Karl Philipp Moritz
Andreas Hartknopfs Predigerjahre
Ribbeckenau
Klang schon fatal in Hartknopfs Ohren als er zum erstenmale diesen Nahmen
hörte
Und da er ihn in seiner Vokation mit großen verschlungenen Buchstaben
geschrieben sah ärgerte sich sein Auge daran
Ribbeckenau war die Mutterkirche und Ribbeckenäuchen das Filial davon wozu
der Weg über ein Torfmoor führte
Hier war es wo der Knäuel seines Lebens sich in labyrintische Knoten
verwickelte die nur die Schärfe des Schwerdts wieder lösen konnte
Wo seine Kraft die sonst freien Spielraum hatte zum erstenmale in sich
gedrängt allerlei Sprünge und wunderbare Verzierungen in sich selber machte
weil sie sich selbst nicht kannte
Durch diese Klemme musste Hartknopfs Leben selbst noch durchgehen ehe es
ungehemmt in seinem vollen Glanze leuchten und wohltätige Klahrheit um sich
her verbreiten konnte
Der welcher die Nebel der Täuschung so oft verscheucht hatte musste noch
einmal durch Selbsttäuschung von der edelsten Art geprüft zu einem höheren
Dasein vorbereitet und jeder Keim einer unruhigen Wirksamkeit in ihm
ausgerottet werden
Mein Abschied von Hartknopf als er aus Erfurt ging
Da saßen wir auf der großen Treppe vor dem Dom und sprachen von Ribbeckenau
wie weit es sei und wie bald und wie oft ich ihn dort besuchen könnte und von
der Verschiedenheit der Rettiche die in Erfurt vorzüglich gut sind und eine
von Hartknopfs Lieblingsspeisen waren wobei er gewissermaßen mit Leib und Seele
genoss wenn er die geheimnisvollen Salzkörner auf die runden Scheiben streute
und dann auf seiner Zunge das innere Wesen dieser edlen Bestandteile in ihrer
feinsten Auflösung schmeckte
Seine Gedanken beschäftigten sich in diesem Augenblicke ganz mit der
Anpflanzung von Erfurter Rettichen in Ribbeckenau und ich versprach ihm heilig
Rettigsaamen aus Erfurt zu schicken
Wir gingen alsdann noch auf der Kirschlache spatziren wo wir uns eine
ganze Weile an ein Geländer stellten und ins Wasser sahen
Ich begleitete ihn vors Tor hinaus wo wir in einem Wirtshause einkehrten
hier setzte er sich mir gegenüber und sagte Ich gehe nun nach Ribbeckenau bei
dem Nahmen erhielt seine Mine einen sehr verdrießlichen Zug um das Evangelium
zu predigen und du bleibst in Erfurt um das Evangelium noch eine Zeitlang
predigen zu lernen Du weißt nun den Hörsaal wo man das lernt und kennst den
Mann welcher diesen erhabenen Lehrstuhl bekleidet halte dich fest an ihn und
übe dich im fertigen Nachschreiben suche ihm die Worte aus dem Munde zu
stehlen noch ehe er sie ausgesprochen hat und bediene dich der Abbreviaturen
die deiner Hand und deinem Gedächtnisse geläufig sind Schreibe auch die
unterlaufenden Späße mit auf denn sie stehen nie am unrechten Orte und werden
dir eine angenehme Erinnerung sein wenn du die Vorlesung zum zweitenmale hören
solltest hüte dich sehr Backelaureus oder Magister der Weltweisheit zu werden
und wenn du dich im Predigen übest so stelle dich an einen rauschenden
Wasserfall wo keines Menschen Ohr den Laut deiner Worte vernimmt fahre fort
fleißig Kirchengeschichte zu studieren und nun lass uns noch einen Rettich
zusammen essen
Der Rettig wurde auf einem Teller gebracht Mit einer feierlichen Mine
schälte Hartknopf ihn ab schnitt runde Scheiben davon und indem er langsam und
nachdenkend die Salzkörner darauf streuete und die erste Scheibe mir
darreichte blickte er mich ernstaft an und sagte so oft ihr solches tut so
tuts zu meinem Gedächtnis
Als wir nun hinausgiengen gab ich ihm noch folgende Verse die ich auf
seinen Abschied gemacht hatte
Du gehst nach Ribbeckenau
In Erfurt bleibt Dein Freund
Die Ferne dämmert grau
Das trübe Auge weint
Doch ist nun über mir
Der Himmel wieder blau
Denk ich er lächelt Dir
Doch auch in Ribbeckenau
Als ich diese Verse noch an Hartknopf übergeben hatte steckte er sie ohne sie
zu lesen in die Tasche und sagte ich möchte den Rettigsaamen nicht vergessen
er wünsche mir wohl zu leben und ich möchte ihm nun die Liebe tun und nach
Erfurt zurückkehren welches ich dann tat und weil wir auf einer Anhöhe
Abschied genommen hatten ihn sogleich aus dem Gesichte verlor
Hartknopfs Antrittspredigt
Die kleine Kirche in Ribbeckenau war mit sehr vielem hölzernen Schnitzwerk und
Zierraten versehen Unter andern war auch vorne an der Decke über der Kanzel
der heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebend abgebildet Die Arbeit war
von Holz und bloß angeleimt
Als Hartknopf die Kanzel bestieg schwebte sein böser Genius über ihm
Ganz in seinen Gegenstand vertieft dachte er nicht an das was über ihm
war und die Länge seines Körpers war Schuld dass er mit der Stirne gerade gegen
den einen Taubenflügel rannte und auf die Weise die schwebende Gestalt des
heiligen Geistes zum Schrecken der ganzen Gemeine herabstiess
Da er sich nun aber dies als einen Zufall der weiter keine Folgen hatte
gar nichts anfechten ließ und mit der größten Kaltblütigkeit seine Predigt
anfing als ob gar nichts geschehen wäre so erschrack die Gemeine noch weit
mehr
Er hub nun seinen Spruch an im Anfang war das Wort und das Wort war bei
Gott und Gott war das Wort
Also im Anfang war das Wort und das Wort war selbst der Anfang
Dies deutete er nun auf den Anfang seines Lehramts was bei ihm wohl anders
der Anfang sein könne als das bloße Wort womit er anfienge Da einmal sein
Geschäft darin bestehe seine Lippen zu bewegen und tönende Worte
hervorzubringen statt dass andere ihre Arme zur Arbeit ausstreckten um dem
Schoss der Erde ihre Nahrung abzugewinnen und die Frucht ihrer Mühe selbst
mühsam einzuerndten
Er stellte das nackte Wort als den leeren Hauch der Luft als das tönende
Erz und die klingende Schelle dar wenn Liebe es nicht beseelet
Liebe beseelte es aber indem er sprach denn er war gewilliget zu geben
wo seine Brüder nehmen er wollte nicht für leeren Luftauch den Zehnten von
allen reichhaltigen Früchen der Erde eintauschen er wollte den Buchstaben des
Worts erst töten damit der Geist lebendig mache
Als er nun zum erstemale das Wort Geist nannte blickte die ganze Gemeine
als ob aller Augen sich verabredet hätten auf einmal nach der leeren Stelle an
der Decke über der Kanzel hin wo die Abbildung des heiligen Geistes in
Taubengestalt gewesen war Der grobe sinnliche Eindruck behielt von jetzt an
auf einmal bis Oberhand der erste Schrecken war nun vorüber und wie von
einem bösen Dämon angehaucht verzog sich jede Mine zu einem hönischen
schadenfrohen Lächeln und die Herzen verschlossen sich auf immer
Die undurchdringliche Scheidewand zwischen Licht und Finsternis war gezogen
Das hämische Lächeln trat zwischen die redende Liebe und den aufmerksamen
Gedanken Hartknopf fühlte sich zum erstenmale von seiner nächsten Umgebung
gedrückt er fing während seiner Rede an die Gesichter zu bemerken und kein
antwortender Blick begegnete seinem spähenden Auge eine unbekannte Macht
schien die Worte von seinen Lippen zu verwehen dass sie den Weg zum Herzen nicht
fanden
Unglücklicher Weise ließ er sich noch auf die Worte ein ich will euch den
Tröster senden usw und alles blickte auf den Bauerknaben neben welchem die
Taubengestalt niederstürzte und der ihr mit einer komischen Bewegung
ausgewichen war
In dieser Predigt pflegte Hartknopf nachher oft zu sagen habe er den
ganzen Druck empfunden womit die grobe Sinnlichkeit auf dem zarten Gedanken
die unförmliche Masse auf dem Gebildeten ruht wodurch der Sprössling im Keime
zertreten die Blume zerknickt wird der Wurm an der aufblühenden Pflanze nagt
der Heldenmut des Starken in seiner Brust gehemmt wird und der bildende
Genius indem er die Flügel entfaltet von seinem umwölkten Jahrhundert
darnieder gedrückt in den Staub sinkt
So viel ist gewiss dass die vielleicht schon verwesete Hand welche die
Taubengestalt an die Kanzeldecke mit nachlässigem Finger befestigte Hartknopfs
schöne Hoffnungen und sein ganzes Gebäude von Glückseligkeit an diesem Orte
unwissend untergrub
Denn dieser erste Eindruck blieb in der Folge seines Lehramts unauslöschlich
Und die ganze angebohrne Würde seines Wesens vermochte nichts gegen die
komische Larve des mächtigen Zufalls
Freilich war auch ein reudiges Schaaf unter dieser Heerde welches die
übrigen angesteckt hatte dies war der spruchreiche Küster Ehrenpreis mit der
richterlichen Miene
Während dass Hartknopf predigte richteten seine Augenbraunen jeden Perioden
den er sagte und brachen den Stab über ihm so oft er das Wort als die vierte
Person in der Gottheit erwähnte Hartknopf meinte nämlich weil man sich doch
die Dreieinigkeit als eins dächte so könnte auch das Vierte der Einheit nicht
schaden und der Lehrbegrif leide nicht darunter wenn man sich den
alleserhaltenden Vater den allesbeherrschenden Sohn den allesbelebenden Geist
und das allesverknüpfende Wort wie das ewig unveränderliche Feststehende wie
den unerschütterlichen Kubus dächte der in sich selber ruhend die rollenden
Sphären trägt
Ehrenpreis aber schrieb sich Hartknopfs Ketzereien in seine Schreibtafel auf
und so wie der Erklärer alter Autoren über eine neugefundene Leseart der
Chronickenschreiber über eine Jahrzahl und der Konchylienliebhaber über ein
Schneckenhaus so freute sich der Küster Ehrenpreis über jede Ketzerei die er
in irgend eines Menschen Worten oder Gebehrden auffinden konnte weil dies nun
auch einmal seine Liebhaberei war die ihm ein besonderes Vergnügen machte
Mit dem vorigen Prediger war er ein Herz und eine Seele gewesen denn
dieser bedurfte jemand in dessen Busen er seinen Gift ausschütten konnte und
Ehrenpreis war ein würdiges Gefäß dazu
Oft brachten sie bis Mitternacht in vertraulichen Gesprächen zu sie saßen
da in schwarzen Kleidern auf Stühlen und richteten die vergangenen und
kommenden Geschlechter der Erde
Dies taten sie im Fluge der hohen Begeisterung dann aber beschränkten sie
sich wieder auf ihre Nachbarschaft auf die Prediger in dem Kirchensprengel auf
die Menschen welche still einher wandelten und das Höchstverehrungswürdige im
Geist und in der Wahrheit verehrten auf die natürlichen Menschen welche durch
frohen Genuss der Gabe dem Geber am besten zu danken glaubten
War nun über alle diese Menschen namentlich das Verdammungsurteil
gesprochen so machten sich beide den Spruch zu eigen ihr seid über wenigem
getreu gewesen ich will euch über vieles setzen
Damit nun aber auch Ehrenpreis in diesem Werke geübter werden möchte so
trug sein Prediger ihm die ganze Polemik aus den Heften vor die er ehemals in
Halle eigenhändig nachgeschrieben hatte
Und als das Kollegium geendigt war schrieb sich Ehrenpreis selbst die Hefte
noch einmal ab und trug sie einigen auserwählten Bauern bei verschlossnen Türen
wieder vor durch welche der edle Saamen dann weiter im Dorfe ausgestreuet
wurde
So war das ganze Dorf nach und nach polemisch geworden und das Schimpfwort
Du Ketzer welches man ehemals als eine scherzende Liebkosung brauchte wurde
jetzt mit einem finsteren spanischem Ernst ausgesprochen der nichts Gutes
bedeutete
Ein so unpolemischer Prediger als Hartknopf war nun freilich keine sehr
willkommene Gabe für solche polemische Bauern
Denn die Predigten des vorigen Pfarrers waren überdem gar nicht
uninteressant gewesen er belagerte eine Ketzerei die er aufstellte um sie zu
bestreiten gleichsam wie eine Festung legte selbst Bollwerke umher womit er
sie sich eine Weile verteidigen ließ dann lief er plötzlich Sturm durchbrach
die Schanzen und hieb alles mit der Schärfe des Schwerdts darnieder
Durch dies immerwährende Angreifen und Verteidigen war den Bauern selbst
der dogmatische Lehrbegrif so geläufig geworden als er ihnen durch den bloßen
Vortrag nie hätte werden können
Sie waren dadurch gewissermaßen kompetente Richter über ihren künftigen
Prediger geworden der nun nie aus dem Gleise rücken durfte ohne dass sie es
merkten
Der Geist des verstorbenen Pfarrers ruhte auf der ganzen Gemeine auf dem
Küster Ehrenpreis aber ruhte er zwiefältig
Das Torfmoor
Mit seinem Stabe in der Hand und dem Küster Ehrenpreis zur Seiten wandelte
Hartknopf nun zum erstenmal über das Torfmoor nach Ribeckenäuchen hin
Zur rechten hatte er die Aussicht über das Torfmoor auf die Heide zur
