte sie jenes wenn es nichts
bekäme und hatte sie für dieses etwas so kam ihr ein Drittes in Sinn und als
sie einmal über die Hälfte aus war so dünkte es sie es wäre wüst von ihr wenn
sie nicht für alle etwas hätte Sie möge die missvergnügten Gesichter nicht
sehen sagte sie die seien ihr verflümeret zuwider Sie musste das
Reservesäckeli zur Hand nehmen musste Geld daraus nehmen und zwar viel denn ds
Elisi wollte zuletzt auch noch etwas Es konnte niemand kramen sehen wenn es
nicht den bessern Teil davon bekam Aber je mehr die Mutter daraus nahm desto
ringer ging es ihr Äbe so mähr dachte sie e kly meh oder e kly minger es
gang jetzt alles i eim zue es wüss niemer wie lang es gang gäb sie wieder vo
Hus chömm Sie hatten fast nicht Platz in ihrem Chaischen als sie heimfuhren
und mussten so übel sitzen dass ds Elisi ein über das andere Mal balgete die
Mutter hätte nicht so viel zu kaufen braucht man könne Ja gar nicht sein
Es war ein schöner Abend als sie heimfuhren Bei jedem Schritt den das Ross
tat wohlete es der Mutter Wenn nur das schiessig Züg nicht wäre sie könnte
nicht sagen wie froh sie wäre heimzukommen Solche Betten wie sie daheim
hätten hätte man doch im Gurnigel nicht wenn es schon Herrenbetten sein
sollten Wenn sie nicht immer noch den Kittel und das Gloschli auf das Bett
getan hätte sie glaube sie wäre erfroren und käme nicht lebendig heim
Sie hatte fast nicht Augen genug nach allem zu sehen nach jedem
Kabisplätz jedem Flachsplätz nach den Kirsch und Apfelbäumen Alle
Augenblicke sagte sie zu Elisi »Lueg die fangen schon an Flachs zu ziehen
dort sind doch schlechte Bohnen« Aber Elisi nahm sich nicht die Mühe
aufzusehen sondern sagte »Lueg wie mein himmelblau Tschöpli abgeschossen ist
ich darf es nicht mehr tragen als bloß so daheim herum« »Es nimmt mich doch
wunder« sagte die Mutter »ob sie wohl den Kabis beschüttet haben« Dann musste
der Knecht Antwort geben und auf das Genaueste wurde er über alles examiniert
Je näher sie nach Hause kam desto mehr tat sie die Augen auf zu sehen wie
alles stehe und alle Augenblicke nahm es sie wunder ob sie nicht mehr Gras
hätten als dort sei auch so viel Brand im Korn auch so schönes Werch »Lueg
lueg« sagte sie endlich »dort sieht man unsern Kirchturm jetzt sind wir in
einer Viertelstunde daheim« Als sie den ersten bekannten Menschen sah lachte
ihr das Herz im Leibe und sie sagte »Wenn ich gewusst hätte dass wir den zuerst
antreffen würden ich hätte ihm auch etwas gekramet Wenn ich noch einmal so
lang fort sollte was aber so Gottswill ist nicht mehr geschehen wird so
kaufe ich etwas um es dem ersten bekannten Menschen zu geben der mir beim
Heimfahren begegnet«
Endlich bogen sie ein gegen ihr Gut Vor Blangen hielt sich die Mutter am
Fusssack und eine Bemerkung nach der andern über jeden Baum und jeden Plätz
entrann ihr unwillkürlich und dass die Spatzen in den Erbsen seien beschäftigte
sie so dass sie es fast nicht merkte als sie zum Hause fuhren Dort kam aus der
Küche Vreneli gesprungen aus dem Futtergang Uli und am Stecken im Schopf stand
Joggeli Er sah doch seine Mutter gerne wieder kommen wenn er es schon nicht
sagte Schon lange hatte die Mutter die Hand am Fusssack gehabt wollte ihn jetzt
abheben allein er steckte sich Uli musste ihn emporreissen »So« sagte die
Mutter »aber vergiss doch recht nicht morgen ein Gschüch in die Erbsen zu
stellen die Spatzen machen ihnen sonst viel zu wüst« Drunten gab sie Vreneli
die Hand und sagte freundlich »Ist alles gut gegangen und hast gut Sorg
getragen zu allem« Dann eilte sie nachdem sie das Fürtuch glatt gestrichen
dem Joggeli zu streckte ihm schon von weitem die Hand dar und sagte
»Gottwilche Wie ist es dir gegangen Ich bin doch so froh dass ich wieder
daheim bin so bald bringt mich niemand mehr fort« Uli hatte Elisi
herausgehoben und das hatte ihm guten Abend gewünscht und gesagt er solle
nicht unerchannt machen beim Auspacken und die Sachen hineinbringen sie müssten
ausgepackt sein von wegen den Rümpfen Drinnen war das Kaffee schon zweg und
die Mutter konnte nicht genug rühmen wie das eins sei Wenn man schon meine
man habe den besten Kaffee so fehle eim doch die Nidle und die sei doch die
Hauptsache Es hätte sie manchmal dünkt sie gäbte die Plättleni alle für ein
Tröpfli guten Kaffee »Gib mir noch ein Kacheli« sagte sie zu Vreneli »alle
guten Ding sind drei es dünkt mich ich könne gar nicht aufhören« Dann rühmte
sie auch das Brot und den Käs und erklärte endlich Es sei doch alles nüt gege
daheim Wenn man schon manchmal auch etwas zu klagen habe »es ist einem doch
endlich immer am wöhlsten daheim« Sie konnte nicht satt werden zu erzählen
was sie alles gesehen und wie wohl es ihr jetzt sei
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Von innern Kriegen welche man mit einer Verlobung beendigen will
Als Elisi wieder kam hatte Uli ungefähr das Gefühl wie wenn auf einmal eine
Wolke vor die Sonne kommt oder wie es einem ist wenn mitten in traulichem
Gespräch eine Person vor der man sich in acht nehmen muss in die Stube tritt
Und doch sah er im Elisi sein Glück heimkommen freute sich seiner und es nahm
ihn wunder wie lange er jetzt wohl noch warten müsse Sonderbar schien es ihm
dass Elisi diesen Abend nicht aus dem Hause kam ihn nicht beim Brunnen nicht im
Stall nicht im hinteren Gängli suchte Er grämte sich aber darüber nicht
sondern dachte es werde ihm etwas Wunderliches durch den Kopf gefahren sein es
werde aber schon wieder zufrieden werden und schlief getröstet ein
Drinnen aber ward nicht so bald Ruhe
Die Mutter hatte den ganzen Abend erzählt und Joggeli Bericht geben müssen
über alles denn er war auch schon im Gurnigel gewesen Eins aber hatte sie noch
nicht gesagt und wenn sie auch von allen Personen redete die sie droben
angetroffen der Baumwollenhändler kam nicht über ihre Zunge Joggeli war lange
nicht so teilnehmend gewesen hatte lange nicht so ohne Muckeln zugehört dass es
sie dünkte sie könne ihm nichts verheimlichen sie müsse ihm das Hinterste her
vorgeben Besonders als sie unter dem heimeligen Dackbett so behaglich sich
streckte und es ihr so wohl ward in ihrem warmen wohlbekannten Bette schien es
ihr eine eigentliche Sünde wenn sie ihm nicht alles sage »Los« sagte sie
»ich muss dir noch etwas sagen ich kann sonst nicht ruhig schlafen es kommt mir
sonst vor in der Nacht« »Was wird das öppe sein« sagte Joggeli »hast du das
Geld alles gebraucht« »Fast« sagte sie »aber wenn es nur das wäre so machte
es nichts es ist etwas ganz anderes ich darf es fast nicht sagen« Endlich
nahm sie das Herz zusammen und sagte »So stehts ds Elisi hat einen und der
wird die nächsten Tage kommen und es dir abfordern es mit dir richtig machen
zwischen ihnen ist schon alles ausgemacht und richtig« »Das wäre mir der
Teufel« fuhr Joggeli auf »da will ich auch noch dabeisein aus der Sache wird
nichts Was würde der Johannes für einen Lärm anfangen Er schlüge allen die
Beine ab Und was würde Uli sagen Der liefe mir fort und wie sollte ich dann
bauren Wie er ist bekomme ich Keinen wieder Wegen Elisi bleibt er da schlägt
nicht mit dem Lohn auf ich habe das schon lang gemerkt« »Willst du denn den
Knecht zum Tochtermann« fragte die Mutter »Bewahre« sagte Joggeli »für das
begehre ich ihn nicht Aber solange er ein Auge auf ds Elisi hat bleibt er da
während der Zeit sind wir wohl und vielleicht sterbe ich derweilen und was
frag ich dann dem nach wie es nachher geht wenn ich nicht mehr da bin Ich
glaube nicht dass Elisi den Uli nähmte wenn es ihm niemand wehrt es ist zu
hochmütig Was will doch auch eine solche Gränne heiraten« »Es ist aber doch
so« sagte die Mutter und gerade Solche setzten am meisten an und man wisse
zuletzt nicht was es Dumms geben könnte Jetzt habe es einen reichen Herrn an
der Hand so gut mache es es sein Lebtag nicht mehr und er werde doch nicht vor
seinem Glück sein wollen »Was noch gar einen Herrn« sagte Joggeli »Das wird
mir ein schöner Fötzel sein und ein Hungerleider Ein rechter Herr ließe sich
nicht hinter eine solche Gränne Das sind nur so die Ausgepeitschten wo niemand
mehr will und die nichts mehr zu beißen und zu brechen haben« »Potz Tüfel
nein« sagte die Mutter und zählte ihre Beweistümer für den Reichtum des
zukünftigen Tochtermanns her wie er Geld habe und Geschäfte mache »Gelogen ist
bald viel« sagte Joggeli »Wenn er so reich ist so muss er ein Narr sein dass
er so ein Häpeli so ein Schlärpli will nicht recht im Kopf er würde sonst auf
eine Hübschere sehen und auf eine mit der mehr ist als mit unserem Elisi das
nicht einmal weiß wie man einer Katz das Fressen darstellt geschweige denn wie
man es kocht« »Potz Tüfel nein« sagte die Mutter »er ist der Gescheutest wo
im Gurnigel gewesen ist er hat gewusst woher man die Baumwolle hat und wie man
daraus das Tuch macht und was für ein Unterschied ist zwischen der Langentaler
Ell und der Berner Ell Das hat mir noch nie jemand können so begreiflich
auslegen wie er Und vom Weben hat er mir brichten können die Augen sind mir
fry übergelaufen Wohl unsern Webern will ich jetzt anders aufpassen Da ist er
ein ganz Anderer gewesen als die Stöck von Bern wo nichts gewusst als den
Schnauz zu drehen den Stock unter den Arm zu nehmen und zu sagen Es schynt mr
dSunne well hüt no fürecho« »Und sei er einer wie er wolle« sagte Joggeli
»so ist er ein Herr und einem Herren gebe ich ds Elisi nicht Wenns noch ein
Bauernsohn wäre so wollte ich nichts sagen Der könnte zu uns kommen den Hof
übernehmen lehensweise dem brauchte man nichts herauszugeben und Uli könnte
dann meinetalb gehen wohin er wollte Aber so einen Herrn begehre ich nicht
auf den Hof lieber wollte ich gehen und betteln Der wird eine Ehesteuer wollen
und keine kleine Ich weiß wohl wie es die Herren haben die märten schon
untereinander um die Ehesteuer wie dMetzger um dKälber wenn sie dann erst einen
Bauer unter die Finger kriegen so meinen sie man könne ihnen nicht Geld genug
geben für die Ehre ihnen den Hunger stellen zu können Sie meinen je
uverschanter sie gegen einen Bauern seien für um so höflicher sehe er es an«
Er hätte schon dem Johannes helfen müssen dass ihm das Liegen weh tue wenn er
nun noch so einem Herrn eine Ehesteuer geben müsse so werden seine Gülten an
einem kleinen Ort Platz haben und vom Hofe könnten sie nicht leben es müsste
anders gehen Wenn man so alt sei so gewöhne man sich nicht gerne anders gehe
und habe es bös Das hätte sie sinnen sollen sie wäre witzig genug dafür
gewesen Aber wenn eine Frau etwas von einer Heirat schmöcke so sei es ihr
nicht mehr zu helfen und es sei gerade wie wenn der Teufel in sie gefahren
wäre
»Du bist immer der Wüstest« sagte die Mutter »Ich vermag mich dessen
nichts sie hatten es unter sich ausgemacht ehe sie mir etwas gesagt und wenn
es dir nicht recht ist so mach es mit dem Elisi aus du kannst dann erfahren
was das verübt« Das sei ihm kommod sagte Joggeli erst die Sache anfangen und
dann nichts davon wollen Er wolle sich dar ein nicht mischen aber er sage
ihr er wolle nichts davon Sie könne seinetalb sehen wie sie wieder absage
Er hätte schon gehört sagte sie sie vermöge sich bei der ganzen Sache nichts
und er sei der Vater und wenn er nicht wolle so könne er die Sache ausmachen
und nicht immer nur die Faust im Sack machen und sie hineinstossen Diesmal wolle
sie nichts davon »Gut Nacht schlaf wohl« Aber weder sie noch Joggeli
schliefen bald und wohl
Nicht weit von da war ein ander Gespräch Meist teilten Elisi und Vreneli
das Schlafgemach wenn es Elisi nicht in Sinn kam die Vornehme zu machen und
ins Stöckli zu gehen wo sie allerdings ein sehr schön ausstaffiertes Zimmer
hatte Kaum waren sie diesmal in ihrem Stübchen so fing Elisi an »Jä gell
wenn du öppis wüsstest Aber ih säg drs nit du bruchst das emal einist nit
zwüsse« Vreneli meinte es sei von einem neuen Tschöpli die Rede oder einem
neuen Kittel und gab sich zum Erraten viele Mühe nicht Aber in allen möglichen
Redeformen forderte ds Elisi das Vreneli zum Erraten auf bis das Letztere
sagte Es hätte jetzt des Gstürms genug entweder solle es schweigen oder sagen
was es habe »Was sagst du« sagte Elisi endlich »wenn einer kommt in einer
schönen Chaise und mich will« »Was wollte ich dazu sagen« sagte Vreneli »frag
du Uli was der dazu sagt« »Den hab ich nicht zu fragen und der hat mir nicht
zu befehlen du kannst ihn meinetalb jetzt haben ihr werdet ohnehin die Köpfe
brav zusammengesteckt haben während ich fortgewesen bin« sagte Elisi »Aber es
ist mir jetzt gleich was frag ich einem Knecht nach und wär er noch einmal so
hübsch du kannst ihn jetzt haben du hast doch schon lange um ihn nötlich
getan ich habe jetzt einen Andern« »Schäme dich« sagte Vreneli »so etwas zu
sagen Sag wann bin ich dem Mannenvolk nachgelaufen Knechten oder Anderen
Sags doch wenn du kannst Wenn ich schon keine reiche Tochter bin so hätte ich
mich doch geschämt Ich habe nie einen gelockt bin nie so anlässig an einem
herumgestrichen und lasse mir daher nichts derlei vorhalten am wenigsten von
dir Behalte was du hast ich begehre nichts davon weder deinen Uli noch etwas
anderes« »Meinen Uli Ich habe keinen Uli was geht mich unser Knecht an Hast
nicht gehört Ich habe einen Andern und bin mit ihm versprochen Ach so einen
Schönen so einen Reichen hast du wohl noch nie gesehen Er kommt die nächsten
Tage da wirst du luegen« »Rede doch nicht so dumm« sagte Vreneli »Glaubst
du könnest mich zum Narren halten Glaubst du ich wisse nicht dass du mit dem
Uli versprochen bist« »Schweig mir doch mit deinem Tüfels Uli Hast du nicht
gehört dass ich nichts von ihm will Es ist mir ja nie Ernst gewesen Ach nein
einen so Schönen und Reichen hast du sicher nicht gesehen Ich gehe dann mit ihm
in die Stadt lasse mich anders kleiden Das Abgende von meinen bäurschen
Kleidern kannst du dann alles haben« »Schweig doch mit deinem Gstürm« sagte
Vreneli »ich merke dich schon Ich soll dir nur etwas über Uli sagen und dir
glauben mit dem Andern dass du es dann morgen Uli sagen kannst und Streit
anstellen ich kenne dich« »Du machst mich bald taub dass du meinst es sei
nicht wahr« sagte ds Elisi »Wir wollen die Mutter fragen die wird dir sagen
ob es wahr ist oder nicht« »Aber und Uli« fragte Vreneli »was willst du denn
mit dem« »Was geht mich Uli an« sagte Elisi »du hasts schon gehört Es wäre
öppe bös wenn man einen jeden den man angesehen hat gleich heiraten müsste«
»Aber du hast nicht bloß ihn angesehen du hast ihm vom Heiraten gesagt und es
versprochen« antwortete Vreneli »Warum hats der Narr geglaubt Was kann ich
dafür Es halten so viel Buben Meitscheni zum Narren es wird doch wohl auch
erlaubt sein dass hie und da ein Meitschi einen Buben zum Narren hält« »Du
bisch e Uflat« sagte Vreneli zog das Dackbett über die Ohren gab keine
Antwort mehr was ds Elisi auch noch dämperlen mochte
Am folgenden Morgen war Waffenstillstand keine der streitenden Partien ließ
sich mit der andern ein Die Mutter ging umher jedem Hausgenossen ihren Kram
insgeheim abzugeben und verbot jedem denselben den Andern zu zeigen sie
könnten sonst schalus werden und nach einer Stunde wusste ein jeder was die
Andern empfangen und manch saures Gesicht entstand manch Stichwort wurde
gewechselt denn beim besten Willen es allen zu treffen ists unmöglich Elisi
packte aus und verkehrte dabei viel mit den Mägden die ihm alle Augenblicke
Handbietung leisten mussten Nachdem es ihnen alles gespienzelt was es
heimgebracht verfiel es in seine verblümte Redeweise und gab zu verstehen dass
sie bald noch etwas viel Köstlicheres Schöneres zu sehen kriegten das es im
Gurnigel sich erworben Es redete mit ihnen so verblümt dass sie die Wahrheit
blinzligen greifen konnten und in einigen Stunden wusste es das ganze
Hauspersonal ds Elisi hätte einen einen Reichen und Vornehmen und von Uli
wolle es nichts mehr wissen
Dieser hatte arglos seine Arbeit gemacht den Nachmittag in der Schmiede
zugebracht wo er Pferde beschlagen ließ Abends heimkommend sah er allerlei
Gesichter hörte hier muckeln dort muckeln und wenn er dazukam so schwieg
man ging auseinander Allerlei Blicken begegnete er spöttischen mitleidigen
usw Es dünkte ihn die Mutter und Vreneli seien nie so freundlich gegen ihn
gewesen hingegen tat Elisi als sehe es ihn nicht und wich ihm absichtlich
aus Er wusste nicht was das zu bedeuten hatte erst am Abend als er zu Bette
ging fragte er den Buben der in seinem Stübchen schlief und der sehr an ihm
hing weil er ihn menschlich behandelte was es gegeben habe hier es mache
alles so wunderliche Gesichter Er dürfe es ihm fast nicht sagen sagte der
Bube er wisse übrigens auch nicht ob es wahr sei Uli wollte es wissen und da
sagte der Bube es heiße ds Elisi hätte einen und der werde die nächsten Tage
kommen ein gar grusam Reicher und Schöner und von Uli wolle es nichts mehr
wissen Uli fragte woher das gekommen sei Der Knabe sagte er wisse es nicht
bestimmt aber es heiße ds Elisi selbst habe es den Jungfrauen gerühmt und die
es weitergesagt Etwas müsse sein der Meister mache ein gar bös Gesicht und
habe den ganzen Tag der Meisterfrau kein Wort gesagt auch hätten sie gestern im
Bette lange stark miteinander geredet
Das traf Uli hart er konnte es fast nicht glauben so schlecht könnte ds
Elisi nicht sein dachte er habe es ihm nicht das gesagt jenes verheißen und
sei es es nicht gewesen das ihn gesucht ihn gewollt Dann aber fielen ihm
dessen Zögerungen auf dessen Hinhalten dessen gegenwärtig Betragen Und doch
dachte er könnte es ihn nicht so zum Narren halten das wäre ja schlecht und
schlecht sei doch Elisi nicht wenn es auch nicht das Listigste sei Ob das wohl
der Lohn seiner Redlichkeit seiner Aufmerksamkeit sein solle dachte er
Mehrere tausend Pfund habe er dem Meister genützt und zum Dank jetzt endlich
Spott und Hohn Alle Leute hätten von der Sache geredet wenn es jetzt anders
komme so lächerete es alle und er dürfe sich nirgends mehr zeigen Was sollte
dann aus ihm werden Alle seine Träume fielen stückweise auseinander während der
langen Nacht So dachte er darf man mir mitspielen weil ich nur ein Knecht
bin immer und ewig nur Knecht Es ist als ob ein Fluch auf dem Worte läge und
ein Lümmel ist wer etwas anderes will und versucht sich aufzuschwingen Ja
mein Meister konnte schön predigen aber das war eine Speispredigt in seinen
Sack Er wollte einen guten Knecht Was habe nun ich davon dass ich einer
geworden Spott Hohn ein weites Nachsehn und eine lange Nase Und doch dünkte
es ihn dann wieder so könne es eigentlich nicht sein die ganze Geschichte
werde wohl ein leer Gerede sein ein Spuk wie ihn Jungfrauen oft anstellen Das
nahm er sich vor morgen wolle er wissen woran er sei könne er es nicht von
Elisi vernehmen so gehe er geradewegs zur Meisterfrau und frage die so
darinhangen wolle er nicht länger und sei die Sache so wie die Leute sagen so
packe er auf und bleibe keine Stunde länger
Am Morgen konnte er lange des Elisi nicht habhaft werden obgleich er
während alle Andern aufs Feld gingen zu Hause blieb grasete dängelete usw
Endlich sah er es im Garten auffallend geputzt sich dort schöne Blumen
aussuchend Er zauderte nicht lange und stund vor Elisi ehe dasselbe sich
dessen versah »Warum fliehst du mich immer« fragte er »was soll das
bedeuten« »Ho nüt« sagte Elisi »Aber warum bist du so gegen mich und gibst
mir kein freundlich Wort« »Hab ich denn nicht mehr das Recht zu sein wie ich
will Und wenn ich so sein will so geht es dich nichts an« »So ist das so
gemeint« fragte Uli »Dann wird es wohl wahr sein dass du einen Andern hast«
»Und wenn ich einen hätte was ginge es dich an Ich bekümmere mich ja auch
nicht darum was du seither mit Vreni gemacht hast« »Das dürfen alle Leute
wissen« sagte Uli »Aber ich möchte wissen ob du ein so schlechtes Mönsch
seist einen Andern zu nehmen während du mir versprochen hast« »Herr Yses
Herr Yses jetzt sagt mir noch der Uflat Mönsch« heulte ds Elisi »Du Knecht
du willst du mich jetzt rüeiig lassen oder ich rufe Vater und Mutter« »Ruf
wem du willst« sagte Uli »aber die schlechteste Person bist du welche die
Erde trägt nicht wert dass dich die Sonne anscheint wenn es wahr ist was die
Leute sagen Aber gell Elisi es ist nicht« »Warum sollte es nicht sein«
sagte Elisi »Wenn ich einen Reichern und Vornehmern haben kann warum sollte
ich dann dich nehmen Das wäre ja dumm Aber tue nicht so wüst ich will dir
dann zbest reden und Meiner muss dich in seine Handlig nehmen da kannst du
ungwerchet reich werden« Wie Elisi dies sagte fuhr eine schöne Chaise vors
Haus ein geputzter Herr darin Wie Elisi ihn erblickte schrie es »Da ist er
da ist er« und lief auf ihn zu Die Mutter stund unter die Türe und wischte
sich verlegen die Hände am Fürtuch ab Joggeli ließ sich nicht sehen und Uli
stand im Garten wie Lots Weib
Es ging geraume Zeit ehe er wusste was er machte und was er machen wollte
Fast bewusstlos hatte er gesehen wie ds Elisi den Menschen empfing und ins
Stöckli führte Dann ballte er die Fäuste und sagte »Dem Donner will ich es
recht sagen der muss wissen was für eine er hat und dann will ich fort keine
Stunde bleibe ich länger da« Wie er so in einem Satz vom Garten auf die
Terrasse springen will wird er festgehalten am Hemdärmel dass er fast in zwei
Stücke zerriss Zornig aufziehend dem unerwarteten Halter eins zu versetzen sah
er Vreneli neben sich unerschrocken stehen und ihn festhalten Er schlug nun
nicht aber schnellte ein zorniges »La mih gah« »Nein ich lasse dich nicht
gehen« sagte Vreneli »lueg mich nur an wie du willst aber gehen sollst mir
nicht Du daurest mich Uli es macht dirs wüst aber eben deswegen musst du
jetzt der Witzigere sein Bleib da und tue dergleichen als gehe dich alles
nichts an das macht es am täubsten Tust du wüst so lachen sie dich aus und
das täte ich ihnen an deinem Platz nicht zu Gefallen« Uli wollte lange dieses
nicht begreifen und klagte bitter wie wüst Elisi ihms gemacht »Sei du froh«
sagte Vreneli »ich habe nichts sagen mögen aber danke Gott auf den Knieen dass
es so gegangen ist Wenn du Elisi kenntest wie ich so nähmtest du es nicht und
wenn die ganze Welt sein wäre« »Das mag jetzt sein wie es will« sagte Uli
»so will ich hier fort auf der Stelle meinetalb kann der neue Tochtermann
ihnen den Hof arbeiten« »Das wäre noch dümmer« sagte Vreneli »dann erst
würden die Leute zentum lachen und brüllen wie es dir ergangen Die einen
würden sagen sie hätten dich fortgejagt die andern du seist zum Narren
gehalten worden du hättest dir eingebildet du seist schon Glunggenbauer und
machten dir Gäbeli Stelle dich als gehe dich alles nichts an als lächere dich
die Sache noch so werden die Leute nicht wissen woran sie sind dich nicht nur
in Ruhe lassen sondern noch sagen Da sieht man jetzt Uli ist nicht so dumm
wie man geglaubt hat er hat sie zum Narren gehalten und nicht sie ihn« »Du
bist eine Dolders Hex« sagte Uli »aber der Tüfel soll mich nehmen wenn ich
länger da Knecht bleibe« »als du gedinget hast« setzte Vreneli hinzu »Zu
Weihnacht kannst du meinetalb gehen vielleicht gehe ich auch Aber jetzt gehe
nicht Tue es mir und der Mutter nicht zuleid Was macht doch das dem Elisi
wenn du gehst Im Gegenteil es ist ihm noch das Rechte Die ganze Bürde fällt
auf die Base und mich der Vetter nimmt sich ja der Sache nur an um zu branzen
Was vermögen wir uns Beide dass es so gegangen Aber zähl darauf du wärest
unglücklich geworden und der Herr wird es auch zähl darauf Vielleicht aber
betrügt Eins das Andere Gehe jetzt in Stall sieh zum Mutzschwanz gib ihm
Haber mach wie wenns dir ganz anständig ginge und zähle auf mich du wirst
sehen es kommt am besten so Man kommt am besten durch die Welt wenn man oft
die Welt nicht merken lässt wie es eim ist« »Du magst etwas recht haben« sagte
der in der langen Zwiesprache etwas abgekühlte Uli »aber wenn man nicht
zuweilen ausdonnern könnte es würde einem zuletzt versprengen Es gehörte sich
dass man einer solchen Täsche auch einmal die Sache sagte« »Das kannst du eben
am besten wenn du hier bleibst da wird es sich dir wohl einmal viel besser
schicken als heute Und wenn du hättest müssen den Weg gehen wo ich so wüsstest
du dass man mit dem Ausdonnern wenig gewinnt Ausdonnern heißt nicht klug sein
wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben Die Not hat es mich gelehrt
Aber gehe jetzt ich werde dem Herrn kücheln und brägeln müssen und ich tue es
ihm von Herzen gern«
Während die hier so verhandelten und Uli endlich gehorchte wider Willen
fand eine andere Verhandlung statt im Stöckli Dorthin hatte die Mutter Käse und
Wein und weißes Brot gebracht nachdem sie Vreneli umsonst gerufen Dann war sie
zurückgeeilt zu Joggeli hatte ihm gesagt wer da sei und nun sollte er die
Sonntagskutte anziehen ein Halstuch umlegen und hinüberkommen Aber Joggeli
wollte nicht Dem Schminggel laufe er nicht nach er begehre ihn nicht zu sehen
er wolle nichts von ihm und hätte nichts mit ihm man solle ihn ruhig lassen er
könne wieder gehen wo er hergekommen So könne er doch nicht tun sagte die
Mutter gerade wie wenn er nicht halb witzig wäre Mit ihm reden müsse er und
er solle sich in acht nehmen was er mache Sie wolle nichts gesagt haben sich
in gar nichts mischen aber sie wolle dann auch nicht schuld sein wenn das
Meitschi zlätz tue Er wisse wohl wie es sei Und wenn es etwas Unwatlichs
machen würde so müsste man sich ein Gewissen machen in Zeit und Ewigkeit Das
begehre sie nicht sie begehre ruhig zu sterben Damit ging sie hinaus und hart
schlug hinter ihr die Türe zu
Joggeli brummelte fast eine Stunde lang mit sich und über die Weiber die an
nichts schuld sein und doch alles regieren wollten Unterdessen schenkte Elisi
dem Baumwollenhändler ein sagte so streng es konnte »Näht doch näht doch
trinkit« Endlich längte Joggeli nach dem Halstuch band es um und sagte eine
andere Kutte ziehe er nicht an seine sei für so einen Schminggel gut genug
dann nahm er den Stock trätschete zwischen Haus und Stöckli einigen Bäumen
nach Drinnen sah ihn der Baumwollenhändler und fragte Ob das der Vater sei
Als Elisi Ja sagte sagte er So wolle er hinaus ihn zu grüßen Joggeli wollte
eine halbe Wendung links machen allein er entrann nicht mehr Er sei so frei
sagte der Baumwollenhändler und komme zu sehen wie seiner Frau Gemahlin und
seiner Jungfer Tochter ihre Kur im Gurnigel zugeschlagen dort hätte er die Ehre
gehabt ihre Bekanntschaft zu machen und die glücklichsten Tage seines Lebens
verlebt Joggeli sagte »He ja es wird so sein
Ihr werdet krank gewesen sein dass Ihr ins Bad habt müssen« Nein
eigentlich nicht sagte der Baumwollenhändler aber er hätte Ruhe nötig gehabt
Nun erzählte er von seinem großen Geschäft und seinen weiten Reisen und wie er
mit Extrapost Tag und Nacht von Petersburg gekommen usw dass dem Joggeli der
Verstand fast stillstund und der Respekt sich einstellte Reden kann der dachte
er wie druckt und wenn nur das Halbe wahr ist so ist das ein ganzer Bursch
Gezogenes Werch gab dem Händler Anlass zu fragen Ob er wohl den Hanfsamen
selbst ziehe Als Joggeli Nein sagte verbreitete er sich über die Orte wo man
ihn am besten kaufe von Basel von Freiburg im Breisgau redete von den
Pflanzungen aller Art die man dort sehe was für Samen dort gewonnen werden und
wie viel sie dem Land eintrügen und wie viel auch hier damit zu machen wäre
wenn man nur die Sache verstehen wollte und nicht zu fast am Alten hinge Er
garantiere auf einem großen Gut könnte man leicht zwei bis dreitausend Pfund
aus allerlei Sämereien lösen wenn man nur wollte Dr Tüfel dachte Joggeli wenn
nur das Halbe wahr ist so wäre das der wert und sein Respekt nahm zu Als die
Mutter im Vorbeigehen fragen konnte »Nun wie gefallt er dir« sagte er so
für einen Herrn sei er noch nicht der Dümmste er wisse doch noch dass die Kühe
