1778-81_Hippel_Lebenlaeufe.html




        
                          Theodor Gottlieb von Hippel
                      Lebensläufe nach aufsteigender Linie
                            nebst Beilagen ABC.
                                  Erster Teil
 Ich  Halt  Ein Schlagbaum  Gut  wohl  recht wohl  Ein wachhabender
Offizier  wieder einer mit einem Achselbande zu Pferde  zu Fuß  von der
Leibgarde  von der Garde der gelehrten Republik  ich ehr Ihre Uniform meine
Herren und damit ich Sie der Mühe überhebe mir die üblichen Fragstücke
vorzulegen mögen Sie wissen dass ich wie der Pass oder Taufschein es ausweiset
ein Schriftsteller in aufsteigender Linie bin In den folgenden zwei Bändchen
welche ich wenn Gott Leben und Gesundheit und Lust und Liebe zum Dinge
verleihet künftige Messe zu liefern willens bin wird mein Lebenslauf bis zu
einer sächsischen Frist vor der Messe fortgesetzt werden Im vierten Bändchen
werde ich den Lebenslauf meines Vaters und im fünften den Lebenslauf meines
Großvaters erzählen auch alles nach Gestalt und Gelegenheit der Umstände mit
unumstösslichen Urkunden belegen Dieser Plan soll darum noch mehr Eigenes haben
weil ich den Lebenslauf meines Vaters und Großvaters Berg ab erzählen will da
wir jetzo nur Berg auf zu gehen gewohnt sind Ich werde von der Zeit da mein
Vater Pastor in Kurland war anfangen und bei seiner Wiege aufhören und so
solls auch mit meinem Großvater werden der in meiner Geschichte eher sterben
als geboren werden soll Wurzeln Zweige und Blätter haben einerlei Struktur
Begrabe die Zweige in die Erde und lass die Wurzel in die freie Luft gen Himmel
sehen es wird ein Baum
    Vorderhand sei es meinen Lesern genug in Beziehung auf mich von dem vierten
und fünften Bändchen wobei ich die Beilagen nicht ausschließen will zu wissen
                                      HVIC
                                   MONVMENTO
                                    VSTRINVM
                                   APPLICARI
                                   NON LICET
Ich rate zu keiner Justinianischen Übersetzung dieser Stelle 1 2 § 27 Kod
de vet jur enucl kata poda und da Vorrede die Nachrede hindert mögen sich
meine Leser wohlbedächtig merken
                   O dynamenos telein dynatai kai mh telein
welche Stelle sie nach Herzenslust verdolmetschen können
    Es ist die höchste Zeit dass ich wieder auf mich selbst und auf den Daumen
Zeige und Mittelfinger dieses Werks zurückkehre Gibt es nicht wie es am Tage
ist sogar der heiligen Schrift Spötter Wie sollt ich also wohl nach Art jenes
Pharisäers mit den Worten an den Altar treten
                 OydA an o Momos eph toge toioyton mempaito
Übrigens gestehe ich herzlich gern denen Erzählern ein vorzüglicheres
Verdienst sowohl in Absicht des Ellenmasses als der Würde zu welche bei jedem
merkwürdigen Vorfall außerhalb ihren Grenzen einen Wegweiser aufrichten und ihre
Leser zur Nutzanwendung auf Lehre und Trost bringen Ich werde mich so nehmen
wie ich mich finde Wer auf eine Schüssel mehr oder Salat Sardellen Kaviar
Austern und andere Zusätze Leckerbissen und Noten lüstern ist lasse sich
anrichten was ihm gefällig ist und tue was er nicht lassen kann So lange
meine Leser gehen können will ich ihnen keine Krücke geben wenn sie selbst
eine Dose haben warum soll ich ihnen mit meinem St Omer an die Hand gehen es
braucht vielleicht mancher Espagnol Tonka HavannaRapee und wenn sie selbst
wissen dass sie Menschen sind wie sollt ich sie wohl all Augenblick mit einem
Stehe Wanderer oder Leser pfänden und ihnen wiederholen dass sie sterben
müssen auf dass sie klug werden
    Mein Wahlspruch ist I licet
    So wie aber die Grabmäler der Alten wo man seit einiger Zeit einige setzen
hinzu »Gott sei gelobt« andere »Gott seis geklagt« auch in Gott ruht
nachdem man sich vor diesem scheute der selige L Annaeus Florus der wohlselige
C Plinius Kaec Sec der hochselige M Tullius Cicero und der höchstselige
Marcus Aurelius Antoninus Armenicus Particus Maximus zu sagen
    So wie die Grabstätten der Alten mit den allgemeinen Landstraßen verbunden
waren um den Reisenden anzuhalten so ist es zwar Regel für mich den geneigten
Leser sich selbst zu überlassen
                      coelo tegitur qui non habet urnam
Doch wo ist Regel ohne Aber Was sich ein paar handelnde Personen auf dem
Theater unter vier Augen sagen gehört ohnehin mit zur Handlung und mir stand
es wohl am wenigsten zu in einer wahren Geschichte Leuten das Wort aus dem
Munde zu nehmen und ihnen ein Stillschweigen aufzulegen
    Gott mit Ihnen meine Herren und auch mit meinem kleinen Leopold der mir
eine Sündflut mit dem Tintefass gemacht hat
    Die Mutter will dich 
    Lass mich hier lieber Vater 
    So lass das Tintefass 
    Ich will auf deine Schulter 
    Nur nicht ins Buch 
Der kleine Junge hätte vielleicht Ursach es übel zu nehmen dass ich die erste
Stufe überschreite und nicht von ihm anhebe Ich könnte freilich bemerken dass
er kein Sanguinolentus gewesen sondern fast wie Klodius Albinus ganz sauber und
schön zur Welt gekommen wenn er sich nicht eben jetzo mit Tinte besudelt hätte
Wenigstens bist du lieber Junge 
    Fall nicht
»ich werd nicht« beim Publikum nicht präscribirt ich habe dich einschreiben
lassen und ein größeres Pflicht oder Kinderteil gebührte dir in diesem Werke
nicht Der arme Junge gestern war er zwei Jahr und heute zwei Jahr und einen
Tag bisher war er gesund wie ein Fisch und auch beinahe ein so großer Liebhaber
von kaltem Wasser wie ein Fisch heute 
    »Was schreibst du« 
dass du ungeduldig auf die Zähne bist die sich melden lassen und nicht kommen
wollen
    Dass ihr nur wenn ihr kommt einem Pfirsichkern zu seiner Zeit zeigen könnt
wer ihr seid und dass eine Kraft von achtzehn bis neunzehnhundert Pfund in euren
Grenzen wohne Der Himmel helfe meinem Leopold und mir und uns allen
    Ha eine andere Art dienstbarer Geister ungebetner Gäste unlieblich
anzusehen  zu dienen  damit es die Herren Besucher und Versucher
Torschreiber Acciseeinnehmer Kassirer Rendanten und überhaupt alle Zöllner
und Sündergesellen nur auf einmal wissen ich und kein anderer hat dieses Buch
geschrieben Wer von den Herren sich aufs Würdigen versteht wird es schwerlich
auch selbst auf den ersten Blick für Kontrebande und auswärtiges Gut sondern
für das was es ist deutsche Fabrik halten Hiesige Wolle ich bitte Hand aus
Werk zu legen den Puls dieses Buchs anzufühlen kann ich nicht sagen so sehr
ich ihnen auch Quacksalberehre zu erzeigen Lust habe hiesiger Stuhl hiesige
Zeichnung alles hiesig  die Herren selbst aber scheinen nicht von hier zu
sein und sich auf Blick und Griff Auge und Hand nicht verlassen zu können 
Nun so verlassen Sie sich auf mich und wenns wider Ihre teure Amtspflicht
ist sich auf ehrliche Leute zu verlassen schreiben Sie in Ihre Kladde in Ihr
Hauptbuch Diarium und Exercitienbuch  was die Feder will Diese Worte werden
wohl wie ich glaube an Ort und Stelle sein Von Aristarch hat keiner einen
Zug wohl aber vom bankerottirten Kaufmanne Sprachmeister Zeichendeuter
Altflicker usw Von asteriskois und obeliskois hab ich also nicht reden
können womit der Homer plombirt wurde denn da wett ich Homer ist Ihnen eben
so unbekannt als es meine insbesondere Hochzuehrende Herren meine Wenigkeit
bis heute wird sein der   gewesen Berge und Täler kommen nicht zusammen
wir aber sind leider so nahe bei einander dass wir uns mit der Hand reichen und
eins versetzen können Ich weiß Sie verschonen nicht Säuglinge nicht
Ungeborne wie sollte also mein Leopold auf der Schulter ohne Kopf ober
Magensteuer wie mans nennt abkommen Wenns einmal Sitte in Deutschland ist
so seis Du sollst dem O der da drischet nicht das Maul verbinden Item ein
Arbeiter ist seines Lohnes wert schreibt Dr Martin Luther in seiner Haustafel
etlicher Sprüche für allerlei heilige Orden und Stände dadurch dieselben als
durch ihre eigene Lektion ihres Amts und Diensts zu ermahnen Die
Rechnungsableger lassen oft mit gutem Bedacht Fehler stehen um den Abnehmern zu
Noten Zeit und Raum zu lassen »Sonst« sagen die klugen Haushalter »fangen
diese Notenkünstler es bei der Person an da sie doch nur bei den Zahlen bleiben
sollten« Das hatte ich noch auf dem Herzen eh ich mich empfehlen konnte
    Plus cautionis in re est quam in persona heißt auf deutsch beschließen
Sie was Sie wollen über mein Buch meine Herren nur meine Person lassen Sie in
Ruhe
    Sei mir tausendmal willkommen süßes oder besser angenehmes Wort Man sagt
angenehme Ruhe Schlafen Sie wohl oder eigentlich gesund meine Herren
Klaudatur Parentesis würde ich sagen wenn ich nicht den wahren Antipoden von
einer Parentese gebraucht und eben hiedurch ein neues epochemachendes
Interpunktionszeichen erfunden hätte
    Was meint  ihr Herren majorum gentium soll ich mit einem großen I anfangen
oder mit einem kleinen
    Den Schlagbaum auf
    Ich bin in Kurland auf dem Kirchdorfe  geboren wo mein Vater Prediger
oder nach der deutschen Landessprache Pastor nach der curischen Basinzas
Kungs oder Basingkungs wie die Letten der geliebten Kürze wegen sprechen war
Zu seinem Zeichen würde ich hinzusetzen wenn dieser Ausdruck nicht so viel
Devalvation gelitten dass ich meinem Vater dadurch keine sonderliche Ehre
einbringen würde Es war seine Kirche eine Kirchspielskirche oder eine solche
wobei wegen des KompatronatRechts des Adels manche Pistole wiewohl nur nach
väterlicher Weise in die freie Luft losgeschossen worden bis solches endlich
unter einigen Daumschrauben dem Kirchspielsadel ich glaube von Herzog Friedrich
Kasimir zugestanden worden Ich kann nicht sagen dass mein Vater eine
vorzügliche Neigung gegen mein Vaterland hatte und wenn ich einem
Erdbeschreiber hiedurch irgend einen Gefallen zu erzeigen wüsste was könnt ich
nicht für ein Breites und Langes über die drei Namen Kurland Lettland und
Semgallen an ihn endossiren welches aber alles zu keiner Lobrede auf Kurland
dienen würde So viel ist gewiss dass mein Vater niemals zugeben wollte dass
Kurland vom Fluße Chronus herkäme wodurch die Memel angedeutet würde obgleich
ihm solches sehr wahrscheinlich vorbuchstabirt wurde Die Curländer sagte man
wohnten um den Chronus sie wollten ihr Land von Preußen unterscheiden und
bearbeiteten und drechselten so lange die Buchstaben und Sylben bis endlich so
wie in der heiligen Schrift herauskam was zu suchen war Es ist viel von
Gottes Wort zu sagen sagte mein Vater Ein guter Freund von Kurland und von
meinem Vater spielte eine andere Karte aus »so stammt es von Cur oder Cursemme
welches so viel als ein Land das an der See liegt andeutet« allein er gewann
sein Spiel nicht Nichts sagte mein Vater Der gute Freund fuhr fort »vom
kleinen Könige Curo von den Curaten oder von den Curiaten oder«  »Nichts
alles nichts  Es würde nicht verlohnen diese Fibel über den Namen von Kurland
weitläuftiger zu machen und sie wegen Lettland und Semgallen über welche Namen
mein Vater eben so wenig nachgebend war mit Anhang und Zugabe zu verstärken
Mein Vater hatte nach dem Ausdrucke eines Weisen des Altertums zwei
Vaterlande eines wo er geboren war und eines wo er lebte eines der Natur
und eines des Schicksals und man traf bei ihm was man gewöhnlich zu treffen
pflegt dass man das Vaterland der Geburt dem andern oder die Mutter dem Vater
vorziehet Wenn der gute Freund am Ende zum Unwillen überging wurde mein Vater
ein Philosoph Zum Curländer konnten ihn weder gute noch böse Gerüchte bringen
    So wollen Sie denn fing der Freund an nachdem mein Vater mit vieler
Gelehrsamkeit die Geburt und Abkunft der Namen Kurland Lettland und Semgallen
bestritten hatte so wollen Sie denn den Herzogtümern Kurland und Semgallen die
ehrlichen Namen absprechen
    Lieber curischer Freund antwortete mein Vater unbiegsam wie der curische
Käse doch auch so dicht und fest wie er Niemand kommt aus seinem Vaterlande
Seitdem die neue Welt entdeckt worden ist sie ein Teil von unserm Geburtsorte
Bin ich im Gefängnisse beim Gastmahl am Hofe in der Stadt auf dem Lande in
Mitau im   Pastorat ich bin beständig zu Hause Ein Tor sagt dass er
vertrieben sei ein Weiser hat nur eine Reise unternommen wenn er im Exilium
ist Oft ist man in seinem Vaterlande ein Sklave und im Exilio in Freiheit Kann
man denn mehr als leben und sterben man sei in Rom oder in Tunis Tristia und
Briefe aus Ponto sind Räusche eines Dichters Ein Weiser kann selbst Ach nur
halb aussprechen wenn er leidet obschon das Wort nur drittalb Buchstaben und
wenn man ganz ehrlich sein will kaum eine ordentliche Sylbe im Vermögen hat
Wer sich angewöhnt hat bloß zu essen was sättiget und bloß zu trinken was den
Durst stillet findet überall eine offene Tafel Wo mir wohl ist da ist mein
Vaterland und der Gerechte ist auch im Tode getrost Wer aus Athen ist weiß
nicht von wannen er kommt und wohin er fährt Der Weise ist aus der Welt «
    Auf die Frage Was für ein Landsmann antwortet Diogenes für mich
kosmopolits die Sonne Freund ist die Fahne der wir geschworen haben Die
Erde ist unser aller Mutter Saure Grütze und Bierkäse ein paar curische
OriginalEssen sind wie Pfirsichen und Melonen eine Gabe Gottes Wers mit
Danksagung empfähet ist ein Weiser Auch in Kurland gibts Knochen die Mark
haben Gott ist überall er der nicht Lust hat an Kavallerie oder Stärke des
Rosses noch Wohlgefallen an Infanterie und jemandes Beinen sieht nur auf die
die seinen Namen fürchten und auf seine Güte hoffen Heute ist ein Land frei und
morgen liegts einem Tyrannen zu Füßen der seine Hand ins warme Blut des
Erstgebornen eines Verteidigers seines freien Vaterlandes eintaucht um das
schreckliche Jahr da die Freiheit unterging am aristokratischen Altar am
Ratstisch anzuzeichnen Freund was meinen Sie wenn wir je solche Blutzahlen
sehen sollten Lassen Sie alles ruhig im Vaterlands sein ein Prophet gilt doch
nicht wo er geboren ist Wie gings dem Aristides dem Epaminondas In der
Fremde sein heißt in die Hand Gottes fallen in seinem Vaterlande ist man
wenns hoch kommt in der Hand der Menschen gemeinhin in der Hand seiner
Feinde Und wie soll man sich gegen sein undankbares Vaterland führen Wie gegen
einen Vater der eine Mutter ohne Ursach verstösst wie gegen eine Mutter die
zum zweitenmale heiratet Diese bleibt Mutter jener Vater Bei diesen Sprüchen
wars dem Freunde so als wär er selbst nicht mehr in Kurland als hätte er der
Sonne geschworen Es schien ihm mein Vater hätte das Feld behalten der kleine
König Curo aber und die Curaten oder Curiaten wären in die Flucht geschlagen
Mein Vater befestigte was er erobert hatte mit ein paar griechischen Sprüchen
die seinen Feind um so mehr abhielten weil er kein Wort griechisch verstand
Andri sopo fing mein Vater an pasa gh bat
pyxhs gar agats patris o xympas kosmos
Und gleich darauf
epei ti dei brotoisi plhn dyoin monon
Dhmhtros akts pomatos dA ydrhxooy
aper paresti kai pepyxAhmas trepein
    Es pflegte der gute ehrwürdige Mann von Kurland zuweilen als von einer
Herberge zu reden wo man sich oft länger als man wünscht weil der Reisewagen
gebrochen ist aufzuhalten gezwungen sieht Bei mir zu Hause essen wir um diese
Zeit Spargel pflegte er zu sagen bei mir zu Hause raucht man um diese
Jahreszeit eine Pfeife Tabak in der freien Luft bei mir zu Hause hat man
Trauben und den Wein bei der Quelle So ungern er also auch im Herzen in Kurland
zu sein schien und so oft er im Stillen durchs Fenster gesehen haben mag ob
der Reisewagen noch nicht in Ordnung wäre so hielt er dennoch mit seiner
Abneigung zurück Der Freund mit dem sich mein Vater auf der vorigen Seite
duellirte und noch ein Secundant waren die HauptsiegelBewahrer dieses
Geheimnisses und auch die einzigen mit denen er griechisch sprach ohne dass die
guten Leute es verstanden Wer ihn aber nach seiner Heimat fragte sein Weib
und Kind und seine zwei griechischen Freunde nicht ausgenommen setzte ihn und
sich selbst einer großen Verlegenheit aus
    Bei mir zu Hause fing er wie gewöhnlich an  und ich war noch im zartesten
Alter als ich ihn fragte lieber Vater wo ist dein Haus wir wollen hin du
die Mutter und ich Ist es wohl so schön als dieses hier Ich zeigte ihm meines
von Blättern Nimm mich ja mit wenn du nach Hause gehst oder lass mich wenn
ich größer werde allein  Wo Wo  rief er ganz ängstlich Meine Mutter
welche eben seinen Kragen zurecht legte ließ diesen heiligen Halsband fallen
sprang schnell auf und ging davon als ob sie auf allen Anteil von meiner Frage
und der künftigen Antwort Verzicht täte Sie war indessen wie ich es offenbar
merkte nach der Weiberweise nur bloß dem Auge meines Vaters entgangen Obs
mein Vater gemerkt habe zweifle ich denn er hatte sich auf dem Wege nach
seinem Hause so sehr verirrt dass er nicht aus noch ein wusste Vielleicht sagt
er es dem unschuldigen Kinde dachte meine Mutter ohne Zweifel da sie sich in
der besten Ordnung zurückzog wovon er dir allemal ein Geheimnis gemacht hat
Lieber Sohn fing mein Vater an als ob er von einem Vorbeigehenden wegen seiner
Reise eine Auskunft erhalten oder in eine Reisekarte gesehen hätte  und meine
Mutter machte die Kammertüre hinter welche sie sich weislich gestellt hatte
drei Zoll weiter auf  im Himmel ist unser wahres Vaterland hier unten sind wir
Fremdlinge und suchen das was droben ist Wir sind in Hinsicht unseres Körpers
Gottes Pilger in Hinsicht unserer Seele Gottes Bürger Als die Pilgrime heißt
es darum führt einen guten Wandel 
    Zu Hause nimmt man sich vieles so übel nicht Man vernachlässigt sich tun
Sie doch als ob Sie zu Hause wären sagt man Auf der Reise sind wir auf uns
aufmerksamer Die Welt ist für einen klugen Reisenden höchstens eine Hauptstadt
Er lässt sich das Merkwürdige zeigen für einen Gelehrten eine öffentliche
Bibliothek er sieht die Titel Beide bestellen Postpferde Plus ultra
    Hiebei sah mein Vater so gerührt aus dass wenn ich nicht seinen Worten
geglaubt hätte ich jedennoch jedem ehrwürdigen Zuge seines Gesichts hätte
beipflichten müssen auch wenn ich noch einmal so alt gewesen wäre als ichs
nicht war Wie böse meine Mutter über den Himmel geworden weiß ich nicht
allein ich hörte und mein Vater der nun wieder an Ort und Stelle war musste es
auch hören dass sie die Türe zuzog als ob sie nicht die mindeste Lust zum
Himmel hätte Ohne Zweifel hat sie dieses unvermerkt tun wollen um ihre
Neugierde zu verbergen indessen machte das plauderhafte Schloss ein unzeitiges
Geräusch und wurde dafür den folgenden Tag da mein Vater eine Beichtandacht
besorgte ausgebessert So viel ist gewiss dass der liebe Mann durch diese
Antwort die zwar mich nicht aber meine Mutter befriedigen konnte mich
wiewohl ohne daran Schuld zu sein auf den Gedanken brachte dass man im Himmel
früher als in Kurland Spargel ässe gleich früher in der freien Luft eine Pfeife
rauche Trauben hätte und den Wein aus der Quelle schöpfen könnte Tausend
andere Dinge die er nachher meiner Mutter erzählte wie es bei ihm zu Hause
wäre kamen alle bei mir auf die Rechnung des Himmels und ich war zuletzt dort
eben so bekannt als auf unserm lieben Dörflein wo ich über jedes Huhn hätte
urteln können wenn über dessen Eigentum ein Streit gewesen wäre Manches kam
mir freilich sehr bedenklich vor worunter zum Exempel war dass man bei ihm zu
Hause ohne Nacht oder Unterhemde ginge und zu seiner Zeit lange Manschetten
die meine Mutter Handblätter nannte getragen hätte Eines Tages da ein
Literatus welches in Kurland eben keinen Gelehrten sondern ein unselig
Mittelding von Edelmann und Bauer bedeutet mit ungewöhnlich langen Manschetten
bei uns des Mittags aß musste ich glauben dass er ein Himmelsbürger und
Landsmann meines Vaters wäre und wegen des ganz ungewöhnlichen Masses seiner
Handblätter schon etwas mehr als ein andrer im Himmel gelten müsste Kaum hatte
er nach meiner Meinung das Jammertal unseres Pastorats mit den seligen
Wohnungen der Gerechten verwechselt kaum sag ich war er fort so fragt ich
meinen Vater was ihm der gute Freund für Nachrichten aus dem Himmel gebracht
hätte und mein Vater nahm Gelegenheit mir die wahren Begriffe von jener Welt
beizubringen denen mein Herz und Seele auf dem halben Weg entgegen kam oder
beide Glaubenshände zureichte so dass mithin dieser Literatus der des Mittags
bei uns einen vortrefflichen Kalekutschen Hahn verzehren geholfen meinen
falschen Himmel zu reiten mitnahm
    Mein Vatter war wenn ich so sagen soll geboren von der andern Welt zu
reden Seine Seele man fühlte es war im Buche des Lebens eingeschrieben und
einer Veredlung durch den Tod so gewiss dass wenn er davon sprach man glauben
musste er würde verklärt Drei Vierteil war er dort und nur ein Vierteil hier
Gott schenke mir wenn mein Stündlein vorhanden ist die Empfindungen die
damals in meiner Seele hervorschossen als er mir den Himmel zeigte Mir fielen
die Worte aufs Herz In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen  Mein Vater
war ein Kind um mit einem Kinde zu reden und ich fand an mir erfüllt was von
den Kindern geschrieben steht ihrer ist das Reich Gottes
    Aber wo muss denn das Haus meines Vaters sein dachte ich allein ich
unterstund mir nicht danach zu fragen denn so jung ich war so merkt ich
doch dass er seine Ursachen haben müsse es zu verschweigen
    Meine Mutter wie ich sowohl diesesmal als bei andrer Gelegenheit sehen
konnte hatte mein Vater gleichfalls keinen Daumenbreit über fünfzig Meilen in
die Länge und zehn zwanzig bis dreißig in die Breite als so viel die Grenzen
von Kurland ausmachen mitgenommen daher sie eben so wenig als ich den Ort
seiner Geburt wusste Die neue Welt pflegte sie zu sagen ist entdeckt deines
Vaters Vaterland würde dem Kolumbus mehr Schwierigkeiten gemacht haben
    Was bei dieser väterlichen Verschwiegenheit einem jeden besonders vorkam
war die Gewohnheit meines Vaters alle Augenblicke zu erwähnen wie es bei ihm
zu Hause sei Er kam darüber bei Leuten in Verlegenheit die er nicht wie mich
mit dem Himmel abfertigen konnte allein ehe man sichs versah war er nicht
mehr in Kurland
    Ich bemerkte auch nachdem ich größer war dass die Leute über diesen Punkt
mit dem guten Manne ein förmliches Mitleiden zu haben schienen so dass sie dabei
die Achseln in die Höhe zogen als über einen Menschen der so lange vernünftig
wäre bis er auf sein Vaterland käme und alsdann scheu würde Es war daher zum
Sprichwort bei vielen geworden »das ist so unbekannt als des Pastors 
Vaterland«
    Oft traf es sich dass die ganze Tischgesellschaft still ward so bald er nur
die Anfangsworte bei mir aussprach und dieses ist die natürliche Folge wenn
jemand rot zu werden Ursach gefunden Ein einziger hat nur die Elektrisirstange
angefasst allein sie fühlen alle den Schlag Es herrscht eine feierliche
Stille jedes spielt mit Messer und Gabel oder dreht sich Pillen von Brod Nach
einer Weile putzt der welcher zu den wenigsten Empfindungen aufgelegt ist das
Licht wenn es Abend ist oder hustet wenn zu Mittage gegessen wird ists
außer Tisch so spricht er »besondere Witterung« oder bittet um Tabak »der
meinige« setzt er hinzu »ist so dürr wie Sand« dieses alles tat gewöhnlich
meine liebe Mutter wenn mein Vater einen Kreuzzug über Land unternommen hatte
allein gewiss nicht weil sie dabei unempfindlicher sondern weil sies gewohnter
war wie alle übrige und weil sie die beklommene Gesellschaft gern wieder ins
Freie in die frische Luft bringen wollte Oft stand ich mit dem Gedanken auf
und schlief mit dem Gedanken ein warum sagt er denn nicht wenigstens seiner
Familie wo man um diese Jahreszeit Spargel isst wo man um diese Zeit eine Pfeife
in der freien Luft raucht wo man Trauben hat den Wein bei seiner Quelle
genießt und welches mich am meisten interessierte lange Manschetten trägt
    So geheim mein Vater mit seinem Vaterlande und seiner Familie war so
freigebig war meine Mutter so oft sie von ihrer Familie etwas zu erzählen
Gelegenheit hatte Sie wusste sich sehr viel damit dass sie wie sie sagte aus
dem Stamme Levi wäre und zählte fünf Priester oder damit die in Kurland
herrschende luterische Kirche kein Ärgernis nehme PredigerAhnen von Vater
und vier von mütterlicher Seite Einer ihrer Ahnherren war Superintendent und
zwei waren Präpositi gewesen Sie rechnete sich wiewohl von der Seitenlinie zu
den Verwandten des Superintendenten Paul Einhorn dessen Vater Alexander Einhorn
 der zweite curländische Superintendent gewesen war und wenn sie an den Eifer
dachte mit welchem der Ehren Paul Einhorn sich der Annehmung des
gregorianischen Kalenders widersetzte so schien es dass sie der nämliche
Einhornsche Eifer beseelte Es hat dieser würdige Eiferer sich die
Kalendermärtyrerkrone errungen indem er im Jahr nach Christi Geburt 1655
Dominica XI post Trinitatis auf der Kanzel mitten in einer Kalenderpredigt
blieb und sein ruhmvolles Leben mit den Worten »verflucht sei der Kalend« 
sanft und selig endigte Mein Vater schien beständig besorgt zu sein es würde
meine Mutter eine Märtyrerkrone in ihrem Bluträchereifer überraschen weshalb er
sie bei der Hand zu nehmen und zu sagen pflegte »fasse dich mein Kind die
Sache ist beigelegt wir schreiben heute den  VI « Meine Mutter hielt
indessen bis an ihren Tod den gregorianischen Kalender für ein ketzerisches
Buch und ließ sich nie Ader wenn im Kalender das Zeichen zum Gutaderlassen
stand Es musste kein Haar im Pastorat verschnitten werden wenn der Kalender
hiezu anriet und alles was sie nur erreichen konnte mahnte sie ab Holz zu
fällen Kinder zu entwöhnen oder sonst eine Medizin zu brauchen wenn der
Kalender es gut fand Es war ein Glück für sie dass diese ungestempelten Tage
die meiste Zeit für sie und die lieben Ihrigen gut ausfielen es war aber ein
Unglück für den gregorianischen Kalender denn sie nahm eben hiedurch einen
Grund mehr dawider zu reden und dem Herrn Superintendenten Einhorn zu
parentiren
    Ich würde mich um alles in der Welt nicht unterstehen in Absicht der Ahnen
meiner Mutter ein Schriftsteller in aufsteigender Linie zu werden und meine
Leser verlieren auch durch die Erzählung der rühmlichen Taten Schlachten und
Siege nichts wodurch sich meine Vorfahren mütterlicher Seits von der geraden
und Seitenlinie um die Kirche verdient gemacht Sie nannte sie oft
Kirchensteine um alles zusammen zu fassen Dieser hatte lettische Lieder wie
sie sagte aus freier Faust gesungen jener einige übersetzt ein anderer hatte
sich dem Superintendenten Daniel Hofstein welcher den Exorcismus bei der Taufe
der fürstlichen Kinder weggelassen mit Hand und Fuß ich brauche ihre eigenen
Ausdrücke widersetzt und ihn dem Teufel übergeben der nach seiner
wohlehrwürdigen Meinung die Komplimente nicht erwidern würde die ihm der Herr
Superintendent machte ein anderer hatte die Ostereier in seiner Gemeine
abgestellt welches wie meine Mutter behauptete ein aus andern Ländern nach
Kurland gebrachter nicht allgemein im Schwange gehender unchristlicher
Gebrauch wäre und dieser gute Mann war in Kupfer gestochen Ich weiß bis diesen
Augenblick nicht wie er zu dieser Ehre gekommen war Meine Mutter hatte diesen
Kupferstich lange verwahrt ohne davon einen andern Gebrauch zu machen als dass
sie wie sie sagte dieses Bild alle heilige Abende vor Ostern eine Stunde
angesehen Sie behauptete dass ich etwas ähnliches in der Gegend um die Augen
von diesem so ehrwürdigen als beherzten Manne hätte obgleich ich davon nicht
die mindeste Spur zu entdecken im Stande war
    Es sei nun dieses oder etwas anderes die Ursache genug meiner Mutter
wandelte auf einmal der Einfall an diesen Kupferstich unter Glas zu setzen und
unter den Spiegel zu hängen der im Prunkzimmer des Pastorats gegen Morgen hing
    Mein Vater widersprach diesem Gedanken da ein Glaser unsere Straße zog und
ist also dieser gute Mann obgleich er die Ostereier abgebracht nicht der Ehre
gewürdigt worden im Prunkzimmer des Pastorats gegen Morgen unter dem Spiegel
zur Schau gestellt zu werden Sie war etwas ungehalten über meinen Vater
obgleich sie sich solches nicht weiter merken ließ indessen war es nicht das
erstemal dass sie sein Konto mit einer Schuld belastete Sie fasste dieses und
beinahe alles was sie sonst noch auf ihrem Herzen und Gewissen hatte die Not
des ganzen Pastorats zusammen und schriebs flugs unter die Rubrik nicht aus
dem Stamme Levi Ihrem Zorne brachte sie ein Opfer das sie nachher sehr
bereuete Sie schickte eben so flugs den Rahmen abzusagen den sie für den
Kupferstich bestellt hatte und war verbunden obgleich der Nahmen noch nicht
zur Hälfte fertig war und dieses gab zu neuem Ärgernis Gelegenheit ihn ganz
zu bezahlen Nachdem sie ihre zu Paaren getriebene Ideen wieder zu Hauf gebracht
hatte entwarf sie einen neuen Operationsplan der ihr auch glücklich einschlug
nämlich diesen verdienstvollen Mann in der Speisekammer aufzuhängen Hier sagte
sie kann er sich ohne Rahmen behelfen und niemand wird zu ihm sagen Freund
wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an
    Ich kann es nicht schicklicher anbringen dass meine Mutter bei aller
Gelegenheit feierlich war Es ward im Pastorat mit nichts anderm als mit
Weihrauch geräuchert alles was meine Mutter vornahm ward besungen Dieses ist
der eigentliche Ausdruck Die Natur hatte sie mit einer sehr melodischen Stimme
ausgestattet Das Bewusstsein dieser Mitgabe der Natur war indessen nicht die
Ursache ihres treufleissigen Gesangs Meine Mutter wird die Ursache hievon
gelegentlich selbst angeben Sie fing sobald ihr etwas zu Herzen ging einen
Vers eines geistlichen Liedes in bekannter Melodie aus freier Faust um ihren
Einhornschen Ausdruck nicht zu verfälschen zu singen an den alles was zu
ihrem Departement gehörte mit anzustimmen verbunden war Sie sang mit Kind und
Rind Es war daher natürlich dass jedes so bei ihr in Diensten war Probe
singen musste weil außer dem Hausdienst auch eine Art von Küsterstelle durch
jedes Hausmädchen vergeben wurde Vor diesem hatte meine Mutter nach ihrer
selbst eigenen Relation die Gewohnheit gehabt einen jeden herzlichen Vorfall
mit einem ganzen Liede zu bezeichnen mein Vater indessen der anfänglich bemüht
gewesen diese Gewohnheit völlig abzuschaffen hatte sie doch am Ende nachlassen
müssen Sie ward aber von ihm bis auf einen Vers eingeschränkt den meine Mutter
nicht um die Herzogtümer Kurland und Semgallen gelassen hätte
    Ich hab es oft erfahren dass mein Vater zuweilen den zweiten Diskant
extemporirte und meiner Mutter zum Munde sang so dass er mithin von seiner
vorigen Meinung a posteriori abgegangen war Meine Mutter rechnete ihm diese
Bekehrung im Konto sehr hoch an und je lauter er mitgesungen hatte je mehr
wurde ihm zu gut geschrieben Sie wusste sogar den Zeitpunkt anzugeben wenn mein
Vater der wie die Folge zeigen wird keine Anlage zum Geistlichen besaß
aufgehört hätte ein Liederstürmer zu sein und diesen Zeitpunkt werden wir
übermorgen ich rechne nach mir und bitte meine Leser dessfalls um Verzeihung
erreichen Meine Mutter wusste den Rückfall meines Vaters den sie des zweiten
Diskantes unerachtet noch immer befürchtete so sehr zu verhindern dass sie
seine Lieblingslieder den ihrigen vorzog obgleich sie es auch mit ihren
Lieblingen nicht verdarb unter denen einige waren bei denen mein Vater
unmöglich den andern Diskant singen konnte
    Das Lied Ich bin ein Gast auf Erden schien für meinen Vater gemacht zu
sein und fast ward kein Glas gebrochen ohne dass meine Mutter nicht anstimmte
Die Herberg ist zu böse
Der Trübsal ist zu viel
Ach komm mein Gott und löse
Mein Herz wenn dein Herz will
Komm mach ein selges Ende
Mit meiner Wanderschaft
Und was mich kränkt das wende
Durch deinen Arm und Kraft
Ich wette wenn meine Mutter mit diesem Liede meinen Vater gleich zu Anfang
bestochen hätte sie würde nicht auf einen Vers begrenzt worden sein Kaum hatte
einer der zwei Streiter über die Namen von Kurland Lettland und Semgallen
Abschied genommen und gleich sang ihm meine Mutter nach
Wo ich bisher gesessen
Ist nicht mein rechtes Haus
Wenn mein Ziel ausgemessen
So tret ich frei heraus
Und was ich hier gebrauchet
Das leg ich alles ab
Und wenn ich ausgehauchet
So scharrt man mich ins Grab
Gern das weiß ich hätte sie unter der Predigt vom Vaterlande wie an hohen
Festen diesen Vers angestimmt wenn sie geglaubt hätte meinem Vater hiemit
einen Liebesdienst zu erweisen Seine Singzeit indessen war noch nicht gekommen
und außerdem hatte er den Grundsatz die Andacht gehör ins Kämmerlein Der
Gesang blieb also bloß unter den Hausgenossen
    Wer keine Einbildungskraft hat sagte mein Vater hat auch kein Gedächtnis
Ein großes Gedächtnis kann die Urteilskraft schwächen allein auch stärken Wer
sich durch hundert Meinungen die er weiß nicht stören lässt und noch eine für
sich besitzt hat viel Gedächtnis und viel Urteilskraft Die besten Köpfe
klagen am meisten über Gedächtnis Sie sehen ein wie viel noch zurückbleibt
was sie nicht wissen und wollen sich auf eine Art die ihnen am wenigsten zu
stehen kommt bei Ehren erhalten Ein Mann von starker Beurteilungskraft macht
sich nur Merkzeichen durch die Vernunft die Imagination ist bei ihm bloß
Köchin Was sollte ihn also zurückhalten ohne rot zu werden über schwaches
Gedächtnis zu klagen Manche um auch für tiefe Denker gehalten zu werden
machen es nach obgleich die guten Leute weit eher über schlechten Verstand
klagen könnten
    Zum recht guten Gedächtnis gehört etwas ins Gedächtnis fassen behalten und
sich wieder erinnern Sieh bei der Sache auf Ursach und Wirkung inoculire alles
auf dein Lieblingsstudium und es ist dir auch im spätesten Alter als hättest
du es vorm dreissigsten Jahre bis zu welcher Zeit beim Menschen alles in der
Blüte steht gelernt Witzige Leute haben schreckliche Gedächtnisse Überall
finden sie eine Ähnlichkeit  weil diese aber oft zu schwach ist oder weil sie
mit einem Blick zehn Aehnlichkeiten finden vergessen sie alles das Bewusstsein
fassen zu können was man will tut bei einem Genie oft größere Dinge als
wenns schon ein gerüttelt geschüttelt und überflüssiges Maß im Kopfe hätte
Ich habe noch keinen Dichter gekannt der nicht schnell gefasst hätte was er
gelesen Beim mündlichen Vortrage gelingts nicht allen Prosa behalten sie
leichter als Verse Bei andern Leuten ist es umgekehrt Man würde behaupten
können ein Original müsste wenig Gedächtnis haben wenn es nicht Leute gäbe die
im Vergessen eben so stark als im Fassen sind Fassen und Behalten wird im
gemeinen Leben für eins genommen allein ganz unrichtig Ein jeder Originalkopf
muss schnell fassen und schnell vergessen Etwas bleibt zurück und nur eben so
viel als nötig ist um nicht bloß Abschreiber Kopist zu sein Ein Grossmaul
hat ein behaltendes ein Kopf ein fassendes Gedächtnis Wer viel plaudert kann
auch viel behalten ein guter Kopf kann nur viel erzählen wenn er trunken oder
verliebt ist er darf sich indessen beides nur einbilden zu sein Wenn ein Poet
nicht gut fasst kommts oft daher weil er sehen und hören kann und zwar mit
Augen und Ohren des Genies und auch dieser Umstand trägt sein Teil bei dass er
so leicht vergisst Er kann nichts lesen und hören was er nicht sogleich mit dem
Seinigen bereichert Er verzinset oft einen Gedanken mit fünfzig Procent oft
mit mehr Er weiß beständig viel nur nicht immer was andere wissen Wer
Jahreszahlen und Geschlechtsregister behalten kann ist kein Dichter
    Lieber Vater hier macht die liebe Mutter eine Ausnahme Anlage zur
Hauspoesie ist ihr nicht abzusprechen und wer ihr ein gutes massives
Gedächtnis zugestehen wollte dem vergässe sie diese Beschuldigung selbst im
Himmel nicht und wenns auch nur bloß darum wäre um ihr Gedächtnis zu beweisen
 Was sie behält ist eisern Meine Mutter wusste nicht nur alle mögliche Lieder
aus und inwendig sondern besaß auch eine so genaue Lebensbeschreibung von
vielen Liederdichtern dass sie beinahe den Schöpfungstag von jeder Strophe
wusste Es war ihr von vielen Jahr und Tag bekannt und was das allermeiste war
sie konnte sagen was jede ihrer Herzensstrophen bei diesem oder jenem für eine
Wunderkur gemacht hatte
    Mein Vater der von dergleichen Dingen nicht das mindeste wusste hörte ihr
ohne Zweifel von dem Zeitpunkte da er den zweiten Diskant zu singen anfing
andächtig zu und schien an ihrer Zufriedenheit über dieses geneigte Gehör
teilzunehmen
    Die singende christliche Hausgemeine war noch an den Worten
Und was mich kränkt das wende
Durch deinen Arm und Kraft
und frisch fing meine Mutter an als wenn sie festen Fuß fassen und occupiren
wollte
                              »von Paul Gerhard«
War mein Vater nicht unter ihren Zuhörern pflegte die Leichenpredigt länger und
erbaulicher zu sein und beständig fand sie alsdann auf ihrem Wege Umstände die
mit Umständen so Leuten aus ihrer Familie begegnet waren eine Ähnlichkeit
hatten Reiste mein Vater mit war der Weg wie auf der Diele und nie sprach sie
bei einem Anverwandten auf der Landstraße an es wäre denn zuweilen bei ihrem
selgen Herrn Vater oder Großvater um ihnen aus Kindespflicht die Hände zu
küssen
    Paul Gerhard hatte Berlin wegen des Streits der Luteraner mit den
Reformirten verlassen nachdem er aus Lüben denkt an Liebau sagte sie wenn
euch der Name zu schwer fällt nach Berlin gekommen und ihr seliger Herr Vetter
war um allen allerlei zu werden vom Landpastorat nach Mitau als Stadtpastor
gegangen und hat in Mitau ein Bein gebrochen Doch warum nicht sie selbst Damit
meinen Lesern die Zeit nicht zu lang werde soll mein Vater ab und zugehen
    »Es ist ganz besonders dass Herr Paul Gerhard  sein Sohn Paul Friedrich
Gerhard war Magister auch gut allein so viel ich weiß kein Liederdichter
Schade Es ist ganz besonders sag ich dass Herr Paul Gerhard welcher als
Ober oder Primarpastor 1676 den siebenzehnten und nicht den
siebenundzwanzigsten Mai im siebenzigsten Jahre seines reifen Alters unter die
himmlischen Sänger aufgenommen ward kein Lied gemacht hat das mit C anfängt
obgleich wir sonst viele vortreffliche Lieder haben die mit diesem Buchstaben
anheben Ich lass jeden Buchstaben in seiner Ehr und Würde allein unter den
Konsonanten ist C mein Liebling Hat dein Vater je sich des Unterdrückten des
Notleidenden sie wandte sich zu mir angenommen so wars indem er
behauptete der Buchstabe C sei so gut deutscher Bürger im ABC als irgend einer
und indem er den Kandidaten  ohne C widerlegte Da die Letten ohne C sind so
könnte man den Herrn Oberpastor Paul Gerhard einen curischen einen lettischen
Sänger nennen wenn er anders damit zufrieden wäre woran ich zweifle Wer
Gerhards Lebensgeschichte mit leichter Mühe und ohne Kopfschmerz zu behalten
Lust hat merke sich vier Sieben«
    »Im Jahre sechzehn hundert sechs und siebzig den siebenzehnten Mai im
siebenzigsten Jahre und in Hinsicht des Zweifels wegen seines Sterbetages
sieben und zwanzig Dieser Zweifel hat wie mich dünkt einen Druckfehler eine
Schwachheitssünde zum Grunde Wer kann wissen muss jeder der ein Buch schreibt
bekennen wie oft er fehle«
    Da hast du ganz recht liebe Mutter und ich der ich zweihundert Meilen vom
Druckorte entfernt bin setze bei dieser Gelegenheit mit einer Verbeugung an
alle Recensenten hinzu Verzeihet die verborgenen Fehler Meine Mutter fährt
fort
    »Gott weiß wie die Worte in der Ausgabe des Herrn Feistking lauten Es ist
diese Ausgabe für mich ein Licht unter einem Scheffel Das Manuskript hat Herr
Johann Heinrich Feistking vom Herrn Magister Paul Friedrich Gerhard erhalten«
    Meine Mutter bedauerte dass sie nicht selbst der Herr Johann Heinrich
Feistking bei dieser Gelegenheit gewesen und wärs auch nur setzte sie hinzu
der grünen roten und blauen Grenzzeichen und Fähnchen halber Die Autorzeichen
brachten sie auf die Tintarten welche sie alle so wie eine Mehl und
Milchspeise oder Grütze anrichten zu können vorgab Mein seliger Großvater
sagte sie konnte ohne alle diese Tinten kein Koncept zur Predigt vollenden
Mein seliger Vater brauchte nur die rote und jetzt bin ich bis auf die
schwarze und auch die mein Vater war die ganze Zeit abwesend wird wenig
gebraucht außer Übung
    Der holdselige Mann Paul Gerhard hat das Feistkingsche Exemplar mit allem
Fleiß revidirt Sein letzter Federstrich war in dieses Buch und eben schrieb
ein Erzengel
seinen Namen aufs beste
ins Buch des Lebens ein
    Ich habe die Vorrede des Herrn Feistking nicht gelesen sondern nur in ein
anderes Buch eingebrockt gefunden indessen gehört es eben nicht zum Stern und
Kern dieser Vorrede dass Paul Gerhard daselbst mit dem Dr Martin Luther
proclamirt und gepaart worden und dass man sogar unter uns gesagt den Wunsch
äußert dass Gerhard dem Dr Martin Luther beim Reformationswerk geholfen hätte
Ich tue Einspruch Herr Feistking nicht des Buchstabens C sondern des
auserwählten Rüstzeugs Dr Luthers wegen der auch wusste was Sang und Klang
war   Hier eine Lobrede auf Lutern der darum wie meine Mutter sagte zu
Eisleben geboren weil ihn Gott das Eis zu brechen erkoren Wir wir sie sang
diese Worte in der Melodie wir glauben all an einen Gott wir  setzte sie
ohne Sang fort  die wir aus Bescheidenheit den Zunamen Luteraner angenommen
sollten mit dem Vornamen Reformatoren heißen gewisse andere Leute aber die
nicht paulisch oder kephisch sein wollen können beim Namen Reformirte bleiben
Nach dem Luther mein Vater kommt muss ich gestehen keinen bessern
Liederdichter als Gerharden zu kennen Er und Rist und Dach sind ein Kleeblatt
das auserwählte Rüstzeug Luther aber die Wurzel Gerhard dichtete während dem
Kirchengeläute könnte man sagen Ein gewisser Druck eine gewisse
Beklommenheit eine Engbrüstigkeit war ihm eigen Er war ein Gast auf Erden und
überall in seinen hundert und zwanzig Liedern  ich wünschte wohl es wären ein
hundert und siebzig wegen der sieben  ist Sonnenwende gesäet Diese Blume
drehet sich beständig nach der Sonne und Gerhard nach der seligen Ewigkeit
Schwermütig 
    Recht sagte mein Vater allein weißt du auch warum
    »Warum« meine Mutter »weil er nach dem vorgesteckten Kleinod blickte«
    Weil er ein böses Weib hatte  Sobald ihn Gott von dieser bösen Sieben
erlöste war keine Sonnenwende mehr in seinem poetischen Gärtchen Er sang
allein es sang kein Gerhard mehr Was die Xantippe dem Sokrates war 
    Dieser Blitz traf das Wort auf der Zunge meiner Mutter es bebte noch eine
Minute auf der bläulichen Oberlippe allein es war so matt dass es in der Geburt
seinen Geist aufgab Meine Mutter die sich ihres Geschlechts überhaupt
anzunehmen gewohnt war musste von meinem unlevitischen unpoetischen Vater der
zum zweiten Diskant nur par bricole gekommen war erfahren dass er die Asche
einer Oberpastorin enteiligte und ein Sacrilegium beging Das war mehr als sie
tragen konnte  Sie verstummte vor ihrem Scherer und nach einer guten
Viertelstunde allererst nachdem das Herzgespann nachgelassen sang sie ohne zu
sagen von wem das Lied gedichtet war
Wenn böse Zungen stechen
Mir Glimpf und Namen brechen
Will ich bezähmen mich
Das Unrecht will ich dulden
Dem Nächsten
meine Mutter sang dieses Wort mit einem tiefen Seufzer
seine Schulden
Verzeihen gern und williglich
    Dieses war für heute genug am Gemälde meiner Mutter Dass sie Gedächtnis und
wo nicht ein poetische Puls so doch Blutader wo nicht prasselndes Odenfeuer
so doch eine glühende Kohle vom Altar gehabt werden meine Leser selbst gefunden
haben Noch einen Zug um die Nase herum der sich eben bei mir meldet und es
übel nehmen könnte wenn ich ihn nicht so spät es auch ist beherbergen sollte
Meine kreuzbare Mutter war eine so große Verehrerin der Reime dass sie sogar ein
Gelübde abgelegt hatte gewisse Worte nie zu trennen Kern und Stern Rat und
Tat Kind und Rind Hack und Pack Dach und Fach Knall und Fall usw waren
nach ihrer Meinung Zwillinge Doppelbrüder Außer diesem behauptete sie dass
gewisse Reime für einander geboren im Himmel geschlossen wären und durchaus ins
Eheband treten müssten als da sind Stank und Dank Mund und Pfund Glimpf und
Schimpf Not und Tod Kleider und Schneider Student und Recensent Schelm und
Helm  »Was Gott zusammenfügt« pflegte sie zu sagen »soll der Mensch nicht
scheiden Wer solche Reime trennt scheidet eine Ehe und wer einen andern Reim
in diese Stelle aufnimmt heiratet im verbotenen Grade« Sie behauptete die
Reime wären gleichsam die Riemen durch welche das Gedicht verbunden würde und
muss ich ihr die Gerechtigkeit widerfahren lassen dass sie bei ihrem poetischen
Trichter oder dem in sechs Stunden einzugiessenden Unterricht zur deutschen
Dicht und Reimkunst1 die Regel gab trachtet am ersten nach dem Reime der
zweiten Reihe der erste wird euch zufallen und es wird der Vers wie gegossen
sein 
    Jetzt in die Speisekammer auf ein Gericht Eier
    Der Himmel helfe uns ad mala Es wird für meine Leser und für mich glaub
ich das Beste sein Sollte indessen meinen Lesern das Schälchen das ich aus
gutem Herzen nach nordischer Art zum Willkommen herumreichen lasse Appetit
machen und Promulsis der erste Gang nicht missfallen so hoff ich caput
coenae die Hauptschüssel dieses Teils wird auf ein gleiches Glück Hoffnung
machen können Ein Taliarchus ein Credenzer Disponent ein Gläserzähler ein
Taktschläger ist mir bei der Mahlzeit eine unausstehliche Kreatur
    Meine Mutter lässt zur Kanonisation läuten die einen ihrer Vorfahren treffen
soll Die Reliquien dieses Kandidaten zur Standeserhöhung bestehen in einem
Kupferstiche und obgleich wenn er nach den neuesten päpstlichen Grundsätzen
behandelt werden sollte ihm rechtlich entgegenstände dass er noch nicht hundert
Jahre gestorben so wird doch bei dieser protestantischen Zeremonie dieser
Einwand keine Bedenklichkeit abgeben
    Es war ein Sonnabend  denn dieses war ein Tag den meine Mutter unter den
Tagen so wie die C unter den Konsonanten alles Widerspruchs des Kandidaten
ohne C unerachtet schätzte Die C um aufrichtig zu sein weil die Letten
diesen Buchstaben nicht haben den Sonnabend den heiligen Abend weil sie
selbst im Fall ich mich so ausdrücken darf ein heiliger Abend  wenn man nur
hinzusetzt welches einem Sohne nicht zusteht so haben sie meine Leser in einem
Zuge ganz  also nur ein heiliger Abend war Meiner Mutter gebührte allerdings
eine Glorie allein nur vom Mondschein  Wegen des Sonnabends muss ich noch
bemerken dass sie von meinem Vater alsdann wegen der Beichtvesper am wenigsten
einen Einbruch zu befürchten hatte und dass der Sonnabend bei allen
Priesterweibern dies festus ein hervorragender Tag ist
    Es war ein Sonnabend da mich meine Mutter mit dem ersten Verse des Liedes
Freu dich sehr o meine Seele
Und vergiss all Angst und Qual 
aufsang und nach dessen Vollendung mich also anredete »Ich weiß dass dieses
Lied einem armen Sünder zugeschrieben wird der in Hamburg wegen begangener
Notzüchtigung eines neunjährigen Mädchens entauptet worden Allein außerdem
dass dieser arme Sünder Doctor in der Medizin gewesen so glaub ich auch die
ganze Armensündergeschichte nicht Es ist vielmehr dieses Lied eine Messerspitze
von den geistlichen Liedern des Simon Graf die er unter dem schönen Titel
Geistliches edles Herzpulver in drei Teilen herausgegeben hat2 und dann am
Ende liebes Kind sind wir alle arme Sünder  allein wir haben nicht alle ein
neunjähriges Mädchen genotzüchtigt sind aber alle in Sünden empfangen und
geboren«
    »Was ist Notzucht liebe Mutter«
    »Notzucht mein Kind« sagte meine Mutter und ich war voll Erwartung der
Dinge die da kommen sollten  »ist Notzucht Leg dein Feierkleid an streu
Puder auf dein Haupt und wenn keiner vorhanden ist Weizenmehl und sieh heute
wie man dem tut den deine Mutter ehren will aus dem Buche Ester im sechsten
Kapitel und sechsten Verse« Nach einer langen Deliberation wie die feierliche
Handlung vollzogen werden sollte ging dieser Triumph oder Oration oder
Leichenconduct an Io Triumphe der Triumphator welchem diese Ehre in effigie
erwiesen wurde lag auf zwei Folianten und auch dieses kam von ungefähr sonst
würde selbst diese Spur von Triumphwagen nicht gewesen sein Bei meiner
Übermessung die mit einer curischen Elle geschah fand es sich dass kein Stuhl
hoch genug für mich war den Kupferstich dem Himmel nahe genug zu bringen wie
meine Mutter sich ausdrückte welches Ziel aber durch Beihilfe dieser Folianten
erreicht werden konnte Da die Folianten inzwischen einmal im Spiele waren
legte sie selbige kreuzweise so dass also nicht einer auf dem andern lag Sie
spreitete endlich ein weißes Tuch über sie  Man kann sagte sie auch dabei
seine erbaulichen Gedanken haben Noch gehörten zu diesem Ehrenwerk vier
flimmernde Nägelchen und vier Streifen schwarzes Papier Eine Leichenrede wurde
deshalb entkleidet die auf einen reformirten Geistlichen gefertigt war Die
Nägelchen und die vier Streifen legte meine Mutter wie Ehrenzeichen neben den
Kupferstich Auf dem Wege von dem Ort wo ihm der Platz unterm Spiegel gegen
Morgen war abgeschlagen worden wurden Tannenreiser bis in die Speisekammer
gestreut Unterweges war meine Mutter wie man in der Affektitze zu sein
pflegt still Der Fall war zu groß um Sang und Klang zu verstatten Stille
Begräbnisse kommen überhaupt der Natur am nächsten wenn anders der Verstorbene
keine lachende Erben nachlässt Meine Mutter trug die Füße ich das Haupt und so
kamen wir ins Delubrum ins Sacrum ins Gewölbe Es kam mir unterwegs besonders
wegen des weißen Tuches welches bei meinen Lesern noch im frischen Andenken
flaggen wird so vor als ob ich eine Leiche trug und meiner Mutter muss es eben
so vorgekommen sein denn sie sagte dies war alles was geredet wurde den
Weg mein Sohn müssen wir alle und konnte wohl unmöglich die Speisekammer
darunter verstehen Ich merkte aus allem dass meine Mutter eine Rede an mich
halten wollte und kann vielleicht dieser Umstand mit das Seinige zur Stille
beigetragen haben wodurch diese Handlung geweihet wurde »Er hat gelitten und
hat gesiegt« fing sie an »er ist gestorben und sieh er lebt
Schaut die Sonne geht zur Ruh
Kommt doch morgen wieder
aus dem Liede einen guten Kampf hab ich auf der Welt gekämpfet« Diese
Citation oder eine Wehmut die uns Beide anwandelte lenkte sie vom rechten
Wege
    »Dein Ebenbild« sagte sie »mein Sohn wie ein Ei dem andern  sei ihm an
reiner Lehre und reinem Windel gleich auch« hier fehlt ohne Zweifel viel
»nimm dich vor harten Eiern in Acht sie sind schwer zu verdauen«
    »Erinnere dich an die Leiter Jakobs« sagte sie nachdem sie sich vom
Stickfluss erholet hatte und die Folianten wurden abgedeckt und das Leichlaken
sein säuberlich zusammengelegt »Zu niedrig« sagte sie indem ich die Höhe
erstiegen hatte und zu hämmern anfing »Es stockt in der Speisekammer« »zu
hoch« gleich darauf »denn ich kann weiter nichts als vier Sterne sehen«
    Sterne dacht ich liebe Mutter  Sechs für einen Vierding
    Endlich traf ich die rechte Stelle und nachdem das Monument fertig war
welches diesem Ehrenmanne um so angemessener schien als es gerad über einem
Eierbehältniss stand stieg ich herab und meine Mutter umfing und küsste mich Es
war dieses eine feierliche Umhalsung eine Accolade und nun  Meine Leser
werden es mir verzeihen dass ich sie so lange im Finsteren gelassen ohne zu
bemerken dass meine Mutter vier Lichter auf dem Tische angezündet hatte auf
welches Kastrum Doloris der Wohlselige nachdem wir ihn von den Folianten
abgehoben eine ganz kurze Zeit zur Ausruhe hingestellt wurde Drei von diesen
Lichtern löschte meine Mutter so aus wie andere Leute ihre Lichter auslöschen
Das vierte ein abgebrannter Stumpf war während dieser Zeit dem Verlöschen
nahe
                        »Komm sieh und lerne sterben«
sagte sie zu mir Ich sah ein ausgehendes Licht und meine Mutter betete mit
einer Inbrunst die mir durch die Seele ging
 Und wenn mir die Gedanken
Vergehen wie ein Licht
Das hin und her tut wanken
Bis ihm die Flamm gebricht
Alsdann fein sanft und stille
Lass mich Herr schlafen ein
Nach deinem Rat und Willen
Wann kommt mein Stündelein
Ich sah was meine Mutter sagte und oft oft hab ich mein Licht so ausbrennen
lassen um dieses Fest zu wiederholen
    Meine Mutter legte die Hände sobald alles aus war auf mich um mich
priesterlich zu segnen Wir weinten beide  Nach einer Weile fing sie an ich
glaube es sind alles dieses Brosamen die von ihrem reich besetzten Tische
fielen Stücke von der verunglückten Rede »die lobwürdigste Fürstin Henriette
Louise Markgräfin zu Brandenburg ließ sich dies Lied vorsingen und obgleich
alles um sie herum weinte starb sie doch ohne Ach und Weh sanft und selig zu
Onolzbach im Jahre Christi 1650 ihres Alters sieben und zwanzig Jahr Gott lass
es nur ein Stündlein und nicht eine ganze Stunde sein wenn wir heimfahren aus
diesem Elend« Wir brachten die Folianten zu Hause und meine Mutter sang ohne
zu bestimmen obs auf Folianten oder auf Kupferstich oder auf alle papierne
Monumente und Denkzettel gezielt wäre
Man trägt eins nach dem andern hin
Wohl aus den Augen und aus dem Sinn
Die Welt vergisset unser bald
Sei jung oder alt
Auch unsrer Ehren mannigfalt
Seid getrost verdienstvolle Männer ich will meiner verstummten Mutter
aushelfen Habt ihr nicht das Glück am Spiegel zu hängen so ist noch die
Speisekammer übrig Stockt es hier gleich es schadet nicht das Bild kann hoch
geschlagen werden Beschert euch nur der Himmel Augen die vier kleine Nägel für
Sterne ansehen habt ihr gewonnen Spiel
    Nach dieser vollbrachten Arbeit verlangte meine Mutter dass ich diesen Tag
in einem feinen guten Herzen behalten und ihn jeden heiligen Abend vor Ostern
durch eine Wallfahrt in die Speisekammer wie sie sich ausdrückte feiern und
erneuern sollte dieses ist sagte sie die Aussaat vor Ostern den heiligen
Abend sollst du ernten Der Geber aller guten und vollkommenen Gaben verleihe
dir gutes Wetter oder ein Herz nach seinem Herzen zur Ernte
    Dass aber der ausgesäete Weizen nie zur Reife gekommen und aus dieser
Wallfahrt nie etwas geworden ist einer von uns beiden Schuld der fromme
Schweppermann oder ich Meine Mutter zog mich wegen eines Epitaphiums zu Rate
und mir musste zum Unglücke einfallen
Dem Mann ein Ei
Dem frommen Schweppermann zwei
weil Schweppermann nicht Superintendent in Kurland sondern
Ein Ritter keck und fest
Der zu Gnadersdorf im Streit tat das Best
gewesen so bekam der Vorschlag meiner Mutter eine andere Wendung Der bestimmte
heilige Tag fiel aus allein nicht zu meinem Nachteil denn wenn ich nach der
Zelt ein Stück Geräuchertes zu ernten Lust hatte wallfahrtete ich Hand in Hand
mit meiner Mutter nach dem Mausoleum oder nach einer ehrlichen deutschen
Übersetzung in die Speisekammer Es hing der Tag unseres Eierheiligen von der
Angabe meines Magens ab und war so oft mich außer der Mahlzeit hungerte Je
nachdem ich Appetit hatte ward auch die Feierlichkeit zur Ehre eines Mannes
zugeschnitten der nach der Bemerkung meiner Mutter die sie mehr als einmal
anbrachte »so wie die Speckseiten und Würste seine Nachbarn gekommen wäre aus
der Rauchkammer dieses Lebens«
    Zur Steuer der Wahrheit steh es hier wie eine Ehrensäule dass meine Mutter
wider die Gewohnheit aller Weiber nicht geizig war Sie wollte nicht die Eier
abschaffen und Hühner dafür einführen sondern die Rechtgläubigkeit wie sie
sagte lag ihr hiebei bloß am Herzen
    Mein Vater damit ich sobald als möglich die vacante Stelle besetze den
meine Mutter durch diesen an seinen Ort gestellten Kupferstich ohne Zweifel auf
den Gedanken brachte dass im Prunkzimmer zur rechten Hand unter dem Spiegel
kein unrühmlicher Ort im Pastorat wäre vocirte den Kupferstich des Eugen an
diesen ledigen Platz Er ließ meine Mutter vorderhand bei ihrer voreilig
gefassten Meinung dass dieser Kupferstich der Herzog Gottard wäre welchen sie
für den größten Helden hielt der je in der Welt gelebt hätte und dem allein
sie den Rang über den Superintendenten gestattete obgleich sich die Herzoge von
Kurland wir von Gottes Gnaden schrieben und Landeshoheit haben Es war mein
Vater sich als ein Deutscher diese Huldigung schuldig und nie hat er es
verfehlt dem Namen eines Deutschen Ehre zu machen Das erste Wort was er mich
aussprechen lehrte war aller seiner Kenntnis in fremdem Sprachen unerachtet
ein schweres deutsches Deutsch eben darum warum Eugen im Pastorat zur rechten
Hand unterm Spiegel des Prunkzimmers hing schwer weil mein Vater in allen
Dingen die Gewohnheit hatte mit dem Homer anzufangen
    Damit aber meine Leser ja nicht Realinjurien begehen und an den Gedanken
grenzen als ob mein Vater auch nur stillschweigend eine Unwahrheit verübt so
muss ich ihn bei dieser massgebenden Gelegenheit rechtfertigen und ihn über jenen
Heiden herausbringen dem man zur Steuer der Wahrheit nachsagt dass er auch
nicht im Scherze unrichtig geworden welches in unserer galanten Mundart
ungefähr heißen würde dass er keine einzige Equivoke gesagt habe Wer weiß es
nicht dass eine stillschweigende Lüge eine himmelschreiende stumme Sünde sei
der feinste Meuchelmord und eben darum der gewöhnlichste Was meint  ihr
lieben Leser misst mein Vater nicht einen Zoll und einen Strich mehr
    Gottard sagte meine Mutter der Held der Helden Nicht also fiel mein
Vater ein Eugen ein Deutscher der in seiner Jugend Theologie studierte und
schon wirklich Kandidatus teologiae war ein rundes Perückchen trug und
gepredigt hatte Dies brachte meine Mutter zur Andacht Warum sagte sie ging
er von der engen Straße die zum Leben führt Um der Religion bessere Dienste zu
tun erwiderte mein Vater um sein Schwert wider die zu ziehen welche jetzo
die Wache zum heiligen Grabe geben und das Schlafgemach unseres Herrn und
Meisters usurpiren Eugen hieß der kleine Abt in Frankreich und ward ein großer
Mann in Deutschland Die mittelmäßige Statur ist die Gestalt der Helden  Unser
Sohn wird Gottlob groß werden sagte meine Mutter  Gottlob er wird es nicht
werden erwiderte mein Vater Die Titel des Eugen sind fuhr er fort Herzog
von Savoyen und Piemont Markgraf zu Saluzzo Ritter des goldenen Vliesses der
römisch kaiserlichen und königlich katholischen Majestät wirklicher Geheimer
und KonferenzRat HofkriegsratsPräsident GeneralLieutenant und des
heiligen römischen Reichs Feldmarschall GeneralVicarius der sämtlichen
italienischen Erbkönigreiche und Lande
    Meine Mutter machte da mein Vater sich bei jedem neuen Ehrenworte beugte
eine Gegenverbeugung  ohne dass man eigentlich bestimmen konnte obs meinem
Vater oder dem Eugen galt und da die Heldengeschichte eben kein Studium für
meine Mutter war so kam manches vor was sie zum erstenmale hörte Bei meines
Vaters Bemerkung Eugens Mutter wäre des bekannten Kardinals Mazarini Nichte
gewesen konnte meine Mutter anfänglich nicht begreifen wie ein Kardinal eine
Nichte haben könnte  Es fühlte Eugen fuhr mein Vater fort und sah meine
Mutter lieblich an im Gemüte und Geblüte väterliche Regungen und dieses
Gefühl war unfehlbar die Hauptursache warum er das Brevier mit dem Degen
vertauschte Ob nun gleich meine Mutter was den Punkt der heiligen Ehe betraf
sehr protestantisch dachte so schüttelte sie dennoch wegen dieses Tausches das
Haupt Bei dem eingeweihten Degen den Papst Klemens der XI dem Eugen schickte
und beim Anfange seines Anschreibens Unsern Gruß und apostolischen Segen zuvor
geliebter Sohn edler Mann  warf sie die Frage auf wie doch wohl der curische
GeneralSuperintendent an den Eugen geschrieben haben würde
    Mein Vater schloss die Standrede über Eugen um sich meine Mutter die nicht
ohne Neid den Eugen unterm Spiegel sah zu verpflichten dass dieser
unüberwundene Held den ein und zwanzigsten April zum ewigen Jubilate
eingegangen
    So waren also die beiden Monumente für Eugen der nie geschlagen worden und
meiner Mutter Ahnherrn der durch Abschaffung der Ostereier sich unsterblich
gemacht errichtet Der liebe Gott schenke beiden dies sagte meine Mutter da
mein Vater den Rücken gekehrt hatte in der Erde eine sanfte Ruhe und am
jüngsten Tage eine fröhliche Auferstehung wo es sich ausweisen wird ob Eugen
oder der gute Pastor eher verdient unter dem Spiegel gegen Morgen im
Prunkzimmer zu hängen wenn gleich auch unser Anverwandter sich über sein
Plätzchen in der Speisekammer nicht beschweren darf
    Ich habe zwar von meinem Vater da ich nicht capitelfest bin nur wenig und
das im Beilauf gesagt meine Leser aber werden schon hieraus die verschiedenen
Denkungsarten meines Vaters und meiner Mutter einsehen und ohne Note sich
vorstellen dass ihre Erziehungsart gleichmäßig nicht übereinstimmen konnte
Meine Mutter wollte mich zu einem Geistlichen machen und wenn man kein Edelmann
und doch ein Mensch in Kurland ist kann man keinen andern als diesen Stand
wählen einige weltliche Stellen ausgenommen deren aber zu wenig sind als dass
viele darauf rechnen könnten und die bis auf die Advokatenstellen bei dem
LandObergerichtshofe in Mitau noch obenein adeliche Posten sind und also als
in Verfall geratene Familien angesehen werden welche ihren Adel mit leichter
Mühe erneuern können Mein Vater schien mich zu etwas anderm bestimmt zu haben
Meine Leser mögen raten wozu denn in Wahrheit ich selbst muss mich bei
diesem Umstande mit Raten behelfen obgleich ich es nicht leugne mehr Data als
meine Leser zur Auflösung meines Rätsels in der Hand zu haben Er sah es sehr
gern wenn ich Ball schlug und erlegte selbst mit mir Kegel Ich hatte zu
Anfang Mühe die Kugeln zu heben indessen fand sich mit der Zeit eine Stärke in
meine Arme dass das Spiel zwischen meinem Vater und mir ungewiss und eine Wette
wurde und wir abwechselnd gewannen und verloren Er hatte es gern dass ich mich
herumbalgte und hierin tat ich mich mit dem Benjamin dem Sohne des alten
Herrn hervor Sowohl von Vater als Sohn wird sogleich gehandelt werden Meine
Mutter ermahnte mich so oft ich gerungen hatte und fügte hinzu dass jedes Haar
auf meinem Haupte gezählt sei
    Ich arbeitete beständig allein ich wusste es nicht ich hätte eben so gut
glauben können dass ich beständig spielte Mein Vater konnte sich über nichts so
sehr ärgern als dass über der Seele der Leib vergessen würde und dass man das
eine bei Hochwohlgebornen Kindern lernen und das andere spielen hieße Es ist
alles Spiel oder alles Arbeit pflegte er zu sagen Die Unvermögenheiten des
Leibes hielt er alle für ansteckend in Absicht der Seele Es ist ein schlechter
Wirt sagt er der sein Zimmer mit Seide ausschlägt und von oben einregnen
lässt Vom Kleide auf den Mann setzte er hinzu vom Hause auf den Herrn vom
Leibe auf die Seele schließen ist kein unrichtiger Schluss Wenn man seinen
Körper den man sieht vernachlässigt wie will man an seine Seele denken die
man nicht sieht Mark machts aus setzte er um sich zu erklären hinzu nicht
Lange und Breite Dicke und Höhe Ein jeder Erfinder ist wenigstens an dem Tage
da er erfand ein Mann gewesen und hätte eben so gut ein gesundes Kind in die
Welt setzen als erfinden können und alles was in der gelehrten Welt
Metusalems Alter erreichen und noch älter werden soll alles was eigentlich
auf die Nachwelt bleibt hat ein Gesunder gedacht und geschrieben Die
Heldenund Staatsaktionen des Herkules leisteten meinem Vater auf diesem Wege
gute Dienste und er konnte sich sehr freuen wenn ich Unwillen zeigte dass ich
nicht auch Gelegenheit gehabt zweien Schlangen in der Wiege das Lebenslicht
auszudrücken Die Geschichte vom Antäus dem Riesen war mir ein Brand im Busen
mein Vater goss Öl dazu und maß mir seine Länge vor Ich stieg auf den Tisch
um sie recht zu sehen und so wie ich mich über die Art des Antäus freute sich
einen Löwen zum Braten zu fangen so gratulirte ich dem Herkules dass er diesen
Löwenjäger tot zu drücken die Ehre gehabt Meine Mutter war so wenig mit der
Geschichte vom Riesen Antäus als mit der von der Schlange zufrieden Bei der
Schlange fiel ihr beständig die im Paradiese ein wobei sie es dem Noa etwas
übel nahm dass er für sie eine recht holländische Toleranz in seinem Kasten
gehabt Sie äußerte bei dieser Gelegenheit die Meinung dass das Auszischen sich
aus dem Paradiese herschriebe wo der Teufel unsern ersten Eltern auf diese Art
übel begegnet hätte nachdem die armen Betrogenen den letzten Bissen Apfel
genossen Was den todtgedrückten Riesen betraf fand sies anstößig dass er
nicht Goliat hieße Ich war sehr fürs Todtdrücken des Riesen aber mein Vater
zeigte mir das Erhabene das Göttliche bei der Geschichte des David und ich
lernte nebenher wie unrecht es sei mehr Mittel und wärs auch nur ein
Gränlein anzuwenden als man Zweck hat
    Wenn meine liebe Mutter den Eifer bemerkte der mir bei Erzählung vom
Herkules unter die Arme griff so dass ich vor ihren sichtlichen Augen am Tisch
und Stühlen ein Exempel statuiren wollte pflegte sie mich zu ermahnen meine
Arme zum Kanzelschlage zu schonen und sie nicht an unschuldigen Stühlen und
Tischen zu entweihen
    Erziehen sagte mein Vater heißt aufwecken vom Schlafe mit Schnee reiben
wos erfroren ist abkühlen wos brennt Wer nie ein Kind unterrichtet hat
wird nie über das Mittelmässige hervorragen Docendo discimus ist ein großes und
wahres Wort In gewisser Art lernen wir mehr von den Kindern als die Kinder von
uns Wer ein Auge hat lernt hier den Menschen Wenn die Sonne aufgeht kann sie
der Blick umfassen Wer kann in sie sehen wenns Hochmittag ist 
    Wenn ich auf etwas durchaus und durchall bestand überließ mich mein Vater
meinem Eigensinn und ich sah aus den natürlichen Folgen wie töricht ich
gehandelt dass ich seinen Fingerzeig aus der Obacht gelassen Er behauptete dass
keine natürliche Strafe gleich einer Todesstrafe wäre und so ließ er nach
dieser großen Vorschrift auch mich nur durch Busse bekehren und leben Ich
verbrannte mich am Licht ich verdarb mir den Magen unterm Pflaumenbaum Wie der
himmlische Vater es mit uns macht pflegte er zu sagen so sollten es auch
leibliche Väter machen Welch einen Einfluss diese Lehrart auf mich gehabt ist
unaussprechlich  Ich lernte Natur die wir leider bei dem allgemeinen Fall
oder Verfall der Menschen lernen müssen Ich lernte sie im Kleinen und im
Großen Wenn ein Genie allein auf dem Lande geht pflegte mein Vater zu sagen
bleibt es nicht lange allein die Natur geht ihm an die Hand Sie fasst es an
und es versteht die Blume wenn sie sich neigt und den liebevollen Hopfen der
sich hinaufranket Es bewundert den Regenbogen das Ordensband das Gott der
Erde als ein Gnadenzeichen umhing Da sehen dann Genies einen gewissen
Zusammenhang zwischen Gott und dem Menschen und sind Seher von Gott
Angehauchte Dies ist unendlich mehr als ein Autodidaktos ein Selbstgelehrter
Dieser lernt aus Büchern ein Seher lernt von Gott und aus seiner für ihn
aufgeschlagenen Welt
    Mein Vater ließ es nie zu Tätlichkeiten bei seinen Strafgerichten kommen
denn ich verurteilte mich selbst und er bewirkte eben hierdurch eine große
Absicht Er erzog nicht einen Sohn sondern einen Menschen
    Meine Mutter hielt einen Gnadenstoss für notwendig und wenn sie mir mit
ihrer teuren Rechten einen Ritterschlag versetzte pflegte sie zu sagen Besser
so als anders  eine freie Übersetzung von besser Ritter als Knecht  und
dann sagte sie wieder Wer seinen Eltern nicht folgt folgt dem Kalbfelle  In
der Hauptsache stimmte sie mit meinem Vater sie zog nur durch einen andern Weg
in eben dasselbe Land  Regen der ihr kam wenn sie die große Wäsche vorhatte
die mein Vater scherzweise Fegefeuer nannte das war ihr Gottesschlag und immer
wusste sie mit welcher Sünde sie diesen Regen beim lieben Gott verschuldet
hatte
    Ich entsinne mich als wärs heute dass sie meinetwegen einen Stock ergriff
 feierlich wie einen an einer Kreuzfahne allein sie besann sich wie Diogenes
der einen armen Jungen mit der Hand Wasser schöpfen sah  sie murmelte »wer
das Schwert nimmt wird durchs Schwert umkommen« und ich habe also nie unterm
Gefreitenstock gestanden sondern nach Prinzenart da doch niemand ohne Schläge
groß wird bloß Weiberhänden diesen Tribut bezahlt Meine Mutter nannte diese
Zucht Licht und Recht und hatte eine sehr feine Distinktion zwischen dem Stabe
Sanft und dem Stabe Wehe womit meinen Lesern aber wenig gedient sein kann
    Die Sprachen rechnete mein Vater zum Departement des Leibes und der Seele
Man muss pflegte er zu sagen nur Eine vollkommen besitzen das ist reden
schreiben und in ihr denken können Ein Gott Eine Taufe Eine Sonne Ein Weib
Ein Geist Ein Leib Ein Freund Eine Sprache
    Es gibt sagte er keine nackte Wahrheit Worte finden heißt denken Worte
sind was Körperliches was Sinnliches sie sind die Kleider der Gedanken 
Beiwörter der Besatz Worte der eigentliche Anzug Wer deutsch gedacht und
lateinisch geschrieben hat ist wenn er gleich der beste Lateiner wäre doch
ein Deutscher Cicero würde ihn für keinen Landsmann halten Um französisch zu
schreiben muss man Franzose sein um englisch Engländer Wer fremde Sprachen zu
etwas mehr braucht als sich andern Leuten die nicht unsere Mutter kennen
verständlich zu machen ist allemal ein schwacher Kopf Es fehlt ihm wo es
sitze das Übel wo es wolle
    Mein Vater war bei alle dem so wenig wider viele Sprachen dass er sie
vielmehr nach dem Turm zu Babel so notwendig als vielerlei Essen nach dem
höchstbetrübten Sündenfalle hielt Viele Sprachen bemerkte er sind viele
Creditbriefe Zeige sie vor du bist überall willkommen Kein Türke schlägt
einen Christen tot wenn der Christ türkisch kann und wenn es noch so viel
Religionsverdienst wäre Die Sprache ist eine Herzensschlinge Man ist
bestrickt man weiß nicht wie Doch warum soll ich alles wiedersagen was mein
Vater sagte Seine Behauptungen waren außer der Weise Er glaubte es müsste zu
kennen sein was bei Licht oder am Tage was des Morgens und was des Abends
gedacht wäre wenns nämlich aufgeschrieben worden Morgengedanken waren bei ihm
wie die Erstgeburt heilig Da ich mehr mit Kredit als mit eigenem Vermögen in
der Welt handeln sollte führte mich mein Vater fleißig zu fremden Sprachen an
und ich musste beinahe alle diese Sprachen zu gleicher Zeit lernen Alles ohne
Donat und Grammatik Zum Schulmässigen gewöhnte er mich allererst im vierzehnten
Jahre und konnte ichs folglich als Proben ansehen die man in der Rechenkunst
erfunden um zu sehen ob richtig gerechnet sei Mein Vater hielt viel auf
wörtliche Übersetzungen in Sprachen die noch leben Hieraus pflegte er zu
sagen lernt man eine Nation auf ein Haar kennen und die feinste Politik und
Weltkenntnis ist hier verborgen Dies ist der Chiffer zu den Geheimnissen der
Völker Auch sieht man aus der Sprache obs im Lande kalt oder warm neblicht
oder klar sei  Er ging hier noch weiter ich befürchte aber meine Leser
werden nicht weiter gehen wollen Bei abgeschiedenen Sprachen fuhr er fort
tötet der Buchstabe der Geist aber macht lebendig Die Griechen nannte er
Kirchenväter der Natur und ihre Sprache den Grundtext des Geschmacks Wenn man
uns zugehört hätte würde man uns für ein paar Maurergesellen vom Turm zu Babel
gehalten haben Alles durch einander und doch alles in einander Mein Vater
nahm wenn er fremde Sprachen mit mir redete auch fremde Arten an und das war
mir mehr als ein Lexikon Ich hatte für jede Sprache ein ander Gesicht eine
andere Zunge eine andere Hand einen andern Fuß und besonders eine andere
Nase Worte musste ich lernen und er war nicht mit der Lehrart zufrieden bei
Worten das Gedächtnis zu stützen und sich Merkzeichen zu machen Man hat sagte
er alsdann Bild und Wort zu behalten Ein Stammvater von Worten aber diente mir
zum Leitfaden bei tausend zum Nagel im Kleiderschrank wo man zehnerlei
aufhängt Ich lernte den Stammvater und wusste Sohn Enkel Urenkel und
Ururenkel und Ur Ur so viel man will
    Die lettische curische oder undeutsche Sprache lernte ich von meiner Mutter
und dem Herrn Jachnis Johann dem Aufseher über die Pastoratsbauern oder den
GottesBerat Das Pastoratshaus nannte ihn Herr Jachnis und sein Weib Frau
Masche Margarete er aber meinen Vater wenn er gleich deutsch mit ihm
sprach Zeenigs machzitajs wohlgelahrter und hochzuehrender Lehrer und aus
diesen Namen die er gab und die ihm gegeben wurden werden meine Leser ersehen
dass man diesen Menschen halb lettisch halb deutsch nahm Es hatte Herr Jachnis
den semgallischen Dialekt der um Mitau herum residirt und außer diesem
semgallischen Dialekte nach welchem die Bibel ins Lettische gedolmetscht
worden hatte er noch ein Flick von einem Brusttuch welches einer seiner
Vorfahren aus der eigenen Hand des Herzogs Gottard erhalten da er ihm das
Evangelium am Sonntage Palmarum in undeutscher Sprache aufsagen können
    Mein Vater unterstützte die hohe Idee die Herr Jachnis der sich auch wohl
von den Pastoratsbauern Amtmann nennen ließ von dieser Reliquie hatte Er ließ
es sich zuweilen zeigen und ermahnte ihn sein geistliches Ordensband wohl zu
bewahren Hiezu brauchte Herr Amtmann Jachnis keine Aufmunterung denn er machte
kein Geheimnis draus dass dieses Ritterflick bis an den lieben jüngsten Tag beim
Ältesten in der Familie bleiben sollte
    Meine Mutter ärgerte sich so oft davon geredet wurde und versicherte auf
Ehre Pflicht und Gewissen dass dieses Stück Gewand fünf und mehrere Male
verwechselt wäre und hierin schien sie auch um so mehr Recht zu haben als es
noch ziemlich ungebraucht war Sie legte es ihm zur Last dass seine Vorfahren
nicht lieber ein Stück von dem Psalmbuche zurückgelassen welches der gottselige
Herzog Gottard zum Druck befördert allein gewiss bloß darum weil einer ihrer
poetischen Vorfahren sich darin ein Gedächtnis gestiftet hatte Mein Vater
widerlegte meine Mutter nicht allein er klopfte dem Herrn Jachnis auf die
Schulter und sagte gut ist gut besser ist besser Dieses legten beide meine
Mutter und Herr Jachnis für sich zum Vorteil aus so dass sich beide durch ein
freundliches Lächeln bei meinem Vater bedankten
    Es lebte meine Mutter überhaupt mit dem Herrn Amtmann in beständigem
Streite obschon sie im Grunde gute Freunde waren Sie gab ihm an Stärke in der
undeutschen Sprache nicht einen kleinen Finger breit nach allein sie sah diese
Sprache aus dem nämlichen Standpunkte wie ein Deutscher einen Letten Weil Herr
Jachnis auch ein Deutscher war sprach er zuweilen von ABC und gleich brachte
ihn meine Mutter in eine solche Enge dass er nicht aus noch ein wusste Erzen Er
pflegte sie ihm nachzuspotten denn das H fehlt der lettischen Sprache so wie
das C sagt ABD sonst würde man euch wegen Dieberei in Anspruch nehmen
    Die Letten haben einen unüberwindlichen Hang zur Poesie und ob ich gleich
gewiss glaube dieser Umstand habe den poetischen Samen in meiner Mutter
ausgestreut welche schon in ihren Vorfahren mit diesem Volke zusammen Früchte
eines Feldes gegessen und Wasser eines Flusses getrunken war sie doch in diesem
Stücke unerkenntlich Sie bestritt indessen nicht dass die lettische Sprache
schon halb Poesie wäre Sie klingt sagte sie wie ein Tischglöckchen die
deutsche aber wie eine Kirchenglocke Sie konnte nicht leugnen dass die
gemeinsten Letten wenn sie froh sind weissagen oder in Versen reden und wenn
sie das Gegenteil hätte behaupten wollen würde Herr Jachnis mit den lieben
PastoratsAngehörigen den Gegenbeweis geführet haben Herr Jachnis und seine
Untergebenen ließ keine Ernte keine Hochzeit keine Leichenwache vorüber wo
nicht geweissagt wurde Bei allen Talcken oder Tagesarbeiten wo die Leute im
Schweiße ihres Angesichts herrlich nach lettischer Art bewirtet wurden
bewiesen sie dass sie poetischen Geistes Kinder wären Meine Mutter fand dem
Herrn Jachnis zum Hauskreuz an dieser poetischen Blumenlese die ihr zugeeignet
wurde beständig etwas zu rügen und wenns auch nur das I und U gewesen wäre
welches die Nothelfer der Letten sind so oft es an einer Sylbe gebricht
    Es sind viele welche behaupten die Letten hätten noch Spuren von
Heldenliedern allein diesen vielen widerspricht mein Vater »Das Genie der
Sprache das Genie der Nation ist ein Schäfergenie Wenn sie gekrönt werden
sollen ists ein Heu oder höchstens ein Kornkranz der ihnen zustehet Ich
glaube Helden gehören in Norden zu Hause wo man härter ist und fast täglich
wider das Klima kämpfen muss die Letten könnten also hierzu Anlage haben wo ist
aber ein Zug davon  Würden sie wohl sein und bleiben was sie sind wenn nur
wenigstens Boden zur Freiheit und zum Ruhme in ihnen wäre In Kurland ist
Freiheit und Sklaverei zu Hause«
    Mein Vater war eben kein großer lettischer Sprachkünstler wer aber eine
Sprache in ihrer ganzen Länge und Breite versteht kann über alle Recht
sprechen Er versicherte nie Fußstapfen von Heldenliedern aufgefunden zu haben
wohl aber Beweise dass schon ihre weitesten Vorfahren gesungen hätten und wo
ist ein Volk fragte er das nicht gesungen hat Er hatte wie ers nannte eine
Garbe zärtlicher Liedlein gesammelt wovon ich seine Übersetzung besitze die
ich vielleicht mitteilen kann und wodurch dem undeutschen Opitz des Herrn
Pastors Johann Wischmann kein Abbruch geschehen soll Wenn ich nicht diese Garbe
in Händen hätte würde ich doch vom Urteil meines Vaters der kein Curländer
war die Appellation einzulegen anraten In diesen Liederchen herrscht
bäuerischzärtliche Natur und etwas dem Volke eigenes Die Übersetzung ist noch
meines Vaters Manier
    Weil wir bei den Sprachen sind muss ich noch bemerken dass mein Vater nur
blutwenig hebräisch arabisch und chaldäisch usw aber gar nicht wusste Er
hatte sich wegen des Hebräischen im Anfange vielen Nachreden ausgesetzt da er
so ehrlich gewesen die Grenzen seiner Kenntnisse nicht zu verbergen Nach der
zehnten Hauptverfolgung die mein Vater dieserhalb in Kurland erlitten zog ein
sehr geschickter Konversus jüdischer Christ oder getaufter Jude unsere Straße
und dieser brachte meinem Vater das Jüdischdeutsche in wenigen Stunden bei Er
hatte den Einfall auf diese Art an einen seiner Herren Amtsbrüder der über ihn
den größten Stock gebrochen hatte zu schreiben und da es dem guten Manne
unmöglich fiel diese Schrift aufzulösen kam mein Vater in einen so großen Ruf
wegen der Grundsprache dass dieser böse Herr Amtsbruder mit dem großen Stocke
meinen Vater für einen getauften Rabbiner gehalten haben würde wenn meinem
Vater damit gedient gewesen wäre Ob nun gleich dieser Konversus meinen Vater
wie einen Brand aus dem Feuer zog und meine Mutter die Aufmerksamkeit bemerken
konnte die mein Vater für diesen seinen Retter fasste war sie doch anfänglich
sehr wenig mit diesem Hieronymo a sancta fide zufrieden Sie probirte seinen
Glauben täglich mit Schweinefleisch und da mein Vater ihr diese Mode verwies
andere Gerichte anordnete und den ehrlichen Sprachmeister von dieser Tortur und
christlichen Daumenstöcken befreiete war sie der Gesinnung jenes Königs von
Spanien welcher gesagt hat drei Wasser verdürben das süße Wasser im salzigen
Meer das Wasser im Weine das Taufwasser auf dem jüdischen Kopfe  »Das Wasser
im Weine« sagte mein Vater »mit Erlaubnis Sr katholischen Majestät der Wein
im Wasser«  Meine Mutter gab nicht sogleich die Allianz mit dem Könige von
Spanien auf indessen wurde am Ende alles beigelegt und die liebe Frau ging
einen für ihren Gast sehr vorteilhaften Frieden ein Sie fand sogar ein
rührendes Vorbild in dieser Einigkeit von der Bekehrung der Juden vor dem
jüngsten Tage welche der Konversus steif und fest nach seiner Versicherung
glaubte und worüber mancherlei und manches geredet wurde Meine Mutter war sehr
für schriftliche Aufsätze mein Vater wie alle Leute seiner Art fürs
Mündliche Die gute Frau war entschlossen dem Konverso eine schriftlich
abgefasste Instruction mitzugeben da er fröhlich seine Straße zog indessen
blieb es doch bei einer mündlichen
    »Wanken Sie weder zur Rechten noch zur Linken Wer beharrt bis ans Ende der
wird selig Die Beständigkeit sei um Sie wie ein Kleid das Sie anhaben und wie
ein Gürtel womit Sie sich gürten Wie ein frisches Hemde am schwülen Tage sei
Ihnen der Trost des christlichen Gewissens Vater und Mutter haben Sie
verlassen aber der Herr hat Sie angenommen  Sie werden nicht bloß ein
Grasbürger ein Einwohner der Vorstädte in der Stadt Gottes sein sondern mit
Ehren und Schmuck werden Sie in die Hauptstadt eingehen Ihr Kern und Stern
bleibe das Lied
Keinen hat Gott verlassen«
setzte sie hinzu »Sie sind ihm diese Dankbarkeit schuldig«
    Der Konversus hatte ihr erzählt dass für ihn dies Lied der Wecker zur
christlichen Religion gewesen und ohne Zweifel war diese Erzählung der Eckstein
zur Aufsage des guten Vernehmens mit Sr katholischen Majestät Sie gab ihrem
Freunde den Hauptschlüssel zu allen Versen dieses Leibliedes aus welchen wie
sie sagte summa summarum Katarina herauskäme Das Wort Akrostichon musste ihr
mein Vater vorschiessen sie hatte es nicht im Vermögen und da sie selbst
Katarina hieß so wird man desto leichter einsehen warum Se katholische
Majestät nunmehr keine Bundesgenossin mehr an meiner Mutter hatte
    Mein Vater wünschte schlechtin eine glückliche Reise und gab seinem
Sprachmeister statt des Schatzkästleins von Stosssprüchen einen Zehrpfennig
Eigentlich wars in Hinsicht des mit ihm getroffenen Kontrakts ein
Gottespfennig denn er bat nicht zu vergessen was er mit einer Handlobung
versprochen hätte Unfehlbar hat dieser Kontrakt darin bestanden gewissen
Geistlichen in Kurland keine Lection zu geben oder wenigstens die ihm gegebene
zu verschweigen
    Das Einträglichste bei dieser Sache war dass die benachbarte Klerisei ihre
Verfolgungen einstellte und da zuvor das dritte Wort beständig eins aus der
Grundsprache war verstummten von Stund des jüdischdeutschen Briefes an die
Orakel Mein Vater hatte andere Ursachen seinen Herren Amtsbrüdern kein Rappier
anzubieten oder sie kämpflich zu grüßen und wusste sich so vortrefflich ohne
die geringste Unrichtigkeit sich zu Schulden kommen zu lassen bei Ehren zu
erhalten dass so oft er irgend einen Konfrater zum Zuhörer hatte er den
Grundtext tapfer citirte und oft zwei bis drei Verse aushob Wenn es gleich auf
Treue und Glauben eines Andern wo nicht Dritten geschah und sein Grundzeugniss
beständig von Hörensagen war so hatte er doch seine Leute viel zu gut kennen
gelernt und war bei dieser Proclamation kein Einspruch zu fürchten so dass er
sich zuletzt ganz dreist ein Beholzungsrecht oder die Befugnis in des andern
Walde Holz zu fällen zueignete Die griechische Sprache wovon die Herren
Amtsbrüder nicht vielmehr als die beiden griechischen Freunde wussten war nicht
hinreichend meinem Vater Ruhe zu schaffen Sie hielten es mit dem alten
Testament bis zur Ankunft des Konversus und nun war jeder furchtsam in meines
Vaters Gegenwart an die heilige Schrift zu denken und jeder wunderte sich
warum er mit seiner hebräischen Sprachkenntniss so lange hinter dem Berge
geblieben
                                   Personen
                        Mein Vater
                        Meine Mutter
                        Der Ritter Jachnis
                        Konversus putzt Licht
                        Der alte Herr
                        Minchen seine Tochter
                        Benjamin sein Sohn
    Ich habe gestern Abend meinen Lesern den Auftritt des alten Herrn und seines
Benjamins versprochen Den alten Herrn habe ich in meinem Leben nie unter einem
andern Namen als dem des alten Herrn kennen gelernt Wer mich also nach seinem
Vor und Zunamen fragt erhält eine abschlägige Antwort Seine Lebensgeschichte
kann von keinem besonderen Belang sein indem sein ganzes Wesen allem was man
Belang heißen kann geradezu entgegen war Er selbst behauptete von sich so oft
mans ihm so nahe legte dass es ihm an den Fingern brannte er sei ein
Literatus Meine Mutter die sich nicht stark genug dünkte ihm diese Ehre
abwendig zu machen ließ ihn zwar Literatus sein indessen pflegte sie ihn in
Rücksicht dieser Würde eine geschwächte eine zu Fall gekommene Person zu
heißen Es ging die Rede dass er das Schneiderhandwerk gelernt hätte wenigstens
übte er dieses Handwerk aus und alle meine Schlafröcke und täglichen Kleider
sind durch seine gelehrte Hand gegangen Was die Feierkleider betraf konnten
sie freilich keinem Literato anvertraut werden der Umstand indessen dass er
Schneiderarbeit verrichtete schien nicht hinreichend das Gerede dass er ein
Schneider wäre außer allen Zweifel zu setzen denn er war im Grunde genommen
ein Tausendkünstler
    Er hatte sich bei einigen hochwohlgeborenen Herren zum Hofnarren zum
Kammerherrn zum Forstund Jägermeister brauchen lassen und nachdem er am Ende
einsah dass es besser sei ein Schneider als ein Hofnarr zu sein zog er sich in
bester Ordnung zurück nahm seine letzten Kräfte der Hofkunst zusammen und war
so glücklich seine Herren Principale dahin zu überschwatzen dass ihm zeitlebens
ein standesmässiger das heißt ein höchst notdürftiger Unterhalt angewiesen
wurde Die Alten starben und die Jüngeren ließ ihn im Besitz ohne den Kanon
von Witz einzufordern den sich ihre Antecessoren jährlich hatten bezahlen
lassen Es legte sich der alte Herr auf den Unterricht der Kinder stand mit den
Pastoren der Gegend in gutem Vernehmen und verrichtete sogar einige heilige
Handlungen wobei die Herren Geistlichen substituiren können zuweilen rührte er
das Positiv welches in einer unserer benachbarten Kirchen stand Dieses aber
musste wenigstens vierzehn Tage zuvor bestellt werden und dann war es doch nur
ein Gastpräludium
    Er behauptete dass man sich auf ein Präludium eben so sehr als auf eine
Predigt vorbereiten müsse und wie der Klang der Worte  wenn er mit der
auszudrückenden Sache wie ungefähr der erste und zweite Diskant harmonire  die
Originalsubstanz der Sprache bewiese so verriete es einen großen Musikus wenn
man das Evangelium so zu sagen ins Präludium setzen und es so deutlich in Noten
ausdrücken könnte dass wer das Präludium hört auch zugleich das Evangelium
wissen müsste
    Hierüber wurden dem alten Herrn von meiner Mutter verschiedene Einwendungen
gemacht allein er behauptete er hätte nur neulich das Vater Abraham erbarme
dich mein so natürlich auszudrücken gewusst dass der ganzen Gemeinde darüber
Furcht und Schrecken angekommen wäre und da ihm meine Mutter das Evangelium von
der Beschneidung von den viertausend Mann und vom steinichten Acker entgegen
setzte und ihn befragte wie er Weizen und Kornland fünf Gerstenbrode und ein
wenig Fischlein in der Musik ausdrücken könnte wollte er zwar im Anfange
behaupten dass alles dies in die Musik zu übersetzen wäre nachher aber schämte
er sich über sich selbst Sie warf ihm sehr oft den steinichten Acker die
viertausend Mann die fünf Gerstenbrode und ein wenig Fischlein vor obgleich
sie an die Beschneidung ich weiß nicht warum weiter nicht dachte Bei dieser
Gelegenheit kann ich nicht umhin zu bemerken dass meine Mutter sich vor der
satyrischen Ader des alten Herrn gar nicht fürchtete so furchtbar ihn auch in
der ganzen Gegend seine Einfälle gemacht hatten
    »Eine Schneidernadel« pflegte sie zu sagen wenn er einen Einfall wider sie
hatte und wenn sie ihn recht ärgern wollte nannte sie ihn Tonkünstler welchen
Ausdruck er weniger als alles leiden konnte indem er sich hierdurch zu einem
Töpfer erniedrigt zu sein dünkte und sich hierbei um so mehr getroffen fand
als er dieses Handwerk in den langen Abenden wie er versicherte bloß seine
Augen zu schonen die freilich durch Noten und Fäden gelitten haben können
trieb Er verstand auch etwas vom Schuhmachen allein nicht das mindeste von der
Poesie Meine Mutter pflegte daher von ihm zu sagen er hätte den kalten Brand
Es war ihm zur Gewohnheit geworden wenn er etwas suchte auf den Tisch zu
klopfen welche Mode die Schneider haben wenn sie die Scheere suchen auch
wackelte er beständig mit dem Fuße welches den Töpfern eigen sein soll Vom
Schuster hatte er das weite Ausholen mit den Händen vom Spielmann aber einen
taktmässigen Schritt Da er für die poetische Gelehrsamkeit meiner Mutter Respekt
hatte unterstand er sich nicht aus seinem alten Kramladen ihr zum Nachteil
eine witzige Antwort herauszusuchen Er saß vielmehr wenn sie ihn böse gemacht
ganz still und wie meine Mutter sagte so gerade als wenn er sich barbiren
ließ Obgleich er als Organist welches in Kurland ein seltener Vogel ist oder
als Schullehrer ankommen können so hatte er jedennoch alles verbeten indem er
glaubte dass er sich hierbei aus den Augen setzen und zugleich allen
Universitäten einen Brandmark geben würde
    Die Kinder so er erzog nahm er nicht anders als bittweise an Zwar tat er
sehr unzufrieden wenn er seine Zahl nicht vollständig und seinen Lehrsaal nicht
ganz besetzt hatte inzwischen schien er nicht darum böse weil ihm keine Kinder
in die Schule gebracht wurden sondern weil er nicht gebeten war sein täglich
Brod zu verdienen
    Er brachte freilich seinen ihm vertrauten Kindern nicht viel bei da er
indessen mit für körperliche Übungen war konnte ihn mein Vater leiden
obgleich er mich seinem Unterrichte so wenig als meine Feierkleider seiner
Nadel anvertraute
    Da der alte Herr übrigens podagraische Zufälle hatte welche nach meiner
Mutter Meinung nur ein Edelmann und Literatus haben könnte da ferner der
ehrliche Nicolaus Herrmann vom Zipperlein geplaget gewesen welches aus dem
letzten Verse des Liedes »Wenn mein Stündlein vorhanden ist« erhellet
Wer ist der uns das Liedlein sang
Ist alt und wohl betaget
Diessmal kommt er nicht aus der Statt
Das Zipperlein ihn plaget
Oft seufzt er und hat Gott im Sinn
Herr hol den kranken Herrmann hin
Wo jetzt Elias lebt
    Da auch noch ferner der alte kranke Herrmann viele gute Chorale gemacht und
ein bewährter Tonkünstler und Kantor gewesen so beehrte meine Mutter zuweilen
den alten Herrn mit dem Namen Nicolaus Herrmann obgleich ihm die
Haupteigenschaft des Nicolaus Herrmann fehlte und der alte Herr den kalten Brand
hatte Oft sang sie ihm
Wer ist der uns das Liedlein sang 
vor und so wie sie es dem wirklichen Nicolaus Herrmann übel nahm dass ihm nicht
für
»Diessmal kommt er nicht aus der Statt«
die Schulbank eingefallen und er gesungen
Diessmal kommt er nicht von der Bank
als wodurch ohnehin der Reim »sang« sein bescheiden Teil erhalten hätte so
empfahl sie dem alten Herrn auch anstatt der letzten Reihe
»Herr hol den alten Herrmann hin
Dort wo es ewig taget«
Die Verbesserungsfreiheit nahm sie sich indessen sehr selten heraus denn sie
war keine Liebhaberin von Liederänderungen und mochte nicht wie sie sagte den
Saft und Kraft des Alten wässern und entkräften
    Die Zuschrift so der ehrliche Herrmann seinen Liedern vorgesetzt parodirte
meine Mutter auf den alten Herrn Ich muss sie hersetzen Sie verdients Die
Herrmannsche Dedication ist nur in zwei Reihen geändert
»Ihr allerliebste Kinderlein
Seht das Choralbüchlein
Soll eur und keines andern sein
Es ist fein albern und fein schlecht
Drum ist es für euch Kinder recht
Alt und glehrt Leut bedürfens nicht
Und die zuvor sind wohl berichtt
Gott will durch der Säuglinge Mund
Gepreiset werden alle Stund
Drum o ihr Christenkinderlein
Durch euch will Gott gelobet sein
So gwöhnt euch nun mit allem Fleiß
Dass ihr Gott singt Lob Ehr und Preis
Und hebt bald in der Jugend an
Was ich euch dazu dienen kann
Das will ich tun bis an mein Grab
Und weil ich gehn kann an einm Stab
Ob ich gleich wenig bring davon
Und Kinderarbeit gibt Kinderlohn
So wirds doch alles machen gleich
Der liebe Gott im Himmelreich
Dem sagt allzeit Lob Ehr und Preis
Niclas Herrmann der alte Greis«
    Der alte Herr war indessen nicht der Herr CF wie er in den lettischen
Gesangbüchern bezeichnet ist welches Christoph Fürecker heißt denn dieser der
Gottesgelehrteit Beflissener war ein unbezweifelter Literatus und Poet der aus
Liebe zu den lettischen Declinationen und Konjugationen wie ich unlängst
gelesen ein Märtyrer ward und eine wiewohl bemittelte und freie lettische
Bauerwittwe hübsch wird sie ohne Zweifel auch gewesen sein heiratete um
recht unter das Lettische zu kommen Ihm hat die lettische Grammatik den
Eckstein die Kirche aber sehr schöne Gesänge zu danken Ehre dem Ehre
gebühret sagte der alte Herr und so wenig ich es zugeben würde dass dem alten
Herrn was abginge eben so wenig will ich auch meine Leser bei einem Irrtum
lassen der sich sehr leicht bei ihnen hätte zur Miete anbieten können
    
    Ehe ich vom alten Herrn zum jungen übergehe noch ein Wort an den herzlich
geliebten Leser den wider mein Verschulden der Gedanke befallen dass die
Charaktere in dieser Geschichte so ziemlich übereinstimmend wären
    Da mein Vater sein Vaterland und der alte Herr seinen Namen verschwiegen
    Da meine Mutter sich eben sowohl über den Ritter Jachnis als den Kantor und
respective Schneider Töpfer und Schuster Nicolaus Herrmann genannt aufhielt
da   
    Allein hierauf dienet dem geneigten Leser zur dienstlichen Antwort dass ich
die Sache erzähle wie sie war und nicht wie man sie wünschen könnte Wenn ich
einen Roman schriebe wäre es was anders  Haben nicht sogar Völkerschaften
gewisse ähnliche Züge und jede Stadt und jedes Dorf durch die ganze Welt halten
unter einander wieder ihr Abzeichen Würde es mir zuzuschreiben sein wenn die
Unergründlichkeit wirklich der Hauptcharakter unseres Kirchspiels gewesen wäre
und wäre dieses nicht um so begreiflicher da mein Vater hierzu den Ton angeben
können wo hab ichs indessen je gesagt dass der alte Herr seines Namens wegen
in Anfechtung gewesen oder dass er ihn verschwiegen Ist denn alter Herr zu
heißen nicht eben so gut als Kaspar und Melchior und ists einerlei lettische
Verse machen welches in Kurland was allgemeines ist und ein Positiv schlagen
welches selten vorkommt  Wenn ich ganz aufrichtig sein soll hast du dich
gewaltig geirrt lieber Leser denn du kennest den alten Herrmann nicht weiter
als wo er von meiner Mutter überflügelt war Dieser Übergriff entscheidet
nichts  und was ists am Ende für Kunst Physiognomien zu beurteilen wo der
eine eine Habichts und der andere eine Mopsnase hat  wo der eine ein
Verschwender und der andere ein Harpagon ist Sieh aber leibliche Brüder sieh
Natur und Staatsbrüder  findst du noch Bedenklichkeiten bist du ein
Recensent und da verlohnts nicht zu streiten dass du nur nicht hingegeben im
verkehrten Sinn zu schreiben was nicht taugt mir um dein vorgeschriebenes
Recensionsmass voll zu machen ein gegebenes Ärgernis andichtest  Ich
verfluche jedes Wort das der Religion und ihrer Mutter der Tugend nachteilig
sein könnte allein ich glaube die Religion in der Kirche verschließen und sie
nicht ins gemeine Leben bringen heißt alle Wärme alle Empfindung des Herzens
aus der Welt verbannen und Tugend an einen Ort verlegen wo denen die nicht
Geistliche sind weiter keine Handlung übrig bleibt als öffentlich in den
Seckel zu legen und kein anderes Verdienst als still zu sitzen Ich wette die
mich auf diese Art zeihen vergessen dass wir nur aus der Kirche eine glühende
Kohle vom Altare heimholen sollen um im gemeinen Leben Gott Opfer der
Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zu bringen die allein ein süßer Geruch vor
dem Herrn sind und wert geachtet in seinen Augen Auch seine Heiligen sind
nicht rein vor ihm und warum soll ich also meine Mutter anders darstellen als
 Ich bin zu bewegt als dass ich heute mehr könnte als die Sonne untergehen und
wenn ich ins Bett mich lege nach meiner Mutter Weise ein Licht ausbrennen 
sehen
                                                    Geschrieben an einem schönen
                                                                Abend den  17 
    Benjamin gefiel mir unter allen Jungen unseres Kirchspiels am besten und da
ich vollkommen entschlossen war aus ihm den Darius den kleinen oder letzten
zu machen so muss ich gestehen dass ich viel Mühe befürchtete durchzukommen
Zum Glück fiel mir die Tronerhöhung eines seiner Vorfahren ein Wie kann
Benjamin Darius werden sagte das Heer Hier sind acht Jungen die gerade Beine
haben und außerdem dass dem Herrn Benjamin so nannten sie ihn schon weil er
Kandidat des Trons war das Bein nicht an der rechten Stelle sitzt hat er den
Fehler dass er link ist Nehmt sieben sagt ich nach Anzahl der sieben
Fürsten welche den König Smerdis mit seinem Anhange ausrotteten und der
dessen Pferd wenn ihr beim Spital angeritten kommt am ersten beim Aufgange der
Sonne wiehern wird sei Darius Gut sagten die sieben Kandidaten zur
königlichen Würde allein sie wussten nicht dass der königliche Kandidat es so
einrichten ließ wie es Darius des Hystaspis Sohn oder vielmehr dessen
Stallmeister einrichtete und wie man es noch bis auf den heutigen Tag bei allen
Wahlen man wähle einen König einen Landesdeputirten einen Priester einen
Küster einrichtet Es wird überall gewiehert Kurz Benjamins Pferd wieherte
zuerst und die Krone war sein damit ich sie ihm durchs Recht der Waffen
welches das besonderste Recht von allen ist nehmen könnte Er nahm die
Glückwünsche an und da ich bei dergleichen Dingen erschrecklich gelehrt war
brachte ich noch so viel Umstände aus der Geschichte bei dass ich nunmehr
wiewohl zu spät aus der Bewunderung des Volks einsah wie ich um eines Darius
wegen eben kein Pferd hätte wiehern lassen sondern bloß meine Zunge tapfer
brauchen dürfen Einen Alexander durften wir nicht suchen denn die heilige
Taufe hatte mir dazu ein Recht gegeben  Das Glück ist nicht viel auseinander
einen Freund oder einen Feind zu haben der uns Ehre macht und wenn ich also
den Benjamin zu meinem Feinde anzunehmen kein Bedenken trage was wollten denn
die Jungen  Fast schäme ich mich da ich meinen Lesern so spät eröffne dass
ich Alexander heiße Um indessen diese Verspätung gut zu machen will ich dabei
bemerken dass meine Mutter mit diesem Namen den Alexander Einhorn zweiten
Superintendenten in Kurland mein Vater aber den wirklichen Alexander oder den
Alexander Magnus den Alexander gegen den alle andere Alexander es nicht sind
zu verstehen schienen Meine Mutter hielt sogar das Wort Einhorn für eine freie
Übersetzung des Namens Alexander und rief mich daher sehr oft Einhörnchen
obgleich mein Vater nicht sonderlich damit zufrieden war Sie hätte um alles in
der Welt willen nicht Olympias sein wollen Es war ihr sehr unangenehm dass wir
heidnische Historien aufführten daher sie sobald sie Kriegsgeschrei im Dorfe
hörte uns die Historie vom Joseph in Vorschlag brachte wozu sie unter andern
den Grund hernahm weil ich einen bunten Rock hatte Indessen bestärkte mein
Vater meinen Entschluss Alexander zu werden und war dabei so zufrieden dass ich
den guten Mann als Feldpropst hätte mitnehmen können wenn Alexander einen
Feldpropst gehabt hätte
    Zum Aristander war mein Vater nicht als ein christlicher Geistlicher zu
brauchen eine so wichtige geistliche Rolle auch Aristander zu seiner Zeit in
der Geschichte Alexanders spielte Gelegenheiten machen Diebe Gelegenheiten
machen Helden und es ist nicht zu leugnen dass auch Alexander Gelegenheit
gefunden Aristander indessen das wett ich hat eben so viel getan als
Alexander obgleich der erste eigentlich nur ein Gelegenheitsmacher war Von der
Auslegung des Traums des Philippus an welchem vorkam dass er den Leib seiner
königlichen Gemahlin Olympias mit einem Wappen worauf ein Löwe gegraben war
versiegelt als welchen Traum Aristander auf einen Sohn der ein Löwe sein
würde auspunktirte bahnte er durch alle seine Auslegungen unerhörte Wege Es
ging wie beim Religionskriege zu Aristander gab dem Alexander seinem
Generalfeldmarschall Bucephalus und der ganzen Armee den Sporn Die Auslegung
als man ihm meldete dass eine Bildsäule des Orpheus geschwitzt hätte gefiel
seinem christlichen Herrn Kollegen meinem Vater sehr übel Es sollte dieses
nach des Aristanders Deutung anzeigen wie die Poeten bei der Alexandriade
schwitzen würden »Dass dich«  sagt mein Vater »Aristander hat bei dieser
Auslegung selbst geschwitzt« Ich kann es jetzt zwar meinen Lesern nicht ohne
Lachen erzählen durch den Umstand sehr aufgefordert zu sein
    Dass in der Nacht da ich geboren ein Backhaus durch einen Brand zerstört
        worden
Indessen brauchte mein Vater diesen Vorfall sehr zu meinem Vorteil Es war das
Gerüste auf das ich stieg um gut dazu zu kommen die Leiter mich so jung und
klein ich war doch künstlich groß zu machen Der Vorfall diente ihm meine
Lebenskarte zu illuminiren und es half mir diese Fiction bei Sprachen und bei
Schlachten Wenn gleich ich mir nicht einbilden konnte dass die Diana nicht Zeit
gehabt das Backhaus in Protection zu nehmen da sie bei meiner Mutter
Hebammendienste verrichtete schiens mir doch was Denkwürdiges Das Feuer vom
Backofen war mir eine Leuchte auf manchem saueren Vocabelnwege und nimmermehr
würd ich dieses alles so herzlich erzählt haben wenn nicht bei tausend
Merkwürdigkeiten die in der Welt geschehen ein abgebranntes Backhaus der
Entstehungsgrund wäre Eine Art Bucephalusgeschichte veranstaltete mein Vater
da er einem Pferde diesen Namen verehrte das wie alle andere Pferde war das
seines Schattens wegen nicht in Unordnung kam und das eben nicht wert war im
besonderen Verstande von der Sonne beschienen zu werden Meinem Tempel der Diana
indessen war der Gaul sehr angemessen Ich sah verschiedenes was man beim
Bucephalus sah allein ich konnte es nicht ändern dass ich nicht auch
verschiedentlich etwas anders sah Mein lieber Vater sah alles mit
    Was der Herr von Voltaire in seiner Geschichte »Alexander Magnus« vom
Bucephalus unter andern im sechsten Buch und fünften Kapitel sagt dass nämlich
Alexander denselben non eodem quo caeteras pecudes animo aestimabat das traf
bei mir auf das genaueste ein wenn ich ihn abrichten wollte dass wenn ich
aufstieg er die Knie beugen und empfinden sollte wer ihn zu besteigen ihm die
Ehre erwiese war er doch zum Kniebeugen nicht gelehrig und wenn ich die
aufrichtige Wahrheit sagen soll viel zu steif wie ich denn auch blind sein
müssen falls ich behaupten sollen dass ers empfunden wenn ich oben war wen er
trüge wie Herr von Voltaire in dem angezogenen Roman vom Bucephalus des
Alexanders berichtet et regem quum vellet ascendere sponte sua genua
submittens excipiebat credebaturque sentire quem veheret
    Überhaupt war es ein sehr alltägliches Pastoratspferd und darf ichs also
nicht bemerken dass mit der Reiterei bei meinen Feldzügen es nur sehr schlecht
bestellt gewesen Dies ist ein unverlöschlicher Beweis dass ich zu keinem Roman
wo beständig ein merkwürdiges Pferd nötig ist wohl aber zur Geschichte wo man
mehr zu Fuße ist wies am Tage und an mir erfüllt wird Stoff abgeben könne
Für Talente war mein Bucephalus nicht gekauft mein Vater konnte auch nicht
sagen da ich ihn zum erstenmale unter meine Füße gebracht dass sein Pastorat zu
klein für mich wäre indessen hatte ich das Unglück dieses Pferd wiewohl
Alters wegen während dem Kriege zu verlieren Es starb nicht den rühmlichen
den schönen Tod fürs Vaterland indessen heißt der Ort wo es mit andern seines
gleichen welche aber nicht den großen Namen Bucephalus geführt begraben ist
Bucephalia bis auf den heutigen Tag Das ist alles was ich mich unterstehe in
einer wahren Geschichte von einem Pferde zu erzählen
    Der gordianische Knoten war für mich ein wahrer Knoten denn außerdem dass
ich zuweilen meiner Mutter wegen meiner kleinen Hände beim Stricken wenn
etwas verknüpft war kindliche Dienste geleistet war mir kein gordianischer
Knoten vorgekommen obgleich ich mich schon in dieser Erwartung im Knotenlösen
so geübt hatte dass mir so leicht nichts zu sehr verknüpft war Ich hatte den
Stolz den Knoten nicht symbolisch nicht witzig sondern künstlich lösen zu
wollen Da ich indessen eine geraume Zeit vergebens auf einen gordianischen
Knoten gewartet hatte führte mich die Knotensucht auf das Geistige Ich legte
diesen Umstand in der Geschichte des Alexander so aus wie man vieles auszulegen
gewohnt ist Ich deutete es auf schwere Stellen in den Autoren die man durchaus
witzig lösen muss Mein Kopf war hiebei so fertig als meine Hand beim
Strickzeug und wie Alexander nach dem Berichte des oberwähnten
Romanenstellers sagt nihil interest quomodo solvatur so konnte man auch was
loco citato hinzugefügt wird von meinen meisten kritischen Erzählungen sagen
oraculi sortem vel elusit vel implevit
    Es würde ferner eine Unwahrheit sein wenn ich meinen Lesern erzählen
sollte dass ich meinen Vater beneidet und mit Tränen bedauert dass er mir keine
Sünder zu bekehren übrig ließe
    Mein Vater legt es auch nicht an einen Alexander den Großen aus mir zu
ziehen ich sollte nur Alexander werden
    Unter dem Orden Groß sagte er liegt etwas Seelenverderbendes es trage
diesen Orden ein Monarch unterm oder überem Kleide oder ein Privatmann am
Knopfloche Hüte dich vor dem den Gott gezeichnet hat
    Regenten die sich so peinlich wie Alexander der Große bemühen Groß zu
heißen leben nicht der lieben Unsterblichkeit wegen Sie tragen Fesseln die
ihnen die Dichter und Redner anlegen Wenn es gleich das Ansehen hat als ob die
Dichtkunst und Geschichtskunde auch den Huldigungseid abgeleistet hätte wissen
sie doch dass einer von diesen Zünften sie bei einer Lampe in einer Stunde um
eines ganzen Lebens Ruhm bringen könne Sie zittern vor einem jeden der Reime
kommandiren oder es war einmal ein Mann etc schreiben kann
    Wie Alexander des Homers Schriften verehret weiß jeder welcher weiß dass
Homer und Alexander in der Welt gewesen Homers Schriften waren sein Gesangbuch
das er auf Reisen mitnahm und da er ein güldenes Kästchen erbeutet antwortete
er denen die ihn fragten »wozu« den Homer hinein zu legen Das waren mehr als
silberne Klausuren
    Den Nachkommen des Pindars ließ er Salvegarden anschlagen und beehrte auf
diese Art das Haus dieses Dichters und damit der Maler Apelles selbst das
Äußere eines Alexanders nicht verunstalten möchte schenkte Alexander wie man
erzählt ihm eine seiner vorzüglichsten Inclinationen Des Malers wegen tat
ers nicht Der gute Apelles sollte diese Schönheit nackt in forma probante
vidimiren und konnte nicht der Liebe widerstehen Alexander merkte diese
Neigung und befriedigte sie
    Die Gewalt die sich die Großen des Nachruhms wegen antun die sie zu
Knechten ihres ganzen Lebens macht ist von der Hofmanier ungefähr wie ein
Tänzer vom Fechter unterschieden Alles ist solch eines Großen wegen da bis auf
den lieben Gott den er aber auch nur der Curialien halber in Ehren hält Tut
er was Gutes plaudert es nicht nur seine Rechte der Linken aus sondern es wird
ausgetrommelt als wenn man in einer Glücksbude oder Lotterie was gewonnen hat
Bei ihrem Gutstun siehts so wie beim stolzen Geiz aus der aus Not gedrungen
ist ein Mahl auszurichten Es soll was sein sagen die Leute Ein großer
Privatmann ist noch unerträglicher Riegelt die Türen eurer Herzen zu wenn er
sich melden lässt und lasst ihn höchstens ein Visitenblatt einreichen Ich wollte
mit ihm nicht unter einem Dache wohnen wenn gleich er mir den rechten Flügel
seines Schlosses aufräumen würde Lieber will ich beim Lot auf dem Boden
schlafen Jonathan Wild ist noch der leidlichste unter Großen dieser Art
    Warum war ich denn Alexander Respondetur eben darum weil Eugen unterm
Spiegel hing und weil man bei meinem Vater zu Hause eher als in Kurland Spargel
isst in der freien Luft eine Pfeife raucht Wein braut und lange Manschetten
trägt Ich sollte zwar nicht groß werden allein ich sollte auch nicht klein
bleiben Hier hatte er eine feine Distinktion die ich mir nicht getraue
wiederholen zu können Sie würde mir unteren Händen bleiben
    Mein Vater war  wie ich schon meinen Lesern bei einer andern Gelegenheit
reinen Wein aus seinem Geburtsorte wo man ihn bei der Quelle trinkt
eingeschenkt  sehr für mannhafte tapfere Leute mithin lag ihm der
Soldatenstand nicht aus dem Wege Alles war bei ihm nach Soldatenart Er hatte
zum Exempel die Gewohnheit alle Jahre seinen Büchervorrat den er Armee oder
seine Macht nannte auszustäuben Dies hieß in seiner Sprache sie mustern und
Revue halten Alle acht Tage nach russischer Art zogen zehn Bücher auf die
Wache Es war ein besonderer Ort wo sie aufgestellt wurden Seine Absicht war
diese zehn zu durchlaufen Meine Mutter fand hiebei viel Anstössiges weil auch
geistliche Bücher sich diesen Kriegsdienst gefallen lassen mussten Vielleicht
liegt der Umstand den ich noch anführen will nicht sehr aus dem Wege
    Mein Vater mochte gern wilde Tiere zähmen Er sagte zwar »wir sind auf die
Art Menschen geworden Gott weiß was aus ihnen wird« Indessen warf er hierbei
einen Seitenblick auf den monarchischen Staat und den Soldatenstand wofür er im
Grunde des Herzens war
    Das sind die Data die ich meinen Lesern in Hinsicht seines Entwurfs zu
meiner künftigen Bestimmung bis hierher mit dem Mantel der Liebe und mit dem
Pelz der Verschwiegenheit bedeckt habe
    Warum aber wenn ich zu mir selbst komme diese Hüllen Meine Leser werden
das weiß ich von meiner Ehrlichkeit keinen bösen Gebrauch machen da sie
nunmehr wissen was ich weiß
    Für einen Mann aber wie du lieber Vater ein unerwarteter Plan dass ich aus
dem Stahl und Stein deines Feuerzeuges keinen einzigen Funken mehr
herausschlagen kann
    Zwar weiß ich dass die Bürger zu viel Zeit brauchen Zeitungen zu lesen um
selbst zu Zeitungen Gelegenheit zu geben dass sie zu weichlich sind um sich das
Auge und den Rücken frei zu halten Indessen lieber Vater sieh an die Tiere
von denen wir durch die Kunst verdorbene Menschen leider die Natur absehen
müssen haben sie einen Obersten einen Hauptmann einen Lieutenant einen
Fähndrich und außer dem Zank unter sich und mit andern Tieren ist der Mensch
ohnehin ihr Türke ihr Erbfeind Ein jedes Tier wehrt sich seiner Haut und
wenn wir uns zusammenarmen wir die wir durch Boden und Sonne vereinigt sind
um das nämliche zu tun würden wir dann nicht vernünftige Tiere sein Ein
jeder wäre Soldat und Bürger jeder hätte Leib und Seele Der Gelehrte würde
abgehärteter der Soldat vernünftiger sein und allen wäre geholfen
    Meine Leser werden das sehe ich im Geiste die Köpfe schütteln wenn sie
den dritten Teil meiner Geschichte mit dieser Stelle in einem Gliede marschiren
sehen werden Sie können mir indessen nicht verargen dass ich ihnen den
Schlüssel vom fünften Akt verhalte denn warum sollten sie einem Feuerwerk des
Mittags um zwölf Uhr zusehen das erst um zwölf Uhr in der Nacht abgebrannt
werden soll
    Die Kriege wurden griechisch geführt die Reden respective lateinisch und
wegen des Ekels des Benjamin gegen diese Sprache lettisch gehalten Recht wurde
nach Leonhart Fronspergers kaiserlichen Kriegsrechten gepfleget Rechne lieber
Leser alles dieses zusammen schwerlich ist Summa Summarum Soldat wenigstens
bleibt der Zweifel was für ein miles Soldat togatus oder sagatus ein Soldat
mit dem Haarzopfe oder mit der Alongenperücke Die Behauptung meines Vaters dass
man aus den römischen Gesetzen und was ihnen anhängt lateinisch und aus den
alten deutschen Gesetzen und ihren Verwandten deutsch lernen könnte stützt den
gegebenen Zweifel allein meines Vaters Bibel wird den Ausschlag geben
    Mein Vater hatte alle Schriftstellen wo von Soldaten geredet wird
gezeichnet Im zweiten Buche der Maccabäer im dreizehnten Kapitel und
fünfzehnten Verse sagt er wird die Parole ausgegeben »Und er lagerte sich
bei Modin und gab diese Worte ihnen zur Losung« »Gott gibt Sieg« Jetzt sagt
er hat sich die Parole recht als ob sie ihm selbst war gegeben worden von
dieser Art sehr gändert indessen könnte diese Manier im Kriege mit Nutzen
gebraucht werden um das sinkende Rohr aufzurichten und den flimmenden Docht
aufzufrischen  Von Feldgeschrei wird im Buche der Richter im siebenten Kapitel
vom achtzehnten bis zwanzigsten Verse geredet hier lag ein großes Zeichen
»Wenn ich die Posaune blase und alle die mit mir sind so sollt ihr auch die
Posaunen blasen ums ganze Heer und sprechen hie Herr und Gideon Also kam
Gideon und hundert Mann mit ihm an den Ort des Heeres an die ersten Wächter
die da verordnet waren und weckten sie auf und bliesen mit den Posaunen und
zerschlugen die Krüge in ihren Händen Also bliesen alle drei Haufen mit
Posaunen und zerbrachen die Krüge Sie hielten aber die Fackeln in ihrer linken
Hand und die Posaunen in ihrer rechten Hand dass sie bliesen und riefen hie
Schwert des Herrn und Gideon«
    Es fand mein Vater im zweiten Buch der Chronik im dreizehnten Kapitel im
vierzehnten Verse ein Bataillon quarré
    »Da sich Juda umwandte siehe da war vorn und hinten Streit Da schrien sie
    zum Herrn und die Priester trommeteten mit Trommeten«
wie er denn auch mit dieser Spruchstelle bewies dass die Priester ehemals
Hautboistendienste verrichtet diesen Spruch führte er beständig an wenn er vom
geistlichen Priestertume redete und legte ihn von dem Mute aus den ein
Christ dem andern bei den Feldzügen und Scharmützeln dieses Lebens zuzublasen
verbunden wäre um ihn wenigstens zu betäuben Über die Werbung Handgeld und
Musterung hatte er im zweiten Buche der Chronik im fünfundzwanzigsten Kapitel
den fünften und sechsten Vers gezeichnet
    »Und Amazia brachte zuhauf Juda und stellte sie nach der Väter Häusern
nach den Obersten über tausend und über hundert unter ganz Juda und Benjamin
und zählete sie von zwanzig Jahren und drüber und fand ihrer dreihunderttausend
auserlesen die ins Heer ziehen mochten und Spieße und Schilde führen konnten
Dazu nahm er aus Israel hunderttausend starke Kriegsleute um hundert Centner
Silbers«
    Jetro sagte er hat die ersten Patente als Oberster und Kapitän gegeben
und von ihm schreiben sich die Herren Stabs und andere Officiere her im
zweiten Buche Mosis im achtzehnten Kapitel vom neunzehnten bis zum
siebenundzwanzigsten Verse heißt es also
    »Aber gehorche meiner Stimme ich will dir raten und Gott wird mit dir
sein Pflege du des Volks vor Gott und bringe die Geschäfte vor Gott und
stelle ihnen Rechte und Gesetze dass du sie lehrest den Weg darin sie wandeln
und die Werke die sie tun sollen Siehe dich aber um unter allem Volke nach
redlichen Leuten die Gott fürchten wahrhaftig und dem Geiz feind sind die
setze über sie etliche über tausend über hundert über fünfzig und über zehn
dass sie das Volk allezeit richten Wo aber eine große Sache ist dass sie
dieselbe an dich bringen und sie alle geringe Sachen richten So wird dirs
leichter werden und sie mit dir tragen Wirst du das tun so kannst du
ausrichten was dir Gott gebeut und alle dies Volk kann mit Frieden an seinen
Ort kommen Mose gehorchte seines Schwähers Worten und tat alles was er sagte
Und er wählete redliche Leute aus ganz Israel und machte sie zu Häuptern über
das Volk etliche über tausend über hundert über fünfzig und über zehn Dass
sie das Volk allezeit richteten was aber schwere Sachen wären zu Moses
brächten und die kleinen Sachen sie richteten Also ließ Mose seinen Schwäher
in sein Land ziehen«
    Das Exerciren bewies er aus dem andern Buche der Könige im fünf und
zwanzigsten Kapitel im neunzehnten Verse
    »Und einen Kämmerer aus der Stadt der gesetzet war über die Kriegsmänner
und fünf Männer die stets vor dem Könige waren die in der Stadt funden wurden
und Sopher den Feldhauptmann der das Volk im Lande kriegen lehrte und sechzig
Mann vom Volk auf dem Lande die in der Stadt funden wurden  «
    Gern hätte ihm meine Mutter diese Zeichen insgesamt wie Spreu in die Luft
zerstreuet allein sie schien diese Schriftstellen selbst als bewaffnet
anzusehen
    und nun sollen sie so lange wie Fahnen in der Kirche hängen Da liegt sie
    vor mir diese väterliche Bibel wo Stunde Tag und Jahr meiner Geburt von
    meinem Vater eingeschrieben ist Sei mir gesegnet göttliches Buch
    Bei meinem Namen steht eine schwere Geburt der Name des Herrn sei gelobt
Feierlich bete ich Amen dazu Teure Bibel jedes Zeichen in dir obs gleich
eine Menschensatzung ist bleibt mir doch unschätzbar Es enthält für mich einen
Zug vom Bilde meines Vaters der überwunden hat Lasst mich einen Augenblick
damit ich meine Hände zu den Bergen hebe von welchen uns Hilfe kommt Unsere
Hilfe kommt im Namen des Herrn der Himmel und Erde gemacht hat  
    Ich finde Örter mit einer solchen papiernen Schildwache versehen wo
                    vom Schwerte
                    von Pfeilen
                    Bogen
                    Lanzen
                    Panier
                    Trompeten geredet wird
                    wo ein Fähnlein wehet
                    ein Gezelt im Lager steht
                    Gold ausgeteilt wird
und wo das Wort ausziehen welches nach seiner Erinnerung marschiren und nicht
laufen bedeutet gebraucht ist
    Ferner liegen Zeichen bei den Worten Kriege Kriegsknechte Streiter
Streitgenossen oder Kriegskameraden
    bei List Hinterhalt Schlagen Fechten Streiten Wagenburg Sturm und
Beute
    beim Hauptmann von Kapernaum und bei drei Obersten
    Ihr sollt unversehrt bleiben ihr nur lieben Zeichen und so oft ich dich
teure Epistel am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis die erschrecklich
begriffen ist im HauptExemplare sehe und sonst lese und höre seh ich und
les und hör ich meinen Vater
    Hierauf wollen meine christlichen Leser mit teilnehmender Herzensandacht
verlesen hören die Epistel am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis wie
sie beschrieben steht in der Epistel an die Epheser im sechsten Kapitel und
zehnten Verse und wie sie in unserer deutschen Übersetzung lautet
    »Zuletzt meine Brüder seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner
Stärke Ziehet an den Harnisch Gottes dass ihr bestehen könnt gegen die
listigen Anläufe des Teufels Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu
kämpfen sondern mit Fürsten und Gewaltigen nämlich mit den Herren der Welt
die in der Finsternis dieser Welt herrschen mit den bösen Geistern unter dem
Himmel Um desswillen so ergreifet den Harnisch Gottes auf dass ihr wenn das
böse Stündlein kommt Widerstand tun und alles wohl ausrichten und das Feld
behalten möget So steht nun umgürtet eure Lenden mit Wahrheit und angezogen
mit dem Krebs der Gerechtigkeit und an Beinen gestiefelt als fertig zu treiben
das Evangelium des Friedens damit ihr bereitet seid Vor allen Dingen aber
ergreifet den Schild des Glaubens mit welchem ihr auslöschen könnt alle
feurige Pfeile des Bösewichts und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des
Geistes welches ist das Wort Gottes«
    Wenn ich mir die Seelenfreude vorstelle mit welcher mein Vater über diese
Epistel predigte empfind ich ein groß Stück dieser Seelenfreude Meine Mutter
sagte zwar »Heute geht er gestiefelt und gespornt wie ein geistlicher Ritter
auf die Kanzel« Lass ihn liebe Mutter den hochwürdigen und gestrengen Herrn
Es ist ein Mann mein Vater Wenn es gleich aus der heiligen Schrift ziemlich
deutlich hervorgeht dass er für den Soldatenstand sei bin ich denn darum schon
in Reih und Gliedern  Warte wenn ich bitten darf den dritten Teil meiner
Geschichte ab  und am Ende liebe Mutter heißt es Gebet dem Kaiser was des
Kaisers und Gott was Gottes ist Sind wir nicht geistliche Soldaten die sich
zum Himmel durchschlagen müssen Die klugen Israeliten mussten mit dem Könige
vorn Willen nehmen da die Pluralität einen begehrte Gott gab allen einen
König Sapienti sat
    Klitus damit es meine Leser nur ja wissen ist auch nicht in unserm
Kirchdorfe erstochen vielmehr ist er noch jetzt am Leben und sitzt auf dem
väterlichen Acker Er hat mir nicht das Leben gerettet auch ist seine Schwester
nicht meine Amme gewesen Dies Trauerspiel ward also als ein Lustspiel
vorgestellt wie man es mit den meisten Trauerspielen machen kann I nunc ad
Philippum et Parmenionem et Attalum wurde nüchtern gesagt und blieben daher
die Busstage aus vielmehr wurde ein allgemeines Gelächter weil Klitus so frisch
und gesund seiner Wege ging wie unsere Schauspieler wenn sie erstochen
erschossen und mit Gift vergeben sind Seneca das fällt mir eben ein hätte
sich die Todesart wählen sollen im Trauerspiele am fünften Akt zu sterben Es
wäre seinem Leben und seinen Schriften angemessener gewesen und leichter muss es
auch sein als wenn man sich alle Adern öffnen lässt
    Die schönen Redeübungen doch nur von Alexanders Seite womit der beredte
Curtius seine Leute ausstaffirt konnte ich auf ein Haar Benjamin hielt alles
was er hielt aus oben angezeigten wichtigen Gründen in curischer Sprache ich
habe dem Q Curtius Rufus eben den christlichen Namen Voltaire beigelegt um
diesem letzten mit Ehren grau gewordenen Dichter und Geschichtschreiber
Komödien und Tragödiensteller den ich von Person kenne vorzüglich wegen
seiner Geschichte bei dieser Gelegenheit ein Kompliment zu machen
    Dieser große Mann trägts auch am Knopfloche und wenn er als
Geschichtschreiber auftischen lässt fehlts an gesundem unverfäschtem Weine
Gebackenes die Menge Da heut eben sein Geburtstag ist hoffe ich von ihm wegen
dieses kleinen Andenkens Toleranz und von meinen Lesern Verzeihung
    Es ist schon gesagt dass die Nüchternheit bei unserm Alexanderspiel
beobachtet wurde indessen tranken wir Wasser aus dem Hute wenns in der Rolle
vorkam dass getrunken werden sollte und der Hut stellte des Herkules Becher
sehr gut vor Ich konnte also nicht durch das Gift des Weins ums Leben kommen
sondern lebte den Curtius einigemale durch und durch
    Ich zog mit wenigen Jungen oder Pfefferkörnern dem Benjamin Darius und
seinem Mohnsamen auf den Hals
    Wir lieferten alle Schlachten die Alexander geliefert hat
    Bei Issus in Cilicien welches über Feld lag verlor Benjamin Darius eine
Menge Volks und ich bekam seine Frau Mutter Majestät seine Frau Gemahlin
Majestät und seine Kinder königliche Hoheiten zu Kriegsgefangenen Die
königliche Frau Mutter stellte auf Befehl meines Vaters unsere alte Köchin
vor und meine Mutter sagte »kann sie nicht lieber die Potiphar machen«
Benjamins Schwester war die älteste Prinzessin Tochter und des Ritter Jachnis
Frau und Tochter stellten die königliche Frau Gemahlin und Tochter vor Wegen
des Prinzen waren wir nicht verlegen denn hierzu hatten wir viele Jungen im
Dorfe Mit der Schlacht bei Arbela hatte die persische Monarchie ein Ende
    Der Tod des Darius ward nicht vorgestellt weil Benjamin über den Tod nicht
spassen wollte und aus Todesangst sehr leicht unteren Händen bleiben können Es
fehlte uns auch eine Kleinigkeit die goldnen Ketten Wenn alle Schlachten zu
Ende waren fingen wir sie von Anfang an obgleich wenn wir an die
Gefangennehmung der königlichen Familie kamen wegen der königlichen Frau Mutter
der Verdruss unvermeidlich war Meine Mutter beklagte sich über die Köchin dass
sie wenigstens drei Tage bei dieser königlichen Gelegenheit den Gehorsam
aufsagte und vorzüglich alles versalze Desto besser sagte ich sie macht ihrer
Stelle Ehre Die Frau Potiphar würde sie besser machen antwortete sie und ich
brachte ihr das Salzfass ging mit ihr in die Speisekammer aß unterm
EierMonument ein Stück Schinken und die Köchin blieb die königliche Frau
Mutter
    Die Jungen im Dorfe nannten diese feierlichen Tage Talken allein ich
brachte diesen unheiligen Namen ab und pflanzte so viel Griechisch im ganzen
Dorfe dass derjenige welcher der lettischen Sprache die Ehre tat sie aus
meiner Welt zu beurteilen die griechische Sprache für Mutter Schwester
Tochter oder was weiß ich für was für eine nahe Blutsverwandtin von der
lettischen halten musste
    Die königlichen Gefangenen waren bei mir so gut als beim Alexander
aufbewahrt Ich war eben so wie Er justus hostis und misericors victor Die
königliche Frau Gemahlin würde auch schwerlich jemanden wenn gleich er sie
nicht so gut als Alexander und ich besessen in Versuchung geführt haben da sie
bei den Blattern um ein königliches Auge gekommen war
    Nach dieser Anzeige darf ich auch nicht bemerken dass die dreihundert
sechzig Pellices Kebsweiber nicht angebracht werden konnten wie denn auch
deshalb nicht zu behaupten war Pellices CCC et LV totidem quod Darii fuerant
regiam implebant Denn Benjamin wusste in diesem Stücke eben so wenig wie ich
was gut oder böse sei Ich vermied mithin den Vorwurf des Lagers dass ich mehr
verloren als gewonnen hätte und dass obgleich ich den Darius überwunden ich
doch von ihm in diesem Stücke wäre überwunden worden ex Macedoniae Imperatore
Darii satrapem factum
    Bei dieser Gelegenheit indessen und vorzüglich weil Darius seine Gemahlin
so sehr wie Hans seine Grete geliebt sah ich seine und des Alexander und des
Königs Salomo Kebsweiber für Lexika an die man um ein Wort nachzuschlagen
nötig hat
    Außer den Soldat und Sprachabsichten hatte mein Vater auch eine moralische
woran ihn sein Priesterkleid auch bei einer heidnischen Geschichte erinnerte Es
ward oft mitten in der Schlacht ein Porisma ober ein Komma gemacht womit ich
aber meine Leser nicht belästigen mir selbst aber nicht in die Rede fallen
will
    Die Geschwindigkeit zE in der Ausführung ist für jeden Alexander eine
Haupteigenschaft Ists möglich nimm Postpferde sagte er wenn du tust 
allein denk erst Kannst du Kourierpferde haben desto besser Was geschwind
geschieht vergeht geschwind kann nur von Planen verstanden werden oder über
die ganze Regel wie über viele ein Schwamm Wer bald gibt gibt doppelt und
wer schnell tut ahmt Gott nach der sprach und es ward
    Unter anderem behauptete er auch dass Aristoteles durch den Alexander und
Alexander durch den Aristoteles so groß geworden als sies wirklich waren Mali
corvi malum ovum Einer war stolz auf den andern wie er denn auch der Meinung
war dass solche außerordentliche Leute wie Alexander an dem nichts mittelmäßig
als seine Gestalt war und der unter den Großen der Flügelmann ist nicht
vierzig Jahre alt würden und dass große Eigenschaften auch große Laster oder
wenigstens große Fehler zu ihren Waffenträgern hätten
    Alexander sagte er täte alles der ateniensischen Avisen wegen allein er
nehme mir nicht übel dass ich ihm nicht beitreten kann Er welcher die ganze
Welt für eine Festung ansah wo ihm nur verstattet worden auf den Wällen
herumzugehen sollte des Wandsbecker Boten wegen in Athen    Nein die
späteste Nachwelt war sein Ziel unser Dorf wo Er gespielt wurde war seine
Aussicht und wahrlich wir sind nicht die ersten Kinder und werden auch nicht
die letzten sein die den Alexander spielen Diese Geschichte hat viel Unheil in
der Welt angerichtet vom Brudermörder Karacalla an bis auf den heutigen Tag
wird sie ins Große und ins Kleine gespielt allein es geht leider dabei nicht
so ruhig zu wie in  und in unserm Dorfe wo Gottlob kein Blut vergossen wird
    Und ich warum vergiess ich Tinte warum ergreif ich die Feder warum bin
ich Alexander und Q Curtius Rufus in einer Person Das ist ein gordianischer
Knoten im ganz besonderen Sinne Einer wird sagen um in der  gelobt oder wie
ich vorlaut bin recensirt zu werden ein anderer um über tausend Jahre den
Jungen im Dorfe zum Marionettenspiele zu dienen ein anderer  die Zeit wirds
lehren
    Schon vor vierzehn Tagen sagte ich übermorgen und legte also eine
schriftliche Zusage ab an diesem Übermorgen meinen Lesern den Zeitpunkt zu
bestimmen wenn mein Vater den zweiten Diskant rühmlichst mitzusingen
angefangen um sie in diesem Sinne nicht länger absque die et consule zu lassen
Ich hätte keine Stundung ober Tagung vonnöten gehabt wenn nicht ein guter
Freund der nach Gastrecht zu behandeln war diesen Aufschub veranlasst Heute
will ich meine Schuld abtragen wenn ich zuvor meinem guten Freunde eine
glückliche Reise gewünscht habe
    Damit ich alles siguire wars in meinem vierzehnten Jahre da ich ohne
Hoffnung krank darnieder lag Mein Vater konnte nicht begreifen wies zuging
Bei einer solchen Bewegung an Leib und Seele sagte er wo kommt das Übel her
    Vom betrübten Sündenfalle half ihm meine Mutter aus denn alles Böse war
bei ihr ahnenreich und vielschildig
    Vom betrübten Sündenfalle seufzte mein Vater und meine Mutter sang aus
vollen Seelen und Leibeskräften
Heut sind wir frisch gesund und stark
Sieh morgen liegen wir im Sarg
Heut blühn wir wie die Rosen rot
Bald krank und tot
Ist allenthalben Müh und Not
    Mein Vater der diesen Vers mit vieler Andacht gehört doch aber noch nicht
mitgesungen hatte verfolgte seine Zweifel Seine Meinung um sie zu filtriren
war dass ein Mensch der der Natur getreu wäre und ihrem Fingerzeige folge 
denn es ist Gottes Finger setzte er hinzu  dass ein solcher Mensch der seiner
Seele und seinem Körper nicht zu viel nicht zu wenig täte nicht krank werden
und ehe er achtzig erreicht hätte und das Gewicht abgelaufen wäre auch nicht
sterben könne
    Allein die Tiere sagte meine Mutter sind krank ehe ihre Stunde schlägt
    Tut alles nichts zur Sache Haustiere sind wie Menschen am Hofe Sie sind
verwöhnt Wilde Tiere das wäre ein Einwand allein nur ein scheinbarer denn
der Mensch hat Verstand
    »Nur nicht in seiner Kindheit selbst wenn er älter wird verdirbt er sich
den Magen«
    Dafür hat ein Kind Vater und Mutter Der Eltern Verstand ist der seinige
Ist er erwachsen und übertritt sein bescheiden Teil triffts meine Regel
nicht
    »Aber wenn Vater und Mutter schon krank sind ehe sie ein Kind in diese
Hütten Kedars setzen ich sags nicht von uns beiden«
    Du hast Recht Gottlob aber wir sind frisch gesund und stark wie du
gesungen hast
    »Indessen etwas fehlt einem jeden und wenn er ein Gesicht wie ein
StettinerApfel hätte Wir haben alle einen Schaden und der kommt von Adam her
du magst sagen was du willst Siehst du wie ich durch die offene Türe beim
betrübten Sündenfalle bin Hast du nicht selbst gesagt Toren sie wollen das
Fleischessen auf einmal abbringen das Kind kommt schon mit Fleischhunger und
Bischofsdurst auf die Welt Allmählig und durch fünf Generationen wars nicht
so muss es erst zur Natur reducirt werden Da siehst du wie ich deine Prose
behalte Ich habe noch in meinem Leben nicht so geistlich mit dir gesprochen
wie jetzt Gott Lob für diesen Tag«
    Wenn du so den Fall Adams nimmst hast du Recht kann aber der liebe Junge
nicht aufstehen Arbeit ist die beste Arznei wider den Tod Auch ein Kranker
sollte arbeiten wenns nur so viel ist als er zu seiner Beköstigung braucht
Das ist wenig Die Natur hat ihm nicht mehr auferlegt als er ertragen kann So
allmählig als ein Kranker Appetit bekommt fängt er auch an besser zu werden
    Ich Vater ich kann nicht mehr auf kann auch nicht mehr essen
    Mein Vater Armer Junge Geht ab Ich wollte versuchen aufzustehen
    Meine Mutter Bleib bleib Es ist immer besser die Krankheit trifft uns
auf dem Bette als auf dem Felde Davon weiß ich auch ein Lied zu singen
Gewisse Krankheiten wollen wie vornehme Leute behandelt werden man muss ihnen
entgegen  ein Flussfieber nimmts so genau nicht
    Mein Vater kam wieder fasste mich an die Stirn und Hände und ich konnte an
seinen Augen in Frakturschrift lesen was er sobald er merkte dass ich
hereinsah vor mir verbarg
    So sehr mein lieber Vater wider die Ärzte war die er wie die Beichtväter
und Gewissensräte für etwas hielt was uns und unsern Gott und die Natur sein
Werk von einander schiede so gab er doch dem Verlangen meiner Mutter nach die
sich ihr Votum nicht nehmen ließ
    Oft habe ich ihn sagen gehört ohne Arzt stirbt man leicht und schnell Mit
einem Arzte stirbt man täglich Wer bis in seinen letzten Augenblick lebt wer
beharrt bis aus Ende stirbt nicht  er wird lebendig gen Himmel geholt und
dies alles kann man nur ohne Arzt Dies und noch mehr sagte er sehr oft allein
jetzt blieben diese schönen Sprüche weg er schrieb an den Doctor Saft der
sechs Meilen von meinem Puls entfernt war und machte ein Gesicht als ein
Referent der von seiner Meinung durch die Mehrheit abgestimmt ist
    Die Antwort des Doctor Saft traf ihm das Herz Er war nicht mehr Er
bestätigte mit seinem Beispiele dass uns die Ärzte feig machen indem sie
Gefahren aufdecken die vor uns verborgen sind
    Meine Mutter hingegen war so sanft wie ein Lied Er nahm sie an der Hand
zeigte ihr den saftischen Brief und sie ohne Schrei ohne Ach stimmte an ihre
Augen gen Himmel
Da wird uns der Tod nicht scheiden
Der uns jetzt geschieden hat
Gott der Herr wird selbst uns weiden
Und erfreun in seiner Stadt
Ewig ewig für und für
Ewig ewig werden wir
Mit einander jubiliren
Und ein englisch Leben führen
Noch sang mein Vater nicht mit Seine Seele war versunken in Schmerz Meine
Hoffnung sagte er die der Herr bei meinem stummen Gram mir in einem fremden
Lande aufgehen ließ ein Nachtfrost und siehe da 
    Er hat große Hitze sagte meine Mutter
    Gütiger Gott lass ihn mir lass ihn einem Unglücklichen der für sich lange
die Wünsche aufgegeben zu dem Staube seiner Väter versammelt zu werden
    Herr Superintendent Alexander Einhorn fiel meine Mutter ein liegt in
Kurland begraben 
    O mein Sohn sagte mein Vater
    und meine Mutter er hat die Kirchenordnung im Jahre ein tausend fünf
hundert und siebzig verfertigt 
    O mein Sohn sagte mein Vater
    und nach ihm blieb die SuperintendentenStelle vierzehn Jahre unbesetzt
    O mein Sohn beschloss mein Vater der sich in seinem Gebete nicht hätte
stören lassen wenns eingeschlagen hätte O mein Sohn mein Sohn wollte Gott
ich könnte für dich sterben
    Hierauf sagte meine Mutter kein Wort
    Ich sah bei dieser Gelegenheit was ich oft gesehen dass das schlecht und
rechte Christentum eine edle Gleichgültigkeit einen gewissen Liederton im
Leben wirkt der uns bei allem in der Welt wärs auch ein AlexanderVerlust
Ruhe ins Herz weht Mein Vater schlug wie Petrus mit dem Schwerte drein Seine
Religion war ein höheres Halleluja welches aber für die Vollendeten gehört und
das für die Zeitlichkeit nicht zu sein scheint Bald sind wir zwar wenn wir uns
in diesem höheren Chor befinden entzückt bis in den dritten Himmel bald aber
schreien wir Herr hilf uns wir verderben
    Lange stand mein Vater mit gelähmter Seele allein meine Mutter brach diesen
Seelenschlaf durch einen freundlichen guten Morgen
    Eins sagte sie lieber Mann bedaur ich
    Ich mehr als Eins sagte mein Vater und was ist dieses Eine mein Kind
fuhr er mit einer bedeutenden Miene fort
    Meine Mutter nahm ihn ohne ihm zu antworten bei der Hand und drückte ihm
ein wiederholtes liebliches Was denn heraus
    »Dass ich ihn predigen gehört«
    Mein Vater seufzte laut ohne ein Wort zu sagen
    Nach ihrer Meinung hätte mir eine Predigt einen gewissen Rang im Himmel
zuteilen müssen Ob ich nun gleich nicht die Kanzel bestiegen so versicherte
mich jedennoch meine Mutter da mein Vater mit gekreuzten Händen hinausgegangen
war dass sie mir ebenfalls ein Monument in der Speisekammer errichten würde Der
alte Herr sagte sie soll deinen Namen in Mitau zum Druck befördern und da du
von deinem lieben Vetter eine schreckliche Ähnlichkeit hast ist euch beiden
geholfen
    Von den sechs Nägeln für einen Vierding sind noch zwei übrig Verlass dich
auf deine Mutter
    Dieser an sich unbeträchtliche Umstand von den zwei übriggebliebenen Nägeln
fiel mir so auf dass ich von dieser Minute an den letzten Rest meiner Hoffnungen
einbüsste und meinen ungezweifelten Tod in den zwei Nägeln sah Wären wohl zwei
Nägel übrig geblieben wenn es nicht darum gewesen wäre deine Grabschrift zu
befestigen dacht ich und warum würden wohl sechs Nägel für einen Vierding zu
haben sein wenn ich nicht diesmal sterben sollte Ich war kein Alexander mehr
und ich fühlte es dass die Medizin mit der Einbildungskraft stritte und dieses
letztere überwand Es schlug nichts an
    Wenn er nur ein einzigesmal gepredigt hätte wiederholte meine Mutter und
mein Vater der bei dergleichen Irrtümern sonst ein sehr heftiger Widerleger
war tat nichts weiter als seufzen Eine totale Sonnenfinsterniss lag auf seiner
Seele sein Herz konnte nicht ins Geleise gebracht werden So vergingen drei bis
vier Tage Werde ich sterben fragt ich Gott kann dir helfen sagte er und
meine Mutter wie Gott will und beide Amen
    Nach einer Weile zog ich meine Mutter fest an mich »Ei die zwei Nägel«
Sie glänzten mir so schrecklich als die Kometen dem gemeinen Manne Wie
verstellt die Verzagteit die Mutter der Hypochondrie die Gebärden eines jeden
Dinges
    Meine Mutter ohne die Frage in ihrem Umfange zu denken antwortete Sie
sollen dein
    Ach war meine Antwort
    Und hilft dir Gott fuhr sie fort hänge ich deine Lieblingswürste dran
    Die sagte ich Liebe die  ich konnte sie vor Freuden nicht bestimmen
    Eben die erwiderte sie
    Das war Medizin Ich sammelte mich Die Kometen verloren ihren Schein Ich
sah anstatt meines Namens im Druck zwei kleine Würste Ich bekam Appetit und
hätte gewiss alle beide aus freier Faust aufgegessen wenn nicht alsdann die
beiden Nägel wieder vacant geworden wären Ich schlief die Nacht und wenn mein
Vater nicht noch ganz verfinstert gewesen wäre würd er aus meinen Augen eben
so viel gelesen haben als ich zuvor aus den seinigen las
    Ehe noch das Fatale interponendae und introducendae abgelaufen und mein
Leben ober Tod res judicata eine rechtskräftige Sache war bekam mein Vater
einen Brief für den er viel Postgeld bezahlen musste und dieser Brief brachte
ihm den zweiten Diskant mit den meine Leser ihn sogleich singen hören werden
    Er las diesen Brief las ihn wieder und da er ihn zum drittenmale anfing
rief er mit wehmütiger Stimme Licht Es ist aus  Gott  schrie ich  aus
und meine Mutter aus
    Wenn er lieber auf die Würmer curirt hätte fragte meine Mutter meinen
Vater nicht wahr lieber auf die Würmer
    »Es ist aus« sagte mein Vater Der Stärkste in seiner Kunst ist Saft nicht
fuhr meine Mutter fort Ich wette er ist da Doctor geworden wo der alte Herr
Literatus gewesen ist »Gottes Wege sind nicht unsere Wege« sagte mein Vater
»Im fünf und vierzigsten Jahre seines Alters im Herrn entschlafen« Wer fiel
meine Mutter ein Doctor Saft ist er tot der geschickte Mann Kurland
verliert viel an ihm
    Mein Vater Die letzte Stütze des Hauses
    Meine Mutter Er hat noch einen Bruder
    Mein Vater Licht Licht Licht Licht
    Meine Mutter Wie tot am Schlagfluß
    Mein Vater Alles tot alles tot
    Meine Mutter Mit Weib und Kind
    Mein Vater Licht Licht
    Man brachte ein Licht
    Noch eins sagte er und nachdem er beide Lichter es war heller Tag
hingestellt hatte nahm er eine Handvoll Papiere die sich mit dem neuen Briefe
für den er eben so viel Postgeld bezahlt hatte begrüßten und nachdem er diese
Papiere allzusammen gen Himmel gehalten sagte er »wie du willst
unbegreiflicher Gott«
    Er steckte an und noch hör ich die wehmütige Stimme Wir sind Staub und
unsere Hoffnungen Staub und alles Staub Hier verbrannte er sich die Finger
indem er das eine Papier nicht zeitig genug fallen lassen Heilige Asche diese
Träne sei Weihwasser für dich Mit dir geweihter Staub will ich den Sarg
meines Sohnes begrüßen Du bist Erde und sollst zur Erde werden
    Kleopatra die eine Perle austrank sagt er nach einer Weile hat nicht
mehr verzehrt als ich heute und kein Lucius Plaucius hat die andere Perle
gerettet
    Die Nägel fingen wieder an zu blinken ich sah meinen Tod vor Augen und
empfand wie es einem jungen Menschen von vierzehn Jahren zu Mute ist wenn er
sterben soll
    Freilich hätte mir einfallen können dass ein Brief vom Doctor Saft und so
viel Postgeld nicht im Verhältnis wären doch fiel es meiner Mutter so wenig wie
mir ein
    Mein Vater zog mit dem Doctor Saft über mein Leben schriftlich Schach Mein
Vater schrieb ihm seinen Zug der Doctor den seinen und die Verwirrung die
mein Vater durch das Wort aus welches ein schreckliches Wort ist und durch die
zwei Lichter am hellen Tage welche zum Worte aus eben so schrecklich abstechen
erregt hatte brachten meine Mutter und mich auf den Gedanken Doctor Saft hätte
Schachmatt gesagt Das Feuer ist ein vernichtendes Element Noch schaudert mir
die Haut da ich diese Papiere brennen und in Asche ohne Leben und Bestand und
Saft verwandeln sehe solch einen Eindruck machte dieses Feuer auf mich Ich
würde meinen Leib um alles nicht verbrennen lassen und viele meiner Leser
welche bedenken dass die Verwesung zugleich eine Geburt sei werden mir
beitreten
    Die Art wie mein Vater anfänglich die Sache betrieb ließ mich vermuten
Doctor Saft hätte unbedachtsam gezogen und was mich noch freut ist dies dass
ich dem Doctor Saft nicht fluchte
    Gott verzeihe ihm sagte ich und meine Mutter setzte hinzu aus
Barmherzigkeit
    Nachdem wir beide meine Mutter und ich aus den abgebrochenen Reden einen
andern Schluss zogen Doctor Saft wäre nämlich vorausgegangen wünschten wir ihm
beide aus gutem Herzen eine glückliche Reise ich will ihm abbitten sagte ich
wenn ich ihn im Himmel sehe dass ich ihn unrecht verdacht habe Nach
vollbrachtem Opfer sah ich eine Träne nach der andern die Wangen meines Vaters
herabfliessen und die Papierasche die sonst verflogen wäre anleimen
    Es sei nun das weinende Auge meines Vaters oder das unrichtig vermutete
Schachmatt des Doctors oder sein selbsteigener tödtlicher Hintritt die Ursache
die meine Mutter zum Singen brachte sie fing an
Gott eilet mit den Seinen 
und bei der zweiten Strophe fiel mein Vater im zweiten Diskant ein zum
erstenmale hören ihn also meine Leser mitsingen
Lässt sie nicht lange weinen
In diesem Jammertal
    Wenn ich jetzt die Sache überlege finde ich dass ich eigentlich damals nur
einen Sterbenden vorstellte ich starb schön ich starb poetisch denn mein
Körper hatte sich von den zwei kleinen Würsten erholt Mein Herz war aber aller
der Vorgänge wegen im fünften Akte des Trauerspiels Ich war bewegt  ich sah
alles mit mir sterben bis auf die Lichtputzerin zu weinte alles ich weiß
nicht ob es die königliche Frau Mutter oder ein anderes Geschöpf war
    Eine Bitte habe ich an Vater und Mutter fing ich nach einer langen Stille
an
    Meine Mutter die unfehlbar sich vorstellte dass es wegen des Monumentes in
der Speisekammer wäre fragte leise »an beide« Ja liebe Mutter und gleich
lieber Vater sagte ich laut Sprich sagten sie beide Verlasset  hier weinte
ich zärtlich  Minchen des alten Herrn Tochter nicht Gut sagte mein Vater
warum fiel meine Mutter ein Weil ich sterbe und mich ihrer in dieser Welt
nicht annehmen kann liebe Mutter Schade dass ich es nicht kann Wie ich
Alexander und sie die Tochter des Darius war  denke nicht mehr daran sagte
meine Mutter wollte Gott du wärest Joseph und die alte Babbe Barbara
Potiphars Weib gewesen  hab ich gefunden dass sie verdiente Königin zu sein
Ich habe ihr nie gesagt dass ich ihretwegen des Amtmanns   Christoph zwei
Finger gelähmt  Gott stärke sie wenn es dem Christoph nützlich und selig ist
Ich meine seine beiden Finger Christoph behauptete Minchen sei verwachsen das
ist sie nicht sagt selbst liebe Eltern Das ist sie nicht versicherten beide
und ich fügte noch einmal hinzu das ist sie nicht Nach meinem Tode fuhr ich
fort entdecke ihr liebe Mutter meinen Streit mit Christoph und dass ich ihr
gut gewesen bis in den Tod denn ich möchte gern dass sie mich nicht vergässe und
mir auch gut wäre bis in den Tod Meinen Benjamin grüßt von mir auch den
Christoph Die Sonne ging nicht unter während unserm Zorn Grüsst das ganze Heer
 Nicht wahr mein Vater jetzt kann kein anderer als Benjamin im Dorfe
Alexander werden Joseph willst du sagen sagte meine Mutter und drückte mir
die Hand
    Alexander erwiderte ich will ich sagen Meine Mutter sah meinen Vater an
mein Vater sah auf die Erde Benjamin fuhr ich fort hat zwar die rechte Hand
nicht in seiner Gewalt allein sonst ists ein guter Junge Ehrlich und treu wie
der Wiederhall Das Bein verwächst sich vortrefflich und fallen gleich die
lateinischen Reden weg im Lettischen ist er Alexander Minchen Benjamin und
ich waren Kastor Pollux und Helena Ein Drittel dieses Dreiblatts welkt Gott
segne die Zurückgebliebenen mit dem Tau seiner Gnade Wenn Minchen heiratet
ich möcht es nicht gern wenn aber  seht zu liebe Eltern dass sie einem
ehrlichen Kerl ihre Hand gibt und nun  und nun  hier stockt ich  lebt wohl
meine teuren lieben gütigen Eltern lebt wohl lebt wohl Hier nahm ich alle
ihre Hände zusammen und küsste sie und sagte Gott vergelte euch alles Gute Dir
liebe Mutter das Geräucherte unterm Kupferstich Seid Minchen und Benjamin gut
liebe Eltern und wenn es sein kann lasst mich hinter der Kirche an dem großen
schwarzen Kreuze begraben wo mein liebstes Lager war Lieber Vater du weißt
den Platz so gut wie ich Minchen wird das weiß ich sich gern auch da begraben
lassen  wenn anders ihr Mann es zugibt und auch ihr meine lieben Eltern wenn
ihr so gütig sein wollt ruht zusammen mit mir bis an den Morgen des jüngsten
Tages  Dann gehe ich mit Minchen wie ein Bräutigam mit seiner Braut aus der
Schlafkammer Eine lange Brautnacht  Mein Herz bebt vor dem Worte lange
zurück Gott schenke uns allen eine angenehme Ruhe  Wir weinten alle Die
Tränen meiner Mutter flossen sanft so sanft als ein warmer Mairegen Mein
Vater war heftig Stirb sagte er im Namen Gottes der Himmel und Erde gemacht
hat und meine Mutter Amen und ich Gott mit euch in alle Ewigkeit und wir
alle drei zusammen Amen Amen
    Nach einer kleinen Weile fragte mich mein Vater ob ich noch Minchen oder
Benjamin oder beide zusammen sehen wollte  Minchen sagt ich heiter
Minchen Nein  Minchen nicht lieber Vater sie würde sich zu sehr grämen wenn
sie ihren Gemahl Alexander sterben sehen sollte Sie hat mich bloß als
Überwinder gesehen Benjamin auch nicht er würds ihr vorwimmern was er
gesehen gehört und empfunden hat Benjamin ist ein guter Junge nicht wahr
lieber Vater Er muss Alexander werden Lange genug ist er Darius gewesen  und
in Wahrheit es ist nicht viel Darius zu sein Er und ich waren gute Feinde
zusammen eine Seele in zwei Leibern
    Dieses alles brachte mich auf ein Kodicill Ich änderte mein Testament und
bat meine Eltern Minchen nichts auch nichts vom Christoph auch nichts vom
großen Kreuze zu eröffnen wenigstens die Publication des Testaments noch viele
Jahre auszusetzen Meine Mutter die mit der Anfrage meines Vaters die zwei
Lieblinge meines Herzens noch in dieser Welt zu grüßen unzufrieden geworden
freute sich dass alles so vortrefflich beigelegt und der vorige Druckfehler
verbessert war Er ist schon ein Engel sagte sie und es war völlig klar in
ihrem Gesichte Werden wird ers sagte mein Vater Bei ihm sah es noch sehr
finster aus Der Platzregen hatte aufgehört allein eine Gewitterwolke hielt ihn
zurück und man hörte von ferne ein Donnerwetter murmeln Ich bin ruhig sagte
er und das ist immer der größte Beweis dass mans nicht ist Nichts ist so
leicht anzusehen als Ruhe Ein Hofmann selbst könnte sie nicht verbergen wenn
er die Ruhe je zu kennen die Gnade gehabt Im Grunde war er so ruhig als ein
Mann dem Haus und Scheuern abgebrannt sind und dem ein gutgesinnter Nachbar
ein Kämmerlein mit einer Klinke eingeräumt hat
    Mein Feierabend bricht heran willst du nicht sagt ich Licht bringen
liebe Mutter das hin und her tut wanken bis ihm die Flamm gebricht alsdann
fein sanft und stille lass Herr mich schlafen ein
    Meine Mutter setzte hinzu Nach seinem Rat und Willen wann kommt dein
Stündelein
    Mein Vater wurde von dieser letzten Oelung unterrichtet ohne dass man dabei
des Eierheiligen dachte und seine Seele war gerührt Es fielen große Tropfen
    Noch nicht sagte meine Mutter zu mir dein Auge ist noch zu hell Dies soll
das Letzte sein damit du die letzten Worte noch im Himmel singen kannst
    Mein Vater ermannte sich nach einer Weile um mich mit der Stadt Gottes
bekannt zu machen Er hatte einen andern Himmel für ein Kind einen andern für
meine Jahre Wir sprachen viel Ich fragte ihn so als ob er schon dagewesen
und er antwortete mir so Ich will nur etwas anführen
    Seine Meinung war dass die Verwandlung eben so groß nicht sein würde Wir
können sagte er nichts mehr durch ein Seherohr sehen was wir nicht schon
durchs Auge gesehen haben
    In dieser Welt sehen wir in der Ferne eine Menge Menschen wie Dünste aus der
Erde steigen wie Gesträuch  im Himmel kommen wir diesem Menschenklumpen näher
wir kennen sie wir geben ihnen die Hand indessen blieb uns wohl auch in der
Welt ein Haar auf ihrem Haupte verborgen In der Welt ist alles gezeichnet dort
ists ausgemalt Was wir hier im Kleinen sahen geht uns dort im Großen auf Was
ist in der Welt für eine Wissenschaft die nicht schon in unserer Seele läge
Nur Licht hereingebracht und alles ist aufgedeckt  der gemeinste Mensch
begreift alles noch mehr er weiß alles was du ihm sagest Gib ihm den ersten
Buchstaben er gibt dir den zweiten Wir lernen nichts was eigentliche
Wissenschaft bleibende Kenntnis himmlische Wahrheit ist Die Seele ist ein
gestimmtes Instrument das nur gespielt werden darf und wenn du die Kunstwörter
von der Sache abnimmst diese Rüstung die einem kleinen Körper das Ansehen
eines Riesen gibt findst du nichts Unerwartetes Wenn du die Tressen vom
Kleide absonderst ists dem gemeinsten Mann als hätte er sein eigen Kleid an
Quantum est in rebus inane Die Gelehrten bemühen sich weislich dieses ihr
Kunststück nicht zu verraten weil sie damit auf die Märkte ziehen und große
bunte Zettel drucken lassen um sich für Geld zu zeigen
    Ists denn Wunder wenn der Gelehrte dem Ungelehrten in der andern Welt
nichts nachgeben wird O ihr Toren die ihr glauben konntet ein Gelehrter
würde dort schon eine höhere Klasse der himmlischen Glückseligkeit betreten als
ein Bauer Der letzte wird in Wahrheit nur ein kleines nötig haben um dem
Gelehrtesten gleich zu sein Der einzige Unterschied zwischen einem Gelehrten
und Ungelehrten in der andern Welt wird sein dass der erstere mehr vergessen muss
als der letztere um himmlisch zu wissen was er weiß und was ist schwerer
vergessen was man nicht halb nicht ganz wusste oder gleich die Sache beim
rechten Ende fassen Der Literatus welches in Kurland gemeinhin ein gekaufter
Titel ist wenn ihm auch dieses Diplom seiner Geschicklichkeit wegen ohne Geld
und gute Worte zugestanden werden kann hat nicht Ursache stolz zu sein denn
der Unwissende unterscheidet sich von dem Wissenden bloß dann dass dieser sagen
aussprechen kann was beide wissen und das erste Kapitel von dem was sie beide
nicht wissen Ein schönes Buch das wirklich schön ist das vom Herzen kommt und
zu Herzen geht was meinst du Hast du das nicht alles gedacht was drin steht
Du hast nur  eine Kleinigkeit  nicht das Buch selbst geschrieben Du hast
nichts gelernt sondern nur mit diesem Buch Feuer in deiner Seele angefacht
    Mein Vater nahm Gelegenheit diese Sätze auf Vernunft und Religion
anzuwenden
    Aber die Sprachen sagte ich lieber Vater
    Nur eine ist da und keinem wird ein Wort fehlen Sieh wie fein und
lieblich ists wenn Brüder einträchtlich bei einander wohnen wirds von
Gedanken und von Worten heißen Es werden Zwillinge sein wie Nachbarskinder
werden sie zusammenhalten
    Hier fuhr er fort lernen wir Sprachen um mit der Natur umgehen zu können
Wir wollen uns ihr gern bequemen und da ihre Hofsprache unbekannt ist halten
wir viele Sprachen in Bereitschaft und kommen da kein Mensch mehr als Eine
Sprache recht wissen kann mit einem Frachtwagen voll Grammatiken und
Wörterbüchern um bei der Königin Natur mit Beihilfe dieser Dolmetscher
Audienz zu haben
    Die Natur versteht wie Gott der Herr eben so gut deutsch als griechisch
und lateinisch auch sie will nicht mit Worten sondern im Geiste und in der
Wahrheit verehrt sein Eine Sprache ist der Hauptstuhl das eigentliche Kapital
die andern sind die Zinsen
    In dieser Welt sprachst du mit Gott deutsch Jachnis spricht lettisch mit
ihm Wenn ein Deutscher französisch betet lässt er sich vom lieben Gott
französische Vocabeln überhören Die letzten Worte sind alle in der
Muttersprache auch die letzten Seufzer so Da kommt gemeinhin alles an Stell
und Ort Man sagt sogar dass sich das ganze Gesicht im Sterben verändere und der
Hofmann wie ein anderer Mensch aussehe und der Kain ohne Zeichen da läge alles
in Gottes Gewalt
    Zu jeder Sprache das weißt du lieber Junge denn du hast außer der
commandirenden deutschen mehr als eine gehört eine andere Zunge und ein anderer
Mensch Von der in der andern Welt lässt sich glaube ich kein einzig Wort auch
nicht einmal lieber Gott mit einer Menschenzunge aussprechen Da fehlts am R
am H am L und an jedem Buchstaben Eine Engelzunge ist uns vonnöten
    Meine Mutter sang mitten unter dieser Predigt da mein Vater Atem holte
Wie herrlich ist die neue Welt
Die Gott den Frommen vorbehält
Kein Mensch kann sie erwerben
Doch ist zu jener Herrlichkeit
Auch ihm die Stätte zubereit
Herr hilf sie ihm ererben
Einen
Kleinen
Schall von jenen
Freudentönen
Schenk dem Schwachen
Ihm den Abschied leicht zu machen
    Mein Vater lehrte mich nachdrücklich das Irdische das Hinfällige das
Hektische in dem größten Teile der menschlichen Kenntnis und da er nur ein
wenig anhielt fing meine Mutter wieder an
Herr wir wallen sämtlich hier
Da der Leib uns hält verschlossen
Brüder Menschen was sind wir
Fremd und Reichsgenossen
Unsers kurzen Wandels Lauf
Geht hinauf
Da wir her entsprossen
    Historie fuhr mein Vater fort ist darum gut damit sich nicht die
Kaufleute freuen wenn Kinder und Narren zu Markte kommen und Erdbeschreibungen
und Reisen zu Wasser und zu Lande und Weltentdeckungen damit wir uns selbst
entdecken und kennen lernen
    Ich lese das weißt du sehr gern Reisen um in mich selbst zu kehren ich
freue mich über jede neue Völkerentdeckung weil ich hierdurch den Schlüssel zu
mir selbst und zu meinem Nachbarn finde Vom Anbeginn ists so nicht gewesen
wie es jetzt in der Welt ist
    Meine Mutter hatte vieles in dieser Predigt gefunden was ihr zu prosaisch
war Ihr Himmel bestand aus einer Schaar heiliger Sänger und Sängerinnen Da
pflegte sie sonst zu mir zu sagen werden wir nicht reden sondern alles wird
Musik sein Lauter Duettos und Terzetten Recitative und  sie wandte indessen
jetzt nur bloß mit dem Kopfe ein den sie zuweilen von der Linken zur Rechten
wie die meisten Menschen ihre Köpfe zu schütteln gewohnt sind schüttelte
    Wenn mein Vater nur etwas still hielt wollte sie anstimmen indessen konnte
sie keinen Takt zu Ende kommen mein Vater griff beständig plötzlich an
    Es ist ein Gott deine Seele ist sein Hauch er ist er war er wird sein
Sein Bevollmächtigter ist das Gewissen Du fühlst diesen Machtaber wenn du ihn
gleich nicht siehst als einen gegenwärtigen Zeugen wenn du im Stillen Gutes
oder Böses tust Er ist mit dir er geleitet dich um dich dort als Bürger in
der Stadt Gottes einschreiben zu lassen mit einem neuen Namen der über alle
Namen in der Welt ist
    Gottes Güte seine Gerechtigkeit ists dass wir im Tode nicht gar aus sind
seine Barmherzigkeit hat kein Ende Neu ist sie am Morgen der Ewigkeit Welch
eine Sonne die dann aufgeht Welch ein Wort Ewigkeit Etwas ohne Ufer und ohne
Grund
    Dort haben wir nicht nötig uns um einander zu bekümmern Die Eltern
brauchen keine Pflege die Kinder keine Stütze Ganze wird unser Gegenstand
sein
    Gott der in uns angefangen hat das gute Werk wirds vollenden in Ewigkeit
Wir werden ihn sehen von Angesicht zu Angesicht jetzt sehen wir ihn im Spiegel
der seine Welt ist den er uns vorhalten ließ und da unser Standort dunkel war
sahen wir nur wenig nur dass er war Dort werden wir sehen was er ist
    Selig sind die Toten die im Herrn sterben Sie stärken sich durch einen
sanften Schlaf zu himmlischen Beschäftigungen um zu erwachen nach Gottes Bilde
Muss der Mensch nicht hier immer im Streite leben Seine Tage sind wie eines
Tagelöhners Man legt ihn in die Erde und wenn man ihn morgen sucht beschämt
ihn der Stuhl wo er saß das Buch das er eben gelesen hat denn er ist dahin
den Sucher ergreift ein Schauder Heil dem der in der Jugend vollendet wird Er
kommt froh zum Grabe wie Garben mit Jauchzen eingeführt werden zu ihrer Zeit 
du wirst liegen und schlafen ganz mit Frieden denn allein der Herr hilft dir
dass du sicher wohnest  
    Zu allem diesem sprach meine Mutter den Segen Empfange sagte sie mit
gerührtem Herzen hierauf den Segen des Herrn
    Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig  und
da kein Chor antwortet setze ich sagte sie selbst hinzu Der Herr erhebe sein
Antlitz auf uns und gebe uns seinen Frieden Amen
    Sie sprach diese Worte mit einer so zuversichtlichen Segensstimme dass meine
Seele das Licht sah das mir leuchten sollte bei dem schrecklichen Todesgange
und die Hilfe empfand die mir helfen würde bei dem allerletzten letzten
Todesstoss
    Kaum hatte sie ihn aber mit Herzen Augen Mund und Händen ausgesprochen
ihr Auge war gen Himmel gerichtet ihre Hände hatte sie auf mich gelegt  kaum
hatte sie Amen gesagt so ward sie des Segens wegen verfolgt weil der Kandidat
mit den langen Manschetten der vor vieler Zeit wie meine Leser sich erinnern
werden einen kalekutischen Hahn verzehren geholfen während des Segensspruchs
ins Zimmer getreten war Es war dieser gute Mann in der Bauskeschen Präpositur
welche so wie die Seelburgsche den dreigliedrigen Segen angenommen hatte
    Der Herr Superintendent Alexander Gräven unter dessen Regierung wie meine
Mutter zu sagen pflegte ich leider das Licht der Welt erblickt hatte im Jahr
eintausend siebenhundert und achtzehn den dreigliedrigen Segen eingeführt
indessen blieb meine Mutter so wie beim alten Kalender so auch beim alten
Segen wenn er gleich ein Glied weniger hatte
    Meine Mutter die wie Brutus nicht mehr auf den Sohn ihres Leibes sondern
aufs Unsichtbare und Allgemeine und was noch mehr war die Ehre der Kirche und
ihre Ordnung sah geriet in Paul Einhornschen Eifer sprach wider die
Regierung nicht des Herzogs Ferdinand sondern des Gräven ärgerte sich dass
ich und er Alexander hießen
    Er weil ein würdiger Einhorn so geheißen
    Ich weil man außer vielen andern Bedenklichkeiten die sie hatte auf den
wie sie sagte unseligen Gedanken kommen könnte dass ich von diesem
dreigliedrigen Alexander Gräven den Namen empfangen haben könnte
    Dem Herrn M Adolph Grot Pastor in Windau der sich des alten Gebrauchs
angenommen setzte sie eine Märtyrerkrone auf und dem Herrn Pastor Christoph
Sennert der des dreigliedrigen Segens wegen Kreuzzüge tun musste und in
gewisser Art Fähnchenführer war hatte sie keinen Segen auf den Weg gewünscht
wenigstens sollten seine Gebeine nicht im Vaterlande verwesen welches auch nur
wie sie sagte zweigliedrig wäre Kurland und Semgallen
    Ich will nicht hoffen dass eben wegen dieses Unsegens Fluch war es nicht
dieser Grävensche Adjutant unstät und flüchtig geworden und auch wirklich in
der preußischen Grenzstadt Memel sein unruhiges Leben wiewohl schlüsslich wie
Paul Einhorn sanft und ruhig geendigt hat
    Es würde kein Segen für meine Leser sein wenn ich ihnen den Streit meiner
Mutter und des Herrn Kandidaten auseinander setzen sollte
    So viel zur Nachricht dass dieser Segensstreit in Kurland durch den
landtäglichen Schluss vom einunddreissigsten Julius eintausend siebenhundert und
dreiunddreissig und durch die Verordnung vom neunzehnten August eintausend
siebenhundert und dreiunddreissig in der Art beigelegt worden dass meine Mutter
zwar nach der Zeit einsah es sollte in Kurland nicht mehr zweigliedrig gesegnet
werden indessen was sind Edikte und landtägliche Schlüsse dem Gewissen Sie
lebte und starb nach dem alten Kalender und nach dem alten Segen und wenn sie
gleich oft und viel nicht wider den Strom schwimmen konnte hoffte sie doch es
werde alles ein Ende gewinnen dass wirs könnten ertragen
    Den Ungläubigen die vielleicht auf den Gedanken kommen könnten dass ich ein
Mährlein erzählt zur Beschämung will ich wörtlich die segensreiche Verordnung
unter die Augen setzen welche den neunzehnten August eintausend siebenhundert
und dreiunddreissig in der Residenz Mitau gegeben worden
    »Von Gottes Gnaden Wir Ferdinand in Liefland zu Kurland und Semgallen
Herzog geben allen Einsassen dieser Herzogtümer zu vernehmen dass in diesem
letzten landtäglichen Schluss vom einunddreissigsten Julius jetztlaufenden Jahres
wohlbedächtig und alle bisherige Discrepance und angewachsene Streitschriften
unter den Geistlichen in diesen Herzogtümern einmal zu heben den dreifachen
Segen beizubehalten und durch Publicationes festzusetzen beschlossen worden
Dahero Wir denn kraft dieses unsers Patents sowohl dem wohlehrwürdigen und
hochgelahrten Herrn Alexander Gräven Superintendenti und pastori primario zu
Mitau als allen ehrwürdigen und hochgelahrten Präpositis dieser Herzogtümer
auch sämtlichen übrigen würdigen und wohlgelahrten Pastoribus in Gnaden
befehlen dass sie solchen dreifachen Segen der in verschiedenen Kirchen allhier
bereits angenommen sofort wo es noch nötig gleichfalls einführen und den
zweifachen künftighin nachlassen mögen Gewärtigen auch ein Gleiches von den
Priestern der adeligen Kirchen und wollen gnädigst dass zu aller Wissenschaft
dieses Patent drei Sonntage nach einander in deutscher und undeutscher Sprache
von den Kanzeln verlesen auch nachgehends ad valvas templi affigiret werden
soll Urkundlich unter dem fürstlichen Insiegel und unserer Unterschrift
Gegeben in der Residenz Mitau den neunzehnten August eintausend siebenhundert
und dreiunddreissig«
    Mein Vater der es beständig mit dem weltlichen und nicht mit dem
geistlichen Arme hielt mischte sich gar nicht in diesen Segensstreit des Herrn
Kandidaten und meiner Mutter obschon ich aus anderweitigen Äußerungen weiß
dass ers dem Herrn Superintendenten nicht verzeihen konnte dass derselbe
eigenmächtige Veränderungen zu machen sich unterfangen hätte Er war so
gleichstimmig mit der wohlgebornen Ritter und Landschaft dass man glauben
sollen er selbst hätte den landtäglichen Schluss vom einunddreissigsten Julius
eintausend siebenhundert und dreiunddreissig entworfen den ich meinen Lesern
aber nicht vor die Augen stellen will
    Jetzt war mein Vater während dem Segensrauch ganz still und blickte zuweilen
auf mich seinen zweigliedrig eingesegneten Sohn Da es sich zum
Waffenstillstande anliess der dem Herrn Kandidaten um so ratsamer war als er
während dem Streite fallen lassen dass er heisshungrig sei indem invita Minerva
wohl schwerlich ein kalekutischer Hahn wieder sein Teil geworden wäre
    Da sag ich der Herr Kandidat ins Winterquartier zog nahm mein Vater das
Präsidium bei diesem Disputationsactu und sagte etwas was weder den Opponenten
noch Respondenten traf
    Von Gott fing er an kommt aller Segen Meine Mutter nahm dies Wort wollte
Gott sagte sie Sie hätten Segen für meinen Sohn mitgebracht
    »Hier ist ein Brief von Doktor Saft und er selbst wird auch noch heute hier
sein«
    Er lebt sagte meine Mutter
    Und ich zu gleicher Zeit er lebt indessen setzte ich noch das Wort also
hinzu Wir hätten auch fragweise lebt er die Sache nehmen können und ich
hätte das also alsdann vielleicht gespart indessen wollten wir ohne Zweifel
den Accent auf Er legen und es war ein Frag und Verwunderungszeichen bei den
Worten er lebt an Ort und Stelle
    Der Kandidat der nicht zu wissen schien ob vom geistlichen oder leiblichen
Leben die Rede wäre zog seine Handblätter weiter heraus denn diese Frage war
ihm in alle Wege so besonders dass er die Antwort hervorziehen musste
    Meine Mutter kam ihm entgegen und setzte die Frage durch eine andere ins
Licht
    Ist er nicht tot und nun waren die Manschetten heraus und die Antwort
    »Ich habe ihn frisch und gesund gelassen «
    Und woher tot fragte mein Vater
    Diese Frage befremdete meine Mutter noch mehr als ihre und meine Frage den
Herrn Kandidaten Sie wollte indessen meinen Vater keiner Lüge beschuldigen und
ihn öffentlich beschämen
    Mein Vater las den Brief und sagte mit einer Stimme außer Gefahr dass es
mir auffiel mein Leben sei ihm nach den verbrannten Papieren gleichgültiger
geworden Es war ihm so als wenn ein Sterbender eine Pension bekäme auf die er
zwanzig Jahre gehungert oder wenn jemand dem alle sein jetziges und künftiges
Habe und Gut heut confiscirt ist morgen hundert tausend Dukaten durch einen
Rechtsspruch gewinnt
    Ich habe es oft erlebt dass der beste Freund wenn er seinen sterbenden
Jonathan beweint hat im Anfange gleichgültig ist wenn er hört dein Freund
Jonathan lebt Er schließt nach seinem erlittenen nach seinem überwundenen
Schmerze auf den der ihm noch bevorsteht Bei meinem Vater wie oben
    Welch eine Veränderung bei ihm welch eine bei mir Meine Mutter blieb wie
sie war ich fühlte mich die Minute besser da diese Worte ausgesprochen wurden
Es war Schlag auf Schlag Die Krankheit hatte mich schon vorher verlassen nur
ich nicht die Krankheit Ich getraute es mir nicht zu glauben dass ich gesund
wäre Lieber Herr Kandidat Sie hätten unter uns gesagt den Segen zuletzt
lassen sollen wie es Sitte in der Christenheit ist
    Warum soll ichs leugnen dass mir jetzt mein letzter Wille zusammt dem
Kodicill in Absicht Minchens herzlich leid zu tun anfing ich möchte wissen
was die Ursache war Ich wurde Mal auf Mal im Bette blutrot als wenn mir das
Gewissen ins Gesicht sähe Um alles in der Welt willen hätte ich das Testamentum
nuncupativum zurück gehabt
    So gern meine Mutter es wissen mochte wie das ganze Briefmissverständniss
entstanden wäre unterfing sies doch nicht die Auflösung in des Kandidaten
Gegenwart abzufragen Die verfluchten Briefe überall wo sie sind sind Falten
und Verwicklungen Spitzet nicht eure Federn Kunstrichter wenn sie in Romanen
und auf dem Theater große Rollen spielen Es ist wahr sie sind der faule Knecht
für unsere Teaterdichter denn wo würden sie ohne Briefe einen gordischen
Knoten hernehmen Und wie würden sie die Knoten so alexandrisch als durch eine
Antwort auf diesen Brief entzweihauen Allein siehe da wie die Natur spielt
auch in einer wahren Geschichte ein Brief und gewiss nicht der letzte
    Die blanken Nägel waren mir nicht mehr im Wege ich bekam Appetit eine von
den Würsten zu essen die meine Stelle vertreten sollten
    Aus dem Bette sagte mein Vater wenn du essen willst Kein Mensch muss im
Bette essen und trinken Es ist schon zuviel dass man darin schläft oder stirbt
Wer auf der Erbe stirbt stirbt auf dem Bette der Ehren Er nimmts mit der
Krankheit auf
    Da stand ich wie mich Gott geschaffen hat bis aufs Hemde 
    Obgleich meine Mutter es gern gesehen wenn ich der Krankheit standeshalber
das Geleite gegeben übersah sie dennoch diese Sünde wider die Etikette um
vielleicht meinen Vater zur Erkenntlichkeit in Beschlag zu nehmen welche darin
bestehen sollte dass er ihr zu seiner Zeit das Geheimnis des Briefes und der
Feuersbrunst entdecken möchte Ich glaubs schwerlich liebe Mutter wenn du
nicht durch die Künste der Palingenesie  
    Der Doktor fand mich beim Geräucherten und das war meinem Vater gewonnen
Spiel So sagte er sollte der Doktor jeden treffen gelt wir würden weniger
Patienten und  mit Erlaubnis Herr Doktor  weniger Doktores haben Der ehrliche
Saft schämte sich dem Puls die Hand zu geben Nach einem Bedenken nahm er sein
ganzes Doktoransehen zu Hilfe fühlte wirklich Schande halber nach dem Pulse
indessen tat ers verstohlen und so ungefähr als ein hochwohlgeborner Herr
wenn er eines ehrlichen Bürgers Tochter geheiratet seinem Herrn Schwiegervater
die Hand gibt  Ich riss mir die Hand los um das abgeschnittene Stück an seinen
Ort zu stellen  Der Herr Schwiegervater sollts auch so machen
    Warum aber Geräuchertes fragte der Doktor »Weil ers gewollt« mein Vater
und meine Mutter Hierin war meine Mutter mit meinem Vater gleichlautend denn
sie hatte Beispiele dass viele Leute mit Sauerkraut von hitzigen Fiebern und
kalten Fiebern und faulen Fiebern und Flussfiebern und Seitenstechen und
Entzündung der Lunge und Entzündung der Leber und Entzündung des Gekröses und
Frieseln und Schlagflüssen und Herzgespann und vielen Suchten und Gichten
kurirt wären Die Stimme des Magens war ihr eine heilige Stimme
    Der Doktor Saft und sein Freund der Herr Kandidat fanden für gut drei
Tage bei uns zu bleiben Ich will nicht hoffen Herr Kandidat um auch hierin
dreigliederig zu sein Meiner sonst gastfreien Mutter waren sie unausstehlich
denn sie ward wegen des Briefstaubes durch die Gegenwart entsetzlich gemartert
Es zog der Doktor Saft während dieser drei Tage mit andern Leuten in der
Nachbarschaft Schach und war fröhlich und guter Dinge als ob er immer gewönne
    Schon ehe der Doktor angekommen war hatte mein Vater den Staub der mich am
allerersten als seines Gleichen bewillkommen sollte in weißes Papier
eingesargt ich glaube es war ein großer Bogen Postpapier weil wenn gleich
die Tränen nicht alles zurückhalten können und vieles in die Luft gesprengt
war doch immer von einer Handvoll Papier ziemlich viel geweihete Asche
zurückbleiben musste
    Es schien mir indessen da ich zusah dass mein Vater diese Asche nur
vorderhand in sein Nussbaumschränkchen beisetzte weil der Paradesarg noch nicht
fertig war
    Kaum hatte der Doktor der unvermutet nach drei Tagen zum Uhrwerk eines
andern Pulses zu reisen notwendig fand sonst wär er länger geblieben mit
seiner Hand meinem Vater und Mutter zum letztenmale einen Kuss zugeworfen und
sich tief herausgebogen kaum war er ihrem Auge entfahren der Kandidat sein
Freund war eine Stunde früher ohne eine solche feierliche Begleitung und ohne
einen Kusswurf abgereiset fing meine Mutter an
    Der Brief    Um Verzeihung liebe Mutter warum Schach dem Könige warum
gleich mit dem Hauptworte Eine Hauptschlacht ist bei einer solchen Gelegenheit
nicht immer das ratsamste Warum so geradezu und nicht durch ein Strategem Für
Helden die in einem Jahre die Geographie so unbrauchbar machen können wie den
vorjährigen Kalender ist freilich kein Strategem eine liebe Frau Pastorin
aber die keinen Beruf zur Amazonin hat kann den Vogel im Neste greifen
    Was für ein Brief erwiderte mein Vater Mich dünkt eine schlechte Deckung
auf Schach dem Könige Meine Mutter war auf diese Frage unvorbereitet indessen
verlor sie noch nicht den Mut sie hatte Hülfsvölker in Bereitschaft
    Den du eingeäschert hast sagte sie und setzte in einem Tone mein Kind
dazu dass man wohl einsah wie sie wenn es nicht anders wäre auch zum edelen
Frieden bereit sei Noch streckte sie indessen nicht das Gewehr Ich hielt ihn
sagte sie für einen Brief vom Herrn Doktor Saft sie nannte ihn Herr welches
sie mit Anwesenden selten tat es wäre denn dass sie vom Herrn Superintendenten
gesprochen hätte auch die Herren Praepositi hatten schon diesen Vorzug nur der
Bauskesche und Seelburgsche ausgenommen die Dichter hatten alle Herr
    Dieser Brief hat uns alle in Unordnung und Verwirrung gebracht Ich dachte
Saft sei tot
    Du hast unrecht gedacht mein Kind
    Aber der Brief sagte meine Mutter Sie war einmal in Unordnung und wie
eine Uhr die unrichtig ist so lang von eins bis zwölf immerfort schlägt bis
das Gewicht abgelaufen ist war auch sie mit ihrem der Brief
    Glaube mir mein Kind erwiderte mein Vater es gibt nicht Ärzte
Wundärzte gibts hier und da einen Hier folgte ein langes Kapitel für und wider
die Ärzte wodurch meine Mutter in eine solche Enge gebracht wurde dass sie
nicht aus noch ein wusste Ehre den Arzt sagte sie in der Verwirrung allein
welch eine allgemeine Ursache erwiderte mein Vater denn der Herr hat ihn
gemacht Wenn dem Arzte keine andere Ehre zukommt so sind sie eben nicht
hochgeehrt Was tun sie auch Sie sind unsere Peiniger Sie suchen eine Ehre
darin dass wir durch ihre und nicht durch die Hand der Natur sterben Sie sind
privilegirte Giftmischer und subtile Todtschläger die ein Recht promovirt
haben töten zu können und wenns ihnen glückt wenn sie einen Menschen auf
ein halb Jahr befristen ists ein Mensch eine Missgeburt ists ein im Reich
der Toten Angeworbener Wer einen Arzt annimmt hat vom Tode Handgeld genommen
Ärzte sind seine Werber Mein Vater sprach den Recepten Ehre und Redlichkeit
ab Hätte die Natur nicht gemischt wenn die Mischung nötig gewesen Er wollte
dass man den Aerzten den Proviant abschneiden und die Apoteken zerstören sollte
Den Arzeneien aus dem Pflanzenreiche ließ er Gerechtigkeit widerfahren Wenn ein
Arzt fuhr er fort krank wird kurirt er sich nicht selbst sondern ersucht
seine Herren Kollegen Standrecht über ihn zu halten Er selbst weiß wohl dass
er nichts weiß indessen mit der Kunst gehts ihm wie einem Lügner mit der Lüge
die er oft und viel für Wahrheit ausgegeben  wie einem Schwarzkünstler  Der
Arzt hält die Kunst am Ende selbst für Wahrheit und denkt die Unwissenheit
hab an ihm gelegen Ein kranker Arzt schickt also zu andern Aerzten und diese
wenn gleich sie den Kranken wegen seiner zeiter geleisteten vielen Wunderkuren
wodurch er sie bei weitem übertroffen von Herzen beneiden denken doch heute
mir morgen dir und würden dem Herrn Kollegen gern helfen  wenn sie nur
könnten Wenn die Natur sich selbst nicht mehr helfen kann ich möchte den Arzt
sehen der Naturstelle vertreten könnte  Wie kann er den Weg wissen den die
Natur will Geht sie zur Rechten so will er zur Linken Geht sie zur Linken
will er zur Rechten und am Ende  da sie sieht man traue ihr nicht man haue
sich Brunnen wo kein Wasser ist wird sie der Neckerei überdrüssig und dies
ist das Gericht der Verstockung im leiblichen Sinn  Am Ende weiß er was nicht
alle wissen wollen die Signa mortis obgleich auch selbst hiebei viele
Ungewissheiten vorfallen
    Wie meiner Mutter bei allem diesem zu Mute gewesen kann ich mir sehr
klärlich vorstellen
    Sie wollte indessen noch einmal eine Schwenkung mit der Fahne versuchen wer
weiß dachte sie ob sich die zerstreuten Leute nicht sammeln Sie sagte was
sie schon oft gesagt hatte und was ich meinen Lesern nicht mehr sagen mag
weiter nichts als  der Brief  und mein Vater machte ihr ein Gesicht das ich
einem jeden Ehemann als ein probates Hausmittel empfehlen würde wenn seine Frau
zu oft der Brief sagt und wie eine verdorbene Uhr in einem Zuge von eins bis
zwölf schlägt wärs auch das beste Weib in der Welt und eine liebe   Ein
Gesicht dieser Art hat seinen guten Nutzen Eigentlich sollte ich nur sagen das
linke Auge denn über das ganze Gesicht darf es sich nicht verbreiten auch das
rechte Auge kann frei bleiben oder darf diese feindliche Einquartierung nicht
einnehmen Dies ist das einzigste was ich einem Manne von seiner Herrschaft
zugestehen kann Es ist dies Gesicht so sehr von Zorn entfernt dass der Ehemann
hiebei seiner Frau die eine Wange küssen kann
    So oft mein Vater dieses Gesicht machte blieb meine Mutter plötzlich still
und das geschah oft mitten im Wort so dass sie zuweilen a  anfing das ber
indessen hatte das linke Auge meines Vaters getroffen Arme Mutter wenn du nur
besser angefangen hättest Warum eben »der Brief«
    Kurz meine Mutter erfuhr nicht wo der Brief herkäme und wies mir vorkam
konnte sie auch nicht einmal auf Spuren kommen so total war sie aufs Haupt
geschlagen Sie zog ohne Ehrenzeichen aus ihrer Festung ohne Unter und
Obergewehr ohne klingendes Spiel ohne fliegende Fahne brennende Lunten Kugel
im Munde und ohne zwölf Schüsse für ihr Gewehr großes und kleines 
    Ich aber war völlig bei mir überzeugt dass dieser Brief daher käme wo man
die Spargel früher als in Kurland isst gleich früher in der freien Luft eine
Pfeife raucht den Wein mit der Hand aus der Quelle trinkt und lange
Manschetten trägt
    Wenn man die Augen zuhält kann man genauer und richtiger überlegen Zum
Erfinden muss man sehen zum Anordnen kann man blind sein Ein großer Kopf der
sehen und blind sein könnte wenns die Umstände erfordern müsste größer als
Homer werden
    Die Umstände die mein Vater mit dem feierlich verbrannten Briefe machte
und andere während meiner Krankheit von ihm verstreuten Worte brachten mich auf
den Gedanken dass er von seiner Familie schlechte unerwartete Nachrichten
erfahren haben müsste Mehr unbekannte Zahlen konnt ich aus den gegebenen nicht
heraus bringen und gewiss ich war weiter als meine arme Mutter die noch nicht
einen Finger breit näher vorrücken konnte als sie ausgezogen Meine Besserung
indessen vergnügte sie so sehr als sie meinem Vater gleichgültig schien
    Kaum war ich gesund geworden so ermahnte mich mein Vater dass ich mich auf
die Theologie legen und mehr Fleiß als zeiter darauf verwenden möchte Ein
Geistlicher fing er an ist der glücklichste Mensch in der Welt In seiner
Seele ist beständig Frühling wo es weder zu kalt noch zu warm ist Die
Leidenschaften kommen nie bei ihm in gewaltige Bewegung Dinge der Zukunft sind
seine Beschäftigung und ein Mensch der nicht von Stande ist kann keine
bessere Lebensart als diese ergreifen wobei er hoffen lernt Er beklagte dass
er keine Gelegenheit gehabt die Grundsprache ex professo wie er sagte zu
erlernen segnete das Andenken des Konversus der ihn jüdischdeutsch gelehrt
hatte Wenns auch nur wäre weil der Herr und Meister unserer Religion die
hebräische Sprache geredet hätte sollten wirs tun nämlich hebräisch lernen
zu seinem Gedächtnis
    Wie vergnügt meine Mutter über diese theologischen Anstalten war kann man
sich sehr leicht vorstellen Sie dachte nicht weiter an meines Vaters Vaterland
noch an den eingeäscherten Brief
Lobt Gott mit Herz und Munde
sang sie und mein Vater sang den andern Diskant
Für das er euch geschenkt
Das ist ein selge Stunde
Darin man sein gedenkt
Sonst verdirbt alle Zeit
Die wir zubringn auf Erden
Wir sollen selig werden
Und bleibn in Ewigkeit
    Wie sehr sich alles im Pastorat nach diesem änderte kann ich nicht
beschreiben Gegen die vorige Zeit war kein Stein auf dem andern Alexander und
Darius ward nicht mehr gespielt
    Mein Vater der sehr für die Quellen war lehrte mich die christliche
Religion aus der Bibel die wenigsten lernen sie draus pflegte er zu sagen
Das was dir abgeht fuhr er fort werden dir die Schriftgelehrten beibringen
Er schien selbst nichts mehr zu wissen als was die Fülle seines Herzens und
eine andächtige Lesung der heiligen Schrift in ihm gewirkt hatte
    Von seinen vorigen Heldentaten blieb ihm noch ein gewisser Ausdruck er
nannte ihn adelich  er war feierlich dem Gedanken treu und nicht jedermanns
Ding Dem Adel und dem weltlichen Arm blieb mein Vater getreu bis in den Tod
Ich nahm täglich in Kenntnissen der Schrift zu wenigstens war mein Herz ein
Schriftbefolger Meiner Mutter zu gefallen musste ich meines Vaters Kragen
anlegen und ein andermal seinen Mantel und dann wieder ein anderes geistliches
Kleidungsstück anpassen damit sie sähe wie es mir ließe Eines Tages da mein
Vater viel Beichtkinder hatte und ich meiner Mutter zu Ehren bis auf die neue
Perücke meines Vaters zum Geistlichen investirt war fing der Gedanke der schon
oft wie die Sonne auf und untergegangen war hell zu scheinen an Ist es denn
nicht möglich sagte sie dass ich dich ehe du auf Universitäten ziehest
predigen hören kann
    Die Brodstudien haben mit den Handwerkern alles nur mögliche gemein und
meine Mutter hatte nicht ganz Unrecht dass sie auf ein Gesellenstück bestand
ehe ich losgesprochen werden sollte Es war ausgemacht dass ich über einige Zeit
als Geselle auf meine Künste und Wissenschaften reisen oder wie man es in
Kurland nennt ausreisen und das Haus meines Vaters verlassen sollte Mein Vater
war einen Sonntag gegen Abend recht vergnügt und überhaupt pflegte er nach
abgelegter Sonntagsarbeit wie ein Taglöhner alle Abend ist zu sein »Das«
sagt er selbst »hat ein Taglöhner vor mir voraus dass er so alle Abend ist
allein meine Freude ist eine Sabbatsfreude«
    Dieser Sonntagsfreude bediente sich meine Mutter die ihm um diese Zeit die
Gesichtsbewegungen seiner Zuhörer zu erzählen pflegte die sie bei dieser oder
jener Stelle seiner Predigt bemerkt hatte
    Was denkst du mein Lieber fing sie an wär es nicht gut dass unser Sohn
Alexander Einhorn Alexander sagte mein Vater ehe er uns verlässt eine Predigt
hielte Eine Predigt sagte mein Vater und schwieg stille nicht aber als ob
er abbrechen wollte sondern weil er sich nicht so geschwinde auf eine Antwort
besinnen konnte Da nun meine Mutter sein Stillschweigen eben so verstand
klopfte sie zum andernmal an und balgte sich mit allen Zweifeln meines Vaters
die ohnedem alle sehr leicht nachgaben weil er selbst keine Lust zu zweifeln
hatte Der alte Herr beging hiebei einen tückischen Streich denn da ihn meine
Mutter über diese Sache ebenfalls zum Vertrauten gemacht hatte schlug er ihr
den fünften Vers aus dem zehnten Kapitel des zweiten Buchs Samuelis zum Text
vor »Ich wills vortragen Herr Kantor Herrmann« sagte sie Sie hielt Wort
und da man nachschlug fanden sich die Worte »bleibt zu Jericho bis euch der
Bart gewachsen ist so kommt dann wieder« das war gewiss mehr als eine
Schneidernadel Dominica III post Epiphanias ward beschlossen dass ich Dominica
Judica meine erste Predigt in unserer Dorfkirche ablegen oder wie es meine
Mutter in der Sprache ihrer Ahnherren nannte mich hören lassen sollte Ich
entwarf die Predigt selbst mein Vater gab das Imprimatur nachdem er sie
befeilt hatte Meine Mutter sonderte mir die Lieder aus Dieses macht ihr viele
Mühe Ein Lied war um einen Vers zu lang ein anderes war wieder um einen zu
kurz bei manchem war die Melodie nicht der ersten Predigt angemessen bei noch
einem war noch was anderes zu bedenken endlich getroffen Ich habe den sehr
bescheidenen Autorausdruck befeilen gebraucht die Wahrheit aber zu gestehen
tat mein Vater mehr Ich hatte den Styl so sehr von den Feldreden beibehalten
dass alles Trommel und Trompete war und zum Kammerton herabgestimmt werden
musste
    Bei der Nutzanwendung zE gab ich Kanonenfeuer auf die Sünder ich
versicherte sie dass sie im Pfuhl der mit Pech und Schwefel brennt o Solon
Solon rufen würden Den Pech und Schwefel strich mein Vater und setzte in den
Flammen des Gewissens Den Solon Solon ließ er stehen
    Die ersten vierzehn Tage erzählte meine Mutter mir vielerlei Begebenheiten
die ihren verstorbenen Hochwohlehrwürdigen Ahnherren begegnet und durch die
Tradition bis auf den heutigen Tag unverloschen bei der Familie geblieben wären
Ein Literatus hätte nämlich sehr pathetisch seine heilige Rede angefangen
allein er wäre gleich beim ersten Teile in die Irre geraten Mein seliger
Aelter oder Großvater hätte ihm lateinisch zugerufen ab initio von vorn und
der Literatus wäre wieder nur bis auf diese unglückliche Stelle wo er schon
einmal den Faden verloren gekommen Noch einmal hörte der nun Trostbange die
Stimme ab initio und da er wieder diese unglückliche Stelle berührte fiel
meine Mutter sagte dies mit vieler Teilnehmung ihm das Amen zu rechter Zeit
ein Das Dorf welches das ab initio für bravo gehalten hatte dem Herrn
Kandidaten der aus Angst gewaltig geschwitzt das Zeugnis beigelegt lange
keine so gute Predigt gehört zu haben
    Ein andrer Kandidat hätte aus Angst die Kanzel verfehlt und anstatt beim
letzten Wir glauben all auf die Kanzel zu steigen wär er geradezu aus der
Kirche gegangen Mein lieber Herr Großvater hätte also ex tempore seine Gemeine
bewirten müssen Ein dritter hätte die vierte Bitte zweimal gebetet woraus man
geschlossen dass er zwei Magen hätte Noch ein dritter hätte und dies schien
ihr die traurigste Begebenheit zu sein das Vater Unser nach der Predigt zu
beten vergessen Der arme Mann Er hat keine Kanzel weiter bestiegen Dein
lieber seliger Großvater riet ihm zu einer andern ehrlichen Hantierung indem
derjenige der vergässe das Vater Unser auf der Kanzel zu beten mit
Zuverlässigkeit es als ein Omen ansehen müsste dass er nie mit Ruhm in den
Priesterorden aufgenommen werden könnte
    Endlich wär es einem in der Predigt vorgekommen der Herr Pastor der mit
ihm in die Kirche gekommen sei in ein Bildnis wie Lots Weib in eine
Salzsäule verwandelt Die Geschichte verdient gelesen zu werden obgleich sie
nicht in der Familie meiner Mutter sich begeben hat Der Herr Pastor hatte sich
bei lebendigem Leibe in Lebensgröße malen lassen und dieses Bild war so
getroffen als die Trauben des Zeuxis welche die Vögel lüstern machten Der Herr
Pastor war da mit Leib und Seel
    Damit ich meinen Lesern die Bemerkung meiner Mutter nicht verhalte so kam
die Ehre der Ähnlichkeit nicht dem Künstler sondern dem Herrn Pastor zu Er
hatte etwas im Gesicht von Karl XII und Martin Luther die jeder Töpfer trifft
wenn er sie auf den Teller hinwirft und die der liebe Gott mit einem besonderen
Gesicht ausgerüstet hat Ich sagte sie möchte sie treffen obgleich ich nicht
weiß was ein istrich in der Malerei ist
    Beim zweiten Teil fällt dieses Bild dem armen Kandidaten ins Auge Wer eine
Predigt im Kopfe hat und zum erstenmal pro candidatura sich hören lässt kann
nicht alle Ideen in ihre rechte Fächer bringen Ein Duodezbändchen kommt dann
wohl zum Folianten zu stehen Dem armen Mann kommts vor er sähe ein Gesicht
er wird bleich und mit den Worten Herr Pastor Herr Pastor Herr Pastor die
immer schwächer nach dem Grade der Ohnmacht werden fällt er rückwärts von der
Kanzel Doch Gottlob setzte sie hinzu ohne sich weiter am Leibe Schaden zu
tun
    Die Woche vor der letzten ließ meine Mutter nach ihre Gespensterhistörchen
zu erzählen
    Ich wusste die Predigt ganz fertig und war gezwungen aus kindlicher Liebe
wiewohl gegen ein schönes Stück geräucherten rohen Schinken pro honorario
gerad unter dem schon genug gepriesenen Bildnis das ich mit Ehren dem Himmel
zugebracht Probe zu halten
    Dieser Ort war Kebla für meine Mutter Nach meiner Meinung war dieses eine
Goldprobe Bin ich hier bewährt und komm ich in der Speisekammer nicht aus dem
Koncept wo mich der Geruch auf allerlei Dinge führt wird es in der Kirche noch
besser zum Amen kommen Es ging in der Speisekammer alles bis in den dritten
Teil gut Da warf der Wagen um Meine Mutter fiel nicht mit ab initio ein
allein nach glücklich erreichtem Ende sagte sie mir im Vertrauen dass mein Vater
weit besser getan haben würde es bei drei Teilen bewenden zu lassen Er hat
ja selbst setzte sie hinzu im vorigen ganzen Kirchenjahre nur ein einzigesmal
vier Schüsseln oder Teile aufgetragen Indessen war der vierte Teil so wenig
Schuld daran als ich mein Schnupftuch zu Hilfe nehmen und husten musste dass
mich vielmehr der angenehme Rauchgeruch aus der Fassung brachte Ich besann mich
bald wieder und meine Predigt kam in der Speisekammer mit vielem Beifall zum
Ende Meine Mutter hatte herzlich geweint Wie ich die Sünder anredete musste
ich das Gesicht gegen die weißen Erbsen wenden sie waren dieses Jahr sehr
wurmstichig Sobald ich aber von diesen auf die Frommen kam die ich in meiner
Predigt meine Brüder nannte musst ich das Gesicht meiner Mutter zukehren
welche anfänglich durchaus verlangte ich sollte auch meine Schwestern dazu
setzen bis ich sie durch die heilige Schrift selbst auf andere Gedanken
brachte Sie umarmte und segnete mich wiewohl wieder zweigliedrig mit beiden
Händen so dass jede Hand ein Segensstück sich zueignete Die Zeit der Ernte ist
vorhanden sagte sie weißt du noch was ich dir hier an dieser heiligen Stätte
gewünscht habe Meine Ermahnungen sind auf ein gut Land gefallen  
    Über diese Zurückerinnerungen bei diesem Erntefest vergaß ich das Stück
rohen Schinken welches mir meine Mutter für diese Kabinetspredigt versprochen
hatte Sie selbst hatte bei der in der Speisekammer genossenen Seelenspeise den
Leib ganz und gar vergessen Ich habe indessen diese Schuldpost mit Zinsen usque
ad ultimum solutionis momentum zurückerhalten Die ganze letzte Woche vor der
Predigt wurde von meiner lieben Mutter so wie der heilige Abend vor einem der
drei hohen Feste angesehen Sie feierte Weihnachten Ostern Pfingsten
meinetwegen auf einmal und alles ging auf Zehen Am Freitage führte mich mein
Vater zwischen zehn und elf des Abends in die Kirche und setzte mich mit
meiner Mutter die eine kleine Laterne in der Hand hielt in seinen Beichtstuhl
Ich wurde durch diesen Schein der Lampe in ein so heiliges Feuer gesetzt dass
ich meine Predigt mit einer solchen Rührung ablegte als ich bei der
ordentlichen Ablegung nicht empfand bei welcher ich nur auf die Gesichtszüge
dieses oder jenes merkte und insbesondere nicht vergaß auf Nr 5 zu sehen wo
mein liebes Minchen saß
    Im Vorbeigehen will ich bemerken dass wenn gleich Minchen aufgehört hatte
die königliche Prinzessin und ich Alexander zu sein diese alte Liebe wiewohl
unter anderm Namen fortgelodert habe
    Mein Vater war außerordentlich mit dieser Predigtprobe zufrieden Predige
so lange du lebst mit einer solchen Rührung mit einem solchen Gott ergebenen
Herzen sagte er so wirst du dir und denen nützlich werden die dich hören
    Diese Probe in der Kirche war inzwischen so spät sie auch anfing einem
Paar Leuten aus unserm Dorfe nicht entgangen Die Laterne in der Hand meiner
Mutter hatte einen solchen Wiederschein geworfen dass in der ganzen Gemeine das
Gerede ging es würde sich ein bedeutender Todesfall ereignen welches auch nach
einer geraumen Zeit durch das Ableben eines Kavaliers unsers Kirchspiels und der
Frau des alten Herrn in Erfüllung ging
    Am Sonnabende vor der ersten Predigt war im Pastorat alles so feierlich
still als es noch nie gewesen meine Mutter sagte selbst »wie vor der
Erschaffung der Welt« Meine Mutter hatte die Lieblingsschüsseln auf den andern
Tag für mich bestellt und entdeckte mir wohlbedächtig schon Sonnabends am
Hühneroder Polterabend womit sie mich Sonntags erfreuen würde Auch der liebe
Gott setzte sie hinzu erfreut seine Kinder in dieser Welt mit leiblichen
Gaben Wer am ersten nach seinem Reiche trachtet erhält diese Zugaben und
empfähet sie mit Danksagung und Wohlgefallen
    Bald hätte ich einen Zug vergessen der mir sehr rührend und eben so
lächerlich vorkam Ungefähr um elf Uhr in der Nacht auf den Sonntag da meine
Mutter in der festen Meinung war ich sei schon eingeschlafen kam sie in meine
Kammer und nachdem sie das Koncept zu meiner Predigt sehr andächtig aus der
Bibel genommen legte sies mir unters Kopfkissen murmelte einige mir
unverständliche Worte und ging davon Schon war ich im Griff nach der Hand
dieser lieben Mutter um sie zu drücken und zu küssen Ich konnte diese  ich
will sie Brautnacht nennen nicht schlafen und war also ein Augenzeuge von
diesem Vorgange wenn ich gleich meine Augen bis auf ein kleines Ritzchen
verriegelt hatte
    Des Morgens erfuhr ich den Aufschluss dieser Zeremonie die sich von der
Schwester der Mutter meiner Mutter herschrieb welche behauptet hatte dass das
Koncept unterm Kissen sehr das Gedächtnis stärke Ich glaubs nicht fügte meine
Mutter hinzu indessen ists in der Familie beibehalten bis auf die vorige
Nacht
    Ich hielt meine Predigt mit erwünschtem Glücke allein ohne Rührung indem
wie ich schon bemerkt habe mein Auge herum wankte und bei Nr 5 sich lagerte
    Ich sah ein was mein Vater oft zu behaupten pflegte Ein Geistlicher muss
wie ein Vater zu seinen Kindern reden Wenn er sichs aufschreibt muss ers
nicht der Gemeine sondern seines Gedächtnisses wegen tun Auch ein Vater macht
sich wohl ein Promemoria wenn er viel mit seinem Sohne zu sprechen hat
    Meine Predigt nannte er eine Kirchenchrie ein Exercitium und sehr richtig
    Wer pflegte er zu sagen sich ein Gebet auswendig lernt spottet Gott des
Herrn Entweder muss man gar nicht auf der Kanzel beten oder man bete nach der
göttlichen Vorschrift »ihr sollt nicht viel plappern« Sonst war mein Vater der
Meinung dass junge Leute nicht eher die mindeste Ausarbeitung machen sollten
als bis sich ihre Seele entfalten könne In jedem Menschen sagte er liegen
Zurüstungen und Triebfedern zu allen Charakteren Die erste Schrift die ein
junger Mensch entwirft muss der Kupferstich seiner Seele sein Notabene der
Kupferstich  Wer die Tropen und Figuren erfand erfand Masken für Diebe
Verräter Mörder und Ehebrecher Man schreibt sich jetzt nicht aus wenn man
schreibt sondern man hat eine Vorschrift  Auf die erste Predigt ist wenig von
dem was ich gesagt habe zu deuten Schwerlich wenn sie auch ohne Lineal
gemacht wird kann daraus mehr erhellen als ob der junge Mensch zum Gesetzoder
zum Evangelienprediger gedeihen werde
    Meine Mutter hätte gern gesehen wenn ich ein Paar Verse nach mütterlicher
Weise eingewirkt hätte allein es ging ihre Meinung nicht durch Warum predigt
man denn nicht mitten im Liede fragte mein Vater Meine Mutter konnte nichts
dagegen singen
    Alles was man wünschen konnte wünschte mir Glück nur Minchen nicht diese
ging aus Nr 5 als ob sie nichts gehört hätte Ihr Scherflein ein verstohlener
Blick galt aber mehr als alle übrige klingende Münze Sie hatte mich nach
dieser Predigt noch lieber als ehemals ohne dass ich einsehen konnte was eine
Predigt auf die Liebe für einen Einfluss haben könne
    Nach der Zeit erklärte ich mir dieses Rätsel Das Frauenzimmer liebt Leute
die öffentlich reden und Geschäfte treiben vielleicht weil es Herzhaftigkeit
verrät vielleicht weil die Ehre die auf den Verehrten fällt auf sie
zurückprallt Kurz ich gewann bei Minchen Ich hatte sie in der Predigt
angesehen ich hatte Gott in der Kirche so kam es ihr vielleicht vor hierdurch
zum Zeugen unsrer Liebe angerufen Wir waren nur eine Seele vor der Predigt
nach der Predigt war ich der Mann ihrer Seele und sie das Weib der meinigen Im
Küssen kamen wir uns nach dieser Predigt oft auf dem halben Wege entgegen an
mehr dachten wir beide nicht
    Der alte Herr wollte wieder mit einem Spruch bei meiner Mutter gut machen
was er mit einem Spruch verdorben hatte Man kann vom jungen Herrn versicherte
er nicht sagen was man vom Herrn Pastor in  sagte der die Gemeinde von
seinem Herrn Vater erbte und mit ihr des Vaters Koncepte »Alles was der Vater
hat ist sein und von dem Seinen wird ers nehmen und euch verkündigen«
    Meine Mutter sprach gleich nach eingenommenem Mittagsmahl von Universitäten
allein mir schienen Universitäten ein sehr unnötig Ding zu sein Ich
wiederholte ihr das was mein Vater darüber verkündigt hatte
    Müssen denn alle Bäume die ihr Haupt emporheben sollen ehe sie an Stelle
und Ort kommen in einer Baumschule ihre Jahre stehen Wo Gott und die Natur
ist da ist eine hohe Schule Gott wohnet nicht in Tempeln mit Menschenhänden
gemacht nicht in Jerusalem sondern in ihm leben weben und sind wir
    Wer läugnet dass auf Universitäten geschickte Männer sind allein ich
glaube dass ein geschickter Mann sein Licht nicht bloß auf der Universität
leuchten lassen sondern schreiben werde Professor Sokrates schrieb nicht
allein es schrieben andere für ihn und sobald ein Professor schreibt warum
sollen wir hin ihn zu sehen  Warum soll ich einen Geistlichen bitten die
Predigt zu halten die gedruckt ist Ists wo damit ich reden höre kann ich
denn nicht laut lesen
    Da griff mich meine Mutter Dein Vater und sein Wort in Ehren nur in diesem
Stücke hat er Grundsätze dass man beinahe glauben sollte er wäre auf keiner
Universität gewesen
    »Wollte Gott er wärs nicht denn in Wahrheit er verdient so sehr Pastor
zu sein als die auf zehn gewesen sind«
    Alles gut allein beim Hebräischen stehen die Ochsen am Berge
    »Ein Konversus«
    Sag mir nichts vom Konversus Gott leite den unsrigen auf meinen
Instruktionswegen Besser wärs für ihn gewesen wenn ich ihn schriftlich
instruirt hätte Was kann um auf deinen Vater zurück zu kommen was kann im
Grund genommen und aus der Tiefe geschöpft was kann ein Konversus Muss man
nicht in die Kirche obgleich Predigtbücher feil sind
    »Doch nicht jeder«
    Nicht jeder
    »Nein«
    Nicht
    »Der Prediger« 
    Hätt ich meiner Mutter einen Augenblick Zeit bei dieser Antwort gelassen
wär ich verloren gewesen allein ich erklärte mich dass ein Prediger nicht
hörte sondern redete und mithin eigentlich nicht in der Kirche wäre
    Diese Erklärung öffnete ihr viele Gelegenheit mich zu überzeugen dass er
erst sich und dann andere zu bekehren zur Pflicht hätte wie er denn sich auch
selbst hörte im Fall er nämlich nicht taub wäre Ich oder eigentlich mein Vater
fuhr fort
    »Es ist unmöglich in drei Jahren alles zu lernen was fünfzehn Professores
wissen«
    Wer sagts antwortete sie du sollst nur erfahren wo du weiter
nachschlagen kannst
    »Das sagt mir aber jedes Register«
    Das liest du in jedem Register willst du sagen
    »Und liebe Mutter unsere jungen Herren die von Universitäten kommen  «
    Alles recht allein du sollst ein Vorbild werden der Heerde  du hast
Talente die müssen auf einer privilegirten Wage gewogen und das Gewicht durch
ein beglaubtes Testimonium bezeichnet werden Es wird in schönem Latein gegeben
    Die Talente brachten mich auf ein weites Feld ich sagte zwar nichts was
nicht mein Vater schon öfters gesagt hatte ich sagte aber wovon ich überzeugt
war Man klagt überall über Unterdrückung der Talente und dass so viele Lichte
unterm Scheffel bleiben  »Glaubts nicht« pflegte der gute Mann zu sagen
»Wer ein recht Talent hat brennt sich durch den Scheffel durch dessen Flamme
so weit nicht reicht bleib unterm Scheffel oder bleib im Lande und nähre sich
redlich« Muss denn wer ein Talent hat gleich ein Buch schreiben Kann man
nicht ein Talent haben und den Pflug führen Ein Talent ist Hefen  Er macht
dass sich der Teig hebt wenn er herein gelegt wird
    Protagoras der Taglöhner legte und band sein Holz so künstlich dass er dem
Demokritus ins Auge fiel der ihn die Wissenschaften so legen und binden lehrte
und so findet jeder Protagoras seinen Demokritus obgleich noch die Frage
bleibt hat Demokritus dem Protagoras eine Last abgenommen oder aufgelegt
    Niemand als Minchen machte mich so beredt und da endlich meine Mutter mir
entgegensetzte dass wenn ich nicht auf Universitäten gewesen ich nicht Pastor
werden könnte kam ich auf andere Gedanken und das wie zuvor auch Minchens
wegen Ich sah wie ein Erleuchteter auf einmal alle Gründe meiner Mutter ein
und hatte keinen Zweifel mehr als den Muss denn jeder in der Fremde als Gesell
arbeiten und wandern eh er Pastor wird Diesen Zweifel löste mein Vater
    Was er wider die Universitäten gesagt hatte war vorm Brande geschehen
Jetzt war er zwar eben kein Apologist der hohen Schulen denn so sehr konnt er
nicht seinen Grundsätzen untreu werden allein er war der Meinung meiner Mutter
die ihn sehr bat mir andere Gedanken einzuäugen die aber schon wirklich ohne
dass es meine Mutter gemerkt hatte bei mir in Blüte standen
    Kinder sagte mein Vater sollte man keinem Menschen anvertrauen der nicht
auch Kinder hat oder gehabt hat so wie man keine Hebamme anzunehmen pflegt die
nicht weiß wie es einer Gesegneten zu Mute sei Wenn ich ja einem Arzt ein Ohr
zuneigen sollte ich sage mit Fleiß ein Ohr  obgleich ich Gottlob beide
brauchen kann  müsste er selbst die Krankheit haben die er curiren will In
diesem Fall wird mir ein Hufschmied und eine entzahnte Matrone eben so
willkommen als ein roter Mantel sein
    Seht da warum ich dem alten Herrn der Schuster Schneider und Töpfer ist
alle diese Handwerke auf Herz und Seele der ihm anvertrauten Jugend anzuwenden
gestatte Sein Sohn Benjamin und seine Tochter Wilhelmine haben ihn examinirt
und tüchtig befunden Es sind gut gezogene Kinder
    Bei dem Worte Wilhelmine zog ich mein Schnupftuch aus der Tasche ohne sonst
zu wissen warum als des Namens Wilhelmine wegen
    Man muss alles von sich anfangen Selbst wenn die Schulgelehrten die Existenz
Gottes beweisen wollen  Schande ists zu sagen dass sies wollen  fangen sie
von sich an ich bin sagen sie also ist auch Gott der Herr Es sind gewisse
Geheimnisse welche die Natur obschon der Kunst viel verraten worden doch für
sich behält und dahin gehört die Kinderzucht Man wird in dieses Geheimnis
allein durch die Vaterschaft initiiret Ich glaub es steif und fest dass jeder
Vater wärs gleich ein Bürstenbinder und jede Mutter wärs gleich eine
Bürstenbinderin ihre Kinder erziehen können und es also nicht nötig haben
andern Unterricht für die kleinen Bürstenbinderchen in einem öffentlichen Laden
zu kaufen Wie sollte wohl die Natur so ungerecht sein das Grössere zu geben und
das Kleinere zu versagen Du weißt Alexander was dein Vetter der große Summus
Alexander an diese Vetterschaft hatte er lange nicht gedacht seinem Lehrer
dem Summus Aristoteles für ein Kompliment machte im rechten Sinne ein
Kompliment er hätte ihm mehr als seinem Vater Philipp zu danken Sobald
Alexander bleiben wollte was sein Vater war hatte er Unrecht Wollte er aber
die Grenzen seines Reichs erweitern und nicht Bürstenbinder bleiben setzte
meine Mutter hinzu hatte er Recht Da liegt der Grund von dem Leben der
Erziehung Der Vater der aus seinem Sohne mehr machen will als er selbst ist
muss freilich einen andern Weg einschlagen Indessen sollte dieser andere Weg
keinem Vater verstattet sein der nicht Alexanders zu Kindern und Aristoteles zu
Lehrern aufweisen könnte In diesem Falle müsste aller Beispiele vom Gegenteile
ungeachtet die Jugend die Gnadenzeit der Morgen nicht versäumt werden
    Der Staat braucht viel Hände aber wenig Köpfe Ein politischer Kannengiesser
ist ein schlechter Kannengiesser und ein schlechter Bürgermeister die Kenntnisse
des gemeinen Mannes müssen bei der Hand bleiben und nicht bis zum Kopfe kommen
Wer dem Menschen das Denken nehmen will setzt ihn herab Denken kannst du du
kannst denken das Grübeln das Weiterhinausdenken als vier und zwanzig Stunden
zwölf in die Länge und zwölf in die Breite ist dem Menschen schädlich und
Tinte und Feder Papier und Presse sind eben solche Verheerer des menschlichen
Geschlechts als Bomben Kartätschen und Pulver und Schrot und Büchsen und
Säbel
    Mein lieber Vater war über diesen Gegenstand ein Verschwender er gab
ungezählt  ich will bedachtsamer zu Werke schreiten und mit geiziger Kürze nur
etwas von seinen Grundsätzen ausgeben Der Himmel gebe dass es lauter seltene
Schaustücke wären ich würde sie meinen Lesern herzlich gönnen
    Dass jeder Kinderlehrer verheiratet sein müsse wissen wir schon Man hat
sagt er lange auf Verbesserung der niederen Schulen gedacht und freilich
müssen diese eher verbessert werden als hohe wo du mein Sohn dein Heil
versuchen sollst allein man sollte noch eine Stufe heruntertreten und mit der
Verbesserung der Mütter dieses gute Werk anheben Man sollte Töchter ziehen ehe
man noch an Söhne kommt Jetzt ist die Erziehung wenn man an die Männer
appellirt gemeinhin schon in der ersten Instanz von unwissenden und
ungeschickten Sachwaltern verdorben und die Kur einer von der Mutter
verfälschten Seele  Was in so vielen Generationen verdorben ist muss wieder
allmählig verbessert und zu seinem anfänglichen Wesen gebracht werden Desperate
Mittel sind eben so viel gewisse Morde Bliebe der Mensch bloß Mensch er müsste
sehr alt werden und beinahe unsterblich sein Jetzt aber da ihn die Vernunft
verleitet von der Landstraße bald zur Rechten bald zur Linken abzuweichen und
teils seinem Leibe teils seiner Seele zu viel zu tun fällt er eher wie ein
wurmstichiger Apfel ab Er hat einen Wurm der ihn zehrt
    Den rechten Weg abzustecken und auf dessen Erhaltung zu sehen wäre die
Pflicht der Gelehrten Sie sollten Wegcommissärs für das menschliche Geschlecht
sein Wer einmal den rechten Weg verschlägt kommt immer weiter vom Ziele
    Ein Vater kann mehr als ein Kind haben und ein Lehrer mehr als einen
Schüler allein seht euch nur um Der von zehn Jahren ist eben so weit als der
von fünfen
    Man kann den Privatunterricht nicht verachten Schulen haben ihr Gutes der
Privatunterricht der der Natur näher verwandt zu sein scheint auch
    Elementarbücher sind sehr gut allein ein Elementarlehrer ist noch besser
Für wen sollen Elementarbücher geschrieben werden für Genies oder für
Mittelmässige oder für Marode Will man sie für Mittelmässige schreiben um die
Mittelstrasse nicht zu verfehlen auf der viele wandeln leiden andere die den
schmalen Weg anzutreten Herz haben und die enge Pforte nicht scheuen weil sie
zum Leben führt Die Bibel ist das einzige Buch das für alle Menschen passt ein
göttliches Elementarbuch
    Ein poetischer Kopf darf nur vieles durchblättern von allem nimmt er Zoll
In der ganzen Natur schreibt er Schatzung aus Er befindet sich in den
Wissenschaften auf Reisen wo ihn oft etwas aufhält worauf der Eingeborene das
Landeskind der Philosoph nicht kommt Ein denkender Kopf weiß weniger allein
seine Aecker kennt er auf ein Haar Er tut wenn ich so sagen darf was der
Dichter weiß Ein großer Kopf ist eine Mischung von beiden Selig sind die
wissen Seliger die tun Und am seligsten die wissen und tun So viel Köpfe
so viel Sinne so viel Alexander so viel Welten so viel Planeten so viel
Bahnen so viel Genies so viel Metoden
    Es ist unerhört dass unsere Schulhalter lauter Geistliche sind Sehr klug
für die Geistlichen besonders in der monarchischen Kirche  Unsere Knaben
werden alle erzogen als ob sie Schulmänner werden sollten unsere Töchter
wenns köstlich gewesen als Mamsells als französische Hofmeisterinnen
    Jedes Mitglied des Staats muss sein Votum haben wenn eine allgemeine
Schulanstalt im Staate erbaut werden soll Bei Töchtern dürfen nur drei ganz
gewöhnliche Weiber votiren Diese Weiber müssen gesund sein jede einen Sohn und
eine Tochter haben auch NB jede nur einen Mann Jünglinge haben viele Zwecke
Mädchen nur den Weiber und Mütter zu werden Ein gutes Weib ist auch immer eine
gute Mutter
    Schule und Welt ist jetzt zweierlei Schulbegriffe sind mit einem Worte
solche denen die Erfahrung widerspricht In der Schule sind Worte Sachen
Nadel und Zwirn sind ein Kleid Mittel ist der Endzweck
    Schullehrer bleibt nicht auf der Bank mit euren Schülern sondern zieht mit
ihnen in die freie Luft der Natur werdet Peripatetiker Lehrt sie im Angesicht
Gottes  oder lasst sie nur herumgehen die Natur selbst wird sie besser
unterweisen als ihr wenn ihr Gottes Wetter nicht ertragen könnt
    Die Gabe zu unterrichten donum docendi hat jeder Mensch Wer durch die
rechte Tür gekommen ist wird auch wieder durch die rechte Tür herausfinden
Wer eine Treppe in die Höhe steigen kann wird sie auch herabsteigen Bergab ist
immer leichter Wer eine Sache halb weiß kann nur ein Vierteil beibringen Wer
nur ein Vierteil weiß ist ein Mietling  Je länger ich studire je kürzer
ist die Predigt Bedenkt den Haufen Holz und Stein und Ziegel und
Dachpfannen und Glas und Kalk und tausenderlei eh es ein Haus wird Steht
das Haus alles hat sechzig Fuß in die Länge und dreißig Fuß in die Breite Raum
    Je schöner aber die Rede desto weniger behältst du Das Gedächtnis hat
keine Zeit anzuhalten keine Ruhe So was Schönes kann nur die Kunst machen wo
kein Punkt kein Komma kein Semikolon ist In der Natur hat die Sonne selbst
Flecken Ein Dichter hat das kleinste Donum docendi setze ihn auf einen
Lehrstuhl auf welchen du willst Er wirst Strahlen allein die meiste Zeit ist
er umwölkt Aratus hat ein berühmtes Gedicht über die Astronomie geschrieben
ohne dass er sie verstand Er würde kein Gedicht wenigstens kein berühmtes
darüber geschrieben haben wenn er sie verstanden hätte So nachlässig der Anzug
eines Dichters ist so siehts auch mit seinem Wissen aus Da fehlt ein
Hemdknöpfchen da hat das Kleid einen Kaffeeflecken und an den Beinkleidern
fehlt vorzüglich bei jedem Dichter was Bitt ihn sein Stubenfenster
zuzumachen er riegelt nichts zu er zieht nur an Es ist kein gemeines sondern
ein heiliges Dunkel so den Dichter umgibt Eine schöne Dämmerung und nach
Bewandtnis der Umstände Morgen oder Abend
    Wer vielerlei weiß ist biegsam wer einerlei weiß ist stolz Jener steht
ein wie viel ihm fehlt dieser ist ein Hahn auf dem Miste
    Haben wir mehr Wege zur Seele als Empfindung und Reflexion Wer dies die
hohe und jenes die untere Schule nennt hat sich übel erklärt
    Das Wohlfeile das Schlechte dieser Erziehungsanstalten meines Vaters ist
mich dünkt sehr auffallend es sind alles Hausmittel simplicia
    Allein bei alledem lieber Vater ist dies nichts mehr als eine gute
Unterlage Noch bist du nicht immatriculirt und meine Leser haben von
Mutterleibe ausgehen müssen um endlich auf die Börse der Gelehrsamkeit zu
kommen wo der Kours vls bestimmt und Dukaten und harte Taler nach der Zahl
der Liebhaber gewürdigt werden Die Herren Geistlichen machen sich in jeder
Predigt eine kleine Bewegung vom Paradiese aus und keuchen daher gemeinhin
wenn sie an die Herzen ihrer lieben Gemeinde anklopfen Wenn mein Vater nur
nicht keucht anstatt dass er von der Leber wegreden sollte Den Stand der
Unschuld den Stand der Sünden den Stand der Gnaden und den Stand der
Herrlichkeit wollen wir ihm verzeihen
    Die Akademien mein Sohn Gottlob Land sind gut und nicht gut so wie
alles in der Welt Niemand ist gut als der alleinige Gott
    Die Akademie ist das was bei den Zünften und Handwerkern die Fremde ist
    Ich habe nie das weißt du der Akademie gejubelt und Lobopfer gebracht
allein auch nie habe ich mich wider sie durch eine niedergelegte Akte verwahrt
Die Wahrheit zu gestehen wollt ich mit dir anfänglich zum andern Tore hinaus
Es hat große Leute auf Akademien gegeben obgleich Newton ein Münzmeister
Kopernikus ein Domherr und Leibnitz ein Hofmann war
    Mein Vater warf die Frage auf wer auf der Universität den Kürzern zieht
der Lehrling oder der Lehrer Allein wenn er gleich über den Lehrer länger als
über den Schüler den Kopf schüttelte so sah er doch auf den Schüler in Seelen
und in Leibesgefahr Professores sind damit ihn meine Leser wieder selbst
hören Sklaven die an Zeichen Zeiten Tage und Jahre gebunden sind Es sind
Körper in der gelehrten Welt die nicht ihr eigenes Licht haben sondern die
vielmehr ihr Licht gemeinhin von dem Vivat junger roher Leute erhalten Körper
die ihren Lauf alle halbe Jahre unselig vollenden Uhren die zu Ostern und
Michael ausgestäubt werden Professores sind stehende Wasser die faul werden
Ich will es wie ich schon oft getan kürzen wenn auch der Zusammenhang dabei
ein paar Grane einbüsst Ein akademischer Lehrer muss wenn er seine Kenntnisse
gut verzinsen will marktschreien und durch eine Universalpille die Leute an
seine Bude locken Die meisten haben ein Arcanum ein Mysterium das sie
empfiehlt wovon sie zwei Dritteile alle halbe Jahre für sechs bis acht Taler
schwer Geld verhandeln ein Dritteil behalten sie noch zurück Man erfährt also
das Ganze nicht eher als bis es im Druck erscheint und siehe da kein Mensch
findet das was der Professor fand Es ist ein gewöhnliches Kompendium
    Weiß ein Professor nur einerlei ist er ein Pedant Seine Wissenschaft ist
der Despot der über ihn herrscht Weiß er und dies ist gemeinhin der Fall
weil er mit seinen Herren Amtsbrüdern oft eine Lanze brechen muss mehr ists
bloß so so Das wenigste ist Wissenschaft was wir haben das meiste ist
Mutmaßung Weg den man gehen muss um zur Wissenschaft zu gelangen Es geht mit
den Wissenschaften wie mit der Liebe die verstohlne ist die angenehmste Das
Handwerk wird einem jeden so geläufig dass er auf keine Erfindung kommen kann
Per aspera ad astra Würden die Professores bloß von regierenden Herren bezahlt
werden so dürften die Wissenschaften zwar gewinnen allein die Lehrlinge würden
alles verlieren Wie die Nonne den Psalter singt würde gelesen werden Die
Lehrer würden nur auf das denken was gedruckt werden soll Jetzt aber die
Metaphysik für wenige Taler kaufen ist unschicklich Ein Professor der ein
Autor ist  und wer ist nicht beides  hält es nicht der Mühe wert junge
Leute zu unterrichten Die Welt ist sein Auditorium und da sitzen Kaiser
Könige Fürsten usw auf den Bänken Ein Autor ist ein so stolzes Ding dass er
mit dem ganzen menschlichen Geschlechte spricht
    Ein Professor spickt lardirt seinen Vortrag Er ist oft gezwungen über
gesunde Speisen ungesunde und unschmackhafte Brühen zu gießen
    Und dem akademischen Jüngling was legt sich nicht in den Weg ihn zu
stören Da ist ein Ständchen zu bringen da kommt ein Landsmann da hat er sich
zu schlagen da dem Professor der die Privilegien schmälern will die Fenster
einzuschlagen  Die Freiheit ist ihm der Weg zur Ungezogenheit Seine Mitbrüder
ersticken bei ihm den Trieb sich empor zu arbeiten Will er ein ehrlicher
Landsmann sein muss er wie der Haufen nichts lernen Es sind kleine Höfe auf
den deutschen hohen Schulen errichtet der Prinz der Reichsgraf halten sich
Kammerherren Stallmeister Hofmarschälle usw
    Auf Universitäten sagt dir jeder Lehrer nicht was du zu wissen nötig hast
sondern was er weiß Da lernst du den Wert der Wissenschaft nicht von dem der
sie vorträgt sondern von seinem Nachbar einem andern Professor der sie
verachtet
    Erinnerst du dich was der Herr Kandidat von einem benachbarten Könige
erzählte der seinen Professor der Moral selbst prüfte Herr sagte er
moralisir er mir was vor damit ich seh ob er was weiß Ich fand hier viel
richtiges gesagt und noch eins auf den Weg von einem Professor der Moral der
durch seinen Wandel seine Lehren mit Gift hinrichtete Was hör ich von ihm
sagte der dirigirende Minister dieser hohen Schule »Verzeihen Ew Excellenz
ich bin nur Extraordinarius«
    Diese Rede widerrief nun zwar mein Vater nicht indessen lenkte er jetzt
alles zum Besten da er wie er sich ausdrückte durch ein anderes Tor mit mir
hinaus wollte Es muss sagte er eine Zeit sein wo man einsehen lernt was man
nicht weiß und kein besserer Ort dazu ist als eine hohe Schule Ein Professor
kann wenn er seine Wissenschaft nicht bis zum Handwerk treibt und sie zuweilen
ein Jahr ruhen lässt unendlich weit kommen Diese Wissenschaft ist eine liebe
Frau die man nach einem Jahre Entfernung wieder in seine Arme schließt da
ists als würde man aufs neue kopulirt Ein Professor sieht ob seine Saat gut
sei vor sich er lernt eine Bewirtschaftung guter Köpfe und wird ein
Financier in der Gelehrsamkeit Wer hat mehr Gelegenheit Proben zu machen als
er und seine Begriffe bis zum Anschauen deutlich wer seine Wissenschaften mehr
unüberwindlich zu machen als er Durch alle fünf Species der Rechenkunst
rechnet er seine Wissenschaft durch Der Glaube kommt durch die Predigt Steht
der Professor hoch im Kours so bringt er auch seine Wissenschaft in den
nämlichen Wert Er erleuchtet eine ganze Provinz und macht dass man seinen
Namen annimmt zE Wolfianer Ein würdiger Professor hört sich in
wohlgeratenen Schülern von der Kanzel liest sich im Urteil sindet sich am
Krankenbette
    Er ist in einer beständigen Wärme wenn andere Gelehrte durch ihren Beruf
sich erkälten und Mühe haben wieder in gelehrte Transspiration zu kommen
    Auch die Alten hatten ihre Schulen und so wie Kirchen gut sind obgleich
Gott überall ist so sind Akademien nicht zu verwerfen Wo habt ihrs denn her
dass ihr so gelehrt auf Akademien schelten könnt wie ihrs tut Beinahe könnte
man sagen die Deutschen wären Universitäts oder akademische Köpfe Warum wollt
ihr eure Mutter verachten weil sie nicht so gut gekleidet geht als eure junge
Frau
    Ist denn der Wetteifer nichts wozu man auf Akademien Gelegenheit hat
    In der Schule locirt der Herr Präceptor auf der Akademie locirt ihr euch
selbst
    Es gibt auf Universitäten Gelegenheit ohne ein beschwerliches Lexikon in
die Hand zu nehmen und den Buchstaben und Zahlen nachzuschlagen gleich zu
lernen was man nicht weiß Ein Wort das oft ein Lehrer im heiligen Entusiasm
verlor das heißt das er sagte ohne es beinahe zu wissen  gewiss aber ohne es
zu behalten ein solches Wort fällt nicht auf die Erde Der Jüngling fasst es
aus dem Meeresschaum wird eine Venus
    Eine Universität ist ein gewisses Ganzes der Gelehrsamkeit eine Messe wo
man nicht an den Stadtkrämer gebunden ist wiewohl es auch hier oft heißt Wenn
die Narren zu Markte kommen freuen sich die Kaufleute
    Freilich kann man Meister werden ohne gereist zu sein allein wer achtet
einen Meister der nicht Certificate von fremden Ländern aufweisen kann Die
bekannte Autentica habita Kod ne filius pro patre welche sich vom römischen
Kaiser Friedrich herschreibt sagt ausdrücklich Omnibus qui causa studiorum
peregrinantur scholaribus et maxime divinarum atque sacrarum legum
professoribus hoc nostrae pietatis beneficium indulgemus Was ist das fragte
meine Mutter auf Luthers Art und mein Vater antwortete Dies Privilegium kommt
nur gelehrten Wandersburschen zu Gott geleite sie sagte meine Mutter und
bringe sie gesund zu den lieben Ihrigen
    Man hat daher auch den gelehrten Zweifel aufgeworfen fuhr mein Vater fort
ob diejenigen welche auf einer Universität geboren werden sich dieses
Privilegiums zu erfreuen hätten und ob auch Lehrer hierunter zu begreifen die
nicht divinarum atque sacrarum legum professores wären Allein man ist der
gelehrten Meinung ad eins gewesen dass alsdann die Reise aus Mutterleibe unter
den Worten qui causa studiorum peregrinantur zu verstehen sei wenn man auf
einer hohen Schule geboren würde wie denn ein Professor aller Fakultäten wenn
gleich er haussässig ist jedennoch schon darum unter dem Privilegio Raum hat
weil er mit seinen Gedanken in die Kreuz und in die Quer verreist und immer er
sei auch Doktor aller Fakultäten ein scholaris bleibt Das Wort maxime
entscheidet ad zwei die gegebene akademische Frage so deutlich als möglich
    Alles dieses mein Kind sind akademische Gedanken und kann ich dir einen
Kommentarius Auctore Helfrico Ulrico HUNNIO doctore et in inclyta Academia
Giessena Juris Professore publico et ordinario in die Hand spielen woraus du
dir eine Reisekarte zu zeichnen im Stande sein wirst
    Hier ist eine große Lücke Meine Leser werden die andere von selbst bemerkt
haben So viel noch hinzu Meine Mutter traute dem Panegyrikus meines Vaters auf
den Universitäten in usum Delphini nicht ganz Sie merkte es ihm ab dass er
seine Zweifel nicht völlig los werden konnte
    Plato hat wie erzählt wird die Schriften des Komödienschreibers
Aristophanes geliebt und da er gestorben war fand man noch im Bette die
Schriften dieses gekrönten Komödienschreibers der sich mit Sokrates wie ein
paar Professores und ein paar bekannte Haustiere vertrug Dies ist genug zur
Verteidigung meines Vaters bei seinen Seitenblicken
    Akademie mein Vater lässt sich vernehmen hieß der Ort wo Plato seine
Philosophie lehrte die so schön war als der arkadische Garten dieses
Unsterblichen Wärs auch nur seinet und des alten Herkommens halber müsste man
Universitäten besuchen
    Sollte nicht sagte meine Mutter die mit dem alten Herkommen und dem Plato
noch bei weitem nicht zufrieden war sollte nicht da Adam und Eva doch wirklich
relegirt wurden schon das Paradies die erste Akademie 
    Und die Schlange und der Seraph mit dem bloßen Schwerte fragte ich liebe
Mutter
    Wenigstens versetzte sie war doch Eli Samuels Professor und Gamaliel des
Paulus und die Prophetenkinder Studenten  Und Stephanus fiel mein Vater ein
voll Glaubens und Kräfte tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk Da
stunden etliche auf von der Schule die da heißt der Libertiner und der Cyrener
und der Alexandrier und derer die aus Cilicia und Asia waren und befragten
sich mit Stephano und sie vermochten nicht bei dieser Inauguraldisputation zu
widerstehen der Weisheit und dem Geiste des der es redete
    Meine Mutter war außer sich über diesen Text nur die Alexandrier hätten sie
gerne relegirt Die gute Mutter Sei ein Stephanier sagte sie lieber Sohn ein
Stephanier
    Mein Vater kettete seine Stammtafel der hohen Schule von den Griechen und
Römern an bis auf die gegenwärtige Zeit zusammen und ward diese akademische
Stunde von Seiten meiner Mutter mit der Bemerkung beschlossen dass ihres Wissens
kein Doctor teologiae kurisches Brod gegessen es müsste denn einer von den
Herren Einhorns diese Würde incognito gehabt und aus heiliger Demut sie
verschwiegen gehalten haben Mein Vater erklärte beiläufig nach seiner Weise die
adelichen Rechte welche den Doctoribus zustünden 
    So wie den Literatis meine Mutter verstand ihren Kasum sagte meine
Mutter in Kurland Sie behauptete es sei gleichviel adelich behandelt werden
und adelich sein Allein ich sagte königlich essen liebe Mutter und König
sein ist zweierlei Und mein Vater war zum Bedruck meiner Mutter
unerschöpflich über die Ehre des Adels Er erklärte was vierschildig sei und
ließ so viel auf der Ritterbank und an der Ehrentafel sitzen und in den
deutschen Marianischen Johannis und Malterserorden und in hochund andere
adeliche Stifte aufnehmen und die Grandes vor dem Könige von Spanien den Hut
aufsetzen bis meine Mutter zu Curlands Ehren behauptete dass der Herzog beim
Lehen sich auch einige Augenblicke bedecken könnte wenn er wollte
    Lass den Braunen satteln sagte mein Vater um nach  zu reiten Es sind zehn
Jahre dass ich den Herrn v G  nicht gesprochen habe Meine Schuld ist es
nicht und die seinige das hoff ich auch nicht Die Zeit wird ans Licht
bringen was noch im Finsteren verborgen ist Herr von G   will dass du mit
seinem Sohne der auch reisefertig und universitätsreif ist diese Reise
unternehmen sollst Der alte Herr ist der Mäkler in dieser Sache gewesen
    In acht Tagen bist du vielleicht nicht mehr in dieser Hütte 
    Pastorat sagte meine Mutter Deine Wäsche ist bereitet setzte sie hinzu
Sechs Dutzend Oberhemden sechs Dutzend Unterhemden zwei Dutzend für den
Sonntag ein halbes Dutzend für hohe Feste Meine Mutter registrirte noch
mancherlei was für mich bereitet wäre allein mein Vater blieb bei den Hemden
stehen auf die meine Mutter gleichfalls einen besonderen Accent legte Sie
dachte sich die weißen Kleider unter dieser Hieroglyphe womit wir im Himmel
angetan sein würden Was meinen Vater zum Stillstand vermochte war etwas
Irdisches So viel Hemden sagte er haben zwölf Prinzen vom Hause nicht Je
vornehmer der Mann je schlechter die Hemden fuhr er fort im monarchischen
Staate wo man nur auf das was vor Augen ist sieht In der Schweiz in
Holland in England feine Wäsche und je vornehmer der Mann je feiner Wo ein
Tyrann ein Despot herrscht will ich das Hemde nicht sehen Die Menschen achten
ihren Leib nicht der ihnen nicht zugehört Je näher auf den Leib in
monarchischen Staaten je schlechter der Anzug Für einen Despoten ist ein
grobes Isabellenhemde gut genug
    Also Sonntags und Montagshemden liebe Mutter und wie Gott will
Sterbehemden und Prophetenkinderhemden nur eins das wett ich nicht  ein
Brautemde
    Da bin ich eben wo ich sein muss um meinen Lesern den Schlüssel zur
akademischen Ehrenpforte und zum Stall des Braunen getreulich einzuhändigen Ein
Schlüssel öffnet alles  die Eltern eilen gemeinhin mit ihren Söhnen aus dem
Hause sobald die Natur die Fabel vom Storch widerlegt Ich will es nicht
ausmitteln in wie weit es gut sei Kinder der Natur in diesem Stücke an Heim zu
geben um die Frage unbeantwortet zur rechten Hand liegen zu lassen ob es
Kinder ins Treibeis bringen hieße wenn man ihnen im zartesten Alter dies
Storchgeheimniss erklärt und sie so altklug macht dass sie selbst die Natur
wenn sie sich zum Belehren meldet belehren und mit ihr disputiren können Vom
Blatterninoculiren haben wir guten Erfolg Hier müsste auch Erfahrung
entscheiden
    So viel dient nur hier zur Sache dass Eltern sobald sie den Sohn vaterfähig
halten ihm eine glückliche Reise anwünschen recht als ob sie eine Befugnis zur
besonderen Oekonomie in optima juris forma bewilligten Sie besorgen die Söhne
wollen sich an ihrem Hause einen Flügel anbauen lassen und sehen es gern wenn
der Sohn reich heiratet dieses letzte eben darum warum viele Leute kein
Testament machen Hier ist der Beleg zu diesem Eingange
    Meine Mutter war nach meiner Krankheit zuweilen die dritte Person wenn ich
mit Minchen allein zu sein Lust hatte Die Liebenden wenn sie lieben glauben
insgemein es wüsste niemand dass geliebt würde und oft siehts alle Welt Sie
bilden sich ein ihre Liebe sei die einzige in ihrer Art da aber jeder die
nämliche Methode hat und Adam selbst mit den Augen die erste Anwerbung getan
hat so schläft der Verräter nicht  Meine Mutter merkte mein Vater merkte 
Beide sagten mir aber kein Wort Meine Mutter weil sie es für unmöglich hielt
dass die Liebe des Sohnes eines Literatus des Anverwandten Paul Einhorns und
Alexander Einhorns des zweiten curischen Superintendenten Wurzel fassen könne
wenn er die Tochter eines Töpfers der zugleich Schuster und Schneider ist
liebt Mein Vater weil er wegzusehen sich verpflichtet hielt Er verlangte von
mir ein gänzliches kindliches Vertrauen Minchen nahm er aus Wie richtig ist
Regel und Ausnahme Kann man nicht das Recht lernen ehe man Recht spricht
Lehrt Eltern eure Kinder wählen ehe die Natur sie lieben lehrt Es ist eine
unüberdachte Behauptung dass Söhne kein Geheimnis die Liebe nicht ausgenommen
vor ihren Eltern haben sollten Irrtum  wer Liebe nicht ausnimmt gibt seinen
Söhnen im Lügen Unterricht Der Sohn der fühlt er könne Vater werden ist von
der Natur emancipirt er hat in diesem Stücke keinen Vater mehr Töchter
behalten Vater und Mutter bis sie einem zu Teil werden dem sie als ein
heiliges Depot überliefert werden müssen
    Ich hatte die Gewohnheit zuweilen mit Minchen in ein benachbartes Wäldchen
spazieren zu gehen und nichts war mir angenehmer als wenn ihre natürlich
schöne Stimme die Nachtigallen zum Konzert aufforderte und wenn sie von den
Vögeln des Himmels accompagnirt wurde Hätte sie bei einem Italiener Stunden
genommen keine Nachtigall hätte sich mit ihr eingelassen Jetzt sang die ganze
Natur mit weil sich gleich und gleich gesellte und ihr Gesang Natur war Ich
hatte Minchen umgefasst sie war mein Mein Auge sagte laut Ewig mein und das
ihrige antwortete Ewig dein  In dieser Stellung und während diesem
Augengespräch und dem Konzert das die Natur dirigirte traf uns mein Vater wie
ein Blitz Ich hatt ihm sonst nie in diesem Wäldchen begegnet Mich zu
belauschen hatt ers nicht angelegt dass weiß ich Da standen wir und sahen uns
an Lange hielt ich meinen Arm wie um ihren Hals geschlungen Sie zog sich aus
der Schlinge allein ich hielt meinen Arm noch immer in der Höhe als ob er
ihren Hals hätte und sie  die der liebe Gott so himmelan gebildet hatte
stand wie mich dünkt noch immer so von der Seite so übergebogen so
angeschmiegt als ob sie noch nicht auf freiem Fuße wäre oder als ob sie sich
nach mir geformt hätte  Wie ich endlich meinen Arm fallen ließ wars mir als
wenn die Welt fiel so angst war mir Wie ihr gewesen da sie wieder ins gerade
Geleise kam konnte sie nie angeben Wir armen Kinder der Natur Ich sehe ein
wie es dem Adam zu Mute gewesen da er zum erstenmale inne geworden er sei
nackt Wer nicht empfinden kann was Minchen und ich empfunden tue mir den
Gefallen und lese nicht weiter  Ich glaube ich werde den Eindruck nie
verlieren und hab ich ihn gleich nach der Zeit nicht so stark empfunden war
es mir doch so oft ich daran dachte als ständ ich mit Minchen im Wäldchen 
Ich empfands die Nachtigallen schwiegen und alles was eben wachsen wollte
machte Stillstand und sah uns an  Mein Vater war in der nämlichen Verlegenheit
und hielt mit uns völlig das Gleichgewicht Entweder wollte er sich
heraushelfen oder er wusste nicht was er sagte »Ist der Herr Vater nicht
hier« wendete er sich zu Minchen und sie »Nein er ist auch nicht hier
gewesen« Kann wohl was Unschuldigeres auf die Frage Ist der Herr Vater nicht
hier geantwortet werden als nein er ist auch nicht hier gewesen Das war
kein Feigenblatt zur Schürze O Minchen Minchen welch eine Süßigkeit ists
dich zu lieben Für dein »Nein er ist auch nicht hier gewesen« verdientest du
schon den Lohn der Unschuld und könnte ich den Ton hinschreiben in dem du
dieses sagtest  du verdientest bis ans Ende der Welt gemalt und gezeichnet zu
werden mit der Umschrift »Nein er ist auch nicht hier gewesen«
    Wenn ich diese Naturscene sowie sie ringsherum empfunden worden getroffen
hätte  Was kann aber der Vater dafür wenn ihm sein Kind nicht ähnlich ist
Chodowiecki es wäre dir mit Minchen gegangen wie Adam mit Eva Adam sah sie 
Bein von seinem Bein Fleisch von seinem Fleisch  sah sie wieder küsste sie und
 Du hättest diese Seite durch und durch gehüpft sie gelesen und ihr Handgeld
zur doppelten Unsterblichkeit gegeben
    Minchen wie sie allmählig gen Himmel wächst  nicht weil sie Gewitterwolken
sah weil sie aus Furcht dem Himmel auswich weil sie Trost bei der Erde suchte
die wenn der Vater im Himmel schilt wie eine wahre Unser aller Mutter keinen
Blick verschmäht womit Schuld und Unschuld sich zu ihr wenden nicht darum
sondern 
    Chodowiecki Schwestersohn der Natur deutscher Mann Du weißt dies sondern
so gut als ich Zeichne diese Szene eben um des sondern willen das dir dein
Herz in Aug und Hand dictiren wird  und dann liest man nicht Minchen bloß man
sieht  Da steht sie und ich froh darüber fliege über Jahrhunderte zu
Jahrtausenden und juble und sage zu meinem Buche fürchte dich nicht vor denen
die den Leib töten und die Seele nicht töten mögen  Auch wenn der Leib
Jahrhunderte lang zerstreut und wenns hoch kommt in Anleitungen zur Dicht
und Redekunst in wahre Gebeinhäuser gesammelt wird wo man nicht kennt den
Gerechten und Ungerechten Ich bins gewiss es kommt die Stunde in welcher eine
Posaune des Geschmacks die Barbarei wegscheucht und dies Buch zur Auferstehung
und Leben aufhaucht dann sei dies Blatt um Minchens wegen das erste das
wieder lebendig wird
    Wir gingen alle zusammen nach Hause und unterwegs erzählte uns der gute
Mann wider seine Weise was er künftigen Sonntag geliebts Gott seiner lieben
Gemeine vorsetzen würde Das Ende dieser Geschichte war den folgenden Tag die
Predigt von den Universitäten und die Nutzanwendung
                           »Lass den Braunen satteln«
Ich ging zu Minchen der ich einen großen Teil von dem Werte der Universitäten
vorsagte um sie zu meiner Abreise vorzubereiten Ich erklärte ihr die
Autentica habita Kod ne filius pro patre Omnibus sagt ich qui causa
studiorum peregrinantur Sie sah ein was sie schon zuvor eingesehen hatte dass
es gut sei dass ich hingehe Um Pastor zu sein ziehst du von hinnen sagte sie
Zieh hin in Frieden
    Ich weiß dass sich mancher den Kopf hart an dem Latein stoßen wird das ich
Minchen vorsagte allein um Verzeihung dieser Mancher versteht nicht was Liebe
ist und ich hätte nicht ein Wort Latein von der Autentica habita Kod ne
filius pro patre auf dem Herzen behalten können  die Liebe erträgt keinen
Rückhalt sie will alles was man hat alles was man kann es sei lateinisch
oder deutsch Dass ich indessen mit einer Übersetzung so treu als unsere Liebe
Minchen unterm Arm gefasst muss ich um des Schwächern willen anführen Keine
Manche die geliebt hat wird sich am Latein den Kopf stoßen oder das Aermchen
streifen
    Der alte Herr der mir ein tiefuntertänigstes Kompliment an Se
Hochwohlgeboren mitgab tat was Mäkler tun wenn sie den Käufer und Verkäufer
angeführt er wünschte mir Glück und Segen wobei er aber nicht bloß meine Reise
nach  sondern auch die auf Universitäten verstand Die Frau des alten Herrn
ein gutes Weib zwar nicht aus dem Stamme Levi doch aus dem Stamme der
christlichen Einfalt und Ehrlichkeit gab mir die Hand da ich wegging Gott
geleite Sie sagte sie und segne Sie und geleite Sie und segne sie immerdar
jetzt und in alle Ewigkeit
    Da ich noch auf eine längere Zeit nach  reisen werde will ich mich in
Rücksicht meiner Leser nicht lange in  aufhalten obgleich ich drei Tage zu
bleiben gezwungen war Ich lernte den jungen Herrn mit Flinte Jagdtasche und
Hirschfänger kennen sein Vater  ein rechter echter heller klarer Mann Wie hat
der Mann zehn Jahre meinem Vater den Rücken kehren können Seine Gemahlin eine
gnädige Frau 
    Ich will nicht vorfassen 
    Die Frau v G   brachte mich auf den Wunsch wenn Minchen so ein gewisses
Etwas hätte das man in der großen Welt in zwei Stunden lernt wenn man in
Purpur und köstlicher Leinwand geht einen Gönner am Hofe und Geld auf Zinsen
hat und wozu man längere Zeit braucht wenn eins von diesen Stücken gebricht 
Eine Viertelmeile von der gnädigen Frau war ich von diesem Etwas und meinem
voreiligen Wunsche zurückgebracht Ich überrechnete die Eigenschaften die bei
Minchen hierdurch leiden könnten und was dacht ich da ich das Schöne der
Natur rings um mich sah Was ist diese künstliche Dreistigkeit  gegen die der
Natur Was ein Garten gegen Wald und Feld Ein Junge der ehemals unterm Phalanx
gedient hatte und in Gnaden verabschiedet war ließ mich wegen der Nachricht
dass Minchens Mutter gestorben nicht ausdenken Plötzlich sagte er niemand
konnte sichs vorstellen Eben ist sie kalt geworden Die Worte »Gott geleite
Sie und segne Sie und geleite Sie und segne Sie immerdar jetzt und in alle
Ewigkeit« fingen mir so lebhaft an zu werden dass ich diese alte gute Mutter
sah  und Minchen sagt ich Ihr Königliche Hoheit antwortete er befindet
sich wohl außer dass sie halb tot wegen des Todes der Alten ist
    Mein ehrlicher Helm er hieß eigentlich Wilhelm seiner Tapferkeit wegen war
ihm indessen die erste Sylbe allergnädigst erlassen sagte dies mit so viel
Subordination diese und nicht Ehrfurcht verlangte ich von den Meinen dass er
in jedem Wort Takt hielt Er bemerkte unmassgeblich dass dieser Todesfall vor
einiger Zeit durch ein Licht in der Kirche zwischen elf und zwölf sehr richtig
vorher verkündiget wäre allein ich belehrte ihn dass dieses Licht meiner Mutter
Handlaternchen gewesen ich fuhr er fort habe diesem An und Vorzeichen nicht
geglaubt Desto besser erwiderte ich Untertänigsten Dank beschloss Helm für
die Parole »Handlaternchen« ich werde sie weiter geben  Gut sagt ich Soll
ich mit fragte Helm und zeigte Briefe die er wegschnellen sollte ich winkte
ihm ab und mein Pferd als ob es den Helm verstanden hätte hielt am
Trauerhaus Ich fand Minchen die Hände ringen und laut laut wimmern meine
Mutter meine Mutter Meine liebe Mutter
    Sobald ich ins Zimmer trat artete ihr Schmerz in Kunst aus Sie veredelte
ihre ersten natürlichen Aufwallungen sie schrie nicht aus sie seufzte nur ein
sanftes Ach Sie weinte zwar allein sie schluchzte nicht Sie goss nicht
Tränen sie taute sie nur sie rang nicht mehr die Hände sie faltete sie Sie
bedauerte ihre Mutter allein sie war bemüht dabei auch ihrem Vielgetreuen zu
gefallen Im allerersten Affekt hätte ich dieses vielleicht nicht über sie
erreicht jetzt aber opferte sie mir ihren Schmerz auf Sie verließ ihre Mutter
um an mir zu hangen Alle poetischen Übel geben der Liebe Zuwachs Ein Mädchen
das einen Bräutigam hat kann unmöglich über den Tod ihrer Mutter anders als
dichterisch betrübt sein Ihr Schmerz ist ein schöner Schmerz Sie übersetzt den
Schmerz wenn ich so sagen soll in wohlklingende Verse Alles was sie tat
gehörte der Seligen und mir zur Hälfte
    Hätten Sie sie sterben gesehen Einen Gruß über den andern an sie Sie ging
so schön wie die Sonne unter ich hätte was drum gegeben wenn sie diese
untergehende Sonne noch beschienen hätte Gewiss sind Sie ihrem Geist begegnet
    Ich bin ihm begegnet ich hab sie gesehen ich hab sie gehört Gott
geleite sie und segne sie und geleite sie und segne sie jetzt und in Ewigkeit
Ich hörs noch
    Da sah und hörte mich mein Vater Alexander rief er und ich war kein
Sonntagskind mehr ich kam von meiner Mondsucht zurück Mein Vater antwortete
ich  Er hatte der Seele dieser frommen Alten mit einem andächtigen Zuspruch
das Geleite gegeben und selbst so etwas von Vollendung von Himmel im Gesicht
 Er sah selbst selig aus Seine Erzählung war mir neu ob er gleich erzählte
was ich wusste was ich sah Nach dieser Entzückung in den dritten Himmel kamen
wir aufs Irdische und ich erzählte ihm dass ich erst in fünf Monaten abreisen
würde Willst du sagte er noch zu guter Letzt eine Leichenrede  darf ich
bitten sagte der alte Herr  Minchen bat mich nicht ich entschuldigte mich
und gewiss hätt ich beim Sommergetreide eingebüßt was ich beim Wintergetreide
bei der Predigt eingenommen und eingeerntet wenn ich bei dem Grabe Minchens
und meiner Mutter eine Leichenrede übernommen Dies war wohl der größte Beweis
dass mein Vater nicht wusste wie es mit Minchen und mir stünde Er hielts ohne
Zweifel für Alexander und Dariusspiel Mein Vater ging zu Hause ich blieb noch
einen Augenblick zurück und ging mit Minchen ans Bett ihrer Mutter Nie sah ich
die Ähnlichkeit die diese Verklärte mit Minchen hatte so klar als jetzt Zwar
ein Schattenriss doch Minchen und mir sollte grauen  Ich nahm die mütterliche
kalte Hand und rief sie zum Zeugen über mich dass ich Minchen liebe und lieben
würde  Sie fahre über mich sagte Minchen so kalt sie da ist wenn ich einen
andern liebe und tödte mich wenn ich nicht Minchen liebe jetzt und bis vor
Gottes Thron setzte ich hinzu
    Wir schieden diesmal von einander als wenn wir Probe stürben So gerührt
so 
    Mein Vater der gute Mann der mich bei meiner Mutter angemeldet hatte war
so gütig gewesen ihr zu verschweigen wo er mich und den Braunen getroffen
Sonst war sie von den fünf Monaten und dass ich die Redeübung ausgeschlagen
unterrichtet und über beides erbaut Die fünf Monate gaben ihr noch zu einer
Rubrik unter den mitzugebenden Hemden Gelegenheit und meine abschlägige
Antwort  ich erzähl es ungern dass meine Muttter hieraus meine
Gleichgültigkeit gegen Minchen wie aus einmal eins eins heraus brachte Liebe
Mutter die Liebe hält keine Reden
    Die fromme Alte wurde in aller Stille beerdigt und ihr Grabmal war das
heilige Kabinet wo Minchen und ich in Liebesangelegenheiten zusammenkamen Ein
Engel mehr sagten wir der uns hört ein uns so verwandter Engel
    Um meine Leser wegen der Rede schadlos zu halten bin ich bereit einem
jeden der hören will eine von anderer Art vorzufechten Liebe und Tod grenzen
überall zusammen im Roman und in der Geschichte
    Ich bin der festen Meinung dass jedes was schreiben kann wenns liebt
auch Liebesbriefe schreibe geschrieben habe auch schreiben werde Die Liebe
ist eine völlige Opferung eine Universalsocietät Man gibt alles was man hat
man tut alles was man kann Man sagt alles was man weiß die Autentica
habita Kod ne filius pro patre nicht ausgenommen Ein Bauer kritzelt den Namen
seiner Grete in den Sand Die Harke ist seine beste Feder Schrammt er ihn in
Kürbiss schmeckt ihm dieser am süßesten Schnitzelt er ihn in eine Linde
schmatzt er den Saft aus der aus den Buchstaben quillt Grete steht überall
wenn ers bis zu fünf Buchstaben gebracht hat wenn nicht ist der erste
Buchstabe des Vornamens sein Er pflügt ein G er springt ein G er geht ein G 
und Grete nennt ihn zwar Hans allein sie näht den ersten Buchstaben seines
Zunamens ins Tuch das sie ihm schenkt Hans Ficht heißt ihr Adonis und sie
streut ihre Tannen ins F und kommt sie an die Blumen der Venus von der sie
aber Gottlob nichts weiß an Rosen und Myrten legt sie sie ins F Selten weiß
sie mehr als den ersten Buchstaben allein den näht und streut sie  wie
gedruckt Sie sticht ihn mit Nadeln ins Eichenblatt in alle Blätter Die Rinde
kommt dem Hansen zu im Kürbisskabinet aber leben sie in Gemeinschaft der Güter
Hier steht F und dort G Das kleine gnädige Junkerchen macht Greten für die
erste Handvoll Kuhblumen oder ein Eichhörnchen zum F die Vorschrift oder Sr
Wohlehrwürden kleiner Benjamin und dieser letzte gegen einen Maikäfer oder
jungen Häufling
    Wenn nur eins schreiben beide aber lesen können ist das was bloß liest
weit verliebter wenns zum Klappen kommt als das was lesen und auch schreiben
kann Das Schreiben zeigt von Bedachtsamkeit und Beständigkeit Ein Philosoph
will immer schreiben allein selten kommt er dazu Ein Dichter kann sich zur
Not wo Gott für sei auch ohne Schreiben behelfen Dahero kommts dass oft
große Dichter unrichtig buchstabiren Der größte Philosoph schämt sich nicht und
hats auch wahrlich nicht Ursache buchstabiren zu können Er setzt die Worte
der Dichter wirft sie hin
    Man kann nur füglich im Stehen oder Sitzen schreiben und es setzt eine
gewisse Bedachtsamkeit zum voraus welche die Liebe sehr bei der geliebten
Person vergrößert die nur geglaubt hatte es wäre ein Überfall Die Natur
schlägt in der Liebe eine beliebte Kürze und Einfalt vor Sie fasst die Frucht
an reif isst sie sie vom Baum  Die Kunst hat diesen Weg erweitert und bald
hätt ich gesagt verschönert  es kommt auf den Geschmack an Die schönsten
Früchte von der Spitze des Baumes welche die Hand nicht ohne
Verlängerungsstange reichen konnte der Mund kann gar nicht heran die
schönsten Früchte werden ausgewählt auf porcellanene Teller gelegt mit Blumen
und Blättern die wenn man lang am Tische sitzt vor unsern Augen den Geist
aufgeben und welken geschmückt und so auf eine mit Spiegelglas und Puppen
gezierte Tafel gesetzt  Hier tanzt man dort ging man Die gnädige Frau die
das Obst aus der Hand des lieben Gottes nicht vertragen kann ders Blähungen
macht lässts verzuckern und candisiren und Mumien im ägyptischen Sinn daraus
sieden Pfefferkuchen ist ihr besser als Honig Da man indessen sich heut zu
Tage leider fein sauber wäscht anstatt dass man sich baden sollte und wir
unmöglich bis auf die erste Natur zurückgestimmt werden können wo wir tausend
und abermal tausend Dinge vergessen müssten die wir jetzt wissen dient das
Schreiben zur Verfeinerung Fühlt ihr also einen Ekel die Früchte unterm Baum
im Garten zu essen schreibt Liebesbriefe nur schreibt sie nicht aus dem
Talander und wenn er auch nur seit vierzehn Tagen in Paris gedruckt wäre
sondern aus dem Herzen  Hier haben Sie den Schlüssel zu den folgenden vier
oder sechs Seiten  ich weiß nicht wie viel es wenns gedruckt wird betragen
werde  wenn Ihnen Durchlauchtigste Prinzessin gnädigste Gräfin  diese
Hausmannskost Blähungen macht es sind glaub ich auch eingemachte Sächelchen
da Finden Sie nichts  ich rate zum Talander es tut nichts zur Sache obs
französisch oder deutsch ist obs 1697 oder 1776 gedruckt ist was Ihnen das
Herz verdirbt  ihr aber meine Lieben die ihr schmecket und seht wie
freundlich Mutter Natur ist denkt von meinem Vorbericht was ihr am Ende von
allen Liebesbriefen denkt die man nicht selbst geschrieben hat Und hiermit
fünf Briefe von meinem Minchen nach der Anzahl der Feierhemden die mir meine
Mutter bereitet hat wenn sie mir nicht jetzt wegen der Fünfmonatfrist wider
Vermuten noch eins dazu legen sollte
                                       