linken auf den Küster Ehrenpreis und einen mit Haidekraut bewachsenen öden
Berg welcher der Kramberg hieß Hinter sich sah er den kleinen spitzigen
Turm von Ribbeckenau der mit Schiefer und vor sich den von Ribbeckenäuchen
der mit Schindeln gedeckt war
Geschähe das am grünen Holze seufzte er bei sich selber was wird am dürren
werden
Denn seine Hoffnungen waren nun schon verwelkt und die Gedanken welche er
jetzt wieder in Worte kleiden sollte hatten einmal schon ihren frischen Glanz
verloren
Die ganze Gegend um ihn her lag schwarz und öde
In dem ganzen Bezirk den das Auge sah war keine Furche gezogen kein
grünes Fleckchen schimmerte hervor
Das Spiel der Sensen erklang auf diesem Boden nie nie hielten frohe
Schnitter hier ihr Mahl
Die weidende Heerde fand hier keine Nahrung der Wanderer keinen sichern
Pfad denn täuschende Wassergraben durchschnitten ablentalben das lockere
Moor
Nichts Gebildetes sprosste auf diesem Boden hervor der unfruchtbar und öde
da lag um selbst in kurzem zu Asche verbrannt zu werden
Der Himmel blickte trübe auf die verwaisste Szene herab und mit schwerem
Herzen ging Hartknopf seinen sauren Pfad
Er wusste nicht dass unter dem Turme der mit Schindeln gedeckt war ein
paar freundliche Gesichter auf ihn warteten aus denen der Tag wieder in seine
Seele lächeln würde da er es am wenigsten vermutete
Die Geschwister
In Ribbeckenäuchen war vor der Kirchtüre ein geringer Platz mit Blumen
bepflanzt da spielten die Knaben im Dorfe
Gegenüber war ein bequemes Haus mit Garten und Zubehör
Der grüne Platz vor der Kirche mit dem artigen Hause gegenüber gab dem
Dörfchen das nur aus wenigen Feuerstellen bestand ein heiteres lachendes
Ansehen
Das Haus selbst aber welches dem grünen Kirchhofe gegenüber lag schloss
zwei dem Leibe und Geiste nach verwandte Seelen ein die hier ein stilles Glück
genossen weil ihre erste Tugend Genügsamkeit war
Es war nämlich der Pächter in diesem Dorfe der seit fünf Jahren mit seiner
Schwester hier zusammen wohnte welche zwanzig Jahr alt zu ihm gezogen war und
seit der Zeit noch keine eigentlich missvergnügte Stunde zählte
Denn alles Unangenehme übertrug sich in den unnennbaren Reitz der Teilnahme
des einen an des andern Ruhe und lösste sich in den schönen Gleichlaut der
Gemüter auf in welchem dieses große Ganze wie in seinem Mittelpunkte sich
vollendet
Wo alle Stürme schweigen das Toben der Elemente aufhört und die Sonne im
stillen See sich spiegelt
Wo das Getrennte das Entfernte sich wiedererkennt und wiederfindet
Wo das Labyrinth der Schicksale seinen Endpunkt erreicht aus dem es sich
mit einem Blicke durchschauen lässt und entüllet vor unsern Augen liegt
Diese Gleichheit der Gemüter welche verschwisterte Seelen an einander
knüpft schafft mit einem mächtigen Worte auf jedem Fleck der Erde noch nie
gekannte Freuden um sich her lässt Blumen auf dürrem Boden wachsen und wandelt
den Krainberg und das Torfmoor von Ribbeckenau zu weinbekränzten Hügeln und
lachenden Fluren um
Wo dieser Gleichlaut der Gemüter weilt da drückt er unverkennbar speine
Spur in Aug und Wange und zeichnet sich auf der freien und unumwölkten Stirne
Da wohnt der Unmut und die finstre Sorge nicht da fesselt kein Zwang den
leisesten Laut der Empfindung da schämt das Wort sich des Gedanken die Mine
des Wortes das Wort der Tat sich nicht
Dies war nun zwar auch der Fall bei dem Küster Ehrenpreis und dem
verstorbenen Pfarrer in Ribbeckenau bei denen sich auch das Wort des Gedanken
die Mine des Worts und das Wort der Tat nicht schämte wenn ihr düstrer
richtender Blick und ihre lispelnde tödtende Zunge über alle Ketzer und
Irrgläubigen aus ihrer Nachbarschaft das unwiderrufliche Urteil sprach und
über manchem nicht nur in jener sondern schon in dieser Welt durch hämische
Anklagen den Stab brach
Waren dies nicht auch verschwisterte ineinandergeschlungene Seelen
brachten sie nicht auch bis Mitternacht in vertraulichen Gesprächen zu Warum
soll ihr Gleichlaut kein Wohlklang sein
Gehören nicht die gröbsten und dunkelsten Vibrationen der Saiten eben so
wie die feinsten und hellsten zu dem vollstimmigen Konzert
Der frohe Blick hält sich gern an dem frohen der düstere an dem düstern
fest so wie das trübe Auge dem trüben zu begegnen wünscht
Der Küster Ehrenpreis fand sich verwaiset als sein Pfarrer tot war seine
Klagen aber waren nicht sanft oder vielmehr es waren keine Klagen sondern ein
finstrer Unmut eine verdrießliche Unbehaglichkeit die er in seinem ganzen
Wesen fühlte und immer auf etwas anders auf irgend eine Kleinigkeit schob die
ihm in den Weg kam
Wie konnten auch die Klagen über die Trennung sanft und edel sein da die
Verbindung selbst rau und grob gewesen war und auf Bitterkeit Grobheit und
Rauhigkeit sich gegründet hatte
Demohngeachtet aber war es auch eine Verbindung und Gleichlaut der so
lange er dauerte in der Reihe der Töne sein Recht behauptete und zwar in grobe
Selbstzufriedenheit aber doch auch so wie das feinste und zarteste in
Selbstzufriedenheit einwiegte
Auch war es gar kein unangenehmes Schauspiel zu sehen wie die schwarzen
Augenbraunen des Pfarrers und des Küsters Ehrenpreis sich freundlich einander
zunickten
Aber freilich zeichnete die Übereinstimmung auf Stirn und Wange sich nicht
so schön wie bei dem Geschwisterpaar in Ribbeckenäuchen das nun zum erstenmale
Hartknopfs Predigt besuchte und unter dem Turm mit Schindeln gedeckt in einem
grünausgeschlagenen Kirchenstuhle gerade der Kanzel gegenüber seinen Platz
nahm
Die Wiederholung
Hartknopf hub nun aufs neue wieder seinen Spruch an im Anfang war das Wort und
das Wort war bei Gott usw als auf einmal aus dem Kirchenstuhle unter dem
Turm wie aus einem heiligen Dunkel die freundlichen Blicke des Pächter Heil
den seinigen begneten während dass dessen Schwester ihre lebhaften Augen noch
sanft niederschlug und der weiblichen Neugier die sich in ihrem Busen regte
mit zarter Tugend noch ein Weilchen widerstand
Sie war einfach und nicht ohne Geschmack gekleidet ihr Haar hing in
ländlichen Locken herunter ein Hütchen trat über ihre Stirne hervor und
verdeckte den Strahl der aus ihren Augen schoss so oft sie sich niederbückte
Nicht lange aber so schlug sie die Augen auf um Hartknopf den Prediger
anzublicken dessen Stimme und Laut der Worte sie schon irgendwo gehört zu haben
glaubte und sich doch auf keine Weise zu erinnern wusste wo und wann
Es war als ob sie in eine dunkle Ferne blickte als würden Erinnerungen ist
ihr aufgeweckt an etwas dass einen Augenblick vor ihrer Seele schwebte und
plötzlich wieder verschwunden war
Sie hing dem nicht mit ihren Gedanken nach und in wenigen Minuten waren
diese Regungen ganz verschwunden
Hartknopfs Auge und Seele ruhte während seiner Predigt auf dem Antlitz des
Pächters Heil und seiner Schwester Sophie Erdmut
In diesen beiden Ovalen fand er die ruhige Stimmung seiner Seele den
harmonischen Kreislauf der Dinge den heitern Himmel die lachenden Fluren und
jeden Reitz dieser schönen Umgebung wieder worin wir leben weben und sind
Denn diese Umrisse waren bezeichnend und bedeutend die höhere Menschheit
leuchtete aus diesen Zügen mit sanftem Schimmer hervor
Es war der Tagesanbruch die ersten Streifen der dämmernden Morgenrüte
Die übrigen Gesichter waren mehr oder weniger durch Brutalität entstellt
es war eine chaotische Masse das wandernde Auge des Menschenforschers fand
keinen Platz auf dem es ruhen konnte
Es war als wäre über die Bildungen eine Furche hingezogen die sie alle
gleich machte
Das Bezeichnende und Bedeutende war entstellt zerrissen
Eine neue Schöpfung musste hier vorgehen um diese erstorbene zur Erde
gesunkene Masse zu beleben und dann mit dem neubelebten Worte und Blicke zu
wechseln
Die Taube flog aus und fand einen Oehlzweig auf dem sie ruhen konnte
Hier aber schwebete keine Taubengestalt unglückbringend über Hartknopfs
Haupte
Kein hölzernes Schnitzwerk entstellte diese Kanzel und diese Wände
Hier wiederholte Hartknopf seine erste Predigt beinahe von Wort zu Wort
Er höhlte gleichsam jedes verlohrne Wort jeden verschwundenen Gedanken
wieder was auf der Kanzel in Ribbeckenau von seinen Lippen verwehet war fand
sich hier in schönerer Ordnung wieder zusammen
Denn die Höhe und Tiefe war einmal durch feste Punkte auf horizontalen
Linien und jeder Takt durch einen senkrechten Strich bezeichnet
Das Ganze wiederhohlte sich daher wie eine wohlgesetzte Musik welche des
Aufwands von Kunst und Mühe nicht wert wäre wenn sie nur einmal tönen und
dann in die Luft verweht sein sollte
Durch wiederholte Schläge pflegte Hartknopf wie im Sprüchwort zu sagen
fällt der Baum unter der Axt und das Eisen schmiegt sich unter dem Hammer
Was ist das Leben in der ganzen Natur der Wechsel der Jahreszeiten was
jeder Pulsschlag jeder Atemzug als eine immerwährende Wiederholung ihrer
selbst
Die Wiederholung des Schönen erwecket nicht Überdruss sondern
vervielfältigten Reitz für den welcher anfangt seine Spur zu ahnden und so
oft es ihm sich wieder darstellt diese Spur verfolgt
So war Hartknopfs Antrittspredigt ein vollendetes unvergängliches Werk dass
in sich selber seinen Wert hatte den kein Zufall ihm rauben konnte
Und obgleich die Gemeinde in Ribbeckenau sich einmal und der Küster
Ehrenpreis sich zweimal daran ärgerte so erreichte sie dennoch ihren Zweck der
in ihr selbst in ihrem schönen Bau und dem wohl abgemessenen Verhältnis ihrer
Teile lag wodurch das Ganze eine Kraft erhielt alles Mangelhafte
aufzudecken und es in seiner Blöße darzustellen wodurch die Bauern in
Ribbeckenau in ihrer Brutalität sich zeigen und das schadenfrohe Lachen auf
ihren verzogenen Lippen erscheinen musste
In welchen Mauren das Ganze dieser Predigt ertönte da prüfte es die Geister
es konnte wenn es einmal von den Lippen verhallt war durch nichts anders
ersetzt werden als durch sich selbst weil nichts darin war das sich von
seiner Stelle verdrängen ließ
Wenn Hartknopfs Predigten einst dem Buchstaben nach im Druck erscheinen
so wird sich zeigen dass seine Antrittspredigt in Ribbeckenau alle übrigen in
sich fasst wie die gefüllte Knospe ihre Blätter
Dass alles ein Ganzes ist welches gleich dem belebenden Atemzuge in jeder
Zeile mit jedem Gedanken nur sich selbst wiederholet
Wer Ohren hat zu hören der höre
Ist es denn hart die Worte wieder zu sagen die von den Lippen des sanftesten
Lehrers tönten
Dem die Geschlechter der Menschen nun tief in das zweite Jahrtausend
horchen und horchen ohne den leisesten Laut des göttlichen Sinnes zu
vernehmen
Das Licht wandelte in der Finsternis und die Finsternis erkannte es nicht
Ist es die Fassungskraft nicht selbst die sich erweitern muss um das Edle
aufzufassen
Soll der Oehlbaum seine Fettigkeit der Weinstock seinen edlen Saft lassen
um über den Bäumen zu schweben
Da wo die Stimme vernommen wird wohnet der Geist die andern Behausungen
stehen öde und sind wandelnde Massen Augen ohne Sehkraft Ohren die nicht
hören Arme die nicht vermögen Hände die nicht würken
Wie der Wind die Wellen kräuselt so sind sie ein Spiel des Zufalls
Wo die Stimme vernommen wird da tönet sie mächtig wieder es zeichnet sich
im Blick und Handlung ihre Spur
Das leichte senkt das Lockre dichtet und ründet sich zu einem festen Kern
aus welchem des Lebens edler Baum erwächst
Der Sturmwind rauscht der Donner rollt das Meer brauset die Menschenlippe
spricht
In Wüsten steigen Städte mit Tempeln und Pallästen Himmelan
Das Schiff mit Mast und Segeln tanzt auf den empörten Wellen
In tiefen Schachten liegt des Goldes Spur enthüllt
Von dem gespannten Bogen fliegt der befiederte Pfeil und eilet dem
Gedanken nach der vor ihm schon das Ziel erreicht
In seinem Blute sich wälzend ächzt das Wild
Die angespannte in sich gedrängte Kraft wirkt durch den Luftraum in die
Ferne
Sie wohnet in der atmenden Brust des Menschen und reicht bis an des
Himmels Wölbung und des Oceans ungemessne Ufer
Das Liebesmahl
Bestand aus Milch und Brodt welches Hartknopf mit dem Pächter Heil und seiner
Schwester genoss ehe er seinen Stab weiter setzte denn er wollte den Tag noch
drei Meilen gehen
In Heils Wohnstube war der Fußboden mit einer weichen Decke belegt und die
Wände mit senkrechten blauen Streifen geziert
