1791_Naubert_AlfvD.html




        
                               Benedikte Naubert
                                 Alf von Dülmen
                                      Oder
                 Geschichte Kaiser Philipps und seiner Töchter
                                        
                      Aus den ersten Zeiten der heimlichen
                                    Gerichte
                                     Eingang
                                      1393
Auf einer einsamen Reise deren Ursach und Endzweck die Sage zu melden vergessen
hat kam Pfalzgraf Ruprecht mit dem Zunamen der Bärtige in eine Gegend welche
unser Urschreiber der seine Gegenstände überhaupt hier und da geflissentlich in
Dunkel zu hüllen scheint ebenfalls ungenannt lässt Es war ein wüstes Tal mit
hohen Gebürgen umgeben in der Mitte von einem schmalen aber tiefgehenden und
hochufrigen Bergstrom durchschnitten der sich nordwärts von einer Felsklippe
auf die andre herabstürzte und sich schon in der Fern durch sausendes Geräusch
verkündigte
    Ruprecht war in diesem Gebiet so wohl ein Neuling als wir er hatte die
umliegenden Gegenden oft bereist wusste ihren Namen und ihren Eigener aber in
diesen Abschnitt derselben in diesen verlassenen Winkel der Natur war er nie
gekommen hatte nie nur das Dasein desselben gemutmasst ob er gleich in der
Folge sich besann dass er jenseit dieser Gebirge zuweilen an heitern Tagen
etwas wie Turmspitzen und Mauerzinnen auf einer der höchsten Anhöhen hatte
herüberragen sehen doch die Augen des Pfalzgrafen waren schlecht die
Ferngläser noch nicht erfunden und wenn er in diesen Gegenden wallte ritt ihm
gemeiniglich kein hellersehender Knappe zur Seite denn die Natur seiner Reisen
wollte es dass  er allein war
    Jetzt da ihn ein enger Bergweg durch Zufall in die Gegend leitete die er
zuvor niemals sah erblickte er deutlicher was er vorher nur wie Schatten
gesehen hatte Jene Turmspitzen und Mauerzinnen zeigten sich ihm jetzt näher
und von einer andern Seite sie waren ein Teil einer allen halb verfallenen
Burg welche auf einem der mittleren Hügel der besagten Gegend lag und den
Hintergrund eines Gemäldes ausmachte welches im Ganzen wenig Reiz für die
Sinnen hatte Ein ödes Tal mit unfruchtbaren Gebürgen umgränzt ein brüllender
Bergstrom eine alte Trümmer von einem Schloss das wahrscheinlich schon zu Karls
des Großen Zeiten nicht mehr neu gewesen war welche Gegenstände für einen müden
Reisenden über dessen Haupt sich Gewitterwolken zusammen zogen und seine
Sehnsucht nach Ruhe und Obdach vermehrten
    In dem ganzen Bezirk zeigte sich dem Auge kein lebendiges Geschöpf als die
niedrig fliegenden Vögel welche die Ahndung des Sturms ihre Nester suchen
machte Die Luft im Tale atmete schwül kleine Windstösse unterbrachen die
bängliche Stille Der Staub drehte sich in kurzen Kreisen einzelne Regentropfen
begannen zu fallen und in der Ferne rollte der Donner
    Ruprecht spornte sein Pferd an dem drohenden Sturm zu entkommen Zwar sah
er keine andere Zuflucht vor sich als das noch ziemlich ferne Schloss das auf
seiner Höhe in der dicksten Nacht der Gewitterwolken zu liegen schien und auf
keine Art einen einladenden Anblick gab aber er war in dem Falle nicht wählen
zu können welcher gewöhnlich jeder Bedenklichkeit ein Ende macht
    Ehe er die Burg noch erreichen konnte brach schon das Ungewitter mit vollem
Wüten los der Himmel strömte der Fluss schwoll an die hundertjährigen
Fichten die einigen hier gedeihenden Bäume beugten sich und der arme Pilger
sah seinen Weg wechselsweis in dichte Dunkelheit gehüllt und in Feuer
schwimmend vor sich Der Schlossberg war jetzt erreicht jetzt über die Hälfte
zurückgelegt der Pfad ward weniger steil auf einem Absatz linker Hand machte
ihm ein Blitzstrahl ein hohes steinernes Gebäude sichtbar es schien kein Ort
wo man Obdach finden konnte sondern ein altes halb verfallnes Monument zu sein
von dem er keine weitere Notiz nahm sondern im vollen Trabe vorübersetzte
endlich die Burg zu erreichen wo er noch nicht wusste ob er Menschen oder
Raben und Eulen zu Hauswirten haben würde
    Das Tor war geschlossen der Pfalzgraf schlug mit einer Macht an die
seinen Stand und seine Hülfsbedürftigkeit gleich stark bezeichnete Erst auf den
vierten Schlag erfolgte zur Antwort von innen die Frage wer sich einmal in
diese Gegend verirrt habe  Ein Reisender war die Antwort den das Ungewitter
hieher treibt  Das merke ich antwortete man indem sich die Pforte öffnete
bei schönem Wetter wird hier wohl niemand einsprechen Doch kommt herein das
Unwetter hat euch übel mitgefahren ihr seid nass bis auf die Knochen
    Es war ein alter Mann in ehrbarer Kleidung von gutem Ansehen der diese
Worte zu dem triefenden und keuchenden Ruprecht sagte es war etwas Zutrauen
erweckendes in seinem Tone der Pfalzgraf der jetzt abgestiegen war schüttelte
ihm treuherzig die Hand und folgte ihm aus dem hochgewölbten Vorhaus das von
einer hängenden Ampel erhellt wurde in die untere Halle wo nach alter
deutscher Sitte auf dem steinernen Tisch in der Mitte ein Krug mit Wein und ein
gefüllter Becher auf den warteten der sie leeren wollte
    Labt euch hier mit einem Trunke sagte der Hauswirt indes ich Befehl gebe
dass man ein Feuer anmache und euch trockne Kleider bringe Ruprecht tat wie
ihm geheißen war und trat denn ans Fenster in den Sturm hinaus zu sehen dem
er eben entkommen war Ein fürchterlicher Blitz und ein Donnerschlag welcher
nicht anders tönte als ob der alte Steinhaufen in dem der Reisende eingekehrt
war über ihm zusammenstürzte scheuchte ihn zurück Ruprecht war eben nicht
furchtsamer Art aber die wenige Kenntnis von den Geheimnissen der Natur machte
dass man zu den damaligen Zeiten noch mehr vor dem Feuer des Himmels bebte als
heut bei Tage
    Das ist ein fürchterliches Wetter sagte der Wirt der jetzt wieder herein
trat dieser Schlag hat in der Nähe Baum oder Fels gespalten Gott gnade mir und
meinen armen Hause wenigstens um des Reisenden willen den ich eben aufgenommen
habe  Kennt ihr ihn fragte Ruprecht könnte er nicht etwa ein Sünder sein
der die Rache des Himmels erst über euch brächte
    Das ist er nicht sagte der Alte indem er seinen Gastfreund behilflich war
die nassen Kleider gegen das mitgebrachte reine und ausgewärmte Gewand zu
vertauschen aber verzeiht dass ihr so langsam bedient werdet ich habe nur zwei
Knechte Vincent eile du dort am Feuer dass du meinen Herrn zu Tische dienen
kannst Kurds Wildpret muss wenn er nach Hause kommt auf Morgen aufbewahrt
werden ich hoffe die Gegenwart meines edelen Gasts mehr als einen Tag zu
genießen
    Vincent hatte im Kamin ein tröstendes Feuer angezündet der Hauswirt der
sich seinem Gaste auf Befragen Thomas Knebel nannte zog ihm einen Sitz herbei
und sorgte dass er sich mit dem Rücken nach den Fenstern kehrte damit ihn das
noch immer fortdauernde Feuer der Blitze nicht schrecke oder blende Darauf half
er seinem Knechte selbst den Tisch bereiten der mit Wein Brod kaltem Wildpret
und Früchten bald so gut besetzt war dass ein hungriger Reisender volle
Erquickung und Sättigung hoffen konnte
    Erlaubt sagte Thomas als Ruprecht sich setzte dass ich euch gegenüber
meinen Platz nehme
    Und warum erlauben Ihr seid Wirt ich Gast
    Ihr habt recht ein ehrlicher Wirt darf wohl an seines Gastes Seite sitzen
und wir sind ja weit genug von der Welt entfernt die die scharfe Gränzlinie
zwischen Fürst und gemeinen Mann gezogen hat welche eigentlich nur zwischen den
guten und bösen Menschen statt finden sollte
    Fürst Kennt ihr mich 
    Schon vorhin meine Hoffnung dass mir Gott um euretwillen gnädig sein möchte
hätte euch sagen sollen dass ich euch kenne Ihr seid Pfalzgraf Ruprecht der
Kleine ein wackerer biederherziger Mann der den Fluch in kein Haus bringen
wird wo er einkehrt
    Thomas Knebel antwortete Ruprecht ich würde sagen mir sei nie so fein
geschmeichelt worden wenn sich das Wort Schmeichelei zu eurem Gesicht passte
    Ihr würdet mir in Wahrheit unrecht tun lachte Thomas Dass ich nicht
schmeicheln und kriechen kann zeigt euch die Art auf welche ich mit euch
spreche die Stelle worauf ich sitze und der Trunk aus diesen Becher mit
welchen ich euch hier willkommen heiße
    Thomas trank Ruprecht tat Bescheid man speisste mit Appetit und so ganz
ohne Zwang als wenn hier der Gleiche mit dem Gleichen zu Tisch gesessen hätte
und nachdem ein halbes Dutzend Gemeinplätze zB über das nachlassende
Ungewitter und die Verirrung auf Reisen vorüber waren dergleichen sich bei dem
Eingang jedes Gesprächs finden so nahm eine Unterhaltung unter beiden Platz
welche den redlichen geradsinnigen Pfalzgrafen in der Seele wohl tat Das
funfzehende Jahrhundert an dessen Grenzen sich diese Geschichte zutrug misste
schon manchen der Vorzüge seiner Vorgänger es war in denselben schon etwas
seltnes geworden dass ein Fürst wenn er mit einem Niedern zusammentraf etwas
anders fand als den Ton der Schmeichelei oder die düstere Zurückhaltung des
Misstrauens und heimlichen Neides
    Mein redlicher Thomas sagte Ruprecht am Ende der Abendmahlzeit indem er
seine Hand über den Tisch nach seinem Wirte ausstreckte die seinige zu fassen
Ich werde von euch scheiden müssen sei es gleich Morgen oder über mehrere Tage
und ich fühle dass mir die Kenntnis eures Namens beim Andenken an euch nicht
genug tun wird lasst mich mehr von euch wissen lasst mich wenigstens wissen
woher ihr mich kanntet
    Ich führte unter eurem Vater antwortete er zuerst die Waffen wie sollte
ich euch den Sohn meines Herrn und Wohltäters nicht kennen Manches Jahr ist
wohl seitdem entflohen ihr seid seitdem aus dem Jüngling zum Manne geworden
aber die Grundzüge des Gesichts so wie die des Gemüts sind nicht so leicht zu
verlöschen man kann in denselben nach einen halben Menschenalter noch immer
seinen Bekannten wieder finden
    Aber wie ists möglich fragte der Pfalzgraf dass der Mann dem ich bekannt
war der sich durch das was mich jetzt in wenig Stunden an ihn gefesselt hat
vor Tausenden auszeichnen musste dass dieser mir so lang unbekannt blieb
    Glaubt denn Ruprecht jeden Biedermann zu kennen der ihn kannte  Mich hat
mein Schicksal Jahrelang der abendländischen Christenheit aus den Augen gerückt
und ich musste also wohl unbekannt werden In meinem Vaterlande erregte zu der
Zeit da ihr ein Jüngling wart ich ein Mann wurde eine Untat allgemeines
Aufsehen welche zu groß für die Ahndung der öffentlichen Gerechtigkeit den Arm
heimlicher Rächer auf sich lenkte Ein Mann der mein Freund war hatte sie
begangen ich war so unschuldig als unwissend in der Sache aber die Tat
schlängelte sich durch allerlei Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten so dicht
zu mir heran dass ich eine fast unmögliche Rechtfertigung zu Stande bringen
sterben oder fliehen musste Ich wählte das letzte Palästina ist mein Vaterland
gewesen bis vor wenigen Jahren da sich eine gute Gelegenheit zeigte den Orient
zu verlassen Die furchtbaren Unbekannten die mich verfolgten sind allwissend
aber Dank sei ihrem großen Oberrichter sie sind nicht unsterblich Ich dachte
mir die Möglichkeit keinen von ihnen mehr am Leben oder mich durch jahrelange
Mühe und Abwesenheit so unkenntlich gemacht zu sehen dass ich nun mit Sicherheit
in dem Lande leben könnte aus welchen mich einst zu hochgespannte und
übelverstandene Gerechtigkeit vertrieb Meine Hoffnung ward erfüllt niemand
kannte meinen Namen mehr wie hätte man sich meiner Gestalt noch erinnern
sollen Verwandte hatte ich von jeher wenig Freunde noch weniger die ich hatte
waren gestorben ich war allein auf der Welt Da nahm ich die Denkmale der
sarazenischen Siege meine mühsam zu rat gehaltene nicht mit unnötig
vergossenem Blut besudelte Beute zusammen und kaufte mir von denen von Reinen
dieses verfallene Schloss Die Gegend in welcher es liegt passte zu meiner
Laune es fehlt mir nicht an Mitteln es auf die wenigen Jahre die ich noch zu
leben habe für mich bewohnbar zu machen Arbeiter zu diesem Entzweck sind auf
künftigen Frühling schon bestellt da ich nur für mich nicht für Nachkommen zu
bauen habe so wird ihr Werk bald geendigt sein ich werde noch einige Jahre
hier ruhig leben und dann eben so ruhig sterben  Wär ich nicht ein Feind auch
jedes Anscheins von Augendienerei so würde ich sagen und wahrhaftig ich
könnte es ohne Nachteil der Wahrheit tun mir sei es Freude euch teurer
Pfalzgraf hier gesehen und bewirtet und die Hoffnung zu haben euch öfter
hier zu sehen und zu bewirten da wie aus euren Reden erhellt eure Geschäfte
euch oft in diese Feldmark treiben 
    Meine Geschäfte beiseite gesetzt unterbrach ihn Ruprecht was konnte euch
bei eurer langen Abwesenheit aus dem Abendland zu so viel Vorliebe bewegen als
ihr gegen mich einen Mann beweisst von dem ihr nicht viel mehr kennt als den
Namen
    Eure Taten Herr Pfalzgraf
    Meine Taten sind sehr unbedeutend und glanzlos
    Ich habe in meinen Leben sehr glänzende Taten gesehen deren Ruhm ich nicht
in meinen Mund nehmen noch vielweniger den der sie vollbrachte einiger
Vorliebe würdigen werde Was aber euch anbelangt so gebe Gott dem deutschen
Reiche einmal einen solchen Kaiser wie euch er wird ihm mehr Frommen bringen
als all die da gewesen sind und deren glänzende Taten zwanzig Seiten der
Geschichtbücher erfüllen
    Ich weiß nicht Thomas wie ihr auf diesen seltsamen Wunsch kommt Kaiser zu
werden ist mir wohl nie eingefallen ungeachtet ich wohl oft gedacht habe wenn
ich es wär so sollte manches anders werden
    Sahet ihr etwa auch Stätte der Gerechtigkeit wo Gewissenlosigkeit und
Übermut den Szepter führte und Tränen der Unterdrückten an der Stufe des
richtenden Trons  Was ihr gesehen habt das habe ich gefühlt und erfahren
und noch einmal Gott gebe seinem Reiche anstatt des trägen schwelgerischen
Wenzels einen Fürsten wie euch der so wenig in die Fehler dieses unwürdigen
Menschen als in die seiner streitbaren und ruhmsüchtigen Vorfahren fällt der
indem er keinen Anspruch auf glänzende Taten macht das Schwert gegen den
Reichsfeind nur zieht wo er muss und dafür lieber darauf sieht das Schwert der
Gerechtigkeit in seinen Landen so zu lenken dass es strafe und schone wie es
recht ist dass es nicht indem es sich rühmt der Allgewalt Gottes nachzuahmen
Rechte an sich reiße die keiner sterblichen Macht gebühren
    Ruprecht verstand den eifernden Thomas wohl Im deutschen Reiche hatte
damals die Macht jener heimlichen Rächer welche meine Leser nicht erst aus
diesen Blättern kennen lernen werden fürchterlich überhand genommen Alles
wurde vor ihren Richterstuhl gezogen nichts konnte ihrer Gewalt entgehen sie
richteten meistens recht aber sie richteten zu streng und waren oft durch
einen bloßen Anschein von Schuld nur allzuleicht zu täuschen Ruprecht hatte
bei dem scharfen Beobachtungsgeist der ihn beseelte oft Gelegenheit gehabt
Dinge wahrzunehmen die sein Innerstes erschütterten und deren Abschaffung
einer höheren Gewalt als der seinigen vorbehalten zu sein schien Er seufzte zu
der Äußerung seines Wirts und schwieg aber zum erstenmal regte sich
vielleicht in seinem Herzen der Wunsch einst auf der Stelle zu stehen die ihm
Thomas wünschte um alles Gute ausrichten zu können das er wollte
    Während der Pause welche das Nachdenken des Wirts und des Gasts machte
öffnete sich die Tür und Vincent trat herein um seinem Herrn anzumelden wie
Kurd von der Jagd zurückgekommen sei und keinen Schaden von dem Ungewitter
gelitten habe von welchem er übereilt worden sei Lebhafte Freude glänzte in
den Augen des Herrn und des Dieners über die Nachricht Kurd erhielt Befehl so
durchnässt als er war einzutreten und der Pfalzgraf ward nicht einmal um
Erlaubnis gebeten ein Zug der ihn so wenig beleidigte dass er ihm vielmehr ein
neuer Beitrag zu der Treflichkeit des Mannes schien den er vor sich hatte
Thomas trug kein Bedenken seinen Diener vor den Augen des Fürsten zu ehren den
er vor einem Augenblicke noch im vollen Ernst einen der höchsten Throne
gewünscht und ihn schon im prophetischen Geist darauf gesehen hatte Ruprecht
ward eine Viertelstunde lang ganz aus den Augen gelassen und der alte Konrad
spielte die Hauptrolle beim Tischgespräch er wurde um die wahrscheinliche
Gefahr beim Ungewitter und beim schnellen Austreten des Flusses gefragt und
erhielt denn die Weisung sich sogleich zu entfernen ein Maß Wein zu trinken
und zur Ruhe zu gehen
    Höre doch Kurd rief ihm Thomas nach was mag der letzte fürchterliche
Donnerschlag für Schaden getan haben dass er traf glaubte ich zu hören
    Er hat des von Dülmen Säule von der Spitze bis auf die Stufen zertrümmert
war die Antwort morgen sollt ihr mehr davon hören
    Verzeiht Herr Pfalzgraf sagte Thomas da jetzt Kurd fort war und er sich
von der Freude ihn geborgen zu sehen wieder erholt hatte dass ich mir in eurer
Gegenwart so viel Freiheit nehme aber meine Knechte sind mir so lieb wie meine
Kinder beide haben mich nach Palästina und wieder heraus begleitet Vincent war
mein Reisiger und Konrad mein Knappe dem letzten habe ich zweimal mein Leben zu
danken so wie ich auch ihm das seinige einmal rettete noch einmal es ist
zwischen ihnen und mir das nämliche Verhältnis wie unter Vater und Kindern
    Wollte Gott rief Ruprecht jeder Fürst stünd mit seinen Untertanen so wie
ihr mit euren Knechten doch was wollte Konrad mit des von Dülmen Säule
    Diese Säule Herr Pfalzgraf ist ein altes Denkmal in diesen Gegenden bei
welchem ihr vorübergekommen sein müsst und das wir nicht anders zu nennen
wissen als die Säule Alfs von Dülmen weil sein Name und der Name einer
gewissen Alverde die wohl seine Gattin gewesen sein mag unter andern
Charakteren darauf noch lesbar war
    Und wer mag dieser von Dülmen gewesen sein es tut mir leid dass ich das
Monument so kurz vor seinem Untergang nur im Schimmern gesehen habe denn ich
vermute es war eben das das ich vorhin auf einem Absatz des Schlossbergs im
Heraufreiten zur Seite liegen ließ so viel mir der Schein des Blitzes zeigte
eine Gigantische Pyramide auf vier Stufen mit einer kleinen abgestumpften
Nebensäule
    Ihr habt recht gesehen und hört was ich euch von diesen Dingen sagen kann
so wie ich es beim Ankauf dieser Gegend aus dem Munde eines alten Bauern des
jenseitigen Dorfs erfuhr Wer die uralten Eigner dieses Schlosses gewesen sind
weiß ich nicht ich erhielt es aus den Händen derer von Remen die es
andertalbhundert Jahr besessen haben sollen Der erste Ankäufer aus diesem
Hause Evert von Remen fand Gefallen an der wilden Gegend in welcher es lag
wie ich Gefallen daran gefunden habe glaubte sie des Anbauens und der
Verschönerung fähig und beschloss den alten Steinhaufen diese Burg wie sie
noch jetzt ist zum zierlichen Schloss zu machen Bei seinem ersten Eintritt
als Eigentümer warf sich ihm der Schlossbewahrer zu Füßen und bat um Gnade
wegen dessen was er ihm jetzt durch Not gezwungen bekennen müsse Zehn Jahr
fuhr er auf Befehl fort war ich Hüter dieses Hauses bei Antritt meines Amts
ward ich in Pflicht genommen einen Gefangenen welcher damals schon dreißig
Jahr in einem unterirdischen Gefängnis schmachtete auf die Art fortan zu
halten wie er bisher gehalten worden war und ihn sobald dieses Schloss in
fremde Hände käm zu erwürgen Das erste habe ich treulich getan das andre zu
erfüllen ist mir unmöglich Hier sind die Schlüssel zu seinem Kerker tut mit
ihm wie euch gefällt nur macht mich nicht zu seinem Henker
    Evert von Remen schauderte ob den Gedanken einer vierzigjährigen
Gefangenschaft und flog die verjährten Fesseln desjenigen zu lösen dessen
Freiheit das Schicksal so wunderbar in seine Hände gestellt hatte Die Tradition
sagt nicht genau wie er jenen Unglücklichen gefunden habe doch das versichert
sie dass er ich weiß nicht ob mit mehr Freude oder Entsetzen in ihm einen
alten lang verlohrnen todgeglaubten fast vergessenen Jugendfreund eben jenen
Alf von Dülmen fand dem zu Ehren er bald darauf das Denkmal setzen ließ
welches jetzt der Donner gespaltet hat Alf von Dülmen überlebt das Glück seine
Freiheit und seinen Freund nach vierzigjährigem Elend wiedergefunden zu haben
nur wenige Tage Er starb in des von Remen Armen und wurde von ihm auf der euch
bezeichneten Stelle begraben
    Evert fand von nun an die Gegend wo sein Freund so lang gelitten hatte zu
schrecklich um sie zu bewohnen er ließ den Bau des Schlosses und begnügte
sich hier ein Grab gebaut zu haben Er tat nachher große Reisen nach Spanien
Frankreich und Welschland die wie man sagte Beziehung auf die Geschichte
seines unglücklichen Freundes hatten welches aber diese Geschichte war das ist
nie kund worden wirds auch wohl nie werden bis auf jenen großen Tag den
Erklärer aller Geheimnisse Einige behaupten Alf von Dülmen sei sehr in die
Begebenheiten von der Ermordung weiland Kaiser Philips verflochten gewesen
andere wollen auch hier habe jene furchtbare unbekannte Macht von welcher wir
vorhin sprachen und deren Verfolgungen auch ich gefühlt habe die blutige Hand
mit im Spiele gehabt seine Geschichte habe in jenem furchtbaren Gericht Anlass
zu größerer Heimlichkeit und geschärften Gesetzen gegeben als bis dahin üblich
waren Doch wer will auf diese Sagen trauen das gemeine Gerücht ist lügenhaft
in unsern Tagen kann kein großer Herr ohne Verdacht der Vergiftung oder des
Meuchelmords das Leben verlieren und kein Privatmann unvermerkt aus dem Zirkel
seiner Bekannten verschwinden ohne dass man hier die Macht der unsichtbaren
Rächer ahnde Wie man heute denkt so dachte man wahrscheinlich schon vor
zweihundert Jahren zu Kaiser Philipps und Alfs von Dülmen Zeiten die Sache sei
übrigens Wahrheit oder nicht wir werden sie nicht ergründen doch ist jenes
Denkmal der Vorzeit wohl der Wichtigkeit von euch gesehen zu werden ehe ihr
diese Gegend verlasset sollte es auch nur in seinen Trümmern sein
Thomas führte seinen erhabenen Gast nachdem noch die späte Mitternacht in
Gesprächen mancherlei Inhalts herangekommen war in das beste Zimmer seines
Schlosses das den Pfalzgrafen zum Schlafgemach bereitet worden war ein hohes
schallendes Prachtgewölbe mit Mahlereien mancher Art Sarazenenschlachten und
biblischen Geschichten Familienbildern und allegorischen Gemälden ausgeziert
Ruprecht war noch nicht schläfrig und brachte nachdem sich der Schlossherr
zurückgezogen hatte noch eine gute Stunde mit Betrachtung dessen hin was hier
einige gute lombardische Meister geliefert einige Stümper mit krellen Farben
gepfuscht hatten
    Drei Stücke zogen besonders seine Aufmerksamkeit auf sich die er sich
deutete so gut er konnte Das erste waren zwei Helden der Kleidung dem
gezogenen Schwert und der Miene nach beide hielten das entblößte Eisen mit der
Linken und die Rechte des Freundes mit der Rechten Freunde waren sie dies sah
man nicht allein aus den fast in einander gedrückten Händen sondern noch mehr
aus den Blicken voll Liebe mit welchen beide an einander hingen Das sind David
und Jonathan dachte der Pfalzgraf der es mit der ziemlich modernen Rüstung der
beiden Krieger und dem Kreuz auf dem Brustschild nicht so genau nahm Der arme
David wie bleich wie verfallen er scheint eben erst aus der Höhle Asel
hervorgegangen zu sein um mit Sauls Sohne den Todesbund der Freundschaft zu
beschwören
    Ruprecht der sich seiner Meinung nach das erste von seinen
Lieblingsgemälden so wohl gedeutet hatte war schnell fertig aus den andern
ebenfalls eine biblische Geschichte zu machen Dieser Kerker sagte er zu sich
selbst dieser Mann in Fesseln und diese freundliche Gestalt die ihm die
wunden Hände lossschliesst stellen nichts anders vor als Sankt Peters Befreiung
durch den Engel sonderbar dass dieser Engel ohne Flügel und kein Jüngling
sondern ein bärtiger Mann ist vermutlich eine Grille des Mahlers welcher etwa
wähnte die Erscheinung einer himmlischen Gestalt möchte den heiligen Apostel zu
sehr geschreckt haben Aber hier dieses dritte Bild das so hässlich es
gesudelt ist meine Aufmerksamkeit doch so sehr rejetzt  Die
Schöpfungsgeschichte kann es nicht sein denn ich sehe hier zwei
Menschengestalten die aus den Händen zweier Schöpfer hervorgehen das was
Geschaffen wird ist kein Adam sondern eine gewappnete Gerechtigkeit mit Wage
und Schwert  Die Bildner tragen einer das kaiserliche Diadem der andre die
dreifache Krone  Sankt Peters Nachfolger scheint dem ersten die Künste
abzusehen  aber was er fertigt wird keine Göttin wird ein feierspeiendes
Ungeheuer dessen Missgestalt die Binde nur schlecht verbirgt  Gott und alle
Heilige was mag das bedeuten  In meiner Kindheit erzählte mir mein Lehrer
eine heidnische Fabel von Epimeteus der seinem Bruder das Bildnerhandwerk übel
nachahmte passte hier nur eine der Gestalten ich würde raten   doch raten
hilft hier nichts und  setzte er gähnend hinzu ist unnütz was gehen mich die
seltsamen Phantasien der Vorwelt an
    Noch ein Blick auf das letzte Bild der den Pfalzgrafen unter der einen
Hauptfigur den Namen Karolus M lesen ließ und die Kerze wurde ausgelöscht
welche den schlaftrunkenen Forscher nicht behilflich sein wollte auch den
andern Namen zu erkennen
    Ruprecht legte sich zur Ruhe aber so müde er auch war verzog doch der
Pfalzgraf seine Augen zuzudrücken An die gesehenen Bilder dachte er zwar nicht
mehr aber andre Ideen durchkreuzten sein Gehirn und verscheuchten den
Schlummer Die alte Geschichte dieses Schlosses von welcher ihm der
gegenwärtige Besitzer nur so unvollkommene Fragmente geliefert hatte Alf von
Dülmen und vor allen Evert von Remen welcher wie Thomas Knebel ihm gesagt
hatte unter päbstlichem Bann ohne Einsegnung und Sakrament gestorben war
schwebten ihm im Sinn und er tat sich tausend Fragen hierüber deren
Beantwortung er an eben den Ort gestellt sein lassen musste von welchem er die
Enträtselung jenes Bilds von Epimeteus und seinem Bruder stellen musste
    So befiel ihn endlich weit gegen den Morgen der Schlaf welcher ihm ein
Gewühl von Träumen brachte so bunt und verworren als seine Ideen vor dem
Einschlafen gewesen waren bis zuletzt folgendes Gesicht so hell und deutlich
vor ihm aufstieg als wär es etwas mehr als nächtliches Schattenwerk gewesen
    Eine männliche Gestalt voll Majestät und Würde stand vor ihm Kennst du
mich fragte sie nachdem sie ihn eine Weile mit festem Blick angesehen hatte
    Du bist eine von den Figuren die ich gestern sah erwiderte Ruprecht
bist der David jenes Jonatans
    Mein Name ist Adolf Graf von  oder Alf von Dülmen wie jene
Unglücksbenennung lautet unter welcher ich den Weg zu Tod und Elend ging
Ruprecht Ruprecht du wirst einst Kaiser sein Siehe das Blut das an meinen
Händen haftet es ist Kaiser es ist Freundesblut steure der blinden
Gerechtigkeit die mich mit demselben besudelte steure ihr dass sie nicht ganz
jenem feuerspeienden Ungeheuer ähnlich werde das du im Bilde gesehen hast 
Was sie in meinen Tagen im Verborgenen übte das wagt sie in den deinigen
kühner noch einmal steure ihr so wahr du einst Kaiser sein wirst
    Ruprecht schauerte in sich zusammen und erwachte Er lag lange um dem Traum
nachzudenken der ihn erweckt hatte Gedanken stiegen in ihm auf die seiner
Deutung ziemlich nahe kommen mochten aber immer blieb es noch dunkel vor ihm
Heller zu sehen hätte er Alfs von Dülmen Geschichte wissen müssen deren
Enthüllung wie vorigen Abends Thomas Knebel sagte nur für jenen großen Tag
den Erklärer aller Geheimnisse aufbehalten zu sein schien
    Der Mond schien hell durch die Fenster des Schlafgemachs der Pfalzgraf
misstrauisch auf sein Gedächtnis verzeichnete alle Worte seines Traums auf eine
Tafel die er bei sich zu tragen pflegte und stand denn auf um das Bild der
beiden Freunde noch einmal zu betrachten die er des vorigen Abends für Jonathan
und David gehalten hatte Es ward hinlänglich von dem einfallenden Mondstrahl
beleuchtet um ihm in dem letzten die volle Ähnlichkeit Alfs von Dülmen zu
zeigen so wie er ihn eben im Traum gesehen hatte jener Petrus im Gefängnis
zeigte das nämliche
    Noch war ihm alles ein Rätsel Ein Schauer wie man ihn nur da fühlen soll
wo Geister uns umschweben befiel ihn er eilte auf sein Lager zurück und
verhüllte sich in die Decken wo sich bald darauf ein Schlummer seiner
bemächtigte welcher so tief war so völlige Vergessenheit alles Vergangenen mit
sich brachte dass der Pfalzgraf in der Folge mehrmal versichert hat er habe
kein anderes Denkzeichen desselben für sein Gedächtnis als was er davon in der
Nacht in sein Taschenbuch geschrieben habe
    Es war heller Tag als der Schlossbesitzer vor sein Bette trat und ihn zu
erwecken suchte Ruprecht fragte indem er sich die Augen rieb ob sein Pferd
gesattelt sei und er seine Reise weiter fortsetzen könne
    Erhebet euch Herr Pfalzgraf war die Antwort um die Entscheidung eurer
Frage selbst zu sehen Ruprecht richtete sich auf Thomas schlug den Vorhang
zurück und deutete auf die hohen Fenster durch welche man ins Tal hinab wie
in eine wallende See sah Was ist das schrie der Pfalzgraf  Nichts
antwortete Thomas Knebel als die Gewissheit dass ihr heute und morgen nicht
reisen könnt der anhaltende Regen hatte schon gestern den Fluss der bei seinen
hohen Ufern doch so leicht überströmt dermaßen angeschwellt dass euch das
Fortkommen ziemlich erschwert worden sein möchte gegen Morgen hat ein Sturm 
Ich glaube dass ihr einst den jüngsten Tag verschlafen werdet weil ihr diesen
verschlafen habt  ein Felsenstück am Eingang des Tals losgerissen und in den
Fluss gestürzt welches uns die völlige Überschwemmung gebracht hat Die Leute
aus dem jenseitigen Dorfe welche mein Haus versorgen sind vor einer Stunde auf
Kähnen angekommen und haben diese Nachricht mitgebracht Seid indessen ruhig
Herr Pfalzgraf auf unserm Berge sind wir sicher die Flut steht noch mehrere
Ellen tiefer als Dülmens Säule und wie hoch wir über denselben wohnen ist euch
bekannt
    Ruprecht stand auf und ging bald darauf mit seinem gastfreien Wirte
hinaus die Verheerung anzusehen welche das Wasser angerichtet hatte es war
ein schauerlicher Anblick den sie von ihrer Höhe hatten Der Schlossberg und
seine Nachbarn die sich ringsum noch höher als er Himmelan türmten standen
wie einzelne unter sich nicht verbundene Inseln in der allgemeinen Flut der
Strom dessen Bette in der großen Wasserfläche durch den reißenden Zug seiner
Wellen noch kenntlich war führte Felsstücke ausgewurzelte Bäume und Trümmer
von Häusern und Fahrzeugen mit sich fort ein schnell vorübergehendes immer
änderndes Schauspiel des Schreckens Der Pfalzgraf und sein Freund tronten wie
Götter über der allgemeinen Verheerung aber über ihnen hing noch ein ganzer
Himmel voll Ungewitter und unter ihnen zeigte die vom Donner zerschmetterte
Säule von Dülmens wie wenig auf die Sicherheit dieses Gebürgs zu trauen sei
    Herr Pfalzgraf sagte Thomas nach einer gedankenvollen Pause gefällt es
euch so wollen wir hier hinabsteigen und sehen was der Stral des Himmels von
jenem Denkmal unversehrt gelassen hat das mir jetzt merkwürdiger als jemals
ist 
    Und warum heute mehr als sonst fragte Ruprecht  Nicht darum erwiderte
er weil wie ihr vielleicht wähnen möchtet mir der Arm des Himmels genauere
Untersuchung dessen nunmehr erschwert hat was ich all die Zeit über da ich
hier wohne mit so leichter Mühe hätte betrachten können ehemals zu tun nein
weil ich heute eben erst heute oder vielmehr schon gestern erfahren habe dass
das was hier in einen Steinhaufen zusammengestürzt liegt mehrere Betrachtung
würdig ist als die meisten Monumente die ein Freund dem Andenken des andern
weiht Diese Steine decken nicht nur die Asche eines Menschen der bei seinem
Leben denen die ihn liebten wichtig sein mochte nein wahrscheinlich
verschließen sie Dinge an welchen noch der Nachwelt gelegen ist und die euch
der einst Kaiser sein wird besonders wichtig sein müssen
    Ruprecht sah seinen Begleiter bei diesen Worten mit starren Augen an er
hatte ähnliche diese Nacht im Traume gehört dieser Traum welcher fast gänzlich
aus seinem Gedächtnis verwischt war schwebte wie ein dunkles Bild schnell vor
ihm über dicht an denselben kettete sich die Idee von dem was er diese Nacht
niedergeschrieben hatte auch dieses schien ihm Traum zu sein doch griff seine
Hand maschienenmässig nach der Tafel die er bei sich trug und die den Beweis
enthalten musste was von der ganzen Sache zu halten sei
    Thomas war indessen einige Schritte vorausgegangen Ruprecht stand still
las was er diese Nacht bei Mondenlicht von jenem Nachtgesichte aufgezeichnet
hatte das Ganze vergegenwärtigte sich seiner Seele auf einmal aufs lebhafteste
er sah Alf von Dülmen gleichsam wieder vor sich stehen hörte die Worte die ihm
das Kaisertum weissagten und dachte sich einen Zusammenhang unter diesen
Dingen den er selbst noch nicht absehen konnte den er erst aus dem Munde
seines Freundes vernehmen wollte er beschloss zu schweigen bis er ihn erst
gehört hätte und ging vollends langsam den Abhang hinab wo Thomas unter den
Trümmern stand und sich mit Hinwegräumung der leichtern herabgerissenen Steine
beschäftigte
    Herr Pfalzgraf rief er als er Ruprechten herannahen sah indem er von
seiner Arbeit abliess Hört was mir Konrad diese Nacht von diesem Orte gemeldet
hat Der Wetterstrahl der dieses Gebäude zertrümmerte fiel in dem Augenblick
herab da mein Knecht auf seiner Heimkehr nicht zwanzig Schritte von hier
entfernt war Betäubt von dem Schlage der uns viel weiter Entfernte zittern
machte stürzte er zu Boden der Regen welcher auf ihn troff brachte ihn
endlich zu sich selbst  Er erhub sich und schleppte sich langsam fort aber
seine Schwäche war so groß dass er nicht weiter kommen konnte als bis auf die
Stelle wo der Blitz getroffen hatte Konrad sank auf einem der herabgerissenen
Steine nieder wo er noch über eine Stunde halb sinnlos gelegen haben muss denn
völlig erholte er sich erst denn wieder als das Ungewitter nachgelassen hatte
Er besann sich jetzt ganz auf das was ihm wiederfahren war und beschloss da
der Himmel sich ein wenig zerteilte und der Mond hinter den schwarzen Wolken
hervortrat hier noch eine Weile zu ruhen und denn den nicht kleinen Rest des
Weges nach dem Schloss vollends zurückzulegen Hier war es wo ihm der
Mondstrahl unter den umhergestreuten Trümmern etwas glänzendes in die Augen
fallen ließ das er weil die Sage von vergrabenen Schätzen die bei jedem alten
Denkmal nicht fehlt auch hier ihr Recht behauptet hat für Gold hielt und zu
sich nahm es war dieses kleine küpferne Schild das er mir bei seiner Heimkunft
mit Erzählung des ganzen Vorgangs einlieferte und dessen Inschrift ihr jetzt
selbst lesen mögt
    Ruprecht nahm und las in Charakteren die drei halbe Jahrhunderte nicht ganz
unkenntlich gemacht hatten folgendes »Evert von Remen setzte dieses Denkmal
der Schuld und der Unschuld seines Freundes Graf Adolfs von   Grabe tiefer
du dem der Arm des Himmels diese Höle öffnete und bist du aus dem
Fürstenstamme desjenigen welcher unschuldig für Kaiser Philipps vergossnes Blut
büßen musste so wisse dass du einst Kaiser sein wirst die Wage der
Gerechtigkeit richtig wägen und ihr Schwert mit Schonung strafen zu lehren«
    Was ist das rief Ruprecht indem er die Tafel fallen ließ und auf wen mag
dies gehen
    Ich weiß nichts weiter sagte Thomas als dass die Welt nun zwei Seculo
hindurch den durch Peter von Kalatin hingerichteten Pfalzgrafen Otto von
Wittelsbach für Kaiser Philipps Mörder hielt und dass ihr Pfalzgraf Ruprecht
einer der Urenkel jenes Fürstenhauses seid Nicht ohne mühsames Forschen habe
ich diese Nacht über diesen kleinen Schimmer von Licht in der dunkeln Weissagung
gefunden ihr seid weiser und gelehrter als ich seht ob ihr mehr entdecket
    Das Vornehmste sagte Ruprecht nach langen Schweigen wird wohl hier sein
nach Ausweisung der Schrift tiefer unter diesem Gestein nachzugraben mehrere
Nachricht auf die ich hoffe wird uns des unnützen Grübelns überheben
    Die Arbeit von welcher hier die Rede war war nicht für den Pfalzgrafen und
seinen Begleiter man konnte sich auf die Treue der beiden Knechte Thomas
Knebels verlassen man sagte ihnen so viel von der Sache als sie die beide
nicht lesen konnten wissen mussten und ehe die Sonne zweimal unterging hatten
sie unter Aufsicht ihres Herrn ein kleines bleiernes Kästchen zu Tage gefördert
welches er dem Pfalzgrafen brachte
    Es ward geöffnet und das darin gefunden was unsere Leser in einigen
Stunden der Musse beschäftigen kann so wie es Ruprechten und den treuen Thomas
viele Tage lang beschäftigte da sie im Lesen nicht so geübt waren wie die
klügere Folgezeit da die etwas veralteten Charaktere ihnen das Lesen
erschwerten und eine Menge zwischen eingestreuter mündlicher Anmerkungen
dasselbe weiter ausdehnte als bei Personen geschehen kann die bei diesen Dingen
nicht so viel Interesse haben als der Pfalzgraf und sein Gefärte Sie fanden
hier übrige Unterhaltung für alle die Tage welche Ruprecht wegen der
Überschwemmung auf dem Schloss verweilen musste die Wasser verliefen sich und
sie waren mit Beherzigungen noch bei weiten nicht zu Ende welche einen tiefen
Einfluss in die Zukunft hatten Welches ihre Betrachtungen und Plane waren wird
der Leser besser erraten können wenn er gelesen hat was sie lasen
    Ruprecht nahm diese Schriften als er das Schloss wieder verlassen und seine
Reise fortsetzen konnte mit sich O Thomas sagte er was für Dinge habe ich
in eurem Hause erfahren und welche Gedanken haben sich in meiner Seele
entwickelt
    Denket daran versetzte der Alte wenn ihr einst Kaiser sein werdet und
erfüllt das Gute was jetzt in eurem Herzen reifen mag
    Everts von Remen und seiner so mühsam auf Kosten seiner Ruhe und seines
Lebens gesammelten Schriften werde ich wohl ewig gedenken und die Wünsche für
Gerechtigkeit und Gericht die daher in meiner Seele entglommen sollen nimmer
erlöschen aber ob ich je der Mann sein werde sie auszuführen ob ich je Kaiser
sein werde oder ob ich es nur sein möchte das ist eine Sache die wir
unentschieden lassen wollen In allen diesen Blättern habe ich nichts gefunden
das Everten von Remen in meinen Augen das Ansehen eines Propheten geben könnte
und seine Weissagung nebst etwa einem seltsamen Traume ists doch allein was euch
und mir die Gedanken an den Kaiserstuhl in den Sinn bringen könnte
    Wir wollen die Sache Gott und der Zeit überlassen sagte Thomas ihr aber
gedenkt in eurer künftigen Hoheit der hier verlebten Tage der hier gefassten
Entschlüsse und des alten Mannes der euch jetzt nicht ohne eine Träne von
sich lassen kann
    So gewiss werde ich seiner denken erwiderte Ruprecht dass ich denn kommen
werde ihn zu mir zu holen damit er mein Freund und Ratgeber sei und mir
ausführen helfe wozu jetzt mir Menschenkräfte zu schwach dünken
    Thomas schüttelte den Kopf und meinte dies wär schlechter Lohn für die
genossene gute Bewirtung wenn er noch auf seine alten Tage der ruhigen
Einsamkeit die sein Glück machte beraubt und in die Welt zurückgeschleudert
werden sollte
    Der Pfalzgraf lachte des Eifers mit welchen sein Freund sprach O wie fern
rief er mit gefalteten Händen wie unglaublich fern sind diese Dinge noch von
mir und euch mich dünkt ihr könntet kühnlich versprechen wozu ihr vielleicht
nie in der Würklichkeit aufgefordert werden dürftet
    Und fern sehr fern waren wirklich die Dinge noch von welchen hier die Rede
war Mehr als zehn Jahre vergingen und der Pfalzgraf blieb noch immer der er
war ohne an das Kaisertum zu denken oder wie so viele um und neben ihm
taten ängstlich danach zu ringen Die Begebenheiten bei des von Dülmen Säule
schien er ganz vergessen zu haben wenigstens hat er sie nie gegen jemand
erwehnt und sie sind erst lang nach seinem Tode vielleicht als wofür wir
nicht stehen können durch die Tradition ein wenig verfälscht ans Licht
gekommen aber was ihm das Schicksal beschieden hatte erfolgte doch endlich
Nach Kaiser Wenzels Absetzung fielen alle Stimmen auf ihn er erlangte die
Würde die ihm geweissagt worden war Das Kriegsschwerd und andere Unruhen
verhinderten ihn lange die Verbesserungen und Beschränkungen im Gebiet der
rächenden Gerechtigkeit vorzunehmen die in den damaligen Zeiten so nötig
wurden dass es keiner Geschichte eines Alf von Dülmen bedurft hätte um sie zu
veranlassen aber endlich begann1 er was erst unter Kaiser Siegmunds Regierung
und doch nicht ganz so wie er es geendet haben würde zu Stande gebracht wurde
Thomas Knebel ward sein Rat so wie er bisher sein Freund gewesen war er
überlebte den edelen Mann der es so wohl verdient hatte Kaiser zu sein der
verdient hätte es noch länger zu bleiben und war einer von denen welche
Ruprecht verordnet hatte das Erbe unter seine Kinder zu teilen dann kehrte er
in sein einsames Schloss zurück froh an den Gränzen eines Lebens zu stehen das
nach dem Verlust seines königlichen Freundes allen Reiz für ihn verloren hatte
 
                           Geschichte Alfs von Dülmen
                        Evert von Kemen an die Nachwelt
                                      1252
So nimm sie denn hin Nachwelt diese Blätter und du in dessen Hände sie
geraten bedenke dass sie dem Sammler teuer zu stehen kamen und nutze sie
wie du urteilen kannst dass er sie genutzt haben würde hätte die Lage der
Sachen es nicht gehindert
    Ich hatte im Frühling des Lebens einen Freund ob er meiner Treue ganz so
lohnte wie er gesollt hätte das gehört nicht an diese Stelle von ihm nicht
von mir will ich die Folgezeit unterhalten 
    Ich hatte einen Freund wir wurden getrennt wie Menschen oft getrennt
werden Das Schicksal führte einen jeden seinen eigenen Weg der meinige ging
weit aus meinem Vaterlande Abwesenheit brachte Vergessenheit ich war ein
Mensch wie hätte nicht auch ich endlich vergessen sollen den der mich vergaß
Doch fragte ich als ich im späten Herbst der Jahre mein Vaterland wieder sah
Wo ist der Freund meiner Jugend wo ist Graf Adolf von  Jedermann schwieg 
Wo ist Alf von Dülmen wiederholte ich in der Meinung die Nachwelt würde jenen
Unglücksnamen über dessen Annehmung wir zuerst uns entzweiten besser kennen 
Man zuckte die Achseln  Da ging ich hin in irgend eine Einsamkeit sein
Andenken zu beweinen welches der Anblick des Himmels unter dem er und ich
geboren waren wieder neu machte Ich suchte einen verlassenen Winkel meines
Vaterlands dem Andenken des Verlohrnen Vergessenen oder Verstorbenen ihm und
noch einer deren Namen ich nie ohne Tränen nennen kann meine letzten Tage zu
widmen  Ich suchte und das Schicksal ließ mich die Stelle finden wo mir
schreckliche Aufklärung all meiner Zweifel bevorstand Ich kaufte ein Haus und
wusste nicht was ich mit ihm gekauft hatte wusste nicht dass ich durch den Besitz
dieser verfallenen Burg Herr über Freiheit und Leben meines Verlohrnen geworden
war O warum wurde ich es nicht vierzig Jahre eher
    Länger als diese genannte Zeit hatte Alf von Dülmen in dieser Hölle die
Ketten von Henkern getragen die ich nicht nennen kann Ich glaubte einem
Unbekannten die Pflicht gemeiner Menschlichkeit zu leisten indem ich seine lang
getragnen Fesseln lösste und der Freund meiner Jugend lag in meinen Armen O Alf
von Dülmen wie gern hätte ich deinem Leben die Hälfte des Rests meiner Tage
zugesetzt um nur noch eine kurze ganz kurze Zeit die Freude gehabt zu haben
dich gerettet getröstet erfreut dem Grabe zuwandeln zu sehen aber diese
Freude sollte mir nicht werden Vierzigjähriges Elend konntest du ertragen aber
die Wiederkehr besserer Tage das Wiedersehen der Sonne die Wiedervereinigung
mit deinem Freunde tödtete dich
    Mein Wiedergefundener mein Alf von Dülmen starb in den ersten Tagen des
Wiedersehens in meinen Armen ich grub ihm dieses Grab türmte über seiner
Asche diese Marmorsäule auf grub Worte darauf ihm zum Gedächtnis ihm und
seiner Schwester Alverde deren Gebeine nicht hier ruhen die einst in andern
Gegenden zur ewigen Wiedervereinigung erwachen wird Sie war mir unvergesslich
wie er sie  doch genug von dem was sie betrifft
    Mein Freund hatte mir ein Erbteil hinterlassen die traurige
verhängnisvolle Geschichte seines Lebens Nachwelt ich bin dir sie schuldig
Leiden wie die seinigen dürfen nicht der Vergessenheit überlassen werden Aber
soll ich dir sie geben wie er mir sie gab Sie war mit der Feder des düstersten
Selbstasses geschrieben ohne Erklärung würde sie dir einen Begriff von ihm
beibringen welcher der Wahrheit Gewalt antät  Alf von Dülmen war nicht
unschuldig aber er war auch der Verbrecher nicht für den er sich selbst hielt
andere brauchten ihn zum Werkzeug ihrer finsteren Entwürfe die Schuld ihrer
Verbrechen sei über ihnen 
    Die Rechtfertigung meines Freunds zu bewürken seine Entschuldigung und
anderer Bosheit aufzudecken überwand ich die Unmöglichkeit Ich spähte die
schriftlichen Beglaubigungen beider aus und entriss sie der Dunkelheit in
welcher sie begraben lagen Die Kabineter der Könige die Archive der Klöster
selbst St Peters Heiligtum öffneten sich mir und gaben ihre Heimlichkeiten
heraus mir folgte Fluch und Bannstrahl man schrie mir nach ich sei getäuscht
worden was ich gesammelt habe seien Lügen man sei unschuldig an dem was ich
nur auf meine Gefahr wagen dürfe ans Licht zu bringen
    Gut dem sei so Wer kann hier über Menschen Schuld und Unschuld
entscheiden  Nicht ihre Drohungen sondern das Gefühl weniger Macht und die
Möglichkeit dass ich auch Ihnen unrecht tun könne bewogen mich das zu
unterdrücken was ich gern gegen alle vier Winde des Himmels ausschreien möchte
Nimm es auf heiliges Denkmal in deine Schatten Lieferst du es einst in die
Hände eines Weisen oder Mächtigen so nütze er es mit Klugheit Vielleicht sind
denn schon Jahrhunderte über meine und meines Freundes Asche hingeflogen und es
kümmert niemand mehr ob Alf von Dülmen schuldig oder unschuldig war aber seine
Geschichte ist nicht ohne gute Lehre und nachdem die Zeit ist in welcher sie
sich aus der Dunkelheit hervorwindet nachdem wird ihr Nutzen sein Vielleicht
groß wenn sie Zeit genug kommt dem Übel zu steuern das jetzt unter dem Namen
der Gerechtigkeit Unheil stiftet vielleicht klein wenn sie erst in
Jahrhunderten erscheint in welchen Dinge unter deren Druck jetzt die Welt
seufzt längst vernichtet und zur Fabel geworden sind
 
               Der Kardinal Lothar an den Bischof von Kastilien
                                     1198
Ich schreibe euch noch unter meinen alten Namen ungeachtet ich schon eines
neuen und glorreichern gewiss bin Bald wird die ganze christliche Welt mich als
ihr sichtbares Oberhaupt verehren aber dem ehrwürdigen Hirten der kastilischen
Heerde werde ich nie etwas anders als Freund sein
    Noch würde ich nicht gesiegt haben wär nicht der alte Nebenbuhler meiner
Größe der alte Feind all meiner Anschläge wär nicht Philipp von Tuscien
schnell nach Deutschland gefordert worden daselbst seine eigenen
Angelegenheiten zu betreiben und wisst ihr worin dieselben bestehen in nichts
geringeren als in der Erlangung des Kaisertums O mein Freund bekennt die
Übermacht meiner Einsichten gegen die eurigen  Als Kaiser Henrich Philippen
die Vormundschaft über den unmündigen Friedrich auftrug da wart ihr bereit zu
wetten der treuherzige Schwabe wie ihr den Tuscier nanntet würde Blut und
Leben für das Wohl seines Mündels aufopfern würde ehe sterben als diesem Kinde
die römische Krone entreißen lassen ihr wisst was ich euch damals sagte jetzt
liegt der Erfolg meiner Behauptung am Tage Die deutschen Fürsten mögen kein
Kind zu ihrem Herrscher haben und der ehrgeizige Philipp vergisst seine
Vormundschaft so ganz dass er sehr geneigt ist sich in ihren Eigensinn zu
fügen
    Ob es ihm gelingen ob es meinem alten Hasser gelingen wird  Ihm ward am
nämlichen Tage der Kaiserstuhl geweissagt da mir jener Mönch die dreifache
Krone prophezeihte die letzte ist mir gewiss wird es ihm auch der erste sein
Er hat mächtige Nebenbuhler mir darf sich niemand entgegen setzen Zwar dem
geizigen Herzog von Zähringen könnte er wohl seine Ansprüche mit Gelde abkaufen
aber was will er gegen den weisen uneigennützigen Bernhard von Sachsen beginnen
welcher zum Kaiser geboren zu sein scheint Mir wär  da doch nun einmal das
Schicksal die Päbste und die Kaiser in seine Wagschalen gesetzt hat einander
das Gegengewicht zu halten  mir wär ein solcher Gegenmann wie Bernhard
fürchterlich und wenn ich alles betrachte so wollte ich fast Philippen noch
lieber als ihm das Diadem gönnen  Auf jeden Fall müssen Maßregeln genommen
werden und hört wie ich sie genommen habe
    Ich komme von dem Sterbebette der Kaiserin Konstanzia Ich habe ihr Philipps
Treulosigkeit nachdrücklich vorgestellt und das dadurch erlangt was ich
wünschte Philipp sagte sie verlässt seinen Mündel und sucht das für sich was
dem Sohn Kaiser Henrichs zukam Wohl gut ich muss die Sorge für dieses
unglückliche Kind treuern Händen empfehlen Ich lege sie in die eurigen Graf
von Segni in die eurigen ihr den ich schon als Stattalter Christi verehre
Legt eure Hand in die meinige und schwöret mir dass ihr dem verlassenen
Friedrich die Krone seines Vaters erhalten wollt
    Ich schwur ihr Friedrichen die Krone seines Vaters zu erhalten wobei ich
zwar eigentlich keine andere in den Sinn nahm als die von Sizilien doch würde
ich gar nicht dawider sein wenn ich ihm auch die deutsche erhalten könnte
Friedrich wär Kaiser der Pabst sein Vormund könnte etwas glücklichers für die
Christenheit erdacht werden  Doch dieses Unternehmen möchte wohl wie ich
besorge zu viel Blut kosten möchte mir auf alle Art unausführbar sein ich
kenne den Starrsinn der deutschen Fürsten und hütete mich daher wohl etwas
mehr zu versprechen als ich halten konnte Die Kaiserin war nach Art aller
Matronen unfähig ein Misstrauen in die Worte eines Geistlichen zu setzen glaubte
durch mein Versprechen all ihre Wünsche gewährt und entschlief wohl zufrieden
    Friedrich ist nun mein Mündel und König von Sizilien aber nur auf gewisse
Bedingungen welche heute zu melden da ich noch Graf von Segni oder Kardinal
Lothar bin lächerlich sein würde morgen wird der Pabst aus einem andern Tone
sprechen
    Das was euch nach der Standserhöhung eures Freundes in diesem Briefe das
Wichtigste sein wird habe ich auf die letzt verspart Die unter uns beiden
beschlossene Vermählung des kastilischen Prinzen mit der jungen Gräfin von
Toulouse ist so gut als richtig heute habe ich Nachricht von dem Beichtvater
des Grafen er hat mit ihm von der Sache gesprochen und ihn geneigt gefunden
und ihr könnt auch nun eurem Könige davon sagen dessen Einwilligung zu
erhalten es euch nicht an Mitteln fehlen kann
 
        Bernhard Herzog zu Sachsen an Pfalzgraf Otten von Wittelsbach
                                     1198
Mit was für Herzen mein Otto hätte ich nach dem Kaiserstuhl streben oder
vielmehr da er mir geboten wurde ihn annehmen sollen Die sichtbare und die
unsichtbare Obergewalt im deutschen Reiche können und dürfen nie in einer Person
vereinigt sein ich hätte die letzte aufgeben müssen um die andre zu behaupten
und urteilt ihr selbst ob dieser Tausch vorteilhaft gewesen wär Das höchste
Gut des redlichen Mannes ist Gelegenheit und Macht der Bosheit zu steuern und
das Gute empor zu bringen Der Stuhl2 auf welchem ich im Verborgenen sitze
gibt mir dieser Gelegenheiten tausend ich möchte sie nicht missen um zehn
Kaisertrone auch ist das Schwert furchtbar das ich in den Händen trage ich
möchte seine Schärfe keinen andern als den meinigen anvertrauen Unheil damit
anzurichten wär leicht wie sollte ich es um einen Szepter vertauschen und
dadurch den der wie ihr wisst nach mir der nächste ist und der es nach mir
aufnehmen würde in Gefahr setzen ein Tyrann zu werden
    Dinge wie diese versteht kein Profaner ihr die ihr schon auf gewisse Art
zu den Wissenden gerechnet werden könnt könnt viel davon verstehen
    Nein mein Otto ich neide Kaiser Philippen nicht seiner Erhöhung und
zürnen könnte ich nur aus einem Grunde mit ihm Der Herzog von Zähringen hat
sich seine Ansprüche um 12000 Mark abkaufen lassen wie habe ich verdient dass
mir ein ähnliches geboten wurde  Doch Philipp kennt Bernharden von Sachsen
nicht das ist seine Entschuldigung Es ist verschmerzt mein Zorn ist vorüber
Zum Zeichen wie gut ich es mit dem neuen Kaiser meine sagt ihm was er
unmöglich noch wissen kann ihr wisst keine Posten gehen schneller als die
unsrigen sagt ihm der nunmehrige Pabst fange an sich ihm als einen
fürchterlichen Feind zu beweisen Die Vormundschaft über den jungen König von
Sizilien hätte nicht vernachlässigt werden sollen sie ist nun in seinen Händen
Doch dies ist eine alte Zeitung aber diese ist neu dass er den kaiserlichen
Präfekt der Stadt Rom gezwungen hat ihm dem Pabst den Eid der Treue zu
schwören dass Markgraf Markard der Mark Ankona und Konrad von Schwaben seines
Herzogtums Spoleto beraubt nächstens in Deutschland sein werden dass alle
lombardischen Städte sich dem furchtbaren Innozens unterwerfen und Tuscien
nächstens das nämliche tun wird Seht hier eine Menge Dinge die Philipp
eilig wissen muss um Gegenvorkehrungen zu treffen Gehet empfehlet euch ihm mit
denselben Er hat schöne Töchter und keinen Sohn könnte er sich doch mit einer
derselben Pfalzgraf Otten zum Sohn eintauschen dies würde Glück für beide sein
mich dünkt Philipp braucht einen Helden wie ihr zur Stütze seines Trons der
wahrscheinlich besonders von Rom her viel Erschütterungen erfahren wird und
ihr braucht eine holdselige Gattin die euch nachdem ihr lang genug die
Mühseligkeiten des Kriegs empfandet die Freuden des häuslichen Lebens schmecken
lehre Möchte mir doch ähnliches Glück lachen möchte mich doch der Besitz der
schönen Adila von Pohlen meinen trübseligen Wittwerstand vergessen machen Doch
sie ist noch sehr jung und die Sache leidet Aufschub
 
                        Elise von Schwaben an die Gräfin
                               Alix von Toulouse
                                     1198
Ich komme wieder in deine Arme meine Freundin der Glanz am Hofe meines Vaters
kann Elisen nicht fesseln Du weißt was ich fühlte als Philipp ehemals den
Aufenthalt in meinem Vaterlande dem friedlichen Schwaben mit dem stolzen
Tuscien verwechselte Die italienischen Herrlichkeiten behagten mir nicht ich
wählte das Kloster in welchem ich dich wusste und söhnte dadurch meinen Vater
mit meiner Wahl aus er der alles Ausländische liebt ließ sich ehe gefallen
seine Tochter zu Lion an der Seite einer französischen Prinzessin erziehen zu
lassen als wenn ich Marienzell wo meine Base Äbtissin ist oder ein anderes
deutsches Kloster zu meinem Aufenthalt erwählt hätte dies sind Schwachheiten
die ich als Tochter vielleicht kaum bemerken sollte  aber wie kann ich die
Augen hier vor so manchem verschließen das mich bekümmert
    O Alix mein Vater hat sich sehr geändert Die Kaiserwürde kann es unmöglich
allein sein die dieses getan hat  Meine Mutter die mich immer mehr als
Freundin behandelte sagt mir Philipp habe in Welschland viel Umgang mit den
Römern gepflogen diese können wohl sein Herz verderbt haben Eine übertriebene
Freundschaft mit dem Grafen von Segni dem nunmehrigen Pabst hatte lange Zeit
Platz genommen sein Haus und das unsrige haben Jahrelang ein Einiges
ausgemacht man hat von nähern Verbindungen durch Vermählung einer meiner
Schwestern mit einem Neffen des damaligen Grafen gesprochen bis ein
unbedeutender Wortstreit einst der Vertraulichkeit auf einmal ein Ende gemacht
und die ehemaligen Freunde in die erbittertesten Feinde verwandelt hat
    Gottlob sagte ich da Irene mir dieses erzählte Gottlob dass ein Ungefähr
den deutschen Philipp von der gefährlichen Verbindung mit einem Ausländer
lossriss  O mein Kind erwiderte sie du sprichst wie die Erfahrung deiner
Jahre es mit sich bringt Entzweiungen dieser Art tragen bittere Früchte man hat
sich ehedem geliebt hat sich Dinge vertraut welche kein andrer wissen durfte
ein Nichts hat die genaue Verbindung zertrümmert und eben darum hasst man sich
desto herzlicher man fürchtet das Andenken vergangener Dinge man besorgt der
andere möge den Bruch rächen und will ihm lieber zuvorkommen so ziehen
Beleidigungen Gegenbeleidigungen nach sich bis endlich Rache die von beiden
Seiten sich ziemlich rechtfertigen kann den einen oder den andern der
ehemaligen Freunde oder vielleicht beide aufreibt Dein Vater hat schon längst
von seinem gewesenen Vertrauten dem Grafen von Segni Proben rächenden Hasses
erhalten die er selbst jetzt im Kaiserstande noch nicht verwinden kann Segni
ward Kardinal und das erste wozu er sich seiner Würde bei Kölestin dem
Dritten bei welchen er viel galt bediente war die Erregung des päbstlichen
Donnerkeils gegen seinen vormaligen Freund  Philipp liegt unter dem Banne wer
soll ihn lösen  etwa der nunmehrige Pabst war er es nicht selbst der dieses
Unglück über ihn herabrief O Kind Kind die Äußerungen des Hasses welche
zwischen deinem Vater und dem Grafen von Segni klein begannen gehen nun
zwischen Kaiser Philippen und Innozens dem Dritten ins Große gebe Gott das sie
nicht blutig endigen
    Meine Mutter gab mir noch einige neuere Beweise von dem was sie sagte und
ich zitterte  Möchte doch Philipp Herzog von Schwaben geblieben sein möchte
er doch diesen Römer und sein verführerisches Vaterland nie gesehen haben
möchte er doch wenigstens nicht Kaiser geworden sein Vielleicht dass wir seine
Kinder uns denn seines Lebens und seiner Vorsorge desto länger zu erfreuen
hätten
    Eins tröstet mich Die deutschen Fürsten beten ihr gewähltes Oberhaupt an
mein Vater  Man sagt mir ich soll ihn Kaiser nennen wenn ich von ihm spreche
oder schreibe aber ich tue solches ungern  Mein Vater hat wieder eine neue
herrliche Eroberung an einem der deutschen Helden gemacht den ich zuvor noch
nie sah O meine Alix welch ein Mann ist der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach
Schön wie der Prinz von Kastilien dessen Bild ich bei dir sah und gut tapfer
und bieder wie der Herzog von Sachsen dessen Seite er bisher hielt auf dessen
eigene Einwilligung er sich nun eben zu meinem Vater wendet
    Lass mich aufrichtig mit dir reden meine Freundin der Wittelsbacher hätte
machen können dass du deine Elise nicht wieder im Kloster gesehen hättest man
spricht von einer Verbindung mit ihm durch eine von Philipps Töchtern er hat
sein Auge auf Kunigunden geworfen und ich fliehe Freilich ist Kunigunde jünger
und schöner als ich aber ich fürchte sie hat ihr Herz in Italien
zurückgelassen
    Ich komme Alix ich komme wieder in deine Arme Ich bringe dir noch eine
Freundin mit meine Schwester Beatrix sie ist zwar noch ein Kind aber in wenig
Jahren wird sie ganz zu deiner Freundin gebildet sein Unsere Mutter sieht es
gern dass ich sie mit nach Lion nehme sie ist mit der Erziehung zufrieden die
ich in unsern heiligen Mauern erhalten habe und wünscht für ihre jüngere
Tochter die nämlichen Vorteile auch sieht sie sie gern von den glänzenden
Szenen eines Kaiserhofs entfernt die ein junges Herz so leicht verderben
können Was meinen Vater anbelangt so hat er für niemand unter seinen Kindern
Augen als für Kunigunden und lässt sich also unsere Entfernung wenn nur sie ihm
bleibt herzlich gern gefallen
    O Elise Elise was hast du da geschrieben Prüfe dich ob nicht in diesen
Äußerungen etwas Neid lauscht Neid gegen Kunigunden wegen Philipps und Ottos
Vorliebe welche sie doch wegen Schönheit Munterkeit Geist und Weltsitte so
sehr verdient  Wahrhaftig Alix ich fühle es ist Zeit dass ich in unsere
heilige Einsamkeit zurückkehre Die Kunst mein Herz zu prüfen mag ich wohl aus
derselben mit in die Welt gebracht haben aber die Kunst es zu besiegen ließ
ich zurück ich muss eilen sie wieder zu finden
 
                    Pabst Innozens III an Kaiser Philippen
                                     1198
Ich höre das Oberhaupt des deutschen Reichs klagt über den Stattalter Christi
wegen einiger Unannehmlichkeiten die ihm von demselben widerfuhren  Mögen
doch der Pabst und der Kaiser Klage wider einander haben wenn nur der Graf von
Segni und Philipp von Schwaben die alte Freundschaft wiederfinden können Oder
habt ihr dieselbe vergessen haltet ihr die Kleinigkeiten die euch seit ich
auf Sankt Peters Stuhl sitze widerfuhren für Erneuerungen alter Fehden die
ehemals unter uns vorfielen  Sollte ich doch nicht glauben dass Philipp
welcher nun selbst weiß was höhere Würden oft von uns heischen so
schwachsinnig urteilen könne Was der Pabst dem Kaiser Pflicht wegen zuwider
tun musste das geht ja die Freunde Lothar und Philipp nicht an Lasst die Kirche
und das Reich diese Dinge mit einander ausmachen
    Um euch indessen zu beweisen wie viel ich euch meinem alten Freunde zu
Liebe zu versuchen im Stande bin so hat derjenige aus dessen Händen ihr dieses
vertrauliche Schreiben erhaltet Befehl mit euch geheime Unterhandlungen zu
treffen und so viel von euren Beschwerden zu heben als nur bei unserer Pflicht
für das uns befohlne Wohl der Kirche möglich ist
    Lebt wohl mein Bruder und empfangt den herzlichsten Glückwunsch zur
erlangten Kaiserwürde und den apostolischen Segen von eurem alten Freunde
 
                              Philipp an Innozens
                                     1198
So viel ich mich erinnere habe ich nie über das geklagt was mir von Rom her
begegnete Wir Deutsche klagen überhaupt niemals wir tragen ein Schwert an der
Seite welches allen Beschwerden ein schnelles Ende macht  Doch ziehen wir es
nie ohne Not und es ist mir daher lieb dass ich von eurem Gesandten dem
Bischof von Sutri Vorschläge gehört habe die mir nicht ganz unannehmlich
dünken Doch ich gedenke nicht über diese Dinge der einige Richter zu sein die
deutschen Fürsten mögen die Sache beleuchten und entscheiden
    Dass ihr als Pabst noch der ehemaligen Freundschaft denkt erfreut mich Es
waren selige Tage die wir entfernt von der Höhe die wir erstiegen haben
verlebten wollte Gott sie möchten wiederkehren  An mir soll es nicht liegen
dass dieses  so fern es möglich ist  nicht geschehe auch könnt ihr mir
glauben dass ich den Kaisernamen den ihr mir in eurem letzten Schreiben zuerst
zugestehet nicht gesucht nicht euch zum Trotz angenommen habe Vielmehr hatte
ich auch hier so wie allemal euer Wohl und das Wohl der heiligen Kirche zum
Augenmerk Philipp ist ein treuer Sohn dieser heiligen Kirche ob er gleich aus
ihrem Schoss verstoßen leben muss er wird ihr und Sankt Peters Nachfolger nicht
so viel Unruhe machen wie mancher andre auf den die Wahl schier gefallen wär
Nehmt den Herzog von Zähringen der überall nur auf seinen Nutzen denkt nehmt
den Philosophum  hätte bald gesagt den Ungläubigen  Bernhard von Sachsen
und fragt euch selbst ob Philipp von Schwaben der euch zu Liebe alles glaubt
was ihr wollt der freigebige Philipp der auch bei dieser Gelegenheit Sankt
Petern ein Zeichen seines guten Willens zusendet ob ihr ihn nicht lieber euch
gegenüber auf dem Throne seht als jene
    Blos um Unheil für euch zu verhüten ward ich Kaiser und aus dem nämlichen
Grunde werdet ihr hoffe ich zugeben das ich es bleibe als welches sich doch
nun nicht ändern lässt
    Hiemit Gott befohlen von eurem geneigten Bruder Philipp
 
                    Pabst Innozens an den Bischof von Sutri
                                     1198
Ich habe ein Schreiben von meinem lieben Sohn und Bruder Kaiser Philippen
erhalten welches mich bis zu Tränen bewegt hat er klagt aus dem Schoss der
heiligen Kirche verstoßen zu sein welcher er so treulich anhangt Diesem Jammer
muss abgeholfen werden und ihr erhaltet hiermit Befehl den frommen Fürsten vom
Banne loszusprechen mit welchem er von unsern in Gott ruhenden Vorfahren wegen
einiger im Toskanischen verübten Gewalttätigkeiten belegt wurde
    Dass dieses auf das feierlichste geschähe wär wohl mein heissester Wunsch
doch äußern sich dabei einige Bedenklichkeiten daher ihr auch dieses Schreiben
kaiserlicher Majestät insgeheim zu zeigen und mit ihr darüber zu rat zu gehen
habt
    Die Excommunication unsers teuren Sohns und Bruders ist so viel uns
wissend nur wenigen bekannt denn wie möchte er sonst bei der Verehrung die
noch jedermann für die Stimme Gottes aus unserm Munde hat durch einhellige Wahl
zum Kaisertum gelangt sein Sollen wir nun durch öffentliche Lossprechung erst
kund machen dass er bisher ein Gebundner des Herrn war würden wir nicht durch
dieselbe ihm vielleicht mehr Leid zufügen als Gutes erzeigen 
    Noch einmal geht ihr selbst mit unserm Freund Kaiser Philipp hierüber zu
rat und was er für gut finden wird das geschehe doch habt ihr überall ihn
durch eure bessere Einsicht in geistlichen Dingen zu leiten
 
                      Von Rom an den Erzbischof von Kölln
                                     1198
Auf Befehl melden wir euch dass der Bischof von Sutri in diesen Tagen Philippen
von Schwaben der wie ihr wisst unter dem Kirchenbann liegt unter Vorwand
päbstlicher Vergunst heimlich losgesprochen und wieder in den Schoss der Kirche
aufgenommen hat bedenket ob euch ansteht dieses zu dulden
    Gar nicht zu gedenken dass ihr bei dieser hochfeierlichen Handlung so
schimpflich übergangen worden seid so liegt euch auch noch überdem ohne
weitere Rücksicht auf euch selbst ob an der Rechtmässigkeit der ganzen Sache zu
zweifeln da die Lossprechung heimlich vor sich ging und päbstliche Heiligkeit
sich wohl nie zu einem Anteil an dem ganzen Vorgange verstehen wird
    Es ist wohl billig zu beklagen dass das deutsche Reich ein unter dem Bann
liegendes Oberhaupt haben soll da es sich besseres Glücks unter einem andern
Könige hätte erfreuen können aber niemand denkt mehr daran dass Heinrich des
Löwen Sohn der fromme Herzog Otto noch lebt welcher sich wohl besser für das
Reich geschickt haben würde als ein excommunicirter Philipp 
    Der Empfang dieses Schreibens bleibt verschwiegen
 
                   Die Kaiserin Irene an ihre Tochter Elise
                                     1198
Glücklichere Zeiten begannen uns zu lächeln Das Joch des Banns war von des
Kaisers Nacken gerissen er atmete freier und konnte nun so meinte er mit
heiterem Mut auf das Wohl des Reichs und das Glück seiner Kinder denken O
Elise wie soll ich dir die Plane zärtlicher Eltern zum Besten ihrer Lieblinge
schildern Dir du Heilige die sich wie es scheint den Himmel zum einigen
Erbteil erwählt hat dir weltliches Glück zu bereiten daran dachten wir wohl
nicht aber unversorgt sollst du auch nicht geblieben sein die Aebtissinnen von
Quedlinburg waren immer Töchter deutscher Kaiser und du kannst also erraten
worauf man für dich dachte und was dir auch noch nicht entgehen soll da das
Glück all deiner Schwestern gestört ist 
    Zufrieden unsere Kunigunde mit Pfalzgraf Otten von Wittelsbach so wohl
beraten zu sehen dachten wir nun auch an unsere Jüngern Für die dreijährige
Agnes bestimmte dein Vater den jungen König von Sizilien und für Beatrix den
wackeren Herzog von Braunschweig Heinrich des Löwen Sohn Verbindungen welche
dem ganzen Reiche den Frieden gebracht haben würden
    Die Ausführung guter Plane darf nicht verschoben werden Kunigundens
Vermählung mit dem Pfalzgrafen war so gut als geschlossen du weißt dass dich
mein letzter Brief zum Hochzeitfest einlud Von der kleinen Agnes etwas zu
gedenken war fast noch zu früh doch ließ dein Vater der jetzt auf ganz gutem
Fuße mit dem Pabste steht in einem vertraulichen Schreiben einige Worte davon
fallen und wegen Beatrix waren schon Boten an den Herzog nach Poiton
abgeschickt als wir o Jammer erfahren mussten dass man eben diesen Herzog von
Braunschweig eben diesen Otto Heinrich des Löwen Sohn den wir verehren den
wir an unser Haus zu verbinden trachteten zum Gegner deines Vaters macht
    Ach Elise du wirst es nicht aus meinem Briefe zuerst erfahren dass es das
Ansehen hat als wollte das Reich zwei Kaiser bekommen auch schrieb ich dir ihn
nicht in der Absicht sondern nur um die Einladung des Letzten zu widerrufen Du
kannst dir wohl vorstellen dass man bei jetzigen Aussichten nicht an
Hochzeitfeste denken darf Der Pfalzgraf und Kunigunde bleiben vor der Hand nur
Verlobte und es ist zu verwundern wie wohl sie sich darein schicken besonders
Kunigunde sie scheint mehr ererfreut als bekümmert über den Aufschub zu sein
welches ich weder begreifen noch billigen kann
    O Elise mein Herz ist gepresst was wollte ich darum geben dich als meine
Trösterin bei mir zu haben  Noch hoffe ich es wird alles gut gehen Alle
deutsche Fürsten sind auf Philipps Seite und der Pabst welcher hier so viel
tun kann ist sein Freund ich wünsche dass man um Blutvergießen zu verhüten
die Sache seiner Entscheidung übergibt er wird gewiss wider den Herzog von
Braunschweig und für deinen Vater sprechen
    Das ganze Unglück entspann sich durch Anstiften des Erzbischofs von Kölln
welcher die Rechtmässigkeit der Lossprechung des Kaisers vom Banne nicht
anerkennen wollte es ist lächerlich das bezweifeln zu wollen wobei wir die
Stimme des Pabsts vor uns haben und ich kann nicht begreifen warum der Beweis
dieser Dinge darüber Brief und Siegel in den Händen des Bischofs von Sutri ist
so erschwert wurde bis alles zu spät und die Trennung im Reiche da war
 
                    Pabst Innozens an die deutschen Fürsten
                                     1198
Da das Reich erst durch die Päbste von den Griechen auf die Deutschen gebracht
wurde da kein Kaiser diesen erhabenen Namen mit Recht führen kann wir geben
ihm denn Salbung und Krone und da besonders mir wegen erlangter Macht und
Ansehens die Stimme der Entscheidung in solchen Sachen zukommt so tut ihr
recht und löblich getreue Söhne der Kirche dass ihr euch in gegenwärtigem
zweifelhaften Fall an den heiligen Stuhl wendet und ihm die Berichtigung der
großen Frage vorlegt Wer soll unser Oberhaupt sein
    Es ist ein schmeichelhafter Beweis eures Zutrauens auf unsere
Unparteilichkeit dass ihr kein Bedenken traget uns zu fragen da ihr doch
vielleicht wähnen könntet wir möchten mit unserm Vorwort dass wir unserer
Stimme keinen höheren Namen geben  auf unsern Mündel den jungen König von
Sizilien fallen dessen wir als Vormund uns anzunehmen vielleicht gehalten sein
möchten doch fern sei es von uns der Billigkeit entgegen für einen Prinzen zu
sprechen der hier gar nicht in Betrachtung kommen darf indem er bei seiner
ehemaligen Ernennung zum Nachfolger seines Vaters ja noch nicht einmal getauft
und folglich nicht wahlfähig war  Wär indessen auch dieses nicht so verwehrte
doch auch sein gegenwärtiges noch zu zartes Alter schon jeden Gedanken auf ihn
Wehe dem Lande des König ein Kind ist und dessen Fürsten frühe essen welches
letzte vielleicht auf noch einen andern passen möchte den wir sonst
Freudschafts halber unser Wort gern zu geben geneigt wären
    Philipp von Schwaben ist unser Freund aber darf Freundschaft bei einer
Sache in Anschlag kommen wo bloß die Gerechtigkeit vorwalten muss  Nein sie
darf uns nicht gegen die Wahrheit verblenden darf uns nicht vergessen lassen
dass Philipp als ein Gewalttäter von unserm in Gott ruhenden Vorfahren
excommunicirt wurde und noch unter dem Banne liegt seine heimliche3
widerrechtliche Loszählung durch den Bischof von Sutri kann ihm hier nicht
helfen Warum heimlich wenn wie er rühmt unser Beifall auf seiner Seite war
Überdieses ist Philipp ein Wollüstling und Schwelger bei welchem wie wir oben
berühmten Tag und Nacht Abend und Morgen der Üppigkeit geweiht sind ein
Meineidiger welcher das Kaysertum an sich riss das er seinem Mündel dem
jungen König von Sizilien zu erhalten schuldig war ein Feind der Kirche ein
Abkömmling Heinrich des Fünften und Friedrich des Ersten Heinrich des Sechsten
Bruder und all dieser Widersacher der Kirche würdiger Nachfolger welcher schon
einige Proben gegeben hat was diese heilige Mutter von ihm fürchten muss
    Werdet ihr nach diesen angezogenen Punkten noch zweifeln auf wen unsere
entscheidende Stimme fällt Was fehlt dem Herzog von Braunschweig ist er nicht
ein Held und eines Helden Sohn ist er nicht ein getreues Kind der Kirche Ihm
mag nicht schaden dass er später und von wenigern gewählt wurde als Philipp da
er zur Regierung tauglicher und uns und der Kirche anständiger ist als er
    Habt ihr indessen etwas wider diesen unsern Gewählten einzuwenden so wollen
wir euch in so weit eure Freiheit nicht beschränken sondern euch nur andeuten
dass ihr euch bald über die Wahl eines Würdigern vergleichet oder widrigenfalls
gewärtig seid dass wir Otten von Braunschweig öffentlich als König erkennen und
zu uns nach Rom zur Kaiserkrönung berufen
 
                                Irene an Elisen
                                     1200
Eine Hoffnung bleibt uns noch nach so manchen blutigen Händeln die jener
ungerechten unerwarteten Entscheidung des Pabsts folgten auf die ich all meine
Hoffnung setzte O Elise freue dich der ehrwürdige Konrad von Maynz ist von
seinem Zuge nach Palästina zurück Er war der Jugendlehrer deines Vaters er
vermag alles über ihn so wie hingegen Philipp immer auch sein Liebling war In
gleicher Achtung steht er mit dem Herzog von Braunschweig dem nach seiner
Krönung zu Aachen jedermann den Kaisernamen gibt  und selbst der Pabst
fürchtet sich vor ihm o Elise was lässt sich von der Vermittlung eines
Heiligen wie Konrad erwarten Vermittler will er sein das hat er meinem Gemahl
in den mildesten Ausdrücken geschrieben und Philipp der nie etwas von
Vermittlung hören wollte hat zum erstenmal dieses Wort geneigt aufgenommen er
tut noch mehr er geht der Vermittlung entgegen und vergibt sich damit wie
einige Friedensstöhrer wollen etwas von seiner Hoheit Ich kann ihn nicht
tadeln Erzbischof Konrad ist ein achtzigjähriger Greis ist für den geistlichen
Vater des Kaisers zu rechnen dem er die ersten Grundsätze der Tugend ins Herz
prägte es geschieht ihm wohl nicht zu viel Ehre wenn ihm Philipp zu Gefallen
nach Maynz geht seine Meinung zu hören Sie sei welche sie wolle mir soll sie
willkommen sein Ein Mann den die Glorie der Heiligen schon bei lebendem Leibe
umstrahlt kann nicht falsch entscheiden Wenn er nun auch von
gemeinschaftlicher Herrschung mit Otto sprechen sollte würde das Philipps
Hoheit etwas benehmen da er als der ältere immer den Vorrang behielt da er
durch seine Tochter sich seinen Nebenkaiser noch fester verbinden könnte Und
ich wär ich denn nicht zugleich Mutter und Gemahlin eines Kaisers sähe ich
nicht meine Kinder um mich her glücklich und das Reich in Ruhe  O ihr Engel
des Friedens beglückt die Anschläge die jetzt im Verborgenen zu unserer aller
Besten reifen gebt Konrads Worten unwiderstehliche Gewalt und Philipps Herzen
Biegsamkeit
 
                    Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an Adolf
                                Grafen von 
                                     1200
Du verziehst deine Nachfolge zu lange mein Freund komm eile zu kommen mein
Herz sehnt sich nach dir Ich lebe hier in einer Welt für die sich mein
deutsches Herz nicht schickt Himmel an wen hat Bernhard von Sachsen meine
Anhänglichkeit für ihn abgetreten Hätte ich doch Kaiser Philippen und seine
verführerische Tochter nie gesehen Du weißt wie Kunigunde anfangs mein Herz
fesselte du weißt auch wie wenig sie bei genauerer Bekanntschaft demselben
genug tat Sie ist schön aber nicht für mich munter und witzig aber nur mich
bei meiner Gerechtigkeit in denken und sprechen in Verlegenheit zu setzen ich
glaube sie ist mir hold und möchte mich ungern verlieren woher sonst ihre
Bemühungen mich wieder auszusöhnen wenn ihre italienischen Grillen mich einmal
aufgebracht haben gleichwohl aber scheint ihr Herz nie ganz bei mir zu sein
und bei den unablässigen Hinderungen unserer Verbindung ist sie so wohlgemut
dass ich wohl deinen Scharfsinn haben möchte aus ihr klug zu werden Komm mir
diese Dinge zu enträtseln und mir aus neuen noch fürchterlichen Zweifeln zu
helfen die sich in mir von einer andern Seite erheben
    Gott und alle Heilige was soll ich von Philipp denken Sollte das möglich
sein was mir der Bischof von Sutri bei dem was sich in diesen Tagen hier
zutrug ins Ohr raunte Wir sind in Maynz Erzbischof Konrad ein leibhafter
Sankt Peter der Würde und dem Ansehen nach ein Engel an Beredsamkeit ein
sichtbarer Heiliger hat den Kaiser hieher erbeten Unterhandlungen zu treffen
über die ich der mehr vom Schwerde halte nicht richten kann alles fügt sich
wohl Philipp lebt und webt in seinem alten Lehrer kann keine Stunde ohne ihn
sein speisst mit ihm aus einer Schüssel trinkt mit ihm aus einem Becher und
man sagt er sei sein heimlicher Feind Kann kann dies möglich sein
    Erzbischof Konrad ist tot schnelles Todes gestorben nach einer an Philipps
Seite gehaltenen einsamen Mahlzeit kann kann Philipp wie man mich bereden
will sein Vergifter sein
    Ich bin außer mir ich kann und darf mit niemand von diesen schrecklichen
Dingen reden Philipp kann unschuldig sein niemand außer mir und dem der
dieses Gift der Hölle diesen teuflischen Verdacht in mein Herz goss denkt
daran dass Konrad eines andern Todes als des Todes hohen Alters gestorben sei
doch kann ich den quälenden Gedanken nicht los werden alles bestättigt mich in
demselben selbst die Behändigkeit mit welcher Philipp gleich nach seinem Tode
wusste was ihm zu tun sei die Eil mit welcher er einen andern eigenmächtig
an seine Stelle gesetzt hat
    Mein Herz wollte springen ich musste mich einer Seele vertrauen ich
schüttete meinen innern Gram gegen die einige Person aus gegen welche ich hier
am Hofe unumschränkte Achtung hege gegen die Kaiserin Irene die durch ächte
deutsche Redlichkeit ihre griechische Abkunft so ganz verleugnet Sie hat mit
mir gesprochen wie ein Engel Sie bürgt mir für ihren Gemahl wie könnte ich
noch Misstrauen in ihn setzen Gleichwohl ist und bleibt mir hier alles zu enge
ich kann niemand ganz trauen als ihr und ich muss fort wenn du nicht bald
erscheinst meine Unruhe durch deine Freundschaft zu lindern komm wenn du
kannst unter verstelltem Namen ich habe hiezu Ursachen die du ein andermal
erfahren sollst
 