                                  Sie an Ihn
    O du lieber lieber Junge  Was hast du für eine gute Art zu schelten Es
ist so was Herzliches drin dass ich es mit Fleiß auf ein Scheltwort von dir
anlegen werde Du bist ein ganzer Junge ein Gott und sein Weib liebender Junge
Mein All All All Alles bist du Ich lese deinen Brief und schreib an dich
beinahe alles zusammen  Was kann aber die Liebe nicht du schiltst dass ich
durch Nähen und Stricken mir den Finger wund gemacht Soll ich denn die Hände in
den Schoss legen da würd eine Närrin aus mir werden obgleich ich jetzt dein
Weib bin  Was Klügeres kann kein Mädchen in der ganzen weit und breiten Welt
sein als dein Weib Der Finger ist auch wohl behalten und heil und sieht aus
wie  neu hätt ich bald geschrieben  wie zuvor Er hat keinen schwarzen Band
mehr Die Trauer ist schon gestern abgelegt Was willst du mehr  Fast wünscht
ich du möchtest noch mehr wollen damit du schelten könntest Schilt doch
lieber herzlieber Junge schilt doch was rechts auf  Die Musik war bei der
Fingertrauer nicht verboten Soll ich meine Doris missen kann ich dir so
herzbrechend singen und spielen du sollsts hören Mein Vater wunderte sich
über den schnellen Gang in der Musik Der gute Mann weiß nicht dass ich
eigentlich in der Schule der Liebe bin und von ihr Klavierspielen lerne  Gott
im Himmel und dich in der Welt Wie kann ich Gott lieben den ich nicht sehe
wenn ich dich nicht lieben sollte den ich sehe Ich liebe Gott in dir Es ist
unaussprechlich wie ich dich liebe Du bist Gottesbote an mich Gott gab mir
dich Meine Seele ist dein und unsere beide Seelen sind Gottes Heut sehen wir
uns allein nicht ganz wir sprechen uns allein schwerlich drei Vierteil Du
müsst es denn machen wie neulich Deine Mutter braucht aber nicht alle Tage
Pfefferkraut Was ist doch die Liebe für eine Lehrerin Wir sonderten uns vor
aller Leute Augen ab die mit uns gingen und kein Mensch dachte Arges in seinem
Herzen Es fehlte nicht viel deine Mutter selbst hätte darum gebeten und das
Beste war wir fanden gleich so viel Kraut dass wir Zeit genug hatten uns viel
viel zu sagen Findst du aber dass es weniger wird was noch rückständig ist
und was wir uns noch zu sagen haben ich nicht  Wir zahlen nicht einmal alle
Zinsen ab diese werden noch Kapital Wann wird uns Gott in Stand setzen
Kapital und Zinsen richtig zu machen Wenn du Pastor bist und ich Pastorin Dein
Weib bin ich lang Gott und alle seine heiligen Engel waren auf unserer
Hochzeit und die sind ständig beinahe sichtbar um uns wenn wir allein sind Es
kann nur wenig sehr wenig daran fehlen um sie von Angesicht zu Angesicht zu
sehen  Da kann man wohl mit Recht über den betrübten Sündenfall klagen Ists
denn Sünde so zu lieben als wir und liebt nicht Gott unsere Liebe Seine
heiligen Engel sind ja unsere guten Männer gewesen und wir sind nicht so
verbunden  ich wollte nicht verheiratet schreiben allein ich ärgere mich
über den Anstand den ich drüber genommen und schreibs zweimal hin so
verheiratet wie die verkehrte Welt sondern wie Adam und Eva Gott selbst hat
uns getraut und sag hat je ein böser Gedanke dein Herz verfälscht mir ist
keiner vorgekommen Je frömmer ich bin je inbrünstiger denk ich an dich In
der Kirche höre ich deine Stimme unter hundert und ich singe schnell mit damit
wir beide zusammen zu Gott kommen Aus der ganzen Fülle meines Herzens bin ich
dir gut Bin ich nicht dein Weib dein treues Weib du Einziger du Evas Adam
Sag es mir tausendmal und wieder tausendmal dass du mein Mann und ich dein Weib
sei Das lernt man immer schöner aussprechen je öfter man es ausspricht Wenn
du es sagst ists mir himmlische Musik Kirchengesang  Jetzt sind wir nur
beim lieben Gott bekannt Über ein Kleines oder über ein Großes  mir ists
gleich wird Gott uns auch unter die Leute helfen Ich liebe deine Seele und du
die meinige Du bist der Mann meiner Seele und ich das Weib deiner Seele sonst
könnten die Engel mit uns nichts mehr zu schaffen haben Leb wohl  Zu Mann und
Weib hat uns der liebe Gott gemacht zum Herrn Pastor und Frau Pastorin müssen
es die Menschen tun Da ist das ganze Rätsel
    NS Zur rechten Hand Das Pfefferkraut würd ich zum Kraut der Liebe
machen so gut bin ich ihm
    NS Zur linken Hand Warum hast du deinen letzten Brief so weitläufig
geschrieben Wenn du mir so gut nicht wärst als ich weiß dass du es bist würd
ich mir Gedanken machen Hab ich es nicht von dir »je kälter je weitläufiger
wenn man Briefe schreibt« »Wer liebt läuft immer über Er kennt nicht Maß und
Gewicht« Aber so bist du auf deine Finger siehst du nicht allein die meinigen
sollen nicht trauern Könnt ich dann nicht dich und du mich lieben wenn auch
alle unsere zwanzig Finger in tiefer Trauer wären Ich komme wieder aufs Vorige
Wer war es denn der sagte die Natur liebt eben die Finger nicht weiß Rote
Wangen starke Hände wo gesundes Blut durchscheint ist Naturuniform wer war
es Ich muss noch ein Stück Papier mit der Nadel anheften  Lieber Mann ein
Naturmensch wie du sollte nicht auf weiße Finger sehen Das nenn ich ich
ich nenn das schelten Grüße alle deine Finger von mir  sie sind meine
Finger Du bist ganz mein ich ganz dein Wir sind eins ich habe deine Briefe
unter meine Bibel gelegt Erst Gott und dann mein Mann So gehört und gebührt
es sich  Ihr Männer dünkt mich seid zum Reden und zum Schreiben Wir
Weibchen zum Tun und wenns hoch kommt zum Lesen Das wirft du wohl finden
ohne das ichs nötig gehabt habe zu schreiben
                                  Sie an Ihn
    Wie du vom Alexander zum lieben Jungen erniedrigt oder besser erhöht bist
Unsere Liebe hat sehr gewonnen jetzt da dein Vater den zweiten Diskant singt
Ich wette er hat mit dir zuvor etwas Großes im Schilde geführt Gottlob dass du
jetzt Pastor wirst So sind wir doch so sehr nicht auseinander Lieber lieber
lieber Junge was meinst du Die Regenten müssen sich doch auch zuweilen so
nennen wie wir oder sie wissen nicht was Liebe heißt und dann sind sie
ärmer als wir und ärmer als alle Bettler in unserm Dorfe Ich weiß doch auch
wie es einer Prinzessin zu Mute ist allein ich tausche nicht mit der Königin
Elisabet da ich dich habe  und du nicht mit Alexander da du mich hast Wir
würden jetzt schlecht Alexanderchen spielen die alte Babbe würde die königliche
Frau Mutter besser machen als wir Alexander und Frau Alexander Außer der
Liebe das fühl ich ist alles Possen und Unwesen in der Welt Du hast recht
ganz recht »die Liebe macht gleichgültig gegen Ruhm und Glanz allein gegen die
Menschlichkeit nicht Sie schränkt das Herz ein allein sie erweitert es auch
Eins liebt nur eins wie Mann und Weib alle Menschen aber wie Schwester und
Bruder Einen Verliebten glaub ich kann jeder Mann betrügen er hält alles
für ehrlich was ihm begegnet die Liebe ist stark Getränk für die Seele Sie
betrinkt sich in ihr und Verliebten gehts kein Haar besser als Leuten die ein
Gläschen übern Durst getrunken haben Es ist ihnen alles besser wie zuvor Sie
sehen alles in den besten Jahreszeiten alles im Junius« So weit du Eine
schöne Antwort auf deinen Brief Ich schreibe ab was du geschrieben hast Mich
dünkt aber  das ist die rechte Art für ein Weib Sie ist eine Kopistin des
Mannes wenn sie schreibt Denn dies ist ihr Fach nicht Das war wieder eine
Abschrift von dir und überhaupt bin ich ganz nur eine Abschrift von dir Du
hast mir gestern geschrieben dass ich deine Buchstaben nachmache und dass sie
mit der Zeit wie deine sein würden Lieber Junge ich leg es nicht dazu an ich
mache sie nicht nach Es kommt von selbst ungebeten  Ich lese deine Briefe
mir ins Herz und in die Hand Wenn du morgen zu mir kommen willst komm um vier
von vier bis sieben sind nur drei Stunden Ich habe dir viel von der Liebe zu
sagen worauf mich dein Brief gebracht hat So was muss man sich sagen schreibt
man ists so als wenn man Schlagwasser aufs Schnupftuch gießt Ich denke die
Liebe ist noch das Einzige was in der Welt von ihrem Stande der Unschuld und
von der Zeit da sie aus der lieben Gottes Hand kam übrig ist Und du lieber
Gott bei dem allen glaub ich dass nicht drei Paar in ganz Kurland sich lieben
wie man recht liebt sich lieben wie wir  Du wirst über vieles lachen was ich
mir im Kopf gezeichnet über vieles wirst du mich aber küssen  Im Lande
schreibst du wo man sich in der Landessprache nicht auf gute Weise dutzen kann
liebt man nur so so   recht ganz recht lieber Junge und wann hättest du
nicht bei mir Recht Das Dutzen ist so was zum Herzen dass ichs nicht sagen
kann Was das hübsch ist dass du deinen Vater und deine Mutter du zu nennen das
Herz hast Meinem Vater dürft ich so nicht kommen der Muttter wohl  darum
liebst du auch deinen Vater mehr als ich den meinigen Unsere Mütter lieben
wir glaub ich gleich  Den kleinen Finger von der Liebe womit wir uns
lieben auch der nicht  Ich habe schon gedacht ihr Männer könnt nimmer so
zärtlich sein als wir Hörst du als wir Wo ich alles vernehme was ich
schreibe musst du besser wissen als ich  denn in Wahrheit wenn ich mich an
das Papier setze weiß ich kein Wort Morgen von vier bis sieben Ich würde
nicht eine Sylbe an dich schreiben wenn du es nicht so wolltest aber du
müsstest ohne Ende und ohne Ziel an mich schreiben sonst wüsste ich nicht was
ich anfinge Ich finde in keinem Buche das was ich in deinen Briefen finde 
Was du aber in meinen findest kann nicht viel sein
    NS Komm ja um vier mich ärgert dass ich alles so voll geschrieben habe
ich möchte dich gern noch einmal und noch einmal drum bitten um vier
                                  Sie an Ihn
    Sie an ihn diese Erfindung macht dir Ehre Du und ich ich und du Mehr ist
für uns nichts in der Welt Mir kommts wenigstens so vor Es geht dir mit
meinen Sachen wie mir mit den deinen Ich könnte nicht leben wenn ich nicht
was von dir bei mir trüge Ich sehe dies als ein Pfand an das du mit einem
Kusse auslösen musst Den letzten Brief trage ich immer im Busen bis ihn der
folgende ablöst Dein Tuch aber kann ich in der Hand halten und küssen und mich
damit vor aller Welt Augen erfreuen  Mein Tuch und meine Feder und mein Buch
und das Band auf meinem Kopfe das du nicht berührt hast ist mir als ein
ungetaufter Heide Was du angefasst hast ist mir eingesegnet und geweiht Die
Stadtleute die nicht wissen wie schön es ist Blumen an der Wurzel zu sehen 
geben sich einander Blumen Ihr Blumengeschenk  das habe ich von dir  ist ein
Bild ihrer Liebe die auch bald dahin stirbt Ich möchte nicht in der Stadt
wohnen um vieles Die Leute glaub ich haben da den lieben Gott nur in der
Kirche wir  der Name des Herrn sei gelobt  haben ihn überall  In Mitau
werde ja nicht Pastor Werd es auf dem Lande Da hast du halb predigen und wir
leben doppelt In der Stadt ist man wies in der Bibel steht lebendig tot
Man lebt sich da wie du sagst krank und tot Dass du mir ja keine neue Feder
mehr schickst Ich will keine mit der du nicht schon geschrieben und die du
nicht schon in Gang gebracht hast Und was ich noch mehr will das hätt ich bei
einem Haar vergessen  Der alte Herr geht morgen aufs Land und bleibt drei
Tage 
    NS Um acht Uhr des Morgens kommt der Wagen nach ihm um neun ist er gewiss
nicht mehr hier
                                  Sie an Ihn
    Gestern lieber Mann meiner Seele Einziger habe ich den Geburtstag unserer
Liebe gefeiert Im Buche der Lebenden das vor dem Throne Gottes liegt sind wir
gewiss von Anbeginn in einer Reihe zusammengeschrieben Ich zittere und freue
mich Es schaudert mich und ich bin entzückt da ich an das zurückdenke was
gestern neu geboren ward Der erste Kuss und mit ihm der Schwur »Ewig mein« ich
habe meinen Schutzengel sehr gebeten es dir einzuflößen was ich gestern
empfunden habe es ist unausschreiblich Denkst du auch noch zurück Unsere
Augen waren die ersten Bekannten sie waren immer zusammen wenn sie sich
erreichen konnten Eh man sich liebt ist das Auge wie du sagst als eine Sonne
mit Wolken belagert Die Liebe steckt das Auge an zuvor ist es eine
unangezündete Kerze Kaum brennts so ist auch der ganze Mensch hell  Alles
stufenweise in der Liebe Nach dem Blick eine Berührung Ich denke noch oft
daran wenn sich unsere Finger berührten da du mir was reichtest oder ich dir
 die Funken spritzten mir bis in die Seele so oft wir so Feuer anschlugen und
da ich dein Glas wie aus Versehen nahm und du das meinige und da ich mit gutem
Bedacht an eben der Stelle trank wo du getrunken hattest Himmel was trank
ich ich trank dich ich war von dir betrunken und mein ganzes Blut ward davon
entzündet Endlich das hohe Fest dessen Jahrestag gestern war Sprachen wir
oder sprachen wir nicht Ich glaube Nein Sprache und Liebe bestehen nicht
sonderlich das habe ich oft erfahren Die Sprache ist ein ungetreuer
Dienstbote Gott wie du mich küsstest und drei Blüten vom Baume herabfielen um
diesen Ort zu heiligen und die Nachtigall schlug und wir dies alles nur halb
sahen nur halb hörten bis wir uns von diesem Kusse erholt hatten O Mann o
lieber Mann welch ein Fest Wie hab ich gebetet dass Gott mit unserer Liebe
sei Er der die Liebe ist sei mit unserer Liebe Er weiß das Ja das wir
stammelnd vor seinem Angesichte ablegten die Sonne beschien es der Altar war
mit Vergissmeinnicht bordirt und mit Blumen geschmückt die so schön
zusammenstanden als ob sie auch untereinander vermählt und zusammen getraut
wären An diesem Tage lieber Mann müssen wir auch einmal wenn Zeit und Stunde
ist vor der Welt zusammengegeben werden Dieser unser Weltochzeittag sei uns
ein untergeordnetes Fest und also am nämlichen Tage  Man muss Gott mehr lieben
als die Menschen  ich habe sehr sehr für dich gebetet Ich bin deinetwegen
beim lieben Gott Sturm gelaufen Laut laut schrie ich Gott sei mit ihm mit
ihm Ich nenn dich immer zum lieben Gott Er Gott weiß ja alle Dinge Einmal 
das muss ich dir ohrbeichten  kam mir der Alexander in den Mund und ich ward so
zurückgesetzt  ich schämte mich so vorm lieben Gott dass ich in zwei Tagen kein
Wort hervorbeten konnte Ich denke es kommt daher weil wir Alexander gespielt
haben und weil der liebe Gott das Herz und kein Spiel haben will Weißt du
woher anders schreibs mir Es war doch nicht ein Schelmenstück dass du den
Alexander machtest und mein Bruder Benjamin den Darius Du heißt ja leider
Alexander Da bin ich wie deine Mutter Ich gäbe was drum wenn du Johann oder
Gottlieb hiessest  Ich vergess es nicht was der Herr Kandidat  sagte der
als Volontair nur einem der Feldzüge zusah den dein Vater mitmachte »Gut
wärs wenn überhaupt König nur gespielt würde« Dein Vater schüttelte Nein
warum nein  Ich bin des Herrn Volontairs Meinung
    Es hat doch bei unsern Schlachten kein Junge ein Bein gebrochen und die
Jungens sind alle so vollkommen so stark Benjamins Fuß ist obenein gerader
geworden was fällt aber nicht wie man hört und liest im Kriege Im Anfange
glaubte ich dass in der Geschichte die Zahlen verdruckt wären ich fands aber
oft ganz ausgedruckt Die Leute solltens nicht so deutlich machen damit man
wenigstens denken könnte es wäre eine Null zu viel Da seh ich was ich
zusammen geschrieben habe Wenn du oder ein anderer Alexander das was ich
geschrieben schreiben oder besser zusammenlegen sollten wärs ordentlicher
und kürzer glaube ich aber nicht herzlicher Ich streiche nichts  Mögt ihr
doch streichen wenn ihr nur nicht das Herz herausstreicht wie ich glaube dass
es die meisten von euch tun Da fiels mir neulich beim Pilatus ein »was ich
geschrieben habe habe ich geschrieben« Gott verzeihe mirs Ich dachte  das
Weib  er als Landpfleger hätte ja streichen können Wie ich froh bin lieber
Junge das wird dir dein Schutzgeist sagen Der meinige hat ihn heute gewiss mehr
als einmal besucht und es ihm erzählt Wenn wir sie kennen lernen werden das
wird eine Lust sein Mir ists sehr sehr angenehm an den Tod zu denken Ei wie
denn dir Gott segne dich und behüte dich in alle alle Ewigkeit Amen Amen
    An der einen Seite
Heute gewiss einen Brief von dir Es ist Geburtstag Die Briefe werden sich
begegnen Ist er noch nicht abgeschickt lass ihn den meinigen küssen ich werds
empfinden und eh die Briefchen einmal wenn wir zusammen sind auch zusammen
kommen und sich paaren wirds noch eine Zeit dauern An unserm Weltochzeittage
wollen wir sie zusammen legen Eben denk ich dran wie furchtsam unser erster
Kuss war um dir zugleich eine gute Lehre zu geben Jetzt ists so als wenn du
mir das Aug austrinken wolltest wenn du es küssest  
                                  Sie an Ihn
    Ich habe zum erstenmale einen Menschen sterben gesehen und gleich zum
erstenmale eine Mutter Nun würde folgen selbst zu sterben und das
Entsetzlichste  von deinem Tode zu hören Denn dich sterben sehen wär
unmöglich Lieber Junge alles auf einmal Du wirst weg  meine Mutter ist schon
weg  Du kommst zwar wieder allein meine Mutter nicht mehr Du weißt wie ich
sie geliebt habe und wie sehr ich Ursach dazu gehabt Wenn wir zu einem
Briefträger einen Vertrauten nötig gehabt wäre sie es gewesen Du hast mirs
gesagt und geschrieben Ein Mädchen kann zur Vertrauten in der Liebe niemand
anders als eine Mutter nehmen  höchstens einen Bruder Wie wirds jetzt werden
da du dem Benjamin unsere Liebe nicht entdecken willst  Du schreibst ein
guter sehr guter Junge nur ist er gewohnt in die Flucht geschlagen zu werden
Wer Geheimnisse bewahren will muss des Siegens gewohnt sein Wir armen Leutchen
jetzt schreiben wir einander und tragen die Briefe selbst an Ort und Stelle
Wenn du aber nicht mehr dreißig Schritte für Männer und sechzig Schritte für
Weiber und fünf und vierzig Schritte wenn wir beide zusammen gehen von mir
entfernt sein wirst wie werd ich dir meine Briefe im Buche reichen oder in die
Hand drücken oder auf diese oder jene Stätte legen welche der liebe Gott bloß
unserer Briefe wegen so dick mit Gras bewachsen ließ um unser Geheimnis zu
decken O Gott wenn ich an deine Abreise denke ists mir so als wenn ich
meine Mutter sterben sähe und doch wirst du wieder kommen und dein Weib
bekennen vor den Menschen Gott helf uns dieses Bekenntnis vor dem Altare
ablegen wo wir ehemals unser Glaubensbekenntnis gen Himmel ablegten Du musst
auf eine Universität das hast du mir bewiesen also gehe hin  Ich werde dir
noch viel viel mitgeben dass du dich meiner erinnern kannst  Du armer Junge
ich behalte doch mehr zurück Dein Vater hat deine Finger als wenn ich sie
sehe Wie werd ich danach blicken selbst wenn er mir die Hand beim
Beichtstuhle auflegen wird selbst da werd ich an deine Hand denken Das ist
keine neue Sünde Was behalt ich nicht noch mehr Alle die Örter wo du
gingst wo du kamst Wo Alexander siegte wo ich deine Gefangene war wo unsere
Augen einen Bund machten den Altar wo wir getraut wurden den Ort wo wir
Konzert hielten wo du oft oft mich zusammennahmst und küsstest und wo ich dir
durch einen bescheidenen Kuss für deinen heftigen dankte wo wir uns freueten
dass es Frühling war und das erste Veilchen die erste gelbe Blume den ersten
Schmetterling bewillkommten Der Ort wo dein Vater uns überfiel lieber Junge
 ich glaube noch immer du magst mir so viel sagen als du willst der hat viel
zu deiner Abreise beigetragen  Der Tod sucht Ursach Gott sei Dank noch fünf
Monat  Was wimmre ich Törin du gehst hin um beständig bei mir zu sein um
Stroh zum Nestlein für uns zu holen  Flieg denn aus find bald dein Stroh und
denk dass deine Sie auf dich wie eine von den klugen Jungfrauen wartet Schick
mir dann und wann eine Taube mit einem Oelzweig Wir müssen noch verabreden wie
wirs mit den Briefen halten wollen  ich kann dir nicht sagen wie mir ist 
So sind wir Menschen Wer stirbt gern wenn er gleich weiß dass er dadurch zum
ewigen Leben kommen soll  Das Letzte ist gewiss Leute die recht sehr fromm
sind müssten hier schon wie dort sein Sie studieren die himmlische Geographie
und sind im Himmel so wie ich in Gedanken auf all den Universitäten sein
werde wo du wirklich sein wirst  Wer stirbt aber gern Wer Warum ich
eigentlich an dich schreibe hab ich dir noch nicht gesagt Ich habe meine
Mutter vor dir nicht sehen können ich will sie unsere Mutter nennen meinen
Vater aber nie nie unsern Vater Der meinige ist er weils Gott hat haben
wollen warum sollst du dich aber mit ihm beschweren Gott verzeihe mirs wenn
ich hiedurch dem vierten Gebote zu nahe trete  du hast mich als Mann darüber
losgesprochen und die Grenzen abgemessen »Bis dahin und weiter nicht« Als
Pastor musst du diesen Losspruch noch bestätigen und vollführen Amen Wieder von
unserer Mutter ab  ich hab dir noch etwas Schriftliches von ihrem Abschiede
versprochen weil ichs dir mündlich nicht sagen konnte
    Wisse also mein lieber Junge dass ich ihr kurz eh sie starb unser
Liebesgeheimniss entdeckt habe  ich habe vor der Minute gezittert da es hieße
Vollbracht  nachdem ich ihr aber unser Geheimnis gesagt hatte zitterte ich
auch für ihre Besserung  Ists nicht gut dass ichs ihr gesagt habe  Sie
hätts doch im Himmel erfahren und dann hätte sie Ursache gehabt es mir zu
verdenken wenn dies Wort im Himmel nicht verboten ist  Was weiß ich  ich
dachte es wäre unrecht sie ohne dies Geheimnis sterben zu lassen  O lieber
Junge welchen Segen hat sie über uns ausgesprochen Sie war schon lange wie
tot hatte lange sprachlos gelegen da ich ihr aber unsere Liebe erzählte
bekam sie ihre Sprache wieder Zacharias fiel mir ein mit seinem  »er soll
Johannes heißen« Sie nannte dich Sohn Das hätte sie in dieser Welt nicht das
Herz gehabt wenn ich gleich wirklich die Frau Pastorin gewesen wäre Sie fühlte
aber wer sie war Sie fühlte ihre Beförderung zum Engel Sohn Sohn Sohn
sprach sie als ob sie sich dabei was zu gut täte und blieb im Segnen  
Gewiss hat sies mit himmlischen Worten fortgesetzt was sie mit irdischen
angefangen und was sie in Schwachheit begann geendigt mit Kraft Gott schenk
ihr die himmlische Seligkeit die sanfte ewige Ruhe der Auserwählten Auf ihrem
Grabe will ich oft Rat holen wenn ich in deiner Abwesenheit Rat bedarf  du
musst noch oft oft  so schwarz so nackt so unbegrast so unbeblümt es gleich
da ist  wer wird sich aber vor Staub vor seinesgleichen fürchten oft musst
du noch an ihr Grab mit mir wallfahrten O Lieber mir ist so  so  rings ums
Herz als wenn ich meiner Mutter bald folgen werde  und hätt ich dich nicht 
wie gern wie gern ich hätte diese letzten Zeilen gern weg Aengstige dich
nicht Du kennst mich so gut wie ich mich selbst kenne
    Du schreibst mir »Schone dich ich weiß du bist in dein Leben nicht
verliebt  schone dich meinetwegen«
    Junge deinetwegen deinetwegen deinetwegen will ich leben leiden und
sterben 
    Da hab ich ihn mit einem Griffe deinen lieben Brief den ich aufsuchen
wollte
    »O Mine wenn doch unsere Väter alle Nächte den Himmel observiren möchten 
Was war das für eine Nacht Mine  was für eine Nacht Mine was für eine Nacht
Wie feierlich zwischen elf und zwölf auf dem Kirchhofe zu sein mit dir mit
dir allein auf dem Kirchhofe«   Ich vergesse dieses zwischen elf und zwölf
in meinem ganzen Leben nicht  Die Alten sahen auf der andern Seite des
Kirchhofs nach den Sternen und ich »sah dich  dich  dich  doch warst es du
Sag warst du entzückt oder warst du wie sonst Ein Mondstrahl umleuchtete dich
 ich stand im Dunkeln und sah ein Gesicht im prophetischen Sinne  Nie hab
ich so was gesehen du warst verklärt und dein Gesicht war wie eines Engels
Angesicht so  so  wie ich dich nach der Auferstehung der Toten sehen werde
in alle Ewigkeit«
    Wozu diese Abschrift  gleich lieber Junge
    Gestern standst du in der Sonne Sie beschien dein edles Angesicht  sanft
und zurückhaltend war ihr Strahl so als wenn Gott mit Menschen spricht  Die
Sonne blitzte nicht sie hatte einen Augenschirm vor und ich kurz lieber
Junge wie es dir mit dem Monde ging ging es mir mit der Sonne ich sah dich
ich kannte dich allein du warst wie Moses indem er vom Berge kam und mit Gott
gesprochen hatte und ein Gesicht voll Sonnenglanz mitbrachte  da dacht ich
Sonne und Mond ist Mann und Weib  Da sah ich uns beide im Himmel dich in die
Sonne mich in den Mond gekleidet  ich weiß nicht wie mir war mir kam es so
vor dass ich bald stürbe und dass meine Mutter ein Mondgewand in der Hand hielt
mir das Sterbehemde auszog und mich himmlisch einkleidete Ich war in Wahrheit
außer mir  das hab ich noch behalten dass es selig wäre selig selig wäre zu
sterben  wenn du mit stürbest  Gottes heiliger Wille geschehe
    Oben wo sie angefangen hatte das andere ist so voll geschrieben dass kein
Wort mehr Raum hat Was haben wir nicht noch abzureden ehe du gehst Fünf
Monate sind zu kurz wenn wir von vier des Morgens anfingen und um neun
aufhörten Wie kommts dass wir nicht zum Worte kommen wenn wir zusammen sind
                                     Dixi
Und wenn gleich meine Mutter drei HemdeRubriken mehr während der Zeit erfunden
hätte Dixi
    Euch gute Seelen die ihr den Hänfling den ein Bube aus dem Neste stahl
um ihn mit aufgeweichtem Brode zum Sklaven zu füttern versteht wenn er seinem
Kerker entflohen auf dem benachbarten Kastanienbaume seinem Tyrannen Hohn
singt
    Euch gute Herzen die ihr einer Pflanze die Wollust ansehen könnt wenn der
Gärtner sie aus dem Blumentopf in die weite Erde bringt oder einen Feigenbaum
wenn der Besitzer in nördlichen Gegenden ihn vom Fenster in den schönen sanften
Regen setzt Euch wenigen Edelen die ihr wenn die Bohne in eurem Garten eine
schwere Geburt hat ihr nachhelft und die Schlauben abstreift um ihr Luft zu
machen und die Blume die der Sturm wie eine Wittwe beugt mit tröstender Hand
aufrichtet damit sie so wie ihr selbst gen Himmel sähe euch die mein Vater
Seher von Gott Angehauchte nennen würde Euch die ihr hört und seht was
Viele mit offenen Augen nicht sehen mit offenen Ohren nicht hören schreib ich
diese Briefe zu Schützt sie wider Hof und Stadtleute die Ach und Weh über sie
kreischen wider die Schwätzer und Trunkenbolde in der Liebe die gewöhnt an
italienische Musik die kein Schäfchen blöken keine Nachtigall schlagen keine
Biene schwärmen keinen Käfer brausen hören können
                                       
    Es war eines Sonnabends  wie hätt es wohl ein anderer Tag sein können 
da mich meine Mutter bei der rechten Hand nahm welche sie die Auserwählte zu
nennen pflegte und sich folgendergestalt verlauten ließ Mein Sohn heute
König morgen tot Es ist leicht möglich dass wenn deine Noviciatsjahre
geendigt sind und du dich zu Ablegung der heiligen Gelübde nach Kurland zu
den Altären deiner Väter mütterlicher Seits einfindest mein Vater hätte gesagt
wenn du deine Jahre der Wanderschaft zurückgelegt und ans Meisterrecht denkst
du mich nicht mehr in dieser irdischen Hütte siehst  Dort sehen wir uns gewiss
und wahrhaftig indessen hab ich noch viel auf meinem Herzen für diese Welt
das ich nicht gern wie einen Haufen Reiser zusammenraffeln sondern mit
Zuckererbsen zur Saat lesen und sondern und dir ins Ohr säen oder nach dem ein
und vierzigsten Psalm im achten Verse raunen möchte
    Ich glaubte dass dieser aufgespannte Pfeil Minchens Geschichte treffen
würde allein ich betrog mich am Ende obgleich ich meine Mutter um ein anderes
tödtliches Gewehr anzuführen Pulver auf die Pfanne streuen und zielen sah da
sie von den Vorzügen eines guten ehrlichen Herkommens sprach Sie lenkte auf
meinen Vater ihren vielgeliebten Eheherrn und legte es mir so nahe als
möglich dass ich sie fragen möchte was sie wohl von seiner Abkunft dächte Wir
bogen beide zur Rechten und kamen nicht zusammen Freilich hätt ich auch gern
gewusst was meine liebe Mutter bass als ich von dieser Sache wusste Ich
befürchtete aber Aufträge zu gewissen Fragen an meinen Vater und wie hätt ich
einen Mann foltern oder wie meine Mutter sprach stöcken sollen der so
väterlich war mir wegen Minchen keine Frage ans Herz zu legen Sie musste also
durch einen andern Weg in ihr Land Über deinen Vater sagte sie habe ich
tausend und abermal tausend Tränen vergossen Selten wird ein Frauenzimmer das
Wort Tränen trocken aussprechen und ohne es anschauend zu machen was Tränen
sind
    Ich weiß zwar nicht wo er her ist und wer seine Eltern gewesen bald hätt
ich liebe Eltern gesagt Gott weiß aber ob sies verdient hätten und obs nicht
unschlachtig Volk gewesen  Ich vermute dass sie ihm eben keine Ehre machen
können denn sonst wüsste ich nicht warum er so zurückhaltend über diesen Punkt
zu sein Ursach hätte Hier fing sie so bitterlich an zu zeigen was Tränen
sind dass ich sie herzlich tröstete Sie jammerte mich von ganzer Seele
    Was ich weiß will ich dir sagen wollte Gott dass es ohne die größte
Bewegung meines Herzens geschehen könnte
    Ich verbat ihre Erzählung da ich sah wie sehr es sie angriff
    Nein um des Himmels willen nein aber nein rief sie aus und wenn mir
drüber das Herz brechen wenn ich gleich sterben sollte musst du alles erfahren
was ich gewiss weiß was ich hoffe was ich glaube was ich fürchte und noch
manches was mehr
Nichts war es spät und frühe
sang sie 
Um alle meine Mühe
Mein Sorgen war umsonst 
Und nach Vollendung dieser Herzstärkung fing sie an Du weißt wie sich die
Lebensläufe unserer in Gott ruhenden Vorfahren anfangen »Was nun anlangt«  ich
kann diesen Anfang nie ohne Lust aufgelöst zu werden  beten 
    »Was nun anlangt die ehrliche Geburt den Tauftag den geführten
christlichen Lebenswandel und die selige Sterbestunde unserer in Gott ruhenden
Glaubensschwester der weiland viel ehr und tugendsamen Frauen Frauen   so
ist selbige   von christlichen Eltern geboren Ihr Herr Vater war der weiland
Wohlerwürdige und ihre Mutter die weiland   leibliche Tochter des weiland
Wohlehrwürdigen  ihr Herr Großvater war der weiland Wohlehrwürdige  so viel
Weilands Wohlehrwürden ohne Ende und Ziel« Bei deinem lieben Vater ist ehrliche
Geburt und alle Wohlehrwürden in die Rappuse gegeben Gott gebe dass dieser
Gedanke ihm sein Sterbelager nicht schwer mache
    Es war im Jahr nach Christi Geburt 17  den  da er zu deinem lieben
seligen Großvater gegen Abend um sieben Uhr ankam Es schlug eben unsere
Stubenuhr die so katerhaft brummte eh sie eins zwei drei vier fünf
sechs sieben herauswürgte dass ich kein Wort von den Erstlingen deines Vaters
zu vernehmen im Stande war Er schien mir mehr mit dem Rücken als mit dem Munde
zu sprechen  Es war der kälteste Winter den ich je erlebt habe Ich sehe
noch wie dein Vater tat als wüsch er sich die Hände Drei Aepfelbäume rührte
der Frost in unserm Gärtchen auch den letzten Zahn wie es deine Großmutter
nannte oder den letzten Pflaumenbaum Dein seliger Großvater pflegte im Scherz
zu sagen so viel wäre wohl außer Zweifel dass das Paradies nicht in Kurland
gestanden hätte  im Scherz sag ich denn er war sonst wie sichs eignet und
gebühret mit Haut und Haar mit Herzen Mund und Händen Curländer
    Deine liebe Großmutter so gastfrei wie ich bat abzulegen Dein Vater
tats nicht eher als bis er die Anwerbung angebracht hatte  nicht um mich so
weit sind wir noch nicht sondern um die Informatorstelle die im Kirchspiele
offen war  Hofmeisterstelle sagte dein Großvater und belehrte zugleich deinen
Vater dass ein Prediger Pastor hieße und dess bin ich herzinniglich froh und
verehre im Staube die wunderbare Schickung Gottes in Kurland denn kein Titel
hat solche Verkürzungen erlitten als Pastor auf deutsch Erst hieß es
Pfarrherr mithin Herr von vorn und Herr von hinten wies billig ist Herr
Pfarrherr Nachher Pfarrer und jetzt Pfarr Dass sich Gott erbarme wer nicht
buchstabiren kann schreibt Farr und das ist ein einjähriger Ochse In der
Aussprache ist so kein Unterschied wenn man auch drei Ohren hätte Mein Vater
war bei Sr Hochwohlgeboren der für seinen Sohn einen Hofmeister suchte
Hähnchen im Korbe Sehr gern sagte mein Vater wenn wir einig werden  Jetzt
spannte dein Vater sich aus rauchte sein Pfeifchen und tat eine Mahlzeit dass
meine Mutter nachher zu mir auch im Scherze denn sie hungerte vor Freuden
wenns ihrem Gaste schmeckte sagte wäre der Kandidat unter den vier tausend
Mann gewesen so viel Körbe wären nicht übrig geblieben
    Dein Vater muss es selbst gemerkt haben denn er bewies sehr gelehrt dass man
im Winter bessern Appetit als im Sommer hätte so wie eine übermäßige Kälte
auch schläferig mache Das eine hatte er weidlich bewiesen das andere war er im
Begriff zu tun
    Mir strahlte dein Vater ich muss es frei gestehen gleich ins Herz obgleich
eine übermäßige Kälte so wie eine übermäßige Hitze schläfrig macht Ich sah
nicht mehr gerad aus sondern sehr oft von der Rechten zur Linken und war dein
Vater der uns oft besuchte gegenwärtig so konnte mich das mindeste rot
machen Ein gestohlenes Schaf machte mich über und über rot wenn man den Dieb
nicht wusste und die Frage aufwarf wer kann es wohl gestohlen haben Wenn mich
dein Vater fragte ob ich wohl geruhet hätte war Feur im Dach  und ich konnte
wohl aus dem schönen Liede
Ich Erde was erkühn ich mich
bei jeder Sylbe die er sprach mit Recht singen Sie sang 
Ganz feurig wirb mir mein Gesicht
Und das was meine Zunge spricht
Kann kaum mein Ohr vernehmen
Ich bin voll Angst und Schämen 
Ich weiß nicht ob ich schon an und ausgeführt habe dass dein lieber Vater
Hofmeister wurde Man hatte es ihm sehr nahe gelegt ein Frauenzimmer das der
Frau vom Hause Gesellschaft leistete schön zu finden allein er fand weder sie
noch irgend eine Dirne also Einige glaubten dass er die seltene Gabe der
Enthaltsamkeit hätte davon war ich durch sein dringendes feuriges Auge eines
bessern belehrt Er blieb nicht lange Hofmeister sondern in kurzem starb sein
seliger Antecessor und er bekam das Pastorat wo er noch bis diese Stunde
Gottes Wort rein und lauter das muss man ihm lassen verkündigt
    Kaum hatte er diese Stelle kam er wieder einen Abend und wusch sich
abermals die Hände Diessmal konnt es schwerlich aus Frost sein denn es war
Sommertag Die drei Äpfel und der letzte Pflaumenbaum haben sich nie wieder
erholt und den Kuckuk nicht mehr schreien gehört denn der Garten war ohne
Windkenntniss angelegt wie dein lieber Großvater zu sagen pflegte Meine Mutter
hätte noch nie gebeten abzulegen da er mit der Anwerbung um mich anfing  »So
viel Neigung als Dankbarkeit«  Gut sagte meine Mutter Herr Pastor allein
ehe man Ja sagt muss man sich bedenken Beim Nein kann man eher fertig werden
Sie sehen wie sehr ich zum Ja mich neige Sie verlangte zu wissen  und das
konnt ich ihr nicht verdenken  wo er her wäre wer seine Eltern wären ob sie
noch am Leben ob er Geschwister hätte  und auf tausend antwortete der Herr
Bräutigam nicht eins Er liebte weder die seltenen noch gemeinen Fragen meiner
Mutter und wollte nicht mit der Sprache heraus und da die Sache weiter
getrieben wurde erklärte er mit Ja und Amen eher unglücklich zu sein und
weder Teil noch Anfall auf mich zu haben als diesen Vorhang aufzuziehen
    Deine selige Großmutter war das im ganzen Hause was ich in der Küche bin
und wollte dein seliger Großvater wohl oder übel er musste den Kopf schütteln
Zum deutlichen Nein konnte sie es nicht bringen  Das war ein Fersenstich für
deinen Vater Er war gekommen einen Salzeinen ewigen Bund zu machen und nun
zerriss er alles aufs schierste Starken Laufs ohne Schnauben oder Drehen ohne
den Staub von seinen Füßen zu schütteln ohne das Wasser glum zu machen zu
reden aus Ezechiel zweiunddreissig Vers zwei ging er verstummt von seiner
Scheererin von dannen Man sah was er litt und gern hätt ich ihm hülfreiche
Hand geleistet Der Abschied war kalt und warm sauer süß und weg war er
    Dein seliger Großvater hielt groß von deinem Vater und liebte ihn zu sehr
als er so ganz gelassen dabei bleiben sollen Es war dein Großvater ein
grundgelehrter Mann der aber außer der Kirche nur bloß in seinem Studirstübchen
Potentat war und es auch nur hier sein wollte obgleich deine selige Großmutter
auch hier zuweilen ihr Licht leuchten ließ wowider er selbst nichts hatte Was
ich von seltenen Fragen und Antworten weiß ist von ihr Sie hatte hiervon ein
Naturalienkabinet das nicht gemein war Ich hab oft gedacht sie gäbe ihrem
Manne manche Nuss aufzubeissen darum ihre gelehrten Fragen ich im Druck und
darum mein Gesang Sie wusste was für eine Farbe das Kleid gehabt das der liebe
Gott dem Adam gemacht und behauptete es wäre grün gewesen Sie wusste die
Apfelart die Adam und Eva gegessen wo das Paradies gestanden und empfahl die
Birnen als eine unschuldige Frucht die auch allen Menschen besser täte Wenn
ichs aufrichtig sagen soll so geberdete sie sich bei Aepfeln und Birnen so
als ob diese ohne Erbsünde jene mit Erbsünde behaftet wären  ich finde hiebei
wenn mans dazu anlegt viel Erbauung  Sie wusste ob Rahel weiß oder braun
gewesen was für Federn Gabriel in seinen Flügeln gehabt ob Adam mit einem
Nabel versehen gewesen ob David ein Adagio oder ein Allegro vor Saul gespielt
ob die Schriftgelehrten Doctores in der Theologie oder der Rechte gewesen und
ob Pilatus sich mit Seife gewaschen wie vielmal Sela in der heiligen Schrift
vorkäme
    Meinem Vater fehlt es weder an Seel noch Leib um meine Mutter so zu
umzäunen als ich es bin allein warum er nachgab war um sich selbst ein Kreuz
aufzulegen Er behauptete er hätte sein Lebtag keine Niete gezogen sondern
wär allstets glücklich gewesen und da man durch viel Trübsal zum Reiche Gottes
eingehen müsste so litt er gern diese Ungemächlichkeit beklagte sich nur gegen
mich nachdem ich mein neunzehntes Jahr erreicht und gegen einen einzigen guten
Freund  ohne Trost anzunehmen wohl wissend es werde seiner lieben Frau jedes
unnütze Wort noch vor Sonnenuntergang gereuen was sie geredet hatte Dies
geschah auch anfänglich allein nach der Zeit weiß ich mich zu besinnen dass es
in wichtigen Fällen bis zweimal vier und zwanzig Stunden währte alsdann aber
war auch draußen schlecht Wetter und die Sonne blieb im Bette ohne einmal
aufzustehen und zu sehen was für Wetter es sei Hier ist der Schlüssel zu
deines Großvaters Charakter
    Polykrates Erbherr auf Samos tödtete seinen jüngsten Herrn Bruder und den
Bruder schickte er nach Sibirien um allein auf Samos zu wohnen Polykrates war
der älteste Alles was er wollte ward
    Ich versicherte meine Mutter die sonst Stationes liebte dass ich diese
Geschichte zur Noch wüsste allein sie hatte wie meine Leser es ohne Fingerzeig
so gut wie ich merken werden auf ihren Vortrag studiert Bring mich nicht aus
der Melodie antwortete sie dein Vater hat meinen Styl ohnedem ins Bockshorn
gejagt Sonst pflegten hahn und lahn und stahn meine Busenwörter zu sein  jetzt
aber muss ich genau auf die Noten sehen um nicht aus der Weise zu kommen
    Sein guter Freund  des Polykrates nämlich  den das Glück seines Freundes
nicht eifersüchtig sondern besorgt machte bat ihn sehr er möchte doch
Brunnenkresse zum Rehbraten essen und nur etwas weniges sein Leben verbittern
Polykrates wirft seinen Ring ins Meer Nach wenigen Tagen fäht ein Fischer einen
ungewöhnlich großen Fisch verehrt ihn dem Hofe und der Koch findet den Ring
Der gute Freund der ihm geraten sich unglücklich zu machen kündigt ihm nach
diesem Vorfalle seine Freundschaft auf weil er keinen so glücklichen Freund
haben wollte indem er ein so großes Unglück für ihn befürchtete dass er ihm
nicht würde beistehen können So gesagt so geschehen Er fängt Krieg an Seine
Tochter warnte ihn weil sie seinetwegen einen Traum gehabt Es kam ihr nämlich
vor dass ihr Herr Vater vom Gott Jupiter gebadet und von der Sonne gesalbet
worden Er verwarf diesen Wink und lachte über den Finger seiner wahrsagenden
Tochter Allein siehe Er zog nach Magnesiam wo er von den Einwohnern
jämmerlich getötet und hernach aus Kreuz geschlagen worden So ward er wenns
regnete gebadet und wenn die Sonne schien gesalbet  Diese Geschichte ist
uns zur Lehre geschrieben dachte dein seliger Herr Großvater Er hatte in
seinem Sinne die Hülle und Fülle und hielt sich so glücklich wie Polykrates
obgleich er nie einen Ring ins Meer geworfen und wenn das Jahr um war keinen
Dreier übrig hatte
    Ich fand sagt er von jeher die erste Rose das erste Veilchen die erste
reife Pflaume ging ich zu Bett schlief ich stand ich auf war ich munter Die
bösesten Hunde kamen mir die Hände zu küssen um mir zu huldigen Mein seliger
Vorfahr hat den Pastoratsgarten bloß angelegt um dem Winde ein Spielwerk zu
machen doch glaub ich wenn ich ihn so wie er da ist bepflanzen sollte die
curischen Stürme würden sich mit ihm vertragen darum pflanze ich nicht wieder
was ausstirbt Einen neuen Garten leg ich nicht an um dem Boden nicht meiner
glücklichen Hand wegen Frohndienste aufzulegen  Was ich in meiner Jugend
setzte ging alles auf Eine Bohne wenn sie gleich hektisch aussah wuchs und
trug gesunde Kinder Schiess ich treff ich schießt ein anderer weiß ich
beinahe mit Gewissheit am Schuss obs Niete oder Gewinnst ist Komm ich nach
Mitau grüßt mich ein jeder der mir begegnet und ein jedes eher als ich Bei
allen meinen Examens ward ich über das gefragt was ich den Abend vorher gelesen
hatte Ich schlage mit einer Klatsche wenigstens zwei Fliegen Oft bemühe ich
mich recht geflissentlich nur einer aufs Haupt zu schlagen allein indem ich
den Streich vollführen will kommen Freiwillige dazu dies macht mich
aufmerksam Erst dreißig fette Jahre dreißig Jahre ununterbrochenes Glück und
drei Jahre darauf mager wie Pharaos Kühe Wer nimmt sie Dreißig magere Jahre
aber voraus und drei fette hernach dürfen nicht öffentlich licitirt werden
man nimmt mit beiden Händen Ich wollte nicht in der letzten Zeit meines Lebens
ausstreichen was ich die vorigen Jahre geschrieben und wie sollt ich meinem
Glücke Zaum und Gebiss in den Mund legen Ich bin gesund habe Nahrung und
Kleider und was noch mehr ist habe mich von jeher damit begnügen lassen  In
Gottes Hände konnt ich also nicht fallen ich mochts machen wie ich wollte
Was war zu tun ich gab selbst Gelegenheit in Menschenhände zu kommen Meine
Ehegenossin muss schweigen in der Gemeinde und ich schweige in meinem Hause
    Es war also lieber Leser mein Großvater mütterlicher Seits wie es
scheint ein christlicher Sokrates meine Großmutter aber keine Xantippe und
übrigens eine so ächte Pastorin als meine Mutter nur jede von anderer Art
    Ein Mann soll meine Tochter heiraten der nicht Schuster und Rademacher
werden kann sagte deine Großmutter  der aber sagte dein Vater im sanften
Tone als wenn er auf der Kanzel zu den Bussfertigen redete der aber Pastor
ist Schlecht genug schrie sie aus dass er durch deinen Vorschuss es geworden
Ich weiß sehr wohl dass er keinen Dreier hebräisch besitzt Hierin hatte sie
Recht Ein Pastor ohne die Sprache Gottes zu wissen Da mein Vater wohl aus dem
Tone hörte dass es Zeit wäre entweder seines Leidens ein Ende zu machen oder
sich zurückzuziehen ging er gelassen aus dem Zimmer in sein Studirstübchen wo
er auch drei Stunden eingeschlossen blieb Während dieser Zeit fing meine Mutter
Bürgerkriege mit mir an Bald war mein Kopf ein Wetterhahn bald hatte ich
läppische Angewohnheiten und andere sieben Sachen mehr  Der Zorn wider deinen
Vater hatte sich gelegt und sie schien es mir sehr deutlich zu verstehen zu
geben dass wenn ich nur den Kopf gerade gehalten mein Bräutigam wohl gesagt
haben würde wer sein Vater wäre Endlich sprang ihr Zorn so wie das Fieber
wenns nicht mehr so heftig ist das von deinem Vater auf deinen Großvater und
von deinem Großvater auf mich gekommen war von mir auf die Katrine So fuhr
der Satan meiner Mutter nicht zu nahe geredet in die Säue Katrine hatte ihr
statt des Salzfasses Pfeffer gereicht woran sie freilich nicht gut reichte
denn meine Mutter schüttete so viel Pfeffer in die Fische als sie Salz
gebraucht haben würde Pratz eine Ohrfeige und nun war der Zorn gelöscht Zwar
zischt es noch als wenn Wasser auf den glühenden Herd gegossen wird indessen
ward es zuletzt ganz ganz mausestille
    Dies Pratz war eben keine Christenpflicht indessen was denkst du vom Pratz
der Fr v  welche bei ganz kaltem Blute jedes neue Dienstmädchen wenn es
zum erstenmale Hand aus Porcellan legt mit einem Pratz bewillkommt Warum
gnädige Frau »Damit ihr ein Andenken habt so oft ihr das Porcellan zur Hand
nehmt«
    Meine Mutter mochte dieser Blutreinigung wegen gern das alte Gesinde
behalten und ich bin ihrer Meinung  Es muss doch wo einschlagen und ersticken
würd ich ich Kreuzträgerin wenn ich mich nicht ausschelten könnte  Babbe
wäre den andern Tag abgestellt nachdem sie die königliche Frau Mutter gemacht
hatte wenn man mit neuem Gesinde so herumspringen könnte als mit altem  Ich
weiß nicht gegen das gemeinste Volk hab ich bis ich bekannt bin rückhaltende
Achtung ich glaube das macht das Bild Gottes das es trägt
    Das Gebet vor Tische welches dreimal so lang war als leider das unsrige
ist betete meine Mutter ungewöhnlich laut mit und das war schon immer ein
gutes Zeichen denn wenn sie das ganze Haus beinahe in einander geworfen hatte
betete sie am lautesten und inbrünstigsten als wenn sie hiemit den Himmel
versöhnen wollte und alsdann war es alles wie abgeschnitten Dieser ihrer
Gemütsruhe bediente sich mein Vater deinem Vater eine Lobrede zu halten sie
gab kein Wort darauf
    Auf einmal fing sie von selbst an Er liebt zu sehr als dass er sie
verlassen sollte und man sehe sie wer kann dreißig sein ohne stehen zu
bleiben und sie zu lieben Gott hatte mich schön gebildet wie es noch am Tage
ist Wie gerade sie sich hält fuhr deine selige Großmutter fort welche feine
Arten Er wird sich besinnen und sagen von wannen er kommt Es ist ein sehr
geschickter feiner Mann Man kann mit Wahrheit sagen das Hebräische
ausgenommen dein Geist lieber Mann ruhe zwiefach auf ihm Du Elias er Elisa
Ich hatte diesen Gedanken gleich da du ihm deinen alten Mantel verkauftest
    Denk das nicht mein Kind sagte dein seliger Großvater der über den Namen
Elias sich vergnügte ich habe wenig Aussicht denn er hätte gewiss da er in die
freie Luft kam ein freundlich Wort fallen lassen allein  meine Mutter blieb
der freien Luft unbeschadet bei ihrer Hoffnung und tat unwillig dass dein
Großvater mir nicht einen Vater gönnte dem dieser Unwillen hinreichend war
auch Hoffnung zu fassen
    Das Gespräch wurde auf die hebräische Sprache gerichtet von welcher dein
lieber seliger Großvater behauptete dass sie eben nicht so nötig für einen
Diener des göttlichen Worts an einer christliebenden Gemeinde sei und dass er
selbst nicht einen Punkt zu verborgen sondern nur zur höchsten Noch hätte
Dieser letzte Umstand beruhigte meine Mutter und mich machte er noch betrübter
als ich schon war denn das einzige was mich bei dem Vorfall wenn dein Vater
mich verlassen getröstet hätte war der Umstand dass er nicht hebräisch konnte
und also nicht alle gesunde Gliedmaßen als Geistlicher hätte
    Hier hielt meine Mutter an und nachdem sie mich befragt ob ich wozu
Appetit hätte und ich für alles gedankt wandte sie sich nach dieser
Vorbereitung ganz zärtlich zu mir und bat mich dringend dieser Umstände
ungeachtet alle nur mögliche Sorge auf die hebräische Sprache zu verwenden
welches ich ihr auch feierlich versicherte Es ist alle Vermutung dass dies die
Sprache der andern Welt ist und dann darf ich meinen Sprachmeister nicht weit
suchen Ich war jetzt neugierig geworden ihre Helden Staats und
Liebesgeschichte zu Ende zu hören und hatte nicht Ursache hierum zu bitten
    Wir gingen ein jeglicher seinen Weg ins Bette allein welche Vigilien für
mich So wie das Bild der Sonne im Auge fortdauert wenn man die Augen gleich
zuschliesst so sah ich auch was ich um zu schlafen nicht sehen sollte Eine
arme Sündernacht war diese Nacht 
In welcher Nacht ich lag so hart
Mit Finsternis umfangen
Von alln meinen Sünden geplaget ward
Die ich mein Tag begangen
Gottlob dacht ich die Sonne Allein sie war mir nicht zum Glück aufgegangen
    Noch muss ich dir bei dieser erwünschten Gelegenheit vertrauen dass eben
dieser Zeitpunkt der war da ich die geistlichen Lieder als das probatste
Mittel mein aufgewiegeltes Herz zu beruhigen kennen lernte Befiehl du deine
Wege  Was Gott tut das ist wohl getan  Keinen hat Gott verlassen das
löschte meinen Durst bei meiner Angst Wenn die Zunge an meinen Gaumen klebte
und ich zwischen der hebräischen Sprache meiner Mutter und deinem Vater
geteilt war fing ich an zu singen Fühlt ich gleich nicht die Wahrheit in
ihrem ganzen Umfange
Wenn ich ein Lied von Herzen sing
So wird mein Herz recht guter Ding
so ward ich doch gottergebener und weicher und da mein ganzes übriges Leben
zwischen Tür und Angel ist und ich nie aus diesem Drang gekommen  sing ich
weiter bis ich kommen werde zum hohen Halleluja vor dem Throne Gottes
                                                                    Sie sangs
Da da
Da ist Freude
Da ist Weide
Da ist Manna
Halleluja Hosianna
Den andern Morgen ein Brief
    Ein Brief sagte meine Mutter  Hab ichs nicht gesagt Sie wog ihn  das
Geschlechtsregister liegt drin  Meine Mutter irrte es war ein Brief an meinen
Vater und einer an mich
    Auch gut sagte meine Mutter lass hören
    Der Brief an meinen Vater enthielt eine Danksagung für alle Freundschaft
Das Herz redete darin Dem wohlehrwürdigen Mann flossen Tränen die Wangen
herab Jede von diesen sanftabschleichenden Zähren verdiente in eine Perle
verwandelt zu werden Wenn er gestorben wäre setzte mein Großvater hinzu würd
ich nicht weinen ich habe noch nie über einen Toten geweint denn er ruht in
Gottes Hand allein ich weine über ihn weil er nicht tot ist
    Es ist ein sehr rührender Anblick einen glücklichen Mann weinen zu sehen 
Ich glaube wenn er je gewünscht ein Kreuzträger anderer Art zu sein so war es
jetzt An deine Großmutter hatte dein Vater einen kostbaren Ring beigelegt den
er wie er schrieb für seine Braut bestimmt gehabt und den er jetzt nicht
besser als auf diese Art anzuwenden wüsste Mein Vater behauptete dieses wäre
das letzte Lebewohl meine Mutter es sei ein frischer Wurm zum Hamen Mein
Vater und meine Mutter behaupteten jedes seine Meinung und ich ärgerte mich
überen Wurm wie Jonas über den der ihm den Kürbiss stach
    Würde er wohl sagte meine Mutter mit entscheidendem Tone solchen Ring
beigelegt haben wennn er nicht unter der Wildschur ein anderes Kleid hätte 
Ich weiß nicht warum mir dieser Grund gleichfalls sehr wahrscheinlich auffiel
allein desto heftiger war mein Entsetzen da ich vernahm dass er den Pastor L 
fleißig besuchte und dass er die jüngste von seinen Töchtern welche ein sehr
lustiges und hübsches Mädchen war heiraten würde Diese Zeitung blitzte und
traf ich fiel so lang ich war zu Boden und ward herzlich jawohl herzlich
krank Die ganze Gegend wusste jetzt dass dein Vater die Gabe der Enthaltsamkeit
nicht hatte desto besorgter war ich denn so unangenehm es wir war dass dein
Vater nicht hebräisch konnte wovon leider manches geredet ward so sehr lieb
war es mir dagegen dass man ihm die seltene Gabe der Enthaltsamkeit andichtete
Ich stand entsetzlich viel aus Zu dem Gerüchte wegen der jüngsten Tochter des
Pastors L  kam ein Traum dessen ich mich jetzt erinnerte und den ich von der
Stunde der Erinnerung an Tag und Nacht in eins weg träumte Die Nacht auf den
Abend da dein Vater die erste Mahlzeit bei uns aus allen Kräften tat und da
er zu seiner Entschuldigung behauptete dass man im Winter besseren Appetit hätte
als im Sommer die Nacht auf diesen Abend träumte mir dass die jüngst Tochter
des Pastors L  mir Gift eingäbe und da es wirkte billigte ihr Vater dieses
Verfahren und wollte mir noch eine vergiftete Pille von derselben Art im
Säftchen beibringen um wie er sich großmütig ausdrückte mich nicht lange
quälen zu lassen allein seine Tochter ward des Landes verwiesen und er ward
Präpositus  wie besonders doch ein Traum ist  Er Präpositus Sie des Landes
verwiesen Dass ich das Säftchen des Herrn Pastor L  verbat weiß ich allein ob
ich von dem Gifte seiner Tochter gestorben oder nicht konnt ich mich nicht
besinnen Ich hatte bis dahin keine andere als biblische oder solche Träume
gehabt die in der heiligen Schrift vorkommen Die sieben fetten und die sieben
mageren Kühe des Pharao zum Exempel und die Sonne Mond und Sterne des Josephs
waren oft vorgefallen und kein ehrliches Mädchen muss ehe sie Braut wird
anders als biblisch träumen Dieser Gifttraum richtete mich völlig hin Zwar
erzählte dein lieber Vater eben diesen ersten Abend dass er den Pastor L  und
sein Haus kenne und hätte sich freilich alles natürlich erklären lassen
indessen ist und bleibt dieser Traum immer was besonderes Man sage von den
Kometen was man will sie sind und bleiben doch Kometen Mein Blut siedete auf
 Ich hört es kochen wie das Wasser in einer Teemaschine allein deine
Großmutter hörte nicht sieden nicht kochen Sie nahm die ganze Sache auf die
leichte Schulter bis sie zu ihrem Erstaunen sah dass mir das Herz zu brechen
anfing Jetzt dachte sie auf eine Kur und diese glaubte sie mit dem Ringe
auszurichten allein sie goss Öl ins Feuer Ich lag in einer Ungewitterhitze Es
kam ihr vor es hätte sie etwas abgekühlt und nun glaubte meine Mutter wäre es
Zeit die Medizin einzunehmen Sie schenkte mir den Ring und ich musste ihn
anlegen allein sie goss Öl siedend Öl zum Feuer Bon dem Spitzchen wo der
Ring seinen Lauf angetreten gings durch alle Adern  wellenschlagend und ich
schien außer Hoffnung Man nahm mir den Ring ab allein das Feuer das er
angezündet hatte wütete fort Das Feuer ist ein schreckliches Element In der
Hitze wollte ich durchaus hebräisch lernen und um mich zu beruhigen musste dein
seliger Großvater mich darin unterrichten Wenn ich zu mir selbst kam seufzte
ich nicht über meine Mutter sondern über des Pastors L  jüngste Tochter Der
liebe Doktor Saft dessen Sohn dir nächst Gott geholfen half mir Sein Recept
war dein lieber Vater und eine Mixtur von seiner eigenen Erfindung Er war in
der Medizin so wie in Liebesangelegenheiten gleich stark und brauchbar Sein
Herr Sohn ist ihm in der letzten Kunst nie gleich gekommen Der alte Doktor Saft
hat Wunderkuren durch Heiraten getan
    Er verhieß es feierlich deinen lieben Vater zurück an Ort und Stelle zu
bringen Ich sah zwar noch nicht allein ich fühlte die Farben wie Blinde  Wie
viel hätte ich darum gegeben wenn meine Mutter den Doktor Saft sogleich seine
Straße ziehen lassen
    Ich will meine Mutter ihrer Lunge und der Geduld meiner Leser halber
ablösen und das in Kurzem sagen was sie im Langen gab Allein meine
Großmutter und Doktor Saft gaben sich noch schwere Fragen auf vom Kleide Adams
und von seinem Nabel vom Apfel den er gegessen von der Gesichtsfarbe der
Rahel und über den Punkt ob Pilatus sich mit Seife gewaschen obgleich meiner
Mutter in ihrer Verfassung mit nichts weniger als schweren Fragen gedient war
    Mein Vater kehrte um und erhielt Ja von Mutter und Tochter ohne dass er
sagen durfte von wannen er käme Wer am wenigsten damit zufrieden war ist
keine kritische Frage Der Doktor Saft sagte indem er fortging
Wär dieser Trost nicht kommen
So hätt es große Not
    Diese Spötterei hätt ich ihm vergeben versicherte meine Mutter wenn sie
bloß mich und nicht zugleich ein geistliches Lied betroffen hätte Pastor L 
war bitterböse obgleich seine Tochter ohne hitziges Fieber davonkam und ihr
Vater das Hebräische in der Fieberhitze nicht prostituiren durfte Er hielt als
Beichtvater die Traurede bei dem Myrtenfeste meines Vaters wobei er die
Vorzüge der ehelichen Geburt abhandelte Hierbei fielen so viele Satyren auf
meinen Vater dass der arme Mann zum allgemeinen Gelächter wurde Eine gewisse
Frau v  warf den ersten Stein und nahm Gelegenheit in öffentlichen
Gesellschaften zu behaupten er sei wie sie sich ausdrückte vom Kanapee und
nicht aus dem Ehebette Sie schadete sich indessen mit diesem Steinwurf Sie
warf ihn so unglücklich dass er auf Ihr Gnaden zurückfiel
    Denn es kam bei dieser Stammgelegenheit aus dass ihr Herr Vater seliger
nicht wirklich Vater gewesen sondern einer seiner Leute den Hofmeister Jäger
die Bedienten Vorreiter ausgenommen Vaterstelle vertreten  und so gings bei
dieser Gelegenheit sehr vielen an deren ehelicher Abkunft vorher niemand
gezweifelt hatte in deren Augen Nase Mund und andern Gesichtsstellen man aber
jetzt einen andern Vater lesen wollte
    Ein Ausdruck des Pastor L  war meinem Vater am gefährlichsten geworden
Nach der Weise Melchisedech Meine Mutter sagte ihn mir ins Ohr Mein Kind
setzte sie hinzu dieser Name hat mir tausend und abermal tausend Tränen
gekostet und unter uns gesagt wär es kein Vorbild ich hätte gewünscht es
wär an Melchisedech nicht in der heiligen Schrift gedacht Mein Vater wusste
dass ihn die ganze Gegend mit diesem Beinamen bezeichnete und das ging ihm so
nahe dass er wie meine Mutter versicherte darüber seines Lebens müde ward
    Hier muss ich wieder meiner Mutter den Lauf lassen
    Melchisedech war ein König zu Salem sagte sie ganz leise und auf Zehen ein
Priester des Allerhöchsten oder Herzog und Superintendent von Kurland in einer
Person Da dein Vater kein König ist passt der Name von dieser Seite nicht
allein sonst passt viel kein Mensch weiß wo Melchisedech geboren wer sein
Vater gewesen sein Geschlecht sein Tod alles geheim  Als Abraham von der
Verfolgung der vier vereinigten Könige welche die Könige zu Sodom und Gomorra
überwunden und den Lot seinen Vetter mit sich als Kriegsgefangenen geführt
heim kam ging ihm Se Hochwürdigste Majestät Melchisedech bis ins Tal Sare
entgegen dieses Tal ward Königstal benannt ließ dem Abraham eine schöne
Tafel decken und sprach folgenden Segen über ihn Gesegnet seist du Abraham
dem höchsten Gott der Himmel und Erde besitzt und gelobt sei Gott der Höchste
der deine Feinde in deine Hand beschlossen hat Abraham gab dem Segnenden den
Zehnten von allem und mehr wissen wir von Melchisedechs Geschichte nicht Wohl
aber spricht der Psalmist im einhundert und zehnten Psalm und dessen vierten
Vers »du bist ein Priester ewiglich nach der Weise Melchisedech« Im Briefe an
die Hebräer im fünften Kapitel und dessen sechsten und zehnten Vers und im
sechsten Kapitel und zwanzigsten im siebenten und dessen ersten zweiten und
dritten Vers entwickelt sich dieses näher welches du wenn dein Vater nicht
dabei ist weiter nachlesen kannst
    Ich fand die Bemerkung meiner Mutter sehr bewährt dass mein Vater weder
öffentlich noch häuslich diesen Namen ausgesprochen Die Nachrede vom Kanapee
welche die Frau Schwiegermutter ihrem Herrn Schwiegersohn getreulich und oft
wohl mit bitteren Salzen wie meine Mutter sagte vorsetzte hätten meinen Vater
unfehlbar auf den Kirchhof gebracht so dass sein Tod gewiss kein Melchisedechs
Tod gewesen wäre wenn er sich nicht plötzlich ermannt und über die Worte
Richtet nicht so werdet ihr auch nicht gerichtet eine Predigt gehalten hätte
In dieser Predigt sagte meine Mutter war so viel Salz und Schmalz dass alles
wie Schnecken wenn sich ein Blättchen rührt die Hörner einzog Sein
blutübertragenes Herz bekam Luft und er genas Nach der Predigt ward das Lied
In dich hab ich gehoffet Herr gesungen welchem M Jakob Daniel Ernst in der
historischen Konfecttafel die rührende Befreiung des Herrn Andreas Steinberg
wohlverdienten Pfarrers zu Budin in Böhmen zuschreibt und wider welches ich
kein Wort habe außer dass mir der dritte Vers zu kriegerisch vorkommt
Mein Gott und Schirmer steh mir bei
Sei meine Burg darin ich frei
Und ritterlich mag streiten
            Sie sang die drei letzten Strophen die sich anfangen
Mir hat die Welt trüglich gerichtt
Mit Lügen und mit falschem Gedicht 
Viel Netz und heimlich Stricke  
    Hätte es deinem lieben Vater gefallen mich bei dieser Liederwahl zu Rate
zu ziehen so würden die Lieder einen ebenso allgemeinen Beifall gefunden haben
als die fanden welche ich bei deiner Predigt erkor Jedes sprach von deines
Vaters Predigt niemand aber dachte an die Lieder und doch gehört zur
Seelenmahlzeit Essen und Trinken Predigt und Gesang Geschehene Dinge waren
nicht zu ändern Ich konnte nichts mehr tun als zu Hause um feurige Kohlen
auf deines Vaters Haupt zu sammeln einige treffendere Strophen singen Ich
sang
                             sie sang auch jetzt
Woher wollt ich den Aufenthalt
In dieser Welt erlangen
Ich wäre längst schon tot und kalt
Wo mich nicht Gott umfangen
Mit seinem Arm
Der alles warm
Gesund und fröhlich macht
Was er nicht hält
Das bricht und fällt
Was er erfreut das lachet
Und gleich darauf stimmte sie an
Er weiß viel tausend Weisen
Zu retten aus der Not
Er nähret und gibt Speisen
Zur Zeit der Hungersnot
Macht schöne rote Wangen
Oft bei geringem Mahl
Und die da sind gefangen
Entreisst er dieser Qual
    Das Lied mein Dankopfer Herr ich bringe ist wie auf diese Predigt
gemacht
    Dich Lied sang indessen meine Mutter nicht sondern empfahl es mir zum
Nachlesen Was es heiße fuhr sie fort er predigte gewaltiglich hab ich in
dieser Predigt gelernt Dein Vater trieb seine Feinde zu Paaren zu Einzeln
trieb er sie ihre Stätte war nicht mehr Melchisedech und Kanapee waren nun
wieder Melchisedech und Kanapee Gott sei dafür gelobt und gebenedeit Meine
Mutter versicherte mich hierbei mit Tränen dass sie in der kritischen Zeit
keinen Menschen aufs Kanapee zu nötigen das Herz gehabt wie sie denn auch auf
die Rechnung Melchisedechs schrieb dass ich erst im dritten Jahre nach ihrer
Verheiratung das Licht der Welt erblickt in parentesi ich war die erste und
letzte Geburt
    Es werden nicht viele sein welche die eheleibliche jüngste Jungfer Tochter
des Herrn Pastor L  die ein Komet in dieser Geschichte ist weiter
interessiert als dass sie ohne hitziges und hebräisches Sprachfieber abgekommen
indessen um alle Gerechtigkeit zu erfüllen mag der geneigte Leser observiren
dass mein Vater ihretwegen auch nicht ein Wort beiher fallen lassen Es war auch
in diesem Pastorat erschollen dass mein Vater die Gabe der Enthaltsamkeit nicht
hätte und dies bewog den Pastor L  und die Pastorin ob die Töchter daran
Anteil gehabt wusste meine Mutter nicht meinen Vater zum Gastmahl einzuladen
Er kam und begrüßte die jüngste Tochter des Pastor L  eher als ihre älteren
Schwestern und auf diesen Umstand gaben ihre Eltern die Einwilligung Sie
gefiel nach der Zeit dem  v  und da sich dieser mit seinen Lippen schon oft
und viel zu ihr genaht obschon sehen Herz fern von der heiligen Ehe war geschah
es dass er sich einstmals noch mehr nähern wollte und sie  gab ihm mit
tugendhafter Hand eine Ohr  Die Sache ward ruchbar und machte in Kurland
großes Aufsehen Einige von den alten Häusern votirten dass der jüngsten L  die
Hand abgehauen werden sollte andere Häuser wo eben die Söhne von Universitäten
gekommen waren denen vielleicht dergleichen Ohrfeigen nichts Ungewöhnliches
waren votirten dass die Hand eines artigen Mädchens keinen Kavalier entehren
könnte Die Stimmen waren sehr geteilt Die Sache indessen ward zum Vergleich
ausgesetzt und schloss wie sich die Komödien alle schließen mit der Heirat
Der Herr v  heiratete o Wunder über Wunder die jüngste Tochter des Pastor L
 So kann man auch zum Ehemanne und nicht bloß zum Ritter geschlagen werden In
Curl konnte aber dieser Gräuel von Seiten des  v  nicht von der Sonne
beschienen werden Der Pastor gab Geld und die Tochter  der Geschlagene nichts
als Ja  weil er nichts weiter hatte und ein Krippenritter war Das Paar reiste
ab Glückliche Reise Mein Gifttraum sagte meine Mutter war wenigstens von
Seiten der jüngsten Tochter des Pastors L  pünktlich erfüllt obgleich der
Pastor L  niemals Präpositus geworden ist und es auch schwerlich werden wird
Sein Säftchen war der Melchisedech welches du ohne Auslegung verstehen wirst
Meine Mutter nahm mich beim fünften Westenknopf von oben gezählt und hielt mir
wegen des Namens Alexander eine sehr lange Rede die mir zugleich aufklärte
warum sie mich wie es meine Leser selbst gehört statt Alexander Einhörnchen
genannt Diese Aufklärung bin ich meinen Lesern zu ihrer gleichmäßigen
Aufklärung schuldig Meine Mutter war im Grunde auch nicht zufrieden dass der
Ehren Einhorn weiland zweiter Superintendent in Kurland Alexander geheißen
vielmehr sagte sie welches mich erschrecklich befremdete Herr Superintendent
Einhorn hätte besser getan wenn er bei der heiligen Schrift geblieben wäre
Ich kanns nicht bergen fuhr sie fort dass ich dem Namen Habakuk vorzüglich
zugetan bin und wenn du so hiessest ich würde den silbernen Becher missen der
noch von meinem Großvater ist Wenn ichs ändern könnte Habakuk sollte mir
gewiss nicht unter den kleinen Propheten sein War aber der Name Habakuk Sr
Hochwürden dem selgen Herrn Superintendenten nicht genehm warum nicht einer
von den großen Propheten Jesaias Jeremias Klagelieder Jeremiä Ezechiel oder
Daniel Warum denn Alexander ein Name der in der heiligen Schrift nicht
sonderlich angeschrieben ist und von dem es in der zweiten Epistel an den
Timoteum im vierten Kapitel und vierzehnten Vers etwas misslich heißt
Alexander der Schmied hat mir viel Böses beweiset der Herr bezahle ihm nach
seinen Werken vor welchem hüte du dich auch denn er hat unsern Worten sehr
widerstanden
    Ich sah deinen Namen nicht anders als einen Höcker an Damit ich mich
indessen über diesen Auswuchs einigermaßen beruhigen möchte nannte ich dich
Einhörnchen und dachte geschieht dies am grünen Holz am Ehren Einhorn
weiland zweiten Superintendenten in Kurland was will am dürren deinem lieben
Vater werden von dem man außer dass er in seiner Jugend früher Spargel
gegessen als in Kurland nicht viel mehr weiß was hierher gehören könnte
    Wie unzufrieden meine Mutter mit dem Alexanderspiel wobei ihre Köchin Babbe
die königliche Frau Mutter vorstellte gewesen hab ich nie so deutlich als
jetzt erfahren Sie bezeugte ihren Todhass gegen den Herkules den mir mein
Vater wie sie sagte so süß vorgepfiffen dass ichs bedauert nicht auch
Schlangen in der Wiege erdrückt zu haben Herkules ist am Ende sagte sie ein
blinder Heide und Alexander auch Ich freue mich dass dein lieber Vater selbst
in diesem Stücke seine Voreilung einsieht und dich nicht mehr Alexander
sondern mein Sohn heißt Du bist Gott sei gedankt schier ein guter
Prophetenknabe zierlich manierlich allein noch besser würdest du sein und
nicht so oft in Gedanken Gebärden Worten und Werken trommeln und querpfeifen
du würdest deine Meinung ohne Schäumchen aufgiessen wenn dein lieber Vater dich
gleich mein Sohn und nicht Alexander aufgerufen Sobald ich dir anriet Särge
zu schnitzeln und Leichen zu begraben lehrt er dich Spieße und Bogen machen
und noch ganz klein stellte er türkische Bohnen wie Soldaten von denen du
Gottlob damals keinen Begriff hattest Wenn dich Leute küssen wollten stieß er
sie von dir Brecht die Rose nicht damit sie nicht welk werde Er schien zu
meinen dass dir durch Küsse das Fett abgeschöpft würde Wenn er lieben wird
setzte er hinzu kann er küssen Ich gab dir die wohlgemeinte Lehre wenn eine
große und kleine Pforte zu einem Wege führt gehe durch die kleine und hab
auch hiebei erbauliche Gedanken  Dein Vater sagte durch die große 
    Ich wenn du gähnst schlag ein Kreuz und halt die Hand vor
    Dein Vater schlag kein Kreuz und lass jedem deinen Mund sehen in diesem
einzigen Stück hab ich ihm nach der Zeit Recht eingeräumt
    Ich wenn dir Brod oder Bibel Gesangbuch und Luthers Katechismus aus den
Händen fällt küss Brod Bibel Gesangbuch und Luthers Katechismum
    Dein Vater küss weder Brod Bibel Gesangbuch noch Luthers Katechismus heb
auf was fällt und Aufhebens wert ist was Erd ist lass zur Erde werden
    Ich gratulir am ersten Adventssonntag zum neuen Jahre denn es ist der
erste Tag im Kirchenjahre und wünsche nicht nur dieses sondern noch viele neue
Kirchenjahre in Seelen und Leibeswohlergehen anzufangen und zu beschließen Ihm
ist der erste Advent wie der erste Sonntag nach Trinitatis  mir nichts dir
nichts Kaum dass er am LaienNeujahrstage das ist den ersten Januar Glück
wünscht Was ich eine Nickel und unehrlich nenne heißt er unehelich Bei dem
letzten Umstande denk ich mehr als ich sagen kann
    Aus dem schnaubenden Saul ward ein frommer Apostel Paul und auch du mein
Lieber kann gleich aus keinem Alexander ein Habakuk werden fleißige dich
dennoch bei Leibesleben Superintendent in Kurland zu werden Der Name selbst
würde da schon zwei Alexanders Superintendenten geworden wohl etwas von seiner
Härte verlieren wie Senf durch Zucker  Hier sah man meiner Mutter eine
gewisse Sohnsfreude an die bei Müttern die einzige ihrer Art ist Wo ist ein
Maler der die Marienfreude ausgedrückt hat Sie hätte keinen heiligen Schein
nötig wenn dies ein Maler treffen könnte Man rechne so genau man will sagte
meine Mutter schlüsslich ein kleiner Bruch bleibt bei einem jeden Menschen
übrig  Er aber der in dir angefangen hat das gute Werk woll es durch seinen
heiligen Geist in dir bestätigen und vollführen und dich kräftigen und gründen
ihm sei Ehre und Lob und Preis Amen Amen
    Was mich betrifft 
    Sie sang
Ich bins gewiss und sterbe drauf
In meines Gottes Händen
Mein Kreuz und ganzer Lebenslauf
Wird sich noch fröhlich enden
und nach dieser Strophe
Tu wie ein Kind und lege dich
In Gottes Vaterarme
Und lass nicht nach bis dass er sich
Dein väterlich erbarme
So wird er dich durch seinen Geist
Auf Wegen die du jetzt nicht weißt
Nach wohlgehaltnem Singen
Aus allen Sorgen bringen
Im Liede steht Ringen anstatt Singen Wer wird indessen meiner Mutter diese
Änderung verdenken Lieber hätte sie das weiß ich nach wohlgehaltenem Takte
gesungen sie musst aber den Reim bedenken
    Sie schloss in Prosa mit wiederholentlichem Amen Amen
    Nach dieser Erzählung und diesen mütterlichen Wünschen las sie mir einen
Aufsatz vor den zum größten Teil ihr Vater für ihren Bruder aufgesetzt hatte
welcher aber in der Kinderlehre geblieben wie sie sich ausdrückte Vieles
sagte sie ist deines Vaters das meiste gehört mir Ich will es meinen Lesern
zum Besten von mächtiger zu mächtiger Stätte von treuen zu treuen Händen
mitteilen
    Noch nie war mir die Geschichte meines Vaters so sehr aufgefallen als jetzo
 wo mir die kleinsten Umstände nicht Adiaphora mehr waren obgleich ich Summa
Summarum nicht viel mehr erfahren als ich schon wusste Zu dem Spargel und der
Pfeife in der freien Luft und den langen Manschetten war nur ein Kanapee und der
königliche Priester Melchisedech gekommen Ein Name den ich noch nicht ohne
Bangigkeit man möcht ihn übel deuten ausspreche und den ich meinen Lesern
so oft er vorgekommen ins Ohr geschrieben habe
    Denkzettel an den der unter meinem Herzen und an meiner Brust lag welche
niemand außer seinem Vater und der nur beiläufig vor und nach ihm gesehen hat
der den    17  in einem kalten Winter meinen Leib öffnete und schloss den
ich die Hände falten und Gott aussprechen lehrte und den ich in diesem
Jammertal wo man auch bei frühem Spargel nicht an Ort und Stelle ist nicht
mehr sehen werde aber  dort bei dem Herrn allezeit
                                       
    Siehe zu dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei nicht ein Kranz der
FirneWein anmeldet wo doch nur Heerlingssaft ist und suche nicht Ruhm bei
Leuten durchs Weiße in deinem Auge und durch ein Aussehen als wenn du den Tag
zuvor Medizin genommen Die ganze Natur ist fröhlich und guter Dinge Ehre Vater
und Mutter mit der Tat mit Worten und Geduld auf dass ihr Segen über dich
komme denn des Vaters Segen baut den Kindern Häuser aber der Mutter Fluch
reißt sie nieder Ihr Unwillen beschädigt das Dach und es regnet ein ewiglich
Wie kann der Gott lieben den himmlischen Vater der nicht die liebt die das
wohlgetroffenste Bild vom Schöpfer und Erhalter an sich tragen ehre Vater und
Mutter damit dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden Sprich wenn du
Melchisedech sagen willst der königliche Priester so wie man den David den
königlichen Propheten heißt obgleich er auch in der Apostelgeschichte im
zweiten Kapitel im neunundzwanzigsten Vers Erzvater genannt wird Gedenke
wenn du Spargel isst oder eine Pfeife in freier Luft rauchest und lange
Manschetten siehst oder Wein an der Quelle trinkest deinen Vater ehren ist
deine eigene Ehre und deine Mutter verachten heißt einen stinkenden Odem
haben Ein gutes Gewissen ist besser als zwei Zeugen Es verzehrt deinen Kummer
wie die Sonne das Eis Eis ist ein Brunnen wenn dich durstet ein Stab wenn du
sinkest ein Schirm ein Rigascher Pastorhut wenn dich die Sonne sticht ein
Kopfkissen im Tode  Der Herr unser Gott ist der Allerhöchste und er schuf
Löwen und Frösche Adler und Mücken und alles was auf Erden kreucht Kein
Sperling fällt ohne seinen Willen und in ihm leben weben und sind wir Gleiche
Brüder gleiche Kappen Gleichheit sagt dein Vater ist das Winkelmass der
Menschheit Wer nicht über andere wegsieht und am Tisch sich oben ansetzt und
nach der Hechtleber langt erregt keinen Neid und niemand spricht zu ihm
weiche diesem Der größte Hümpler die meisten Späne Keine Antwort ist auch
eine Antwort So wie das Wasser Feuer löscht so überwältigt die Bescheidenheit
den Stolzen Sie ist der Ring den man dem Bären durch die Nase zieht Gut macht
Blut Blut macht Mut Mut macht Übermut Es ist eine schwere Sache um die
ächte Schamröte Bei vielen ist sie Schminke und Pfui über die viele Wenn sie
aber auch gesundes unverfälschtes Blut ist kann man sich schämen dass man
Sünde daran tut und kann sich schämen dass man Gnade und Ehre daran hat vor
Gott und Menschen Wer A sagt muss B sagen Aus Scham sterben heißt eben so
viel als aus Furcht sterben Die Schamröte bleichet nach einer Weile aus wie
eine sechsstündige Provinzrose Kirchenbusse ist kein Staupenschlag Wasch mir
den Pelz und mach ihn nicht nass Wer ein Tiger in seinem Hause ist pflegt ein
Schaf außer demselben zu sein Sei langsam zu reden schnell zu hören und
langsam zum Zorn denn des Menschen Zorn tut nicht was vor Gott recht ist
Kaltes Blut hat mehr Unheil gestiftet als der Zorn Tue nichts Böses so
widerfährt dir nichts Böses Halte dich vom Unrecht so trifft dich kein
Unglück Was bös ist bleibt böse wenns gleich viele tun Wie das Bett so
der Schlaf Ringe nicht nach Gewalt bei Fürsten denn sie sind Menschen und
können nicht wenn sie auch wollten Sei fröhlich mit den Fröhlichen und weine
mit denen die zerschlagenen Herzens sind denn Gott schuf uns all aus einem
Erdenkloss und blies uns einen lebendigen Odem in die Nase und da ward eine
lebendige Seele Verzweifle nicht wenn die Glocken um deinen Freund gezogen
werden und wenn es von ihm heißt er ist versammelt zu seinen Vätern Freue
dich nicht wenn dein Feind stirbt gedenke dass wir alle sterben werden
Müssn all davon
Gelehrt jung reich alt oder schön
Willst du den Frevler kennen steh ihn wenn sein Feind den Arm bricht Artet
sein Herz zum Jubel aus und raucht sein Haupt wie eine Flasche alter Wein wenn
man die Pfropfe herausgezogen so hast du ihn auf ein Haar wie dein Vetter
getroffen ist im Kupferstich  Wenn gleich der Gottlose in einem Palaste
wohnet irre dich nicht Sein Palast ist wie das Haus der Spinne und wankender
wie ein Schauer das der Wächter sich gemacht hat  Es kommt die Stunde da
Schrecken ihn treffen wie Wasser Ein Platzregen kommt über ihn wenn er ein
seidnes Kleid anhat Ohne Ordnung fällt man über ihn her wie durch ein
gesprengtes Tor wie eine eingenommene Feste wird man ihn umzingeln Ist nicht
Tag und Nacht Sommer und Winter kalt und warm Es liegt alles fingerdick in
der Welt das Gute und das Böse Harre auf den Herrn deine Seele hoffe auf ihn
er wirds wohl machen Gott zerschmeisset und seine Hand heilet Aus sechs
Trübsalen wird er dich erretten und in der siebenten wird dich kein Übel
rühren Er wird deine lassen Hände stärken damit du zu deiner Predigt den Takt
schlagen könnest zur rechten Zeit und wenn deiner Seele widert den dunkeln Weg
zu gehen den kein Vogel entdeckt und keines Geiers Auge gesehen wenn es
stockfinster ist sei Gottes Wort deine Leuchte und das Licht auf deinem Wege
Er der den Winden den Weg wies führt seine Heiligen zwar wunderlich doch
selig Unsere Kraft ist nicht steinern unser Fleisch nicht ehern das weiß der
uns schuf und wird unser Lager leichtern und dir einen Dr Saft senden wenn du
krank bist und einen Tröster wenn deine Seele wimmert Nichts kann uns mehr
verstimmen als das Geschrei kleiner Kinder Die leiblichen Eltern finden es
unerträglich denn die Erbsünde ists die aus dem Kinde schreit und sein
Weinen verrät Unverstand und Eigensinn So ist unser Weinen und Heulen dem
lieben Gott  Kindergeschrei
    Wer am Wege baut hat viele Meister Leihe nicht einem Gewaltigern denn du
bist leihest du aber so acht es gestreut auf einen undankbaren Acker Brich
den Hungrigen dein Brod und so du einen nackt siehst glaube dass ein Loch in
deinem Strumpfe sei Nackend bist du von deiner Mutter Leibe gekommen und
nackend wirst du auch heimfahren aus diesem Elend Der Herr hats gegeben der
Herr hats genommen Halleluja Ein neuer Freund ist ein neuer Wein lass ihn alt
werden und dann koste ihn und siehe da solch ein Wein erfreut des Menschen
Herz dass er jung wird wie ein Adler Wer Pech angreift besudelt sich wer mit
Leidenschaft spielt hat Lust zu betrügen und wer oft tanzt will heiraten
Sei züchtig wenn von Dingen die Red ist die die Natur selbst mit
Feigenblättern verhangen hat Gewöhne dich nicht zur Sängerin dass sie dich
nicht mit einem Triller in die Flucht schlage und dich zum schimpflichen
Gefangenen mache für und für Höre lieber eine Nachtigall eine Lerche oder so
etwas und dein Gemüt wird gesund zu derselben Stund Mit Ringen zu spielen ist
nur dem Doge zu Venedig am Himmelfahrtstage erlaubt wenn er sich mit der
adriatischen See verlobet Ich halte selbst dies Spiel für sündlich und
anstößig wenns gleich der heilige Dreifuss oder Sorgstuhl auf dem dein
Namensvetter Papst Alexander der Dritte saß im Jahr 1174 verordnete Man muss
sich nicht verloben wenn man nicht heiraten will man muss keiner adriatschen
See einen Ring geben die nicht unsere Frau werden kann Du verstehst was du
hörest und liesest mein Sohn Merke wohl was ich sage
    Die adriatische See war ohne Zweifel Minchen
    Wehe dem Jüngling der einer Dirne verspricht was er nicht erfüllt der mit
ihr handgemein wird wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den Umständen
ist Leute dieser Art meiden das Land wie die jüngste L  an der mein Traum
erfüllt ist und ihr Krippenritter von dem mir nie etwas geträumt hat Falsche
Jünglinge bauen ein Gerüste von Schmeicheleien und wenn ihr Gebäude fertig ist
zerstören sie das Gerüste und seine Stätte ist nicht mehr Du nicht also
Wenn dich der böse Feind anficht
Zur linken und zur rechten Hand
empfehl ich dir das Tintenfass nicht wie unser Glaubensvater ihm damit den
Kopf zu bläuen obgleich diese Tintenflecken an der Wand die schönste Malerei
sind die ein Christenauge in der Welt sehen kann Der Teufel da er schon an
sich tintenschwarz ist hatte keinen Flecken davon Nicht des Wurfes wegen
sondern um eine Predigt oder geistliche Betrachtung daraus abzufeuern Tinte sei
dein Pulver die Feder Flinte die Sandbüchse Schrot Vom Weihrauch tut dem
Teufel der Kopf weh es ist nicht fein wenn ein Geistlicher mit etwas anderm
räuchert Um die Tinte gut zu kochen oder Teufelspulver zuzubereiten werd ich
dir ein Recept zu deiner Wäsche packen Es hat Kranke gegeben auf die der
Anblick des Recepts die nämliche Wirkung gemacht hat als die Medizin die
darauf charakterisirt war Sie schwitzten sie gingen zu Stuhl Der Teufel müsste
sein Spiel haben wenn dies Recept in deine Wäsche Tintenflecken machen sollte
Stecke die Manschetten unter wenn du schreibst denn es steht nur einem alten
wohlerfahrenen Gelehrten an mit Tintenftecken zu prangen Leute die die Sünde
aus ihrem Fleische wie den Staub aus ihren Kleidern herausklopfen und sich
casteien kennen den inwendigen Menschen nicht Verse zu machen mein Kind ist
ein probates Mittel wider die Erbsünde und die bösen Fleischeslüste die man
bloß durch Seelenmotion dämpfen kann Es müssen die Verse aber gereimt im
Schweiß des Angesichts erarbeitet oder erjagt sein Dein Vater sagt im
Reimwörterbuch nachschlagen heißt hetzen Weg mit den Hunden allein wo ist ein
Jäger ohne Hunde Ein Mensch der die schmutzigsten Verse schreibt wenn sie ihm
wohlgeraten läuft ihnen wie den unkeuschen Dirnen nach die er besungen hat
Jammer und Schade um die Poesie Sonst aber für jedes eine Reihe für den
Verstand eine und für den Reim auch eine Gib dem Verstande was des
Verstandes und dem Reim was des Reimes ist Dichter probirt man wie irdenes
Zeug durchs Klingen Kein großer Sänger singt wenn er in Gedanken ist wie es
die meisten tun die nicht große Sänger und große Philosophen sind Die
letzteren reden mit sich selbst und machen mit der rechten Hand eine Bewegung
Dichter pfeifen Dein Vater Nationen die singend reden und deren Sprache so
ist als wenn die Orgel gestimmt wird singen schlecht Alles dein Vater Auch
hab ich von ihm die deutsche Sprache sei nicht also Der selige Herr Dr
Martin Luther sagt der Teufel ist ein Trauergeist und macht traurige Leute
daher flieht er die Musica und bleibt nicht wenn man singt Das Loblied Moses
der Prophetin Debora und Barak als Sissera geschlagen ward der gottseligen
Hanna das Loblied Hiskia als er wieder gesund geworden und des Jonas da er
aus dem Wallsische angelandet war beweisen dass nicht nur Männer sondern auch
Weiber heilige Lieder gesungen und im neuen Testament singt der Priester
Zachariä und auch die heilige Jungfrau Durch die Instrumentalmusik spricht ein
Stummer Der Kranke geneset das Alter verjüngt sich Durch die Stimmmusik
zerteilen wir die Wolken und dringen zum Herrn Nur die Engelstimmen gehen über
Menschenstimmen Wenn Barbaren die kein Wort deutsch können uns überfielen
singt Wenn man eine Wagenburg schlägt und euch an allen Orten ängstigt singt
sag ich und abermals sag ichs singt Gesang ist ein niederschlagendes
Pulver Cremor Tartari für die Seele Mein Sohn wenn auch ein anderer über dies
Schatzkästlein käme er wüsste von jedem Worte wessen Geistes Kind es sei ob
mein oder deines Vaters und deines Großvaters Bei vielen hab ich gesagt dein
Vater bei vielen hab ichs gedacht Dein Großvater und Vater haben gepflanzt
ich habe begossen Gott gebe das Gedeihen
    Plato und Pythagoras waren zwar blinde Heiden indessen glaubten sie dass
der Lauf der Sterne ein Konzert spiele Lobe den der sie in Melodie setzte
Alles was Odem hat lobe den Herrn Dein Vater sagt wer dieses Sphärenconcert
nicht hört wenn er ein Loblied singt ist ärger denn ein Heide Die Traurigkeit
macht feig ein Lobgesang macht lustig Durch den Gesang redet der Leib der
Seele zu Sei gutes Muts kleine Närrin Siehe die Lilien auf dem Felde sie
säen nicht sie spinnen nicht Gott nährt sie doch sind sie denn mehr wie du
Ich sing indem ich schreibe und will dass du singest indem du liesest
Was den Odem holet
Jauchze preise singe
Blick herauf und blicke nieder
Er ist Gott
Zebaot
Er ist hoch zu loben
Hier und ewig droben
Wer Gott dankt um ihn zu bestechen der dankt sich selbst Mit dem Gebet kann
man Gott nicht so schänden als mit Lobopfer Bete wie ein klein Kind Abba
mein Vater dank auch so Ich grüße euch ihr englischen Sänger in der Stadt
Gottes wo alles lieblich zusammenstimmt ich segne dich zweigliedrig du Pforte
des Himmels du hast mir mein Herz genommen himmlisches Jerusalem mit deiner
Süßigkeit und die Lieblichkeit der Stimme des Vollendeten hat mich gefangen
Ich habe Lust zu singen ein Lied im höheren Chor und den andern Diskant beim
heilig heilig heilig zu versuchen Böse Gesellschaften verderben gute Sitten
und Buhlerblicke sind Pfeile die die Seele verwunden und da hilft nicht Kraut
noch Pflaster Hüte dich die Buhlerin spielt dir dein Herz aus der Tasche Hier
steht sie dort liebäugelt sie Betrug ist ihr Gespinnst und Gewinnsucht ihr
Zeitvertreib Sieh nicht an eine Dirne die betrübt ist und ihr Auge
niedergeschlagen hat Wie die Gelehrten ihr Auge von der Sonne nicht wenden
wenn sie verfinstert ist so zieht auch eine verfinsterte Schönheit die Jugend
an Jugend hat keine Tugend und gleich und gleich gesellt sich gern Das Werk
lobt den Meister Wie der Regent ist so sind auch seine Amtleute wie der Rat
so die Bürger Ein wüster König verdirbt Land und Leute wenn aber die
Gewaltigen klug sind gedeiht die Stadt So wie unser Herr und Meister mit
Zöllnern und Sündergesellen zu Tische saß vermeide es auch nicht mit Großen
der Erde umzugehen Ziele nach diesen Leuten sonst trifft man sie nicht und
fleißige dich den rechten Fleck zu treffen Bücke dich allein zerbrich nicht
das Bein sei höflich allein nicht beschwerlich Wende dich an die Frau wenn
du an den Mann ein Gesuch hast Krieche nicht denn du hast gesunde Füße Bete
nicht an güldene Kälber der Erde
Du bist ja ein Hauch aus Gott
Und aus seinem Geist geboren
Darum liege nicht in Kot
Bist du nicht zum Reich erkoren
Sprichst du mit einem König denke du bist ein geistlicher König sprichst du
mit einem großen Gelehrten du bist ein geistlicher Prophet und mit dem
Superintendenten in Kurland du bist ein geistlicher Priester Dränge dich nicht
nach oben oder zur Rechten allein verrichte auch nicht Lakaiendienste Hüte
dich dass dein Fuß nicht einschläft wenn du beim Vornehmen sitzst und zerbrich
keinen Teller wenn du ihn dem Nachbarn aufdringst Höre mein Kind auf eine
Geschichte die ich nicht erzählen kann ohne dass Feuer in meinem Gesichte
auskommt Ein Literatus wollte bei seinem Gönner um eine Stelle anklopfen Da
der Herr verzog glaubte der gute Kandidat Zeit und Raum zu haben seine
Strümpfe zu spannen die nachgelassen hatten und siehe eben nun kommt sein
Gönner und erblickt das entblößte Knie und das Strumpfband das zum Unglück ein
Bindfaden war in des Literatus Rechten Das Amt ging vor ihm vorüber als
Wolken vom Winde getrieben und der Gönner sprach da er mit seinen Freunden zu
Tische saß in der Jugend eine Hure im Alter eine Hexe Aus einem Funken wird
ein groß Feuer und ein Lügner und Mörder sind Nachbars Kinder Iss keine Rüben
wenn du zu Sr Excellenz gehst und lege deinem Magen ein Gebiss an den Mund
sonst sieht es aus als ob du zum Essen kommst Eine alte Weste und neuer Rock
sind wie eine alte Tresse und ein neues Kleid zusammengebrachte Kinder
Schlucke nicht und wenns auch Wasser wäre dass es aussieht als wolltest du
den Jordan austrinken Willst du einen beständigen Gönner haben mache dass er
dir eine Wohltat erweist die bekannt wird im Volke Dies bindet wie Kitt Er
lässt dich nicht als ob er von seinem Vorschuss Zinsen haben wollte Leihe dem
Armen ohne Zinsen dann bezahlts Gott Lern ein Glas leeren nur mit Maassen
damit du dich nicht aufreibst Männer die an einer großen Tafel keinen Tropfen
trinken können sehen aus wie Verschnittene am Hochzeitstage Sich am Wein warm
trinken heißt menschlich werden Wenn ich mir zuweilen ein Schälchen nehme
ists mir als ob ich Menschenliebe getrunken hätte Ein böses Gewissen ist ein
Ofen der immer raucht ein Gewitter ohne Regen es ist Kläger Richter Henker
in einer Person Die Nachtigall singt dir du bist ein Dieb die Lerche du hast
gestohlen Eine Krähe beißt der andern die Augen nicht aus und wo der
Bürgermeister ein Bäcker ist backt man das Brod klein Wenn ich streiten
sollte es gäbe im Stamme Levi keine zerbrochene Töpfe die laufen lassen würd
ich Krebse angeln Was sich im grünen Kleide mit Gold schickt schickt sich
nicht in der Reverende und auf der Kanzel muss man anders reden als wenn man
seine Füße unter einem gedeckten Tische beherbergt und seiner Nachbarin eine
Gesundheit zubringt welches die Tischreden unseres Glaubensvaters sehr lebhaft
bestätigen Sei allen allerei wie eine Citrone die man von innen und außen
brauchen kann Leute die sich völlig vor der Welt verschließen die nur mit
ungefallenen und in der Wahrheit gebliebenen Geistern Umgang haben sehen oft
wo andere nichts sehen und hören noch öfter wo andere nichts hören denn das
Ohr ist leichtgläubiger als das Auge Ein Pastor dieser Art hatte seiner
Gemeinde das Nasenschneuzen und Husten abgewöhnt Ich erzähle dir diese
Geschichte mit den nämlichen Worten wie mein seliger Vater sie mir erzählt hat
Es war in der Kirche dieses Pastors eine besondere Mannszucht eine so heilige
Stille wie des Morgens bei schönem Wetter um vier Uhr Ehe er zur Nutzanwendung
überging war es wie ein Kommando präsentirts Gewehr Der Herr Pastor gab mit
seiner Nase ein Zeichen und alle Nasen folgten ihm auch die so es nicht
nötig hatten aus Provision oder weils der Nachbar und der Herr Pastor tat
Es begab sich dass ein Fremder der diese Straße zog und nichts von dem
Übergange zur Nutzanwendung wusste und die Sitten und Naseart dieser
christlichen Gemeine nicht kannte den natürlichen Wink seiner Nase befolgte
Der Pastor beschlug die Kontrebande mit den Worten wer grunzt in der Gemeine
allein der gute Pastor musste weil der Gast von Adel war diesen Beschlag sehr
teuer büßen und schriftlich versichern das Wort Grunzen nicht im bösen Sinne
genommen sondern vielleicht selbst gegrunzt zu haben und vors künftige ward
der Herr Pastor angewiesen seine Nase in die Bibel zu stecken Der Mensch ist
gut die Welt böse Gehe fleißig in die Kirche und siehe zu Menschen beerdigen
Gedenke wie er gestorben ist musst du auch sterben Heute mir morgen dir Zeit
liegt von Ewigkeit einen Sabaterweg eine Viertelmeile die den Kranken im
alten Bunde zu reisen erlaubt war Wenn du einen Kirchhof offen findest gehe
herüber wenn du auch einige Schritte Umweg machst Sieh die offene Türe als
eine Erinnerung an dass auch du dem Kirchhofe dem Zollhause der Ewigkeit geben
wirst was ihm gebührt Wenn die Glocken gezogen werden sprich Gott schenke
mir eine selige Stunde Huste nicht im Vorzimmer des Großen um dich hören zu
lassen Der Wein ist die Wage des Menschen lege deinen Freund drauf und prüfe
wie viellötig er ist Denke an den Tod des Tycho Brahe der leider unter
seinem Stande heiratete und verdamme nicht die Natur sie leidets nicht
Plaudere nicht bei der Musik denn predigen und singen hat seine Zeit Die
behagliche Genügsamkeit ist reich ohne Mühe Den Edelstein fasse in Gold und
beim Wein singe Gib fröhlich was du gibst Ein Geber der nachdenkt über das
was er geben soll gibts nicht von Herzen sondern vom Verstand Wenn du den
Weg nicht kennst nimm einen Wegweiser Ehre im Menschen das Bild Gottes Diene
mit Rat und Tat Ehrliche Einfalt ist besser als spitzbübischer Witz Man sagt
von Geistlichen Kinder und Bücher Dein Vater und ich haben einen Sohn wie
Abraham den Isaac und der sei dem Herrn geopfert Ein junger Mensch muss sich so
in Gesellschaft der Alten führen als einer dem Geld zugezählt wird Gehe nicht
um mit Übermütigen Was soll dir der irdene Topf bei dem ehernen denn wo sie
an einander stoßen zerbricht jener Wächst wohl Schilf wo es nicht feucht ist
und wer hat gegen einen Großen einen Zeugen Ein Wolf und ein Schaf ist wie der
Reiche und der Arme Ein Gottloser wenn er arm ist redet viel Böses ein
Frommer hat immer Schätze Schicke keinen Hund nach Fleisch und verpfände nicht
das Lamm beim Wolfe der Mensch verschiesst wie ein Kleid und wenn man alt ist
kann man nicht genießen was man gesammelt hat Darum freue dich in dem Herrn
und abermal sag ich dir freue dich Denk an den Armen wenn du deinen
Geburtstag feierst und lass ihm seine Wunden von deinem Barbier verbinden
Sprich nicht zum Goldklumpen mein Trost und zum sechslötigen Silber meine
Hilfe Ein Armer genießt selbst dieses Leben mehr als ein Reicher denn ein
Glücklicher und ein Reicher lebt bloß des Gedankens wegen nicht Mensch du musst
sterben Wer täglich stirbt hat den Tod lieb gewonnen wie man ein hässliches
Gesicht mit der Zeit gewohnt wird Der Reiche zieht seine Zinsen in dieser Welt
und die meiste Zeit mehr als die landüblichen Der Arme hebt in diesem Leben
die Zinsen nicht sondern lässt sie beim lieben Gott stehen der ihm sicher ist
und der ihm seine Zinsen fein zum Kapital schlägt für die andere Welt Jeder
Reiche fühlt dass der Arme wenn er stirbt reich wird es stehen ihm die Haare
hiebei zu Berge und wenn es so anginge würd er dem Armen wohl zehntausend
Taler Albertus leihen um einen Wechsel auf ihn im Himmel zu haben Allein
bedenke Reicher dein Tod ist ein Bankerott  Mein Sohn teile in dieser
Gnadenzeit den Leckerbissen mit dem Dürftigen Das beste Mittel gut zu
verdauen ist einen Armen essen sehen Wirf deine Magentropfen zum Fenster
hinaus und brauche dieses Mittel Dein Vater Wenn dir ein Unglück begegnet
greift die Seele nach einem Geländer wie der Körper nach einem Stab Schilt im
Podagra auf den Wein beim üblen Wetter aufs schlechte Steinpflaster im Tode
aufs Leben Was ist der Mensch wenn er nicht unsterblich ist Unser Leben
währt siebzig Jahr wenns hoch kommt sinds achtzig Jahr wenns köstlich
gewesen ists Mühe und Arbeit gewesen denn es fährt schnell dahin als flögen
wir davon Wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz Hüte dich
Hiobsposten zu bringen man hasst den Verräter und liebt die Verräterei Wer
heut ein Spiel gewinnt verliert morgen siebenfältig und mancher gibt mit einem
Auge und mit sieben sieht er was er wieder erhalte Wem das Glück wohl will
den machts zum Narren Die Narren haben ihr Herz im Munde aber die Weisen
haben ihren Mund im Herzen Wer mit einem Narren redet redet mit einem
Mondsüchtigen Hüte dich vor dem der sich selbst gezeichnet hat Über einen
Toten trauert man denn er hat das Licht nicht mehr aber über einen Narren
sollte man trauern weil ihm das Lämpchen im Verstände wie den fünf törichten
Jungfrauen ausgegangen Der Schweiß eines Aussätzigen ist besser als der Ambra
eines Narren Gin gelehrter Mann ist in Gesellschaft wie der Mond bald voll
bald halb bald ein Vierteil in seinem Hause ist er immer eine Sonne Lerne
selbst ehe du lehrst und ahme nicht die Ärzte nach die wie Schneider den
Schnitt am fremden Tuch lernen Kühle dein Mütlein nicht wie deine liebe
Großmutter an Vater Tochter oder Köchin sondern lerne von deiner Mutter auch
ohne Schläge dem Zorn ein Opfer bringen Diene wieder deinem Knecht der dir
dient Die Biene ist ein klein Vögelein und gibt doch die allersüsseste Frucht
Wenn dirs wohl geht denke dass dirs übel gehen könne und wenn dirs übel
geht denke dass dirs wieder wohl gehen könne
Auf Regen folgt klare Zeit
Auf Leid die frohe Ewigkeit
                                       
Ich weiß wen Gott will herrlich zieren
Und über Sonn und Sterne führen
Den führt er zuvor herab
Das Lied
Warum betrübst du dich mein Herz
Bekümmerst dich und trägest Schmerz
hat viele von übler Laune von der Unzufriedenheit und der Schwermut geheilt
und wenn dein Herz nicht verdorben ist wenn du kein böses Gewissen hast wirst
du auch geheilt werden Hast du ein böses Gewissen so schlägt keine
Seelenmedicin kein Lied an Beim siebenten Vers erinnere dich der Leiden die
deine Mutter des Namens Alexander wegen erduldet hat
                                     V 7
Des Daniels Gott nicht vergaß
Da er unter den Löwen saß
Seinen Engel sandt er ihm
Und ließ ihm Speise bringen gut
Durch seinen Diener Habakuk
Der zwölfte Vers aus diesem Herzensliede ist ein Universalmittel
                                     V 12
Alles was ist auf dieser Welt
Das Seel und Leib gefesselt hält
Reichtum und zeitlich Gut
Das währt nur eine kleine Zeit
Und hilft doch nichts zur Seligkeit
Traue deinem Feinde wenn er sich gleich mit dir versöhnt so wenig als ein
Leiter seinem Bären Leide keinen Schmeichler wie der Cypressenbaum keine
Würmer leidet Ein frommes Kind ist besser denn hundert die den Herrn nicht
fürchten und es ist besser ohne Kinder sterben als gottlose Kinder haben Wer
satt ist wird wieder hungrig wer des Morgens ausgeschnarcht hat geht des
Abends wieder zu Bette Ein Reicher kann arm werden Des Ungerechten Söhne
wurzeln nicht und seine Töchter sind Feigenbäume ohne Frucht Kinder ziehen
heißt gerade oder ungerade spielen Erziehen heißt ein Fundament legen wo unter
der Erde gearbeitet wird und nichts zu sehen ist Ein gut gezogenes Kind ist
eine Rechnung ohne Probe Der Jüngling muss beweisen wie die Zucht war Lege dein
Almosen nicht besonders denn es segnet dein anderes Geld dass es dir gedeihe
für und für Kleiner Topf kleine Stürze großer Vogel großes Nest Gesunder
Leib ist besser denn eine Tonne Goldes Die Sonne geht auf mit Hitze und das
Gras welkt und die Blume fällt ab so verwüstet ein Reicher wenn er
verschwendet sich seinen armen Nachbar und desgleichen Sausen und Brausen
macht siech und was hilft ein güldener Galgen wenn man hängen soll Was ist
ein schön Gericht für einen Kranken dem schon der Geruch Blähungen macht Der
Tod ist besser als ein sieches Leben Ein fröhlich Herz ist besser als
Magenelixir und eine Mahlzeit mit Wohlgefallen ist die sicherste Blutreinigung
So lange du selbst Töpfe und Schüsseln hast untergib dich nicht dem Tische
eines andern Ziehe dich nicht eher aus als bis du zu Bett gehst Das Hemde ist
dir näher als der Rock Eigener Herd ist Goldes wert Raten macht Schuld und
du stellst Wechsel aus wenn du Rat gibst Die Naseweisheit ist wenn man die
Nase höher hält als sie gewachsen Nimm dieses zu Ohren und Herzen denn du
hast eine Nase die was gilt unter den Leuten Die Nase ist der Text zum
Menschen die Stirne der erste Eingang die Lippen das Thema worüber in
gegenwärtiger Stunde soll gepredigt werden Wein und Weiber betören die Weisen
Männerlist ist behend Weiberlist ohn End Kleider Scharrfuss Lachen und Gang
melden den Menschen an Kluge Leute wissen schon was am Jüngling ist wenn sie
ihn sehen die Nase schneuzen Ein Tor ist schwerer als Blei Krebs ist kein
Essen auf der Post Hilf dir selber ehe du andere arzneiest Was niemand wissen
soll sage keinem Wer einen übelen Rausch hat verscheucht seine Freunde wie
ein Schuss die Vögel Erst Rauch dann Feuer so Scheltworte dann Schläge Der
Arzt ist der Sünde Scharfrichter ehre ihn denn der Herr hat ihn geschaffen
und er trägt das Schwert nicht umsonst Hüte dich vor böser Nachrede denn die
Welt liegt im Argen Wenn man des Morgens von da herausgeht wo man des Abends
hinein gegangen sagen die Leute man sei die ganze Nacht da gewesen Der
Schlund der Welt ist ein offenes Grab mit der Zunge handeln sie trüglich
Ottergift ist unter den Lippen der Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit Die
Obrigkeit ist des lieben Gottes Soldatenstand die Priester sind sein
Civilstand Es ist traun ein Weib aus dem Stamme Levi eine helle Lampe auf dem
heiligen Leuchter Mein heirate keine andere denn sie hat ein gut Muster
gehabt Schone dein Auge für die hebräischen Punkte und gaffe nicht nach Dirnen
der Stadt Denk nicht eher an eine Hausfrau bis du ein Haus hast Wo kein Zaun
isst jeder das Obst eh es reif ist so auch bei einem Pastor ohne Pastorin Leib
und Seele können nicht zu gleicher Zeit essen und verdauen Wer mit der Seele
arbeitet kann den Pflug nicht führen Du sollst dem Ochsen der da drischt
nicht das Maul verbinden Item ein Lehrer ist seiner Kalende wert Wer säet
erntet in zwölf Monaten Wer Gottes Wort verkündigt erntet in Ewigkeit Heil
dir du hast beim lieben Gott offene Tafel du wirst einst vom Altar leben und
hier gedeihen wie s am Tage ist Brosamen sind besser als Leckerbissen an den
Tafeln der Abgötter deren Bauch ihr Gott ist Du bedarfst keines Teils in
Israel der Herr ist dein Teil und Erbe Das Land Gottes trägt mehr als du
bedarfst Brich aber dem Hungrigen dein Brod so wird es dir gehen wie der
Oelwittwe Wer den Armen segnet spottet sein wenn er diesen Segen nicht selbst
in Erfüllung zu setzen anfängt Dieser Unmensch will Gott Lehren geben Erinnere
dich was man vor kurzem vom Herrn v  erzählt und erzähl es deinen
Kindeskindern auf deinem Schoss damit sie segnen lernen wie Gott sein Volk
segnet der seine Fenster öffnet und Frühund Spatregen gibt und in dem wir
leben weben und sind Es strandete ein Holländer wäre es nicht ein Holländer
gewesen wie viel mehr leid würd es mir getan haben Holland ist der Strand
von Europa und der Herr v  der das Recht der Seestrassenräuberei hat nahm
ihm alles was er hatte bis auf einen holländischen Käse der Herr v  hatte
oft Steinschmerzen und ließ den geplünderten Holländer ziehen seine Straße wie
Hr v  sich ausdrückte fröhlich denn er schrieb ihm folgendes Certificat
das er einen christlichen offenen Wechsel nannte »Da der Klas   das Unglück
gehabt zu stranden und alles werte Seinige einzubüssen so wird ihm nicht nur
Gottessegen zu seinem künftigen Fortkommen von mir herzlich gegönnt sondern
auch jeder dem dieser offene Brief vorgezeigt wird ersucht ihm christlich
fortzuhelfen und ihm so viel er kann unter die Arme zu greifen wohl
bedenkend dass wer dem Armen hilft dem Herrn leihe der es ihm zu Wasser oder
Lande verdoppeln kann und wird als welches ich dem armen Klas  aus
christlicher Liebe anwünsche« Den Herrn v  möcht ich fluchen hören sagte
Klas  und sah seinen Käse an Der Holländer hatte keinen Steinschmerz  Wer
sich als abgebrannt und beraubt angibt um Leute warmherzig zu machen und sie
zum Mitleiden zu betrügen ist ärger als ein Räuber und Brandstifter Wehe dem
der auf diese Art Brandschatzung ausschreibt Er bestiehlt nicht den Menschen
sondern die Menschheit Sorge nicht für den andern Morgen es ist genug dass ein
jeder Tag seine eigne Plage habe Mache des Geldes wegen auf der Kanzel keine
Gans zum Schwan keinen Häring zur Sardelle und keinen Hasen zum Löwen denn
die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz wie die Sonne immer und
ewiglich Gott ehrte Aaron und gab ihm alle Erstlinge Seine Nachkommen aßen
des Herrn Opfer und wurden gespeist an seinem Tisch Gott war ihr Teil und
Erbe und darum hatten sie kein Teil am Lande Wenn Kaffee aufs Kleid gegossen
wird ists kein Kaffee mehr sondern Schmutz Es kommt viel auf Zeit Ort und
Gelegenheit an Wenn du einem Edelmann Heil wünschest sprich nicht Gott der
den Wurm unterm Felsen erhält sondern der Allmächtige der die Welt aufrief
wenn er in Diensten gewesen und es bis zum Hauptmann gebracht setze hinzu und
Helden in seinem Volke erwecket
    Ein Mensch der keine Stimme hat muss nicht den Adler und den Löwen auf die
Kanzel bringen er wird schon Tiere für sein Stimmchen in der Bibel finden Ich
selbst habe einen Diskantisten über die Worte Sieh es hat überwunden der Löwe
aus dem Stamme Juda predigen gehört Es gibt Diskant es gibt Basspredigten
Ein Geistlicher muss Gedächtnis haben Wenn er liest stehts aus als ob er die
Predigt auf drei Viertelstunden geliehen hätte Auch Gras muss ein Pastor wachsen
hören
    Ein Geistlicher sprach da er zum zweiten Teil überging indem er die
Kanzelsanduhr welche mehr als andere Sanduhren ein Sinnbild unsers Lebens ist
umkehrte Noch ein Gläschen meine Geliebten und man nannte ihn wie einen
faulen Käse Bierbruder
    Man kann zwar auch hiebei erbauliche Gedanken haben indessen hatte der
Pastor L  nicht Gras wachsen gehört da er die Frau v  auf ihrem Krieg und
Siegbette besuchte und ihr die Worte Mattäi im einundzwanzigsten Kapitel im
zweiten Vers ins Herz schob löse sie auf und führe sie zu mir Noch größer
ists Übel wenn der Geistliche satyrisch auf der Kanzel sein will er verliert
alsdann den Stachel wie die Biene wenn sie sticht
    Wenn du einen Umstand lange suchen müssen fang ihn an Wem ists nicht
bekannt dadurch bestrafst du den Umstand dass er sich versteckt hatte und kein
Mensch glaubt dass du so lange gesucht hast Dein Vater würde sagen
Windbeutelei faul Holz statt Licht allein klimpern gehört zum Handwerk Einem
Geistlichen stehts am wenigsten an zu sagen ich will dies und das tun Er
steht in Gottes Dienst Sage also zu reden aus Jakobi im vierten Kapitel und
fünfzehnten Vers So der Herr will und ich lebe will ich dies oder jenes tun
Fliehe die vergängliche Lust der Welt denn nur hiedurch wirst du teilhaftig
werden der göttlichen Natur Um eines faulen Astes willen reiss nicht Stamm und
Wurzel aus Jeder Mensch hat was Gutes Lege auf die Fingerspitze wo der
verdorbene Saft aus der Hand sich hingezogen und wo er schwärt Kraut und
Pflaster so behältst du die Hand Brich hervor wie ein Feuer und dein Wort
brenne wie ein Kirchenlicht ein Wachsstock ist nur eine Pfeife zu entzünden
Tröste den Bussfertigen und lass über ihn aufgehen den Regenbogen mit seinen
schönen Farben Wenn dich eine Kälte im Ausdruck überfällt wärme dich an ein
paar Psalmen in der heiligen Schrift und wenn böse Buben auf die Bibel lästern
denk daran dass es Gottes Schulbuch sei woraus groß und klein arm und reich
vornehm und gering alt und jung unterrichtet werden sollen und dann lass den
Lästerer ein Buch nennen das so wie dies zu diesem Zweck eingerichtet und für
all zusammen und für jeden einzelnen ist Gott lass dich nie vor Narren zum Spott
werden noch deinen Rücken zur Brücke worüber jeder geht Wachse wie ein
Palmbaum am Wasser und dein Geruch sei süß vor dem Herrn wie der Weihrauch im
Studirstübchen deines Vaters Er der die Erde mit Schnee und Reif salzet
bereite dich zu seinem Knechte in seinem Weinberge wenn aber das Salz dumm oder
unkräftig wird womit wird man salzen Verrichte deine Andacht vor Gott und
nicht vor Menschen Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen Himmlische
Glorie umstrahle dein Haupt wenn du auf der Kanzel bist damit mans fühle dass
du nicht von dir selber redest Ein roh Ei wenns angeht ein Kibitzei hilft
viel zur guten Predigt wer wie ein Engel spräche und nicht verständlich wäre
fruchtet weniger als ein ausgelernter Staar oder das Getöse der Glocken das
ich nie ohne Herzensschlag und Erbauung hören kann Ich wünschte wohl die
Glocken wenn ich begraben würde hören zu können Alte Kirchen haben dunkle
Fenster indessen weiß jeder seinen Stand Ein Prediger dem die Zähne
ausgefallen muss sich nicht von einer andern Gemeinde vociren lassen Man hat
mir erzählt dass Demostenes und Cicero von Natur schlechte Stimmen gehabt
durch Kunst haben sie schön reden gelernt Ich hätte sie nicht hören wollen
Mancher Pastor kann sich hören mancher sich lesen lassen Es kann also auch
Redner geben die stumm sind Deine erste Predigt schlürftest du bei der Probe
in der Speisekammer als wenn du weiche Eier ässest In der Kirche gings besser
Lerne deine Gemeinde so kennen wie ein Gelehrter die Sprache der bei jedem
Worte das warum und darum weiß Ein Pastor der seine Gemeinde nicht kennt und
sich nicht wie der gemeine Mann ausdrücken kann ist ein Mietling Brauen und
Backen gerät nicht immer Allemal kanns nicht was Neues vom Jahr sein Schneid
an eine alte Predigt ein Zwiebelchen lege Butter dazu es ist eine frische
Schüssel Hunger ist der beste Koch Ein Eierkuchen macht Appetit allen die
vorübergehen Ein einzig faules Ei verdirbt die ganze Pastete Wenn es mit
deiner Predigt nicht fort will und von drei bis in die Dämmerung gefischt und
nichts gefangen ist lass Licht anzünden und es wird dir auch ein Licht
aufgehen Wenn du überen Tod predigst mache deine Predigten nie am Tage sondern
des Abends Predigst du vom Lobe Gottes steh Morgens um vier auf Wenn gleich
das Andenken deiner Trübsal verwächst suche eine Narbe zu behalten damit du an
Gottes Hilfe denken und ihn in deinem Kämmerlein und in der Gemeinde des Herrn
preisen könnest Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist
der die Waisen und Wittwen in ihrem Trübsal besuchen und sich von der Welt
unbefleckt behalten In deinen Predigten lehre Himmel und Hölle sei nicht bloß
Brenn sondern auch Bauholz Halte dir selbst Wort mein Lieber so wirst du
auch andern es halten Narren ins Fegfeuer Gottlose in die Hölle Weide die
Heerde und siehe wohl zu nicht gezwungen sondern williglich nicht um
schändlichen Gewinnes willen sondern von Herzensgrund nicht als die über das
Volk herrschen sondern werd ein Vorbild der Heerde so wirst du wenn
erscheinen wird der Erzhirte die unverwelkliche Krone der Ehren empfahen 
Siehe das übrige Taufwasser nicht als bloß gemeines Wasser an sondern mache die
Verfügung dass es auf einen besonderen oder heiligen Platz gegossen werde Du
wirst das Gras darauf sehen im Paradiese könnt es kaum grüner sein der
Kirchturm ist ein Finger der gen Himmel zeigt denk so oft du einen siehst
an den Finger Gottes ohne den nichts geschieht was geschieht und durch den
ist was ist Am Martinstage iss eine Gans es ist ein alter wohlhergebrachter
Gebrauch und denk an den unglücklichen Bischof Martin der durch eine Gans
verraten ward Der Hahn ist der richtigste Kalender und was die Sonnenuhr im
Zeigen ist das ist ein Hahn im Schlagen das richtige Zeitmass  Der Hahn der
zuerst kräht ist Superintendent unter den Hähnen Alles was krähen kann kräht
ihm nach so lahm und candidatenmässig es auch zuletzt herauskommt Ein Hahn
hilft oft zu Tränen Dein seliger Großvater hat eine Hu  auf diese Art zur
Reue gebracht Alle seine Ermahnungen waren vergebens zum Glück krähte ein
Hahn diesen Umstand griff dein seliger Großvater und sie weinte bitterlich
Findest du mühlsteinerne Herzen verzweifle nicht  Gott kann dir aus Steinen
Kinder erwecken Rufe getrost schone nicht Lerne recht fürchterlich wer da
schreien wenn der Teufel herumgeht wie ein brüllender Löwe und suchet welchen
er verschlinge Wer bösen Leumund macht vergeht am Ende wie das Unrecht
Die Welt kann doch nichts geben
Was wahre Ruhe gibt
Wer hier und dort will leben
Ist Vater der dich liebt
Wenn du im Konsistorio sitzst rede niemand mehr nach deinen Worten außer dass
gesagt werde du habest wohl gesprochen Die Alten müssen sich freuen über deine
Weisheit und die Jungen müssen auf dich warten wie auf den Regen und ihren
Mund aufsperren als auf den Abendregen Sei des Blinden Auge des Lahmen Fuß
des Verzagten Arm Wenn du einen Brief schreibest vergiss nicht A und O auf
griechisch obenan zu setzen das ist der geistliche Stempel Aergere dich nur
deiner Gesundheit wegen und eben darum warum man Gift in Arzeneien mischt
Dein Vater lernt alle fünf Jahre eine Sprache um dem Gedächtnis eine Bewegung
zu machen Versuch obs deinem Gedächtnis gesund ist Denk nicht zu scharf über
einen Namen und spiel nicht blinde Kuh mit ihm Ich hab gehört dass jemand
darüber den Verstand verloren und ihn eher nicht wieder bekommen als bis ein
andrer diesen Namen von ungefähr ausgesprochen Es ist die Frage ob sich ein
solcher Andere so leicht findet Wenn du betest falte die Hände denn dies
hilft auch die Gebauten zusammen halten Bist du betrübt bete bist du
vergnügt singe Der Arbeiter ist seines Lohnes wert und der Arbeiter Lohn
die euer Land eingeerntet haben und von euch abgebrochen ist schreiet und das
Rufen der Ernter ist kommen vor die Ohren des Herrn Zebaot Richte nicht so
wirst du nicht gerichtet vergib o wird dir vergeben gib so wird dir gegeben
Alles was du willst das dir die Leute tun sollen tu ihnen auch Wer selbst
Fenster hat schlage sie nicht dem Nachbar ein Die Zunge ist ein klein Glied
und richtet große Dinge an Sieh ein kleiner Funken welch einen Wald verwüstet
er Die Zunge singt Gott Lob und Preis und die Zunge kann von der Hölle
entzündet werden Aus einem Munde blasen wir kalt und warm aus einem Munde geht
Loben und Fluchen Wir loben Gott den Vater und fluchen den Menschen nach
Gottes Bilde gemacht
    Kann auch ein Feigenbaum Öl oder ein Weinstock Feigen tragen Klügle nicht
über deine Reverende sondern trage sie wie deine Vorfahren mütterlicher Seits
sie getragen haben Die Banise in schwarz Korduan mit goldenem Schnitt sieht wie
ein Gesangbuch aus Wer Possen in geistlichen Melodien singt zieht diesen eine
Reverende an Wehe dem der diese Maske erfindet Ein Geistlicher in seinem
Geschmeide kann von einem Engel ungefähr unterschieden sein als ein Küster vom
Priester Der Küster muss aber entweder die Altarlichte anstecken oder sie mit
einem Löschnäpfe bedecken und auslöschen Dinge die oft im Munde am
angenehmsten sind am schwersten zu verdauen Wenn du viel Austern gegessen iss
Käse darauf Warum aber sinnenarme Austern Wenn du etwas mit Umschweif zu sagen
hast fangs an mit dem Worte Kurzum oder endlich das befördert die Andacht
Wer nicht Tabak schnaubt und raucht ist ein Republikaner ein Curländer ein
freier Mensch Wer kann den Hunger durchs Andenken an ein vorjähriges Gastmahl
befriedigen Denke am kürzesten und längsten Tage im Jahre an Zeit und Ewigkeit
Sei mausestill wenn dich Jungen mit Kot bewerfen Wer eine Ehrenstelle erhält
hat ein neu Kleid angezogen und überall ist steife Leinwand Zieh nie Sonntags
ein neu Kleid an denn dieser Tag ist verloren Halt dir aber dein Alltags und
dein Feierkleid ein Mensch der Sonntags nicht ein ander Kleid anlegt ist auf
dem Wege ein Freidenker zu werden Gott wird alle Werke vor Gericht bringen
auch die im Verborgenen geschehen sind und den geheimsten Rat des Herzens
offenbaren dann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren Die Hühner und
Elsteraugen schneide aus doch so dass du dabei vorsichtig zu Werke gehst es
sieht sonst so aus als wäre man gichtbrüchig und so sehr gut die Gicht einen
alten Mann kleidet so hässlich ists wenn ein Jüngling gichtbrüchig wandelt
Geizige Leute erhenken sich um das Pulver zu sparen und den Strick andern
guten Freunden und vor allen Dingen ihren lieben Erben zurück zu lassen Ein
Geizhals ist leicht zur Bürgschaft zu bringen Er will Gutes tun ohne dass es
ihn einen Heller kostet allein der Geiz ist auch hier die Wurzel alles Übels
Verbürge dich nicht bezahle lieber für den Dürftigen so hast du einen freien
Kopf und ein freies Herz Schreib deinen Vornamen nicht aus damit die Leute das
A für Adam Abraham und andere biblische Namen halten Streue nicht auf fremden
Acker wenn du willst ernten siebenfältig Ich habe noch nie gesehen den
Gerechten verlassen und seine Kinder nach Brod gehen Wenn du Obst gegessen
nimm ein wenig Brod ehe du trinkest Man sagt es sei Wahn allein es hilft
Wenn du des Nachts reitest nimm einen Schimmel er dient dir zur Laterne
Neckereien machen gewjetzt Erfahrungen klug Not lehrt beten Sieh nicht aufs
Handgeld sondern auf den Herrn Der Teufel gibt Silberlinge allein das Ende
ist Verzweiflung Hüte dich vor Prozessen in Kurland Gott weiß wie es anderswo
ist denn am Ende heißts Esaias im achtundzwanzigsten Kapitel im zehnten
Vers gebeut hin gebeut her gebeut hin gebeut her harre hie harre da harre
hie harre da hie ein wenig da ein wenig Wer Gewalt übet bei Gericht
schändet sein Mündel das er bewahren soll Die Sachwalter machens wie die
Fischer sie trüben das Wasser eh sie angeln bei hell und klarem Wetter ist
nichts zu fangen Sei gerecht gegen jedermann gib auch wenn du geschwinde
schreibst dem u seinen Strich dem i seinen Punkt Ich habe kein u um das
Seinige betrogen und mich ärgert wenn man gewissen Worten den großen
Buchstaben nehmen will als bei Stubenuhr schreib ich S und U mit großen
Buchstaben Ehre dem Ehre gebührt Übe dich auch mündlich abzuschlagen was du
nicht leisten kannst schriftlich kanns jeder Narr Bist du unentschlossen ich
setze zum voraus dass dies oder jenes nichts böses ist worüber du geteilt
bist zerbrich dir nicht den Kopf recipe zwei Loose in eins schreib flugs Ja
ins andere flugs Nein Mache sie sich einander gleich greif eins und tue was
du gegriffen hast dies ist eben so gut als wenn du lange gedacht und Ja und
Nein auf einer Goldwage abgewogen hättest Es ist eine Art von göttlichem
Regiment von Teokratie Heißt es nicht so Auch der Weiseste greift in einen
Glückstopf Glück und Glas wie bald bricht das In der Demut stolz sein heißt
falsch spielen Wenn die Menschen Metusalems Alter erreichen könnten würde man
mit Gewissheit sehr früh behaupten können wer gewiss hängen würde Kluge Leute
lesen ihre Briefe von hinten Singe an deinem Geburtstage Neujahrslieder sie
haben was Tröstliches in sich So wie der Geiz seinen eigenen Händen nicht
traut so traut auch der Kluge seiner Vernunft nicht Ein Bettler gab einem
andern die Lehre sprich keinen an der allein geht gehen zwei geben beide
wäre jeder allein gegangen hätte keiner gegeben Die ungefärbte Menschenliebe
ist erkaltet und Stolz führt bei der Gabe die Hand Der Weg zum Himmel ist mit
lauter gutem Willen gepflastert Guter Wille gilt bei Gott und allen ehrlichen
Leuten so viel als die Tat Zwinge dich nicht ohne Geld auszugehen das heißt
aus einem guten ein schlechter Mensch werden wollen Gib mit der Rechten ohne
dass es die Linke weiß und sieh nicht wie mans nimmt Es ist schwer gut zu
geben noch schwerer aber gut zu nehmen Tausche gegen einen Pfeifenkopf
nichts was Leben und Odem hat Tiere sagt dein Vater sind unsere
Gränznachbaren Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes Pflanze keinen
Baum wo er ausgehen muss Heirate keine Mondsüchtige wenn sie auch
Superintendentens Tochter wäre Schneide keine Blume ab wie kämst du zum
Köpfen und die Blume geköpft zu werden sondern pflücke sie wenns nicht
anders sein kann sonst aber lass sie ihren reisen Samen ausstreuen und den Tod
der Guten sterben die ihr Ziel nicht verrücken und ihr Leben durch Unmässigkeit
verkürzen Ein Fleischer ist immer grausam Blut ist ihm am Ende Blut Gewisse
Haare werden nie grau und Alter schützt vor Torheit nicht decke aber die
Schande des Alten Über ein Wort muss man sich nicht den Hals brechen Wort um
Wort Zahn um Zahn Hals um Hals Ein Arzt der sein Latein falsch spricht
kurirt auch falsch warum sagt er nicht lieber ich weiß es nicht und ein
Geistlicher der nicht die Grundsprachen versteht   dass sich Gott erbarm 
 Einfältig heißt von einer Falte So sei dein Herz gegen Gott und gegen deinen
Nächsten nicht wie ein Fächer der vielfältig ist und nicht wie eine
Reisekarte die man in ein Beinkleidertaschenformat legt und wenn sie
ausgekramt ist deckt sie einen Tisch auf vier Personen Edle Einfalt war beim
Anfang der Welt und wird wie ich nach der Liebe hoffe bei der Welt Ende sein
Eine Heerde und ein Hirte Lobe nicht Leute die nicht lobenswürdig sind Ein
Tor denkt nie beim unverdienten Lobe »weißt du nicht dass dich Gottes Güte zur
Busse leite« Falsche Freunde sind Schwalben die nur des Sommers da sind
Sonnenuhren die nur brauchbar sind so lange die Sonne scheint Der Mensch geht
in dieser Welt in die Schule beim lieben Gott Der Tod befördert ihn zur
Akademie So wie du gewartet hast ehe dir das Licht angezündet ward so wart
auch bis es ausbrennt oder ausgelöscht wird und denk an die Sonne der
Gerechtigkeit die nach der Zeit über deinem Haupt aufgeht ohne unterzugehen in
Ewigkeit Der Herr wird uns erlösen von allem Übel und aushelfen zu seinem
ewigen himmlischen Reich denn sein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen Wir sterben lieber in jeder
Stunde als dass wir die Hoffnung aufgeben sollten wir halten täglich mehr aus
als den Tod um der Hoffnung willen noch länger zu leben und müssen doch
einmal recht aus dem Grunde sterben Nimm dir recht vor zu sterben so stirbst
du am wenigsten und hältst beinahe die Stunde Stirb als hättest du deinen Tod
auswendig gelernt und sieh nicht ins Koncept stirb von ganzem Herzen so
stirbst du den Tod der Gerechten und deine Seele ist in Gottes Hand und keine
Qual rühret sie an Wer so stirbt der stirbt wohl Sieh die du liebst zuweilen
schlafen damit du nicht trauerst um deinen Toten Denke dir deinen ärgsten
Feind im Himmel damit du ihm verzeihest Wem es so und nicht anders ist ob
sein Freund stirbt und ob seine Pfeife ausgeht ist nicht wert einen Freund
wohl aber eine Pfeife zu haben Diese Welt ist nicht ein Klima für den Frommen
Gehts ihm gut so hört ers auf zu sein gehts ihm übel so ringt er sich die
Hände wund Ists dann nichts
Aller Engel Schaar
Und die lieben Seinen
Sprechen immerdar
Nirgend über Weinen
Ohn Gefahr und Pein
Und im Himmel sein
Dein Vater sagt Stirb als wenn du den Tod observiren wolltest so stirbst du
nicht sondern machst Observationen  ich nicht also Sei getreu bis in den Tod
so wird dir die Krone des Lebens gegeben und es wird heißen Ei du frommer und
getreuer Knecht du bist über wenig treu gewesen ich will dich über viel
setzen gehe ein zu deines Herrn Freude Wähle nie ein Amt das größer ist als
du damit du hervorragest und kannst du in eine Stelle kommen die vor dir ein
unbedeutenderes Männchen als du bekleidet hast du gewonnen Spiel Brauch
griechische hebräische arabische chaldäische lateinische Worte in deiner
Predigt die vertragen sich um des Himmels willen aber kein einziges
französisches das ist in einer deutschen Predigt wie Katz und Hund Die
französische Sprache ist die zweite Erbsünde Der geringste Übelstand auf der
Kanzel ist ein Flecken auf deinem weißen Kragen Es scheint überhaupt die
französische Sprache nicht für den Himmel und den schmalen Weg eingerichtet zu
sein Wohl dem unter diesem Volke der noch eine andere Sprache weiß Diene
deiner Gemeinde mit allen fünf Sinnen Man meint der Geschmack sei so ein
Geizhals dass ein anderer nichts davon hat allein wer den andern mit Geschmack
essen sieht bekommt auch Lust Willst du deine Gemeinde zu Abtragung der
Kalende bewegen brauch Worte diese rühren plötzlich Willst du sie in den
Himmel bringen trag Sachen vor diese wirken langsam aber sie bleiben Eine
gute Predigt muss nicht zu breite Tressen haben das Tuch muss zu sehen sein Wer
eine gute Predigt drucken lässt die er gehalten hat hat geschaffen und erhalten
 Bestimme was deine Kinder werden sollen und wenns sein kann die Erstgeburt
der Kirche Eltern die ihren Kindern die Wahl lassen zu bestimmen was sie
werden wollen irren du wärst Alexander geworden und jetzt gehst du auf dem
Wege zur Superintendentur Was süße schmeckt hat einen übelen Nachgeschmack und
schleimt obenein was herb zu Anfang ist wird lieblich am Ende Das gilt von
der Tugend und vom Rheinwein Pflanze nicht im Garten ehe dein Feld bestellt
ist und mach dir keinen Schatten bis du ein zinsbares Kapital haft Beständige
Ruhe ist keine Ruhe Wenns geregnet hat ists in freier Luft am schönsten
Wenn der Regen gerade herunterfällt ist er am fruchtbarsten man könnte sagen
die Natur hab eine gute Geburt so müssen auch deine Worte fallen Kreise
nicht sprich aber gerade herunter Ein junger Geistlicher muss seine Predigt
blöd anfangen und dreist vollenden dann hat er alles was ihn hört wie eine
Klette am Kleide Der Geruch hat seine Moden die ein Pastor nicht mitmachen
darf Bisam und allerlei wohlriechende Wasser sind nicht für ein schwarzes
Kleid Willst du wohl riechen so seis nach Himmelschlüsseln Rosen und
Nägelchen nicht Nelken wie etliche wähnen Diese Gerüche bekommen wie täglich
Brod alle Menschen und keine schwangere Frau wird darüber ohnmächtig am
Beichtstuhle werden Sei stark am inwendigen Menschen Deine Seele sei wacker
dein Herz ohne Falsch so wird auch der auswendige Mensch blühen und Früchte
ansetzen Die Seele ist der Gärtner der Leib ist die Pflanze die gezogen wird
Sprich zuweilen laut sonst glauben die Leute nicht dass es Ernst ist Ich habe
dir in deiner Jugend angeraten das Skelett von den Butterblumen auf einmal
wegzuhauchen Es stärkt die Lunge So wird Gott der gerechte Richter die Welt
weghauchen Ein jeder Lehrer muss mehr sagen als im Koncept ist Was aus dem
Herzen kommt geht wieder zum Herzen was aus dem Munde kommt geht wieder in
den Mund was aus dem Koncept kommt geht ins Koncept und was aus dem Buche
ins Buch Ende gut alles gut Ich werde dir nicht erscheinen mein Kind wenn
ich heimgehe  es würde dir und mir beschwerlich sein allein ich komme dir
gewiss entgegen Der Herr sei mit dir im Leben und wenn du leidest und wenn du
stirbst Gehts mit dir zu Ende sei es mit dem Schluss deines Lebens wie mit
dem Jahresschluss wo die Tage kurz sind  Des Abends muss man einen schönen Tag
loben Amen das heißt Ja ja es soll also geschehen Amen ist des lieben
Gottes großes Siegel und der Frommen Zuversicht Ich beschwöre dich beim Amen
dass du diese Regeln aufbehältst und sie befolgest und sie alle Vierteljahre
liesest und vor der Lesung singst
                            O Gott du frommer Gott
und nach der Lesung
                       Groß ist Herr deine Güte Amen
    Dies war der Abschied den meine Mutter von mir schriftlich nahm wie sie
ihn auch gern vom Konversus genommen hätte und den sie eben so wie den Tod
nicht auf die letzte Stunde ausgesetzt Von meiner Mutter hab ich und auch
meine Leser in diesem Teil Abschied genommen
    Gute Nacht also liebes Weib Lebe wohl liebe teure Mutter Deine heilige
Harfe soll mein Herz in eine heilige Ruhe spielen wenn es trotzig oder
verzagt Ding sein will wenn es sich bäumt und wenns sinkt Ruhe der Religion
der Vollendeten du bist die Diät für Leib und Seele Bin ich bestimmt sechs
Tage meines Lebens Last und Hitze zu tragen lass mich wenigstens am siebenten
ruhen von dieser Arbeit und eine Seelen und Leibeserlösung kosten An diesem
Sabbat soll dein heiliges Bild liebe Mutter vor meinen Augen schweben Ich
will dich hören wie du das erste der drei großen Feste als die Lerche den
Frühling mit dem
»Dir dir und deiner Güte
Dir dir mein Gott allein
Dir dir soll mein Gemüte«
begrüsstest
    Wie du am heiligen Abend vor Weihnachten die Hirten des ganzen Kirchspiels
vor das Pastorat versammeltest und »Vom Himmel hoch da komm ich her etc«
anstimmen ließest  wie du dies arme Volk das seiner Sommergesellschaft am Ende
ähnlich wird zu christlichen Schäfern verschönertest und in ihnen vor der
ganzen Gemeinde ein Licht anzündetest so dass jedes auch im Weihnachten
Achtung für den Hirten hatte da er nach dem Laufe der Natur am wenigsten gilt
    Deine Wörter hahn stahn lahn sollen mir besser klingen als die
weichlichen Worte der schwelgenden Poesie Dein Titel Weib Lobesan  den du dir
selbst beigelegt hast ist köstlicher als alle Welttitel Ich will weit eher in
den Vorhöfen des Herrn in der Halle wohnen wozu dir dein Schutzgeist den
Schlüssel für dich und deine Nachkommen gab als in den Palästen der Gottlosen
Deine alten Worte Wohlgemut fürbass und pflag und traun und schier
bezeichnen mir die Einfalt der Alten der güldenen Zeit da die Menschen Gottes
Nachbarn vorstellten ihm übern Zaun in seinen Himmel sahen vor ihm wandelten
und fromm waren und wie sollt ich diesen Kern gegen den Prunk dieses
versilbert blechernen Jahrhunderts vertauschen  Am Ende wenn mir die Gedanken
vergehen wie ein Licht das hin und her tut wanken bis ihm die Flamm
gebricht soll der Tod mir ein sanfter Schlaf sein Amen das heißt ja ja es
soll also geschehen
    Dies war ungefähr das Gefühl auf Worte herabgesetzt das in mir brannte da
diese Anrede von meiner Mutter zum erstenmal verlesen ward Beim eigentlichen
Abschiede bezog sie sich auf die schriftliche Haustafel wie sies nannte Diese
Hand sie gab mir ihre Rechte reich ich dir nicht wieder als in der Ewigkeit
nicht mehr beim Abschiede  Dies ist der Abschied mein Sohn das eigentliche
Begräbnis Wenn du wirklich von hinnen ziehst wird nur der Paradesarg
beigesetzt
    Von Minchen nahm ich Abschied wie der Sommer vom Frühlinge man merkts
nicht Zehnmal dachten wir es sei das letzte Lebewohl allein es kam noch ein
Lebewohl  und dann noch eins bis eins ohne dass wirs beide wussten das
allerletzte war Wir hatten schon vorher verabredet dass nicht Sie an Ihn
sondern Er an Sie den ersten Brief schreiben sollte Dieser erste Brief sollte
an den guten Benjamin um aus der Noch eine Tugend zu machen zur Beförderung
gerichtet werden und der Brief an Benjamin sollt eine Einlage eines Briefs an
den Herrn Hermann sein Wie sehr wir über diesen Plan gedacht kann ich nicht
beschreiben Er ist das Resultat von vielen Stunden In diesem ersten Briefe
sollt ich meiner lieben Mine den Weg zeigen an mich zu schreiben denn da noch
nicht ausgemacht war welcher Universität wir anvertraut werden sollten so
konnte der Plan füglich nicht anders eingerichtet werden
    Die ehrlichen Jungens die tapfern Griechen hatten sich bei meiner Abreise
versammelt hielten sich gerade Helm ragte vor und alle sahen ihrem Könige
nach der avanciren und Student werden sollte
    Wir kamen gegen Abend in  anund für ein paar Leute die sich in zehn
Jahren nicht besucht wohl aber so oft sie sich nur reichen können mit
Gedanken Gebärden Worten und Werken wiewohl alles in Ehren und wie es ein
paar so klugen und so rechtschaffenen Leuten ansteht gepfändet hatten war der
Empfang sehr freundschaftlich  Wo bleiben Sie so lang lieber Herr Pastor ich
hab schon zehn Jahre auf Sie gewartet sagte der Herr v G  und mein Vater wie
aus der Pistole eben so lange einen halben Tag den ich zur Reise nötig
hatte abgerechnet habe ich Ew Hochwohlgeboren Briefe entgegengesehen Hier
eine Umarmung und von der Frau v G  ein tiefer Knix vom jungen Herrn ein
russischer und von seinem Hofmeister ein französischer Bückling  und zwar so
durcheinander dass niemand wusste wem eigentlich die Verbeugung oder der
Scharrfuss gelten sollte Nach diesem Zeichen der Wiedergeburt einer seit zehn
Jahren verfallenen Freundschaft hätte man glauben sollen es wäre zwischen Sr
Hochwohlgeboren und Sr Wohlehrwürden alles berichtigt allein es ging diesen
beiden Leuten so wie Richtern die sich zwar geeinigt haben wer von beiden
Kläger oder Beklagter gewinnen oder verlieren soll nachher aber über die
Entscheidungsgründe und die Gegengründe die Köpfe schütteln und zuweilen an
einander stoßen um ein Urteil zu formen Alle Augenblick war ein Knoten den
keiner von beiden lösen konnte den aber auch keiner von beiden so geradezu
spalten wollte Ich muss gestehen dass ich nicht viel von dem beherzigt was
diese beiden streitführenden Mächte mit einander ausgefochten Ich weiß kein
Wort weiter als dass wegen Hut und Trift kein Wort weiter vorfallen sollte und
dass eine Koppelweide brüderlich verabredet wurde Man ging Hand in Hand zur
Tafel Der Vergleich war zugesäet wurde mit einem ächten Glase Wein aus einem
Schäuer begossen und trug noch den nämlichen Abend tausendfältige Früchte
Morgen denn heute seh ich alles über Bausch und Bogen will ich meine Leser
mit den Charakteren dieses hochwohlgebornen curischen Hauses und seiner Art
bekannter machen oder wie es mir eben einfällt sie sich selbst bekannt machen
lassen Ich will versuchen diesen Tag nachzuschreiben wenn ich gleich nicht
ein Verballexikon einen Wörterkram über das was damals geredet ward besitze
so habe ich doch ein sehr richtiges Reallexikon und hier darf ich nur klopfen
und es wird aufgetan Hausrat ist bald angeschafft wenn man liegende Gründe
hat Wäre dieser Lebenslauf kein Lebenslauf hätt ich von der Kanzlei des Sir
Karl Grandison einen Kanzlisten auf zwölf Stunden zum Anlehen erbeten allein
einem Lebensläufe schlägt ers ab Wo hätte ich aber wenn Sir Grandison fiat
wie gebeten gesagt hätte wo hätte ich dem Ehrenmann Ort und Stelle anweisen
sollen Im ganzen Hause des Herrn v G  war zur Ehre des Hauses keine spanische
Wand und keine Vorhänge als vor den Fenstern auch die nur gegen Mittag Die
Gespräche sind originalisirt Wers versteht was ein Eid de credulitate ist
wird wissen was ich sagen will wenn ich behaupte nach bestem Wissen und
Gewissen meine Leser behandelt zu haben
                                 Der Schauplatz
                            in unserm Schlafzimmer
    Dieses Zimmer ging gerade auf eine Wildnis einen Hauptteil des  Gartens
wo sich ein Blumenbeet welches wie ein verschönertes Wiesenstück aussah an
einer alten Eiche zu halten schien um die kleines Gesträuch rings herum stand
als wenns in die Schule ginge und lernen wollte auch so groß zu werden Es war
alles wie Wiese und Wald was man sehen konnte und doch wars nicht Wiese und
Wald Die Blumen anders und wenn sie gleich nicht in Reih und Gliedern
standen waren sie doch in einer entzückenden unordentlichen Ordnung Bäume
hinderten das Auge nicht den Wald zu sehen und es fiel von oben ein reines
Wasser wie ein starker Regen und schlenkerte durchs Blumenstück und aus ihm
heraus wie ein Betrunkener
                                   Personen
                                  Vater Ich
ICH Guten Morgen Vater
VATER Dank Alexander Wie im Edelhofe geschlafen
ICH Nicht wie im Pastorate Blinde Kuh gespielt Zugegriffen nichts erhascht
Die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen  Gewollt und nicht gekonnt
VATER Die erste Nacht am fremden Orte ist immer eine Brautnacht Niemand
schläft sie aus
ICH Wie kommt das
VATER Betten und Nester müssen nicht kalt werden Ein neuer Bezug kostet mir zu
Hause zwei schlaflose Stunden ein neues Bett anderthalb Nächte
ICH Ich habe den neuen Bezug mit einer halben Stunde bezahlt vom neuen Bette
weiß ich erst seit sechs Stunden mitzureden
VATER Hätten wir keine Betten würden wir nicht diesen Schlafzoll bezahlen Es
ist viel davon zu sagen Wenn ja der Mensch nicht in sich selbst Wärme hätte
sollt er nach Vorschrift der Natur auf Haarbetten ruhen
ICH Ich wills versuchen
VATER Wenns nur nicht zu spät ist Deine Mutter trägt die Schuld dass dein
Blut Federn kennt Mich freuts dass du diese Nacht so wenig mit dem Schlaf
gezankt  Wir haben beide getan als schliefen wir Wer sich mit dem Schlafe
überwirft zieht immer den kürzern
ICH Aber mit einmal Aufstand machen und dem Schlaf zeigen dass man sein Sklave
nicht sei Was meinst du Vater
VATER Recht in allen Fällen; nur nicht wenn ein neues Bett daran schuld ist
Der Schlaf kann nicht büßen was unsere Weichlichkeit verschuldet hat  Wer
wenn er schnell aufwacht nicht gleich herausspringt versteht nicht Winke der
Natur Der zweite Schlaf ist ein Postscript das keinem Manne ansteht
Mittagsschlaf ist ein brennend Licht am Tage Achtung Alexander Schlag an
Feuer bist du heraus
ICH Wie Blitz
VATER Merks dir ewig Wer einen Fuß aus dem Bette setzt und den andern
nachholt arbeitet auch nur mit halbem Kopf
ICH Wie kanns anders Ich hätte mögen den Dr Luther hören und sehen das Walt
sprechen und aus dem Bette fahren
VATER Er fuhr gewiss mit sechs
ICH Aber das Kreuz das er schlug wäre nicht nötig gewesen
VATER Wers vertragen kann des Morgens und des Abends kanns nicht schaden
Deine Mutter hatte die Gewohnheit zu kreuzen wenn sie gähnte und den Mund
hielt Diese Kreuzschläge habe ich ihr so aus dem Grunde abgewöhnt dass sies
nach der Zeit für Sünde zu halten schien und den Schlagbaum des Mundes um die
vorigen Kreuze zu verbüssen noch weiter aufriß als es nötig war Das Kreuz war
die gemeinste Strafe womit man bei den Syrern Aegyptern Römern und andern
Völkern einen Missetäter von der Welt brachte Aus Schande ist Ehre geworden
Deine Mutter nannte dies einen Triumph der christlichen Religion Ein Kreuz ist
ein Ritter und Ehrenzeichen es hat so was Edles in und an sich als die liebe
Sonne die alles glänzend macht was sie bestrahlt Häng es um ein schlecht
Gewand es übertrifft Purpur und köstliche Leinwand Die Wappenkunst gehört zwar
nicht zu Kanzelgaben indessen rat ich dir dies Studium an und da wirst du
ein Andreaskreuz ein Schächerkreuz ein Ankerkreuz ein Kleekreuz ein
Krückenkreuz ein Lilienkreuz ein Patriarchenkreuz und noch viele Kreuze kennen
zu lernen die Ehre haben
    Eine Stille Wir sahen beide zum Fenster und jeder stieß eins wie aufs
                           Kommando auf  noch eine
                                   Stille 
VATER Hast du gebetet
ICH Zweimal angesetzt einmal vollendet Aber keinen Morgensegen denn ich habe
nicht geschlafen Ich kann dem lieben Gott für nichts danken was ich nicht auch
empfangen habe Die sagen können Wir danken Gott für seine Gaben die wir von
ihm empfangen haben wenn sie vor Hunger sterben möchten sind denk ich
Schmeichler Heuchler Schriftgelehrte und Pharisäer
VATER Zum Dank hat der Mensch wie zum Trost immer Gelegenheit Auch das
größte Unglück ist nicht so groß dass man sich nicht noch ein Stockwerk drüber
denken könnte Der Armbruch ist nicht so arg als der Halsbruch Viele Leute aber
glauben freilich so mit dem lieben Gott umzuspringen als mit ihres Gleichen
Herz Ehrlichkeit ist das was Gott angenehm ist ich denk er verzeiht hundert
Flüche eher als ein Gebet und Lob von dieser Weise Er will eigentlich nur die
freudige Empfindung über das Gute das wir getan haben Versöhne dich mit
deinem Bruder und dann komm und opfere Tue was Gutes und du betest  die
ganze Natur betet und singt und die Raben selbst nicht ausgenommen Siehst du
einen schönen Abend einen schönen Morgen so fehlen nur Worte zum Gebete und
die sind nicht nötig Leute die es auf bloße Worte anlegen zaubern im
eigentlichen Sinne sie betrügen die Umstehenden und erwerben sich Almosen das
nicht immer ein Stück Brod und ein Vierting ist sondern auch ein Bückling ein
Ehrenwort sein kann »das ist ein frommer Mann« Es hat weise Heiden gegeben
die dafür hielten man sollte laut beten damit Gott nicht mit unklugen Bitten
belästigt würde allein die Herren mögen es mir verzeihen Gott ist unser Vater
und wir können ihm alles sagen Wir bleiben gegen ihn bis ans Ende kleine
Kinder Wir sollen Gott lieben Liebe ohne Aufopferung von der geliebten Seite
ist schwer zu denken Gott opfert sich wenn er uns Gutes tut nicht auf Es
kostet ihn keine Mühe wenn er Früh und Spätregen und fruchtbare Zeiten gibt
wenn er uns die Hand reicht Es wäre also nur Ehrfurcht was wir gegen ihn
hätten wenn wir nicht beten dürften Das Gebet hilft uns zu einer Liebe die
anders ist als alle Lieben in der Welt Christus hat die Lehre vom Gebet so
vortrefflich abgehandelt  Betet im Glauben bestimmt nicht lassts Gott über
Plappert nicht betet im Kämmerlein
 Mein Vater betete das Vater unser und sah zum Fenster und ich betete mit wir
                               beteten sehr laut
ICH Das war gebetet
VATER Amen
ICH Viele Leute schämen sich den lieben Gott auszusprechen Sie sagen der
Himmel Ich sag ja nicht Mitau wenn ich den Herzog meine Einige sagen die
Vorsicht das sind mir schon die rechten nicht wahr Vater
VATER Nicht immer wahr Da muss man sehr duldend sein Ich sage gern herzlich
gern heraus Gott mein Gott und freu mich dass ich nach meiner Religion darf
Andere Leute mögen andere Weisen haben Man nennt oft nach der Hauptstadt den
Hof der Wiener Hof  ich werde bei meiner Weise bleiben
ICH Und ich auch in Ewigkeit
VATER Eine Nacht gewach macht munter Wir werden beid einen herrlichen Tag
haben
ICH Ich dacht es wäre des ersten Ausflugs wegen Der erste Ausflug aus dem
Neste muss Alten und Jungen was Angenehmes sein Du verstehst mich  nach dem
lieben Gott bist du mein Vater
VATER Sei gut Alexander und das wirst du sein wenn du Gott von Herzen Vater
nennst
                            Vater Tafeldecker Ich
TAFELD Wünsch untertänigen Morgen
VATER Guten Morgen guter Freund
TAFELD Gnädiger Herr und gnädige Frau und gnädiger Junker bitten zum Tee
VATER Gleich  aber lieber Freund das Wasser hier ist von gestern Nur Tee
fehlt so ists Teewasser Können wir nicht kaltes frisches Wasser 
ICH Mit Eis wenns angeht ich hab vom Eiskeller gehört
TAFELD Wird nicht gut tun
ICH Ich bins gewohnt Eis im Wasser Speck im Kohl Ehr im Leibe Gewissen im
Herzen
TAFELD Das sind vier gute Schüsseln wollt ich sagen ja ich weiß nicht was
bin der Tafeldecker
ICH Herr Tafeldecker ich bin sehr hitzig aufs Eis
TAFELD Sollen haben Geht ab
VATER So oft ich taufe ärgre ich mich dass wir nicht untertauchen Das wäre
was für Leib und Seele
ICH Wenn wir so mit dem Feur umspringen könnten Vater wenn wir so die Sonne
wie ein Kaminfeur ansehen und wär sie näher herantreten könnten ohne von
der Flamme ergriffen zu werden 
VATER Die offenbare See 
ICH Ich möcht mich doch da eher baden als die Hände dicht am Sonnenkamin
wärmen Was auf der Erde ist gehört uns hast du mich gelehrt 
VATER Das erste Feuer auf der Erde muss eine schreckliche Wirkung auf Menschen
und Vieh gemacht haben Ein Blitz schlugs vielleicht an und die Menschen
unterhielten ein heiliges Feuer dess sich jedes bediente bis sichs jedes
selbst anschlagen lernte Der Mensch hat sich ohne Zweifel vorgestellt die
Sonne wäre herabgekommen und wandle unter uns
ICH Eine große Vorstellung
VATER Ich vergebe den Heiden dass sie die Sonne angebetet Sie ist eins von den
großen Lichtern die im Saal Gottes brennen Wir haben sie noch so ziemlich aus
der ersten Hand in wenig Minuten ist der Strahl auf der Erde
ICH Ich wünscht ich hätt das erste Feuer auf Erden gesehen
VATER Auch ich ich denk der erste Feuerlärm ist die Ursache warum wir noch
immer ins Feuer sehen wo wirs finden Wir feiern das Fest des ersten Feuers
Kaminfeuer verdirbt das Auge sagt man und was tut denn der Rauch der Oefen
das Unwürdigste was je die Menschen erdacht haben höchstens für schwangere
Weiber gut Der Kreissstuhl steht am Ofen Ich bin kein Republikaner allein ich
bin ein Mensch Kein Mensch der sich frei fühlt sollte einheizen und sich die
Haare stecken oder sie kleben Wer nicht mit der Hand in die Haare kann und mit
unverwandten Augen ins Feuer sieht und sich Feuer zu machen versteht ist
wenigstens kein Engländer Ich bin für den monarchischen Staat das weißt du
allein auch da gibts Freiheit Du weißt die Fabel vom Prometeus
ICH Dem Feuerdieb ja
VATER Man lässt es nicht ins Feuer zu sehen und wenn man seinen Augen drüber
einen Bund macht so sieht man nicht man schielt man stiehlt  die Tiere
selbst machen große Augen und staunen das Feuer an  Wie ich mich freue wenn
ich Spuren der Natur finde das ist unbeschreiblich ich denk immer Gottes
Finger zu sehen wenn ich Natur sehe
ICH Ich sehe Gottes ganze Hand
VATER Junge Tausendmal hab ich gedacht mein Ebenbild nur etwas rauer
dünkt mich  Schadet nichts du bist in Kurland geboren und ich in einer
bessern Gegend Du jung ich  alt Söhne die der Mutter ähnlich sind bekommen
ihre Fähigkeiten und Neigungen allein in höherm Masse Sie sind Birnäpfel ich
würde sie alle zu Geistlichen bestimmen Sie haben bis zum Papst Anlage nur
keinen Schuss vertragen sie Hättest du etwas Alexander von diesen Wachsjungen
ich gäbe was drum
ICH Und warum Vater
VATER Das eine Frage du sollst nicht mit Feuer sondern mit Wasser taufen
ICH Gott braucht auch Luthers im Dienst nicht bloß Melanchtons Vater Ich
wette Luther sah seinem Vater ähnlich wie ich dir und Luther das wett ich
auch wär ein so guter Generalfeldmarschall geworden als er jetzt
Glaubensvater ist und hätt so gut Sieg erfochten als einen Katechismus
geschrieben
VATER Es würde manchmal gut sein wenn sich ein Geistlicher mit einem Narren
von Freigeist herumschiessen könnte Gewiss würd er mehr durchs Pulver als durch
Gründe frommen besonders in Kurland wo alles nach Pulver riecht  allein wer
das Schwert nimmt wird durchs Schwert umkommen 
ICH Mit Dreien nehm ichs auf  ich meine mit Freigeistern sonst weiß ich
auch wer Herz hat
VATER Feigheit fällt in alle fünf Sinne man steht sie im Finsteren Einen
mutigen Mann kennt man nicht so leicht Er trägt nicht Spieß und Lanze
Gemeinhin sieht er blöde aus Seine Miene ist sanft und edel wenn er spricht
ists als spräche man mit einem Frauenzimmer
ICH Wer hat darf nicht borgen
VATER Ein mutiger Mann ist ein vermögender Mann und darum braucht er kein
Creditkleid keinen Empfehlungsbrief  Er ist überzeugt dass es ihm nicht
fehlen könne Mut ist ein edles Bewusstsein von dem einige Leute sehr einfältig
sagen er sei anzusehen Stolz ist anzusehen allein kein edles Bewusstsein 
ICH Wie kommts aber Vater dass auch den Herzhaftesten der Mut zuweilen
verlässt und dass er nach einer Zeit wieder mutig wird
VATER Weil er krank war und wieder gesund wurde das ist aber eine Krankheit
ohne Namen etwas Kolik ist immer dabei  Ost kommts weil der Held mit einer
Schlafmütze sein Haupt bedeckt hat da er eben angegriffen wird Er sollte
selbst im Hute schlafen
ICH Im Hut oder im bloßen Kopf  Vater ich will dein Sohn nicht sein wenn
ich je anders zu Bette gehe
VATER Du warst Alexander jetzt bist du es nicht mehr kannst es nicht mehr
sein musst es nicht sein Ich dacht anders und Gott dacht anders Setze immer
eine Schlafmütze auf und bekämpfe dich selbst dann hast du Mut auch ohne den
Degen in der Faust und im Schlafrock und Pantoffeln Mut braucht man wie Salz
zu allem und beim Kammertod mehr als auf dem Bette der Ehre wo Wut und
Verzweiflung oft die Herzhaftigkeit einfeuert Dies ist ein eingeheizter Mut
Ist der Ofen kalt ist alles kalt
ICH Ich weiß Vater wie ich das Loch hier am Kopf kriegte was es heiße auf
dem Bette der Ehre ein Loch kriegen und wie ich krank war was ein kalter Ofen
heiße Das Loch war mir weniger als wenn ich mir das Hemde vorbei ins Fleisch
gestochen Ich wollt drüber was Schriftliches aufsetzen so weiß ichs Sich
selbst bekämpfen Vater und eine Hopfenstange sein ist doch zweierlei
VATER Sich in wagerechten Stand setzen und immer im Gleichgewicht halten ist
unmöglich Wer nicht Leidenschaften hat ist kein Mensch Unser Herr und Meister
jagte Käufer und Verkäufer aus Gottes Tempel Wer im Sitzen schelten und wenn
er sich stößt beten kann ist ein Mensch mit dem ich nichts zu teilen haben
will Ich werd gewiss betrogen Ich hab mich als Pastor zu dem »dass dich der
Tausend« bequemen müssen »dass dich der Teufel« sagt man soll gesunder sein Es
soll wie ein Glas Wasser abkühlen Die Natur kühlt sich auch durch Donner und
Blitz Um dem Teufel nicht so viel Ehre anzutun sollte man ein ander Wort
erfinden Es kommt alles auf Begriffe an Augustinus und Lactanz konnten sich
nicht überreden dass die Erde rund sei weil sie die Schwere der Körper nicht
kannten und 
ICH Vater was du mir sagst ist mir Augustinus und Lactanz ausgenommen so
bekannt als ob ichs gewusst hätte und doch lernte ichs erst
VATER Das ist der größte Beweis der Wahrheit Der Vers ist gut den man auf
einmal behält und eine Sache die wenn wir sie gehört uns so dünkt als hätten
wir sie schon zuvor gewusst ist gewiss wahr
ICH Du bist mir Philippus und Aristoteles in einer Person
VATER Wenn man den Kindern auf alle ihre Fragen antwortet kurirt man sie durch
Aderlassen Man macht sie schwach Wenn du A frugst antwortete ich B und
hierdurch gewöhnt ich dir ab zu fragen und an selbst zu denken Wer immer in
seiner Jugend gefragt hat fragt auch wenn er alt wird Hättest du noch einen
Bruder gehabt hätt ich ihn negativisch erzogen und ihm nicht gesagt hier
geht der Weg sondern hier geht er nicht  Wenigstens Alexander hast du
einen mündigen Ausdruck Du bist ein Mensch der bei der Natur in die Schule
gegangen ein Stück vom Seher  Wer bloß die Alten liest ist ein Gläubiger du
kannst sie auch zur Noch lesen diese erste Version der Natur Lass uns jetzt
gehen  der Tee ist schon erwünscht kalt
ICH Vater ich möcht noch zehn Stunden hören
VATER Und ich bin lang nicht so ein Vielwisser gewesen wie heut und auch du
umfassest alles du sprichst so behend und jedes Wort ist Schach dem König Das
machen die neuen Betten und die Nacht ohne Schlaf
ICH Noch eins Vater ha Wasser
VATER Ströme desto besser für dich einen und für mich auch einen  
                                       