In der Mitte stand ein rundes Tischgen woran diese drei nun saßen
Sophien gegenüber hing ein Spiegel vor dem sie wie beim Anfange von
Hartknopfs Predigt nur ein wenig die Augen niederschlug und sie dann wieder
aufschlug
Denn der Spiegel verdoppelte die schöne Seene und stellte sie wie in dem
Hintergrunde eines Gemähldes dar das drei vorzüglich karakteristische Köpfe in
sich fasste die durch ihre Stufenfolge einen Akkord bildeten dem nur ein fast
unmerkliches Etwas zur völligen Harmonie und Reinheit fehlte
Die Liebe welche bei dem Mahle herrschte verdeckte dies Etwas und knüpfte
unvermerkt ein schönes täuschendes Band zwischen diesen sich so nahe
verwandtscheinenden Seelen die in vertraulichen Gesprächen über die
eigentlichen Lebenspunkte und über das was der Mensch in jedem Augenblick des
Lebens zu seiner Glückseligkeit tun und nicht tun kann sich immer näher
aneinanderschlossen
Während diesen Gesprächen vernahm Hartknopf zum öfteren en sanftes Echo aus
seiner gehaltenen Predigt wieder Ganz leise hatten die Saiten angeklungen
die seine Worte berühren wollten nur einige waren verstummt geblieben
Bei diesem Liebesmahle verschwand allmälig das Torfmoor und die
unglückbringende Taubengestalt über Hartknopfs Haupte
Die ersten Worte des Pächters womit er ihn in sein Haus geführt hatte
tönten immer noch angenehm in seinen Ohren
In diesem Hause wohnet Heil sagte der Pächter indem er ihn hineinführte
und Seegen antwortete Hartknopf indem er ihn umarmte
Der Pächter Heil sagte dies dem Ansehen nach kindische Wortspiel mit einem
so freundschaftlichen Händedruck und bedeutenden Blick auf Hartknopf und
zugleich mit einem so edlen Selbstgefühl dass Hartknopf auf einmal harmonisch in
dieses Wortspiel mit einstimmte
Und Seegen setzte er hinzu und gewiss war seine ganze Seele bewegt indem
er dies sagte er fühlte die Macht dieser Worte sobald sie aus der Fülle des
Herzens strömen und aus dieser Fülle des Herzens die Kraft erhalten womit der
sterbende Patriarch das Hörn des Überflusses über seine Sühne ausschüttete
welche auf kommende Geschlechter seinen Seegen fortpflanzen
Nicht so harmonisch griff der Seegen ein welchen er auf der Kanzel und vor
dem Altar der seegengewohnten Gemeinde gab
Er machte nämlich statt des Kreuzes mit dem Mittel und Zeigefinger nur
einen geraden Querstrich zweimal durch die Luft woran die ganze Gemeinde so
oft er es tat und der Küster Ehrenpreis zwiefach sich ärgerte
Dergleichen Kleinigkeiten wurden in Hartknopfs Gemeinde zu sehr wichtigen
Dingen und verwickelten ihn in der Folge in tausend Verdrießlichkeiten deren
er sich nicht im mindesten versah
Für jetzt aber nahm er Abschied von dem Geschwisterpaar da es hoch Mittag
war um den Herrn von G zu besuchen dieser wohnte drei Meilen weit von hier
bei dem Dorfs Nesselrode wohin der Weg durch einen Fichtenwald führte der eine
Strecke hinter Ribbeckenäuchen seinen Anfang nahm und unsern Wanderer auf
seinem Wege vor den Strahlen der Sonne schützte welche schon anfiengen den
ausgetrockneten Boden zu sengen
Der Fichtenwald
Hier war nun alles auf einmal so tot und einförmig und Hartknopf wanderte
ganz allein
Es war Ebbe in seiner Seele geworden die angenehmen Bilder standen tief im
Hintergründe
Er horchte auf den Tritt seiner Füße und stand zuweilen still und machte
mit seinem Stabe Figuren in den Sand
Mit dieser Handlung begannen die fürchterlichsten Stunden seines Lebens
dies war das Zeichen der gänzlichen Leerheit der Selbstermangelung des dumpfen
Hinbrütens der Teilnehmungelosigkeit an allem
Als er von dem Pächter Heil und seiner Schwerster Abschied nahm da war
seine Mine noch heiter und froh sobald er aber aus der Tür getreten war und
niemand mehr um sich sah seufzte er Ach Elias und seine Lippen schlossen sich
wieder
Er eilte mit starken Schritten dem Fichtenwalde zu und als er ihn erreicht
hatte und in sein heiliges Dunkel trat fühlte er auf einmal seine Brust von
einem großen Gefühl erweitert dass aber eben so plötzlich sich wieder verlor
als es entstanden war
Es war die große leblose Natur welche er in diesem Augenblicke fest an sich
schloss und die sogleich wieder allen Reiz für ihn verlor weil das
schimmernde zarte Gebildete das Große verdunkelte und doch war das zarte
Gebildete nicht stark genug das Große in seinem Umfange festzuhalten und es
dem Liebenden zur Morgengabe zu bringen
Es entstand ein schrecklicher Kampf in Hartknopfs Seele das Leere wollte
die Fülle das Chaos die Bildung verdrängen Nichts war der Mühe des
Festaltens nichts des Fliehens und nichts der Anschliessung wert
Ohne Gedanken ohne Empfindung zog er noch immer Figuren im Staube als
sein guter Genius seine Hand leitete und er auf einmal unwillkürlich den
Nahmen Elias auf den Boden schrieb
Durch diese trostreichen Züge stärkte die Hand des Engels ihn und der Kelch
ging diesmal noch vor ihm vorüber
Er ging mit schnellen Schritten vorwärts in der Kühle des Waldes Er
hatte einen Punkt gefasst an dem er sich wieder halten konnte dem sich das
übrige unterordnete
Seine Phantasie fand wieder freien Spielraum er dachte sich in der Stube
des Pächter Heil mit der weichen Fussdecke und den blauen senkrechten Streifen
an den Wänden
Dann beschäftigten seine Gedanken sich mit dem Hrn vG den er nun
persönlich sollte kennen lernen nachdem er schon lange im Briefwechsel mit ihm
gestanden
Der Herr von G
Dieser Herr vG war ein Greiss von achtzig Jahren der Hartknopfs Vater gekannt
hatte und den Sohn zum Prediger berief
Er hatte schon lange seine Gattin und Kinder überlebt so dass alle seine
Gedanken den irrdischen Sorgen entrückt waren und sich nun mit etwas jenseit
beschäftigten dass sie nicht fassen konnten
Nichts konnte sich wohl mehr entgegengesetzt scheinen als die Meinungen
Hartknopfs und des Herrn vG
Der Herr vG war für das Leichte Auf lodernde Himmelanstrebende
Hartknopf für das Schwere sich niedersenkende in sich selbst ruhende
Der Herr vG liebte die Pyramidalform
Hartknopf den Kubus
Und doch trafen beide immer in gewissen Punkten zusammen
Dann war es als ob sie sich über einem Abgründe die Hände reichten
Der Hr vG hatte von seiner Jugend an mystische Schriften gelesen und
seine ganze Denkart hatte dadurch eine gleichsam zugespitzt Richtung bekommen
sie eilte immer zu früh dem Ende zu ehe sie noch die Fülle gefasst hatte Das
Fassende erhielt dadurch eine gewisse Einengung worin Bäume Pflanzen und
Tiere nicht Platz finden konnten
Das Körperliche blieb ausgeschlossen das Geistige schwebte oben
Zwischem dem was zusammen gehört und sich nach einander sehnt war eine
Kluft befestiget die der Hr vG nicht sähe weil er selber in dieser Kluft
stand
Hartknopf zog einen Brief des Hrn vG aus der Tasche den er ihm nach
Erfurt geschrieben hatte und las ihn noch in dem Fichtenwalde durch da er
sich an einen Stamm gelehnt ein paar Minuten ausruhte
Er wollte die gewohnten Züge seiner Hand erst wieder vor seinen Augen
erneuern eh er den Mann persönlich sah
Die Buchstabenschrift des Hrn vG flammete wie sein Geist in die Höhe
wodurch aber der Nachteil entstand dass die untere Zeile oft in die obere
eingrif und die Züge sich untereinander verwirrten
Hartknopfs Buchstaben standen mehr senkrecht in dichtgeschlossener Reihe
aneinander so dass auch die Wörter sich fast zu nahe aneinander drängten und
oft eine ganze Zeile wie ein einziges Wort aussähe
Der Brief des Hrn vG an Hartknopf lautete also
»Da mein bisheriger Prediger in Ribbeckenau am 8ten dieses gestorben ist so
lasse ich an meinen lieben Andreas Hartknopf in Erfurt folgende Anfrage
ergehen ob derselbe noch gewilligt ist diese von mir ihm zugedachte nunmehr
erledigte Pfarrstelle zu übernehmen
Da ich hieran nicht zweifeln kann so sehe ich mit Verlangen dem Augenblicke
entgegen wo unsre Worte und Gedanken sich unmittelbar einander begegnen können
dem ich weiß doch dass mein Andreas auch seine noch nie gesehenen Freunde
liebt
Ich möchte ihm noch die Hand geben ehe ich scheide denn ich stehe am Rande
und harre auf meine Auflösung der aber den ich hier zurücklasse wird durch
harte Prüfungen vollendet werden
Ich lade ihn ein zu der Schule des Kreuzes denn er soll nachfolgen seinem
Herrn und Meister «
Die Kinderlehre
Während dass Hartknopf durch seinen Fichtenwald auf Nesselrode zuwanderte war
der Küster Ehrenpreis schon wieder über das Torfmoor nach Ribbeckenau
zurückgekehrt um dort den Nachmittagsgottesdienst zu halten
Als nun die Kinder des Dorfs um dem Altar versammelt standen faltete er
seine Hände und betete
»Erhalt uns o Herr die reine Lehre Alle Irrgläubigen aber welche dein Wort
verdrehen mache zu Schanden um deiner Liebe Willen«
Nun war die erste Frage
Ehrenpreis Als Lucifer oder der Teufel von Gott abfiel wer stieß ihn da
vom Himmel hinunter
Die Rinder Gott
Ehrenpreis Wie kam er also vom Himmel herunter
Ein Bauerknabe Plötzlich
Ehrenpreis Aber wie oft soll ich euch noch sagen ihr müsst auf das
Vorhergehende merken Ihr begreifts nicht wann ich euch frage wie kam er vom
Himmel herunter so heißt ja die Antwort nach dem Vorhergehenden Gott stieß ihn
herunter merkt doch auf die Worte es heißt ja Gott stieß ihn herunter
Wie kam er also vom Himmel
Die Kinder Gott stieß ihn herunter
Ehrenpreis Was ist durch den Teufel in die Welt gekommen
Die Kinder Die Sünde
Ehrenpreis Durch wen sind wir von Sünden erlösst
Die Kinder Durch Christum
Ehrenpreis Wen sandte Christus seinen Jüngern da er gen Himmel fuhr
Die Kinder Den Tröster
Ehrenpreis Als aber der heilige Geist bei der Taufe Christi in Gestalt
einer Taube vom Himmel herab kam wer sandte ihn da vom Himmel
Die Kinder Gott
Ehrenpreis Wie kam also der heilige Geist vom Himmel herunter Hier
horchte Ehrenpreis sorgfältig auf die Antwort
Einige Kinder Gott stieß ihn herunter
Ehrenpreis Nein Kinder fiel er als wär es abgeredet ein Menschen stießen
ihn herunter die den dreieinigen Gott nicht erkennen und des Herrn Wort
verdrehen welche Sünde nicht vergeben werden soll weder in dieser noch in
jener Welt
Gehet hin in Frieden
Hartknopfs Besuch bei dem Hrn von G
Die Sonne neigte sich zum Untergange als Hartknopf aus dem Fichtenwalde trat
Das Dorf Nesselrode lag gerade vor ihm in einer fruchtbaren Ebene und in
einiger Entfernung zur Rechten das herrschaftliche Schloss dessen Fenster im
Glanze der Abendsonne schimmerten
Der Pfad zum Schloss des Hrn von G führte vor Nesselrode vorbei über ein
schönes Aehrenfeld Der Fahrweg aber ging durch das Dorf und war mit einer
Allee von Weidenbäumen bepflanzt
Da wo nun der Fahrweg und der Fußweg dem Schlosstore gegenüber
zusammentraten stand Hartknopf noch eine Weile still und schaute durch den
Torweg über den Hof bis an die Stuffen vor der Tür welche braun angestrichen
war und gegen die ganz weiß abgeputzte Vorderseite des Hauses auffallend
abstach
Die braune Tür eröfnete sich und Hartknopf blickte beim Strahl der
Abendsonne zuerst in dies Heiligtum das einen Geist umschloss der in seiner
sterblichen Hülle weit über die Erde emporragte und doch in den Bezirk dieser
Mauren auf diesen einzelnen Fleck seine bestimmte Wirksamkeit hingeheftet
hatte und gleichsam nur noch mit den Spitzen der Zehen diesen Punkt der
rollenden Kugel berührte die nun bald unter ihm weggewälzt seinem spähenden
Blicke in die ungemessene Ferne sich entziehen sollte
Ein alter Diener des Herrn von G führte Hartknopf eine Treppe hinauf in
ein grün tapezirtes Zimmer wo der Herr von G vor dem Spiegel stand und sich
den Bart eingeseift hatte um sich zu halbieren welches er eine Stunde vor
Sonnenuntergang selbst zu tun gewohnt war
Er eilte mit dem eingeseiften Barte auf Hartknopfen zu dieser aber bat ihn
er möchte sich nicht stöhren lassen und setzte sich so lange auf einen Stuhl
bis der Herr von G sich den Bart abgenommen hatte dabei gab er auf seine
Augen und Hände Acht wie die Schärfe des Scheermessers das Kinn des Greisen
umwandelte während dass in der ruhigen Mine ein schöner Zug nach dem andern
sich enthüllte und endlich um die Lippen das jugendliche bewillkommende Lächeln
sich verbreitete womit der Herr von G nachdem er sich halbiert hatte
seinen langgewünschten Freund an seinen Busen brückte
Die Empfindungen Hartknopfs und des Hrn von G trafen in einem Punkte