Hörner hätten und die Pferde keine und wo Bartlome Most hole
Der Baumwollenhändler wusste was er zu rühmen hatte Das schöne Tischzeug
bot ihm viel Stoff dann kam er vom geräucherten Fleisch auf Hamburg von der
Hamme auf die westfälischen Schinken vom Bratis auf die Kälber in St Urban und
was die Bandweber in Baselland für Kalbfleisch essen und endlich brachte ihn
der gute Wein aus der weißen Flasche auf den Wein überhaupt Hier legte er so
viele Kenntnisse an Tag wusste so viel Sorten zu nennen die verschiedenen
Unterscheidungszeichen anzugeben dass Joggeli dachte Gegen den ist Johannes nur
ein Löhl Wenn der den Neuenburger kennt und den Weltschen so ists allen
Handel Er sei doch schon an mancher Kindbett gewesen aber so einen
Kurzweiligen habe er selten angetroffen die Zeit gehe einem um man wisse nicht
wie und brauche man doch nicht viel dazu zu sagen Die Mutter vergaß fast das
Nöten ob all dem Reden und Elisi das nicht begriff was der Herr wollte wurde
ganz böse dass er immer mit dem Vater redete und sich nicht mit ihm abgab Es
plärete fast und sagte der Mutter draußen Es glaube es wolle nichts mehr von
dem er sei so unhöflich und unmanierlich wie der gröbste Knecht und hätte
während dem ganzen Essen nichts mit ihm geredet »Du dumms Elisi« sagte die
Mutter »du bist doch immer der gleiche Tätsch Merkst du nicht dass er beim
Vater in Hulden kommen muss wenn er Ja sagen soll Du weißt ja wie er wüst
getan« »Was geht ihn der Vater an« sagte ds Elisi »Er will mich heiraten und
wegen dem Vater kann er mir den Kummer überlassen dem wollte ich es reisen
wenn er etwas darwider haben wollte« »Schweig doch« sagte die Mutter »es
dünkt mich es möge eins herkommen woher es wolle so sei es witziger als du
und doch hat man ein erschrecklich Geld an dich gewandt und bist noch im
Weltschland gewesen Aber wo die Gaben nicht sind was will man« »Und dann«
fuhr ds Elisi fort »hat er immer das Vreneli angesehen wenn es etwas brachte
er ist ein Wüster ich habe es ihm angesehen Das Vreneli soll nicht mehr
hinüberkommen du kannst bringen was wir noch mangeln« »Du wirst noch etwas
anderes erfahren Elisi« sagte die Mutter »Das wirst du Keinem wehren können
dass er nicht die Andern auch ansieht froh kannst sein wenn es nur dabei
bleibt« Es wolle dann beim Donner luegen sagte ds Elisi
Unterdessen hatten drinnen die wichtigen Verhandlungen begonnen Der
Baumwollenhändler hatte den ersten Augenblick ergriffen als er mit Joggeli
alleine war die Bewerbung zu eröffnen noch schöner und wohlgestellter als bei
der Mutter Von Ehesteuer sagte er kein Wort kein Wort von Trossel hingegen
zog er eine Brieftasche hervor voll Papier und sagte Joggeli da könne er einen
Begriff von seinem Geschäft erhalten und seinem Vermögen Diese Brieftasche
enthielt eine Menge Wechsel aller Art von denen Joggeli wenig anders begriff
als die Summen und dann die für bar Vermögen nahm so dass er wie die Mutter
nicht begreifen konnte warum so ein grusam Geschickter grusam Reicher und
grusam Schöner an Elisi sich mache Es habe halt dachte er ein jeder Mensch
seinen Gaue Die Einen wollten ihre Weiber bleich die Andern rot die Einen
fett die Andern mager die Einen hoffärtig die Andern tätig die Einen
narrochtig die Andern witzig Der werde nun gerade so eins wollen wie ds Elisi
sei das werde sein Gaue sein darüber müsse man sich nicht verwundern So
dachte Joggeli während der schönen Rede des Bewerbers Aber sein misstrauisch
Gemüt war damit noch lange nicht befriedigt er fragte noch eine Menge Dinge
machte viele Einwendungen suchte über Bekannte Verwandte ihn auszuforschen um
allfällige Erkundigungen einziehen zu können und brachte am Ende selbst die
Rede auf die Ehesteuer Er bitte sich aus sagte der Herr dass davon einstweilen
keine Rede sei er sei darin gar nicht wie Andere gesinnt und hätte es
eigentlich auch nicht nötig Er wolle nicht sagen dass er das Geld nicht auch
lieb habe aber der Mann sei dafür da die Frau zu erhalten Sollte es später in
ihrem guten Willen liegen ihm etwas zu geben so werde er es mit Dank annehmen
sonst sei er mit Nichts auch zufrieden die Jungfer Elise sei ihm alles Es
werden sich später viele Gelegenheiten geben einander nützlich zu sein wenn er
das Glück hätte in ihre Familie zu treten Ihren Flachs ihr Kirschenwasser
sollten sie künftig ganz anders verkaufen als jetzt aus dem letztern löse er in
Frankfurt wenigstens vier Pfund aus der Maß Auch mit dem Korn lasse sich viel
machen wenn man es verstehe Dann gehe es sehr oft Gelegenheit zu schönen
Spekulationen wenn man bares Geld zur Verfügung habe Nun geschehe es dass auch
der reichste Kaufmann oft zu solchen Nebengeschäften nicht Geld habe wenn er
dann in solchen Augenblicken vorsprechen dürfte um Vorschuss so könne er leicht
fünf und sechs Prozente offerieren und doch noch zehn bis fünfzehn Prozente
gewinnen Das gefiel Joggeli nicht übel Der dachte er sei doch ein kurioser
Held mit dem ließe sich noch handeln noch besser als mit einem Bauer Doch
wollte er seine Einwilligung noch nicht geben sondern forderte vierzehn Tage
Bedenkzeit Man müsse mit dem Sohn reden sagte er und hie und da nachfragen
wenn er ihm schon traue so sei das doch so der Brauch Zudem wusste er nicht ob
ds Elisi nicht besser täte ledig zu bleiben es sei neue kränklich und möge
wenig erleiden »Was wolltest du davon wissen« sagte ds Elisi »du weißt viel
was ich erleiden mag oder nicht Aber wenn immer alles auf einem ist so muss eim
allbets einist öppis fehle« Der Herr fiel rasch ein und beteuerte wie die
Jungfer Elise ihm gerade recht sei drückte ihre Hände beteuerte wie die
Bedenkzeit ihm gerade recht sei Ja freilich sie könnten über ihn fragen wo
sie wollten so mussten sie alles Gute vernehmen wenn die Leute nicht
verleumdeten was freilich oft geschehe besonders wenn man viele Neider hätte
Unterdessen solle man ihm doch erlauben der Jungfer Elise einstweilen ein
Andenken zu gehen und somit zog er ein Kästchen hervor eine prächtige Uhr mit
Kette daraus und hängte die mit zärtlichen Gebärden der Jungfer Elise um und bat
sich ehrerbietig die Erlaubnis aus der Uhr noch ein Küsschen beifügen zu können
Jetzt war ds Elisi wieder zufrieden mit ihm freute sich wie ein Kind über sein
Geschenk lief ins Haus es dem Vreneli den Jungfrauen zu zeigen und dann
wieder zu dem Geliebten ihn zu fragen wie man sie öffne und wo man sie
aufziehe ihm erzählend wie des Bruders Frau Augen machen werde wenn sie
dieselbe sehe Elisi wollte jetzt gegen die Bedenkzeit sich auflehnen der
Geliebte aber bat recht dringend den Eltern nachzugeben Unterdessen könne er
seine Papiere in Ordnung bringen dass die Verkündigung alsobald erfolgen könne
Man müsse die gute Jahreszeit profitieren um noch eine rechte Hochzeitreise zu
machen wohin es seine Elise gelüste Nun erst begann Elisis Jubel und dann
plärete es wieder über den Aufschub es hätte die Reise gleich jetzt antreten
mögen
So verrann der Tag Der Glückliche rüstete sich zum Aufbruch und wollte mit
Pomp dahinfahren Dem Vreneli wollte er einen Zehnbätzler in die Hand drücken
es wandte sich rasch weg und sagte es nehme kein Geld Vor der Küche traf er
auf die die sein Ross zäumten denen Uli zu Hilfe kommen musste weil es den Kopf
gar hoch hielt Da druckte er unversehens Uli auch einen Zehnbätzler in die
Hand Wie der sah was er hatte und wer es gab ließ er es ohne ein Wort zu
reden fallen wie wenn es ihn gebrannt hätte machte den Zaum zurecht und tat
als wenn der Herr und sein Geld gar nicht da wären Derselbe las den Zehnbätzler
wieder auf und dachte bei sich Das sind mir puckte Leute denen will ich es
eintreiben
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Von nachträglichen Verlegenheiten welche statt des Friedens aus der Verlobung
kommen
Als er endlich fort war und die Leute wieder zur eigentlichen Besinnung kamen
fanden sie sich schweren Herzens Elisi ausgenommen Was wird Uli machen was
wird Johannes sagen wie wird alles gehen rüttelte die Leute gewaltig aus ihrem
ruhigen Leben auf Zu ihrer großen Verwunderung sagte Uli nichts und tat so
kaltblütig als ob ihn das nichts anginge und wenn seine Mitdiensten ihn
aufziehen wollten so schmunzelte er dass die Leute nicht wussten woran sie mit
ihm waren Ja mehr und mehr konnte er es auch von ganzem Herzen tun denn jetzt
da die Sache vorbei war war es ihm als ob er aus schwerem dummem Traum
erwacht viel leichter geworden sei Das Geld das Gut hatte ihn wie mit einem
Blendwerk umstrickt er musste die Sache nun von dieser Seite ansehen und übersah
Elisis Persönlichkeit mehr und mehr Jetzt da ihm diese wieder ins grelle Licht
trat jetzt ging er mehr und mehr dem Standpunkt zu auf welchem er Gott danken
musste dieser Gefahr entronnen zu sein Mehr und mehr begriff er wie
unglücklich ein Mann bei allem Gelde sein müsse mit einem solchen Ding zur Frau
Jetzt erst begann er seinen alten Meister zu fassen und er dachte manchmal
wenn er nur bald zu ihm käme dass er ihm sein Misstrauen abbitten könnte
Indessen stund es in ihm fest den Dienst aufzusagen da wollte er nicht mehr
bleiben er wartete nur eine Gelegenheit ab es zu tun Wo ein solcher Halunk
Tochtermann sei da sei seines Bleibens nicht dachte er und dass der
Baumwollenhändler ein Halunk sei das sagte ihm immer deutlicher sein eigenes
Bewusstsein so wie ihm die Gründe immer klarer wurden warum er selbst Elisi
eigentlich gewollt Er musste sich sagen dass wenn er nur die Hälfte des Zehntens
gehabt welchen der Schminggel vorspiegle er an Elisi nie gedacht hätte
Nicht so kaltblütig benahmen sich Johannes und seine Frau Elisi wollte hin
es ihnen anzukündigen und seine Uhr zu zeigen allein weder der Vater noch die
Mutter wollten mit und alleine durfte Elisi es doch nicht wagen Man schrieb
Wie aus einer Kanone kam das Ehepaar dahergefahren mit Schnauben und Tosen
Gepläret geflucht wurde an selbem Tag in der Glunggen wie vielleicht seit
hundert Jahren nie Es war kein Schimpfname den Johannes dem Bräutigam nicht
gab kein Laster das er nicht haben sollte kein Fluch mit dem er ihn nicht
belegte und Trinette fügte noch unter Schluchzen und Schnüpfen bei was
Johannes vergaß Ds Elisi sparte auch sein Maul nicht wäre aber von dem Bruder
geprügelt worden wenn die Mutter nicht gewehrt »Da hast dus jetzt« sagte
Joggeli »da siehst dus wies geht da kann ich die Suppe ausessen helfen die
ihr eingebrockt« Johannes übergab sich unzählige Male dem Teufel wenn er je
wieder einen Fuß in die Glungge setze wenn sie einem solchen Donners
verfluchten Saufötzel ihre Tochter geben würden Jetzt suchte er Uli wieder auf
und fluchte auch bei ihm sich aus Er verfluchte sich hunderttausendmal dass
wenn der Donners Plätter doch einen Mann hätte haben müssen er
hunderttausendmal lieber Uli zum Schwager gehabt Natürlich ledig wäre ihm das
Mönsch am liebsten gewesen sagte er was brauche es das Geld zu vermannen
»Aber wie die Schelmen haben sie an dir gehandelt Gäll wärest du zu mir
gekommen Aber du kommst noch bei den verfluchten Donnern bleibst du nicht«
Uli gab wenig und ausweichenden Bescheid und war froh als Johannes mit
Schnauben und Tosen von dannen gefahren war Der arme Teufel hatte von dem Tage
nichts als dass seine Frau ihn um eine solche Uhr und Kette plagte bis sie
dieselbe hatte
Joggeli hatte noch andere Erkundigungen eingezogen sie waren ungünstig
ausweichend oberflächlich gut Er sei ein Windbeutel dem nicht zu trauen sei
zeige viel Geld und habe keins wenn man von ihm wolle sagten die Einen man
wisse nichts Genaues über ihn er scheine Geschäfte zu machen aber man sei
nicht in direktem Verkehr die Zweiten er sei ein artiger gewandter junger
Mann der seinen Weg machen werde und so viel man merke Vermögen besitze die
Dritten Je näher das Ende des Termins kam desto schwerer ward das Herz den
Alten besonders der guten Mutter der Joggeli alles aufbürdete Sie wären
lieber zurückgegangen ja die Alte hätte Elisi fast lieber dem Uli gegeben
allein so oft davon die Rede war tat Elisi wie eine Besessene verdrehte die
Glieder bekam Schaum vor den Mund dass sie sich vor dem fallenden Weh
fürchteten Als der Termin aus war an einem Tage an welchem es regnete und
windete dass man nicht leicht einen Hund zur Türe ausgelassen hätte kam der
Baumwollenhändler wieder angefahren Trübselig wie sein Herbeifahren war sein
Empfang Es zeigte sich kein Knecht das Ross abzunehmen Elisi blieb wegen dem
Luft zehn Schritte von ihm am Schermen stehen keine Jungfrau kam mit einem
Regenschirm die Alten zeigten sich nicht Es ging noch ärger als wo Uli
anlangte als neuer Meisterknecht
Es ging lange bis er unter Dach war nass und fröstelnd lange bis er sein
Gesicht in die üblichen freundlichen Falten gelegt und noch länger bis die
Alten kamen aber auch frostig so dass alle waren Elisi ausgenommen wie wenn
sie bei zwanzig Grad Kälte in einem ungeheizten Zimmer einander amüsieren
sollten Nach langen Vor und Einreden fragte endlich der Baumwollenhändler Ob
er jetzt wohl den Ring den er mitgebracht der Jungfer Elise als seiner lieben
Braut an den Finger stecken dürfte Die Alten machten beträchtliche Gesichter
Eins sah das Andere an endlich sagte Joggeli Er wisse neue nit sie hätten
allerlei vernommen und der Sohn sei sich neue gar nicht zufrieden Das Letztere
sei ihm ganz begreiflich sagte der Händler aber wenn er die Ehre hätte ihren
Herrn Sohn persönlich zu kennen so würde er garantieren dass derselbe nichts
gegen ihn hätte als eben dass er seine Jungfer Schwester heiraten möchte und
somit an seinem künftigen Erbe ihm zu schaden scheine Ebenso begreiflich sei
ihm das Andere Er hätte schon lange viele Neider gehabt und jetzt seien noch
viel mehr derselben entstanden die ihm sein Glück missgönnten und ihn von
Jungfer Elise zu trennen suchten Nun erzählte er lange Geschichten was man ihm
von ihnen erzählt und wie man ihn abspenstig zu machen gesucht ihm vorgestellt
wie er betrogen unglücklich werden werde Aber er kenne die Leute zu gut kenne
nicht umsonst den Weg von Moskau bis Lissabon dass er ihn mit verbundenen Augen
finden könnte er wüsste was die Leute seien und könnten Sie könnten sich nun
denken wenn man über sie so ehrbare honette Leute die ein so geregeltes
Leben auf ihrem Gute führten solche Dinge erzählen könne so müsste man sicher
von ihm dem lebhaften jungen Mann noch viel leichter etwas zu ersinnen wissen
Es seien nie Zwei zusammengekommen dass den Leuten die Mäuler nicht
voneinandergegangen
Er wisse neue nicht sagte Joggeli aber es düeche ihn es wäre wohl am
besten wenn man sich nicht pressierte und noch so ein Jahr wartete während der
Zeit lernte man sich besser kennen und Beide seien noch jung sie veralteten
nicht In zwei oder drei Jahren könnten sie perfekt gleich heiraten wie jetzt
und wären Beide um so viel witziger geworden Man habe ja Beispiele dass Leute
zwanzig Jahre miteinander versprochen gewesen wären und es heiße die seien
gerade am glücklichsten gewesen und er glaube es da habe man der Zeit gehabt
einander dLün abzluegen Wenn man so zsämefüsslige dareinspringe so fehle es eim
gar gerne Da fing ds Elisi zu heulen und zu schreien an und als man endlich
vernahm was es sagte so waren es grässliche Protestationen gegen solche
Verzögerung Sie wollten es metzgen schrie es damit der Kerli zFrevligen desto
mehr hätte aber so wahr ein Gott im Himmel sei sollte es sie gereuen es wisse
schon was es mache usw
Nachdem der Baumwollenhändler diesen Ausbruch hatte wirken lassen
besänftigte er Elisi mit zärtlichen Reden und wandte sich dann in rührsamer
Ausdrucksweise an die Eltern Ob sie das Herz hätten ihr Kind so unglücklich zu
machen und ihn dazu sie könnten ja sehen wie sie aneinander hingen Und warum
unglücklich machen ihr eigenes Kind Wegen neidischen unbegründeten Äußerungen
die bei jeder Heirat üblich seien Warum Weil ein Bruder der wie es scheine
viel nötig habe nicht gerne mit seiner Schwester teilen wolle Nein so hart
so unbarmherzig so steinernen Herzens könnten sie sicher nicht sein Nein er
wisse sie seien gute liebe Leute und glaubten an Gott und an eine Seligkeit
und darum bitte er noch einmal bei seiner und ihrer Seligkeit um die Hand der
teuren Jungfer Elise damit sie miteinander die Pfade der Tugend und der Moral
wandern könnten bis sie Gott einst zu einem seligen Leben hinaufnehme in seinen
Himmel wo sie einander alle wiederfinden und alle in alle Ewigkeit miteinander
glücklich sein könnten Der guten Mutter liefen die Tränen wieder über die roten
Backen und Joggeli sagte »In Gottsname wenn ihrs zwingen wollt so zwingts
aber ich will nicht schuld sein es mag gehen wie es will« »In Gottsname«
sagte die Mutter »es hat so sollen sein und wenn etwas sein soll da kann man
lange wehren Aber seht jetzt selbst dass ihr glücklich werdet Wenn ihr es
nicht werdet so vermögen wir uns dessen nicht« »Oh« sagte der
Baumwollenhändler »was das Glück anbelangt so habt keinen Kummer wer wollte
mit der teuren Elise nicht glücklich sein Ich garantiere wir wollen nie
klagen Das habe ich doch gedacht dass Ihre guten Herzen nicht zwei Leute
unglücklich machen werden Kommt Elise lasst uns den teuren Eltern danken für
unser Glück danken dass sie uns mehr geglaubt als bösen Leuten« Bei der Hand
fasste er Elisi und zog sie zu den Eltern und fiel darauf der Mutter um den Hals
und küsste sie Ihrer Lebelang hätte es ihr niemand so unerchannt gemacht sagte
sie später Dann fiel er dem Joggeli um den Hals dass der den Husten bekam fast
zum Ersticken Ds Elisi hätte eigentlich auch um den Hals fallen sollen aber es
hatte eben ein Stück Züpfen in der Hand die wäre ihm brosmet Es fand daher
vernünftiger ruhig zu bleiben und seine Züpfe zu essen Als aber der
Baumwollenhändler mit den Eltern fertig war riss er in seinem mannlichen
Ungestüm die Tochter an seine hochschlagende Brust achtete sich aber der Züpfe
zu wenig die kam ins Gedränge so dass Elisi schreien musste »Herr Jeses my
Züpfe Ihr vrdrücket mr se ganz wartet doch bis ih se weggleit ha«
Der Baumwollenhändler tat sehr glücklich konnte nicht aufhören von Einem
zum Andern zu gehen die Hände zu drücken und zu sagen er könne Gott im Himmel
nicht genug danken für sein Glück es sei der schönste Tag seines Lebens und
der müsse würdig gefeiert sein Darauf ging er hinaus zu seiner Chaise Es möge
nun gehen wie es wolle sagte die Mutter mit einem Seufzer jedenfalls habe er
ein gutes Herz und Religion Das sei aber die Hauptsache was man mehr wolle Er
kam zurück mit Flaschen und sagte Sie hätten letzthin von Wein geredet er habe
gedacht er wolle ihnen einige Muster mitbringen sie müssten auch wissen was
Wein sei Da er das Glück haben sollte seine liebe Elise zu erhalten so zieme
es sich nicht an einem solchen Tag gemeinen Wein zu trinken Solchen Wein
trinke man nicht alle Tage ihnen aber könnte er ihn liefern um einen Spott
wenn er schon nicht Weinhändler sei Aber wenn man viel in der Welt herumkomme
und die Augen mitten im Kopf habe so wisse man bald wo man die besten Sachen
am wohlfeilsten bekommen könne So habe er gerade die schönsten Geschäfte
gemacht Auch hatte er ein prächtiges Stück Seidenzeug mitgebracht von
aschgrauer Farbe wie Elisi noch keines gesehen und Trinette keins hatte
Solches sagte er würden sie in Bern und Zürich umsonst suchen Ein guter
Freund hätte es direkt von Lyon gebracht und aus Freundschaft es ihm abgelassen
Nun waren alle glücklich und bei dem guten Wein und schönen Seidenzeug wurde
man nach und nach recht gemütlich und heimelig miteinander dass die Mutter
dachte es wäre doch lätz gegangen wenn man ihm das Elisi nicht gegeben hätte
»Was habt ihr für wunderliche Leute im Hause« fragte unter anderem der
heimelig gewordene Bräutigam »Als ich das letztemal fortwollte ging ich in die
Küche und wollte dem hübschen Meitli wo uns aufgewartet hat ein Trinkgeld
geben wie es der Brauch ist das kehrte mir den Rücken und sagte es brauche
kein Geld« »Das wird Vreneli gewesen sein« sagte die Mutter »Es ist
eigentlich nicht Magd wir haben es dr Gottswille zu uns genommen Es ist uns
eigentlich von weitem verwandt und hat niemand gehabt der sich seiner
angenommen« »Jä so« sagte der Baumwollenhändler »dann ists mir leid wenn ich
es beleidigt habe ich muss es suchen gut zu machen« Das sei nicht nötig sagte
ds Elisi am besten täte er es nicht immer so anzusehen es könnte sonst
meinen was das zu bedeuten hätte Es sei ohnehin ein anlässig Mensch Das könne
man just nicht sagen sagte die Mutter »Aber wer war denn der große schöne
Bursche« durchschnitt der sprachgewandte Herr das unangenehm werdende Gespräch
»der mein Ross zäumte Der hat mirs noch ärger gemacht Der hat mir gar keine
Antwort gegeben aber den Zehnbätzler mir vor die Füße geworfen so dass ich
darauf und daran gewesen bin ihm eine Ohrfeige zu geben wenn ich meine Hand an
einem Knecht hätte beschmutzen mögen« Es sei besser er habe das nicht getan
sagte Joggeli Das werde Uli gewesen sein der Meisterknecht ein guter Knecht
aber längs Stück ein Kolder mit dem nichts anzufangen sei So einen würde er
doch nicht haben sagte der Händler Er sei so bös nicht sagte die Mutter Und
für das Land und das Vieh sei er bsunderbar gut sie hätten noch Keinen so
gehabt und so einen wüssten sie nicht mehr zu bekommen Das müsste bös sein sagte
der Bräutigam Wenn sie ihm den Auftrag geben wollten so wolle er ihnen einen
prokurieren um einen billigen Lohn wo sie dann wüssten dass sie einen Knecht
hätten Diesmal schnitt die Mutter das Gespräch ab und kam auf etwas anderes
Endlich begann der Bräutigam davon zu reden noch heute das Hochzeit angeben
zu wollen zu Üfligen Die Mutter schlug über diese Eile die Hände über dem Kopf
zusammen Joggeli schüttelte den Kopf und sagte Das Pressier gefalle ihm nicht
Elisi sagte das Wetter sei sehr strub sie möchte warten bis morgen Diese
Meinung ging endlich durch und der Herr blieb da über Nacht Er suchte während
dem Abend sein vermeint Vergehen gegen Vreneli gut zu machen trappete ihm nach
und wollte nach seiner Weise artig mit ihm sein Elisi merkte es aber und er
hatte Mühe selben Abend ein gutes Wort von ihm zu erhalten Dem Vreneli packte
das Elisi grässlich aus hielt ihm Anlässigkeit vor dass es ihm den Bräutigam
verführen wolle dass es gesehen wie sie mit den Augen ein Verständnis hätten
und dass es wenn es ein mal verheiratet sei keinen Fuß mehr ins Haus setzen
wolle solange eine solche Luenz darin sei Das sei ein schöner Dank dass man es
so lange dr Gottswille gehabt habe Vreneli war nicht von denen welche Personen
wie Elisi schwiegen »Die Luenz« sagte Vreneli »kannst du für dich behalten
und deinen Schminggel auch den möchte ich nicht wenn ich noch einmal nichts
hätte Aber im Weg will ich dir nicht mehr sein ich bin lange genug dr
Gottswille hier gewesen Was man an mir getan glaube ich abverdient zu haben
und begehre nun nicht zTrinkgeld dass man mir alle Tage vorhält was längst
vergangen ist und was dich nichts angeht denn du hast nichts an mir getan als
mich geplagt wo du konntest Einer solchen Gränne wegen wollte ich ein Narr
sein zu plären und mir die Sache zu Herzen zu nehmen Aber aus dem Wege will ich
dir darauf zähle Und jetzt lass mich ruhig dein Zyberligränni wird wohl auf
dich warten« Elisi wäre dem Vreneli ins Gesicht gefahren wenn es nicht zu gut
gewusst hätte dass Vreneli sich von niemand auf den Leib kommen ließ Es war
schon einige Male bei solchen Anfällen von Vreneli an den Armen festgehalten
worden dass man die Zeichen noch tagelang sah
Die sämtlichen Hochzeitgeschichten aller Art das Hochzeit selbst usw
wollen wir überspringen denn mit dem Baumwollenhändler haben wir es eigentlich
nicht zu tun sondern mit Uli daher uns schon zu lange mit dieser unbedeutenden
Nebenperson abgegeben Als dieselbe aber einmal aufgetreten war wollte sie sich
bei ihrer angeborenen jüdischen Zudringlichkeit nicht so schnell abfertigen
lassen und noch jetzt nach gefasstem Entschluss werden wir ds Teufels Mühe
haben sie uns vom Leibe zu halten
Ulis Stillschweigen und ruhiges Verhalten war den alten Eheleuten sehr
sonderbar indessen nicht unangenehm vorgekommen Es wollte ihnen scheinen als
hätten sie das Verhältnis zwischen Elisi und Uli zu ernstaft genommen und
dieser sei froh dass es gelöst sei so dass er weiters nichts daraus machen
sondern dableiben werde Sie hatten aber nicht Zeit während dem Hochzeitstrudel
das Nähere zu erforschen sondern nahmen getrost das Bessere an Als die
Geschichte aber versurret hatte mahnte die Mutter Joggeli dass er Uli doch
frage was er gedenke sie hätte alle gute Hoffnung er werde bleiben Joggeli
meinte wenn er nicht bleibe so sei sie daran schuld Ein Besserer wäre wohl zu
bekommen der Tochtermann hätte ihnen ja einen versprochen aber man sei jetzt
an Uli gewohnt daher sei es ihm recht wenn er bleibe aber hängen wolle er
sich nicht wenn er gehe »Du bist immer der gleiche Löhl« sagte die Frau und
ging zur Stube aus
Als Uli einmal grasete trappete Joggeli zu ihm und sagte Sie werden es
denke er wohl haben wie gewöhnlich einmal er sei nicht anders gesinnt als
dass Uli bleibe »Nein Meister« sagte Uli »ich will fort Ihr müsst für einen
Andern sehen« »Was kommt dich an« sagte Joggeli »hast du schon wieder zu
wenig Lohn oder hat dich der Johannes mir abgestohlen« »Keins von beiden«
sagte Uli »Aber warum willst du dann fort« »Ho man kann nicht immer an einem
Orte sein« sagte Uli »Und wenn ich dir noch vier Kronen hinzumache« »Um
hundert bliebe ich nicht Es ist mir erleidet und wenn es mir einmal erleidet
ist so behält mich kein Geld« Missmutig stöffelte Joggeli dem Stübli zu und
sagte seiner Frau »Da hast du es jetzt Uli will nicht bleiben gehe und suche
jetzt einen Andern ich will nichts damit zu tun haben«
Wie auch die Frau fragte »Warum Was hat er gesagt« so antwortete Joggeli
nichts darauf als »Frag ihn selbst« Und als sie fragte »Was fangen wir jetzt
an« so sagte er auch »Da siehe du zu ich habe von Anfang gesagt das komme
so« Weiteres brachte sie auf ihre Fragen nicht heraus Da ging sie hinaus in
die Küche wo Vreneli waltete die ihre Vertraute war in allen häuslichen
Angelegenheiten und sagte »Denk o Uli will fort weißt du warum« »Aparti
nicht« sagte Vreneli »aber ds Elisi hat es ihm wüst gemacht und er wird
denken er wolle nicht da den Leuten zum Gespött sein und dazu sein Lebtag für
Andere werchen wenn man es ihm am Ende so macht« »Aber was sollen wir jetzt
auch anfangen« sagte die Mutter »so einen kriegen wir nicht wieder Er ist
manierlich fromm arbeitsam es ist allen wohl dabei man hat nichts von Streit
gehört und wenn er fortgeht so ist alles anders ich darf gar nicht daran
denken« »Es geht mir gleich« sagte Vreneli »So wie es vorher gegangen ist
mag ich nicht mehr dabeisein Es ist mir leid Base aber ich muss Euch bei
diesem Anlass auch sagen dass ich nicht mehr dableiben kann ich will auch fort«
»Was du Was hab ich denn dir zuleid getan Uli und du werden es abgeredet
haben« »Nein Base« sagte Vreneli »Uli und ich haben nichts miteinander
abgeredet wir haben nichts miteinander Ihr habt mir auch nichts zuleid getan
Base Ihr seid immer eine Mutter an mir gewesen und wenn alles auf mir gewesen
ist so habt Ihr Euch meiner angenommen ich werde Euch das nie vergessen
solange ich lebe und solange ich bete werde ich für Euch beten dass der liebe
Gott Euch vergelten wolle was Ihr an mir getan« Und Vreneli weinte und längte
der Base die Hand welcher auch wieder große Tropfen über die roten Backen
rollten »Aber warum du wüests Meitli willst dann fort wann du mich lieb hast
und ich dir nichts zuleid getan« fragte diese »Ich bin an dich gewohnt du
hast mir alles zuvorgetan Wenn ich etwas habe machen wollen so war es gemacht
wie soll ich jetzt wo ich alle Tage älter werde bald nichts mehr mit mir ist