ICH Das noch eins hab ich nicht ersäuft die gnädige Frau ruft mich Monsieur
VATER Besonders dass Monsieur bei den Deutschen zwei Pfund weniger als Herr und
Mamsell zwei Pfund mehr wiegt als Jungfer
ICH Immerhin Vater Ein Franzose mag ein Monsieur sein aber nicht ich Zwei
Pfund weniger oder mehr ich ehre das Wort Jungfer
VATER Ich auch Alexander und auch darum mit weil es sich rein hält und mit
keinem Reim in Gemeinschaft tritt Das sind für mich königliche Wörter sie
geben sich nicht mit erst was ab
ICH Wer meine Schwester 
VATER Wenn du eine hättest
ICH Mamsell hieße der sollte eine Ohrfeige mit dieser Hand haben oder ich
will Monsieur sein  Und immer in der dritten Person spricht die gnädige Frau
Wird Monsieur nicht haben wollen will Monsieur nicht ein Glas Bier Bin ich
denn kein Du oder Sie wert Kann sie mir nicht grad ins Gesicht sehen wenn
sie mir zuspricht Warum stößt sie denn nicht das Glas mit mir an Sie schielt
nur von der Seite herab Gottlob dass sie nicht mit Er herumwirft ich wüsste
nicht  Vater  Wenn fängt man denn an Literatus zu sein
VATER Es ist nicht überall gleich Im Mitauschen Kreise früher im Bauskeschen
Kreise später im Seelburgschen Kreise noch später im Doblehnschen Kreise
früher als im Mitauschen und so weiter durch alle Kreise
ICH Ihr Mann Vater hätte verdient den linken Flügel meiner Phalanx zu
commandiren Zum Parmenio Vater nicht wahr Er weiß doch was einem seligen
Alexander zustehet Von ihr dünkt mich kanns heißen ihr Wurm wird nicht
sterben und von ihm sein Feuer nicht verlöschen
                                   Im Garten
                     Die Frau v G Die Vorigen Herr v G
FRAU v G Sehr erfreut Herr Pastor  Wohl geruht Ich bitte Platz zu nehmen
Herr v G hat einem Sperling das Leben abgesprochen und ist unten ihm das
Wort zu halten Monsieur bitte zu sitzen  Ohne Umstände Gartenfreiheit da
sind wir alle gleich
ICH Vom Paradiese her
                Mein Vater bückte sich bis ans Wort halten ich
                                von Monsieur an
FRAU v G Kaffee
VATER und ICH Untertänigen Dank
FRAU v G Tee
VATER UND ICH Gehorsamst
FRAU v G Niemals
VATER Niemals gnädige Frau
FRAU v G Und warum
VATER Jedes Volk hat was es bedarf gnädige Frau kann Original sein darf
nicht Tee und Kaffee trinken
FRAU v G Aber Wein
VATER Der ist vom lieben Gott fürs ganze menschliche Geschlecht eingesetzt und
dann gnädige Frau wächts nicht Wein in Kurland
FRAU v G Vielleicht würd auch Tee und Kaffee wachsen
VATER Nimmer und wenn es wäre wie kann wohl die Natur mit Bohnen und Strauch
die Absicht verbunden haben die man jetzt damit verbindet
FRAU v G Aber angenehm ist wenigstens Kaffee im Grünen
VATER Warum nicht eine Mahlzeit aus natürlichen gesunden Speisen
FRAU v G Es ist zu warm
VATER Des Abends In Kurland gehts mit dem Frühstück beinah wie in England
und das hat ich muss gestehen sehr viel Verführerisches Alles kommt ungeputzt
zusammen wie bei einer Brunnenkur und mit einem so freien unverfäschten Kopf
dass es eine Lust ist gute Leute frühstücken zu sehen Die Seel ist so wie der
Leib im Negligé und wenns früh ist ist der Tag selbst so Sein Schleier ist
ein liebenswürdiger wonnevoller Anzug  nicht immer aber gnädige Frau können
wir in Pyrmont sein und den Brunnen trinken und unsrer Seele und dem Tage bei
der Toilette aufwarten Wir haben Geschäfte die Morgenstunde 
FRAU v G Ich halte Kaffee und Tee nicht für gesund
VATER Ich auch nicht
FRAU v G Die Ärzte sind indessen geteilt 
VATER So wie in allem was die Diät betrifft die ein jeder Arzt nach dem
Schnitt seines Magens beurteilt
                         Ein Schuss gehört und gesehen
FRAU v G VATER ICH Der Sperling
HERR v G einen toten Sperling in der Hand Ha willkommen im Grünen Herr
alter und Herr junger Pastor
FRAU v G Gelt Monsieur ist erschrocken
ICH Über einen Schuss
HERR v G Er erschrickt über dich und ich auch gnädige Frau Für erst bitt
ich Herr statt Monsieur Wer nicht vor einem Schuss erschrickt ist kein
Monsieur Sieh ihm ins Gesicht Ist er erschrocken
FRAU v G zu mir Sie haben gepredigt
HERR v G Das heißt ein Seelenschuss Ich habe Sie weit und breit rühmen gehört
ICH Ohne Verdienst und Würdigkeit
VATER Ew Hochwohlgeboren 
HERR v G Herr Pastor lassen Sie mir den Hochwohlgebornen weg oder 
FRAU v G Wenn der Herr Pastor sichs aber angewöhnt hat
HERR v G So muss ers sich abgewöhnen
FRAU v G Falls es ohne Mühe geschehen kann
HERR v G Wenns auch Mühe macht
FRAU v G Das nenn ich Zwang
HERR v G Es hängt von Ew Gnaden ab Herr Pastor Sie wollten von der Predigt
sagen
VATER Wenn Sie sie gehört hätten würden Ew 
HERR v G Herr Pastor ich bitt  ich nehms für ein heimliches Verständnis
mit meiner Frau wenn Sie nicht tun was ich bitte was ich will  Wenn ich
sie gehört hätte würde ich 
VATER Eine gute Suppe und einen guten Nachtisch gefunden haben Ein paar schöne
Lieder die seine Mutter ausgesucht hatte Die Predigt war nur um zu versuchen
ob Stimme und Anstand  nur des Leibes Nahrung und Notdurft wegen wenn ich so
sagen darf
FRAU v G Ich würde bitten sie im Grünen zu wiederholen
HERR v G Warum nicht gar Eine Predigt in die Kirche eine Pfeife Tabak im
Grünen
ICH Ich glaub auch ich würd im Grünen von der Natur überschrien werden
HERR v G Recht  schon warm Wasser getrunken
VATER Wir haben gedankt wir trinken nur kalt Wasser ohne Gewürz wies Gott
bescheert
HERR v G Das ist brav ich auch so  da siehst du Frau was brave Kerls sind
Indem er den Sperling wegwirft Ein Dieb weniger in der Welt
VATER Ein wahrer Dieb Unstet und flüchtig wie das böse Gewissen
HERR v G Indessen kommts auf Erziehung an und der Sperling singt wie einer
der schönsten Sänger unter den Vögeln Dieb würd er freilich auch bei einer
Sirenenstimme bleiben Ich selbst habe Proben und der Schluss ist richtig Kein
Vogel hat eine eigentümliche ihm von Gott verliehene Singstimme sondern nur
Flöttraversansatz Fähigkeit zu allem vögelmöglichen Gesang Es kommt auf den
Kantor an wie die Alten sungen so zwitschern nach die Jungen  Wo ist Fritz
mit seinem halbehrwürdigen Hofmeister geblieben
FRAU v G Der Junker Der Aceent auf Junker kleidet sich an Der Hofmeister
leistet ihm Gesellschaft Sie haben sich das Längste 
HERR v G Der Jung ist gut nur nicht viel Herz und das hast du Schuld
FRAU v G Besser kein Herz als keinen Verstand
HERR v G Nichts geredet Verstand ist des Herzens Spürhund Ich kenne noch
keinen beherzten Mann der nicht mindestens fürs Haus Verstand hätte aber
verständige kluge Schurken kenn ich dir so gut als meine Kugel Schrot Wind
Bürschbüchsen Gewehr auf ein Haar Ich weiß den Unterschied zwischen beherzt
und gutherzig allein Herz ist hol mich  Herz Es kommt alles auf eins Du
wirst dein Lebtag nicht einen beherzten Mann kennen der nicht mitleidig
großmütig guttätig ist und sein paar Tropfen weinen kann Verstand Sieh
doch was ihr Weiber dies Wort in den kleinen Mund nehmt Dies Wort ist mit Ew
Gnaden Erlaubnis generis masculini oder wenn du es im Deutschen haben willst
Es hat Haar um den Bart
FRAU v G Wird aber oft kahl geschoren
HERR v G Einfall Euretwegen aber wächst wieder Ha gnädige Frau wie gefällt
Ihnen meine Predigt in der freien Luft Die Anwendung werden Sie selbst machen
FRAU v G Sie ist gemacht
HERR v G Darf ich wissen
FRAU v G Mich dünkt es zeigt wenig Verstand Böses von seinen Kindern zu
sprechen Monsieur  der Herr  wollt ich sagen wird sich einen schönen
Begriff vom Junker machen
HERR v G Böses sagt ich nicht guter Junge 
FRAU v G Junge Schon dies Wort in gewisser Gegenwart Auf die Bedienten
weisend ich denk doch er hieße so gut Herr v  als Ew Hochwohlgeboren
HERR v G Es scheint Ew Gnaden wollen mein Schiff entern Gehorsamer Diener
so nah sind wir noch nicht Weißt du was entern ist frags nach in Liban
FRAU v G Entern hier entern da es schickt sich wenig 
HERR v G Albern es muss sich schicken Er ist Edelmann weil ich einer bin
dabei ist wenig auf seiner Seite
FRAU v G Der Adler ist darum Adler weil sein Herr Vater einer war
HERR v G Warum Adler warum nicht Gans so bleibst du in der Landsmannschaft 
Adler ha ha ha Engel haben keinen Zunamen Teufel auch nicht Wenn nicht
Zunamen wären würden mehr Menschen sein Weißt du wohl wie lang es ist dass
Zunamen sind Der Teufel hol den Schlingel der sie zuerst aufbrachte Man tut
darum selbst nichts und sieht vor oder hinter sich Hat doch dieser und wird
doch jener  In Kurland besonders in Kurland ist ein Edelmann ein Erdschollen
glebae adscriptus nicht wahr Herr Pastor
VATER Ich habs oft gesagt da ist aber nicht der Edelmann Kurland und
Semgallen sind Schuld In diesem Fall hat ein Literatus den Vorzug dass er wie
die Apostel in alle Welt geht Befällt ihn ja das Heimweh er stirbt wenigstens
nicht auf der Stelle wo er geboren ist Mit ihm ists Komma Kolon Semikolon
mit dem Adel Punktum
HERR v G Recht Punktum ein groß Punktum man kann es einen Klecks nennen da
wo ich geboren bin und sterben werde sind schon sieben geboren und gestorben
und mein Jung wird den Punkt nicht verrücken
FRAU v G Warum denn nicht
HERR v G Will er nicht kann und kein Curländer es kann  Für ihr Vaterland
Korn und Weizen säen das ist alles was in ihrer Macht ist Darum Punktum
Punktum Punktum
FRAU v G Der Himmel gebe du machtest Punktum und wir singen was anders an
HERR v G Mit dir wenns Ew Gnaden gefällt Aber Herr Pastor wie kommts
dass es mit gelehrten Leuten in gewisser Art nicht besser geht
   Die gnädige Frau ging beim Wort gelehrten Leuten sehr freundlich ab Ihr
   Kompliment für mich zeigte dass ich Herr und nicht mehr Monsieur in ihren
                                 Gedanken war
VATER Sie haben Recht Ein Gelehrter hat selten einen Sohn der seinem Bilde
ähnlich ist Mit ihm fängts an mit ihm hörts auf allein dies gilt nur von
Gelehrten majorum gentium von halb Engeln ganz Engel gibts nicht unter
Menschen die Fleisch und Bein haben Kopernikus Newton Kepler Leibnitz  
HERR v G Das waren Kerls dem Kopernikus bin ich am gutsten Gott weiß warum
Seinetwegen wünscht ich ein Preuße zu sein
VATER Es ist wahr Kopernikus schloss den Himmel auf Es war ein Petrus zu dem
Gottes Stimme erscholl ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben  Newton
aber war chargé daffaires des menschlichen Geschlechts im Himmel und auf
Erden und unter der Erden Licht war sein Blick und was er machte das geriet
wohl Kepler ein Haushalter über Gottes Geheimnisse Siegelbewahrer der Natur
und Leibnitz ein Kammerherr unter ihnen ein Mann der allen allerlei war der
erfinden konnte ohne Bleifeder und Schreibtafel in der Hand zu haben der wie
man von Newton erzählt keinen Damenfinger so viel ich weiß verbrannt hat
HERR v G Kein Mensch weiß von dieser Leute Kinder und doch ist Nachruhm
entweder gar nichts oder Erbgut Wer keine Kinder hat tut töricht sich von
fremden Leuten nachrühmen zu lassen »Er hatte Verstand er hatte Geld«
VATER Geld wirst keinen Nachruhm ab Es trägt nur Zinsen so lang man lebt Ein
Reicher ist so lang er lebt Souverain in diesem Jammertale Er kann sich
alles kaufen vielleicht gar ruhiges Gewissen und Gesundheit Ist er geizig 
und wo ist ein Reicher der es nicht wäre  wird er wenigstens seltener krank
wie ein andrer  Kein epischer Dichter hat solch eine Einbildungskraft wie er
Er genießt alles in der Einbildung Kein Wunder dass er sich nie den Magen
verdirbt Er sieht seinen Geldkasten an und da steht er Wagen und Pferde da
steht er seinen Tisch mit allem Neuen vom Jahr besetzt  Leckerbissen und seine
Weine Das sieht man in keinem optischen Kasten was der Geizhals alles steht
Hier ist der Hals übel gepaart der Geizige müsste denn am fremden Orte sein wo
es ihm nichts kostet Geld sollte das Mittel sein um zu genießen allein der
Reiche hat gemeinhin Mittel um sich neue Mittel zu erwerben und am Ende Mittel
über Mittel allein keinen Zweck  Im Tode heissts »Sohn du hast dein Gutes
empfangen in deinem Leben« es tut nichts ob in Prosa oder im Gedicht ob
wirklich oder in Einbildung Das Geld bleibt zurück und wenn man ja an den
seligen Herrn denkt so heißts der Geck so schönes Geld und ein so schlechter
Keller Mit dem Nachruhm des Gelehrten ists eine andre Sache Verstand trägt
Zinsen bis an der Welt Ende Newton hat keine Kinder nötig Jeden Gelehrten hat
er über die Taufe gehalten ists ein Jude hat er ihn beschnitten Jeder seiner
Schüler ist sein Sohn  Ein Gelehrter dieser Art hat das Glück lauter
wohlgeratene Kinder zu haben es sind Seelenerben die er mit Geist und
Wahrheit nährt  Er darf weder Gastwirt noch Schwertfeger noch Fechtmeister
noch Wäscherin für sie bezahlen
HERR v G Alles gut lieber Pastor was hat aber Newton und alle von seinem
Gelichter davon
VATER Ein doppeltes ewiges Leben  in jener Welt eins in dieser Welt eins Ein
Gelehrter der sich seiner Unsterblichkeit bewusst ist hat einen Beweis mehr in
sich dass er nicht aufhören werde Diese Unsterblichkeit und jene
Unsterblichkeit sind verwandt  und rechnen Sie dies Bewusstsein für nichts ehe
solch ein doppelt Unsterblicher den Weg geht den alle gehen Er lebt doppelt 
schmeckt sterbend doppelte Kräfte der künftigen Welt
HERR v G Pastor es ist mir nicht anders als wenn ich losdrücken will und
der Vogel stiegt davon  ich bin so nahe an der Überzeugung allein weg ist der
Vogel
VATER Ich bitte lassen Sie ihn nicht stiegen
ICH Ich hab ihn im Fluge getroffen Vater
VATER Die Sache ist geistig und will geistig gerichtet sein
HERR v G Bei gelehrten Familien lass ich den Nachruhm gelten
VATER Allein in Wahrheit er ist nicht andenkenswert Die Historie wird mit
der Zeit ein Familienstück werden und es wird heißen dort linker Hand wohnt
die Historie in sechs Häusern  die gelehrten Familien aber aus dem Fuß wie wir
sie bis jetzt kennen  vielleicht viel Vorruhm allein desto weniger Nachruhm
Die meisten Menschen halten den Nachruhm für Nachhall allein gefehlt sehr
gefehlt Aufrichtig ich kenn bis jetzt keinen stiftsfähigen Familiengelehrten
Der Sohn lernt beim Vater das Handwerk aus und hat Vorzüge beim Meisterwerden
Der Sohn behält des Vaters Leisten und alles ist nach väterlicher Weise  Man
nennt dies Wissen Familiengelehrsamkeit
HERR v G Gelt die ist nicht viel über eine Elle besser als Familienwitz
VATER In die Länge oder Breite
HERR v G Wie ist das
VATER Gelehrsamkeit halt ich breit Witz lang
HERR v G Dank für gute Nachricht
VATER Witz erfindet Urteilskraft behandelt Wer Witz hat kauft den Acker
Wer Urteilskraft besitzt teilt die Felder ein säet und umzäunt Der Witzige
vergleicht der philosophische Richter verknüpft oder trennt Der Witzige macht
allem was schön ist die Aufwartung Der Philosoph ist für Verlobung und
Beilager und was er zusammengefügt hat soll der Witz nicht scheiden Der
Mensch ist stumpf heißt er hat nicht Witz Der Mensch ist dumm heißt er hat
nicht Urteil
HERR v G Setzt man nicht Kopf dazu Dummkopf Stumpfkopf
VATER Ja allein sehr unrichtig Man entweiht den Namen Kopf denn er deutet
Scharfsinn an Das ist ein Kopf heißt er ist scharfsinnig Er ist kein Kopf
heißt er ist es nicht
ICH Aber Vater wenn man von einem Kinde sagt es hat einen Kopf
VATER Ein Kopf sein und einen Kopf haben ist zweierlei Beim Kopf sein
fingirt man sich der Mann sei lauter Kopf a potiori fit denominatio Einen
Kopf hat jeder
ICH Aber Vater in welchem Jahr stellt sich denn der Scharfsinn ein und wenn
kann man von einem der einen Kopf hat sagen er sei ein Kopf
VATER Nicht an der Mutter Brust allein oft früh oft später
ICH Also Gottlob kann auch Kind und Jüngling Kopf sein
VATER Allerdings in Hoffnung man sieht was die junge Seele werden wird so
wie im Frühling die Ernte des Morgens den Tag Die meisten Knospen haben den
Geschmack der künftigen Frucht
 Hier machten wir uns alle drei Komplimente und stießen die Köpfe im Guten an
 einander Der geneigte Leser wird mir diese Stöße gern erlassen Es würde auch
    unartig gewesen sein wenn einer dem andern den Kopf abgesprochen hätte
VATER Gedächtnis Schärfe der Sinnen sind beim Witz und Urteilskraft
Gesellschaftskavaliere Sekretärs Haushofmeister usw Verstand hat das Votum
decisivum
HERR v G Gott ehr mir den Witz weil er zu lachen macht das Klügste was die
Menschen können
VATER Über Witz lacht man Die Urteilskraft aber macht seelenfroh  Die
Seelenfreude ist eine ganz besondere Freude Man kann hiebei auf seine eigene
Hand wie ein König vergnügt sein Dies ist der einzige Fall da man sich auch
ganz allein einen geistigen Rausch antrinken kann Der Witz liebt Gesellschaft
Bei der Urteilskraft erfreut man sich über die zurückgelegten Schwierigkeiten
wenn wirklich die Sache uns schwer gewesen War sie uns leicht so freut man
sich der Leichtigkeit wegen und macht sich selbst ein Kompliment
HERR v G Beim Witz muss alles wie von ungefähr kommen
ICH Alles ex tempore und pro tempore aus dem Ermel Es blitzt ohne bass man
vorher Wolken sieht
HERR v G Wenn ich vier Köche und Jungens ohne Zahl mit weißen Schürzen
herumlaufen sehe ehe die Flügeltüren zur Tafel geöffnet werden sag ich schon
vor Tische prosit Mir schmeckt es nicht Auf Hochzeiten ess ich am wenigsten
ich könnt immer Medizin einnehmen eh ich zur Hochzeit führe Ich denk Herr
Pastor Witz und Vergnügen ist wie Vater und Sohn und Vergnügen wenns gleich
noch so viel kostet muss so aussehen als wenn es Geschenk wäre
VATER Jeder Einfall hat die Natur dass er uns in der Erwartung betrügt im
gemeinen Leben gehört ein Gesicht dazu Einfälle zu sagen Es gibt Witz der im
Anfang nicht ausfällt allein in der Folge wird man überrascht und das ist der
regelmässigste der beste Er gefällt im Nachgeschmack wir wussten nicht wohin
man uns führte allein auf einmal ein schöner Platz  Mancher Witz kommt von
vorn mancher von hinten dieser ist englisch jener französisch  Wie die
Seidenzeuge in England und Frankreich so auch englischer und französischer
Witz  Der Engländer hat Bass der Franzose Diskantsaiten Aus einem englischen
Gedanken macht der Franzos ein halb Dutzend
HERR v G Und der deutsche Witz
VATER Noch ist nicht viel von ihm zu sagen Er soll aber wenn uns Gott leben
und gesund lässt die Tenorstimme haben halb französisch halb englisch Witz
müsste des Deutschen Erholungsstunde werden Gründlichkeit Ordnung sein
eigentliches Kopfwerk Zwischen Einfall und Einsicht ist ein so großer
Unterschied als zwischen nachtun und nachmachen zwischen Form und Materie
zwischen Ursache und Folgen Ein Genie  stößt mich fort ein Philosoph leitet
mich Unsere Kinder werden sehen und hören was wir in Deutschland noch nicht
sahen noch nicht hörten
ICH Der liebe Gott verleih uns Aug und Ohr an Leib und Seele
HERR v G Und bescher uns auch was zu hören und zu sehen mit Leib und Seele
VATER Wüsst ich dass meine Erwartungen mich nicht trügen ich würde wie Simeon
sagen Herr nun lassest du deinen Diener in Frieden fahren
HERR v G Ich auch obgleich ich eigentlich kein Diener Gottes sondern des
lieben Gottes Fröhner bin  Wissen Sie Pastor was ich mir für Begriffe von
Verstand mache Vernunft ist major Verstand ist minor bei der Konclusio gehen
Verstand und Vernunft paarweise
VATER Ich habe nichts dawider Verstand urteilt Vernunft schließt Vernunft
ist Urteil a priori Verstand a posteriori
ICH Auf die Art ist Vernunft grob Geld Verstand klein Geld
HERR v G Was ist das aber für ein Ding wodurch man heilige und unheilige
Scribenten auslegt  kann mans Witz nennen
VATER Witz Herr v  allerdings Witz allein Witz den man im Schlafrock
sitzend ein Knie übers andere gelegt haben muss  Eine Federmütze kann nichts
dabei verderben Witz bei dem man so langsam geht als wenn man einer Leiche
folgt und in Wahrheit folgt man einer Leiche
HERR v G Lassen Sie uns aufräumen Pastor Sie sind ein Mann der zum Menschen
menschlich redet Viele der Herren Philosophen haben da erst so einen
Wörterkram dass mir der Kopf darüber bricht und was sollt ich mir den Kopf
über Worte brechen Über Sachen mit Freuden Man muss erst drei Jahre schweigen
ehe man ein Wort mitreden kann Sie sind immer bis an die Zähne verschanzt Sie
sind die Priester die lateinisch zu Werke gehen Wir armen Leute wissen nur
Amen und Gospodipomila Sollte denn nicht alles was gelehrt ausgedrückt wird
auch in der gemeinen Sprache Raum haben Es kommt nur dünkt mich darauf an
dass die Herren Philosophen sich den Kopf zerbrechen anstatt dass sie ihn uns
brechen lassen Was ich sagen wollte betrifft ein paar Worte Naiv und Laune
meine Frau und mich Sie braucht das Wort Naiv ich Laune allein was beides
eigentlich sagen will wissen wir hol mich der  beide nicht ob wir es gleich
gewiss so wissen wie man das meiste weiß So viel aber glaub ich dass man nur
von einer Frau sagen kann sie wäre naiv von unser einem aber wir hätten
Laune
VATER Um Sie beim Wort zu halten wenn man etwas Philosophisches etwas
Richtiges in der gemeinen Sprache sagt ist man dünkt mich naiv In Einfalt
richtig denken und tun heißt naiv sein Philosophie ohne Kunstwörter würde ich
eine naive Philosophie nennen Launig ist man wenn man ohne auf sich Acht zu
haben oder wenigstens diese Achtsamkeit merken zu lassen spricht und handelt
Man kann auch durch seinen Anzug durch die Farbe im Kleid Laune verraten Man
könnte sagen man wäre launig wenn sich die Seele ohne Spiegel angezogen hat
HERR v G Von der Laune auf die beste Welt Wenn man dem Worte das Menschliche
nimmt könnte man sagen Gott habe die Welt bei Laune gemacht  Was will man
eigentlich mit der besten Welt Leibnitz hat keiner Dame den Finger verbrannt
sagten Sie und ich sage er selbst hat sich auch nicht die Finger verbrannt 
Ich wünschte von Herzensgrund die Welt wäre die beste Zu sehen ists nicht
VATER Mit dem sterblichen Auge nicht wohl aber mit dem unsterblichen Leibnitz
hat mit diesem Gedanken kein Licht anzünden wollen er hat nur ein schon
brennendes geschneutzt oder höchstens ihm den Räuber genommen Es brannte
dieses Licht im Auditorio wo vom Ursprünge des Bösen disputirt wurde und dies
Zimmer wollte er helle machen Mit diesem Schuss musst er das Ziel erreichen Die
Sache also war da er wandte sie nur an Das Kleid war fertig er setzte nur
Knöpfe darauf und zwar Knöpfe mit Gold besponnen
HERR v G Aber konnte Gott nicht machen was er wollte
VATER Warum sollt er aber wollen das Schlechtere dem Bessern vorziehen So
will kein lieber Gott Es ist gewiss dass der liebe Gott in seinem Verstande sich
Risse von allen möglichen Welten machen könne denn sonst würde man seine
Erkenntnis verschränken
HERR v G Koncedo
VATER Ergebenster Diener
HERR v G Ich kann ja über jedes einzelne Ding poetisch oder schön denken ich
meine es von der Spreu reinigen es sichten wie den Weizen und das muss auch in
der Summe angehen  Ich kann mir vorstellen wenn der liebe Gott dem Blitz und
Donner keine Macht und Gewalt beigelegt und Blitz und Donner bloß Gottes
Feuerwerk wäre dass ichs mit Wonne sehen würde über die nichts ist Ich liebe
Blitz und Knall
VATER Ergebenster Diener Also kann Welt über Welt gedacht werden
HERR v G Aber gelt Ein Gedanke wie aus der Pistole Können nicht zwei gleich
gut sein So wäre nicht die beste nur eine gleich gute da  Können sie nicht
al pari sein wie die Kaufleute reden
VATER Das will sagen eine so vollkommen als die andere
HERR v G Vollkommen der Henker Herr Pastor nein das will was anders sagen
wenn ich nicht irre Ich bin nicht so roh als mir das Haar auf die Stirn
gewachsen ich habs gehegt was soll mir eine höhere Stirn als der liebe Gott
wollte Ich denke aber vollkommen ist wenn alles auf eins herausläuft wenn
viele Mannigfaltigkeiten unter Eine Regel sich wenden diese mag sein welche
sie will Peter oder Paul Es ist mir so als ein monarchischer Staat dass sich
Gott erbarm alles zu Einem Ein Dieb ist mit der Herren Philosophen Erlaubnis
vollkommen ein Betrug ist mit der Herren Philosophen Bewilligung vollkommen Es
hat mir nie unter uns gesagt von den guten Herren gefallen dass sie so was
vollkommen heißen indessen ist dem nicht also Herr Pastor
VATER Im respektiven nicht aber im absoluten Verstande In diesem letzten
Sinne stimmen die Philosophen mit Ihnen Sie nennen etwas nur vollkommen in
sofern das Mannigfaltige den Grund einer Realität in sich enthält Je größer
diese je größer die Vollkommenheit Wie wollen Sie aber Realität von Realität
als Realität unterscheiden
HERR v G Wie ich alles unterscheide durch zehn Dinge die in jener nicht
sind und in dieser sind
VATER Schon ein Ding würde den Unterschied machen
HERR v G Ganz recht
VATER In einer Realität setzen Sie Etwas
HERR v G Eine Realität ist eine Eins das Gegenteil eine Null
VATER Wenn Sie also zwei Welten von einander unterscheiden wollten müssten Sie
in einer etwas annehmen was in der andern nicht wäre In dieser wär eine Null
eine Verneinung in jener ein Eins Realitäten unterscheidet man durch den Grad
derselben durch Größe und Schranken
HERR v G Können denn nicht zwei Raritäten oder Realitäten  ich wünschte ich
könnte bei der Eins bleiben  allein es lässt sich nicht  können nicht zwei
Realitäten von gleichem Grade in ihrer Beschaffenheit sich von einander
unterscheiden
VATER Nein denn eben hierdurch würd in einer etwas sein was in der andern
nicht ist hier eine Eins dort eine Null Da haben Sie den Mangel den Zaun
die Verneinung und die Probe des Unterschiedes von Seiten des Grades
HERR v G Ich verstehe so halb und halb um es ganz und gar durch und durch
oder das Netto provenü zu verstehen würd ich ohne Kopfschmerz nicht abkommen
In der besten Welt der besten Welt wegen Kopfweh das würd ich der besten
Welt und die beste Welt es mir übel nehmen ich könnte schon was drüber reden
schreiben aber nicht  das ist in meiner Sprache zwar losschiessen nicht aber
gut treffen Nach meiner Art denk ich und mich dünkt ich fasse die Sache wie
den Stock das ist beim Knopf Gott ist das gütigste das weiseste Wesen und
kann also nicht werden heißen was diesen Eigenschaften nicht ähnlich ist Über
die Möglichkeit und Unmöglichkeit denk ich ist keine Frage denn die Welt ist
da  ich sehe Sonne Mond und Sterne Fische im Meer Vögel in der Luft und den
Menschen
VATER Recht ganz recht Sie fassen die Sache beim rechten Ende und ich  ich
weiß selbst nicht wo Sie reden von der Leber und ich plaudre aus der Schule
Wider Sie ist kein Zweifel wider mich aber noch ein Berg  Ein Philosoph des
Altertums meinte ehe die Leiber waren existirten die Seelen Gott ließ die
Seelen loosen und was kann er dafür wenn dieses oder jenes eine Niete zog
Indessen das Ende vom Liebe Wenn ich unter Irrtum wählen soll will ich lieber
eine gütige Notwendigkeit als eine Freiheit die das Beste verwirft
HERR v G Herr Pastor nur nicht auf den monarchischen Staat angespielt Da
haben wir gestern Halt gemacht und ich möchte nicht gern meiner Liebe zur
Freiheit durch einen monarchischen Thron zu nahe kommen lassen Noch etwas
Philosophisches Herr Pastor Wir wollen aber englisch Dame ziehen und hin und
zurückschlagen  ich will mich schon anstrengen  Auf Ehre manches Wort von
Ihnen lieber Pastor ist mir eine Nominaldefinition   Heißt es nicht so
VATER Gehorsamer Diener Herr v 
HERR v G Aber Pastor sagen Sie sind wir nicht ein Paar Verneinungen ein
Paar Nullen ein Paar Narren gewesen dass wir uns und so manchen Realitäten
sieben Jahre wenns nicht mehr ist den Rücken gekehrt Ich glaube wir hätten
schon ein neu System einen neuen Kalender in der gelehrten Welt während dieser
Nullenzeit eingeführt Ein immerwährender ist unter euch hochgelahrten Herren
nicht möglich  Lassen Sie uns einmal von uns selbst eins plaudern Wir
verdienen dass wir uns eins versetzen wir wollen aber das ganze Geschlecht zur
Gesellschaft mitnehmen Ich hab es glaub ich von Ihnen wer gen Himmel
fahren will muss erst Höllenfahrt halten Wer Gott erkennen will erkenne sich
erst selbst Nosce the ipsum Das ist die Lehre von Busse und Glauben
VATER Das Wörtchen ich ist ein Gemälde der Seelen Es will mehr sagen als
Singularis Es ist der Singularis im Superlativo Ich ist natürlicher Wert du
er wir ihr sie nur in so weit ich voraussieht So lange es heißt ich ists
recht sagt man aber ich selbst so ist man krank und recipe den Menschen von
sich selbst abzuziehen Bei der Not meines Nachbars denk ich an meine
Sicherheit wenn man den Nachbar wegen seines Eheprocesses beklagt denkt man an
seine Frau Dem Reichen immer den ersten Stuhl man könnte ihn denkt man doch
wohl nötig haben Die Gegend aus meinem Fenster ist die schönste das Landgut
meines Freundes das schattenreichste Ein Gereister lobt in seinem Vaterlande
die Fremde in der Fremde sein Vaterland Die Faulheit ist oft der Sporn des
Fleißes die künftige Gemächlichkeit nicht das Edle der Arbeit treibt Kein
Sohn lässt den Vater begraben ohne vorher die Nachlassbalance zu ziehen und die
Bücher zu schließen und wenn auch der Verstand zuweilen Recht sprechen will
das Seihst vertritt ihm den Weg Rechtens Je mehr man dieses ich versteckt je
mehr Welt hat man Die Selbstschätzung besteht nur darin dass uns andere nicht
gering schätzen Sogar wenn man in Gesellschaften sich selbst tadelt ists
verdrießlich man will lieber mit einem Tubus nach Sternen sehen und aus einem
indifferenten Standpunkt die Welt betrachten als andere Leute ich aussprechen
hören Man glaubt dieses ich spotte uns nach und mache uns Männchen Der
Mensch ist zum Tausch geboren er möchte seinen Stand seine Seele seinen Leib
nur nicht sein ich vertauschen  Wenn man ein Buch schreibt kann man ich
brauchen ohne dass es so übel genommen wird denn die größten Dinge sind durch
Selbstbilligung entstanden Diese wirst ein Licht auf alle Gegenstände die uns
beschäftigen Wir haben einen heitern guten Tag durch dieses Licht Es ist
schade dass die deutsche Sprache drei Buchstaben beim ich hat Man kann aber
wie meine Frau zu sagen pflegt bei allem erbauliche Betrachtungen haben Beim
Schmerz leidet das ch ist man betrübt leidet das i
HERR v G Herr Pastor ich habe noch nie vom ich so viel sprechen gehört ohne
dass man sich meint als Sie Ihr ich ist bloß Bild aller Menschen das Selbst
ist das Ziel wonach wir alle schießen mancher trifft ins Schwarze mancher
dicht bei mancher weit davon Aber darüber eine Erklärung warum gehört zur
Beobachtung sein Selbst Anleitung Warum Kunst sein eigener Zuschauer zu sein
obgleich man sich vor der Nase hat
VATER Warum muss man die Alten lesen um zur Natur zu kommen Warum brauchen wir
Dolmetscher da die Natur doch Deutsch versteht
ICH Warum studiert man Medizin
HERR v G Um kuriren zu können
ICH Und wenn wir nicht kuriren wollen sollten wir Medizin studieren um dem
Arzte zu sagen was uns fehlt
HERR v G Fast dächt ich es wäre nötig und darum so viel Gräber weil sich
beide nicht verstehen Der Doktor spricht aus dem Buch der Kranke spricht aus
dem Leben  jener Latein dieser Deutsch
VATER Die Ärzte müssen entweder Menschen oder alle Menschen müssen Ärzte
werden
ICH Viele Menschen denk ich Vater besehen sich bloß wie man sagt er hat
die Welt gesehen oder besehen
VATER Sie sind in einem Naturaliencabinet in einer Bibliothek ohne Kenntnisse
Sie lassen sich alles zeigen sobald sie heraus sind weiß kein Mensch ein
lebendig Wort höchstens tote wie ein Reise Journal geschrieben
HERR v G Überhaupt denk ich ist das Reisen nicht die Art Menschen zu
kennen Zu den meisten Reisenden könnte man sagen bindet ihm Hände und Füße
und werft ihn in sein Vaterland Der Mensch versteckt sich so wie das Wild 
Kein Bild ist ihm ähnlicher als das in der heiligen Schrift »Adam versteckte
sich unter die Bäume im Garten« machte sich grüne Vorhänge Er ward aus einem
Freunde Gottes ein Wilder
VATER Ich glaube keinem Gereisten wenn er von den Menschen spricht Unsere
meisten Reisebeschreiber zeichnen das Zimmer wo sie abgetreten die Wirtin
oder ihre Tochter den Herrn Wirt oder seinen Wildfang von Sohn Eher wollt
ich aus dem Hervorgeruch der Apoteken wenn ich vorbeigehe schließen was für
Krankheiten in Stadt und Land gang und gäbe sind Aus einem Wirtshause geht der
Weg in die Welt allein nicht in die Nation Reisende selbst Entdecker neuer
Völker sollten nur erzählen was sie gesehen und gehört was ihnen vorgekommen
und vorgefallen ohne Vor und Nachklang denn was tut man nicht einem guten
Einfall einer Wendung einem Lieblingsgedanken zu Gefallen Dem Beschreiber
sind keine Glocken zu gestatten er muss nie läuten lassen
ICH So wärs wohl am besten dass jemand aus dem Volke selbst das Volk
beschriebe
VATER Ja wenn er gereist ist ohne an eine Reisebeschreibung fremder Länder
gedacht zu haben wenn er kein Amt und doch zu leben hat wenn  und noch viele
Wenns
HERR v G Aber lieber Pastor um wieder an Ort und Stelle zu kommen sind denn
nicht alle Menschen Menschen und hat man nicht alle wenn man sich hat
VATER Wahr gewisse äußere Dinge Verzierungen Schnitzwerk Ein und Ausgänge
ausgenommen
HERR v G Wer hat sich aber
VATER Jeder der je die Menschen getroffen hat in seinen Busen gegriffen
HERR v G Indessen denk ich ists gut zuweilen zu phantasiren im
musikalischen Verstande und das liebe ich an den Nagel zu hängen es versteht
sich an einen festen der nicht reißt bei sich nicht Feuer zu machen sondern
beim Nachbar essen zu gehen Bete und arbeite das heißt lerne dich und andere
kennen
VATER In einer sehr freien Übersetzung Alle Merkzeichen wodurch man an den
Tag legt man gebe auf sich selbst Acht man sei auf dem Observatorio geben
unsern Handlungen ein linkes steifes gebrechliches bucklichtes Ansehen
HERR v G Und der vornehme Mann will ohne dies dass man auf ihn und nicht auf
sich selbst Acht geben soll Da denk ich an das Irrlicht von dem die gemeinen
Leute erzählen es ließe sich dabei eine Stimme hören hier her hier her und
wenn man sie befolgt bumbs liegt man im Sumpfe Wie kommts lieber Pastor
wer mit Frauenzimmern umgehen kann versteht es auch mit Fürsten und Gewaltigen
und mit den Herren der Welt  alle Welt sagt von ihm er hat Lebensart
VATER Vornehme und Frauenzimmer haben sehr viel Ähnliches sie wollen
geschmeichelt sein und wir tuns gern weil wir sie übersehen Männer sehen
auf das was man von ihnen denkt Weiber was man von ihnen sagt Wir huldigen
dem Geschlecht nicht der Dame wir huldigen dem Amt nicht Sr Durchl
Lebensart ist Geschick schwere Sachen leicht vorzutragen durch treffende
Beispiele sie zu erleichtern sie fasslich zu machen ein Buch anstatt es zu
lesen es zu durchbildern Die Franzosen sind diejenigen unter Europens
Nationen welche Lebensart haben Ihre Schriftsteller haben in der Philosophie
nur die Bilder gesehen Schönheit und Farben setzen eine Substanz voraus worauf
sie angebracht werden sollen Schöne Wissenschaften ohne Philosophie ist Farbe
ohne Leinwand und Pinsel Der Verstand muss der Sinnlichkeit und nicht diese
jenem untergeordnet sein Er ist der Kompass der die Weltgegend zeigt das
Schiff commandirt und ihm die Richtung gibt Weltkenntnis heißt
Menschenkenntnis wie das Haus nach dem Herrn und nicht nach Weib und Kind
HERR v G Was meinen Sie Pastor  Man führt die Weiber bei der Rechten um
sie obenan zu lassen Unding ich denke Se Durchl zur Rechten allein ein
Weib müsst uns zur Linken gehen zum Beweis dass sie Schutz bedarf und dass wir
sie begleiten oder beschützen Es ist ein unnatürliches Kompliment sie an der
rechten Hand zu führen Bei der Trauung ists glaub ich nicht so
ICH Das Herz liegt ohnedies zur Linken ich dacht an Minchen
HERR v G Zum ich lieber Pastor gehört auch Lachen und Weinen das
eigentliche Lachen das Lachen mit Leib und Seele ist bloß dem Menschen eigen 
ich halte viel aufs Lachen und sinds fürs beste Digestiv
VATER Jammer und Schade dass wir gleicher Meinung sind denn sonst würd es doch
noch was zu lachen geben Über Wahrheiten muss man mit fröhlichem Munde mit dem
Munde der Wahrheit streiten Alle Menschen wenn sie sich malen lassen sehen
freundlich aus zum Beweise dass dies die beste Miene sei Einem von
Leidenschaften gefesselten Menschen vorpredigen heißt einen Galeerensklaven
Glück greifen lassen Ich hasse einen tapfern offenen Feind ich verachte was
an sich keinen Wert hat Die Art Laster verachtungswert vorzustellen ist die
beste Wer es hassenswürdig macht tut oft der Menschheit Schaden und zieht
Menschenfeinde Der Mensch ist durch Hang zum Scherz geboren Er hat viele
viele Torheiten allein die größte ist wenn er sie zu wichtigen Dingen macht
HERR v G Es steht nicht geschrieben dass Christus gelacht habe allein er
nannte den Herodes einen Fuchs und das setzt ein Lächeln zum voraus Die
Schrift spricht der Herr lacht ihrer ich glaube gar Pastor es wäre nicht
übel auf der Kanzel selbst so ein Fuchswörtchen zu verlieren
VATER Dazu gehört mehr Geschicklichkeit als ich praktisch glaube
HERR v G Freilich muss es nicht der Herr Pastor G  sein  die verdammte
Traurede
Als Adam hackt und Eva spann
Ei wo war da der Edelmann
Meine Frau kann ohne Lebensbalsam in der Hand daran nicht denken  Ists also
nicht auf der Kanzel so doch wenn man herunter kommt  die ganze Natur lacht
VATER Nur nicht laut
HERR v G Das kann doch aber zuweilen der Lehnsherr der Natur um sich hören zu
lassen
VATER Ich glaub es selbst  und gute Menschen finden dass wenn sie fröhlich
sind alles um sie herum froh ist Der Mensch lacht wenn andere lachen und oft
noch lauter als der so den Ton angab Die Traurigkeit des andern rührt allein
mit Schluchzen und großen oder Platztränen können wir nicht dienen Die
Mitfreude das Mitleid beweist dass wir alle einen Gott und Vater haben und
alles was Augen hat kann sympatisieren
HERR v G Jeden Menschen aber lieber Pastor kleidet das Lachen nicht ich
glaub es gehört dazu wie zu allem Uniform was ordentlich sein soll Einem
kleinen dicken Mann stehts herrlich  das sollten sich die Luftspieler merken
und keinen langen groß gewachsenen Menschen Possen reißen lassen
VATER Man freut sich dass der kleine dicke Mann eben wegen seines lustigen
Wesens so dick und fett geworden Ein groß gewachsener Mann ist schon zum
Beschatten zum Anlehnen geboren es ist eine Stange an die sich der Feigenbaum
und die Bohne schmiegt und ranket
HERR v G Vernünftig lachen ist schwer
VATER Mich dünkt vernünftig weinen noch schwerer Vielleicht kann es jeder
Mensch wenn er gleich seine siebzig erreicht nur zweimal in seinem ganzen
Leben wenigstens hat der fürs menschliche Geschlecht ein größer Verdienst der
es zu lachen macht als der Tränen presst indessen ist viel beim Lachen zu
erinnern Es entsteht aus einem Widerspruch Man lacht wenn jemand fällt und
sich nicht Schaden tut besonders lachen dann gemeine Leute die nicht feinere
Widersprüche begreifen können Man lacht über Kleidung wenn Eitelkeit und nicht
Armseligkeit zu sehen ist Wenn jemand der aufziehen will wieder aufgezogen
wird und den Kürzern zieht so dass ihm zum Nachteil der Vorhang fällt
klatscht alles in die Hände Ists aber nicht Eitelkeit und armseliger Stolz
über armselige Ungereimteiten sich zu ergötzen Sollte man wohl darüber lachen
weil man klüger als ein anderer ist Hier gibts so viele Feinheiten dass ich
gewiss glaube das Lachen sei die Probe vom Menschen  wie und wenn er lacht
zeigt was er ist obschon das Gesicht das Protokoll vom Charakter und die
andern Teile das Protokoll vom Temperament sind  Scheint es Ihnen nicht auch
der menschlichste Mensch der beste Lacher begeht einen Widerspruch wenn er
über einen Widerspruch sich freut das ist wenn er lacht  Jemanden mit
weinenden Augen lachen sehen ist ein schöner Anblick  Ein Regenbogen ists 
Schriftsteller die Tränen mit dem Lachen kämpfen lassen so dass keines die
Oberherrschaft erhält treffen das Leben eines Weisen
HERR v G Citronensaft mit Zucker Ich für meinen Teil liebe nichts
Sauersüsses Es lebe das fröhliche Herz Ist das Lachen gleich Widerspruch auch
da ist das Leben getroffen wenn gleich nicht das weise Leben Was ist in der
Welt ohne Widerspruch Sind doch bei uns im Sommer oft kalte Tage regnet es
doch wenn wir ernten wollen und doch ist diese Welt die beste Wer mir selbst
die heiligsten Sachen mit finsterer Stirne sagt wird mein Herz nicht
aufschließen und hats nie aufgeschlossen Daher denk ich mit Ew
Hochwohlehrwürden Erlaubnis richten die Herren Geistlichen so wenig aus Der
Pater von Sancta Klara hat mehr Gutes gestiftet als zehn Kopfhänger
VATER Er lächelte noch seinem Todesengel entgegen der ihn zum Demokrit
abholte
HERR v G Eine glückliche glückliche Reise
VATER Betrübnis kommt gemeinhin aus dem hohen Begriff den sich der Mensch vom
Leben macht Beim Schmerz leidet der Leib bei der Betrübnis die Seele und wenn
die Herrschaft trauert trauert der Bediente mit nicht aber umgekehrt
HERR v G Ich denk die Traurigkeit oder Betrübnis oder was weiß ich wie es
recht heißt kommt aus der gar zu großen Ordnung die man sich vorschreibt
VATER Beide recht Warum sagt man aber sein Geheimnis lieber einem
unordentlichen guten Jungen als einem abgemesseneren nach Maß und Gewicht oder
nach Grundsätzen gut Handelnden
HERR v G Weil jedes Geheimnis etwas Unordentliches etwas Unregelmässiges an
sich hat Ich hab immer gedacht Geheimnis und Wunder sind mit einander
verwandt
VATER Warum wählt man den unordentlichen guten Jungen lieber zum Freunde
HERR v G Weil er ein Freund fürs Geheimnis ist
VATER Und warum eine Mutter just den wildesten aufgewecktesten unter ihren
Buben zum Liebling der Vater den gesetztesten
HERR v G Die Weiber brauchen Leute die sich balgen die Männer Leute die
vernünftig eine Pfeife rauchen
VATER Ich wollte fragen und antworten allein meine Fragen haben ihren Mann
gefunden
HERR v G Nun geb ich Karten was denken Sie von dem monarchischen Staat 
dass dich wie komm ich auf den monarchischen Staat ich wollte sagen vom
Despotismus der Empfindung
VATER Wir empfinden nichts was nicht sinnlich ist  wer es sich gemächlich als
Philosoph machen will nennt dunkle Vorstellungen Empfindungen und anstatt sie
zu entwickeln tut er seine Augen nicht auf sondern schlägt an seine Brust
und spricht ich empfinde
ICH Gott sei dem Sünder gnädig 
HERR v G Und barmherzig
VATER Amen
HERR v G Solch ein Empfinder kann doch nicht mit Recht behaupten ich soll ihm
nachempfinden
VATER Durch die Evidenz und öftere Wiederholung der Vernunftideen werden diese
geläufiger so dass sie uns von selbst anwandeln Wir kennen sie im Dunkeln
Diese Kette dunkler hurtigfolgender Ideen nennen wir Empfindungen
HERR v G Das lass ich gelten  und Ordnung lieber Pastor
VATER Ordnung ist nur Mittel an sich hat sie keinen Wert Es ist das
Schweisstuch worin man das vergräbt was man erhalten hat Es ist ein
Bücherschrank mit Glastüren Weiber müssen ordentlich sein Reinlichkeit und
Ordnung oder die Entfernung des Fremdartigen sind ihre Fächer Die
Weiberordnung muss aussehen wie gesucht die Männerordnung wie in der Lotterie
gewonnen von selbst zugefallen Ordnung ist übrigens bloß das Formale daher
kann man den größten Teil der Wissenschaften ich hätte bald gesagt die ganze
Philosophie das Formale nennen
HERR v G Wie kommts aber dass die Menschen die Formen höher schätzen als die
Materialien
VATER Die Form gibt die Kunst das Geschick die Materialien die Natur Jedes
Kind schätzt den Vater höher als die Mutter und den der regiert höher als
den der ernährt Den Verstand hält man höher als die Sinnlichkeit ohne die
doch der Verstand untätig wäre
HERR v G Aber das Genie wer schätzt es nicht höher als den Fleiß
VATER Fleiß und Kunst ist zweierlei
HERR v G Zur Kunst gehört Fleiß
VATER Und Genie Ein Verstand der seine Erkenntnisse sinnlich zu machen weiß
ist für mich vorzüglicher Verstand wenn er Sinnlichkeit den Verstandesbegriffen
erteilt macht er sie anschauend und ein solcher Verstand heißt ein gesunder
Verstand
HERR v G Und steht aus wie alles was frisch und gesund ist Nicht wahr er
kennt keine Terminologie
VATER Er kocht freilich nicht aus der philosophischen Speisekammer sondern
nimmts aus der Welt Er gibt nichts Geräuchertes Früchte Geküche trägt er
auf
HERR v G Sinne sind die Bauern Sie stehen zwar unter der Obrigkeit indessen
wenn sie nicht wären Ich ärgere mich wenn man die Sinne wie das liebe Vieh
nimmt und herabsetzt  bald hätt ich mich verredet und gesagt sie sind ja auch
Menschen  Sie verstehen mich schon Pastor
PASTOR Vollständig
HERR v G Warum sind wir unerkenntlich gegen die Sinne
PASTOR Ich habe schon einen Grund angegeben hiezu kommt weil wir alles
hassen was uns unsere Freiheit raubt und sie einschränkt Gelt das ist ein
Grund für einen Monarchenfeind Beinahe eben darum würd ich allen Herren
Moralisten wess Standes Alters und Ehren sie sein mögen anrätig sein die
Tugend nicht in ihrer erhabenen Hoheit im hohen Lichte zu zeigen sondern
liebenswürdig Nicht als einen König im Diadem sondern als ein hübsches
Mädchen denn selbst wofür wir Respekt zu haben verbunden wird uns
beschwerlich Lieber bei Freunden als Gönnern
HERR v G Ich wenigstens kann auch das Laster nicht martern sehen aber wie wir
erst abvotirten  in der Narenkappe
PASTOR Das ist der wahre Standpunkt denn der Mensch kann nichts weniger
ausstehen als Spott So denkt jeder der gut erzogen ist oder eigentlich der
sich selbst erzogen hat Wir sind beinahe wieder wo wir ausgingen fröhlich
zogen wir unsere Straßen fröhlich sind wir wieder zurück
HERR v G Wo ich »Vivat das Lachen hoch« rief Es lebe  Hoch hoch aber
sagen Sie mir die Lustigkeit
PASTOR Die Lustigkeit ist die Fertigkeit im Lautlachen Das Überlautlachen 
ICH Ein Vivat höher als hoch das höchste
PASTOR Sie ist mehr als Zufriedenheit allein wer mehr Mittel als nötig sind
zur Glückseligkeit anwendet ist der glücklicher Über seine Bedürfnisse etwas
haben macht das reich In der Sparsamkeit liegt so viel Stoff zur
Glückseligkeit dass es unaussprechlich ist Ein Verschwender verzählt sich alle
Augenblick in seinem Vergnügen er wird in seiner Lust betrogen Die Sparsamkeit
hat Vor und Nachgeschmack und Genuss  der Verschwender höchstens Genuss
höchstens Wollust für einen gegenwärtigen Augenblick Die Lustigkeit ist was
Konvulsivisches was Erschöpfendes Ein Lustigmacher ist ein Mensch der zu
tausend Gerichten ohne Hunger und bei verdorbenem Magen verdammt ist Da will
ich lieber bei Wasser und Brod sitzen
HERR v G Ich denk aber Pastor wir leiden darum einen Lustigmacher nicht
weil wir ihn beneiden wenn er sich zum Narren macht stehen wir ihn aus denn
wir verlangen nicht uns mit ihm zu vertauschen
ICH Ich glaube weil wir ihn verächtlich finden weil er unser Bild verächtlich
macht weil wir uns den Grad seiner Verzagteit vorstellen wenn es ihm übel
ginge weil seine Lustigkeit keinen Wiederhall abgibt Schmerz und Freude sind
gesellig allein wenn sie das Mittelmass überschreiten werden sie uns
unnatürlich Wir wollen uns nicht betrinken sondern nur trinken
HERR v G Aber Pastor wie kommts dass die liebe Jugend so sehr auf Tragödien
hält das Alter auf Komödien
PASTOR Die Alten lassen der Jugend nicht die Maschinen sehen durch welche die
Oper der Welt gespielt wird Um sich selbst bei ihr im Ansehen zu erhalten
müssen sie vieles bei Ehren halten Ein jedes Mädchen ist dem jungen Menschen
eine verwünschte Prinzessin und er glaubt sie vom feuerspeienden Drachen zu
erlösen sie zu entzaubern wenn er sie heiratet Er sieht Vorfälle in der
Welt allein er sieht sie nicht in Verbindung
HERR v G Wie ich jung war dacht ich wie schwer muss es fallen Herzog zu
sein allein jetzt man mache mich heute zum Kaiser und ich wette ich will
Kaiser sein wie irgend einer Sie haben Recht Pastor Die Jugend fliegt macht
sich tausend Chimären Sie kennt die Menschen zu wenig drum setzt sie alles in
Feuer und Flammen
PASTOR Wer bloß zusieht findet Gaukeleien unerträglich wer mit agirt dem ist
der Hanswurst ein allergnädigst privilegirter Witzling eine bedeutende
Staatsperson und wo ist ein großes Haus wo ein Hof ohn ihn  Man schafft hie
und da Titel vom Hofnarren ab allein die Hofwürde bleibt und ich verdenk es
keinem großen und kleinen Herrn der gut verdauen will dass er sich ein Lachen
bereiten lässt Lachen ist das beste Desert Am Ende kommt heraus dass die
Tränen ein Beweis von unsrer eingeschränkten Weltkenntnis sind Wo die Jugend
Schicksal sieht schimmert dem Alter eigene Schuld hervor
HERR v G Aber machen wir diesen Jüngling Auf mich zeigend nicht zu klug
Geben wir ihm nicht die Waffen wider uns in die Hand
PASTOR Ich befürchte nichts Talent und Verdienst des Verstandes ist so
unterschieden wie Wissen und Tun Insoweit der Verstand den allgemeinen und
verhältnissmässigen Wert der Dinge schätzt und hiernach wandelt heißts
Verstand kommt nicht vor Jahren So was muss Erfahrung lehren
ICH Oder bestätigen Vater Ich habe keinen Beruf zur Altklugheit Ich denke
das heißt Klugheit ohne Erfahrung Wie es mir vorkommt muss man alt wie ein
Mann sein um einen Mann beurteilen zu können  ich wollt auch nicht meine
Jugend verklügeln um wie viel
HERR v G Sie kommt freilich nicht wieder
PASTOR Der Frühling ist das beste Stück im Jahr
HERR v G Und was ists am Ende Es ist ein elend jämmerlich kränklich Ding
mit aller Menschen Leben von Mutterleibe an bis sie in die Erde begraben
werden Das Alter und die Jugend sind krank Das Alter ist hektisch die Jugend
hat das hitzige Fieber  Die Lunge hat keine Nerven
PASTOR Besonders aber ists dass Leute die vorzüglich im Trauerspiel weinen
können es selten bei Vorfällen des gemeinen Lebens tun Sie haben sich
verwöhnt sie sehen im gemeinen Leben keinen König keinen Kaiser leiden und
wer leidet so schön als im Trauerspiel wer so großmütig In der Tragödie
sieht man eine Sonne unter Wolken drei Ungewitter begrüßen sich um sie herum
und machen Allianz und verschwören sich  Die Sonne aber ihrer Größe bewusst
ruht und dann und wann blickt sie auf um die verwaisete um ihre Königin
bekümmerte Erde zu trösten  Da ist ja schon ein Trauerspielsanfang  Wer in
der Komödie lacht lacht auch im gemeinen Leben denn wahrlich wenn sie gut
ist trifft sie die Welt bis auf Koloritskleinigkeiten Wenn man sich sehen
lassen will zieht man ein Feierkleid an Wer will aber das Kleid und nicht den
Mann
HERR v G Und endlich Pastor da wir einmal im Schauspielhaus sind hab ich
gefunden dass eine Tragödie im Lesen eine Komödie in der Vorstellung gewinne
PASTOR Weil man zwar für sich tragisch und betrübt nicht aber anders komisch
vergnügt sein kann als in Gesellschaft Eigentlich sollt ein Lustspiel ein
Spiel sein wo das Ende nach meinen Wünschen ausfällt und so würd auch manches
Trauerspiel ein Lustspiel werden
HERR v G Liebster Pastor Dank für Ihren Unterricht Nun was aus dem
Roquelaurärmel
PASTOR Mannigfaltigkeit ist Reichtum
HERR v G Ich glaube der liebe Gott hat manches bloß der Mannigfaltigkeit
wegen gemacht
PASTOR Schwerlich obgleich wir bei vielem keine andere Summe ziehen Ich liebe
die Abwechselung die Mannigfaltigkeit durch verschiedene Zeiten Wer im Bett
immer auf einer Stelle liegt schwitzt ohne Bezoarpulver
HERR v G Wenn man immer auf einerlei bleibt wird man stehend Wasser  Das
glaub ich sind mit Ehren zu melden alle Einsiedler und Weltflieher gewesen
und sind es noch
PASTOR In der Welt außerhalb der Welt sein das ist Weisheit Ein Diogenesfass
in der Vorstadt und nicht in der Wüste verdient den Namen Auditorium Ein
beständiger Hunger nach Neuem ist eine Zeitungskrankheit ein verdorbener
verzärtelter Appetit Eine Kriegslist gilt nur einmal eine Medaille bezeichnet
einen Tag Kann man aber nicht denselben Gegenstand von einer andern und wieder
von einer andern Seite und von tausend andern Seiten sehen ihn durch und durch
ganz und gar sehen und zeigt dies nicht mehr Scharfsinn als immer einen neuen
haschen Ein Gedanke der an sich leicht und natürlich ist den man endlich so
oft sagt dass ihn der gemeine Mann gefasst hat verliert von seinem Ansehen 
Feine Irrtümer sind ein Reiz für die Eigenliebe man will nicht offenbare
Wahrheiten weil sie auf allen Straßen feil sind man will Erkenntnisse sind
sie gleich ungesund wenn sie nur was kosten und nicht gar zu gut Kauf sind 
Darum von einem aufs andere
HERR v G Darum die Liebe zum Seltenen
PASTOR Mit der Seltenheit ists wie mit dem Magnet was mit ihm bestrichen
wird zieht auch an Ein Mensch der viele Seltenheiten gesehen hat wird auch
für selten gehalten
HERR v G Man sieht ihn indessen bloß wie Meerwunder an man will nichts weiter
als ihn sehen
PASTOR Man glaubt er sei nur für Seltenheiten und traut ihm nicht  Noch
mehr Je mehr Bekannte man hat je weniger Freunde findet man Leute die sich
öffentlich zeigen haben selten Busenfreunde Wer das Publikum zum Freunde hat
hat wenige oder keinen Privatfreund
HERR v G Man glaubt dass die Herzensflügeltüren eines solchen Menschen schon
zu oft auf und zugemacht sind als dass sie noch zusammenhalten könnten
PASTOR Bei Feierlichkeiten gehen die Menschen paarweise Ich denk Ein Weib und
Ein Freund  das übrige dient nur zur Folie
HERR v G Ich glaube Pastor das weibliche Auge das einen jungen Menschen zum
erstenmal electrisirt ist sein Ideal der Schönheit seine Venus denn jeder hat
seine Die Liebe kommt auf einmal sie wohnt parterre Die Freundschaft steigt
Treppen und es gehören Jahre dazu ehe ein Freund ein Freund wird Ein Zorniger
und ein rasend Verliebter sind stumm keiner kann erzählen was ihm fehlt Sehen
Sie Pastor ob ich nicht auch was weiß über Freundschaft und Liebe könnt ich
schon zur Not mitreden Nun sind wir für mich an Ort und Stelle Ich bin
Ehemann und Freund beides wie es sich eignet und gebühret
PASTOR Die Liebe ist Natur die Freundschaft Kunst Nase und Augen sind Natur
Stirn und Mund und Hand und Fuß sind zu Kunst geworden Gott hat den Menschen
aufrichtig gemacht allein er sucht viele Künste Wir sehen einem Menschen den
wir wollen ins Gesicht vorzüglich in die Augen Seine Affekte liegen auch im
Naturteil und rings herum Wer sich sehr verstellen kann treibt sie nach
unten und immer zugleich in Hand und Fuß Fuß und Hand sind wie Mann und Weib
ein Leib Fuß der Mann Hand das Weib Das Gesicht ist das Bild und die
Überschrift der Seele Um den Mund herum liegt die Mienensprache zu fordern
und abzuschlagen um die Augen herum zu bejahen und zu verneinen Dies ist die
verehrungswürdigste Sprache die alle Welt versteht die auch ein guter Teil
Tiere fasst Mein Gott Warum lernt man sie nicht mehr
HERR v G Sie würd uns das Herz abstossen Das ABC was wir haben ist schon so
herzbrechend
PASTOR Es würde aber viele Kunst dazu gehören um diese Natur auszuspähen Ihre
Probe wäre dass sie von aller Welt gleich verstanden würde
HERR v G So hat sie ja eine gleiche Probe mit dem Guten nicht wahr Da muss
auch das Urteil allgemein sein beim Schönen nicht Was die Sonne am Himmel
das ist das Auge dem Menschen indessen hab ich gefunden dass die Größe nicht
immer gleich ist ich selbst habs bald groß bald klein  oft Augenfinsterniss
PASTOR Wenn die Augenlider weiter aufgetan sind als gewöhnlich ist der Mensch
heiter  froh Wenn er einen großen Gedanken fasst sind die Augen nur halb
offen zum Zeichen dass dieser Gedanke von innen komme und dass man ihn da gern
sehen möchte wenns möglich wäre
HERR v G Aber wieder was von der Liebe Pastor mir zur Ehre denn da habe ich
Sitz und Stimme Was ist hübsch
PASTOR Was ohne Reiz gefällt Viele Mädchen haben Reize die nicht hübsch sind
 bei einem hübschen Mädchen ersetzt die Natur die Geschlechterneigung das
Fehlende Reiz gehört zur Liebe Rührung zur Furcht zur Achtung
HERR v G Ich glaube das andere Geschlecht ist nie so hässlich als das unsrige
wer die Hässlichkeit nicht verzeichnen will muss eine Mannsperson wählen und
doch flieht alles ein altes Weib Einem alten Mann gibt man eher die Hand wie
kommt das
PASTOR Man vergleicht ein Weib mit Weibern kein Wunder wenn es verliert Man
lasse aber einen alten Kerl Weibskleider anziehen wir bleiben länger bei Odem
Es geht uns länger nach der Männerweise als ihnen nach der Weiberweise Der
Mann ist in einem Stück ganz gemacht das Weib ist zusammengesetzt  Es ist mit
Deckel und Schraube
HERR v G Kein Wunder also dass es ein starkes und schwaches Werkzeug ist
PASTOR Sie haben Recht in der Ehe ist der Mann gegen das Weib stark und
schwach wie mans nimmt Dass er physisch stark gegen sie ist zeigt der
Augenschein allein wer gibt nach
HERR v G Ein gemeiner Mann schickt seine Frau so oft es zu reden gibt
PASTOR Weil die Weiber eine natürliche zum Herzen gehende Beredsamkeit
besitzen und an wen schickt er sein Weib ab an Männer Gewiss kommt aber der
Mann selbst wenn zB die gnädige Frau eine Wittwe ist und den Gütern
vorsteht Eine gesunde gute Saat ist nicht hinreichend es muss auch ein gutes
Land sein wohin sie gestreut wird
HERR v G Das lässt sich hören Die Geschlechterneigung kommt also mit in die
Erklärung und in tausend Fällen ist sie die Feder die das Werk regiert Warum
aber Pastor sind die Weiber stolzer wie die Männer Meine ist es auf eine
übertriebene Weise aber im Grunde sind sie es alle
PASTOR Weil ihr Rang sehr zweideutig ist Der Fürst ist gegen einen Grafen
stolzer als gegen einen Edelmann Ist des Mannes Rang dazu auch zweideutig ist
er zB ein neuer Edelmann so ist ihr Stolz gränzenlos
HERR v G Warum putzen sich die Weiber wenn sie gleich schon an sich gefallen
PASTOR Nicht unsertwegen Gegen Männer brauchen sie ihre natürlichen Waffen
andere ihres Geschlechts zu verdunkeln andere zu überglänzen darum der Putz
HERR v G Pastor das nenn ich fragen und antworten wie gedruckt wie
abgeredt und eben so als ein Buch das frag und antwortweise abgefasst ist Was
ich über die Liebe gelesen und gedacht habe ist viel was ich getan habe ist
wenig Man denkt und liest von dieser Art das meiste in blanko ich bin ein
halber Kaufmann das hören Sie wohl ich handle und wandle wie wir eurische
Kavaliere alle handeln und wandeln  In blanko wahrlich in blanko denn wie
es zum Ausfüllen kam fand sichs dass meine gnädige Hausehre eben nicht erdacht
und erlesen war Sie könnte besser sein  Pastor dafür steh ich del credere
da ist wieder der Libauer Kaufmann dass man ohne Theorie heiraten müsse Nur
um des Himmels willen kein dummes Weib denn wie die Mutter so die Söhne wie
der Vater so die Töchter
PASTOR Nicht allemal
HERR v G Mutatis mutandis Etwas ist immer da
PASTOR Eher haben die Grosseltern auf den Geist der Grosskinder Einfluss auch der
Leib ist mehr der Grosseltern Abdruck Hierüber habe ich Bemerkungen von
besonderer Art gemacht Oft ist der Körper auf ein Haar die Mutter die Seele
aber der Vater und umgekehrt
HERR v G Mein Sohn  Zu mir  den ich Ihnen empfehle er selbst wird es
schwerlich  ist die Mutter in meinem Jagdrock  Der Jung ist nicht ich Was
ist zu machen Die Welt ist nicht die beste
PASTOR Die beste 
HERR v G Noch eine Frage Pastor warum ist meine Frau geizig
PASTOR rückhaltend Gehorsamer Diener
HERR v G Warum sind die Weiber allzumal geizig
PASTOR Weil sie selbst nichts erwerben und von Zinsen leben Jedes Zinsenleben
ist vom Geiz begleitet
HERR v G Die Schlussfrage Wir hörten die Kommenden warum sprechen Sie nicht Zu
mir mit
ICH Weil ein junger Mensch in Gesellschaft der Alten nicht anders als Secretär
ist der aufschreibt
  Da sehen meine Leser wie es zugegangen dass ich so viel behalten habe Erst
Sekretär dann Rat So geht es in allen gesitteten freien Reichsstädten Jetzt
   wird es große Lücken geben Ich kann nur wieder sagen was ich gehört und
wiederholen was ich selbst dazu beigetragen habe also je nachdem ich gegangen
               je nachdem ich gestanden je nachdem ich gesessen
Da ist der Herr v W seine Frau ein kleines Fräulein Mein Herr
Schwiegervater reitend beim Wagen den Hut alle Augenblicke unterm Arm  Herr
v G  und sein Haus ihnen entgegen Mein künftiger Herr Reisegefährte und sein
Herr Hofmeister die sich nicht lang mehr haben werden schließen sich an 
Noch eine Ladung und noch eine noch eine  ich armer Schreiber wenn es
anginge wünschte ich Diensterlassung Für ein so großes Kollegium hat mich die
Natur mit zehn Fingern zu wenig ausgerüstet  Meine Leser ich werde mich
protestando verwahren werden finden dass ich getan was ich gekonnt
                                   Im Zimmer
HERR v W Um Verzeihung Herr Bruder dass ich dem Herrn Bruder noch einen Gast
mitbringe
HERR v G zum HERRN v W Bei mir hat gebetener und ungebetener denselben Platz
 Zum Literatus ich gratulire zum Hermann Herr alter Herr
HERMANN So will ich von Stund an meinen vielbenannten oder namenlosen
Schwiegervater nennen Ich dank untertänigst
HERR v G Wie aber zum Hermann Wie Saul unter die Propheten
HERMANN Des Zipperleins wegen 
HERR v G Das lass ich gelten
HERMANN Der edelen Musica halber
HERR v G Das lässt sich hören Sonst war der rechte Hermann ein frommer stiller
Mann aber der alte Herr ist ein geborner Hofschranze von Kindesbeinen an
gewesen
HERMANN Ich bitte untertänigst um Vergebung ich habe oft zu sehr die Wahrheit
geliebt ich habe sogar die Ehre gehabt Märtyrer der Wahrheit zu werden
HERR v G Hier Herr Hermann hier ist Pulver auf die Pfanne  ich weiß Sie
mussten zum Beispiel drei Tage und drei Nächte wachen
HERMANN Der reinen Wahrheit wegen Ew Hochwohlgeboren haben die Gnade mich
recht zu gelegener Zeit daran zu erinnern oder wie Sie es zu nennen geruhen
mir Pulver auf die Pfanne zu reichen Ich setzte dem Herrn v  eine
Grabschrift Hier schläft ein Mann der nie gewacht hat höchstens tat er als
wacht er Genau genommen sprach er im Traum Wanderer bete für ihn sonst
verschläft er den jüngsten Tag
HERR v G Wahr allein warum wahr weil der Todfeind des Herrn v  dem
Grabschriftsteller wohltat Wie oft lieber alter Herr haben Sie sich auf den
Mund geklopft und sich eine Palinodie recantatio und Widerruf gefallen lassen
müssen so was geschieht nicht salva fama Herr Sie waren klug genug die
Lebendigen leben zu lassen Sie trieben nur Mutwillen an den Toten indessen
fand sich doch noch hie und da ein Grabrächer und Ew Hochedeln mussten ihrer
Grabschriften ohne Censur wegen den selig Verstorbenen ehrenerklären  Ei
denken Sie noch an Ihre selbsteigene Grabschrift Das nenn ich Retorsion und
Beleg zu der güldenen deutschen Regel Auf eine Lüge eine Maulschelle
                        »Hier wacht der lebendig Tote«
HERMANN Die Zeiten sind gottlob vorbei
HERR v G Zu Grabschriften freilich allein Sie waren wie ich merke erst mehr
ein Fechter jetzt mehr ein Tänzer Wenn ich wie mein Schwager v W  wäre ich
würd Ihnen die Bücklinge abgewöhnen  und dann würden Sie ein brauchbarer Mann
sein allein mein Schwager liebt die Höflichkeit  die Schmeichelei  wie soll
es heißen
HERR v W Höflichkeit und Schmeichelei sind zwei unterschiedene Dinge
HERR v G Herr Bruder da kommen wir in zehn Jahren nicht von einander Ich
weiß bei dir macht die Seele mit dem Leibe und der Leib mit der Seele
Umstände  Du sagst zu dir selbst wenn du allein im Walde bist und niesest
Gott helf und wenn das Echo nachsagt Gott helf sprichst du ich bin ergebenst
verbunden wenn du dich am Baum stössest bückst du dich mit den Worten ich
bitte tausendmal um Vergebung  Das ist einmal deine Weise Gott helf dir mit
dem Petrus an der Himmelstür aus einander Was darf aber Herr Hermann
accompagniren und sich wie eine Klinge biegen die man probirt
HERMANN Ich bitte untertänigst um Verzeihung
HERR v W Ich nicht  ich fordere dich auf deine eigene Klinge heraus Klingen
die sich biegen springen die wohl Herr Hermann richten Sie sich nach der
Jahreszeit  Beim Herrn v G  ist alle Mühe vergebens Glaub mir Herr
Bruder du verfehlst deinen Zweck  du willst ein Deutscher sein die deutsche
Sprache ist dir eine Fundgrube und du erniedrigst sie Wo ist eine in der mehr
Samen zur Höflichkeit keimt
HERR v G In meiner deutschen Sprache nicht
HERR v W So sprichst du die curländischdeutsche das ist eine Sprache die
man so gut wie die curische undeutsch nennen könnte
HERR v G Wenn du behauptest die deutsche Sprache sei höflich so behaupt
ich sie sei grob wenigstens ist sie beides in gleichem Grade So lange das
verdammte Wort Dero drin ist hat das Genie einen Todfeind in der Sprache
Entweder alles Sie oder alles Du sonst  dass Euch der Teufel mit Ew
Hochwohlgeboren 
HERR v W Herr Bruder das ist noch der einzigste Beweis dass wir der Deutschen
Nachbaren sind  sonst wären wir Barbaren in diesem verfluchten DuLande
HERR v G Wir sollten hier in Norden kurz sein Die Worte frieren sonst im
Munde
HERR v W Und ich denk in Süden hat man nicht Lust den Mund zu bewegen
Reden ist eine Bewegung
HERR v G Es kann sein indessen ist die Bewegung die Ew Hochwohlgeboren sich
dabei machen höchstens stubenlang  Du bleibst immer auf einer Stelle Man
sagt von den Seeleuten wenn sie sich gleich Landgüter von vielen Meilen kaufen
dass sie nur so weit spazieren gingen als ihr Schiff lang war  Du sprichst
wie die Seeleute gehen
PASTOR Indessen ist die Bewegung dieselbe Der Mensch nimmt zwar gern einen
entfernten Ort wohin er gehen will dieses Ziel leistet ihm Gesellschaft  Er
unterhält sich mit ihm er fragt es werd ich bald da sein  Geht er mit
Freunden und Freundinnen geht er wie der Schiffsmann denn die Gesellschaft ist
Seelenbewegung die geht über die körperliche Sonst aber glaub ich je weiter
das Ziel desto entschlossener der Kopf Auch bei Erholungen will man Zweck
HERR v W Da siehst du Herr Bruder 
HERR v G Dass Ew Hochwohlgeboren keinen entschlossenen Kopf verraten
HERR v W Einen Admiralskopf 
HERR v G Der sein Schnupftuch vorhält und sich Segel macht wenn er zu Pferde
steigt
HERR v W Das allgemeine Du in Kurland ist und bleibt mir unerträglich alles
ist Bruderherz und Du
HERR v G Das Menschlichste was ich weiß
HERMANN Ich mache mir Bedenken den Hund eines alten Edelmanns zu dutzen
HERR v G Und der Hund eines alten Edelmanns ist erkenntlich und dutzt auch
nicht  Herr um Ihnen ganz deutsch zu sagen Sie sind 
                                       
Schade  der junge Herr von G  nahm mich und wir gingen im Garten eine grüne
                 Straße auf und ab wie ein Paar Schiffsleute
                                   Im Garten
DER JÜNGERE HERR v G Jagen Sie
ICH Nein
DER JÜNGERE HERR v G Was werden Sie denn auf der Universität machen
ICH Studiren
HERR v G Ich jagen und studieren Man wird doch wohl einen akademischen Jäger
einen Nimrod treffen der Jagdcollegia liest Fechten und Jagen ist gut Jagen
ist der Mittelpunkt Ich wünschte der Vater gäbe mir den Satan mit
ICH Den Satan
HERR v G Den großen Jagdhund Ich hab ihn so benannt
ICH Ich bin kein Jagdfreund ich werd es nie sein Man lernt da auf Unschuld
anlegen und zielen und meuchelmorden
HERR v G Essen Sie kein Wild
ICH Gern  ich lass aber das Jagen wie das Schlachten und Kochen andern
über  Mein Vater sagt jede Köchin sei grausam Das Kochhandwerk ist ein
Handwerk für Männer die sich auch sobald es ins Große geht nicht von ihrem
angeborenen ihnen angestammten Recht abbegeben Jagen und Kochen denk ich
sind sehr nahe verwandt
HERR v G So weich und haben Krieg geführt
ICH Um meinen Arm auszuarbeiten Hätt ich einen göttlichen Beruf gehabt
Soldat zu werden zum ersten Schlage würd ich nicht sein allein zum zweiten
Herr v  wie der Donner auf den Blitz Hätte mein Vaterland den ersten Schlag
erhalten wär ich verbunden gewesen es zu freien  und zu Kopf zu Händen und
zu Füßen hätte der Mut heraus gewollt  Im gemeinen Leben muss man oft
erweichende Mittel brauchen im Kriege würde man uns darüber als Narren
auskrähen wenn wir die Segel streichen ließ Der Feind heißt Legion ihrer
sind viele
HERR v G Ich schieße nichts was nicht vor den Schuss läuft
ICH Das sind Jägergrundsätze ein laufender Feind ist keinen Schuss Pulver
wert Im Kriege muss man schießen was steht
HERR v G Das ließ ich brav bleiben ich würde das Spiel durchsehen fänd ich
es zweifelhaft was ist natürlicher als die Karten zusammen zu legen
ICH Das heißt laufen
HERR v G Mag es doch
ICH Ich würde kein Menschenjäger sondern Soldat Held wenn Sie wollen würd
ich sein In der Hölle muss man nicht Waffenstillstand machen sondern auf den
letzten Mann steuern und wehren Wäre noch ein Mittel den Teufel zu bekehren
wär es dies ich habe Krieg gespielt aber nach dem Leben
HERR v G Und ich bin wirklich auf der Jagd gewesen und habe manchen
Wildbraten bereitet  Lasst uns Brüderschaft machen
ICH Wir dienen nicht Einer Fahne  unsere Herzen schlagen nicht einerlei
Wirbel indes aufs näher kennen Bruder 
HERR v G Bruder
ICH Die Hand
HERR v G Die Hand  Mich dünkt ich werde Soldat
ICH Ich nicht Jäger
HERR v G Ich fühl Herz Mich sollte wer anheulen
ICH Du redst vom Wolf Bruder
HERR v G Beleidigen wollt ich sagen ich wollt ihn  Herr Bruder du wirst
mich nicht verlassen
ICH Ich merks noch hab ich dir nicht Mut genug in die Hand geschlagen
HERR v G Auf einmal kanns nicht kommen
ICH Das Herz immer auf einmal Das weiß ich Bruder  Ich hab zwar nicht von
unten auf gedient allein ich hab mich von unten auf gedacht und als Alexander
oft gemeine Dienste getan Wenn ein Feldherr nicht gemeiner Kerl sein kann ist
er nicht des Ordens wert  Er wird nicht wie ein Ruderknecht schreien nicht
betäuben allem er wird ein gemeiner Kerl zum Malen werden Er wird ihn
allerliebst machen es sein darf er nicht
HERR v G Ich hab gehört dass ein General der schon im Felde gewesen nicht
mehr so viel Herz habe  Junge sollen die besten sein
ICH Junge kennen vielleicht die Gefahr nicht und da sie schon
Heldenphysiognomien kennen so verzagen sie sobald sie Züge davon entdecken
Blindhereinhauen ist ein Kunstwort und ein wahres Wort
HERR v G Eine Jagd Herr Bruder müssen wir noch zusammen machen lieber heut
wie morgen Es wird dir gefallen
ICH Ich zweifle Mir gefällt zweierlei Kühe und Rinder auf einer Wiese Das
ist der edle Friede und eine Wiese voll wiehernder Pferde das ist der edle
Krieg
HERR v G Zur Probe Herr Bruder
ICH Meinetwegen Herr lass weg  bei Bruder schickt es sich nicht Ich werde
dich so nicht nennen Bruder ist kein Herr Herr Bruder ist halb Bruder Pfui
über halb 
Die Gesellschaft hatte sich während dieser Zeit in den Garten verfügt und ging
                            an uns paarweise vorbei
                         Der Herr v W und mein Vater
                          Der Herr v G und Hermann
   Ich kann also nur wieder erzählen was ich beigehend vernommen Mein Vater
 pflegte zu sagen Man hört im Sitzen besser man sieht im Stehen schärfer im
                   Gehen ist Ohr und Auge nicht zuverlässig
DER JÜNGERE HERR v G Wann Bruder
ICH Auch heute Nachmittag  Du kommandirst bei der Jagd
DER JÜNGERE HERR v G Du bist Gast
HERR v W Ehre dem Ehre gebührt
PASTOR Wenn man nur nicht am Ende glaubt ein verbindliches Wort sei die Tat
selbst Wünsche müssen kommen wenn unser Vermögen zu helfen aufhört  Toten
muss man wünschen
HERR v W Warum soll man aber nicht Kanel auf die Grütze streuen und seine
helfende Hand mit einem weißen Handschuhe bekleiden den Wein mit Zucker und
Pomeranzen veredeln und Butter aufs Brod streichen
ICH Wo ist denn dein Hofmeister
DER JÜNGERE HERR v G Unbeschwert sag gewesener
ICH Vater bleibt Vater
DER JÜNGERE HERR v G Bruder du würdest doch nicht leiden dass dein
Fibelrektor dich bis an dein Lebensende meistern sollte
ICH Das tut auch kein Vater einem Sohne der in gewissen Jahren ist
HERMANN Und stellte in aller Einfalt und Kürze »Gott gebe« setzt er hinzu
»zu aller Seelen Erbauung und Besserung« vor
                          »Die beste Kur des Podagra«
    Im ersten Teil Der Patient muss wie der Gichtbrüchige im unserm Evangelio
        einsehen dass er aus sündlichem Samen erzeugt sei er muss zweitens
        Vergebung suchen und drittens aufstehen und wandeln
HERR v G Ich hatte nicht Kirchenpatron sein sollen
HERMANN Witz ist wie ein Aal er windet sich heraus
HERR v G Ich hätt ihn schon gehalten Man wird doch wohl in der Gemeinde mit
Ehren die Gicht haben können
DER JÜNGERE HERR v G Auf den ersten Gegenschlag kommt viel an
ICH Alles Bruder Eine Hauptregel beim Kampf Gib zuerst den guten Wein und
wenn dein Gegner trunken den geringeren Der erste Schlag ist die erste Frage
beim Examen Die erste Antwort entscheidet
DER JÜNGERE HERR v G Ich denk immer Bruder ein Armer ist allein herzhaft
ICH Hat er denn weniger zu verlieren als ein Reicher Leben ist Leben  Zu
viel Herz macht kühn zu wenig Herz macht desperat Der Kampf ist in beiden
Fällen blutig
DER JÜNGERE HERR v G Ein General hat das beste Teil erwählt Er ficht nicht
allein er weiß wer ihn umgibt Das möcht ich sein
ICH Ein Adler fliegt allein Bruder Küh und Schafe gehen zusammen Ein
General ist der Hahn der die Veränderung des Wetters zuerst merkt der den Ton
angibt Meine Mutter meint der Hahn der zuerst kräht sei der Superintendent
unter den Hähnen Der Generalstitel steht dem Hahn besser an Hiemit genug vom
Mut Es sieht trasonisch aus viel über den Mut zu sprechen Der Mut hat
seine Theorie er fängt mit der Praxis an und hört mit der Theorie auf
DER JÜNGERE HERR v G Bruder du redst wie ein Buch Was ist trasonisch
ICH Prahlhänsisch  Kein Wort vom Mut mehr
DER JÜNGERE HERR v G Meinetwegen
HERR v W Die Art Geschenke zu machen 
PASTOR Das hab ich nie geläugnet Es ist der Schlüssel zum geheimsten
Herzenskämmerlein der eine drückt in die Hand der andere legt es unvermerkt
auf den Tisch dieser gibt in Papier gewickelt der in Geld der in Geldes
Wert dieser wird rot der blass  der steht freundlich aus der als ob er im
Spiel verloren der andächtig als wenn er etwas in den Gotteskasten legt und
vom lieben Gott einen Wechselbrief entgegen nimmt oder ihn bezieht der als
wenn er die Musikanten bezahlt und von ihnen erwartet dass sie ihm den Dank
vorgeigen möchten Jeder Griff bei allen diesen Arten ist aus dem Herzen
genommen Wenn ich einen Menschen gesehen ein Geschenk geben so müsst ich mich
sehr irren wenn ich seinen Charakter nicht auf ein Haar treffen sollte
HERR v W Also die Manier der Anstand die höfliche Art  Herr v G  würde
das Geschenk an den Kopf werfen
PASTOR Vielleicht edler als es mit überdachten Worten geben und den Nehmer
noch in mehr Schuldigkeit setzen  die höfliche Art macht es nicht
HERR v W Ei Ei Herr Pastor  die Höflichkeit ist zu allen Dingen nütze
PASTOR Die Gottseligkeit wollen Ew Hochwohlgeboren sagen
   Diese beiden Leute schieden sehr höflich auseinander und so wie Wasser zu
              Wasser so flossen Herr v W und Hermann zusammen
DER JÜNGERE HERR v G Wirst du viel Bücher mitnehmen
ICH Sehr wenig Ich bin sehr für geliehene Bücher Hat man selbst das Buch
glaubt man ein andermal Man sieht es im Schranke und denkt wenn ich
gelegenere Zeit haben werde Ein Bibliotaphus ein Büchergeiziger ist nach
meines Vaters Ausdruck ein Teufel ein Seelenverderber
DER JÜNGERE HERR v G Wenn man ein Buch leiht sagt mein Hofmeister ist es am
sichersten sich Auszüge zu machen ich glaub es hilft dem Gedächtnis
ICH Einerlei ob das Buch oder der Auszug sanft im Schranke ruht Ich bin für
keinen Auszug
DER JÜNGERE HERR v G Ein Rückhalt Bruder ist eine gute Sache Wenn man es
vergisst 
ICH So ist das Buch da Auszug wenn er ja den Namen verdient ist eine Brühe
Ich bin nicht für Brühen solang ich gesund bin
HERR v W Ich leide keine Übertreibung Einem Kinde was tot auf die Welt
kommt den Verstand ansehen wollen find ich zu hoch geflogen
HERMANN Wenn es indes die Züge des Vaters hat und der Vater 
ICH Manches Buch soll uns nur die Stirn lichten  von manchem dürfen wir nur
die Taler Alberts behalten Ist es nötig dass ich etwas bis auf Ort und
Vierding weiß kauf ich mir das Buch um mir nachzuhelfen um einen Stab zu
haben an dem ich gehe
DER JÜNGERE HERR v G Erst Gewehr dann Bücher  Leib und Seel sagt alle
Welt und nicht Seel und Leib
ICH Beim Edelmann Leib und Seele beim Literatus Seel und Leib wenn es gleich
wider den Redegebrauch ist
HERR v G Je reiner und dünner die Luft hab ich wo gelesen je feiner die
Köpfe
PASTOR Mich dünkt zu schönen Künsten zur Philosophie ist raue Witterung die
beste Man ist an Schwierigkeiten und an Unerschrockenheit und Stärke sie zu
überwinden gewohnt und Schönheit gehört unter einen sich immer gleichen
Himmel man zieht nicht das Gesicht vor Kält und Wärme man kämpft nicht mit
seinen Gesichtsmuskeln Frauenzimmer die in Einer Luft bleiben haben eine
schöne Haut  Mustern Sie in Kurland gemeiner Leute Köpfe werden Sie wohl
einen Bauernkopf finden der in ein historisches Gemälde passe Ich kenn ein
Volk wo ich alle Götter und Göttinnen des Altertums in kurzem zu finden wetten
will Haben Ew Hochwohlgeboren in Kurland auch nur einen Venuszug gesehen Eben
so wenig ist ein Altarstück ein Marienzug zu haben Was ich in Kurland von
Schönheit bemerkt schränkt sich auf den Wuchs ein Schönheiten für Bildhauer
allein für Maler nicht
HERR v G Wenn alles bei kleinen Leuten proportionirlich ist kann man ihnen
den Ehrennamen schön nicht absprechen
PASTOR Kein Zweifel und so auch mit wohlproportionirten Erkenntnisskräften 
und die Anwendung 
             Sie bogen sich so dass ich keine Sylbe haschen konnte
HERR v G Ich will nicht vorurteilen aber dass die Leute im demokratischen
Staate klüger sind als im monarchischen Pastor das müssen Sie zugeben
PASTOR Gern  weil sie an der Regierung teilnehmen weil sie mitsprechen In
England gibt es einen sehr klugen gemeinen Mann und das machen die Zeitungen
Dies Staatsmittel könnt auch im monarchischen Staate probirt werden
HERR v G Im monarchischen Staate gibts keine Zeitungen  Wenn die Regierung
Zeitungen schreiben lässt sind es Seifenblasen womit die Kinder in der Sonne
stehen
                    Sie blieben eine Weile auf einer Stelle
ICH Bibel und Gesangbuch nimmst du doch mit
DER JÜNGERE HERR v G Ja die Bibel hab ich vom Vater das Gesangbuch von der
gnädigen Mutter
ICH Warum gnädige
DER JÜNGERE HERR v G Es ist mir zur andern Natur Meine Mutter wollte durchaus
gnädig heißen
ICH An gnädig erkenn ich sie Eine gnädige Mutter Bruder ist ein Unding Bei
Bibel und Gesangbuch seh ich deinen Vater Bibel und Gesangbuch muss man sich
nicht kaufen sondern von den Eltern haben und eben so wie du so auch ich
Bibel vom Vater und Gesangbuch von der Mutter
DER JÜNGERE HERR v G Dein Vater und der meinige 
ICH Sind wie Herz und Seele gegen einander
DER JÜNGERE HERR v G Dem Vater Seele der meinige Herz Nicht wahr
ICH Beide Seel und Herz
DER JÜNGERE HERR v G Dieser mehr Herz jener mehr Seele
ICH Sie waren vieljährige Freunde sie schieden sich wie mein Vater sagt von
Tisch und Bett allein ihre Herzen blieben gebunden
DER JÜNGERE HERR v G Wir wollen uns nie von Tisch und Bett scheiden Kommen
wir von Universitäten wirst du mein Pastor und dann wollen wir leben wie auf
der Universität  du studieren ich jagen
HERR v W Es ist ein Kavalier
HERMANN Das ist die Sache
HERR v W Und mein Schwager
HERMANN Das ist die Hauptsache
HERR v W Es scheint unhöflich Doch wie der Ast so der Hieb Man muss sich
über den Herrn v G wegsetzen
HERMANN Kriechend zu mir
HERR v W Ich hätte Worte mit Hänkelchen Traget die Groben weil ihr höflich
seid Es sind unter uns gesagt manche Ausdrücke in der Bibel die nicht auf
unserer Seite sind
DER JÜNGERE HERR v G Wenn ich das Wort Schreck höre empfinde ich es Was
wollte dein Vater gestern Abend damit sagen dass der Schreck der Anfang zu allen
Leidenschaften sei
ICH Schreck sagt er ist die Vorbereitung das Präludium zu allen heftigen
Affekten und das ist wahr Hast du dich je recht sehr über eine Sache erfreut
ohne dass du vorher erschüttert warst Alle heftigen Leidenschaften sind wie ein
kaltes Fieber Frost Kälte dann Hitze
DER JÜNGERE HERR v G Du hast es besser behalten wie ich
ICH Er führte Beispiele an dass Leute vor Freuden gestorben wären und dass kein
großes Loos in der Lotterie ohne den Gewinner auf eine kleine Zeit
zurückzusetzen von jeher gewonnen sei Der Mensch sagt er traut sich nicht
recht die Freude in dieser Welt zu Er besinnt sich erst ob er ihr sein Herz
öffnen ob er sich freuen könne Er lässt sie von hinten und verstohlen ein
Seine Freude scheint eine Entfernung des Schmerzes und wer lässt einen alten
guten Freund ohne Bewegung von sich
DER JÜNGERE HERR v G Du hast ein königliches Gedächtnis
ICH Ein gemeines aber vortreffliches Beiwort
DER JÜNGERE HERR v G Es ist von meinem Vater  Aber was dein Vater vom
Vergnügen und Schmerz anmerkte 
ICH Weiß ich auch Er widerlegte sich selbst Er glaubte Vergnügen sei die
Empfindung von Lebensbeförderung und Schmerz Empfindung von Lebenshinderniss
und wenn es schon so weit gekommen wäre dass man die Lebenshindernisse nicht
überwinden und das Feld behalten könnte meint er sei Vergnügen die Kunst
sich selbst von sich zu entfernen die große Kunst nicht an sich zu denken
DER JÜNGERE HERR v G Ich bin noch im Schreck in der Vorbereitung denn bis
jetzt fass ichs noch nicht
HERR v G Was meinen Sie lieber Pastor wenn wir nur negative weise und gut
sind ist es nicht schon viel und sollte man nicht diesen Gedanken auszuüben
suchen
PASTOR Ich weiß nicht Wissenschaften die bloß Irrtümer widerlegen sind
wenigstens was mich betrifft unangenehm Der Mensch ist von Natur träge und
negativ durch Grundsätze wird er tätig
HERR v G auf den Herrn v W und Hermann zeigend Licht und Lichtknecht
    Alles lagerte sich auf einen Rasen und war so still dass man sah was ich
oft gesehen Die Natur behauptet ihre Rechte sobald wir ruhig sind sobald wir
Zeit haben sie anzuhören sobald wir uns aufs Gras ihren Lehnstuhl setzen
Alles verstummt und empfindet Gott warum fallen wir der Natur so oft unzeitig
ins Wort
       Für uns den jungen Herrn v G und mich war kein Raum in diesem
 Naturaudienzzimmer Herr v G der Jüngere ging zur gnädigen Mutter ich einen
grünen finsteren Gang  was ich hörte ich konnte nicht bemerkt werden will ich
                                 aufschreiben
FRAU v W Und das Geld
KLEINE Verschenkt gnädige Mutter
FRAU v W Wem
KLEINE Einem bösen bösen Jungen
FRAU v W Damit er gut würde
KLEINE Ja gnädige Mutter damit er gut würde er hatte dem lieben Gott einen
Vogel weggestohlen den bot er mir zum Kauf an Der Vogel schrie zum lieben Gott
singen könnt er nicht mehr sehr ängstlich und der Junge hielt ihn in der
Hand und wollt ihn nicht gen Himmel schreien lassen Der Junge muss sich wohl
gefürchtet haben dass der liebe Gott schelten würde Es bezog sich wo er stand
als wären es Gewitterwolken
FRAU v W Und du
KLEINE Ich gab dem Jungen das Geld und den Vogel gab ich dem lieben Gott
wieder Es wurde gleich so klar wenigstens mir vor den Augen ich bildete mir
ein sie sprang dabei dass ich den lieben Gott sähe wie er sich darüber
freute Der Junge mag es wohl aus Not getan haben
FRAU v W Das denk ich auch
KLEINE zur Begleiterin Desto besser dass ich dem Jungen alles gab
EIN FRAUENZIMMER DAS DIESE LIEBE KLEINE BEGLEITETE Wir sind im Streit Ew
Gnaden Das Fräulein gab ungezählt so denk ich gibt man einem Bettler allein
keinem Dieb
KLEINE Wer hat nun Recht
FRAU v W Du nicht völlig meine liebe Seele Ei wenn gleich wieder so ein
böser Junge mit des lieben Gottes Vögelchen gekommen wäre und du hättest kein
Geld gehabt
KLEINE Dann wär ich zu Ihnen gekommen Gnädige
FRAU v W Und wenn ich auch kein Geld hätte
KLEINE Ja dann hätt der liebe Gott den Vogel strafen wollen Setzt man doch
auch Menschen ins Gefängnis
FRAU v W Mit Recht aber auch mit Unrecht  Man muss nicht für sich sondern
auch für andere sparen Um mehr Gutes zu tun kann man dingen Gottes Geschöpf
 wer kann das bezahlen Hätte der Junge den Vogel nicht minder lassen wollen
wärs ein anders  Was wars für ein Vogel
KLEINE Ich habe nicht gefragt Gnädige Ich weiß nur dass es ein Vogel war und
dass er fliegen konnte Haben Sies mich nicht gelehrt man muss nicht nach dem
Namen fragen wenn man Gutes tut Sie hätten nur sehen sollen der Vogel konnte
vor Freuden nicht recht fliegen Er war betrunken aber der Junge mussts mir
versprechen ihn nicht mehr zu haschen
FRAU v W Du hast gut hausgehalten  Hier ist wieder Geld
KLEINE Dank gnädige Mama Ich glaub es war eine Nachtigall
DAS FRAUENZIMMER Ich nicht
KLEINE Sehen Sie nur gnädige Mutter Lieschen ist dem Vogel nicht gut
DAS FRAUENZIMMER Seit der letzten Nachtigall im Garten ist ihr jeder Vogel eine
Nachtigall Ew Gnaden waren so gnädig zu sagen Mensch ist Mensch aber Vogel
ist nicht Vogel
KLEINE Wie sie den Vogel verfolgt da hören Sie selbst gnädige Mutter
FRAU v W Kind du hast eine Seele
KLEINE Die Ihrige liebe Mutter
FRAU v W Gott segne dich
KLEINE Auch Sie liebe Mutter auch Sie reichlich und täglich
FRAU v W Aber was meinst du Kleine Des Jungen wegen sollst du Lieschen
Recht geben Sah er dir denn so bös aus dass er eine Nachtigall dem lieben Gott
stehlen könnte
KLEINE Bös wohl aber freilich so bös nicht
FRAU v W Ich denke Judas der Verräter hat in seiner Jugend die erste
gefangen
KLEINE Lieschen hat Recht  ich Unrecht es war keine Nachtigall
FRAU v W Also hat Lieschen Recht
KLEINE Recht und ich Unrecht ein so betrübtes Vögelchen als eine Nachtigall
o wer kann das drücken  ich möcht es gern trösten wenn ich könnte
FRAU v W Es scheint zuweilen dass es sich selbst tröstet als wenn es
schluchzt und wieder lacht
KLEINE Ja Gnädige und dann bin ich so froh so froh aber wie kann man im
Augenblick weinen und lachen
FRAU v W Lachen und Weinen hat einerlei Züge mein Kind Sei darum auf die
Nachtigall nicht böse Es ist weit leichter dass Einer der weint lacht als
Einer der ernstaft ist Wenn wir einen Betrübten zum Weinen bringen haben wir
ihn bald zum Lachen  das trifft uns Weibchen mehr als das andere Geschlecht
                                       
    Ich konnte nicht länger verborgen bleiben und legt es dazu an dass wir
                                zusammenstiessen
FRAU v W Der Garten ist schön
ICH Gnädige Frau ich hab ihn nirgend schöner gesehen als im ersten Buch
Mose
FRAU v W Da haben Sie ihn auch nicht schöner gesehen sondern schöner gelesen
ICH Ich bitt um Verzeihung gnädige Frau wenn ich die Bibel lese seh ich
alles was ich lese
FRAU v W Mich dünkt ich sehe den Herrn vom Hause wenn ich diesen Garten
sehe Sein Ebenbild 
ICH Jeder Garten gnädige Frau glaub ich ist des Eigentümers Ebenbild oder
sollt es sein
FRAU v W Sollt allein wer legt seinen Garten nach der Natur der Gegend und
des Landes an  Ein Garten der die Ehre gehabt ins Geschrei zu kommen ist
die Vorschrift zu zehn und zehn zu fünfzig und fünfzig zu hundert Durch
Gärten kann man denk ich noch weit eher als durch Haus und Hof Geschmack
zeigen Umstände sprechen hier mit und die Mode hat keine Stimme
ICH Der beste Garten indessen ist ein Gefängnis wenn er umzäunt ist Das
Paradies war die Welt und die Welt das Paradies
FRAU v W Sind wir aber bestanden in der Wahrheit
ICH Die gnädige Frau sagen da einen großen Gedanken Der Sündenfall war der
erste Zaun
FRAU v W Jetzt können wir schwerlich uns ohne Zaun behelfen Er kann sich aber
allmählig verlieren  und dann lasse ich ihn gelten Hecken sind mir weit
unausstehlicher
ICH Ein lebendiger Zaun
FRAU v W Ein schönes Leben das unter der Scheere des Gärtners steht Mir
kommt jede Hecke wie ein Tanzboden vor man lehrt die armen Bäume die Beine
gerade setzen in die Quere treten Brust heraus und andere Possen mehr  und
wenn man noch dazu Hecken an seine Fenster anlegt ists mir völlig
unerträglich Ich habe einen Amtmann der sich eine Fensterhecke von einem armen
Feigenbaum gemacht hat Die Kleine da sagte der Feigenbaum sei ans Kreuz
geschlagen
KLEINE War ers denn nicht Gnädige
FRAU v W Ja mein Herz
KLEINE Und ganz unschuldig
FRAU v W Ganz
ICH Gnädige Frau das Sprichwort
Fische fangen und Vogelstellen
Verdirbet manchen Junggesellen
erklärt mein Vater vom Herzen
FRAU v W Und sehr richtig Wer in der Jugend Vögel in die Festung bringt und
Fische anführt  wird ein Betrüger und wenn es hoch kommt grausam und 
ICH Ich weiß nicht gnädige Frau ob ein Amtmann der dem Feigenbaum Daumen
schraubt und ihn torquirt es mit den Bauern nicht so zu machen Lust hat als
mit dem Feigenbaum  Dem Baum fehlt nur ein lebendiger Odem
 Die gnädige Frau ward abgerufen und ich sah mich mit der kleinen Fräulein an
ohne dass wir alle beide mehr taten als lächeln Ich weiß nicht wie das kommt
dass junge Mannspersonen gegen Kinder so blöde sind Frauenzimmer sind in diesem
Stücke dreister Sie können eher an ihre Bestimmung denken als es uns nach der
jetzigen Einrichtung erlaubt ist Oft wenn ich auf diese Art mein unschuldiges
 Minchen mit kleinen Kindern sich abgeben und spielen sah fielen mir die Worte
             ein Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht
des himmlischen Vaters Dass ich gegen eine große Dame nicht blöde gewesen siehe
 oben Das Daumenschrauben und Torquiren hätte ich unterwegs lassen können wie
es mir gleich nachdem ichs gesagt hatte einfiel  Die Frau v W kam wieder
FRAU v W Was ist dir
KLEINE Liebe Mutter da flog es  das Mückchen hat mir viel Blut abgezogen
FRAU v W Ich hoff auf eine gute Manier
KLEINE Nicht völlig noch nie hats mich so geschmerzt
FRAU v W Bist du böse
KLEINE Nein liebe Mutter ich wünsch ihr wohl zu bekommen
FRAU v W Gut mein liebes geduldiges Kind Sehr gut dein Bruder hätt es
morden können allein wir Frauenzimmer müssen keine Mücke töten  Wir sind zur
Geduld geboren Verjagen höchstens
KLEINE Das wollt ich schon ich überwand mich doch
FRAU v W Bist du nicht froh drüber
KLEINE Sehr froh
FRAU v W So ists immer wenn man sich selbst was abgeschlagen hat
KLEINE Und nun stichts auch nicht mehr
FRAU v W Alles Leiden ist kurz Mückenstich 
KLEINE Im Himmel werden keine Mücken sein Meinetwegen könnten sie  stechen
werden sie da nicht
FRAU v W Gewiss nicht
KLEINE Und wenn auch ich bins gewohnt Der liebe Gott helfe nur dann meinem
Bruder der den Mückentodtschlag in der Hand hat
                  Wir gingen ohne zu reden eine lange Weile
FRAU v W Das werden späte Erbsen werden
KLEINE Die da ging eben auf wie ich hinsah
FRAU v W Das nicht mein Kind man sieht nichts aufgehen Man sagt daher Gras
wachsen hören zum Sehen hats keiner gebracht
KLEINE Die beiden dort sind so wie mein Bruder und ich nach der Größe
FRAU v W Sieh nur her wie behutsam diese Aufgehende die Erde auf ihrem
kleinen Rücken trägt  Sie hebt sie sie ehrt ihre Mutter
KLEINE Das ist ihre Schuldigkeit
FRAU v W küsste ihre Tochter herzlich
                                       
KLEINE Sehen Sie doch Gnädige wie hoch der Baum ist Der babylonische Turm
war wohl weit höher
FRAU v W Weit
KLEINE Den hätte ich sehen mögen
FRAU v W Ich auch
ICH Mein Vater erklärt ihn so Gott wollte die Leute sollten nicht
zusammenbleiben nicht in die Höhe bauen sondern in die Länge und die Erbe
benutzen die Gott ihnen angewiesen hatte
FRAU v W Ich hab oft gedacht dadurch dass sich die Menschen verteilten
entstand die Verschiedenheit der Sprachen
ICH Wollte Gott wir sprächen alle Eine
FRAU v W Dann würden viele nicht in den Himmel wollen so schön würd es in
der Welt sein
KLEINE Des Turmes wegen muss ich auch französisch lernen
FRAU v W Hast du Ursach dich zu beklagen
KLEINE Nein Gnädige ich beklage nur Sie  und doch könnt ich öfter
herumlaufen  wäre der babylonische Turm und das Französische nicht
 Es war Mittag und alles fand sich von selbst zusammen Frau v G  hielt bei
allem Hochdünkel sich nicht zu vornehm die Tafel zu bereiten die Küche nicht 
           und das steht keiner Dame an höchstens einen Überblick
FRAU v G Darf ich bitten 
HERR v G Was meinen Sie Zu meinem Vater das sagt meine Frau gutherzig und
allerliebst Ich habe sie bloß dieses darf ich bitten wegen geheiratet Ich
halls ihr bloß nach darf ich bitten  Herr Bruder Herr Pastor Herr Bruder
Herr Bruder wie ihr alle steht
FRAU v G Ich bitt 
    Man ging Hand in Hand ich mit der Kleinen v W  und ich rede von der
  Tischgegend wo ich war wir saßen Der Herr v W  er hatte sich herunter
genötigt gradüber wohlbedächtig Herr Hermann Der Herr v G  die Kleine v
W  mein Vater der junge Herr v G  noch allerlei vom Unterhause und Ich
HERR v W Alle Feierlichkeiten Herr Bruder gehen zuletzt auf Schmausereien
hinaus
HERR v G Beim Tisch macht alles Friede da verliert matt das Übel und das
Gute empfindet man lebhafter
HERR v W Ich glaube dass man nach Beschaffenheit des Gemüts auch den Tisch
einrichten müsste
HERMANN Und ihn mit Cypressen oder Myrten bestreuen
HERR v G Ich nicht jeder Tisch muss fröhlich sein wir müssen mit Danksagung
empfahen und zu uns nehmen und uns auf Gott verlassen lernen
PASTOR Alles was groß ist geschieht bei Tische Das Paradies ging bei Tische
verloren Monarchien und Regenten entstanden und gingen unter bei Tafel alle
Ehen werden im Himmel und bei Tische geschlossen Jemanden zu Tische bitten ist
die feinste Art zu bestechen hat man den Revisionscommissarien nur einmal zu
essen gegeben ist das Spiel gewonnen Bei Tische kommt der Mensch seinem
natürlichen Zustande näher Der Vornehme sieht dass er hier mit dem Geringern
gleichen Appetit hat da er mit ihm aus Einer Schüssel isst aus Einer Flasche
trinkt fängt er an ihn für seines Gleichen zu halten Alle Herzenssachen wozu
ich den größten Teil der Religion zähle gehören vor einen weissbedeckten und
mit Essen und Trinken besetzten Tisch Die christliche Religion gibt uns hiezu
viele Gelegenheit
HERR v G Recht lieber Pastor Magen und Herz sind Nachbarskinder sowie sich
die Drüsen im Munde und Magen verwandt sind Was jene reizt bringt diese in
Bewegung Bei Tisch lernt man tun wirken in den Schulen lernt man reden 
Mit meinem Freunde muss ich genießen
PASTOR Die herzliche Beredsamkeit wo eine Einsylbe oft mehr gilt als ein
prahlendes Allerseits nach Stand und Würden ist auch bei Tisch zu Hause Bei
Tisch wird man nicht alt Sehr richtig Was uns hiedurch an Zeit abgeht
ersetzen Stärke Gesundheit und eine lachende alles leicht findende Stirn
Hiedurch richten wir in einer Stunde mehr aus als ein Kurzesser in einem halben
Tage
HERR v G Es lebe Luther und seine Tischreden  Ein schönes Stück von ihm
eine Ehrensäule für die Menschheit  Hätt er die nicht nachgelassen ich würd
ihn lange nicht für das halten was er war Die Fröhlichkeit die Freundschaft
an einem wohlbesetzten Tisch die Gerechtigkeit lieber Pastor und ihre
Ausübung an einem rotbehangenen unbesetzten Tisch
PASTOR Sie muss nüchtern verwaltet werden Wer am besetzten Tische Recht
spricht beugt das Recht  Viele Leute sind der Meinung man müsse nüchtern
schwören und halten es für Missbrauch des Namens Gottes wenn sie gefrühstückt
haben Ein Richter muss aber keinen Wein trinken wenn er Recht spricht Er sieht
gleich alles anders an Mit der Gerechtigkeit ist es eine besondere Sache ein
einzig Gläschen macht oft einen andern Menschen wer mitleidig ist weicht vom
Wege ab und 
HERR v G Mit Ihrer gütigen Erlaubnis ich glaube dass es zu manchen
Begebenheiten auch besondere Gerichte gäbe Unsere lieben Alten sind uns darin
rühmlichst vorgegangen
HERMANN Eben hierdurch wird das Essen schmackhaft Vielleicht könnte man
trostgebende glückwünschende Gerichte erfinden
HERR v W Ich habe noch niemand frische Milch mit saurem Gesicht essen gesehen
PASTOR Die Natur hat zwar jedem Essen seine Jahreszeit angewiesen alle aber
kommen am Ende darin überein dass wir dabei fröhlich und guter Dinge sein
sollen Nennen Sie mir eine Schüssel die Tränen auspresst
HERR v W Der Grad des Vergnügens indes könnte verschieden sein
HERR v G Hiebei kommt viel auf die Einbildung an Nachdem eine Schüssel
selten das ist vornehm gehalten wird
        Aber meine Herren da unten die Suppe wird Ihnen kalt
HERR v W Freilich bei ihr sollte nicht gesprochen werden
PASTOR Wer sie isst wird sich von selbst hüten  Man kann leicht dabei den Weg
verfehlen  Suppe geschickt zu essen ist sehr schwer  ich esse keine
DREI STIMMEN BASS TENOR DISCANT Keine
PASTOR Alexander auch keine
WIEDER DREI STIMMEN Keine
PASTOR Suppen sind für Kranke es sind Fleischessenzen und für Leute die kein
Fleisch mehr verdauen können
HERR v G Ich bin nicht darauf gefallen aber der Pastor hat Recht  Braten
ist das natürlichste wenn von Fleisch die Rede ist
PASTOR Wer Fleisch und die davon erpresste Suppe isst isst den Kern und nachher
die Schale genießt den Saft und hinterher die Hülse
HERR v W Wenn Sie mir gleich nicht besondere Festtagsgerichte gestatten
Nationalspeisen werden Sie mir wenigstens zugeben
PASTOR Gern und da ist beim Engländer Braten bei dem Deutschen Mehlspeise
beim Franzosen Kraut auf dem Felde Die Deutschen sind Männer des Tisches Sie
sitzen lange dabei ihr Tisch ist der beste Kein Wunder dass sie am längsten
dabei weilen Sie sind die gastfreiesten die menschlichsten Esser und Trinker
HERR v G Katholiken kochen vortrefflich Fische
PASTOR Noch lehrt beten Wenn ich zu reformiren hätte müsste das schöne
Geschlecht wenn es ja kochen soll mit strenger Ausschliessung alles dessen was
Odem gehabt sich auf Milchspeisen und Gemüse einschränken Kein Fleisch und
Fische müssten sie kochen sondern bloß natürliche Gerichte würden zu ihrem
Departement gehören Obst aus Frauenzimmerhänden ist beinahe wie vom Baum
HERR v G Obst Pastor denk ich sei die natürlichste Speise in der Welt
PASTOR Es ist ein paradiesisches Essen ein Manna das noch vom Himmel fällt
wonach alle Kinder einen Erbgeschmack mit auf die Welt bringen
HERR v G Obst ist die gesundeste Speise unter allen Nach Obst Milch und
Honig
PASTOR Ich bin nicht von denen die schon das liebe Brod in der Welt zu
gekünstelt finden und sich auf die allerersten Naturelemente reduciren wollen
Wer mir aber Obst verachtet 
HERR v G Ist ein verderbter unnatürlicher Mensch Er hat seine Unschuld
verloren und trägt davon das Malzeichen an sich Pastor ein Glas Wein aus den
Händen eines Frauenzimmers 
PASTOR So wie ein Glas Wasser und aller Trank aus ihren Händen Der Trank ist
mehr der Kunst entgangen als die Speisen und aus Gottes Händen ziemlich
unverfälscht auf uns gekommen Ein Glas Wein bei der Quelle
     Wie bange mir bei dem Worte Quelle ward können sich meine Leser nicht
   vorstellen Ich habe wenigstens ein Quartblatt dicht geschrieben drüber
verhört und doch ging es glücklich ab obgleich eine allgemeine Stille darüber
                                     ward
HERR v G Säle sind gut nach Tische hineinzugehen Beim Speisen ein schmales
Zimmer um nah zusammen zu sein Man hat sich mehr
PASTOR Daher ein runder ein Artustisch und eine kleine Gesellschaft  Wir
sitzen hier an einer deutschen Tafel in allem Betracht
HERR v G Was meinen Sie Pastor von den vielen Schüsseln Ist nicht Eine
genug
PASTOR Viele Schüsseln verlängern den Tisch und mithin auch das Vergnügen Es
ist wahr es reizt mehr zu essen indessen liegen in uns auch vielerlei
Appetite Sobald es wahr ist dass wir Fische Fleisch Obst Gemüse essen
können dass die Natur eine Schatzkammer für uns sei so seh ich nicht ab warum
wir geizen sollten
HERR v G Es ist auch schwer ein einziges Gericht das für sich selbst
besteht zu nennen
HERR v W Fleisch mit Rüben
HERMANN Das sind schon zwei mit Ew Hochwohlgeboren Erlaubnis
HERR v W Braten und Salat
PASTOR Ohne Salat wollen Ew Hochwohlgeboren sagen
HERR v W Ja ohne Salat
PASTOR Ich esse auch keinen Braten mit Salat So eine Hauptschüssel so eine
natürliche Schüssel braucht keine Anreizung
HERR v G Und warum Beim Tanz muss Spiel sein
PASTOR Beim Tanz allein beim Gange nicht
HERR v G Ich hab es von einem Beobachter der im Vorzimmer eines vornehmen
Mannes bemerken konnte Ein Franzose kam ging an den größten Spiegel im Zimmer
und schnitt Kapriolen ein Engländer setzte sich aufs Kanapee ein Deutscher
stellte sich an den Ofen ein Russe ging an den kleinsten Spiegel und zog sich
die Haare in Ordnung Wär ein Curländer gekommen der hätte sich die Stiefeln
aufgebunden und ein Pole den Bart gestutzt So lieber Pastor sind diese Leute
auch am Hofe an der Tafel als Schriftsteller
PASTOR Um Verzeihung ich würd in Europa nur vier Völkern Sitz Tisch und
Stimme erlauben Engländern Franzosen Deutschen  und einem Volk in Norden 
Vier Hauptwinde der Engländer Ost der Franzose Süd der Deutsche Westwind
und das Volk in Norden der Wind seines Namens
HERR v G Kurland würde dieses Volk wohl schwerlich heißen  aber Pastor der
Tischstyl ist allgemein  leicht nicht wahr  Man könnte den französischen zum
Muster vorschlagen
PASTOR Warum das je nachdem der Mann der spricht je nachdem das Gastmahl je
nachdem der Styl Der hört die Austern wie einen russischen Fuhrmann pfeifen
der lässt sie erst verstummen vor ihrem Scheerer der isst sie mit Haut und Haar
der barbiert sie erst Fremde Gewürze verderben das Essen und das Gespräch die
liebe Natur muss bei Tafel präsidiren
HERR v G Ich bete nicht eher als bis Salz auf dem Tische ist  Es ist ein
Sinnbild vom Verstande und ich denke gewisse Art Leute müssen bei Tisch nie
anders reden als dass es zur Not aufgeschrieben werden könnte Der Tischstyl
und der Briefstyl sollte freilich aus der ersten Hand sein wer kann Natur genug
predigen Wir sind wie Affenleiter wie Bärenleiter die ihre Tiere schlagen
wenn sich selbige vergessen und zur Natur kommen Gemeine Sprache ist
Wassersuppe Ausgesuchte Worte sind Kanel Muscatennuss es fällt auf die Zunge
allein es macht Hitze  Lieber Pastor gießen Sie Öl in meine Lampe sonst
geht sie aus
PASTOR Sie brennt trefflich
    Der junge Herr v G fing an mir etwas leise zu sagen
    Der alte Herr v G verlangte dass ers laut sagen sollte und der junge Herr
v G verstummte
    Eine Weisung vom Herrn v G dem älteren bei Tische nicht leise zu reden Es
sieht sagte der alte Herr v G nach Verrätern aus
    Herr v W setzte hinzu und ist ein Verstoss wider die Höflichkeit
    Obgleich eben diese ungebetene Anmerkung ein dergleichen Verstoss war
    Wir waren bei Fischen Herr v G behauptete es gäbe Gerichte bei denen
man nicht sprechen müsste
    Sie leiden es nicht sagt er und wollen durchaus dass man sich mit ihnen
allein beschäftigt Sie sollen auch besser schmecken wenn sie still gegessen
werden  Fische fuhr er fort sind von der Art
PASTOR Es gibt Augenblicke wo man auch beim Fleisch beim Brode nicht sprechen
kann Anakreon starb weil ihm eine Traube in die unrechte Kehle kam
HERR v G Lassen Sie uns Probe essen
HERMANN Du bist stumm wie ein Fisch sagt man
HERR v G Dumm wie ein Stockfisch sagt man auch
  Man machte eine Pause und die Sache blieb nach einem langen Stillschweigen
 unausgemacht obgleich beinahe jedes Gräten bekam weil sich keins des Lachens
 enthalten konnte Ich gewinne bei diesem KartäuserSilentio und meine Leser
    furcht ich auch Am Ende blieb es unausgemacht weil ein verabredetes
     Stillschweigen keine Probe sein könnte Herr v G war dieser Meinung
PASTOR Wer mit mehr als zweien bei Tische spricht muss sehr lustig sein sonst
verliert der vierte Mit zweien muss man sprechen denn man ist freilich bei
Tische nicht immer in den Umständen sprechen zu können Drei wechseln sich
beständig um Unvermerkt kommts an jeden Sind vier spricht selten mehr als
einer Zwei können nur streiten der dritte entscheidet dieses aber muss nicht
als gravissimus praeses sondern als Nachbar sein
HERR v G Was meinen Sie Pastor wie man spricht isst man wie man isst
kleidet man sich
PASTOR Nicht immer Ein Stolzer kleidet sich prächtig isst schlecht und
spricht schwülstig ein Wollüstling 
HERR v G Wird zugegeben ich mein es anders
PASTOR Alles dreies zeugt von Geschmack
HERR v G Das meint ich Was gebilligt wird ist gut was vergnügt ist
angenehm was gefällt ist schön Ich glaube wir tun dem Herrn v W einen
Gefallen wenn wir von Kleidern sprechen Er wechselt drei bis viermal an
manchem Tage
HERR v W Niemals ohne Ursache Herr Bruder Ich geb jedem Tage jeder Stunde
was recht ist
HERR v G Das ist eine gute Übung in der Gerechtigkeit
HERR v W Herr Bruder du hast wie Christianus der Zweite im Mutterleibe
geweint
PASTOR Wie Christiernus
HERR v G Und was weiß ich wie wer im Mutterleibe gelacht
HERR v W Ich schicke mich in die Zeit und bin ein festlicher Mann das ist
die vergnügten und traurigen Vorfälle meines Lebens sind mir beständig im
frischen Andenken Oft traur ich an demselben Tage und bin fröhlich an
demselben Tage
PASTOR Sehr natürlich  Selten ist ein Tag der nicht seine Plage hat
HERR v W Alles dieses drück ich durch Kleider aus Man hat Trauer warum
denn nicht Freudenkleider
HERR v G Da hat der Herr Bruder einen guten Gedanken an Freudenkleider denkt
niemand und doch sollte man Freudenfarben und Freudenkleider erfinden und sie
dazu privilegiren So was hat Einfluss auf uns Wenn ich Pleureusen Trauersäume

PASTOR Pharisäersäume
HERR v G Gehe ich bin betrübt  Es erinnert mich an alles Trübe des Lebens 
ich fühle die Krankheit von weitem an der ich sterben werde Das glaub ich
fühlt jedes wenn es betrübt ist
HERR v W Man teilt die Trauer in halb und ganz ein ich teile sie in
Vierteil 
HERR v G Das ist nach dem Monde  ich bin nach der Sonne immer ganz Herr
Bruder
PASTOR Nur nicht immer Mittagssonne oder Mitternacht   Sind Morgen und
Abendröten nicht die schönsten Stücke am Tage Gibts nicht eine gewisse Ruhe
die besser ist als Tanz und Jubel Warum immer Adagio oder Allegro  Das
männliche Alter ist die Mittagssonne Die Jugend aber hat ihren Reiz und das
Alter hat auch sein bescheidenes Teil Das Alter genießt es verweilt wenn die
Jugend herumwankt und vom Hoffnungswinde hin und her getrieben wird
HERR v W Ew Wohlehrwürden bin ich ergebenst für diese Hülfsvölker verbunden
HERR v G Ein Vierteil oder halb ergebenst  ganz ergebenst sagst du wohl nur
zum Präpositus
HERR v W Getroffen Alles sein Gewicht und Wage
HERR v G Gott erbarm So ein Curländer Solang das Land steht hat es solche
höfliche Männer nicht gehabt als dich und deinen Waffenträger den Hermann Wir
gehen in Stiefeln und du Herr Bruder wie ein Papst in Pantoffeln Schuhe
sind dir schon zu schwer
HERR v W Die Frage ist wies sich leichter geht  Wir haben darüber schon so
oft und viel gesprochen  ich behalte meine Weise und lass jedem die werte
seinige
HERR v G Eins indessen Herr Bruder mit deiner Erlaubnis  Warum bleibst du
im Zirkel deiner Familie Du solltest ein Pat und Leichenbegleiter und
Hochzeitsgast von der ganzen Welt sein und als ein Kosmopolit 
HERR v W Das Hemde ob es gleich nur von Linnen ist bleibt uns näher als das
Kleid Wenn die Not der ganzen Christenheit mit der meinigen stimmt und wenn
ich sie weiß accompagnir ich gern So auch mit der Freude
HERR v G Und wenn ich sie weiß Geschichte Herr Bruder Geschichte 
HERR v W Aber Zeit Geschichte ist Zeitvertreib
HERR v G O du edle Zeit Kein Missetäter wird so behandelt als du
HERR v W Von ungefähr hab ich manches erfahren und ich leugne es nicht es
gibt gewisse an sich rote Tage im Staats und Hof so wie im Hauskalender
als da ist der einunddreissigste Julius
HERR v G Darf ich 
HERR v W Benedictus I der LXII römische Papst starb an diesem Tage und
auch Ignatius Lojola im fünfundsechzigsten Jahre seines Alters Mein Großvater
ist am nämlichen Tage gleichmäßig im fünfundsechzigsten meine Mutter am
nämlichen Tage im zweiundsechzigsten Jahre verstorben
HERR v G Das ist ja ein rechter Pesttag
HERR v W Nicht genug Mein Sohn Kasimir bekam am nämlichen Tage die ersten
Zahnsprossen und starb acht Tage nach diesen Todeskeimen Meiner Mutter Bruder
brach ein Bein und 
HERR v G Spare deinen Zinnober schon rot über rot  Zweiundsechzig und
fünfundsechzig Du sprachst die Zahlen so feierlich so groß aus dass ich
ordentlich römische Zahlen hörte  ich kondolire von Herzen An dem Tage wohl
ganz tiefe Trauer
HERR v W Du willst spotten  allein man lebt nur durch dergleichen
Kunstgriffe sonst betrügt man sich um das Leben Kleider sind das was
Zeremonien in der Kirche sind
HERR v G Das letzte mag sein das erste nicht also Du hochzuverehrender Herr
Bruder du du selbst bist der größte Lebensbetrüger den ich kenne du lebst
die vorige Zeit so vielmal du wiederholst dich selbst so oft 
HERR v W Ich mische Wasser und Wein Herr Bruder das Vergangene und das
Gegenwärtige
HERMANN Wasser macht weise und fröhlich der Wein
HERR v G Wer weise ist Herr ist auch fröhlich  Weg mit diesen
Zusammenfügungen die die Natur nicht selbst veranstaltet mit diesen elenden
Kupplereien Wasser allein Wein allein
HERMANN Aber mit Ew Hochwohlgebornen Erlaubnis  
 Hier ist wieder etwas außerhalb der Linie Dies Etwas gehört auf die Rechnung
der Frau v G Sie winkte mir um mir einige Festfragen wegen meiner Predigt der
Frau v W zur Lehre und Trost vorzulegen Meine Leser haben über diese Predigt
 schon mehr als eine Predigt gehört Ich antwortete der Frau v G bückte mich
gegen die aufs Wort merkende Frau v W und gern hätt ich dieses Predigtwasser
   mit dem weinreichen Gespräch des Herrn v G gemischt wer hat aber Cäsars
Fähigkeit der lesen schreiben und seine sieben Sachen diktiren konnte So viel
     weiß ich dass Herr Hermann zum förmlichen Waffenträger des Herrn v W
installirt wurde  Herr v G war Brabevta Um in der obigen Figur zu bleiben
 muss ich es eine Taufe nennen Jetzt sitz ich wieder meinen Lesern zu dienen
                               an Ort und Stelle
HERR v G Einen Tag Herr Bruder will ich dir noch aus der Geschichte zum
Geschenk machen Wenn ich nur so wie du römische Zahlen aussprechen könnte
Den achtzehnten April 
ICH Ist Alexander Magnus gestorben
HERR v G Und wer mehr
ICH Diogenes aus Sinope der Cyniker dem Alexander obgleich Alexander klein
war doch schon zu viel Schatten machte Diogenes ist Alexander unter den
Philosophen
HERMANN Und auch der Tempel zu Ephesus wurde an diesem Tage eingeäschert
HERR v G Ei Ei Herr Hermann das war ein Patenpfennig von der Göttin Diana
da Alexander geboren ward
                    Man lachte allgemein über Herrn Hermann
HERMANN Ich bitte tausendmal um Verzeihung
HERR v G Warum das Sie haben das Feuer nicht angelegt
HERR v W und FRAU v W Zusammen Der achtzehnte April unsrer Kleinen
Geburtstag
HERR v G Damit ans ihr ein Alexander stamme Es war eine Gesundheit
FRAU v G Und sie einen Alexander heirate Ein allgemeiner Gläseranstoss
HERR v W Du weißt Herr Bruder für wen ich sie bestimmt habe Auf den Herrn v
G den jünger zeigend
FRAU v G zur Frau v W Auch ich habe es die Ehre zu wissen
FRAU v W zur Frau v G Warum die Ehre
HERR v G Dann heiratet sie keinen Alexander der Himmel erfülle also meine
Gesundheit
HERR v W Das würde mir ein Fest sein
HERR v G Das Myrten oder das Wiegenfest
HERR v W Beide beide
HERMANN Ew Hochwohlgeboren nehme mir die Erlaubnis meine aufrichtigsten
Glückwünsche 
HERR v G Alle guten Dinge nur kein Glückwunsch
                                Eine Gesundheit
    Zusammen alle gute Dinge
HERR v W Diesen guten Tag muss ein Kleid bezeichnen das gefallen soll Du
spottest über meine Kleider Herr Bruder Alles was Augen hat soll diesem
Ehrenkleide den gegenwärtigen und den künftigen Alexander ansehen und alles 
HERR v G Gefallen soll Herr Bruder Wird willst du sagen Man kann nicht
sagen es soll gefallen sondern wenn es hoch kommt es wird
HERR v W Da hast du Recht Mit dem Geschmack muss man complimentiren ich
beicht und widerrufe mich
HERR v G Pastor mit Ihrer Erlaubnis eine kleine Wiederholung über die Farben
von gestern Abend ein Versuch ob ich behalten habe Bei den Farben gibts
heilige Zahlen  Es sind drei Hauptfarben rot blau gelb Rot ist die
älteste Farbe in der Welt das Chaos war ohne Zweifel rot Blau ist die
Leibfarbe der Erde gelb die Leibfarbe der Sonne Die weiße Farbe ist die Seele
das Licht zu allem  Was denken Sie Pastor
PASTOR Dass wenig oder gar nichts von diesem allem auf meine Rechnung gehöre
HERR v W Theorie meine Herren ich bearbeite dieses Feld praktisch
PASTOR Mein Satz ist folg der Natur Sieh die Lilien auf dem Felde Die Natur
hat nichts was sich nicht passen sollte Die Blüt ist das Kleid der Spiegel
die Weste
HERR v W Schön wahr viel gesagt Wenn ich ein halb trauriges halb lustiges
Fest habe rot und schwarz  und da kann man Feinheiten anbringen  Ist der
Übergang von der Trauer zur Freude so ist das Kleid licht die Weste dunkel
ists von Freude zur Trauer umgekehrt ists allmählig so auch der Übergang
so allmählig dass man nichts merkt
PASTOR Das erste nennt man es schreit als wenn ihm auf den Fuß getreten wäre
das andere könnte man es spricht nennen und so könnts bis ins Ohr so leise
herunter kommen
HERR v G Es geht mit den Farben der Kleider vielleicht wie mit den Festen
meines Freundes Es widerspricht sich oft es passt nicht alles
PASTOR Wenn eine Farbe der andern beinahe gleich ist sieht es aus als falle
sie ihr ins Wort Es hat das Ansehen als wenn eins so wie das andere werden
will und nicht werden kann Das verdriesst den Zuschauer er sieht keinen
erwünschten Ausgang ab Der Knoten bleibt geschürzt Also eine solche
Farbenwahl dass wegen ihres Unterschieds kein Zweifel bleibt
HERR v G Blau und rot Die preußische Uniform
PASTOR Ganz recht allein die Weste sollte rot das Kleid blau sein und das
der Vermischung wegen Diese entsteht wo die Farben recht zusammenstossen denn
hier wird selbst diese Vermischung eine begreifliche in rerum natura existirende
Farbe Ist das Kleid rot die Weste blau gibt die Vermischung ein schmutziges
ein ekles Rot Es sollte jedes Land seine Uniform haben jetzt tragen sie
höchstens die Soldaten
HERR v G Jede Uniform kleidet Wenn ein Offizier seinen Dienstrock auszieht
ists oft so als wenn er Anstand und Geschmack und alles mit ausgezogen hätte
PASTOR Uniform kleidet  Sie haben Recht allein warum Die meiste Zeit weil
sie Gesetz ist Man nimmts nicht so genau Man weiß dass man sie tragen muss
Ist dieser Zwang vorbei sieht man den Menschen in naturalibus
HERR v G Pastor Sie hatten gestern Abend den Einfall dass die Worte Kleider
der Gedanken wären und dass man sich auch hier Farben denken könnte Wahrlich
manches Wort ist wie ächte manches wie unächte Farbe manches Wort ist ein
violettes grünes rotes Kleid
HERR v W Ich hab indessen Leute gekannt denen vom Roten übel ward Es war
ihnen ein Ach und Wehgeschrei
PASTOR Es ist die härteste Farbe der Stand der Natur der Stand der Wilden
Die Jugend scheinen helle einfache das Alter zweifelhafte vermischte Farben
zu kleiden Jene könnte man kühne diese bedächtige Farben nennen Den Blonden
kleiden blasse oder ganz schwarze Farben jenes wegen der Harmonie dieses
wegen des Kontrastes Den Brünetten kleiden harte Farben So gibts auch
seidene baumwollene Gesichter und Gesichter von Garn  Ich halte dafür ein
jeder Mensch ich sage Mensch muss seine königliche priesterliche und
prophetische Stunden und auch so seine dreierlei Kleider haben Meine Frau hat
mich darauf gebracht So stimme ich mit dem Kleiderschmuck Sr Hochwohlgeboren
des Herrn v W und so weich ich von ihm ab König geht eigentlich auf die
vergangene Priester auf die gegenwärtige Prophet auf die künftige Zeit
indessen gibt es Zeiten wo die Minute wo der Augenblick den König den
Priester den Propheten fordert
HERR v G Pastor die Idee gefällt mir ich glaube jeder kluge Junge das
heißt doch eben so viel als jeder Mensch ich sage Mensch  ist König Priester
und Prophet wenigstens weiß ich mir Zeitpunkte zu besinnen wo ich König
Priester und Prophet gewesen und wäre mir das Wort König nicht so gehässig 
würd ich nicht gern mit Cromwell anstatt dein Reich deine Republik komme
beten König wäre meine Lieblingsuniform
PASTOR Sie können immerhin ihre republicanischen Fasces beibehalten Sie dürfen
kein Königscher werden um im Geiste König zu sein  ich bin für Könige das
heißt was anders als froh wie ein König sein
HERR v W Schicket euch in die Zeit ich schlage Herzog Priester und Prophet
vor
HERR v G In dem Sinn wie der Pastor es nimmt ist Herzog von Kurland viel zu
wenig für mich
      Hier breche ich ein Politisches Gespräch ab das wie ein Heckenfeuer
    heraussprang und wobei mir viel entging Wie sich dies Gespräch auf den
   Aufschlag am Kleide reducirte weiß ich nicht Das Ende vom Liede war dass
Kurland ein Aufschlag von Polen sei und dass wenn ja ein anderer Aufschlag als
                         von dem nämlichen Tuche sein
                         sollte er lichter sein müsste
HERR v G Das wahre Verhältnis von Polen gegen Kurland
                                       
PASTOR Geschmack ist die Bemühung unser Urteil mit andern allgemein zu
machen Die Deutschen werden es nie zu viel Genies bringen welche Flügel der
Morgenröte haben sie besitzen aber sehr große Anlage zum Geschmack alles zu
berichtigen ist ihre Sache Man könnte den Geschmack eine Galanterie des
Verstandes nennen er will sich bequemen Der Mensch hat Appetit heißt der
Wirt isst an seiner Tafel gut der Mensch hat Geschmack heißt er macht dass
andere mit Appetit bei ihm essen Ein Genie trägt einen roten Rock oder so
was ein Geschmackvoller eine sanfte Farbe Er will alle Leute bestechen wenn
man so sagen darf Engländer haben Genie Franzosen Geschmack Deutsche beides
Wem es in einem Stück an Geschmack fehlt wird schwerlich irgendwo Geschmack
zeigen Der Geschmack ist aristokratischer Staat Geschmack ist das allgemeine
Gefallen Gefühl ist ein Privatgefallen Geschmack ist das Geschick die
Fähigkeit zu wählen was jedem gefällt Gefühl hat man Geschmack lernt man
HERR v G Von wem aber
PASTOR Die Pluralität entscheidet nicht aber die Pluralität des Volks sondern
von Leuten die Gelegenheit gehabt haben sich in der Welt umzusehen
Geschmackvolle Leute wissen zu treffen was allgemein gefällt Man hat indessen
Geschmack bloß anderer wegen Alles Schöne sucht und liebt man für die
Gesellschaft und man kann es sich kaum vorstellen was man nicht der
Gesellschaft alles zu Gefallen tut Man wählt ein schönes Weib nicht
seinetwegen man nimmt sie damit sie andern auch gefalle Der Eifersüchtige
macht hier keinen Einwand sondern auch er wählt nicht anders
HERR v G Sonderbar aber wahr
Oben hi hi hi ha ha ha Ein Gelächter in allen ganz und halben Tönen
PASTOR Ein Garten gefällt in Gesellschaft Wald wenn wir allein sind
Ungesellige haben keinen Geschmack Man sollte glauben der Geschmack habe keine
Regel allein er hat seine Regeln Man kann indessen nur durch Erfahrung darauf
kommen
HERR v G Wenn man Freunde hat sendet man nicht zuvor Kundschafter aus um zu
fragen was jeder essen will indessen müsst es doch mit dem Teufel zugehen wenn
man nicht eine Mahlzeit anrichten sollte die jedem gefiele
PASTOR Der nicht krank ist
HERR v G Für den kochen die Ärzte Der arme Schelm
PASTOR Griechen und Römer sind Muster des Geschmacks und werden es bleiben in
Ewigkeit
HERR v G Da bitt ich um Vergebung
HERR v W Und ich tausendmal wegen der deutschen Sprache
PASTOR Wenn Sie ihr das Leben absprechen gut so kann auch die deutsche
Sprache zu der Ehre kommen welche der griechischen und lateinischen eben weil
es selige und vollendete Sprachen sind zusteht Solang eine Sprache lebt wird
dies Wort adelich dies bürgerlich dies bäuerisch nachdem es die Mode will Es
geht mit den Worten wie mit den Familien dies kommt empor jenes fällt Heut
ist es am königlichen Hofe in der Epopee willkommen morgen findet man es
schon bis im Schäfergedicht unausstehlich Gedankenwendung Denkart alles ist
im ägyptischen Dienstause der Mode  Gewinnsucht Eigensinn in der Nation
kann Worte erhöhen und erniedrigen Alle Münzen in einer lebendigen Sprache sind
der Reduction unterworfen  und wenn dann die Tyrannei triumphirt und
Götzengräuel die heiligen Stätten schändet wenn von den Tempeln des Geschmacks
kein Stein auf dem andern ist wenn Barbarei das Land deckt sind Homer und
Pindar Virgil und Horaz 
HERR v G Wenn aber der Geist der Weltweisheit in einem Volke wohnt welcher
Tyrann kann da das Land verheeren
PASTOR Philosophie ist Festung ich gesteh es wo ist aber eine die
unüberwindlich wäre Die Wissenschaften sie mögen bloß schön oder zugleich
gründlich sein Kolorit Geschmack muss jedes Buch haben wenn es nicht
matematisch ist sind mit einander verwandt Hatten denn die Alten kein Licht
in der Weltweisheit Wo bist du Sonne blieben singt die christliche Kirche und
meine Frau mit ihr Die schönen Künste und Wissenschaften sind die Mobilien die
Pretiosen Die Hände der Not greifen sie zuerst an allein am Ende verbreitet
sich die Tyrannei über alles  dürr ist das Land das Volk in Ketten der
Priester des Wüterichs Gevatter  bis ein Heerführer in der Nation hervorragt
Feuer sieht und nach den Schätzen der Alten gräbt  dann kommen auch tabulae
naufragae der Natur zum Vorschein
HERR v G Der Himmel wende diese Gefangenschaft von Deutschland und seinen
Gränzen ab und wenn Deutschland ja Ziegel streichen muss und ihre Knaben in der
Geburt erstickt werden schenk er ihnen Mosen und führ sie zurück nach Kanaan

HERR v W Ohne durch eine Wüste zu gehen
PASTOR Noch ist Deutschland im Werden Ein schönes Gewächs wird man bald
sagen Noch ist es weit vom Luxus der wie das eigene Fleisch und Blut der
ärgste Feind ist ein innerlicher Fresser ein Bürgerkrieger  Solang es
einfältig ist schlecht und recht wie die Natur einhergeht wer kann es
verwüsten
HERR v G Deutschland fing mit Blitz Donner und Hagel an und das war so
finster es rings umher aussah wie kann es anders bei Donner Hagel und Wolken
ein deutscher Anfang Die asiatische Banise meiner Frau Leibroman ist 
HERR v W Blitz Donner Hagel reinigt die Luft und alles gedeiht wohl
HERR v G Ich weide mich an der Vorstellung dass Deutschland das so
vortrefflich zu blühen anfängt auch Frücht ansetzen werde zum ewigen Leben
PASTOR Wir sehen den Mai so manches Erste so manches Neue vom Jahr
HERR v G Deutschland  wie ein Feuerwerk brannt es ab Deutschland
PASTOR In deutschem Wein
 Wer französischen Wein hatte ließ sich zu Deutschlands Ehre deutschen geben
HERR v G Wird euch auch so deutsch ums Herz als mir
Wir tranken noch einmal Deutschland und zum drittenmal Deutschland
Wir feiern fing Herr v W  an als ob er den Faden gefunden hätte den Herr
v G  und mein Vater verloren wir feiern das selige Andenken unserer in Gott
ruhenden Vorväter die wenn gleich sie ein Glas über Durst tranken dies und
noch mehr in Ehren taten und Wein und ein Kuss in Ehren soll niemand wehren
HERR v G Sie gaben Gott was Gottes dem Kaiser was des Kaisers dem Freunde
was des Freundes ihren Weibern was der Weiber war
PASTOR Sie waren tapfer ohne durch ein Aushängeschild ihren Mut zu
verkündigen Frisches unvergiftetes Blut rötete ihre Wangen sie liebten ihre
Weiber wie Menschen ihre Freunde wie Engel wie starke Geister Sie waren
beglaubt ohne Schwur Wollte Gott dass ihre Kinder eine solche Denkungsart nie
unter das alte Eisen legen möchten
HERR v G Wir feiern die selige Zukunft da sich die Wissenschaften zu diesen
deutschen Eigenschaften wie Weib zum Manne gesellen und nichts soll dieses Paar
scheiden Jeder der in Kurland deutsch spricht empfinde dass er ein deutscher
Nachbar ein Mitdeutscher sei
      Mein Vater schien einwenden zu wollen allein es blieb beim Schein
Dieser Gedanke sei der verborgene Hebel der uns in Bewegung setze deutsch zu
sein
HERR v W Damit wir uns dem Genie einer Sprache bequemen die zur
Bescheidenheit und zur Höflichkeit zum Unterschiede zwischen Herr und Knecht
geboren ist So rau auch unsere Vorfahren waren so rau ihre Sprache auf uns
gebracht worden die noch bis diesen Augenblick nicht über alle Botmässigkeit des
Vorwurfs erhaben ist so sehr unterscheidet sie sich von allen Sprachen wegen
des in ihr liegenden Originalstoffs zur Höflichkeit Was schadet ein harter Ton
wenn die Kraft der Sprache ihn widerlegt
Hier entstand Krieg und Kriegsgeschrei Endlich hatt alle Fehd ein Ende Ein
Friedensartikel war dass Herr v W  diesen Tag als Fest der Deutschen auf
Kindeskind bringen würde Omne trinum perfectum perorirte Herr Hermann dem es
mit diesem lateinischen Brocken besser ging als mit dem Tempel der Diana Fest
der Deutschen fuhr Hermann fort mütterlicher Geburtstag die Mutter des Herrn
v W  hatte an diesem Tage das Licht der Welt erblickt vorläufiger
Verlobungstag  Man dachte auf feierliche Einweihung dieses Festes und es ward
ein Schäuer gebracht welchen der Herr v G  zu leeren anfing und den er die
Runde gehen ließ Herr v W  war außer sich wegen dieser feierlichen
Anstalten Ich hätte dieses wissen sollen sagte er An ihn kam der Schäuer
zuletzt Sein Dank war rührend Der gute Mann jammerte mich und wie ich hoffe
wird er alle meine Leser jammern Er ließ eine Träne in den Wein fallen die er
lange gesammelt hatte »Diese heilige Träne« fing er an »Allerseits
Hochwohlgeborne Wohlehrwürdiger und HochEdler Hoch und Wertgeschätzte
Herren und Freunde diese heilige Träne« mehr erlaubte ihm die Wehmut nicht
 Da man einsah dass Herr v W  kein Wort mehr in seiner Gewalt hatte fing
mein Vater an
PASTOR Wer allein trinkt schämt sich Wer in Gesellschaft trinkt stärkt sein
Leben  Wir bringen uns durch den Trunk in Norden in ein besseres wärmeres
Klima Wir sind im Geist in dem Lande wo der Wein gewachsen ist den wir
trinken Branntwein macht heimlich Bier schwer Wein gesellig
HERR v G Im Weine ist Wahrheit
PASTOR Das Temperament nicht aber die Gesinnung kann man durch den Trunk beim
Menschen erkennen  allein auch das Essen verändert den Menschen und öffnet
verborgene Kammern Leute die sich im Trinken vor Spionen hüten sind nur auf
einer Seite gedeckt Ist der Mensch trunken so ist er schwach und das ist
Glück für ihn sonst würde er seinen Phantasien nachlaufen und Schaden nehmen
so wie ein Nachtwandler wenn er die Augen brauchen könnte Der Wein löst die
Zunge bei Leuten die in sich gekehrt sind Schwätzern die einen witzigen
Einfall zu verbeissen für Kindermord halten und ihre Schwangerschaft nicht
verheimlichen sondern lachen ehe sie noch entbunden sind Schwätzern stopft
der Wein den Mund Es ist diese Wirkung eine besondere Sache indessen bestätigt
sie die Erfahrung Jeder kluge Mann spricht wenn er ein Glas getrunken und
jeder Narr verstummt und wenn er ja zu sprechen sich erkühnt ist es so etwas
Unausstehliches dass niemand lacht als er selbst  Anderer Art Narren die
sich nur dadurch von ihm unterscheiden dass sie nicht lustige Rollen spielen
sondern stillnärrisch sind selbst die achten sich zu gut Teil an ihren
beredten Landsleuten zu nehmen  So unterschieden wie Bauern und Astronomen
den bestirnten Himmel ansehen so unterschieden ist hier die Wirkung des Weins
HERR v G Pastor für dies Wort zu seiner Zeit Das Wort zu seiner Zeit
                               Sie tranken alle
PASTOR Leute die eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen die im Staat
bezeichnet sind können sich nicht betrinken ohne sich verächtlich zu machen 
wie zum Exempel Pastores und Juden Alles läuft ihnen nach  Man sieht den Noa
wenn man einen trunkenen Pastor und Juden sieht In England wo ein Prediger
kein Erzvater ist würde es weniger anstößig sein einen kopfhängenden Pastor in
betrunkenem Mute zu sehen
HERR v G Ein Schwärmer ist ein Seelentrunkener Wenn ich schon nüchtern unter
Trunkenen sein soll will ich lieber unter Leibes als Seelentrunkenen sein
Betrunkene verstehen sich unter einander so auch Schwärmer
PASTOR Durch den Körper haben wir Anschauung Wer mit der Seele sieht ist ein
Schwärmer ein Geisterseher Ein Entusiast ist ein edler Phantast Ein Phantast
glaubt etwas zu empfinden was er sich einbildet Insofern sein Ideal sein
Maximum das er sich ohne Sinnen aus sich selbst denkt einen ruhmwürdigen
Gegenstand trifft ists Enthusiasmus Über Schwärmerei und Seherei muss man
reden wenn man wie wir ein paar Gesundheiten getrunken hat
HERR v G Lieber Pastor ich habe mir unter einem Schwärmer einen Menschen
vorgestellt der tanzen will und nicht Takt halten kann So wie die Biene um
eine Blume herumsummt und hie und da was herauszieht so auch ein Schwärmer mit
seinem Gegenstande Nicht jeder Schwärmer kommt an einen Lindenbaum Honig macht
er gar nicht
PASTOR Ein Schwärmer rechnet ohne das Einmaleins der Seele zu wissen er baut
ohne ein privilegirter Architekt zu sein Die Philosophen bedenken sich oft zu
lange ein Schwärmer oft zu kurz Der Philosoph sieht nach der Uhr der
Schwärmer nach der Sonne Der Schwärmer ist eher Feldherr als ein Philosoph
oft zeigt der Schwärmer dem Philosophen kühne Wege der Philosoph pflastert sie
und dann geht sie jedermann Der Tag gehört dem Philosophen so wie die Nacht
dem Schwärmer
HERR v W Das Gallakleid der Mannsperson das Negligé der Dame
HERR v G Hab ich Recht Pastor ein Hypochondrist ist ein Mensch der sich
selbst wie ein Geiziger seinen Kasten bewahrt der sein Leben lieb hat 
PASTOR Und es eben darum verliert
HERR v G Ich würde wenn der Mensch an der Seele krank ist die Kur des
Leibes und wenn er am Leibe hinfällig ist die Seelenkur vorschlagen Diese
sympatetischen Mittel sind nicht zu verachten
PASTOR Wo aber die Ärzte
FRAU v W zur Frau v G Wollen Sie meiner Kleinen erlauben den Salat
anzurichten
FRAU v G Wenn ich meine Schwiegertochter nicht bemühe
                  Die Kleine schritt ohne Umstände zum Werke
FRAU v W Das strengste Augenmass und Händegewicht so ich kenne Öl Essig
Salz  Jeder Blick jeder Griff trifft Sie schneidet alles ohne Elle Sie misst
kein Band
HERR v G Wir wollen um sie auf die Probe zu stellen alle Augen auf sie
richten ich wette sie ärgert sich und gibt zu viel Essig
Das Fräulein v W lächelte bei diesem examine rigoroso ohne aus der Fassung zu
   gleiten Der Salat erhielt allgemeinen Beifall Der Braten ward hinterher
 gegessen wie erwiesen war Bei dieser Gelegenheit votirten wir ab da dieses
den obigen Grundsätzen nicht entgegenstand dass alle Speisen und Getränke die
  öffentlich abgebrauen und angerichtet würden durch Frauenzimmerhände gehen
                             müssten Es ist sagte
HERR v W Feierlicher
HERR v G Es schmeckt besser
PASTOR Die Natur ist eine Dame
Das Fräulein v W mit dem vortrefflichen Augenmass und Handgewicht bat nachdem
sie ihre Salatpflicht die sie vielleicht noch so lange zurückgehalten mit dem
 Salze vollendet Erlaubnis von ihrer Mutter frische Luft zu holen Ihre Bitte
  tat sie sehr beredt mit dem rechten Auge Sie erhielt was sie wollte ich
 drang mich auf sie zu ihrer Aufseherin zu begleiten Sie ging wie aus einer
  belagerten Stadt Der jüngere Herr v G würde mir diese Ehre der Begleitung
   gern ganz abgetreten haben wenn seine gnädige Mutter ihn nicht zu seiner
 Bräutigamspflicht aufgefordert hätte Wir gingen und kamen ohne eine Sylbe zu
                        sagen  Indem ich mich setzte
HERMANN Schön sagte der Jude nachdem er das Porcellan gesehen Ich bitte
damit Sie sich nicht mehr als einmal ärgern einen Tag anzusetzen an dem alles
auf einmal in Stücken gebrochen werde
HERR v G Ich kann den Herrn v s mir vorstellen Der witzige Jude hat
indessen Unrecht Selbst die Art womit man dergleichen zerbrechliche Dinge
behandelt machen sie angenehm Man denkt mehr daran man genießt sie also mehr
Pastor Sie sprachen gestern wider die Gleichförmigkeit bei Trink und
Essgeschirren 
PASTOR Jedes meiner Hühner ist von anderer Art Jede Tasse sollte eine andere
Malerei auszeichnen So wie Tapeten zu einem Zimmer voll Schildereien so mein
Vorschlag zu einem Service Beim Service liegt eine gewisse Idee vom Geiz der
sich aber auch hier wie allemal im Wege ist denn wenn ein Stück aus dem Service
zerbricht hat das Ganze keinen Wert mehr
HERR v G Was auf bloßen Nutzen ausgeht muss gleichförmig sein Die Franzosen
zeichnen alle nach einem Muster die Engländer auch Alles ist Service bei
ihnen ihre Werke sind Tapeten In Deutschland wie verschieden ist Klima und
Regierungsform Sie können werden Pastor wie Ihre Hühner Sie können
Schildereien aufstellen
HERR v W Die Gesundheit unserer lieben Frauen 
HERR v G In was für Wein befehlen Sie meine Gnädigen
FRAU v W Ich denk in Rhein 
FRAU v G Ich in Champagner Die übrigen Damen in Champagner die Frau v W
musste beitreten
Es ward Champagner gebracht und ein anderer Pokal klar wie Krystall Mein Vater
 hatte ich ergänze mein Protokoll bei dem ersten Pokal die Bemerkung gemacht
      dass nichts unstimmiger unrichtiger wäre als geschliffenes Glas zum
                 Trinkgeschirr Der Wein sagte er ist für das
                      Auge eben so wie für Nase und Mund
Man trank das Wohl aller ehrlichen Weiber
Herr v W hätte das Weiber gern zierlicher gegeben und es in Damen verwandelt
wenn er nicht besorgt hätte wegen Diebshehlerei vom Herrn v G in Anspruch
genommen zu werden der ihn sich wegen des Festes der Deutschen bis zur Träne
verpflichtet hatte Auch das Beiwort ehrlich war dem Herrn v W anstößig
indessen rügte er auch diesen Verstoss nicht des Festes der Deutschen wegen
Herr v G leerte noch einen Pokal voll Rheinwein auf die Gesundheit der Frau v
W rein aus und ich bückte mich tief als ob ich daran Teil nähme
HERR v W blieb diese Höflichkeit nicht schuldig sondern erwiderte sie mit
allen Zeichen der Dankbarkeit durch ein gerüttelt geschüttelt und überflüssig
Maß Champagner den er nicht wie Herr v G eingoss sondern einsprudelte
HERR v G Warum Wind Herr Bruder
HERR v W war dieser Frage wegen in Verlegenheit antwortete keine Sylbe
sondern bewies durch eine Nagelprobe dass er den Pokal geizig bis auf den
letzten Tropfen geleert halte
Es kam bei dem Herrn v X noch ein Staatsfeuer aus welches aber gleichfalls
durch die vortrefflichen Anstalten sogleich in der Geburt erstickt ward und da
die Herren v X Y Z die außer curischen Staatsangelegenheiten nichts mehr
als höchstens von Pfeifenköpfen und Hunden zu sprechen wussten sehr viele lange
Weile gehabt so fing Herr v G um die Herren v X Y Z zu entschädigen
an ein Kappfenster bei der gepressten Luft welche diese Leute umzingelt hatte
zu öffnen
HERR v G Es ist wohl kein Land in Europa wo die Hunde so viel geachtet
werden als in Kurland und Semgallen
Die drei Herren fielen mit Hundeshunger dieser Unterredung zu Die
Transplantation des Gesprächs war wie in der Heilungskunst magnetisch magisch
 ich müsst indessen eine Unwahrheit begehen wenn ich behaupten sollte dass ich
bei dem Jagd und Waldgeschrei der Hochwohlgebornen Jäger v X v Y v Z
alles in Dach und Fach hätte bringen und mir hinter das Ohr schreiben können
Ihr Gespräch war ein Gesammtkauf nicht eine Klapper sondern eine Geschreijagd
Einer schoss dem andern das Wort von dem Munde  Mein Vater pflegte zu sagen
»Ein gewisser Stand in Kurland am Pfropfenzieher ein gewisser anderer am
meerschaumenen Pfeifenkopf« Ich würde wär ich so ein Antagonist wider Kurland
wie er gewesen die Hunde nicht übergangen haben Die Herren von XYZ
begnügten sich nicht mit ihren sehr gesunden Jagdkehlen Während der Zeit dass
Herr v G  ihnen so liebreich entgegen gekommen hatt einer von ihnen einen
Überfall veranlasst Es ließ sich zwei Waldhornisten zum höchsten Verdruss des
Herrn v W  der nur Kammermusik liebte hören Herr Hermann trug die Schleppe
dieser Meinung nach und rümpfte wiewohl da er nicht einmal die Hunde der
Herren von XYZ zu duzen sich unterfangen hätte wenn er mit diesen Hunden
conversiren sollen  nur unter der Serviette die Nase
Mein Reisegefährte war begeistert und konnte nicht sitzen bleiben
Die Herren v XYZ die den Hunden nach Landesmanier gleich nach dem
Literatenstande den Rang anwiesen behaupteten in corpore dass der Hund wegen
seiner Treue ein weltberühmtes Tier sei
PASTOR Auch wegen seiner Gierigkeit seines Neides und seiner Nicken Vater
und Kindermördern ward er beigepackt
                                        
                                CAVE CAVE CANEM
XYZ Der Hund bewacht im Kasten Noa die ganze Welt
HERR v G Ei der Archenhahn und die Gans von welcher in gerader Linie die aus
dem Kapitolio abstammte
Bei dem Kapitolio brauchten die Herren v XYZ eine Fähre zum Überfahren
XYZ Hunde sind die Auxiliartruppen vom Menschen durch deren Allianz er die
meisten Tiere zwingt die nach dem Fall Adam seinen Kommandostab verkennen
HERR v G Warum sind sie aber wider ihres Gleichen
XYZ Was ist treuer als ein Kettenhund
HERR v G Eine Treue an der Kette ist auf zweierlei Art verdächtig
XYZ Was ist fleißiger als ein Spürhund behender als ein Windhund Dies ward
von allen zugegeben Der jüngere Herr von G  schlug an seine Brust und
beteuerte Herr v G  der ältere war selbst ein großer Freund nur kein Sklave
von der Jagd und ich merkte zum erstenmale an meinem Vater warum er sich
lieber des meerschaumenen Pfeifenkopfs und des Pfropfziehers als der Hunde
bedient um gewisse Stände in Kurland zu bezeichnen Mein Vater hielt die Hunde
für wohlhergebrachte adeliche Tiere Die Herren v XYZ waren mit den
erschrienen Trophäen befriedigt ihre gnädigen Frauen aber hatten noch eine
Frage »Was ist schmeichelhafter als ein Schoss ein Zimmerhündchen«
FRAU v W Wer wird sich schmeicheln lassen Wer sich verwöhnen Wir haben Engel
bei uns  Wer wird Tiere in ihre Gesellschaft bitten  solang ich noch
Menschen zu Freunden haben kann warum zu Tieren Warum soll ich nicht eher des
Hirts Liese die Gottes und mein Bild an sich trägt erziehen als den Fripon
Sie sagte dieses nicht im Lehrton wie ichs herschreibe sondern allerliebst 
sie trieb auch zur Freude ihres Mannes die gnädigen Damen XYZ in die Enge
die Frau v G  wollte die Frau v W  ins Weite bringen und nahm sich ihrer
verstummten Gesellschaft an mit der sie in Absicht dieses Punktes gleich
dachte über die sie sonst aber sie hatt einen G  zum Gemahl unendlich
erhaben war Wir beschloss die grundgütige Frau v W  wir können schon in
dieser Welt Engel werden das Tierische ganz ablegen und auferstehen
Dieses brachte meinen Vater geraden Weges auf die Seelen der Tiere auf die
himmlischen Sternbilder dieses Namens und auf das Schicksal der Tiere in der
andern Welt Die Frau v W  fand nichts dabei einzuwenden die andern Damen
aber so sehr sie auch ihre Jolichens liebten desto mehr Sie lebten mit der
Idee in Todfeindschaft dass sie dort mit Kammerzofen in Einem Paar gehen und in
Gemeinschaft der Güter leben sollten und dachten in ihrem Innersten Stände
müssten sein  Jetzt da sie die Pforten der andern Welt sogar den Tieren
geöffnet sahen die ungefähr das dort vorstellen sollten was hier der gemeine
Mann so waren sie über diese himmlische Toleranz so bitterböse dass sie die
andere Welt für ein Linsengericht verkauft hätten  Diese Unterredung würde
Schatten zu Herzenssilhouetten von diesen Damen abgeworfen haben allein Herr v
W  hatte schon geraume Zeit darauf gedacht einen Tag eine Mahlzeit die
allein annum siderum platonicum verdiente nicht so unangemessen zu schließen
Dieser Tag war ihm merkwürdiger als der achtzehnte April an welchem Alexander
und Diogenes gestorben waren die Herren v XYZ schienen ihm wieder in
Schlachtordnung und sie waren es wirklich Herr v W  fing daher zur
Zerstreuung von der Musik an wozu ihm die Waldhörner Gelegenheit zubliesen
Herr Hermann fand sich hiebei getroffen und wünschte nichts mehr als ein
Spinet damit die Meinung des Herrn v W  bestätigt würde die darin bestand
dass die Feldmusik bloß zu Krieg und Jagd zu verbannen wäre Mein Vater ließ den
Harfenschläger Arion auf einem Meerschweine vorreiten Die Herren v XYZ
gewohnt an die Jagdfolge oder das Recht ein bereits angeschossenes Tier
welches auf eines andern Grund und Boden entflieht zu verfolgen und zu erlegen
waren eben bereit die Waldhörner um sie zu verteidigen zu überschreien Von
diesem Plan wären sie nicht abgegangen wenn selbst das erwünschte Spinet wie
lupus in fabula geheult hätte allein das Meerschwein und Arion kamen ihnen so
unerwartet als ein Wild oder Hirschkalb  Sie waren außerdem dass sie
jagdgerechte Weidmänner waren auch gute Stallmeister und wunderten sich
höchlich über diesen Ritt Herr v W  machte von diesem Zeitpunkt Gebrauch und
befragte meinen Vater was er überhaupt von der Musik dächte
PASTOR Ich bin für die Musik der Seelen so nenn ich ie Poesie für die
Harmonie der Sphären die dem platonischphilosophischen Ohre hörbar ist  Was
die andere Musik betrifft so fällt mir oft dabei ein wie Dionysius einen
Musikus behandelte Er versprach ihn reichlich zu belohnen und da er den Lohn
abforderte verwies er ihn aufs Gehör um Null mit Null aufgehen zu lassen
Der Herr v W  fand diese Antwort für einen Dionysius viel zu sein und gewiss
würde er die Waldhornisten so höflich er übrigens war anders abgefertigt
haben Aus Angst und Not Der natürliche Weg zum Wortspiel kam Herr V W  aufs
Spiel und freute sich herzlich da er das Interesse bemerkte das die Herren v
XYZ an diesem Worte nahmen
Der Herr v G  war über die Lage des Herrn v W  schalkhaft still vergnügt
PASTOR Ein jeder Kopf lernt schwer spielen auch das leichteste Spiel macht ihm
Mühe
HERR v W Woher kommt das
PASTOR Es verdriesst ihn dass er es nicht gleich mit einem Blick umzingelt und
eben dieser Verdruss zerstreut ihn
HERR v G Das Kartenspiel ist ein Krieg Alle Leidenschaften ziehen zu Felde
Man hat über die Moralität des Spiels gestritten allein oft aus sehr falschen
Gesichtspunkten Einem Mann der von Zinsen lebt ist das Spiel ein Amt und so
etwas von Amt ist nötig um die nötige Portion Galle in den Magen zu sprengen
Herr v W  glaubte sein Spiel hierdurch gewonnen zu haben allein die Sache
wurde den Herren von XYZ nicht nach ihrem Sinn abgehandelt und sie fingen
auf gut weidmännisch den Hafen zu anatomiren an Mein Reisegefährte wusste so gut
wie sie was Balg Löffel und Sprünge hieße und was es sagen wolle der Hase
drückt sich  Man handelte die Hohe Mittel und Niederjagd ab Ich ärgerte
mich nicht wenig dass Lerchen und Wachteln mit Mardern und Heistern zur
Niederjagd gehören allein der Herr v W  ärgerte sich noch weit mehr dass er
aus dem Regen unter die Traufe gekommen war  Alles war über und über  Herr
v W  musste also aus der Not eine Tugend machen und bracht eine Gesundheit
auf die glückliche Reise des jungern Herrn v G  in Vorschlag Ich hatte die
Ehre mit eingeschlossen zu werden so wie unsere beiden Väter Diese Gesundheit
wurde unter dem Vorsitz des Herrn v W  geblasen  und zwar nach des Herrn v
W  Anordnung auf die Art als wenn Kanonen gelöst würden Es war ein
jämmerlicher Ton Dem wohlmeinenden Herrn v W  ging er durch die Seele Er
hatte noch etwas wegen der Kuchen anzubringen Das Resultat seiner Meinung war
dass gewisse Signaturen dabei angebracht und Trauer und Freudenfeste darauf
bezeichnet werden könnten Herr v G  widersprach Frau v G  brachte das
Wappen in Vorschlag welches sie in jeder Serviette gewebt hatte Die Waldhörner
hörten nicht auf und der Herr v W  bekam Seelenkrämpfe die ihm mein Vater
wiewohl nur auf eine kurze Zeit durch eine freundschaftliche Teilnehmung
linderte
Der Name Waldhorn deutet schon an sagte mein Vater dass dies Instrument im
Walde zu Hause ist wo Dissonanzen so nicht zu bemerken sind Das war dem Herrn
v W  Balsam indessen griff der vorige Schmerz wieder um sich und Herr v W 
schien zu meinem Vater das Zutrauen zu verlieren da mein Vater wider alle
Tafelmusik sich erklärte Es ist ein schlechtes Kompliment das der Wirt sich
selbst und seinen Gästen macht erinnerte mein Vater wenn er das Gespräch an
der Tafel durch Musik unterbricht Hr v G  glaubte die Tafelmusik wenn es
eine Kammermusik wäre bei gewissen Festen nötig und fand also nirgend Trost
 Das letzte Mittel war die Tafel aufzuheben Herr v W  griff so schwer
dazu als man zum Trepan greift Was war zu machen Die Herren von XYZ
hatten ohne die öffentlichen Gesundheiten abzuwarten reichlich den Wert des
Weins bewiesen und die Tafel musste Herr v W  mochte wollen oder nicht
aufgehoben werden
Die letzte Gesundheit und Schluss der Tafel war Luthers Gesundheit
»Dass es uns wohlgeh auf unsre alte Tage« Der Herr v G  wollte noch besonders
des seligen Dr Luthers Gesundheit in Rheinwein trinken es war aber schon alles
auf den Beinen
Herr v W  dem Profit die Mahlzeit viel zu unhöflich war wollte ganz was
besonders sagen allein könnt er vor den Waldhörnern Alles ging seinen eigenen
Weg Ich zu meinem Vorteil quartierte mich in ein klein Zimmerchen ein wo
ich den heutigen Tag in Kürz und Einfalt wiederholen wollte Dieser Umstand
ließ mich hören was meine Leser lesen sollen
HERR v G Warum lasst ihr einen so guten Alten nicht geradezu Bediente gehen
ab
DER ALTE griff ein Gnädiger Herr Sie wollten  ich aber wollte nicht
HERR v G Und warum
DER ALTE Ich schäm mich es zu sagen da ich Sie sehe Es ging mir wie dem
ungerechten Haushalter  ich schämte mich zu betteln
HERR v G Vater  wäret Ihr mein leiblicher Vater ich würd mich Eurer nicht
schämen Dies habt Ihr aber freilich nicht wissen können Ich habe gute Freunde
bei mir seid so gut einer davon zu sein
DER ALTE Nein Herr wenn sie auch alle wären wie Sie ich habe nicht Zeit
HERR v G Was habt Ihr denn zu tun
DER ALTE Was wichtiges Herr zu sterben  ich will es wohl alles sagen wenn
wir allein sind  ich hielt den Odem zurück ich habe nur höchstens acht Tage
zu leben
HERR v G Wie wisst Ihr das
DER ALTE Das weiß ich so  ich kann es selbst nicht sagen  weil ich es weiß
weil ich es fühle weil es gewiss ist  und nun Meine Tochter und ihr Mann haben
mich zwei Jahr ernährt
HERR v G Da haben sie ihre Pflicht getan
DER ALTE Ich hatte mir so viel Geld gesammelt um niemand aufs Alter
beschwerlich zu fallen Wie gings Ich lehnte dies Gelb einem Kavalier der aß
und trank und war fröhlich und guter Dinge bis er nichts wiedergeben konnte
Verzeihen Sie gnädiger Herr Sie sind ein Kavalier allein ich sage die
Wahrheit
HERR v G Und ich höre sie so gern beträf es mich selbst als Ihr sie nur
sagen könnt
DER ALTE Klüger wärs gewesen wenn ich mich zu Tode gearbeitet hätte  Da
fiel ich einmal blass und bleich hin und das hielt ich für Gottes Wink in
dieser Welt zu schließen Gnädiger Herr ich habe nicht die Arbeit gescheut wie
ich jung war kurirt ich mich mit Arbeit ich habe nie andere Medizin
gebraucht Was einen in der Jugend stärkt schwächt im Alter  ich konnte nicht
Herr ich hatte schon ein halb Jahr bloß gebetet und gesungen da ging mein Gelb
verloren ich versuchte meinen Arm ich fing an zu wollen ich wollt im ganzen
Ernst allein ich könnt nicht ich konnt nicht  verzeihen Sie diese Tränen
Ich habe keine betrübtere Stunde als eben diese Probestunde gehabt wo ich so
schlecht bestand
HERR v G Da gingt Ihr zu Euren Kindern
DER ALTE Ja Herr und sie kamen mir entgegen Ich habe nur eine Tochter ich
fand aber an ihrem Mann einen Sohn Was sie hatten hatt ich Sie pflegten
mich obgleich ich ihnen keinen Dreier nachlassen konnte Gott labe sie dafür an
seinem himmlischen Freitisch auch aus Gnad und Barmherzigkeit wie sies hier
an mir getan
HERR v G Und jetzt Vater sind sie gegen Euch kälter
DER ALTE Nein Herr das nicht aber sie sind arm geworden Das Gewitter schlug
ihr Häuschen zu Grunde Sie hatten etwas zu meinem Begräbnis abgelegt  ich bin
so ein alter Geck auf ein ehrliches Begräbnis und diesen Sterbepfennig Herr
haben sie angegriffen  darum geh ich betteln Wenn ich sterbe sollen sie die
unvermutete Freude haben mein Begräbnis bestellt zu finden Sie hatten
geborgt Herr um mir nach meinem Tode zu Gefallen zu leben das weiß ich
allein das wollt ich nicht So bin ich Herr ein alter Mann allein ein junger
Bettler
HERR v G Wo wohnt Ihr denn
DER ALTE Herr Verzeihung das sag ich nicht meint  und meiner armen Lieben
wegen
HERR v G Verzeihung Alter dass ich es gefragt habe Gott züchtige mich wenn
ich Euch nachsehe
DER ALTE Das ist brav gnädiger Herr In acht Tagen sehen Sie gen Himmel dann
Gott sei gedankt dann ist meine Wohnung nicht mehr geheim
HERR v G Aber wo glauben Euch jetzt die Eurigen
DER ALTE Ich sagt ich hätt ein Gelübde auf mir und müsste nach Gottes Welt
sehen sie wissen dass es mein letzter Gang ist
HERR v G Nehmet Vater Gott sei mit Euch
DER ALTE Herr so viel Nein Herr so war es nicht gemeint Ich brauche nur
noch zwei Orte das übrige hab ich nicht nötig Im Himmel brauch ich nichts
HERR v G Gebts Euren Kindern
DER ALTE Behüte Gott Herr Meine Kinder können noch arbeiten  sie selbst
brauchen nichts
HERR v G Zum Haus Alter
DER ALTE Es steht schon
HERR v G Ihr macht mich rot Vater
DER ALTE Nun dann sind wirs beide Ich bin es auch über und über weil ich
zwei Ort angenommen Sparen Sie gnädiger Herr das übrige für Leute die
länger für Sie beten können als ich
HERR v G Ihr bewegt mich Vater
DER ALTE Ich hoff ich hab auch Gott bewegt der lass es Ihnen nicht missen
HERR v G Wollt Ihr was essen
DER ALTE Ich habe schon gegessen Milch und Brod
HERR v G Aber mitnehmen
DER ALTE Nein Herr ich will dem lieben Gott nicht ins Amt fallen Alle Leute
die mich sahen boten mir Essen an Ich habe mir aber den Magen nicht verdorben
Es wär ein schlechter Dank beim lieben Gott wenn ich jetzt mitnehmen sollte
Doch  ein Glas Wein ein einziges
HERR v G Mehr Vater
DER ALTE Nein Herr nur eins Mehr trag ich nicht  Sie sind es wert dass
ich zum letztenmal vom Gewächs des Weinstocks bei Ihnen trinke Es soll der
letzte Weintropfen sein den ich in der Welt nehme sonst würd ich nicht
gefordert haben Nun kann ich im Himmel erzählen wo ich den letzten Labetrunk
genossen  Lieber Gott ein Glas kalt Wasser bleibt schon nicht unvergolten
Der Herr v G  holte den Wein selbst der alte Mann hob seine Hände gen Himmel
                         da er allein war und sprach
Den letzten Wein Das Nachtmahl hab ich schon vor acht Tagen genommen Lieber
Gott erquicke den Geber wenn ihn kein Trunk mehr erquickt
                         Der Herr v G  brachte Wein
HERR v G Hier Vater Ich hab mir auch ein Glas mitgebracht wir müssen
zusammen trinken
DER ALTE gen Himmel Habe Dank lieber Gott für alles Gute für diese Welt habe
Dank Er trank etwas jetzt Zum Herrn v G  sie stießen zusammen Gott schenke
Ihnen ein sanftes Ende wie ichs gewiss haben werde
HERR v G Vater bleibt diese Nacht hier ich bitt Euch Kein Mensch soll Euch
sehen wenn Ihr es so wollt
DER ALTE Nein Herr ich kann nicht Meine Zeit Sie wissen ist edel
HERR v G Gott großer Gott womit kann ich Euch noch dienen
DER ALTE Herr ich wünscht Ihretwegen dass ich noch mehr brauchte Sie sind
ein guter Herr allein ich hab auf der Welt nichts mehr als  noch einen
Handschuh nötig Ich hab ihn verloren
HERR v G Gleich
DER ALTE allein Zum letztenmal gelabt dort wird es besser sein
HERR v G bracht ihm ein Paar Handschuhe Hier Alter
DER ALTE Den einen brauch ich nicht nur einen hab ich gefordert
HERR v G Warum den andern nicht auch
DER ALTE Dieser Hand fehlt nichts Es ist bloß die Linke so die Luft nicht
vertragen kann  Ich werd an Sie denken
                 Er gab dem Herrn v G  die rechte bloße Hand
HERR v G Und ich auch an Euch  O Alter mir ist es schwer mein Wort zu
halten
DER ALTE Desto besser Herr für Sie wenn Sies halten
HERR v G Noch einmal Eure Hand Alter Es ist Angriff es ist Segen Gottes
drin
DER ALTE Gott segne Sie
HERR v G Und helf Euch
    Noch war ich dieses Gesprächs wegen in einer unaussprechlichen Bewegung in
einer schwermütigen Wonne  auf einem schönen baumreichen Kirchhofe als Herr
v G  der jüngere mich im Namen meines Vaters aufsuchte Ich flog mein Vater
reichte mir die Hand entgegen und ging mit auf unser Zimmer stieß ein Fenster
auf und fing an »Ich dachte Alexander noch vierundzwanzig Stunden um dich zu
sein mein Amt will mich Der  ist im Letzten«
    Dieser arme Mann war ein Bekannter von uns Das erst und letztemal da er
eine Flinte losdrückte oder vielmehr da sie ohne sein Vorwissen und Mitwirkung
in seiner unerfahrnen Hand losging erschoss er seinen Sohn Er wollte seiner
Frau Bruder der auf Vogelwild ausgegangen war eine unerwartete Freude machen
und ihm in Jägeruniform entgegenkommen  Das Trauerspiel geschah in dieses
Jagdverständigen Hause und also nicht in unserem Kirchspiel wo wie meine
Mutter zu sagen pflegte die Erde keinen Tropfen unschuldig Blut er wäre denn
von einem Barbier versprjetzt getrunken hätte  Knall und Fall Die Gerichte
sprachen ihn frei allein er sich selbst nicht Er hat sich nie in der Welt ein
Lachen bereitet Sein Weib starb aus Gram mehr über den Gram ihres Mannes als
über den Verlust ihres einzigen Sohns Dieser Unglückliche war jetzt in
Seelenangst Ich soll meinen Gerg sehen rief er mal über mal Er wollte mein
Vater sollt ihm an die Hand gehen wie er sich gegen seinen Sohn in der andern
Welt führen sollte Gott helf ihm über sagte mein Vater Es ist schwer wenn
ein Vater seinem Sohn im Himmel abzubitten hat
    Ich erzählte meinem Vater den Vorgang zwischen dem Herrn v G  und dem
Alten Diese Vorfälle ich will mir die Ehr erweisen und unsere Trennung mit in
diese Summe bringen brachten meinen Vater der sonst wie meine Leser wissen
sehr beredt war zu einer rührenden Kürze Ich lag an seiner Brust Ob es hier
am rechten Ort steht kümmert mich nicht allem ich habe nie meinem Vater die
Hand geküsst Küsse für Weiber pflegt er zu sagen
    Hier fing er an eine versiegelte Schrift Oeffne sie nicht eher als wenn
du in der größten Not bist Ich wollt ihn dieser versiegelten Schrift wegen
die zur Aufschrift anexoy kai apexoy hatte befragen allein er fuhr fort
    Unser Herr und Meister sagte zu seinen Jüngern ich hab euch noch viel zu
sagen aber ihr könnt es nicht tragen Uns sind allen beiden die Tränen nahe
Der alte Mann mit dem einen Handschuh der in acht Tagen sterben wird und der
Kreuzträger der wegen des Grusses womit er seinem Sohn im Himmel begegnen soll
verlegen ist ich glaube der Herr v W  würd es selbst sein wenn er in der
Stelle dieses Armen wäre haben uns äußerst bewegt Ein Abschied der auf einen
nassen Boden fällt bringt keine Früchte Es ist ärger als der steinige Acker
den der alte Herr in Musik gesetzt hat Überhaupt redet kein Mensch ein kluges
Wort wenn er Tränen in den Augen hat Sei ein guter Streiter ein Alexander
kämpfe recht so wirst du die Lebensessenz das ist die Krone des Lebens hier
und dort empfahen Amen
                                       
    Amen auch in Absicht des ersten Bandes Ich hoffe die folgenden zwei die
Ich noch zu laufen hab in kurzem zu vollenden Über diesen ontologischen
Teil hätt ich noch viel zu sagen vielleicht aber heißt es auch von vielen
meiner kritischen Leser wie von meinem Vater und mir
                          ihr könnt es nicht tragen
Da jede Stadt jeder Flecken zwei Tore hat eines beim Eingang und eines beim
Ausgang so sei es mir erlaubt denen die in diesem Teile zu wenig Geschichte
gehabt schließlich den Trost zu lassen dass die folgenden Bände sie
entschädigen werden Wer Romane liest sieht die Welt im optischen Kasten ist
in Venedig Paris und London je nachdem die Bilder vorgeschoben werden Dieses
sei ein Wort ans Herz für die welche meinen Lebenslauf zu sehr als Lebenslauf
finden wo die Einheit der Zeit und des Ortes zu eng das Vergnügen verschränkt
denn wenn gleich meine Leser oft nur Tal Berg und Gesträuch gesehen haben so
war es doch wenigstens nicht durchs Glas Ein andermal von der gerechten Klage
über die verkehrte Welt dass Geschichte in vielen Fällen Roman und Roman
Geschichte geworden
    Ich wiederhole dass ich mich befugt glaube auf ein forum privilegiatum
Anspruch machen zu können und nicht verbunden zu sein überall Recht oder
Unrecht nehmen zu müssen Druckfehler wolle der gerechte Richter ich habe schon
anderswo eben da mir eine Lese und Buchstabirrecension über ein gewisses Buch
zu Gesichte kam gesagt wie weit ich vom Druckorte bin und füge diesem
Umstande noch hinzu dass ich sehr unleserlich schreibe nicht rügen und der
geneigte Leser selbst verbessern  Mein Weib und Kind bitten zu grüßen
    Es mag übrigens dieser Nachtrag wenn er nicht als ein zierlicher
Nachbericht gelten kann als ein Kodicill als eine donatio mortis causa als
ein Avertissement auf Blaupapier oder eine Nachricht für den Buchbinder
angesehen werden
 
                                    Fußnoten
1 Nürnberg gedruckt bei Wolfgang Endter 1650
2 Leipzig 1632
 
                                 Zweiter Teil
 Die Königin ist weg das Spiel ist verloren sagte Herr v G da von der
Abreise meines Vaters geredet ward
    Ich würde diesen Umstand meinem Vater nicht nachleichreden wenn ich mich
nicht bei den Lesern des zweiten Teiles entschuldigen müsste warum ich aus der
Not eine Tugend gemacht und mich in den festen Ort der Erzählung geworfen
    Freilich ist man hiebei vor den leichten Truppen der Kritik sicherer was
aber meine kunstrichterlichen Leser dazu sagen werden die entweder bei der
schweren Kavallerie in Diensten stehen  oder bloß aus Lust und Liebe lesen und
gar nicht in gelehrten Kriegsdiensten sind muss die Zeit lehren  Aug und Ohr
haben zwar viel Ähnlichkeit mit einander allein alle Welt spricht von schönen
Augen ein verzärtelter Kenner aber nur vom schönen Ohr Das Gesicht ist
unstreitig der edelste Sinn ohne ihn ist kein anderer Sinn vollständig Auch
selbst wenn ich im gemeinen Leben erzählen höre sehe ich  ich sehe den
Erzähler steif an recht als schien ich es zu bedauern dass ich diese
Geschichte nicht im Original gesehen ich verlange der Erzähler soll sie
nachhandeln soll was und wie es geschehen leibhaftig zeigen Je mehr ein
Erzähler zu sehen ist je mehr freue ich mich je mehr finde ich die Kopie
getroffen Oft habe ich gedacht dass es eine Geschichte geben könne ob einen
Roman weiß ich nicht wo man nicht höre sondern sehe durch und durch sehe
wo nicht Erzählung sondern Handlung wäre wo man alles oder wenigstens mehr
sehe als höre  Man sieht freilich den Erzähler im gemeinen Leben allein die
Wahrheit zu sagen man hört ihn mehr und es würde Affektation sein wenn er
mehr zu sehen als zu hören wäre Ein Erzähler wenn er im Druck erscheint wie
wenig ist er zu sehen wie weit weniger als im gemeinen Leben    
Dergleichen Geschichte wo wie meine Mutter sagen würde gewandelt und
gehandelt wird will man sie eine redende eine Geschichte mit eigenen Worten
nennen meinethalben Dass eine Geschichte durchweg in Gesprächen eine in Fragen
und Antworten ein ganz ander Ding sei versteht sich Wären in einer redenden
Geschichte auch nur ausgerissene Lebensblätter wie leicht würden sie
zusammenzusetzen sein  Man würde dem Leser noch obenein eben hiedurch
unvermerkt Gelegenheit zu mehrerer Anstrengung geben und ihn zum Mitarbeiter an
seinem Werke machen   Dass ich es bei dieser Geschichte zu diesem Ziel nicht
angelegt bescheide ich mich von selbst und ich bin schon zufrieden wenn mein
Lebenslauf nur hie und da Darstellung enthält und wenn sich in dem Schluße des
ersten Bandes die Personen selbst zu erkennen und zu verstehen gegeben Rede und
du bist könnte das Motto zu diesen Gesprächen sein es liegt eine besondere
Natur in der Rede
    Zwar waren auch ohne meinen Vater noch treffliche Officiere auf dem Brette
die noch immer redend eingeführt zu werden verdient hätten allein der
kommandirende General war gefallen  Wer würde meinem Vater wohl diese Ehre
streitig gemacht haben wenn er nicht zu oft auf die Kanzel gestiegen
    Herr v G hatte um auf dem Brette zu bleiben den Gang des Elephanten
    Wer den Springer vorstellte wissen wir alle
    Vielleicht finden meine Leser noch mehr aus dem Schachspiel in der
Gesellschaft aus der mein Vater plötzlich schied Das Spiel ist das Bild der
Welt wenn auch nur König und Königin in Erwägung genommen werden  So wie sie
im Schach gehen so gemeinhin in der Welt  Herr v W hatte den Dionysius
beschämt und den Waldhornisten ein ansehnliches und fühlbares Kompliment in die
Hand gedrückt Die Art wie er dieses Geschenk gegeben haben wir nicht nötig
abzulauern um ihn mehr zu wissen denn wir wissen ihn schon inwendig und
auswendig Er hatte Ursache diese Schreier zum Schweigen zu bringen denn es
gingen die Vigilien wegen eines den folgenden Tag zu feiernden Trauerfestes an
    Der Laufer Herr Hermann bedeutete mehr nachdem mein Vater weg war und
Herr v W ihn deckte Herr Hermann schien sich sogar vielleicht in Rücksicht
dieser Deckung ein Direktorium über mich anzumassen Ich konnt ihm hiezu keine
Befugnis zugestehen denn obgleich er mir zu Brusttüchern ehemals Maß genommen
so glaub ich doch dieserhalb keine Pflicht zur Verehrung auf mir zu haben Die
Feierkleider waren ihm ohnedem nicht anvertraut worden Von meiner Seite gehörte
die Nachsicht auf Minchens Rechnung Ihretwegen tat ich was ich tat indessen
vergaß ich nicht dass sie selbst mich mit dem Herrn Hermann als Vater nicht
beschweren wollte Herr v G war durch den Alten so gerührt dass er nicht ins
Leben zurückkehren konnte er sah schon jetzt immer gen Himmel obgleich noch
nicht die acht Tage um waren wo der Alte ein Zeugnis in perpetuam rei memoriam
für ihn im Himmel einzulegen versprochen Die Vigilien des Herrn v W kamen dem
Herrn v G so zur rechten Zeit dass er mit festlich ward Die Frau v W und
ihre kleine Tochter unterhielten sich von dem armen bedrängten Sterbenden den
mein Vater trösten sollte Frau v G selbst hatte sich zu diesem Vorfall
obgleich der Sterbende nicht von Adel  nicht einst ein Literatus mithin nach
Landesart ein Bauer war hochadlich herunterzulassen geruht und so war unsere
Gesellschaft des alten Mannes der in acht Tagen sterben wird und des
unschuldigen Sohnesmörders wegen in eine so heilige Schwermut gesunken dass
Herr v W der den sanften und seligen Hintritt seines Aeltervaters zu feiern
anfing mit Herz und Sinn dieses Fest und wie mirs vorkam früher als es
sonst geschehen wäre begann
    Die Herren v XYZ und ihre Gemahlinnen gehörten nicht zur
heiligschwermütigen Gesellschaft Sie waren zwar verstummt allein bloß weil
die Waldhornisten verstummt waren denen Herr v W das Maul gestopft hatte
Diese Herren schienen von curischer Politik Wein und Waldhörnern trunken so
dass sie sich weder in Rücksicht des Leibes noch der Seele aufrecht halten
konnten Sie saßen nicht sondern lagen auf ihren Stühlen jeder hatte sich zwei
Stühle zugeeignet den dritten Stuhl rechne ich nicht auf dem der rechte Arm
übergeschlagen lag denn auf diesem dritten ungerechneten saß die eine Hälfte
des Nachbars Die Herren XYZ waren also in einander gekettet So schwach
indessen diese gute Herren schienen so hatten sie doch so viel Stärke Hand an
ihre Pfeife zu legen und sich in Rauch zu hüllen Sie schmauchten wie aus einem
Munde und hielten so genau Takt als ihn Herr Hermann wenn er ein Positiv
schlug oder meine Mutter wenn sie ihrem Hause eine neue Melodie beibringen
wollte nur halten konnten Aus dieser Lage zu urteilen wären die Herren v
XYZ so leicht nicht aus dem Schlaf zu bringen gewesen es hätte denn an den
Herzog Jacobus gedacht werden müssen der den Uniten welche sich mit der
katholischen Religion vereinigt als vertriebenen Exulanten russischer Nation
die freie Religionsübung zugestanden  oder an den Titel Wohlgeboren welcher
der Ritterschaft im Jahre unseres Herrn eintausend sechshundert und vier und
achtzig bewilligt wurde obgleich sie durchaus und durchall Hochwohlgeboren
heißen wollten  oder an den Rangstreit mit der Geistlichkeit worüber bitter
gestritten worden  oder an den Oberkammerherrn v  und dessen männliche
Descendenten  oder an die katholische Religion in Kurland
    Dergleichen Staatsanstösse würden vielleicht gewiss weiß ichs nicht die
Herren v XYZ ermuntert und von drittalb Stühlen auf einen oder gar auf die
Beine gebracht haben
    Es war indessen niemand aus der heiligschwermütigen Gesellschaft der
diesen Appell zu schlagen und den Versuch zu machen Lust hatte ob die liegenden
Herren hierdurch aufzuwiegeln wären Dass sie nicht still geblieben ist
zuverlässig ob sie aber aufgebrochen wären  daran zweifle ich Gibts denn
nicht Agenten von Haus aus
    Ein Wort der Ermunterung wäre es auch gewesen wenn man den Hunden ein
Patent als Adjutanten des Menschen ausgefertigt
    oder einen meerschaumen Pfeifenkopfshandel aufgebracht hätte
    Die gnädigen Frauen v XYZ saßen die Hände um den Magen kreuzweise
gelegt als ob sie ihre Magen zur Verdauung einsegnen wollten Sie sahen hierbei
die Frau v G steif und fest an als ob sie sich für die empfangenen Gaben
bedanken und sich vor wie nach ihrer Protektion empfehlen wollten Der Frau v
G Aushülfe bei Gelegenheit des Schoosshündchens war ihnen und das mit Recht im
frischen Andenken
    Mein Reisegefährte war nicht Fisch nicht Fleisch Er hatte mit mir
Brüderschaft gemacht und ich hatte Hoffnung ihn zu erweichen und ihn zu einem
gut gesinnten Kirchenpatron zu bekehren der die Jagd andern Pflichten
unterordnen muss allein die Herren v XYZ als jagdgerechte Jäger hatten ihn
wieder ganz und gar  wie es schon aus den Tischreden des vorigen Bandes zum
Teil hervorstrahlt Er war in Gedanken Gebärden Worten und Werken mit den
Herren v XYZ auf Wild ausgewandert denn selbst in der tiefen Stille die
auf den Herren v XYZ lag hielten sie die Pfeifen als ein Mordgewehr
zielten und machten Puff Paff und wieder Puff Paff Mein Reisegefährte hielt
seine Pfeife zielte wie sie und tönte Puff Paff wie sie und wieder Puff
Paff  Er war in ihrer Wolke auf und angenommen
    Doch muss ich und das wird meinen Lesern eine erfreuliche Nachricht sein
weil der jüngere Herr v G ein Sohn des älteren Herrn v G ist
pflichtschuldigst bemerken dass er seinen künftigen Pastor nicht völlig
vergessen hatte Wenn er seine Pfeife nachstopfte und aus dem Takte kam brach
sich sein Blick durch den Nebel zu mir und da seine Pfeife glühte und nicht
sogleich wieder geladen werden konnte kam er sogar zu mir fasste mich
brüderlich an und fragte Warum so traurig und warum nicht auch Puff und Paff
mitgemacht So was fügte er hinzu stärkt das Auge und wenn wir morgen auf die
Jagd gehen hast du schon eine vorläufige Theorie die du benutzen kannst  Ich
versicherte heut am wenigsten zum Puff Paff Ansatz zu haben Ich verdenke dir
deinen Trübsinn nicht fuhr er fort Dein Vater  
    Scheiden heißt sterben hatte ich zu ihm gesagt da mein Vater abfuhr und
dies Wort zu seiner Zeit war so glücklich gewesen den Weg zu seinem Herzen zu
finden der so leicht nicht zu finden war Seine Liebesgrenze ging nicht weiter
als bis Vater und Mutter und zur Not Schwester und Bruder  Weiter glaub
ich geht sie auch bei keinem Jäger Koch und Schlächter welches
Professionsverwandte oder höchstens von einem und demselben Handwerk
unterschieden sind wie Frauens und Mannsschneider  Außer Vater und Mutter
und zur Not Bruder und Schwester schien dem Herrn v G dem Jüngern alles Wild
  