zusammen Beide suchten die Bewegung welche in ihren Gemütern herrschte
erst wieder einzuwiegen ehe sie sich einander mitteilten
Daher fand es der Herr von G ganz natürlich dass Hartknopf ohne weiter
etwas zu sagen sich an ein Klavier setzte das in der Stube stand und folgende
beiden Lieder sang und spielte welche der Herr von G in einer freilich noch
etwas unpoetischen Sprache aus dem Französischen übersetzt hatte
Hartknopf kannte diese Lieder schon und fand sie gerade aufgeschlagen auf
dem Klavier liegen das erste war das Wiegenlied selbst und das andre noch eine
Kadenz dazu
Das Wiegenlied
Ein Lied des heiligen Johannes vom Kreuz dem Buch Aufsteigung des Berges
Karmel vorgesetzt
Als die Aengsten mich umgaben
Ganz entzündt in finstrer Nacht
Ward die Lieb in mir erhaben
Und ihr fester Bund gemacht
O Glück ich ging ohne Sehen
Aus der Selbsteit gänzlich aus
Als ich frölich sah stehen
Weine Ruh und Friedenshaus
Ich ging durch verborgne Stege
Sicher in der Dunkelheit
Taumelnd ohne Furcht im Wege
Ungestalt und ganz verkleidt
Ja in Finsternis verborgen
Schritt ich aus mir selber aus
Ach o Glück da ohne Sorgen
Ich in Ruhe fand mein Haus
Keiner konnte mich erkennen
Noch die Seligkeit der Nacht
Mein Herz hatte in sich brennen
Ein verborgnes Licht und Tacht
Doch verdeckt und ohne Schauen
Licht und Führer heimlich bleibt
Und in dieser Nacht und Grauen
War ich blind und ganz betäubt
Diese mir verborgne Leiter
Brachten mich in Sicherheit
Führeten mich immer weiter
Bis zum Tag der Ewigkeit
Wo Gott selber Licht und Sonne
Und das LiebesFeuer ist
Friede Freude Ruh und Wonne
Und mal alles Leid vergisst
Nacht die lieblich führen täte
Du bist schöner dunkle Nacht
Als der Glanz der Morgenröte
Denn du hast in Eins gebracht
Braut und Bräutigam vermählet
Dieser hat nun inniglich
Seine Braut die er erwählet
Überformet ganz in sich
Mein Geliebter ohne Schmerzen
Still und sanft regierete
Und entschlief in meinem Herzen
Das in Liebe grünete
Da die Cedern und die Rosen
Sich bewegten in der Lust
Sanfte tät ich ihm Liebkosen
Unter diesem süßen Duft
Morgenrot dein sanftes Wehen
Hat zerstreut mein ganzes Heer
Kein Begehren konnt bestehen
Denn der Freund vertrieb es gar
Da mir klarer Hand er drücket
Meinen Hals den er verletzt
Alle Sinnen sind entzücket
Und ich aus mir selbst gesetzt
Nunmehr hab ich ganz vergessen
Wo das Aug sonst hingericht
Liebster du hast mich besessen
Auf dich leg ich mein Gesicht
Ich hab alles gar verlassen
Es verschwindt und ist nicht mehr
Ich mag nicht Gedanken fassen
Sie sind bei dem LilienHeer
Die Kadenz
Als der Morgenröte Wunder
Glänzte vor der Sternenbahn
Fiel ein Tröpflein Tau herunter
In den großen Ozean
Da der Tropfen nun die Weiten
Dieses Meeres sah hier
Dessen Unermesslichkeiten
Wie erstaunte er dafür
Da er sich auch wollte setzen
In Vergleichung sagte er
Wie gering bin ich zu schätzen
Zu vergleichen mit dem Meer
Wahrlich wo das Meer zu sehen
Der so große Ozean
Muss ich mir ein Nichts gestehen
Einen Schatten Traum und Wahn
Als er so ein Nichts sich sah
Und das Meer so weit so groß
War die PerlenMuschel nahe
Schloss ihn ein in ihren Schoss
O wie wurd er da verwandelt
Ja zur Perle nun gemacht
Groß veredelt wohl behandelt
Zur Vollkommenheit gebracht
Auch der Himmel gab den Seegen
Dass der Perle hoher Preis
Gar nichts wäre gleich zu wägen
Auf dem ganzen ErdenKreis
Bis der König sie bekame
Setzte sie in seine Kron
Hoch berühmet wurd ihr Nahme
Schauet hier der Demut Lohn
Doktor Martin Luthers Tischreden
Während dass Hartknopf die Lieder spielte ward der Tisch für vier Personen
gedeckt und die Frau St mit ihrer Tochter traten herein
Die Mutter mochte im fünfzigsten die Tochter im dreissigsten Jahre sein
Hartknopf wurde von ihnen freundlich bewillkommet und man setzte sich zu
Tische wo das Gespräch bald heiter und froh wurde und auf allerlei weltliche
Dinge fiel
Hartknopf erzählte von Erfurt von den drei Brunnen und vom Steigerwalde
und von seiner Art periodisch zu studieren die dem Herrn von G gar großes
Vergnügen machte
Sie kamen nun auf das Universitätsleben zu sprechen und der Herr von G
erzählte von einem Duell dass er in seiner Jugend gehabt hatte
Nun kamen politische Gegenstände an die Reihe worin der Herr von G der
selbst einen beträchtlichen Gesandschaftsposten bekleidet hatte reelle
Kenntnisse besaß
Die Jungfer St würzte das Gespräch mit einem leichten spottenden Witze
womit sie den wichtigen Weltangelegenheiten wieder ein komisches spielendes
Ansehen zu geben und die Überwichtigkeit der Dinge immer wieder ins
Gleichgewicht zu bringen wusste
Die Frau St belebte die Einfälle ihrer Tochter durch einen launichten
mütterlichen Ernst womit sie ihr dieselben verwies
Die Jungfer St fragte schalkhaft ob Hartknopf die Bekanntschaft des
Pächter Heil eines sehr braven Mannes noch nicht gemacht habe und Hartknopf
wäre über diese Frage beinahe in Verwirrung geraten so wunderbar überraschte
sie ihn durch den Ton und die Miene womit die Jungfer St diese Frage an
ihn tat
Denn der Pächter Heil und seine Schwerster standen wie zwei verschlungene
Buchstaben in seinem Gedächtnis deren Züge sich in einander verwickelten und
das Verwickelte zog die Verlegenheit nach sich
Hartknopf half sich so gut er konnte und die Jungfer St erbarmte sich
seiner und fing an mit dem Herrn von G über Russland und Pohlen zu
sprechen
Die Jungfer St hatte bei einer blassen Gesichtsfarbe ein fast zu
feuriges Auge welches dem Auge des Hrn von G oft mit einer Lebhaftigkeit
begegnete die mehr als Ehrfurcht bezeichnete weil die Jungfer St wirklich
mehr als Ehrfurcht gegen den edlen Greis hegte der ihrer ganzen Liebe wert
war
Sie war unter den Augen des Herrn von G in diesem Hause aufgewachsen in
welches ihre Mutter im sechs und zwanzigsten Jahre schon als Wittwe in Dienste
getreten war um der Verwaltung des Hauswesens noch bei Lebzeiten der Gemahlin
des Herrn von G welche sehr kränklich war vorzustehen
Der Herr von G besaß auch selbst in seinem Greisenalter noch eine
gewisse jugendliche Lebhaftigkeit die ihn und andre oft seiner Jahre vergessen
machte
So schien diesen Abend sein Puls schneller zu schlagen sein Blut
jugendlicher in seinen Adern zu fließen und endlich erklangen auch vom Saft
der edelsten Trauben angefüllt die Gläser
Das Gespräch lenkte sich noch einmal eigensinnig auf den Pächter Heil und
auf die Liebe und Hartknopf bewafnete sich diesmal mit Doktor Martin Luthers
Tischreden die er aber in diesem Zirkel nicht nennen durfte und sagte indem
die Jungfer St ihr Glas mit dem seinigen anklang folgende Losung
Wein und Liebe und Gesang
Nun war schon vorher die Rede von dem treflichen Gesänge der Jungfer St
gewesen welches Lob sie bescheiden von sich abgelehnt hatte nun aber nicht
ferner konnte da sie auf Befehl des Herrn von G es bestätigen musste
Sie sang und spielte also zum Beschluss der Mahlzeit folgendes kleine Lied
welches der Hr von G ebenfalls aus dem Französischen der Madam in seine
Art Verse übersetzt hatte und fast zu gern es immer wieder hörte
Zu glauben dass man grade geht
Blind sein und sich verirren
So geht ein Narr voll Gravität
Die Bücher ihn verwirren
Und in seiner Gelehrsamkeit
Ist er blind töricht jederzeit
Hartknopf fing schon an über dies Lied ein wenig verdrießlich zu werden
denn er konnte die Mystick wohl leiden bis auf den Punkt hin wo sie das
menschliche Wissen ausschliesst und für Torheit achtet Hartknopf hatte sehr
viel Achtung für alles menschliche Wissen es mochte sich aufwärts oder abwärts
erstrecken am liebsten war es ihm aber wann es von der Ceder bis zum Ysop
reichte und weil dies so selten in diesem Leben der Fall ist so mochte er
gerne fremdes Wissen dem seinigen ansetzen um sich allmählig eine Leiter zu
bauen auf der er ein wenig über die Erdfläche emporsteigen und um sich her
schauen konnte
Wer ihm da nun eine Stuffe unter den Füßen wegbrach den musste er wie einen
hämischen Feind betrachten der ihm ein unschuldiges Vergnügen misgönnte und
beinahe so betrachtete er den Herrn von G in dem Augenblick da die Jungfer
St auf dessen Befehl das obige Lied sang
Er lenkte da es vorbei war das Gespräch sobald wie möglich auf Kenntnisse
und Wissenschaften und gestand ein dass er sie zur Leiter brauche weil er
nicht fliegen könne und derjenige welcher fliegen könnte doch immer sehr
unrecht täte wenn er dem welcher es nicht könnte noch dazu die Leiter
wegrücken wollte
Das wollte nun der Herr von G wahrlich nicht sondern es war eine ganz
andre Ursach weswegen er das Lied gerne hörte die aber Hartknopf nicht wusste
den es daher auch gar nicht gereuete dass er den Herrn von G durch seine
harten und spitzigen Worte tief beleidigt hatte denn ihm war es nur um die
Sache zu tun und er sah nur die Kluft vor sich welche zwischen ihm und dem
Herrn von G lag aus dessen Hand er in dem Augenblick die seinige zog
Der Herr von S dachte sich nämlich bei dem Namen voll Gravität in dem
Liede unter andern den verstorbenen Pfarrer in Ribbeckenau welcher wirklich
Gelehrsamkeit besaß und dem Herrn von G der sich anfänglich mit ihm
eingelassen hatte in seinem Leben manches Herzeleid verursachte
In der Freude seines Herzens da er nun seinen teuren Hartknopf mit dessen
Vorgänger verglich ließ er die Jungfer St das Lied singen und dachte nicht
daran dass es auf Hartknopf eine so widrige Wirkung tun könnte
Freilich hatte der Herr von G einen Widerwillen gegen den Stand der
Prediger überhaupt und trauete ihnen nicht viel zu wie folgende Stelle in
einem seiner Briefe beweisst welcher mir zu Handen gekommen ist
»Wie Herr Pastor Dannemann steht so stehen die meisten Pastores die
wirklich Gott fürchten aber bei ihren Lehrbegriffen stehen bleiben Sie
verstehen nicht was mystische Schriften sind indem sie keine Erfahrung davon
haben Es ist auch nicht gut sich mit solchen wenn sie nicht was tiefes
erkennen noch haben allzubekannt zu machen weil man leicht mit einem Heuchler
könnte bekannt werden der sich gut zu sein stellen könnte und alsdann könnte
ein solcher einem leichtlich Verfolgung und allerlei Leiden erwecken«
Nun kamen aber noch mehrere Dinge zusammen welche die Vorliebe des Herrn
von G zu dem obigen Liede wo nicht entschuldigen doch erklären
Es war nämlich gerade damals eine Schrift wider die Schwärmerei erschienen
welche viel Aufsehens machte deren Verfasser mit einer Selbstgenügsamkeit ohne
Weichen und mit einer bitteren Unduldsamkeit alles in eins warf was ihm
freilich eins zu sein schien welcher so wenig Sinn hatte das Zarte von dem
Groben zu unterscheiden dass dies Buch freilich den Hrn von G empören musste
statt ihn aufmerksam zu machen
Folgende Stelle schien ihm besonders hart und er konnte sie nie ohne
Unwillen lesen
»Wer es auch sei der euch von einem innern Worte von höheren Offenbarungen
spricht hütet euch vor ihm wie vor der Pest die im Finsteren schleicht er
ist ein bübischer Gleissner oder ein intoleranter Dummkopf und in dem einen Fall
so gefährlich wie in dem andern«
Nun war der Herr von G weder ein Gleissner noch ein Dumkopf und sprach
doch auch von einem inneren Worte und von etwas das er für höhere
Offenbarungen hielt die Stelle in dem Buche würde ihm aber doch nicht so hart
aufgefallen sein wenn der ganze Geist des Buches wider die Schwärmerei ihn
nicht schon gedrückt hätte
Denn es war ihm immer unerklärbar dass es irgend jemanden möglich gewesen
sei so zu schreiben seine Zartheit des Denkens konnte jene Grobheit nicht
übertragen sondern erlag darunter
Nun hatte er aber bei aller Ertödtung der Eigenheit hoch immer noch so viel
Selbstgefühl dass er wohl wusste eine Denkkraft welche die Sachen fein zu
nehmen vermag sei mehr als eine solche die dies nicht vermag
Dies hob ihn selbst wieder in seinen Gedanken empor und nährte den kleinen
mystischen Übermut der ihm zuweilen anwandelte
Der Narr voll Gravität stand dann vor ihm der in seine Worte ein Gewicht
legen wollte dass seine Gedanken nicht hatten
Dies war die sonderbarste Mischung von Überlegenheit und Schwäche die man
sich denken kann und eben daraus entstand das Disharmonische jenes
unmerklichen Übermutes bei dem Herrn von G welchen Hartknopf nicht