die schwere Haushaltung machen« »Base es ist mir leid aber ich muss fort ich
habe mich verredet ich wolle mir von Elisi nicht allemal wüst sagen lassen
wenn es mit seinem Mann kommt Allemal hält es mir vor ich wolle ihm den Mann
verführen und halt mir alle Suppenbröckli vor die ich hier gegessen So kann
ich nicht länger dabeisein Wenn mich sein Schminggel einmal anrührte ich
schabte mir die Haut bis auf das Bein ab so gruset es mir ab ihm Ich habe ihm
gesagt ich wolle ihm aus dem Wege und wolle mir nicht alles vorhalten lassen
ich sei jetzt nicht mehr dr Gottswille da« »Ach« sagte die Mutter »du musst
dich des Elisis nichts achten du kennst es ja es ist immer ein Wüstes gewesen
und was es sagt hat nichts zu bedeuten Warum lässt du mich entgelten was es
dir sagt« »Dafür kann ich weiß Gott nichts« sagte Vreneli »Warum kann Elisin
niemand in Zucht und Ordnung halten Ich muss ihm aus dem Wege Dann ist noch
eins aber ich will es nur Euch gesagt haben Sein Mann ist allerdings mehr
hinter mir drein als nötig ist das wüst Böckli Aber habe er nur Sorge kommt
er mir zu nahe so überschlage ich ihn dass er mit den Beinen am Himmel bhanget
Ach Base das geht jedenfalls nicht mehr gut hier ich könnte ohne hin so
nicht mehr dabeisein der Tochtermann macht schon jetzt als ob nur er zu
befehlen hätte und schon alles sein wäre«
Daran war etwas Wahres Die reiche Fülle welche bei der üblichen
Sparsamkeit in der Haushaltung herrschte wo es auf eine Maß Milch ein Pfund
Anken ein Brot mehr oder weniger nicht ankam über die Eier keine Rechnung
geführt Arme ohne sie zu zählen gespiesen wurden hatte er aufs Korn
genommen Manchmal schon in der kurzen Zeit hatte er dem Joggeli vorgerechnet
wie viel er eigentlich sollte verkaufen können jetzt trage ihm das Gut nicht
einmal zwei Prozente ab Wenn er das Geld für das Gut in seinem Geschäft hätte
so wollte er wenigstens acht Prozent daraus ziehen Allemal darauf hatte dann
Joggeli gemuckelt über den vielen Verbrauch mit seiner Frau gebalget und
gemeint sie sollte da oder dort abbrechen Als man ihn in Spycher und Gaden
herumgeführt in Tröge und Schäfte hatte blicken lassen erstaunte er über die
reichen Vorräte Das trage doch gar nichts ab sagte er das verliege ja In den
Sachen liege ein bedeutend Kapital das nicht nur kein Prozent abtrage sondern
sich am Ende selbst aufzehre Wenn sie nur das Überflüssigste verkaufen wollten
und gerade jetzt sei ein günstiger Moment so garantiere er ihnen wenigstens
dreitausend Pfund wollte er lösen Aber er würde es nicht den Unterhändlern hier
verkaufen die gewöhnlich fünfzig Prozent Gewinn nähmten sondern direkt den
ersten Abnehmern So hatte er ihnen Garn Flachs Tücher Schnitze Korn
Kirschenwasser abgeschwatzt bedeutend Kisten und Kasten ernüchtert dass der
guten Mutter das Herz blutete und sie sich des Weinens fast nicht enthalten
konnte Sövli use sagte sie syg si nit gsi sit si heige afa huse »Bhüetis
Gott vor ere türe Zyt was fing ih a ih dörft niene warte« Er hatte Nachricht
gebracht dass er alles vortrefflich verkauft aber kein Geld Er habe es
gegeben wie es im Handel üblich sei auf halbjährigen Kredit hatte er flüchtig
gesagt Das wollte Joggeli eben auch nicht am besten gefallen
Vierundzwanzigstes Kapitel
Von einer andern Fahrt welche durch keine Rechnung fährt sondern unerwartet
eine schließt
Das fiel der guten Mutter alles bei und dass dazu Uli und Vreneli fort wollten
dass dann der Tochtermann das Heft ganz in die Hand kriege dass sie die
Haushaltung machen solle mit Nichts gegen die Armen schmürzelen dass man ihr
jede Kelle Mehl nachrechnen werde und alle ungeraden Male wenn sie das Kücheln
ankäme und da kam sie ein Elend an dass sie niedersitzen und weinen musste dass
man die Hände hätte waschen können unter ihren Augen so dass selbst Joggeli
hinauskam und sagte sie solle doch nicht so plären es hörten es ja alle Leute
und könnten meinen was sie hätte Was er gesagt habe sei ja nicht der wert
sie wisse ja wohl dass er allbe einist etwas sagen müsse Auch Vreneli tröstete
und sagte sie solle das nicht so schwer nehmen es gehe ja am Ende alles
leichter als man denke Sie aber schüttelte den Kopf und sagte man solle sie
ruhig lassen sie müsse sich selbst fassen können das Reden helfe ihr nichts
Sie suchte nach Fassung manchen Tag Man sah sie umhergehen schweigend als ob
sie Schweres im Kopfe wälze sah sie hier und dort wo sie sich unbemerkt
glaubte absitzen die Hände in den Schoss legen hie und da den Zipfel des
Fürtuches ergreifen und mit der Rückseite die Augen trocknen
Endlich schien es ihr zu leichten das Ungewisse schien verschwunden sie
sagte Es hätte ihr viel gewohlet aber es düech sie sie möchte neuehin sie
sei so blange es besserete ihr wenn sie einen Tag oder zwei fort könnte
Joggeli hatte diesmal nichts darwider seine Alte hatte ihm selbst Kummer
gemacht Sie könne ja zum Sohn oder zur Tochter fahren wohin sie wolle Uli
solle sie führen er hätte jetzt wohl Zeit meinte er Nein sagte sie dahin
möge sie nicht da sei ein ewiges Gchär und wenn sie die Säcke mit Neutalern
füllte sie hätte doch noch zu wenig Aber es dünke sie sie mochte einmal zu
Vetter Johannes man hätte es ihm schon lange versprochen nie gehalten und sie
sei nie dort gewesen Sie sehe da einen neuen Weg eine unbekannte Gegend und
könne vielleicht am besten vergessen was sie drücke Sie wolle Vreneli
mitnehmen das sei auch lange nie fortgewesen Ans Hochzeit habe man es nicht
mitgenommen und es sei doch auch billig wenn das Meitschi zuweilen eine Freude
hätte Gegen das Letztere hatte Joggeli Manches einzuwenden indessen diesmal
der Alten zulieb gab er nach und wollte zwei Tage sich leiden
Uli freute sich als er hörte wohin er mit der Frau fahren sollte Vreneli
dagegen wehrte sich lange hatte hundert Grün de dagegen und gab erst nach als
die Base sagte »Du bisch mr doch es wunderligs Greis und kurz und gut du
kommst mit ih befiehles«
Es war in den ersten Novembertagen eines schönen Herbstes an einem Samstag
morgens als das Sitzwägeli vor dem Hause stund der Kohli herausgenommen im
Schopf mit geschäftigen Händen aufgeputzt und endlich von einem zum Fuhrwerk
geführt wurde während nun auch Uli seine Sonntagskutte anzog und stattlich mit
der Geissel in der Hand an das Fuhrwerk sich stellte Nicht lange darauf kam
Vreneli schmuck und schön wie ein aufgehender Morgen einen kleinen Strauss an
der Brust und packte etwas ein Dann kam die Mutter geleitet von Joggeli dem
sie noch manche Anweisung zu geben hatte »Die Leute werden glauben ihr seiet
ein Hochzeit« sagte Joggeli »die fahren an einem Samstag im Lande herum Ds
Vreneli sieht gerade aus wie eine Hochzeiterin« »Öppis Dumms eso« sagte
Vreneli und ward rot bis weit hinteren »Uli muss noch einen Meien haben dann
meinen es alle Leute« rief eine schnippische Jungfrau riss dem Uli den Hut vom
Kopf und sprang damit ins Haus Zornig war Vreneli aufgesprungen im Wägeli
»Mädi willst du den Hut geben oder nicht Was braucht Uli einen Meien Sei mir
nicht ds Hergetts einen Meienstock anzurühren« Als Mädi nicht hören wollte
wollte Vreneli ab dem Wägeli springen aber die Mutter lachend dass es ihre
ganze Gestalt erschüttete hielt es am Kittel und sagte »Was willst du Lass das
doch gehen das ist nur lustig Vielleicht sieht man ja mich für die
Hochzeiterin an wer weiß« Die sämtliche Hausbewohnerschaft nahm an dem Spiel
teil und lachte über Vrenelis Zorn der sich gar nicht wollte besänftigen
lassen während Uli in den Spaß eintrat und seinen Hut tüchtig in den Kopf
drückte den Vreneli ihm abzureissen suchte um den Meien wegzunehmen Es hätte
ihm doch noch denselben abgerissen wenn nicht die Mutter gesagt hätte es solle
nicht so dumm tun und den schönen Meien verstrupfen Das wäre doch noch lange
nicht das Grüslichste wenn man sie schon für ein Hochzeit ansehen würde Es
wolle es aber nicht sagte Vreneli und nahm den eigenen Meien von der Brust und
hätte ihn fortgeworfen wenn die Mutter nicht gesagt hätte Es solle doch nicht
so dumm machen Die wo am wüstesten täten die heirateten zuletzt noch am
liebsten wenn es Ernst gelte »Einmal ich nicht« sagte Vreneli »ich will
keinen Schlufi wie sie alle sind Ich wüsste nicht was ich so mit einem
Schnürfli anfangen sollte« »He öppe was die Anderen« sagte die Mutter
herzlich lachend und fuhr mit dem von nun an schmollenden Vreneli in den schönen
Morgen hinaus
In aller Farbenpracht hing das welke Laub an den Bäumen im Schimmer seiner
eigenen Abendröte unter ihm streckte sich grün und munter die junge Saat aus
spielte lustig mit den blinkenden Tautropfen die an ihrer Spitze hingen
geheimnisvoll und düftig dehnte sich über alles der Himmel aus der
geheimnisvolle Schoss der Wunder Gottes Schwarze Krähen flogen über die Äcker
grüne Spechte hingen an den Bäumen schnelle Eichhörnchen liefen über die Straße
und beguckten von einem rasch erreichten Ast neu gierig die Vorüberfahrenden
und hoch in den Lüften segelten in ihrem wohlgeordneten Dreieck die Schneegänse
einem wärmeren Lande zu und seltsam klang aus weiter Höhe ihr seltsam
Wanderlied
Der Mutter verständig Auge schweifte lebendig über alles ihre lauten
Bemerkungen nahmen kein Ende und manche kluge Rede ward zwischen ihr und Uli
gewechselt Besonders wenn sie durch Dörfer fuhren häufte sich das Auffallen
de und selten ein Haus bot ihr nicht Gelegenheit zu einer Bemerkung Es sei
doch nichts wenn man immer daheim hocke sagte sie da sehe man immer das
Gleiche Man sollte von Zeit zu Zeit im Lande herumfahren da sehe man nicht nur
etwas für den Gwunder sondern könne auch viel lernen Man mache die Sachen
nicht an jedem Orte gleich und an einem Orte besser als am andern und so könne
man das Beste daraus nehmen Sie waren nicht viel mehr als zwei Stunden
gefahren als die Mutter schon davon zu reden anfing dass sie dem Kohli etwas
werten geben müssen Er seis nicht gewohnt so lange zu springen und sie wollte
lieber ihn gesund wieder heim bringen »Halt du beim nächsten Wirtshaus« sagte
sie auf Ulis Einreden »und lueg ob er nicht ein Immi Hafer nimmt Es ist mir
auch gleich etwas zu nehmen es will mich schier anfangen zu frieren«
Dort angekommen befahl sie Uli »Wenn das Ross den Hafer hat so komm
hinein« Noch unter der Türe kehrte sie um und rief »Hast du gehört Komm
dann« Nachdem drinnen die Wirtin mit dem Fürtuch die Bänke abgewischt gefragt
hatte »Womit kann man aufwarten« eine gute Halbe und ein wenig Tee befohlen
war setzten sich die Frauen sahen in der Stube herum machten halblaut ihre
Bemerkungen und wunderten sich dass es an dieser Uhr nicht später sei aber Uli
sei wohl geschwind gefahren man sehe es pressiere ihm hinzukommen Als
endlich das Verlangte da war mit der Entschuldigung es sei wohl lang gegangen
aber das Wasser sei nicht warm gewesen und das Holz habe nicht brennen wollen
sagte die Mutter zu Vreneli Es solle doch Uli rufen sie wisse nicht warum der
nicht komme sie hätte es ihm doch zweimal gesagt Als er da war und gehörig
Gesundheit gemacht hatte wollte die Wirtin ein Gespräch anfangen und sagte Es
sei heute auch schon ein Hochzeit durchgefahren Da lachte die Mutter gar
herzlich auf Uli lächerete es auch hingegen Vreneli wurde hochrot und zornig
und sagte Es seien nicht alles Hochzeit was heute auf der Straße sei Es
werden andere Leute auch noch das Recht haben am Samstag herumzufahren die
Straße werde nicht bloß für Hochzeitleute sein Sie solle doch recht nicht
zürnen sagte die Wirtin sie kenne sie ja nicht aber es hätte ihr geschienen
sie schickten sich wohl für einander ein so hübsches Paar hätte sie nicht bald
gesehen Die Mutter tröstete die Wirtin sie solle sich nur nicht lange
verexgüsieren sie hätten schon daheim ein großes Gelächter gehabt und gedacht
es werde so gehen und schon damals sei das Meitschi so bös geworden »Das ist
nicht schön von Euch Base dass Ihr mich auch helfet plagen« sagte Vreneli
»wenn ich das hätte wissen sollen ich wäre gar nicht mitgekommen« »Es plaget
dich ja kein Mensch« sagte die Base lachend »Du tust so dumm es würde sich ja
manches Meitschi meinen wenn man es für eine Hochzeiterin ansehen würde« »Ich
darum nicht« sagte Vreneli »und wenn man mich nicht ruhig lässt so laufe ich
noch jetzt heim« »Du wirst den Leuten die Mäuler nicht verbinden können und
kannst froh sein wenn sie nicht etwas Ärgeres über dich sagen« antwortete die
Base »Das ist mir genug wenn mich die Leute verbrüllen mit einem den ich
nicht will und der mich nicht will«
Vreneli hätte noch lange geeifert wenn nicht angespannt und weitergefahren
worden wäre Sie rückten rasch vor Die Meisterin sagte öfters »Machs nicht zu
stark Uli wenn es nur dem Kohli nichts tut« Als sie hörte dass sie nur noch
eine Stunde von Erdöpfelkofen seien befahl sie im nächsten Wirtshause zu
halten Dort wollten sie etwas zu Mittag essen sie hätte Hunger und sie möge ds
Vetter Johannese nicht zur Mittagszeit kommen das gebe gar viel Umstände So im
halben Tag sei es am anständigsten und kommodesten da könne man es mit einem
Kaffee machen das sei bald gemacht und man nehme es doch gern Uli gehorchte
fuhr vor und ziemlich wurden sie vom Stubenmädchen empfangen Dasselbe führte
sie in eine Stube und öffnete sie mit den Worten »Geht nur hinein es sind
schon zwei drinnen« und drinnen empfing sie der Ruf »Das geht gut da kommt
noch eins« Hochzeit nämlich Die Base lachte dass es sie über und über
schüttelte und sagte »Du siehst es muss sein Du magst dich wehren wie du
willst es gilt dich doch« Dahinein bringe es niemand sagte das zornig
gewordene Vreneli und wenn es den ganzen Tag so gehen solle so laufe es zu Fuß
heim »Und von dir Uli ist es auch nicht bravs dass du nicht witziger bist als
so du tätest sonst deinen Meien ab dem Hut Ich habe dir aber nichts darauf
weißt du es nur« Da sagte Uli Bös wolle er es nicht machen er hätte es für
einen Spaß angesehen Wenn es es aber so nehme so wolle er ihm gerne seinen
Meien geben und wenn es wolle heimgehen sie könnten mit dem Kohli wohl
fahren er sei sicher Vreneli nahm den Meien und sagte »Dankeigist« Aber die
Base sagte »Ich hätte ihm ihn nicht gegeben ihr habt euch einander nicht zu
verschämen« »Und kurz und gut Base sei das wie es wolle so will ich nichts
davon und zu den Hochzeitleuten will ich nicht und wenn Ihr nicht mit mir in
die Gaststube kommen wollt so laufe ich heim auf der Stelle« begehrte Vreneli
auf »Das ist mir doch afe es Meitli das« sagte die Base »Uli wenn ih dih
wär su nähmt ih das uf e Gunte« »Mira nehm ers wenr will aber ih hätt bald
gseit Üli syg witziger as anger Lüt und heig o selber nit Freud a öppis Dumms
eso« »Wart ume Vreneli« sagte die Base »es wird dir o scho angers cho zell
druf E Hochzytere zsi ist doch de am Eng e schöni Sach« »Was e schöni Sach
E arme Tüfel isch e Hochzytere« sagte Vreneli »Hochzyt ha isch no viel ärger
as Sterbe Bim Sterbe weiß me doch no öppe ob me selig wird oder ob eim dr
Tüfel nimmt bim Hochzyta cha me gar nüt wüsse We me meint dr Himmel syg voll
Gyge su sys zletzt luter Donnerwetter U we me meint mi heig dr Freinst su
isch es de zletzt we me recht luegt dr wüestisch Hung« »O Meitschi« sagte
die Base »du heschs o so wie äy Bettlere wo gseit het sie möcht kei Büri sy
vo wege sie mög dKüechleni nit erlyde das syg ere doch es Dolders Fresse u wo
me du grad druf im ene Cheller erwütscht het wo sie e ganzi Bygete het welle
stehle Gang mr doch mit sellige Rede mi vrsüngt sih drmit gar gern U we me
scho e wenig kybig isch sym Mul soll me doch geng e Rechnig mache Mi weiß nie
was es eim gä cha u we me de drin isch su chunts eim wieder zSinn was me
gredt het u selligi Wort chönne eim mengisch Tag und Nacht vrfolge ärger as e
Truppele wildi Tier dass me kei Rue meh het U menge het ne nit angers wüsse
zertrünne as dür e Tod« »Base« sagte Vreneli »ih han Ech nit welle höhn
mache u dih o nit Üli aber löyt mih rüeiig Ih bi nüt as es arms Meitschi u
drum muess ih mih wehre we mih öpper no zu öppis Mingerem mache will«
»Bhüetis« sagte die Base »das chunt niemerem zSinn u es wär mängi rychi
Tochter froh si wär was du Ja ih wett o gern öppis minger ha u no fry ordelig
minger we ds Elisi wär was du Du machst en iedere Ma glücklich er ma rych
oder arm sy Mi cha dih histelle an esn ieders Ort wo me will u ds Elisi isch
helf mr Gott nüt Ih weiß o nit wie das cho isch u ha doch Beidi erzoge Aber
es isch o nit Eim gä wie am Angere Du masch arüere wasd witt su steits dr
wohl a u wenn ih e junge Bursch wär su seit ih Die u ke Angeri U was ds
Elisi macht isch uwatlig da wirds no Vrdruss gä dä mih i ds Grab bringt«
Der guten Mutter schossen die Tränen in die Augen und ds Vreneli das bei
sich selbst gedacht hatte es könnten Zwei an einem Orte und von der gleichen
Person erzogen werden und doch ungleich sagte dieses nicht sondern tröstete
Es werde wohl nicht so bös gehen sondern besser kommen als man denke Aber die
Base schüttelte den Kopf und klagte fort wie sie gedacht hätte wenn es einmal
geheiratet sei so werde es auch etwas angreifen es werde ihm schon noch anders
kommen aber es komme ihm nicht Den ganzen Tag habe es die Hände über einander
mache die Dame es sei ein Schlärpli und werde sein Lebtag eins bleiben Wenn
sie ihm nur den Zehnten eingeben könnte was Vreneli sei so wollte sie
glücklich sein Ihm gebe alles nichts zu tun es möge sein was es wolle und
alles sei immer gemacht es düech eim es könne hexen und wenn ds Elisi an
einem Sessel den Staub abwischen sollte so hätte es einen ganzen Tag daran und
den andern müsste es im Bette liegen Manchmal am Nachmittag sei noch kein Bett
gemacht und abends um neun Uhr wisse man noch nicht was man zu Nacht essen
wolle Es hätte sie hoch aufgesprengt als sie das gesehen »Aber sägits daheim
niemere ih möcht nit dass es no uschämti« setzte sie hinzu und trocknete sich
die Augen
Vreneli war wieder gut geworden das Lob hatte ihm wohl getan es wusste
eigentlich nicht warum Es schwatzte rühmte schalt das Essen schenkte ein und
neckte Uli er hätte immer nur leer Die Mutter vergaß auch ihren mütterlichen
Jammer und hellauf fuhr man wieder ab dem vetterlichen Hause zu Uli hatte nun
viel zu berichten wem dieses Haus gehöre wem jener Acker Als er den ersten
Acker sah der dem Vetter Johannes gehörte lachte ihm das Herz im Leibe Alles
was er auf demselben geschafft ging wieder in ihm auf von weitem zeigte er
ihn pries seine Eigenschaften Dann kam ein anderer und wieder ein anderer und
sie fuhren zum Hause ehe sie daran dachten Dort machte man Kabis ein im
Schopf die ganze Haushaltung war da versammelt Alles hob die Köpfe auf als
das unerwartete Wägeli daherkam Erst kannte man die Leute nicht dann erhob
sich ein Geschrei »Es ist dr Üli dr Üli« und die Kinder sprangen aus dem
Schopfe dann sagte Johannes »d Base in der Glungge kommt mit was Guggers
kommt die an was bringt die wohl« Er und seine Frau traten nun auch hinaus
längten die Hände hinauf zum Willkomm und Eisi des Johannese Frau sagte
»Gottwillche Üli bringst is dy Frau« Da lachte die Base wieder herzlich auf
und sagte »Da ghöret drs dr möget welle oder nit es muess sy all Lüt säges
ja« »An allen Orten sieht man uns für ein Hochzeit an« erläuterte Uli »weil
wir am Samstag mit einander fahren wo so viele Hochzeit auf der Straße sind«
»He und nicht nur das« sagte Johannes »sondern es düecht mich ihr schicktet
euch nicht übel zusammen« »Ghörst Vreneli« sagte die Base »der Vetter meints
auch da hilft Wehren nichts mehr« Bei Vreneli hatte Weinen mit Lachen
gekämpft Zorn mit Spaß endlich überwand es sich der Leute wegen das Letztere
siegte es antwortete Es hätte immer gehört wenn es ein Hochzeit geben sollte
so müssten Zwei wollen bei ihnen aber wolle gar Keins und so sehe es nicht ein
wie etwas aus der Sache werden solle »Was nicht ist kann werden« sagte des
Johannes Frau »so etwas kommt oft ungesinnet« Es gspüre einmal noch nichts
davon sagte Vreneli brach dann aber ab und gab die Hand noch einmal und sagte
Wie uverschant es sei dass es mitgekommen aber die Base habe es haben wollen
sie könne es jetzt versprechen wenn es ihnen in den Kosten sei Es freue sie
gar wohl dass sie einmal gekommen sagte die Hausfrau und hieß dringlich
hineinkommen gäb wie die Andern sagten Sie wollten sie nicht versäumen vor
dem Hause bleiben helfen es sei so schön und frein da außen
Wie sie nun auch sagten sie hätten nichts nötig hätten erst gegessen so
wurde doch gefeuert und nur durch dreimaliges Hinausgehen konnte eine förmliche
Mahlzeit verhindert die Guttätigkeit auf ein Kaffee zurückgebracht werden
Vreneli hatte bald mit dem ältesten Mädchen das aus einem rührigen Kinde eine
schöne Jungfrau geworden war Freundschaft geschlossen und musste alle dessen
Herrlichkeiten in Augenschein nehmen Uli blieb aus schuldigem Respekt nicht gar
lange in der Gesellschaft die älteren Leute wurden alleine gelassen Endlich mit
einem schweren Seufzer begann die Base Sie müsse fry gerade sagen warum sie
komme sie hätte nirgends besser hingewusst um Rat und Hilfe als hieher Der
Johannes hätte ihnen schon so oft gedienet dass sie gedacht er lasse sie
diesmal auch nicht im Stich Es sei alles so gut gegangen bei ihnen es sei eine
Freude gewesen Freilich hätte einige Zeit lang Uli ihr Elisi in den Kopf
genommen aber daran sei das Meitschi selbst schuld gewesen und sie glaube Uli
hätte zuletzt doch eingesehen dass das Meitschi nichts für ihn sei Da hätte sie
das Unglück in den Gurnigel hinauf geschlagen dort das Elisi seinen Mann
aufgegabelt und seither sei alles wie zerstört Ihr Johannes tue wüst der
Tochtermann sei nicht wie er sein solle sei ein grusam Interessierter meine
sie solle nichts mehr brauchen in der Haushaltung Ds Elisi hätte immer Streit
mit Vreneli das wolle nun fort deswegen Uli wolle fort alles falle wieder auf
sie und sie wisse um ihr Leben nichts anzufangen sie hätte manche Nacht kein
Auge zugetan und aneinander pläret dass es ihr in ihren alten Tagen so gehe Da
sei ihr eins in Sinn gekommen Es könne ihr doch sicher kein vernünftiger Mensch
etwas dawider haben wenn sie das Gut in Lehn geben würden dadurch falle ihr
die Last ab Und da hätte sie gesinnt einen bessern Lehenmann als Uli der
ihnen zu allem sehe und ehrlich und brav sei könnten sie nicht erhalten und
Uli könnte da auch sein Glück machen denn dass er öppe hart gehalten werden
sollte das täte sie nicht es solle sein Nutzen sein wie der ihre Aber sie
hätte keinem Menschen etwas davon gesagt sie hätte zuerst mit ihm reden wollen
was er dazu meine und wenn er es gut finde so möchte sie ihm anhalten dass er
mit Uli rede und der Sache sich annehme bis sie im Reinen sei Es dünke sie
wenn sie das zwegbrächte so wollte sie nichts mehr wünschen auf der Welt wenn
schon manches öppe nicht sei wie es sein sollte Das sei wohl schön und gut
sagte Johannes und es würde ihn für Uli freuen aber da seien ihm zwei Sachen
im Weg Das sei eine gar bedeutende Übernahme und Uli habe dafür zu wenig Geld
Er habe ein Schönes verdient aber viel zu wenig für alles anzuschaffen was da
nötig sei Er hätte kaum so viel um im Handel etwas zu machen und nicht zur
unrechten Zeit verkaufen zu müssen woran die meisten Lehnleute gewöhnlich
sterben »Dann kann Uli nicht bloß mit Diensten husen er muss eine Frau haben
und wo nun eine finden die dem vorzustehen weiß Denn das gibt eine schwere
Haushaltung« »Ich wüsste ihm eine« sagte die Base »gerade das Meitschi
welches mit nur gekommen Ein besseres gibt es nicht und es und Uli haben sich
an einander gewöhnt wir könnten noch heute sterben sie trieben die Sache fort
man merkte nicht dass jemand fehlte Es ist gesund stark und für so ein Junges
hat es gute Gedanken es täte manche Alte durch Es hat freilich kein Vermögen
aber doch einen schönen Sparhafen brav Kleider und ganz mit leeren Händen
ließ wir es auch nicht Ihr wisst wohl wie es mit seiner Mutter gegangen ist
Wenn Uli Vreneli nähmte so glaube ich er würde für Bsatzig und andere Sachen
wenig anzuschaffen brauchen Die Sache ist da man kann ihm ja alles in die
Schatzung geben so ist es da wenn man den Hof wieder übernehmen will und man
braucht es nicht anzuschaffen Sie könnten anfangen fast wie wenn sie die
Kinder vom Hause wären«
»Das ist schön und gut« sagte Johannes »aber Base nehmt es mir nicht für
ungut auf aber fragen muss ich doch ob Ihr glaubt dass alles seine Einwilligung
gebe Es sind gar viele Leute die zu der Sache reden müssen wenn sie gehen
soll Was werden Eure Leute sagen Joggeli ist allbeneinisch wunderlich Und
Eure Kinder werden auch dareinreden und das Gut zu Nutzen bringen wollen so hoch
als möglich Uli macht eine gewagte Sache Ein einziges Fehljahr Presten oder
so was macht ihn zu Boden Auf einem solchen Gut ist tausend Pfund Ertrag auf
oder nieder nicht sichtbar während in einem Jahr vier bis fünftausend Pfund
verloren gehen können Und will das Meitschi Uli Es ist ein lüftiges und Uli
nicht mehr heutig er hat einige dreißig Jahre auf dem Rücken«
Das sagte die Base mache ihr nicht allen Kummer Joggeli sei am Ende froh
abzugeben und Uli sei ihm als Lehenmann sicher anständig denn wenn er schon
wunderlich sei so sei er doch nicht der Wüstest gegen sie und werde wohl ein
sehen dass ein guter Lehnmann besser sei als schlechte Knechte Ihrem Sohn werde
das das Rechte sein Er habe schon über den Schwager geflucht er nehme alles
fort und das Gut müsse zu Lehn gegeben werden er höre dann Auch halte er auf
Uli viel und habe ihnen denselben abdingen wollen Auf den Tochtermann achteten
sie sich nicht viel Er rede ihnen zu viel in ihre Sache und es wäre ihnen lieb
wenn sie nicht zu der seinigen reden müssten Vreneli glaube sie täte nicht am
wüstesten wenigstens habe es keinen Andern selb wisse sie Sie glaube es sehe
Uli nicht ungern und darum hätte es heute so wüst getan wenn man sie für
Hochzeitleute angesehen hätte Sie sei afe alt aber sie hätte noch nicht
vergessen wie es die rechten Meitscheni machen Auf die heutigen anlässigen
Täsche verstehe sie sich freilich nicht Uli mache ihr am meisten Kummer Der
sei so politisch man wisse nicht woran man mit ihm sei Wo ds Elisi den
Baumwollenhändler genommen habe sie geglaubt er werde die Wände auf springen
alles verschlagen aber er habe kein ander Gesicht gemacht kein Wort lauter
gesprochen es sei gewesen wie wenn alles ihn nichts anginge »Uli ist ein
Bursch er kann sein Glück machen wo er will er ist brühmt zentum und wenn
mancher Herr wüsste was das für ein Bursch wäre es reute ihn kein Geld er
setzte an bis er ihn hätte« Uli mache ihr Kummer Er trage es ihnen wegen dem
Elisi nach Aber er sollte dem lieben Gott danken dass es so gegangen er wäre
ein unglücklicher Mensch geworden und hätte doch zuletzt an allem schuld sein
sollen Wenn Uli wollte die Sache würde sich machen und ein Jahr in das andere
gerechnet sollte er seine tausend Pfund vorschlagen »Ich weiß was der Hof
abträgt wenn man es treibt wie Uli es treiben kann wenn er und Vreneli
zusammenspannen Das kann Euch kochen es ist allen recht und sie schlecken
noch die Finger bis an die Ellbogen und braucht doch fast ds Halbe weniger als
Manche die meint wie sie es könne und doch die Diensten allemal grännen wenn
sie nur bei der Küche vorbeigehen« Uli habe ihr Zutrauen ein böses Jahr hätte
er nicht zu fürchten »Vetter Johannes« sagte die Base »du musst doch nicht
glauben dass wir so wüste Hüng wären wegen einem bösen Jahr den Lehnmann über
Nichts zu bringen Wenn wir den Hof selber hätten so hätten wir ja auch das
böse Jahr und warum sollte es der Lehenmann allein entgelten wenn es zu
trocken oder zu nass ist Es ist doch immer unser Hof und was vermag er sich
dessen Es hat mich schon manchmal wüst düecht wenn ein Lehenmann immer den