    Man ging den Abend zeitig zur Tafel weil alles die Karten verbeten hatte 
Zur Ehre der Herren v XYZ muss ich noch anführen dass sie nach ihrem
Ausschlaf um die edle Zeit auszukaufen eine Stunde Würfel gespielt
    Bei Tafel war alles auf den Ton des Herrn v W gestimmt der mit schwarzer
Weste schwarzen Beinkleidern und einem Flor um den linken Arm bei der Mahlzeit
erschien Man sprach viel von den Schicksalen der Menschen und von der
Ungewissheit der Todesstunde Herr v W erzählte den Lebenslauf des Herrn v W
seines Herrn Großvaters dem heute aufs neue parentirt ward Herr v G sprach
vom Tode wie ein Gerechter der in seinem Tode getrost ist Die Vernunft sagte
er ist ein Kissen allein kein Kopfkissen Die Einbildungskraft muss auch
Beschäftigung haben wenns zum Scheiden geht Wohl uns indessen dass wir nicht
wissen wenn wir sterben denn wir würden dann nicht leben nicht sterben 
beides ist gut  Doch fuhr er fort gibt es einige die es wissen die auf die
Stunde ihrer Erlösung mit Gewissheit rechnen können  Nur heute  hier schwieg
er und stützte sich traurig auf Ich verstand ihn ganz Seine Frau fragte ihn
Ist dir nicht wohl mit einem Tone der mich überführte dass sie ihren Mann nach
sich am meisten liebte und warum sollte sie es nicht er war ja von gutem Adel
Sehr wohl erwidert er mein Kind  Sie stand auf und küsst ihn er blieb mit
aufgestemmtem Arm Es ging alles still wie bei einer Leichenwache zu und
dieses brachte die Herren v XYZ zum Aufbruch Schon lange hatten sie nach
dem Monde gesehen und es ihm übel genommen dass er nicht eher aufgegangen war
denn es ward nicht getrunken wie des Mittags nicht geschrien wie des Mittags
nicht geblasen wie des Mittags Das hätte freilich der Mond bedenken sollen Sie
zogen unter einander auf die Wache um keine Zeit zu versäumen Der erste Strahl
war ein allgemeiner Wink zum Abschiede Sie empfahlen sich und fuhren mit ihren
gnädigen Frauen denen des Mittags die Zeit lang geworden war weil viel und
des Abends weil wenig gesprochen worden heim Die Waldhörner wurden auf eine
künstliche Art in Postörner verwandelt und man macht einen solchen Lärmen
als wenn dreißig blasende Postillons vorher ritten Der Herr v W den dies
unversehens überfiel brach ein Glas das er eben in der Hand hatte und begoss
sich seine Trauerweste die wie er sagte zum Glück schwarz wäre So bricht
unser Leben sagt er um den Glasbruch geschickt bei dem gegenwärtigen Fall
anzuwenden
    Es war der Herr v W wie von neuem geboren da die Herren XYZ fort
waren und so gings auch dem Hermann der zwar viel über die Herren v XYZ
gedacht allein wenig gesagt hatte Mir war immer bange die guten Herren würden
aus Freude von den Waldhörnern und ihren Anhängern befreit zu sein aus dem
Trauerton des Festes kommen indessen fiel es ihnen zeitig wieder ein dass die
heutige Freude in ihren Schranken bleiben müsste Der arme Hermann hatte wegen
der Herren v XYZ in ecclesia pressa gelebt Was er so lang sie da waren
tun konnte war aufs Aug eingeschränkt Dieses dem Herrn v W gewidmet war
oft Gelegenheitsmacher oft Teilnehmer nachdem Herr Hermann weniger oder mehr
von den Herren v XYZ und ihren Damen bemerkt werden konnte Er wußt aus
vieljähriger Erfahrung was der Adel in Kurland zu bedeuten habe und fühlt es
auch noch in den Gliedern dass er wegen einer Grabschrift drei Tage und drei
Nächte wachen müssen Er dacht an alle Ehrenerklärungen und Maulschläge die er
zu übernehmen notgedrungen worden und an seine eigene Grabschrift die man
noch lebend auf ihn gemacht
                        Hier wacht der lebendig Tote 
Viele Leute pflegten dieser Grabschrift wegen mit Herrn Hermann ein Gespötte zu
treiben und zu behaupten dass er mit lebendigem Leibe spuke
    Ein Tag wie der heutige fing Herr v G an nachdem er die Hände gefaltet
und sie gen Himmel gebrochen hatte ein Tag wie der heutige ist eines solchen
Abends wert Ich hab diesen Tag gelebt und wenn gleich viel vom Leben dieses
Tages auf die Rechnung der zehnjährigen Entfernung gehört ich setze zehn für
eins  zwölf Tage könnte man im Jahre von dieser Art leben Wer wollt aber
vergessen dass der Tod aufs Leben folgt fuhr Herr v G fort Der Herr v W
wusste nicht Worte zu finden dem Herrn v G seine Erkenntlichkeit zu beweisen
denn er hielt dieses alles für Folgen seiner schwarzen Weste und Beinkleider und
des Flors um den linken Arm obgleich die Weste begossen war Gern hätt er in
der ersten Hitze seiner Erkenntlichkeit das Gartengespräch mit Herrn Hermann
über den Herrn v G öffentlich widerrufen allein dieses würde sich nicht
geschickt haben Die Worte »Traget die Groben weil ihr höflich seid« waren
ihm unerträglich geworden so erkenntlich war er und diese Anlage zur
Erkenntlichkeit werden sich meine Leser schon bei dem Feste der Deutschen
angezeichnet haben
    Die Frau v W und die übrigen schrieben die heilige Schwermut des Herrn v
G auf die Rechnung des Sterbenden dem mein Vater in die andere Welt zu
leuchten gegangen war
    Ich hatte den Hauptschlüssel zu dem Herzen des Herrn v G den er bis dahin
hinterhalten hatte Jetzt erzählt er der Frau v W was mit ihm und dem alten
Manne vorgefallen war doch so dass es alle hören konnten Wem hätt er diese
Geschichte auch besser dediciren können als der Frau v W Der Herr v G sah
es mir an dass mir diese Geschichte nicht neu wäre und ich fand keine Ursache
zurückzuhalten dass ich den alten Mann mit dem einen Handschuh selbst gehört
hätte Ich hatte mein Bekenntnis noch nicht vollendet als Herr v G aufsprang
mir seine eingeweihte Hand reichte Der Segen dieses Himmlischen sagt er
indem er nur die Hand drückte wird auch auf dir ruhen du Sohn deines Vaters
Nach mir gab er diese Hand der Frau v W ihrer Tochter und zuletzt seinem
Sohne der aber nicht wusste was ihm geschah
    Der Herr v W hätte diesen Handschlag für einen Mangel der seinen Lebensart
gehalten wenn der Herr v G der sich aber von selbst zu bescheiden wusste
auch ihm ihn angeboten hätte indessen war Herr v W doch sehr bewegt über
diese Geschichte und wer weiß wenn dieser Himmlische ein Edelmann gewesen
wäre ob er ihn nicht mit in sein Trauerfest eingeschaltet hätte Jetzt könnt
er auf diese Ehre nicht Anspruch machen und das um so weniger da er nur einen
Handschuh getragen
    Herr Hermann wollte bei dieser Gelegenheit dem Herrn v G mit Witz unter
den Arm greifen auf den Herr v G sich gestützt hatte und ihn durch einen
Einfall trösten Der elendeste Trost von allen der jedem klugen Mann ekelt Um
zum witzigen Ziel zu kommen musst er einen langen unangenehmen Umweg machen 
Endlich an Ort und Stelle Er erzählte dass der Pastor in   einen Amtmann über
die schlechte Zeit zur Ruhe gesprochen und ihn auf den Himmel gewiesen hätte
Der Amtmann aber in seiner Einfalt hätt ihm zur Antwort gegeben »Herr Pastor
wie man hört soll es auch da nicht mehr sein wie zuvor«
    Herr v W war gewohnt alles was er sprach abzurunden und dieses vermisst
er zuweilen am Hermann der eh man es sich versah aus der Rolle kam
Wahrlich er spielte zu viel Rollen  Ob nun gleich Hermann alles tat was er
dem Herrn v W an den Augen ansehen konnte und immer Kolophonium Geigenharz
in der Hand hielt um den Bogen des Herrn v W zu stärken so war dem Herrn v
W der aus Höflichkeit erkenntlich zu sein wohl verstand jedoch dieser Gedanke
völlig unpassend und ungeschliffen Er schüttelte sein Haupt und verwies dem
Herrn Hermann diese Geschichte wiewohl aus Erkenntlichkeit  bloß mit einem
Winke der sagen sollte »Alles zu seiner Zeit« Herr v G aber sprang auf Der
Funke fing er an war nicht wert dass Sie so oft danach schlugen Ich habe
diese Geschichte welche nach Ihrer Aussage dem Pastor in  begegnet sein soll
schon in meiner Jugend gehört Der Herr v W nahm sich des Herrn Hermanns nicht
an weil Herr Hermann sich nicht in die Zeit geschickt hatte und Herr v G
behauptete um den Witz desto geschwinder los zu werden dass man sich nicht
besser des Todes erinnern könne als wenn man schlafen ginge Heil dem sagt
er der so stirbt als ein Bauer einschläft der gedroschen hat Nach
ausgestandener schwerer Arbeit in der Welt lässt sichs selig und ruhig sterben
In der letzten Stunde des Lebens sieht man schon den Unterschied zwischen
reicher Mann und armer Lazarus
    Man wünschte sich eine gute Nacht Hermann beurlaubte sich Herr v W ließ
es bei dem Wunsch einer guten Nacht nicht bewenden sondern wünschte noch
ergiebiger dass die ewige Vorsicht sowohl den Herrn v G als die gnädige Frau
vor allen Trauerfällen bewahren und sie die höchsten Stufen des menschlichen
Lebens hinaufführen möchte  Herr Hermann nahm Gelegenheit dem Herrn v W
wegen des Ablebens seines Hochwohlgeboren Herrn Großvaters zu condoliren Ich
bückte mich bloß und da er dieses gleichmäßig für eine Kondolenz ansah wandt
er sich zu jedem von uns beiden zu mir zuerst und wünschte jedem was
besonders jedem aber eine lange Reihe glücklicher Jahre
    Der Herr v G nahm die Frau v W bei der Hand um ihr das Schlafzimmer
anzuweisen Da die Frau v G durchaus sie auch begleiten wollte gab ihr Herr
v W nach vielen Komplimenten und Bitten zurück zu bleiben auch die Hand
Dem jüngeren Herrn v G ward das kleine Fräulein v W angewiesen Mich musste
der gewesene Hofmeister den sein gewesener Untergebener nicht mehr für voll
ansah wiewohl in das nämliche Zimmer bringen wo ich schon die vorige Nacht
geschlafen hatte und das ich also ohne diese Anweisung gefunden haben würde
Hier sollt auch der alte Herr schlafen Dieser letzte Umstand obschon er von
der Frau v G zu meiner Erniedrigung ausgekünstelt schien und mich einen
Augenblick befremdete war mir doch gleich nach diesem Augenblick willkommen
Ein betrübtes Herz liebt zärtlicher und wahre Liebe ist keine frohe
Leidenschaft  Sie fängt mit Seufzern an so wie wir mit Tränen geboren
werden Mine war mit Leib und Seele vor meinen Augen es ist doch ihr Vater
dacht ich und reichte dem Herrn Hermann die Hand So Hand in Hand kamen wir
ins Schlafzimmer Hier legte der alte Herr sein Protektionsansehen womit er
mich ohnehin nur nach der Abreise meines Vaters und das sehr beiläufig
heimgesucht hatte zugleich mit seiner Perücke ab und tat ungemein vertraut mit
mir Um seine heutige Hofnarrenführung zu entschuldigen zog er auf den Adel
los Traget die Narren sagte er weil ihr klug seid und restituirte also
diesen Spruch in integrum nachdem er von ihm und dem Herrn v W in der Art war
verdreht worden Traget die Groben weil ihr höflich seid Ich weiß nicht wies
mir anwandelte dass ich dem alten Herrn bei den Worten traget die Narren weil
ihr klug seid ins Wort fiel
                  »Allein macht euch nicht selbst zum Narren«
    Es tat mir leid sobald ich diesen Zusatz ausgesprochen hatte Der alte
Herr schien es zu empfinden und setzte seine Rechtfertigungen fort Ein
Literatus ist freilich sagte er ein halber Edelmann indessen ist zwischen
halb und ganz ein Unterschied Man lasse ihnen das von wenn sie uns nur den
Verstand lassen Da er herausging sich eine Flasche Wein zu besorgen um noch
eine Pfeife wie er sagte in bona pice et pace zu rauchen nahm ich das
Testament meines Vaters heraus welches ich die ganze Zeit über verborgen in der
Hand gehalten Ich hatte beinahe diesen Abend nur mit einer Hand gegessen denn
ich konnte dies Testament in der Tasche keinen Augenblick allein lassen Die
Hand mit der ichs hielt war in einer solchen Transpiration als wenn sie
nicht zu den übrigen Teilen des Körpers gehörte
    Anexoy kai apexoy las ich und las wieder anexoy kai apexoy Oeffne sie
nicht eher als wenn du in der größten Not bist Und was ist die größte Not 
dachte ich bei mir selbst Ich fand dass Geld in diesem letzten Willen lag und
da es sich nicht tun ließ meinen Kasten aufzuschließen und diese donationem
mortis causa zu den Denkzetteln meiner Mutter zu legen die mir als eine donatio
inter vivos vorkam so deponirte ich diese Schrift vorderhand ins Bett unters
Kopfkissen und dachte an meine Mutter und an den hochheiligen Abend vor der
ersten Predigt bei diesem Interimsdeposito Ich musste eilen denn der alte Herr
kam wieder und ein Bedienter hinterher mit Wein und einem Teller voll
Rauchtabak Da ist Essen und Trinken sagte der alte Herr und tat dabei als ob
er etwas sehr Witziges gesagt hätte welches ich aber nicht finden konnte Bald
darauf fing er an sich zu beklagen dass er einen guten Freund seines Hauses an
mir verlöre und ich nahm Gelegenheit mich nach seinem Sohne zu erkundigen
vielleicht dachte ich fängt er von selbst von seiner Tochter an  wenn er doch
anfinge
    Ich sah es seinen Augenwimpern seiner Nase und Stirn an dass er sein ganzes
Gesicht umstimmen musste eh er herauszubringen im Stande war dass der Sohn
eines Literatus ein Schneider geworden wäre obgleich mein Brusttuch wie man es
in Kurland nennt noch von der selbsteigenen gelehrten Hand des alten Herrn
edirt war Zwei die ich im Kasten hatte waren sogar durch ihn geflickt  und
verbessert und vermehrt zum andernmal aufgelegt Das ist dem Benjamin nicht
fuhr er fort in seiner Wiege vorgesungen und da er Darius war hatt er so gut
König zu sein die Ehre als ein anderer Manchem kommen die gebratenen Tauben
entgegen ein anderer muss ihnen Netz und Strick legen und sie erst fangen und
braten  Das Schneiderhandwerk fuhr er nach einer Weile fort da ich nicht
nötig fand ihm auf den Wiegengesang und die Dariusehre zu antworten das
Schneiderhandwerk ist bei alle dem für den Sohn eines Literatus noch das
schicklichste Gott der Herr setzte selbst nach dem betrübten Sündenfall
dieses geschenkte Handwerk ein und verfertigte die ersten Kleider  Was zu
tun Er sitzt bei einem sehr geschickten Schneider auf Prima und wird künftige
Ostern Student oder Geselle wie es die Leute nennen Diese Worte waren ein
Gemisch von Stolz und Satyre Sie waren der alte Herr selbst Wer ihn hier nicht
findet findet ihn nirgend Meine selige Frau sagte mir gleich nach
überstandenen Wochen Benjamin wird entweder Schneider oder Literatus welches
sie der Nottaufe wegen vermeinte die Benjamin empfing Das versicherte sie
hab ich von alten Leuten was die Nottaufe empfängt wird eines von beiden 
Ich suchte sie auf den rechten Weg zu lenken und wollte durchaus nur vom
Literatus hören und wissen allein sie blieb bei ihrem entweder und oder Das
Bein welches sich als er Darius war zu seinem Vorteil wendete und die
rechte Hand der er auch redlich nachgeholfen bestärkten meine Hoffnung und
warum sollt er nicht Sein Vater ist ein Literatus und meine selige Frau war
auch von gutem Hause wenigstens kann man ihren Vater ohne Bedenken nennen das
war niederschlagend Pulver für mich damit ich mich ja nicht überheben möchte
und  hier glaubte der alte Herr dass jemand zu uns käme und kehrte das Blatt
bei der dritten Reihe von oben auf eine sehr komische Art um »Das alte Weib
sagt er als ob er fortführe hatte dem Organisten einen Streich gespielt und
er sang bei ihrer Trauung mit einem jungen Menschen der sie des leidigen Geldes
wegen heiratete
Was Gott tut das ist wohlgetan
Soll ich den Kelch gleich schmecken
Der bitter ist nach meinem Wahn
Lass ich mich doch nicht schrecken
Weil doch zuletzt
nämlich wenn sie stirbt
Ich werd ergötzt
Mit süßem Trost im Herzen
Da weichen alle Schmerzen«
Der alte Herr sah seinen Irrtum ein der Jemand von dem er befürchtete dass er
uns bei diesen Familienangelegenheiten überfallen würde ging unsere Tür
vorbei Hermann nahm also sein und auf
    Und fuhr er fort als wenn er das Blatt zuvor zu rechter Zeit umgekehrt
hätte was wollt ich sagen und meiner Frau Entweder Oder ist erfüllt
Entweder Literatus oder Schneider  Was Gott tut sagt ich das ist
wohlgetan Diese Worte brachten ihn auf Minchen ich weiß nicht wie
    Minchen verdient einen Literatus fuhr er fort Sie verdient sagt ich
einen Literatus der ihren Bruder nicht vernachlässigt wenn gleich er ein
Schneider ist Dies beschämte den alten Herrn der sobald nur etwas unsere Tür
vorbeirauschte seinen Sohn versteckte um sich als Literatus zu zeigen Ich
glaub er wär eher gestorben als dass er gestern Abend über Tafel da man sich
ungefähr nach seinen Kindern erkundigte bemerken sollen dass Benjamin das
Schneiderhandwerk ergriffen »Eine Tochter und einen Sohn« antwortete er auf
die Erkundigung nach seinen Kindern und mehr keine Sylbe  Ich kann mir
vorstellen wie sorgfältig er sein eigenes Bügeleisen Nadel und Zwirn und
Scheere und Schusterpfriem und Leisten und Töpferrad verborgen haben wird
    »Minchen« sagt er ohne auf meine Zurechtülfe zu achten »ist ein
Mädchen die der Familie keine Schande machen wird«
    Er erzählte mir ihre Vorzüge die ich gottlob besser wusste wie ein Mann
der seines Sohnes sich schämen konnte bloß weil der Sohn ein Schneider war Bei
alle dem hört ich ihr Lob mit Vergnügen Da er aber auf ihre Kinderjahre kam
ward ich entzückt Ich fühlte die Worte von ganzem Herzen Was Gott tut das
ist wohlgetan
    Der alte Herr hieß mich während dieser Erzählung Herr Kandidat und freute
sich dass auch ich ihn Herr Kandidat nannte Eine Höflichkeit ist der andern
wert Je öfter ich Herr Kandidat sagte je mehr erzählt er mir von Minchen mit
einer gewissen väterlichen Wohlmeinung und desto öfter nannt er auch mich
wieder Herr Kandidat Er fing an mir diesen Titel beizulegen
    Ein Paar lose Buben ich erzähl ein paar Geschichten von meiner Mine
hatten aus einem Finkenneste zwei Eierchen gestohlen und den Inhalt derselben
herausgeblasen Dies erzählten diese Buben dem kleinen Minchen Sie bildete sich
ein  sie hat eine starke Einbildungskraft  dass das beraubte Paar ihr
verlassenes Nest vom benachbarten Baume ansähe und sich ihr Leid einander
klagte  Minchen klagte mit Das liebe Mädchen wusste dass man der Henne die
Eier nicht wegnimmt dass sie solche als getreues Haustier dem Menschen hinlegt
Sie bat ihre Mutter um zwei Eier die ihr heute und gestern die Henne mit der
schwarzen Mütze geschenkt hatte und bat den Benjamin ihr den Gefallen zu tun
die Wallfahrt auf den Birkenbaum zu übernehmen und das verlassene eiskalt
gewordene Finkennest durch die zwei Hühnereier zu entschädigen Dieser schlug es
der Gefahr wegen aus er war zu der Zeit noch link und lahm  und bemerkte sehr
weislich dass die Hühnereier größer wären als die Finkeneier die er selbst in
den Händen der Buben gesehen Minchen freute sich darüber indem sie glaubte
den Schaden desto vollständiger zu ersetzen Gegen kleine große Sie bat ihren
Bruder und bat ihn wieder Er aber blieb bei seinem Nein und seiner weisen
Bemerkung  Endlich sah sie den Baum einigemal an übermass sich und ihn und da
sie ganz allein war erstieg sie ihn und legte die beiden Eier in das verlassene
Nest in Hoffnung es würden sich die Eigentümer wieder zu Hause finden Die
Vögel die häufig auf den Ästen des Baumes saßen den sie erstieg wurden nicht
im mindesten verscheucht Sie sahen sie ungefähr wie fromme Leute einen Engel
sehen würden  Den beiden Finken die Minchen für die bestohlenen Eltern hielt
sah und hörte sie die Freud und Dankbarkeit an Voll Entzückung über dies alles
hüpfte Minchen von dem Baum und fiel auf die Erde so dass sie sich nicht regen
konnte Einer von den bösen Buben sah sie liegen allein es war ihm nicht viel
anders als ein ausgeblasenes Finkenei Ihre Mutter der man ihren wirklichen
Tod angekündigt hatte kam halb tot zu ihrer Tochter die sich nach und nach
erholte Der ganze Fehler meinte Minchen wiewohl kindlich läge darin dass
sie sich schon auf dem Baum gefreut hätte
    Ich hätte sie sollen auf diesem Bette der Ehren sehen sagt ich da der
alte Herr an diese Stelle kam  Sie ist eine geborene Königin setzt ich hinzu
    Der alte Herr Ein Literatus wird ihr schon zu Teil werden
    Ich Benjamin tat Unrecht dass er sich entschuldigte
    Der alte Herr Link und lahm
    Ich Wer nur ein Bein hat wagt nur ein Bein
    Aber fuhr der alte Herr fort ein Hühnerei 
    Bei Gott ist das einerlei erwidert ich nur bei den Finken nicht  Ich
glaube Herr Kandidat bei unsern meisten guten Handlungen ist ein Hühnerei
anstatt eines Finkeneies
    Lieben Leser seht da Minchen Ists möglich dass der alte Herr so was
erzählen und der alte Herr bleiben konnte
    Minchen ging an einem schönen Morgen ins Feld und begegnet einem Jungen
mit beiden Händen in den Haaren und weinend bitterlich Er hatt einen Milchtopf
zerbrochen und befürchtete von seiner Mutter darüber geschlagen zu werden Sei
gutes Muts sagte Minchen und nahm ihm die rechte Hand von den Haaren die
linke Hand gab sich von selbst Er ließ sich trösten Je näher er aber zum Dorfe
kam je langsamer ging er und da er das Haus sah fing er von neuem an zu
weinen und wollte durchaus wieder mit der rechten Hand in die Haare  die linke
nach  Die Mutter des Jungen kam ihnen entgegen und ihr erstes Wort war der
Topf Minchen trat vor und sagte Liebe Nachbarin ich ich bin den Topf
schuldig Seht ich ging schnell zu und da war der Topf hin Meine Mutter hat
heute die Wasche und da wisst Ihr kann man nicht sagen dass ein Topf gebrochen
ist Wenn die Wäsche vorbei ist will ich Euch einen andern Topf bringen Die
Bäuerin war gegen des alten Herrn Töchterchen so galant dass sie keinen Topf
verlangte Minchen verbat dieses Geschenk Der Junge indessen sobald er merkte
dass die Mutter sich gefunden hatte sprach Minchen los und eignete sich der
Wahrheit gemäß alle Schuld zu Nehmt keinen Topf Mutter sie hat ihn nicht
zerbrochen ich sah wie es alles so schön grün und gelb auf dem Felde war und
da fiel der Topf mir aus der Hand Die Bäuerin war so bewegt dass sie Minen wie
eine Heilige verehrte und an ihrer Hand zu Hause begleitete Ich erkundigte mich
nach dem Jungen und würd es gern gesehen haben dass Helm sich durch diese große
Tat in seiner Jugend ausgezeichnet hätte allein der Herr Kandidat versicherte
dass dieser Edle im siebenten Jahre selig verstorben wäre Alle Welt fügte der
alte Herr hinzu sagte der Junge ist zu schad für diese Welt und die Wahrheit
zu sagen ich wundre mich dass Mine so groß geworden ist Der liebe Gott weiß
freilich was gut ist Herr Kandidat erwidert ich und will gern so was im
Himmel haben indessen ist es auch auf der Erde zur Art nötig Was würde sonst
am Ende aus uns werden
    Der alte Herr gefiel mir so sehr bei dieser Gelegenheit dass ich ihn bei mir
selbst wegen seiner heutigen Führung und wegen vieler andern mir bewussten
Umstände zu entschuldigen anfing Würde nicht Minchens Zeugnis selbst wider ihn
das Wort genommen haben ich hätt ihn noch länger und mehr entschuldigt und
vielleicht eben so oft Vater genannt als ich ihn jetzo Herr Kandidat zu seiner
Seelenfreude nannte
    Es fiel mir zur rechten Zeit ein dass man mit dem Vaternamen sehr behutsam
sein müsse da das ganze Christentum darin besteht dass Gott unser Vater ist
    Minchen aus der Erzählung des alten Herrn nahm sich in ihrer Kindheit
immer der schwächlichsten Pflanzen an Sie begegnete ihnen wie armen Leuten Sie
begoss sie zuerst und streichelte liebkoste und tröstete sie Wenn der Wind eins
beschädigte zog sie ihm das gebrochene Bein in Ordnung und heilte den Schaden
Ging ihr eins aus war es ihr so als wenn was Lebendiges gestorben wäre Gott
hab es selig sagte sie und begrub es in die Erde die wie sie sagte unser
aller Mutter ist
    Das ist die Weise aller guten Seelen bemerkt ich und der Herr Kandidat
führte bei dieser Gelegenheit an dass mein Vater keinen Citronen oder
Pomeranzenkern in die Erde gesteckt Ich halte dies hätt er zu ihm gesagt für
eine Sünde in einem Lande wie Kurland einen Citronenbaum zu Pflanzen Aber die
Blätter riechen schön und sind gut im Schnupftabak sagt ich zum Herrn Vater
Der Blätter wegen erwidert er muss man keinen Citronenbaum in die Welt
setzen Nichts halb lieber Freund und ein Blatt ist kaum ein Viertel  Ich
sehe wohl ein dass der Herr Kandidat meinen Vater bei diesem Umstande sehr
unrichtig berechnete indessen sah ich keine Pflicht ab ihn auf den rechten Weg
zu lenken und hiedurch die edle Zeit zu verlieren Wo ist eine Zeit die edler
wäre als die wo ich von Minchens Kinderjahren erzählen hörte Wer ein Mädchen
kennen will frage nicht wie es jetzt ist da es Ja sagen soll sondern wies
als Kind war wo noch an kein Ja gedacht werden konnte Dies war freilich mein
Fall nicht mit Minchen Ich hatt ihre Kinderjahre nicht zu diesem Belang in
beweisender Form nötig allein ich war entzückt meine Vorstellungen von den
ersten Jahren ihres Lebens so genau getroffen zu finden ich fand alles wie
ichs mir gedacht hatte
    Noch eins von Minchen unter so vielem Ein Benachbarter von Adel hatt einen
kleinen jüdischen Knaben der mit Pfeifenköpfen für andere Juden herumging in
Fesseln legen lassen weil er eben zu der Zeit da dieser Judenknabe ihm
Pfeifenköpfe angeboten sein Federmesser nicht vorfinden konnte Der Knabe ward
gleich bis aufs Hemde ausgezogen allein man entdeckte kein Federmesser
obgleich er noch keinen Tritt oder halben Schritt aus dem adelichen Hofe seit
der Zeit gesetzt hatte da das Messer vermisst war Der Edelmann behielt zu
Anfang wohlbedächtig alle Pfeifenköpfe Da sich die zwei Eigentümer zur
rechtlichen Vindication angaben macht er ihnen viel Schwierigkeiten und setzt
auf das verlorne Messer einen unerhörten Lieblingswert Pretium affectionis
Es würden die Vindicanten nichts dagegen ausgerichtet haben wenn sich nicht
zwei andere benachbarte Edelleute die zu ihren Pistolen macht euch fertig
sagten dieser Juden und ihrer Pfeifenköpfe angenommen hätten Der arme Junge
blieb also der einzige Gegenstand der Grausamkeit die durch diesen Vorgang noch
mehr vergrößert ward Der Unglückliche sollte verbüssen dass sich die Juden als
Vindicanten und die zwei Edelleute als Sekundanten gemeldet hatten Man konnte
nicht begreifen was Herr v  mit diesem Arrest beabsichtigte indessen schien
er zu glauben dass sich einer von den Israeliten melden und den armen Jungen
lösen würde Alles bedauerte den unglücklichen Knaben Christ und Jude sprach
von des Edelmanns Grausamkeit Der Christ sagt indessen es ist ein Judenknabe
und der Jude wer wirds mit dem vornehmen Christen anbinden Die zwei
Eigentümer der Pfeifenköpfe welche dem Unglücklichen die Kommissionsgüter
anvertraut hatten gingen auch wie der Priester und Levite vorbei und wünschten
sich so oft an die Grausamkeit des Edelmanns gedacht wurde Glück dass sie ihre
Pfeifenköpfe in Sicherheit hätten Der grausame Edelmann dem das Brod und
Wasser mit der Zeit zu kostbar ward welches er zu dem hohen Auslösungspreis
treufleissig geschlagen hatte setzte diesen Preis bis auf die Hälfte herab
Allein niemand tat einen Bot Wegen der Pfeifenköpfe schlugen sich sogleich
zwei Edelleute ins Mittel und bedrohten ihren Mitbruder mit ihm Kugeln zu
wechseln oder ihm einen roten Hahn aufs Haus zu setzen Was ist aber ein
Judenjunge gegen meerschaumene Pfeifenköpfe Die Eigentümer hatten sich unter
uns gesagt mit diesen Renommisten abgefunden Die hochwohlgebornen Schläger
drohten nicht umsonst sondern für Geld und gute Worte
    Der arme Judenjunge Zu den schönen Reden womit man ihn bedauerte und sich
über die Grausamkeit des Edelmanns beklagte kam nun noch der Umstand den man
hinzufügte der Edelmann hätte den Preis des Federmessers und den des Brods und
Wassers womit der Knabe im Gefängnisse beköstigt worden auf die Hälfte
herabgeschlagen  hiebei bliebs  Es war um Weihnachten da Minchen und ihr
Bruder ihren bemittelten Verwandten mütterlicher Seits besuchten um ein
Christgeschenk welches in allerlei Spielzeug bestand abzuholen  Dieser
Verwandte wohnte dem Tyrannen noch näher Man weiß wie gern Kinder und
besonders wie gern Mädchen spielen Es war Weihnachten wo die Natur den
Kindern außer den Schneebällen die keinem Mädchen anstehen alles Spielzeug
versagt  Weihnachten ist ein wahres Kinderfest an dem das Spiel zur andern
Natur wird Es liegt uns im christlichen Blut und alte Leute selbst müssen sich
zwingen wenn sie nicht selbst in Weihnachten spielen wollen  Alles dieses
zusammengerechnet in Summe konnte Minchen von ihrem Entschluss nicht abwendig
machen Ihre Verwandten waren furchtsam wie Tauben die in der Nachbarschaft von
Raubvögeln genistet haben Der arme Judenjunge stört ihre heilige Christfreude
Sie waren nicht halb so weihnachtsfroh als sie es sonst gewesen sein würden
Das Federmesser hatte sich nach der Zeit vorgefunden und der unschuldige Knabe
war bloß wegen des verzehrten Brods und Wassers in Ketten und Banden  Minchen
schickte stillschweigend durch ihren Bruder Benjamin der aber kein Stück von
dem Seinigen dazulegte ihr Weihnachtsspielzeug dem Edelmann um den Knaben zu
befreien Benjamin hatte Gelegenheit zu Schlitten hinzukommen denn sonst wär
ihm dieser Liebesdienst weil er hinkte auch etwas zu stehen gekommen obschon
er von seinem Spielzeug kein Stück dazu gelegt hatte und obgleich es nur über
Feld war Hätt er nicht Gelegenheit gehabt eine Schlittenfahrt zu gewinnen
die bei ihm über alles ging es wär aus der Negotiation nichts geworden  Zu
Benjamins Ruhme wird bemerkt dass er seiner Schwester die Erlaubnis gegeben
sich seines Spielzeugs dessen Eigentum er sich aber ausdrücklich vorbehielt
zu bedienen Es war indessen nicht Spielzeug für Mädchen die am liebsten eine
Wiege eine Puppe und so etwas lieben Benjamin ward weil er als ein Knabe mit
Spielzeug angemeldet wurde vorgelassen Der ehrliche Benjamin erweckte sogleich
ein Händeklatschen da er nur ins Zimmer trat denn man glaubt einen großen
Kram und es war nur ein Arm voll Ursache genug dass sogleich scrutinirt und
Benjamin bei diesem Verhör nach Landesmanier mit dem Stock hochadlich bedroht
wurde Benjamin ließ es nicht zur peinlichen Frage kommen sondern gestand alles
haarklein  Meine Schwester sagte der bedrängte Benjamin hat an allem Unheil
schuld Kurz es blieb kein Wort auf seinem verzagten Herzen  Benjamin war zu
dieser Zeit noch nicht zum Darius gediehen und wer kennt ihn nicht vom
Finkennest
    Der Teufel dachte Herr v  wenn es nur nicht ein satyrischer Ball ist
den der alte Herr auf mich schlägt und hatte Lust ihn auf den jungen Herrn
zurückzuschlagen und den armen Benjamin mit seinem christlichen Spielzeuge dem
Judenjungen zuzugesellen Da aber Benjamin der aus Seelen und Leibesangst
ächzte kniefällig bat seinem Vater nichts von allem was der gnädige Herr
gesehen und gehört hatte zu entdecken weil Herr Hermann von dieser Sache
nichts gar nichts wusste und ihn an einem ganz andern Ort glaubte so fiel dem
Blutigel zu guter Zeit ein dass der alte Herr freilich nur von hinten mit einem
Kavalier gescherzt haben würde
    Der Teufel dacht er wieder man sah es ihm ordentlich an dass er jeden
Gedanken mit dem Teufel anhob der alte Herr würde nicht den Sohn geschickt
haben  Die Sonne ging wieder in seinem Angesicht für Benjamin auf Der Teufel
sagt er deine Schwester muss ein feines Mädel sehen Die Sache gab zu vielen
satyrischen Fragen Benjamins Schwester betreffend Anlass Er fragte nach ihrem
Alter und ob sie denn eine solche Neigung zu Juden hätte Der Schluss war dass
nur ein Stück Spielzeug zurückbehalten wurde welches sich der Junker Fritz
sogleich zugeeignet hatte Der Judenknabe ward losgelassen  Benjamin aber
musste dieser Großmut wegen um der hochadlichen Herrschaft zur Weihnachtszeit
ein Vergnügen zu machen dreimal um den großen Tisch hinken und alles wollte
vor Lachen niedersinken Eine natürliche Polonaise schrie alles und lachte was
es konnte nur der hinkende Benjamin nicht Der Junker Fritz gab sein Spielzeug
der gnädigen Mama zu halten und versuchte dem Benjamin nachzuspotten da er aber
bei einem Haar ein adliches Bein gebrochen hätte so blieb es bei einemmal und
Benjamin sah nach dem armen Judenknaben der blass wie eine Leiche stand Der Tod
hätt ihn bald befreit wenn Benjamin dem Tode nicht zuvorgekommen wäre
Benjamin bot dem Judenknaben sobald sie aus der adlichen Gesellschaft im Freien
waren von seinem oder besser von seiner Schwester heiligen Christ an um sich
dafür Essen zu kaufen Der Judenknabe verbat es aus Religionseifer und blieb
lieber hungrig und durstig als dass er sich für dieses christliche Spielzeug
labte Benjamin hatte sich bei dieser Gelegenheit die Schlittenfahrt so
verekelt dass er nie ohne Herzensangst daran denken konnte Dieses Vergnügen
hatte für ihn keinen Wert mehr Er hinkte zu Haus und dankte Gott dass niemand
darüber lachte als wie er dreimal um den großen Tisch hinken musste
    Obgleich Benjamin das Spielzeug bis auf ein Stück so der Junker Fritz
behalten hatte zurückbrachte indem er wegen des übrigen dreimal um den Tisch
hinken müssen so ward doch diese Begebenheit so bekannt dass Minchen darüber
viel ausstehen und die bittersten Tränen weinen musste Ich habe Ursache aus
der Erzählung des Herrn Kandidaten zu vermuten dass der Herr Vater Minchen
selbst im Literateneifer reichlich und täglich beschämt haben wird Man zog
Minchen unter ihres Gleichen mit dem Judenknaben auf und sie nahm es sich
unendlich zu Herzen Ich habe sagte sie in ihrer Unschuld zu Benjamin den
Judenknaben nicht gesehen und will es auch nicht  Der Spott zehrte sie so ab
als das Gefängnis bei Wasser und Brod den Judenknaben Sie fiel in ein Fieber
und nun ging der alte Herr in sich welcher mit Beihilfe des Doctor Saft wieder
Seel und Leib ins Geleise brachte  Der alte Herr bemerkte dass sich die Liebe
zur Schlittenfahrt beim Benjamin wieder gefunden und dass Minchen noch bis auf
den heutigen Tag bleich im Gesicht wie gewässerte Milch würde wenn man das Wort
Jude ausspräche wie 
 Der Herr Kandidat legte seine Pfeife hin und kam mir dicht ans Ohr da er mir
                              diese Pille eingab
Ihr Herr Vater über den Ausdruck Melchisedech
    Diese Zugabe setzte mich nicht wenig in Erstaunen und ich machte die
Bemerkung dass jeder Mensch der unschuldigste nicht ausgenommen ein Wort
hätte wobei ihm nicht wohl zu Mute würde es sei Melchisedech  Judenjunge 
ich zum Exempel  
    Gott muss man denn rief ich aus noch ehe der Herr Kandidat geendigt hatte
Gott muss man denn ein Fieber ausstehen durch den Dr Saft gerettet und mit
einem Judenjungen gepaart werden wenn man Gutes tut Der alte Herr setzte noch
hinzu Und dreimal um den großen Tisch hinken
    O Minchen welch eine Seele hast du dies fühlt ich nur wie glücklich
bin ich dass sie mein ist  Ich war außer mir
    Bei dem Alexanderspiel hatt es Minchen in der ersten Zeit übel aufgenommen
dass ihr Bruder Darius immer geschlagen wurde Lass mich den Darius machen sagte
sie zu Benjamin Du wirst sehen wir gewinnen Benjamin aber entschuldigte sich
sehr weise mit der Geschichte welcher er nachgeben müsste obgleich ich auch
beim Ringen eh er Darius und ich Alexander war jederzeit bei all seinem
Schweiße des Angesichts Überwinder war Nachdem sie größer war setzte der Herr
Kandidat hinzu ließ sie sich gern schlagen und gefangen nehmen Sie sah es
unfehlbar selbst ein dass es die Geschichte so mit sich brachte Wie viel Mühe
hatt ich nicht überlaut zu rufen Mine Mine liebe Mine Der alte Herr
bemerkte dass Minchen für ein Frauenzimmer zu viel Herz hätte und rechnete es
ihr zum Fehler an  Entweder sagt er ist die Rolle daran schuld die sie bei
den Kriegen als älteste Prinzessin Tochter des Darius übernahm oder sie kennt
keine Damen vom Stande  Mag sie sich doch fuhr er fort der Literatus der
sie zur Frau macht besser ziehen Sie fürchtet sich vor keiner Maus und keinem
Frosch und wenn die Spinnen den Weg verwirkt haben zieht sie das Gewebe wie
einen Vorhang in die Höhe mit bloßen Händen  Noch bemerkte der Herr Kandidat
dass Mine in ihrer Jugend obschon sie wegen des Finkennestes einmal rühmlichst
vom Baum gefallen doch nicht nachgelassen wiewohl nur auf der Erde zu hüpfen
und zu springen  Je größer sie aber wurde je ernsthafter setzt er hinzu
Nur sehr sehr selten wandelt ihr jetzt fuhr er fort das Hüpfen und Springen
an weit öfter aber das Weinen  welches nach dem Tode ihrer Mutter ohn End
und Ziel ist und das der alte Herr zog selbst den Mund zur Träne in Ordnung
indessen wollt es die Pfeife nicht zugeben  und das sagt er so schöne
Tränen und schien nicht undeutlich zu verstehen zu geben dass zwischen Tränen
und Tränen schön und hässlich stattfinde  Was mich wunderte war dass er
selbst fühlte Minchen sänge vortrefflich Was das Spielen betrifft fuhr er
fort so hat sie ihre eigene Manier Freilich dacht ich den steinigen Acker
versteht sie nicht auszudrücken auch nicht die fünf Gerstenbrode und ein wenig
Fischlein Da der Herr Kandidat außer ihren ersten Jugendjahren nichts von
Minchen zu sagen wusste was mir nicht weit genauer und richtiger bekannt war so
lenkt ich ihn auf die Universitäten allein ich fand ihn nicht bewährt Er
sagte davon weniger wie mein Vater von seinem Vaterlande und dies war wohl
natürlich da mein Vater gewiss ein Vaterland hatte der Herr Kandidat aber
schwerlich auf irgend einer Universität gewesen sein wird  Des Herrn
Kandidaten frühere Spargel Pfeife in der freien Luft und Wein bei der Quelle
waren bei dieser Gelegenheit ein Vademecum von Studentenstreichen womit er
meine Fragen nicht befriedigte Ich brach also ab ohne ihm so schlecht er auch
beim Examen bestand den Kandidatentitel zu entziehen Ich weiß nicht ob ich
schon wo bemerkt habe dass er kein Curländer von Geburt war und dass man ihm
seine Literatenwürde aus der ersten Hand nicht widerlegen konnte
    Ich merkte aus meiner Munterkeit dass ich diese Nacht Minchens wegen ebenso
wenig schlafen würde als ich die vorige Nacht des neuen Bettes halber
geschlafen indessen sah ich dem Herrn Kandidaten meinem sehr werten Herrn
Kollegen der seine Bouteille Wein ausgetrunken und seinen Teller mit Tabak bis
auf eine halbe Pfeife ausgeraucht hatte an dass er schlaftrunken war Wein und
Tabak hatten hiebei wie es mir vorkam nicht den mindesten Einfluss Er fing mit
mir zu complimentiren an in welchem Bett ich schlafen wollte und verlangte
durchaus das Bett wo das Depositum lag weil das so ich ihm bestimmt hatte
und in welchem mein Vater geschlafen mit einem Gesimse war Vorhänge konnten in
dem Hause des Herrn v G  an dem Bette nicht sein Ich glaube sagte der Herr
Kandidat da wir über diesen Umstand sprachen Herr v G  hätte wenn er Adam
im Paradiese gewesen sich keine Schürze von Feigenblättern gemacht Der Herr v
W brachte sich wenn er zum Herrn v G kam seine seidenen Vorhänge mit
Unfehlbar wird wohl die Farbe der Vorhänge nach Beschaffenheit des Festes
gewesen sein Mit Zuverlässigkeit weiß ichs nicht  Da ich den Herrn
Kandidaten versicherte dass ich in diesem Bette schon eine Nacht schlaflos
zugebracht und den Tribut bezahlt hätte so bat er sich wenn es ohne mir etwas
zu entziehen geschehen könnte ein Kopfkissen von den meinigen aus Das war
eine neue Verlegenheit für mich wegen des letzten Willens den ich seinem Aug
entziehen wollte Er stand an meinem Bett und wollt aus Bescheidenheit und
Dankbarkeit das Kissen selbst nehmen ich hatte viele Kunst nötig ihm das
unterste in die Hand zu spielen Kaum war er im Bette so schlief er wovon er
durch sein Schnarchen untrügliche Beweise gab Ich widmete Minchen diese Nacht
und wenn ich schlummerte sah ich den Judenjungen und das Finkennest und den
Milchtopf alles in Lebensgröße  Gegen den Morgen schlief ich fester ein
indessen sagt ich dem Herrn Kandidaten den ersten guten Morgen weil ich ihn
aufwachen hörte und fuhr mit sechsen aus meinem Bette Er dankte für den guten
Morgen allein er blieb bei dem Dank wies sich eignete und gebührte im Bette
 Nach seinem schönen guten Morgen war sein erstes Wort dass ich zweimal Minchen
gerufen hätte Ich weiß nicht fügt er sehr höflich hinzu ob es meine Tochter
ist Gewiss erwiderte ich und begriff es selbst nicht wies zuging ich war
beim Wörtchen gewiss nicht im mindesten verlegen vielleicht kam es weil der
alte Herr noch im Bette war  Wie hätt ich Minchen verleugnen können Wir
haben gestern fuhr er fort viel von ihr gesprochen der Herr Kandidat werden
es verzeihen dass ich Sie so lange von meiner Tochter unterhalten Ich konnte
kein Wort hierauf antworten  unfehlbar wollte der Herr Kandidat einen völligen
Herzensaufschluss allein wie sollt ich den bewilligen Der alte Herr Kandidat
war noch immer im Bett und wies mir vorkam auf einem Häufchen Er schien
nicht in Lebensgröße zu liegen und so lang er war er wusste sich nicht nach
seiner Decke zu strecken
    Damit meine Leser nur ja nicht auf den Gedanken fallen dass ich noch viele
Tage in   geblieben und ihnen all diese Tage meines Aufenthalts   ebenso
langweilig wie bisher erzählen werde so will ich nur kurz und gut bemerken
dass der folgende Tag zu unserm Aufbruch bestimmt war  Hoffentlich wird ihnen
diese Anzeige eine fröhliche Botschaft sein
    Der junge Herr v G nahm mich wegen der Jagd in Anspruch Ich hatt ihm
darüber mein Wort gegeben und sogar den Kommandostab hiebei anvertraut Ohne
Murren nahm ich also seinen Antrag als eine Ordre an Vormittags diese Jagd
anzustellen Die Wahrheit zu sagen ich wollt ihn auf der Jagd womöglich von
der Jagd abbringen und diesen Jägertrieb beschränken
    Ich war in dieser ritterlichen Übung wenig erfahren obgleich ich ein Auge
zum Zielschuss auf ein Haar hatte ohne mir durch Puff Paff und durch das
Exercitium mit der Tabakspfeife diese Geschicklichkeit erzielt oder ihr auch
nur nachgeholfen zu haben  Warum willst du sagt ich ein so blutiges
Andenken zurücklassen eben da du von hinnen ziehst Mein Recht nicht zu
vergeben erwidert er Du glaubst es nicht man muss die Bären und Wölfe im
Respekt erhalten wenn es auch nur durch einen Schuss ist die Bestien machen
unser Einem sonst das Eigentum streitig  der Hase kennt seinen Junker
    Wir hatten oft angelegt und eben legte mein Reisegefährte an da ich eine
Menschenstimme hörte Rett Rett
    Herr v G kam nicht aus der Stellung ich lief und schrie wo wo Hier
hier Wo wo Hier hier  und dann wieder rett rett und mitten drunter mit
einer erbärmlichen Stimme Lorchen im Wasser  Auch dies brachte den Herrn
Bräutigam in keine andere Lage er hatt angelegt   Noch viele Retts
Retts und viele Hiers Hiers und noch mehrere Wo Wo Ich rief wo bis ich
sah  ich sah die Begleiterin der Fräulein v W jämmerlich die Hände ringen
Hier hier rief sie noch zu guter Letzt  O Gott matt matt Die Wasser über
sie  Ich warf meine Flinte weg und diese ging los Luise fiel in Ohnmacht Das
wird sich geben dacht ich und sprang ins Wasser und brachte das liebe kleine
Geschöpf heraus Die Angst hatte ihre kleinen Hände gelähmt Das Wasser war ihr
mehr an die Seele als an den Leib gegangen  jetzt war sie  frisch wie ein
Fisch worden würde meine Mutter des Reims wegen gesagt haben
    Luischen sagte sie da sie ihre Begleiterin wie tot liegen sah Ich nahm
einen Hut mit Wasser um Luischen ins Sein zurückzubringen allein das Wort
ihrer Pflegebefohlenen Luischen hatte sie schon auferweckt Ich kam mit meinem
Hut voll Wasser zu spät und goss dies Wasser welches zum Schlagwasser bestimmt
und eingeweiht war so andächtig aus als meine Mutter das Restchen vom
Taufwasser ausgegossen haben würde welches nach ihrer Meinung ein
paradiesisches Grün befördert  Wir wollen sagt ich zu Luisen unser
Schäfchen aufs Trockne bringen Es lief Wasser von ihr herab wie nach einem
starken Regen von den Dächern Luise wollte sie schelten dass sie einem Steige
zu sehr getraut hätte allein Luise sah wohl ein dass das Wiedervergeltungsrecht
zu Hause nicht ausbleiben würde Es ward also verabredet dass sich das Fräulein
v W ganz sauber und schön ankleiden und darauf erst ihrer Mutter den Vorfall
erzählen sollte Wissen sagte sie muss sies Mich bat ich lassen Sie aus
dieser Geschichte Sie antwortete die Kleine und reichte mir die Hand Ich
wusste nicht ob dies Sie Ja oder Nein war Es sprach das liebe kleine Mädchen
Sie ganz besonders aus  Ich könnt es ihr zur Not noch nachsprechen 
Während der Zeit kam mein Reisegefährte und ohne sich nach seiner Braut zu
erkundigen macht er mir Vorwürfe dass ich ihn mit meinen Wo s und Luise mit
ihren Retts und Hiers gestört hätte Bruder sagt ich das Wort Rett ist das
deutsche hohe Notwort Wenn es ein Sterbender hört muss er sich noch
aufrichten  Nur keiner fiel er ganz gelassen ein der angelegt hat und was
hast denn du getroffen fuhr er fort Dies edle Geschöpf sagt ich Er ward von
allem unterrichtet und versicherte hoch und teuer dass wenn er nicht angelegt
gehabt er gewiss ebenso wie ich gelaufen und die Flinte weggeworfen haben
würde so unverantwortlich es gleich wäre Pulver und Schrot diese Gabe Gottes
umkommen zu lassen Luise lachte herzlich  Die liebe Kleine sah mich bloß
lieblich an Beide wussten sich nicht darein zu finden dass Pulver eine Gabe
Gottes sei Der junge Herr v G konnte nicht leugnen den Namen Lorchen gehört
zu haben indessen hatte er angelegt das das wollte mehr sagen als Lorchen Es
ist wahr durchs Ohr kommt weniger Mitleiden ins Herz als durchs Auge Man kann
eher seine Stimme als sein Auge verstellen und wen siehst du wenn du jemand
ins Auge siehst  Dich selbst im Kleinen Du bist in gewisser Art gegen dich
selbst mitleidig allein hier ist nicht von mehr oder weniger die Rede sondern
von Menschenstimme und von einem Jäger der angelegt hat
    Das kleine Fräulein und ihre Begleiterin schlichen sich nach Hause recht
als ob die Frau v W sie hier schon beim Wasser bemerken könnte
    Mein Reisegefährte unterrichtete mich in noch einigen Jägerkunstwörtern und
da ihm eben ein Hase aufstiess den er traf war unsere Jagd zu Ende  Ich ließ
mir seinen Unterricht mit vielem Eifer gefallen um ihn desto mehr zu meiner
Predigt vorzubereiten die ich überdacht hatte und noch überdachte Gewiss war
mein Reisegefährte vergnügter über seinen Hasen als ich über die Ehre seine
kleine Braut gerettet zu haben Er ließ mich merken dass im Hofdorfe ein
schmuckes Mädchen wäre sowie Fräulein v W wie er sich ausdrückte in diesem
Jammertal nicht werden würde und wenn Herr v W nicht ein Gut hätte das er
ihm gleich ohne sich selbst zu entblössen nach ritterlich überwundenen
akademischen Jahren überlassen könnte so würd er außer dem schmucken Mädchen
im Hofdorfe schon eine Frau finden Ich sprach viel von der guten Gemütsart
der Kleinen und der edlen Gemütsart ihrer Mutter allein dies schien ihm gegen
das Gut das er nach überwundenen Universitätsjahren zu bejagen gedächte eine
unbedeutende Kleinigkeit zu sein
    Obgleich der Vorfall mit Lorchen mir eben keinen glücklichen Erfolg über
eine Predigt erwarten ließ die ich meinem künftigen Kirchenpatron zu halten
entschlossen war so wollte ich doch nicht alle Hoffnung aufgeben Meine Leser
wissen schon dass ich während dem Anlegen auf die Bekehrung meines jetzigen
Reisegefährten und künftigen Gönners gezielt hatte und wer hält nicht gern eine
Predigt die er im Koncept hat
    Bruder fing ich an die Spinne fängt Fliegen
    v G Der Mensch Bären Wölfe Hasen und so weiter
    Ich Der Mensch Bruder  aber leider zwischen Mensch und Mensch ist
Unterschied  Du würdest kein Scharfrichter sein nicht wahr
    v G Warum nicht wenn dem Delinquenten die Augen verbunden sind
    Ich Aber Menschenblut  Dein Blut bei kaltem Blute sehen ich kanns
nicht wenn Ader gelassen wird  Mich dünkt ich sehe den Menschen mehr als
nackt wenn ich sein Blut sehe  das der liebe Gott zweimal verschlossen hat 
Im Kriege hat niemand kaltes Blut als der Oberfeldprobst und seine Jünger  Wir
haben schon über Krieg und Jagd geredet allein es ist auf kein gut Land
sondern auf steinigen Acker gefallen den der alte Herr in Musik gesetzt hat 
Du bist zu edleren Geschäften da
    Er Gelt Lorchen aus dem Wasser zu ziehen
    Ich Und wenns die schmucke Hofdirne gewesen wäre
    Er Bruder ein ander Ding Ich weiß auch wenn der Mensch selbst schreit
der in Not ist  hol mich  Hätte Lorchen selbst geschrien und nicht schreien
lassen ich wäre gelaufen auch wenn ich eben angelegt hätte
    Ich Lorchen bei Seite
    Er Schön
    Ich Ein Jäger und Student
    Er Das sollt nicht passen
    Ich Hast du den Plinius übersetzt
    Er Nein diese Ehre habe ich nicht gehabt Das sollte mein künftiger
Schwiegervater Gott hab ihn selig hören
    Ich Des Plinius Brief an seinen Kornelius Tacitus ist für dich  Ridebis
et licet rideas hebt er sich an Ego ille quem nosti apros tres et quidem
pulcherrimos cepi Ipse inquis und der Schluss Proinde quum venabere licebit
auctore me panarium et lagunculam sic etiam pugillares feras Experieris non
Dianam magis montibus quam Minervam inerrare Vale
    Er In Deutsch
    Ich Verstehst du nicht Latein
    Er Hie und da erjag ich ein Wort Den Plinius hab ich nicht übersetzt es
soll den Mund zu sehr spitzen sagt mein Vater
    Ich Plinius hat drei und was noch mehr ist recht schöne wilde Schweine
erjagt
    Er Das ist mein Mann  Schoss er
    Ich Plinius
    Er Übereilt Bruder freilich  das Pulver ist spätere christliche
Erfindung
    Ich Er jagt und studierte
    Er Siehst du
    Ich Bei der Jagdtasche und Hirschfänger um in unserer Mundart zu reden
hatte er Bleifeder und Schreibtafel und was noch mehr ist er versicherte
seinen Freund 
    Er Hoffentlich ein Jagdspötter wie du
    Ich Dass Diana und Minerva Geschwisterkind wären und zuweilen auf Jagdbergen
sich verlören aber
    Er Aber beim Plinius ein aber 
    Ich Ein zu spitzer Mund  Er fing Worte wie er Wild fing  vielleicht
verdarb ihn die Jagd
    Er Mich soll sie nicht verderben weder Herz noch Styl  Eins bekenn ich
 ein Hund gilt mir für zwei Bauern Hunde sind aber auch Geschöpfe die
wenigstens Wackers verdienten zu sein Aufseher über die Bauern Wir brachen
gestern zu schnell ab von den Hunden Es gibt Hundsinseln warum nicht festes
Land von der Art Mein Vater hetzt nicht gerne das hast du wohl gestern beim
Schuss gehört wie man die Hunde losliess Dein Vater hingegen  »Die Sternseher
haben diesen Namen in den Himmel versetzt Die Dichter schildern uns die Diana
in Gesellschaft einer Koppel Hunde« Das ist ein Weib »Die griechischen Damen
hatten schon Hündchen« Es ist nur zu wenig für die Hunde sonst wäre der
Gedanke was wert Gott wollte nicht dass ein Mensch dem andern aufwarten
sollte drum Hunde die sind geborene Lakaien und Kammerdiener Sie bieten sich
gleich zur Miete an wo sie einen Menschen sehen Ein Mensch zu dem kleine
Kinder und Hunde kommen ohne dass er sie lockt ist ein guter Mensch Siehst du
hab ich nicht von gestern behalten
    Ich Trefflich allein warum nicht noch eins von gestern Mittag Jener
Philosoph der alten Welt der aus Gefälligkeit für die gnädige Frau des Hauses
ihrem Schoosshündchen Schmeicheleien vorsagte Ei der da er das Hündchen in die
Höhe hob um es zu küssen p  es ihm in den Bart und die Gesellschaft lachte
und der Philosoph hatte nicht das Herz seinen Bart zu trocknen
    Er Das erzählte dein Vater der Frau v W zum Munde die gestern bitterbös
auf die Hunde war wer weiß obs wahr ist
    Ich Zwischen wahr und wahrscheinlich in Rücksicht der alten Welt kein
Unterschied
    Er Wahr oder nicht wahr Zu meinen zwei Flinten einem paar Pistolen und
dem Jagdmesser wirst du mir doch ein paar Hunde erlauben Eine Flinte Bruder
ist der Hunde Fahne Es sollten viel viel mehr als ein Paar bei der Fahne
sein da du aber kein Freund von Hunden bist 
    Ich Bruder die Wissenschaften lieben Stille in ein weiches Herz ziehen
sie ein und machen Wohnung daselbst Waldhörner sind nicht ihr Instrument Ich
soll dein Pastor werden Du und nicht der Wacker sondern der letzte deiner
Bauern sind gleich vor Gott und  
    Da sah man uns kommen Ich ward weil ich leer kam ausgelacht über Tafel
aber da die Frau v W die Geschichte ihrer Tochter erzählte bestand Herr v
G der jüngere schlechter als ich Herr v G beschämte seinen Sohn Wer wird
seine Braut um einen elenden Hasen überlassen die Erstgeburt um ein
Linsengericht So seid ihr Jäger alle Ich bin auch ein Jäger das weißt du
aber  Frau v G entschuldigte ihren Sohn ich weiß nicht mehr womit Frau v
W dankte mir herzlich und ihr Gemahl schalt aus Höflichkeit auf seine Tochter
um dem jungen Herrn v G Genugtuung zu verschaffen Meinetwegen war er in
erschrecklicher Verlegenheit denn so sehr dieser Vorfall zu einem neuen Feste
Anlass zu geben schien so blieb es ihm doch bedenklich weil ich nicht von Adel
war und wie hätt ich mir ein ander Schicksal als der Mann mit dem einen
Handschuh versprechen können der a dato nach sieben Tagen sterben wird  Er
kämpfte indessen weil es seine Tochter betraf meinetwegen auf eine
unbeschreibliche Art und endlich kam es dahin dass er mit vielen Komplimenten
sich bedankte und diese Begebenheit an den Rand zu verzeichnen sich verbindlich
machte wie denn auch meine Gesundheit bei Tafel von ihm ausgebracht wurde Es
war eine unaussprechliche Höflichkeit mit der mir Herr v W zu verstehen gab
dass beim was ist geschehen die Frage wer tats notwendig sei
    Höflichkeit und Festlichkeit scheinen und sind zuweilen wirklich Antipoden
allein unser Herr v W hatte diese Eigenschaften so zusammen vereinigt dass sie
wie eins waren Beide stammen vom Hofe der Geringere ist höflich aus Falschheit
oder Furcht der Vornehme aus Stolz und dies ist auch die rechte Quelle der
Festlichkeit So wie sich eine große freie Stadt zum Hofe verhält so die
Urbanität die Städtlichkeit zur Höflichkeit
    Wenn diese Bemerkungen zur Erläuterung des Charakters des Herrn v W etwas
beizutragen im Stande wären so würde es mir lieb sein  Was mich bei der
Frage wer tats betraf so war ich hiebei verlegener als bei dem Sprung ins
Wasser Ich konnte nichts mehr als meinen Reisegefährten entschuldigen Der
herzliche Blick der Frau v W und das frohe Lächeln der Kleinen war mir mehr
als zehn Feste des Herrn v W Dieser Vorfall inzwischen brachte uns eine
geraume Zeit nicht aus dem Zank Ein Vorwurf vom Herrn v G dem älteren dann
eine Entschuldigung von seiner Gemahlin und vom Herrn v W der es mit keinem
verderben wollte Beiläufig oder am Rande wiederholte er seinen Dank wie Frau
v W ihren Blick und das kleine Fräulein ihr Lächeln
    Die große Achtung die Herr v G der ältere gegen meinen Vater äußerte
bewies zwar die Redlichkeit seiner Aussöhnung allein sie machte mir ihre
zehnjährige Trennung zugleich unbegreiflicher Es ward vieles wiederholt was
mein Vater gesagt hatte und alles mit einer dem Herrn v G eigenen Wendung
so dass es wie neu aussah Sein plein good sense sein gesunder
Menschenverstand wusste gleich ein Exempel wenn eine Regel gegeben ward und
vielleicht verhielt er sich gegen meinen Vater um den Vergleich ins Kurze zu
ziehen wie Regel und Erläuterungsbeispiel
    Wir haben heut Ragout eingeschnittenen Braten sagte Herr v G Alles von
gestern  Wir wiederholen die Predigt und fragen sie uns ab
    Wenn je ein Ausdruck auf meinen Vater passt und der Wahrheit angemessen ist,
so ist es der von einer Predigt Dies Kleid war wie auf den Leib gegossen
konnte man sagen um von der Bemerkung dass Worte Kleider der Gedanken wären
Gebrauch zu machen Wer kann aber meinem Vater den Pastor und meiner Mutter die
Pastorin verdenken Die Predigt und den Gesang
    Herr v G erklärte seiner Gemahlin was naiv und was Laune sei worüber sie
zuweilen eine naive und launige Unterredung gehabt Laune sagte er ist der
körnige Ausdruck eines naiven Gedankens Naivetät ist eine Satyre auf die Kunst
es bestehe diese Satyre in Gedanken Gebärden Worten oder Werken  Er belehrte
sie dass sie sich nicht ferner Laune zueignen könnte Wer Laune hat fügte er
hinzu muss unterm Barte lachen wenn von einer guten Laune die Rede ist obwohl
bei jeder Laune wenigstens ein Zug vom Lachen unterm Barte zur Ehre des
Lachens sich hervorschleicht oder durchbricht wenn es gleich stockfinster auf
dem Gesicht ist  Unterm Barte lachen sagte die Frau v G mit einem
Veränderungszeichen
    Naiv aber meine gnädige Frau sind Sie  der Herr v G bückte sich gegen
die Frau v W sie wieder  ihr Mann aus Höflichkeit auch die Frau v G hatte
heut ihren guten Tag  Ein launiges Weib fuhr Herr v G fort würde ein Weib
mit einem Barte heißen und also setzte er hinzu  
    Dass es verschiedene Arten von Laune gibt sahen wir gestern sagte Herr v
G Nachdem die Feste sind erwiderte Herr v W Je nachdem fuhr Herr v G
fort je nachdem ein kluger Mensch Dinge ansieht je nachdem sehen sie ihn
wieder an Die Vorstellung von Glück und Unglück kommt nicht von den Dingen in
der Welt sondern von der Gemütsart der Menschen Der Standpunkt tut bei Seel
und Leib viel sehr viel alles  Die misantropische Laune wollte er
fortfahren da ihm wieder sein Sohn und das Fräulein Lorchen einfiel  Diessmal
aber wie mich dünkt zum Vorteil meines Reisegefährten
    Es ward von der DonQuichoterie und den Windmühlen und verfluchten
Schlössern in der Liebe gesprochen Jede Lüge ward bemerkt hat was Richtiges in
sich sonst würde sie kein Mensch anhören und ausstehen können Meine Mutter
nahm hieraus den Beweis dass es am Ende Gespenster gäbe Die Feenmährchen
wurden anatomirt und die Naturteilchen abgesondert
    Wo ist ward gefragt ein feuerfangender Jüngling der nicht bis ins
einundzwanzigste Jahr wünscht dass der Vater seiner Schönen abbrennen möchte um
die Geliebte aus dem Feuer zu retten Es sind ihm diese Lebensgüter wie meine
Mutter singen würde
Eine Hand
Blanker Sand
Kummer der Gemüter
    Nackt wie die Tugend ist will er seine Fiducia allein ist dies der Weg
zur guten Ehe Dies war die zweite Frage
    Herr v G behauptete in dienstlicher Antwort zum Wohlgefallen der Frau v
W dass man heiraten müsste um einen getreuen Gehülfen oder Gehülfin zu haben
und eben hiedurch entschuldigte er in gewisser Art seinen Sohn welches ihm die
Frau v G auf eine naive Weise zu verstehen gab Um sich herauszuhelfen sagte
er von meinem Vater gehört zu haben dass man sich auch in die Tugend verlieben
könnte Man muss aber wie der Pastor bemerkte nicht aus Neigung sondern aus
Urteil des Verstandes tugendhaft sein nicht weil die Tugend hübsch ist
sondern weil es die Tugend ist Man muss sie lieben wie sein Weib und nicht wie
sein Mädchen  Ein Tugendverliebter wird kalt wie jeder übertriebene
Liebhaber
    Aber fiel die Frau v G ein 
    Ich weiß dein Aber fuhr Herr v G fort die Damen wollen Neigung  Sie
glauben dass eine unsichtbare höhere Macht ihr Band geschlungen habe Neigung
ist ihnen der Himmel in dem die Ehen geschlossen werden
    Frau v W war auch einigermaßen fürs Aber und es erinnerte sich der Herr v
G zu rechter Zeit dass mein Vater behauptet hätte wir Menschen sprächen immer
von Neigung auch selbst da wo Urteil des Verstandes entschieden hätte Es
scheint dass der Mensch seiner Vernunft nicht recht traut Bei einem
Hauptargument hat er noch verschiedene ad hominem setzte Herr v G hinzu ohne
besonders zu bemerken ob es sein Eigentum oder von meinem Vater herkäme Es
schien als ob er vieles von meinem Vater jure antichretico besäße
    Herr v G brach sich sehr den Kopf über die Extreme von denen ihm mein
Vater besondere Dinge gesagt hätte Zwei Extreme sind zwei Enden wiederholte
der Herr v G als wenn er zu sich selbst spräche Zwei Enden die man den
Augenblick verbinden kann So war der Teufel Gottes Freund Wollust und
Notdurft sind Nachbarskinder Schwindsucht und Wassersucht Schlaflosigkeit und
Schlafsucht Licht und Schatten Leben und Sterben himmlische erhabenste
Weisheit und Einfalt  Die größte Wut ist wenn ein Mensch den andern frisst 
und geschieht das nicht Haben nicht die Menschen mehr als Wolfshunger Ist es
mit ihnen nicht oft in dem Zwölften Ist nicht oft ein leiblicher Bruder des
leiblichen Bruders Teufel welcher die Seelen verschlingt als schlürfe er
weiche Eier oder Austern
    Herr v G kam aufs Fressen zurück und doch sagt er alles wie zu sich
selbst 
    Die größte Liebe auszudrücken sagt man ich möchte dich vor Liebe
auffressen Niemand hat mehr Blasphemien gesagt als ein Quäker Er und ein
Gottesläugner sind näher verwandt als man glauben sollte
    Ich habe nicht nötig zu bemerken dass Herr v G dieses lange vor sich so
aussprach dass wenn ers auch nicht so oft treulich und sonder Gefährde
angeführt jeder doch teils aus seinem Ton teils aus seinem Kopfschütteln
gesehen haben würde es sei nicht sein sondern meines Vaters
    Dies dies dies Herr v G sagte dreimal dies wie meine Mutter dreimal
das Wir im Glauben sang dies ist mir etwas am Pastor das ich noch bei keinem
Menschen sonst er sei Pastor oder nicht Pastor gefunden habe Es ist was Seel
und Leib Eigenes was Teosophisches wie soll ichs nennen Unser Freund Pastor
hat den heiligen Busch im Brande gesehen  Rechnet man dazu dass er die Bibel
nicht in schwarzem Saffian gebunden hat sondern in weißem Pergament selbst 
ohne goldnen Schnitt dass er sie nicht als Medizin sondern als täglich Brod
braucht so ist der gute Pastor ein ganz besonderer Pastor Seine andern Seiten
dass er zB die Glatze nicht mit Puder bedeckt dass er kein Jaherr ist dass sein
Ausdruck nicht Scheidemünze nicht Gang und Gebemünze oder Kourant sondern
aus der Sparbüchse genommenes Geld ist und um mit Erlaubnis in eine andere
Figur zu kommen nicht wie auf den Kauf gemacht sondern wie bestellte Arbeit
aussieht so dass es von ihm heißen kann »was er spricht das gerät wohl«
    Dass der Pastor nicht ein gelernter Gelehrter nicht einer des Buchstabens
sondern einer des Geistes und der Kraft ist
    dass er nichts bloß teoretisch weiß sondern alles alles in Blut und
Lebenssaft oder Praxis bei ihm übergegangen
    dass er die meisten Dinge aus einem oft unbeträchtlichen Gesichtspunkt nimmt
und eben dadurch beim rechten Ende fasst
    dass er einen königlichen einen Revisionsblick der immer mit einem gewissen
Glück verknüpft ist besitzt sein Blick trifft immer ohne dass er zielt
    dass  und noch viele dass gehen vor sich
    Beim letzten dass erzählte der Herr v G eine Geschichte die sich noch vor
der Scheidung vom Tisch und Bett also vor zehn Jahren zugetragen hätte
    Ein Barbier schnitt mit mörderischer Hand dem  den Hals ab nachdem er ihn
zuvörderst ganz sauber und köstlich von der Bürde seines Bartes befreit und
leicht ums Kinn gemacht hatte Wär ich Inquirent hätte mein Vater nicht bloß
gesagt sondern behauptet würde einer meiner Hauptfragen sowohl im
Generalverhör als bei den Specialartikeln sein
    Warum der Barbier den Ermordeten zuvor sauber und köstlich von der Bürde
seines Barts befreit und leicht ums Kinn gemacht eh er 
    Der Bösewicht setzte Herr v G ohne das Komma abzuwarten und meinen Vater
ausreden zu lassen hinzu das kommt vom Aderlassen heraus Man sollte nicht
Leute an den Hals lassen die Blut sehen können als sehen sie süße Milch
    Der Mörder hätte bekannt dass er mit Mordgedanken zum  gegangen Alle
Umstände bestätigten diese Aussage Der erste Strich war in seiner Seele Mord
Warum vollbracht er ihn erst beim letzten  Nota bene Er fand den  allein
und so blieben sie auch  die Tat kam nach vier Stunden erst aus
    Ich weiß nicht sagte meine Mutter im ersten Bande ich weiß nicht gegen
das gemeinste Volk hab ich bis ich bekannt bin rückhaltende Achtung ich
glaube das macht das Bild Gottes Wenn meine Leser den ersten Band nicht bei
der Hand haben so war es bei Gelegenheit der Blutreinigung deretwegen meine
Großmutter mütterlicher Seits das alte Gesinde behielt welcher blutigen Meinung
meine liebe Mutter in Rücksicht der königlichen Frau Mutter Babb beitrat
    So ungefähr beantwortete mein Vater seine General und Specialfrage denn
ich muss aufrichtig gestehen dass sich der Herr v G darüber ungefähr so wie
über die beste Welt ausdrückte
    Unser Pastor fuhr Herr v G fort nachdem er sich von so vielen dass
losgemacht unser Pastor besitzt etwas was man nicht aussprechen kann in
diesem Punkte Er ist ein Gegenfüssler von einem Lauen und ich kenne keinen
Menschen der mehr Teilnehmer wär als er
    Obgleich der Herr v G diesen Zug in meines Vaters Charakter nicht in
seinem heiligen Dunkel störte so dass er höchstens nur den heiligen nicht aber
den letzten den allerhöchsten Vorhang hohepriesterlich zog und in gewisser Art
eben so unbegreiflich blieb als mein Vater selbst so muss ich doch bei dieser
Gelegenheit gestehen dass mein Vater wirklich in diesem Stück was ganz besonders
Eigentümliches besaß Ich hab ihn einen im Himmel Angeschriebenen einen
Verklärten genannt und als einen aus dem Reiche Gottes dargestellt von welchem
wir beten dein Reich komme
    Ich weiß nicht mehr wer von ihm in seinem eigenen Pastorat da er eben den
Rücken gekehrt hatte das Urteil aussprach dass er sobald er spräche den
Sprengwedel in der Hand hätte und die Seele mit geweihtem Wasser besprenge und
dass er jederzeit mit gewaschenen Händen erschien so wie man von dem alten und
neuen Gebrauch sich ehe man in den Tempel ging zu besprengen und zu reinigen
zu sagen pflegt mit ungewaschenen Händen Vielleicht übertrieb es mein Vater an
vielen Orten wie jener Jünger der anfänglich auf die Art des Herrn v W mit
seinem Herrn und Meister complimentirte nachher aber auf einmal ausbrach nicht
die Füße allein sondern die Hände und das Haupt
    Der Socinianismus ist etwas Kleinstädtisches etwas Verlahmtes etwas
Ermüdetes pflegte mein Vater zu sagen Entweder Hof oder plattes Land kalt
oder warm alles oder nichts aut aut 
    Eltern sehen sonst nicht dass Kinder wachsen und Kinder sehen nicht dass
ihre Eltern alt werden weil sie sich täglich und stündlich sehen wenn es aber
ein Fremder bemerkt dann reißt sich ihr Auge auf  Mir werden meine Leser den
Vorwurf nicht machen und wenn sie mit mir in Rücksicht dieses Charakters nicht
zufrieden sind so gehört es nicht auf meine sondern auf die Rechnung meines
Vaters  Wer mir aber den Einwand entgegensetzt dass ich meine Charaktere nicht
frisirt und gepudert und völlig vom Haupte bis zum Fuße geschmückt und sein
angetan präsentire hat es in den Tod vergessen dass ich eine Geschichte
erzähle Schon im Roman muss man seine Leute kennen der Natur nachfolgen und den
Menschen sich öffentlich ankleiden lassen Man muss den Menschen im
Seelenkamisölchen in der Federmütze wenn er ein Gelehrter und mit einem
seidenen Tuch künstlich russisch um den Kopf gebunden wenn er ein Edelmann
ist darstellen  in naturalibus Jeder Mensch hat seine Art sich anzukleiden
und zu erzählen und diese beide Arten stimmen mit einander so überein dass
wenn ich jemanden sich ankleiden sehe ich sagen will wie er erzählt und
umgekehrt wenn ich ihn erzählen höre will ich sagen wie er sich ankleidet Die
Art sich auszukleiden kann den Kenner vielerlei lehren und unter andern auch
wie der sich Entkleidende sterben werde Hievon ein andermal
    Eine Erzählung der man das Studirte das Geflissene das Geordnete ansieht
ist unausstehlich  So wie es in der Welt geht so muss es auch in der
Geschichte gehen  Bald so bald so  Der Hörer der Leser mag sich hieraus
ein Miniaturstückchen auf teophrastisch brüyerisch zeichnen wenn er will
    Belege zu dieser Bemerkung die Menge in meinem Lebenslauf und um meine
Leser auf der Stelle zu überzeugen 
    Herr v G erzählte dass mein Vater nicht die mindesten
Wirtschaftskenntnisse besessen hätte da er Pastor geworden
    Jetzt weiß er so gut wie Einer wann Zeit zu säen und Zeit zu ernten ist
wann man dreschen malzen Haus Acker Garten und Fischergeräte bessern
muss Er versteht sich auf die Eisfischerei auf die Nachtfröste Holz und
Mistfuhren Flachs und Haufbrechen
    Wie er anzog wollte der gute Pastor fuhr Herr v G fort den
Pastoratsbauern seine Schwäche nicht verraten und was tat er eh er durch
Gesicht und Ohr so weit gebracht war als er jetzt ist Er visitirte sein
Inventarium Das Register in der Hand fragte er
    Neun Braune Ja
    Neunzehn Schimmel Ja
    Acht Füchse Ja
    Dreißig Kühe Ja
    Wer hier nicht den Pastorem loci findet 
    Herr v G war mit Ehren zu melden ein grossmächtiger Wirt Er las
versuchte fehlte und verstand zuletzt seinen Boden als wenn er mit ihm
sprechen könnte Er benutzte im Ganzen genommen seine Aecker auf eine Art
welche ihm den Neid seiner hochwohlgebornen Brüder zuzog Der gemeine Mann
sagte er hätte den Alp Die Frau v G nannte die ökonomischen Bücher die er
sich mit vielen Kosten verschrieb »Wurzelbücher« und wusste sehr genau wann
und wo er durch Versuche verloren hatte So war der Herr v G um seinen
eigenen Ausdruck zu adoptiren eine Erdscholle ein glebae adscriptus allein er
war selbst auch dies als v G Wenn ich Ihnen mit dem Ausdruck einen Dienst
erweisen kann gnädige Frau v G er war ein Wurzelmann  Die Blätter fallen
im Herbst in der Trübsal ab
    Obgleich wir ein Trauerfest hatten und der Herr v W sein Waffenträger und
Herr v G sehr höflich gegen einander waren welches gemeinhin bei Trauerfesten
zu sein pflegt so konnte doch Herr v G nicht umhin wiewohl ohne ihnen diese
Saladiere anzubieten gelegentlich anzumerken dass derjenige der nicht bezahlen
könnte sehr höflich wäre welches gestern mit alten Männern wenn sie junge
Weiber zur Ehe hätten bewiesen sei
    Wie denn Herr v G sich wider alle GeburtstagsGlückwünsche erklärte  Wer
wird sagte er gratuliren dass man schwächer geworden Zum Geburtstage muss man
nur bis zum dreissigsten und da in der Weichlichkeit der Jünger immer stärker
als der Meister ist nach unserm Weltlauf bis zum fünfundzwanzigsten
einundzwanzigsten und wohl neunzehnten Lebensjahre Glück wünschen  es wäre
denn dass man auf die andere Welt Rücksicht nehmen wollte nach der aber in
gesunden Tagen wenig Nachfrage ist
    Noch eins Mein Vater hätte gesagt sagte Herr v G wer einen Brief
schreibt muss glauben er schreibe ihn an die Welt und wer ein Buch ich sage
ein Buch schreibt schreibe es an einen guten Freund wenn man nicht in beiden
Fällen alltäglich sein will
    Ich ergreife dieses noch eins als eine erwünschte Gelegenheit um meinen
Leser auf Ehre zu versichern dass ich dies noch eins nicht aus den Augen
gelassen und dieses Ganze an Einen gerichtet habe Ich habe dieses Einen in dem
ersten Bande erwähnt und es ist eben derjenige der mich auf der
einundzwanzigsten Seite besuchte und dem ich auf eben der Seite ich rede von
der ersten Ausgabe denn wer steht mir dafür dass es zu mehreren kommt eine
glückliche Reise gewünscht habe
    Wie viel liegt in dem Worte Einer Wer es fassen kann der fass es und
wers nicht kann wird auch schwerlich begreifen was eigentlich Einheit in
einer jeden Schrift ist welche da sein muss die Schrift wandle gleich im
finsteren Tal sie gehe gleich durch Dick und Dünn durch Licht und Finsternis
Eine Schrift welche dieses Ziel nicht hat und nicht an Ort und Stelle kommt
ist eine Missgeburt  Je weiter man es gebracht hat alles zu Einem einzulenken
und kein Rad zu viel und keines zu wenig in seinem Buche zu uhrmachen desto
mehr Ganzes ist da Man sagt Ein Apostel Paulus Ein Rat Eine christliche
Gemeinde wolle mit gebührender Andacht verlesen hören   Gott schuf nur einen
Menschen sein Bild und wenn ihr Herren Präadamiten in die Kreuz und in die
Quere euch dagegen bäumt In dem Gedanken Ein Mensch und sein Weib von ihm
genommen liegt was Göttliches was Großes was  Ein System wenn es so ganz da
liegt so ganz wie Tier und Mensch ist Arbeit eines Halbgottes Wo ist ein
System dieser Art Wenn es ja fertig werden kann wird es das Werk eines
Deutschen sein  Im System geht man vom Ganzen zu den Teilen Man sieht den
Menschen ganz Ein Blick ist genug hiezu und sodann anatomirt man ihn  Sonst
geht man von den Teilen zum Ganzen Ein System heißt nicht Kompendium und ist
nicht ein auf Draht gezogenes Gerippe Seht die Welt Sie ist ein Mensch im
Großen So ganz wie ein Mensch Gott sieht sie wie ich meinen Haushahn meinen
Phylax meinen Leopold wir aber finden sie so in Unordnung dass es Kunstrichter
gegeben hat die dem lieben Gott gern was ins Ohr darüber gesagt hätten
    Wo das was ich verstehe gut ist da leg ich beide Hände auf den Mund
wenn ich an etwas stoße das ich nicht verstehe
    Mein Einer an den ich dieses Buch geschrieben ist mein lieber getreuer  
den ich auch getreu lieben werde bis in den Tod Dieses ganze Buch ist eine
Dedikation eine Zuschrift in Rücksicht auf ihn ein Brief mit einem cachet
volant sub sigillo volante unter offenem fliegendem Siegel allein kein
Wunsch ist sehnlicher als dass meine Leser hiebei nichts verloren sondern
vielmehr reichlich gewonnen haben mögen
    Mitten in diesen und andern Wiederholungen kam ein Brief von meinem Vater an
den Herrn v G und an mich
    Nichts an mich zum offenbarsten Beweise dass mein Vater nicht fürs
Schreiben war
    Auch der Brief an den Herrn v G war kurz und enthielt nur eine Anweisung
einen Fingerzeig wegen der Beilage Unser Bekannter der das erste und
letztemal da er eine Flinte losdrückte oder vielmehr da sie ohne sein
Vorwissen und Mitwirkung in seiner unerfahrenen Hand losging seinen Sohn
erschoss hatte seine Lebensumstände eigenhändig verfasst und sie seinem Tröster
meinem Vater in die Hände gelegt Der Herr v G den der Alte mit dem einen
Handschuh aufmerksam gemacht hatte meinen Vater beschworen ihm den Erfolg von
dem Trostamte welches dieser Unglückliche in seiner Seelenangst aufgefordert
hatte zu berichten
    Ein kurzer Brief sagte Herr v G da er den Brief meines Vaters
entfaltete der wie ich bei Gelegenheit des Konversus bemerkt habe fürs
Mündliche war Dies gab Anlass von meines Vaters Weise kurz zu schreiben nach
seinem Beispiel ein langes Gespräch zu halten das Herr v G auf eine mir
unvergessliche Weise beschloss Die Sprache Gottes Gott sprach hauchte nur auf
und es ward Gott ist auch Schriftsteller worden fuhr Herr v G fort Das Wort
Fleisch  Es ist viel von Gottes Wort zu sagen Ein Ausdruck den alle Welt im
Munde führt und doch ein tiefer tiefer Ausdruck
    Eine lange Beilage sagte Herr v G nachdem er den kurzen Brief durch und
durch geblickt hatte Er las ihn nicht er blickt ihn auf Die Beilage ward
wörtlich abgelesen Einige Stellen hatten Tränen überschwemmt und sie schienen
wie verwüstete Wiesen die das ausgerissene Wasser zerstört hat
    Hier ist ein wohlgemeinter Auszug Es war der   der einzige Sohn eines
Amtmanns Seine Mutter die Tochter eines Literatus Seine Eltern starben in
Ketten Der ungnädige Herr Principal hatt ihnen Defecte zugezogen ohne sich
Zeit zu nehmen eine Probe bei seiner Rechnung zu machen
    Die Kavaliere schreibt er rechnen gemeinhin mit ihren Amtleuten ohne
Probe und sind Kläger Richter und Henker
    Unser Bekannter hatte Gelegenheit gehabt in seiner ersten Jugend schreiben
und rechnen zu lernen ohne dass er sich unterstehen durfte von dieser Kunst bei
der Verrechnung des Herrn v  in Rücksicht seines Vaters Gebrauch zu machen
und ihr durch eine Probe nachzuhelfen Er entging mit vieler Mühe der
Schulduntertänigkeit konnte von Glück sagen dass er frei blieb und als
Bedienter sich in einem andern hochadelichen Hofe anzubringen die Erlaubnis
erhielt Er versprach Charlotten die Ehe einer freien Person die aber weder
reich noch schön war  Sie hatten sich von dem ersten Augenblick geliebt da
sie sich gesehen hatten Sie war verliebt und tugendhaft das ist nicht viel
auseinander und verliebt und tugendhaft war alles was man von Charlotten sagen
konnte Gewiss würd unser Bekannter an ihrer Hand glücklich geworden sein Er
hatt ihr die Ehe einmal da es donnerte verheißen und so laut wie er
schreibt dass er fast den Donner überschrien  Alles was Charlotte und unser
Bekannter sahen alles was sie hörten bestätigte ihre Liebe  denn
Aufforderung hatten sie nicht mehr nötig Unser Bekannter hatt eine Laube
gepflanzt welche Charlotte begoss Sie wuchs mit ihrer Liebe um die Wette
Charlotte hatte das Glück wies die Leute hießen den gnädigen Herrn in
verliebten Aufruhr zu setzen Sie war die vierte der er ein seidenes
Schnupftuch zugeworfen allein die drei so vor ihr gewesen die Kammerjungfer
nicht ausgenommen waren auf einen andern Fuß genommen Er fing an zu seufzen
und Charlotten förmlich die Kour zu machen Wenn niemand dabei war küsst er ihr
die Hände und das Kammermädchen seiner Frau Gemahlin Gnaden hatt ihn auf den
Knien vor Charlotten gesehen Dies verdross das Kammermädchen beinahe mehr als
die gnädige Frau welch letztere die Kunst sich zu entschädigen aus dem Grunde
verstand und den Herrn Gemahl länger verloren hatte als die Kammerzofe den
Liebhaber Indessen fand auch die entschädigte gnädige Frau unschicklich dass
Se Hochwohlgeboren einem Dienstmädchen die Kour machten Die Kour auf den
Knien So was hielt sie ihrer Ehre zu nahe und das Kammermädchen setzte hinzu
wenn Charlotte noch eine Kammerjungfer wäre
    Charlotte hätte wenn sie den Plan der gnädigen Frau und des Kammermädchens
befolgen und den gnädigen Herrn öffentlich lächerlich machen wollen ein
ziemlich großes Spiel gewonnen allein sie wollte nicht durchs Spiel reich
werden Sie suchte Se Hochwohlgeboren auf den rechten Weg zu bringen er aber
blieb auf dem Irrwege zu ihrem Herzen Da sie ihn nicht los werden konnte
entfernte sie sich wie sie stand und ging und ließ wie Joseph ihre Plundern
zurück die Man ihr bei Hängen und Würgen auslieferte Die Sache macht
Aufsehen und Charlotte war die einzige Person die den Herrn v  vom Theater
der dortigen Gegend bringen konnte Sie tat es und da unser Bekannter sie
selbst darum bat kehrte sie zurück ins Haus Solche Herren wissen sich durch
Ableiter vor dem Ungewitter zu sichern Sie wissen nicht was eine
fehlgeschlagene Liebe sagen will Der Herr v  hatte sich mit weniger Mühe
ohne zu knien versorgt und unser Bekannter besaß Charlotten nun ohne
Anfechtung Sie war ihm jetzo teurer denn ihre Tugend hatte gesiegt und das
Feld behalten
    Es ist unaussprechlich wie glücklich unsere Verliebten waren Er pflückt
ihr die ersten Blumen und die Natur schien sie recht geflissentlich für ihn
oder eigentlich für Charlotten zu verwahren Nur ein durch Liebe geweihtes Auge
konnte die Blumen finden die er fand Sie hingegen bracht ihm die ersten
Früchte Er aß sie aus ihrer Hand und dann schmeckten sie ihm desto süßer
    Nach dem Auftritt mit dem Herrn v  schien Charlotte unserem Bekannten
eine Märtyrin und er glaubte dass diese erhabene Idee seiner Liebe Schaden
getan haben könne Nachdem ich sie schreibt er übermenschlich liebte schien
sich ein gewisses Feuer im Herzen zu legen
    Er gesteht mit allen Merkzeichen einer wahren Reue die niemand gereut dass
sein Herz vorzüglich durch die Geschenke seines Principals den ganzen Rest von
Anhänglichkeit zu Charlotten verloren Welch ein Verlust O Gott welch ein
Verlust Ich ward wie ein schwankendes Rohr schreibt er lange vom Winde hin
und her getrieben Ein Flick Land und ein blanker Hut machten den Garaus mit
mir Ich balancirte schon zuvor Dies Flickwerk gab den Ausschlag Der gnädige
Herr konnte Charlottens Gutherzigkeit empfinden Viel vom gnädigen Herrn Er
hasst und ehrte Charlotten wie die Teufel glauben und zittern Sie hatte seine
Beschämung oder Beschimpfung in ihrer Gewalt allein ihre edle himmlische Seele
wusste von keiner Rache Charlottens Herz hatte nicht seines Gleichen Sie fragte
nicht ehe sie Mitleiden zeigte ob der Unglückliche Schuld an seinem Unglück
wäre Oft dacht ich wenn sie weinte mit den Weinenden und wenn es ihr genug
war Elend zu sehen um bewegt zu werden sie lässt wie Gott der Herr regnen
über Gerechte und Ungerechte  Diese edle Denkungsart vermochte vielleicht den
gnädigen Herrn durch sein Geschenk die gute Sache mit Charlotten ins Reine zu
bringen Der Hut sagt er zu mir ist mir zu groß Das Land ist mir zu klein
Es ist beides sein  Weg war ich ja wohl weg
    Unser Bekannter verdarb sein Herz von Tag zu Tage Je mehr Charlotte ihm
sagte dass ihm der Hut schlecht stünde sie sah dabei auf sein Herz er war
sonst ein schöner Mann je gleichgültiger ward er gegen sie Er hatt an jedem
Finger eine Schöne die sich in dem blanken Hute spiegelte und sich nach Massgabe
desselben das Tuch um den Hals zurechtzog bis endlich Luise ihn zur heiligen
Ehe bestimmte Sein Hut war abgetragen und Luise war reich Diese Luise ist das
unglückliche Weib das nach dem unglückseligen Schuss mehr aus Gram über den Gram
ihres Mannes als über den Verlust ihres einzigen Sohnes starb wie ich im
ersten Bande bereits bemerkt habe Das Stück Acker so ihm der Herr v 
schenkte war zur Not eine Brodstelle allein einen blanken Hut warf es nicht
ab Bis auf den Zuschlag mit Luisen hatte Charlotte noch Hoffnung gefasst Sie
die alles zum Besten zu kehren gewohnt war verlor nicht alle Aussicht zur
Besserung ihres ungetreuen Liebhabers Vom Tage seiner Verlobung mit Luisen sank
sie in Schwermut O Gott sie sank tief Dichte Wolken überzogen sie und es
war so feierlich anzusehen als wenn schwarze Wolken den Mond beziehen  Wer
diesen Bezug nicht bemerkt hat tue Charlotten Ehre und bemerk ihn noch
Während der Zeit da sich unser Bekannter von Charlotten gedreht bekam sie
einen Freier der sie herzlich zu lieben vorgab Man konnt an der Ehrlichkeit
seiner Liebe nicht zweifeln da er reich und sie arm war Dies wusste sie zu
empfinden allein sie empfand auch dass es nicht unser Bekannter war
    Die erste Liebe merkte Herr v G bei dieser Gelegenheit an stimmt unser
Herz auf ewig Der Ausschweifendste könnte behaupten er habe nur eine Einzige
geliebt und in Wahrheit das könnt ihn heilen  wenn es sein Ernst wäre heil
zu werden Man liebt immer die erste Liebe auch selbst wenn man am Hofe ist In
jeder neuen Teaterprinzessin ist wenigstens ein Zug von der ersten Liebe Sie
ist uns ins Herz geschrieben im theologischen Sinn  und beweist dass von
Anbeginn nur ein Weib und ein Mann gewesen Der arme Freier Es war seine erste
Liebe er heiratete allein es war keine Charlotte Die Braut unseres Bekannten
wandte sich an Charlotten denn sie hatte zu ihrem Bräutigam mit dem
abgetragenen blanken Hut kein absolutes Vertrauen  Charlotte gab ihm mit
weinenden Augen das beste Zeugnis Sie küsste die Rute womit sie gezüchtigt
ward Sie küsste Luisen herzlich  Arme Charlotte Ihrem beklommenen Herzen Luft
zu machen heiratete sie allein was ist von einer Heirat aus Verzweiflung zu
erwarten Sie machte ihren Mann unglücklich und sie war es noch weit mehr Sie
küsst ihn zitternd wie eine Taube die den über sich hangenden Mörder sieht
indem sie ihren Gatten schnäbelt Charlotte sah den Habicht ganz allein und
mithin wußt ihr Mann nicht was ihr war  Sie hatte keine Kinder und
Charlotte ward allgemein für eine Person erklärt die schwermütig wäre
Besonders äußerte sich dieser Trübsinn wenn sie was Blankes sah es müsste denn
durch die Sonne vergoldet sein sonst konnte sie nichts Schimmerndes ohne
Tränen ansehen Ihr Silber und Zinn musste nicht glänzend gemacht werden Am
liebsten aß sie von Holz  Man verschloss sogar Scheere und Messer eine
Zeitlang Ein Schrecken war das Einzigste was Charlotten ins Lachen bringen
konnte Ihr Lachen hielt man für Hitze so wie ihre Tränen für Frost bis man
mit ihrer Art bekannter ward und Messer und Scheere wieder aufschloss
    Charlotte konnte keine Kinder ausstehen allein wenn sie heimlich den
einzigen Sohn unseres Bekannten habhaft werben konnte drückte sie ihn fest an
ihr Herz Es war rührend anzusehen  Unser Bekannter hatte das Glück sich zu
überreden Charlotte sei nicht seinet sondern ihres einzigen Mannes wegen
schwermütig Es war Charlottens Mann der beste Mann in der Welt indessen ward
er ordentlich gehasst und wenn man ihn am Ende so böse nicht fand als man ihn
ausgab kam es auf den gnädigen Herrn man sagt es sich ins Ohr dass Charlotte
seinetwegen so trübe geworden wäre
    Sie starb  und so froh dass es erbaulich war von ihrem Tode zu hören Wer
sie sterben gesehen war bis an die Tür des dritten Himmels entzückt worden
Charlotte war aber gewiss weiter eingedrungen zur ewigen Freud und Herrlichkeit
Wer ihre letzten Worte gehört hatte redete von ihr mit Ausgelassenheit  Es
hatte kein Auge gesehen es hatte kein Ohr gehört es war in keines Menschen
Herz kommen was die Umstehenden gesehen und gehört hatten und was ihnen ins
Herz gekommen Ihr Ehemann hatte in Wahrheit die Freuden des Ehestandes nicht an
ihrer Hand erfahren allein ihr Andenken ließ ihn an keine zweite Verbindung
gedenken
    Unsere Verbindung sagt er war für die andere Welt wo keine Tränen mehr
von Charlottens Augen fallen werden Sie sind getrocknet diese Tränen und
Engelsfreude ist in ihren Augen Halleluja Charlotte bat ihm sterbend ab und
er ihr und alle die Messer und Scheere verschlossen hatten verlangten ihren
Segen
    Vergib mir sagte sie zu ihrem Manne es wird dir alles im Himmel gelohnt
werden Am Grabe endet sich alles Elend aller Kummer  Dort wird das Buch
meines Schicksals aufgetan damit ich lese und verstehe was hier kein weiser
Mann zu erklären wusste Alle Finsternis wird dort Licht sein O wie froh werd
ich sein den Zusammenhang meines Lebens kennen zu lernen  Ihr Mann rang die
Hände und wenn sie ihm abbat weint er bitterlich  Ehe sie ihr edles Auge
schloss sah sie sich rund herum Bei ihrem Manne ließ sie das Auge etwas ruhen
und nachdem sie diesen Lauf vollendet sah sie gen Himmel und ihr Auge schloss
sich als wenn man müd ist von selbst Es durfte nicht zugedrückt werden 
Sie entschlief  Wahrlich wahrlich sie starb in einer seligen Stunde  Ihr
Liebling der Sohn unseres Bekannten spielt oft auf ihrem Grabe das kein
Kraut des Fluchens Dornen und Disteln entehrte obgleich es rund herum stand
Es schien als ob Dornen und Disteln Achtung für das Grab unserer Seligen
hätten Der Sturmwind wenn er daherfuhr und die Kirchenlinden absplitterte und
Äste brach schonte der Blumen auf dieser heiligen Stätte Sie war jedem
heilig wie die Pforte des Himmels
    Ich glaube meine Leser verlieren bei diesem Auszuge denn das
weitschweifige Original hatte Stellen die schrecklich waren
    Unser Bekannter war durch diesen denkwürdigen Tod noch nicht auf Bussgedanken
gebracht Er konnte Charlottens Leiche sogar folgen ohne eine Träne fallen zu
lassen
    Das nenn ich sagte Herr v G Gericht der Verstockung Die Trostlosigkeit
des Mannes unserer Charlotte bestätigte das Vorurteil dass er Charlotten
unglücklich gemacht hätte Man hielt es für Gewissensbisse Die Umstände ihres
Todes die unserm Bekannten wiewohl zum größten Teil sehr unrichtig und nur
beiläufig erzählt worden bestätigten diesen unerhörten Wahn  Da Charlotte
ihrem Ungetreuen auswich und ihn nicht anders als in ihrem Herzen sah so
unterhielt alles die Ruhe unseres Bekannten um mich desto unruhiger zu machen
dies sind seine eigenen Worte
    Der Herr v G bemerkte dass ihm nichts schrecklicher als ein ganz ruhiger
Mensch wäre Die Ruhe der Weisen sei so sehr bemerkte er mit einer gewissen
seligen Unruhe mit einer Sehnsucht verknüpft dass man sie eine selige Unruhe
nennen könnte Ruhe ist Dekoration wies eine Aufrichtigkeit von der Art gibt
eine Aufrichtigkeit die verkleideter Mord ist  und wodurch man sicherer
betrügt als durch Rückhalt
    Unsern Herrn und Meister sagte Herr v G konnte nur eine gewisse Ruhe
die Folge von einem göttlichen Ruf kleiden  seinen Aposteln kommt sie schon
nicht zu  dem Sokrates nicht  wohl aber der Maria des Herrn Mutter und jedem
Weibe das einen Sohn hat der seiner Mutter Ehre macht  Solch ein Weib hat es
vollendet  Hier in der Welt sind wir in der streitenden Kirche  Wer wird die
Hände in den Schoss legen wer sein Auge sinken lassen Ruhe ist der Anzug der
Seligen der Vollendeten des Herrn Von Gott kann man sagen er sah an was er
gemacht hatte und siehe da Es war alles sehr gut
    Der Gang auf Vogelwild unseres Bekannten war sein letzter ruhiger oder
verstockter Gang Der Schuss wodurch er seinen Sohn tödtete sprengte sein
Gewissen auf Knall und Fall passte nicht bloß auf seinen Sohn sondern auch auf
seine Ruhe Er führte an dass er im Schuss den nämlichen Knall gehört hätte als
im Donnerschlag den er überschrien und den er zum gerechten Zeugen für seine
ehrliche Liebe zu Charlotten aufgerufen Die Molltöne hatten sein Herz nicht
erweichen können so wie göttliche Wohltaten die wenigsten Menschen zu Gott
lenken Es musste einschlagen und nun fielen die Schuppen von seinen Augen Der
Schuss schleifte seine ganze Festung
    Da stand er und trauerte wie ein Baum dem ein brausend wütender Angriff
des Sturms alle seine Blätter auf einmal raubt und ihn schnell ganz nackt
auszieht  Nun war ihm Charlottens Grab die einzigste Zuflucht hier sah er
Charlotten und seinen Sohn der auf diesem Grabe oft gespielt hatte  Was für
ein schreckliches Licht war ihm aufgebljetzt Gott ist gerecht schrieb er und
alle seine Gerichte sind gerecht Seine Ausdrücke waren brennend Sie gingen
durch Mark und Bein Wie gern hätte er sein verpfändetes Wort eingelöst Sein
Weib war ihm unerträglich und er sich noch unerträglicher weil sies ihm war
Sein einziger Umgang war mit dem Manne seiner Charlotte der ihm alles haarklein
erzählen musste was unser Bekannter nachdem er zur Erkenntnis der Sünden
gekommen war besser verstand als sein Freund Die Laube welche er gepflanzt
und Charlotte begossen war ihm fürchterlich finster geworden indessen ging die
Sonne keinen Tag unter wo er sie nicht besuchte Er suchte Charlotten drin und
weinte Er der ehemals mit dem Frühling um die Wette blühte konnte außer dem
Herbste keine Jahreszeit ausstehen Abgefallenes Laub sah er lieber als eine
Rosenknospe und wenn er einen verdorrten Baum fand setzte er sich unter ihn
er war ihm der liebste
    Gott hat mich verstoßen seufzte er zuweilen und niemand konnte ihn seufzen
hören ohne ihn herzlich zu bedauern  das brachte einen neuen Seufzer hervor
Wenn er zum Nachtmahl ging weinte er so als wenn er unter den Kriegsknechten
gewesen wäre und jetzo öffentliche Kirchenbusse täte Er war stets
zerschlagenen zerrissenen Herzens Sein ganzes Leben war eine immerwährende
Litanei ein ewiges Kyrie eleison Froh würde er seiner Erlösung
entgegengegangen sein wenn nicht Charlotte und sein Sohn im Himmel gewesen 
Seinen Sohn durfte er nur vor den Menschen bekennen desto mehr litt er dass er
Charlottens Namen verbeissen musste In der Stille nannte er ihn tausendmal in
einem fort Er zitterte vor dem Tage seines Todes und das Leben war ihm auch
unerträglich O Gott es muss ein schrecklicher Zustand sein wenn man nicht
leben nicht sterben kann Am Ende war ihm doch das Leben das unerträglichste
Er sehnte sich vom Fegfeuer dieses seines Lebens und von allem Übel befreit zu
werden  und wenn ihn eine Furcht vor dem Himmel ergriff wo er seinen Sohn
Charlotte und Luise finden würde schlug er seine Hände gen Himmel Vergib war
alles was er sagen konnte
    Sein Morgen und Abendgebet war
Von allem Übel mich erlös
Es sind die Tage bitterbös
Erlös mich von dem ewgen Tod
Und tröst mich in der letzten Not
Bescheer mir Herr ein selges End
Nimm meine Seel in deine Händ
Und so beschloss er auch seinen Aufsatz den meine Mutter nicht der Sache
angemessener beschließen können
    Charlottens Mann sollte ihm nach seinem Testament im ersten Paar folgen und
alles erben was er nachließ Folgen will ich ihm sagte dieser Unglückliche
was soll mir aber sein Gut da ich seit Charlottens Tode nicht mehr lebe
    Dies war der Schlüssel zu der Seelenangst unseres Bekannten Sein Sohn war
nur der erste Eingang Charlotte war das Thema
    Er hatte wie mein Vater in seinem Briefe bemerkte sich auch darum Vorwürfe
gemacht dass er diesen innern Gram seinem Weibe und dem Manne Charlottens und
seinem Beichtvater meinem Vater und seiner Beichtmutter meiner Mutter
verheimlicht allein mein Vater absolvirte ihn dessfalls weil er eben durch
diese Verschwiegenheit gebüßt Er rief nicht bloß ich soll meinen Georg sehen
sondern auch ich soll Charlotten sehen und er wollte nicht bloß von meinem
Vater eine Anleitung sich gegen seinen Sohn sondern auch gegen Charlotten zu
führen  Diese Umstände waren so verwandt in seinen Empfindungen dass bei ihm
alles eins war Charlotte und sein Sohn
    Den Ehemann Charlottens überfiel eine ordentliche Art von Eifersucht da ihm
unser Bekannter im Himmel zuvorkam allein mein Vater heilte ihn
    Er hatte sich feierlich erklärt nichts von dem Nachlasse des Bekannten sich
zuzueignen und da ihm mein Vater die Folgen hievon vorstellte versprach er zu
nehmen und zu geben Mit der Linken nahm er und mit der Rechten wandte er dies
Erbteil bis zum letzten Dreier den Armen des Kirchensprengels zu »Dank für die
Anweisung« sagte er zu meinem Vater »das sind die rechten Erben«
    Das letzte Wort unseres Bekannten war ein mit gefalteten gen Himmel
gehobenen Händen bei denen er aber sein Gesicht als wenn er sich vor dem
Donner fürchtete wegwandte Gedenke mein Er hielt sich für einen vierfachen
Mörder  seines Sohnes seines Weibes Charlottens und ihres Ehemannes
    Herr v G war dieser Geschichte wegen äußerst bewegt und Herr v W fing
den heiligen Abend zum Freudenfest diesmal später an um das Trauerfest das
ohnehin früher seinen Anfang genommen hiedurch recht vollständig zu machen
    Ich habe mich wie meine Leser schon wissen bei dem Auszuge kurz gefasst
und wenn ich die Anmerkungen welche vorfielen hinzufügen sollte würde die
Stütze vollends größer als das Gebäude geworden sein
    Die Frau v W hatte die Hände gefaltet als wenn Hausgottesdienst gehalten
würde und ihre Tränen fielen gerade herab ohne dass sie ihr Kleid zu schonen
etwas untersetzte wie man Regenwasser auffängt  Sie flossen von ihrem Kleide
wie Tautropfen von Blumen  Die Frau v G weinte in ihr einbalsamirtes
Schnupftuch
    Es freute den Herrn v G diese Bewegung an ihr wahrzunehmen da unser
Bekannter kein Edelmann war Während dieser Vorlesung und der Nutzanwendung die
Herr v G aus seinem guten Herzen schüttete fiel mir alle Augenblicke Mine
ein Gern hätte ich ihr gesagt was ich bei dieser Geschichte empfunden und
siehe da ihr Bruder Darius Benjamin  Mir ist es oft begegnet dass das alles
was mir von der Liebe ahnte auf ein Haar eintraf und dies bestätigte meine
Idee dass eine unsichtbare Hand mit meiner Liebe sei so wie sies mit jeder
reinen Liebe ist
    Benjamin hatte einen verstellten Auftrag an seinen Vater der unaufhaltsam
böse war dass sich Benjamin unterstanden ihn hier aufzusuchen Es fiel ihm gar
nicht ein dass das Schneiderhandwerk für den Sohn eines Literatus noch das
allerschicklichste sei dass Gott der Herr selbst nach dem betrübten Sündenfall
dieses geschenkte Handwerk eingesetzt und die ersten Röcke verfertigt dass sein
Sohn auf Prima säße und künftige Ostern Student werden würde Noch böser würde
der alte Herr gewesen sein wenn Benjamin nicht sein Ehrenkleid angelegt und die
Haare in Verse gezwungen hätte so nannte meine Mutter die damalige Art in
Kurland Locken im eigentlichsten Sinn  anzunähen Dem Benjamin war diese
Frisur die natürlichste
    Während der Zeit dass der alte Herr dem Benjamin seine Herausnahme ihn hier
aufzusuchen verwies winkte Darius seinem Freunde Alexander dass er aus einer
ganz andern Ursache hergekommen die er in der Tasche hätte Benjamin sollte
sogleich fort Hermann stand Schildwache damit niemand den Primaner sähe und
befahl seinem Sohn vom Fenster zu gehen Der arme Junge musste sich lange kehren
und wenden bis er ein Plätzchen fand wo man am wenigsten entdecken konnte dass
Benjamin des alten Herrn Sohn hier wäre Ich würd ihn nicht von dieser Wache
weggebracht haben wenn ich nicht mit Benjamin wie du und du umgegangen Dies
brachte den Herrn Kandidaten von der Tür und vielleicht fiel ihm zu rechter
Zeit ein dass er selbst zu Hause Fingerhut Bügeleisen Nadel und Zwirn wiewohl
unter ein Paar Schlössern verwahrt hätte  Er löste sich von der Schildwache
ab und Benjamin und ich waren allein
    Mir war von jeher angst und bange über Benjamin wie meine Leser es selbst
wissen weil er das Geschlagenwerden schon gewohnt war Das Finkennest und der
Judenjunge hatten diese Angst und Bangigkeit wieder aufgefrischt die der
Gedanke dass Minchen Benjamins Schwester war zum größten Teil widerlegt hatte
Benjamin war schon bei der väterlichen Belagerung ungewöhnlich beherzt Er hatte
nicht Ruh noch Rast mich von seiner Schwester zu grüßen und mir ihren Brief
das Handgeld so er als unser Vertrauter genommen zu überreichen Hier ist
er Ich hatte nicht Zeit den Benjamin in seinen neuen Posten einzuführen Ein
Brief von Minen  wie könnt ich das Ich bespart also das
Introductionsgeschäft auf eine gelegenere Zeit
                                       
    Gottlob dass du noch in Kurland bist und gottlob dass ich noch von dir
Abschied nehmen kann Gottlob gottlob  Ich bin sehr darüber bekümmert dass es
so unordentlich bei unserm letzten Gespräch herging In Wahrheit ich weiß kein
Wort von dem was du mir zu guterletzt gesagt hast oder hast du mir nichts zu
guterletzt gesagt nichts  Was noch ärger ist und was mich noch mehr
bekümmert darf ich dir nicht sagen Du wirst es leider zu sehr zu sehr wissen
und dir darüber Gedanken machen Ich fühl es dass ich selbst dass ich dir auch
kein Sterbenswort gesagt  nichts zu guterletzt  und doch liegts auf meinem
Herzen wie ein Berg O lieber Junge verzeih mir  Es war alles so geschwind
ich sah dich nicht gehen du bist auch nicht gegangen du bist verschwunden 
Vielleicht hingst du schon lange lange nicht mehr an meiner Hand eh ich dich
misste eh ich wusste dass ich allein war Allein großer Gott ich allein Gin
schreckliches Wort  allein O wie betrübt bin ich wie sehr betrübt und am
meisten dass wir einen so schnellen Tod sterben Wir beten
Für einen bösen schnellen Tod
Behüt uns lieber Herre Gott
Ich habe bis hieher geglaubt es sei gut schnell sterben wenn es nur nicht ein
böser Tod ist denn du hast es mich gelehrt allein nimm deine Lehre zurück ein
schneller dünkt mich jetzt ist immer ein böser Leib und Seele denk ich
wissen nicht wo sie geblieben wenn es zu schnell geht so wie ich von dir
nichts wusste  Junge die ganze Zeit über und noch diesen Augenblick seh ich
mich nach dir um allein du bist nicht mehr  Gott segne dich und behüte dich
Dich Dich Dich Mir ist so mein Lieber als wenn dieser Brief der letzte sei
den du eh ich sterbe von mir lesen wirst der letzte dünkt mich ohne zu
wissen warum Diese Ahnung fährt mir kalt durch alle Glieder und lässt ein
Zittern und Beben zurück ein Zittern und Beben dass ich die Feder nicht halten
kann auch die Gedanken nicht  Lieber Junge wie kann mir so was ahnen Ich
bin noch nie ohnmächtig gewesen allein wenn dieser ganze Brief nicht schon
eine wirkliche Ohnmacht ist  so ist mir so als sei eine in der Nähe  Unser
Briefplan Lieber wird eine Abänderung leiden  Benjamin kann dir mündlich die
Ursache sagen Es sind ihrer viel Benjamin ist mein Bruder mein Geliebter
mach ihn wenn er dir diesen Brief abgibt zu dem deinigen Weih ihn dazu ein
damit es Eindruck bei ihm mache  Wir haben beide Benjamin und ich lange
lange überlegt und ganze Seiten in Gedanken ausgestrichen und links und rechts
versucht  das beste ist und bleibt dass du deine Briefe nicht an Benjamin
überschreibst und  sondern  sondern    Benjamin kennt ihn vollständig Es
bleibt dass du die Briefe an    meinem Vater zur Abgabe empfiehlst Die
meinigen wird Benjamin durch seine Überschrift an dich verkleiden wenn er und
ich wissen wo du zu finden bist Du schreibst den ersten Er an sie So
bleibts so und anders nicht Findest du diesen Plan ganz oder zum Teil
unrecht ändere das heißt bessere anders änderst du nicht das weiß ich Von
Benjamin erwart ich deinen Entschluss und da ich deine letzten Worte bis in den
Tod vergessen habe schreib mir andere letzte im Fall du die ersten letzten
selbst vergessen hast  und hast du keine Gelegenheit zu schreiben lehre sie
dem Benjamin auswendig damit er sie mir ja unversehrt überbringe und sie mir
eine Feuersäule werden und eine Wolkensäule je nachdem ichs bedarf Bald
zittere ich bald wütet ein mächtiges Feuer in mir Sommer und Winter dicke
Nacht und Sommermittag Das ist wohl die Liebe Herzensjunge sonst wüsst ich
nicht was es sein könnte O Junge wie sehen ich mich nach deinem zu
guterletzt zu guterletzt zu guterletzt
    Es bleibt mit der Aufschrift und mit allem Außer dem Briefe den mir wenn
das Glück gut ist Benjamin jetzt bringt schreibst du mir den ersten  Alles
übrige wird dir Benjamin sagen
    Wenn du es nicht selber endlich fürs Beste gehalten hättest dem Benjamin
den Vorhang unserer Lliebe aufzuziehen ich wäre vergangen in meinem Elend Der
Brief den Benjamin von dir mitbringt wird nicht gerechnet Er an sie zuerst
wenn du an Ort und Stelle bist wo dich Gott hingeleiten wolle durch seinen
heiligen Engel dem ich wie dir eine glückliche glückliche Reise wünsche Ich
häng an einem deiner Blicke ich weiß aber nicht ob es der letzte war So hing
ich nie an deinem Mund so fest nie als an diesem Blick Was ist aber in deinem
Auge Schwermut tiefe Schwermut Um wen trauerst du Lieber um wen Kannst
du um wen anders trauern als um deine Mine Ist sie tot deine Mine Hat sie
ausgekämpft den schweren Kampf die Dulderin Mir liegt der Spruch so tief in
der Seele: sei getreu bis in den Tod so will ich dir die Krone des Lebens
geben dass die Krone des Lebens vor meinen Augen schimmert  Liebe und Andacht
pflegtest du zu sagen sind zwei Lieder auf eine Melodie Ist denn die Liebe
nicht wie die Seele ewig Wo bist du mein Geliebter Denke mein denke mein 
Geschwind wie der Gesang des Vogels durch den Wald läuft geschwinder bist du
entflohen  Am Abend duftet was man pflanzt am lieblichsten und die Seele
duftet eben so lieblich wenn sie der Tod überfällt Ich weiß nicht was ich
schreibe du wirst es aber wissen was ich schreiben wollte Ich bitte Gott dass
ers dir eingebe wenn du es nicht von selbst wissen solltest Wir sind eins
lieber Junge du und ich  Vergiss nicht mit Benjamin einen andern Weg zu
bahnen wenn der meinige nicht gut ist du musst alles bis auf ein Haar abreden
wenn du meinen Vorschlag nicht annimmst Benjamin wird dir die Ursache zur
Abänderung sagen ich kann es nicht ich weiß sie nicht mehr ich weiß nichts
nichts mehr als dass ich dich liebe und dich lieben werde im Glück und im
Unglück im Leben und im Sterben bis vor Gottes Angesicht O wie wohl ist mir
da ich daran denke wie wohl
    Da ist er wieder dein Blick  Warum so finster Ist denn der Tod so
bitter Lebe wohl das weiß ich noch dass ich es dir dass du es mir sagtest
Aber das Letzte  ich kann nicht mehr Lebe glücklich und wohl und Gott segne
dich und behüte dich er lasse sein Antlitz leuchten über dir und sei dir
gnädig  Ich leb und sterbe dein
    NS Am Ende hab ich wieder nicht recht Abschied genommen Gott segne dich
 ich bete lange für dich und werde jeden Morgen und jeden Abend und vor Tisch
und nach Tische für dich beten  Ich werde mir manches Gebet entziehen und es
für dich tun  Der liebe Gott sei mit dir und gebe dir noch einen Engel zu da
du auf Reisen gehst  und wohl ein Paar nötig hast  Du schreibst bald und
bald kommst du wieder und wenn ich nicht tot bin bist du bald ganz der
Meinige Wie Gott will Er der Gnädige sei dir gnädig der allein Gnädige sei
es dir Amen Amen Amen Ich bin auch im Tode dein und ewig dein und ewig
ewig ewig dein dein dein dein  Ich weiß nicht wie mir ist Der Tod wird
uns nicht scheiden Wir sind und bleiben eins  Der Tod nicht Was ich
schreibe Sind wir nicht schon geschieden bist du nicht fort Und wenn ich
stürbe wer wird mir das Auge zudrücken das nach dir noch starr offen stehen
wird Sonst hat es nach nichts zu sehen in diesem Jammertal nach Vater nicht
nach Mutter nicht nach der ganzen Welt nicht Du würdest es mit einem sanften
Kuss schließen wie die Abendluft eine Lilie das würdest du mein Einziger wenn
du geblieben wärst Dies dies trübt mich bei deinem Abschiede du würdest meine
Leiche mit Tränen salben wenn du geblichen wärst  Ich würd in deinem Arm
sterben wenn du geblieben wärst  O wie mir ist Verzeih Geliebter ich weiß
nicht was ich schreibe  und werfe Blicke hin und her auf diesen Brief und
fast möcht ich ihn zurückhalten wenn ich nicht schreiben müsste des guterletzt
und des neuen Vorschlags wegen Schreib mir doch was dir ahnt und Gott sei mit
seiner Gnade bei und über dir Amen jetzt und in Ewigkeit Amen in Ewigkeit
Amen
                                       
    Ich hatte diesen Brief nicht ohne die heißesten Tränen lesen können Alle
Augenblicke drückt ich ihn an meine Lippen und dann als ob dies viel zu wenig
wär und dann wieder an mein Herz das ihm entgegenschlug  Benjamin hatte des
Vaters Posten eingenommen und war auf die Wache gezogen wie er mir nachher
erzählte denn gesehen hatt ichs nicht ich wollt ich musste schreiben  O
wie war mir  als schrieb ich ein Todesurteil als schrieb ich mit Blut  so
angst und bang und dann wieder so vergnügt ums Herz dass das Blut über und über
stürzte und dann wieder so sanft als im Junius wenn es geregnet und jede Blume
wonnetrunken ist und sich noch auf ihrem Rücken für den schwülen Mittag des
künftigen Tages einen großen großen Tropfen aufgespart hat  Alle Jahrszeiten
in einer Viertelstunde  ich weiß nicht was eigentlich mit mir vorging Nur das
weiß ich dass Benjamin einigemal zu mir kam eilfertig um seinen Posten nicht
kalt werden zu lassen und mich in seine Arme nahm und mir die Arme küsste meine
Tränen waren ihm zu heilig um ihren Lauf zu hemmen um sie mit den seinigen zu
mischen Kein Wasser sagt er zu diesem Wein  der gute Benjamin Und dann
fing er wieder an Ich werd ihr alles sagen alles Er schrie alles und jedes
bis ers merkte dass er zu laut gewesen und nun seufzt er wieder alles und
jedes Ich brach die Hände dass es rührend war Das nicht erwidert er Warum
ringst du Zwar ists als säh ich den Engel und Jakob ringen so schön ringst
du so schön ringt nur Lieb und Pflicht Das nicht sagt ich Benjamin das
nicht  Mein zu guterletzt ist Segen von Gott dies Ringen zu dem Allmächtigen
ist Sorge für sie Mehr sag ihr nicht mehr nicht von diesem zu guterletzt als
was sie tragen kann Ich weinte herzlich und Benjamin weint auch Wir waren
beide sehr bewegt  und ich wett es wäre gekommen wer da wollte er hätte mich
um keine Träne gebracht nicht um eine einzige
    Ich billigte den Plan ohn ihn zu überdenken denn wie konnt ich das
Benjamin wäre nicht die Nacht geblieben um alles nicht Warum Das sollten
meine Leser raten Seines durch ihn beschämten Vaters halben Nein
geliebtester Leser Nein  s wegen Mehr braucht ich nicht zum Beweise
dass er meines Vertrauens wert sei Ich vergaß seine Rolle beim Finkenneste
beim Judenjungen und als Darius ich dachte nur daran dass er Minchens ihret
bloß ihretwegen nicht die Nacht bleiben wollte  Dein Plan ist gut weil du
ihn gemacht hast sagt ich ihm du siehst ich kann nichts überdenken  Es kam
mir alles überen Hals s Brief der Mann mit dem einen Handschuh und die
Geschichte unseres Bekannten Wenn ich ein Bösewicht wäre sagt ich zu
Benjamin wie könnt ich diese Geschichte wissen und Minen untreu sein Ich
empfahl Benjamin die Laube welche der Überwundene gepflanzt hatte die jetzt
fürchterlich finster war So finster und zehnmal finsterer sei es um meine
Seele wenn ich Minen vergesse  Erinnern Sie sie Benjamin an die kalte Hand
ihrer Mutter  Ich liebe Minen sehr sehr
    Da sank ich abgemattet nieder und erholte mich erst nach einer
Viertelstunde
    Was ich mich freue fing Benjamin an hielt beide Hände gefaltet und hüpft
auf seinem Posten immer auf einer Stelle
    Ich Warum
    Benjamin Weil Mine so glücklich ist
    Ich Ich bin es mehr Bruder weit mehr
    Benjamin Gott gebe dass Sies ganz werden mögen
    Ich So sage du oder 
    Benjamin Kann ich
    Ich Warum nicht
    Benjamin Literatus und Schneider Alexander und Darius
    Ich Beides Könige beides Menschen Wenn du keine Schwester Mine hättest
müsstest du mich du nennen
    Benjamin Sehr gütig
    Ich Gerecht Bruder Wenn ich tausendmal Superintendent wäre Was wär es
Nannten wir uns nicht du als Kinder im Stande der Unschuld Wenn du nicht einen
natürlichen Ekel gegen das liebe Latein gehabt hättest du würdest wissen dass
man in Latein alle Welt du nennt Duzen wir nicht Gott den Herrn ohn ihm mit
diesem Wort zu nahe zu kommen Und was unter uns für Umstände Bruder Benjamin
das heißt s Bruder
    Benjamin Nun du du du du ich muss es nur einigemal hinterher sagen
damit ich in die Gewohnheit komme ja du bist ein Mensch ein ganzer Mensch
    Ich Ich habs angefangen zu sein und mit Gottes Hilfe will ichs
vollenden
    Benjamin Bleib Minen gut
    Ich Das bitt ich dich ich bin ihr näher als du
    Benjamin Sie ist dir schrecklich gut schrecklich  Es ist ihr Ausdruck
    Ich Ich ihr auch  schrecklich Bruder
    Benjamin Schrecklich das heißt Euer Ziel ist noch fern
    Ich Das heißt wir haben noch viele Berge zu steigen viele Grausam aber
soll wie ich zu Gott hoffe unsere Liebe nie werden das heißt
hocheifersüchtig Eifersüchtig ist jede jede Liebe
    Benjamin s wegen eifersüchtig
    Ich Du bist mein Mine ich bin dein Mein dein Mein dein Mein dein O
Bruder was ist die Liebe Ruhm Reichtum und andere Narrenspossen gehen alle
durch Menschenhände ich fühls Bruder Die Lieb allein kommt aus der Hand der
Natur Sie ist roh sie ist Obst denn beinah alles andere ist gekocht und
gebraten Bruder Bruder ich gehöre Minen ganz und gar gehör ich ihr ihr
und wenn sie mich zurückgeben wollte O Gott wie unglücklich reich würd ich
sein verdammt verflucht reich ich verlange mich nicht  Wie gut bin ich bei
ihr aufgehoben  bei ihr wie gut versorgt
    Benjamin Fass dich Bruder sonst sinkst du wieder
    Ich Lass mich Mine ist mein  lebend und sterbend O wie süß wie süß
werd ich in ihrem Arm sterben sterben Bruder hörst du sterben  Dann komm
ich aus einem Engelsarm in den andern
    Benjamin Fass dich Alexander fass dich
    Ich Lass mich nicht fassen ich bitt ich beschwöre dich lass es mich
nicht Fassen ist gut sich nicht fassen ist auch gut Kann sich die Liebe
fassen Ich glaube man liebt nicht mehr wenn man sich fasst  O Bruder das
Menschengeschlecht wird nicht aussterben allein die Liebe liegt in den letzten
Zügen die rechte Liebe die rechte  O Liebe Liebe du bist stark singt
meine Mutter
    Benjamin Die deinige ist stärker als Alexander  Gott helf meiner
Schwester die ihrige tragen
    Ich Gott helf ihr  aus der Höhe  Gib du ihr auch die Hand wenn sie sie
nötig hat  Greift sie nach beiden gib ihr beide  Du bist link ehrlicher
Junge gib ihr deine Arme Stütze sie  O Jammer dass du so weit von ihr
entfernt bist Wenn sie so ist wie sie war da sie den Brief schrieb den du
brachtest  den himmlischen Brief O Bruder hilf ihr hilf ihr
    Benjamin Gott helfe mir um ihr zu helfen
    Ich Warum bricht die Wolke warum weil es nicht zur rechten Zeit regnet
Will s Herz brechen bring sie zu Tränen zum sanften sanften Regen 
Warum weinst du jetzt Benjamin
    Benjamin Wer kann dich duzen und dann dich hören und nicht weinen
    Ich Weine nicht Benjamin wein ihr aber vor wenn sie verzweifelnd die
Hände ringt wenn sie verzagt sag ihr sag ihr mit Überzeugung als ob du Gott
und als ob du mich vor dir sähest dass Gott im Himmel und ich in der Welt bin 
Ich reise in die Nachbarschaft es ist abvotirt dass ich in Königsberg studire
 Sterb ich  sterb ich  o Benjamin o Benjamin sag ihr dass ich als ihr
Mann gestorben  dass ich ihr entgegenkommen werde mit einem erweiterten Arm o
Benjamin wenn ich sterbe
    Benjamin Denke nicht an den Tod
    Ich Du weißt vor vielen Jahren da ich krank war setzt ich dich zu
meinem Erben ein du solltest nach meinem Tode den Alexander ohne Abzug so wie
ich ihn hatte erben Das Spiel hat aufgehört Ich vermache dir Minen Minen 
ich vermache sie dem lieben Gott der erquicke sie wenn sie mühselig und
beladen ist  Das ist mein letztes Gebet mein letzter Seufzer
                               Wir umarmten uns
    Benjamin Die Liebe wird dich im Studiren stören
    Ich Recht Bruder sie wirds und ich werde kein so großer kunsterfahrner
Gelehrter werden allein ein herzlicher werd ich sein ich werd aus jedem
Buche lieben lernen Die Liebe schläfert Triebe ein allein sie weckt auch
Triebe auf  Weiß Gott wies zugeht allein wer nicht liebt sieht durchs
Glas durchs Fenster wer liebt steht mit eignen Augen durch und durch mit
Leib und Seele
    Benjamin Gott helfe dir ich weiß nicht wie ich einfädeln und das Nadelöhr
finden werde da ich dich nur lieben gesehen und gehört habe  und du du sollst
predigen lernen
    Ich Das ist bei der Liebe leichter als schneidern Sieh Benjamin
heutzutag ist unsere Liebe mehr geistig geworden und Geist mit Geist kommt in
die Verwandtschaft Sorge nicht für mich Bruder sorge nur für Mine  Sag ihr
alles alles und bitte sie dass sie mir treulich ein Tagebuch halte und Auszüge
hievon alle Vierteljahre übersende Es bleibt bei der Anordnung es bleibt ganz
dabei Ein Brief von meiner Mine wird mir ihr Widerschein sein Grüße sie
tausend tausend tausendmal
    Ich schäme mich das weiß Gott es niederzuschreiben Benjamin gefragt zu
haben ob er Geld brauche Seine Antwort war Nein und ein solches Nein dass ich
kein Wort mehr daran wagen durfte
    Warum trägst du denn Geld in der Tasche los fuhr er fort Das weiß ich
selbst nicht war meine Antwort  Es war dieses ein Gebrauch den ich an
Kindesstatt angenommen hatte und noch trag ich mein alltägliches Geld wie ein
großer König den Tabak in der Tasche Ich hab es in der Folge gefunden dass
sich das Geld so sehr an den Beutel gewöhnt dass es nicht heraus will wenn
gleich Menschen da sind die es zu fordern befugt sind Das Geld ist kein
seidenes Netz kein Schlösschen wert wer erst loswinden und aufschließen muss
findet gemeinhin die nämliche Schwierigkeit beim Herzen
    Ich klagte mich bei Benjamin an dass ich weil er das Schlagen gewohnt
gewesen ihn nicht zu unserm Vertrauten in Vorschlag gebracht hätte  Ich
verwies ihm alles was ihm in der Geschichte vom Hühnerei und Judenjungen zu
verweisen war und nun fing ich an Ersteige Berge und schaudre nicht vor
Tälern Sei Mann sei s Bruder und der meinige Ich habe dir nicht
zugetraut was ich heut in dir gefunden
    Hiemit weiht ich ihn zu unserm dritten Blatte ein das bei jeder ehrlichen
Liebe vor der Hochzeit sein muss sobald die Sache nicht eins zwei drei zu Ende
ist
    Ich Denk an Gott an Mine und an deinen Bruder
    
    Benjamin Ich werd ich werd ich werd an Gott denken an Mine und an
dich
    Wir gaben uns die Hand und sahen gen Himmel
    Benjamin brach auf und ich gab ihm noch einen heißen Kuss für Minen mit 
Benjamin ritt ohne Abschied von seinem Vater zu nehmen davon
    Da ich ins Zimmer trat wo die Gesellschaft war fiel mir die Angst des
alten Herrn in alle fünf Sinne Er schlich sich an mich und brannte zu wissen
ob Benjamin schon weg wäre  Obgleich sein so unbändiger Stolz welcher dieses
Angstfeuer angesteckt hatte eine so schleunige Löschung nicht verdiente so
konnt ichs doch nicht über mein Herz bringen den Herrn Kandidaten so
lichterloh brennen zu sehen Er war der Vater meiner Mine  Er konnte wahrlich
das Gesicht nicht so verziehen wenn ihn das Zipperlein plagte und er dem
Nicolaus Hermann leiblich ähnlich war als jetzt da er befürchtete sein Sohn
würd ihn verdunkeln Eben darum hatt er auch den Benjamin aus dieser Gegend so
weit entfernt Wie dies seine Schwester nachdem Benjamin vollends der Vertraute
unserer heiligen Liebe geworden bedauerte wie sehr ichs zu bedauern fand darf
ich nicht bemerken da es sich wie vieles in dieser Geschichte von selbst
versteht
    Um mir Zaum und Gebiss in den Mund zu legen sprach er gestern wie meine
Leser es sich erinnern werden von seinem Sohn als von einem angehenden
Präpositus Wie sehr ward sein Stolz bestraft  Ich konnt um aufrichtig zu
sein mich des Lächelns nicht enthalten da ich sah wie der Herr Kandidat mit
seiner gestrigen falschen Münze angehalten ward die ihm auf der Stelle
confiscirt wurde  Heute hätt ich überlaut lachen müssen allein ich konnt es
nicht weit eher hätt ich mich ärgern können
    Ich sah und hörte den Herrn v G unwillig ohne zu wissen was ihn unwillig
gemacht endlich erfuhr ich dass es darum wäre weil der Herr Kandidat Hermann
mein Schlafgesell gewesen Feuer und Wasser Schuld und Unschuld hört ich ihn
sagen
    Er ordnete an dass ich die letzte Nacht durchaus mit seinem Sohne schlafen
sollte auch Gottfried der unser Begleiter war musst in dies Zimmer Dies
Zimmer sagt er heißt Königsberg und ihr müsst so tun liebe Reisende als ob
ihr schon an Ort und Stelle wäret Die Frau v G hatte verschiedene
Einwendungen wider diese Anordnung indessen kam sie nicht zum Wort und die
Einrichtung des Herrn v G ward ganz pünktlich befolgt
    Gottfried brachte mir sobald wir nur in Königsberg oder in unserm
Schlafgemach waren von meiner Mutter viele Grüße und einen zweigliedrigen
Segen auch versicherte er mich hoch und teuer dass er unmöglich von hinnen
ziehen können ohne der Frau Pastorin der Mutter seines zweiten Herrn
aufzuwarten  Es kam mir vor dass Gottfried sehr geweint hatte und wie konnte
dies fehlen da er von den Ermahnungen einer Pastorin kam Eine schriftliche
Instruction schien er so wenig als der Konversus zu haben allein man sah dem
ehrlichen Gottfried einen geheimen Auftrag an Ich war inzwischen viel zu sehr
ein Sohn meines Vaters um dessfalls mit Gottfried eine Untersuchung anzustellen
 Mein Reisegefährte und ich gingen zu Bett als wenn wir wirklich schon unsern
Stab in ein fremdes Land gesetzt hätten Wie gefällts dir hier fing er an Wie
in Kurland erwidert ich es ist überall Gottes Erdboden
    Schon mehr als ein und zweimal ist auf den vorigen Blättern an Königsberg
gedacht auch hab ich bemerkt wie dieses der Ort unserer Bestimmung war
welches beide Väter abvotirt hatten indessen war es nur ein Interlocut die
Definitivsentenz sollte nachfolgen  wenn wir unsern Vätern von unserm
akademischen Leben zu Königsberg in Preußen einen getreuen Bericht würden
eingesandt haben
    Es war unter der vorigen Regierung auf der Königsbergschen Akademie auch
Alexander und Darius gespielt und ein grausam lächerlicher Streit zwischen
Pietisten und Ortodoxen geführt worden Nicht bloß Theologen sondern auch
Juristen und Mediciner hatten sich werben lassen  Es waren Presbyterianer und
englische Kirche Pilatus und Herodes Whigs und Tories  Dies veranlasste
überhaupt ein kurzweiliges Gespräch über den Pietismus und Inpietisums und
hiebei ward eines curländischen Theologen Bedenken vom Pietismo in drei
Abschnitten betrachtet mit einer Vorrede von Erdmann Neumeister Hamburg bei
Philipp Hertel im Jahre 1737 zum Grunde gelegt Dieser curländische Teologus
oder Bedenker soll Pastor Johann Wilhelm Weinmann seliger gewesen sein Er hat
in Fragen und Antworten die Pietisten angegriffen indem er nämlich selbst
fragte und selbst antwortete und so wies oft sehr klüglich in dergleichen
Fällen zu geschehen pflegt so war auch hier die Antwort eher als die Frage
fertig
    Die sechsundsiebenzigste Antwort auf die sechsundsiebenzigste Frage des
ersten Abschnitts ließ den Herrn v G und meinen Vater herzlich lachen
                                     Frage
    Hat sich denn der Pietismus auch in Kurland einnisten wollen
                                    Antwort
    Ich lass einen großen Teil dieser Antwort unangeführt damit meine Leser
desto besser das Ende fühlen mögen   de externis tantum non autem de
occultis judieat ecclesia
    Als ob sagte mein Vater
    Ja wohl antwortete Herr v G
    Eine Stelle aus der Vorrede des mehr besagten Grundtextes wider die
Pietisten wo der Vorredner Neumeister noch am säuberlichsten mit dem Knaben
Absalon verfährt
    »Doch auch ihre der Pietisten Tugenden will ich nicht verschweigen Es
preist sich an ihnen die Gottseligkeit wenn sie nämlich aus ihr ein Gewerbe
machen Die Liebe zu Gottes Wort und geistlichen Büchern denn sie lassen eine
unzählige Menge Bibeln Arnds wahres Christentum und andere Schriften drucken
ihren Gewinnst damit zu treiben Die Liebe gegen den Nächsten ihn von den
Beschwerden des Seinigen zu befreien und sich selbst damit zu belustigen Die
brüderliche Liebe gegen ihre heiligen Schwestern Die Selbstverläugnung da sie
sich verleugnen lassen wenn sie von ihren Schuldnern gemahnt werden Die
Kreuzigung des Fleisches sonderlich bei gebratenen Hasen die in Form eines
Kreuzes in der Schüssel liegen Die Mäßigkeit beim ungarischen Wein Die
Keuschheit auf dem Krankenbette Die Freigebigkeit sie andern zu empfehlen Die
Guttätigkeit für ihren Bauch Die Genügsamkeit wenn alles bei ihnen überläuft
Die Dienstfertigkeit ehrliche Männer aus Amt und Dienst zu bringen Die Demut
zu knien wo es nicht nötig ist Die Vorsichtigkeit ihre Bosheit nicht an den
Tag zu bringen Die Geduld wenn es mit ihren Tücken nicht recht fort will Die
Beständigkeit in ihrer Heuchelei Die Einträchtigkeit da sie alle eines Sinnes
sind diejenigen die nicht von ihnen sind zu verleumden zu schänden zu
verfolgen Der Gehorsam den sie ihren eigenen Lüsten leisten«
    Es war allerliebst anzusehen wie sich Herr v G und mein Vater bei dieser
Verlesung geberdeten
    Als ob sagte mein Vater Ja wohl antwortete Herr v G Es ward bei dieser
Gelegenheit eine Geschichte folgenden Inhalts eingeschaltet
    Eine Person weiblichen Geschlechts die ihrer gesegneten Umstände wegen
Gewissensschmerzen empfand und eben darum in den andächtigen Erquickungsstunden
nach Trost liebäugelte weil sie Pein in dieser Flamme litt hörte in diesen
pietistischen Zusammenkünften ohne End und Ziel vom verkehrten Herzen reden
Sie kam nieder und siehe da ein Kind mit einem verkehrten Herzen
    Es hat dieses Kind nach dem Bericht des Kandidaten der diese verkehrte
Herzensgeschichte von Universitäten mitgebracht nur drei Tage gelebt Seine
Mutter folgt ihm und zwar ebenfalls nach drei Tagen von diesem Todestage an
gerechnet Sie verbat indessen sorgfältig im letzten Willen alle Besichtigung
nach ihrem Tode um nicht durch ihr eigenes noch ein verkehrtes Herz mehr ans
Tageslicht zu bringen
    Herr v G erzählte diese interimistische Geschichte Ich konnte fuhr er
fort dem Kandidaten nicht besser antworten als durch eine gleichmäßige
Geschichte von einem Jagdhunde der sich die Beine abgelaufen hätt und ein
Dachs geworden wäre
    Und um dem Herrn Kandidaten mit dieser Herzensgeschichte keinen Heller
schuldig zu bleiben fügt ich noch vom Paradiesgärtlein den Umstand hinzu dass
dies Werkchen oft und viel in Feuersgefahr gewesen allein es verbrannte nicht
nur selbst nicht schrie ich sondern es besprach auch das Feuer es war ebenso
gut als ein halb Dutzend Feuerhaken und ein Dutzend Schlangenspritzen und ist
also dies Paradiesgärtlein das wohlfeilste Recept wider Feuersgefahr Probatum
est  
    Der curländische Bedenker nimmt sich die Freiheit im ersten Abschnitt
seines katechetischen Unterrichts eine historische Erzählung vorauszusenden was
für Unruhe der Pietismus in der evangelischen Kirche von Anfang bis zur jetzigen
Zeit erweckt und da sind viele Höfe Städte und Flecken wo diese Krankheit
gewütet und nicht der Kinder in der Wiege verschont Auf dieser Reise kommt er
glücklich und wohlbehalten nach Königsberg und ruft ach und wehe
    Was würd er aber jetzt rufen sagte Herr v G
    Der Herzenscandidat hatte versichert der jetzige König von Preußen hätte
das ganze alte Testament durch dem Kodicem Fridericianum abgeschafft und das
neue Testament durch eine Instruction verkürzt
    Als ob sagte mein Vater
    Ja wohl sagte Herr v G
    Und das war das letztemal dass ich als ob und ja wohl von ihnen hörte
    Die Gewohnheit der Pietisten wo sie stehen oder liegen oder sitzen die
Hände zu kreuzen und laut zu beten brachte den Herrn v G und meinen Vater
aufs Gebet
    Man kann wohl sagt er wie Diogenes überall essen allein nicht überall
beten
    Warum erwiderte mein Vater Ist Gott nicht überall
    Herr v G Wenn Sie mir so kommen Freund so komm ich Ihnen so Zugegeben
Gott ist überall allein wir sollen an Gott glauben durchs Gebet tun wir mehr
wir reden ihn an  Tun Sie das gegen irgend jemand von dem Sie nur glauben
dass er da ist
    Pastor Gott ist nicht irgend jemand
    Herr v G Wenn Sie reden müssen Sie sehen  nicht
    Pastor Der Blinde spricht ohne zu sehen und sind wir mehr in diesem
Verhältnis
    Herr v G Der Blinde greift mit der Hand eh er spricht und das ist ihm
anstatt des Sehens
    Pastor Und ist Gott nicht handgreiflich  ist er fern von uns leben weben
und sind wir nicht in ihm
    Herr v G Gott ist ein Geist und nicht so handgreiflich als dem Blinden
der Jemand den er zur Rede stellt Das Sehen ist von der Anrede unzertrennlich
Wer uns nicht ansieht wenn er mit uns spricht was sagen wir von dem Um Ihnen
mein Glaubensbekenntnis auf einmal abzulegen wenn ich mit jemand reden soll
muss ich ihn leibhaftig sehen an Gott glaub ich und ich kann ihn also nicht
anreden
    Pastor Wir beten um Gott und an Gott desto fester zu glauben  Glaube und
Gebet sind sich so nahe verwandt
    Herr v G Lieber Pastor man nennt oft den einen Seher der ohne zu sehen
sich einbildet dass er sehe Das sind Sie mit Ihrer Erlaubnis über diese
Lehre Dem Glauben ist das Wünschen angemessen Wünschen kann ich also beten
aber nicht
    Pastor Wünschen Sie sich nicht was Sie von oben herab beten was Sie von
Gott bitten
    Herr v G Recht Pastor allein ein Wunsch ist nicht ein Gebet Lassen Sie
uns ins gemeine Leben gehen Wenn ich in Gesellschaft sage ich wünsche
herzlich dass Gott meiner Schwester helfe wer findet dies nicht wohlanständig
wer nicht brüderlich Sie wissen doch meine arme Schwester kann sich nicht nach
dem Wochenbette erholen Ich fürchte ich fürchte  Das Söhnlein christlicher
Eltern ist vorausgegangen und die Mutter wird ihm folgen
    Pastor Eine würdige Frau
    Herr v G Ein gutes Weib gelt Wenn ich sagte ich wünsche von meinem
ganzen Herzen dass Gott meiner Schwester helfe Sie würden mit wünschen Pastor
    Pastor Von Herzen  der liebe Gott helf ihr
    Herr v G Wenn ich aber in einer großen Gesellschaft die Hände falte und
wie aus der Pistole anfange lieber Gott du hilfst wenn nichts mehr helfen
kann ich bitte dich hilf meiner Schwester der armen Kranken die dir schon
ihren Sohn geopfert hat Sie liegt da in deiner Gewalt Ich wette es steht
alles auf oder  oder  oder 
    Pastor Woher und warum Vielleicht weil wir nicht gern mit dem lieben Gott
in Gesellschaft sind Weil wir wenn ich so sagen soll manchmal unter uns sein
wollen Ei in der Kirche
    Herr v G Das nämliche Pastor Euer einer kann zwar für meine Schwester
beten aber sollte ichs in meinem Kirchenstuhl  Pastor das nämliche auf ein
Haar das nämliche Es geschieht zuweilen dass einer von der Gesellschaft in
Privatäusern sich auf einmal gerade stellt ein Paar Handschuh anlegt und
allerseits anfängt wie es bei meinem Schwager v W nichts neues ist allein
wie ist Ihnen dabei  Wenn aber dieser Redner feierlich eben hereintritt und
seine Rede fein züchtig anhebt  Man schämt sich wenn man eben ein Glas in der
Hand hat man stellt es unvermerkt an einen entlegenen Ort des Zimmers sobald
man allerseits hört man sieht den geputzten Redner wenn man ihn auch noch so
gut kennt für einen Fremden an und hat nicht das Herz sich geradehin sondern
ehrfurchtsvoll an ihn zu wenden Dem Vater gehts so mit dem eheleiblichen Sohn
Der Sohn wird Vater der Vater Sohn wenn der Sohn redet und der Vater hört Man
sieht den Saal als eine Kirche an und den Sohn auf der Kanzel Der Redner hats
vollbracht allein man trägt noch Bedenken sogleich ein Glas Wein mit ihm zu
versuchen Man ist im Handgriff den Hut vors Gesicht zu halten womit man in
unserer Zeit den Anblick eines heiligen Orts bezeichnet
    Pastor Also nur Anstand ins Zimmer gebracht nur heilige Hände und Sie
können für Ihre würdige Schwester beten die Sie ein gutes Weib zu nennen
beliebten
    Herr v G Pastor wenn ich ganz rein heraus sagen soll dass Euch das
öffentliche Gebet kleidet fließt aus dem frommen Vorurteil dass Ihr in Gottes
Dienst seid  Man glaubt Ihr seht Gott den Herrn wenn Ihr die Augen verdreht
Ihr seht ihn wie man sieht  So lange wir aber Gott nicht sehen wie man
sieht sollten wir mehr als wünschen
    Pastor Redet man im Eifer nicht mit sich selbst
    Herr v G Mit sich selbst zwar 
    Pastor Auch mit andern  sogar mit leblosen Dingen
    Herr v G Im Eifer oder in Redefiguren
    Pastor Auch in Entzückung in Verlegenheit Christus verschließt daher das
Gebet ins Kämmerlein weil uns da niemand hört Die Idee ist sehr natürlich
dass wenn uns kein Mensch hört Gott uns höre  Dein Vater der ins Verborgene
sieht spricht Christus wird sich öffentlich an dir offenbaren Das Gebet
bringt uns den Glauben dass Gott sei fast bis zum Schauen Das Gebet ist der
Spiegel durch welchen wir am dunkeln Ort Gott sehen  Ihn sehen  Wenn aber
kommt das Vollkommene wird das Stückwerk aufhören Wenn mein Gebet eintrifft
ists mir so als war ich entzückt bis zum Unaussprechlichen  Es ist die
Probe dass mein Glaube an Gott richtig gerechnet und die wahre Summe
herausgebracht Christus der Herr kam unserer Schwachheit zu Hilfe Auch was
ohne unser Gebet geschehen wäre wenn es auf unser Gebet geschieht hilft
unserer Schwachheit auf  Kurz das Gebet setzt den Menschen mit Gott in
Verbindung  Wer erzählt nicht gern was er gesehen und gehört hat und was
geschehen ist Wie viel hört sieht man und lässt geschehen bloß um es erzählen
zu können Und wer hat nicht wenigstens etwas mancher hat viel so er vor
seinem vertrautesten Freunde seinem Weibe seinem Kinde verbirgt
  Der Herr v G lächelte ich aber dachte an das Land wo man früher als in
 Kurland Spargel isst den Wein bei der Quelle hat und lange Manschetten trägt
                     ich dachte an den Melchisedech und 
    Mit sich selbst kann man nur kurz sprechen Das vor sich muss noch kürzer im
gemeinen Leben als nach den Regeln auf dem Theater sein Eigentlich sollte es
nur in Schreien in Aufwallungen in Sylben bestehen
    Herr v G Gott weiß alles warum Zeitverlust
    Pastor Ist es Zeitverlust sich mit Gott bekannt machen mit ihm umgehen
mit ihm reden
    Herr v G Ohne dass er antworte
    Pastor O er antwortet Laut schallt es in der Seele! laut 
    Herr v G Solch ein Hörer hört aber was tausend andere nicht hören Er ist
mit dem Seher von einerlei Art
    Pastor Die Erfüllung unseres Gebets 
    Herr v G Die ohn unser Gebet gekommen wäre  Ich habe auf meinen Gütern
einen alten Kerl der wenn er für seinen Fritzen betet ihn dem lieben Gott auf
ein Haar beschreibt Segne meinen Sohn den Friedrich Emanuel Goldschmied in
Mitau nahe bei der Kirche oben im Stübchen zur rechten Hand  Freund so ist
all unser Gebet Wir sagen dem lieben Gott was er besser weiß wir sagen ihm
alle dass unser Sohn ein Goldschmied in Mitau sei dass er Friedrich Emanuel
heiße nahe bei der Kirche oben im Stübchen zur rechten Hand wohnhaft Mein
ehrlicher Franz machts besser Der kauft sich ein Gebetbuch das er in seinen
Kasten verschließt und wenn er des Abends schläfrig ist klopft er dreimal an
den Kasten und sagt Amen »Wie das Franz« Ich denke sagte er es ist dem
lieben Gott eins wo er es herausnimmt ob aus dem Kästchen oder aus dem Herzen
wenn nur das Amen dabei ist  Lieber Pastor Gott bedarf unseres Gebets nicht
    Pastor Aber wir bedürfen des Gebets wir Wir sollen alles mit Danksagung
empfahen wir sollen nicht vergessen dass alles von Gott komme
    Herr v G Er ist der Herr Himmels und der Erden Könige wollen Bitte und
Dank Gott der Herr 
    Pastor Gebet und Dank von anderer Art Unser Lallen unser Verstummen ist
ihm mehr als ein studirtes Geplärr Solch Gebet und Dank als wir Gott widmen
verstehen Könige und Fürsten nicht  Es ist mir unausstehlich wenn meine
Amtsbrüder sich pharisäisch ein langes Gebet concipiren und es sich zehnund
mehrmal in ihrer Studirstube vorsumsen als ob der liebe Gott in ihrer
Studirstube nicht wäre und als ob sie ihn bloß in der Kirche auf einen
Panegyrikus eingeladen hätten Christus der uns eine Vollmacht zu beten gab
und es uns in seinem Namen zu tun nachließ will dass wir als Kinder zum Vater
treten  Hier liegt die ganze Lehre vom Gebet  Hochtrabende Gebete mit allen
göttlichen Titeln studierte Gebete wie sehr dieser Idee entgegen  Der Mann
betet auf der Kanzel so vortrefflich heißt mit andern Worten der Mann ist ein
falscher Spieler
    Herr v G Ists aber nicht kindlicher sich in Gottes Willen ergeben und
ihm alles anheim zu stellen
    Pastor Das ist Gebet Das Vater unser ist bis auf die bescheidene Bitte
Brod auf heute Ergebung in den göttlichen Willen  Es ist ein heidnischer
allein ein überdachter großer Vorschlag »wenn ein anderer betet dass er seinen
Sohn nicht verlieren möge so bitte du dass du dich nicht weigern oder fürchten
mögest ihn zu verlieren«  Der Christ braucht nicht von Heiden zu lernen Sein
Herr und Meister lehrt es ihn Wer so stark ist dass er nicht Worte braucht
bete mit der Seele Geist zu Geist Schwerlich wird jemand der von Jugend auf
sagen gelernt Abba mein Vater sich ohne Worte behelfen  Ein Wort ein Wort
sagt man ein Mann ein Mann allein Lebens und Sterbens wegen schreibt mans
doch auf  Was dies Schriftliche beim Menschen ist das ist das Gebet bei Gott
es geschehe wie die Theologen sagen mit dem Herzen allein oder mit Herz mit
Hand und Mund
    Herr v G Gott ist ein Geist und die ihn anbeten müssen es in Geist und
in Wahrheit
    Pastor Luther sagt von der Taufe Wasser tuts freilich nicht  Worte
tun es auch beim Gebet freilich nicht Das Gebet selbst was ists ohne
Handlungen ohne gute Gesinnungen Gehe hin und versöhne dich mit deinem Bruder
und dann komm und bete empfinde das innere Bewusstsein dieser guten Tat und
dieses Bewusstsein opfere Gott dafür dank ihm Warum sollten wir aber auch von
einer so teuren Gabe als die Sprache ist Gott nicht die Erstlinge opfern Es
gibt ein gewisses herzliches kindliches Denken das durchaus in Worte
ausbricht  Wir sind und bleiben Menschen das weiß der liebe Gott der Engel
kennt und Menschen kennt  Er erlaubt uns gern ein Wörtchen mitzureden wenn
sich unser Geist zu seinem Schöpfer dem Geiste der Geister emporschwingt 
Ich habe einen Stummen gekannt der alle Morgen und alle Abend an den lieben
Gott schrieb
    Herr v G Pastor da wollt ich drauf wetten das hat der liebe Gott recht
gern gesehen
    Pastor Weil eine kindliche Einfalt darin ist
    Herr v G Jeder wird seines Glaubens leben Vielleicht sollten wir nichts
mehr als das Vater unser beten wenigstens ist es das allervollkommenste Gebet
wie ihr Herren selbst sagt Warum sollt ich etwas das weniger vollkommen ist
vorziehen
    Pastor Das nicht wer kann aber das Vater unser so oft beten und mit
Andacht  So wie man Linien mit Bleifeder zieht damit die Kinder gerade
schreiben so Christus mit dem Vater unser Ich spare das Vater unser bin
darauf geizig und tue mir ordentlich damit was zu gut  Alle Kubache haben
mehr Schaden als Nutzen gestiftet Der gemeine Mann wird durchs Gebet aus dem
Herzen klug er lernt sich fassen und wenn wir Volksgebete sammeln könnten
Herzensgebete guter Menschen ich sage wenn wirs könnten  wie vortrefflich
würde diese laute e Milch schmecken wie wohl uns bekommen  Ein solch naives
Buch wäre noch nicht in der Welt  Es könnte nur bloß vom Himmel fallen  um
menschlich zu reden Gott müsst es aus seinem himmlischen Archiv herausgeben Es
wäre das beste Lehrbuch für Priester und Leviten die vor Gelehrsamkeit nicht zu
Gott kommen können  In Wahrheit man kann von den meisten Gelehrten sagen dass
vor Rauch nicht Feuer zu sehen ist
    Meine Wünsche werden indessen Wünsche bleiben weil Herzensgebete durchaus
ins Kämmerlein zu Hause gehören
    Es fielen außer diesem piissimo desiderio noch mancherlei pia desideria vor
Es ward stückweise von Bitte Gebet Fürbitte und Danksagung gehandelt  wovon
ich aber für jetzt nachzuhandeln bedenklich finde
 
          An den geneigten Leser und an den ungeneigten Kunstrichter
Dies Gespräch ist über Bausch und Bogen wie mir alles war was bei meiner
Ankunft in   dem Hause des Herrn v G vorfiel
    Mein Vater betete weniger als er vom Gebet sprach und es gefiel mir seine
Anmerkung die er zu einer Zeit machte dass vom Gebet reden auf gewisse Weise
beten heißen könne  Wenn diese Anmerkung richtig ist so wird man fast
behaupten können es wär ohn Unterlass in dieser Geschichte gebetet worden 
Dieses Gespräch hätt ich gesteh es überschlagen werden können ich wollt
indessen ehrlich bei dieser Sache verfahren und so wie in der ganzen Schrift
verfahren ist Des ungeneigten Kunstrichters wegen der geneigte Leser wird es
so genau nicht nehmen muss ich anführen dass dieses alles und jedes nach der
Tafel an dem Tage vorgefallen da wir nach  zum Herrn v G kamen und zwischen
Herrn v G und meinem Vater eine Koppelweide brüderlich verabredet ward und da
dieser Vergleich mit einem ächten Glas Wein aus einem Schäuer begossen ward und
wo ich quod bene notandum alles über Bausch und Bogen sah und hörte wovon der
Schluss dieses Gespräches einen hinreichenden Beweis zu geben im Stande ist
    Dies ist also das Datum
    zum Gebetsgespräch
    zur Frage wohin
Zur Antwort Königsberg vorderhand  der Pietisterei des Kodicis Fridericiani
    und der Instruktion unerachtet
    Königsberg vorderhand
    Göttingen nachderhand
    Dies nachderhand aber sag ich meinen Lesern ins Ohr wie ich es mit mancher
Nachricht aus gutem Herzen gemacht habe
    Herr v G wollte nicht dass wir den andern Tag zeitig unsere Reise antreten
sollten
    Große Reisen sagt er immer nach Mittage Tagereisen fangen des Morgens
an Er war sehr kurz in den Ermahnungen an seinen Herrn Sohn
    Er riet ihm nach Anleitung meines Vaters an lebendige Tiere zu halten
Sein teurer Herr Sohn hatte schon wegen des Satans den er gern mitgenommen
hätte eine abschlägige Antwort erhalten und war also seine etwas störrische
Frage sehr natürlich
    Was für Tiere
Der junge Herr v G hielt den Hund für ein Kompendium aller nützlichen Tiere
für ein lebendiges Tier katA exoxhn
    Noch eine andere Bemerkung eh ich die Antwort auf die störrische Frage
was für Tiere mitteile Es hatte der gute Herr v G der ältere viele Hühner
Aus seinem geschmackreich gebauten Hühnerhäuslein und der Weise des Herrn v G
sie selbst zu füttern hätte man schließen sollen dass er das alte
Wahrsagerprincipium angenommen und dass er aus der Begierde womit die Hühner
frassen so dass die Körner auf dem Boden herum tanzten Glück oder Unglück sagen
könnte
    Hühner antwortete der Herr v G seinem Sohne Alles was Odem und Leben
hat zieht an fing ich an Die Sympatie hat im Odem ihren Hauptsitz  Im Odem
ist Leben und Tod
    Der Herr v G der ältere löste mich ab und wandte sich zu seinem Sohne
    Du wirst bei deinen Hühnern bleiben wenn du dir Hühner anschaffst und
meinen Rat befolgst du wirst mancher Gesellschaft eine abschlägige Antwort
geben Der Satan hätte dich zur Jagd verführt ob er gleich auch Odem hat und
mit dir sympatisirt  auf der Akademie keine Jagdhunde
    In Polen halten sich einige Familien ein Paar um die Teller zur zweiten
dritten und vierten Schüssel stehenden Fußes rein lecken zu lassen  Das wirst
du nicht nötig haben Die Reinlichkeit hat man überall umsonst
    Hast du Hühner und Tauben fuhr er fort und hat der Wirt ein Gärtchen beim
Hause verdopple die Miete  Jeder Mensch muss einen Zeitpunkt in seinem Leben
haben wo er zu Hause bleibt Lass dir den Vorfall mit deiner Braut der lieben
Kleinen zur Lehre dienen  und tue der Jagd einen Possen und schiess und hetz
in drei Jahren nicht  Konversation ist dem Studiren und selbst der Lektüre
spinnefeind  Vergesst nicht sein Blick traf uns beide dass ihr aus einem
freien Lande seid  Die Monarchie hat viel Verführerisches allein sie
versäuert das Herz sie nimmt Seele und Gewissen in Beschlag  Ein Monarch ja
was so ein Herr nicht alles tut Wunder über Wunder  Es ist aber auch
danach  Das leichteste Stückchen Brod ist es das Gott gibt Sie säen nicht
sie ernten nicht wie die Lilien auf dem Felde und Gott nährt sie doch  Der
Pastor Ihr Vater Herr v G der ältere wandte sich zu mir der mich
ehegestern beten gelehrt wird mich nie nie dahin bringen in dieser Rücksicht
etwas anderes zu beten als dass Gott der Herr Kurland womöglich noch
unabhängiger mache als es jetzt Gott sei Lob und Preis schon ist  Je
unabhängiger desto mehr Gott ähnlicher Ich hab einen Franzosen gekannt der
von Kurland sagte das elendeste Land das ich kenne Man kann im Sommer nicht
seinen Winterrock versetzen Das Wetter wechselt wunderlich  Du guter
Schlucker Ich will dir dein Land und deinen allerchristlichsten König lassen 
Gott ehre mir mein schlecht und rechtes Haus wo manche priesterliche Schwalbe
nistet  Du sollst so viel Freiheit haben wie ich gutes Ding wohlehrwürdiger
Vogel Seht nur Kinder wie die mich da eben ansieht ich kann den Schwalben
nichts nachsagen und außer dem Umstande dass sie den Totengräber Tobias blind
gemacht  weiß ich nichts Böses von ihnen
    Preußen hat einen geborenen König dem man nicht X vor U machen kann der
königliche Gaben hat allein rot blau und grün machen schwarz kohlschwarz 
Gern hätt ich den Herrn v G gebeten mir dieses Rätsel zu lösen allein er
hielt inne
    Nach einer Weile fuhr er fort Der Staat dem ihr zueilt hat  ich gesteh
es einen Philosophen und einen König zum Beherrscher Er hört jeden er sieht
jeden er hilft so weit seine lange Königshand es kann  jeden und es ist mir
ordentlich bange dass er euch die Monarchie in einem zu vorteilhaften Lichte
zeigen werde  Prüfet alles und das Gute behaltet Eine Schwalbe macht keinen
Sommer
    Die Monarchen sollten nur angeloben zu hören physisch zu hören allein
tun sie es Sie messen ihre Superiorität nicht mit ihren alleruntertänigsten
treugehorsamsten Knechten sondern mit andern Monarchen und da mag der Teufel
Untertan sein Sie haben keinem Rechenschaft zu geben als dem lieben Gott in
der andern Welt und den Poeten und Geschichtschreibern in dieser  Die letzten
haben nicht aufs Recht geschworen und nehmen Geschenke an und mit dem lieben
Gott hats Zeit genug dass sie ihm im Titel den Rang lassen Kommt Zeit kommt
Rat
    Der Herr v G der ältere hielt diese Anrede mit einer unaussprechlichen
Wärme Er schien im Ernst zu fürchten wir würden uns in Preußen werben lassen
und Königische werden
    Noch muss ich bemerken dass er sich während der Zeit da er Kurland pries
aufs grüne Gras geworfen hatte als wenn er der freien Erde seinen Dank ablegen
und sie umarmen umfassen wollte  Es schien da er geendigt hatte als
besorgt er nicht aufstehen zu können
    Dies bewog den alten Herrn ihm unter den Arm zu greifen allein Herr
Hermann kam beim Herrn v G jederzeit zu kurz er mocht es anlegen wie ers
wollte Es riss Herr v G den allezeit dienstfertigen Hermann auf Gottes
Erdboden Da lag mein Schwiegervater so lang er war Herr v G stand auf so
frisch als ein Jüngling von fünfzehn Jahren  Es war bei diesem Niederriss
nicht Gewalttätigkeit sondern nur Stärke  Es war schön anzusehen
    Den Abschied durchaus im Freien Er verfliegt eher sagte Herr v G Es ward
auch im Freien Abschied genommen Wollte Gott fuhr Herr v G fort wir könnten
auch so den letzten Abschied nehmen und im Freien sterben Und warum sollten wir
es nicht Wo ist uns am meisten Gutes geschehen Der Geist sucht das Freie und
wird dort nicht wohnen in einem Hause mit Menschenhänden gemacht Der Tod würde
nur halb so schwer sein Wahrlich der Mensch entzieht sich zu sehr Luft und
zieht eben dadurch Leib und Seele eine Art von Stockung zu Ward unser Geist
denn nicht wenn er das Freie sucht schon entzückt obgleich ihn der Leib wie
ein Bleigewicht zur Erde zog
    Die Frau v G hatte noch viel auf ihrem Herzen indessen empfahl sie ihrem
Sohne das Alter zu ehren und es macht ihr viele Mühe die Sache endlich zu
drehen wohin sie sie wollte Sie sagte dass sie für einen alten Baum für einen
alten Mann an eine alte Frau dachte sie nicht und für eine alte Familie große
Hochachtung hätte
    Also auch für eine alte Familie Ein neuer Edelmann setzte sie um es noch
eindrücklicher zu machen hinzu ist ein Baum der noch nicht die Blattern
gehabt der noch nicht oculirt ist  Weiter ließ sie ihr Gemahl nicht das
passt sagt er wie die Faust aufs Auge und in Wahrheit du weißt nicht wer
Koch oder Kellner ist
    Von der Frau v W wieder einen Blick  von ihrer liebenswürdigen Tochter
ein Lächeln Leben Sie wohl und glücklich sagte die Frau v W  und glücklich
hallte die liebe Kleine nach  Die Worte fielen auf den jungen Herrn v G
allein das Auge auf mich
    Ich weiß nicht wer auf den Gedanken kam dass mein Reisegefährte seiner
kleinen Braut einen Kuss geben sollte Ihrem Retter auch einen sagte Herr v G
und die Frau v W als wenn sie darauf gewartet hätte freilich kleine
Undankbare das solltest du von selbst tun  Ich nahm mich sehr ungeschickt
dabei Die arme Kleine ward rot über rot  und da ich mich zum letztenmal
gegen sie beugte trat ihr eine Träne in ihr blaues schönes Auge welches so
durchschimmerte wie ein Veilchen durch ein Tautröpfchen  Gott segne die gute
Frau v W und ihre Tochter dachte ich und den Herrn v G der mir zum Kuss
verhalf und zu der schönen Träne
    Jetzt war die Reihe an dem Herrn v W und dem Herrn Hermann Ich hatte
schon einigemal mich an den Herrn v W gewendet allein er hatte es sehr
höflich verbeten weil es  wie er sich auszudrücken gefälligst beliebte 
                            noch nicht an ihm wäre
    Er umarmte meinen Reisegefährten und tat mir wiewohl mit steifem Arm eine
gleiche Ehre an  Hiebei machte er weil es eine Abschiedsumarmung war ein
griesgrämisches Gesicht
    Bei meiner Umarmung weniger bei des jungen Herrn v G mehr
    Der Herr v G der ältere sagte Herr Bruder du siehst ja aus als ob du
vom verbotenen Baum gegessen hättest
    Lass mich sagte er und tat so peinlich als verlöre er ein Glied vom
Finger
    Es ist fing er an es ist  er unterbrach sich wieder mit einem tiefen
Seufzer
    Es ist mein Herr Schwiegersohn brach er endlich heraus und die heißesten
Wünsche dass der große Gott ihn auf seinen Reisen begleiten seine Studien zu
seiner Ehre und des Vaterlandes Nutzen segnen und ihn zu seiner Zeit in die Arme
seiner kleinen Braut gesund zurückbringen wolle  Das das ist ein Teil der
kleinste von der Empfindung
    Zieh ein Paar weiße Handschuhe auf sagte Herr v G solch eine Rede
verdient es deine Briefe sind alle auf Postpapier mit vergoldetem Schnitt und 
    Dieser Eingriff war sehr erwünscht um den Herrn v W der viel zu leiden
schien zurechtzubringen Ich bin ein Diener der deutschen Sprache sagte er
Herr Bruder allein ein gewisses je ne sais quoi suche ich in Gedanken
Gebärden Worten und Werken
    Das ist auf deutsch du suchst nichts rein nichts erwiderte der brave
Herr v G
    Mir konnte Herr v W nichts mehr sagen als Dank und tausend Dank  Sein
Kompliment war noch nicht ausgeknetet
    Du hast mich gestört sagte er zum Herrn v G wie ehegestern die
Waldhörner  Das wundert mich fiel Herr v G ein du fährst ja sonst immer
mit fünf Rädern auf allen Fall eins aufgebunden  du hättest ja das fünfte
abbinden können
    Der alte Herr drängte sich vor um mich vor aller Augen zu küssen Ich tat
es dieser Schwachheit unerachtet doch und  das ganz ehrlich ich entzog ihm
nichts
    Grüssen Sie sagte ich ihm 
    Ich werde erwiderte er
    Ich Tausendmal 
    Er Tausendmal
    Dieser Gruß gehörte nicht Vater nicht Mutter sondern bloß Minen bloß ihr
alle tausend ihr alle ihr  Mir kam es vor dass der alte Herr es fühlte wem
es galt und für dieses Gefühl drückte ich ihm die Hand und er schien überaus
mit mir zufrieden zu sein ich sagte ihm ganz leise tausendmal tausendmal
    Herr v G sah mich an und sein Blick wollte in Beziehung auf meinen
herzlichen Abschied vom alten Herrn sagen Junger Mensch dir fehlt Erfahrung
Man siehts sonst würdest du den Hermann so nicht herzen und küssen den ich
nur eben körperlich zur Erde riss mit seiner Seele mache ichs alle Augenblicke
so Der gute Herr v G irrte diesmal mit dieser Gebärde  Zwar hatte er wie
meine Leser so gut wissen als ich einen naturfindenden umfassenden Blick dass
er aus diesem Abschiede hätte wissen können und sollen Hermann habe eine
Tochter deren Freund deren Seelenmann ich sei  allein diesmal fand er nicht
den rechten Weg
    Die Frau v G konnte sich nicht des Lachens erwehren da sie meinen
Feldkessel den mir mein Vater mitgeben lassen und den meine Mutter nicht zu
kennen die Ehre hatte sonst wäre er gewiss nicht mitgekommen aufbinden sah 
Der junge Herr v G hatte alles nach Jagdmanier als ob er auf eine weite Jagd
sich begeben sollte obgleich der Herr v G der ältere den Satan seinem Sohn
abgeschlagen und ihn versichert hatte »dass jeder Mensch einen Zeitpunkt in
seinem Leben haben müsste wo er zu Hause bleibt« obgleich er ihm die Jagd
wohlmeinend widerraten und ihm Hühner empfohlen um nach der Meinung meines
Vaters etwas was Odem hat um und neben sich zu haben
    Obgleich  so war doch der Sohn wie ein Jäger ausstaffirt
    Der gute Herr v G der ältere tat dies in seiner Unschuld Seht da einen
Originalzug von Kurland dem Herr v G der ältere nicht ausweichen wollte und
konnte  Die grüne Farbe ist Trumpf
    Herr v W schlug eine Begleitung aus Höflichkeit vor allein Herr v G
verbat sie nachdrücklich  Es blieb alles so lange stehen als man uns sehen
konnte und da wollte ich wetten Herr v W noch ein wenig länger
    Sobald wir ihrem Nachblick entfahren waren küsste mich mein Reisegefährte
von freien Stücken herzlich  Wir wollen uns einander alles sein  Vater und
Mutter sagte er  ich seufzte denn ich dachte an Minchen
    Wir langten in der Haupt und Residenzstadt Mitau an um hier mit einem
Königsbergschen Fuhrmann man nennt dergleichen Leute Rigasche Fuhrleute die
Fahrt bis Königsberg zu verabreden  Ich fand in dem Fuhrmann und seinem
Untergebenen ein Paar so gesunde und starke Menschen dass ich wohl einsah wie
man auch im monarchischen Staat der Ermahnung des Herrn v G auf dem curischen
Grase unerachtet seinen stattlichen Schritt haben gerade aussehen und sich
wohlbefinden könne  Ich konnte nicht aufhören diese Menschen zu fragen und
sie anzusehen so dass ich die Haupt und Residenzstadt Mitau darüber vergaß die
am Ende auch nur zur Johanniszeit unter die sichtbaren gehört und gewiss unter
den sichtbaren nicht die vornehmste ist Um Johanni ist eine allgemeine
Wallfahrt nach Mitau dann lässt der Edelmann in Begleitung eines Teils Bauern
die Esswaaren und sogar Möbeln an diesen Johannisort nachbringen Dem Vorreiter
ist auf dem linken Arm ein Silberblech aufgenäht worauf das hochadliche Wappen
steht um Mitau Ehre zu machen
    Ich hatte mir die Wahrheit zu sagen einen zu großen Begriff von Mitau
gemacht woran meine Mutter zum größten Teil Schuld war Dies bitte ich zu den
preußischen Leuten hinzuzurechnen um das unbeträchtliche Interesse
herauszubringen das ich an Mitau nahm  Das vom Herzoge Ernst Johann angelegte
Schloss wozu 1738 den vierzehnten Junius der Grundstein gelegt worden und
welches an der Stelle des alten verwüsteten seit 1269 gestandenen errichtet
worden stand da zum glänzenden Beweise dass Plan und Ausführung Verlobung und
Hochzeit zweierlei sind Diese Betrachtungen führten mich zu Minen und was
führte mich nicht alles zu ihr
    Meine Mutter würde es mir sehr verdacht haben dass das anschauende
Erkenntnis meinen Begriff von Mitau so sehr herabgestimmt Wohnet denn würde
ohne Integralrechnung ihre Bemerkung gewesen sein wohnet denn nicht der Herr
Superintendent hier
    Mein Reisegefährte war im Mittelpunkt und konnte nicht aufhören zu sehen
Mitau schien ihm
Terrarum Dea gentiumque Roma
Cui par est nihil et nihil secundum
    Die Hauptstadt der Welt  obgleich es nicht Johanni war Die Residenz ist
für jeden Edelmann das Treibhaus im kalten Klima So wies Arzeneien gibt die
nur durch das heilige himmlische Feuer der Sonne gekocht gebleicht und
getrocknet werden können so ist auch die Residenz die Insolation in Absicht des
Edelmannes Mein Reisegefährte empfand alle Nepos wollas die er in seinem Leben
geben würde und Adam hätte nicht auf die Schwangerschaft von allen Seelen die
in ihm lagen so stolz sein können wenn man ihre Fortpflanzung per traducem
sich träumet wie Herr v G auf alle Nepos wollas als die Insignien eines
Edelmannes in Polen und Kurland Was ist denn fing ich an in Mitau Man muss es
zu Johanni sehen erwiderte er Dann ists illuminirt erwiderte ich und wann
die Lichter ausgebrannt sind was ists dann Kennst du ein Johanniswürmchen
fragte ich zur Wiedervergeltung ich will es dir präsentiren Es ist ein
Würmchen grünlicht auf dem Bauch  Hier hat es auch ein kleines Bläschen
welches einen grünlichen hellen Glanz wirft sobald dies Bläschen sich einzieht
 weg ist ihr Glanz Die Existenz dieses Würmchens währt nur einige
Sommernächte  Mein Reisegefährte lachte  ich mochte nun denken dass der
Superintendent in Mitau sei oder nicht so war es mir doch so als ob ich nicht
in Kurland sondern da zu Hause gehöre wo man früher Spargel isst eine Pfeife
in der freien Luft raucht den Wein bei der Quelle hat und lange Manschetten
trägt Kein Wunder also dass Mitau nicht meine Residenz war In Kurland gehörte
ich in unserm Pastorat und auf dem Gute des Herrn v G zu Hause Überhaupt
scheinen die Curländer zu keiner Stadt Lust und Liebe zu haben Sie gehören
aufs Land wo sie auch Geschmack anzubringen wissen  Sie sind gestiefelt und
gespornt und es lässt keinem Curländer wenn gleich er sich in Unkosten setzt
und Schuhe und Strümpfe anlegt Sie sind geborene Kavalleristen Wenn sie geputzt
sind muss es ihr Pferd auch sein Ich habe allerliebste Reitund Jagdkleider in
Kurland gesehen die Mitgabe meines Reisegefährten kann hier zum Beleg dienen
unerachtet sein Herr Vater durchaus keinen Jäger auf der Universität haben
wollte seinem Sohn den Satan abschlug und unter lebendigen Tieren die Hühner
in Vorschlag brachte
    Unsere Preußen verzögerten uns beinahe zwei Tage ehe wir endlich die
curische Residenz verließen Das herzogliche Schloss hat so wenig Verhältnis zu
dem übrigen Teil der Stadt als das Mitausche Pflaster zur Regelmäßigkeit und
Ordnung In Wahrheit wenn man die Nation beschreiben wollte müsste man Mitau
beschreiben Ich fiel auf den Gedanken indem ich dies niederschrieb ob nicht
jede Residenz das Land im verjüngten Maßstabe sei allein ich habe mich geirrt
es gibt so viel Ausnahmen so viel ungeratene Söhne bei dieser Regel dass die
Regel selbst den Mutternamen Regel nicht verdient  Unter dem Alltäglichen was
auf der Reise vorkommt fielen mir die armen Menschen auf die an Hecken sitzen
und sie den Reisenden öffnen In Wahrheit dachte ich das können nicht alles
Leute von niedriger Geburt sein Ich sah einen alten Mann in einem dergleichen
Diogeneshäuschen an der Hecke der einen so vortrefflichen Kopf hatte  Das war
wenigstens ein Literatus und wo anders sah ich ein armes krankes Weib das in
der größten Behendigkeit aus ihrer Behausung kam und Hand ans Werk legen wollte
allein krämpfige Zufälle lähmten ihr stehenden Fußes die Hand  Es war rührend
anzusehen Die Preußen wollten ihr keinen Schilling geben weil sie ein altes
Weib war und der Krämpfe wegen die Hecke nicht öffnen konnte ich entschädigte
sie zwar allein ich musste die Entschädigung auf Gottes Acker auf die Erde
werfen  Nicht Geld konnte sie halten Dafür ward ich im Wagen ausgelacht  und
wer weiß was noch der Kritikus tut
    In Wahrheit wenn sich jemand finden sollte die Lebensläufe aller dieser
Unglücklichen in Diogeneshäuschen zu schreiben auf einer Reise die freilich
nicht durch die Welt sein dürfte wie ohnedem noch niemand gereist ist gewiss
er wäre ein vortrefflicher Schriftsteller und würde gelesen werden bis an den
lieben jüngsten Tag
    Ich hatte um mir eine Bewegung zu machen den Wagen verlassen und hiezu
kam noch dankbare Empfindung gegen mein freies Vaterland die ich unmöglich
sitzend aushalten konnte Ich sah die Gränzscheidung und da ich eben einen
grünen Platz fand beredete ich meinen Gefährten Kurland zu umarmen Wir legten
uns hin so lang wir waren  Der Wagen fuhr langsam weiter so unvermerkt wie
aus einer Monarchie Despotismus wird wenn sie es nicht schon an sich ist,
worüber die Gelehrten noch uneins sind
    Lebe denn wohl herzlich geliebtes Vaterland Ich danke dem Himmel dass dein
freier Boden das erste war was mein Fuß betrat Das fühlte ich noch noch dass
er frei war und ich wünschte meine Leser möchten es auch wo nicht überall so
doch wenigstens an einigen Stellen gefühlt haben Natur und freier Staat sind
Geschwisterkind und vertragen sich wie Kinder  Etwas reine klare Natur muss bei
jedem Werke der Kunst sein und dies Etwas eignet sich Seelenwürde zu es ist
Seele es ist göttlicher Hauch lebendiger Odem in die Nase Die Kunst die
Verschönerung ist Leib  Man kann in Wahrheit auch die Menschenseele durch den
Menschenkörper verschönern  Nun leider heut zu Tage wird der Körper nicht
verschönert sondern geschwächt Ich leugne es nicht dass dadurch dass der
auswendige Mensch gelitten der inwendige Mensch zum Teil zugenommen wir haben
mehr Seele und weniger Körper bekommen es frägt sich aber ob wir gewonnen oder
verloren haben Wir haben aufgehört zu genießen und haben angefangen zu denken
    Wer lacht macht zu lachen wer weint macht zu weinen Denn es gibt kein
gefährlicheres Tier den Affen selbst nicht ausgenommen als den Menschen
allein wer darstellt wer handelt und handeln lässt bereitet ein Lachen von
ganzem Herzen von ganzer Seele und von allen Kräften und auch solch ein
Weinen  Wer im gemeinen Leben keinen Blick hervorlacht sondern nur durch sein
Handeln mit Fleiß zum Lachen Gelegenheit gibt ist komisch im hohen Grade Und
in Wahrheit ein verstohlenes Ach gilt mehr wenn man darauf vorbereitet ist
das ist wenn man leiden gesehen und es nicht bloß gehört als eine Sündflut
von Tränen Prüft nach diesen Angaben die Dichter alter und neuer Zeit Ich für
meinen Teil wollte hier nur sagen so wie Darsteller vom Selbstlacher und
Selbstweiner unterschieden ist so wie Werk vom Wort so monarchischer Staat vom
freien Wer es fassen kann der fass es
    Ich merk es dass ich meinem grünen Platz entlaufen bin und will mich
gleich wieder so lang ich bin hinstrecken um mein Vaterland zu Ende zu
segnen  Der Mensch ist zum Scheiden geboren Sterben lernen und philosophiren
ist von jeher für einerlei gehalten worden denn in Wahrheit diese Welt ist
entweder ein Vorbereitungsort oder wir sind die elendesten unter allen
Geschöpfen Drum nehme ich so gern Abschied auf die Art wie vom Vaterlande
wenn ich schon weg bin  Ich empfand wahrlich mehr als ich sagen kann und was
noch mehr als sagen ist schreiben kann  Noch wo ich grün sehe kommt mir vor
als sähe ich Freiheit Seht was ich diesem Scheidewändchen zwischen Kurland und
Preußen und dem grünen Fleck auf dem Herr v G der ältere uns belehrte dass
wir Curländer wären zu verdanken habe
    Ich wünsche allen Königschen wess Standes und Geburt sie sein mögen sonder
Arglist und Gefährde etwas Grünes damit sie wenigstens einigermaßen wissen
was Freiheit sei Monarchischer Staat ist wie eine Lanze oben klingt es unten
ist Holz wie ein Kegelspiel das die Kugel nicht trifft  Was Se Majestät
nicht allerhöchst eigenhändig fällt das tun die fallenden Kegel einer wirft
den andern mit  So wie gesteiftes und ungesteiftes Kleid so Monarchie und
freier Staat Hier stammen wir in gerader Linie von der Mutter Natur ab dort
höchstens von der Seitenlinie Im monarchischen Staate wächst was noch in die
Höhe schießt wie eine Bohne an der Stange Im freien Staate sagt man sind die
Menschen wild das heißt mit andern Worten im monarchischen Staat sind die
Menschen Menschen Warum denn alles nach der Regel de tri Ein Königscher ein
Untertan ist ein zahmes Tier das aus der Hand frisst und nicht weiß was es
erst tun soll ob fressen oder die Hand küssen Er sitzt beständig auf den Tod
und wartet nur auf den Appetit seines Allergnädigsten Ruft nicht Pensionärs Im
freien Staat ist wenigstens ebenso viel Sklaverei als Freiheit Dies hat mich
Herr v G besser gelehrt der meines Wissens keine Pension zog Wo Weizen
wächst wächst Unkraut und je besser der Boden desto besser schießt beides
hervor  Die ganze Natur ist für und wider sich alles kreuzt sich in der Welt
Vögel und Äste Was sich neckt das liebt sich  Seht da wieder Natur im
freien Staat Homersche Shakespearesche Natur Das Lobopfer das ihr der
Monarchie bringt ihr Professores Poeseos was ists Erbauliche Gedanken neben
einer Hecke die eben geköpft ist auf die Melodie Nun sich der Tag geendet hat
und keine Sonn mehr scheint
    Lebe wohl herzlich geliebtes Vaterland Du hast mich gelehrt die Freiheit
schätzen obgleich du selbst bei weitem noch nicht frei bist sondern dich zu
Polen verhältst wie ein Aufschlag zum Kleide  Frevelhafte Beschuldigung ist
es dass man in deinem Schoss wie eine Flinte sei die nicht mehr nicht weniger
knallt es fall ein Sperling oder ein Mensch nach Gottes Bilde gemacht Es
gibt monarchische Staaten wo man sich über den Kopf eines Mörders wenigstens
zwölf Monate bedenkt so dass das Publikum die Verbindung zwischen Verbrechen
und Strafe vergisst und der Pastor loci recht gemächlich Gelegenheit nehmen
kann den Geist und die Kraft der Religion an diesem Bösewicht ad oculum zu
demonstriren Alle Mörder sterben alsdann wie der Schächer am Kreuze Dagegen
fließt in diesen Staaten das Blut von tausend Edlen im Kriege Niemand lötet
die Wunden der Redlichen  Es gibt Tiere sagte mein Vater die im Marmor
aber nicht im Leben gefallen und so wie der Bienenschwarm so der freie Staat
 Nicht also mein Vater ich glaube dass das Denken im monarchischen Staat und
das Reden im freien zu Hause gehöre oft auch das Tun  so wie ein Sklave nur
eigentlich unverschämt sein kann im freien Staat kennt man dies Wort nicht
    Meine Leser werden ohne Fingerzeig einsehen dass ich dieses nicht auf dem
grünen Platz schreibe sondern in einem Staat  Bald hätte ich zu viel gesagt
Ich empfand auf diesem grünen Platz und zwischen Empfinden und Denken ist oft
so ein Unterschied wie zwischen Wachen und Träumen Ein schöner Traum ich gäb
einen Tag drum unbesehens
    Meine Empfindungen wurden den Preußen dem Fuhrmann und seinem Untergebenen
zu lange  Ich schlief ihnen zu viel Sie schrien mich heraus und gaben mir zu
verstehen dass hier guter Weg sei wo der Wagen ohne Not aufgehalten würde und
dass schon Stellen vorfallen würden wo ich Gelegenheit haben würde mich zur
Ruhe zu begeben eigentlich zu empfinden
    So gründlich gleich diese Aufforderung war so verdross mich doch dieses
Kommando und ich konnte nicht umhin ich weiß selbst nicht wie ich darauf
fiel zu fragen warum sie denn nicht Soldaten wären Ich hätte doch gehört dass
alles was einen stattlichen Schritt in Preußen hätte gerade ausseh und sich
wohlbefände Soldat wäre daher auch zärtliche Mütter Gott auf Knien danken
sollten sobald sie aus dem Wochenbette auf die Füße kämen wenn er sie einen
Krüppel auf die Welt zu bringen gewürdigt weil dieser allein das Recht hätte
eine Stütze der Familie zu werden  Herr sagten die Preußen wer Ihnen das
gesagt hat ist ein Ht Beim höchstseligen Herrn gings zuweilen in diesem Stück
bunt über Eck  und da konnte man manches nicht spitz kriegen Gott lass ihn
höchstselig ruhen Unser jetziger Herr sie zogen ihre abgekrempten Hüte ab
braucht Fuhrleute und Generale und es tut in Preußen nichts ob man einen
Orden oder eine Peitsche umgehangen hat Sie hatten die Peitschen wirklich auf
Ordensart Ich lasse keinem Menschen die Mittelsteine wenn ich nicht will Ein
General oder Korporal geht mich mit keiner Ader an  Ich für mich sie für
sich  Wer dem Herrn die Abgaben gibt ist ihm angenehm so wie dem lieben
Gott wer recht tut und wenn die Soldaten zur Revue sind verstehen Sie mich
der Alte sprach junger Herr Curländer so bin ich während der Zeit Major von
der Kavallerie und dieser mein Schwestersohn ist Junker und ich versichere
den Herrn dass wir unsern Säbel führen er machte Luftstreiche und der Junker
gleichfalls wie Einer
    Es fiel mir eben da die preußische Glänze anfing eine große Eich ins
Auge die sich nicht um das was unter ihr war bekümmerte Sie hatte sogar
gegen unten keine Schattenäste für ihre Untertanen  Stolz wuchs sie gen
Himmel und selbst ich hatte Mühe ihren Gipfel zu erreichen  Sieh da einen
Monarchen sagte ich zum jungen Herrn v G und er verstand die Eiche und mich
auf ein Haar
    Ich wünschte dass mein Vater diese königlichen Fuhrleute gesehen hätte 
denn ich selbst war so begeistert dass ich gern Luftstreiche mit diesen tapfern
Preußen um die Wette gewagt hätte wenn mir nicht mein Reisegefährte heimlich
auf den Fuß getreten und eben so heimlich die rechte Hand gedrückt hätte als
wollt er treten und drücken  Bruder lass den Major und Junker den Fuhrmann
und seinen Untergebenen
    Es war gleich alles wie abgeschnitten  Unsere Heerführer waren so sehr von
allem Eifer zurückgebracht dass sie uns herzlich versicherten wie die Fuhrleute
und Studenten in Königsberg Schwäger und Freunde wären Trotz dem grünen Platz
und dem kleinen Streit der zuweilen vorfiel  Sie bewiesen uns ihre
aufrichtige schwägerliche Verwandtschaft dass sie den folgenden Tag schon um
drei Uhr Halt machten um uns oder eigentlich mir Zeit und Raum zu lassen eine
Leichenbeerdigung zu hören und zu sehen
    Wir waren eben im Begriff in   Mittag zu machen da die Glocke gezogen
ward  Ich verstand auf den ersten Anschlag dass es Trauertöne werden sollten
    Wer ist tot fragte ich den Hauswirt Fragen Sie antwortete er wer wird
begraben Auch das erwiderte ich und wer
    Schön fuhr er fort nun werd ich Sie fragen wer wird begraben
    Ich sah den unwitzigen Mann ernstaft an und wenn nicht eben eine
Sturmglocke für mein Herz zu hören gewesen wäre es wäre schwerlich beim Anblick
geblieben  Der Hauswirt war indessen so gefällig mir sogleich auf meinen
ersten Augenschlag der Herr v G trat und drückte mich wieder aus dem Traume
zu helfen Mein Herr setzte der Hauswirt im Geschichtsstyl hinzu es ist ein
Fremder ein Unbekannter Niemand weiß wo er her ist Unfehlbar hat er nicht
nach Hause reichen können denn man sieht ihm sein hohes Alter an  Er hat ein
sehr gutes Aussehen  weil man einige Gulden und eine Schreibtafel beides hat
der Pfarrer gleich an sich genommen bei ihm gefunden so wird er mit einer
Leichenpredigt begraben
    Gott schrie ich das ist der Alte Alt ist er sagte der kupfernasige
Hauswirt ganz gelassen
    Ich konnte nicht mehr  ich will hin ich will hin  und seine kalte starre
Hand angreifen  Noch ist Segen Gottes darin  Da die Gebeine jenes Mannes
den man in Elisas Grab warf die Gebeine des Propheten berührten wurden sie
lebendig  und es trat der Mann auf seine Füße
    Ich will hin ich will hin  und wenn ich seinen einen Handschuh erben
könnte  O welch eine Erbschaft hätt ich getan
    Der Hauswirt nahm während dieser heiligen Entschlüsse Tabak und zog ihn
sehr hoch in die Höhe
    Jetzt erst wandt ich mich zu unsern Fuhrleuten um sie zu überreden den
Mittag und Abend in einem weg zu halten
    Abgemacht
    Der Herr v G erkundigte sich nach Wild  und ich ging spornstreichs in die
Kirche
    Eben hatte der Pfarrer den Text den er zu der Leichenpredigt ausgesondert
hatte verlesen Den Spruch fand der Leichenprediger in der Schreibtafel des
Seligen aufgeschrieben und dreimal unterstrichen Er steht in der zweiten
Epistel an die Korinter im sechsten Kapitel vom vierten bis zehnten Vers
    »Sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes in
großer Geduld in Trübsalen in Nöten in Aengsten in Schlägen in
Gefängnissen in Aufruhren in Arbeit in Wachen in Fasten in Keuschheit in
Erkenntnis in Langmut in Freundlichkeit in dem heiligen Geiste in
ungefärbter Liebe in dem Worte der Wahrheit in der Kraft Gottes durch Waffen
der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken durch Ehre und Schande durch
böse Gerüchte und gute Gerüchte als die Verführer und doch wahrhaftig als die
unbekannten und doch bekannt als die Sterbenden und siehe wir leben als die
Gezüchtigten und doch nicht getötet als die Traurigen aber allezeit fröhlich
als die Armen aber die doch viel reich machen als die nichts inne haben und
doch alles haben«
    Ein Thema pflegt bei den Geistlichen ein leeres Haus zu sein wo man
mancherlei und manches anschlagen kann ein Nagel an den man viel hängt ich
weiß nicht ob man nicht auch in diesem Sinn sehr richtig sagen würde man muss
nicht zu viel an einen Nagel hängen
    Das Ziel nach dem der Pastor loci anlegte war der Schein und das Sein des
Christen Meine Mutter hätte wenn sie selbst diese Leichenpredigt gehalten
kein gereimteres Thema gefunden ich für mein Teil hatte alle Fassung nötig
um mich zurückzuhalten  Ich brannte vor Begierde den Sarg dieses Seligen
aufzusprengen und mir einen Segen abzufordern Es war sehr zu merken dass ich
dem Pfarrer ein Meteor war und ein unverhoffter Gast  er haspelte seine Predigt
in höchster Eile herab indessen verzählt er alle Augenblicke die Fäden und
dies zwang ihn von neuem zu zählen  Endlich die Nutzanwendung zum Schein und
Sein
    Meine Geliebte der selig Verstorbene schien uns anfänglich ein Mann nach
der Weise Melchisedech Ich fragt ihn nach dem Namen Geburtsort Vaterland ob
er noch in dieser Welt etwas zu berichtigen hätte Auf alle diese Fragen nicht
eins zur Antwort
    Ich ward über und über rot und nun erschien mir der Pfarrer als ein
Meteor und ein ungebetener Gast und das Aergste bei dieser Verlegenheit war
dass ich nicht haspeln konnte Nichts ist einem Verlegenen heilsamer als wenn er
reden kann er fällt zwar immer tiefer darein indessen ist es ihm Labsal reden
zu können wenn er auch nur stammeln und stottern sollte Er ist wenigstens vor
einer Seelenlähmung sicher die eben so wie eine körperliche oft zeitlebens
auf die Seele einen Einfluss hat Die Zunge ist in solchen Fällen Ventilator in
einem stockigen Zimmer  Sie bringt frische Luft herein
    Da ich einsah fuhr der Leichenprediger fort dass unser Seliger Ursachen zur
Zurückhaltung hatte wandt ich schnell um und klopft an eine andere Tür die
zum Seelenheil führt Hier blieb er mir kein Wort schuldig  Nach seinem
seligen Hintritt klärte sich alles auf Er fand nicht für gut zu erzählen was
seine Schreibtafel enthielt er wollte sich nicht die Augenblicke entwenden die
er himmlisch anwenden konnte Sein Wandel war nicht von hier sondern von
droben  Das erste was ich öffnete war seine Schreibtafel die wie ein
Kommunionbuch gebunden war Seinen Geldbeutel worinnen vierzig Gulden waren
öffnete ich nachher
    Ich war im preußischen Gelde ganz unerfahren und ich muss mich noch hüten
um ja hiebei nicht wider das Kostüm zu sündigen
    In seinem Kommunionbuch von Schreibtafel fand ich mehr als ich gefragt
hatte Man pflegt oft in Schreibtafeln das Geheimste das man oft seinem
geheimsten Rate nicht entdeckt zu finden Es ist der Männer Schoosshündchen
    Unser Seliger heißt      
    Ha kunstrichterlicher Leser da hattest du schon deine Bleifeber zum Strich
gespitzt  Wieder einer ohne Namen eine unbenannte Geschichte Stecke dein
Schwert in die Scheide denn wer das Schwert nimmt wird durchs Schwert
umkommen und damit ich bei dieser Gelegenheit auch an eine andere Tür
anklopfe die zum Seelenheil führt bet ich ein Vater unser für dich  damit
du nicht vielleicht ohne Namen dahin fährst in deinen Sünden  Halt den Hut
vor
Ne nos inducas in tentationem
Sed libera nos a malo Amen
    Unser Seliger heißt       wie er seinen Namen ganz mit allen Punkten
und Klauseln ausgeschrieben
    Er fährt fort
    Ich war reich  ich hatte so viel dass meine grossstädtische Freunde zuweilen
zu mir kamen und sich ländlich vergnügen konnten
    Ich ward arm fährt er fort der Herr hats gegeben der Herr hats
genommen der Name des Herrn sei gelobt Wie er um das Seinige gekommen meine
Lieben ist nicht angeführt In seinem Wohlstande hatt er zum Aufbau eines
Lustauses und Lustgartens für eben diese Freunde wenn sie ihr stockendes Blut
wieder in Fluss bringen wollten zweitausend Gulden angeliehen schwer Geld
    Da er arm geworden erliessen sie ihm die Schuld und gaben ihm seinen
Schuldbrief zurück Sie bedachten vielleicht dass er nur ihretwegen diesen Bau
unternommen  »Was dankt ich Gott« schreibt der Selige »dass ich unter meinen
Freunden Menschen fand So in der Nähe dacht ich  Gott schlägt Gott heilt
Halleluja« Unser Seliger hatte zwar nicht das Glück des Hiobs der zwiefältig
so viel bekam als er gehabt hatte und außer dem schönen Groschen und dem
güldenen Stirnband so ihm seine Brüder und Schwestern und Bekannten verehrten
noch vierzehntausend Schafe und sechstausend Kameele und tausend Jochrinder und
tausend Esel  wie er denn auch nach seinem gehabten Unfall einhundert vierzig
Jahre lebte und Kinder und Kindeskinder sah bis in das vierte Glied Unser
Seliger konnte zwar nicht seine Freunde zum ländlichen Vergnügen mehr einladen
sein Gärtchen und sein Lustäuschen waren in fremden Händen allein er hatte
doch Nahrung und Kleider  Seine Freunde hatten auch nach der Zeit sich bitter
und sauer Brunnen angewöhnt welchen sie die nämliche Kraft als guter frischer
Milch und einem Gartenhäuschen und einem Lustgarten beilegten  Der Selige
hatte sich indes so weit herausgewunden dass er viertausend und siebzig Gulden
nach Königsberg nehmen konnte um seinen Verkehr durch einige neue Waren zu
verstärken Bei viertausend und siebzig Gulden baar Geld konnt ein so
ehrlicher Mann als er auf noch einmal so viel Kredit rechnen  Seine
Anverwandten hörten von den viertausend siebzig Gulden und nahmen ihn allein
    Sie fragten nach der Handschrift Hier sagte er und zog sie aus der
Schreibtafel Solang ich lebe soll auch diese Handschrift leben ich könnte
vielleicht aufhören dankbar zu sein wie viele Menschen wenn sie zu satt
werden Gottes vergessen  Hier sagt er ohne Flecken ohne Runzel oder dess
etwas so wie ich sie gestellt hatte und zurück erhielt
    Der Senior Familiae ein alter herzloser Mann nahm sie entgegen und es
ward dem Dankbaren angedeutet dass da man von den viertausend Gulden ohne an
die siebzig zu denken gehört er wohl ihre zweitausend Gulden zusammt den
Verzögerungszinsen entrichten könnte
    Freunde fing er an allein man droht ihm mit dem breiten Wege Rechtens
der zur Verdammnis führt und viele sind die darauf wandeln
    Freunde fing der Selige wieder an allein und dies kränkt am meisten sie
machten ihm Vorwürfe dass er noch dazu die zweitausend Gulden zu Lustaus und
Garten verwendet hätte
    Aber  fing er wieder an und der Senior Familiae fiel ihm ins Wort
Freilich hatte Sie Gott damals reichlich gesegnet und Sie konnten an Lust
denken jetzt aber bei viertausend siebzig Gulden müssen Sie an Zahlung
denken  Denkt sagte der Selige Zahlt sagten die Verwandten die Unseligen
Sie hatten ohne Flecken ohne Runzel oder dess etwas das Document und er hatte
keinen Beweis der Schenkung und wenn ich auch schreibt er Beweis der
Schenkung gehabt hätte  und wenn auch 
    Er bezahlte
    »Nur die Zinsen« es macht auf jeden der Herren eine Kleinigkeit
    Keinen Dreier sagte Senior Familiae Es sind die usurae morae die
Verzögerungszinsen er hatte diesen Bissen Latein von einem Rechtsgelehrten
erhandelt
    Der Selige musste von Heller zu Pfennig Kapital und Zinsen berichtigen und
da einige andere von seinen unbeträchtlicheren Gläubigern die ihm aber nichts
erlassen sondern teils auf seine Verbesserung wegen der alten Schuld gewartet
teils ihn mit neuem Flickvorschuss unterstützt hatten dieses hörten verlangten
auch sie Geld und reservirten sich quaevis juris competentia contra quem vel
quos wenn der Arme nicht noch so viel übrig behalten hätte dass ihr neuer
Vorschuss hinreichend berichtigt werden könnte Es fehlten ihm dreihundert
Gulden der Arme ging zum Senior Familiae und dieser Er hatte nur eben Zeit zu
einem Vorschlage der dem Seligen bis in die Seele ging Er schlug ihm vor
seinen Wagen und vier Pferde zu verkaufen um auszulangen
    Vierzig Gulden war alles was unser Selige erübrigte und ein paar Füße die
seine schwermütige Seele mit genauer Not tragen konnten Sein Leib wog nicht
vier Pfunde
    »Vierzig Gulden« sagt er zu sich selbst und sah seinen ledig gewordenen
Geldbeutel an Er hob ihn und fühlt es dass auch er noch zu schwer für seine
Füße war  Wenn sich doch Gott erbarmen wollte rief er hier in der Welt ists
mit der Erbarmung aus Wenn doch Gott sich erbarmen wollte  Wenn er doch meine
Tränen so zählen wollte wie die Schlucker mein Geld Er hatt auf diesen
saueren Tag eine angenehme Nacht es träumte ihm dass das Lustäuschen und das
Gärtchen welches wie er verarmte subhastirt ward ihm wieder zufielen und
alles so grün so schön dass es ihm dünkte als hör er die Stimme Ei du
frommer und getreuer Knecht du bist über wenig getreu gewesen ich will dich
über viel setzen gehe ein zu deines Herrn Freude
    Was das für eine Freud im Traum war schreibt er ist unaussprechlich So
was kann man nicht leben so was muss man träumen Er ging zu Fuß aus Königsberg
und es sei dass die Ungewohnheit ein Fußgänger zu sein oder dass der gerechte
Schmerz über dergleichen Verfahren ihn noch tiefer als sein hohes Alter angriff
unser Seliger ward in   krank Ich fühlte schrieb er beim ersten Stich in
der linken Seite dass mein Stündlein vorhanden sei und die Erfüllung des
Traumes Geh ein zu deines Herrn Freude
    Diese Worte wiederholte der Sterbende unzähligemal und allemal mit einer
Freude die wie Kraft der zukünftigen Welt aussah
    Er hatte in Rücksicht seiner Wohnung nichts weiter auf seinem Herzen als
die Bitte seinen Tod in   wo er zu Hause gehörte zu melden und alle die
sich seiner erinnern sollten grüßen zu lassen
    Er hatte nicht Frau nicht Kind Gehabt zwar beides allein beides war
vorausgegangen um ihm dort entgegenzukommen Gott ruft mich schreibt er zu
rechter Zeit Ich habe meine Schulden bezahlt und bin keinem weiter als dem
lieben Gott schuldig der mit mir wahrlich das hoff ich anders rechnen wird
als meine Verwandten  Die mir zu tragen schwergewordenen vierzig Gulden
bleiben zu meinem Begräbnis und für 
    Und für waren seine letzten Worte
    Ich hätte diesen Bruch fuhr der Pfarrer fort heben und es so erklären
können und für den Pastorem loci denn ich hab ihn zweimal mit Gottes Wort
besucht und den glimmenden Docht der Hoffnung die in ihm war so wenig
ausgelöscht dass ich ihn vielmehr vollends anfachte  allein ich hab Euch auch
all an diesem und für Teil nehmen lassen wollen Den Organisten und die
Leichenbegleiter  und an uns allen verdient der Selige einen Gotteslohn
    Mir fiel eine natürliche Erklärung des und für ein Da schon des
Begräbnisses erwähnt war so hat der Selige dacht ich mit seinem und für die
Dorfarmen gemeint denn in Wahrheit das waren bei seinen Umständen seine
nächsten Anverwandten  Es gehen freilich verschiedene Sterbende die noch viel
Unrecht auf ihrem Herzen und Gewissen haben zur Beichte um am Himmel nicht
aufgenommen zu werden sie lassen sich hier plombiren um dort bei der
Himmelspforte sich keiner Revision auszusetzen und da trägt es sich freilich
wohl zu dass dem Geistlichen dem Besucher etwas in die Hand gedrückt wird 
Unser Todter das wett ich nicht also
    Wohl dem rief unser Pfarrer aus wohl dem der solang er mit seinem Bruder
auf dem Weg ist das heißt so lange sie beide die Straße dieses Lebens gehen
ihm ersetzt was er ihm Unrecht getan dem abbittet den er beleidigt den in
integrum restituirt den er beschädigt hat Wohl dem der alles mit warmer Hand
abträgt denn wie leicht kann der Gläubiger sterben und die Ersetzung ist
alsdann nicht möglich wie leicht kann der Lebens lauf des Schuldners gehemmt
werden und wie leicht kann es kommen dass sie aufhören einen und denselben Weg
zu wandeln Weh alsdann dem Schuldner Alles ist aus  Er kann nicht mehr
bezahlen so gern er auch wollte Seine Münze galt nur in dieser Welt mit einem
ewigen Vorwurf geht er in die Ewigkeit über Diese Stelle überwog die ganze
Predigt Wer sie liest der merke drauf solang er eine warme Hand hat solang
er noch auf dem Wege mit seinem Gläubiger ist und mit ihm lebensläuft
    Es starb der Selige meine Leser hören wieder den Pastorem loci seines
Lebens müd und satt mit der dringenden Bitte ihm auf unserm Gottesacker ein
Räumlein zu gönnen bei frommer Christen Grab So wie Abraham zu den Kindern
Het nach dem ersten Buch Mose im dreiundzwanzigsten Kapitel im vierten Vers
sprach
    Ich bin ein Fremder bei euch gebet mir Begräbnis so sprach auch unser
Seliger und obgleich er nicht vierhundert Sekel Silbers das im Kauf gang und
gebe war wie Abraham zu bezahlen im Stande war so war unser Alter doch auch
nicht der Abraham und wir nicht die Kinder Het  Das Plätzchen das wir ihm
verstattet ist kein Erbbegräbniss wer wollt auch seine Anverwandten mit den
zweitausend Gulden Kapital und den Verzögerungszinsen zur Nachbarschaft haben
Man erzählt dass Hände die ihre Eltern geschlagen nicht verwesen sondern aus
dem Grabe herauswachsen obgleich ich viele ungeratene Kinder bisher aber
leider noch keine herausgewachsene Hand gesehen habe  Wahrlich wir würden
alle die Hände der Anverwandten unseres Seligen sehen wenn diese Sage wahr wäre
 und die Hand des Senioris Familiae hager und ungestaltet mit langen
unabgeschnittenen Nägeln  Wie schrecklich  Nein  nicht für hundert Sekel
Silbers das im Kaufe gang und gebe ist nicht für tausend  Für dich aber
Seliger macht die Tür unseres Kirchhofs weit und die Tore hoch damit er bei
uns einziehe  Wenn der Fall nicht so wie er wirklich ist gewesen wäre wir
hätten keinen Dreier für dieses Plätzchen genommen  Die Kirche dankt dir
lieber Seliger für das was sie durch meine Hand erhalten hat und ich danke
dir für das so uns allen zugewendet worden bis auf den letzten Träger Judas
verriet wegen dreißig Silberlingen seinen Meister  Hier sind freilich nur
vierzig Kupferlinge und es ist allerdings mehr Schein als Sein dran indessen
wie bald wird sein abgetragener Leib in einer Hand Raum haben  Diese Handvoll
ehrliche Erde gibt er uns ohnehin als Agio von den vierzig Gulden
    Uns allen lehre der Herr unseres Lebens bei dieser Gelegenheit unser Schein
und Sein das heißt er lehr uns wohl bedenken dass wir nicht wissen wann der
Herr kommt  Darum wachet So gesund wir scheinen so ist doch nichts gewisser
als dass es ein Ende mit uns haben müsse dass unser Leben ein Ziel habe und wir
davon müssen Das ist unser Sein
    Ihr Gebeugten im Volke freut euch in dem Herrn und abermals sag ich
euch freut euch denn ihr werdet sterben und eben dann wenn ihr nicht aus
noch ein wisst wird euch der Herr gen Himmel zeigen  da werdet ihr Friede haben
und nicht hören die Stimme des Steuereinnehmers da werden getrocknet werden die
Tränen von den Wangen der Wittwen da werden die Gottlosen aufhören mit Toben
und sanft ruhen die des Lebens Last und Hitze getragen haben  Fasset eure
Seelen in Geduld und wenn euch eine Krankheit anficht denkt dass sich eure
Erlösung naht Seht an den Feigenbaum und alle Bäume wenn sie jetzt
ausschlagen so seht ihrs und merkt dass jetzt der Sommer nahe sei  Bei
Menschenkindern ist es umgekehrt  Wenn der auswendige Mensch stirbt fängt der
inwendige zu leben an Gern hätt ich diese Lebensumstände die mir so wie sie
da sind gewiss nicht wenig Mühe gemacht da sehr viele Worte halb verwischt und
viel unleserlich geschrieben war gern hätt ich weil mir wohl bekannt ist dass
ihr lieber einen Lebenslauf als eine Predigt hört gern hätt ich diese
Lebensumstände verstärkt wenn ich mehr im Taschenbuche gefunden hätte Zum
Beschluss wollen wir vom einunddreissigsten Vers bis zum sechsundvierzigsten des
fünfundzwanzigsten Kapitels des Evangelii Mattäi verlesen hören und verlesen
    Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle
heilige Engel mit ihm dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit
Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden Und er wird sie von einander
scheiden gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet Und wird die
Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken Da wird denn der
König sagen zu denen zu seiner Rechten Kommet her ihr Gesegneten meines
Vaters ererbet das Reich das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt Denn ich
bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist Ich bin durstig gewesen und ihr
habt mich getränket Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherbergt Ich
bin nackend gewesen und ihr habt mich bekleidet Ich bin krank gewesen und ihr
habt mich besuchet Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir kommen Dann
werden ihm die Gerechten antworten und sagen Herr wann haben wir dich hungrig
gesehen und haben dich gespeist oder durstig und haben dich getränket Wann
haben wir dich einen Gast gesehen und beherbergt oder nackend und haben dich
gekleidet Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir
kommen Und der König wird antworten und sagen zu ihnen Wahrlich ich sag
euch was ihr getan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern das habt
ihr mir getan Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken Gehet hin von mir
ihr Verfluchten in das ewige Feuer das bereitet ist dem Teufel und seinen
Engeln Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich nicht gespeist Ich bin
durstig gewesen und ihr habt mich nicht getränket Ich bin ein Gast gewesen und
ihr habt mich nicht beherberget Ich bin nackend gewesen und ihr habt mich nicht
bekleidet Ich bin krank und gefangen gewesen und ihr habt mich nicht besuchet
Da werden sie ihm auch antworten und sagen Herr wann haben wir dich gesehen
hungrig oder durstig oder einen Gast oder nackend oder krank oder gefangen
und haben dir nicht gedienet Dann wird er ihnen antworten und sagen Wahrlich
ich sag euch was ihr nicht getan habt Einem unter diesen Geringsten das habt
ihr mir auch nicht getan Und sie werden in die ewige Pein gehen aber die
Gerechten in das ewige Leben  
    Ins ewige Leben verhelf uns alle zusammen der Herr des Lebens Amen
    Nach der Predigt ließ der gute Pfarrer singen Lieber Gott wann werd ich
sterben und seine werten Zuhörer welche bis auf mich lauter Bauern und
Fischer waren sangen dies Lied mit einem so himmlischsehnsuchtsvollen der
Welt abgestorbenen Herzen dass ich sehr gerührt ward Man hörte es ihnen genau
an dass niemand unter ihnen vierzig Kupferlinge im Vermögen hatte und dass sie
alle des Tages Last und Hitze dieses Lebens trügen  Der Pfarrer sang ebenso
herzlich nur mit dem Unterschiede dass er mit seiner Stimme die ganze Gemeinde
commandirte
    Meinen Lesern zu Gefallen die kein Gesangbuch haben will ich die Stelle
die mir der Pfarrer vorzüglich ins Ohr und Herz sang abschreiben
Lieber Gott wann werd ich sterben
Meine Zeit läuft schnell dahin
Und des alten Adams Erben
Wo ich auch ein Erbe bin
Haben dies zum Vaterteil
Dass sie eine kleine Weil
Arm und elend sind auf Erden
Und am Ende Erde werden
Ich mit allen meinen Brüdern
Lebe eine kleine Zeit
Trag ich nicht in allen Gliedern
Samen zu der Sterblichkeit
Geht nicht immer da und dort
Einer nach dem andern fort
Und wie mancher liegt im Grabe
Den ich hoch geehret habe
Aber Gott was werd ich denken
Wenn es wird zum Sterben gehen
Wo wird man den Leib versenken
Wie wirds um die Seele stehen
Ach ein Kummer fällt mir ein
Wessen wird mein Vorrat sein
    Man hätte glauben sollen das Gewissen hätte beim guten Pfarrer wegen seiner
Erklärung der Worte und für diese Reihe mitgesungen allein ich versichere auf
Ehre das Gewissen gab seine Stimme nicht dazu  Beinahe möcht ich das
Gewissen auf ein Haar kennen wenn es mitsingt  Es hält selten Melodie singt
lahm und so als dürft es nicht
    Schriebe meine Mutter dies Buch sie hätte von diesem Liede seinen
Buchstaben ausgelassen indessen will ich einigen meiner Leser diesen Gefallen
tun
    Die ganze Gemeinde o Gott wie inbrünstig sang sie diese Zeilen
Lieber heute noch als morgen
Denn ich werd einst auferstehn
Ich verzeih es gern der Welt
Dass sie alles hier behält
Und bescheide meinen Erben
Einen Gott  der wird nicht sterben
    Vorzüglich fiel mir ein alter Mann bei dieser Stelle auf der unfehlbar
nicht mehr Träger wegen seiner sehr hohen Jahre sehen konnte und sich in einem
etwas finsteren Kirchenwinkel aufgestützt hatte  Ich hätte mich nicht enthalten
können diesem Aufgestützten etwas aus meinem anexoy kai apexoy zu geben wenn
ich es bei mir gehabt  Diesem alten Manne gehörte das merkte man noch ein
Haufen Kinder an der um Brod schrie Es war recht als wenn alle diese Kleinen
mitleierten
    Zwinge dich nicht schreibt meine Mutter ohne Geld auszugehen das heißt
aus einem guten ein schechter Mensch werden wollen  Diessmal freut ich mich
aber ohne dieses versiegelte Schatzpäckchen gewesen zu sein da ich zu Hause
kam denn ich hätte mich in Wahrheit nicht gehalten und meines Vaters Auflage
geradezu entgegengehandelt »In der größten Not« Dies brachte mich zum Gelübde
bei mir selbst dies Schatzpäckchen nie bei mir zu tragen Ohne Geld aber liebe
Mutter werd ich nicht ausgehen
    Bei der letzten Strophe die ich meinen Lesern auch nicht entziehen will
war der Ton ganz anders
Herrscher über Tod und Leben
Mach einmal mein Ende gut
Lehre mich den Geist aufgeben
Mit recht wohlgefasstem Mut
Hilf dass ich ein ehrlich Grab
Neben frommen Christen hab
Und auch selber in der Erde
Nicht zu Spott und Schande werde
    Ob nun gleich der Alte den ich bis oben zu begraben gesehen nicht der mit
dem einen Handschuh war als welchen Handschuh ich mithin ebenso wenig als den
Segen dieses Himmlischen aus seiner Hand erben konnte so war ich doch sehr
belohnt dass Mittag und Abend in einemweg gehalten ward  Ich dacht an Mine
wie beim Schloss in Mitau und bei aller Gelegenheit und wie hätte wohl ein
Vorfall der mich zum Stehen zum Denken bringen konnte nicht zugleich Mine und
ihn in einem Paar darstellen sollen Wenn man liebt ist überall schöne Natur
für den Liebenden
    Mein Reisegefährte kam eben von der Jagd und hatte drei Vögel erlegt die
wir uns braten ließ Ich hatte noch nichts gegessen und er hatte sich
weidmännlich ermüdet
    Indem wir uns niedersetzten und ich ihm von meinem Toten er mir von seinen
drei Vögeln erzählte siehe da der Pastor loci und mit ihm ein
Melotenpflastergeruch so dass der Pastor die ganze Stube würzte
    Er konnte nicht unterlassen denjenigen der heut ihm die Ehre getan sein
Zuhörer zu sein näher kennen zu lernen und da wir aus seiner Art sich zu
führen uns überzeugten dass er nicht abschlagen würde mit uns vorn Willen zu
nehmen so baten wir ihn seine Kapuse abzulegen Der Herr v G erzählte eben
drei Vögel geschossen zu haben Eben drei sagte der Pastor und fand hiebei was
Besonderes Der Mann einen Vogel beschloss ich und der Pastor konnte nicht
aufhören zu wiederholen eben drei Der arme Pfarrer entdeckt uns gelegentlich
seine recht schlechte Verfassung  In Kurland sagt er sind meine Herren
Amtsbrüder Edelleute Mögen sie doch  Wenn ich nur einen bessern Fang wie
vorm Jahr hätte
    Diesen Wunsch klärt er uns durch die Erzählung auf dass er auf den
Drosselfang gewiesen wäre und dieses ein Hauptaccidenz bei der Pfarre sei 
Unfehlbar war dies die Ursache warum er eben drei so oft sagte Wir öffneten
dem armen Pastor noch unsern Esskorb den uns die Frau v G reichlich gefüllt
hatte Unser Wein war ihm Labsal  Ich konnte mich kaum des Lachens enthalten
da er den heut Begrabenen einen Zugvogel nannte Da ich die Verfassung dieses
ehrlichen Drosselpfarrers hörte fand ich die Erklärung die er von den letzten
Worten
    und für
    gemacht hatte der Sache so vollkommen angemessen dass ich überzeugt war
das Geld hätte nicht besser angelegt werden können wenn es ins Hospital
gekommen wäre Die sogenannte Pastoralklugheit ist in einer guten Übersetzung
eine wohlehrwürdige Bemühung auf anderer Leute Kosten zu leben bei unserm
Drosselpastor nicht also
    Ich erkundigte mich noch nach verschiedenen Umständen des zur Ruhe
Gebrachten allein außer dem was der gute Pfarrer in der Kirche angebracht
wußt er kein Wort
    Ich gab dem Pastor loci für den Alten der sich in einem finsteren
Kirchenwinkel aufgestützt hatte und die Worte
Und bescheide meinen Erben
Einen Gott der wird nicht sterben
überlaut sang eine Kleinigkeit um sie ihm morgen abzugeben So hat er sagt
ich zwei frohe Tage  denn wenn er gleich Alters wegen nicht getragen hat 
    Allerdings fiel der Pfarrer ein ich habe die Anordnung gemacht dass sie
alle was zu essen und zu trinken haben Der Alte ein Teil mehr weil er noch
außer den großen Kindern drei kleine Kinder zu Hause hat
    Da der Pastor hörte dass wir auf die Akademie gingen wünscht er uns
tausend Glück Mit einer besonderen Freude die ihn wohl kleidete erzählt er
von seinen akademischen Jahren wo er sich alles ganz genau zu besinnen wusste
wie alle von gewissen Jahren die nach Art von Leuten welche trefflich in die
Ferne sehen schlecht aber in der Nähe sehen können alles haarklein wissen was
in ihrer Jugend geschah wenig aber oder gar nichts von dem was gestern und
ehegestern vorfiel  Das ist die beste beste Zeit sagt er sobald man ein
lastbares Geschäftsvieh wird ists aus Ich pflüge zwar Gottes Acker indessen
fallen doch all Augenblicke Menschensatzungen vor Wohl dem mein Herr v G
dem die Geburt das Recht gegeben  ein Mensch zu sein für ein Amt zu halten
»Wenn Jagden dabei sind« fiel ihm Herr v G ein
    Der ehrliche Pfarrer ließ sich merken dass er herzlich gern einen Adjunctus
hätte und wenn es auch nur der Gesellschaft und der Maulbeerbäume wegen wäre
welche das ehrwürdige Konsistorium ihm zu pflanzen ausgegeben hätte Endlich kam
seine Tochter Marte hinter dem Berge hervor und man sah wohl dass der
Adjunctus nicht bloß seiner Gesellschaft und der Maulbeerbäume halber gewünscht
ward Noch hat er keinen gefunden der einen so überwiegenden Drosselgeschmack
gehabt dass er ihm andere Vorteile aufzuopfern kein Bedenken getragen hatte 
Man sagt setzte er hinzu dass man darum nicht gern ein Testament mache damit
den Erben nicht die Zeit zu lang würde allein ich versichere auf Ehre dass ich
bei der Anfrage meines Schwiegersohns wie ich geruhet und wie ich mich befände
keine Falschheit vermuten würde
    Die Gegend war wüst und öde Ich habe keine Biene gehört und ich wollte was
drum geben dass hier kein Bienengewächs im ganzen Bezirk aufzutreiben gewesen
    Nachdem der Pastor drei bis vier Gläser Wein getrunken hatte sang er das
Studentenliedchen
                                Vivat Academia
    Nach dem Liede dacht ich mit einem Verwunderungszeichen nach dem Liede
    Lieber Gott wann werd ich sterben
Indessen wenn gleich ein solcher Zugvogel nicht tagtäglich kommt so wird ein
Prediger doch mit der Zeit mit dem Tode so bekannt wie eine geübte Wöchnerin
mit einer Entbindung Mut das bin ich vollkommen überzeugt ist nicht Stärke
der Seele sondern Bekanntschaft mit dem Gegenstande
    Unser alter Pfarrer war nicht ohne Empfindung er ward sehr leicht rot
wenn man ihn nur mit einem Blick etwas zu hart anfühlte Gleich rot  ist ein
so sicheres Zeichen von einem empfindlichen als empfindsamen Menschen von einem
Menschen der sich fühlt und der auch fühlt was um und neben ihm ist so wie
es was Sanftes was Weibisches verrät wenn man Musik liebt  Der gute Pastor
in Wahrheit er brauchte keinen andern Beweis von seiner Frömmigkeit als sein
heiteres Gott ergebenes Auge in dem Ruhe und Zufriedenheit lag Ich will
nicht sagt er wie Israel über die Wachteln murren und wär es auch der
vierzig Wüstenjahre der vierzig Festungsjahre wegen  ich bin schon fügt er
seufzend hinzu zehn Jahre bei dieser Wachtelstelle
    Es wußt unser Gast nicht viel von dem Zustande der Königsberger
Universität außer dass er uns einen Katalogum lectionum aus den
Intelligenzzetteln vorwies und uns versicherte dass es noch bis jetzo nicht
friedlich herginge er war ein Inpietist denn einen Ortodoxen kann ich ihn
nicht nennen falls nämlich die Ortodoxie wie ich fast vermute eine Strenge
der Observanz ist sich und andere an angenommene Regeln zu binden  Ihm schien
der Pietismus so sehr nicht zu Herzen zu gehen obgleich er nicht umhin konnte
zu bemerken dass die Pietisten viel sähen was kein Inpietist sähe und viel
empfänden was sie nicht ausdrücken könnten Es blieb dabei ohne die
inpietistische Partei unsers guten Pastors zu nehmen dass Gedanken die man
nicht ausdrücken könnte unreifes Obst wären Bald sagte der Pastor hätt ich
gesagt dass ein Wort ein verdauter Gedanke sei  Er ward rot dabei
    So wie Gärtner ihre Blumen oft so pflanzen dass die Farbe einer in die
andere spielt und dadurch jede einzelne verdirbt so ists auch auf
Universitäten
    Bei dem zweiten Vers des
                                Vivat Academia
ward die Frage aufgeworfen warum man beim Trunk so gern Lärmen mache und
vorzüglich Fenster einwürfe welches auch solche Jünglinge täten die bei
späteren Jahren einen stillen innerlichen Rausch bekämen
    Unser Pastor nahm Abschied Sein letztes Wort war vivat Academia Wir
verpfändeten uns schließlich so oft wir diese Straße zögen uns ihm
aufzudringen Dies Wort bitt ich zu streichen fiel er ein vielleicht gibt mir
Gott bald ein Stück Brod anstatt der Drosseln und alsdann bitt ich zu mir 
alles andere Gott sei mit Euch lebt wohl fasst er zusammen in das
vielbedeutende vivat Academia
    Kaum hatten wir uns niedergelegt so hörten wir einen schrecklichen Streit
den unsere Fuhrleute die von Mittag bis Abend in einem Zuge gezecht hatten
erregten
    Ich wollte Mittler sein allein mein Reisegefährte verbat es dringend
    Warum Bruder willst du gerad oder ungerad spielen Deine Worte werden
nichts gegen diese Rosse und Mäuler verfangen  Glaub mir ich zittere vor
einem Lande wo ein Fuhrmann Major sein Schwestersohn Junker und ein Pastor ein
Drosselfänger ist
    Das Ungewitter legte sich und stieg wieder auf  ich schlief vielleicht beim
härtesten Schlag ein
    Habt Ihr je in einer Gesellschaft in der alles überlaut war auf Eurem
Stuhl geschlafen Wie süß  Mein Reisegefährte versicherte mich des folgenden
Tages dass er noch nach meinem Einschlaf zwei Stunden gewacht hätte
    Ich Aus Furcht Bruder
    Er Ich kann es nicht leugnen 
    Ich Entschliesse dich Bruder meinem Beispiele zu folgen Ich fürchte mich
nur vor der Furcht das scheint ein Wortspiel allein es ist ein richtiges
wahres Wort   Auf mein Wort gehe hin und tue desgleichen
    Unser Major und Junker waren mit den Wirtsleuten des Hauses an diesem guten
Morgen so einig dass man nichts anderes hört als Bitten bald bald wieder
zuzusprechen und Versprechungen bald bald
    Wie schön es sich sagte Herr v G nach dem gestrigen Gewitter abgekühlt
hat  Da siehst du Bruder erwidert ich  Der Teufel traue den Preußen
beschloss er  
                                       
    Und nun in Königsberg Ein großer weitläufiger Ort  Ich fragte meine
Fuhrleute wo dieser und jener Professor wohne die mir dem Namen nach bekannt
waren Das weiß Gott am besten sagten sie
    Im Kneiphof gehört die Akademie in die Kirche und vor diesem kam der
Magnificus mit einem Purpurmäntelchen es war spannenlang und mit einer goldenen
Borte bebrämt alle Michaelis und alle Ostern in diese Kirche
    Nun nicht mehr
    Nein nun nicht mehr Man erzählt dass ein grober Kerl von Bauer der von
ungefähr zu dieser Zeremonie zu Maß gekommen überlaut der Püffel doch was
versteht ein Bauer von Safran gesagt haben soll
    »Wie sich doch so ein alt und wohlbetagter Herr noch zum Narren macht«
    Nach der Zeit geht der Magnificus ohne spannenlanges Mäntelchen in die
Kirche
    Die Kneiphofsche Kirche ist der Dom und auch die akademische Kirche Die zur
Akademie gehörigen Gebäude sind in einer so vertrauten Nachbarschaft mit dieser
Kirche dass alles wie Eins aussieht  Dies ist eine Erklärung zur
Fuhrmannserzählung
    Wir stiegen bei dem Major ab der uns zwei Zimmer mit der Versicherung
aufräumte dass wir sie so lange gebrauchen könnten bis wir ein gutes Quartier
bekommen würden Er für sein Teil schlüg uns die Magistergasse im Kneiphofe
vor wo die meisten Studenten logiren  und der Name selbst schien ihm sehr
angemessen Es währte nicht drei Stunden so waren drei Landsleute bei uns
welche die Sorge über sich nahmen uns ein Quartier zum Küssen wie sies
nannten anzuangeln Dies Wort war damals so wie das Wort fidel
Universitätsparole
    Diese Nacht blieben wir bei unserm Fuhrmann Den Morgen um neun Uhr kamen
schon unsere fidele Landsleute verstärkt mit drei andern das Quartier zum
Küssen war angeangelt  und wir Burschen um ganz akademisch zu sprechen zogen
vom Pferdephilister aus
    Ist es Hecht oder Barsch fragt ich was Sie uns angeangelt haben und sie
lachten herzlich über eine so unakademische Frage
    Wir gingen unser Quartier besehen das uns über alle Massen gefiel Es hatt
es ein Curländer bewohnt der heim reiste um nachher in französische Dienste zu
gehen
    Warum in französische sagt ich
    Zum größten Teil der Sprache wegen Auch gut Ehemals verliebte man sich
um Französisch und das Feine der Sprache das je ne sais quoi des Herrn v W
zu lernen
    Es ward verabredet dass die Landsmannschaft von dem Abziehenden und den
Anziehenden bewirtet werden sollte Jeder sagten die Ältesten und Vorsteher
gibt sein Teil und zwar der Abziehende allein so viel als Ihr Anziehende
beide  denn er kommt bald nach Kanaan
    Um indessen diesen Schmaus mit Ehren zu geben ward beschlossen dass wir
zuvor immatriculirt werden sollten
    Einer der Landsleute begleitete uns zu Sr Spectabilität wie man den
Decanus der Facultäten nennt zum Examen
    Curländer fanden Se Spectabilität der Decanus der philosophischen
Facultät für gut zu fragen als wollten Sie zugleich andeuten dass das Examen
danach eingerichtet werden würde Man hat überhaupt die Gewohnheit Fremde
entweder ganz und gar nicht oder höchstens nur sehr wenig zu examiniren  Es
sind wie sich unser ehrlicher Pastor in   ausgedrückt haben würde Zugvögel
    Se Spectabilität schienen ohnedem überschwenglich lustig und wie wir nach
der Zeit erfuhren waren Sie die Nacht vorher Großvater geworden  Sie kamen
uns mit einem Mund voll Latein entgegen und erkundigten sich in dieser Sprache
nach unserm Namen Geburtsort und Alter Ich antwortete sehr behende und da das
lateinische Gespräch bloß zum Spaß angehoben von mir aber im Ernste fortgeführt
wurde so wollten Se Spectabilität es durchaus nicht glauben dass ich ein
Curländer wäre  Nachdem ich ihm dieses in lateinischer nachher aber um es
desto kräftiger zu machen auch in deutscher Sprache versicherte fand er für
gut mich zu fragen ob mein Vater ein Curländer wäre Dies setzte mich aus
aller Fassung besonders da er diesen Ausfall in reinem Deutsch tat und meinem
Reisegefährten diese verfängliche Frage zu Ohren gekommen war Ich ward blutrot
 und nach einer Weile dergleichen Empfindung ist immer wie ein kaltes Fieber
fühlte ich dass ich wie eine bleich gewordene Rose ausgesehen haben müsste  Der
Professor das merkte ich auch sah mich so an wie man eine bleich gewordene
Rose anzusehen gewohnt ist  mit einer großen Teilnehmung Er trieb diese Frage
nicht weiter allein ich war bestimmt bei Sr Spectabilität aus dem Regen in
die Traufe zu kommen
    Erst einige Fragen nach Art meiner Großmutter mütterlicher Seits zB wie
sich latinum von latinitas unterschiede
    Was der Magister Saliorum für eine Würde bekleidet Was für ein unlauteres
unortodoxes Wort dem Tiberius Gewissensbisse gemacht da er Neujahrsgeschenke
verbeten und darüber ein Edict erlassen
    Wie Attejus Kapito dem er darüber gebeichtet ihn absolvirt
    Was Marcus Pomponius Marcellus als der zweite Hofprediger ihm im
Beichtstuhl gesagt
    Jener meinte das Wort könnte wohl dem Kaiser zu Gefallen auf und
angenommen werden dieser aber war so stockortodox dass er dem Kaiser geradezu
sagte er könne zwar den Menschen das Bürgerrecht erteilen allein den Worten
nicht
    Was den Virgilius bewogen wie er selbst gesagt aurum ex Ennii stercoribus
legere und warum er nicht da doch Ennius ingenio maximus arte rudis gewesen
lieber geradezu zur Natur oder zum Homer gegangen der für uns Adam der Natur
ist ob es gleich in diesem Stück Präadamiten gegeben
    Bei jedem großen Werk müssen zwei Köpfe arbeiten wenn auch der eine nur den
Kalk löschen oder einen Grundstein legen oder abmessen sollte Moses und Aaron
sind gemeinhin nötig Einer erfindet der andere sagt Einer schafft den Leib
der andere die Seele Einer weiset den Weg der andere geht Niemand der
sterblich ist kann ein selbstständiges Genie sein
    Hier ein Wort von der Natur des Dichters und von dem Lande wo er sie
pflückt
    Er pflückt seine Natur denn der Ort wo er sie nahm ist wenn man die
Natur wieder sucht die der Dichter beherzigte wie abgemäht man sieht
höchstens die Stätte das was der Dichter sah ist es wohl mehr ersichtlich
    Des Dichters Natur ist unsterblich Sie macht die Seele die Monaden in
seinem Werke
    Man sagt und in Wahrheit kluge Leute sind unter diesem Man sagt
inbegriffen Ergiebiger Boden zieht nicht Genies sondern schwieriger  Nicht
also Reiset nach Holland um nur eine einzige Reise vorzuschlagen hier hat der
Fleiß alles getan Wie das Land so die Köpfe Ein schwieriger Boden zieht
Kritik ein ergiebiger Genies
    Wieder eine Frage
    Was den Kasimirus den vierten König in Polen zum Befehl bewogen die
lateinische Sprache in Polen zu treiben
    In wie viel Tagen Josephus Justus Scaliger des Jul Cäs Scaliger Sohn den
ganzen Homer und also 63000 griechische Verse durchgelesen und zwar so dass
die Frage wegfiel verstehst du auch was du liesest Es waren glaub ich
einundzwanzig Elias setzten Se Spectabilität hinzu oder wie er sich
schreibt Helias Putschius der sobald er auf die Welt kam herzlich zu lachen
anfing bis in sein vierzehntes Jahr kein Latein konnte und eben drum als
Grammaticus und Criticus es so weit brachte wie Einer nennt den Joseph in
seiner Epistola dedicatoria vor den zweiunddreissig Grammatiken die er
kommandiert
                       illustrem et incomparabilem virum
Wir sollten bemerkten Se Spectabilität alle später die Wissenschaften
anfangen alle wie Putschius sein Latein Wir wären auf Ehre weiter 
Frühzeitige Unterrichte sind seine Ketten die uns binden oft so sein wie
Seidenfäden  Bei späteren Anfängen würde der Schüler wo nicht selbst was
erfinden so doch den Lehrer drauf bringen
    Die Scaliger bildeten sich ein aus dem Geschlecht der Fürsten de la Scala
abzustammen sagten Ge Spectabilität Jammer und Schade fuhren Sie fort
Putschius vergaß sein Latein bald denn er starb im sechsundzwanzigsten Jahre
so dass er also nur etwas über zehn Jahre Latein gekonnt hat  Se
Spectabilität kamen wieder auf Ihre Rätselaufgaben und wandten sich zur
Auflösung Notarum und vorzüglich juridicarum und so wie unser Großvater sich
herzlich aufhielt dass man Aut verkürzt durch A Ante durch AN Auctor durch
AVCT Est durch E so gab er mir vielerlei Abbreviaturknoten zu entziffern und
zu lösen  Ich ließ mich mit einer Bemerkung hören wie man ein Volk aus der
Sprache kennen lernen und beurteilen kann so sind sagt ich in der Sprache
vorzüglich diese Abbreviaturen sobald sie ins Allgemeine gehen eine Findgrube
Sie sind das Volk in compendio Jeder Mensch hat indessen seine eigenen
Abbreviaturen und dies ist ein Grundriss eines jeden Menschen  Bei dem
Abbreviaturknoten bewies ich mich als Alexander und da das meiste so bis dahin
verhandelt war lateinisch zwischen uns vorfiel so konnte mein Reisegefährte
und Begleiter nicht wissen wo ich ging und wo ich stand  mithin wussten sie
nicht was aus dem Kindlein werden würde
    Kann was Aehnlicheres zwischen meiner Großmutter mütterlicher Seits und
diesem seit der vorigen Nacht gewordenen Großvater sein Meine Großmutter ist
mir seit der Zeit eben so spectabilis sichtbar als ein Decanus Seltene Fragen
sind seltene Fragen Rätsel sind Rätsel Knoten sind Knoten Die Sprache tut
hiebei nichts
    Ich rechne nicht bloß auf Leser sondern auf Leserinnen und diese guten
Kinder haben nicht nötig mit fremden Kälbern zu pflügen und ihre Liebhaber
wegen einer Übersetzung die ohnehin stutzerfrei ausfallen dürfte in Anspruch
zu nehmen denn was der Magister Saliorum für eine Würde bekleidet heißt mit
andern Worten was der Engel Gabriel für Federn in seinen Flügeln gehabt und
alles was sie von Tiberius Ennius Attejus Kapito und Marcus Pomponius
Marcellus gelesen betrifft den Nabel des Adams die Farbe Rahels die Frage ob
David ein Adagio oder ein Allegro vor Saul gespielt Ob Pilatus sich mit Seife
gewaschen und wie viel Selas in der heiligen Schrift vorkommen
    Durch die Auflösung der Abbreviaturen wo ich  meine Leser wissen warum
ging und nicht am Berge stand wetzt ich alle gemachte Scharten aus und Se
Spectabilität beliebten mich wirklich auch für ein sichtbares Geschöpf zu
halten wofür ich Sr Spectabilität noch jetzt dienstergebenst verbunden bin
    Nun ließ mich Se Spectabilität einige Stellen aus den Karminibus
saliariis ins Latein künsteln und sodann dieses Kunststück mit einigen Stellen
aus den zwölf Tafeln machen
    Meinem Reisegefährten bot er auch einen lateinischen Rapier an allein er
erhielt eine abschlägige Antwort und ich nahm das Wort für ihn
                  Os aiei ton omoion agei teos os ton omoion
sagten Se Spectabilität und ich weiß nicht ob diese Stelle oder ein Hund
der auf der Straße sich hören ließ und eben dadurch den Herrn v G aufsprengte
und ans Fenster zog Se Spectabilität auf die Frage brachte Ob auch im
Griechischen
    Der ehrliche Noster holte seinen Homer  nicht aus einem russigen
Bücherschrank Homer war so wenig wie die Bibel die neben ihm lag bestäubt
Ich dachte wenn ja ein Mann Großvater zu werden verdient ist ers Er ließ
mich eine der Lieblingsstellen meines Vaters die ein adliches Tier anging
übersetzen ich wusste sie eben weil es eine väterliche Lieblingsstelle war
fast auswendig Sie fängt an
Os oi men toiayta pros allhloys agoreion
An de kyon kepalhn the kai oyata keimenos esxen
Argos odysshos talasipronos on ra potA aytos
Trepe men oydA aponhto paros dA eis Ilion irhn
Oixeto ton de paroiten agineskon neoi andres
Aigas epA agroteras hde prokas hde lagooys  
    Mein Vater hatte die Gewohnheit nicht angenommen die häufig grassirt das
Griechische zu verlateinen ich musst es verdeutschen und diese Gewohnheit
behielt ich bei und mein Reisegefährte lernte den Hund Argos kennen der nach
zwanzig Jahren seinen Herrn Ulysses erkannte sich von seinem Sterbelager
aufrichtete mit dem Schwanze wedelte indessen nicht mehr das Vermögen hatte
mit seiner Zunge seinen Herrn zu berühren um ihm Dank zu lecken  Dieser
weinte
    Argos aber der seine starren Augen noch angestrengt hatte seinen Herrn zu
sehen starb nachdem er ihn gesehen hatte in Frieden  Gott hab ihn selig
sagte Herr v G und eine Träne blinkte in seinen Augen  denn es war ein
Hund von dem geredet war  Herr v G Sie haben mich etwas sehen lassen
sagte der Großvater was eben so gut ist als griechisch verstehen  Wollte
Gott antwortete Herr v G ich könnte griechisch des Argos wegen  Es sind
mehr schöne Stellen im Homer fuhr der Großvater fort  Herr v G wiederholte
Des Argos wegen
    Endlich singen Se Spectabilität auch dies weit Sie Großvater geworden
waren etwas aus der lieben Weltweisheit an Es sah so aus als wenn wir einen
Ritt dran wagen wollten
    Quid est 
    Wenn Ew Spectabilität es im Deutschen erlauben
    Der gute Mann stimmte bei und aus unserm Examen ward ein Gespräch ein
Piknik wo jeder sein Schüsselchen gibt
                                       