ertragen und seinen Spott darüber nicht zurückhalten konnte
Als ihm aber der Herr von G die oben angeführte Stelle in dem Buche
zeigte welches broschürt auf dem Klavier lag so wurde die Miene des Spottenden
allmälig wieder sanft und gut
Ja sagte Hartknopf mir fällt immer jener lahme Schulmeister ein der in
seiner Schulstube saß die Rute und den Stock ans Fenster gesteckt und
dazwischen durchsähe wie die Jungens im Dorfs schwärmten
Ach wie sie schwärmen seufzte er wenn ich sie wieder habe wie will ich
sie züchtigen
Der Herr von G lächelte und sagte die schwärmende Biene saugt den Honig
Wohl erwiderte Hartknopf aber sie wohnet und bauet den Honig in ihrem
Korbe
Hiemit wünschte man sich einander gute Nacht
Die Frau St wiess Hartknopfen sein Lager an und ihre Tochter begleitete
den Herrn von G
Elias
Die Züge dieses Namens schienen noch nicht ganz verweht zu sein als Hartknopf
am folgenden Tage bei seiner Rückkehr von dem Herrn von G wieder auf
denselben Fleck in dem Fichtenwalde kam wo er mit seinem Stabe Figuren in den
Staub schrieb
Eine süße Ahndung kam in Hartknopfs Seele es war ihm noch aufbewahrt
unter dem Hochgerichte von Gellenhausen den alten Rektor Emeritus wieder zu
sehen denn dieser war sein Lehrer und Meister sein Ellas
Es war der einzige Freund seiner Jugend an dessen Hand er zuerst den Felsen
erstieg an Abgründen wandelte dem Wasserfalle horchte dem kommenden Sturme
entgegen ging und in der einsamen Hütte sich vor dem Regen barg
Wenn schwarze Gewitterwolken hinter der Stadt sich auftürmten wie ein
Berg und die Sonne mit ihrem Glanze dicht auf dieser Dunkelheit ruhte so
eilten Hartknopf und sein Lehrer mit ein paar Schritten durch den Gärten hinaus
ins Freie und standen wie das erste Menschenpaar auf dem einsamen Erdkreise
vor der mächtigen Erscheinung im dämmernden Lichte da
Dann war wie ein Traum in des Knaben Seele seine Kindheit sein Beginnen
sein Wandeln an seines Führers Hand Es däuchte ihm Täuschung und war doch
wirklich Die süße Täuschung währte so lange das Licht die Nacht umsäumte
war aber die Sonne hinter dem Wolkenberge ganz versunken so war auf einmal
alles wieder so gewöhnlich auf dem Turme schlug der Seiger man eilte durch
den Garten in die Stube da waren die weißen Wände das Tintenfass und der
Bücherschrank man setzte sich an den Tisch und lernte Sprachen
Wenn aber Himmel und Erde mit Macht in des Knaben Seele sich spiegelten und
die zarte aufschiessende Knospe auseinander drängten so hing sein
schmachtendes Auge am Auge seines Lehrers das ihn allein verstand
Wenn dann im Glanze des Vollmondes die kleine Stadt mit dem spitzen Turm
vor ihnen lag und Berg und Täler rund umher und das Entfernteste wie ein
Gewölke sich am Horizonte gelagert hatte so saß Elias auf dem abgehauenen
Stamme der Elche und der wunderbare Knabe stand vor ihm und horchte auf die
göttlichen Lehren die wie Honigtau von den Lippen träuften und von des Knaben
Seele aufgefasst wie ein Kleinod in das Innerste seines Busens verschlossen
wurden
In der nächtlichen Stille erhub Elias seine Stimme und sprach
»Die unendliche Erde die dich trägt verschmäht den Kuss deines Fußes nicht
denn deine Scheitel ist ihre Krone«
Hier legte er seine Hand auf des Knaben Haupt und ließ sie an seinen Locken
hinuntergleiten
»Dein leisester Fußtritt bebt in ihre innersten Tiefen«
»Sie lockt den steigenden Vogel und den befiederten Pfeil mit sanftem Zuge
an ihre Brust zurück
Aus ihr strömt Lebenskraft in deine Adern wenn du aufrecht stehst und wenn
du wandelst
Sieh diesen Baum und jene wallenden Saaten
Sie gab deinem Körper die Biegsamkeit des Halmes vereint mit der Stärke des
Baumstammes und deine Fingerspitzen pflücken Blumen die ihrem Schoss
entspriessen
Dein Blick schauet himmelwärts sie aber heftet ihn wieder auf das Kraut
und auf das Steinchen zu deinen Füßen
Sie ist die Allesernährende Große Geheimnisvolle
Wer sich an sie schmiegt der sitzt im Rat der Götter
Sie hat mit dir geredet und grüßt dich mit dem Kusse meines Mundes«
Der Umweg
Er fühlte sich angezogen und zurückgestoßen als er den Turm von
Ribbeckenäuchen wieder vor sich sah
Die Straße ging durch das Dorf ein Fußweg ging vorbei sollte er die
gerade Straße oder den krummen Fußweg gehen
Er ging die gerade Straße nicht denn sein Innerstes war mit sich selbst im
Streit
Hier war es wo seine Lebensbahn aus dem Gleise wich auf diesem Fusswege um
das Dorf bildete sich im Kleinen ab was Jahre hindurch ihn quälen würde
Für ihn war die breite Heerstraße welche vom Aufgange bis zum Niedergange
die Länder durchschneidet die von den Menschen nach ihren Zungen und Sprachen
benannt sind
Der Fußweg um das Dorf aber vollendete und verlor sich in sich selber und
Hartknopf fühlte durch diese sanfte Krümmung sich unwillkürlich angezogen von
der andern Seite in das Dorf wieder zurückzukehren
Die süße Täuschung erhielt in seiner Seele die Oberhand das häusliche
stille Leben stellte sich ihm mit seinen reizendsten Farben dar das wirtbare
Stübchen mit dem runden Tischgen der grüne Kirchplatz dem Fenster gegenüber
und die spielenden Knaben des Dorfs
Auf dem krummen Fusswege der sich durch die grünen Saaten schlängelte
mahlte seine Phantasie das in sich selbst vollendete ruhige Leben aus das kein
höher Ziel als sich selber kennt und seinen schönen Kreislauf mit jedem
kommenden Tage wiederholt
So wie hier der Weg in die Krümmung sich verlor verlor sich seine
Aussicht in das Leben im süßen Traum vom Erwachen zu frohen Tagen vom Genuss des
Lebens und der Gesundheit bei dem harmonischen Wechsel der Jahreszeiten
Das Vermiedene stellte sich ihm nun so reihend dar eben weil er es
geflissentlich vermeiden wollte da rächte es sich an seiner Phantasie mit den
Farben des Morgenrots worin alle seine Gedanken und Bilder sich kleideten
Ob es gleich die schwüle Zukunftschwangere Mittagsstunde war in welcher er
gut dem einsamen Pfade um das Dorf ging
Dieser hohe Mittag lud ihn in den wirtbaren Schatten ein wo sanfte Kühlung
herrschte wo schon die Blicke ihn willkommen hießen die ihn gestern so
freundlich wiederzukommen baten
Alles war so stille auf dem Felde und im Dorfe nur die summende Fliege
weckte das Ohr zu horchen und leise Wünsche stahlen sich in die Seele des
Einsamen der mit schnellern Schritten vorwärts ging je näher er sich am Ziele
sah
Am Ziele das im Widerschein der Phantasie sich dicht vor seine Augen
hingezaubert hatte und bald da er es fest zu umfassen glaubte in die
ungemessene Ferne plötzlich wieder zurückwich
Aber auch dieser Wirbel vermochte den Strom nicht in seinem Laufe zu hemmen
welcher Dämme durchbrach und sich sein Bett durch Felsen wühlte
Die willkommene Tür des Pächter Heil eröfnete sich und nahm den Wanderer
ein
Sophie Erdmut saß in einer Ecke und nähte als Hartknopf in die Stube trat
sein erster Blick fiel auf sie ihn bewillkommend stand sie auf und
erwiderte durch einen sanften Händedruck seinen Blick voll ernster Liebe
Er aß bei dem Pächter Heil das Mittagsmahl und als er über das Torfmoor
nach Ribbeckenau wieder zu Hause kehrte ertönte ihm unterwegens folgende
Sinfonie
Die Sinfonie
Am Abend kehren die Schritter heim vom Felde und schleppen ihre Sensen nach
Dem Hungrigen ist das Mahl dem Müden die Lagerstatt bereitet
Sie grüßen das Dach der gewohnten Hütte und das kleine Fenster in der
leimernen Wand
Sie lagern sich ehe die Dämmerung kommt und schlummern bis die Lerche
erwacht
Dann hebt das neue Tagewerk an und immer wächst die Mühe je höher die
Sonne steigt
Und wenn der Schweiß von der Stirne träust so labt ein erquickender Trunk
den Gaumen
Bis die Stunde des Mittagsmahls mit schwerem Schritt heranrückt
Nun lagern die Müden sich in den Schatten verzehren hastig ihr Mahl und
eilen schnell wieder an ihr Werk denn ein Gewitter steigt herauf
Die Donnerschwangere Wolke lähmt den Arm die Hände werden lass
Aber siehe von Abend her erhebt sich ein kühler Wind die Wolken zerteilen
sich das drohende Gewitter zieht vorüber
Nun ist der Schweiß getrocknet die Sensen heben sich in schnellerm Takt
die Ähren fallen dichter das Feld ist leer
Nun denkt der Arbeiter bei sich selber eilt der Abend näher ich werde
bald auf dem Lager liegen Es dauert nicht lange mehr
Und während er noch so denkt ist es schon Feierabend
Langsam geht er zu Hause ihm ist das Bette einladender als der Tisch
Eilend nimmt er das Mahl zu sich um sich zu der morgenden Arbeit zu
stärken und Zeit zum Schlaf zu gewinnen
Kaum hat er sich niedergelegt so ist Gedanke und Bewusstsein ihm entflohen
bis die Liebe zur Arbeit ihn mit der Morgendämmerung wieder weckt
Der Prediger schlummert noch ein Weilchen aber nicht lange mehr er grüßt
die Morgenröcke in der Laube in seinem Garten hinter der Pfarrwohnung
Er durchwandert die schmälen Pfade zwischen den angepflanzten Beeten und
sieht was keimt und was im Mutterschooss der Erde noch verschlossen bleibt
Dann eilt er auf die Wiese durch das Gartentürchen und saugt aus Blumen
und Kräutern den Honig seiner Rede
Hier lernt er betrachten und unterscheiden was in der einfachsten Bildung
mannichfaltige ist und lernt das Mannichfaltige wieder vereinfachen wie den
Strauss von Blüten
Hier ordnen sich seine Predigten an die horchende Menge und an den einsamen
Traurenden
Er spähet den wunderbaren Bildungen in ihren ersten Keimen nach und ahndet
leise wo er nicht fiel zu denken wagt
Die einsame Stunde mit dem Schleier umhüllt verfliegt ihm schnell und
macht der geselligen im Rosenfarbenen Gewande Platz
Sie kommt im holden Reihentanz mit ihren Schwestern und ladet den frohen
Einsamen in ihre Umarmungen ein
Die Pfarrwohnung ist doch bequem obgleich die Stuben schiefwinklicht sind
Auch in schiefwinklichten Stuben wohnt die stille Freude und süßes
Lebensglück
Da steht in einer Ecke der braune Bücherschrank und in der andern der
pyramidalische Aufsatz zum weißen hellklingenden Porzellain
Das alles ist so glänzend und so schön die Griffe an den neugemachten
Türen sind polirt die Küche ist hell und groß die Fenster des
Studierzimmers sind nach dem Garten zu und grüne Vorhänge schützen gegen den
brennenden Sonnenstrahl
Und wohnt die Lieb in Hütten des Landmanns so wohnt sie doch viel bequemer
in der zierlichen Pfarrwohnung die wie ein Pallast über die Hütten emporragt
und wo der Rauch vom Heerde nicht aus der Tür zieht sondern durch den
Schornstein in die Luft empor steigt
Hier tönen oft in stillen Stunden die Saiten des Klaviers und sind ein
sanfter Wiederhall vom schönen Lebenswohllaut
So fliehen die Tage hin und kehren niemals wieder Dieselben nie denn
das Zufällige verschwindet aber das Wesen der Dinge erneuert sich in ewiger
Jugend
Hartknopf lernt den Grobschmidt Kersting kennen
Der kam links von einem benachbarten Flecken auf einem schmalen Wege über das
Torfmoor hergewandert als die Sonne sich schon zum Untergange neigte da
gesellte er sich zu dem Prediger Hartknopf dessen erste Predigt in Ribbeckenau
er in einem dunkeln Winkel in der Kirche mit lauschendem Ohre vernommen hatte
Denn er mochte sich der Gemeinde nicht zeigen weil er eine zu seltene
Erscheinung in dieser Kirche war deren Schwelle bei Lebzeiten des vorigen
Pfarrers sein Fuß niemals wieder betrat nachdem er sich einmal an Gestalt und
Gebehrde des Redenden geärgert hatte
Bei dem ersten Abendgruss aber fand Hartknopf seinen Mann an diesem geraden
und unbiegsamen Wanderer durch das Leben der mit festem Tritt den Boden
zeichnete der ihn trug mit freiem Auge in die Weite um sich her blickte und
mit wohlwollenden Anstande Hartknopfen seine Rechte bot
Dieser Grobschmidt Kersting war ein stiller Einwohner in Hartknopfs
Pfarrdorfe allein er war wegen seiner Geschicklichkeit in Pferdekuren in der
ganzen umliegenden Gegend berühmt
Dass er aber auch Menschenkuren durch die Zaubermittel einer wohlabgewogenen
aus dem Innersten des Herzens strömenden Beredsamkeit verrichtete darum rühmte
ihn niemand denn niemand wusste es der gebessert von ihm ging durch wessen
Rat er gebessert sei weil Kersting den Menschenarzt unter dem Pferdearzt und
Grobschmidt so fein zu verstecken wusste dass ihn unter dieser groben Hülle
niemand ahndete
Ich lernte diesen merkwürdigen Mann welchen ich da ich Hartknopfen