                     Der Bischoff von Sutri an den Kardinal
                              Guido von Präneste
                                     1201
Ich höre ihr seid zu Kölln angelangt die Eingriffe zu ahnden welche Philipp
durch Einsetzung eines maynzischen Erzbischofs in die päbstlichen Rechte tat
und ich eile mich gegen euch über gewisse Dinge zu erklären welche man mir
wie ich höre am römischen Höfe zur Last legte ich erkenne in euch nicht allein
den päbstlichen Legaten dem ich Rechenschaft von meinem Verhalten schuldig bin
sondern auch den Freund gegen welchen ich mich offenherziger über meine Lage
herauslassen kann als gegen andre den Mann von dem ich weiß er wird das was
ich ihm sage und sagen muss nicht zu meinem Nachteil gebrauchen Hört meine
kurze Geschichte und denn beurteilet mich nach eurem eigenen Herzen nach dem
was wie ihr wisst in dieser argen Welt ein jeder tun muss der sich empor
schwingen will der sein Leben nicht im Staube zu endigen denkt
    Aus dem widrigsten unter allem Staub auf Erden aus dem Klosterstaube hatte
ich mich schon längst empor geschwungen Ich war Bischof von Sutri und wurde
was ihr jetzo seid päbstlicher Legat Ich erhielt geheime und öffentliche
Aufträge nach Deutschland wie ihr sie erhalten habt und richtete sie
hoffentlich so gut aus wie ihr die eurigen ausrichten werdet Ich sprach den
Kaiser gerade so vom Banne los wie mir vorgeschrieben und alles hatte die
Folgen die es haben sollte Zwist und Uneinigkeit entsprang und das Reich
sieht jetzt zwei Kaiser 
    Dass man nachdem alles geschehen war was man von mir verlangte mir den
Rücken wandte mir keine Versprechungen hielt die mir getan wurden und sich
gar unter der Hand verlauten ließ man müsse dem Bischof von Sutri wegen Kaiser
Philipps heimlicher Lossprechung an den Hals dies waren freilich Dinge die ich
hätte voraussehen sollen da mir meine Erfahrung sagte man pflege sich gern
derer auf eine gute Art zu entledigen durch die man heimliche Dinge
ausgerichtet hat und das Werkzeug ins Feuer zu werfen wenn das Werk geschehen
ist Leider fanden mich diese Dinge unvorbereitet Ich war ein Mensch ich ward
aufgebracht und suchte da Rache unmöglich war meine Sicherheit
    Ich fand sie in Philipps Armen Philipp schätzte und liebte mich weil er
aus meinem Munde zuerst die Worte der Gnade gehört hatte und ich nicht
unterließ ihm täglich zu versichern dass meine ihm erteilte Absolution gültig
sei und dass er sich dem Pabst und dem ganzen Kardinalskollegio zum Trotz für
bannfrei halten könne Diese Tröstungen trugen mir außer der kaiserlichen Gnade
und Vertraulichkeit noch glänzende Versprechungen ein ich traute auf sie denn
ich bedachte nicht dass Philipp nur ein halber Deutscher ist Ich rechnete in
der Stille auf einen Fall wie er jetzt durch den Tod des alten Erzbischofs von
Maynz geschehen ist und sah mich schon im Geist einen der ersten geistlichen
Fürsten einige Stufen näher zur dreifachen Krone welche doch nun einmal 
gesteht es selbst Guido  das Kleinod ist nach dem wir alle mit Sehnsucht
hinblicken
    Erzbischof Konrad starb Kaiser Philipp fühlte Notwendigkeit und Macht an
seiner statt dem Pabste zum Trotz eine eigene Wahl zu tun Ich glaubte der
Gewählte zu sein alle Dinge bestättigten mich in dieser Hoffnung und  ich
ward übergangen Ein Lüpold ein Bischof von Wormbs begleitet die Stelle die
wenn Recht und Dankbarkeit gegolten hätten mir zugekommen wär Törichter
Philipp welch eine Stütze hast du dich an mir beraubt Wird Lüpold das leisten
können was du von mir erwarten konntest Zittre vor den Folgen deiner Wahl
    Doch dies ist nun vorüber ich lache der Versprechungen die man mir von
neuem tat und denke auf andre Mittel zu Rache und Glück  Guido ich gestehe
es dass ich durch schlechte Begegnung aufgebracht mich vom Pabste mit meinem
Herzen zum Kaiser wandte aber ich kehre zurück Die römischen Geheimnisse sind
mir bei aller Vertraulichkeit gegen Philipp heilig gewesen ich bringe sie
unversehrt in den Schoss der Kirche zurück noch ist nichts verloren und
erklärt man sich mir auf eine anständigere und sicherere Art als bisher so kann
ich mich vielleicht anheischig machen Angaben zu machen die man zu dem großen
Entzweck Philippen zu stürzen würksam finden wird Ich habe bereits um meine
verneute Treue zu zeigen einen Anfang gemacht den nur der welcher nicht die
ganze Sache zu übersehen im Stande ist klein und unbedeutend nennen kann
    Philipp hat an seinem Hofe einen Mann den Pfalzgrafen Otto den man wohl
mit recht eine eherne Säule des Kaiserstuhls nennen kann er soll sein
Schwiegersohn werden und wird es dieser Held mit dem eisernen Arme dieser
ächte Deutsche mit der festen unerschütterlichen Rechtschaffenheit so mögen wir
nun alle Anschläge gegen Philipp aufgeben Sein Feind muss der Pfalzgraf werden
wenn wir ihn stürzen wollen Seit mein Vorteil mit Philipps Besten nicht mehr
ein Ganzes ausmacht habe ich nachgesonnen wie man das Herz des Biedermanns von
ihm abwendig machen könne und gefunden dass nichts selbst persönliche
Beleidigungen nicht das bei ihm bewürken werden was Verdacht in Philipps
Rechtschaffenheit tun kann
    Der Pfalzgraf ist ein Mann bei welchem das Herz Gold der Verstand nur
Silber ist sein Urteil zu täuschen ihn morgen zu bereden der der ihn heute
beleidigte habe ihn eigentlich nicht beleidigt ist leicht aber ihn mit dem
Beleidiger der Tugend auszusöhnen ist Unmöglichkeit dem ersten wird er gern
dem andern nie verzeihen Dies ist der Mann den ich Philippen rauben und damit
all mein erlittenes Unrecht rächen will und hört wie ich es begonnen habe
    Erzbischof Konrad starb des Todes den mehrere Greise seiner Art gestorben
sind Kaiser Philipp ist so unschuldig an seinem Tode wie ich an Lüpolds
Erhebung zum Erzbistum Auch hat niemand einen Gedanken dass er etwas wider
seinen alten Lehrer wider den getan haben könnte der ihn väterlich liebte
Der Argwohn den ich zu erregen mir vorgenommen hatte ist ungeheuer und doch
gelang mir es ihn in das trugloseste unbewachteste aller deutschen Herzen in
das Herz des Wittelsbachers überzutragen Ich bin sein Beichtiger seit unserer
letzten geistlichen Unterhaltung glaubt er in Kaiser Philipp einen Mörder zu
sehen sein ganzes Herz empört sich bei seinem Anblicke und wir können darauf
rechnen dass wenn auch Überzeugung von der Falschheit des Argwohns bei ihm
endlich unvermeidlich wär doch der zuerst ausgestreute Saame des Misstrauens in
der Folge Früchte tragen wird die uns eine gute Erndte bringen können
    Seht das ists was ich bereits für diejenige Macht getan habe von der
ich auf einen Augenblick abtrünnig ward und zu der ich nun auf ewig
wiederkehre Ich sage euch nur den kleinen Vorteil den man von mir erwarten
kann die Angabe des größeren behalte ich zu meiner Sicherheit zurück Fallen die
Bedingungen so aus wie ich wünsche so soll man mehr erfahren so wie ich aus
dem Munde des Wittelsbachers der in den Stunden der Andacht ganz heilige
unverstellte Offenherzigkeit ist Dinge erfahren habe auf die man in Rom
nimmermehr raten würde und deren völlige Kenntnis von einem Nutzen sein müsste
welchen weder wir noch unsere Nachkommen übersehen könnten  Der Pfalzgraf weiß
viel von verborgenen Dingen deren Mitteilung ich unserm Oberhaupt unter
gewissen Bedingungen verspreche aber er hat in Westphalen einen Freund dem
noch mehr von denselben bekannt ist Ich habe Sorge getragen dass er herüber
gerufen und mit in unser Netz gezogen werde gebe der Himmel dass er nicht
scharfsichtiger behutsamer und weniger andächtig sei als der Pfalzgraf fast
fürchte ich dieses da seine Überkunft sich so lange verzögert
 
                          Pfalzgraf Otto an den Pabst
                                     1201
Zwar pflegt ein deutscher Fürst immer lieber das Schwert als die Feder zu
gebrauchen doch darf er wenn es das Wohl des Reichs und der Wille gemeiner
Fürsten erfordert auch den Gebrauch der letzten nicht versäumen Unglücklicher
Weise bin ich unter uns allen derjenige welcher dieses Werkzeug der Gelehrten
mit der meisten Fertigkeit führt und ich muss mich also zu einer Arbeit
verstehen die ich gern jedem andern überlassen haben möchte
    Das was ich dem Oberhaupt der Christenheit mit all der Ehrfurcht vorzutragen
habe die ich und wir alle gegen desselben fühlen hat nicht so wohl die
gekränkten Rechte Kaiser Philipps an den man mich durch besondere Bande
gefesselt halten möchte als einige Eingriffe in die Freiheiten des deutschen
Reichs zum Gegenstand die wir von Rom her erfahren mussten und die sich auf
keine Art verschmerzen lassen
    Wo denkt Sankt Peter hin dass er uns nach seinem Gefallen einen König
aufdringen will Wo wagte es je einer der uralten frommen Bischöfe von Rom die
noch in der Demut ihres himmlischen Meisters einhergingen sich in weltliche
Dinge zu mischen und bei der Kaiserwahl eine Stimme zu fordern Dass Kaiser
Päbste wählen ist bekannt aber Kaiser zu wählen hatte man nie den Beitritt
eines Pabstes nötig Liessen die Kaiser zuweilen aus christlicher Bescheidenheit
das Recht aus der Hand das sie hatten bei der Pabstwahl im entscheidenden Ton
zu sprechen wie soll man die Kühnheit benennen mit welcher sich der römische
Hof Rechte anmasst welche er nie besaß auch nie mit unserm Willen erlangen
wird
    Wär ich in künstlichen Wortverschränkungen geübter als ich es nicht bin so
würde ich annehmen Innozens der Dritte könne unmöglich etwas von den Dingen
wissen die kürzlich zu Kölln vorgegangen sind und ihm klagend berichten
welchen Frevel der Bischof von Präneste daselbst geübt indem er sich wider alle
Reichsordnung in die römische Königswahl gemischt hat doch es ist bekannt dass
euch dieses nicht unbewusst ist und dass Guido indem er zu Kölln den Herzog von
Braunschweig zu unserm König bestättigte nichts tat als euren Willen
    Unmöglich dünkte es uns schon des heiligen Vaters letztes Schreiben zu
verschmerzen und noch unmöglicher ist es uns die letzte Vorlegung unserer
Reichsrechte gleichgültig anzusehen den schiedsrichterlichen Ton des ersten
mochten wir vielleicht einigermaßen verschuldet haben weil wir selbst auf
gewisse Art euch zu Rat und Urteil aufforderten aber wodurch haben wir dem
kühnen Bischof von Präneste Anlass zu seinem eigenmütigen Verfahren gegeben Wir
bitten euch heiliger Vater ruft ihn zurück erklärt sein Beginnen für null und
nichtig oder lasst es euch nicht befremden dass wir dasselbe indem wir es bloß
aus Achtung gegen euch ungeahndet lassen gänzlich auf die Seite setzen und zum
Kaiser behalten wer uns nicht wer einer fremden Macht recht dünkt Wahrhaftig
wir würden eine schwere Verantwortung auf uns laden wenn wir den der nur in
geistlichen Dingen richten kann in weltlichen als Richter erkennten und ihm
dadurch neue Gelegenheit zu pflichtwidriger Anmassung fremder Rechte gäben
 
                     Der Pabst an den Herzog von Zähringen
                                     1201
Den Pfalzgrafen Otto welcher neulich ein kühnes Schreiben an uns abgelassen
hat kennen wir nicht und wir richten also die Beantwortung jenes Briefs die
uns dennoch nötig dünkt weil sie gemeine deutsche Fürsten angeht an euch den
wir kennen und schätzen
    Wie kommen doch die Erben und getreuen Söhne der Kirche auf den Wahn als
wollte die liebende Mutter Freiheiten beschränken und Rechte schmälern welche
ihre Kinder ja zuerst aus ihren Händen erhielten Kam nicht das römische Reich
durch Hilfe des apostolischen Stuhls in der Person Karl des Großen zuerst an
euch Deutsche und könnt ihr wähnen der Stattalter Christi wollte euch mit
einer Hand wieder nehmen was er euch mit der andern schenkte  Das sei fern
Aber gönnen wir euch von der einen Seite die Macht den zu eurem König zu
ernennen den ihr selbst wollt so dürft ihr uns auch von der andern das Recht
nicht bestreiten den zu prüfen den wir salben und krönen sollen wie auch denn
bekannt sein wird dass kein deutscher Fürst ohne päbstliche Salbung und Krönung
das ganz ist wozu ihr ihn wählt und dass unsere Weihe eurer Wahl allererst das
Siegel aufdrückt
    Es ist eine allgemeine Regel und Observanz dass der welcher geistlicher
Handauslegung und Weihe bedarf sich zuvor geistlicher Prüfung unterwerfen muss
so hält es die heilige Kirche bei den kleinsten Aemtern und Bestallungen so muss
es auch bei den größten bleiben selbst der Pabst muss getauft werden ehe er die
dreifache Krone tragen kann wie sollte sich der deutsche König der Prüfung
entziehen dürfen Ihr könntet uns ja sonst einen Kirchenräuber einen
Verbannten einen Tyrannen einen Blödsinnigen einen Ketzer oder Heiden zur
Salbung vorstellen und uns zumuten an ihm das heilige Oehl zu entweihen
Urteilet nun selbst ob wir in Ansehung eures Königs Herzog Philipps von
Schwaben was Prüfung und Entscheidung anbelangt widerrechtlich verfahren
haben und gestehet dass unser Legat der Bischof von Präneste keinesweges wie
ihr ihm beimesset sich ein richterliches Ansehen über euch angemasst weder
einen König für euch gewählt noch verworfen sondern nur in unsern Namen erklärt
habe was wir von eurer Wahl halten und was wir hiermit nochmals erklären und
bekannt machen dass ihr mögt von Philipp und Otto Heinrich des Löwen Sohn nun
denken was ihr wollt doch immer der erste nach unserm untrüglichen Urteil
untüchtig der andere vor allen Fürsten des deutschen Reichs würdig sein wird
Kron und Salbung aus unsern Händen zu erhalten4 ect etc
 
                  Die Kaiserin Irene an ihre Tochter Beatrix
                                     1206
Du schreibst mir fast zuviel von dem Besuche des Prinzen von Kastilien bei
seiner verlobten Braut der Gräfin von Toulouse und von der Rolle welche du
und deine Schwester bei derselben gespielt habt Ich sehe die Notwendigkeit
nicht ein warum ihr euch einem fremden Manne zeigen musstet welcher entweder
nur Augen für seine Braut hatte und also euren Anblick entbehren konnte oder
mehr Aufmerksamkeit für euch bewies als seine Pflicht erlaubte wie es mir in
Ansehung deiner Schwester Elise fast der Fall gewesen zu sein scheint
    Mehr hievon zu wissen als mir vielleicht die Bescheidenheit deiner
Schwester und ihre Furcht vor mütterlichen Verweisen gestehen würde wende ich
mich an dich mein Kind du wirst dich erinnern dass deine Pflichten gegen deine
Mutter älter sind als die gegen deine Schwester und mir nichts verschweigen
auch weiß ich dass du mir nichts nachteiliges von unserer Elise melden kannst
und ich schreibe jeden Fehler der hier vorgegangen ist auf die allzugrosse
Freiheit die man den Fräuleins in den französischen Klöstern gönnt wollte
Gott die entscheidende Neigung eures Vaters für das Ausland hätte mich nicht
um eure nahe Gegenwart gebracht damit ich selbst über euch wachen könnte  Ich
fühle es immer mehr wie nötig diese sorgfältige mütterliche Wachsamkeit über
heranwachsende Töchter ist sah es an Kunigundens Beispiel die Bildung die
sie einst in einem unglücklichen Jahre da ich sie aus den Augen lassen musste
in Tuscien erhielt gefällt mir nicht ich sehe die Folgen dessen was sie dort
einsog und was sie zu dem Liebling ihres Vaters macht immer mehr  Sie
verdient nicht von dem edelen Pfalzgrafen Otto so lange so standhaft geliebt zu
werden wie er liebt sie vermag ein Herz wie das seinige gar nicht zu
schätzen ich besorge zuweilen sie hat das ihrige in Italien zurückgelassen 
O meine Kinder bewahrt eure Herzen vor eigenmächtiger Wahl dies ist die
Pflicht aller auch der gemeinsten Jungfrauen Prinzessinnen liegt sie doppelt
ob da sie weniger als irgend eine ihres Geschlechts wissen wozu sie das
Schicksal bestimmt hat und wem sie das Opfer der ersten ungeteilten Liebe
vorbehalten müssen
    Wem das Opfer der deinigen bestimmt ist meine Beatrix das könnte ich dir
vielleicht sagen wenn du bei mir wärst doch Dinge von solcher Wichtigkeit sind
Briefen nicht anzuvertrauen sei nur von deiner Mutter im Allgemeinen so viel
erinnert dass du wohl vor allen deinen Schwestern bestimmt sein könntest dem
römischen Reich durch Vergebung deiner Hand und deines Herzens die Ruhe wieder
zu schenken Welch Unglück wenn du in dem Augenblick da diese Pflicht von dir
gefordert würde von früherer Leidenschaft geblendet dich weigern oder wärst
du Heldin genug deinem Herzen zum Trotz dich nicht zu weigern ein Raub des
Elends und fehlgeschlagener Hoffnungen werden solltest indem du andre glücklich
machtest
    Von diesen Dingen ist jetzt nicht mehr zu reden ich verlasse mich ganz auf
deine Klugheit und Tugend vielleicht erlauben die Umstände dass ich bald
mündlich mit dir von deiner künftigen Bestimmung sprechen kann
    Ein Sturm ist wieder vorüber Dein Vater hält seinem Gegenkaiser dem edelen
Otto der gewiss wider Willen unser Gegner ist mächtig die Wage Nicht durch
Gewalt nein durch Huld Freigebigkeit und Geschenke gewinnt sich Philipp aller
Herzen Sein Gegner Herzog Otto von Natur die Liebe und Großmut selbst ahmt
ihm hierin nach aber sein Vermögen kann es nicht so gut aushalten als das
unsrige und doch auch selbst wir fühlen die großen Schenkungen die die
Zeitläufte nötig machen Schadet nichts der Schatz des deutschen Kaisers ist
der Reichtum seiner Fürsten auch seine Kinder sind reich wenn sie auch im
äußern Prunk andern etwas nachstehen sollten Nimm dieses zur Antwort mein
Kind auf das Lob dass du den Schmuck der kastilischen Braut gibst und den
Wunsch dass du und deine Schwester als Töchter eines Kaisers es ihr hierin
gleich tun möchten Nacheiferung dieser Art hat oft Neid zum Grunde Die Gräfin
Alix ist ja eure Freundin ihr würdet ja sie nicht beneiden
    Es gibt eine Sache in welcher sich Kinder großer Fürsten von keinen andern
übertreffen lassen müssen und dieses ist Bereitwilligkeit Bedrängte zu
schützen und ihnen Gunst zu erzeigen ich überschicke euch dir und deiner
Schwester hier ein Mittel diese Pflicht eures Standes zu üben
    Peter von Kalatin du kennst ihn der schönste reichste und leichtsinnigste
Ritter an unserm Hofe brachte neulich ein Fräulein herüber zu deren Besitze er
wohl nicht durch rechtmäßige Mittel gekommen sein mag ich ahnde hier Entführung
oder andere Ränke ungeachtet weder er noch sie sich darüber erklären Sie nennt
sich Alverde von Merode aber ich ahnde dass sie vom höheren Stande sei als sie
sich ausgibt ein schönes liebenswürdiges Geschöpf von deinen Jahren meine
Beatrix und also jung genug um anzunehmen dass sie die vielleicht nicht so
guter Erziehung genoss als du und deines gleichen unschuldig zu einem Schritte
hingerissen wurde der sonst keine Entschuldigung verdient
    Eine junge Schönheit wie sie in der Gewalt eines Mannes wie Kalatin
erregte meine Aufmerksamkeit ich ließ sie vor mich kommen und fand sie meines
Schutzes nicht unwürdig Um sie noch sicherer zu wissen sende ich sie mit den
Leuten die euch diesen Brief überbringen nach Lion und empfehle sie deiner
und deiner Schwester Vorsorge Sprechet für sie bei der Äbtissin eures Klosters
versichert der hochwürdigen Frau in meinen Namen die Zahlung der Gebühr für
Alverdens Aufnahme erwerbet dem jungen Mädchen die Freundschaft der edelen
Gräfin von Toulouse und wendet die Summen die ich euch hier zu euren kleinen
Ausgaben schicke nicht an es der künftigen Königin von Kastilien in
Kleiderpracht gleich zu tun sondern lieber der neuen Freundin die ich euch
empfehle ihre Lage so angenehm zu machen dass sie es fühle Kaiser Philipps
Töchter waren ihre Versorgerinnen  ich meine ihr Herz soll es fühlen nicht
euer Mund oder euer Betragen soll es ihr zu verstehen geben doch es wär
lächerlich so etwas Unedles nur von euch zu vermuten
    Deiner Schwester Elise meinen mütterlichen Gruß und die Versicherung dass
unsere Sachen von welchen sie mehr weiß als du weil sie älter ist jetzt ein
immer vorteilhafteres Ansehen gewinnen Sogar der römische Hof neigt sich
zugleich mit dem Glück auf unsere Seite Der Pabst soll vorteilhaft von Philipp
gesprochen haben ich traue hier nicht ganz doch kann ich nicht dawider sein
dass man sich entschließt verbindliche Worte mit verbindlichen Briefen zu
erwidern und eine Gesandtschaft nach Rom zu schicken in welcher der Pfalzgraf
Otto von Wittelsbach Kunigundens Verlobter auch mit begriffen sein wird Hier
also wieder eine neue Verzögerung der Jahrelang verschobenen Vermählung die
nun vor der Tür war und jetzt nur um der römischen Reise willen auf künftigen
Winter verlegt werden muss Ich weiß nicht ob mich das freuen oder betrüben soll
Man hat schon längst Versuche gemacht den edelen Pfalzgrafen auf die grausamste
Art wider euren Vater aufzuhetzen ihn mit dem gräulichsten Argwohn gegen ihn zu
erfüllen mit Mühe habe ich ihm sein redliches Herz wieder gewonnen aber wird
man in Rom nicht neue Versuche machen Uneinigkeit zu stiften und wer wird da
den Schaden heilen  O meine Kinder es ist hier ein undurchdringliches Gewebe
von Kabalen die Hand die die Fäden durcheinander schießt sehen wir nicht
Gott gebe dass wir die Folgen der finsteren Arbeit nicht fühlen mögen Wohl euch
in eurem Kloster und wohl mir wär ich noch Herzogin von Schwaben
 
                            Beatrix an ihre Mutter
                                     1206
Recht aufrichtig meine Mutter will ich euch auf alles antworten worum ihr
mich befragt ich kann es um so leichter da ich es mit Bewilligung und unter
den Augen meiner Schwester tue ich könnte euch ja unmöglich hinter ihrem
Rücken etwas von ihr sagen dies wäre wider Schwestertreue so wie die Versagung
meines Gehorsams in diesem Stück wider Kindespflicht gewesen wär ich
vereinigte diese beiden Dinge die hier ein wenig zu streiten schienen dadurch
dass ich ihr euren Brief lesen ließ sie hat ich weiß es kein Geheimnis vor
euch sie schreibt euch selbst aber da ich mir das Recht nicht nehmen lassen
will euch selbst die Antwort auf eure Fragen zu geben so hat sie mir lachend
erlaubt euch nur alles von ihr zu sagen was ich wüsste  Recht wohl Elise
alles was ich weiß  Ey ich könnte wohl etwas von dir wissen dass du nicht
dächtest wie nun wenn ich dir eine kleine Schalkheit bewies und der guten
Mutter auch dieses entdeckte
    Wisst also aufs erste dass bei jener Zusammenkunft mit dem Prinzen von
Kastilien wegen welcher ich uns nicht mehr entschuldigen will da ihr es selbst
tut meine Schwester Elise der guten Gräfin Alix zum besten wohl hätte zurück
bleiben können aber warum hätte sie es tun sollen sie erschien bei derselben
auf Bitte ihrer Freundin so wie ich aus Vorwitz Das Herz der kastilischen
Braut ist gegen ihren Bräutigam so kühl dass sie nicht fürchtet dass ihr jemand
bei ihm Eintrag tun werde und Elisens Meinung von ihren eigenen Reizen ist so
bescheiden dass sie nicht glaubt dass sie jemand Eintrag tun könne aber ich
fürchte sie hat es wider Wissen und Willen hier getan Die arme Alix so schön
und gut sie ist stand ganz im Schatten gegen der herrlichen Elise die selbst
ich bewundere ungeachtet ich ihre Schwester bin
    Der Prinz von Kastilien der nur Augen für die schöne Freundin seiner Braut
zu haben schien mag indessen für sie in den damaligen Augenblicken gefühlt
haben was er will so versichere ich euch dass Elise es gar nicht bemerkte dass
wenigstens ihr Nonnenherz ganz kalt dabei blieb Eins lobte sie an ihm als wir
in der Einsamkeit von ihm sprachen seine sprechenden Augen und einige andere
Züge seines schönen Gesichts solltet ihr aber wohl glauben warum  Weil sie
in denselben die auffallendste Ähnlichkeit mit dem Pfalzgrafen Otto von
Wittelsbach zu finden glaubt  Ach Mutter Mutter hier liegt eben das
Geheimnis das ich wider meiner Schwester Wissen und Willen von ihr im Besitz
habe und das ihr wegen der allgemeinen Erlaubnis die sie mir gab so neben bei
auch mit erfahren sollt Elise würde gewiss wenn sie an Kunigundens Stelle wär
nicht kalt gegen den Pfalzgrafen sein  Über Kunigundens Gleichgültigkeit
wundre ich mich weiter nicht wusste ich doch schon als Kind da ich manches
erlauschte was man andern verbarg dass der nunmehrige päbstliche Nepot Graf
Richard ihr Herz hat
    Wie ihr seht so mussten mir aus dem Beispiel meiner Schwestern schon die
Lehren einleuchten die ihr mir gebet Ja Mutter ich will meinen Herzen und
meinen Augen gebieten will beide verschließen bis ihr mir Befehl gebt sie zu
öffnen will selbst an Otten von Wittelsbach nicht denken der mir im Grunde
wohl so gut gefällt als er einer meiner Schwestern gefällt und der andern
gefallen sollte Wenn ich Zeit habe an so etwas zu denken so soll mein einiger
Gedanke jener Ungenannte sein dessen Namen ihr mir einst entdecken wollt nach
dem ich aber gar nicht neugierig bin ungeachtet Elise mir sagt es würde wohl
jener Otto nicht der von Wittelsbach sondern der Gegner meines Vaters sein
    Ich kann eben nicht sagen dass ich mich über diese Mutmaßung freue so wird
mir also wohl auch so ein trübseliger Brautstand bestimmt sein wie der guten
Gräfin Alix die ich wahrhaftig um ihre Juwelen nicht beneide Mich dünkt sie
fühlt so wenig für den Prinzen von Kastilien als er für sie bedenkt selbst
schon so lange ist sie seine Braut die Sache gewinnt nimmermehr ein Ende ich
bin indessen aus einem Kinde zur Jungfrau geworden und gleichwohl wird ihr die
Zeit gar nicht lang dabei das zeigt von schlechter Liebe  Sie treibt ein
unaufhörliches Lesen gewisser Bücher welche ihr ihr Bruder der Graf von
Toulouse heimlich zuschickt dies ist ihre einige Leidenschaft Mich dünkt sie
sollte sich besser zur Nonne als zur Königin schicken gleichwohl habe ich nie
jemanden heftiger wider den Klosterstand sprechen hören als sie Überhaupt
äußert sie ganz andre Meinungen als uns von unsern Lehrern eingeprägt werden
vieles das sie sagt gefällt mir unendlich und ich wollte wohl dass es wahr
wäre Diese Dinge müssen in ihren Büchern stehen Elise hat sie auch gelesen
und spricht mit Entzücken davon Auch mir sollen sie mitgeteilt werden wenn
ich gesetzter bin und besser schweigen kann denn all dieses wird sehr heimlich
behandelt
    Dass ihr Alverden von Merode dem Heinrich von Kalatin entrissen und uns
geschenkt habt dafür sagen wir alle drei die Gräfin und wir den herzlichsten
Dank sie ist uns schon sehr lieb geworden und lebt mit uns ohne Rücksicht auf
Standesunterschied an welchen uns die Nonnen denen die Aufsicht über uns
befohlen ist zuweilen erinnern völlig auf schwesterlichem Fuß Sie scheint
mehr Zutrauen zu uns zu haben als zu euch denn sie hat uns schon die
Mitteilung ihrer Geschichte versprochen die ihr freilich auch erfahren sollt
    Die verwirrten Händel von unserm und dem römischen Hofe verstehe ich nicht
mag mir auch den Kopf nicht damit zerbrechen meine Schwester die über ihrem
Briefe so emsig ist dass sie den meinigen nicht lesen will wird euch schon
vernünftiger über diese Dinge schreiben als ich es könnte Gott bewahre nur
euch unsern Vater und den Grafen von Wittelsbach für Unglück so wird schon
alles gut gehen
 
                         Kaiser Philipp an den Pabst5
                                     1207
Die gelegenste Zeit einem entfremdeten Freunde zur Aussöhnung die Hand zu
bieten ist die da er selbst die Unannehmlichkeiten des Zwists zu fühlen und zu
wünschen beginnt Geschehenes möchte ungeschehen sein diese Zeit ist nach
einigen Äußerungen die man uns aus eurem Munde gemeldet hat bei euch
gekommen und ich eile sie nicht zu versäumen
    O Lothar waren wir auch je Feinde was entzweite uns Kleinigkeiten 
Wohl so ist es billig dass euch eine Kleinigkeit ein vorteilhaft gesprochenes
Wort ein günstiger Rückblick auf vergangene Zeiten uns wieder aussöhne Ihr
wisst selbst ihr gebrauchtet auch einst selbst dieser Worte gegen mich alle
wichtigere Streitigkeiten die unter uns vorfielen waren nicht unsere Sachen
war die Sache der Kirche und des Reichs lasst uns diese vergessen und wieder
die alten Freunde sein
    Haben wir euch und die heilige Kirche auf eine Art beleidigt die ihr nicht
ungeahndet vergessen könnt wohlan so verstehen wir uns zu jeder Genugtuung
die die Versammlung der deutschen Fürsten und das Kardinalskollegium vereint uns
zusprechen werden Erhielten wir ähnliche Beleidigungen von euch so überlassen
wir mit Entsagung jeder Genugtuung die Sache Gott und eurem Gewissen weil wir
überzeugt sind dass ihr hier nicht von Menschen gerichtet werden könnt
    Voll Vertrauen auf die ehemals beschworne brüderliche Treue und noch mehr
auf die Vaterliebe auf welche wir als ein treuer Sohn der Kirche Anspruch
machen können erwarten wir eure Entscheidung ihr werdet uns wenigstens denn
nicht die Rückkehr eurer Zuneigung versagen wenn ihr die neuen Beweise unseres
christlichen Gehorsams gegen die Gebote der Kirche und unserer herzlichen
Ergebenheit gegen euch gesehen haben werdet
 
                    Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an Adolf
                                Grafen von 
                                     1207
Du säumst auf meine Einladung zu kommen säumtest nun schon Jahrelang und
gleichwohl habe ich Post dass du längst dein Vaterland verlassen hast um wie
Evert von Remen dein Freund versichert zu mir zu kommen wo magst du
verweilen Ist dir ein Unglück begegnet hat sich dein Herz gegen mich geändert
oder was ist sonst die Ursach deines Zögerns
    Die Unruhe wegen welcher ich deine Anwesenheit so sehnlich verlangte ist
gehoben meine gute Meinung von dem Vater meiner Verlobten ist wieder
hergestellt mag doch der Anschein wider ihn sein ich kann ihn nicht für
schuldig halten der Friedensengel Irene verbürgt sich für ihn Also wenn du
kommst keine von den Nachforschungen die ich dir aufzulegen dachte Philipp
muss unschuldig sein ich will nicht dass mir die Augen über das Gegenteil
geöffnet werden Könnte ich meinen Vertrauten den Bischof von Sutri um einer
Ursach willen hassen so wär es wegen der hartnäckigen Zweifel die er wider das
was ich glauben will einzustreuen weiß wegen des verdächtigen Stillschweigens
das er beobachtet wenn er sieht dass ich seinen Reden kein Gehör geben will
    Sutri ist sonst ein treflicher Mann um seinetwillen musst du herüber kommen
ich habe ihm von dir gesagt habe ihm versprochen ihn mit dir bekannt zu
machen er weiß alles von dir nur deinen wahren Namen nicht diesen glaubte ich
ihm verschweigen zu müssen weil ich deinen Willen nicht wusste und aus diesem
Grunde bitte ich dich nochmals dich unter irgend einer angenommenen Benennung
zu verstecken du hast ja Schlösser und Burgen genug nach welchen du dich ohne
die Wahrheit zu beleidigen nennen kannst Wird denn dein Herz zu jener
Vertraulichkeit bewogen die ich gegen ihn hege so ists noch allemal Zeit dich
ihm zu entdecken und diese Zeit wird wie ich vermute bald kommen Sutri weiß
einem jedes Geheimnis aus dem Herzen zu stehlen ich selbst habe ihm mehr
gesagt als ich glaubte je einem Menschen sagen zu können mehr als ich
vielleicht gesollt hätte doch es geschah unter dem Siegel der Beichte  O
Gott dass alle Geistliche ihm gleichen möchten jeder Mensch dürfte denn ohne
Scheu ihnen sein Herz öffnen aber ich komme jetzt von Rom mit neuen
Erfahrungen wie ungleiche Brüder er in seinem Stande hat
    Lass dir alle diese Dinge genauer berichten sie sind umständlicher Erzählung
wohl wert
    Als Gesandter Kaiser Philipps kam ich nach Rom Philipp hatte eigenhändig an
Sankt Peters Nachfolger ein Schreiben verfasst das ich nicht geschrieben haben
würde es atmete nichts als Zuneigung gegen den welchen er hassen muss nichts
als Unterwerfung gegen den welchen er dächte er wie ich billig die Stirn
bieten sollte es war in aller Absicht zu süß als dass man seinem Inhalt trauen
konnte und vielleicht ward das Misstrauen welches es erregte der Grund zu
einem Verfahren das mir sonst doppelt teuflisch vorkommen würde
    Mit Entzücken lass der heilige Vater Philipps Schreiben ich sah es ihn mehr
als einmal an seine Lippen drücken und hörte Worte von ihm wie ich sie etwa
gegen dich beim Wiedersehen auf welches ich so sehnlich hoffe führen könnte
Und eben dieser Mann konnte mir an dem nämlichen Tage Anträge tun lassen vor
welchen ich zurückschaudre Sie geschahen nicht in seinem Namen aber wie konnte
man ihn in denselben verkennen
    Himmel man konnte es wagen Otten von Wittelsbach dem Verlobten der
Tochter Philipps dem Mann der gegen ihn er mag nun übrigens von ihm halten
was er wolle die Pflichten eines Sohnes hat man konnte ihm zumuten sein
Gegner zu werden die Hand nach der Krone auszustrecken die er trägt den Stuhl
noch mehr zu untergraben der ohnedem nur allzuoft schwankte Es scheint man
glaubt Herzog Otto sei ihm nicht genug gewachsen oder man findet in ihm nicht
das was man erwartete oder was sonst die Dinge sein mögen welche den
schwärzesten aller Anschläge veranlassten Ich fühlte die Beschimpfung die ich
in der Zumutung an Philipp treulos zu werden erlitt und antwortete dem
gemäß ein höhnisches Lächeln war die Erwiderung meiner Rede
    Der Pfalzgraf Otto handelt sehr weislich sagte der Mann den man an mich
abgesandt hatte dem so treu ergeben zu sein der gegen ihn keine Treue kennt
und dagegen durch bittere beleidigende Äußerungen denjenigen zu reizen welcher
sein Glück sucht und es zu befördern wissen würde Vielleicht wird er bald
einige Proben sehen wie der Philipp gegen ihn gesinnt ist für den er sich
aufopferte
    Der Pabst war lauter Huld als ich meine Abfertigung erhielt in dem Briefe
welchen er mir für den Kaiser überreichte sollte wie er mich versicherte
alles enthalten sein was dem Reiche Frieden dem Kaiser Glück und auch mir
neue Freude und genauere Kenntnis meiner Freunde bringen würde Ich lasse es
dahin gestellt sein dieser vielsagende Brief ist bereits an den Kaiser
übergeben außerordentliche Dinge mochte er wohl enthalten ich sah es an dem
öfteren Farbenwechsel auf Philipps Gesicht und an der Miene mit welcher er
einigemal die Augen auf mich heftete Es lag ein Zug von Mitleid in derselben
der mich beleidigte und mich ehe aus dem Zimmer trieb als ich es eigentlich
hätte verlassen sollen  Sollte man mich vielleicht bei Philippen zu verleumden
suchen ein solcher Streich von Rom unter dem Deckmantel der Freundschaft wär
nichts ungewöhnliches mich würde er indessen wenig rühren Dem biete ich Trotz
der etwas nachteiliges auf mich bringen könnte welches den mindsten Schein der
Wahrheit hätte
    Ich habe seitdem mit niemand gesprochen auch habe ich mit niemand zu
sprechen gesucht die Sache macht nicht den Eindruck auf mich dass ich
Erläuterung ängstig suchen sollte
 
                                   Nach Rom
                                     1207
Die Dinge welche der Bischof von Sutri unter dem Siegel der Beichte von
Pfalzgraf Otten erfahren hat bestättigen sich es ist gewiss dass seit Karl des
Großen Zeiten in Deutschland ein heimliches Tribunal besteht das alle
todeswürdige Verbrechen ausfindig zu machen und zur Strafe zu ziehen weiß es
ist zum Erstaunen dass in so langen Jahren noch keiner von den tausenden welche
teils als Richter teils als Beisitzer an diesem verborgenen furchtbaren
Gericht Teil haben gegen Beichtiger oder Freund von diesen heimlichen Dingen
so viel verriet als uns auf die Spur leiten konnte die uns jetzt der
Entdeckung des Ganzen so nahe bringt Die Winke die der Bischof von Sutri von
seinem Beichtsohn erhielt sind klein aber sie haben zu größeren Aufklärungen
geführt der Pfalzgraf ist nur einer von der niederen Klasse der Wissenden wir
haben Personen unter unserer geistlichen Heerde welche höher stehen und von
welchen man mehr erforschen kann In den nächsten Tagen wird an dem kaiserlichen
Hofe ein gewisser Alf von Dülmen erscheinen  sein wahrer Name hat noch nicht
erforscht werden können  welcher Pfalzgraf Ottens vertrauter Freund ist und
der eine hohe Stufe in dem heimlichen Gericht begleitet Er ist unterwegens in
unsern Händen gewesen aber alle Künste  Gewalt wollte man nicht brauchen 
sind nicht im Stande gewesen mehr aus ihm zu bringen als die Gewissheit dass
bei der Versammlung die nächstens zu Pamiers gehalten werden soll sich mehrere
der Richter und Beisitzer jenes Tribunals vielleicht auch der oberste
Stuhlherr wie sie ihn nennen sich unter verdecktem Namen einfinden werden Es
ist hochnötig dass man jetzt alle Anschläge zu Philipps Sturz und des kühnen
Wittelsbachers Untergang auf die Seite setze und einen schlauen Kopf nach
Pamiers sendte sich über Dinge zu unterrichten die der Kirche zu wissen Not
sind
    Welcher Vorteil für sie besonders in diesen kezerischen Zeiten da das
Unkraut der Waldenser und Albigenser sich immer mehr ausbreitet wenn man die
Gewalt dieses Tribunals an sich reißen oder da nach dem was wir erforscht
haben dieses unmöglich scheint nach Maassgabe dieses weltlichen Gerichts ein
geistliches errichten könnten welches die Macht und Allwissenheit des ewigen
Richters auch seine wundervolle Einrichtung nachahmt jedes Geheimnisses
spottet und das Verbrechen aus der tiefsten Dunkelheit zur Strafe zu ziehen
weiß Unser Herz wallt unsere Hand zittert da wir dieses schreiben die
Begeisterung zeigt uns in der Folgezeit Möglichkeiten die auf diese einige
Entdeckung gebaut die Macht und Allgewalt der Kirche unumschränkt machen und
ihren Szepter über die ganze Erde verbreiten würden
 
                         An den Bischof von Kastilien
                                     1207
Wir hören dass euer König nächstens Anstalt machen wird die Braut seines Sohns
aus Frankreich abholen zu lassen Versäumet nicht unter den Abgesandten zu sein
und euch zu Pamiers einige Zeit lang aufzuhalten es werden sich Personen
daselbst einfinden welche Dinge von Wichtigkeit mit euch zu bereden haben
Richtet besonders eure Aufmerksamkeit auf einen gewissen Grafen von Segni
dessen wahren Namen ihr vielleicht erraten könnt
    Hättet ihr unter der mittleren Klasse eurer Geistlichen irgend einen fähigen
Kopf durch welchen sich Dinge bei welchen kein Großer die Hand sichtbar im
Spiel haben darf ausrichten ließ so vergesset nicht ihn mit euch zu
bringen wir werden in Zukunft Leute dieser Art genug nötig haben
    Auf die Braut eures Prinzen habt ein wachsames Auge man sagt sie solle von
dem verderblichen Gift des Peter Waldus angesteckt sein und sich erkühnen die
heiligen Bücher welche er durch eine verwegene Übersetzung unter die Layen
gebracht hat nicht allein zu lesen sondern auch andern mitzuteilen Muss denn
eben sie Königin von Kastilien werden  Es gibt Prinzessinnen mit welchen wir
unsere Absichten besser erreichen können
 
                      Die Kaiserin Irene an ihre Töchter
                                     1207
Kommt zurück meine Kinder in das Haus eures Vaters eine doppelte
Notwendigkeit erfordert es Dein Brief Beatrix enthält Dinge welche mich
fürchten lassen die Gesellschaft der kastilischen Braut könne euch gefährlich
werden schon aus dieser Ursache würde ich geeilt haben euch wieder in meine
Arme zu rufen wo kein Gift der Ketzerei eurem Glauben keine Freiheit die
königlichen Jungfrauen nicht ansteht eurer Tugend droht aber es haben sich
außerdem noch hier Begebenheiten ereignet welche mir wirklich eure Hilfe
besonders die deine meine Elise nötig machen
    Schon längst merkte ich dass man deinem Vater die Freundschaft des edelen
Pfalzgrafen Otto beneidete ich könnte dir von schrecklichen Versuchen ihn von
uns abwendig zu machen schreiben doch ich schone dein Herz du bist zu jung
um durch frühzeitige Erfahrung von der Bosheit der Menschen die Welt hassen zu
lernen in welcher du noch eine Zeit lang zu leben hast Die neuesten Mittel die
man gebraucht hat den treflichen Wittelsbacher in unsern Feind zu verwandeln
kann und darf ich dir nicht so verschweigen sie liegen zu klar am Tage als dass
sie verborgen bleiben könnten
    Ein Antrag vom Pabste ein Brief den der unschuldige Otto selbst
überbringen musste ladet deinen Vater ein die dem Pfalzgrafen Otto versprochene
Braut deine Schwester Kunigunde ihm zu entreißen und sie Graf Richarden des
Pabsts Nepoten zu geben Kannst du die Antwort erraten welche darauf erfolgt
 Sie heißt Ja  O Gott der gerühmten deutschen Treue dem heiligen
unverletzlichen Kaiserwort zum Trotz heißt sie Ja  Der Pabst hat seine Huld
zum Preis dieses Ja gemacht  Stelle dir das Wüten des Pfalzgrafen stelle dir
meine Verzweiflung vor
    Nach deiner Schwester Kunigunde frage nicht sie willigt lächelnd in das was
der Pabst und der Kaiser wünschen o Beatrix du wusstest was niemand bekannt
war ihr Herz spricht für Richarden nur Mangel an Hoffnung diesen je zu
erlangen trieb sie in Ottos Arme den sie nie wahrhaftig liebte Es ist
schändlich einen deutschen Mann all diese Zeit über so geäfft zu haben und
doch auf diesen Teil der ganzen fatalen Geschichte der eigentlich meinem
Herzen das sich an Kunigundens Stelle schämt der kränkendste ist doch eben
auf diesen baue ich die Möglichkeit den Pfalzgrafen den ich uns nicht rauben
lassen will aufs neue an uns zu fesseln Es ist unmöglich dass der stolze
biedre Otto einer Person länger achten kann die es nie redlich mit ihm meinte
auch gesteht er selbst dass der Eindruck den Kunigundens Schönheit anfangs auf
ihn machte durch genauere Kenntnis ihres Charakters längst geschwächt ist dass
er hier mehr über die erlittene Beschimpfung als über die verlohrne Braut zürnt
dass er vielleicht selbst die Hand von ihr zurückgezogen haben würde wenn die
Anhänglichkeit an das einmal gegebene Wort nicht die Überzeugung aufgewogen
hätte dass er mit einer Person von ihrem Charakter nicht glücklich sein könne
    Auf dieses Geständnis gründe ich einen Plan den du meine Tochter mir
ausführen helfen sollst Elise zürne nicht mit deiner Schwester dass sie deine
Geheimnisse verraten hat Beatrix hat mir gesagt dass du Pfalzgraf Otten
liebst komm herüber und zeige dich ihm in allen deinen Vorzügen er wird auch
dich lieben und durch dich unser Sohn werden Der Kaiser welcher den
Wittelsbacher so ungern verlirt als ich er der sich nur durch Staatsklugheit
gezwungen glaubt ihm sein Wort zu brechen suchte ihn schon anfangs durch etwas
zu beruhigen das mich seine Einwilligung hoffen lässt Pfalzgraf sagte er ich
habe mehr Töchter
    Ich habe seit der Zeit mit ihm von dir gesprochen er willigt in eure
Zurückberufung und hat mir gestanden dass er dich vielleicht gleich anfangs für
den von Wittelsbach bestimmt haben würde hätte er deine Neigung zum Kloster
nicht für entschieden gehalten der Pfalzgraf scheint das nämliche von dir
gedacht zu haben und aus einem meiner letzten Gespräche mit ihm schöpfe ich
die Vermutung dass nur die Überzeugung du seist eine Verlobte des Herrn
ehemals seine Augen von dir auf Kunigunden die bereits zu ihrem Bräutigam nach
Rom gesandt worden ist lenken konnte 
    Ich bitte dich Elise lass keinen unzeitigen jungfräulichen Stolz keine
unnötigen Bedenklichkeiten dich vom Gehorsam ablenken du schenkst deiner
Mutter die Ruhe deinem Vater einen wichtigen Freund wieder wenn du den
Pfalzgrafen für uns erhältst und wie groß wird dein eigenes Glück an der Seite
eines solchen Mannes sein den du bereits liebst und der dich sobald er dich
kennt lieben wird
    Dir Beatrix habe ich nichts zu sagen du bist klug und gutdenkend genug
zu wissen wie du dich in Gegenwart des Mannes zu betragen habest der für dich
bestimmt ist verspare den Schimmer all deiner Vorzüge für den jungen Herzog von
Braunschweig  es wird mir schwer ihm den Kaisernamen zu geben den ihm alle
Welt deinem Vater zum Trotz beilegt  du hasts erraten für diesen Prinzen
bist du bestimmt und du siehst wohl welche Vorteile die Verbindung mit ihm
uns und dem Reiche bringen wird doch all dieses liegt noch weit in der Zukunft
er kennt dich so wenig als du ihn Glück und Gelegenheit muss euch erst wieder
zusammen bringen
    Die Jungfrau Alverde darf nicht mit euch nach Hofe kommen ich seh es gern
wenn sie sich unter das Gefolge der kastilischen Braut begäbe damit sie dem
Kalatin ganz aus den Augen käme Ich hasse diesen Menschen mehr als ich fast vor
dem Richterstuhl der Billigkeit verantworten kann Leichtsinn und etwas
Ausgelassenheit nach Art der heutigen Hofjünglinge ist ja das einige was man
noch zur Zeit auf ihn bringen kann  Um mein Urteil über ihn mehr zu
berichtigen wünschte ich sehr etwas von Alverdens Geschichte zu wissen Hat
sie sie euch noch nicht mitgeteilt so veranlasst dass sie dieselbe schriftlich
verfasse und euch zuschicke denn eure Abreise darf um keiner Betrachtung
willen einen Tag verschoben werden
 
                    Evert von Gemen an Adolf Grafen von 
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Mehrere Monate sind vergangen seit du dein Vaterland und mich verliessest und
von dieser Zeit an folgen dir meine Boten überall dich aufzufinden und wo
möglich zurück zu bringen keiner kann deine Spur treffen und ich muss glauben
die Unglücksahndung die mich bewog mich dieser letzten mehr als allen deinen
vorhergegangenen geheimen Reisen zu widersetzen sei bereits eingetroffen
    Ach meine Stimme wird dich nicht mehr von dem Rande des Abgrundes
zurückreissen können aber ich muss meinem Herzen Luft machen muss das aufs Papier
aushauchen was an meinem Herzen nagt und mir dabei die Möglichlichkeit denken
es könne einst in deine Hände kommen vielleicht wird dies mich beruhigen in
diesen schrecklichen Augenblicken da ich alles verloren habe
    Dem Grafen von Wittelsbach will ich diese Blätter zuschicken Unglück macht
uns auch mit Unbekannten vertraut ich kannte diesen Mann nie anders als aus
dem Gerücht aber ein abgerissener Zettel mit einigen unzusammenhängenden
Worten den ich in einem Kabinet deines verödeten Schlosses fand nannte seinen
Namen ich dachte mir es möglich du den ich seit einigen Jahren in so manchen
mir unbegreiflichen Verhältnissen mit zuvor nie gesehenen Personen fand du
könntest auch mit ihm in Verbindung stehen und ich entschloss mich ihm fragend
von dir zu schreiben Ich habe Antwort von ihm aber sie tröstet mich nicht
Pfalzgraf Otto scheint dich zu kennen und zu lieben wie ich scheint um dich
Trotz mir bekümmert zu sein und eben so wenig als ich erraten zu können was
aus dir geworden sei
    Er bekennt dass er dich zu dieser Reise veranlasst dass er schon vor einigen
Jahren von dir gefordert habe sie unter verdeckten Namen zu unternehmen und
ich kann nicht sagen dass er mir um dieser Entdeckung willen lieber ist Wegen
des Entzwecks der dir ausgesonnenen Reise lässt er mich in Zweifel er wünsche
dich mit einem seiner Freunde bekannt zu machen sagt er mit einem Manne der
noch dazu ein Bischof ist das danke ihm ein andrer als ich auswärtige
Bekanntschaften haben dich deinem Hause entfremdet und die Ehre den
Geistlichen in unsern Tagen bekannt zu sein wird von so rätselhaften Menschen
wie du oft teurer erkauft Was mich mit meinen neuen Korrespondenten aussöhnt
ist seine Einladung dir zu Erleichterung meines Herzens weitläuftig zu
schreiben und ihm den Brief zuzuschicken weil wie er sich rühmt er
vielleicht noch am ersten eine Möglichkeit wisse ihn dir zu Händen zu bringen
    So wende ich mich denn schriftlich an dich aber alles was ich auf das
Papier bringen kann sind Klagen O du der meinem Herzen unter allen Männern am
nächsten ist wollte ich all meine Klagen um und über dich ausatmen wo sollte
ich anfangen  Nicht von dem Augenblicke da du dich zuletzt aus meinen Armen
losrissest und dich mit rauhem Ton erklärtest du müsstest reisen nein früher
viel früher heben meine Beschwerden an
    Wir wurden mit einander erzogen das Glück schien uns so ziemlich auf eine
Stufe gesetzt zu haben dein Vater schien zu sein was der meinige war ein
wackerer Ritter von altem westphälischen Adel nur vom Glück etwas schlechter
mit zeitlichen Gütern bedacht als Konrad von Remen sein Freund Dein Vater
arbeitete von jeher unter einem geheimen Kummer der ihn wahrscheinlich zuletzt
auf das Krankenbette warf und dem Tode entgegen führte Er lag zu sterben du
und ich weinten an seinem Lager er hieß mich hinausgehen und behielt bloß dich
zurück Was du in jener Stunde von ihm erfahren hast weiß ich nicht aber nie
habe ich einen Menschen in einer seltsamern Bewegung gesehen als dich da du
dich mir wieder zeigtest
    Kummer über deinen Vater der eben die Augen zum ewigen Schlafe geschlossen
hatte war es nicht allein es war mehr Du gingst einige Tage wie im Traume
umher und kaum hattest du die Reste des Entschlafenen zur Erde bestattet als du
dich erklärtest dein Bleiben sei nicht in diesen Gegenden du müsstest fort um
Plane auszuführen deren Folgen wir vielleicht bald sehen würden Deine
Schwester damals ein zehnjähriges Kind vertrautest du der Aufsicht meiner
Eltern und entferntest dich entflohest möchte man fast sagen ohne dass jemand
wusste wohin du gekommen seist Das Geheimnisvolle in deinem Betragen war der
erste Bruch brüderlicher Vertraulichkeit ich fühlte ihn an dein volles
Zutrauen gewöhnt so tief wie man gewöhnlich den ersten Anfang eines Leidens
fühlt das man mit der Zeit ertragen lernen muss
    Du kehrtest in nicht allzulanger Zeit als Graf von  zurück dass du aus
diesem Hause entsprossen warst dass du die gegründetsten Ansprüche auf die mit
deinem großen Namen verbundenen Güter hattest das durfte niemand bezweifeln
die Leichtigkeit mit welcher dir alle deine weitläuftigen Besitzungen
eingeräumt wurden bewiess das deine Rechte höheren Orts anerkannt waren dass du
von einer Macht geschützt wurdest der sich niemand widersetzen durfte wer
diese Macht war wusste niemand man riet ganz natürlich auf den Kaiser aber es
ließ sich erweisen dass du nicht nach Hofe gekommen warst dass du dein
Vaterland nicht verlassen sondern dich all die Zeit deiner Abwesenheit an einem
Irgendwo aufgehalten hattest das niemand kannte
    Von diesem Zeitpunkte an rechne ich eine gänzliche Veränderung deines
Charakters nicht der Moralität desselben du bliebst gut und bieder wie du
immer warst aber du hattest die Heiterkeit den Freimut verloren der bei
einem Jüngling von zwanzig Jahren wie du damals warst immer mit Herzensgüte
und Biedersinn verbunden ist Du warst von nun an düster und zerstreut in
Gesellschaft ein übertriebener Freund der Einsamkeit immer beschäftigt ohne
dass jemand wusste was du triebst oft abwesend ohne dass jemand erraten konnte
wo du warst in eine Menge von neuen Bekanntschaften verflochten die niemand
wusste woher sie entstanden man fand dich oft in Gesellschaft von Leuten die
niemand kannte die da kamen und verschwanden ohne dass man wusste wie Verzeihe
mir Adolf ich würde dich in Verdacht böser Händel gehalten haben hätte es
sich nicht gefunden dass Männer vom Range und Tugend die Notiz nahmen Männer
von denen ich nicht einmal wusste dass du ihnen bekannt wärest Ich habe
Abgeschickte des Herzogs von Sachsen bei dir gesehen und ein Gesuch das einer
deiner Freunde bei dem von Braunschweig hatte wurde durch eine einige Reise von
dir erlangt so wie ein einiges Wort von dir einem Unschuldigen der in die
Hände der Gerechtigkeit gefallen war die Freiheit brachte Du warst ein
mächtiger Mann aber wie du es wurdest und worin eigentlich deine Macht und
dein Ansehen gegründet war das wusste niemand Du begleitetest weder bei dem
Heer noch bei der Regierung eine Stelle drängtest dich nicht zu den
Gunstbezeugungen der Fürsten hieltest dich in der Stille und zürntest wenn
man etwas mehr in dir ahndete als du sein wolltest
    Lass mich die Geschichten all übergehen welche in die folgenden Jahre
fielen und die mir immer mehr rätselhaftes in dir zeigten lass mich zu der
letzten zu dem Grund all meiner Klagen übergehen lass mich dich fragen was
dich bewog vor nunmehr acht Monaten plötzlich deine Schwester die in dem Hause
meiner Eltern du weißt es wohl für mich herangewachsen war in das deinige zu
nehmen wo sie bei dem beständigen Zufluss von Fremden der in denselben war
nicht mit Ehren leben konnte was dich bewog Tags darauf nach diesem übereilten
Schritte dich zu einer Reise zu erklären die wie du selbst gestandest lang
dauern sollte warum du mir sagtest du würdest nirgend unter deinem wahren
Namen überall unter dem Alf von Dülmen zu erfragen sein du weißt den
Widerspruch den all diese Dinge bei mir fanden und die Antworten die ich
erhielt Du reistest allen Warnungen zum Trotz und nun höre was aus dieser
Reise entstanden ist Der Bischof von Bremen welcher längst ein Auge auf deine
östlichen Güter hatte nutzte den ersten Augenblick da sich deine Abwesenheit
nicht mehr verbergen ließ sich derselben zu bemächtigen ich machte mich auf
Gegenvorkehrungen zu treffen und musste den guten Fortgang mit welchem ich dem
Unheil steuerte durch ein andres Unglück erkaufen das dein Haus in meinem
Absein betroffen hatte Deine Schwester die in deinem von seinem Herrn
verlassenen Schloss freilich nicht so gut aufgehoben war als in dem Schoss
meiner Mutter war durch jenen Peter von Kalatin den du immer mir zum Trotz um
dich duldetest davon geführt worden Ich setzte ihr nach ein Sturz vom Pferde
brachte mich in den Zustand in welchem ich schon mehrere Wochen das Bette
gehütet habe und aus welchem ich mich jetzt nur empor richte um mir es lebhaft
zu denken dass ich dich und Alverden verloren habe dass während meiner
Krankheit da meine Leute bloß um mich besorgt waren auch die Spur verloren
ging nach welcher ich die Geraubte wiederfinden könnte Dich selbst kann ich
weder nach deinem würklichen noch nach dem Namen Alf von Dülmen ausfündig
machen und meine letzte Hoffnung steht noch auf den Grafen von Wittelsbach zu
dem mich wie gesagt ein in deinem Kabinet gefundner abgerissener Zettel
hinleitete
    O Alf von Dülmen denn diese fremde Benennung schickt sich am besten für
den der mir so ganz fremd geworden ist was soll aus diesen Rätseln werden
Ich muss glauben du und Alverde habt euch gutes Willens so von mir losgemacht
dass ich nie wieder etwas von euch hören soll ist dieses denn gute Nacht
Vaterland ich habe nichts mehr das mich an dich fesselte das letzte noch
übrige heiligste Band ward diese Nacht gelösst meine Mutter welche seit
Alverdens Verlust schwer darnieder lag ist nicht mehr ich bin von nun an hier
ein Fremdling der da er keine Freunde mehr hat auch künftig keine Heimat
hier haben will Verfliesset noch eine festgesetzte Zeit ohne Nachricht von dir
und Alverden so verkaufe ich alles was ich hier besitze nehme das Kreuz und
wallfarte nach dem heiligen Grabe nicht auf Monate und Jahre nein auf
Lebenszeit andere tragen ihre Sündenlast an die heilige Stelle ich will die
Last meines Kummers dorthin schleppen ob es mir am Herzen leichter werden
möchte
 
                  Der Graf von Segni an den Bischof von Sutri
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Wir haben allerdings Ursach euch wegen der Treue zu danken mit welcher ihr uns
gewisse Dinge gemeldet habt welche uns nützlich werden können indem sie uns
Anlass geben da tiefer zu forschen wo uns noch nicht alles enthüllt ist ihr
würdet indessen irren wenn ihr wähntet ihr hättet ganz etwas neues unerhörtes
getan indem ihr uns auf jene Macht aufmerksam machtet die durch ganz
Deutschland im Verborgenen herrscht wir haben sie an ihren Wirkungen erkennen
können wenn wir auch nicht im Stande waren wie wir vielleicht nun bald sein
möchten ihr Inneres ganz zu zergliedern
    Die Geschichte seit Karl des Großen Zeiten ist voll von Ereignissen die
selbst uns unerklärbar waren Verbrechen welche in die tiefste Nacht gehüllt
schienen wurden man wusste nicht wie ans Licht gezogen sie fanden ihre
Verteidiger aber gesetzt auch dass sie vor allen Richterstühlen losgesprochen
wurden so entgingen sie doch einen heimlichen Rächer nicht dessen blutige
Fusstapfen niemand in der Dunkelheit erkennen konnte  So wie auf der einen
Seite die Strafe schnell auf jedes unablösliche Verbrechen folgte so ward auf
der andern Seite die gekränkte Unschuld man wusste nicht wie gerechtfertigt
Gewalttätigkeiten wurden abgestellt unrechtmässiges Eigentum seinem Besitzer
entrissen und dem wahren Eigner mit gränzenloser Macht wieder zugestellt
dieses und viel andre Dinge sahen und fühlten wir wie hätten wir nicht längst
auf das fallen sollen wovon ihr euch stolz genug rühmt uns den ersten
Fingerzeig gegeben zu haben und eure Forderungen derhalben bis zum
Unbescheidenen ausdehnt
    Hätte uns nichts über diese Dinge von welcher ihr zuerst die Decke genommen
zu haben glaubt die Augen öffnen können so wär es die Geschichte des Grafen
Adolf von  die so ganz in unsere Zeiten fällt dass wir nicht leugnen können
sie mit eigenen Augen gesehen zu haben und blind müssten die Augen gewesen sein
hätten sie hier nicht eine verborgene Macht entdeckt welche alles regierte und
das Unmögliche möglich machte stumpf müsste unser Verstand gewesen sein hätte
er uns nicht die Möglichkeit geschildert diese Macht könne der heiligen Kirche
einst nachteilig werden wie sie es denn zB in der Geschichte Graf Adolfs
schon geworden ist
    Überlegt euch selbst diese Begebenheiten von welchen ihr zum Teil Zeuge
gewesen seid Der Erzbischof von Bremen und der von Münster nebst einigen
andern Herrn hatten sich in den Besitz der Güter des Vaters Graf Adolfs gesetzt
welcher sein Recht vor keinem Richterstuhle erlangen konnte und in den
Gegenden wo er ehedem geherrscht hatte als ein gemeiner Edelmann lebte Er
starb und auf einmal sahen wir seinen Sohn unter dem Namen seiner Vorfahren
auftreten seine Güter wurden ihm ohne Schwerdschlag herausgegeben denn die
mächtigsten Fürsten die selbst zum Teil ihre Ohren vor den Bitten seines
Vaters verschlossen hatten verwendeten sich für ihn man wollte sich seiner
wachsenden Größe hier und da widersetzen aber seinen Gegnern wurden die Hände
gehalten eine allgemeine Furcht bemächtigte sich ihrer Graf Adolf kam immer
mehr empor und würde vielleicht noch jetzt nicht zu steigen aufhören wenn man
nicht  
    Doch dieses sind Dinge welche nicht hieher gehören wir halten es indessen
für nötig weil wir einmal dieses Grafen erwehnt haben auch noch einige Worte
seinetwegen zu sagen ihr meldet in einem eurer geheimen Schreiben eines
Freundes welchen Otto von Wittelsbach in Westphalen haben und den er auf euren
Wink gesonnen sein solle herüber zu rufen andre Schreiben sagen uns dieser
Freund nenne sich Alf von Dülmen und werde nächstens am kaiserlichen Hofe
eintreffen uns ist daran gelegen genau zu wissen ob dieser Alf von Dülmen mit
Graf Adolfen eine Person sei Mutmaßung davon haben wir bereits auf unsere
Veranlassung ist Graf Adolf aus seinen Landen verlockt worden durch
Nachlässigkeit unserer Agenten ging seine Spur perlohren aber wir glauben ihn
unter den Namen Alf von Dülmen wieder in unsern Händen gehabt zu haben die Art
Leute zu welcher er sich zählt ist unerforschlich wir konnten mit List und
Gewalt bei weiten nicht alles von ihm erpressen was uns zu wissen not ist
solltet ihr hierinn glücklicher sein denn erst würdet ihr verdienen was ihr
schon verdient zu haben glaubt strengt all euren Fleiß all euren Scharfsinn
an durchzudringen und denkt dass der Kardinalshut euer Lohn sein wird
 
                Der Graf von Segni an den Bischof von Kastilien
                                     1207
Wir sind nun beide zu Pamiers aber die Klugheit will es dass wir uns weder
kennen noch Gemeinschaft mit einander haben daher sei das was uns beiden zu
wissen not ist der Feder oder dem jungen Dominikus Gutzmann vertraut doch der
ersten noch mehr als dem letzten der junge Mensch besitzt zu viel tugendhafte
Schwermerei als dass er mit allem zufrieden sein könne was hier nötig ist
sein Feuereifer für die Wahrheit sein Ehrgeitz müssen genutzt werden ohne dass
man ihn überall das Ganze durchschauen lasse 
    Gesegnet sei die Reise nach Pamiers sie hat uns großen Vorteil gebracht
und wir sehen uns nun im Stande darauf fort zu bauen was Pabst Lucius der
Dritte bereits einigermaßen angefangen hat
    So wie die Christenheit bisher unter dem verborgenen Szepter weltlicher
unbekannter Richter lebte so beuge sie sich nunmehr vor einen geistlichen6
heimlichen Gericht die Erde säubre sich auf diese Art von dem untilgbaren
Unkraut der Ketzerei und das Feuer reinige das Gold des Glaubens von den
Schlacken die wir nun erst überall wo sie verborgen liegen auszuspähen im
Stande sein werden
    Es kann dem jungen Dominikus sein Gesuch zu Stiftung eines neuen Ordens so
wenig abgeschlagen werden als wir es dem frommen Johann Bernardon abgeschlagen
haben er errichte einen Predigerorden zu Bekehrung der Ketzer und sende so
wie jener tut seine Jünger aus in alle Welt sie dem Glauben unterwürfig zu
machen Diese Leute werden unsere Augen und Ohren sein die uns zu jener
Allwissenheit verhelfen deren sich die furchtbaren Richter vermittelst der
zahllosen Mitglieder ihres Gerichts rühmen wir haben sie nun erst ganz kennen
gelernt und uns zum Vorbild gewählt es ist Schande dass wir von den Weltlichen
in solchen herrlichen allgemein nützlichen Dingen ein Muster nehmen sollen aber
wir hoffen wenn wir unser Original in der Nachbildung übertreffen dennoch vor
ihm den Preis zu gewinnen
    Lasst uns aber bei Erreichung dieses großen Entzwecks auch einige Nebendinge
nicht versäumen unsere billigen Beschwerden über Kaiser Philippen sind wozu
uns auch äußerlich die Staatsklugheit nötige noch nicht vergessen fast
gleichen Anteil an unserm Hass hat Otto von Wittelsbach der kühne Mann der uns
durch Briefe und stolze Worte zu schmähen wagte Zu ihnen gesellt sich ein
Dritter Graf Adolf von  den wir wegen widerrechtlicher Anmassung geistlicher
Güter billig hassen er schwärmt so hat der Bischof von Sutri endlich durch
seine Nachforschungen gewiss gemacht nachdem ihn Peter von Kalatin auf unsern
Befehl aus seiner Sicherheit aufjagte unter dem Namen Alf von Dülmen in der
Welt umher Könnten wir doch diese drei auf eine Stelle versammeln um sie mit
einem Schlage desto gewisser zu treffen könnten wir doch einen durch den andern
fällen es ist billig dass ein Gottloser der Henker des andern sei und die
Hände der Heiligen Gottes rein erhalten werden
    Diesen Otto von Wittelsbuch mit Philippen zu entzweien scheint eine
Unmöglichkeit zu sein seine Treue für ihn ist felsenfest er verschmerzt ihm zu
Liebe was sonst nie ein Deutscher verschmerzte Wortbruch und Beschimpfung
    Doch Otto kann sich leicht Kunigunden rauben lassen da die schöne Elise ihm
zu Teil wird o ließ sich auch dieses neue Band zerschneiden mit welchen
Philipp ihn an sich zu fesseln sucht Elise hätte sich wohl besser zur Königin
von Kastilien geschickt als die Gräfin von Toulouse eine heimliche Anhängerin
des verdammten Waldus eine Leserin verbotener Bücher die künftige
Verfälscherin des rechten Glaubens der sich Gott und eurer Vorsicht sei es
gedankt bisher so herrlich an dem Hofe und in den Landen eures Königs erhalten
hat
 
                       Der Unbekannte an Alf von Dülmen
                                     1207
Unter diesem Namen höre ich habt ihr eure Lande verlassen und ich halte es
für Pflicht euch darüber zu Rede zu stellen Euch ist bekannt dass euch nach
den Gesetzen die ihr beschworen habt nicht erlaubt ist den Ort eures
Aufenthalts ohne mein Vorwissen zu verlassen noch viel weniger euren Namen zu
ändern ohne in Angelegenheiten des großen Bundes Ihr seid zu Pamiers gesehen
worden was trieb euch dahin wohin ihr nicht gefordert wurdet was trieb euch
an einen Ort den ich selbst nicht betreten zu haben wünschte Ich lernte dort
einen Grafen von Segni kennen welcher Mittel wusste sich mein ganzes Herz zu
eigen zu machen Bei einer Jagdpartie die für mich sehr unglücklich hätte
ablaufen können dankte ich ihm mein Leben Von diesem Augenblick an war er
unablässig um mich beschäftigt er war der einnehmendste Mann den ich je
gesehen habe meinem Urteil nach gleich vortrefflich an Geist und Herzen schon
dachte ich auf Mittel ihn für unsere Verbindung zu gewinnen als er sich mir
als bereits einen der unsern bekannt machte als einen der nachdem was er
wusste schon eine hohe Stufe in dem unsichtbaren Reiche erstiegen hatte Ich
kannte ihn nicht wie wär es möglich alle Glieder der endlosen Kette zu kennen
ich kannte ihn nicht aber ich traute ihm musste ihm trauen
    Wir sprachen viel mit einander von dem Innern des großen Bundes ich zittre
über das was wir mit einander sprachen da mir hinten nach aus einem einigen
Umstande wahrscheinlich wird dass ich hintergangen ward dass ein Profaner mir
Worte entriss welche ewig ungesprochen hätten bleiben sollen Ist dieses so
haben wir einen Verräter unter uns irgend jemand lehrte ihn die Mittel nicht
allein mich unter meinem verdeckten Namen zu kennen sondern sich auch auf eine
Art die ich weder mutmaßen noch vermeiden konnte in meine Vertraulichkeit
einzuschlingen
    Wehe euch Alf von Dülmen wenn ihr dieser Verräter seid Ich rufe das
dreifache Wehe über euch und lade euch auf den Tag den ihr aus der Zahl der
Buchstaben erraten werdet zur Verantwortung Am nämlichen Tage soll Gericht
über Philipp den Kaiser gehalten werden Gericht über unerhörte
Beschuldigungen die mir von ihm zu Ohren gekommen sind Lasst Otten von
Wittelsbach von diesen Dingen wissen was er wissen muss im Übrigen schweiget
 
                       Alf von Dülmen an den Unbekannten
                                     1207
Wohl mir dass euch euer eigenes Beispiel lehrt dass bei der höchsten Spannung der
Vorsicht Täuschung möglich sei Kein Verräter bin ich nicht ich werde nicht
ermangeln mich gehörigen Orts zu verantworten
    Ihr sprecht mit mir aus einem Tone dessen sich kaum unser Oberhaupt Herzog
Bernhard bedienen würde Wehe der Sache der Gerechtigkeit dass er durch
Krankheit verhindert wurde nach Pamiers zu gehen und dass ihm das Unglück euch
zum Stellvertreter gab ihn würde kein Graf von Segni mit gleissenden Worten
hintergangen haben
    Doch was sage ich bin nicht vielleicht auch ich hintergangen Ich verließ
mein Land änderte meinen Namen kam nach Pamiers nicht anders als auf höchsten
Befehl Peter von Kalatin war der Überbringer desselben sollte auch ich
hintergangen sein so müsste man sich an ihn halten Ich erscheine unausbleiblich
auf dem bestimmten Tag gegenseitige Erklärungen werden das Geheimnis enthüllen
mag dann Gericht gehalten werden über wen da wolle ich weiß was ich geschworen
habe und halte meinen Arm zur Rache über den Schuldigen fertig ich weiß dass
ich keinen Höhern über mir erkennen darf als Gott und die Gerechtigkeit
 
                               Alverde an Irene
                                     1207
Ja meine Kaiserin ich weiß es dass ich euch die Geschichte meines kurzen
Lebens schuldig bin die Gnade mit welcher ihr euch für mich verwendetet den
Schutz den ihr mir gewährtet ehe ich noch wusste dass ich desselben bedürfe
machen mir die Aufrichtigkeit zur Pflicht auch ists möglich dass meine eigene
Ehre es nötig macht dass ich rede wo Schweigen mir Verdacht bringen könnte
    In einem kleinen nicht unzierlichen Hause einer Landschaft die ich nicht
nennen darf wenn ich nicht eidbrüchlich werden will verlebte ich die ersten
Jahre meines Lebens alles was mich umgab zeigte ehe von Mittelmässigkeit als
Überfluss und sagte mir was mich mein Vater oft versicherte dass ich die
Tochter eines unbemittelten Hauses sei deren künftige Aussichten auf Glück in
der Welt sich bloß auf Tugend und gute Aufführung gründeten ich fragte als
ich über das was man mir vorsagte nachdenken lernte was Tugend sei und mein
Vater führte mich in das Haus einer benachbarten Edeldame die wie er mich
versicherte mir meine Frage besser beantworten könne als irgend jemand Sie
ist die Tugend in sichtbarer Gestalt sprach er suche ihr gleich zu werden so
wirst du tugendhaft sein  Ich warf mich in die Arme der Frau von Remen so
hieß die Dame welcher ich vorgestellt wurde und bat sie mich doch geschwind
zu lehren wie ich ihr ähnlich werden könnte weil ich nichts liebenswürdigers
kennte als sie und weil man durch ihre Nachahmung wie mein Vater versicherte
glücklich würde Tränen standen der edelen Frau bei meiner kindischen Äußerung
im Auge vielleicht dass die ungesuchte Schmeichelei die ich ihr sagte sie
rührte vielleicht dass die Überzeugung mit welcher ich Tugend und Glück in
meinen Vorstellungen paarte ihr Erfahrungen vom Gegenteil in den Sinn brachte

    Ich kannte die Frau von Remen schon lange sie war die vertraute Freundin
meiner Mutter gewesen und hatte als diese starb eine Art von Vorsorge für
ihre Hinterlassenen übernommen meine Mutter hatte es ihr sterbend empfohlen
ihrem Gemahl und ihren Kindern ihren Verlust so viel es möglich zu ersetzen
    Ich war bisher schon oft in dem Hause der guten Dame gewesen jetzt da mich
ihr mein Vater auf so eine besonders feierliche Art empfohlen hatte verließ ich
es fast nie Ich hatte noch einen Bruder welcher einige Jahre älter war als
ich er ließ sich zuweilen herab Teil an meinen Spielen zu nehmen und ich
misste seinen Umgang den ich von nun an sparsamer genoss ungern doch was ich in
ihm verlor das fand ich in dem Sohne meiner zweiten Mutter in dem jungen
Evert von Remen zweifältig wieder er beschäftigte sich mehr und auf weit
gefälligere Art mit mir als mein Bruder Adolf wie er denn überhaupt mehr
einnehmendes in Bildung und Charakter hatte als jener Mein Bruder war ein
wilder stürmischer Jüngling Evert von Remen sanft nachgebend und mild wie
seine Mutter
    Einige Jahre die glücklichsten meines Lebens verflossen auf diese Art ich
war bald bei meiner Pflegmutter bald bei meinem Vater ließ mich bald von dem
feurigen Adolf zu Beschäftigungen die ihm behagten hinreißen und spielte bald
mit meinem jungen Freunde stille Spiele oder neckte ihn durch kleinen
kindischen Mutwillen denn dieses merkte ich so jung ich war gar bald dass
ich aus ihm machen konnte was mir gefiel eine Entdeckung die mir
schmeichelte Evert war der einige unter den Erwachsenen mit denen ich Umgang
hatte der sich von mir gängeln ließ der erste und einzige der mir bald durch
kleine Schmeicheleien bald durch die gränzenlose Gefälligkeit mit welcher er
sich nach meinen Grillen bequemte ein Gefühl von meiner Wichtigkeit beibrachte
    Ich hatte das zehende Jahr zurückgelegt als das Schicksal mir meinem Vater
entriss Meine Pflegemutter ihr Sohn mein Bruder und ich umringten sein
Sterbelager um seine letzten Seufzer aufzufassen Alverde sagte er ich
verlasse dich aber du verlierst wenig an mir da ich dir die Frau von Remen zur
Mutter gegeben habe ich wünsche das Glück mag auch in Zukunft aus dir machen
was es wolle dass du ganz ihre Tochter werdest wie das geschehen soll das wird
sie und dein Freund Evert von Remen dir sagen wenn du älter bist Umarmt euch
meine Kinder und seid glücklich wenn euch einst festere Bande verbinden
    Evert der diese Worte vermutlich besser verstand als ich küsste mich und
ich weinte Ich wollte mich darauf wieder an dem Bette meines Vaters
niederwerfen und seine erstarrende Hand ergreifen aber er bat die Frau von
Remen sich mit mir zu entfernen sie macht mir das Sterben schwer sagte er
auch habe ich ehe ich den Mund auf ewig schließe noch einige Worte insgeheim
mit meinem Sohne zu reden
    Ich folgte meiner zweiten Mutter auf ihr Schloss und sah das Haus meines
Vaters nicht wieder als am Tage seiner Beerdigung Mein Bruder hatte mir nie
mehr missfallen als in seiner Trauer die wohltätigen Zeichen des Kummers die
Tränen fehlten ihm ganz sein Betragen war nicht Gram nicht Wehmut war
Verzweiflung Er warf sich einmal über das andre auf den Leichnam unsers Vaters
der nun eben beigesetzt werden sollte sprang denn auf rang die Hände und
schrie Ach dass diese Augen sich zu frühzeitig schlossen um bessere Tage zu
sehen dass diese Lippen sich so spät öffneten mir zu sagen wo ich ein Glück
finden sollte das nun mein bester Freund nicht mit mir genießen wird  Niemand
verstand diese Worte aber wir wiederholten sie uns in der Folge oft und sie
wurden für die Frau von Remen ihren Sohn und mich die Quelle tausendfacher
Mutmaßungen die wahrscheinlich alle ihres Zwecks verfehlten
    Kaum ein Tag war nach der Beisetzung unseres Vaters verflossen so erklärte
mein Bruder wie er genötigt sei eine Reise zu tun deren Ende und Folgen er
noch nicht absehen könnte  Es gehe wie es wolle setzte er hinzu indem er
sich zu der Frau von Remen wandte die Dinge welche ich vor mir habe glücken
oder sie glücken nicht so empfehle ich euch meine Schwester lasset sie in
eurem Hause wohnen lasset sie eures Umgangs eures Unterrichts genießen bis
ich sehe was das Schicksal aus mir machen wird
    Die Frau von Remen nahm mich zu sich Adolf reiste aber ich habe vergessen
die Zeit seiner Abwesenheit zu messen weil sich während derselben in dem Hause
wo ich als Kind aufgenommen wurde Dinge zutrugen die meine Tränen um meinen
Vater wieder hervorriefen und meine ganze Aufmerksamkeit an sich rissen Der
Vater Everts von Remen der Busenfreund des meinigen starb ich glaube Gram um
den Verstorbenen war es was ihn demselben so schnell folgen ließ
    An meinem jungen Freunde lernte ich jene Art des Traurens kennen die mit
meinen Gefühlen harmonirte und die ich an meinem Bruder so sehr vermisst hatte
Evert immer sanft und gemässigt äußerte bei dem Verlust seines Vaters so tief
er ihn fühlte nichts von Adolfs stürmischem Ungestüm wir weinten mit einander
wallfarteten zu den Gräbern unserer Verstorbenen sprachen von ihnen und
fühlten unsere gegenseitige Zuneigung durch das harmonische unserer Empfindungen
gestärkt damals glaube ich fühlte ich es zuerst dass Evert von Remen mir mehr
war als mir je ein Jüngling werden konnte wir waren einander durch die letzten
traurigen Begebenheiten unsers Lebens näher gerückt mich hatten sie um einige
Jahre älter und weniger leichtsinnig gemacht und er war durch dieselben wo
möglich noch sanfter und liebenswürdiger geworden als er zuvor war
    Mein Bruder kehrte zurück aber wer hätte die Art ahnden sollen wie er
zurück kehrte Das Glück hatte ihn aus einem gemeinen Ritter zum großen Herrn
aus einem unbegüterten Edelmann zum reichen Besitzer großer Ländereien gemacht
Unsere Vorfahren das war erwiesen hatten Ansprüche auf diese Dinge gehabt
mein Vater hatte sein Leben zu Wiedererlangung derselben vergeblich verarbeitet
und vertrauert aber wer Adolfen zu Erlangung so lang unmöglich erfundener Dinge
geholfen habe das konnte niemand erraten
    Ich hielt meinen Freund für den Vertrauten meines Bruders und befragte ihn
um diese Dinge er zuckte die Achseln und schwieg Über meine Unwissenheit in
Ansehung des Grunds eures Glücks fing er endlich an wollte ich mich noch
beruhigen wär ich nur ihrer Folgen gewiss  Wie versteht ihr das Herr von
Remen erwiderte ich Wird die Gräfin Alverde sagte er die Gesinnungen
beibehalten mit welchen sie mich in ihrem niederen Stande beehrte  Ich werde
immer eure Freundin sein sagte ich Immer Freundin und sonst nichts mehr rief
er o Alverde Euer Verstand übertrifft eure Jahre ihr solltet wohl wissen dass
ich auf zärtlichere Gefühle hoffen darf Ich errötete und versprach zum
Beweis wie wert ich ihn schätze jede andere Gesellschaft außer der seinigen
zu fliehen und das Schloss meines Bruders welches jetzt nie leer von Fremden
wurde nie zu besuchen als wenn es ganz einsam wär
    Was ich gelobt hatte das hielt ich eine Zeitlang treulich Nur ein einziges
mal traf sichs dass ich einen jungen Herrn vom kaiserlichen Hofe bei meinen
Bruder fand als ich ihn ohne Gesellschaft glaubte es war Peter von Kalatin
und ihr meine Kaiserin die ihr ihn kennt werdet urteilen ob es ihm gelang
mich fest zu halten Anfangs blieb ich aus Achtung gegen meinen Bruder und aus
Furcht durch schnelle Entfernung den Wohlstand zu beleidigen in der Folge waren
es seine Gespräche die mich fesselten Hatte Peter von Kalatin die Absicht
meine Entfernung zu hindern so hätte er den Gegenstand der Unterhaltung nicht
glücklicher wählen können er sprach von euch gnädige Frau und euren reizenden
Töchtern die wahren treffenden Züge mit welchen er euch schilderte hier
beizubringen verbietet mir Bescheidenheit und Ehrfurcht aber so weit die
Personen die ich hier zum erstenmal gleichsam im Bilde sah dieses Bild
übertreffen so war es doch reizend genug den Wunsch nach persönlicher Kenntnis
in mir zu erregen
    Ganz von euch erfüllt kehrte ich zu der Frau von Remen zurück und
enthüllte ihr alle meine Wünsche Mein Kind sagte sie dein Verlangen ist nicht
unbillig dein Stand erfordert es überdem dass du bei Hofe vorgestellt werdest
Gedulde dich noch einige Jahre und ich will dich selbst dahin begleiten wohin
dein Herz drängt Die Jahre welche mein Sohn den ritterlichen Übungen weihen
muss kannst du nicht besser als in der Schule der Tugend an dem Throne der
Kaiserin Irene zubringen
    Diese Jahre vergingen Das Verlangen von euch und den Prinzessinnen zu
hören trieb mich oft auf das Schloss meines Bruders wenn ich Peter von Kalatin
daselbst wusste Evert von Remen der ihn nicht leiden konnte trauerte bald
bald zürnte er darüber Das Lob der kaiserlichen Damen sagte er eines Tages
wird bald mit dem Lobe der schönen Alverde abwechseln und ihr müsstet kein
Fräulein sein wenn ihr das letzte nicht weit lieber anhören solltet als das
erste
    Was mein Freund besorgt hatte das geschah ich hörte es nicht ungern dass
Kalatin mich versicherte ich sei nicht weit hinter den vortreflichsten Frauen
der Welt zurück und ich würde sie dereinst ganz erreichen Seine Schmeicheleien
wurden immer süßer und behagten mir um so vielmehr da Evert von Remen in
seinem Unwillen den er wieder mich gefasst hatte mir wenig angenehmes vorsagte
und mir es ein wenig zu oft zu verstehen gab dass ich durch das väterliche Wort
für ihn bestimmt sei und dass es meine Pflicht erfordere für niemand Augen und
Ohren zu haben als für ihn
    Ich war töricht genug hierüber gegen meinen Bruder zu klagen Kalatin
erfuhr davon und wusste meinen armen Freund mit seinem beissenden Witze auf so
eine unbarmherzige Art lächerlich zu machen dass der eine bei mir dadurch soviel
gewann als der andre verlor Kalatin spottete so geistreich Evert von Remen
war so steif wurde er durch das wachsende Missverständnis in welchem wir
lebten noch so viel mehr dass ich kein zwölf oder dreizehnjähriges Mädchen
hätte sein müssen um nicht den ersten liebenswürdiger als den andern zu finden
    Mein Bruder liebte Everten wirklich noch immer aber auch bei ihm wusste sich
Kalatin durch seine Spöttereien Eingang zu verschaffen Es fand ohnedem schon
seit langer Zeit ich weiß nicht warum keine rechte Vertraulichkeit unter ihnen
mehr Platz Evert von Remen fühlte dieses forschte nach wo er nicht sollte
gab Ermahnungen wo sie nicht verlangt wurden und sein heimlicher Widersacher
Kalatin bekam dadurch den Vorteil in die Hände ihn um die Neigung des
Freundes zu betrügen so wie er ihm das Herz der Freundin entfremdet hatte
    Evert von Remen mein Bruder und ich lebten von nun an in einer Art von
heimlichen Missverständnis welches keins dem andern und noch vielweniger
unserer gemeinschaftlichen Freundin und Mutter der Frau von Remen gestehen
wollte und das eben dadurch unheilbar ward
    Kalatin und mein Bruder hatten öftere geheime Konferenzen in welchen wohl
nicht allemal wie sie vorgaben von Geschäften die Rede sein mochte Ich
überraschte einst meinen Bruder halb außer sich bei dem Bild einer schönen
Person das er wie ich nachher erfuhr aus den Händen Kalatins erhalten hatte
er konnte es meinen Augen nicht mehr entziehen ließ mich es bewundern ließ
mich es küssen und den Namen lesen den ich in der Folge so oft mit dem
höchsten Gefühl der Zuneigung ausgesprochen habe und den ich hier nennen würde
wenn ich nicht so wie über verschiedene andere Dinge hierüber eidlich
Stillschweigen hätte angeloben müssen
    Mein Bruder sah das Entzücken mit welchem ich das Bild dieses irdischen
Engels betrachtete es war etwas mehr als Schönheit womit es sich auszeichnete
ich habe schönere Personen gesehen aber keine die so ganz den Abdruck einer
himmlischen Seele im Auge trug keine die als Sterbliche schon die Bürgerin
einer bessern Welt zu sein schien
    Ich muss sie sehen rief mein Bruder als er mein Entzücken bemerkte muss sie
persönlich kennen lernen und du sollst mir den Weg zu ihr bahnen Höhere
Befehle werden mich bald nötigen von hinnen zu scheiden halte dich fertig mir
zu folgen Peter von Kalatin wird dich wenig Tage nach meiner Abreise nachholen
und dich dahin führen wo ich deine Dienste brauchen kann aber diese Reise muss
ein unverbrüchliches Geheimnis decken weder die Frau von Remen noch ihr Sohn
müssen etwas von derselben erfahren sie zu erleichtern werde ich dich aus
ihrem Hause abfordern und in das meinige bringen das übrige wird die
Gelegenheit geben nur vergiss nicht dass du kommst hin wohin du wollest unser
Name verborgen bleiben muss die Natur meiner Reise fordert diese Vorsicht von
mir
    Ich fand Bedenklichkeit hinter dem Rücken meiner Wohltäterin und meines
Freundes zu scheiden fand es unschicklich an der Hand eines unbekannten Mannes
mein Vaterland zu verlassen und dadurch den Verdacht einer Entführung auf mich
zu ziehen aber mein Bruder wollte es und ich gehorchte nicht allein
gränzenlose Liebe fesselte mich an ihn sondern auch eine gewisse Art von
scheuer Ehrfurcht Seit meines Vaters Tode hatte er die Stelle desselben bei mir
eingenommen und ich hielt es für Hochverrat ihm hartnäckig entgegen zu sein
    Was er beschlossen hatte geschahe den nächsten Tag nachdem ich das Haus
der Frau von Remen mit dem seinigen verwechselt hatte trat er seine Reise an
und ich machte alle Anstalten ihm sobald Peter von Kalatin mich in seinen
Namen abfordern würde zu folgen O Gott noch gedenke ich mit Kummer des
letzten Abends vor diesem Schritte Ich hatte ihn bei der Frau von Remen
zugebracht Ihr Sohn dem ich jetzt geneigter war als zuvor gegen den ich ein
innerliches Mitleiden wegen des Streichs fühlte den ich ihm bald versetzen
sollte ihr Sohn der großmütige ganz unserm Dienst geweihte Evert von Remen
war diesen Tag ausgezogen gegen den Bischof von Bremen dessen Leute in einem
entlegenen Teil der Besitzungen meines Bruders eingefallen waren Unsre
Trennung war so zärtlich gewesen als die Gespräche die ich nach seinem
Abschiede mit seiner Mutter hielt Sie nannte mich tausendmal ihre Tochter ihre
einige Trösterin in der Abwesenheit ihres Sohnes sie beschwur mich wenn ich
so lang mein Bruder außer Landes wär mich nicht getraute sein Haus gänzlich zu
verlassen doch nur täglich das ihrige zu besuchen weil sie ohne mich nicht
leben könne  und diese Frau sollte ich täuschen sollte ich hinterlistig
verlassen und ihr dadurch den Dolch in die Brust stoßen ich weiß nicht wie
sie meinen Abschied empfunden hat weiß nicht was Evert von Remen bei demselben
gefühlt haben mag aber ich zittre wenn ich nur an diese geliebten Seelen
denke Ach sie werden mich für eine Verbrecherin halten und Gott weiß wann ich
das Zeugnis von meiner Unschuld das ich in die Hände meiner Kaiserin
niederlege ihnen mitteilen kann da Wort und Eyd mich binden mein Vaterland
nicht ohne Bewilligung meines Bruders wieder zu sehen  Eben dieser Eyd
versiegelte jenes Abends da ich mich mit der Frau von Remen letzte meine
Lippen Zwanzigmal schwebte das Geheimnis dass ich mich von ihr trennen müsse
auf meinen Lippen aber ich hatte geschworen und musste schweigen
    Peter von Kalatin kam diese Nacht er legitimirte sich durch das
Beglaubigungsschreiben meines Bruders ich musste ihm trauen und er führte mich
davon Das Ganze musste vor jedermanns Augen das Ansehen einer gesetzlosen
Entweihung haben denn Kalatin nützte auch nicht den kleinsten Vorschlag den
ich tat unserer Reise das Verdächtige zu benehmen
    Noch hatte ich keinen bösen Verdacht auf meinen Begleiter noch argwohnte
ich nicht er könnte bei meiner Abholung außer dem Befehl meines Bruders
Nebenabsichten haben Er führte zwar oft Reden gegen mich welche
Liebeserklärungen ähnlich lauteten aber ich war zu einfältig sie zu verstehen
und sie für etwas anders zu halten als für den Unsinn den wie die Frau von
Remen mir gesagt hatte die jungen Männer in der Welt den Jungfrauen
vorzuschwatzen pflegen es war einer höheren Hand die für mich sorgte ohne dass
ich es dachte vorbehalten mir hierüber die Augen zu öffnen Dass Kalatin mich
liebte war gewiss und Gott weiß wo er mich hingebracht haben würde wenn nicht
der Zufall ihn genötigt hätte mich in eure Residenz zu führen Ein Sturz vom
Pferde machte mir die Hilfe eines Wundarztes nötig Kalatin war zu besorgt um
mich zu sehr um meine Heilung bekümmert als dass er alle die Vorsicht hätte
brauchen sollen die er sich vielleicht vorgesetzt hatte wir mussten nicht
allein in der Hauptstadt liegen bleiben sondern man sah und kannte ihn auch
und seine Bedienung als Reichsmarschall nötigte ihn da einmal seine
Anwesenheit nicht zu verbergen war nach Hofe zu gehen Dieses ward das Mittel
auch mich der edelsten aller Fürstinnen bekannt zu machen Ihr vortreffliche
Kaiserin hörtet nicht sobald dass Kalatin ein fremdes Fräulein mit sich
gebracht habe als ihr euch um mich bekümmertet Ich genoss während meiner
Krankheit eine Pflege die von eurer Hand geleitet wurde und nach meiner
Genesung eures Schutzes dass ich dieses Schutzes gegen Kalatin bedürfe erfuhr
ich erst des Tages da ich von euch die Einladung erhalten hatte mich unter
eure Hofstatt zu begeben an diesem Tage hielt er zuerst erst ein Gespräch mit
mir das mir ihn verdächtig machen musste Mein Bruder war der Gegenstand
desselben Ich hatte diesen meinen einigen Verwandten den Liebsten den ich auf
der Welt kannte so lang nicht gesehen so lang nicht von ihm gehört was war
natürlicher als dass ich Sehnsucht und Besorgnis um ihn äußerte
    Möchte doch Graf Adolf dieser zärtlichen Anhänglichkeit des schönsten und
truglosesten Herzens würdig sein erwiderte der hämische Kalatin
    Was wollt ihr mit diesen seltsamen Wunsche sagen fragte ich voll
Befremdung Wisst ihr etwas nachteiliges von meinen Bruder
    Nachteiliges eben nicht aber unendlich viel rätselhaftes und es müsste
Wunder sein wenn die kluge Alverde nicht schon längst das nämliche gefunden
hätte
    Ihr zielt auf seine Reisen seine Gesellschaften seine Arbeiten O Evert
von Remen hat schon mit seine Mutter und mir über diese Dinge zu sprechen
    Evert von Remen  Nun wahrhaftig wenn diese Dinge jenem Schwachkopfe in
die Sinne fielen so muss Graf Adolfs Schuld wohl erwiesen sein
    Welche Schuld Kalatin
    Graf Adolf ist damit ich nur einmal aufrichtig mit euch rede aller
Wahrscheinlichkeit nach Mitglied einer verdächtigen im Finsteren schleichenden
Gesellschaft welche sich Richter Gottes nennen aber im Grunde nichts sind als
eine Bande von Henkern die sich unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit die
größten Kränkungen der Menschheit erlauben Vater Mutter Bruder Schwester
keine Verbindung kein Name ist ihnen zu heilig 
    Behüte Gott schrie ich Kalatin was redet ihr
    Er fühlte dass er sich zu harter Ausdrücke bedient hatte fühlte dass er
einlenken musste und begnügte sich mir nur nochmals zu verstehen zu geben was
er vermutlich durch die ganze Tirade hatte einleiten wollen dass ich meinem
Bruder nicht zu trauen habe und weit besser tun würde mich seiner Leitung zu
überlassen als Geschäfte auszuführen die Adolf mir aufgetragen hätte die sich
gar nicht für ein junges Fräulein schickten und deren Bedenklichkeit zu
beurteilen ich nicht im Stande sei Überlegt es selbst sagte er ihr sollt
eurem Bruder in Anspinnung einer Intrigue mit einer Person behilflich sein die
eigentlich gar nicht für ihn existiert Die Dame welche Adolf anbetet lebt im
Kloster ist die Verlobte eines andern und ist noch obendrein mit den Gift
einer verabscheuungswürdigen Ketzerei angesteckt das sich Zeit genug auch
seiner bemächtigen und Bann und Fluch über ihn herab ziehen wird
    Ich entsetzte mich über die Dinge welche ich hören musste sie würden
vielleicht ihre Wirkung nicht ganz verfehlt haben wenn nicht einige Reden aus
eurem Munde gnädige Kaiserin mir die Reinigkeit der Absichten Kalatins
verdächtig gemacht hätten ein förmliches Geständnis der glühendsten
Leidenschaft welches das ganze Gespräch beschloss vollendete meinen Argwohn
ich verließ ihn ohne Antwort und konnte den Morgen kaum erwarten da ich ohne
weitere Rücksprache mit ihm mich zu euch begab und um die Vollziehung eures
Versprechens um Aufnahme in euer Frauenzimmer bat
    Mein Gesuch ward bewilligt aber die Ehre zu eurem Hause zu gehören
befreite mich nicht ganz von Kalatins Verfolgungen Zu schwach sich dem
Entschluss den ich gefasst hatte zu widersetzen oder mich eurem Schutz zu
entreißen und zu klug nur einen Wunsch dieser Art zu äußern nützte er
wenigstens jede Gelegenheit mich mit seiner gehässigen Leidenschaft mit
Ausfällen auf meinen Bruder und Planen für mein künftiges Glück die mir nicht
anstanden zu unterhalten ihr gnädige Kaiserin saht mein Leiden ehe ich es
euch noch klagen konnte ich erhielt ganz unverhofft den Befehl von euch mich
nach Lion in das Kloster zu begeben wo sich die Prinzessinnen aufhielten er
war mir doppelt lieb da ich Kalatins Vorspiegelungen zum Trotz die Absicht noch
nicht aus dem Gesicht verloren hatte warum ich eigentlich von meinem Bruder
aus meinem Vaterlande entfernt worden war ich hatte die Dame die er anbetete
an eurem Hofe nicht gefunden dass ich sie in dem Kloster nach welchem ich
bestimmt wurde finden würde wusste ich gewiss und ich brannte vor Verlangen
teils diesen Engel zu kennen teils mich selbst zu überzeugen ob das wirklich
wahr sei was mir Kalatin von der Unmöglichkeit sie für meinen Bruder zu
gewinnen gesagt hatten
    Mit der heißesten Inbrunst vortreffliche Kaiserin danke ich euch dass ihr
mich in das Kloster brachtet wo ich das Glück meines Lebens fand Ich lernte
die besten Fürstinnen der Welt lernte diejenige darin kennen um deren Willen
ich mein Vaterland verlassen hatte Das was Kalatin mir von ihr sagte ist nicht
ganz unwahr aber kann mein Bruder nicht durch diesen Engel glücklich werden
wird sie darum weniger meine Freundin sein  Nie erfahren sie aus meinem Munde
seine kühnen Hoffnungen damit sich nicht vielleicht bloß dieserwegen ihr Herz
von mir wende
    Euren Rat gnädige Frau mich unter das Gefolge der Gräfin von Toulouse zu
begeben habe ich befolgt Gott weiß wenn ich in mein Vaterland zurückkehren
kann aus welchen ich so unnötig verlockt wurde und seit die Prinzessinnen
eure Töchter dieses Kloster verlassen haben ist nichts vorhanden das mich mehr
an dasselbe fesseln sollte
    Morgen früh mit Aufgang der Sonne bricht die Dame zu deren Hofstatt ich nun
gehöre die Gräfin Alix die mich mit den Namen Freundin beehrt nach Pamiers
auf und ich begleite sie die kastilischen Gesandten sind bereits daselbst
angekommen sie von da in die Arme ihres Bräutigams zu führen Mir ist es
empfindlich diese Gegenden verlassen zu müssen ohne etwas von meinem Bruder
gehört zu haben wie wird er mich suchen wie wird er um mich besorgt sein wenn
er mich da nicht findet wohin ich von ihm bestimmt war Möchte ihn doch das
Schicksal an euren Thron führen gnädige Frau möchte doch euer Blick der die
tiefsten Geheimnisse aus dem Herzen ziehen kann ihn nötigen sich euch zu
entdecken über alles was ihm Sorge machen könnte würdet ihr ihn zu beruhigen
wissen
 