gleichen Zins geben muss gebe es etwas oder gebe es nichts Nein Vetter
Joggeli ist wunderlich aber der Wüstest doch nicht und wenn alles fehlen
sollte so ist es dann nicht dass ich nicht auch noch et was hätte womit ich
nachhelfen könnte«
»Base« sagte Johannes »nehmt es mir nicht für ungut aber wenn man etwas
Rechtes machen will so muss man von allem reden Die Sache freut mich für Euch
und Uli und auch für mich denn an Uli ist mir etwas gelegen Es ist wahr er
ist mir fast so lieb wie mein eigen Kind und was ich für ihn tun kann das
spare ich nicht Er hat mir auch von Elisi geredet und da habe ich ihm die
Sache missraten Es ist ihm damals nicht recht gewesen ich sah es ihm wohl an
Es nimmt mich wunder ob er mir jetzt etwas davon sagt Soll ich mit ihm von der
Sache reden so ihm ablosen von weitem was er im Sinne hat oder gleich mit der
Türe ins Haus oder wollt Ihr zuerst mit Vetter Joggeli reden« »Ich wäre lieber
mit Uli und Vreneli im Reinen und deswegen bin ich mit ihnen gekommen« sagte
die Base »Fange ich Joggeli davon an und wollen später Uli und Vreneli nicht
so muss ich mein Lebtag hören was ich da einmal Dumms hervorgebracht von wegen
er ist gar wunderlich und kann einem eine Sache nicht vergessen darneben ist er
der Wüstest nicht Wenn es sich dir schickt Vetter so lose Uli ab was er
denkt ziehe ihm die Würm aus der Nase es wäre mir sehr lieb wenn ich wüsste
woran ich mit ihm wäre Es dünkt mich ich wäre wie im Himmel wenn die Sache im
Reinen wäre Gefällt Euch das Meitschi aber nicht auch« fragte die Base Und
Johannes und seine Frau rühmten nun wie hübsch es sei und appetitlich und der
Erstere versprach zu helfen was er könne
Selben Abend schickte es sich ihm nicht er war mit Uli nie allein Aber am
andern Morgen sobald sie zMorgen gegessen hatten fragte Johannes den Uli Ob
er mit ihm auf den Herd hinauswolle er möchte ihm zeigen was er angesäet
hätte und dies und jenes ihn fragen Die Base mahnte ja nicht zu lange
auszubleiben indem sie zeitlich verreisen wollten um nicht zu spät
heimzukommen Während nun Johannese Frau der Base zusprach dass sie heute noch
hier bleiben sollten wandelten die Männer ab
Ein schöner Morgen war es wieder Ein Kirchturm nach dem andern gab sein
Zeichen dass es heute der Tag des Herren sei die Herzen sich öffnen sollen dem
Herrn um Sabbat mit ihm zu halten seinen Frieden zu empfangen seine Liebe zu
empfinden Es ward den beiden Wandelnden auch feierlich im Gemüte über manchen
Acker waren sie gewandelt mit wenig Worten Sie waren an einen Waldsaum
gekommen von wo man das Tal schwimmen sah in dem wunderbaren herstblichen Duft
und von vielen Kirchtürmen her das Geläute der Glocken hörte welche die
Menschen zusammenriefen in den geöffneten Herzen den Samen zu empfangen der
sechzig und hundertfältig Früchte tragen soll in gutem Herzensgrunde
Schweigend setzten sie sich dort und ließ einziehen durch die weiten Tore der
Augen und Ohren des Herren herrliche Predigt die alle Tage ausgeht in alle
Lande ohne Worte ließ in tiefer Andacht die Töne widerklingen im Heiligtum
ihrer Seelen
Endlich fragte Johannes »Du bleibst nicht in der Glungge« »Nein« sagte
Uli »Nicht dass ich es ihnen zürne wegen Elisi Ich bin froh dass es so gegangen
ist Erst hintendrein sehe ich dass ich keine glückliche Stunde mit ihm gehabt
hätte und dass bei einem solchen bösen Schlärpli einen kein Geld glücklich macht
Ich kann nicht begreifen was ich auch gesinnt habe Aber ich mag doch nicht
bleiben Der Tochtermann ist immer da will anfangen zu regieren plündert sie
aus wo er kann so dass ich nicht mehr dabei sein mag auch lasse ich mir von
dem nicht befehlen« »Aber was willst du denn« fragte Johannes »Das ists eben
was ich mit dir reden möchte« sagte Uli »Plätze bekäme ich genug ich könnte
auch zum Sohne der gäbe mir Lohn so viel ich wollte Aber ich weiß es nicht
Knecht sein ist mir aparti nicht erleidet aber es dünkt mich wenn ich etwas
Eigenes anfangen wolle so sei es Zeit Ich bin in den dreißig Jahren alt und
gehöre schon fast zu den Alten« »Jä so« sagte Johannes »hast du das Heiraten
im Kopf« »Aparti nit« sagte Uli »Aber wenn ich heiraten will so sollte es
bald geschehen und etwas Eigenes anfangen muss man auch während man sich noch
rühren mag Aber ich weiß eben nichts anzufangen Für alles habe ich zu wenig
denn was sind zweitausend Pfund um etwas Rechtes anzufangen Ich sinne noch
immer daran wie du gesagt hast auf kleinen Gütchen schlage man den Zins nicht
heraus und ein Lehenmann der nicht Geld in den Händen habe könne nicht wohl
ein großes Wesen übernehmen und auf kleinen gehe er zugrunde« »He« sagte
Johannes »zweitausend Pfund sind schon was und es gibt hier und da Güter wo
die Bsatzig dabei ist wo man sie gegen eine Schatzung übernehmen kann so dass
du die zweitausend Pfund zum freien Handel in der Hand behieltest und wenns
dann noch mehr sein müsste so fändest du wohl Leute die Geld hätten« »Ja aber
die gäben mir es nicht Wenn man Geld will so muss man gute Versicherung oder
Bürgen haben und wo die nehmen« »He Uli« sagte Johannes »das ist eben was
ich dir auch gesagt habe eine guter Name ist auch eine gute Versicherung Vor
fünfzehn Jahren hätte ich dir nicht fünfzehn Batzen geliehen wenn du aber jetzt
zweibis dreitausend Pfund mangelst gegen ein bloßes Handschriftli so kannst du
sie haben oder wenn ich dir Bürge sein soll so sprich zu
Wofür ist man auf der Welt als für einander zu helfen« »Das wäre guter
Bescheid« sagte Uli »daran hätte ich nicht denken dürfen und wenn ich etwas
wüsste ich wollte gleich darauf los« »Das täte ich nicht« sagte Johannes »Ich
ginge zuerst auf eine Frau aus und je nachdem ich eine hätte finge ich etwas
an Es sind schon viele Leute zugrunde gegangen nur deswegen weil die Frau zu
des Mannes Geschäft nicht passte oder weil sie nicht dazu passen wollte Um ein
Hauswesen gut zu führen bedarf es einen einträchtigen Willen Hast du einmal
eine Frau und wählet ihr einträchtig ein Heimwesen zum Kaufen oder Empfangen
das sich zu euch Beiden schickt so ist schon viel gewonnen Oder hast du schon
etwas der Art unterhänds« »Nein« sagte Uli »Ich wüsste wohl eine aber die
sagt mir nicht Herr« »Warum nicht« fragte Johannes »ist es wieder eine reiche
Bauerntochter« »Nein« sagte Uli »es ist das Meitschi das mit der Frau
gekommen ist Vermögen hat es aparti nicht aber wer das bekommt der ist
glücklich Ich habe es seither schon manchmal gedacht mit dem kommt einer
weiter wenn es schon keinen Batzen hat als mit dem reichen Elisi Was es in
die Hände nimmt steht ihm wohl an alles gerät ihm und es ist nichts das es
nicht versteht Ich glaube es wird nie müde am Morgen ist es zuerst und abends
zuletzt und den ganzen Tag nie müßig Nie muss man auf das Essen warten nie
versäumt es die Jungfrauen und es meint einer es werde nie hässig je mehr zu
tun ist desto lustiger wird es wo doch sonst die Meisten wenn sie viel Arbeit
haben hässig werden und nicht bei ihnen zu sein ist Es ist huslig in allen
Teilen und doch bsunderbar gut gegen die Armen und wenn jemand krank wird so
kann es ihm nicht gut genug luegen Es ist Keins weit und breit so« »Aber warum
solltest du das nicht bekommen« fragte Johannes »hasset es dich«»Aparti
nicht« sagte Uli »Es ist gut gegen mich und wenn es mir etwas zu Gefallen tun
kann so ist es nie Nein und wenn es sieht dass ich möchte dass etwas gemacht
werde so hilft es nur so viel es kann und kein einzigmal begehre es
Saumsteine in den Weg zu legen wie es die Weiber dickist haben dass wenn sie
sehen dass man etwas absolut machen sollte sie absolut etwas anderes wollen und
einen versäumen wie sie nur können Aber doch ist es etwas hochmütig und kanns
nicht vergessen dass es aus einer vornehmen Familie ist wenn es schon unehlich
ist Wenn ihm einer nur von weitem zu nahe kommt so schnauzt es ihn an als ob
es ihn fressen wolle und öppe Gspass mit ihm zu treiben und es auch etwas in den
Finger zu nehmen wie an vielen Orten der Brauch ist das wollte ich Keinem
raten Es hat schon Mancher eine wüste Täschen herausgenommen« »Aber das will
noch gar nicht sagen dass es dich nicht nehmen würde« sagte Johannes »Wenn es
sich schon nicht von jedem will fingerlen lassen so kann ich ihm das nicht für
übel nehmen« »Ja dann ist noch eins« sagte Uli »Ich darf jetzt nicht mehr an
Vreneli sinnen Würde es mir nicht sagen Gäll jetzt wo du die Reiche nicht
haben kannst jetzt soll ich dir gut genug sein Hast du mir ja das grüne gelbe
Elisi vorziehen können so will ich dich jetzt auch nicht ich mag nicht einen
der so mit einem verschlampeten Bärentalpenstengel geschätzelet hat Das muss es
mir zur Antwort geben und doch habe ich auch während der Geschichte mit Elisi
mehr an Vreneli gesinnt als an ds Elisi Erst jetzt merke ich dass mir Vreneli
immer lieber gewesen ist Und wenn ich das Meitschi hätte ich wollte ausbieten
einen Hof zu übernehmen und darauf mehr zu machen als irgend ein Anderer Aber
jetzt ist es zu spät es nimmt mich nicht es ist gar ein Eigeliges« »He«
sagte Johannes »man muss nie den Mut verlieren solange ein Meitschi noch ledig
ist Das sind wunderliche Greiser und tun gewöhnlich gerade das Gegenteil von
dem was man ihnen zutrauet Wenn die Sache so ist so wollte ich anhoschen das
Meitschi gefällt mir« »Nein Meister nicht um hundert Kronen wollte ich das
Meitschi fragen Ich weiß wohl es zerschreisst mir fast das Herz wenn ich von
ihm muss und es nicht mehr alle Tage sehen kann Aber wenn ich es fragte und es
würde mich verachten Nein sagen ich glaube ich hinge mich an die
Bühnisleiter Beim Dolder ich könnte es nicht sehen wenn es ein Anderer zur
Kirche führte ich glaube ich würde ihn erschießen Aber das heiratet nicht
das bleibt ledig« Da begann Johannes gar herzlich zu lachen und fragte Woher
er wisse dass ein solches Meitschi dreiundzwanzig Jahre alt ledig bleiben
werde »Oh« sagte Uli »es nimmt Keinen ich wüsste nicht wer dem gut genug
wäre«
Da sagte Johannes sie wollten doch machen dass sie heimkämen ehe die
Kirche aus sei er möchte nicht in die Kirchenleute laufen Uli folgte ihm
wenig redend und was et redete klang immer gegen Vreneli zu bald dieses bald
jenes und Johannes sollte ihm versprechen ja kein Wort über seine Lippen zu
lassen von dem was er ihm gesagt »Du Gäuchel du« sagte Johannes »wem sollte
ich etwas davon sagen«
Die Base hatte daheim schon lange vor Ungeduld gezappelt und sobald Uli und
sein Meister in die Stube traten sagte sie zu Uli »Geh doch in die Stube in
welcher wir geschlafen haben und sieh was Vreneli macht Es soll einpacken
wir wollen fort« Uli fand das Mädchen vor einem Tische stehend wo es ein
Fürtuch der Base zusammenlegte Uli ging sachte hinter ihns schlang den Arm
aber ganz manierlich um dasselbe und sagte »dBase pressiert« Vreneli drehte
sich rasch um sah wie über diese ungewohnte Vertraulichkeit verwundert
schweigend zu Uli auf Dieser fragte »Bist noch immer böse auf mich« »Ich bin
über dich nie böse gewesen« sagte Vreneli »So gib mir ein Müntschi du hast
mir noch keins gegeben« entgegnete Uli und bog sich herab In diesem Augenblick
wand Vreneli sich so kräftig los dass er in die halbe Stube zurückfuhr und doch
war es ihm als hätte er ein Müntschi erhalten er glaubte noch deutlich an
einem gewissen Fleck Vrenelis Lippen zu fühlen Dasselbe aber fuhr mutwillig
über ihn her Es dünke ihns er sei zu solchen Flausen wohl alt und
wahrscheinlich werde die Base ihn nicht heraufgeschickt haben um mit solchem
Narrenwerk es zu versäumen Er solle doch denken was Stini sein alter Schatz
dazu sagen würde wenn es dazukäme Es begehre nicht mit demselben einen
Schwinget zu haben wie Ürsi dabei lachte es dass es Uli ganz zerschlagen zumute
ward und er die Türe suchte so bald möglich
Die Reise ging später vor sich als man dachte Denn als man anspannen
wollte musste man zuerst noch zu einem Mahl wobei des Johannes Frau ihre ganze
Kochkunst den ganzen Reichtum ihres Hauses aufgeboten hatte Obgleich die Base
in einem fort sagte »Herr Jeses wer möcht doch auch von allem essen« so war
doch des Nötigens kein Ende und sie wurde nicht in Ruhe gelassen bis sie
erklärte Sie bringe ihre armi türi nichts mehr hinunter wenn sie noch ein
Brösmeli essen sollte es würde sie versprengen
Während Uli anspannte drückte sie des Vetters Kindern neues Geld in die
Hände gäb wie die sich wehrten und ihre Eltern die Base mahnten sie solle sich
doch nicht solche Kosten machen und den Kindern zusprachen sie sollten doch
nicht so unverschämt sein und es nehmen Wenn sie es doch nahmen und zu der
Mutter eilten und ihren Schatz zeigten so hieß es »Nein es hat kei Gattig
wir müssen uns ja schämen« Und dann sagte die Base Es sei ja nicht der Rede
wert und sie sollten doch recht bald zu ihnen kommen und es ein ziehen was sie
ihnen in den Kosten gewesen sei Das werde sich schon geben erhielt sie zur
Antwort aber sie hätte nicht so pressieren und noch einen Tag bleiben sollen
So unter vielen Reden kam sie endlich auf ihr Sitzwägeli und setzte oben das
Reden fort Vreneli alle ihre gemachten Betrachtungen mitteilend deren in der
Tat nicht wenige waren Denn sie hatte manches gesehen von dem sie sagte »Wenn
ich jünger wäre und noch besser möchte das müsste mir auch sein«
Zu allem redete Uli nichts war mit seinem Kohli beschäftigt den er tüchtig
traben ließ so dass endlich die Frau sagte »Uli fehlt dir etwas Machst es dem
Kohli nicht zu stark Er ist nicht gewohnt so zu laufen« Uli versprach sich
und erhielt den Befehl etwas über em halben Weg zu halten Es sei ihr nicht nur
wegen dem Kohli sagte sie sondern auch wegen ihr selbst Hamme und Küchli
zusammen machten ihr immer Durst Vreneli sagte auch ihm sei es recht es hätte
es gerade wie die Base und heute werden sie doch in ein Wirtshaus können ohne
für ein Hochzeit gehalten zu werden Man werde eher glauben sie kämen von einer
Gräbt so mache Uli ein Gesicht Er hätte keine Ursache ein anderes zu machen
sagte Uli am allerwenigsten seinetwegen Am Samstag sei es nicht recht wenn er
lache und am Sonntag nicht recht wenn er nicht lache es sei bald bös
zbreiche »Du bist puckt Uli« sagte Vreneli »ich habe nicht gewusst dass man
dir nichts mehr sagen darf« »So zanket recht« sagte die Base »das gefällt
mir was sich liebt muss sich zanken und ihr macht exakt wie Zwei am Tage nach
der Hochzeit« Eben darum wolle es ja nicht heiraten sagte Vreneli Solange es
ledig sei mache es ein Gesicht für sich wie es ihm gerade an ständig sei
»Ich mache meine Gesichter auch für mich« sagte Uli »und du brauchst sie gar
nicht zu sehen wenn sie dir nicht anständig sind Habe nur noch ein wenig
Geduld so wird dir mein Gesicht nicht mehr im Wege sein« »Nit nit« sagte die
Base »Machet einander nicht zu guter Letzt noch böse und kommt mir taub heim
Man muss aus Spaß nicht gleich Ernst machen sonst kommt man nicht durch die
Welt
Und wenn man gleich so aufbrennen will ach bhüetis so ists allerdings
besser man bleibe ledig Ich bin als Meitschi auch aufbegehrischer Natur
gewesen und habe nichts leiden wollen aber wenn ich bei meinem Joggeli so hätte
bleiben wollen so lägen er oder ich oder Beide im Grabe Ich habe bald gesehen
dass eins nachgeben sich ändern muss und da ist die Reihe dazu an mich gekommen
Nit dass Joggeli nicht auch ein Gleich gemacht er hat sich auch in manchem
gebessert Ich glaube nicht dass Zwei zusammenkommen auf der Welt die sich
nicht mehr oder minder ändern müssen wenn sie glücklich bleiben wollen« »Darum
ists am besten man bleibe ledig« sagte Vreneli »da kann man bleiben wie man
ist und es grännet einen niemand an für nichts und wieder nichts« »Eh
Vreneli sinnest denn nicht an Gott und dass der will dass wir uns ändern und
alle Tage besser werden Ist dir der auch zu wenig dass du um seinetwillen kein
ander Gesicht machen willst als dir anständig ist« »Aber Base« sagte Vreneli
»wie kommt Ihr mir auch Wir reden von einem Mann und Ihr kommt mir mit Gott da
ist doch ja gar keine Gleichheit Wie einem Gott in Sinn kommen kann wenn man
von einem Manne redet begreife ich nicht Wenn man von Männern redet so sollte
einem immer der Teufel in Sinn kommen denn der ist ja auch ein Mann und er hat
das Weib verführt wenn er nicht gewesen so wären wir glücklich geblieben Von
einer Frau Tüfelin habe ich noch nichts gehört das ist mir ein sicher Zeichen
dass der Teufel unter dem Weibervolk Keine seinesgleichen gefunden hat sondern
nur unter dem Mannenvolk Unter dem gibt es ja ganze Legionen wie es in der
Schrift heißt« »Versündige dich nicht Vreneli« sagte die Base »du weißt
nicht was dir bestimmt ist Ich glaube du redest nicht wie es dir ums Herz
ist sondern wie alle Meitschi wenn sie noch Keinen haben oder der Rechte ihnen
noch nicht gekommen« So wie Vreneli den Mund zur Antwort auftat fuhr Uli der
ihnen ganz den Rücken gekehrt und getan hatte als höre er von allem nichts zum
bestimmten Wirtshause Die Wirtin empfing sie und führte sie in eine apartige
Stube wie die Base verlangt hatte nachdem sie dem Uli gesagt er solle bald
nachkommen Dort befahl sie Wein und auch etwas auf einem Teller oder zweien
das Fahren mache hungrig sie hätte es nicht geglaubt
Es war alles da nur Uli nicht Die Wirtin war nach ihm ausgeschickt worden
kam wieder mit dem Bescheid dass sie es ihm gesagt aber er kam doch nicht Da
sagte die Base »Geh Vreneli und heiße ihn auf der Stelle kommen« Vreneli
drehte und meinte man solle ihn doch nicht zwingen wenn er hungrig oder
durstig wäre er würde schon kommen »Wenn du nicht gehen willst« sagte die
Base »so muss ich zuletzt noch selber gehen« Da ging Vreneli hässig und trieb
mit hässigen Worten den bei den Keglern stehenden schmollenden Uli der anfangs
nicht kommen wollte herbei Seinetalben sagte es könnte er bleiben wo er
wäre aber die Base befehle es Er solle kommen es hätte nicht Lust ihm noch
mehr nachzulaufen
Uli kam endlich auf die vielen Vorwürfe der Base wenig antwortend Diese
schenkte ihm tapfer ein nötigte zum Essen und schwatzte allerlei durcheinander
wie es ihr bei Vetter Johannes wohl gefallen und wie sie jetzt wohl merke wo
Uli sei drässiert worden Er müsste aber auch bsunderbar wohl für sie gewesen
sein denn noch jetzt hingen die Kinder an ihm und sie hielten ihn ja wert fast
wie ein Kind »Du wirst wohl wieder zu ihnen wollen wenn du bei uns fortgehst«
»Nein« sagte Uli »Es ist sonst nicht der Brauch dass man frägt aber willst du
mirs sagen wo du hinkömmst« sagte die Base Er wisse es noch nicht sagte Uli
es hätte ihm noch nicht pressiert einen Platz zu nehmen obgleich er manchen
hätte haben können »E nun so bleibe du bei uns das schickt sich für beide
Teile am besten wir sind jetzt an einander gewohnt« Sie solle es nicht für
ungut haben sagte er aber er hätte nicht im Sinn mehr Knecht zu sein »Hast
du etwas anderes« fragte sie »Nein« antwortete er »Wenn du nicht mehr Knecht
sein willst wenn wir dir da unser Gut ins Lehen geben wollten« Dies Wort traf
Uli wie ein Stein Er ließ die mit einem Stück Schafbraten beladene Gabel aufs
Teller fallen behielt den Mund aber offen drehte seine Augen groß wie
Pflugsrädleni der Base zu und starrte sie an als ob sie aus dem Mond herabkäme
Vreneli das am Fenster gestanden war und sich über Ulis langes Essen geärgert
hatte drehte sich rasch um und horchte mit spitzigen Augen was das geben
sollte »Ja sieh mich nur an« sagte die Base zu Uli »es ist mir Ernst mit der
Frage wenn du nicht als Knecht bleiben willst würdest du wohl als Lehenmann
bleiben« »Frau« sagte endlich Uli »wie sollte ich Euer Lehenmann werden
können Das vermag ich nicht da muss einer anders hintersetzt sein als ich Ihr
wollt mit mir nur Eure Flausen treiben« »Nein Uli es ist mir Ernst« sagte
die Frau »und mit dem Nitvrmögen ist das nichts das könnte man ja machen dass
das Anfangen dich nichts kostete die Bsatzig ist da« »Aber was denkt Ihr
Frau« sagte Uli »wenn das schon wäre wer wollte mir Bürge sein Ein einziges
Fehljahr brächte mich auf einem solchen Gut zu Boden Das Geschäft ist zu groß
für mich« »He Uli das wird sich alles machen und die wüstesten Hüng sind wir
doch nicht dass wir einen Lehenmann der uns anständig ist wegen einem einzigen
Jahr zugrunde gehen ließ Sag nur du wollest so wird sich das schon machen«
»Ja Frau« sagte Uli »und wenn das sich schon machte wer sollte mir die
Haushaltung machen Das will da was heißen« »He nimm eine Frau« sagte die
Base »Das ist bald gesagt« antwortete Uli »aber wo wollte ich wohl eine
finden die gut dafür wäre und die mich nähme«
»Weißt du keine« fragte die Base Da stockte dem Uli das Wort im Munde und
werweisend grübelte er verlegen mit der Gabel auf dem Teller Vreneli aber sagte
rasch Es dunke ihns es wäre Zeit für fort der Kohli habe den Hafer längst
gefressen und Uli werde auch bald genug haben sie könnten ein andermal mit
einander Flausen haben Ohne auf diese Worte zu hören sagte endlich die Base
»Weißt du keine Ich wüsste dir eine« Uli machte wieder Pflugsrädli gegen die
Base zu Vreneli sagte es möchte die auch wissen Die Base in ungestörter
schalkhafter Gemütlichkeit die eine Hand auf dem Tische den breiten Rücken
behaglich hinten am Stuhle sagte »Errate mal du kennst sie wohl« Uli sah
herum an allen Wänden er konnte das rechte Wort nicht finden es war ihm als
ob er einen Erdäpfelstock von einem ganzen Sack Erdäpfel im Halse hätte und
Vreneli trippelte ungeduldig hinter die Base und sagte Sie wollten doch machen
und fort es finstere ja schon Aber die Base hörte Vreneli nicht sondern fuhr
fort »Kömmt es dir nicht in Sinn Du kennst sie wohl es ist ein werchbar
Mensch tut aber zuweilen etwas uwatlig und wenn ihr nicht zusammen zanket so
könnt ihr es sonst recht gut mit einander« Dazu lachte sie recht herzlich und
schaute Eins ums Andere an Da schaute Uli auf aber ehe er eine Antwort
hervorgeworget hatte fuhr Vreneli dazwischen und sagte »Geh und spanne an
Base man kann den Spaß auch zu weit treiben Ich wollte ich wäre nie
mitgefahren Ich weiß gar nicht warum man mich nicht ruhig lassen kann Gestern
haben mich die Leute taub gemacht und heute wollt Ihr es noch ärger machen Das
ist nicht schön Base«
Uli war aufgestanden und wollte gehen aber die Base sagte »Hock doch
nieder und los Es ist mir Ernst ich habe schon manchmal zu Joggeli gesagt es
schickten sich nie Zwei besser zusammen als ihr Beide es sei wie wenn ihr für
einander gewachsen wäret« »Aber Base« rief Vreneli »dr tusig Gottswillen
hört doch auf sonst laufe ich fort Ich lasse mich nicht ausbieten wie eine
Kuh Wartet doch nur bis Weih nacht da will ich Euch aus den Augen oder wenn
ich Euch so erleidet bin noch vorher Was wollt Ihr Euch so vergebene Mühe
geben Zwei zusammenzubringen die einander nicht mögen Uli fragt mir gerade so
viel nach als ich ihm und je eher wir von einander kommen desto lieber ist es
mir« Da ging doch Uli der Mund auf und er sagte »Vreneli zürne mir doch
recht nicht ich vermag mich ja gar nichts dessen Aber das muss ich dir sagen
wenn du mich schon hassest so bist du mir schon lange lieb gewesen und ich
wünschte mir keine bessere Frau Es muss einer glücklich mit dir sein wenn du
mich wolltest ich wäre glücklich genug« »So« sagte Vreneli »jetzt wo du vom
Hof hörst und dass du ihn ins Lehen erhieltest wenn du eine Frau hättest bin
ich dir auf einmal recht von wegen dem Hof Du bist mir ein lustig Bürschli
Gell wenn du nur den Hof kriegtest so heiratest du jede Luenz ab der Gasse
jeden Zaunstecken aus einem Hag Aber ohä Du bist an der Lätzen es ist nicht
dass ich einen Mann haben muss Ich will gar keinen allweg keinen der jeden
Dachen nimmt wenn nur ein Tröpfli Öl daran hanget Wenn ihr nicht fahren wollt
so laufe ich alleine heim« und somit wollte es zur Türe aus schießen Aber Uli
fing es auf hielt es mit starkem Arm wie es sich auch wehrte und sagte
»Nein wahrhaftig Vreneli du tust mir unrecht Wenn ich dich haben könnte ich
wollte mit dir in die Wildnis wo ich nichts als schwenden und reuten müsste Es
ist wahr wo mir ds Elisi so flattiert hat da ist mir der Hof in den Kopf
gekommen und ich hätte es nur desstwegen genommen Aber schwer hatte ich mich
versündigt denn schon damals bist du mir im Sinn gelegen und ich habe dich
immer hundertmal lieber gesehen als ds Elisi Allemal wenn ich ihns gesehen so
bin ich erschrocken wenn du mir aber begegnet bist so lachte mir allemal das
Herz im Leibe Frag nur den Johannes ich habe es ihm heute morgen gesagt eine
Frau wie du eine gibst wüsste ich so weit die Sonne scheint keine bessere zu
finden« »Lass mich gehen« schrie Vreneli das während der schönen Rede getan
hatte wie eine Katze am Hälsig und selbst mit Klemmen und Kratzen nicht schonte
»Ich will dich gehenlassen« sagte Uli der männlich das Kratzen und Klemmen
aushielt »aber du musst mich nicht im Verdacht haben als wollte ich dich nur
wenn ich Lehenmann werden könnte Du musst glauben ich hätte dich sonst lieb«
»Ich verspreche nichts« rief Vreneli riss sich los mit eigener Gewalt und floh
oben an den Tisch »Du tust doch so wüst wie eine junge Katze« sagte die Base
»Ich habe mein Lebtag kein solch Meitschi gesehen Aber tue jetzt vernünftig
komm hock da neben mich Willst du kommen oder nicht Ich gebe dir mein Lebtag
kein gutes Wort mehr wenn du nicht eine Minute da hocken und dich stille halten
willst Uli sag man solle noch eine Halbe bringen Halt dich still Meitschi
und rede mir nicht darein« sagte die Base und erzählte nun wie es ihr wäre
wenn sie Beide fortgingen was für böse Tage ihrer warteten vergoss schmerzliche
Tränen über ihre Kinder und wie sie noch glücklich werden könnte wenn es ginge
wie sie in schlaflosen Nächten es sich ausgedacht Wenn Zwei mit einander
glücklich werden könnten so wären sie es Sie habe Joggeli manchmal gesagt sie
hätte ihrer Lebtag nie zwei Menschen gesehen die einander so wohl verstünden in
der Arbeit und einander so behilflich seien Wenn sie so fortführen mit
einander so müssten sie zu schönem Vermögen kommen Was sie ihnen behilflich
sein könnten das würden sie tun Sie hätten es nicht wie viele Lehenherren
denen nicht wohl sei wenn nicht alle zwei Jahre ein Lehenmann auf ihrem Gut
zugrunde ginge und die allemal schlaflose Nächte hätten und am Zins aufschlagen
wollen wenn einmal der Lehenmann zu rechter Zeit den ganzen Zins geben kann
weil sie fürchten er habe das Lehen zu wohlfeil »Nein gewiss« sagte sie »wir
wollten tun an euch wie wenn ihr unsere eigenen Kinder wäret und einen Trossel
müsste Vreneli haben dessen keine Bauerntochter sich zu schämen hätte« Aber
wenn ihr das nicht gerate und Vreneli wüst tun wolle so wüsste sie nicht was
anfangen sie wollte lieber nicht mehr heim Sie wolle ihm nichts fürhalten
aber das hätte sie doch nicht um ihns verdient dass es jetzt so wüst tue sie
hätte öppe getan an ihm was ihr wohl angestanden sei Und das Wüstmachen tue es
ihr express zuleid sie merke es wohl Es sei schon lange nicht mehr wie sonst
gegen sie Und gar herzlich weinte die gute Frau
»Aber Base« sagte Vreneli »wie könnt Ihr auch so reden Ihr seid ja meine
Mutter gewesen für eine solche habe ich Euch immer gehalten und wenn ich für
Euch durchs Feuer sollte ich besänne mich keinen Augenblick Aber so einem
Schnürfli der mich nicht begehrt lasse ich mich nicht anhängen Wenn ich denn
endlich einen haben muss so will ich doch einen der mich lieb hat und mich
meinetwegen nimmt und nicht mitsamt den andern Kühen mich zum Lehen begehrt«
»Wie kannst du auch so reden« sagte die Base »hast du nicht gehört dass er
gesagt hat er habe dich schon lange lieb gehabt« »Ja« sagte Vreneli »das
sagen sie alle Einer wie der Andere wenn man aber an dieser Lüge ersticken
müsste es würde wenige Hochzeit geben Er wird auch nicht besser sein als die
Andern wenn Ihr nicht zuerst vom Hof angefangen hättet Ihr hättet dann sehen