besuchte in Ribbeckenau nicht vorfand erst viele Jahre nachher auf einer
Reise von Hannover nach Braunschweig auf dem Postwagen kennen nachdem er schon
lange in einer ganz andern Lage gewesen war und doch noch immer Vergnügen daran
fand unter dem Titel eines Grobschmidts seinen Rang und Wert unter den
Menschen vor neugierigen Augen zu verdecken
Denn so wie viele die Sucht haben mehr zu scheinen als sie sind so hatte
er den Fehler weniger scheinen zu wollen als er war
O wie fühlte ich damals mein Herz erweitert als ich diesen simplen Mann
der sich beim Ausfahren am Stadttore als Grobschmidt angegeben hatte auf dem
Postwagen hinter mir sitzend mit seinem zehnjährigen Sohne Worte der Weisheit
eine seltene Sprache reden hörte die nur hier und da aus einem Munde noch
wiederhallt damit sie im Gedächtnis der Menschen nicht ganz verlösche
Seine Worte hoben allmälig die Scheidewand weg die durch Alter Sitten
Stand und Sprache Menschen von Menschen sondert
Die Menschen fanden sich und kannten sich wieder vom Aufgange bis zum
Niedergange und wunderten sich so lange sich verkannt zu haben
Der hohe Gedanke der immerwährenden sich stets verjüngenden Menschheit
durchbebte die Seele
Wir hatten die Wälle und Türme von Braunschweig schon im Angesicht wir
alle waren einige Minuten still der Knabe schmiegte sich gerührt an seinen
Vater und ein armer pohlnischer Jude der mitfuhr hub in hebräischer Sprache
den Psalm an herzusagen
»Wenn die Hilfe aus Zion kommen wird dann werden wir sein wie die
Träumenden«
»Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein«
»Da wird man sagen unter den Heiden Der Herr hat Großes an ihnen getan«
»Der Herr hat Großes an uns getan des sind wir frölich«
»Herr wende unser Gefängnis wie du die Wasser gegen Mittag trocknest«
»Die mit Tränen säen werden mit Freuden erndten«
»Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Saamen und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben«
Der Jude dachte nicht daran ob ihn jemand verstand oder nicht da er den
Psalm hersagte und alles war aufmerksam und still im sympatetischen Mitgefühl
der Menschheit die sich sehnet dem Druck entnommen zu sein der auf ihr liegt
und in ihrer angestammten Grüße wieder zu schimmern
Der Grobschmidt Kersting stieg vor dem Tor vom Wagen ab und ließ uns in
einem angenehmen Staunen zurück über den wunderbaren Mann den wir in unsrer
Mitte gehabt hatten
Nie werde ich seine Gestalt und die Würde und Wahrheit in seinem Blick
vergessen womit er die Gemüter beherrschte denn damals ruhte auch
Hartknopfs Geist auf ihm mit dem er nun bei Sonnenuntergange auf Ribbeckenau
zuwanderte und zum erstenmal die süßen Worte der Erkennung vom Anbeginn
verwandter Seelen mit ihm wechselte
Diese Erkennungsworte lösen sich immer wieder in einen einzigen hohen Begrif
auf der heißt
Humanitas
Der Küster Ehrenpreis und die Bauern
Als sie nahe am Dorfs waren begegnete ihnen der Küster Ehrenpreis mit einigen
Bauern und murmelte für sich die Worte
par nobile fratrum
Die Bauern fragten ihn was das hieße und er sagte ein paar saubere Brüder
Die werden schöne Dinge anrichten
Der eine hat bei seiner ersten Predigt schon das Signal gegeben und der
andere stand in einem Winkel in der Kirche und horchte was der neue Prophet
sagen würde
Die Bauern schüttelten bedenklich die Köpfe über den neuen Propheten der
mit dem Ateisten und Goldmacher Kersting in das Dorf zurückkehrte
Und als sie nun gar sahen dass Hartknopf den Kersting in sein Haus
begleitete und dieser dann die Türe hinter sich zuschloss so machten sie das
Zeichen des Kreuzes und gingen mit gen Himmel emporgehobenen Augen
auseinander
Das Abendmahl
»Brannte nicht unser Herz in uns da er auf dem Wege mit uns redete«
Kersting Beliebt noch eine Hälfte von der Taube
Hartknopf Ich habe genug von der Taube
Kersting Sie ist nicht hölzern
Hartknopf Ich mag nicht an die hölzerne erinnert sein
Kersting Nein es wäre auch Schade darum das schöne Bild so zu entstellen
Mir ist die Taube im hohen Liede das zarteste Sinnbild der Liebe ohne welche
das Leben leer ist
Hartknopf Warum noch einmal auf denselben Punkt
Kersting Weil ich ins Herz treffen will Wir haben nur von der
himmlischen Weisheit gesprochen die muss sich notwendig in einem sterblichen
Leibe zu den Sterblichen herabsenken und heißt alsdann Sophia Erdmut
Hartknopf schwieg und Kersting schenkte zwei Pokale voll Wein die wurden
schweigend ausgeleert
Und nun stimmten die allgemeinen Begriffe sich allmälig zur Individualität
herab
Man träumte sich ein süßes Lebensglück das den Sterblichen so nahe läge
wenn sie es nur ergreifen wollten
Die Gedanken verkehren sich in Szenen von häusslicher Glückseligkeit von
ruhigem Beieinandersein und vergessen der weiten Welt umher
Ein treuer Handschlag versiegelte das Freundschaftsbündniss Hartknopfs
Entschluss ward tief in seinem Busen fest und als ein verlobter Bräutigam
verließ er noch diesen Abend die Schwelle seines Gastfreundes
Mein Besuch bei Hartknopf in Ribbeckenau
Ich fand ihn im Garten wie er Bohnenstangen setzte und er bewillkommnete mich
unter den Bohnenstangen
Er war nun der völlige Hauswirt geworden denn er hatte auch Bienenkörbe
die er mir zeigte
Ich brachte ihm wieder Rettigsaamen mit denn der den ich schickte hatte
auf seinen Feldern noch nicht gedeihen wollen
In seinem Antlitz glänzte eine heitere Freude und dann zuweilen wieder ein
tiefes Nachdenken
Er hatte mir schon geschrieben dass er verlobt sei Ich wünschte ihm Glück
dazu und er dankte mir bloß mit einem Händedruck
Nun war auf den nächsten Sonntag gerade eine große Feierlichkeit in
Ribbeckenau bei welcher ich mit zugegen war
Die Kirche in Ribbeckenau hatte nämlich hundert Jahre gestanden und
feierte nun ihr erstes Jubelfest und Hartknopf hatte schon allerlei
Veranstaltungen getroffen um diese Feierlichkeit recht glänzend zu machen
Ribbeckenau schien wirklich seine Welt geworden zu sein er hatte einen
Zauberkreiss um sich her gezogen der das was er umschloss in seinen Gedanken zu
einem Elysium umschuf
Das Jubelfest
Der festliche Tag war nun da man läutete die Glocken die benachbarten
Dorfschaften hatten sich versammelt die Menge der Zuhörer fand in der Kirche
nicht Platz
Der Grobschmidt Kersting war bei diesem Jubelfeste verreisst
Musik und Rede sollten nun vereint auf die Zuhörer wirken
Vokal und Instrumentalmusik war beisammen denn aus dem nächsten Städchen
waren die Chorschüler zu diesem Fest geladen und der adjungirte Kantor aus eben
diesem Städtchen dirigirte die Musik
Die Musik sollte sich mit einem vollstimmigen Hallelujah schließen und
Hartknopfs Rede mit einem Hallelujah in die Musik einfallen
Welcher Genius ihn auf diesen sonderbaren spielenden Einfall brachte ist
mir noch jetzt ein Rätsel
Wie nun ein Unglück selten allein kommt so war die alte Emporkirche auf
der die kleine Orgel stand lange nicht so gedrückt und erschüttert worden als
jetzt durch die Bewegungen der Sänger und Saitenspieler und vorzüglich durch
den Fußtritt des adjungjrten Kantors welcher den Takt trat
Nun stand aber oben auf der Orgel gerade der Kanzel gegen über mit losen
Füßen wie schwebend ein großer vergoldeter Engel Dieser fing zuerst
allmählig an zu nicken so wie der Kantor mit dem Fuß auftrat und nachdem er
verschiedenemale vorwärts genickt hatte stürzte er auf einmal mit gewaltigem
Sturze mitten unter die Sänger die ihm Platz machten und unbeschädigt aber
erstaunt und erschrocken um ihn her standen
Der mächtige Fußtritt des Kantors machte dass die Musik noch wieder in Takt
kam
Hartknopf trat auf die Kanzel und das bedeutende Hallelujah womit das Chor
sich schließen und die Predigt sich anfangen sollte wälzte sich nun erst
durch eine Anzahl Fugen hindurch wo der Alt nach einer Pause immer einfiel
mit Ha Ha so dass die letzte Silbe von Hallelujah und dieses Ha zusammen
trafen um den abgebrochenen Freudenschrei desto vollkommener nachzubilden in
welchen denn Hartknopfs Hallelujah von der Kanzel einfallen sollte
Nun hatte der herabgestürzte Engel zwar einige Unordnung erregt aber alles
ging doch noch gut bis auf den Altisten neben welchen er dicht niedergestürzt
war und der sich noch nicht von seinem Schreck erhohlet und in der Angst
unrecht pausirt hatte so dass er nun auf einmal da die ganze Musik vorbei war
mit seinem Ha Ha aus vollem Halse nachkam und dieses nachgebliebene Ha Ha
mit Hartknopfs feierlichem Hallelujah von der Kanzel gerade zusammen traf
welches den lächerlichsten Kontrast machte den man sich denken kann
Die Jubelpredigt
Schade um sie dass durch ein feindseliges Geschick ihr Eindruck gehemmt ihre
erschütternde Kraft gelähmt wurde
Und doch auch nicht Schade um sie denn sie wird eben so wie Hartknopfs
Antrittspredigt ihren innern Wert behalten wenn gleich die Herzen und Sinnen
der Bauern in Ribbeckenau da durch nicht gerührt wurden
Hartknopfs Predigten sind geschrieben und sind ein heiliges Buch worin für
kommende Zeiten Trost und Stärkung liegt
Aber die Bauern in Ribbeckenau blickten nur nach den leeren Stellen an der
Kanzel und auf dem Orgelgesimse
Und ich selbst konnte mich des Lächelns kaum erwehren wenn ich an das
verunglückte Hallelujah dachte
Alle diese Zufälligkeiten sind aber nun abgefallen und Hartknopfs Worte
glänzen wieder in ihrer ursprünglichen Reinheit und Klarheit
»Die Zeiten rollen fort und kehren wieder es ist nichts neues unter der
Sonne«
»Steh still o Wanderer auf dem Pfade und blicke noch einmal zurück bis
dahin wo des Himmels Wölbung auf der Nacht des Waldes ruht«
»Du tratest aus dem Dunkel in das Freie und was du sahst schien dir nicht
unbekannt«
»Dein Ohr vernahm die längstgewohnten Töne wieder und du warst schnell
der Sprache dieses Landes kundig«
»Du fügtest dich in Sitten und Gebräuche als brächtest du sie selber mit
herüber«
»Du sprachst von dem was vor Jahrhunderten geschahe wie von den
Angelegenheiten deines Hauses«
»Du wusstest dich so schnell in das verwickelte Labyrinth in das du kamst
zu finden als wär es deiner eigenen Hände Werk«
»Dir lächelte mit dem Strahlenhaupte verjüngt aus Morgenwolken dein alter
Freund entgegen«
»Den hieß dein Auge mit seinem ersten Blicke willkommen und sieht sich
nimmer satt«
»Und nimmer hört dein Ohr sich satt denn keine Zunge erschöpft was in dem
Innersten deines Busens in tiefe Nacht sich hüllt«
Das Hallelujah
Musste notwendig missglücken weil es zu einer gesuchten veranstalteten Szene
bestimmt war die wenn sie geglückt wäre einen unauslöschlichen Misslaut in
Hartknopfs Leben gebracht hätte
Nur seine eingeengte Kraft konnte eine solche Krümmung in sich selber
machen die possirlich werden musste sobald die veranstaltete Szene misslang
Aber die verborgene Federkraft in seinem Busen dehnte sich mit Macht und
zersprengte die Posse wieder
Dies gekünstelte und gesuchte Hallelujah bestrafte sich selbst und wurde
durch das Ha Ha des Altisten von der Orgel in seiner Geburt ersticket
Dies Ha Ha und der herabgestürzte Engel warfen über die ganze
Feierlichkeit eine komische Larve und was von dem Feierlichen nicht echt war
das verwehte wie Spreu vom Winde
Warum sind die Anekdotenbücher so voll von komischen Predigergeschichten
Warum hat man nichts lieber als Erzählungen von Unschicklichkeiten und
Lächerrlichkeiten des Pfarrers auf der Kanzel
Kömmt es nicht daher weil man einen gewissen angenommenen feierlichen Ernst
schon voraussetzt mit dem das geringste Komische weit mehr als im gemeinen
Leben absticht
Und würde dies wohl der Fall sein wenn die Predigten sich mehr der
vertraulichen Unterredung so wie bei den ersten Christen nähmen wenn der
Predigtstuhl wenig erhaben wäre und der Prediger weniger stolz auf die Gemeinde
zu seinen Füßen herabsähe
Bei der gewöhnlichen Unterredung fallen die Besonderheiten der Menschen nie
so sehr auf als wenn sie öffentlich auftreten und mit einer gewissen
angenommenen Feierlichkeit reden dann wird erst jede Kleinigkeit bemerkt die
vorher unbemerkt blieb und der Lacher und Spötter findet reichen Stof
Das gesuchte Feierliche war sonst so ganz und gar Hartknopfs Sache nicht
dass er diesmal gleichsam aus seinem Wesen hinweggedrängt schien da er von der