    Die Philosophie und die deutsche Sprache  wollte Gott dies könnt ein
Paar werden für und für  Wollte Gott unsere Philosophen möchten solche
Gewissenskoliken haben als Tiberius über jenes Wort im Edict und über dass Wort
Monopolium von welchem mir bekannt ist dass er es mit salva venia verbrämt und
über das Wort emblhma welches er wie Se Spectabilität beiläufig anzumerken
beliebten aus einem Edict ausradiren lassen
    Es gibt Naturphilosophie und Kunstphilosophie Leben Leben Leben und
Schulweisheit Philosophie die bloß weiß und Philosophie die weiß und tut
gelehrten Wust und Weisheit Aristoteles war ein Künstler Epikur Diogenes mit
Fleiß zusammen waren Naturalisten und Sokrates desgleichen  Die künstliche
wird ganz und gar gelehrt bei der natürlichen ist nur eine gewisse Methode die
gezeigt wird Das Fass des Diogenes der Brei des Epikur wie verehrungswert 
Die Fenster im Auditorio wo natürliche Weisheit gelehrt wird gehen all ins
gemeine Leben  Die natürliche lehrt die Zeit gebrauchen die künstliche sie
vertreiben Die Naturphilosophie ist fliessend Wasser Springwasser die
künstliche ist Wasser welches steht Die Kunstphilosophie treibt
Kommissionshandel die Naturphilosophie hat bloß eigenes Product Das Leben der
Naturphilosophie ist eine Kopia vidimata ihrer Grundsätze und zu ihren Angaben
ein solch erklärender nachhelfender Beleg dass ohne Beilage sub Vide ihre ganze
Lehre wie gar nichts ist Wohl dem der von diesem Wasser des Lebens getrunken
hat Die Idee der Weisheit liegt der Naturphilosophie zum Grunde die nicht
gleichgültig sondern gleichmütig macht  Ist wohl ein passenderes Motto zur
künstlichen Philosophie als »die Herren werden doch wohl Spaß verstehen« Will
man ein Emblem so ists ein optischer Kasten
    Vom natürlichen Philosophen sagt man er philosophirt Ein künstlicher
Philosoph hat Philosophie Er hat sie für Geld und gute Worte zum Verkauf und
zur Pacht  Man muss es bei der Philosophie nicht anlegen ein Buch den
beliebten Autor sondern die Sache zu verstehen Man will sich vorzüglich selbst
verstehen und das Buch Gottes die Welt  Diese Philosophie kann nicht auswendig
gelernt werden es ist was Inwendiges ein Philosoph zu sein Denken und leben
heißt philosophiren Wenn man die Wissenschaften in die der Gelehrteit und die
der Einsicht einteilt so würd ich die künstliche Philosophie zur Gelehrteit
rechnen und so wie man zB von einem Historikus sagen kann er sei ein
Gelahrter er habe viel gelernt so auch von einem Kunstphilosophen Die
natürliche Philosophie besteht nicht in Nachricht sondern in Einsicht Man kann
nicht vom natürlichen Philosophen sagen er habe viel gelernt allein er kann
viel lehren Alle Vernunfterkenntniss aus Begriffen gehört zwar zur Philosophie
allein der Philosoph ist eigentlich ein Führer der Vernunft und bringt den
Menschen an Ort und Stelle Der Mensch ist nicht bei sich heißt oder sollte
heißen er habe diesen eigentlichen philosophischen Weg verfehlt Die Bestimmung
des Menschen und die Mittel dahin zu gelangen das ist das Ziel wo alle
philosophische Erkenntnis zusammentrifft Es ist die Probe der Philosophie Der
gemeine Mann meint und wünscht und selbst dazu ist er ex speciali gratia
privilegirt der Weise denkt und will Verstand und Wille zusammen ist eine
Seele Wer kann die Seele halbiren Der Mann hat Geist und Leben das heißt der
Mann ist ein Philosoph natürlicher Art Zwar sagt man auch dies Buch hat Geist
und Leben allein alsdann denkt man der Verfasser ein Philosoph her besagten
Art hat es geschrieben und es sich so ähnlich gemacht dass er ihm etwas Geist
und Leben abgegeben Er hat es angehaucht  wie Gott den bis auf die Seele
fertigen Adam Der Mann ist im Buche getroffen    Oft hab ich gehört wenn
man den Mann sieht und sein Buch sollte man sie wohl für Vater und Sohn halten
Ja  und wenn ihr sie nicht dafür haltet liegt es an euch Wie der Autor so
das Buch per omnia saecula saeculorum Jeder Physiognomist muss den Autor aus
dem Buche abziehen und zum Reden treffen Das Buch hat Hand und Fuß der Mann
hat Hand und Fuß heißt ein Mann mit Winkelmass und Wage der alles misst und
passt und ein Buch von der nämlichen richtigen abgemessenen Weise wo weder
Mangel noch Überfluss ist sondern just die erforderlichen Gelenke  Die
Naturphilosophie ist keine Feindin von reinen Vernunftsbegriffen allein sie
bestätigt sie wenn ich so sagen soll auf der Stelle  Sie schafft sich gleich
einen Abdruck  wie Gott die Welt  Die Religion fängt heut zu Tage mit dem
Katechismus und die Philosophie mit einem Kompendio an  Allein in Wahrheit
man sollt auf ein lebendiges Erkenntnis dringen dann würde man doch einmal
einen Philosophen zu sehen bekommen
    Rousseau damit ich eine Bemerkung mache die in unsern Tagen zu Hause
gehört Rousseau Schade dass er tot ist war wirklich eine Spectabilität
unter den Philosophen  Der bloße philosophische Künstler weiß nichts Rechtes
nicht dass ein Gott ist der arme Schelm Man könnte die natürliche Philosophie
kaiA exoxhn die künstliche Vernünftelei nennen Die Vernünftelei und die
Zweifelsucht sind Grenznachbaren Ein Zweifler und ein Abergläubischer sind
Schwester und Bruder  Ein Zweifler macht sich sein Leben nicht gemächlich 
Nein er hat sich mehr aufgelegt Er hat Ja und Nein zu tragen wenn er denkt
Im Fall er aber bloß spasst ist er nur ein Scheinzweifler und ein Mann der
alles der Nachfrage wegen hat Man glaubt gemeinhin ein Zweifler sei kein
Vielwisser allein er ist es im eigentlichsten Verstande und es kann gemeinhin
von ihm heißen das Wissen bläset auf Wer Dinge die gäng und gäbe sind
beprüft und keinen Stein auf dem andern lässt ist kein Zweifler sondern ein
Prüfer im Fall er nämlich aus pro und contra aus links und rechts sich etwas
auspunktirt was Stich hält Solch ein Mann ist nicht aufgeblasen sondern
bescheiden Seine Zweifel leiteten ihn auf den rechten Weg zur Überzeugung zur
Wahrheit und zum Leben  Ein Lehrer der Naturphilosophie kann von sich und
seinen Jüngern sagen Ich leb und ihr sollt auch leben Wer hat je mit dem
Pietisten über die Wahrheit der christlichen Religion gestritten Wer so lebt
als er lehrt darf nur bitten ihm die Ehre zu tun bei ihm einzusprechen Man
ist heut zu Tage von der Naturphilosophie so abgekommen dass man den der so
lebt als er lehrt oder glaubt einen Schwärmer nennt  Sehr unrichtig
    Meine Leser werden hoff ich nicht vergessen haben dass sie zu einem
Piknik geladen sind wo nur Se Spectabilität und ich meinen Vater kann ich
immer mit einrechnen ihr Schüsselchen austrugen Wenn ein Koch diese
Schmauserei angeordnet hätte wär es freilich abgemessener gewesen  ob
schmackhafter weiß ich nicht
    Ich bemühe mich auch hier Lebensläufer zu sein und diese Abschrift ist dem
Original ähnlich  Wir fielen von einem aufs andere Wir scheitelten die Haare
nicht Würd ich nicht einen Roman schreiben wenn ich nicht auch von einem aufs
andere fallen und die Haare scheiteln sollte Ein Roman fern sei er von mir
    Die Einteilung der Philosophie in die natürliche und künstliche ist die
Haupteinteilung die philosophische Einteilung der Philosophie Sonst gibt es
Einteilungen Gott weiß wie viel  In Absicht der Kräfte des Menschen in
Absicht der Principien in Absicht der Objekte der Erkenntnisse
    Ein Philosoph muss das Allgemeine in concreto und das Einzelne in abstracto
erwägen und wenn man gleich gern zugibt dass bei jeder Wissenschaft die Idee
des Ganzen die Avantgarde macht und dass aus der Einteilung des Ganzen die
Teile entstehen und dass um die Teile zu wissen man erst das Ganze von
Personen zu kennen die Ehre haben müsse so ist doch nicht gut wenn ein
erschrecklicher Eingang präludirt und prologirt wird ehe man zum Thema
schreitet auch wenn die Präludia wie die des Hermanns noch so ausstudirt
sind Wozu die Prolegomena und das erschreckliche Geschrei da werden Sie sehen
da werden Sie sehen Gleich das Lied ist am besten Wenn ich heisshungrig bin
und der Wirt der mich geladen hat zeigt mir erst seine drei Porcellanservice
und sodann sein Silberzeug und endlich seine Fayence bis ich mich überhungert
und keine ordentliche Mahlzeit tun kann wie wenig Ursache hab ich den Wunsch
einer gesegneten Mahlzeit anzunehmen und mich ergebenst zu bedanken ich wollt
anbeissen und nicht mit der Gabel anspiessen Warum nicht kurz präsentirt Herr
Gott dich loben mir Befiehl du deine Wege Philosophie Verstandes und
Willensphilosophie teoretische und praktische wenn es ja nach der alten Leier
gehen soll Vernunftund Erfahrungsphilosophie Empirische und rationale und
damit die Einteilung in Rücksicht des Objekts nicht vernachlässigt werde 
Philosophie der engelreinen Vernunft und der menschlichen Sinne Die Philosophie
der Sinne heißt die Naturlehre Die Sinne sind zweifach innerlich und
äußerlich Was ich mit dem innerlichen Sinn gewahr werde ist einzig und allein
meine Seele Also gibts Seelennaturlehre und Körpernaturlehre  Empirisch und
rational kann jene und diese sein und was kann nicht alles so sein   Ich
kann zwar nur mit mir selbst Seelenbetrachtungen anstellen allein ich kann nach
dem Kennzeichen der Übereinstimmung auf andere schließen Welch ein großes
Wort Lerne dich selbst kennen  Mancher Philosoph der sich auf die
Seelennaturlehre legt und viel darin philosophirt kommt endlich zu einer Art
nota bene zu einer Art von Geisterseherei von Anschauung vom Platonismus und
mystischem Wesen Es wird entzückt und wenn man gleich mit dem Verstande nicht
sehen sondern nur denken kann so ist er doch in einer Verfassung wo es heißen
könnte Es hat kein Auge gesehen kein Ohr gehört es ist in keines Menschen
Herz kommen was Gott bereitet hat denen die ihn lieben Oft versehen sich
diese guten Leute so dass sie an ihren Ort gestellt werden der nicht der
angenehmste ist  Biegen oder brechen ist die Losung dieser Seher Jammer und
Schade dass es gemeinhin bricht
    Ist denn in den äußern Sinnen Wahrheit ihr Sinnengläubige Gehet die Sonne
an geht oder steht sie Selbst wenn unser Urteil mit der Erscheinung
übereinstimmt und wenn man sagen kann die Sache ist wahrscheinlich ist sie
darum so und nicht anders
    Gott allein kann die Gegenstände mit dem Verstand anschauen denn sie sind
durch ihn und in ihm  Er hat alles in originali wir uns selbst nur so  Was
heißt Gott schauen und in Gott alle Dinge   Durch eine einzelne Vorstellung
erkennen könnte man anschauen nennen durch allgemeine Begriffe erkennen würde
denken heißen Man kann physisch und mystisch schauen durch Körper und
Seelenaugen Die Seele hat nach der Mystiker mystischem Dafürhalten wie die
Cyclopen nur ein Auge
    Die Logik ist Verstandesgrammatik Die lehrt uns von keinem Gegenstande
etwas  selbst vom Verstande nichts allein sie lehrt uns von Dingen die wir
gar nicht kennen viel und was noch mehr ist gelehrt   reden Von Dingen
die man weiß von denen man überzeugt ist spricht man nur wenig Man handelt
wie oben gezeigt worden Dingen aber von denen man nicht überzeugt ist legt
man durch eine gewisse Hitze einen Grund bei Man legt es recht dazu an sich
dadurch dass man den andern überzeugt auch selbst zu überzeugen und oft ist
man hiebei glücklich so dass man in der Tat auch hier durchs Lehren lernt Es
kann eine allgemeine Grammatik aller Sprachen geben so auch eine des Denkens
die nämlich allgemeine Regeln des Denkens enthalten müsste Was tun Wörter zur
Grammatik Allgemeine Regeln der Sprachen würde eine allgemeine Grammatik sein
Vielleicht hätte die lateinische dazu alle Anlage Die Dialektik ist die Logik
des Scheins Wahrheit ist der Inhalt der Erkenntnisse mithin kann sie durch die
Dialektik nicht erkannt werden Die Dialektik trägt die Livree des Verstandes
sie ist die Kunst des Scheins die Wissenschaft der Sachwalter und der
Skeptiker  Die Römer waren nicht speculativisch in der Philosophie sondern
gesund Sie waren nicht Aristoteliker sondern Menschen Den Cicero machten die
Wissenschaften ruhig denn er sprach wenigstens wie Sokrates lebte und schon
diese von der Naturphilosophie entzündeten Worte wehten ihm Ruhe zu  Durch die
Scholastiker ist dem Summus Aristoteles ein Ehrengedächtniss gestiftet Der
Ausleger weiß immer ein Drittel mehr als sein Autor so geht es immer und so
ging es auch hier Man findet von diesem Greuel der Verwüstung noch
Überbleibsel und vorzüglich sind diese Antiquitäten noch in der Logik zu sehen
 Da gibt es Altertümer die Menge Einen Winckelmann bei den Antiquitäten der
Logik wünschte ich bloß der Seltenheit wegen dieses ist ein Wunsch der ohne
Fingerzeig weit jünger als mein Examen ist
    Des Aristoteles Gott verzeih mir meine Sünden oder vielmehr seiner
Ausleger wegen  denn wahrlich er für seine Person war ein Mann der sich
gewaschen hatte  sollte man eine Feindschaft wider alle undeutsche Namen in der
Philosophie haben  Die Ausleger was sind sie meistenteils und was sind sie
in casu besonders Kanäle in die Kreuz und Quer die dem Lande die feuchte Kraft
nehmen und den Reisenden hindern
    Viele behaupten dass wir mit Erkenntnissen auf die Welt kommen die man
allmählig herausspinnt wie Garn aus Flachs Diese halten die Seele für eine
beschriebene andere halten sie für eine unbeschriebene Tafel Beide für Tafeln
von Wachs und nicht von Stein wie die Tafeln Mosis Alle Sünden aus der
Erbsünde herleiten heißt eben dadurch eine wirkliche Sünde mehr begehen Es
waren schon Weise des Altertums die der Meinung waren dass alles noch
Überbleibsel von unserer vorigen Gemeinschaft mit Gott wäre dass alles damit
ich mich deutlich und christlich ausdrücke aus dem Paradiese herkäme Was mein
Vater von angeborenen Begriffen dachte konnte ich nicht anbringen Se
Spectabilität überkreischten mich und was Se Spectabilität davon dachten
ergibt sich ziemlich deutlich aus dem Vorigen Sie glaubten der Tisch sei nicht
mit Essen und Trinken besetzt allein auf dem Tisch stände ein Beutel mit
Ducaten und Talern groß und klein Geld je nachdem die Fähigkeiten sind Essen
und Trinken anzuschaffen Die Erkenntnisse mögen nun aus den Sinnen geschöpft
werden oder die Sinne mögen bloß Gelegenheitsmacher sein dies sei der Weg zur
Erkenntnis
    Es ist die Frage ob wir alle gut alle böse oder bald gut bald böse auf
die Welt kommen
    Wenn wir in die Höhe wollen müssen wir steigen  Wenn der Mensch alles aus
dem lieben Gott beweiset so will er ohne Leiter auf den Kirchturm glückliche
Reise So philosophiren nenne ich einen leichtsinnigen Eid schwören Man muss
sich nicht anders auf Gott berufen als bis Not am Mann ist Du sollst den
Namen deines Gottes nicht unnützlich führen  Eure Rebe sei ja ja nein nein
was drüber ist ist vom Übel So wie sich Gott durch die Werke offenbart hat
und der Mensch von allen Geschöpfen die wir die Ehre haben zu kennen sein
Meisterstück ist so will er auch keinen Sprung zu ihm hinauf sondern will dass
es sein in dem Geleise der Natur bleibe die nicht springt Die Instanzen die
Gott angeordnet hat müssen nicht übergangen werden Schein ist ein Urteil das
aus der falschen Anleitung des Verstandes entspringt Wahrheit ist die
Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Gegenstande Wenn also gefragt wird was
ist Wahrheit reine gediegene Wahrheit so kann man nicht besser drauf
antworten als Wahrheit ist Wahrheit Wenn mir nicht ein Gegenstand gegeben
wird so kann ja auch keine Probe der Übereinstimmung gezogen werden Eine
Erklärung der Wahrheit in der Art zu geben dass sie auf alle Objecte ohne
Unterschied passt ist unmöglich Jeder hat seine Uhr jeder seine Brille jeder
sein Pferd  und jeder seinen Hund seinen Argos setzte Herr v G hinzu Ein
allgemeines Wahrheitsmerkzeichen wo ist es Eine Regel die alle Objecte umfasst
und sie herzt und küsst wo ist sie Ich muss vergleichen Erkenntnis und
Gegenstand wenn ich aber keinen Gegenstand habe wie kann ichs Vielleicht
könnte sie die Übereinstimmung der Erkenntnis mit den Gesetzen des Verstandes
und der Vernunft heißen und der Irrtum der Widerstreit der Erkenntnis mit den
Gesetzen des Verstandes und der Vernunft  vielleicht
    Die Seele in jeder Sache oder dasjenige in der Erkenntnis von ihr was in
allen Vorstellungen die wir von der Sache haben können gilt ist dass Wahre
darin
    In so weit sich eine Sache nicht widerspricht in so weit ist eine
Seitenwand zum Wahrheitsgebäude fertig in so weit ist eine Bedingung da unter
der etwas wahr ist Wer kann und will aber sagen Alles was sich nicht
widerspricht ist wahr Es kann wahr werden Es ist in Gott wahr jeder Gedanke
bei ihm steht da Das Principium des Widerspruchs ist immer ein negatives
Wahrheitskennzeichen Es ist nur eine Laterne in der Hand allein es gehört mehr
dazu als meiner Mutter Handlaternchen wenn man hier sicher und unangefallen an
Stelle und Ort kommen soll
    Die Sinne lehren das Formale eines Dinges der Verstand das Materiale Das
wodurch das Mannigfaltige auf gleiche Art gedacht werden kann heißt Regel Der
Verstand ist das Vermögen der Vorstellungen nach Regeln Wir haben viele
Vorstellungen die wir nicht wahrnehmen deren wir uns nicht bewusst sind Man
kann mit einem Menschen sprechen ohne dass man weiß was er für ein Kleid hat
und man kann denken ohne dass man es wahrnimmt Ein abstrakter Kopf ist der so
denkt dass er nur immer auf das sieht was den Begriffen gemein ist Das
Vermögen sich Dinge durch Begriffe vorzustellen heißt denken Einen Begriff
analysiren ihn klar machen ist ein Hauptstück der Philosophie Sie macht Gold
denn wenn es aus der Erde kommt ist es Erde durch Läuterungen wird es Gold 
Ein Moralphilosoph kann keinen Buchstaben mehr als dies Läge der Begriff der
Tugend nicht in uns wie könnten wir von ihm überzeugt werden Wie  Begriff
Urteil Schluss major minor conclusio Ein Übergang von einem Urteil zum
andern heißt Schluss Major enthält mehr in sich als das Subject quaestionis Es
ist der Vater vieler Kinder Söhne und Töchter Ehe man sein Zimmer bezieht
steht man den ganzen Palast  Das Prädicat ist größer als das Subject  Es
behaupten einige Empfindung wäre die größte Wahrheit allein sie gibt nur Stoff
zum Urteil Die Sinne urteilen nicht die Vernunft urteilt Die Sinne sind
Stahl Feuerstein und Zunder Zum Irrtum Heil mir und meinem Buche gehört so
gut als zur Wahrheit Verstand Die Unwissenheit allein kann sich ohne ihn
behelfen Der Verstand wird beim Irrtum anders gewendet Beim Irrtum ist
Illusion des Verstandes Sinne und Verstand sind Wasser und Wein Wer hat Wein
ohne Wasser getrunken Schon in der Traube ist Wasser
    Jedes muss sein Maß und Gewicht haben Die Schranken des Verstandes bringen
nicht Irrtümer hervor sondern nur weniger Erkenntnisse Ein engbegrenzter
Verstand irrt weniger als ein großer Bei Gelehrten sind mehr Irrtümer bei
gemeinen Leuten aber mehr Vorurteile  Wenn man den Menschen bindet so läuft
er nicht davon  Man sagt von großen Genies ihre Irrtümer ihre Fehler wären
schön  Schmeichelei
    Ein Kleid hebt das Gesicht Ein kleines Männchen kann so richtig gebaut
sein als der größte es kommt nur auf das Verhältnis unter den kleinen
Teilchen an Irrtum wenn ihn ein Kluger begeht ist Taschenspielerei es
gehört ein Auge dazu den Trug zu entdecken und dies Auge hat nicht jeder
Irrtum liegt oft in Sätzen oft in der Anwendung dieser Sätze Ein Fehler in
Absicht der Sätze heißt wirkliche in Absicht der Anwendung Schwachheitssünde
    Erst buchstabiren dann lesen sagten unsere lieben Alten  Erst ein
Urteil über Bausch und Bogen dann ein richtiges Erst der Läufer dann der
Herr Wer in seinen vorläufigen Urteilen das rechte trifft heißt ein
Glückskind oder sollte es eher heißen als der in dessen Familie viele alte
Tanten sind Es wäre wohl wert ein Buchstabirbuch in diesem Verstande in
diesem Sinn herauszugeben und über die vorläufigen Urteile eine Anleitung zu
erteilen Die Franzosen sind vorläufige Urteiler  Der erste Gedanke ist oft
der beste und in Wahrheit es gibt vorläufige Urteile die wert sind in
Rahmen gefasst zu werden
    Vorurteile sind Urteile aus der bloßen Sinnlichkeit die man für Urteile
aus dem Verstande hält Die Sinnlichkeit läuft dem Verstande vor Den Grund den
wir haben von einer Sache zu urteilen der aber nicht aus den Gesetzen des
Verstandes genommen ist heißt ein Vorurteil Die Eltern haben Vorliebe zu
ihren Kindern hieraus entsteht eine Vorsprache welches die Redekunst des
Vorurteils ist
    Ein Vorurteil ist eine Lüge nur dass sie nicht immer vom Vater dem Teufel
ist
    Große Köpfe stiften viel Gutes allein auch wahrlich viel Unheil denn sie
werden verehrt und niemand untersteht sich weiter zu gehen Sie sind ein Wall
den kein Remus zu ersteigen sich unterfängt Jeder Mensch hat seinen Hang seine
Meinungen andern mitzuteilen und der Gelehrteste ist nicht gleichgültig gegen
das Urteil seiner Wäscherin und seines Ofenheizers Die Methode ist dogmatisch
über apodiktische Wahrheiten und dies ist die Methode der Unterweisung und
Behauptung Die Methode ist aber skeptisch polemisch wo man erst untersucht
ob etwas apodiktisch heißen kann Dies ist die Methode der Untersuchung
Beprüfung oder Kritik Die polemische Methode ist die Läuterung das Sterben
die Verwesung in der Kenntnis ehe wir zum Licht und Leben kommen Die
skeptische Philosophie ist hievon unterschieden von welcher wir oben loco
congruo schon ein Wörtchen gewechselt Zweifeln und sein Urteil aufschieben ist
so unterschieden als vorurteilen und nachurteilen
    Hier eine schöne Predigt über die Worte der Glaube kommt durch die Predigt
viva vox docet
    Ein mündlicher Vortrag verrät die Art zu denken Sie zeigt den Lehrer
unangekleidet Beim Hören denkt man immer mehr als beim Lesen Hören ist auch
natürlicher als Lesen Zwar können auch Bücher erbauen allein es ist hier das
nämlich Verhältnis wie zwischen Kirchen und Hausandacht
    Man muss beim Lesen die Seele des Buches suchen und der Idee nachspüren
welche der Autor gehabt hat alsdann hat man das Buch ganz Zuweilen ist
freilich die Seele schwer zu finden wie bei manchem Menschen sie wahrlich auch
schwer zu finden ist Der Verfasser selbst würde Mühe haben die Seele aus seinem
Buche herauszurechnen  indessen hat jedes Buch eine Seele etwas
Hervorstehendes wenigstens und gemeinhin pflegt sich hiernach das übrige zu
bequemen
    Es scheint in der Welt bei allen Sachen eine Fibel nötig zu sein überall
ein gewisser Mechanismus überall eine Schule eine Akademie  Wer nur ein Buch
liest vergisst dass das Jahr vier Jahreszeiten und dass jeder Tag vier
Tageszeiten habe Man lese vier Bücher auf einmal und man wird finden dass dies
dem Gemüte Erholung sei Ein einziges Buch lesen heißt im Seelenverstande den
Pflug führen oder dreschen  Neue Beschäftigung ist wahrlich Erholung Warum
ist die Gesellschaft Erholung Weil ein kluger Mann hier mehr als ein Buch
liest Der hat es weit gebracht der Menschen lesen kann
    Gott weiß dies ist ein großes Studium Die schönste Gegend was ist sie
gegen einen Menschen Und wer die Gesellschaft aus diesem Gesichtspunkt nimmt
kann gelehrt werden ohne ein gedrucktes Buch das ohnehin selten Leben hat
    Es gibt einen gewissen Lesegeiz alles was man liest in seinen Nutzen zu
verwenden  Einen Lesevielfrass alles zu verschlingen  und da ereignen sich
oft Kopfdrücken und Verschleimungen Sich in einem Buche betrinken heißt
darüber Sehen und Hören vergessen und es so vorzüglich finden dass nichts drüber
ist  Wenig und gut lesen ist großen Köpfen eigen Es ist schwerer so schreiben
als so reden dass es einen interessiert Das beste ist sich selbst herausdenken
nicht bei Hand und Lehrbüchern sondern bei seinem Genie in die Schule gehen
und ihm Folge leisten und die Logik dem natürlichen Gange seines selbsteignen
Geistes sowie die Moral seinem Gewissen zu verdanken zu haben Wohl dem der
sich von allem entkleiden kann was nicht er selbst das letzte Hemde nicht
ausgenommen ist Wohl dem der seine Willkür dem Gesetz der Wahrheit und der
Tugend unterwirft wohl dem der Wesen vom Schein Schatten vom Licht absondert
Menschenfurcht Menschenehre und den ganzen unwürdigen Tross von Vorurteilen
sie mögen gleich die höchste Stufe des menschlichen Lebens und ihre Achtzig
erreicht haben und mit dem regierenden Hause in Einverständnis leben vom
Hauptpastor canonisirt und vom Professore Philosophiae ordinario als ein Anhang
vom Katechismus der Vernunft beigebunden sein für das hält was sie sind 
Menschensatzungen und Tand   Wohl 
    Alles Rationale zusammengenommen heißt Metaphysik Sie ist die Seele der
Philosophie Die Metaphysik enthält Urteil des Verstandes abgesondert von
aller Erfahrung und von allen Verhältnissen der Sinne wenn zB von der
Möglichkeit Zufälligkeit usw gehandelt wird Hier reden wir nicht vom
Schein sondern vom Sein um dem Drosselpastor nachzuahmen Die Metaphysik hat
kein Verhältnis zu den Sinnen Es will hier alles geistig gerichtet sein Sie
ist ein Lexikon der reinen Vernunft, ein Versuch die Sätze des reinen Denkens
in eine Tabelle zu bringen Was in der Logik Urteile sind sind in der
Ontologie Begriffe unter die wir die Dinge setzen Titel des Verstandes Inhalt
der Vernunft Die Metaphysik muss kritisiren Ihr Gebrauch ist negativ wenn 
    Wir waren im Begriff uns recht viel Metaphysik ins Auge zu streuen allein
siehe da die Hausmütze Sr Spectabilität die Großmutter würgte die Tür auf
und blickte durch ein Ritzchen Man sah dass die alte Frau noch einen Brand im
Auge hatte Sie schlug einen Strahl ins Zimmer Dieser Wink sollte ihren lieben
Ehegatten zum Schluss bringen weil sie unfehlbar beim Grosssohn den Abend
versprochen waren Man sah es Sr Spectabilität an dass Sie wussten was man
einem Blick durchs Ritzchen schuldig wäre Es ging über und über  Ich weiß
nicht ob ich dies über und über schriftlich werde nachmachen können
    Die moralischen Maximen singen Se Spectabilität nach diesem Blick durchs
Ritzchen ich weiß nicht warum an zeigen wie ich der Glückseligkeit würdig
werden könne die pragmatischen zeigen ihrer teilhaftig zu werden Die Moral
lehrt der Glückseligkeit würdig zu sein ihrer teilhaftig zu werden ist eine
Lehre der Geschicklichkeit Es ist nicht möglich die Regeln der Klugheit und
der Sittlichkeit zu trennen Es ist kein natürlicher Zusammenhang zwischen dem
Wohlverhalten und der Glückseligkeit um es zu verbinden muss man ein göttliches
Wesen annehmen Ohne dies kann ich keine Zwecke in der Welt finden keine
Einheit  Ich spiele in der Welt blinde Kuh  Ohne Gott hab ich keinen Punkt
wo ich anfangen soll nichts was mich leitet Gott ist groß und
unaussprechlich   Die Menschen bedienen sich ihrer Vernunft a priori zum
Nachteil des praktischen Gebrauchs wenn sie nicht durch künstliche Schranken
zurückgehalten werden Dieses ist auch die Pflicht der Metaphysik
    Zehnmal singen Se Spectabilität quid est an und zehnmal macht ich eine
Verbeugung um ihn vom Fragen abzubringen
    Das erste was ich bei mir gewahr werde ist das Bewusstsein, dies ist kein
besonderes Denken sondern die Bedingung und die Form unter der wir denkende
Wesen sind Wie schön bauen und wirken nicht manche Tiere wie nah kommen sie
uns nicht auf die Seele allein eins was nicht ersetzt werden kann das
Bewusstsein fehlt und wahrlich es fehlt wenig und es fehlt viel Mein
Reisegefährte wollte wegen der Hunde einwenden indessen konnt er nichts mehr
als husten
    Alles was da ist ist im Raum und der Zeit Raum und Zeit sind Formen der
Anschaunngen sie gehen den Erscheinungen vor wie das Formale dem Wesentlichen
Ich muss Zeit und Raum haben damit wenn Erscheinungen vorfallen ich sie
hinstellen und beherbergen könne Die Objecte der äußern Sinne werden im Raum
die der innern Sinne in der Zeit angeschaut Hier ein ganz kleiner Kommentarius
über den theologischen terminum technicum Zeit und Raum zur Busse der wie Se
Spectabilität sich ausdrückten nicht ausserm Wurf läge Wie vielen Dingen mussten
wir auf der Stelle des Blicks durch die Ritze wegen einen Scheidebrief geben
Wir nannten bloß ihre Namen und behalfen uns damit dass wir diese Namen nannten
und uns einander zulächelten  Ein wahres Examen
    Bei reinen Verstandesbegriffen haben wir keine Begriffe von Sachen sondern
nur Titel worunter wie uns eine Sache denken können Durch diese Titel können
wir nichts ausrichten außer wenn wir sie auf Gegenstände der Erfahrung und
Anschauung anwenden Wer kann aber ohne die Titel des Verstandes
vorauszusetzen wer kann Erfahrungen anstellen wer Fische ohne Netz oder Hamen
fangen Die Metaphysik enthält alles und enthält nichts Sie macht nichts von
den Gegenständen aus allein ohne sie kann man nichts von Gegenständen
ausmachen Sie ist das Zollhaus die öffentliche Wage der philosophischen
Erkenntnis Sie enthält Titel des Denkens allein keine Prädicata der Dinge Nur
die Erscheinungen verleihen Begriffe von den Dingen
    Vernünftelei Se Spectabilität wurden von einer Mücke verfolgt die um sie
herumsauste und sich nicht haschen ließ ist das was kein Object hat Was eine
Bedingung der Vorstellung und des Begriffs vom Gegenstande ist machen wir oft
zur Bedingung des Gegenstandes selbst die subjective Bedingung zur objectiven
 Die Mücke verhinderte Se Spectabilität dieses Thema weiter auszuführen Im
Ernst die Mücke hätte nicht besser ihre Sache machen können wenn sie von der
Frau Gemahlin Sr Spectabilität wär auf den Hals geschickt worden
    Der analytische Teil der Metaphysik enthält Definitionen meiner Begriffe
der syntetische Bereicherung von Erkenntnissen Der Begriff von den Monaden muss
billig nur auf denkende Wesen gedeutet werden singen Se Spectabilität mit
einem frischen Atemzuge nach einer geendigten Kadenz an und schienen noch sehr
viel Metaphysik auf Ihrem Gewissen zu haben allein die Türe ging auf   Wir
sahen ein Grossmütterchen in Sterbensgrösse denn sie war so zusammengefallen dass
man Kegel mit ihr schieben können wie Hr v G bemerkte Was für Feuer im
rechten Auge Damit hatte sie durch die Ritze gebljetzt das linke Auge war schon
aus der Welt gegangen es war stumpf und tot als wenn eine Blatter darauf
gefallen wäre allein das war es nicht Die Zeit hatte es so abgefeilt  Die
Tochter fing sie an und ohne sie auszuhören schrie die überfallene
Spectabilität  gleich gleich  Nur das Signum depositionis Er schrieb uns
einen Passirzettel einen Freibrief womit wir uns noch bei Sr Magnificenz zu
melden hätten
    Während der Ausfüllung dieses gedruckten Zettels wandt er sich zu mir
    Sie fing er an werden sich wohl der Universität widmen
    Ich fragte ich etwas einfältig
    Der Herr v G nicht erwidert er
    Ich auch nicht
    Alles was geschieht hat seine Ursache fuhr er fort und warum
    Es war sogar mit Ew Spectabilität Erlaubnis Streit ob ich gar auf eine
Universität gehen sollte
    Dieser Streit war wohl gewiss generis feminini und die Frau Mutter
    Ich Wenn sie daran Teil nahm so geschah es bloß um den Akademien Ruhm
Preis und Ehre zu geben und Stärke und Kraft denn sie behauptete dass das
Paradies die erste Universität gewesen weil die ersten Eltern relegirt worden
    Der neue Großvater lachte herzlich über diesen Einfall und  machte mir
viele Komplimente auf Rechnung meiner lieben Landsleute
    Der eine der Landsleute der uns zu Sr Spectabilität begleitet hatte war
die ganze Zeit über in Seelennot gewesen  Es waren ihm alles böhmische
Wälder bis aus Kasimirus IV König von Polen welcher vom König in Schweben
Karolo Kanuto in Danzig examinirt ward und mit seinem ganzen Hofstaat kein
Latein verstand Diesen König kannte er par renommée alles übrige war ihm dicke
Finsternis Er erzählte mir beim Weggehen dass er gefürchtet hätte der
Professor würd ihn aus Höflichkeit ein Wörtchen mitfragen
    Und wenn sagt sich
    Bruder erwiderte er Deutsch Latein und Griechisch  alles war mir gleich
unverständlich
    Wegen der zwölf Tafeln fragt er mich im Vertrauen wie der gute Professor
auf zwölf Tafeln gefallen wäre da ihm doch nur zwei steinerne Tafeln bekannt
wären  und musst ich ihm erklären dass Se Spectabilität nicht von den Tafeln
Mosis geredet hätten
    Ich erinnere mich an ein Versprechen zurück Den Regen kennen meine Leser
allein die Traufe bin ich ihnen noch schuldig
    Nachdem das Signum depositionis unterschrieben und besiegelt war und wir
uns der Gewogenheit Sr Spectabilität als unseres Vorgesetzten empfohlen
hatten sagten Se Spectabilität lächelnd zu mir
    So wünsch ich Ihnen denn ein Secessum Secretum Angulum das ist ein
Pastorat in Ihrem Vaterlande damit Sie bald Ihre zurückgelassene Schöne
heiraten können
    Das war die Traufe Ich weiß nicht was ich geantwortet nur das weiß ich
dass es nicht griechisch nicht latein nicht deutsch war und dass ich mich gern
noch einmal lieber examiren lassen wollen als  Se Spectabilität beschlossen
den ganzen Actum mit einer güldenen ABCregel Minus est actionem habere quam
rem
    Unser Begleiter begegnete mir mit einer ganz vorzüglichen Achtung Beim
Schmause sagt er der ganzen Landsmannschaft was ich für ein Kerl wäre und dass
ich von zehn Tafeln mehr wüsste als er bis heute gewusst hätte Man versicherte
mich dass kein Curländer bei Menschengedenken durch so viel Trübsal des Examens
in das akademische Reich eingegangen wäre und dass besonders Se Spectabilität
gar kein beissiger Hund wären
    Wer Henker setzt er hinzu konnt es wissen dass er eben die Nacht vorher
Großvater geworden  Ich dachte bei dieser Gelegenheit an den Backofen der bei
meiner Geburt  wie der Tempel zu Ephesus als Alexander geboren ward 
abbrannte und hatt in Verbindung mit diesem Examenvorfall nach meiner Mutter
Anweisung recht erbauliche Gedanken Das Testimonium unseres Begleiters setzte
mich in eine solche Achtung bei meinen Landsleuten dass ich dux fax et tuba
war und kein Duell konnte vorfallen keine Fackel angezündet keine Musik
gebracht werden wo mir nicht der zwölf Tafeln wegen ein votum decisivum wär
eingeräumt worden
    Bald hätt ich Se Magnificenz vergessen wohin uns Se Spectabilität
sandten Gott verzeih mir meine Sünd ich dachte von Pilatus zu Herodes
    Se Magnificenz sahen den weißen Stein den wir aus den Händen Sr
Spectabilität mit hatten und wollten uns anfänglich auf den Stein und Bein des
Albrechts Stifters dieser hohen Schule schwören lassen allein sie besannen
sich eines andern eines Bessern und verwandelten den Eid in einen Handschlag 
worauf wir die akademischen Gesetze erhielten und mit großen Siegeln zu den
lieben Unsrigen nach Hause kehrten wo uns die Landsmannschaft mit einem
curischen Liedchen bewillkommte Jede Strophe ward mit einem Lihgo oder
Frohlocken beschlossen Es war mir als wär ich mit dem Ritter Jachins und
seinen Leuten zusammen
    Unsere Landsleute besahen die großen Siegel und die Schriften als wenn sie
ihnen was neues wären und bliesen den Sand von unsern Taufscheinen   Kinder
hieß es am Ende ihr kriegt darauf nicht einen Dreier geborgt
    Ich muss noch einen Vorfall nachholen der in dem Hause Sr Magnificenz auf
mich zukam
    Der Edelmann sagten Sie zahlt doppelt und hat die Ehre einen Degen zu
tragen der in preußischen Staaten dem bürgerlichen Studenten wegen vieler
vorgefallenen Schlägereien verboten ist  Die auswärtigen Familien sind uns
indessen nicht so bekannt mit einem Fragzeichen also beide Edelleute Mein
Reisegefährte nahm hier das Wort wie ich beim Latein Beide sagt er 
Verzeihung Bruder erwidert ich 
    Es verdross mich dass ich in einem fremden Lande wo ich mein Geld und im
Fall der Not mein anexoy kai apexoy auszugeben Willens war und wo es keinen
was anging ob ich als Edelmann oder als Bürger äss und tränke durchaus Adel
oder Unadel documentiren sollte  und wie dacht ich hat man hier zur Ruhe des
Degens wenn ihn der Edelmann trägt ein besseres Zutrauen als wenn ihn ein
Bürgerlicher angelegt hat
    Ich bezahlte wie ein Edelmann allein ich bat sehr mich als Bürgerlicher in
Album Studiosorum einzuführen Dies fiel Sr Magnificenz nicht wenig auf Da
aber dieselben die vorige Nacht nicht Großvater geworden waren so gaben
dieselben weiter nichts darauf sondern nahmen was Ihnen gebührte und
wünschten wohl zu leben
    Ich konnte nicht umhin von diesem Umstande gegen meine bürgerlichen
Landsleute Gebrauch zu machen allein diese lachten herzlich über meine Einfalt
 »Den Edelmann dir so nah zu legen und ihn nicht zu nehmen«  Und eine Lüge
»Sie wird ja bezahlt«  Und wenn ich heim komme »Ja dann müssen wir freilich
Ew Hochwohlgeboren oder mein Gönner sagen indessen sind wir doch Literati« 
Dass euch Gott helfe dacht ich Literati ohne von keinen Tafeln mehr als von
den zweien des Moses zu wissen
    Der Abend ward mit Essen und Trinken und Musik zugebracht  Einige gaben
dem Abreisenden das Geleite und da in der ganzen Straße so weit nur das
Gesicht reichte die ganze Nacht hindurch Licht brannte so brachte mich dieses
auf die Frage was diese Erleuchtung und nachbarliche Aufmerksamkeit zu bedeuten
hätte Die Antwort unseres Vorfahrs war Seht da Kinder so viel Lichter so
viel Mädels die ich euch unentgeldlich lasse indessen will ich wohlmeinend
anrätig sein dass sich jeder eins oder zwei aussondere und die andern fahren
lasse Sonst geht es euch wie mir Diese jene dort hier die da diesseits
jenseits links rechts kurz in all den Häusern die ihr seht sind Mädchen
die den ganzen ausgeschlagenen Tag von früh bis in die sinkende Nacht im
Fenster liegen und liebäugeln die guten Dinger Man sieht ihnen den Verdruss an
dass sie nicht Mittag und Abend am Fenster halten können  Ihr könnt es nicht
glauben wie die Mädchen unserer Landsmannschaft treu hold und gewärtig sind
Ein Präsentchen und ihr habt das ganze Spiel gewonnen  Glaubt mir die all
zusammen wo ihr Licht seht waren mein Sie sahen mich so steif und fest an
als ob sie mich mit den Augen fassen wollten Die guten Dinger Und ich sah sie
all zusammen so der Himmel weiß wie mein Aug auf diese Art ausfiel dass
jede glaubte ich sähe nur sie an Ich regierte hier wie ein Sultan hol mich
der Teufel nur dass jedes Fenster glaubte es hätte mein Schnupftuch  Die
guten Dinger Die eine da ein Aug in Himmelsblau getaucht  der den sie mit
diesem Aug ansieht glaubt er sähe den Himmel in Miniatur  Wenn ich sie
zuweilen denn sie verdient es ganz allein ansah dann dann fragte mich ihr
Auge so dass es mein Innerstes hören konnte ists auch wahr und wenn ihr mein
Auge vorlog ja es ist wahr o wie zitterte dann süße Verwirrung in ihrem Auge
recht als ob wir zur Trau gehen sollten und noch weiter  Das ist ein Mädchen
so ich dir gönne er wandte sich zu mir Ihr Atem göttlich Bruder Wen sie
anhaucht von dem könnt es heißen Also ward der Mensch eine lebendige Seele
Sie spielt eine Laute Bruder Des Abends im Sommer wenn sie am Fenster diesem
Instrumente die Zunge löst  Zephyrs die eben der Hitze halber Mittagsruhe
gehalten  denn es ist im Sommer hier sehr heiß  flatterten ganz frisch und
munter herum und brachten mir alles bis auf die geheimste Bebung zu Auf Ehre
in jedem Finger hat sie eine Seele und wenn alle diese Seelen eine Ton
herausbrächten  Bruder da ist die Nachtigall ein Kind  Leb wohl Amalia
leb wohl Ich lass dir einen braven Jungen zurück der auch Bebungen versteht
Schau wie sie die Laute hält und wie sie das Ordensband sich so leicht umhängt
als flöss es Bruder  Die Laute ist an sich ein so guterziges Instrument
Amalia trauerte jüngst und da kam die Weiße ihres Arms aus der Dunkelheit so
abstechend hervor dass ich sitzen blieb wie vom Schlage gerührt Hast du
bemerkt wenn das Hemd auf dem Busen eines Dorfmädchens sich einen Finger breit
verschiebt und bei dem sonnenschwarzen Busen den weißen Fleck verrät  Das
sagte Herr v G hab ich bemerkt meine Leser wissen wo
    Die sagte unser Maler zum Herrn v G die in diesem Hause Bruder
schwarzes Haar wie Ebenholz Ein Auge das immer drei Schritt weiter ging als
meines so stark auch meines zudrang  Ein Busen zehntausend Liebesgötter
tanzten darauf  Pfui sagte Herr v G was muss das für ein Busen sein Unser
Reisender hatte Mühe ihn mit dem Busen und den Liebesgöttern auszusöhnen die
er auf zehn reducirte wobei sich am Ende Herr v G zufrieden gab Bei deiner
lebt man bei des   auf mich stirbt man Bei deiner hält man sich gerade
denn sie ist eine Göttin Man sieht gen Himmel  Bei deiner wieder auf mich
legt man den Kopf von einer zur andern Seite denn sie ist eine Schäferin O die
schönen Schäferstunden Ich hab noch vergessen fuhr er zu mir fort ihr Busen
wallt so wie eine Laute er bebt nur herauf und Bruder ihre Stimme wenn sie
singt  sie tut es selten sie hat eine blonde Stimme du wirst mich verstehen
sie stiehlt das Herz deine Brünette zum Herrn v O nimmt es mit Gewalt sie
raubt  Sie kommt nicht mit vollen Segeln Sie ist stolz und scheint sich wenig
aus einem Siege zu machen denn sie ist sich bewusst dass sie Herzen wie Fliegen
zu fangen im Stande ist Jene streichelt diese schlägt allein wenn sich diese
Königin herablässt ists auch so als wenn die Sonne aufgeht Man hat sich
besoffen wenn man sie liebt und einen Jesuiterrausch wenn es die mit der
blonden Stimme gilt  Diese spielt kein Instrument Die Orgel würde sie
spielen allein wenn sie singt  das tut sie oft Bruder so prächtig wie ein
Donnerwetter  Diese beiden Auserwählten empfehl ich euch zu Gemahlinnen die
andern  zur linken Hand und so neben an zum Spiel  Noch eine
Warnungsanzeige eh ich von hinnen gehe  Die beiden waren freilich die
Hauptpersonen und meine Gemahlinnen allein auch unter den andern gibts
Dingerchen zum Rasendwerden Sie waren gleich in den ersten acht Tagen alle
mein Ich meine mit den Augen und nun hielt da unten zu  ein Kaufmann
Hochzeit der die ganze Gegend und mich mit bat Ich kam zum erstenmal mit all
diesen angeangelten Mädchen zusammen jedes Auge forderte Rechenschaft Da ward
ich wie Cäsar mit dreiundzwanzig Wunden erstochen  Sah ich eine an so waren
die andern wie Tiger auf mich und forderten Antwort über meine Untreue O wer
da mehr Augen gehabt hätte als zwei Ich musste nicht aus noch ein  bis ich
endlich Mut zum Entschluss fasste und mich zu vieren bekannte und in Rücksicht
der andern die Augenehen aufhob und dies Band trennte Diese vier halfen mir
selbst die andern abfertigen  und diesen vieren bin ich auch so treu geblieben
als möglich Sie haben sich bis an mein End in meinem Gewahrsam befunden Seht
da ist es am hellsten Es blieb nicht bei den Augen in Rücksicht dieser vier
indessen dürft ihr nichts von mir fürchten
    Mich müsste der Teufel plagen setzte der Abschiedsredner fort ein Mädchen
in Königsberg zu heiraten wo Curländer gerad über logirt haben  Ihr werdet
Wunder sehen und glauben  Schaut die andern selbst von denen ich mich nach
dem fatalen Gefechte scheiden musste auch die noch Licht  Wenn es angeht
schränke sich jeder auf zwei ein damit kann man bestehen und bei Ehren bleiben
einer das rechte der andere das linke Auge
    Wie wenig ich von dieser Übergabe Gebrauch gemacht darf ich nicht
bemerken  Herr v G vergaß zwar seine Dorfdirne seine schmucke Trine nicht
indessen legt er sich dennoch wenn er nicht zu jagdmüde war ins Fenster und
dann hatt er sie nach seinem etwas jagdfreien Ausdruck wie am Rosenkranz  
Ich habe mich nie in Liebeshändel anderer Leute gemischt nur das konnte mir
nicht verborgen bleiben dass er seine übrige Zeit er hatt indessen nicht viel
übrig den beiden von unserem Vorgänger beschriebenen Mädchen schenkte mit
denen er wie er zu sagen pflegte so ziemlich bekannt wäre  Sie sind sagt
er meine Dorfdirne in mangelhafter Kopie allein mich soll der Teufel beim
ersten Kuss den ich ihnen zudrücke holen wenn ich nicht mein Dorfmädchen viel
höher schätze als sie  Ehrlicher und das heißt genau genommen auch schöner
Meine Trine ausgewachsen wie eine Göttin kein Missglied an ihr keins verkrümmt
und verkratzt  Alles reif herausgegangen wie die Natur
    Redet dein Vater aus dir fiel ich ihm ein  Getroffen erwidert er aber
meine Empfindung bestätigt seine Rede
    Mein akademischer Wandel  ich kam nicht mit Denksucht sondern mit
Lernsucht in die Hörsäle nicht verwöhnt sondern hungrig und durstig Ich
dachte nicht meinen Lebenslauf zu schreiben welcher Einfall mich nur seit
kurzem überfiel sondern ich wollte leben lernen Ich durfte nicht meine Hengste
der Einbildungskraft ausspannen die mich zu tausend Zeitungslorbeeren führen
sollten denn ich hatte sie nie angespannt Ich flog nicht ich ging und wusste
wie es wächsernen Flügeln wenn sie der Sonne nahe kommen zu gehen pflegt
Höchstens lief ich  um aus einer Stunde zeitig genug in die andere zu stürzen
Im Hörsal dacht ich Er hats gesagt zu Hause frug ich mich Was hat er
gesagt
    Ich schreibe meine Leser werden es wie ich nach der Liebe hoffe wissen
Leben nicht Schule und was kann ich also von meinem akademischen Laufe sagen
was ein großer Teil meiner Leser nicht schon selbst wie ihren Haus und
Wirtschaftskalender aus und inwendig wüsste Die Lehrer lasen ich hörte Ich
lernte von allem was ich schon wusste die Grammatik auf der Reitschule auf dem
Tanzboden in der Philosophie in  allem Ich lernte meinen Lehrern den
kürzesten Weg zum Ziel ab und war aufmerksam auf die Straße die zu gehen und
auf die Straße die zu meiden war Sollte man nicht überhaupt auf Universitäten
mehr Polemik als Tetik in allen menschmöglichen Wissenschaften lehren Und
sollte nicht Kritik in einem besonderen Sinne der Gegenstand der akademischen
Beschäftigungen sein Der ist in meinen Augen der beste Professor der am
gründlichsten seinen Schülern zu sagen weiß was nicht verlohnt gelernt zu
werden und die Titel von dem was lernenswert ist Meine Hauptbemühung in
Rücksicht der Gelehrsamkeit auf der Universität war ein Lexikon
zusammenzutragen wo ich die Gelehrsamkeit weiter nachschlagen könnte wenn ich
wie Felix gelegenere Zeit haben würde Gottlob diese gelegene Zeit ist
gekommen Die Sprachen die ich angefangen setzt ich fort in so weit es von
ihnen und mir heißen konnte Der Schmied hat mehr als eine Zange Ich wünsche
dass Sie Ihre Zeit gut anwenden mögen war damals in dem Munde eines Professors
wenn er mit einem Studenten sprach so viel als guten Morgen guten Abend und
gute Nacht  Die Pietisten setzten hinzu Gott segne ihre Studia und mehr als
dies weiß ich von diesen Leuten nicht zu sagen
    Se Spectabilität nannten mich wo Sie mich reichen konnten den curischen
Philosophen und empfahlen mich Ihren Herren Kollegen wo ich nicht viel
Grossväter fand indessen wünschten alle dass ich meine Zeit gut anwenden und dass
Gott meine Studia segnen möchte Wenn sie zum Inpietismus gehörten blieb der
eingliedrige Segen weg
    Froh denk ich noch heut es ist eben Michaelstag an diese akademische
Zeit und rufe mit dem guten Drosselpastor vivat Academia Mir fehlte nichts
als Mine der Kirchhof das Wäldchen und die andern heiligen Orte wozu noch die
gründicke Laube des Bekannten gekommen war indessen ersetzte mir die
Einbildungskraft alles Ich las s Briefe beschäftigte mich mit den von ihr
eingeweihten Sachen und kam mir wie ein Wittwer vor der seine Frau in seinen
von ihr zurückgelassenen Kindern sucht Seine schönste Zeit ist wenn er mit
ihnen spielen kann  Meine Spaziergänge waren Kirchhöfe Wäldchen und überhaupt
Orte die mich desto deutlicher an Minen erinnern konnten Sie sah ich überall
Ich studiert an ihrer Hand  Sie beseelte mich mit Mut und war mir sans
comparaison das was jedem Ritter seine Schöne ist
    Mein lieber v G blieb keinem Professor einen Dreier schuldig das ist
alles was ihm zum Ruhm im Testimonio behauptet werden können wenn er ein
dergleichen Ding nötig gehabt hätte Ich studiert in seiner Seele als sein
Sachwalter und erzählt ihm des Abends im Zeitungston was ich den Tag über im
eigenen Namen und vi specialis mandati gehört hatte worüber er wenn er
jagdmüde war sanft einschlief  Ich indessen setzte meine Wiederholung fort
und hatte dadurch den Vorteil mit dem gehörten Worte bekannter zu werden Die
Digestion der Wissenschaften wird eben hiedurch unendlich befördert wenn man
erzählt was man weiß Man lernt auf diese Art mit der Wissenschaft conversiren
und sie auf einen freundschaftlichen Fuß nehmen der Hörer sei übrigens jagdmüde
oder nicht  Was konnte Herr v G dafür dass es um Königsberg solche schöne
Jagdplätze gab und dass ihm davon viele Feldmarken die durch zwei besondere
Tore lagen als plus licitanti zugeschlagen wurden  Herr v G hatte sich
vortreffliche Jagdbücher angelegt und war jetzo so sattelfest in der
Jagdterminologie dass er nicht allein Hochselbst für Fund zeitlebens sicher war
sondern er war noch obenein im Stande andern Fund zuzuwenden die ihre Zeit auf
der Akademie nicht so gut wie er angewendet hatten Mir versprach er wenn es
nötig sein sollte aus Not zu helfen du hilfst mir wieder setzt er hinzu
wenn etwas vom Argos vorfällt  Am Ende fuhr er fort dünkt mich dass überall
bei Eurer weltgepriesenen Gelehrsamkeit Jagdterminologie ist   Den
mangelhaften Kopien seiner Dorfdirne entging oft zu viel durch diese
Jagdneigung und gern hätten sie ihn davon abgebracht  allein so sehr hatten
sie ihn nicht getroffen wie er sehr jagdmässig sich gegen mich erklärte  Die
eine ließ ihre blonde Stimme hören die andere donnerwetterte allein es gehörte
mehr dazu als Orgel und Laute den Herrn v G auf mehr Sprünge zu bringen Bei
alledem war er Sieger und die beiden Schönen geschlagen Die andern Schönen in
der Straße sah er an wie solche Feldmarken die ihm nicht als plus licitanti
zugeschlagen waren Bruder sagt er zu mir in Rücksicht der beiden sie sind
abgerichtet sie sind dressirt sie verstehen alles auf ein Haar  Die werten
Eltern dieser beiden setzten die Freundschaft mit uns fort wobei ich freilich
in der Hauptsache sehr leer ausging Diese Freundschaft war also nicht an die
Personen die hier logirten sondern an die Zimmer gebunden nicht eine
Personal sondern eine Realbekanntschaft wie es jede nachbarliche Bekanntschaft
ist Freilich trug es sich zuweilen zu dass die Dirnen den Herrn v G in die
Enge brachten allein er pflegte sehr richtig mir ins Ohr zu bemerken dass die
Stadtschönen wenn gleich sie mit Witz ausziehen doch ohne Witz in die Flucht
geschlagen werden könnten wenn nur   Herr v G besaß von diesem wenn nur
gerade so viel um seinen Posten zu behaupten  Der Schweiß Abels hatt er im
Jagdeifer gesagt schrie zu Gott um Rache und unsere Stadtnymphen wollten ihm
hart fallen  Ich war Augen und Ohrenzeuge von ihrem witzigen Ausfall  er sah
sie nur an und sie gleich in die Flucht
    Unsere Bekanntschaften waren außer den beiden Nachbarn das Haus eines
Kreisrichters auf dessen Haus unser Vorfahr gleichfalls seine Assignation
zurückgelassen Dieser Kreisrichter der eine alte Frau des Geldes wegen
geheiratet hatte keine Kinder Er braucht ein paar junge Leute zu seinen
häufigen Gesellschaften als Hausofficiere und obgleich diese Stellen besetzt
waren so honorirt er doch die Assignation unseres Vorfahren dessen Andenken
überhaupt im Segen war Ich nahm selten an diesen Zeitverkürzungen Anteil
indessen lernten wir einen königlichen Rat bei dem Kreisrichter kennen der an
Leib und Seel auffiel und sich auch bei jedermann zu erhalten im Stande war
Er schien gegen Vierzig und hatte sehr seine Kenntnisse Er las die Alten und
kannte die Neuern Er legt es nicht dazu an dass man ihm dies anhören und
ansehen möchte allein wo er stand und ging streut er Funken Er verdrängte
keinen Er vernichtete nicht Sprösslinge vom Witz der Jünglinge die mit ihm zu
Tische saßen um den Saft den bejahrten Zweigen zuzuleiten Witz und Verstand
war ihm Witz und Verstand  es mochte hervorsprossen wo es wollte  Er wusste
wohl dass alles Obst nicht reif sei das der Wind herabwirft  Es war nicht
abgezogener Geist nicht Lebenstinktur  was er sprach Beim Kreisrichter sprach
er wie der Kreisrichter der über nichts als Schlägereien neue Brautschaften
Todesfälle oder dergleichen Dinge mehr sich verlauten ließ indessen wußt
unser Rat über die gemeinsten Dinge besonders zu sein Ost war er ganz still
und alsdann sah man es ihm an dass er wohlbedächtig mit den falschen Spielern in
der Gesellschaft nicht mitspielen wollte  Ich fand wenn er sprach so viel
Eigenes dass ich tausendmal wünschte wenn er doch schreiben möchte oder wenn
er doch wenigstens mehr spräche Er verbesserte nie ein Urteil das er in
Gesellschaft hörte und legte sich nie das Ansehen einer Appellations und
Revisionsinstanz bei Wenn ich eine Rechtssache gehabt hätte wäre mir sein
Gutachten Entscheidung gewesen Viele hatten dies Zutrauen zu seinem Herzen und
Verstande und sein Laudum sein Schiedsspruch galt ihnen mehr als ein für Geld
und gute Worte in bester Form genommenes Urteil  Er war unverheiratet Man
sagt er wär in der Liebe unglücklich gewesen Schade Es haben Curländer
vielleicht bemerkte Herr v G seiner Schönen grad über logirt  Mag wohl
sein  Dieser würdige Mann war im Stande Menschen zu lesen und dies schien
sein Hauptgeschäft in Gesellschaft zu sein Durch vereinte Kraft eins sein ist
der Zweck der großen Staatsgesellschaften sagt er zu mir So im Großen so im
Kleinen Instinkt und Vernunft lehren uns dass ein großer Teil unserer
Glückseligkeit von Menschen abhängt und darum seh ich Menschen darum geh ich
nach ihnen aus und freue mich herzlich wenn ich was Unerwartetes vorfinde Im
Kollegio ist alles auf einen gewissen bestimmten Horizont calculirt
    Noch seh ich den Mann mit seiner offenen weit offenen Stirn schwarzem
Haar einem Auge in dem man ihn im Kleinen  allein doch ganz sah Zuweilen
hatt er kleine Abendgesellschaften woran er mich Teil nehmen ließ Dieses
Kollegium versäumt ich nie Ich fand einen Offizier einen königlichen Rat
seinen Kollegen einen Prediger und einen Professor allein alle waren große
Lehrer in ihrer Art für mich  Da war er zuweilen ausgelassen  Er warf Münzen
aus und ich muss aufrichtig bekennen dass wenn ich je in meinem Leben mit Leib
und Seele zugleich gegessen und getrunken so war es hier ich wundere mich noch
jetzt dass es mir so gut bekam Wenn er es nicht länger aussetzen konnte gab er
eine große Mahlzeit Da tat er wenig mehr als vorlegen und hiezu braucht er
auch alsdann den Offizier den königlichen Rat den Prediger den Professor und
mich
    Ich habe schon bemerkt dass ich das votum decisivum bei der Landsmannschaft
hatte und so lang ich den Präsidentenstuhl bekleidete ist kein Stein von
einer curischen Hand gehoben um ehrlichen Leuten die Fenster zu verwüsten 
Mit der Zeit wär ich weiter bis zum Kopf meiner Landsleute gekommen  Fürs
erste hatt ich Ursache mir Glück zu wünschen dass ich über ihre Hände
disponiren konnte
    Wenn ein Landsmann kam oder ging ward ein Mahl gegeben wozu ich zwar meine
Stimme allein nicht meinen Magen gab
    Herr v E war unter vielen andern König eines solchen Mahls Er war von
seiner Mutter die Wittwe geworden aus Frankreich nach Kurland gerufen Seine
Geschäfte indessen hatten ihn noch ein halbes Jahr in und um Königsberg
zurückgehalten ohne dass wir uns zusammen getroffen Kein Wunder Er ging nicht
in die Hörsäle und ging nicht auf die Jagd Seine Geschäfte waren  wie man sich
leicht vorstellen wird  Liebesangelegenheiten Freilich hatten die
Königsbergischen Schönen Ursache einem Manne Komplimente zu machen der von
Paris kam und sie nicht verschmähte  Endlich schlug seine Stunde  Ich war
ohne selbst zu wissen wies zuging bei diesem Mahl und lernt einen Menschen
ohne Kopf und Herz kennen der auf den preußischen Adel loszog weil ihm niemand
die Sache ohne Allegorie vorzutragen obgleich er angeklopft aufgetan 
Wahrlich dies brachte mir eine sehr gute Meinung vom preußischen Adel bei die
ich auch nie aufzugeben Ursache gefunden Ich brachte die Nacht da Herr v E
mit Extrapost abging wider Gewohnheit schlaflos zu und selten hab ich einen
Menschen gefunden in dem jeder Zug mir so entgegenarbeitete  Dem Herrn v G
war er auch unausstehlich Er sollt ihn bis Schacken begleiten allein er
konnte nicht Herr v E kroch und war stolz er war Franzos und Curländer Für
und wider sich  und gewiss auch Freund und Feind eines jeden der es mit ihm
anbinden wollte  Sein Gesicht und er schienen zweierlei und waren es auch
immer  Er fragte uns ob wir nicht an unsere Mädchen was zu bestellen hätten
Da fuhr es mir so durch die Seele dass ich außer mir war  Herr v G sagte
dass er ihn am wenigsten zum Liebespostillon brauchen würde weil er aus
Frankreich käme und Sie fuhr er fort indem er sich zu mir wandte  Ich habe
sagt ich nur eben Briefe von ihr  Er nahm es als Scherz und ich fand
diesmal und hab es oft gefunden dass selbst bei dergleichen Verlegenheiten die
Wahrheit am besten aushilft Ich hatte wirklich Briefe von Minen
    Sie erfüllte redlich ihr Versprechen sie hielt ein Tagebuch und alle
Vierteljahre erhielt ich es durch den bezeichneten Weg Das erste Päckchen kam
nach Manatsfrist ich hoffe niemand werde fragen warum Er an Sie ging vor
sich sobald ich an Ort und Stelle war Ich fühlte jeden Kuss in ihren Briefen
so warm so sonnenwarm obgleich er seine fünfzig Meilen gereist war In
Wahrheit hätt ich Minchen nicht gehabt ich hätte nicht die Hälfte von dem auf
der Universität getan was ich jetzt tat nicht die Hälfte vor mich gebracht
                                       
    Da bin ich an einer schweren Stelle meines Lebens wo ich noch zittre und
bebe Der Himmel helfe mir auch in diesem Buch über Er der sie mir leben
geholfen helfe sie mir auch schreiben  Ein bitterer Kelch  Gottes Wille
gescheh auf Erden wie im Himmel
    Ich will ihm nicht fluchen dem Vater meiner Mine denn diese Holdselige
verbietet es mir  Ich will ihm nicht fluchen
    Sie schrieb mir ehemals
    »Ich will meinen Vater nie unsern Vater nennen Der meinige ist er weils
Gott hat haben wollen warum sollst du dich aber mit ihm beschweren«
    O Mine warum warst aber du mit ihm beschwert warum du Dulderin du
Märtyrin du Heilige mit diesem Peiniger mit diesem Tyrannen mit diesem
Unheiligen  mit diesem 
    Ich will abbrechen bis ich besser gefasst bin sonst würd ich dein heiliges
Gebot übertreten du heiliger Engel und ihm doch  fluchen
    Auf heute morgen und übermorgen nehm ich von meinen Lesern Abschied  Ich
will mir ordentlich Zeit nehmen mich zu fassen  und wenn ich es in drei Tagen
nicht bin noch einen und noch einen  zugeben und bis acht Tage zu dieser
Fassung aussetzen In dieser stillen Woche soll meine Seele gen Himmel sich
aufrichten und mit meiner Mutter will ich beten
Herr wie du willst so schicks mit mir
Im Leben und im Sterben
Rede Herr dein Knecht hört  Tu mit mir wies dir wohlgefällt In deine
Hände befehl ich meinen Geist
An einem schwarz bezogenen Tage da es Vormittags donnerte
    Ich habe meine Leser nur drei Tage allein gelassen  Je mehr ich mir Zeit
nehme mich zu fassen desto mehr verlier ich das Gleichgewicht  Fast glaub
ich dass die Fassung so schnell komme als der Schreck die Hilfe wie die
Krankheit und wenn alle Fassung nur Betäubung wäre
    Der Gedanke hat mich am meisten in diesen drei heiligen Tagen erfrischt dass
es Tugenden gäbe die es nicht geben würde wenn nicht böse Menschen in der Welt
wären Wahrlich die größten Tugenden werden hierdurch an Tageslicht gebracht 
Durch Schatten wird das Bild erhöht Es ist ich gesteh es gern dieses eben
nicht einer von den Gedanken die einer göttlichen Eingebung nahe kommen allein
wenn Not am Mann ist schmeckt Hausmannskost am besten und bekommt auch so 
Der Unglückliche der Furchtsame glaubt alles wenn es nur Trost enthält
    Fluchen will ich dem Hermann nicht allein ich will treu befunden werden
    Von dem ersten Tag an da meine Leser den alten Herrn kennen lernten fanden
sie einen Mann kaum kann das Wort Mann von jemanden gebraucht werden der sich
nicht nach seiner Decke zu strecken versteht  Doch Minchens  einen Mann
der allem was man Belang heißen kann gerade entgegen war Sie fanden eine
geschwächte eine zu Fall gekommene Person einen Hofnarren Kammerherrn Forst
und Jägermeister einen Witzdiener Positivschläger  Einen von dem man nicht
behaupten kann dass er seinen Namen wie mein Vater sein Vaterland
geflissentlich verschloss wie einer meiner Splitterrichter des ersten Bandes der
Meinung gewesen sondern den man den alten Herrn zu nennen für gut fand und
der weil mit dem Wort Alt das Wort Herr verschwägert war womit man wahrlich in
Kurland nicht verschwenderisch ist nichts mehr erwarten konnte und mit dieser
Ehre sehr zufrieden schien und wie hatte wohl dieser Schneider Schuster
Töpfer Ton und Tausendkünstler und wärs auch nur des Podagras wegen
welches keine gemeine Krankheit ist wider den Ehrennamen Nicolaus Hermann
eine Sylbe einwenden und den Kopf schütteln können Der alte Herr war kriechend
und stolz wie die Stolzen immer zu sein pflegen  Obgleich er seinen Abschied
als Witzdiener in höchsten Gnaden erhalten so sprudelte doch ein schwarzes Blut
in seiner satyrischen Ader auf sobald es Gelegenheit gab Die Ader war recht
schwarz und fürchterlich aufgequollen zu sehen  Seine ganze Gebärde verstellte
sich sobald diese Ader auflief Er pflegte sich selbst einen Invaliden des
Apoll zu nennen und Dank sei meiner Mutter die ihn wie ich mich eben
erinnere bei dieser Gelegenheit einmal fragte wies mit seiner Wunde am Kopfe
stünde Die Zeiten sagte Hermann selbst sind gottlob vorbei und dies waren
Zeiten da er Gräber schändete allein kann auch ein Mohr seine Haut bleichen
und ein Parder ein Fleckkügelchen benutzen Erst mehr Fechter jetzt mehr
Tänzer
    Ich bin der Meinung dass sich die Physiognomisten nie eher als in der Miene
eines Pasquillanten wär es auch ein Recensent und Mörders irren können Da
muss ein sehr seiner Unterschied sein Sie sind eines Handwerks beide schlagen
aus Gewinnst tot  und es kommt nur auf Umstände an Beide legen Händ an uns
und so wie es bloß von der Kürze der Jahre kommt dass nicht jeder dem der
Strick in den Lineamenten liegt gehangen wird so 
    Wenn ich in einer großen Gesellschaft einen Witzling sehe der nach
Landesmanier wie der dritte Mann zum Spiel gebeten wird und der über Tisch und
Stühle schreit ist mir nichts anders als wär ich mit dem verstockten Schächer
zusammen Wer in einer Gesellschaft von zwölf Personen witzig sein und sich
hören und sehen lassen kann ist ein schrecklicher Mensch  Wo zwei und drei
versammelt sind da ist Witz an Ort und Stelle Niemand ist geiziger als ein
wirklich Witziger Er wirst seine Perlen nicht weg Ein Witziger ohne Urteil
ist ein Witzling  und wehe dem Menschen durch welchen Ärgernis kommt Vorrede
genug
    Hermann hatte nach dem Tode der Mutter meiner Mine und der meinigen noch
Lust sich ein Hochzeitsbett anzulegen Der Tischler den er darüber besprach
glaubte es sei ein Sarg da er sich in der Stille an ihn wandte Der Tischler
wandte sich mit einem Warum auch in der Stille an Hermann zurück  Ich hab es
von meiner Mutter dass eben dieser Tischler in seiner Gewerksstube herzlich
geweint habe wenn er einen Sarg für einen Redlichen im Land erbaute Meine
Mutter nannt ihn oft des Todes Zimmermann und gratulirte Kurland und der
dortigen Gegend wo hölzerne Häuser etwas Gewöhnliches sind weil sie schon im
Leben mit ihrem letzten Hause sich bekannt gemacht  Wir sind schon im Leben im
Sarge pflegte sie zu sagen Wir sterben täglich Heil uns Der eigentliche Sarg
wird uns kein so wildfremdes Gemach sein
    »Lieber Freund« fing Herr Hermann wieder in der Stille an und der liebe
Freund ließ ihn nicht zum Worte wenigstens nicht zum Ende kommen
    Sie sind ja unterbrach er ihn munter und gesund  frisch und gesund hab
ich Sie nie gekannt
    »Eben darum weil ich munter und gesund bin«
    Recht Es sieht uns nicht vor der Stirn geschrieben
    »Vor der Stirn«
    Sie fochten lang in die Luft bemerkte mein Waffenträger Benjamin von dem
ich dies alles hab ehe sie zusammentrafen
    »Ein Himmelbett« sagte Hermann allein da man einen Sarg eben so gut wo
nicht besser als ein Brautbett ein Himmelbette nennen kann so erwiderte der
Tischler »Schöner Ausdruck« Der gute Tischler konnte den Sarg nicht aus dem
Sinn und Gedanken bringen und selbst da ihm Hermann ziemlich laut er war
hitzig geworden gesagt hatte »Ein Brautbette« schüttelte der Tischler noch
den Kopf  und dies Schütteln war dem Hermann widriger als das vorige
Missverständnis vom Himmelbett und von der Stirn und von munter und gesund
    In Rücksicht der Jahre hätte freilich Hermann eher an Sarg als an Braut
oder wie man es gewöhnlich in Kurland nennt an ein Himmelbette denken können
wenigstens hätte Hermann der ein Weib wie unsere Mutter gehabt eine andere
der Seligen  und ihm anständigere Wahl treffen sollen Ich will um aller
Parteilichkeit auszuweichen an seine Tochter nicht denken obgleich auch
Töchter wenn sie wie Mine sind hiebei einen Blick verdienen
    Seine Schöne war eine Person die sich in der Nachbarschaft Gott weiß wie
ein kleines Vermögen erworben hatte Der Unterricht der Kinder ward dem Hermann
in der Länge zu beschwerlich und es ist freilich eine andere Sache
Kinderlehrer und eine andere Hofnarr zu sein Dies war die Ursache warum er
zuweilen zu sehr für die körperlichen Übungen war und die Kinder ohne
Unterricht ganze Wochen hinschleudern ließ Hiedurch litt sein guter Ruf Seine
Selige wusste alles zum Besten zu kehren Nach ihrem Tode war er sich ganz und
gar allein überlassen und das hieß an der Hand eines schlechten Führers sein 
Die Schuljugend trieb sich um und der Lehrer desgleichen Kurz Hermann war
wieder auf der schlimmen Seite und lebendig tot ja wohl lebendig tot
    Ich will mir sagte Hermann einen ruhigen guten Tag machen eigentlich
wollte er sich diesen ruhigen guten Tag für baar Geld kaufen ohne zu bedenken
dass Ruhe nicht feil sei Immer noch überzeugt dass es besser sei ein Schneider
als ein Hofnarr zu sein blieb des Hermanns Losung zwar
    Gottlob die Zeiten sind vorbei indessen war er doch fest entschlossen aus
einem Hofnarren ein Stocknarr zu werden Der Unterschied ist ungefähr wie
zwischen Postbote und Nachtwächter
    Magdalene so hieß die Schöne quaestionis war nicht abgeneigt mit diesem
Manne zu ziehen Sie hatte nicht ermangelt weit und breit herumzublicken und
ihr Augennetz auszuwerfen allein sie hatte nichts gefangen sie hatte um die
Sache deutlicher zu machen nicht abgesehen dass sich ein anderer mit ihr in
diesem Leben einspannen würde  Magdalene weinte herzlich so oft sie an den
seligen gnädigen Herrn dachte dessen gnädige zurückgebliebene Wittwe so
herzlich nicht über diesen Verlust weinte Dies machte Aufsehen in der ganzen
Gegend die nur eine solche Kleinigkeit von Anlass brauchte um laut zu sagen
was jeder längst und schon bei Lebzeiten des seligen gnädigen Herrn da
Magdalene noch nicht so herzlich weinen durfte gedacht hatte Man machte über
diese Tränen der Magdalene bittere Anmerkungen so dass da der größte Teil
davon an die beiden Weinenden kam Wohlstandes wegen Magdalene weniger als die
nachgebliebene Frau Wittwe zu weinen anfing Der wunderbare Wohlstand
    Es hatte der Herr Gemahl der Frau v E in seinem letzten Willen die
feierliche Verfügung gemacht dass seine Gemahlin und Mamsell Dene so ward
Magdalene im ganzen Hause und überall genannt sich nicht von einander trennen
sondern beisammen bleiben sollten bis sie der Tod schiede Das war ein neuer
Gegenstand zu Anmerkungen welche die ganze Gegend machte sobald das Testament
eröffnet war Die Frau Wittwe die vor der Eröffnung des Testaments und
vorzüglich bei Gelegenheit der Tränen den Plan gemacht hatte Denen in allen
Gnaden zu verabschieden war jetzo wie sie sich ausdrückte gezwungen diese
Klette am Kleide zu leiden Sie sah es also im Herzen sehr gern dass Herr
Hermann Denen die Aufwartung machte Zwar hatte sie sich so fest an den Willen
ihres verstorbenen Gemahls gebunden dass sie keine Trennung von Denen möglich
glaubte indessen glaubte sie durch Denens Umgang mit Hermann wenigstens die
Szene zu verändern und der Nachrede eine andere Wendung zu geben Einen
Rechtsgelehrten hatte sie nicht das Herz darüber zu Rate zu ziehen  Es gibt
Krankheiten die man nicht gern entdeckt Dene fand von dieser Seite nicht die
mindeste Schwierigkeit wohl aber war ihr bedenklich dass sie die
Ehescheidungsstrafen wenn sie den Aufstand anheben sollte zu tragen würde
angewiesen werden Wenn aber die Frau v E anfinge dachte Dene was könntest
du nicht für Bedingungen vorschreiben  Dene sah wohl wie überlästig sie der
Wittwe war sie mochte mehr oder weniger weinen als sie Wenn Dene also nach
dieser ihrer Verbindung mit dem Herrn Hermann gefragt ward war ihre Antwort
Sie belieben zu scherzen oder ich bitte tausendmal um Verzeihung oder mir
fehlt ohne den Herrn Hermann nichts auf der Welt Rot zu werden hatte sie
entweder schon längst verlernt oder hatte es nie gekonnt Es blieb also ihre
Verbindung mit dem Herrn Hermann problematisch Die Nachbarschaft pflegte die
gnädige Frau und Denen zu nennen Sara und Hagar  Sowohl Sara als Hagar
ärgerten sich über diese Beinamen ohne gegen einander sich diese Ärgernis
merken zu lassen
    Magdalene hatte seit ihrer vieljährigen Praxis alle Kniffe auf einem
Schnürchen wodurch unser in Liebesangelegenheiten abergläubisches Geschlecht
gefesselt gehalten werden kann so dass es noch diese Fesseln als Ordensketten
verehrt  Sie hatte den alten Herrn erst äußerst verliebt gemacht und war ihm
in allem  wenigstens ein Viertelmeilchen ich rede von deutschen Meilen 
zuvorgekommen Auf einmal eine andere Dekoration Wer A sagt muss auch B sagen
war bei Denen keine Regel und alle ausgelernte Koquetten denken so Der alte
Herr hatte durch eine überaus gefällige Aufnahme in dem Hause der Sara sich das
Wohlleben so angewöhnt dass wenn auch nicht die körperlichen Übungen seine
Schuljugend die wie Schafe in der Irre ging zerstreut hätten diese guten Tage
sich mit den Schulstunden nicht länger vertragen haben würden Was sollte der
alte Herr anfangen Der Unterhalt den ihm seine verstorbenen Witzprincipale
zugestanden hatten war klein und zum Teil ungewiss Dene hatte nach der
Meinung des alten Herrn mit Herzen Mund und Händen A gesagt allein nun war
sie nicht aus der Stelle und bei weitem nicht zum B zu bringen vielmehr schien
sie zuweilen gar das A zurückgehen zu wollen wenigstens ward aus dem großen A
ein so kleines dass man es beinahe dafür nicht ansehen konnte  Ich habe
dachte der alte Herr das unreine Wasser ausgegossen ohne reines aufgefangen zu
haben  obgleich er wirklich reines Wasser ausgegossen hatte um unreines zu
schöpfen   Dies machte ihn äußerst verlegen allein diese Scharten wetzte er
zu Hause aus und Mine die arme Mine hätte nicht in Ägypten mehr ausstehen
können als bei diesem wetzenden Vater der reines Wasser ausgegossen hatte und
keinen Tropfen unreines auffangen konnte seine Zunge zu kühlen denn es ging
ihm wie dem reichen Mann in seinem Präludio Der Frau Sara Gnaden welche sich
auf dergleichen Wendungen meine Mutter würde Ränke und Schwänke geschrieben
haben wohl verstand suchte dem alten Herrn Trost zuzuneigen und ihn wenigstens
durch guten Frass und Suff zu stärken und zu festigen seine Last zu tragen 
Dene blieb indessen halsstarrig beim kleinen ganz kleinen a und so wie kein
Unglück allein sondern paarweise kommt so musste es auch dem Amtmann S
einfallen um Denen in einem Brief ehe ihr Trauerjahr noch um war förmlich
anzuhalten  Diesen Amtmann der ohnehin in den nämlichen Jahren des Hermanns
sich befand obgleich ihn kein Zipperlein plagte würde Dene um alles nicht
einem Literatus unerachtet dieser Literatus den kalten Brand hatte vorgezogen
haben indessen konnte ihr nichts erwünschter kommen um den Herrn Hermann
völlig aufs Haupt zu schlagen  Hermann litt zusehends denn er war in das Geld
der Dene sterblich verliebt  So wenig Herz auch der alte Herr hatte so würde
er doch mit diesem Amtmann eins versucht haben nämlich in Briefen wenn nicht
die gnädige Wittwe den glimmenden Docht der Hoffnung in dem Herzen des alten
Herrn angefacht hätte  Zwar brannte es sehr schwach indessen brannte es doch
 Zu keiner kleinen Freude des alten Herrn veranstaltete die Wittwe einen Besuch
beim Herrn Hermann So viel Ehre ihm dieser Besuch war so wusste er doch nicht
wie er seine Gäste aufnehmen würde  Der Frau Sara Gnaden wollten mit wie
hätte auch die viel Ehre und Tugend belobte Jungfrau Magdalene ohne eine solche
Bedeckung zu einer los und ledigen Mannsperson kommen können Die Frau Sara war
jetzt ihre feste Burg in welche sie sich zu werfen Willens war wenn die böse
Nachrede sie verfolgen würde  Im Herzen konnte ihr nichts willkommener als
dieser Vorschlag sein denn sie wollte gar zu gern ihr künftiges Bleibchen
kennen lernen und auch ihre Stieftochter von der so viel Gutes gesagt ward
Übermorgen also  Der alte Herr beurlaubte sich sogleich und reiste mit
Freuden und mit Kummer zu seiner Wohnung
    Mine Mine Mine das arme von einem Briefe an mich verscheuchte Mädchen
kam und erfuhr die große Neuigkeit von dem Heil das diesem Hause widerfahren
sollte Der Stolz machte ihren Vater verdrießlich denn es war nicht nach
Herzenslust in seinem Hause eingerichtet  überall blickte Dürftigkeit hervor 
Würde nicht die Hoffnung auf Denen dieser Leidenschaft Zaum und Gebiss angelegt
haben die arme Mine was hätte sie nicht noch mehr ausgestanden als sie
ausstand  Das arme Mädchen das viel zu edel war um ein einziges Wort von
ihren häuslichen Verfassungen gegen mich auch nur fallen zu lassen das sich in
alles schicken konnte das selbst auch ihren Bruder Benjamin obgleich er das
Schneiderhandwerk lernte zu dieser Denkungsart hinauf gestimmt der um alles in
der Welt willen nichts von meinem anexoy kai apexoy angenommen hätte dies arme
Mädchen sollte zu meinen Eltern gehen  und borgen damit die hohen Gäste wie
Hermann sie nannte übermorgen wie es sich eigne und gebühre aufgenommen
werden könnten Verzeihung Vater das kann ich nicht sagte Mine sehr gefasst
Hermann stampfte wütete und tobte bis ihm Mine endlich einen Plan vorlegte
der ohne dass geborgt werden dürfte zu bestreiten wäre  Mag es  antwortete
er wiewohl noch unwillig  mag es  denn er konnte es Minen nicht verzeihen
dass sie zu meinen Eltern zu gehen verweigert hatte Er gab ihr wiewohl unter
Hieroglyphen zu verstehen dass sie meinetwegen dieses Schrittes wegen die
Peinlichkeit eben so nötig nicht hätte  Mine verstand nicht bloß was er
sagte sondern auch was er dachte indessen verschwieg Hermann meinen Namen
vorsichtig und da Mine ihren Plan gut einzukleiden wusste überwand ihn die
Hoffnung Magdalenens Reichtum zu überzählen endlich ganz  Die Freude nahm
Oberhand und diese verführte ihn Minen seine Heirat rund aus zu entdecken
Das gute Mädchen hörte keine Neuigkeit allein sie konnte nicht umhin ihm im
Hintergrunde des Gemäldes das so schön in seiner Erzählung aussah die Fehler
zu zeigen Die Sache war indessen nach ihrer Meinung zu weit gekommen als dass
sie sich lange bei diesen Fehlern im Hintergrunde verweilte
    Mine hatte durch ihrer Hände Arbeit sich schon seit der Zeit dass ihr Vater
Denens wegen die Schulanstalten aufgehoben beinahe allein erhalten  Jetzt
brachte sie von diesem ihrem kümmerlich ernähten Verdienst von freien Stücken
etwas in den Plan zur Aufnahme ohne sich einst darüber ein Verdienst zuzueignen
und es dem Vater zu entdecken Das gute Kind  Der feierliche Tag erschien den
Sara und Hagar zum Besuch bestimmt hatten Der alte Herr konnte diesen Mittag
nicht essen nicht trinken er blies selbst den Staub ab wo er noch Staub in
dem Zimmer entdeckte und vergaß so sehr dass er Literatus war dass er Holz
gespalten haben würde wenn es auf diesen Umstand bei s Plan angekommen
wäre  Er trug nicht tagtäglich Manschetten allein er legte sie wie die
Pastoren den Kragen in die große Bibel um die Manschetten in Züchten und Ehren
zu erhalten Diessmal nahm er ein ganz neues Paar allein dem unerachtet musste
Mine sie ihm noch aufbügeln und da sies ihm nicht zu Dank machte vollendete
er dieses Werk selbst So lang wie des Himmelsbürgers waren die Manschetten
Hermanns nicht allein Hermann war auch in Wahrheit nicht wert meines Vaters
Landsmann in dem allerentferntesten Sinne zu sein
    Mine hatte Tannenreiser und Kalmus in die Zimmer gestreut und mit Wachholder
geräuchert da Hermann eben mit den Augen seinen Gästen entgegengelaufen war
Dies musste alles bis auf das letzte Wölkchen Rauch das sich im Zimmer herumzog
 heraus sobald Hermann wieder kam weil es wie er sagte in großen Häusern
nicht mehr Sitte sei Tannen Kalmus und Wachholderrauch zu riechen Man
spritzt fuhr er fort die Zimmer mit wohlriechendem Wasser aus um den Staub
eben hiedurch niederzuschlagen Die Nase des alten Herrn fand nachdem schon
alles aus dem Zimmer war noch so einen gemeinen und wie er ihn nannte
Koriandergeruch dass er durchaus Modeweihwasser verlangte um es auszusprengen
Mine konnte ihm damit nicht dienen  sie hätte gern das Grüne im Zimmer
beibehalten
    Es schlug die Stunde da er seine Gäste erwartete und da man nach
Ortsumständen sie mit Grund erwarten konnte allein vergebens  Hermann
obschon er einen Boten ausgesandt hatte um ja den hohen Gästen weit genug
entgegenkommen zu können konnte sich nicht entbrechen auf die Zinne des
Tempels zu steigen Es konnte bei dieser Gelegenheit nicht fehlen dass seine
Unter und Oberkleider obgleich er die letzten durch einen Mantel von
Glanzleinwand in Obhut genommen vom Staub angegriffen wurden  Er hatte nichts
von seinen Gästen entdeckt und das war sehr natürlich Wenn der gute Mann sein
höchst unzulängliches Gesicht zuvor übermessen so hätte er diese Mühe sparen
und den Mantel von Glanzleinwand in sanfter Ruhe lassen können  Er war von
unten bis oben zu beschäftigt sich wieder zu reinigen und zu läutern und
zitterte an Händen und Füßen und über Leib und Leben wenn er was rauschen
hörte Da sind sie schrie er und lief und kam wieder und lief noch einmal und
kam noch einmal wieder Obgleich Mine die heute wohl Marta hätte heißen
können ihm eben so oft als er lief und wieder kam »der Bote« nachschrie so
war er doch in einem solchen Gedankenconcurs dass er nicht aus noch ein wusste 
Endlich nachdem er schon eine halbe Stunde rein und sauber wie aus einem
Schreinchen gezogen dastand der Bote  Wie ein Blitz war er fort »Noch eine
halbe Viertelmeile« auch die halbe Viertelmeile hielt ihn nicht  Er flog 
Regine das Hausmädchen schrie ihn diesmal bei aller seiner Eile zurück
unfehlbar glaubte er dass Mine ihm noch eine Frage zu tun hätte
    Wollen Sie sagte sie auf lettisch nicht den Glanzleinwandsmantel
überziehen  Keine Furie kann wütender werden als unser alter Herr ward und
nun hätte ihn nichts zurückgebracht nichts 
    Sie kamen  Mine war höflich ohne sich wegzuschleudern Sie hatte mich vor
Augen und im Herzen  und der alte Herr konnte nicht aufhören mit Gebärden ihr
zu verstehen zu geben dass sie zu wenig viel zu wenig täte  Er das wissen
ja meine Leser war ein Regenwurm
    Die gnädige Sara hatte so viel mitgebracht dass Minchens wohlgemeinter Plan
völlig vereitelt ward Die hohen Gäste hätten dünkt mich wenn es auch nur der
guten wohlmeinenden Hand Minchens wegen gewesen wäre sich zu demjenigen
bequemen können was dieses gute arme Mädchen des Hausfriedens halber zum Teil
von ihrem Nähgelde angerichtet hatte allein Sara und Hagar waren viel zu stolz
um sich so tief herabzulassen
    Minchen hatte den Einfall Gleiches mit Gleichem zu vergelten und nichts von
dem Mitgebrachten anzunehmen allein konnte sies ihres Vaters wegen Er winkte
so lange bis sie nahm und aß  Nun hätte er zu winken aufhören können und
sollen allein er setzte es fort und wollte durchaus dass Mine sich den Magen
verderben sollte Das tat sie nicht  Es war ein unbeschreiblicher Stolz
womit diese Antiken Sara und Hagar über Minen herfuhren Dass sie nicht von den
natürlichen wohlgemeinten Speisen nahmen würde den beiden Damen endlich zu
verzeihen gewesen sein allein es war unverzeihlich dass sie sich über Gottes
Gaben herüberbogen und die Nase rümpften  Sie maßen Minen hundertmal mit ihren
Augen und hier und da hielt sich der Blick auf als ob er ein Plätzchen
gefunden hätte das wert wäre ein wenig anzuhalten Dies alles war Minen
unerträglich Sie durfte nicht hundertmal auf und abblicken um dieses Paar
völlig zu übersehen und ihre Überlegenheit zu fühlen  Die Wittwe Sara tat
einige Fragen an sie Womit sie sich die Zeit vertreibe Ob sie einen Liebhaber
hätte Ob sie auch die Küche verstünde Anzusehen setzte sie hinzu ist es
nicht  Ihre Hände sind so küchenrein als einer Dame von Stande  Nicht wahr
liebe Dene  Dene enthielt sich aller Fragen allein man konnte es deutlich
bemerken dass sie sich solche in bester Form Rechtens vorbehielt Ihre Stunde
hatte noch nicht geschlagen
    Das abgebohnte Klavier brachte die hohen Gäste auf die Musik und die gnädige
Sara auf die Frage ob Minchen musikalisch wäre Mine beantwortete diese Frage
mit der ihr eigenen Bescheidenheit  Obgleich die hohen Gäste keinen Beweis in
wie weit sie musikalisch sei begehrten so bestand doch der alte Herr darauf
»Mine sollte singen und spielen« da er es seinen hohen Gästen so nahe legte
bestanden sie auch darauf denn eine Bitte war es noch lange nicht  Etwas
Bekanntes sagte er denn er wusste wohl dass ein Präludium wenn es Hand und Fuß
haben sollte bei ihm vierzehn Tage zuvor bestellt werden musste  Mine sang und
spielte weil sie singen und spielen musste  Es war indessen keine Dedication
an die hohen Anwesenden Wenn diese Damen Gefühl gehabt hätten sie wohl den
Vogel im Bauer gehört Indessen hatten die hohen Gäste weder so seine Ohren
noch so seine Herzen
    Dene hatte ein Paar Strahlen der Hoffnung auf den alten Herrn fallen lassen
die ihn entzückten
    Übermorgen erwarte ich meinen Sohn sagte die gnädige Sara zum Hermann Sie
werden doch so gut sein und zu uns kommen Minen fuhr es in alle Glieder Mir
war es wie sie schreibt als ob Sara hinzusetzen würde Bringen Sie Ihre
Tochter mit  Ihre Befürchtung war vergebens Der Stolz ließ diese Bitte nicht
zu
    Noch ein paar Blicke von oben bis unten und dann wieder von unten bis oben
ohne dass der Blick Minen die Ehre tat irgendwo zu weilen und nun  Gott
bewahre Sie mein Kind  Ein gewöhnliches Kompliment Mine schreibt »Mir war
es als hätte ich gesagt Vor solchen Leuten  ich erschrak allein ich hatte es
nur herzlich und von ganzer Seele gedacht« So ward hier und so wird jederzeit
das Gesetz erfüllt Unrecht straft seinen eigenen Herrn
    Der alte Herr war in Seelenangst auf welche Art ohne sich zu viel
herauszunehmen er die gnädige Wittwe in den Wagen bringen sollte  Endlich
legte er Hand aus Werk  Mit Denen ward er geschwinder fertig Sie hatt ihm
Mut und Leben eingeflößt  Er wollte durchaus zu Pferd und den hohen Gästen
vorreiten allein sie verbaten es der üblen Nachrede wegen und also begnügt
er sich sie wieder bis auf die Stelle zu begleiten wo er sie entgegengenommen
    Froh kam er zu Mine allein dies konnte die Strafpredigt nicht abwenden die
er ihr hielt viel zu wenig viel zu wenig sich gebückt gesungen gespielt und
gegessen zu haben
    »Und wie gefällt dir diese Frage außer allem Zusammenhang wie gefällt dir
Dene«
    Wie sie mir gefällt
    »Wie sie dir gefällt«
    Da sie meine Mutter werden soll  »Das ist sie schon« unterbrach er Mine
wegen der paar Strahlen von Hoffnung die sie auf ihn geworfen hatte  so ist es
Pflicht  »diese Antwort erwart ich von Minen«
    Es ist schwer schreibt Mine sehr schwer wenn man eine so gute Mutter
gehabt einer Dene als Mutter zu huldigen und wäre das vierte Gebot nicht 
    Der alte Herr verfehlte nicht der Einladung der gnädigen Sara gemäß sich zu
rechter Tageszeit einzufinden und wer hätte das gedacht Der Herr Sohn der
Madame Sara war kein anderer als der Herr v E der französische Curländer
welcher kriechend und stolz für und wider sich und gewiss auch Freund und Feind
eines jeden Menschen war je nachdem es die Umstände gaben  Der Affe mit den
Halbstiefeln Der alte Herr fand ihn schon da er ankam und machte tausend
Umstände dass er ihm nicht entgegengekommen
    Der Teufel Herr wo haben Sie wissen können dass ich kommen würde
    Die gnädige Mama
    Wir waren beim Herrn Hermann ich und Dene fing die gnädige Mama an Dank
Herr Hermann für alle erzeigte Höflichkeiten  Für den schönen Sang Ihrer
Tochter Das ist wahr Herr Hermann Sie können sich was auf solch eine Tochter
einbilden Ist es Ihre rechte Tochter Ein hübsches Mädchen Nur scheint sie mir
die Finger nicht in kaltes nicht in warmes Wasser zu stecken  Ihre Hand fasst
sich wie Atlass an
    Da war unser Ankömmling wie ein Geier auf die Taube
    Ich liebe schöne Hände gnädige Mama die nicht kalt und warm vertragen die
sich wie Atlass anfassen lassen wann sind Sie zu Hause Herr Hermann
    Wenn Ew Hochwohlgeboren befehlen
    Ich will meiner Mutter nicht die Ehre allein lassen Sie besucht zu haben
denn in Wahrheit es kann kein Mensch ein größerer Liebhaber von einer schönen
Hand oder von der Musik sein das ist beinahe einerlei als ich
    Die Wittwe v E ich habe sie lange genug und bis zum Überdruss meiner
Leser Sara genannt machte ihrem Sohne Vorwürfe dass er sie so lang auf sich
hatte warten lassen Dein Brief aus Königsberg 
    Schönste Mutter Frau v E hörte dies gern ich fand in Königsberg noch
dies und das und Sie wissen wohl wenn man dies und das findet so kann man so
geschwind nicht  Wir wissen das dies und das wobei Herr v E um und in
Königsberg vor seiner Rückkunft nach Kurland noch zum Ritter zu werden den
Beruf hatte nicht zum irrenden denn hiezu hat er keinen Ansatz
    Deine Mutter aber hättest du über dein dies und das nicht vergessen sollen
sagte die Frau v E
    Vergessen Schönste vergessen  Noch unterwegs traf ich ein hübsches
liebes Kind und sagen Sie selbst wie kann man eine schöne Gegend sehen und
nicht wenigstens darauf atmen und sich freuen dass man atmen kann Die
gnädige Wittwe holte sehr tief Atem und ward durch diese und dergleichen
Unterredungen die alle ergaben dass Herr VE ein großer Verehrer von schönen
Gegenden war zur eigentlichen Materie gebracht Du weißt mein Kind fing sie
an was dein seliger Vater wegen des Fräuleins S noch bei seinen Lebtagen
berichtigt  Du weißt dass dein Herz und deine Hand vergeben sind und wenn du
diese Gegend die dir bald eigentümlich zugehören soll mehr in Erwägung
gezogen ich wette du hättest deine Mutter nicht so lange warten lassen  Im
Testament denkt er an diese deine Verlobte welche dich mehr liebt als du dir
vorstellen kannst Sein letzter Wille setzt fest  hier nahm sie ihren Sohn um
sich mit ihm dieses Testamentswegen zur vertraulichen Unterredung
einzuschliessen
    Hermann hatte Gelegenheit mit seiner Dene eine gleiche vertrauliche
Unterredung anzustellen bei der es beinahe bis zum B gekommen wäre Es war
dieses im eigentlichen Sinn für Hermann ein Schäferstündchen  denn er liebte
er liebte brennend  nicht Denen sondern das liebe Ihrige und davon sollt in
dem gegenwärtigen Stündchen gehandelt werden  Es fiel sehr auf dass die Frau
v E sich mit ihrem Sohne nicht seiner Heirat wegen eingeschlossen Diese
diente nur zum Vorwand und Überrock Dene war die Hauptrolle Hermann empfand
den glücklichen Vorfall dass sich die Frau v E und ihr Sohn paarten denn wo
ein vertrautes Paar sich sondert da gibts mehr
    Sehen Sie nur Herr Hermann fing Dene an es ist bei alle dem eine eigene
Sache mit dem Testament ich bin mit der gnädigen Frau wie getraut wir können
es nicht der Tod soll uns scheiden
    Das dächt ich sagte Hermann hätte nichts zu sagen
    Ein Testament
    Eine Ehescheidung
    Recht lieber Hermann
 Hermanns Herz sing diesen Ball und freute sich wie sich ein Kind freut wenn
                           es den Ball gefangen hat
    Nun meine Englische
    Aber die Scheidungsstrafen
    Das ist zu machen
    Und wie
    Und wie Sie gibt Ihnen ein Jährliches so lange Sie leben
    Wenn sie will
    Sie muss wollen
    Wenn ich zur Scheidung Anlass gebe
    Wenn auch  Im Herzen glaub ich steht sie nicht ungern 
    Dass ich gehe  Dies ist auch meine Hoffnung
    Zu der meinigen gehört mehr
    Was mehr
    Sie meine Englische
    Lieber Hermann ich dacht eben dran
    O wie glücklich bin ich
    Ich dacht eben wenn die Frau v E diese Pension nur auf meine Lebenszeit
beschränkt so würden meine künftigen Erben 
 Hierbei hätte dem Hermann angst und bange werden können indessen deutet er
  diese Erben wie es auch wohl gemeint zu sein den Anschein hatte auf sich
    O Englische o Gütigste Sie denken auch nach Ihrem Tode  Er weinte denn
das ward ihm nicht schwer Ein Mensch wie er hätte beim Worte Tod heulen und
zähnklappen sollen allein es waren diese Tränen wie alles an ihm war Seine
Empfindungen waren Kunst Sie ergossen sich nie sie wurden nur durchs Druckwerk
getrieben Er hatte beides Lachen und Weinen in einem Behältnis  wie man
wollte wollte er mit
    O den werd ich den werd ich nicht überleben
    Dene welcher unfehlbar der selige gnädige Herr beim Überleben einfiel
fing auch bitterlich zu weinen an Hermann deutete dieses auf sich und umfasste
ihre Knie und  da hörten diese Turteltauben die zurückkommende Frau v E und
ihren Sohn das Testament in der Hand
    Jedes Dene und Hermann gingen an ein ander Fenster Es hatte sich schon
jedes etwas kalt gewordenes Teewasser aufs Schnupftuch gegossen um desto
gründlicher alles zu verwischen
    Herr v E wandte sich da er zurückkam das Testament noch in der Hand zu
Denen  Da find ich liebe Dene fing er an eine närrische Klausel  Hat der
Teufel je so was gehört zwei Frauenzimmer sollen sich verheiraten  Sie haben
mir nie was Böses getan liebe Dene und noch bei meines Vaters Leben wo Sie
im Hause was galten habe ich alles Liebe und Gute es versteht sich in allen
Ehren von Ihnen genossen  allein so weit geht die Erkenntlichkeit nicht und
so nah sind wir mit Ihrer Erlaubnis nicht verwandt dass meine Mutter eine
Person im Hause ertragen sollte die ihretwegen gar nicht ins Haus kommen
sollen Sie verstehen mich doch Dene
    O ja sagte Dene
    Sie haben also Ihren Abschied
    Frau v E Ohne dass Sie sich eben übereilen dürfen
    Herr v E Heute morgen übermorgen
    Dene Und wegen meiner treu geleisteten Dienste
    Frau v E sah ihren Sohn an als ob sie sagen wollte Hab ich es nicht
gedacht
    Herr v E Es wird sich finden 
    Frau v E die herzlich froh war dass sie Dene so auf gute Manier ohne
einst einem Rechtsgelehrten dessfalls zu beichten los war fiel ihrem Sohne ins
Wort Dene soll nicht drunter leiden  Wir werden darüber eins werden
    Dene küsste der Frau v E die Hand und dem Herrn v E desgleichen und so
war also Herr v E ein trefflicher Executor testamenti
    Hermann erzählte diese Geschichte da er heim kam seiner Tochter Minen 
Denn er war außer sich  Kein Stein des Anstoßes mehr auf dem Wege zu Denens
Herzen  aber ein großes Aber blieb ihm im Herzen stecken weil es noch nicht
berichtigt war was Dene zum Abtrag haben sollte Minen ergriff eine große
Angst Sie hatte beständig Ahnungen  In dem Augenblick schreibt sie da mein
Vater den v E aussprach noch eh er ihn aussprach wußt ich dass Herr v E
zu uns kommen würde nur wer er war wußt ich nicht halb nicht ein Viertel
    Den achten Tag so lange hatte sich Hermann wegen kleiner podagraischer
Anfälle die ihm sehr ungelegen kamen zu Hause gehalten langte Herr v E wie
er schwor der Musik wegen an und nebenher zu sehen wie Hermann sich befände
Mine tat einen heftigen Schrei da sie den Herrn v E sah Er aber nachdem er
sie durchs Glas betrachtet fand sie allerallerliebst  und das sagt er ihr so
ohne Rückhalt als ob sie zum Kauf stände wo jedem Vorbeigehenden frei steht
ohne Umstände allerliebst zu sagen
    Es blieb bei diesem Allerliebst nicht Sie war im Negligé und da fand er
das Band am Busen so sehr der Jahreszeit angemessen dass man es nicht besser in
Paris hätte wählen können  Er packte seine drei Gläser durch alle drei hatt
er sie gesehen ein und schien es dazu anzulegen Minen mit seinen leiblichen
Augen zu erreichen Er war fertig sie in nähern Augenschein zu nehmen Da nahm
Mine ihre ganze Gewalt im Auge zusammen um ihn zur Erde zu sehen  Er fühlte
diesen Blick obgleich er ein ganzes rundes Jahr in Paris gewesen war und er
kam wieder zurück zu seinen drei Gläsern und zum Allerliebst Von dieser Stelle
hätt ihm das Auge der Tugend selbst nicht wegblitzen können  Mine hatte
nichts mehr nötig als diesen Zwitter von Franzos und Curländer zu sehen um
ihn unausstehlich zu finden  Sie würd über den ersten Sterblichen mich nicht
vergessen haben Sie war ganz mein Sobald sie diesen Gecken gesehen hatte sah
sie was sie oft gesehen dass ihre Ahnungen nicht immer träfen  Ein Geck
dieser Art kann nicht schwer zu entfernen sein dachte sie und in Wahrheit sie
dachte sehr richtig denn mich dünkt nichts ist einem jeden gutdenkenden
Mädchen leichter als einen Stutzer der ein Jahr in Paris gewesen auf seine
Grenze und zu seinen drei Gläsern zu bringen  ich weiß wohl wer unverschämter
ist
    Es ist mir unbekannt ob meine Leser schon einen curischen Franzosen gesehen
haben Wert zu sehen ist er Franzos und Curländer reimen sich als
Chapeaubashütchen und Stallmeisterstiefel als Sonnenschirm und Jagdtasche
    Ich habe schon die Ehre gehabt den Herrn v E als meinen Nebenbuhler zu
präsentiren und jetzt kennen ihn meine Leser noch obenein
    Herr v E konnte nicht ein Auge oder eigentlich ein Glas von Minen
lassen  Er war außer sich steckte die drei Gläser an ihren Ort und kam
wieder an das der Jahreszeit so angemessene Band am Busen das man in Paris nicht
besser wählen können  Mine warf ihn auch wieder mit einem Blick zu Gottes
Erdboden  den Elenden der nicht wert war dass ihn die Sonne beschien  Dem
Kuss zum Abschiede ward ihr schwer zu entgehen sie entging ihm zwar indessen
singen ihre Ahnungen wieder ihr Recht zu behaupten an  Hermann selbst schien
die Freiheiten die sich Herr v E herausgenommen zu missbilligen Diesen
Schein dedicirt er indessen bloß Minen hinter des Herrn v E Rücken 
Übrigens verstattete das Podagra dem Hermann nicht so hart er sich gleich
stellte den Herrn v E so weit zu begleiten als seine Geburt es mit sich
brachte und wegen dieses Umstandes konnt er nicht aufhören um Verzeihung zu
bitten
    Schon den folgenden Tag ward Hermann zur Frau v E gebeten allein er
konnte von diesem Ruf erst den dritten Tag Gebrauch machen  Hermann war noch
nie so bitterbös aufs Podagra gewesen als diesmal
    Herr v E hätte beinahe wie er sich ausdrückte den Verstand über Minen
verloren  Dazu glaub ich zwar würde wenig erforderlich gewesen sein weil
er gewiss keine große Summe zu verlieren hatte indessen sah man aus allem dass
so bereist er gleich war er selten eine so schöne Gegend als Minchen gefunden
obgleich er ein ganzes rundes Jahr in Paris gewesen
    Da er ohne und mit den drei Gläsern gesehen dass Minchen kein bonum vacans
erbloses lediges Gut wobei der Dieb galgenfrei stehlen kann sondern zu
tugendhaft wäre um sein Allerallerliebst zu beherzigen so fand er nötig
einen andern Weg einzuschlagen und diese Festung nach seinem Ausdruck die
nicht im Sturm überging durch List einzunehmen
    Nachdem ich das Testament fing er an genau erwogen find ich Ihre
Scheidung von Denen so leicht nicht gnädige Mutter als zuvor
                        Hermann und Dene gegenwärtig
    Das dacht ich wohl erwiderte Frau v E in ihrer Unschuld Ein Testament
ist ein Testament  Es ist der Wille eines Vaters eines Gemahls der letzte
Wille  und ich glaube nicht dass Sie sich von Denen so leicht zu trennen im
Stande sind
    Die Frau v E würde mehr gesagt haben wenn nicht der Herr Sohn dieses
Drama in Gegenwart Denens und Hermanns aufgeführt Die Mutter schrieb diesen
Umstand auf die Rechnung seines Leichtsinns allein er gehört auf ein
unwürdigeres Blatt auf die Rechnung einer niedrigen List Es war dieses Drama
Ausdünstung eines bösen Herzens Die Mutter blinzte bald mit dem rechten bald
mit dem linken Auge allein der Sohn ließ den Vorhang nicht fallen das Glück
hatte seine fünf Aufzüge  Dene und Hermann hörten wie natürlich auf Er machte
dem Hermann auf den es bei dieser List angelegt war so bange dass er stehenden
Fußes Minen verraten und verkauft hätte wenn er damit dem Testament eine
günstige Wendung geben können Dies war das Ziel nach welchem Herrn v Es Rede
gerichtet war
    Je mehr seine Mutter bei dieser Sache abbrach desto weitschweifiger ward
er Sein Auge lag auf der Erde und konnt also dem Winken der Frau v E nicht
begegnen  Die Mutter nahm ihn endlich bei der Hand  er küsste die Hand und
fuhr fort  Wollen wir nicht allein sagte sie  Warum schönste Mutter
antwortet er es sind ja unsere Freunde
    Seht was ist Recht und Unrecht Wachs in einer warmen Hand du aber
gerechter Gott siehst auf alle die auf Erden wohnen
    Nach einem sehr ausstudirten Vortrage aller der Schwierigkeiten warum Dene
nicht das mütterliche Haus verlassen könnte sucht er mit Fleiß eine
Gelegenheit den Hermann allein zu sprechen um ihn vollende in sein Netz zu
ziehen Herr v E tat da er diese Gelegenheit hatte als ob sie ganz von
ungefähr gekommen oder wie man sagt vom Himmel gefallen wäre
    Nötig hat er nicht den Hermann über Denen auszufragen denn alles war
gegendkundig indessen fing er an von Denen als von einer Sache zu sprechen
bei der man wenig oder nichts verlöre Dies wirkte  Er brachte den Hermann
immer weiter bis er ihn endlich so weit hatte dass er zu allem Ja zu sagen warm
war nur Dene musste von diesem Ja abhängen Was meinen Sie sagte Herr v E
würd Ihre Tochter wohl Denens Platz vertreten  Kurz Mine sollte Dene werden
 Ein Engel ein Teufel Hermann nahm nicht nur den Apfel vom verbotenen Baum und
aß sondern riss noch einen ganzen Ast mit Er dankt in tiefster Untertänigkeit
für die gnädige Versorgung und es ward auf Treu und Glauben verabredet und
abgeschlossen dass Mine die erledigte Stelle der Dene einnehmen sollte
    Bösewichter warum starrte nicht euer Kopf da ihr diese Verräterei diesen
Mord dachtet und eure Zunge da ihr ihn ausspracht Hermann deine Tochter die
Gerechte kannst du verraten und verkaufen Minen die dir nicht mehr zugehört
sondern mir Minen
    Herr v E brachte den Hermann krumm und gebückt zu seiner Mutter Er trug
die Sache öffentlich vor das heißt in Gegenwart seiner Mutter und Denens die
nun wohl einsahn warum Sie lächelten beide allein sie fanden die Sache an
sich sehr überdacht  Die Frau v E hatte nur noch die eine Bedenklichkeit
dass ehe Mine Dene würde ihr Sohn sich mit dem Fräulein S verheiraten sollte
Es ist nicht darum sondern darum sagte die gnädige Mutter  Sie behauptete
dergleichen Dinge zu verstehen und endlich nach vielen Zweifeln und
Auflösungen blieb es dabei dass er sich ehe Mine zur Frau v E zöge
wenigstens öffentlich verlobt haben müsste Wer die Beistimmung des Hermanns zu
diesem Morde für Übertäubung gehalten wird jetzt auf diese Entschuldigung
Verzicht tun und  was vom Hermann denken Zu Anfange sollte Hermann dem unter
dieser Bedingung sein Ja gegeben war s Ja abholen  Dene musst unter
dieser Bedingung B sagen allein dieser Plan ward abgeändert Herr v E
entschloss sich selbst in hoher Person s Ja abzuholen  Wenn gleich Minchen
nicht eher Dene wird sagt er als bis ich verlobt bin so kann ich doch mit
ihr den Kontract vollziehen und ihn um eine feste Bindung zu haben verkitten
Warum nicht fragte Hermann alles fragte ihm nach Das Strategem dachte Herr
v E kann nicht fehlschlagen und du Hast das süße Vergnügen Minen Ja sagen
zu hören  »und wenn ichs auch nur durchs Glas hören soll  Wer hört nicht
gern MädchenJas  Ich will hin«
    Herr v E machte jetzt einen ganz andern Auftritt als im ersten Akt Der
Knoten war geschürzt Wer den Vogel im Käfig hat bedarf keines Vogelleims Ohne
ihr Band am Busen der Jahreszeit angemessen zu finden ohne die Exclamation
aller allerliebst trug er Minen die auf diesen Antrag nicht im mindesten
vorbereitet war das bewusste Brodstellchen an  Vielleicht würd ein weniger
kluges Mädchen als Mine drei Schritte zurückgetreten und Bedenkzeit nachgesucht
oder wohl gar Ja gesagt haben obgleich es an sich immer ein falscher ein
Pariser Zug war diese Anwerbung selbst und nicht durch gute Männer auf
deutsche Weise zu tun  Mine sagte Nein  Ein so offenes Nein ein so kurzes
und gutes Nein dass Herr v E nicht weiter das Herz hatte auf ein Ja bei
diesem hartschäligen Mädchen wie er es zu nennen pflegte zu bestehen Hermann
war bei dieser Anwerbung nicht gegenwärtig  Herr v E der von Minen Ja dies
Wortspiel von Ja denn sie sollte den Worten nach Ausgeberin Gesellschafterin
werden hören wollte fand sie auch schön beim Nein Er küsste ihr die Hand 
brennend
    Ich beklage sagt er und wusste nicht von sich selbst ich beklage meine
Mutter meine liebe liebe Mutter meine schöne Mutter die schönste die ich
kenne Es fährt mir durch Mark und Bein wenn mein Finger noch so leise den
ihrigen tippt Eine aller aller allerliebste Mutter Der Saum ihres Kleides
macht mich schon glücklich  Sein Auge redete weiter  Es war so unverschämt
so ungezogen als möglich Viele Leute glauben zwar dass man mit dem Auge nicht
ungezogen sein könnte  Die Pariser
    Hermann reiste mit und kam sobald Herr v E zu seiner S abging wieder
heim Er tat Minen eine Frage die ihr durch die Seele ging Wie gefällt dir
der Herr v E fing er an  allein Mine die das vierte Gebot wusste und auf die
Frage wie ihr Dene gefiel   »als Mutter« antworten konnte besaß keine
Fassung auf diese außer dem Gebiete des vierten Gebots liegende Frage wie ihr
Herr v E gefiel zu antworten Sie vergaß hiebei den Vater im Kuppler und
sprach so gewaltiglich so zudringlich dass sie den Hermann aus aller Fassung
setzte  »Solch einen Antrag« fing Mine an ihre Zunge war feurig »solch
einen Antrag mir War ich denn auch nicht einmal eines gefirnissten eines
verkleideten wert Musste mir denn dieser Entwurf ganz wie er war und nicht
einmal gekrümmelt dargelegt werden Mir  Zwar wäre mir die Bosheit auch in
ihrer Larve nicht entgangen ich hätte das Gift auch im Wein erkannt und wenn
ich zu schwach gewesen wahrlich Gottes Engel hätten mir den Vorhang
aufgezogen wenn er noch so künstlich wäre gewebt worden aber diese
Dummdreistigkeit im Laster  Gott«   Sie reckte ihre Hand weit gen Himmel
um sich durch diese Vollmacht zu der guten Sache zu berechtigen sie sprach im
Namen der Tugend als ihre Machtaberin und Hermann rang die Hände schlug an
seine Brust und versprach sie nicht zu verraten und zu verkaufen sie nicht zu
vertauschen auch selbst  was konnt er mehr versprechen auch selbst  »wenn
ich drüber Denen verlieren soll«
    Diese Bussandacht bewegte Minen sie fiel ihm um den Hals sie weinte sie
betete sie versprach ihn mit ihrer Hände Arbeit zu ernähren und ihren Bruder
der bald aus der Lehre treten würde zur Beisteuer zu bequemen um ohne Denen
leben zu können »Diese Hände« sie faltete sie und sprach so feierlich als wenn
sie einen Eid ablegte »diese Hände sollen Tag und Nacht arbeiten«  Hermann
war wirklich bewegt »Ist Ihnen der Unterricht der Kinder schwer Sie können ja
nicht bloß ein Mundwerk sondern mehr als ein Handwerk«  Pfui sagte der alte
Herr so gerührt er auch war Mine wollte das Handwerk dieses Pfuis wegen
verreden allein Hermann ließ sie nicht vom Fleck Handwerk fuhr er fort Wie
kannst du mir ein Handwerk vorrücken Was hab ich denn für eins getrieben Die
Schneiderei an ihren Ort gestellt wo ich doch auch kein Kleid keinen
Überrock sondern Sachen verfertigte die nicht ins Auge fielen Brusttücher
und so was  Von Stiefeln Schuhe von Schuhen Pantoffeln künsteln heißt das
Schustern Und etwas aus Ton drechseln heißt das Töpfer sein Ich war damit
dus einmal für allemal weißt Freischneider Freischuster Freitöpfer so wie
viele von unsern hochwohlgebornen Herren wenn sie von Reisen kommen Freimaurer
sind Mine gab sich alle nur ersinnliche Mühe ihren Vater zu beruhigen allein
vergebens Er konnt ihr das Handwerk nicht verzeihen Und die Schule fuhr Mine
fort Auch nicht erwiderte Hermann der nicht Kommissbrod essen wollte wenn er
magenverderbendes Gebackenes haben konnte Du weißt sagt er ihr dass wir die
letzte Zeit jährlich eingeschustert haben  gern hätt er dieses Wort
zurückgehabt  Du weißt   Mine weinte  Sie leitet ihren Vater auf Gott
den Brunnquell aller Gnaden Wie ein Vater sich erbarmt über seine Kinder so
wird sich Gott erbarmen über uns wenn wir ihn fürchten  wenn wir auf seinem
Wege wandeln seine Rechte halten und danach tun Ich will Nacht und Tag zu
Gott empor rufen Ich will eine Nähschule halten ich will beten und arbeiten
bei Brod und Wasser  Ich will alles alles versuchen was ehrlich und recht
ist vor Gott und Menschen   Aller Augen warten auf den Herrn Er gibt Speise
zu seiner Zeit er tut seine milden Hände auf sättigt alles was lebt bis auf
die himmelschreienden Raben Sind wir denn nicht so gut als sie  Mine sagte
dies mit solcher Zuversicht dass Hermann ihr nicht weiter den Vorschlag von
Mundund Handwerk nachtrug
    Hermann wiederholte sein Versprechen langsam bedächtig als schwör er
einen Eid Minen zu behalten auch wenn er Denen drüber einbüßen möchte
    »Wie hätt ich« schreibt Mine »ihm Glauben verweigern können  Das Blut
das mir bei dieser Szene zu Herzen schoss redete für ihn«   So weit konnt es
Mine nicht bringen dass er nicht mehr nach   zur Frau v E reiste
    Wer hingeht sagte Hermann muss zurückgehen indessen wiederholte er mit
einem feierlichen Gott anrufenden Blick sein Versprechen Es war gleich den
folgenden Tag nach seinen Brustschlägen nach seinem Blick oder welches
einerlei ist nach seinen Schwüren dass er zur Frau v E dringend geladen ward
Mine nahm Gelegenheit da sie ihren Vater auf dem rechten Wege hatte ihm unsere
Verbindung so deutlich zu machen dass nur noch die Worte fehlten Ich bin mit
Alexander verlobt wir sind Eins  Mit Fleiß öffnete sie ihm Aussichten
wodurch er Denens wegen entschädigt werden sollte und glaubte sie wie sie
schreibt ihn im Geistlichen und im Leiblichen gewonnen zu haben So
unbescheiden Hermann in dergleichen Fällen war so hascht er doch nach keiner
Sylbe mehr von mir als ihm Mine gab Diese Bescheidenheit leistete Minen
Bürgschaft für alles  Vergessen Sie Ihre Tochter nicht sagte Mine da er von
ihr Abschied nahm Gott wird Sie auch nicht vergessen wenn Ihnen Hilfe Trost
Rat  not ist Es bleibt erwiderte Hermann und schwur wieder mit einem
Blick
    Um also zurückzugehen ging Hermann nach  und Mine war voll guter
Hoffnungen und diese gab sie so sehr sie gleich das lange Ausbleiben des
Vaters befremdete doch noch den ganzen Tag den Abend die Nacht den folgenden
Mittag nicht auf
    Da aber Hermann auch den Mittag drauf noch nicht nach Hause kam stiegen
wieder Wolken oder Ahnungen auf Sie wartete noch bis Mittag des folgenden
Tages und nun war es Minen mittagsklar dass ihr Vater so viel Zeit nicht
bedürfe um zurückzugehen Gegen Abend ein Brief von Hermann  Mine wusste
schon ehe sie ihn öffnete was drin war und meine Leser werden es auch wissen
    »Ich bin krank komm deinen Vater zu sehen denn vielleicht stirbt er
damit er dich segne«
    Das war der abscheuliche Inhalt eines Briefes den ein Mann schreiben
konnte in dessen Mark Gichtgift verborgen lag das oft eh er sichs versah
aufgährte der mit feierlichen Gott anrufenden Blicken geschworen hatte  O
Hermann konntest du so mit dem väterlichen Segen spotten und so mit dem Tode
und so mit Eiden
    Mit diesem Brief kam ein sehr gemeines Fuhrwerk um alles desto
glaubwürdiger zu belegen  und die Sache desto klüglicher zu machen Man wollte
durch diesen Einfall den vorigen zu plumpen Plan ausputzen und in einem elenden
Zimmer Schildereien aufschlagen
    Mine schrieb sehr kalt an ihren Vater bedauerte seine Zufälle kommen würde
sie nicht die Ursachen müssten ihm erinnerlich sein sie hoff er würde sein
Versprechen erfüllen und hiemit leben Sie wohl
    Dieser Brief machte dem Hermann natürlich sehr viele Mühe um sich
herauszuwinden denn er hatt aller seiner Beteuerungen unerachtet auf den
ersten gegenseitigen Angriff alles alles aufgeopfert alles  Das Wort von der
Hoffnung dass Hermann sein Versprechen erfüllen würde das Mine eingestreut
hatte machte seiner Hermeneutik die meiste Mühe Herr v E sowohl als Dene
wollten daraus herleiten dass er zweien Herren diene Dieser saure Schweiß bei
der Auslegung brachte den Hermann wider Minen auf eine höchst ungerechte und
unnatürliche Art auf Nun hatt er mit genauer Not diese Briefstelle gerettet
und die hohen Anwesenden überzeugt dass er nur einem Herrn diene und nun war
ihm auch nichts heilig Der Satan fuhr in ihn Er wollte Gift mischen und wußt
es nur nicht anzufangen  Er entdeckte meine Verlobung mit Minen als den
einzigen Grund ihres Neins  Die Sache ward im ganzen Zusammenhang genommen
und nachdem er meine Mutter meinen Vater und mich Herr v E erinnerte sich
meiner haarklein in Lebensgröße dargestellt so ward beschlossen meiner Mutter
s Liebesverständniss mit mir zu entdecken ihr einen von meinen Briefen in
der Urschrift beizulegen und Minen alle Auswege abzuschneiden den Stricken so
vieler Teufel zu entkommen
    Arme arme Mine
    Hermann kam um seine Krankheit desto wahrscheinlicher zu machen und Minen
desto sicherer ins Verderben zu stürzen erst nach drei Tagen nach diesem
unglücklichen Brief an gerechnet nach Hause Was Mine während dieser Zeit
ausgehalten ist unbeschreiblich Die erste Beschäftigung Hermanns nach seiner
Rückkehr war einen von meinen Briefen an Minen zu entwenden Dieser Vorposten
macht ihm keine Mühe weil Mine von dieser Seite nichts befürchtete Vielleicht
kühlt ihn dieser Umstand oder vielmehr die Vorstellung dass Zorn die gute
Sache verderben könne Seine Maske war Güte und Freundlichkeit Eine leichte
Rolle für einen Bösewicht Der entwandte Brief ward sogleich an die Behörde
nämlich an meine Mutter und zwar in Begleitung eines anonymen Briefes versandt
    Ich weiß nicht ob meinen Lesern mit einem Teile des anonymen Uriasbriefes
gedient sein werde womit diese Rotte Minen bei meiner Mutter anschwärzte um
ihr die letzte Trostquelle zu stopfen Hermann war dabei der Fähnchenführer
denn obenein rächt er sich so an meiner Mutter ohne dass sie wusste von wannen
es kam
                                       
    »Da lesen Sie selbst hochzuehrende Frau Pastorin Sie kennen Bild und
Überschrift  wahrlich ein unwürdiger Sohn einer so würdigen gottesfürchtigen
Mutter die genug für ihn gebetet und gesungen hat So viel ist indessen gewiss
dass er nicht der Verführer sondern der Verführte ist Retten Sie seine Seele
die im Argen liegt und machen Sie dass er sie aus dem Argen ziehe und in seinen
Händen trage  Die ganze Gegend und vorzüglich die in derselben so seine
Predigt angehört ziehen über ihn die Achseln Man glaubt er habe Wilhelminen
ein lebendiges Andenken zurückgelassen Das wolle der Himmel nicht Indessen
war aus den Worten Mann und Weib du und du auf ein dergleichen im
Verborgenen gebildetes Andenken dem Sie hochzuehrende Frau Pastorin gewiss den
Namen Grosskind entziehen würden nicht unsicher zu schließen  Das beste ist
Wilhelminen  den Kauf aufzukündigen und ihr bei Hängen und Würgen alles
Einverständnis mit dem Herrn Sohn zu untersagen der in Königsberg nichts tut
als Wilhelminen schriftlich lieben Man weiß aus sicherer Hand « Genug ich
kann nichts mehr abschreiben
    Mein Brief an Minen den Hermann entwendet hatte und her diesem
Schleichhandel den Schein des Rechts beilegte war wie gewöhnlich treu und
herzlich  Die Stelle
    »O Mine o Weib du bist mir wie gegenwärtig und alles alles ist mir
gegenwärtig Denkst du auch dran wenn wir uns die Augen küssten als tränken wir
sie aus wenn ich deine Hand so fest an mein Herz hielt dass du jeden und den
allergeheimsten Schlag drin fühlen konntest den Puls der Liebe «
    Diese Stelle klammerte meine Mutter ein und nahm sie in frommen Beschlag
Zur Seite schrieb sie »Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner
Übertretungen gedenke aber mein nach deiner großen Barmherzigkeit« 
Überall wo Weib stand zog sie einen Strich als zöge sie einen Vorhang
    Mine konnt es nicht über ihr Herz bringen sich nach dem Befinden ihres
Vaters zu erkundigen Er dagegen hatt auch kein Herz an seine Krankheit zu
denken Hermanns Gesicht war bei aller angenommenen Freundlichkeit so
durchsichtig dass Mine wörtlich ihr Schicksal daraus abnehmen konnte
    Er fing die Lobrebe auf Herrn v E mit dem Eingang an Wir haben uns
geirrt Mine Irren ist menschlich Wir haben uns geirrt Herr v E ist nicht
der Herr v E den wir glaubten sondern ein ganz anderer Herr v E Der Text
der Lobrede betraf seine Verlobung mit dem Fräulein S und seine erd wand
band niet und nagelfeste Liebe zu ihr
    Ost kam die Verlobungserzählung so unzeitig dass Mine mehr als zu deutlich
sehen konnte was diese Wiederholung sagen wollte  Nach einer Weile fing er
an Du kannst nicht glauben mein Kind wie du dich durch deine Tugend dem Herrn
v E empfohlen hast er hat zum ersten und zum zweitenmal ein Geschenk für
dich in der Hand gehabt allein du hast ihm so viel Achtung eingeflößt dass er
es nicht wagen dürfen 
    Ein Geschenk warum das
    Beim Geschenk liebes Kind fragt niemand warum
    Mine konnt und wollte nicht ihren Vater an seine Schwüre erinnern Sie
zitterte
    Wenn sich zu seiner Zeit ein Kandidat fände der dich heiraten wollte fuhr
Hermann fort er sollte gewiss nicht lange auf ein Pastorat warten dürfen  Hat
der Herr v E Pastorate zu vergeben fragte Mine bitter  Das nicht allein
die Konnexion der Edelleute unter einander 
    Wieder nach einer Weile Magdalene wird meine Frau Das war nicht der erste
Blitz der Minen durchs Herz ging  Meine Frank wiederholte Hermann ob du
aber ihre Tochter werden willst hängt von dir ab  die alte gnädige Frau will
dich  du sollst nichts mit der jungen Herrschaft zu tun haben Herr v E
heiratet das weißt du doch
    Ja sagte Mine ich weiß 
    Wieder nach einer Weile Er will wenn dus verlangst noch herkommen und
sich wegen seines Antrages bei dir entschuldigen den er dir sehr unzeitig
getan Seiner Mutter kam dieser Antrag zu
    Ich sollte denken sagte Mine 
    Und dann wieder nach einer Weile Er sieht seinen Fehler ein
    Mit oder ohne Glas erwiderte Mine so bitter so todesbitter dass das weise
Hofmännchen ganz aus dem Koncept kam
    Mine war in einer schrecklichen Situation  Sie sagt ihr Plan wäre ihre
künftige Stiefmutter zu ehren nie ginge sie in den Hof Mein Leben setzte sie
sehr lebhaft hinzu und meine Ehre ist eins
    »So« sagte Hermann Ja Vater sagte Mine
    »Und weißt du auch « Er wollte zu drohen anfangen allein eben zu rechter
Zeit fiel ihm seine Maske ein er begnügte sich daher grossmütigst Minen den
Bettelstab Elend und Verachtung zu prophezeien
    Arme Mine edles unglückliches Mädchen ich empfinde was du empfandest 
und dürft ich doch nicht erzählen was Mine sehr natürlich noch weit
unglücklicher noch bedauernswürdiger machen musste
    Dies verfolgte unglückselige Mädchen entschloss sich in den Armen meiner
Mutter eine Freistatt zu suchen Sie war aufs Äußerste gebracht Sie schrieb an
sie Den Brief hat Mine mir nie gezeigt Es ist deine Mutter schrieb die
Holdselige und machte einen 
    Ehe sie aber diesen Brief abschicken konnte stehe da ein Brief von meiner
Mutter an Mine Die Wirkung des Uriasbriefes und seiner Beilage Dieser Brief
fing sich an
    »Es will verlauten dass Sie meinen Sohn verführt hätten und noch verführen
« und schon dieser Anfang lehrt dass meine Mutter dem Uriasbriefe seine
Schliche abgemerkt und den Verfasser für das was er war  einen
Schwarzkünstler gehalten Sie glaubte sein Hokuspokus vom lebendigen Andenken
nicht allein anstatt dass sie der verfolgten Mine ihrer so wohlgeratenen
Schwiegertochter die Hand geben und sie in Schutz nehmen sollen was tat sie
Sie verschwieg diesen ganzen Vorgang meinem Vater und wenn ich ihren Brief ganz
meinen Lesern mitteilen sollte würd ich der Achtung zu nahe treten die ich
meiner Mutter schuldig bin Sie ließ Mine aus besonderer Milde Vorzüge nur den
konnte sie ihr nicht zugestehen die Frau eines Pastors und die Schwiegertochter
einer so ahnenreichen Pastorin zu werden Es wäre nicht das erstemal schreibt
sie dass ein Kavalier ein armes Mädchen geheiratet hätte sie wünschte dass aus
Scherz Ernst und Mine die Frau v E würde denn unverhofft setzte sie hinzu
kommt oft
    Ein paar Stellen muss ich ungekürzt geben
    »Es wäre Stank für Dank wenn Sie die Nachbarsrechte so gewissenlos aus den
Augen setzen und meine grauen Haare so mit Schimpf und Schande hinab ins Grab
bringen wollten Ich habe etwas in originali gelesen auf dessen Rechnung eine
grau gewordene Stelle meines Hauptes gehört Ich weiß die Minute da sie grau
ward Gott verzeih dem Urheber dieses Etwas in originali die graue Stelle auf
meinem Haupte  Lasst alles ehrlich und ordentlich zugehen das dächt ich
hieße wohl ziemlich klar und deutlich die Tochter eines noch zu bezweifelnden
Literati könne meine Schnur nicht werden  Ich habe schwarz auf weiß und
verbitt alle Sprünge durch einen Reif alle Kunststücke der Entschuldigung und
kurz und gut alles und jedes zur Antwort die ich so warm als ich sie erhalte
zurücksenden werde Ihren Zuspruch muss ich noch aus einer andern Ursache mehr
verbitten auch selbst wenn Sie an der Hand meines Sohnes kämen würd ich für
beide über Feld gegangen und nicht zu Hause sein So was kann nicht geschlichtet
 sondern muss gerichtet werden Ungern hab ich an Sie geschrieben allein um
nicht Öl zum Feuer zu gießen und das allgemeine Gerede noch gemeiner zu machen
das ohnehin schon in fliegende Blätter ausartet wie eine Raupe in einen
Schmetterling  bloß darum dieser Brief der erste und der letzte
Sing bet und geh auf Gottes Wegen
Verricht das Deine nur getreu
Vertrau des Himmels reichem Segen
Und er wird jeden Morgen neu
Denn wer nur seine Zuversicht
Auf ihn setzt den verlässt er nicht«
    Da war nun Mine von aller Welt verlassen diese Gerechte Das Schwarz und
Weiß und das allgemeine Gerede und das Etwas in originali auf dessen Rechnung
eine grau gewordene Stelle gehörte die Gott dem Urheber verzeihen sollte waren
Mine unbegreifliche Dinge  allein die Hauptsache war desto begreiflicher 
Mine tat ihren Mund nicht auf  Zu meinem Vater sich zu wenden hatte sie kein
Herz  Es fiel ihr der Überfall im Wäldchen ein  Dieser hatte bei Mine etwas
zurückgelassen was sie hielt  Sie wollte schon allein sie konnt es nicht
vollenden O liebe liebe Mine warum nicht
    Als ich einem meiner Freunde aus freier Faust meinen Lebenslauf erzählte und
an diese Stelle kam bei der ich ihn fragte Haben Sie das von meiner Mutter
gedacht antwortete er Ja Freund denn sie konnte buchstabiren sie setzte
ihren Kasum und war fromm
    Ob mein Freund recht gerichtet mögen meine Leser nicht hier sondern über
ein Kleines beurteilen
    Herr v E kam jeden Sonntag in unsere Kirche Mine sah ihn nicht an allein
er sah sie und wie er sah das wissen wir schon Er verlobte sich wirklich mit
dem Testamentsfräulein den Sonntag darauf war er in unserer Kirche mit ihr und
trieb die Sache so weit mit Mine dass alle das Kirchengestühl wo Herr v E
saß und Mine in einer Reihe ansahen so dass mein Vater selbst ein paarmal ein
Wort zweimal sagen und ein anderes lang ziehen musste um sich auf das folgende
zu besinnen so sehr ward er gestört Mine hörte indem sie aus der Kirche ging
»Der Braut im Gestühl drückt er die Hand und von Jungfer Minchen ließ er kein
Auge Was ist besser Hand oder Auge«
    Hermann ward in dieser Verlobungszeit mit keiner Ladung beehrt allein dass
er mit dem Herrn v E in Verbindung war ergab sich unter anderm daraus weil
sie häufig Briefe wechselten weil Verschiedenes in die Küche kam wovon aber
Mine keinen Bissen aß und weil Hermann so gefällig gegen Mine tat dass sie
sich vollständig überzeugte es ging etwas vor
    Sie hatte schon oft an ihren Bruder in diesen Herzensnöten geschrieben
jetzt schrieb sie dringender und Benjamin kam Seine Ankunft konnte bei Hermann
um so weniger Verdacht erwecken da er selbst verlangt hatte dass sein Sohn zur
Schicht und Teilung kommen sollte Es ist unaussprechlich wie sich Mine
freute ihres Geliebten Bevollmächtigten ihrer Liebe Zeugen ihren Benjamin zu
sehen  Sie konnte sich nicht zurückhalten diese Freude vor den Augen des
Vates aufflammen zu lassen  schön wie ein Opferfeuer
    
    Mine entdeckte ihrem Bruder mehr als sie zu schreiben im Stande gewesen
und Benjamin kannte sie kaum wieder so sehr hatte sie sich verändert Arme
arme Mine rief er und sah sich um ob es auch Hermann gehört hätte  Die
ungewöhnlich starke Korrespondenz ihres Vaters mit dem v E fiel beiden zu
deutlich auf Zwar gingen alle Briefe
                                     An die
                                  Hochedelgeborne ehr und tugendbelobte Jungfer
                        Magdalene 
                                                              dienstfreundlichst
                        in 
indessen schien sie nur überhaupt das Feigenblatt zu sein Bald schreibt Mine
hatt ich Hoffnung es würd ein End gewinnen dass ichs könnt ertragen bald
verlor ich den letzten warmen Tropfen Mut  und ich zitterte über Leib und
Leben  So ging es auch dem Benjamin  Ohne dass dieser seiner Schwester etwas
davon sagte wer weiß ob sies zugegeben hätte entschloss er sich da Hermann
einen guten Nachbar besuchte  noch ward er nicht zum Herrn v E beschieden 
das Pult zu öffnen und eine Hand voll Briefe zu nehmen Er rief seine Schwester
»Lies« sagt er Sie konnte nicht weit kommen es überfiel sie eine Ohnmacht
nach wenigen Reihen Meine Leser sollen einen Brief ganz lesen und eine Antwort
ganz
                          Brief des v E an Hermann
    Herr Sie sollen nicht Denen haben und wenn ich Denen selbst heiraten
sollte ich selbst Hört der Herr wenn ich sie selbst sollte Ihr krummer
Buckel und Ihr Händedruck macht es nicht Für was ist das Ich bin Sohn und will
das väterliche Testament aufrecht erhalten Das will ich ich will das Der Herr
schreibt nicht hin nicht her nicht gehauen nicht gestochen Ich muss wissen
woran ich bin denn ich liebe Ihre bildschöne Tochter zum Entsetzen Unter uns
gesagt ich denk auch nicht dass Sie ihr Vater sind Minchens Mutter wird
sonder Zweifel so bildschön gewesen sein wie die Tochter noch ist und dessen
Gebeine mögen sanft ruhen der den Weg mit der Mutter ging den ich wenn ich
lebe und gesund bleibe mit der Tochter gehen will Das Mädchen hat Verstand wie
ein Engel oder besser wie ein Teufel Gegen mich ist sie ein Teufel Damit Sie
lieber Hermann sich alles zurückerinnern worauf es bei der Sache ankommt so
bitt ich ja nicht zu vergessen und zu versäumen Minchen alle zwölf Stunden
und wenn es auch öfter wäre zu sagen dass ich heirate und zwar aus
lichterloher Liebe Sie wissen es anders lieber Freund allein Mine braucht es
nicht anders zu wissen wenn ich nicht müsste  Es ist wenigstens ein zehnfaches
Muss das eilfte sag ich keinem als Ihnen meinem vertrautesten Freunde Ich
habe Reiseschulden und in kurzem werden ein halbes Dutzend a Datos eintreffen
Sehen Sie nur lieber Hermann um Sie recht von meiner ehrlichen und redlichen
Absicht zu überzeugen ich will das Testamentsfräulein und Minchen zu gleicher
Zeit mit einer Klatsche zwei Fliegen  Sagen Sie selbst wie mir bei der
Trauung zu Mute sein müsste wenn ich nicht auf den Trost Ihres Engels rechnen
könnte Ihr gutes Herz wird mich nicht verwahrlosen Alle Welt hat Holz zu
diesem Brande gelegt und nun verbrenn ich in dieser Flamme Ich weiß alle
Fehler bei dieser Sache denn sonst wäre Mine schon mein  ihrer stoischen
Tugend ungeachtet die eben so wenig wie heut zu Tage irgend eine Festung Stich
hält  Wir leben in überwindlichen Zeiten  Ich knirsche mit den Zähnen vor
Liebe und vor Wut dass ich so schlecht gespielt habe Wenn meine Mutter Minen
den Antrag getan hätt ich gewonnen Spiel gehabt allein alsdann könnten Sie
Freund Ihre Kunst nicht zeigen alles wieder in Ordnung zu bringen Kurz Herr
so wahr ein Teufel in der Hölle und ich ein Kavalier in Kurland bin das ist
viel gesagt Dene ist nicht die Ihrige wenn Minchen nicht die meinige ist Eine
Hand wäscht die andere Wird aber Mine Dene  Sie verstehen doch deutsch  so
sollen Sie von meiner Mutter nämlich von ihrem Wittwengehalt von Testaments
wegen so lange Dene lebt und wenn Dene eher als Sie stirbt noch so lange Sie
leben achtzig Taler Albertus haben Gelt das schmeckt Außerdem geb ich
Ihnen ein für allemal noch zweihundert Taler Albertus sobald Minchen sich zum
Ziele legt Die Kinder sollen als deutsche Leute erzogen werden wie mein
seliger Vater Denens Kinder erzogen hat Um die Sache Ihnen ganz auf ein Haar
deutlich zu machen ich verlange Minen nur her und Sie haben die Wette zum
größten Teil gewonnen Es müsste mit dem feuerspeienden Drachen zugehen wenn
ich nicht Minchen bewegen sollte  Nur her Herr Magister und das übrige wird
sich finden wie eine auswendig gelernte Predigt Wenn Minchen sich weigert wie
sich ein Ast weigert wenn man Kirschen pflücken will einhundert fünfzig Taler
Albertus wenn sie nichts hören und wissen will und doch herkommt hundert
Taler Albertus und bald vergessen Muss man doch dem Herrn alles zu Häcksel
schneiden   Die Kruste kann der Herr Bräutigam nicht vertragen darum Krume
wo nicht gar Pappe  Genug wenn Sie sich alle Mühe es versteht sich alle
erdenkliche geben Mine zu bequemen und man dennoch Nein schreit und weint und
klagt ist noch ein Mittel Ich denke doch Sie wissen was ein Kavalier in
Kurland vermag und dass er wie Könige lange Hände hat Drei verschwiegene
Kerls zu Hand und Spanndiensten sind auf einen Wink hier und dort und da 
Das Beste wäre Sie brächten Minchen her  Schlagen Sie vor was Sie für gut
finden sparen Sie keinen Fleiß Auch auf den Fall der drei handfesten Kerls
fünfzig Taler Albertus und in allen Fällen, wo nur Mine ist auch Dene Sonst
aber hol mich der Teufel nicht  ewig nicht  Der Herr soll wieder seine
Klippschule halten und seine Knackwurst essen und Kofent dazu trinken So was
von Minchen trifft man nicht so leicht Ich bin nicht etwa in sie verliebt ich
bin in sie verrückt und das kommt wohl zum größten Teil weil ich eben
Bräutigam bin und den Verliebten spielen soll eine verdammte Rolle bei einer
Braut die mir so unerträglich ist und die mir noch unerträglicher wäre wenn
ich nicht eine Mine hätte bei der ich mich erholen könnte Mine gehört alles
was ich der Testamentsbraut sage und wahrlich ich würd ihr nichts sagen
können ich würde vergessen was verliebt sein und verliebt tun hieße wenn ich
Mine nicht zur Übung hätte Wer s Tugend  Ist so etwas Tugend so ist
wenig auf der Welt  hol mich der Teufel  wenig  Ich schwöre nur für Eva
weil niemand als Adam da war  In Paris und an andern Orten essen die Schäfchen
aus der Hand Nur ganz zuletzt in Königsberg hab ich Ihnen ein Mädchen 
Mündlich mehr Einen so langen Brief hab ich seitdem ich schreiben kann nicht
geschrieben Wäre Minchen nicht der Inhalt so müsste mich der Teufel plagen so
viel zu schreiben Das Testamentsfräulein soll bei meiner Seele keinen über
sechs Reihen besitzen Haben Sie nicht was Gutes von Liebesbriefsteller damit
ich daraus ein paar Briefe für die S abschreiben kann Ich hab aus vielen
Gründen und auch darum an sie geschrieben weil ich dich kenne du verzagter
argwöhnischer Hund Nun hast du doch was Schriftliches in der Hand und kannst
mich vor allen Gerichten knebeln Neu ists bei alledem dass meine
Testamentsbraut die Kourtage für Minchen bezahlt Glaubt mir Hermann ich mein
es ehrlich mit Mine Man wird von Tag zu Tag älter und muss solid denken  Wenn
der Pastor uns S und mich traut lass Mine dabei stehen Dem
Testamentsfräulein geb ich zwar die Hand denn das bringt die Zeremonie so mit
aber Mine will ich ein ganzes Auge voll Jas schenken und hol mich der Teufel
ich will sie selbst ansehen wenn ich Ja zur S sage und dies Ja soll so leise
sein dass es der liebe Gott selbst kaum hören soll Mehr glaub ich kann
Minchen nicht zur Gewissensberuhigung fordern wenn sie Superintendentin wäre
und mehr kann sie nicht fordern wenn sie zehn Jahre Jura studiert hätte 
Dieser Brief muss zerrissen werden sobald er gelesen ist oder ich stecke dem
Herrn Hermann das Haus an Hat Magdalene nicht öfter Wochen gehalten als meine
Mutter Und einen Mund voll Zähne abgerechnet was fehlt ihr zur Ehre die Frau
eines Literatus zu werden Reinen Wein ober ich heiße nicht
                                                                         v E
    Wenn meine Leser die saubere Antwort auf diesen curischfranzösischen Brief
lesen wollen hier ist sie
        Hochwohlgeborner Herr und Gönner
            Gnädiger Herr Baron und Gönner
    Ew Hochwohlgeboren werden gnädigst zu verzeihen geruhen dass ich gleich
anfänglich in aller Ehrfurcht bemerke wie ich mich wohl zu bescheiden weiß an
Briefe von gnädigen Händen nicht gewalttätige Hand zu legen indessen ist
dieser hohe Brief für Minen wie verbrannt und noch ärger wie verbrannt da sie
nicht einmal die übrig gebliebene Asche sehen soll Es wird Ew Hochwohlgeboren
par renommée bekannt sein dass es mir nicht an Witz und Fähigkeit gebricht
indessen steht mir jetzo alles still und ich muss aufrichtigst bekennen dass ich
bei dieser Sache keinen Einfall anzubeissen weiß wenns mir das Leben kosten
sollte Die Ochsen stehen mit Ew Hochwohlgeboren Erlaubnis am Berge  Der
Auftrag womit Ew Hochwohlgeboren mich zu beehren geruht zeugt von so vielem
gnädigem Zutrauen dass ich beschämt bekennen muss nie auf so viel Gnade
gerechnet zu haben Minen verzeihen Ew Hochwohlgeboren dass ich mit dem Namen
meiner Tochter den Punkt anhebe es geschieht bloß in Aussicht der Ehre die ihr
vorsteht hab ich alles gesagt was ein redlich gesinnter Vater seiner ins
Verderben laufenden Tochter nur bei dieser Gelegenheit sagen kann Sie bleibt
indessen bei dem was Ew Hochwohlgeboren schon wissen Ich habe leise und laut
geredet sauer und süß Böses und Gutes gezeigt Finsternis und Licht was hats
geholfen Was die Tugend ohne Brod ist weiß ich leider aus eigener Erfahrung
und da Ew Hochwohlgeboren entschlossen sind sich zu verheiraten so fällt ja
alle Gelegenheit zum Verdacht weg welches in Absicht eines Mädchens nach
meiner wiewohl unmassgeblichen Meinung die ganze Mädchentugend ist Meidet den
Schein kommt mir als die ganze Mädchenordnung des Heils vor Es ist nichts
versäumt sie ist gebeten sie ist bedroht sie ist gesegnet ihr ist geflucht
allein sie bleibt bei ihrem Eigensinn Ich sag es ohne Ende und Ziel Herr v
E sind Bräutigam und da ich es ihr schon so oft gesagt habe tu ich als
sagte ichs zu mir selbst »Der Herr von E Bräutigam wies ihm doch lassen
wird« usw Es wär als mein Rat über drei Wochen so lange geruhen Ew
Hochwohlgeboren sich gnädigst zu behelfen zu uns zu kommen und noch Hochselbst
einen Besuch zu künsteln Wie würd ich mich freuen wenn er einschlüge Sollt
auch dieser Vorschlag vergebens sein so muss ich schon auf die drei
verschwiegenen Kerls votiren und werd ich alsdann mündlich Zeit und Ort zu
bestimmen die Gnade haben indessen bitt ich ihr diese Widerspenstigkeit nicht
nachzutragen sondern ihr sogleich zur bewussten Brodstelle zu verhelfen und mit
der Zeit sie ihrem Seelenhirten als Pastorin zu überliefern Ew Hochwohlgeboren
können sich ganz sicher darauf verlassen dass ich nicht zum erstenmal bei einer
solchen Gelegenheit wo drei verschwiegene Kerls dabei sind in Dienst gewesen
nur bei einer Tochter ich muss es zu meiner Schande bekennen dürft es mir
schwer werden falsch zu weinen und die Hände zu reiben Vielleicht kann ich
indessen so glücklich sein und mir die einhundert fünfzig Taler Albertus
verdienen daher wiederhol ich ganz untertänigst meine Bitte mir und ihr
annoch drei Wochen huldreichst nachzusehen Für die Nachricht von Magdalenens
glücklichen Niederkünften bin Ew Hochwohlgeboren ich ganz dienstlich verbunden
indessen wünscht ich doch ungefähr zu wissen wie oft sie Dero seliger Herr
Vater begnadigt um sie desto höher schätzen zu können Wiewohl ich ohne Stolz
glaube dass es ihr nicht gleichgültig sein könne dass sie einem Literatus zu
Teil werde Ew Hochwohlgeboren Bedienter hat sich sehr schön bei diesem Briefe
benommen Er verdient das Geschenk wozu Ew Hochwohlgeboren ihm bedingliche
Hoffnung gegeben  Meine Tochter ist auf keinen Schatten von Verdacht gefallen
und da ich wie ihr bekannt ist mit der Jungfer Dene in einem Liebesverständniss
stehe so kann es sie nicht befremden dass ich in dieser kritischen Zeit mehr
schreibe als ich sonst zu schreiben gewohnt gewesen Wenn Mine an Ort und
Stelle und was ich unter Ort und Stelle einbegreife zu sich selbst
zurückgekommen sein wird so wird sies einsehen wie redlich gut es Ew
Hochwohlgeboren mit ihr gemeint Ich weiß nicht was sie bei der heftigsten
Gewissenskolik anders kann ich die Stiche nicht nennen welche die Mädchen über
dergleichen Dinge zuweilen wenn ein Ungewitter aufsteigt befallen mehr
beruhigen könnte als wenn sie erwägt dass sie die Ehre gehabt in gewisser Art
selbst mit Ew Hochwohlgeboren getraut zu werden Das Auge ist doch wohl mehr an
Menschen als die Hand obgleich mir noch wohl bekannt ist dass Ew
Hochwohlgeboren eine weiße Hand nicht verachten wie es denn auch wohl zu seiner
Zeit ein Leckerbissen sein kann Übrigens rechnet Ew Hochwohlgeboren ganz
untertäniger Diener es sich zur vorzüglichsten Ehre dass Ew Hochwohlgeboren
ihn mit einem so langen Briefe zu beehren geruht Von Liebesbriefen im neuen
Geschmack ist mir wohl außer dem bewährten Talander nichts bekannt indessen
wenn es Ew Hochwohlgeboren gar zu viel Mühe machen sollte so steh ich sehr zu
Befehl und leg auch zu diesem Ende ein Pröbchen nach eigener Weise bei Wenn
Ew Hochwohlgeboren so viel Zutrauen zu mir hätten die Übergabe der Jungfer
Dene an mich gnädigst zu bewilligen ehe Minchen übergeben wird und ohne dass es
eben Zug um Zug ginge so könnten Sie ja Denen noch obenein den Eid abnehmen
dass Mine Ihnen allenfalls gegen einen Solawechsel Kontrakt Revers oder wie es
in den Rechten am besten und schnellsten gilt abgeliefert werde Dene würde
hiebei mehr als vier Kerls verschlagen indessen ist dieses nur ein
unvorgreiflicher Vorschlag über den ich nicht entrüstet zu werden ganz
untertänigst bitte
    Ich ersterbe nachdem ich die Hand des Gebers mit den aufrichtigsten
Wünschen dass es ihm reichlich wiedervergolten werde geküsst mit der tiefsten
Ehrfurcht
                              Ew Hochwohlgeboren
                                 meines gnädigen Herrn Barons und hohen Gönners
                                          ganz untertänigster Knecht und Diener
Wörtlich abgeschrieben von 
    abgeschickt den 
    Es fanden sich auch ein paar kurze Briefe worin Montags der Termin zur
Sühne angesetzt war Hermann wollt alsdann mitfahren und wiederkommen und dann
sollte der Überfall verabredet und Mine mit Gewalt fortgeschleppt werden Der
alte Herr wünschte nichts sehnlicher als dass er die hundert fünfzig Taler
Albertus verdienen möchte Bei diesen väterlichen Wünschen blieb es bis auf den
letzten Brief Hier schreibt er Ich tue jetzt auf alles Geld Verzicht wenn
Ew Hochwohlgeboren Minen gutwillig bereden können Ich habe sie ehegestern
durchs Schlüsselloch beten gesehen und gehört O gnädiger Herr ich würd ein
unglücklicher Mensch zeitlebens sein wenn diese Entführung übel für Minen
ablaufen sollte Um alles wünscht ich dass Mine nicht so kräftig so mächtig
als ich sie durchs Schlüsselloch sah und hörte wider mich beten möchte Da muss
Donner und Blitz wüten wowider sie betet  O gnädigster Herr Sie werden sie
wohl gutwillig an Ort und Stelle bringen
    Dass der Herr v E des Hermanns Vorschlag verworfen ihm Denen zuvor zu
geben und sie auf die Entehrung Minchens in Eidespflicht zu nehmen darf ich
kaum bemerken Herr v E müsste nicht in   in   und   gewesen sein wenn
er einem Eide hätte trauen sollen  und du Bösewicht kannst du so was auf
einen Eid aussetzen  Kannst du deine Tochter durchs Schlüsselloch behorchen
wenn sie mit Gott allein ist wenn sie betet   Gerechter Gott
    Nach diesem allen was konnte für ein anderer Entschluss gefasst werden als 
zu fliehen  Ohne Geld ohne Beistand Schrecklich Was hilfts aber dem
Menschen wenn er die ganze Welt gewönne und nehme Schaden an seiner Seele oder
was kann der Mensch geben damit er seine Seele löse  Mine war entschlossen
und Benjamin war Alexander  Mine dies war das Resultat sollte zu Fuß nach 
gehen Da würde Benjamin Wagen und Pferde besorgen und sie käm alsdann zu ihm
nicht zu seinem Meister sondern   und von da nach Mitau zu einem
Anverwandten ihrer seligen seligen Mutter Um alles desto geheimer zu machen
sollte Mine allein bis  Bon  wollte Benjamin sie bis Mitau begleiten  von
Mitau Mine wieder allein mit einem Fuhrmann nach Königsberg nicht zu mir  
Ach Mine Mine warum nicht zu mir sondern nach L  wieder zu einem
Verwandten ihrer seligen Mutter Von da aus einen Brief zu seiner Zeit an mich
dass ich käme und sie im Schoss ihrer Freunde spräche  Dieser Plan ward bebetet
und besungen Es bricht mir das Herz wenn ich daran denke Arme Mine ich hätte
wissen sollen Arme 
    Und wann fragte Mine  Dienstags Schwester Sonntags kannst du noch Gott
in seinem Hause anflehen dass er mit uns sei und vor uns her eine Wolkenund
Feuersäule ziehen lasse  Gott sagte Mine und rang ihre Hände aus denen ein
kalter Angstschweiß drang  Gott du weißt  Leite mich führe mich verlass
mich nicht  Ich gehe deinen Weg den Weg der Tugend ich hoff auf dich 
Vater und Mutter haben mich verlassen aber der Herr nimmt mich an Hier bin
ich mach es mit mir wies dir wohl gefällt Lass meine Seele wenn sie schwach
wird empfinden was geschrieben steht Fürchte dich nicht ich bin mit dir
weiche nicht denn ich bin dein Gott ich stärke dich ich helfe dir auch ich
erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit Amen
    Hermann war in Gedanken weggegangen und kam in Gedanken zurück In Wahrheit
er hatte Ursache zu denken
    Mine war nachgebend gegen ihren Vater ohne eine Lüge auch nur mit dem
Auge zu begehen dies brachte ihn zu Ruhepunkten  zu Hoffnungen hundert und
fünfzig Taler Albertus in der Lotterie zu gewinnen
    Benjamin drang auf die Berechnung weil er nicht Zeit hätte sich länger
aufzuhalten Es war dies Donnerstags Abends  Morgen sagte Hermann  Sie
berechneten sich Freitags und diese Berechnung währte keine Stunde Sein
Erbteil war auf den Fingern abzuzählen es war nicht viel Da Benjamin sehr
bat weil er der Gewerkslade Geld zu zahlen hätte ihm den wenigen Mutterteil
baar auszuzahlen so zeigt ihm Hermann die Unmöglichkeit  Ich will wenn du
es durchaus und durchall nötig hast an den Herrn v E schreiben mir dieses
Anlehen auf Abschlag Denens zu geben  Mine stieß ihren Bruder an der es
sogleich ausschlug Mit solchem Gelde sagten sie da sie wieder allein waren
würden wir nicht weit kommen  Benjamin hatte vor dieses Geld seiner Schwester
mitzugeben Jetzt musste der letzte Weg eingeschlagen und s Kleider und viel
von ihren Sachen welche ohne Aufsehen weggenommen werden konnten verkauft
werden Benjamin besorgte dies mit einer unbeschreiblichen Behutsamkeit Er
brachte zehn Taler Albertus zusammen Mine bat ihren Bruder herzlich zu bleiben
und ihr noch Montags beim Termin zur Sühne beizustehen allein er konnte nicht 
sondern befahl sie dem Schutze Gottes  Dein Mann sagte er ist Gottes
Liebling und du bist es auch ihr seid beide fromm Wie kann euch Gott
verlassen Euch seine Kinder  Sie weinten da sie schieden Zum letztenmal im
väterlichen Hause lieber Benjamin  wo ich die erste Träne weinte wo  sie
konnte vor Tränen nicht mehr  Auch Benjamin weinte   O Schwester fing er
an du warst von jeher weit  weit besser als ich Alexander und du haben mich
zum Menschen gemacht  Du warst nie böse Benjamin sagte Mine jetzt bist du
gut gut  Und dann wieder Du warst nie böse  O Gott fing Benjamin an wenn
ich denke wie du dich nicht bloß des Viehes sondern der Pflanze der Blumen
auf dem Felde erbarmtest wenn ich denke wie du dich nicht satt sehen konntest
an dem grünen Grase und an den gelben Blümchen wenn ich denke wie du mich
batest die Rinnen zu öffnen wenn sie verstopft waren damit das arme Wasser
wie du sagtest nicht aufgehalten würde wenn ich bedenke dass ich dir oft
dergleichen Bitten abschlug und dir den Rücken kehrte wenn du mir so was
Übermenschliches so was Himmlischgütiges batest wenn ich denke  Lass dies
fiel ihm Mine ein du warst nie böse denke vielmehr wo wir oft unschuldig
saßen und Salat für unsere fromme selige Mutter lasen und wo wir mit Alexandern
herzlich froh waren mit Alexandern Denk wo wir rote und weiße Johannisbeeren
pflückten und ich euch den Saft mit Zucker zubereitete und wir uns einander
sagten wenn es uns herzlich schmeckte zweierlei Wein roter und weißer Denk
an meine Liebe zu Alexandern und an seine zu mir Du bleibst hier Bruder Lass
mich jetzt Übergabe halten ich will alles in deine Hände geben
    Komm da liegt unsere Mutter begraben Ost habe ich hier gebetet oft Gott
gedankt denn hier hat er mich manche seelenfrohe Stunde leben lassen Sie
knieten beide aufs Grab und weinten bitterlich
    Ich nehme Abschied von dir o du mir liebes Grab  Sie bog ihr Haupt auf
selbiges als ob sies küsste O möchte ich wie die Selige ruhen die du
bedeckest liebe sanfte Erde O möchte ich  sie konnten beide nicht mehr
    Bruder ich beschwöre dich bei der heiligen Asche unserer Mutter die
auferstehen wird am jüngsten Tage dass du dies Grab ehrest Pflege es warte
sein  Gott erhöre dich wenn du hier betest  Gehe oft hin und wenn der
Vater Hochzeit hält vergiss nicht auf diesem Grabe zu weinen  Wenn dich Gott
aus Kurland ruft es ist möglich  gib dies Grab in die Hände deines
Vertrautesten beschwöre ihn wie ich dich beschworen habe dass er sein pflege
und warte O liebe liebe Mutter bald bald werde ich dich wiedersehen Ja
Benjamin bald werde ich sie sehen und sie von dir herzlich grüßen Du bist ihr
gut unserer Mutter  Hier wieder eine Tränenscene
    Lebe wohl liebes Grab lebe wohl bis an den lieben jüngsten Tag
    Ich übergebe dir diesen heiligen Ort wo ich mit Alexandern getraut bin mit
deinem Freunde Gott gab uns zusammen Menschen wollen uns scheiden  allein
sie sollen es nicht  sie sollen es nicht  Was meinst du Benjamin Benjamin
schluchzte »Sie sollen nicht«
    Hier ist der Ort wo er mich zum erstenmal küsste Sieh wie die Natur ihn
geschmückt hat  Es sind mir heilige Örter gewesen Du weißt wie mich
Alexander liebte  Ich weiß sagte Benjamin  So so lag ich in seinem Arm
wenn er mich küsste O seine Küsse Wahrheit und Leben waren in ihnen Ich sein
er mein Wenn ich was Liebliches gegessen oder getrunken hatte wovon der
Nachgeschmack noch auf meinen Lippen war fand er meinen Kuss nicht halb so O
der liebe lieb Junge Ich will dich so natürlich wie du bist sagte er und
ich wollte ihn auch so natürlich wie er war Wir liebten beide die Natur und
wahrlich die Natur liebte uns wieder Sie hat viel an uns getan Der Bach
spricht nicht Benjamin allein wenn wir zusammen gingen hörten und verstanden
wir ihn aufs genaueste Die ganze liebe gütige Natur sprach mit uns und alles
so zutätig so freundlich  O Benjamin alle diese heiligen Orte befehle ich
dir
    Hier Benjamin falte deine Hände denn die Stätte ist heilig Hier sah
Alexander mein Gesicht er sah mich im Mondenglanz wie er mich nach der
Auferstehung sehen wird in alle Ewigkeit  Dort sah ich ein Gesicht ich sah
Alexandern im Sonnenglanz  ich sah uns beide im Himmel ihn in Sonne mich in
Mond gekleidet  und meine Mutter zog mir das Sterbehemde ab und kleidete mich
ein zur ewigen Seligkeit  Diese Stätte Bruder ist heilig und jene Stätte ist
heilig  Amen Sie ist heilig sie ist Gottes Haus die Pforte des Himmels
Amen
    Die Orte wo wir in unserer Jugend froh waren da wir noch keinen v E und
keine Dene kannten lass sie dir empfohlen sein vergiss sie nicht Wir haben hier
den besten Teil gelebt glaube mir den besten Teil  Komm  Paulus war der
jüngste unter den Aposteln und doch ein auserwähltes Rüstzeug  Sieh hier
meinen Paulus dies ist der letzte Ort den ich in deine Hände befehle ich bin
zuletzt mit ihm vertraut worden der  unser Bekannter pflanzte diese Laube
seine Charlotte begoss sie  Hier bejammerte er sie da ihm seine Augen
aufgingen hieher wallfahrtete er täglich du weißt seinen Lebenslauf  seinen
stummen seinen bohrenden Gram  Gott hat seines Leidens ein Ende gemacht 
Diese Laube Bruder sei der Ort wo du deine Schwester beweinen kannst  O
hier sind schon viele viele Tränen vergossen worden  Gott lass es dir
wohlgehen lieber Benjamin wenn du heiratest Lehre hier in dieser Laube
deinem Weib ihre Schwester kennen und sage ihr dass sie unglücklich war Lehre
deine Kinder hier weinen Es ist eine schwere Sache Gott gefällig zu weinen 
Schreibe dir Benjamin alle diese Orte tief ins Herz und Gott setz mit dir 
mit meinem Alexander und mir
    So schieden Benjamin und Mine aus dem väterlichen Hause  Er reiste
Freitags gegen die Nacht
    Wörtlich von Minen
        »Sonnabends  den  «
    »Wie gerührt lieber Mann meiner Seele wie gerührt ich gestern war weißt
du besser als ich es dir heute sagen könnte O Gott wie sehr anders bin ich
heute Felsenhart ist mein Herz gallenbitter meine Zunge Weißt du von wann
an Vom Abschied an den mein Vater von Benjamin nahm Nach einer so warm
empfundenen Sonne ein kaltes Glückliche Reise an Benjamin und dann
hinterher Wenn du den Augenblick Geld zur Gewerkslade nötig hast will ich dem
Herrn v E drüber schreiben  Da fuhr all das unausstehliche Wesen das
Unwesen was ich noch diesen Augenblick an mir habe fuhr in mich«
    Liebe Mine kalt und warm bekommt dem Herzen so wenig als dem Magen In den
Worten Glückliche Reise sahst du deinen Vater ganz Alle Briefe des v E
alle Briefe deines Vaters  und nicht bloß die ersten wenigen Reihen die du
gelesen hast  bis auf die letzten letzten Hefen dachtest du diese Briefe
alle Briefe den ganzen höllischen Plan alles alles dachtest du dir und dir
ekelte vor dieser losen Speise
    Mine befand sich den ganzen Sonnabend in einer schrecklichen Lage Ihr Vater
hätte ihr das sturmlaufende Herz ansehen müssen wenn er ein Auge für seine
Tochter gehabt hätte Sie war mehr als unruhig ein Aufruhr in jeder Aber das
Blut schien alle Aderdämme brechen zu wollen Doch sie selbst
    »Gott sei gelobt und gebenedeit ich habe überwunden ich bin wieder ruhig
und wieder gut  O lieber Mann man hat mir erzählt dass ehe die letzte
Todesangst eintritt jeder Sterbende entsetzlich unruhig sei da er nichts
weiter kann soll er das Deckbett reißen  unsere Mutter riss es nicht  So
lieber Mann war ich gestern ich riss das Deckbett und warf mich grässlich bald
zur Rechten bald zur Linken  Allein nach dieser Unruhe folgt bei Sterbenden
was  der Name des Herrn sei gelobt Bei mir folgte  sanfte sanfte Ergebung 
Ich ging noch mit einem aufgewiegelten Herzen mit siedendem Blut  Alle Adern
schienen mir den Dienst aufzusagen und wollten springen  so ging ich in die
Kirche  zum letztenmal dachte ich Gewiss ein rührender Gedanke mir war ers
nicht  Ich fing an zu beten ich drückte die Augen dicht zum Gebet zu allein
konnte ich  Die Augen rissen sich los sie hielten nicht zusammen und ich
musste das Kirchengestühl ansehen wo der Verführer mich zur allgemeinen Störung
buhlerisch angesehen  Ich musste ich mochte wollen oder nicht ich sah diesen
Ort und wenn Teufel drin gewesen wären er hätte mir nicht fürchterlicher sein
können Ich denke Mein Liebster ein Unschuldiger den falsche Zeugen vom Leben
zum Tode gebracht sieht so den Richtplatz wie ich diesen Ort  ich sah deiner
Mutter Stuhl Verzeihe lieber Mann zwar sah ich keinen Teufel drin allein ich
dachte doch Arges in meinem Herzen Das eine fromme Frau das eine heilige
Sängerin dachte ich  da kam deine Mutter  Sie grüßte mich allein so
verstohlen als ob sie diesen Gruß vor der Gemeinde bergen und ja nicht merken
lassen wollte Das konnte wohl freilich meine Hitze nicht niederschlagen
Gottlob der Bösewicht blieb diesen Sonntag aus Es verzeih mir der
allbarmherzigste Gott mein steinernes Herz das ich in sein Haus mitnahm das
sich noch mehr versteinerte verfelsete«
    Schon beim Liede vor der Predigt
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt etc
fing dies Herz an fleischern zu werden und die Predigt o Gott welch eine
Arznei für mein Herz Es war recht als ob dein Vater von meinem Entschluss
wusste als wenn er mich mich predigte  Bis dahin war jede Nerve gespannt
kein Schlaf hatte die letzten zwei Nächte mein Auge gebrochen kein Gebet brach
es  es war starr  Mein Blut schlug Wellen O lieber Junge diese Predigt
bedrohte den Wind und das Meer und es ward ganz stille  ich sah dich da ich
deinen Vater den Boten Gottes sah Er kam herein der Gesegnete des Herrn er
stand nicht draußen der Name des Herrn sei gelobt O Mein Einziger ich
wünschte nicht noch solch einen Abend solch eine Nacht solch einen Tag und
solch eine Nacht und noch solch einen Morgen zu leben als vom Freitag Abend
bis zur Predigt  Eine Hitze und keinen Tropfen Wasser in dieser Hitze wo mir
die Zunge an dem Gaumen klebte Warum bat ich nicht Gott in dieser Dürre um Tau
und Erquickung Warum suchte ich nicht durch seine heilige Religion mich
abzukühlen und in die selige Fassung zu setzen in der ich jetzt bin wo es wie
im Frühling weder zu kalt noch zu warm ist Gott ist nahe allen die ihn
anrufen warum nannte ich ihn nicht im Geist und in der Wahrheit Vater da der
leibliche es ganz und gar aufgehört hatte zu sein Warum betete ich nicht um
Tränen Warum sang ich nicht mit Inbrunst
Gott gib einen milden Regen
Denn mein Herz ist dürr wie Sand
Vater gib vom Himmel Segen
Tränke du dein durstig Land
    Warum Ei können Ich mache mir jetzt Vorwürfe allein es ist als hörte
ich eine Stimme zu meiner Lossprechung Das Gebet ist auch eine Gabe Gottes und
Tränen sind ein unaussprechliches Geschenk Habe denn Dank Allgütiger dass ich
jetzt beten dass ich jetzt weinen kann Habe Dank für diese Gabe für dies
Geschenk Es ist das Schrecklichste mein Lieber das habe ich erfahren wenn
ein Vater zum Sohn glückliche Reise sagt und wenn er seine Tochter
verhandelt Habe Mitleiden mit deiner Mine wenn du dies liesest und Gott wird
es mit dir haben und dich nie solch eine Herzensdürre erleben lassen
    Gleich die erste Strophe
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt
Er machs mit mir wies ihm gefällt
wie empfing sie mein Herz Sie zogen sich ein diese Trostworte wie Tau auf
einer welken Pflanze
    Bei der dritten Strophe regnete es schon
Es ist allhier ein Jammertal
Angst Not und Trübsal überall
Des Bleibens ist eine kleine Zeit
Voll Mühseligkeit
Was ist der Mensch Ein Erdenkloss
Vom Mutterleibe nackt und bloß
Bringt nichts mit sich auf diese Welt
Kein Gut noch Geld
Nimmt nichts mit sich wenn er hinfällt
Ich hab hier wenig guter Tag
Mein täglich Brod ist Müh und Klag
Wenn mein Gott will so will ich mit
Hinfahren in Fried
    O lieber Junge singe wenn du dieses liesest  Gott weiß wenn du es lesen
wirst  singe dieses schöne Regenlied
    Deines Vaters Predigt war Vollendung für mich wie auf mich gemacht Wort
für Wort auf mich O lieber Junge wie glücklich ist man wenn man tot ist 
wie namenlos glücklich
    Er kam ohne Gebet mit den Worten auf die Kanzel
    »Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines
Vaters Hause in ein Land das ich dir zeigen will«
    Ich zeichnete mir diese Stelle sie steht im ersten Buch Mosis im zwölften
Kapitel im ersten Vers ich zeichnete sie aber heimlich Ein öffentliches
Zeichen dachte ich würde mich verraten  ich konnte in einigen Minuten nicht
aufblicken  Wahrlich Gott redete mit mir durch deinen Vater Wie er die Worte
anfing Gehe aus deinem Vaterlande von deiner Freundschaft und aus deines
Vaters Hause wars mir als ob es die ganze Gemeinde nun wüsste dass ich
weggehen würde Der erste Aufblick den ich wagte war nach dem Stuhle meines
Vaters Er war leer kurz vor dem Geläute war ihm was vorgefallen  Dies
stärkte mich ich sah mich rund um  O lieber Junge lass mich noch mehr von der
Predigt deines Vaters predigen die mich so erquickt hat Gott lindere dafür
seine Todesangst und so wie er mich gestärkt und getröstet hat so stärke und
tröste ihn der Herr wenn er heimfährt aus diesem Elend und so wie er die Bande
löste die mein Herz und meine Augen hielten so löse auch der Herr seine Bande
und mache ihm alles leicht wenn seine Stunde kommt Die Glimme Gottes an
Abraham war mir ein sicheres Geleit ein Pass auf meiner Reise ich war gefasst
getrost  und so heiter als wäre ich schon angelangt und wo Ich ging in
meinen Gedanken nirgend anders als in die selige Ewigkeit aus meines Vaters
Hause  aus meinem Vaterland und aus meiner Freundschaft  Gern hätte ich
communicirt wenn es so angegangen wäre  ich war recht dazu vorbereitet recht

    Der Text zur Predigt war Ebräer im dreizehnten Kapitel der vierzehnte Vers
Wir haben hier keine bleibende Statt sondern die zukünftige suchen wir
    Alles auf mich  Du kannst dir deinen Vater vorstellen der auch nicht in
Kurland zu Hause ist Er redete mitten durchs Herz So hat er noch nie
gepredigt Es war Seelenspeise auf den Weg  Er predigte als wenn er auch
schon den Abend von hinnen ziehen sollte
    Dein Vater führte in seiner Predigt die Geschichte vom Sohne der Wittwe zu
Nain an er erhob seine Stimme und diese nahm sich so heraus dass jedes
aufmerkte Als er aber nah an das Stadttor kam siehe da trug man einen
Toten heraus der ein einziger Sohn war seiner Mutter  Lukas im siebenten
Kapitel im eilften Vers
    So wenig diese Worte eine Deutung auf mich zu haben schienen so fielen doch
auch diese Worte schwer auf mich und es war mir als sagte jemand »Das bist du
 du bist die Person des Todes«
    Wie kommt das mein Lieber wenn es einem so ist als hörte man eine Stimme
Das bist du
    Nach der Predigt ward gesungen aus Befiehl du deine Wege die letzten
Verse
    Der Anfang war
Auf auf gib deinen Schmerzen
Und Sorgen gute Nacht
Lass fahren was im Herzen
Dir bangen Kummer macht
Der letzte Vers ist schon längst mein Liebling gewesen und nach dieser
Leichenpredigt auf mich war ers noch weit mehr
Mach End o Herr mach Ende
Mit aller meiner Not 
Stärk meine Füss und Hände
Und lass bis in den Tod
Mich allzeit deiner Pflege
Und Treu befohlen sein
So gehen meine Wege
Gewiss zum Himmel ein
    O Lieber das Amen welches dein Vater sagte war ein Amen für alle allein
für mich besonders  für mich Es war ein Wink für mich in diesem Gotteshause
Abschied zu nehmen wo wir unser Glaubensbekenntnis vor dem Altar ablegten und
auch oft zu Gott in der Höhe schwuren Wir werden uns lieben bis vor deinen
Thron  O Gott dieser Abschied war mir rührend und wie rührend aus Nro 5 zu
gehen wo ich so oft gesessen wo ich so oft einen überzeugten Mann Gottes Wort
reden gehört wo ich so oft inbrünstig gesungen und gebetet und erhöret worden
wo ich dich predigen gehört mein Lieber  Gott sei für alles gelobet und
gebenedeiet Halleluia er sei mit seinem Hause Amen Ich betete für dich und
für mich  und riss mich endlich von Nro 5 los Sanft fasste ich diese Bank noch
an recht als wenn ich ihr die Hand drückte und nun raffte ich mich auf um
nach Hause zu gehen da mir deine Mutter ins Auge kam Was weiß ich ob sies
mir ansehen können dass ich geweint hatte oder ob etwas anderes die Ursache
war sie grüßte mich liebreich Zum letztenmal dachte ich und eine Träne
stürzte aus meinen Augen  Deines Vaters Hand oder die deinige war auch das
Letzte was ich ansah und hiermit fielen mir die Worte ein Der Herr behüte
deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit
    Da ich zu Hause war und die Predigt deines Vaters und den liebreichen
letzten Gruß deiner Mutter mir wiederholte überfiel mich der Gedanke deinen
Eltern lieber alles zu entdecken Wer steht dir dachte ich für den Erfolg Für
deinen Vater war mir zwar seine Predigt Bürge geworden seine Hand war mir
Bürge du warst mir Bürge indessen schlug der Eifer deiner Mutter für den Stamm
Levi diesen Gedanken nieder Die feste Verabredung mit Benjamin die Gewalt die
sich ein curischer Kavalier beilegt  und endlich das Wäldchen waren Beiträge
zur Entkräftung meines Mutes  »Ich kämpfte lange endlich siegte der
Zweifel«  
    Mine packte noch das Übrige zusammen berichtigte jeden Dreier wo sie etwa
für Milch oder für Früchte etwas schuldig war schenkte ihren Paten im Dorfe
viele Sächelchen die ihr auf der Reise nichts helfen konnten
    Nichts schreibt sie Montags frühe nichts ist mein Einziger von den
gesegneten Sachen zurückgeblieben Alles alles was ich von dir habe alles
was dein Mund deine Hand eingeweiht hat geht mit mir Regine bat mich da sie
sah dass ich im Austeilen begriffen war um das Band das dir so sehr gefallen
hatte du hattest es oft in deiner Hand  Nein Regine das nicht  Ich gab
ihr ein anderes Band und da ich kein schlechtes hatte eins das zehnmal höher
im Weltwert war
    Du packst ja Mine sagte Hermann indem er sich Sonntags an den Tisch der
mit Schöpfenfleisch und weißem Kohl besetzt war hinsetzte  Mine muss es sehr
merklich gemacht haben
    Ich räume auf antwortete sie
    Schön mein Kind es ahnt dir vielleicht ein Besuch
    Ein Besuch
    Es könnte sich zutragen dass Herr v E käme Wenn es sich zutrüge liebe
Mine wenn  Folge deinem Vater und sei gefällig
    Sie hatte kein Wort im Vermögen allein sie war so ruhig dass Hermann diese
Ruhe fühlte und sie zu seinem Vorteil entgegennahm Er klopfte ihr auf die
Wange und sagte Du bist doch ein hübsches gutes Mädchen und wirst eine
Pastorin werden zum Küssen Auch darüber entrüstete sich Mine nicht  Sie blieb
ruhig Hermann zählte schon die hundert fünfzig Judastaler in Gedanken
    Montag Nachmittag kam Herr v E alles wie es geschrieben stand Die Sühne
ward eröffnet Hermann entfernte sich nachdem er wie er glaubte die Sache in
Gang gebracht Sobald die Hauptparteien allein waren fing Herr v E ohne Glas
seine Rebe mit vielem Bitten um Verzeihung an und machte sich als Bräutigam mit
Fräulein S bekannt Mine gab darauf nichts als das Alltägliche Es hatte wieder
das Ansehen dass Herr v E ein Geschenk in der Nähe hätte Er wollte wagen es
zum Vorschein zu bringen allein es schien als dürfte ers nicht Nun nahm er
einen andern Weg und bemerkte dass er mich kenne Zwar hätte er nur einen Abend
in meiner Gesellschaft zugebracht indessen wäre ein Abend hinreichend wenn man
Leute wie mich träfe  Mine hatte sich so sehr in ihrer Gewalt dass sie
Fragen nach mir tat die Herr v E zu meinem Vorteil beantwortete Mine ward
dadurch aufgeräumt und Herr v E ergriff diesen Zeitpunkt im Namen seiner
Mutter seine Anwerbung zu tun So setzte er hinzu hätte diese Sache gleich
gefasst werden können und gefasst werden sollen Verzeihen Sie diesen verzeihen
Sie alle und jede Fehler  ich bin jung allein merken Sie es nicht selbst
fügte er hinzu bin ich nicht älter geworden seitdem ich mich verlobt habe
Meine Mutter darf also hoffen
    Mine sagte ihm mit einem Anstande der nicht seines Gleichen hatte dass sie
nie gewohnt gewesen Hoffnungen zu geben die sie zu erfüllen außer Stande wäre
sie müsste es abschlagen  Und warum fiel Herr v E hitzig ein
    Sie und mich zu schonen  und wollen Sie noch mehr Ihre künftige Gemahlin
    Er widerlegte sie Schritt vor Schritt mit vielem künstlichen Zubehör Da
Mine aber fest in ihrer Gottseligkeit blieb und das segne Gott und stirb des
Herrn v E mit englischer Geduld trug lief Herr v E über und stand da ganz
wie er war Mine erschrak da sie die plötzliche Verwandlung der Schlange in
einen Tiger sah indessen kam sie nicht aus der Fassung
    Es scheint Sie haben Ihrem Adonis zugeschworen keine Mannsperson
anzusehen fing Herr v E nach einigen Erholungsblicken spitzig und
hohnlächelnd an Seine Zähne blieben unbedeckt
    Eben würde ich das Gegenteil bewiesen haben wenn ich einen Adonis hätte
erwiderte Mine
    Du sollst nicht andere Götter haben neben mir ist zwar fuhr Herr v E
fort das erste Gebot im Katechismus allein die Liebe hat keinen Katechismus
    Die meinige hat einen
    Herr v E war in Anordnung gekommen und hatte tief vergessen was in seiner
Rolle stand er extemporirte ward zudringlich grob und Mine gab ihm auf eine
Art seinen Abschied dass er mitten im Wort blieb  Ihre Hände riss er an seine
Lippen eine nach der andern und brannt ihnen Küsse auf Mine fühlte in jedem
Handkuss das Siegel das er auf seinen teuflischen Plan drückte und ein
Schreckschauer ergriff sie über den andern  Seine Handküsse brannten wie
höllisch Feuer Auf einmal fasste sich Mine zusammen und entriss ihm beide Hände
 Er zum Hermann mit dem er heftig sprach  Im Plane folgte dass Hermann
mitfahren sollte allein dies unterblieb  und Herr v E fuhr allein
    Hermann schien nicht zu wissen wie er gegen Minen sein sollte  Er wollt
und konnte nicht  Mine sank in eine entsetzliche Angst denn es fiel ihr ein
dass v E vielleicht seinen Plan abgeändert und der Überfall noch diesen Abend
erfolgen könnte  Zwar sagte ihr Hermann dass er morgen nach  reisen würde Er
hätte mich heute schon mitgenommen indessen sind zu viel Gäste  Minchens
Befürchtungen wurden hiedurch nicht im mindesten widerlegt Die Art wie Hermann
sich gegen Minen betrug bestätigte vielmehr ihre Furcht  Masken über Masken
dachte sie und rang die Hände betete und war in einem unaussprechlichen
Zustande Wende dich Herr zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit und
verbirg dein Angesicht nicht vor mir denn mir ist angst erhöre mich Ich
vergeh in meinem Elende  Wahrlich sie verging
    Was konnte sie anfangen Wahr oder nicht wahr ein Entschluss musste gefasst
werden  Sie schloss kein Auge blieb in Kleidern und nach einem Gebet um
Rettung um Hilfe frug sie bei dem Herrn ihres Lebens bei Gott um die
Erlaubnis an ich schaudere da ich es schreibe sich das Leben zu nehmen 
Sie las Todtenlieder singen konnte sie nicht und fand in dem Liede Ich bin
ja Herr in deiner Macht Ruhe
Ich bin ja Herr in deiner Macht
betete sie dreimal nach einander
Denn du hast mich ans Licht gebracht
Du unterhältst mir Leib und Leben
Du kennest meiner Monden Zahl
Und weißt wann diesem Jammertal
Ich wieder gute Nacht soll geben
Wo wie und wann ich sterben soll
Das weißt du Lebensvater wohl
Und nun war sie entschlossen
    O Gott wohin kann die Tugend kommen Mine war entschlossen sich das Leben
zu nehmen wenn man Gewalt brauchen sollte Freilich würd ein Kasuist feiner
distinguirt und die Gränze richtiger abgemessen haben wann und zu welcher Zeit
 allein Gott der Herr lässt nicht durch Kasuisten Recht sprechen und  sein
Richter ist das Gewissen sein Urteil nicht in Sachen   entgegen erkennen
und sprechen wir sondern kommt und geht Ich will in Gottes Hände fallen er
ist gerecht er ist barmherzig Sie warf sich zur Erde und betete an den der
gemacht hat Himmel und Erde sie bat um Hoffnung der Seligkeit wenn sie eine
Selbstmörderin würde um Verzeihung wenn sie in der Art fehle Sie betete So
du willst Herr Sünde zurechnen Herr wer kann wer wird bestehen Bei dir ist
die Vergebung  Und nach einer Weile Erforsche mich Herr und prüfe wie
ichs meine wie ichs meine Sieh ob ich auf falschem Wege bin und leite
mich führe mich zurecht auf den Weg zum Leben Lass wenn ich irre Gnade für
Recht ergehen Gnade Gnade Wenn diese Hand Mörder an diesem Herzen wird und es
durchbohrt  o Gott Gnade Gnade  Allbarmherziger nimm mich an zu Gnaden und
lass mich selig sterben
    Denkt empfindsame Leser wie Minen zu Mute gewesen Sie suchte ein Messer
und musste lange suchen  Find ich es nicht dachte sie kann es Gottes Wille
nicht sein Sie fand sie fand  schärfte das Messer hielt es gen Himmel
flehte noch einmal zu Gott versuchte wieder zu fingen konnte nicht legte das
Messer das zugeschlagen war vor sich zur Erde und warf sich aufs Bett Die
Unruhe ihres Herzens war groß Sie sprang schnell auf nahm ihre Bibel riss das
Messer auf und legte es auf die Spruchstelle im ersten Buch der Chronik im
zweiundzwanzigsten Kapitel im dreizehnten Vers
    »Mir ist fast angst doch ich will in die Hand des Herrn fallen denn seine
Barmherzigkeit ist sehr groß und will nicht in Menschenhände fallen«
    Nach einem namenlosen Seelenschmerz nach einer wahren Todesnot legte sich
Mine wieder auf ihr Bett in Kleidern wie sie war
Soll diese Nacht die letzte sein
betete sie
In diesem Jammertal
So führ mich Herr im Himmel ein
Zur auserwählten Zahl
Und also leb und sterb ich dir
Du starker Zebaot
Im Tod und Leben hilfst du mir
Aus aller Angst und Not
    Sie legt es nicht an zu schlafen denn daran war nicht zu denken  sie
wollte nur ruhen  auch das konnte sie nicht Alle Augenblicke sprang sie auf
dies Isaaksopfer je näher aber zum Morgen desto ruhiger Sie fing an
einzusehen dass sie sich vergebens gefürchtet hatte  Sie war indessen so sehr
an Furcht und Zittern gewöhnt dass auch der helle lichte Morgen sie nicht
völlig beruhigen konnte
    Da kamen Pferde und Wagen nach ihrem Vater und diese brachten ihr die
verlorene Ruhe mit Mine dankte Gott der Großes an ihr getan der bisher
geholfen und alles alles wohl gemacht hatte  Sie konnte weder die
aufgeschlagene Bibel noch das aufgeschlagene Messer ansehen  Mit Entsetzen
wandte sie ihr Gesicht weg und machte beides zu Es kam ihr vor als sähe sie
Menschenblut auf dem Messer Der Ort wo sie dies Messer gewetzt machte sie
schwindlig da er ihr ins Auge fiel  Das Messer warf sie unter Dank und Gebet
fort Gott sagte sie lass es nie Einen finden der es brauchen will als ich
wollte Sie glaubte hiedurch diesen schrecklichen Vorsatz aus ihren Gedanken
geworfen zu haben allein hierin fand sie sich getäuscht  Durch Stillesein und
Hoffen heißt es werdet ihr stark sein Wer kann aber o Gott wer kann immer
stille sein und hoffen
    Während der Zeit war Hermann reisefertig
    Hermann Leb wohl Mine
    Mine Leben Sie wohl mein Vater  leben Sie wohl mein Vater leben Sie
wohl
    Hermann Was fehlt dir du weinst ja
    Mine Ach Gott
    Hermann Mine überdenk alles überleg du bist klug Du jammerst mich Mine
überleg  Leb wohl
    Mine Leben Sie wohl
    Mörder wo willst du hin Fürchtest du dich denn nicht dass die Erde ihren
Mund öffne und dich verschlinge und die Wolken sich trennen und Feuer und
Schwefel auf dich regnen lassen  Du kennst Minen wie Judas seinen Meister
Der Abend da du mir die Geschichte vom Judenknaben und von den Hühnereiern
erzähltest wird wider dich zeugen Frevler Kuppler Bösewicht
    Mine nahm von ihrer Zelle Abschied und konnte nicht umhin noch einmal nach
ihrer Mutter Grab zu blicken Hierbei ließ sie es bewenden Sie befahl Reginen
das Haus und sagte ihr sie dürfe nicht warten sondern könne nur immerhin
zeitig zu Bette gehen womit Reginen sehr gedient war Ich fuhr Mine fort
werde diese Nacht nicht zu Hause kommen und nun ging Mine mit dem Gesang
So gehen meine Wege
Gewiss zum Himmel ein
aus ihrem Vaterlande und aus ihrer Freundschaft und aus ihres Vaters Hause in
ein Land das ihr der Herr wie sie glaubte zeigen würde  Ihre Füße und Hände
zitterten indessen fand sie sich durch die Gedanken gestärkt dass sie den
Anschlägen der Bosheit entginge Sie fand an dem bestimmten Orte ein Wägelchen
und zwei Pferde Ohne zu fragen wie und wohin setzte sie sich auf Alles
verstand sich einander Der Fuhrmann hatte selbst nicht nötig die Pferde zu
ihrer Schuldigkeit aufzuschreien Es ging alles seinen Gang Bis hierher hat der
Herr geholfen sagte sie und fing an freier zu atmen Sie hätte schlafen
können so ruhig war sie allein die Dankempfindungen gegen Gott verwiesen den
Schlaf aus ihren Augen Arme Mine du weißt nicht was auf dich wartet  arme
Mine Sie kam in den Flecken wo Benjamin war Vortrefflich dachte sie und
noch ein Vortrefflich dachte sie hinzu da der Wagen nicht bei der Türe des
Meisters ihres Bruders hielt  Alles plangemäss  nur ihr Bruder Benjamin
fehlte Zwar fand sie eine willige Frau die sie herzlich bewillkommte allein
ihren Bruder Benjamin fand sie nicht Anfangs fing sie an zu zweifeln ob sie
Benjamin nach der Verabredung vorfinden sollte oder nicht Ihr Kopf das heißt
ihr Gedächtnis hatte sehr gelitten sie fragte sich ob Ja oder Nein und da
sie noch mit Ja und Nein kämpfte fing die gute Frau an Sie werden sich doch
nicht erschrecken  Die gewisseste Art uns einen Schreck beizubringen  Sie
werden doch nicht  Gott rief Mine und glaubte sie sei verraten und
verkauft
    Nach vielen unerträglichen Sie werden doch nicht erfuhr die Unglückliche
erst dass ihr Bruder in den letzten Zügen wäre Noch ehe Benjamin sich legte
hatte er in diesem Hause von seiner Schwester geredet allein bloß vorläufig
Ist es möglich fing Mine an Es ist erschrecklich zu lesen was Mine hierbei
ausgestanden   Sie zitterte zu ihm hin ohne an die Gefahr zu denken der sie
sich bloß gab und da sie an sein Bette trat und seine Hand nahm  schlug er mit
Heftigkeit auf sie zu  Was Gewalt Dene  wie Gewalt Blutund ich werde dir
Gewalt lehren Gegen Minen Gewalt du Aftermutter Er sprang aus dem Bett und
da er sich weder im Guten noch im Bösen beruhigen ließ so musst er gebunden
werden und  Mine davon Augenzeuge sein
    »Der Meister der mich ohne Bedenken bei meinem Namen nannte und sich
einbildete dass ich bloß weil ich von Benjamins Krankheit gehört hätte da
wäre erzählte mir dass Benjamin gleich Freitags als er zurückgekommen über
Kopfweh geklagt  In der Nacht hätt er eine grausame Hitze bekommen und diese
hätte Sonntag Abend seinen Verstand völlig zerrüttet  In seiner Phantasie
hätt er Rett sie rett sie die arme Schwester gerufen Seht ihr nicht
Räuber Diebe Rett sie rett sie und dann alle Augenblicke Spannt an
spannt an sie kommt spannt an  Und dann wieder hätt er die Hausfrau bei der
Hand genommen  Ach liebe liebe Frau was ich auf meinem Gewissen habe  Sind
wir auch allein Ihnen will ichs wohl entdecken  Ich kann keine Vergebung der
Sünden haben  ich bin ein Höllenbrand Und wissen Sie warum Ich hab meinen
Vater nicht tot geschlagen und das hätt ich sollen  Es sind lauter Flicken
liebe Jungfer sagte der Meister es kann kein Mensch ein Kleid daraus machen
Sie sehen doch wie er leider ist Er kennt seine eheleibliche Jungfer
Schwester nicht«
    Mine die wohl einsah wie alles dieses zusammenhing und die noch überdem
sehr leicht herausbringen konnte dass ihr unglückliches Schicksal ihren Bruder
so sehr angegriffen dass er in die entsetzliche Krankheit die einen Menschen
auf eine Zeit lang aus dem Buche der Menschen streicht gefallen  machte sich
bittere Vorwürfe Ich bin schuld an seinem Tode schrie sie mal auf mal Ich
legt ihm mehr auf als er tragen konnte Mine war so von Mitleiden und Kummer
durchdrungen dass sie nichts mehr als ein Erbarm dich Gott über das andere
ausrufen konnte  Sie fiel sich indessen selbst zur rechten Zeit ein Stirbt
er sagte sie zu den bewegten Leuten die ihren Lehrling mit Tränen in den
Augen gebunden hatten stirbt er werd ich ihn finden wo man nicht rett sie
rett sie mehr rufen darf  in den Wohnungen der Gerechten  Bald bald werd
ich ihm folgen  Hilft ihm wie ich hoff und bete so bitt ich ihm zu sagen
dass ein Frauenzimmer bei ihm gewesen die ihre Hände zu Gott aufgehoben da man
die seinigen gebunden hätte die Kyrie Eleison gerufen   Sie konnte nicht
ausreden  so bewegt war sie  Sie ging und kam wieder sasste ihn an und sagte
Benjamin  Er sah sie mit starrem Blick an wollte sich losreißen  konnte
nicht und sie ging betrübt bis in den Tod
    Benjamin hatte die Reise nach Mitau nicht bestellt Mine dacht aus dem
Spannt an spannt an sie kommt Ja »allein sie fand Nein« und sah sich
genötigt alles selbst zu berichtigen  Wer beten kann pflegte mein Vater
selbst auf der Kanzel zu sagen kann auch mit Vornehmen und Geringen umgehen 
und dies fiel ihr ein wie sie schreibt  Sie fand die Bestätigung zu derselben
Stunde traf Anordnungen schloss Kontract und reiste nach Mitau  Kurz vor der
Stadt hatte Mine einen neuen Schreck gegen den alles was sie am Krankenbett
ihres Bruders erlitten nach ihrem Ausdruck wie gar nichts war Sie war
abgestiegen weil der üble Weg diese Wagenerleichterung notwendig gemacht Sie
suchte sich grüne schöne Stellen aus wo sie ging und wo sie mit den Vögeln des
Himmels den Schöpfer lobte in dessen heilige Hände sie sich befahl »Wenn auch
hier und da schwere Stellen auf dem Wege des Lebens sind es gibt doch dacht
ich links ober rechts grüne blumenreiche Stellen aus denen uns die schöne
Natur willkommen heißt Gott segne meinen Mann hilf meinem Bruder  So dacht
ich oder so betete so dankt ich Gott« schreibt Mine und schnell sprengte
ein Reiter auf sie zu der sie steif ansah und wen sollte man wohl weniger
vermuten als den Herrn v E Er war es selbst er selbst  Kein Erdbeben
kann so erschüttern als dieser Anblick Minen  »Ich verlor« schreibt sie
»gleich auf der Stelle alle Kraft Stärke und Macht Gott wie unergründlich
sind deine Gerichte wie unerforschlich deine Wege Das Messer das ich auf den
Fall mich Räuber Bösewichter überfallen sollten für meinen Busen geschärft
hatte war der Dankbarkeit gegen Gott der Liebe zum Leben und dem Zutrauen dass
der welcher bisher geholfen auch weiter helfen würde  geopfert Da war ich
also ohne Rettung in des Mörders Händen«
    Er war es er v E selbst
    »Schon wollt ich niederknien und von dem Bösewicht den Tod als die einzige
Gnade erbetteln Mörder dieser Art sind aber so menschlich nicht umzubringen
Sie morden Seelen Gewissen Mir fielen die Worte unseres Herrn und Meisters
ein Hebe dich weg Satan  Schon wollt ich knien und Abgötterei begehen als
ein Wagen kam«
    In diesem Wagen saß seine Verlobte und Frauenzimmer ihrer Verwandtschaft
Herr v E halte also keine Zeit Minen näher kennen zu lernen Allerliebste
Augen sagte er in den Wagen Ich kenne nur noch ein Paar der Art Unfehlbar
eignete sich die Braut dieses Kompliment zu das aber Minen gehörte Alles
lachte ohne End und Ziel im Wagen über dieses Abenteuer und Herr v E musste
Schande halber sich beim Wagen der sich zur Linken wandte halten indessen
sandt er unvermerkt einen seiner Getreuen Minen nach sie zu examiniren wohin
und woher Mine welche zwar in diesem Vorfall dass Herr v E mit Blindheit
geschlagen war und sie verließ aufs neue gesehen hatte dass sie auf Gottes
Wegen wäre konnte sich doch von diesem Umstande nicht erholen  Es kam alles
Schlag auf Schlag  Da sie den Abgesandten des Satans sah tat sie einen
Schrei der diesen Inquirenten mit erschreckte Sie wusste nicht seinen Auftrag
und stellte sich nichts anderes vor als dass er sie fortschleppen würde Der
Abgesandte hielt Minen für keinen Bissen der einer Jagd wert wäre Es war
dieser Helfershelfer nie bei Hermann gewesen  noch in der Kirche zu   und
wie konnte man alles Wild fangen was Herr v E aufjagen ließ Ermüdet von
dergleichen Aufträgen begnügte der Abgesandte sich als er von Minen »Nach
Mitau zu meiner Muhme« heraus hatte kehrte zurück und log seinem Befehlshaber
das übrige zu um diesen Roman sein säuberlich zu endigen Durch diesen Vorfall
war Mine so außer Fassung gebracht dass sie nicht einmal Gott danken konnte 
Es war ihr alles wie im Traum Groß ist Herr deine Güte fing sie zuweilen an
und dann rief sie wieder Herr hilf ich verderbe Wenn sie sich recht
gesammelt hatte erschrak sie vor sich selbst  Fast kannte sie sich nicht so
sehr hatte sie sich verändert  Kurz vor Mitau fand sie sich wieder und rang
ihre Hände zu Gott Der dich behütet schläft und schlummert nicht dachte sie
in Finsternis ist er dein Licht Die dir nachstellen erschrecken sehr und
werden zu Schanden plötzlich  So dachte Mine und freute sich dass Bibel und
Gesangbuch seit einiger Zeit ihre Hauptbücher ihre einzigen Bücher gewesen
Dein Wort rief sie ist meiner Füße Leuchte und Licht auf meinen Wegen
    Mine kam nach Mitau Ihre Anverwandten die sie bald ausfragte waren in der
traurigsten Verfassung Sie hatten in der Nachbarschaft einem Kavalier ein Stück
Land abgepachtet und da an den Schaden nicht ausdrücklich im Kontract gedacht
war so mussten sie von Heller zu Pfennig bezahlen und den Schaden ersetzen
obgleich er vom Himmel kam
    »Der liebe Gott hats getan« sagten die armen Leute vor Gericht allein
die Richter behaupteten WRIVRW dass dieser Kontract ohne den lieben Gott
gemacht wäre  Die Armen In der Welt habt ihr Angst sagt Christus zu seinen
Jüngern und das konnte man von diesen Armen mit Wahrheit behaupten Alles was
sie an und um sich hatten ward ihnen genommen Sie behielten sich nur allein
übrig und die Erinnerung an einen Kontract der ohne den lieben Gott gemacht
war WRIVRW Anstatt dass Mine also von diesen Armen Beistand erwartete
ließ sie ihnen etwas von ihren Sachen Sie wollt ihnen auch durchaus von ihrem
wenigen Vorrat an Geld die Hälfte abgeben allein diese Armen erklärten dies
für den größten Diebstahl Mine musst ihnen den Sterbenslauf ihrer Mutter die
Verwandtschaft kam von Mutter Seite her erzählen und die guten Leute freuten
sich über ihre Versorgung Wer einmal oben ist o der ist wohl versorgt sagten
sie beide Wer weiß wie nahe mir mein Ende setzten sie hinzu auch Mine sagte
Wer weiß und alle drei freuten sich
    Die unglücklichen Leute hatten einen Sohn der Pastor an der Gränze war wie
sie sich ausdrückten Wenn er lieber was anderes wäre wünschten sie dann
würden wir eher Hilfe von ihm erwarten können Mine befragte sie ob sie denn
schon Proben von seiner Härte hätten Härte können wir es nicht nennen
erwiederten sie Er hat sich das Beten statt des Gebens so angewöhnt und
freilich kommt man dabei am wohlfeilsten ab Hol doch sagte er liebe Mutter
hol doch den Brief vom neuen Jahr da ist ein Gebet drin das ein Kirchengebet
werden könnte
    Unser Nachbar sagte die liebe Mutter anstatt dass sie den Brief mit dem
Gebet holte welches ein Kirchengebet werden könnte unser Nachbar hatte eben so
ein Pachtunglück aber wie weit glücklicher ist der Er hat einen Schneider zum
Sohne der schon alles reichlich mit Zinsen ersetzt hat was der Vater verloren
 Sag nicht Mutter beschloss der Alte  du weißt noch nicht was unsrer tun
wird  Geben ist gut  Beten ist auch gut  Nicht wahr Jungfer Mühmchen
fragte der Alte
    Minchens ehrliche Anverwandten halfen die Sache mit einem preußischen
Fuhrmann berichtigen und da Mine ihren Freunden von ihrer Geschichte so viel
als ihnen zu wissen nötig war entdeckt hatte blieb die Hauptsache eine
geschwinde Abreise
    s Verwandte gab ihr einen Brief nach L in Preußen neun Meilen hinter
Königsberg mit wo eine leibliche Schwester des ehrlichen verunglückten
Pächters wohnte und wohin auch Minchen gleich anfangs hindachte Es sind reiche
Leute sagte er vielleicht taten sie an uns etwas  Gott wird es ihnen
bezahlen hier zeitlich und dort ewiglich
    Und s Vater 
    Er hatte einen harten Kampf mit dem Herrn v E dass er Minen nicht
weichherziger wie er sich auszudrücken beliebte gemacht  Dieser Kampf hatte
schon wie sich meine Leser erinnern werden in Hermanns Hause angefangen und
ward noch hitziger fortgesetzt da Hermann zum Herrn v E kam
    Was will die Närrin schrie er Nach einer Viertelstunde raunte er dies Was
will sie dem Hermann ins Ohr
    Um aus der Not eine Tugend zu machen war Hermann es ganz untertänigst
zufrieden dass Gewalt für Recht gehen und Mine dem Herrn v E als ein
Schlachtopfer gebunden zu Füßen gelegt würde Ich hoffe doch sagte Hermann dass
es alles ehrlich und ordentlich mit Minen zugehen werde  denn wahrlich
hochwohlgeborner und gnädiger Herr Baron es ist ein Mädchen das sterben
könnte ehe man sich es versähe und ei dann Vater sein  Versteht sich sagte
Herr v E ehrlich und ordentlich  ich werde doch Herr zum Teufel wissen
mit einem Mädel eine Komödie zu spielen Hat der Herr schon gehört dass die
Personen im letzten Akt des Lustspiels sterben Und ein Lustspiel hört der
Herr ein Lustspiel soll es werden Dieses Lustspiel wäre Dienstags vollendet
worden allein Herr v E musste nolens volens seine Braut zu einem ihrer
Anverwandten der bei Mitau wohnte begleiten Hermann blieb auf Geheiß des
Herrn v E so lange bei der Frau v E Gnaden und bei der Jungfer Dene
Hochedelgeboren
    In zwei bis drei Tagen bin ich hier schrie noch Herr v E dem Hermann vom
Pferde zu und dann ohne Verzug  Sie hatten sich in die Hände geschlagen wenn
alles gut ginge soll es nicht bei vierzig Taler Albertus bleiben  Gott gebe
dass es gut geht sagte Hermann das übrige werden meine Leser an seinen Ort zu
stellen und einzuschalten wissen Würde Herr v E Minen nahe bei Mitau
vermutet haben und hätte sein Abgesandter ihm hiervon auch nur die
entferntesten Spuren zurückgebracht das Gelächter im Wagen würde ihn eben so
wenig von ihren Augen abgebracht haben als Gottes Wort in der Kirche Sein Herz
hing an Minen und eben weil es an ihr hing verfolgte er das Mädchen nicht
weiter das nach seiner Einsicht bloß s Augen hätte obgleich sie es
gottlob selbst war
    Herr v E traf nach drei Tagen ein fand den Hermann fröhlich und guter
Dinge und es ward der Mord ganz pünktlich verabredet Hermann reiste nach
Hause um alles zu dieser Gewalttätigkeit vorzubereiten Regine halte von
s Entfernung dem Hermann keine Nachricht erteilet Zwar hatte Mine ihr nur
bloß gesagt dass sie die Nacht nicht heimkommen würde indessen dachte Regine
wer weiß was für ein Zufall sie bindet  Hermann kam betrübt nach Hause  Ich
glaube es ist es jeder Nachrichter wenn er den Streich vollführen soll wenn
er sich bewusst ist unschuldig Menschenblut Hermann fand die unbesorgte Regine
und statt Minen folgende Schrift
    Sie wissen selbst mein Vater  Vater werde ich Sie nennen es gehe wie es
gehe  Sie wissen selbst dass ich nicht aus Tücke des Herzens aus meinem
Vaterlande und aus meiner Freundschaft und aus meines Vaters Hause gegangen
in ein Land das Gott mir gezeigt hat  Sie wissen alles Ich bin Ihre Tochter
Mehr als dies Sie wissen alles darf ich mich nicht unterstehen zu schreiben
und sollten oder wollten Sie nicht alles wissen so wäre es ein sehr unzeitiges
Geschäft mehr zu schreiben Gott verzeihe es mir wenn ich jetzt oder jemals
die Achtung aus dem Auge verloren die ich Ihnen schuldig bin  Mein Weg geht
wie ich fühle zum Himmel ein Ich habe zu viel Angst zu viel Kummer erlitten
um hoffen zu können eher als vor Gottes Thron bei meiner seligen ja wohl
seligen Mutter glücklich zu sein Dann dann wird o wie freue ich mich dessen
das Grab in Absicht meines hinfälligen Teils meine Behausung Finsternis mein
Bette die Verwesung mein Vater und die Würmer die Meinigen sein  allein mein
Geist  dort dort werden abgewischt werden die Tränen von meinen Augen  Im
Himmel ist mein Teil und Erbe  Ich bitte Gott dass ich Sie einst auch da
finden möge mein Vater da wo Ruhe ist Sie haben mir auf volle acht Tage
Ausgabegeld gegeben die Rechnung vom Sonntag und Montag liegt auf Ihrem
Schreibtische Reginen habe ich Geld auf zwei bis drei Tage zurückgelassen hier
ist das übrige vom Wochengelde  Ich habe nichts von dem Ihrigen mir
zugeeignet ich habe Ihnen nichts entwendet Sie berechneten sich mit meinem
Bruder Benjamin und wie mir es vorkam legten Sie auch mein Teil ab Diesen
schenke ich meinem Bruder Ich wünschte wohl dass Dene nichts trüge was meine
teure Mutter getragen hat wenn es ihr wie ich vermute nicht schon an sich
zu schlecht ist   Sollten Sie mein Vater wider all mein Vermuten etwas
missen so muss Regine davon Anzeige tun können die indessen wie Sie wissen
die Ehrlichkeit selbst ist Ich gehe und das können Sie sich leicht vorstellen
mit schwerem Herzen o Gott mit schwerem Herzen von hier An diesem Briefe habe
ich drei Tage geschrieben Tränen beziehen mir so die Augen dass ich auch jetzt
nicht sehe was ich schreibe  Gott sei mir gnädig Ich bete auch für Sie und
werde es nie aufhören zu tun Haben Sie tausend Dank für alles Gute so Sie
meiner Mutter und so Sie mir getan Meine Mutter lässt sich noch durch mich
bedanken Gott vergelte es Ihnen  Ihr Grab war mein Labsal sonst wäre ich
vergangen in meinem Elende Verzeihen Sie alle meine Fehler wodurch ich Sie in
meiner Jugend betrübt habe Seit vielen Jahren dünkt mich habe ich Ihnen nicht
Gelegenheit zur Unzufriedenheit gegeben Man muss Gott mehr gehorchen als den
Menschen  Meine Entfernung rechnen Sie nicht unter Fehler die ich Ihnen
abzubitten schuldig wäre  ich bitte sie Ihnen dennoch ab weil ich weiß dass
sie Ihnen einigen Verdruss machen wird Der Himmel gebe dass er so klein sei als
nur möglich nur möglich  Wenn Sie nicht glauben wollen dass mich Gott zu
gehen geheißen hat so lassen Sie sich von dem Herrn Pastor die Predigt vom
vorigen Sonntag geben Diese Predigt ließ Gott durch ihn an mich halten  das
können Sie mir glauben weil ich es empfunden habe und wenn Sie die Predigt
lesen werden Sie es auch empfinden und mir wenigstens eine glückliche Reise
wünschen wie Sie meinem Bruder wünschten  Die Frau Pastorin haben Leute das
weiß ich wider mich aufgebracht
    Ich bitte Sie meine liebe Frau Pastorin um Gottes willen um Gottes
willen nicht zu denken dass ich Ihren Sohn verführt habe und noch verführe
Eben so wenig als er mich verführt hat und verführen wird eben so wenig ich
ihn  Sie sind eine gute verehrungswürdige Frau meine geistliche Mutter die
mich über die Taufe gehalten hat  ach   Gott der Herr segne Sie Ich küsse
Ihnen und dem Herrn Pastor dem Boten Gottes die Hand Gott wird ihn so in
seinem Letzten erquicken als er mich vorigen Sonntag in meinem Letzten in 
erquicket hat
    Lieber Vater sagen Sie diese Stellen der Frau Pastorin vor und danken Sie
dem Herrn Pastor tausendmal tausendmal Lieber Herr Pastor Engel Gottes ich
danke Ihnen tausendmal tausendmal 
    Ich wünschte sehr mein Vater dass diese frommen Leute gut von mir dächten
des Gebets dieser Frommen wegen dem ich mich empfehle Setzen Sie mich mein
Vater in die Güte in das fromme Andenken der Frau Pastorin zurück Schlagen
Sie mir lieber Vater diese letzte Bitte nicht ab und dann noch eine nicht 
das Grab meiner Mutter in Ehren zu halten Wenn die Erde nachlässt und das Grab
sinkt lassen Sie lassen Sie doch Erde gute schwarze Erde nachschütten damit
es nicht das Ansehen das edle Ansehen eines Grabes eines Hügels verliere
Meine Mutter ist ja die Handvoll schwarzer Erde wert  Nun leben Sie wohl 
Wenn Sie Denen heiraten lassen Sie sie nicht verächtlich von meiner Mutter
reden es ist eine selige Mutter Verdoppeln Sie Ihre Liebe gegen meinen Bruder
Benjamin Er ist jetzt das einzige Kind das von einer Mutter stammt die im
Himmel ist  Grüssen Sie ihn von mir tausendmal so oft er zu Ihnen kommt
grüßen Sie ihn tausendmal  Grüssen Sie alle die sich meiner zu erinnern die
Güte haben Verfolgen Sie mich nicht denn ich gehe auf Gottes Wegen Regine ist
so unschuldig an meiner Entfernung als die Sonne am Himmel Grüssen Sie auch
Reginen von mir Ich bitte Reginen ab dass ich Sie wegen meiner Flucht getäuscht
habe  Gott lasse es Ihnen allen allen allen wohl gehen zeitlich geistlich
und ewig wohl wohl Wenn Herr v E seine Gemahlin treu lieben wird nur dann
wird er glücklich sein Gott sieht das Herz an und alle guten Leute die Gottes
Bild an sich tragen desgleichen Ich wünsche auch ihm alles alles Gute
Hiermit leben Sie wohl alle alle Leben Sie wohl
                                       
    Hermann war gerührt  weinen konnte er nicht Schon wollte er den ganzen
Handel mit Denen wieder aufgeben und zu meinem Vater gehen und seine Sünde in
den Schoss seines Beichtvaters bekennen Er konnte sich nicht entbrechen vor
sich zu sagen als ob er sich auf das Kompliment zu meinem Vater besönne Vater
ich habe gesündiget im Himmel und vor dir ich bin hinfort nicht wert dass ich
dein Beichtsohn heiße
    Diese Bussgedanken wurden aber bald zerstreut Nimmt Herr v E Denen von
mir was hebe ich an Graben mag ich nicht doch schäme ich mich zu betteln
Dies setzte er seinen Bussgedanken entgegen und wenn sie gleich nicht völlig in
Flucht geschlagen wurden so waren sie doch wenigstens wankend gemacht Je
weiter er dem Vorfall nachdachte desto mehr befestigte sich sein Entschluss
sich unter die gewaltige Hand des Herrn v E zu demütigen Sein letzter
Vorsatz war dem Herrn v E der wenn er wollte ihn ganz und gar an den
Bettelstab bringen könnte alles zu entdecken  und sich ihm auf Gnade und
Ungnade auf Tod und Leben zu ergeben Er nahm den Brief mit die Hand zitterte
ihm da er ihn angriff und ritt nach  zum Herrn v E
    Nun Teufel war der Willkommen
    Hochwohlgeborner gnädiger Herr hier
    Was Herr v G nahm und las Blitz Donner Zeter Wetter wo ist die
Bestie
    Gnädiger Herr verzeihen Sie 
    Er ist toll
    Wie Ew Hochwohlgeboren befehlen
    Die Bestie wo ist sie
    Das ist Gott bekannt
    Nach einem langen Missverständnis kam es heraus dass der Abgesandte Jakob
die Bestie war Ich bin ihr begegnet  Gewiss und wahrhaftig sie war es schrie
Herr v E
    Ketten  Jakob wo ist die Bestie Jakob kam und nach den entsetzlichsten
Flüchen wurde Jakob in Eisen geschmiedet Dieser Kerl mit dem ein kurzer Prozess
gemacht ward schien der Ableiter der Wut des Herrn v E zu sein  v E
erholte sich 
    So lange als ich sie nicht habe sollst du so liegen Bestie das war das
Urteil
    Es wurden Steckbriefe und Boten zu Fuß zu Pferde und zu Wagen ausgesandt 
allein Mine kam glücklich nach  Königsberg  Sie erschrak über diesen Ort So
groß sagte sie zu den Fuhrleuten Es war der nämliche Major und der nämliche
Junker die mich nach Königsberg gebracht hatten  Mine schlief in Königsberg
auf der nämlichen Stelle wo ich geschlafen hatte und es sei dass Ahnung es ihr
eingab oder was weiß ich wie sie empfand dass ich da gewesen Bis dahin hatte
sie hiervon keinen Gedanken gehabt  Jetzt kam es ihr schnell ein wie alles
kommt was gut ist  Mine lenkte das Gespräch auf die hohe Schule und immer
weiter und weiter bis die Majorin selbst von mir anfing Der Major hatte mich
längst vergessen Überhaupt schwächt nichts so sehr das Gedächtnis als Reisen
Die Majorin gab so viele Umstände an dass Mine mich vor sich sah Hätte Kummer
und Elend und vorzüglich der Überfall des Bösewichts da Mine zu Fuß ging und
die peinlichen Fragen des Abgesandten der jetzt in Eisen geschmiedet war diese
Arme nicht so sehr zurückgesetzt ich glaube die Liebe hätte ihre Gründe mich
nicht zu sehen überwunden Jetzt überwanden die Gründe Wer sieht gern Leute
die man recht zärtlich liebt wenn man so kümmerlich ist wie Mine war Ihre
Gründe
    »Die Pastorin nennt mich eine Verführerin Könnte ich es nicht werden Und
unter welchem Namen sollte ich unter wessen Schutz Was würden seine Bekannten
von mir denken von ihm sagen Wie und wo soll er mich sehen« Mine die überall
auf Gottes Wegen ging hatte schon der Majorin gesagt dass sie keinen Verwandten
in Königsberg hätte und dass sie nach L wollte Es war schon unterwegs
abgemacht dass man sie dorthin senden würde Eine gewisse fräuliche Delikatesse
die wenn sie Schwäche wäre selbst unserm Geschlecht angenehmer als Stärke ist
gab jedem Gedanken Nachdruck
    »Könnte man nicht denken ich wäre seinetwegen  Er kann und wird mich
sehen im Schoss meiner Verwandten  und sterbe ich  in der seligen Ewigkeit«
    Kurz es ward beschlossen nach L  Der Herr Major sagte Frau solch ein
Frauenzimmer hast du noch nicht gesehen und die Frau Majorin tat mir die Ehre
Notabene nachdem mein Andenken bei ihr aufgefrischt war bei dieser Gelegenheit
zu bemerken dass sie solch einen jungen Herrn als mich so leicht nicht gesehen
hätte Mitte schrieb »Dies kam mir so unerwartet dass ich feuerrot wurde 
Ich freute mich mein Lieber so sehr sich Mine freuen konnte«  Da Mine eine
Lust bezeigte die Stadt zu besehen so ward den Morgen eine Kutsche angespannt
Die Majorin machte Umstände mit Minen zusammenzusitzen Sie wollte gerade über
sitzen Endlich   Alle Augenblicke wenn Mine einen jungen Menschen sah fiel
sie zurück Sie glaubte mich 
                         Den nämlichen Tag nach Tische
                                Herr v G Ich
    Er Endlich
    Ich Ich bin auch heut noch zu beklommen ich habe noch kein empfängliches
Herz für die Natur  keinen Hunger und Durst  nach ihrer Milch und Honig Sie
nimmt es übel Bruder wenn man zu ihr kommt und sauer sieht
    Er Sie wird dich aufmuntern
    Ich Das tut sie nicht
    Er Ihren Lieblingen wohl und du sitzest ihr im Schoss
    Ich Wohin denn
    Er Das lass mir über Unser ehrlicher Major hat das weißt du Ursache es
übel zu nehmen dass wir nicht schon die Parole von ihm abgeholt  Ein paar
Pferde 
    Ich Meinetwegen Wen senden wir
    Er Uns selbst
    Ich Desto besser
    Er Zum Major
    Ich Zum Major
    Wir gingen nachdem wir uns umgezogen Schon sahen wir sein rot abgeputztes
Haus freuten uns unsere Kriegskameraden zu sehen und fragten einander  Da
begegneten uns ein paar Landleute im Wagen die uns hineinwinkten  Wir nahmen
diesen Wink entgegen  und fuhren ihren Weg nach Hollstein einem Lustorte bei
Königsberg Warum konnten wir nicht zum Major obschon wir das rot abgeputzte
Haus sahen Große Frage warum O Gott warum Eine kurze Freude für meine
Leser
    Der Weg nach Hollstein ist einer der schönsten den man fahren kann Auf der
einen Seite Wasser wo Schiffe sich kreuzen auf der andern die anmutigsten
Wiesen  Man könnte sagte einer in unserm Wagen um den Wiesen ein Kompliment
zu machen Billard darauf spielen
    Ich war blind und taub Wie konnte es anders Schon sechs Wochen über das
Vierteljahr und kein Brief von Minen
    Mine reiste den andern Tag nach L  zu ihren Verwandten  Wie sie zum Tor
hinaus fuhr fielen ihr wieder die Worte ein Man trug einen Toten aus der
Stadt der war der einzige Sohn seiner Mutter Sie konnte diese Worte nicht los
werden
    Mine schreibt »Mein Weg mein Lieber wie du schon weißt wie ich dir schon
tausendmal geschrieben habe ging himmelan überall himmelan«
    Sie fand ihren Verwandten auf dem Brette Seine Frau war schon längst
gestorben Müde und matt fiel Mine bei dem Anblick ihres Verwandten in Ohnmacht
Nachdem sie sich erholt hatte und den Toten ansah fand sie eine Ähnlichkeit
von ihrer Mutter in allen seinen Zügen Sie konnte ihr Auge nicht von ihm
lassen Sie selbst
    »Es sei mein Lieber dass alle Toten eine Ähnlichkeit haben die im Herrn
sterben ober der Selige hatte der Verwandtschaft wegen wirklich ähnliche Züge
von meiner Mutter Mir war es Zug an Zug  Lieber Gott dachte ich indem ich
ihn starr ansah nun habe ich auch einen Brief in den Himmel Du weißt doch
mein Lieber den Brief aus Mitau  Gott dein heiliger Wille geschehe  Nur
dass du mich nicht verlässest wenn ich diesen seligen Weg gehe  und die letzte
letzte Reise tue«
»Lass mich wenn ich sterbe
Mit der Schaar der Frommen
Aus Sturm und Wellen kommen
An den erwünschten Ort«
    »Wieder ein Wegweiser himmelan himmelan mein Lieber Ich glaube nicht dass
ich noch weit zum Ziele habe  Es kann es kann nicht mehr weit sein«
    »Ich wollte in Königsberg mich mit dem Fuhrmann und seiner Frau abfinden
die Leute hatten mir viel sehr viel Gutes getan allein weder er noch sie
waren zu einem Dreier zu bequemen Ich schenkte der kleinen Tochter die nicht
von mir ließ einen Kopfputz und mehr war den Leuten nicht aufzubringen  Sie
hatten mir gar zu essen und zu trinken auf den Weg gegeben ohne dass ichs wusste
 Mein Gott was gibt es doch für gute Menschen in der Welt Diese Güte bewegte
mich bis zu Tränen die Gott sei gepriesen sogleich da sind und mir sehr
treue und gute Dienste tun«
    Der Prediger in L  wahrlich ein Mann der nicht bloß betete sondern auch
arbeitete der nicht bloß lehrte sondern auch gab kam eben von der Erfüllung
des letzten Willens des Seligen Es hatte der Verstorbene verordnet da er keine
Erben hatte dass sein ganzer Nachlass an das Hospital und die Hausarmen gegeben
werden sollte Der gute Prediger hatte alle die frohen Züge der Armen in seinem
Gesicht die er veranlasst hatte und so kam er ins Trauerhaus  Einen Tag eher
und Mine hätte für die bewussten Armen in Mitau Anspruch auf diesen letzten
Willen machen können Es war seit undenklichen Jahren keine Nachricht von ihnen
in L  eingelaufen und der Selige glaubte sie schon alle da zu finden wo er
hinging
    »Auch die Hospitalitin« schrieb Mine »hätt ein Recht an dieser
Austeilung gehabt Ich prüfte mich vor Gott ob ich es einem beneidete auch
der es weniger wie ich nötig hätte allein ich bestand in der Wahrheit 
Mein Lieber ich bin verlassen allein Gott weiß dieser Gedanke kostet mir
keinen bitteren Augenblick  Keinen einzigen ist der verlassen der auf Gottes
Wegen geht Wenn mir einfällt wo Brod in der Wüste bild ich mir ein wenn ich
kein Brod habe werd ich auch keinen Hunger haben und das ist jetzt mein
unaufhörliches Denken solang ich bei der Leiche bin  und dann noch ein großer
über alle Massen wichtiger Gedanke ist mein bald wird mich gar nicht mehr
hungern und dürsten  und nicht mehr auf mich fallen Fröste des Schrecks und
keine Flamme der Anfechtung mich mehr ergreifen Ich fühl es Geliebter
innerlich obgleich mir äußerlich nichts anzusehen ist es werde bald Amen mit
mir sein  Glaub mir ich bin mehr dort wie hier ich sehne mich nach meiner
rechten Behausung denn kann ich nicht mit Wahrheit sagen Ich habe hier keine
bleibende Statt gefunden sondern die zukünftige such ich  Bald bald wird
man einen Toten heraustragen  Was sollt ich mich also grämen und wider Gott
murren der den Himmel ausbreitete und die Erde gründete und so groß er ist
doch auch meinen Schmerz wog Warum sollt ich murren und über die klagen die
den Nachlass meiner Verwandten in Empfang genommen Da ich den Herrn suchte
antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht  Er ließ mein
Angesicht nicht zu Schanden werden da mich v E und sein Botschafter sahen
Ich Elende rief und es hörte mich der Herr und half mir aus allen meinen
Nöten Der Engel des Herrn lagerte sich um mich her und schlug mit Blindheit
die mich greifen wollten  Du kannst nicht glauben Geliebter wie froh ich
bin froh bei einem Toten  Er ist entgangen ich werd auch entgehen  Von
ganzer Seele empfind ich die Worte Der Mensch lebt nicht vom Brod allein 
Ich habe so wenig Hunger dass ich noch drei Tage ohne Essen und Trinken bleiben
könnte Ich schmecke und sehe wie freundlich der Herr ist wohl dem der auf
ihn trauet«
    Der Pfarrer in L  fand Minen verehrungswürdig Er sah ihr an was sie war
Er war mit einem gestärkten Auge zu ihr gekommen Mit einem Anstande frei wie
die Tugend erzählte ihm dies liebenswürdige frische und muntere Mädchen einen
Teil der Geschichte ihrer Reise Sie blüht wie eine Rose allein sie fiel auch
so hin wie diese Indem sie mit dem Prediger sprach sank sie zur Erde  
Vielleicht dass sie der Teil der Geschichte den sie zurückbehielt so angriff
vielleicht dass die Krankheit wie es öfters geschieht den Ruhepunkt den sie
abgewartet hatte eben jetzt erreicht um auszubrechen
    Mine bemerkte zwar dass die Erscheinung des Herrn v E und seines Gesandten
ihr ganzes Wesen bebend gemacht und dass dieser Schreck sie mehr angegriffen
als alles  indessen half sie sich wieder aus Jetzt aber war ihr Stündlein
vorhanden  Sie konnte nicht mehr Sie sank  o Gott sie sank  Es ist
glaubt mir lieben Freunde mit Leben und Tod eine besondere Sache Der Mensch
bringt zwar die Ursache seines Todes mit auf die Welt  er stirbt an seiner
Geburt  allein man könnte behaupten dass der Tod immer wie ein Dieb in der
Nacht immer wie ein Blitz komme und dass man in gewisser Art jederzeit und
auch alsdann noch plötzlich sterbe wenn man gleich an einer Lungenkrankheit
stirbt Der Eintritt dieser Krankheit ist alsdann der plötzliche Tod und sobald
diese Sterbenskrankheit eingetreten sagt leben wir wohl noch  Wir hoffen
doch  Wir zweifeln willst du sagen und das ist wahrlich kein so glücklicher
Zustand Ein Hektikus der in der Lebenshoffnung wie man sagt am stärksten
sein soll ist er nicht schon immer tot wenn gleich er dem Arzt entgegen
hustet »Heut befind ich mich so leidlich«  Was er nicht weiß ist der
Augenblick da ihn die Welt tot nennt  Eigentlich ist er schon verschieden 
Was dünkt dich frischer Jüngling dich blühendes Mädchen was dünkt euch die
ihr dieses leset Wenn euch beim Wort sie sank ein Schauder durchs Herz fuhr
denkt daran so wird auch euer Tod kommen so wird er eintreten  Darum wachet
wachet Jeder so dieses Blatt liest alt und jung Ich beschwör euch alle bei
dem Gott der an den Tag bringen wird was im Dunkeln geschah und der den Rat
der Herzen offenbaren kann ich beschwöre jeden so dieses Blatt liest heute
heute  heute  eine gute Handlung im Stillen zu tun diese Handlung wenn es
möglich ist vor sich selbst zu verbergen  damit sie im Sterben euch Lust
zuwehe Heute Freunde heute folgt mir  heute noch
    Der Selige war ein großer Liebhaber vom Vögelsang Da er nicht mehr ausgehen
und ihn im Freien hören konnte hatte er verschiedene von diesen Sängern im
Zimmer  Ihr Gesang soll mich auch im Sterben nicht stören pflegte er zu
sagen Es ist der Ausbruch der Freude und der Unschuld es sind glückliche
Geschöpfchen Seine letzte Verfügung war seine Vögel nach seinem Tode ins Freie
zu lassen Zuweilen wünscht ich hatte er hinzugefügt dass ich ihnen etwas im
Testament legiren könnte  allein was würd ihnen ein Legat gegen die weite und
breite Welt sein die ihnen eignet und gebührt Mine war bei der Erfüllung
dieses letzten Willens den der gute Pfarrer mit sehr vieler Empfindung
befolgte Nach den ersten Begrüßungen an Minen war dies sein Geschäft Sie
brauchen kein Legat sagte der Prediger diese Weltbürger Auf jedem Aestchen
ist ihr Bette gemacht Gott sei mit euch fügte er hinzu und ließ die Vögel
fliegen
    Mine sank  der gute Prediger ermunterte sie allein er ah dass ihr das Herz
gebrochen war  sie war nicht mehr  Sie haben mich sterben gesehen sagte sie
zum Pfarrer  Das hab ich erwiderte er Der Bote des Friedens ließ sie nicht
von seiner Hand und bat sie mit ihm zu kommen  Dieses nahm sie als Gottes
Einladung an und dankte ihm herzlich für das Aestchen das er ihr anbot Mine
war so schwach dass sie sich gleich ins Bette legen musste sobald sie zum
Prediger kam
    Lasst mich kurz sein lieben Leser ihr könnt fühlen nicht wahr Ihr könnt
es  wie mir ist wenigstens hier und dort und da Lasst mich abbrechen und
leset mehr als da steht
    Die Dulderin konnte selbst ihren Verwandten nur durchs Fenster begraben
sehen Da man ihn einsenkte sank sie ohnmächtig hin und musste ms Bett getragen
werden  Sie sagte da sie wieder zu sich selber kam es wär ihr im sanften
Schlummer so vorgekommen als trüge man sie selbst ins Grab  Sie war zuweilen
sehr unruhig und blieb es so lange bis sie dem rechtschaffenen Geistlichen
ihren ganzen Lebenslauf gebeichtet und ihr schwer beladenes Herz gelichtet
hatte  Der redliche Mann stärkte und tröstete sie Er billigte diese so
engelreine Liebe die lilienkeusche Liebe wie er sie zu nennen die Güte hatte 
und was man Minen an ihren gebrochenen Augen ansehen konnte war da
    Die Absolution des guten Predigers machte Minen munter Dies kann man auch
bei einer großen Krankheit sein Man sah dass ihr Geist heiter war und nicht zu
sein aufhören würde wenn gleich der Körper dahin fiel  Er war so sehr dem
Körper überlegen dass der Prediger mich versicherte hieß wäre sein Beweis von
der Unsterblichkeit Ost sagte er hab ich dies gefunden und noch öfter hätt
ichs finden können wenn nicht die meisten Seelen im Koncurs stürben und von so
vielen Schuldnern überlaufen würden die sie nicht befriedigt so lange sie mit
ihnen aus dem Wege dieser Welt waren
    Mine wollte die Kommunion und zwar in der Gemeinde empfangen  Ich werde
sagte sie darin schmecken und sehen wie freundlich der Herr ist und wie wohl
denen auch dort sein wird die auf ihn trauen ich werd einen Vorschmack drin
von dem himmlischen Manna finden  Der Prediger setzte hierzu einen Tag an und
sie empfing die Kommunion mit zwölf Personen in ihrem Zimmer  Diese Zahl kam
ganz von ungefähr indessen fiel sie Minen sehr auf  »Gott lass doch keinen
Verräter unter diesen Zwölfen sein« Mine gab jedem von ihrer geistlichen
Tischgesellschaft die Hand  Wir sehen uns wieder sagte sie Die Danksagung
welche der Prediger aus der Agende nach der Kommunion las sprach Mine laut und
mit Seelenwonne mit Die Tochter des Predigers ein Mädchen von neunzehn Jahren
wollte durchaus sterben da sie Minen so sterben sah  Sie war immer um und bei
ihr Mine bat den Prediger nicht mit ihr zu beten  Dazu hatte sie keinen
Geistlichen nötig obgleich sie den Prediger sehr gern um sich hatte Sie
sprach beständig mit ihm von Sterbenden die er zum Tode vorbereitet hatte und
freute sich wenn sie von Leuten hörte die freudig aus dieser Welt gegangen
und deren Seelen so stark gewesen dass man ihnen die Vollendung angesehen  So
was sagte der Prediger überzeugt Man sieht in gewisser Art Geister  und so
wie sie sich aus dem Körper herausschlauben so werden sie sich auch zu seiner
Zeit beim Weltgericht aus dem Staube machen  Wenn Minchen allein war ging sie
im besonderen Sinne mit Gott um  Von langen Gebeten hielt sie nichts  auch in
gesunden Tagen nicht  Sie war das sah man das hörte man ihrer Sache gewiss
Sie war im Himmel bekannt Ich habe dort eine Mutter die mir gewiss
entgegenkommen wird pflegte sie zu sagen und dann wieder Ich behalte
denselben Gott in Kurland in Preußen im Himmel Ich verändere nicht den
Beherrscher sondern nur den Ort Ich zieh aus einer Provinz Gottes in die
andere Hier wohn ich zur Miete und dort werd ich Eigentümer sein  Es war
rührend sie sterben zu hören sie sterben zu sehen
    »O Gott lehre mich bedenken dass ich sterben werde dass mein Leben ein
Ziel habe dass ich davon müsse Lehre es jeden der dich liest«
    Auf einmal fiel es Minchen ein mich noch zu sehen  Da sie gewiss zu
sterben gedachte sprach sie von unserer Verbindung mit so wenigem Rückhalt dass
sie mich gegen den Prediger ihren Mann hieß Der Prediger sprach auch von uns
wie von Verlobten Gretchen die Tochter des Predigers wusste einen großen Teil
von meiner Geschichte nur gegen die Predigerin war man zurückhaltend  Man
ließ sie selbst selten zu Minen obgleich sie sich recht nach ihr sehnte Sie
neigte sich sehr zur Schwermut und man musste alles entfernen was diesem
Temperamente Nahrung gab Bei ihren letzten Wochen war einer von den drei
Lindenbäumen die vor dem Pastorhause standen ausgegangen dies hatte sie sich
so zu Gemüte gezogen dass vorzüglich jeder Lindenbaum sie gleich zum Tiefsinn
brachte Wenn die Linden blühten war sie immer in Tränen Die gemeinen Leute
nannten es eine Lindenkrankheit  Sie fand indessen auch in andern Vorfällen
Anlässe zur Traurigkeit und Nahrung für ihre Schwermut Die gute Pastorin hatte
sich eingebildet dass der Lindenbaum vor dem Pastorat da er in ihrem
Geburtsjahre gepflanzt worden jetzo ihren Tod ankündige und ihr Vorläufer ihr
Johannes sein würde Gewiss hat dieser Baum ihr Leben mitgenommen  Sie weinte
oft am heitersten Tage  Der arme Prediger welcher anfangs alle Mittel
angewendet hatte diese Krankheit zu heilen sah wohl ein dass sie nicht heilbar
wäre
    Oft musste er ihr sogar die Bibel wegnehmen Sie war nicht aus den
Klageliedern Jeremiä den sieben Busspsalmen und der Offenbarung Johannis
herauszubringen  und im Gesangbuche waren die Totenund die Abendlieder ihre
Sache »So komm doch auf einen grünen Fleck« sagte der kreuztragende Prediger
allein sie blieb wo sie war  Sie sah in jedem Grün die Linde vor ihrem Hause
Es war diesem Baum sein Taufattest sein Pflanzjahr eingeschnitten und also
wusste sie gewiss dass sie eines Jahres Kinder waren  Zuweilen kam die
Schwermut der Frau Predigerin bis zu Ausbrüchen Dann waren ihre Begriffe alle
durcheinander
    Was meinen Sie lieber Pastor sagte Mine soll ich ihn noch sehen Ihre
Gründe hatte sie jetzt alle aufgegeben Der Prediger war für der Arzt wider Es
war betrübt anzusehen Sie wollte mit ihrem Arzt darüber sprechen allein das
konnte sie nicht Sie hatte kein Wort unmittelbar mit ihm gewechselt Er war
sehr hartörig  und eines der Hauptübel die sich bei Minen äußerten war
kurzer Atem und Brustschwachheit Da man dem Arzt s Wünsche ins Ohr
schrie widerriet er Nichts setzte er hinzu was sie angreift Der erste
Blick ihres Freundes würde ihr letzter sein  Die geringste Spannung würde ihre
Nerven in Stücke reißen
    Mine war es zufrieden oder musste es zufrieden sein da der Prediger dem
Arzt beitrat Sie erholte sich allein nicht zum Leben sondern zum Tode wie
sie selbst bemerkte indessen danke sie ihrem Arzt mit einem Händedruck
Zuweilen stand sie auf sah nach dem Grabe ihres letzten Verwandten ließ sich
von fern die Gräber der Frau dieses frisch Begrabenen und ihrer Kinder zeigen
Sie waren alle mit einer kleinen in die Höhe stehenden Tafel bezeichnet worauf
ein Spruch stand Die Tochter des Predigers musste sie lesen gehen und sie Minen
erzählen  das Auge reichte nicht so weit
    Auf seiner Tafel standen die Worte Daniel 12 V 13 Du aber Daniel gehe
hin bis das Ende kommt und ruhe dass du aufstehest in deinem Teil am Ende
der Tage  Er hieß Daniel
    Auf der Tafel seiner Frau Hiob 7 V 2 3 Wie der Knecht sich sehnet nach
dem Schatten und ein Tagelöhner dass seine Arbeit aus sei also sind mir
elender Nächte viel worden
    Auf dem Grabe der Tochter Buch der Weisheit 3 V 1 Der Gerechten Seelen
sind in Gottes Hand und keine Qual rühret sie an
    Auf dem Grabe des Sohnes 2 Samuelis 12 V 23 Ich werde wohl zu ihm
fahren Er kommt aber nicht zu mir
    Mine eignete sich diese Denksprüche zu Es war ihr Stammbuch und jedes Grab
brachte sie auf das Grab ihrer Mutter Ost machte sie die Augen dicht zu um
wie sie sagte mit ihrer Seele in nähere Bekanntschaft zu treten und zu
versuchen wie es ihr nach dem Tode sein würde Zuweilen saß ich schon so fuhr
sie fort wie ich noch lebte wenn ich mich sehen wollte ich machte eine
Schlafende um desto besser über die Fragen Wo kommst du her Wo willst du hin
Auskunft zu finden Ich kehrte mein Auge in mich und ab von der Welt und von
dem was in der Welt ist Da ließ ich mich denn nicht aus den Augen ich konnte
mir selbst nicht entlaufen und welche selige Stunden habe ich auf diese Art
zugebracht Jetzt übe ich mich auf gleiche Weise zu sterben  Sie pflegte zu
Gretchen des Pfarrers Tochter zu sagen Da war ich über drei Stunden zur Probe
tot
    Es war den   ein Tag da sie sehr munter war und da sie zu Gretchen sich
ausliess Mich dünkt liebe Freundin es geht mir wie dem Könige Hiskias Ich
hörte die Stimme Beschicke dein Haus denn du wirst sterben und nicht leben
bleiben und nun geht der Schatten hinter sich zurück zehn Stufen am Zeiger
Ahas die er war niederwärts gegangen  Mine wollte nicht für sich sondern für
mich leben Mine und Grete waren diesen Morgen froh mit einander allein
wahrlich eine kurze Freude denn Mine und das ganze Haus hatten einen Schreck
der Minen auch den letzten Herzensrest gab
    Um die Sache in ihrem Zusammenhange zu zeigen müssen wir aus diesen
Vorhöfen des Himmels in die arge böse Welt zurück
    Alle Boten zu Wagen zu Pferde und zu Fuß die Herr v E ausgesandt hatte
kamen ohne Minen zurück allein nicht ohne Spuren welchen Weg sie genommen Es
war völlig klar und deutlich ausgemittelt dass sie in L  bei ihren Verwandten
sich aufhielt Hermann wie es sich von selbst versteht hatte zu dieser
Klarheit und Deutlichkeit einen Familienbeitrag geliefert Er stand als ein
Gefängnisswärter der eine Staatsverbrecherin entfliehen lassen indessen
begegnete ihm Herr v E der zu seinen Absichten noch auf Hermann mehr als
einen Anschlag in petto hatte leidlich  das heißt er schlug ihm nicht vorn
Hals er spie ihm nicht ins Gesicht hob seinen Fuß nicht auf wider ihn
    Was ist zu tun frug Herr v E Das ganze Haus und niemand wusste was zu
tun wäre Endlich fiel es ihm ein ein Gutachten von ein Paar Rechtsgelehrten
die ihren Schnitt verstanden für Geld und gute Worte einzuziehen Diesen zweien
ward noch einer zugesellt um die Sache von allen Enden zu fassen Herr v E
dirigirte Die preußischen Staaten hat uns der Teufel zur Nachbarschaft
zugemessen sagte Herr v E Aus der Hölle ist keine Erlösung setzte einer von
den dreien hinzu
    Das consilium juridicum eröffnete seine Session Hermann war Beisitzer 
Die Sache musste in höchster Eile getrieben werden Einer der Rechtsgelehrten
der wie er selbst zu bemerken die Ehre hatte sich in allen Fällen am Kopf zu
halten gewohnt sei schlug vor an den König selbst zu schreiben Er ist das in
Preußen was Ew Hochwohlgeboren auf Ihren Gütern sind setzte Hermann hinzu
Herr v E war für dieses Kompliment in höchsten Gnaden dem Hermann wohl
beigetan Die andern zwei Rechtsgelehrten die sich nicht so sehr am Kopf zu
halten gewohnt waren brachten ein Anschreiben an die Landesregierung in
Königsberg in Vorschlag mit welcher die curische Regierung in
freundnachbarlichem Vernehmen wie sie nach der Liebe hofften stünde Dieses
Votum ging durch Der Thron bleibt uns  sagten sie alle bis auf den Kopfhalter
  Wenn Ew Hochwohlgeboren fing derselbe oder Herr a ich will die drei
Rechtsgelehrten mit ihrer Erlaubnis a b g nennen nach einer Weile an nur
innerhalb vierundzwanzig Stunden von ihrer Flucht Nachricht eingezogen 
    Wenn sagte Herr b
    Und wenn Herr g
    Der Edelmann hat in Kurland das Recht wenn ihm sein Untertan entlauft ihn
innerhalb vierundzwanzig Stunden zu nehmen wo er ihn findet und Hand an ihn zu
legen auf jeglichem Boden Nach der Zeit wird der Untertan gerichtlich
gefordert doch wird stehenden Fußes obtorto collo verfahren und gehts hiebei
eins zwei drei wie denn das Recht der Wiederforderung obschon der Menschen
Leben siebzig und wenns hoch kommt achtzig währt allererst in hundert Jahren
verjährt
    Das hochweise Konsilium sah Minen als eine Untertanin des Herrn v E an
und niemand fiel ein Wort zum Widerspruch ein Der Literatus Hermann pro
tempore Assessor wollte  allein konnt er Man disputirte in die Kreuz und die
Quere Herr a der sich gewöhnlich am Kopfe hielt und der sich das Ansehen gab
als säße er unter einem Baldachin und einer von seinen Kollegen ihm zur
Rechten und der andere ihm zur Linken schüttete so viel Gelehrsamkeit über die
Rückforderung der Untertanin aus dass die Städte bei dieser Gelegenheit übel
wegkamen wie gewöhnlich in Kurland
    Herr b nahm sich der Städte an indessen sah man nach vielen Streifereien in
andere wiewohl mit den gegenwärtigen verschwägerte Materien wie Herr a sich
ausdrückte ein dass die Städte in Kurland gar nicht zum Gutachten gehörten
indem von Preußen die Rede sei
    Ich besitze eine Abschrift des bei diesem Blutgerichte geführten Protokolls
Herr a brachte des Kopfes wegen in Vorschlag dass das Pro und Kontra bei
dieser Sache genau verzeichnet werden möchte und eben dieser Vorschlag des
Herrn a würde mich in Stand setzen eben so ganz als ich diese Verhandlung
empfangen habe sie meinen Lesern mitzuteilen wenn das meiste in diesem
Protokolle nicht Dinge wären die ganz und gar keine Beziehung auf den
gegenwärtigen Fall haben Juristische Hobelspäne  Wozu die kunsterfahrnen
Einschaltungen wie es mit dem Grossherzogtum Littauen und mit Liefland ehemals
in dergleichen Angelegenheiten gehalten worden und jetzt gehalten werde welches
der Protokollist alles getreulich und sonder Gefährde mit einverzeichnet Der
gelehrte a hatte ihm befohlen nichts auf die Erde fallen zu lassen was sie
quirlen und nach Beschaffenheit kochen würden und dies war die Ursache warum
der Protokollist ganz fremden zur Sache nicht zweckenden Materien das Gastrecht
in seinem Protokoll angedeihen ließ Herr  so hieß der Protokollist war
damals ein junger Mensch der durch diese Proben wie Gold geläutert und bewährt
werden sollte und ist jetzt  mein Rechtsfreund  Außer den Protokollen hab
ich viel von ihm mündlich  Aus allem nur ein Extract
    Es ward ein Gesuch beliebt kraft dessen Mine als eine Untertanin vindicirt
werden sollte Auf einmal fiel es dem ganzen Koncilio wie es sagte zum Glück
ein dass die Sache ob und in wie weit Mine wirklich Untertanin sei sehr
leicht zur nähern Untersuchung in Preußen fortgesetzt werden könnte wenn man
sie und was ist gewisser in Preußen über ihren Statum befragen würde Ei
dann sagte Herr a ei dann b ei dann g und ei dann der Beisitzer dieses
Konciliums der sich herzlich freute dass seine Tochter ohne sein Zutun
emancipirt war
    Herr a wünschte seinen Gedanken denen er ob periculum in mora Zaum und
Gebiss anlegen musste freien Lauf lassen zu können In obscuro libertas
praevalet l 5 ff de fideic libert und Favor libertatis saepe benigniores
sententias exprimit lib 32 in f ff ad L Falcid Er war im Begriff noch
mehr für die Ehre der Freiheit anzuführen wovon ein rechtskräftiges oder
rechtsgestärktes Auge auch selbst im monarchischen und seinem Gränznachbar im
despotischen Staat schöne Ruinen finden würde allein Herr v E als Präsident
dieses Kollegiums bat weil es ein agonisirender Fall wäre um ein geschwindes
Recept  welches Herr b und Herr g die dem gelehrten Herrn a nicht gleich tun
konnten auch sehr notwendig fanden Der völlige Abschluss war folgendes Gesuch
das in pleno bis auf die letzten Kleinigkeiten ins Unreine und ins Reine
gebracht ward
                    Durchlauchtigster Herzog
                    Gnädigster Fürst und Herr
    Das Ableben meines Vaters legte meiner Mutter der  v E geborenen v R
die Verbindlichkeit auf die Sorge für seine beträchtlichen Güter eine geraume
Zeit zu übernehmen denn meine auswärtigen Verbindungen ließ mich nicht eher
als jetzt den Wünschen meines Herzens genügen um mein Vaterland wieder zu
sehen das ich auch selbst auf allen meinen Reisen nicht verlassen hatte Wie
glücklich dünkte ich mich zu erfahren dass Kurland als frei und gerecht weit und
breit bekannt ist Diese großen Eigenschaften meines Vaterlandes nehm ich bei
einem Vorfall in Anspruch der so klein er beim ersten Überblick erscheint
ins Große übergehen könnte Meine Mutter ich muss es ohne Rückhalt gestehen
hatte durch ihre Gelindigkeit die den Gütern Angehörigen von genauer Erfüllung
ihrer Pflichten abgebracht anstatt dass diese meiner Mutter eigene Denkungsart
ihr die Herzen aller Untertanen zuziehen sollte Besonders gab eine gewisse
Wilhelmine   durch unerträglichen Stolz und Ungehorsam ein so schlechtes
Beispiel dass da meine Ermahnungen nichts bewirkten ich ihr drohen musste
Diese wohlgemeinte Bedrohung die in den Gränzen der Worte blieb und gewiss
nicht anders als im höchsten Notfall weiter herausgerückt sein würde brachte
die besagte Person so sehr aus allen Schranken des Gehorsams und der
Verbindlichkeit dass sie es für gut fand flüchtigen Fuß zu setzen und ein
höchst nachteiliges Exempel zurückzulassen Hierbei blieb es nicht sondern es
lehrt die Anlage dass besagte Wilhelmine noch mehr Pflichten durch eben diesen
Austritt verletzt indem sie diebischer Weise verschiedene Sachen an sich
gebracht welche sie teils verkauft teils leibhaftig oder in natura
mitgenommen
    Das Korpus delicti bei diesem Diebstahl ist wohl ganz unstreitig bewiesen
da wegen der geschehenen Entwendung und der dabei beabsichtigten Gewinnsucht
alles entschieden ist die künftige mit der Läuflingin zu haltende Untersuchung
wird die Größe des Diebstahls noch genauer begränzen indem vorderhand nur ohne
alle Nebenrücksichten die Frage sein kann ob Wilhelmine  eine Diebin sei Die
Flucht der besagten Person würde dem angeschlossenen Protokoll noch einen Grad
der Gewissheit erteilen wenn noch mehr Gewissheit erforderlich wäre und die
Sache nicht schon an sich da und offen läge Denn was ist auffallender als dass
Wilhelmine   welche wenige Tage nachdem sie die Sachen verkauft
entsprungen bloß aus Furcht vor der Strafe sich entfernt zu diesem Behuf
abgelegene Straßen gesucht und den Weg nach Preußen genommen Der Umstand dass
ihr Begleiter sogar den Martin Jakob Kegler mörderischer Weise ums Leben bringen
wollen erschwert ihr Verbrechen so ungemein dass man die Tücke des Herzens
dieser Unglücklichen im ganzen hässlichen Umfang erblickt Ein wohlgeführtes
Leben ist für die Unschuld ein alles überredender Verteidigungsgrund und wenn
selbst nach einem viele Jahre her geführten guten Lebenswandel jemand wegen
eines Verbrechens in Anspruch genommen wird ist und bleibt der vorige gute
Lebenswandel ein unbezweifelter Linderungsgrund
    Ludovici de praesumt bonitat
    Wenn aber der Lebenslauf des Bezichtigten wider ihn das Wort nimmt und eine
Kette von schlechten Äußerungen ist kann da ein An und Sachwalt eine
Verteidigung ich will nicht sagen unternehmen sondern auch selbst wagen
Wilhelmine   ist eine so boshafte Person dass sie mit der Besserungsaussicht
präcludirt zu sein scheint Es sind selbst schwerlich wenn ich mich hier dieses
Ausdruckes bedienen darf gute Stunden heitere Abwechslungen dilucida
intervalla von ihr zu erwarten Damit ich indessen Ew Durchlaucht nicht zu
beschwerlich werde so sei es mir erlaubt meinem eigentlichen Gesuch näher zu
treten Es ist die mehr besagte Wilhelmine   nach Preußen geflüchtet und hält
sich in L  im  schen bei ihren Anverwandten Namens   auf Ich ersuche also
Ew hochfürstliche Durchlaucht untertänigst gehorsamst die preußische
Landesregierung zur Notund Rechtshülfe zu ersuchen besagte Wilhelmine  
nach Sicht dieses nachbarlichen Requisitorialausschreibens dingfest zu machen
und unter Bedeckung bis an die Gränzstadt Memel gefälligst auszuliefern wo ich
sie entgegenzunehmen und wegen des Gewahrsams die erforderlichen Einrichtungen
zu treffen nicht ermangeln werde
    Dieses Gesuch bedarf keiner Unterstützung in Rücksicht der preußischen
Regierung denn obgleich wie es die Archive nachweisen in altern Zeiten
Bauernforderungen zwischen Preußen und Kurland vorgefallen so ist doch nach der
Zeit keine Nachfrage weiter deshalb vorgefallen Der curische Landtagsabschied
von 1624 setzt im § 23 fest »Wir wollen auch alle fremden Bauern ausantworten
welches eine edle Ritter und Landschaft ebenmässig zu tun verbunden
ausgenommen welche über dreißig Jahre nicht abgefordert und verjähret worden«
und so wie ich Ew Durchlaucht tiefuntertänigst anflehe diese Stelle mit der
Urschrift gegeneinanderhalten und als stimmig vergewissern und attestiren zu
lassen so werden Ew Durchlaucht auch der königlichen Landesregierung in
Königsberg die Versicherung wenn sie erforderlich wäre erteilen dass nach
diesem Abschiede verfahren und vorzüglich die preußischen Läufer ohne Anstand
ausgeliefert worden wovon sowohl der Stadt Memel als dem königlichen Amte
AltofMemel Beispiele bekannt sein werden Die Seltenheit der Fälle entscheidet
nichts zu meinem und zu Curlands Nachteil denn die preußischen Gränzen sind
besetzt und so geschlossen dass selten ein Läufling sich durchzudringen
Gelegenheit findet
    Wenn diese Auslieferung indessen schon bei Bauern von curischer Seite
beobachtet wird so werd ich um so mehr bei einer Diebin Störerin allgemeinen
Ruhe ja selbst einer Mordanführerin auf diese Rechtshülfe Anspruch machen
können
    Es ist eine Sache der Menschheit dergleichen Verbrechen zu strafen und
ohne mich in einen Streit einzulassen was für ein forum das vorzüglichste sei
ob das des delicti des domicilii oder deprehensionis so ist wohl offenbar dass
Preußen keines von allen dreien ist sondern allererst durch das Angesuch Ew
Durchlaucht bewogen wird die Wilhelmine   dingfest zu machen so dass also
diese Deprehension Namens Ew Durchlaucht geschieht und was ist wohl
angemessener als da das Verbrechen zu untersuchen wo es vollbracht worden
Hier bieten alle Umstände dem Inquirenten die Hand und würde man nicht selbst
dem Endzweck der Strafe entgegenhandeln wenn man an einem mit dem Verbrechen
unbekannten Orte die Strafe vollziehen wollte Bei diesen sehr auffallenden und
in gesitteten Staaten allgemein beliebten Grundsätzen bin ich der Erhörung
meines Gesuchs gewiss und könnte mit der vollkommensten Zuversicht schließen
wenn ich nicht noch untertänigst gehorsamst bemerken müsste wie außer den
bezeichneten Lastern die der Wilhelmine   natürlich geworden die Liebe zu
Unrichtigkeiten mit gehört welche ohnehin beständig sowie mit allen Lastern
so vorzüglich mit der Dieberei in Gesellschaft zu treten pflegt Wenn also ein
Verhör mit ihr veranlasst werden sollte so würde ihre Verschlagenheit die alle
Gestalten sich zuzueignen versteht der Sache ganz andere Wendungen beilegen
Dieses zwingt mich zu einer Beischrift meines untertänigen Gesuchs die
königlich preußische Landesregierung zu requiriren die Wilhelmine   ohne alle
Weitläufigkeiten einzuziehen und zu transportiren
    Der Einfluss den dieser ins Publikum dringende Vorfall auf meine Güter hat
ist unaussprechlich und kann nur dadurch den Fremden die unsere Landesart
nicht kennen begreiflich gemacht werden dass die Letten so wie alle begränzte
eingeschränkte Menschen mehr nach Exempeln als nach Grundsätzen leben
    Damit allendlich wegen der Person der Wilhelmine   keine Irrung entstehe
ist selbige in Absicht ihres Körpers das Gegenteil von dem was man gewöhnlich
nennt ihr Wuchs selbst ist zwei Finger breit über das Gewöhnliche den gang und
gäben Weiberwuchs Sie hat nichts Kleinigliches und nichts Kindisches sondern
gränzt aus Männliche allein es ist demungeachtet nichts männlich an ihr  Sie
ist schlank sehr gesund rot und weiß hat schwarzes Tint allein nicht
Zigeunerhaar große stimmige schwarze Augen wo aber nichts Gutes wohnt In
der Mundgegend die Zähne nicht ausgenommen liegt Spott und Hohn Ihre Sprache
ist klingend ihr Gang kräftig und entschieden Sie sieht mehrenteils aus als
ob sie Kreuz trüge allein sie ist eine Heuchlerin und Spitzbübin von Haus aus
    Die mir durch die Willfahrung meines auf Gleich und Recht sich gründenden
Gesuchs zu erzeigende landesväterliche Huld Gnade und Gerechtigkeit werd ich
lebenslang verehren und niemals aufhören mit so viel Ehrfurcht als Treue zu
sein
                        Ew hochfürstlichen Durchlaucht
                                                      untertänigst gehorsamster
                        v E
        Actum   den  
    Des Herrn v E auf   Hochwohlgeboren erklären wie sehr entfernt Sie
wären gleich bei dem Antritt der väterlichen Erbgüter auch nur durch eine
anscheinende Härte sich die Zuneigung und Liebe Ihrer Untertanen zu entziehen
und stellen den leiblichen Vater der entlaufenen Wilhelmine   vor Gericht um
wegen ihrer strafbaren Aufführung gewissenhafte Anzeige zu tun
    Es wird bemerkt dass man den Vater der Gewohnheit gemäß zu seiner Anfrage
rechtlich vorbereiten und mit einem Eide belegen wollen Der Herr v E indessen
bittet bei dieser Gelegenheit den so betrübten Vater insoweit es rechtlich
bestehen könnte zu schonen Soviel fällt sehr auf dass ein leiblicher Vater das
Verbrechen der Tochter nicht vergrößern werde und würde also nur bloß zu
besorgen sein dass er aus väterlicher Neigung vielleicht zu wenig anbringen und
der Sache einen Anstrich zuwenden dürfte In dieser Rücksicht wird dem Publiko
sein Recht bei der künftigen nähern hier mit der Wilhelmine   anzustellenden
Untersuchung ausdrücklich vorbehalten und der höchst betrübte Vater vorgelassen
    Er heißt    ist achtundfünfzig Jahre alt luterischer Religion Der
gegenwärtige Fall drückt ihn so schwer dass er nicht aus noch ein weiß Seine
Tochter Wilhelmine   hat von Jugend an einen Trieb zur Widerspenstigkeit
geäußert und sowohl ihm als seiner verstorbenen Ehegattin viele betrübte Tage
zugezogen Ihr Wortauffang ihre Spitzfindigkeit ihre Griffe und Hinterhalte
konnten einem gutgesinnten Vater freilich keine Freude machen wozu die
Ungeratene es auch nie anlegte Nach dem Tode seiner Ehegattin äußerte sie den
Trieb zur Unregelmässigkeit noch näher vorzüglich empörte sie sich wider eine
Heirat die er zu unternehmen mit Hilfe Gottes entschlossen Diese und andere
Umstände hatten den Komparenten notgedrungen sie im Hofe zu   anzubringen wo
sie anstatt sich die gnädige Zuneigung der hochwohlgeborenen Herrschaft zu
erwerben sich auf eine strafbare Art führte Ich habe nicht verfehlt sie
väterlich zu ermahnen so vielen unverdienten gnädigen Gesinnungen nicht
entgegen zu sein bemerkte der Vater um seine eigenen Worte beizubehalten
allein diese Zusprache wollte nicht Platz greifen Güte wiegelte sie noch mehr
auf bis sie dem zurechtbeständigen Kontract zuwider der mit der
hochwohlgeborenen Gutsherrschaft verabredet getroffen und geschlossen ist das
Weite suchte nachdem sie vorher ihre Hände nach unrechtem Gute ausgestreckt und
verschiedene Sachen und Barschaft Geld und Geldeswert diebischer Weise
mitgenommen
    Komparent zeigt ein Verzeichnis vor und verbindet sich solches bei der
künftig wider seine Tochter zu eröffnenden Untersuchung zu den Akten zu legen
                                       