können Und es ist auch nicht recht von Euch gewesen mir nichts von allem zu
sagen und mich da so ungesinnet ihm darzuwerfen wie einer Sau einen Tannzapfen
Wenn Ihr mir zuerst ein Wort gegönnt hättet so hätte ich es Euch sagen können
was Trumpf ist bei Uli Er sagt auch Geld du bist mir lieb und dann soll eine
verstehen Gäll du bist mir lieb« »Du bist ein wunderlich Gret« sagte die
Base »und tust ärger als wenn du die vornehmste Herrentochter wärest« »Eben
Base weil ich nichts bin als ein Meitschi so steht es mir wohl an vornehm zu
tun und mich da nicht so vorwerfen zu lassen Ich glaube ich habe ein größer
Recht dazu als manche vornehme Tochter sei es dann meinetalb eine Herren oder
eine Bauerntochter« »Aber Vreneli« sagte Uli »was vermag ich mich dessen und
soll ich es jetzt entgelten Du weißt im Herzen wohl dass ich dich lieb habe
und ich habe so wenig von dem gewusst was die Base im Sinne hatte als du Es
ist daher nicht recht dass du es an mir auslassest« »Ach« sagte Vreneli »erst
jetzt merke ich dass das Ganze eine abgeredete Sache war du würdest dich sonst
nicht versprechen ehe ich dich angeklagt Das ist erst recht wüst und ich will
von der ganzen Sache nichts mehr hören ich lasse mich nicht so hineinsprengen
wie man die Fische ins Garn sprengt«
Damit wollte Vreneli wieder auf und fort aber die Base hielt es fest am
Kittel und sagte ihm Es sei das wüstest und misstreust Mönsch wo an der Sonne
herumlaufe Seit wann sie hinter seinem Rücken unter dem Hütli spiele Das sei
wahr wegen dieser Sache habe sie zum Vetter begehrt und dessetwegen habe sie
Beide mitgenommen Aber was sie im Sinn gehabt habe niemand gewusst nicht
einmal Joggeli geschweige denn Uli Sie habe dem Vetter den Auftrag gegeben
dem Uli die Würme aus der Nase zu ziehen und es sei wahr der habe Vreneli
grusam gerühmt so dass der Vetter ihr gesagt Uli nähme Vreneli lieber heute als
morgen aber er dürfe ihm nichts sagen er fürchte es halte ihm ds Elisi vor
Daraufhin habe sie gedacht sie wolle reden wenn Uli nicht dürfe denn dass ihm
Uli nicht anständig sei das überrede sie niemand sie habe ihre Augen noch
nicht am Rücken Er vermöge sich also dessen nichts »Aber warum kommt er denn
heute in die Stube wo ich einpacke« fragte Vreneli »und will mir ein Müntschi
geben Das hat er noch nie getan«
»He« sagte Uli »ich will es dir grad sagen Als ich heute mit dem Meister
geredet hatte da bliebest du mir im Sinn mehr als je und ich dachte ich
wollte geben was ich hätte wenn ich wüsste ob du mich lieb hättest und mich
nehmen würdest Vom Lehen wusste ich kein Wort Als ich dich so allein antraf da
übernahm es mich ich wusste nicht wie es kam mir in den Arm fast wie ein
Gsüchti ich musste dich anrühren dich um ein Müntschi fragen Anfangs glaubte
ich ich hätte eins erhalten allein später dachte ich es könnte doch nicht
sein du hättest mich sonst nicht so wild in die Stube hinausgeschossen ich
dachte du hättest mich nicht gerne und das machte mich betrübt im Herzen und
ich dachte wenn nur Weihnacht da wäre dass ich fort könnte da wollte ich weit
weit ins Weltschland hinein dass nie jemand mehr etwas von mir höre Und so ists
mir noch Vreneli wenn du mich nicht willst so will ich vom Lehen nichts will
fort fort so weit mich die Füße tragen und kein Mensch soll erfahren wohin
ich gekommen« Er war aufgestanden vor Vreneli getreten das Wasser stund ihm
in den treuherzigen Augen der Base aber rollte es die Backen ab Da sah Vreneli
zu ihm auf die Augen wurden ihm feucht aber um den Mund zuckte noch der Spott
und der Trotz die niedergehaltene Liebe brach auf und begann durch die Augen
ihre leuchtenden Strahlen zu werfen während das jungfräuliche Widerstreben die
Lippen aufwarf als Schanze gegen das Ergeben an die männliche Zudringlichkeit
Und während die Augen Liebe leuchteten kamen doch hinter den aufgeworfenen
Lippen hervor die spottenden Worte »Aber Uli was sagt dann Stini wenn du
schon wieder eine Andere willst Wird es dir nicht singen
Er hat ein Herz wie es Tubehus
Flügt die Eini dry flügt die Anderi drus«
»Aber wie magst du auch mit ihm den Narren treiben« sagte die Base »du siehst
ja wie es ihm Ernst ist Wenn ich ihn wäre ich kehrte dir das Nest und sagte
dir Blase mir wo ich schön bin« »Er hat dWehli Base und Ihr wisst nicht
ob es mir nicht recht wäre« sagte Vreneli »Nein es wäre dir nicht recht
Meitschi« sagte die Base »ich höre es dir schon an Und Uli wenn du nicht ein
Löhl bist so nimmst du es jetzt um den Hals es schießt dich nicht mehr in die
Stube hinaus glaub es mir« Indessen hätte die Base fast unrecht erhalten Noch
einmal bot das Mädchen seine Kraft auf und Uli wäre in raschem Umschwunge bald
wieder geflogen Allein des Mädchens Kraft hielt nicht aus Das Mädchen fiel an
Ulis treue Brust und brach in lautes fast krampfhaftes Weinen aus Es wurde den
beiden Andern als das Schluchzen nicht aufhören wollte fast angst dabei sie
begriffen nicht was das sein solle Uli tröstete so gut er konnte und sagte
es solle doch ja recht nicht so tun und wenn es ihn lieber nicht wolle so
könne er ja gehen er wolle ihns nicht plagen Die Base balgete erst es sei
dumm getan zu ihrer Zeit hätten die Mädchen nicht die Schlosshunde verspottet
wenn sie einen gefunden Dann ward ihr aber auch bange und sie sagte sie wolle
es nicht zwingen wenn es lieber nicht wolle so könne es ja ihretwegen machen
was es wolle Es solle doch nur dr Gottswillen nicht so tun die Wirtsleute
könnten sonst glauben was es wäre
Endlich konnte ihnen Vreneli sagen sie sollten es doch nur ruhig lassen es
wolle sich zu überwinden suchen Es sei sein Lebtag eine arme Waise gewesen und
verstoßen von Jugend auf Es habe nie ein Vater es auf den Schoss genommen die
Mutter es nie geküsst nie habe es seinen Kopf an irgend einem Halse verbergen
können Es hätte ihns manchmal gedünkt gerne wollte es sterben wenn es nur
dabei jemand auf den Knien sitzen jemand dabei um den Hals nehmen könnte aber
solange es Kind gewesen sei habe niemand ihns lieb gehabt nirgends hätte es
sein sollen Es könne nicht sagen wie oft es einsam geweint Sein Sehnen sei
immer und immer dar auf gegangen irgend einmal jemand so von ganzem Herzen
ganzem Gemüte lieb haben zu können jemand zu finden an dessen Brust es sein
Haupt in Leid und Freud legen könnte So eine Freundin aber habe es keine
gefunden Da habe es gedacht wenn man ihm vom Heiraten gesprochen es wolle es
nie es sei denn es könne so von Herzensgrund glauben dass das die Brust sei
an die es in Leid und Freud sein Haupt legen die ihm treu sein werde im Leben
und im Sterben Aber es habe keine gefunden zu der es diesen Glauben hätte
haben können Uli sei ihm lieb sei ihm schon lange lieb mehr als es sagen
wolle aber diesen Glauben zu ihm habe es noch nicht finden können Und wenn es
diesmal getäuscht würde wenn Uli nicht die rechte Liebe die rechte Treue für
ihns hätte dann wäre ja sein letztes Hoffen dahin dann würde es keine mehr
finden dann müsste es unglücklich sterben Dar um mache es ihm so angst und
sie sollten es doch jetzt dr Gottswillen ruhig lassen damit es so recht
überlegen könne was es mache Ach sie wüssten es nicht wie es einer armen
Waise zumute sei welche der Vater nie auf dem Schoße gehabt die Mutter nie
geküsst
»Du bisch es Göhl« sagte die Base und wischte die nassen Backen ab »Wenn
ich gewusst hätte dass es dir nur da fehle auf ein Müntschi mehr oder weniger
wäre es mir doch gewiss nicht angekommen Aber warum sagst du es nicht Unsereins
kann doch wahrhaftig nicht an alles sinnen« Uli sagte er hätte das verdient
es geschehe ihm recht und er hätte gedenken sollen dass es ihm so gehen werde
Aber wenn es in ihn hineinsehen könnte so würde es sehen wie lieb er es hätte
und wie aufrichtig er es meine Er wolle sich nicht entschuldigen er habe schon
mehrere Male ans Wyben gesinnt aber lieb gehabt habe er Keine wie ihns Aber
er wolle es nicht zwingen er müsse in Gottes Namen sich gefallen lassen was
sein Wille sei »Du hörst es ja« sagte die Base »wie lieb er dich haben will
Komm nimm dein Glas und mach Gesundheit mit Uli und versprich ihm du wollest
die Lehenfrau in der Glunggen werden« Vreneli stund auf nahm sein Glas machte
Gesundheit aber versprach nichts sondern bat Man solle ihns nur heute noch
ruhig lassen und nichts mehr davon sagen morgen wolle es den Bescheid geben
wenn es sein müsse »Du bist ein wunderliches Gret« sagte die Base »He nun
Uli so spann an sie werden daheim nicht wissen wo wir bleiben«
Draußen flimmerten die Sterne im dunkelblauen Grunde weiße Nebelwölkchen
schwebten über feuchten Matten einzelne Streifen hoben neugierig an Talwänden
sich auf laue Winde wiegten das matte Laub hie und da läutete eine auf der
Weide vergessene Kuh ihrem vergesslichen Meister hie und da schickte ein
übermütig Bürschchen sein Jauchzen weit über Berg und Tal Die Bewegungen des
Tages und des Fahrens rüttelten die Base in tiefen Schlaf und Uli hielt mit
gespannter Kraft den wild ausgreifenden Kohli in ziemlichem Laufe Vreneli war
alleine in der weiten Welt Wie weit am fernen Himmel die Sterne schwammen in
des unermesslichen blauen Meeres schrankenlosem Raume jeder für sich in einsamer
Bahn so fühlte es sich wieder das arme einsame verlassene Mädchen im großen
Weltengetümmel Wenn es fort war von Base und Vetter wenn sie gestorben waren
so hatte es niemand mehr auf der Erde kein Haus wohin es sich flüchten konnte
in kranken Tagen keinen Menschen dem es etwas klagen konnte kein Auge das
mit ihm lachte mit ihm weinte keinen Menschen der einmal weinte wenn es
sterben sollte ja vielleicht keinen der seinen Sarg begleitete bis zu dem
engen kalten Hause das man ihm endlich doch gewähren musste Allein war es
einsam und verlassen sollte es durch das Weltgetümmel bis zu seinem einsamen
Grabe auf langer Wanderung vielleicht durch viele viele einsame Jahre
gebeugter mut kraftloser von Jahr zu Jahr ein alt verwittert verachtet
Wesen dem kaum jemand Herberge mehr gab wenn auch um Gotteswillen dafür
angesprochen Neues Weh zuckte ihm im Herzen Klagen wollten aufquellen warum
doch wohl der Vater der gute der die Liebe heiße so arme Kinder leben lasse
die niemand hätten auf der Welt die in der Kindheit verstoßen würden in der
Jugend verführt im Alter verachtet
Da begann es doch zu fühlen dass es sich an Gott versündige der ihm viel
mehr gegeben als Vielen der seine Unschuld behütet bis auf diesen Tag es so
gestaltet so hatte werden lassen dass ein reichlich Auskommen ihm sicher
schien wenn Gott seine Gesundheit erhielt Es begannen ihm aufzutauchen wie
aus dem Nebel die Hügelspitzen und die Kronen der Bäume die Liebeszeichen die
Gott augenscheinlich über sein Leben ausgestreut wie es behütet worden hier und
dort wie es viel heiterere Tage genossen als viele viele arme Kinder und wie es
auch Leute gefunden viel bessere als andere Kinder die wenn sie es auch nicht
wie Vater und Mutter an ihre Herzen nahmen ihns doch auch lieb gehabt und so
erzogen dass es vor alle Leute treten durfte mit dem Gefühl dass man ihns für
einen eigentlichen Menschen ansehe Nein klagen durfte es nicht über den guten
Vater droben es fühlte dass dessen Hand ob ihm gewesen Und war seine Hand
nicht noch jetzt über ihm war sie nicht auch heute über ihm Hatte er sich wohl
über das arme einsame Meitschi erbarmet Hatte er den Ratschluss wohl gefasst
weil es getreu geblieben bis dahin und von der Sünde sich unbefleckt zu erhalten
gesucht nun auch seines Herzens Sehnen zu stillen ihm eine treue Brust zu
geben an die es sein Haupt lehnen konnte etwas Eigenes damit einst jemand
weine bei seinem Tode jemand es begleite auf dem trüben Wege zum schaurigen
Grabe War das wohl Uli der getreue vielgewandte Knecht den es so lange schon
in verschwiegenem Herzen geliebt dem es nichts vorzuhalten wusste als seine
Verirrung mit Elisi dass er auch von dem Wahn ergriffen worden das Geld mache
glücklich der so treu und ehrlich sein Herz dargetan und seinen Fehler bereute
War es nicht eine eigene Fügung dass sie sich Beide getroffen gerade an diesem
Orte dass Uli nicht früher fortgekommen dass Elisi habe heiraten müssen dass der
Base der Wunsch komme das Gut Uli in Lehen zu geben Hatte das alles sich nicht
recht wunderbar treffen müssen war darin nicht offenbar des Vaters gütige Hand
Sollte es wohl das Dargebotene verschmähen War es etwas Hartes Widerliches
das ihm zugemutet wurde Nun rollte die Seele ihre Bilder auf bevölkerte mit
ihnen die öde Zukunft Uli war sein Mann es hatte Wurzel geschlagen im Leben
in der weiten Welt sie waren der Mittelpunkt um den ein großes Hauswesen sich
ordnete um ihren Willen kreisend Hundertfältig gestaltete dieses Bild sich vor
seinen Augen und immer schöner lieblicher woben dessen Farben sich
durcheinander Es wusste nicht mehr dass es im Wägeli fuhr es war ihm so leicht
so wohl ums Herz als ob es bereits atme in jener Welt wo keine Sorge kein
Leid mehr ist da rollte das Wägelein über einen Stein Vreneli fühlte ihn
nicht aber die Base erwachte mit langem Gähnen und fragte mühsam sich fassend
»Eh wo sind wir Ich habe doch nicht geschlafen« Da sagte Uli »Wenn Ihr recht
lueget so seht Ihr dort unser Licht durch die Bäume« »Herr Yses wie habe ich
doch geschlafen Das hätte ich doch niemand geglaubt Wenn nur Joggeli nicht
balget dass wir so spät sind« »Es macht noch nichts« sagte Uli »und morgen
kann der Kohli ruhen wir brauchen ihn nicht« »He nun« sagte die Base »so
macht es desto minder Aber wenn die Rosse spät heimkommen und früh fort sollen
so ist das eine Schinderei Nehme man doch wie es einem wäre wenn man es einem
auch so machen würde immer laufen immer laufen und keine Zeit zum Essen und
Schlafen« Aus allen Türen schossen diesmal mit Lichtern und Laternen die
Bewohner der Glungge als sie das herannahende Wägeli hörten die einen ans
Pferd hin die andern zum Wägeli selbst Joggeli gnappete herbei und sagte »Ich
habe geglaubt ihr kommt heute nicht mehr es hätte euch etwas gegeben«
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Der Knoten beginnt sich zu lösen und als er sich stecken will zerschlägt ihn
ein Mädchen und zwar mit einem buchenen Scheit
Nun ging es wie an allen Orten wenn die Hausmutter spät heimkömmt mit Reden
und Fragen doch war noch keine Stunde verflossen so wars still in der Glungge
nur im Stalle hörte man den Kohli fressen Der schöne Schlaf hatte sich über die
Bewohner gesenkt und seine Gaben gebracht das Vergessen alles Leids und manch
schön Gaukelspiel vor die bewusstlose Seele Doch auf einem Bette sah man ihn
nicht weilen Es war ein reinlich Bett auf demselben lag eine stattliche
Federdecke und drinnen ein noch stattliches Mädchen zu voll war dessen Seele
des Schlafes Eindrücke aufzunehmen Was jener Stein unterbrochen das tauchte
wieder auf liebliche Bilder aller Art schwammen über die Seele flüchtig eilten
die einen vorüber süß und wonniglich weilten andere lange über dem verklärten
Mädchen das sucht in unruhiger Pein hin und her sich werfend den Schlaf suchte
sondern in seliger Hingebung unbemerkt Stunde um Stunde an sich vorüberrinnen
ließ Als kühle Morgenlüfte durch die Täler strichen da begann ein süßes
banges Sehnen aufzuwallen des Mädchens Brust zu schwellen das Sehnen Uli Ja
zu sagen das Sehnen ihm zu sagen es wolle sein sein für immerdar das Sehnen
ihn auch sein nennen zu können für immerdar Je dringender dieses Sehnen ward
desto mehr gattete es sich mit der Bangigkeit das ersehnte Glück machte nur ein
Traum sein möchte sich verflüchtigen wie des Traumes Bilder am Morgen möchte
Uli nicht mehr zu finden sein könnte erzürnt über Vrenelis Benehmen anderes
Sinnes geworden sein Oh wie ihm jetzt dieses Zagen und Abweisen leid tat wie
es sich nicht begreifen konnte wie es ihns mehr und mehr drängte das
Verschulden gut zu machen zu vernehmen ob Uli noch gleichen Sinnes geblieben
sei die Nacht hindurch
Es litt es nicht mehr im Bette leise stund es auf öffnete ein Fensterchen
atmete Morgenluft zog sich an und begann sein Morgenwerk leise dass niemand es
höre Leise öffnete es die Türe stille war es draußen kein Knecht rührte sich
noch kein Pferd scharrte nach Futter Da ging es leise durch den Schopf dem
Brunnen zu dort im kühlen Wasser sich zu waschen nach üblichem Brauch Am
plätschernden Brunnen stund eine Gestalt gebeugt über den Trog und mit Eifer
auch ein solches Werk verrichtend Mit pochendem Herzen er kannte Vreneli
seinen Uli da stund der Ersehnte Da schwanden Nacht und Nebel wie Morgenrot
ging es ihm auf und wie ein Herz ziehen könne das fühlte es jetzt Doch den
unwiderstehlichen Zug noch mädchenhaft zu umschleiern war ihm seine Schalkheit
zur Hand und mit unhörbarem Tritte an Uli getreten schlug es rasch beide Hände
vor dessen Augen In gewaltigem Schreck zuckte der starke Mann zusammen ein
halber Schrei entfuhr ihm dann die Hände vor den Augen fassend erkannte er mit
süßer Wonne der schönen Hände schöne Eigentümerin »Bist du es« fragte er Und
Vreneli wusste wen er meine und seine Hände sanken tiefer umschlangen den
teuren Mann und wortlos lehnte es sein Haupt an dessen treue Brust Da wie aus
dem Brunnen Welle um Welle sprudelte hell und klar so wogte in Uli das
Bewusstsein seines Glückes auf in mächtigen ungetrübten Wogen Er zog das teure
Mädchen an sich und wie die Wellen des Brunnens plätscherten und Bläschen
warfen in blankem Troge so flüsterte Uli dem Mädchen seine Freude zu versuchte
ein leises Küssen und kein Stoß warf ihn diesmal zurück von dem holden Ufer
dem er zugesteuert »Willst du meins sein« hörte der Brunnen »bist du mein«
koste es wieder Und noch manches hörte der Brunnen aber er sagte es niemand
wieder
Ein eigenes Gefühl durchströmte Beide das Gefühl ein teures Kleinod
gefunden zu haben das Verlangen bei diesem Kleinod zu sein für und für und
sonder Unterlass Wenn jemand einen lieben Brief erhält wie oft fährt seine Hand
in die Tasche und liest ihn von neuem Wenn jemand einen Acker gekauft hat wie
oft geht er hin des Tages und beschauet seinen Kauf Wenn jemand eine liebe
Seele gefunden und an sich gebunden nicht nur für diese Zeit sondern auch für
die Ewigkeit soll es ihn dann nicht hin zu dieser Seele ziehen mit
Himmelsgewalt soll es ihn nicht in ihre Augen die Tore der Seele
hineinziehen um das Gefühl lebendig zu erhalten eins mit einer Seele zu sein
in Zeit und Ewigkeit Dieses Einswerden mit einer Seele von ganzem Herzen
ganzem Gemüte und allen Kräften in welcher Vereinigung alle Ichsucht untergeht
ist das nicht auch ein Vorläufer des Einswerdens mit Gott welchem ebenfalls
unsere Selbstsucht zum Opfer fallen muss Und wie der der eins geworden ist mit
dem Vater im Himmel denselben vor Augen hat wenn die Sonne scheint und wenn
die Nacht Finsternis bringt in jedes Land und jede Kammer soll dann dem der
eine Seele gewonnen nicht auch vergönnt sein diese Seele zu suchen und wieder
zu suchen so oft die Räume und Geschäfte der Erde sie ihm aus den Augen tragen
Der tiefe Seelenzug in diesen Zeiten wird selten recht verstanden bringt daher
auch selten die rechten Früchte »Sie machen recht närrisch mit einander« hört
man sagen »sie machen einem Längizyt« Das glaube ich gerne aber warum gönnt
man ihnen nicht die ungestörte Freude an einander Ach Gott die Welt und die
Furcht der Welt vor ihrem eigenen Fleische Ach Gott die Welt und ihre
Neugierde die sehen will wie Zwei zusammen tun und dann wenn sie keinen
rechten Sinn zu einander haben sagt »Die Beiden lob ich mir die sind recht
vernünftig wenn man es nicht wüsste man merkte es ihnen gar nicht an dass sie
Brautleute wären« Ich möchte fast sagen das sei eine vermaledeite
Vernünftigkeit welche für die Seele und ihr Sehnen keine Empfänglichkeit hat
höchstens für des Leibes Reize deren Empfänglichkeit man allerdings lieber im
Dunkeln zeigt meistens nur für des Geldes verhängnisvolles Klingen Vreneli und
Uli hätten kaum verstanden was da geschrieben steht aber diesen Zug der Seelen
empfanden sie Kaum waren sie getrennt worden so suchten sie sich wieder und
der Brunnen war die heilige Stätte wo so oft sie sich suchten und fanden Noch
nie hatte Vreneli so viel Wasser in die Küche gebraucht Uli noch nie so viel zu
waschen oder zu tränken gehabt
Während beim Brunnen ein junges Glück aufging hielt ein altes Ehepaar im
Stübli seine Zwiegespräche Joggeli und seine Frau erwachten frühe und den
alten Gliedern die nötige Ruhe gönnend erachteten sie diese Stunde am
schicklichsten ein vertrautes Wort zu wechseln Nachdem die Frau an Joggelis
unruhigem Drehen dessen Erwachen wahrgenommen fragte sie Ob er seither nichts
von einem Knechte vernommen ob gestern keiner dagewesen sei Weihnacht rücke
so könne das doch nicht gehen Nun begann Joggeli sein altes Klagelied über
Elisis Heirat an der er nicht schuld sei und die ihm Uli forttreibe Seit der
da sei trage ihm der Hof jährlich tausend Pfund mehr ein Wenn doch das
Meitschi habe heiraten müssen so wollte er zuletzt lieber es hätte Uli
genommen als so einen ungefütterten Baumwollenhändler Er hätte keinen Magen
einen andern Knecht zu suchen wenn er nur Uli wieder haben könnte es reute ihn
kein Geld
Sie wisse nicht wie das gehen solle sagte die Frau sie habe mit Uli
geredet allein er habe nichts davon hören wollen länger hier Knecht zu sein
So hätte mans sagte Joggeli die Frauen machten alles wie sie wollten sie
begehrten alles zu regieren und wenn etwas krumm gehe so sollten es die Männer
gerade machen Er hätte vorausgesagt das käme so sie könne seinetalb jetzt
selbst einen Knecht suchen Wenn das so gemeint sei sagte sie so wolle sie mit
allem nichts mehr zu tun haben Wer am Ende bös hätte wenn alles schlecht
ginge als sie die die Haushaltung machen müsste Das Beste wäre sie würden das
Gut zu Lehen geben sie wüsste eigentlich nicht für wen sie bös haben sollte bis
ins Grab Es danke ihr doch zuletzt niemand dafür sondern je mehr sie
zusammengehüselet habe desto mehr lache man sie aus Das sei ihm auch recht
sagte Joggeli er begehre nicht länger zu pflanzen damit ihr Tochtermann komme
die Sache nehme und das Geld für sich behalte Aus freien Stücken habe er ihm
eine Ehesteuer gegeben größer als mancher Landvogt sie gebe es schiene ihm
der könnte zufrieden sein und ihn jetzt ruhig lassen Wenn sie ihm einen
anständigen Lehnsmann wüsste so wollte er noch heute mit ihm die Sache richtig
machen Sie wüsste keinen bessern als Uli sagte sie »Uli« sagte Joggeli »Ja
wenn der besser hintersetzt wäre und eine anständige Frau hätte so wäre mir der
der Rechte aber so kann er kein solches Gut übernehmen« He sagte die Mutter
eine bessere Frau als Vreneli wüsste sie nicht und sie glaube sie hätten nichts
wider einander Daneben sei Uli auch nicht mittellos und vielleicht würde
Vetter Johannes ihm helfen wenn man es begehrte es dünke sie derselbe habe
gar viel auf Uli »So so« sagte Joggeli »es ist also schon alles richtig«
»Was richtig« fragte sie »Glaubst du« sagte Joggeli »ich solle nichts
merken Du bist nicht umsonst nach Erdöpfelkofen gefahren so mir nichts dir
nichts dass ich mich fast zu Tode gewundert habe und hast Vreneli und Uli
mitgenommen Du musst doch nicht meinen dass ich so dumm sei und nichts merke
was hinter meinem Rücken abgekartet wird Aber ich bin auch noch da und es ist
nicht bravs von dir so mich zum Narren zu halten und mit fremden Leuten unter
dem Hütli zu spielen gegen mich Aber warte nur ich will es dir reisen Ich
will zeigen wer Meister ist«
Nun bekam die gute Frau keine Antwort mehr sie mochte vorbringen was sie
wollte so dass sie endlich sagte »He nun dann so sei meinethalben Meister und
arbeite meinethalben den Hof selbst und mache die Haushaltung auch noch dazu
ich aber will nichts mehr damit zu tun haben« Brummend wälzte sie sich auf die
andere Seite schlief wieder ein und stund am Morgen später als sonst
schweigend und schmollend auf Lustig tanzte Vreneli im Hause herum es war als
ob es über Nacht Federn in die Beine bekommen hätte und eine Mundharmonika
zwischen die Zähne Ganz verwundert sah die Base dem Wesen zu und sagte ihm
endlich als sie allein waren »Ist es dir über Nacht anders gekommen willst du
ihn jetzt« »O Base« sagte Vreneli »wenn Ihr mich zwingen wollt was will ich
dagegen machen als mich zwingen lassen Und so wenn Ihrs zwingen wollt so
zwingts aber ich will nicht schuld daran sein es mag kommen wie es will« »Du
bist eine gottlose Dirne mir den Mann zu verspotten« sagte die Base »Aber das
Lachen wird dir schon vergehen wenn du hörst dass Joggeli nichts vom Lehen
hören will Er ist bös darüber dass alles hinter seinem Rücken abgekartet wurde
und sagt jetzt er sei Meister er wolle es uns reisen« Aber das Lachen verging
Vreneli nicht sondern es lachte nur Der Vetter wolle auch gezwungen sein wie
es zum Heiraten Am besten käme man zurecht mit ihm wenn man nichts mehr von
der Sache sage und sich stelle man wolle fort Es mache ihm jetzt schon angst
was er um Weihnacht anfangen wolle zu einem andern Knecht könne er sich nicht
entschließen Wenn er in acht Tagen noch nicht selbst mit der Sache komme so
wolle es den Tischmacher kommen lassen und ihm ein Trögli zu machen befehlen
wie Mägde zu tun pflegen wenn sie zügeln wollen Helfe dieses nicht so müsse
man ihm sagen Uli komme zum Johannes man habe neuis gemerkt dann fange er von
selbst von der Sache an und sage »So zwängets wenn ihrs zwängen wollt aber
ich will an nichts schuld sein es mag gehen wie es will« »Du bist eine Tüfels
Hex« sagte die Base »ich glaube du wärest imstande ein ganzes Chorgericht
zum Narren zu halten Das wäre mir nie in den Sinn gekommen und sind wir doch
jetzt bald vierzig Jahre bei einander«
Und richtig wie Vreneli das dem Uli eingeschärft hatte es anzusehen wie
wenn er lauter taub wäre gesagt hatte ging es Der Tischmacher brauchte nicht
zu kommen Lange vor Verlauf der acht Tage fing Joggeli mit seiner Alten zu
zanken an Wie sie alles hinter seinem Rücken mache zu allen Leuten Vertrauen
habe und nur zu ihm keines er möchte doch endlich wissen was sie jetzt mit dem
Uli ausgemacht habe Es wäre Zeit dass er auch etwas davon wüsste Da sagte sie
sie habe nichts mit ihm ausgemacht und nichts angefangen das sei seine Sache
sie mische sich nicht darein Er habe ja gesagt er sei Meister Da begehrte
Joggeli noch mehr auf dass seine Frau ihn so im Stich lasse und sich gar nicht
darum bekümmere wie es gehe es sei doch ihre Sache so gut als seine und er
wüsste nicht warum immer alles an ihn kommen solle Er wollte sie solle gehen
und mit Uli reden und wenn er schon eine andere Frau nähme als ds Vreni so sei
es ihm gleich das sehe ihn seit einiger Zeit so unverschämt und spöttisch an
dass es ihn schon manchmal gelüstet habe ihm die Hand ins Maul zu geben Aber
seine Frau wollte nicht nach Vrenelis Instruktionen das sei Mannssache
behauptete sie Da sagte er wenn sie nicht gehen wolle so schreibe er dem
Tochtermann er solle ihm einen Knecht oder einen Lehenmann senden der werde
ihm das schon machen Da ließ die Alte das Herz fallen und übernahm den Auftrag
Als sie mit demselben zu Vreneli kam sagte dieses »O du gute Mutter hast du
dich zwingen lassen Aber Mutter Mutter wie konntest du glauben dass es
Joggeli Ernst sei vom Tochtermann einen Knecht oder einen Lehenmann zu nehmen
Hättest du nur noch einmal herzhaft Nein gesagt so hätte er gesagt He nun
wenn du mir nichts zu Gefallen tun willst so will ich mit Uli reden aber ds
Vreni die Täsche begehre ich nicht und es mag herauskommen wie es will so
bin ich nicht schuld daran mir wäre es nie in Sinn gekommen Schicke ihm aber
Uli hinein er soll und muss doch mit ihm zuerst zgrechtem davon reden«
So geschah es auch
Die Weitläufigkeiten der ganzen Unterhandlung zu beschreiben wäre für
manchen Lehenmann belehrend allein für diesmal aus guten Gründen nur Folgendes