Kanzel in das Hallelujah von der Orgel einfiel
Aber er verkannte sich auch selbst in diesem Augenblicke er glaubte er
sei zum Prediger in Ribbeckenau geboren und brach darüber in ein falsches
Hallelujah aus dass sich augenblicklich selbst an seinem Urheber rächte
Sophia Erdmut
Ihre jungfräuliche Seele bildete sich unter dem Einfluss eines sanften Gestirns
Sie wuchs unter den Blumen und mit den Bäumen in ihres Vaters Gatten auf
Sie schlug vor dem blendenden Glanze der Himmelswölbung bescheiden ihre
Augen nieder und bückte sich herab zu dem Veilchen das mit gesenktem Haupte
auf der Wiese stand
Die liebende Natur mit Morgenrot und Wies und Wald war selbst die Freundin
und Gespielin ihrer Jugend
Dem väterlichen Hause entwachsen führte ihr Bruder sie in seine stille
Wohnung wo sie mit ihm fünf goldene Jahre lebte
Als Hartknopf über die Schwelle trat veränderte sich der Lebensplan
Es war an einem schöngewählten Frühlingstage in der stillen Laube im Garten
als Hartknopf welcher schon ihr Herz besaß um ihre Hand anhielt die der
Pächter Heil mit Bruderliebe in die seinige legte und sagte sie ist dein
Schreiben des Herrn von G an Hartknopf
»Ich wünsche Sr Wohlehrwürden meinem lieben Andreas zu seiner Verbindung von
Herzen Glück in dem Verstande nämlich worin er und ich das Glück zu nehmen
gewohnt sind nicht als ob wir es schon ergriffen hätten oder ergreifen
könnten sondern als diejenigen die da harren bis ihre Auflösung kommt Bis
dahin muss ja Leid und Freude übertragen und eins ins andere gerechnet werden
weil man sonst auch bei den glücklichsten Evenements nicht auskömmt«
»Die Jungfer Sophie Erdmut ist so weit ich sie kenne ein sehr sanftes und
gutes Frauenzimmer welche richtig urteilt Sie wird einen Mann sehr glücklich
machen der von nun an in seinem Gleise fortwandelt und sich weder zur Rechten
noch zur Linken umsieht Da nun die Kreuzesschule wozu ich meinen lieben
Hartknopf eingeladen durch diese Verbindung ein Paradiess für ihn zu werden
scheint so wünsche ich denn dass dies Paradiess bald möge durch ihn bevölkert
und ich zum Zeugen des Erstgebohrnen mit gerufen werden so lange ich von den
Begebenheiten auf dieser Erde noch ein Zeuge sein kann Es ist sehr wahr was er
schreibt dass die Sonne noch nicht aufgegangen sei unter der wir leben und
wirken können dass wir und kommende Geschlechter noch in Zelten im Dunkel des
Waldes übernachten und harren müssen bis die Morgenröte anbricht und so
kann ich es ihm auch wahrlich nicht verargen dass er sich sein Zelt aufschlägt
und in der kalten Morgenlust nicht unter freiem Himmel liegen will«
»Damit er nun aber auch das Zelt mit Quasten und Franschen verzieren könne
bitte ich Inliegendes als einen kleinen Beitrag zu seiner ersten Einrichtung
anzunehmen Und so wollen wir denn in Geduld den Tag des Aufbruchs aus dem
Lager erwarten und uns bis dahin einrichten so gut wir können aber ja die
Stäbe nicht zu fest einschlagen sondern die Erde umher locker lassen damit wir
nicht langsam erfunden werden wenn es gilt schnell zu sein Der innere
Friede sei mit uns«
Die Trauung
Diese verrichtete der alte Superintendent Tanatos
Sein Urältervater hieß Tod und nannte sich Tanatos als er in Erfurt
Magister wurde
Der alte Superintendent Tanatos verrichtete die Trauung selber weil er
seinen Substituten die Gebühren nicht gönnte
Er wusste nicht dass dieser Trauungsakt sein letzter war
Der weite Priesterrock hing über der hageren Gestalt die Augen lagen tief
im Kopf
Die Knie wankten das Haupt bebte die Zähne schlotterten im Munde
Mit beiden Händen fasste er das hundertiährige Formular das eiserne Klammern
hatte und las die Flüche des alten Testaments dem neuen Ehepaare vor Zu dem
Manne sagte er
»Verflucht sei der Acker um deinetwillen Dorn und Disteln soll er dir
tragen und im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brodt essen bis dass du
wieder zur Erden werdest von der du genommen bist Denn du bist Erde und sollst
zur Erden werden«
Und zum Weibe sprach er
»Mit Schmerzen sollst du Kinder gebühren und dein Wille soll deinem Manne
untertan sein und er soll dein Herr sein«
Es kam an die Worte »bis der bittere Tod euch scheidet«
In sich gekehrt und ernst stand das Brautpaar da
Die letzte entscheidende Frage wurde mit einem leisen Ja beantwortet die
Ringe wurden gewechselt das Band war geknüpft und die furchtbare Zeremonie
endigte sich mit der Gratulation des alten Superintendenten Tanatos dessen
Gesicht sich zu einem Lächeln verzog womit er dem Brautpaare Glück wünschte
und Hartknopfen und Sophien die knöcherne Hand reichte
Das Hochzeitkarmen
Wurde von dem Kandidat Hund einem Anverwandten des Pächter Heil der kürzlich
die Universität verlassen hatte überreicht und hub an wie folgt
Wehklagen und bang Seufzen vom Grauntale des Abgrunds her
Sturmheulen und Strombrüllen und Felskrachen das laut niederstürzt
Und Wutschreien und Rachausrufen erscholl dumpf auf
Als Adam im Gesicht sah was geschehen einst im Gericht wird
Goldpallast und bemoosst Dach
Stürzen ein
Aber Liebe wird im Schatten
Stiller Nächte sicher sein
Unaufhörliches Begatten
Hüllet sich in Dunkel ein
Bleibt dem Forscher unerklärbar
Macht den Weltbau unzerstörbar
Lächelt aus des Lagers Ruh
Heulender Verwüstung zu usw
Dieser Kandidat Hund glaubte sein Gedicht durch die Stellen zu verzieren
die er aus Klopstocks Messiade gestohlen hatte
Er war ein sonderbarer Mensch in dessen Kopfe viel und mancherlei durch
einander lief
Er hatte auf dem Wege von Ribbeckenäuchen bis Ribbeckenau das Torfmoor mit
Blumen bestreuet die er sich von einem Bauer in einem großen Korbe nachtragen
ließ
Der Tanz der Liebesgötter
Sie gaukelten über der Pfarrwohnung in Ribbeckenau im Schimmer der Abendröte
Die Bauern von Ribbeckenau rieben sich die Augen da sie den Schimmer sahen
und wurden dadurch geblendet denn die Fenster der Pfarrwohnung warfen einen
hellen Glanz von sich
Sie war in einen Feenpallast verwandelt in welchem die Königin der Liebe
tronte
Sie hatte sich auf einer Abendwolke herabgesenkt und teilte nickend mit
den sanften Augenbraunen ihre Befehle aus
Dann huben die Liebesgötter in mannichfaltigen verschlungenen Bewegungen den
geheimnisvollen Tanz in der Abenddämmerung an und schlossen ihn nicht eher als
bis die Morgendämmerung sich am Himmel zeigte
Sterblichen Ohren unvernehmbar ertönte die ganze Nacht hindurch die Luft von
süßen Lauten welche den Tanz beseelten
Die funkelnden Sterne leuchteten dazu und die Stille der Nacht feierte die
wonnevolle Szene
Dreimal näherte sich der Schlafgebieter mit den Schlummerkörnern aber Pfeil
und Bogen der Tanzenden verscheuchten ihn
Der Grobschmidt Kersting besucht das neue Ehepaar
Ich war den Tag vorher abgereisst als Kersting von einer kleinen Reise wieder
zurückkam und seinen ersten Besuch bei dem neuen Ehepaare machte
Er war weder ein Zuhörer von der Jubelpredigt die ich mit angehört hatte
noch Zeuge bei der Trauung gewesen sondern war während der Zeit mit Pferdekuren
in der benachbarten Gegend beschäftigt
Als er nun in die Pfarrstube trat so fand er die Neuvermählten am Fenster
stehend und ihm den Rücken zukehrend Auf einmal trat er zwischen sie und
sie fuhren unwillkürlich mit einem kleinen Schreck auseinander er aber fügte
sie wieder zusammen legte schweigend ihre Hände ineinander und eine Träne
stand in seinem Auge
Nun dachte Hartknopf an den ersten Abend wo sie von der himmlischen
Weisheit sprachen und sein Entschluss zuerst in seiner Seele fest wurde
Sophie aber schlug die Augen nieder wie damals als sie in dem dunkeln
Kirchstuhle saß und Hartknopfs Blicke zuerst den ihrigen begegneten
Und was war es dass eine Träne in Kerstings Auge stand als er die Hände
der Liebenden ineinander legte
Er hatte Sophien lange gekannt so wie sie ihn er kannte ihren ganzen
Wert und wusste seinem angebeteten Freunde kein höheres Opfer als dies zu
bringen
Wie ein köstliches Kleinod drückte Hartknopf seinen Freund an seinen Busen
und Sophie schlug die Augen auf und freute sich tief im Herzen dass zwei edle
Männer vor ihr standen die als Freunde sich umarmten
Alles was nun noch gesprochen ward war gegen die stumme Szene unbedeutend
Im Entzücken schwimmen
Ist es nicht Ausgehen aus sich selbst Urbergehen in ein Etwas das wir nicht
sind Ruhen in einer sanften Umgebung mit der wir eins sind
Hebt das Entzücken nicht da erst an wo das Gefühl der eingeschränkten
Ichheit mit allen seinen Qualen aufhört und ein höheres edleres Leben seinen
Anfang nimmt
Hat die Sprache selbst einen höheren Nahmen für das Entzücken als den
welcher auf dies süße Ausgehen aus uns selber deutet wo wir die Sorgen die uns
drückten ausziehen wie ein Kleid und in erneuerter Jugend hervortreten die
sich selber nicht fasst und ihre Götterkraft nicht kennt
Aber die Stunde der Auflösung ist noch nicht da
Die Schildkröte zieht sich in ihr felsenfestes Haus zurück der Igel in
sein Stachelnnest
Der schwüle Tag
Zwei Tage waren im süßen Taumel leicht und frölich dahin geflohen der dritte
war schwül und schwer
Schwarze Gewitterwolken lagerten sich am Horizonte und eins drückende Hitze
lähmte die Glieder
Sophie war in diesen Stunden ganz glücklich in ihrer Stube und an ihrem
Tischchen Hartknöpfen aber ward die Stube zu enge und er ging allein aus
Nicht unzärtlich sein scheidender Blick voll Liebe versenkte Sophien in
eine süße Ruhe worin die Momente ihr unbemerkt vorüberflohen sie hatte nun
keine Wünsche mehr und fühlte doch keine Leere der schöne Umkreis ihres
Daseins war nun ausgefüllt
Ihr droheten die Gewitterwolken nicht und ihre Brust atmete sanft unter
der drückenden Luft
Als Hartknopf nun aus dem Hause trat begegneten ihm ein paar hämische
Bauern die sich gerade über seine Jubelpredigt und den herabgestürzten Engel
mit einander unterhielten
Sie grüßten ihn und sprachen dann wieder leise und hohnlächelnd zusammen
Hartknopf eilte dass er aus dem Dorfe kam da begegnete ihm beim Ausgehen
aus dem Dorfe der Küster Ehrenpreis der ihm aus einer Art von höhnendem
Respekte immer eine tiefe Verbeugung machte die Hartknopfen ärgern sollte
Hartknopf ärgerte sich zwar darüber nicht aber es war ihm doch fatal dass
er mit diesen Menschen nun leben musste
Er ging über einen schmalen Damm nach dem Krainberge zu der schwarz und
öde vor ihm da lag
Auf der braunen Fläche der Heide ruhte die Nacht des umwölkten Himmels
Hin und wieder stand einsam ein gekrümmter Baum welcher dem dürren Boden
mühselig entwachsen war
Und zwischen dem öden Heidekraut stieg Hartknopf den sandigten Pfad hinauf
Als er nun oben war und in das Tal auf das Torfmoor hinunterblickte so
sähe er die beiden spitzen Türme von Ribbeckenau und Ribbeckenäuchen in
fürchterlicher Nähe vor sich nebeneinander stehen
In diesem Bezirke lag nun sein Leben seine Reisen sein Wirkungskreiss
hier endigte sich seine Laufbahn und war wie auf einer Landcharte ihm
vorgezeichnet
Immer näher zog das Dunkel immer schwüler wurde die Luft und immer
gepresster sein Atemzug
Der alte Superintendent Tanatos reichte ihm wieder die knöcherne Hand das
Hochzeitkarmen mit der bangen Wehklage tönte wieder in sein Ohr
Der dunkelumwölkte Himmel ruhte wie eine schwarze Decke über der Erde und
die kleine Turmspitze von Ribbeckenau schien sich in dem niedrigen Gewölke zu
verlieren
Einsam trauerten ein Paar dürre Baumstämme auf der Heide Das
niederbückende Alter hatte sie beschlichen
Mit schnellen Schritten wandelte Hartknopf die Anhöhe wieder herab denn
der Tag hatte sich geneiget und so wie er hinunterstieg zog sich immer enger
und enger sein Horizont um ihn zusammen
Wie ein Traum waren vierzig Jahre verschwunden und er ging auf eben diesem
Flecke gebückt am Stabe und immer noch wanderte ihm zur Seite der Küster
Ehrenpreis mit ihm über das Torfmoor dann schloss sich die Laufbahn auf immer
Alles lief nun in einem fürchterlichen Punkte in einer traurigen Spitze
aus
Unaufhaltsam lief der Sand im Stundenglase und das Ziel war da nichts war
dazwischen als die einförmige Wiederkehr dessen was schon da war Schrecklich
eröfnete sich der Abgrund dicht vor den Füßen des Wanderers
Das enge Grab war nun da die Erde scholl dumpf auf den Sarg keine