    Es wird dem Komparenten aufgegeben abzutreten allein vo dem Abschluss des
gegenwärtigen Verhörs sich nicht zu entfernen
    Das Verzeichnis der entwandten Sachen bleibt in richterlichen Händen um
davon bei diesem Verhör Gebrauch zu machen
                                       
    Ob es gleich aus dieser väterlichen Anzeige schon vollständig erhellt dass
mehr besagte Wilhelmine
    a als eine Dienstpflichtige sich selbst zur wohlverdienten Strafe und
andern zum schreckenden Beispiel dingfest zu machen nicht minder dass
Wilhelmine
    b unstreitig als eine Diebin zu nehmen die nicht als eine ausgetretene
Person etwa bloß der Dieberei bezichtigt worden sondern deren Diebstahl völlig
am Tage ist so sind doch um die Sache noch mehr zu ergründen einige Zeugen
wegen der Dienstflicht der Wilhelmine   und ihrer Dieberei vernommen
    Des Herrn v E Hochwohlgeboren benahmen eine lange Reihe von dergleichen
Zeugen wovon aber nur einige zum Verhör vorgelassen werden Der erste unter
diesen Ausgewählten ist Johann Peter Beifuss von welchem nachdem er wohl
ermahnt worden die reine Wahrheit zu sagen folgendes vorschriftsmässig zum
voraus bemerkt wird Er heißt Johann Peter Beifuss ist ein Deutscher und steht
in Diensten Sr Hochwohlgeboren des Herrn v E Sein Alter ist siebenunddreissig
Jahre und seine Religion die luterische Zur Sache
    Wilhelmine   hat ihrer Geburt nach nichts Solideres erwarten können als
die Lage in welche sie ihr Vater gebracht indessen war ihr störrisches
Betragen so unausstehlich dass wohl sonst schwerlich jemand anders als eine so
gut denkende gnädige Herrschaft so nachgebend sein könne Man gab so vieler
Hintergehung unerachtet nicht alle Hoffnung auf sie auf den rechten Weg
zurückzulenken dem aber die Läuferin bei aller Gelegenheit auswich Von ihren
ersten Lebensjahren ist dem Zeugen zwar nichts Genaues bewusst indessen war
Wilhelmine   als eine dem Stolz und Eigensinn ergebene Person jederzeit
bekannt die Flitterstaat und Frechheit liebte wie denn bei dem unerwarteten
Tode ihrer Mutter die Rede gefallen dass sie selbige ins Grab geärgert
Komparent besinnt sich sehr genau wie Wilhelmine   bei dem Begräbnis ihrer
Mutter so leichtsinnig gewesen dass sie anstatt ihre Augen auf den Sarg zu
heften mit selbigen herumgeschweift und flankirt auch solche zum allgemeinen
Ärgernis einem jungen Menschen zugebracht mit dem sie einen unanständigen
Verkehr getrieben Komparent steht an diesen jungen Menschen zu nennen
obgleich die Sache an sich jedermann Jung und Alt bekannt sein soll Die Steine
würden schreien fügte er hinzu wenn nicht jedermann Jung und Alt in   wo
die Läuflingin zu Hause gehört reden sollte Ich selbst fährt er fort bin ein
Augenund Ohrenzeuge gewesen wie Wilhelmine   den gnädigen Ermahnungen des
Herrn v E Hochwohlgeboren widerstand die doch nichts als ihr wahres Heil
bezweckten
    Mit ihrem leiblichen Vater lebte diese heillose Wilhelmine   in einer
ärgerlichen Feindschaft Der ehrliche Mann der auch am besten weiß wo ihn der
Schuh drückt wollte zur zweiten Heirat schreiten allein Mine vertrat ihm den
Weg das machte in der ganzen Gemeinde gwaltiges Aufsehen indessen ging es ihr
vor genossen aus und sie kam jetzt und immer ungeschlagen davon
    So viel weiß Zeuge gewiss dass die Ermahnungen des Herrn v E
Hochwohlgeboren an die Entwichene von keiner Härte begleitet gewesen und dass
der Zwang sie vielleicht weit eher in das Verhältnis gebracht haben würde Sie
hätt einem jeden als eine solche geschienen die fühlen müsste weil sie nicht
hören wollte Ihr Beispiel hat sogar viele von ihrem Gelichter zu einem gleichen
Aufruhr gegen die Wohlmeinung des Herrn v E Hochwohlgeboren gelenkt der nur
eben die Güter angetreten und die Liebe selbst wäre
    Sonst sei die Flüchtlingin nicht uneben wende aber sowohl Geistes als
Leibesgaben nicht zum Nutzen des Nächsten an wie aus dem Obigen sich ergeben
würde
    Nichts sei zuverlässiger als der Diebstahl oder die Diebstähle denn
schwerlich könnte die Läuflingin aus einmal so viel entwendet haben Wer weiß es
nicht fährt Komparent fort dass sie im Dorfe viele gestohlene Sachen versilbert
und dass sie eine Menge Sachen in Päcken mitgenommen Den eigentlichen Wert des
Diebstahls kann Komparent zwar nicht abwiegen indessen glaubt er dass ohne
viele Stücke nach dem Lieblingswert zu würdigen der Diebstahl wohl einhundert
Reichstaler Albertus wiegen und betragen könnte Komparent bedient sich des
Ausdrucks da er die Verschlagenheit der Wilhelmine   und ihre
Verkleisterungs und Verflechtungskunst beschreiben will sie sei verstandflink
und versichert dass sie sich in einen Engel des Lichts lügen und ausstaffiren
könnte welches zur Steuer der Wahrheit mit verzeichnet wird Auf die Frage ob
und in wie weit Komparent Leute namhaft zu machen wüsste denen Wilhelmine  
Sachen verkauft erwiderte er Ich kann viele nennen
    Die Amtmännin   und die Schwester dieser Amtmännin ein noch
unverheiratetes Mädchen fallen ihm urplötzlich ein Es ist so gewiss als
irgend etwas sein kann und als meine Aussage ist sagt Komparent dass Wilhelmine
  längstens Handel und Wandel getrieben wo war auch ihr Prunk hergekommen
wenn es nicht unrichtig zugegangen wäre Es wird dem Komparenten wörtlich seine
Aussage vorgehalten welche er in allen Punkten sich zueignet Von den Umständen
der Flucht weiß Beifuss nichts Zuverlässiges indessen gibt er an wie Kegler
hiervon vollständig unterrichtet sei indem er ihr auf Hochwohlgebornen Befehl
nachgesetzt und überlässt es der Erkenntnis ob und in wie weit dieser Martin
Jakob Kegler noch zum Verhör zu ziehen sein werde
    Martin Jakob Kegler wird vorgefordert wohl ermahnt die reine klare
Wahrheit auszusagen und solche nicht zu lassen um Liebe ober Leid um
Freundschaft oder Feindschaft um Geschenk oder Gabe und um keinerlei Ursache
willen Vorläufig wird bemerkt dass Komparent Martin Jakob Kegler heiße im Hofe
wird er Jakob genannt Er ist im Dienste Gr Hochwohlgeboren des Herrn v E
Seine Religion ist die luterische Alt ist er fünfundzwanzig Jahre In
Rücksicht der Sache selbst stimmt er in seinen Aussagen mit dem Beifuss
pünktlich außer dass er wegen der Flucht der Wilhelmine   noch folgende
Umstände nachträgt
    Es ward ihm aufgegeben die Flüchtlingin einzuholen nachdem ihre Flucht und
ihr großer Diebstahl zu jedermanns Wissenschaft drang Nach einigen fruchtlosen
Bemühungen war er wirklich so glücklich sie auf der Flucht zu erspüren und zu
bezirken da indessen sein Auftrag sich nicht weiter erstreckte als die
Läuflingin gütlich zur Rückkehr zu bequemen blieb er bei der Verfolgung dieser
Läuflingin unbewaffnet Sobald er sie traf machte sie einen Schrei welcher ihm
zwar sehr auffiel indessen hätt er sich eher den Tod wie er bemerkt als die
Folge vorgestellt welche dieser Schrei wirklich gehabt denn es war ein
Hülfsund Notzeichen und sogleich stürzte eine starke Mannsperson auf ihn zu
mit einem Messer mit welchem er den Komparenten nicht etwa bedrohte sondern er
stürmte los auf ihn und würd ihm auch wirklich auf der Stelle das Leben
genommen haben wenn er sich nicht zu retten gesucht hätte Wilhelmine  
forderte diesen Mörder mit Gebärden und Worten auf setzte Komparent hinzu mich
zu verfolgen indessen war mein Pferd aller dieser Bemühung überlegen Dieser
unglückliche Vorfall brachte den Komparenten nicht ab der Flüchtlingin
nachzusetzen vielmehr sprengte er ins nächste Dorf um sich zu verstärken Er
hatte Mühe wegen der Feldarbeit ein paar Männer für Geld und gute Worte zu
Stande zu bringen Er ritt mit zwei herzhaften Begleitern  wir alle drei wie
die Bären sagte er allein Wilhelmine und der Mörder anders kann ich ihn nicht
nennen waren nicht aufzufinden  ihre Stätte war nicht mehr  Wir ritten in
die Kreuz und Quere bis in die sinkende Nacht hinein Auf die Frage in welchem
Verhältnis Komparent den Mörder gegen Wilhelminen gefunden und was sich eins
gegen das andere angemasst erwiderte er um seine eigenen Worte beizubehalten
Ich halte diesen Kerl für nichts weniger als ihren Liebhaber wohl aber für
einen den der Liebhaber gedungen haben könne ihr sicher Geleit zu geben
Unfehlbar schlief Mine da ich sie entdeckte und schon die Entfernung des
Mörders bei dieser Gelegenheit beweist meine Meinung
    Ob Wilhelmine zu Wagen zu Pferde oder zu Fuße gewesen weiß Komparent nicht
anzugeben der sehr bedauert dass Se Hochwohlgeboren ihm dieses Vorfalls
wegen einen großen Teil des vorigen gnädigen Zutrauens entzogen so dass ihm
wenn selbst er ein Schuldgenosse Mitgehülfe und Teilhaber von dieser
Läuflingin gewesen nicht ungnädiger begegnet werden könnte indem Güte und
Wohlwollen die Hauptzüge an Sr Hochwohlgeboren waren Seine des Komparenten
Wünsche die er mit gefalteten Händen tut gehen dahin dass Wilhelmine   als
eine Landstreicherin Diebin und Mordbefehlshaberin dingfest gemacht und zur
Bestrafung eingeliefert werden möchte und dass alsdann nicht Gnade für Recht
ginge wie er aber nach der Milde Gr Hochwohlgeboren nach vielen belebten
Datis befürchten müsste
    Nachdem dem Komparenten seine Aussage wörtlich vorgelesen worden und er ihr
in alle Wege beigestimmt ward er abgelassen
    Bei der kleinsten Nachfrage findet sich vor dass Wilhelmine   weit und
breit gestohlene Sachen verkauft Um die Akten nicht ohne Noch zu häufen
schränkt man sich auf die laudirte Amtmännin und ihre Schwester ein welche bei
allen Anstrichen und Bemäntelungen die sie der Sache zuwenden jedoch so viel
unverdreht eingestehen dass sie Wäsche und Kleider wenige Tage vorher da
Wilhelmine entsprungen gekauft Sie versichern dass sie auf keinen bösen
Gedanken verfallen da Wilhelmine   schon sonst Kopfputz und andere Stücke
ihnen käuflich überlassen Diessmal sagt die Amtmännin war das erstemal dass
sie nicht unmittelbar mit uns handelte sonst geschah es nie durch die dritte
Hand sondern vor aller Welt Augen und Ohren und allen andern Sinnen  Diessmal
war das erstemal dass die Sachen unter der Vorspiegelung zu uns gebracht wurden
die Person welcher diese Stücke als Eigentümerin zustünden sei in
Geldverlegenheit und notgedrungen hieß und das auszustossen Beide sowohl die
Amtmännin als ihre Schwester bekennen aus vielen Umständen bemerkt zu haben
dass Wilhelmine   bei diesem Verkauf unter der Decke spiele gewiss aber fügen
sie hinzu wussten wirs nicht Sie bitten inständigst es zu vergünstigen dass
sie diese Sachen da sie solche nicht unter dem Wert berichtigt behalten und
nicht auszuantworten mögen angewiesen werden
    Nebenumstände findet man nicht nötig diesem Protokoll einzuverleiben
welche diese beiden letzten Personen nämlich die Amtmännin und ihre Schwester
eingestreut
    Alle Brödlinge des Herrn v E Hochwohlgeboren treten den Aussagen des
leiblichen Vaters der Läuflingin bei und bekunden dass diese Wilhelmine   ein
verhärtetes verdorbenes Herz besitze und sich durch die gnädigsten
Verheißungen der hochwohlgebornen Gutsherrschaft sie auszustatten und den Kranz
zu bezahlen nicht auf andere Wege lenken lassen wie sie denn geflissentlich
vorsätzlich und arglistig Zwistigkeiten Irrungen und Verschiedenheiten erregt
die klarsten Dinge verflochten und verdreht Mit diesen Gesinnungen vereinbarte
sie auch obenein die verteufelte Schadenfreude so dass um die Sache kurz zu
fassen diese Person welche schnöde zu handeln sich zur Gewohnheit gemacht und
ihres Blendwerks von Gesicht unerachtet den Satan im Herzen gehabt
Untersuchung und Bestrafung verdient Es strahlt aus vielen Umständen hervor
wenn es gleich nicht durch äußere Kundgebung an den Tag gelegt worden dass
Wilhelmine   falls sie nicht anders ihre Absichten erreichen können sich aus
einem Mordmesser kein Gewissen gemacht haben würde
    Der Vater der Unglücklichen ward noch vor dem Abschluss dieses Protokolls
vorgelassen welcher vor Wehmut sich nicht zu bergen weiß Da ihm indessen von
Sr Hochwohlgeboren seinem gnädigen Gönner ein Wort des Trostes verehrt wird
so beruhigt er sich in der Hoffnung dass da er sehr leicht selbst in seinem
guten Ruf durch diesen Vorfall leiden könnte allererst die künftige auszuübende
Strafe an seiner entlaufenen Wilhelmine Vater und Tochter unterscheiden und ihn
in die Achtung des hochwohlgebornen Publikums zurücksetzen würde die von jeher
der Gesichtspunkt seiner Handlungen gewesen Um diesen bedrängten Vater nicht
noch mehr in die Enge zu bringen hat man ihm viele Stellen aus diesem Verhör
verschwiegen und dieses Protokoll in so weit es seine Aussage enthält von ihm
in fidem unterzeichnen lassen Actum ut supra
                        Namen des Justizbeamten 
                        Namen des Herrn v E
                        Namen des Hermann 
    Ists möglich  Mehr als diesen Ausruf kann ich nicht Ists möglich
    Nichts ist mir von jeher herzzerschneidender gewesen als wenn die Bosheit
ihre Lügen mit ein wenig Wahrheit salzt und würzt und sie dann auftischt und
wie war euch zu Mute ihr edlen Leserinnen da Johann Peter Beifuss Minen einen
Muttermord eine Grabesschänderei anrügt  Und wie da er unsere engelreine
Liebe schändet und lästert wie edle Seelen Eine Lüge ist schändlich allein
sie ist es um die Hälfte weniger wenn nichts von Wahrheit eingemischt ist 
Das ist ein ehrlicher Lügner der so lügt Und fast wollt ich behaupten dass
solch ein rechtschaffener Lügner nicht vom Vater dem Teufel in gerader Linie
abstamme Allein der Teufel selbst der ein Schild der Wahrheit aushängt um
desto besser Mord und Todtschlag im Hinterhalt zu verstecken  solch ein
Giftmischer solch ein Hostienverfälscher von Lügner welch ein Scheusal
    Verzeiht Leser ich bin ein Mensch und Mine ist ein Engel  Die Regierung
in Mitau fand nichts unbilliges in dem Gesuch des Herrn v E das von den
Herren a b g mit einem gerichtlichen Verhör ausgestattet ward und das
Requisitorialschreiben an die preußische Landesregierung ward ohne Anstand
bewilligt Ich könnt es wörtlich mitteilen allein warum Hier ist die
treffende Stelle
    Ew Ew Excellenzen werden sich aus diesen Umständen überzeugen aus was für
Gründen wir das untertänigst gehorsamste Gesuch des hochwohlgebornen v E
verstattet und da der ausführliche Vortrag der Sache welcher durch
gerichtliche Verhöre bestärkt worden uns der Pflicht überhebt noch nähere
Aufschlüsse beizufügen so begnügen wir uns die ausdrückliche Versicherung zu
erteilen dass von Seiten dieser Herzogtümer in gleichen Fällen eine gleiche
Gerechtigkeit bewiesen werden soll Der Verlust dieser an sich unbedeutenden
Person kann den hochwohlgebornen v E freilich nicht bestimmen die nach
Preußen verlaufene Wilhelmine   wieder zurückzusuchen allein die Folgen sind
zu bedeutend die dieser Vorfall wenn er nicht eingelenkt würde dem
hochwohlgebornen v E und der ganzen Gegend zuziehen dürfte So wie aus dem
gleichmäßig in der Anlage bis zur Vollständigkeit gebrachten Gründen sich
ergeben wird warum der hochwohlgeborne v E alle Untersuchung in Preußen
verbeten so treten wir des Endes so wie in allem so auch in Rücksicht dieses
Teils seines Gesuchs ihm bei und sehen überhaupt der geneigtesten Erfüllung
dieser unserer Wünsche um so zuversichtlicher entgegen als Ew Ew Excellenzen
uns jederzeit von einer so großen Gerechtigkeitsliebe als nachbarlichen
Gefälligkeit beweisende Proben gegeben Wir verharren mit vollkommener
Hochachtung
                        Ew Ew Excellenzen
                        ergebenste Diener
Mitau den   ergebenste Oberburggraf
    17  ergebenste Kanzler
                        ergebenste Landhofmeister
                        ergebenste Landmarschall
    Die Antwort der preußischen Regierung
                                Hochwohlgeborne
                         insonders hochgeehrte Herren
    E Hochfürstl Herzogl Curländischen Regierung erwidern wir auf das
gefällige Anschreiben vom   17  wie wir sogleich den erforderlichen Auftrag
an die Behörde erlassen die aus Kurland entlaufene Wilhelmine   über die im
Angesuch des Curischen von Adel v E entaltene Umstände durch welche ein
gerichtliches Protokoll bekräftigt worden vorschriftsmässig zu vernehmen und
nach diesem Verhör wegen ihres Arrestes die nötigen Verfügungen die wir ihm
auf alle Fälle zugemessen werktätig zu machen weil wir ohne ein mit dieser
Person gehaltenes Verhör uns in der Sache entscheidend zu erklären außer Stand
sind Wir haben die Ehre mit vollkommener Hochachtung zu sein
                                   E Löblichen Herzogl Curländischen Regierung
                        freund und dienstwillige
                        NNN
    Zu gleicher Zeit ein Auftrag an das   Kollegium Minen durch einen
Deputatus zu vernehmen und wenn sich die Umstände protokollgemäss und nach dem
curischen Anschreiben verhielten sie sogleich dingfest zu machen und zu dem
Ende dem zu ernennenden Kommissarius zugleich ein Gesuch an die nächste Garnison
mitzugeben um davon wenn die Läuflingin gefänglich eingezogen werden sollte
einen augenblicklichen Gebrauch machen zu können Sollt indessen Mine
Milderungs oder gar Aufhebungsumstände für sich anführen oder auch nur die
wider sie angebrachte Klage zu entkräften vermögend sein so könnte sie zwar
nicht in feste Hand genommen und in engere Verwahrung gebracht werden indessen
schienen so viel Umstände wider sie einzutreten dass wenn gleich dieser Kummer
nicht nachgeblich wäre dennoch eine genaue Aufsicht ihrer Person oder
wenigstens eine hinreichende Kaution anzuordnen sein würde Von allen diesen
Vorgängen sollt ein so schleuniger als genauer Bericht erstattet werden
    Das Rückschreiben der preußischen Regierung fand in Mitau keinen am
wenigsten den vollwichtigen Beifall und da es dem Hochwohlgebornen v E in
Abschrift zugefertigt ward ließ er sogleich wie Pharao da er von den sieben
fetten und sieben mageren Jahren geträumt den hohen Rat der Träumeund
Zeichendeuter a b g zu sich kommen und anstatt der ersten Frage
    Was ist zu tun
fragten Se Hochwohlgeboren
    Was nun
und schienen nicht undeutlich zu verstehen zu geben dass bei allen bewiesenen
Merkzeichen der Einsicht und Geschicklichkeit die Herren a b g kein Glück
hätten Jeder der Herren a b g behauptete dass er von Glück sagen könnte und
schrieb alles flugs auf die Rechnung der preußischen Staaten die der Teufel
ihnen zur Nachbarschaft zugewiesen hätte Hab ich nicht gesagt fing Herr b an
aus der Hölle ist keine Erlösung Mit Ihrer Erlaubnis Herr Kollege erwiderte
Herr a aus der Hölle nicht wohl aber aus dem Fegfeuer Wenn man fuhr dieser
Kopfhalter fort auf meine unvorgreifliche Meinung an den König selbst zu
gehen stimmige Rücksicht genommen die Sache wär in einer andern Lage Ich
lasse meinen Kopf in einer andern  vielleicht in einer gefährlicheren bemerkte
Herr v E und jeder selbst Herr a trat ihm bei mit einem Vielleicht
    Wenn ein Bollwerk erklettert werden soll muss eins da sein und dies suchten
die Herren a b g in der größten Geschwindigkeit zu schütten und zu häufen
    Man tat ohne auf die gegebene Frage Was nun das Auge zu richten wie
gewöhnlich verschiedene Ausfälle und hatte dagegen Einfälle bis der Herr v E
die in der Irre gehenden Rechtsgelehrten zusammenrief und festhielt Was nun
fragte jeder Herr v E wollt an der Abschrift des königsbergischen
Rückschreibens ein Exempel statuiren und sich daran vergreifen indessen ließ er
sich bedeuten und sah zu rechter Zeit ein dass es nur Papier und was noch mehr
war eine curische Abschrift sei  Endlich und endlich war noch ein erneuertes
und geschärftes Anschreiben nach Königsberg verabredet geschlossen und
getroffen Hier und da bitter und hier und da wieder süß Ländlich sittlich
sagte Herr b Es ist nicht so ganz ohne dass man Wilhelmine  zuvor verhört
Audiatur et altera pars und wenn setzte er hinzu und wenn Preußen alle seine
Untertanen reklamiren sollte was meinen Sie meine Gönner und meine Herren
wer würde mehr verlieren Kurland an Wilhelminen oder wir an so vielen würdigen
Präpositis Pastoren Aerzten und Rechtsgelehrten Bei dem letzten Worte ließ er
die Stimme fallen und man besann sich dass Herr Kollega b aus Preußen wäre 
welches so ganz dreist heraus zu behaupten er unfehlbar außerhalb der
Jahreszeit hielt da Herr v E so sehr gerüstet schien sich an allem was
preussisch war zu vergreifen und ein Exempel zu statuiren Herr a nannte diese
Zurückhaltung um zu zeigen dass er durch das preußische Rückschreiben nicht
kopfscheu geworden wäre wie eine Katze um den heißen Brei gehen Er sah den
Herrn b steif und fest an und man merkte dass er seinen Einwand aus dem Grunde
widerlegen wollte Schon recht sagte Herr a allein Preußen hat noch keinen
Präpositus Pastor Arzt und Rechtsgelehrten unter denen ich einen guten Freund
habe den wir alle kennen gefordert wir aber fordern Wilhelminen  Was das
Fordern anbetrifft wollte Herr b fortfahren indessen schlug Herr a vor das
Wiederholungsschreiben noch einmal vorzulesen und punktatim zu beprüfen Es ward
also eine Zugabe festgesetzt dass es nach drei Wochen allererst abgelassen und
falls in dieser Zeit eine Definitivantwort aus Preußen käme nach Bewandtnis
derselben mit diesem Entwurf verfahren werden sollte
    Diese Erzählung ist wieder ein Auszug aus genau geführten Protokollen und
den mündlichen Zusätzen des Herrn   der eben jetzo bei mir ist und nie wie
er sagt an diese Erstlinge seiner rechtlichen Arbeiten zurückdenken kann ohne
dass ihn ein Herzensfieber Kälte und Hitze ergreift es ist ein guter Mann und
kein a b und g obgleich er beim a das Handwerk erlernt hat
    Eine Einschaltung die freilich zu diesem Rechtskram wunderlich abstechen
wird  Eine Eule unter den Krähen
    Herr v E das zeigt freilich sein Krieg und Kriegsgeschrei  fand für gut
Minen zu lieben und alles was ich tue wie er es dem Vater Hermann bald
hätt ich dem Vater dem Teufel geschrieben sagte geschieht aus lichterloher
Liebe Dieser Bösewicht sprach das Wort Liebe so wie die Teufel den lieben Gott
aus und fand für gut Minen zu lieben  ein Teufel einen Engel
    Sie nur sie Alles was ich bisher geliebt habe ist Staub Erde und Asche
schrie er Ich vergaß alles was ich je von Mutterleib an geliebt habe seitdem
ich sie sah sie hörte und ihre Hand drückte so sehr liebt ich sie so rein 
Sie schwebt mir vor Seel und Sinn Sie nur sie nur sie rief er einmal über
das andere und küsste den Hermann der nicht wusste wie geschwind er die
hochwohlgeborne Hand erhaschen sollte um ihr diesen Kuss ganz warm wieder
abzugeben   bald jagte er den Hermann zu allen Teufeln und sah ihn als den
Räuber dieses Kleinods an
    Dann wieder wie in Gedanken wie vor sich Wenn ich denke sie in Preußen
im Soldatenlande o dann ist mir als wenn ich Gift eingenommen hätte und hab
ichs nicht Es wütet in meinem Eingeweide es schneidet in mir Ist denn kein
Gegengift Da lieg ich ein abgerissener Ast der von seinem Baum getrennt ist
und welkt wahrlich ich welke Herr schrie er auf zu Herrmann nicht wahr ich
welke
    Hermann jubelfroh dass er auf keine kategorische Antwort bestand bückte
sich bis auf die Erde
    Sie hätte was aus mir gemacht Sie hätte gemacht dass ich den
Testamentsnickel geliebt hätte Minen zu Gefallen hätt ich es und was hätt
ich nicht alles ihr zu Gefallen  ihrer Liebe zu Gefallen Hin ist sie  hin
hin und Satanas weiß welch ein Glücklicher auf mein Fundament baut Ich fiel
dem Herrn v E ein Ich bin eifersüchtig schrie er wieder zum Rasendwerden
Die blaue Farbe wo ich sie sehe martert mich denn   war blau gekleidet 
Auf die Art Hut und Haarlocken und Stiefel zu tragen und auf alles was sein
war bin ich gallenbitterböse
    Was ich geschrieben habe das hab ich geschrieben was ich habe schreiben
lassen das hab ich schreiben lassen  Bin ich nicht mehr viel mehr gefangen
wie sie Ich ich sitz im Käfig  lasst mir die Freude in die Stangen des
Käfigs zu beißen  Wenn jedwede ein und einzige Liebe Adam und Evasliebe
solche Leiden macht so sind es Einfälle von Milzsüchtigen eine einzige Liebe
Wer kann so lieben und leben
    Sonst war mein Stolz in der Liebe wetterwendisch zu sein Diese Grundsätze
haben sich verlaufen und das erschreckliche Gericht der Beständigkeit ist über
mich eröffnet Weh mir dass ich beständig bin weh weh mir dass ich es bin
 Vergib mir diese Wehs liebe Mine vergib sie mir wohl mir dass ich
beständig bin wohl  Wahrlich eine ganz nagelneue Empfindung für mich 
Hätt ich ihr nur einen Kuss gegeben so wüsst ich doch wies wäre wenn man einen
Engel küsst  Ihren Odem hab ich von fern geschmeckt und wie Veilchen und
Rosenduft eingezogen  Meint ihr denn lieben Freunde dass ich sie hasse ihr
aus Wut mit Rüge und Bezichtigung nachsetze meint ihr Ich kann nicht Ohs und
Achs rufen allein hier liegen sie fingerdick im Herzen Ich liebe sie  Ich
hasse sie weil ich sie liebe ich liebe sie unendlich  Ein Schwanenbett soll
ihr Gefängnis sein Liebe die liebste Liebe ihre Ketten sobald die Nachricht
eingeht Mine ist eingeschlossen  Entzückt will ich schon über diese unbetagte
Schuld sein entzückt noch ehe der Verfalltag kommt  all ihr Leiden sei wie
abgeschnitten Bis Memel soll sie zwar zum Schein leiden  der Teufel trau den
preußischen Staaten  aber dann im Triumph  Mine du bist mein meine Gemahlin
bist du dir gehört mein Herz Mit deinem Auge will ich getraut werden mit dir
Hochzeit halten dir will ich das Ja zusagen und es halten so lange ein Stück
von mir ist  Wenn gleich nicht vor der großen Welt so doch im Stillen  Im
Stillen wo sichs am besten liebt  Mine Liebe gehört in die Stille zu Hause
 Mine die verbotene Frucht schmeckt am süßesten Wär alles Gebot und kein
Verbot so möchte der Teufel ein Mensch sein  Nur einen Versuch Mine Komm
Mine komm  komm komm doch Wird sie kommen
    Was meinen Sie rechtsgelehrter lieber Achselträger zum Protokollisten
den Herr v E nicht von sich ließ um ohne Aufhören zu fragen Wird sie wird
sie
    Dieser junge Mann der den Herrn v E von Universitäten her kannte war
über dies und jenes bei der Sache im Irrgarten aus dem er sich endlich
herausgefunden haben würde obschon v E auf die Art noch nie geliebt hatte
oder eigentlicher verliebt gewesen war wenn nicht s leiblicher Vater
eine Rolle in diesem Stücke gehabt
    Herr v E litt wirklich allein so wie jeder Sünder leidet  Kann man so
etwas leiden nennen Zuweilen war er stummtoll  Man hatte Ursache seinetwegen
zu fürchten  Der Protokollist hatte wirklich Mitleiden mit ihm so nahe wußt
ers ihm zu legen Könnt ich doch weinen sagte er eines Abends zu ihm
Herzensfreund weinen Wer kann es aber in der Hölle Hätt es der reiche Mann
gekonnt würd er nicht nötig gehabt haben einen Tropfen Wasser zu betteln 
Und dann wieder »Freund wenn die Hölle ärger sein kann ist kein Gott im
Himmel«  Würde Mine auch nur in Mitteldingen wenn es dergleichen gibt
ergiebiger gewesen sein Herr v E würde sie geliebt haben wie er sonst zu
lieben gewohnt war  Ihr edler Rückhalt ihre heroische Flucht bracht ihn mit
zu diesem ihm sonst wildfremden Schwung
    Der Justizrat   wir sind wieder in Preußen ward vom Direktor als das A
und O im Kollegio zu diesem Geschäft ausersehen und eben weil er ausersehen
war wollt er ein Meisterstück liefern Er lernte fast das Gesuch des Herrn v
E an die curische Regierung und das Protokoll auswendig um ja keine Sylbe
ungetroffen zu lassen Folgender Entwurf zu den Fragen an die engelreine
unschuldige Mine kann von seinem Diensteifer ein Pröbchen abgeben Es konnte
sich der Deputatus nichts Gewisseres denken als dass Mine alles und jedes wäre
wozu sie das seine curische Protokoll und dessen Überrock das verkleisterte
gekünstelte Gesuch des Herrn v E machen wollte Dieses blinde Zutrauen zu
einem gerichtlichen Protokoll bestimmte ihn den Requisitorialbrief an die
Garnison noch eher abzusenden als er Minen gesehen und gehört hatte Eine Meile
vor L sandte er nachdem er nochmals alles überlesen und das Vollwort des
Protokolls ihn überschienen hatte den Requisitorialbrief ab Den Erfolg dieser
Absendung wollt er eben hier und eine Meile vor L abwarten Es kann sein dass
auch etwas Furcht vor dem starken Kerl der dem Martin Jakob Kegler so schwer
gefallen zu den Ingredienzen dieser Eilfertigkeit und dieses Vorlauts gehört 
Zwar erfolgte keine schriftliche Antwort allein es erfolgten ein Unterofficier
und zwei Mann die sich Verhaltungsanordnungen ausbaten Einen Augenblick sagte
unser Scharfrichter denn er übersah noch seine Fragstücke und fand sie hie und
da nicht bandfest Einen einzigen Augenblick sagte unser Justizrat allein es
währte eine Stunde
    Ein Pröbchen von unserm Justizrat
                                   Promemoria
in Untersuchungssachen wider die aus Kurland entlaufene Dienstbotin und Diebin
    Wilhelmine   ihre vorläufige Abhörung und Haft betreffend
        Nach den gewöhnlichen Fragen
    Namen
    Geburtsort
    Vaterland
    Eltern
    Wer ihr Vater sei Es ergibt sich nicht aus den Akten untertänig ist sie
nicht
    Bei der Mutter ein Wort zu seiner Zeit
    Wie alt
    Religion
    Wozu noch außerhalb der Linie kommen könnte ob sie vom vierten Gebot
unterrichtet und mit den Pflichten bekannt sei die sie allen denen die Gottes
Bild an sich tragen welches im gegenwärtigen Fall Herr v E wäre schuldig
    Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser
    Stoff zur dreifachen Ermahnung 
    Bleib im Lande und nähre dich redlich
    Ob sie das siebente Gebot Gottes wisse
    Geschärfte Ermahnung
    Ob das fünfte Gebot Gottes
    Wer lügt stiehlt auch und wer stiehlt mordet 
    Eine Erschütterung
    Wer Menschenblut vergisst dessen Blut soll wieder vergossen werden
    Ob sie nicht alle zehn Gebote Gottes übertreten und ob wenn noch mehr als
zehn wären sie nicht auch die mehreren mit Füßen gestoßen
    Es gibt nur ein Laster nur eine Tugend Einmal eins ist eins
    Das gegebene böse Exempel ist wie eine Brandstiftung wenn man auch gern die
Flamme hemmen wollte kann man
    Donner und Blitz 
    Vogel friss oder stirb
    Nach diesen Vorbereitungsfragen
    Ihr steht vor Gott und der Obrigkeit die von ihm geordnet ist prüft Euch
ob Ihr mit dem Vorsatz hergekommen Gott die Ehre zu geben und die reine
ungeschminkte Wahrheit zu bekennen Ist es nicht Euer Vorsatz gewesen sondern
habt Ihr geflissentlich Sünden mit Sünden häufen wollen so verstockt wenigstens
auf dies Wort Euer Felsenherz nicht
    Das Wenigste was Ihr tun könnt ist Bekenntnis und eine geduldige
Unterwerfung in Rücksicht der zeitlichen Strafe die gegen die ewige leicht ist
Antwortet ohne Gleissnerei und Kunststück aus dem Innersten Eures Herzens und
so wie Ihr es einst vor dem letzten strengen Richterstuhl Gottes zu
verantworten gedenkt wohin so jung Ihr seid Ihr über ein Kleines citirt
werden könnt Wollt Ihr 
    Ehe noch Mund und Hand ans Werk gelegt wird die Recognition der Person
nach denen wiewohl im besonderen Styl übersandten Angaben
    Wuchs
    Sie gränzt ans Männliche
    Schlank
    Gesund
    Rot und weiß
    Wann Ungewissheit
    Wen sie bestohlen Finsternis
    Ob sie noch von den gestohlnen Sachen etwas bei sich hätte Wo sie die
andern Sachen angebracht
    Das Geld
    Wider die Amtmännin und ihre Schwester ist aller Verdacht der
Mitwissenschaft Das Verhör mit ihnen ist voller Mängel Da Inculpatin erst
geraden Weges mit diesen beiden feinen Zeisigen gehandelt hätte der Nebenweg
den Inculpatin jetzt einschlug sie zum Nachdenken bringen sollen wenn sie
anders nachdenken können
    Es frägt sich
    Ob Inculpatin der Amtmännin und ihrer Schwester angezeigt dass es gestohlene
Sachen
    Ob der Kopfputz den Inculpatin der Amtmännin und ihrer Schwester verkauft
auch gestohlen Gut
    Was es für andere Stücke gewesen welche Inculpatin der Amtmännin und ihrer
Schwester verhandelt
    Andere Stücke wie unbestimmt
    Sie hat flüchtigen Fuß gesetzt
    Wer ihr behilflich gewesen
    Wer der junge Mensch sei mit dem sie im unregelmässigen Verkehr gestanden
    Ein tiefes Schweigen im Protokoll
    Wie sie geflohen ob zu Fuß oder wie sonst
    Sie hat zum Morde aufgefordert
    Gott sei ihrer Seele gnädig
    Beim ersten Überblick nahm ich schon die Sache der Inculpatin allein
alles genau genommen ist sie nicht zu retten um alles nicht
    Die starke Mannsperson
    Schwarzes Haar
    Große Augen von der nämlichen Farbe
    Spott und Hohn
    Kräftiger Gang
    Heuchlerin und Spitzbübin von Hause aus
                                  Hauptpunkte
    Sie hat ihre Mutter ins Grab gebracht
    Ungehorsam verstockt gegen ihren Vater
    Sie hat sich wider seine Heirat empört
    Warum
    Kinder müssen auch wunderlichen Eltern gehorchen ihr Vater hat zu ihrem
wahren Heil an eine zweite Heirat gedacht Vielleicht weniger um eine Frau für
sich als eine Mutter für sie zu haben Er ist achtundfünfzig Jahre Ein schönes
Alter
    Der Vater hat sie im Hofe angebracht sie ist aus dem Kontrakt gelaufen
    In welcher Qualität und Gestalt sie im Hofe angebracht worden
 Es ist hiervon in der Schrift mit keinem Jota gedacht und sollte doch Ohne
             Zweifel als Kammerjungfer Ausgeberin oder so etwas
    Warum sie diese guten Absichten vereitelt und dem Herrn v E in seiner
Wohlmeinung widerstanden der doch die Liebe selbst sei und der wenn sie
ausgedient sie gewiss zu seiner Zeit unter die Haube gebracht haben würde
    Sie hat andere aufgewiegelt Dunkelheit
    Sie hat Verschiedenheiten und Zwist im Hause erregt Auch dunkel Die
Brödlinge sagen es zwar aus Gott weiß aber wer und warum
    Sie hat gestohlen
    Was sie gestohlen Unzulänglichkeit
    Der Schrei als ein Notzeichen
    Warum Inculpatin sogar diesen Bösewicht obgleich Martin Jakob Kegler sie
bleiben lassen musste welches sie sah aufgefordert diesen Kegler im Hofe
Jakob genannt zu verfolgen
    Ob dieser starke Kerl allein sie begleitet
    Ob noch sonst jemand
    Wer ihn zu diesem Mordgeschäft gedungen
    Noch vor dem Verhör das Haus besetzen
    Den Wirt des Hauses an seinen des Königs Majestät geleisteten teueren Eid
erinnern
    Alles im Hause zu erinnern ohne Erlaubnis mit der Inculpatin keine
Gemeinschaft zu haben
    Die Inculpatin mit einer kurzen Anrede der Wache zu überliefern
    Da seht Ihr nun die traurigen Folgen Eures Ungehorsams Diese königlichen
Soldaten nicht wie die Engel bereit zum Dienst derer die ererben sollen die
Seligkeit sondern fertig Bosheit zu bestrafen und Frevler zu bewachen sollen
Euch vorerst an Händen und Füßen geschlossen in feste Hand nehmen und in engere
Verwahrung bringen damit Ihr nach eingezogenen nähern Verhaltungsbefehlen
nach Memel gebracht und von dort aus den Abgeschickten Eures so gnädigen
Brodherrn des v E überreicht werden könnt Wollte der Himmel dass Euch Eure
so groben Verbrechen das Herz durchbohren und Ihr noch ehe Ihr dort dort Eure
Mutter vor Gottes Richterstuhl erblickt Euch mit ihrem Schatten aussöhnen
möchtet Wollte der Himmel dass Eure verfälschte unlautere Seele noch gerettet
und Ihr wenigstens die Hoffnungen auf die andere Welt nicht aufgeben dürftet da
in dieser für Euch kein Ort abzusehen wo Ihr vor Vorwürfen Eures Gewissens und
anderer ehrlichen Leute werdet sicher sein können Eure Flucht nach Preußen ist
Euch geglückt allein Euch selbst und den Augen der Rechtschaffenen könnt Ihr
nicht entfliehen  Geht hin zu Eurem gnädigen Herrn werfet Euch vor ihm auf
die Knie Ein gutes Wort findet ein gutes Herz Vielleicht dass er Euch seine
gnädige alles verzeihende Hand zureicht und Eure Strafe nicht ganz genau mit
Eurem Frevel abmisst Geht zu Eurem leiblichen Vater Ob verlorner Sohn oder
verlorne Tochter gleich viel Wenn Ihr von ganzem Herzen sagt Ich habe
gesündigt im Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr wert dass ich dein
Kind und des Herrn v E Magd heiße so wird er vielleicht so sehr durch Reue
durch Eure ganze Buss und Beichtandacht erweicht als ihn testantibus actis Eure
Bosheit und Gottesvergessenheit erweicht hat Sein Fürwort wird den Herrn v E
der die Liebe selbst sein soll völlig aussöhnen Eure Jugend redet Euch das
Wort und wenn Euch Gott nach ausgestandener Strafe noch Leben und Gesundheit
fristet habt Ihr noch Zeit und Raum Gutes zu tun die Leute die ihr
bestohlen habt zu entschädigen und da Friede und Ruhe zu stiften wo Ihr Zank
und Zwist verbreitet habt Seht wie nahe liegt der Mord das letzte
schrecklichste Kainsverbrechen in dieser Welt dem ersten Schritt vom rechten
Wege wie nahe  Wir werden uns schwerlich in dieser Welt mehr sehen wie sehr
aber würde ich mich freuen wenn wir uns da zusammenfinden würden wo wir beide
Parteien sind und wo ich auch mein Richteramt dem der mich damit belehnt hat
abzugeben verbunden bin Tut eure Pflicht brave tapfere Soldaten nehmt diese
Frevlerin hin  Vorderhand kann sie nach   ins Gefängnis abgeliefert werden
bis ihres weitern Transports wegen von höherem Ort Verhaltungsbefehl erfolgt
                          Gott bekehre die Frevlerin
                                Salvis omnibus
    Dieses Promemorias wegen mussten der Unterofficier und die zwei Mann eine
Meile vor L einen sogenannten Augenblick der aber eine Stunde war verziehen
indem der Deputatus noch hier und da ein Wort nahm und gab und nun nach L
    Das erste was Deputatus vornahm war die Belagerung des   Hauses des
verstorbenen   und da er damit fertig war ging er geradezu ins Haus und
redete den Wirt ohne ihn zu sehen an
    »Er möchte wohl bedenken was er nächst Gott Sr Majestät schuldig wäre
nämlich treu hold und gewärtig zu sein das Beste Sr Majestät überall zu
befördern Schaden und Nachteil aber zu verhindern« und nachdem er ziemlich
weit in dieser Anrede gediehen ward er erst gewahr dass niemand als ein altes
Weib vor ihm gestanden Sie war außer einer Katze welche ihr selbst zugehörte
die einzige lebendige Seele im ganzen Hause Er war also nachdem er sich mit
diesem Phänomen bekannter gemacht verbunden sein Protokoll wie folgt
anzuheben
        Actum L 17
    Dem höchsten Befehl der königlichen Regierung von   zur untertänigsten
Folge begibt sich Endesunterschriebener nachdem er die ihm zugefertigten Akten
genau gelesen beprüft und sich den erforderlichen Plan entworfen nach L in
die Behausung des   wo der Angabe nach Inculpatin Wilhelmine   sich
aufhalten soll Das Haus ist indessen völlig wüst und bis auf eine alte Person
leer welche sogleich vernommen wird
    Sie heißt Katarina   ist achtundsiebzig Jahr alt luterischer Religion
nährt sich von Kinder und Krankenwartungen und ist nicht eher als nach dem
seligen Ableben des   in dieses Haus gekommen Der Pfarrer des Orts hat sie
dazu berufen damit so lange das Haus nicht verkauft sei welches nicht anders
als nach öffentlicher Feilbietung und mittelst gewöhnlichen Anschlages geschehen
könnte es nicht ledig stehen und am Wert einbüßen möchte Der selige Mann ist
seit fünf Wochen wie es ihr dünkt begraben und zwar kinder und erbenlos
Sein Hab und Gut ist nach seinem letzten Willen den Ortsarmen zu Teil
geworden Die Komparentin sagt Ich selbst hatte Ursache seine kalte Hand zu
küssen Der Prediger ist Testamentswärter und Vollstrecker gewesen und um
ihren eigenen Ausdruck beizubehalten »es ist viel davon zu sagen« Zur Sache
führt sie an dass ein Frauenzimmer wohlgebildet wie Milch und Blut gleich nach
dem Ableben des   angelangt Sie kam ohne alle Begleitung und ganz allein an
sagt Komparentin und wie ich nicht anders weiß in einem gemeinen Wagen mit
vier Pferden bespannt Ihr Besuch der auf diese Art zu spät gekommen hat
wies der Komparentin dünkt keine andere Absicht gehabt als ihren Verwandten
zu besuchen und ihn vielleicht wenn es Gottes heiliger Wille so genehmigt zu
beerben
    Auf die Frage ob sich keine starke Mannsperson zu dieser Zeit oder vor und
hernach blicken lassen erwiderte sie ja es hätte einige Tage vorher sich
jemand blicken lassen Nachdem aber diesem Umstande genauer nachgespürt wird so
kommt endlich heraus dass dieses ein Luftspringer sei der sich im Dorfe zur
Schau gestellt In wie weit dieser Luftspringer mit der Inculpatin in Verbindung
gewesen sei noch sei und sein werde ist der Katarine   ganz und gar
unbekannt
    
    Damit alle Gerechtigkeit erfüllt und bei dieser Gelegenheit der Umstand
eingetrieben und eingemahnt werde
    ob dieser Gaukler die starke Mannsperson mit dem gezogenen Messer sei und
    in wie weit dieser Gaukler ein allerhöchst privilegirter sei wird dem
Amtswachtmeister aufgegeben diesen Luftspringer vorzubescheiden Dieser stellt
sich mit seiner Bestallung die allerhöchst eigenhändig vollzogen ist dar und
will durch einige Proben dem Deputatus ad oculum seine Geschicklichkeit
demonstriren welches verbeten wird Außer dieser Notdurft bringt er bei wie
der Prediger die Kirchspielskinder von ihm abgepredigt und ganz offenbar zu
verstehen gegeben dass sie besser täten wenn sie was anderes machten als
einen allerhöchst privilegirten Gaukler sähen und dass ein Gaukler ein Gaukler
bleibe wenn er auch ein königliches Patent hätte und dass dergleichen Gaukler
mit königlichen Patenten viel wären obgleich sie nicht alle sprängen  und dass
 Deputatus kann und mag diese Sache nicht angreifen und begnügt sich zu
bemerken dass der Gaukler auch nicht den mindesten Verdacht abschatte dass er
die starke Mannsperson sei daher er abgelassen wird Es ist aller Mühe
unerachtet nichts rein nichts von der starken Mannsperson mit dem gezogenen
Messer herauszubringen und behält Deputatus wider ihn dem preußischen
curischen und dem Weltpublico seine Rechte vor Ob um wieder auf Inculpatin
einzulenken die fehlgeschlagene Hoffnung ihren Verwandten zu beerben oder der
Umstand dass der verstorbene Verwandte ihren Besuch nicht mehr annehmen können
oder sonst was anderes Schuld daran gewesen weiß Komparentin nicht anzugeben
wohl aber dass Inculpatin nachdem sie frisch und gesund angekommen in
Gegenwart des Pfarrers der als Testamentsvollstrecker wie der Selige es
angeordnet einige Vögel ins Freie gelassen in Ohnmacht gesunken Der Pfarrer
erschrak nicht wenig sie erholte sich aber wieder und der Pfarrer nahm sie zu
sich Nach der Zeit hörte und sah man nichts von ihr Es hieß »sie ist krank
sie ist immer krank« aber zuweilen sieht man sie am Fenster nach der Kirche
zu stehen oder sitzen Wer sie zurück haben will darf nur stehen bleiben weg
ist sie Es kommt zwar ein Doktor zum Pfarrer aber man weiß nicht ob zu ihr
oder zu jemand anders Seitdem sie ins Haus gekommen ist alles beim Prediger
wie umgekehrt Man sagt sogar es sei eine Verlobung zwischen dieser Unbekannten
und Gottbekannten und noch jemandem vorgefallen  wenigstens sind zwölf Personen
beim Pfarrer eingeschlossen gewesen und heißt es Gott verzeih mir meine
Sünden sie hätten alle communicirt Auf die Frage ob der Pfarrer verheiratet
sei erfolgte die Antwort er ist verheiratet er ist auch nicht verheiratet 
seine Frau ist melancholisch Gott weiß wovon er lebt nicht so recht zusammen
mit ihr Jetzt soll alles über und über sein Es ist viel zu sagen
Melancholisch ist die Pfarrerin zwar schon zum Teil vorher gewesen aber aber

    Deputatus trägt Bedenken aus diesen dem exemplarischen Lebenswandel des
Pfarrers sehr entgegen arbeitenden Umständen Schlüsse zu ziehen und der
Komparentin ihren Seelsorger durch einige nähere Fragstücke über die Aufnahme
der Inculpatin Wilhelmine   deren Verlobung und die Schwermut der Pfarrerin
verdächtig zu machen oder falls Komparentin schon von selbst wie es fast das
Ansehen hat auf diesen Verdacht gefallen ihn nicht zu bestärken und diesen
Funken anzufachen In der Hauptsache ist kein anderer Weg als Inculpatin beim
Pfarrer aufzusuchen dies Protokoll dort fortzusetzen und vorschriftsmässig
überall zu verfahren vs
                                                                            NN
    Während der Zeit dass Deputatus sein Verhör schloss und seinen Mutmaßungen
freien Lauf ließ ging Katarine   spornstreichs zum Pfarrer drängte sich bei
Minen vor und sagte der Aufgestandenen geradezu unter die Augen dass ein Herr
mit Soldaten da wäre um sie zur Haft zu ziehen
    Wie wusste dies Katarine
    Und wie wusste der Deputatus dass die Pfarrerin die doch die Lindenkrankheit
hatte Minchens wegen noch tiefer in Schwermut gesunken Sorget nicht für den
andern Morgen ein jeder Tag wird für das Seine sorgen und es ist genug dass
ein jeglicher seine eigene Plage habe findet auf den Verdacht und das Misstrauen
Anwendung zu dem die Rechtsgelehrten oft aus Amtspflicht verbunden sind
obgleich sie den Grundsatz debitiren Jeder ist gut bis das Gegenteil erprobt
und WRJ erwiesen ist Es ist kein misstrauischer Volk als das rechtsgelehrte
 Tausendmal hab ich gefunden dass sich die Menschen überhaupt hierdurch
geflissentlich ihr Leben trüben und sich vor dem Teufel und seinen Engeln
fürchten wenn gleich keine da sind
    Ob Katarine die Gabe der Feinheit gehabt weiß ich nicht allein das weiß
ich dass Mine nur einen Hauch nötig hatte um o Gott wieder  zu sinken Eine
geknickte Lilie kann ein Zephyr niederwerfen Ein Hauch ist Sieger über sie 
Katarinens Zudringlichkeit und der Vorfall dass Mine eben am Fenster stand da
die Soldaten anrückten schlug sie ganz und gar nieder und nie hat sie sich
weiter aufgerichtet  nie   Für sie war keine Quelle mehr die den müden
abgetragenen Wanderer am schwülen Tag ergötzt Kein Trunk mehr kühlte sie  Sie
hatte ausgelebt Den letzten Lebenstropfen kostete ihr dieser Vorfall Gott
rief sie in deine Hände in deine Hände nicht Herr in die Hände meiner
deiner Feinde  Dir dir Herr leb ich dir dir sterb ich  Der Pfarrer
hatte genug mit dem Justizrat  zu tun und konnte nach der kränklichen Pflanze
nicht sehen die er bisher mit so vieler Sorgfalt jedem Sturm jedem sengenden
Sonnenstrahl entzogen die er gepflegt wie ein Vater eine kranke Tochter
pflegt die seinem seligen Weibe ähnlich ist
    Das Pastorat oder wie man in Preußen spricht die Widdem war von Soldaten
umzingelt  Mine war ohne Trost ohne Leben Das ganze Haus war in Aufruhr und
die arme Predigerin über diesen Vorfall so weg dass sie völlig aus ihrem Geleise
trat und Zeter rief Zeter rettet  und Hilfe Hilfe Der Wachtmeister dessen
Stimme ins Haus einschlug hatte sie völlig erschüttert  Ihre Nerven waren
sein das Gewebe einer Spinne würd ich sagen wenn Spinnen gut wären Kein
Wunder dass sie aller Fassung und Besinnung entwich  Erbarmung Erbarmung 
Weh weh kreischte sie und flog wie Espenlaub Jedes Glied war in Bewegung 
Sie hauen die Linden schrie sie die letzten  Meine Kinder geraubt  meine
Tochter Bete doch bete doch Gretchen  Ha wie er sie entführt der
Bösewicht Mein Mann in Ketten und Banden was hat er getan  Die arme
Tochter wenn sie nur gewusst hätte wonach sie greifen wollte wäre sie
glücklich gewesen Es lag ihr hart an ob sie Mutter oder Minen trösten stärken
und in die Arme schließen sollte  Katarine wenn sie zu ihrem Beichtvater
gegangen wäre würd all diesem Jammer vorgebeugt haben allein jetzt alles
alles aus Der gute Prediger war der letzte der dieses Erdbeben merkte und da
sah er auch schon den Schlund weit weit offen Herr hilf schrie er es lag zu
viel auf ihm wir verderben Er wollte sich dagegen bäumen allein konnt er
Überall Jammer  Der Justizrat hielt alles dies für Gewissensaufgährung und
wollt eben tun was seines Amtes war da ihn der Prediger bat so viel
Menschlichkeit zu haben und ihm nur eine Viertelstunde Fassungszeit zu
bewilligen und ehe diese abgelaufen keine Gewalttätigkeit in einem
Kirchenhause zu beginnen Der Justizrat fand Bedenklichkeiten  Gott sagte
der Prediger wird Ihnen die Viertelstunde in Ihrem Letzten in Ihrem Letzten
vergelten  ich bin ein geschlagener ein unglückseliger Mann
    Der Justizrat gab ihm dieses Sterbviertelstündchen mit dem Beding nach dass
der Wachtmeister vor s Tür sich lagern könnte Es war ein erschrecklicher
Kerl Wenn er nur nicht donnert sagte der Prediger Das soll er nicht
erwiderte der Deputatus allein er bedachte nicht dass ein Segen in dem Munde
dieses Menschen Fluch wäre Es konnte dieser Henkerhandlanger nichts als Zeter
rufen und Stäbe brechen und Mörder schließen und Leitern zum Galgen ansetzen
    Ein Märtyrer würde hier die Standhaftigkeit verloren haben Seine Geduld
würd ausgerissen sein  Da stand der Wachtmeister wie eine Katze vorm
Käficht und die Soldaten als wenn hungrige Tiger vor der Türe witterten Des
Justizrats Augen glänzten vor Wonne als hätt er Gott einen Dienst getan Er
ging auf und nieder in Erwartung der Dinge die kommen sollten
    Der Prediger blieb eine kleine Weile im Lehnstuhl schlug die Hände in
einander sprang auf und wandte sich zu seiner Frau Gretchen seine Tochter
hatte ihm diese Sorge anheimgestellt Fasse dich Seele beruhige dich willst
du mit Gott rechten sagte der arme Prediger Harr auf den Herrn Die Linden
sollen bleiben und deine Tochter soll grünen wie die Weiden am Kirchengraben
Ich bin nicht in Ketten und Banden Gretchen ist nicht entführt sie soll nicht
einen Bösewicht sondern wenn Zeit und Rat kommt ihren Hansen haben Hör auf
mit Zeter und Weh  Man sucht hier jemanden der nicht hier ist
    Diese herzlichen Trostworte hätten den Justizrat freilich auf andere
Gedanken bringen können und sollen allein er ließ nicht von Katarinens Hand
die ihn leitete und führte auf unebener Bahn und von der er jedes Wort als baar
annahm Die Sprache des Herzens ist nicht jedermanns Ding Sie findet sich
nicht wie das Griechische nach einem bewährten Sprichwort und wenn ich mich
recht besinne kann ich nur diese Herzlichkeit den Verliebten zugestehen  wie
käme sie an einen königlich preußischen Justizrat der gemeinhin ein
rechtlicher Dominikaner von Haus aus ist Der gute Mann hatte Mühe die
verstattete Frist unverletzt und unbefleckt zu halten Welche Frechheit dacht
er man sucht hier jemanden der nicht hier ist Er dacht es bei allem
treufleissigen Rückhalt doch so laut so laut eben so überlaut als es sein
marktschreiender Wachtmeister gesagt haben würde Wie konnt er bei diesem
Gedanken sitzen bleiben Diese Worte Man sucht jemanden der nicht hier ist 
brachten ihn auf die Füße nachdem er bis dahin Platz genommen »Armes armes
Weib du sollst glauben Solch einen Glauben hab ich in Israel nicht funden
Glauben was sie anders mit ihren sichtlichen Augen gesehen hat  Ein feiner
Glaube« Die Ungeduld des Justizrats war unbeschreiblich sie hatte nicht in
der Widdem Raum er ging in Gottes weite Welt mit den Vorstellungen Mein Haus
ist ein Betaus ihr aber habts gemacht zu einer Mördergrube Es war das Beste
dass er ging  indessen ließ er die Widdem nicht aus den Augen um zu bemerken
wer zu ihrer Tür aus oder einging  Der plötzliche Aufbruch des Justizrats
beruhigte die arme Predigerin mehr als der Zuspruch ihres Mannes Sinnlichkeit
gegen Sinnlichkeit  Sie ward still das war ein gutes Zeichen der Prediger
benutzte diese Stille und ließ seine Tochter rufen die das Werk vollenden
musste Er löste sie bei Minen ab die er stärker fand als er glaubte O Mann
Gottes fing sie an ich soll oder soll ich nicht in die Hände der Menschen
Nein Sie sollen nicht antwortete der Prediger allein sie blieb bei ihrem
entsetzlichen ich soll und konnte sich davon nicht abgewöhnen  Es ging dem
Prediger durch die Seele sie so leiden ohne Hoffnung ohne Zutrauen leiden zu
sehen Er kniete nieder und betete kurz stark himmelstürmend Und nun auf dies
Gebet versprech ich Ihnen sagte er zu Minen Sie sollen nicht  Sie blieb
still  Nach der Zeit gestand sie dass es ihr wieder eingefallen sei sich
selbst das Leben zu nehmen um nicht ein schreckliches Schauspiel der Bosheit zu
werden  Ihre starke Einbildungskraft hatte ihr den v E in der Nähe gezeigt
frohlockend über seine geglückte Rache  alle seine Helfer und Helfershelfer
die ihr nach der Seele standen waren ihr erschienen und diese Erscheinungen
waren ihr schwer zu ertragen  Mine litt gewaltig indessen ließ Gott sie nicht
versucht werden über Vermögen Er der sie aus sechs Trübsalen erlöst ließ sie
auch jetzt nicht verzweifeln Sie unterdrückte die aufsteigenden
Selbstmordgedanken beim ersten Anfang  Das weggeworfene Messer und auf ihm die
Tropfen Menschenblut fielen ihr ein  Sie sah alles was ihr einfiel Das
Gebet des Predigers hatte eine Nachwirkung  sie fand sich  sie schmeckte Trost
in dem Kelche der Leiden und diese Prüfungsstunde kühlte sie etwas ab indessen
blieb sie noch ängstlich wegen der Dinge die kommen sollten
    Der Prediger ging zum Justizrat
    Eben recht fing dieser an
    Der Prediger Und wenn ich jetzt fragen darf
    Deputatus An mir ist zu fragen
    Prediger So erbitte ich mir die Erlaubnis zu antworten
    Deput Schrecklich wenn ein Prediger selbst 
    Pred Unglückliche aufnimmt
    Deput Und eben dadurch Unglückliche macht Herr Prediger  ich wünschte
ich wäre zu diesem Auftrage nicht 
    Pred Und dieser Auftrag
    Deput Nicht mehr und nicht weniger als die Diebin die Läuferin ja ich
kann Mörderin hinzusetzen das kann ich der Sie in Ihrem Hause Obdach gegeben
zur gefänglichen Haft zu bringen damit sie an Ort und Stelle leide was ihre
Taten wert sind
    Pred Ach Gott vor dir ist kein Lebendiger gerecht Du weißt es 
    Deput Er weiß allein leider auch Menschen wissen 
    Pred Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib töten und die Seele nicht
töten mögen spricht mein Herr und Meister der mit Zöllnern und Sündern
umging
    Deput Aber es nicht selbst ward
    Pred Das hoffe ich auch nicht 
    Deput Er war Herr und Meister und Sie Prediger in L Von ihm dem
Heiligen konnte es nicht heißen gleich und gleich 
    Pred Wenn Sie selbst wüssten 
    Deput Ich weiß alles
    Pred Desto besser
    Deput Und vorzüglich dass Sie den Namen der Kommunion entweihen dass Sie
den Ihren Herrn und Meister nennen 
    Pred Der es in seinem Leben Leiden und Sterben ist
    Deput Das können Sie sagen
    Pred Das kann ich
    Deput Mir
    Pred Und dem ganzen Justizcollegio
    Deput Und Ihrer Frau man sucht hier jemanden der nicht hier ist
    Pred Sie ist zuweilen nicht bei Troste
    Deput Und wer hat sie trostlos gemacht wer ihr den Kopf verdreht wer
    Pred Der Lindenbaum der so alt wie sie war und in ihren letzten Wochen
ausging
    Deput Herr meinen Kopf sollen Sie nicht verdrehen Irret euch nicht Gott
lässt sich nicht spotten und ich auch nicht Meine Geduld ist wie die
viertelstündige Frist zum Ende  Kurz und gut der königliche allerhöchste
Auftrag ans Kollegium
    »Wir Friedrich von Gottes Gnaden König in Preußen Markgraf zu Brandenburg
des heiligen römischen Reichs Erzkämmerer und Kurfürst etc Unsern gnädigen Gruß
zuvor Edle hochgelahrte Räte «
    Pred Dass sich Gott erbarme
    Deput »Liebe Getreue aus der Anlage werdet Ihr ersehen was die
curländische Regierung wegen einer aus dem Dienst entlaufenen Diebin Wilhelmine
  bei Uns angesucht und zu verfügen gebeten«
    Pred Und ich bitte um Gotteswillen 
    Deput »Ob nun gleich so viel Umstände wider sie aus dem gerichtlich
abgehaltenen Protokoll und der in Kurland von dem v E «
    Pred Gott erbarme dich und bekehre was zu bekehren ist
    Deput  »eingereichten Vorstellung hervorgehen dass die besagte Person
nicht allen Rügen zu entwachsen im Stande ist so befehlen Wir Euch jedoch
diese Wilhelmine   zuerst durch einen zu ernennenden Deputatum abhören zu
lassen Finden sich bei diesem Verhör Umstände welche die curischen Angaben
entkräften und als Milderungs oder wohl gar Aufhebungsumstände in den Rechten
geltend zu machen wären so ist es des Deputati Pflicht die ihm hiermit
auferlegt wird wegen ihrer Person eine leidliche doch genaue Aufsicht
anzuordnen oder die etwa einzulegende rechtsgültige Kaution anzunehmen und in
Rechtsform einzulenken«
    Pred Ich cavire mit Leib und Seele mit Leib und Leben
    Deput Das glaube ich »Im Fall sich aber alles den eingesandten Schriften
gemäß verhält und angerügte Wilhelmine   nicht das mindeste von sich
abzulehnen in den Umständen ist was als Rechtfertigung Entschuldigung
Verteidigung vor den Dingund Rechtsstühlen zu gebrauchen wäre so muss
Wilhelmine     sogleich dingfest gemacht werden Zu dem Ende habt Ihr die
nächste Garnison von L zu ersuchen Euch hinlängliche Mannschaft zu bewilligen
und dieses Requisitorialschreiben Eurem Deputato anzuvertrauen um davon beim
Befinden der Sache ohne aufhaltende Rückschrift an Euch augenblicklichen
Gebrauch machen zu können In allen Fällen liegt dem von Euch zu bestimmenden
Deputato ob so genau als schleunig an Uns Bericht zu erstatten damit in dieser
Sache entweder den Wünschen der curländischen Regierung gemäß oder anders wie
in alle Wege aber rechtlich die Verfahrungsart eröffnet werden könne Das ist
unser eigentlicher Wille Sind Euch mit Gnaden gewogen Gegeben Königsberg den
  17«
    Pred Tausend Dank für diese Eröffnung Und nun
    Deput Und nun werde ich Wilhelminen verhören sie dingfest machen und nach
  ins Gefängnis bringen lassen
    Pred Wenn sie aber unschuldig ist wenn ich Kaution einlege wenn 
    Deput Kein Wenn weiter  Sie verdienen nicht dass man ein einziges von
Ihnen hört damit ich Ihnen gerade aus mein Herz ausschütte und alle Wenns auf
einmal benehme
    Pred Wenn Sie aber erlauben wollen 
    Deput Wieder Wenn
    Pred Die königliche Landesregierung um geradezu und ohne Wenn meinem
Herzen Luft zu machen hat nur bedingungsweise die gefängliche Haft verfügt und
dem Kollegio nicht überhaupt nachgelassen die Garnison um Beihilfe anzutreten
Ich weiß also nicht warum mein Haus belagert ist und ich wie Jerusalem an
allen Orten geängstiget werde ehe noch Minchen verhört worden Sie ist die Ehre
ihres Geschlechts
    Deput Und Sie Herr Prediger nicht wahr die Ehre Ihres Standes
    Hier lösten sich die Rätsel denn der gute Prediger konnte die
wohlgemeinten Grobheiten des Deputatus länger nicht tragen Er duldete da ihm
die Grenzen des Auftrages dieses feuerspeienden Rechtsgelehrten und seiner
Spiessgesellen unbekannt waren Jetzt sah er keine Verbindlichkeit ein den
Deputatus im verkehrten Sinn reden zu lassen was nicht taugt und da ihm der
Justizrat seine Zweifel entdeckt und der redliche Prediger ihm den Unsinn von
diesem Vorurteil gewiesen hatte ging Deputatus in sich und hatte nichts weiter
in petto   Wenn man sich eine geraume Zeit im Zirkel herumgedreht scheinen
die äußern Gegenstände eben dergleichen Bewegung zu bekommen auch wenn man
aufgehört hat sich herum zu drehen bleiben die Objecte noch immer in einer
cirkelrunden Bewegung in unserm Auge  So ging es dem Justizrat bis ihm das
Verständnis ganz geöffnet war und nun Heftige Leute Leute über Hals und Kopf
kennen nicht die Mittelstrasse und unser Deputatus war nun wieder so auf das
Haupt geschlagen dass er nicht aus noch ein wusste Der Prediger gab seiner
Gewissensregung Minen mit eigenen Augen zu sehen nach Sie sollen sagte der
Prediger wie Thomas alles handgreiflich haben und ging hin Minen zu diesem
Besuch vorzubereiten Da der Deputatus sie sah fiel er zurück  So hatte er
sie sich nicht vorgestellt
    Gott sei mir Sünder gnädig fing er aus dem Innersten an sah die
abgezehrten Hände die eingefallenen Augen und die langsam und selig Sterbende
 Mit einem Blick hatte er alles Er konnte nach diesem Blick seine Augen nicht
mehr auftun Das erste war dass er die Soldaten abgehen hieß die nicht sehr
mit dieser Kommission zufrieden waren auch der Amtswachtmeister musste mit
Schanden unten an sitzen und im Wirtshause seine Diäten verzehren Dies geschah
gleichfalls nicht ohne Kopfschütteln Man sah es dem Peiniger an dass er gern
Ketten und Bande angelegt hätte
    Da stand der Justizrat wie von Gott verlassen
    Mine wünschte nachdem er lange vor ihr als Inculpatus gestanden allein zu
sein er schwur er könne nicht von dannen bis sie ihm verziehen hätte Mein
Gott was ist der Mensch Ein trotzig und verzagt Ding Wer kann ihn ergründen
    Der Deputatus weinte bitterlich
    Mine hob ihre halb abgestorbenen Hände auf und blickte den Bussfertigen sanft
lächelnd an Ihr Blick sagte Sie wussten nicht was Sie taten
    Er hatte sich vorgenommen ihr einige Fragen wiewohl außerhalb der Grenzen
seines Promemorias zu tun allein er konnte nicht
    Kommen Sie sagte der Prediger damit wir uns nach langem Missverständnis mit
Herz und Seele verstehen Der Prediger erzählte ihm den letzten Teil von s
Lebenslauf um dem Deputatus die curischen Papiere in einem andern Lichte und
überall verborgene Schlangen zu zeigen Der gute Rechtsgelehrte konnte sich
nicht beruhigen und wenn der Prediger ihm nicht grossmütigst die Folgen
verschwiegen hätte welche dieser Vorfall auf s Gesundheitsverfassung
gehabt er wäre nicht gesund aus dem Kirchenhause gekommen welches schon
ohnehin in aller Form ein Lazaret war Er aß den Mittag beim Prediger Gretchen
wollte nicht mitessen der Prediger musste es verlangen Sie kam allein sie
konnte den Deputatus nicht ansehen  Die Predigerin hatte sich über alle
Erwartung ziemlich erholt Der arme Rechtsgelehrte konnte nicht essen nicht
trinken Er war unlängst an das Kollegium wegen seines bekannten Diensteifers
der ein anderes Ding als Dienstverstand ist gekommen um die Schwachen und
Kranken und zum Teil entschlafenen Mitglieder dieses Kollegiums wieder
herzustellen  Seine Unbekanntschaft mit seinem Kreise trug viel zu dieser
Übereilung bei Bei Tische überfiel den Bussfertigen und Zerschlagenen der
Gedanke sein Amt in die Hände der Obern zu legen Er hatte zu leben Aus Not
durfte er nicht ein Zelote sein und sich vom Diensteifer fressen lassen
    Nachdem ich so übel gerichtet kann ich frug er kann ich wohl hinfort mehr
Haushalter sein Bei dem Blicke der Unschuld Sie wussten nicht was Sie taten
wie ward mir Gott kalt unter den Füßen
    Der Prediger suchte ihn von diesem Gedanken zu entfernen allein er blieb
Wie kann ein Mensch fing er an seines Bruders Richter sein  Bin ich darum
gerecht wenn ich nicht über Dinge strauchle und falle über die andere
straucheln und fallen Jeder Mensch hat seine besondere Welt seine besondere
Klippe sein ihm eigenes Fleisch und Blut  Ja und Nein sei mir genug Ich will
nicht richten damit ich nicht auch gerichtet werde
    Gott schrie er stand auf und brach die Hände der du aller Welt Richter
bist dir stehen wir dir fallen wir  Gehe nicht ins Gericht mit deinem
Knecht vor dir ist kein Lebendiger gerecht Wer kann vor dir bestehen wer
    Der Prediger versicherte ihn nachdem er ihn ganz um und um kennen gelernt
dass wenn je ein Mann den Namen Nathanael verdiente er es wäre Der heutige
Fall sei in gewisser Art Natanaels Geschichte Er sagte in Beziehung auf meinen
Herrn und Meister fügte der Prediger hinzu wie kann aus Nazaret etwas Gutes
kommen Allein Christus nennt ihn demunerachtet einen Israeliten in dem kein
Falsch ist
    Dies richtete den armen Rechtsgelehrten ziemlich auf wozu der Umstand einen
beträchtlichen Beitrag lieferte dass Nathanael einer seiner Vornamen war
    Seine Heiterkeit war indessen nicht dauerhaft Er konnte nicht aufhören
sich Zweifel vorzuwerfen Wenn ich schwiege fuhr er fort würden die Steine
schreien Mines Geschichte ging ihm gerade durch die Seele und doch bat er
ohne End und Ziel sie ihm zu erzählen und das Erzählte zu wiederholen Mein
tägliches Gebet soll sein sagte der Bussfertige Schaff in mir Gott ein
reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist
    Er ersuchte den Prediger so oft und viel sein Freund zu bleiben dass der
gute Prediger herzlich bewegt war Wahrlich wer immer mit schand und
lasterhaften Menschen im Gemenge ist bekommt am Ende ein Inquirentengesicht Er
findet überall arme Sünder und Sünderinnen Diebe Räuber und Mörder  So unser
Nathanael der den Menschenblick eingebüßt und nur bloß diesen Blick übrig
behalten hatte den man den Richterblick nennen kann Dieser Fahnenschwung ist
eine defensio ex officio die ich dem Nathanael schuldig bin  Der Prediger
von dem ich dieses alles haarklein habe und Nathanael sprachen viel von
Menschenkenntnis Ihr Endurteil war der Mensch soll offen sein allein er ist
unzugangbar Wer die Menschen leicht findet hat nicht sie sondern sich gesucht
und gefunden wer andere richtet bestraft seine Unart in andern und glaubt
sich eben dadurch weissgebrannt zu haben wie die liebe Unschuld  Wer hinter
dem Fenster in seinem einsamen Zimmer steht kann alles ganz deutlich
wahrnehmen was auf der Straße vorgeht unerachtet er von den Leuten auf der
Straße entweder gar nicht oder doch nicht deutlich gesehen wird Es kommt mehr
Licht aus der Straße ins Zimmer als aus dem Zimmer in die Straße
    Alle diese Vorstellungen lösten sich jetzt beim Nathanael auf und damit ich
mit der Erlaubnis meiner Leser vorgreife er legte wirklich sein Amt über ein
Kleines nieder und ist nicht mehr Richter im Volke Dies Geschäft war sein
letztes  Ich muss eine Stelle aus dem Briefe des Nathanael an den Prediger in
L in dem er ihm seinen Erlass eröffnete pränumerationsweise hersetzen ich mag
wollen oder nicht
    »Ich lege mein Amt nieder um dem Herrn zu dienen und auf ebner Bahn zu
wandeln Es muss eine Zeit der Heiligung sein eine Reinigungsperiode  ein
Fegfeuer  ein Selbstgericht ehe wir vor Gottes Richterstuhl treten Diese
meine Stunde ist gekommen  ich will mich selbst richten und den Krieg Rechtens
mit mir selbst anstellen Ein schön Stück Arbeit  Nur bloß auf diese Weise
sollen fortan meine Vermutungen wenn sie nicht zu Gunsten meines Herzens
ausfallen zu Tagefahrten und Protokollen Gelegenheit geben«
    »In diesem einzigen Fall kann niemand zu streng sein allein um andere zu
richten wahrlich niemand gelind genug  Ich besitze nicht Richterkälte nicht
Entscheidungsfähigkeit«
    Wenn ihn der Prediger nicht an den Bericht und an den Amtswachtmeister
erinnert hätte er hätte weder Bericht erstattet noch den Amtswachtmeister
mitgenommen der schon über seine Diäten getrunken hatte und den Nathanael ins
Geheim doch wegen seiner durchfahrenden Stimme so dass es jedermann hören
konnte um Lösegeld ansprach  Nathanael ließ dem Prediger alle Acten und bat
zur Probe seiner Vergebung und zum Siegel der ihm zugestandenen Freundschaft
diesen Bericht aufzusetzen Das Promemoria konnt er so wenig ansehen als
Gretchen ihn Die Predigerin lief noch vor ihm
    Hier ist der Bericht oder vielmehr sein Inhalt denn meine Leser haben wie
ich selbst zu befürchten anfange schon zu viel Curialien gelesen
    Es wird die schlechte Denkungsart des Herrn v E und Hermanns aufgedeckt
und der Gesichtspunkt eröffnet aus dem dieser ganze Vorgang zu nehmen ist
    »Die letzten Worte der Sterbenden entfernen schon den Begriff des
unterlaufenden Betrugs und der Falschheit und was sollte diese Sterbende die
vielleicht nur noch sehr wenige Stunden in dieser jammervollen Welt zu leben und
keinen Transport nach Kurland oder sonst eine üble Begegnung zu befürchten hat
was sollte diese Sterbende welche der Tod gegen alles in Schutz genommen was
sollte sie wohl bewegen mit Gewissensbissen sich auf der Reise zur Ewigkeit zu
beladen und sich eben dadurch ihre Sterbestunde zu erschweren Dagegen decken
die angegebenen Mängel des Protokolls und der Vorstellung die v E
eingebracht überall und besonders an den untertänigst bezeichneten Stellen
eine schlechte Absicht auf Ew Königliche Majestät kann ich auf meinen Amtseid
und bei meinem Seelenheil versichern dass ich den Eindruck den der Anblick
dieser Sterbenden auf mich gemacht nie verlieren werde und wie kann eine
Person die mit so erhabener Fassung und der Seelenruhe einer Märtyrerin diese
Welt verlässt sich solcher Laster als ihr angedichtet worden schuldig wissen
Der Prediger  hat sich verbindlich gemacht sogleich wenn diese Unschuldige im
Herrn entschläft ihren Tod Ew Königlichen Majestät einzuberichten«
    »Ich ersterbe in tiefster Treue
                Ew Königlichen Majestät
                                                     alleruntertänigster Knecht
                        Nathanael «
    Meine Leser wissen schon dass Mine diesen Vorfall zu überleben außer Stande
war Vielleicht wäre sie mit der Zeit so stark geworden mich noch in dieser
Welt zu sehen o wäre sies doch Gott wäre sies doch Jetzt war hierzu keine
Aussicht  Sie selbst sagte zum Prediger ehe dieser Vorfall sie vollends zu
Grunde richtete Was meinen Sie werd ich nicht bald stark genug sein
Alexander zu sehen nur ihn zu sehen  in dieser Welt  und dann dann lass mich
in Frieden fahren ich habe genug Nimm Herr meine Seele  Der Prediger trug
Bedenken ihr die ganze Anlage des Herrn v E zu entdecken und besonders war
er bemüht einen Vorhang über den Anteil den Mines Vater an dieser
Mordgeschichte genommen zu ziehen  Sie drang nicht weiter  sie war zu
schwach um ihre Bitte zu wiederholen Wiederholungen derselben Sache kosten
allen schwächlichen Personen unglaublich viel Sie sah des Predigers
Bedenklichkeit und tat ihren Mund nicht auf  Ihr ganzes ganzes Leben war
Duldung Sie war nur ein Zögling für eine andere Welt Dies empfand sie wie mir
der Prediger auf das heiligste versichert hat so sehr dass sie diese Welt nur
wie die erste Erde ansah aus der sie versetzt würde »Sie war froh in Gott« 
des Predigers eigene Worte  »und sich selbst bis auf Fälle von der Art wie der
Tod ihres letzten Verwandten und die Veranstaltung zur Haft immer gleich  das
heißt Gott ergeben Solche außerordentliche Fälle schienen ihren Geist in der
Hoffnung der Künftigkeit zu verstärken allein ihren schwachen Körper führten
sie im Triumph Ihr Geist war willig das Fleisch schwach Die Gottesfreude ist
von Dauer sie ist sich gleich sie jauchzt sie lärmt und kreischt nicht wie
die Weltfreude die mit aller ihrer Lust oft nach vierundzwanzig Stunden vergeht
 Wer den Willen Gottes tut bleibt in Ewigkeit  Fast möcht ich sagen dass
die Gottesfreude niemals im Gesicht läge sie liegt tiefer und im Herzen
Zuweilen erhebt sie sich bis zum Auge und das sieht dann erst gen Himmel eh
es um sich herumsieht So eine Gottesfrohe war Ihre Mine Sie dankte dem Herrn
denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich  Freuen und fröhlich
müssen sein in Gott die nach ihm fragen und die sein Heil lieben immer sagen
Hochgelobt sei Gott«
    Der Prediger setzte zu diesem allem etwas hinzu worauf ihn Mine gebracht
hatte »Die viel beten sind nicht froh sie verklagen den lieben Gott bei ihm
selbst Sie sind schwach Allein Freude am Herrn ist unsere Stärke Nehemia im
achten Kapitel im zehnten Vers«
    »Mine betete wenig ihr ganzes Herz war Gottes«
    Nach einiger Erholung die Minen sogar erlaubte wieder aufzustehen
erschlich sie den Ort welcher der Katarine mit zum Verdacht Gelegenheit
gegeben um nach den Gebeinen ihrer Verwandten zu sehen Es war ihr eine
Aussicht zum Himmel Eben kam der Prediger da sie so voll guter Zuversicht so
voll Seelenwonne hinsah und freute sich über ihren heitern Blick  Sollt ich
nicht sagte Mine und erzählte dem Prediger das was er ihr verschweigen wollte
und die ganze Absicht des Natanaels  mit samt dem Einfluss den ihr Vater
dabei gehabt  fast wörtlich wie er da stand
    Sterbende sagt der Pastor indem er mir dieses erzählte haben den Geist
der Weissagung Ich habe in meiner lieben Gemeinde Vorfälle gehabt  Mine
schien schon lange die Gabe der Ahnungen zu besitzen fuhr der Prediger fort
und sie hatte wirklich diese Salbung die nicht jedermanns Ding ist
    Hier ein Auszug eines weitläufigen Gesprächs das zwischen dem Prediger und
mir bei dieser Gelegenheit vorfiel Valeat in quantum valere potest
    Ein großer Bösewicht ist allemal ein tüchtiger starker gesunder Mensch 
ein Himmels und Höllenstürmer  Es gibt auch schwächliche feige
hinterlistige Buben allein diese erreichen nie den Grad der Bosheitsstärke zu
dem jene fähig sind Diese morden von hinten jene von vorn Den Beelzebub würde
ich so fest benervt bruststark als den Herkules malen nur 
    Wenn aber tüchtige starke gesunde Leute Menschen Gottes werden welch ein
Vergnügen diese starken Geister diese Engel die auch stark sind zu sehen
Die Tugend und ihre Tochter die Religion braucht auch in ihrem Dienste Leute
für den Riss und Feldherrn Einen Petrus mit dem Schwert einen Luther mit dem
Tintenfass  solchen Leuten ahnt wenig oder gar nichts und wenn die Welt voll
Teufel wäre und wollten sie verschlingen wenn tausend zu ihrer Rechten fallen
und zehntausend zu ihrer Linken sind sie gefasst sie gehen auf Löwen und Ottern
und treten auf junge Löwen und Drachen Sie glauben nicht an Träume und fühlen
kein Ungewitter wenn es gleich schwer in der Luft liegt Wer das Ungewitter
vorempfindet kommt schon in die Klasse dieser frommen Riesen nicht  Diese
Unbesorgte sind stark genug allem was ihnen entgegen will auf der Stelle
stattlichen Widerstand zu tun und überall das Feld zu behaupten Den frommen
guten Seelen aber welche ein plötzlicher Überfall gleich zu Boden reißen
würde ist eine Warnung vor einem kommenden Unglück notwendig Die Ahnungen
sind ihnen Wecker zur Fassung zur Geduld zur Gottergebung sie sind
Sturmglöckchen die sie zum Oelkruge bringen ihr verlöschendes Lämpchen
aufzufrischen  Diese Seelen sind fast zu schwächlich für diese Welt wo so
viel Streit Jammer und Elend ist  Ich bin schon in dergleichen Fällen
gewiegt sagte der Prediger der selbst die Ahnungsgabe zu besitzen glaubte ich
konnte mich fuhr er fort in diese pünktlich treffende Erzählung Minchens
finden da sie alles wusste warum sollte ich länger zurückhalten Dergleichen
Ahnungsbegabte pflegen sich die Sachen nicht leichter zu machen und selbst der
Zweifel der sie sie mögen noch so weit in der Selbstweissagung in der Ahnung
gediehen sein bekämpft ist ein Kampf und Kämpfen macht Mühe
    Kurz der Prediger las Minen alles und jedes und auch das vor was ich
meinen Lesern verkürzt habe  Gott Lob und Dank sagte Mine dass ich sterbe
Bei der Aussage des Kegler dass sie zum Mord angeführt und den Worten dass sie
sich aus einem Mordmesser kein Gewissen gemacht haben würde sagte sie
Solls ja so sein
Dass Straf und Pein
Auf Sünden folgen müssen
Herr fahr hier fort
Nur schone dort
    Ich muss Ihnen gestehen lieber Beichtvater fuhr sie zum Prediger fort dass
der Vorsatz mir selbst das Leben zu nehmen der wieder wie ich die Gewaffneten
sah und Katarinen hörte in mir Feuer fasste  dass dieser Vorsatz mir oft oft
als etwas vorgekommen das mir meine letzte Stunde erschweren könnte  Nun sind
diese Stiche hin  ich habe nichts nichts mehr was mich drückt und ich fühle
es ich werde selig und ruhig sterben und wie Alexanders Mutter singt wenn mir
die Gedanken wie ein Licht das hin und her wankt bis ihm die Flamme gebricht
vergehen werde ich sanft und still einschlafen  ich werde ausgehen wie ein
Licht Sagt man nicht Er ist ausgegangen wie ein Licht
    Gott so war ihr Ende auch wirklich Ihre Ahnung ließ sie nicht zu Schanden
werden pünktlich traf sie ein  Allein Mine blieb nicht fest bei diesen
beruhigenden Vermutungen Zuweilen schien es ihr schrecklich  zu sterben sie
nannte dies Leben einen hellen Tag zwischen zwei dunkeln Nächten Nur des Leibes
wegen setzte sie hinzu nenne ich es so meines Lebens besserer Teil mein
eigentliches Leben geht nicht aus stirbt nicht  Wenn diese Anfechtungen
Minen überfielen wie es der Prediger nannte kam es Minen vor dass ihr letztes
letztes Ende vielleicht schreckhaft werden könnte vielleicht ein Märtyrertod
so wie ihr Leben ein Märtyrerleben war
Herr fahr hier fort
Nur schone dort
rief sie dann zu Gott empor und ihr Busen hob die Decke so schlug ihr das
Herz
    Geschieht das am grünen Holz was will am dürren werden sagte der Prediger
bei dieser Erzählung und bemerkte dass er Minen auf diese Strophe aus dem Liebe
gebracht die er in einer Unterredung mit ihr verloren im eigentlichen
Verstande fügte er hinzu verloren denn sie das weiß Gott hatte nur mein
Trostamt nötig Ich durfte nicht zu ihr sagen wache auf die du schläfst und
stehe auf um noch so viel in dieser Welt gut zu machen als du kannst   Sie
war die Unschuld selbst
    s Trost bei dem Gedanken dass ihr Ende nicht sanft sein und dass sie
nicht wie ein Licht ausgehen würde war dass auch dies sein Gutes haben könnte
Das Sterbebette ist weit mehr als das Grab die Schule der Weisheit bemerkte
der Prediger Man erlangt ein anschauendes Erkenntnis wenn man den Toten da
sieht Bein von meinem Bein Fleisch von meinem Fleisch
    Sie nahm ein feierliches Versprechen vom Prediger mir ihren Tod auf das
aller aller genaueste zu erzählen Ist er schrecklich ist er sanft wie er
war Alles alles ihm Er braucht Lebenslehren wenn ich sie ihm zurücklasse so
werden sie ihm das weiß ich desto werter sein
    Eines Morgens  die Sonne ging unbewölkt auf  war Mine schwächer als je
Alle Fäserchen verloren ihre zusammenziehende Kraft Mine empfand diese
Schwäche und dies bewog sie Gretchen sehr zeitig zu sich bitten zu lassen Sie
bat sie um Licht damit sie ihre Briefe zusiegeln könnte Es war das Tagebuch
Sie befahl Gretchen Gott und seiner Huld und Gnade und bat mich tausendmal zu
grüßen  tausendmal und mir dieses Pack sie gab es ihr und noch andere Sachen
zu behändigen In seine eigenen Hände sagte sie und eine Zähre floss sanft ihre
Wangen herab  s Auge und Herz brach zu gleicher Zeit Grete konnte nie an
diesen Herz an diesen Augenbruch denken ohne bitterlich zu weinen  Mine
erholte sich indessen mit dem Tage der sich auch erholte Was sie nach der Zeit
schrieb konnte sie nicht mehr versiegeln Sie nahm die Verabredung mit
Gretchen diese Postscripte gleich nach ihrem letzten Hauch an sich zu nehmen
und sie mir zu geben
    Von ihrem Begräbnisse sprach sie wenig oder nichts Zuweilen äußerte sie den
Wunsch und auch dies nur beiläufig unter ihren Verwandten begraben zu werden
Mitten unter ihnen  da hat man doch gleich Bekannte bei der Auferstehung um
sich herum sagte sie
    Ich das bat sie sehr und es ward ihr heilig versprochen sollte bei ihrem
Begräbnis sein Vielleicht wünschte er mich noch zu sehen Der Arme trösten Sie
ihn ich sterbe dem Herrn unserm Gott ich sterbe als Alexanders Freundin Er
hat mir geschrieben dass er gern eine Haarlocke von mir hätte Wenn er nicht vor
dem Haar einer Toten zurückbebt kann er sie nehmen Gott sei ihm gnädig
    Der Tod grub jede Stunde näher um Minen ans Herz zu kommen Sie lebte zwar
nach dem dunkeln Morgen noch einige Tage allein es waren nur noch wenige
Tropfen im Kelch  Sie klagte wenig über Schmerzen Was ich dulde dulde ich
Gott Kopfweh Brustschmerz und ein schleichendes Fieber waren die Zerstörer
ihres Lebens
    An einem sehr schönen Morgen kam der Prediger zu ihr Gretchen war schon da
Sie nahm den Prediger und Gretchen bei der Hand Dank Dank für alles Gute Gott
lohne Sie sprach sie sehr leise  für alles für alles  Sie sprach noch
schwächer stammelte schwieg blickte sehr schnell auf sah Gretchen sah den
Prediger an hob ihr Haupt fiel zurück schloss ihre Augen und Gott mein Ende
sei wie ihr Ende starb  
                                       
    So war die Ahnung der Seligen erfüllt dass sie des Morgens sterben würde
Der Tag der letzte Tag für Minen unter der Sonne ging schön auf und blieb wie
er anfing Gretchen war außer sich sie war nicht von der Seligen zu bringen O
der letzte Tropfen Todesschweiss schrie sie wie er da starr steht Und der
Prediger Gott hat abgewaschen die Tränen von ihren Augen sie ist eingegangen
zu ihres Herrn Freude  Mir fielen sagte er da er mir diesen Sterbenslauf und
den Umstand dass sie ihr Haupt gehoben erzählte die Worte ein
    Wenn dieses anfäht zu geschehen so seht auf und hebt eure Häupter auf
darum dass sich eure Erlösung naht Die Predigerin als ob es ihr jemand gesagt
hätte empfand dass ein Todter in ihrem Hause wäre und ward so unruhig dass der
gute Prediger Mühe hatte ihr alles auf eine für sie erträgliche Art
beizubringen Er und seine Tochter konnten nicht von der Leiche kommen
    Gretchen nahm um den letzten Willen der Seligen zu erfüllen ihre Briefe an
sich die sie neben ihr fand Sie küsste sie und bat ihren Vater sie zu
versiegeln  Sie lasen beide keine Sylbe
    Der Prediger schrieb an seinen Bruder in Königsberg mich zu erfragen und
mich zu allem vorzubereiten Er bat ihn Sorge zu tragen dass ich wohlbehalten
nach L käme Wagen Pferde und Vorlegpferde alles war von dem
Testamentsvollstrecker besorgt Den Bruder bat er nur halb mitzukommen denn er
wusste nicht dass ich ihn kannte und dass er in Königsberg mein Beichtvater wäre
so wie er es in L von Minen gewesen
    Ich darf nach diesem Umstande es meinen Lesern nicht näher legen dass
dieser Bruder eben der königliche Rat der Menschenleser war mit einer
offenen weit offenen Stirn schwarzem Haar und einem Auge in dem man ihn zwar
im Kleinen allein doch ganz sah und dessen Abendgesellschaften aus einem
Offizier einem Kollegen einem Prediger einem Professor und mir bestanden
    Der königliche Rat hat nicht nötig mich zu erfragen Er ließ mir sagen
dass er gern den Abend mit mir teilen möchte Ich kam und fand nicht den
Kollegen den Prediger und Professor sondern bloß ihn  Mit einer Klugheit
die ihres Gleichen nicht hat bracht er mich auf meine Liebe wovon sein Bruder
ihm wiewohl nur gerade so viel als ihm höchst nötig zu seinem Auftrage war
entdeckt hatte Ich wusste wo ich war  Deutlich vermutete ich aus einigen
Stellen unseres Gesprächs dass der königliche Rat von meiner Geschichte
unterrichtet war Das Vierteljahr und noch viele Wochen darüber waren längst
überschritten ohne dass ich das Tagebuch erhalten Da ich auf alle meine
Erinnerungen und Briefe keine Sylbe erhielt schlug die Ahnung wie ein Blitz bei
mir ein ohne dass ich mir diese Ahnungsgabe je zugeeignet habe noch jetzt
zueignen darf »Mine ist    hier« Wo ist sie teuerster Herr Rat fragte
ich wo Das Feuer womit ich sprach und womit ich ihm mein Herz völlig
aufschloss erlaubte diesem feinen sehr feinen Menschenkenner und eben so großen
Menschenfreunde nicht mir alles zu entdecken Ich erfuhr nur dass Mine in L
bei seinem Bruder wäre dass sie krank gewesen und dass sie sehr krank gewesen
Ich würde mit  obgleich mein Bruder mich nur so als wollt er mich nicht
gebeten  sagte der Rat  allein der königliche Dienst 
    Wie mir war kann ich nicht schreiben ich hab es selbst nie aussprechen
können  Gleich so wie ich stand und ging wollt ich in den Wagen  Er
versicherte mich dass ich nicht nötig hätte mich zu übereilen und dass es
schon besser mit ihr wäre Tausendmal wollt es mir einfallen sie ist tot
allein es wollte nur ich ließ es nicht dazu Ich stieß diesen Einfall mit allen
Kräften fort und bäumte mich so dagegen dass ich auch wirklich nur kurz vor L
mich davon überzeugte Wenn ich auf die Gegenstände Acht gehabt welche mein
Lehrer abhandelte würd ich freilich nicht bis kurz vor L ungewiss geblieben
sein  ich hatte die Wahrheit zu sagen nicht das Herz auf diese Gegenstände
Acht zu haben Es waren alles Trostgründe unter fremden Namen unter ihrem
eigenen taugen Trostgründe ohnedem nichts sie müssen alle incognito kommen 
Ich hatte nicht das Herz den Fuhrmann eher als kurz vor L nach Minen zu
fragen Hundertmal wollt ich und hundertmal konnt ich nicht Da griff ich
Herz und der gute Fuhrmann dem freilich verboten war mit der Tür ins Haus zu
stürzen sagte mir eben alles da er mir nichts sagte oder nichts sagen wollte
    Gott mehr konnt ich nicht Der Fuhrmann bot mir ein Glas Wasser an um die
Sache gut zu machen allein ich hatt es nicht nötig  Ists Betäubung oder
was ist eine solche Stärke
    Auf dem Kirchhofe kurz vor dem Pastorat ergriffen mich Schauer auf
Schauer und ich fing an zu zittern und zu zagen
    Der Pfarrer und seine Tochter kamen mir entgegen Ich hatte kein Wort ich
glaub auch keinen Ausdruck im Vermögen wenn es mir das Leben gekostet hätte
Der Pfarrer der wie er mich versicherte selten einen so an Seel und Leib
gesunden Jüngling gesehen hatte sah mir alles alles an  Gretchen wusste
nicht was sie denken sollte Tot fing ich nach einer schrecklichen stummen
Szene an und tot war alles was ich konnte  Der Pfarrer wusste auch nicht
nachdem er mich sah womit er anfangen sollte Alles worauf er sich vorbereitet
hatte war nicht anwendbar Er hatte sich ein anderes Bild wie er mir nachher
entdeckte von mir gemacht
    Tot alles tot sagte ich und hielt mir den Kopf mit der rechten Hand Der
Pfarrer ergriff meine linke Fassung sagte er so furchtsam als wenn er zu
fehlen glaubte als wenn er selbst nicht wüsste was er sagen sollte als wenn er
selbst nicht gefasst wäre Er war es wirklich nicht der gute Mann Gott der
dieser Zeit Leiden so einrichtet dass wirs können ertragen ließ mich nicht
lange in dieser schrecklichen erschrecklichen Lage in diesem Mein Gott mein
Gott warum hast du mich verlassen
    Sie ließ Sie tausendmal grüßen sagte Gretchen und dies Wort wirkte auf
meine Empfindung die Spannung ließ nach  Mein Auge bezog sich  O Mine
sagt ich mit einem Ton der Gretchen durch Mark und Bein ging auch den
Prediger traf er Sie weinten beide  auch ich fing an zu weinen allein heftig
Das Donnerwetter hatte sich noch nicht völlig verzogen es donnerte und blitzte
während dem heftigen Regen
    Oft hab ich darüber gedacht wie es zugegangen dass ich nicht sogleich
gerungen sie zu sehen  Nun fiel es mir auf einmal ein Wo ist sie wo fing
ich an und da war sie auch schon in meinen Armen an meinen Lippen
    Gott welche Szene   O Mine Mine Mine Mine Mehr konnt ich nicht ich
fiel zurück  eine Seelenohnmacht ergriff mich  Der gute Prediger und seine
Tochter sagten abwechselnd Sie ist bei Gott mehr konnten sie auch nicht Wir
waren alle drei so lebensmüde und satt dass wir gern gern all zusammen da
gestorben wären gern um in s Gesellschaft zu sein Gott ist sie denn
nicht wert dass man ihretwegen stirbt Sie war mir alles fing ich an und
weinte Welt Leben alles sagt ich und weinte bitterlich
    Geliebten Leser und Leserinnen habt Mitleiden mit mir auch jetzt da ich
dieses schreibe weint ich und weine bitterlich
    Nach einer langen Weile da ich mit starrem Blick sie angesehen sprang ich
auf und schrie Sie lebt Noch diese Minute weiß ich nicht wie ich zu diesem
Sie lebt kam  Ich drückte sie fest an mich und stehe da   ich fühlt einen
warmen Odem  Der Prediger kam Gretchen kam alles mir nach Sie lebt 
Minchen rief ich du lebst du lebst Steh auf von den Toten Erwach erwach
du schläfst nur Mine Weib meiner Seele sieh auf sieh nur noch einmal auf
Nur noch ein Wort Mine nur ein einziges Der Prediger machte Proben mit dem
Odem wie es schien und das nicht ohne die Fassung die eine jede Probe
erfordert  Sie lebt schrie er mit einer erprüften Gewissheit dass ich vor
Freude außer mir war Es ging so weit dass wir lebendiges Blut in ihrem Gesicht
bemerkten und froh und fröhlich waren Wir haben einen Gott sagte der Prediger
der da hilft und einen Herrn der vom Tode errettet
                                       
    Sie lebt nicht hin ist hin  Wir haben einen Gott der da hilft und einen
Herrn der vom Tode errettet Dort lebt sie dort wird sie leben dort Ich
werde sie eher nicht wiederfinden als unter den Vollendeten Gottes die zu
seinem Reiche gekommen sind  Heil denen die gekommen sind aus großem Trübsal
und die dort rühmen können dass der Zeit Leiden nicht wert sind der
Herrlichkeit die an ihnen offenbar werde
    O Gott dieser Lebensstunde wie viel bin ich ihr nicht schuldig Dies war
der Engel der mich stärkte Es war so als ob die Selige mir Trost eingehaucht
und einen himmlischen Odem verliehen hätte Ich fühlte mich kräftig Bald bald
werd ich sein wo sie ist bald bei ihr sein
    Durch das eingebildete Leben ward ich lebendig Sind wir Menschen nicht
besondere Geschöpfe Oft tröstet uns was uns mehr niederschlagen sollte
    Wir blieben ein paar Stunden bei der Leiche Der Prediger machte nun wieder
Entgegenproben  Nachdem wir die Leiche verließen und der Prediger mich nach
seinem selbsteigenen Ausdruck wie umgekehrt fand nahm er mir ein Versprechen
ab ihre Hülle ihr Erdenkleid nicht mehr als noch einmal zu sehen  Er machte
dies zur Sache Gottes und ich versprach  und hielt Gott weiß wie schwer es
mir ward
    Ich aß wenig trank noch weniger Der Prediger glaubte dass ich nach so
entsetzlichen sprachlosen Stunden Ruhe nötig hätte Gott schenke sie Ihnen
setzt er hinzu  Wir gingen ein jeglicher in sein Kämmerlein wie über ein
Kleines jeglicher in sein Grab gehen wird am Ende seiner Tage  allein welch
eine Nacht  Mein Herz schlug ein anderes Kapitel auf  Die Verklärte hätte
mich ihres Ablebens wegen zuvor mit verklärt allein jetzt fiel es mir ein wie
kam Mine nach Preußen Ich Unglücklicher so nahe bei ihr Diese Sandkörner
wurden mir zu Bergen ich drückte die Augen zu um diese Vorstellungen zu
erdrücken allein dies war eben der Weg noch mehr zu sehen  Ich sah im
eigentlichen Sinne Gespenster Anfangs fuhr ich auf und nachher wimmert ich 
ich wusste von nichts was ich tat Im Bette hatt ich nicht Raum mit allen
diesen Dingen
    Der redliche Prediger hatte sein Kämmerlein neben mir genommen Anstatt
schlafen zu gehen zog er also eigentlich auf die Wache um wenn es nötig
wäre bei der Hand zu sein  Der Schlaf floh auch ihn und es war mir
besonders dass wir alle im Hause nicht eher eine ruhige Schlafstunde hatten so
müd und matt wir auch waren als bis Mine begraben war Der Prediger meinte
dass es ein unempfindliches Herz verraten würde in einem Hause schlafen zu
können wo ein noch uneingesargter Mensch läge Er wenigstens hätt es wie er
sagte nie können
    Man bildet sich ein dünkt mich zu sterben wenn man so nahe bei einem
Toten einschlafen sollte und fürchtet sich vor dem Schlafe  daher die
Leichenwachen oder aus einem andern Gesichtspunkte man sieht sich selbst tot
wenn ich so sagen soll bei einem mit Händen zu greifenden Leichnam Die
Aegyptier würden nicht bei einer Leiche haben essen und trinken können dafür
steh ich
    Wir blieben zusammen Der Prediger hielt fürs dienlichste mir die ganze
Sache so wie sie war darzustellen und in Wahrheit das ist das einzige Mittel
zur Beruhigung Wenn ein Unglücklicher die Grenzen seines Unglücks wissen will
messt sie ihm gleich ganz und gar zu  keinen Strich weniger ihr macht ihn sonst
bei jedem neuen Zuge unglücklicher  ihr lasst ihn einen so vielfachen Tod
sterben als ihr Absätze Rückhalte und Punkte macht ich selbst kann zum Belege
in Rücksicht dieser Bemerkung dienen Was der lebendige Odem s gestern
Abends war das war die Geschichte des Predigers heute Morgens  Gretchen kam
hörte was vorging und holte mir das Depositum Da hatt ich nun s Geist in
allen Händen Ewig wert sind mir diese Papiere wenn ich sterbe sollen sie
mein Kopfkissen im Sarge sein  Das so der Prediger besiegelt hatte war das
erste welches ich las Aus dem versiegelten Pack wissen meine Leser schon was
mir schien als könnt es ihnen wissenswürdig sein Vielleicht ist ihnen vieles
nicht also Verzeihung in diesem Fall geneigter Leser Ich hab es oft nie aber
so sehr als hier gefühlt wie schwer es sei mit ich anzufangen Pilatus und
Herr v E sagen Was ich geschrieben habe das hab ich geschrieben Schade
sonst würd ichs auch auf mich anwenden
                            Minchens letzte Schrift
                              aus Gretens Händen
    Das letzte was ich in dieser Welt schreibe sei dein Gott der Herr der
Herr sei mit dir Wenn ich sagen würde ich ging ohne Wunsch aus der Welt
noch länger hier zu sein würd ich einen falschen Eid vor Gottes Gericht zu
verantworten haben Eng ist die Pforte durch die ich mich dränge  allein wenn
ich durchgebrochen  ich fühls was für Erquickung mir entgegenwehen wird
Meine Seele sehnt sich nach Ruhe nach dem Sabbat  Der Gerechten Seelen sind
in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an Ich liebe dich ich liebe dich
Gern hätt ich dich noch in der Welt gesehen und gesprochen  geküsst  jetzt
nicht mehr so gern ich dich sonst geküsst habe  Deine Hand hättest du mir aber
reichen müssen Ich war immer stark an ihr  und nun hätt ich die Stärke aus
ihr herausgenommen  Ich sterbe darum getrost weil ich unserer Liebe wegen
Gott geopfert werde und ihm und seinem Gebot sterbe Ich sterb einen
Märtyrertod und fühl es wie weit leichter es sein muss so und nicht anders zu
sterben Zwischen Tod und Tod muss ein großer Unterschied sein das kann ich
besser wissen wie du  Wir werden uns wieder sehen Lieber Lieber Lieber
Mit diesen Augen werd ich dich sehen mit diesem Herzen dich lieben mit diesem
Herzen  wie schwach ists sehr schwach Ich will die letzte Kraft abwarten
das letzte Aufflackern meiner Seele  Ich habe meinen Geist in die Hände Gottes
befohlen so lange ich mich noch ganz besaß Jetzt sterb ich allmählig Bald
vollbracht Ihm dem Vater aller Barmherzigkeit und alles Trostes sei Lob und
Preis für alles für alles Er schlägt und heilt er verwundet und lässt genesen
Oft dacht ich er hätte sich von mir gewendet ich rief und er antwortete
nicht allein er erlöste mich gewaltiglich aus aller Not Bald vollbracht
bald Ich dachte schon nicht mehr in dieser Welt zu schreiben denn es überfiel
mich sehr plötzlich allein ich habe noch viel zu schreiben würde mich der Tod
übereilt haben hätt ichs mündlich zurücklassen müssen Wie oft ich gewünscht
und mich gesehnt habe dich noch zu sehen weiß Gott der Herr Der Arzt
widerriet es und der liebe Prediger auch Gottes heiliger Wille ist geschehen
Ich hatte mich schon ziemlich erholt  nicht zum Leben  nein dich zu sehen
und diese Hoffnung eben diese diese Hoffnung frischte mich zusehends auf 
Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken seine Wege sind nicht unsere Bald
hätt ich dir wieder erzählt was du schon weißt  mein Kopf ist schwach sehr
schwach  Dass es keine Sünde ist dich zu lieben kann ich am besten jetzt
entscheiden  jetzt wo über das ganze Leben entschieden wird Es entgeht mir
nicht das mindeste von allem allem allem was ich von Jugend an gedacht und
getan  über alles hält das Gewissen Gericht  Verzeihe mir Herr alle meine
Fehler dein harret meine Seele meine müde Seele Du allein Herr schenkst den
Beladenen Ruhe Seelenruhe Dein Joch ist sanft deine Last ist leicht schon
hier sanft und leicht allein noch mehr sanft und leicht wenn man auf die
Zukunft sieht Vor Gott ist kein Lebendiger gerecht allein glaub mir mein
Lieber ich bin ruhig  und ich bin der festen festen Zuversicht dass der hier
in mir angefangen hat das gute Werk es bestätigen und vollführen werde bis an
den letzten Gerichtstag Ich liebe dich mein Lieber Gott weiß es er weiß auch
wie Es ist eine andere Liebe wie in   auf dem Kirchhofe mit der ich dich
jetzt sterbend liebe Über all unsere Liebe hat mich das Gewissen gleich
losgesprochen gleich ohne Umstände  Das kann ich dir zum Trost schreiben O
Gott wär doch dies zureichend dich zu trösten Wenn ich wüsst und glauben
könnte dass es dir zum größeren Trost gereicht wenn du mich gesehen und mich
gesprochen was würd ich mir für Vorwürfe machen Wahrlich dann hätt ich mich
sehr an dir versündigt  Ich glaube nicht dass es dir tröstlicher gewesen wäre
 ich glaub es nicht  und dieser Gedanke beruhigt mich
    Ich will ich werd an dich denken mein Geliebter auch in meinem Letzten
Allerletzten  Verlass dich drauf und sei nicht unruhig dass du mich und ich
dich nicht noch gesehen  Wir werden uns doch kennen wie ich hoffe dass Leib
und Seele wenn sie gleich lange durch den Tod und Grab getrennt worden sich
gleich wieder kennen werden Das wird eine Freude sein All diese Freuden
stehen mir vor und auch dir O selig sind die Toten die im Herrn sterben 
Deinen Namen mein Geliebter will ich tausendmal aussprechen und dir die kalte
Hand zureichen wenn du auch nicht da bist Deinen Namen will ich mir auch beim
Scheiden vorstammeln so dass ich noch mit der letzten Sylbe bis in den Himmel
bis in die andere Welt lange Ich werd ich kann ihn nicht vergessen auch wenn
ich deinen himmlischen Namen erfahre will ich deinen irdischen nicht vergessen
Ich habe dich sehr sehr geliebt mehr als du gedacht mehr als ich dir gesagt
habe und sagen konnte Meine Mutter will ich dort von dir grüßen und ihr sagen
welch ein guter edler Junge du gewesen bist bis in meinen Tod  Gott sei mit
seiner Gnade mit seinem Segen über dir hier zeitlich und dort ewiglich Das
fühl ich im Sterben im Sterben bei der letzten Probe von dem was gut ist und
was es nicht ist Das fühl ich dass eine Liebe wie die unsrige eine
himmlische Liebe sei Sie war nicht für diese Welt sie war nicht von dieser
Welt  Ich empfehle dich Gott und seiner Gnade der walte über dich  Wieder
schwach  ich lege die Feder noch nicht weg  ich hoffe Stärke Nein  schwach
noch immer sehr sehr schwach
                                       
    Noch schwach allein so sehr nicht wie gestern  Gegen Abend bin ich immer
matter so gehts allen Kranken Der Prediger sagt dass die meisten mit dem Tage
sterben sie gehen des Abends zur Ruhe Mir ahnt dass ich des Morgens sterben
und zu meiner Ruhe eingehen werde  Wie Gott es beschlossen hat Nicht was ich
will sondern was Gott will Die Stunde des Todes ist Gottes Sache  ihm sei
alles anheimgestellt Lass mich nur selig sterben Gott meine Zuversicht lass
mich vor dir Barmherzigkeit finden im Tode So wie das Leben istso ist das
Sterben  bald schwach bald etwas besser Ganz gut ists doch nicht hier
sondern dort Der liebe Pastor seine Frau und Gretchen sind gute Seelen O
lieber Gott wie wirds in deinem Himmel sein wo dir alles nachmacht und so gut
sein will wie dus bist Da kommt Gretchen mit ihrer Mutter  ich soll zu Bette
gehen  Gott sei mit dir  Ich denk immer wenn ich zu Bette gehe wie wirds
sein wenn ich begraben werde wie Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und
keine Qual rührt sie an  das tröstet mich Dieser Trost bleibt auch im Tod
unüberwunden Ich lebe dem Herrn ich sterbe dem Herrn im Leben und Sterben bin
ich des Herrn
                                       
    Ich habe lange mit mir gestritten ob ich dir das letzte Stück von meinem
Tagebuch das mit einem großen Kreuze bezeichnet ist zurücklassen oder ob
ichs mit ins Grab nehmen sollte Du weißts dass ich dir bis an das große Kreuz
keine Klage über meinen Vater geführt habe ich wollts auch jetzo nicht  Ich
stritt lange mit mir endlich und endlich hielt ich mich verbunden dir für den
ich kein Geheimnis gehabt und haben kann Rechenschaft von meinem Tode zu geben
Im Himmel hätt ich dir ohnedem so was nicht erzählen können und niemand weiß
es was ich weiß und was dir dieses Tagebuch sagen kann außer Benjamin und den
hoff ich auch dort zu finden  Lies und fluche meinem Vater nicht ich hab
ihm nächst Gott mein Leben zu danken Würd ich nicht in dieser Prüfung gelebt
haben könnt ich nicht Gottes Angesicht sehen und ewig genesen Dort ist mein
unbeflecktes Erbe mir aufbehalten im Himmel Fluch ihm nicht meinem Vater
Denen die Gott lieben müssen alle Dinge zum Besten dienen Grausamkeit ist
meine Beförderung zur ewigen Ruhe Mein Leib stirbt je länger je mehr und der
Geist sein Freund nimmt oft mehr hieran Teil als ichs gern sehe Doch
gibts Stunden wo ich fühle dass meine Seele unsterblich sei wo ich nicht sehe
auf das Sichtbare sondern auf das Unsichtbare denn was sichtbar ist ist
zeitlich was aber unsichtbar ist o Gott hilf mir ist ewig ist ewig Es
ist meiner Seele oft so als wenn man den Kirchturm von dem Orte sieht wo man
hin will Man denkt man sei schon da Ich habe heute mit meinem lieben Pastor
wegen des Tagebuchs mit dem Zeichen des Kreuzes noch einmal gesprochen Er nimmt
es auf sich dich zu allem vorzubereiten  Fluche meinem Vater nicht fluch
ihm nicht
    Darf ich hier eine Einschaltung machen Dies Kreuztagebuch lag im großen
Pack Nach einem großen Kreuze fängt es an
    Ob du je dies Blatt und die Folge dieser Geschichte lesen wirst weiß Gott
der alles weiß Ich zittere dass meine Ahnungen so haarklein eingetroffen sind
Wenn noch eine andere eintrifft sehen wir uns nicht eher als in der ewigen
Freud und Seligkeit Wärst du nicht lieber Junge in dieser kummervollen Welt
wie gern wie herzlich gern  Im Leben und im Sterben bin ich dein und ewig
dein dein dein
                                       
    Wieder Minchens Schrift aus Gretchens Händen
    Ein Testament lieber Junge ist mir von jeher was Feierliches eine
Herzenslust eine Seelenwonne gewesen Schon längst hab ich darauf gedacht dir
eins zurückzulassen Wo ich nur dazu kommen konnte las ich Testamente und wie
sehr freut ich mich wenn ich eins gelesen hatte dass die Leute oft in ganz
gesunden Tagen bedenken dass ihr Leben ein Ziel hat und dass sie davon müssen
Heute will ich mein Testament machen Ein Testament in meinem neunzehnten Jahre
 So winkt Gott manchem am trüben Abend seines Lebens manchem am heitern
Morgen  Komm Herr ich bin bereit
                                Im Namen Gottes
    In deine Hände befehl ich meinen Geist treuer Gott und Herr Wenn mein
Haupt sich neigt wenn mich nichts mehr erwärmt wenn die Hände saftlos
dahinsinken und der Puls statt zu schlagen zittert als ob er selbst vor dem
Tod erschrecke sei nicht fern von mir Gott meine Hilfe Sei mir nicht
schrecklich mein Gott in meiner letzten Not Ich harre dein Längst hab ich
den Tod kennen gelernt denn ich bin schon viel und oft gestorben wenn ich aber
zum letztenmal sterbe o Gott hilf mir Wenn ich heimfahre aus diesem Elend
sei mein Herr und mein Gott Amen Amen
    Dich herzlich Geliebter bekenn ich sterbend als den meinigen  Ich
beschwöre dich dass du über meinen Tod nicht trauerst wie die so nicht glauben
eine Zusammenkunft der Auserwählten zu Gottes Rechten und dann Freud und Wonne
in Ewigkeit vor dem Angesicht des Herrn aller Welt  Ich setze dich zum Erben
ein alles dessen was ich habe Es sind Sachen die du in deinen Händen gehabt
eben hierdurch hast du sie für mich geweiht Nach unserer Trennung hab ich auf
nichts neues gedacht Mache mit diesen Sachen was dich gut dünkt Ein Stück gib
meinem Vater zum Andenken wenn ers will ich glaub er wird wollen und ein
Stück behalte deiner Mine zum Andenken Wenn eine Träne auf dies dein
Lieblingsgewand hinfällt Gott lass sie sanft wie Tau fallen hast du genug
Leid getragen um deinen Toten  und hiermit nehm ich von dir als meinem Mann
Abschied  Ich danke dir für deine eheliche Treue du hast mich herzlich
geliebt  Habe Dank mein Seelenmann für alles Gute das du an mir getan für
deinen treuen Unterricht für dein Beispiel für alle alle Proben deiner Liebe
 Gott lohne dir für alles zeitlich geistlich und ewig Meine Sinne sind
ausgetrocknet Fast hab ich keine Tränen mehr um diese Wünsche zu begleiten
 Da quillt eine empor sie sei dir zum Segen geweint Amen Nun meine
feierlichste Bitte mein Beschwur  Ich bitte dich vor Gott und nach Gott ich
beschwöre dich bei allem was heilig ist im Himmel und auf Erden und nach
diesem hohen Schwur  bei meinem letzten letzten Seufzer bei meinem letzten
Todesstoss bei meinem letzten warmen Hauch  dich zu seiner Zeit ehelich zu
verbinden Gott segne dein Weib und die Kinder die sie dir schenken wird Wir
sind geschieden Gott hat uns verbunden und geschieden der Tod bringt uns den
Scheidebrief Von diesem Augenblick an da ich dieses schreibe bist du nicht
mehr mein Mann Das letztemal nenn ich dich meinen Mann o Gott das letztemal
 Und von diesem Letztenmal bist du nicht der meinige sondern der Mann deines
künftigen Weibes Wenn dir ein Sohn stirbt schreckliche Ahnung sei er mein in
der andern Welt  ich will mich mit ihm verbinden wie sich Engel Gottes
verbinden und deine himmlische Schwiegertochter werden Da kommen dir dann und
deinem künftigen Weibe entgegen ich meine Mutter dein Sohn  und lehren dich
in der Stadt Gottes die Häuser kennen Halleluja Halleluja Amen
    Ich bat Gott um einen Engel mit Stärkung aus seiner Höhe er sandte mir
seinen Knecht auf Erden die auch des Herrn ist Er ließ mich essen aus seiner
Hand und trinken aus seinem Becher Es ist bei weitem nicht dein Vater allein
er ist auch ein treuer Diener seines Herrn nach der Gabe die er empfangen hat
Seine Tochter Gretchen drückte mir den Kopf zusammen wenn er auseinander fallen
wollte eh es Zeit war  und seine Frau man sagt sie sei schwermütig allein
ich sage sie ist entzückt sie hört und sagt Worte die übermenschlich sind 
Sie war mir als eine Gereisete die zu erzählen wusste wies dort zugeht  Der
Mann sanft wie Johannes den der Herr lieb hatte  sie eine Hanna
    Er hat mich getröstet da nichts mehr Mark und Bein erquickte da kein Trunk
mich labte und das Wasser selbst wies der liebe Gott gibt mir schal
schmeckte  ich durstete nach dem Wasser des Lebens Bald bald  Zehn und
mehrmal war mir der Puls abgelaufen sein Trost zog ihn so dass ichs recht
merken konnte auf  freilich nur auf wenige Stunden allein glaub mir je näher
am Tode desto köstlicher die Zeit Wenn du dich diesem Priesterhause verbinden
kannst tu es  Es sind all zusammen gute genügsame Leute die nicht aufs
Sichtbare sehen sondern auf die Erscheinung des Herrn warten
    Schon oft hab ich gebeten und ich wiederhol es noch einmal in diesem
meinem letzten Willen meinem Vater nichts zuzurechnen Vergib ihm o Lieber
vergib ihm so wie du willst dass mir und dir Gott vergebe Kannst du ihm
helfen hilf ihm Meine Flucht kann ihn vielleicht in noch schlechtere
Verfassung bringen als er schon war da er die Schule aufgegeben hatte 
Vergib ihm und dem v E   so wie ich beiden vergebe  O es ist eine schöne
Sache zu vergeben Vergib ihnen alle Leiden die sie mir gemacht und auch dir
 Du kannst in deiner eigenen Sache nicht Richter sein Mein Leiden und Tod
trifft dich zu nahe vergib allen alles  den Essig und Galle am Kreuze  sie
wissen nicht was sie tun Oft denk ich an den Tod des größten Toten der uns
ein Vorbild ließ nachzufolgen seinen Fußstapfen und dann bin ich froh über die
Kriegsknechte welche die Widdem besetzten und über so manchen Pilatus der nur
den Leib töten kann und die Seele nicht worunter ich aber den ehrlichen
Nathanael nicht rechne denn wahrlich er tat mehr als sich die Hände waschen
 Sag ihm wenn du ihn in dieser Welt sprichst dass ich ihm von Herzen vergeben
habe Seit der Zeit da er mich schreckte war es vollbracht alles vollbracht
Wenn mein Bruder lebt gib ihm den Brief den ich deinem großen von mir
versiegelten Pack beigelegt Meinem Vater gib auch den seinigen Kannst du
meinen Verwandten in Mitau förderlich und dienstlich sein sei es  Gott wird
dich lohnen er segne dich mit reichlichem Segen mit mehr als einem Segen
Amen Über ein Kleines werden wir uns nicht sehen und über ein Kleines werden
wir uns sehen ich gehe zum Vater Diese Worte hat mir der liebe Pastor in L so
eindrücklich gemacht dass sie mich stärken für und für Grüße deinen Vater und
Mutter  ich küsse beiden die Hände Gott lass es ihnen wohl gehen ewig ewig
wohl  Ich bin matt sehr matt  Wenn mein Bruder mir im Himmel zuvorgekommen
ist denk an das Grab meiner Mutter damit es nicht verfalle sondern ein Grab
bleibe denk an alle heiligen Orte von denen ich meinem Bruder geschrieben
habe Ich bin   nahe am Kirchhofe in die Welt gekommen in L nah am
Kirchhofe geh ich aus der Welt Ich verbiete dir nicht an mich zu denken
allein tu es nie wenn du allein bist sondern im Beisein der Deinigen damit
du stark bleibest Amen
    Dies ist mein letzter Wille den du in allen Stücken und besonders wegen
meiner feierlichsten Bitte vor Gott und nach Gott erfüllen musst so wahr dir
mein Andenken lieb ist Nun zum letztenmal Amen Angefangen früh Morgens
geendigt um sieben Abends den   17 
                                       
    Nach diesem Testament das sie den Tag vor ihrem Tode gemacht hatte schrieb
sie nur noch folgende Zeilen
    Sei gut  ich kann nicht mehr  Nach diesem Elend ist uns bereitet ein
Leben in Ewigkeit  Heilig heilig heilig ist Gott der Herr  Hinauf
hinauf ich kann nicht mehr  aber denken beten segnen noch  noch  noch 
Lebe wohl wohl wohl
    Noch sehr unleserlich und immer in die Höhe standen die Worte Ich bin
bereit  komm Herr  Schmerz  Angst keine  im Himmel  Lieber
    Wie sehr mich diese Zugabe gerührt hat ist unaussprechlich  alles
himmelan Sie ist entgangen Gott helfe auch mir und allen die seine
Erscheinung lieb haben kämpfen den guten Kampf des Glaubens und den Lebenslauf
vollenden Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit
                                       
Den Brief an ihren Vater dessen sie erwähnt
        Mein Vater
    Wenn Sie diesen Brief lesen hat Ihre Tochter alles geendigt alles  Sie
hat ausgerungen ausgekämpft  überwunden Ihr ist wohl ewig wohl Sie ist bei
ihrer Mutter in der ewigen Freude und Seligkeit verklärt und herrlich
Halleluja  Ich mache dem Herrn v E keine Vorwürfe und habe meinen Geliebten
gebeten auch keine zu machen sondern ihm alles zu verzeihen so wie ich alles
dem Herrn v E verziehen habe und jetzt mit sterbender Hand verzeihe Wenn ihn
mein Tod auf den Gedanken bringt dass die verfolgte unterdrückte Tugend den
großen Vorzug habe sterben zu können wahrlich ein großer Vorzug so wird er
einsehen dass sie über alle Gewalt erhaben sei und sie eben darum vielleicht
hochschätzen lernen Möchte er es doch
    Ihnen mein Vater wünsche ich Gottes Gnade und Segen Es gehe Ihnen wohl
sehr wohl Unser Leben ist kurz Sie sind älter als ich  Was ist doch die
ganze ganze Welt wenns zum Sterben geht  Sollte es Ihnen in dieser Welt
noch fehlen sehen Sie meinen Geliebten als Ihren Freund an der Sie nicht
verlassen noch versäumen wird Ich empfehle mich Ihrem Andenken Meine Mutter
werde ich von Ihnen grüßen und wie froh werde ich sein Sie mein Vater einst
dort wieder zu finden und meiner Mutter diese feste Hoffnung zu geben Es wird
ihr das weiß ich eine große Freude sein Leben Sie wohl leben Sie wohl  
ewig wohl
    Der Brief an ihren Bruder Benjamin ist eine Wiederholung ihres von ihm
genommenen Abschieds da sie in   sich schieden und der Übergabe und
Einweisung in Rücksicht aller heiligen Orte unter denen das Grab ihrer Mutter
das vornehmste war Sodann die Eröffnung dass sie mich auf seinen Todesfall in
dieser Aufsicht substituirt hätte und auch im Leben schreibt sie wird er dich
unterstützen Er liest diesen Brief den ich ihm offen lasse
    Ich lernte die Predigerin den Tag nach meiner Ankunft kennen ihn glaube
ich kennen meine Leser ohne meine Nachhülfe Er war ein ehrlicher Mann und
wollte nichts mehr allein auch nicht weniger als ein Prediger sein Seine
Stelle war nicht die vorzüglichste indessen warf sie so viel ab dass er leben
konnte Mehr sagte er bedarf ich nicht Er hatte zwei Söhne welche der
königliche Rat als die seinigen in Königsberg erzog Gretchens Brüder gingen in
eine der besten Schulen sie sollten beide Geistliche werden Unser Prediger war
kein Kipper und Wipper Er verfälschte und beschnitt nichts sondern ließ alles
wie es war unumgeschmolzen beim alten Schrot und Korn  Die Bibel sagte er
ist an sich schon eine lautere und vernünftige Milch Wer die Bibel anders als
aus der Bibel erklärt ist ein Mietling  Schon seit fünf Jahren hat er an
einem Werke über die Sünde wider den heiligen Geist gearbeitet woran er mich
nach s Begräbnis nähern Teil nehmen ließ Er wollte seinem Bruder eine
unvermutete Freude machen und ihm diese Schrift zueignen So weit ich den
Bruder kenne konnte ihm mit einer Zuschrift über ein Werk von der Sünde wider
den heiligen Geist nicht sonderlich gedient sein
    Seine Frau Bei ihrer Einbildungskraft war der Zaun gebrochen sagte der
Prediger und traf sie vollständig Sie hatte viel Gutes viel Herzliches an
sich Sie sah jeden starr an und kam dem mit welchem sie sprach ungewöhnlich
nahe sie griff ihn mit ihren großen etwas verwilderten Augen Es ließ die
Prophetin gleich beim erstenmale so viel Zutrauen gegen mich aus ihren Augen
schießen dass sich der Prediger und alle die sie kannten darüber wunderten
Sie blieb sich die ganze Zeit über gleich ohne tiefer in ihre Lindenkrankheit
zu fallen die sie indessen nie ganz verließ Sie hatte eine schleichende
Lindenkrankheit sagte Gretchen wie man dergleichen Fieber hat das auch
zuweilen in Heftigkeit ausbricht und nicht immer schleicht
    Gretchen ein rein und unschuldiges Mädchen das aus Liebe zu Minen mit dem
Deputatus nicht essen wollte Sie hatte Verstand allein ihr Verstand lag in
ihrem Herzen oder wenigstens nicht weit davon Alles was Gretchen sagte und
tat sagte und tat sie von ganzem Herzen
    Ich habe mit Fleiß meine Leser und mich von Minchens Leiche abgezogen
allein konnte ich sie lassen Wenn meine Leser scheel über diesen Abzug gesehen
dann dann erst könnte ich von Glück sagen
    Mine hatte sich mit Gretchen am meisten unterhalten und Gedanken mit ihr
gewechselt Gretchen nahm Stunden bei Minen Ich weiß nicht ob ich meinen
Lesern einen Gefallen erweise wenn ich ihnen etwas aus einem Aufsatz ausziehe
den Gretchen wie sie sagte Minen nachgeschrieben Nur etwas
    »Ich habe mich sehr mit mir selbst gestritten ob ich das Leben verliere
allein in Wahrheit ich verliere nichts nichts wenn ich auch einen Strich
zwischen dieser und jener Welt ziehe Denn hatte ich dies Leben Höchstens hätte
ich es haben können Hatte ich Alexandern den Pastor war ich Frau Alexander
die Pastorin Ich habe nur Hoffnung nicht Leben eingebüßt  und wenn ich den
Strich wieder lösche diese Hoffnung mit jener Hoffnung abgewogen Sterben ist
mein Gewinn und schadet mir nicht«
    Wie wahr in jedem Munde und wie rührend wahr in einem sterbenden  Wer
neunzig Jahre gelebt hat ist im siebenten gestorben und hat sich hin und
zurückgelebt Wer sich nicht mit Leben überhäuft und zu viel auf einmal gelebt
hat ist im sechzigsten Jahr stark wie ein Jüngling und kann selbst noch Vater
werden wie es oft geschehen ist Im siebenzigsten Jahre ist man Kind oder
fängt es an zu werden Niemand sagt daher sein Alter gern wenn er in diese
Jahre kommt auch wenn er in keiner einzigen Rücksicht Nachteile davon für
sich absieht Der Mensch will durchaus und durchall nicht gern ein Kind sein
Alles was um ihn lebt und schwebt kommt so schnell zur Reise nur er allein
ist der Spätling er ist ohne Ende und Ziel auf Tertia dann rückt er freilich
schnell fort allein bald sind die Klassen aus Wer zwanzig Jahre gelebt hat
ist hundert alt worden das künftige Jahrhundert sagt man Tor wie viel sind
nicht schon gewesen was brachte das neue Neues recht Neues vom Gott deiner
Seele und der andern Welt
    »Es muss doch bei den Menschen größere Übel geben als der Tod weil sich
viele den Tod wünschen um diesem und jenem Übel zu entkommen Die Menschen
wünschen selbst ihren Lieblingen den Tod und freuen sich dass sie durch ihn oft
einer kleinen Schmach und Schande entkommen Gottlob dass er dass sie tot ist
und dass er und dass sie nicht dieses nicht jenes erlebt haben Ist wohl eine
Frage was Alexander lieber gewünscht hätte mich tot oder mich in buhlerischen
Armen Wie der Arbeiter am schwülen Tag sich sehnt nach Schatten und ein
Taglöhner dass seine Arbeit aus sei Hiob das siebente Kapitel der zweite und
dritte Vers so habe ich mich auch gesehnt Tag und Nacht um zu kommen aus
großem Trübsal In dieser Rücksicht in dieser Aussicht wie gut ist der Tod 
und was ist er Ein Weg über Feld«    Dies Leben ist wahrlich ein
Jammertal  Vielleicht wickelt sich diese Welt noch anders aus wenn sie älter
wird Vielleicht kommt noch Gottes Reich in diesem Leben Vielleicht dass die
Menschen durch so viel Torheit kommen werden zur Wahrheit durch so viel
Abweichungen zum Gesetz des Herrn Ein Mensch beherrscht den andern Schrecklich

    »Der Haupttitel den man der Seele beilegt ist arm alle Welt spricht die
arme Seele und woher Ist sie nicht reicher als der Leib Der Leib ist ohne
sie eine Handvoll Staub und sie ist ohne Leib eben das was sie mit ihm
ist«
    Arme Seele warum arm Weil man nicht weiß wo sie ist wie sie ist Doch
dieses steht mit der Armut in keinem Verhältnis genug dass sie ist  Sie ist
ungefähr das im Körper was Gott der Herr im All ist  ungefähr  sie ist
Gottes Bild Sie ist in allem und durch alles und mit allem und in ihr leben
weben und sind wir Vorzüglich nennen wir sie arm wenn der Mensch stirbt und
die Seele den Leib verloren hat Leute die sich einmal an Körpern die Augen
verdorben halten sie für arm für bettelarm wie man in der Welt aus dem Kleide
Armut und Reichtum beurteilt Man gibt der Seele ein Körperchen mit damit
sie nur nicht ganz und gar nackt und bloß erscheine Dann ist sie doch denkt
man wenigstens im Hemde allein warum diese Umstände Bleibt die Seele nicht in
Gottes Welt in Gottes Hand wo nichts arm ist als was sich dafür hält
    »Gott der Herr arbeitet ins Große und ins Kleine In ihm lebt webt und
ist alles Wer nicht in seinem Leben einen Zusammenhang findet auch selbst
wenn er es nicht dazu anlegt hat nicht an Gott und nicht an sich gedacht  
Wir können nicht den Vorhang vor der Zukunft zerreißen Bei unserm Tode zerreißt
er wie beim Tode Christi der Vorhang vor dem Allerheiligsten Wahrlich die
Zukunft ist das Allerheiligste Wer kann das Triebwerk der Schöpfung leiten Auf
Gott aber können wir uns verlassen«
    Eine selige Empfindung  Der Meister drückt seinem Werke seinen Namen ein
nicht ohne Schamröte wenn er ein ehrlicher Kerl ist und wenn er auf die
kleineren Gelegenheiten zurückdenkt die ihn zu dem Meisterstücke brachten
Darum und nicht aus Affektation sollten große Künstler auch ihren Namen nur so
hin  werfen und Gott die Ehre geben ihrem Obermeister ihre Arbeit weihen und
zueignen Wer gab ihnen Handwerkzeug und Materie wer Zeit Ort und Umstände
Selbst das Formale gehört dem Obermeister Ist es denn Wunder wenn das Werk so
sehr über den Stand des Künstlers ist dass es länger lebt wie er und dass jeder
eher danach greift als nach ihm Des Künstlers Verdienst in dieser Welt ist
ein Kunstgriff ein Griff nach gutem Stoff zu seiner Arbeit nach einem guten
Reissbrett in der Werkstube Gottes nach guten Zeichnungen die ihm die Natur
darreicht   Doch wo gerate ich hin Ich sollte mich begnügen zu sagen
Gesegnet ist der Mann der sich auf den Herrn verlässt
    Eben habe ich einem Freunde im Ganzen Minchens Gedanken in Gretchens
Abschrift vorgelesen Seine Aufforderung diesen Aufsatz entweder ganz oder gar
nicht mitzuteilen hemmt Text und Noten Es ist ein besonderer Gedankengang in
diesem Aufsatz Die Stellen die ich herausnahm sind nicht genommen weil sie
charakteristisch waren sondern weil sie eben meinen Empfindungen da ich dieses
schrieb accompagnirten
    Zur Beilage A habe ich meinen Lesern diejenigen Stücke bestimmt die mein
Engel in einer ziemlich angewachsenen Sammlung gezeichnet hatte Diese Sammlung
war entstanden wie alle Sammlungen entstehen sollten ohne dass man zu sammeln
dachte Je nachdem Minen dieses oder jenes Stück gefiel schrieb ich es ihr auf
 ihr  Viele Stücke sind aus der lettischen Garbe meines Vaters die aus
lauter curischen zärtlichen Liedlein besteht die ich halb und halb öffentlich
mitzuteilen verheißen habe Viele sind Übersetzungen aus andern nordischen
Zungen und Sprachen Mein Vater der gewiss Naturkenner war pflegte zu sagen
dass die meisten dieser Stücke er hat sie alle gelesen erneuert und geheiliget
wären Zwar gab er sich viele Mühe alles roh unerneuert und ungeheiliget zu
haben allein dahin war es nicht zu bringen Manche Stücke sind offenbar Kinder
neuerer Zeit alles und jedes aber ist Übersetzung Mein Vater dies trifft die
Stücke aus der Garbe war wie wir alle wissen vor dem Brande nicht
musikalisch Die Übersetzung seiner bäurisch zärtlichen Liederchen ist wie ich
schon im ersten Teil angemerkt nach meines Vaters Manier Eine freie
Übersetzung pflegte er zu sagen ist nicht hin nicht her ist Wein und
Wasser wo oft das Wasser die Kraft des Weins ersäuft und doch setzte er
hinzu muss die Übersetzung frei sein in Absicht der Sprache in die man
überträgt  Überhaupt sind alle Übersetzungen die ich hier überliefere mit
Haut und Haar deutsch und ehrlich oder wie ich mich an einem andern Orte
heilsamer ausgedrückt kata poda Wer mir aber des Inhalts selbst wegen etwas
anhaben will und sich geberdet als tue er der Kunst einen Dienst daran mag
wohl bedenken dass Gott die Menschen aufrichtig gemacht allein sie suchen wie
es heißt viele Künste Sie vergessen dass die Lerche früh aufstehe und die
Nachtigall lange aufsitze schon wollte ich lucubrire schreiben dass die See
brause und sause wie meine Mutter sich ausdrücken würde und der Bach sparsam
und wohl gar geizig wandle und handle dass der Nord so wie die helle Sonne das
Gesicht rot mache als wäre es feurig und ein Abendlüftchen sich bloß mit den
ungebundenen Haaren necke   Da verschlage ich wieder in das Feld der
Anmerkungen Mit den lieben Anmerkungen Macht sie nur so viel ihr wollt
Schriftsteller auch selbst ihr vom göttlichen Geschlecht vom heiligen Volke
vom königlichen Priestertum vom Volke des Eigentums darum seid ihr nicht
geborgen Der Kunstrichter findet doch seinen Zaun von dem er brechen kann das
weiß ich aus sicherer Hand und wenn es auch nur eine Anmerkung über eure
Anmerkung wäre
    Gern würde meine Wenigkeit Anmerker dieser Art beim Brode lassen allein
euch die ihr nicht im Vorgemach bleibt sondern weiter dringt euch Pfeifer
und Geiger die ihr diese unschuldige Haut und Haargesängchen mit eurem
Accompagnement haben und groß und kleinmeistern wollt  wie gern wie herzlich
gern hätte ich euch mit samt euren gestimmten Instrumenten aus meinem
Philomelenwäldchen so wie ihr damals heraus musstet als Jairi Töchterlein zu
sich selbst kommen sollte Gerade seid ihr in meiner Schrift was ehemals die
Käufer und Verkäufer im Tempel waren
    Da eben ein Brief von einem Redlichen im Lande Er schreibt mir er schreibe
es auch meinen Lesern dass man sich an vielen Orten den Kopf zerbreche um die
Namen in diesem Buche zu ergänzen Dieser Redliche befürchtet man würde sich an
noch mehr als vielen Orten die Beine brechen weil man dem Lebensläufer
spornstreichs nachliefe um ihn einzuholen  Ich für mein Teil bedaure
vorzüglich die Beine der Steckbriefträger oder Nachläufer an den Köpfen der
andern die sie sich meinetwegen zu brechen belieben wird hoffentlich weniger
gelegen sein Warum lauft ihr ehe ihr gejagt werdet und ihr Kopfbrecher warum
brecht ihr Doch wollt ihr nicht hören so mögt ihr fühlen wollt ihr nicht den
dritten Teil abwarten in dem ich ganz klar und deutlich sagen werde wo
    Wie werde ich wieder auf Beilage A kommen Ich habe bemerkt dass Minchen
die folgenden Stücke in einer Sammlung gezeichnet hatte viele selbst in ihrer
Krankheit  Gretchen versicherte diese Stücke hätten Minchen auf ihrem Lager
abgekühlt wie Früchte wenn es heiß ist Die nämliche Freude die mich bei den
Schriftstellen überfiel welche in meines Vaters Hand und Hausbibel gezeichnet
waren die nämliche Freude belebte mich hier Auch bin ich der guten Zuversicht
dass diese gezeichneten Stücke meinen Lesern nicht missfallen werden wäre es auch
nur Minchens Zeichen wegen
 
                                   Beilage A
 Du bist mir treu Hans treu bist du mir Ich weiß es du bist mir treu aber
ach das arme Kornblümchen das mir diese gute Zeitung brachte wie schlecht
belohnt Ich legte mir an ein Kornblümchen so blau als deine Adern wenn du das
Hemd an deinem nervigten Arm aufgeschoben hast so blau als der Himmel wenn der
liebe Gott freundlich aussieht  Was mich das freut dass ichs noch an der
Wurzel ließ das arme Kornblümchen Ich wollt es abreißen und da wär es noch
ärger Sieh Hans ich muss es nur beichten ich riss ein Blättchen und sagte »er
ist mir treu« und das andere »er ist mir nicht treu« und wieder eins »treu«
und das andere »nicht treu« Das letzte war »treu treu« Du bist mir treu
das hat mir das Kornblümchen zugeschworen Jammer und Schade dass die Blätter
abgerissen sind Schade dass es da im bloßen Kopfe steht Schön dass der Stengel
noch an der Wurzel blieb Schön über alles schön dass Hans mir treu ist
                                       
    Gottlob der Junker hat gefreit und Grete ist mein Gottlob der Herzog ist
über Land gezogen Grete ist mein O Herzog o Junker o Junker o Herzog
Herzog fahr wohl und Junker fahr wohl Du im fremden Land und du im Brautbett
Nun möcht ich sehen wer mich überprunken kann den Hans bei Greten Hörts
weit und breit den möcht ich sehen wer dieses kann wer denken kann »Ich
könnt es wohl« auch den möcht ich sehen auch den noch dem es nur geträumt
hat »er könnt es« Wie Gras will ich sie all zusammen wegmähen und wenns
Bäume sind will ich einhauen bis sie fallen Grete ist mein Gottlob der
Junker hat gefreit Grete ist mein Gottlob der Herzog ist über Land gezogen
                                       
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
Nicht wie mich im ersten festen Schlaf ein Blitzstrahl erweckte er schoss mir
dicht vorbei als wenn er sich bei mir dem Hausvater melden wollte Schnell
sprang ich auf und siehe da mein Strohdach in Flammen Ich armer alter Mann
was konnt ich was mehr als meine Freunde und Bekannte aufschreien die so
fest schliefen als ich geschlafen hatte Ich tat Schrei auf Schrei und seht
nicht bloß meine Freunde und Bekannten nein
Jedes jung und alt
Von Ehren mannigfalt
sprangen so schnell auf als wenn sie der Blitz erweckt hätte so als wenn es
ihnen überem Kopf brennte und kamen und löschten das brennende Strohdach meines
Hauses Der Blitz war so gut zu bedenken dass ich alt sei und nicht Dächer mehr
steigen könne Er ließ sich gern löschen das dank ich ihm und noch mehr dem
lieben Gott der den Faden in seiner Hand behält wenn er den Blitzknäuel auf
seinen Erdboden schießen lässt Der liebe Gott kennt den alten Peter und wollte
von seinem Hause nicht mehr als eine Handvoll Stroh treffen lassen Das folgende
Jahr war das Gras mannhoch  War es nicht recht anzusehen dass der liebe Gott
es gut mit dem Peter meinte
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
nicht wie die Hagelkugeln mein schönes Korn niederschossen das aller meiner
Nachbarn Felder übersah Die Leute waren neidisch auf mich und mancher mag mir
den Tod gewünscht haben dieses schönen Korns halber und der Tod dacht ich zu
der Frist wird von selbst kommen ungewünscht Jetzt komme der Tod wann er
will damals hatt ich noch Lust zu leben damals hatt ich noch Weib und Kind
und das ist Lust zu leben Erst beneidete jedes mein wohlgewachsenes Korn und
nun beklagte mich jedes an Ort und Stelle des vorigen Neides Jedes wünschte mir
langes Leben und das so rechtschaffen dass mir hundertmal Tränen das Auge
überschwemmten Man schüttelte mir so ehrlich die Hand dass sie mir altem Manne
wehe tat Am Ende fand ich dass ich so viel behalten als die so der Hagel
nicht betroffen hatte
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
nicht wie mir mein Weib starb die hart an der Kirche liegt wo ich
Weihnachten Ostern Pfingsten feiere indem ich auf ihrem Grabe den ersten
heiligen Tag kniee und bete Es wird mir schwer mir altem Manne Zum Glück ist
das Grab hoch und je älter ich werde desto höher wird das Grab Sie starb und
ich dachte ich wäre mitten entzwei geschnitten doch waren noch da Tochter
Schwiegersohn und mein und ihr Lieschen Noch schlaf ich in dem großen Bette
wo ich mit der Seligen schlief und wenn ich nicht alle Wochen dreimal von ihr
träume denk ich ich sei undankbar und bitte Gott und ihr ab Ich dacht ewig
zu weinen Dumm war es von mir dass ichs dachte wie bald muss ich bei Maschen
sein Drei Jahre älter als sie wie bald muss ich bei ihr sein O wär ich
gestorben vor dir liebe Masche  vor dir O wär ich vor dir gestorben und du
gleich nach mir denn wenn ich wünschen sollte dass du erlebt hättest was ich
erlebe würd ich ein Bösewicht sein und nie zu dir in den Himmel kommen
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
nicht wie mir meine Tochter starb die einzige die mir mein Weib gleich das
erste Jahr nach der Hochzeit schenkte Das nenn ich ein Heiratsgut Masche
brachte nicht Geld nicht Gut allein sie brachte mir mehr als Geld und Gut
mehr als ein Herzogtum reines Herz und reinen Mund und nach weniger als einem
Jahre ein Töchterlein  das nenn ich Heiratsgut So was kann nur der liebe
Gott mitgeben Es war ein hübsches Kind ihr Töchterlein mein Töchterlein
unser Töchterlein Wahrlich unser Töchterlein Man durfte sie nur sehen halb
meine Seele halb Maschens halb mein Leib halb Maschens Es war ein Drittes
von uns Zweien Als dies Mädchen geboren ward war sie weiß wie Schnee und hatte
Aederchen wie Vergissmeinnicht aber sie scheute nicht Gottes Wetter so strich
es sie braun an Weiße Scherung und brauner Einschlag allerliebst Geschwind
wie der Wind lief Lottchen bei Sonne und Mond nicht Hitze nicht Kälte scheute
sie Am liebsten brachte sie den Leuten Essen aufs Feld und die Leute so
hungrig sie waren wussten nicht ob sie essen oder das Kind ansehen sollten Sie
aßen ohne Augen die Augen brauchten sie Lottchen anzusehen Es lag nicht an
Maschen und mir dass wir nicht mehr Kinder hatten am lieben Gott lag es der am
besten weiß was jedem dient O du lieber Gott Lotte starb im ersten Kindbett
Alles weinte nur ich konnte nicht weinen so gings mir ans Herz Lotte starb
doch zum Trost ließ sie mir ein anderes Lottchen ihr Wesen
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
nicht wie mein Schwiegersohn starb der brave Junge Er ward mit Lottchen
erzogen und sie waren im fünften Jahre schon Mann und Weib Gern sah ichs dass
sie Greger nahm obschon er nichts hatte Er war gut und das ist mehr als
alles wenn man bei allem nicht gut ist Schön war es zu sehen wie sich die
jungen Leute liebten Hätten sie sich nicht so abgezehrt würd ich sie so bald
noch nicht haben Hochzeit machen lassen So was Gieriges im Auge als die
Leutchen zeigten hab ich noch nie gesehen  man bekam Appetit wenn man ihren
Hunger und Durst nach einander sah Er starb vier Wochen nach ihr Wer ihn
kannte weinte über seinen Tod ich aber freute mich da er starb und lobte
Gott denn er starb zu seinem Glück Ohne sie hätt er nur getan als lebte er
Er konnte nichts mehr anfassen seine Hände zitterten und über seine Füße fiel
er drum tröstete ich mich darob und sagte wie der Pastor »Der Herr hats
gegeben der Herr hats genommen der Name des Herrn sei gelobet Sie schlafen
zusammen in einem Grabe und es kostete mir was es dahin zu bringen dass sie in
seinen Sarg gelegt ward Es war ein Bett auf zwei Personen Die Leute die sie
handhabten sagten alle sie hätte gelächelt und ihre Hand wär um ihn
herumgefallen als wenn sie gelebt hätte  Schlaft gesund liebe Kinderchen
und liebt euch im Himmel«
Ach dass sich Gott erbarm
Nun bin nun bin ich bettelarm
Das Töchterlein meiner Kinder das sie mir ließ mein Lottchen ist tot ist
tot lieber Gott ist tot O ich Bettler Lottchen ist tot und ich bin es bei
lebendigem Leibe das ist mehr als tot Alles tot  alles tot  nur ich nicht
tot Sie ist bei ihrer Mutter sie ist bei ihrem Vater sie ist bei meinem
Weibe allein die hatten an einander genug Was hab denn ich was Seit
Lottchen tot ist oder seit sie begraben ist bis dahin dacht ich noch immer
ich hätte sie seitdem sie begraben und ganz tot ist ist alles tot für mich
alles bis auf mich Ich leider lebe O ich armer Mann Ich wie Brod ohne
Kruste so weich so kraftlos so recht so bin ich  ich armer alter Mann Es
stirbt nur wer leben will Habt Mitleiden mit mir im Himmel ihr Seligen und
bittet den lieben Gott dass er mich zu sich nehme Mein Haus und Hof kommt doch
in fremde Hände ich will es jemanden vermachen der Lottchen ähnlich sieht
denn wo soll ichs sonst lassen Oft freut ich mich darauf euch meine
Seligen von Lotten neue Zeitung zu bringen wenn ich zu euch käme zu euch ihr
mir verwandte Seligen Sie ist mir vorgelaufen O wie gut ists wie sehr gut
einen von den Seinen auf dieser Welt zu haben Ist es denn nicht auch Gottes
Welt Diese Welt der Leib der Himmel die Seele beides gut Wer wird nun vor
Tisch wer wird beten damit mir das Essen gedeihe da Lotte tot ist Wer wird
mir so schön so laut vorbeten wer wer Wer wird mir Weib Tochter
Schwiegersohn wer Lotte selbst sein Lotte selbst Wer wird mir die Augen
zudrücken O ich armer Mann o ich blutarmer Mann ich Bettler ich
                                       
    Komm Schwesterchen komm auf den grünen Kirchhof da liegt mein Mutterchen
dein Mutterchen wir wollen sie besuchen beim Mondenlicht wenn gute Geister
nachtwandeln und wenn sie in den Mond sehen in des lieben Gottes Nachtlämpchen
Vielleicht erscheint sie uns  o möchte sie  vielleicht frägt sie Was wollt
ihr mein Pärchen was hier Dich ach dich dich wollen wir Dann kommt sie
wohl mit  und wenn sie nicht vom Kirchhof kann wenn sie nicht vom grasgrünen
Kirchhof will lass uns bei ihr bleiben Schwesterchen bei ihr Hier O wenn
wir nur bei dir sind liebes Mutterchen »Was werdet ihr essen« Grünes Kraut
das steht auf dem Kirchhof über und über »Was trinken seht kein Wasser des
Lebens ist hier« Den Tau des Morgens den Tau des Abends wollen wir trinken
und wenn der Tau sich des Morgens verspätet wollen wir unsere Tränen trinken
die wir so lange weinen werden bis das Auge uns bricht wie das deine brach O
wenn wir nur bei dir sind nur bei dir liebes Mutterchen wir dein Pärchen
deine zwei kleine Töchterchen die Treuen
                                       
    Ha du du die Baumschänderin Sprich nein schrei schrei damit der
hartörige Wiederhall es vernehme und der Gegend ausposaune schrei Warum
ziehest du stellenweis den Bäumen die Kleider das Hemd aus und die Haut ab Die
Haut Weißt du nicht dass die Bäume dann in drei Jahren wenns hoch kommt
ausgehen an der Schwindsucht  und so langsam sterben so langsam als die Leute
an der stillen Ärgernis Sieh her du hast den Baum geärgert zu Tode geärgert
Und warum die Haut Zur Farbe Zur Farbe Schäme dich Baummörderin schäme dich
von unten bis an den Hals und dann ganz voll schäme dich so dass du von Stund
an verstummest Solch eine Entschuldigung ist die wert dass sie die Gegend
durchs wahrhaft ehrliche Echo erfahre Trägt dein Vater du Ungeratene trägt
er nicht einen weißen Schafpelz Der unschuldige Mann der jeden Baum bei Haut
und Hemd und Kleid lässt wenn er ihn nicht in Züchten und Ehren braucht zum Bau
oder Brand Er weiß was dem Stamm gebührt der himmelan mit seinem Wuchse
stürmt und größer ist als ein Mensch es werden kann Schäme dich du
Baummörderin schäme dich Färberin die Natur versteht das Färberhandwerk
besser als du sie weiß was angemalt werden muss die liebe Malerin Zu
Handschuhen Sind denn deine Hände nicht weiß Warum deine Handschuhe anders
Streich die Butter im Sommer weiß und im Winter gelb an Schäme dich du
Naturbeschämerin schäme dich bis in deinen Hals  Bitte den Vater dass er
diesen Baum bald erlöse von all seinem Elende und dann bleib beim weißen Schaf
Lass dem Wacker die sprenglichten und dem Amtmann die schwarzen Es sind viele
Felle von Böcken sprenglicht und schwarz Bleib wie dein Vater beim weißen
ehrlichen Schaf und das gnädige Volk lass tragen Marder Wölfe Bären den
Herzog Löwen so trägt alles sein eigenes Haar1
    Fritzchen mein Bruder starb O wenn er noch lebte o wenn o wenn wenn
Welch Lieschen hat nicht ein Fritzchen nötig ein Bruder Fritzchen Für ein
anderes Fritzchen dank ich Seliges Fritzchen warum nahmst du mich nicht mit
Warum die Nachtigall warum  Das Vögelchen verschied in Fritzens Hand Sie
hatten sich sehr lieb  das Vögelchen und Fritzchen Ich sah sie beide sterben
Der Vogel lauerte recht auf Fritzens Seelchen um sich ihm anzudrängen wie das
Vögelchen sich hier an ihn anschloss Sie ließ nicht von einander Fritz sieht
mich an Was siehst du Fritzchen Was  ich weinte  sollte ich nicht »Still
Lieschen«  ich höre es ihn noch sagen  »still Lieschen bleib bei Vater und
Mutterchen ich finde dort auch ein Lieschen unser Schwesterchen dort wo der
liebe Gott seinen Himmel hat der besser als seine Erde ist auch wenn Felder
und Wiesen voll sind Hilf ihn bitten sehr bitten den lieben Gott dass er mich
in den Himmel nimmt und auch mein Vögelchen hinein lässt  uns beide für einen
Du bist ein gutes Mädchen der liebe Gott tut dirs gewiss zu Gefallen«
    Fritz sah gen Himmel das Nachtigallchen auch Fritz seufzte das Vögelchen
sang noch auf und jedes neigte sein Köpfchen auf die Brust und jedes starb O
wenn sie noch lebten wenn Bruder Fritzchen noch lebte Dort leben sie beide
Fritzchen und sein Nachtigallchen Was kommts dem lieben Gott auf ein Plätzchen
für ein Nachtigallchen an
                                       
    In das kleine Gesträuch jenseits des Flusses kam ein Sturmwind aus dem
Fluße Der Fluss erschrak und lief was er konnte Der Sturmwind fuhr durchs
Gesträuch rasselnd wie ein vornehmer Prinz und riss mir meinen Blumenkranz vom
geflochtenen Haartürmchen ich griff  weg war das Kränzchen ich lief nach 
weg weg  Wer ist so geschwind wie der Wind Da kam Hans mein Herzlieber
und Peter der was beim Junker gilt  bei mir gilt Peter nichts Sie sahen mich
im Blossen und liefen suchen alle beide Findet Hänschen den Blumenkranz gern
nehme ich ihn und setze ihn auf und trage ihn solange noch ein Blumenblättchen
lebt und freue mich dass mich der Wind im Blossen gelassen Wenn er doch fände
Aus Peters Hand nichts rein nichts auch nicht einen Kranz der mir gehört und
den ich mir zusammengepflückt nichts nichts wenn er auch gleich beim Junker
gilt und viel gilt
                                       
    Da bin ich überm Wasser und Mutterchen ist jenseits Es ging schwer ab wie
wir Abschied nahmen und nun ists mir noch schwerer da du jenseits des Wassers
bist am schwersten wirds sein wenn ich dich nicht mehr sehen kann o du
liebe liebe Mutter  Noch  noch  noch  stehe doch  stehe doch nur noch
einen Augenblick Weg ist sie und ich  O gutes Mutterchen ich in der weiten
lang und breiten Welt erst bei dir nun in der weiten pfadlosen Welt  Es muss
geschieden sein   Nun höre ich dich nicht mehr beten nun sehe ich dich nicht
mehr weinen nun rufst du nicht mehr Lieschen wenn der Tisch raucht Lieschen
wenn du reife Beeren findest Lieschen wenn du eine Quelle am schwülen Mittag
entdecktest die von der Sonne nicht gefunden war Ich armes Lieschen Dies
Wellchen kommt von mir liebes Mutterchen und bringt ein Tränchen mit von mir
 von mir Siehe es an es wallt zu dir sei ihm gut dem Wellchen es kommt von
mir Da bin ich arme Waise allein ganz allein Mutterchen weg alles weg
alles  Das Sternchen dort oben  wie es mich anbljetzt Willkommen dich habe
ich auch in unserm Dörfchen gesehen du sollst Muttersternchen heißen Es war
das erste was ich wieder aus unserm Dorfe sah Ewig sollst du ewig Mutterchen
heißen solange ich sehen kann soll es Mutterchen heißen  dies Sternchen eine
Spanne lang vom Monde Nenne auch du ein Sternchen Lieschen nenne es
Töchterchen o du gute Mutter jenseits des Flusses  Gottlob wieder ein
Bekannter der Kukuk und eine gute Freundin die Nachtigall Mutterchen lebe
wohl jenseits des Wassers Dich habe ich nicht kein Mutterchen habe ich doch
bin ich nicht mehr in der Fremde Ich habe ein Sternchen dort oben den Nachbar
Kukuk und die liebe Freundin die allerliebste Nachtigall
                                       
    Schilt nicht strenger Vater dass ich bei Hannchen gewesen schilt nicht
Vaterchen ich bitte dich Sieh in den Stall deinen Liebling den Schwarzen
habe ich gefüttert Sieh das habe ich schon so viele Jahre getan und das werde
ich auch so viele Jahre tun als dich Gott leben lässt und den Schwarzen Ich
streue mit glücklicher Hand die Saat und schlage das Getreide wie ein
Gewappneter Warum schiltst du Du hast vergessen was lieben heißt sonst
würdest du wissen wie mir wäre wenn ich zu Hause bliebe Immer wünsche ich
wenn ich hinreite und wenn ich wieder komme Wenn es doch Nebel wäre dass er
nicht sähe der strenge Vater und wenn auch Nebel ist und wenn ichs auch noch
so leise mache was kann ich dafür dass der Braune wiehert und sich laut freut
wenn er geht und wenn er kommt Alterchen nur Sonntags reite ich Gehört denn
der Sonntag dir Vaterchen Nur Sonntags reite ich zu meinem Mädchen nicht mit
deinem Schwarzen den schone ich wie mein Auge im Kopfe Ich reite geschwind zu
Hannchen und du willst dein Liebling der Schwarze soll so gehen wie du
Alterchen ob er gleich nur sechsjährig ist Lass mich reiten und schilt nicht
ich reite nur Sonntags ich reite zum lieben Gott und auf diesem Wege treffe
ich Hannchen und ihre Mutter
                                       
    Mein Vaterchen mein Trostchen bist du vorm Tore gewesen Da ists glatt
und schlüpfrig wer da geht fällt schneller als auf dem blanken Spiegeleise
So ists den ganzen Sommer auch wenn die Erde ringsumher brennt wie ein
Backofen Immer glatt und schlüpfrig wie Lehm wenn er zum Haus angeknetet
wird Weißt du auch wie es glatt und schlüpfrig ward Vaterchen mein
Vaterchen Eben da da wo es jetzt glatt und schlüpfrig ist gab mir Peter den
Silberring bei Mondenschein  so schön Silber wie der Mond ich hielt beide
zusammen und prahlte mich gegen den Mond Silber ist Silber Da eben da verlor
ich mich selbst meine Unschuld mein Leben es ist alles eins  Der Bösewicht
schwur und fluchte als er verführte Phylax nimm kein Brod von ihm und wenn
er mit frischer Maibutter es auch salbt nimm nichts vom Bösewicht der spotten
konnte nach der Tat Du weißt er spottete auch dein Vater und deiner
gesprenkelten Haare Den Ring hab ich an der schlüpfrigen Stelle vorm Tore
verworfen verworfen vorm Tore wo es jetzt glatt und schlüpfrig ist Alles
war da schön grün und gelb wie der Bösewicht mich verführte aber ich weinte
Vater ich weinte und weinte von Herzen sehr ach sehr  Gleich Vater ist
das grüne Plätzchen morastig worden seitdem ich die erste Träne darauf fallen
ließ und so glatt und schlüpfrig dass alles fällt was drauf geht
                                       
    Wo bleibst du mein Liebchen wo Schreien darf ich nicht sonst möcht es
meine Mutter hören die mich zu Greten zwingen will weil ihre Eltern Acker
haben und du nur gesunde Hände Nur das sei Gott geklagt nur zu sagen wenn
man von gesunden Händen spricht Schreien darf ich nicht  allein ich rufe
Liebchen Liebchen so wie ein Zeisig Liebchen Liebchen wo bleibst du mein
Liebchen wo bleibst du wo Schreien darf ich nicht aber der schöne Abend
lispelt ers dir nicht ins Ohr dass ich warte dass ich nach dir seh und nach
dir laufe  Ha da kommt sie Nein ein Stieglitzchen leicht  leicht wie du
mein Liebchen  Wo bleibst du wo bleibst du Hannchen Hast du ihn
abgeschickt Vögelchen  weg ist er  Er kam nicht von dir wär er nicht sonst
geblieben Schreien darf ich nicht aber  hörst du nicht hörst du nicht
Liebchen hörst du nicht die Nachtigall sie ruft ihr Siechen und ruft dich mit
Die Nachtigall kann lauter sein als ich denn sie hat keine Mutter zu fürchten
und keine Grete Ich darf nicht schreien aber du wirst doch wohl so eine
deutliche Ausrede als die nachtigallische verstehen Wo bleibst du mein
Hannchen wo Alle Augenblicke denk ich da da ist sie und immer ists ein
Vögelchen eines schöner als das andere  keins so schön wie du Wenn du nicht
mich nicht den Abend nicht die Nachtigall hören kannst o wenn du taub über
taub bist höre den lieben Gott du hast mir versprochen zu kommen und kommst
nicht Weißt du auch dass wir auf die Nacht Ungewitter haben Wo bleibst du wo
Hanne wo
                                       
    Warum weinst du Schwägerin Du hast einen Mann verloren allein er hat dir
drei zurückgelassen drei Söhne drei gesunde starke Jungen die dich auf ihren
Händen tragen drei brave Jungen die was tragen können Gönn ihm die Ruhe
seine Krankheit ließ ihn nicht viel schlafen da er älter war und in der Jugend
ließ es die Arbeit nicht Er hat in dieser Welt nicht viel geschlafen Gönn ihm
den tiefen süßen Schlaf du hast drei Söhne lass ihn schlafen Schwägerin
weine nicht
    Was weint ihr Kinder ihr habt nur einen Teil verloren und einen Teil
habt ihr noch eine gute Mutter  wischt ihr die Tränen pflegt sie damit sie
nicht auch krank werde wie er war und ihr es nicht am Ende selbst von Gott
bitten müsst Ach wenn sie doch nur stürbe wer kann sie ringen sehen wer wer
kann sie wimmern hören Ach wenn sie doch nur stürbe Dann müsstet ihr weinen
wenn ihr daran Schuld hättet dass ihr so beten müsstet jetzt weint nicht
    Mich mich lasst weinen lieben Leutlein lasst mich mich lasst weinen Ich
hab meinen Bruder verloren den einzigen den ich hatte und was hab ich von
ihm behalten Zwar auch was aber was Einen Baum am väterlichen Hause den
unser guter Vater an dem Tage pflanzte da unsere Mutter zu ihm sagte Es geht
unter meinem Herzen auf Der Vater pflanzte den Baum und Kaspar und der Baum
waren Jahreskinder Der Vater nannte sie beide Kaspar den Sohn Kaspar den Baum
Kaspar Der Baum steht und blüht und ist immer kerngesund Sein Milchbruder
tot das ist nicht tröstlich ärgerlich ists Der Baum Kaspar steht der
Bruder Kaspar stirbt aber auch ich finde mich drein und sollt ich nicht Der
Baum lebte nur im Sommer und Bruder Kaspar lebte auch im Winter Zwar schläft
der Mensch doch lebt er drum nicht Ich möcht einen Traum nicht um drei Tage
hingeben und der Baum schläft er nicht auch lässt er seine Flügel nicht
fallen Seine Blätter genießen die süße sanfte Ruhe und werden durch den
Sonnenstrahl erweckt früher wie wir Wären die Bäume im Winter wo die Störche
sind würden sie inwärts ausschlagen und blühen o dann wär es was anderes
Ist aber im Winter der Wald nicht eine Einöde bis auf die Tannen die nicht aus
den Kleidern kommen Da stehen sie wie Trabanten in voller Pracht und
Herrlichkeit wie eine grüne russische Wache um den Regenten so stehen die
Tannen um die Eiche herum  und Bruder Kaspar war er nicht ein Mensch Das ist
viel mehr als ein ganzer Wald voll Eichen und Tannen Der Baum ist Baum und
bleibt Baum Bruder Kaspar ist ein Engel worden Baum Kaspar ist Baum und bleibt
Baum Sei ruhig lieber Baum ich werde dich nicht töten Ihr die ihr die Hand
nach ihm ausreckt lasst ihn wenn er auch noch so alt und wohlbetagt ist oben
eine Glatze bekommt und blätterlos wird  lasst ihn er ist mit mir verwandt er
heißt Kaspar Und wenn ich mit dem rechten Kaspar im Himmel zusammenkomme will
ich es seinem Milchbruder erzählen dass der Baum noch vor dem väterlichen Hause
stehe Ich weine nicht mehr2
                                       
    Der Krieger ist gefallen doch fiel er Nein er sank Wer fällt hat das
Herz verloren und man braucht das Herz bis auf den letzten Lebenshauch Er
sank allmählig kam er zur Erde Hört es Krieger die ihr mit ihm lebtet und
nach ihm leben werdet nicht der Feind nicht der Feind sondern der Tod hat ihn
übermannt Unser Held hatte den letzten Schlag den Krieger schlug er der ihm
den Todesschlag gab und der fiel aber unser Held nicht unser   sank Die
Sonne geht allmählig unter seht ihn wie langsam er sich zum Staube neigt zum
Staube ein Held Kommt kommt lasst uns unter sein schwindelndes Haupt einen
bemoosten Stein legen solch ein Kopfkissen geziemt ihm Kommt lasst uns seinen
Leib auf eine schöne Wiese tragen und den Blutstropfen nicht auswaschen der auf
unser Kleid fällt Es ist edles Blut der Staub soll sich nicht drin betrinken
Du grasreiche Wiese Lager für Helden du verstehst diesen Trank du trägst
Blumen für Helden womit sie bekränzt werden wenn sie den Frieden auf schwarz
gewordenen Händen heimtragen  Er richtet sich auf  kein Ach das kann kein
Held aussprechen Was ists denn was Seine Zunge ist gelähmt er kann nicht
mehr er wollte   Sieg Krieger die Deinen haben gesiegt Ha wie er lächelt
Seht ihn den Großen eh euch Engel verdrängen denn die müssen zu solch einem
Anblick herabstürzen sie haben solcher nicht viel Sieg Held Sieg Gott so
ein leichtes Wort kann er nicht mehr aussprechen gern wollt ers Aber hören
kann ers schreit Brüder Sieg Sieg Er lächelt wieder und  stirbt O
glücklicher Halm o glücklichster auf den der letzte Tropfen fiel auf den er
noch warmes Blut taute Wie schnell wirst du wachsen und alles übersehen was
rings um dich steht und größer zu werden droht  O glückliche Männer auf die
noch der letzte Strahl aus seinen Augen schoss wir hätten die Altarlichter dran
anzünden können so feurig Er stirbt  ich wollte weiter singen kann ich kann
ich mehr Er stirbt er stirbt ist alles was ich sagen werde bis auch ich
sterbe Das erste und letzte vom Menschen ist das beste Ich habe viel gesehen
sah ihn wie er geboren ward sah wie er starb ich hab ihn ganz Er lächelte
wie er zur Welt kam allein er lag so schön nicht als jetzt da er starb Wie
schön er da tot ist So tot sind nur wenige denn sonst würde es nicht schwer
sein zu sterben
    Du hast gesiegt Held du hast den Feind überwunden und zwei Tode zwei
Tode starbst du ohne zu sterben dem dritten musstest du nachgeben Du warst
matt  Ists Wunder
    Gönnt der heiligen Stelle die Ehre dass er noch länger darauf liege Sie ist
warm durch ihn worden lasst sie auch kalt durch ihn werden Der warme Tag ist
schön der kühle Abend auch Und dann scharrt ihn nicht ins Tal auf jenen
steilen Berg wo wenige hinauf können keiner der einen kurzen Odem hat da
scharrt ihn auf die Spitze damit er den Berg noch größer mache Er war Berg im
Leben und nicht Tal und muss bei seines Gleichen im Tode
    Wie du willst ihm die Augen zudrücken Lass sie starr wie sie sind lass
sie Freund Die Sonne bleibt Sonne wenn sie gleich verfinstert ist und auch
ein Viertel vom Mond ist Mond Lass sie so starr wie sie da sind Ihre Seele ist
weg allein sie haben noch was das viele Augen mit Seelen nicht haben Es
wohnte eine große Seele in ihnen und das sieht man jedem Hause an wenn schon
der welcher es baute lange tot ist Aendere nichts  was die Natur will sei
auch dein Wille Willst du was tun setze oben über sein Grab ein Kreuz das
ist das größte Zeichen was mir bekannt ist ein Krone hat auch ein Pfau Mache
dies Kreuz groß damit es in der See gesehen werde und Schiffe die sich
verirren dies Kreuz als Wegweiser ehren und sich freuen wenn sie es sehen
    Lebe wohl Streiter Erzähle den Geistern des Himmels die nie gestorben
sind dass es auch gut sei zu sterben damit sie den Sterblichen nicht verachten
weil er sterblich ist Die Engel die dich tot gesehen haben kannst du auf
mein Wort zu Zeugen rufen Erhabener Todter man achtet das Leben nicht wenn
man dich sieht O möchtest du nicht verwesen du solltest ewig dazu dienen den
Furchtsamen zu steifen und jeden zu lehren dass nicht jeder auf gleiche Weise
tot sei Dir sieht man es an dass du nicht aufhören kannst dass du nicht
aufgehört hast Es stirbt nicht jeder auf gleiche Weise es lebt nicht jeder auf
gleiche Art Stiller Mond dies große Grab empfehle ich dir du siehst viel was
die Sonne nicht sieht du bist ein Sonntagskind und kannst Gesichter sehen die
sonst niemand zu sehen versteht Du siehst fromme Geister wenn sie um die
Gräber der Ihrigen wanken die sie noch nicht in dem weiten Himmel aufgefunden
haben du siehst wenn sie sich von ungefähr treffen und wenn sie den
himmlischen Bund machen »Wir lassen uns nicht in Ewigkeit«  Du siehst
erkenntliche Geister die ihren Überrest ihren verwesenden Körper besuchen
die Stück vor Stück von ihm Abschied nehmen und ihn bedauern dass er Körper war
und dass er gestorben ist Rührend muss es dir sein lieber Mond rührend so was
zu sehen wenn Geist und Leib sich zusammen finden und sich nicht mit einander
besprechen können wenn die Seele erkenntlich sein will gegen ihren guten
Freund den Leib und es nicht sein kann Oft habe ich einen Freund auf dem
Brette gesehen mit dem es mir fast so ging als dem Geist mit dem Erde
werdenden Körper  Da wankt der Betrüger der der armen Wittwe den Acker
abgränzte Gern möchte er sie mit einem dreimal größeren Stück entschädigen kann
er will sie Noch haben sie sich nicht begegnet allein wenn auch hat sie denn
jetzt nicht mehr als er
    Hier wankt ein Geist der als roher Jüngling ein warmblütiges zu
leichtgläubiges Mädchen ins Verderben zog Bald war ihr Jammer vollendet sie
starb ohne dem Verräter Vorwürfe zu machen die Abgezehrte Ihr Auge durfte
nicht zugedrückt werden es war so tief gesunken dass man es nicht mehr sehen
konnte es war ein eingefallenes Grab Sterbend rang sie ihre verwelkten Hände
und bat um Gnade bei Gott und den Menschen Die Menschen erhörten sie nicht Mit
Spott und Schande ward sie begraben aber jetzt hat sie ausgerungen ihre Leiden
sind geendigt  Wann werden die deinigen geendigt sein Unglückseliger wann 
Im Traume sieht man alles größer und näher und so sehen Geister auch Desto
besser für den Guten desto schlechter für den Bösen und für dich Mörder
Unglückseliger
    Das alles Mond Seelenfreund das alles siehst du als Sonntagskind und was
siehst du nicht unter den Lebendigen Doch du bist verschwiegen ich will es
auch sein
    Wenn der von seinen ungeratenen Kindern verstossene Greis die Hände gen
Himmel über sein Haupt zusammenschlägt und sich nach einem seligen Ende sehnt
wenn er laut betet »Es ist genug Herr lass mich ruhen ich kann nicht mehr«
dann bestrahle das Kreuz auf diesem Grabe mache es ringsumher hell und klar
denn in des Greises Augen ist Abend worden Es war nicht Raum in der Herberge
für mich Unterdrückten in der Welt Gott nimm mich in den Himmel wo für mich
Raum ist So bete er wenn er dies Kreuz sieht und sanft und selig gehe er dann
zur Ruhe Mond den frommen Pilger der nicht mehr die Kirchentürme der
benachbarten Stadt erreichen kann den der Tod auf dem Felde überrascht Mond
diesem Pilger leuchte nach Hause diesem Pilger sei dies Kreuz ein Kirchturm
des Himmels Mond lass es dies jedem Kreuzträger sein und jedem Bösewicht ein
Schreckbild damit er an seine Brust stark klopfe und umkehre und gut werde und
endlich Mond wenn unser Land Helden braucht lass sie von diesem Grabe
ausziehen und wenn blutdürstige Feinde wie Heuschrecken uns überfallen dann
verhülle dein Haupt und dreimal blitze es um dies Grab Da sage dann ein
Ehrenmann im Volke So wie dieser Blitz so blinkte mit dem Schwerte der da
oben begraben liegt da oben nahe am Himmel und wie ein kaltes Fieber im
Frühling in die Glieder fährt ehe man es merkt so fahre Furcht und Schrecken
in die Feinde wenn sie das Grab und das Kreuz darüber im Blitze sehen Das ist
anders als ein Mondschein Du bist derselbe wo man steht und geht weit
aussehender Mond Sei den Freunden des Helden uns den edlen Todtengräbern sei
ein Spiegel in dem wir das Grab und das Ehrenzeichen darüber immer sehen wir
mögen stehen und gehen wo wir wollen und auch in deinem letzten Viertel 
Bitte ich zu viel so denke wie nahe wir diesem Grabe verwandt sind  Auch in
deinem letzten Viertel sei dies Grab bis zur Hälfte zu sehen bis zur Hälfte 
Genug Freunde Mond Kreuz Grab das sei unsere Losung bis auch wir begraben
werden im stillen Tal wie es uns geziemet Ein kleines Gräblein das sich
nichts über das Tal herausnehmen und kein Hügel sein darf sei unser Haus Ein
Orden ein Kreuz gebühret nur Helden Wenn der Geisterseher der seelenvertraute
Mond wenn er mit den Gräbern der Helden fertig ist und noch einen Blick übrig
hat er wird ungebeten mit ein paar holden Strahlen unsere Gräber beehren damit
ein Minnesänger unser Ruhetal bemerke und auf unser Grab durch heilige Ahnung
gebracht ein Grablied auf seine Geliebte singe und auf sich selbst eins weil
jene ihm starb
    Dank sei euch ihr Treuen ihr Lieben des Helden die er beschützt hat Wir
haben eine heilige Pflicht erfüllt und Ehre gegeben dem Ehre gebühret und
einen Helden und einen Berg verbunden  Gleich mit gleich  Lasst uns froh
heimkehren denn es lässt nicht wenn Helden weinen und wer kann einen Berg mit
Tränen im Auge ansehen wer Er hat überwunden und ist mit Ehren vom dritten
Tod überwunden Noch eine Pflicht liegt uns ob dies Grab zu verhehlen seiner
Vielgetreuen Was wir können kann sie nicht Sie ist so sehr ein Weib als er
ein Mann war Kommt Freunde sie könnte uns überraschen kommt Warum seht ihr
euch um Freunde Kein Held sieht sich um kommt Wir nehmen den Mond mit
    Weh weh Ist es nicht ihr Silberton Versteckt euch  doch nein es ist
eine Nachtigall die auch den Geliebten verloren hat Solch ein paar Stimmen
Luisens und der Nachtigall sind leicht zu verwechseln Schluchze nicht kleine
Betrübte dein Geliebter ist nicht im Felde gewesen da fällt nur was
vortrefflich und ehrlich unter den Menschen ist du wirst ihn wiederfinden
allein Luise nicht ihren Geliebten
    
    Was für ein Geschrei Ist es eine Taube die nach ihrem Gatten girrt Ist es
ein Käuzlein das erbärmlich sich hören lässt Ist es beides Ist es keines Ha
Freunde sie ist es es ist Luise Gott wie verändert Aus einer Nachtigall
was ist sie worden Kommt lasst uns fliehen  fliehen  fliehen  Unsern Freund
haben wir sterben sehen Luisen werden wir nicht leben hören können Kommt
Freunde Auch du Alter Nimm dich zusammen gib deinem Sohn die Hand damit er
ein Stück von dir übertrage Kommt kommt alle Du starrst Geliebter du
starrst du vor allen Getreuer Was ist mein Gesang gegen dein Gesicht Lass es
mich abschreiben ich bitte dich lass Dann haben Kinder und Kindeskinder ein
Muster von edlem Schmerz Doch seht es bricht sich Tod und Leben auf deinem
Gesicht mein Geliebter mein Freund Gottlob die Herzensblutschleusse ist nicht
mehr gehemmt sie ist wieder aufgezogen und es fließt Blut in dein Gesicht 
Ach Geliebter soll ich soll ich weiter singen Es ist Luise Freund sie ist
es Kann ich soll ich Flieht Freunde sie ist uns nahe Verbergt euch in das
Gesträuch tief  tiefer  Freunde eines Helden fliehen verbergen Doch einem
Weibe zum Besten dem Weibe eines Helden zum Besten Solch ein Weib können nur
Memmen aushalten Männer nicht Wir sind Helden Freunde weil wir fliehen weil
wir uns verbergen tief im Gesträuch Je tiefer desto heldenmütiger
    Ist Luise nicht eine Heldin weil sie betrübt ist bis in den Tod weil sie
ihre Stimme verloren hat Und was weiß sie Weiß sie mehr als dass ihr Geliebter
im Felde ist Weiß sie seinen Tod Weiß sie die Losung Kreuz Grab Tod
    Luise sie ist es Freunde O wäre es ihr Geist dann wären Franz und Luise
doch bei einander Wie hat ihr Gesang sich verändert Hätte ich sie nicht
gesehen durch das Gehör hätte sie niemand gekannt der singen kann niemand
der nur singen hören kann Luise Luise Seufzt ihren Namen Freunde seufzt
inwärts so wie der Seufzer aus dem Herzen kommt stosst ihn ins Herz  sie
könnte uns sonst merken und wir wären verloren  Auf unserer Stirn würde sie
lesen was sie nicht wissen soll Wir wären ihre Mörder Die geheimen Worte
Kreuz Grab Tod sind uns angeschrieben an der Stirn einmal zweimal dreimal
überall  Stecket die Köpfe ins Gebüsch Jüngling du hast noch zu wenig Kreuz
gehabt du verstehst nicht Seufzer zu dämpfen lerne es von uns du wirst es
benutzen Freunde wenn euch die Hände zittern und die Füße auch schlagt sie
ins Kreuz damit einer den andern halte und Luise nichts merke  Ins Kreuz
Freunde
    Wo bist du Franz Wo bist du hin Falscher Du liebst den Krieg mehr als
mich den Tod mehr als das Leben Wo bist du  Du hast deine Geliebte
verlassen die nach dir zielte wie ein Jäger nach Wild  nach dir sang wie die
Vögel im Frühling nach einander singen bis sie sich gefunden haben Wo sind
deine Schwüre deine Verwünschungen Unglücklicher Was hat der Krieg das dich
reizen konnte da du mich hattest Dein Leben gehört Gott dir und mir oder
besser Gott mir und dir und keinem von uns dreien gibst du es du bringst es
dem Vaterland Kennst du dies Ungeheuer Ich kenne es nicht ich mag es nicht
ich will es nicht kennen dieses blutdürstige Tier das seinen Weg mit
Menschenleichen pflastert um weich zu treten und an verwüsteten Feldern und an
ausgebrannten Wäldern seine Luft sieht das jedes Grab hasst weil es lebt 
Vaterland wie hässlich bist du  Auch meinen Geliebten hast du auf deiner
Seele wenn du eine Seele hast Vaterland du wohnst in einer Mördergrube
Franz wie konntest du dich verleiten lassen Ehre Was ist Ehre Weißt du es
Ich weiß es nicht   Wer uns in die Augen ehrt ehrt uns der Und wers tut
wenn wir nicht dabei sind ehrt uns der Weiß dieser Fels wenn ich sage ein
schöner Fels und richtet sich die abgehauene Tanne in die Höhe wenn ich sage
ein trefflicher Baum Hören wir wenn wir gestorben sind Und was ist die Ehre
wenn wir nicht hören können Du hast falsch Geld eingewechselt Franz schäme
dich dass du gestorben bist Doch bist du tot Franz Rede doch ich ringe
meine Hände ich halte sie gen Himmel ich  was weiß ich was ich tue  So
rede doch Franz bist du tot lebst du Verzeihe einem Weibe dass sie nicht
männlich denkt Du hattest zwei Hände eine für mich eine für deine Pflicht Es
war Pflicht dass du in den Krieg gingst du hattest dein Wort eher der Fahne als
mir gegeben Verzeihe mir Franz Ich sah dein linkes Auge in Tränen da du
Abschied nahmst im rechten war Mut Eine Hand war stark die andere sank O
Franz Franz wenn wir uns doch eher gekannt hätten  Vielleicht hättest du
dich mit keiner andern Pflicht vermählt als mit der mich zu lieben  Die
schöne Pflicht  Ist sie nicht schön Traurig schön O wenn du leben möchtest
doch  du lebst nicht du bist tot tot tot Ich sah dich kämpfen du edler
Kämpfer ich sah dich mit vielen zugleich anbinden Ich sah dich kriegen edler
Krieger ich sah dich den ganz treffen der dich halb traf den stürzen der
nach dir schlug  ich sah Blut und Schweiß beides edel zusammenrinnen und vor
deiner Stirn stehen und da der Zufluss zu stark war es von deinen Wangen
herabtauen  ich sah o Gott ich sah dich die Knie steifen die schon zu
sinken anfingen Wie bleich welche Blutdürre auf deinen Wangen wie welk Tod
da liegt er Das dachte ich wohl ich dachte es Geliebter dass du sterben
würdest  Schreckliche Ahnung doch war es bloß Ahnung Es war ein Zeichen vom
Himmel denn es starb ein Edler Wenn ein solcher stirbt macht man im Himmel
Platz O ein Trefflicher ist gefallen Klagt ihr Jungfrauen der edelste unter
allen Jünglingen ist gestorben ohne seinen Stamm fortzupflanzen und ohne einen
Sohn zurückzulassen der seinem Bilde ähnlich Klagt ihr Feigen ein Held ist
tot Klagt ihr Helden euer Bruder ist dahin Es sterben tausend und abermal
tausend mit ihm mich ungerechnet  Ich kühlte jeden Herzensstich den er
ausstand den er überwand und den letzten letzten Todesstich der ihm das
Leben nahm Ach noch dehnt sich dieser Stich in meinem Busen  Franz ist tot
tot tot tot Rufe laut überlaut alles was rufen kann tot  und was
nicht Sprache hat halle nach tot  Für mich alles tot die ganze Welt tot
 mein Geliebter hin alles hin  Leben hin Tod hin ach selbst der Tod hin
Luise soll nicht in Franzens Arm sterben  o des schönen Todes in seinem Arm So
trefflich soll Luise nicht sterben so lebendig nicht gen Himmel kommen Ha
schreckliche Nacht die ich überstand Ich fühle es keine werde ich mehr
überstehen  ich träumte was ich sang Ahnungsvoll sprang ich auf im Traum und
Ahnung bestätigt diesen Todestraum Franz ist tot  Ich rief im Walde wo das
Echo so oft Franz nachgerufen ich rief in den Wald Franz  Keine Antwort
nichts auf mein Franz auf mein wiederholtes Franz Echo bist du verstummt Du
rufst alles nur Franz nicht  kannst du den süßen leichten Namen Franz nicht
mehr nachsprechen oder liegt es an mir dass ich mir nicht getraue ihn laut
vorzusprechen Ich könnte Franzen dünkt mich im Sterben stören  ihn stören
wenn ich schrie Franz und nun endlich wie aus einer Kluft hohl Franz Schnell
lief ein Schauder mir durch alle Glieder durch das geheimste Mark Der schönste
Name in der Welt wie schrecklich ward er mir Wie ists Echo Ich weiß alles
Heult nicht Hunde rufe nicht Eule lasst mich rufen lasst mich heulen ich
weiß alles Schrecklich Wie traurig das Licht brannte als auf einer
Leichenwache vergebens munterte ichs durch eine Nadel auf womit mein Busen
befestigt war vergebens sachte ich es an es wollte nicht es konnte nicht
Franz auch du hast ausgebrannt Umsonst wälzen dich Freunde umsonst schütteln
sie deine Hände umsonst  du bist tot tot tot Doch sind es Freunde die
dich umgeben Vielleicht Feinde  deine Mörder  Mörder die deinen Heldenwert
verkennen und sich nicht einmal rühmen ihrer Mordtat  Vielleicht rinnt dein
Blut dein edles Blut in eine Pfütze voll unreinen dicken Bluts der gemeinsten
Krieger  O Franz wüsste ich dass du wie ein Held begraben wärst wie du gelebt
hast und wie du gewiss gestorben bist ich würde mich beruhigen denn bald bald
werde ich bei dir sein Wenn aber dein Leib als Scheusal aufgestellt ist dein
schöner Leib das Meisterstück der Natur Franz was hebe ich an Engel
Menschen wen rühren meine Klagen zuerst Wer ist am menschlichsten unter allen
Geschöpfen wer Franz ist tobt tot Wer zeigt mir den Weg zu dem einzigen
Trost dass ich weiß dass ich sehe wie er tot ist wo seine matten Hände ruhen
und seine kühne Brust Wer ist der Holde der mir den Schlüssel zu seinem Grabe
gibt O wäre sein Kämmerlein verschlossen wäre seine Gruft heilig wie ruhig
    Auf Freunde tretet hervor folgt mir verdoppelt euren Schritt damit wir
Luisen das Grab des Helden zeigen  Luise wenn du hältst was du versprochen
hast wenn du ruhig sein willst wenn du es kannst Sie tat einen Schwur mit
ihren Augen die sie gen Himmel anstrengte  Diese Hände trugen ihn in die
Höhe sagte der Aelteste sie trugen ihn in den Vorhof des Himmels wo Lohn nach
Arbeit auf ihn wartet Mache dein Auge groß Luise du sollst sein Grab sehen
und ein Ehrenzeichen oben drauf Gönne ihm die Ruhe gönne sie dir selbst 
Sein Andenken sei uns ewig heilig  Bist du vorbereitet Hast du den letzten
Tropfen Tränen in deinem Auge verwischt Hast du Stärke hinauf zu blicken
Wohlan dort oben schläft Franz
    Sie sah mit einem umfassenden Blick Ach seufzte Luise schlug ein Kreuz
vor ihrer Brust und sank tot zur Erde
                                       
    Heute habe ich einen Leichenschmaus alle meine Kinder sind bei mir komm
auch Nachbar  Damit alles paarweise gehe habe ich die Wittwe Marte
eingeladen Du wirst Gelegenheit haben an deine selige Frau zu denken wenn du
die Wittwe Marte deiner Seligen leibliche Schwester siehst und wenn du auf
meinem Leichenschmause bist  Ich habe einen Enkel verloren einen Kernjungen
Der Tod hatte lange mit ihm zu tun ehe er ihn zu Boden riss Jakob wehrte sich
so klein er war mit Jünglingsstärke Jakob der Erstgeborne meines Ältesten
der im väterlichen Hause bleiben wird weil er der Aelteste ist Jakob führte
meinen Namen und war mir so augengreiflich ähnlich als mir keiner von allen
meinen Kindern und Grosskindern ist die mir alle ähnlicher sind als jene Alle
Leute nannten den Seligen Großvater und der kleine Junge freute sich drüber
und tat so alt als wenn ers wäre Er ist ein Teil von mir ein Ast vom
Stamm und soll da begraben werden wo ich einst begraben zu werden den Meinigen
anbefohlen habe Nachbar wir wollen betrübt und froh sein so wie man in der
Abenddämmerung sieht und nicht steht  O Greger es ist ein köstlich Ding wie
unser Pastor sagt zu sterben ehe man stirbt Was meinst du wenn man sich
begraben sieht Du bist gestorben Greger ehe du starbst du hast dich begraben
sehen und lebst denn dein Weib Wittwer warst du selbst Sieh ich habe noch
alle die Meinigen nur Jakob den Hauptenkel habe ich verloren den begrabe ich
heute Da liegt er schon auf einem weißen Laken du wirst ihm folgen mit deiner
seligen Frau Schwester in einem Paar Ich werde mir selbst folgen mit meinem
Weibe Hand in Hand Gott gebe ich stürbe mit ihr paarweise Zwar hat mich Gott
gesegnet mit Kindern und Kindeskindern die noch grünen und blühen und Früchte
ansetzen werden zu seiner Zeit Hast du aber nicht bemerkt Greger die Blätter
sträuben sich lange und trotzen dem Herbste fällt aber das erste gelbe Blatt
fallen ihm mehrere nach bis der Baum nackt und bloß steht  Ich bin bereit
mein Weib ist bereit O wären wir die ersten die nach diesem gelben Blatte
fielen Ruhe wohl Jakob du bist so klein du warst eines christlichen
Begräbnisses wert und eines Leichenschmauses Fromm wollen wir reden Nachbar
und das letzte Glas wollen wir trinken auf ein seliges Ende
                                       
    Tanne warum so stolz unter deines Gleichen Warum Meuterei wider die
königliche Familie der Eiche Ich dein Landsmann aus Norden gebürtig wie du
finde keine Hoheit an dir von Fuß bis zur Scheitel Wenn sanfte Winde dich und
alles was um dich ist mit einer verstehbaren Sprache beleben rausche mir zu
was dein Vorzug ist damit ichs durch den Wiederhall deinen Nachbaren wer sie
auch sind verkündige auf dass sie dich ehren wie die königliche Eiche geehrt
wird und wenn du es verdienst noch mehr Sieh an die majestätische
dreihundertjährige Eiche die die Geschichte des ganzen Waldes weiß da steht
sie unerschüttert trotzt den Stürmen aller Weltgegenden trotzt allem  nur
Gottes Donner nicht wenn du dich vor jedem Winde bückest und dich windest
kriechst und wie ein Hofmann schmeichelst damit jeder Wind dich nicht aushebe
und deine Wurzel aufdecke allen die vorübergehen Grün bist du im Winter wenn
die Eiche von ihrem königlichen Schmuck entkleidet nach Art wahrer Größe sich
nichts vor ihren Untertanen herausnimmt Ist aber das Kleid wahre Hoheit Wo
ist dein Wert wenn auf einem einzigen Eichenblatte sich ganze Geschlechter
niederlassen und du Nadeln statt Blätter zählest Sieh nicht verächtlich
Tanne auf die tief unten grünende Waldblume die wenn sie im Frühling aufgeht
und ringsumher im nackten Walde alles öde und leer findet sich erst im Tau
badet um desto Heller und klarer zu dir hinauf zu blicken und das erste
Baumgrün zu sehen Neige dich zu dieser aufgehenden Waldblume Tanne die du
dich vor jedem nur rauschenden Winde so tief beugest blicke her auf die Eiche
die keinem Untertan der zu ihr flieht Schutz und Schirm versagt und wenn der
in die Höhe strebende Baum von Buben gebrochen wird und sich zu ihr wendet ihm
einen Ast reicht damit er den Streich verwachse den der Bube an ihm
vollführte
                                       
    Schmetterling Schmetterling setze dich  Sieh den Sperling der auf dich
lauert und seinen Schnabel wetzt um dich als einen Braten zu essen und Salat
von dem Blättchen wo du sitzest dazu zu picken Schmetterling Schmetterling
setze dich Ich will dir nicht einen Flügel ausreißen oder einen Fuß oder dich
ängstigen Närrchen nein du bist klein wie ich Gerg mein größerer Bruder
fängt sich größere Vögel und er geht nicht mit ihnen um wie ich mit dir
umgehen werde  Weißt du was ich will Ich will dich ein wenig ansehen
schönes Jungferchen nicht lange  Ich weiß du lebst nur kurz armes
Vögelchen künftigen Sommer bist du nicht mehr und ich bin schon sieben Sommer
alt  Ich will dich nicht vom Leben aufhalten armes Vögelchen aber besehen
will ich dich dein niedliches Köpfchen und dem schlankes Leibchen und deine
Spitzenflügelchen das will ich besehen und damit du keine Zeit verlierst
werde ich dir ein Blättchen vorhalten damit du während der Zeit essen kannst
Schmetterling Schmetterling setze dich Närrchen ich meine es gut mit dir
Schmetterling Schmetterling setze dich
                                       
    Es war einmal ein Edelmann der ritt stets einen Fuchs der Edelmann war so
falsch wie der Fuchs und der Fuchs wie der Edelmann Ein schändlich Paar Zwar
war der Fuchs ein schönes Tier der Edelmann nicht minder doch einer schlug so
aus wie der andere und beide waren beschlagen der eine mit Bosheit der andere
mit Eisen beide schlugen und trafen Menschen Der Fuchs hatte einen seltenen
Kopf einen Hals zum Malen und einen Fuß gewiss einen niedlichen Fuß Sein
Schweif hing herrlich herab zum Schrecken aller Bremsen und Fliegen die er
nicht verjagte sondern auf der Stelle todtschlug Auf seinem Rücken war ein
Bremsenkirchhof O des prächtigen Schweifs Der Edelmann gewachsen wie eine
Birke hoch und gerade sein Gesicht braun wie eine Eichel wenn sie rein und
reif ist und seine Hand noch brauner nichts an ihm verunglückt kein Fleck
nichts Schiefes an ihm wie ein ausgewachsener Halm im Kleinen war er im Großen
gerad bis auf sein Seitenhaar das kraus lag in natürlichen Locken Man glaubte
die liebe Natur hätt es mit ihnen zu einem Knoten angelegt und sie wären im
Zuziehen gestört worden
Sein Auge meldthe jedem an
Es sei der Mann ein Edelmann
    Nur die Augenbraunen waren wild gewachsen sehr wild Da lag das Böse vom
Edelmann denn wenn er gleich schön von außen war so hatte er doch einen
innerlichen Schaden Sein Herz war eine Mördergrube und von außen stand ein
schöner adelicher Hof O hört ihr tugendsamen Jungfrauen was sich zutrug im
Jahr nach Christi Geburt eintausend siebenhundert und sieben hört es und weint
um eure Schwester Es war einmal ein ehrlicher Bürgersmann der hatte eine
schöne Tochter Der Pastor sah sie an wenn er die Schönheit des Engels
beschrieb der auf Gottes Geheiß einen menschlichen Leib auf eine kurze Zeit
angezogen Er sah nicht seine Frau an denn die war alt obgleich sie sich beide
nichts vorzurücken hatten und er auch alt war Annens Leib war ein Engelskleid
so passend gemacht dass der Engel nichts abschneiden durfte wenn er ein
Menschengewand auf Gottes Befehl nötig gehabt Freilich sah sie so
schwindsüchtig nicht aus wie das vornehme Ding in unserer Nachbarschaft von
der alles sagt sie sei die schönste im Lande Dass sich Gott erbarm wer Annen
sah wusste sicher was Schönheit sei wer sie nicht gesehen hatte war
zweifelhaft Man verglich die andern Gesichter nicht mehr mit der Natur sondern
mit Annen nicht mit der weißen Lilie den Busen nicht mit dem Himmelsblau das
Auge nicht mit einer aufbrechenden Rose das Frische im Gesicht  man verglich
es mit Annen Sie hat das von Annen und jenes von Annen so sprach jeder wer
Annen gesehen Man hatte nicht nötig sich herumzutun und hier und da was in
der Natur zusammenzusuchen  Anne war alles zusammen  Sie war weiß allein wer
auch eine Braune liebte blieb stehen wenn er sie sah und sagte laut schön
Sie hatte so was Gesundweisses im Gesicht dass man das Blut rinnen sehen konnte
O ein schönes Blut Der ganze Himmel lag auf ihrem Gesicht weiß rot blau
Wenn man ihn im Kleinen wollte sah man Annen an  und ihre Seele wer eine
Seele sehen wollte sah ihr ins Auge da hatte sie sich einquartiert Wen sie
damit ansah hatte Gottes Bild gesehen und ein Strahl von diesem Bilde ließ so
viel Ehrfurcht zurück dass man Annen liebte und ehrte Ihr Auge war die Sonne am
Himmel Man dankte Gott dass er so schöne Menschen auf seiner Welt gemacht  und
wär es erlaubt dass ein Engel wenn er auf Gottes Extrapost fährt und der
Erdenluft wegen ein Menschengewand angezogen hat wär es erlaubt dass ein Engel
ohne Gottes Trauschein sich verheiraten könnte er nähme sie  Sie wäre
Fleisch von seinem Fleisch Geist von seinem Geist  O ihr Jungfrauen hört
was sich mit Annen zutrug und mit dem Edelmann der stets einen Fuchs ritt Er
stellte sich als liebte er sie allein er liebte sie nicht denn die Liebe
macht tugendhaft wenn man einen Engel wie Annen liebt Er liebte sie doch war
seine Liebe Leckerei  Der Bösewicht meinte nicht sie sondern sich  Hast du
ihr nicht ins Auge gesehen  und recht ins Gesicht oder fürchtest du dich nicht
vor Gott und vor dem Himmel Bösewicht vor was fürchtest du dich denn Sie
waren beide schön  schön allein welch ein Unterschied in der Schönheit Sie
schön wie ein Engel er schön wie ein Teufel wenn er sich in einen Engel des
Lichts verkleidet hat Er schwur Annen zu lieben bis in den Tod und wie leicht
können wir betrogen werden wenn es jemand zum Betrug anlegt der so schön ist
wie der Edelmann Wer sieht immer auf die Augenbraunen Anne sagte auf sein
Zudringen Ich will wenn meine Mutter will  Ihr Vater war während der Zeit
gestorben und der Edelmann der ihn zur Gruft begleitete hatte sich so betrübt
gestellt dass Anne ihres Vaters und ihres Liebhabers wegen gleich betrübt war
Die arme Unglückliche Bis jetzt hatte er noch nicht das väterliche Haus
betreten Sein erster Schritt war ins Trauerhaus Eine schreckliche
Vorbedeutung  Nun kam er wenn er wollte und Anne blieb zwar bei ihrem Ich
will wenn meine Mutter will allein sie sprach es immer schwächer Der
Bösewicht grüßte die Mutter nicht mit den süßen Worten Gib mir deine Tochter 
Er suchte die Tochter ihrer Mutter allmählig zu entwöhnen Die Mutter merkte 
Wie ists fragte sie den Edelmann Ernst oder Scherz Spiel oder Ehe  O Anne
warum sahst du ihm nicht in sein verruchtes Gesicht bei dieser mütterlichen
Frage  recht ins Gesicht du hättest den Bösewicht entdeckt in Lebensgröße Er
raffte sich bald zusammen Ernst sprach er Ehe Wie sagte die Tochter da der
Bösewicht diesen Abend das Haus der Unschuld verließ wie wär es anders zu
denken Die Mutter ward ruhig nach diesem Abend Mehr hatte dem Edelmann nicht
gefehlt seiner Gottlosigkeit vollen Lauf zu lassen und die Unschuld zu
vergiften als diese Ruhe der Mutter   O ihr Jungfrauen weint um eure
Schwester die durch einen Bösewicht von der strengen Bahn der Unschuld und
Tugend verführt ward Nur Mutter und Tochter und drei aus ihrer Verwandtschaft
wussten ihren Fall Der Tod entriss ihn dem Ottergift der Stadtlippen Ihre Mutter
rang die Hände Anne konnte sie nicht ringen  der Tod war ihr Leben  Sie
konnte sie wollte nichts weiter als sterben kniend bat sie ihre Mutter für
sie zu beten Ja Tochter ich will für dich beten ich will beten dass dich
Gott beruhige  Nein Mutter dass ich sterbe dass ich sterbe dass ich sterbe
alles andere Gebet widerruf ich  der Tod das ist mein Alles
    Anne sprach dies gelassener als ich so gelassen dass man wohl sah der Tod
sei ihr Alles  Sie knieten beide Mutter und Tochter dicht zusammen und
hielten die Hände gen Himmel als wär es nur eine  Sehnlichst beteten sie um
den Tod und das ist eine große Gabe Gottes die der liebe Gott nicht erst
jemandem gibt sondern nur denen er gut ist Wir sterben zwar alle allein es
kommt beim Tod aufs Wann an auf eine erwünschte das ist auf eine selige
Stunde Da nimmt man nicht zehn Leben um einen Tod  Die Tochter starb so
ruhig dass man ihr die ewige Seligkeit ansehen konnte Die Mutter musste noch
acht Tage jammern sie hatte keinen Schmerz allein sie jammerte  Mein Mann
tot  meine Tochter tot  und ich ich hab ein heimtückisches hartes Leben
Schon lange bei Lebenszeit ihres Mannes war sie siech der Tod ihrer Tochter
hatte ihr vollends das Herz gebrochen Nun ging es gegen den achten Tag dass die
Leiche ihrer Tochter auf sie wartete unbegraben Auf einen Tag sagte die
Mutter zu ihrer sterbenden Tochter auf einen Tag sagte die Tochter Auf einen
Tag sagten sie sich hundertmal und auf einen Tag waren auch ihre letzten
Worte Sie starb  o Gott fast wie ihre Tochter Fast ganz nicht denn die
Tochter starb noch leichter Die Mutter war älter das Leben hatte sich mehr
angeklammert und der Tod musste reißen eh er seinen Zweck erriss Der Mutter
Sarg stand schon längst bei dem Sarge ihrer Tochter noch eh die Mutter selbst
drin war Was das für ein Leichenzug war Sie wollten still begraben sein
allein alles im Städtchen was gehen konnte ging den Särgen nach Sie waren
allen und jeden Wegweiser zur ewigen Ruhe Die Taglöhner verdungen sich nur auf
den halben Tag um dieses Begräbnis zu sehen Der Pastor weinte er war außer
den dreien der vierte der Annens Fall wusste Die Engel fielen und wurden
Teufel allein Anne blieb was sie war im priesterlichen Auge Der Pastor
weinte denn er hatte kein Engelsbild mehr in seiner Gemeinde er wusste nicht
wie er die Engelsgestalt deutlich machen würde da er Annen nicht mehr sehen
konnte  Ich werde sie bald sehen fing er prophetisch an mit entzücktem Mute
drückte sich den Hut in die Augen und ging so als ob er den Tod ausfordern
wollte Der gute Pastor Er wollte ein Erbauungswort bei dem Grabe dieser beiden
Seligen verbreiten doch das konnt er nicht Annens Gesicht das ihm noch zu
lebhaft vor den Augen schwebte störte ihn er verstummte selbst in der Kollecte
und schluchzte laut Der Schuster Veit der so gut singt als einer half ihm
aus ohne dass es viel zu merken war Dieser war bekannt dass er Melodie hielt
und nicht weinen konnte Sie hatten eben die Toten begraben und wollten
heimgehen da kam der Edelmann auf sie zugesprengt er ritt keinen Fuchs
sondern einen Schwarzen
    Ha dachte der Pastor da er den Edelmann den er wohl kannte auf einem
Rappen und nicht mehr auf dem Fuchs sah  ha das Gewissen das Gewissen Es war
ihm Vergnügen den Judas hängen zu sehen und wahrlich wenn ein Bösewicht von
der Welt Verzeihung haben will muss er unstät und flüchtig  verzweifelnd
aussehen
    Der Bösewicht hätte ungefragt wissen können was und wie und wer denn
unsere Toten kamen in eine Reihe mit Mann mit Vater An dieser Stelle
Bösewicht hast du geweint Er fragte aber ein bloßes kaltblütiges Wer
    Anne sagte der Pastor und zog seinen Hut ab und die Tränen stürzten
herunter als gösse er seine Augen aus  Anne sagte er und die ganze
Versammlung wimmerte Anne und lange hernach sagte alles »Ihre Mutter auch« Da
hätte man doch denken sollen würde er sich an die Brust schlagen und
verzweifeln Eins sagte dem andern Das ist er und mancher der Herz hatte
setzte wiewohl ins Ohr hinzu der Mörder Alles wusste von seiner Falschheit
gegen Annen allein nur drei außer dem Pastor von ihrer Leichtgläubigkeit Der
Bösewicht schien mir nichts dir nichts Sie hat Ihnen  ver  ziehen gnädiger
Herr sagte der Pastor und konnte das Wort verziehen lange nicht herausbringen
Der alte Mann war zu bewegt  Sie hat Ihnen verziehen wiederholte er mit
bloßem Haupte Und ich versetzte der Frevler trotzig verzeih ihr auch dass
sie gestorben ist O Jungfrauen denkt ans Jahr nach Christi Geburt eintausend
siebenhundert und sieben und an die Verzeihung dass sie gestorben ist Traut
nicht den gnädigen Herren wenn sie gleich bei den Gräbern eurer Väter weinen
    Es ward dem Pastor und seiner Gemeinde als ob die Erde bebte da der Mörder
siegprankte und trotzte Der Pastor setzte seinen Hut auf und die Begleiter und
Begleiterinnen falteten die Hände Der Edelmann mir nichts dir nichts sprengte
davon denn er hatte seit vielen Wochen ein anderes Annchen drum verzieh er
unserem dass es gestorben war
    Diese schrecklichen Worte hatten dem Pastor schnell die Tränen gestauet
Beim heftigen Ungewitter regnet es nicht  Da fing der Pastor an da habt ihr
meine Lieben den Teufel gesehen  Sie war ein Engel er ein Teufel und alle
die solche Augenbraunen sahen fürchteten sich nach der Zeit als sähen sie den
bösen Geist  Einige von den Stadtfrauen welche das selige gute unschuldige
Annchen gekannt hatten und unter denen die bewussten drei am meisten wunderten
sich und sprachen Warum erscheint nicht Annchens Geist dem Bösewicht Warum
fährt nicht ihre kalte Hand über sein Gesicht bis Todesschweiss vor seiner Stirn
steht Warum heulen nicht des Abends zwischen elf und zwölf Hunde damit ihm
die Ohren gellen Warum kreiselt nicht ein Sturmwind sich um ihn herum damit
ihm Hören und Sehen vergehe Warum pfeift ihm nicht der Nord zu Du bist der
Mann des Todes Warum rasseln nicht wenn er mit seiner Buhlerin ins Bett
steigt unter seinem Bette Ketten Warum fahren nicht kalte Schauer kreuzweis
durch seine Seele Warum schreien nicht Eulen wenn er des Abends nach frischer
Luft schnappt Und warum verscheucht sich nicht sein Pferd vor einer Erscheinung
und wirst ihn herab auf ebenem Wege Warum schlägt es nicht an sein Fenster mit
Fäusten an damit wenn er wer da ruft er nichts als einen Schatten von der
Seite sich wegziehen sähe Warum klirrt und knarrt knistert und knastert es
nicht in seinem Zimmer obgleich alles ringsherum altes reif ausgetrocknetes
Holz ist als wollte es in die Worte ausbrechen Mörder Mörder  Wundert euch
dessen nicht meine Lieben sagte der Pastor gar eben dass das alles nicht
geschieht Anne hat ihm verziehen eben weil sie ein Engel ist  Wenn sich die
Menschen dem Teufel ergeben lässt der Teufel sie seine Knechtsjahre ungestört 
Des Teufels Knechte sind fast immer vornehme Herren  allein wenn die
Kontractsjahre aus sind 
    Die Gemeinde schlug sich ein Kreuz und alles betete
»Für dem Teufel uns bewahr«
                                       