Joggeli war die ganze Sache mehr als recht und doch machte er Umstände und
Vorbehälte an denen die ganze Sache hätte scheitern müssen wenn er fest darauf
bestanden hätte aber so wie er erfinderisch war im Ersinnen so war er wieder
schwach im Nachgeben sobald man ihn zu fassen wusste und das verstund der
Vetter Johannes der als Mittelsmann und Bürge recht gefällig sich finden ließ
Und wenn alle an waren so wusste Vreneli noch den besten Rat und fand den
Ausweg Joggeli sagte aber oft Er könne nicht begreifen warum Uli so eine
nähme mit einem blutten Füdle und einem Maul wie eine Schlange Wenn er so ein
Bursch wäre und ein solches Lehen in den Händen hätte er wollte viel tausend
Pfund erwyben So eine Gexnase würde er nicht mit dem Rücken an sehen und
dreißig Kronen wollte er ihm das Lehen wohlfeiler geben wenn das Ketzer
Meitschi ihm wegkäme das würde dem lieben Gott Blau für Weiß machen wenn sie
je zusammenkämen was er aber nicht glaube
Man war fast richtig als der Tochtermann die Sache vernahm und einen
Mordsspektakel begann Der wolle erst gar nichts davon wissen und behauptete
sie hätten ja die Verabredung getroffen dass er ihnen die Produkte abnehme und
zu hohen Preisen seinen Bekannten verkaufe Er hätte deshalb Akkorde getroffen
und könne nicht zurück Endlich wollte er den Hof selbst ins Lehen nehmen trotz
seinem brillanten Geschäft von dem er behauptete es trage mehr ab als sechs
solcher Höfe Er tat so wüst drohte auf solche Weise und ds Elisi musste wüst
tun und mit allem Grässlichen drohen dass die ganze Geschichte fast rückgängig
geworden wäre Den beiden Alten kam es grässlich vor wenn sie an einem Unglück
schuld sein sollten wenn ds Elisi mit seinem Mann deswegen in Streit käme oder
es krank würde oder es ihm sonst schadete in seinen Umständen Ein jedes sagte
»Mach was du willst aber gib mich dann zuletzt nicht an die Axt ich will
nicht schuld sein« Da gab Vreneli dem Sohn Johannes einen Wink dass es darauf
und daran wäre dass sein geliebter Schwager Lehenmann in der Glungge würde
Johannes dem es seit er Gaden und Spycher durch seinen Schwager gefährdet sah
sehr reche war dass das Gut in eines Lehenmanns Hände kam und Uli als einen
guten Landwirt recht gerne darauf sah indem er einst den Hof lieber gut als
schlecht zuhanden nahm kam mit Trinette dahergefahren wie eine Bombe und traf
es eben dass ds Elisi und sein Mann auch da waren Das gab nun Donnerwetter um
Donnerwetter obgleich es mitten im Winter war Der Tochtermann machte sich
zuerst sehr aufbegehrisch und wollte den Johannes von oben herab traktieren und
ihn einschüchtern mit Oberarm Dreinreden Aber Johannes kannte als Wirt diese
Sorte von Leuten auch und redete noch mehr Oberarm drein zudem hatte er eine
gewaltige Faust die dem Baumwollenhändler abging mit dieser schlug er auf die
Tische dass alle Türen aufsprangen Auch hielt er dem Baumwollenhändler Sachen
vor die dieser lieber hier nicht gehört hätte seine vielen Schulden und vielen
Streiche Woher er den Landbau kennen wolle da er im Bettel aufgewachsen Sie
hätten seinen Vater oft hier in der Glunggen über Nacht gehabt im Stall sie
sollten sich nur an den alten verhudelten Mann mit der Drucke und den Schuhen
ohne Sohlen erinnern Er möchte nur die Alten aushäuteln den Lehenzins könnten
sie im Himmel suchen Uli müsste das Lehen haben und sollte er den Donners
Bauelebueb mit eigenen Händen erwürgen brüllte er und manövrierte demselben mit
seinen dicken Händen so nahe am Halse herum dass alles Zetermordio schrie und ds
Elisi sicher ohnmächtig geworden wäre wenn es gewusst hätte wie man das mache
Aber der Baumwollenhändler hatte eine zähere Natur als seine Bauele Kaum war er
nicht mehr blau im Gesicht so gab er mit Verachtung den Gedanken selbst
Lehenmann zu werden auf Er wollte ein Narr sein sagte er ihnen seine Hilfe
aufzudringen sein Geschäft trage ihm hundertmal mehr ab als so ein Schyssgüetli
Gerade ihretwegen damit sie nicht mir fremden Leuten es machen müssten hätte er
es übernehmen wollen Wenn man ihm seine Guttätigkeit so aufnehme so könnten
sie machen was sie wollten er sei recht froh darüber Aber das fordere er dass
man das Gut an eine Steigerung bringe und es dem Meistbietenden gebe das hätte
er das Recht zu fordern Er wüsste nicht warum man einem solchen Lümmel da
nicht fünfe zählen könnte ohne fünfmal zu verirren den Vorzug geben wolle
Da ging der Streit von vornen an in den nun auch Joggeli sich mischte da
er sich vom Sohn unterstützt sah Das gehe ihn hell nichts an sagte Joggeli
seinem Tochtermann er könne verleihn wie er wolle er sei denn doch noch nicht
bevogtet Solange er lebe solle in der Glungge keine Steigerung sein und auch
nach seinem Tode nicht er wolle es ihm vermachen dass es hafte er sei ihm gut
dafür So einer von dem man noch jetzt nicht wisse wo er jung gewesen solle
ihm nicht kommen und ihm hier in der Glunggen befehlen wollen Er sei sein
Lebtag dagewesen und Vater und Großvater So weit man sich hinteren besinnen
möge sei der Hof in der Familie gewesen da solle Keiner kommen der auf der
Gasse jung gewesen und ihm befehlen was er auf demselben machen solle Er
solle ihm zahlen was er ihm weggenommen Es dünke ihn er sollte für einmal
genug haben und sich schämen noch mehr zu begehren und er solle nicht meinen
weil er so herrschelig daherkomme so könnte er mit ihnen machen was er wolle
Wenn er die Kleider nicht aus ihrem Gel de bezahlt hätte so wisse man nicht
ob er noch solche tragen würde
Der Tochtermann ließ sich aber nicht erschrecken Er lasse sich das Geld
nicht vorhalten sagte er Ob sie denn eigentlich so dumm seien zu glauben er
hätte seine Frau wegen etwas anderem als wegem Geld genommen Dass sie ein
halbwitzigen Schlärpli sei hätte ihr ja jedermann angesehen Aber wenn er
eigentlich gewusst hätte was sie für ein wüstes Reib eisen eine hässige Krot
eine faule Sau sei er hätte sie mit keinem Stecklein anrühren mögen und wenn
sie noch einmal so viel Geld gehabt hätte Jetzt hätte er sie ins Teufels Namen
und müsste sie einstweilen behalten jetzt wolle er dazu sehen dass er auch zu
dem Geld komme das ihm gehöre Er lasse sich noch lange nicht absprengen und
sie sollten versichert sein dass je wüster sie gegen ihn seien er um so wüster
tue und alles seine Plättere entgelten lasse die wolle er rangieren dass es des
Salzfaktors Jagdhunde besser haben sollten als sie Da fiel dem Joggeli und der
Mutter das Herz und sie wären vielleicht dem aufbegehrischen Tochtermann
hingekniet aber Johannes war da »Mach es nur« sagte der »je wüster desto
besser wir wollen dir den Marsch bald gemacht haben Je eher du abgesprengt
wirst desto besser ists Denke an die Krone zu und was du da treibst Du
verfluechte Bueb Mit fünfzig Kronen scheiden wir und dann wirst du zum
Geltstag getrieben das ist das Beste für einen solchen Donner wie du bist
dann kannst du ds Land ab und Rüben fressen« Sie erschrecken ihn noch lange
nicht antwortete der Tochtermann Mit dem Geltstag könnten sie es probieren
wenn sie wollten sie kämen an den Unrechten Was bei der Krone gegangen sei
gehe sie nichts an er wolle es auf eine Untersuchung ankommen lassen und wenn
man zu Frevligen nachfragen wollte so brächte man vielleicht viel ärgere Dinge
heraus Wenn sie die Schande haben wollten dass ihre Tochter so bald sich
scheiden müsse so sei es ihm recht er frage nichts danach Er wolle ihnen
dann aber den Marsch machen
Indessen er so aufbegehrisch redete zog er doch in etwas seine Pfeifen ein
besonders da Johannes sich nun auf seine Worte berief Sie sollten jetzt sehen
was sie für einen Donner von Tochtermann hätten Es geschehe ihnen aber recht
sie hätten nichts glauben wollen und er sollte sie jetzt eigentlich im Stiche
lassen mit ihm Aber es sei ihm auch um seinetwegen wenn er den Donner machen
lasse so käme es bald dahin dass die Glungge an eine Steigerung kommen müsste
Davor wolle er sein er könne darauf zählen Von einer Steigerung musste der
Tochtermann endlich schweigen aber nun wollte er sich in den Akkord mischen und
ihn machen nach seinem Sinn also auf eine Weise dass Uli unmöglich hätte
eintreten können Er warf ihn aufs Papier und Joggeli gefiel er so übel nicht
er fand von manchem daran hätte er nicht gedacht die Mutter aber und Johannes
widersetzten sich Was wollte doch so ein baueliger tusigs Donner von einem
Lehenakkord wissen keinem Hund würde man einen solchen machen und je wüstere
Akkorde man mache desto weniger würden sie gehalten und desto mehr müsse das
Gut darunter leiden
Während man darüber stritt im Stübli versuchte der Baumwollenherr
Privatgeschäfte bei Vreneli wollte mit ihm so unterhandeln dass wenn es ihm
nachgebe so wolle er auch mit dem Akkord nachgeben und ließ sich wohl nah zu
ihm her an Das aber nicht faul nahm ein buchenes Scheit fuhr auf ihn dar
wie eine Furie und traktierte ihn jämmerlich Das gab grässlichen Spektakel
Vreneli schlug der Tochtermann schrie die ganze Verwandschaft schoss zu allen
Türen aus und sah den Herren vor Vrenelis Scheit in alle Ecken fliehen Die
Einen lachten die Andern schrien Johannes hatte gute Lust zuzugreifen
niemand gab Auskunft es war wie beim Turmbau zu Babel Endlich schoss der Herr
in eine geöffnete Türe und Vreneli wurde vom Verfolgen abgehalten Wie eine
glühende Siegesgöttin stund es da mit dem Scheit in der Hand oder wie ein Engel
mit flammendem Schwerte vor dem Paradiese der Unschuld und rief dem fliehenden
blutenden Baumwollenhändler nach »Weißt du jetzt wie ein Bernermeitschi
akkordiert und mit was es den Akkord unterschreibt du keibelige Uflat« Und
frankweg ohne Hehl erzählte es was der Lumpenhund ihm für Anträge gestellt Da
öffnete dieser die Türe und rief »Du lügst« Aber ehe das Wort noch recht aus
dem Munde war fuhr das buchene Scheit aus Vrenelis starker Hand akkurat durch
die geöffnete Türe dem Lügner ins Gesicht mitten hinein und rückwärts fiel er
zurück fuhr mit der Hand ins Gesicht und drei ausgeschlagene Zähne rollten ihm
entgegen Nun neuer Lärm von allen Seiten Des Johannese Stimme schallte vor
allen in gewaltigem Lachen Ds Elisi wusste nicht sollte es auf den Mann los
oder auf Vreneli und machte nach beiden Seiten hin seine kleberigen Fäustchen
Vreneli rief »Sag noch einmal ich lüge wenn du darfst Es sind noch mehr
Scheiter da« Die weiche Mutter lief nach Wasser und einem Lumpen Trinette
kickerte und sagte So einen herrscheligen Mann der meine alle seien für ihn
da begehre es nicht Joggeli schüttelte den Kopf ging ins Stübli und las den
Akkord wiederum
Sobald der Baumwollenhändler das Blut sich ausgewischt und recht wieder
reden konnte begehrte er auf über Vreneli redete vom Verklagen und wie er es
nicht tue dass es hier auf dem Hofe bleibe und Joggeli nickte mit dem Kopfe
dazu Vreneli aber stund ungesinnet vor ihm und hätte ihn gleich noch einmal in
die Finger genommen wenn die Mutter ihns nicht gehalten aber seine Zunge
konnte ihm niemand halten »Verklag du nur« rief es »ich will dann mit den
andern Jungfrauen kommen sie können auch sagen was sie von dir er fahren
vielleicht wissen die Knechte auch etwas« »Beweise es dass ich etwas mit dir
gewollt oder mit den Jungfrauen Ich kann beweisen wie du mich geschlagen« »Du
Kuh Da ist einer nicht ein Esel und nimmt Zeugen mit wenn er ein Mädchen
verführen will Aber es wäre böse wenn ein Mädchen sich seiner Ehre nicht mehr
wehren dürfte so stark es mag oder es hätte Zeugen und wenn es einem den
Grind ab schlüge und nicht nur Zähne in den Hals« »Wir wollen sehen was der
Richter sagt« rief der Baumwollenhändler
»Meinetalben kann er sagen was er will und wenn er ein Bock ist wie du
und dir recht gibt so mache ich es ihm wie dir Wenn das Gesetz für die
Hurenbuben und Diebe und Händler und Richter da ist so schlägt man euch das
Gesetz um dGringe bis ihr gesetzlich zufriedengestellt seid Ich bin nur ein
Meitschi aber es nimmt mich wunder ob ich diesen Weg das Gesetz nicht noch
viel kräftiger anwenden könnte als so ein abgejagtes Böcklein wie du bist und
mancher Andere Hast du dich nicht still so wollen wir sehen«
Aber der Händler hatte sich nicht still räsonierte fort und fort jedoch
ungefähr so wie eine Kolonne die sich zurück ziehen will um so hitziger
feuert um den Rückzug zu decken Er sagte dem Elisi In einem solchen Haus
bleibe er nicht länger wo er sei wie vogelfrei und ein jedes Rindvieh auf ihn
schlagen dürfe und ein jedes ertaubete Mädchen dem wolle er es aber zeigen und
ihm sagen wie und mit wem er es angetroffen Er machte einen Lärm mit seiner
Unschuld dass ds Elisi auch halb taub wurde begriff ds Vreneli hätte
eigentlich seinen Mann verführen wollen und eilenden Schrittes ging diesem
wüst zu sagen Während es sich dort fast Schläge holte ging er in den Stall
befahl anzuspannen und begegnete dabei dem Uli der bereits von der andern
Geschichte wusste so puckt dass der ihm sagte wenn er sich nicht alsobald zum
Stall aus mache so werfe er ihn ins Bschüttiloch a wolle ihm seine Hitz
vertreiben Derselbe begehrte auf und sagte Uli Er solle nicht meinen weil er
eine unehliche schlechte Dirne zöke die etwas verwandt sei so sei ihm alles
erlaubt er sei der Knecht und sie ein schlecht Mensch und damit punktum Da
sagte Uli er wisse ganz genau welche das schlechter Mensch sei ob ds Elisi
oder Vreneli und wenn er es hätte machen wollen wie er so wäre Elisi nicht
seine Frau geworden Aber die Rechten seien aneinander gekommen sie schickten
sich zusammen wie Mist und Mistbähre Er solle jetzt schweigen und gehen sonst
zeichne er ihn auch noch obgleich es ihm zuwider sei einen anzurühren den ein
Meitschi geprügelt Der Baumwollenhändler wollte vielleicht Streit aber Uli
ließ sein Ross herausführen das trieb den Herrn aus dem Stall und als er wieder
hineinkam war Uli nicht mehr da Endlich reisten er und Elisi ab aber unter
vielen Drohungen Wie man erfahren solle was man an ihnen getan und wie man
sie nicht mehr sehen werde an einem Orte wo man sie so behandelt
Es leichtete allen ordentlich als sie fort waren und Johannes versprach
dem Vreneli ein Stück Hausrat zur Ehesteuer es könne auslesen was es wolle
weil es den Schwager so tüchtig abgeklopft Er wollte gerne eine Dublone geben
wenn er klagen würde dem wollte er Sünden einbrocken dass er daran ersticken
sollte
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Wie Vreneli und Uli auf hochzeitlichen Wegen gehen und endlich Hochzeit halten
Von da an ging die Sache vonstatten viel besser als Uli gedacht hatte und er
musste manchmal denken es gehe ihm besser als er verdient und musste denken
was sein alter Meister gesagt der gute Name sei ein eigenes Kapital und mehr
wert als Geld und Gut Der Lehenzins war billig was aber die Hauptsache
ausmachte das waren die Zugaben Einiges was ihm besonders gefiel nahm zwar
der Johannes zuhanden
Es sei nichts als billig sagte er dass er auch etwas hätte gegen das Korn
und Kirschenwasser das der Schwager ihnen abgeläschlet Die Zugaben erstreckten
sich nicht nur auf den ganzen Viehstand Schiff und Geschirr sondern auch auf
den Hausrat und die Dienstenbetten Die Schatzung über alles war billig so dass
sie den Empfänger wenn die Sachen ein mal zurückgegeben werden mussten nicht
über Nichts bringen konnte Es waren einige tüchtige Vorbehälte die indessen
bei dem billigen Zins zu übersehen waren Uli musste ihnen eine Kuh füttern zwei
Schweine mästen Erdäpfel genug geben ein check Flachssamen zwei check Hanfsamen
säen ein Pferd geben so oft sie fahren wollten Wenn man einig ist so ist
selten ein Vorbehalt zu schwer gerät man aber in Missverhältnisse so wird jeder
Vorbehalt ein Stein des Anstoßes
Uli und Vreneli konnten ihr meistes Geld sparen und brauchten sehr wenig
anzuschaffen der versprochene Trossel blieb ihnen auch nicht aus ein Bett und
einen schafft erhielten sie wie man sie selten schöner sieht Johannes sandte
ihnen ohne ihre Auswahl zu erwarten eine schöne Wiege die Vreneli lange nicht
ins Haus lassen wollte behauptend die sei verirret
Aber was das dem Uli zu sinnen und zu denken gab wie er alles anzustellen
hätte in Feld Stall und Haus wie es ihm angst machte bald um das Korn bald um
den Lewat bald ums Gras wie er schon vor Fasnacht wenn der Bysluft ging
jammerte es gebe in diesem Jahr nicht Heu wie hundertmal er rechnete aus was
er den Lehenzins schlagen wieviel er verspielen wieviel gewinnen könne das
kann nicht wohl erzählt werden Es ist aber auch begreiflich dass es einem
jungen Anfänger im ersten Jahr das ihm den Boden unter den Füßen wegnehmen oder
einen Boden darunter gründen kann etwas bange wird ein alter reicher Bauer
nimmt es schon kaltblütiger Da tut es ihm wohl wenn er oft zu dem auf sieht
der in seinen geheimen Kammern den Bysluft macht und den Schnee der
Heuschrecken sendet und den Tau fallen lässt Wenn er aufblickt zu dem da oben
so kommt ihm der Trost ins Herz dass der den jungen Anfänger so wenig vergessen
werde als den Sperling auf dem Dache als die Lilie auf dem Felde sobald
derselbe seiner nicht vergisst Allgemach wird er es lernen aber nur allgemach
fleißig sein und treu und alles auf das beste tun dann aber dem Herrn getrost
es überlassen was daraus werde und kummerlos das Gedeihen erwarten oder das
Fehlschlagen wird mit ergebenem Herzen zusehen können wie der Hagel die Felder
zerschlägt die Flammen das Haus zerstören und getrost und ohne Heuchelei
sagen Der Herr hats gegeben der Herr hats genommen der Name des Herrn sei
gelobt Uli sah viel auf zu dem der so schön ihn geführt bis dahin und vergaß
keinen Abend seinen innigen Dank aber das stürmische Meer im Herzen das Wogen
der Gedanken in der Brust wollte sich nicht legen er war zu neu aufgeregt zu
viel stürmte auf einmal auf ihn ein
Vreneli klagte gar manchmal er sei nicht mehr sein alter Uli habe keinen
Spaß mehr keine Worte keine Ohren Sie hätten noch so viel abzureden und da
sitze er staune es sei als ob die Worte ihm im Halse gefrören und es könne
manchmal eine ganze Stunde reden ohne Antwort zu bekommen Wenn es gewusst
hätte dass der Brautstand so langweilig sei so hätte es ihn geschickt Band
hauen Statt zuweilen mit ihm zu schätzelen und Flausen zu haben sinne er
darüber nach was ihm mehr abtrage eine Füllimähre oder zwei Ferlimore oder
welche Kühe besser Milch geben die rotschäcken oder die schwarzblöschen Wenn
Vreneli so mit Uli kifelte so weckte das ihn wohl auf und er tändelte und
lachte manchmal eine ganze Viertelstunde lang bis ihm der Ernst und das Sinnen
wieder kam Vreneli so leichtfertig es schien war innerlich nicht minder
ernst konnte es aber verbergen Es war von den Leuten die äußerlich immer
lustig und leichten Sinnes scheinen die tiefen Gedanken aber in der Tiefe des
Herzens verbergen so dass man sie ihnen gar nicht zutraut Es konnte auch halbe
und ganze Nächte sinnen was ihm als Hausfrau alles obliege wie es dieses und
jenes machen wolle dass es am besten komme konnte aus vollem Herzen seufzen ob
es wohl der Aufgabe gewachsen sei konnte mit nassen Augen Gott bitten um seinen
Beistand und seine Hilfe seinem schweren Amte getreulich vorzustehen und Uli
glücklich zu machen Von diesem allem sieht man am Morgen nichts mehr der
feuchte Glanz in den Augen scheint von dem Rauch in der Küche zu kommen Es
fährt herum wie auf Rädern und trällert seine Liedchen wie ein harmlos
Rotkehlchen und wo es Uli erwischen kann möchte es mit ihm spassen ihn
necken Hinter dem Tändeln aber sitzt der ernste innige Gedanke Uli glücklich
machen zu wollen und wenn es leichtsinnig mit ihm zu schätzeln scheint so ist
es nur um einen Augenblick seinen Kopf an Ulis Brust legen sich seines Glückes
reche bewusst werden zu können eine Seele zu besitzen ein vernünftig Wesen sein
nennen zu können
»Du bist mir auch das leichtsinnigste Geschöpf von der Welt« sagte die Base
oft »Wo ich habe Hochzeit halten sollen da habe ich manchmal ganze Tage lang
pläret und wenn mich Joggeli hat anrühren wollen dass es die Leute gesehen so
bin ich zur Türe aus gelaufen und kein Mensch hätte mich wieder hineingebracht
Ich weiß nicht wie das gehen soll« Und wirklich schüttelte sie manchmal bei
sich selbst den Kopf und dachte sie verstehe sich nicht mehr auf die heutigen
Meitschi aber wenn das so fortgehe so komme das nicht gut Vreneli falle nicht
gut aus und Uli sei mit ihm geschlagen mit dr Narre Trybe werche man keinen
Hof Diesen geheimen Kummer vermehrte Joggeli noch der ihr alle Tage sagte »Du
kannst sehen wie das kommt das geht nicht ein Jahr so sind sie am Haufen
Aber ich vermag mich dessen nichts ich habe es genug gesagt es komme nicht
gut Aber man glaubt mir nichts man hat mir nie geglaubt darum ist auch alles
so gekommen Ich habe es mit dem Elisi von Anfang an gesagt aber es wollte mich
damals niemand hören«
So rückte in banger Stimmung die Zeit heran wo Uli das Lehen übernehmen
sollte das ihm das Zutrauen um seiner Anstelligkeit und Treue willen übertrug
Vorher sollte er mit Vreneli Hochzeit halten Schon seit dem Neujahr war davon
die Rede gewesen aber das Meitschi hatte immer Gründe zum Aufschub Bald hatte
es nicht Zeit gehabt recht daran zu sinnen bald hatte es eben daran gesinnt
und gefunden es sei besser noch einen Sonntag oder zwei zu warten Dann sagte
es es wolle vom Hochzeit gleich als Meisterfrau eintreten und nicht erst noch
Magd sein oder der Schuhmacher hätte seine Sonntagsschuhe in den Holzböden
könne es doch nicht wohl zum Pfarrer gehen das Hochzeit anzugeben So strich
ein Sonntag nach dem andern vorbei Da saß an einem stürmischen
Sonntagsnachmittag die Base hinter dem Tisch und sagte »Vreneli gib mir doch
die Brattig sie hanget dort auf« Sie blätterte darin weit von den Augen sie
haltend zählte mit dem dicken Finger die Wochen zählte wieder und schrie
endlich »Weißt du dass es bis zum fünfzehnten Merz wo ihr das Leben antreten
müsst nur noch fünf Wochen sind Du wüests Meitli hast die Sache bis dahin
verdreht Auf der Stelle geht mir jetzt und gebt mir das Hochzeit an Das ist
mir eine schöne Geschichte Jawolle« Vreneli wollte es nicht glauben zählte
nach fand es endlich noch eine Woche zu früh und meinte wenn sie nur einen Tag
oder zwei vor dem Fünfzehnten Hochzeit hielten so wäre es lange früh genug
Aber davon wollte die Base nichts hören Uli schlug sich auf ihre Seite und
wenn schon nicht selben Sonntag so sollte doch in selber Woche das Hochzeit
beim Pfarrer zu Üfligen angegeben und derselbe ersucht werden in Beider Heimat
zu schreiben damit es auch dort verkündet werde Am Montag hatte aber Vreneli
seine Schuhe noch nicht vom Schuhmacher am Dienstag schien ihm der Mond zu
heiter Alle Leute würden es ja kennen durchs Dorf ab sagte es Am Mittwochen
war das Zeichen ihm nicht gut genug auch sei der Mittwochen ja eigentlich kein
Tag behauptete es Es stehe an diesem Tag ja kein Jungfräulein ein und sei das
Hochzeitangeben noch wichtiger als einen Dienst anzutreten wo man ja das ganze
Jahr daraus könne wann man wolle Endlich am Donnstag gingen alle mit Ernst
hinter ihns und sagten ihm das sei kreuzdumm getan Es hätte sich der Sache
doch nicht zu schämen und einmal müsse es sein gäb es geschehe einen Tag früher
oder später und es sollte froh sein wenn es einmal geschehen sei
Glücklicherweise hatte der Schuhmacher die Schuhe gebracht und der liebe
Gott sandte ein grässliches Schneegestöber dass kein Mensch mit offenen Augen ein
Dutzend Schritte gehen konnte und eine Nacht legte sich zwischen Himmel und
Erde wie keine noch so dick und schwarz gewesen war Als es nun so recht strub
machte Schnee und Riesel an die Fenster prätschten fingershoch an den Rahmen
hingen der Wind schaurig durch das Dach pfiff die Nacht dick und finster zu
den Fenstern ein kam das Lämpchen selbst sich ihrer kaum erwehren mochte die
Katzen schaudernd die Feuerplatte suchten der Hund an der Küchentüre kratzte
und mit dem Schwanz zwischen den Beinen unter den Ofen kroch da sagte Vreneli
endlich »Jetzt Uli mach dich zweg jetzt wollen wir gehen jetzt guggen uns
die Leute gewiss nicht nach« »Du bist mir doch das wüstest Gret« sagte die
Base »Nein bei solchem Wetter käme ich dir auch nicht wenn ich Uli wäre da
könntest du alleine gehen« »Das kann er machen wie er will« sagte Vreneli
»aber wenn er heute nicht kommt so gehe ich nachher nicht mehr Und wenn seine
Liebe so groß ist wie er sagt so tut ein solches Wetter ihm nur wohl« »Wohl
ich wollte dir wenn ich Uli wäre« sagte die Base »Aber so nehmt doch das
Wägeli Hans kann euch führen ihr kommt ja um in solchem Wetter« »Warum nicht
gar Base auf dem Wägeli reiten um das Hochzeit anzugeben Da würden die Leute
ja erst recht zu reden haben und wir kämen das andere Jahr in die Brattig und
das Wägeli käme zmitts auf die große Helge« Nun wollte die Base Uli aufweisen
er solle nicht gehen aber dem war es recht wenn Vreneli nur einmal gehen
wollte Aber wunder nehme es ihn wie Vreneli durchkommen wolle Etwas hätte es
verdient um sein wunderlich Tun und so wollten sie es in Gottes Namen wagen
könnten sie doch jetzt zusammen gehen und brauchte Keins dem Andern hinter einem
Hag oder hinter einer Scheuer zu warten wie es sonst üblich sei Die Base
beständig brummend über diese Narrheit half doch so gut sie konnte bei der
Ausrüstung zu dieser Fahrt brachte Joggelis Mantelkragen und seine
Pelzhandschuhe aber bei jedem Stück das sie brachte sagte sie »Los
Meitschi das kommt gewiss nicht gut Wenn du so wunderlich tun willst so
schlägt dir Uli vom Nest Wenn ein Meitschi so tut du mein Gott was soll das
für eine alte Frau werden Die Wunderlichkeiten nehmen mit dem Alter zu das
kann ich dir sagen«
Als sie endlich fertig waren und die Küchentüre aufmachten musste Vreneli
dreimal ansetzen bis es draußen war und Uli musste seinen Hut zuhinterst in der
Küche wieder suchen Die Base fing von neuem an zu jammern sie zu beschwören
sie sollten doch dr tusig Gottswillen nicht gehen sie kämen ja um Aber Vreneli
setzte zum drittenmal an mit aller Kraft war im Schneewirbel verschwunden der
Base Gejammer verhallte ungehört Es war wirklich ein halb halsbrechender Gang
und Uli musste dem Mädchen aushelfen Den Wind gerade im Gesicht verloren sie
öfters den Weg mussten manchmal stillestehen sich umsehen wo sie seien mussten
Atem schöpfen sich umdrehen die grellsten Stöße vorbeizulassen sie brauchten
Dreiviertelstunden für die kleine Viertelstunde bis zum Pfarrhaus Dort klopften
sie sich erst so gut möglich vom Schnee rein dann an die Türe Lange klopften
sie umsonst der Schall verlor sich in des Windes Geheul das schauerlich durch
die Kamine toste Da verging Vreneli die Geduld statt des ehrerbietig
klopfenden Uli klopfte nun es dass sie drinnen von ihren Sitzen auffuhren die
Frau Pfarrerin sagte »Herr Jeses Herr Jeses was ist das« Der Herr Pfarrer
aber beruhigte sie und sagte Das werde ein Kindbettimann oder ein Hochzeit
sein die schon mehrere Male geklopft aber Marei werde wieder nichts gehört
haben wie es es im Brauch habe Unterdessen Marei Bescheid gab zündete er
bereits ein Licht an damit die Leute nicht lange warten müssten und sobald
Marei zur Türe hinein sagte »Herr Pfarrer es sind zwei Lütli da« trat er
schon heraus
Hinter der Haustüre stunden die Beiden Vreneli hinter Uli Der Pfarrer
etwas klein in eben rechtem Alter aber bereits mit einem ehrwürdigen Haupte
versehen und klugen Zügen die sehr scharf und sehr freundlich sein konnten hob
das Licht über sein Haupt empor sah etwas vorwärtsgebeugten Hauptes darunter
durch und rief endlich »Eh Uli bist du es bei solchem Wetter Und hinter dir
wird wohl Vreneli sein« sagte er mit dem Lichte herumzündend »Nei aber« rief
er »bei solchem Wetter Und die gute Glunggebäurin hat euch gehen lassen Marei
komm« rief er »putz mir die Lütli ab nimm diesen Kragen und trockne ihn«