                              Beatrix an Alverde
                                     1207
Dank dir meine Freundin für die offenherzige Darlegung deiner Geschichte die
dich in unser aller Augen rechtfertigt und dir den Namen eines entführten
Fräuleins der bei meiner Mutter nicht im besten Ansehen ist völlig erlässt Die
Kaiserin findet viel abenteuerliches an deinen Begebenheiten sie bedauert
dich unter der Gewalt eines Bruders gestanden und von seinen Grillen abgehangen
zu haben der wie es scheint keine allzuvorteilhafte Meinung in ihr erregt
was ich von der ganzen Sache was ich besonders von ihm halte das ist freilich
ein wenig verschieden von dem Urteil meiner Mutter wie denn die Urteile
junger und bejahrter Personen es immer sind
    Anstatt deinen Bruder zu hassen oder schlecht von ihm zu denken schätze
und bewundre ich ihn es ist so etwas großes in den Unbegreiflichkeiten die
sich in ihm finden die Verborgenheit seines und deines Namens dient meiner
Phantasie zum unterhaltenden Spiel sie reizt meine Neugier und doch ists als
möchte ich das Geheimnis nicht gelösst sehen Graf Adolf hat mehr Interesse für
mich so lange ich mir von ihm denken kann was ich will als wenn man mir ihn
als einen der größten Fürsten der Welt bekannt machte Und denn die heimliche
Gesellschaft zu welcher er sich zählt mit dem großen Namen die Richter
Gottes  Ich glaube Kalatin nichts von dem Bösen was er diesen Leuten
nachsagt muss denn hinter jeder Heimlichkeit etwas verdächtiges verborgen
liegen
    Meine Schwester Elise scherzt mit mir dass ich seit deinem letzten Briefe
von nichts zu reden weiß als von Graf Adolf dem Unbegreiflichen Ich weiß wohl
was mich so zu ihm hinreisst aber niemand als dir meine Schwester Alverde
möchte ich es gestehen und doch merke ich auch gegen dich meine Vertrauteste
kostet es mir Überwindung mich zu erklären wenn ich nicht meiner Feder
gebiete ohne Überlegung hinzuschreiben was ihr Wahrheit und Offenherzigkeit
diktiren
    Alverde ich weiß wen dein Bruder liebt kenne die Dame deren Bild dich und
ihn so entzückte dass es von euch wahrhaftig mit übertriebenen Lobeserhebungen
beehrt wurde Ich kenne die Glückliche die in der Folge deine Freundin ward
und die es bleiben würde und wenn du auch deinen Vorsatz brächest und ihr die
kühnen Wünsche deines Bruders geständest  Warum kühn meine Alverde ist dein
Bruder auch nicht ganz der große Fürst für den ich ihn halte o es gibt
Prinzessinnen genug die sich um Liebe Willen eine Stufe herabsetzen und was
meine Verlobung betrifft  
    Gott was habe ich gesagt  Alverde das Geheimnis ist heraus Ich weiß es
Beatrix von Schwaben ist die Dame die deines Bruders Herz gerührt hat alle
Umstände die du angiebst passen auf mich und auf keine andre je öfter ich
deinen Brief lese je gewisser werde ich hievon aber lass dich von nichts irren
meine Verlobung an den Gegner meines Vaters an Herzog Otten ist noch nicht auf
die entfernteste Art eingeleitet geschweige geschlossen und was das sogenannte
Gift der waldensischen Lehre anbelangt  Alverde du weißt was wir alle viere
du Alix meine Schwester und ich davon halten und ich überhaupt nicht
sonderlich aufgelegt zu ernstaften Dingen bin noch vielleicht diejenige unter
euch die sich am ersten eines andern belehren ließ Gleicht dein Bruder wie du
uns einmal sagtest dir von Gesicht und dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach
von Gestalt so werde ich ihn lieben und was wird der den ich liebe nicht aus
mir machen können
    Himmel was habe ich dir alles geschrieben Geschwind will ich es schließen
ich stürbe vor Beschämung wenn es außer dem treuen Auge der Freundschaft jemand
erblickte Lass es weder von Sonne noch Mond bescheinen sondern wenn du es
gelesen hast so opfre es augenblicklich den Flammen dass mein Geheimnis nur in
deinem Herzen existire  Es beschämt und beunruhigt mich in der Tat nicht
wenig dass ich vor meiner Mutter und meiner Schwester denen ich nie etwas
verschwieg eine Heimlichkeit haben soll aber meine Mutter hat nichts im Sinn
als ihren Herzog Otto bei dessen Namen mich immer ein Schauer befällt weil
mirs immer ist als flüsterte man mir ins Ohr du wirst nicht acht Tage leben
wenn du seine Gattin wirst Was Elisen anbelangt  o die ist so glücklich in
ihrem Wittelsbach dass sie kein Mitleiden für die Gefühle andrer haben würde
und dass ich also auch gegen sie schweigen muss  Sie kann sich selig preissen
die Stelle in dem Herzen des vortrefflichen Pfalzgrafen die eine andre einnahm
hat ihr das Glück sie weiß selbst nicht wie geräumt er vergisst bei ihr
Kunigunden völlig und kann sie leicht vergessen denn Elise ist besser und
schöner als die nunmehrige Gemahlin des päbstlichen Nepoten aber ist nicht
Beatrix auch gut und schön hatte sie nicht auch Gefühl für die Vorzüge des
Grafen von Wittelsbach und doch musste sie zurückstehen doch gebot ihr die
strenge Mutter ja keinen ihrer Vorzüge vorleuchten zu lassen damit es ja bei
dem Pfalzgrafen gar nicht zur Wahl käme damit sein Auge ja gleich allein auf
der welche man ihm bestimmte haften bliebe
    O Alverde diese Dinge marterten mich ungemein ehe ich wusste dass Graf
Adolf mich liebt jetzt bin ich mit allem ausgesöhnt bin fest entschlossen der
fatalen Staatsheirat auszuweichen so viel ich kann und keines andern zu sein
als der mich aus freier Wahl liebte warum soll ich unter meinen Schwestern
allein die Unglückliche sein warum will man mich allein aufopfern da man die
andern nach ihrem Wunsch und Willen vergibt Glaube mir ich habe es an der
kastilischen Braut genug gesehen welch ein elendes Ding es ist wenn man so
einer trübseligen Verbindung entgegen schleicht wie mir aufbehalten wird Alix
hatte doch bei ihrem Elend noch einen Trost ihre Bücher was aber würde ich
haben die bei der Unterhaltung mit den Toten nie die lebende sichtbare Welt zu
vergessen vermochte
 
                           Alverde an Alf von Dülmen
                                     1207
                                                                        Pamiers
Betrogen mich meine Augen oder habe ich wirklich meinen Bruder gesehen Warst
du es der heute in der Messe uns gegenüber an der Säule stand ganz im Anschauen
der schönen Alix verloren du der sich zwei Stunden darauf der kastilischen
Braut unter den Namen Alf von Dülmen vorstellen ließ  Mein Erstaunen überwog
meine Freude sonst müsste ich mich gleich in deine Arme gestürzt und den Namen
Bruder ausgerufen haben und doch weiß ich nicht was geschehen wär hätte mich
nicht dein gebietender Blick zurückgescheucht
    O dass der meinige die nämliche Kraft haben könnte dass er dich von einem
Orte zurückscheuchen möchte wohin du nichts als Unglück bringen kannst Bruder
Bruder was willst du hier du weißt doch wohl das deine angebetete Alix deren
verführerisches Bild dir der verräterische Kalatin Gott weiß warum in die
Hände spielte du weißt doch wohl dass sie verlobte Königin von Kastilien ist
dass sie in wenig Tagen dem Grafen von Kastelmoro als dem Stellvertreter seines
Prinzen vom Bischof von Kastilien angetraut wird Noch einmal was willst du
hier verlangst du in dem Herzen noch einer unschuldigen Seele ein Feuer
anzuzünden wie du es schon bei einer andern ohne es zu wissen getan hast  O
Adolf lass ab von der verlobten Alix das Herz einer andern spricht für dich
die so schön und unschuldig als jene zwar ebenfalls verlobt aber bei weiten
noch nicht so fest gebunden als sie vielleicht eher dein Glück machen wird als
die kastilische Braut Bedenke dass wir hier überall von wachenden Augen umgeben
sind bedenke vor allen die Blicke der zahlreichen Geistlichkeit die hier
überall auf uns treffen du sagtest oft zu mir die Bischöfe und Mönche wären
deine Freunde nicht warum ziehst du dich hier wo alles von geinfulten und
bekappten Herrn wimmelt nicht zurück Glaubst du der Name Alf von Dülmen
werde dich schützen sollte unter so viel scharfen Augen nicht ein einziges Paar
sein das dich kennte  Und wozu der Einfall der Gräfin von Toulouse im Namen
ihres Bruders aufzuwarten und ihr Schriften von seiner Hand zu überreichen die
ihr wohl heimlicher hätten eingeliefert werden können Du hast dich in die
Vertraulichkeit des Grafen eingeschlichen um dich bei der Schwester einführen
lassen zu können aber so unvorsichtig zu verfahren als du verfuhrst ward dir
vermutlich nicht aufgetragen Du glaubtest wir wären ganz allein und was
würdest du sagen wenn ich dich versicherte dass wir dennoch beobachtet worden
sein mussten
    Die Fürstin von Kastelmoro die man der Prinzessin aus Kastilien entgegen
geschickt hat bat sie noch am nämlichen Abend sich nicht durch allzuvieles
Lesen die Augen zu verderben und machte einige Versuche sich der Bücher zu
bemächtigen welche der liebste Zeitvertreib der unglücklichen Alix sind es
gelang uns ihren Augen die verdächtigsten Henrich Brües und Peter Waldus
Gedanken vom Fegefeuer vom Ablass von den Bischöfen usw zu entziehen aber
die Übersetzung der Evangelien ist doch in ihre Hände geraten Alix hat die
ganze Nacht über den Verlust geweint und ich weine in der Stille über die
Folgen die dieser Verlust haben könnte  Alles dieses erlaube mir es zu
sagen sind Folgen deiner Unvorsichtigkeit  O des boshaften Kalatins dass er
durch das Bild der verlobten Alix dich auf Gedanken leitete die wie es
scheint deinen Verstand ganz benebeln und deine jüngere Schwester die
einfältige Alverde in den Fall setzen dich zu recht weisen zu müssen dich
dem sie bisher und wie es mich jetzt dünkt nicht allemal zur Ehre der gesunden
Vernunft blindlings folgte  Oeffne die Augen Adolf erkenne doch was es dich
hilft dich zum Anschau einer Person zu drängen welche nicht mehr frei ist und
bei welcher aufs beste genommen deine Gegenwart ganz nutzlos sein wird denn
das wirst du doch nicht wünschen wollen dass du einen Eindruck auf die
unschuldige Seele machtest dass du ihr Gefühle einflössest welche sich mit der
Treue nicht vertrügen die sie in wenig Tagen dem Prinzen von Kastilien schwören
soll 
    Ich werde diesen Brief dir diesen Abend wenn du wieder unvorsichtig genug
sein solltest uns beim Spaziergehen zu verfolgen selbst in die Hand drücken
Die Fürstin von Kastelmoro welcher dein geflissentliches Nachschleichen
überall wo wir uns blicken lassen nicht entgeht affektirt zu wähnen du
habest ein Auge auf mich geworfen ich werde mich nach dir umwenden dir einige
harte Worte sagen und beiläufig Gelegenheit suchen dir dieses unvermerkt
zuzustecken es fremden Händen anzuvertrauen wär unmöglich  Hast du eine
Antwort für deine Schwester so verbirg sie in dem hohlen Baume am Ende der
dritten Allee des Gartens de la Mariniere aber sie darf nichts enthalten als
Abschied auf ewig von Alix und den Gegenden wo sie lebt Begieb dich an dem
kaiserlichen Hof vielleicht dass dort ein besseres Glück dir lächelt
vielleicht dass ich dir dort Nachricht von mir geben und mit mehrerer Sicherheit
das nämliche von dir erhalten kann
 
                          Peter von Kalatin nach Rom
                                     1207
Es ward mir aufgetragen den Grafen Adolf von  auf was Art es sei aus seiner
Sicherheit zu locken und es ist mir endlich gelungen ist mir schon vor
mehreren Monaten gelungen dass ich dieses so spät melde geschieht darum weil
ich seine Spur gänzlich verloren hatte und erst jetzt mit Zuverlässigkeit
weiß dass er nachdem er sich eine Zeit lang beim Grafen von Toulouse
aufgehalten hatte jetzt zu Pamiers angelangt ist Was ihn dorthin leitete war
Liebe Liebe war das einige Mittel den Unerschütterlichen zu fangen sollte
ich der ich sie in seinem Herzen weckte sie auf einen unschicklichen
Gegenstand gelenkt haben so wird der Schade davon immer allein auf ihn fallen
ich darf nicht darüber zur Rechenschaft gezogen werden da wie ich hier
nochmals wiederhole mir ungemessene Freiheit gegeben wurde zu Erreichung
meiner Absichten kein Mittel zu verschmähen
    Dass der Graf von Segni von dem sogenannten Unbekannten dem Stellvertreter
des Herzogs von Sachsen zu Pamiens viel verborgene Dinge erfahren haben soll
darauf kann ich nichts sagen ich habe ja erklärt dass mir von allen
Heimlichkeiten dieser Art nichts bewusst ist Der Unbekannte ist ein schwacher
leicht zu betörender Fürst das Schicksal könnte dem klugen Grafen von Segni
keinen schicklichern Gegenstand in die Hände geführt haben Ich wünsche ihm dass
er nicht selbst betrogen sein mag
 
                     Peter von Kalatin an den Unbekannten
                                     1207
Der Brief welchen der sogenannte Alf von Dülmen an euch mein gnädiger Herr
geschrieben hat ist mehr als kühn und verdient die Vermehrung eures Hasses
wohl euch dass ihr nun bald im Stande sein werdet ihm die Wirkungen desselben
fühlen zu lassen Er ist jetzt zu Pamiers und was ich getan habe ihn bloß
euch zu Liebe dahin zu bringen das ist euch bekannt Niemand als ich der als
Repräsentant des freien Stuhls zu  bei ihm den meisten Glauben findet hätte
ihn durch falsche Ladungen zu Schritten verleiten können die er vor dem
Gericht in welchem er selbst eine so hohe Stufe bekleidet nimmer verantworten
wird
    »Sollte ich irre geleitet worden sein« spricht er in seinem Antwortschreiben
von euch  »Sollte ich irre geleitet worden sein so müsste man sich an Peter von
Kalatin halten« O guter Adolf Peter von Kalatin wird den Kopf aus der Schlinge
zu ziehen wissen wenn die Sache vor unserm furchtbaren Tribunal zum Vortrag
gebracht wird und du wirst allein büßen wozu du dich zu deinem Verderben
bereden ließest Ich hasse diesen sogenannten Alf von Dülmen jetzt mehr als
jemals euch machte ihn die schnell erlangte hohe Gewalt in unserm Zirkel zum
Feinde und mich verhetzte gekränkte Liebe gegen ihn Er schlug mir zu
wiederholten malen seine Schwester unter dem Vorwand ab sie sei bereits an
Evert von Remen versprochen ich musste mich rächen und wie konnte ich es besser
tun als wenn ich ihn in Leidenschaft gegen eine ebenfalls schon Verlobte
verstrickte Seine rasende Liebe zu der Gräfin Alix von Toulouse von deren
Vermählung an den kastilischen Gesandten ihr nun bald Zeuge sein werdet ließ
ihn alle Schritte zu denen wir ihn verleiten wollen mit mehrerer
Unbesonnenheit tun als vielleicht sonst geschehen sein würde und sie ward
noch überdem das Mittel mir meine geliebte Alverde in die Hände zu spielen
zwar ist mir dieser köstliche Raub jetzt wieder entwischt aber Geduld wenn all
unsere Anschläge geglückt sind wird auch meine Liebe glücklich sein Ein
mächtiges Hindernis derselben ist ja schon aus dem Wege geräumt Evert von
Remen mein glücklicher Nebenbuhler hat nach seiner gewöhnlichen Einfalt und
Voreiligkeit all seine Habschaft in Geld verwandelt und ist nach dem heiligen
Lande gezogen sehr wohl Das Glück hat gut zwischen uns entschieden ihm gab es
das Kreuz und mir bewahrt es die schöne Alverde auf
    Verzeihet gnädiger Herr ich tue Unrecht euch mit meinen Angelegenheiten
zu unterhalten ja noch mehr ich begehe vielleicht eine Torheit dem
Heimlichkeiten anzuvertrauen welcher so leicht auszulocken ist  O der Graf
von Segni der Graf von Segni Eure beiden Augen hättet ihr ehe verlieren als
diesem trauen sollen Dass ich doch zu spät kam euch zu warnen Wie war es doch
möglich einen so helldenkenden scharfsichtigen Geist wie den eurigen zu
täuschen  Ich in meiner Schwachheit habe ähnlichen Versuchungen denen auch
ich ausgesetzt war nie untergelegen doch ich entging vielleicht der Gefahr
dadurch am sichersten dass ich nie eingeständig war Anteil an verborgenen
Dingen zu haben wie sollten die Räuber in der Hütte des Mannes von kundbarer
Armut Schätze suchen
    Das fatalste bei der ganzen Sache ist das  erlaubt mir es zu sagen 
unüberlegte Geständnis gegen Alf von Dülmen das der Graf von Segni euch
abgelockt hat Wozu dieses habt ihr eurem Gegner nicht damit die Waffen euch
zu schaden in die Hände gegeben  Ich kann mich hierin in der Tat nicht in
euch finden gnädiger Herr Die Angst über die abgedrungenen Geheimnisse muss
euch zum Geständnis eurer Schuld gleich gegen den ersten den besten der euch
in den Sinn kam gereizt haben wie es denn weiche Seelen gibt die die
kleinste Gewissenswunde nicht schnell genug durch Beicht und Absolution zu
heilen wissen Ey Lieber wenn ihr beichten wolltet warum musste denn Alf von
Dülmen euer Konfessor sein gab es keinen treuern Kalatin in der Welt welcher
euch Trost und Lossprechung nicht versagt und euch wohl noch eine Warnung
angehängt haben würde
    Wisst ihr worin sie besteht  Ihr schreibt in der Kopie eures Briefs an den
von Dülmen da so etwas von Verbrechen Kaiser Philipps welche vor das heimliche
Gericht gezogen werden sollten ich bitte nehmt euch hier wohl in Acht kommen
die Denunciationen von dem Grafen von Segni so sind sie verdächtig  Man
trachtet den Geheimnissen unsers Bundes nach das ist offenbar man beneidet uns
unsere unumschränkte Gewalt will sie uns vielleicht entreißen wie könnte das
leichter geschehen als wenn man unsere Unfehlbarkeit verdächtig machte wenn
man unsere Gerechtigkeit statt der Binde gefärbte Gläser vor die Augen legte
und sie zu falschen Urteilen verleitete 
    Noch einmal nehmt euch in Acht denn könnte es nicht auch möglich sein
dass eine fremde Macht Philipp den Kaiser hasste und durch unser Schwert
auszuführen suchte was sie sich selbst nicht zu handhaben getrauet
    Was mich anbelangt ich hasse Alf von Dülmen herzlich weil ich Alverden
liebe ich wünsche seinen Untergang teils weil seine Größe meinen Stolz
beleidigt teils weil es hier und da einige gibt die ihn ebenfalls gern
gedemütigt sehen möchten und mir meinen Beitritt in ihren Anschlägen gut
bezahlen Aber der Göttin deren Diener wir alle sind der unsichtbaren Temis
werde ich ewig treu und gewärtig bleiben und bis auf den letzten Hauch meines
Lebens sei es mein liebstes Geschäft an der Unerschütterlichkeit ihres Trons
zu arbeiten Ungeachtet ich bedürfenden Falls es für gut halte sie gar nicht zu
kennen wohl gar gelegentlich auf ihre Diener zu schmähen Dinge womit ich ihr
sicher die treusten Dienste leiste
 
                           Alf von Dülmen an Alverde
                                     1207
O Schwester was legst du mir auf Ich soll den Himmel verlassen in welchem
meine Göttin wohnt nachdem ich alle Quaalen der Vorhölle ausgestanden habe ihn
zu erreichen ich soll die himmlische Alix nicht mehr sehen deren Anblick die
Spur jeder Schönheit die ich vor ihr sah verlöschte jeden Reiz den ich nach
ihr erblicken möchte zur Häslichkeit machen wird Rede mir nicht vom Glück das
ich durch fremde Liebe erreichen könnte rede mir nicht von dem was das Herz
einer andern für mich sprechen mag ich höre nichts ich sehe nichts als die
göttliche Gräfin von Toulouse und liebte mich das Wunder unserer Zeit Kaiser
Philipps Tochter die aufblühende Beatrix nach deren Besitz alle geizen die
sie je gesehen haben ich verschmähte ihre Liebe um einen einigen Blick von
jenem Engel zu gewinnen dessen Reize mir Kalatins Bild so schwach so
unvollkommen schilderte
    O Alverde es ist Unsinn was ich dir schreibe aber verzeihe  Du hast nie
einen Zustand wie den meinigen erfahren mein Gehirn ist in Flammen mein Blut
kocht ich fühle dass ich wie ein Rasender handle aber ich kann ich kann mich
nicht zurückziehen und stünd mein Leben und das Leben meiner Geliebten auf dem
Spiele 
    Die wildesten Entwürfe von Raub Mord und Entführung durchkreuzen meine
Einbildungskraft Sprich selbst wie soll ich meine Geliebte dem glücklichen
Kastilier anders entreißen als durch Gewalttat Ihm der sein Glück nicht
einmal zu schätzen weiß der kalt genug ist einen Gesandten zu schicken der
seine Hand an seiner Statt in die Rechte der himmlischen Braut legen und den
priesterlichen Segen über sich sprechen lassen soll  O für so einen
Handschlag für so einen Segen über mich und sie gäbe ich mein Leben aber mir
wird nicht einmal ein Blick von ihr zu Teil sittsame Zurückhaltung und eine
himmlische Schwermut die sie vollends unwiderstehlich macht senken ihre
Augenlieder zur Erde und du und die feindselige Kastelmoro zieht euch so dicht
um sie her dass kein Seitenstrahl von ihren Blicken auf mich fallen kann
    Ich habe euch gestern deinen Warnungen zum Trotz wieder unablässig
umschwebt ich habe sie gesehen ob ich gleich von ihr wohl nicht bemerkt wurde
Sie war traurig  Sprich warum mag Alix trauern Ach sie liebt ihn nicht den
Prinzen von Kastilien oder sie weiß dass sie von ihm nicht geliebt wird Ich
habe Nachricht von einem vertrauten Freunde dass Ferdinand die Prinzessin Elise
einst sah und mehr bei ihrem Anblick fühlte als bei den Reizen des Engels den
ich anbete Himmel wie mag irgend ein Sterblicher die Gräfin von Toulouse
sehen und doch für eine andere noch Augen haben können
    Möchte doch der Himmel eine so übelausgesonnene Verbindung stören Ferdinand
fühlt nichts für Alix sie nichts für ihn was kann daraus entstehen  Möchte
man doch Ferdinanden seine Elise geben und mir meine Geliebte lassen Man soll
hast du nichts davon gehört am kaiserlichen Hofe sehr darauf denken eine
Prinzessin zur kastilischen Königin zu machen was man sich doch für Mittel
bedienen wird diesen Entzweck zu erreichen
    Wie wenn ich Philippen einen Ritterdienst erzeigte und die Gräfin von
Toulouse entführte dass seine Tochter auf dem kastilischen Throne Raum hätte
    Alverde ich hoffe du glaubst nicht dass diese Dinge mein Ernst sind du
könntest etwa heimliche Anschläge auf die Gräfin argwohnen und da du meiner
Liebe so entgegen bist Gegenvorkehrungen zu treffen  Dies wär lächerlich
Alverde wahrhaftig dies wär sehr lächerlich Unternimm nichts von solchen
Dingen wenn du einen Anteil an meiner brüderlichen Liebe behalten willst
 
            Die Fürstin von Kastelmoro an den Bischof von Kastilien
                                     1207
Was für einen Posten hat man mir anvertraut was für einer Person bin ich zur
Hüterin gesetzt  Diese Alix soll Königin von Kastilien werden  Hier leset
die Bücher die ihre Lieblingsunterhaltung sind hier die Briefe die man an
ihre Jungfrauen schreibt  Was wollen wir machen eine Ketzerin auf den Thron
setzen unserm Prinzen eine Gemahlin geben die weder ihn liebt noch von ihm
geliebt wird  Leset was der Unsinnige dessen Brief ich hier einschliesse
hievon schreibt Sollte es möglich sein dass die kaiserliche Prinzessin dem
Prinzen von Kastilien besser behagen würde als diese Gräfin von Toulouse  Und
wär hier nicht auch ein Ausweg zu finden eine Änderung in der Sache zu
treffen ohne Wortbrüchig zu scheinen 
    Ihr müsst diese Dinge reiflich überlegen  Man könnte nach Kastilien
berichten dass Alix eine heimliche Waldenserin ist dass sie von einem Rasenden
verfolgt wird welcher nicht ehe ruhen wird bis er sich ihrer bemächtigt hat 
doch das geht nicht  Eilt gebt mir euren Rat Was ich tun kann habe ich
getan das ist ich habe jene Alverde deren heimliche Korrespondenz man mir
verriet eilig entfernt und zwanzig Spione aufgeboten mir den Verwegenen
auszukundschaften der sich ihren Bruder nennt ohne sich einen andern Namen zu
geben Ich habe auf jenen Alf von Dülmen jenen Menschen mit dem unerklärlichen
Ansehen geraten der sich seit einiger Zeit hier sehen lässt ich habe Alverden
darüber auszuforschen gesucht aber weder Gewalt noch Güte konnten sie besiegen
Ich würde noch strenger gegen sie verfahren sein als ich getan habe wenn es
nicht offenbar wär dass in vergangener Nacht wirklich ein Anschlag zur
Entführung der Gräfin vorhanden war der allein durch Alverdens Klugheit
vernichtet wurde  Ich glaube allenfalls ich könnte sie beibehalten ohne zu
fürchten dass ihre Ehrlichkeit irgend einem der rasenden Anschläge ihres Bruders
die Hand bieten würde aber ich habe sie entlassen weil sie der Gräfin von
Toulouse mit unverbrüchlicher Treue ergeben ist und sich Dinge ereignen
könnten bei welchen wir sie nicht zur Zeugin zu haben wünschen würden Eilet
mir Antwort auf meine Fragen Rat in meinen Verlegenheiten und wenn ihr einen
Entschluss gefasst habt die nötigen Verhaltungsregeln zu schicken
 
                 Alverde an den Pfalzgraf Otto von Wittelsbach
                                     1207
Die fürchterliche Angst in welcher ich mich befinde entschuldige mich dass ich
mich an einen Mann wende der mir wenn ich die wenigen male ausnehme da ich
ihn als Kunigundens Bräutigam bei Hofe sah ganz unbekannt ist  Unbekannt 
kann man sagen man kenne den Pfalzgrafen Otto nicht wenn man seinen Namen auch
nur gehört hatte diesen Namen der im ganzen römischen Reiche den edelen
Charakter desjenigen bezeichnet welcher ihn führt  Ja Otto ich kenne euch
ich weiß dass ihr gern helfen wollt wo ihr könnt und wer könnte es mehr in dem
Falle da ich eure Hilfe anflehe
    Euer Freund Alf von Dülmen oder wenn ihr lieber so wollt Graf Adolf von
 mein Bruder ist in Gefahr Eine wütende Leidenschaft zu der kastilischen
Braut eine Liebe die man ihm ich weiß nicht ob durch Zauberkünste beigebracht
hat hält ihn hier zu Pamiers fest und lässt ihn Dinge begehen welche ehe den
Handlungen eines Rasenden als dem Betragen ähnlich sind das sich von einem so
guten Kopf und Herzen wie das seinige sonst war vermuten lassen
    Da persönlicher Umgang mit ihm hier unter tausend Aufmerkern unmöglich ist
so suchte ich eine Zeitlang durch Briefe ihn auf den rechten Weg zu leiten
zweimal vernichtete ich seine tollkühnen Anschläge auf die Gräfin Alix welche
ihn zum Hochverräter und zum Jungfrauenräuber gemacht haben würden Ob das was
ich für ihn tat ihn zur Erkenntnis und Besserung gebracht hat weiß ich nicht
er befindet sich in einem fürchterlichen Rausch von Leidenschaft der ihn nichts
beachten lässt so viel ist gewiss dass alle seine Plane zu unvorsichtig angelegt
waren um nicht entdeckt zu werden sie haben nur allzuschnell Unglück über uns
beide gebracht Ich habe meine Entlassung aus der Hofstatt der Gräfin von
Toulouse erhalten und ihm stellt man auf eine Art nach Freiheit und Leben die
bei seiner gänzlichen Verblendung nicht wohl fehlschlagen kann
    Was ich in dieser schrecklichen Lage von euch getan wünsche  O Otto
könntet ihr so fragen Ich weiß die Verbindung nicht in welcher ihr mit meinem
Bruder steht aber dass eine solche dass die allergenauste zwischen euch statt
findet davon bin ich durch tausend Umstände überzeugt Ich kann mich hierüber
nicht genau erklären aber ihr könnt wohl denken dass eine Person mit sehenden
Augen eine Schwester die ihren Bruder und was ihn umgab so lange wir noch in
Westphalen waren täglich sah manches mutmaßen musste was sie zu furchtsam ist
zu gestehen Ich weiß dass ihr oder durch eure Vermittlung einer der noch
höher ist als ihr nur ein Wort zu sagen braucht eure Verbundenen aus allen
Winkeln Deutschlands zusammen zu rufen sprecht dieses Wort und Adolf der
sonst auf nichts hört wird gehorchen oder gehorchen müssen ruft ihn hinweg
von diesem Orte wo Lebensgefahr und Gelegenheit zu neuen Vergehungen ihm
drohen gebt eurem Freunde Sicherheit und Tugend und der unglücklichen Alverde
das Leben wieder Ihr kennt mich zwar wenig und nichts ist das euch für mich
persönlich interessieren könnte aber ihr würdet Mitleiden mit mir haben wenn ihr
meine Angst sehen könntet Ich bin Schwester ich bin Freundin meine Lieben
stehen am Rande des Verderbens dies ist alles was ich sagen kann denkt euch das
Übrige
    Ach Otto ich habe euch einmal zum Vertrauten gewählt mein Herz ist
geöffnet ich muss es vollends ausschütten Die Lage meines Bruders ist es nicht
allein was mich ängstigt ich leide noch um eine Person die mir wenigstens so
lieb ist als er leide um meine Freundin Alix Ich bin von ihr getrennt habe
meine Entlassung trotz meiner Unschuld an Alf von Dülmens Händeln erhalten Ihr
der ihr meinen Stand kennt werdet wohl erraten dass die Entbehrung einer
armseligen Hofstelle die ich meinen eigenen Jungfrauen besser geben kann mich
nicht beunruhigt die Trennung von der Gräfin von Toulouse ists was mich quält
unter dem Namen ihrer Dienerin war ich ihre Freundin sie kennt meinen Stand so
weit ich ihr ihn entdecken durfte und lebte nie anders mit mir als die Gleiche
mit der Gleichen Sie verlassen sie in Händen verlassen zu müssen die mir
verdächtig sind dies ist die Ursach meiner Angst
    Die kastilische Heirat ist eine von den unseligsten Verbindungen welche je
in dem Kopfe eines Staatsmanns ausgeheckt worden sein mögen bei den beiden
Hauptpersonen findet sich nicht ein Funken von Liebe dies ist nicht genug auch
die Großen von Kastilien sind heimliche Feinde der unglücklichen Braut Der Plan
zu dieser Vermählung ward so lange gemacht dass sich seitdem das Staatsinteresse
zehnmal verändert hat man schließt sie jetzt nur darum weil man einmal
gegebenes Wort nicht brechen mag aber ich bin so gewiss überzeugt als ich das
Leben habe dass man nichts mehr wünscht als sich je eher je lieber eine
unglückliche Prinzessin vom Halse zu schaffen welche ihrem Gemahl jetzt keine
sonderlichen Staatsvorteile mehr zubringen kann Man geht mit neuen
vorteilhaften Verbindungen für den kastilischen Prinzen um die ich euch nicht
genauer bezeichnen will um euer Herz guter betrogener Pfalzgraf nicht vor der
Zeit zu brechen Die letztern Abenteuer der unglücklichen Alix die
entstandenen Zweifel wider ihre Rechtgläubigkeit und die Rasereien meines
Bruders kamen vielleicht recht zu gelegener Zeit um irgend einem grausamen
unbilligen Verfahren gegen eine Unschuldige einen Anstrich zu geben Worin das
was man wider meine Freundin im Sinne hat bestehen mag weiß ich nicht aber
dass irgend ein schrecklicher Vorgang vor der Tür ist das mutmasse ich aus
allen Umständen Ach man entfernte mich vielleicht bloß darum von ihr damit man
sie desto sicherer stürzen könnte man wusste dass mein Auge zu sehr über sie
wachen würde um betrogen zu werden
    Ich erhielt als ich von der Fürstin von Kastelmoro entlassen ward den
Befehl Pamiers sogleich zu verlassen und ihr werdet wohl erraten dass ich
mich nicht für verbunden hielt ihn zu befolgen Verlass mich nicht ganz
Alverde rief Alix als sie sich beim Abschied weinend an meinen Nacken
schmiegte bleib hier in irgend einem Kloster wo ich dir Nachricht von mir
geben kann dieser Bitte oder vielmehr dem Antrieb meines eigenen Herzens zu
folge halte ich mich bei den hiesigen Kölestinernonnen auf bereit auf den
ersten Wink alles für diejenige zu wagen für welche ich gleichfalls die Hilfe
des guten Fürsten anflehen würde an welchen ich schreibe wenn ich anzugeben
wüsste wie der unglücklichen Gräfin zu helfen wär So lang sie in den Händen der
Kastilier ist gibt es keine Möglichkeit sie mit einem Anschein des Rechts zu
befreien und wer weiß ob sie lebendig aus denselben kommen wird O
schreckliche schreckliche Vorstellungen ich suchte ihr Quälendes durch
Mitteilung zu lindern aber ich merke dass sie bei mehrerer Auseinandersetzung
nur mehr Wahrscheinlichkeit nur mehr Kraft gewinnen mein Herz zu foltern
    Pfalzgraf Otto ihr könnt die Prinzessin nicht retten rettet wenigstens
meinen unglücklichen Bruder auf die Art welche euch besser bewusst sein wird als
mir
 
                                Alix an Alverde
                                     1207
Noch einen harten Stand habe ich nach deiner Entfernung gehabt ich ward über
Dinge befragt von welchen ich zum Glück keine Auskunft geben konnte über
deinen Stand und Herkunft dass du mehr bist als du dich ausgiebst musste ich
gestehen wie hätte ich leugnen sollen was jedem der dich sieht in die Augen
fällt Überhaupt ist leugnen gar nicht meine Sache Eure Rede sei ja ja nein
nein sagen unsere Bücher die man mir so grausam entrissen hat gut dass die
Lehren derselben in mein Herz geschrieben stehen womit wollte ich sonst mich
jetzt und in meinem langen freudenlosen Leben trösten das ich an dem
kastilischen Hofe vor mir sehe
    O Alverde weißt du was ich jetzt oft mir wünsche frühen Tod Ich mit all
meinen Wünschen und Hoffnungen passe ja eigentlich gar nicht in diese Welt Ich
Alverde ich soll eine Königin werden Ja wenn Königinnen ihren Szepter trügen
bloß um wohlzutun  Dieser Gedanke der Gedanke durch die Krone zur
unumschränkten Macht zu gelangen Gutes zu stiften und Elend zu lindern dieser
machte mir lange Zeit mein Loos erträglich Himmel Gutes tun und nicht müde
werden und bei dieser unermüdeten Begier nach guten Taten eine eben so
unerschöpfliche Quelle an Macht und Vermögen zur Seite zu haben aus der man nur
nehmen und ausstreuen könnte wo Mangel und Elend lechzte und wenn denn rund
umher so weit die Augen reichen alles befriedigt alles beglückt wär mit dem
Seherblick den man Königen zuschreibt in die Ferne spähen nach neuer Arbeit
mit ihrem weitreichenden Arm Hilfe und Trost in die entlegensten Gegenden der
Erde tragen dieses war so mein Plan und wer bei einem solchen eine Krone
verschmähen oder die Ruhe des Todes der Tätigkeit des Lebens vorziehen wollte
o der müsste wohl den Hauch nicht verdienen den ihm der Schöpfer für andere
nicht für sich schenkte
    Ich habe der Kastelmoro viel von meinen Wünschen und Hoffnungen gesagt sie
hat mich verlacht und mir so ein ganz andres Bild von dem Leben einer Königin
entworfen dass ich mich mit wahrer Lebensmüdigkeit sehne das Joch abzuwerfen
welches man mir auflegen will und das ich zum Teil schon trage Es scheint zu
tugendhafter Tätigkeit werden mir die Hände in Kastilien noch mehr gebunden
sein als im Kloster wer wollte sich da das Leben wünschen 
    Mein Ansehen ist hier so klein ungeachtet alles sich stellt mir zu Füßen
zu sinken dass ich nicht einmal Macht zu bitten habe oder Hoffnung dass man
meine Vorbitte hören wird Du erinnerst dich vielleicht eines jungen Menschen
welcher einst von meinem Bruder abgeschickt mir einige Bücher brachte deren
Verbergung uns in der Folge so große Unruhe machte  ach sie sind auch dahin
man hat mir sie genommen und ich habe die Kastelmoro in Verdacht dass sie sie
den Flammen opferte  dieser junge Mensch also  Alf von Dülmen denke ich ist
sein Name  der schönste Jüngling den ich jemals sah mir doppelt rührend
durch den Ausdruck heiliger Schwermut in seinem Auge ist einigemal in Kirchen
und auf Spaziergängen ertappt worden dass er mir und meinen Frauen folgte ich
weiß es selbst dass er es tat ich sprach damals mit dir davon und glaubte
dass du meine Alverde der Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wärest ach die
blendende Blässe seiner Wangen und der wilde Blick seiner herumirrenden Augen
hätte wohl auf das deuten können was ich wohl ehe von den Wirkungen
unglücklicher Liebe hörte   Nun dieser Alf von Dülmen ich weiß nicht wie
ich dies sagen soll mir ists als würde ich mit der Nachricht dein Herz
verwunden ich fange zehnmal an und kann nicht endigen  genug man hat ihn
Gott weiß warum eingezogen und in ein abscheuliches Gefängnis geworfen Sein
Diener kam nach dir zu fragen und dich um Vorbitte für ihn anzusprechen
woraus ich fast schließen möchte dass er dir bekannt wär und meine Furcht du
könntest durch die Nachricht von seinem Schicksal gekränkt werden ihren guten
Grund hätte 
    Du warst nicht mehr vorhanden da wandte sich Alf von Dülmens Vorbitte an
mich und du kannst wohl denken was ich tat Zum Bischof von Kastilien eilte
ich welcher des Gefangenen Schicksal in Händen hat für ihn zu bitten aber
glaubst du dass meine Vorbitte die Vorbitte einer Person welcher man mit der
Macht zu befehlen schmeichelt etwas fruchtete Fast zu Füßen habe ich mich dem
grausamen Priester geworfen umsonst Mein Eindringen schien ihn nur noch mehr
zu erbittern  Ich eilte von ihm zu den Grafen von Kastelmoro dem Sohn der
Fürstin ich bestürmte das Mitleid der Fürstin selbst sich mit mir bei dem
Bischof zum Besten des armen Unbekannten zu verwenden ich ward eben so hart
fast möchte ich sagen schimpflich zurückgewiesen Es hat das Ansehen als wollte
man mir es zur Sünde rechnen dass ich Gefühl für fremde Leiden habe Man hat
mich in Verdacht geheimer Kenntnis von den mir unbekannten Verbrecher jenes
Gefangenen man tut Fragen an mich über die ich erstaune O Alverde noch
einmal ist dieses der Zustand einer künftigen Königin so wähle ich den Tod 
doch ihn herbeizuwünschen ist fast so ruchlos als ihn beschleunigen ich nehme
also meine Worte zurück und ergebe mich in mein Schicksal
    Alf von Dülmen soll tot sein man sagt meine Vorbitte habe sein Urteil
beschleuniget o Alverde siehe hier die glorreichen Wirkungen welche
inskünftige meine Verwendungen für Elende haben werden
 
        Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an Bernhard Herzog von Sachsen
                                     1207
Ich habe Nachricht Graf Adolf von  sei in Lebensgefahr ich sehe nicht was
man außer einigen jugendlichen Torheiten für Verbrechen auf ihn bringen kann
hier ist der Brief seiner Schwester durch welchen ich hievon das erste erfuhr
zu weiterer Belehrung ihr wisst meine Macht reicht nicht zu seiner Rettung hin
ihr aber vermögt alles Der Ort der Gefahr ist Pamiers die Hauptfeinde des
Verfolgten wahrscheinlich Mönche Genauere Kunde werdet ihr besser und schneller
als durch mich erhalten können
 
                                    Antwort
                                     1207
Noch immer durch Krankheit festgehalten muss ich die tätige Hilfe für den
Freigrafen Adolf dem Herzog von  auftragen welcher sich an meiner Statt
unbekannt zu Pamiers aufhielt Wenn ihr dieses durch die gewöhnlichen Mittel
erhaltet wird Graf Adolf wahrscheinlich schon gerettet sein  Dass Mönche seine
Feinde sind ist nicht zu bewundern sie sind Feinde unsers ganzen Bundes sie
trachten nach der Macht die uns Gott und der Kaiser verliehen hat Ich habe dem
Herzog  nach Pamiers warnend geschrieben dass er sich von niemand auslocken
lasse auch euch mein teurer Wittelsbach warne ich Ich höre von einer
besonderen Vertraulichkeit zwischen euch und dem Bischof von Sutri Dinge die
mir nicht gefallen Nehmt euch in Acht ihr werdet nie aus Bosheit und
Leichtsinn fehlen aber ich kenne euer Herz ihr könntet leicht aus frommer
Unachtsamkeit euch zu Äußerungen über Dinge verleiten lassen die uns Gefahr
bringen könnten und die euch auf der Stufe auf welcher ihr steht noch nicht
einmal verständlich sind
 
                    Alf von Dülmen an den Pfalzgrafen Otto
                                     1207
Kann ich die Hand verkennen welche mich aus dem Kerker dem Tode aus dem Rachen
riss Es war die Deinige aber soll ich dir danken für das was du tatest In
welch ein Leben hast du mich zurückgerufen Es ist wahr das Elend des
Gefängnisses hat mein Gehirn ein wenig abgekühlt hat mein Blut ruhiger fließen
gemacht hat mir Musse zum Nachdenken gegeben in der Dunkelheit eines Kerkers
beurteilt man manche Dinge richtiger als bei hellem Sonnenlichte aber wenn
ich auch das Rasende meines Betragens in Ansehung der Gräfin von Toulouse
einsehe wenn ich auch fühle zu welchen Taten mich eine wütende Leidenschaft
beinahe hingerissen hätte und dem Schicksal danke dass es mich bei so viel
Abgründen vorüber führte macht dies meine Lage glücklicher Alix ist und bleibt
dennoch für mich verloren Mit dem Tage der sie zur Königin von Kastilien
macht stirbt für mich jede Hoffnung auf Glück Noch irgend eine Freude auf der
Welt zu erwarten würde für den welcher so niedergedrückt ist als ich
lächerlich sein
    Du schreibst an dem kaiserlichen Hofe könne Glück für mich blühen die
jüngere Schwester deiner Verlobten die Prinzessin Beatrix sei noch nicht so
fest für den Herzog von Braunschweig bestimmt dass sich nicht Änderung hoffen
ließ sie habe dir den wahren Namen ihrer Freundin Alverde und ihres Bruders
abgefragt habe mein Bild bei dir gesehen und vorteilhaft von mir gesprochen
alles gute und schöne Dinge welche mir fast dasjenige wieder ins Gedächtnis
rufen könnten was mir einst meine Schwester in voller Angst über meine
Anschläge auf die Gräfin von Toulouse schrieb  mir helfen im Grunde all diese
Hoffnungen nichts und wär Beatrix noch zehnmal schöner als sie sein soll und
wär sie statt die Tochter eines Kaisers zu sein selbst Kaiserin und brächte
sie mir mit ihrer Hand Kron und Thron die angebetete Alix würde sie mich doch
niemals können vergessen machen 
    Doch ich fühle das Gewicht deiner Ratschläge ich muss mich herausreissen
muss Pamiers verlassen und meinen Gedanken wär es auch nur zum Schein eine
andere Beschäftigung geben damit ich die Königin von Kastilien vergesse
    O Otto du weißt nicht wie weit meine Leidenschaft für sie gegangen ist so
weit dass sie mich die Pflichten der Freundschaft vergessen machte mir kam
etwas zu Ohren als könnte man willens sein der Gräfin von Toulouse die ihr so
lang bestimmte kastilische Krone zu entziehen und sie einer andern die dem
Königreiche mehr Nutzen brächte zuzuwenden diese Andre versicherte man mich
könnte wohl Kaiser Philipps Tochter deine Elise sein und solltest du es wohl
glauben dass ich mich freute dich zum zweitenmal deiner Verlobten beraubt zu
sehen nicht etwa weil dies dich unglücklich machte sondern weil es meinen
Hoffnungen auf Alix mehrere Wahrscheinlichkeit gab In dem Taumel in welchen
ich damals war glaube ich im Stande gewesen zu sein dir deine Braut mit
eigener Hand zu entreißen und auf den kastilischen Thron zu setzen nur dass
Alix mir geblieben wär  Gott lob dass die blinde Raserei der Leidenschaft
vorüber ist welche nichts auf Freundschaft und Billigkeit achtet nur auf
eigenen Nutzen sieht
    Jetzt habe ich schon wieder gelernt auf den Gedanken mit Entsetzen zu
blicken dass Philipp dich zum zweitenmal verraten könnte o Otto wenn dieses
möglich wär traue ihm nicht zuviel ich habe Dinge von ihm gehört welche mich
schaudern machen Auf jeden Fall sorge dass Elise bald dein Eigentum werde so
lange sie noch in der Gewalt ihres wankelmütigen Vaters bleibt kannst du nicht
gewisser auf ihren Besitz rechnen als auf ihre Schwester Kunigunde Der Pabst
hasst dich und den Kaiser er zittert vor dem Gedanken die Macht des einen durch
Verbindung mit dem andern gestärkt zu sehen er wird nicht ermangeln zum
zweitenmal zu stören was er weder dir noch ihm gönnte Glaube nicht dass ich
dich mit bloßen Mutmaßungen unterhalte sobald ich bei dir bin will ich dir
Beweise auflegen
    Bald bald siehst du mich an dem kaiserlichen Hofe diesen Abend noch einen
Abschiedsbesuch bei meiner Schwester im Kloster und morgen meine Abreise Die
arme Alverde die treue zärtliche Schwester verdient durch den Anblick dessen
getröstet zu werden dessen Schicksal ihr so viel Kummer machte Man hatte ihr
hinterbracht ich sei tot denke dir das Entsetzen der guten Seele
    Du wunderst dich über den ruhigen Ton in welchem ich der vor wenig Tagen
noch halb Wahnsinnige schreibe du kannst nicht begreifen dass die Kerkerluft
allein diese Änderung bewirkt habe  Du möchtest vielleicht Recht haben
Wisse ich bin jetzt mit mehreren Hoffnungen in meiner Liebe beglückt als zuvor
ich habe erfahren dass die himmlische Gräfin von Toulouse sich in meinem Elend
durch die dringendsten Vorbitten für mich verwendet hat dies schmeichelt mir
nicht allein mit dem Gedanken dass ich ihr nicht gleichgültig bin sondern es
bringt mir auch noch andre Möglichkeiten in den Sinn Sie hat durch ihre Gnade
gegen mich welcher man einen höheren Namen gibt als ich für wahr halten kann
den Hass der Kastilier noch mehr auf sich geladen ihre Einsegnung mit dem
kastilischen Gesandten wird verschoben von einem Tage zum andern sie werden sie
nimmer zu ihrer Königin machen sie sinnen nur darauf wie sie das Band mit
guten Schein brechen und die Heiratswerbung um deine Elise anspinnen wollen
das letzte soll ihnen so Gott will fehlschlagen aber das erste bringt die
schöne Alix in meine Arme Auf die erste Bewegung die man macht sie ihrem
Bruder zurück zu schicken  und dies muss geschehen ehe man mit Anstand die
Werbung um die kaiserliche Prinzessin einleiten kann  auf den ersten Wink den
mir Alverde mit der ich einverstanden bin hievon gibt habe ich Recht die
Verstossene in meine Arme aufzufassen Hier ist die Rede weder von Entführung
noch Gewalttat Ganz ruhig und vor den Augen der ganzen Welt bringe ich sie
nun in die Arme ihres Bruders zurück Die Lage des Grafen von Toulouse ist
bedenklich der Schutz den er den Waldensern in seinen Landen gönnt reizt
allgemach den Zorn des Pabsts man sagt der tapfre Graf Simen von Montfort
rüste sich mit mehreren Tausenden einen7 Einfall in die durchächtete Grafschaft
zu tun dies ist gerade so ein Gegner für mich Der Graf von Toulouse wird Alf
von Dülmens Schwert brauchen können und ihm denn wenn er sich ihm als Graf
Adolf von  zu erkennen gibt seine Schwester nicht versagen
    Siehe Otto dies sind meine Plane und meine Hoffnungen sie haben mich aus
der Tiefe der Verzweiflung herausgerissen ein Unglück für mich ists dass diese
Dinge Zeit brauchen Verlass dich darauf ich komme nach Hofe um die große Crise
abzuwarten meine Schwester Alverde bleibt hier in der Verborgenheit ihres
Klosters und wacht für alles
 
                           Alverde an den Pfalzgrafen
                             Otto von Wittelsbach
                                     1207
Ich habe den Brief gelesen den euch mein Bruder schreibt um Gotteswillen
begünstiget alle seine weitaussehenden Hoffnungen sie sind das einzige Mittel
seinen Rückfall in jenen fürchterlichen Zustand zu verhüten dem er kaum
entgangen ist Was mich anbelangt ich hoffe wenig und fürchte viel aber ich
verschliesse meine heimliche Angst in meinen Busen Die Hauptsache ist jetzt
meinen Bruder von Pamiers zu entfernen seine Gegenwart hier taugt zu nichts
als ihn in neue Gefahren zu stürzen und die Lage der Gräfin von Toulouse noch
bedenklicher zu machen Die Großmut mit welcher sich diese edle Seele für den
verwendete den sie nie anders kannte als Alf von Dülmen und für den sie
nichts weiter fühlt als Mitleid da ihr seine Leidenschaft für sie ganz
unbekannt ist diese Großmut dieses dringende Bitten um seine Befreiung als
er gefangen war ihr Kummer über den Abschlag ihre Betrübnis über seinen
vermeinten Tod ihre Freude als sie von ungefähr erfuhr er sei frei werden
ihr hier ganz falsch ausgelegt und es ist nichts besser als dass Alf von Dülmen
gänzlich verschwinde um ihr Ruhe zu schaffen
    Wie ihr seine Befreiung bewürkt wie ihr den Bischof von Kastilien genötigt
habt ihn herauszugeben das ist Gott bekannt mir ziemt es nicht danach zu
fragen es scheint euch und den eurigen ist alles möglich und ihr könntet wohl
dem Tod und die Hölle zwingen ihre Gefangenen wieder heraus zu geben Möchte
sich doch eure Macht auch auf die unglückliche Alix erstrecken aber es scheint
man muss in euren Bund gehören um eure Hilfe vollkommen zu genießen und der
schwächere und am meisten hülfsbedürftige Teil des menschlichen Geschlechts
wird sich also immer eurer Macht am wenigsten zu getrösten haben
    Lebt wohl edler Pfalzgraf Die Warnungen wegen eurer Verlobten der
Prinzessin
    Elise schlagt nicht in den Wind sie haben ihre guten Gründe
 
                      Der Unbekannte an Peter von Kalatin
                                     1207
Gott weiß welche Hand über den sogenannten Alf von Dülmen waltet Zweien
Schlingen ist er entgangen in welchen wir ihn gewiss zu haben glaubten Die
Ausschweifungen welche er aus Liebe gegen die Gräfin von Toulouse recht
erwünscht beging brachten ihn in die Gewalt des Bischofs von Kastilien Aber
ein Wink unsers leider allgemeinen Oberhaupts des Herzogs von Sachsen dem
seine Gefangenschaft ich weiß nicht wie verkundschaftet worden war und ich
musste alles anwenden ihn zu befreien
    Hier genötigt meinem Feinde die Fesseln zu lösen dachte ich ihn auf einer
andern Seite desto gewisser zu fällen Er war nicht sobald frei als ich Sorge
trug dass die euch bewussten Klagen wider ihn in unserm heimlichen Gericht
angebracht wurden aber er verteidigte sich so bündig dass alle Schuld sich von
ihm hinweg und auf einen andern auf euch lenkte die Mittel die ihr sehr
klüglich gebraucht hattet euch auf diesen Fall sicher zu stellen schlugen
nicht fehl ihr wurdet schuldlos erklärt aber er war es nicht weniger und was
ich noch zu seinem Nachteil hätte tun können war unmöglich wenn ich mich
nicht in Gefahr setzen wollte dass er auftrat und alles entdeckte was ihm einst
von meiner erzwungenen Vertraulichkeit gegen den Grafen von Segni merken ließ
    O Kalatin wohl hattet ihr Ursach mir diese Unvorsichtigkeit zu verweisen
ohne sie wär jetzt unser Feind aufs wenigste seiner Stelle im heimlichen Gericht
entsetzt ich an seinem Übermut gerochen und mein Bruder der Erzbischof von
Bremen wieder im Besitz der geraubten Lande und Alverde euer  Ich würde ganz
ohne Trost über die Fehlschlagung meiner Wünsche sein wenn sich nicht Hoffnung
ihn zu fällen mir noch von andern Seiten öffnete
    Einige der Bischöfe welche bereits zu viel von unsern Geheimnissen wissen
drangen darauf dass die schreckliche Anklage wider Kaiser Philippen die
vorgebliche Vergiftung Erzbischof Konrads von Kölln vor den Richterstuhl
gebracht werden sollte Ich musste einwilligen der Graf von Segni hat mich in
seinen Banden Noch hoffte ich die Sache sollte sich selbst zerstören weil ich
sie ganz für unerweislich hielt leider war sie es nicht doch was könnten
Bischöfe nicht beweisen
    Kaiser Philipp sei schuldig oder nicht so machte die Sache auf die
Versammlung einen erstaunenswürdigen Eindruck und den tiefsten auf den
sogenannten Alf von Dülmen welcher nachdem er von vorgedachter Anklage
gerechtfertigt war nun wieder seinen Sitz in der Versammlung eingenommen hatte
Der Stab ward gebrochen das Loos über die Bluträcher geworfen es traf wie ihr
denken könnt den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach und Alf von Dülmen
    Stimmen erhuben sich von allen Seiten zur Appellation ihr wisst Pfalzgraf
Otto ist des Kaisers erwählter Schwiegersohn und Alf von Dülmen  wie ich den
stolzen Grafen Adolf am liebsten nenne  des Wittelsbachers bester Freund aber
es durfte keine Einwendung mehr angenommen werden der Hahnenschrei verkündete
den Tag der Himmel graute und die Richter gingen auseinander
    Lasst uns warten was aus diesen großen Anlagen entstehen wird Behauptet
sich Philipps Schuld so folgt ihm der Bluträcher aber es ist kein kleines
einem Kaiser ungestraft den Todesstreich zu geben so viel ich weiß ist noch in
keinem unserer Gerichte der Fall vorgekommen  Otto von Wittelsbach und Alf von
Dülmen ihr Gehassten beide Wehe über euch euer Schwert erreiche oder verfehle
sein Ziel im ersten Fall seid ihr der öffentlichen Gerechtigkeit als
Kaisermörder im andern der heimlichen als Meineidige verfallen
 
                              Beatrix an Alverde
                                     1208
Dein Alf von Dülmen den ich nun aber schon längst nach seinem wahren Namen und
eben so lang nach einem Bilde von ihm das mir der Pfalzgraf zeigte kenne der
Bruder meiner Alverde ist hier angekommen aber Gott welch ein Mann gegen die
Vorstellungen die ich mir nach allen Umständen von ihm machen musste Können so
schöne Züge durch ein innerliches Etwas so entstellt werden und was mag das
Etwas sein das in seinen Innern gährt
    Nein Alverde dein Bruder hat den Eindruck nicht auf mich gemacht den ich
geglaubt hätte als ich ihn nur noch von Hörensagen als ich ihn nur noch aus
jenem geschmeichelten Bilde kannte statt ihn zu lieben fürchte ich ihn Auch
in seinem Betragen herrscht eine gewisse scheue Furchtsamkeit die ihn zu einem
äußerst widrigen Gegenstande macht und dieser Mann sollte mich einst geliebt
haben  Nein er hat es nicht das Ganze war nur eine Täuschung der Eitelkeit
welche meine Alverde mir zu benehmen nicht freundschaftlich genug dachte Der
Pfalzgraf hat es mir entdeckt dass die verlobte Königin von Kastilien der
Gegenstand seiner Leidenschaft war den du mir verschweigest und ich hörte
diese Entdeckung mit mehrerem Kaltsinn an als bei meinem für ihn gefassten
Vorurteil geschehen sein würde hätte ich ihn ganz dem Bilde ähnlich gefunden
das ich mir von ihm machte
    Doch er mag wohl nicht immer so beschaffen gewesen sein als er jetzt ist
der Pfalzgraf versichert mich dass er ihn selbst kaum mehr kenne dass er ihm
ganz fremd geworden sei fremd auf alle Art denn bei der großen
Vertraulichkeit die von je her unter ihnen herrschte hat er noch zu keiner
Privatunterredung mit ihm kommen können Wittelsbach behauptet es müsste etwas
ganz außerordentliches in seinem Innern arbeiten aber dieses zu entdecken ist
keine Möglichkeit da er ihn auf das sorgfältigste flieht
    Alverde fast möchte ich anfangen deinen Bruder zu bemitleiden sollten dies
vielleicht noch Überbleibsel der Rasereien um Alix sein O der schöne herrliche
Mann dass die Liebe ihn so zu Grunde richten musste Möchte sie ihm doch die
ausgestandenen Leiden auf andere Art vergüten und wie glücklich wär diejenige
welche der Himmel zum Werkzeug dieser Vergütung bestimmt hätte sie die diesem
edelen Herzen die Ruhe dieser Stirn die Heiterkeit dieser Gestalt ihre Würde
wieder geben könnte ach Freundin ich weiß nicht was ich denke ich scheue ich
fürchte diesen unbegreiflichen Mann deinen Bruder und doch ist wieder mein
Mitleid gegen ihn so zärtlich dass ich im Stande wär ihm alles zu verzeihen
selbst dass er die Gräfin von Toulouse liebte und nicht mich
 
                       Alf von Dülmen an den Pfalzgrafen
                                     1208
Verfolge mich nicht Wittelsbach frage mich um nichts du möchtest schreckliche
Dinge hören Allerdings tobt ein grauenvolles Geheimnis in meinem Busen das ich
dir zu entdecken schuldig wär da es einen Auftrag betrifft den wir vor dem
heimlichen Gericht gemeinschaftlich erhalten haben du kannst ihn nicht
ausrichten er würde dein Unglück machen nun so fällt er also mir auf die
Schultern aber ich versichere dich es ist kein kleines ihn zu übernehmen
    Nimm jetzt den Rat an den ich dir gebe heirate deine Elise sobald als
möglich und wärs diesen Abend es ist ihrem Vater auf keine Weise zu trauen
wer weiß ob nicht schon Verhandlungen deine Verlobte zur kastilischen Königin zu
machen unterwegens sind denen er nur allzugefällig gehorchen wird die er
vielleicht selbst veranlasste Nimm Elisen sage ich nochmals und führe sie so
weit du kannst auf eines deiner Schlösser damit du nicht hörest was hier bei
Hofe vorgeht  Wohl o wohl mir da ich tun muss was ich tun werde dass nicht
die reizende Beatrix sie die einzige welche die Stelle der Gräfin Toulouse
ersetzen könnte mein Herz fesselte was würde sonst aus mir werden denn wär
ich gerade in dem nämlichen Fall in welchem du ohne es zu wissen dich
befindest
    Aber Himmel sollte die Sache auch völlig erwiesen sein Der Herzog von
Sachsen war nicht beim Gericht als es uns den grauenvollen Auftrag gab mit ihm
Rücksprache zu halten wär doch wohl Pflicht und Notwendigkeit ehe man
handelte 
    Otto ich weiß du verstehst mich nicht ich hatte dir all dieses nicht
schreiben sollen aber meine Gedanken werden ich schreibe oder ich spreche
unwillkürlich zu Worten und da Worte nicht im Stande sind den Zustand meines
Herzens zu schildern so rede und schreibe ich unverständlich und werde für
einen Träumer gehalten  O Schicksal Schicksal dass du mich in allem das
härteste Loos ziehen ließest
 
                          Elise an ihre Mutter Irene
                                     1208
Es war als ob mein Herz von mir riss da ihr die Reise nach eurem neuen
Lustschlosse antratet doch eure Gesundheit wollte es die Ärzte diese
allgewaltigen Herrscher in eurer Lage geboten und man musste nachgeben O warum
durfte ich euch nicht folgen Ihr sagtet mir lachend meine Pflege würde euch
bei den Stunden welche euch bevorstehen wenig frommen nun wohl für euch in
der Nähe zu wachen dem Kaiser täglich Nachricht von euch und endlich die
frohste aller Botschaften zu überschreiben dazu wär ich doch wohl verständig
genug gewesen dazu hätte es doch wohl nicht Not getan dass ich erst wie ihr
euch scherzend ausdrückt ein halbes Dutzend Jahre Gräfin von Wittelsbach
gewesen wär
    Ach wie weit ist dieser Name warscheinlich noch von mir entfernt  Ihr
wisst wie ich den teuren Pfalzgrafen liebe ich habe es euch gestanden dass
lange vorher ehe seine Wahl unter Kaiser Philipps Töchtern auf Kunigunden fiel
mein heissester heimlichster Wunsch war er möchte mich wählen Er wählte mich
nicht und ich eilte den Kummer dessen ich mich schämte in der Dunkelheit des
Klosters zu vergraben
    Seht das Schicksal hat nun zwischen mir und meiner Schwester die ihr
Glück nicht erkannte entschieden Pfalzgraf Otto ist mein tausendmal beteuert
er mir dass er sich freut von Kunigunden getäuscht und durch ihren Wankelmut
mein geworden zu sein ein Kind sagte er oft zu mir geht ja wohl vor
köstlichem Golde über und wählt eine schimmernde Scherbe es verwundet sich die
Hand und greift nach dem heilenden Golde8 seht Elise dies ist mein Fall
ich weiß jetzt was ich an Kunigunden verloren und an euch gewonnen habe 
    Reden von dieser Art schmeicheln mir entzücken mich sie haben in dem Munde
meines Otto doppelten Wert in dem Munde eines andern würden sie nichts sagen
Die Sekte Peters von Kalatin die schmeichelnde süsslächelnde wortreiche Sekte
der Frauendiener nimmt immer mehr überhand nur wenig Männer sind bei welchen
so wie bei meinem Verlobten jedes Wort genau den Gehalt hat welchen sein
Gepräg versprach
    Zu welcher Gattung mag sich jener Alf von Dülmen rechnen der sich seit
einiger Zeit hier aufhält den wir aber alle unten einem höheren Namen kennen 
Er ist der Freund meines Otto o möchte er ihm an Redlichkeit gleichen Ihr
wisst meine Mutter was mich zu diesem Wunsche bewegt Die vorgehabte Verbindung
unserer Beatrix mit dem Herzog Otto von Braunschweig ist so gut als vernichtet
Mein Vater und er konnten ja bei der letzten vom Pabst veranstalteten
Friedensunterhandlung so wenig einig werden dass gar nicht daran zu denken ist
eine Vermählung könne den ewigen Zwist heben sprecht selbst wer sollte nur den
Vorschlag dazu tun  Ist dieses hat Beatrix von dieser Seite nichts zu
hoffen oder fast möchte ich lieber sagen zu fürchten so könnte man ja auf
eine andere Verbindung auf eine Verbindung nach dem Herzen des armen Mädchens
denken  Dieses Herz meine teure Mutter spricht mir nur gar zu hörbar für
den sogenannten Alf von Dülmen in dem sie so wenig als wir alle den bekannten
Grafen Adolf von  verkennt zwar ist er eben keiner von den größten Fürsten
unserer Zeit aber er hat doch Land und Leute ist vom hohen königlichen Adel
und kann sich an Ansehen im römischen Reiche mit manchem weit höher Benamten
messen O meine Mutter wenn wir Beatrix durch ihn glücklich machen könnten 
Doch dies sind weitaussehende Dinge Er hat für meine Schwester nichts als
Bewunderung da sein Herz noch voll ist von unglücklicher Liebe gegen die
künftige Königin von Kastilien Meine Schwester gibt vor ihn in der Nähe weit
weniger einnehmend zu finden als in der Fern auch ist es wahr er hat ein
gewisses Etwas an sich das mich von ihm zurückschreckt doch mich dünkt dies
ist ihm fremd ist vielleicht nur noch ein unglückliches Überbleibsel von
seinen Leiden um Alix ist erst diese so fest gebunden dass keine Hoffnung auf
sie mehr übrig bleibt so wird er sich erholen wird ganz wieder der werden
welcher er ehemals war wird für andre Reize Augen zu haben beginnen wird sie
ganz natürlich auf die liebenswürdige Beatrix werfen ihr und mein Vater werdet
einwilligen und auch sie wird glücklich sein wie ich es bin
    O wenn nur Alf voll Dülmen ganz der ist für welchen ich ihn ungeachtet
seines finsteren zurückstossenden Wesens halte Zwei Dinge sind davon das eine
für das andre wider ihn spricht Peter von Kalatin dieser Mann den wir alle
verabscheuen und seit der Kenntnis von Alverdens Geschichte noch mehr
verabscheuen müssen war einst sein Freund und ist es nicht mehr auf die erste
Nachricht von seiner Ankunft bei Hofe entfernte er sich wie ihr wisst und hat
sich seitdem nicht wieder sehen lassen dies gereicht zu Alf von Dülmens Besten
brechen lasterhafte Freunde mit einem Manne so muss er wohl der Tugend gehuldigt
haben aber ist das auch vorteilhaft für den Mann von welchem wir reden dass
mein geliebter Pfalzgraf einst sein Freund war dass er es auch noch ist und
doch von ihm wie ein Feind geflohen wird
    Der Pfalzgraf hat in diesen Tagen einen äußerst seltsamen Brief von ihm
erhalten aus dem er selbst ungeachtet er gewiss mehr davon versteht als ich
nicht klug werden kann
    Mich dünkt meine Mutter Otto hätte mich ihn nicht lesen lassen sollen es
kommen Punkte darin vor welche geheime Dinge betreffen die wohl eigentlich
vor kein profanes Auge am wenigsten vor das Auge eines Weibes kommen sollten
aber so ist das truglose Herz meines Geliebten er vertraut sich andern zu
leicht und obgleich seine Verschwiegenheit in dem was er eigenlich zu
verschweigen gelobt hat unverbrüchlich ist so entfallen ihm doch oft ohne dass
er es denkt Winke welche kühnen Mutmassern Stoff genug zum Forschen und
Nachdenken geben Gott gebe dass ich die Einzige bin und gewesen sein mag
gegen welche er sich solche Unvorsichtigkeiten zu Schulden kommen ließ von mir
hat er nichts nachteiliges zu besorgen kann ich mir das Mutmassen nicht
wehren so wird mich doch Vernunft und Bescheidenheit wohl ewig vor kühnem
Forschen und Ausschwatzen bewahren Selbst gegen euch meine Mutter würde ich
dieses wenige nicht gesagt haben wüsste ich nicht dass euch jedes Geheimnis
selbst das Geheimnis eurer Kinder heilig ist und von euch wohl immer
unangetastet bleiben wird
    Außer den Dingen über welche ich mich nicht weiter erklären kann enthielt
Alf von Dülmens Brief noch verschiedenes welches mich wohl wider ihn
aufbringen und bewegen könnte all die gute Meinung all die guten Absichten
die ich für ihn habe zurück zu nehmen Bedenkt selbst er sucht meinem
Verlobten Argwohn gegen meinen Vater einzuflößen gibt nicht undeutlich zu
verstehen der Kaiser könne die Absicht haben mich ihm zu entreißen und an die
Stelle der Gräfin von Toulouse auf den kastilischen Thron zu heben
    Ich hoffe Alf von Dülmen ward selbst von unsern Feinden getäuscht und
schreibt dieses nicht aus bösem Herzen Ich habe mächtig gestritten dem
Pfalzgrafen alle Unwahrscheinlichkeiten zu zeigen welche in diesem Vorgeben
liegen Weil Philipp einmal wortbrüchig an dem Pfalzgrafen ward darum muss er es
nicht zum zweitenmale werden Dass Kunigunde ihm entzogen wurde lässt sich
entschuldigen sie liebte ihn nicht und ein anderer hatte ihre frühern Gelübde
aber was für ein Vorwand zeigte sich mich ihm zu rauben mich die ganz in dem
geliebten Otto lebt und atmet die nie außer ihm einen Mann eines Wunsches
würdigte die sich dem Kloster gewidmet haben würde wär kein Wittelsbach für
sie in der Welt gewesen 
    Die Sache widerlegt sich selbst mein Vater ist ein Deutscher so wird er
nicht handeln und auf der andern Seite welch ein ungeheurer Einfall Alix
welche so nahe am Throne steht sollte jetzt noch einer andern Platz machen Ich
habe meinem Geliebten das Abgeschmackte in einem solchen Vorgeben deutlich
gezeigt aber er gab mir hier nicht so viel Gehör als in Ansehung des ersten
er meinte Wie und warum die Verfassung der Gräfin von Toulouse möglich wär
wollte er mir wohl ein andermal bei mehrerer Musse erklären doch schien er mir
im Ganzen beruhigt und schied mit ziemlich frohem Mute eine Reise nach Polen
anzutreten welche ihm der Kaiser aufgetragen hat Ich aber bin seit seiner
Entfernung sehr traurig Das was mir anfangs in Alf von Dülmens Brief so
unwahrscheinlich dünkte macht mir jetzt manche trübe Stunde einmal ist doch so
viel gewiss meine Verbindung mit dem Grafen wird über die Gebühr verschoben und
was mag seine Reise jetzt wieder bedeuten Musste man eben ihn konnte man keinen
andern schicken 
    Ach meine Mutter wie ich im Anfang sagte der Name der Gemahlin meines
Otto ist wohl noch weit entfernt von eurer
                                                                          Elise
 
             Kunigunde Gräfin von Segni an ihre Schwester Elise
                                     1208
Du hast mich seit ich aus dem vaterländischen Hause schied keines Briefs
gewürdigt und ich muss glauben das was dein sogenanntes Glück gemacht hat
bringe dich wider mich auf und bewege dich gegen mich unschwesterlich zu
handeln O Elise was hab ich dir getan zürnest du darum mit mir weil ich den
Pfalzgrafen Otto von der Hand ließ um meinem Richard treu zu bleiben Du
liebtest deinen Wittelsbacher die Art wie ich gegen ihn handelte handeln
musste ward dein Triumph ohne mich wär Otto nie dein geworden so solltest du
ja billig mir ehe danken als auf mich zürnen
    Und doch hättest du billig Ursach mir übel zu wollen hätte ich gutwillig
die Veranlassung zur Verbindung mit einem Manne gegeben der deiner Wahl nicht
würdig ist bei Gott das wollte ich nicht ich erschrak als ich erfuhr die
Gefahr Gräfin von Wittelsbach zu werden welcher ich mit genauer Not entkam
betreffe nun eine meiner Schwestern  Wie konnte ich glauben der Kaiser
welcher einmal Bedenken trug dem Pfalzgrafen eine Tochter zu geben sei nun zum
zweitenmal im Begriff sich berücken zu lassen wie konnte ich vermuten die
stolze Elise würde sich an dem Besitz eines Herzens laben das ich verschmähte
oder um weltlicher Liebe den heiligen Vorsatz zum Kloster aufgeben Kaum hätte
ich dieses der kleinen leichtsinnigen Beatrix zutrauen sollen die nun wie ich
höre groß und schön geworden ist und gar davon träumt durch den Herzog von
Braunschweig den freilich ich als Philipps Tochter nicht Kaiser nennen darf
obgleich alle Welt ihm diesen Namen zugesteht  römische Kaiserin zu werden
    Wir wollen die Kleine mit ihren vergeblichen Hoffnungen lassen und zu dir
zurückkehren  Elise du weißt dass du verschiedene Jahre mehr hast als ich
und also mich an Klugheit übertreffen solltest aber du lebst in dem schlichten
geradsinnigen Deutschland ich in dem aufgeklärten Italien dies diene uns
beiden zur Entschuldigung wenn wir das Geben und Annehmen wohlgemeinter
Warnungen einmal gegen einander vertauschen
    Dich zu warnen mein Kind schreibe ich dieses dich zu warnen vor dem
falschen Grafen von Wittelsbach  ich hoffe du traust mir zu dass ich nicht
ohne Ursach so schnell mit ihm brach nicht allein die ältere Liebe zu Richard
sondern auch genaue Kenntnis seines Charakters bewog mich so zu handeln wie
ich handelte und der Bann den alle Welt den selbst Mutter und Schwestern
wegen meiner sogenannten Wankelmütigkeit über mich ergehen ließ trifft nicht
mich sondern den welchen ich mit reifer Überlegung verließ
    O Elise du dauerst mich Wittelsbach ist nicht der welcher ein Herz wie
das deinige beglücken kann was solltest du fromme Nonne mit dem unruhigen
Pfalzgrafen Du zärtliche du treue Tochter mit dem Manne der Zeit genug seine
Hand nach deines Vaters Kron und Thron ausstrecken wird Du ewigliebende Seele
mit dem welcher mit jedem Jahreswechsel die Treue ändert welcher irgend eine
die ich nicht nennen kann einst um meinetwillen mich für dich und dich für
eine neue Geliebte vergaß die wenn er nicht bald stirbt auch wohl nicht die
letzte in seiner Liebesreihe sein wird Was dient dir ein Mann der zu einem
furchtbaren heimlichen Bunde gehört dessen ich nicht ohne Grauen gedenken kann
zu einem Bunde welcher es seinen Mitgliedern zur Pflicht macht das Schwert
immer gewetzt zu halten und sollte es auch sein Vater Bruder und Freund
hinzuopfern
    Du entsetzest dich ob den harten Beschuldigungen Du forderst Beweise Wohl
gut deine Forderung übersteigt die Schranken eines Briefs aber ich kenne das
weibliche Herz genug um zu wissen dass wenn ich dir die Wahrheit einer meiner
Anklagen vor Augen gelegt habe du keine mehr bezweifeln wirst Beweise ich dir
dass Otto von Wittelsbach treulos gegen seine Elise handeln konnte so vermute
ich du wirst ihn keiner Untat unfähig halten
    Du kennst doch die Königin Adila Premislaus geschiedene Gemahlin sie um
deren willen unser Vater sich einst den König von Böhmen zum Feinde machte weil
er die Seite der verstossenen Adila nahm Diese Adila hat eine schöne Tochter
ihres Namens man nennt sie die Prinzessin von Pohlen weil ihr Oheim der
Herzog von Pohlen sich ihrer in ihren Elend erbarmte und sie zur Tochter
annahm Fräulein Adila ist wie gesagt recht schön fast so schön wie du und
noch um einige Jahre jünger ihr Oheim wollte sie gern verheiraten er
verspricht dem der ihr die Hand bietet eine königliche Mitgift aber das
beste was sie mit in den Ehestand bringt ist eine Anwartschaft auf das
Königreich Böhmen welche ein Held wie Wittelsbach nicht leicht verschmähen
wird du weißt wohl die schwächsten Ansprüche kann ein Schwert wie das
seinige geltend machen Adila ward deinem Otto angetragen er zögerte sprach
von Treue gegen dich wog Vorteil und Verdienste und  fand dich zu leicht
Ein Gerücht das sich ausbreitete Kaiser Philipp möchte dich wohl lieber
Königin von Kastilien als Pfalzgräfin sehen gab ihm Ursach sich mit dem Kaiser
zu entzweien man zankte sich ein wenig vertrug sich dann wieder und Otto
versprach dich so wie mich zu vergessen wenn Philipp ihm sein mächtiges
Vorwort bei der Prinzessin von Pohlen verleihen wollte Der Kaiser verachtete
den kleinen Pfalzgrafen in seinem Herzen doch um ihn loszuwerden tat er was
er verlangte er schrieb aber war es ihm zu verdenken dass er in das
Empfehlungsschreiben nach Pohlen allerlei einmischte den Charakter des
Überbringers zu bezeichnen den Herzog von Pohlen und die schöne Adila zu
warnen und des Wittelsbachers Anschläge verunglücken zu machen 
    Erwarte nun mit jedem Tage dass dein Otto wiederkehrt entweder kochend von
Rache gegen den Kaiser der seine Absichten vereitelte oder nachdem es die
Gelegenheit gibt so treu und zärtlich gegen dich wie vormals Das wird er
freilich nicht denken dass irgend eine treue Hand dir seine Tücke verraten
könnte und wenn ihm die schöne Adila nicht werden kann so wird er immer noch
Liebe genug für dich übrig haben wenn du sie nur annehmen willst
    Bedenke dich Elise was du auf jeden Fall zu tun hast und willst du dem
was ich dir sage keinen Glauben beimessen  denn freilich unwiderleglich
beweisen lässt sich so etwas nicht davon die Urkunden in andern Händen sind 
willst du mir nicht glauben sage ich so vergiss wenigstens nicht dass du
gewarnt bist von deiner Schwester Kunigunde
 