    Zwar eine Aehrenleserin und doch reich Wie ich noch arbeiten konnte band
ich Garben und beschämte oft junge Mädchen in der Schnelligkeit Man sagte von
mir ich griff Glück wenn ich unter der blinkenden Sichel Getreide griff Im
Alter lese ich Ähren und freue mich dass ichs kann Lieber würde ichs sehen
wenn ich mich nicht bücken dürfte Doch bückt man sich nicht auch wenn man
stirbt Und mir ist immer so wohl wenn ich eine Aehre finde als fände ich
meinen seligen Tod  Auch der wird kommen wenn Zeit und Stunde sein wird so
wie der liebreiche Gott mir meine Schürze voll Ähren beschert wenn es Zeit
ist  Da sagen mir oft Leute die jung sind und Ähren lesen kommen Mutter
dort steht das Korn was leset Ihr Schneidet mit einem Messer Ähren so habt
Ihr in einer halben Stunde mehr als Ihr tragen könnt Seht wie wir es machen
Schämt euch Kinder antworte ich dass ihr euch mit Aehrenlesen abgebt und
schämt euch doppelt dass ihr Gott und Menschen mit dem Messer betrügt Der liebe
Gott der unser Haar zählt zählt auch jedes Erdenhaar jeden Halm  Glaubt
mir jede Aehre die ihr abgeschnitten habt wird euch über kurz oder lang im
Gewissen schneiden  Wie kann euch Brod anschlagen das ihr stehlt  Brod
stehlen dass heißt so viel wenn es nicht noch mehr heißt als vom Altar Gottes
nehmen ungeachtet die liebe Sonne hell brennt Ehe Hungers gestorben als solch
gestohlenes Brod gegessen Seht wenn ein Halm dem Stahl des Schnitters
entkommen und wie verwaist allein unter Stoppeln da steht  ich nehme ihn nicht
Stehe sage ich zu ihm bis dich der Nord knickt wie mich das Alter  Wenn ihr
ehrlich Ähren lesen würdet ihr Aehrendiebe wäre es Schande und Sünde denn
könnt ihr nicht noch arbeiten und Glück greifen wie ichs gegriffen habe ohne
Ähren zu lesen oder bei Gottes Türe zu betteln Ich werde euch nicht lange
mehr im Wege sein Alle Jahre finde ich weniger Ähren und immer habe ich denn
auch weniger nötig  Je älter desto weniger Hunger je weniger Zähne desto
weniger Magen  Dies Jahr nur wenige Hände voll Ähren so wenig hab ich noch
kein Jahr gehabt  Ich glaube ich habe dies Jahr zum letztenmal gelesen O wie
gern wie gern möchte ich aus dieser argen bösen bösen Welt herausscheiden wo
man sogar Gottes Altar beim hellbrennenden Lichte bestiehlt Lebt wohl wenn ich
euch nicht mehr wiedersehen soll gütige Felder Tragt siebenfältig und
mehrfältig so vielfältig als es eurem Eigentümer nützlich und selig ist 
Gott vergelte jedem die Ähren die mir sein Acker verliehen hat Lebt wohl
alle ihr mitleidigen Örter wo ich mich ausruhte wenn ich mich nicht mehr
bücken konnte und du vor allen gütigster Ort wo mir ein sanfter
spannenbreiter Bach Kühlung gab und mich in süßen Schlaf rauschte lebe wohl Da
sah ich wie das neugierige Feldblümchen welches am Ufer blühte sich recht
mühsam herüberbog als wollte es das Ohr ans kleine Wellchen legen und es
behorchen Da sah ich  bis ich sanft einschlief  sanft O so sanft komme mir
auch der Tod so sanft  Dann bin ich reicher als wenn mir alle diese Felder
gehörten und der spannenbreite Bach den die neugierige Feldblume belauschte
und die mitleidigen Örter wo ich mich so sanft ausruhte  so sanft 
                             Ende der Beilage A
Dass mir s Nachlass kostbar gewesen darf ich nicht bemerken Ich bat
Gretchen durch geschworne Leute die Sachen würdigen zu lassen um dem Hermann
nicht zu entziehen was ihm die Rechte als Erbe seiner Tochter zuwendeten Ich
konnte bei dieser Würdigung nicht gegenwärtig sein
    Gretchen und ich teilten uns diesen unschätzbaren Nachlass Sie lehnte
meinen Antrag nicht im mindesten auch nicht durch eine Verbeugung ab sie
dankte auch nicht sondern eignete sich ihren Teil zu als etwas das ihr
eignete und gebührte Für den Hermann ward auf alle Fälle oder eigentlicher auf
den Fall ein Stück abgelegt wenn er wollen würde und für den ehrlichen
Benjamin unter dem einen Beding  wenn er noch lebte  An die Teilung ward
nicht eher als den siebenten Tag nach s Beerdigung gedacht
    Über s Begräbnis werde ich kurz sein Den ganzen Tag vor dem
Begräbnisstage brachten wir in Gesellschaft der Leiche zu Nur bis dahin war ich
an mein Versprechen Minen nicht zu sehen gebunden Jetzt ging das noch einmal
an das ich mir vorbehalten hatte und dies noch einmal währte einen ganzen Tag
 Gretchen hatte mir den mündlichen Bescheid abgegeben »Wenn er nicht vor dem
Haar einer Toten zurückbebt kann er eine Haarlocke nehmen« Die Empfindung
mit der ich mir dies Geschenk nahm ist unbeschreiblich  O du mir teures und
wertes Geschenk wie noch angenehmer wärst du mir aus Minchens Hand gewesen
die kalt ist und kalt bleibt obgleich sie dein Freund dein Mann an brennenden
Lippen anzünden will Alle ihre Sachen nannte ich mittelbar diese Haarlocke war
was Unmittelbares sie war ein Stück von Minen selbst das einzige was Menschen
unmittelbar mit Anstand von einander nehmen können  Dies war mit ein
Hauptstück für mich ins Grab  
    Der Tag den wir mit Minen eigentlich mit ihrer Hälfte mit weniger als
ihrer Hälfte zusammen waren wie kurz war er Eh er sich neigte schien es mit
meiner Fassung auch zum Ende zu gehen bis dahin hatt ich mich gut gehalten
wie der Prediger sagte Er legte es nach verschiedenen Metoden mit mir an
allein keine einzige hielt Stich  Wir hatten ein Tiefes und ein Hohes über die
Gleichmütigkeit gesprochen  Der gute Pastor sagte mir als etwas ganz Neues
dass die Gleichmütigkeit zum Charakter gehöre die Gleichmütigkeit zum
Temperament  Ich wusste so gut und besser wie der Prediger dass wenn die
Gleichmütigkeit aus der Selbstbeherrschung entsteht sie bei allen Vorfällen
des Lebens das Kleid des Weisen und so sehr von der Fühllosigkeit unterschieden
sei als lieben und verliebt sein  Was helfen aber alle diese
Vortrefflichkeiten die nicht zum Herzen gehen Minchens Leichnam machte alle
Kunst zu Schanden Mit Freuden taten wir alle auf das Kleid des Weisen
Verzicht und suchten eine Wonne darin bloß Menschen zu sein wie die liebe
Mutter Natur sie am liebsten hat Und am Ende Freunde gehts der abgehärteten
Seele und dem abgehärteten Körper wie dem Stahl  dies und das springt Ihr die
ihr den Menschen an Leib und Seele verhärten wollt bedenkt was wir sind Ich
bin ein Mensch heißt das nicht ich bin schwach
    Der letzte Abschied den wir von s zurückgelassenem Teil nahmen war
rührend Wir sprachen mit ihm als könnt er hören wir verstummten da er nicht
antwortete Wie sehr es mir zur Beruhigung gereichte dass alles meinen Schmerz
mit empfand kann ich nicht aussprechen Er verteilte sich doch blieb für mich
so viel zurück dass mir das Leben wie gar nichts war Diese Empfindung hätt ich
um alles nicht weggegeben
    Da wir hinausgingen und ich Minen noch zum letztenmal ansehen wollte konnt
ich es nicht  Ich war mit Blindheit geschlagen allein mein Ohr und Herz
hörten die Worte welche der Prediger der sich an den Sarg stellte mit
gerührter Seele aussprach Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun
an bis in Ewigkeit Und nun kamen zwei Leute die den Sarg fest zusammendrückten
und nach diesem schrecklichen Zusammendrucke sich zu uns mit den Worten
wendeten Gott bescher uns allen eine selige Nachfahrt Sie hielten ihre Mützen
vor und beteten und wir beteten alle
    s Sarg war sehr einfach ohne alle Verzierung Sie hatte es nicht
ausdrücklich so angeordnet allein sie bezeugte ihr Missfallen dass der Sarg
ihres Verwandten zu gekünstelt gewesen  Schon lange zuvor ward ich vom guten
Prediger befragt ob Mine nach curischer oder preußischer Art begraben werden
sollte Sie selbst hatte weder im Testament noch im Kodicill weder
schriftlich noch mündlich darüber Verfügungen getroffen außer dass sie gern bei
ihren Verwandten begraben werden wollte um sie am lieben jüngsten Tage gleich
bei der Hand zu haben Ich bat ihn sehr es wie es Sitte im Lande wäre zu
halten und nun noch ein Umstand
    Zu den ausgezeichneten Eingepfarrten gehörte der Graf v   ein besonderer
Mann Seine Hauptbeschäftigung war Leute sterben zu sehen Er nahm wo er von
Kranken hörte sie bei sich auf und wenigstens waren sieben die bei ihm
starben man mochte zu ihm kommen wenn man wollte Oft waren mehr Unter den
Kranken zog er Verlassene und solche Leute vor deren Schicksal ungemein war
und die meiste Zeit war die Zahl außerordentlich und über sieben Seine
Sterbezimmer waren immer besetzt Der Graf hatte sehr traurige Schicksale
überlebt Seine sieben Kinder alle in voller Blüte unter denen zwei Töchter
als Bräute und ein Sohn als Bräutigam starben in Zeit von drei Jahren Die
Bräutigame der Töchter die Braut des Sohnes folgten und seine Gemahlin auch
Ein einziger Bedienter war von seiner Jugend oder wie er sich ausdrückte von
seiner Frühlingsbekanntschaft übrig alle übrigen hatten ihn im Stich gelassen
Mit diesem alten Bedienten hielt er Haus das hieß in seiner Sprache bestellte
er sein Haus in dem biblischen Sinn bestelle dein Haus denn du wirst sterben
Der Graf ging mit diesem alten Bedienten als Freund als Mensch um Nicht war es
Herablassung denn wahrlich die ist oft ärgerlicher als Stolz und Hoffart
sondern Menschengefühl war es Spötter nannten sein Schloss ein Gebeinhaus
allein er setzte sich über dieses und mehr hinaus Ich lerne sterben sagte er
und lass es mir von andern vormachen ich lasse mir vorsterben  und bin mit
allen letzten Dingen in genaue Bekanntschaft getreten Seine Gedanken die er
mir bei der Leichenfolge weitläuftiger eröffnete sind im Kurzen Ein Arzt und
Prediger sehen sterben allein außerdem dass sie selten zu Masse kommen so haben
sie zu wenig Zeit den Tod abzuwarten Der eine sieht auf den Leib und der
andere auf die Seele keiner von beiden steht auf den Menschen So befremdend es
scheint so hat es mir doch die Erfahrung bestätigt dass der Arzt wenn er
gleich das Pulver erfunden hat das er eingibt doch eben so selten wo nicht
seltener den Leib des Kranken treffe als der Prediger die Seele Beide gehen
aus ihrem Kompendio und nicht aus der Sterbestube aus  und so und nicht anders
werden sie auch von Seelen und Leibespatienten behandelt  Ich habe nicht
sagen gelernt der Tod mag mir so oder so kommen ich will ihm die Spitze bieten
 wohl aber ich sterbe täglich  Wahrlich man macht zu wenig Erfahrungen über
den Eingang des Menschen in und den Ausgang des Menschen aus der Welt  Wir
lernen den Menschen kennen wenn er nicht mehr zu kennen ist wenn Leib und
Seele sich nolens volens so in einander geworfen dass man in die Schule gehen
und sich beglaubigen lassen muss dass man eine Seele und auch einen Leib habe 
Freund wer zehn Menschen sterben gesehen weiß was ein Mensch ist Ein anderer
weiß es gar nicht oder hat es Mühe zu wissen
    Dieser Graf dieser besondere Mann ward zur Leichenfolge gebeten Es ist das
einzige Mittel sagte der Prediger um mich mit ihm auszusöhnen denn in
Wahrheit er würd es für eine Todsünde halten dass ich ihm Minchen entzogen
wenn ich nicht die Sache auf diese Art wenigstens einigermaßen ins Reine
bringen sollte  Er kommt gewiss fuhr der Prediger fort ohne dass ihm jemand
darüber Zweifel entgegensetzte Er kommt gewiss wenn ihn nicht was Sterbendes
abhält um nach seiner Sprache der Entseelten das Bette machen zu helfen
    Ich war sehr entfernt mich dem Prediger in den Weg zu legen Ein Mann wie
dieser Graf stört nicht wenn man auch eine Mine begraben lässt und eben so
wenig hatt ich dagegen da der gute Prediger mir seine Absicht eröffnete Minen
einen Leichensermon zu halten wie er nach seinem Ausdruck in dem Herrn
entschlossen wäre Auch dieser gehörte vorzüglich auf die Rechnung des Grafen
Die Einladung beantwortete der Graf wirklich mit Ja weil er eben nichts
versäume Auf alle Fälle wird mein Bruder der alte Bediente die nötige
Sorgfalt übernehmen schrieb er zurück Seit sechs Wochen haben sich drei von
meinen Sterbenden gebessert oder soll ich nicht lieber verschlimmert sagen Sie
sind gesund geworden
    s Begräbnisstag war so schön wie ihr Sterbetag als wenn sich diese Tage
beredet hätten gleich schön zu sein und sich einander nichts nachzugeben Schon
des Morgens ward geläutet Nachmittags gegen fünf Uhr wieder und dies war ein
Wink dass sich ein großer Teil aus dem Dorfe Weiber und Männer versammelten
Die meisten nicht alle waren schwarz gekleidet Unter diesen zu Hauf
Geläuteten war auch der Organist und einige wenige Kinder
    Diese letzten stellten sich paarweise vors Haus und fingen das Lied an
Was Gott tut das ist wohlgetan
welches die versammelte Gemeinde inbrünstig mitsang
    Die Knaben und ihr Lehrer gingen darauf voraus mit dem Liede
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt
    In der Kirche fanden sich alle Mädchen um Minchens Sarg zusammen nicht mit
Blumenkränzen daran dachte niemand der Fall war zu rührend um ihn mit Blumen
zu verderben Sie sangen aus der Tiefe ihres Herzens so beteten sie auch Es
hatten sich von freien Stücken zwölf Mädchen gemeldet Minchens Leiche zu tragen
und zu versenken allein der Prediger liebte keine Neuerungen und es blieb bei
der Sitte in diesem Kirchspiel dass die Ältesten im Dorfe sie trugen An andern
Orten bemerkte der Pfarrer sind die Jüngsten Träger Ich will es so lassen
wie ich es gefunden habe Diese verließen den Sarg nachdem sie ihn vor den
Altar gesetzt hatten und mehr als zwanzig junge Mädchen traten in ihre Stelle
    Während der letzten Strophe des Liedes
Amen mein lieber frommer Gott
Bescher uns alln einn selgen Tod
Hilf dass wir mögen allzugleich
Bald in dein Reich
Kommen und bleiben ewiglich
trat der Prediger auf den Altar Er hielt nach diesem Gesang eine Rede über die
Worte aus der Offenbarung Johannis des dritten Kapitels eilften Vers »Siehe
ich komme bald halt was du hast dass niemand deine Krone nehme«
    Die herzliche Art mit welcher der Prediger den Text behandelte war alles
was ich von dieser Rede hörte oder eigentlich behielt Ich war an s offenem
Grabe
    »Schwer und leer« pflegte meine Mutter zu sagen »was schwer ist ist
mehrenteils leer In den alten Liedern ist immer die ganze weit und breite
Brust und in den Melodien die ganze Lunge Wenn auch hier und da ein paar
Sylben überlaufen  was mehr Wenn du dazu weinst Sänger Sängerin so läufst
du auch über« Wer wenn er singt Triller schlagen und Kadenzen springen kann
bringt dem lieben Gott ein Ständchen ehret ihn mit seiner Zunge und naht sich
zu ihm mit seinen Lippen allein sein Herz ist fern von ihm  Dies
Lieblingslied s das sie sang da sie aus ihres Vaters Hause und aus ihrer
Freundschaft ausging in ein Land das Gott ihr zeigte dies Lied das sie mir so
herzlich empfahl kann keinen bessern Verteidiger als meine Mutter haben Es
konnte kein angemesseneres bei dieser Leiche gesungen werden und wie das Lied
so die Rede Der Prediger hatte wenig oder nichts aufsetzen können Dies hätte
ich wie es mir eben einfällt nicht nötig gehabt zu bemerken nicht wahr Es
versteht sich
    Der Pastor wusste meiner Mutter Grundsätze zu denen mein Vater den zweiten
Discant sang Mine hatte diese Grundsätze auf und angenommen schon in den
Tagen von denen es hieß Sie gefielen ihr noch mehr aber in den Tagen von
denen es hieß Sie gefielen ihr nicht Einem Leidenden scheint die Prosa zu
hart zu angreifend er sehnt sich nach etwas Milderem sagte meine Mutter wenn
sie von dem Drucke sprach in dem sie lebte
    In dieser Rücksicht hatte der gute Prediger mehrere Liederstellen in seinem
Sermon angebracht den er mit einer Strophe aus einem alten Kirchenliede schloss
Darum du milde Erd
Halt dieses Pfand in Wert
Was Gott zu Ehrn erbaut
Das wird dir jetzt vertraut
Gott wird sein schön Bild in Lenzen
Des jüngsten Tags ergänzen
Mit Ehren wird es glänzen
    Es war ziemlich dunkel in der Kirche geworden und dies war ein freiwilliger
Beitrag zur Feierlichkeit Dieses heilige Dunkel noch liegt es vor meinen Augen
und vor meiner Seele  
    Nach der Rede ward eine Stille Dies wirkte fast mehr auf mich als alles 
Zu selten bedient man sich dieses Rührungsmittels
    Auf einmal fing ein Mädchen das ganz weiß gekleidet war und das ich noch
nicht gesehen hatte allein zu singen an Sie stand dicht am Sarge
Gehabt euch wohl ihr meine Freund
Die ihr aus Liebe um mich weint  
Die ganze Gemeinde antwortete mit dem Liede
Nun lasst uns den Leib begraben
und so ging es durchs ganze Lied hindurch Es waren zwei Gehabt euch wohl Sänger
und zwei Gehabt euch wohl Sängerinnen in der L  Gemeinde die bei dieser
Zeremonie weiß gekleidet waren ein Alter eine Alte ein Jüngling ein Mädchen
    Ich will sehr gern zugeben dass nicht alle sagte mir der Prediger nachdem
wir Minen in ihre Schlafkammer begleitet hatten die Art billigen werden einen
Toten redend einzuführen und ihm Abschiedsworte in den Mund zu legen wenn wir
aber hoffen dass die Seele in Gottes Hand sei und lebe warum nicht
    So viel weiß ich dass mich dieser Überfall anfangs erschüttert nachher
sanft bewegt hat
    Die Strophe
Mein Elend wie auch mein Beschwerd
Wird nun verscharrt mit kühler Erd
was für Tränen hat sie mir gekostet  Am meisten rührten mich folgende
Stellen
In dieser Welt war Angst und Not
Bekümmernis zuletzt der Tod
Nun aber schwindet alles Leid
Und folgt drauf die Ewigkeit
So lasset mich in stolzer Ruh
Und geht nach eurer Wohnung zu
Bedenkt wie bald euch Gottes Hand
Versetzen kann in diesen Stand
Und dann die letzten Worte
Ich scheide lebt alle wohl
Seid hoffnungs liebe glaubensvoll
Ein jeder sterb der Sünden ab
So kommt er selig in das Grab
    Was mich versunken in Empfindungen bei der Hand nahm und herauszog war
das Lied Nun danket alle Gott das gleich darauf angestimmt ward
    Es war die Gewohnheit in L  dass die Kirche nie anders als nach einem
Lobgesang geschlossen wurde Haben wir nicht Ursache sagte der Prediger da ich
ihn darüber in seinem Hause befragte haben wir nicht Ursache Gott für alles zu
danken Können wir aber würde mein Vater entgegen gefragt haben Die zweite
Strophe die meines Vaters Lieblingsstrophe und mehr Gebet als Dank enthält sei
uns allen heilig
Der ewig reiche Gott
Woll nun bei unserm Leben
Ein immer fröhlich Herz
Und edlen Frieden geben
Und uns in seiner Gnad
Erhalten fort und fort
Und uns aus aller Not
Erlösen hier und dort Amen Amen
    Die Leiche ward ohne Gesang von den Alten hinausgetragen und versenkt  Die
erste Schaufel Erde die auf den Sarg fiel  noch überfällt mich ein Schauer
wenn ich mir diesen dumpfen Ton zurückdenke wenn ich ihn zurückhöre Mensch du
bist Erde und wirst zu Erde werden Das lag darin
    Der Pastor sprach die Kollekte nach der ersten Schaufel Erde und den
Beschluss machte das Lied
O wie selig seid ihr doch ihr Frommen
Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen
Ihr seid entgangen
Aller Not die uns noch hält gefangen
Und nach diesem Liede gingen wir unserer Wohnung zu Der Graf und ich waren beim
Hingang ein Paar beim Rückwege schloss sich der Prediger uns an Ich bückte mich
tief gegen den Haufen Begleiter und Begleiterinnen  Jedes das mich ansah
bedauerte meinen Verlust und schien es zu empfinden was ich verloren hatte
ohne dass es jemand außer dem Pfarrhause eigentlich wusste
    Der Graf wollte mir seine Einrichtung wie er bemerkte mich zu zerstreuen
noch näher eröffnen und fing schon an dass sein Bette wie ein Gewölbe gestaltet
und dass in den Zimmern die er selbst unmittelbar inne hätte Urnen und Särge
der Zierrat wären allein ich weiß selbst nicht wie er auf einmal auf die
unverbrennliche Lampe das ewige Grabesfeuer fiel Er versicherte mich dass er
schon sehr lange auf diese Art Lampen gedacht hätte welche man zuweilen in den
alten Gräbern angetroffen haben will die ohne Oelzuguss eine so lange Zeit
gebrannt hätten Der gute Graf hatte noch manches von diesem ewigen Grabesfeuer
wie er es nannte zu sagen Wie es mir vorkam hatte der Graf Lust die Sache zu
Künsten zu rechnen die durch die Zeit verloren gegangen si fabula vera  Und
siehe da ein keuchender Bote mit einem Briefe von seinem Bruder Der Brief
hatte einen breiten schwarzen Rand Nach meiner Meinung war es ein
Eröffnungsschreiben eines Todesfalls aus der gräflichen Familie  oder
wenigstens unter den Sieben allein es ward nicht anders als auf dergleichen
Papier im gräflichen Hause geschrieben Die Sache kam dem Grafen eilig vor Eine
Sterbende aus Kurland von ihrem Manne verlassen ward angemeldet und da sie
nach der Bemerkung des Herrn Bruders sehr viel auf ihrem Herzen und Gewissen
hätte bat er den Grafen keine Zeit zu versäumen sie abzuhören
    Ich kann es nicht leugnen dass mir der Umstand aus Kurland sehr auffiel Der
Graf nahm von diesem Umstande bloß Gelegenheit seine Bitte zu wiederholen dass
ich ja nicht von hinnen ziehen möchte ohne seinen Kirchhof wie er es nannte
mit allen Anhängen und Beistöcken zu besuchen Ich habe setzte er hinzu noch
über mancherlei von Seiten Ihrer Seligen Sie zum Verhör zu ziehen Er stieg mit
den Worten in seinen Wagen Heute mir morgen dir
    Nach unserm Hingange hatte der Organist eine Rede aus dem Hute gelesen ich
habe nichts verloren dass ich sie nicht aus seinem Munde empfangen denn ich war
an diesem Tage nicht zum Hören aufgelegt So wie ich sie meinen Lesern
mitteile erhielt ich sie vom Verfasser noch den nämlichen Abend Er aß den
Abend mit uns beim Prediger und wir wurden der bitteren Stellen unerachtet wie
er selbst sagte Herzensfreunde Aus Erkenntlichkeit will ich diese Abdankung
zur Beilage B erheben
 
                                   Beilage B
                         Abdankung des Organisten in L 
Ich möchte was drum geben
So wenig es auch ist
Denn dass ich blutwenig habe ist euch bekannt
                     Allerseits nach Tugend und Alter lieb
                             und werte Nachbaren
    Und wenn man mir noch obenein die Leichenabdankungen entzieht wie es heute
unter uns gesagt schier den Anfang genommen so werd ich wohl am Ende gar
nichts drum geben können
    Und doch möcht ich was drum geben wenn ich fein der Erste gewesen welcher
das menschliche Leben mit einer Mahlzeit verglichen hätte
    Gelt es ist ein schmackhafter Vergleich
    Indessen haben außer mir schon andere kluge Leute diesen gesunden Einfall
gehabt und wohl gewusst was gut schmecke denn in Wahrheit es ist der
natürlichste Gedanke den ein Mensch wenn er nämlich einen gesunden Magen im
Leibe hat nur haben kann Wir essen und trinken das heißt wir leben und wir
leben das heißt wir essen und trinken  Die liebe Seele ist beim Leben nur
so zu sagen zu Gaste  in der andern oder in der Seelenwelt  soll der Leib
der Seele Kostgänger werden denn wie man liest so wird unser Leib was
Extrafeines sein So ein Unterschied wie zwischen Hirts Lise und der Gräfin
Friederikchen  ihr kennt beide meine Lieben Mir ist bange wenn ich die
Gräfin Friederikchen ansehe dass mein Blick ihr einen Fleck machen wird so fein
ist sie man hat nicht das Herz sie anzusehen
    Wenn wir auf diese Welt kommen heißt es wie vor Tische
    »Aller Augen warten auf dich Herr du gibst ihnen ihre Speise zu seiner
Zeit du tust deine milde Hand auf und sättigest alles was lebt mit
Wohlgefallen«
    Die jungen Raben sperren den Mund gen Himmel auf als hochgähnten sie und
schreien den lieben Gott an wie unverschämte Bettler uns Kleine Kinder das
hab ich an meinem Kaspar gesehen der sich wieder erholt hat und dick und fett
ist  ja ich wollte von kleinen Kindern sagen  die sehen nicht gen Himmel 
ich dachte schon das käme wegen der Erbsünde und weil wir uns dem lieben Gott
entwöhnt haben allein ich besinne mich wieder  denn nicht wahr alles was
saugt sieht auf die Mutter und sein Blick kommt erst durch Umwege zum lieben
Gott  Wer in die Höhe steht ist gleich ein paar Zoll größer Das wissen die
Werber wohl die uns Angst und Furcht genug einjagen  Ist aber je ein Rabe
wenn ihn gleich seine Eltern nach Rabenart behandeln Hungers gestorben Habt
ihr je so was von der kleinsten Mücke gehört Ich nicht Und doch sagt man von
Menschen dass sie im eigentlichen Brodverstande Hungers gestorben sind Dass sich
Gott über solche Bengel erbarme die nicht wert waren junge Raben zu sein 
Seid ihr nicht mehr denn sie hätte man auf das Grab dieser Verhungerten
schreiben und ein Nest voll junger Raben eben im Gebet begriffen aushauen
sollen Sterben wir liebe getreue Nachbaren und desgleichen sterben wir so
heißt es als wenn wir vom Tisch aufstehen und das Tischtuch bald hätt ich
Leichentuch gesagt zusammenlegen
Wir danken Gott für seine Gaben
Die wir von ihm empfangen haben
Und bitten Gott unsern lieben Herrn
Er woll uns allzeit mehr beschern
Er speis uns stets mit seinem Wort
Damit wir satt werden hier und dort
Ach lieber Gott du wollst uns geben
Nach dieser Welt das ewige Leben
Kann ein besseres Toten oder Begräbnisslied sein
    Aber zur Sache zu kommen Der Student der im ersten Paar mit dem
hochgebornen Herrn ging mag wohl wissen wies in Kurland bei Begräbnissen
gehalten wird von unserer Manier weiß er keinen Teelöffel aufzuwaschen das
ist ein Löffelchen wie mein kleiner Finger  Der Jüngling würde mich sonst
ersucht haben ein Wort aufs Grab zu sprechen das mir immer zusteht wenn die
Leiche nicht ins Gewölbe kommt sondern in die Kirchhofserde   Ich sag es
nicht des Gewinnstes wegen denn seine Schöne Ende gut alles gut sonst wäre
noch mancherlei und manches davon zu sagen dass er sich ihr und sie sich ihm
verpfändet hatten mein Sohn sollt es nicht versuchen doch sie ist tot
seine Schöne seine verstorbene Wilhelmine ist eines Geistlichen Tochter und er
Predigers Sohn wie ich wiewohl alles nur durchs Schlüsselloch gehört habe
Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus Ich hätte keinen Dreier
genommen ob ich gleich es eben jetzt zum Fuder Holz nötig habe  Doch wenn
ihr Nahrung und Kleider habt an Holz ist nicht gedacht wie es denn auch unser
Glaubensvater Luther bei der vierten Bitte Gott weiß warum ausgelassen hat
so lasset euch begnügen
    Was ich also heute rede das red ich von Herzen denn ich hab es oft und
viel bemerkt dass meine Grabreden oder Leichenabdankungen nicht ohne Segen
geblieben
    Gott verzeih mir die Sünde Manchmal dacht ich wenn ihr alle aufs Grab
weintet so dass die Tränen ordentlich drauf zu kennen waren der selige Mensch
werde bald aufgehen  und ich hätte die Ehre gehabt diese Pflanze Gottes auf
seinem nämlich Gottes Acker zu begrüßen
    Wenn man recht herzlich weint hat man nicht Zeit an einen Schwamm zu
denken und es ist wahrlich ein schöner Anblick so natürlich weg weinen zu
sehen  Aber wieder auf das Leben und die Mahlzeit zu kommen
    Kennt ihr lieben getreuen Nachbaren und desgleichen kennt ihr was
Angenehmeres als eine gute Mahlzeit  Ich glaube es tut den Engelchen leid
wenn sie uns essen sehen dass sie es nicht auch können  Der liebe Gott hat uns
alle nach dieser Welt mit Abraham Isaak und Jakob zu Tisch bitten lassen 
das wird schmecken Freilich werden nur bloß geistliche Gerichte aufgetragen
werden aber man sieht doch daraus dass der liebe Gott selbst an Essen und
Trinken denkt und wohl weiß dass uns der Mund alsdann eher nach dem Himmel
wässern werde als wenn er gesagt hätte wir sollten mit Abraham Isaak und
Jakob dort eine lange Predigt anhören Wenn ihr so mit euren gesunden Kinderchen
um den Tisch euch lagert und bei Sommerszeit Milch und bei Winterszeit Erbsen
und Speck esst o Nachbarn mich hungert wenn ich daran denke und ich würde
mich bei einem von euch gleich heut Abend auf frischer Tat zu Gast bitten um
meinen heutigen Vortrag recht lebhaft zu machen wenn ich nicht bei dem Herrn
Pfarrer gebeten wäre Der Herr Pfarrer weiß schon was einem Handlanger am
göttlichen Wort zukommt und ich versichere euch dass ich dem Studenten begegnen
werde wie meinem eigenen Kinde obgleich er die Landesmanier nicht weiß und mir
nicht die Ehre angetan hat eine Leichenabdankung bei mir zu bestellen
    Seht liebe Nachbaren wie die Mahlzeit so das Leben Es ist unter uns
gesagt recht gut zu leben  Wenn ihr nicht arbeiten möchtet würd es euch
wohl schmecken Die wenigsten Vornehmen essen und trinken sie tun nur so als
ässen und tränken sie und dann am Sonntage  denkt nur noch an jenen Sonntag wo
wir des Morgens um vier Uhr ein Werk der Liebe und der Not verrichteten und dem
Herrn Pfarrer sein Getreide wegen des bezogenen Himmels in die Scheuer
sammelten und hernach wiewohl nach der Predigt unterm Schauer saßen und
regnen sahen und unser guter Seelenhirte mitten unter uns Das ging Prosit
Gevatter und ich glaube solcher Prosittage habt ihr viel gehabt
    Niemand ist schläfrig zum Todesschlaf Jedes hat noch Luft ein Stündchen
aufzubleiben Alles will gern leben Die lahme Trine im Hospital hätte gern noch
einige Jahre gehinkt und es ist gewiss und wahrhaftig so viel Hübsches
besonders im Sommer in der Welt zu sehen und zu hören dass man recht gern lebt
 Ich liebe darum vorzüglich den Sommer weil so viel Leben drin ist  Alles
lebt im Sommer Die ausgewachsenen Bäume sind für Vögel und Gewürme große
Städte so wie das Gras schlechte Dörfer und Gesträuch Kirchdörfer sind 
Manche Eiche könnte man wohl ein Schloss nennen alles wie man es nehmen will 
Mir hat noch keine Fliege einen Gedanken weggesummt und es ist mir gleich nicht
recht wenn nicht ein paar in meiner Stube sind Kann sie ein so großer Herr
als der liebe Gott ist in seiner Welt leiden so können sie doch wohl in meiner
Stube sein Ich hab es von einem sehr vornehmen Herrn der bei einem Feste auch
für seine Fliegen und Mücken Wein eingiessen lässt um alles was um ihn lebt und
schwebt zu sättigen und zu tränken mit Wohlgefallen Seine Haustiere müssen
alle ein Spitzgläschen Wein haben allein das halt ich unter uns gesagt
unrecht wenn man die Tiere zu menschlich macht  Man wird schon einen Lazarus
finden warum also Fliegen und Mücken Der Gevatter Briese sprach mir gestern
von der Größe des lieben Gottes und ich hatte den Einfall dass der liebe Gott
jeden Sperling jeden Stieglitz jeden Hänfling jede Milbe jede Mücke mit
Namen zu nennen wüsste so wie ihr die Leute im Dorfe Schmieds Greger Brisens
Peter Heifrieds Hans  Denkt nur wenn der liebe Gott so jede Mücke ruft die
sich einander so ähnlich sehen dass man schwören sollte sie wären alle
Schwestern und Brüder denkt nur
    Kurz lieben Freunde der liebe Gott ist ein guter Herr bei dem ihr dient
und seid ihr gleich auf Taglohn bei ihm und ist die Welt gleich nicht verdungen
Werk hat gleich jeder Tag das Seine und wird gleich nicht fürs Leben im ganzen
Stück sondern für jede Tagesabteilung Rechenschaft gegeben was schadet es Je
kürzer die Rechnung desto leichter alles übersehen Wir sind wahrlich nicht in
Egypten wenn wir dem lieben Gott dienen  Seid ehrlich  Habt ihr wohl über
eure weltliche Herrschaft zu klagen ob es gleich oft adeliche Egyptier gibt und
unter den königlichen Beamten manchen pharaonischen Frohnvogt  Der liebe Gott
lässt jedem was er hat  Er nimmt nicht Zoll und Accise nicht Hufenschoss und
Vorspann er will nur das Herz das heißt dass ihr das Eurige gut anwendet und
euch all zusammen für Schwester und Bruder haltet Er gönnt uns Würden und
Ehren und lässt den beim Schulzenamt den einen Landgeschwornen den einen
Hausvater sein und mich einen Mitdiener am göttlichen Worte Er will nur das
Herz das heißt dass wir uns einander Gevatter nennen und nicht einer über den
andern erheben und alle einander die Hand geben und wohl bedenken dass nicht
wir sondern er durch uns regiert daher werden auch die Schulzen und
Landgeschwornen wie die liebe Obrigkeit all zusammen Götter der Erde genannt
 Der liebe Gott hats nicht verboten in den Krug zu gehen und ein Gläschen zu
trinken und Hannchen herumzudrehen wenn es nur des Sonntags ist nichts dabei
versäumt wird und alles in Züchten und Ehren bleibt Pfui wer wollte sich
betrinken um vergnügt zu sein wer sich die Augen verbinden um desto besser zu
sehen
    Seht lieben Freunde so ist das Leben eine Mahlzeit
    Es gibt aber auch bei jeder Mahlzeit mancherlei und manches was unangenehm
ist Wo Weizen ist da schleicht sich auch Unkraut herein wie in unseres Herrn
Pfarrers Weizenland Gott wolle geben dass in seiner Gemeinde weniger Unkraut
sei als dies Jahr auf seinem Acker  Sonst würden die lieben Engelein zu jäten
kriegen und es würden nicht viele in Frieden und Jauchzen eingeführt werden in
die Scheuern  das ist auf den Kirchhof den ich für des lieben Gottes Scheuer
ansehe
    Wir essen im Schweiße des Angesichts wir essen was wir sauer verdient
haben  Ich kann zuweilen das Brod nicht ansehen ohne dass mir der Angstschweiß
ausbricht denn ich weiß was es mir gekostet hat Wenn man nur bedenkt was der
liebe Gott erst mit dem Brode für Wege geht eh es Brod wird Wer kann es ohne
Sorgen essen Und mit dem Hemde eh es ein Hemd wird Wer kann es ohne Seufzer
anziehen Gott weiß wie es kommt man sorgt am liebsten am Tische und sieht auf
die Erde obgleich man dankvoll gen Himmel sehen sollte  Man sieht alle um
sich herum die Nahrung und Kleider haben wollen und das bringt uns in einen
Gedankenwald  Oder man glaubt vielleicht sich das Sorgen leichter zu machen
wenn man bei Tische sorgt allein man macht es sich schwerer denn man wird
dadurch untätig und anstatt dass man die verlorenen Kräfte ersetzen sollte
verliert man ihrer noch mehr  Es ist so wie ein unruhiger Schlaf der mehr
schadet als nützt man ist nach ihm noch schläfriger  Wenn man einmal ins
Sorgen hinein kommt findet man sobald nicht heraus  Mein Kollege in B der
in seiner Jugend Barbier gewesen ist bis zur Verzweiflung betrübt dass er nicht
so viel Bücher hat als sein Pfarrer Und ich sag oft und viel zu meiner Frau
dass ich Gott für dreierlei besonders danke nämlich dass sie ein treues
fleissiges Weib ist die ihre Finger ins Kalte und ins Warme steckt wie ihr sie
alle kennt dass mein Acker nicht der schlechteste ist und seinen Organisten
schon nährt und dass ich nicht viel Bücher habe denn wahrlich Bücher stehlen
einem das Leben unter den Händen weg Freilich muss man der Bibel Gesellschaft
machen außer dem Gesangbuch das in Absicht der Bibel wie Mann und Frau Bein
von der Bibel Bein Fleisch von der Bibel Fleisch ist von dem man sagen kann
Man wird es Männin heißen weil es vom Mann genommen ist  Außer der Bibel und
dem Gesangbuch hab ich acht bis neun Bücher Was will aber der liebe Herr
Amtsbruder mit mehr Mit Bibel Gesangbuch und Luthers Katechismus kann man
schon haushalten  Wenn ich lese dann leb ich nicht sondern der so das Buch
geschrieben lebt in mir  So ist es aber mit dem verdammten Neide Da lob
ich mir doch noch Sünden bei denen man seine Lust hat und die man mit lachendem
Munde tut denn da ist doch noch etwas dabei Aber der Neid der Zorn und
desgleichen sind so traurige so milzige Laster dass man gar nicht begreifen
kann wie man zornig und neidisch und dergleichen ist Bei jenen ist man auf der
Hochzeit und Kindtaufe bei diesen auf Begräbnissen Man nennt daher diese
letzten schwarze Laster und das von Rechtswegen wies in den Urteilen steht
dass Gott erbarme
    Für solche Sorgen wie mein Kollege der gewesene Barbier sich aufbindet
bin ich zwar sicher allein ich hab andere  und meine neun Kinder alle mit
Magen wie Kornsäcke  So was will gefüllt sein  Ich mag mein Aemtchen
berechnen wie ich will über zweihundert Gulden dresch ich nicht heraus Wenn
noch so eine gute Ernte gewesen und ich noch so viel Leichenabdankungen
gehalten ist doch am Ende nicht ein Bund Stroh mehr als zweihundert Gulden
Was das kostet einen Sohn auf der Universität zu haben das könnt ihr nicht
glauben liebe Nachbaren indessen ist auch Ware dafür und wenn Gott uns leben
lasst wird er künftige Pfingsten seine erste Predigt auf unserer Kanzel tun
wozu ich Jung und Alt hiermit zum voraus dienstlich eingeladen haben will  Da
wird man doch sehen ob er weiß wo er zu Hause gehört Da ich an diesen
hoffnungsvollen Jüngling denke werd ich Mühe haben die Mahlzeit dieses Lebens
unschmackhaft zu finden  Findet ihr nicht etwas Ähnliches zwischen ihm und
dem tiefgebeugten Curländer Ich glaube am Ende sehen sich die Studenten alle
gleich und doch 
    Herzlich geliebte Nachbarn wenn man auch einen hoffnungsvollen Jüngling zum
Sohn hat der auf Pfingsten predigen wird ists doch ein elend jämmerlich Ding
um aller Menschen Leben Auch die Vornehmen haben nicht alle Tage Rebhühner Ich
aß ehegestern ein halbes beim gnädigen Herrn v   auf dem Gebetsverhör
allein unter uns gesagt es war ein wenig alt So ists mit dem Leben wenn
auch Rebhühner aufgetragen werden Wer eine Wittwe mit Geld heiratet isst ein
altes Rebhuhn und wer zu Ehren kommt isst ein altes Rebhuhn und gesetzt die
Rebhühner sind frisch und gesetzt sie wären auch ein Alltagsgericht was
hilfts Die Kinder Israel wurden des Mannas überdrüssig wie es Leute gibt
die des preußischen Mannas der Schwadengrütze müde werden können Das Manna
es sei das israelitische oder das preußische in Ehren  allein wer es dazu hat
dass er alle Tage Haselhühner essen kann dem müssen sie wie unser einem die
grauen Erbsen werden
    Man sagt wenn es am besten schmeckt soll man aufhören und wahrlich so
ists mit dem Leben Beim Leibgericht verdirbt man sich am ersten den Magen 
Die Leibgerichte der Vornehmen könnte man am füglichsten nennen der Tod in
Töpfen und von den ausgewachsenen Bäuchen der Landpfleger heißt es übertünchte
Gräber Habt ihr schon meine Lieben einen dicken Bauer einen dicken
Organisten und einen dicken Schneider gesehen In unserm und den drei uns
benachbarten Kirchspielen ist keiner aufzutreiben und überhaupt ist so was ein
seltener Vogel  allein bei uns die zu Pharaonis mageren Kühen gehören sitzt
das Übel wo anders  Wo sitzt es immer bei Reichen oder Armen Vornehmen oder
Geringen  Wir füttern alle durch die Bank den Tod wenn wir essen und trinken
 wir mögen dick oder dünn sein  Wie oft kommt uns was in die Quere bei Tische
und wär es auch nur eine Gräte Da verbrennt sich der Kleine den Mund und
Trinchen kriegts in die unrechte Kehle
    Selten ist eine Hochzeit wo nicht was Trauriges sich zuträgt ihr wisst es
wohl wie es des Hiobs Kindern ging da sie recht fröhlich und guter Dinge
waren Wenn man lustig ist hat der Teufel immer sein Spiel er streicht die
Violine beim Tanz Wo getrunken wird werden Gläser zerbrochen und man kann
ordentlich zu viel auf einmal leben wie man zu viel auf einmal essen und
trinken kann Wie viele überleben sich daher selbst  Und dies alles
zusammengenommen was meint ihr Das Leben ist zwar eine Mahlzeit allein es ist
darauf nicht eben einzuladen So fürs Haus so aus der Hand in den Mund
    Wenn es nicht schmeckt sieht man gern ein Viertelstündchen früher auf und
sieht sich im Freien um wenn es Mittag und in den lieben Mond wenn es Abend
ist Man hat alsdann dem lieben Gott eben soviel Ursache zu danken dass man
aufgestanden ist als dass man sich niedergesetzt hat Das heißt mit andern
Worten im Fall wir uns nicht das Leben gar zu süß gemacht sterben wir gern und
danken dem lieben Gott für den Tod so wie fürs Leben Wahrlich es kann nicht
schlimm mit dem Tode sein frische Luft und ein Blick in den Mond ist das
wenigste  Wer recht müd ist liebe Nachbarn legt sich lieber als dass er
essen und trinken sollte Der hört die Kugel nicht den sie trifft der sieht
den Blitz nicht den er erschiesst Ich glaube es hat noch kein Mensch recht
gewusst wenn er stürbe  Weg sind wir Der Tod ist die Sache beim Licht
genommen eben so ein Werk der lieben gütigen Natur als das Leben und der
Schlaf eben so gut als das Essen  Wer nicht schlafen kann kann auch nicht
essen allein wenn es möglich wäre dass jemand immer schlafen könnte so würd
er nicht essen dürfen
    Wollt ihr die Sache ins Feine haben denkt euch die Jugend als Frühstück
die Jünglingsjahre als Mittags bis männlichen als Vesperkost das Alter als
Abendbrot  Da ließe sich viel besonders beim Mittag anbringen allein denkt
der Sache selber nach  und fasse jeder in seinen Busen allwo ich das meiste
was ich gesagt herausgenommen
    Lasst uns lieben Freunde nicht zu viel essen damit wir sanft schlafen
können Man sitzt höchstens eine Stunde am Tische wer schläft aber nicht gern
seine sieben Stunden
    Manche Blüte die schon angesetzt hat fällt ab weil ein böser Junge
indem er nach einem Vogel wirft die kernfrische Blüte trifft Viele vergeuden
ihre Jugendkräfte und sind Lebensdurchbringer   Wie der Baum fällt so bleibt
er auch liegen Sorgt nicht für den andern Morgen sonst verliert ihr den
heutigen und den folgenden Tag und wer weiß ist nicht der Tag da ihr am
meisten für den folgenden sorgtet euer jüngster euer letzter Tag
    Hiermit verlassen wir dieses Grab Gewiss Freunde ein denkwürdiges Grab 
Fliege vorbei du Geier und Habicht und wenn du in diese kalte Gegend wo der
Dr Luther gewiss an Holz in der vierten Bitte gedacht hätte wenn er in L 
Organist gewesen wenn sag ich du in diese kalte Gegend dich verirren
solltest auch du Adler  und all ihr unheiligen Vögel  allein ihr heiligen
Nachtigall Lerche und Schwalbe setzt euch auf dies Grab wärs auch nur weil
Christenleute Minen das Geleit gegeben und an ihre Brust geschlagen und gebetet
Was ich gelebt hab decke zu
Was ich noch leben soll regiere du
    Man fängt die Grabschriften mit Wanderer an warum aber nicht mit Reiter 
Reiter so gut als Wanderer und auch du selbst der du mit Sechsen fährst  hier
ruht ein Mädchen aus fremden Landen sie fand hier den Tod auch du wirst ihm
nicht entwandern entreiten entfahren  Ihr habt alle einen Weg  alle zum
Grabe
    Genug auf heute liebe Nachbarn Da ich dies Wesen eine Abdankung kann
ichs nicht mit gutem Gewissen nennen bis beinahe ans Ende fertig hatte fiel
es mir ein dass ich auch das Leben mit einer Reise hätte vergleichen können
weil unsere Seligtodte nicht von hier war und ein reisendes Mädchen was Seltenes
ist allein da ich eben zu Hause war und den nämlichen Abend als ich dies Wesen
aufsetzte eine sehr mäßige Mahlzeit tat schien mir das erste besser und so
wünsch ich euch denn und die Selige wenn sie reden könnte würd außer dem
herzlichen Dank dass ihr ihr auf eurem Kirchhof ein Plätzchen gegönnt und sie
dahin fein sauber angezogen in Kommunionskleidern begleitet habt und die
Selige sag ich würd euch außer diesem Dank ein Gleiches wünschen das ist
    eine gesegnete Mahlzeit
    Schließlich lasst uns allerseits auf unsere Knie fallen um ein gläubiges und
andächtiges Vater unser zu beten Ihr wisst wohl wie ich mich ärgre wenn ihr
Leutchen erst eure Beine anseht ehe ihr hinkniet als wenn ihr von ihnen
Erlaubnis bätet  Wozu die Umstände Ich habe doch auch ein Ehrenröckchen an
aber ich falle mir nichts dir nichts nieder wie ein Stück Holz und meine
Marte auch so wenn auch am Kleid oder Schürze ein Fleck bleibt  Kinderchen
ists doch kein Fettfleck Er bleibe dieses Grabeszeichen Eine schöne
Erinnerung Mensch du bist Erde bedenke das Ende Betet also als betet ihr
zum letztenmale
        Vater unser etc
                             Ende der Beilage B
    Der Prediger erinnerte sich an seine Pflicht der Regierung nach Königsberg
von dem erfolgten Tode unserer Seligen Nachricht zu erteilen Ich schrieb an
meine Mutter und an meinen Vater an Benjamin und an Hermann Ich leugne es
nicht dass der Brief an meine Mutter mit Bitterkeit gewürzt war der an Hermann
war gewissensrührig Ich bestätigte alles was Mine in meinem Namen versprochen
hatte ich forderte nicht ihr Blut von seinen und des v E Händen allein ich
forderte den Hermann auf zu bedenken zu dieser seiner Zeit was zu seinem
Frieden diene Bald würd es vor seinen Augen verborgen sein wenn der Richter
der Lebendigen und der Toten sein Gericht eröffnen würde
    Um s Grab ward ein viereckiges Bollwerk geschlagen welches man in L 
einen Kranz nannte Es war nichts weiter darauf geschrieben als
                                Wilhelmine  
                            geboren zu  in Kurland
                          gestorben zu L  in Preußen
                        Wer so stirbt der stirbt wohl
    Acht Tage blieben wir so versammelt so einmütig so bei verschlossenen
Türen wie die Jünger da ihr Herr und Meister sich ihren sichtlichen Augen
entzogen hatte Wir sprachen von Minen und gingen Hand in Hand zu ihrem Grabe
Mine war der Mittelpunkt aller unserer Unterredungen bis auf die Abhandlung von
der Sünde wider den heiligen Geist worin sich weder Gretchen noch ihre Mutter
mischte So oft ich allein zu s Grab wallfahrtete begegnete ich Gretchen
die mir nie im Wege war
 
                                    Fußnoten
1 Bei dieser Stelle finde ich angemerkt unwörtlich Die Feinheit des Originals
kann nicht erreicht werden
2 Dieses Stück war Gretchens des Predigers Tochter in L Liebling Sie besaß
es wie sie sich zu mir ausdrückte schriftlich und mündlich sie hatte es
abgeschrieben und wusste es auswendig  Das gute Mädchen fand etwas Ähnliches
von der mütterlichen Linde darin
 
                                 Dritter Teil
                                   Erster Band
Wir sprachen kein lebendiges Wort  als obs tote gebe nach der Weise von
toten und lebendigen Sprachen  Wenn man lebendige Worte tätige mit
Handlungen verbundene nennen wollte würden freilich auch tote Worte sein O
den Toten Gott ehre mir Leute die Hand und Mund zugleich bewegen pflegte
mein Vater zu sagen Freilich deutete er diesen Ausspruch auf Güte des Herzens
und Mildtätigkeit allein er ehrte auch das Symbol und hatte die Gewohnheit
die Hand mitsprechen zu lassen
    Seufzer halb erdrückte Achs nennt nicht tote Worte ihr Wortkrämer denn
die gelten mir mehr als eure Klagelieder und Kondolenzen Wenn es auf Achs
kommt löst der Geist den verstummten Leib ab drängt sich vor vertritt ihn und
lässt sich allein hören Es gibt unaussprechliche Achs  Abba mein Vater  die
Kartäuserparole bedenke das Ende war gewöhnlich unsere ganze Unterhaltung
Gretchen und ich hatten das meiste eingebüßt war es Wunder dass unser Schmerz
zuweilen bis aufs memento mori die Sprache verlor dass der Geist das Wort nehmen
musste In wenigen Tagen sahen wir etwas Grünes auf s Grabe das Haupt
emporheben und das war uns so willkommen als wenn s Leib diese
Gottessaat schon aufginge Gretchen küsste dies erste Grün und betaute es mit
ihren Tränen Sie war neidisch auf Tau und Regen und wollte diese Erstlinge
durchaus nur mit Tränen auferziehen   Mich hatte die Empfindung beim Anblick
dieses ersten Grüns gelähmt Es war mir als säh ich ein Stück von Minen Am
Kopfende schoss dieses erste Grün hervor Den Noah konnte der Oelzweig nicht so
entzücken als uns dieser Aufschlag aus einem Gebeinhause Entweder war der gute
Prediger so voll von seiner Abhandlung oder er legt es geflissentlich dazu an
mich zu zerstreuen denn eh ichs mich versah ließ sich der Schriftsteller
hören Ja wohl er ließ sich hören
    Vor dem Begräbnisse war dem guten Prediger selbst s Andenken ebenso
wie uns Ein und Alles Nach der Beerdigung trat er zwar auch die meiste Zeit
unsern Empfindungen bei indessen konnt er zuweilen nicht umhin eine Störung zu
machen wenn wir uns s letzte Lebenstage ins Herz hineinmalten
einbildhauten Da galt es denn den Stuhl auf dem Mine am liebsten gesessen
jeden Ort wo sie an mich gedacht wo sie voll Hoffnung mich zu sprechen
gewesen  wo ihr diese Hoffnung den Dienst aufgesagt wo sie die Schwäche
empfunden mit dem rechten Arm ihren Kopf gestützt und sich Gott ergeben wo 
    Eben öffneten mir diese Erinnerungen Tür und Tor  Nur ein Wort nur ein
Sterbenswort von Minen fing ich an wie glücklich hätt es mich gemacht und
der Prediger »was den Druck betrifft« er tat als ob es eine Antwort auf
unser Seelenringen wäre »was den Druck betrifft er sei nicht kostbar allein
rein so wie jeder Anzug Eine gute Wäsche ist bei mir mehr als Gold und
Silberbesatz In dem Stück bin ich sehr für die Engländer und Holländer Fast
scheint es saubere Wäsche und gut Papier wären nicht so weit auseinander Beide
Nationen saubere Wäsche und sauber Papier Ist das Papier gut ist viel gut«
    Dergleichen Eingriffe waren was Gewöhnliches und damit meine Leser den
Haupteingriff überstehen und einmal wissen woran sie sind der Eingang des
Werks war ein Sündenverzeichniss von Saul und David Dieser raubte dem Urias das
Leben weil er eine schöne Frau hatte jener war gegen die Feinde Israels mehr
schonend als er sollte Heutzutage würde man sagen er war menschlicher  und
Saul empfand den Bind David den Löseschlüssel 
    Meine Leser werden den Übergang zum Thema ohne meine Handleitung finden
Die Sünde in oder wider den heiligen Geist ward wie gewöhnlich in der Art
behandelt dass der erste Teil die unrechten Begriffe enthielt welche man sich
gewöhnlich von der Sünde wider den heiligen Geist mache Unter diesen unrechten
Begriffen kamen freilich einige vor auf die kein Mensch eher als unser guter
Schriftsteller gekommen Er brachte darauf weil er recht auf Irrwege studiert
hatte Der zweite Teil war der rechte Weg oder eigentlich der der ihm gefiel
Überall auf Weg und Abwegen eine Belesenheit die sich nicht bloß auf die
russigen Bücherschränke der Gegend erstreckte wie der gute Prediger sagte  sie
ging weiter  Ich würde zwar Gott wend es aber in Gnaden ab nicht die Sünde
quaestionis allein doch eine wirkliche Sünde begehen wenn ich meinen Lesern
von diesem gewiss bewanderten Werke eine weitläufige Erzählung auslieferte So
viel ist gewiss dass ich den guten Prediger mit seiner Ausarbeitung ziemlich
zweifelhaft machte indem ich ihm in beliebter Kürze und Einfalt meines Vaters
Meinung über diesen heiligen Gegenstand eröffnete der die Sünde wider den
heiligen Geist eine Bemühung nannte das ins Herz geschriebene natürliche
Gesetz die Regel das göttliche Alphabet auszulöschen Das Kind mit dem Bade
ausgiessen sagte der Prediger und legte die drei Finger seiner rechten Hand an
seine Stirn und sodann ans Herz als ob er an beiden Orten anklopfen wollte
Endlich ward ihm aufgetan Ich würde fing er an meine citationseisenschwer
beschlagene Abhandlung gern Ihrem Herrn Vater auf eine freundschaftliche
Bleifeder übersenden allein ich fürchte dass nach diesen Grundsätzen wenig von
diesem gelehrten Stück zurückkommen möchte Ich versicherte den guten Prediger
ohne wie ich bemerkte ihm ein Kompliment zu machen dass mein Vater keine
Bleifeder hätte
    Selten pflegt er zu sagen ist das beständig was durch ihre Vermittlung
an Tageslicht kommt Schwarze Wäsche und Tafelgedecke verzeichnete meine liebe
Mutter mit der Bleifeder wie es sich eignet und gebührt Wenn schwarze Wäsche
meine Mutter nannte es schwarzes Zeug und Tafelgedecke wieder durch Wasser
gereinigt waren weg waren auch die Bleifederworte Das mit Bleifeder
beschriebene Papier reibt sich an allem was ihm nahe kommt sagte meine Mutter
und sehnt sich recht geflissentlich von einer solchen Unzierde befreit zu
werden wie ein stolzes Pferd von einem schwachen Reiter Nennt es Bleistift und
nicht Feder  Feder ist zu schade fuhr sie fort  Da also mein Vater sagt
ich keine Bleifeder hat und schwerlich eine von meiner Mutter leihen wird so
bin ich fest überzeugt dass er Ihre Schrift von der Sünde wider den heiligen
Geist ohne Bleifeder lesen werde Vortrefflich sagte der gute Schriftsteller
wollte Gott es wären keine Bleifedern in der Welt und unsere Kritikaster
bedächten wer die Bleifeder nimmt wird durch die Bleifeder umkommen richtet
nicht so werdet ihr nicht gerichtet Kommt denn fragte der Prediger kommt
denn alles bei Ihrem lieben Vater ungeschlagen davon was er hört und liest
Seine Art ist erwiderte ich ohne Bleifederstrich ohne Beziehung auf es sei
gehörtes oder gelesenes Wort ein Wort zu seiner Zeit nicht schriftlich auch
nicht einst mündlich anzubringen sondern mündlich zu verlieren Zuweilen
scheint es fuhr ich fort dass das was er sagt so passe wie die Faust aufs
Auge indessen war mir oft ein solch verlornes Wort ein Wort des Lebens zum
Leben  Dem Prediger gab das verlorne Wort Gelegenheit von der verlorenen
Schildwache zu reden und da ließ ich ihn sobald nicht los  Er war ein kleiner
Politikus las die Zeitungen wusste alle preußische Regimenter namentlich und
ihre Uniform das war aber auch alles An mir fand er einen andern Mann ich
sprach vom großen und kleinen Dienst und hielt den Ehrenmann fest Was eine
vorlorne Schildwache nicht machen kann Hier fand mich der Prediger gewiegter
als bei seiner Abhandlung Er wollte heim ich war in meinem Element Endlich
jammerte mich sein ich löste die Schildwache ab
    Anlangend den Druck fing der Prediger sobald er Luft hatte an und dankte
dem Himmel dass er aus den Händen des Kriegsknechts war der ihm Werbegeld
aufdringen wollen anlangend den Druck wiederholte er ohne weiter eine
Begierde zu äußern die Bleifeder meines Vaters auszufordern so sei er nicht
kostbar allein rein  Ein gutes Wort muss eine gute Stätte finden  Der gute
Prediger der sich aus so manchem von mir verlorenen Wort überzeugt hatte dass
mein Vater mit seiner Abhandlung nicht zufrieden sein würde ging ganz betrübt
von meinem Vater wie der Jüngling von Christo der alles gehalten hatte von
seiner Jugend an denn wahrlich der Prediger war so wenig entschlossen seine
Noten zu streichen und den gelehrten Wust wie dieser Jüngling sein Hab und Gut
zu verkaufen und es den Armen preiszugeben So wirst du einen Schatz im Himmel
haben sagte Christus zum Jüngling Wer opfert ihm aber eisenschwere
Gelehrsamkeit welche doch Motten und Rost fressen danach Diebe graben und sie
stehlen
    Vom Kriegsdienst ist vorderhand zwischen uns beiden nach diesem Ritt keine
Sylbe weiter vorgefallen
    Wir fingen nach einer geraumen Zeit sehr regelmäßig weil die Sünde wider
den heiligen Geist uns darauf gebracht hatte im Gespräch von der heiligen Regel
an die man in Ehren halten müsste wenn sonst gleich alles über und über ginge
    Alles in der Natur sucht sich an etwas zu halten Der Verstand an der Regel
die er als Gottes Bild ehrt und wahrlich sie ist Gottes Bild Sie ist nicht
Buchstab sie ist Geist von Geist Meine Mutter würde sagen Diese Regel
streichen heißt wider besser Wissen und Gewissen handeln und wandeln Wehe dem
Menschen durch welchen Ärgernis wider diesen heiligen Geist kommt es wäre
besser dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer
wo es am tiefsten ist Dies ist das eigentliche Verbrechen der beleidigten
göttlichen Majestät nicht aber das was Stadt Land und Kaiserrecht so nennt
    Wollte Gott setzt ich hinzu Ihr Werk würde diesem Ärgernis steuern und
wehren Man kann nicht wissen antwortete der Prediger
    Was würd aus uns werden ohne Regel Da würd all Augenblick einer seinen
Zauberstock aufheben und das Volk würd ihm dienen Warum überzeugen wir uns
jetzt nicht von Zaubereien Weil wir der Regel den Boden ausstoßen würden da
würde sie denn liegen in ihren Ruinen Regeln sind das Salz der Erden wenn aber
das Salz dumm wird womit will man salzen Erzähl ein Wunder von heut und
gestern oder ehegestern wo findest du Glauben und warum dieser Unglaube Hat
denn Treu und Glauben aufgehört auf Erden Nicht also wohlmeinender
Zeterrufer Die Natur nahm ihren Anfang durch ein Wunder Wunder genug Jetzt
ist alles ohne Sprung Die Sphärenmusik ist ein einfaches Lied und keine Ode Es
geht natürlich zu heißt es versteht sich alles von selbst die
allerortodoxesten wundervollsten Geistlichen selbst haben den Wundern Ziel und
Maß setzen müssen Bis dahin und weiter nicht sollten die Ausnahmen von der
Regel stattfinden und die Wundergaben im Schwange gehen  Die alten Propheten
sind tot die neueren haben kein Creditiv vorzeigen können obgleich meine
Mutter jederzeit über die wenige Aufmunterung für die jungen Propheten die
Achseln zog Wenn wir keine jungen Propheten leiden werden wir auch keine alten
ziehen Jung gewohnt setzt sie hinzu alt getan
    Sie verstand indessen durch einen Propheten nur einen Superintendenten der
ein paar Zoll höher wäre im Kunstwort mehr hatte als der regierende Herr in
Kurland
    Wie kommts aber dass alles die Ohren spitzt wenn vom Wunderbaren die Red
ist Das kommt weil der Verstand steif und fest auf seine Regel hält und den
Feind kennen lernen will der diese seine Beste einzunehmen droht Das kommt
weil der Verstand sein Richteramt beweisen und Urtel und Recht eröffnen will
wider den der die Grenzen zu verletzen droht Das kommt auch würde meine
Mutter sagen »durch Adams Fall und Missetat« Wahrlich der Mensch ist sehr
zum Fall geneigt wer steht mag wohl zusehen dass er nicht falle Wir nähren
all eine paradiesische Schlange im Busen Der Mensch hat zuweilen einen
schrecklichen Hang zum Aufruhr
    Alles dies und noch mehr von der nämlichen Manier brachte den Prediger
nicht weiter auf meines Vaters Bleifeder wiewohl er noch öfter als zuvor an
reinen Druck und an weißes Papier dachte Kostbar sei er nicht nur rein
    So viel weiß ich dass ich meine Zeit in L  nach den akademischen Wünschen
gut angewendet habe Gott segnete auch meine Studia Theorie und Praxis Ich
habe viel viel an dem Grabe meiner Mine gelernt wo am Kopfende Grün
hervorschoss Wir werden wiederkommen rief ich zuweilen aus und Gretchen
faltete die Hände wir werden wieder kommen gen Zion mit Jauchzen ewige Freude
wird über unserm Haupte sein Freude und Wonne wird uns ergreifen und Seufzen
wird weg müssen Gott wird uns wiedergeboren werden lassen zu einem
unvergänglichen unbefleckten und unverwelklichen Erbe das im Himmel ist
    Das erste Grün war uns eine Hieroglyphe ihrer Auferstehung Es kam uns vor
als richtete Mine sich auf und nie ist das erste Grün so bewillkommt worden als
dieses  Es kam von Minen  Sie war handgreiflich  so kam es uns vor Wir
hatten ihre Grabeserde so gelockert und bearbeitet dass sie wie ein Gartenacker
aussah Sie lebt rief ich eben so entzückt als wie ich sie fest an mein Herz
drückte und ein warmer lebendiger Odem sich aus ihren Lippen drängte Sie lebt
rief ich und Gretchen rief auch Sie lebt  Wahrlich lieben Leser dies alles
war mehr als arkadische Gärtnerei  Es lag ein Sinn in dieser Hieroglyphe
    Wenn man sich acht Tage so auf dem Dach ist als ich dem guten Prediger hat
man sich weg  Die Bücher sind Lexika nach Beschaffenheit der Umstände Real
oder Verbal Mehr kann ich ihnen nicht zugestehen Mensch lerne dich Welch ein
großes Wort sagten wir beide der Dekanus der die vorige Nacht Großvater
geworden war und ich der ich nicht viel weniger  Student werden sollte
Wahrlich ein großes Wort  allein welch ein schweres Wort zugleich Der Vater
lernt sich erst in seinem Sohne kennen Niemand will in sich hinein außer sich
herumzuschweifen hat der Mensch eine so eingefleischte Lust dass er gern unstät
und flüchtig ist Sein eigenes Haus brennt dem Menschen überem Kopf er fürchtet
in sich hineinzublicken wie Kinder in einem Zimmer allein zu schlafen Darum
die Geselligkeit  Wenn ich an diese güldene Regel komme Mensch lerne dich
bin ich in meiner Heimat Die Theologen nennen das Selbstverläugnung was
wirklich ein großer Teil von Selbstkenntniss ist Man muss sich absterben um
sich aus den Toten hervorgehen zu sehen und solch ein Erstandener das bist
du Selbstkenner
    
    Es kam zwar in unsern Lektionen der Herr Graf sehr oft und viel vor
indessen dachten wir nicht anders an ihn als exempli gratia zum Beispiel
Freilich hätten wir auch auf einen Besuch den wir ihm schuldig waren fallen
sollen und des Predigers Pflicht wär es vorzüglich gewesen sich und mich
daran zu erinnern da der Graf ein Stück von seinem Kirchenpatron und sein
Wohltäter war Auf einmal ein Brief mit Pleureusen vom Hochgebornen Nachbar
Eine Einladung auf morgen sagt ich  Das nicht erwiderte der Pastor und
bemerkte zugleich dass der Graf niemals jemanden auf einen gewissen bestimmten
Tag zu sich bäte Er lebt in diesem Stück setzte der Prediger hinzu wie man
stirbt Es muss ihm alles unvermutet kommen Wer kann soll er sagen einen über
zwei drei Tage auch wohl mehr zur Mahlzeit einladen Diese Nacht kann man
deinen Appetit von dir fordern Seht zu wachet denn ihr wisst nicht wann es
Zeit ist Wer sterben lernt muss so und nicht anders leben sei des Grafen
Losung die er übte wo es sich nur irgend üben ließe
    Wie gesagt der Brief war nur eine Erinnerung an unser Versprechen Wenn
bewirten so viel heißt als den Gast zu dieser Aufnahme durch eine Einladung
vorbereiten so hat der Graf noch in seinem Leben keinen aufgenommen und
bewirtet Es ward beschlossen den folgenden Tag dem Grafen zu widmen und
damit mir alles desto unerwarteter sein möchte ließ mich der Prediger in
Absicht der Einrichtung des gräflichen Gebeinhauses in wohlgemeinter
Unwissenheit  Die Predigerin wollte mit es gefiel ihr dort unaussprechlich
und gern hätte sie es in ihrem Hause ins Kleine gebracht was dort im Großen
war Der Prediger und Gretchen konnten nicht aufhören zu steuern und zu wehren
damit dieses Miniaturstück unausgeführt bliebe  Der Prediger schlug seiner
Frau eben darum auch ab mitzufahren Der Prediger und ich fuhren früh aus um
zeitig in   zu sein Gretchen blieb bei ihrer Mutter  Wie sehr freu ich
mich diesen Grafen besucht zu haben  Der Prediger aus L der schon im
gräflichen Hause bekannt war führte mich sogleich in ein Zimmer wo Särge
gearbeitet wurden Es war das Bedientenzimmer denn niemand als ein
Sargtischler wie der Graf mich selbst nachher versicherte wurde in seinen
Dienst auf und angenommen Es wurden beständig Särge gearbeitet Der Graf
diente armen Leuten aus seiner Sargfabrik Jetzt war kein Provisionssarg in
Arbeit Der Sargtischler hatte Tränen in den Augen wie der in Kurland den
meine Mutter des Todes Zimmermann nannte und der in seiner Gewerksstube
herzlich weinte wenn er einen Sarg für einen Redlichen im Lande erbaute Gott
sagte der Weinende und wandte sich zu seinem Beichtvater meinem Reisegefährten
Ach Gott lieber Herr Pfarrer der künftige Einwohner dieses Hauses hatte ein
schönes Ende Das letztemal dass ich für jemand einen Sarg mache den ich
sterben gesehen Mag es tun wers kann  ich nicht  ich hoble mir das Herz
ab
    Dieser Ausdruck der ihm wie man deutlich sah  entfuhr schlug ihn nieder
Er verlor Spannung und Kraft Das Handwerkzeug entfiel ihm  Das Rührendste war
immer dass er sein Gesicht in ein Stück seiner Schürze verhüllte Dies ist ein
wohlhergebrachtes Zeichen der Traurigkeit Wir verhüllen uns als ob wir der
Welt entsagen und uns auf uns selbst einschränken wollten als ob der Fall zu
schwer wäre um ihn fassen  selbst um ihn sehen zu können Wahrlich dieser
Vorgang hobelte nicht nur dem Sargtischler das Herz ab  ich war wie er hin
Er schluchzte unter der Schürze  Freund fing der Prediger an man sieht und
hört es ihm an dass er beim Herrn Grafen das Sarghandwerk noch nicht ausgelernt
 Es wird sich geben  ist er denn nicht auch sterblich  Seine Mitarbeiter
die sich bis dahin nicht einen Augenblick abhalten lassen kamen jetzt zusammen
als kämen sie zur Kirche Einer nahm ihn an die Hand ein anderer streichelt
ihm den Arm ein dritter legte seinen Kopf auf seine Schulter als ob er ihm
Trost ins Ohr sagen wollte der vierte der unempfindlichste wollt ihm den
Vorhang wegreissen Unser Betrübter hielt die Schürze fest vors Gesicht Dieser
vierte schien es eben so gut zu meinen wie die drei andern allein wer den
Menschen kennt wird es finden was für eine grausame Beschämung es für unsern
Weinenden gewesen wäre wenn er uns alle ins Gesicht bekommen hätte Der Mensch
scheint sich in dergleichen Fällen zu schämen dass so viele Leute gefasst sind
nur er nicht  Überhaupt sieht man selten den Tröster an es wäre denn dass
viele Trostbedürftige zusammen sind dann überträgt einer den andern in
Rücksicht dieser Beschämung  Der vierte riss wirklich endlich die Schürze herab
 wie konnte der Traurige lange widerstehen Schmerz macht schwach  Unser
Weinender machte indessen die Augen ganz dicht zu und da stand er jämmerlich
Der erste nahm dem vierten die Schürze aus der Hand und gab sie dem Weinenden
wieder  In dieser Handlung traf uns der Graf dem des Predigers und meine
Ankunft gemeldet war  Alles blieb wie es da stand Niemand kam dieses
Überfalls wegen aus seiner Stellung Niemand schlich sich an seine Werkstätte
alles schien an Ort und Stelle selbst unser Betrübter nicht ausgenommen der
Mittelpunkt dieser Szene Was da fragte der Graf nachdem er den Prediger und
mich mit einem guten Morgen begrüßt oder beherzigt hatte  Der Prediger nahm
das Wort  Ferdinand hat den Einwohner des Hauses sterben gesehen das er baut
Nun sagte der Graf Fassung Ferdinand Begrab ich denn nicht alle die ich
sterben sehe Leim ich nicht hier und da selbst ein Leistchen an den Sarg Der
junge Mensch der hier einziehen soll hatte ein frommes gutes edles warmes
Mädchen das ihm starb Sie starb und er  ihr nach Gott in deine Hände
befehl ich meinen Geist dacht ich tief im Herzen Der junge Mensch hatte eine
Mine fuhr ich fort im Herzen zu denken und war froh dass Gram und Kummer wegen
verunglückter Liebe so lang am Herzen nagten bis es durch und durch ist bis
man nachstirbt Mein Auge sah gen Himmel starr Ha sagte der Graf der mich bei
der Hand nahm da haben wirs Gelt wenn Sie einen Sarg für diesen Jüngling
machen sollten Gern griff ich ein sehr gern Das glaub ich erwiderte der
Graf Sie würden nicht weinen und heulen Nein sagt ich ich würd es nicht 
nicht einen einzigen Tränentropfen nicht einen  Das glaub ich erwiderte
der Graf der stirbt gern sehr gern den diese Welt nicht entschädigen kann es
sei in Wirklichkeit oder in Einbildung So hab ich einen jungen Menschen
gekannt der mit Freuden dem Tode entgegenging weil er die Zierde seines
Haupts seine Haare verlor Er hatte sie so schön wie Absalon allein eben so
leicht wenn ers bedacht hätte eben so leicht wie Absalon hätt er an einer
Eiche hängen bleiben können  Eine Krankheit raubte ihm diese Zierde gegen die
ihm der Tod wie gar nichts schien Er erholte sich zusehends Kein vernünftiger
Arzt entdeckt dem Patienten die erste Erholungsspur Dies würde heißen auf dem
Richtplatze Pardon erteilen Alle Affekte sind schon an sich dem Menschen
schädlich Freude so gut als Leid Ein Stück von Fieber ist immer dabei und wer
ist wohl zu solchen plötzlichen Übergängen aufgelegt Nun war unser Absalon so
weit in der Besserung gediehen dass er sich nicht mehr auf dem Richtplatze
befand und nun kam der Arzt mit der frohen Nachricht dass er und der Tod
geschiedene Leute wären Leben ist ein frohes Wort ich setze ewig dazu wenn
ich mich freuen soll Bei den meisten Leuten ist das Wort leben schon genug
    Froh blickte unser Kranker auf und sein Haupthaar war das erste mit dem er
sich befreuen wollte Er war mit ihm am mehrsten verwandt  allein es war dahin
und siehe da er wollte nicht leben Man hatte ihn zu voreilig versichert dass
seine Haare entweder nie wieder oder wenigstens sehr spät aufgehen würden und
wie konnt er leben Er hatte wie Simson seine Stärke in den Haaren Man
nannte ihm Völker alter und neuer Zeit die sich zur Zierde der Haare
entäusserten allein nichts  er ward krank und starb so ruhig als wenn ihm im
Tode die Haare wieder wachsen würden  Du armer Absalon Bist du denn in keinem
Gebeinhaus gewesen Hast du denn keinen gebleichten Schädel gesehen Ich nenne
so etwas auf Gottes Bleiche liegen sagte der Graf im vertraulichen Lehrton in
den er oft fiel und wahrlich wir werden durch den Tod ausgewaschen Wenn ich
einen alten Mann ich sage mit Fleiß alten Mann mit einer Glatze mit einem
Totenkopf sehe denk ich der Mann ist schon dem Himmel näher als ich  Wie
gefällt ihnen die Geschichte von Absalon der wahrlich an den Haaren starb  O
Freunde Nicht wahr von vielen von vielen Sterbenden kann man sagen sie
bleiben an einer Eiche hangen Nicht wahr Gevatter Prediger
    Bis dahin hört ich den Grafen mit Vergnügen da er aber zur Nutzanwendung
überging und mir ganz zu verstehen gab dass s Verlust von der nämlichen Art
wäre ward ich über diese Kälte über diese Todeskälte des Grafen wegen meines
unersetzlichen Verlustes ungehalten  Es schicken sich wenig Leute dacht ich
zur Nutzanwendung  Ich wandte mich zu unserm Weinenden und Heulenden und
verlangte den Übergang von der Geschichte des eben Verstorbenen zu dem Herzen
des Sargtischlers  Dieser Weg dacht ich muss sehr gerade gehen Der junge
Mensch fiel der Graf ein hat ein Mädchen die ihm seine Eltern verweigern
weil sie reich sind Ihre Eltern sind reicher als wir alle   sie sind tot 
Er hat nicht nötig in meiner Werkstube zu sein allein er arbeitet für
Protektion er glaubt mein Fürwort könnte hinreichend sein seine Eltern zu
bequemen  Und wenn das nicht fuhr ich fort so haben der Herr Graf Mittel und
Wege das arme Mädchen zu bereichern und hier gleich und gleich zu machen Ha
dacht ich das ist für deine Kälte Hochgeborner Herr Anwendung für Anwendung
Schon recht junger Mann erwiderte der Graf allein wenn ich die Vorurteile
der Eltern befriedigen sollte hätt ich dann für die Ewigkeit gesäet Wahrlich
ich hätt auf Fleisch und nicht auf den Geist gesäet  und am Ende wenn ich
jedes Mädchen bereichern sollte  Ich ärgerte mich und vorzüglich weil der
Mann bei seiner Todeskälte wieder Recht hatte So ist glaub ich das Recht
überall Man fasst Eis man fasst den Tod an nicht das rechte Recht ist so kalt
sondern das Weltrecht mit dem man so selten zufrieden ist dass man fast lieber
Unrecht wünscht um wenigstens laut schelten zu können Das Weltrecht ist aus
dem Kodice genommen der tot an ihm selber ist Das rechte Recht aus dem
lebendigen Specialfall der eben vorliegt  Ein haarkleiner Unterschied aus der
Ursache nicht aus der Wirkung wie ändert er die Sache Kasus in terminis
Welch ein dummdreistes Kunstwort Ist euch ihr hochverordneten Rechtskauer das
Principium indiscernibilium denn ganz und gar unbekannt und um euren Kollegen
ein lehrreiches Exempel darzustellen einen wirklichen casum in terminis tut
der Arzt nicht wenigstens als ob er dem lebendigen Specialfall der eben
vorliegt nach dem Leben nach dem Puls fasst obgleich auch er nach dem Korpore
Juris Hippocratesiano sein Urteil formt
    Der Graf setzte diese Unterredung ohne dass ich es ihm nahe legte fort Ich
hoffe sagte er die Eltern des Weinenden und Heulenden weichherzig zu machen
und dann hab ich alles aus der ersten Hand wenn ich sie ausstatten sollte
hätt ichs aus der zweiten wo nicht gar dritten Die erste Hand ist mir immer
die beste und sicherste Ich liebe fuhr der Graf fort Heiraten zu stiften
denn wo würd ich sonst Gelegenheit zu Särgen vorfinden Dieser Sonnenschein
den der Graf auf unsern Weinenden ein Heulender zu sein hatt er ohnedem schon
aufgehört schießen ließ trocknete seine Tränen er hobelte weiter ohne
seinem Herzen mit seinem Hobel zu nahe zu kommen und ihm einen Gnadenstoss
beizubringen
    Der Graf bat näher zu treten und ich weiß auf Ehre nicht ob es meinen
Leser und Leserinnen angenehm sein werde näher zu kommen Sie kennen den Grafen
so gut wie ich und wissen so gut wie ich dass ich sie nicht nach Arkadien
begleiten werde Der Graf würde in Egypten zu der Zeit recht an Stell und Ort
gewesen sein da in jedem Hause ein Todter war und was noch mehr ist die
kernfrische Erstgeburt  Der Graf schien in seinen Todes Hör und Sehsälen
sehr tolerant Es sterben Christen und gottgläubige Deisten bei mir sagt er
Wenn gleich ich mit Gottes Hilfe wie ein Christ zu sterben der festen
Zuversicht lebe so will ich doch mein Haus zum Sterbehaus und nicht zur
Mördergrube machen das heißt ich will nicht Christen werben und ehrlichen
Heiden in meinem Obdach zum erbaulichchristlichen Ende Handgeld beibringen
Kein Jude hat mir noch das Vergnügen gemacht in meinem Hause zu sterben Mein
Haus ist ihm unrein obgleich er selbst so unsauber ist dass ich ihn für einen
Cyniker halten würde wenn er nicht ein Jude wäre Ich habe zwar nach Anzahl der
fünf Bücher Mosis fünf Juden sterben gesehen allein bis auf einen nur sterben
gehört vier starben hebräisch sie hatten den Tod auswendig gelernt und
beteten ihn so her wie die Nonne den Psalter Beim Amen  weg waren sie Den
fünften hab ich observirt dessen Äußeres zwar jüdisch schien sein Inwendiges
aber war gottgläubig deistisch und also gehört er eigentlich nicht in die
Judengasse Barba non facit Philosophum Der Bart macht keinen Juden
    Wir kamen einen Sabbaterweg von unserer eigentlichen Straße ab und ich
hatte Gelegenheit von dem jüdischen Volke die Meinung meines Vaters
anzubringen Hat der göttliche Judenbekehrer dies Volk nicht einlenken können
musste er seinen Stab Sanft zu den Heiden übersetzen warum wollen wir bei einem
so schlechten Beispiel das wir den Juden in den meisten Christen darstellen
mehr erwarten Des Herrn Reich wird kommen der Tag den Gott allein machen
kann einbrechen da trotz des bärtigen und unbärtigen Gottesdienstes eine
Heerde und ein Hirte sein wird  Der gute Prediger aus L  hatte viel
überhaupt besonders aber wegen der Sünde wider den heiligen Geist dagegen
welche sich im eigentlichsten Originalverstande das stockblinde jüdische Volk
wie er versicherte zu Schulden kommen lassen indessen musste er die Juden für
Archivarii für Siegelbewahrer der christlichen Religion anerkennen und der
Graf lenkte mit dem Umstande ein dass er die vier hebräisch gestorbenen
umgekehrt in das Buch der Sterbensläufe eingetragen Der fünfte stand in einer
Reihe mit den Gottgläubigen Ich habe sagte der Graf alles nach Ortsumständen
und Gelegenheit eingerichtet und zwei Klassen gemacht Hier zu meiner Rechten
Christen zu meiner Linken Gottgläubige Muhamedaner gehen diese Straße nicht
warum also  Hier ist noch ein Simultanstübchen wo Socinianer Pelagianer
Semipelagianer Berliner und Semiberliner wie der Prediger   in   die
neueste Ketzerei nennet bleiben können Es sind indessen nur zwei Socinianer
hier unsanft entschlafen die meisten haben sich zu einer der größten Klassen
ohne meine Mitwirkung bekehret und sind auf Prima oder Sekunda ober zur Rechten
oder Linken gestorben Ich selbst bin ein Christ mache mir eine Ehre daraus
und alle rechtschaffene Primaner erkennen mich dafür
    Ha fing der Graf wie aus einer frischen ChampagnerBouteille an meine Mode
ist vielen ein Geruch des Todes zum Tode Sie spotten mein und belegen mich mit
apokryphischen Schandnamen Es sei also ich achte alles für Schaden gegen diese
überschwengliche Erkenntnis Sterben ist mein Gewinn ich schätze mich selbst
noch nicht dass ichs ergriffen hätte Eins aber sag ich ich vergesse was
dahinten ist und strecke mich zu dem was da vornen ist und jage nach dem
vorgesteckten Ziele nach dem Kleinod  Zwar leugne ich nicht dass die Kranken
und Todeswärter auch Träger von je her eben nicht in großem Ansehen gestanden
und dass schwerlich so lange die Welt steht ein des heiligen Römischen Reichs
Graf und Herr sich damit beschäftigt haben dürfte aber dafür hab ich auch die
Ehre der erste in dieser Art zu sein Es ist wahrlich ein Stück von Adam in
seiner paradiesischen Pracht und Herrlichkeit wenn man auf einem Wege der erste
ist Es liegt etwas Göttliches darin Zwar wenn vom Stammbaum die Rede wäre
fing der Graf in einem hochgebornen Ton an möcht ich sehen wer einen
entferntern ersteren hätte als unser Haus Ich nehm aber meinen ersten im
andern Sinn Auch der letzte ist mir ehrenwert Der letzte zu sein ist zwei
Drittel weniger köstlich indessen besser als alle die vor sind bis auf den
hohen ersten  Adam und Eva wurden nicht geboren und die den jüngsten Tag
erleben werden nicht sterben Ich möcht ihn schon nicht erleben den jüngsten
Tag denn ich habe Lust abzuscheiden Ich habe die Ehre den Tod zu kennen und
kann wohl sagen dass ich ihn lieb habe so lieb wie mein Leben und mehr
    Der Graf sprach dieses nicht im Ausforderungstone sondern so kalt wie der
Tod Er hatte schon die Weise des Todes angenommen Ich hatte ihm seine obige
Anwendung längst verziehen und war froh einen solchen Sterbensmann kennen zu
lernen Ich möchte bei dem allen wissen fing der Graf von frischem an wie es
zugehe dass Leute welche alsdann wenn uns oft die besten Freunde untreu
werden uns zu Diensten stehen so wenig geachtet wurden und noch werden Die
natürlichste Ursache erwiderte ich da der Graf wirklich inne hielt weil der
Mensch ohne Seele nicht viel ist Es hinkt und stinkt mit ihm pflegte meine
Mutter zu sagen Da es nun endlich mit uns allzusammen auch einmal hinken und
stinken wird so scheint das Leichenbegängnis woran alles ohne Anstoß ohne
capitis diminutio Teil nimmt eingeführt zu sein welches bei allen gesitteten
Personen von jeher üblich gewesen  Hierdurch wollen wir unsere Entfernung von
der Leiche unsere Verachtung selbst gegen die so ihr nahe blieben
rechtfertigen Wir treten der Leiche näher Man nennt dies die letzte Ehre den
letzten Liebesdienst weil die Seele nicht mehr gegenwärtig ist da der
Erdenkloss zum letztenmal nach seinem in der Welt behaupteten Menschenwert und
Rang behandelt wird Ich will mich hier nicht anführen denn wäre es möglich
gewesen mit Minen auch ohne lebendigen Otem zu leben und zu sein  gern  Der
Graf dem dieser Seufzer unangenehm schien half mir wieder in die Rede wie
folgt
    Ich leugne es nicht dass wir Menschen vielleicht bei dieser Gelegenheit eine
Dosis Großmut räuchern wollen Der Erbe zeigt er habe unerachtet der
Erblasser nicht mehr da ist noch Liebe für ihn und mehr als für den Nachlass 
Der Sohn will die Pflicht der Erkenntlichkeit erfüllen gegen den der ihm sein
Bild anhing das auch noch im Tode nicht ohne übereinstimmende Ähnlichkeit ist
Die Tochter will beweisen dass sie eine tugendhafte Mutter gehabt das heißt mit
andern Worten dass sie selbst tugendhaft sei Mine weinte bei dem Grabe ihrer
Mutter meint  und ihrer Mutter wegen Dem Grafen war dieser Eingriff wieder
nicht am rechten Orte denn ich konnte den Namen Mine der mir mehr als alle
Namen ist nicht aussprechen ich kann es noch nicht ohne aus dem Koncept zu
kommen Diessmal half der Graf mir ein  Das alles leugne ich nicht indessen
bin ich der lebendigen Zuversicht dass weil alle Nationen so einstimmig in
puncto puncti sind es sei die Nachexistenz der Seele die Ursache dieses Hebens
und Tragens das man mit ihrer Hülle vornimmt Man ehrt sie im Körper so wie
den Mann im Bilde und will das was ein Geist getragen hat in einer
Ehrenrüftkammer aufhängen so wie man Harnische in der Kirche aufhängt obgleich
sie nicht alle wider die Türken gebraucht worden Man will das an andern tun
was man selbst an sich zu seiner Zeit getan wissen will Man fürchtet ein
schlechtes Kompliment in der andern Welt wenn man gegen den Entseelten diese
Pflichten versäumt hat Wahrlich es liegt sehr was Menschliches in dem
Begräbnis und ich bin ihm sehr gut  sehr Der Graf konnte nicht umhin mich
herzlich zu umarmen mehr konnte er nicht
    Die Flüche womit man in alten Zeiten diejenigen bedrohte die Hand an die
Todtenhäuser legen würden wie sehr beweisen sie den Wert den man auf Staub
Erde und Asche legt Wer dies Grabmal stört soll die Seinigen all überleben
Schrecklicher Fluch Er ruht auf mir sagte der Graf Ich lenkte ab und sagte
einen Fluch anderer Art den sollen die Manes sauer ansehen  Ist das nicht
schrecklicher als wenn es an den Wegen heißt wer hier Tabak raucht soll sechs
Jahr in die Festung denn dies heißt mutatis mutandis soll ihn sechs Jahr in
der Festung rauchen Dies Wort zu seiner Zeit oder Unzeit munterte den Grafen
auf der wider Denken und Vermuten eine Empfindung über den Umstand merken
ließ dass er auf dem Staube aller Seinigen stünde
    Man hatte zu aller Zeit Familienbegräbnisse Familiengewölbe Hypogäa wo
jeder sein Kämmerlein besaß jeder Topf sein Plätzchen und seine
ApothekerEtikette
    Recht sagte der Graf die Urnen und Grabhäuser verraten indessen viel
Geschmack Man findet in diesen galanten Zeiten Tassen fügte er hinzu
Potpourris was weiß ich mehr auf diese Weise und manches Weibsbild sollte nur
wissen woraus es trinkt woraus es Geruch zieht sie würde 
    Dass ich fuhr der Graf fort meine Tassen in der Art habe ist kein Wunder
da ich indessen ein Christ bin habe ich was Christliches dabei angebracht ein
Kreuz Ich bin kein Heide sehender oder blinder Heide ist Heide Nicht wahr
Gevatter Prediger
    Der Gevatter Prediger der des Grafen Toleranz kannte obgleich er auch
wusste wie ächtchristlich der Graf sei gab kein Wort darauf sondern ließ sich
bei dieser Gelegenheit mit der Anmerkung hören dass Seefahrer wenn sie in
Lebensgefahr gewesen sich Kostbarkeiten um den Leib gebunden und ein Gesuch
sie wenn das Meer die Gnade haben würde sie auszuspeien zur Erde zu bringen
denn der Mensch ist Erde und muss zur Erde werden setzte er hinzu Hier sagte
der Graf Recht Gevatter Prediger
    Ich führte meinen Kornelius Nepos an wegen des Cimons dessen Leib der Herr
Sohn Miltiades auslösen musste Es macht Menschen Ehr und Schande dass sie einen
menschlichen Leib für ein Unterpfand ansehen können sagte der Graf und setzte
wieder hinzu Nicht wahr Gevatter Prediger
    Wir konnten von der letzten Ehr und letzten Schande nicht abkommen die wir
den Verstorbenen erwiesen Die letzte Schande sagten wir einstimmig finge von
dem Augenblick an da alles sagt Kalt und daure bis zur Kollocation bis zur
Ausstellung hier finge sich die letzte Ehr an und gehe bis sich Gleich und
Gleich gesellt hat und Erde zu Erde gekommen Bei uns zu Lande bemerkte
Gevatter Prediger heben Träger von einiger Bedeutung die Bahre nicht auf
sondern schlechte Leute Sie setzen sie auch nicht nieder Da wieder Schand und
Ehre Wer wird fragte der Graf der Albernheit das Wort nehmen die sich beim
Anputz der Leiche und bei dem BegräbnisLuxus zu offenbaren pflegt Da begraben
die Toten die Toten Wir fielen auf die Toten und Begräbnisslieder der Alten
die nicht so erbaulich waren als Ich hab mein Sach Gott heimgestellt Ich
bin ja Herr in deiner Macht und das neue Todtenlied vom Jahr des Organisten in

Wir danken Gott für seine Gaben etc
    Die Todtenlieder der Alten waren weinerliche Lustgesänge sagte der Graf
Ernst und Scherz wie ist es zu erklären das war das Wort so der Graf suchte
wie ists zu erklären dass so kluge Völker in diesem Stücke so unklug sein
konnten Diese Gesänge diese Nänien die Hanswürste und Gaukler diese
Klageweiber die so lachen konnten dass alle Welt es für Weinen hielt wie ists
in rerum natura wie ists erklärbar Wie Lachen und Weinen zusammen
    Nachbild der Welt sagt ich oder mein Vater
    Doch ich will bloß den Inhalt eines langen Gesprächs geben sonst würd ich
zu weitläufig werden
    Dieses Leben fing ich an ist Lachen und Weinen In einem Sack setzte der
Graf hinzu Warum der Anstoß bei einem Universalwort das fast in allen Sprachen
ein und dasselbe bedeutet Sack sagt ich dem Grafen nach Dramas weinerliche
Lustspiele würden wahre natürlichwarme Lebensdarstellung sein wenn das Ende
nicht lustig und der Anfang traurig wäre Links und rechts bald so bald anders
müsste es sein das wär ein Leben  Lust und Trauerspiele wären dann Kunst
jene Naturstücke nicht wahr fragte der Graf den Gevatter Prediger allein
dieser schüttelte bloß mit dem Kopfe weil von Lust und Trauerspielen die Rede
war auf die sich der Gevatter so wenig als auf die weinerlichen Lustspiele
kunstgerecht verstand  Die Alten agirten beim Begräbnis das Leben so wie sie
bei allem was ihnen groß erbaulich göttlich war  agirten Es lag vielleicht
ein hoher Sinn in ihrer Begräbnissmetode wo Lust und Unlust zusammen waren und
wechselten wunderlich Sie lasen den wahren Lebenslauf des Verstorbenen ohne
Tropen und Figuren Ihre Begräbnisse waren Leichenpredigt Leichengesang für die
so umher gingen Seht da das Leben seht seht fasst euch wenn der Tod es
fordert Lasst Leben und Tod aus einem Stück sein und soll Leben und Tod als
etwas verschiedenes angesehen werden macht dass der Deckel zum Gefäß passe Das
beste ist so sterben als man lebt Der wirklich Traurige wenn ja ein
Pickelhäring ihn aus der Fassung bringt und ihm ein Lachen bereitet welch ein
bitterer Vorwurf folgt darauf Die Freude der Welt wirket den Tod  Das Leben
ist so etwas Niedrigkomisches dass es jedem klugen Mann ekelt zu leben  Alle
Tote haben Ernst in ihren Gesichtszügen In der andern Welt wird vielleicht das
Lachen kein solch Hauptstück des Lebens sein da wird das Lachen werden teur
Dies und das könnte vielleicht ein Teil von dem hohen Sinn sein der in den
Begräbnissen der Alten enthalten ist Wir läugneten dass dieser Sinn eben so
hoch läge indem jeder ziemlich leicht und ohne auf Zehen dazu kommen könnte
                                       
    Wir ehren sehr Leute die sich durch den Tod nicht aus dem Koncept bringen
lassen freilich trifft ein gewisses gesetztes Wesen das dem Tod entgegen
kommt mehr das Herz wir schätzen auch Leute von dieser windstillen Art im
Leben am meisten Genau genommen ist nur der Umstand verehrungswert dass wir
nicht stecken bleiben  dass es so aussieht als lebten wir in eins weg  Des
Thomas Morus letzte Worte sahen wie Tischreden aus und wahrlich er starb wie
ein Mann Sobald sagte der Graf ich einen leichtsinnig sterben sehe der so
lebte  sage man mir nichts über den Leichtsinn ich nehme dieses Wort im guten
Sinn Man könnte diesen Sinn um ihn zu verstehen auch Leichtsinn nennen 
Noch hab ich dergleichen Sterbende nicht gefunden Denn Witz und Sinne sind in
einem besonderen geheimen Einverständnis  Bevor die Frage wie wir starben
beantwortet wird sagte Epaminondas kann man nicht sagen wer von uns die
meiste Achtung verdient  Niemand ist vor seinem Tode glücklich niemand bei
seinem Leben groß  Mensch bedenke das Ende Aber fing der Graf an und wandte
sich an mich warum so viel Leid um unsere Toten Sie gehen keinen Schritt
vorwärts und werden vom Schmerz angehalten sobald der Name Mine vorkommt Ich
habe viel äußere Trauer an mir als da sind zB die Pleureusen an meinen
Briefen  und mich hält nichts an und was eigentlich hieher gehört hat nichts
angehalten Ist denn der Tod nicht bloß vorausgezogen Er hast Extrapost
genommen wir gehen mit eigenen Pferden Werden wir denn nicht zu ihm kommen Je
stiller der Durchgang je besser Ich für meinen Teil liebe sehr die Reisen
incognito ohne Geräusch Warum wollen wir denn nicht die lieben Unsrigen
incognito sterben lassen Wir sehen uns wieder Ist in der Welt eine Lücke durch
unsern Freund durch unsere Geliebte worden Fehlt denn ein anderer Ist
Alexander selbst in der Welt vermisst der doch wohl unstreitig ein Weltmann war
Haben Sie mein Kind in Kurland gewusst dass ich Frau und Kinder verloren Lasst
uns doch nicht vergessen dass wir in der Welt und nicht in der Familie sind 
Das war ungefähr was der Graf und der Prediger mir ans Herz legten Hier ist
der Extrakt meiner Exception
    Der Zeit kann und muss nichts vorgreifen nicht Religion nicht Weisheit Sie
leidet es nicht und nur sie kann den Schmerz den allergerechtesten Schmerz
lindern Zeit und Ewigkeit liegen nicht so von einander wie Königsberg von
Paris wo ich Extrapost und langsam fahren kann Die Idee den Freund die
Geliebte siehst du nicht mehr so ganz erdenganz wie sie da waren die Idee
der Leib den du geliebt hast dem du so gut gewesen bist ist Asche ist Staub
O liebster Graf das brennt wie Nesseln an die Seele Wir betrauern nicht die
Seele sondern den Leib weil er Fleisch von unserm Fleisch ist
    Wenn noch ja eine künstliche Störung im Schmerz angenehm wäre würd es die
sein wenn man hohe Achtung für jemand hat und sich gerade halten muss Der
Schmerz geht krumm und sehr gebückt Durch diesen Zwang kommt man zuweilen der
Zeit vor allein oft ruht sie sich Es kommen Recidive  Sich Gott das ist
sich der Zeit überlassen das hoff ich wird meine Wunde heilen  Es kann
Linderung geben wenn man aus Schmerz die Binde wegreisst allein die Wunde wird
gefährlicher durch diesen Aufriss Man lasse der Natur ihren Lauf sonst ists
Unnatur Die Alten erzürnten sich zuweilen mit den Göttern über einen Todesfall
Sie schimpften sie warfen die Bilder der Hausgötter auf die Straße und wollten
nicht mehr so unerkenntlichen Göttern ein Obdach verstatten Es ist
Schmerzensnatur so etwas auslaufen lassen  und nichts bringt so sehr zu sich
als dergleichen Exzess Ein ganz stiller Schmerz ist der gefährlichste Wenn er
poltert schlägt und stößt legt sich der Sturm und es wird bald stille Strenge
Herren regieren nicht lange
    Der gute Prediger der oft zurückgeblieben wollte bei dieser Gelegenheit
voraus und eilte uns mit der Anzeige nach dass Alexander der Große als ihm
sein Jonathan Hephästion starb sogar die Stadtmauern kurz und klein gemacht um
eben hierdurch Trauer zu tragen um seinen Toten
    Dass man sich die Haare abschnitt um seine Trauer an den Tag zu legen find
ich nicht unrecht sagte der Graf Man will auch was von sich verlieren man
will dem Verstorbenen etwas mitgeben  Ich dacht an s Locke die ich an
meinem Busen befestigt hatte und gern hätt ich jetzt eine von mir Minen ins
Grab gegeben wenn es nicht zu spät gewesen  Wie viel Sterbensart kann man von
einem Mann wie der Graf lernen
    Ich komme wieder ins vorige Extractsgeleise  Die Haare ausraufen ist von
jeher als ein Zeichen der Traurigkeit angenommen worden Wer gen Himmel betrübt
sehen kann fordert der nicht fast Gott heraus tut der nicht mehr als die
Hausgötter ausfegen und doch halt ich ihn für einen bessern Menschen als den
der dem lieben Gott was vorliebäugelt und im Herzen gallenbitter auf ihn ist
Der Pharisäer Ich glaube der liebe Gott siehts recht gern dass wir Menschen
sind dass wir das Herz haben es zu sein Es ist ein lieber guter Gott
    Dem Grafen war es eine Besonderheit dass man zu alten und neuen Zeiten
Menschen zur Gruft von andern Menschen tragen lassen und lässt und dass auch
hierbei nach Bewandtnis der Leiche bald viel bald wenig Träger genommen
werden obgleich dies mit zur letzten Ehre gereicht von der oben gehandelt
worden Leitet man nicht den der nicht gehen kann sagt ich und um auf die
letzte Ehre einzulenken Träger sind die Livreebedienten des Toten Sollte man
nicht beim Begräbnis Ewigkeit spielen und dies Verwesliche nach dem
Unverweslichen stimmen erwiderte der Graf Und der Hammer fragt ich Sollte
fuhr der Graf fort und nun waren wir im
                                     Saale
    Was seither vorfiel war gehenden Fußes war auf der Treppe Man sieht ihm
die Stufen an  Erschrecken pflegte mein Vater zu sagen ist die Goldwage für
Männer Wir können erhaben und pöbelhaft erschrecken Die Weiber erschrecken
bald und was noch mehr ist nach einer und zwar bekannten Melodie  Sie
erschrecken schön wenn man will  Um alles in der Welt wünscht ich mir keine
Frau die nicht leicht erschräke Schamröte und Erschrecken liegt bei ihnen in
einem Bezirk Eins borgt vom andern beides kleidet das schöne Geschlecht  Es
ist extra fein Postpapier wo alles durchschlägt
    Könnt ich meine Leser und Leserinnen doch in den Saal selbst und weiter
einführen Könnt ichs doch Todespracht überall Wahrlich Todespracht  Mir
wars oft als hört ich einen dumpfen Ton Mensch du musst sterben Wäre mir
diese Botschaft weniger fremd in meiner damaligen Lage gewesen ich wäre mehr
zurückgefallen  Ich weiß nicht ob meinen Lesern die Geschichte des Belsazars
beiwohnt der eine Hand an der Wand schreiben sah  Solch eine Hand an die Wand
schreiben zu sehen  
    Was ich erzählen kann und werde o wie gar nichts gegen das was ich sah 
nichts 
    Den Saal fing der Graf an haben die Weltlichen so nenn ich die
Gottgläubigen in Beziehung der Christen die ich in dieser schnurgeraden Linie
Geistliche heiße Verzeihung Gevatter sagte der Graf indem er zum Prediger
sich wandte der tief in Gedanken darniederlag und unfehlbar mit dem Verleger
wegen der zweiten Auflage im Streit war  Gern erwiderte der Prediger Das
Wort gern war immer seine Antwort wenn Verzeihung die Frage war er mochte
wachen oder träumen Christen fuhr der Graf fort sind allzumal geistliche
Priester Ja wohl erwiderte der Prediger Der Geistliche konnte den Verleger
nicht los werden Der Graf fuhr weiter fort 
    Ob nun gleich Christus der Erzpriester kein Altarredner und Kanzelprediger
war sondern statt auf die Kanzel auf einen Berg stieg wo er eine Predigt
hielt die er drucken lassen  der Prediger wie aus der Pistole Von der Sünde
wider den heiligen Geist Ei Freund fiel der Graf ein in der Bergpredigt
keine Sylbe von der Sünde wider den heiligen Geist Matt Kap 5 versetzte der
Prediger Recht endigte der Graf der während der Zeit das Ob nun gleich
verloren hatte so dass diese Periode ungerundet blieb Christen hub er von
frischem an verwandelten ihre Höhlen in Kapellen bis Tempel daraus wurden und
warum nicht Wohnt gleich Gott der Herr hier nicht ausschlussweise wohnet er
doch auch hier Christus ging in den Tempel und nannt ihn ein Betaus das man
zur Mördergrube gemacht hätte  Christen in die Kirche  Gottgläubige in den
Saal
    Wir billigten alle die Gewissenhaftigkeit die Peinlichkeit des Grafen der
Christentum von Heidentum selbst bis auf die Mobilien trennte Werden fing
ich wieder an doch unsere christliche Helden in römischen Ornat gesteckt wenn
man sie aufhängen aufstellen und also der Ewigkeit zubringen und wenn ich so
frei sein darf schon für die Ewigkeit über die Taufe halten will Scheint es
gleich überhaupt dass der Kleiderschnitt den wir angenommen haben nur ein
Schlafrock wäre und dass sobald wir zu Ehren gebeten werden es römisch sein
müsste so ist es doch nicht recht und löblich
    Ich stelle sagte der Graf alles an seinen Ort Wahrlich dann würde wenig
zu lehren und zu lernen sein wenn alles so gestellt wäre Jetzt ist der Haufe
bloß darum so hoch weil alles Groß und Klein durcheinander geworfen ist 
Wenn indessen fing der Prediger in einer abzurundenden Periode der gewiss
nicht wie des Grafen sein Ob es nun gleich in Stocken geraten wird an 
wenn indessen der Christ allen allerlei werden soll und wenn Christus der
Herr selbst sich beschneiden lassen und das Osterlamm gegessen die Jünger
auch obgleich sie Juden waren am Sabbat Ähren zu lesen und Esel aus dem
Brunnen zu ziehen von ihrem Meister die Erlaubnis erhielten so darf doch der
Christ kein so großer Ceremonienmeister sein Ceremonialgesetz ist bei allen
selbst den geistigen Dingen indessen sind wir in der christlichen Freiheit wie
es selbst bei unsern christlichen Zeremonien am Tag ist denen ich indessen von
Herzen gut bin Der Christ hat den Geist von allen Religionen das unsterbliche
Wesen so Christus durchs Evangelium ans Licht gebracht hat Lasst uns also
tolerant sein wie unser teurer Graf der es ist wenn er gleich  Saal und
Kirche unterscheidet Und in allem fuhr ich fort dem Geist dem Wesen
nachspüren bis ein Hirt und eine Heerde wird  Hosianna gelobet sei diese
Zeit die da kommt im Namen des Herrn Hosianna ihr in der Höhe Das
Christentum sagt ich ist die einfachste Religion auf Gottes weitem Erdboden
so wie der Geist einfach ist Sie kann Körper annehmen wie in der Schrift Engel
Körper angenommen haben und wie man von sehr guten Menschen die gut wie Seelen
sind sagen könnte sie hätten Körper angenommen Freilich adoptirten Engel
keine andere als menschliche als solche Körper die sie im Griff hatten die
ihnen die nächsten waren  Die christliche Religion hat keinen Tempel kein
Haus kein Obdach nötig sondern überall wo Luft und Sonne ist wo wir sind
und weben ist Gottes Stuhl und die ihn anrufen dürfen nicht das Gesicht
drehen und wenden Gott ist überall Im Morgen und in Mitternacht Wer recht
tut ist ihm angenehm Dies war obgleich es hohe mystische nur wenigen
verstehliche Toleranz ist dem bloß gewöhnlichen und fürs Haus toleranten
Prediger so gefunden dass er mit einer Dreistigkeit schloss die dem Grafen ein
wenig zu hart auffiel
    Zeremonien sagt er sind des Herzens Härtigkeit wegen und da nach
Ortsumständen die ersten die besten
    Nicht also lieber Gevatter versetzte der Graf etwas untolerant
Zeremonien lieber Gevatter sind Kleider der Sache Kleiden denn alle Farben
alle Gesichter Es ist ein Aufputz das Kolorit  das wahrlich seinen Meister
erfordert  Wenn es also recht wäre müssten Christen christliche Zeremonien
haben Wie stimmet Christus mit Belial hätt ich bei einem Haar gesagt allein
Belial und ein Heide ist zweierlei Die Folge dieses Spruchs passt besser Was
hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis
    Ich gestehe es gern dass mein Auge dem Ohre viel abgewonnen indessen kam
die Sache endlich so zu stehen
    Es gibt ein blindheidnisches und ein gottesverehrendes ein sehendes
Heidentum Auch diese Sehenden sind von Christen unterschieden so wie Saal von
Kirche Findet man Antiken wo man einen unbekannten Gott drin sieht einen
Künstler der bei dieser Arbeit nicht aufs Sichtbare sondern aufs Unsichtbare
sah Heil dem Künstler Und findet man einen Samariter mit Öl und Wein  er sei
uns ehrenwert  und findet man  genug
    Zu beiden Seiten der großen Türe standen zwei Genien deren jeder seine
Fackel umgekehrt hatte und ins Kreuz auf eine Urne hielt Zwei Sphinxe von
beiden Seiten sahen zu
    In einem Felde waren zwei reissende Tiere die nach einem Schmetterling
haschten der über einer prächtigen Urne flog Sie haschten allein er entfloh
    In einem andern die Artemisia mit einem Trank köstlicher als die Perle der
Kleopatra Mannsasche Zu einer Seite ein Künstler mit dem Riss vom Mausoleum in
der Hand zur andern ein Dichter der mit den Augen sang Wie kann er anders auf
der Wand
    Sodann allerlei Arten von Pyramiden Mausoleen Grabmälern Urnen
Tränenflaschen Ein Feld mit drei Parzen Zu beiden Seiten solch Feld
    Endlich Himmel und Hölle der Alten drei Furien der Tantalus der
heidnische reiche Mann der mitten im Wasser steht und doch Gefahr läuft zu
verdursten Ein Rad mit dem ein Verdammter ewig herumgetrieben wird Das nenn
ich rädern sagte der Graf Leidenschaft heißt dies Rad
    Ferner ein Leichenbrand von Leuten angezündet die ihre Gesichter abgewandt
hatten Eine Gebeinlese von Verwandten  und die Kollekte STTL sit tibi
terra levis Leicht sei dir die Erde  drei vier fünfmal angeschrieben
    Sodann ein Feld Elysisch Frühling Paradies Ein Körper diesem Klima
gleich  drei Grazien
    Endlich eine Art von Altar oben ein Spiegel Um den Spiegel die Aufschrift
dem unbekannten Gott
    Dies sagte der Graf ist der Erbauungssaal derer welche nur eine
Offenbarung durch die Vernunft kennen nur ein Licht das den Tag regiert ohne
an das Licht das die Nacht regiert und die Sternenflur zu denken Die Vernunft
wird durch den Spiegel angedeutet den man nur auf Zehen erreichen kann Es muss
ein Flügelmann sein der einen Blick hineinstehlen soll und was sieht er Ein
klein Stückchen Kopf Er sieht sich wenn er Gott sehen will Bei allem dem bin
ich kein Feind dieser Gottesverehrer ich habe Kerls darunter sterben gesehen
besser wie Sokrates ohne Hahn ohne Todesangst  Kein Wunder sie hatten das
neue Testament unsers Herrn gelesen  Sie sollen einige sehen unter meinen
Todtenköpfen wo ich Christ und Gottverehrer zusammen wie es in allen
Gebeinhäusern Sitte ist gestellt habe   Da ist nicht mehr Tempel und Saal
    Paulus kann unmöglich brünstiger den unbekannten Gottesaltar angesehen
haben als ich den des Grafen geweiht den Menschen die Gott nicht als Vater
sondern als Herrn als Alleinherrscher anschauen Ist denn dacht ich Gott
den Christen bekannter Wohnt er nicht in einem Lichte wozu niemand kommen
kann Ist er nicht ein Wesen das niemand gesehen hat und sehen kann Der
Gottverehrer indessen sieht sich selbst im Spiegel der Christ sieht Christum
wenn beide Gott sehen wollen Ihm dem Vater aller Dinge sei Ehre von Ewigkeit
zu Ewigkeit Amen
    Wir gingen durch mancherlei Zimmer zur Kapelle durch viel Trübsal sagte
der Graf zum Reiche Gottes Es waren ihrer dreimal sieben Der Graf liebte
diese Zahl sehr er nannte sie eine OffenbarungJohanniszahl eine biblische
Zahl und hatte gewiss ein paar Zimmer da wollt ich drauf wetten eingehen
lassen oder mehr angebaut um nur die Zahl sieben herauszubringen Man lasse ihm
doch die siebente Zahl Meine Mutter pflegte zu sagen jeder habe seine Zahl
die ihm am Herzen liege  Es war kein einziges unter allen siebenmal sieben
Zimmern so viel waren im Hause in dem nicht Ende Tod und Verwesung
angeschrieben war Alles mit großen Buchstaben Er war ein heiliger Vater der
die Bilder die Schrift der Einfalt nannte Sie sind es allein für den Klugen
sind sie Poesie In dem Saal und sechs andern Zimmern gemeine Liebe in den
siebenmal sieben Zimmern weniger sieben die christliche Särge in den
christlichen Zimmern ohne End und Zahl  Wenn ich bei jedem dieser Särge eine
christliche Leichenpredigt halten und die Todeszimmer alle zusammen be und
umschreiben sollte würd ich zu langweilig werden Ein guter schneller Tod ist
er nicht der beste Ich behalte mir vor auf drei auch eine heilige Zahl eben
so gut wie die sieben vielleicht eine die mir nach dem Ausdruck meiner Mutter
am Herzen liegt so wie meinem Vater die Zahl neun Zimmer einen Accent zu legen
und eile zur Kapelle  Es führte ein finsterer Gang dahin so wie oft ein
schlechtes Geläute zu einer schön gebauten Kirche einladet sagte der Graf Es
konnten nur zwei gehen so eng war der Gang um den schmalen Weg zu parodiren
Von beiden Seiten kamen Aerme heraus auf welchen obgleich es hoch Tag war
dennoch Lichter brannten oder brennen mussten denn hier war es ewig Nacht Die
Aerme schienen so besonders waren sie schnell herauszuwachsen um den
Wanderern auf dem finsteren Wege zu leuchten  Auf einer Seite waren sechs
Lichter auf der andern fünfe Warum das Dafür konnte der Graf nicht dass die
eine Abteilung der Spruchstelle Dein Wort ist meiner Füße Leuchte sechs und
die andere Ein Licht auf meinem Wege ganz richtig berechnet fünf und nicht
weniger Wörter hatte Über jedem Lichte stand ein Wort schön wie eine
Dedication Würd er mit dem Worte Und auch einen Arm verehrt haben so wären
beide Seiten gleich gewesen Das arme Wörtlein Und ich hätt es nicht
verstoßen wenn ich der Graf gewesen wäre Es ist gemeinhin ein menschliches
liebes guterziges Wort und ist seinen Arm wert Der Graf aber sprach ihm die
Göttlichkeit ab wenn Gott spricht ists ohne Und In der Kapelle selbst hing
ein Kruzifix und der Schächer den Christus ins Paradies mitnahm Der sterbende
Simeon mit einer Friedensmiene im Gesicht die entgegenrief Herr nun lässest
du deinen Diener in Frieden fahren Einige Apostel als Märtyrer sterbend In
ihren Gesichtern lagen die Worte Leben wir so leben wir dem Herrn sterben
wir so sterben wir dem Herrn ob wir leben oder sterben sind wir des Herrn
Hier stand auch in einem Behältnis von einem eisernen Gegitter eingeschlossen
des Grafen Sarg Rührend war es mir anzuhören dass er alle Vierteljahr einmal
drin schlief Ich habe mich mit meinem Hause sagt er so bekannt gemacht dass
ich alles im Griff habe  Die erste Zeit schwitzt ich als hätt ich
Bezoarpulver eingenommen jetzt schlaf ich ohne einen einzigen Schweißtropfen
ruhig und sanft Der Tod wird mir das hoff ich nicht unbereitet kommen Der
Wappenzierrat war mir bei diesem Sarge unausstehlich Es waren drei bemalte
Pfeiler in der Kapelle Weisheit Stärke Schönheit Glaube Liebe Hoffnung
drei Grazien  drei Frauenzimmer sagte der Graf und ich »Die Tugend selbst ist
ein Frauenzimmer das Laster ist eine Mannsperson« Ei schrie der Graf ei der
Prediger Ich hatte Mühe die guten Herren zu überzeugen dass mein Vater wohl
wüsste was er spräche Man muss nur alles nehmen wie es von Gott und Rechtswegen
zu nehmen ist Der Buchstab ist tot allein der Sinn ist lebendig Ich blieb
bei Würden und Ehren und das Ei war vertilgt bis auf den letzten Buchstaben
welches um so leichter geschehen konnte da es nur aus zweien besteht Sonst
versteht jeder was Glaube Liebe Hoffnung sei oder eigentlicher wie sie
gemalt werden indessen hatte der Graf seinen eigenen Glauben seine eigene
Liebe seine eigene Hoffnung
    Der Glaube war ein Mädchen das mit der rechten Hand gen Himmel mit einem
Kruzifix den Weg wies in der linken Hand einen Kelch hatte woraus es trank
mit dem einen Auge ließ es die Bitterkeit des Tranks merken mit dem andern aber
himmelan als säh es den himmlischen Vater  auf dem Haupte eine Krone mit
Lorbeeren durchflochten Es lag auf den Knien das gute Kind Oben standen die
Worte Ich glaube Herr hilf meinem Unglauben Glaube war groß geschrieben und
es war auch nötig denn wer hätte sonst wohl wissen können dass dies der Glaube
sei Es tut mir ordentlich leid dass ich vergessen habe mit welchem Auge der
Glaube gen Himmel und mit welchem er in den Kelch der Bitterkeit sah als wollt
er die Tropfen auszählen Kannst du sie zählen hieß es zu Abraham da ihm die
Milchstrasse am Himmel gewiesen und die Versicherung in forma probante behändigt
ward also soll auch dein Same sein
    Die Liebe war eine junge liebenswürdige Mutter das schönste in der Natur),
ein Kind an ihrer Brust eins lag ihr auf der Schulter und küsste sie mit
Inbrunst Noch war ein Kind dem sie drohend ihre rechte Hand reichte O wie
drohte sie Allerliebst Oben stand
                              Stärker als der Tod
    Die Liebe ist sehr beschäftigt sagte der Graf Sie hat alle Hände voll die
wird wohl jeder kennen
    Die Hoffnung war eine Gesegnete eine der Entbindung nahe Das Kind sprang
ihr im Leibe wie der Elisabet und doch sah man ihr einigen Kummer an Sie
zählte die Monden Sie hatte sich auf einen Anker gelehnt Sie lag fast ganz
darauf  In der einen Hand hatte sie ein postfliegendes Noatäubchen Den Kopf
hielt sie in die Höhe als ob sie wissen wollte wie weit von ihr zur Erfüllung
wäre vom Ja zum Amen Die Augen das merkte man konnte sie nicht in die Höhe
bringen sie wollte 
    Es standen die Worte herum Hoffnung lässt nicht zu Schanden werden Hoffnung
groß
    Der Prediger war ein Musikus und da ihm der Graf das kleine Positivchen
zuwies zog er den Tremulanten den Hauptzug an diesem Werklein und spielte Was
willst du armes Leben
    Beim Herausgehen wurde mir ein Buch in die Hand gegeben das die Aufschrift
führte
    »Namen derer die in dieser Kapelle gewesen die da sie schrieben waren
    und eh sich das Blatt umkehrt nicht mehr sind Ihre Namen mögen
    geschrieben sein ins Buch des Lebens Amen«
    Herzlich freut ich mich dass ich meinen Namen beinahe am Ende schrieb so
dass das Blatt bald umgekehrt werden musste  bald Es ergriff mich ein Schauer
und es war als hört ich Minen säuseln bald
    Der Graf bewohnte sieben Zimmer wo er und sein Bruder Feuer und Herd
hatten Des Grafen Bette war ein förmliches Gewölbe Lazarus unser Freund
schläft sagt er zu mir da er es mir zeigte Sein Bruder gab ihm nichts nach
nur dass auch hier das gräfliche Wappen eine Scheidewand machte Der Graf der
sehr in die Urnenfaçons verliebt war hatte in seinen sieben Leibzimmern
christliche Urnen wo er wirklich christliche Todtenknochen unter wohlriechende
Dinge gelegt und aufbewahrte
    Bei Gelegenheit dass uns der Graf in seinen sieben Leibzimmern herumführte
war er nicht etwa stumm sondern so beredt als nur irgend jemand sein kann Wir
setzten unsere Gespräche des Sehens unerachtet ohne Zeitverlust fort Man
sieht noch einmal so gut wenn man drein spricht wenn man sagt, was man sieht
Das Hören leidet Abbruch wenn man recht von Herzen sieht Wir sprachen über
das was wir sahen  und über vieles was wir nicht sahen Meine Leser werden
keine Mühe haben zu wissen was jedem aus unserm Kleeblatt aus diesem Spiritus
 oder wie es sonst heißt eignet zugehört und gebührt Die Griechen sagte der
Graf hatten die Gewohnheit einen Zweig an die Tür zu stecken wo ein
Todringer lag wie ungefähr hier wo Bier feil ist Ich behalte diese Gewohnheit
auch bei Über jede Tür in meinem Sterbehause wo gestorben wird ist ein Reis
als ein Siegeszeichen angesteckt warum ich aber an einem Sterbenden nicht genug
habe geschieht nicht sowohl meint  als der Sterbenden wegen Man hat sich
gewaltiglich über den Gebrauch der Alten gewundert dass man bei der Leiche
anderer viele Leichen machte um dem Gott des Todes den Mund zu stopfen und den
Charon auf einen Tag in solchen Schweiß zu setzen dass er fast selbst gestorben
wäre Man hat dünkt mich Ursache sich zu wundern Soviel ist aber gewiss dass
es weit angenehmer ist in Gesellschaft zu sterben als in Gesellschaft zu leben
Der größte Teil der Menschen stirbt eben darum so schwer weil er alles
verlassen muss und weil ihn alles verlässt weil er so sehr allein bleibt Ein
schweres Wort allein Der Mensch ist ein geselliges Tier Der Sterbende hat
selbst so oft und viel in seinem Leben derer die starben vergessen als dass er
auf die Ehre eines längeren Andenkens rechnen sollte Wenn er aber mit dem
Zirkel in dem er leibte und lebte in einem stirbt wie tröstet dies Auch wenn
ihm die andere Welt und die Wiederkunft der Guten und Bösen ein unauflösliches
Rätsel bleibt gibt ihm dieser Gedanke einige Ruhe  und welch eine Seelenruhe
wenn er mit ihnen sowie er hier lebte dort wieder lebt Da denkt denn der
Reiche er werde unter seinen mit ihm zusammen gestorbenen Schuldnern noch immer
der Gläubiger bleiben Die Leute werden sich doch schämen ihn auf einen andern
Fuß zu nehmen da sie ihm die Zinsen ohnedem acht Tage nach der Verfallstunde
berichtigt welches aufs Jahr schon etwas beträgt Da denkt der Herr wenn er
mit seinen Bedienten zusammen stirbt die Menschen werden doch Lebensart
verstehen Ich sagte der Graf ich selbst möchte mich nicht gern von meinem
Bruder trennen Darum fuhr er fort sind uns neue Freundschaften so verhasst
wenn wir in gewissen Jahren sind im Fall die Freundschaftsparteien nicht
jahregleich sind  Auf Ehre liebe Sterbenscandidaten und Kandidatinnen wenn
die Hohen und Reichen die Augenlustigen und die vom hoffärtigen Leben wüssten
wie wohl es in dieser Rücksicht sich im Hospital sterben ließe stürben viel
drin die sich jetzo wohlbedächtig genügen Geld unter diese Armen auszuwerfen
Diese Armen besitzen oft mehr als alle Schätze der Welt denn das Himmelreich
ist ihrer Darum vorzüglich glaub ich sagte der Graf durch gute Gesellschaft
meinen Sterbenden ihr Ende zu erleichtern und ihnen einen Dienst daran zu tun
Sie können jetzt die Zeit nicht abwarten sie keuchen recht nach dem
vorgesteckten Ziel und oft hab ich gehört Willst du mit Ich bin bereit So
komm  ich geh  Gern So komm doch Gern Nun Hol mich nach So gern ich
wollte kann ich
    Wenn die grausame Gewohnheit der Alten Leichen bei Leichen zu machen in
diese Ideen zum Teil einschlüge sagten wir alle drei und taten so als frügen
wirs Wir machten es wie die Redner und Schriftsteller bei denen das
Fragezeichen nicht ein Menschenhaar mehr bedeutet als gehorsamer Diener
untertäniger Knecht und dergleichen siebenmal sieben Sachen mehr
    Selbst der Selbstmord würde beim offenen Grabe noch am ersten aus der Natur
des Menschen zu erklären sein und es gehört ein eben so großer Grad Lebensliebe
dazu als der große Menschentöpfer uns mit eingeblasen um diesen Grillen bei
den offenen Gräbern der lieben Unsrigen zu entkommen Man dünkt sich ohne die
Seinen verwaist in der weiten Welt und ist man es nicht an diesem
unempfindlichen großen Orte Was wäre das Leben wenn man nicht noch den Zirkel
der Seinen hätte wo man noch das süße Echo seines Schmerzes seiner Freude hört
und eine Teilnehmung sieht Liebe und Gegenliebe empfindet  Wer sich auf
einem andern Wege als am offenen Grabe das Lebenslicht ausbläst bedenkt nicht
von wannen er kommt und wohin er fährt So ehrbar es manchem lässt er ist doch
mit seinem Kopf über Bord Ei wenn es der Mensch in einem entsetzlichen
übermenschlichen Schmerz täte Gibts übermenschlichen Exempel zwar dass
Menschen sich des Schmerzes halber umgebracht obs aber übermenschlicher
Schmerz war bleibt Frage So viel ist auffallend dass der Leib der wenn er
tot ist da liegt wie ein Stück abgehauenes Holz unmöglich dem Schmerz
ausgesetzt sein könne den er im Leben empfand und wenn also ein Leidender
seine Seele Gott befiehlt und seinem ihn plagenden Leibe einen Streich spielt
oder dem armen Schelm eine Wohltat erweist so ließe sich darüber reden mehr
aber auch schwerlich denn ein solcher Selbstmörder kommt aus dem Text der
Natur  Wie selten sind indessen Exempel von Leuten die aus Schmerz sich ins
Leben greifen in ein zweischneidendes Schwert fassen denn Leute die dem Tode
recht ehrlich trotzen können o die trotzen auch dem Leben
    Ei wenn der Mensch alles vollendet hätte Wenn ihm die Zeit mit Recht lang
würde Alles vollendet Lieber alles Wenn wir getan haben was wir zu tun
schuldig waren sind wir dann mehr als unnütze Knechte Wer hat aber alles
vollbracht Wem wird die Zeit auf eine weise Art zu lange
    Jener Freigelassene der Agrippina der sich bei dem Scheiterhaufen seiner
Gönnerin um ihr Ehrenbette nicht zu beflecken erwach Viel Erkenntlichkeit
wenn sie ihm bloß Schutzgöttin war  Doch solche Erkenntlichkeit haben noch
mehr bewiesen Weiber Freigewordene selbst Hunde und andere Tiere die sonst
nicht so treu befunden werden
    Sehen und Hören ich habe es glaub ich schon sonst wo gesagt vertragen
sich mit einander wie Halbgeschwister Ich gestehe es sehr gern viel sehr viel
von dem Gerede des Grafen verloren zu haben und das ist Schade Der Graf der
in andern Fächern eben keine große Kenntnisse bewies war unerschöpflich in den
Sterbenswissenschaften Da hatte er gedacht und gelesen Da konnte er mit dem
Gelehrtesten schon eins anbinden Ich wundere mich noch dass er bis auf die
Terminologien die eben seine Sache nicht waren den Tod in allen Zeiten in
allen Zungen und Sprachen verstand Sogar aus fremden Sprachen die er nicht
kannte wusste er gewisse Worte den Tod betreffend Der Prediger konnte ihm in
dieser Kunst auf sechs kaum das siebente antworten indessen examinirte er
nicht wie es denn auch niemand tut der dem andern sehr überlegen ist Wer
wirklich weniger weiß als der Initiandus ist ein Inquisitor im Examen  Der
Überlegene lehret nur das heißt er legt es alles zum Greifen nahe
    Ich erinnere mich meines Versprechens meine Leser in drei Zimmer zu führen
                                       
    Das erste Zimmer soll das sein wo der Graf seine verstorbene nächste
Familie hatte
    Es wird meinen Lesern noch im frischen Andenken sein dass ich bei dem
seligen Ende des zweiten Teils der Lebensläufe da ich den besonderen Mann den
Herrn Grafen am dritten Ort zu präsentiren die Ehre hatte zugleich anbrachte
wie er sehr traurige Schicksale überlebt Sieben Kinder alle im Lenze des
Lebens waren ihm gestorben Dieses Zimmer hieß Familienkabinet und war den
Schatten dieser sieben Seligen dieser sieben Engel die Gottes Angesicht sahen
gewidmet Lange stand der Graf an ob er diese heilige Seelenzahl verrücken und
ihnen noch die beiden Bräutigams der beiden als Bräute gestorbenen Töchter und
die Braut des als Bräutigam gestorbenen Sohnes zugesellen sollte Endlich Ja
weil seine Gemahlin schon über sieben war Die Zahl war also schon verdorben
Dies Familienkabinet enthielt diese lieben Toten wie der Graf sie nannte von
denen immer eins dem andern die Hand gab und eins nach dem andern an den Reihen
kam Eines fordert das andere zum Todtentanz zum Grabesgang auf Viel Einheit
der Zeit alles starb in Zeit von drei Jahren  Ich kann eben nicht sagen dass
in diesem Trauerspiel griechischer Geschmack herrschte indessen war viel Manns
und Vaterwärme da viel Empfindung Es waren zwei Türstücke das eine stellte
Genesin das andere Apocalypsin vor Genesis war in Gestalt eines Menschen
Apocalypsis wie ein Engel gekleidet In jenem sah man die Worte Es ward  in
diesem das OffenbarungsJohannisWort Amen
    Die Seligen waren alle wie Geister gekleidet Sie hatten weiße Kleider Sie
waren mit Körperchen umschlagen mit einem leichten Gewande mit dem
Sterbehemde Die Gesichter kenntlich aber himmlisch Wenn die jungen Grafen und
der Bräutigam nicht Hutkränze von weißen Federn auf ihren fliegenden Haaren
gehabt und ganz unvermerkt das gräfliche Wappen nebst der Perlenkrone an ihrer
Seite hervorgeschimmert hätte so würden die Geister mehr Geister gewesen sein
Jetzt waren es gräfliche Geister Andere Welt wenn du Fürsten Grafen
Freiherren Ritter Bürger und Bauern hast sind sie auch nur durch ein Wappen
unterschieden wie wenig bist du dann andere Welt wie wenig  Alles handelte
in diesem Familienstück  O der unseligen Wappen und der weißen Federbüsche
und der gräflichen Krone
    Die Gräfin Mutter hatte sieben Weinreben in der Hand die alle sieben
weinten so dass die Tränen zusehends herabträufelten drunter gingen
Vergissmeinnicht auf
    Zwei Söhne hatten Grabschaufeln in der Rechten standen an einem
aufgemachten Bette wie der Graf es nannte an einem fertigen Grabe und besahen
die Erde und sich als wenn man sein Porträt und sich collationirt um
beizuzeichnen concordare cum suo originali testor Man sah dass sie sich
sagten Staub von unserm Staub Zwei Gräfinnen unschuldig wie Engel bis auf
die verfluchten Wappen Wozu doch die Wappen Zwei Gräfinnen wirkliche Engel
gossen jede eine Schale auf die aufgeworfene zur Saat Gottes vorbereitete Erde
    Meine Mutter hatte das Taufwasser nicht feierlicher ausgiessen können als
diese Engel die Schalen
    Die beiden Bräute mit herabhängenden halbverwelkten Kränzen Hand in Hand
Der eine Bräutigam den rechten Arm in der linken Hand  so aufgestützt sieht er
starr auf einen Fleck im bloßen Kopf wie der Graf sagte das ist auf nackte
Erde Wohin der Blick nur reichen kann ist die Stelle kahl ohne grün und gelb
 Der andere neigte sich sanft zur Erde die er küsst Die Bewegung jenes Römers
da er seinem Vaterlande einen Kuss gab ist nichts dagegen
    Der Sohn und seine Braut oder Federn und Wappen hielten eine mit Blumen
durchflochtene Schnur Sie zogen jedes sein Ende mit Macht und siehe da sie
reißt und beide sind im Sinken  Zwei Tauben fliegen mit Oelzweigen über der
ganzen Gesellschaft Und nun noch ein Engel ohne Sterbehemde ohne
schlafrocksmässig um den Geist hängendes fliegendes Körperchen ein Engel in
einer noch angemessenern Uniform in einem so OriginalEngelgewande  alles
englisch an ihm wie schön er in die Höhe sieht wie schön Es war der jüngste
der Benjamin unter seinen Brüdern Wenn ich doch diese Uniform beschreiben
könnte    Schade er hat ein Ordensbändchen worauf das luterische Wort
sieht Vivit Freilich mehr als pro gloria et patria
    Allein ein Ordensengel O des Ordens der Wappen der Federbüsche
    Das zweite Zimmer
mit dem Accent ich gesteh es ich hätt es für mein Leben gern
    Lauter sterbende Köpfe Noch ists Zeit zurückzutreten gnädige Frau 
allein die letzte Zeit war diese heilige Schwelle betreten  ich stehe nicht für
ihn  Man sieht es Ew Gnaden an  Sie erliegen ohne Umstände ein polnischer
Abschied ober ein deutscher wie Sie befehlen
    Ha das war ein Odemzug Das Beharren bis ans Ende ist nicht jedermanns
Ding  Viel Vergnügen auf der Redonte  Da sind freilich andere Gesichter
Narrenkappen wie man sie will Als Schäferin also    Und diese Köpfe O
Freunde wie wert wie wert zu sehen Es sind Gestorbene die eben kalt
geworden eben  Alle ganz pünktlich richtig nach dem Leben  nach dem Tode
würd ich sagen nach ihrem Sonnenuntergang  Selig selig selig sagte der
Graf sind die Toten die im Herrn sterben Sie ruhen von ihrer Arbeit ihre
Werke folgen ihnen nach  Wir falteten alle drei die Hände Es war erwecklich
anzusehen  Sie sind fing der Graf etwas zu gesucht an diese Toten hier
sind nach dem Ausgang der Seele durchs rote Meer wie diese schon Kanaans
Turmspitzen sah gemalt Wenn die Seele fuhr er fort von ihrem vieljährigen
Freunde Abschied nimmt verehrt sie ihm noch ein kleines Andenken Eine goldne
Tabatiere mit ihrem Bilde Sie wirst noch Strahlen auf ihn die so aus den
Gesichtszügen des Gestorbenen herausleuchten wie das Antlitz des Moses
obgleich er schon vom Donner und Blitzberge war Der Mensch dort der so lange
die Seele in ihm lebte schwebte und war sich so oft hinter ihr versteckte und
vom Verstande Feigenblätter Vorhänge borgte kaufte wie es die Not wollte
ist da auf ein Haar zu sehen als wenn er lebt als wenn die Seele nur über Feld
gegangen wäre um frische Luft zu schöpfen um ins Freie zu gehen als wenn die
Seele gleich wieder kommen würde Ihr Hauptsessel ist noch nicht kalt 
Spassvogel Diogenes lösche deine Laterne aus Hier sind Menschen recht wie sie
sind  Da ist das aufgegebene Rätsel und die Lösung das Exempel und die
Probe Jeder fürchtet sich vor dem natürlichen vor dem Kammertode vor dem
kalten vernünftigen Tode Der Heldentod der Feldtod ist nicht kalt nicht
vernünftig Es ist ein künstlicher Tod man weiß nicht wo man bleibt und ich
sagte der Graf ich der ich dem Tode seine Künste ablaure ich der ich ihm
nachschreibe wollte in Fällen dieser Art nicht Observationen anstellen um
alles nicht in Fällen nämlich wo der Mensch so recht in seinen Sünden ohne
Zeit und Raum sich in Ordnung zu legen dahin stirbt dahin  Zwar fuhr der
Graf fort zwar hab ich selbst zwei Brüder die auf dem sogenannten Bette der
Ehren geblieben sind und ich hoffe sie gewiss in der seligen Ewigkeit zu
treffen indessen ist nichts richtiger als dass der Baum wie er fällt liegen
bleibe Da liegt der Grund von meinem Grundsatz Wahrlich lieber Leser das war
das Motto zu dem Zimmer in das ich euch ein und die gnädige Frau v  die
eben jetzo schon ein englisch Tänzchen macht ausgeführt habe obgleich die gute
Frau unter uns gesagt über ein Kleines auch ein Totenkopf werden wird und
ins Ohr gesagt schon jetzt halb einer ist  Und diese Köpfe So hab ich schon
einmal gefragt und so werd ich noch oft fragen und immer darauf antworten o
Freunde wie wert zu sehen wie wert Wer kann sie aber ohne Verlust
beschreiben Wer Ein Gemälde von andern Gemälden ist Kopie ist tot an ihm
selbst, ist kalt von kalt  wie  der eine Kopf als früg er wo kam ich hin so
bescheiden gefragt dass es ihm gleich war wohin es ginge Die Augen so
geschlossen als ob er sich alles willig gefallen ließe und gern unter Gottes
Regiment blind wäre ohne alle Kapitulation Wer wird auch mit dem guten mit
dem lieben Gott capituliren
    Tiresias tödtete die Frau Drachen und ward aus einem Manne ein Weib Nach
sieben Jahren tödtete sie oder er den Herrn Drachen und ward ein Mann Seiner
Offenherzigkeit halber da Jupiter und Juno über die Süßigkeiten des Ehestandes
stritten und er dem weiblichen Geschlechte den Apfel reichte ward Juno
aufgebracht denn welche Dame wäre sie auch eine Göttin tut nicht so als sei
ihr nichts um die Liebkosung der Männer zu tun und sei es auch Herr Jupiter
der ihr liebkose Der Zorn der Juno machte den Tiresias blind Jupiter aber
verlieh ihm in höchsten Gnaden das Privilegium personale wiewohl in casu
onerosum wahrzusagen zur Erkenntlichkeit Die Anwendung dieser Fabel Tiresias
hatte so die Augen zu wie unser Verstorbener  er war so zufrieden wie
Tiresias Das Schicksal wollt es dass er die Augen schließen sollte und er
schloss sie So auch unser Kopf Tiresias war blind und sah mehr als Leute die
ihre zwei Augen im Kopfe hatten Unser Gestorbener schien auch beim Verlust
seiner Augen eines andern Heils gewiss zu sein Das war Aussicht Die Rücksicht
Sich selbst von Jugendsünden zugezogener Sterbensschmerz schien auf der Stirn zu
runzeln allein kein Bewusstsein seinen Nächsten um fünfzig Procent gebracht zu
haben kein Betrug kein Bubenstück Die Unterlippe biss die obere ein doch
verwundete sie solche nicht  Paete non dolet Oberlippe es tut nicht weh
schien die Unterlippe der Oberlippe aufbeissen zu wollen Just dann schmerzt es
aber wenn man sagt, es schmerzt nicht Man bespricht den Schmerz wenn man
spricht indem es weh tut wenigstens glaubt man ihn zu besprechen
    Sollten Sie denken meine Herren sagte der Graf es ist ein bloßer
Gottverehrer  der wie er mir bekannt hat den lieben Gott bloß in seiner
lieben gütigen Natur gesehen gekannt und sich drob gefreut hat Denn Gott ist
nicht ferne von einem jeglichen Den feurigen Busch der Religion hat er nicht
gesehen Er blieb seinem Naturglauben und VernunftKatechismus der nur einen
Artikel hat treu Ich kann nicht sagt er wenn ich gleich wollte allein ich
habe keinen in seinen drei Artikeln gestört keinem seinen Katechismus im Spiel
abgenommen keinem geschwindes Witz ober langsam wirkendes Verstandesgift
eingegeben keinem in seinem Tun und Lassen einen Stein des Anstoßes in den Weg
gelegt Ich hielt viel für Gotteslästerung was andere für Gottesverehrung
hielten  ich  besonders war es bemerkte der Graf dass er das Ich unendlich
oft und viel aussprach und mit seinem Ich hinten und vorn war Er blieb auch im
Ich  Er stieß sich das Herz daran ab Mit dem lieben Ich  Die Herren
Naturalisten im guten Sinne dabei bleib ich fuhr der Graf fort halten sich
selbst für kein Kleines Ihre Seele wenigstens ist ihnen ein Stücklein lieber
Gott wie wir Christen denn auch darin nicht ganz in Abrede sind allein wie 
Man könnte die Deisten Seelenverehrer nennen bald hätt ich Seelenabgötter
gesagt allein seht nur die Miene des Gestorbenen Ist da wohl Abgötterei drin
 Ich mag keinen Stein aufheben wider ihn weder einen großen wie wider den
Stephanus noch einen kleinen wie wider Goliat  ich nicht Noch ein Deist mit
mehr Stirnunbeladenheit allein mehr Lebensmühseligkeit über den geschlossenen
Augen die er eigentlich nicht geschlossen sondern zugedrückt hatte Es schien
so als wäre der Schlüssel abgedreht Eine Auferstehung gehörte dazu um diese
verschlossenen Augentüren zu öffnen Alles war dicht zu auf beiden Wangen Von
der Mitte der Nase an bis ganz herunter lag ein Strick von Runzel der sich
unten zusammen gab Er ist sehr verfolgt der arme Schelm  sagte der Graf Sein
Tod war sanft das sah man  kein Gewissensbiss auch nicht einmal in einer
Lippe Ruhe lag über und über und so viel Ergebung dass er wenn Gott gesagt
hätte hör auf erwidert haben würde dein Wille geschehe Wahrlich das könnt
ich nicht bemerkte der Graf ich würde dem lieben Gott wenn nicht mehr
antworten so doch aber lieber Gott  Ich konnte nicht weg von diesem Kopfe
Herr wie du willst so hieß er Der Graf erzählte mir viele Verfolgungsscenen
von Geistlichen und besonders von einem gewissen KonsistorialPräsidenten
Kaiphas  der selbst weder Gott noch Teufel glaubte der aber von Amtswegen und
aus ledigem Präsidentenstolz ortodox schien bis zur Raserei die überhaupt mit
ihm sehr nahe verwandt war Gott lasse dich ruhig hängen sagt ich da ich ihn
sah  du ruhiger Mensch Könnte seine Seele wohl in der Hölle und Qual sein und
sein bestes Leibstück sein Kopf so aussehen Es wär ihm sollt ich denken
auf dem Hölle und Qualfall gewiss etwas vom Durst anzusehen den seine andere
Hälfte dort litte Mein Vater pflegte zu sagen alles Paarweise Seele Mann
Körper Weib WZEW Meine Mutter würde gesagt haben Leib Weib  ohne WZEW
Dies fiel mir ein und schnell dacht ich ein gutes Weib Sollte wohl da oben
über den Augen etwas Menschenhass liegen und der Gerntodt eben daher sein
schönes Feierkleid her haben und die Entschlossenheit auch ganz zur Erde zu
werden daher kommen um nur mit Menschen nicht mehr zusammen zu sein  Seht
ihn recht an ich finde keine Schuld an ihm und wenn etwas Bitterkeit wider
Priester und Leviten wie Unkraut unterm Weizen stünde war nicht vielleicht
Verfolgung wider diesen Samariter Schuld daran Es liegt auf jedem
lebensausgegangenen Gesicht Rücksicht und Hinsicht sagte her Graf Ich fand
keines von beiden auf unserem Ruhigen Er neigte nicht sein Haupt das tat auch
sein Bruder nicht sie hatten den Kopf rückwärts gebogen und doch in die Höhe
 Schlaf gesund du Verfolgter und genieße der stolzen Ruhe derer die in
Gottes Hand sind und von denen es heißt keine Qual auch nicht einst vom
Konsistorialpräsidenten Kaiphas dem Schwiegersohn des Hannas rühret sie an 
Das waren die beiden Deisten denen der Graf hier ein Räumlein bei seinen
Christenköpfen gegönnet hatte so dass diese Todtenkopfgallerie eben hierdurch
ein Simultangewölbe worden war
    Der Deist da er wohl einsieht er komme nicht aus er habe eine Rechnung
ohne Wirt gemacht nimmt sich eine Handlung aus seinem Leben heraus stellt sie
auf und sieht sie so mit unverwandten starren Augen an dass er drauf lebt und
stirbt dass er sich einbildet der liebe Gott werde auch sein ganzes Leben so
vergessen als er bis auf das Pröbchen das er zur Schau aufgestellt Moses ward
begraben ohne dass jemand wusste wo Doch ich wollte vom Lykurgus reden Dieser
große spartanische Gesetzgeber eröffnete dem Volke seine in Delphos confirmirten
und göttlich erklärten Gesetze und da Sparta unter seinen Gesetztafeln blühte
wie ein Weidenbaum an den Wasserbächen nahm er von seinen Bürgern einen Eid
die Gesetze so lange in Ehren und Würden zu lassen bis er heim käme denn er
müsste wieder nach Delphos und nun reiste er nach Cirra und bestätigte mit
seinem Tode seine Gesetze  Eine Parentese Ist Lykurgus ein Selbstmörder und
jener Patriot der für sein Vaterland in ein warmes Todesbad ging Nein sie
sind Märtyrer und haben den nämlichen Zug im Gesicht als die so aus Liebe zu
einer Sache damit sie die Sache nicht stürbe gestorben sind Ich komme ab
Ich wollte sagen Lykurgus habe so ausgesehen wie jeder Deist der sich ein
Lebensbild aufschlägt und dies ohne Aufhören ansieht  Die Seele selbst
gewöhnt ihr Auge dran
    Über die Christenköpfe überhaupt die Anmerkung die Augen alle nicht ganz
zu Sie wollten sehen wo ihre durch Christum geheiligten Leichname blieben Sie
wollten lauschen das tut man nur mit niedergeschlagenen Augen wohin die
erlöste Seele citirt worden und also die Augen etwas offen Die Augen waren von
andern zugedrückt allein die Türen wollten nicht zuhalten sie waren
eingetrocknet Die Christen hatten alle das Haupt geneigt Sie hatten das sah
man ihnen an schon das Seelentestament deponirt Vater ich befehle meinen
Geist in deine Hände nimm meinen Geist auf und nach diesem Testamente neigten
sie ihr Haupt und verschieden Die Erde ist des Herrn Nimm liebe Mutter
diesen Leib den du neu gebären sollst  ich fürchte nicht deinen verschlossenen
Leib  ich weiß an welchen ich glaube und bin gewiss dass er diese Beilage
bewahren werde bis zu meinem Geburtstage bis an jenen Tag 
                                       
    Der eine Mann da sollt ich mich irren wenn ich behaupte dass etwas
Zweifel in ihm läge Eine edle Unruhe   bald hätt ich sokratische gesagt
allein sie war lange noch nicht sokratisch Es war eine christliche  Baal
erhöre uns hätte dieser Mann nimmer und in Ewigkeit gerufen  Heute im
Paradiese  heute noch Wo liegt es Gott von Angesicht zu Angesicht sehen Ein
Geist den andern Ewige Seligkeit ewige in einem weg ohne dass uns die Zeit
hätt ich bald gesagt ohne dass uns die Ewigkeit das glaub ich kann ich auch
nicht sagen lang wird  Auferstehung der Toten des in alle Welt zerstreuten
Leibes Dergleichen Fragzeichen schien der Mann auf dem Gesichte zu haben und
auch sein Nachbar auch der hier auch jener dort o der an der Tür am
deutlichsten das ganze Gesicht ein Fragzeichen allein bei alle dem mit einer
Art von Vertraulichkeit gegen Gott Nicht Dummdreistigkeit nicht Christenstolz
wie die Feinde der christlichen Religion es zu benennen belieben sondern
kindliche Zudringlichkeit höchstens Vorschnelligkeit höchstens Kinderfrage
Sind Kinderfragen Zweifel Sind es Knoten die der Deist heroisch statt zu
lösen entzwei haut Werdet wie die Kinder Wer kann das genug lehren und
lernen und beim Kapitel der Rücksicht o mein Gott welche richtige Rechnung
Wie stimmig die Balance keine Schuld im Rückstande nichts zum Übertragen
alles tut wie oben Alles rein abgeschlossen ohne Bruch ohne 
    Der Kalte da die wenigsten Zweifel im linken Auge ein halbes Aber kaum
halb das rechte glaubt  beide christlich neugierig ist das Wunder Aber wie
ruhig wegen des vollbrachten Lebens Der Deist wenn ers recht wenn ers genau
nimmt bankerottirt und sein Tod ist ein Prangertod ein Spektakeltod als
Christ Alles bezahlt Sollte denn der Christ stärker in seinen Tugenden fester
in seinen Gesinnungen sein Sollte Halt gelehrter Frager der Christ ist
überall kindlicher Er tut nichts aus Stolz oder eitler Ehre Gott ist Vater
er ist ein kleines Kind das wo einmal ins Licht greift und sich verbrennt das
 
    Wer Freunde ist der Engelreine der nichts auf seinem Herzen und Gewissen
hätte Solch ein Paar GottesMenschen als wir beim Grafen erblickt finden
sich glaub ich nicht in vielen Jahren Wir haben sie aber rühmlichst
abgehandelt indessen haben auch sie gewiss ein Pröbchen ausgehangen Der Mensch
wenn er alles getan hat hat er alles gedacht Und bleibt er nicht ein unnützer
Knecht Und wer macht das Blutrote schneeweiß und das Rosinfarbne wie Wolle
Ich glaube nicht dass Gott der Herr unmittelbar beleidigt werden könne Und die
crimina laesae majestatis divinae sind wie schon bemerkt worden so was
Menschlichgesagtes als Gottes Hand Gottes Fuß Gottes Auge Wer von Gottes
Mund spricht tut etwas sehr Gewöhnliches wer aber nur die Hälfte von Gottes
Nase spräche und von seiner Stirn und von seinen Beinen würde Gott danken
können wenn man ihn nicht für eine Art von Gotteslästerer hielte Warum das
    Gott der nicht zu sehen ist wird nur in unsern Brüdern beleidigt die zu
sehen sind und in uns selbst die wir auch sein Odem sind Hier indessen welch
ein Feld zu Verbrechen  Wir wollen annehmen dass Selbstsünden auch
Selbststrafen nach sich zögen Sünde den Tod ists aber darum gut gemacht
Wäre dies so wäre jeder Selbstmörder selig ohne Streitschrift weil er das
Leben eingebüßt hat nicht also Wer sich zum Arbeiter im göttlichen Weinberge
zur Weltarbeit untauglich macht wer nicht treu und fleißig mit den Gaben
umgeht die er empfangen hat verdient nicht allein keinen Taglohn und Armut
und Mangel sondern er hat auch mit seinen Sünden noch andere Strafen verdient
 Und wer ist so unschuldig dass er seinen Bruder nicht mit Gedanken Gebärden
Worten und Werken beleidigt hätte
    Schön Freunde wenn ihr das Seine dem gebt dem ihrs genommen dem Nachbar
sein Weizenland und der armen Priesterwittwe ihren Kohlgarten Schön wenn ihr
dem die landüblichen Zinsen wegen des entbehrten Niessbrauchs ersetzet dem ihr
den Niessbrauch seines Ackers entzogen Habt ihr aber auch die drei Lebensjahre
erstattet welche ihr diesem Armen durch eure Kränkungen entzoget Die Sonne
die auf dieses Land sah Den Regen der darauf fiel  Habt ihr dadurch schon
den in integrum restituirt den ihr für einen Weinsäufer beissig harterzig
ausgabt wenn ihr über viele Zeit da er schon dieses eures Todtschlags halber
in die Verwesung übergegangen eine Palinodie sanget und behauptetet er sei ein
Wassermann habe keine Zornzähne sei warmherzig und wie mancher ist gar nicht
mehr mit euch auf dem Wege den ihr beleidigt habt Wird der Mord den ihr an
der Mutter verübtet etwa nicht gestraft wenn ihr ihrem Säuglinge eine Amme
gebt oder wenn ihr den Altar bekleidet oder dem Oberpastor einen Anteil vom
Besten spendiret Hat Christus der Mund der Wahrheit etwa die Unwahrheit unter
die Christenleute gebracht wenn er über jedes unnütze Wort Rechenschaft
einfordert Ist was wahrer was richtiger Herr wenn du willst Sünden
zurechnen wer kann bestehen So gut ich mein Buch gemeint können nicht Stellen
sein die nicht da sein sollten Und was alsdann So ruhig wie die zwei
GottesMenschen oben gestorben Wer es kann Wer nach OrtsEllen gestempelt
durch den Land und Stadtphilosophen Gottes Eigenschaften abmisst und
Gerechtigkeit und Barmherzigkeit nach dem Einmaleins berechnet was meint ihr
kann er wohl bei ganz gesundem Nachdenken sein Haupt so rückwerfen wie die
beiden die wir nahebei gesehen haben Und seht sie doch nur recht an Recht
Ist denn die Ruhe der beiden guten Leute die rechte Ruhe Wer steht uns dafür
Der Phlegmatische ist ruhig weil er phlegmatisch ist Wenn aber ein
Betriebsamer seine Geschäfte richtig durchkalkulirt Debet und Kredit abzieht
und Summa Summarum Ruhe abzieht  Was meint ihr Ist das nicht eine andere
Ruhe Eine Ruhe ohne vorherige Unruhe was ist sie Reue die niemand gereut
wirkt Leben und wenn denn ein Deist traurig wird was kann diese Trauigkeit der
Welt anders wirken als den Tod  Seht da den Christen die Augen offen im
Leben heißt es Nase und Mund offen wegen der Hinsicht allein wie ruhig wegen
der Rücksicht Selig selig wer wie Mine stirbt so kindlich groß so schön So
sterben zu sehen ist das nicht Wonne Wer so stirbt der stirbt wohl wohl
wohl Und verdenkst du unberufener Kunstlichter dem Grafen dass 
    Seht nun wie ausdrücklich berechnet ist die Ruhe der Christen auf ihren
Gesichtern Gilt es denn hier etwa nur eine taube Nuss oder gilt es eine
Ewigkeit
    Nach diesem Präludio ich wünscht es wär in der Wirklichkeit so stark im
Ausdruck als das des alten Herrn in der Einbildung Seht euch mit mir um
lieben Leser
    Auf den ChristenTodtenköpfen eine vollständige Quittung Brief und Siegel
zum Losspruch Kein Zweifelglaube ohne alle Einwendung in der Rücksicht  Die
Kinderfrage in der Hinsicht tut nichts zur Sache Seht jenes Weibsbild wie
unbefleckt wie frohruhig wie zweifelsfrei Nicht Hoffnung sondern der Himmel
selbst in hoher Person hätt ich bald gesagt liegt auf ihrem edlen Gesichte
Ich kann hier selbst keine Neugierde keine Kinderfrage finden Solch ein Weib
wie schön selbst im Tode Alles ist neues Testament alles ist Erfüllung in
ihrem glänzenden Angesicht Nichts Prophezeiung nichts Vorbild nichts
Verheißung Jener alte Mannskopf ihr gleich O Gott wär ich doch einst auch so
tot wie die beiden Da ist auch nicht ein einziger Zug der nicht
wünschenswert wäre Nicht einer So schöne Köpfe würde man Mühe haben im Leben
zu finden  Der Graf erzählte uns beider Sterbensläufe Sie wären gern wie er
sagte herzlich gern gestorben und hätten die Kräfte der zukünftigen Welt so
gewaltig gefühlt dass sie mehr dort als hier gewesen Überdruss der Welt ist
Vortodt bemerkte der Graf Es ist ein gut Hausmittel die Bitterkeit des Todes
zu vertreiben Wer aber so gleich gerade stirbt so einen klaren reinen Tod ohne
alle Ingredienzen O schön rief der Graf aus  Ein auszehrendes Fieber löste
die beide Köpfe auf Ihr Geist lag nicht an der Auszehrung feierlich sagte der
Graf so mit Verstand und allen fünf Sinnen gingen sie aus der Welt so dass nur
ein Tor wie der Graf sich etwas zu hart ausdrückte sagen könnte Sie wären
gestorben Freunde auf Ehre sie zogen nur über Land Wer einfach wer im
Naturstande im Stande der Unschuld lebt stirbt der Nein er wird lebendig gen
Himmel geholt und solcher Übergänger solcher Himmelsfahrer gibts viel
obgleich das Paradies nicht mehr ist Es ist mit der Unschuld zusammen
verschwunden
    Wir sprachen bei dieser Gelegenheit ein Hohes und Tiefes über den Einfluss
den die Krankheit auf die Gestorbenen behauptet allein der Graf versicherte
wenig oder gar nichts Auf den Agonisirenden zwar allein auf den eigentlich
Sterbenden auf den Gestorbenen nicht Sobald der Mensch tot ist fuhr der Graf
belehrend fort zieht sich alles wenn ich so sagen soll nach der Seele die
größten eindrücklichsten Krankheiten verlieren ihre Spuren Das Wort komm oder
geh welches die Seele die ihr voriges Leben dem Gewissen vorreferirt schon in
den letzten Augenblicken vor dem infallibeln unappellabeln Richterstuhl des
Gewissens vor dem Baum der Erkenntnis Gutes und Böses als eine rechtskräftige
Sentenz erschallen hört geht in den ganzen Körper über in die ewigen Elemente
desselben wie ein Blitz oder Sonnenstrahl nach dem es komm oder geh heißt und
bleibt
    Wenn ich sagte der Graf dessen Einbildungskraft im Adlerfluge war den
Augenblick hinmalen lassen könnte wenn ein Mensch stirbt was würd ich drum
geben Diesen Augenblick zu observiren kostet Mühe und Erfahrung und doch
glaub ich am Ende hab ich nur fünf im eigentlichsten Sinne sterben gesehen
ich hoffs zu sieben zu bringen Ein heftiger Ruck  bei allen Fünfen bei einem
unter den Fünfen war der Tod ein wirklicher Einschlaf Diese Fünfe hängen wir
nicht wahr etwas zu sehr im Dunklen Ich liebe einen gewissen Schatten auf
diesen Gesichtern den ich zum Teil erkünsteln muss Die Fensterladen auf  
Da der der ists von dem ich sprach Wahr ich fand es ich fand noch Seele
aber eben abschiednehmend und so lieblich als sagte sie Leb wohl lieber
Junge Leib leb wohl Ich werde dich noch oft auf dem Kirchhofe besuchen wo
man dich hinbringt wenn es angeht will ich sehen wo du bleibst auch wenn
sich Staub von Staub losreisst  Sei gutes Muts Gott vermag alles So lange du
in seiner Welt bist sind wir zusammen Weine doch nicht Armer Junge könnt
ich dich doch trösten Armer lieber geliebter Erdenkloss könnt ich doch O
könnt ich Beten kann ich will ich Lass ihn o du Seele aller Seelen Geist
aller Geister lass ihn nicht versinken in des Todes letzter Not erbarm dich
sein  Ein Teil Leben wenn es ginge wie gern gäb ich es hin für dich
lieber Getreuer  und ihr Elemente ihr ewigen Stücke am Körperteil des
Menschen ihr Vorsteher des Körpers nehmt euch der unedlen Stücke an wenn sie
gleich nicht von Familie sind schämt euch ihrer nicht  O der guten
abschiednehmenden Seele
    Gott was für Schmerz auf zwei Gesichtern
    Warum verstellest du deine Gebärde könnte man zu allen beiden sagen Der
zur Linken scheint sich zu fassen oder fassen zu wollen Es ist Alexander da
er krank war und den Arzneibecher von GeneralFeldmedico Philippus entgegennahm
Eben ein Brief von Parmenio Er nahm den Becher und trank und gab dem Doktor
Philipp den Brief der ihn las Fast so sagte der Graf Nicht völlig sagt
ich denn ich kannte den Alexander auf ein Haar und besser als unser
Hochgeborner Herr obgleich er Graf war Aber da mein Gott welche
Verzogenheit Karrikatur als wärs kein Menschenkopf Der Graf erzählte mir zu
meiner allergrössten Verwunderung dass dies ein Plötzlichgestorbener sei Mein
Gott rief ich aus wie sehnlich hab ich mir bis ich diese Verzerrung sah
einen guten schnellen Tod gewünscht Vielleicht fuhr ich fort war dies ein
böser schneller Tod von dem es in unserer Litanei heißt
Für einen bösen schnellen Tod
Behüt uns lieber Herr Gott
Ich glaub es nicht erwiderte der Graf allein über den schnellen Tod mein
Freund wie viel zu sagen Ich habe Ursache zu denken fuhr der Graf fort dass
jeder Mensch gleich viel Todesnot ausstehe Todesangst und Not ist zweierlei
Die Angst ist zufällig nachdem der Mann nachdem die Angst Die Not ist
wesentlich  Aber wandt ich ein sollte Mine so wie dieser gestorben sein
mit so viel Not Ihre Mutter ist wahrlich so nicht gestorben Recht sagte der
Graf sie hat die Todesnot mit einem Stoff Wasser gemischt getrunken Dieser
auf einmal Aesop nahm den größten Korb zu tragen allein es waren Lebensmittel
darin und eben dadurch war der Korb ihm am Ende am leichtesten Mein Gott was
gibts für schmerzhafte Krankheiten und Vorfälle in dieser bösgewordenen
gefallenen Welt Alles Tote die Schrift nennt sie tot und sie sind es im
eigentlichen Sinne wenn aber der Mensch der nie gestorben auf einmal recht
und eigentlich stirbt auf einmal weg soll im Augenblick aus dem Lande der
Lebendigen  Seele und Leib so bekannt mit einander er eben in der Ausführung
von vier Planen wovon immer einer den andern deckt o Freund so was pflegt in
einen Schrei  auszuarten Und dieser hier ist eben im Schrei Ich hab ihn
nicht observirt Es ist ein großes Präsent von einem Freunde der mir aber auf
Treu und Glauben dies Stück gegeben hat und mich dünkt es sei ein Stück auf
Treu und Glauben    Und dieser verhangene Kopf Es war einer aus den
Fünfen Freund sagte der Graf der Maler Timant malte Iphigeniens der
Tochter Agamemnons Aufopferung und teilnehmende Personen die jeden rührten
der sie sah Timant brachte alles zum Vorschein alles alles vom Schmerz was
auf der Stirn dem Throne des Schmerzes im Aug und im Gesichte nur Raum hat
was man nur vom Schmerze weiß Niemand konnt in die Höhe sehen wer Iphigeniens
Aufopferung von Timant sah alles stand betrübt gebeugt zur Erde nur
Iphigeniens Vater und wie der eine schwarze Trauerdecke um sein Angesicht
Warum also Darum also weil es der Vater ist Hier sagte der Graf hier unter
diesem entsetzlichen Leichentuche ist auch ein Schmerz größer tiefer als jeder
Ausdruck Etwas ist davon am Tuche zu sehen und nur eben so viel etwas als
hinreichend ist uns das Herz zu durchbohren Sehen Sie hier nicht mehr als
überall Und doch ist hier nur ein Strich ein Punkt  Dies Stück ist auch der
Vater
    Ich kann es nicht aussprechen was ich empfand Ich unterlag
    Der Prediger machte dem Grafen bei Gelegenheit der Todesangst und Todesnot
einen Einwand Es hat sagte der Prediger Leute gegeben die aus Freude
gestorben sind Was tuts sagte der Graf
    Viel
    Nichts
    Wo da die Todesnot
    Freund erwiderte der Graf die heftige Freude kann eher wie heftige
Traurigkeit töten Die heftige Freude hat sehr was Widerliches an sich Fast
wollt ich behaupten es ist noch niemand aus Traurigkeit gestorben wohl aber
aus Freude Nicht weil die Traurigkeit dem Menschen eigener als die Freude ist
obgleich dieser Umstand uns eben nicht aus dem Wege liegen würde sondern weil
der Mensch bei der Traurigkeit auf seiner Hut ist die ganze Wache ins Gewehr
ruft alle Macht und Kraft aufbietet und macht euch fertig schreit Bei der
Freude überlässt sich der Mensch sich selbst es geht mit ihm rips raps holter
polter über und über und dies Freudenwirrwarr wie leicht kann es dem Menschen
eins versetzen Ein aus sich versetzter Mensch ist tot  Große Lustigkeit und
tiefster schmerzhafter Unwille sind so nah dass sie sich in die Fenster sehen
können Fast wollt ich sagen ein heftig lustiger sei eben so gefährlich
unwillig im Sinn wie man gefährlich Kranke hat die sehr gesund aussehen
    Diagoras freute sich über seine drei Söhne weil sie alle drei den Preis der
Akademie der Wissenschaften erhalten fing ich an  Lassen sie den Diagoras
sagte der Graf er hat mehr seines Gleichen Ein großes Glück ist eine Posaune
der Ewigkeit und sollte jeden Menschen aufmerksam machen Wenn man schnell dick
und fett wird ist dies eben kein Beweis der Gesundheit Hat man Schmerz Kummer
und Gram und der Körper ist nur aus gesundem Schrot und Korn Freunde das sind
Leute die ihr Leben bis auf den Gipfel treiben das sind Leute aus dem vierten
Gebot Ein lachend Sterbender fühlt Not über Not Er macht nur zum schlechten
Spiel ein gut Gesicht und gelt das ist schwer Ding Stirbt er schnell und
lacht er überlaut ists ärger als der Schrei dieses Mannes hier Wer so lachen
gehört hätte würde nie mehr lachen Stirbt man langsam und lächelt kann ein so
freundlich Aussehender auch ein leichtes Ende haben denn er ist schon lange
zuvor gestorben eh er dies Überwinderlächeln aufschlug  Ich halt es
beschloss der Graf indessen mit Ernst im Sterben mit einer gewissen Fassung und
die kennt weder Lachen noch Weinen Eine gewisse Grazie liegt zwar in jedem
ernsten Gesicht und ein gewisses Seelenlächeln wenn Ernst edler
unangenommener nachdrücklicher Ernst  Ein Ernstspieler ein Einfallsernst o
das kennt man auf ein Haar 
    Noch ein Wort zu seiner Unzeit
    Meine Leser werden es von selbst gemerkt haben dass dies alles nicht in
wenigen Stunden verhandelt ward Wir aßen und tranken wenn die Zeit und ihr
Zeiger die Sonne es wollte da war der Graf wie ein anderer Mensch Und ich
kann versichern dass es hier nicht heißen konnte der Tod in Töpfen inzwischen
war auch bei Tafel alles wie beim Leichenessen Eine unsichtbare Stimme rief
statt des Benedicite und Gratias nach Art des Philippus Gedenke an den Tod
Bei Tafel war geredet und zwar viel Wir waren nicht Papageien die nur Memento
mori bei schicklicher und unschicklicher Gelegenheit anbrachten doch war alles
so als bei einer Leichenwache Mein Vater liebte eine frohe Mahlzeit eine mit
Sonnenschein Beim Essen wird man nicht alt sagte er Der Graf aß wenn ich so
sagen soll bei Mondenlicht Er schien beim Essen alt werden zu wollen Die
Zimmer waren alle am Tage verfinstert der Schatten ist bei mir die Probe vom
Dinge das ihn wirft sagte der Graf  Das Sonnenlicht war überhaupt nicht für
ihn  Wie ehrwürdig wenn sich das Sonnenlicht hier und da durchschlängelte
Der Graf sagte Wer kann Gott und die Sonne in dieser Welt sichtbarlich
vertragen Gott wohnt in einem Lichte wozu niemand kommen kann Nur durch den
Tod zu ihm Durch Finsternis zum Licht Wie schön die Sonne da durchstrahlt 
ich verhänge mir die Welt und was in der Welt ist Wer kann mit der Welt in
dulci jubilo leben und auf die Sterbensastronomie ausgehen Stellatim sagte der
Prediger gehen wie man zu meiner Zeit auf der Akademie sprach
    Nun mit der Erlaubnis meiner Leser in
                               das dritte Zimmer
auf welchem ein langer Accent liegt
    Ehe ich sie hineinführe wieder ein Wort der Vorbereitung
    Bei den Sterbenden war der Graf mit Tubus und Ferngläsern auf dem
Observatorio Ich sterbe täglich das war seine Losung das wissen wir schon
Als etwas Neues und Besonderes muss ich bemerken dass der Graf fast immer Zeit
und Stunde wusste wenn es mit dem Patienten aus sein würde allein er sagte es
nie dem Sterbenden Er nie obgleich er den Tod so hochschätzte und eigentlich
lebte um zu sterben oder eigentlich starb und nicht lebte Der Graf hatte zu
diesem Rückhalt sehr große Ursachen Man muss sagte er keinem Menschen das
Sterben verderben Der Arzt der es durch die Signa Mortis vielleicht eben so
gut weiß als ich ich sage vielleicht denn er weiß es vom Körper ich von der
Seele ist mein Mann nicht mehr sobald er es seinem Patienten ins Ohr rannt
oder Leuten entdeckt die der Patient an den Arzt abgesandt Eine schreckliche
Gesandtschaft Meine Ärzte müssen sich dergleichen Kunstverrätereien nicht zu
Schulden kommen lassen Mir können sie zunicken was sie hoffen  was sie
fürchten  Das erste fuhr der Graf fort was die Patienten gefragt wird ist
ob sie schon ihren letzten Willen entworfen ihr Haus bestellt und ihren Geist
in die Hand Gottes einschreiben lassen Diese peinliche Frage dieses Verhör
enthält den größten Teil des Lebenslaufs den der Graf gern herzlich gern
vorn Willen nahm indessen ihn wie er auf Ehre versicherte nie erpresst hätte
Viele Leute fürchten den letzten Willen bloß des Worts letzt wegen obgleich
die Postscripte Kodicille und alles so lange die Zunge nur lallen kann
aufzuheben und zuzugeben von den Gesetzen berechtigt werden Die Lehre von den
Testamenten wie gefällt sie Ihnen fragte der Graf Indessen kamen wir von dem
letzten Willen an sich ab Wer wird rief der Graf aus solch eine unverdiente
Güte als die Lehre von den Testamenten nicht vorn Willen nehmen und so etwas
bis auf den letzten Abdruck aussetzen Ist denn schon jemand am letzten Willen
gestorben Hat sich der Patient leiblich wohl bereitet denn auch dies ist eine
feine äußere Zucht so geht das Geistliche an und der Patient wird eingeläutet
und sodann Gott und meinen Anstalten überlassen  Ich hätte gern das leugne
ich nicht dies Glöcklein gehört indessen wards abgeschlagen Man hört es
nie als wenn eins zur geistlichen Vorbereitung schritt und ins Sterbekloster
auf und angenommen ward Ist aber da dies Glöckchen nur bei Einläuten eines
Sterbenden zu hören dieser Klang nicht schon die letzte Oelung ist er nicht
die Entdeckung dass man ins Todestal eintrete Ins Noviziat Freund versetzte
der Graf wo man wie bekannt auch heraus kann wenn Gott will Viele ahnen die
Sterbestunde selbst und das ist ein ander Ding sagte der Graf denen hat es
Gott offenbart Wie viel ich für solche Leute Achtung habe ist unaussprechlich
ich denke immer der liebe Gott habe mit ihnen geredet und sie wären getrieben
vom heiligen Geist Wer sie nicht ahnt sterbe ohne Zeit und Stunde zu wissen
welche Gott seiner Macht vorbehalten hat Daher auch alle Sterbenszeichendeuter
ich selbst nicht ausgenommen oft irren und fehlen Meine Ärzte haben aus
diesem Grunde ihre Instruktion in ihrer Kur der lieben Natur zu folgen ihr
nicht in den Weg zu treten sondern sie bloß zu begleiten Will sie nicht mit
solch einem elenden Geschöpf als ein Doktor ist zusammen gehen so lasse sie
der hochgelahrte Herr allein Auch gut  Bei mir stirbt niemand durch den Arzt
versicherte der Graf sondern natürlichen nicht medicinischen Todes Das
Stundensandührchen muss sanft abnehmen ohne dass ihm nachgeholfen wird Meine
Mutter würde sagen ohne dass es gerüttelt und geschüttelt wird Man hat so viel
von der Abstellung der Todesstrafen in die Kreuz und Quere geredet und
geschrieben dass wirklich einige Staaten die CCC wo ohn Ende und Ziel
getötet wird ins Galante ins Feine gebracht Ich würde sagte der Graf die
Todesstrafe darum abstellen weil niemand weiß ob er nicht durch die Hand des
Arztes schmerzhafter als durch die des Henkers stirbt und weil eine Seele
die noch kernfrisch ist sich auf tausenderlei Art durch Anstrengung auf einen
Punkt des Todes Bitterkeit vertreiben kann  Das einzige was einen Henkerstod
schrecklicher als einen Kammertod macht ist die Gewissheit der Stunde wer also
die weiß wenn er auf seinem Bettlein dahinfährt aus diesem Elend stirbt ganz
und gar wie ein Delinquent wie ein armer Sünder  ganz und gar
    Ich könnte noch viel viel erzählen wenn ich alle Bemerkungen wiederholen
wollte die mir reichlich und täglich in Wurf kamen
    Ein Paar und damit genug
    Das Händefalten hielt der Graf für ein schmerzlinderndes Mittel  und sprach
sehr von der guten Wirkung die er von diesem Hausmittel ersichtlich erfochten
    Die Art wie er Kranke behandelte war wirklich Erfahrungsweise Alles hatt
er aus dem Leben nichts rein nichts aus Büchern
    Kurz ehe es zum Sterben kam trank er mit den Sterbenden Brüder und
Schwesterschaft Eine solche Sterbensschwester konnte von ihrem Lager aufstehen
und wenn es ihre Natur so wollte gesund werden allein sie blieb was sie
einmal war  Schwester obgleich ihr Vater Organist Fabrikant Nadler war
    Der Graf nannte diese Zeremonien Becherreichung Ich freue mich sagte er
schon hier in dieser Welt im Himmel zu sein wo wir alle bis auf den lieben
Gott der der Hausvater ist Brüder und Schwestern sind Solch ein Trank ist
wirklicher Himmelstrank wirklicher Nektar von dem viele Menschen sich keine
Idee machen können
    Der Prediger aus L  hatte anfänglich dieser Becherreichung wegen viel zu
erinnern gehabt indessen ward alles fein ordentlich und ehrlich beigelegt
    Es herrschte im ganzen Hause des Grafen ein Krankentritt langsam und auf
den Spitzen der Füße ging alles Kein Wunder sagte der Graf wenn hie und da
etwas steif in meinem Hause ist und nach diesen Einrichtungen aussieht Wenns
nur der Staat nicht ist fuhr er fort der auf den Zehen geht  Im Privatause
hats wenig oder nichts zu sagen Ich kenn einen Staat der schon lange auf den
Zehen geht Meine Mutter würde »geht und steht« gesagt haben Der Himmel helf
ihm auf die Beine wenn es ihm nützlich und selig ist fügte der Prediger hinzu
Ich liebe den Privattod wie mein Leben fuhr der Graf fort nur den publiken
den Nationtod nicht Da stirbt nichts und alles Der Graf konnte sich nicht
erholen um die Krankensprache zu reden so voll war er über den publiken Tod
und freilich ists eine Todesart die mit in sein Fach einschlägt So im
Todtentritt kamen wir in eine der Sterbezellen Der Graf nannte diesen Zehengang
den Todtentanz und hatte wunderliche steifbenutzte Regeln darüber und eine ganz
peinliche Theorie Ich konnt es in so kurzer Zeit freilich nicht weit in dieser
Kunst bringen wie ich denn überhaupt kein großer Tänzer in meinem Leben
gewesen Fürs Haus und so war ich auch ein Todtentänzer
    Der älteste unter den Sterbenden hieß Pater die älteste Mater Diese
Ältesten veranstalteten entweder eine Versammlung in einem Zimmer zum Gebet und
Gesang und Krankheitserzählung oder es wurden wenn es die Krankheit nicht
zuließ alle Zellentüren geöffnet und jedes sang und betete auf seinem
Sterbebettlein Alle Zimmer waren in Gemeinschaft Jede Sterbezelle war auf zwei
Personen eingerichtet In Littera O alle Buchstaben kommen nicht zu dieser
Bezeichnungsehre der Graf hatte einige denen er diesen Vorzug erwies wo ich
eben die Türe zu öffnen mir die Erlaubnis nehmen werde um einen Accent darauf
zu legen war kurz zuvor eine Sterbenscandidatin gesund geworden und nun war
nur
                                die Curländerin
in Littera O Ich bitte sagte der Graf und kaum hatte ers ausgesagt da ich
eine Stimme hörte der Pastor  aus Kurland der Pastor   aus Kurland Sein
Sohn erwiderte der Graf Bei aller Lebenslaufsneugierde und Verhörslust wovon
der Graf schon in L  ein Pröbchen zurückließ war er wie wir schon wissen
nichts weniger als zudringlich Der Ausruf der Pastor   aus Kurland den der
Graf verbesserte und stehenden Fußes ins Reine brachte hatte meine Neugierde
ebenso wie die des Grafen in Bewegung gebracht Die Curländerin hatte so was
Liebevolles im Auge da sie rief dass sie Strahlen aus ihren Augen warf die
Augenbraunen gingen so schnell in die Höhe als wenn man Fenstervorhänge durch
Schnellfedern zieht Ein Romanheld würde die Neugierde seiner Leser und
Leserinnen noch wenigstens ein paar Seiten erhitzen und ihnen alsdann einen
Labetrank geben so ungesund es gleich ist in voller Hitze zu trinken Ich sage
geradezu die Krippenritterin verstoßen verworfen von ihrem Ehemann und im
Begriff irgendwo den Tod zu suchen Gottlob setzte sie hinzu da sie diesen
Umstand erzählte dass der Tod mich ohne mein Verdienst und Würdigkeit bei Ew
Hochgeboren in Empfang nehmen will Ich bitte fiel der Graf ein Hochgeboren
weg   Hier zu Lande sind wir nur schriftlich Hochgeborne Ich dachte bei
dieser Gelegenheit an den Ordensengel und die Wappen und die Federbüsche Dieser
Eingriff setzte die Curländerin in eine kleine Unordnung nach einigem
Stillstande fuhr sie fort so ein schönes Rendezvous war ich vom Tode nicht
erwartend Sie dankte dem Grafen mit einem Blick dass ich völlig einsah wieviel
sie mit ihrem Auge vermochte
    Ich will ihre Geschichte in tertia persona geben ohne zu bemerken ob ich
die Umstände von ihr selbst oder vom Grafen empfangen Ihre Schicksale waren
höchst traurig Der Ritter hatte wirklich Neigung zur jüngsten Tochter des
Pastors L  Die Ohrfeige gab den Ausschlag Er hatte in Kurland nichts zu
verlieren als mensam ambulatoriam zu deutsch Krippenritt und da Pastor L  von
jeher seine Gebärde so zu verstellen wusste dass man ihn reich hielt kostete es
dem Krippenritter wenig Mühe seinen Freunden Tisch und Krippe aufzusagen Ihre
Anzüglichkeiten gegen ihn somit sie ihm alles versalzten was er genoss nachdem
er geschlagen war bestimmten ihn völlig Der Weinstock seiner Gönner war ihm
des Weinstocks zu Sodom und von dem Acker Gomorra Ihre Trauben waren ihm Galle
sie hatten bittere Beeren Ihr Wein war ihm Drachengift und wütige Otterngalle
Worte über welche der Kasuist Pastor L  seinem Schwiegersohne eine
Abschiedspredigt hielt und sich wegen zeiter genossener Höflichkeiten im Namen
desselben bei seinen Tischfreunden bedankte obgleich in Kurland Weinstock und
Trauben etwas Wildfremdes ist Zu lesen im 5 Buch Moses im 13 Kapitel im 32
und 33 Vers sagte der Prediger aus L  und freute sich dass er so alt er
wäre noch so gut treffen könne
    Der alte Herr spielte im figürlichen Verstande zu der Predigt des Kasuisten
Er gab dem neuen Ehepaar durch einige Reimlein das Geleite Die Curländerin
brauchte den Ausdruck er bestreute diesen Weg mit einem Pasquill und da sie
alle Beilagen zu ihrem Lebenslauf aufgeblättert hatte fand sie diese Beilage A
mit einem Griff womit ich meine Leser aber nicht belästigen will
    Ein Reimschmied war gewöhnlich die andere Hand des Hermanns Aus Höflichkeit
nannte er ihn seine rechte Hand Selten war er ohne eine solche andere oder
rechte Hand Ein paar Strophen
Was hat in dieser letzten Zeit
Ein Pastor über Fingerbreit
Den Beichtstuhl arme Sünder
Und wenn zu Haus es wohl gedeiht
Ein ganzes Häuflein Kinder
Wie aber Sie  Halt us hat e
Achtbarer Herr Präposite
Zu Mosen und Propheten1
Und bei der Zeiten Ach und Weh
Zu Pauken und Trompeten
                                       
Ein Jüngferchen wird gnädge Frau
Des Pastors Trinchen kommt zum V
Auf ungebahntem Wege
O Wunderworte braun und blau
Schlag über alle Schläge
                                       