Marei kam mit seiner Lampe sehr gerne her Da tat die Frau Pfarrerin auch die
Türe auf mit dem Lichte in der Hand und sagte »Führe doch die Lütli hier
herein es ist wärmer als bei dir und Vreneli und ich kennen einander gar
wohl«
Da stand nun Vreneli im Glanz von drei Lichtern noch immer zwischen Uli und
der Türe und wusste nicht recht was für ein Gesicht es vornehmen solle Endlich
machte es gute Miene zum bösen Spiel kam hervor grüßte sittig den Pfarrer und
dessen Frau und sagte die Base lasse ihnen guten Abend wünschen der Vetter
auch Das sagte Vreneli mit der unschuldigsten Miene von der Welt »Aber« sagte
drinnen der Pfarrer »warum kommt ihr bei solchem Wetter Es ist ja für darin
umzukommen« »Es hat sich nicht wohl anders geschickt« sagte Uli der die
Mannespflicht den Eigenwillen seiner Frau auf seine Schultern zu nehmen zu
fühlen begann eine Pflicht die man am Ende notgezwungen üben muss entweder um
nicht unter dem Pantoffel zu scheinen oder die Schwachheiten der Frau nicht
auszubringen »Wir durften nicht länger warten« fuhr er fort »da wir den Herrn
Pfarrer bitten möchten die Sache noch da und dort anzuzeigen damit es auf den
nächsten Sonntag verkündet werden könne« Dafür seien sie wohl spät sagte der
Pfarrer er wisse nicht ob die Post vor dem Sonntag käme an beide Orte Es sei
ihm leid sagte Uli daran hätten sie nicht gedacht Vreneli tat als ob ihns
die Sache nichts anginge und redete recht eifrig mit der Frau Pfarrerin über
den Flachs der so schön geschienen und doch beim Hecheln gar nicht ausgeben
wolle
Als die Formalitäten zu Ende waren sagte der Pfarrer zu Uli »Und Ihr
werdet Lehenmann in der Glungge Das freut mich Ihr seid nicht wie so viele
Knechte denen man kaum ansieht dass sie Menschen geschweige dass sie Christen
sind Ihr stellt Euch wie ein Mann dar und tut auch wie ein Christ« »Ja« sagte
Uli »warum sollte ich Gottes vergessen Ich habe ihn nötiger als er mich und
wenn ich ihn vergesse darf ich dann hoffen dass er an mich denkt wenn er seine
Gaben und Gnaden austeilt« »Ja Uli das ist schön« sagte der Pfarrer »und
ich glaube auch er habe Euch nicht vergessen Ihr habt ein gutes Lehen und ich
glaube Ihr bekommt eine gute Frau Ich rede nicht vom Arbeiten und Haushasten
da wird Vreneli gerühmt ich weiß es wohl Arbeiten und Haushasten ist gut aber
doch nur eine Nebensache Vreneli scheint leichtsinnig und flüchtig aber ich
weiß es sinnet auch tiefer und hat ein gutes Herz« Vreneli hatte seine Ohren
bei diesem Gespräche wie eifrig es vom Flachs redete So wenig es früher dieses
merken ließ so wenig konnte es sich jetzt enthalten zu sagen »Aber Herr
Pfarrer Ihr könntet nur auch zu viel zutrauen« »Nein Vreneli« sagte der
Pfarrer »ich sehe in der Unterweisung in gar manches Herz hinein man weiß es
nicht ich höre gar manches man glaubt es nicht und dazu errate ich noch
vieles Bist du nicht auch schuld dass Ihr bei diesem grässlichen Wetter
hereingekommen Sieh ich wünsche von ganzem Herzen dass dieses der strübste
Gang ist den ihr mit einander während Eurer Ehe geht Doch was Gott verhängt
weiß niemand wenn nur alles zur Seligkeit dienet Aber das kann ich wohl
wünschen dass Ihr keinen so struben Gang mehr tun müsst durch des Einen oder
Andern Schuld Was von Gott kommt das lässt sich alles tragen wenn Zwei in Gott
eins sind aber wenn der Eigensinn oder die Wunderlichkeit oder die Leidenschaft
von Mann oder Weib Unglück über eine Ehe bringen Ärgernis und Elend und das
Unschuldige muss mit aus dem bitteren Kelch trinken muss bei jedem Zuge denken
Daran ist mein Gatte schuld wenn er nicht wäre oder anders wäre so wäre das
auch nicht da wird das Leben ein Wermutstrank und der Gang durchs Leben ist
noch viel ungestümer als euer heutige Gang Und wenn man am Ende ist und es
gehen einem die Augen auf und man sieht dass man das Unwetter selbst war auf dem
Lebensweg das einem Gatten die ganze Lebenszeit verfinstert getrübt hat dass
er unsertwegen einen so schweren Gang hätte während er bei etwas weniger
Eigensinn oder Wunderlichkeit einen recht schönen heitern hätte haben können
denk Vreneli was muss man sich da für ein Gewissen machen«
Vreneli war ganz rot geworden das Wasser trat ihm in die Augen und die
Frau Pfarrerin sagte »Aber Mannli du machst ja dem Meitschi ganz angst kommst
so ernstaft dass es mir selbst den Rücken auf geht und du weißt doch nicht ob
die Sache so ist wie du meinst« »Ich kann mich irren« antwortete der Pfarrer
»aber ein ernstes Wort gehört zu diesem ernsten Gange Ihr werdet Euch Euer
Lebtag erinnern an das grässliche Wetter und das mühselige Gehen da kommt dann
auch die freundliche Mahnung Euch in Sinn auch wenn Vreneli diesmal nicht
schuld war dass jedes sich hüten solle dass das Andere nicht durch seine Schuld
beschwert werde leiden müsse dass wir daseien einander das Leben zu
erleichtern und zu versüßen und nicht zu verbittern und mühselig zu machen
Paulus sagt die Ehe sei ein Geheimnis er hat recht aber die Liebe die er im
dreizehnten Kapitel im ersten Brief an die Korinter beschreibt ist der
Schlüssel dazu Habe ich dir unrecht getan Vreneli so zürne mir nicht du
sollst wissen dass ich es doch gut mit dir meine«
Da begannen die Wasser aus den Augen zu rollen und Vreneli bot dem Pfarrer
die Hand und sagte »Ihr habt mehr als recht ich bin schuld daran bin ein wüst
und wunderlich Meitschi gewesen Was Ihr mir gesagt will ich nicht vergessen
es soll nur eine Warnung sein für mein Lebtag Ich habe es nicht bös gemeint
habe nicht daran gedacht dass es so kommen werde es ist mir zuwider gewesen zu
kommen und da habe ich alles hervorgesucht um es zu verschieben Aber es soll
mir eine Warnung sein« Nun nun sagte der Pfarrer »gräme dich nicht Es ist
allerdings ein schwerer Gang zum Pfarrer das Hochzeit anzugeben Ich begreife
dass es einem Mädchen bange werden muss dabei und dass man das Schwere so weit von
sich wegschiebt als möglich ist menschlich und es tun das noch viel andere
Leute als nur junge Meitscheni Es ist eben die schwerste Lebensaufgabe das
Schwere auf sich zu nehmen vor dem Schwersten nicht zu zagen und zu zittern
Das meiste Unglück der Menschen besteht eigentlich nur darin dass sie sich mit
Händen und Füßen gegen das Kreuz das sie tragen sollen und tragen müssen
stemmen und wehren Es ist ganz recht wenns den jungen Leuten eng ums Herz
wird wenn sie zum Pfarrer gehen ist dieser Gang doch der entscheidende für ihr
ganzes Lebensglück darum rede ich gewöhnlich ein ernstes Wort dazu denn dieses
Wort wird viel weniger vergessen als hunderte die ich in der Kirche sage Wie
heute geben die Umstände sie mir in den Mund und wenn der Herr so mächtig auf
den Flügeln des Sturmes daherfährt so müssen die Worte ernstaft werden Und
wie das äußere Leben ein Bild des geistigen Lebens ist so ward mir Euer Gang
daher zum Bilde mancher mancher Ehe zum warnenden Worte vor solcher Ehe und
den Ursachen dazu Euch zu hüten Es muss auch niemand wunder nehmen und auch dich
nicht liebe Frau die du jetzt vielleicht zum erstenmal bei der Abnahme einer
solchen Angabe gewesen und zum erstenmal einen solchen Zuspruch gehört hast dass
ich so ernstaft werde Es ist fürchterlich welcher Leichtsinn einreisst und wie
schauderhaft unwürdig so Viele ihre Ehe angeben Ein Freund hat mir geschrieben
dass ihm letzthin an einem Samstag zwei Paare zur Hochzeitangabe gekommen seien
beide Bräute hochschwanger und alle Viere voll Branntwein so dass sie kaum
reden kaum gehen konnten Wären wir in einem christlichen Staate und nicht in
einer Agentenwirtschaft so würde man solche Tiere zurück weisen bis sie in
einem menschlichen Zustande wären Täte man es jetzt so riskierte man
Anschicksmänner Rechtsverwahrungen Zitationen und die Richter würden mühselig
in der Gerichtssatzung oder im Personenrecht einen Paragraphen suchen der sich
auf diesen Fall beziehen ließe und würden ganz sicher gegen den Pfarrer auch
einen finden Vom eigentlichen Regieren löscht der Begriff immer mehr aus wie
auch das Licht immer düsterer brennt je mehr Rauch und Staub um dasselbe
gemacht wird Aber was muss das für Ehen geben wo die Leute in solchem Zustande
den wichtigen Gang tun und was für ein Bild ihres zukünftigen Zustandes wird da
dem Pfarrer auf die Zunge gelegt und doch darf er es vielleicht nicht einmal
aussprechen diesen trunkenen Leuten besonders wenn sie etwa Bürger einer Stadt
oder sogenannte Fötzelherren sind Bei solchen läuft er Gefahr dass sie ihm wüst
sagen ihn in eine Zeitung tun oder gar verklagen So wie es bei solchen
Erscheinungen einem recht eigentliche Stiche ins Herz gibt so tut es einem auch
wohl wenn man Zwei zur Ehe schreiten sieht von denen man weiß dass Gott bei
ihnen ist und dass sie trachten werden ihre Leiber und ihr Haus zu einem Tempel
zu machen darin Gott wohnen mag Nicht nur muss der Pfarrer über jede solche Ehe
sich freuen ich weiß es ist Freude darüber im Himmel Wenn nun zwei Solche zu
einem kommen wo man sich freuen kann über sie da darf man ein ernstaft Wort
zu ihnen reden man weiß sie nehmen es einem nicht übel sondern es fällt auf
gutes Erdreich wo es dreißig sechzig hundertfältige Früchte bringt«
»Ja Herr Pfarrer« sagte Vreneli »ich werde es nie vergessen was Ihr
gesagt und Uli soll es Euch zu danken haben Oh ich habe noch manches Wort von
der Unterweisung her das ich nie vergessen werde Und wenn es mich schon manch
mal dünkt ich hätte alles vergessen so steigt bei diesem Anlass oder einem
andern ein Wort aus der Unterweisung in mir auf fast als ob mir jemand den
Finger aufhöbe und sagte Eh eh« Es gehe ihm auch so sagte Uli doch jetzt
mehr als früher Es sei eine Zeit gewesen wo er wenig an die Unterweisung
gesinnt habe Es komme viel darauf an was man im Kopf habe je nachdem komme
einem etwas in Sinn Er hätte es nicht geglaubt wenn er es nicht selbst
erfahren hätte
Da kam die Magd mit den Tellern herein um Tisch zu decken Vreneli merkte
es und stund zum Abschied auf obgleich die Frau Pfarrerin sagte Man solle
nicht pressieren oder sie sollten mitalten Aber Vreneli sagte sie müssten
gehen die Base meine sonst sie seien umgekommen dankte recht innig dem
Pfarrer noch einmal für sein Wort und bar ihn zu versprechen dass er auch zu
ihnen komme wenn sie schon nur Lehenleute seien Ein Kaffee vermöchten sie doch
immer wenn sie vorlieb nehmen wollten Es lache ihm alle mal das Herz im
Leibe wenn es ihn nur von weitem sehe Glück und Segen wünschend zum heiligen
Ehestand zündete ihnen mit hochgehaltenem Lichte der Pfarrer selbst hin aus
und gab ihnen einen guten Abend mit für die Base und für den Vetter auch
Draußen hatte der Schneesturm aufgehört zerrissene Wolken jagten durch den
Himmel einzelne Sterne flimmerten in den lichten Zwischenräumen in ein weißes
Schneegewand war die Erde gehüllt Stillschweigend wanderten sie durch das Dorf
wo die Bewohner hinter ihren kleinen runden Scheiben um düstere Lampen saßen
die Spinnräder lustig schnurrten lang ausgestreckt das Bein von manchem Hans
Joggi um den Ofen blampete Hie und da bellte ein Ringgi sie an sonst nahm sie
niemand wahr überflüssig war ihre Vorsicht schweigend und leise durchs Dorf zu
eilen Zum Schweigen trugen auch ihre vollen Herzen bei in denen gar manches
ernst und heiter sich wälzte während rasche Wolken vorübertrieben zwischen
denen heiterere Sterne funkelten in immer größerer Menge bis die letzte Wolke
entschwunden war in heiterem Blau Stern an Stern sich reihte in heiterer
Pracht ein funkelnder Himmel sie überstrahlte die düstern Lämplein
zurückblieben unter des Dorfes düstern Dächern Da umfasste schweigend Vreneli
seinen Uli blickte hell und strahlend ihm ins Auge strahlende Augen hoben sich
auf zum strahlenden Himmel Die verschwiegenen Sternlein hörten heilige Gelübde
horchten lautlos den heiligen Gedanken welche leise und wonnereich die Herzen
der seligen Brautleute füllten die still und leise ihren Heimweg gingen den
ihnen Gottes eigene Hand mit des Himmels Blüten mit reinem unbeflecktem Schnee
bestreut hatte
Näher und näher rückte der verhängnisvolle Hochzeittag Schon waren des
Vetters ins Stöckli gezügelt die Base ließ das Haus von oben bis unten fegen
und ribeln wie sehr auch Vreneli wehrte dass in dieser kühlen Jahreszeit solche
Arbeit nicht viel abtrage aber ungesund sei Sie wolle das Haus nicht übergeben
wie einen Schweinstall sagte sie und die Leute sollten ihr nicht nach ihrem
Tode nachreden wie sie ihr Haus übergeben Aber man sinne nicht dass wenn so
viel draußen zu tun sei und man so viel Land habe man im Hause nicht machen
könne was man wolle und nicht alle Freitage fegen wie die Herrenfrauen Der
Tischmacher hatte seine Arbeit gebracht Schneider Näherin waren endlich unter
Schweiß und Angst zu Ende getrieben worden aber der Schuhmacher wollte nicht
rücken der kam nicht und kam immer nicht der hatte seine Freude daran warten
zu lassen sein Wahlspruch war Ihr wartet wohl bis ich komme Vreneli
verredete sich der habe ihm die letzten Schuhe gemacht und sollte es fürder
barfuß laufen und es hielt sein Gelübde
Wie an einem Samstag vor einem heiligen Sonntag der fast unwiderstehlich
feierliche Gefühle den Herzen aufdringt fast wie am Vorabend seiner Admission
war es ihm am Tage vor der Hochzeit zumute Sinnig und ernst waltete es im
Hause vielleicht hatte es noch nie so wenig geredet als an diesem Tage Es war
ihm manchmal als ob es weinen sollte und doch hatte es ein freundlich Lächeln
für alle die ihm begegneten Es versank zuweilen in ein Sinnen wo es sich Ort
und Zeit alles alles vergaß es wusste nichts von sich selbst wusste nichts von
seinem Sinnen Wenn dann jemand es anredete so fuhr es auf wie aus tiefem
Schlafe es war ihm als ob es erst jetzt wieder Ohren und Augen bekäme als ob
es aus einer andern Welt wieder auf Erden fiele
Als sie am Nachtessen saßen knallte es unerwartet auf dem Hügel neben dem
Hause dass alle hoch auffuhren Es waren die Knechte und einige Tagelöhner die
die Ehre der neuen Meisterleute der Welt verkünden wollten Es liegt in diesem
Schießen und Knallen bei Hochzeiten ein tiefer Sinn schade nur dass so manches
Menschenleben dabei gefährdet wird Kein widriges Horngeheul klang dazwischen
keine grässliche Trosselfuhr wie Neid oder Feindschaft sie Brautleuten bringen
störte den friedlichen Abend Die Base gab allerlei Ermahnungen hatte mitunter
auch allerlei Späße brachte Finkenschuhe Handschuhe und was sie auftreiben
konnte um am frostigen Morgen vor Kälte sie zu schützen Früh wollten sie fort
Uli wollte in seiner Heimat Hochzeit halten wo Vetter Johannes wohnte Er
sagte es koste dort weniger Aber inwendig in ihm war etwas anderes das ihn
heimtrieb Seine schöne Braut das stattliche Fuhrwerk zeigte er gerne daheim
Man sollte daheim doch auch wissen dass er aus einem Hudelbub ein Mann geworden
und er wollte es gerne erzählen zu Nutz und Frommen von Vielen wer ihn dazu
gemacht und wie
Unerwartet rief Joggeli ihn noch ins Stübchen und sagte ihm Rühmen und
Flattieren sei nicht seine Art so lange er dagewesen habe er ihm nicht viel
gesagt aber dass er zufrieden sei mit ihm das hätte er sehen und daraus
abnehmen können dass er ihm das Gut so gegeben ein Fremder hätte es nicht so
erhalten Der Tochtermann habe ihm noch gestern geschrieben er solle statt so
viel in die Schatzung zu geben eine Steigerung darüber halten er löse ein
großes Kapital das er ihm zu fünf oder sechs verzinsen wolle Aber er wolle
seine Sachen nicht versteigern und was er geschrieben habe das habe er
geschrieben Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm aber noch etwas tun Er
solle das Päckchen nehmen es sei etwas an die Kosten des morndrigen Tages Er
wisse Uli sei huslich und halte jetzt besonders sein Geld zusammen aber morgen
solle er nicht sparen und sich gehen lassen Huslichkeit sei eine schöne Sache
aber am Hochzeittage dürfe man nicht auf den Kreuzer sehen wo es geschehe sei
es meist eine böse Vorbedeutung wenn die junge Frau halb hungrig heimkomme und
pläre so komme das selten gut Uli weigerte sich erst dankte vielmals für alle
schon erhaltenen Vergünstigungen versprach noch einmal alles Gute und nahm es
endlich doch obgleich er es nicht bedürfe und dafür Geld gerüstet hätte Da
lachte die Mutter Das werde ein Haufen sein sie könne es sich schon denken
sie wisse wie er es habe Was er Ungerades zu einem Neutaler habe das werde
gerüstet sein aber wechseln werde er kaum etwas lassen wollen Ei sagte Uli
wenn man das Geld genug verdienen müsse so zähle man die Batzen ehe man sie
ausgebe und jetzt könne er gar nicht begreifen wie man an einem Tage so mir
nichts dir nichts verhudeln könne was man mit saurer Mühe während sechs Tagen
an Wind und Wetter verdient habe Ehedem hätte er es auch nicht so gehabt Aber
für morgen hätte er nicht sparen wollen und möchte gerne noch seinen alten
Meister und dessen Frau einladen Zwei Kronen oder sechzig Batzen sollten ihn
nicht reuen Da lachte das alte Ehepaar gar herzlich selbst Joggeli der es
sonst selten tat »Nu nu« sagte er »es ist nicht Gefahr dass du um deine Sache
kommst wenn du nie mehr brauchst und noch Leute zu Gast haben willst Es ist
gut dass ich noch etwas nachgebessert sonst hätte Kohli Hunger haben müssen
und du hättest noch manchen Tag ein saures Gesicht gemacht über das zu viel
gebrauchte Geld und ds Vreni weil du ihm Hunger und Durst gelassen Gute
Nacht«
Uli aber hatte keine gute Nacht Früh um drei wollten sie fort Der Stunden
waren also wenige bis dahin aber sie wollten nicht vorbei Er konnte nicht
schlafen gar vieles bewegte ihn warf ihn unruhig hin und her und alle halbe
Minuten griff er nach der Uhr Die ganze Bedeutung in die er treten sollte
wälzte sich in ihrer ganzen Schwere auf seine Seele Dazwischen gaukelten
liebliche Bilder und Vreneli in seiner ganzen Holdseligkeit tanzte vor seinen
geschlossenen Augen Noch nicht lange war die Geisterstunde vorüber als er das
Bett verließ um dem Pferde sein Futter zu geben und es gehörig zu putzen und zu
striegeln Als er mit dieser Arbeit fertig war ging er zum Brunnen und begann
das Werk auch an sich Da umfingen ihn wieder schalkhafte Hände und Vreneli
brachte ihm den holden Morgengruß Ein Vorgefühl hatte es zum Brunnen geführt
und sie kosten in kalter Morgenluft als ob laue Abendwinde säuselten Das
Beängstigende Drückende schwand ihm nun und rasch förderte er die
Vorbereitungen zur Abfahrt Bald konnte er in die Stube zum warmen Kaffee den
Vreneli gekocht und zu dem die Base weißes Brot und Käse gerüstet hatte Wenig
Ruhe hatte das Meitschi am Tische der Kummer etwas zu vergessen ließ es nicht
rasten das Zusammengelegte wurde immer wieder besehen ob nichts fehle und
doch wären die Finkenschuhe der Base bald zurückgeblieben Endlich stund es fix
und fertig da holdselig und schön Die beiden Mägde die der Gwunder aus dem
Bette getrieben umleuchteten es mit ihren Lampen und waren so in Bewunderung
vertieft dass sie vergaßen dass das Öl Flecken mache dass das Feuer zünde bald
wäre Vreneli in Öl getränkt im Feuer aufgegangen Ach in der armen Mägde
fleischichten Herzen wogte das Verlangen ach wenn sie doch einmal so schöne
Kleider hätten so würden sie auch so schön sein wie Vreneli dann könnten sie
auch einmal mit einem so schönen Mann zHochzyt ryten
Lange vor drei Uhr fuhren sie in den kalten bereiften Morgen hinaus Es ist
seltsam wie froh und frei es einem im Gemüte wird wenn man des Hauses
beengende Schranken verlässt von den allenthalben einem entgegentretenden
Geschäften sich wendet und hinaustritt in einen hellen Morgen Gottes Da geht es
einem weit vor den Augen auf weit wird das Herz und kühnen Mutes schlägt es
dem Leben entgegen dem Leben rosenrot gefärbt durch das junge Morgenlicht
Wenn der Abend wiederkömmt dann kehrt in die müden Glieder das Sehnen ein nach
des engen Hauses Ruhe jede kleine Mühe wird zum Berge der seufzend bezwungen
wird und erst leuchtet das matt gewordene Auge wieder auf wenn das düstere
Häuschen sichtbar wird wenn das dunkle Kämmerlein sich zeigt wo Ruhe ist für
die müden Glieder wo das an Heimweh kranke Herz heilende Schranken findet
Fröhlichen Gemütes fuhren sie der Stunde entgegen in der ihr Bund fürs Leben
geheiligt werden sollte ein fröhliches Vertrauen zu sich und Gott hatte sich
auf erbaut in ihren Herzen sie zweifelten nicht an ihrem Glücke Fröhlich küsste
Uli sein Mädchen er wusste die verschwiegenen Sterne plauderten es nicht aus
Er hatte seine Freude an Vrenelis kalt angehauchten Wangen die sobald er sie
berührte zu schwellen und zu glühen begannen als ob sie nur die Wölbung wären
des geheimen Feuerherdes der bei jedem männlichen Hauche zu flammen und zu
sprühen beginnt Er hatte den Mut zu sagen Das sei doch ein ander Küssen als
auf Elisis kalte Backen die ihm immer vorgekommen wären wie eine weseme Rübe
und es sei ihm immer gewesen als müsste er den Pfnüsel bekommen wenn er ihm ein
Müntschi habe geben müssen Vreneli nahm diese Rede nicht übel fügte nur bei
Was dahinten sei das sei gemäht es wolle es vergessen Aber für die Zukunft
verbitte es sich das Untersuchen ob andere Backen heiß oder kalt seien Wenn er
ihm ds Herrgetts wäre so etwas zu machen es wüsste nicht was es anfinge aber
gut ginge es nicht Unter solcher Rede und Gegenrede erbleichten die flimmernden
Sterne und suchten ihre himmelblauen Bettlein und die gute Mutter Sonne begann
ihnen den goldenen Umhang darum aus funkelnden Lichtesstrahlen zu weben damit
ihr keusches Niedergehn ihren unschuldigen Schlaf neugieriger Sünder Augen
nicht beflecken möchten Der Reif schüttelte seine Locken mächtiger durch die
Sonne von den Sternlein weg dem dunkeln Schoss der Erde zu getrieben und von den
himmlischen Liebchen verjagt versuchte er mit irdischen zu kosen wollte um
Vreneli sich legen seine kalten Arme schlingen um das warme Mädchen sein
weißer Hauch spielte schon in den Spitzen von Vrenelis Kappe Das Mädchen
schauderte zusammen und bat Uli sich flüchten zu dürfen in ein warmes Stübchen
nur einen Augenblick es schüttle ihns durch und durch sie kämen immer noch
früh genug
Uli lenkte alsobald unter einen Herberge darbietenden Schild und Vreneli
suchte Schutz vor dem kalten Liebhaber in einer Gaststube Dort ist des Morgens
gewöhnlich ein wüstes Sein sie mahnt an eines Trunkenen Erwachen und
Katzenjammer indessen wenn es draußen kalt ist so nimmt man vorlieb auch wenn
der Ofen nur verglimmende Wärme hat Das Pferd war bald eingestallet desto
schwerer aber das Stubenmädchen zu wecken welches das Aufstehen vor hellem Tage
nicht liebte nicht gerne sein abgeschossenes Angesicht zeigte ehe die Sonne
darauf scheinen konnte Endlich kam es verstrupft dahergeschlarpet Es war als
ob es bei jedem Schritt ein Bein oder gar beide verlieren müsste und vor Gähnen
konnte es lange lange nicht fragen was ihnen lieb wäre Lange lange gings
bis endlich der bestellte warme Wein kam den man fast siedend trinken musste
wenn man sich nicht verspäten wollte Schon acht Batzen dachte Uli als er die
Ürti hörte und ein Batzen dem Stallknecht macht neun Es ist gut dass mir
Joggeli etwas beigeschossen ich käme sonst mit fünfzig Batzen nicht aus Somit
zog er das Päckchen das er für ein neutaleriges Münzpäckchen eingesteckt
hervor klaubte es auf und wollte abschaffen Als er es endlich offen hatte
waren lauter Fünfbätzler darin und fünfzig an der Zahl Er war eigentlich
erschrocken als sie ihm so unverhüllt auf der Hand lagen und sagte immer »Lue
doch Vreneli lue doch was mir Joggeli gegeben Wenn ich das gewusst hätte ich
hätte ihm nötlicher gedankt« »Das kannst du ja immer noch« sagte Vreneli »das
Beste ist dass du es hast Ich hätte das aber von Joggeli nicht erwartet Mir
hätte er auch etwas geben können Er hat mich nicht einmal gefragt ob ich einen
Kreuzer Geld habe und doch weiß er wohl wie bös das Zeichen ist wenn eine
Hochzeiterin kein Geld im Sack hat Aber ich glaube er möchte mir es gönnen
wenn ich mein Lebtag keinen Heller zum Brauchen hätte« »Da« sagte Uli »nimm
die Hälfte es gehört dir wie mir« »Nein Uli« sagte Vreneli »was sinnest
doch Ich habe Geld genug und wenn ich keines hätte heute so wollte ich doch
Zeichen hin Zeichen her Geld haben so lange als du welches hast Zähle
darauf ich will ein freines Fraueli werden wenn du ein Mann bist wie es sich
gehört aber wenn du mich unterntun wolltest und vogten dass ich nichts sagen
nichts haben sollte so will ichs mit dir probieren wer Meister werden soll Du
weißt nicht wie bös ich sein kann Ich habe mich mein Lebtag wehren müssen es
hat mich immer alles unterntun wollen und niemand hat es gekonnt Da kann ich
das Wehren und ich glaube immer du brächtest so wenig ab als die Andern ds
Cunträri« »Aber wir wollen nicht probieren« sagte Uli »ich glaubs ich käme
zu kurz mit dir Du kannst ja alle um einen Finger wickeln und sie merkens nicht
einmal Ja nicht einmal spassen wollen wir darüber liebs Meitschi sonst hörts
der Böse und sucht beim Einen oder beim Andern aus dem Spasse Ernst zu machen
Ich habe einmal meine Großmutter sagen hören es sei von gar schwerer Bedeutung
was man am Hochzeitmorgen rede und je näher man der Kirche komme um so
schwerer werde die Bedeutung Da sollte man eigentlich an nichts anderes denken
als an den lieben Gott und seine Engelein wie die in Friede und Freude mit
einander lebten und den Menschen alles Gute brächten und gönnten und sollte
nichts anderes reden als mit dem lieben Gott dass er bei einem bleiben möchte am
Abend und am Morgen im Hause und auf dem Felde im Herzen und im Wandel und
dass seine Engelein über einem wachen möchten jahraus jahrein damit kein böser
Geist Gewalt über einem bekäme und keiner zwischen Beide hineinkäme Sie hat
manchmal gesagt wie es ihr angst geworden sei als mein Vater und meine Mutter
mit einander gelacht und im Spaß gestritten und viel Weltliches geredet Da sei
es nicht lange gegangen so seien die bösen Geister gekommen Beide seien früh
in der Welt untergegangen und wir seien arme Kinder geworden allen Leuten im
Weg und zweg zum Verderben wenn sich nicht Gott ganz apart unserer erbarme
Gottlob er hat es getan aber der Großmutter Wort kann ich nicht vergessen und
je näher wir jetzt kommen desto ernsthafter wird es mir im Herzen Es ist mir
fast und doch nicht ganz wie beim Sterben da geht man auch so einem Tor
entgegen und weiß nicht was dahinter ist und dahinter kann die Seligkeit sein
oder die Hölle Und wenn man schon mehr oder minder glaubt es sei die Hölle
oder die Seligkeit die einem wartet so weiß man doch nicht wie die Seligkeit
ist und wie die Hölle ist und beide sind sicher viel anders als man glaubt
die Seligkeit viel süßer die Hölle viel bitterer Da klopft mir das Herz immer
mehr ich muss mich fast schämen und doch kann ich es nicht verbergen«
»Meine Eltern sind nie zusammen zKilche gegangen« sagte Vreneli »und ich
habe es entgelten müssen Während Beide noch gelebt bin ich doch ein arm
verstoßen Waischen gewesen und alle bösen Geister haben mir aufgelauert aber
Einer hat mich behütet Wer weiß ob nicht auch ein frommes Grossmütti für mich
gebetet oder gar mich behütet und beschützt hat vom lieben Gott verordnet
Nein Uli ich begehre nicht zu spassen ich möchte nicht dass einmal wieder arme
Kinder unsere Sünde entgelten müssten Und wer weiß wenn wir recht fromm sind
und unsere Kinder dem Herrn zuführen ob dann nicht Gott um unsertwillen unsern
Eltern ihre Sünden vergibt Nein Uli glaub es ist mir nicht ums Spassen es
ist mir gar ernst im Gemüt aber ich habe gar oft spassen müssen um den Leuten
nicht zu zeigen wie es mir im Herzen ist und mit dem Lachen habe ich das
Weinen vertrieben um nicht ausgelacht zu werden Und um die Meisterschaft
wollen wir nicht streiten da behüte mich Gott davor Ich habe mich dir ergeben
und will dir auch gehorchen solange du mich lieb hast und will tun dass du