                          Elise an ihre Mutter Irene
                                     1208
O Mutter alles vereinigt sich mir das Herz zu brechen  Ich ohnedem
kummervoll und zweifelhaft über das was ich euch zuletzt schrieb muss heute
einen Brief erhalten der mich vollends in Verzweiflung stürzt wehe mir dass
ich ihn euch nicht mitteilen und euren Rat vernehmen kann was ich davon zu
halten habe leider ist er von einer Person welche zu schonen mir Pflicht ist
wider welche ich euren Zorn auf keine Art reizen mag und gleichwohl stoße ich
in diesem Unglücksschreiben fast bei jedem Absatz auf Stellen die euch
aufbringen würden so dass ich ihn euren Augen vorhalten soll und muss
    Ach Gott wenn ich nur irgend eine Seele fragen könnte was ich von der
Sache glauben soll  Mein Wittelsbach untreu Er Brautwerber um die schöne
Adila von Pohlen sollte könnte dies möglich sein  Nach Pohlen ist er mit
Briefen vom Kaiser gereist auch hat es vor einiger Zeit ein hartes Gespräch
zwischen beiden über mich und die kastilischen Träume gegeben alles dieses sagt
mein geheimes Schreiben auch aber wird alles was es enthält wahr sein so wie
einiges wahr ist  Da ich hier schlechterdings niemand fragen kann so muss ich
abwarten was von diesen Dingen durch den Ausgang bestättigt oder vernichtet
wird Auf meinen Otto ein Misstrauen zu haben ist freilich schwer doch klingt
alles was man mir von ihm vorbringt so wahrscheinlich Er ist treu und bieder
aber er ist gleichwohl ein Mensch der durch Treulosigkeit und Wortbruch
aufgebracht und zur Rache gerejetzt werden kann gesetzt nun es wär wahr was
ich mir gar nicht als möglich denken kann der Kaiser dächte darauf mich ihm zu
entreißen wär es da wohl Wunder wenn auch er sich seines Eydes quitt und es
sich verstattet glaubte sein Glück von einer andern Seite zu suchen
    Doch nein sobald könnte mein Wittelsbach seine Elise nicht vergessen an
mir würde er ja nicht rächen was ein anderer verschuldet hätte
    Himmel Himmel sollte dies Möglichkeit sein und er war beim Abschied noch
so treulich und so hold  Wie oft er zurückkehrte mich noch einmal in seine
Arme zu schließen  Wie bekümmert er war über den bloßen Gedanken man könne
mich ihm rauben wollen Was ich alles anwenden musste ihn zu beruhigen Und
dieser Mann mit der schönen Träne im Heldenauge das sonst nie weinte dieser
Mann mit den Worten der Wahrheit auf der bebenden Lippe dieser sollte mich
betrügen können  Nein Nein Nein ich kann nichts davon glauben
    Und doch und doch  O Mutter mein Kampf beginnt von neuem Schaffet mir
Hilfe dass ich nicht vergehe
 
                                Irene an Elisen
                                     1208
Mir dünkt alles was du mir schreibst so unglaublich als dir Für Pfalzgraf
Ottens Treue dächte ich wollte ich mit meinem Leben bürgen Indessen da du mir
die Quelle aus welcher du deine Zweifel schöpftest nicht entdecken darfst so
kann ich hier nicht mit voller Gewissheit entscheiden und muss dich an andere
Tröster und Ratgeber verweisen
    Der beste und der dir über alles die bündigste Auskunft geben könnte wär
wohl dein Vater wenn du ein Herz zu ihm fassen könntest aber leider ist
Philipp jetzt nicht mehr Herzog von Schwaben sondern Kaiser diese Würde hat
ihn seinem Hause entfremdet die Staatsgeschäfte bemächtigen sich all seiner
Zeit du würdest schwerlich eine Stunde treffen da er so ganz dein wäre dass er
dich ruhig hören und dir wie ein Vater raten könnte überdieses wenn er nun
wirklich wider dich und den Pfalzgrafen welches mich so unmöglich eben nicht
dünkt Böses im Sinn haben wenn er nun wirklich auf höhere Dinge für dich
sinnen sollte als du denkest und wünschest was für Trost würdest du denn bei
ihm nehmen
    Höre meinen Rat Ich habe in meinem Leben so wohl als du Stunden erlebt wo
mir um Trost und Leitung bange war und wo ich sie nicht bei Menschen suchen
durfte ich suchte sie denn in den Armen der Religion das tue auch du doch
traue auch hier nicht deinem eigenen Nachdenken sondern vertraue dich irgend
einem verständigen frommen Manne vertraue dich deinem Beichtiger ich weiß
nicht in wessen Schoss du deine heimlichen Anliegen auszuschütten pflegst kenne
den Heiligen nicht dem du deine geistliche Führung anvertraut hast aber ich
bin überzeugt dass du auch hier glücklich gewählt haben wirst und glaube also
deine Ruhe in guten Händen Lebe wohl mein Kind ich bin sehr schwach das
viele Schreiben wird mir beschwerlich aber nicht so das Lesen ich hoffe bald
und umständlich wieder von dir zu hören
 
                             Elise an ihre Mutter
                                     1208
Ich habe euch gehorcht habe mich dem Manne vertraut welcher in aller Absicht
der einige ist der mir aus dem Labyrinth in welchem ich irrte helfen konnte
dem der so wohl meine als Pfalzgraf Ottos Herzensgeheimnisse in Verwahrung hat
unserm gemeinschaftlichen Konfessor dem Bischof von Sutri Er selbst empfahl
mir ihn einst zum Gewissensrat   O Wittelsbach Wittelsbach du dachtest
wohl damals nicht welchen Stab du mir in die Hand gabst mich aus den Irrgängen
zu leiten in welchen mich mein eigenes Herz dies Herz das dir nicht misstrauen
konnte gerade falsch geführt haben würde
    Er ist vorüber Mutter ich weis nun ganz gewiss was ich von meinem
ehemaligen Geliebten glauben soll aber kein Wort mehr von ihm andre
Wichtigkeiten heischen meine Feder
    O Mutter was habe ich euch zu berichten werde ich Mut haben euch mit
Dingen zu unterhalten die mein Herz in Tränen schmelzen  Doch seid mir
willkommen ihr Trauergesichter ich will mich ganz in euch vertiefen will
keinen eurer kleinsten Umstände unberührt lassen ich bin so gerade auf der
Laune unter Gräbern zu wallen und die Nichtigkeit irdischer Hoffnungen mit den
Freuden einer bessern Welt zu messen O Alix Alix wie groß waren deine
Ansprüche auf irdisches Glück wie lächelte dir die Welt in frühern Jahren sie
täuschte dich du fandest nicht was du so wohl verdient hattest du fandest den
Tod Wohl dir dass du ihn gefunden hast möchte auch ich ihn finden bald
finden
    Ja meine Mutter meine liebste Freundin die ältste Gespielin meiner
Jugend die unvergleichliche Alix von Toulouse ist nicht mehr Alverde ist die
Überbringerin der Trauerpost gestern langte sie hier an  aber welche Törin
bin ich ich verspreche euch umständliche Erzählung dieser Dinge und Alverde
die arme Alverde ist noch nicht im Stande gewesen uns einige wenige Winke
ausgenommen mehr zu sagen als ihr jetzt eben von mir erfahren habt 
Verzeiht meine Mutter mein Kopf ist sehr schwach mein Herz blutet wie leicht
ists da unüberlegt und unordentlich zu schreiben
    Ach Alverdens Winke von dem Tode meiner Freundin sind fürchterlich ich
wünsche und scheue mehrere Aufklärung sobald ich sie erhalte will ich sie euch
mitteilen Jetzt Ruhe nur ein wenig Ruhe für eure unglückliche Tochter Elise
 
                          Alverde an die Prinzessinnen
                                     1208
Ich soll euch erzählen wie Alix starb Himmel werde ich das können Jahre
könnten wohl hingehen ehe meine Stimme fest von Tränen ungehemmt genug sein
würde um wenn ich von diesen Dingen rede euch verständlich zu werden
    Nein der Feder sei überlassen was der Mund nicht auszusprechen vermag da
kann die müde Hand doch so oft ausruhen das Auge sich so oft satt weinen als es
will ohne dass euch die Erzählerin lästig oder langweilig würde Doch langweilig
genug werde ich euch auch mit meinem Schreiben werden nicht durch Zahl der
Worte wenig Züge werden im Stande sein euch die Trauergeschichte zu schildern
nein durch Länge der Zeit die ich zu dieser sauren Arbeit brauchen werde Ich
spare sie für die düstern Stunden der Nacht auf die ich doch ohnedem schlaflos
verweine der Tag sei euch geweiht ob vielleicht die lebenden Freundinnen mich
wieder mit der Welt aussöhnen möchten die mich der Tod meiner Alix hassen
lehrte und in der ich doch leben muss
    Unter allem was mich beim Gedanken an ihr Scheiden martert ist die
Vorstellung ob wohl ich oder jemand von den Meinen ihren Tod beschleunigte die
fürchterlichste Quälerin Tröstet mich meine Freundinnen tröstet mich nur über
diesen einigen Punkt und ich will der himmlischen Seele mit Lächeln in jene
bessern Welten nach sehen die ihr schneller Flug nun schon erreicht hat
    Alf von Dülmen er den ihr als meinen Bruder kennt liebte die Gräfin von
Toulouse Fluch über den welcher seine Wahl auf die schon Verlobte lenkte 
Alf von Dülmen hatte hohen Sinn nichts schien seinen Wünschen unerreichbar er
würde seine Augen zu Kaiser Philipps Töchtern erhoben haben hätte man ihre
Reize gebraucht ihn zu verlocken aber die frevelhafte Hand nach dem Eigentum
eines andern auszustrecken dazu dachte er zu edel er würde den ersten Gedanken
an Alix getötet haben hätte man ihm gesagt dass sie nicht mehr frei dass sie
versprochene Königin von Kastilien sei Sein falscher Freund jener Peter von
Kalatin der ich weiß nicht welchen Vorteil in seinem Untergang suchen musste
verschwieg ihm dieses fachte die enstehende Leidenschaft durch teuflische Kunst
zur Flamme an brauchte sie zum Mittel meinen Bruder und mich aus dem Schoss
der Ruhe und Sicherheit zu reißen und uns in die quaalvollsten Verhältnisse zu
setzen Als der unglückliche Adolf erfuhr Alix sei nicht für ihn geboren
frühere Bande fesselten sie an einen andern da war es schon zu spät Gefühle
auszurotten welche bereits zu tief im Herzen gewurzelt hatten und Schritte
zurückzunehmen die ihn an den Rand des Verderbens brachten Seine Leidenschaft
kennte weder Einschränkung noch Behutsamkeit mehr was er für Alix fühlte was
er ihrentwegen zu unternehmen fähig war musste bald der ganzen Welt in die Augen
fallen nur ihr der unschuldsvollen Seele blieb es verborgen sie hielt ihre
Reize nie für mächtig genug eine Leidenschaft wie die seinige zu erregen sie
war zu bescheiden so etwas nur zu denken zu fromm es zu wünschen sie
kümmerte sich wenig um irdische Liebe da ihr Sinn mit himmlischen Dingen
erfüllt war es dauerte lang ehe der Unglückliche von welchem ich spreche nur
ihre Aufmerksamkeit erregte und als endlich ihr Auge sich auf ihn heftete so
fühlte sie bei sehr richtiger Beurteilung seiner Vorzüge nichts für ihn als
Mitleid ein Mitleid welches doch die wahre Ursach warum er zu beklagen war
weit verfehlte
    Ihr war es unbekannt dass ich seine Schwester sei sie hielt mich für den
Gegenstand seiner Wünsche sie sprach oft mit mir zu seinem Besten mich für ihn
einzunehmen lobte sie ihn oft in Gegenwart verdächtiger Personen und als
endlich seine rasenden Versuche auf sie die nur sie nicht kannte ihn um die
Freiheit und in Lebensgefahr brachten da verwendete sie sich mit solchem Eifer
für ihn dass sie jedem Verdacht den man auf sie hatte oder zu haben
affektirte volle Nahrung gab Meine Warnungen sich zu mäßigen fruchteten
nichts ich hätte ihr die ganze Sache entdecken müssen wenn ich ihr hätte die
Augen öffnen wollen und wie konnte ich das ohne die Pflichten der
schwesterlichen Liebe und der Klugheit zu beleidigen
    Es fragt sich ob mein Betragen verantwortlich war ich hielt es damals für
das einige rechtmäßige obgleich jetzt tausend Gewissensbisse mich foltern und
die Reue mir tausend andere Wege zeigt welche ich hätte gehen sollen
    Man hasste die Gräfin von Toulouse schon längst und beneidete ihr den
kastilischen Thron  Himmel wars möglich dass man einen Engel hassen dass man
der Tugend eine Stelle beneiden konnte die sie mit so vieler Würde erfüllt
haben würde  Doch nichts ist der Bosheit zu viel  Immer bedacht irgend
etwas ausfindig zu machen das man an der selbstständigen Vollkommenheit tadeln
könne geriet man auf die Spur ihrer Meinungen in Religionssachen ich schweige
hiervon was ich sagen könnte möchte parteiisch ausfallen da ich bekenne von
ihr auf den Weg geleitet worden zu sein den sie selbst ging
    Ihre Anhänglichkeit an die Lehren des Waldus musste wie man glaubte sie
schnell von dem Throne verdrängen den man ihr misgönnte nur wünschte man
sprechende Beweise von ihren Gesinnungen zu haben Eine Unvorsichtigkeit meines
Bruders bot hierzu die Hand einige im Namen des Grafen von Toulouse der
unglücklichen Dame auf unbehutsame Art überreichte Bücher veranlassten eine
strenge Untersuchung man fand in ihrem Kabinet wenigstens etwas von dem was
man finden wollte und eilte es zu ihrem Nachteil nach Kastilien zu schicken
König Alphons der für seine künftige Tochter fast noch mehr eingenommen war
als ihr bestimmter Bräutigam schrieb dem Bischof von Kastilien nach Pamiers
zurück er wolle die fromme Alix über diese Dinge selbst hören sie trügen den
Stempel der Wahrheit und er sei zu gewohnt die himmlische Wahrheit überall zu
verehren wo er sie fänd als dass er ihre schöne Anhängerinn ungehört verdammen
sollte
    Dies war zu viel für den altgläubigen Bischof von Kastilien welcher eben
neue Verhaltungsbefehle zu Verfolgung und Ausrottung jeder Ketzerei wo er sie
nur immer finden möchte von Rom erhalten hatte Hier war nach seinen Gedanken
Gefahr für den Glauben seines Herrn Gefahr für das ganze Königreich vorhanden
Die welche die Fackel der Wahrheit in entfernte Gegenden hätte tragen können
musste aus dem Wage geräumt werden und es kam hier nur darauf an wie man die
Unschuldige von einer andern Seite verdächtig machen oder glückte dieses nicht
sie ohne weitere Rücksprache verderben wollte
    Die Rasereien meines unglücklichen Bruders gaben Anlass genug zu dem was man
wünschte man nahm die unschuldige Gräfin als Teilhaberinn seiner Leidenschaft
an weil man diese zu verborgenen Absichten tauglich fand es zeigte sich in
ihrem Betragen wie ich vorhin erwähnte unterschiedliches welches das was man
für erwiesen annehmen wollte begünstigte man griff begierig zu und ich
glaube von diesem Augenblicke an war ihr der Tod geschworen
    Mich hatte man von ihr verbannt um sie desto gewisser zu fällen was hätte
sonst die Ursach meiner Entfernung sein sollen da man vor Augen sah dass ich
keinen Anteil an den Dingen hatte welche man zur Ursach meiner Entlassung
machte dass ich Alf von Dülmens Anschlägen entgegen gearbeitet hatte anstatt
sie zu befördern Dass Alix vielleicht längst in seine Hände geraten wär wenn
ich nicht gesteuert hätte  Ach Gott dass ich dieses tat ist jetzt die
heftigste Pein meines Gewissens Hätte Alf sie doch entführen mögen so wär sie
nun aus den Händen ihrer grausamen Henker gerettet lebte in den Armen ihres
Bruders des Grafen von Toulouse denn dorthin und an keinen andern Ort würde
ihr Entführer sie gebracht haben in Ruhe und ich müsste nicht nur glauben dass
ich in dem Augenblicke da ich der Tugend ein Opfer zu bringen glaubte die
Unschuld eines Rettungsmittels beraubte das ihr vielleicht vom Himmel zugesandt
worden war  O meine Freundinnen meine Gedanken verwirren sich wenn ich
hierüber nachsinne doch wird zuweilen die tröstende Überzeugung in mir
lebendig dass ich nach meiner besten Kenntnis von Recht und Unrecht handelte
und also nicht straffällig sein kann
    Ich hatte auf die Bitte meiner unglücklichen Freundin bei meiner Entlassung
Pamiers nicht gänzlich verlassen sondern mich zu den Kölestinernonnen begeben
in deren Kirche Alix oft ihre Andacht hatte dies ward das Mittel mir öfters
Briefe und zweimal eine geheime Unterredung mit ihr zu verschaffen Das
letztemal da ich sie sah  Himmel es war den Tag vor ihrem Tode 
Prinzessinnen ich muss die Feder niederlegen muss Luft schöpfen ehe ich
fortfahre die Erinnerung an die letzte Unterhaltung mit ihr drückt mich zu
Boden
Es war am heiligen Osterabend die Nonnen waren nach geendigter Vesperandacht
mit Ausschmückung ihrer Kirche beschäftigt ich hatte die betende Alix in einem
mir in ihrem letzten Briefe kenntlich gemachten Schleier gehüllt längst in einem
Stuhle knien gesehen das unter uns verabredete Zeichen zur geheimen Unterredung
war das Läuten der Abendglocke ich erhub mich von meiner Stelle und sah von
weitem auch Alix sich erheben ich ging durch eine kleine nur wenigen bekannte
Pforte in einen verfallenen Kreuzgang und von da auf den sonst von allen Seiten
verschlossenen Begräbnissplatz der Nonnen eine weite grünende Wiese mit den
ersten Blumen des Frühlings geschmückt rund um von säusselnden Lindenbäumen
umgeben und nur durch die weißen Kreuze die sich über den Gräbern erhuben als
das ausgezeichnet was sie wirklich war als einen Todenacker
    Ich hatte von Zeit zu Zeit zurück geblickt und Alix mir folgen gesehen
mein Wink hatte sie in dem sinkenden Gemäuer durch welches wir passieren mussten
fleißig vor den Stellen gewarnt welche am meisten den Einsturz drohten 
wahrhaftig niemand hätte sich auf diesen gefahrvollen Weg wagen können als ein
paar Liebende oder ein paar Freundinnen die so wie wir von Feinden belauscht
sich einige frohe Augenblicke abstehlen wollten Ach es war das letzte mal dass
wir uns sehen sollten das letzte Lebewohl dem wir mit Lebensgefahr entgegen
eilten
    Schon stand ich unter den Linden meine Freundin zu erwarten die jetzt
auch die morschen Stufen welche aus dem Gewölbe herabgingen zurückgelegt
hatte und sich in meine Arme stürzte wir setzten uns auf das nächste Grab das
einer der dichtesten Bäume in seinem Schatten barg ich drückte Alix an mein
Herz und setzte sie über die ungewöhnliche Blässe die ich jetzt erst auf ihren
Wangen wahrnahm zur Rede
    Sie lächelte Wünsche mir Glück sagte sie das was dich erschreckt
verkündigt mir baldige Freiheit
    Freiheit Alix ist eine königliche Braut eine Gefangene Du wirst doch die
Kleinigkeit dass wir uns verstohlen sehen müssen dich nicht bewegen lassen
deinem Zustande einen so verhassten Namen zu geben
    Alverde du bist nicht aufrichtig niemand kann wohl meinen Zustand
richtiger beurteilen wie du was quälst du dich mir ihn unter gefälligen
Farben vorzustellen Mich dünkt  dies sagte sie leise ihren Mund dicht zu
meinem Ohr geneigt als fürchte sie belauscht zu werden mich dünkt ich bin in
bösen Händen und dass ich dir es kurz sage ich glaube man hat mich vergiftet
    Vergiftet Alix du tödest mich
    Erschrick nicht  ich kann mich ja irren doch höre meine Beweise Ich
bemerkte schon seit einiger Zeit an meinem Morgentrunk einen seltsamen
Geschmack über den ich mir aber vielleicht keine Gedanken gemacht haben würde
wären meine Empfindungen nach dem Genuss desselben nicht allemal so sonderbar
gewesen eine befremdende zwar nicht unliebliche Mattigkeit eine übertriebene
Neigung zum Schlaf aus dem ich mich doch eben erst erhoben hatte war diese
überwunden ein konvulsivisches Zittern über den ganzen Körper und eine
fliegende Hitze die sich oft mit dem stärksten Fieberfrost endigte dies waren
die Zufälle welche ich so oft bemerkte als ich getrunken hatte unterließ ich
dieses so blieb ich frei Du wirst erraten dass ich nun nicht mehr trank
sondern bei der gänzlichen Verdachtlosigkeit man könne Absichten wider mein
Leben haben mich über den bemerkten fremden Geschmack und die darauf erfolgten
Empfindungen beklagte man stellte sich besorgt um mich man sprach von
Symptomen einer annahenden Krankheit man brachte mir Arznei Ich kostete und
bemerkte den nämlichen widerlichen Reiz auf der Zunge der mir mein
Morgengetränk zuwider gemacht hatte Hier erhob sich der erste Argwohn in meiner
Seele welcher dadurch vermehrt wurde dass man mir eben Botschaft brachte wie
mein kleiner Hund der von allem etwas zu bekommen pflegte was ich genoss und
der diesen Morgen das Getränk das ich hinweg setzen ließ weil es mir nicht
schmeckte ganz ausgeschlürft hatte gestorben sei
    Mich überfiel ein Zittern über den ganzen Körper bei den Gedanken die sich
auf einmal in meiner Seele erhuben ich sah die Person welche mir die Arznei
reichte bleich werden und gleichfalls zittern Man drang nicht in mich das
Dargereichte zu nehmen auch habe ich jenen verdächtigen Geschmack seit dem
weder an Speisen noch Getränken bemerkt aber ich muss glauben ich habe bereits
in den zweioder dreimalen da ich noch verdachtlos hinnahm was man mir gab
ohne mich durch Geschmack und Empfindungen irren zu lassen genug bekommen um
den Tod oder ein sieches Leben besorgen zu müssen Siehe selbst wie bleich und
abgefallen ich bin ist das noch die blühende Alix die du vor vierzehen Tagen
auf dieser Stelle in deine Arme schlossest  Und sprich warum widerfuhr mir
dieses Wer gab den Befehl dazu Was habe ich verbrochen  O Alverde soll ich
leben denen zum Trotz die meinen Tod wünschen soll ich mein schmachtendes
Leben in ein Land schleppen wo man wahrscheinlich nichts weniger wünscht als
meine Ankunft  Bedenke wie diese Gedanken mein Herz beengen müssen und
wundre dich noch wenn ich der baldigen Befreiung die mir der Tod bringen wird
entgegen leuchte
    In Tränen schwimmend sank ich an den Busen der Gräfin von Toulouse sie
weinte nicht Ein himmlisches Lächeln überströmte ihr Gesicht Freundin sagte
sie indem sie mich fester umschlang ich fühle es dass wir uns heute zuletzt
sehen aber wie schön wie ahndungsvoll ist unsre heutige Zusammenkunft an
diesem Orte Bedenke selbst heute am Vorabend vor dem Feste der Auferstehung
hier unter Gräbern welche der Frühling alle neu bekleidet unter Gräbern welche
einst alle die Schlummernden wieder herausgeben werden  
    Sie wollte weiter reden aber ein grässliches Gepolter hinter uns im
Kreuzgange unterbrach sie wir sprangen beide auf und starrten einander an 
Ich besorge sagte sie welche sich am ersten fasste uns ist das verdrüsslichste
Abenteuer begegnet das uns zustossen konnte Ganz gewiss ist eins von jenen
überhangenden Gewölbern durch welche wir hieher gekommen sind eingestürzt und
hat uns den Rückweg versperrt Was soll ich nun beginnen An der Pforte warten
meine Leute welche mich in der Kirche noch betend glauben es wird Nacht was
wird man denken wenn ich nicht zurückkehre und man nirgend mich findet
    O schrie ich möchtest du nie in jene Hölle zurückkehren dürfen möchtest du
hier bleiben In meinen Armen durch meine Pflege sollte dir Gesundheit und
Leben erhalten werden
    Das sind vergebliche Wünsche sagte sie ich muss zurück wenn mit mir nicht
auch du unglücklich werden sollst glaube mir ich kenne die Wut dieser Leute
besser als du ich mag dich ihr nicht aufopfern
    Mit diesen Worten sah ich sie von mir eilen die Stufen zum Kreuzgange
hinaufsteigen und in das Gewölbe eindringen das von der kürzlich erlittenen
Erschütterung noch zu schwanken schien  Ich rief ihr nach lieber alles als
dieses zu wagen sie hörte mich nicht 
    Ihr Mut erweckte den meinigen ich konnte sie nicht verlassen ich folgte
ihren Fusstapfen und wir traten bei halbem Dämmerlichte einen Weg an auf
welchem sich bei jedem Schritte neue Schrecknisse unsern Augen darboten hier
wadeten wir in Schutt und Steinen dort versperrten die herabgestürzten Quader
uns den Weg auf einer andern Seite hatte sich ein Grab geöfnet und zeigte uns
zerfallene Totenleichen und morsche Gebeine wir mussten hinüberschreiten und
uns bücken um unter dem zusammengesunkenen Gemäuer durch zu kommen aber nun war
auch der gefährlichste Teil unserer Reise überstanden der Weg krümmte sich
die Gewölber wurden fester und wir erreichten die Kirche
    Wir sahen sie mit Leuten erfüllt welche die Prinzessin mit Fackeln suchten
Dies machte unsern Abschied kurz sie umarmte mich noch einmal und drückte mir
einen Brief in die Hand Er ist an meinen Bruder den Grafen von Toulouse sagte
sie heimlich du wirst ihn zu gehöriger Zeit zu bestellen wissen
    Not bereichert auch die truglosesten Seelen mit Einfällen zu anderer
Täuschung Während ich mich in einer Nische hinter einem heiligen Bilde verbarg
sah ich die Gräfin in einen Kirchenstuhl schlüpfen und sich schlafend stellen
Hier ward sie gefunden dem Anschein nach erweckt und trat den Rückweg mit
ihren Leuten an welche ihr ihre Sorge über ihr langes Ausbleiben und die Angst
bei der vergeblichen Nachsuchung nicht genug beschreiben konnten
    Der Schlaf sagte Alix der mich jetzt überall beschleicht überraschte mich
auch hier ich danke euch das ihr mich erweckt habt und verlange dass die
Fürstin von Kastelmoro nichts von diesem Vorgang erfahre
    Zitternd stand ich in meiner Nische Nicht die Furcht von denen noch im
Kirchgewölbe verweilenden Klosterleuten entdeckt zu werden machte mich beben
es war eine andere Empfindung ich glaube es war Vorgefühl dass ich jetzt die
geliebte Alix zum letztenmahl gesehen hatte die sich in der Kirchtür noch
einmal umwandte und einen Blick auf den Ort warf wo sie mich verborgen wusste
es war der letzte Abschiedsblick alles lag in demselben was sich liebende
Seelen so kurz vor Trennung am Grabe sagen können 
    Die Kirche war jetzt leer ich konnte hervorgehen aber ich fand alle Türen
verschlossen und musste mich entschließen hier zu übernachten wenn ich es
nicht etwa für bequemer hielt durch den Kreuzgang den Weg auf dem Gottesacker
noch einmal zu machen  Um Mitternacht hörte ich das Geräusch einstürzender
Gewölber noch einmal ich zog mich auf den Altarstufen auf welchen ich jetzt
saß dichter zusammen und Gedanken von Vernichtung und Untergang erfüllten
meine ganze Seele Ach nichts schwebte mir lebhafter vor Augen als die
Vernichtung des schönsten Werks Gottes das allmählige Hinsterben meiner Alix
doch hielt ich sie noch nicht ganz rettungslos ich machte Plane zu ihrem
Besten zu deren Ausführung ich am künftigen Morgen den ersten Schritt dadurch
tun wollte dass ich mich dem Kaplan der Nonnen der zugleich unser Arzt war
entdeckte ihm den Zustand der Gräfin schilderte ihm unsere Besorgnisse
mitteilte und seine Hilfe für sie forderte er war ein so kluger als frommer
Mann alles ließ sich von ihm erwarten
    Unter der Metten welche nun anging fand ich Gelegenheit aus der Kirche zu
entschlüpfen und nach meiner Zelle zu kommen Erstarrt und bis zum Tode von den
letzten Vorgängen und von dem Kampf im Innern meiner Seele ermattet verhüllte
ich mich in mein Bette  Ich läutete der dienenden Nonne die wie gewöhnlich
diesesmahl vom Gottesdienst hatte zurück bleiben müssen es ward mir leicht
Krankheit zu erdichten und dadurch den Besuch unsers Kapellans des Pater
Cyrill zu erlangen da ich mich wirklich krank fühlte  Man sagte mir ich
müsse mich gedulden weil er zu einem Krankenbesuch bei der Fürstin von
Kastelmoro gefordert worden wäre 
    Bei der Fürstin von Kastelmoro der kastilischen Oberhofmeisterinn
wiederholt ich  Die Antwort war ja und ich fühlte dass sich ein geheimer
Schauer meiner bemächtigte  Ist die Fürstin krank fuhr ich fort zu fragen 
Nein aber die Prinzessin Alix welche ohnedem schon seit einiger Zeit kränklich
war befindet sich sehr übel sie soll sich gestern in unserer Kirche wo sie
der Schlaf übereilt hat so dass man sie erst nach länger als einer Stunde hat
finden und erwecken können eine Erkältung geholt haben  Pflegt Pater Zyrill
sonst Kranke außerhalb des Klosters zu besuchen fragte ich indem ein
schrecklicher Gedanke gegen des Mannes Redlichkeit in meiner Seele aufstieg
weil mir die vergiftete Arznei der Gräfin einfiel  Nie war die Antwort
außer in ganz außerordentlichen Fällen wie wohl dieser sein mag
    In außerordentlichen Fällen wiederholte ich nun so sei Gott mir gnädig 
Die Nonne deutete diesen Ausruf auf meine Begierde nach der Hilfe des Arzts und
suchte mich zu beruhigen Ich hörte nicht auf sie und schickte ohn Unterlass um
zu vernehmen ob Zyrill noch nicht zurück sei
    Endlich erschien er Mit einer Stimme die ihn wohl bei so einer kranken
Person als ich sein sollte befremden mochte fragte ich nach der Gräfin von
Toulouse Ihr ist wohl erwiderte er mit gen Himmel gehobenem Blick
    Gott sei Dank der Schlaf im kalten Kirchgewölbe hat ihr also nicht
geschadet
    Kennt ihr die Prinzessin Alix fragte er indem er sich umsah ob wir allein
wären
    Ob ich sie kenne  Mehr um ihret als um meinetwillen ließ ich euch zu mir
berufen sie bedarf eurer Hilfe
    Sie bedarf ihrer nicht mehr
    So schnell genesen bei so bedenklichen Umständen
    Genesen auf ewig  Sie ist bei Gott
    Eine Ohnmacht war bei mir die Folge dieser Nachricht
    Zyrill wusste nicht wie nahe Alix meinem Herzen war sonst würde er die
Nachricht von ihrem Tode behutsamer eingekleidet haben doch hätte wohl etwas
den Eindruck den dieselbe auf mich machte vermindern können Sie die gestern
noch mit leidlicher Gesundheit in meinen Armen lag sollte nach so wenigen
Stunden tot sein Sie war schwach aber ihre Krankheit war ein schleichendes
Übel sollte wirklich Erkältung in der Kirche und vielleicht Schrecken und
Angst über den verschütteten Rückweg nebst der heftigen Anstrengung ihr Ende
beschleuniget haben
    Als ich wieder zu sprechen vermochte entdeckte ich dem Mönche meine
Gedanken Er schüttelte den Kopf Die Prinzessin sagte er starb weder an
Schreck noch Erkältung sie starb am Gifte
    Gott und ihr konntet sie nicht retten
    Nicht sie zu retten nur sie erblassen zu sehen ward ich gerufen ihr könnt
wohl aus dem was euch von ihr bewusst zu sein scheint urteilen dass es ihren
Feinden nicht darum zu tun war dass ein geschickter Arzt ihr Werk vernichtete
ein solcher musste nur gerufen werden da es zu spät war ich kam nur den letzten
Blick ihrer brechenden Augen zu sehen und dann nebst andern Aerzten die man
der Zeremonie wegen herbei gerufen hatte das notwendige Zeugnis von ihrem
würklichen Tode abzulegen dessen Ursach keiner unter uns so unwissend man uns
auch halten mochte in so dichtem Schleier man sie auch gehüllt glaubte
verkennen konnte
    Ich sah Zorn in den Augen des redlichen Mannes über die Untat zu deren
Zeugen man ihn gemacht hatte und ich beschwur ihn laut wider dieselbe zu
schreien und aller Welt kund werden zu lassen welches Todes Alix gestorben
sei
    Was verlangt ihr von einem armen Mönche sagte er Wird meine Anklage irgend
etwas in der Sache ändern Die unschuldig Ermordete wird nicht erwachen ihre
Feinde werden sich rechtfertigen Zyrill wird gelogen haben und das Opfer ihrer
Rache werden Ein einiges flüchtiges Wort dieser Art das ich gegen den
Almosenier des Bischofs von Kastilien fallen ließ zog mir eine Antwort zu
welche ich wohl nie vergessen werde und die mich gänzlich zur Ruhe und
Schweigen verweist
    Ich überließ mich dem finstersten Gram über den Tod meiner Freundin Zyrill
war und blieb mein liebster Gesellschafter er wusste von den kaiserlichen
Angelegenheiten so viel als ich und versprach mir denn auch dem redlichsten
Mönche ist die Gabe des Auskundschaftens gegeben noch mehrere Beiträge
    Die Nonnen des Klosters wo ich lebte schickten eine Gesandtschaft an die
Fürstin von Kastelmoro und den Bischof von Kastilien mit der Nachricht wie
sich in voriger Nacht bei ihnen ein großes Anzeichen von dem Tode der
Prinzessin die ihre Heiligen so fleißig zu besuchen geruht hätte durch
Einstürzung eines Kreuzgangs ereignet habe und erhielten sich dadurch die Ehre
dass der Leichnam der unglücklichen Alix indessen in ihrem Kloster beigesetzt
wurde Ein Todesfall meinten die Kastilier welcher auf so anständige Art durch
Zeichen vorgedeutet worden wär müsse bei jedermann das Ansehen eines unzeitigen
gewaltsamen Todes verlieren
    Allerdings mochte man befürchten dass einiger Verdacht dieser Art unter dem
Volke durch die albern herbeigerufenen Ärzte welche nicht schwiegen rege
werden möchte das Volk liebte Alix und man konnte einen Auflauf besorgen
derhalben ward der Leichnam in äußerster Stille beigesetzt und aufs strengste
verboten so lang derselbe der Gewohnheit zu folge noch über der Erde bleiben
musste niemand seinen Anblick zu gönnen
    Ich ließ mir diese traurige Genugtuung dennoch nicht rauben Der Pater
Zyrill welcher die Messen zu besorgen hatte die bei dem Sarge gelesen wurden
verschafte mir das Anschauen meiner entseelten Alix einen Anblick den ich nie
vergessen werde Ach dieses schöne Gesicht war von scheuslicher Geschwulst
entstellt und mit schwarzen und blauen Flecken gezeichnet dieser
herrlichgebildete Körper trug schon überall Spuren schneller Verwesung das
Merkmahl beigebrachten Giftes und die welche noch gestern in meinen Armen lag
konnte des andern Tages schon nicht mehr über der Erde geduldet werden wenn
nicht durch todatmenden Duft auch die noch Lebenden vergiftet werden sollten
    Ich erstaunte über den plötzlichen Fortgang eines Anfangs so langsam
schleichenden Übels aber Zyrill bewies mir dass man aus der letzten
Begebenheit im Kloster nämlich aus ihrem langen Aussenbleiben und einigen
Umständen bei der Wiederfindung der Vermissten Anschläge zur Flucht gemutmasst
und es daher für schicklich gehalten habe durch Beibringung einer doppelten
Dosis von dem schon zu verschiedenen malen gekosteten Todestrank lieber schnell
mit ihr zu enden als sich der Entdeckung auszusetzen da wie es scheint der
kastilische Hof mit dieser Untat nichts zu tun hat und so wohl von ihm als
von Toulouse bei dem geringsten Verdacht schwere Ahndung zu befürchten wär
    Pater Zyrill hat mir viel hierüber gesagt das ich nicht entdecken darf nur
eins halte ich mich verbunden anzuzeigen da es eine der edelen Prinzessinnen an
welche ich schreibe unmittelbar angeht O Elise man denkt darauf durch euch
die Stelle eurer Freundin zu ersetzen prüfet euch was euer Herz dazu sagt und
nehmt danach eure Maßregeln so wie ich die meinigen nahm als ich aus dem
Munde meines Vertrauten erfuhr man ahnde im Kloster die Anwesenheit einer
verdächtigen Person und ich werde wohltun mich zu entfernen
    Ich flohe flohe an den Hof wo ich schon einmal Schutz gefunden hatte
flohe in die Arme der Freundinnen welche in Alix verloren haben was ich
verlor die süßeste Gespielin das herrlichste Tugendmuster die Leiterin zur
Wahrheit  Ach sie war das erste Opfer unter Tausenden die vielleicht dieser
verfolgten verkannten Wahrheit geschlachtet werden möchten wenn das erfüllt
wird wovon man mir sagt dass es jetzt am römischen Hofe im Verborgenen reife
 
                               Beatrix an Irene
                                     1208
O meine Mutter welche Unruhen hat die Nachricht von dem Tode unserer lieben
Gräfin von Toulouse verursacht meine Schwester überhaupt von Natur tieferer
Gefühle fähig als ich und nicht mit genugsamen körperlichen Kräften begabt um
innerliche Stürme auszuhalten liegt ganz zu Boden sie ist unfähig euch zu
schreiben und hat mir dieses Geschäft das einige was mir gegenwärtig Trost
bringen kann aufgetragen Ach ich weiß es was ihren Kummer der ohnedem beim
Verlust einer solchen Freundin wie Alix bei einer solchen Verkettung von
tragischen Umständen wohl natürlich ist ich weiß es was ihren Kummer
gränzenlos macht die Furcht vor der kastilischen Heirat welche wohl nicht
ganz ungegründet sein möchte da gestern der Graf von Kastelmoro der Bischof
von Kastilien und der junge Dominikus Guzmann in Geschäften hier angelangt sind
welche niemand erfährt die sich aber erraten lassen Sie haben schon zweimal
geheime Audienz bei meinem Vater gehabt und meine Schwester ist wenn sie sich
so weit erholen kann außer dem Bette zu sein auf diesen Abend zu einer
Privatunterredung in das Kabinet des Kaisers beschieden
    Sie arbeitet unter tödlicher Angst sie zittert vor der Trennung von ihrem
Otto und doch meine Mutter und doch weiß ich nicht ob der Wittelsbacher es
verdient so heiß von ihr geliebt zu werden ob er es verdiente dass auch ich
ihn einst mit besonderer Parteilichkeit ansah und  was sollte ich leugnen 
mir gern das Loos meiner glücklichern Schwester gewünscht hätte  Diese Träume
sind Gottlob vergangen ich sehe jetzt heller in Ansehung des Pfalzgrafen als
meine parteiische Schwester Ich habe kürzlich einen Brief von Kunigunden aus
Rom welcher mir Dinge von dem Wittelsbacher meldet über die ich
zurückschauere Ich habe ihn Alverden mitgeteilt welche versichert Elise habe
ein ähnliches Schreiben von unserer Schwester erhalten und sie habe ihr über
dasselbe schon gesagt was sie jetzt auch mir sagen müsse dass Kunigunden nicht
zu trauen sei dass das schlechte Glück das sie an Graf Richards Seite genieße
sie wohl bei dem von ihr bekannten Charakter veranlassen könne das bessere Loos
ihrer Schwester zu beneiden und dass sie überdem wie Alverde von ihrem
Vertrauten dem Pater Zyrill weiß so ganz unter der Herrschaft der römischen
Mönche steht dass wohl ihr eigenes Urteil getäuscht und ihr Brief nichts sein
könne als das Sprachrohr durch das ein anderer redet
    Ich weiß nicht was ich von diesen Dingen denken soll gleichwohl
bestättiget sich alles Nachteilige dass man von dem Pfalzgrafen hört durch den
Mund des Bischofs von Sutri den ich so wie meine Schwester zu meinem
Gewissensrate gewählt habe Gleichwohl ist so viel gewiss dass Otto von
Wittelsbach wie ich genau erforscht habe nach einem erhaltenen hochheimlichen
Schreiben von Herzog Bernharden von Sachsen eine Privataudienz beim Kaiser
hatte dass Empfehlungsschreiben nach Pohlen ausgefertigt wurden deren Inhalt
wie man von dem kaiserlichen Geheimschreiber erlauscht hat eine Heiratswerbung
um die schöne Adila war dass der Pfalzgraf diese Reise selbst antrat und dass er
noch nicht zurück ist
    Arme Elise braucht man noch etwas mehr dein Unglück zu erweisen und würde
dir wenn Otto von Wittelsbach treulos ist die kastilische Heirat falls sie
in Vorschlag käme nicht wenigstens aus Rache zu wählen sein
    Ich habe diesen Morgen schon eine lange Unterhaltung mit meiner Schwester
über diesen Gegenstand gehabt sie bleibt standhaft auf ihren Vorurteilen zwar
trauet sie dem Wittelsbacher von welchem sie seit seiner Abreise keine
Nachricht hat nicht mehr ganz aber sich völlig von ihm loszumachen dazu
fordert sie volle Gewissheit eigenes Geständnis seiner Schuld und da ich dieses
für unmöglich halte so wird sie freilich wohl ewig seine Gebundene bleiben
    O meine Mutter so viel ist doch gewiss dass wir Töchter Philipps recht
unglücklich in der Liebe sind Kunigunde ward es durch eigene Schuld Elise
durch Untreue ihres Geliebten und andere widrige Umstände und die arme
Beatrix  O Mutter lasst mich dieses Herz ganz vor euch ausschütten wenn es
sich auch aus Scheu wegen seiner Schwäche eine Zeitlang euren Augen entzieht so
kehrt es doch immer gar bald zu euch zurück enthüllt euch seine Gebrechen und
fordert die mütterliche heilende Hand zu Trost und Linderung auf die es sonst
nirgends findet
    Nehmt hier das Bekenntnis seiner innersten Geheimnisse Den Pfalzgrafen Otto
von Wittelsbach liebte ich oder würde ihn geliebt haben wenn ihn das Schicksal
für mich bestimmt hätte Den Herzog Otto dem man mich gern vorbehalten hätte
liebte ich nie und nun da er wie man mir sagt mich bei der letzten
Friedensunterhandlung mit meinem Vater verschmäht hat ohne mich einmal gesehen
zu haben nun möchte ich wohl sagen dass ich ihn hasse  Aber leider ist ein
anderer den ich liebe den ich anbete würde ich sagen wenn dieser Ausdruck
nicht gar zu erniedrigend in meinem Munde lautete gleichwohl ist er der rechte
wie sollte man sonst die unbegreifliche Parteilichkeit nennen die ich für den
den ich mich fast namhaft zu machen schäme die ich für Alf von Dülmen fühle
    Alles was mein Herz von ihm losreißen könnte verfehlt seine Wirkung und
bringt das Gegenteil hervor sein wildes rastloses Wesen anstatt mich zu
schrecken erregt meine Aufmerksamkeit gewisse geheime Verbindungen mit einer
unbekannten furchtbaren Macht die man ihm schuld gibt erregen statt scheuer
Furcht in mir ein Gefühl von seiner Wichtigkeit das Alltägliche fesselte nie
meinen Blick nur das Unbegreifliche das Geheimnisvolle pflegte mir zu
gefallen  Das wichtigste was mir ihn zuwider machen könnte seine
unsterbliche Liebe für Alix tat seine Wirkung nur eine kleine Zeit und hat
jetzt nach dem Tode meiner Freundin dieselbe vollends ganz verloren ich würde
nicht zürnen sein Herz mit einer Verstorbenen teilen zu müssen ich würde es
für meinen höchsten Triumph halten ihn endlich über dieselbe zu trösten Alle
diese seltsamen Gefühle die ich euch gestehe vollends zur heftigsten
Leidenschaft zu machen mischt sich noch das Mitleid ein O meine Mutter wie
ist der unglückliche Graf Adolf zu bedauern wie elend ist er vollends nach der
Nachricht von dem Tode der Gräfin von Toulouse welche so sehr wir es zu
verhüten suchten sein Ohr dennoch erreicht hat
    Vom Anfang seiner Anwesenheit am kaiserlichen Hofe lebte er in dem Pallaste
des Grafen von Wittelsbach auch noch hält er sich daselbst auf aber in welcher
traurigen Lage  Sein Verstand scheint durch die Post von dem Tode der armen
Alix gelitten zu haben seine treuen Leute suchen seinen wahren Zustand zu
verhelen aber so viel ist gewiss dass man ihn bewachen muss dass man ihm Waffen
und Rüstung genommen hat um ihm die Möglichkeit Unheil anzurichten zu
benehmen er soll sich sehr gefährliche Reden verlauten lassen soll den Tod der
Gräfin von Toulouse welcher wie er wähnt bloß erfolgt ist Elisen auf den
kastilischen Thron zu helfen Personen zuschreiben welche hier schuldig zu
halten Lächerlichkeit und Hochverrat sein würde und in seinen Paroxismen oft
fürchterlich von blutiger Rache rasen
    Gott was wird noch endlich aus diesen Dingen werden  Könnte ich nur mit
jemand verständiger hierüber sprechen und Verhaltungsregeln fordern die ich
von euch bei eurer Entfernung so spät erhalte  Graf Heinrich von Andechs und
Bischof Egbert sind hier angelangt beides fromme und verständige Männer die
ich von Kindheit auf kenne die von meinem Vater geschätzt werden und denen man
sich wohl vertrauen könnte  aber  sie sind Brüder des verdächtigen
Pfalzgrafen und so könnte man sich doch immer über das wichtigste über das
was ihn angeht nicht gegen sie herauslassen 
    O meine Mutter nur einige Worte einige wenige Worte von eurer Hand uns zu
leiten jetzt da uns Leitung nötig ist
 
                               Irene an Beatrix
                                     1208
Ich bin zu schwach mein Kind dir viel zu schreiben die gefürchtete Stunde
die mir wenn Ahndungen nicht trügen wohl diesmal gefährlich werden könnte
naht heran Nimm auf deinen Brief nur das wenige was ich dir und deiner
Schwester zu sagen vermag Verdammet Otten von Wittelsbach nicht unverhört er
kann er muss unschuldig sein vertraut euch dem Bischof von Sutri nicht zuviel
ich sehe es ungern dass er euer Gewissensrat ist die geistlichen aus der
römischen Schule sind mir verdächtig und du meine Beatrix wie war dir es doch
möglich dein Herz dergestalt an jenen Alf von Dülmen zu hängen der Mensch ist
mir furchtbar ich zitterte vor ihm beim ersten Anblick doch meine
Empfindungen von denen ich noch überdem keinen Grund anzugeben weiß können
nicht zum Regelmass für die deinigen dienen bemitleide ihn also und bete für
ihn ich will mich darin mit dir vereinigen aber Mitleid ist auch alles was du
ihm schenken darfst auch irrst du dich gewiss in deinen Gefühlen heftig
aufgeregtes Mitleid kann bei einer so guten zartfühlenden Seele leicht die
Gestalt der Leidenschaft tragen aber du tust dir gewiss Unrecht wenn du ihm
einen zu hohen Namen gibst Beatrix ist und bleibt für den Herzog von
Braunschweig bestimmt er konnte sie nur darum verschmähen weil er sie nicht
kannte die Vorsicht wird euch zusammen bringen und eure beiderseitigen Gefühle
werden sich ändern an seiner Seite wirst du erst die Liebe kennen lernen deren
du dich gegen diesen Alf von Dülmen mit Unrecht beschuldigst 
    Wärs denn nicht möglich diesen unglücklichen Mann vom Hofe zu entfernen 
Seine Entfernung liegt mir ich weiß selbst nicht warum so hart an dass ich
selbst Nachts im Traume damit beschäftigt bin Ich mache in eigener Person mit
unglaublicher Ängstlichkeit zu seiner Reise Anstalten habe ich ihn denn
abreisen habe ich ihn von der Schlosszinne mit seinen Reisigen am äußersten
Gesichtskreis verschwinden gesehen so findet es sich er ist in verstellter
Tracht dennoch zurückgeblieben und meine Angst beginnt von neuem O Beatrix
mütterliche Besorgnis um dich gibt mir diese Träume ein hüte dich dass dein
betörtes Herz dich nicht deinem Stande und jungfräulicher Zurückhaltung
unwürdig handeln lehrt und noch einmal suche Alf von Dülmen zu entfernen mit
Heinrich von Andechs und Bischof Egberten die du mit Recht hochschätzest wär
zu bereden wie dieses mit Anstand vielleicht unter dem Vorwand seiner
schwachen Gesundheit und der nötigen Erholung in der Landluft geschähe 
    Elise komm hierin deiner schwachen Schwester zu Hilfe und du selbst verzage
nicht halte deinem Wittelsbach feste Treue Gott wird dir ihn als Sieger über
alle Verleumdungen wieder schenken Der kastilischen Heirat sollte sie dir
angetragen werden widersetze dich mit Klugheit es ist schwer einem Vater
ungehorsam zu sein aber noch schwerer gegebenes Wort ohne hinlängliche
Ursach zu brechen
 
                       Alf von Dülmen an den Unbekannten
                                     1208
Zum zweitenmal ward ich an Ausrichtung meines Auftrags erinnert ich zweifelte
an der Schuld des Angeklagten und dachte mich  verzeiht der Appellation von
dem eurigen an ein höheres Gericht  dachte mich um Tilgung meiner Unwissenheit
an den Herzog von Sachsen zu wenden  Jetzt bin ich davon überzeugt wovon ich
mich zuvor nie überzeugen konnte Der Verfehmte ist ein zwiefacher Mörder und
ich trage kein ferneres Bedenken das von neuem zu versprechen was Otten von
Wittelsbach und mir im letzen Gericht befohlen ward
    O Herzog mein Verstand ist jetzt oft abwesend mein Kopf mein Herz hat
zuviel gelitten um unzerrüttet zu bleiben O Alix Alix unschuldig Ermordete
wo bist du
 
        Herzog Bernhard von Sachsen an Pfalzgraf Otten von Wittelsbach
                                     1208
Peter von Kalatin ist gestern hier angelangt und meldet mir außerordentliche
Dinge Folgen von der Bosheit oder Unüberlegteit des Herzogs von  meines
diesmaligen Stellvertreters zu Pamiers O dass mich Krankheit von dieser Reise
abhalten musste ich fürchte bei dem letzten Gericht sind unverantwortliche
Sachen vorgefallen oder vielmehr ich weiß es gewiss Peter von Kalatin ist so
wenig mein Liebling als der eurige tausenderlei ließ sich gegen seinen
Charakter einwenden Aber eins lobe ich an ihm seine Treue gegen den heimlichen
Bund ist eisenfest und seine Klugheit und Verschwiegenheit unbestechbar ich
traue ihm in gewissen Dingen mehr als irgend einem seht hier die Ursach warum
ihr hierdurch unter Eid und Bann erinnert werdet euch stracks Angesichts
dieses aufzumachen um vor dem freien Stuhl zu  als dem höchsten auf der
roten Erde9 Red und Antwort über die Vorgänge des letzten Gerichts zu geben
Peter von Kalatin weiß nicht genau ob ihr gegenwärtig wart aber Alf von
Dülmen war es gewiss von ihm müsst ihr alles erfahren haben was uns Sorge macht
auch geht zugleich mit diesem Schreiben ein ähnliches an ihn ab ihn gleich
euch vor unser Gericht zu laden  So wie nach Pamiers an den Herzog von 
noch geschärftere Befehle gelangen  Von den pohlnischen Händeln ein andermal
    Seid der Eil erinnert und aller Freundschaft versichert von
                                                   Bernhard Herzog von Sachsen
 
            Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an die Prinzessin Elise
                                     1208
Nunmehr kann ich alles glauben ich zweifelte an der Wiederholung der
Treulosigkeit die mir dein Vater meine Verlobte schon einmal bewiesen hatte
nun kann ich alles glauben Elise verzeihe dass ich aus einem Ton mit dir
spreche den ich mir noch nie erlaubte Aber Eifer Angst Entsetzen Furcht
auch dich zu verlieren wüten in meinem Herzen und lassen mich jede Schonung
vergessen Elise du bist mir jetzt einen großen Beweis deiner Treue schuldig
du musst mit mir fliehen um der Gewalttätigkeit zu entgehen mit welcher man
auch dich mir entreißen will Die kastilischen Gesandten sind an dem Hofe
deines Vaters angelangt man wird dich ihnen mit oder wider deinen Willen
ausliefern man wird dich zu dem Throne schleppen der noch von dem Blute deiner
Vorgängerinn träuft und den du nicht ohne doppelte Treulosigkeit besteigen
kannst
    O des falschen falschen Kaisers Um meine erste Braut betrogen in der
Werbung um die pohlnische Adila durch falsche Briefe getäuscht soll ich nun
auch Elisen verlieren
    Noch einmal du Verlobte Wittelsbachs der bei Gott nicht mit sich spielen
lässt verlass den treulosen Vater und wirf dich in die Arme deines Gemahls die
Bande die dich an mich fesseln sind jetzt die stärksten du kannst sie nicht
ohne Ruchlosigkeit zerreißen Mein Bote wird dich dahin führen wo ich wenige
Meilen von der Stadt mit meinen Reisigen deiner warte erscheinst du nicht sehe
ich ihn einsam zurückkehren so nimm die Verantwortung der schrecklichsten
Folgen über dich
 
                                    Antwort
                                     1208
Alle Schmähungen die du auf meinen Vater häufest fallen auf dich zurück du
selbst Treuloser Kannst du in dem Briefe da du deine eigene Untreue bekennst
mich zur Treue auffordern  O es ist schrecklich was ich in diesen Zeilen
lese Ja Otto ich wär dir gefolgt wär  mein Herz gegen dich war immer
schwach  wär ohne Rücksicht auf Kindespflicht mit dir geflohen geflohen aus
Ende der Erde um nur dein zu bleiben aber das Bekenntnis deiner Schande aus
deinem eigenen Munde lösst alle Bande zwischen uns auf Die Bande die mich an
meinen Vater fesseln sind unauflösbar diese fühle ich jetzt da mir die Augen
über deine wahre Gestalt aufgehen mit neuer Stärke nur die täuschende Liebe
und der törigte Wahn von deiner Treue hätten mich hierinn verblenden können 
O Otto wenn du das Herz sehen könntest das du zerrissen hast  Nein ich
komme nicht dein Bote kehrt einsam zurück mögen die Folgen davon sein wie sie
wollen
 
                  Otto von Wittelsbach an die Kaiserin Irene
                                     1208
Leset beigeschlossene Briefe eine Kopie eines Schreibens von mir nebst seiner
Antwort und entscheidet zwischen mir und eurer Tochter Ich treulos Otto
treulos Ich ein Bekenner meiner eigenen Schande Was habe ich gesagt was habe
ich geschrieben das sich auf diese Art deuten ließ
    Euch meine Mutter übergebe ich meine Sache Zu ruhelosem Umhertreiben
bestimmt muss ich in dem Augenblick da mein Herz von tausendfachen streitenden
Gefühlen glüht da es alles fühlt was Rache Liebe und Bekümmernis folterndes
haben mich zu einer neuen Reise verstehen da ich die vorhergehende kaum
geendigt habe Herzog Bernhard von Sachsen fordert mich in einem mir ganz
unverständlichen Briefe zu sich fordert mich auf eine Art der ich nichts
entgegen setzen kann  Muss denn alles auf mich einstürmen Was will Bernhard
mir zu dieser Unzeit will er mich vielleicht wegen der mislungenen Werbung um
die pohlnische Adila die ich für ihn übernahm zur Rede setzen  Er halte sich
an den Kaiser den ich einen Verräter nennen würde wenn er nicht Irenens
Gemahl war Doch er ist er ist es trotz seiner Verbindung mit diesem Engel
Anstatt Bernhards Ehewerbung in dem von ihm geforderten Empfehlungsschreiben an
den Herzog von Pohlen zu begünstigen schilderte er mich und ihn in den
gehässigsten Farben und widerriet heimlich was er öffentlich zu befördern
versprach Der Pohle redlicher als er entdeckte mir dieses und hies mich
zurück eilen wenn ich noch einem heimtückischen Streiche vorbeugen wollte Ich
eile auf den Flügeln der Ungeduld und das Gerücht kommt mir entgegen wie
kastilische Gesandte bei Hofe angelangt wären die mir versprochene Elise zu
ihrer Königin abzufordern In der ersten Wut gekränkter Ehre und Liebe
schreibe ich an meine Verlobte und erhalte diese Antwort O Mutter Mutter
entscheidet zwischen ihr und mir entscheidet günstig für mich oder ich
wiederhole es auch euch zittert vor den Folgen
 
    Anton von Hagenau kaiserlicher Kammerherr an die Oberhofmeisterinn der
                                Kaiserin Irene
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Wapnet euch mit Standhaftigkeit edle Frau das schrecklichste zu vernehmen was
der Himmel über uns verhängen konnte Der Kaiser ist ermordet
    Auf Befehl der Reichsräte setze ich mich euch die Unglückspost im ersten
Wahnsinn der Bestürzung fast in dem Augenblick da die Tat geschah zu
berichten damit sie das Ohr unserer guten Gebieterinn nicht unzeitig erreiche
damit ihr für sie wachen könnt dass übereilte Entdeckung ihres Unglücks sie
nicht tödte
    Es ist die unerhörteste Tat welche je verübt wurde sie ist vor unser
aller Augen geschehen ohne dass einer sie hindern konnte Ich würde mir sagen
ich habe den unsinnigsten schrecklichsten Traum geträumt wenn hier auf dem
Boden nicht das rauchende Blut aus welchem man eben Philipps entseelten Körper
aufhub ihn in ein anderes Zimmer zu bringen und wenn nicht die Stimme
allgemeines Klagens nebst dem Getümmel der Bestürzung mir die Gewisheit des
grauenvollen Vorgangs bestättigten
    Der hochwürdige Erzbischoff von Speier welcher sieht was ich geschrieben
habe befiehlt mit mich nicht in fruchtlose Klagen zu vertiefen sondern zu
eilen damit das gemeine Gerücht nicht meinem Briefe zuvorlaufe und vielleicht
unserer guten Kaiserin den Tod bringe
    Hört also mit wenig Worten das Ganze der Greueltat welche nicht in so viel
Minuten geschehen war als ich brauchte davon zu schreiben
    Otto von Wittelsbach ist der Mörder dass er wenige Meilen von der Stadt
angekommen war wusste der Kaiser er wunderte sich über sein Zögern und ließ ihn
zu sich fordern weil er Wichtigkeiten mit ihm zu bereden hatte er erwartete
ihn in Gesellschaft des Bischoffs von Speier und des von Bamberg in seinem
Kabinet wohin auch die Prinzesinn Elise beschieden war man vermutete ein
Anmutung an den Pfalzgrafen sich wegen der kastilischen Heirat von seiner
Verlobten loszusagen aber ich der immer um den Kaiser war und viel Geheimes
aus seinem Munde hörte weis fast mit Gewissheit dass die Absicht unsers
unglücklichen Monarchen war sich vor dem Pfalzgrafen wegen eines
untergeschobenen Briefes an den Herzog von Pohlen der ihm zur Last gelegt wird
zu rechtfertigen und ihm den Besitz seiner Elise die den kastilischen
Gesandten abgeschlagen wurde von neuem zu versichern
    Während der Kaiser nebst den beiden Bischöfen die zu ihm beschiedenen
erwartete stand ich an der einen Seite der Kabinetstür und wartete auf
Befehl sie zu öfnen Ich hörte jemand mit Hastigkeit in das Vorzimmer
eintreten und bemerkte durch das Seitenfenster den Pfalzgrafen in voller
Rüstung mit entblösstem Schwert und so festgeschlossenen Helm als gehe es zur
Schlacht und nicht zum Verhör bei seinem Herrn welchem er sich doch Wohlstands
wegen mit entblösstem Gesicht zu zeigen verbunden gewesen wär  aber gewiss war
dieses auf Geheimhaltung des Verübers der vorhabenden Greueltat abgesehen als
wenn nicht des Wittelsbachers Waffen und seine Riesengestalt in welcher er
hier bei Hofe kaum eines Gleichen hat hinlänglich wären ihn kenntlich zu
machen  Ich ward gefragt wer im Vorzimmer tose Es ist der Herr Pfalzgraf
sagte ich halb lachend welcher mit seinem Schwert allerlei wunderliche Gaukelei
treibt er ficht gegen die Wände kehrt jetzt das Eisen gegen seine Brust und
murmelt unverständliche Worte zwischen den Zähnen
    Er glaubt sich allein sprach der Kaiser öfne die Tür und sage dass er
gebührlich eintrete Otto trat oder vielmehr er stürzte herein Es war als ob
seine Gebärde und das fortdauernde Gaukelspiel mit dem Schwerdte schaudern
machte Der Kaiser erwartete seine Anrede und sagte denn mit mildem Ton Mein
Otto was ist euch vergesset ihr ganz vor dem ihr steht  Ha Verräter
schrie der Wahnsinnige indem er sich auf den Kaiser stürzte der ihm einige
Schritte entgegen trat ich stehe vor einem verruchten Mörder den dieses
Schwert richten soll
    Mehr erraten als gehört haben wir diese Worte jeder von uns will sie
anders vernommen hoben wahrscheinlich hörte keiner ganz richtig unsere Seele
war in die Augen geflohen wir sahen das Schwert des Meuchelmörders blinken wir
stürzten hinzu aber der Kaiser war gefallen der Täter entflohen ehe wir
beide erreichen oder das Geschehene hindern konnten
    Kaiser Philipp lag in den Armen des Bischofs von Bamberg und blutete aus
einer fürchterlichen Halswunde die er empfangen hatte Ihr seid der Bruder
meines Mörders stammelte der Kaiser ich vergebe euch und ihm und will
glauben dass ihr unschuldig seid
    Ich lag vor dem Verwundeten auf den Knien und bestrebte mich das Blut zu
stillen der Bischof von Speier stand wie versteinert da und warf verdachtvolle
Blicke auf Bischof Egberten den ich an der Tat seines Bruders schuldlos halte
und der in einem Zustand war welcher ihn dem Tode fast so nahe brachte als der
verwundete Kaiser war es eilten mehrere Kammerbediente auf das Geräusch von des
Kaisers Fall und den Anblick des fliehenden Mörders den sie nicht aufhalten
konnten herzu sie brachten den ohnmächtigen Egbert hinweg und liefen nach
Wundärzten
    Da trat die Prinzessin Elise herein sie war dem Mörder begegnet welcher
mit dem blutigen Schwerde bei ihr vorbeigestrichen war ohne von ihr gekannt zu
werden oder sich bei ihr aufzuhalten 
    Doch dies lässt sich nicht beschreiben  Denkt selbst was die zärtliche
Tochter bei dem blutenden und sterbenden Vater bei der Nachricht fühlen mochte
ihr Verlobter habe ihn ermordet
    Der Kaiser war während man sich mit der ohnmächtigen Prinzessin
beschäftigte verbunden worden aber die Wundärzte gaben keine Hoffnung  Elise
stammelte er noch ehe er verschied dein Wittelsbach den ich dir so gern
gegönnt hätte ist für dich verloren du wirst dem Mörder deines Vaters nicht
die Hand geben werde kastilische Königin
    Ich werde hier erinnert der Eil wegen zu schließen Gott weis was ich
geschrieben habe die Wahrheit ist es das andere entschuldige die allgemeine
Bestürzung
 
                Alverde an den Pater Zyrill vom heiligen Kreuze
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Mein Herz braucht Trost meine Aufführung Leitung an wen könnte ich mich lieber
wenden als an Euch Ach mein Vater die Dinge von welchen ich Euch zu
unterhalten habe sind Eurem Herzen nicht fremd sie betreffen die welche Ihr
ehedem schätztet und liebtet betreffen Philipp und Otto mit welchen ihr einst
in so genauer Verbindung standet Trauert nicht dass Eure zu feste
Anhänglichkeit an Pflicht und Tugend Euch vom Hofe vertrieb Euch aus einem
kaiserlichen Gesandten zu eurem gegenwärtigen demütigen Posten brachte denn
welche Greueltat würdet ihr hier erlebt haben aber darüber trauert dass
endlich das teuflische Projekt das Herz des besten Mannes zu vergiften und ihn
zum Mörder seines Freundes seines Vaters zu machen dennoch geglückt ist O
Zyrill hättet ihr damals als ihr den Grafen von Wittelsbach auf seiner
Gesandschaft nach Rom begleitetet als ihr Augenzeuge von seiner großmütigen
Verachtung alles desjenigen wart was man aussann ihn gegen den Kaiser
aufzuwiegeln hättet ihr gedacht dass Philipp einst durch seine mörderische
Faust fallen würde  Muss es denn der Bosheit vergönnt sein die Tugend so lange
mit unablässigen Angriffen zu ängstigen bis sie endlich Siegerinn ist  Ach
Otto würde kein Verbrecher geworden sein hätte man nicht durch unablässiges
verleumderisches Einhauchen sein Urteil allmählig bestochen und so ihn nach
und nach zu einer Tat bereitet die nun leider geschehen ist und die ich Euch
nicht erzählen darf da ihr bereits durch das Gerücht alles vernommen haben
werdet
    Man kann sich keine andere Ursach denken warum Wittelsbach die Hände mit
dem Blute seines Freundes seines Vaters benetzte als seinen Wahn von der
kastilischen Heirat den ich Unschuldige von andern getäuscht leider auch mit
nähren half und einen Brief welchen der Kaiser an den Herzog von Pohlen zu
Ottos Nachteil geschrieben haben soll und der mit sich nun ergibt von einem
erkauften nun bereits bestraften Geheimschreiber untergeschoben ward
    Mit der kastilischen Heirat hat es die nemliche Bewandtnis es erweist sich
dass die Gesandten um des Pfalzgrafen willen bereits abgewiesen waren und dass der
edle Philipp auf keine Art treulos an seinem Mörder gehandelt hatte Aber wird
durch die Erweisung und Kundbarkeit dieser Dinge unsere Lage glücklicher o
nein wir steigen durch sie noch eine Stufe tiefer in den Abgrund des Elends
hinab
    Ein verräterischer Tyrann wird ja nicht so bitter beklagt als ein gütiger
nur verkannter Vater den Rächer angetanen Unrechts kann man ja weniger
verabscheuen als den welcher aus blindem Jähzorn seinen Wohltäter ermordete
und wie schrecklich ists den verabscheuen zu müssen den man ehemals liebte
    Elisens Jammer ist nicht auszusprechen Das Unglück ihren Vater auf diese
Art verloren zu haben berechtigte sie schon zu Kummer ohne Gränzen aber ihn
durch Wittelsbach verloren zu haben wer misst das Fürchterliche das in diesem
Umstande liegt wer kann sie verdenken oder tadeln dass sie sich selbst Vorwürfe
macht weil auch sie voreilig zu Werke ging weil sie aus einigen falsch
verstandenen Worten in einem Briefe ihres Otto ihn für treulos hielt und ihn
durch Härte und Vorwürfe aufs äußerste brachte
    Zittre vor den Folgen deiner Strenge schrieb er am Ende jenes unglücklichen
Briefs von dessen Beantwortung alles abgehangen zu haben scheint ach wer hätte
sich bei diesem Manne die schrecklichen schrecklichen Folgen getäuschter Liebe
die wir nun vor Augen sehen denken können
    Nun erklärt sichs dass Philipp unschuldig dass von Kastilien her nichts zu
fürchten dass Otto nicht treulos sondern nur Herzog Bernhards Brautwerber um
die schöne Adila war aber die schreckliche Tat welche auf den falschen Wahn
von all diesen Dingen gebaut war ist nun einmal zur Hölle entschlichen wer
will sie zurückrufen wer den ermordeten Philipp erwecken oder Ottos Hände von
Blut reinigen
    Es ist schrecklich wie eine Tat wie diese den ganzen Charakter eines
Mannes selbst eines Tugendhelden wie Wittelsbach umwandeln kann hätte ich
mir ihn nach verübter Tat vorstellen sollen so würde ich mir ihn am Abgrund
der Verzweiflung reuig bekennend oder aufs höchste sein Verbrechen
beschönigend gedacht haben aber zu leugnen mit der höchsten Unverschämtheit zu
leugnen was vor den Augen mehreren Zeugen begangen ward zu drohen noch Plane
zu neuen Verbrechen zu machen wer hätte das in dem edelen Pfalzgrafen gesucht
    Leset diesen Brief welchen Elise gestern Morgen erhielt hört was auf
denselben erfolgte und erstaunet über die Herabwürdigung Eures ehmaligen
Tugendhelden Auf Vergunst der Prinzessin mache ich euch zum Vertrauten in
diesen Dingen sie schätzt Euch wie ich Euch schätze und nicht allemal mit den
strengen Aussprüchen ihres Gewissensrats des Bischofs von Sutri gleich
zufrieden will sie auch Eure Meinung über diese Dinge hören
    Hier ist Wittelsbachs Schreiben
                         Der Pfalzgraf Otto an Elisen
Falsche nicht genug mich durch deine Härte durch die grausame Behandlung
eines Unschuldigen aufs äußerste gebracht zu haben willst du mich noch zum
Mörder deines Vaters machen Ich bin es nicht ein Mensch oder ein Teufel muss
meine Gestalt angenommen haben euch alle zu täuschen wenn das Ganze nicht nur
ein Vorwand ist dich ohne den Tadel der Welt von mir loszumachen Wisse ich
lasse dich nicht und ob heilige Mauern dich bärgen und ehe der Abendstern
zweimal heraufgeht bist du in meinen Armen
Dieser Brief versetzte uns alle in das heftigste Schrecken den Beteuerungen von
Wittelsbachs Unschuld glaubten wir nicht konnten ihnen nicht glauben wenn wir
nicht die von mehreren Zeugen bestättigte Wahrheit zur Lügnerin machen wollten
aber vor seinen Drohungen zitterten wir Wir sahen sie noch in selbiger Nacht
erfüllt Gewappnete brachen in das Zimmer der Prinzessin ein und brachten sie
davon Wittelsbach war persönlich nicht gegenwärtig aber da keiner von seinen
vornehmsten Dienern unter den Entführern fehlte so konnte man die Hand nicht
verkennen welche die angedrohte Tat ausführte
    Ich welche diese Nacht allein bei Elisen geblieben war entkam mit Mühe den
Räubern welche auch mich festhalten und verhindern wollten Lerm zu machen Ich
wusste keine tätigere Hilfe zu suchen als bei meinem tapfern Bruder der
Pallast des Pfalzgrafen in dem er sich bisher aufgehalten hat stößt an den
unsrigen wenig Schritte brachten mich in Alfs Vorzimmer hier erfuhr ich erst
dass seine Hüter  ach der zerrüttete Gemütszustand des Unglücklichen welchen
ich in dem Augenblick da ich seine Hilfe suchen wollte nicht gleich erwog hat
ihm seit einiger Zeit Hüter nötig gemacht  Hier sage ich erfuhr ich erst
dass man ihn schon seit vorgestern vermisste der allgemeine Tumult am Tage der
Ermordung des Kaisers muss gemacht haben dass man ihn aus der Acht ließ er muss
ganz bloß entflohen sein denn nichts von seinen Sachen die man ohnedem vor ihm
verschlossen hatte vermisst man und selbst sein Nachtgewand darin er das Bette
verließ hat man in einem Winkel des Hauses gefunden
    Hier also neue Ursach für mich zu Gram und Verzweiflung ich hatte also auch
den Bruder verloren der auf die letzt mir seine Liebe ganz entwendet hatte
mich nicht einmal vor sich lassen wollte weil er glaubte ich habe in seinen
Abenteuern mit der Gräfin von Toulouse nicht zu seinem Vorteil gehandelt
    Die Angst um Elisen machte dass ich diesen neuen Schlag des Schicksals nur
halb fühlte Sie musste schleunige Rettung haben und ich suchte sie bei den
kastilischen Gesandten welche ungeachtet sie mit ihrer Werbung vom Kaiser
abgewiesen worden waren doch noch hier verweilten weil sie gehört hatten er
habe in seinen letzten Augenblicken noch einige Worte zum Besten ihres Herrn mit
der Prinzessin gesprochen dies ist nur allzuwahr und ich weis nicht was die
Folge davon sein wird und ob ich das was wahrscheinlich geschehen muss
billigen oder tadeln soll
    Durch Hilfe der kastilischen Gesandten besonders des tapfern Grafen
Kastelmoro sahen wir des andern Morgens unsere Elise uns wieder geschenkt er
hatte sie noch eher ereilt als sie von Wittelsbachs Reisigen in die Arme ihres
wartenden Herrn geliefert wurde Der Schrecken hat die Geraubte so krank
gemacht dass sie den Pallast der Gesandten in welchen sie ihr Retter brachte
noch nicht hat verlassen können Ihre Schwester die Prinzessin Beatrix ist bei
ihr und vereinigt sich mit dem Bischof von Sutri dem von Speier und dem von
Kastilien der unglücklichen Dame begreiflich zu machen dass sie verbunden ist
den letzten Willen ihres Vaters zu erfüllen und in den Armen des kastilischen
Prinzen den Schutz zu suchen den ihr kein Ort selbst kein Kloster vor
Angriffen des wütenden Wittelsbachers geben wird 
    Noch schützt sie sich mit der fehlenden Einwilligung ihrer Mutter aber wie
wird ihr geschehen wenn sie erfährt dass die vortreffliche Kaisersinn nicht mehr
ist
    Die Schreckenspost von Philipps Ermordung durch Wittelsbach hat ihr eine
frühzeitige Niederkunft und durch dieselbe den Tod gebracht Am Ende dieses
Schreibens erhielt ich die Nachricht von der Oberhofmeisterinn mit Bitte sie
den Prinzessinnen behutsam beizubringen 
    Wie kann ich das Wie kann ich ihnen den Dolch in die Brust stoßen ohne sie
zu töden  Hier ein Schreiben von der abgeschiedenen Heiligen an ihre Kinder
wie soll ich es ihnen überreichen 
    O mein Vater mir schwindelt ich weis nicht mehr was ich schreibe ich
hatte euch noch so viel zu sagen von dem frommen Bischoff Egbert und dem
treflichen Marggrafen von Andechs wie sie ihres Bruders des Wittelsbachers
Schuld und seine Durchächtung teilen müssen alles dieses bleibt nun bis zu
besserer Fassung O Otto Otto über wie viel gute Seelen hast du den Fluch
gebracht
 
                      Die sterbende Irene an ihre Kinder
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Kennt ihr noch die zitternden Züge von der Hand Eurer Mutter  O ich strenge
meine letzten Kräfte an sie fest und kenntlich zu machen Sie sollen die letzte
Handlung der Gerechtigkeit vollführen die mir genseit des Grabes zu tun
beschieden war sollen Euch des Pfalzgrafen Unschuld beteuren Otto von
Wittelsbach ist unschuldig Zu der Stunde da mein Gemahl dem ich in die
Ewigkeit folge unter dem Stahl des Meuchelmörders fiel hat der Verleumdete an
meinem Bette gesessen Plane für die Zukunft beschäftigten uns die nun ein
einiger Schlag alle zernichtet
    Doch die Ewigkeit wird alles klar machen  Noch einmal Otto ist
unschuldig  Kinder unglückliche verlassene Kinder meinen Seegen 
 
                          Alverde an den Pater Zyrill
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Wer kann die Worte einer Sterbenden die letzten Worte einer Heiligen
bezweifeln Zyrill ihr habt den Brief der verewigten Kaiserin dessen
Abschrift ich Euch auf Vergunst mitteilte gelesen wir müssen nach demselben
Wittelsbachs Unschuld glauben obgleich unser Verstand bei der Möglichkeit
derselben still steht und welches sind die Folgen von dieser Entdeckung  Also
wären die Bande zwischen ihm und Elisen noch unzerrissen also müsste sie allen
Hindernissen zum Trotz die Seinige bleiben  Meinem Urteil nach wär dem also
auch war es ohne Zweifel die Meinung der sterbenden Kaiserin dieses zu
bewürken 
    Niemand sieht dieses deutlicher ein als Elise deren Herz noch immer für den
Pfalzgrafen spricht dessen Unschuld sie aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz mit
voller Überzeugung glaubt Ach dass diese Überzeugung zu spät kommen müsste
dass sie jetzt nur darum mit voller Stärke eintritt um die gequälte Prinzessin
noch unglücklicher zu machen
    Elise ist seit gestern vermählte Prinzessin von Kastilien absichtlich hielt
man mich von ihr zurück bis die Einseegnung welche in aller Stille vor sich
ging geschehen war man wusste dass ich nicht dafür war dass die Stelle der
Gräfin von Toulouse durch eine andere von meinen Freundinnen ersetzt würde ich
kannte die kastilischen Herrlichkeiten zu gut um Einer meiner Geliebten dieses
Loos zu gönnen ich wusste dass dasjenige was man an der unglücklichen Alix
tadelte was ihr wahrscheinlich den Tod brachte sich auch bei Elisen fand ihr
versteht mich Zyrillo ihr habt mit uns in verschiedenen Stücken einen Glauben
und ich kann mich also hierüber deutlicher gegen Euch erklären als ich gegen
einen andern Eures Standes tun würde
    Niemand wusste das worauf ich ziele so gut als Beatrix und doch ließ sie
sich von den Bischöfen verblenden ihre Schwester zu einer Verbindung zu
bereden die ihr Glück nicht machen kann Doch dies ist ihr Charakter  O
Beatrix wie vortrefflich würdest du sein würden deine Vollkommenheiten nicht
durch so viel Leichtsinn Leichtgläubigkeit und übereiltes Wesen befleckt
    Einen neuen Beweis ihrer Voreiligkeit legte sie bei dem Auftritte ab von
welchem ich Euch jetzt unmittelbar unterhalte Nach zweitägigem vergeblichen
Streben vor die nunmehrige Prinzessin von Kastilien gelassen zu werden erhielt
ich endlich Zutritt Elise kam eben vom Altar Mir vergingen die Sinnen über den
Schritt den sie getan hatte ungeachtet mir der Inhalt von dem Briefe der
Kaiserin die der ganzen Sache ein noch bedenklicheres Ansehen gibt noch nicht
bekannt war  Ich hatte indessen Besonnenheit genug mich zu fassen und nicht
mit der Trauerpost welche mir auf dem Herzen lag unzeitig heraus zu brechen
Die Prinzessin Beatrix hatte man schon mit dem Tode ihrer vortrefflichen Mutter
bekannt gemacht und sie hatte Mittel gewusst ihrer Schwester die
Schreckenszeitung die sie beide zu völligen Waisen machte mit ziemlich guter
Art beizubringen Irenens Tod war es eben worauf man die Beschleunigung des
kastilischen Bundes gebaut hatte Elise hatte niemand mehr an dessen
Einwilligung sie appelliren mit dessen Nein sie sich schützen konnte sie war
sich selbst überlassen und der Gedanke von niemand mehr abzuhängen führte die
Vorstellung von Hülflosigkeit so natürlich herbei machte die Ausschlagung einer
königlichen Heirat zu so offenbarer Torheit dass Elise Ja sagte aus
Bewegungsgründen Ja sagte die wohl noch nie bei einer so edlen Seele wie die
ihrige entschieden haben  Doch nein ich tue dieser unvergleichlichen
Person Unrecht nicht Rücksicht auf zeitlichen Vorteil nur das Andenken an die
letzten Worte ihres Vaters konnte sie zu dem bestimmen was sie tat Sie hielt
dieselben nach dem Absterben ihrer Mutter für das Einzige an was sie sich nun
zu binden hatte
    Ganz in Tränen gebadet warf sich jetzt die Neuvermählte in meine Arme
Keine Glückwünsche Alverde zu dem was jetzt geschehen ist rief sie jetzt
kein anderes Gespräch als von meiner Mutter  O wo bist du in diesen für mich
so schrecklichen so wichtigen Tagen gewesen wie sehr habe ich meine
Trösterinn meine Ratgeberinn vermisst  Warst du vielleicht gar bei dem
Sterbebette jener verklärten Heiligen  Hat sie nicht vor dem Scheiden noch
unserer gedacht hat sie nicht für ihre Elise gebetet Hat sie nichts an ihre
Töchter hinterlassen
    Urteile Zyrill was ich bei dieser Aufforderung fühlte Schon war ich im
Begriff ihr Irenens Schreiben zu überreichen doch bessere Überlegung hielt
mich zurück es war Pflicht jetzt die Zagende zu trösten anstatt durch irgend
etwas ihre Gefühle noch mehr zu erwecken Der Brief der Kaiserin kam aus meinen
Händen zuerst vor die Augen der Prinzessin Beatrix fester und mutiger als ihre
Schwester brauchte sie wenige Schonung auch konnte man von ihr erwarten sie
würde Elisen den Inhalt der traurigen Zeilen nicht ohne Prüfung und erst gerade
zu der Zeit mitteilen da es ihr die wenigste Gefahr drohte 
    Wie konnte ich diese weise Vorsicht von Beatrix erwarten Elise las das was
man ihre Jahre lang hätte vorenthalten sollen noch am nämlichen Abende und
ward dadurch gerade in den Zustand gesetzt den ihr Euch vorstellen könnt  Sie
fiel in ein hitziges Fieber sie raste wie ich höre in ihren Paroxismen
fürchterlich von Philipps Ermordung Irenens Tode und des Wittelsbachers
Unschuld  Ich die man weil man mich noch wegen der Gräfin von Toulouse
hasst sehr freigebig die Ursacherin dieses Unglücks nennt werde wie eine halb
Gefangene gehalten darf Elisen nicht sehen Wohl gut wie lang so lege auch
ich mich zu sterben  Die Wirkungen alle der Übel die ich seit einiger Zeit
ausstand werden sich doch endlich äußern ich fühle Vorboten einer Krankheit
die mich schnell dahin führen kann wo Alix voranging und wohin Elise mir
folgen wird
    Lebt wohl Zyrill vielleicht auf ewig  Betet für die unglückliche
Alverde deren Herz durch eine heute aus ihrem Vaterlande erhaltene unglückliche
Zeitung den letzten Stoß bekam ach Evert von Remen du entflohen aus
Verzweiflung über Alverdens Verlust entflohen niemand weis wohin  Und du
meine Mutter meine Erzieherinn tot ich also ganz verwaist in der Welt zurück
geblieben Jede Hoffnung jede Aussicht auf Glück mir verschlossen
 