Aussicht kein Gedanke an die Zukunft mehr
Alles verbauet verschlossen und gehemmt zwischen öden Mauren die des
Tages Glanz verdeckten
So wie nun Hartknopf über den kleinen Dorfkirchhof zu Hause kehrte
erleuchtete ein Blitz strahl die goldene Schrift an den Kreutzen auf den
Grabhügeln sie flammte einen Augenblick und verlosch wieder in schwarze
Nacht
Die Kirchhofsmauer lief so enge zu die Grabhügel waren so dicht aneinander
gedrängt
Auf einmal sähe sich Hartknopf vor der Türe seines Hauses sein liebend
Weib empfing ihn mit ausgestreckten Armen und er erwachte wie aus einem
schweren Traume
Die Schmiede
War dem Pfarrhause schräg gegenüber mit einem grünen Platze der mit Bäumen
beschattet war wo zwischen den Blättern die Funken flogen
Hartknopf konnte aus seiner Studierstube das Getöse der Hämmer auf dem Ambos
hören und dann schlug sein Herz stärker unwillkührich machte er das Buch zu
und konnte nicht auf der einsamen Stube bleiben
Die Jahre seiner frühsten Jugend traten in ihrer Kraft und Blüte vor seine
Seele
Um seine Schultern schlotterte die Löwenhaut und auf die schwere Keule
stützte sich sein Arm
Die Welt lag vor ihm offen vom Aufgange bis zum Niedergänge Er bahnte
zwischen Ungeheuern durch Wüsten sich seinen Weg bis aus den dunklen Zweigen
die goldne Frucht ihm entgegen blinckte und er sie dem seufzenden Stamme mit
kühner Hand entriss
Heimlich stahl er sich aus dem Hause fort und eilte hinter die Bäume
welche die Schmiede versteckten dann lehnte er sich über die halbe Tür am
Eingange und blickte sehnsuchtsvoll Nach dem glühenden Ofen hinüber während
dass die Funken um seine Locken spielten
Unter den wiederholten Schlägen ebnete sich der Huf das starre Eisen
spitzte sich
Das Unförmliche bekam Gestalt und Form
Nun konnte er nicht länger widerstehen es dauerte nicht lange so stand er
in der Mitte der Arbeitenden führte den Hammer wie sie und die öbere Tür ward
angelehnt damit der Küster Ehrenpreis nicht etwa vorübergehen und seine Blicke
dies Heiligtum entweihen mochten
Hier brachte Hartknopf auch in dem bittersten Leiden noch manche süße Stunde
an der Seite seines Freundes zu und stählte seine Brust zur Ertragung alles
Ungemachs und aller Widerwärtigkeiten des Lebens
Wenn er denn aber wieder zu Hause musste so wusch er sich sorgfältig die
Hände damit sein liebendes Weib die Spuren der ungewohnten Arbeit nicht
entdecken möchte
Hartknopfs Klage
Vom Mittag kommen Heuschrecken
Wie eine düstere Wolke
Sie senken sich und fliegen wieder auf
Das Feld ist leer
Die mit Mühe den Acker pflügten
Und die Saat ausstreuten
Gehen der Erndte verlustig
Sie arbeiteten im Schweiß ihres Angesichts
Um Ungeheuer zu füttern
Die den Fleiß der Mühevollen
Als eine süße Beute verschlingen
Von wannen kommt der Trost den Edlen
Die durch Schmach betrübt sind
Weil sie einsam stehen
Und in fernen Zonen
Weit umher zerstreut sind
Sie sehnen sich im Stillen
Und wünschen sich zu kennen
Und möchten sich zu einem Chor vereinen
Und einer sich im andern wieder finden
Sie haben sich verloren
Und suchen sich vergebens
Sie trauren in den Wäldern
Und mischen ihre Seufzer
In Philomelens Klage
Was rauschen über Berge über Meere
Mir für Stimmen was für Töne mir entgegen
Die die Lust mit leisen Flügeln
An mein Ohr hinüberträgt
So viel Sprachen so viel Zungen
Die harmonisch sich begegnen
Und nach einem Ziele streben
Wo sie alle sich vereinen
Gedanken mit Gedanken
In süßen Lauten wechselnd
Ach auf dem seeumspülten Felsen
Möcht ich gern die Hand dir reichen
Der du hilflos einzeln stehst
Aber die Parze hat ihn zerschnitten
Den Faden der mich an dich knüpfte
Zerrissen ist der Menschen Leben
Von ihres Daseins Anbeginn
Sie müssen sich vergeblich sehnen
So lange der Tag am Himmel wellt
Und wenn die Sonne untergeht
So haben sie noch nicht gefunden
Was sie bei Tagesanbruch suchten
Dies ahndet schon dee Kinderseele
Die dunkel in die Zukunft schaut
Wenn bei des Lichtes erstem Gruß
Das neugebohrne Auge weint
Hartknopf steckt den Küster Ehrenpreis in einen Graben
Denn dieser machte es ihm auf dem Wege wenn sie über das Torfmoor nach dem
Filial gingen gar zu arg
Er fing an von den Wolken zu sprechen um auf die Glaubenslehren zu kommen
worüber er mit Hartknopfen disputiren wollte
Bleib er bei seiner Nadel sagte Hartknopf denn Ehrenpreis war seines
Handwerks ein Schneider und rede er nicht dumme und törichte Worte
Nun mochte aber Hartknopf seine Ohren verstopfen so hörte doch sein
Begleiter nicht auf den ganzen langen Weg ihm noch länger und jeden sauren
Schritt ihm noch saurer zu machen
Eines Sonntags waren sie nun auch ungefähr die Hälfte des Weges gegangen
als Ehrenpreis da ihm Hartknopf noch kein einziges Wörtchen geantwortet hatte
anfing witzig zu werden und allerlei Anspielungen auf die Taube auf den
Engel auf das Hallelujah usw machte
Dies hörte Hartknopf eine Weile an bis sie mitten im Torfmoore vor einem
schlammigten Graben vorbeikamen Da fasste er ohne ein Wort zu sagen den
Küster Ehrenpreis ehe dieser sechs versah beim Halskragen und steckte ihn
so wie er war bis an den Hals in den Graben woraus er ihn nicht eher wieder
erlösste bis er ein unverbrüchliches Stillschweigen auf dem Wegt angelobt hatte
Und nun sieng Hartknopf an zu reden und sprach die ganze übrige Hälfte des
Weges dem Küster Ehrenpreis mit mächtiger Stimme in die Seele dieser aber ging
triefend neben ihm her und erkühnte sich nicht einen Laut von sich zu geben so
lange sie noch neben dem Graben gingen Als sie aber im Dorfe ankamen machte
er ein groß Geschrei und drohte Hartknopfen zu verklagen der selbst den Gesang
in der Kirche anstimmen musste weil Ehrenpreis ganz mit Schlamm bedeckt vor
keinem Menschen erscheinen konnte
Auszug aus einem Briefe den Hartknopf an mich schrieb
Dieser Brief schilderte mir Hartknopfs Zustand wie er in Stunden des frohen
Muts zu sein sich vornahm nicht wie er wirklich war er verschwieg mir den
innern Kampf seiner Seele um sein Beispiel lehrreicher für mich zu machen
Jahre nachher deckte er mir den Schleier auf und ließ mich in die
schreckliche Dunkelheit seines damaligen Zustandes blicken den er mir in seinem
Briefe mit diesen sanften Worten überkleidete
»Ich schiffe nun mein Lieber den Lebensstrom hinunter alles atmet Ruhe
und Stille um mich her«
»Ohne Geräusch und Sorgen eilen die Stunden hin Kaum bin ich ausgelaufen
und finde mich am Ziele«
»Unsere Hütten sind gebaut wir haben unsere Wallfahrt vollendet«
»Der Seiger unsrer Dorfuhr tönt am Morgen und am Mittage und am Abend den
stillen Frieden in unsre Seelen und macht uns vertraut mit unsern Wohnungen«
»Wir gehen friedlich unsern Weg und dulden und tragen uns einander mit
Sanftmut weil wir vereint zum Grabe wallen«
»Der Rettigsaamen gedeiht auf unsern Feldern mein Garten steht in voller
Blüte und die Gefährtin meiner stillen Tage ist hoch schwanger«
»So ist denn alles wie es sein kann und muss usw«
Freundschaft und Zärtlichkeit
Das Pfand der Liebe war nun da Hartknopfen war ein Sohn geboren und das
feste Band der Ehe war noch unauflöslicher zugezogen
Der Herr von G übersandte ein reiches Angebinde weil er Schwachheit
halber als Taufzeuge nicht zugegen sein konnte
Kersting aber feierte mit Hartknopfen diesen Tag in hohem
Freundschaftsgenuss er drückte ihm oft bedeutend die Hand und Hartknopf sah in
ihm eine feste Stütze bei allen Widerwärtigkeiten des Lebens einen sichern
Gewährsmann und Bürgen für seine Ruhe
Zartere Bande knüpften ihn nun an Weib und Kind aber stärkere an seinen
Freund an den er sich im Sturm und Ungewitter hielt
Die Freundschaft nimmt die Zärtlichkeit in ihren Busen auf und schützt sie
gegen die rauen Stürme und gegen den kalten Hauch der Luft
Die Freundschaft verbirgt die Zärtlichkeit in den ernsten Stunden wo sie
unerbittlich und strenge die Mine des Hasses annimmt
Sie ist höher als die Zärtlichkeit dauernder als die Liebe stark wie die
Tugend und mächtig wie der Verstand
Der geheimste Kummer
ist derjenige welchen Liebende sich selber gern verschwiegen gern vor sich
selbst verbergen möchten dass sie dem geliebten Gegenstande das nicht zu sein
vermögen was sie ihm zu sein doch sehnlich wünschen
Dass immer qualenvoller ihr Zustand wird jemehr sie sich zwingen wollen
noch immer das zu sein was sie nicht mehr sind
Wenn die regen Gefühle in ihrem zartesten Vereinigungspunkte mit einander
uneins werden
Das höchste Opfer
Gibt es noch wohl ein höheres als wenn die Liebe sich selber dahin gibt um
ihrem Gegenstande den sie umfasst die Freiheit zu schenken wonach die Seele
im innern Kampfe mit sich selber schmachtet
Wenn der aufstrebende Geist durch zarte in sein Wesen verwebte Bande sich
gefesselt fühlt welche zu zerreißen seiner Empfindung selbst den Tod droht
Wenn denn die mitleidsvolle Liebe selber die Bande lösst um den Entfesselten
frei und froh zu wissen so hebt sie durch dies Opfer sich über sich selbst
empor sie dehnt sich gleich dem milden Äther aus und wird durch leise
Wünsche der Schutzgeist des Irrenden auf seinen Pfaden
Die Trennung
Sie ist das erste große Gesetz der Natur
In ihr liegt der Keim zu allen Bildungen
Sie ist die Mutter der Schmerzen und die Gebährerin der Wonne
Sie erneuert unaufhörlich die Gestalten und erhält das Ganze in ewiger
Jugend
Da wo die Schere den Faden zerschneidet beginnet ein höherer Anfang
Das Grab der Liebe ist die Wiege der Weisheit welche höher ist denn alle
Vernunft und welche eben deswegen sehr viel Vernunft voraussetzt auf die sie
sich stützen kann
Diese Weissheit findet einen Punkt wo der Schmerz der Trennung aufhört das
bittere Scheiden süß und jede Versagung leicht wird
Wo alle Entbehrungen aufhören und die Fülle des Daseins eintritt
Eine Lücke in Hartknopfs Geschichte1
Mit der Schärfe des Schwerdts war der Knoten nun
durchgehauen Der Scheidebrief war da und Sophie Erdmut küsste ihn mit
tausend Tränen und versiegelte mit diesem Kuss ihr großes Opfer
Den Scheidebrief begleitete ein Schreiben an Hartknopf worin ihm die
gebetene Entlassung von seinem Amte erteilt wurde
Der Pächter Heil führte seine Schwester mit ihrem Knaben wieder in sein Haus
und Kersting begleitete sie
Der Küster Ehrenpreis hatte Hartknopfen beim Konsistorium angeklagt und die
Bauern aufgehetzt dass sie ebenfalls gegen ihn eingekommen waren nun schrieb
er sich triumphierend Hartknopfs Schicksal zu
Fußnoten
1 Diese Lücke wird sich aus Hartknopfs vertrautestem Briefwechsel ergänzen
Täuschung und Würklichkeit
Wenn die Wasserwage
Das Unebne gleich macht
So ist es still in der Seele des Weisen
Es ist nicht die Stille des Grabes
Sondern der hohen Mittagsstunde
Wenn die Arbeiter im Felde ruhen
Kein Lüftchen sich bewegt
Und nur die summende Fliege
Dem Ohre vernehmbar wird
Der Müde ruht im Schatten der Eiche
Und goldne Träume umgaukeln seine Stirn
Wie nächtliche Nebel rollen die Sorgen hin
Die Sonne der Freuden glänzt
Es hüpfen goldne Wellen
Auf sanftbewegter Flut
Und grüne Büsche spiegeln
Sich in dem klaren See
Der Träumer spricht hier lasst uns Hütten baun
Sein Genius steht lächelnd neben ihm
Und zieht den Vorhang mit Gebüsch und klarem See hinweg
Nun ist die steile Felsenhöhe wieder da
Die schon so oft dem Aengstlichträumenden erschien
Soll ich denn diese steile Höh erklimmen
Soll ich des Lebens Weg denn stets
Auf ungebahnten Steigen wandeln
Mit Mut erfüllt des Träumers Busen
Der Knab im glänzenden Gewand
Dem Schlummrer wird die Seele größer
Das Blut in seinen Adern
Eilt schneller und der Fels sinkt ein
Ein leichter Sprung bringt ihn ins Weite
Des Wandrers Schritt ist ungehemmt
Und unbegrenzt sein Blick
Der Abschied
Dank euch ihr großmütigen Seelen dass ihr den Scheidenden sanft und gut
entliesset
Ihr hattet ihn eine kleine Weile gefangen gehalten und liesset ihn wieder in
sein großes Element entschlüpfen
Am frühen Morgen brach Hartknopf auf
Sophie Erdmut an Kerstings Arm gelehnt und der Pächter Heil begleiteten
ihn vor das Dorf hinaus
Er hatte Mut in ihre Seelen gesprochen aber sie sahen ihm mit weinenden
Augen nach
Und Hartknopf nahm seinen Stab und wanderte nach Osten zu
Der Küster Ehrenpreis aber stand hinter einem Busch und sagte triumphierend
den Hartknopf habe ich moralisch tot geschlagen