mich alle Tage lieb haben kannst will keine Zyberligränne werden Nicht dass ich
mich nicht auch wehren würde wenn du mich quälen zu deinem Hund machen
wolltest ich glaube ich würde ein böser Tüfel ich könnte weiß Gott nicht
anders Aber das tust du nicht und wo mich jemand lieb hat da gehe ich für ihn
durchs Feuer Uli weiß Gott noch heute wenn es sein muss Sieh ich verspreche
es dir schon hier und der liebe Gott wird es auch hören ich will immer Gott
vor Augen haben und mit dir zu Gott beten wann du willst Aber zürnen musst mir
auch nicht wenn ich zuweilen lache singe und springe Glaub mir ich habe
schon manchmal dar über nachgedacht wenn eine alte Frau mit mir gekifelt hat
wie ich immer lachen und springen möge und so leichtsinnig sei aber ich fand
mich sicher nie frömmer als wenn ich so recht fröhlich im Gemüte war da ists
mir oft ich möchte über alle Berge aus und dem lieben Gott um den Hals fallen
oder möchte für jemand sterben möchte allen Leuten Gutes tun« »Bhüetis« sagte
Uli »das Lachen und Lustigsein habe ich gar gerne aber steh dort ist der
Kirchturm schon und da ist mir die Rede der Großmutter in Sinn gekommen und ich
habe gedacht wie man auch nicht lache und spasse wenn man das Nachtmahl nehmen
will so solle man auf jedem Gange den man eigentlich zu Gott tut an Gott
denken und ihn bitten dass er einem dazu verhelfe zu halten was man ihm
versprechen wolle Sieh da fliegen uns Tauben entgegen eine ganze Schar und
sieh die zwei weißen darunter wo dort zusammen fliegen das ist eine gute
Vorbedeutung für Frieden und Eintracht Es ist mir fast wie wenn der liebe Gott
unseretwegen ein Zeichen getan dass es gut kommen werde Meinst du nicht auch«
Und Vreneli drückte Uli die Hand und in stiller Andacht weilten sie bis der
Stallknecht des Pferdes Zügel nahm und sagte »Es ist gut frisch diesen Morgen«
Es war da eins der guten alten Wirtshäuser in denen die Leute nicht alle
Jahre wechseln sondern eine Generation die andere ablöst Diese saßen eben an
ihrem Kaffee als die Brautleute hereinkamen und erkannten alsobald Uli Nun
eine recht freundliche Begrüßung und sie mussten sie mochten wollen oder nicht
zu ihnen sitzen und mitalten Sie sollten doch nicht Umstände machen hieß es
das sei ja zweg und an einem so kalten Morgen tue einem nichts wöhler als ein
Kacheli warmer Kaffee Vreneli tat etwas zimperlich Es sei uverschant für ihns
da zuechezhocke als ob es da daheim wär Die Wirtin aber musterte es bis es
saß gschauete es dann und begann dem Uli zu rühmen wie er eine hübsche Frau
habe lange Zeit sei keine brävere dagewesen Es freue sie dass er seine Sache
so gut mache er hätte sie alle gereut als er fortgekommen Es freue einen
immer wenn einer zwegkomme Nit sie wolle nicht sagen es gebe auch Leute die
das nicht leiden mögen aber deren seien doch nicht recht viel Ob der Pfarrer
wohl auf sei fragte Uli er sollte vorher noch zu ihm Er werde wohl hieß es
bsunderbar an einem Freitag wo gewöhnlich Leute kämen Nit sie wollten sonst
nicht sagen dass er von den Frühsten sei er möge das Liegen wohl erleiden aber
er sei afe von den Alten und da sei es ihm wohl zu gönnen Aber er hätte einen
Winter einen Vikari gehabt den hätte man vor den achten nie sehen können und
das habe alle Leute geärgert dass sie so einen faulen Vikari haben müssten
Darauf fragte Uli Ob es wohl der Brauch sei dass er ihns gleich mitnehme Nein
hieß es selten warte man im Pfarrhaus Nachher gingen wohl Viele zusammen hin
den Schein zu holen Was aber so die Scheuen seien oder die welche glaubten
der Pfarrer hätte Ursache ihnen etwas zu sagen die kämen gleich wieder ins
Wirtshaus und nur die Kerleni gingen hin
Nachdem Vreneli das Mitkommen von der Hand gewiesen und Uli noch befohlen
hatte dass man seinem Meister Bescheid mache er und seine Frau sollten doch
kommen machte er sich auf In seiner stattlichen Kleidung und in dem düstern
Stübchen erkannte ihn der Pfarrer nicht gleich hatte dann aber eine rechte
Freude »Ich habe gehört« sagte derselbe »du seist zweg bekommest ein gutes
Lehen eine gute Frau und habest schön Geld erspart Das tut mir gar wohl wenn
ich eine Ehe einsegnen kann von der ich hoffe dass sie in dem Herren bleibt
Dass du etwas erspart ist nicht die Hauptsache aber du hättest es nicht und man
hätte dir nicht so viel anvertraut wenn du nicht brav und fromm wärest und das
ists was mich eigentlich recht freut Das Weltliche und das rechte Geistliche
sind viel näher bei einander als die meisten Leute glauben Sie meinen um
recht wohl zu sein auf der Welt müsse man das Christentum an den Nagel hängen
und das ist gerade das Gegenteil daher das beständige Klagen in der Welt daher
betten sich die meisten Menschen so dass sie liegen wie in Nesseln Frage dich
nur selbst ob es dir so wohl wäre wenn du ein Hudel geblieben verachtet von
allen Leuten Was meinst du wohl was für einen Hochzeittag hättest du erlebt
Denke dir recht was du für Eine erhalten und was für Aussichten du gehabt und
was die Leute gesagt hätten wenn sie euch hätten zur Kirche gehen sehen und
stelle dagegen wie es heute ist dann ermiss den großen Unter schied Oder was
meinst du ist das blinde Glück der Zufall das sogenannte Gfell schuld daran
Die Leute sagen immer Ich habe das Gfell nicht es ist heutzutage nichts mehr
zu machen Was glaubst du Uli ist es bloß das Gfell Hättest du dieses Gfell
auch gehabt wenn du ein Hudel geblieben Aber eben das ist das Unglück dass die
Leute durch das Gfell glücklich werden wollen und nicht durch ein frommes Leben
bei dem der Segen Gottes ist Da ists nun ganz recht dass die welche nur auf
das Gfell warten vom Gfell betrogen werden bis sie wieder zur Erkenntnis
kommen dass am Gfell nichts aber an Gottes Segen alles gelegen sei«
»Ja Herr Pfarrer« sagte Uli »ich kann Euch nicht sagen wie wohl es mir
ist gegen damals wo ich einer von den Schlechtern gewesen bin die auf der
Gasse herumgelaufen Aber es kommt doch auch etwas auf das Gfell an denn wäre
ich nicht zu so einem guten Meister gekommen so wäre auch nichts aus mir
geworden« »Uli Uli« sagte der Pfarrer »war das Gfell oder Gottes Fügung«
»Das ist das Gleiche meine ich« antwortete Uli »Ja« sagte der Pfarrer »es
ist das Gleiche aber gleichgültig ists nicht wie man sagt darin liegt eben
der Unterschied Wer vom Gfell redet denkt nicht an Gott dankt ihm nicht
sucht seine Gnade nicht er sucht das Gfell von und in der Welt Wer von Gottes
Fügung redet denkt an Gott danket ihm sucht sein Wohlgefallen sieht in allem
Gottes Leitung er kennt weder Gfell noch Ungfell sondern alles ist ihm Gottes
gütige Leitung die ihn zur Seligkeit führen will Die verschiedene Redensart
ist der Ausdruck einer verschiedenen Gesinnung einer verschiedenen Ansicht des
Lebens darum liegt ein so großer Unterschied in den Worten und es ist wichtig
welche man braucht Und meint man es auch gut so macht es einen wenn man nur
von Gfell redet leichtsinnig oder missmutig redet man aber von Gottes Fügung
so wecken diese Worte schon Gedanken in uns und richten unsere Augen auf Gott«
»Ja so Herr Pfarrer habt Ihr etwas recht« sagte Uli »und ich will es mir
lassen gesagt sein« »Du kommst doch mit deiner Braut nach dem Gottesdienst zu
mir« »Gar gerne wenn Ihr es begehret« sagte Uli »aber wir versäumen Euch an
Eurer Arbeit« »Es versäumt mich niemand« sagte der Pfarrer »denn das ist
nicht nur mein Amt sondern auch meine Freude bei ernsten Anlässen ein ernstes
Wort zu Herzen zu reden wo ich auf einen Boden hoffen darf der Früchte trägt
Was bei solchen Anlässen der Herr redet das wird nicht so bald vergessen«
Unterdessen hatte Vreneli die Finkenschuhe ausgezogen die rechte Kappe
aufgesetzt und mit eigenen Händen hatte die Wirtin ihm das Kränzchen
aufgeheftet Das sei eins auf die Langentaler Mode sagte sie »Sei es nun eins
auf welche Mode es wolle so steht es dir wohl an« fuhr sie fort »Aber wenn
sie mir daherkommen mit einem Ranzen der beim Fenster ist wenn der Kopf erst
zur Türe hinein kommt und ich soll ihnen dann noch das Kränzchen auf heften
dann kommt es mir in alle Finger und ich möchte sie lieber bei den Züpfen nehmen
und sie verflümert haaren als ihnen ein Kränzchen aufheften Es ist eine
bluetige Schand dass eine jede Hure mit einem Kränzchen daherkömmt und damit im
Lande herumfährt und über den Fusssack heraus hängt ihr der Ranzen bis ihrer
Mähre aufs Kreuz Sellige sollten die Kränzchen verboten werden es ist ja nur
das Gespött damit getrieben Aber es heißt die Gnädigen Herren frügen dem nicht
viel nach und hätten selbst die Ranzen lieber als die Kränzchen Ich weiß das
nicht ich bin seit die Östreicher gekommen nie in Bern gewesen aber man sagt
es so Ob es ist weiß ich nicht frage auch nicht viel danach was gehen mich
die Herren an Es ist mir zwider wenn einer zu uns kommt Sie sind so
hochmütig dass sie einem nicht einmal antworten mögen wenn man ihnen
Gottwilchen sagt und wenn man ihnen die Hand längen will so mögen sie einem
die ihre nicht geben so ziehen sie nicht einmal die Handschuhe aus und habest
noch Furcht man bschysse die«
Es begann zu läuten und laut begann Vrenelis Herz zu klopfen es schwamm
ihm ordentlich vor den Augen Die Wirtin brachte ihm Hoffmannstropfen rieb ihm
mit etwas die Schläfe und sagte »Du musst das nicht so schwer nehmen Meitschi
wir müssen alle da durch Aber geht jetzt in Gottes Namen der Herr wartet an
einem Freitag nicht lange er ist gar e Ängstige«
Uli fasste sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der Kirche zu
feierlich tönten die feierlichen Klänge im Herzen wieder denn der Siegrist
läutete ordentlich die Glocken dass sie an beiden Orten anschlugen und sucht
wie wenn sie lahm wären nur bald all diesem bald an jenem Orte Wie sie auf
den Kirchhof kamen schaufelte eben der Totenmann an einem Grabe und stille
wars um ihn kein Schaf keine Ziege kam und verrichtete ihre Notdurft in des
Menschen letzte Ruhestätte denn da war der Kirchhof kein Weideplatz für
ungeistliche Tiere Es ergriff Vreneli plötzlich eine unwiderstehliche Wehmut
Der ehrwürdige Anblick der Gräber das Schaufeln eines Grabes wecken düstere
Gedanken »Das bedeutet nichts Gutes« flüsterte es »einem von uns schaufelt
man sein Grab« Vor der Kirche stunden Gevatterleute eine Gotte mit einem Kinde
auf dem Arme »Das bedeutet einem von uns eine Kindbett« flüsterte Uli um
Vreneli zu trösten »Ja dass ich in einer solchen sterbe« antwortete es »dass
ich aus meinem Glück weg muss ins kalte Grab« »Denk doch« sagte Uli »dass der
liebe Gott ja alles macht und dass wir nicht abergläubisch sondern gläubig sein
sollen Dass einmal unser Grab geschaufelt werden wird ist gewiss aber dass das
Grabgraben Sterben bedeute denen die dazukommen habe ich noch nie gehört
Denke doch wie Viele ein Grab graben sehen wenn es die alle nachzöge denk
auch wie groß der Sterbet sein müsste« »Ach verzeih mir« sagte Vreneli »aber
je wichtiger ein Gang ist um so ängstlicher wird die arme Seele und möchte gar
zu gerne wissen wie es zu Ende geht und nimmt daher jede Bewegung als ein
Zeichen auf ein gutes oder ein böses weißt du was du von den Tauben sagtest
als wir ins Dorf fuhren« Da drückte Uli seiner Braut die Hand und sagte ihr
»Du hast recht lass du uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht kummern
Was er uns tun nehmen oder geben wird das ist wohl getan«
Sie traten in die Kirche leise zagend teilten sich zur Linken und zur
Rechten sahen ein Kindlein aufnehmen in den Bund des Herrn dachten wie schön
es doch sei so ein zart und hinfällig Kind der besonderen Obhut seines Heilands
mit Leib und Seele anempfehlen zu dürfen und wie eine große Last es von der
Eltern Brust wälzen müsse wenn sie in der Taufe das Bewusstsein erhielten der
Herr wolle mit ihnen sein und mit seinem Geiste sie das Kind nähren lassen wie
die Mutter es sättige mit ihrer Milch Sie beteten recht andächtig mit und
dachten wie ernstaft sie es nehmen wollten wenn sie als Taufzeugen es geloben
müssten darauf zu achten dass das Kind dem Herrn zugeführt werde Das
gewöhnliche Wochengebet verhallte ihnen in der Wichtigkeit des ernsten
Augenblicks der näher und näher kam Als der Pfarrer hinter dem Taufsteine
hervortrat als Uli Vreneli geholt hatte und Beide ans Bänkchen traten sanken
Beide auf die Knie der Zeremonie weit vorgreifend hielten die Hände inbrünstig
verschlungen und von ganzer Seele ganzem Gemüte und allen Kräften beteten und
gelobten sie was die Worte sie hießen ja noch viel mehr was aus treuen Herzen
sprudelte Und als sie aufstunden fühlten sie sich so recht fest und wohlgemut
es war einem jeden als hätte es einen großen Schatz gewonnen fürs ganze Leben
der ihns glücklich machen müsse den ihm niemand entreißen niemand abgewinnen
könne mit dem es vereint bleiben müsse in alle Ewigkeit
Draußen bat Uli sein Weibchen mit ihm zum Pfarrer zu kommen den Schein zu
holen Verschämt weigerte sich dasselbe dessen unter dem Vorwande es kenne ihn
nicht es sei ja nicht nötig usw Indessen ging es doch und nicht mehr
verschüchtert wie ein Dieb in der Nacht sondern wie es einem glücklichen Weib
an der Seite eines ehrenhaften Mannes wohl ansteht Vreneli wusste sich
zusammenzunehmen
Freundlich empfing sie der Pfarrer ein ehrwürdiger langer hagerer Herr
Es war nicht bald einer wie er der Ernst mit holdseligem Wesen zu mischen
wusste dass vor ihm die Herzen aufgingen als wären sie mit einem Zauberstäbchen
berührt
Als er Vreneli betrachtet hatte fragte er »Was meinst du Uli ist das
Gfell oder Gottes Fügung dass du dieses Weibchen bekommen« »Herr Pfarrer«
sagte Uli »Ihr habt recht ich halte es für eine Gabe Gottes« »Und du
Weibchen welches Sinnes bist du« »Ich meine auch nichts anderes als dass der
liebe Gott uns zusammengeführt« sagte Vreneli »Ich glaube auch« sagte der
Pfarrer »Gott hat das gewollt das vergesst nie Warum hat er euch
zusammengeführt Dass Eins das Andere glücklich mache aber nicht nur hier
sondern auch dort das vergesst mir wieder nicht Die Ehe ist auf Erden Gottes
Heiligtum in welchem die Menschen sich weihen und reinigen sollen für den
Himmel Ihr seid gute Leute seid fromm und brav aber ihr habt Beide Fehler
Dir Uli kenne ich zum Beispiel einen der dir näher und näher kommt es ist
der Geiz du Vreneli wirst auch welche haben aber ich kenne sie nicht Diese
Fehler werden hervortreten nach und nach und wie an dir Uli ein Fehler
sichtbar wird so gewahrt ihn deine Frau zuerst und du kannst ihn an ihren
Mienen gewahren und was an Vreneli hervorkömmt bemerkst du und es kann es an
deinem Gesichte absehen Eines wird fast zu des Andern Spiegel In diesem
Spiegel Uli sollst du deine Fehler erkennen und aus Liebe zu deiner Frau sie
abzulegen suchen weil sie am meisten darunter leidet und du Frau sollst ihm
mit aller Sanftmut beistehen sollst aber auch deine Fehler erkennen und um Ulis
willen bezwingen und er wird dir auch dazu helfen Wenn der Liebe diese Arbeit
zu schwer werden will so schenkt Gott Kind um Kind und jedes ist ein Engel
der uns heiligen soll jedes bringt uns neue Lehren uns recht darzustellen vor
Gott und neues Begehren dass es zugerichtet werde zu einem Opfer das da heilig
und Gott wohlgefällig sei Und je mehr ihr in diesem Sinne zusammen lebt desto
glücklicher werdet ihr im Himmel und auf Erden denn glaubt es mir doch recht
das rechte weltliche Glück und das himmlische Glück werden akkurat auf dem
gleichen Wege gefunden Glaubt es mir der liebe Gott hat euch zusammengeführt
dass Eins dem Andern in Himmel helfe dass Eins dem Andern Stütze und Stab sei auf
dem engen schweren Wege der ins ewige Leben führt dass Eins dem Andern diesen
Weg durch der Liebe Sanftmut und Geduld ebne und leichter mache er ist so
schwer und dornenvoll Wenn nun trübe Tage kommen wollen wenn Fehler an dem
Einen an dem Andern an Beiden ausbrechen so denkt nicht an Ungefell dass ihr
unglücklich seiet sondern an den lieben Gott der alle diese Fehler schon lange
gekannt und euch eben deswegen zusammengebracht damit Eins das Andere heile
ihm von seinen Fehlern helfe das ist Zweck und Aufgabe eures Zusammenkommens
Und wie Liebe den Heiland gesandt Liebe ihn ans Kreuz gebracht so muss auch bei
euch die Liebe tätig sein sie ist die Kraft die über alle Kräfte geht heilet
und bessert Mit Fluchen und Schimpfen mit Drohen und Schlagen kann Eins das
Andere unterdrücken aber nicht bessern dass es wohlgefällig vor Gott wird
Gewöhnlich je wüster Eins wird desto wüster wird auch das Andere Eins hilft
dem Andern in die Hölle Darum vergesst es nie Gott hat euch zusammengebracht
Eins wird er aus der Hand des Andern fordern Mann wird er sagen wo ist deines
Weibes Seele Weib wird er sagen wo ist deines Mannes Seele Macht dass ihr
wie aus Einem Munde antworten könnt Herr hier sind wir Beide hier zu deiner
Rechten Fraueli vergib mir dass ich dir an diesem Morgen so ernstaft geredet
Aber es ist ja besser man rede dir jetzt so als später wenn Uli gestorben und
man ihn durch deine Schuld verdorben glaubt es ist auch dem Uli besser jetzt
als später wenn er dich unter die Erde gebracht hätte Was ich aber von Beiden
nicht glaube denn ihr seht mir Beide wirklich so aus als wenn Gott und
Menschen Freude an euch haben sollten«
Als Vreneli von Sterben hörte schoss ihm das Wasser in die Augen und mit
bewegter Stimme sprach es »O Herr Pfarrer da ist keine Rede von Zürnen Ihr
sollt Dank haben zhunderttausend Malen für den schönen Zuspruch ich will mein
Lebtag daran denken Es würde uns große Freude machen wenn Ihr einmal in unsere
Gegend kämet Ihr uns besuchen würdet um zu sehen wie Eure Worte bei uns
fruchten und dass wir sie nicht vergessen haben« Der Pfarrer sagte das werde
gewiss geschehen sobald er in ihre Gegend käme und das könne sehr leicht
geschehen Er betrachte sie wenn sie auch nicht in seiner Gemeinde wohnten
doch so halb und halb als seine Schäfchen und sie sollten darauf zählen dass
wenn es ihnen wohlgehe und sie glücklich seien niemand größere Freude daran
hätte als er Und wenn er ihnen in etwas dienen könne sei es was es wolle und
es stehe in seinen Kräften so sollten sie nur kommen er werde sich eine Freude
daraus machen Darauf nahmen sie Abschied und allen war es recht wohl und
heiter im Herzen Ein wohltuendes erwärmendes Gefühl hatten sie sich
gegenseitig erweckt das eigentlich ein Mensch im andern bei jedem Zusammensein
erwecken sollte Dann wäre es schön auf Gottes schöner Erde »Das ist mir doch
der freundlichste Herr« sagte Vreneli im Fortgehen »er nimmt die Sache
ernstaft und meint es doch gut dem könnte ich einen ganzen Tag ablosen es
würde mir nicht erleiden«
Als sie ins Wirtshaus kamen waren die Gäste noch nicht da nur der
Bescheid Johannes werde bald kommen aber seine Frau könne nicht wohl Da sagte
Vreneli »Du musst sie holen fahre hinauf es ist nicht so weit wenn du recht
fährst in einer halben Stunde bist du wieder da« »Ich plage den Kohli nicht
gerne er hat heute noch zu laufen genug« antwortete Uli »Der Wirt gibt dir
wohl ein Ross nicht weiter als es ist«
So geschah es auch und es war gut Johannes war noch nicht zweg und seine
Frau trug großes Bedenken so an einem Werktag ins Wirtshaus zu sitzen ohne dass
man Gotte sei was würden die Leute dazu sagen Er hätte mit seiner Frau zu
ihnen kommen sollen statt da im Wirtshaus Kosten zu haben sie hätten ihnen
auch zu essen und zu trinken gehabt Das wisse er wohl sagte Uli allein das
wäre uverschant gewesen und dazu wohl weit denn sie wollten heute noch heim er
hätte jetzt alle Hände voll zu tun Aber sie sollten doch recht kommen er hätte
es sonst ungern und müsste glauben sie schämten sich ihrer »Was sinnest doch
Uli« sagte die Frau »du weißt ja wie wert du uns bist Express sollte ich
jetzt nicht kommen weil du solche Gedanken hast« Indessen machte sie sich doch
zweg wollte aber nicht erlauben dass ihre Tochter mitkäme die Uli auch gerne
mitgehabt »Warum nicht gar« sagte sie »noch die Katze und der Hund das wäre
mir Es ist uverschant genug dass ich komme Warte nur du wirst dein Geldli
sonst noch brauchen können Haushalten hat gar ein weites Maul«
Mit Verlangen hatte ihnen Vreneli entgegengesehen von der Ecke des
Wirtshauses aus Wer vorbeiging wandte kein Auge ab ihm und wenn er vorüber
war fragte er »Wem ist die Hochzeitere Ein schöner Meitschi sah ich lange
nicht« Es ging im ganzen Dorfe die Rede von der schönen Hochzeiterin und wer
nur irgend Zeit oder einen Vorwand hatte ging beim Wirtshause vorüber
Endlich kam Uli dahergefahren und gar freundlich empfing sie Vreneli »Bist
doch jetzt ein Fraueli geworden« rief die Bäurin »bis mir Gottwilche« und
streckte Vreneli die runde hohe Hand entgegen »Das hab ich doch wohl gedacht
das werde ein Paar geben es hätte sich niemand bas zu einander geschickt« »Ja
aber selb Kehr ist noch gar nichts gewesen erst auf dem Heimweg haben sie mich
angefangen zu plagen und daran seid Ihr glaub ich auch schuld gewesen« sagte
Vreneli sich zu Johannes wendend und ihm die Hand bietend »Aber wartet nur
ich will Euch recht den Krieg machen hinter meinem Rücken mich so zu
verhandeln Ihr seid mir sufere Kunden und tut Ihr mir das noch mehr so will
ich Euch bezahlen wartet nur Wir wollen Euch auch verhandeln hinter Eurem
Rücken« Johannes antwortete und Vreneli begegnete ihm wieder mit schalkhaft
wohlgesetzten Worten Als es einen Augenblick hinausgegangen war sagte die
Bäurin »Uli du hast bsunderbar eine manierliche Frau die kann reden es stünd
manchem Herrenhause wohl an und ds Schönste ist dass sie das Werchen ebenso gut
kann das ist sonst nicht immer bei einander Häb Sorg zu dere du überchunst ke
Selligi meh« Da begann auch Uli mit nassen Augen zu rühmen bis Vreneli
wiederkam Als bei seinem Eintritt plötzlich das Gespräch stockte sah es
schelmisch Eins nach dem Andern an und sagte »Schon wieder habt ihr mich hinter
meinem Rücken verhandelt und das linke Ohr hat mir geläutet wartet nur Uli
ist das schön mich schon so zu verklagen wenn ich nur einen Augenblick den
Rücken kehre« »Er hat dich nicht verklagt« sagte die Bäurin »ds Cunträri
aber ich habe ihm gesagt er solle Sorg zu dir haben eine Solche bekomme er
nicht wieder Ach wenn dManne mängisch wüsste wie die Zweute wäre sie hätten
besser Sorg zu de Erste Nit dass ich zu klagen habe Myne ist mir lieb und wert
ich bekäme keinen Bessern und er gönnt mir was ich brauche aber ich sehe öppe
wie es an andern Orten zugeht« »Ih ha welle lose« antwortete Johannes »Du
hast aber nachebesseret Du hast recht es geht an manchem Ort den Weibern bös
aber an andern den Männern auch es kommt immer darauf an wo auch Erkanntnus
ist und öppe auch der Glaube dass ein Gott im Himmel sei Wo kein Glaube ist da
ist das Wüstest Meister«
Darauf wurden sie in die Hinterstube entboten Dort war die Suppe
aufgetragen eine Maß Wein auf dem Tisch ein Kännlein süßer Tee dabei Sie habe
gedacht sie wolle gleich Tee machen sagte die Wirtin es könne dann nehmen
wer wolle ein Teil sei Liebhaber ein Teil nicht Mit ungezwungener
Freundlichkeit machte Vreneli die Wirtin schenkte ein legte vor mahnte ans
Austrinken es wurde allen recht wohl und heimelig Uli machte sich an den
Meister und fragte ihn dies und das Wie er sich einrichten solle im Stall was
er für vorteilhafter halte zu pflanzen um welche Zeit er dieses säe und jenes
für was der Boden gut sei für was jener Johannes berichtete väterlich fragte
wieder und Uli teilte seine Erfahrungen mit Die Weiber horchten anfangs dann
aber schwoll auch Vrenelis Herz mit Fragen an und es suchte Rat bei der Bäurin
in den hundert Dingen in denen eine Bäurin Meister sein sollte erzählte wie
es es bis dahin gemacht aber ob es nicht noch besser und vorteilhafter
anzuschicken wäre Mit Freuden enthüllte die Bäurin ihre Geheimnisse sagte aber
oft »Ich glaube du machst es besser das muss mir auch probiert sein« Die
trauliche Heimeligkeit lockte Wirt und Wirtin an verständige Leute und Beide
halfen raten und wägen was das Beste sei und zeigten ihre Freude an manchem
das sie hörten Und je mehr sie hörten um so mehr zeigten Vreneli und Uli
Begierde zu lernen um so demütiger wurden sie und horchten den Alten ihre
Erfahrungen ab und prägten dieselben sich ein in ihr nicht mit unnützen Dingen
beschwertes Gedächtnis
Der Nachmittag schwand es wusste es niemand Auf einmal warf die Sonne einen
goldenen Schein ins Stübchen und verklärt schwamm in ihrem Lichte was darinnen
war Erschrocken fuhren sie zweg über das unerwartete Licht das fast von
ausgebrochenem Feuer zu kommen schien Sie sollten nur ruhig sein sagte die
Wirtin das sei nur von der Sonne die möge gegen Haustagen hineinscheinen wenn
sie nieder gehen wolle »Herr Yses so spät schon« sagte Vreneli »wir müssen
fort Uli« »Ich wollte nicht pressieren« sagte die Wirtin »der Mond kommt
ehe es finster wird« »Wie ist mir doch dieser Nachmittag vorbeigegangen« sagte
die Bäurin »Ich wüsste mich gar nicht zu besinnen wann ich so kurze Zeit gehabt
hätte« »Es geht mir auch so« sagte die Wirtin »Das ist etwas anderes gewesen
als so viele Hochzeitleute die vor langer Weile nichts anzufangen wissen als zu
saufen und zu spielen und einem so lange Zeit machen dass man froh ist wenn
man ihnen den Rücken sieht Ja es dünkt mich manch mal ich müsste so einem
Bürschchen das nichts zu reden weiß an seinem Hochzeittag als zu fluchen und
seine entlehnte Pfeife geradeausstreckt wie wenn er den Mond hinunterguseln
wollte eins zum Grind geben dass er ihn doch auch wieder da habe wo andere
Leute und reden lerne wie andere Leute« Die Bäurin aber gab Vreneli die Hand
und sagte »Du bist mir weiß Gott recht lieb geworden und ich lasse dich
nicht fort bis du mir versprichst du wollest bald wieder zu uns kommen«
»Recht gerne« sagte Vreneli »wenns möglich ist Es ist mir auch gewesen als
rede ich mit einer Mutter und wenn wir nur näher bei einander wären ich käme
nur zu viel Aber wir haben ein großes Wesen und wer den nicht viel daraus
können ich und Uli Aber kommt Ihr zu uns das müsst Ihr mir versprechen Ihr
habt erwachsene Kinder und wisst es geht zu Hause gleich wenn Ihr schon fort
seid« »Ja kommen will ich zu euch das verspreche ich Ich habe es dem
Johannes schon manchmal gesagt es nähmte mich wunder wie es in der Glungge
sei Und los wenn ihr öppe einist eine Gotte mangelt so habt nicht Mühe und
lauft weit um eine aus Ich weiß eine sie sagt euch nicht ab« »Das wäre guter
Bescheid« sagte Vreneli und zupfte am Fürtuchbändel es wolle ihn nicht
vergessen und daran sinnen wenn es ihnen einmal dazu kommen sollte man wisse
nie was es geben könne »Ungefähr wohl« lachte die Bäurin »und dann wollen
wir sehen ob ihr uns etwas schätzet oder nicht«
Unterdessen hatte Uli abgeschafft anspannen lassen und schenkte nun
allseits ein und nötigte zum Abschiedstrunk Da kam noch der Wirt mit einer
Extraflasche und sagte Etwas wolle er auch tun und nicht umsonst getrunken
haben Es freue ihn dass sie bei ihm gewesen und er wollte alle Freitage eine
vom Mehbesseren zum besten geben wenn alle Freitag solche Leute bei ihm
Hochzeit hätten an denen hätte er jetzt Freude gehabt Als er hörte dass
abgeschafft sei tat Johannes es nicht anders der Wirt musste noch eine auf
seine Rechnung holen und es stunden wiederum die Sterne am Himmel als nach
recht innigem Abschied wie er selten von Nichtverwandten genommen wird der
mutige Kohli ein glückliches Paar rasch davonführte dem Himmel zu
Ja lieber Leser Vreneli und Uli sind im Himmel das heißt sie leben in
ungetrübter Liebe mit vier Knaben zwei Mädchen von Gott gesegnet sie leben im
wachsenden Wohlstande denn der Segen Gottes ist ihr Gfell ihr Name hat guten
Klang im Lande weit umher stehen sie hoch angeschrieben denn ihr Trachten geht
hoch geht darauf dass ihr Name im Himmel angeschrieben stehe
Merke dir das lieber Leser