                          Alverde an den Pater Zyrill
                                     1208
Nach einer langen Bewustlosigkeit erholte ich mich mir war geschehen wie ich
dachte Von meinem letzten Schreiben an Euch war ich aufgestanden um mich zu
langer Krankheit zu legen dass ich krank gewesen war hatte ich wenig gefühlt
ich erinnere mich nur zuweilen ein dunkles Gefühl von meiner Schwäche von der
Herannahung der Nacht des Todes und die Vorstellung vom Erwachen in einer
bessern Welt gehabt zu haben Ich erwachte aber noch diesseit des Grabes Ich
sah um mich her und alles war einsam  Ich fragte nach der Prinzessin von
Kastilien  »Sie werde nun wohl am Hofe ihres Gemahls angelangt sein«  Nach
der Prinzessin Beatrix  »Man wollte Sie rufen und Sie mit dem Anblick meiner
angebenden Genesung erfreuen«  Wie schrie ich die Prinzessin von Schwaben
ist ihrer Schwester nicht nach Kastilien gefolgt  Glaubt denn Alverde
antwortete mir ihre sanfte Stimme dass ich sie hier krank und unberaten
verlassen konnte
    Ja Zyrill Beatrix war grosmütig genug gewesen um meinetwillen in dem
unruhigen Deutschland zurück zu bleiben und die Wartung einer kranken
Freundin der Teilnahme an dem königlichen Empfang ihrer Schwester
vorzuziehen Zyrill denkt Euch meine Rührung  Reden danken konnte ich
nicht aber ich schmiegte mich mit strömenden Augen in ihre Arme
    Beatrix ist nicht so leichtsinnig sagte die Prinzessin als du sie deinem
Freunde schildertest ich habe den Brief an ihn an dessen Versiegelung der
schnelle Einbruch deiner Krankheit dich hinderte gelesen und ihn abgeschickt
Zyrill ist verständig genug mich nicht übereilt zu beurteilen und was ich
versah das sollen meine nachfolgenden Handlungen vergüten
    Ach Beatrix schon die gegenwärtige löscht jedes Vergehen aus und macht
mich zur Verbrecherinn
    Jetzt nichts mehr hievon Alverde Sorge für deine völlige
Wiederherstellung und traue mir zu dass ich mich über manches das du tadelst
rechtfertigen kann
    Die Zeit dieser Rechtfertigung ist gekommen aber sie tut mir bei weiten
nicht völlig genug sie zeigt mir nur so viel dass der Bischof von Kastilien und
der von Sutri der armen Beatrix zu mächtig waren Auch kann ich ihr und ihnen
bei kaltem Blute nicht ganz unrecht geben ohne Zweifel ist der Stand einer
kastilischen Königin dem einer verwaissten Prinzessin die der Gnade des
nunmehrigen Kaisers leben muss weit vorzuziehen Wittelsbachs Unschuld war in
dem Augenblick da Beatrix ihre Schwester zu dem unwiderruflichen Ja bereden
half noch unbekannt und wär sie auch damals schon so erwiesen gewesen als
jetzt da sich des Pfalzgrafen Abwesenheit zur Stunde des Kaisermords
bestättigt da mehrere Umstände zu seinem Vorteil reden hätten ich und sie
dieselbe schon damals so fest als jetzt geglaubt was hätte dies gefruchtet
Wittelsbach wird immer nur vor den Augen Weniger entschuldigt immer in dem
Urteil des großen Haufens ein Kaisermörder bleiben ist dieses nicht genug das
Band zwischen ihm und Elisen völlig zu zerschneiden oder hätte Philipps Tochter
den Fluch und die Verachtung der ganzen Welt dadurch auf sich laden sollen dass
sie ihre Hand demjenigen gegeben hätte den jederman für den Mörder ihres Vaters
hält
    So urteile ich jetzt so hat mich Beatrix und der Bischof von Sutri
urteilen gelehrt dieser weise Mann ist noch immer bei uns auch über ihn hat
sich mein Urteil geändert es gibt der Leute viel welche durch genauere
Kenntnis gewinnen und wenn ich mich auch vor diesem von welchem ich jetzt
spreche immer wegen seines Scharfsinns der ihm aus den durchdringenden Augen
leuchtet fürchten werde so wird sein Herz mir doch schätzbar bleiben von
dessen Güte er täglich tausend Beweise ablegt
    Eins tadle ich an ihm und finde es nicht ganz einstimmig mit den Lehren des
Evangeliums die er annimmt und die ich zu Pamiers noch deutlicher kennen
lernte  Er predigt mir und Beatrix ohne Unterlass die Rache  Ihr sagt er es
komme der Tochter des ermordeten Kaisers zu den Bluträcher wider den welcher
sein Blut vergoss aufzurufen und mich erinnert er dass es meine eigene Ehre
die Ehre meines Hauses wolle auf die Kundmachung und Bestrafung des wahren
Täters zu dringen Seit man sich hier und da sagt er mit der Mutmaßung
trägt der Pfalzraf könne unschuldig sein seitdem erheben sich Gerüchte die
ich um euch zu schonen nicht einmal erwähnen würde wenn euch nicht die
Pflicht zufiele sie zum Stillschweigen zu bringen Euer Bruder edle Alverde
fährt er fort ward zur nämlichen Zeit vermisst da der Kaisermord geschah war
es möglich die Gestalt des Grafen von Wittelsbach mit der irgend eines andern
zu verwechseln so fällt aller Verdacht auf Alf von Dülmen welcher ihm an
ausserordentlichem Wuchse hier bei Hofe noch der ähnlichste ist
    Ihr werdet mir glauben Zyrill dass solche Äußerungen mich zittern machen
ich verteidige meines Brudens Unschuld ich erweise dass er in jener
grauenvollen Stunde krank im Pallast des Wittelsbachers daniederlag dass sein
schnelles Verschwinden sich anders deuten lasse und dass noch über das alles
sich ja gar keine Vermutung zeige was sein Schwert gegen den Kaiser gerichtet
haben könne mit dem er nie in besonderer Verbindung stand der ihn nie wie
etwa den Wittelsbacher zu persönlicher Rache reizte Sutri versichert mich hier
mit dem Ton fester Gewissheit den er all seinen Worten zu geben weis dass gegen
ihn die Verteidigung meines Bruders ganz unnütz sei dass er nicht einen
nachteiligen Gedanken von ihm hege aber um so viel mehr fährt er fort muss ich
auf seine Rechtfertigung dringen wozu man euch zu seiner Zeit die Mittel
anweisen wird
    Dergleichen Gespräche habe ich viel mit dem Bischof von Sutri gehabt ihre
wahre Deutung und ihren Erfolg werdet ihr und ich erst in der Zukunft erfahren
Aehnliche Unterhaltungen fallen auch zwischen ihm und der Prinzessin vor sie
ist fest entschlossen zum nunmehrigen Kaiser dem ehmaligen Herzog Otto von
Braunschweig zu ziehen und Rache des vergossenen Blutes von seinen Händen zu
fordern
    Ich zittre ein Rache flehendes Weib welch ein empörender Anblick
gleichwohl dringt man von allen Seiten mit der Notwendigkeit dieses Schrittes
auf sie ein und was von ihr die Kindespflicht fordert das möchte vielleicht
von mir schwesterliche Liebe und die Sorge für die Ehre meines Bruders heischen
Ach der Geliebte der Verlorene was mag aus ihm geworden sein vielleicht ist
er bereits nicht mehr darum wagt es die Schmähsucht desto kühnlicher seine
Asche zu besudeln soll ich dieses dulden Soll ich nicht vielmehr jeden Schritt
gehen den man mir vorzeichnet seine Ehre zu retten
 
          Elise Prinzessin von Kastilien an ihre Freundin Alverde
                                     1209
Die Rache schläft soll ich sie wecken Otto von Wittelsbach ist unschuldig an
wessen Händen mag das Blut meines Vaters haften Diese Gedanken verfolgen mich
ohne Unterlass verfolgen mich doppelt heftig seit einem Schritte zu welchen
mich Reue über begangene Fehler bewog
    Alverde du und ich sind große Sünderinnen auch Alix war es Gott sei ihrer
Seele gnädig Der fromme und gelehrte Bischof von Kastilien hat während der
Reise zu meiner Bestimmung oft mit solchen Ermahnungen an mein Herz geklopft
als wüsste er welche Irrtümer ich zu Toulouse eingezogen habe eine Predigt des
Dominikus Guzman der wie man versichert dereinst ein großes Licht der Kirche
werden wird vollendete meine Bekehrung Ich nützte die erste ruhige Zeit nach
den Festen welche meine Vermählung nach sich zog mir Erlaubnis zu einer
achttägigen Andacht im Kloster S Maria zu erbitten ich erhielt sie und säumte
nicht mich zu den Füßen der Heiligen zu werfen Ach Alverde mein Herz war
voll noch lebte der Wittelsbacher in demselben da ich es doch nur allein
meinem Gemahl schuldig bin dem mich der Himmel so augenscheinlich in die Arme
geführt hat dass ich seine Hand nicht verkennen dass ich nicht murren darf
Gleichwohl blieb die Erinnerung vergangener Dinge unaustilgbar und der Gram um
Unmöglichkeiten unsterblich Sprich Alverde sollte ich beim Gefühl meiner
Schwäche nicht nach übernatürlicher Hilfe schmachten Ich suchte sie bei den
Altären ich schwur um mir sie vom Himmel zu erringen den Glauben an alles ab
was ich von Alix erlernte und was man mir mit dem Glauben der Kirche weiland
geschildert hat Gott was hätte ich nicht getan um mir Ruhe zu erkaufen
    Ich denke ich habe sie erlangt das Andenken des Wittelsbachers ist in
meinem Herzen ertödet oder es schlummert wenigstens Gott gebe dass es nie
erwache  Aber ein anderes peinigendes mit meinem ganzen Charakter streitendes
Gefühl ist in mir erwacht der Trieb nach Rache Trieb Wunsch  nein so kann
ich das nicht nennen wovor ich zittre es ist bloß der Gedanke der in mir rege
ward Rache des unschuldig vergossnen Blutes meines Vaters sei nötig und ich
die Tochter müsse sie fordern denke selbst Keine Nacht im Kloster verging
dass mir nicht der blutige Schatten des ermordeten Kaisers in Nebelduft gehüllt
vor die halb wachenden Augen kam und Worte an mich ertönten die mir wohl ewig
unvergesslich bleiben werden Ich wiederhole sie nicht Geistersprache sagt man
darf die Zunge der Sterblichen nicht nachlallen meinem Beichtvater habe ich
davon entdeckt was ich musste und höre hier den Plan der mehr aus fremden
Ratschlägen als aus eigenem Nachdenken zu Wiedererlangung meiner Ruhe
entstand und zu dessen Ausführung du mir die Hand bieten musst
    Kaiser Philipps Blut muss von der Hand seines Mörders so gern mein leidendes
Herz ihm auch die Strafe schenkte blutig zurückgefordert werden meine
Schwester Beatrix hat wie ich vernehme am Throne des neuen Kaisers vergebens
um Recht und Rache gefleht sie ward gnädig mehr als gnädig aufgenommen aber
ihr Gesuch schlug man ihr unter dem Vorwand ab dass bei einer so verborgenen
Sache niemand als Gott richten könne Nun wohlan so muss man sich an Gottes
Stellvertreter an jene furchtbaren Richter wenden die an seiner Statt im
Verborgenen richten Wisse durch das ganze deutsche Reich herrscht eine
heimliche Macht nur durch ihre Wirkungen sichtbar sie weis jedes Verbrechen
aus der Verborgenheit zu ziehen jede Untat nach Gebühr zu strafen Mache dich
auf Alverde klage in meinem Namen an den Stufen des furchtbaren Richterstuhls
die Mittel zu demselben zu gelangen findest du auf diesem Blatte verzeichnet
ich dachte nicht dass diese Dinge welche ich einst von Einem erfuhr welcher
mir nichts verschweigen konnte mir nutzbar werden würden Nutzbar  wird Rache
mir Nutzen oder Ruhe bringen  Man versichert es mich aber mein Herz spricht
nein  Wenn nun die Tochter die Rache über den Mörder des Vaters herabgerufen
hat und das Gerücht erschallt dieser oder ein anderer den ich kenne oder
nicht kenne ist durch den Stahl heimlicher Henker gefallen weil er Kaiser
Philipps Blut vergoss wird da nicht mein Herz beben und mich selbst eine
Mörderinn nennen  Ist auch das Urteil jener Unbekannten unfehlbar  und da
ich dieses durch viel Beispiele gelehrt glauben muss darf auch der Mensch
richten wo Gott Nachsicht hat Wer weis zu welchen großen Absichten der ewige
Richter dem Kaisermörder seine Verborgenheit gründe die ich nun zerstöre 
    O Alverde ich weis nicht was ich beginne richte du selbst über die
Rechtmässigkeit meines Verlangens und gehe so viel die Geheimhaltung der Sache
verstattet mit Verständigen darüber zu Rate Ich nenne dir besonders den
Bischof von Sutri zu welchem ich unumschränktes Vertrauen habe
 
                    Alverde an die Prinzessin von Kastilien
                                     1209
Der Schritt zu welchen ihr mich aufruft ward mir wegen meinen eigenen
Angelegenheiten bereits geraten Ich eile eure Befehle zu erfüllen ich werde
in eurem Namen Rache für einen ermordeten Vater in dem meinigen Rechtfertigung
eines unschuldig verleumdeten Bruders flehen  Es ist schrecklich es euch zu
sagen aber wegen Ähnlichkeit der Gestalt beginnt man auf Alf von Dülmen das
Verbrechen zu wälzen welches man hier und da von des Wittelsbachers Schultern
nimmt O dass beide zur Stelle wären um sich zu verteidigen Doch vor jenen
furchtbaren Richtern die ich besser kenne als ihr denkt kann sich niemand
bergen ihr allmächtiger Ruf vermöchte wohl Schuld und Unschuld aus dem Schoss
der Erde herauf zu holen
    O Prinzessin es ist ein schwerer Gang den ich unternehme doch
Freundesrat Freundespflicht und Schwesterliebe leiten mich wie kann ich
irren
 
                              Beatrix an Alverde
                                     1209
Ich komme von meiner unglücklichen Reise nach Frankfurt zurück ich eile auf
mein Schloss Frankenstein dahin ich dich beschied ich denke in deinen Armen
mein ganzes Herz auszuschütten und ich vernehme dass du zwar hier gewesen aber
schnell davon geschieden bist Deine Abreise trägt die seltsamsten Spuren des
Geheimnisses Um Mitternacht in Trauergewand ohne alle Begleitung hast du das
Schloss verlassen
    Deine Weiber die mir weinend entgegen kamen wollen dich vor dem
unerklärlichen Schritte in außerordentlicher Bewegung gesehen haben du sollst
die Jutta welche du immer am meisten liebtest und die dich ungeachtet deines
Verbots weiter als ihre Gespielinnen begleitete noch einmal umarmt und zu ihr
gesagt haben bete für mich gutes Kind ich weiß nicht ob ich zum Leben oder
zum Tode gehe 
    Ich habe mit den Überbringerinnen dieser unerklärlichen Nachrichten
gescholten sie hätten dich schlechterdings nicht allein lassen sollen wer
weiß zu was für Ausschweifungen dich der Trübsinn der dir nach den letzten
Trauergeschichten anhängt und die Einsamkeit in welcher du hier gelebt haben
sollst gebracht haben
    Ich höre dass du niemand gesehen hast als den Bischof von Sutri und meine
Mutmaßung dass er um deine Angelegenheiten wissen muss ist wohl nicht
ungegründet ich habe schon mit ihm hierüber gesprochen ohne etwas ergründen zu
können Nur in einem hat er mich beruhigt Ich besorgte Kalatin der wie ich
weiß dir noch immer nachstellt habe dich zu verlocken gewusst und du seist
vielleicht in seine Hände geraten Sutri versichert mich vom Gegenteil und
setzt das Versprechen hinzu dir einen Brief von mir in die Hände zu liefern so
weiß er doch wo du bist also kennt er doch die Mittel zu dir zu gelangen  Wer
mag sich in diese Bischöfe finden auch ich habe mich nur allzuoft von ihnen
lenken lassen und jetzt sehe ich die Folgen davon Folgen die ich ewig bereuen
werde Gebe Gott dass du nicht das nämliche erfahrest Höre hier das vornehmste
meiner letzten Geschichte das ich dir mitteilen muss um mein Herz nur
einigermaßen zu erleichtern
    Von Sutri angefeuert entschloss ich mich zur Reise nach Frankfurt ich
glaubte dem Tode entgegen zu gehen Beides der Ort wohin und die Ursach warum
ich reiste missfiel mir Ich sollte Rache über das vergossene Blut desjenigen
flehen welchen keine Ahndung der Schreckenstat in die Arme seiner Kinder
zurückbringt sollte dieses verabscheuungswürdige Gesuch bei demjenigen
anbringen den ich hasste ohne ihn je gesehen zu haben bei Otto dem
nunmehrigen Kaiser dem Gegner meines unglücklichen Vaters bei seinen Lebzeiten
jetzt dem Besitzer seines Trons bei ihm mit dessen Heirat ich von Kindheit
auf gequält wurde und der als ich ihm endlich angetragen ward mich
verschmähte
    Er verschmähte mich weil er mich nicht kannte dies sagte man mir
tausendmal und o möchte er mich doch nur nie kennen gelernt haben Aber ich
habe Ursach zu glauben dass man mich nur darum zu dieser Reise veranlasste um
mich ihm vor die Augen zu bringen  man hat seine Absicht erreicht der Kaiser
hat mich gesehen in einer unglücklichen Stunde gefiel ich seinen Augen und er
hat Unterhandlungen verneuert welche er einst selbst abbrach
    Alverde ich kann nicht sagen dass Otto der Kaiser mir missfällt er ist ein
schöner und wenn die gemeinen Regeln der Gesichtskunde nicht trügen ein edler
Mann ich hätte ihn vielleicht lieben hätte ihn wenigstens dulden können  wenn
kein Alf von Dülmen in der Welt gewesen wär  O meine Schwester verzeihe mir
das nochmalige Geständnis einer Schwachheit die du nie billigtest ich liebe
deinen Bruder ich werde ihn ewig lieben der Kummer um ihn ist jetzt da ich
bereits alles verloren habe was mir das Leben lieb machte da ich nach dem
Tode angebeteter Eltern für kein andres Leiden Gefühl übrig haben sollte noch
immer stark genug meine umwölkten Tage noch mehr zu trüben O Alverde wo mag
Alf von Dülmen sein wo mag er verweilen dass er nicht die Flecken abwischt
welche man seinem guten Namen anhängt Es war mir schon entsetzlich Otten von
Wittelsbach meinen Freund den Liebling meiner Mutter den Verlobten meiner
Schwester Kaisermörder schelten zu hören denke was ich fühle wenn man den
Mann meines Wunsches und meiner Wahl mit diesen Namen brandmarkt
    Frankfurt zu besuchen vor dem Kaiser um Recht zu flehen ließ ich mich
wahrlich mehr aus Liebe als aus kindlicher Pflicht bewegen Rache kann wie ich
schon vorhin sagte mir meinen Vater nicht wiedergeben aber Rache wenn sie den
rechten Mann trifft kann wohl den Unschuldigverleumdeten rechtfertigen und mir
den Gedanken an ihn erlaubt machen 
    Ach dieser Gedanke möchte mir wohl nun auf ewig verboten sein Des Kaisers
Absichten auf mich sind ernstlich man sagt er sei über meine schnelle Abreise
aus Frankfurt in Verzweiflung er habe gewähnt ich sei aus Zorn geschieden
weil er mein Gesuch mit den Worten abschlug »Kaiser Philipps Mord sei in so
dichte Dunkelheit gehüllt dass kein anderer als Gott den Mörder richten könnte«
    Bei Gott dies war nicht die Ursach warum ich mich so bald zurückzog ich
wusste ja kaum ob ich das wünschte was ich am Throne suchte wie hätte mich die
Verweigerung beleidigen sollen aber den Eindruck den ich auf dem Kaiser
machte sah ich seinen Fortgang wollte ich hindern darum flohe ich
    Der Bischof von Speier welcher dem Kaiser die Reichskleinodien nach
Frankfurt überbrachte und dem ich auf halben Wege begegnete schalt mit mir
über meine Flucht er drang auf meine Rückkehr und schwur als ich mich
weigerte er wolle die Sache zu meinem Glück schon zu endigen und meine
begangenen Fehler auszugleichen wissen
    Glück Alverde was nennen diese zudringlichen Freunde Glück dass ich
Kaiserin werde  O wie armselig gegen den Wunsch meines Herzens Liebe und
Leben an der Seite des Mannes den ich mir wählte
 
                           Kaiser Otto IV Erklärung
                                     1209
Nachdem es uns obliegt das Blut unsers in Gott ruhenden Vorgängers auf dem
Kaiserstuhl von den Händen des Mörders zu fordern und dadurch Flecken
auszutilgen welche man unserer eigenen Ehre anhängen könnte so erging schon
längst in alle Gegenden des deutschen Reichs unser gemessener Befehl zu
Entdeckung und Bestrafung des Mörders allein da das erste unmöglich war so
blieb es auch das andere
    Jetzt da Kaiser Philipps Tochter an unserm Throne um Rache flehte welche
wir anfangs nur darum zurückwiesen weil wir ihrem Gesuch nicht nach Maassgabe
der Gerechtigkeit Gnüge tun konnten jetzt da der Bischof von Speier und Anton
von Hagenau als persönliche Zeugen beim Kaisermord den sie doch nicht hindern
konnten einmütig den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach den Täter nennen jetzt
sehen wir uns genötigt die Acht welche wir gleich anfangs über den Verbrecher
und seine Brüder ergehen ließ nochmals zu erklären letztere all ihrer
zeitlichen Habschaften auch Ehrenämter und Titel verlustig und ersteren
vorgemeldeten meuchelmörderischen Pfalzgrafen für Vogelfrei zu erklären so dass
jedermann laut unserer ersten Erklärung welche wir über die Person des
Kaisermörders zweifelhaft gemacht zurücknehmen mussten ihn ungestraft töten
könne wo er ihn findet damit das unschuldig vergossene Kaiserblut von unsern
Thron und unsern Landen hinweg getan und die Rache des ewigen Richters von uns
gewendet werde
 
                            Kaiser Otto an Beatrix
                                     1209
Prinzessin eure Wünsche sind erfüllt die Rache folgt den Fusstapfen des
mörderischen Wittelsbach nur Täuschung konnte mich bewegen euch Recht zu
versagen jetzt da der Bischof von Speier mir die Augen öffnet jetzt da zwei
Augenzeugen die Untat des Pfalzgrafen gewiss machen jetzt sollt ihr sehen dass
ich Kaiser bin und zu strafen wisse
    O dass ich hoffen könnte nur Unwille über den der es wagte euch die erste
Bitte zu versagen nicht Abneigung gegen meine Person nicht Hass gegen den alten
Gegner eures Vaters nicht Verachtung gegen den welcher ehemals seine Augen vor
seinem Glück verschloss habe euch bewogen Frankfurt so schnell zu verlassen
Bischof Konrad versichert mich davon o dass ich die Bestättigung aus eurem Munde
oder von eurer Feder erhalten möchte
    Meine Gesandten haben Befehl mit euch euren Vormündern und euren
Verwandten über die Angelegenheit welche das Glück meines Lebens betrifft über
eure Erhebung auf den Thron Unterredung zu pflegen wie selig würde ich mich
schätzen mir eure Huld um eine Krone einzutauschen wie selig Philipps
Andenken zu dessen Feinde mich nur mein böses Schicksal machen konnte in
seiner Tochter Gerechtigkeit wiederfahren lassen zu können
 
                     Herzog Bernhard an Peter von Kalatin
                                     1209
Dein Eifer um die Rechte der heimlichen Gerechtigkeit war löblich Deine
Anzeige indessen was man zu Pamiers hinter meinem Rücken vielleicht in
Hoffnung meine Krankheit sollte mein Tod sein begann hochnötig und Lohns
wert auch weißt du dass verschiedene Warnungsschreiben aufs schleunigste von
uns an diejenigen ergingen die von einer falschen Temis der Nachäfferin der
unsrigen Auftrag erhalten hatten ihre Hände mit dem Blute Philipps zu
beflecken welcher vielleicht in mehr als einer Betrachtung sorgfältig doch in
Rücksicht auf das angeschuldigte Verbrechen unschuldig war
    Alf von Dülmen und Otto von Wittelsbach wurden vor unsern freien Stuhl nach
 geladen teils von der Untat welche eine feindselige Macht ihnen
aufbürden wollte abgehalten zu werden teils Rechenschaft über verschiedene
dir bewusste Verbrechen abzulegen man beschuldigte beide eigenmächtiger Schritte
ohne Vorwissen des heimlichen Bundes beschuldigte besonders den Pfalzgrafen
eines Mangels an Verschwiegenheit dessen Folgen wir bereits nur gar zu deutlich
spüren Ursach genug für uns zu rufen und für jene eilig zu erscheinen
    Aber unser Ruf erreichte ihr Ohr nicht oder blieb von ihnen unbefolgt die
schwärzeste Tat der Hölle der Kaisermord erfolgte und noch hatte jene beiden
niemand von den unsern gesehen große Veranlassung für uns einen von ihnen oder
beide für die Täter zu halten und sie mit dem Rachschwerd zu verfolgen
    Dicke Nacht liegt hier noch über Schuld und Unschuld verbreitet selbst
unser Auge das sonst alles durchdringet ist zu schwach hier deutlich zu
sehen Otten von Wittelsbach hält das ganze Reich vor den Mörder der Bischof
von Speier hat wider ihn zu Frankfurt gezeugt und er und seine Brüder sind in
die Acht gesprochen Dagegen klagen Kaiser Philipps Töchter an unserm Throne
aber nicht gegen Wittelsbach dessen Unschuld sie nicht unwahrscheinlich
beweisen Sie rufen Rache in alle vier Winde sie fordern uns auf den
unbekannten Mörder ihres Vaters aufzufinden und denn zu richten und siehe Alf
von Dülmen steht auf und bekennt sich selbst zu der Tat 
    Auf Kalatin du weißt was in solchem Fall unsere Rache heischt auf denn
dir ist das Loos gefallen der Bluträcher zu sein und den Kaisermörder zu
richten wo du ihn findest säume nicht damit die gemeine Gerechtigkeit nicht
ihrer Schwester ein Opfer raube
 
                              Alverde an Beatrix
                                     1209
Ich liege zu Regenspurg krank liebt mich Beatrix so wird sie kommen meine
letzten Seufzer aufzufassen denn ob ich gleich eine Wiedergenesende heiße
obgleich die Ärzte die man wider meinen Willen mir zu Hilfe rief mich so weit
gebracht zu haben glauben dass sie mir den Gebrauch der Feder gestatten können
so ist diese Besserung doch nur scheinbar ich werde und will nicht leben Der
Tag täuscht meine Helfer mein Befinden ist während desselben erträglich Aber
die Nacht ist meine Peinigerin in ihren düstersten Stunden tritt allemal eine
Furie an mein Bette und wiederholt mir das was ich sah und das was ich hörte
und foltert mich mit den Schrecknissen der Zukunft Sie nennt mich
Brudermörderin und reißt durch lebendige Vorstellung von dem was ich tat und
was ich so wohl vermeiden konnte jede Nacht einen Teil von meinen Leben ab
Der Rest der noch vorhanden ist kann nicht groß mehr sein vielleicht ist er
aufgezehrt ehe ihr teure Beatrix meine Bitte erfüllt vielleicht ehe dieser
Brief noch vor eure Augen kommt
    Im Fall denn dass ich euch diesseit des Grabes nicht wiedersehe und euch
mündlich gewisse Aufträge an eure Schwester die Prinzessin von Kastilien geben
kann so vergesset nicht was ich euch schriftlich sage ihr wörtlich kund
werden zu lassen Euch wird es rätselhaft sein aber ich bitte euch grübelt
nicht zuviel in diesen Dingen wenn ihr euer eigenes Herz nicht durchbohren
wollt Vergesst Alf von Dülmen vergesst Alverden seine unglückliche Schwester
werdet die Gemahlin des edelen Mannes den euch der Himmel zuführt der
Kaisername ist Ottos kleinstes Verdienst ich sagte euch dieses oft wenn ich
euch durch Vorstellung eurer Bestimmung von einer blinden Leidenschaft ablenken
wollte O Beatrix wissen wir auch allemal was wir wählen oder was wir
wünschen Das Schicksal entreisst uns den Gegenstand unserer Wahl und bietet uns
einen andern wir erheben ein großes Geschrei und wissen nicht dass es unser
Unglück war was wir unser Bestes was der Himmel für uns wählte 
    Ich wiederhole es euch nochmals Prinzessin schlagt Ottos dargebotene Hand
nicht aus vergesst Alf von Dülmen und werdet Kaiserin dass euch das Glück10
reicher als eure Schwestern machte mag euch nichts zum frohen Leben helfen
wenn ihr töricht genug seid um einer Chimäre willen den Sohn Heinrich des
Lowen den edelen Otto auszuschlagen und dadurch den Tadel der ganzen Welt auf
euch zu ziehen Der Rang den euch der Himmel anweisst gibt euch aufs wenigste
den Trost den Wunsch eurer Eltern erfüllt zu haben und für Eure11 unmündige
Schwester mit mehreren Anstand sorgen zu können Nehmt dieses als die letzten
Ratschläge einer sterbenden Freundin und vernehmet jetzt was ich euch an
Elisen aufzutragen habe
    Nach manchen innerlichen Kämpfen fasste ich den Entschluss dahin zu gehen
wohin sie mir Auftrag gab ich wankte lang doch ich wähnte selbst bei der Sache
interessiert zu sein und Freundesrat bestimmte mich völlig Der Bischoff von
Sutri wusste und billigte jeden meiner Schritte
    So rüstete ich mich denn Ich verhüllte mich in Trauergewand bloß aus
Rücksicht auf den Wohlstand wie ich meinte aber sollte nicht geheime Ahndung
mich bei meiner Wahl in dieser Kleinigkeit gelenkt haben Ahndung dass ich von
nun an zu ewiger Trauer bestimmt sei Es ist möglich dass ich im Drang
unerklärbarer Gefühle zu meinen Frauen Worte gesagt habe welche halbe Deutung
auf mein Geschick haben könnten ich weiß nicht mehr was ich sagte
    Ein heimliches Grauen befiel mich ob dem Wege den ich betreten sollte doch
betrat ich ihn einsam so wollte es meine Anweisung Es dauerte nicht lang so
fand ich meinen Führer er leitete mich ob nahe oder fern ob in Stunden oder
Wochen das tut nichts zur Sache genug er leitete mich an den Ort wo die
Richter richteten eine geschlossene Ehrfurcht gebietende Versammlung Als
Klägerinn trat ich vor derselben auf und zitterte was muss hier der Beklagte
fühlen 
    Man bedeutete mich nicht ehe zu sprechen bis ich aufgefordert würde und
ich schwieg Vor meinen Ohren wurden Dinge abgetan die ich nicht nachsagen
darf denn man trug Sorge meine Lippen beim Eintritt in den geweihten Ort mit
einem Eide zu versiegeln Aus allen Bezirken des Deutschen Reichs auch noch aus
ferneren Gegenden standen Zeugen auf und zeugten von ungeheuren Verbrechen
Kläger die von andern Richtstühlen zurückgewiesen worden waren suchten hier
Genugtuung und fanden sie Die ausgesendeten Diener der Rache wurden
aufgerufen und empfingen durchs Loos Anweisung zu schrecklichen Geschäften
Andre traten auf und legten Rechnung ab wie sie das anvertraute Schwert hie
und da nach Befehl gehandhabt hatten Ach das Blut des Freundes und des Bruders
haftete an manchem und die Tränen flossen in seine Erzählung
    Mir ward das Blut zu Eis bei diesen Auftritten o Elise hättest du alle
Schrecknisse des Auftrags gewusst den du der armen Alverde gabst du würdest
ihrer geschont haben Einige der Männer unter welchen ich stand  kein Weib
war überall gegenwärtig   hatten Mitleid mit der Bewegung in welcher sie
mich sahen und unterstützten mich dass ich nicht sank Einer von ihnen wagte
es das heilige Stillschweigen das hier außer den Stimmen am Richterstuhle
herrscht zu brechen und mir Verwundrung eine Person meines Geschlechts hier
zu sehen zuzuflüstern ein anderer bewunderte meinen Mut mich an diesen Ort zu
wagen  Ich antwortete nicht mein gerühmter Mut verminderte sich von
Augenblick zu Augenblicke und er war ganz hin da man mich zum Sprechen
aufforderte
    Ich ward an die Stufen des Trons geleitet aber ich konnte nichts weiter
tun als niederfallen und die Hauptworte meines Gesuchs stammeln Man fragte
mich ob ich Kaiser Philipps Tochter sei ich verneinte und nannte den Namen der
Prinzessin auf deren Befehl ich erschien 
    Eine große Untersuchung begann Personen waren gegenwärtig welche wohl um
die Tat wussten und mehr hierüber sagen konnten als ich selbst vermochte Die
Zeugen und Beisitzer des großen Gerichts sind die lebendigen Verzeichnisse von
allem was hier des Forschens bedarf Kein Fall kann vorkommen über welchen
nicht einer aus der Versamlung bündige Auskunft zu geben wüsste
    Nachdem alles vorgebracht war was zur Sache taugte nannte man einmütig
den Namen Pfalzgraf Ottos von Wittelsbach Ich hatte indessen Mut genug gefasst
seine Verteidigung zu übernehmen ich zog den Brief der Kaiserin Irene vor
welcher den besten Beweis seiner Unschuld enthielt auch erhub sich einer aus
der Versammlung den ich schon vorher wohl bemerkt und gekannt hatte den
Wittelsbacher schuldlos zu erklären Man forderte Beweise von ihm die Stelle
antwortete er die ich in diesem Gericht bekleide berechtigt mich mein bloßes
eidliches Wort als beweisend anzugeben
    Wittelsbach war also entschuldigt und nun erhub sich eine Stimme den
Mörder Kaiser Philipps aus allen Gegenden der Welt zur Strafe herbei zu rufen
mir bebte das Herz als wär ich die Verbrecherinn  Eben wollte man weitere
Verfügung zu Herbeibringung des Schuldigen auf den nächsten Gerichtstag treffen
da stand einer von den Höchsten aus der Versammlung auf und rief Ich Ich bin
der Mörder Verführung und halber Wahnsinn könnten mich entschuldigen aber  
    Ein fürchterliches Getös erhub sich auf der ganzen12 Fläche so weit des
Sprechers Worte gehört worden waren Es war etwas unerhörtes einen Beisitzer
des furchtbaren Gerichts als Verbrecher aufstehen zu sehen die ganze
Versammlung erhub sich alle Stühle wurden mit Geräusch umgekehrt alle Lichter
gelöscht nur der Mond erhellte mit seinen Stralen die grauenvolle Szene
    Von Entsetzen übermocht war ich zur Erde gesunken der welcher sich als
Kaiser Philipps Mörder bekannte der wider welchen ich das Rachschwerd
aufgerufen hatte war eben derjenige welcher zuvor nebst mir zu des Pfalzgrafen
Verteidigung gesprochen hatte es war     O Elise schenkt mir den Namen
    Gänzliche Bewustlosigkeit würde mir in meiner Lage Wohltat gewesen sein
der Himmel begnadigte mich nicht mit derselben ich blieb bei mir selbst um zu
hören wie der den ich liebte mit den fürchterlichsten Flüchen belastet und
hinaus gewiesen ward aus der Versammlung dass ihn töde wer ihn finde weil
dieser Ort zu heilig sei sein Blut zu vergießen Ich sprang auf ihm zu folgen
man hielt mich zurück man zog das Loos über die bestimmten Henker des
Unglücklichen wider den ich die Rache geweckt hatte aber ich vernahm die Namen
nicht endlich besiegte die Verzweiflung die Kräfte der Natur und ich sank in
einen Zustand des Nichtseins aus welchem ich erst nach mehrerern Tagen hier in
Regenspurg in dem Hause eines Verwandten in welches man mich aus jenem
Schreckensorte gebracht hat erwachte
    Ich zürne mit der Natur dass sie sich aus dem gefahrvollen Zustande in
welchem ich dem Tode nahe war empor half doch die Hoffnung zu sterben bald zu
sterben ist noch nicht erloschen wie wärs möglich das was ich im Stillen
leide lang auszuhalten
    Eilet Beatrix wenn ihr mir den Trost gönnet euch diesseit des Grabes noch
einmal zu umarmen eilet zu mir nach Regenspurg Von dort aus habt ihr kaum den
halben Weg nach Frankfurt und ihr könnt so gleich vom Grabe der Freundin nach
dem Traualtar gehen
    O Elise könnte ich auch dich noch einmal umarmen Doch wohl dir dass du
nicht hier bist meinen Jammer zu sehen den du besser als irgend jemand
verstehen würdest Leb wohl  Dort wohin Alix voran gegangen ist sehen wir
uns wieder
    Ach dein letzter Brief an mich enthält manches in Rücksicht auf die Gräfin
von Toulouse darüber ich gern dein Urteil berichtigen möchte  Mein Trost
ist dass dort nicht Verirrungen des Verstandes nur des Herzens gerügt werden
doch wehe denen die dich verabscheuen lehrten was du ehemahls mit so heißem
Eifer für wahr erkanntest Wisse du hast keine Stunde deines Lebens zu bereuen
die du mit Alix zubrachtest und ich nenne mich um keiner Handlung willen eine
Sünderinn als um derjenigen die mich jetzt zum Grabe befördert noch mehr ich
würde gegenwärtig ganz ohne Trost sein wüsste ich nicht was ich zu Toulouse
lernte
    Dies dir meine Elise und dir Beatrix nochmahlige Einladung zur Eile
 
                               Beatrix an Elisen
                                     1209
Alverdens Brief den du nun erhalten haben wirst und den ich besser verstand
als eine von euch denken mag ließ mir kaum Kraft übrig die eilige Reise zu
beginnen die mir unsere Freundin empfahl aber den Entschluss des Kaisers
Bewerbung um meine Hand nicht zurück zu weisen zu dem man mich schon halb
überredet hatte diesen fest zu machen bewies er seine volle Kraft
    Ich weiß ich werde auf kurze Zeit Kaiserin sein aber diese kurze Zeit sei
angewandt Pflichten zu erfüllen die ich nicht anders als auf dem Throne
vollbringen könnte Wollte Gott ich wär schon Ottos Gemahlin wollte Gott ich
könnte schon jetzt vom Throne den Ausspruch tun Ich Philipps Tochter verzeihe
seinem Mörder ich will nichts von Rache hören meine erste Bitte an die
Gerechtigkeit und an den Handhaber derselben den Kaiser ist Schonung
Schonung für die Schuldigen und Unschuldigen  Meinst du nicht Elise dass der
Kaiser Macht Gerechtigkeit für die hat allen Rächern allen du verstehst
mich allen sage ich Einhalt zu tun
    Arme unglückliche Schwester ich denke mir wie seit den letzten Briefen
aus Deutschland deine Tränen geflossen sein werden
    Sehr unvorsichtig hat man dir wie ich höre berichtet dass auch über den
Pfalzgrafen so unschuldig er sein mag die Reichsacht ergangen ist und du
beweinst also ungefähr was ich beweine nur ungefähr nicht ganz Verleumdete
Tugend ist der Gegenstand deines Kummers meine Tränen fließen für das
Verbrechen Wer ist am meisten zu beklagen
    O Schwester wär der Anteil den wir an dem Verderben dieser Unglücklichen
haben nur nicht so groß Himmel wozu hat man uns verleitet Man hat uns zu
Anklägerinnen derjenigen gemacht die wir gern mit einem Teil unsers Blutes
retten würden Otto der Kaiser denkt die Erklärung seiner Liebe gegen mich
nicht besser einleiten zu können als mit der Versicherung dass Wittelsbach
sterben solle Wittelsbach der Unschuldige mein ehemahliger Freund mein
gehofter Bruder Auch um ihn fließen meine Tränen fließen fast so häufig um
ihn als um den andern den ich nicht nennen mag Ich habe dem Kaiser um
Schonung geschrieben ich sehne mich nach dem Tage da mir der Name Gemahlin
noch mehr Recht über sein Herz und seine Handlungen gibt ach dass nur nicht
denn alles schon zu spät sei Die Rache hat Flügel wer will sie einholen
    Ich hasse jetzt jeden der mich an den Abgrund von Elend leitete an welchem
ich jetzo stehe oft wenn ich über das ganze All unserer Unfälle nachdenke so
ist mirs als herrschte durchaus eine verborgene feindseelige Macht die alles
zu unserm Verderben leitete die uns selbst zu Werkzeugen desselben machte die
uns handeln lehrte wie wir nicht handeln wollten und uns gerade das
vollbringen ließ was wir verabscheuten
    Hier sind Abgründe die weder du noch ich jemals durchschauen werden Hände
haben hier gewürkt Triebräder in die große Maschiene die zu unserm Verderben
in Gang gesetzt wurde eingegriffen auf die wir wohl nie raten durften
    Die welche uns sichtbar am Seil führten waren Sutri und der Bischoff von
Speier Den letzten entschuldige ich ich kenne den alten Mann hinlänglich um
ihm zuzutrauen dass überall Treue gegen seinen unglücklichen Kaiser und Wünsche
seine verlassenen Töchter zu beglücken der Grund seiner Handlungen war aber was
soll ich von Sutri denken 
    Wider meinen Willen ist er mir nach Regenspurg gefolgt Er quält die
schwache Alverde unablässig um Mitteilung verborgener Dinge zu deren
Augenzeuginn sie seine hämische Staatsklugheit zu machen wusste er der wohl von
Männern Geheimnisse herauszulocken wusste glaubte von einem schwachen
Frauenzimmer alles erfahren ihre Augen ganz wie die seinigen gebrauchen zu
können aber er irrte Alverde musste wie ihr Brief sagt Geheimhaltung gewisser
Dinge beschwören und es fehlt ihr nicht an Festigkeit ihren Eid zu halten
Auch sie scheint jetzt Sutri aus einem andern Lichte zu betrachten als vordem
da er sie mit seiner schlauen List sowohl als dich und mich eingenommen hatte
sie hasst und flieht ihn Bei ihm will gleichfalls die Maske der Freundlichkeit
gegen sie nicht mehr recht haften er spielt oft auf ihren Irrglauben an nennte
sie jüngst öffentlich eine Waldenserinn und sprach viel von den Verfolgungen
die diese unglücklichen Leute jetzt in Toulouse auszustehen haben oder von dem
Triumpf des Glaubens wie er es zu nennen pflegt
    Meinst du nicht Beatrix sagte die arme Alverde zu mir meinst du nicht
dass ich mich bald zum ewigen Schlafe niederlegen muss wenn ich ruhig und
ungefoltert sterben will Ich schloss sie in meine Arme Wenn Beatrix Kaiserin
wird sagte ich so wird sich niemand unterstehen ihre Busenfreundinn
anzutasten Du vermissest dich viel antwortete sie wollte Gott das Gute wäre
alles schon getan das du dir in den Sinn nimmst
    Übrigens sprechen wir wenig von den Dingen die uns am meisten am Herzen
liegen und nichts von dem Inhalte ihres letzten schrecklichen Briefs ich fühle
die Notwendigkeit sie auf alle Art zu schonen Sie muss wissen dass ich jedes
Wort desselben verstehe sie schrieb ihn vielleicht in der Absicht nicht
unmittelbar an dich dass ich ihn lesen und aufs wenigste Mutmaßungen fassen
könnte die mich zu meiner Pflicht antrieben Sie handelte recht die Bande
welche mich an den unglücklichen Alf von Dülmen fesselten mussten gewaltsam
zerrissen werden wenn der Kaiser nicht abgewiesen werden sollte
    O Alf von Dülmen Alf von Dülmen wer hätte das von dir gemeint noch bist
du mir ein Rätsel Verführung und halber Wahnsinn machten dich zum Mörder
sagtest du  Ach ja wohl Verführung Auch wir sind in ihre Stricke gefallen
auch uns hat sie zu Mörderinnen gemacht sind du und der Pfalzgraf nicht zu
retten so klebt euer Blut an unsern Händen
 
                     Peter von Kalatin an den Herzog von 
                                     1209
Musste es so mit mir enden  Ja ich hasste diesen Otto von Wittelsbach weil er
mit Verachtung auf mich herabsah hasste den sogenannten Alf von Dülmen weil er
sich höher geschwungen hatte als ich je mich schwingen werde und weil er
übermütig genug war mir seine Schwester zu versagen aber wäre die Demütigung
meiner beiden Feinde erfolgt wär Alverde die Meinige geworden so wär ich
befriedigt gewesen Ottos und Adolfs Mörder wünschte ich nicht zu werden
    Und doch bürdet mir das Schicksal diese schreckliche Rolle auf Als Mitglied
des großen Bundes bestimmte mich das Loos zum Ausrichter der heimlichen Rache
die  o es ist entsetzlich zu sagen  die die Schwester wider ihren Bruder
aufgerufen hat  Als Untermarschall des Reichs habe ich die Obliegenheit die
Verfolgung des Pfalzgrafen zu veranstalten treffe ich ihn persönlich so haftet
mein Leben für das seinige ich muss sterben oder ihn mit dieser Hand erwürgen
grauenvolle Pflichten welche die schreckliche Göttinn die wir Gerechtigkeit
nennen von uns heischt  Sind beide Angeklagte schuldig oder ists nur einer
sollen beide büßen was nur einer verschuldete und warum muss ich ihr Henker
sein  Ach das dachte ich nicht da ich die ersten Feindseligkeiten wider sie
begann das dachte ich nicht da ich mich durch römisches Gold zu falschen
Schritten verleiten ließ demütigen wollte ich die Stolzen ihr Blut vergießen
wollte ich nicht 
    Ihr sagt dass ich gleichwohl der erste war der den Verdacht des Kaisermords
wider sie erweckte doch geschahe dieses nicht um die Heiligkeit unsers Bundes
zu retten um der Gerechtigkeit die im Verborgenen richtet den Namen der
unbefleckten untrüglichen auf ewige Zeiten zu erhalten  Ihr Herzog ihr gabt
die Losung zu allen diesen Gräueln ihr liesst euch zu strafbarer Vertraulichkeit
mit römischen Spionen verleiten ihr schwatztet aus was verschwiegen bleiben
sollte ihr gabt dadurch unsern Feinden die Mittel an die Hand unserer
Gerechtigkeit statt der heiligen Hülle gefärbte Gläser vorzuschieben Vor eurem
Gericht kam die ungeheure Beschuldigung des nun ermordeten Kaisers zu stande
ihr rüstetet die Rächer aus ihn für ein Verbrechen zu bestrafen das er nicht
begangen hatte die Tat geschah und nun sollen die Täter für ein Verbrechen
sterben das eigentlich ihr beginget
    Herzog Herzog die Rache tritt auch in eure Fusstapfen ich will euch
glauben dass ihr getäuscht dass ihr in einen Wirbel von falschen Schritten
gezogen wurdet ohne es fast gewahr zu werden aber soll das Auge des Richters
so leicht zu täuschen sein soll sein Fuß so leicht von dem rechten Pfade
abirren  Gesteht dass ihr euch der hohen Würde eines Stellvertreters des
weisen Bernhard von Sachsen ganz unwürdig erzeigt habt steht auf aus dem
Gericht wo ihr nicht mehr Platz haben könnt da das Blut der Unschuld da
Philipps Wittelsbachs und Graf Adolfs Blut da auch das meinige an euren
Händen haftet Stehet auf Herzog von dem heiligen Stuhl ehe man euch mit
Gewalt hinwegreisst
    Euch das Elend dessen Ursach ihr wart vor Augen zu legen euch vor dem zu
warnen was euch selbst betreffen könnte das ist der Endzweck dieses Briefes
Lasst ab von den römischen Verbindungen in welche ihr wie man versichert
euch immer tiefer verwickelt Man hat euch die geheime Einrichtung des
allsehenden Gerichts abgelauscht um seine Macht an sich zu reißen oder ihm ein
anderes an die Seite zu setzen welches sein Nebenbuhler werden das unsrige
verschlingen und lange nach seinem Untergang noch existieren kann da man bei
seiner Gründung weniger auf die Nachahmung unserer Gerechtigkeit als derjenigen
Dinge sehen wird die unsern Bund zum Schrecken der Menschheit machen
    Noch einmal Herzog legt eure Würde gutwillig nieder ehe man euch die
Zeichen derselben mit Gewalt entreisst Schon ist unser weises Oberhaupt von dem
größten Teil eures unvorsichtigen Betragens unterrichtet durch mich
unterrichtet denkt euch die Folgen und zittert
 
                   Otto von Wittelsbach an Elise und Beatrix
                                     1210
Was tat ich euch ihr Töchter Philipps dass ihr mich so grimmig verfolgt Ihr
fordert das Blut eures Vaters von meinen Händen das weder ich noch die
meinigen vergossen haben Ich weis mich keiner Untat schuldig als des
Versuchs dich treulose Elise die meiner nun in den Armen eines andern spottet
gewaltsam zu entführen ein törigter Anschlag welcher der Wut gehöhnter
Leidenschaft noch wohl zu verzeihen ist auch traf er dich nicht ungewarnt ich
sagte dir zuvor du solltest mich nicht durch deine Härte aufs äußerste bringen
oder dir gefallen lassen was daraus erfolgte dies war der Gegenstand meiner
Drohungen die man jetzt wider mich anführt und mir schuld gibt ich habe dir
den Mord deines Vaters gedroht an dem ich unschuldig bin und den ein Mensch
oder ein Teufel auf meine Rechnung beging welchen Gott richte 
    Für meine Unschuld zeugt alles wenn man nur die Augen auftun wollte um zu
sehen demohngeachtet muss ich in meinem Vaterlande wie ein Vertriebener leben
Meine Schlösser wurden geschleift meine Habe zur gemeinen Beute gemacht meine
Knechte des Gehorsams entlassen meine Brüder und Verwandte so unschuldig als
ich unschuldiger können sie nicht sein teilen mein schreckliches Loos
meine Freunde kehren mir den Rücken öffentlich wütet gegen mich des Kaisers
Bann heimlich tritt ein noch furchtbarerer Feind in meine Fusstapfen schleicht
um mein elendes Lager das ich in Büschen und Felsklippen nehmen muss und droht
mir den Dolch schlafend ins Herz zu drücken Ich will mich vor dem Gericht
rechtfertigen dessen Verfolgung mich am meisten ängstigt aber Todesfurcht die
ich im Felde in tausend rühmlichen Fehden nicht kannte schreckt mich in meine
Höle zurück der Rächer könnte mir auf dem Wege zum Stuhl der Unfehlbarkeit
wohin ich meine Unschuld tragen will begegnen und mich erwürgen Ich will mein
Vaterland verlassen aber soll Wittelsbach der nie seinem Feinde einen Fussbreit
wich jetzt wie ein Verbrecher fliehen
    Doch was mache ich Philipps stolze Töchter könnten auf den Tronen zu
welchen sie blindes Glück und Treulosigkeit erhoben haben wähnen der
unglückliche Otto flehe ihr Mitleid an Dafür lieber den Tod der mich schon
getroffen haben würde hätte sich nicht ein Freund ein Schutzengel zu mir
gesellt dessen Wert so hoch ich ihn immer schätzte mir doch erst mit voller
Klarheit in die Augen leuchtet 
    O Alf von Dülmen welch ein Freund bist du  Jetzt da alles von mir
zurückweicht stehst du allein an meiner Seite suchst mich auf in meiner
düstern Einsamkeit teilst mit mir das Felsenlager und das Mahl von Wurzeln und
wilden Früchten arbeitest für mich dass ich nicht aus der Sicherheit der Höle
entweichen darf wachst damit ich ruhig schlafen kann und schwörst mich gegen
jeden zu verteidigen der mich antasten will oder mein Blut wenigstens an ihm
zu rächen 
    O Jonathan mein Bruder deine Liebe ist zärtlicher als Frauenliebe Das
habe ich erfahren frage meine treulose Braut auf dem kastilischen Throne frage
die stolze Kaiserin Beatrix sie werden dir mit Erröten den Vorzug lassen
müssen ob du gleich mir täglich sagst du opferst mir nichts mit deinem Leben
du seist selbst ein Verbannter ein Verbrecher der Urheber meines Unglücks und
wie die Worte alle lauten mit welchen du die unglaubliche Treue die du mir
erzeigst herabsetzen und meinen Dank schwächen willst
    Lebt wohl Prinzessinnen ehemals meine Freundinnen jetzt grimmige
Verfolgerinnen die nach meinem Blute dürsten fast hätte ich vergessen dass ich
mit euch nicht mit dem redete der jetzt der einige Gegenstand meiner Liebe
ist durch seine Vermittlung komme dieses Blatt in eure Hände es lehre euch
dass mich eure Wut doch nicht des besten Guts das die Menschheit kennt eines
Freundes berauben konnte
 
                Beatrix an die Prinzessin Elise von Kastilien
                                     1210
Mein Loos ist entschieden Morgen trete ich die Reise nach Frankfurt zu meinem
Gemahl an ach Schwester warum ist mir mein Herz so schwer Otto ist ja
liebenswürdig er liebt mich er wird mir keine der Bitten versagen die ich auf
dem Herzen habe und um derenwillen allein ich Kaiserin zu sein wünsche des
Pfalzgrafen Rechtfertigung die Begnadigung des unglücklichen Alf von Dülmen
dessen Name mir wohl ewig eine Quelle von Tränen bleiben wird 
    Ich kann ich kann nicht bereuen was ich für ihn fühlte aber unablässig
wird mein Herz fragen Warum musste ich mich so schrecklich in meiner Wahl irren
Woher diese unglaubliche Vorliebe zu einem Menschen der mir das größte Leid
zufügen sollte Was machte den zu einem Verbrecher der in jedem Zuge das Bild
der höchsten Tugend trug
    Ich leide unbeschreiblich bei Betrachtungen von dieser Art gleichwohl
wollen es Pflicht und Wohlstand dass ich heiter scheine was würde man von den
Tränen einer königlichen Braut denken Sie zu hemmen muss ich mich vom
Nachdenken gänzlich losreißen Alverde welche von einer schweren Krankheit
genugsam hergestellt ist wieder meine Gefärtinn und Ratgeberinn zu sein
zürnt schon mit mir dass ich durch das Schreiben an dich meine erkünstelte
Heiterkeit trübe sie hat mir die Erlaubnis abgenötigt sich eine Zeitlang
aller Briefe welche an mich einlaufen bemächtigen zu dürfen nun wird sie mir
auch die Feder rauben das Schreiben von vergangenen Dingen behauptet sie sei
mir so nachteilig als wenn ich durch Briefe von meinen Freunden an dieselben
erinnert würde Was könnte ich eben für Briefe dieser Art erhalten als etwa von
dir oder Kunigunden doch nahm gestern Alverde ein Schreiben zu sich das an
dich und mich zugleich überschrieben war und das ihr verdächtig vorkam weil es
das wittelsbachsche Wappen trug Ein Unbekannter hat es gebracht Also ein Brief
von dem unglücklichen Pfalzgrafen 
    Sie nehme es hin und berichte uns daraus was uns zu wissen gut ist Ich
zweifle ob man dir bei deiner gegenwärtigen Lage die du mir ziemlich zwangvoll
beschreibst gestatten würde Schreiben von einer ehemaligen Verlobten
anzunehmen Möchte doch dieses welches ich Alverden überließ Nachricht von
seiner Sicherheit enthalten Sicherheit nur so lang bis die Urheberin seines
Unglücks die arme Beatrix mehr für ihn tun kann
    Tröste dich Wittelsbach deine Schlösser sollen wieder aufgebaut du und
deine durchächteten Verwandten losgesprochen werden sobald nur meine Stimme das
Ohr des Kaisers erreichen kann Mein erster Fussfall soll was meine schriftliche
Vorbitte nicht vermochte euch Gnade erwerben Mein künftiger Gemahl schrieb mir
ja nur noch neulich bittende Schönheit sei unwiderstehlich die knieende
Beatrix habe zuerst sein Herz gerührt  Und um was kniete um was bat ich da 
Um Rache Sollte ich nicht noch mehr vermögen wenn ich bei einem guten
gnadevollen Monarchen um Schonung flehte
    Ich fragte Alverden um den Inhalt jenes Schreibens sie schwieg aber ich
sah wohl dass sie als sie aus ihren Kabinet in welches sie sich um zu lesen
verschlossen hatte hervorging heftig geweint hatte 
    Auf meine nochmalige Frage ob sie Erschwerung unseres Leidens gelesen habe
antwortete sie Nein ehe das Gegenteil Wittelsbach hat einen Freund einen
Tröster gefunden ein Ort der Sicherheit birgt ihn dies ist denke ich genug
euch zu beruhigen
    Es ist es Alverde aber was mag aus deinem unglücklichen Bruder geworden
sein  Gern hätte ich so gefragt aber um sie zu schonen darf ich Alf von
Dülmens nicht gedenken
    Sie ist noch sehr schwach Nur überwiegende Liebe für mich bewegt sie mir
nach Frankfurt zu folgen so wie mich nichts veranlasst sie aus ihrer Ruhe und
Einsamkeit zu reißen als die Hoffnung das Geräusch des Hofs werde ihren innern
Gram über Dinge die sie sich ohn Ursach zur Last legt erst betäuben denn
seinen Stachel abstumpfen und so nach und nach ihr Gemüt zu völliger Heilung
vorbereiten die mir gelingen muss wenn alles so geht wie ich es wünsche und
wie ich es eingeleitet habe
    Leb wohl Elise Denkst du gar nicht mehr an unsere Freunde in Toulouse Man
verfährt grausam mit ihnen einiger Lehren wegen die sie annehmen und die man
irrig nennt  Die Klugheit verbietet mir mich hierüber deutlicher zu erklären
eine Frage glaube ich tun zu können und ich dächte auch dir würde sie erlaubt
sein Ob Feuer und Schwert Mittel sei Irrende zu bekehren  O Elise bittende
Schönheit ist unwiderstehlich Knie auch du vor deinem Gemahl um Schonung wie
ich für dem meinigen knien werde Sein Einfluss in das Schicksal der
unglücklichen Anhänger des Waldus ist groß Der Bischof von Kastilien ist einer
ihrer vornehmsten Verfolger er soll einer der ersten Richter in dem Tribunal
sein welches der Pabst zu Ausrottung der Ketzer neulich errichtet hat bitte
auch ihn knie auch vor ihm wenn es sein muss keine Demütigung zu Rettung der
Unschuldigen wird deiner Hoheit schaden
    Alverde schüttelt den Kopf über das was ich geschrieben habe sie meint es
könne dir Nachteil bringen auf vieles Bitten überlasse ich ihr den Brief sie
mag ihn in deine Hände befördern wenn es ihre Klugheit am sichersten hält ach
freilich hat sie Recht dass ein mündliches Gespräch alles was ich dir hier
sagte und sagen könnte besser und gefahrloser berichtigen würde als zwanzig
Briefe aber wird mir das Glück dich wieder zu sehen auch diesseit des Grabes
beschieden sein  Ich zweifle In dem Augenblicke da man mich zum Traualtar
führen will umschatten mich Todesgedanken und schwarze Ahndungen steigen in
meiner Seele auf Leb wohl leb wohl Elise
 
                    Alf von Dülmen an Otto von Wittelsbach
                                     1210
Dein Brief an die Prinzessinnen ist überliefert ich selbst war der
Überbringer ich achte mein Leben so wenig dass ich mich kühnlich dahin wagte
wo meine Entdeckung mein Todesurteil gewesen wär obgleich die Botschaft wie
ich dir wohl glaube nicht von der Wichtigkeit war ein solches Opfer zu
fordern deinen Hasserinnen Nachricht von deinem Elend zu geben war in
Wahrheit wie du selbst gestehst eine undankbare Mühe  Ach Schicksal dass du
die welche uns sonst die liebsten waren zu unsern Feinden machtest 
    Dein Brief kam aus meinen in Alverdens Hände ich sah sie meine ehemalige
Schwester jetzt meine Verfolgerin und Anklägerin ohne von ihr gekannt zu
werden das Geräusch von der Heimführung der königlichen Braut verhinderte die
Aufmerksamkeit auch mag das Elend wohl unkenntlich machen
    Otto ich weiß dass du verschiednes nicht verstehst was ich hier
geschrieben habe meine Geschichte ist dir noch bei weitem nicht ganz bekannt
du weißt nicht welch einen Verbrecher du bisher an deiner Seite duldetest 
Verbrecher kann es wohl einen größeren geben als einen Kaisermörder und doch
fänd auch dieser seine Entschuldigung Philipp hatte Blutschulden genug auf
sich es war billig dass er einmal bezahlte O Alix Alix von Toulouse
    Mir ist seit ich Personen wiedersah die mir einst in glücklichern Zeiten
teuer waren seit ich aus der Einsamkeit unter Menschen kam der Kopf ganz
schwindelnd die alten Anfälle kehren wieder  Du sollst dereinst schon alles
erfahren aber nicht ehe bis ich an heiliger Stelle mich entsündigt habe und
mich dir ganz rein von den Schulden darstellen kann die jetzt noch auf mir
haften  Einst wär ich der schönen Alix von Toulouse zu Liebe bald ein
Albigenser geworden aber diese Leute halten nichts von den Entsündigungen die
jetzt mein einiger Trost sind
    Nein Otto es bleibt dabei wir ziehen zum heiligen Grabe dort findet sich
Ruhe für unsere Seele und Arbeit für unser Schwert Meine Reise nach Regenspurg
war nicht fruchtlos ich hoffe dir übermorgen Mittel genug zu unserer
Ausrüstung und Zehrung auf dem weitern Wege zu bringen das alte Gemäuer wo du
auf deiner ersten Flucht vor des Kaisers Bann deine Schätze bargst habe ich
gefunden die Nacht wird mir zu dem Übrigen helfen Dir nur einige Kunde von
meinen Expeditionen zu geben schrieb ich dieses du wirst es in der holen Weide
an der Donau die du mir zu diesem Behuf bezeichnetest schon zu finden wissen
O dass die Begierde nach Nachricht von mir dich nur nicht bewege dich
unvorsichtig zu wagen Bedenke dass die Hand der Rache in deinem Nacken und
der welcher dir schwur für dich zu sterben fern ist Nur bei Nacht darfst du
die Weide besuchen
    Otto du wirst finden dass ich am Ende dieses Briefs ganz vernünftig
geschrieben habe Nur zuweilen nur wenn ich auf gewisse Punkte komme schwankt
mein Verstand Habe Geduld mit mir es wird sich alles aufklären
    Sei morgen meiner auf der Stelle gewärtig wo du diesen Brief finden wirst
doch darfst du mich nicht ehe als um Mitternacht erwarten Wir setzen denn bis
an den Morgen die Reise durch den Wald fort ruhen des Tages erheben uns
wiederum bei Nacht und fahren so fort bis wir in Gegenden kommen wo wir mit
mehrerer Sicherheit unsere Reise beschleunigen und das Meer erreichen können
das uns unter einen friedlicheren Himmel tragen wird
    Blutschulden sagt man folgen dem Menschen nicht aufs Meer sie bleiben auf
der Erde zurück die das Blut von seinen Händen trank Und ob sie uns auch
folgten Busse am heiligen Grabe tilgt alles
 
             Jutta Alverdens Kammerfrau an den Bischof von Sutri
                                     1210
Ich fand so wenig bedenkliches an eurem Auftrag euch alles zu melden was auf
unserer Reise nach Frankfurt vorfallen möchte dass ich ihn erfüllt haben würde
auch wenn unsere Begegnisse von anderer Art gewesen wären als die welche uns
leider betroffen haben Begegnisse welche mich in die Notwendigkeit gesetzt
haben würden euch zu schreiben auch wenn ich den Befehl dazu nicht unter dem
Siegel der Beichte erhalten hätte Hört das ganze All unsers Unglücks die
königliche Braut ist krank der Reichsmarschall der Herr von Kalatin welchen
der Kaiser der Prinzessin zum Führer zuschickte ist ermordet und mein armes
Fräulein befindet sich an den Pforten des Todes
    Dass die letzte euren geistlichen Zuspruch wünschen oder fordern solle kann
ich eben nicht sagen auch ist sie zu schwach zu wissen was ihr gut ist mir
aber als einer getreuen Dienerin liegt ob für ihr ewiges Heil zu sorgen und
euch hochwürdiger Herr zu ihrem geistlichen Beistand herbei zu rufen und
dieses um so viel mehr da ihr mir oft sagtet dass ihr Glaube mangelhaft ihr
Hang zu Ketzereien stark sei Dinge welche meine Anhänglichkeit an sie zwar
merklich schwächten aber jetzt den Wunsch sie gerettet zu sehen nur desto
mehr anfachen
    Mit halber Nachricht ehrwürdiger Herr wär euch wie ich überzeugt bin
nicht gedient und ich nütze also die Stunden der Nacht die mir bis zu Abgang
des Boten übrig sind euch alles zu melden was uns zugestoßen ist es sind
schreckliche Dinge von welchen ich das wenigste verstehe doch ich erhielt
Befehl von euch auch das mir unverständliche und eben dieses mit der meisten
Sorgfalt zu verzeichnen damit es eurer Weisheit nicht an Mitteln fehle sich
aus Irrgängen zu finden wo mein schwacher Verstand still steht
    Die Schwermut mit welcher mein Fräulein seit einiger Zeit befallen war
kennt ihr und ich behaupte nochmals was ich euch oft sagte wenn ihr euch
herabliesst mit mir über diesen Punkt zu sprechen dass dieselbe etwas mehr als
aufgeregten Gewissenszweifel zum Grunde haben müsse So heiter die Prinzessin
sich äußerlich erzeigte mit so viel Freude sie ihrer erhabenen Bestimmung
entgegen zu gehen schien so ward sie doch so wohl als ihre Freundin in der
Stille von einem Gram gefoltert welcher keine Gränzen hatte Euch über den
Grund dieser Dinge vollen Aufschluss zu geben trachtete ich noch des Abends vor
unserer Abreise mich zweier Briefe zu bemächtigen davon die Prinzessin den
einen selbst geschrieben und ihn Alverden endlich nach einigem Streit
überlassen hatte den andern brachte an einem der vorigen Tage ein Unbekannter
den ich nicht selbst gesehen habe auch von dem Briefe weiß ich nichts weiter zu
sagen als dass er ob er gleich an die Prinzessinnen Elise und Beatrix gerichtet
war dennoch von meinem Fräuleim erbrochen und unter tausend Tränen gelesen
wurde
    Ihr seht wohl dass sich aus diesen Schreiben viel aufgeklärt haben würde
aber sie sind mir unter den Händen verschwunden und ich muss glauben dass sie
nebst andern Schriften zusammen gepackt und nach einem Kloster zur Verwahrung
geschickt worden sind dessen Namen ich als Alverde den Boten abfertigte nicht
verstehen konnte
    Ob diese Dinge einen Zusammenhang mit dem haben was ich nun melden werde
mögt ihr entscheiden ich gehe weiter
    Der Gram der Prinzessin und meines Fräuleins ward durch das Geräusch der
glänzenden Heimführung der ersten nicht getilgt Unser Führer der Herr von
Kalatin den ich wohl ehe bei Hofe als den muntersten unter allen Rittern
gesehen habe schien von der nämlichen Seuche angesteckt zu sein Er nahte sich
Alverden nie ungeachtet ich wohl weis wie er ehedem um einen Blick um ein
Wort von ihr gerungen hat Mag wohl sein dass die Verminderung ihrer Schönheit
seine Liebe tödtete denn gewiss der heimliche Gram hat sie ganz zu einer andern
gemacht als sie vormals war
    Der Herr von Kalatin schränkte ungeachtet ich weis dass er von euch bei der
Abreise andere Einschläge erhielt unsere Freiheit auf keine Art ein in
Gedanken verloren ging er meistens seinen einsamen Weg für sich und ließ uns
den unsrigen nach Gefallen suchen Die Reisigen welche zu unserer Hut bestellt
waren mochten wohl die wenigste Zeit wissen wo ihr Führer und wo die ihnen
Anbefohlnen waren Ihn fanden sie etwa des Abends oder auch wohl erst des
Morgens im Feld und Wald mit der Miene eines Verzweifelnden umher irren
indessen unsere Damen zu der Zeit wenn Ablager gehalten werden sollte immer
auch gesucht und dann ebenfalls in irgend einer Einöde von ihren Tieren
abgestiegen weinend und seufzend gefunden wurden in Summa eine trübseligere
und unordentlichere Heimführung einer königlichen Braut als die unsrige mag
wohl seit die Welt steht nicht gesehen worden sein
    Ich war nur selten die Begleiterinn meines Fräuleins auf ihren einsamen
Wanderungen die Gnade mit welcher sie mich ehemals beehrte scheint seit dem
Vertrauen das ihr ehrwürdiger Herr auf mich warfet merklich gemindert zu
sein doch wollte es das Schicksal dass ich mich gerade in den merkwürdigen
Augenblicken an ihrer Seite fand welche den vornehmsten Gegenstand meiner
Erzählung ausmachen
    Es war eine der schönsten mondhellen Nächte die wir in diesem Sommer gehabt
haben Unser Reisegefolge ruhte unter den Zelten welche man um einmal zu
rasten auf der großen Ebene an der Donau aufgeschlagen hatte aber dass wir
nicht rasteten brauche ich euch nicht erst zu sagen Die Prinzessin und ihre
Vertraute wurden von ihrem ruhlosen Gram vom Lager aufgescheucht und mich bewog
die Hitze unter den Gezelten vielleicht auch Neugier und Wunsch euch zu
dienen meinem Fräulein nachzuschleichen und Erfrischung im Freien zu suchen
Ich folgte nur von weiten weil ich nicht zur Begleitung aufgefordert war Ich
sah dass die Damen ihren Weg nach dem Strome nahmen der wie er seine Fluten
im Mondglanz dahin wälzte wirklich ein hinreißend schönes Schauspiel gab Der
Ort wohin sich unsere Schritte lenkten war einsam Der ausgetretene Strom
hatte sich in einer der lieblichsten Gegenden ein Bette gemacht das in
niedrigen Ufern die klare Flut umschloss und von alten Weiden beschattet wurde
Man ließ sich an denselben nieder man sprach man weinte ich hätte die Welt
darum gegeben ein Wort zu verstehen aber die Entfernung in welcher ich mich
halten musste war meiner Neugier nicht günstig und nur einigemale kamen mir die
Namen Otto von Wittelsbach und Alf von Dülmen zu Ohren wars nicht schon
Verbrechen für Kaiser Philipps Tochter für Kaiser Ottos Braut diese Namen in
ihren Mund zu nehmen  Doch ihr sollt noch mehr hören
    Über der vergeblichen Bemühung etwas zu vernehmen das ich euch melden
könnte war ich entschlummert  Mit Schrecken erwachte ich Waffengeräusch
wars was mich weckte Ich sprang auf mein erster Blick war nach den Damen
mein erster Gedanke Besorgnis um sie Ich sah sie nicht mehr auf der Stelle wo
sie gesessen hatten aber die klagende Stimme der Prinzessin lenkte meine
Schritte nach dem Orte wo ich sie finden sollte Weiter ins Tal hinein ist
eine Stelle von dichten Bäumen umschattet die sie meinen Augen verbarg Das
Geklirr der Schwerdter und die unaufhörlich von der Prinzessin ausgesprochenen
Namen Otto von Wittelsbach und Alf von Dülmen ließ mich dorthin eilen ich
sah zwei gerüstete Ritter im vollen Kampfe ich sah Beatrix wie sie bald sich
mit Gefahr ihres eigenen Lebens zwischen sie warf um ihren Streit zu hindern
bald auf den Boden neben einem Verwundeten den ich noch nicht wahrgenommen
hatte hinkniete um ihm das quellende Blut zu stillen mein Fräulein sah ich
gar nicht und man hat sie erst ziemlich spät in tiefer Ohnmacht unter den
Weiden entdeckt Das Herz jedes Weibes ist zum Mitleid gebildet ich flog zu dem
Verwundeten die Sorge um ihn mit der Prinzessin zu teilen und ihr die
Trennung der beiden Kämpfer davon ich den einen beim Mondlicht für den Herrn
von Kalatin erkannte zu erleichtern
    O Jutta schrie die Prinzessin rette rette wenn du kannst den
Pfalzgrafen er ist unschuldig der Kaiser wird ihn begnadigen Ja bei Gott
lallte der Sterbende das bin ich aber Kaisergnade bedarf ich nicht mehr nur
die Gnade des Richters vor dem ich nun bald stehen werde
    Beatrix betauete des Wittelsbachers bleiches Gesicht mit ihren Tränen Geht
Prinzessin lallte er indem er sie von sich abwehrte rettet Alf von Dülmen
mit mir ists zu spät O Alf von Dülmen Alf von Dülmen schrie die Prinzessin
indem sie aufsprang und sich von neuem unter die Kämpfenden stürzte deren
Gefecht sich jetzt weiter nach dem Strom hingezogen hatte Der Pfalzgraf
verschied unter meinen Händen das Geschrei der Prinzessin das von der andern
Seite zu mir um Hilfe ertönte machte dass ich meinen Tränen die wirklich auch
um den schönen edelen Mann flossen ungeachtet er in Acht und Bann gestorben ist
Einhalt tun musste ich flog dahin wohin ich gerufen ward ich sah den Herrn
von Kalatin fallen seinen Mörder sich aus den Armen der Prinzessin winden und
sich vom hohen Ufer mit einem Sprunge in den Strom stürzen Beatrix sank ohne
Gefühl zu Boden mir mochte es nicht besser gegangen sein denn ohne zu wissen
wie das zusammenhing sah ich mich auf einmal von unsern Leuten umringt die
mich empor huben und der Prinzessin und Alverden nach unter die Gezelte
trugen
    Die Unruhe welche seitdem hier herrscht ist unglaublich Der Leichnam des
Herrn von Kalatin ist bis auf weitere Verordnung des Kaisers nach dem nahen
Paulinerkloster gebracht worden den Körper des Wittelsbachers als eines
Durchächteten hat man in den Strom geworfen
    Alf von Dülmen aus den Fluten zu retten soll sich einer von euren uns
mitgegebenen vertrauten Leuten ehrwürdiger Herr sehr viel Mühe gegeben haben
Die Prinzessin liegt ohne Besinnung Alverde ist dem Tode nahe der Kaiser
welcher seiner Braut entgegen gegangen war ist persönlich hier eingetroffen
und da aus den kranken Damen von dem ganzen Vorgange nichts zu erforschen ist
so habe ich Dinge aussagen sollen wovon ich doch nichts als das Ende gesehen
habe
    Ich schütze mich mit meiner Unwissenheit Erklärungen über so delikate und
nach meinen Gedanken ziemlich verdächtige Händel hätten leicht mir selbst
Gefahr bringen können
    Ihr ehrwürdiger Herr werdet euch aus diesen Rätseln besser finden können
als ich Der Morgen bricht an ich muss eilen damit der kaiserliche Bote der
mir versprochen hat ein Schreiben an euch mit sich zu nehmen nicht ohne
dasselbe abgehe
 
           Alverde an die Äbtissin des Kölestinerklosters zu Pamiers
                                     1210
Verwahrt die Papiere wohl die Euch kurz vor diesem Schreiben oder mit demselben
eingereicht wurden merkwürdige Dokumente beispiellosen Unglücks  Alverde
Mörderin ihres eigenen Bruders Beatrix und Elise Verderberinnen derer welche
sie auf der Welt am meisten liebten Wird die Nachwelt fassen wird sie glauben
was in diesen Worten liegt
    Ich schreibe auch dieses durch die Hand einer vertrauten Dirne nicht der
Jutta welche mir seit ihrer Vertraulichkeit mit Sutri verdächtig geworden ist
Sutri ist hier vermutlich auf ihr Anregen mir meine letzten Stunden schwer zu
machen vielleicht fordert mich Gott ab ehe die Stimme donnernden Gesetzes aus
seinem Munde mir noch den wenigen Trost raubt den ich übrig habe
    Ja ehrwürdige Mutter mein kurzes qualvolles Leben ist bald vorüber die
Stunden sind kostbar ihr müsst in wenig Worten vernehmen was mich so schnell
zum Ziel beförderte Die Wirkung einiger unüberlegten Schritte die ich
verführt ohne Euren Einrat und Vorwissen tat 
    Das Ganze wie man uns nach und nach zu unserm und unserer Freunde Verderben
leitete euch zu erzählen wär für mich am Rande des Lebens zu viel ich beziehe
mich auf meine Papiere Alles ist unsern Feinden gelungen Wittelsbach ist tot
das Schicksal ließ uns ihn am Ufer der Donau sterbend treffen Kalatin von der
Gerechtigkeit zu der blutigen Tat autorisirt war sein Mörder Während wir uns
mit der Rettung des Verwundeten vergeblich bemühten erschien Alf von Dülmen
Wittelsbachs bisheriger Elendsgefärte damals nur zu seinem Unglück auf wenige
Tage von ihm getrennt an deren Ende ihn das Schwert des Rächers getroffen
hatte
    Alf von Dülmen ich wage es nicht ihn Bruder zu nennen fand seinen tödlich
verwundeten Freund fand uns an seiner Seite wechselte wenige schreckliche
Worte mit uns die mich in Ohnmacht stürzten und flog dann Wittelsbachs Mörder
aufzusuchen und ihn an der Stelle wo er gefallen war hinzurichten Ich sah
nichts davon wie ihm sein Unternehmen glückte sah nicht wie er nach
vollbrachter Tat den grauenvollen Entschluss fasste seinem elenden Leben durch
einen Sprung in die Donau ein Ende zu machen Ich hörte es von Beatrix von ihr
könnt ihr alles weitläuftiger erfahren wenn Gott ihr das Leben fristet wie ich
zu ihm sterbend flehe ich werde zu schwach um der Schreiberin alles in die
Feder zu sagen
    Beatrix ist krank man zweifelt an ihren Aufkommen der sie mit der
heißesten Inbrunst liebende Kaiser besteht darauf dass sie als seine Gemahlin
leben oder sterben soll sie wurden diesen Morgen in der Stille eingeseegnet
Beatrix hat für die Freunde des Wittelsbachers und für seinen Leichnam gebeten
den man in die Donau geworfen hat für Alf von Dülmen kommt alle Vorbitte zu
spät  Von den Verwandten des Pfalzgrafen ist die Acht zurück genommen sein
Leichnam ist gefunden und ehrlich beerdigt worden Alfs Körper hat man nicht
finden können
    O meine Mutter ihr merkt aus den letzten so kurzabgebrochenen Worten wie
schwach ich bin  Meine letzte Hoffnung ist Ruhe in jener bessern Welt Gott
gebe dass mir sie kein Sutri raube  Vergesset nie die unglückliche Alverde
 
              Bernhard Herzog von Sachsen an den Herzog von 
                                     1210
Ich muss mich mit Eurer Erklärung brfriedigen Gott gebe dass euer eigenes
Gewissen sich damit beruhigen lässt es ist hier eine Kette von Schrecknissen
davon allemal das erste Glied in eurer Hand war
    Philipp Wittelsbach Graf Adolph seine Schwester die arme Beatrix welche
nur vier Tage den Namen einer Kaiserin führte und vielleicht mehrere andere
haben ihr Schicksal den Unordnungen zu danken welche ihr in den Euch
anvertrauten Geheimnissen einreissen liesset Die Möglichkeit der guten Sache
auf die Art zu schaden wie bereits geschehen ist muss euch auf ewig benommen
werden ihr seht selbst dass Entsetzung von Eurer Stelle eine sehr mäßige
Strafe des Bösen ist das ihr veranlasst und das für uns und die Welt
unwiederbringlichen Schaden nach sich zieht Wer vernichtet das was auf die von
uns erlauschten Heimlichkeiten erbauet ward wer benimmt den arglistigen Römern
die Mittel hinfort noch mehr Unkraut unter unsern Waizen zu säen
    Fortan müssen unsere Gesetze geschärfter und heiliger gehalten werden Bruch
der Verschwiegenheit dessen der unglückliche Pfalzgraf und ihr Gott weiß ob so
unschuldig als er euch erkühntet werde gleich jedem andern unablöslichen
Verbrechen vor unserm Gericht mit dem Tode bestraft
    Wer sich erkühnt unsere heiligen Gebräuche nachzuäffen und unter dem Namen
unserer Gerechtigkeit Unheil zu stiften der sterbe
    Wer eigene Rache unter der Maske der heimlichen Rächer ausübt der sterbe
ungewarnt und wo man ihn findet
    Wer den Richter zu blenden sucht den Schuldlosen mit seinem Namen schreckt
oder den Verbannten warnt der sterbe 
    Mein Herz blutet ob den fürchterlichen Gesetzen welche die Stellvertreter
der göttlichen Gerechtigkeit zu geben und ich zu bestättigen genötigt bin
ich zittre vor dem Unheil das der Misbrauch derselben in die Welt führen wird
aber die Not heischt was wir tun müssen Euch sei ein Teil der künftigen
Verfassung unsers Rechts zuerst kund getan damit ihr eure begangenen
Vergehungen schätzen und euch prüfen lernt ob euch noch gelüstet länger in
unserm Bund zu bleiben in welchem ihr ohne dem jetzt nur eine der untersten
Stellen behaupten könntet Wollt ihr euch gänzlich von uns trennen wie ich euch
wohl raten möchte so hütet euch vor den Römern dauert eure Vertraulichkeit
mit denselben fort so wird euch die Rache wie jeden andern der nicht zu
unserm Bunde gehört zu treffen wissen Ihr neues Gericht soll unserer
Allwissenheit nachäffen aber schützen kann es den nicht welcher unser
Misfallen auf sich lud
 
                 Alf von Dülmens Geständnisse an die Nachwelt
                                     1210
Ich ward gerettet aber o Gott zu welch einem Leben  Ist das Leben im Kerker
Leben zu nennen  Lebe ich wirklich  Würde ich wenn heute mir die Freiheit
wieder geschenkt wär anders unter den Lebendigen wandeln als ein aus jener
Welt zurückkehrender Schatten  Die Sonne ist mir fremd geworden meine Augen
Jahre lang  ach ich mag sie nicht zählen an die Dunkelheit des Grabes
gewöhnt würden ihren Glanz nicht mehr ertragen können  Die Welt ist mir fremd
geworden keiner meiner Lieben keiner meiner Bekannten würde mir dort oben
begegnen der da sagen könnte das ist Alf von Dülmen Den größten und besten
Teil dessen woran mein Herz hing verlor ich ehe man mich hier lebendig
verscharrte die wenigen Übrigen werden längst auch abgetreten sein von dem
großen Schauplatz des Elends nur mir fristete die Vorsicht mein Leben zur
längeren Qual Ich verdiente diese grausame Fristung denn ich war ein
Verbrecher  Ja das war ich ein größerer Verbrecher als zu meinen Zeiten die
Erde einen tragen mochte Heiliges Blut haftete an diesen Händen Entschuldige
dich nicht gequältes Herz du weißt die Lehren welche die Nacht und
Einsamkeit diese halbe Ewigkeit hindurch predigten Nacht und Einsamkeit diese
großen Lehrerinnen welche das Gewissen laut reden machen und jedem Verbrechen
seine Hülle nehmen Hier gilt keine Entschuldigung auf der Stelle wo ich hin
geschleudert wurde ist der Standpunkt wo man jedes Ding nach seinem wahren
Werte schätzt jedes mit seinem rechten Namen benennt Sklave der Ehrsucht
Sklave noch törigterer Leidenschaften der war ich Dies war der Anfang einer
glorreichen Laufbahn die sich mit Kaiser mit Freundesmord endigte O Philipp
und Kalatin lasst ab von mir eure rächenden Schatten die mich unablässig
umschwebten könnten wohl mit meinen langen langen Leiden befriedigt sein
    O dass die Fluten der Donau nicht mein Grab wurden Grausame Hilfe die
mich zu endloser Qual rettete  Ja wohl endlos Ich ward müde die Jahre zu
zählen die man mich hier schmachten ließ und doch finde ich da ich nun auf
einer Art von Ruhepunkt stehe und rückwärts blicke auch sie sind wie ein Traum
verschwunden  Die erste Epoche meines Elends da ich ganz unwissend war warum
man mich hier einkerkerte war kurz ihr folgte eine andre da ich heller sehen
lernte da man mir die Möglichkeit zeigte Freiheit und Glück durch
Treubrüchigkeit zu erkaufen sie war schrecklich die Kämpfe zwischen der Stimme
der Menschheit und den Forderungen der Tugend waren nicht leicht ich seufzte
nach Ruhe aber die Ruhe welche ich endlich fand war noch schrecklicher sie
hieß Vergessenheit Meinen Verfolgern hatte entweder der Tod die
Schlangengeissel aus den Händen gewunden oder sie waren müde geworden immer
vergebens gegen einen Fels zu wüten und ich blieb ungestört in langer langer
Nacht deren grauenvolle Einförmigkeit mir nach und nach fast Empfindung und
Bewusstsein raubte und mich mein Dasein in einer Art von Schlummer hinbringen
ließ dessen Ende bei den allmählig sinkenden Kräften der Natur wahrscheinlich
der Tod sein musste
    Ein wohltätiger Schlag erweckte mich zu einem neuen Leben Wer misst die
Empfindungen eines Menschen der schon mehr als halb dem Grabe anheimgefallen
ist wenn eine mächtige Erschütterung ihn gewaltsam empor reißt und ihn fühlen
lässt dass er noch lebt Wer misst die Empfindung jener Nacht da ich im Donner
Gottes die letzte Posaune zu hören glaubte die mich Toden zur Auferstehung
rief da die Fesseln von meinen Händen sprangen und die einstürzenden Gewölbe
um mich her die kaum erlangte Freiheit von der ich keinen Gebrauch zu machen
wusste schnell zu endigen drohten 
    Frommer mildherziger Ademar du warst der erste Gegenstand den ich nach
meiner Betäubung erblickte es war mir wohl zu verzeihen dass ich dich für einen
Engel den schönen Ort an den du mich gebracht hattest für den Wohnplatz der
Seeligen hielt Einen Menschen der gelitten hat wie ich scheint jede kleine
Besserung seines Schicksals überirrdisch jeder lindernde Helfer eine Gottheit
zu sein
    Guter Ademar dir danke ich Erleichterung meines Schicksals du musst dich
nicht entschuldigen dass du mir dieselbe nicht ehr gabst du warst Hüter meines
Kerkers du hattest geschworen meine Ketten nicht zu brechen du kanntest deinen
unglücklichen Gefangenen nicht einmal ein Blitz vom Himmel musste mich dir
kenntlich machen ein Blitz vom Himmel musste dir zeigen was du für mich tun
solltest wie konntest du ohne höhere Führung dich zu mir finden Keiner deiner
Vorgänger hatte ja in langen dreißig Jahren daran gedacht dass es Pflicht für
ihn sei zu mir in mein Grab hinabzusteigen wie hätte dir der mit ihnen nach
einerlei Grundsätzen zu handeln verpflichtet war dieses einfallen sollen Was
würde dir der Anblick eines Elends geholfen haben das du durch Eid gebunden
nicht lindern durftest
    Jetzt da der Himmel selbst dich zu mir führte da der Himmel selbst meine
Bande brach jetzt hast du freiere Hand zu handeln Niemand beeidigte dich mir
neue Fesseln anzulegen und diese wunden Hände diese steifgewordenen Füße
bleiben also frei mein altes Grab ist zusammen gestürzt warum solltest du mir
ein neues bauen du gönnst mir ja gern diese hellere geräumigere und reinere
Wohnung und die Aussicht den Schlossberg hinab die mir beim ersten Anblick so
elisisch dünkte Etwas bessere Pflege kann vielleicht mir einen Teil der
verlorenen Kräfte wieder erstatten dann und wann eine Stunde in deiner
Gesellschaft wird mir das Leben zum Himmel machen und die Beschäftigung mit
Büchern und mit der Feder die du mir gönnst vertreibt die ärgste Quälerin des
Gefangenen die Langeweile mit allen Schrecknissen die sie in ihrem Gefolge
hat nur zuweilen in meinen schwärzesten Stunden kehren jetzt jene Furien die
Gefärtinnen meiner Einsamkeit zurück Nur zuweilen ist mirs als läg ich noch
in jener Nacht begraben aber ein Blick von dir ein Gedanke an dich kann diese
Phantasien immer verjagen
    O Ademar Ademar Gott seegne dich und erhalte dich mir Sollte dich ein
feindliches Geschick mir entreißen was würde aus mir werden Töde mich lieber
ehe du mich in fremde Hände kommen lässest du weißt wohl es war ein Teil
deines Eides den du jenen Unerbittlichen schwören musstest als sie dich zum
Hüter dieses alten Steinhaufens und zu dem Meinigen machten mich hinzurichten
wenn der Zufall mich und die Geheimnisse ihrer Grausamkeit die in meinem
Gedächtnis verwahrt sind unter fremde Gewalt zu bringen drohte
    Ademar ich habe gedacht wie ich dir deine Treue gegen mich Hülflosen
belohnen wollte und schnell fiel mir ein da ich sonst nichts habe dir ein
treues Geständnis vergangener Dinge so weit ich das darf zu schenken Du musst
dies Geschenk nicht gering schätzen es hat gewiss seinen Wert und wird mir
hier und da viel schmerzhafte Aufopferung kosten Zeit und Kräfte die ich zum
Niederschreiben meiner traurigen Geschichte brauche bringe ich nicht in
Rechnung ich kann sie nicht besser anwenden als für dich und die Nachwelt wenn
du ihr die Mitwissenschaft dieser Dinge gönnen willst
    O mein Freund du musst hier auch auf den Nutzen rechnen den du aus der
Kenntnis dieser Dinge schöpfen kannst Du bist gegen mich sechzigjährigen Alten
 Gott ich war noch nicht dreißig Jahr als man mich in jene Tiefe hinabstiess
 du bist gegen mich alten Lehrling in der Unglücksschule noch ein Jüngling
manches in dem Leidenverzeichniss des armen Alf von Dülmen wird dir aufstossen
das dir zu Trost und Leitung für dein künftiges Leben dienen kann
    Doch nichts mehr von Verteurung meiner Gabe sondern nun ohne weitere
Umschweife den Anfang meines Versprechens
    Mein Vaterland ist Westphalen Bis in mein zwanzigstes Jahr hielt ich mich
für den Sohn eines gemeinen unbemittelten Edelmanns ohne Rang und ohne
Ansprüche und war glücklich in diesem Wahn o Gott dass er mir ewig geblieben
wär 
    An hohen Flügen schwärmender nach Ruhm und Größe dürstender Phantasie
fehlte es mir von meinen ersten Jünglingsjahren an nicht Trieb mich in einer
höheren Sphäre zu zeigen musste mir angebohren sein ich tödete ihn nicht
sondern ich hing ihm mit geheimer Wohllust nach Die Bahn auf welcher ich das
zu erlangen glaubte was ich wünschte lag wie ich meinte offen vor mir schon
mancher gemeine unbemittelte Jüngling das sagte mir die Geschichte welche mein
Lehrer ein gelehrter Mönch aus dem benachbarten Kloster fleißig mit mir
traktirte hatte sich durch sein Schwert und seine Tugend empor geschwungen
Ich hatte mir schon eine Reihe von Edeltaten vorgezeichnet zu denen sich wie
ich meinte nach meiner Vorschrift die Gelegenheit ganz genau finden musste und
die mich Zeit genug mit Ehre und Glück krönen mussten O Schicksal warum
verleidetest du mir diesen sichern und anmutsvollen Weg zu Erreichung meiner
Wünsche indem du mir einen kürzern aber gefahrvollern zeigtest Doch ich will
nicht mit der Vorsicht rechten sondern mich demütigen mich als den allein
Schuldigen bekennen
    Voll Ungeduld sah ich den Jahren entgegen da mein Vater mir versprochen
hatte mich wehrhaft machen zu lassen und an irgend einen Fürstenhof zu
schicken ich war geitzig nach jeder Gelegenheit mich in den Waffen zu üben ich
fand sie in der Gesellschaft eines guten Jünglings aus unserer Nachbarschaft
dessen Namen ich mir nie ohne Schmerzen denken kann Ach auch an ihm habe ich
gesündigt  Sein Name war Evert von Remen
    Nimmer müde Arbeit für Schwert und Wurfpfeil zu suchen ward ich ein
wilder Jäger Tag und Nacht lag ich in den Wäldern Meine Faust ward stark mein
Wuchs außerordentlich durch die unaufhörlichen Übungen Mein braver Vater
selbst in seinen Jünglingsjahren ein tapferer Krieger hatte seine Freude an
mir und nannte mich oft gegen Konraden von Remen Everts Vater seinen jungen
Helden Lob und Beifall feuerten mich noch mehr an ich dürstete nach immer
neuen Beweisen meiner Stärke und trauerte aufrichtig dass es in den
europäischen Gehölzen nicht Löwen und Tieger gebe und dass Wölfe und Bären nur
zuweilen in den unsrigen gefunden wurden Hinfort kam ich nur selten in das Haus
meines Vaters um daselbst zu übernachten und die Wälder wurden meine Heimat
    Ich hatte eine jüngere Schwester ich zürnte mit ihr über die Schwäche ihres
Geschlechts die mich um ihre Begleitung bei meinem Herumschweifen brachte
zürnte mit ihrem und meinem Freunde dem jungen Evert von Remen der ganz an ihr
hing und der da sich sein Gemüt mehr zu weiblicher Sanftmut neigte lieber
bei ihr zu Hause blieb als die Gefahren der Jagd mit mir teilte
    Ich war die mehresten mahle auf meinen Wanderungen ganz allein und da mir
die tausendmahl durchstreiften Gegenden in der Einsamkeit endlich lange Weile
machten so entfernte ich mich oft mehrere Tagereisen von meines Vaters Wohnung
um neue Unterhaltung für mich neue Beute für meine Waffen zu finden
    Weit nach Norden am Ausfluss der Weser zwischen einer Gruppe von kahlen
Gebürgen liegt ein enges Tal von welchem in unsrer Gegend zur Zeit meiner
Jugend viel seltsame Sagen gingen Die meisten machten es zu einem Eigentum
böser Geister welche zu gewissen Zeiten daselbst ihre Zusammenkünfte halten
sollten man sprach viel von Personen welche es betreten hätten ohne wieder
herauszukommen von nächtlichem Getös das sich daselbst hören ließ von
quellendem Blut und blaulichen Flammen und andern ungeheuren Dingen welche ich
mir alle auf meine Art deutete Ich glaubte nämlich gewisse weiße Bären die
sich zuweilen in unsern Waldungen spüren ließ und davon ich einst einen
erlegt hatte hätten daselbst ihre Behausung und die Legende von
übermenschlichen Wesen welche dort regierten diene der Furchtsamkeit nur zum
Vorwand sich nie dorthin zu wagen  Ich kannte keine Furcht die Vorstellung
neuer Gefahren war mir ein Gedankenfest dass ich überall durch meine Faust
unverletzt hindurch kommen würde war mir gewiss und die Reise dorthin ward
beschlossen 
    Man war in meines Vaters Hause gewohnt mich mehrere Tage nach einander
nicht zu sehen und die Ausführung meines Plans welcher in der Tat Zeit
brauchte hatte also keine Schwierigkeit
    Es war einst gegen den Abend da ich nach einer wirklich mühseligen Reise
das Ende meines Wegs vor mir sah der letzte von mehreren großen und kleinen
Bergen welche sich immer einer hinter dem andern erhuben war erstiegen ich
sah ins Tal hinab welches ich mir als eine schöne weite waldigte Gegend die
Wohnung zahlreichen Wilds vorgestellt hatte und das sich mir nun ganz als das
Gegenteil zeigte Hier das sagte mir mein erfahrner Waidmanns Blick hier
möchten weder Wölfe noch Bären hausen Vielleicht hatten in dem niedrigen
Gestände einige Hasen ihr Lager die ich aber in unsern Wäldern besser finden
konnte und deren Nachstellung überhaupt meine Sache nicht war wenn ich mir
nicht etwa zuweilen die Lust machte einen in vollem Lauf mit der Hand zu
ergreifen und mir selbst dadurch einen Beweis meiner Schnelligkeit zu geben
    Misvergnügt dass ich hier das so wenig fund was ich suchte wollte ich
schon unverrichteter Sache zurückkehren als ich ein Volk Rebhühner vor mir
aufsteigen sah ich schenkte ihnen einige Pfeile hub mein gefälltes Wildpret
auf und trat den Rückweg an entschlossen diese Gegend nie wieder zu betreten
die ich in der Folge noch so oft sehen sollte
    Ich entdeckte einen kürzern Weg als den welcher mich zuerst hieher geführt
hatte Man fand zu Hause mein Wildpret köstlich die Damen vornehmlich wollten
nie etwas ähnliches gekostet haben und der Frau von Remen zu Liebe verging
keine Woche da ich nicht ausging in jenen Gegenden Beute zu machen
    Sie wurden jetzt genauer untersucht ich stieg hinab ich durchspähte alle
Winkel die sich zwischen den zerstreuten Gebürgen verbargen und fand endlich
eines Tages eine Stelle die zwar dem Auge des Jägers nicht eben merkwürdig war
die aber doch auf andere Art meine Aufmerksamkeit reizte
    Ich hatte die alte Geschichte der Römer gut studiert ich wusste viel Wahres
und Unwahres das mir mein Lehrer von Spuren ihrer Anwesenheit gesagt hatte die
sie in Deutschland zurückgelassen haben sollten und glaubte hier sehr
kenntliche Überbleibsel eines römischen Amphiteaters zu finden Dies war
etwas das meiner Phantasie schmeichelte und ich beschloss hier das Andenken
der grauen Vorzeit oft zu feiern In der Folge war allemahl ein Fragment aus der
römischen Geschichte dergleichen mir aus der Klosterbibliotek nicht versagt
wurde ein notwendiges Stück meiner Jagdbagage Halbe und ganze Tage wurden
hier in Gesellschaft der Alten verträumt Vergangenheit vergegenwärtigt Zukunft
herbeigerufen Plane und Vergleichungen gemacht und all der phantastische Unfug
getrieben welchen eine junge Seele gemeiniglich in dem Gebiet des Wissens oder
Empfindens zu treiben pflegt das sie sich vor andern ausgesehen hat
    Die Gegend auf eine halbe Meile umher war ganz öde ein heftiger Regen
der mich einst aus meinen Träumen aufschreckte fand mich ganz ohne Obdach alle
Überbleibsel von Gemäuer die man hier fand waren gegen den Himmel zu offen
und meine Zuflucht war ein holer Baum in welchem ich gemeiniglich meine
mitgebrachten Gerätschaften zu bergen pflegte es war eine ungeheure Weide
welche außer mir wohl noch eine Person hätte beherbergen können und deren
überhangende Zweige mich vollkommen schützten Ich saß warm und reinlich der
Regen hielt an sein monotonisches Rauschen schläferte mich ein der weite Weg
hatte mich ermüdet und die hereinbrechende Nacht führte die Zeit des Schlummers
herbei
    Nach Mitternacht wie mir der Stand des Mondes sagte der jetzt rein und
voll am Himmel leuchtete erwachte ich Ich wusste nicht was mich erweckte es
war Geräusch desgleichen ich in der ewigen Stille die hier herrschte nie
vernommen hatte Ich schlug die Augen auf und sah die Gegend rund umher von
Menschen belebt Ich schauderte in mich selbst zusammen und alle ehedem
vernommene und für Märchen gehaltene Geistersagen kamen mir vor die Seele 
Mein innres Beben dauerte indessen nur kurze Zeit gewohnt mich vor nichts zu
fürchten erhub ich mich verließ meine enge Wohnung und trat ohne besondere
Vorsicht näher hinzu um Dinge zu sehen und zu hören zu deren genauer
Schilderung mir Zunge und Feder gebunden ist Euch sei genug zu wissen dass ich
mich hier auf einmal ohne es zu wissen zuerst in einer Versammlung befand die
man wohl mit recht unter die furchtbarsten und ehrwürdigsten rechnet welche
unsere Zeiten kennen oder vielmehr welche von dem größeren Teil der Menschen
ungekannt ihr zur Geissel und zum Seegen im Verborgenen bestehen
    Dass ich unter Menschen nicht unter Geistern war das sagte mir mein gesunder
Verstand obgleich wirklich hier alles das Gepräg des übermenschlichen des
außerordentlichen trug Ich starrte in eine zahllose Versammlung hin die durch
einen gewissen traurigen Ernst in der Kleidung so wohl als im Betragen die
Wichtigkeit der Dinge bezeichnete warum sie hier zusammen gekommen war Ich sah
in der Mitte des großen Kreises einen Mann auf einer Art von Throne welcher
durch die Würde die in seinem ganzen All herrschte und durch die Urteile der
Weisheit welche aus seinem Munde gingen Anspruch auf den Namen eines Richters
des ganzen Menschengeschlechts zu haben schien Auch war es als wenn bei den
Dingen welche hier in Vortrag kamen die ganze Menschheit interessiert wär 
Meine Aufmerksamkeit wuchs von Minute zu Minute die Vorgänge wurden immer
wichtiger Ich Furchtloser schauerte mehr als einmal zusammen mir dem
Jüngling mit den gestählten Nerven wandelte mehr als einmal gänzliche
Machtlosigkeit an Was ich sah was ich hörte das ist Gott bekannt auch wird
es wohl durch keine Zeit aus meinem Gedächtnis verlöscht werden aber euch mehr
davon zu sagen als ihr bereits vernommen habt ist unmöglich
    Ganz im stummen Staunen verloren kaum atmend vor Wissbegier wie das alles
enden würde stand ich da Ich nahm Partie bei allem was verhandelt wurde und
als jetzt der Richter vom Throne in einer Sache einen Ausspruch tat der nicht
ganz zu meinen Einsichten passte so ward meine Befremdung durch einige Worte
laut  Ist hier der Thron der Unfehlbarkeit schrie ich oder darf man noch von
diesem an den Richtstuhl des Ewigen appelliren
    Jedermann in dem großen Zirkel war zu sehr mit sich selbst beschäftigt um
auf mich geachtet zu haben Ich stand noch überdem auf ein kleines Gemäuer
gelehnt hinter den andern in halber Dunkelheit so dass ich wohl hätte verborgen
bleiben können wenn ich der Vorsichtigkeit getreu geblieben wäre
    Meine sehr laut gesprochenen Worte und die mit dem Ausdruck des höchsten
Affekts in die Höhe gehobene Rechte zogen die Augen all meiner Nachbaren auf
mich Ein leises Murmeln begann das sich immer weiter ausbreitete immer mehr
verstärkte und endlich wie ein brüllender Donner ertönte was ich verstehen
konnte waren die Worte Es habe sich ein Fremder zu ihren Geheimnissen
eingeschlichen und Tod müsse sein Lohn sein  Die Tat schien hier unmittelbar
den Worten folgen zu müssen denn ich hatte kaum gehört wusste kaum was ich
gehört hatte so bekam ich einen Schlag in den Nacken der mich sinnlos zu Boden
streckte
    Ob der Streich den ich empfing mich wirklich töten oder nur meines
Bewusstseins berauben sollte weiß ich nicht ich glaube das letzte ich war in
der Gewalt dieser Unbekannten was hätte sie hindern sollen da sich noch Leben
in mir regte mich vollends hinzurichten
    Als ich mich wieder erholte war alles viel dunkler um mich her als zuvor
all die Leuchten welche zuvor den weiten Platz mit schwachem phosphorischen
Licht erhellten waren ausgetan und nur ein Mondstrahl beglänzte die Stelle
wo ich lag sie war zu den Füßen des Trons den ich zuvor in der Ferne
wahrgenommen hatte Der Richter befahl mir mich so gut ich konnte zu erheben
und zu versuchen ob ich durch Beantwortung der Fragen die man mir vorlegen
würde mein verwürktes Leben retten könnte
    Die erste derselben war Wie ich an diesen geweihten Orte käme ob Vorwitz
oder Zufall mich hieher gebracht habe und warum ich auf die Warnung welche bei
Hegung eines jeden dieser heimlichen Gerichte an die Personen welche sich
eingeschlichen haben könnten gleich anfangs zu ergehen pflegte nicht
augenblicks davon gegangen sei
    Ich konnte beteuren von dieser Warnung die ich vermutlich in meiner
Weide verschlafen hatte nichts gehört zu haben auch die übrigen Teile der
vorgemeldeten Frage konnte ich ziemlich zu Befriedigung des Richters
beantworten und man ging zu andern Untersuchungen fort welche die Dinge die
ich hier gesehen und gehört hatte nebst meiner Meinung davon betrafen und die
ich also hier mit Stillschweigen übergehen muss
    Und was fuhr der Richter fort der mir durch meine Antworten immer gewogner
zu werden schien was brachte euch zu der Kühnheit in jene Worte auszubrechen
welche uns eure Anwesenheit an diesem verbotenen Orte entdeckten
    Gefühl der Billigkeit
    Glaubt ihr nicht dass hier der Stuhl der Unfehlbarkeit ist
    Ich denke ich stehe vor einem menschlichen Gericht welches Gott zum
Oberrichter erkennen muss dessen Urteil allein nicht trügen kann
    Habt ihr Ursach zu zweifeln dass wir in dem Fall der euch aus eurer Fassung
brachte gerecht richteten
    Ich glaube sie zu haben
    Seid ihr in der Sache des Verurteilten interessiert
    Nein ich habe bis diese Stunde nicht gewusst dass ein solcher Mensch in der
Welt ist
    Wünschtet ihr unser Urteil aufgeschoben oder geändert zu sehen
    Sobald ich es für unrecht halte muss ich dies wünschen
    Noch eine Frage Kennt ihr das Mittel euer gegenwärtiges Versehen oder
Unglück wie ihr es nennen wollt euch in unserm verbotenen Kreise befunden zu
haben ungeschehen zu machen
    Nein
    Es heißt Eintritt in unsern Bund
    Ich nehme es ohne Bedenken an nicht aus Todesfurcht welche ich nicht
kenne sondern weil ich diese Nacht viel von eurem Bunde kennen lernte das mir
gefällt
    Ihr habt diese Nacht viel von unserm Bunde kennen gelernt und wisst also die
verschiedenen Geschäfte welche unsern Mitgliedern obliegen
    Ja ich weis dass ihr außer Richtern und Beisitzern auch Ausrichter des
Urteils und Kundschafter unter euch habt
    Welche Stelle meint ihr wird die eurige sein wenn es uns gefällt euch zu
begnadigen und aufzunehmen
    Doch wohl die unterste die mir sonst nicht sonderlich behagende Stelle
eines Kundschafters
    Womit wünschet ihr euer Probestück zu machen
    Mit genauerer Erkundigung jener Sache über welche vorhin und wie ich
meinte falsch gesprochen wurde
    Jüngling eure Erklärungen sind freimütig und zeugen von einem edelen und
hohen Geiste Wer seid ihr
    Ich nannte mich und   doch das Übrige zu melden wär zu weitläuftig genug
ich ward aufgenommen meine Lippen wurden versiegelt wie man hier die
Beeidigung zur Teilnahme an den Geheimnissen der Gerechtigkeit nennt und ich
sah mich auf einmal das Mitglied eines großen Bundes von dessen Existenz ich
zuvor nie gehört hatte Ich der vorher in der größten Einsamkeit und
Absonderung lebte befand mich schnell in genauer Verbindung wie ich meinte
mit dem halben Menschengeschlecht Ich der vorher niemand zu gehorchen hatte
als einem Vater bekam hier Oberherrn die ich zum Teil nicht einmal kannte
und die so unumschränkt über mich herrschten dass sie sich erkühnen durften
mich auf gewisse Art von der kindlichen Pflicht loszuzählen wie ihr denn wohl
denken könnt dass mein Vater von den Vorgängen dieser Nacht und allem was davon
abhing nichts erfahren durfte Ich hing an diesem teuren Vater mit so
gränzenloser Liebe und Vertrauen dass ich glaubte diese einige Klausul hätte
mich von dem großen Bunde abwendig machen können wenn ich sie vorher gewusst
hätte Nun waren die fürchterlichen Eide geschworen und ich konnte nicht mehr
zurück
    Der Herzog von Sachsen Herzog Bernhards Vater der damahliche Stuhlherr der
heimlichen Gerichte eben der Richter dessen Weisheit mich in jener Nacht zu so
viel Bewunderung sein herrliches Ansehen zu so viel Ehrfurcht hinriss nahm es
selbst über sich mich in der Verlegenheit zu beruhigen in welcher er mich sah
Mein Sohn sagte er mit der herablassendsten Güte der Gehorsam den du deinem
Vater schuldig bist wird nie mit dem welchen du mir geschworen hast streiten
Erfülle deine Pflichten treu und du wirst einen gnädigen Herrn an mir haben
    Den hatte ich auch an ihm aber einen desto ungnädigern an dem Herzog von
 der dem Herzog von Sachsen hier der nächste in der Hoheit und allezeit
bedürfenden Falls sein Stellvertreter ist Der Herzog von  hatte vom Anfang
meiner Erscheinung im großen Kreise einen sonderbaren Hass auf mich geworfen
der sich auf meine kühne Misbilligung jenes gesprochenen von ihm eingeleiteten
Urteils gründen mochte und durch meine glückliche Durchsetzung der Sache
unversöhnlich ward Ich habe Ursach ihn für eins der vornehmsten Werkzeuge zu
halten welche mein ganzes unglückliches Leben hindurch zu meinem Verderben
tätig waren
    Ich hatte wie ich vorhin weitläuftig erzehlte meinen ersten Eintritt in
die geheimnisvolle Verbindung durch kühnen Widerspruch eines gesprochenen
Urteils gemacht Ein solcher Widerspruch er mochte von geweihten oder
ungeweihten Lippen kommen durfte wenn der Angeklagte sich nicht selbst
schuldig gab in den damaligen Zeiten nicht zurück gewiesen werden und hätte
das Richtschwerd schon über seinem Kopfe geschwebt genauere Untersuchung folgte
demselben Untersuchung bei welcher der welcher den Einspruch tat allemal
die Hauptrolle spielen musste Nachdem sie denn ausfiel hatten entweder der
Beklagte und der Verteidiger ihr Leben gerettet oder  beide mussten sterben
    So hatte ich mich also ohne es zu wissen in einen gefährlichen Handel
verstrickt er betraf eine Person die ich nicht kannte Der Herzog  wollte
sie getödet haben und hatte alle Wahrscheinlichkeit der Schuld wider sie
zusammen zu bringen gewusst nur ich hatte eine Lücke in den geführten Beweisen
entdeckt hatte dawider geschrien alles war so gegangen wie ich eben gemeldet
habe und nun sollte ich meines Klienten Unschuld beweisen oder sterben Ich
forderte von meinem Vater Urlaub auf einige Wochen zu einer Jagd in entfernten
Gegenden ich tat die erste Reise in Geschäften des Bundes ich war glücklich
in meinen Ausspähungen was ich erweisen wollte war erwiesen der Beklagte war
gerettet der Herzog von Sachsen lobte mich und der Herzog von   schwur mir
ewigen Hass
    Ich erhielt mehrere Aufträge und ich konnte sicher sein dass wo es von dem
Herzog von  abhing allemal das schwerste auf meinen Anteil fiel Da es mir
nicht an Treue Vorsicht und Mut fehlte so war ich immer glücklich ihm zum
Trotz und brachte beinahe die Unmöglichkeit zu Stande Einst als es darauf
ankam gewisse lang verlorene Urkunden ausfündig zu machen die sich noch von
Karl des Großen Zeiten herschrieben und an welchen sehr viel gelegen war
gelang mir die Sache so schnell so vollkommen nach dem Willen meiner Obern dass
ich vom Herzog von Sachsen die Erlaubnis zu einer freien Bitte erhielt an deren
Gewährung ihm wie er sich ausdrückte nichts als die Unmöglichkeit hindern
sollte Sorge dafür Adolf rufte mir der edle Fürst noch nach als ich
Bedenkzeit forderte dass deine Forderung nicht klein sei denn mich dünkt wir
sind dir viel schuldig
    Ich entfernte mich und wusste wohl was ich bitten wollte Ich war fast
zwanzig Jahr und das Versprechen meines Vaters mich wehrhaft machen zu lassen
war wegen häuslicher Umstände noch immer unerfüllt geblieben Ich nahm mir vor
den Herzog von Sachsen um das Ritterschwerdt und um Dienste bei seinem Heer zu
bitten eine Forderung die mich mächtig groß dünkte und die doch bald von
einer andern verdrängt werden sollte an deren Höhe damals alle meine Wünsche
noch nicht reichten
    Meine öftere und lange Abwesenheit aus dem Hause meines Vaters war niemand
befremdend gewesen man war dergleichen schon von meinen ersten Jünglingsjahren
her gewohnt Nur Konrad von Remen der Vater meines Freundes des jungen Evert
von Remen schüttelte zuweilen den Kopf und schien Gedanken zu haben die er
sich nicht zu entdecken getraute
    Da meiner Geschäfte in meinem verborgenen Amte immer mehr wurden so weiß
ich nicht wie ich länger das beschworne Geheimnis hätte behaupten wollen Dass es
mit mir eine außerordentliche Bewandtnis hatte würde man endlich gemerkt haben
die welche das Recht dazu hatten hätten mich befragt und ich hätte antworten
müssen ich sann schon auf tausend Ausflüchte welche meinem an Aufrichtigkeit
gewöhnten Herzen schwer zu behaupten gewesen sein würden aber das Schicksal
überhob mich der traurigen Notwendigkeit meinen Vater täuschen zu müssen indem
es mir jenen Streich versetzte welchen ich den Anfang aller meiner Leiden
nennen muss
    Eine tödliche Krankheit warf meinen besten Freund meinen teuren Vater
darnieder es kam bald dahin dass er ohne Hoffnung lag und ich meine Schwester
und unsere Freunde die von Remen trostlos an seinem Lager weinten Wenig
Stunden vor seinem Tode verlangte er mit mir allein zu sein und wandte sich
mit folgender Rede an mich deren ich mich noch fast wörtlich erinnern werde
    »Mein Sohn sagte er ich kann und darf die Welt nicht verlassen ohne ein
Familiengeheimniss in deinem Busen niederzulegen das auch mir mein Vater
sterbend anvertraute Mir ist es von keinem Nutzen gewesen dagegen hat es meine
Seele mit einem unruhigen Streben nach einem unerreichbaren Gute erfüllt
welches mein Leben verbitterte und vielleicht meinen Tod früher herbeirief als
er sonst gekommen sein würde Wüsste ich dass dieses auch dein Loos sein würde
ich würde den Eid verwünschen der mich nötigt zu reden wo ich gern schweigen
möchte Wisse du bist nicht der namen und anspruchlose Jüngling für den du
dich hältst du stammst aus dem Hause der Grafen von  Die Güter und Titel
dieses Hauses in welche sich jetzt die Bischöffe von Bremen und Münster nebst
andern geteilt haben sind dein man entriss sie deinen Vätern und brachte uns
fast bis zur Niedrigkeit des bürgerlichen Standes herab Mein Vater der erste
auf welchen dieses traurige Loos ganz fiel fand Sicherheit und Ruhe in der
Verbergung seines großen Namens doch wollte er nicht eher sterben bis er mir
unsere Ansprüche und die Mittel sie geltend zu machen entdeckt hatte Er
beschwur mich mich dieser Mittel als der einigen würksamen die er selbst nur
aus Furchtsamkeit versäumt hatte zu bedienen oder sie wenigstens seinen Enkeln
zu empfehlen welche vielleicht besser Glück haben möchten als ihre Väter«
    Fast atemlos vor Erstaunen kniete ich an dem Bette meines Vaters mein
Herz das von je her nach Größe dürstete fühlte ein Entzücken über diese
Entdeckung welches die traurigen Umstände die dieselbe begleiteten nicht ganz
tilgen konnten Wie rief ich wie mein Vater ihr seid Graf von  und dieses
muss ich in diesen betrübten Augenblicken zuerst erfahren
    Unglücklicher Jüngling erwiderte er die Sucht nach Ehre muss dein ganzes
Herz besessen haben wie könntest du sonst jetzt auf die Entdeckung deiner
Herkunft einen so hohen Wert legen Jetzt da die Nichtigkeit aller irdischen
Dinge dir in meinem Bilde so lebhaft vor Augen liegt
    Ich errötete über den Verweis den ich so wohl verdient hatte ich fühlte
die Wahrheit in den Worten meines Vaters und doch konnte ich mich nicht
enthalten begierig nach den Wegen zu fragen auf welchen sich das verlorne
wieder erlangen ließ
    »Die Wege die ich gegangen hin antwortete er führten mich irre ich
suchte Gerechtigkeit an den Tronen der Fürsten und fand sie nicht es gibt
noch einen Thron vor welchem ich wie dein Großvater mir sagte unausbleibliche
Hilfe gefunden haben würde aber er scheute sich vor denselben zu treten ich
fühlte die nämliche Abneigung und ich hoffe du wirst mit deinen Vätern
übereindenken wenn du das Ganze übersehen kannst Es gibt im deutschen Reiche
eine heimliche Macht welche dem Unrecht zu steuern den Bedrückten zum Recht zu
helfen weiß wenn man ihre Hilfe gehörig sucht«
    Und warum suchtet ihr sie nicht rief ich mit Eil indem mein ganzes Gesicht
glühte denn ich verstand vollkommen welche Macht er meinte
    Sie sind furchtbar jene Unbekannten sagte mein Vater mit schwacher Stimme
ich kann dir nicht raten dich an sie zu wenden Forsche was das gemeine
Gerücht von ihnen sagt und glaube mir dass es gefährlich ist mit ihnen in
Verbindung zu treten
    Gott mein Vater was habt ihr wider die heimlichen Richter ist nicht der
Herzog von Sachsen ihr Oberhaupt
    Der Herzog von Sachsen ist gut aber was sagst du zu dem Herzog von 
seinem Stellvertreter Dergleichen Männer gab es auch zu deines Großvaters
Zeiten im heimlichen Gericht sie müssen bei der fast gränzenlosen Macht zu
schaden der Unschuld die an ihrem Throne fleht immer fürchterlich sein
    Ich wollte meinem Vater Einwürfe machen welche mehr von meinen Geheimnissen
verraten haben würden als ich wollte aber es war hier keine Zeit zu
weitläuftigen Erörterungen das viele Sprechen hatte meinem Vater eine Ohnmacht
zugezogen aus welcher er sich nur erholte mir gewisse Documente über unsere
Ansprüche anzuweisen und denn in meinen Armen zu sterben
    Wer misst meinen Schmerz als ich denjenigen tot vor mir sah welcher nun
erst ein glückliches Leben hätte führen können Warum erfuhr ich diese Dinge
nicht eher Mein Vater hatte sich lange traurige Jahre um eine Sache gequält
die ich ihm nun mit einem Worte hätte erlangen können Ich wusste dass ich seinen
Namen nun vor unserm Gericht nennen seine Ansprüche nur beweisen durfte so
mussten alle Hindernisse mit welchen er Zeitlebens gekämpft hatte weichen Denn
ich ein Einverleibter des großen Bundes wusste die kürzesten und leichtesten
Mittel zum Zweck zu gelangen ich vermochte vielleicht noch mehr als irgend
ein anderer durch die Gewogenheit mit welcher mich der Herzog von Sachsen und
sein Sohn der junge Bernhard sein Nachfolgen in der höchsten Würde des
heimlichen Gerichts beehrten durch die treuen nicht unbeträchtlichen Dienste
welche ich bereits meinen Obern in einige Jahren geleistet und durch die
Vergunst zu einer freien Bitte welche ich zum Lohn für mein Wohlverhalten
erlangt hatte
    Ich war außer mir ich schlug mich vor die Stirn und schrie tausendmal
warum wollte er und warum durfte ich nicht reden  O der unglücklichen
Vorurteile  O zu spät zu spät kommt alles Glück da ich es nun nicht mehr
mit dem teilen kann der mir auf der Welt der liebste war O Vater welch
Entzücken dich die letzten Jahre deines Lebens noch in dem Glanz und der Größe
zubringen zu sehen die dir zukam das alles soll ich nun allein genießen ach
schämen schämen werde ich mich des Ranges der meiner wartet da du in
Dunkelheit und Armut leben und sterben musstest
    So wütete ich fort meine Freunde mussten aus meinem Bezeugen glauben dass
ich den Verstand verloren hätte und dieser Wahn bestättigte sich da ich den
Verstorbenen auf eine Art beerdigen ließ die ganz seinem wahren nicht seinem
vermeinten Stande gemäß war fast alles was ich besaß wurde daran gewendet
seinem Leichnam eine Begräbnissstelle im benachbarten Kloster unter den Fürsten
die es gestiftet hatten zu erkaufen
    Ich hatte in den nachgelassenen Schriften indessen noch einiges gefunden
welches mir Bedenklichkeiten erregte ob mein Gesuch bei unsern Richtern so ganz
gewiss glücken würde als ich im ersten Feuer wähnte der Hass des Herzogs von 
und seine große Macht schreckte mich das Urteil über ihn und einige andere
Mitglieder des geheimen Bundes das ich in meines Vaters Schriften gelesen
hatte war richtig ich warf die Frage auf die er aufgeworfen hatte Warum
werden solche Leute im Bunde der Heiligen geduldet und fand das was er von den
Gefahren mit der Gesellschaft der Unbegreiflichen in Verbindung zu stehen fast
auf jedem Blatt äußerte das er über diesen Gegenstand geschrieben hatte so
wichtig dass mich ein heimlicher Schauer anwandelte vielleicht Ahndung dessen
was mir in der Zukunft begegnen sollte
    Meine Reise zu dem sogenannten Thron der Unfehlbarkeit war indessen
beschlossen ich empfahl meine Schwester der Sorgfalt der Frau von Remen nicht
ganz gewiss auf was für Art ich wiederkehren würde
    Wie ich meine Sache anbrachte welche Verwunderung sie erregte wie sie
aufgenommen ward welche Hindernisse mir in den Weg gelegt wurden und auf was
Art ich meinen Feinden zum Trotz dennoch siegte dies sind Dinge welche nicht
hieher gehören und die dem der unsere Geheimnisse nicht kennt größtenteils
unverständlich sein würden Genug der große Urteilsspruch geschahe zu meinem
Besten und hatte die Folgen die sich bei der großen Macht meiner Beschützer
denken lassen Es half den Besitzern meiner Güter nicht dass sie Freunde und
Verwandten in unserm Kreise hatten es half dem Erzbischof von Bremen nichts
dass er der Bruder des Herzogs von  war und ich kehrte als allgemein
anerkannter Erbe der Grafen von  als rechtmässiger festbestättigter Eigner
all ihrer Titel und Güter zu den Meinigen zurück Man denke sich das Erstaunen
das diese Erscheinung bei einigen und die Freude die sie bei andern erregte
    Unter all meinen Freunden war keiner der sich über meine erlangte Größe
weniger freute als Evert von Remen meine Schwester Alverde ward ihm bereits in
ihrer Kindheit zur Gemahlin versprochen Diese Vermählung würde in ihrem
ehemaligen Stande ein glänzendes Glück für sie gewesen sein und in ihrem
gegenwärtigen musste Evert nun zweifeln ob er seine Augen zu ihr erheben dürfe
Ich liebte Evert von Remen und suchte ihn bald hierüber zu beruhigen er war
ein edler Jüngling nicht allein dem Charakter sondern auch der Geburt nach
und ich war jetzt in einem Stande der mir es möglich machte ihn höher zu
heben und sein Glück ganz den Ansprüchen meiner Schwester gemäß zu machen
    Ein Unglück für ihn  ach sollte ich nicht sagen ein weit größeres für
mich  war es dass unsere Charaktere nicht ganz zusammen passten er war sanft
ich feurig er liebte ungeachtet des unerschrockenen Muts und der tafern
Faust deren er sich rühmen konnte die Ruhe ich liebte kriegerische
Tätigkeit und hätte es gern gesehen wenn der Urteilsspruch der heimlichen
Richter mir etwas mehr Arbeit für mein Schwert übergelassen hätte Evert hatte
einen entschiedenen Abscheu vor allen Geheimnissen und ich hatte nur gar zu
viel das ich vor ihm verbergen musste Er predigte mir täglich dass unter
Freunden wie wir keine Zurückhaltung statt haben dürfe Er war klug genug
manches Verborgene bei mir zu ahnden Er forschte wo er nicht hätte forschen
sollen schlich mir nach wo ich allein sein wollte und musste verfocht Dinge
gegen mich die er nicht verstand leugnete andere die ich besser wusste ohne
ihn überführen zu dürfen und so war die Fehde zwischen uns erklärt
tausendfache Zwistigkeiten entsponnen sich und ob wir uns gleich immer wieder
versöhnt in die Arme schlossen ob wir uns gleich am Ende beteuerten es sei
Torheit für solche Freunde wie wir sich zu entzweien und uns zuschwuren jede
Ursach zu neuem Streit von beiden Seiten zu vermeiden so war doch der Grund
unserer Freundschaft schon insgeheim untergraben und es brauchte nur
Veranlassung von außen uns völlig zu trennen
    Mein neuer Stand und der Rang den ich als Graf von  im Reiche der
Unsichtbaren behauptete zog viel neue Verbindungen nach sich Freunde und
Feinde wurden teils durch Geschäfte zu meinem genauern Umgang geführt teils
hielten sie es aus bösen und aus guten Absichten für dienlich sich zu mir zu
drängen die welche ich bereits als meine Feinde kannte den Herzog von  und
seinen Anhang wusste ich zu meiden in Ansehung der andern wurde ich freilich
wie meistens der Fall ist, durch Zufall und Vorurteil geleitet Ich wählte mir
unter dem ganzen Haufen der mich umgab zwei Freunde die in der Folge den
größten Einfluss auf mein Schicksal hatten der eine ließ sich von mir suchen es
war der edle Pfalzgraf Otto von Wittelsbach ein junger Mann der erst seit
kurzer Zeit in unsern Bund getreten war der andre drängte sich mühsam zu meiner
Freundschaft und wusste sie durch seine ganz eigene Gabe zum Gefallen ganz an
sich zu reißen sein Name war Peter von Kalatin der Unglückliche welcher in
der Folge von meinem Schwerde fallen musste ein Mann von dem ich heute noch
nicht genau weiß ob seine Farbe schwarz oder weiß war denn sobald tausend
Wahrscheinlichkeiten aufstiegen mir ihn als einen Verräter zu zeigen so
erhebt sich im innersten meiner Seele eine Stimme Er war dein Freund und du
hast ihn ermordet Alle Bemühungen meines Herzens ihn zum Verbrecher zu machen
sind Tücke die nur zu Verminderung deiner eigenen Schuld abzielen  O
Gewissen Gewissen wird deine Geissel nimmer ruhen muss dein Geschrei jedes
Mittel vernichten das ich zu meiner Beruhigung ersann
    Lasst mich fortfahren Lasst mich umständlicher von diesem Peter von Kalatin
reden Außer seinem einnehmenden Aeusserlichen außer seiner wunderbaren Kunst
sich gefällig zu machen war noch etwas das mich zu seinem Freunde machte ich
glaubte Großmut in seinem Betragen gegen mich zu entdecken Peter Kalatin stand
schon auf einer sehr hohen Stufe im Rat der heimlichen Richter da ich erst zu
den untersten Graden eingeweiht wurde schon damals hatte er mir keine Ursach
zur Klage gegeben so oft ich auch in Geschäften mit ihm zusammentraf er war
herablassender und gütiger gegen mich gewesen als irgend einer von den Obern
und jetzt da mich das Glück und mein entdeckter Stand emporhob da es mich ihn
und tausend andere überspringen machte da ich auf einer Höhe stund die er nie
zu erreichen hoffen konnte jetzt entdeckte ich dennoch nicht eine Spur von der
Missgunst von der scheuen Zurückhaltung an ihm die ich wohl an Höhern als er
die ich selbst an dem Herzog von  wahrgenommen hatte Er blieb gegen mich
immer der nämliche nur dass das was zuvor Freundlichkeit gegen einen Geringen
war sich jetzt in Freundschaft verwandelte diese Erscheinung deren Seltenheit
mich die Erfahrung beurteilen lehrte nahm mich für ihn ein ich ward zuerst
sein Freund bloß weil ich ihn weniger bös als andere fand bis er sich mein
Herz durch wahre oder erkünstelte Tugendproben noch mehr zu eigen machte
    Als Kalatin merkte wie fest er in meinem Herzen saß ließ er mich auch
einen tieferen Blick in das seinige tun er verheelte mir nicht dass er meine
Schwester liebte und sich Hoffnung auf ihren Besitz machte eine Entdeckung
die mir nicht allerdings behagte Stolz war meine herrschende Leidenschaft so
wert mir auch Kalatin war so dünkte mich doch sein Stand gegen den meinigen zu
gering Nur um eines Everts von Remen willen hätte ich meiner Schwester erlauben
können durch Heirat eine Stufe herabzusteigen Evert von Remen mein alter
Jugendfreund hatte die Liebe meinen Schwester hatte das Versprechen meines
Vaters Dinge welche bei Kalatin hinwegfielen und deren Mangel ihn eine
abschlägliche Antwort finden ließ bei welcher mir doch des jungen von Remen
frühere Ansprüche zum Vorwand dienen mussten
    Ich weiß nicht ob Kalatin den Grund meiner Weigerung ganz durchschaute er
schien wenigstens damals Everten für die Hauptinderniss seines Glücks zu halten
und sparte keine Kunst sie hinweg zu räumen Sehr künstlich musste er in seinen
feindseligen Verfahren gegen seinen Nebenbuhler zu Werke gehen da ich nicht
gewahr wurde dass er es war welcher meinen alten Jugendfreund meinem Herzen
nach und nach zu verleiden wusste da ich erst lang hintennach Spuren seiner
Machinationen zu unserer Entzweiung zu entdecken glaubte und daher Zweifel in
seine Redlichkeit schöpfte welchen noch mehrere Umstände an die Seite traten
    Damals war ich noch ganz zu seinem Vorteil eingenommen dass der Umgang
Everts von Remen mir immer gleichgültiger endlich gar lästig wurde dieses
schrieb ich weniger Kalatins witzigen Ausfällen auf ihn als der Vergleichung
zu die ich zuweilen zwischen diesen meinen beiden Freunden in der Stille
machte und bei welcher Evert unglaublich im Schatten stand Wie konnte sich
dieser schlechte geradsinnige Deutsche mit dem glattzüngigen Hofmann Kalatin
messen wie fein und einschmeichelnd war jedes Wort jede Handlung des letzten
wie steif und störrig betrug sich der erste besonders seit er es ahndete dass
mein Herz sich allmälig von ihm losriss Wie zudringlich war Evert in seinem
Nachforschen wie entscheidend oft beleidigend in seinen Urteilen Er hatte
sich nach meinen Gedanken ganz geändert er war sonst so sanft und nachgebend
wie war er auf einmal so eigenwillig geworden Ich erstaunte über die
Veränderung an welcher eigentlich nur ich selbst schuld war und bedachte
nicht dass Vernachlässigung diese Erscheinung bei den besten Seelen am ersten
hervorbringen kann
    Meine Schwester führte über unsern alten Freund die nämlichen Klagen
Kalatin affektirte seine Partie zu nehmen aber er tat dieses auf eine so feine
Art welche nur ihm selbst zum Besten seinem sein sollenden Klienten zum
größten Nachteil gereichte Allgemach kamen verdeckte Anspielungen zum
Vorschein dass ich ja weder durch Eid noch Pflicht an den Herrn von Remen
gebunden sei und meiner Schwester leicht wo ein besseres Glück lachen könne
besonders wenn ich sie nach Hofe brächte welches ohnedem jetzt da sie mehr
heranwüchse unumgänglich geschehen müsste
    Ich weiß nicht was Kalatin darunter suchen musste mich aus meinem
Vaterlande zu entfernen er brachte die Notwendigkeit einer solchen Reise
unaufhörlich auf die Bahn bald war es die Einführung meiner Schwester in die
Welt die seinem Vorgeben nach dieselbe erforderte bald wusste er andere
Ursachen anzuführen Ich gab ihm hierin wenig Gehör Ihr wisst Herr von Kalatin
sagte ich oft dass ich nicht von mir selbst abhänge von einer Reise aus meinen
Landen müsste der Herzog von Sachsen unausbleibliche Kundschaft haben und ich
zweifle dass er sie billigen würde da er weiß dass meine Gegenwart hier nötig
ist auch um meines eigenen Vorteils willen nötig ist Der Besitz einiger
Jahre hat mich in meinen Rechten noch nicht so befestigt dass nicht die
ehemaligen eingedrungenen Eigner dass nicht besonders der Erzbischof von Bremen
mir Gefahr drohen sollte wenn ich mich jetzt entfernte
    Kalatin wusste nichts auf meine Einwürfe zu sagen und schwieg Er ließ dem
Anschein nach alles gehen wie es ging und lebte friedlich in meinem Hause das
ich ihn gebeten hatte als das seinige anzusehen Ununterbrochener Umgang der
sonst oft den liebenswürdigsten Personen nachteilig ist gereichte ihm nur zu
Erhöhung seines Werts in meinen Augen seine mir missfällige Leidenschaft für
Alverden schien er so ganz besiegt zu haben dass er mit mir oft von
anderweitigen Verbindungen sprach die er im Sinne habe und in Summa ich habe
all diese Zeit über nichts verdächtiges an ihm entdeckt als einen fleißigen
Briefwechsel nach Rom und mit dem Herzog von  Dinge wegen welchen er sich
sehr gut zu rechtfertigen wusste
    Als wir eines Tages von seinem Entschluss sprachen sich eine Gemahlin unter
den Töchtern unsers Vaterlands zu wählen und ich ihm scherzend verschiedene
Damen vorschlug fragte er mich mit einem scharfen Blick ob ich nie geliebt
habe
    Nie Kalatin mein Umgang mit den Frauen war von je her gering und deren
die ich meiner Wahl vollkommen würdig halten könnte sah ich noch nie eine
    Und was für Vorzüge werden wohl bei einer künftigen Gräfin von 
erfordert
    Außer denen welche jeder Mann sich an einer Lebensgefärtin wünscht noch
Rang und hohe Geburt ich wünsche bei meiner Wahl die Augen ehe über mich als
zur Seite oder unter mich zu richten Ich finde unter meinen Eltermüttern mehr
Prinzessinnen als bloße Edelfräuleins will ich den Glanz meines Hauses wieder
herstellen so muss ich wählen wie meine Ahnen wählten
    Ihr habt recht Herr Graf aber wie wollt ihr solche Damen kennen lernen
die eurer Hand würdig sind wenn ihr euer Land nie verlasset
    Ich bin noch nicht veraltet Kalatin erwiderte ich mit Lachen was ich
heute noch nicht sah kann ich in zehn Jahren Zeit genug erblicken indessen
wird noch manche schöne Blume für mich lieblich heranblühen
    Und manche gebrochen werden oder welken versetzte er welche vielleicht der
Himmel eben für euch bestimmte Europa ist jetzt reich an schönen Fürstinnen
deren ihr auf diese Art nicht eine in voller Blüte sehen würdet wenn euer
Diener Kalatin und ein freundlicher Maler eurer Bequemlichkeit nicht etwa zu
Hilfe käm und euch das vor Augen brächte das euch aufzusuchen zu beschwerlich
dünkt
    Wie Kalatin ihr besitzt ein Bilderkabinet von allen jetzt lebenden
fürstlichen Schönheiten
    Bei weiten nicht von allen doch kann ich mich rühmen die treusten Kopien
von fünf unsrer schönsten Prinzessinnen zu haben die ich nur herüber bringen
lassen darf um sie euch zu zeigen
    Wer fühlt nicht Neugier das größte Meisterstück der Schöpfung ein schönes
Weib zu sehen sollte es auch nur im Bilde sein Ich fand großes Behagen an dem
Einfall meines Freundes und dieses um so viel mehr da sich doch der Gedanke in
meinem Innersten zu regen begunnte ob ich nicht unter den versprochenen
Gemälden vielleicht diejenige finden könnte die mich die Liebe kennen lehren
sollte
    Der köstliche Transport ward mit Ungeduld erwartet das Kistgen welches die
gewünschten Schätze enthielt in ein einsames Gartenkabinet getragen und so
begierig eröfnet als sich von einem jungen Manne der sein fünf und zwanzigstes
Jahr noch nicht geendigt hatte und der jetzt den Gegenstand seiner Phantasien
zu sehen hofte und von seinem dienstfertigen Freunde erwarten ließ
    Macht euch gefasst sagte Kalatin indem er die Hüllen der Kunstwerke des
Malers nach und nach hinweg räumte macht euch gefasst hier das schönste und
erhabenste zu sehen was unsere Zeiten an weiblichen Reitzen aufzuweisen haben
ich werde euren Augen die drei Töchter Kaiser Philipps die man gemeiniglich nur
die drei Heldinnen nennt die Prinzessin Adila von Pohlen und die schöne Alix
von Toulouse vorstellen wählet nun und bedenket dass kein Fürst euch seine
Tochter versagen wird
    Ich antwortete Kalatin nicht denn ich war ganz im Anschauen dessen
verloren was sich nun vor meinen Augen enthüllte Ich sah die blühende Adila
König Premislaus Tochter ich sah die majestätische Elise die zauberische
Kunigunde welche mir wegen des verbuhlten Blickes so schön sie auch war unter
allen am wenigsten gefiel und die junge Beatrix schön und im ersten Aufblühen
wie die Göttin der Jugend und lachend wie die Göttinn der Freude dieselbe sah
ich aber wie soll ich den Sinn nennen der mir das Bild der himmlischen Gräfin
von Toulouse vorstellte Ich sah ihre Reitze nicht ich fühlte sie tief im
Herzen Alle Bewunderung alles staunende Entzücken das die andern Schönheiten
in mir erregt hatten verschwand bei den Gefühlen die mir der Anblick dieser
Überirdischen einflößte  O Gott wenn ich mir sie ins Gedächtnis zurück rufe
wie ich sie damals im Bilde wie viel herrlicher ich sie in der Folge in
Person sah so ists als ob ein himmlisches Licht meinen Kerker durchstrahlte 
O Alix Alix auch um deinetwillen trage ich diese Ketten wohin hat mich Liebe
und Gram um dich geschleudert Du bist bei Gott lange konntest du nicht von
deinem Vaterland dem Himmel getrennt bleiben Die unschuldvolle Engelsmine
das unaussprechliche Lächeln einer vollendeten Seeligen der überirrdische Blick
der himmlischen Augen jeder Teil des ganzen Alls das mich so bezauberte
hätte mir ja sagen sollen dass ich in dir einen Gegenstand anbetete der gar
nicht für die Liebe eines Sterblichen bestimmt war Ach daran dachte ich nicht
als ich deine Reitze zuerst erblickte ich schaute und konnte deines Anblicks
nicht satt werden bis der Eindruck unaustilgbar ward vor dessen Gefahren mich
niemand warnte
    Ach wer hätte mich warnen sollen vielleicht Kalatin war ers nicht der
mich mit diesen Zauberbildern in irgend eine unglückliche Leidenschaft zu
verstricken suchte  Sonderbar war es mit alledem erst lang nachher in der
Zukunft habe ich mirs überdacht und daraus neuen Verdacht wider Kalatins
Redlichkeit geschöpft sonderbar war es dass er unter allen Prinzessinnen deren
es wie er selbst sagte damals so viele von bewundernswürdiger Schönheit gab
keine einige Unversagte gewählt hatte sie meinen Augen vorzustellen Unter
diesen fünfen hätte meine Wahl fallen mögen auf welche sie gewollt hätte so
wär ich unglücklich gewesen Adila liebte Herzog Bernharden von Sachsen Elise
war an Otto von Wittelsbach versprochen Kunigunde an Graf Richarden von Segni
schon vermählt Beatrix dem Herzog von Braunschweig bestimmt und Alix ach
meine göttliche ewig unvergessliche Alix versprochene Königin von Kastilien
Dinge welche ihm dem alleswissenden Hofmann nicht unbekannt waren wovon aber
ich in meiner Einsamkeit freilich kein Wort gehört hatte Briefe von dem
Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach die ich fleißig von Hofe erhielt hätten mich
wohl über diese Dinge benachrichtigen können aber sie waren größtenteils in
der romanischen Sprache geschrieben die ich nicht sonderlich verstand und bei
welcher ich mich allemahl Kalatins Hilfe bedienen musste der mir ja wenn er
einmal ein Verräter sein wollte verdeutschen konnte was er selbst wollte
und was in seine Plane taugte
    O Kalatins Schatten verzeihe wenn ich dir unrecht tue ich sehe freilich
nicht ein was dir es gefrommt haben würde mich gutwillig in unmögliche Liebe
zu verstricken gleichwohl aber ist die Lage der Sachen so dass ich diesen
Verdacht fassen muss den ich freilich damals nicht kannte Einmahl ist so viel
gewiss dass du mich auf einen Pfad stelltest wo ich unter fünf Wegen wählen
konnte welchen ich wollte mit der Gewissheit auf jedem nur auf verschiedene
Art unglücklich zu werden
    Aber musste ich mich denn fangen lassen Konnte ich nicht bei allen Reizen
die mir aufgestellt wurden kalt und unempfindlich bleiben  Doch um mein Herz
zu stählen hätte ich Verrat ahnden müssen auch hatte Kalatin Sorge getragen
mich all die Zeit über da ich in Erwartung seiner Zauberbilder lebte auf eine
Art zu unterhalten die mein junges unerfahrnes Herz jedem Eindruck der
heftigsten Leidenschaft öfnen musste
    Ihr seid also gefangen sagte Kalatin als er mich im Anschauen meines
geliebten Bilds ganz verloren sah ihr seid gefangen und die schöne Alix von
Toulouse hat die Ehre des Siegs Viel Glück Herr Graf Nur bitte ich euch nun
nicht zu säumen sondern euch eilig nach dem Orte aufzumachen wo eure Göttinn
lebt denn ihr begreift wohl dass Damen wie sie nicht lange für den Liebhaber
aufgehoben werden möchten und dass ihr schnell zugreifen müsst wenn ihr euch
ihres Besitzes bemächtigen wollt
    Ich fühlte die Notwendigkeit dessen was mir Kalatin anriet nur gar zu
gut die Reise nach Frankreich ward von nun an der Gegenstand all meiner
Gespräche mit ihm aber wie sie ohne Versäumnis nötiger Pflichten möglich
gemacht werden sollte das blieb immer unentschieden bis ein Befehl von den
Obern unsers Bundes meine Lande zu verlassen und mich unter verstelltem Namen
nach Pamiers zu begeben alles entschied Gelegner hätte mir wohl kein Auftrag
kommen können ich ergriff ihn mit beiden Händen und bemerkte nicht was ich
mir wohl nachher bedachte dass an Form und Art ihn zu erhalten manches zu
finden war das mir ihn hätte verdächtig machen können Genug ich wusste dass
die Vornehmsten von den Unsern sich um verborgener Ursachen willen insgeheim zu
der großen Versammlung der Bischöffe begeben würden die damals zu Pamiers
gehalten wurde und ich fand es nicht unwahrscheinlich weil ich es nicht
unwahrscheinlich finden wollte dass auch ich dazu berufen ward überdieses
dachte ich Herzog Bernharden von Sachsen daselbst zu finden und über alles was
mich hätte befremden können von ihm Aufklärung zu erhalten Ach ich wusste
nicht dass dieser edle Fürst damals krank lag und den feindseeligen Herzog von
 als seinen Stellvertreter hatte nach Frankreich abgeben lassen müssen
    Meine Anstalten zur Reise wurden ernstlich Liebe und Pflicht riefen mich
wie hätte ich säumen sollen Ich dachte zuerst einen Besuch bei dem Grafen von
Toulouse zu machen seine schöne Schwester zu sehen und um sie zu werben alles
Dinge welche mir Kalatin der es doch besser wissen musste ausnehmend leicht
machte und dann hofte ich noch übrige Zeit zu haben mich bei der Versammlung
zu Pamiers einzufinden da von der Zeit in welcher ich meine
Herzensangelegenheiten zu endigen meinte bis auf den von meinen Obern
bestimmten Tag noch ein ganzer Monat zu rechnen war
    Meine Absicht war meinem Freund von Remen den ich immer noch schätzte ob
ich ihn gleich nicht mehr lieben konnte die Hut meines Landes und seiner edelen
Mutter meine Schwester anzuvertrauen die ohnedem fast beständig in ihrem Hause
lebte Plane welche wohl für uns alle die sichersten gewesen sein würden aber
sie standen Kalatin nicht an er misbilligte sie und wusste sie zu
hintertreiben
    Ein Gewebe von Umständen zeigte sich die mir die Treue meines Freundes und
selbst die Redlichkeit seiner Mutter verdächtig machen mussten ich würde sagen
sie wären von Kalatin herbeigeführt worden wenn er nur den geringsten Anteil
daran zu haben geschienen hätte und doch weis ich wiederum nicht welche andere
Hand als die seinige hier gewürkt haben könnte da mir des unglücklichen
Everts von Remen Unschuld in der Folge fast ganz erwiesen und sein Nebenbuhler
Kalatin immer verdächtiger ward
    Damahls war ich verblendet gegen die Schuld und die Unschuld des einen und
des andern ich sah nichts als die Unwiderleglichkeit des Schlusses welchen
Kalatin aus den Entdeckungen zog die ich eben von der vermeinten Treulosigkeit
derer von Remen gemacht zu haben glaubte
    Eure Schwester Herr Graf sagte er ist an keinem Orte unsicherer als im
Hause derer von Remen ihr dürft sie nicht in demselben zuzücklassen auch
diesen Abend muss sie in das Eurige abgefordert werden ihr könnt sie euch nach
Frankreich folgen lassen ich selbst will ihr Begleiter sein Ihre Unterhandlung
kann euch bei der Gräfin von Toulouse sehr nötig werden sie lebt zu Lion in
einem Kloster wir wollen Alverden in eben dasselbe bringen die schöne Alix
lerne durch die Schwester den Bruder kennen damit ihr Herz für euch eingenommen
werde ehe sie den Befehl erhält die eurige zu werden und ihr Besitz nicht die
Frucht des Gehorsams gegen ihre Anverwandten nein freiwillige Ergebung eigene
Wahl sei
    So redete Kalatin und Gott weis ob er eines dieser Worte im Ernst und ohne
Nebenabsichten sprach mich hatten Liebe und Vorurteil verblendet und ich
glaubte ihm   Ich bedachte weder die Ungewissheit auf welcher noch das Glück
meiner Liebe beruhte noch die Undankbarkeit gegen die von Remen indem ich
Alverden aus dem Hause zurückforderte in welchem sie fast erzogen worden war
noch die schwankenden Beweise welche mir gegen die Treue meiner alten Freunde
beigebracht wurden noch die Unschicklichkeit meine Schwester einem Menschen
anzuvertrauen welcher sie ehemahls geliebt hatte Jede Erwegung wurde von dem
Vertrauen auf Kalatin und von den Anschlägen auf den Besitz der schönen Gräfin
von Toulouse verschlungen
    Ich tat meiner Schwester einige vorläufige Anträge welche zu Ausführung
unserer Plane leiten sollten ich ließ ihr das Bild der Gräfin von Toulouse
sehen sagte ihr von der Notwendigkeit das Haus der Frau von Remen zu
verlassen und mir zu folgen aber ich fand mehr Einwendung bei dem jungen
Mädchen als ich vermutet hatte Ihr Herz war frei von Leidenschaft ihr
Verstand nicht von den Täuschungen der Liebe umnebelt sie sah also freilich
heller und urteilte richtiger als ich Sie musste indessen nachgeben sie
erfuhr von unserm ganzen Plan und seinen Bewegungsgründen nur so viel ihr zu
wissen nötig war man empfahl ihr Geheimhaltung und ihre Bedenklichkeiten
welche doch noch etwa überblieben wurden durch die fast kindliche Ehrfurcht
welche sie gegen mich ihren Bruder hegte und durch die Überzeugung gehoben
sie tue recht wenn sie mir gehorche
    Noch jetzt weis ich nicht wie ich  angenommen dass Kalatin ein Verräter
war  mich so von ihm konnte verblenden lassen Alle meine Verfügungen auch in
Ansehung meiner Lande wurden bloß so getroffen wie er es für gut hielt Erst
lang nachher habe ich erfahren dass alles schon damals verloren gewesen wäre
wenn der redliche Evert von Remen sich an meine Einrichtungen gekehrt und mir
nicht wider Willen gedient hätte  Der Erzbischoff von Bremen welcher kaum
meine Entfernung abwarten konnte um einen Einfall in meine Lande zu tun wurde
bloß durch Everts Klugheit und Tapferkeit zurück getrieben indessen ich mich
von seinem Feinde verleiten ließ verräterisch an ihm zu handeln ihm die Treue
zu brechen und ihm seine Geliebte entführen zu lassen
    Meine Entfernung aus meinem Lande schien  so hat mich erst spätes
Nachdenken gelehrt  eine Sache zu sein auf welche man viel gebaut hatte darf
ich meinen Mutmaßungen trauen so trieb man sie durch Kalatin auf den immer
all mein Verdacht zurück kehrt bloß darum so emsig dass man mich meiner
Besitzungen berauben und sich Gott weiß zu welchen Entzwecken meiner Person
bemächtigen möchte
    Von heimlichen Nachstellungen hatte ich Spur ehe ich noch fünf Meilen von
meinem Residenzschlosse war ich entging allen Fallstricken welche mir auf
meiner Reise gelegt wurden bald durch Behutsamkeit bald durch mein gutes
Schwert immer glücklich bis mich endlich an den Gränzen von  übel
verstandene Gutherzigkeit in die Stricke von Feinden fallen ließ welche ich
nicht kannte und spät genug kennen lernte
    Es war einst gegen den Abend als ich auf einem Scheidewege anlangte ich
war einsam und der Gegend unkundig Ein alter Mann saß am Wege und sprach mich
um eine Gabe an Guter Vater sagte ich indem ich ihm reichlich mitteilte
welcher Weg führt mich zu der besten Herberge 
    Der Rückweg gestrenger Ritter war die Antwort
    Wie das fragte ich
    Ihr werdet wissen wo ihr diese Nacht geruht habt und ob euch daselbst wohl
war wo ihr ruhen werdet und ob euch da wohl sein wird wisst ihr nicht
    Ihr habt recht Alter und eben darum frage ich euch
    Ich weiß nur so viel dass der enge Pfad dort unten euch in den Wald führt
welchen Räuber unsicher machen und dass jener der euch zwar noch vor
Mitternacht in die Stadt bringen würde wenigstens für euch unsicher sein
möchte
    Warum für mich
    Ihr müsst Feinde haben junger Ritter ich sah Gewappnete im Busche
lauschen die euren Namen nennten und von euch als einer freien Beute
sprachen
    Meinen Namen Wie kann euch dieser bekannt sein
    Als ob euer Gesicht das Haus aus welchen ihr entsprossen seid verleugnen
könnte Auch sah ich als ihr mir eure mehr als fürstliche Gabe reichtet den
Ring mit dem Wappen eurer Voreltern an eurer Rechten Dreißig Jahr habe ich
unter eurem Grosvater teils in des Kaisers Kriegen teils in seinen eigenen
mit dem Bischoff von Bremen gedient so wird mir doch sein Enkel kenntlich sein
 Graf Raimund von  war in euren Jahren ein Herr wie ihr ich würde glauben
in die Zeit meiner Jugend zurück versetzt zu sein und ihn lebend vor mir zu
sehen wenn mich nicht die Hinfälligkeit meines Körpers diese
zusammengeschrumpfte Haut und dies zerlumpte Kleid eines andern belehrten
    Wie schrie ich ihr dientet unter der Fahne meines Hauses und alles was
ihr in seinen Diensten erwarbt war der Bettelstab
    Macht mir mein elendes Gewerbe nicht zum Vorwurf ich treibe es nicht für
mich sondern für meine nach Brod wimmernden Enkel die in mir ihren einigen
Versorger sehen
    Gott Gott schrie ich und das sollte ich wissen und nicht helfen Nein
Alter ich verlasse diese Gegend nicht bis ich die Schuld meiner Voreltern bei
euch abgetragen habe Ich bin euch überdem mit eigener Schuld verhaftet ihr
wart mein Warner vor Gefahr die mir nicht unwahrscheinlich dünkt da ich auf
meiner Reise Spuren genug von heimlichen Nachstellungen hatte
    Und was wollt ihr machen Graf Adolph
    Mit euch gehen will ich in der Hütte der Armut übernachten und sie beim
Abschied in ein bequemes Haus verwandeln Eure Kinder sollen die Meinigen sein
ich will euch genug zu eurer und ihrer Verpflegung hinterlassen
    Ich bedaure Euch sagte der Alte indem er sich ziemlich munter an seinen
Krücken in die Höhe richtete euer Nachtlager unter meinem Dach wird schlecht
sein es schützt kaum mich und die Meinen vor Wind und Regen doch kommt mit
mir besser mögt ihr euch immer bei mir als da befinden wohin ihr ohne meinen
Rat gekommen sein möchtet
    Ich trat den Weg an den mir mein Begleiter zeigte Um seinen schwachen
Füßen zu Hilfe zu kommen stieg ich von meinem Ross ab und leitete es langsam
hinter mir her so dass er gleichen Schritt mit mir halten konnte welches ihm in
der Tat leichter ward als ich gedacht hätte
    Mit Erzehlungen aus der alten Geschichte meines Hauses unterhielt er mich
so lang und so angenehm dass ich kaum gewahr ward dass die Sonne gänzlich unter
den Horizont hinunter war und wir in immer wachsender Dämmerung gingen Er
schien meine schwache Seite zu kennen und nützte sie er ward so wenig müde von
den Taten meiner Voreltern zu erzählen als ich von denselben zu hören
    Mitten in einer seiner interessantesten Geschichten begegnete uns ein
wohlgekleideter Mann der meinen Begleiter zu kennen schien und ihn in
romanischer Sprache anredete von welcher ich wie ich schon gesagt habe nur
wenig verstand besonders wenn sie so geschwind wie hier gesprochen wurde
    Schon wurde ich ungeduldig über die etwas lang dauernde Unterhaltung als
sich der Alte zu mir wandte Dieser Mann sagte er ist ein Bedienter unsers
gnädigen Herrn des Besitzers dieser Gegend er fragt mich wohin ich euch führe
er ahndet aus eurem Ansehen einen Gast der für meine Bewirtung zu hoch ist
und wagte es euch im Namen seines Gebieters auf das Schloss einzuladen wo ihr
euch besser befinden werdet als in der Hütte eines Bettlers
    Der Fremde verbeugte sich sehr ehrerbietig vor mir und versicherte mich in
gebrochenem Teutsch dass ich seinem Herrn zwar ein unbekannter und
unvermuteter aber sehr angenehmer Gast sein würde indem er keinen Fremden von
Stande unbewirtet vor seiner Burg überziehen lasse und allen seinen Leuten
ungemessenen Befehl erteilt habe wen sie in seinen Bezirken fänden der des
Ansehens wär sich an seinem Tisch zu zeigen mit geziemender Achtung an
denselben zu erbitten
    Das Ansehen des Redners gefiel mir so wenig als seine Sprache ich kannte
weder ihn noch seinen Herrn Erfahrung hatte mich Behutsamkeit gelehrt und eine
abschlägige Antwort war auf meiner Zunge ich zog die Herberge unter dem
armseeligen Dache meines ehrlichen Kriegers dem Schloss jenes Unbekannten vor
Ich wandte mich nach ihm um  und sah mit Erstaunen seine Krücken zu meinen
Füßen liegen und ihn mein Pferd am Zügel davon führend mit der Schnelligkeit
eines Vogels über ein Stoppelfeld eilen
    Gnädiger Herr stammelte mein undeutscher Unbekannter ihr erstaunt über
das was ihr hier seht Vermutlich wisst ihr nicht dass ihr euch in sehr bösen
Händen befandet dieser Mann ist der Anführer einer berufenen Räuberbande
dessen Geschäft es ist unglückliche Reisende unter mancherlei Verkleidung ins
Netz zu locken er scheut hier nichts als die Macht meines Herrn der seiner
Bosheit schon mehr Opfer entrückte und ihr habt eurem Heiligen zu danken der
mich euch gerade zu eurer Rettung entgegen schickte
    Starr vor Erstaunen sah ich den Unbekannten an dass jener Alte ein Betrüger
war dies fiel mir in die Augen aber ob ich mir bei dem der ihn vertrieben zu
haben schien und doch vielleicht ingeheim mit ihm einverstanden war etwas
besseres zu versehen hatte das konnte ich nicht erraten
    Er schien die Meinung meines durchdringenden Blicks nicht zu verstehen er
ging vor mir gelassen dahin als wenn es die Notwendigkeit erforderte dass ich
ihm folgen müsse redete von der Nähe des Schlosses von der Gesellschaft die
ich daselbst finden würde und von einer Menge anderer Dinge mit der größten
Unbefangenheit ich verstand ihn nur halb weil er sehr schlecht sprach und
eine Menge fremde mir ganz unverständliche Worte einmischte
    Ich wusste nicht was ich tun sollte mir kam vor dem Orte wohin er mich
führen konnte ein Grauen an und gleichwohl sah ich mich hier in einer ganz
fremden Gegend wo ich nicht wusste ob mir nicht vielleicht noch größeres
Unglück drohen möchte
    Mein Führer wandte sich als er mein Zögern merkte nach einer Weile ganz
gelassen nach mir um und sah dass ich mein Schwert gezogen hatte und es bloß
in den Händen trug Ich glaube ihr fürchtet euch vor mir sagte er mit einem
widrigen Lachen seht ihr nicht dass ich unbewehrt bin Gebt euch doch
zufrieden
    
    Er schlug den Mantel zurück und zeigte mir dass er weder Schwert im
Wehrgehäng noch Dolch im Gürtel hatte Ich schämte mich des Verdachts der
Furchtsamkeit und schlenderte mit etwas festerm Schritt an seiner Seite her
Wir schwiegen beide wie Leute welche nicht ganz wissen was sie von einander
zu halten haben Ich fragte nach dem Namen seines Herrn und bekam keine
Antwort zwischen den Zähnen murmelte er etwas in seiner Sprache davon ich nur
die Worte Gehen oder Bleiben verstehen konnte dies schien mir der Trotz eines
redlichen Mannes zu sein der sich durch falschen Verdacht beleidigt fühlt ich
steckte mein Schwert ein und überredete mich dass ich ohne Ursach bange gewesen
sei
    Dort ist das Schloss sagte er nach einer langen Weile als wir hinter einem
Hügel hervor auf eine weite Ebene kamen ihr könnt euch nun entschließen ob
ihr dort oder hier unter freiem Himmel übernachten wollt
    Ich gehe mit euch erwiderte ich und verzeiht wenn ich durch viel
traurige Erfahrungen gewitzigt euch Unrecht tat
    Wir traten jetzt in einen großen Vorhof ein wo verschiedene Bedienten mit
Fackeln um uns her kamen Ist die Gesellschaft heute groß fragte mein
Begleiter Wir haben war die Antwort heute keinen Fremden als den ihr uns
bringt er wird dem Herrn und seinen Freunden willkommen sein
    Meine Furcht war jetzt ganz verschwunden ich sah wohl dass ich mich in
keiner Räuberhöhle wohin ich geführt zu werden besorgt hatte sondern wirklich
in dem Pallast eines großen Herrn befand wo alles Pracht und Reichtum atmete
Man öffnete einen großen erleuchteten Speisesaal wo ich eine sehr zahlreiche
Gesellschaft bei gefüllten Bechern sitzen sah welche mir noch besser und
unverdächtiger geschienen haben würde wenn mir nicht ihre Kleidung auf den
ersten Blick gezeigt hätte dass sie größtenteils Geistliche wären ein Stand
bei welchem ich wie ich wusste in keiner sonderlichen Gunst stand und vor
welchem auch ich immer noch mehr Furcht als Ehrerbietung gehegt hatte weil ich
wusste dass ich mächtige Feinde in demselben hatte
    Der Herr des Hauses ein freundlicher fetter Mann mit der Miene der
Intrigue in den scharfblickenden Augen trat mir entgegen er trug ein elegantes
geistliches Negligee ohne Abzeichen einer hohen kirchlichen Würde als das
goldne Prälatenkreuz das mir ihn als einen Bischof vorstellte Ich ward
bewillkommt freundlich zur Tafel geladen an eine der Oberstellen gesetzt und
durch Freundlichkeit Trunk und zutrauliches Wesen damit man mir von allen
Seiten entgegen kam bald völlig über meine Lage beruhiget
    
    Dem frohen Mahle welches weit nach Mitternacht noch nicht zu Ende war und
das durch Witz und frohe Laune eins der unterhaltendsten ward dabei ich mich je
befunden habe folgte eine sanfte Nacht auf weichem Lager und dieser ein so
freundlicher Morgengruß von meinem gastfreien Wirte und eine so dringende
Bitte noch diesen Tag sein Gast zu sein dass ich blieb  wo ich bleiben musste
denn nach doppelter und dreifacher Verlängerung meines Besuchs ward mir es
endlich klar dass ich nicht scheiden konnte wenn ich auch gewollt hätte und
dass mit dem ersten Eintritt auf das Schloss vor welchem mich nicht ohne Ursach
gegraut hatte meine Freiheit verloren gegangen war
    Das was ich mit allem meinen Nachdenken nicht begreifen konnte was man
hier eigentlich von mir wollte ward mir auch nach und nach deutlich ich sah
dass man mich kannte und dass alles darauf hinauskam durch List welche zuweilen
nahe an Gewalt gränzte Dinge von mir zu erforschen deren Kenntnis man bei mir
vermutete und die ich auch ungebunden durch fürchterliche Eide diesen
Fragern nie entdeckt haben würde Gezwungen muss ich hier mich kurz fassen man
kann die Art auf welche gewisse Dinge angefochten wurden nicht genau
bestimmen ohne sie selbst zu verletzen Es sei euch genug dass man mich auf
meinen schwächsten Seiten angrif um mich straucheln zu machen Frauenliebe und
Sucht nach Größe suchte man zu meinem Verderben in mir rege zu machen Man
verkannte mich in Ansehung des ersten mein Herz war jener zärtern Gefühle im
höchsten Grade empfänglich aber es schlug allein für die schöne Gräfin von
Toulouse die reizende Verführerinnen die man brauchte um mich eidbrüchig zu
machen mussten also ihres Endzwecks verfehlen
    Dieses entdeckte man bald und Alix von Toulouse sollte also der Preis
meiner Verführung sein man sagte mir hier zuerst was mich halb wahnsinnig
machte dass Alix für mich ein unerreichbares Gut dass sie bereits an den Prinzen
von Kastilien verlobt sei und man riss mich aus der Tiefe der Verzweiflung durch
das Versprechen empor dass ich sie dennoch erlangen dass keine menschliche Macht
sie mir entreißen sollte wenn ich mich zu dem bequemte was man von mir
forderte
    Die Versuchung war groß aber ists nur noch eine Frage ob ich siegte Da
ich hier überwunden hatte so brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen dass die
Lockspeisen welche man meiner Ehrfurcht vorhielt mir verächtlich waren man
zeigte mir den höchsten Rang im deutschen Reiche oder die höchste Staffel am
römischen Hofe von der einen und den Verlust meiner Lande Gefängnis und
schimpflichen Tod von der andern Seite ich lachte und blieb der welcher ich
war der Mann mit den versiegelten Lippen der ächte Diener der unerforschlichen
Geheimnisse
    Mein Zustand verschlimmerte sich von einem Tage zum andern ich verschloss
mein Auge vor der Gefahr oder vielmehr ich lächelte ihr zu denn was konnte
man mehr tun als mir das Leben rauben und war dieses mir wohl noch
wünschenswert da Alix für mich verloren war  Getrost wär ich in den Tod
gegangen unschuldiger und weit glücklicher hätte sein Pfeil mich getroffen als
jetzt da ich mit Blutschuld behaftet als ein Verbrecher ihn nun schon
Jahrelang herbeiwünsche Ach wär ich damals gestorben wie schuldlos wär ich in
die lange Nacht hinabgestiegen Vielleicht wär sie nun schon verträumt und ich
wär zu einem bessern Leben an der Seite meiner Geliebten erwacht
    Ich sollte nicht sterben die Hand der Liebe rettete mich die Hand einer
zurückgewiesenen verschmähten Liebe Eine von den schönen Zauberinnen die mir
meine Geheimnisse aus dem Herzen locken sollten dachte edler als ihre
Mitschwestern sie hatte sich das gränzenlose Zutrauen meiner Kerkermeister zu
verschaffen gewusst sie schmeichelte ihnen mit einem Erfolg den sie mir zum
Besten erdichtete Die Türen meiner verriegelten Zimmer standen ihr offen sie
kam zu mir um Mitternacht nicht bei mir zu verweilen sondern mich
hinauszuführen wo Freiheit und Mittel zu sicherer Flucht meiner warteten
    Fliehe mit mir edles Mädchen schrie ich entreiss dich der Schande dieses
Schlosses du verdienst von den Stricken des Lasters befreit zu werden Sehr
wohl lachte sie gewiss um eine Aufwärterin der schönen Alix oder gar Nonne zu
werden Mit diesen Worten entfloh sie und verschmähte den besten Dank den ich
ihr für meine Freiheit hätte geben können
    Ich hatte das Schloss kaum etliche Meilen hinter mir als ich merkte dass man
meine Flucht zu zeitig wahrgenommen hatte und dass meine Verfolger in meine
Fusstapfen traten die Finsternis der Nacht kam mir noch eine kurze Zeit zu
statten aber der Morgen brach an und entdeckte mich meinen Feinden in meiner
Verborgenheit die ich in der Angst meines Herzens schlecht genug hinter einem
dünnen belaubten Busche gewählt hatte es schien man war nun gesonnen alle
Gelindigkeit bei Seite zu setzen und mich ganz als einen Verbrecher zu
behandeln man belegte mich mit Fesseln und schleppte mich davon ohne auf meine
Appellation an Recht und Menschlichkeit zu hören
    Der Weg den man nahm war mein Glück Es war ein schmaler wenig besuchter
Felspfad den man vermutlich gewählt hate um sich seines Raubes desto besser
zu versichern weil man nicht wusste ob ich Anhänger oder Schützer in dieser
Gegend hatte welche zu fürchten wären Leider wusste ich nichts von solchen
Helfern aber der Himmel sandte mir einen Retter entgegen auf welchen ich nicht
gerechnet hatte auf welchen ich nicht rechnen konnte da er mir ganz unbekannt
war
    Wir hatten ungefähr die Hälfte unsers schmalen Pfads zurückgelegt als uns
ein bequemer Reisewagen in Begleitung einiger Bewaffneten begegnete ein alter
ehrwürdiger Mann saß darin und schien sehr andächtig mit Lesen beschäftigt zu
sein Der Weg war so dass wir nicht ausweichen konnten auch schienen meine
Hüter es nicht für nötig zu halten da die Person welche uns begegnete ihnen
wenig Furcht einflößte
    Mir flößte das Ansehen des ehrwürdigen Mannes Hoffnung ein und mein
Entschluss war kurz gefasst Unser kleiner Trupp musste halten um den Reisenden
vorüber zu lassen ich war ihm so nahe dass die Räder seines Wagens meine
Kleider berührten er hub die Augen auf und warf einen Blick auf mich in
welchem ich Mitleid zu entdecken glaubte O Rettung schrie ich ehrwürdiger
Herr Rettung für einen Unglücklichen welcher unschuldig die Fesseln trägt
    Wer seid ihr mein Sohn fragte der Greis indem er seinen Wagen halten
ließ mich genauer zu betrachten
    
    Mein Herr antwortete der Anführer meiner Feinde indem er mich
hinwegdrängte und an meiner Stelle die Antwort tat ich hoffe ihr werdet euch
nicht an die Lügen eines Böswichts kehren welcher zur längst verdienten Strafe
geführt wird
    Ihr wart es nicht welchen ich fragte antwortete der Alte mit einem
gebietenden Blick ich verlange Antwort von dem jungen Menschen welcher mir
nicht ganz das Ansehen eines Verbrechers zu haben scheint Noch einmal mein
Sohn wie ist euer Name
    Herr schrie mein Feind hütet euch vor Ungelegenheit Dieser Gefangene
gehört dem Bischoff von  welcher gerechte Ansprüche auf ihn hat
    Dem Bischoff von  antwortete der Reisende Ey so gehört die Sache ja gar
unter meine Gerichtsbarkeit Ich bin der Erzbischoff von Maynz und verlange auf
der Stelle nähere Erklärung von ihm oder von Euch
    Der Name des Erzbischoffs von Maynz dessen man nach seiner Rückkehr aus
Palästina schon seit einigen Wochen in diesen Gegenden gewärtig war
verbreitete tödliches Schrecken unter dem ganzen Haufen doch wusste sich der
Anführer schnell zu helfen
    Gnädiger Herr sagte er wenn ihr die wahre Ursach von der Gefangenschaft
dieses Menschen entdecken wollt so urteilt ihr sehr weislich dass ihr die
sicherste Auskunft über seine Verbrechen von uns nicht von ihm erfragen könnt
    Und was für Verbrechen kann man mir aufbürden rief ich indem ich mich
losriss und näher trat Rede Böswicht rede vor den Ohren dieses Heiligen den
Gott mir zum Retter schickte
    Wie schrie mein Gegner kannst du es leugnen Verworfener dass du in
vergangener Nacht ein Mädchen aus dem Hause unsers Herrn entführen wolltest
    Also eine Mädchengeschichte sagte der Erzbischoff mit spöttischem Lachen 
Unsere Brüder in Europa haben wie es scheint sehr wichtige Sachen
auszugleichen indessen wir andern der Andacht am heiligen Grabe pflegen
    Ich bitte erwiderte mein Ankläger ich bitte nur dieses dass der Mensch
zum Geständnis genötig werde ob mein Vorgeben falsch sei
    Nun so redet mein Sohn fuhr der ehrwürdige Greis noch immer lächelnd fort
das Verhör auf ofner Landstraße hat zwar ein wunderliches Ansehen aber wem
Macht zu Handhabung der Gerechtigkeit verliehen ist der übe sie wo er
Gelegenheit findet Eben las ich in unsern heiligen Büchern die Stelle dass die
Obrigkeit ihren Szepter nicht umsonst sondern zu schneller Entscheidung trage
    Auf die erste Anhörung der Anklage vom Mädchenraub hatte Verneinung auf
meiner Zunge geschwebt jetzt während der Rede meines gnädigen Richters besann
ich mich erst dass sie nicht ganz ungegründet war und dass ich wirklich meiner
Befreierin Anlass zur Flucht gegeben hatte welches man erlauscht oder aus ihrem
eigenen Munde erpresst haben mochte  Ich hielt es für das Beste die ganze
Geschichte zu erzählen und ich tat es auf so eine Art dass der Erzbischoff
ganz für mich gewonnen ward
    Hier ist offenbare Wahrheit rief er mit Kopfschütteln ich kenne die
hiesigen Bischöffe ein wenig aus dem Gerücht und werde die Sache näher
untersuchen Denn in der Ursach warum man diesen Ritter zuerst als einen
Gefangenen hielt finden sich noch viel Verborgenheiten die ich ergründen muss
Schliesst den jungen Mann los ich werde ihn mit mir nach Maynz führen und sagt
eurem Herrn er möge dorthin zu mir kommen und das weitere aus meinem Munde
hören
    So war ich denn also frei frei durch den Rechtsspruch eines Heiligen Meine
Feinde gingen beschämt davon ich erhielt Befehl mich zu den Bedienten des
Erzbischoffs zu gesellen aber in der Betäubung in welche mich die schnelle
Wandelung meines Glücks gesetzt hatte verstand ich nicht was man mir sagte
vergaß dass man mich hier nicht als den kannte der ich war und schwang mich
getrost in den Reisewagen des Erzbischoffs die leere Stelle an seiner Seite
einzunehmen
    
    Er hinderte mich nicht machte mir so gar Platz und begnügte sich mich
eine geraume Weile mit unverwandten Augen anzusehen indessen ich halb froh
über meine Rettung halb voll innern Grimms über meine Beleidiger vor mich hin
saß und schier des Danks vergaß
    Es scheint junger Mensch sagte der Erzbischoff nach einer Weile ihr kennt
den Platz sehr gut wohin ihr gehört Noch einmal fasst ein Zutrauen zu mir
und entdeckt euch mir ganz 
    Mein Herz war voll die Einladung es auszuschütten schien aus dem Munde
eines liebenden Vaters zu kommen Ich antwortete und antwortete so vollständig
als ich es kaum vor Eid und Gewissen verantworten kann Der Erzbischoff sah
dass ich auf einmal errötete und inne hielt  er schonte mich und drang nicht
in mich fortzufahren
    Es ist gut Herr Graf sagte er ich kenne nun euch kenne eure Verfolger
und eure Unschuld die Ursach warum sie euch nachstellten und alles was sie
nicht aus eurem Munde erpressen konnten verlange ich so genau nicht zu wissen
ihr müsstet denn in der Folge Bedürfnis fühlen euch mir in der Beichte ganz zu
entdecken und Trost und Rat bei demjenigen zu suchen der euch vielleicht
beides geben kann
    Das wozu mir dieser verehrungswürdige Mann dieser Erzbischoff Konrad von
Maynz dessen Andenken ich ewig verehren werde damals Anleitung gab das
geschahe bald darauf wirklich
    Ich folgte ihm in seine Residenz Seine ungeheuchelte Frömmigkeit und
besonders das Interesse das er an mir nahm machte ihm mein ganzes Herz zu
eigen Ich der ich bisher zu keinem Geistlichen ein Vertrauen hatte fassen
können und daher sehr lange Zeit des geistlichen Trosts entbehren musste
schüttete vor diesem Heiligen mein ganzes Herz an geweihter Stelle aus und
nimmer wird mich es gereuen dass ich es getan habe
    Von ihm erhielt ich Warnungen und Weisungen in Ansehung meiner Lage deren
Befolgung mein Glück gewesen sein würde Ich sollte mich von der Verbindung mit
den furchtbaren Unbekannten sollte mich von der Liebe zur verlobten Alix
losmachen Konnte ich das und weis ein Heiliger wie Konrad auch wie schwer es
ist irrdische Fesseln die Fesseln der Ehre und der Liebe abzuschütteln
    Von Maynz begab ich mich nach Toulouse ohne auf dem Wege den geringsten
Anstoß zu haben entweder scheute man meinen Beschützer den Erzbischoff oder
man hatte meine Spur gänzlich verloren und die Anschläge auf mich bei Seite
gesetzt
    Mein Herz glühte von Leidenschaft gegen die schöne Alix so gewiss ich auch
war dass sie nicht für mich lebte und alles schien sich zu vereinigen den
Eindruck den ihr Bild auf mich gemacht hatte zu vertiefen Hier kam ich durch
eine Landschaft wo man Anstalt machte sie auf dem Wege da sie in kurzen ihrem
glücklichen Bräutigam entgegen geführt werden sollte mit Jubel einzuholen Hier
hatte sie einst einige Jahre ihres schönen Lebens zugebracht und sich alle
Herzen gewonnen Die Bewillkommungen die man für sie ersann waren nicht
gekünsteltes Ceremoniel waren der Zoll einer Liebe welche nahe an die Anbetung
gränzte Man führte mich in die benachbarte Klosterkirche In diesem Hause hatte
sie unter den Nonnen ihre erste Bildung erhalten bei einer fürchterlichen
Feuersbrunst welche einst des Nachts hier ausbrach hatte ihre Wachsamkeit das
Kloster erhalten Eine kranke Layenschwester die man in ihrer Celle vergessen
hatte riss die junge Heldin selbst aus den Flammen und denn kehrte sie in die
Kirche zurück dem wundertätigen Marienbilde zu welchem die fromme Seele eine
sonderbare Andacht hatte die nämlichen Dienste zu tun Sie kam zu spät die
tode Heilige war schon ein Raub der Flammen geworden und sie die lebende hätte
beinahe den Tod auf dem Wege heiliger Schwärmerei gefunden
    Von Rauch halb erstickt hatte man sie auf den Stufen des Altars gefunden
und sich gleich entschlossen ihr zur Dankbarkeit für ihre Aufopferung sie möge
leben oder sterben eine sonderliche Ehre zu erzeigen  Kennt ihr die
Prinzessin Alix setzte der Erzähler hinzu indem er auf das neue Altarbild
deutete nun wohl ihr mögt sie kennen oder nicht so seht ihr hier die völlige
Ähnlichkeit ihres schönen Gesichts und ihrer reizenden Gestalt Die heilige
Jungfrau darf nicht zürnen so geschildert worden zu sein himmlischer gestaltet
als hier kann sie nicht auf Erden gewandelt haben
    Der Mann welcher mit mir sprach war ein Schwärmer und was war ich in
diesen Augenblicken  O Verzeihung Verzeihung für alle Verirrungen zu
welchen mich die Liebe leitete Ich sah die nach dem Leben geschilderte Alix mit
der himmlischen Glorie vor mir an heiliger Stätte ich hörte Taten eines Engels
von ihr erzählen war es zu verwundern dass ich mich von dem Arm meines Führers
losriss um mich auf den Stufen des Altars zu Gebeten nieder zu werfen welche
ich unserer lieben Frau anrechnete und die doch im Grunde nichts waren als
Anbetungen ihrer schönen Stellvertreterin
    Ich erhub mich in einem Zustande welchen ich wohl mit Recht den ersten Grad
der Verstandsverwirrung nennen kann die mich in der Folge zum Schauspiel der
Welt machte In einer Art von Trunkenheit durchreiste ich die nächsten Gegenden
wo der Name Alix den ich überall nennen hörte meinen Zustand noch
verschlimmerte In einem Hospital das sie von dem Verkauf ihrer Juwelen gebaut
haben sollte verlangte ich als ein Kranker aufgenommen zu werden und da man
mir dieses unter dem Vorwand meiner guten körperlichen Gesundheit versagte so
ließ ich daselbst mein ganzes Vermögen und kam als ein Bettler nach Toulouse
    Die kastilische Braut  Gott wie bebte ich ihr überall diesen Namen geben
zu hören  hatte sich nachdem sie das Kloster verlassen hatte nur kurze Zeit
hier am Hofe ihres Bruders aufgehalten und war denn ihrem Schicksal entgegen
gereist ich fand sie nicht mehr Der Zustand in dem ich war machte es
unmöglich mich wie ich es sehnlich wünschte um nur etwas zu sehen das
Beziehung auf sie hätte bei dem Grafen vorstellen zu lassen Ich wär ohne
Zweifel ein Raub des gräulichsten Mangels geworden hätte ich nicht noch vor
meiner Reise aus Westphalen an meine Bedürfnisse hier zu Toulouse und auf die
Zufälle gedacht welche einen Pilger auf einer so weiten Reise aller Mittel
berauben können
    Einer meiner ältesten und treuen Diener Rudger Ahlden genannt war schon
längst mit ansehnlichen Summen voraus mich hier zu erwarten er hatte so lang
und mit so viel gegründeten Besorgnissen nach mir ausgesehen forschte so
unablässig bei allen interessanten Reisenden nach meiner Gestalt und meinem
erborgten Namen dass er mich nicht verfehlen konnte
    Ich hatte seiner Unterstützung auf alle Art nötig er brachte mich endlich
so weit dass ich bei Hofe mit Anstand erscheinen und in dem Bruder meiner Alix
einen Mann kennen lernen konnte der den süßen Namen völlig verdiente den ihm
die Natur in Rücksicht auf sie gegönnt hatte
    Wenig Tage machten uns zu Freunden er war der liebenswürdigste Fürst den
ich je gesehen habe und ich trug so viel von der Liebe zu der Schwester auf den
Bruder über strebte so unablässig mich ihm gefällig zu machen dass wir wohl
für einander eingenommen werden mussten
    Der Graf von Toulouse war öffentlicher Beschützer und heimlicher Anhänger
einer gewissen Seckte welche damals in Ruf zu kommen begunnte er sagte mir
sobald wir ein wenig vertraut geworden waren unaufhörlich von ihren Lehrsätzen
vor welche ich ihm zu Liebe billigte und himmelan erhub auch mochten sie wohl
ihre Vorzüge haben die ich aber in meinem damaligen Zustande genau zu
beurteilen ganz unfähig war ich gab ihnen nur darum Beifall weil der Bruder
meiner Geliebten sie für richtig hielt und als ich vollends erfuhr dass Alix
mit ihm hierin überein denke dass sie die ehemalige Bilderretterin jetzt ganz
an der Lehre der waldensischen Bilderhasser hänge so war ich so vollkommen
überzeugt dass Waldus in allen seinen Behauptungen recht habe dass ich für
dieselben des Märtyrertodes würde gestorben sein
    Der Graf von Toulouse liebte mich sehr und ich glaube hätte er mich vor
den kastilischen Heiratsverträgen kennen gelernt ich hätte es ohne Furcht vor
Abschlag wagen dürfen um die Hand seiner Schwester zu bitten jetzt nur auf die
entfernteste Art etwas von meiner Leidenschaft gegen ihn zu gedenken würde
Torheit gewesen sein und ich war noch hinlänglich bei mir selbst mich hierin
nicht zu verraten ich dachte indessen doch darauf seine Freundschaft zum
Besten meiner Liebe zu nützen Die weisen Ratschläge des Erzbischofs von Maynz
wurden ganz vergessen ungeachtet er sie oft in wahren Hirtenbriefen an mich
wiederholte ich bedachte nicht dass Alix für mich ein unerreichbares Gut war
und blieb und dass jede Nahrung die ich meiner Leidenschaft gab nichts tat
als mich dem Abgrund des Verderbens noch näher zu bringen Bisher kannte ich
Alix nur aus Bildern und Beschreibungen persönlich kennen wollte ich sie um ja
unwiederbringlich elend zu werden Ich erhielt mit leichter Mühe Briefe und
Aufträge von dem Grafen an seine Schwester nach Pamiers wo sie sich einige
Zeitlang aufhalten sollte die er keinem schlimmern Boten als mir hätte
anvertrauen können es waren Dinge welche der äußersten Geheimhaltung
bedurften Bücher mit neuen verbotenen Meinungen angefüllt welche vor den
rechtgläubigen Kastilianern verborgen gehalten werden mussten aber so sehr mir
auch dieses eingeschärft wurde so ging es doch schnelle in meinem Gedächtnis
verloren und nichts blieb zurück als der Gedanke dass ich Alix sehen mit ihr
sprechen und vielleicht auch einige gütige Worte aus ihrem Munde hören sollte
    Mein alter Diener der getreue Rudger der bei meinem gegenwärtigen Zustande
mehr die Rolle meines Ratgebers und Aufsehers spielte hatte noch keinen meiner
ausschweifenden Einfälle so sehr gebilligt als den nach Pamiers zu gehen Die
Reise nach der damaligen Versammlung die in dieser Stadt von Geistlichen und
Weltlichen gehalten wurde war eigentlich die Hauptveranlassung der Entfernung
aus meinem Vaterlande gewesen oder vielmehr sie hätte es nach dem Rufe den
ich von meinen Obern durch Kalatin erhalten hatte sein sollen Aber über andere
Dinge war dieses ganz vergessen worden ich ging gegenwärtig nach Pamiers um
der schönen Alix nicht um meiner geheimen Geschäfte willen und Rudger
gleichfalls ein Einverleibter des heimlichen Gerichts musste mich erst daran
erinnern er einer der Untersten dieses Bundes mich den Beisitzer und Richter
O in was für Händen waren damals die wichtigsten Angelegenheiten ich erröte
wenn ich mir es lebhaft vorstelle
    Ich erhielt um selbige Zeit verschiedene Briefe von dem Pfalzgrafen Otto von
Wittelsbach welche ich nicht sonderlich beachtete so wie mir alles
gleichgültig war was keine Beziehung auf die Hauptangelegenheiten meines
Herzens hatte Ottos Schreiben enthielt unter andern auch Einladungen an den
kaiserlichen Hof zu kommen um daselbst mit einem gewissen Bischof von Sutri
bekannt gemacht zu werden ich hatte Bekanntschaft genug mit Bischöfen gehabt
um nichts mehr davon zu begehren
    Auch von Evert von Remen bekam ich ein Schreiben durch Wittelsbachs
Vermittlung es wurde noch unachtsamer auf die Seite geworfen als jene wurde
nicht einmal eröffnet der nachteilige Wahn den Kalatin mir ehedem von dem
Freunde meiner Jugend beibrachte war noch nicht getilgt und ich war damals zu
sehr mit andern Dingen beschäftigt um seine Rechtfertigung sonderlich zu
wünschen oder sie in diesem vernachlässigten Schreiben zu ahnden
    Alle meine Gedanken all meine Wünsche erstreckten sich nach Pamiers und es
war in einem halben Rausche dass ich daselbst anlangte Ohne die mindeste
Vorsicht ohne alle Vorbereitung die mir so nötig gewesen wär ward meine
Audienz bei der kastilischen Braut eingeleitet und ich hätte an meiner
Schwester eine so gute Führerin meiner Angelegenheiten haben können Diese gute
liebevolle Seele war meinen Planen um deren willen ich sie ehedem aus ihrem
Vaterlande riss so treu geblieben dass sie nicht geruht hatte bis die Geliebte
meines Herzens von ihr gefunden war und bis sie eine Stelle in ihrem
Frauenzimmer erhalten hatte Zwar meiner Liebe bei ihr zu dienen da Alix schon
so fest gebunden war dazu hätte es Alverden gewiss so sehr an Willen als an
Möglichkeit gefehlt aber sie hätte mir doch raten hätte mich doch vor dem
völligen Verderben warnen können das meiner im Anschauen der Schönheit wartete
die mich schon in der Ferne verblendet hatte 
    Ich sah sie ich sah Alix sah sie mit der Gewissheit sie sei die Braut
eines andern sei für mich völlig verloren und das wenige was ich noch von
Besonnenheit übrig hatte war ganz hin Ich erinnere mich keiner besonderen
Umstände von dieser merkwürdigen Audienz die mein Unglück vollendete erinnere
mich nur des Ganzen Ich sah die göttliche Alix und wär lieber anbetend zu
ihren Füßen gesunken sah Alverden meine Schwester die sich gern mit
Entzücken in meine Arme gestürzt hätte und mein Blick verbot ihr mich Bruder
zu nennen Ich weiß nicht warum ich diese Entdeckung vermied da der Name des
Bruders der vornehmsten Hofdame der Prinzessin mir vielleicht ihren Anblick
öfter hätte verschaffen können aber all mein Betragen war damals widersprechend
und unzusammenhängend ich vermag nicht Rechenschaft von demselben zu geben
    Meine Aufträge von dem Grafen von Toulouse waren mit der äußersten Unordnung
und Unvorsichtigkeit ausgerichtet worden ach ich zittre wenn ich bedenke dass
die Fehler welche ich damals beging vielleicht das Signal zu dem Untergang
meiner Geliebten gegeben haben können Dies ist ein Punkt über welchen ich
nicht ohne Nachteil für mein Gehirn nachdenken kann er sei auf ewig bei Seite
gesetzt
    Ich suchte des andern Tages zum zweitenmal vorgelassen zu werden und  ward
abgewiesen der dritte und vierte Versuch verunglückten ebenfalls ich nannte
den Namen des Grafen von Toulouse man sagte mir die Prinzessin gehöre nun ganz
dem kastilischen Hofe und ihr Bruder habe nicht mehr das Recht so oft und
durch wen er wolle Botschaften an sie gelangen zu lassen
    Ich sah mich genötigt den Anblick der himmlischen Alix in Kirchen und auf
Spaziergängen zu suchen auch da ward ich durch die finsteren Gesichter der
Hofdamen und durch die Leibwache zurück gescheucht Selbst Alverde meine
Schwester schien sich wider mein Glück verschworen zu haben sie sagte mir
einst auf öffentlichem Spaziergange einige empfindliche Worte und drückte mir
heimlich einen Brief in die Hand welcher noch ernstlichere Weisungen enthielt
Ein heimlicher Briefwechsel vermittelst eines holen Baums in dem unsere
beiderseitigen Schreiben niedergelegt werden sollten ward zwischen mir und
meiner Schwester verabredet er gab mir sonderliches Vergnügen weil er mir
Gelegenheit verschafte meinen Empfindungen Luft zu machen auch ich ahndete
nicht dass auch hierin Gefahr für mich und die welche ich liebte verborgen
lag
    Während ich mich mit diesen Kleinigkeiten beschäftigte vergaß ich ganz
mich um Dinge zu bekümmern welche mir besser geziemt hätten Erst von Rudger
erfuhr ich dass wir die Ankunft Herzog Bernhards von Sachsen hier vergeblich
erwarteten welcher krank sei und dessen Stelle der Herzog von  mein alter
Feind unter verdecktem Namen antreten würde Von dieser Zeitung die ich wohl
mit recht für böse hielt bekam ich in kurzer Zeit noch sprechendere Beweise
Der Herzog von  schrieb an mich in bedraulichen Ton und gab mir Verweise
über das worüber ich hier wohl nimmermehr zur Rede gesetzt zu werden gedacht
hätte über meine Anwesenheit zu Pamiers zu welcher ich mich doch so wie zu
Veränderung meines Namens durch Befehl meiner Obern berechtiget geglaubt
hatte Ich erstaunte meine volle Überlegung kehrte zurück Rudger half mir zu
recht wo sich mein geschwächter Verstand nicht helfen konnte und aller
Verdacht fiel auf Kalatin welcher mich durch eine falsche Ladung getäuscht
haben musste Ich antwortete dem Herzog trotzig denn ich war gerade nicht auf
der Laune viel von irgend jemand zu vertragen aber ach sein Brief ließ
scharfe Stacheln in meiner Seele zurück Er berührte am Ende desselben eine
Sache von welcher ich bisher nur noch dunkle Nachrichten gehört hatte und die
er mir auf einer Seite vorstellte welche ihren Eindruck noch empfindlicher
machte Ich sollte in diesen Augenblicken erfahren dass die höchste
leidenschaftlichste Liebe mich doch nicht für die Regungen der Freundschaft und
Dankbarkeit ganz gleichgültig gemacht hatte
    Ich hatte Nachricht vom kaiserlichen Hofe mein Freund mein Lehrer mein
geistlicher Vater der trefliche Erzbischoff von Maynz von welchem ich noch
kürzlich warnende Briefe erhalten hatte sei jähes Todes gestorben Der Brief
des Herzogs von  bestättigte diese Nachricht mit dem schrecklichen Zusatz
er sei vergiftet von Kaiser Philipp vergiftet worden Einer von Wittelsbachs
nur hab gelesenen und betrachteten Briefen fiel mir diesen Tag wieder in die
Hand und ach er enthielt das nämliche
    Niemand misst mein Entsetzen und meine Wut Jede Empfindung welche jetzt in
meiner Seele aufging war Raserei Rudger vermochte sie nicht zu bändigen und
da er unaufhörlich nach Beweisen von Dingen fragte die ich nach der
Leichtgläubigkeit welche dem Wahnsinnigen eigen ist für schon erwiesen annahm
und ich also wenig Nahrung für meine Phantasien bei ihm fand so eilte ich zu
einem Bekannten der sich während meines Aufenthalts zu Pamiers mir fast
aufgedrungen hatte und der durch tausendfache schlaue List schon mehr als zu
viel mein Vertrauter geworden war
    Er nannte sich Sutrino und Rudger welcher ihn hasste und ihn ungern an
meiner Seite sah quälte sich täglich mich zu überreden er sei eine Kreatur
eines gewissen Bischoffs von Sutri dessen Wittelsbach oft in seinen Briefen
gedachte und der uns aus verschiedenen Umständen als ein gefährlicher Mann
bekannt war ungeachtet Wittelsbach ganz das Gegenteil von ihm hielt
    Sutrino war allen Warnungen Rudgers zum Trotz diesen Abend bis tief in die
Nacht mein Gesellschafter er erfuhr den neuen Kummer meines Herzens die
Vergiftung meines Freundes des Erzbischoffs von Maynz erfuhr den angegebenen
Täter und alles was mir die Rache gegen ihn in den Sinn gab Beschuldigungen
gegen Kaiser Philippen schienen das Kapitel zu sein in welchem Sutrino
unerschöpflich war er erzehlte mir tausend schreckliche und unerweisliche Dinge
von dem Oberhaupt des deutschen Reichs mich in meinem Verdacht zu bestärken
und endigte mit dem Schrecklichsten was er mir sagen konnte um mich vollends
ganz rasend zu machen
    Kaiser Philipp sagte er denkt auf nichts als auf die Vergrößerung seines
Hauses und die Unterdrückung anderer Was für Schmach die heilige Kirche schon
von ihm erfahren hat das gehört nicht hieher den größten Schaden tat er ihr
gewiss durch die Ermordung des frommen Erzbischoffs welche ganz auf seine
Rechnung fällt Ach wo schläft die Rache dass sie ihn nicht hinwegreisst damit
er seine Hände nicht auch nach den Engeln des Himmels ausstrecke sie von ihren
Tronen zu reißen um seine angebeteten Kinder darauf zu setzen  Wisst
Philipp neidet jedermann der über die Seinen empor kommt er neidet auch der
unschuldigen Gräfin von Toulouse die kastilische Krone und wünscht eine seiner
Töchter damit zu zieren und gebet acht nicht lange so werden wir die
göttliche Alix verstoßen oder im Grabe sehen damit die Prinzessin Elise ihre
Stelle einnehmen könne
    Verstossen schrie ich Alix verstoßen oder im Grabe  Ja das erste wär
wohl gut aber das andere  O Entsetzen   Redet redet Sutrino endeckt mir
welchen Grund euer Vorgeben hat Verstossen immerhin nur nicht getödet
    Das letzte wohl noch wahrscheinlicher als das erste Philipp pflegt nichts
halb zu tun
    Aber er in Deutschland Alix in Frankreich
    O die Hände der Könige reichen weit und die Streiche welche sie in der
Ferne führen sind die sichersten und unverdächtigsten Glaubt mir Alf von
Dülmen wir können mit jedem Morgen auf die Nachricht vom Tode der kastilischen
Braut rechnen
    Und will niemand niemand die Unglückliche retten Sprecht Sutrino was
könnte man tun was könnte ich tun ich will mein Leben daran setzen
    Kühne Entführung freilich aber wer wird diese wagen
    Wagen ich wage alles  O Entzücken Alix wird frei diese Nacht frei durch
mich ich führe sie in die Arme ihres Bruders und mein Lohn  nun mein Lohn
der lässt sich erraten O Sutrino Sutrino ihr seid der Schöpfer meines Glücks
    Sutrinos Einwendungen gegen meine ungeheuren Einfälle waren sehr schwach
meine Entschlüsse waren gefasst und blieben unveränderlich Ein doppelter
Versuch die Prinzessin davon zu bringen ward gemacht und er verunglückte
beidemahl ach wie ich glauben durch Alverdens grausame Vorsicht welche es
sich zum Gesetz gemacht zu haben schien ihrem unglücklichen Bruder in allem
entgegen zu handeln Doch darf ich auch mit ihr zürnen dass sie dieses tat Ach
ich bin ja nicht mehr der damahlige Alf von Dülmen Meine Leidenschaften sind
jetzt abgekühlt und meine Urteile berichtigt Alverde handelte recht dass sie
meinen rasenden Einfällen entgegen arbeitete mochten auch die Folgen für mich
und die unglückliche Alix sein welche sie wollten
    Dass ich nach der letzten fehlgeschlagenen Unternehmung fest genommen und in
die Verwahrung des Bischoffs von Kastilien gebracht wurde war wohl so wenig
Alverdens Absicht als dass sie selbst um die Gesellschaft der himmlischen Alix
kam An dem Tage da man mich ins Gefängnis brachte erhielt sie ihre
Entlassung weil man unsern heimlichen Briefwechsel entdeckt hatte und Alix
blieb also den Angriffen ihrer Feinde welche sie auch sein mochten ganz ohne
Freund und Schützer blosgestellt Es ist entsetzlich unbegreiflich dass auch
die Engel des Himmels Feinde haben aber dass es der unglücklichen Gräfin von
Toulouse nicht an dergleichen fehlte hat der Erfolg ausgewiesen
    So war ich also zum zweitenmahl der Gefangene eines Bischoffs und das
Verbrechen welches mich in dieselbe gebracht hatte Anschläge zu Entführung
einer königlichen Braut entschuldigte jedes strenge Verfahren welches man sich
gegen mich erlaubte Ewiges Stillschweigen über die damaligen Szenen man hat
Sorge getragen meine Zange durch Eide zu binden welche so unauflöslich sind
als die Beeidigungen des heimlichen Gerichts
    Die Absichten welche man mit mir ausführen wollte waren die nämlichen
Man hatte den Herzog von  durch die schlauen Künste eines Grafen von Segni
über gewisse verborgene Dinge zum Sprechen gebracht man hatte den arglosen Otto
von Wittelsbach um einige unserer Geheimnisse betrogen man hatte auch
vielleicht Peter von Kalatin auf die Seite zu ziehen gewusst und nun wollte man
den Rest des Ganzen durch Qualen von mir erzwingen Verbrechen zu denen man
mich vielleicht selbst erst durch teuflische Kunst verleitete hatten mich des
Todes schuldig gemacht man schmeichelte mir mit Lebensfristung wenn ich meinen
Starrsinn wie man es nannte ablegen wollte Mein Verstand hatte durch
unglückliche Liebe gelitten zu welcher mich gleichfalls ein Verräter leitete
und man hofte mir in meinen unbewachten Stunden Dinge abzulauschen die ich bei
voller Besonnenheit nicht preis gegeben haben würde sie hielten mein Gedächtnis
für einen Schatz den man ruhig plündern kann weil der Hüter eingeschläfert
ist ja sie hatten Recht mein Verstand schlummerte nur und erwachte schnell
so bald es die Not erforderte Alf von Dülmen stärker oder störriger als die
andern blieb stumm und reizte dadurch seinen Quäler nur noch mehr sie wollten
das Reich der heimlichen Gerechtigkeit der Stellvertreterin des ewigen
Richters umkehren und auf seinen Trümmern ein neues bauen in welchem nicht
die Gerechtigkeit sondern sie regieren wollten Wie wir Verbrechen und Untat
bestrafen und in Fesseln halten dass sie nicht wüten können wie sie wollen so
wünschten sie den freien Geist des Menschen zu fesseln und Abweichungen von
ihrem Glauben zu todeswürdigen Verbrechen zu machen sie wollten uns die Mittel
der Allwissenheit und Unfehlbarkeit wollten uns tausend andere Dinge ablernen
die ich hier nicht nennen darf aber ihr Endzweck schlug ihnen wenigstens bei
mir fehl Es glücke ihnen oder es glücke ihnen nicht wie ich denn nicht weis
was sie jetzt auf der Oberwelt beginnen so ist Alf von Dülmen unschuldig an dem
Unglück welches sie stiften
    Die Grausamkeit mit welcher ich behandelt ward rettete meinen Verstand
der durch wütende Leidenschaften fast entkräftet war ich erwachte wie aus einem
schrecklichen Traume ich fühlte die Notwendigkeit mich zu ermannen und ich
ermannte mich um ihnen allen gewachsen zu sein
    Dies zog die Fülle ihres Zorns über mich mein Tod war beschlossen ich
sollte fallen ohne zu wissen wer mich fällte Von dem Turm in welchem ich
gefangen lag führt ein schmaler Gang in einen andern welchen man den Turm der
Freiheit nennt weil seine Gefangenen gelinder gehalten und eher begnadigt
werden als die Bürger des unseeligen Kerkers in welchem ich bis dahin
geschmachtet hatte Man kündigte mir an dass mir auf Vorbitte der Prinzessin
Alix die Tür zu demselben geöfnet werden sollte und dass ich alles was mir
heute wiederfahren würde als eine Folge ihrer Verwendung für mich ansehen
möchte Alles kam bei mir nun darauf an einen Weg zu gehen  welchen nie einer
der ihn einmal betrat zum zweitenmahl gegangen ist
    Natürlich wusste ich nichts von der schrecklichen Falle die man mir legte
ich sah nichts vor mir als Erreichung des Wunsches den wohl ein jeder
Gefangener fühlen wird Der Gedanke Alix habe für mich gebeten die Hoffnung auf
Freiheit sei ein Geschenk von ihr berauschte mich und ich würde blindlings dem
Verderben in den Rachen gestürzt sein wenn mich nicht ein Zufall gerettet
hätte wie wir denn immer geneigt sind das Zufall zu nennen was die Vorsicht
zu unserm Besten veranstaltet
    Ich hatte einen Hund von außerordentlicher Größe welchen der Herzog von
Braunschweig einst mit aus England gebracht und dem Herzog von Sachsen
geschenkt hatte aus dessen Hand ich ihn erhielt Dieses treue Tier dessen
Begleitung mir auf meiner einsamen gefahrvollen Reise so nötig gewesen wär da
es jeden der mich antasten wollte mit Löwengrimm anzufallen pflegte fand ich
erst zu Pamiers wohin Rudger es auf meinen Befehl mit sich genommen hatte Am
Tage meiner Gefangennehmung hatte man es um mich desto sicherer zu fassen von
mir zu entfernen gewusst Ich hatte es all die Zeit über da ich im Kerker
schmachtete nicht gesehen aber diesen Morgen brachte es derjenige welcher mir
die Verbesserung meines Zustandes ankündigte mit ins Gefängnis Ich ahndete so
wenig dass hinter dieser anscheinenden Gefälligkeit ein heimlicher Tück
verborgen war als meine Feinde ahnden mochten dass sie mir das Mittel meiner
Rettung gebracht hatten
    Die Schwachheit welche ich beging indem ich Freude über den Anblick meines
treuen Hundes äußerte lockte dem Kerkermeister ein hämisches Lächeln ab Ihr
könnt ihn bei euch behalten sagte er und ihn mit hinüber in eure neue Wohnung
nehmen zu welcher euch die Tür bald geöfnet werden wird bis ihr die völlige
Freiheit erlangt
    Er hatte sich in der Tat kaum entfernt so flog eine Seitentür meines
Behältnisses auf und zeigte mir eine Aussicht über einen langen und schmalen
Gang in ein helles und geräumiges Gemach welches hohe weit geöfnete
unvergitterte Fenster in eine freie Gegend hatte Welch ein Anblick für
denjenigen welcher so lang der Luft und Sonne entbehren musste Ich faltete die
Hände gen Himmel um ihm für das zu danken was ich für das Unterpfand völliger
Befreiung hielt Mittlerweile sprang mein Hund der zu meinen Füßen lag und dem
die bängliche Luft in meinem dumpfen Kerker schon ein angstvolles Winseln
abgenötigt hatte schnell empor und schnaubte der freien Luft entgegen er trat
in die offene Tür und begann nun in vollem Laufen hinüber nach dem Orte zu
setzen welcher ihm so lockend als mir selbst dünken mochte aber kaum hatte er
die ersten Sprünge auf der Gallerie getan als sich die Tür aus welcher ich
jetzt ebenfalls hinaustreten wollte krachend zwischen ihm und mir verschloss
und über und unter mir ein betäubendes Knarren wie von zwanzig in Gang
kommenden Triebrädern erhub unter welchem ich nur schwach die kreischende
Stimme meines Hundes unterscheiden konnte Ich weis nicht was ich in diesem
Augenblick dachte mir ists als hätte ich eine dunkle Vorstellung von der
Wahrheit gehabt Ich hatte in meiner Kindheit schon die Geschichte von dem
unglücklichen Marggraf Egbert von Sachsen oft erzählen gehört welcher im Jahr
1090 durch die meuchelmördrische Bosheit eines13 Weibes in die Schwerdmühle zu
Eisenbüttel fiel Dergleichen von der Hölle erfundenen Maschinen wo durch einen
Fußtritt oder anderweitige Berührung einer verborgenen Feder bewaffnete Arme
oder andere Werkzeuge des Todes aus dem Boden und der Mauer hervorkommen und
den welcher durchhingeht im Augenblicke zerfleischen sind nichts neues und es
wär kein Wunder gewesen wenn mir etwas dieser Art in den Sinn gekommen wär
doch weis ich nicht genau was ich damals dachte oder ahndete nur dies
erinnere ich mich dass ich den Namen meines Hundes rief und mich bemühte die
Tür zu öfnen welche sich nach ihm geschlossen hatte Maschinenmässige Bewegung
denn was hätte ich tun wollen
    Das abscheuliche Schnarren des Räderwerks um mich her ließ endlich nach die
Stimme des armen Geschöpfs das für mich zum Opfer geworden war hörte ich schon
lang nicht mehr jetzt konnte ich die Tür aufreißen und was ich erblickte
rechtfertigte alle Mutmaßungen die ich hätte haben können In der Mitte der
Gallerie welche jetzt sehr dunkel war da sich die gegenüberliegende lockende
Aussicht geschlossen hatte erblickte ich den Leichnam des armen Geschöpfs noch
zuckend und wie es schien aus tausend Wunden blutend Man wird mir glauben dass
ich keine Lust hatte die Sache näher zu betrachten da ich nicht wusste wie
lange die Wirkung der teuflischen Maschiene daure Ich warf die Tür zu
verdeckte mein Gesicht mit beiden Händen und überließ mich einem Schmerz oder
einem Grauen welches mancher vielleicht unmännlich nennen würde doch in meine
damahlige Lage kann sich nicht so leicht einer hineindenken und mich zu
beurteilen würde wohl also den meisten schwer fallen Nach mehreren Stunden
erholte ich mich erst völlig aus einer schrecklichen Betäubung ich saß auf der
Erde dicht an der entgegengesetzten Tür welche den gewöhnlichen Eingang zu
meinem Kerker ausmachte Trieb der Natur zur Flucht musste mich dahin gezogen
haben ich weis nicht wie ich dahin gekommen war
    Ich öffnete die bisher geschlossenen Augen atmete aus tiefer Brust herauf
und begann meine Rettung lebhaft zu fühlen aber Gott welch eine Rettung War
ich nicht noch immer in den Händen meiner Henker die ja wenn ich ihrem Schwert
auf eine Art entkommen war noch tausend andere Mittel hatten mich aufzureiben
 Mein nächster Gedanke flog wie man denken kann zu Alix Wie rief ich
dieser höllische Streich sollte von dir kommen du Heilige alles was mir heute
wiederfahren würde sollte ich dir zuschreiben Toren die mein Herz mit
solchem Wahn vergiften wollten Was hätte ich wider dich gesündigt dass ich dich
liebe das weißt du ja wohl nicht einmal  Alverde hat mich ja mehrmahl in
ihren Briefen versichert dass du mit ihrem Willen dies nie erfahren solltest 
Aber du hast für mich gebeten  Ja ja das glaube ich deine himmlische Seele
findet jedes leidende Geschöpf ihrer Verwendung würdig Vielleicht hast du nicht
bloß bei Menschen auch bei Gott für mich gefleht und deiner Vorbitte habe ich
meine Rettung zu danken sie ist wirklich der Grund dessen was mir heute
begegnete So phantasirte ich fort und vertiefte mich immer von neuem in
Gedanken welche Alix zum Gegenstand hatten Mir war es erwiesen dass die
Heilige für mich gebetet haben müsse und dass ich bloß durch ihre Verwendung für
mich am himmlischen Throne noch lebe Mein Herz war voll Dank gegen sie ich
musterte jedes Wort welches bei meinen zahlreichen Verhören aus meinem Munde
gegangen war ob auch in der halben Abwesenheit des Verstandes die sich oft bei
mir fand mir etwas entschlüpft sei das ihr hätte nachteilig werden können
Man hatte mich sehr oft auch über Alix über meine Liebe zu ihr und über ihre
Anhänglichkeit an die waldensischen Lehren gefragt aber ich schmeichle mir dass
ich nie etwas geantwortet habe welches ihr neue Verfolgungen hätte zuziehen
können
    Ich war viel zu sehr in meinen Betrachtungen versunken als dass ich mich
sobald hätte erheben sollen Ein Geräusch von außen war es endlich was mich
störte Ich vernahm die klirrenden Schlüssel des Kerkermeisters auf der äußern
Gallerie und hörte ihn bald darauf nebst noch einigen Personen näher kommen
    Ich schaudere gnädiger Herr sagte der Diener der Bosheit euch diese Tür
zu öffnen ihr werdet einen Anblick haben den ihr euch wohl kaum so schrecklich
denken könnt Ich selbst hatte ihn noch nicht aber mein Knecht welcher dem
Gefangenen den ihr befreien wollt vor einer Stunde sein Frühstück brachte kam
bebend zurück meldete mir den fürchterlichen Vorgang und ich ging sogleich
ihn höheren Orts anzusagen Das Ungeheuer war ihm mit blutigen Rachen entgegen
gesprungen er hatte die ganze Schreckensscene nur mit einem Blick übersehen
und sich dann mit Mühe retten können
    Aber sagte eine Stimme wie die Stimme des Herzogs von  welche Raserei
den Hund zu ihm zu lassen dessen wütige Art man kennt und welcher vermutlich
schlecht gefüttert worden sein muss denn nichts als wütender Hunger konnte ihn
reizen seinen Herrn anzufallen
    Es sind hier freilich viel Versehen vorgegangen antwortete der
Kerkermeister die aber mir nicht zu Schulden kommen dürfen Ich habe es gewiss
allezeit gut mit dem Gefangenen gemeint und fühlte eine wahre Freude da ich
ihm diesen Morgen schon auf die Vorbitte der Prinzessin Alix ein leidlicheres
Gefängnis anzeigen konnte da nun noch die eurige dazu kam wer hätte an seinem
Glück zweifeln sollen Aber der Himmel ist wunderbar in seinen Schickungen
seine Rache muss diesen Menschen außerordentlich verfolgt haben und mir wird es
immer denkwürdig bleiben dass er auf dem Wege nach dem schönen Orte den wir den
Turm der Freiheit nennen sein Leben auf eine so schreckliche Art einbüßen
musste ehe er das erreichen konnte was seine Augen sahen
    Der Herzog sagte hier etwas das Ausdruck des Kummers sein sollte das aber
wie mir es schien denselben nicht sonderlich bezeichnete Der Kerkermeister
fing indessen an an den Schlössern zu drehen sagte nochmals dass man mich
von meinem Hunde zerfleischt auf der Mitte einer Gallerie finden würde weil
sich noch niemand hieher gewagt habe mich in andere Lage zu bringen auch
ermahnte er die Anwesenden ihre Degen zu ziehen und den wütenden Hund so wie
er ihnen nach Oefnung der Tür entgegen springen würde gleich niederzustossen
    Der Elende wie ganz anders sollte er es finden als er erwartet hatte Die
Tür ging auf und ich fiel ihnen lebend in die Augen Ich leugne nicht dass
mein erster Gedanke war dem nächsten den ich erreichen könnte den bloßen
Degen aus der Hand zu reißen und ihn dem meuchelmörderischen Kerkermeister ins
Herz zu stoßen doch er war nichts als das elende Werkzeug höllischer Bosheit
und der Abscheu vor seinem unreinen Blut riss mich noch von einer niedrigen Tat
zurück Ich hatte mich erhoben und stand mit in einander geschlagenen Armen
mitten in meinem Gefängnis als sie mit lächerlicher Scheu vor einer Gefahr
welche hier nicht existirte hereintraten Ihr Starren ihr Staunen ihre
verwirrten Reden als sie mich jetzt gewahr wurden zu beschreiben wär ich
nicht im Stande Meine Augen waren vornehmlich auf den Herzog gerichtet weil
ich zweifelhaft war ob er an den entsetzlichen Dingen die man wider mich
geschmiedet hatte Teil gehabt habe Ich muss gestehen dass ich zwar eben keine
sonderliche Freude mich lebend zu sehen aber doch auch nichts in seinen Augen
entdeckte das mir das geringste Einverständnis bei jener teuflischen Bosheit
hätte andeuten können er schien die Legende von dem treuen Hunde der seinen
Herrn zerfleischt haben sollte wirklich geglaubt zu haben
    Ich ließ mich nicht auf umständliche Beantwortung seiner verwunderungsvollen
Fragen ein führte ihn zu der Tür nach jener mörderischen Gallerie riss sie
auf sagte ihm mit wenig Worten was mir begegnet war warf einen verächtlichen
Blick auf den Kerkermeister der in einem Winkel wie vom Donner gerührt da
stand ließ mir von einem seiner Knechte die leichte Kette losschliessen die
man mir diesen Morgen da man mich von den übrigen entlastet noch gelassen
hatte ging dann langsam zur geöfneten Tür heraus und überließ es den Andern
mir zu folgen
    Graf Adolf sagte der Herzog der mich auf der Treppe ereilte ich hoffe
ihr habt mich nicht im Verdacht eines Anteils an diesen entsetzlichen Dingen
Hätte ich diesen erwiderte ich indem ich ein Schwert das ich im Gehen zu
mir genommen hatte über die Hälfte aus der Scheide zog hätte ich diesen so
solltet ihr jetzt nicht lebendig an meiner Seite gehen
    Der Herzog biss sich auf die Lippen ohne meiner Rede zu beantworten Wir
stiegen zusammen in den an der Treppe wartenden Wagen und ich erfuhr hier
weitläuftig aus dem Munde meines Gefärten dass Briefe von unsern Obern ihm
Befehl gebracht hätten meine Befreiung auf das schnellste und dringendste zu
suchen  Das wusste ich zuvor dass ich ihm hiebei unmittelbar nichts zu danken
hatte
    Bei meinen Verfolgern hatte er wie er mich im Fortfahren berichtete meine
Freiheit sehr leicht erhalten Der Kerkermeister war gerufen worden man hatte
gesagt er warte bereits im Vorzimmer und habe entsetzliche Dinge zu melden 
Hier die so greuliche als unwahrscheinliche Legende dass mich mein Hund erwürgt
habe welche ja die geringste Untersuchung welche ja die Beschaffenheit meiner
Wunden hätte widerlegen müssen wenn ich wirklich gefallen wär doch einer
solchen Untersuchung war man vielleicht bei dem schwachen leicht zu blendenden
Herzog dem noch überdem wenig an mir gelegen war gar nicht gewärtig
    Die Stadt war voll von meinem entsetzlichen Tode und man sah mich mit
Erstaunen lebendig Über der Tafel sagte der Herzog der seine hämische Bosheit
nicht zu bergen wusste mit höhnischer Miene ich sei sehr glücklich dass das
schöne Geschlecht so viele Notiz von mir nehme in dem Kölestiner Kloster
welches zu dieser Stadt gehöre habe eine fremde Dame öffentliche Danksagungen
für meine Befreiung angestellt und die Prinzessin Alix sollte als sie meine
Rettung erfahren habe überlaut zu ihren Damen gesagt haben Gottlob Gottlob
dass er geborgen ist
    Der Feindselige er wusste nicht wie sehr er mich durch diese Dinge welche
mich beschämen sollten entzückte Ich antwortete nichts sondern sehnte mich
mit Rudger hierüber zu sprechen die Freude mich nach so großer Gefahr wieder
zu sehen hatte ihn halb wahnsinnig gemacht und ich erfuhr erst spät dass ich
ihm hier eigentlich alles zu danken habe Sein erstes Geschäft nach meiner
Gefangennehmung war gewesen unserm großen Oberhaupt dem Herzog von Sachsen auf
die gewöhnliche Art mein Unglück wissen zu lassen aber als er bei näherer
Erkundigung erfahren hatte in was für Händen ich sei und wie dringend meine
Gefahr werden könne so war er geflogen meine Schwester von meiner Lage zu
benachrichtigen und mit ihr schleunigere Hilfe zu verabreden Alverde war an dem
nämlichen Tage aus dem Dienst der Prinzessin entlassen worden er fand sie
nicht und die Angst trieb ihn bei Alix für mich zu flehen daher ihre
großmütigen Verwendungen für mich welche ich freilich lieber eigenem Antrieb
nicht fremder Vorbitte freilich lieber der Liebe als dem bloßen Mitleiden zu
danken gehabt haben möchte
    Alverdens Aufenthalt hatte er endlich auch ausgekundschaftet denn bei Hofe
wusste man ihn nicht sondern glaubte sie habe dem erhaltenen Befehl zu folge
Pamiers gänzlich verlassen Sie war die Dame im Kölestinerkloster welcher ich
das Te deum für meine Rettung zu danken hatte eine Schwachheit des guten
Mädchens ihre Freude um mich so öffentlich zu äußern welche ihr hätte
gefährlich werden können und welche wohl bloß der höchste Grad inniger
Schwesterliebe entschuldigen konnte Und diese gute Seele sollte in der Folge so
verleitet werden dass sie die Schöpferinn meines Verderbens werden musste und
ich der ich ihr Herz kannte war so verblendet sie wirklich für meine Feindinn
zu halten  Doch ich kann dem Gang meiner Geschichte nicht vorgreifen ohne
undeutlich zu werden ich fahre fort
    Da es mir nicht vergönnt war zu den Füßen der himmlischen Alix meine
Danksagungen auszuschütten so hatte die treue Schwester den nächsten Anspruch
auf mich ich flog zu ihr in das Kölestinerkloster und fand sie krank vor
Freude Durch Briefe von Alix hatte sie meinen Tod und meine Rettung kurz hinter
einander vernommen ein Wechsel von den gewaltsamsten Gefühlen welcher die
zärtlichste Seele die je mit einem eben so feingebildeten Körper verbunden war
wohl zu Boden drücken musste Schon einmal war ich ihr durch einen Brief von der
Prinzessin tot gesagt worden aber die Sache hatte keinen Glauben bei ihr
gefunden weil sie durch ihre Kundschafter besser belehrt war Auch sie hatte
sich zu meiner Rettung an die Mitglieder des großen Bundes gewandt Briefe von
ihr an den Pfalzgrafen Otto waren längst abgegangen und wahrscheinlich hatte
sich der Herzog von Sachsen auch durch ihn belehrt und aufgemahnt so ernstlich
für mich verwendet
    Himmel wie viel edle Personen sorgten um mich Konnte ich konnte ich
sinken da diese für mich wachten  Wie glücklich war ich damals wie stolz
fühlte ich mich in der Achtung der besten Menschen Alix Alverde Bernhard und
Otto liebten mich   und jetzt  O schon das Bewustsein in der ganzen Welt
von keiner Seele geliebt zu sein leben und sterben zu können ohne dass eine
Träne um mich fließen würde schon dieses könnte mich in den Abgrund der
Verzweiflung hinabreissen ich war damals so reich und jetzt habe ich nicht
einmal einen treuen Rudger mit dessen Liebe ich mich trösten könnte doch ich
bin ungerecht Ademar ich habe ja dich an den ich diese Blätter richte
    Ich weiß nicht ob ich mir damals nicht zu viel schmeichelte wenn ich
glaubte Alix fühle etwas mehr als Mitleid für mich wenigstens habe ich nachher
nie eine Spur gehabt dass sie mich noch kenne oder für mich fühle Alverde musste
dieses am besten wissen aber sie sah meinen verzweifelten Zustand und
schmeichelte mir mit allem was ich wünschen konnte um mich nur zu beruhigen und
zu entfernen  Sie zeigte mir tausenderlei Hoffnungen in meiner Liebe und wies
mich doch auch an den kaiserlichen Hof wo ich mein Glück vielleicht noch besser
als durch Alix machen könnte die Angst entschuldige ihr widersprechendes
Betragen die Angst mich noch in der Stadt zu sehen wo meine Feinde lebten Sie
drang darauf dass ich Pamiers verlassen sollte aber sie würde vielleicht durch
nichts gesiegt haben als durch die Vorstellung dass Alix um meiner Gegenwart
willen leiden müsse und dass sie wegen meiner bekannten Leidenschaft für sie
strenger in meiner Anwesenheit gehalten würde als nach meiner Entfernung nötig
sei
    Ich ließ mich überreden und begehrte nur noch einige Tage Frist ich musste
diesen Aufschub begehren da der Tag nahe war um dessen willen sich alle
Mitglieder unsers heimlichen Bundes eigentlich hier versammelt hatten der Tag
eines großen Gerichts bei welchem wie mir der Herzog von  der leidige
Stellvertreter unsers obersten Stuhlherrn sagte sehr wichtige Dinge verhandelt
werden sollten Es war sehr viel Widersprechendes in dem Betragen dieses Mannes
er bestand darauf dass ich bei der großen Gerichtssitzung nicht fehlen dürfe
und doch machte er mir meine Anwesenheit zum Verbrechen und gab Winke dass ich
wegen derselben würde strenge Rechenschaft ablegen müssen
    Was er zu verstehen gab das geschah In dem Gerichte da ich gewohnt war
eine ganz andere Stelle einzunehmen wurde ich als Beklagter aufgefordert
eigenmächtiges Verfahren ohne Wissen meiner Obern und Mangel an
Verschwiegenheit waren die Hauptbeschuldigungen die man wider mich aufbrachte
Man setzte mir hart zu Weniger erfahren in allen Mitteln unsers Rechts hätte
ich der Bosheit meiner heimtückischen Verfolger unterliegen müssen aber ich
siegte Wider die erste der schändlichen Anklagen schützte mich der Beweis dass
ich auf Kalatins Ladung mein Land verlassen habe und alle Schuld fiel auf ihn
Was den Punkt wegen der Verschwiegenheit anbelangte so hätten mich die Leiden
rechtfertigen können die ich für die Geheimnisse des Ordens erduldet hatte
aber man ließ es gar nicht zu diesem mir so rühmlichen Beweis kommen Der
Herzog welcher mir einst seine Vertraulichkeiten gegen den Grafen von Segni
gebeichtet hatte furchte ich möchte hier seine Beichte wiederholen und lenkte
ein
    Ich nahm meinen Platz als ein Schuldlos befundener nun wieder unter den
Richtern und sah mit Erstaunen dass auch Kalatin sich entschuldigen konnte ich
ließ alle diese Dinge an ihrem Ort gestellt sein und behielt mir vor einst vor
dem Stuhle des Herzogs von Sachsen hierüber zu sprechen weil hier mir alles
verdächtig war
    Die Prüfungen jener schrecklichen Nacht waren für mich noch nicht geendet
ach die gefährlichsten sie die meine Hasser nicht sinnreicher zu meinem
Verderben hätten erfinden können folgten noch Mir sind diese Dinge noch immer
ein unauflösliches Geheimnis auch hier muss ich glauben dass der Herzog wirklich
getäuscht war gutwillig hätte er dem die unverletzliche Majestät unserer
geheimnisvollen Rechte und die schwere Strafe welche auf den mindesten
Vergehen wider dieselben haftete bekannt war gutwillig hätte er nicht fehlen
gutwillig hätte er nicht Erdichtung der fürchterlichsten Anklagen und
mutwillige Verleumdung eines gekrönten Unschuldigen begünstigen können
    Aber unschuldig Philipp unschuldig Gott gebe dass er es nicht war Sollte
wirklich das was mich damals selbst so ganz verblendete erdichtet gewesen
sein wo wollte ich Entschuldigung wo Mittel finden meine verbrecherischen
Hände von vergossenem Blute rein zu waschen
    Die Hälfte der unsern Geheimnissen geweihte Zeit war vorüber Der Mond ging
unter und alles verkündigte die Annäherung des Morgens Da erhub sich das
Panier des Blutbanns noch einmal und der Herold verkündigte noch einmal
Aufmerksamkeit und Stille Kläger standen auf und Zeugen zeugten wider Philipp
von Schwaben den unwürdigen Besitzer des Kaiserstuhls sie nannten ihn
Erzbischof Konrads Mörder und riefen das Wehe über ihn herab Diese
schreckliche Beschuldigung Kaiser Philipps war mir nicht neu der Herzog von 
hatte schon darüber mit mir geredet und an mich geschrieben aber sie fasste mich
jetzt mit allen Schrecken der Neuheit ich hielt sie damals für ganz
unerweislich jetzt sah ich sie mit den täuschendsten Gründen erwiesen
    Armer armer Alf von Dülmen wie war dir als dir die Post dein Freund
dein Vater Erzbischof Konrad von Maynz sei nicht mehr gleichsam von neuem
verkündigt ward als du seine Vergiftung beweisen und die Stimme seines
racheschreienden Bluts ertönen hörtest War Wut und Rachsucht wider den
vermeintlich überwiesenen Mörder dir zu verdenken War dirs zu verdenken dass du
mit Ungeduld lauertest wem die Gerechtigkeit das Schwert wider ihn in die Hand
geben würde
    Der Stab ward über Philipp gebrochen seine Schuld war zu groß er sollte
ungewarnt sterben man warf das Loos über die Bluträcher kein gemeines Schwert
durfte den gekrönten Verbrecher fällen Richter standen auf aus dem Gericht die
Diener der Rache zu werden und das Loos ward geworfen es fiel auf mich und
der abwesende Otto von Wittelsbach ward mir zum Gefärten gegeben
    Mich überfiel ein Zittern als gelte es hier das Blut der Unschuld Rache
und Grimm gegen Konrads sogenannten Mörder waren wie weggehaucht aus meinem
Herzen mir wars als stünde der Schatten des verblichenen Heiligen an meiner
Seite und hindere mich das Schwert zu ziehen das ich dem Herkommen gemäß zum
Zeichen der Einwilligung blössen musste
    Was zögert Graf Adolf fragte der Herzog von  versagt er der
Gerechtigkeit seinen Arm oder zweifelt er an dem was so eben erwiesen ward
    Keins von beiden sagte ich mit dumpfer Stimme aber ich protestire wider
einen der sogenannten Ausrichter des Urteils
    Doch nicht wider euch
    Das darf ich nicht wo würde ich Vorwand finden aber was hat Otto von
Wittelsbach getan der Mörder seines Vaters werden zu sollen
    Wer weis ob Philipp je Ottos Vater wird doch dem sei also hebt nicht die
Gerechtigkeit jede Bande auf
    Ich protestire nochmals wider die Schuld die man auf Ottos Gewissen laden
will
    So nehmt ihr sie allein auf das eurige Philipp falle nur durch wen unter
den ernannten Rächern er falle das ist für die urteilssprechende Macht
gleichgültig aber wehe denen welchen sie das Schwert vertraute wenn
Erzbischof Konrads racheschreiendes Blut nicht bald befriedigt wird der dritte
Mondswechsel darf Philipp nicht mehr unter den Lebendigen finden
    Es war hier als wenn noch einige unter den Edelsten unsers Bundes
auftreten und etwas gegen das Urteil einwenden wollten aber die Nacht gränzte
dicht an den Morgen dessen Strahlen die Geheimnisse des Blutgerichts14 nicht
entweihen dürfen es war unmöglich noch einen Einspruch zu tun die
Versammlung zerfloss wie Wolken zerfließen und das Urteil blieb gesprochen
    Keine Sprache schildert meinen Zustand in der Zeit welche auf das Gericht
folgte das mir jenen greulichen Auftrag gegeben hatte Schuld und Unschuld
desjenigen welchen ich richten sollte wogte unaufhörlich in meiner Phantasie
auf und nieder jetzt glühte ich von Rache gegen Erzbischof Konrads Mörder
jetzt bebte ich vor Angst mein Schwert möchte bestimmt sein einen Unschuldigen
zu fällen nur eins blieb fest und gewiss in meiner Seele der Entschluss Otto
von Wittelsbach sollte des Anteils an diesen grauenvollen Dingen überhoben
bleiben ich liebte ihn zu sehr um hier nicht seine Hände rein erhalten zu
wünschen lieber wollte ich allein tun was ich tun musste als ihn durch
Teilnehmung unglücklich machen und tat ich hierin etwas sonderliches Wir
opfern uns für das Glück für die Ehre für das Wohlsein unsers Freundes auf
sollten wir nicht das nämliche für sein Gewissen tun Niemand hatte ich mit
dem ich über diese Dinge sprechen konnte diejenigen unter den Mitgliedern
unsers Bundes welche ich genau genug kannte um ihnen mein Herz zu öffnen
waren des andern Tages nach dieser schrecklichen Nacht schon nicht mehr zu
Pamiers der Herzog von  hatte mein volles Misstrauen und Rudger der so wohl
als ich in jener Nacht gegenwärtig war durfte Pflicht wegen seine Meinung über
Dinge welche in den höheren Regionen unsers Reichs vorgingen weder sagen noch
von mir dazu aufgefordert werden Profane aber zu Vertrauten zu machen wär
Torheit und Eidbruch gewesen
    Sutrino der Freund dessen ich schon mehr gedacht habe war keiner der
Unsern und also auch gegen ihn musste ich schweigen aber sonderbar war es dass
er so oft wir zusammen kamen mich mit Dingen unterhielt welche ganz zu meinem
herrschenden Gedanken passten und mich überall wo ich noch wankte fest zu
machen abzielten Erzbischof Konrads Tod und Philipps Schuld waren unablässig
der Gegenstand seines Gesprächs und kam ich von ihm so konnte ich gewiss nie in
dem was mir zu tun oblag zweifelhaft sein
    Mich trieb meine Pflicht zur schnellen Abreise aus Pamiers Alverde tat das
nämliche wenn gleich aus andern Gründen Sie redete mir unaufhörlich vom
kaiserlichen Hofe und den Prinzessinnen vor und drang in mich zu eilen ach
sie wusste nicht dass sie dem Hause ihrer Freundinnen in meiner Person das
Unglück zusandte  Auch Pfalzgraf Otto schrieb und drang in meine schnelle
Überkunft damit ich ja von allen Seiten bestürmt würde
    Die Trennung von dem Orte wo Alix lebte war mir schwer ich strebte
danach sie nur noch ein einigesmal zu sehen man verbarg sie vor meinen Augen
auf der andern Seite forderte der Herzog von  ich sollte mich vor dem
Abschied aus Pamiers noch denen zeigen welche meine Kerkermeister gewesen
wären dem Bischof von Kastilien und seinen Räten die mir gern den grausamsten
Tod gegönnt hätten die Höflichkeit sagte er erforderte solches man müsse
auch seinen Feinden zuweilen freundliche Mienen machen und überdieses sei es ja
so erwiesen noch nicht dass jene meuchelmörderischen Absichten deren ich sie
anklagte auf ihre Rechnung nicht vielmehr auf die Rechnung ihrer Diener
gehörten  Verdammte Politik die eines Mannes wie der Herzog von  würdig
war
    Ich beantwortete seine Anmutungen mit verächtlichem Stillschweigen und
schied ohne Verzug aus Pamiers  Gefangenschaft und Elend hatten mein Blut
genugsam abgekühlt um mich die Notwendigkeit dieses Scheidens lebhaft fühlen
zu lassen mein Verstand war jetzt nur selten abwesend war die meiste Zeit über
hell genug um die Armseligkeit der Hoffnungen einzusehen mit welchen die
gutherzige Alverde mir zu schmeicheln suchte mein Kopf war frei aber mein Herz
litt unbeschreiblich wenn ich bedachte in was für Absichten ich eigentlich den
kaiserlichen Hof suchte an welchen mich meine Freunde zu Verbesserung meines
Glücks lockten Sie machten tausend Plane im Stillen für mich von welchen nicht
einer glücken konnte da sie nur wenig von meiner wahren Lage wussten
    Otto und Alverde mich allmälig von Alix loszureißen suchten Bande zwischen
mir und der Prinzessin Beatrix zu knüpfen welche zwischen der Tochter und dem
bestimmten Mörder ihres Vaters ja gar nicht statt haben konnten
    Als ich diese Dame sah die schönste welche ich je nach Alix erblickte das
lebende Bild der Unschuld und des Frohsinns als ich die holdselige Elise sah
welche durch die sanfteste Herablassung mich ganz zu fesseln wusste als ich die
edle Irene die Mutter der unvergleichlichen ganz nach ihr gebildeten
Schwestern und den Kaiser sah in all der Majestät und Milde welche wahrhaftig
keinen Mörder und Giftmischer bezeichneten da sank mein Herz und ich
betrachtete mich mit Abscheu dass ich Unglück in diese Familie bringen sollte
Ich kämpfte innerlich die schrecklichsten Kämpfe unstät wie der erste Mörder
irrte ich umher und floh meine besten Freunde floh selbst den Pfalzgrafen
Otto der meinen geheimen Kummer sah und mir überall wo er mich festhalten
konnte zusetzte mein Herz vor ihm auszuschütten oder mich mit Trost
aufzurichten suchte welcher kaum halb auf meinen Zustand passte
    Ich sollte glauben in dem Zustande in welchem ich mich damals befand
müsse auch mein Aeusserliches den widrigsten Eindruck gemacht haben ich glaubte
ihn in manchen Augen zu lesen Die Kaiserin schien ein innerliches vielleicht
ahndendes Beben vor mir zu fühlen Elise zwang sich nur um Wittelsbachs willen
mich liebenswürdig zu finden Beatrix liebte mich zwar aber sie fragte sich
wie es schien immer insgeheim woher doch das Etwas komme welches mit ihrer
Zuneigung eine Art von Furcht und Missfallen verbinde 
    Mir war dies schreckliche Etwas wohl bekannt das mich mir selbst zum
Abscheu machte und das ich jetzt mehr als jemals abzuschütteln suchte Ich
konnte ich konnte den zu Pamiers erhaltenen Auftrag nicht ausführen konnte
nicht der Verderber dieses Fürstenhauses und der Mörder dieses Kaisers werden
an welchem ich so viel Vortreflichkeiten entdeckte Um mich von meiner grausamen
Pflicht loszumachen strebte ich nach Gründen Philipp schuldlos und das
Gericht wo er verdammt wurde verdächtig zu finden endlich kam es zwischen mir
und Rudger über diese Dinge zur Sprache Seine Zweifel waren die meinigen und
er schlug mir vor er wolle eine Reise nach dem Herzog von Sachsen tun um von
ihm Aufklärung jener Dunkelheiten zu holen ein Einfall der mir wie vom Himmel
zu kommen schien
    Dem Herzog von Sachsen Botschaft zu tun schien mir auch noch aus einem
Grunde nötig Kalatin zu welchem ich nach den letzten Vorgängen nun einmal
kein Herz mehr haben konnte war wie ich wusste zu ihm abgereist er konnte
vielleicht Böses wider mich im Sinne haben welches Rudgers Gegenwart hindern
konnte Kalatin war mir bei meiner Ankunft am kaiserlichen Hofe nur wie ein
Gespenst erschienen um mich noch einmal um Alverdens Hand anzusprechen Ich
schlug sie ihm ab und er wandte mir den Rücken bald darauf verschwand er gar
ich erfuhr er sei nach Sachsen gereist und dieses denke ich war genug mir
Besorgnisse seiner Absichten wegen einzuflößen Rudger sollte ihnen entgegen
arbeiten sollte mir schnelle Aufklärung meiner Zweifel bringen wahrhaftig
wichtige und notwendige Geschäfte wenn nicht das noch notwendiger gewesen
wär bei mir zu bleiben und meinen schwankenden Schritten zum Leiter zu dienen
    Ach der ehrliche Alte unter dessen Augen ich aufgewachsen war und der
durch geprüfte Treue das Recht erlangt hatte ehe mein Freund als mein Diener zu
heißen da er mich verlassen hatte gesellten sich Verführer zu mir die mich zu
Taten vorbereiteten welche in halber Raserei begangen mit endloser Reue
gebüßt und umsonst durch die Vorstellung entschuldigt wurden ich sei
verpflichtet gewesen sie zu begehen Kaiser Philipp sei ungeachtet seiner
schönen Außenseite dennoch ein Mörder und ihn habe in meinem Schwert nichts als
die Hand gerechter Rache getroffen
    In der Hoffnung mich durch einen Ausspruch des Herzogs von Sachsen von
meinem grauenvollen Auftrag entledigt zu sehen fing ich nun schon an mich mit
noch weitern Aussichten zu belustigen Der Gedanke Alix werde nicht Königin von
Kastilien werden kam mir nicht aus dem Sinn Alverde hatte mir versprochen zu
Pamiers für sie zu wachen und mich bei dem geringsten Anschein dass man die
Heiratstraktaten aufheben und sie ihrem Bruder zurückschicken wollte
herbeizurufen Ich wollte denn ihr Begleiter nach Toulouse werden wollte ihrem
Bruder meinen Arm gegen seine Feinde leihen wollte siegen und sie sollte der
Lohn meiner Tapferkeit werden
    Mitten in diesen Projekten die mir Frohsinn und Selbstzufriedenheit wieder
zu geben begunnten erhielt ich Briefe von Sutrino aus Pamiers Rechtfertigung
wegen der Beschuldigung die ich ihm auf Rudgers Angabe gemacht hatte er sei
eine Kreatur des Bischofs von Sutri war ihr Inhalt Um seine Unschuld hierin
scheinbar zu machen warnte er mich selbst vor diesem Bischoffe den ich hasste
und der sich vergebens bemühte sich in meine Vertraulichkeit einzuschleichen
Er riet mir zugleich auch Otten von Wittelsbach zu warnen und streute eine
Menge Winke ein dass man gesonnen sei ihm seine Elise zu rauben und dass es der
Kaiser so ehrlich mit ihm als mit irgend einem Menschen meine mehrere Auskunft
über diese Dinge zu erlangen verwies er mich an den Überbringer seines Briefs
welcher von der nämlichen Schlangenart wie er sich künstlich in mein Herz zu
schlingen und es mit all seinem Gifte zu erfüllen wusste er erregte in mir die
schrecklichsten Ahndungen von den Absichten des Kaisers auf den kastilischen
Thron von Erhebung seiner Tochter und Verdrängung einer andern und verließ
mich nicht ehr bis er sein Werk ganz getan zu haben meinte
    Ich nahm mir vor endlich einmal ausführlich mit Wittelsbach zu reden
dessen Umgang aus Furcht ihm meine schrecklichen Geheimnisse zu verraten ich
bisher immer geflohen hatte Ein Brief warnte ihn vorläufig vor Sutri und vor
dem Kaiser bessere Erläuterung sollte nachkommen aber sie erfolgte nicht
Dringende Geschäfte riefen den Pfalzgrafen eilig nach Pohlen und ich erhielt
von ihm nur schriftlichen Dank und die Einladung während seiner Abwesenheit in
seinem Pallaste zu wohnen um daselbst in der Nähe für Elisen wachen zu können
die er jetzt verlassen müsse
    Welch ein Auftrag für den welcher vom Schicksal bestimmt war das Herz
dieser edelen Prinzessin auf das tiefste zu verwunden  Ich nahm ihn an weil
ich nicht anders konnte und betrat Wittelsbachs Pallast um in demselben den
fürchterlichsten Auftritten meines Lebens entgegen zu sehen
    Ich stand am Tage meines Einzugs auf dem Balkon des Hauses welcher das
Frontispitz des Gebäudes ausmachte und die Aussicht auf den Pallast der
Prinzessinnen hatte Ich sah einen Reisewagen von einem einigen Bedienten
begleitet ankommen er öffnete sich und eine Dame stieg heraus ich fuhr voll
Erstaunen zurück dies war die vollkommene Gestalt meiner Schwester Meine Leute
wurden beordert Erkundigung einzuziehen und sie brachten Bestättigung zurück
Die Dame nenne sich Alverde von Merode und komme aus Pamiers mit wichtigen
Nachrichten an den kaiserlichen Hof
    An den Hof sagte ich zu mir selbst warum nicht zu ihrem Bruder was sie zu
melden hat sind doch wohl nichts anders als Nachrichten von Alix  Gott wenn
die Erreichung meiner Wünsche so nahe wär wenn sie käme mich aufzufordern der
verflossenen Gräfin von Toulouse meinen Arm zu reichen und sie in ihr
Vaterland zurückzuführen  Aber warum musste Alverde selbst kommen Wie konnte
sie ihre Freundin in einer Lage welche auf alle Art bedenklich sein muss
allein lassen  Ach sollte hierin vielleicht noch mehr als ich zu hoffen wage
verborgen liegen  O gewiss gewiss  Die Umstände sind dringender geworden man
hat vielleicht böse Anschläge auf Alix gehabt mich zu Hilfe zu rufen war zu
weitläuftig die beiden Freundinnen haben sich selbst helfen müssen sie sind
geflohen Alix hat Alverden voraus geschickt ihr Zuflucht an Philipps Hofe zu
erbitten und wird ihr diese gewährt so ist dies ein neues Band mich an den zu
fesseln den ich verderben soll Nein Philipp ich schwöre dir gibst du
meiner Geliebten Schutz vor ihren Feinden so soll mich nichts bewegen dein
Leben anzutasten und wärst du all der Untaten schuldig deren man dich zeihet
und gäb mir Herzog Bernhard selbst das Schwert in die Hand die Befehle der
Gerechtigkeit an dir zu vollziehen
    Ich wartete diesen Tag ich wartete den ganzen Abend vergebens auf Nachricht
von meiner Schwester ich bewachte die Straße wo ich glaubte dass Alix meinen
Phantasien zufolge herkommen müsse niemand erschien ich sah Alverden drüben
im Pallaste der Prinzessinnen weinend am Fenster stehen ich sah auch Beatrix
und Elise weinen Himmel was mochte das zu bedeuten haben Mein Blut ward zu
Eis und ich hatte kaum so viel Kraft Befehl zu geben man möge der
neuangekommenen Dame Nachricht geben ihr Bruder wohne im benachbarten Hause und
wünsche sie zu sprechen die Antwort kam zurück die fremde Dame befinde sich
sehr übel und könne weder Bruder noch Freund sehen und sprechen Himmel welch
eine Antwort entweder falsch ausgerichtet oder falsch verstanden oder in einer
Verwirrung gegeben welche sich bei Alverdens damahliger Gemütsfassung wohl
entschuldigen ließ
    Ich war außer mir Ahndung von ich weis nicht welchem Unglück durchströmte
mein Inneres Ich schleppte mich mit Mühe an das Fenster weil ich Geräusch auf
der Gasse hörte und die lächerliche Hoffnung auf Alix Zukunft noch immer meine
Phantasie beschäftigte Ich sah einen prächtigen Zug die Straße herauf nach dem
kaiserlichen Pallaste kommen Ich erkannte in den beiden Hauptfiguren des
beweglichen Gemäldes den Bischoff von Kastilien und den Grafen von Kastelmoro
    Was ist das rief ich indem mir kalter Angstschweiß über die Stirne lief 
Es sind die kastilischen Gesandten erwiderte einer meiner Leute der hinter
mir stand man hat sie diesen ganzen Tag erwartet aber sie haben sich auf einem
benachbarten Lustschloss verweilt um sich zur Audienz zu schicken zu welcher
sie weil man sich angenehme Werbung von ihnen versieht augenblicklich geführt
werden
    Eine Frage schwebte auf meinen Lippen welche mir hier wohl schwerlich hätte
beantwortet werden können sie wurde gehemmt und alle weitere Betrachtungen über
das was ich sah und hörte wurden gestört denn man trat ein mir die Ankunft
eines reitenden Boten zu melden welcher mich selbst zu sprechen verlange Der
Zusatz er komme mit der Gesandschaft aus Pamiers von Sutrino verschafte ihm
augenblicklichen Zutritt Ich riss ihm den Brief aus der Hand ich öffnete ich
las und wenn der für welchen ich schreibe ihn ebenfalls gelesen haben wird
so wird der große Zwischenraum den ich zwischen diesem schrecklichen Schreiben
und der Fortsetzung meiner Geschichte machen muss von ihm sehr leicht ausgefüllt
werden können
                           Sutrino an Alf von Dülmen
Alix ist tot und der Vater der künftigen Königin von Kastilien der Prinzessin
Elise ist ihr Mörder O des heillosen Vergifters jenes Heiligen und dieses
Engels Alf von Dülmen wo schläft die Rache könnt ihr euch von dem der euch
den Freund entriss so kaltblütig auch die Geliebte aus den Armen reißen lassen
 Mir erstarrt die Hand an der Feder möge die Eurige nicht am Schwert
erstarren  Umständlichere Erzählung der grauenvollsten Dinge erhaltet ihr von
dem Überbringer Hütet euch vor allen euren sogenannten Freunden hütet euch
selbst vor eurer Schwester Alverde die an dem Schicksal der unglücklichen Alix
nicht außer Schuld ist vertrauet in diesen Dingen nur der Aussage des Mannes
den ich euch sende und der euch all die schrecklichen Geheimnisse aufklären
wird
Und ich erhielt sie diese Aufklärung um mich in volle Verzweiflung zu stürzen
erlasset mir ihre Wiederholung damit nicht mein Verstand zum zweitenmahl
scheitere Alix war gestorben an Gift gestorben nach dem Bericht welchen ich
erhielt ließ sich die Hand nicht verkennen welche sie aus dem Wege räumte um
Elisen auf dem ihr bestimmten Throne Platz zu machen Die kastilische
Gesandschaft bestättigte Philipps Schuld und von diesem Augenblicke an war er
in meinen Augen ein dem Tode geweihter Verbrecher ich glaubte ihn vor mir zu
sehen und langte nach meinem Schwert das Blut der unglücklichen Alix zu
rächen meine Hand sank zurück und ich fiel in gänzliche Bewustlosigkeit
    Was von diesem Augenblick an bis auf den fürchterlichsten Zeitpunkt meines
Lebens mit mir vorgegangen ist schwebet mir nur wie Traum vor den Augen
Schmerzen Hitze tödliche Entkräftung besinne ich mich gefühlt zu haben 
Alverdens Namen hörte ich verschiedenemahl nennen und er war allemahl ein
Zauber mich auf einige Augenblicke zur Besonnenheit zu bringen
    Was will sie bei mir schrie ich mit knirschenden Zähnen
    Gnädiger Herr euch sehen euch in eurer Krankheit pflegen ungeachtet sie
selbst krank ist
    Hinweg mit der Mörderinn schrie ich durch Bosheit oder wenigstens
Vernachlässigung lieferte sie Alix in Philipps Hände
    Fürchterliche Rasereien folgten hierauf meine Reden wider den Kaiser waren
so dass man sich scheute sie einem Fremden hören zu lassen daher ward mein
Zimmer vor jedermann verschlossen Meine natürliche Stärke welche durch die
Krankheit verdoppelt ward nötigte meine Leute mich zu binden weil ich auf
keine andere Art zu bändigen war und ich mit der größten Schlauhigkeit Gewehr
oder andere Werkzeuge zum Schaden an mich zu bringen wusste die mir denn schwer
zu entreißen waren
    Man versuchte tausend Mittel mich zu besänftigen In meinen sanftern
Stunden pflegte ich oft Herzog Bernhards Namen zu nennen und über Otto und
Rudgers langes Ausbleiben wie ein Kind zu weinen man sagte mir der letzte
werde nur noch wenige Meilen von der Stadt von den Folgen eines Sturzes vom
Pferde bettlägrig gehalten und den Pfalzgrafen erwarte man in wenig Tagen von
seiner Reise aus Pohlen zurück Umstände aus welchen sich die Dauer meiner
Krankheit erraten lässt
    Von Herzog Bernhard gab man mir einen Brief er machte die Idee von Sutrinos
Briefe wieder in mir rege und statt ihn zu lesen zerpflückte ich ihn in kleine
Stücken
    Raserei und Wehmut wechselten lang bei mir ab bis endlich die letzte die
Oberhand behielt und man mich gelinder behandeln konnte man band und bewachte
mich nicht mehr so scharf nur die Mittel mein Zimmer zu verlassen benahm man
mir indem man mir Kleider und Rüstung aus dem Wege räumte Alverde ließ sich
wieder bei mir melden aber mein Widerwille vor ihr blieb entschieden ich ließ
ihr sagen ich wolle sie nicht sehen und legte damit einen Beweis ab wie viel
noch an der völligen Wiederherstellung meines Verstandes fehlte Sie sandte mir
einen Brief mit Bitte ihn da er offen war zu lesen und denn zu bestellen
ich warf ihn verächtlich auf die Seite Ich erhielt einen anderen von Kalatin
und er würde um des Schreibens willen ein noch schlimmeres Schicksal gehabt
haben wenn ich ihn nicht verloren hätte So veranlasste mich meine unglückliche
Gemütsfassung alles hinweg zu werfen was mich hätte retten können und blind
in mein Unglück zu rennen
    O dass ich mich mit meinem halben Wahnsinn schützen o dass ich behaupten
könnte ich habe völlig als ein Trunkener gehandelt als ich die Tat beging
die ich ich zögre auch noch so lang doch endlich bekennen muss aber hinweg mit
der Schminke eine Tat zu beschönigen die doch allemahl ihren greulichen Namen
Kaisermord behalten wird da ich mich jedes Umstandes bei derselben zu deutlich
erinnere um mich hinter Bewusstlosigkeit verbergen zu dürfen
    Mein Gesundheitszustand war leidlich meine Hüter fingen an nachlässig zu
werden und meiner Besserung zu viel zu trauen Sutrinos Brief war mir wieder in
die Hände gefallen und hatte meine Wut gegen Philipp erneuert ich zwang sie
ein um mir Freiheit zu handeln zu erhalten Nach einer von Alix Blut und Rache
durchträumten Nacht erhub ich mich um aufzustehen ich sah mich noch schlechter
als bisher bewacht und wünschte mir Glück die Stunde gekommen zu sehen die ich
schon lang erwartet hatte Ich fühlte die Unschicklichkeit und Gefahr im
Nachtrock auszugehen und suchte nach meinen Waffen und Kleidern sie waren
verschlossen
    Der Weg zu Wittelsbachs Rüstkammer war mir nicht unbekannt Ich sah in den
Hof hinab der zu dem Teil des Pallasts führte wohin ich wollte  Der Hof war
leer Ich eilte ungesehen hinüber warf mein Nachtgewand unterwegens ab flog in
die Waffenhalle welche offen stand schlüpfte in die erste beste Rüstung die
mir in die Hand fiel behelmte mich und schloss das Visier nahm Wittelsbachs
Kriegsschwerdt und seinen Schild und eilte auf die Straße hinaus gerüstet wie
zur Schlacht um einen einzelnen Mann zu erwürgen
    Ohne Anstoß erreichte ich den kaiserlichen Pallast man ließ mich ein
worüber ich mich wunderte weil mirs war als müsste jedermann mir meinen
Mordanschlag ansehen und ich nicht soviel Besonnenheit hatte zu denken dass in
Wittelsbachs Waffen mich bei der Gleichheit unserer Statur die niemand anders
hier mit uns gemein hatte mich jedermann für Wittelsbach halten müsste für
Wittelsbach dessen Ankunft wie ich hernachmahls erfuhr man heute erwartete
und der als des Kaisers Schwiegersohn nicht allein immer den freisten Zutritt
hatte sondern heute noch besonders zu einer geheimen Audienz berufen worden
war
    Von allen diesen Dingen wusste ich nichts ich konnte weder Ursach noch
Folgen dessen was ich vor mir hatte beherzigen sondern lebte und webte nur in
dem Gedanken die Rache zu vollführen welche schon so lange in meinem Innersten
kochte und zu welcher ich mich wenn mir die Aufträge zu Pamiers in mein
zerrüttetes Gehirn kamen noch oben drein verpflichtet glaubte
    Als ich auf die große Stiege kam begegnete mir der Bischof von Kastilien
welcher eben beim Kaiser zur Audienz gewesen war ich trat auf die Seite ihn
vorüber zu lassen mein Schwert zuckte in der Scheide auch an ihm den Tod der
Gräfin von Toulouse zu rächen aber der Gedanke ich möchte über das kleinere
Opfer meiner Rache das größere verfehlen rettete sein Leben ich blieb stehen
und sah ihm nach Unten an der Treppe begegnete ihm die Prinzessin Elise welche
auch nach Hofe berufen und eben aus ihrem Wagen gestiegen war er demütigte
sich sehr vor ihr und bat sie mit ihm in eine untere Halle zu treten weil er
Dinge von Wichtigkeit mit ihr zu bereden habe Ha sagte ich knirschend zu mir
selbst die künftige Königin von Kastilien welcher die arme Alix zum Opfer
geschlachtet wurde des Wittelsbachers treulose Braut der heillose Mönch will
sie vermutlich von ihren Schwüren absolvieren die sie an meinem Freunde brach
und die ihr gottloser Vater sie brechen lehrte O Otto Otto auch zu deiner
Rache soll Philipps Blut fließen Hier hätte es keinen Auftrags der heimlichen
Richter bedurft ein jeder adlicher Mann ist schon von selbst befugt solche
Gräuel mit dem Schwert zu rächen
    In solchen Gedanken welche zu ziemlich laut gemurmelten Worten wurden
legte ich den Weg nach des Kaisers Gemach vollends zurück Wie ein Rasender
stürmte ich in das Vorzimmer hinein ich war ganz verblendet ein der Tür gegen
über stehendes Bild des Kaisers hielt ich für ihn selbst und riss das Schwert
aus der Scheide es zu durchbohren Ein gegenüber stehender Spiegel warf Philipps
Ähnlichkeit täuschend zurück und ließ mich den zweiten Stoß eben so vergeblich
anbringen so taumelte ich mit entblösstem Stahl von einem zu den andern bis
jetzt die innere Kabinetstüre aufging und mir den wahren Gegenstand meiner
Wut zeigte ich stürmte hinein und versetzte dem Kaiser der mir entgegen trat
und einige Worte zu mir sagte die ich nicht verstand einen Streich der ihn
augenblicklich zu Boden stürzte Erst jetzt merkte ich aus dem Geschrei
verschiedener Personen dass ich das Opfer meiner Rache nicht allein gefunden
hatte und dass es ein halbes Wunder war dass mir mein Streich so wohl gelang
    Noch war ich verblendet genug über meine Tat zu jauchzen der Anblick des
Gefällten pflegt sonst oft den Mörder zu entwafnen mir flößte er Durst nach
mehreren Blut in die Seele Ich flog aus dem Zimmer wo die Bestürzung und das
Bestreben den Kaiser zu retten keinen Gedanken aufkommen ließ mich fest zu
halten ich eilte die Stiegen hinunter um wo möglich den Bischoff von Kastilien
noch zu finden und ihn dem Schatten der unglücklichen Alix ebenfalls zum Opfer
zu schlachten aber ich sah seinen Wagen eben abfahren und die Prinzessin Elise
von dem Gespräch mit ihm die Treppe herauf kommen
    Ihr Anblick verursachte mir eine sonderbare Empfindung sie ging so ruhig in
der Unschuld und Majestät eines Engels daher was sollte ich von ihr halten und
welchen Schrecknissen ging sie entgegen Schon machte der wachsende Lerm in den
oberen Zimmern und die hin und hereilenden Bedienten sie stutzen sie eilte
vorwärts ich strich unbemerkt bei ihr vorbei auf die Straße Auch diesmahl
ließ mich die äußere Wache ruhig passieren ich hatte in des Wittelsbachers
Waffen ohne es zu wissen einen guten Freibrief der auch wohl die volle
Gebärde eines fliehenden Mörders die ich hatte unverdächtig machen konnte
    Nach Elisens Anblick wars als wenn sich ganz andere Empfindungen meiner
Seele bemächtigten nur Empfindungen keine Gedanken keine lebhaften
Vorstellungen der schreckliche Zustand in welchem ich war machte mich
derselben ganz unfähig Ich war wie im ersten Erwachen aus einem Rausche Ich
wusste damals weder ganz genau was ich getan hatte noch was ich tun wollte
ein unnennbares Gefühl belastete meine Seele fliehen fliehen war mein einiges
Bestreben nicht vor einer Gefahr von welcher ich keine Vorstellung hatte
sondern vor einem Etwas das in mir war das ich mir selbst nicht bestimmen
konnte
    So flohe ich denn über die Straßen durch die Tore ins Freie über Feld
und Wiese und rastete nicht ehe bis mir der Atem gebrach und ich auf einem
Stein ohne Bewusstsein niederfiel Es war fast Nacht als ich mich wieder erholte
das Rütteln eines Mannes den ich in der Dämmerung nicht erkennen konnte
erweckte mich endlich Ach Gott schrie eine bekannte Stimme ist denn alles
vergebens Lieber lieber Herr war es so dass ich euch wiederfinden sollte
    Rudger rief ich indem ich mich aufrichtete mit einer Art von
Freudengefühl Rudger bist du es Ach warum bist du nicht ehe gekommen
    Gnädiger Herr meine Krankheit Aber Gott was ist euch begegnet
    Mir nichts zwar lass mich doch nachdenken  Mir träumete gestern ich habe
Kayser Philippen erschlagen und musste nun fliehen
    Gottlob dass dieser schreckliche Traum nicht Wahrheit ist O mein Herr wie
gut dass ihr mich zum Herzoge von Sachsen schicktet ihr habt ihn doch erhalten
seinen Brief
    Warum was enthielt er ich habe ihn nicht gelesen Ich war sehr krank
Rudger und in der Krankheit glaube ich habe ich ihn zerrissen
    Armer Herr krank seid ihr wohl noch Gott sei dank dass ich hier bin Euer
zu pflegen Beruhigt Euch nun alles wird gut werden was Euch kränkt Der
Herzog von Sachsen entebt Euch jeder schrecklichen Verbindlichkeit das konnte
ich wohl denken dass es mit jenem Gericht zu Pamiers seine eigenen Bewandnisse
gehabt haben würde schwer wird der Herzog von  seine Bosheit oder seine
Unvorsichtigkeit büßen müssen
    Ach Rudger rief ich indem ich seine Rede unterbrach welche ich weder
verstand noch beachtet hatte Alles möchte gut sein wenn nur Alix lebte und
Philipp nicht ihr Mörder gewesen wär
    Alix tot Der Kayser ihr Mörder Das ist unmöglich
    Sehr möglich sage ich dir auch ist die Tat schon gerochen siehst du
Philippen siehst du ihn bluten  Nein nein es war kein Traum ich habe den
Mörder Konrads und der Nonnen Alix wirklich erschlagen
    Rudger mochte in diesen Worten so wenig ich auch übrigens bei mir selbst zu
sein schien Wahrheit ahnden denn er fuhr voll Entsetzen auf und sprach das
Wort Kaysermord mit einem Tone aus der mein Innerstes zerriss Ich tat einen
lauten Schrei und fiel in Ohnmacht
    Ich kann meinen damaligen Zustand mit nichts besser vergleichen als mit
dem Zustand eines Mannes welcher von Feuer zu träumen glaubt indessen wirklich
die Flammen nahe bei seinem Lager wüten er ermuntert sich von Augenblick zu
Augenblick ein wenig aber der Schlaf behauptet seine Rechte er sinkt zurück
und träumt den vermeinten Traum fort bis ein heftiger Schlag ihn auf einmal
ganz erweckt damit der Anblick der würklichen Gefahr der er nun nicht mehr
entfliehen kann ihn ganz zu Boden stürze
    Das Wort Kaysermord aus Rudgers Munde war der gewaltsame Schlag der mich
traf ich sah auf einen Augenblick hell um nun Wochenlang nichts mehr zu sehen
und ganz wieder in den Zustand zurück zu sinken in welchem ich die letzte Zeit
nach der Nachricht von dem Tode meines Geliebten zugebracht hatte
    Rudgers Gegenwart war meine einige Rettung er schleppte mich mit Hilfe
eines vorübergehenden Bauern in seine Herberge und brachte mich auf ein Bette
von welchem ich lang nicht wieder aufstehen sollte Meine Krankheit war
diesesmahl nicht mit den vormahligen Paroxismen von Wut verbunden hierzu waren
die Kräfte meiner Natur zu erschöpft ich lag fast die meiste Zeit ohne alle
Besinnung und nur Rudgers treue Liebe konnte ihn mit Hoffnung zu meiner
Wiederherstellung begeistern
    Ja wohl Rudgers traute Liebe Liebe gegen einen Menschen den er im Grunde
verabscheuen musste Was hatte ich getan Wo war die Entschuldigung meiner Tat
Das kleinste Nachdenken über dieselbe musste mich in Verzweiflung stürzen und
eben darum suchte es Rudger zu verteidigen Er sprach nie mit mir über diese
Dinge Die Umstände von des Kaysers Ermordung hatte er indessen durch das
Gerücht erfahren er hatte also nicht nötig hievon noch etwas bei mir zu
erfragen einen Punkt der seinem redlichen Herzen den peinlichsten Kummer
machte den dass man den unschuldigen Otto von Wittelsbach für den Täter hielt
weil man seine Gestalt für die meinige genommen hatte verschwieg er mir
vornehmlich er konnte urteilen was diese Entdeckung auf welche ich so
natürlich sie war nicht von selbst fiel für einen Eindruck auf meine ohnehin
zerrüttete Seele machen müsse
    Ottos Unschuld wäre von meiner Seite nicht anders zu retten gewesen als
wenn ich mich selbst als den Schuldigen bekannt hätte ich würde es
unausbleiblich getan haben und dieses wollte Rudger verhüten nicht gestraft
nein gerettet wollte er mich sehen Das erste Mittel hiezu war Flucht aber wie
sollte er dieselbe bei mir in Vorschlag bringen schon dieses Wort würde mein
Gewissen geweckt haben das er weil er sein fürchterliches Erwachen besorgte
gern noch im Schlummer erhalten wollte Sobald meine Gesundheit Entfernung von
dem Orte wo ich bisher gelebt hatte erlaubte schlug er eine Reise nach meinen
Landen vor wo man meine Abwesenheit meine zu diesem Endzweck künstlich genug
veranstaltete Abwesenheit wohl genutzt und alles unter und übergekehrt hatte
Meine meisten Besitzungen waren wieder in den Händen des Bischofs von Bremen und
Münster und wenige meiner Untertanen hielten noch treulich an ihrem Herren
und ihre Hilfe war es allein auf welche Rudger die Wiedererlangung meines
Eigentums baute Um mein Nachdenken ganz auf eine andre Seite zu lenken sprach
er mir unablässig von diesen Dingen und es gelang ihm dass er meine ohnedem
schwache Seele dahin brachte die letzten Vorgänge gleichsam zu vergessen und
nur bei den Epochen früherer Zeiten zu verweilen
    Der Gedanke an das Land wo ich meine erste unschuldsvolle Jugendzeit
verlebt hatte da ich noch weder Liebe Ehrsucht noch falsche Freundschaft
kannte da Alix Philipp und Kalatin und alle Personen mir noch unbekannt
waren mit welchen mich mein Schicksal in der Folge in so unselige Verbindungen
setzte die Rückerinnerung damahliger ungetrübter nun auf ewig entflohnen Freuden
brachte mir natürlich auch Evert von Remen wieder in den Sinn Ich fragte nach
ihm als nach einem lang vermissten Freunde die Verleumdungen Kalatins die
ehemals mein Herz von ihm losrissen waren gänzlich vergessen und das was mir
Rudger von der Treue und Tapferkeit sagte mit welcher er sich meinen Feinden in
meiner Abwesenheit entgegengesetzt hatte stärkte meine wiederaufkeimende
Freundschaft und meine Sehnsucht nach ihm Ich freute mich ihn in jenen
Gegenden wieder zu sehen und Rudger widersprach mir nicht weil ihm wirklich
Everts lang ausgeführter Entschluss nach dem heiligen Lande zu gehen so
unbekannt war als mir auch ich hätte denselben wissen und vorbeugen können
Evert hatte mir ihn in einem längst vergessenen Briefe mitgeteilt der so wie
viele andre ungelesen geblieben war Der Taumel mannichfaltiger Leidenschaften
in welchem ich die lezt verstrichenen Jahre über gelebt hatte die mancherlei
Vorurteile von denen ich mich beherrschen ließ und meine eben so
mannichfaltigen Schicksale hatten ja gemacht dass ich mich immer bloß mit mir
selbst und dem was gerade vor mir lag beschäftigte und alles auf die Seite
warf was mir von einer andern Gegend zukam
    Rudger der meine Fragen um Evert von Remen nicht befriedigend genug
beantworten konnte versprach mir wenn ich fortführe ihm durch meine gute
Fassung Freude zu machen mir ein kleines Kästgen mit Briefen zur Unterhaltung
zu geben welche ich ehedem so wie ich sie erhielt gelesen oder ungelesen
zusammen warf und die er nebst andern Habseligkeiten von mir aus der
kayserlichen Residenz hatte herüberbringen lassen Einige Briefe von
Wittelsbach von Evert von Remen und andre dem treuen Rudger unverdächtigen
Personen machten die obersten Lage dieser Schriften aus und er glaubte nicht
allein mir sie ohne Gefahr übergeben zu können sondern auch großen Vorteil zu
mehrerer Beruhigung für mich daraus zu ziehen
    Ach wie sehr irrte er sich Unter einem großen Gewühl gleichgültiger
wirklich ehr zerstreuender als beunruhigender Blätter fand ich auch manches das
alles was Rudger so mühsam herangearbeitet hatte schnell zu zerstören drohte
Etliche alte nur halb gelesene Schreiben von Evert und Wittelsbach machten mich
schon wieder aufmerksam auf Dinge in deren Vergessenheit jetzt meine einzige
Rettung bestand Die Fragmente jenes Briefes vom Herzog von Sachsen den ich in
meiner Krankheit zerriss und die hier Gott weis durch welchen Zufall sich
gleichfalls fanden brachten mir die Tat welche mich auf Lebenszeit
unglücklich machte und vor welcher er mich so treulich warnte lebendig vor
Augen und einige Zettel von Alverden und Kalatin vollendeten das Ganze Es
waren die zuletzt erhaltenen deren ich aber gedacht habe und ich rücke sie hier
ein weil sie kurz genug sind um mir in den Gedanken geblieben zu sein und
weil man aus ihnen am besten sehen kann welches meine Gefühle nach ihrer
Vorlesung sein mussten
                            Alverde an ihren Bruder
»Was habe ich dir getan Adolf dass du mich von deiner Schwelle zurückstössest
ach der Verlust der unglücklichen Alix zerrüttet deine Seele sonst könntest du
so nicht handeln Könnte ich doch dein Gemüt von den gewaltsamen Empfindungen
zu sanfter Wehmut herabstimmen vielleicht möchte dir denn doch geholfen
werden Möchtest du doch Alix beweinen lernen anstatt dass du durch Rasereien
davon wir täglich hören dich und sie beschimpfest Nimm hier diesen Brief von
ihrer Hand geschrieben die mir so oft die Wohltat tröstender Tränen gewährte
vielleicht hat er auf dich die nämliche Wirkung Behalte ihn er ist an ihren
Bruder den Grafen von Toulouse sie empfiehlt mir ihre Bestellung am Tage vor
ihrem Tode vielleicht dass du hierzu ehe Gelegenheit haben möchtest als die
unglückliche selbst dem Grabe nahe Alverde«
Ein Brief von Alix Hand o Ademar welche Erschütterung Ja Alverde hatte
recht er schmelzte mein Herz zu Tränen er lehrte mich ihre Todesart in
mancher Betrachtung wichtiger beurteilen aber heilender Balsam war er mir
darum nicht Alverde schien die Freundin der armen Alix bis in den Tod gewesen
zu sein Kayser Philipps Anteil an den Schreckensscenen zu Pamiers ward mir
zweifelhaft aber konnte dies mich trösten da das was ich getan hatte nun
nicht ungeschehen gemacht werden konnte
    Kalatins Brief vermehrte diese gefährlichen Eindrücke so lautete er
                         Kalatin an Graf Adolf von 
»Ihr seid mein Feind Graf Adolf die Hartnäckigkeit mit welcher ihr mir noch
zuletzt die Hand Eurer Schwester abschlugt beweisst es mir Wie ich gegen Euch
gesinnt bin das gehört nicht hieher nur einen Freundesdienst muss ich Euch
beweisen wozu mich doch wahrlich weniger die Neigung für Euch als Sorge um die
Ehre unsers heiligen Bruders anreizt Hört und merket wohl auf Setzet ein
Mistrauen in die gerichtlichen Handlungen von Pamiers hütet euch blutige
Auftritte zu vollführen die ihr da erhalten haben mögt und wartet auf Herzog
Bernhards Entscheidung welche bald erfolgen muss
                                                                       Kalatin«
O warum musste ich diesen Brief als ich ihn erhielt unachtsam und voll Groll
auf den Schreiber bei Seit werfen und ich bekam ihn den Tag vorher ehe ich
meine Hand mit Philipps Blut befleckte damals wäre es noch Zeit gewesen der
Tat vorzubeugen doch würde ich mich auch haben weisen lassen fiel Philipp
darum durch meine Hand weil mir der Herzog von  zu Pamiers das Schwert wider
ihn gegeben hatte oder nicht vielmehr weil ich ihn für Alix Mörder hielt war
es die Rache der Gerechtigkeit oder eigene Rache was ich hier verübte
    Meine Gedanken verwirrten sich über diese Betrachtungen ich wusste nicht
mehr was ich denken oder tun sollte wusste nicht ob Philipp schuldig oder
unschuldig gefallen war nur dieses wusste ich dass ich ein Elender war der kein
dringenders Geschäft hatte als den Tod zu suchen Der Gedanke nach meinem
Lande zu reisen verschwand ganz ich wusste aus einem gefundenen Briefe von
Evert von Remen dass ich ihn den einigen der mir diese Gegenden hätte lieb
machen können dort nicht mehr finden würde Gram um mich und Alverden hatte ihn
nach Palästina getrieben wo er vielleicht längst seinen Tod gefunden haben
konnte
    Ich fasste den Entschluss Rudgers Hut heimlich zu entwischen und meinem
Schicksal auf einem Wege den ich selbst noch nicht wusste entgegen zu gehen
Meine Flucht gelang und auf dem wilden regellosen Wege den mich die
Verzweiflung führte fand ich bald Veranlassung zu dem was mir zu tun oblag
Überall kam mir das Gerücht entgegen Pfalzgraf Otto habe Kayser Philippen
ermordet und werde nun als ein Durchächteter überall verfolgt hier erfuhr ich
zuerst den ganzen Umfang die vollen schrecklichen Folgen meiner Tat Ich hatte
nicht auf meine Rechnung hatte auf die Rechnung eines andern gesündigt der nun
für mein Verbrechen büßen sollte Hier scheiterte mein oftmahls schon dicht an
die Ausführung gränzender Entschluss mein Leben durch eigene Hand zu enden
Nein schrie ich ich darf nicht ehe sterben bis Otto gerettet und
gerechtfertigt ist schon zu viel Schuld haftet auf meiner Seele ich darf sie
nicht durch das Blut eines Freundes vermehren der um meinetwillen leidet Hin
will ich vor jenes große Gericht und überlaut rufen Otto von Wittelsbach ist
unschuldig und ich bin der Mörder hier bin ich strafet mich dass er gerettet
werde
    Der Stuhl der heimlichen Gerechtigkeit ist für den Wissenden bald zu finden
denn er ist überall auch war mir die Zeit günstig dass ich nicht lang auf das
warten durfte wonach meine Seele schmachtete Rechtfertigung für meinen Freund
und Urteil des Todes für mich
    Der Tag erschien dessen Nacht mich in die geweihte Versammlung führen
sollte langsam und traurig trat ich in den großen Kreis wo ich so oft auf
meiner erhabenen Stelle wie ein König getront hatte Rings um wich die Menge
vor mir Das ist Graf Adolf flüsterte man sich zu den wir so lange nicht
sahen Platz für ihn er wird unserm Oberhaupte willkommen sein
    Herzog Bernhard war selbst gegenwärtig wir konnten weil die Handlung
begann wenig Worte wechseln und ich nahm weil einige der Richter fehlten die
über mir saßen meinen Platz ihm zunächst Ein schöner Rang für den Verbrecher
den die Gerechtigkeit so bald er sich ihr kenntlich machte in die unterste
Tiefe hinabstürzen musste
    Halb außer mir hörte ich nichts von alle dem was diese Nacht vorgebracht
wurde und spielte ganz die Rolle eines Abwesenden noch wusste ich nicht wie
ich das Geständnis meines Verbrechens das ich mir vorgenommen hatte einleiten
sollte Der größte Verbrecher der gerechteste Selbstasser bleibt ein Mensch
und bebt vor dem Urteil wenn er sich demselben nahe glaubt zurück Ich kannte
die Rechte unserer Gerechtigkeit zu gut um bei dem Gedanken mich in ihre Hände
zu liefern nicht ein heimliches Grauen zu fühlen Doch das Schicksal wollte
meiner Schwäche und Unentschlossenheit zu Hilfe kommen
    Am Ende der Sitzung warf sich eine Jungfrau vor den Stufen des Trons
nieder und stammelte das15 Geschrei um Rache wie man es sie gelehrt hatte
    Und welche blutige Tat fragte der Oberrichter ists über die ihr Rache
fordert
    Kayser Philipps Ermordung
    Seid ihr eine seiner Töchter
    Nein aber ich rede in ihrem Namen und auf ihren Befehl
    Über wen klagt ihr
    Über keinen aber ich fordre das Auge des Richters auf den Täter zu
finden
    Er ist gefunden Es ist Pfalzgraf Otto von Wittelsbach
    Nein er ists nicht schrie ich mit schrecklicher Stimme indem ich
aufsprang und die Hand zum Zeichen des Widerspruchs in die Höhe hob
    Nein er ists nicht schrie die Jungfrau seht und hört hier meine
Beweise
    Pfalzgraf Otto ward entschuldigt so bündig entschuldigt als es bei der
Gerechtigkeit seiner Sache unausbleiblich war und man hieß die Klägerin sich
erheben und gegen alle vier Winde Rache gegen den unbekannten Mörder rufen sie
schlug den Schleier zurück und tat mit zitternder Stimme wie man ihr gebot
    Ihr Gesicht ihre Sprache machte sie mir auf einmal kenntlich und mein
ganzes Wesen durchlebte ein unwillkührlicher Schauer Alverde rief ich indem
ich von meinem Stuhl herabstieg Alverde meine Schwester Du schreist Rache
über deinen Bruder Ich ich bin Kayser Philipps Mörder Hier bin ich tötet
mich Pfalzgraf Otto ist unschuldig
    Alverde wurde ohnmächtig und ward hinweggeschaft man nahm meine Worte auf
das Gericht ergieng über mich ich ward verurteilt
    Da erhub sich ein Mann aus der unteren Klasse mich zu verteidigen es war
Rudger der mich den Verlornen mit Erstaunen hier wiederfand Seine Worte
konnten kein Gewicht haben denn die mächtige Wahrheit und mein eigenes Zeugnis
waren wider mich Man hieß ihn schweigen und in heimlichen Banden als ein
Gefangner bleiben bis der Kaysermörder seinen Lohn empfangen hätte darauf
brach man den Stab über mich und stieß mich hinaus ruhlos in der Welt
umherzustreichen bis mich der Bluträcher finde und mich tödte
    Ich eilte davon damit man Raum hätte das Loos über diejenigen zu werfen
welchen man das Rachschwerdt wider mich vertrauen wollte Ach ich dachte nicht
dass es auf denjenigen fallen würde den ich seit einiger Zeit für einen nur
verkannten Freund zu halten begunnte auf Kalatin der durch seine Warnung vor
der greulichen Tat die mich jetzt ins Verderben stürzte wieder viel in meiner
Achtung gewonnen hatte
    Meinen Zustand zu beschreiben ist unmöglich niemand als ein selbst
Durchächteter weiß was es heißt von der ganzen menschlichen Gesellschaft als
ein verdorbenes Glied abgeschnitten zu sein und den heimlichen Rächer immer im
Nacken zu haben Selbst den Lebensmüden wie ich es war ist diese Verfassung
schrecklich ist ihm ärger als der Tod
    Eins beruhigte mich vor meinem Tode den ich in jeder Stunde erwarten
konnte noch eine Handlung der Gerechtigkeit getan und meinem Freunde
Pfalzgraf Otten dem man des Ansehens wegen meine Tat aufgebürdet hatte Ruhe
Unschuld und Ehre wieder gegeben zu haben Ich erwartete nun von der
Wiedereinsetzung in alle seine Rechte von seiner Vermählung mit der Prinzessin
Elise von der Zurückberufung seiner verbannten Freunde zu hören aber  ich
wartete vergebens Der Gerechtigkeit waren zwei Opfer lieber wie eins was die
heimliche nicht forderte das heischte die öffentliche Ottos Unschuld war durch
meine Schuld nicht erwiesen ich war durch mein Bekenntnis nur zu seinen
Mitverbrecher gemacht worden Ich hörte die Prinzessin Beatrix habe selbst
wider ihn beim neuen Kayser geklagt seine Braut die Prinzessin Elise sei dem
Kastilier gegeben worden und Otto irre in der Welt umher unstät und heimlos
wie ich bis sein Henker ihn finde und sein unschuldiges Blut vergösse wie
mein verbrecherisches nächstens fließen sollte
    Konnte mich etwas in einen noch tieferen Abgrund der Verzweiflung stürzen so
war es dieses doch nein es drückte mich nicht zu Boden es ward das Mittel
mich auf gewisse Art vor dem letzten Scheiden noch einmal empor zu richten Ich
wollte und durfte nicht mit Ottos unschuldigem Blut belastet in die Grube
sinken ich wollte und musste ihn retten mochte es sein auf wessen Kosten es
wolle
    Durch Kenntnis der innersten Geheimnisse unsers Bundes im schlauen Herrschen
geübt entdeckte ich den verlassenen Aufenthalt wo Otto lebte ehr als seine
bestimmten Henker Wie hätte das Auge der Freundschaft nicht schärfer sehen
sollen als das Auge der Rache  Ich fand meinen unglücklichen unschuldigen
Freund in einem wilden Walde am Ufer der Donau eine Höle war seine Herberge
Wurzeln seine Nahrung und Verzweiflung die Gefährtin seiner Einsamkeit
Verzweiflung nein die Unschuld kann nicht verzweifeln ein leichter Anschein
von gebessertem Schicksal ein kleiner Hoffnungsstrahl richtet sie auf Mich den
Verbrecher konnte nichts beruhigen und wär selbst Alix um deren willen ich
zum Verbrecher wurde aus dem Grabe aufgestiegen mich zu trösten sie hätte es
nicht vermocht Den unschuldigen Otto tröstete ein Nichts tröstete der Zuspruch
eines solchen Elenden wie ich war
    Wie schrie er als ich ihn auffand und mich mit der Erklärung in seine Arme
warf ich wolle der Gefärte seines Elends sein wie Otto hat noch einen
Freund einen Freund der ihn unaufgefordert in seiner Verbannung ausspäht der
da alles ihn zum Verbrecher macht allein an seine Unschuld glaubt  O meine
Verfolger nun kann ich Euch Trotz bieten Freunde Anverwandte und Geliebte
nun kann ich eure Treulosigkeit vergessen denn ich habe Alf von Dülmen der mit
mir leben und sterben will
    O wie wenig verdiente meine Tat das Entzücken mit welchem sie aufgenommen
ward wie gern hätte ich mich zu den Füßen meines unglücklichen Freunds
geworfen und mich ihm als den Schöpfer seines Elends als den Verbrecher der
ich war bekannt aber konnte durfte ich dieses ohne meinen ganzen Plan seine
Rettung zu zernichten Einen schuldlosen Freund nahm der redliche Otto gern zu
seinem Leidensgefärten an aber einen Kaisermörder würde er keinen Augenblick
um sich geduldet haben Hätte er nicht fürchten müssen der Blitz des Himmels
müsste ihn um meinetwillen in seiner Verborgenheit treffen wenn ihn das
Rachschwerdt verfehlen sollte  Dieses fürchtete ich nicht darum gesellte ich
mich zu ihm ich hofte der Himmel würde das letzte Gebet eines Elenden erhören
und ihm Kraft geben den Freund zu retten den seine Verbrechen an den Rand des
Verderbens gebracht hatten Mein Schwert sollte Otto schützen mein Auge für
ihn wachen meine Hand für ihn arbeiten und mein Mund ihm Tröstungen ins Herz
strömen die meinem eigenen fremd waren Ich machte mutig den Anfang und es
glückte Doch mein Gemüt war nicht allemal gleich fähig zu meinen Geschäften
Abwesenheit des Verstandes waren bei mir zur Gewohnheit geworden ich suchte sie
vor Otto zu verbergen oder meine Zerrüttung auf die Rechnung der verstorbenen
Alix zu ziehen Mein geradsinniger Freund glaubte alles und versuchte mich oft
zu trösten wie ich ihn tröstete ach seine Worte waren voll Kraft und
Nachdruck aber sie trafen die Stelle nicht wo ich am meisten Trostes bedurfte
er kannte sie nicht die heimliche Wunde die mir den Tod bringen musste
    Meinen Freund vor jeder Gefahr zu decken duldete ich nicht dass er sich
außer den Stunden der Nacht aus seiner Verborgenheit wagte Ich nahm es auf
mich umher zu gehen und uns die Bedürfnisse des Lebens zu suchen Mein Leben
war mir feil war mir nur um seinetwillen einiger Betrachtung würdig ich wagte
es oft ziemlich kühn und hatte auf meinen Wanderungen Gelegenheit genug zu
erfahren wie es in der Welt ergienge
    Das Gerücht sagte Wittelsbachs Leben sei der Mahlschatz mit welchem sich
der neue Kaiser das Herz der Prinzessin Beatrix erkaufen wolle ich entdeckte
ihm hievon so viel als er wissen musste um seine gefahrvolle Lage und die
Notwendigkeit der Vorsicht zu kennen Es kam zu ernstlichen Beratschlagungen
zwischen uns wie man sich am besten vor den wachsenden Verfolgungen sicher
stellen könne und wir wurden einig dass gänzliche Flucht aus dem treulosen
Vaterlande das Beste sei Otto sollte Mittel suchen nach Palästina unter den
Schutz der Fahne des Kreuzes zu kommen ich versprach ihn zu begleiten nicht um
mein eigenes Leben sondern das seinige zu retten und dann zu sterben
Entsündigung am heiligen Grabe und der rühmliche Tod durch das Schwert der
Sarazenen war das was ich mir dabei wünschte Bei dem vollen unaustilgbaren
Gefühl meines Verbrechens empfand ich doch die Verpflichtung immer schwächer
mich dem Schwert des nächsten Mörders preis zu geben Tod für das Wohl der
Christenheit war meines Bedünkens besser und verdienstlicher obgleich freilich
für mich Elenden zu schön
    Noch hatte ich es nicht gewagt Otto um Erzählung seines Ergehens binnen der
Zeit zu bitten da er von des Kaisers Hofe schied um nach Pohlen zu gehen
jetzt an einem vertraulichen Abende kam dieselbe ungesucht zum Vorschein
    »Wohl wenig so begann mein unglücklicher Freund wohl wenig dachte ich am
Tage jenes Scheidens von Freund und Geliebten dass ich die letzte nie den
andern so wiedersehen würde Ach Adolf die notwendigen Zurüstungen zu unserer
orientalischen Reise machen auch ein Scheiden nötig wie wird es beim
Wiedersehen stehen
    Ich letzte mich mit meiner Verlobten die nun durch die kastilische Heirat
auf ewig für mich verloren ist Mir ahndete ewige Trennung ich tat alles mir
ihre Beständigkeit zu sichern und vergaß doch das einige was Missverständnisse
hätte verhüten und unsere Bande troz dem Schicksal unauflöslich machen können
ich sagte ihr nichts von dem eigentlichen Endzweck meiner pohlnischen Reise
nicht aus Misstrauen das weiß mein Herz ich habe ihr wohl andere Dinge
vertraut welche ich ihr vielleicht hätte verschweigen sollen nein teils weil
ich glaubte Herzog Bernhards Angelegenheiten die mich nach Pohlen trieben
würden sie nicht sehr interessieren teils weil schon so viel von denselben in
dem Munde des gemeinen Gerüchts war dass ich gar nicht glauben konnte dass ich
ihr etwas neues entdeckte wenn ich mit ihr von der Liebe meines Freundes zu der
schönen Adila von Pohlen und seiner nunmehrigen Werbung um sie spräche Die
Liebe des Herzogs von Sachsen zu der pohlnischen Prinzessin war alt war mit
tausend seltsamen Schicksalen durchflochten gewesen die meines Erachtens
weltkundig waren Adilas Jugend und andere Hindernisse hatten den glücklichen
Zeitpunkt ewiger Verbindung mit ihrem Erwählten lang verzögert nun war er
endlich erschienen und Herzog Bernhard ersuchte mich schriftlich die
Heiratswerbung für ihn zu unternehmen welches ich ihm längst versprochen
hatte Auf Seiten des Herzogs von Pohlen des Oheims der schönen Adila gab es
noch einige Bedenklichkeiten die aber nicht besser als durch meine
Vermittlung und durch das Vorwort des Kaysers der sich immer für das Haus der
Prinzessin interessiert hatte gehoben werden konnten
    Ich hatte gern in die Forderung meines Freunds gewilligt hatte bei dem
Kayser gesucht was ich bei ihm suchen musste hatte Schreiben von ihm an den
Herzog von Pohlen erhalten die er mir selbst vorlas und die alles das
enthielten was ich und Herzog Bernhard zu Erreichung unsers Endzwecks nur
wünschen konnten dieses waren alles Dinge davon wie ich meinte Elisen das
hauptsächlichste bekannt sein musste und davon es nicht der Mühe lohnte mit ihr
zu reden am wenigsten bei so einem Abschied wie der unsrige da jede Minute
uns kostbar war jede Minute so ganz mit unserer Liebe ausgefüllt ward dass wir
keinen Raum behielten an fremde zu denken Gleichwohl ward dieses zufällige
Stillschweigen über eine dem Ansehen nach ganz gleichgültige Sache der Grund
meines ganzen unübersehbaren Unglücks O wer kannte die feinen Fäden welche
das zarte Gewebe unsers Schicksals ausmachen hinlänglich um nicht hier
unvorsetzlich zu zerreißen dort zu verwirren was die schrecklichsten Folgen
zur Vernichtung des Ganzen nach sich ziehen kann Nichts kann uns bei den
Gefahren welche oft hinter dem kleinsten Umstand lauschen beruhigen als die
Überzeugung dass jene Macht welche es zulässt dass wir oft ohne unser Wissen
wider unser eigenes Glück fehlen selbst aus der Verwirrung Ordnung selbst aus
unsrem anscheinenden Unglück unsere Wohlfart hervorbringen wird  wie und wo
dieser mein fester Glaube an mir gerechtfertigt werden wird weiß ich nicht
Vielleicht in einer andern Welt denn für die gegenwärtige möchte wohl nicht
viel mehr für mich zu hoffen sein
    Ich trat meine pohlnische Reise an ziemlich befriedigt durch Elisens
Versprechen dass ich von der kastilischen Heirat welche ein laufendes ihr ganz
unwahrscheinliches Gerücht damals zum Hauptgegenstand meiner Sorgen machte
nichts zu fürchten habe dass sie mir treu bleiben wolle so wahr ich ihr treu
bliebe
    Konnte ihre Treue wohl einen festern Grund haben als die Meinige konnte
ich wohl durch irgend etwas mehr beruhigt werden als durch die Überzeugung
ich bewahre ihr Herz indem ich das meinige bewahre Mit gutem Mute richtete
ich mein Gewerbe am Hofe des Herzogs von Pohlen aus und merkte nichts bis sich
einst das Gesicht des Herzogs bei Verlesung der kayserlichen Schreiben auf eine
seltsame Art veränderte und sein Blick mit einer Art von Mitleiden an mir
hängen blieb
    Herr Pfalzgraf sagte er nach einer langen Pause meine Nichte ist dem
Herzog von Sachsen unversagt ob ich Euch gleich gestehen muss dass ich Euch noch
ungleich lieber zum Anverwandten gehabt hätte als ihn ich weiß dass
Freundespflicht und frühere Verlobung die Erfüllung dieses Wunsches auf Eurer
Seite unmöglich machen aber was das letzte was Eure Verlobung mit der
Prinzessin Elise anbelangt so wünsche ich nur herzlich dass Eure Treue
diejenige welche man Euch zu halten gesonnen ist nicht weit übertreffe
    Ich weiß was ich an meiner Verlobten habe antwortete ich mit einigem
Unwillen
    Wisst ihr das nämliche von Eurem gehoften Schwiegervater
    Ihr spielt vielleicht auf die kastilische Heirat an mit welcher sich jetzt
das müßige Gerücht trägt und mit welcher ich selbst von einigen meiner Freunde
geschreckt worden bin
    Ich spiele auf nichts an ich weiß von all diesen Gerüchten nichts ich
urteile nur nach dem was ich vor Augen sehe Leset diesen Brief den mir der
Kayser durch Eure Hand schickt und der doch wohl ein Empfehlungsschreiben sein
soll und sagt mir dann was ihr von dem Schreiber desselben haltet ob ihr
nicht glaubt von so einem Mann alles zu fürchten zu haben
    Ich nahm den Brief ich las las ganz andre Dinge als die welche ich aus
Philipps Munde gehört hatte las unter einer Menge von geschraubten Worten mit
Entsetzen folgendes »Politisch betrachtet sei nach den vorhergehenden
Berichtigungen an der Werbung welche durch Pfalzgraf Otten geschähe nichts
auszusetzen und ein Herzog von Sachsen sei einer pohlnischen Prinzessin wohl
würdig aber Herzog Bernhard und sein Freund und Freiwerber der Wittelsbacher
seien im Grunde gefährliche Leute unruhige Köpfe und Unglücksfackeln für jedes
Land in welches sie kämen man liebe den Herzog von Pohlen und seine schöne
Nichte zu sehr um zu einer solchen Verbindung als ein Freund raten zu können
und man glaube das beste für ihn würde sein Zeit zu gewinnen und den Herzog
von Sachsen in seinen Bewerbungen um die Prinzessin Adila dergestalt
hinzuhalten wie man es am kayserlichen Hofe mit dem Wittelsbacher mache den
man für zu mächtig hielt um ihm geradezu eine Tochter abzuschlagen dem man
vielmehr alles verspräche und die Erfüllung der Zeit überliesse
    Und das schrieb Philipp schrie ich indem ich den Brief knirschend vor Wut
auf den Boden warf und ihn mit Füßen trat Hin an den Hof des Verräters um
ihn zur Rede zu stellen um augenblickliche um blutige Erklärung dieser
Schlangenworte um schnelle Erfüllung seines Worts von ihm zu fordern Zwar
Philipps Tochter ist nichts in meinen Augen und ich würde meine Verlobte von
selbst verächtlich von mir stoßen wäre sie nichts als das Aber Elise Elise
dich verlieren dich deinem heimtückischen Vater so ganz unähnlich dass ich
dich kaum für sein Kind halten kann Nein dies ist unmöglich ich fliege dich
zu meinem Eigentum zu machen und mich dann zu rächen an dem welcher dich mir
rauben will
    Der Herzog von Pohlen bestärkte mich in meinem Entschluss tat allen
möglichen Vorschub zur Beschleunigung meiner Reise und gab mir die
vorteilhaftesten Versprechungen für den Herzog von Sachsen mit auf den Weg
    Noch ehe ich die Residenz erreichte kam mir das Gerücht von den
kastilischen Gesandten und ihrer Werbung um die Prinzessin Elise entgegen die
allgemeine Meinung war sie würden nicht abgewiesen werden die Heirat sei
vorteilhafter als die Verbindung mit dem Wittelsbacher der ja darum auch
nicht zu kurz kommen würde da der Kayser noch zwei Töchter habe
    Hölle und Teufel wer waren diese beiden Töchter die schon an einen andern
Verlobte schon für einen andern glühende Beatrix deren Charakter so schlecht
zu dem meinigen passte die kleine Agnes ein Kind über dessen Heranwachsen ich
zum Greise werden müsste und diese elenden Hoffnungen sollte ich um die
Gewissheit den Engel Elise zu besitzen eintauschen Nein mein Entschluss war
gefasst und das allgemeine Zutrauen das man bezeigte der gutherzige
Wittelsbacher würde es sich schon gefallen lassen abermahl zurückgesetzt zu
werden dies brachte vollends alles zur Reife was in meinem Herzen tobte
welches aber doch bei Gott nicht den entferntesten Zug von den Mordanschlägen
hatte deren Ausführung man mir jetzt beimisst
    Ich schrieb an Elisen so viel ich mich erinnere einen bedrohlichen Brief
 ich weiß beim Himmel nicht genau was ich eigentlich geschrieben habe mein
Blut kochte mein Verstand verwirrte sich denn in dem nämlichen Augenblicke
da ich schrieb erhielt ich Post vom Kayser Er habe gehört ich sei von meiner
Reise nach Pohlen glücklich wieder angelangt und er bäte mich meine Überkunft
nach der Residenz zu beschleunigen und mich auf einen bestimmten Tag und Stunde
zuverlässig bei ihm einzufinden weil er sehr wichtige Dinge mit mir abzutun
habe
    Diese Botschaft vollendete meinen Grimm und überzeugte mich von allem
woran ich noch hätte zweifeln können Als man mich ehemals von Kunigunden
trennte ward ich gerade auf ähnliche Art vorbeschieden ich wusste also ganz
genau was man mir zu sagen habe den Antrag des kastilischen Prinzen mit der
möglichen Bitte an mich verbunden ich möchte doch so gefällig sein meine Braut
abermals abzutreten es wäre ja besser und glorreicher für sie eine Königin
als eine Gräfin von Wittelsbach zu werden
    Ich lachte höhnisch ließ Philippen sagen ich würde eher würde auf eine
Art kommen als er dachte und setzte mich meinen Brief an Elisen zu vollführen
er geriet ganz so wie meine damahlige Laune es mit sich brachte ermahnte sie
auf mit mir davon zu gehen und drohte ihr mit Gewalt wenn sie sich weigerte
    Hätte ich mich dann erst ihrer Hand bemächtigt so war mein Entschluss
gefasst mit Hilfe des eben sowohl als ich beleidigten Herzogs von Sachsen und
meiner zahlreichen Waffenfreunde dem heimtückischen Kayser ein Heer auf den
Hals zu führen das ihn wohl zur Erkenntnis seiner Falschheit gebracht und
seinen Stuhl ziemlich erschüttert haben sollte Dies war mein ritterlicher
Entschluss Meuchelmord ist mir nie in den Sinn gekommen
    Ehe dieses ausgeführt wurde musste Elise erst die Meinige sein ich wusste
vorher dass sie nach einmal verübten Feindseeligkeiten wieder ihren Vater
glauben würde Gewissenswegen mit mir brechen zu müssen und meine Pflicht war
die fromme Seele auf alle Art zu schonen war ich erst ihr Gemahl so konnte sie
von nichts Rechenschaft geben was ich tat sie blieb mir dann ungeachtet des
Zwists mit ihrem Vater als Gattin treu so wie ich von ihr überzeugt war sie
würde mir als Liebhaberinn treu bleiben so lang ich nichts tat ihre Treue zu
verwirken
    O wie sehr hatte ich mich geirrt ein Brief von ihr die Antwort auf den
meinigen sagte mir ab auf ewig sie beschuldigte mich der Treulosigkeit
versagte mir das was ich von ihr forderte und spottete meiner Drohungen Jetzt
entbrannte meine Wut auch wider sie ich würde zu den verzweifeltsten
Handlungen geschritten sein wenn mich nicht ein Gedanke an die Kayserinn Irene
zur Besonnenheit gebracht hätte sie war immer meine Freundin gewesen sie
hatte ich immer treu erfunden wenn alle andre mir Tücke bewiesen sollte ich
diese durch irgend einen übereilten Schritt beleidigen 
    Ich schrieb ihr alle meine Klagen und erhielt den Bescheid zurück sie sei
zu schwach mir schriftlich zu antworten ich solle selbst kommen und die
Aufklärung meiner Zweifel aus ihrem Munde hören Aber ich sollte eilen weil
Eile not wäre
    Ich flog auf das benachbarte Lustschloss wo sie ihre Niederkunft in
äußerster Schwäche erwartete um aus deren Munde die mich nie betrog die
Wahrheit zu vernehmen um bei dem Krankenbette derjenigen zu weinen die mir
immer mehr als Mutter war
    Als sie mich erblickte streckte sie die Hände nach mir aus voll Freude
mich zu sehen Seid ihr gekommen mein Sohn sagte sie ach Eure Zukunft
entzückt mich doppelt ich wünschte sie nicht allein um Euret wünschte sie auch
um meinetwillen Verzeihet den Phantasien einer Kranken mein immer schwaches
Geschlecht wird doppelt schwach in den Augenblicken in welchen ich mich
befinde Dinge welche uns sonst nie schreckten selbst Träume werden uns in
denselben furchtbar Denket was mir begegnete Als ich gestern euren klagenden
Brief erhielt hatte mich eben ein leichter Schlummer überfallen mir kam es
vor so deutlich als ob ich wachte es träte Einer an mein Bette und spräch
Irene Wittelsbach hält sich vom Kayser tödlich beleidigt verhüte die Folgen
Drauf war mirs als wäre gerade der heutige Tag und die Stunde in welcher ich
Euch jetzt vor mir sehe ich befand mich im kayserlichen Kabinet da trat einer
herein den ich den Waffen nach für Euch selbst halten musste und durchbohrte
den Kayser urteilt was nach einem solchen Traum euer verzweiflungsvoller
Brief der einen Teil meines Gesichts zur Wahrheit machte für eine Wirkung
haben musste und verzeihet dass ich so eifrig darauf drang euch bei mir zu
sehen damit nicht eine unglückliche Übereilung mein Trauerbild ganz in
Würklichkeit verwandle
    Wie rief ich kann Irene mich irgend einer schändlichen Tat die mich noch
oben drein auf ewig von Elisen trennen würde fähig halten
    Noch einmal mein Sohn verzeiht einer schwachen kranken Frau setzt euch
und sagt mir alle eure Beschwerden damit ihr dann auch meinen Trost vernehmen
könnt
    Hier begann ich mein ganzes Herz in den Busen der treuen Mutter
auszuschütten und wahrhaftig der Trost den sie mir gab tat Wunder auf meine
bekümmerte Seele Diese Frau vermochte alles über mich Ich der ich Philipps
verräterischen Brief an den Herzog von Pohlen mit eignen Augen gelesen die
Gerüchte von der kastilischen Heirat mit eigenen Ohren gehört hatte und die
Bestätigung aller dieser für mich so schrecklichen Dinge in der Botschaft des
Kaysers an mich und in Elisens Weigerung mir zu folgen vor mir zu haben
vermeinte ich horchte voll Zutrauen auf die Widersprüche die Irene in diesen
Vorgängen fand und auf die ganz andere Deutung welche sie ihnen beilegte 
Sie merkte meine Rührung und endete folgender Gestalt »Gewährt mir nur dieses
eine mein Sohn zürnet nicht mit Elisen und brechet nicht mit dem Kayser bis
ihr beide gesprochen habt Eurer Verlobten war wahrscheinlich Herzog Bernhards
Liebe zu der pohlnischen Prinzessin so unbekannt als sie mir bis diese Stunde
gewesen ist ihr verschwiegt ihr dieselbe aus Versehen oder Zufall ihr schriebt
ihr in eurem Briefe ziemlich voreilig und unbestimmt von Eurer Werbung um Adila
sie deutete diese Worte wie eifersüchtige Liebe sie deuten musste und daher
ihre kränkende Erklärung gegen Euch Was den Kayser anbelangt so wisst ihr ja
längst dass man ihm Eure Freundschaft nicht gönnte Jener Brief ist sicher
wieder ein Tück heimlicher Unheilstifter und ihr müsst seine mündliche Erklärung
darüber hören vielleicht hat er schon  denn ihr pflegt immer nicht sehr geheim
mit Euren Empfindungen zu sein  etwas von Eurem Unwillen vernommen und er ließ
vielleicht Euch eben zu sich fordern um sich mit Euch zu verständigen Wegen
der kastilischen Heirat lasst Euch übrigens nur nicht bange sein der Kayser ist
zu nichts weniger geneigt als sie einzugehen Elise bleibt die Eure und sollte
ich hierinn irren seht so gebe ich Euch Erlaubnis Elisen in meinem Namen zur
Flucht anzumahnen und sie so weit hinwegzuführen als ihr selbst wollt Die
Schwüre welche Euch beide binden sind unwiderruflich nichts kann sie lösen
als unverzeihliches Vergehen des Einen oder des Andern droht eine andere Hand
Eure Bande zu zerschneiden und wäre es die Hand eines Vaters so entbindet Euch
Furcht vor dem welcher jeden Meineid rächt von sonst unauflöslichen Pflichten
Elise flieht mit Euch sie wird Eure Gemahlin und hat wenigstens meinen
Seegen wenn ihr auch der Seegen Philipps fehlen sollte doch dies sind Dinge
welche meines Erachtens nie wirklich werden können um Eurer Beruhigung musste
ich Euch sagen was ihr auf jedem Fall zu tun habt Jetzt verlasst mich mein
Sohn das viele Sprechen greift mich an Euer nächster Weg geht zum Kayser
wohin ihr beschieden seid dann auf einige Augenblicke zu Elisen und nun in
voller Eil nach Sachsen zu Herzog Bernharden von welchem ihr wie ihr mir
gleich anfangs sagtet dringende Briefe habt«
    Die Kayserinn hatte recht auf dem Wege zu ihr empfing ich einen Brief vom
Herzog zu Sachsen der meine schleunige Überkunft forderte in der Bewegung in
welcher er mich fand war er nur halb gelesen und halb verstanden worden auch
jetzt da ich die Kayserinn auf ihren Befehl eilig verließ und ihn ehe ich zu
Pferde stieg noch einmal las konnte ich nur wenig Verstand daraus ziehen
indem er sich auf Vorgänge zu Pamiers bezog die mir ganz unbekannt waren das
einzige sah ich deutlich dass er schon lang geschrieben war schon längst in
meinen Händen hätte sein sollen und vermutlich durch Unvorsichtigkeit des
Boten oder Unfall liegen geblieben sein musste ihr Graf Adolf der wie Herzog
Bernhard schrieb zur nämlichen Zeit einen ähnlichen erhieltet könntet mir
vielleicht hierüber Auskunft eben doch hiervon ein andermahl Jetzt zur
Fortsetzung meiner Geschichte
    Aber wie soll ich dieselben beginnen da sich hier die Schrecknisse meines
Schicksals so sehr häufen dass mir bei der Wiederholung jener Vorgänge die
Gedanken fast so gänzlich vergehen als wie damals da ich diese Dinge wirklich
belebte
    Noch dünkt mich es ein Traum zu sein so wie mich es damals dünkte dass
ich mit neuen Hoffnungen aus dem Munde einer Heiligen belebt dem Unglück
entgegen eilte dass nun erst da ich glaubte Elisens Besitz sei mir durch die
Ratschläge ihrer Mutter auf ewig gesichert sie für mich verloren gehen
musste dass nun erst da mein Herz fast gänzlich mit Philipp ausgesöhnt und mit
besserm Zutrauen auf seine Treue erfüllt war man mich zu seinem Feinde ach zu
seinem Mörder machen wollte
    Wie und in welcher Ordnung all dieses geschah weiß ich fast selbst nicht
mehr die Streiche des Unglücks stürmten Schlag auf Schlag zu mir ein wie kann
ich genau sagen welcher mich zuerst welcher zuletzt traf
    Ehe ich noch die Residenz erreichte kam mir das Gerücht entgegen der
Kayser sei ermordet Himmel sei von mir ermordet von mir der ich mit reinen
Händen und ausgesöhntem Herzen kam mir den Nahmen seines Sohns aus seinem
Munde bestättigen zu lassen Kaum hatte ich das Schreckliche und Unbegreifliche
das in dieser Zeitung vereinigt war ganz überschaut so waren auch schon die
Schwerdter derer mir in dem Nacken die wie sie mir zubrüllten gesandt waren
Wittelsbach den Kaysermörder zu fahen welcher ihrer Rache nicht entfliehen
solle
    Ich ein Kaysermörder schrie ich indem ich meinen Helm vom Haupte riss und
ihnen mein entblösstes Angesicht zeigte sind dies die Züge eines Verbrechers 
und mein Weg ist er der Weg eines Flüchtigen mich dünkt doch ein solcher
würde nicht eben gerade Euch entgegen geflohen sein
    Alles teuflische Verstellung schrien sie Wir kennen den Wittelsbacher wohl
ohne sein Gesicht zu sehen wir kennen ihn wohl auch wenn er Waffen und Kleider
verändert hat Er ist der Mörder unsers Kaysers und er mag uns auf dem Wege von
oder zu der Stelle begegnen wo er das heilige Blut vergoss so soll er uns nicht
entgehen
    Ich habe es schon mehrmahl in meinem Leben erfahren dass Wut und
Verzweiflung unsere Kräfte bis zum Unglaublichen erhöht ich erfuhr es auch
hier Ich war ganz allein ich hatte meine Begleiter schon des vorigen Tages in
eine Gegend nahe bei der Residenz beschieden wo ich ihrer benötigt zu sein
glaubte und musste mich also allein gegen eine Anzahl verteidigen die ich
nicht nenne weil das Unwahrscheinliche das in der Angabe liegen würde mich
erröten macht es mochten ihrer indessen viel oder wenig sein die Otten von
Wittelsbach als einen Kaysermörder gefangen nehmen wollten genug die Unschuld
siegte und ich entkam zwar am linken Arm und an der rechten Schulter
schwerlich verwundet aber doch noch fähig mich den nachkommenden Verfolgern zu
entziehen die den ganzen Tag bis tief in die Nacht vor dem Orte wo ich mich
verbarg truppweis vorüber zogen Fluch und Verderben über Wittelsbach den
Kaysermörder ausriefen und ihm die schimpflichste Behandlung drohten wenn er
in ihre Hände fallen sollte
    Zehenmahl war ich im Begriffe mich meinen Fängern zu ergeben ich war
unschuldig und Flucht und Verbergung schien mir ein gehässiges Licht über meine
Ehre zu verbreiten der Tod war es nicht was ich scheute aber mich den
Misshandlungen unwürdiger Trossbuben auszusetzen davor bebte mein Herz ich
wollte eine bessere Gelegenheit abwarten meine Freiheit in die Hände der
Gerechtigkeit zu übergeben denn zu fragen was sie auf mich zu sprechen habe
und sie durch den Beweis meiner Unschuld zu beschämen
    Es war etwas in mir das mir sagte dies sei heute bei Tage nicht der Weg
sich zu rechtfertigen die Worte eines freien Mannes seien von mehrer Nachdruck
als die eines Gefangenen und Flucht würde hier wo jedermann von einer ganz
unerweisslichen Sache völlig überzeugt war für mich das beste sein Allein das
Wort Flucht war und blieb mir verhasst ich wollte wenigstens mein Unglück und
den wahren Grund desselben noch erst genauer wissen ehe ich demselben auswiche
    Es war Nacht meine Verfolger mussten sich in eine andere Gegend gelenkt
haben der Weg war sicher und nachdem ich mir meine Wunden elend genug
verbunden und mich mit einem Trunk aus einer nahen Quelle gelabt hatte wagte
ich mich hervor und eilte gerade auf die Residenz zu deren Tore ich
ungeachtet der späten Nachtzeit noch alle offen und die Straßen mit Menschen
gefüllt antraf Es war eine allgemeine Verwirrung alles schrie über Philipp und
seinen Mörder Das vielzüngige Geschrei das sonst bei jeder Kleinigkeit so
widersprechend ist kam hier völlig darin überein den Namen Wittelsbach und
Kaysermörder zusammen zu setzen ich war kühn genug indem ich mich dicht in
meinen Mantel hüllte nach Umständen zu fragen und man berichtete mir solche
welche mein Blut erstarren und mich fast zweifeln machten ob ich auch schuldig
oder unschuldig sei  Gott weiß ob Mensch oder Teufel sich meiner Gestalt
bediente jene Tat zu vollführen die mir ewig ein Rätsel bleiben wird und
die auch dadurch mit Wahrscheinlichkeit auf mich fiel weil man mich wirklich
vom Kayser beleidigt glaubte und weil ich im Unwillen manches verdächtige
wider ihn redete und schrieb
    In meiner Verhüllung schlich ich mich in die Hallen des kayserlichen
Pallasts wo man die Leiche des Ermordeten ausgestellt hatte um die Rache des
Volks zu reitzen die doch ohnedem so stark flammte dass man ihr kaum Einhalt
tun konnte Ich sah auf einem Sessel neben dem entseelten Körper einen
Handschuh und eine Feldbinde liegen die der Mörder im Fliehen verloren haben
sollte und erkannte beides bei genauerer Besichtigung für das Meinige
    Ein unnennbares Grauen befiel mich ob den täuschenden Anzeichen meiner
Schuld mir wars als müsste ich vor Gott und mir selbst hier ein feierliches
Zeugnis ablegen dass ich kein Teil habe an der blutigen Tat Ohne mich an die
drückende Menge zu kehren die sich an den Schranken häufte welche man zur
Sicherheit der Leiche und ihrer Hüter gezogen hatte schwang ich mich hinüber
und trat zu der Todtentruhe bei welcher nur einige Mönche mit ihren Weihwedeln
und andern heiligen Gerätschaften beschäftigt waren Armer Philipp sagte ich
nachdem ich den so schnell hingeraften Kayser eine Weile betrachtet hatte mit
halblauter Stimme zu mir selbst Armer Philipp wie bist du gefallen  Dein
Freund soll dein Mörder sein  Siehe ich lege meine Hand auf deine Stirn
Oeffene deinen Mund lass dein Blut von neuem fließen wenn es diese Hände
waren die dich verletzten  Fluch Fluch über den der dich tödtete und einen
Unschuldigen mit seiner Schande brandmarkte
    Die Mönche die mich nicht kannten aber meine Tat bemerkten und wohl
etliches von meinen Worten verstanden haben mochten sahen mich staunend an das
Volk durch welches ich mich jetzt indem ich mich langsam entfernte wieder
hindurch drängte wich mir von allen Seiten aus  Er ist hörte ich einige
flüstern der Herzog von Braunschweig der sein Gewissen reinigen und seine
Unschuld vor uns durch diese Handlung retten wollte O dies bedurfte er nicht
wir wissen es zu gut dass der Wittelsbacher die höllische Tat verübte
    Ich erfuhr in der Folge dass wirklich einige unruhige Köpfe Herzog Otten
von Braunschweig Philipps Gegner bei seinen Leben als Teilhaber dieser Tat
hatten vorstellen wollen aber diese Sage machte so wenig Eindruck dass er wie
bekannt den Kaysernahmen den er jetzt führt ohne Widerrede erhalten hat auch
ich selbst kann mich nicht überwinden hier einen Verdacht auf ihn zu werfen
    Da ich hier mein Leben so tollkühn auf die Gefahr erkannt und von dem
Pöbel zerrissen zu werden gewagt hatte so kostete es mich noch weniger
Überwindung auch an andern Orten zu lauschen und überall Bestättigung eines
Verbrechens zu hören das ich nicht begangen hatte Zuletzt ging ich nach meinem
eigenen Pallaste welcher stark bewacht ward weil der Pöbel verschiedene mahl
Miene gemacht hatte ihn zu schleifen Mir war ein verborgener Seitenweg
bekannt der durch einen verfallenen Keller in den Garten und durch diesen auf
ein Lustaus führte welches an die Seite des benachbarten Pallasts gelehnt den
die Prinzessin Elise bewohnte mir oft Gelegenheit gegeben hatte sie in der
Einsamkeit zu belauschen da ihr Kabinet dicht an die Mauer gränzte durch
welche mir ein ausgehobener gut verdeckter Stein die freie Einsicht verstattete
    In verschiedenen Beschäftigungen hatte ich hier diesen Engel oft
beobachtet schlafend betend weinend mit ihren Jungfrauen scherzend oder mit
ihnen von mir sprechend hatte ich sie hier gesehen und gehört aber so noch
nie als wie in diesem schrecklichen Augenblicke sie sprach von mir aber in
welchem Tone Sie weinte aber über mich sie betete aber wie ich glaube um
Rache über den unschuldigen Wittelsbach Alverde war ihre Gefärtinn ich weis
nicht genau was sie eigentlich sagten nur dies weis ich dass hier meine
Verzweiflung den höchsten Gipfel erreichte und den Entschluss fest machte
Elisen gewaltsam zu entführen wenn sie mir nicht gutwillig folgen wolle wär es
auch nur um sie von meiner Unschuld zu überzeugen und dann vor ihren Augen zu
sterben
    Ich riss mich los von dem grauenvollen Schauspiele eine Heilige über mich
zum Himmel hinauf weinen zu sehen ich verließ das Haus und die Stadt und eilte
zu meinen Leuten denen ich ihr Ablager in einem gewissen Dorfe angewiesen
hatte
    Ich bin Wittelsbach sagte ich indem ich unter sie trat haltet auch ihr
mich für Kayser Philipps Mörder  Sie erhuben ein großes Freudengeschrei über
meinen Anblick und einige schwuren dass sie nie etwas Böses von mir glauben
könnten andere dass sie ob ich auch der wär für den mich das Gerücht ausgäb
dennoch bei mir leben und sterben wollten
    Die Treue dieser Leute welche jetzt meine einigen Freunde waren rührte
mich ich redete mit ihnen offenherzig von meiner Lage und forderte als den
ersten Beweis dessen was sie geschworen hatten dass sich einer von ihnen
aufmachen sollte Elisen ein Schreiben von mir zu bringen indessen die andern
sich rüsteten die ihr in demselben verkündete Tat stracks zu vollführen Ich
selbst wollte bei der Entführung sein aber meine Leute welche meine Verwundung
entdeckt hatten wehrten mir drangen darauf dass ich mich der Hand des
Wundarztes untergeben müsste und gaben mir den Handschlag dass sie alles ohne
mich so gut vollführen wollten als ob ich selbst gegenwärtig wär
    Es war die höchste Zeit dass zu meinen Wunden Rat geschafft wurde welche
durch Vernachlässigung und durch die ruhelosen heimlichen Wanderungen der
vergangenen Nacht sich schon sehr entzündet hatten Ich ward ohnmächtig unter
dem Verbinden und fiel darauf in ein hitziges Fieber dass mir auf geraume Zeit
alle Besonnenheit raubte
    Als ich weit genug in meiner Genesung gegangen war um auf das was mich
umgab wieder einen Blick zu werfen erstaunte ich mich an einem ganz fremden
Orte zu sehen es war ein kleines dunkles Zimmer von einer traurigen Lampe
sparsam erleuchtet ein altes Weib saß an meinem Bette welches über die wenigen
Worte die ich ihr sagte einiges Wohlgefallen spüren ließ und ohne sie zu
beantworten aufstand um wie sie sagte ihrem Herrn Nachricht von meiner
Besserung zu geben
    Und wo ist dieser Herr stammelte ich
    Meister Paul von Eisenberg der Wundarzt antwortete sie in dessen Hause ihr
Euch schon seit drei Wochen befindet
    Meister Paul erschien und ich kannte wirklich an ihm das gutherzige Gesicht
des Mannes der bei den Schmerzen die mir neulich seine Behandlung meiner
Wunden machte so viel Mitleid zu fühlen schien Freude glänzte jetzt auf seinem
Gesicht mich so weit gebracht zu haben aber auf all meine Fragen erhielt ich
keine befriedigende Antwort von ihm sondern nur die Weisung ruhig zu sein und
für meine Genesung zu sorgen da sich alles schon geben würde
    Ach Gott was für Entdeckungen standen mir bei meiner Wiederherstellung
bevor die endlich doch erfolgte Ich hatte genug schlimmes geahndet aber doch
nicht so viel als ich nun vernahm und als mir der gutherzige Paul der meine
Lage noch nicht ganz kannte doch nicht ganz wusste was meine Seele am meisten
erschüttern musste mitunter unvorsichtig genug hinplauderte
    Sagt mir um Gotteswillen sprach ich eines Tages zu ihm wo ich mich
eigentlich befinde
    In guter Sicherheit in meinem Hause
    Kennt ihr mich
    Ihr seid der Wittelsbacher den man in sehr bösem Verdacht hat den aber ich
für unschuldig halte
    Ist der wahre Kaysermörder entdeckt
    Nein aber man verfolgt ihn in Eurer Person mit Acht und Bann
    Wo ist die Prinzessin Elise
    Vor acht Tagen ging sie mit den Gesandten nach Kastilien ab
    Meine Leute
    Die besten  bei einer Expedition deren Endzweck ich nicht genau weis
erschlagen die andern  von Euch gewichen da euch jedermann als einen
Durchächteten verließ
    Ach es war nur gar zu wahr Elise war mir geraubt war aus den Händen
meiner Leute durch den Grafen von Kastelmoro gerissen worden die tapfersten
hatten ihr Leben beim Gefecht zugesetzt die andern waren dem Glück gefolgt und
geflohen ich wär ganz verloren gewesen hätte nicht der redliche Paul sich
meiner erbarmt und mich verborgen geschützt und geheilt da die ganze Welt
nach meinem Blute dürstete
    Ich hatte nichts ihn zu lohnen da ich sein Haus verließ als einen
köstlichen Ring den er mit Unmut von mir annahm weil er meinte ich würde ihn
wohl in meiner Lage selbst brauchen können ich stellte ihn hierüber zufrieden
und konnte mit Mühe mich seiner erwehren dass er mir nicht folgte mein Unglück
mit mir zu teilen so lieb hatte er mich gewonnen ich siegte nur durch die
Versicherung über seine gutherzige Zudringlichkeit dass die Sicherheit meiner
Flucht auf der Einsamkeit beruhe
    Ich ging bei Nacht aus Meister Pauls Hause und hatte nun die weite Welt
vor mir um einen Zufluchtsort zu wählen dies machte mir keine sonderliche
Sorge ich kannte das ganze Elend meiner Lage noch nicht denn die Worte Acht
und Bann hatte ich nicht in dem ganzen Umfange genommen wie sie hier genommen
werden mussten Mein erster Gedanke war zu meiner Freundin der Kayserinn
Irene zu eilen von deren Treue ich mir Trost und Entschuldigung versprach
wenn alle Welt mich verließ und verdammte Ach ich wusste noch nicht dass sie den
Tod ihres Gemahls nicht überlebet dass kurz nach der Schreckenspost eine
frühzeitige Niederkunft ihr Leben geendet hatte
    Meine Brüder der Bischof von Bamberg und Heinrich von Andechs sollten
meine nächste Zuflucht werden aber ach sie hatte Acht und Bann getroffen wie
mich heimlos und vom Schwerdte verfolgt irrten auch sie umher wie sollten sie
mir dem Heimlosen und Verfolgten Schutz geben
    Da dachte ich an Herzog Bernharden allein wie ward mir da ich merkte dass
auch zu ihm der Weg mir verschlossen war die Kläger hatten auch vor seinem
großen furchtbaren Gericht geklagt der Richter hatte den Freund richten müssen
nicht genug dass die Hand der öffentlichen Gerechtigkeit wider mich gerüstet
war auch der heimliche Bann verfolgte mich ich war während meiner Krankheit zu
dreienmahlen vor das Tribunal geladen worden wo auch ich einst als ein Richter
tronte ich hatte nichts von der Ladung gewusst ich war nicht erschienen hatte
nicht erscheinen können nun war ich verfehmt wer sollte mich retten In jedem
meiner Schlösser das ich heimlich und zitternd besuchte fand ich dass die
Schöpfen da gewesen waren mich zu laden Sie hatten Späne aus meinen Pfosten
und Steine aus meiner Türschwelle mit sich genommen und dadurch das Signal
gegeben was dem Kaysermörder dem Durchächteten Verfehmten gebühre
    Die Wut des Pöbels war wider mich entbrannt ich sollte das Verderben des
Kaysers sein aus dem man nun erst da er nicht mehr war einen Abgott machte
Meine Burgen waren teils geschleift teils rauchende Aschenhaufen teils
verödet Wie ein gescheuchter Vogel irrte ich von einem zum andern ohne eine
Ruhestätte zu finden doch brachte ich in der Stille der Nacht wie ein Dieb
hie und da von dem Meinigen wo es die Habsucht nicht hatte ausspüren können
einen kleinen Schatz zusammen den ich als ich durch Regenspurg zog in einem
alten Gemäuer barg weil ich hier mehr als an irgend einem Orte merkte dass
meine Henker mir im Nacken waren und dass ich ihnen in die Hände fallen musste
wenn ich durch irgend was meine Flucht erschwerte
    Endlich fand ich Sicherheit in diesem wilden Walde eine klägliche
Sicherheit bei welcher ich mir nicht das Leben hätte wünschen wollen wenn mir
es nicht die Freundschaft von neuem teuer gemacht hätte ich fand dich mein
Alf von Dülmen oder vielmehr du fandst mich du suchtest mich auf da alles
mich verließ vor Mangel wär ich längst verschmachtet aus Verzweiflung wär ich
längst umgekommen wärst du nicht mein Engel gewesen
    O Adolf Adolf wie verdiente ich das um dich Unsere Freundschaft es ist
wahr war fest und herzlich aber manche drängten sich zur Zeit des Glücks
näher zu meinem Herzen als du sie haben mich verlassen nur du stehst noch
fest wie ein Fels Gott lohne dir die Treue die du einem Durchächteten
erzeigst ich kann dir sie nicht lohnen kann auf nichts denken als dir noch
neue Lasten aufzulegen die du für mich übernehmen sollst Noch drei Bitten an
dich habe ich auf meinem Herzen du darfst du kannst sie mir nicht abschlagen
du der mir schon so viel aufgeopfert hat
    Unsre Reise nach dem heiligen Lande ist nun beschlossen auch den
Hoffnungsstrahl der mir auf dieser Gegend leuchtet danke ich deinen
Ratschlägen aber wie sollen wir die Kosten der Reise bestreiten da du so arm
bist als ich du sowohl deiner Lande beraubt lebst als ich Ziehe hin dies
ist meine erste Bitte ziehe hin nach Regenspurg und hebe an dem Orte den ich
dir bezeichnen werde den Schatz den ich vergrub nimm dann zweitens diesen
Brief an Kayser Philipps Töchter sie sind grausam genug gewesen wider mich
den Unschuldigen zu klagen wider mich ohnedem Verfolgten das Schwert der
Rache noch mehr aufzureitzen dieses Schreiben soll ihnen ein wenig das Gewissen
schärfen soll ihnen das Elend schildern das ich bisher erduldete und das sie
noch zu vermehren suchen Gehen sie in sich schenken sie dem unglücklichen Otto
eine reuende Träne so bin ich befriedigt aber auf dem höchsten Gipfel der
Glückseligkeit werde ich erhoben sein wenn Alf von Dülmen mir auch meine dritte
Bitte gewährt O Adolf Adolf ich beschwöre dich bei unserer Freundschaft bei
den Geheimnissen des furchtbaren Gerichts welches mich verfolgt bei meiner und
deiner Unschuld in der wir beide leiden beschwöre ich dich spähe den wahren
Mörder Kayser Philipps aus spähe ihn aus den Teufel der auf meine Rechnung
die schwarze Tat beging und mich dadurch in den Abgrund des Elends stürzte
schleppe ihn vor meine verblendeten Richter dass er gestraft und ich
gerechtfertiget werde  O könnte dies doch vor unserer Reise nach Palästina
ausgerichtet werden die Anerkennung meiner Unschuld sollte dieselbe nicht
hindern mein treuloses Vaterland habe ich in jedem Fall auf bestimmte Zeit
verschworen aber welch ein Triumph würde es für mich sein nicht als ein
Flüchtling nein als ein freiwilliger Diener des Kreuzes die heiligen Orte zu
begrüßen O Adolf ist dir Leben und Ruhe deines Otto noch teuer so gelobe mir
alle meine Bitten gelobe mir besonders die letzte zu erfüllen«
    So endete der unglückliche Pfalzgraf seine Geschichte sie hatte meine Seele
bereits in allen ihren Tiefen erschüttert aber der Schluss überwog alles
Schreckliche das ich gehört hatte es fehlte wenig dass ich bei der
fürchterlichen Forderung die er an mich richtete sinnlos zu seinen Füßen
stürzte Ach dieser Mörder dieser Teufel über welchen er Fluch und Rache
herabrief wider den er meine eigene Faust bewafnen wollte war ich selbst Das
grauenvolle Bekenntnis schwebte auf meiner Zunge aber ich vermochte es nicht
auszusprechen Ich riss mich von ihm los um im Freien meiner Verzweiflung Luft
zu machen mein Leben hing an einem Haar mehr als einmal stand ich im Begrif
es auf eine gewaltsame Art zu enden nur Sorge um ihn den ich ins Verderben
gestürzt hatte nur Sorge um den der ohne es zu wissen nach meinem Blute
dürstete bewog mich die Tat zu verschieben was hätte aus Otto werden sollen
hätte ich jetzt schon meine Schande und mein Verbrechen in die ewige Nacht
begraben und ihn allein in der Gewalt seiner heimlichen und öffentlichen
Verfolger gelassen
    Am Abend kehrte ich in unsere Höle zurück Otto rief ich indem ich seine
Rechte mit meiner Rechten ergrif und die Linke ans Schwert legte deine
Forderungen sollen erfüllt werden auch die letzte die schwerste unter allen
soll mich nicht schrecken Kayser Philipps Mörder soll sterben sterben durch
diese Hand doch nicht eher bis du in voller Sicherheit bist Verliert sich
einst der unglückliche Alf von Dülmen du weißt nicht wie von deiner Seite so
denke an die Rache die du ihm auftrugst und beruhige dich
    Wittelsbach sah mich mit starren Augen an er konnte nicht begreifen warum
ich ihm die Gewährung seiner Bitte die wie er meinte weder viel Bedenkzeit
noch solche Umstände erforderte auf so außerordentliche Art kund tat Er fing
an zu grübeln und da er schon in wenig Stunden auf die Vermutung kam ich
müsse denjenigen kennen an dem er gerächt zu sein wünschte müsse ihm irgend
mit besonderer Liebe zugetan sein so fing ich an mich vor seinem weitern
Forschen zu fürchten er brauchte ja nur noch wenig Schritte zu tun so war das
grauenvolle Geheimnis meinem Herzen entrissen und ich stand als der gehasste
mit seinem Fluch belegte Verbrecher vor seinen Augen dieses zu vermeiden trat
ich noch in der nämlichen Nacht meine Regenspurgische Reise an in der Hoffnung
dass wenn diese geendet wäre uns die Anstalten zu unserer Wallfahrt nach
Palästina genugsam beschäftigen würden um keine Zeit zu Untersuchungen über
gefährliche Dinge übrig zu lassen
    Sie sollten ihm ewig verborgen bleiben dies war mein Wunsch auch meinen
Tod den ich ihm gelobt hatte sollte er nie erfahren ich wollte Sorge tragen
mein unglückliches Leben weit genug von ihm zu enden damit seine Tage vom
Kummer ungetrübt mein Andenken ihm heilig bliebe und er den ganzen Umfang
meines kläglichen Verhängnisses nicht eher entdeckte als in einer Welt wo
andre Urteile andre Empfindungen über Menschenhandlungen und
Menschenschicksale statt haben werden als in der gegenwärtigen möglich ist
    Nicht als glaubte ich die Ewigkeit könne die Tat die ich beging und
die zu welcher ich mich damals entschloss entschuldigen nein nur dieses hofte
ich dass kein Gram kein Mitleid dort die Freuden der Seeligen so trüben könne
als Ottos irdisches Leben getrübt worden wäre hätte er die Lage des elenden Alf
von Dülmen diesseit des Grabes erfahren
    Ich zwang mich meinen Gefühlen beim Abschied nicht freien Lauf zu lassen
und mich durch das Übermaass derselben vielleicht abermahl verdächtig zu machen
Ich verwies den zagenden Otto auf die Hoffnung des Wiedersehens von welchem ich
selbst überzeugt war und verabredete mit ihm einen Briefwechsel in einer holen
Weide am Ufer der Donau Die Vertraute unserer geheimen Korrespondenz war halben
Wegs zwischen unserer Höle und Regenspurg gelegen so dass es uns beiden gleich
bequem und gefahrlos war zu den Stunden wie sie uns die Gelegenheit darbot
und die wir einander nicht voraus bestimmen konnten einander Nachricht von
unserm Zustande zu geben oder dieselben zu finden
    Ich erreichte Regenspurg ohne Anstoß da mich die Kenntnis der
Heimlichkeiten des verborgenen Gerichts geschickt machte den Pfaden welche die
Rächer zu nehmen pflegen die auch hinter mir her waren immer glücklich
auszuweichen Ich fand den vergrabenen Schatz des Pfalzgrafen ohne Mühe und
brachte ihn auf die verabredete Art in Sicherheit seinen Brief an die
Prinzessinnen bestellte ich mit eigener Hand Beatrix von welcher man sagte der
nunmehrige Kayser habe sich ihre Liebe durch das Todesurteil über den
Wittelsbacher erkauft befand sich damals eben zu Regenspurg und ihre
Heimholung zu ihrem Bräutigam war vor der Tür Ich sah sie nicht aber ich
sah Alverden sah die Schwester welcher die Rache das Schwert wider ihren
eigenen Bruder in die Hand gegeben hatte Ich weiß sie war unwissend zu meinem
Verderben tätig aber doch wars als wenn mein Herz sich wider sie heimlich
empörte ich glaubte ihr besonders in meiner Geschichte mit Alix viel
vorwerfen zu können damit sie gern oder ungern billig oder unbillig mein
Schicksal verwirrte Doch ich bin ungerecht Ewig ewig schweige jede Klage als
die über meine eigene Vergehungen
    Alverde sah mich aber sie kannte mich nicht ob sie mich vielleicht nicht
kennen wollte flüsterte mein empörtes Herz mir zu doch nein Alverde liebte
mich immer sie war nie boshaft und das Elend macht ja jeden Menschen auch
seinen besten Freunden unkenntlich Wie konnte Alverde in einem bleichen
abgezehrten Gerippe unter einer Verkleidung von Lumpen die ich zu meiner
Sicherheit angelegt hatte ihren Bruder ahnden den blühenden Jüngling den
Prinzessinnen bewunderten den stolzen Fürsten den seine Feinde glücklich genug
fanden um ihn zu neiden und seinen Untergang zu suchen
    Noch verschiedene Umstände hielten mich in Regenspurg auf was ich zu
unserer orientalischen Reise zu besorgen hatte das musste mit der äußersten
Behutsamkeit besorgt werden und dieses erforderte Zeit Die prachtvolle
Heimholung der kayserlichen Braut ging vor sich ich sah die von jedermann
hochgepriesene von jedermann beneidete Prinzessin wie sie in ihrem Pomp daher
zog aber tiefer Gram saß auf ihrer Stirne die strahlenden Augen und der holde
Mund konnten ihn nicht hinweg lächeln Alverde ihre Gespielin barg ein
bleiches abgezehrtes Gesicht unter einem köstlichen Schleier man sagte mir
sie sei kürzlich von einer tötlichen Krankheit aufgestanden da wallte mein
Herz vor Mitleid gegen beide und ich dachte ob sie auch so schuldig sein
möchten als ich und Otto sie wähnten Dinge über welche ich nie volle
Aufklärung erhalten habe denn auch der Augenblick war nahe der mit mir und
meinem Freunde schnell und auf ewig enden sollte
    Wie werde ich die Vorgänge schildern die nur noch wie Traumbilder vor mir
über schweben Vorgänge das Werk weniger Minuten bestimmt das einst nicht
unrühmliche Leben zweier unglücklichen Freunde in Dunkelheit zu enden
Vorgänge von einem Zufall herangeführt welcher leicht durch andre Zufälle
vielleicht durch einen zeitiger oder später getanen Schritt oder ein ähnliches
Nichts hätte verhindert werden können doch hinweg mit dem traurigen Wort
Zufall wehe dem welcher an diesen blinden Götzen der Toren glaubt nichts
vermag ihn zu trösten
    Mein Briefwechsel mit dem Pfalzgrafen vermittelst der holen Weide hatte
ununterbrochen fortgedauert er wusste durch denselben alles was mir begegnet
war wusste auch die Zeit meiner Wiederkunft Von der Gefahr seines und meines
Zustandes immer deutlicher überzeugt je mehr ich von den Verfolgern die in
unsere Fußstapfen traten hier und da erlauscht hatte schloss ich keinen meiner
Briefe ohne ernstliche Anmahnung zur Behutsamkeit seine Wanderungen aus der
Höle hatte ich gänzlich auf die Stunden der Mitternacht eingeschränkt weil
diese Zeit von je her im heimlichen Gericht mehr zur Ablegung der
Rechenschaft von bereits geübter mehr zu Planen noch zu übender Rache als zu
der Tat selbst bestimmt zu sein pflegte Diese meines Erachtens
gefahrloseste Stunde sollte auch die Stunde des Wiedersehens zwischen mir und
Otto sein bei der holen Weide wollten wir uns treffen und dann unverzüglich
den Weg antreten der uns dem Arm der rächenden Gerechtigkeit am sichersten
entreißen konnte o Himmel eben dies sollte die Stelle dies die Stunde sein
wo das Schicksal auf einmal über uns beide unwiderruflich entschied
    Ich kam in der Hülle der Nacht wie ich meinem Freunde geschrieben hatte
Schon sah ich im Mondschein von weitem die Stelle wo ich ihn treffen wollte
aber der trügerische Strahl entdeckte mir ganz etwas anders als ich zu sehen
erwartete Ich erblickte nicht eine männliche sondern zwo weibliche Gestalten
Ich glaubte getäuscht zu sein und eilte näher zu kommen da sah ich noch
deutlicher zwei Händeringende Frauen über einen auf dem Boden ausgestreckten
Leichnam gebeugt da vernahm ich die Stimme ihrer Klagen mir nicht unbekannter
mein Herz zerreissender Töne Eine von ihnen sah mich kommen sprang auf und
flog mir entgegen
    Hilfe schrie sie Hilfe für einen tödlich Verwundeten
    Wo ist er erwiderte ich was ich vermag das will ich ihm leisten
    Ach nein ach nein schrie sie ihr seid ein Ritter was werdet ihr
vermögen nur Wundärzte Wundärzte sonst ist er verloren meine Hofstaat ist
nicht weit dort unten im Tal unter den Zelten Ihr seid zu Pferde eilet
eilet
    In diesem Augenblick zeigte mir der helle Mondschein dass ich mit Beatrix
sprach Ich erschrack ich weis selbst nicht warum doch wollte ich ohne zu
antworten mein Pferd herumwerfen und ihr Verlangen erfüllen als die Andere
die ich im Augenblick für meine Schwester erkannte herbeistürzte und schrie zu
spät zu spät der unglückliche Wittelsbach ist nicht mehr
    Wittelsbach wiederholte ich indem ich vom Pferde sprang und zu dem
Verwundeten eilte Die Frauen folgten mir und warfen sich so wie ich an Ottos
Seite nieder der auf den Ton von meiner Stimme die Augen noch einmal
aufschlug und schwächlich meine Hand drückte Ich sterbe Adolf lallte er Und
durch wen schrie ich durch Kalatin stammelte er und schloss die Augen
    Wird nun Kayser Philipps Tochter bald befriedigt sein rief ich indem ich
mich von dem Sterbenden zu der weinenden Beatrix wandre Kalatin der Führer
Eures Brautzugs vollbrachte doch wohl diesen Mord auf Eurem Befehl
    Schone schone ihrer Adolf schrie Alverde die mich erkannte und ihre
Arme um meinen Hals schlang
    Hinweg Schlange hinweg Brudermörderinn rief ich indem ich sie von mit
schleuderte mich wieder auf mein Ross schwang und davon sprengte um
Wittelsbachs Mörder aufzusuchen
    Ich ereilte ihn nicht weit von der Mordstelle im Tal er kannte mich so
schnell als ich ihn er sagte Worte zu mir die ich so wenig verstand als er
die meinigen Wir zogen ich drängte ihn Er floh ich war hinter ihm an Mein
Schwert verletzte ihn nicht ich wollte ihn auf dem Leichnam meines Freundes
schlachten
    Jetzt waren wir wieder im Angesicht der Frauen Beatrix stürzte sich
zwischen uns Ganz von Wut verblendet hätte ich mich nicht gescheut selbst
sie zu verwunden wenn nicht Kalatin seinen Schild vorgeworfen hätte er blutete
schon aus einer tötlichen Wunde die ich ihm in die Seite versetzt hatte Ich
fasste den Zügel seines Pferdes den er sinken ließ dorthin schrie ich dein
Leben auf dem Unschuldigen auszubluten den du schlachtetest
    Ich fällte ihn gezwungen stammelte er er fiel im Namen der Rächer die mir
das Schwert wider ihn gaben
    Stoff zu neuer Verzweiflung lag für mich in diesen Worten Ich ließ ab von
dem sterbenden Kalatin um mich von neuem auf Ottos Leichnam zu werfen ob noch
ein Leben in ihm wäre er war bereits erkaltet Voll Entsetzen fuhr ich auf
Gestorben murmelte ich indem ich über ihm hing für mich gestorben und der
an den ich die Rache zu nehmen schwur Philipps Mörder nun auch Kalatins Mörder
und der Deinige lebt noch
    Beatrix welche dicht neben mir war musste etwas von den schwarzen Gedanken
über denen ich brütete erraten Sie umschlang mich fest und beschwur mich
meiner zu schonen ich aber entriss mich ihren Armen erreichte mit einem Sprunge
das hohe Ufer und stürzte mich hinab in die Fluten der Donau wo ich das Ende
meines Elends zu finden hofte
Ich fand es nicht nur eine neue Epoche ach eine lange endlose Epoche Meine
Leiden sollten beginnen
    Wahnsinn die Frucht von einem Gedräng an die Verzweiflung gränzender
Gefühle hatte mich in den Abgrund gestürzt in welchem ich zu vergehen hofte
Noch erinnere ich mich dass die Empfindung von der Kälte des Stroms der mich
davon führte mich wie lindernde Kühlung nach der Hitze deuchtete dass der
Gedanke von der Annäherung des Todes sich lieblich mit der Vorstellung von
endloser Rube nach langer Ermattung verband nun aber auch weder Gedanke noch
Empfindung mehr sondern ein gänzliches Stillstehn aller Kräfte ein gänzliches
Nichtsein dessen ewige Dauer für einen Elenden wie mich Wohltat gewesen sein
würde
    Ach ich sollte wieder aus demselben erweckt zu neuen Qualen erweckt
werden eine Hand hatte mich gerettet welcher ich nicht dankte da ich zu
verblendet war um den Wert zu erkennen welchen auch das elendeste Leben hat
auch möchte wenn Absicht den Gehalt der Tat bestimmt meine Lebensrettung wohl
wenig Dank verdienen
    Den Leuten des Bischofs von Sutri dankte ich meine Erhaltung Ich war nur
darum mit äußerster Lebensgefahr meiner Retter den Fluten des wütenden Stroms
entrissen worden wurde nur darum mit der übertriebensten Sorgfalt gepflegt
damit durch meinen Tod nicht Geheimnisse verloren gingen welche man bei mir
vermutete und die man der sorgfältigsten Erhaltung wert hielt
    Ich habe schon im Anfang meiner Geschichte gesagt dass mein Mund und meine
Feder durch fürchterliche Eyde gebunden sich nie deutlich über gewisse
Vorgänge meines Lebens erklären werden es sind hauptsächlich diejenigen auf
welche ich nun stoße
    Sobald ich vermochte das zu überlegen was um mich her vorgieng so musste
mir schon mein Schicksal ahnden Ich sah mich fast in den nämlichen Händen in
welchen ich mich schon einmal befunden hatte da ich Gefangener des Bischofs von
 war aus dessen Händen mich der Erzbischof von Maynz errettete
    Von den Mutmaßungen kam es endlich zur Gewissheit die nämlichen
Anmutungen die nämlichen Fragen wurden an mich getan welche vordem an mich
ergiengen die nämlichen Mittel wurden gebraucht Dinge aus mir heraus zu
schmeicheln und zu foltern die man zum Teil schon recht gut wusste und von mir
nur noch besser erfahren wollte
    Es war in allen so ganz das nämliche Spiel dass mein ohnedem genug
zerrütteter Verstand oft ganz irre wurde jene und diese Epoche für ein Ganzes
und das dazwischen liegende für Traum hielt ach ein langer schrecklicher Traum
Wollte Gott ich hätte ihn nie geträumt schuldloser als jetzt könnte ich dann
der so lang so sehnlich erwarteten Nacht der Ruhe entgegen sehen  
    Meine Feinde wurden endlich müde mich zu fragen nicht mich zu quälen 
    Ademar ich habe dir die Zahl der Jahre genannt in welchen ich unter ihrer
Folter lag Zwanzigmal dem Tode nahe musste ich dennoch leben leben zu meiner
vielleicht auch zu ihrer Qual indessen ihnen immer einer nach dem andern
abtrat vom Menschenwürger schnell oder langsam dahin gerafft bis ich endlich
lauter neue Gesichter um mich sah einen Kreis von Menschen die meine Richter
sein wollten die zu gesetzten Zeiten mich vernahmen und entliessen mir drohten
und schmeichelten ohne genau zu wissen warum bloß weil sie es von ihren
Vorgängern so gesehen bloß weil sie von ihnen gehört hatten ich sei eine
wichtige Person von welcher sich große Dinge erforschen ließ
    Was dieses für große Dinge sein sollten mochte wohl endlich keiner mehr
ganz genau wissen und es kam dahin dass ich ernstlich und unter harter
Bedrohung gefragt wurde warum ich auf diesem Schloss gefangen säss die
seltsamste unbeantwortlichste Frage unter allen die ich noch von meinen
Peinigern gehört hatte es war die nämliche die ich in dem ersten Vierteil
meiner elenden Gefangenschaft tausendmahl an meine damaligen Richter tat ohne
Befriedigung zu finden Die einige passende Antwort die mir mein Gewissen gab
und die ich von denen welche ich jenesmal fragte mit Recht erwarten konnte
erhielt ich nicht es war offenbar dass ich hier nicht so lange Jahre die
Fesseln getragen hatte weil Kayserblut an meinen Händen haftete sondern aus
andern Ursachen die mir unbekannt waren und die ich also da man jetzo mich
fragte nicht angeben konnte
    Man hielt jetzt da man diese Frage an mich richtete meine vorgeschützte
Unwissenheit für hartnäckigen Starrsinn gab Befehl für mich zu neuen Foltern
und wandte mir den Rücken um vielleicht bei irgend einem frohen Gelag den
Verdruss über meine Verstockung zu vertrinken
    Beim nächsten Verhör erzählte ich zu meiner Rechtfertigung so viel von
meiner Geschichte als davon erzählbar war und verschlimmerte damit meine Lage
noch mehr Gott weiß aus welchem Umstand in derselben man mich für einen
Anhänger der waldensischen Lehren hielt Leute welche damals unter der
grausamsten Verfolgung schmachteten
    Unter diesem Namen duldete ich noch einige Jahre fort keine Befriedigung
die ich meinen Henkern gab konnte mir helfen denn die Sorge von
geheimnisvollen verborgenen Bewandnissen die es mit mir habe erwachte von
neuem und machte meine Ketten unauflöslich Ich ward unschuldiger Weise in alle
rätselhafte Begebenheiten der Oberwelt verflochten gehalten über alle
unerklärliche Dinge verlangte man von mir Aufschluss und stieß mich wenn ich
ihn nicht geben konnte noch einige Stufen tiefer ins Elend hinab
    Niemand wusste endlich mehr was er aus mir machen sollte und dieses
vermehrte die Wichtigkeit meiner Person es ward nach zwanzig Jahren die ich
nun schon in diesem Kerker geschmachtet hatte Sitte den Hüter dieses
Schlosses den man seit meinem Hiersein zehnmal verändert hatte meinetwegen
allemal beim Antritt seines Amtes besonders zu verpflichten Man wollte mich
schlechterdings nicht missen ungeachtet man nicht wusste was man mit mir
anfangen sollte wollte mir keine Linderung meines Elends gestatten obgleich
niemand mein Verbrechen kannte war entschlossen mich ehr zu töten als mir
die Freiheit zu gönnen die doch niemand schaden konnte
    O Freiheit Freiheit unschätzbarstes aller Güter was hätte ich auch jetzt
mit dir anfangen sollen nachdem ich dich nun so lange Jahre vermisst hatte Als
ein Bettler als ein kranker mutloser von Gram und Gewissensbissen
abgezehrter Greis hätte ich eine Welt betreten die mir nun ganz fremd worden
war wo niemand mich mehr kannte O Freiheit selbst dich zu wünschen hatte ich
längstens aufgehört
    Ich brachte die letzte Epoche meiner Einkerkerung bis mein Schutzengel
Ademar mir erschien in einer fast tierischen Unempfindlichkeit zu Alle meine
Gefühle alle meine Seelenkräfte waren abgestumpft wahnsinnig war ich nicht zu
irgend einer Überspannung gebrach es meinem Verstande an Kraft nein ich
befand mich in einer Art von schwerem Schlummer aus welchem mich nichts als ein
gewaltsamer Schlag erretten konnte
    Du weißt den Vorgang Ademar der dieses bewürkte Ich lebte nun dreißig
Jahre in dieser Höle Du hattest dein Amt elf Monate als Hüter dieses
Schlosses über mich verwaltet ohne deinen Gefangenen nur einmal zu sehen Man
hatte dir meinetwegen weil es Herkommens war so fürchterliche Eyde aufgelegt
dir von mir so grauenvolle Vorstellungen gemacht dass dir diese Vernachlässigung
nicht zuzurechnen ist ungeachtet derselben ermangelte ich doch nicht in meiner
Tiefe zu fühlen so gut ich damals etwas zu fühlen vermochte dass über mir ein
milderes Wesen regiere als vordem Deine Knechte denen die Sorge für mich
aufgetragen war waren unter deiner Herrschaft glücklicher und also auch milder
gegen mich Elenden ich bemerkte einigen Grad von Reinlichkeit und Ordnung in
dem was mich umgab und wär ich nicht ganz für jedes Gefühl erstorben gewesen
so würde sich bald auch die Hoffnung auf noch bessern Zustand bei mir
eingefunden haben Der kleinste Lichtstrahl der in einen dumpfen Kerker dringt
pflegt dieser holden Trösterin sonst einen Zugang zu eröfnen und sie macht dem
zu welchem sie sich gesellt immer schnell das kleinste Gute zum Unterpfand
eines noch größeren Ich war zu tief gesunken um diese süße Ahndung zu fühlen
und die merkliche Besserung meines Schicksals die mir in der Folge durch dich
zu Teil ward fand mich ganz unbereitet aber eben diese Überraschung war es
was mich aus dem Zustand meines Nichtseins weckte
    Ademar du weißt es wie du mich fandest als dir der Blitz in meinen Kerker
den Weg zeigte du weißt auch was ich nachher unter deiner Pflege ward Du
erhieltst Nachricht das Ungewitter welches im überirdischen Teil des
Schlosses zweimahl gezündet hatte habe auch in den unterirdischen Gewölben
Schaden getan einen Teil derselben eingestürzt die Fesseln von den Händen
des alten Unbekannten geschmolzen und ihn wahrscheinlich getötet  Hier
bewegte sich dein Herz gegen den Elenden den du noch nie gesehen hattest du
stiegst selbst zu mir herab um mich ins Leben zurück zu bringen wenn dieses
möglich wär Mein Anblick erschütterte dich du fandest wie du mich bereden
willst noch Spuren dessen an mir was ich ehemahls war deine Sorge um mich
ward eifriger ich erholte mich unter deinen helfenden Händen durch deine
Bemühungen um mich ward ich dir lieb du konntest du mochtest mich nicht
wieder in meine Tiefe hinabstossen du tatest zu meiner Erleichterung das was
du ohne Verletzung deines Eides tun durftest und ich  bin zufrieden höheres
Glück würde ich ja vielleicht nicht ertragen können
    Dank dir Ademar für jede Erleichterung die du mir schaftest für jeden
Trost den du mir gabst Von der Kraft zum Danken die du wieder in mir zu
wecken wusstest bis auf den sanften Schimmer des Lichts bei welchem ich dieses
schreibe nachdem ich dreißig Jahre lang in fast ununterbrochener Nacht schier
erblindet war das Größte und das Kleinste das mich erfreut alles alles danke
ich dir und der Vorsicht die dich zu ihrem Werkzeuge brauchte Ach könnte ich
dir doch auch die Vergessenheit vergangener Leiden danken aber leider findet
sich hier das Gegenteil Um deinetwillen regte ich die Qualen der Vorzeit
fürchterlich in meiner Seele auf dir zu Liebe schrieb ich sie nieder und
vergegenwärtigte mir von neuem das lang Überstandene O Ademar Ademar was ich
hier für dich tat das überstieg fast meine Kräfte lass mich die Feder
niederlegen um zu ruhen
 
                         Evert von Remen zum Beschluss
Nachwelt du kennst nun den Mann den ich deinem Urteil unterwarf kennst ihn
nach seinen eigenen Geständnissen und nach den entschuldigenden Umständen die
für ihn in dem Verhalten anderer lagen Umstände davon ihm selbst wenig bekannt
geworden ist die ich erst nach seinem Tode mit Mühe und Lebensgefahr mit
Verlust eigener Sicherheit und Ruhe aus den Winkeln in welchen sie verborgen
lagen zusammen brachte um sein Andenken bei der Welt zu rechtfertigen
    O Adolf Adolf Du musstest fallen weil man wollte dass du fallen solltest
Deine Ehrsucht nicht so wohl als ein Schicksal das ich unmöglich günstig nennen
kann erhub dich auf eine Stufe von welcher dich der Neid gar bald wieder
herabzustürzen strebte Man lockte dich aus deinem Eigentum dich desselben
desto sicherer berauben zu können du hattest Privatfeinde die dich um ihre
Absichten zu erreichen unvermerkt in die Schicksale der Großen verwickelten
bis du dermaßen verstrickt warst dass du nebst allen die man nebst dir und
durch dich stürzen wollte fallen musstest Man hatte so viel durch dich
ausgerichtet dass man dich noch ferner zu brauchen hofte Dies glückte nicht
und man warf dich als ein nutzloses Werkzeug auf die Seite du wurdest in den
Staub getreten wurdest vergessen bis beinahe nach Verfluss eines halben
Jahrhunderts die Freundschaft dich fand und mit besserm Willen als Vermögen
sich vermass dir alles wieder zu geben was du verloren hattest  Du lächeltest
ob dem Versprechen das aus meinem Munde ging Evert von Remen sagtest du das
dürftest du wohl nicht vermögen alles was du mir noch geben kannst ist ein
ruhiges Grab und eine Träne denke darauf ich werde es bald brauchen
    Was Adolf gesagt hatte das geschah Er der dreißig Jahr unter den
unerhörtesten Leiden einer harten Gefangenschaft nicht erlag er den der
wohltätige Ademar in den zehn folgenden Jahren durch milde Behandlung so weit
er vermochte sein Leben wieder lieben seine Leiden vergessen lehrte er konnte
höheren Wachstum des Glücks nicht ertragen Der Freund seiner Jugend sein
treuer Evert von Remen ward ihm wieder geschenkt alle Vorteile welche ihm
sorgsame Liebe mit einiger Macht verbunden nur gewähren konnten winkten ihm
aber  es war zu spät  Er starb des achten Tages nach unserm Wiedersehen in
meinen Armen
    Oft bin ich auf die Vermutung gekommen ob vielleicht eben unsre
Wiedervereinigung an welche sich das lebhafte Andenken der Vergangenheit so
fest ketten musste seinen Tod beschleunigte Einige seiner letzten Worte bleiben
mir immer nachdenklich O Freund Freund rief er einst nach einer der süßesten
Stunden die wir nach seiner Wiederfindung zusammen verlebt hatten du irrst
wenn du meine Freude über dich für so rein hältst als die deinige sein mag
Dein Anblick ist mir ein quälender Vorwurf was tatest du was littest du für
mich und wie habe ich dir gelohnt Ich verkannte verließ vergaß dich Wie
ganz anders würde der Weg meines Lebens gewesen sein wär ich ihn an deiner Hand
fortgegangen Der erste Schritt von dir führte mich dem Unglück entgegen aus
dem nun du mich retten musst
    Ich fühlte die Wahrheit dieser Bemerkung wohl aber ich bestrebte mich sie
zu bekämpfen Er stellte sich mir zu gefallen als ob er diesen schwermütigen
Betrachtungen keinen Raum mehr gäbe aber wer weis ob sie nicht in der
Einsamkeit doch zurück kehrten und seinen dünnen Lebensfaden vollends abnagten
 
                                    Fußnoten
1 1408 veranstaltete Kaiser Ruprecht die ersten Untersuchungen zu Reformation
der Freigerichte
2 Der Herzog von Sachsen war oberster Stuhlherr aller Freigerichte
3 Registr Innocent III
4 S Dekret Greg IX
5 Registr Innocent III
6 Die Entstehung der Inquisition so wohl als die Stiftung des Dominikaner und
Franziskanerordens fällt in diese Zeiten
7 Welches aber erst mehrere Jahre nachher 1215 geschahe da Innozens III wider
den unglücklichen Grafen von Toulouse das Kreuz predigen ließ wie gegen Türken
und Ungläubige und alle christliche Fürsten wider ihn aufregte
8 In jenen Zeiten begann man dem Golde alle Wunderkräfte zum Besten der Menschen
zuzuschreiben der Leser verzeihe dem Pfalzgrafen sein unrichtiges Gleichniss
einer Dame zu schmeicheln lässt auch wohl ein Liebhaber des achtzehenden
Jahrhunderts sich etwas ähnliches zu schulden kommen
9 Die rote Erde war der Name welcher Westphalen als dem Vaterland der
Vehmgerichte in der geheimnisvollen Sprache der Wissenden gegeben wurde
10 Beatrix soll ihrem Gemahl außer andern Schätzen 150 Schlösser zugebracht
haben die ihr durch Erbschaften zugefallen waren
11 Sie ward in der Folge an den Herzog von Brabant vermählt
12 Nicht in verschlossenen Sälen am liebsten unter freiem Himmel auf grünender
Erde sollen die heimlichen Richter ihre Sitzungen gehalten haben
13 Adelheit einer Aebtissinn von Quedlinburg
14 Die Fabulisten der grauen Vorzeit denen wir die umständlichsten obgleich
eben nicht die wahrscheinlichsten Relationen von diesen geheimnisvollen Dingen
schuldig sind behaupten Karl der Große habe den heimlichen Richtern den
Blutbann mit der Bedingung verliehen dass nur die Nacht ihre Vertraute sein die
Morgenröte nie ihre Versammlungen erblicken solle
15 Name der Formel wie sie zu dieser Absicht in den damahlichen Gerichten
üblich gewesen sein soll