Ist Ende gut ist alles gut
Das neue Paar zieht wohlgemut
Mit Bibel und mit Degen
Der Herr Gemahl hat adlich Blut
Und Sie des Vaters Segen
    O des Hermanns und seiner andern Hand Meine Mutter wie wir alle wissen
war keine Freundin ihrer Nebenbuhlerin und alle Reimlein fein waren ihr ein
süßer Geruch Was würde sie indessen zu diesem Auswuchs gesagt haben »So wie
Christus der Herr unter Mörder kam so auch oft die Dichtkunst diese edle Gabe
Gottes Die Sonne geht auf über Fromme und Gottlose und der Regen fällt über
Gerechte und Ungerechte« Sie nannte sonst die Poesie etwas was der liebe Gott
seinen Lieblingen in die Hand stecke ohne dass es andere merken  Was kann der
Geber dafür setzte sie aber hinzu wenn der Schlingel in der nächsten Schenke
seine Gabe versäuft  Doch von allem dem ist schon sonst gepredigt worden
    Hermann   warum vorderhand von ihm auch nur ein einziges Wort
    Der Ritter erhielt vom Pastor L  so viel als das Haus vermochte Ein Schelm
gibt mehr als er hat Der Pastor L  tat sich wehe seines hochwohlgebornen
Schwiegersohns halber seine andere Tochter litt Not dabei sie starb im
Hospital Unser Ritter hatte nie Gelegenheit gehabt Debet und Kredit in seiner
eigenen Angelegenheit abzuschließen indessen verstand er doch zu übersehen dass
die Mitgabe nicht hochadelich zugeschnitten wäre Er entschloss sich also zum
Incognito wo es wenn nur eine reiche Weste hervorsticht aufs Kleid nicht
ankommt Der Ritter beschonte seinen adelichen Namen und legte sich
wohlbedächtig einen unadelichen bei Das junge Paar lebt also in bürgerlichen
Überkleidern in   einem preußischen Städtchen und verzehrte bei einer
friedlichen Ehe alles was es hatte Die Ritterin fand Ursache ihren Gemahl für
ein gut Spiel in der Hand zu halten wobei es zwar noch immer auf den Spieler
ankommt da sie indessen des Dafürhaltens war dass sie sich schon in die Zeit zu
schicken im Stande sein würde so lebte sie sorgenlos froh das heißt seliglich
 In dieser glücklichen Periode hatte sie keine Kinder Die Anzeige dass ihr
Vorrat zum Ende ginge bracht ein Nordwind zuwege der lange anhielt wie die
Nordwinde gewöhnlich zu tun pflegen Was war zu tun Unser Ehepaar entschloss
sich zur Hauptstadt und nach mancherlei Hin und Her und Überlegen wollte der
Ritter französischer Sprach oder Tanz oder Fechtmeister werden obgleich er
sich schließlich als Sprach und Tanzmeister bei der Universität Königsberg für
Geld und gute Worte eintragen ließ Es waren ihm Kleinigkeiten dass er so wenig
tanzen konnte als parliren Im Fechten war er zwar in naturalibus indessen
hätt er doch eher als Fechtmeister als wie ein andrer Meister die Zunft
gewinnen können Er war indessen wegen einer natürlichen Herzlosigkeit auf diese
edle Kunst gar nicht fundirt Der Teufel glaubt er könnte sein Spiel haben
wie ers oft hat  Da unser Krippenritter ein Mann war der sich in allem
selbst bei einer Ohrfeige wie uns bekannt ist zu finden wusste so half er sich
aus und brachte es dahin dass er in beiden schönen Wissenschaften denen er den
Eid der Treue abgelegt das Gewöhnliche leistete Vom Französischen haben meine
Leser am Wörtchen rendezvous eine Probe das er sogar auf seine Frau
fortgepflanzt hatte
    Unser Meister zweier brodgebenden Künste hatte ein Gedächtnis das er auf
curische Manier ein Pferdsgedächtniss hieß und was brauchte er mehr als ein
Lexikon wozu er in kurzem Rat schaffte Nun war er fürs Haus ausstaffirt Die
Kunst verrät den Meister nicht Er hatte gelehrt und gelernt den Acker
cultivirt und sogleich Samen auf den Boden gestreut Doppelte Schnur reißt
nicht Diese Methode erforderte Fleiß und Häuslichkeit und das ist der Grund
und Boden einer glücklichen Ehe worüber unsere Ritterin nachdem sich der Nord
gelegt hatte nicht klagen konnte »Jetzt da ich weniger Brod hatte erhielt
ich mehr Zähne und mehr Magen Ich schenkte meinem Manne einen Sohn und eine
Tochter« Unser Meister musste bei seinem sauren Wein der Sprach und Tanzkunst
verschiedene Kränze aushängen Er zog die studirende Jugend mit Rat und Tat an
sich Die Tat bestand in Kautionen die er für seine Leute vom Professor an
bis zur Wäscherin einlegte Man nahm ihn überall seiner Frau und Kindes
halber als Bürgen an Der Hauptkranz den er aushing war sein Incognito Er
zeigte zuweilen den Schimmer seiner Weste und bedeckte sogleich wieder diesen
Sonnenglanz durch die Verfinsterung seines Bürgerrocks Man wird selten einen
Sprach und Tanzmeister finden der nicht Menschenblut auf sich sitzen hat und
so hatte auch unser Sprach und Tanzmeister einen Gewissen im Duell erstochen
um mit Blut seine Frau zu lösen Für einen Mann der Sprach und Tanzmeister
zusammen in einer Person war ist es sehr bescheiden dass er nur einen und
nicht für jede Kunst wenigstens einen ums Leben gebracht obgleich dieser Eine
gewiss sich gottlob besser befand wie er Leute die den Pfiff verstanden
schätzten die Schonung des unschuldigen Menschenbluts und die Bescheidenheit
unseres Tanzbären und DeutschFranzosen Die es aufs Wort glaubten sahen die
mit kostbarem Menschenblute gelöste Krippenritterin so steif an dass sie rot
werden musste Ich bin als Gast in ein paar französischen Stunden des
Krippenritters gewesen und muss nach einem LBS ihm ein Zeugnis mit Obgleich
geben Ob er gleich durchs Lehren wirklich gelernt hatte so wollte mir doch
verschiedenes nicht in Augen und Ohren Vernunft und alle Sinne
    Unser Ritter fing an warm zu werden ich glaube das wird kein Deutscher
wenn er nicht französisch kann Er ließ es seinem Weibe empfinden dass sie ihn
bis zu Trebern erniedrigt hatte wie er sich weil sie Pastors Tochter war
biblisch ausdrückte Du hast ja gottlob ein gutes Lexikon erwiderte sie in
edler Unschuld allein der Krippenritter hatte aufgehört Unschuld zu fühlen Es
war nicht zu leugnen dass es nicht immer Füchse gab die Füchse hatten ein paar
akademische Ausdrücke die ich so frei wie die Curländerin sie brauchte meinen
Lesern abgebe Füchse heißen Dukaten und einjährige Studenten allein dies war
nicht der Hauptgrund seiner Ausgelassenheit Es hatte sich ein Liebeshandel
zwischen ihm und der Mutter und Tochter eines wohlachtbaren Mannes auf dem
Tanzboden angesponnen dies setzt ihn zurück und war die Hauptursache von
allem Unser Ritter legt es seinem armen Weibe nahe dass sie den Weg des
Fleisches gehen sollte den er ritterlich ging es ist setzt er hinzu der Weg
alles Fleisches Nicht also erwiderte die Curländerin  Also also rief er
Ein unmenschliches Also Der Tyrann entzog seinem Weibe alles was zur
Leibesnahrung und Notdurft gehört den letzten Bissen Brod Seine Kinder die
nach Speise jammerten störten ihn nicht in seinem Lustschlossbau wo er mit
seinen Prinzessinnen in Gedanken sich weidete  Ich will heute sagte der
Kleine eines Abends aufbleiben um dem Vater die Füße zu küssen und ihn zu
bitten Was denn fiel die Mutter ein  Das könnt Ihr wohl raten es war alles
Ihr und Ihr Die Mutter weinte denn sie wusste wohl dass der arme Jacques gern
noch eine Semmel gehabt hätte Jackchen schlug sich mit dem Schlafe und hatte
einen desto schwereren Stand denn ihn hungerte weil er den Schlaf überwunden
hatte Der Vater kam um Mitternacht und wie es aus seiner Art Gepolter den
Anschein hatte fröhlich und guter Dinge heim Der liebe kleine Junge kroch im
Finsteren zu Licht war kein Dreier im Hause zu seinen Füßen Was da für ein
Hund rief der Unvater Dein Hündchen lieber Vater sagte Jackchen Er »Fort«
Der Kleine »Gleich lieber Vater« Warum lässt dich die Mutter herumkriechen
Auf diese Aufforderung gab das arme Weib das sich schon längst in ihr
Schlafkämmerlein zurückgezogen hatte keine Sylbe Der liebe Junge erzählte mit
einer himmlischen Leichtigkeit dass er sich des Schlafs erwehrt und dass er
seinen Vater etwas zu bitten hätte was seine Mutter nicht hören dürfte
Vielleicht wacht sie noch fuhr der Kleine fort hebt mich an Euer Ohr oder
neigt Euch zu mir Der arme Junge bat den Vater ganz leise seiner Mutter zwei
Semmeln zurückzulassen Wir beide setzt er hinzu meine Schwester und ich
werden wie ich hoffe satt werden wenn wir Mutterchen essen sehen Diese
fussfällige Bitte beantwortete der Vater mit einem Stoß und dem Ausschrei
Komödie Vortrefflich Madam hat nicht einmal nötig zu souffliren brummte er
hinterdrein Das arme Weib verlor über diese Geschichte den letzten warmen
Tropfen Fassung und unserm Jackchen ich will ihn lieber Jakob nennen spielte
der Schlaf den Streich dass er kein Auge schließen konnte Die Mutter schluchzte
und der kleine Junge weinte so bitterlich so dass er bis Morgens um fünf
darüber vergaß dass er hungrig war  Die Curländerin lebte mit ihren Kindern
von ihrer Hände Arbeit Das Mädchen musste spinnen und Jakobchen die Wolle
auseinander ziehen Sie wollte eher ihren Ismael und seine Schwester Hungers
sterben sehen als auf unrechtem Wege Nahrung und Kleider suchen Sie erfuhr in
Wahrheit dass der Mensch nicht vom Brod allein lebe sondern vom Worte aus dem
Munde Gottes vom Bewusstsein recht und richtig zu wandeln Ich war nie böse
sagte sie allein mein trauriges Schicksal brachte mich weiter ich ward fromm
gut so wie es Menschen sehen können Ein gewesener Sprachschüler hatte schon zur
Zeit des genommenen Unterrichts ein Auge auf sie geworfen ohne dass sie dieses
Auge auf ihren Wangen geschweige an ihrem Herzen empfunden Jetzt glaubte der
gewesene Sprachschüler beide Augen auf sie werfen zu können Um indessen desto
sicherer zu gehen er kannte ihre Denkungsart musste seine Base die in der
Familie kuppelte es mit der Ritterin freundschaftlich anbinden Diese Base war
in einen Engel des Lichts gekleidet und wenn auch vielleicht zuweilen ein
schwarzes Fleckchen hervorkam wie hätte es wohl unsere Curländerin sehen
können Verliebte haben mit guten Seelen eine gewisse Denkungsart gemein jene
lieben alles diese halten alles für ihres Gleichen Die Geschenke womit die
Base der Notleidenden auf eine so gute Art zuvorkam machten sie blind wie
doch Geschenke sogar die Weisen blind machen und die Sachen der Gerechten
verkehren Der Knoten war geschürzt und der Buhler fand sich eines Tages bei
Frau Basen ein und von Stund an so oft die Curländerin zur Base ging In
geraumer Zeit sah sie das Netz nicht das zu ihrem Fang ausgebreitet war Einst
aber küsste dieser Buhler die Kinder der Curländerin so verliebt dass die Wangen
der Mutter aus Scham glühten Vielleicht wär es ihr weniger bedenklich
vorgekommen wenn er nicht noch obenein die Kinder diesmal da er küsste so
reichlich beschenkt hätte dass die Curländerin ganz deutlich sah worauf es
herausging Die Sache kam dem fünften Akt immer näher und Frau Base deckte
jetzt so wenig ihre schwarzen Flecken dass sie über und über kohlschwarz
erschien Sie brachte um recht ordentlich und bedächtig zu Werke zu schreiten
ein Pakt in Vorschlag Die Curländerin die ihr Herz ehemals in ihren Händen
getragen schloss und verriegelte es jetzt brach mit Frau Basen sandte die
Geschenke zurück welche die Kinder erhalten Die mit buhlerischen Küssen
befleckten Kinder wusch die Mutter mit frischem Wasser aus dem Brunnen vor ihrem
Fenster Die Kleinen weinten über ihren Verlust allein ihre Mutter tröstete sie
mit süßen Worten Das arme Weib wusste nicht was man vorhatte Man drohte da
Bitte nicht helfen wollte Es enträtselte sich dass Frau Base nur die Geschenke
spedirt hätte die jetzt zurückgefordert wurden In welcher Seelennot sah sich
die Curländerin Sie rang die Hände entdeckte sich ihrem Manne der zum
erstenmal im Jahr es war im November lachte allein er lachte so dass noch nie
so schrecklich gelacht ist seitdem der Teufel lachte da Adam und Eva so
dummköpfig fielen Der Satan war lichterloh in ihn gefahren Sie sprach Leute
an allein vergebens Sie hatte von einem reichen Manne gehört von dem man
sagte dass er zuweilen einen guten Augenblick hätte Sie ging fand ihn
beschäftigt er nahm sich Zeit sie anzuhören Sie musste ihm ihre ganze
Geschichte erzählen Da sie am Ende war fragte er sie mit einer Gelassenheit
die mit dem Lachen ihres Mannes sehr nahe verwandt war ob sie hypotekarische
Sicherheit hätte Nein antwortete sie Nun jede Not findet ihren Trost fuhr
der reiche Mann fort so werden Sie einen Biedermann finden der Bürgschaft für
Sie leistet Die Curländerin bat ihn dieser Biedermann selbst zu werden allein
er erklärte ihr nach Rechtsgrundsätzen wie er bei sich selbst nicht Bürge sehen
könnte Ich führte die große Bürgschaft an sagte die Curländerin die Gott sich
selbst geleistet hatte  allein er meinte diese Sache wäre zu heilig um sie
auf irdisches Geld und Gut zu deuten  Schließlich gab er ihr das Geleite bis
zur letzten Stufe und befahl sie Gott Eben dacht ich fuhr die Curländerin
fort wenn Gott die Menschen auch nach Hypothek fragen wenn er mit ihnen
verfahren sollte wie sie unter sich  als ich ohnmächtig hinsank und noch
jetzt nicht weiß wie ich in ein Haus in der heiligen Geiststrasse gebracht
worden Sie fand sich da sie erwachte in den Händen einer alten Frau und eines
jungen Mannes Dies brachte sie zum Schrei denn sie stellte sich die Base und
ihren Vetter vor allein sie erfuhr dass es Schwiegermutter und Schwiegersohn
waren Sie war in ihrer Erzählung noch nicht bei der Hypothek als diese Mutter
und Sohn sich ansahen und den Blick schnell abbrachen Ein Blick sagte die
Curländerin der mir wie ein Sonnenstrahl tief in die Seele schien  Die
Tochter der Alten die Güte selbst  Die guten Leute ließ die Kinder der
Curländerin holen und gaben ihnen zwei Tage zu essen und zwei Nächte Betten zu
schlafen Dieser Schlaf war mir ein Vorschmack des Todesschlafs so süß sagte
die Curländerin Nun kam sie in ihr häusliches Elend allein sie fand ihren Mann
nicht mehr sein Auszug hatte keine Stunde erfordert Ein jämmerliches Bett
mehr war nichts nehmenswert und eben dies fehlende Bett zeigte seine
Entfernung an Sie warf sich auf die wüste Stätte wo sein Bett gestanden
nieder und wollte beten da ihre Tür aufging und eine weibliche Gestalt
erschien So trug der Engel dem Elisa Essen wie diese Gestalt ein im weißen
Tuche verknüpftes  Wer Wie Wo Weg war die Trägerin Die Beterin löste auf
fand das Geld für den Bösewicht und noch darüber  Da blinkerte der Blick vor
ihren Augen der ihr in der heiligen Geiststrasse in die Seele strahlte  Diesen
Abend dankte sie Gott den folgenden wollte sie ihren Errettern in der heiligen
Geiststrasse danken allein sie fand niemand im Hause Die Nachbarn versicherten
dass die gewesenen Einwohner über Land gezogen wohin wüssten sie nicht Sie
habens im Himmel zu gut liebe Freundin Bald hätte der Graf Schwester gesagt
das war sie noch nicht Wehe der Stadt die solche Leute verlassen Ich dachte
an Lot und seine Familie fuhr die Curländerin fort    Doch warum diese
Weitläuftigkeit in wörtlicher Nacherzählung Der Vetter und seine Base wurden
von Heller zu Pfennig befriedigt das übrige im Bündel war kein Oelkrüglein
allein es war Spargeld in den Tagen der Krankheit womit Gott unsere Curländerin
heimsuchte Ihr Töchterlein starb an den Blattern Jakob aber ein rüstiger
Junge der es selbst mit dem Schlaf anzubinden sich getraute und den Sieg
erhielt unterlag nicht der Krankheit sondern starb im eigentlichen Sinn an der
Gesundheit die mehr als die Krankheit forderte Er überstand die Blattern
allein Mangel der Pflege war die Ursache seines seligen Todes Er kam mit dem
Tode wie mit dem Schlafe zurecht Eine benachbarte Wittwe brach in dem größten
Elend mit unserer Unglücklichen das Brod Sie hatte einen Sohn den sie den
Bräutigam der kleinen Julie so hieß die Tochter der Ritterin nannte Da aber
ihr Sohn mit der Tochter zu gleicher Zeit die Blattern bekam und auch zu
gleicher Zeit ein kurzes Leben endete ward die Wittwe so bitter unwillig dass
sie die Curländerin mit einem Tropfen Wasser vergeben hätte Ist das der Dank
schrie die Wittwe ohne Aufhören dass sie mein Kind würgt Sie begegnete der
Curländerin als der Mörderin ihres Sohnes und wollte nichts weiter von ihr
sehen noch hören Der Schmerz tut mehr als dergleichen Dinge und auch seltener
als der Zorn was recht ist
    Noch eine Anekdote muss ich einholen die mich sehr bewegte Zur Zeit da ihr
Ungetreuer sein Bette noch nicht aufgehoben und sie verlassen hatte war die
Krippenritterin wegen Quartiermiete sehr verlegen Ostern und Michael war
Zinstag und Jammertag wie sie sagte Nie konnte sie Zeit und Stunde einhalten
Habe Geduld mit mir ich will dir alles bezahlen war alle Jahre zweimal ihre
Bitte Der Vermieter hatte Geduld es war ein Leineweber Einstmals ward ihm
die Zeit zu lange die Weihnachten waren vor der Tür und mit dem Michaeliszins
noch kein Anfang gemacht Der Krippenritter hatte den Leineweber der ihn in
Züchten und Ehren mahnte ziemlich deutsch abgefertigt obgleich er
französischer Sprachmeister war Mit einer Frau und einem Leineweber getraute
ers sich schon anzubinden Der Hausherr ward zornig  Sie kam und eine
spiegelblanke Träne stand ihr im Auge Der zornige Hausherr sah sich in dieser
Träne und fand seine Gebärden verstellt denn er hatte es auch mit ihr zum
Scheltworte angelegt Plötzlich ward aus dem Saulus ein Paulus Liebe gute
Madam ich bedauere Sie Freilich Sie sind unschuldig aber er  ein böser
Mann Sie seufzte in die Höhe die Träne blinkerte Nach ein paar Worten fing
er an Lass gut sein So lange ich lebe hören Sie so lange ich lebe sollen Sie
in meinem Hause wohnen und sich Ostern und Michael ein paar schöne Feste
nicht mehr durch die Frage verderben wo die Miete frank und frei Der
Leineweber konnte die Worte frank und frei vor Bewegung nicht laut
herausbringen er sprach sie gebrochen das heißt die meiste Zeit herzlich
Sie wusste nicht wie ihr geschah Die diessjährige Michaelismiete fuhr er fort
zum heiligen Christ für ihr Jüngstes das war Jakobchen  Gott mehr konnte sie
nicht sie wollte den Geber anfassen und ihm danken  man fasst gern an wenn man
dankt  allein noch ehe sie dazu kam legte der Wohltäter beide Hände auf den
Tisch eine auf die andere den Kopf langsam darauf und  wer hätt es denken
sollen  starb  O glücklicher Leineweber dein Lebensfaden wie schön ist er
zerrissen Du bist lebendig gen Himmel geholt Solch ein Tod  Das nenn ich
sterben sagte der Graf der Todesangst und Not unerachtet wovon ich unsern
Seligen nicht loszählen kann
    O du der du die Menschen lässest sterben und sprichst Kommt wieder
Menschenkinder Ich bin zu geringe wie jener Märtyrer den Himmel offen zu
sehen lass mich lass mich nur mit einer solchen Tat wie dieser dahinscheiden
Konnte Gott diesen großen Täter mehr belohnen Nicht wahr der starb in einer
seligen Stunde Gott schenke sie mir und allen die solch eine Träne verstehen
Amen
    Hiermit wäre diese Leinewebergeschichte für den Himmel zu Ende allein für
die Erde bei weitem nicht Die frohen Erben verstanden sich so auf Tränen
nicht als unser Leineweber Das Versprechen So lange ich lebe war mit seinem
Tode abgelaufen das verstand sich von selbst allein der Michaeliszins Auch
den musste die Curländerin einbüßen oder ihr Jüngstes 
    »Denn es ist mit nichts bescheinigt dass eine dergleichen Schenkung
vorgefallen vielmehr sind alle Umstände dawider Defunctus hat zu
verschiedenenmalen den Zins im Guten und Bösen verlangt und ist nicht
abzusehen warum er so schnell seine Gesinnungen ändern sollen Es ist unter dem
vorschriftsmässig schriftlich errichteten Mietskontrakt diese Schenkung mit
keiner Sylbe bemerkt vielmehr findet sich weder hinter dem Mietskontrakt noch
sonst wo eine Quittung wegen des angeblich verschenkten Zinses Niemand hat die
Schenkung entgegengenommen und können die vorgeschützten Worte Die
diessjährigen Michaeliszinsen zum heiligen Christ für ihr Jüngstes wenn sie
wirklich vorgefallen auf verschiedene andere Weise gelenkt und ausgelegt
werden zu geschweigen dass kein deutlicher Sinn herauszubringen und dass das
Hauptwort Schenkung gänzlich fehlt Der so plötzlich darauf erfolgte Tod lässt
vielmehr vermuten dass wenn Defunctus sich ja wirklich welches doch an sich
zu bezweifeln dieser Worte bedient er schon ohne Bewusstsein gewesen Defunctus
hat wie es zugestanden ist sich jederzeit und auch nur kurz vor seinem Ableben
gegen den Mann bitter ausgelassen und würde es wohl der Ehegattin Ehre machen
wenn sie sich mit eben demselben Mann so gut gestanden Auffallend ists dass
sie durch diese Schenkung ihre eigene Schande veroffenbaret Dergleichen
Personen versagen die Rechte allen Glauben sowohl nach den gemeinen als den
statuarischen Rechten«
    Das war ungefähr der Inhalt zu einer Sentenz die uns die Curländerin sub B
in copia autentica vorzeigte Ich mag nicht weiter abschreiben mir ekelt vor
dieser losen Speise
    O der feinen spinnwebfeinen nadelspitzen Gerechtigkeit sagte der Graf
Wie oft hab ich mich in meiner Jugend der heiligen Justiz angenommen und den
Kopf geschüttelt wenn Priester und Küster Präsident und Notarius in
öffentlichen Lust und Trauerspielen dem Volke zum Spektakel aufgezäumt wurden
nach der Zeit sah ich ein und wer siehts nicht dass man ihr nicht zu viel
sondern zu wenig tue Der Fehler ist man behandelt sie bei ihrer Feinheit zu
handgreiflich  Mit demselben Masse womit sie misset  Doch weh weh ihr
wenn der Richter aller Welt sie messen wird  Die Curländerin behielt die
Sentenz zum Sterbekissen und wahrlich auf solch ein Urteil den Kopf gelegt
muss sich leicht sterben fast so leicht wie der Leineweber auf seiner eigenen
Hand Wie aber der solch eine Sentenz formte  Richtet nicht  Eine von des
Leinewebers Erben war ein niedliches Mädchen das ein Rat aus dem OberKollegio
nicht sauer ansah Ich weiß nicht ob und in wie weit dieser Umstand auf die
gemeinen und statuarischen Rechte einen Einfluss gehabt O der wächfernen Nase
rief der Prediger und dachte an das Promemoria des Justizrats Der Graf
beschloss Wenn die Christen zur heiligen Christzeit solche Sentenzen machen Der
Judenjunge und Benjamin fielen mir ein jener in Ketten dieser wie er dreimal
um den Tisch hinkt
    Dieses Sterbekopfkissen war nicht das einzige das unsere Curländerin sich
unterzulegen im Stande war sie konnte noch weicher liegen Ihr Ehemann war
entschlossen die Tochter quaestionis zu heiraten Die Mutter quaestionis
glaubte bloß ihret der Mutter halber die Tochter bildete sich ein es besser
zu wissen Der Ritter gewann zusehends bei diesem Spiel und ließ die Mutter
glauben und die Tochter sich einbilden was jedes wollte Er musste ehe aus ihm
und der Tochter ein Paar und die Mutter zugerechnet ein Dreiblatt werden
konnte von seiner vorigen Frau nach der Sitte im Lande geschieden werden Es
ist ein Gräuel in Preußen zwei Weiber zu gleicher Zeit haben allein ich habe
einen Mann gekannt der zwei Frauen von denen er geschieden war bei sich
hatte die dritte ungerechnet mit der er aber priesterlich verbunden war Es
kommt alles auf die Form an  Gott der du Mann und Weib Adam und Eva schufst
    Der Bräutigam schrieb an seine Frau einen schrecklichen Brief er
beschuldigte sie der schwärzesten Laster und trug es ihr als eine Großmut an
dass er sich aller Beahndung in bester Rechtsform begeben wollte wenn sie
gutwillig unter dem Vorwande dass eine Todfeindschaft sich zwischen sie ins
Ehebett gelegt in die Trennung willigen würde Das arme Weib die sich ihrer
Unschuld bewusst war antwortete ihm wie ers mit seinen Sünden verdient hatte
und nun der Weg Rechtens Ein kleiner schielender Bube der Rat des
Ehegerichts ein Verwandter von dem Hause mit dem der Ritter ehelich und
unehelich verbunden war und werden sollte war Kläger Richter Henker Er
entwarf die Eingaben referirte erkannte und trieb sein Werk wie die feinsten
Bösewichter so öffentlich dass er mit dem Ritter vor aller Welt Augen ging und
stand aß und trank Unserer Beklagten ward ein Anwalt ex officio zugeordnet
dem sie den Schaden Josephs entdeckte indessen tat dies Männchen nichts weiter
als die Achseln ziehen Mit einem Steuermann des Kollegii eines Armenparts
wegen einen Speer brechen verlohnte der Mühe nicht Der Kläger nahm aus der
Beilage sub B Gelegenheit die Beklagtin eines verdächtigen Umgangs mit dem
Leineweber zu beschuldigen Die Base ward zur Zeugin laudirt dass sie Geschenke
von ihrem Vetter angenommen die sie wieder zu erstatten wäre gezwungen worden
Ihr Lebenswandel behauptet der Bösewicht sei schon vor der Ehe verdächtig
gewesen und eben dieses Verdachts halber hätte sie mein Vater wie unschuldig
man in Akten prangen kann recusirt Die zwei Tage und Nächte die sie bei den
Engeln in der heiligen Geistgasse gewohnt hatte wurden als eine bösliche
Verlassung malitiosa desertio ausgegeben Sie ward als eine Verschwenderin
dargestellt und wenn alle diese Stricke reißen sollten ward eins ein
Galgenstrick angebunden das über alles ging die liebe Todfeindschaft
Wohlbedächtig verschwieg der Herr Ehekläger die Ohr  die er vor der Ehe aus
guter Hand erhalten allein er erwähnte wie oft er notgedrungen gewesen Hand
an sein Weib zu legen und sie sich von Leib und Seele zu halten wenn sie als
eine Furie Feuer gespien  Er hatte wirklich unfehlbar dem Beirat des
Klägers Richters und Henkers zur gehorsamsten Folge ihr das erste Liebesband
die Ohrfeige mit vielen wucherrlichen Zinsen erstattet Die Sentenz war in den
besten Händen Der schielende Bube setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte
die da heißt Hochpflaster ja wohl Hochpflaster auf hebräisch aber Gabbata
Sie wurden geschieden und da es keiner Auseinandersetzung sowohl wegen Kinder
als Vermögens bedurfte weil nichts von beidem da war so wurden der Beklagten
in der Sentenz ihre Bosheiten und Herzenstücke aufs nachdrücklichste verwiesen
und sie zwar für diesesmal und wie es hieß vorzüglich um den Namen ihres
gewesenen Mannes zu schonen von einer öffentlichen Gefängnissstrafe befreit
indessen fürs künftige angewiesen sich eines christlichen eingezogenen
Lebenswandels zu befleissigen   O du sanftes Kopfkissen im Sterben  Soll ich
appelliren fragte der Advokat und eine Träne fiel ihm auf die Abschrift die
er in Händen hielt Er war nur im ersten Jahr in der Praxis Nein sagte sie
Sie nicht ich werde appelliren ich und sah gen Himmel Wenn der arme Schelm
von Advokaten doch ein anderes Handwerk gewählt hätte Ich habe nichts sagte
die Curländerin was ich Ihnen anbieten kann als hier diese Bibel von meinem
Vater sie hatte silberne Klausuren  Wäre sie nicht in Silber wie willkommen
sollte sie mir aus Ihren Händen sein erwiderte der Advokat Nun hatte die
Curländerin nichts was einen Rückblick nach Sodom veranlassen können wenn sie
auch Madam Lot gewesen wäre Sie war sicher dass sie keine Salzsäule werden
würde Der Weg nach der heiligen Geistgasse den sie dreimal auf und abging
war ihr letzter in Königsberg Sie weinte bei diesem Auf und Abgang dankbare
Tränen die besten die man weinen kann und nun wohin Gott wollte Mine ging
in ein Land das Gott ihr zeigen würde  Die Curländerin hatte wie sie sagte
zum Glück etwas aus dem guttätigen Wörterbuch gelernt und wollte mit ihrer
Wissenschaft wuchern Nicht auf die Saat sondern aufs Gedeihen kommts an Ich
für mein Teil sagte der Graf würde meine Kinder eher von Ihnen als von einer
Französin die nur eben geraden Weges von Paris kommt im Französischen
unterrichten lassen wenn ich Kinder hätte fügte er nach einer Weile hinzu und
das so gerührt dass  Er selbst weinte nicht Indessen war der Geist bei unserer
Curländerin willig das Fleisch aber schwach sie erreichte mit genauer Not ein
Wirtshaus wo man sich bloß des Lagers wegen das letzte Bischen Sachen
zueignete das sie mittrug Man nahm sogar ein Bündel französischer Vocabeln
die sie sich als ein Viaticum ausgeschrieben hatte weil sie in Goldpapier
genäht waren in Zahlung Die Sentenzen und andere Papiere ohne Goldpapier ließ
man ihr O die Unglückliche Sie verlor mit den Vocabeln auch die
Herzhaftigkeit in der Sprache Unterricht zu geben Hand an sich zu legen wer
kann das Die Hungersnot dachte ich wird ohne dein Zutun dich erlösen und
ärgerte mich dass mich nicht hungerte  Solch ein Hungerswunsch ist das
schrecklichste was man sich denken kann Die Todesfurcht ist natürlich und
mich dünkt man sei immer übler dran wenn man den Tod wünscht als wenn man ihn
fürchtet Da traf sie einen Menschen der nicht Öl nicht Wein in ihre Wunden
goss sondern sie zum Grafen brachte und da der Graf auf eine Kleinigkeit zur
Erkenntlichkeit es nicht ansah wenn die Todescandidaten wie er sich
auszudrücken pflegte des Sterbens wert waren so machte dieser Priester und
Levite ein Samariter war er nicht keine unrichtige Spekulation Nun sind wir
an Ort und Stelle
    Das war in kurzem der Lebenslauf der Antagonistin meiner Mutter Ich konnte
dem Grafen noch verschiedene Auskünfte zu diesen Erzählungen zureichen und das
war ihm ein Fund den er zu schätzen wusste Die Curländerin bat mich nach
Kurland zu schreiben wenn sie gestorben sein würde
    Gott kann Ihnen helfen fiel ich ein
    Durch Tod oder Leben fuhr der Graf fort denn wenn er gleich keinem die
Sterbestunde anzeigte so war er doch sehr entfernt bei seinen Patienten den
Worten Tod und Grab auszuweichen Man muss wenn man frisch gesund und stark
ist auf Tod und Leben gefasst sein fuhr er fort und wenn man krank darnieder
liegt allein auf den Tod Wenn die alten hochadelichen Häuser die schon
gestorbene verschiedene Hand der Curländerin jetzt gesehen die sie ihr zu
einer Zeit rund abvotirten obgleich andere mehr bewanderte hochadeliche
Herrschaften sie ihr gnädigst ließ wahrlich sie hätten ihr Urteil revocirt
Mit den Urteilen
    Die arme Unglückliche konnt ihr Gesicht nicht von mir wenden Gewiss sagte
der Graf zu mir ist sie Ihrem Vater dem Sie sehr ähnlich sein müssen guter
gewesen als er ihr Auf diese Art scheint wohl die jüngste Tochter des Pastor L
 der nicht Präpositus ward obgleich er sich auf den Kopf setzte Teil am
Gastmahl zu haben wozu mein Vater eingeladen ward nachdem im Pastorat des
verunglückten Präpositus L in Kurland erscholl mein Vater hätte die Gabe der
Enthaltsamkeit nicht Ob das Ave Maria der Gruß den mein Vater dieser Ritterin
eher als ihren ältesten Schwestern zuwandte ober wirklich allmählige Neigung
die Ursache gewesen und viele Obs und viele Oders mehr leg ich bei Seite
Was konnte das arme Trinchen diesen Namen erseh ich aus dem Hermannschen
Pasquill dafür dass ihr Vater nach der Weise Melchisedech zum Sprichwort
aufbrachte was
    Um die Observationen über diesen Kometen in der gegenwärtigen Geschichte zu
schließen sei mir erlaubt zu bemerken dass diese Arme nachdem sie eingeläutet
war und nachdem sie geohrbeichtet sich erholte Der Graf hatte den größten
Teil dieser Ohrbeichte bis auf meine Anwesenheit gespart Nach der Zeit fiel
sie wieder ein und starb als Schwester des Grafen und seines Jonatans des
alten Bedienten denn wahrlich sie hatte den Kelch der Todesnot allmählig
ausgetrunken sanft willig und selig ihres Alters fünfundvierzig Jahre
    Meine Mutter an die ich diesen Vorfall sobald der gute Prediger in L  mir
ihn meldete weiter brachte antwortete mir wie nachfolgt
    Herr der du sprichst es geschieht der du gebeutst es steht da der du
Gehet und Kommet in deiner Gewalt hast gelobet sei dein Name In Kurland und
Preußen für die Wege und Stege die du mit dieser Geendeten und Vollendeten
eingeschlagen Durch gute und böse Gerüchte durch mancherlei Kummer und Leiden
ist sie zu deinen Freuden eingegangen  In Unfrieden ging sie aus ihrem
Vaterlande in Frieden fuhr sie zu deiner Herrlichkeit wo sie ihr französisches
Bündel nicht mehr nötig hat den Bettelsack Sie hat mich vielleicht nur im
Traume beleidigt und hätte sie es auch im Wachen getan hätt ich den Schlag
bekommen den ihr Ritter bekam was nun mehr Wir sind hier nicht zu schlagen
sondern geschlagen zu werden Verzeih mir lieber Gott wenn ich im Wachen den
Traum ihr übel nahm Ihrer Seele sei wohl unter denen die gekommen sind aus
großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und sie helle gemacht Heil ihr
wenn sie im Namen dessen starb dessen der unschuldig lebte auf Erden und auch
ein Fremdling war und in Gottes Hand im Himmel seine Wohnung bestellte Nimm
auch ihren Geist in deine Hände du allgemeiner Vater du Preußens und Curlands
Vater Ihrem Leibe Ruhe er bedarf ihrer  Ein weiches ungestärktes Sterbetuch
für ihr tränendes Auge  ein stilles Grab Vollbracht  Uns alle lehre bedenken
wohl dass auch wir des Bleibens nicht haben müssen alle davon gelehrt jung
reich alt oder schön Du aber mein Sohn schone dich in Preußen es scheint
eine Grube zu sein wo alles fällt was aus Kurland ist
    Wenn es nicht mehr leben kann liebe Mutter Aus dieser Stelle sollte man
nicht schließen dass meine Mutter ihren Kasum setzt und fromm ist  in dem Sinn
wo fromm sein etwas geistliche Aufgeblasenheit geistliche Stärke durch
Kraftmehl ist die hart und ansehnlich macht  Vergib mir Mutter wenn ich dir
im zweiten Teil zu viel tat Ich tats im Traum wie Pastors L  Trinchen
Wenn ein einziges empfindliches Herz eine Träne bei diesem Grabe
gemeinschaftlich mit mir weint so hat die Arme ein schönes Leichenbegängnis
Meine Träne hat eine schwere Geburt fast nimmt sie mir das Auge mit Die
deinige liebe Leserin falle sanft auf dieses Blatt und diene deiner Tochter
zum Zeichen diese Stelle wieder zu finden wenn sie ihr nötig ist
    Alle diese Auftritte welche uns anderthalb Tage beschäftigten hatten mich
so mitgenommen dass ich bei einem Haar zum zweitenmal in diesem Buche krank
geworden wäre Doch Krankheit kann ichs nicht nennen was mich niederriss Was
es war weiß ich nicht der Pastor   in L  meinte dass dieses Übel gerades
Weges vom inwendigen Menschen von der Seele herkäme welche kein Arzt töten
allein auch nicht heilen könnte Er rechnete diese Krankheit zu den
Lindenkrankheiten die oft gefährlicher oft leichter als die Leibesgebrechen
sind Recepte Schlagwasserdöschen meinte er wären hierbei nicht anzuwenden 
Hier ist Gott allein der Arzt und sein heiliges Wort Medizin  Zur Bewegung
wäre am Frühlingsmorgen eine sanfte Flur vorzuschlagen der Waldgeruch sei schon
zu stark und greife solch einen Kopf an Das sagte der Prediger ist die Art
der Seelenkrankheiten  Unsere Ärzte curiren oft den Körper wenn die Seele
leidet  Körperkrankheiten pflegen nicht den Kopf vorbeizugehen sondern ihm
die Ehre zu tun von ihm auszuziehen in den ganzen Körper weit und breit
    Der gute Pastor Ich seh ihn noch wie bekümmert er war Es überfiel mich
mit einer Ohnmacht Der Graf schien froh zu sein dass es mich so überfiel 
natürlich um einen Sterbecandidaten mehr zu haben er gab dem Prediger nicht
undeutlich zu verstehen dass wenn er sich nicht länger aufhalten könne oder
wolle er ihm keine Bitte in den Weg legen würde Jeder setzte der Graf hinzu
hat sein Päckchen
    Ich  sagte der Prediger und konnte nicht mehr
    Beim Ich Punktum fragte der Graf
    Ich werde diesen Jüngling nicht verlassen
    Auch ich sagte der Graf nicht verlassen noch versäumen
    Gott wenn er stürbe
    Nun wenn er stürbe
    Er kann nicht sterben 
    Wenn er unsterblich ist
    Gott
    Gevatter entweder glaubt ihr Herren nicht was ihr lehrt oder was ist das
Sichtbare gegen das Unsichtbare das Gegenwärtige gegen das Zukünftige Zeit
gegen Ewigkeit Ists denn nicht eine schöne Sache um die Hoffnung Und der
Genuss
    Freilich der Himmel wird anders genossen als Dinge der Erde Der Erdengenuss
gebiert den Tod den Ekel
    Der Himmel ist Himmel ist Genuss ohne Ekel ohne Tod Tod und Ekel sind
gleichbedeutende Wörter Gleich und gleich gesellt sich gern Ein Jüngling wie
dieser soll nicht glücklich werden
    Ach ich habe Kinder er Eltern und die zeugten einen Sohn der ihrem Bilde
ähnlich war
    Warum mehr von den frommen Anzüglichkeiten welche diese beiden Leute der
Graf und der Prediger aus gleich gutem Herzen auswechselten Sie schlugen Ball
Der Prediger wollte nicht von meinem Stuhl  und war für mich auf eine so
rührende Art bekümmert dass er seine Abhandlung ganz und gar darüber vergessen
zu haben schien Die Bekümmernis gefällt am meisten wenn sie unzeitig wenn sie
nicht an Ort und Stelle ist daher die Sorgfalt der Weiber so kindisch sie
ausfällt wie schön  Auch bei den Männern muss sie weiblich ausfallen sonst
ist sie Furchtsamkeit  Der gute Vater Gretchens Er erhielt auf vieles Bitten
die Versicherung vom Grafen dass ich noch nicht eingeläutet werden sollte Auch
dies hab ich alles nach der Zeit vom Prediger war diese Fürbitte Schuld
daran dass ich nicht in die Todtenliste eingetragen ward welche der Graf das
Himmelsbürgerbuch nannte So kam ich wieder ums Geläute wonach ich doch so
lüstern war
    Herr lass ihm noch diese Nacht diesen Tag noch drei Tage sagte der
Prediger mit andern Worten zum Grafen die sich der Graf oft wiederholen ließ
ehe er diese Frist bewilligte Herr lass ihn noch war der Morgengruß des
Predigers denn ich hatte eine elende lange lange Nacht gehabt und der Tag
war wie sie
    Der Graf deklamirte für der Prediger wider den Tod jener mit erhabener
Stimme dieser mit leiser schmerzteilnehmender Nie vergesse ich die
gräflichen Worte Stirbt man denn an der Krankheit Freund Vom Leben stirbt
man und wenn unser Liebling ich liebe ihn wie Sie wenn er gesund wird
entfloh er dem Tode Nein nur der Krankheit Allen Nein dieser  Eine große
Sache
    Der Graf hielt drei Safts bei seinen Kranken die Untersafts die Aderbinder
und Pulsbeschleicher ungerechnet Der Arzt der mich besuchte wusste dass er dem
Grafen mit einem heimlichen Kopfschütteln einen Gefallen erwies und schüttelte
also es mochte Gefahr sein oder nicht Bei einem Manne wie der Graf und bei
Krankenlagern die von lachenden Erben umgeben sind haben die Herren Safts
immer gewonnen Spiel es stehe oder falle
    Der Prediger aus L  der die Lindenkrankheiten aus Erfahrungen kannte
hatte völlig Recht dass diesen Ober und Untersafts meine Krankheit zu hoch
wäre Freilich steckt eine kranke Seele den gesündesten Leib an alle
Seelenkrankheiten sind ansteckend allein es war Lebensekel Lebenskummer 
Überdruss was mich ergriffen hatte All die Gebeinhäuser in die ich
herumgeleitet worden hatten meine Einbildungskraft so erhitzt dass ich wirklich
nicht todtkrank war nicht gefährlich krank  aber beides zu sein herzinniglich
wünschte O Gott wie sehnte ich mich nach einem seligen Ende wie nach Minen
Sie war der Mittelpunkt von allem Ich suchte meinen Tod überall auf allen und
jeden Gesichtern und wo ich ein Todeswort fand wie sehr drückte ichs ans
Herz Ich war eigentlich nicht krank allein ich wünschte es zu werden Eine der
gefährlichsten Gemütskrankheiten wenn es nicht im Apostelsinn heißt Ich habe
Luft abzuscheiden  Gern wollte ich bei Minen sein und sollte ich nicht
wollen Nach des Grafen Meinung nicht In dieser Aussicht sterben heißt sich
den Tod verderben ihn mit allem Fleiß verunstalten ihm den gesunden
natürlichen Geschmack nehmen englisches Gewürz Galgant Pfeffer Kreidnelken
daran legen Man muss sterben um zu sterben Der Graf hatte hierüber mit dem
Prediger eine sehr gelehrte Unterredung Ich vernahm die Worte nicht allein der
Geist von allem wirkte auf mich Mein Vater pflegte dies Wirken Wanken zu
heißen wie man von Gespenstern sagt sie wanken Ich wankte es war mir als
hörte ich in der Ferne läuten Der Hauptinhalt der gelehrten Unterredung war ob
man nicht auch durch künstliche Mittel berechtigt wäre sich den Tod zu
erleichtern Der Graf behauptete Nein und nannte diese Kunst Betrug Wenn Sie
wollen frommen Betrug Ich will aber nicht fromm betrogen werden
    Es sei nun aber wie ihm wolle Mine war mein Schutzengel bei meinem
Seelenzufall sie stärkte mich ich holte alles nach was ich bei ihrem Grabe
durch Betäubung übersprungen hatte O wie gern wollte ich bei ihr sein Die vier
Nägel wovon meine Mutter sechs für einen Vierding kaufte glänzten mir
schrecklich in meinem vierzehnten Jahre Das Blatt aber wo ich in der Kapelle
eben am Ende meinen Namen verzeichnete wie trostreich für mich Es war eine
sichere Verschreibung bald bald bald bei Minen zu sein In meinem vierzehnten
Jahre ließ ich sie zurück hier sah ich das vorgesteckte Kleinod Es war mir ein
Licht aufgegangen ich empfand den ganzen heiligen Busch einer gottgefälligen
gottgeheiligten himmelklaren engelreinen Liebe  ich hatte Lust abzuscheiden
Ein paar Schauer womit dieser Leib und dies Gebein seine Rechte sich vorbehält
abgerechnet Ists Wunder dachte ich eine so hoch geadelte Erde soll wieder
zurückkommen wovon sie genommen ist Ein solch Gefäß zu Ehren zum Wurmgehecke
Doch schnell gab ich meinem Seelengefährten den Segen Gehe hin in Frieden es
soll dir alles wohl belohnt werden du sollst auferstehen in Kraft und s
Leib und ihr Gebein und dieser Leib und dies Gebein   Halleluja blieb mein
Hauptwort in meinem vierzehnten Jahre war es das Amen fein Amen das ich
meiner Mutter nachbetete Freunde wohl dem der eine Mine im Himmel hat Die
fühllosen Saducäer müssen keine Minen gehabt haben Mein Herz hing an Minen und
sollte dieser Sitz des Lebens an etwas wirklich Todtem auf Ernst Todtem hangen
Gott ist nicht ein Gott der Toten sondern der Lebendigen und meine Seele
sein Aushauch ist hier sein Ebenbild  Mine lebt ich werde auch leben Junge
Leute sterben leichter sagte der Graf weil sie keinen Anhang und Zugabe haben
weil  eine lange Reihe Weils  ich glaube kurz und gut weil sie gewöhnlich
nach der jetzigen Weltmanier unglücklich lieben Die Liebe hoffet alles sie
duldet alles sie macht ein ruhiges Leben und einen sanften Tod
    Das erstemal wie ich aus zum Ende gehende Blatt dachte wars so als ein
aus dem Feuer gerissener Brand ins Herz  Das war ein Hauptreservat des Leibes
eins in optima forma Es ist einem so warm auf einem Fleck und kommt
dergleichen Brand dem von der Schamröte so nahe wie möglich  Beide verbreiten
ihre Flamme zum Angesicht die Stirn kalt  Dergleichen Vorbehalte dergleichen
Erdbebungen hätt ich bald gesagt Erschütterungen wollt ich sagen das war
alles was ich von Todesangst bei dieser für den Grafen wie es anschien so
erwünschten Gelegenheit empfand Es war indessen alles so dass ichs ertragen
konnte Der Tod selbst sagte der Graf ist das allerwenigste da springt das
Band das man so lange zog und riss und neckte weg sind wir Tod als Tod hat
weniger Schreckliches als das Leben er hat nichts Schreckliches Ich fürchte
mich nicht vor Gespenstern wohl aber vor Dieben und Mördern Wer wird sich vor
etwas fürchten was er nicht kennt und wer kennt den Tod Das Leben aber kennen
wir Wenn auf Regen die Sonne scheint auf Mühe Lohn folgt wohl uns dass wir
sterben wohl wenn wir tot sind wenn unser Glaube an die Unsterblichkeit auch
nur wie ein Senftkorn ist Der Tod gibt Trost über Trost Wonne über Wonne und
sollte der Gang zu diesem Aufschlusse des Menschengeheimnisses wahrlich wir
sind ein Rätsel der Tod ist unsere Auflösung schrecklich sein Ende gut
alles gut Der Tod ist das Ende vom Klagelied von allem Elend Kanaan im
Kleinen in Miniatur im Auge was schadet ein Fuß in der Wüste In einer
unseligen Stunde sterben heißt in den Henkerhänden der Krankheit sterben das
kann schrecklich sein  Dem besten Kämpfer aber das Kleinod dem stärksten
Ringer der Preis Wie wohl ruht es sich nach der Arbeit wie wohl  Lasst uns
nur des Sterbensleidens ehe das letzte Stündlein kommt viel haben wenn es
Gottes Wille ist dann verdienen wir im Tode getrost zu sein und wie der selige
Leineweber gen Himmel geholt zu werden Wer wollte sich aber das Sterben aus
Furcht des letzten Augenblicks ohne Not bitter machen wer das Leben dadurch
verleiden Es gibt Leute die sich das Leben auf diese Art versterben warum
das Ich kann von mir sagen ich sterbe täglich allein dies will nicht viel
mehr sagen als ich sehe täglich andere sterben obgleich es auch Stunden gibt
wo es mehr sagen will Der heilige geplagte Apostel starb täglich anders als
ich Paulus trank täglich einen Tropfen aus dem Todesbecher es war nicht
Todesfurcht die er trank  solch ein Mann wusste schon was im Kelche war  es
war wirklicher Tod er starb allmählig Wer es hört der merke darauf Sich
sein ganzes Leben vor dem Tode fürchten heißt zwar ein Knecht ein ägyptischer
Sklave des Todes sein allein noch lange nicht sterben lernen den Tod
studieren Mensch bei allem was du tust gedenke ans Ende so wirft du
nimmermehr übel tun das heißt Mensch lebe gut um gut zu sterben Ich für
mein Teil der Graf fiel in einen andern Ton habe den Tod herzlich lieb sehr
gern seh ich sterben Sterben allein das ist mein Leben jeder muss wissen was
ihm Leben ist Ich habe nichts wider das Leben wie der Herr Gevatter meint Da
der Prediger sich bloß auf dies Wort bückte brach der Graf ab und versicherte
der festen Hoffnung zu leben dass er sanft sterben würde Du weißt Bruder
sagte er zum Bedienten ich hoffe zu sterben wie der Leineweber War es nicht
lieber Gott fragte er zuversichtlich inbrünstig war es nicht Todesangst
Todesnot was ich aus dem Kelche trank den du mein Vater mir gabst Hab ich
noch diesen ganzen Kelch zu leeren oder wird meine Zunge wenn es ans Letzte
geht nur noch die letzten wenigen Tropfen aufziehen Dein Wille nicht wie ich
will sondern wie du willst
    Der Graf hätte so ohne End und Ziel reden können Es war Zephyr den er mir
zuwehte  wirklicher Zephyr sanfte Empfindung womit er mich anfächelte Es
gibt Stunden wo wir keinen Sturm ertragen können Der Bruder des Grafen neigte
sich als schien er sagen zu wollen Ich werde eher sterben als du gräflicher
Bruder allein es schien auch gleich darauf dass er sich bedächte wie es ihm
gebühre zu folgen Ehre dem Ehre gebühret Und Sie fing der Graf zu mir an
ausblühender Jüngling  schnell hielt er sich auf als bedächte er sich bei dem
Worte ausblühender  Sie haben auch nach Ihrer Art gelitten  vielleicht sind
nur noch wenige Tropfen Todesangst übrig Ich fuhr er nach einer Weile fort
habe bei der bittersten Arzenei nichts nachgetrunken Ich auch nicht erwiderte
ich allein ich muss gestehen nur blutwenig Arzenei gegessen und getrunken zu
haben setzt ich hinzu Bravo schrie der Graf Er wollte bemerkt haben dass
Leute die sanft einschliefen auch Anlage zum sanften Tode hätten und befragte
mich zum innerlichen Verdruss des Predigers wie es mit meinem Einschlafen wäre
Bei Leuten die schnarchen fuhr er fort hab ich bemerkt dass sie zu ihrer
Zeit röcheln und die unruhig schlafen sterben gemeinhin auch unruhig wenn
nämlich der unruhige Schlaf keine Folge des vorigen Abends ist
    Wie ich verschlage  Desto besser so sehen meine Leser am deutlichsten
wie ich zu dieser Frist gestimmt war
    Der Prediger musste des Sonntags wegen der vor der Türe war und anklopfte
von dannen jeder hat sein Päckchen Das Wort ausblühender Jüngling so dem
Grafen selbst auffiel war dem Prediger aufs Herz gefallen der gute
teilnehmende Mann Sagt selbst lieben Leser verdient nicht seine Abhandlung
von der Sünde wider den heiligen Geist bloß darum deutlichen Druck gutes Papier
und so weiter Meine Seelenkrankheit kehrte das Blatt den Abend noch und kurz
ehe der Prediger aufbrach er nahm noch den ersten Besserungsstrahl mit Mein
Gruß an Gretchen den er so gern in die Hand sich drücken ließ heiterte mich
sichtbarlich auf Gern hätte der Prediger dem Grafen wiederholt Lass ihn noch
durft er aber Man widerrät den Schwermühigen die Einsamkeit und in vielen
Fällen mit gutem Grunde bei dem allen glaub ich dass wenn ja ein Kraut und
Pflaster sie heilen könne es die Einsamkeit die Selbstgelassenheit sei wenn
diese Einsiedelei nur gleich beim Anfange gebraucht wird Die Einsamkeit ist dem
Ungewohnten wie ein kaltes Bad das anfangs widerlich ist allein es stärkt die
Nerven  Gesellschaft ängstigt schwermütige Personen das heißt sie macht sie
kränker O ihr gütigen Tränen was für ein sicheres Recept seid ihr in dieser
Krankheit und in Gesellschaft weinen welch ein Mann kann das Der Graf
wünschte mir Glück zu meiner Genesung Jetzt sah er selbst ein was für ein
Zufall es gewesen Das Phänomenon bei dieser Sache war dass ich so froh ich war
zu sterben es auch zufrieden war wieder zu leben Nicht wahr ein wahres
Phänomen Ich der ich meine Hände nach dem Tode ausstreckte nach dem
Freiwerber den Mine zu mir gesandt ich der ich mit diesem Manne ziehen
wollte der ich nach der Zeit tausend und abermals tausendmal bei ihr zu sein
mich herzlich sehnte Der Graf versicherte mich dass er kein Sterbenszeichen um
und an mir entdeckt Saft hat also unzeitig sein Haupt geschüttelt dem Grafen
zum Munde würde ich in Rücksicht des Gesprächs mit dem Prediger in L  sagen
Wie kam es aber dass der Graf Glück wünschte Und wie kam es dass ich den
Glückwunsch als Glückwunsch entgegennahm Wir Menschen sind wunderbare
Geschöpfe  Es war mir so als ob ich s wegen schon wirklich gestorben
gewesen und nun nachdem ich ihr mein Gelübde bezahlt wieder auferstehen
könnte  Ach diese Seelenkrankheit so hat sie nicht mehr mich übermannt
allein wie oft hieß es von mir Siehe um Trost war mir bange Wie oft blüheten
die Linden für mich  Ach heute da ich dieses schreibe war ich in meiner
Kammer hatte die Türe nach mir zugeschlossen und mich verborgen um 
    Wenn ich wüsste dass einer von meinen Lesern über das was Sitte beim Grafen
war seelenkrank werden könnte wie bei mir dieser Fall eintrat obgleich sie
nicht sehen sondern nur lesen ich würde hier schließen ohne ein einziges Wort
weiter zu verlieren  nicht wahr verlieren Kommen meine respektiven Leser und
Leserinnen aber mit einem einsamen Stündchen mit einem kalten Badestündchen ab
 was hats zu sagen Wir haben doch alle ein langes kaltes Bad im Grabe vor
und wahrlich das wird eine rechte Nervenstärkung sein Sieht noch obenein unter
meinen Lesern ein Alexander seine Mine und unter meinen Leserinnen eine Mine
ihren Alexander in dieser Geschichte im Bilde trägt er oder sie Leid um seinen
um ihren leiblichen oder geistlichen Toten o dann ists kein böses dann ists
ein gutes Stündlein das ich euch beschert habe Wo hatte er denn so viel Zeit
fragte ein kluger Mann da er hörte dass ein Held im Felde an einer Krankheit
gestorben wäre Diese Frage würde bei unserm Grafen der nichts mehr in der Welt
zu versäumen hatte der im Fegefeuer sich befand ohne dass ihm wie den drei
Männern im Feuerofen ein Haar gekrümmet ward die überflüssigste von allen
sein
    Zum Schluss ein paar Reden die mir der Graf zu Ehren am Sonntage halten
ließ Das Evangelium wie es mir vorkam war nicht so ganz nach seinem Sinn es
war zu viel Leben darin Der Graf war wegen seiner Sterbenden zum
Hausgottesdienst gewöhnt und hielt sich wegen einiger lebendigen Evangelien
einige Reden von einem Christen und bloßen Gottesverehrer bearbeitet über
seinen Lieblingstext Das Geläute zu diesen Reden  hier ists
    Ein Gespräch zwischen dem Grafen und mir Meine Leser mögen es als eine
captationem benevolentiae ansehen
    Alles was keine Sprache besitzet was sogar keinen Laut vermag ist tot an
sich selbst. Alles was nicht mit vernehmlichen Tönen von der Natur ausgerüstet
ist ringt fast nach Gelegenheit dass ihm die Zunge gelöst werde Sprache
Ausdruck ist Leben Die schwerste Schrift wird biegsam gefälliger gelenkiger
geschliffener in unserm Munde Die Zunge ist ein klein Stücklein Fleisch und
fast könnte man von ihr sagen sie wäre das Lustschloss der Seele  Der Mensch
ist der Gott alles Leblosen wenn er ihm gleich nicht einen lebendigen Odem
einhauchen und es beseelen kann ists doch fast so als ob alles spräche wenn
der Mensch ihm zuspricht als wenn es antwortete wenn der Mensch es frägt Die
Figur dass man leblose Dinge anredet wenn nur die Kunst nicht zu merklich ist
wäre so unnatürlich eben nicht als sie jetzt auffällt Es scheint als mache
der Mensch den Versuch ob es nicht anginge Gott sprach und es ward der
Mensch spricht und es scheint zu werden Sprich damit ich dich sehe In der
Sprache liegt die Gewalt welche der Mensch über alles hat was lebt schwebt
und ist der Binde und Löseschlüssel Mein Vater pflegte zu sagen Noch sind
jene Töne nicht cultivirt wodurch wir vielleicht mit allem auf der Erde so
umspringen würden als der Hauptmann von Kapernaum mit seinen Knechten Komm
geh tue das Vielleicht waren diese Töne schon und gingen verloren wie viel
verloren ging
    Mein Redner fing der Graf an
    Redner erwidert ich Nicht anders sagte der Graf Beleben die Sich im
Leben angreifen sich überleben zu viel leben ist Tod überall Tod fuhr ich
fort Es gibt Redner die nicht bloß schlechtin beleben sondern beseelen
begeistern allein das sind nicht ausgelernte Papageien und Raben die auch
zuweilen zu rechter Zeit oleum et operam perdidi krächzen sondern Leute mit
feurigen Zungen nachdem ihnen ihr Geist gab auszusprechen Aus dem Herzen aufs
Papier Schwarz auf Weiß vom Papier ins Gedächtnis aus dem Gedächtnis in Hand
Mund und Fuß  O der ermattenden Umwege Und wie selten gehts gerade aus dem
Herzen aus
    Der Graf fühlte was ich sagen wollte obgleich nur ein Funke auf meiner
Zunge blinkerte Feuer war nicht drauf die Lindenkrankheit hatte gedämpft
gelöscht Eine Rede sie sei auch die beste ist ein Gipsabguss der Gedanken 
Gemeinhin verschlingen hier die sieben mageren Kühe die sieben fetten wie in
Josephs Traum indessen ist nicht zu leugnen dass eben dieselbe Sonne wie ein
witziger Schriftsteller sagt die das Wachs schmilzt die Erde versteinert und
es gibt Leute die gern reden und andere die auch nur durch Reden gewonnen
werden Leidet aber jeder dass auf ihn Jagd gemacht dass auf ihn angelegt wird
Und tut der Redner mehr als seinen Bogen spannen und auf die Herzen seiner
allerseits nach Stand und Würden höchst und hochzuehrenden Zuhörer zielen
Freilich erwiderte der Graf wo Feuer ist da raucht es auch Meine Prediger
fuhr er fort hab ich so ziemlich ins Geleise bei Leichenpredigten gebracht
indessen raucht es doch noch Konferatur Siehe ich komme bald behalte was du
hast dass niemand deine Krone nehme Da war noch viel zu sagen und doch war es
aus dem Herzen Wenn er aber empfängt wenn er concipirt o dann beißt der Rauch
in die Augen Willst du denn was Besseres sagen als du kannst Das war eine
weise Lehre eines weisen Mannes die er einem Jünglinge gab der sich über den
Eingang seiner Rede den Kopf zerbrach Ein Redner sagte mein Vater ist ein
Mann der mehr von einer Sache sagen will als er von ihr weiß ein Avantürier
der sich über seinen Stand kleidet ein Petitmaitre der zum verschimmelten Brod
frische Butter gibt  Er machte einen Unterschied zwischen Redner und Prediger
Mit Feierlichkeit von einer Sache sprechen nannt er predigen und in diesem
Sinn war er Prediger überall Aber die Redner sie machen einen großen Schuh auf
einen kleinen Fuß Schuster nicht überen Leisten sagte der Maler zum
Recensenten der sich wie gewöhnlich mehr herausnahm und herausliess als er
verstand Dem Redner könnte man zurufen Redner nicht überen Fuß   Durch
Reden sind mehr Länder erobert Festungen eingenommen als durch Waffen allein
wie gewonnen so zerronnen würde meine Mutter sagen
    Der Graf teilte mir sein System über die Leichenandachten wie er sie
nannte mit Die Worte Leichenpredigt und Leichenrede gefielen ihm nicht Bei
den Aegyptern konnte man nicht alle Toten ohne Unterschied loben es musste per
judicata feststehen der Todtenfiscus trat auf und ward gehört Man erkannte auf
Beweis salva reprobatione und ehrliches Begräbnis und Leichenpredigt hing von
diesem Urteil ab Der König hatte vor dem geringsten seiner Kammerlakaien
keinen Vorzug im Leben sah man ihn durch die Finger an um den Staat zu
schonen nach seinem Tode fiat citatio Er so gut Staub Erd und Asche als ein
anderer und warum jetzt eine andere Procedur Wie oft würd es jetzt von
bepredigten und beredeten Leichen heißen Lasst die Toten die Toten begraben 
    Ich höre gern Leichenpredigten setzte der Graf hinzu allein in meinem
Sinne sind es nicht Leichenpredigten wenn es nämlich nicht Lügenpredigten sein
sollen O wenn meine Mutter doch diesen letzten Gedanken von Lügen und
Leichenpredigten gehört hätte Kupfernes Geld kupferne Seelmessen fuhr der
Graf fort Weh über diese Aergernisse Da heißt es denn Er hatte nichts
Menschliches an sich als dass er starb oder wie von jener Madam Sie betrübte
ihren Herrn nur ein einzigmal nämlich da sie starb Wer ist da mehr tot
fragte der Graf die Leiche oder der Redner Rauch über Rauch Etwas Rauch
schadet nicht Opferrauch fiel ich ein Blumenrauch der gen Himmel steigt
wenn es hübsch warm ist Und das ist eine inwendige Wärme die alles Lebendige
hat Kälte ist Tod Wärme Leben innerliche Hitze ist Krankheit oder Anfang
dazu Wer anstecken will muss selbst feurig sein Ein Redner will sein
Auditorium anstecken mithin muss er im Feuer sein Ein Brand raucht zu sehr
allein eine durch und durch glühende Kohle das ist das Bild eines Redners  Da
war es ausgeläutet Wir waren feuerempfänglich das heißt warm Noch einen
Klöppelanschlag Vom gottgläubigen zum wahren Christen ist es kaum ein
Sabbaterweg weit hab ich sehr viele Leute versteht sich christliche sagen
gehört
    Plato würde zuverlässig Superintendent geworden sein wenn er das Glück
gehabt in christlichen Zeiten geboren zu werden und Sokrates irgendwo Rector
an einer Domschule
    Der Graf sagte zu mir Freund von unten auf Ein feiner Knabe Oelzweige um
sein Haupt  freie Stellung Nichts auch kein paar Handschuh in den Händen
allein um ihn ein weißes weites Gewand bald hätt ichs Chorhemde genannt
wenn ich hier ein christliches Wort fliegen lassen könnte
    Das Jahr hat Monate der Monat Wochen die Woche Tage der Tag Tageszeiten
Morgen und Abend ist überall Was Anfang hat muss sich auch enden der Mensch
wird geboren und stirbt beides wenn sein Stündlein vorhanden ist er wächst
hin und zurück er sinkt wird hinfällig mit dem ersten Tage da er zu wachsen
aufhörte Seht die Tage wie sie abund zunehmen so habt ihr euer Leben Ein
Jubeljahr ein Hundertjähriger ist außerhalb des gemeinen und am Ende was ist
der ganze Jubel  Weiber schwächliche Mannspersonen bringen es im Leben am
längsten sie lebten am langsamsten in die Höhe und in die Breite und sterben
also auch so langsam wieder ab  Mäßigkeit in Absicht des Leibes Mäßigung in
Absicht der Begierden können uns zwar zum ruhigen Leben zum ungestörten Genuss
desselben bringen ob sie aber das Leben verlängern ist noch die Frage Der
Mensch hat seine bestimmte Zeit Wenn es Ausnahmen gibt so ist die
Lebensökonomie  wenigstens nicht immer  Schuld daran Wär es durchaus nötig
gewesen dass wir nicht mehr nicht weniger essen und trinken sollten hätte die
Natur eine Türe angebracht die von selbst zugefallen wäre erreichten denn nur
gute Lebensökonomen oder erreichten nicht gemeinhin auch Verschwender dieses
ausgerückte Ziel Sie scheinen zu Ausschweifern bestimmt zu sein im Tod und
Leben sie leben wenn man so sagen soll auf Tod und Leben sie empfangen ihr
Gutes in diesem Leben Lasst sie doch lasst sie doch leben Ich wette drauf es
sind wenige die solch ein Leben nehmen für halbes Geld Die meisten Menschen
haben nur Jahre nicht Leben zurückgelegt sie reden vom Leben als von einer
Sache die man vom Hörensagen kennt Wie viel gehört zum Leben Man nehme den
Zufällen des Lebens ihre Wichtigkeit wer kann das Man bedenke dass nur das
Wohlverhalten den Wert des Menschen und seines Seins ausmache Wer versteht
diese Kunst Und besteht die Glückseligkeit in etwas anderem als in der
Befriedigung der Sinne aller Neigungen Beim Lustigen tritt der Nervensaft über
seine Ufer und diese Überschwemmung diese Sündflut richtet Unheil an Das
Leben ist eine Last und warum sollten wir uns den Rückgrat brechen und darüber
froh sein An der Länge liegts nicht an der Würde liegts Unsere Brüder aus
zweiter Ehe haben von den Juden gelernt dass langes Leben als Lohn für den
kindlichen Gehorsam anzusehen allein auch sie behaupten dass Gott mit den
Seinen eile Und so wahr es ist dass Jünglinge die das Alter ehren sich alt zu
werden vor Menschen berechtigen so ist doch dies Menschenrecht nicht auch
Gottes Recht  Dein Wille Gott dein Wille geschehe Das männliche Alter
schürzt den Knoten der Tod löst ihn Wer Gott gelebt hat und nicht sich selbst
wird auch Gott im Tode preisen und den verherrlichen der das Weizenkorn wenn
es gleich dahingestorben und in Fäulnis übergegangen zum Aufleben bringen kann
den der Seelen wegzuhauchen Macht hat alles wie er will Was er will das
geschieht was er gebeut das steht da Sein Blick ist Sonne sein Wort
Erdenball  Sein Wille und es ist nicht mehr was es war Wer sich auf alle
Fälle bereitet ist weise wer sich einen einzigen Weg erzielt wird oft durch
eine Kleinigkeit so zurückgesetzt dass er nicht aus noch ein weiß Richtet sich
der Lauf der Welt nach uns und ist es darum schönes Wetter weil wir nach Athen
fahren wollen oder weil es im Kalender steht klarer Himmel oder weil wir ein
Weib nehmen oder einem Freunde das Geleite geben und eine Ausfahrt machen
wollen um dicht am Fluße ein Gericht Fische zu essen
    Das Denken allein hat wenig Trost in sich wer es aber versteht was für
Kraft in der Rede liegt wird auch wissen sich alles aus dem Sinne zu reden
was ihn niederschlagen kann und sich selbst Mut zuzureden wie es unsere in
Gott ruhenden Vorväter getan die den nämlichen ungewissen Weg ohne Wegweiser
ohne Grenzenmal gingen der vor uns liegt Der Herr der Herrscher des Lebens
der ihnen an Ort und Stelle geholfen wird uns auch an seinen Ort stellen Der
Tor klagt über das so nicht zu ändern ist der Weise sucht Bewegungsgründe es
zu tragen Das Ende liegt immer im Anfang so wie der Anfang im Ende Wir
werden das heißt wir hören auf zu sein wir sind das heißt wir sterben Wenn
wir gegessen haben stehen wir auf und wenn wir gewacht haben gehen wir wie
alles was lebt und webt zur Ruhe Die Sonne geht auf und unter und der Mensch
ihr nach Sich grämen dass wir sterben müssen heißt sich grämen dass wir sind
Durch Philosophie der man durch Ton und Gebärde nachzuhelfen verbunden ist
kann man den Tod besiegen So kann man des Todes Bitterkeit vertreiben und wenn
Not an Mann ist selbst für Ehre und Vaterland sein Haupt hingeben wie
Johannes sein Haupt zum Schauessen Eine grässliche Melone auf der Tafel eines
Tyrannen Nicht wer überwindet sondern wer so viel tut als er weiß und kann
ist Held Wohlan denn lasst uns alle Kräfte zusammenraffen und uns anspannen um
dem Tode dem Fürsten der Finsternis stattlichen Widerstand zu tun und das
Feld zu behalten Unser Leben ist ein Quodlibet von Abwechselungen ein
Apriltag und wenn Toren es gleich für Mangel der Lebensart halten an den Tod
zu denken so haben doch von jeher kluge Leute Todesbetrachtungen als richtige
Proben eines gutgerechneten Lebens angesehen Mensch weißt du ob du diese
Nacht schlafen ob du je schlafen ob du Lust zum Essen haben fröhlich und
guter Dinge sein Söhne oder Töchter zeugen wirft Dass du aber sterben wirft
dass dein Leben ein Ziel hat und du davon musst weißt du gewiss oder kannst es so
wissen als dass zweimal zwei vier ist Aber selbst der Schnee auf dem Haupte
erinnert den Greis nicht an den Winter seines Lebens es ist Hagel und
check denkt er so was fällt auch mitten im Sommer der Himmel lasse nur
das Getreide ohne Schaden Die Menschen denken vielleicht darum nicht an den
Tod weil er das einzige Gewisse ist und weil er sich von selbst versteht das
andere alles aber mit auf ihrer Sorgfalt beruht Nicht also Freund ein
hitziges Fieber ein plötzlicher Tod kann zwar deine Vorbereitung stören dein
mit Fleiß besäetes Feld in Unordnung bringen allein auch beim Misswachs bleibt
dir Grund und Boden Du kannst heute sterben also lern es heute Ein Seefahrer
der dem Weltmeer entging findet seinen Tod im Brunnen aus dem er sich einen
Labetrunk schöpfen will Den Riesen Goliat schleudert der Hirtenknabe David zu
Gottes Erdboden jenen römischen Sieger trifft auf dem Wege zum Kapitol ein
Dachziegel und er stirbt Heliogabalus wollte so sterben als er gegessen hatte
es ward ihm ein gewaltsamer Tod prophezeit und er ließ sich köstliche Stricke
bereiten goldene Becher zum Gift und einen prächtigen Turm zum Herabsturz
allein siehe seine Anstalten zum kaiserlichen Ende waren vergebens sein
eigenes Blut war sein Leichentuch und die Tiber sein Grab
    Der Tod hat eine Sanduhr in der Hand die er verdeckt hält wir sehen nur
die Sense die er in der andern führt Wenn wir gefasst sind warum einen Blick
auf Sand in unserer Lebensuhr Es fallen uns Tausend zur Rechten und Zehntausend
zur Linken lasst uns also bereit sein und eine Nachtlampe anzünden wenn wir
schlafen Wir stehen auf Rechnung lasst uns also in unserm Wirtschaftsbuche
alles unsträflich addiren subtrahiren multipliciren und dividiren damit wenn
der Herr kommt wir Kredit und Debet sein haushälterisch vorlegen und auf das
Testimonium von ihm Anspruch machen können Ei du frommer und getreuer Knecht
Wer mit Beständigkeit und Geduld in guten Werken trachtet nach dem ewigen Leben
hat vom Herrn selbst sterben gelernt und bedenkt dass es ein Ende mit ihm habe
und er davon müsse dass das Leben einem Faden gleich sei der in der Hand des
Webers so leicht abgerissen wird Seht euch um Lilien knicken Eichen stürzen
Ein kleiner Wurm sticht die schönste Blume und manche wird wie Cäsar mit
dreiundzwanzig Wunden erstochen durch und durch Ein Nebel fällt uns auf die
Brust und unsere Stätte ist nicht mehr Wir müssen wirken ehe die Nacht kommt
wir müssen wie alle Weisen es taten sterben ehe wir sterben wir müssen uns
absondern und aus der Welt gehen um unsere Seele zu retten wir müssen uns
selbst auflösen ehe wir aufgelöst werden und so wenig den Körper Fleisch und
Blut aufkommen lassen dass wir je mehr und mehr geistig werden Lasst uns
Freunde beim Tode uns nicht verwahrlosen Wer bemüht sich nicht sein Kind
gesund und unverwahrlost aus Mutterleibe zu ziehen Wisst unsere Seele wird
geboren wenn wir sterben Der Tod ist eine Niederkunft eine Geburt zum andern
Leben und es ist gut auch auf diese Geburtsstunde und diese großen sechs
Wochen zum voraus zu denken Werden wir darum eher sterben weil wir den Tod in
Erwägung nehmen eher begraben werden weil wir diese Gewichte die uns zur Erde
ziehen abschneiden Willst du den Redlichen der nach Gott frägt und nach sich
selbst von der Welt entfernen gib ihm den Rat sich mit ihr zu verwickeln
Gibts eine größere Aufforderung zum Memento moriOrden als eben diese Habt
nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist Wer sich selbst ein Vergnügen
entzieht gewinnt nur wenn andere es uns entziehen verlieren wir Der ist der
Glücklichste der am wenigsten zu verlieren hat Besitzen wir das was wir über
ein Kleines zurücklassen müssen Gott gibt alles und behält nichts seid wie
Gott  Jedweder geht den rechten Weg der recht tut Der Christ glaubt an
Christum der göttlich auf Erden gewandelt hat dergleichen Erscheinungen
glaubten auch unsere Väter Sind nicht noch der Erde die göttlichen Spuren
anzusehen von diesem heiligen göttlichen Menschen Überall Gottes Fußstapfen
Wenn Gott auf Erden kommt was kann er anders als Mensch sein Er begibt sich
ins Fleisch in den Menschen Der Mensch ist das beste Stück Zeug wovon der
Allerhöchste sich ein Kleid machen lassen kann Diogenes sah einen Knaben mit
der Hand Wasser schöpfen und warf den Rest seines Mobiliarvermögens seiner
fahrenden Habe und Güter seine Wasserschale dahin Wer die Knie aufeinander
legt kann ohne Tisch schreiben Der Christ glaubt an Christum wir an Gott der
da ist und der da war und der da sein wird in Zeit und Ewigkeit Sollte Gott
nicht verzeihen wofür mein Fleisch und Blut das ich von meinem Vater seligen
und meiner Mutter seliger geerbt habe allein kann und nicht ich Wenn ich nur
rechtschaffenes Wollen habe das Vollbringen steht es wohl in meinen Kräften
Meine Seele kommt mit einer Bittschrift ein der Körper der sich nun einmal
weil er in die Höhe geschossen und grossmächtig ist auf den Thron geschwungen
schlägt das Gesuch ab Wenn ich das Supplikat nur recht von Herzensgrund
eingerichtet und weder am Formale noch am Materiale was versehen der Herr König
Leib aber dem unerachtet den Kopf schüttelt was kann das arme Seelchen dafür
was kann es wider Tyrannei Wenn ich wie ein Engel von der Toleranz spräche und
hätte der Liebe nicht meinen christlichen Bruder gehen und stehen zu lassen wo
und wie er Luft hat und ihm sein Trostkämmerlein nicht ungestört zu vergönnen
wär ich nicht ein Mörder von Anfang und würd ich wohl bestanden sein in der
Wahrheit Ich bin Demokrit der Christ Heraklit Könige und Ketzermacher haben
beide lange Hände selten ist mit dem Kopf bei beiden zu prahlen Übers Grab
weg jenseits des Grabes ins Schwarze dunkel ist zu wenig reicht keiner mit
einem Finger auch nicht mit dem Mittelfinger obgleich er der längste ist
    Unsere Sache ist leben und sterben was drüber ist ist vom Übel so wie
alles was über Ja Ja Nein Nein ist Die christliche Religion und unsere
Religion hat durch die heilige Schrift ein Herz und eine Seele Wer läugnet dass
ohne Bibel wir die wir alle an einen Gott Schöpfer Himmels und der Erden
glauben lange nicht so weit wären als wir jetzt sind wenn nicht Christi Lehre
so mancherlei in der Vernunftmoral aufgeräumt hätte allein wer  Doch warum
dieser Maulaffe von verfänglicher Frage Göttlich ist was von Gott kommt und
ewig bleibt menschlich ist was so fingerlang als das menschliche Leben ist
eine Blume auf dem Felde wenn der Wind vorüberfährt ist der Mensch nicht da
und seine Stätte kennt man kaum mehr Worte haben dem Menschengeschlechte einen
unersetzlichen Schaden getan am Ende sind Kriege wo Blut fließt als wär es
schlecht Wasser so gut Wortgezänke als die Dispute der Gelehrten die sich kein
Komma vergeben wie die Monarchen keine Provinz und wenns auch nur der Name
davon in ihrem Vongottesgnadentitel wäre  O sagt mir Menschen sagt mir
damit ich einlenke warum ihr so zittert und zagt wenns aus Sterben geht wenn
man nur das Wort Tod ausspricht Warum ihr im eigentlichen Sinn am Worte Tod
sterbet Ist es das Leben wert dass ihr darum siebzig und wenns hoch kommt
achtzig Jahre Leid traget Wahrlich die meisten Menschen leben nicht sondern
betrauern das Leben Wenn wir tot sind leben wir nicht warum sollten wir also
nicht bemüht sein wenn wir leben den Tod zu entfernen Wie braucht ihr das
Leben das euch so köstlich dünkt Lebt ihr denn wirklich auch wenn ihr das
Trauerkleid abgelegt habt Die meisten Menschen wachen damit andere schlafen
mögen ihr lebt für andere und so kurz und kostbar euer Leben auch ist so
verkauft ihr es doch gern für wenige Gran Gold und Silber die Erstgeburt für
ein schnödes Linsengericht Warum also die Klage kurz ist die Zeit kurz sind
die Jahre Hättet ihr Oekonomie studiert ihr Lebensdurchbringer ihr verlorenen
Söhne wahrlich ihr würdet das Leben nicht zu kurz finden Tiere werden älter
als wir Bäume die wir pflanzen überleben uns und wir sind im Stande uns ein
Grabmal aufzurichten das stumm wie es da ist zu seiner Zeit mehr von uns
anzeigen kann als wir selbst Wie lange währt es nicht bis der Eichbaum so
dicht wird dass kein Nahrungssaft mehr durch kann dass die Feuchtigkeit keine
Circulation mehr hat die Adern zu Knochen werden und die Lebenssäfte
austrocknen Beim Menschen gehts geschwinder geschwinder werden seine Häute
Knorpel seine Knorpel Knochen seine Knochen Steine wahrlich Leichensteine 
Ich leugne nicht dass aller Menschen Leben nur ein Tag sei Dieser lebt einen
Winter jener einen Sommertag dieser ein Aequinoctium jener den längsten Tag
Am Ende hat der so in den Zeitungen steht als habe er des Moses
Lebensschlagbaum aufgemacht und noch zehn Jahre drüber gelebt und das kleinste
Kind einen Tag gelebt Metusalem da er starb kam nicht in die Zeitungen
darum steht er auch in der Bibel Was wimmerst du Unvernünftiger Lebt auch
was das nicht Vernunft hat Du abbrevirst dein Leben wie Geschwindschreiber und
machst es so unleserlich so ungestaltet dass du über ein Kleines selbst nicht
klug daraus werden kannst Die Natur ist nicht karg gewesen allein du bist ein
Prasser Wer kann dir das Maul stopfen wer dich bereichern Ein großer
Lebensdurchbringer dass dich Gott mit seiner milden Rechten selbst nicht reich
machen kann Du dienst dem Publikum und vernachlässigst dich selbst du sinnst
Tag und Nacht um das Geld das dein Nachbar hat dir zuzuwenden es sei durch
Handel und Wandel oder Diebstahl das heißt durch grobes und subtiles Stehlen
Und wenn du Meere durchkreuzt und gute und falsche Wechsel unter die Leute
gebracht und endlich alles in deine Scheuern gehäuft hast was ist deine
Sammlung Leben ists nicht das ist nicht feil in der Welt du allein haft es
zu verkaufen Bleibe im Lande Fasse in deinen eigenen Busen Nähre dich
redlich Sieh deinem leiblichen Bruder wird die Zeit lang Der Tor sagst du
ohne zu bedenken dass jener es in der Schlafmütze und du in Reisekleidern bist
 Die meisten Menschen sehen ein dass sie sich ums Leben betrügen drum setzt
sich jeder sein Ziel Wenn ich dahin komme will ich Halt machen Allein du
Kornjude heute wird man deine Seele von dir fordern und wer wird das Korn
mahlen das du aufgemessen hast Er ist in der Lehre geblieben sagt man von
einem Menschen der als Hauptmann stirbt und Feldherr werden sollte Sind wir
nicht alle nur Hauptleute wenn gleich nicht von Kapernaum Wie kannst du mit
deinem Leben so schalten wie einen geliehenen Ring verschenken Dem Staate das
heißt dem fürstlichen Schatz und deinem grünen Netze von Beutel die Erstlinge
geben und Spreu für dich behalten Kann man denn wenn man alt ist wieder in
Mutterleib gehen und geboren werden Jeder Tag beim Menschen könnte ein Ganzes
sein ein Leben in compendio Wer nie solche ganz ausgeschlagene Tage solche
Lebenstage gehabt ist ein elender Mensch wer wird ihn erlösen von dem Leibe
dieses Todes Wir legen uns unter drei und vier Schlösser Die Perlen für die
Säue die Diamanten in ein Kästchen Du lebst kurz Mensch allein ist ein
kleiner Mensch nicht ein ganzer Mensch Wer an die Weisheit kommt hat seinen
Lauf vollendet wer tugendhaft ist ist alt ohne graue Haare Unser Leben währt
siebzig Jahre wenns hoch kommt sinds achzig Jahre der Tugendhafte lebt
drüber Ein Tag ist bei Gott tausend Jahr und beim klugen Menschen wenigstens
ein Monat je klüger desto zeitsparsamer Zwischen Pflanzen Tierund
Menschenleben welch ein Unterschied Dieser hat sein ganzes Leben verspielt
jener hat zwölf Procent in gutem gangbarem kassenmässigem und auf keinem
Abschlage stehendem Gelde gezogen der hat den Homer gelesen dieser da weiß die
Kometen auf Sekunden zu berechnen die Gottlob mit der Erde jetzt gute Freunde
sind und so freundlich zu uns kommen als kämen sie zum Gevatterstande Nur
wenige haben zu dieser ihrer Zeit bedacht was zu ihrem Frieden dient und sich
die Fragen woher und wohin aufgeworfen Das Leben ist eine Geschichte wobei
man nicht nach der Länge sondern nur frägt wie sie ausgefallen Wie lange wir
leben steht nicht in unsern Kräften wohl aber ob wir gut leben Mensch klage
nicht über Lebenskürze schicke dich in die Zeit mache Pläne über deine Tage
und wenn du dein Leben zu Ende gelebt hast wahrlich so kannst du ruhig
sterben Und warum wünschest du denn länger zu leben Sei weise das heißt
halte deine Zeit fest ist sie indes mehr als eine ungetreue Schöne Sie drückt
dir die Hand und lächelt dem Nachbar zu Der Tod nimmt von jeder Minute die
Hälfte von jedem Atemzug zieht er seinen Teil wir werden jeden Augenblick
schwächer Jede Minute geht ein Teil von dir diesen Augenblick sieh wie das
Leben in einem tiefen Seufzer davon geht Greifst du nach was ists Schatten
weiter nichts Der größte Lebensschoner kommt hier nicht ungeschlagen davon Der
Genuss wie schmeckt er hast du ihn schon gekostet Zum wahren innerlichen
Zeugen dass es mit diesem Leben nicht aus sein könne ist noch etwas da das auf
die Zunge beißt das sie kitzelt und das wirklich Geschmack hat die Hoffnung
und die sollte zu Schanden werden lassen Glücksgüter sind Zeitverlust je
weniger wir besitzen desto mehr Zeit haben wir Jener Weise lachte und jener
Weise weinte das beste ist weder lachen noch weinen den Richtsteig halten und
mit ernster Heiterkeit wandeln Gern leben und gern sterben heißt Gott
gefallen denn unser Leben und Tod ist in seiner Hand Wer nichts mehr zu hoffen
hat stirbt gern und es käm auf die Probe an dass uns der Arzt allen
Hoffnungsfaden abschnitte vielleicht würden wir leichter sterben als jetzt wo
sich alles unserer Lebensart oder Lebensgrille bequemt und uns mit Hoffnungen
schmeichelt Wer hat Lust die Probe auszuhalten Die Ärzte machen feig wenn
sie nichts täten als Todesurteile publiciren du stirbst du auch du auch
du wir würden Helden haben in jedem Flecken mehr als Tage im Jahre Ein
Blindgeborner denkt noch sehend zu werden und welch ein Unglücklicher hofft
nicht auf Glück Wir bringen eine richtige Summe heraus der Fehler steckt nur
in der Rubrik dieses und jenes Lebens so was allgemeines ist von Gottes Finger
in uns hineingeschrieben wir verstehen nur diese göttliche Schrift nicht recht
zu lesen Ist es ein so groß Wunder über Wunder dass sich die andächtigen
Zuhörer das Leben nahmen da Hegesias die Mühseligkeiten dieses Lebens
beschrieb Die Freude des Lebens ist sie mehr als leidlicher Schmerz als
weinerliche Luft Wir begrüßen die Welt mit Tränen und wahrlich Lachen du
bist toll Hegesias du hattest halbe Arbeit deine Zuhörer waren schon vor
deiner Rede überzeugt weit mehr ists bedenklich dass sich eine lebendige Seele
über ein Buch das ein Christ von der andern Welt geschrieben hatte das
Lebenslicht ausblies War es Neugier Die Neugier ists wenn ich nicht irre
von dieser Welt Die Vernunft zeigt den Tod als was wünschenswürdiges die
Sinnlichkeit als einen König der Schrecken Nicht die viel denken sondern die
viel tun verpflichten sich mit dem Leben Der Mensch lebt die meiste Zeit wie
das liebe Vieh und noch öfter stirbt er so Warum Die Vernunft ist dem
Menschen gegeben um Tod und Leben zu würzen und jedem von beiden seinen
Jahreszeitgeschmack beizulegen sie besitzt die einfachen Hausmittel die uns im
Leben und Sterben wo nicht froh so doch getrost zu sein lehren Die Röte so
sehr sie einnimmt was ist sie Tod oder Leben Wer wenn er sein Urteil über
das Leben abgeben soll nicht hier und da eine schöne Stelle auswählt sondern
über das Ganze urteilt ist weise  Was ist aber alsdann das Leben Wenn es
köstlich gewesen ists ein Lebensanfang Der hat am schönsten gelebt der am
meisten gedacht wie er leben wollte Jener Weise welcher behauptete dass Tod
und Leben eins und eben dasselbe wären war nicht in der Lage da man ihm den
Einwand machte Warum stirbst du denn nicht auf der Stelle Darum eben
erwiderte er weil Leben und Sterben einerlei ist  Es stirbt sich wenn mans
nur dazu anlegt leichter als es sich lebt Lasst uns ehrlich sein ist die Zahl
unserer Freuden nicht auf augenblickliche Intervalle eingeschränkt Der rechten
Freuden sag ich Dass wir so herzlich gern hoffen beweist dass an der größten
Lust nicht viel sein könne Die Menschen wünschen sich ohne End und Ziel weil
der Wunsch ein Keim der Hoffnung ist Schon der Mechanismus tröpfelt Tränen in
den Wein unserer Freuden Was ist der Mensch Nackt kommen wir auf die Welt
seht andere Tiere kommen eingekleidet und bedürfen des Schneiders nicht wir
Könige von Gottes Gnaden aber müssen die Tiere bestehlen unsere Untertanen
mit Abgaben bedrücken um Notdürftigkeiten zu bestreiten die schwer auf uns
liegen Vernunft wozu braucht sie der Mensch Dem Tiere das Fell über die
Ohren zu ziehen und sich zu bedecken sich selbst und andern das Leben
abzugewinnen Das Ziel der Vernunft ist wenn sie einsieht dass sie uns nicht
glücklich mache dass wir überall damit anstossen wie ein junger Mensch der in
die große Welt eintritt Je vernünftiger der Mensch ist desto mehr zweifelt er
Die Kinderjahre sind die schönsten weil wir mit der Vernunft in ihren Schranken
bleiben Gott was ist der Mensch
    Diese Welt ist ein Gefängnis in das wir vielleicht wegen voriger Verbrechen
verbannt sind ein Exilium ein wahres Sibirien Der Tod hebt diese
lebenswierige Festungsstrafe auf und lässt uns wieder auf freien Fuß Freuden
wenn sie nahe sind erschöpfen sie nicht mehr als der Schmerz Bei der Hektik
kann man alt werden ein dicker vollblütiger Körper wie schnell dahin
Krankheit und Schmerzen kommen unverdient selbst wenn wir ihnen recht mühsam
auszuweichen gesucht Wer sein Leben lieb hat verliert es wer das Leben
genossen hat stirbt gern das heißt wer dies Leben kennt kauft es nicht Ist
der Tod ein Übel ist er ein notwendiges Übel Ist es nicht eben so töricht
sich zu grämen dass man nur zwei Augen und zehn Finger hat als dass man sterben
muss Was nicht in unserer Gewalt ist sollte dies uns wohl beunruhigen Man kann
es uns nicht leichter machen als wenn uns gleich zu Anfang ehe wir noch Hand
ans Werk legen gesagt wird Das ist über euch
    Der Tod ist bitter Vielleicht den Umstehenden dem Sterbenden nicht  Bist
du denn schon gestorben dass du die Bitterkeit des Todes auspunktirt hast Ich
habe es an Sterbenden gesehen sagst du ich habe es von Scheidenden gehört Von
fremden Leuten deinen Tod Und war es der Tod von dem sie dich unterrichten
konnten War es nicht das Leben über das sie wehklagten Man tut dem Tode
Unrecht dass man ihn bitter beschreibt wer hat die Ehre ihn zu kennen Ein
Cholerischer will schnell fort ein Phlegmatischer will absterben und nicht
sterben allein in allen Fällen hat nicht der Tod sondern das Leben die Hektik
Schlagfluß Krämpfe Gichte Beklemmungen Der Tod hebt diese Übel und schlägt
diese Lebensfeinde in die Flucht Der Held Wenn dir keine böse Handlung in der
Brust sticht sei unbekümmert warum willst du fürchten was so und anders sein
kann Die Braminen sehen auf die Nase und weissagen Wenn man lange auf einen
Punkt sieht ists einem so als sähe man nichts Seht auf das Unrecht das man
euch in der Welt tut auf den Acker den euch der reiche Nachbar abgrenzte auf
eine Batseba um die euch ein Wollüstling betrog auf die Zwanzig die euch ein
Verschwender von eurem Hundert in seinem Koncurs darreichte  Braucht ihr mehr
um gern zu sterben
    Suche Freund ein gut Gewissen zu behalten beides gegen Gott und den
Menschen und wahrlich ich sage dir du wirft selig sterben auch ruhig wenn
dir das Leben es zulässt es wird wohl so gut sein  Ein gut Gewissen ist ein
probates schlafbeförderndes Mittel Das Gegenwärtige hat seinen unläugbaren
Reiz denn es ist etwas Gewisses Da aber das unsichere Gegenwärtige kaum der
Rede wert ist was tut denn die Gewissheit dazu Die Alten brauchten den Tod
zur Aufmunterung Es sollte noch auf allen Grabmälern stehen Sei getrost
Wanderer genieße das Leben denn es ist kurz Wer den Tod zuerst als ein
hässliches Gerippe vorstellte war gewiss ein junger Maler der seine Geliebte
verloren hatte Die Griechen malten ihn als einen Engel und wahrlich er ist
ein Engel ein Bote Gottes zur Ablösung Der Tod ist die größte Gabe des
Höchsten den Seinen schenkt er den Tod Jene fromme Mutter die ihre beiden
Söhne vor einen Wagen gespannt in den Tempel zogen bat die Götter diese
fromme Handlung mit der besten Gabe zu lohnen den Morgen fand man beide im
Bette in den Tod eingeschlafen Tod und Schlaf sind Kinder von zwei Vätern und
einer guten Mutter Ist es nicht gut dass die Fesseln sich abnutzen und wir
endlich aufhören Rudersklaven zu sein Der Tod ist der letzte Auftritt in der
Reihe der Stufen wir sind schon bis auf den letzten Tritt tot ehe wir
sterben
    Die Liebe duldet alles allein sie hofft auch alles Wie wohl wird uns sein
wenn wir unter dem Lindenschatten des Tages Last und Hitze vergessen und uns von
der Arbeit erholen werden wie wohl wenn wir von den Ungerechtigkeiten der Welt
noch ans Tal Josaphat die Appellation einlegen und sie geltend machen Was der
Tod dir rät ist wohlgeraten Der Leichenstein ist der wahre Stein des Weisen
Auch die Sehnsucht nach dem ewigen Leben wird befriedigt werden Unser
Heisshunger nach Existenz ist Gottes Hauch  sei getrost Ja wenn die Ursachen
keine Wirkungen und die Wirkungen keine Folgen hätten ja wenn Ja wenn das
Leben dir nicht so viel Vordersätze darreichte aus denen du den unläugbaren
Schluss zu ziehen im Stande wärest von einem unsterblichen Leben das dort dein
sein wird ja wenn
    Wir werden leben wir werden wiederkommen und zum Tode sagen Tod wo ist
dein Stachel Das Principium des Lebens ist es nicht die Seele Der Körper die
Materie ist tot und sollte dies Lebensprincipium nicht ohne die Materie
besser gemächlicher als mit ihr sein und leben können Was ist Gott was seine
Welt was sind wir was das Gewissen in uns wenn die Zeit Summa Summarum
unseres Seins ist Wer will nicht mehr als er kann Wer wünscht nicht wer
hofft nicht Die Essenz des Lebens ist Wunsch und Hoffnung Wir ehren jeden
Mann der so wenig Bedürfnisse hat und halten den Genuss die ganze Sinnlichkeit
für etwas das unschicklich ist Unsere Talente selbst was lässt sich nicht von
ihnen erwarten Was ist nicht schon erfunden und das Reich der Möglichkeit wer
kennt seine Grenzen Ich erstaune wenn ich die Geschichte mir über tausend
Jahre denke Sollte uns Gott geschaffen haben um unserer zu spotten Monarchen
und auch Salomons unter ihnen brauchen lustige Räte Wie das höchste Wesen
sollte Menschen zu solch einer Absicht  oder im Zorn sollte Gott den Menschen
gemacht haben wie einige Gottschänder gewähnt Und was ist selbst leichter zu
denken dass wir bleiben oder dass wir aufhören werden Wer ist der sich nicht
nach Unsterblichkeit sehnt Und diese Sehnsucht sollte wie Spreu zerstreut
werden Die meisten unserer Brüder sterben gemeinhin in Fragezeichen einige in
Verwunderungszeichen viele in Komma wer stirbt im Punktum Und sollte der
Mensch seinem Oberherrn trotzen können sollte er wenn es ihn gut dünkt in der
Welt Brand stiften alle Kinder die jährig und drunter sind in Bethlehem
morden lassen und sodann flüchtigen Fuß setzen können ohne dass ihm Steckbriefe
nachgesandt werden können ohne dass er einzuholen und zu bestrafen ist Ist
Tugend und Laster ein und dasselbe Ding und soll die Tat im Stillen die Gott
nachahmt unerkannt und unbelohnt bleiben Wo dann die Bewegungsgründe zu diesen
göttlichen Taten Und wann würde ich aufhören zu fragen wenn der Tod ewiger
Tod ewige Verdammnis zur Vernichtung wäre Zwar wenn wir erwägen wie der
Mensch auf die Welt kommt sieht es doch fast so aus als ob man Menschen säen
könnte Wie der Hausvater sich Federvieh schafft so der Monarch Untertanen
jener legt Eier unter die Henne dieser schließt seine Wolken auf lässt Freiheit
und Überfluss in seinen Staaten regnen und siehe da es wird Ist aber dieser
Gang der Natur so unbedeutend er anscheinet nicht eben darum göttlich Der
Mensch kann alles und kann nichts Die Natur sängt im Kleinen an allein wie
weit ins Große geht sie sie springt nicht sie geht mit bedächtigem Schritte
Was sind wir wenn wir auf die Welt kommen und was wenn wir hinausgehen und
zu was sind wir dann nicht aufgelegt Wir sind geprüft geläutert und bewährt
Es gibt Tugenden die nicht anders als in einem niedrigen schattigen Tal auf
dürrem Boden wachsen können darum die Welt und darum auch die andere Es kann
alles aus uns werden was Gott will zwar wissen wirs nicht wir glauben es
nur Die Vorsicht hat weise große Absichten in diesen Schleier der Ungewissheit
gehüllt allein brauchen wir mehr als Wahrscheinlichkeit Wir sollen nicht in
der Welt die Hände in den Schoss legen Welch eine andere Wendung würde die Welt
gewinnen wenn wir auf einmal wüssten was wir hoffen Würden wir noch einen
freien Willen behalten und würden wir nicht nur bloß so fromm und gut sein als
wir jetzt uns gerade halten Die Christen wissen es gewiss wie sie sagen dass
sie bleiben werden allein leben sie wohl so als wüssten sie mehr davon als wir
So etwas muss das Leben ausweisen Wenn die Lehrer des Volks selbst
Erscheinungsgeschichten die sich nicht aus den Wochenstuben herschreiben
hören wie fahren sie in einander wie erschrecken sie Ich will den ehrlichen
Kerlen unter ihnen keinen Vorwurf machen wenn sie es aber so gewiss wüssten als
selbst ihre hiesige Existenz würden sie nicht anders leben weben und sein
Würde man aus diesem Leben wohl so viel auf den Kanzeln machen Wer untersteht
sich an heiliger Stätte einem Fürsten einem Kirchenpatron etwas anderes als
aus dem alten Testament und der vierten Bitte zu wünschen Arme Leute werden in
der Nutzanwendung mit dem Himmel getröstet überhaupt ist die andere Welt auch
bei unsern herzlich geliebten christlichen Brüdern bloß Trost dieses Leben
aber  o was ist es nicht alles Zuweilen kann man sich nicht entbrechen an die
himmlische Freudenkrone zu denken allein man setzt wohlbedächtig hinzu nach
späten urspäten Jahren
    Hören wir auf was haben wir zu fürchten Zwar auch nichts zu hoffen allein
wenigstens doch kein Klagelied Wo warft du ehe dir zum Menschen die Vokation
ins Haus geschickt ward Ein nicht Geborner und Gestorbener sind die weit
auseinander Wie viel Gründe aber zur Wiederkunft Das Laster allein fürchtet
die Tugend sitzt der Hoffnung im Schoss
    Das Grab Freunde ist eine heilige Werkstätte der Natur ein Formzimmer
Tod und Leben wohnen hier beisammen wie Mann und Weib ein Leib sind sie Eins
sind sie Gott hat sie zusammengefügt und was Gott zusammenfügt soll der
Mensch nicht scheiden Eine Handvoll Erde ist eine Handvoll Welt Schaudere
nicht vor der Verwesung Das Weizenkorn fault und wird ein hundertfältiger Halm
alles muss sterben was zum Licht und Leben herausbrechen soll Dies Erdenall
dieser Erdenball hat alles was schön und gut ist erzeugt und ernährt er ist
das Herz unter dem jedes gelegen die Brust die jedes gesogen  Die Erde ist
des Herrn fast sollte man glauben dass es des lieben Gottes Lustschloss sein
Sanssouci sei so gut ists auf ihr oder so gut könnte es auf ihr sein  Nimm
doch diesen Staub in die Hand vor dem du bebst es ist Bein von deinem Bein
Aus Erde sind unsere Windeln und unser Leichentuch Wir werden was wir waren
Die Goldkörner die letzten Körperteilchen das eigentliche Saatgetreide ist
aufgespeichert und wird zu seiner Zeit schon vom lieben Gott wieder ausgestreut
werden auf einen schönen Acker Die Natur ist das perpetuum mobile sie steht
nicht still sie wirkt Leben im Tode Tod im Leben schön durcheinander dass es
eine Lust ist anzusehen dem der ein Auge dazu hat  Der Geist ist in Gott in
dem er lebt webt und ist  Das Schlechtere vom Körper das sich die Würmer so
gierig zueignen  Mensch trauere nicht  es wird nur abgezogen vom Felde in
den Garten verpflanzt wo es so lange verpflanzt und gepflanzt wird bis 
    Es ist noch nicht erschienen was wir sein werden Du mein Geist der du
dein bewusst bist du der du dich selbst anredest du Funke Gottes in dieser
stockfinstern Erde du Funke an dem sich jeder das Licht anzündet das in
seinem Hause brennt was warst du ehe dir dieses Kleid zugeschnitten ehe es
dir umgehangen ward und was wirst du sein wenn du dieses Regenkleid diesen
Schlafrock wenns köstlich gewesen ausziehest oder wenn er aus Alter
unbrauchbar wie ein zerrissenes Gewand abgeschüttelt wird Von wannen kommst
du Wohin fährst du Woher Wohin finster vor und hinter dir  O ihr
entkleideten ihr nackten Geister die ihr vielleicht dies Selbst dies
Seelengespräch angehört redet drein sagt wo seid ihr Wisst ihr dass ihr seid
dass ihr wart dass ihr sein werdet und sein so oder anders in Ewigkeit Seid
ihr es die in uns wirken wenn uns ein heiliger Schauer durchbljetzt Nicht von
Hautschauer sondern von Seelenschauer rede ich Wollt ihr etwa den Geist
warnen wenn ihr der Seele des Geistes Busenfreunde winkt da ihr an seinem
Körper anpocht  Nur herein ihr guten Geister herein Näher  weg seid ihr
Diese Ebbe und Flut des Bluts was will sie Solch ein Seelenschauder
Todesvorschmack wozu Es ist wahr es geht durchaus und durchall allein ich
hoffe ich werds vollenden Was ist der Tod Selige Geister unserer Vorfahren
die ihr vor uns wart und mit eben der Neugierde wie wir euch nach Nachrichten
aus der andern Welt sehntet sagt uns gebt uns ein Zeichen was ist der Tod
Hebt euer Incognito bittet Gott um diese Erlaubnis Wir haben nicht Mosen und
die Propheten die wir hören können wir wünschten dass einer von den Toten
aufstände O du mein eben entschlafener Freund wache auf der du schläfst
stehe auf von den Toten entdecke mir wie dir war wie dir ist womit du dich
beschäftigst Der Christ ist musikalisch in der andern Welt der Muselmann
wollüstig lüstern wir sind drüben so einfältig als man nur einfältig sein
kann Wie frage ich nicht ob ist meine Frage doch auch diese Frage und alle
meine heiligen Fragstücke sind wilde Reben der Wissbegierde sind vorschnelle
Sprösslinge meiner Einbildungskraft welche die Vernunft wo nicht gänzlich
wegzuschneiden so doch zu verkürzen verbunden ist Freunde lasst uns in die
Hände Gottes fallen Warum sorgt ihr für euer künftiges Schicksal Gott euer
himmlischer Vater weiß was ihr bedürfet Ob Leben oder Tod ob Tag oder Nacht
sorget nicht Ist es nicht genug dass jeder Tag seine eigene Plage habe Es wird
alles gut werden Leben ist eure Sache Sterben gleichfalls was drüber ist
bleibt über euch Freunde Was euch nicht angeht davon lasst euren Vorwitz
Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit das ist
das Grundgesetz in Gottes Staat und das andere wird euch von selbst zufallen
Lasst alles gehen wie Gott will lasst die vier Winde über euren Staub sich in
Anspruch nehmen lasst die vier Gegenden darum streiten lasst den eichenen Sarg
euer Fleisch an Dauer übertreffen was kümmern euch solche Kleinigkeiten Wir
die wir nicht in die Sonne sehen können wollen Gott sehen wir die wir den
Mond nicht bespannen können wollen Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
behügeln und begrenzen wir die wir die Fixsterne nicht zu zählen verstehen
Mensch kannst du sie zählen wollen die Ewigkeit messen und eine Schlaguhr
für sie meistern
    Wer kennt den morgenden Tag Und doch will man einen Kalender über
Ewigkeiten schreiben Der Anfang und das Ende dieser Welt sind uns Geheimnisse
und wir glauben einen Maßstab für die Himmel der Himmel zu besitzen Hat der
Christ einen nähern Weg als wir Gut für ihn Unsere Bahn ist die Landstraße
diese Bahn ist plan und natürlich Im Glauben kommen wir mit dem Christen
überein als wenn wir unter einem Mutterherzen gelegen hätten nur sein Glaube
hat ein ander Feld als der werte unsrige Wir wollen so leben als könnten wir
eine andere Welt sinnlich machen so fingersinnlich als dass zweimal zwei vier
ist als wären wir wie die Christen bis in den Himmel entzückt gewesen Denn
fragt euch selbst Freunde wenn auch euer Mut an der andern Welt zweifelt um
eure Kunst in Zweifeln zu zeigen als obs Kunst zu zweifeln wäre Was sagt euch
euer Herz  Will ich denn dass ihr einen Riss von der Stadt Gottes vom
himmlischen Jerusalem entwerfen sollt Es ist mir genug wenn ihr nur alle
menschenmögliche Wahrscheinlichkeit für die andere Welt findet
    So gut leben dass wenn eine andere Welt schön wie die Sonne aufgeht
unser Bürgerrecht in derselben gewisser wie Brief und Siegel ist das heißt mit
andern Worten der andern Welt würdig sein  Je besser der Acker desto mehr
Unkraut  Vorwitz ist unechtes Kind des menschlichen Verstandes eine Anlage
zur Vorschnelligkeit eine Krankheit des Scharfsinns ein helles Glöckchen in
der Torheitskappe Wir wollen uns entschließen wie einer unserer Vorfahren zu
bekennen dass wir nichts wissen dass wir hier und da Wahrscheinlichkeiten haben
allein im Tun komm uns niemand zuvor Weder Wagehälse noch Wageköpfe taugen
viel
    Der Ausdruck seine Seele in Händen tragen heißt wenn ihn die Philosophen
brauchen so viel als gute Gestus machen Wir wollen uns weniger um das Für und
Wider diese oder jene Meinung bekümmern als bereit sein es komme was nur
wolle dass Öl in unserer Lampe sei Gott wird uns richten nicht nach unserm
Wissen sondern nach unserm Tun je nachdem wir die Winke befolgt die uns zum
Guten aufforderten je nachdem wir die Keime gepflegt die er in uns gepflanzt
hat je nachdem wir nicht wider unser Gewissen die Leute mit allerlei
Schwindelei der Lehre hinter das Licht geführt  Weg mit Sophisterei weg aber
auch mit dem Dichterlaub das höchstens vor dem brennenden Sonnenstrahl und
einem Regenschauer sichert Ein starkzweigiger Stamm soll aus uns werden der
dem auswurzelnden Organ stattlichen Widerstand leistet dessen zur Erde sich
neigende Äste Wurzel fassen und der ein Abraham ein Stammvater eines ganzen
heiligen Hains wird  Wissen macht schwach Tun stärkt festigt und gründet
Tätige Menschenliebe ist eine Silhouette von Gott dem Herrn Der Anblick des
Glücklichen macht froh das Bewusstsein einen glücklich gemacht zu haben macht
selig Tat ist das Maß der Zeit Tod und Sünde ist eins Die personificirte
Bosheitssünde ist der Tod das was wir gemeinhin Tod nennen ist nicht der Tod
Ich bin der festen Hoffnung es sei Geburtsschmerz was wir Tod nennen und
gebären nicht die schwächlichsten Werkzeuge unter den Menschen
    Gutes tun heißt Leben Auch der Niedrigste hat seinen Geburtsbrief seinen
Taufschein würde ein Christ sagen von Gott Lasst uns die Mutterhand der Natur
küssen welche uns einige unserer Brüder und Schwestern so voll Zutrauens zur
Aufsicht und Pflege überlässt die uns die ihr zustehende natürliche
Vormundschaft abtritt lasst uns dieser so gütigen Mutter nachahmen Gutes zu
tun nicht müde werden und durch so unzählige mittlere Zwecke hindurch zu einem
einzigen letzten großen Endzweck arbeiten das heißt die höchste nur mögliche
Wohlfahrt des ganzen menschlichen Geschlechts befördern Vorwärts ist Bahn 
Gesetzt wir erreichten nicht das Ziel ihm nahekommen heißt es erreichen Das
Aergste was wir zu fürchten haben ist dass wir im Tun bleiben das ist besser
als in der Lehre Man sollte allen Subtilitätenkrämern das Handwerk legen es
sind die ärgsten Zeitverderber in der Welt sie gewinnen uns die Zeit ab wie
die falschen Spieler das Geld
    Strebt der Sonne entgegen Freunde damit das Heil des menschlichen
Geschlechts bald reif werde Was wollen die hindernden Blätter was die Äste 
Schlagt euch durch zur Sonne und ermüdet ihr auch gut desto besser lässt sich
schlafen
    Eine wohlgesetzte Rede ist nie zum Behalten eingerichtet man will sie ganz
und hat nichts es ist ein regelmässiger Garten wo es recht hübsch und fein
aussieht allein was kannst zu heimführen Blumen Blumen in der Hand von der
Wurzel gerissen was sollen die Nimm den ganzen Garten mit was hast du Ein
ganz richtig gerechnetes Exempel zusammt der Probe Wildnis Berg und Tal aus
dem Vollen gehauene Gänge Parke die machen Eindruck und lassen ihn auch So
vortrefflich unordentlich war diese Rede Es war kein Kunst sondern ein
Naturstück und was ist pflegte mein Vater zu sagen was ist es denn das die
künstlich gezogene Wortschleusse und die daherrauschenden Fluten des Redners
die alle an seinen Text schlagen erzeugen Schaum und wenn auch eine Venus
daraus würde nicht jedem ist mit dieser Schaumgöttin gedient  Was ich meinen
Lesern von der Wildnissrede gegeben sollte eine Nachfolge des Originals sein
ich wollte nicht den Hauch der Natur von der Pflaume wegwischen sondern so wie
sie da ist mit diesem Naturatem der mir wie ein Heiligenschein vorkommt
wollt ich sie  da ist die rotbackige Birne ungeschält die Baumwolle auf der
Pfirsich der Sammt auf der Aprikose Blatt und Stengel obenein  Was meint
ihr Freunde hätt ich besser getan alles in Ordnung zu stellen und zu nehmen
und zu geben mit Allerseits anzuheben mit Dixi zu schließen  Ich mag nicht
sagte mein Vater freie Gedanken in die Festung bringen obgleich er ein
Königscher ein Monarchenfreund war  Doch ich bin außer dieser Rede noch eine
reine Lehre schuldig Und freilich hätt ich diesen Pfirsichen Aprikosenund
rotbackigen Birnennachtisch weit füglicher bis ans Ende versparen und da erst
zum Besten geben können und sollen wer kann sich aber helfen Dafür werd ich
auch nichts nach diesem christlichen Exercitio exploratorio abkanzeln noch eine
Kinderlehre für die Kunstrichter anstellen
    Es trat ein Mädchen auf Allerliebst Nicht mit fliegendem Haar als ständen
sie ihr zu Berge nicht mit einem Gewande als wär es vor dem Winde nicht
sicher nicht mit einer hin und herfahrenden vorspiegelnden Hand mit Augen
als wollte sie einfädeln um uns nur etwas aufzuheften  sondern mit einem fest
an den Leib gegossenen weißen Kleide einem schwarzen Kranze vor der Brust  ihr
Haupt mit einem Schleier bedeckt zwar auch fest doch ließ er zuweilen nach
Das Auge schweifte nicht aus allein es blickte inbrünstig gen Himmel und
zufrieden auf Gottes Erde Die Hände die meiste Zeit gefalten oft aus Herz
gelegt das aus Empfindung in die Höhe kam und sich zu Gott wölbte
    Das Ende krönet das Werk und zeigt den Unterschied dessen der Christum
angezogen hat und dessen der im Blossen geblieben und höchstens einen
Regenschirm für allerlei Wind und Wetter in seine Rechte genommen welcher aber
zur Zeit der Trübsale gemeinhin die Flügel sinken lässt und abfällt Nur Christus
hat Leben und unsterbliches Wesen an das Licht gebracht die Dunkelheiten der
Weisen zerstreut und selbst die finstere Nacht des Grabes ins helle Licht des
Evangeliums gesetzt In ihm war das Leben und das Licht der Menschen Der Tod
ist für den christlichen David der Riese Goliat er geht ihm nicht mit Schwert
Spieß und Stange mit weltweisem Panzer und blank geputzter glänzender Rüstung
mit spitzigen Sentenzen und kriegslistigen Fragen sondern mit kleinen Steinen
entgegen und wenn er ihn glücklich geschleudert hat nimmt er sein Haupt
gefangen und es heißt von ihm Wenn Sokrates tausend geschlagen der Christ
habe zehntausend überwunden und das Feld behalten Halleluja Tod wo dein
Stachel Hölle wo dein Sieg Gott aber sei Dank der uns den Sieg gegeben hat
durch unsern Herrn Jesum Christum Wer vor Gott wandelt wer seine Seele und
seinen Leib unbefleckt bewahret nach dem vorgesteckten Ziele läuft wer heilig
lebt weil Gott heilig ist der stirbt selig wer dem Herrn lebt stirbt ihm
auch
    Die ersten Christen versammelten sich aus Furcht vor den Verfolgern auf
Gräbern zum Gottesdienste und wie schön klingen Todesglocken dem der zu
sterben versteht Kein Deist hört gern läuten Zwar hat der liebe grundgütige
Gott für alle Menschen gesorgt für Christen sowohl als für Nichtchristen Die
Unchristen und Antichristen sollten wenn sie Gelegenheit haben sich dem
Christentume einzuverleiben und einzuverseelen die Einladungen nicht
verwerfen sondern sich den Kopf waschen lassen wodurch das Herz mit rein wird
Was hilft die reine Vernunft wenn das Herz nicht rein ist Nur die so reines
Herzens sind werden Gott schauen Mensch und Christ sterben allein der Christ
ist eigentlich der Lehnsträger der Gutserbe der eigentliche Sterbliche man
kann nur von ihm sagen dass er geboren werde und dass er sterbe Der Unchrist ist
ein Mensch als wollt er Mensch sein der Christ ist alles wirklich was er
ist
    Sankt Paulus spricht zu den Ephesern im vierten Kapitel im siebzehnten und
achtzehnten Verse So sage ich nun und zeuge in dem Herrn dass ihr nicht mehr
wandelt wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes welcher
Verstand verfinstert ist und sind entfremdet von dem Leben das aus Gott ist
durch die Unwissenheit die in ihnen ist und durch die Blindheit ihres Herzens
Der Körper war da noch ehe Christus kam das heißt es fehlte nicht an
prächtigen Worten allein der Geist fehlte da blies uns Christus an und sprach
Nehmet hin den heiligen Geist Der Christ ist das Geschöpf das Gott wenn ich
so sagen soll am sechsten Tage schuf um die Lehren der Heiden und Juden und
alle Schriften geschrieben von auserwählten Menschen zu benutzen und den
toten Buchstaben zu beleben und aus einem Gebeinhause eine Himmelswohnstube zu
machen Der Christ hat den Schlüssel zu den fünf ersten Tagen und ist ein Herr
des unvernünftigen Viehes das auf dem Bauche oder auf Vieren geht oder fliegt
oder  Der Heiden Tugenden sind nach dem Ausspruch des heiligen Augustinus
glänzende Sünden und ihr Tod ist ein Armessünderende wo immer viel geredet
wird Christus hielt keine Reden wie Sokrates da er starb ihm schrieb kein
Plato die Predigt nach  der Herr der Natur starb natürlich Alles zusammen mit
samt dem Testamente bestand in sieben Worten Eine schöne Zahl Lasst uns die
Sache beim rechten Ende fassen Der Mensch mag es machen wie er will es finden
sich Lebensstellen wo er offenbar zu kurz kommt er kommt nicht aus und macht
einen Koncurs wo Gott er und sein Mitmensch classificirt werden wo es überall
heißt Soll haben hat nicht soll bezahlen kann nicht Wir können uns zwar vor
den Blicken der Welt verbergen allein der Furcht verraten und verkauft zu
werden wer kann der auf Flügeln der Morgenröte entfliehen Und wenn wir der
Welt entkommen sind wir uns selbst entflohen Der Hauszeuge ist in den
Gerichtshöfen verdächtig allein das Gewissen ist unbestechbar und so erhaben
dass man ihm auch nichts einmal anzubieten wagt Verschliesse dich wie du willst
das Gewissen begleitet dich es schläft und schlummert nicht es geht nicht über
Feld und was das ärgste ist  es hat ein göttliches Gedächtnis Das Gewissen
ist Gottes Unterrichter es eröffnet dir in jeder dir selbst gelassenen Stunde
du seist ein ungerechter Haushalter du hättest mehr tun sollen weil du mehr
tun können du hättest gesündigt im Himmel und vor ihm und wärest nicht wert
der göttlichen Natur nicht wert ein Mensch zu sein Schäme dich sagt es dann
und sammelt feurige Kohlen auf dein Haupt Wohl dem der diese Kohlen zum
Fegefeuer anfacht Wohl dem der zu dieser seiner Zeit bedenket was zu seinem
Frieden dient und dass er in eine Gegend gehe wo er nicht mehr mit seinem
Bruder auf dem Wege ist und wo es angeschrieben steht Du kannst hinfort nicht
mehr Haushalter sein Was nun
    Die meisten Handlungen Freunde sind darum gut weil man sie sich viel
böser denken kann So wird das Spiel als eine erlaubte Sache gepriesen weil es
besser als Schmähsucht und Zungentodtschlag ist Priester und Leviten der
Vernunstreligion stehen mit Lebensbalsam mit Gewissenskühlungen mit
Herzstärkungen aus allein wenns zum Sterben geht hilft kein Seelenkraut und
Pflaster das Wort Gottes allein heilet  Jeder unrichtige Gedanke jedes
unnütze Wort ist verantwortlich Wie schrecklich wahr ist dies Gesetz der sich
selbst gelassenen Vernunft Wo fliehet sie hin in diesen Seelennöten
    Wohl mir dass ich ein Christ bin Wenn ich alles getan habe was ich zu
tun schuldig war und was ich nur tun konnte bin ich zwar noch immer ein
unnützer Knecht dem noch viel fehlt allein welch ein Trost für mich im Leben
und Sterben dass Christus lebte und starb Er hat Gott dem Schöpfer der
Menschen im Leben und im Sterben den ganzen Wert der Menschheit in hoher
Person gezeigt er hat ihn uns dargestellt und wenn nach dem äußersten
Bestreben zu werden wie Jesus Christus auch war Unvollkommenheiten vorfallen
bitten wir Gott dass er nicht uns sondern die Essenz der Menschheit das Ideal
menschlicher Tugenden anschaue und in ihm in diesem großen Muster uns
sündige Geschöpfe und dass er uns gnädig sei und barmherzig und von großer Güte
und Treue
    Der Mensch ist göttlichen Herkommens göttlichen Geschlechts Aller dieser
Verwandtschaft wie unwürdig sind wir ihr im Fleisch durch die Sünde Heil uns
dass unsere Natur einen Repräsentanten hat in welchem Gott uns und wir Gott
sehen Christus ist der Erste in der Menschenfamilie der Chef des menschlichen
Geschlechts der zweite Adam der uns den Weg wies eine verlorne Festung
einzunehmen und wieder ins Paradies zu kommen wo keine Schildwache mehr steht
Er ist der Erstgeborne denn Adam aus dem Paradiese war nicht geboren sondern
aufgehaucht Außer diesem Verdienstlichen welch ein Muster im Tod ist sein Tod
Sein Leben sei mein Leben sein Tod der meinige Wer starb so als dieser Fürst
des Lebens Das Muss des Weisen ist so wenig trostaltig dass er sich vielmehr
wieder frägt Warum muss ich Wenn ich den Schmerz verbeisse leid ich nicht ich
stoße zurück was heraus will  Und da der Nichtchrist ungewiss ist ob sein
Lebensziel nicht auch sogleich sein ganzes Ziel sei wie sehr ist er ein Knecht
seines ganzen Lebens ein Knecht von der Stunde des Todes Alle Pulsschläge
schlägt sich der Gedanke auf nicht etwa diese Nacht sondern diese Stunde
diesen Augenblick kann man nicht etwa bloß deine Seele sondern dich ganz von
dir fordern und was wird sein das du gesammelt hast Elender Nachruhm Du
Unsterblichkeitsanalogon des Nichtchristen du wirst die zitternden Nerven nicht
halten und dem Herzen nicht Luft zuwehen
    Zwar auch Christus war von Gott verlassen allein mit Ehren und Schmuck ward
er gekrönt selbst da er noch am Kreuz hing Sein göttlicher Tod löste dem
Hauptmann die Zunge zu der Stunde »Wahrlich es ist ein frommer Mensch und
Gottes Sohn gewesen« Der Christ wenn er im bösen Stündlein auf den Gedanken
fällt sein Geistfaden wird mitreissen wenn der Lebensfaden reißt Gott sei von
seinem Geist gewichen und dieser sein Geist werde verrauchen so wie sein
Fleischteil aufgelöst wird dann erscheint ein Engel und stärkt ihn Wenn das
was gedichtet wird keine Möglichkeit in sich enthält ists Hirngespinnst je
mehr Wahrscheinlichkeit aber desto vollkommener das Gedicht Wenn der
Nichtchrist uns vorwirft wir stürben poetisch  so lass er uns diese heilige
Poesie diesen Schwung  Trifft dieser Schwung nicht näher als ein
geschliffenes Kunstsystem von Hoffnung Ist die ganze Hoffnung mehr oder weniger
als Dichtkunst
    Der Christ entzückt in den Himmel hört unaussprechliche Worte Wann haben
wir nicht unaussprechliche Selbstlaute gehört wenn uns eine schöne
Frühlingsmorgenröte ins Freie einlud und wir einsam der Sonne entgegengingen
Und das Gefühl der Kräfte der zukünftigen Welt welche Begeisterung im Sterben
    Die Offenbarung ist eine erhöhte Vernunft die Vernunft in heiliger Poesie
ein Vernunftkörper sie stellt dar sie macht anschaulich es ist ein Höchstes
der Vernunft ein vernünftiges Ideal und doch eine solche lautere Milch dass
sie ein Kind fassen kann Wo die Vernunft Zahlen hat besitzt der Christ
lebendiges Wesen Der Weise denkt der Christ sieht Wie sehr weg setzt ihn
diese Fassung über alles was in der Welt ist Er isst Ähren am Sonntage wenn
ihn hungert und wenn selbst der Hohepriester auf dessen Brust Licht und Recht
strahlen sollte diesen göttlichen Orden verkennt und den Pöbel zum kreuzige
ihn auffordert und sein Mütchen an ihm kühlt wenn der Sadducäismus und der
Pharisäismus es mit ihm anbinden will wenn die Welt ihn auspfeift überwindet
er weit  Christus hat am meisten von Gelehrten gelitten  Seht die Sünde wie
sie wollte und nicht konnte Wo ist ihr Sieg Und wenn der Zweifelkopf der
Vernunft und wenn das eigene Herz schüttelt und spricht lauter Nein Er weiß 
Zwar ehrt er den Namen Gottes unter dem Patent das die Vernunft vorzeigt er
lässt ihr ein freies Votum allein er verlangt auch eins Was weiß die Vernunft
von der Zusammennehmung dieses und jenes Lebens dem ersten und zweiten Teil
des Menschen von unsern Schicksalen vom ersten Menschen Von der Sprache dem
göttlichen Unterricht bis auf die Kleider zu
    Nicht so nicht so ist die Vernunft im Leben und im Tode Der Christ weiß
sein Tod sei nur Verwandlung Verklärung melior compositio ohne
grammatikalische Fehler ohne Flecken ohne Runzeln oder dess Etwas Alles schön
gegeben vortrefflich ausgedrückt Die zweite Auflage und auch die so mit ihm
aus einem Gesangbuch sangen in einer Bibel lasen auch die wie er Was trauerst
du arme Wittwe um den einzigen Sohn Mein Meister spricht weine nicht Zwar
erweckt er nicht mehr einzeln die Toten denn auch die Erweckten sind wieder
gestorben oder was sind sie Wahrlich doppelter Tod wäre eine Ungerechtigkeit
Wittwe warum die tiefen Tränen Zwar wird er nicht zu dir kommen aber du zu
ihm Weine nicht ruft dir der Herr zu dessen Herz auf den Grund bewegt war
und auch vor Schmerz vor Mitleid überging So können nur trauern die keine
Hoffnungen haben Ists nicht gut dass ein Weltknoten nach dem andern gelöst
wird und dass ihr Bekannte in der Stadt Gottes habt welches euch gut und
wahrlich besser als ein Freund am Hofe ist Die Zeit tröstet den Weisen
Beweise christliches Weib dass du auf die Zeit nicht warten darfst und auf die
Stunde wenn es ihr gelegen ist Die Ewigkeit sei dein Trost die auf der Stelle
lindert verbindet heilt Es gibt ein allgemeines Ziel spricht Sirach hundert
Jahre allein dies ist ein apokryphisches Ziel Moses verkündigt fein canonisch
Unser Leben währet siebzig Jahre wenns hoch kommt sinds achtzig wenn es
köstlich gewesen ists Mühe und Arbeit gewesen denn es fähret schnell dahin
als flögen wir davon Der Christ sucht dieses Ziel nicht zu verrücken er wälzt
den GrabesGrenzstein nicht weiter übt sich indem er den Lüsten und Begierden
abstirbt im Sterben und was kann ihn scheiden von der Liebe Gottes
    Was braucht aber der Christ von den göttlichen Absichten zu erklügeln Er
weiß dass der Herr alles wohl mache und das ist genug
    Wenn andere leben um nach dem Tode einen Leichenstein zu verdienen auf dem
Leben und Taten eingeätzet sind welchen ein gedungener Haufen Leichenbegleiter
für Geld und gute Worte mit feilen Tränen taufte hat der Christ nicht lieb die
Welt noch was in der Welt ist  Sein Name und Wappen wenn er sie aushauen
lässt sollen nur bloß auch nach seinem Tode ein gutes Beispiel stiften
    Bei dieser Stelle sagte mir der Graf ins Ohr Wenn ich meine Krone im
Wappen sehe denke ich an die himmlische und an die Perlen deren auch in der
hohen Offenbarung gedacht wird Der Mensch ist ein Hieroglyph der ganzen Natur
wer es zu erklären und aufzulösen versteht hat den Schlüssel zur Natur Der
Leib gehört hiezu eben so wie die Seele Glaubt mir Freunde er muss was zu
verbeissen haben wenn die Seele im Fluge ist und wenn es uns recht gut bekommen
soll muss unsere Mahlzeit geistig gewürzt sein Den Menschen ganz zu erklären
dazu gehört mehr als wir diesseits des Grabes vermögen Der Christ kommt bei
dieser Auslegung noch am nächsten  Er versteht das Menschenhieroglyph so wie
die Kinder ein Buch aus den Bildern Das Grab hat nur auf die Schlacken
Anspruch Das Feine des Körpers wird auferstehen das ist eine Wahrheit zum
Wärmen wenn alles an uns kalt wird Gottes Weisheit handelt überall im
Verborgenen in Gräbern nur wird sie gerechtfertigt In dies Auge das im Tode
verlöscht wird wieder Licht geschlagen werden Heilig selig ist der
elektrische Funke der in diese Finsternis gesprüht werden wird Dies Leben ohne
den Herrn ist ein Fischzug Petri der die ganze Nacht arbeitete und nichts fing
und nur wie er auf seines Meisters Befehl das Netz auswarf mehr zog als das
Netz halten konnte Wenn auch beim Christen zuweilen das Netz reißt was ists
gegen den Segen der von Fischen gezogen wird Heil dem Christen Sein Leib ist
im Dienste der Seele die Seele im Dienste des Geistes der Geist im Dienste
Gottes
    Heil dem Christen denn er hat über sich einen gnädigen Gott in sich ein
stilles Gewissen unter sich einen ihn befriedigenden Erdboden  wenn gleich die
Aepfelbäume nicht so gut wie im Paradiese fortgehen  hinter sich eine glücklich
zurückgelegte Bahn den Trostspruch Sohn Tochter dir sind deine Sünden
vergeben stehe auf und wandle
    Vor sich einen seligen Tod und eine fröhliche Auferstehung einen Richter
der wohl weiß wie es einem Menschen zu Mute ist der auch lebte und starb
    Das verlohnte also wohl dass Engel der Erde gratulirten Ehre sei Gott in
der Höhe Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen
    Wollt ihr mehr O ihr Kleingläubigen Wohlan ich will euch die Furcht des
Herrn lehren den eigentlichen Anfang der Weisheit Lasst uns von den letzten
Dingen anheben Letzt und Erst ist nur nachdem man es nimmt
    Was du säest Freund wird nicht lebendig es sterbe denn Ist dein Leib
nicht ein bloßes Saatkorn das ausgesäet ist Ist der Mensch hier mehr als
Fayence und soll er dort nicht sein ein Gefäß zu Ehren  Gott weckt alle
Frühjahre Tote auf und jeder Augenblick ist eine Auferstehung In jedem Felde
sind Schaaren Evangelisten die uns die Lehre der Wiedergeburt des Wiederlebens
alles Fleisches das wie Heu ist verkündigen Wir ziehen aus diesem Leibe um
in eine andere himmlische Wohnung einzuziehen wie aus der Pacht ins Eigentum
So verwandeln sich vor unsern Augen unzählige Dinge  Der Geist ist der
eigentliche Mensch dieser Jünger Christi stirbt nicht Der Pfeil des Todes
trifft nur den Leib Sobald es zum Sterben geht beruht alles auf der Einbildung
derer so nicht sterben und sterben sehen Seht ihr denn den Geist ihr
Händeringer Er ist in Gottes Hand und keine Qual rührt ihn an und warum
sollte der Geist um diesen Leib und dies Gebein zittern und zagen Warum sollte
er beim Leichenbegängnis im ersten Paar wie ein leidtragender Wittwer gehen
Wie vielmal soll ich den Trost des Christen wiederholen Auch sein Leib wird
nicht untergehen Pflanze und Tier fordern das zurück was ihnen zugehört und
was ist denn was wir ihnen zurückgeben Ist es nicht Etwas das uns oft so
lästig war  In der Natur ist ein immerwährender Wechsel allein eine
Allwissenheit regiert ihn Und kommt denn Etwas aus unserem eigentümlichen
Hause  Ist die Erde nicht unser Haus Ob dieses oder jenes Stück von unserem
beweglichen Hab und Gut in diesem oder jenem Zimmer steht Ob unterm Spiegel
oder am Kamin Ob im Saal oder im Nebenzimmer Und warum sollte ich nicht etwas
Abgetragenes gegen etwas Neues hingeben Eine andere Klarheit hat die Sonne
eine andere Klarheit hat der Mond Es wird gesäet verweslich und wird
auferstehen unverweslich es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in
Herrlichkeit es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft es
wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistiger Leib
    Ist es nun begreiflicher dass auch der Leib nicht untergehe Alles was
stirbt steht auf Nennen wir nicht vielleicht öfters tot was wir in seiner
Entwicklung nicht übersehen Jene tausendmal tausend Vollendete sehen vielleicht
unserer Geburt unserem Durchdrange durch Tod zum Leben zu und freuen sich die
Taufzeugen bei dem Namen zu sein der dem Überwinder dem Geprüften des
Heiligsten würdig Befundenen beigelegt wird
    Geschöpfe die Gott erkennen in denen Christus wohnt können unmöglich auf
der ersten Stufe bleiben auf der Stufe der Kindheit Dieses Leben ist ein
Kinderstand diese Leiber sind Windeln Aus Kindern werden Leute Unsere Seele
ist in dieser Welt ein Licht unterm Scheffel Wir steigen die Stufen die Jakob
im Traume sah wo die Engel hoch und niedrig standen und wenn ich gleich nach
meinem Abschiede aus dieser Welt ein Engel werde kann es denn nicht auch hier
Klassen der Seligkeit geben Der Türhüterposten ist hier aber schon eine über
alle Massen wichtige Herrlichkeit weil weder Neid noch Eigendünkel mehr ist In
Gottes Hause sind viele Wohnungen Unser Haus ist die Erde Gottes Haus ist die
Welt Das feste prophetische Wort zeigt uns die andere Welt in Kupferstichen
hie und da illuminirt Wie kann ein vernünftiger Lehrer anders mit Kindern
verfahren Gastmahl Paradies himmlisches Jerusalem eine schöne Erbschaft
eine Ehrenkrone ein Siegerkranz ein Ruhesitz Gottes eine Festfeier so wird
uns die andere Welt vorgestellt und wenn wir annehmen dass wir Gott in seinen
Werken näher schauen dass wir tugendhafter und also auch glücklicher sein
werden was wollen wir denn mehr Der christliche Himmel besteht in reiner
Wahrheit und vollkommener Tugend Sehen wir gleich hier nur durch einen Spiegel
in einen dunkeln Ort so ist es doch genug zu wissen dass wenn gleich unser
äusserlicher Mensch verwest der innerliche jedoch von Tag zu Tage erneuert und
stärker wird Ist denn das nicht Gewährleistung für die andere Welt Ein echter
Christ ist hier schon im Himmel Er sieht sich ab und zunehmen das Sichtbare
das Zeitliche fällt das Unsichtbare das Ewige hebt sich  Er hat das andere
Leben in der Hand  es ist ihm so nahe als der Leib der Seele  Warum sollten
wir uns bemühen zu bestimmen ob aus Steinen Pflanzen aus Pflanzen Tiere aus
Tieren Menschen aus Menschen Engel werden Ob wir in eine Sonne oder in einen
Planeten ob wir in ein Winter oder Sommerzimmer unseres lieben Gottes dereinst
einziehen Ob wir in unser Sonnensystem oder wo anders hinkommen Beides Leben
und Tod ist dem der alles recht bedenkt wünschenswert Gott hat uns in
dieser Welt den Weg gebahnt zu werden was wir geworden und in jener wird er
der Herr und Vater über alles was Kinder heißt im Himmel und auf Erden uns
nicht verlassen
    Dies ist die Zuversicht die ich durch den habe der dem Tode die Macht
genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durchs
Evangelium Wir besitzen des Himmelreichs Schlüssel zu binden und zu lösen wo
der Philosoph Lücken findet und nicht aus nicht ein weiß Überhaupt weiß er
nichts Einer ist unter ihnen wider den andern Der ist ein Plato der ein
Aristoteles der ein Redner der ein Sophist Sophisten sind Taschenspieler und
Redner sind Schmeichler Wahre Weisheit wohnt nicht in geschmückten Gärten von
Kunstworten sondern in dem friedlichen Tale der kindlichen Aufrichtigkeit 
Darum schilt ein Weiser den andern Sie haben unter sich Katholiken
Protestanten Muselmänner und Gott weiß was mehr Je nachdem jedem der Kopf
steht je nachdem will er es auch vom Auditorio Dieser spricht von der Mutter
Gottes der Jungfrau Maria der grundgütigen Natur und von guten Werken predigt
viel Gesetz allein kein Evangelium Jener ist der Meinung der Mensch könne
sich nicht besser machen als er ist Seine Neigungen sind nicht Vorschriften
die er sich selbst gegeben sondern steinerne Gesetztafeln die man zwar
zerbrechen kann wer aber fragen diese guten Herren wer kann ein Gebot der
Neigung ausradiren Es ist ja ein Stein Dieser ist sinnlich Jener geistig
Dieser ein Kopfhänger Jener fröhlich und guter Dinge Der zweifelt über alles
auch selbst dass er zweifelt Dieser tut so grundgelehrt auf seine Worte dass
man wirklich glauben sollte er wüsste Etwas Ein Einfall sagt er ist ein
einziger Fall den auch ein bloßer Witzling haben kann Mir stehen Principien
das heißt eine Sammlung aller Fälle zu  Gut aber wo sind denn deine
Principien in so weit sie wirklich weise und selig machen Die Philosophen sind
Rätselaufgeber sie lehren Rätsel und lehren sie rätselhaft Eine
Volksphilosophie müsste so kurz ausfallen wie Luthers kleiner Katechismus Ist
denn die Wahrheit nicht nackt und wenn einige der Alten für Dunkelheiten waren
mussten sie es nicht wegen der Unvernunft des Volks sein Jetzt aber ihr Weisen
da ihr selbst nicht leugnen könnt Weisheit aus dem Volk und aus dem Volksbuch
aus der Bibel geschöpft zu haben warum gebt ihr nicht verständlich wieder was
ihr verständlich empfinget und was ists denn was euch selbst zusteht Der
Christ weiß an wen er glaubt Von diesem Glauben des Christen hat der
Nichtchrist keine Vorstellung Es ist ein lebendiger ein wissender Glaube Gott
sandte uns nicht ein Buch herab voll Worte und Meinungen fein sauber
geschrieben Unsere Vorfahren waren Geisterseher allein wir wir sahen
Christum den Anfänger und Vollender unsers Glaubens Hier ist Sache Tat
Begebenheit Wahrheit Er war zwar Mensch allein Gottmensch man sah ihn und
wir sehen ihn noch in Begebenheiten mancherlei Art sein Geist blieb bei uns 
Christus ließ sich nicht malen denn da hätte man nur eine Stellung von ihm
gehabt sondern er ward geboren lebte lehrte starb  Er lehrte durch Taten
er lebte durch Lehren  Was von seinem Leben geschrieben worden ist auch
Leben Einfalt ist die Art womit alles behandelt wird allein Einfalt ist die
ächte Tochter alles Guten alles Wahren alles Vollkommenen  Wo ich göttlichen
Finger sehe warum will ich denn da noch meine Hand auch in die Nägelmale legen
um sagen zu können Mein Herr und mein Gott Empfindest du nicht in jedem deiner
Schicksale o Mensch gib auf dich Acht Gottes Wege Fühlst du nicht dass so
wie Gott Einer ist er dich auch so leite und führe als ob du der einzige
wärest den er zu leiten und zu führen hätte und warum willst du denn ein
Zeichen am Himmel um zum Dank zum Lob Lob sei Gott ohn Ende aufgefordert zu
werden Lasst uns Hand ans Werk legen und wir werden finden ob die christliche
Lehre von Gott sei oder ob die Bibel so von ihr selbst rede Von dem Weltweisen
heißt es wie vom reichen Manne Er starb und ward begraben Die Herren
Recensenten hielten ihm Reden und Predigten die Dichter fangen und doch ward
er begraben Vom Christen kann man wie vom Lazarus sagen Er starb und ward
getragen von den Engeln in Abrahams Schoss
    Was habt ihr denn für einen Beweis rufen uns die Weisen zu Verzeiht ihr
Herren Gott allein ist weise Was aber unsern Beweis betrifft so führen wir
ihn menschlich Unser Beweis ist vernünftige lautere Milch und Erfahrung
    Wie ist der Mensch auf Gott Geist und Ewigkeit gekommen wenn sie nicht
wären Der Mensch ist groß und klein er zähmt Löwen verkauft Wallfische und
wird von einer Schlange getötet
    Zweifler ich soll beweisen dass ein Gott sei Beweise mir erst dass er
nicht ist Wie kann man Tatsachen beweisen Wie kann ein Sohn beweisen dass
Dieser oder Jener sein Vater ist
    Es geht in der Welt über und über und wie könnte das wenn Gott der Herr
derselben König wäre Ei Lieber wenn Gott sein Bild dem Menschen anhing wenn
er ihm Verstand und Willen gab wer hat Schuld an dieser Unordnung
    Jeder Mensch hat so etwas bei sich was Ja oder Nein bei allen Dingen sagt
sie mögen Wissen oder Tun Rat oder Tat betreffen Es gibt so gut ein
Verstandes als ein Willensgewissen Ist euch das zu hoch euch zu hoch die ihr
den Gang Gottes in der Natur, das Kommen einer jeden Pflanze in ihrem sanften
Tritt beschleicht Ihr solltet euer eigenes Erdreich nicht kennen
    Es gibt baare Kenntnisse und Kenntnisse auf Verfalltage Das Christentum
hat von beiden sein Teil Die wichtigsten Artikel können durchs Leben bewiesen
werden  Ich lebe sagt Christus und ihr sollt auch leben
    Ich weiß eure Einwendungen ihr Weisen der Welt
    Das Christentum sagt ihr habe den Mut gehemmt froh zu leben und froh zu
sterben es lehre dass nur wenig Auserwählte sein werden Allein was ist besser
seine Seligkeit schaffen mit Furcht und Zittern oder wider besser Wissen und
Gewissen handeln Es ist ein Aufwaschen bringt ihr Leichtsinnige bei allein
seid ihr schon von eurem Gewissen je in Anspruch genommen Seid ihr schon in der
Tinte gewesen Glaubt ihr denn dass das Auge welches seinem Nächsten nach Leib
und Leben stand mit einer Träne der Reue abgewaschen werden könne
    Wenn die reine Vernunft lehrt sich so zu führen dass wenn ein Gott und
eine Ewigkeit wäre wir seine Kinder und die Erben des Himmels zu sein das Recht
hätten so lehrt sie uns etwas Übermenschliches  Sobald wir zweifeln
Freunde so bricht die Sinnlichkeit Tür und Tor schlägt alle Schlösser auf
und findet im Zweifel so viel Unterstützung dass alles über und über geht Ja
wenn der Mensch fünfzig Jahre alt und des Tages Last und Hitze der Sinnlichkeit
getragen hat dann Freunde könnte diese Lehre weniger gefährlich sein
    Und doch ist sie gerade zuwider der lautern Milch Christi des Herrn der
ein herzliches Zutrauen von seinen Nachfolgern will Zweifel Freunde ist das
Schrecklichste was man sich denken kann Wo Zweifel ist wie kann da Zutrauen
sein Man will sich in den Schatten legen eh noch die Bäume ausgeschlagen
sind Man brennt sein Haus aus eitler Baulust ab man ist nicht kalt nicht
warm man hinkt auf beiden Seiten Gelehrte Zweifler gute Freunde ihr dringt
aufs Tun und wenn ich euch sage Ihr könnt ohne zu wissen ohne den Glauben
ohne die Lehre Christi nichts tun Eine Gott ehrende Menschenliebe ist unsere
Tugend Wir leihen dem Herrn wenn wir den Armen geben Wir geben nicht mit dem
Munde sondern mit dem Herzen im Geist und in der Wahrheit wir entäussern uns
unser selbst wenn wir Gutes tun
    Euer ganzes System beruht auf Furcht die aber nicht die Furcht des Herrn
ist Lebt so als wenn wirklich ein Gott wenn wirklich eine Unsterblichkeit
wäre Schön gesagt aber auch getan  Liebe Liebe Liebe ist die Quelle alles
Guten der Brunnen des Lebens Die Liebe treibt die Furcht aus
    Niemand hat Gott je gesehen niemand besitzt eine Demonstration von seiner
Existenz allein brauchts einer Demonstration dass ihr seid
    Du glaubst Freund dass sich die Welt selbst erhalte dass wer erhalten
könne auch zu schaffen vermögend sei dass wer B zu sagen verstünde auch A zu
sagen im Stande sei Ich weiß dass ein Haus sich nicht selbst bauen könne weil
es ein Kunststück ist dass aber die Natur täglich stündlich augenblicklich
baue und niederreisse bessere und fördere allein Lieber was ist die Natur
Lass mich mit deinen Wörterchikanen die Wahrheit hat wie die Sonne ihr eigen
Licht
    Vorwitz ist freilich Untugend allein kindliches Zutrauen und
Zudringlichkeit wie sehr unterschieden
    Ich weiß was ich glaube heißt das viel weniger als ich weiß
    Guten lieben Freunde wenn eure Lehre unter den Haufen käme was würde da
aus der Welt werden Gott schlägt euch mit Wortsblindheit sonst müssten wir
unsere Kirchen brechen und Gefängnisse daraus machen  Und doch lieben Leute
glaubt ihr die Wohlfahrt des ganzen menschlichen Geschlechts durch eure Lehre zu
befördern ihr durch solche Lehren die nichts denn Menschengebot sind
Freunde das lasst dem Christentum über oder der ganze Plan ist platonisch Uns
sollt es gleich sein wie das Reich Gottes käme wenn es nur käme Nur eure
Fahne scheint es nicht dazu anzulegen das Verirrte zu sammeln  damit eine
Heerde und ein Hirte werde  Doch warum sollten wir mit euch rechten Richtet
nicht sagt unser Herr und Meister und es wird die Zeit kommen da wir alle
werden gerichtet werden Wohl uns wenn wir bestehen in der Wahrheit Als gute
Streiter im Reiche der Vorurteile nicht die suchten das Ihre sondern das
was der Wahrheit und Tugend ist nicht die über die Menschen herrschen sondern
die sie glücklich machen wollten Wie oft kann es hier heißen Große Schulden
erhalten bei Kredit kleine schwächen ihn Der Christ will keinen verführen er
gibt jedem die Bibel in die Hand und da liest sich jeder heraus was seinem
Verstande gemäß ist Es finden sich Sprüche für Gelehrte und Ungelehrte Reiche
und Arme Hier ist harte Kost hier ist Milch starker Wein und Labetränke Die
Bibel ist allen allerlei sie ist für Leben und Tod sie lehrt uns Cisternen
auszusetzen um himmlisches Wasser aufzufangen Der Geist der heiligen Schrift
ist so kurz als das Vaterunser Glaubt lieben Nichtchristen im Sterben sieht
man Gott sich und die Welt aus einem andern Gesichtspunkte als im Leben
    Lasst mich an Ort und Stelle lasst mich zurück wo ich ausging
    Was Johannes sagt ist jeden Augenblick wahr Kinder es ist die letzte
Stunde  Wohl uns allen wenn wir bereit sind zu stehen vor des Menschen Sohn
wenn wir ihm unter Augen treten und sagen können Wie du gewandelt hast haben
auch wir gewandelt so ehrlich wie du gelehrt hast haben auch wir gelehrt
Gestern haben wir überwunden heute lass uns mit dir im Paradiese sein
    Komm Tod heute morgen Mein Freund ist mein ich bin sein Ich habe Luft
abzuscheiden und bei ihm zu sein welches auch besser wäre Amen ich komme
bald Amen Ja komm Amen Vater in deine Hände befehl ich meinen Geist
                                         
                                        
    Lieber Graf bis zum Wiedersehen hier oder dort
    Von einem Manne wie der Graf wer kann Abschied nehmen oder besser den
Abschied mitteilen Ich nicht
    Der Prediger aus L  kam und war so inniglich froh mich wieder besser zu
finden dass er bei einem Haar mit dem Grafen wieder freundschaftlich zerfallen
wäre Der gute Prediger Er hatte für mich unter dem Namen eines Leidenden aus
einer andern Gemeinde auf der Kanzel gebetet und eignete den größten Teil
meiner Besserung dieser ernstlichen Fürbitte zu Die ganze Gemeinde fügte er
hinzu wusste beim ersten Wort dass Sie der Leidende aus einer andern Gemeinde
waren Der junge Ehemann sagten sie unter einander dessen Frau wir jüngst
begruben
    Ich bin sonst sehr fürs Abschiednehmen wovon ich in diesem Buche manches
Pröbchen gegeben allein hier kann ich
    Das ganze Leben des Grafen war eigentlich ein feierliches Abschiednehmen
nicht bestehend in Leben Sie wohl Dank für alle erzeigte Güte  Wünsche so
glücklich zu sein vom Wohlbefinden die besten Nachrichten einzuziehen Solch
elend jämmerlich Zeug hat das Abschiednehmen so wie das Gesundheitstrinken
bürgerlich gemacht  und doch liegt in einem Leben im andern Sterben Ich
trinke Gesundheit und nehme Abschied
    Wahrlich ich kann es nicht beschreiben mit welcher Bewegung ich diesen
hochgebornen Totengräber verließ Auf meinen wohlehrwürdigen Reisegefährten
konnten diese Dinge natürlicherweise keinen so starken Eindruck machen Der
Prediger kannte das Erdreich auf diesem Gottesacker und hatte hier zuweilen
selbst die Hand an den Pflug legen müssen Anfang Mitte und Ende meines
Aufenthalts auf dem gräflichen Gute lag auf meiner Seele allein sanft war mir
dieses Joch leicht diese Last Hier oder dort Ich dachte nicht das Hier Hier
galt bei mir wenig das Dort verschlang es bei mir Nicht hier dort bald
dort dort wo Mine ist wo sie ewig sein wird dort dort dort Ich komme
bald Amen hieß es beim Schluss der christlichen Rede Ja komm Amen
    Der gute Prediger stieß mich mit der Frage an wie mir die Reden gefallen
von denen er gehört dass sie gehalten worden  Herzbrechend sagt ich Dort
lieber Herr Prediger dort sehen wir uns wieder Der gute Prediger fasste mich
bei der Hand und drückte sie und sagte mir so sanft Gretchen lässt Sie grüßen
dass mir ward ich weiß nicht wie  Jungen Leuten ist Leben und Sterben wie
Wachen und Schlafen alles an einem Rosenkränzchen  Auch hier ist gut sein
sagte der Prediger Nur nicht zum Hüttenbauen versetzt ich wenn man eine Mine
verloren hat Auch die Erde ist des Herrn fuhr der Prediger fort so wie es der
Himmel ist
    Der Prediger fand viel eigenes in Absicht des Styls in den Reden Es ist
sagte er so was Beängstigendes so was von Todesnot darin Eben das sagt
ich hat mich entzückt bis zur Halle des Himmels Dies in der Rede zu treffen
zu copiren war unmöglich  Ich liebe fuhr der Prediger fort eine genaue
Bindung der Perioden eine gewisse Baukunst im Vortrage und so viel Fenster wie
möglich in jedem Stock Zwar halte ich es für keine Sünde wider den heiligen
Geist 
    Da waren wir wieder wo mich der gute Prediger hin haben wollte Er
wiederholte mir Plan und Ausführung Geist und Ausdruck versicherte alles
Eckige in den Perioden was nicht schon gerundet und abgeschliffen wäre noch
runden und abschleifen zu wollen Was meinen Sie fragt er mich ob ich das
Register lasse und zur Nutzanwendung noch ein ob noch die kritische Frage ob
sein Bruder der königliche Rat sich nicht über die Zuschrift kreuzen und
segnen würde Ohne Vorrede sagte der Pastor lass ichs nicht Es ist nicht
gut dass das Buch allein sei  Die Vorrede sagte mein Vater ist der erste
Eingang wo Bitte Gebet Fürbitte und Danksagung vorkommt damit der Autor ein
geruhiges und stilles Leben führen möge in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit
    Zur Erkenntlichkeit versah mich der Prediger mit einigen Zügen vom Grafen 
aus seiner Vorratskammer womit ich meine Leser versehen will Die letzte Hand

    Der Graf rechnete mit seinen Pächtern und Verwaltern jedesmal die Woche vom
neunten bis zehnten Sonntag nach Trinitatis Am neunten Sonntage nach Trinitatis
wird von dem ungerechten Haushalter gepredigt am zehnten von Jerusalems
Zerstörung Der Graf ist nie von seinen Haushaltern betrogen
    Wenn er in die Kirche kommt wird er mit Geläute eingeholt So wirds
klingen sagte der Graf wenn Sie mich werden heimführen aus diesem Elend Kyrie
eleison
    Zu seinen Kirchenabgaben wozu auch das Predigtamt gehört hält er seine
besondere Sonn und Festtage Er berichtigte sie doppelt nur nicht wenn
Quatember rot im Kalender steht sondern zB am sechzehnten Sonntage nach
Trinitatis wo man der Wittwe Sohn aus Nain trägt am ersten Sonntage nach
Trinitatis wo vom reichen Mann und armen Lazarus gepredigt wird Solche
Evangelien muss man eindrücklich machen sagte der Graf
    Am siebenundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis wo wie er sagt die
christliche Illumination vorkommt das Evangelium handelt von den fünf klugen
und fünf törichten Jungfrauen schenkt der Graf zehn Kirchenlichter die bei
der Kommunion nach der Gewohnheit in Preußen brennen
    An seinem Geburtstage legt er sich zwei Stunden in seinen Sarg welcher
wie meinen geneigten Lesern bekannt ist in der Hauscapelle steht  und zwar im
Sterbehemde
    Geduld Standhaftigkeit sagt er einstmals zum Prediger der von der
Standhaftigkeit und Geduld gepredigt hatte das sind die einträglichsten
Tugenden und worin bestehen sie In der Fertigkeit sich auf einen Punkt
einzuschränken den man mit unverwandter Seele ansieht in der Geschicklichkeit
immer in diesen schwarzen Fleck zu treffen Mein Vater schlug Observationen vor
allein der Graf schien sich auf einen einzigen Punkt anzustrengen Wer hat
Recht
    Der Graf war sehr glücklich im Raten Er setzte sich nicht auf den Dreifuss
wenn er zum voraus Dinge bestimmte Er schüttelte dies aus dem Ermel Er hielt
sehr auf Träume und glaubte mit meiner Mutter dass andere Geister alsdann die
Türe offen fänden um sich mit ihres Gleichen zu unterhalten
    Die Welt sagte der Graf ist ein Garten in Norden wo nur wenig reif wird
Er aß gern Brunnenkresse und Raute
    Nichts konnt ihn mehr ärgern als wenn sich der Mensch den Schlaf aus
Lebensgeiz entzog Es ist gleich viel auf dem Ball oder in der Studirstube
überem Leben den Tod vergessen
    Der Graf sah entweder gen Himmel oder auf die Erde Leute die den Kopf von
einer Seite zur andern werfen sind nicht so nicht so sind Zweifler sind
aufgeschossenes Rohr das der Wind hin und her treibt Herauf oder herab
    Patengeschenke gab er nicht eher als bis der Pate zum erstenmal zur
Kommunion ging Ein schwarzes Kleid war das geweihte Geschenk
    Seine Bücher waren schwarz eingebunden Silberne Griffe sagt er das
heißt der Titel war mit versilberten Buchstaben eingestochen
    Wenn man fällt besieht man die Stelle wo man gefallen ist Der Geist wird
sich gewiss von seinem Lebensreisegefährten nicht sogleich trennen Er wird
sehen wo er gefallen ist Wer mit den Seinigen noch länger zusammen zu bleiben
Luft und Liebe hat gehe auf die Kirchhöfe wo sie hingelegt sind Ich habe den
Einfluss der Meinigen lang in meiner Seele empfunden und noch empfind ich ihn
    Wenn man erzählt die und der ist tot frägt der Hörer Ist sie ist er
tot Warum frägt der Hörer also
    Wenn der Graf communicirte hatt er einen roten Mantel über das schwarze
Kleid In seinen Tischtüchern Servietten war Name und Wappen schwarz eingenäht
    Ich kann sagte der Graf im dreissigsten und vierzigsten Jahre mit vieler
Zuverlässigkeit wissen ob man siebzig oder achtzig Jahre alt werden soll Ein
Glücks oder Unglücksfall ist schuld daran wenn man es nicht wird
    Melancholische Leute diese Anmerkung machten wir beide der Prediger und
ich sind sehr zur Dichtkunst aufgelegt Vielleicht besteht die Melancholie im
Dichten
    Am neuen Jahrstage würd es schwer sein angemessen zu predigen wenn nicht
die Worte drin vorkämen da acht Tage um waren Also von der Zeit  O du liebe
Zeit exklamiren einige Leute im Sprüchwort In der Entfernung ist sonst alles
klein nur die Zeit nicht
    Der Graf setzte einem seiner Paten der nur sieben Wochen gelebt hatte
selbst eigenhändig die Grabschrift Aus einem Mutterschooss in den andern
    Der Schlaf war eher in der Welt als der Tod Das Vorbild eher als die
Erfüllung
    Auch du wirst sterben das war des Grafen Kondolenz wenn man wirklich
trauerte um einen Toten
    Gehst du aus der Welt wenn du stirbst Deine Seele entschwebt nur den
Dünsten dieser Erde Ewiger Geist der Liebe weht im Atem der Natur wo der
webt ist Leben
    Was mir der Prediger vom Leichenanzuge im Namen des Grafen sagte gefiel mir
nicht Ich stimme mit ihm nicht ein Warum bekleiden wir denn einen nackten
Körper selbst im Grabe Wollen wir etwa den Würmern etwas zu verbeissen geben
ehe sie an uns kommen Dem Menschen gefällt nichts was ein Bedürfnis verrät
Wir sind in Gesellschaft gewohnt unsere Bedürfnisse zu verhehlen Wir verehren
Leute die sich mit Wenigem behelfen wenn nicht Geldgeiz die Wage hält  Man
glaubt sie sind schon gestorben und auferstanden Sie sind schon Vollendete
    Wer in einer großen Stube schläft sagte der Graf bedenkt nicht wie klein
der Sarg ist
    Von unserem Körper heißts im Tode Lazarus unser Freund schläft und es
wird besser mit ihm
    Wer viel Leib hat von dem könnte man eben so gut »entleiben« sagen als nur
von dem der viele Seele hat »entseelen« gesagt werden sollte
    Es ging alles schwarz beim Grafen Herr v W  würde mit seinen
Freudenfesten eben so wenig als mit seiner drei Viertel Halb und
ViertelTrauer bei ihm Glück gemacht haben Der Graf kam nicht aus der
Verwunderung heraus dass ich nur einen schwarzen Flor um den Arm trug
    Seine Bettdecken waren alle schwarz
    Es ist ein falsches Mitleid was die Menschen von den Todtenbetten
zurückhält sagte der Graf Böhmische Steine anstatt Diamanten  Glanzgold
    Der Graf liebte viel Lichter Er schlief gerade auf dem Rücken nie lag er
auf einer Seite Im Sarge sagt er liegt alles auf dem Rücken
    Die Jugend ist witzig wegen der Plane die sie sich macht um die Frage zu
beantworten Was werden wir essen was werden wir trinken womit werden wir uns
kleiden Dem Alter schmeckt das Leben am besten Je weniger Wein im Keller
desto besser schmeckt er
    Der Tod hat große Leute bei Büchern getroffen Man wollte vielleicht des
Todes Bitterkeit mit papierner Unsterblichkeit verjagen  Vielleicht liegt eine
Fassung darin sich nicht in seinen Cirkeln stören zu lassen  Ich sagte der
Graf halt es für Furchtsamkeit
    Oft dachte der Graf an einen seiner besten Untertanen der beim Ungewitter
unter einen Baum geflohen und hier erschlagen worden Auch der Baum war zu Boden
geschlagen Da ist ja Michel schon eingesargt sagte der Graf als er diesen
Fall hörte und ordnete an dass dieser Baum zum Sarge gebraucht werden sollte
    Bis zum letzten Seufzer sagt man Warum nicht bis zum letzten Lächeln Weil
das Leben ein Jammertal ist und doch kommt der letzte Augenblick die letzte
Stunde sehr oft wie der Geist des Herrn im sanften Winde  Da sieht
vielleicht die Seele den Engel der sie aus Sodom führen will Stehe auf hebe
dein Bett auf und gehe heim
    Ein böser schneller Tod ist ein guter Mann und ein böses Weib
    Der Tod ist nicht Gottes peinliche Halsgerichtsordnung Gemeinhin sprechen
wir uns selbst das Todesurtel Die Art des Todes gründet sich auf die Art
unseres Lebens wenn diese Todesart nicht schon eine Erbsünde ist Der stirbt an
Zangenrissen an Stichen der wird verbrannt und stirbt am hitzigen Fieber der
wird gehangen und stirbt am Schlagfluß Wir sitzen alle auf den Tod
    Wo die Praxis nicht der Theorie vorgeht da verdient sie kaum den Namen
    Jeder Schwindsüchtige der unter meiner Aufsicht gestorben hat den Wunsch
geäußert einen hohen Sarg zu haben So sind die Menschen
    Der Graf hielt Ahnungen für Warnungen guter uns verwandter Geister für
Orangenblüten die wir noch aus dem Paradiese gebracht
    Sein Trost war der Tod Ich sagt er bin nicht für leidige Tröster
Gemeinhin ist der Trost ein beglaubtes Zeugnis dass wir mit leiden Wir wollen
uns überreden der Tröster nehme einen Teil Leiden auf sich Wir wollen gewiss
sein dass niemand froh und glücklich in der Welt sein könne
    Kunstrichter die ihr diesen hochgebornen Mann angreifen wollt lasst ihn
wenn ich bitten darf  und ist es möglich erlaubt mir die Frage ob euch
vindicta Lycurgi bekannt sei Ein Studiosus wie ihr hatte dem Lykurgus ein
Fenster eingeschlagen oder weil euch vielleicht die Lykurgische Geschichte
nicht beiwohnen dürfte es war das Auge selbst das er ihm ausschlug Das
Criminalgericht beschloss in diesem besonderen Kasualvorfalle den Jüngling dem
Lykurgus zur Strafe zu übergeben Was eröffnete Lykurgus für eine Sentenz
Schickt er ihn in die Festung oder ins Irrenhaus Nein die Hand sagt er zum
Augenräuber Studiosus gab sie wie natürlich Sr Magnificenz mit Zittern und
mit Beben und Lykurgus gab ihm die seinige und so gingen sie Hand in Hand  in
Lykurgus Haus wo er ihn unterrichtete nicht wie arme Sünder ehe sie
hingerichtet werden den schlachtcalecutschen Hähnen gleich mit
Katechismuslehren gefüttert und gemästet werden sondern in Lebensregeln und da
der junge Mensch Kandidat worden war stellte er ihn vor das Criminalgericht und
fragte dienstlich an ob sie mit diesem in Rechtskraft übergegangenen Urtel
zufrieden wären Kunstrichter der Graf bietet dir auch die Hand dar um dich
sterben zu lehren Bedenke das Ende so wirst du dem Grafen kein Aug
ausschlagen
    Gretchen empfing mich so froh so guttätig dass wir uns beide Hände
reichten Zwar weiß ich es nicht mit vollständiger Gewissheit indessen kommt es
mir so vor dass wir uns auch herzlich geküsst haben Ein unschuldiger Kuss Wär
er wiederholt worden hätt ich ihn vielleicht nicht vergessen alsdann wär er
aber auch schon vom verbotenen Baume gewesen
    Auf Gretchens Gesicht lag noch viel Schmerz indessen waren es bloß Narben
welche nur bei Veränderung des Wetters die vorige Wunde ins Gedächtnis bringen
    Ich fing an mein Haus in L  zu bestellen ich hatte viel zu bestellen So
gern ich gleich noch bei Minchens Grab geblieben wäre so wollt und konnt ich
doch nicht füglich länger weilen  Ein ganzes Tagewerk war die Abhandlung von
der Sünde wider den heiligen Geist von Anfang bis ans selige Ende zu hören das
Register bloß ausgeschlossen Der Prediger hielt Komma Kolon Semikolon
Ausrufungszeichen deren viel vorkamen Fragzeichen und wie sie weiter lauten
diese himmlischen Zeichen wie meine Mutter sie benamt Ich werde mir
vorstellen fuhr der Prediger fort als ob Sie mein Bruder wären und nun brach
er mit der Zueignungsschrift los und tat wörtlich so als ob ich der
königliche Rat wäre Ich wollt Ihnen sagt er beim Anfang der Vorlesung
keinen unbeseelten Odem mitgeben keinen toten Körper sondern ihm vielmehr
einen lebendigen Odem einblasen und sie Ihnen empatisch vorlesen Er hielt
Wort Ausdruck nicht Eindruck machte diese Abhandlung Man konnte drüber
sprechen Zum Weiternachdenken war sie nicht eingerichtet Ein Unterschied der
gewiss weit her ist Das Schlusswortregister war das Amen dieser Taufhandlung Der
Vater übergab mir dieses sein wohlbestalltes Kindlein so feierlichst wie man
einem Paten nur die Frucht seines Leibes übergeben kann
    Mit der Abhandlung sind wir also fertig  Noch mehr aber lag mir in L  ob
    Meine Schuld drückte mich zu Boden Der Prediger in L  war nicht in der
besten Vermögensverfassung Er hatte dies und jenes erfuhr ich von ungefähr
verschiedene Auslagen bei s Begräbnis gehabt Glocken Erde Träger und
desgleichen Dem Organisten musst ich auch eine gesegnete Mahlzeit wünschen
denn wenn gleich eine Krähe der andern nicht die Augen aushackt so hat doch
unser Glaubensvater Dr Luther in der vierten Bitte das Holz ausgelassen
welches nicht geschehen wäre falls Dr Luther Organist in L  gewesen und wenn
gleich der gute Organist schon den Abend beim Prediger sichs wohlschmecken
ließ so kostet es doch viel und mancherlei einen Sohn auf der Universität zu
haben der künftige Pfingsten predigen und zeigen soll ob er wüsste wo er zu
Hause gehöre Ost hatt ich schon dies alles überdacht allein meine
Verlegenheit war bis jetzt noch nicht herrschend worden Das Ende trug die Last
Wie ich stand und ging trat ich meine Reise nach L  an und wenn ich auch mehr
Zeit gehabt oder mir mehr Zeit genommen was hätt ich mitnehmen können Eben
erwartet ich mein Ausgeding von Hause Wo Brod in der Wüste Ohn einer
Bedenklichkeit Rede oder nur Gedanken zu stehen ging ich hin brach und las
    »Weißt du was anexoy kai apexoy sagen will Dein Griechisch hast du nicht
vergessen das weiß ich  Sollte der Geist dieser Worte von dir gewichen sein
Das wolle Gott nicht und die deutsche Note nebenher In der größten Not  Ist
sie dir entfallen Prüfe dich ehe du weiter brichst Es gibt nicht bloß
Geldnot sondern auch viele von anderer Art zB MelchisedechsNot anexoy
kai apexoy in der größten Not «
    Ich fand in dem Zimmer meines Amulets das ich erbrochen hatte Schaustücke
Ich zählte sie nicht sondern nahm ihrer drei zwei für den Prediger eins für
den Organisten Dem letzten schickt ich eins hin Herr Prediger sagt ich dem
ersten wegen der gehabten Auslagen Ich zog den beiden Goldstücken kein weißes
Hemd an denn eben dadurch würd es ein Geschenk eine Verehrung geworden sein
und schenken welch ein grässliches Wort ist es unter Leuten die empfinden
können Der Prediger kam mir mit einem gleich kalten Wofür entgegen und nach
einem kleinen Wortwechsel bliebs dabei dass ich ihm die baaren Auslagen
ersetzen sollte Als Unterpfand fuhr ich zwar eben so kalt und ehrlich allein
lange nicht so treffend und anständig fort ich habe kein ander Geld  Ich
brauche kein Unterpfand erwiderte der Prediger und um der Sache ein Ende zu
machen geben Sie die Auslagen die sich auf 2 Rtlr betragen meinem Bruder
Dem das wusste der Prediger durft ich mit einem Schaustück gewiss nicht
ankommen
    Dass man doch nicht umsonst sterben kann sagte der Prediger Wir sollen
nicht sorgen für den andern Morgen unser Arme muss weiter hinaus und für sein
Begräbnis sorgen   wie der Mann mit dem einen Handschuh
    Der Organist erliess ein großes Danksagungsschreiben an mich und bat höflich
sichs dagegen aus die Stellen in seiner Abdankung zu streichen worin er mir
zu nahe gekommen oder gar zu viel getan Ich würde kein Geld um alles in der
Welt willen nehmen setzte er mündlich hinzu allein ein ander Ding Geld ein
ander Ding solch Schauessen Ass doch David von den Schaubroden rief er einmal
über das andere aus  Noch drang er mir eine ausgearbeitetere Abdankung auf
die ich aber nicht als Beilage C ausstatten werde eben weil sie ausgearbeitet
war Leute die bloß Mutter Natur und nicht Vater Kunst haben müssen werfen
nicht legen Glück greifen nicht sortiren
    Freilich hätt ich bedächtiger mit meinem Amulet zu Werke gehen und wie
meine Mutter Ja und Nein in zwei Zettelchen schreiben und eins von beiden
ziehen können  indessen 
    Was meint ihr Herren Kunstrichter wenn ich die übrigen Goldstücke es waren
ihrer zwanzig unter euch verteilen sollte wie es wohl Sitte in Deutschland
war und noch ist wenn der Verfasser sich einen Titel oder Amt oder dess
etwas an den Hals schreiben will
    Noch war ich mit meinen letzten Dingen nicht fertig Ich ließ mir die Taxe
von den Sachen meiner Mine metodisch extradiren gab Gretchen eine Abschrift
des letzten Willens meines seligen Weibes weil Gretchen mich darum bat Grete
erhielt dies Andenken auf s Grabe Wir weinten beide bei dieser
Gelegenheit Freunde wenn alle Kontrakte alle Verabredungen auf Gräbern an
diesem Altar der Natur geschlossen würden was meint ihr Ich liebte Gretchen
nicht allein ich liebte ihren Schmerz um Minen und fand dass es tief in
unserer Natur läge wenn man was Liebes verloren sich sogleich mit was Liebem
zu verehelichen Einer Wittwe einem Wittwer ist vielleicht die zweite Ehe in
den ersten sechs Wochen noch am ersten zu vergeben Gretchens Mutter wollte das
sah man deutlich dass Gretchen meine Mine würde Gretchen selbst verlangte
feierlichst von mir dass ich wenigstens auf dies wenigstens der Ton noch
einmal auf noch einmal wieder nach L  kommen möchte ehe ich von hinnen zöge
Des Grabes wegen setzte sie mit einem Seufzer hinzu der mir durch die Seele
ging Der Prediger dachte an weiter nichts als an seine Abhandlung von der
Sünde wider den heiligen Geist
    Lieben Leser Kann ich dafür dass ich so oft dran denken muss Die
Autorschaft könnte wirklich solch ein Punkt solch ein schwarzer Fleck sein auf
den man im Leben und im Sterben starr hinsieht um alles andere weit zu
überwinden  Oft ist sies wirklich Gretchen sagte mir gerade heraus dass sie
einen gefährlichen Eindruck befürchtete den meine Abreise auf ihre unglückliche
Mutter machen würde Sie ist Ihnen gut setzte sie hinzu und ward rot nachdem
die Worte weg waren als wären Sie ihr Sohn
    Wenn sie nur nicht glaubt sagte Gretchen es sei eine Linde ausgegangen
wenn Sie abreisen
    Diese Befürchtungen machten eine allmählige Entfernung von ihr vor meiner
Abreise notwendig Vergessen Sie uns alle und Gretchen nicht  sagte die
Lindenkranke da ich Abschied von ihr nahm Gretchen küsst ich nicht allein
beide Hände reichten wir uns Ein paar Stunden vor meiner Abreise ließ sich der
Justizrat Nathanael anmelden Wenn ich nicht mehr da wäre ließ er sagen um
meinen Schmerz nicht aufzubringen nicht zu erneuern Ich bat Gretchen ihn zu
grüßen Mich fragte sie Sagen Sie ihm ich wendete mich zum Prediger dass Mine
ihm von Herzen vergeben habe  Gretchen hat das Testament
    Und so kam ich mit dem künstlich gewindelten mir auf die Seele gebundenen
Werklein von der Sünde wider den heiligen Geist nach Königsberg Mein Gefährte
sprang mir um den Hals da er mich sah und herzte und küsste mich Zu Hause
fing ich an Seit ehegestern erwiderte er hause ich ich habe es der Blonden
in einem schwachen Stündlein versprochen weil eben heute ein Lautenconcert dem
Vater zu Ehren aufgeführt wird Gestern war die Probe Es ward bei der Probe
alles durchs Fenster gespielt Heute bin ich in bester Form gebeten  aber du
kommst mit wenn nicht so soll auch heute die wirkliche Aufführung durchs
Fenster geschehen Aber fing ich an ohne aufs Mitkommen ein Wort zu geben und
sah einen Stoß Bücher und Schriften Beim Scherz muss Ernst sein beim
Zeitvertreib Arbeit dic cur hic Schön dacht ich und v G er hieß
Gottard mit dem Vornamen fuhr fort da hab ich mir einige Bücher über
Jagdgerechtigkeit und Jagdungerechtigkeit über fas und nefas in dieser freien
Kunst nicht minder die kunterbunten preußischen Jagdverordnungen geben lassen
Bruder ein Studium um den Tod zu haben Freilich mehr als Jagdterminologie
wodurch man für Fund zeitlebens sicher ist und noch dazu Fund andern zuwenden
kann Indessen sag mir du bist doch ein kluger Kerl wie kommen die regierenden
Herren dazu die Jagden zu Herrlichkeiten und Gestrengigkeiten zu rechnen und
sich darüber solche Rechte anzumassen als ob ihnen das liebe Wild näher wäre
als Schafe Ochsen allzumal Da hab ich schon gedacht dass sie ihre
alleruntertänigst treugehorsamste Sklaven nicht zu genau mit dem Wilde bekannt
machen wollen um sie nicht auf wildgrosse Gedanken zu bringen aus dem
Schafstall ins Freie
    v G  brachte mich durch einige Betrachtungen die nicht aus dem Stalle
waren zum Ausruf Bruder exclamirt ich du entzückst mich du bist ohne die
Koncertprobezeit abzurechnen die du am Fenster verhört hast noch nicht
vierundzwanzig Stunden zu Hause und sprichst so wahr Und wenn ich immer zu
Hause bliebe fiel er mir jagdeifrig ein gelt dann wär ich Sklave über
Sklave Nicht also sagt ich wenn je die Freiheit noch einst in ihrer edlen
einfältigen Gestalt auf Erden erscheinen soll wenn je  so kann sie jetzt nur
aus der Studirstube ausziehen Der Heerführer Moses war unterrichtet in aller
ägyptischen Weisheit
    Da kam eben ein Bote der mich mit zum Konzert einlud Man hatte mich kommen
sehen und hoffte gewiss 
    Ich war so wenig gestimmt eine solche Dissonanz anzuhören dass ich geradezu
abschlug Junker Gottard dem ein Menschenstimmhammer ohnedem nicht eigen war
und der keine meiner Herzenssaiten in Harmonie ziehen konnte nahm indessen das
Wort sagte dem Boten Ich werde ihn mitbringen Dieser ging und ich mochte
wollen oder nicht ich musste Freilich sagte Junker Gottard wirst du heute
nur die Hochzeit sehen die Verlobung ist vorbei wie du zu sagen pflegest Wer
kommt indes in der Welt immer zur Probe
    Herr v G  hatte nicht die mindeste Neugierde Geheimnisse zu hetzen oder
zu schießen Ich reiste ich kam ohne dass er was und wie und wo wusste Mein
Herz brach mir über den guten wilden Jungen Ich wusste wohl dass Teilnehmung
ein Wunder in seinen Augen setz und doch sagte ich ihm alles Ohngesagt
verstand er nicht das wußt ich einen Herzensbruch die schreckliche Ohnmacht
eines beklemmten Herzens den Wortstod auf der Zunge das Beben auf der Lippe
wo man sonst mit sichtlichen Augen den Geist sieht der den allerfeinsten Körper
von Wort wär es auch ein bloßes Ach zu schwerfällig für sich findet Ich
sagt ihm alles und musste mich wahrlich zwingen zu reden denn wer kann in
solchen Herzensnöten wer kann mehr als abgebrochen sein Ich war diesmal so
glücklich solche Worte zu ertappen dass ich den Junker Gottard in Bewegung
setzte Bruder sagte er du jammerst mich Das war viel
    Nach einer Weile wenn ich das gewusst hätte ich hätte dich zu Hause
gelassen und wäre selbst zu Hause geblieben Hiebei stand er auf denn er saß
bei seinen Jagdschriften Hätte v G  diese Periode nicht mit wenn angefangen
was hätte ich mehr erwarten können Was meine Leser Was fehlte denn zum
tätigsten Beweis einer lebendigen leibhaften Teilnehmung O wär es dabei
geblieben Si tacuisses
    Schon war ich entschlossen nach einem so guten Anfang meinem lieben v G 
Empfindung beizubringen die Jagdwerke unvermerkt zuzumachen um ihn zur Absage
des Lautenconcerts zu bequemen da er wieder um seinen Ausdruck zu adoptiren
ins Zeug gesetzt war Urplötzlich war er wieder da mit Flinte und Tasche und dem
Satanas
    Hättest du denn fing er von freien Stücken an und setzte sich wieder
hättest du denn nur eine schmucke Mine Bruder erwiderte ich und wollte was
anders sagen Bruder wir gehen aufs Konzert
    Junker Gottard wollte zwar seine Frage durch eine andere wieder gut machen
und schwur mir hoch und teuer dass ich wie eine Wassersuppe aussähe so
verzweifelt wie ein gejagter Hirsch allein unsere Empfindungsstunde war vorbei
Ich schloss die Sünde wider den heiligen Geist in den nämlichen Kasten wo mein
                               anexoy kai apexoy
dessen Vorhang bis zum Allerheiligsten wie mich dünkt gezogen war an einen
Ort doch so dass sie nicht zusammen kamen Zweimal schloss ich den Kasten auf
und legte sie jedesmal noch mehr auseinander recht als ob ich besorgte sie
könnten sich doch wohl zu nahe kommen und Schaden tun und nun ging es an eine
städtische Läuterung die ich nicht nötig gehabt hätte wenn Grete die Heldin
prima donna dieses Koncerts gewesen
    Was ein ander Kleid ein gewisses städtisches Wesen eine gewisse
Körpertracht aus der der Tanzmeister alles schlichte natürlich gute Wesen
herausgegeigt und herausgebrochen machen kann wird jeder wissen der in Rom
und auf dem Tusculan gewesen
    Ich ging mit meinem guten v G  zum Konzert wo ich Lichter und Kleider von
Gold und Silberstück über alle Maß und Gewicht fand
    Was mir seit einiger Zeit dergleichen Pracht und Herrlichkeit widerlich ist
Ein wahres Theater Da ging ich leise hin und her ohne dass ich hörte Ein paar
Töne kamen mir so vor als hätten sie was ähnliches von den Glocken aus L  und
dann ein paar Adagiosstellen als wären sie aus dem Liede Nun lasst uns den Leib
begraben und das rührte mich so dass mir alles nicht etwa verkümmert war nein
sondern so als wär es gar nicht Der Herr des Festes sollte durch diese
Solennität überrascht werden mithin hätte er tun müssen als wüsst er nicht
was Trumpf wäre Er wollte es auch wie mich dünkt indessen zeigte seine
lichterloh brennende goldene Weste das Gegenteil Alle sein Dichten und
Trachten fiel zusehends dahin aus dass ihm diese Feierlichkeit die im Finsteren
geschlichen nicht unbekannt geblieben Er sah leibhaftig wie das Ziel aus nach
dem geschossen ward
    Ich merkte bei aller meiner Zerstreuung dass Amalia der schmucken Trine des
guten Junker Gottards Abbruch getan und obgleich er gewiss mehr als eine in
dieser Gegend wieder sein Ausdruck auf dem Korn hatte so schien doch Amalia
das Schnupftuch empfangen zu haben Jene mit schwarzem Haar wie Ebenholz wobei
eigentlich Junker Gottard titulo institutionis honorabili zum Erben eingesetzt
war hatte es wegen der zehntausend Liebesgötter auf dem Busen die bis auf zehn
reducirt wurden verdorben Amalia hatte sehr wohlbedächtig diesen Abend alles
was ihr nachteilig sein konnte entfernt sie allein wollte mit ihrer blonden
Stirne siegen und mit ihrem wallenden herauf bebenden Busen und mit ihrem
dahinfliessenden Ordensbande und mit allem was der Testator so pünktlich von ihr
angegeben hatte
    Ich hörte es Amalien in der Kopie an das Original die Probe war wie
bekannt vorbei dass sie von ganzem Herzen dem Junker Gottard zuspielte dass
ihr Herz alle seine Gedanken und Begierden der Laute anvertraut hatte die alles
wieder raunte was sie wusste Nur Schade dass es eine Laute war Wenns ein
Waldhorn gewesen wäre würde v G  es eher verstanden haben Den Lautenzug
verstand er nicht Amaliens Auge das wahrlich nicht ins Ohr sprach sondern
vernehmlich sich ausliess dies redende Auge verstand v G  wies schien
stellenweise  Er war eine lebendige Seele worden
    Vater und Mutter obgleich beide auch bei dieser Gelegenheit so taten als
der Hausvater beim heutigen Namenstage konnten doch eine gewisse Freude von
lichterloh brennender goldener Weste nicht bergen welche sie über diese
Augenvertraulichkeit es war mehr als Augenumgang verspürten
    Wenn ich den Junker Gottard nicht als einen so jagdgerechten Jäger und
einen der mehr als eine schmucke Trine und schmucke Amalia zu lieben verstünde
gekannt würde ich ihn stehenden Fußes gewarnt haben allein jetzt dachte ich
wird sich alles geben
    Da fand ich ein Glas voll Rosen zwar außerhalb der Jahreszeit wie alles am
Hof und in der Stadt ist doch anziehend Vier Rosen waren aufgeblüht und eine
Knospe Gott verzeih mir meine schweren Sünden dass mir in einem Musikzimmer
bei so viel Glanz und Lichtern nur Mine einfiel  Der gräfliche Totengräber
liebt auch viele Lichter und man sage was man will Lichter die Menge tut
nichts dagegen haben etwas Melancholisches etwas von Mondschein bei sich 
Eine heilige  meine heilige  mein Schutzgeist  wie in diesem Saal der
Eitelkeit  Wie stimmt Himml und Erde Seligkeit und Weltfreude Doch war es
nicht bei einer Rosenknospe ihrem Ebenbild
    Da war dies Knöspchen unter ihren aufgeblühtern Schwestern Es schien
gerungen zu haben sich herauszuhelfen allein vergebens Bleich abgezehrt
begab es sich in die liebe Geduld es spürte wohl dass es nie zum Aufbruch
kommen würde Gott dachte ich und sah gen Himmel Eine Platzträne fiel aus
meinem zum Himmel andringenden Auge das ich über diesen Rosenbusch hielt 
Diese Träne entblätterte die Knospe  Ob so oder anders Die Blätter fielen
auseinander und ich   Wer so stirbt der stirbt wohl
                                       
    Ich ging oder lief wie es kam wieder in die Stunden Meine Abwesenheit war
mir nicht nachteilig  ich half mir selbst nach und da ich mit dem besten
meiner Beigänger oder Beiläufer collationirte fand ich hier und da eine andere
Ader Auch gut dachte ich Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen Man
muss dass Pfund das uns der Herr anvertraut hat nicht ins Schweisstuch vergraben
sondern es anlegen damit es Früchte bringe zu seiner Zeit
    Mein Vater pflegte zu sagen alle Philosophie will den Menschen still
machen Erinnerst du dich nicht an schöne Abende wo sich kein Blättchen am
Baume bewegt wo die ganze Natur wenn ich so sagen soll beim lieben Gott in
der Kirche ist und Ihn nur Ihn anhört und die Sphärenorgel wo auch ein Lied
Freu dich sehr o meine Seele und vergiss all Angst und Qual gespielt wird
allein wahrlich von anderm Inhalt und wahrlich auch in andrer Melodie als es
deine Mutter singt Wahrlich die Philosophie will uns in Stille bringen Es
soll sich kein Blättchen an uns bewegen kein Vergnügen kein Schmerz soll bis
zu unserer Seele eindringen es sei denn der Schmerz der Seligkeit wirkt der
Schmerz wegen verletzter Pflicht Nicht jeder Schmerz ist Traurigkeit nur
alsdann wird ers wenn er bis zum Gemüte kommt Nicht jede Ruh ist
Fröhlichkeit sie wird es nur wenn wir das Vermögen besitzen alle Vorfälle
unseres Lebens aus dem Gesichtspunkte zu betrachten der uns auf irgend eine Art
an dem unangenehmen Vorfall ein Vergnügen verschafft eine sonnbeschienene
Stelle zeigt  Wir sind leidend bei Affekten schickt sich das für uns Schickt
sich passiv zu sein für Männer Man verachtet jeden Menschen wenn er in Affekt
ist Weiber weniger denn sie sind zum Leiden gemacht Woher die Verachtung
Weil die Menschheit herabgesetzt ist und die Tierheit auf dem Throne sitzt und
tyrannisirt Wohl recht tyrannisirt Beim Affekt tritt die dumme Figur ein
Pars pro toto Der Teil ist so groß als das Ganze Ein Teil der Bedürfnisse
überwiegt Summa Summarum aller Bedürfnisse Eine Neigung überwiegt die Sammlung
aller Neigungen Es ist ein Monstrum ein Mannskopf und Kindsfuss oder umgekehrt
Neigung ist schon Schwachheit indessen behält sie noch immer eine Klarheit
allein im Affekt wo bist du Sonne geblieben Der Tag ist schier dahin
    Alle Tiere sind des Vergnügens und Schmerzes nicht aber der Freude und
Traurigkeit fähig denn diese entstehen nur alsdann wenn wir von dem Hügel
unseres jetzigen Zustandes unsern ganzen Zustand überschauen So weit reicht das
Auge des Tieres nicht wärs auch ein Elephant Der Mensch ist Tier wenn er
ergötzt wird wenn er Schmerz empfindet kann es ihm wohl verdacht werden Nur
außerordentlich freudig außerordentlich traurig zu sein ist ihm unanständig
    Der Eifer für des Herrn Haus der edle Zorn für die Rechte der Weisheit die
Entzückung über das Glück der Menschheit kleiden einen Menschen weil sie den
Menschen dahin leiten wo kein Affekt mehr sein wird Dies Reich Gottes mein
Vater nannte Reich Gottes was zwar hinein gehört allein es eben nicht ist pars
pro toto wird schon in dieser Welt kommen kann kommen allein dort ists
gewiss darum ewige Ruhe Die Sünde ist der Menschen Verderben und das Verderben
ist die Quelle aller das Gleichgewicht habenden Leidenschaften sie mögen
übrigens sein welche sie wollen angenehm oder unangenehm  Am Ende sind sie
alle unangenehm glaubt mir
    Diese Predigt welche meinen Lesern keinen Dreier in den Seckel gekostet
hat diese Wiederholung einer paränetischen Stunde wie wandte ich sie an So
wie man gemeinhin alle Predigten ohne und mit dem Seckel anzufangen pflegt Fast
könnte ich sagen dass ich dies alles angesehen wie die Henne ihre Ausbrut
junger Enten womit sie die Hausmutter betrogen hat wenn sie schwimmen Es ist
noch lange nicht alles gesagt in der Welt was gesagt werden kann weit weniger
ist alles getan Was tat ich aber Was konnte ich tun Da Mine lebte sah ich
sie überall Ich studierte an ihrer Hand Jetzt da sie im Himmel ist ruhte ihr
Geist auf dem meinigen Ich konnte nicht so glücklich sein in L  wo ihre
Gebeine ruhten körperlich mit ihr zusammen zu sein und eben dadurch nach der
Meinung des Grafen länger sie zu haben länger sie zu besitzen Es war mithin
alles im Geist Wahrlich unsere Liebe war Geist zu Geist war himmlisch war
auserwählt  Ich wallfahrtete so oft ich konnte auf alle Kirchhöfe
christliche und unchristliche und las mir einen aus wo ich s Andenken
stiften wollte Diesen fand ich an einer Kirche die man die Rossgärtsche nennt
    Der Tod Freunde ist natürlich fürchterlich Der Denker der sein eigen
Licht hat und der gemeine Geist der sein Licht von der Sonne borgt müssen
gleicher Weise ihre Zuflucht zur Kunst nehmen um den Tod sich leidlich
vorzustellen und da kommt es mit auf die Örter an wo man uns hinbringt
    Gewölbe sind das nicht Örter wo einem angst und bange wird Der Moder
der Todtengeruch womit wir unsere Kirchen verpesten wie schrecklich zieht er
dahin und daher wenn er eingemauert wird Bringt den Toten in die freie Luft
er ist lebendig  Schliesst den Gesundesten ein er verweset
    Meine Kirchhofsidee fand ich auf dem Rossgärtschen Kirchhofe am gründlichsten
in ganz Königsberg ausgeführt
    Ein vortrefflicher grüner Platz mit Bäumen unordentlich besetzt zuweilen
viere nicht weit von einander und unter ihnen ein Grab das sie bedecken
zuweilen ganze Stellen als ein Wald und dann ein Monument wie verloren nicht
nach Regeln der Kunst sondern schlechtweg gearbeitet  Ein lebendiger Zaun
unterscheidet einen kleineren Kirchhofsteil vom größeren  So vortreffliches
Grasgrün auf diesem eingeschlossenen Platze dass man sich das Auge daran stärken
kann Vielleicht wird hier das Taufwasser ausgegossen Die andere Seite dieser
Kirchhofsparentese geht nach dem Wasser Dieser Einschluss dieser Kirchhof im
Kirchhof dieser Status in Statu nimmt die Gebeine der verstorbenen Herrnhuter
an Kindesstatt an die nach dem sehr präcisen herrnhutischen Kunstworte das
auch dem Grafen v  eigen war nicht sterben sondern heimgehen Da ich nach
meines Vaters Weise bei allen dergleichen Dingen durch die große Pforte zu gehen
gewohnt war so blieb ich auch mit meiner Mine auf dem unverzäunten
Hauptkirchhofe O hier ist gut sein Man kann sich auf diesem Kirchhofe kaum des
Gedankens erwehren dass die Abgeschiedenen hier im Mondenschein sich regen und
bewegen wie meine Mutter sich ausdrücken würde
    Der Totengräber dieses Sprengels wohnt unweit dem Kirchhofe sein
Hauptfenster geht hinein Da er mich unfehlbar mit einem Gesichte worauf Tod
und Begräbnis deutlich zu lesen war herumwanken und Stelle und Ort suchen sah
kam er mit einer eisernen Stange zum Vorschein und fragte mich was mein
Begehren sei Die eiserne Stange diente ihm beim Grabmachen um zu versuchen ob
auch tief genug ohne einem frischen Sarge zu nahe zu kommen gegraben werden
konnte »Ich kann den Kirchhof empfehlen wenn es was zu begraben gibt fing er
zu mir an Wie sehr überraschte mich der Totengräber mit seiner Stange und
seiner Frage Ich erwiderte ihm mit schwerem Herzen dass ich ein Liebhaber von
Kirchhöfen wäre und eben einen getroffen hätte der mir sehr gefiel Sie sind
nicht der erste der diesen Kirchhof schön findet Der Graf v  besuchte ihn
so oft er nach Königsberg kam Ich bin bei ihm einige Jahre im Dienst gewesen
setzte er hinzu  So dacht ich bist du ein wirklich ausgelernter zünftiger
Totengräber bei solch einem Meister«
    Nach diesen Umständen fand ich es nicht länger schwierig diesen
ausgelernten Totengräber in mein Herz tiefer hineinsehen zu lassen Ich habe
sagte ich eine Schwester verloren die ich sehr liebte und an die ich gern
hier auf diesem Kirchhofe denken will Ich gehe darauf aus mir einzubilden dass
sie hier begraben sei um mich mit dem Andenken an sie desto fester zu binden
das dauern soll bis dass auch ich begraben werde Sterbe ich in Königsberg
versteht sich ist hier mein Grab Der Totengräber dem mit dergleichen
idealischen Gräbern bei denen er seine Stange nicht brauchen konnte nicht im
mindesten gedient war widerriet mir obgleich er einige Jahre beim Grafen v 
gedient diese Imaginationen die keinem Menschen was einbrächten wohl aber
dem der sich mit ihnen in Vertraulichkeit einlässt an Leib und Seele schaden
könnten Ich glaubte zu merken worauf es bei diesem Ehrenmann ankäme und
nachdem ich mich seiner Gebühren halber erkundigt und ihm noch einmal so viel
in die Hand gesteckt hatte als ein wirkliches Grab galt weil ich ein
idealisches Grab bei ihm bestellte so fand er weniger Bedenklichkeit bei meiner
Sache und ließ es mir selbst über ein Plätzchen für meine Phantasie
auszusuchen Er fragte mich zum Beschluss wie alt ich wäre und schüttelte da
ich ihm antwortete den Kopf Ich fragte ihn zur Wiedervergeltung wie lange er
beim Grafen v  gedient hätte und schüttelte da er mir antwortete sieben
Jahr auch den Kopf
    Wir hatten glaub ich beide gleich Ursache zum Schütteln
    Ich suchte hin und her eine Stelle für mich zum Monument und sah endlich
einen Baum den ein anderer nicht bloß angefasst hatte er hatte sich
hinangewunden Der Totengräber der seine Amtspflicht vollbracht hatte und mit
seiner Stange nach Hause zu gehen im Begriff war sah sich zum Glück noch einmal
um Ich winkte ihm nicht allein er sah die Frage im Auge und kam
    Ich Diese Bäume 
    Er Von selbst zusammen
    Ich Selbst
    Er Ohne Menschenhände
    Ich Und begraben
    Er Ein junges Paar
    Ich Paar
    Er Wie ich sage Schade dass Ihr Verlust eine Schwester ist sonst eine
Stelle für Sie wie gewonnen
    Ich Wer zuerst
    Er Sie
    Ich Gott
    Er Es war ein Mädchen das Liebe hatte bei Jung und Alt Die Eltern wies
doch immer so geht wollten sie zwingen und sie wollte sich nicht zwingen
lassen Sie liebte einen jungen Menschen dessen Vater das ist was ihr Vater
ist Kein Fingerbreit mehr oder weniger Die Eltern wollten höher mit ihr
hinaus endlich sahen sie es ginge nicht denn das Mädchen grämte sich
zusehends In der Gemeinde kenne ich meine Kundleute aufs Haar Da sollten wohl
zehn eingeschnürte verheimlichte Schwangerschaften der Hebamme des Kreises eher
entgehen als mir eines das an Grabes Bord ist obgleich ich auch mich auf die
gesegneten Umstände und Leibeserlösung wiewohl nur nach Augenmass verstehe Ein
Auge ist bei unser einem die andere Hand  Diessmal glaubte ich schon mich zu
irren Ich irrte mich wirklich die Eltern sagten endlich ja zur Heirat und
alles sagte ja Das Mädchen erholte sich zusehends Verlobungen kommen unser
einem selten zu Ohren Die Leute halten mich für ein Stück vom Tode für einen
Verwandten des Todes und wollen mit dem Tode bei dergleichen Gelegenheit nichts
zu tun haben obgleich der Tod immer hinterm Stuhle steht es sei bei einer
Verlobung oder sonst Es ist dünkt mich zu sehen dass ich so gut lebendig bin
wie einer und wenn der Tod bedenkt dass unser einer ihm gewiss ist und dass er
ihn aus der ersten Hand hat so geht er lieber auf die Jagd als dass er nach dem
Haushahn greift
    Ich Das Mädchen Freund das Mädchen erholte sich 
    Er Ja wohl erholte es sich Ist die Verlobung nicht vorgefallen so hatte
sie doch vorfallen sollen Es war alles Ja und Amen und da starb es wie eine
Knospe Rosenrot und nun gings ans Heulen und Zähnklappen
    Ich Und er er
    Er Er weiß Gott wies war er ist am Tode gestorben Es hat ihm so wenig
gefehlt wie Ihnen und mir Sie starben einander so nach wie Blitz und Donner
So was hat man bei Menschen Gedenken nicht erfahren Die Nachbaren und
desgleichen sagten nun freilich wohl dass der liebe Gott an ihnen ein Exempel
statuirt weil sie doch vom verbotenen Baum essen und den lieben Eltern der
Braut ungehorsam werden wollten Sie meinten es gut mit ihr und dachten höher
mit ihr hinaus
    Ich Ach Freund Sie ist höher hinaus wie wir alle
    Er Ja wenn Sies so nehmen habe ich nichts dawider Sonst pflegts zu
heißen wer den Eltern nicht folgt der folgt dem Kalbfell Hier ging sie einen
andern Weg und er folgte
    Das Sprüchwort wer den Eltern nicht folgt folgt der Trommel fiel mir so
auf dass ich aus der Weise kam indessen erholte ich mich nach einer kleinen
Weile und lenkte das Gespräch zurück auf ihn und sie
    Ich Aber diese Bäume
    Er Ein lebendiger Leichenstein zum Zeichen der fröhlichen Auferstehung
gesetzt Ihr setzten seine Eltern diesen lebendigen Leichenstein ihm die Mutter
der Seligen mit Zuziehung der Kirchhofsobrigkeit
    Ich Mit bebender Hand
    Er Kann nicht sagen was man setzt muss mit Herz und Hand gesetzt werden
sonst gehts auch so fort   Ohne mich kann kein Grab gegraben und kein Baum
gepflanzt werden Auf diesem Acker bin ich ohne Ruhm zu melden Gottes
Gärtnierer so wie der Herr Pfarrer sein Diener ist in der Kirche  Die Mutter
der Seligen hatte den Glauben dass dies Pärchen dort Hochzeit machen würde
obgleich ichs ihr ohne Ende und Ziel sagte sie werden dort weder freien noch
freien lassen Noch kann sie niemand von dem Gedanken abwendig machen ich
wenigstens gebe meine Kunst auf denn sehen Sie die Bäume wurden mit Herz und
Hand so hingesetzt mir nichts dir nichts Wahrlich ein stark Stück Dieser
Baum da auf Ehre und Redlichkeit schlang sich um den andern so herum dass es
nun freilich so aussieht als wären sie um einander gewunden
    Wie mich diese Zugabe des Todtengräbers gerührt mag jeder meiner Leser
selbst empfinden der sich dies in einander geschlungene Paar Bäume so lebhaft
vorstellen kann als ich Da lag ich und Mine im Geist in meinem Arm Die Bäume
 waren Linden
    Bis hieher hat der Herr geholfen sagte Samuel da er einen Stein zum Altar
hinlegte und auch ich ihr wisst es ihr heiligen Gräber und ihr Bäume die ihr
mit ihnen so nahe verwandt seid ihr wisst es wie ich bei diesem Altar bewegt
war den ich nächst Gott Minen setzte Der Totengräber war weg Ich allein 
Ein heiliger Schauder nach dem andern nahm mich als wenn diese oder jene
abgeschiedene Seele auf und in mich wirkte und nun da ich mir selbst zu schwer
war fiel ich auf Gottes Gartenacker von wo ich beide Hände offen gen Himmel
hob als wenn mir Gott einen sanften seligen Tod hineinlegen sollte O
wahrlich ich bettelte darum Siehe da fiel ein welkes Blatt auf meine Rechte
dies nahm ich und ging gesegnet in mein Haus Noch liegt dies Blatt in der
Bibel die mir mein Vater auf den Weg gab Wie mir diesen Einweihungsabend war
vermag ich nicht auszudrücken Oft hab ich ihn wiederholt den vortrefflichen
Abend ohne dass mich der Totengräber weiter mit seinem Spieß störte  So oft
wir uns überfielen berichtigte ich ihm meinen Kanon
    Einen schönen Abend da der Mond die Nacht regierte ging ich tief andächtig
zu meinem Altar und stehe da der königliche Rat kam stellte sich vor ein
Grab sah in den Mond und aufs Grab wies mir vorkam so lange bis die Tränen
ihm nicht mehr erlaubten in den Mond und aufs Grab zu sehen Ich glaube nicht
dass er mich bemerkt hat allein ich habe ihn weinen sehen weinen und das beim
Mondenschein O wie schön die Tränen da aussehen Er war mir von jeher
schätzbar seit diesem Abend aber war er es mir unendlich mehr Es kamen und
gingen viele Leute dieses Weges und dies war das einzige was mir auf diesem
Kirchhofe missfiel und meine Andacht unterbrach Denn wahrlich die wenigsten
sahen wie der königliche Rat in den Mond und auf ein Grab bis die Tränen es
nicht mehr verstatteten Die wenigsten wallfahrteten einer Mine wegen an diese
heilige Stätte Ich hab ihn auch nie mehr an diesem Grabe weiter gefunden
allein nie bin ich seine Tränenstelle vorbeigegangen ohne daran zu denken dass
dieser in der Welt so gefasste Mann hier weinte
    Bei dieser Gelegenheit freue ich mich auf den königlichen Rat zu kommen
der wie alle Obersten im Volke nur des Nachts nur beim Mondschein weinen
konnte
    Die Abhandlung überlieferte ich sogleich nach meiner Ankunft dem Verleger
ohne nach der dem guten Prediger gegebenen Verheißung seinem Bruder hievon
einen Strahl leuchten zu lassen Ich indessen stellte auf meine eigene Hand dies
Werk und den königlichen Rat zusammen und überzeugte mich je länger je mehr
dass ihm mit der Zuschrift nicht sonderlich gedient sein würde Ich erzählte dem
königlichen Rat meine Geschichte mit aller Treue und hatte Gelegenheit zu
bemerken dass er auch ohne in den Mond zu sehen empfinden und teilnehmen
konnte Es war hoch am Tage  Weinen nur konnt er ohne den Mond nicht So
lieb als in meine Stunden und wären sie auch beim Professor Großvater
gehalten ging ich in seine kleine Abendgesellschaften wo ein königlicher Rat
sein Kollege ein Offizier ein Prediger und ich mit Leib und Seele waren
Selbst wenn er es nicht länger aussetzen konnte und er ein Mittagsmahl gab wo
mehr gegessen und getrunken und weniger gesprochen ward und wo der königliche
Rat sein Kollege der Offizier der Prediger und ich nichts mehr taten als
vorlegen selbst da hielten mich manche Anmerkungen schadlos die der königliche
Rat zuweilen zum Besten gab  Es ist viel einen Mann von seinem Stand zu
finden der zu Gott der Natur und zu sich selbst zu kommen verstand wie sein
Kollege Nicodemus zu Christo Der Kollege des königlichen Rats mein Mitgast
ein Mann von anderm Schrot und Korn hätte nicht geweint wenn sich der Mond
gleich seinetwegen alle Mühe gegeben Man nannt ihn ein juristisches Genie das
heißt er fing seine Sentenzen nicht mit Alldieweilen sondern mit Alldieweil
an schrieb nicht Wie Recht ist von Rechtswegen sondern von Rechtswegen ließ
den Buchstaben h bei vielen Worten weg
    Das letztemal da ich diesen Altar besuchte ließ ich es darauf nicht
ankommen ob ich dem ehemaligen siebenjährigen Bedienten des Grafen v  und
jetzigen wohlbestallten Totengräber des Rossgärtschen Kirchhofs oder Gottes
Gärtnierer in dem Sinn wie der Prediger des Orts Gottes Diener ist begegnen
würde Ich war verbunden ihm s Grabmal zurück zu treuen Händen zu liefern
und mich mit ihm neben dem Dank für dieses Begräbnis der Einbildung auf eine
wirklich fühlbare Art abzufinden des Kanons ungerechnet den ich ihm so oft
ich ihm begegnet abzutragen für Pflicht gehalten Ich klopfte an sein Fenster
Gleich war seine Antwort und da stand er auch mit seinem Spieß in der Hand
den er lächelnd ansah nachdem er mich gewahr ward Er war es nicht gewohnt dass
ich ihn auf diese Art aufrief sich zu begegnen war eingeführt Hier fing ich
an lieber Freund gebe ich dies Grab frei von aller Einbildung die bis jetzt
darauf haftete zurück Die Gebeine des guten Paares das in dieser Welt des Ja
und Amens unerachtet nicht zusammenkommen konnte das an der Liebe starb 
mögen wohl ruhen Ich ziehe mit meiner Toten von dannen die dies Grab so
lange ich sie hier beigesetzt nicht beunruhigt hat Mein Begräbnis war geistig
gerichtet Da wollt ich wetten sagte der Totengräber und stützte sich auf
seinen Spieß diesem Paar wird es ein Vergnügen gewesen sein ein ander Paar
guter Freunde bei sich zu sehen Die Gesellschaft kann auch den Toten nicht
unangenehm sein Von jeher sind Kirchhöfe gewesen Hier fiel mir die
Sterbensmetode des Grafen ein die auch auf Gesellschaft hinausging Von der
Erde womit der liebe Gott von Anfang da er Himmel und Erde schuf diese Kugel
bestreute so wie meine Hausmutter alle Sonntage unsere Prunkstube wird wohl
schwerlich viel mehr übrig sein In dieser Anfangsrede war freilich kein
pulverisirtes Gebein allein unsere jetzige sind wir selbst bis auf die Seele
  Nach diesen Betrachtungen welche der Totengräber in beliebter Kürze und
Einfalt auf seinen Spieß gelehnt nicht ohne Bewegung der Hände bald zur
Rechten bald zur Linken hielt und worin ich seinen hochgebornen Meister in
Lebensgröße fand berichtigte ich ihm meine Schuld und er kam zur Nutzanwendung
seiner angefangenen heiligen Rede die zwar seinem Text nicht angemessen war
die indessen aus gutem Herzen quoll Vor allen Dingen fing er an schenke Ihnen
der liebe Gott Glück und Segen und ein langes Leben Bei Ihnen verliert der
Totengräber nichts bei lebendigem Leibe wenn ich aber bitten darf begraben
Sie Ihre Einbildung auf diesem schönen Kirchhofe wo es Ihnen gefallen hat
Jeder Platz soll Ihnen gehören den herrnhutschen grünen Einschluss nicht
ausgeschlossen Es ist keine Schwester der Sie hier im Geist ein Grabmal
errichtet Ich weiß was Schwester sagen will Die begräbt man ohne Einbildung
und wenn ichs selbst nicht wüsste mein Weib weiß mehr als das Da stirbt keins
vom königlichen Hause was ihr nicht voraus gemeldet wird Wunderbar verkehrt
sie im Schlaf mit den Geistern Das Paar das unter den zusammengewachsenen
Bäumen schläft ist hier mit dem Herzen zusammengewachsen Sie lässt auf dies
Paar nichts kommen Sie mein Herr haben eine Braut verloren Ja sagt ich
meine Mine  Den Namen wußt ich nicht erwiderte er  Geister haben keinen
s Geist Freund heißt Mine fiel ich ein  Einbildung und diese
Einbildung wenn ich bitten darf begraben Sie sie Es ist Raum in der Herberge
Das Grab haben Sie reichlich bezahlt Ich will es eigenhändig machen Sie sind
jung und wissen nicht was solch eingebildetes Wesen für Folgen hat Seit
einiger Zeit war mein Vorsatz Sie aufzusuchen und Ihnen diese Lehre zu
wiederholen die ich Ihnen beim Mietskontrakt nicht verhielt Konnt ich aber
so grob sein und Sie aus der Miete setzen ehe Sie sie mir selbst
aufzukündigen genehm finden würden Heute alles wie gerufen  Der Totengräber
belegte seine Ermahnung mit einer Geschichte die vor kurzem ihre Endschaft
erreicht hatte Es verdross mich dass so etwas auf dem Rossgärtschen Kirchhofe
geblieben ohne dass ich in meinem Quartier der Stadt davon eine Todtenglocke
gehört
    Was liegt nicht alles auf den Kirchhöfen begraben In großen Städten ist
Vergnügen der Inhalt Das Wort Tod ist hier so contreband als das unhallische
Salz in Preußen Hier ist diese Geschichte womit ich diesen Kirchhof schließe
so wie ich ihn mit einer Geschichte meinen Lesern öffnete Zuvor eine
Todtengräberbemerkung die meinen Lesern nichts neues ist dass mehr Leute an der
Liebe sterben als an den Blattern Die Schuld hiervon gehört auf die Rechnung
des Zwangs den man den Menschen auflegt Man hat so viel über die Klöster
geschrien allein wahrlich jeder Staat macht recht geflissentlich ein großes
Kloster aus sich 
                                Die Geschichte
    Ein Eigentümer von einigen Hufen Acker und einem kleinen artigen Häuschen
hatte einen Sohn und eine Tochter Eltern und Kinder lebten in so glücklicher
Ruhe dass der Pastor loci selbst zu sagen pflegte es wäre ein patriarchalisches
Leben das sie führten Der Sohn kam ins Jahr in dem sein Vater geheiratet
hatte Dies fiel dem Alten an seines Sohnes Geburtstage ein und er forderte ihn
selbst auf an dies heilige Werk der Natur zu denken Der Sohn hatte schon daran
gedacht und entdeckte dem Vater seine Absichten Anwerbung Verlobung und
Hochzeit waren so nahe zusammen dass alles wie Eins war So sollt es auch immer
sein Gretchen so will ich die Tochter des Hauses nennen ohne Pastors Gretchen
in L  im mindesten zu nahe zu treten hatte das größte Recht von der Welt zu
erwarten dass ihre Mutter sie eben so auffordern würde als es der Vater in
Rücksicht ihres Bruders nicht ermangeln lassen Sie war einundzwanzig ihre
Mutter hatte im zwanzigsten geheiratet Diese Aufforderung blieb aus Böse war
es hiebei nicht gemeint die Mütter haben gemeinhin die Rücksichten nicht in
diesem Punkte für ihre Töchter die die Väter für ihre Söhne haben Gretchen
machte diese verfehlte Aufmerksamkeit ihrer sonst lieben Mutter nicht die
mindeste Sorge Sie fiel ihr nicht einmal ein Wann werden denn wir sagte Hans
ihr Geliebter es so machen wie dein Bruder mit seinem Gretchen Hans war nicht
mit seiner Liebe in der Festung allein völlig im Freien war er auch nicht Er
war nicht bloß auf die Wälle eingeschränkt sondern konnte Sonntags und Festtags
Gretchens Eltern besuchen Gretchen sehen ihr verstohlen die Hand drücken und
beim Weggehen ihr geradeswegs die Hand geben bei welcher Gelegenheit ihm aber
die Hand so zitterte und bebte dass er sie kaum hinlangen konnte War niemand
dabei als Gretchen und er war sie ihm fest in allen Gelenken Er war ein
starker Hans an Leib und Seel Gedacht mögen die Eltern über Hansens Liebe viel
haben allein gesagt hatte sich Vater und Mutter kein Wort Unser Paar liebte
sich so inbrünstig als man nur lieben kann und doch so unschuldig so rein 
Gretchen hatte ihrem Hans viel von dem schönen Meiergute erzählt das ihr Bruder
mit bekäme und Hansen obgleich er kein anderes Eigentum als eine unbefangene
Seele und ein Paar gesunde Hände besaß wäre es nicht eingefallen dass das
Gütchen worauf Gretchens Eltern waren ihm mit Gretchen zufallen würde wenn
Gretchen ihn nicht selbst darauf gebracht hätte Der Sohn der sonst das nächste
Recht gehabt war jetzo wohl versorgt Das liebe Eigentum es hat mehr Unheil
als dies angerichtet Hans machte sich den Kopf so warm mit allerlei Entwürfen
die er wenn Gott will auf diesem Gütchen ausführen würde dass sein Paar
gesunde Hände am Wert verloren Gretchen merkte dass Hans mit etwas umging
indessen wusste sie nicht was es war Einst sagte sie ihm Du hast da etwas im
Kopf und sollst doch nur etwas im Herzen haben Hans indessen hatte Gretchen
bei seinen Entwürfen nicht vergessen Alles macht er an ihrer Hand Ein Stück
uncultivirtes Land wollt er erziehen und es sollte Gretchenfeld heißen Dort
sollte ein Gang angelegt werden und der sollte Gretchenhall genannt werden Der
arme Hans Was ihm sein Gütchen das er nur in Gedanken besaß schon für
Gedanken machte Gretchen hatte ihm so viel von der Anwerbung und Verlobung und
Hochzeit ihres Bruders erzählt dass nichts darüber war nur einen Umstand hatte
sie verschwiegen dass nämlich ihre Schwägerin einen Bruder hätte Die Meierei
welche das neue Ehepaar bezogen lag zwei Meilen von dem Gütchen das Hans in
Gedanken und sein künftiger Schwiegervater wirklich besaß Nach einiger Zeit
kamen das neue Paar und die Seinigen Gretchens Eltern zu besuchen Der erste
Stoß den Hans ans Herz erhielt war die Nachricht dass Gretchens Schwägerin
einen Bruder hätte Auf diesen Umstand war Hans nicht gefasst Und warum fragte
er sich selbst warum hat sie mir das getan und kein Wort darüber verloren
Sich so in Acht nehmen wer kann das ohne böses Gewissen  Hans hatte nicht so
ganz unrecht so zu fragen allein Grete war unschuldig wie die Sonne am
Himmel Es blieb nicht bei dieser Unruhe Hans ward zu den unschuldigen
einfachen Gastmählern welche in dem Hause seiner Schwiegereltern angestellt
wurden nicht gebeten Zwar hätt er diese Tage für Festtage ansehen und von
selbst gehen sollen allein dieser Entschluss wenn er gleich zuweilen wollte
konnte nicht aufkommen Gretchens Bruder der voll von seinem Weibe war und der
seinen leiblichen Bruder darüber in den Tod vergessen hätte besuchte zwar
Hansen seinen alten guten Freund indessen war es nur so beiläufig Hans der
einmal ins Auslegen gekommen war deutete alles zu seinem Nachteil Das schöne
Wetter schien ihm als von Gretchen bestellt um mit ihrer Schwägerin Bruder
spazieren zu gehen und auch der Regen gehörte auf ihre Rechnung damit sie
ungestörter mit ihm lieben konnte regnete es Sieh dacht er auch selbst von
der Natur will sich die Ungetreue und ihr Liebling nicht einmal stören lassen
In diesen Vorstellungen vergingen einige Tage die Hansen in der Hölle und Qual
nicht hätten wärmer sein können Nun sehnte er sich nach Gretchen nicht um von
ihr diese Rätsel lösen zu lassen sondern ihr Vorwürfe zu machen und ihr das
Gütchen wieder zurückzugeben das er von ihr erhalten und eben nun begegnete
ihm Gretchens Vater der ihn bei der Hand nahm und zum Abend einlud Wo so lang
gewesen fragte der Alte Hans antwortete nur bloß durch eine Pantomime indem
er den Hut abzog und wieder aufsetzte Hans ging mit dem Alten und alles kam
ihm verändert vor Es war ein Kälberbraten aufgetischt und Gretchens Mutter
fing an Da kommt ja Hans recht zum VerlornensohnBraten Das Verlorne fiel ihm
sehr auf Gretchen war zwar freundlich gegen Hansen allein eben weil sie
freundlich war fand er Nahrung für seinen Argwohn und was weiß ich was er aus
ihrer Unfreundlichkeit geschlossen Nach dem Abendessen ging man in die Luft
und da Gretchen den Fremden in dem Gütchen herumführte und ihn alles Schöne
desselben mit Aug und Händen greifen ließ kam es Hansen nicht anders als eine
Schlange vor die in Gestalt eines Junkers den Herrn Christum auf der Zinne
herum führte und ihm das alles anbot wenn er niederfallen und ihn anbeten
würde Der Fremde fand alles so allerliebst dass er mehr als einmal den Wunsch
fallen ließ wie ihm dies Gütchen viel besser als der väterliche Meierhof
gefiele der ihm bestimmt war Nun war Hans bis zur letzten Stufe der
Verzweiflung gebracht Gretchen die seine Unruhe merkte wollte sich mit ihm
eine Luft machen und schien den Fremden aufzumuntern Sie war froh und
lächelte weil sie sah dass Hans sie so liebte und Hans tat froh und lachte
auf eine recht schreckliche Art Dies war der letzte Abend den die Gäste bei
Gretchens Eltern zubrachten Hans hörte unaufhörlich bitten wenn es ihnen
allerseits gefallen doch bald wieder zu kommen Auch Gretchen bat Hansen kam
es vor dass es bloß seinem Nebenbuhler galt Sah sie ihn nicht an fragt er
sich Hans ging voller Verzweiflung von hinnen Er lachte da er ging Den
andern Morgen als er alles zusammen rechnete bis dahin lag alles ungezählt
unberechnet was er gesehen und gehört war sein Entschluss gefasst wozu
Gretchen ihm die Hand bot Es jammerte sie sein Sie wollte ihren Vielgetreuen
beruhigen und legte es recht geflissentlich an mit ihm ins Feld zu gehen Er
gleich da Was ist dir aber fuhr Grete fort Es wird sich erwiderte er im
Freien geben sollte ich denken  Gretchen wollt es anfänglich heimlich
machen endlich entschloss sie sich von ihren Eltern die Erlaubnis zu diesem
Gange zu erbitten Dies kleine Opfer dachte sie bin ich Hansen wegen des
Kummers schuldig den ich ihm gemacht habe Mit Hansen sagte der Vater und
lächelte Die Mutter sagte So und lächelte desgleichen Gretchen hätte zu
keiner erwünschtern Stunde diese Erlaubnis bitten können Vater und Mutter
hielten in Gegenwart Gretchens einen Rat über sie und das Ende war Grete
sollte Hansen zum ehelichen Gemahl haben Ja doch sagte der Vater ich muss
jemand haben der mir zur Hand geht allein halt ichs nicht mehr aus Ja doch
sagte die Mutter der es jetzt einfiel was ihr längst hätte einfallen können
dass sie schon ein Jahr früher geheiratet hätte Grete stand da so froh dass
sie ihren Eltern vor Freude nicht danken konnte Das dünkt mich ist der beste
Dank für Erkenntlichkeit nicht zum Dank kommen können Dieses Gespräch hielt
Greten über die Zeit auf die verabredet war Hans war schon unruhig So fand
sie ihn Du wirst schon ruhig werden dachte sie hiebei zielte sie auf den
Rat den ihre Eltern gepflogen hatten allein sie ließ sich nichts merken
Anfänglich wollte sie ihr Lustspiel fortsetzen Hans war ihr aber zu ernstaft
Sie besann sich bald und zog ein ander Kleid an das natürlichste das beste
Ihre Eltern hatten sogar ihr nicht verboten Hansen zu sagen was geschehen war
und wär es ihr verboten gewesen wie hätte sie sich helfen können Lieber Hans
fing sie an und nahm ihn bei der Hand Ha dacht er Mitleiden Wie es mit
solchem Mitleiden ist wissen wir alle Solch Mitleiden ist das empfindlichste
was ich kenne Nichts tut so weh als dies Mitleiden kann zuweilen der Liebe
Anfang sein noch öfter aber ist es das Ende der Liebe und ein schreckliches
Ende Du bist böse dass ich so spät gekommen fing Gretchen an Betrügerin
dachte Hans ohne mehr zu sagen und zu tun als sich den Hut tiefer zu setzen
Jetzt waren sie so weit dass sie von dem väterlichen Gütchen völlig entfernt
waren Nur zwei Stiere die sich von der Heerde verlaufen hatten waren ihnen
nachgekommen worüber sich Gretchen wunderte Hans aber nicht Eben wollte
Gretchen ihrem Hans erzählen was vorgefallen war und wozu sich ihre Eltern von
freien Stücken entschlossen hätten als Hans sie fasste sein Mordmesser zog und
ihr zehn Wunden beibrachte Seine Hand zitterte und bebte nicht als wie vorhin
wenn er aus ihres Vaters Hause ging und Gretchen öffentlich die Hand reichte
Gott schrie sie Gott nimm meinen Geist auf Sie war über und über mit Blut
bedeckt und schwamm in ihrem Blute Die Stiere brüllten auf eine so schreckliche
Art dass dem Mörder ihrentwegen das erste Grausen ankam Sie kamen
hinzugelaufen als ob sie diese Tat verhindern wollten sie liefen davon als
ob ihnen der Anblick zu schwer würde Nun fragte Hans lächelnd es war das
letztemal dass er lachte Wen willst du jetzt lieben Ungetreue Dich
antwortete Grete und Blut schoss aus ihrem Herzen Dich wiederholte sie und
drückte Hansen auf eine Art die Hand dass er seinen ganzen entsetzlichen Irrtum
einsah Jetzt hatte er der Stiere nicht mehr nötig das Grausen kam von selbst
Er warf sich auf die Erde schrie nach Rettung sprang auf eilte selbst Hilfe
zu suchen in ein benachbartes Städtchen  und fand den Wundarzt nicht an Ort
und Stelle Alles hatte er Gretchen zur Hilfe aufgeboten Nun kam er wie ein
Verdammter der um einen Tropfen Wasser bettelt und ihn nicht erhält und fand
den Wundarzt den Gretchens Eltern aufgefunden fand die Eltern selbst die ihm
mit offenen Armen entgegen kamen Einem Tochtermörder Grete hatte diese Tat
auf einen andern ausgesagt der sie überfallen und hiebei hatte sie Hansens
starke Hand gepriesen die sie zu retten unermüdet gewesen Gott diese
Unwahrheit betete sie im Herzen vergib sie mir Die Eltern hatten ihr
zugeschworen Hansen das Gütchen zu lassen und nun voll des Danks und der
Erkenntlichkeit kamen sie ihm entgegen fielen auf die Blutflecken die sie an
seinem Kleide gewahr wurden als so viel Beweise seines Edelmuts Für jede
Wunde die Grete erhalten umarmten sie ihn  Es kostete Hansen kaum so viel
Mühe zu morden als die Eltern zu überreden dass er Mörder sei Sie glaubten er
hätt aus zu großer Liebe den Verstand verloren Je gütiger Gretchens Eltern
gegen ihn taten je schrecklicher klagte Hans sich an Wenn er Gott und alles
was heilig zu Zeugen aufgerufen er sei der Täter so sahen ihn Gretchens
Eltern so mühselig so beladen an als wollten sie sagen der arme Junge wie
ihn Gretens Schicksal übernommen hat Und wenn er ihnen das Mordmesser zeigte
drückten sie ihm die Hände weil sie Gretchen so mächtig beschützet Wenn er es
gen Himmel hielt und schwur bogen sie sanft seine Hände zur Erde Niemand
wusste woran es mit Hansen war Lieber Sohn fingen die Eltern an du bist mehr
tot als sie Endlich ging allen ein Licht auf Hans ward eingezogen Er sah die
Gerichtsdiener die ihn fesselten als seine Wohltäter an die ihm den Tod das
einzige Verband für seinen Schmerz mitbrachten Der Abschied war rührend Er
bat Gretchen um Vergebung sie versicherte dass sie ihm nichts zu vergeben
hätte und da sie endlich einsah dass alle ihre Bemühungen Hansen zu retten
vergebens waren rang sie die Hände und weinte so herzlich dass selbst die
Gerichtsdiener zu weinen anfingen Hansen ward der Prozess gemacht Er konnte die
Zeit nicht abwarten sein Todesurtel zu hören Wenn ich doch an einem Tage mit
ihr sterben könnte das war der einzige Wunsch den er noch in dieser Welt
hatte Eben an dem Tage da sich die Richter einigten dass Hansen als einem
Unmenschen der den Vorsatz gehabt auf der Landstraße zu morden sein Leben auf
eine schreckliche Art vor aller Welt Augen genommen werden sollte war es
ausgemacht dass Grete außer Gefahr sei Sie erholte sich nach diesem Tage
zusehends und es war die Frage ob es gut sei Gretchen Hansens und Hansen
Gretchens Schicksal zu entdecken Die Frage wurde noch bei herzensguten Leuten
problematisch abgehandelt da schon weniger herzensgute Menschen der
Beantwortung zuvorgekommen waren Hans wusste um Greten und Grete um Hansen Im
ersten Augenblick war es Hansen anzusehen dass ihm über Gretens Aufkommen der
Kopf herum ging Da er sich aber besann und noch dazu hörte dass Grete durchaus
nicht leben wollte schrieb er an sie wie folgt
    Es ist genug Du lebst und ich will fröhlich sterben Dein Blut wird mir
nicht vor den Augen fließen wenn ich für meine Tat bluten werde Nun darf ich
an meiner Seligkeit nicht verzweifeln und an meinem ewigen Leben Meine Hand ist
mir von den Ketten nicht so schwer als vom Herzen Vergib Deinem Mörder und
bete für Hansen Dank dem der mich verhört hat Mit dem edlen Mann hat Tod und
Leben Gesetz und Menschlichkeit gekämpft Wünsch ihm in meinem Namen ein langes
glückliches Leben und geh nicht heraus wenn ich ausgeführt werde Reise wenn
es Deine Gesundheit erlaubt dahin wo ich Dich erschlug und schreie ein Vater
unser für mich
    Dieser Brief anstatt dass er Kraut und Pflaster zur Beruhigung für Greten
sein sollte nährte ihren Gram Er brachte ihr empfindlichere Wunden bei als
Hansens Mordmesser Niemand hatte Hansens Tod erwartet Hans nahm sein Urtel als
Gottes Ausspruch an Grete war außer sich Sie wollte für ihn sterben Die
Geistlichen lösten die Wundärzte ab um ihr Ruhe zuzusprechen allein vergebens
Das Wollen schrie sie nicht das Vollbringen Wenn Gott strafen sollte was wir
wollen wer könnte vor ihm bestehen Sie sprach wie alle Leute die außer sich
sind so weise so vernünftig dass sich jedes wunderte wo sie alles dieses her
hatte was wirklich über ihr war Es war kläglich anzusehen dass diese beiden
Menschen ohne einander nicht leben nicht sterben konnten Grete trat ohne dass
Hans es wusste den König an Sie sind ein Mensch schrieb sie Monarch und
machen sich eine Ehre daraus es zu sein Schenken Sie Hansen das Leben oder
nehmen Sie es mir so und nicht anders ist uns beiden geholfen  Der König
verwandelte die Todesstrafe in eine einjährige Festungsstrafe und alle Welt
sagte dass dieses ein Salomonisches Urteil wäre Um solch ein Urtel zu
sprechen wer wünschte nicht König zu sein Hans wäre gar nicht in der Festung
gewesen wenn nicht Grete seine Strafe mit ihm geteilt hätte Dies war das
einzige was ihm schwer zu tragen war Seine Ketten waren ihm nicht lästig Nach
so viel Kummer und Not ging endlich die Sonne über dieses treue Paar auf An
das Gütchen in welchem Hans so viele Veranstaltungen in Gedanken getroffen war
nun nicht mehr zu denken Sie wollten beide weder Land noch Leute dieser Gegend
sehen und entschlossen sich um sich recht zu verbergen nach Königsberg zu
ziehen Sie waren eben zum drittenmal aufgeboten da Hans in ein hitziges Fieber
fiel und starb So entscheidet Gott der Herr wenn gleich Könige anders
entscheiden Seine Wege sind nicht unsere Wege seine Gedanken sind nicht unsere
Gedanken Grete fiel an Hansens Begräbnisstage in eine solche Schwermut dass sie
jetzt im Irrenhause wiewohl in einem bessern als den gewöhnlichen Zimmern
gehalten wird Gott was hat Grete verbrochen dass sie gelacht hat Sara lachte
auch und Gott segnete sie mit dem Sohne Isaak und Grete im Irrenhause Ihre
zerrüttete Einbildungskraft lässt sie glauben Hans sei auf dem Richtplatze aus
der Welt gegangen Sie macht beständig eine Bewegung mit der Hand als köpfe
sie  Hans liegt auf dem Rossgärtschen Kirchhose zur linken Hand am kleinen
Ausgange begraben
    Diese Geschichte hab ich aus einem Aufsatz genommen den ein armer
Kandidatus Teologiae zu einem Jahrmarktsliede entworfen zu singen von einem
lahmen Bettler auf die bekannte Melodie Es ist gewisslich an der Zeit Der
Totengräber der nun sehr unvollständig diese Geschichte erzählte behändigte
mir diesen Entwurf den ich ausgezogen habe
    Wahrlich Freund Totengräber wer seine Einbildungskraft begraben kann hat
sich leicht gemacht Wie könnt ich aber s Andenken zurücklassen
    Schlüsslich stieß ich auf drei ausgegangene Bäume und mein Lehrmeister
versicherte mich dass nachdem die Familie die hier ihr Erbbegräbniss gehabt
ausgestorben sie in einem Herbst alle drei ausgegangen wären Das ist nichts
Neues setzte der Totengräber hinzu Es haben sich viele Hunde um ihren Herrn
zu Tode gegrämt und die Stiere die in dieser Geschichte vorkommen sind ein
neuer Beweis dass die Bäume gewusst wenn es Zeit zum Ausgehen war Ich bat den
Totengräber diese Mordgeschichte dem Grafen zu übersenden welches er mir aber
abschlug »Ich muss so etwas aufbewahren um es ihm hier vorzusetzen«
    Ich schließe den Kirchhof ehe das Stadttor für mich geschlossen wird Wer
mir aber dergleichen Vorgriffe übel nimmt kann mir mehr übel nehmen wenn es
ihm so beliebt  So sehr mir diese Geschichte auffiel so war ich doch nicht im
Stande Greten im Irrenhause zu besuchen um ihren schrecklichen
Scharfrichterhandgriff zu sehen
    Wenn es ausgemacht ist und nichts ist gewisser als dies dass die wahre
Philosophie eine Sterbekunft sei so legt ich mich mehr auf die Philosophie
als auf irgend etwas Um reich zu sein braucht man nicht Geld nicht Gut
sondern Mäßigkeit Gute Führung beehrt uns nicht Würde Wer lang und glücklich
leben will sei sein eigener Herr im philosophischen Sinn Wer die Welt
verachten will hab eine Mine im Himmel  Mine war der philosophische Text
über den ich studierte Überall war sie Je mehr ich studierte je mehr fand ich
Gesunder Verstand sei täglich Brod Wörterkram Schnirkelei aber
kopfverderbendes Gebackenes Wenn mein Vater redete docirte wenn man will
denn ich läugn es nicht dass der Lehrton ihm wie eine Klett am Kleide hing
hatt er jederzeit etwas in der Hand Messer Scheere ein Buch einen dem
Wachslicht abgenommenen Bart einen Zahnstocher kurz ohne was Körperliches war
er nicht Er schwur immer einen körperlichen Eid wenn ich mit Verzeihung der
juristischen Genies mich so erklären darf So was hilft die Sache sinnlich
machen  Er knetete die deutlich zu machende Sache durch würd ein anderer
gesagt haben er nicht  ich auch nicht  Gott der Herr hatte ein Chaos aus
dem er die Welt allmählich herausrief und wenn ichs recht bedenke ist was
Körperliches vielleicht darum in der Hand gut um für den Gedanken ein Kleid
für den Geist einen Körper zu finden Gott ehre mir Leute die Hand und Mund
zugleich bewegen war wie wir wissen meines Vaters Losung   Der Kirchhof in
L  der Rossgärtsche Kirchhof in Königsberg das waren meine Messer Buch
Scheere Wachsbart Zahnstocher
    Die Alten brauchten den Tod als ein Mittel der Aufmunterung Ich ahmt
ihnen nach wiewohl auf andre Weise die aber nichts zur Sache selbst tut
Hätt ich einsam in mich verschlossen der Welt das Rauhe zugekehrt da wäre
freilich nichts Kluges herausgekommen In Gesellschaft gefällt das Wundersame
in der Einsamkeit schadet es
    Ich habe schon meinen Lesern meinen Studirplan ad unguem vorgerissen Ich
war darum auf der Akademie um mich vor Irrtümern protestando zu verwahren
Mein Vater stand keinem Menschen das Recht zu ohne Rand zu schreiben und auch
wie er sich uneigentlich auszudrücken pflegte ohne Rand zu sprechen Wir sind
Menschen setzte er hinzu Man muss sich mit keiner Schrift so einverstehen dass
man es dabei lässt Es steht geschrieben Was mündlich vorfällt ist
Scheidemünze Was ist Ihre Meinung lieber Professor Großvater Was Ists
genug dass die erste Erziehung negativ sei oder muss jeder Unterricht cum
reservatione reservandorum negativ sein Ich denke ad Zwei Ja Willst du ein
collegium charitativum anordnen willst du causa cognita rechtliches Erkenntnis
eröffnen In allen Stücken will ich hören  denn dazu bin ich und du zum Lesen
Gott helf dir berufen Würde mein vorgeschlagener Weg gewandelt wahrlich
wir wären selbst im speculativen Fache ein wenig weiter nicht eben in Rücksicht
von Sonne Mond und Sternen sondern unserer selbst der Welt in nuce in
compendio  Wahrlich das sind wir Der Mensch hat einen innerlichen Sporn zur
Tätigkeit Er will durchaus dass die Leute selbst mehr von ihm sagen sollen als
an ihm ist Obgleich der Philosoph durch sich selbst und nicht durch sein
Äußeres sich vom Haufen unterscheidet obgleich alle Affektation ein Mangel
wahrer Vollkommenheit ein Mangel menschlicher Vollständigkeit ist Woher dies
Der Mensch dringt durchaus zum Positiven Glaube mir hohe Schule Wenn jeder
positive Jüngling nach rühmlichst zurückgelegter akademischen negativen Bahn
weiter ginge was würde da nicht zum Vorschein kommen Mehr als in vielen
überdachten Beantwortungen gleich überdachter Preisaufgaben Wie selten ist der
Mensch Mensch wie selten kann wie selten darf ers sein O wenn ers doch
immer wäre  Tausendmal um Vergebung sagte Herr v W  und Hermann Tausendmal
untertänigst um Vergebung wenn von jemanden wo ein Schnack mit andern
Umständen erzählt ward als Herr v W  oder der schnackreiche alte Herr ihn zu
wissen das Vergnügen hatten Es hat ehegestern gefroren sagte Herr v G 
Tausendmal um Vergebung fällt Herr v W  ein und der alte Herr nimmt sich die
Erlaubnis tausendmal untertänigst um Vergebung zu bitten Warum tausendmal
erwiderte Herr v G  ich sags einmal und warum um Vergebung Hats nicht
gefroren so sagen Ew Hochwohlgeborcn und Hochedlen es hat nicht gefroren Hat
es aber gefroren so haltet beide das Maul Mit der Vergebung bleibt mir in alle
Wege vom Leibe  Vergebt eurem Schuldiger wie Gott euch vergeben soll So der
brave v G  Mein Vater würde diesen Auftritt auf philosophische Noten setzen
und sich also verlauten lassen der Mensch fühlt sich berufen zur Tätigkeit
wenn ihm jemand in die Quere kommt schlägt er aus mit dem Munde nämlich Beim
Einwurf wird er aufgehalten dieser Renner nach dem Preise und das ist freilich
unangenehm Daher Pardonnez  Verzeihung Weg mit diesem französischen
unphilosophischen höflichen Halt Lasst den Herrn v G  den altern erzählen was
ihn gut dünkt lasst jeden seine Meinung sagen Wer hindert euch dagegen geraden
Wegs und ohne Bückling einzuwenden Jeder Mensch hat in der Welt gleiche Rechte
Das ist so und das ist nicht also kann jeder sagen Auf diese Art würde sich
von wahr und nicht wahr alles fein abgezogen der Überschuss schon finden den
diese Behauptung vor jener hat und jene vor dieser  So käme das Positive ohne
unser Gebet allmählig zum Vorschein wenn wir erst recht negativ gewesen Nach
langem Regen die Sonne Und bliebe dann so manches aller Mühe unerachtet
unentschieden mir schon recht Man wüsste denn doch woran man mit solchen
unzuentscheidenden Dingen wäre die jetzt so oft ungebührlich auf Wetten
ausgesetzt werden obgleich hier nichts zu wetten ist
    Was meint ihr Herren Gelehrten wären Universitäten nicht die Plätze wo
dergleichen Streit geführt werden könnte Es versteht sich nicht über den
Umstand ob es ehegestern gefroren oder nicht Und über diesen und jenen
Schnack den Herr v W  anders und Hermann anders gehört haben
    Bei unsern jetzigen Verfassungen sieht man offenbar ein wie nützlich und
selig es sei gewissen Dingen ein Ansehen beizulegen sie zu Würden und Ehren zu
bringen und sie dabei zu erhalten Ebenso sieht man auch ein wie wenig die
Sache sich von selbst zur Strenge zum Ernst berechtige und was ist zu tun
Man würzt gesundes Essen man hängt sich einen langen schwarzseidenen oder
wollenen Mantel eine Reverende um die Schultern man teilt Stock und Degen
aus Der Mensch ist von seiner Unwichtigkeit sobald er sich ins rechte Licht
stellt vollständig überzeugt und dies bringt ihn zum Luftigen obgleich es
noch eine zum Streit auszusetzende Frage wäre ob der Mensch zur Lustigkeit
geboren sei Das Klügste was ein unwichtiger Mensch anfangen kann ist lustig
sein Das sehen wir an unsern Alltagseinfälligsten Die einzige Rolle die der
Mittelmässigkeit angemessen ist ist fröhlich und guter Dinge sein Seht euch um
Alle mittelmäßige Leute sind es von Herzensgrunde Sie haben nicht umsonst
Verstand Wer kann nicht Vögel leiden die lustigen Tierchen auf Gottes
Erdboden Der Professor Großvater erzählte einen Tauben gekannt zu haben der
sich Vögel gehalten bloß des Springens wegen
     Meine Mutter würde freilich das Singen vom Springen nicht scheiden da es
die Natur zusammengefügt hat was konnte aber der Taube dafür dass seine Ohren
verschlossen waren
    Man lasse die Menschen bei ihrer Lustigkeit der ersten Tränen unbeschadet
womit wir alle das Taufwasser verstärkt haben und des ältesten biblischen Buchs
unerachtet welches ein Trauerspiel ist  Liessen sich doch die Stoiker selbst
zu öffentlichen Bedienungen brauchen da gibts genug zu lachen Und Epikur war
er nicht ein allerliebster Weiser Warum sollten wir den Menschen nicht
zugestehen zu hüpfen wenn sie nur nicht luftspringen und ihr grundgelehrte
Herren selbst die ihr darauf bedacht seid alles trocken zu sagen allem ein
Ansehen beizulegen ein gewisses Ceremoniel einzuführen wobei sich jeder gerade
halten ein steifes Kleid anlegen und im bloßen Kopfe gehen muss  wenn ihr doch
den Versuch machen möchtet auf alle diese steife Etikette Verzicht zu tun
Sagt eure Wahrheiten immerhin trocken gebt uns kalte Küche nur schreibt uns
die Bratenkur nicht vor wenn wir gesund sind Tut nicht so ernstaft wo zu
lachen ist Hängt euch nicht eine Reverende von Worten um wo es auf Sachen
ankommt Ich weiß Kleider machen Leute allein nicht unter Männern denen das
Denken obliegt Warum das ermüdende Ceremoniel das sobald es aus eurem Tempel
ins Freie gebracht wird lächerlich ist Gehört denn dazu soviel Kunst zu sagen
wir wissen nichts und das ist doch das Ende aller eurer Kunst Wahrlich eine
menschliche Kunst die aber natürlich vorgetragen werden muss wenn sie Frucht
bringen soll in Geduld Was ist denn positiv so wie ihr es nehmt hochgelahrte
Herren Das Format des Positiven ist Duodez Warum doch alle die Formalien wo
es auf Ja und Nein ankommt So sei eure Rede Was darüber ist sagt ist es
nicht vom Übel Wir leben nicht mehr im alten Bunde sondern in der
christlichen Freiheit wo das Ceremonialgesetz Gott sei gedankt abgestellt
ist warum wollt ihr solch einen Kopfzwang solche Daumenschrauben einführen
Gesteht aufrichtig legt ihr es nicht recht geflissentlich darauf an das
Allerleichteste schwer zu machen das Lichte zu verfinstern und euch vom Leben
zu entfernen Hat denn diese Welt nicht Mühseligkeiten genug und ihr wollt sie
noch mit mehr Drangsalen belästigen Seht Ich vergelte nicht Böses mit Bösem
nicht Kunstwort mit Kunstwort ich begegne nicht trocknen Wahrheiten mit
trocknen Einfällen obgleich trockne Wahrheiten und trockne Einfälle
Gevattersleute sind und in canonischer Verbindung stehen Wie kann ich euch aber
retten wenn sich dergleichen trockne Einfällisten wirklich fänden die euch
über kurz oder lang darstellten wie ihr seid  Um des armen
Menschengeschlechts willen bitt ich euch lasst ab vom Ziegelstreichen und von
egyptischer Dienstbarkeit und vom Morde der geistvollen Knäblein und wollt und
könnt ihr nicht Es wird ein Moses kommen der uns nach Kanaan führt wo Milch
und Honig fleusst
                                       
    Dass das Studiren tröste hab ich erfahren Der einzige Trost in der Welt
wenn ja die Welt Trost hat liegt in den Wissenschaften Selbst die
Unvollkommenheit unseres Wissens ist tröstlich die edle Art uns zu zerstreuen
die den Wissenschaften eigen ist hat weder die Welt noch etwas das in der Welt
ist  Die Wissenschaften allein können zerstreuen  In ihnen liegt Lehr und
Trostamt eines guten eines heiligen Geistes den der Vater in unsern letzten
Tagen gesendet hat denen zur Stärke welche ob dem Jammer ob dem Elend dieser
im Argen liegenden Welt darnieder liegen Wir haben die Natur die Freiheit
verlassen und uns selbst in die Festung gebracht Die Wissenschaften sind da um
uns wenigstens in der Festung eine gute Aussicht zu verschaffen um uns die Zeit
zu vertreiben
    Studiren ist eine Art von Geisterseherei eine Empfindung höherer Kräfte
ein Vorschmack des Himmels  Die Alten welche die Ideen der andern Welt nur
für schöne Träume hielten wussten nicht wie dieser Trost eigentlich mit den
Wissenschaften verbunden war wo er eigentlich zu Hause gehöre
    Übrigens hängt dies Leben an einem seidenen Faden Wir leben nur einmal
wir haben nur eine Seele zu verlieren Ein Mensch der im Himmel das heißt
überall nur im Planeten Erde nicht zu Hause gehört sollte aus Paris London
Rom Athen sein Unser Wandel ist im Himmel Wir wollen Herzhaftigkeit haben aus
Gottes Welt aus uns selbst zu sein
    Den Menschen kennen lernen heißt den besten Teil der Wissenschaften
gewählt haben Das soll nicht von uns genommen werden Wenn uns alles verlässt
behalten wir uns doch
    Ich werde noch Gelegenheit haben von meinem akademischen Lebenslauf ein
Wörtchen zu geben Will man dies Wörtchen in Rücksicht dass das Studiren eine
Art von Geisterseherei ist so übersetzen ich werde einen Geist erscheinen
lassen Auch gut Einen guten Geist versteht sich Alle gute Geister loben Gott
den Herrn
                                       
    Ich verließ wie es meinen Lesern nicht unbekannt sein kann Gretchen eben
zu einer Zeit da sich der Justizrat Nathanael zwei Stunden zuvor in dem Widdem
Pastorat anmelden ließ Meine Leser wissen dass ich Gretchen bat ihn zu
grüßen und dass sie dagegen fragte mich  Ich küsste Gretchen nicht da ich von
hinnen zog wohl aber da ich vom besonderen Grafen kam wenigstens glaub ich
es so  Nichts war mehr zu vermuten als dass sich der Justizrat seiner
Anmeldung gemäß einfinden würde  Auf die Verlobung folgt die Hochzeit wenn
kein Einspruch geschieht wenn nicht wo der Wagen bricht oder andere
Hindernisse sich in den Weg legen Nathanael kam wohlbehalten in das Wirtshaus
in L  aus welchem er zuvor Kundschafter sandte ob ich auch wirklich schon
abgereist wäre Und da er Ja zurück empfing kam er mit einer ganz frisch
aufgepuderten Perücke und so stattlich ausgeziert dass der Prediger sehr um
Verzeihung bat dass er ihn so alltäglich fände Meine Leser wissen zwar schon
dass er seinen Erlass erhalten allein dies war ein Wort aus gutem Herzen das
auch oft zur Unzeit fällt Nathanael war jetzt da er seine Aufwartung in L 
machte auf das alleruntertänigste Gesuch um seinen Erlass noch nicht beschieden
und konnt auch noch nicht beschieden sein Das erste und letzte Wort des
Nathanael war Mine Und dies schien die einzige Ursache warum Gretchen auf alle
seine Fragen antwortete Er ließ sich das Grab zeigen und weinte herzlich wie
Petrus da er seinen Meister verraten hatte Da ihm Gretchen die Stelle in
s Testament auf die Erinnerung des Predigers von selbst tat sie es
nicht zeigte »Sag ihm wenn du ihn in dieser Welt sprichst dass ich ihm von
Herzen vergeben habe« weint er so heftig dass er die Hände brach und sich an
die Stirn schlug ohne seine aufgepuderte Perücke und die stattliche Verzierung
zu bedenken womit er ausgerüstet war Der Prediger hatte sein ganzes Trostamt
nötig um ihn wieder ins Geleise zu bringen Mein Gruß den ihm Gretchen warm
bestellte kostete ihm neue Tränen allein er tröstete ihn auch Die Predigerin
selbst lief nicht mehr vor ihm Seine Tränen hatten sie aus dem andern Zimmer
herbeigelockt Nathanael konnte nicht aus L  kommen Jetzt bedauerte er dass er
zwei Stunden vor meiner Abreise sich melden lassen und nach vieren vor derselben
gekommen wäre Dies alles machte den Nathanael bei den Frauenzimmern erträglich
ohne dass hiebei auf seine mühsame Dekoration gesehen ward die der Schmerz nach
seiner Gewohnheit ziemlich in Unordnung gebracht hatte Man bat den Nathanael
sogar noch länger zu weilen um von Minen und mir erzählen zu können Nathanael
blieb in Mitbetracht des Mondscheins  Seine Bitte war die Erlaubnis s
Andenken in L  öfters feiern zu dürfen die ihm selbst von der Predigerin
bewilligt ward Ohne Tränen aber nicht fügte diese gute Hanna hinzu Zu
befehlen beschloss Nathanael und fuhr seine Straße weinerlich Der Prediger
Hanna und Gretchen begleiteten ihn bis  an den Mond hätt ich bald geschrieben
 bis ins Freie Alle sahen auf s Grab und es kam jedem so vor als wenn
der Mond hier ganz besonders sich hingewandt und es beblitzet  Was meinst du
Einzelner es ist doch gut wenn man Freunde nachlässt die beim Mondschein nach
unserem Grabe sehen  Nathanael der ohne dass Gretchen es empfunden so oft es
die Tränen nachgeben sein Auge nicht von ihr gelassen war so erbaut von allen
diesen Vorgängen dass er  weg war Am Heck sang ein Bauernmädchen ein bekanntes
Volkslied in gleich bekannter Melodie indem sie das Heck öffnete
Der Mond scheint hell
Der Tod reitt schnell
Feins Liebchen graut dir auch
    Das fehlte noch dem Nathanael um von ganzer Seele seinen Abschied zu
wünschen und einem Plan nachzuspüren in den Gretchen mitgehörte Nathanael
wiederholte seinen Besuch ohne sich weiter melden zu lassen Gretchen blieb
wie sie stand und ging Vater und Mutter bedachten die erneute Perücke des
Nathanael und sein sonstiges Schnitzwerk und halfen sich nach Gretchens
Nachlässigkeit machte Nathanael noch verliebter Mine und ich blieben die
Hauptmaterien Nathanael kam auch der Ermahnung der Hanna nie ohne Tränen
nach indessen wußt er je länger je mehr es so einzurichten dass er Gretchen
einen begehrenden Blick zuwandte den Gretchen nie auffasste Sein Funke zündete
nicht Jetzt war die Erlassung gekommen die keinem in Preußen schwer wird und
wäre Nathanael das A und O in Staatssachen gewesen da er es doch jetzt nur im
JustizKollegio war Der König von Preußen hält keinen  »Wenn der Tod ihn
will muss ich nicht auch wollen« ist sein königlicher Grundsatz  Ein König
muss sich zu allem gewöhnen lernen so wie sich alles zu ihm gewöhnt
    Mit einer Freude die ihres Gleichen nicht hatte kam Nathanael nach L 
entdeckte dem Prediger sein Vermögen zu einem kleinen Gütchen ohnweit L 
angelegt zu haben und hatte ohne Promemoria Herz genug dem Prediger sein
Anliegen näher zu legen Nathanael war diesmal noch geputzter wie je obgleich
ihm schon zuvor nichts abging Der Prediger erwiderte diesen Antrag in
Erwägung zu nehmen und Nathanael trat ab wie alle Parteien wenn die Richter
in ihren Sachen erkennen wollen Der Prediger trug Frau und Tochter mit einer
kleinen Anrede die Sache vor und kleidete alles in eine wohlgemeinte Rede über
die Worte ein Willst du mit diesem Manne ziehen Da ging Gretchen über manchen
unverständlich gebliebenen Blick ein Licht auf Hanna hatte tausend
Bedenklichkeiten die aber alle tausend in den Umstand zusammen kamen dass ich 
Gretchen ward rot  Nun sagte der Prediger wenn das ist desto besser ich
bin ihm wegen meiner Sünde wider den heiligen Geist tausend Verbindlichkeiten
schuldig Er hatte schon längstens den Erfolg seines Auftrags in Händen  Wenn
er mit dir so umgeht wie mit dieser Abhandlung hast du gewonnen Spiel Fein
Papier Der schönste Druck  Die Recensenten werden wider diese Verbindung kein
Wort haben Der Beschluss war dem Justizrat Nein zu schreiben weil Gretchen
mit mir eins wäre  Nathanael hatte gebeten ihm sein Urtel schriftlich
zuzusenden welches er als publicirt ansehen würde und war voll Erwartung der
Dinge die kommen sollten heim gereist Den andern Morgen fiel dem Prediger
die Frage ein ob ich denn wirklich mit Gretchen eins wäre Und da man alles
zusammenhielt fand man mich in weitem Felde  im weitesten  Es gibt nicht
alle Tage Natanaels sagte der Prediger der diesen ganzen Vorfall seinem
Bruder zu referiren und die Sache seinem Schiedsspruch zu überlassen antrug
Hanna trat bei und bat nur das Testament in dieser Relation abschriftlich
beizufügen als ein Dokument woraus ganz deutlich hervorginge dass ich Gretchen
heiraten müsse
    Der Haupteinwand den Gretchen aber für sich behielt war dass obgleich sie
mit zwei Accenten verlangt dass ich wenigstens noch einmal nach L  kommen
sollte ich doch in so langer Zeit nicht gekommen   Zwar hatt ich
geschrieben allein da war auch keine Spur die dieses Obgleich heben oder nur
mindern können
    Ein Brief von mir an Gretchen der meine Reise nach Göttingen eröffnete gab
allem eine andere Wendung Der Prediger sah diesen Brief als eine göttliche
Schickung an Die Predigerin selbst war der Meinung dass die Relation nicht
abgehen dürfe Er hat doch keinen Amtswachtmeister mehr setzte Hanna hinzu und
Gretchen Sie hätte freilich bedenken können dass ihre Eltern arm wären und ihre
Mutter noch obenein lindenkrank allein dies war ihr wenigster Kummer Es ist
nicht die einzige und sichere Art Mädchen durch Schmeicheleien zu fahen Man
sollte kaum glauben was in einem unbefangenen Weibsbilde Raum hat Eine
Großmut die über allen Ausdruck ist Ich getraue mir zu behaupten dass man ein
Mädchen durch Beleidigungen eben so weit bringen kann als durch Liebkosungen
Wenn nicht Curländer geradeüber gewohnt und ihr Herz durch buhlerische Blicke
verdorben haben was kann sie nicht Wisst ihr Freunde wer die größten
Menschenfeinde sind Die denen die Menschen am meisten Gutes getan Diese
Beglückten empfinden ihren Unwert sie wissen am besten durch was für Wege sie
sich dies und jenes erschleichen und eben dies macht sie zu Menschenfeinden 
Unglück Freunde das man duldet leitet uns oft zur genauesten Menschenliebe 
Daher Freud und Leid Sarg und Hochzeitbette so nahe verwandt Nichts ist
natürlicher als dass Gretchen Ja sagte Sie hätt es gesagt wenn gleich
Nathanael nicht so geweint als er getan wenn er gleich den Abschied nicht
genommen Gut ist gut allein besser ist besser Einer der Busse tut ist
besser als neunzig die der Busse nicht bedürfen  Ehe es sich noch schickte
die Bedenkzeit zu schließen wiewohl alles schon bedacht war erschienen Se
Hochgeboren der hohe Eingepfarrte mit einer Anwerbung  auch für Nathanael
Das Natanaelsche Gütchen stieß an eines des Grafen Wer viel im Himmel haben
will muss sorgen dass die Welt fruchtbar sei und sich mehre Man gab um alles
fein und schön zu machen dem Grafen die Einwilligung mit und siehe da
Nathanael und Gretchen ein Paar  Eins hätte Gretchen sich gern ausbedungen
wenn es sich geschickt hätte Sie wünschte dass Nathanael der sonst eben nicht
unleidlich war seine Haare wachsen oder sie wenigstens mit seiner Perücke so
verheiraten möchte dass man nicht wüsste obs Natur oder Kunst eigen Haar oder
Perücke wäre Die Natur trägt ihr eigen Haar Solche Wünsche heben in der Ehe
sich von selbst Das Weinen ließ dem Nathanael wie Hanna versicherte nicht
übel Die erweinte Röte welche sich von einer andern ungefähr wie das
Taufwassergrün vom andern unterscheidet gefiel Greten selbst Über das Weinen
ließ sich Hanna aus »Es kleidet wenigen Leuten Lachen steht fast allen gut
darum lassen sich die Menschen fast alle im Lächeln malen«  Wer war
glücklicher als Nathanael Dass du es noch immer seist gutes Paar ich wünsch
es von Herzen Gretchen bestand darauf dass die Verlobung auf s Grabe
geschehe Man bat mich schriftlich um diese Erlaubnis und ich bewilligte sie
mit einem Seufzer der aber bloß Minen zugehörte Gretchen schrieb »damit auch
ein Engel des Herrn dieser Verlobung beiwohne« Der Graf fand dieses so
originell dass er sehr bedauerte nicht auch auf diesen Fuß sich verlobt zu
haben Der Prediger schenkte seinem Schwiegersohne zwei Autorexemplare von der
Abhandlung die auf extrafein Papier gedruckt waren und fragt ihn was für
Bände in seiner Bibliothek hervorstächen »Lieblingswerke broschirt ohne Glas
und Rahmen am wenigsten goldnen« indessen schien der Prediger zu wünschen dass
er mit diesem Werklein eine Ausnahme von der Regel machen und ihm eine
schwarzcorduane Uniform anziehen mögen  Nathanael hätte das Werk auswendig
gelernt so lieb hatt er Gretchen Ein schwarzcorduanes Kleid war das wenigste
was er daran wenden konnte
    Nachdem alles von Seiten der Verlobten Ja und von Seiten des Predigers und
seiner Hanna Amen war und man sich wie doch im Brautstande gewöhnlich das
Herz ausschüttete erschien auch ein Teil von der geheimen Abschiedsgeschichte
des Justizrats Er entschloss sich freilich auf frischer Tat nicht mehr zu
richten damit er nicht auch gerichtet würde allein bei alle dem würde
wenigstens der Abschied nicht so schnell gesucht und erfolgt sein wenn nicht
noch ein Umstand dazu gekommen wäre
    Der Justizrat fand wegen verschiedener unrichtigen Beschwerden die man
wider das Kollegium höheren Orts das heißt in Königsberg angebracht bei
seiner Rückkunft einen Revisor bald hätt ich Sequester gesagt das ist ein
Männchen aus einem Kollegio das den königlichen Titel hat wenn es beisammen
ist ein Männchen das den Tag seine drei Reichstaler aus dem Seckel der
Justiz aus der Sportelkasse sich zueignet und jedes einladet seine
Beschwerden über die Ortsobrigkeit anzubringen Besonders dass der König von
Preußen den Militärpersonen wenn gleich sie excellent sind das ist hier zu
Lande der Feldherr vom Generallieutenant an sein Bild nicht anhängt und ihnen
den königlichen Titel verleiht dagegen im Civildienst oft an einem Ort vier
Stück Könige regieren oder Kollegia die den Namen ihres Königs unnützlich
führen Ein König über den andern  Ein Revisor ist ein einzelnes Mitglied aus
einem dergleichen mit dem königlichen Namen begabten Kollegio Ein Postillon
ohne Horn Solch ein Postillon ist indessen im Kollegio zu sehr gewohnt alle
Augenblick ins Horn zu stoßen und durch Wir Friedrich von Gottes Gnaden etc
sich Platz zu machen als dass er nicht auch ohne diesen Ordensfaden sich
einbilden sollte er sei etwas Mutwillige Knaben machen mit der Hand das
Postorn so nach dass man glauben sollte die Post käme Jeder Mann denkt sich
unter einem Richter einen Ältesten im Volke und es ist nicht zu leugnen dass
es auf zehn Jahre in oder außer dem Wege sehr viel beim Richter ankommt Von
dem Geburtsbrief vom Taufschein unseres Revisors war der blanke Streusand noch
nicht abgerieben Er konnte ungefähr dreiundzwanzig Jahre haben und war also
sehr zeitig zur Landesregierung gekommen Dieser Jüngling hatte die juristischen
Kollegia durchlaufen wie ungefähr ein Hofmann ein Puderstübchen damit nur ein
feiner Septemberreif kleben bleibe  So viel war dem Revisor auch kleben
geblieben Stolz feurig indessen in Gedanken Gebärden Worten und Werken Er
rühmte sich einen glücklichen Aktenblick zu haben Das hieß Er las die Akten
nicht ganz sondern schweifte nur umher hüpfte sie nur durch und doch sagt
er find ich die rechten Stellen die verba probantia den physiognomischen
Fleck  Gott erbarm sich dessen der sein Wohl und Weh so aufs Spiel setzen
muss Ein Schurk anderer Art war er obenein nach der Weise des
Ehegerichtsrats der den Ritter und die Curländerin schied und Kläger
Richter Henker in einer Person war Er ließ sich so klar und offenbar
bestechen dass kein Mensch es gröber machen konnte und eben diese Grobheit war
Feinheit Er borgte nämlich von allen Menschen Geld und gab es nicht wieder
oder besser man fordert es nicht Das nenn ich einen Bock zum Gärtner setzen
Unser juristisches Genie war dem A und O im Kollegio wie auf den Leib gebannt
An keinem kleineren als ihm wollte der Knabe zum Ritter werden
    Wo gewesen
    Auf königlicher Kommission
    Und die Akten
    Beim Prediger in L 
    Als Mitcommissarius
    Nein
    Warum denn
    Damit er der Regierung Bericht erstatte
    Desto besser
    Nathanael erzählte dem Postillon ohne Horn sehr gerade den Vorfall und
zeigte ihm das Promemoria das er allein zurückbehalten Der Revisor bestand
darauf dass er wieder zurück nach L  sollte Er selbst wollte mit um diese
Sache zu ergründen Mine kam ihm als die feinste Betrügerin vor Sterbend hin
sterbend her sagte der Revisor An diesem Herodes an diesem Zaunkönig hatte
es auch noch gefehlt  Einige dringende Beschwerden derer die von den Straßen
und Zäunen geladen waren hielten diese Reise auf und eben da er hin wollte
kam die Nachricht und der Bericht zur Unterschrift dass Mine im Herrn
entschlafen sei  Der Revisor behauptete Mine hätte Gift genommen da er die
unzulänglichen Aktenstücke las Solch einen trefflichen Überblick hatte er 
Zwar ließ er auf die Vorstellung des Natanaels die Obduction die er anfänglich
durchaus veranstalten wollte nach indessen konnte Nathanael es nicht hindern
dass der Revisor auf zehn Bogen Papier diesen Vorfall auseinander setzte um
denen die ihn gesandt hatten zu zeigen was geschehen wäre und was nicht
geschehen wäre und was geschehen können und was geschehen sollen
    Da kam eine Wittwe die sich beschwerte man hätte zu viel Stempelgebühren
von ihr genommen  Akten schrie der Revisor und setzte auseinander was bei
dieser Sache versehen wäre Nun fand er zwar dass nach der Verordnung mehr
Stempelgebühren genommen werden sollen die auch das arme Weib nachbezahlen
musste allein nebenher setzte er die Fehler ins Licht welche bei dieser Sache
vorgefallen Akten waren nicht gehörig geheftet nicht gebührend foliirt das
Rubrum war falsch und hätte auch größer geschrieben werden müssen Lateinische
Worte die man schon besser als die deutschen verstand verdeutschte er und das
mit einer Randweisung in Zukunft des gemeinen Mannes wegen sich so viel als
möglich der deutschen Sprache zu bedienen Wo er Termin fand setzte er
Tagfahrt wo Koncurs Brodel usw Die tausend Kleinigkeiten welche der
Revisor zu moniren fand zeigten eben so wie der blanke Streusand auf dem
Geburtsbriefe ziemlich deutlich dass er nicht sehr lange aus dem ABC heraus
wäre
    Der Wittwe wurden alle diese Erinnerungen und Weisungen wiewohl ohne
Stempelpapier gegen Bezahlung der Kopialien zugefertigt und anstatt dass sie
herausbekommen sollte musste sie VRW noch das zu wenig genommene
Stempelpapier und die Kopialien für den Revisionsbescheid zuzahlen Schwerlich
wird sie mehr klagen Ich wollte sagte sie für meine Tochter die eben
heiratet zu einem silbernen Speiselöffel aus den Akten heraus haben und muss
in die Akten einen silbernen Vorlegelöffel dazu geben
    Das war fürs Promemoria dacht unser guter Nathanael Wen Gott lieb hat
den züchtigt er auf frischer Tat wie jeder gute Vater seinen Sohn Wenn ich
meine Rüben pflanze wie angenehm wird es mir sein gebüßt zu haben   und
beim vermissten Frühoder Spätregen nicht denken zu dürfen fürs Promemoria
Wahrlich Nathanael war hiebei auf keinem unrichtigen Wege Mein Vater pflegte
zu sagen es muss jedem klugen Menschen und auch der kann ein Sünder sein eben
so angenehm sein zu büßen als zu sündigen  Die bittersten Erniedrigungen in
Gegenwart der andern Mitglieder des Kollegii und der Subalternen kränkten den
Nathanael das A und O am meisten Selten ist ein Unglück allein Der Director
des Justizcollegii starb aus Furcht unfehlbar Furcht ist eine Krankheit
welche den größten Teil der Menschen nach der Liebe dahinrafft Es ist die
Seelengicht Unser Revisor hatte einen adlichen Referendarius Auscultator was
weiß ich wie solch ein Zögling recht heißt mit Man kann sich vorstellen wie
alt dieser gewesen da er an der Brust des Revisor lag Nach dem Vorschlage den
der Revisor denen die ihn gesandt hatten tat und der durchaus genehmigt
ward sollte dieser Säugling von unserm Revisor als Interimsdirector eingeführt
werden Nathanael hatte wider diesen Director den Spruch »aus dem Munde der
jungen Kinder« und die Stelle Jesaia drei der zwölfte Vers »Kinder sind
Treiber meines Volks und Weiber herrschen über sie« gemissbraucht Die Folge
war grüne Galle bei der Introductionsrede und außer ihr noch ein Anhang mehr
als Galle Der Interimsjustizdirector machte den Revisor mit den Benachbarten
vom Adel bekannt  Das war ein Leckerbissen für seinen Stolz ein Kitzel für
seinen Gaumen der Revisor war nicht von Adel Jedem seiner adlichen Wirte
sagte der Revisor die Spöttereien über das Justizcollegium vor die er in seiner
Einführungsrede angebracht und zum Schluss der adliche Wirt mochte lateinisch
verstehen oder nicht
cognovit bos et asinus
quod puer erat dominus
Der Justizrat hat ihn aus der Bibel beleidigt der Revisor schlug ihn aus dem
Gesangbuche Diese Strophe ist aus dem Liede Ein Kind geboren zu Bethlehem
Puer natus in Bethlehem und heißt nicht wie wir singen das Oechslein und das
Eselein sondern der Ochs und Esel erkannten dass der Knabe Herr war Ob nun
gleich Nathanael nicht wusste wie er und sein Kollege aus zwei Räten bestand
das Justizcollegium sich diese beide Prädicate verteilen sollten so waren
doch beide Ehrentitel nicht viel auseinander Beide Leute hörten ganz laut
diesen Zusatz erzählen obschon der Revisor ihn nur jederzeit ins Ohr gesagt
hatte Wieder ein Genieblick von unserm Revisor Der Adel nimmt Recht beim
Justizcollegio
    Der Mensch besteht aus Leib und Seel äusserlichem und innerlichem Sinn und
bedarf also immer etwas von innen und etwas von außen wenn er zum Ziel kommen
soll ohne einen Schlag ans Herz etwas ad hominem bleibt die speculativische
Demonstration ein Luftschloss Fast sollte man glauben dass die Sinnen die
anfangen auch vollenden Allerseits und Amen sagen Selbst zu Entschlüssen
wenn nichts ans Herz kommt wie schwer die Geburt Wen Gott lieb hat dem gibt
er außer dem schweren Buche noch ein Handbuch außer der Bibel einen
Katechismus außer den höheren geistigen Gründen einen mit Fleisch und Bein 
außer tiefer Wissenschaft  Dichtkunst
    So mit unserm Justizrat s Geschichte erregte den Entschluss Du kannst
hinfort nicht mehr Haushalter sein Der Revisor macht ihn lebendig
    Bei diesen Umständen verdachte der Prediger in L  selbst nicht dem
Nathanael dass er sein Amt niedergelegt und eine Zeit der Ruhe der Heiligung
angefangen Lieber Nathanael wenden Sie Ihre Zeit gut an und Gott segne Ihre
Studia Der königliche Rat dem ich gelegentlich diesen Vorfall erzählte war
so wenig über diesen Vorgang außer sich dass er vielmehr obgleich er selbst ein
Stücklein König war nichts mehr tat als die Achseln ziehen  Der Entschluss
des Natanaels war so nach seinem Sinn dass auch er sich wie man deutlich sah
nach dieser Erlösung sehnte
    Gretchens Hochzeit ward meinetalber zeitiger veranstaltet als es wohl
sonst nach der Sitt im Lande hätte geschehen können wofür mir glaub ich
Braut und Bräutigam wiewohl mit dem Unterschiede verbunden waren dass der
Bräutigam allein sich dies Verbunden sein merken ließ  Ich kam ein paar Tage
vor dem Hochzeitstage Gretchen sobald sie mich sah küsste mich so aus
Herzensgrund und ich sie wieder dass Nathanael auffuhr  Sie ließ ihn und kam
zu mir Dem Nathanael war hierbei eben so übel als bei der Revision zu Mute
und was das ärgste war so durfte er sich dies nicht einmal merken lassen 
Jeder das sah er ein würd ihn wegen seiner Eifersucht ausgelacht haben An
einen Abschied war hier ohnedem nicht zu denken Er liebte Gretchen unendlich
Anfänglich affectirt er dabei so eine Heiterkeit dass man gar nicht wusste wie
ihm geworden Bald darauf ward er unruhig Er schien nicht aus noch ein zu
wissen Wenn ich mit ihm allein war fragt er mich ohn Ende und Ziel wenn ich
denn gedächte Preußen zu verlassen Und ohne mich zu nötigen auch nur einen
Tag länger zu bleiben war wieder ein Wenn da Sobald mir über diese Eifersucht
die sich jetzt in eine ungewöhnliche Höflichkeit gegen Gretchen auflösete nur
das erste Licht aufging dacht ich auf Mittel den armen Nathanael zu heilen 
Ists nicht eigen dass man den Eifersüchtigen allein durch Affectation beruhigen
kann Ich fing an gegen Gretchen mich zu zwingen und da sie sich darüber
beschwerte sucht ich für den Justizrat auf eine so gute Art alles zum Besten
zu kehren dass er von Stund an anders zu werden anfing Ganz kam er nicht ins
Geleise obgleich er nicht mehr wenn fragte
    Der Graf konnte so wenig wie sein an Brudersstatt angenommener Bedienter
auf die Hochzeit kommen Etwas Sterbendes hielt ihn ab Gern hätt ich ihn zu
Kana in Galiläa gesehen  Und der königliche Rat Auch er nicht Er hatte
einen Revisionsauftrag erhalten So viel weiß ich dass er keiner Wittwe außer
dem eingebildeten Gewinnst eines silbernen Esslöffels einen Vorlegelöffel von
der Seele revidirt haben wird
    Gretchen hatte von jeher auf ein stilles kleines Hochzeitmahl bestanden
Ihre Mutter war zu diesen Wünschen eine Mitursache Wir sind in Trauer sagte
sie zum Justizrat und sah mich an Einige der Eingepfarrten indessen mussten
geladen werden und hiezu war der 14te  angeordnet Den 13ten  des Morgens
gingen wir alle zusammen ins nahe Wäldchen und kamen so heiter zurück dass wir
Gretchen Nathanael und ich auf den Gedanken fielen heute stehenden Fußes den
geschürzten Knoten zuzuziehen Der Prediger hatte Bedenklichkeiten unfehlbar
war er mit der Hochzeitrede noch nicht fertig Er gab indessen nach da er
unsere vereinigten Wünsche merkte Gretchen und ich gingen zur Mutter was
konnte die uns beiden abschlagen Während der Zeit dass der Prediger sich in
seine Reverende setzte und an seine Traurede dachte ward nach dem Organisten
und ein paar Dorfältesten gesandt wozu noch ein Verwandter des Justizrats der
schon den 12ten  angelangt war stieß Es war ein königlicher Amtmann Pächter
eines Domänenguts Gretchen fragte den Nathanael ob sie ihren Brautschmuck
anlegen sollte  Den können Sie nie ablegen erwiderte der galante Bräutigam
Wir baten alle Gretchen möchte bleiben wie sie wäre und diese Bitte machte
uns wenig Mühe weil sie selbst dazu geneigt war Sie blieb und die Natur
selbst hätte sie nicht besser putzen können als sies war Seht die Lilien auf
dem Felde Und Salomo war nicht gekleidet wie derselben eine  Wahrlich
Gretchen war eine schöne Feldblume  Wie schön sie da stand Nathanael konnt
es ohne Puder nicht lassen sonst konnt er seiner Galanterie keine Elle mehr
zusetzen er war wie aus einem Putzkästchen gezogen  Der Amtmann war nicht im
Stande sich aus seinem Erstaunen heraus zu finden Er hatte sein Kleid mit den
goldbesponnenen Knöpfen noch nicht herausgepackt und nun war es zu spät Der
Organist bat um Verzeihung dass er kein hochzeitliches Kleid anhatte und
während aller dieser Dinge kamen die Begleiter zu Hauf Gretchen bat mich um
Blumen die ich ihr zitternd brachte ich hätt ihr gewiss keine gepflückt wenn
sies nicht selbst verlangt hätte Sie nahm diese Blumen mit einem Blick
entgegen der mir durchs Herz ging und steckte sie sich warm von meiner Hand
an den Busen Nathanael war zu andächtig um darüber eifersüchtig zu werden und
der Blumen halber zur Frage wenn Gelegenheit zu nehmen  Nathanael ging mit
seiner Braut ich mit der Predigerin der Prediger mit dem Amtmann ohne die
goldbesponnenen Knöpfe dann Gretchens beide Brüder ein paar Primaner die
beiden Dorfältesten machten das letzte Paar Der Organist war voraus gelaufen
um uns mit einigen seiner Schüler zu bewillkommnen An s Grabe standen wir
einige Minuten still als wenn wir uns ausruheten In der Kirche trafen wir eine
ungebetene Versammlung der man es ansah dass sie mit dieser Eilfertigkeit nicht
völlig zufrieden war Vielen sah man an dass sie auf die erste Nachricht sich zu
putzen angefangen und in diesem gutgemeinten Bestreben zu Gretchens Ehrentage
etwas beizutragen gestöret worden Es war nicht halb nicht ganz Die Töchter
der Dorfältesten stachen durch grünes Band hervor indessen waren auch selbst
sie nicht fertig Der goldbesponnene Knopf fehlte ihnen so gut wie dem Amtmann
Die Töchter der Dorfgeschwornen hielten einen Kranz den sie Gretchen eben da
sie in die Kirche trat aufsetzten Der Organist der entweder auf ein Präludium
nicht denken können oder der dem Gesang durchs Präludium nicht zu nahe treten
wollte fing bei unserm Eintritt singend und spielend an
Was Gott tut das ist wohlgetan
Es bleibt gerecht sein Wille
Eben so begann s Begräbnis  und diese Erinnerung wie bewegte sie mich
    Der Prediger war gerades Weges auf den Altar gegangen  Wir andern standen
rund herum  Nach den Worten
    Darum lass ich ihn nur walten als den letzten des Gesanges fing er so zu
reden an als ob er sich mit uns unterhalten wollte
    »Hätten Sie sichs wohl vorgestellt lieber Freund« so ungefähr war sein
Anfang »dass Sie was Gott tut das ist wohlgetan in unserm lieben L  bei
einer Hochzeit singen würden« Eben wollte ich antworten nimmermehr lieber
Pastor da er feierlicher fortfuhr »Und doch lag dieses Was Gott tut das ist
wohl getan in jenem Was Gott tut das ist wohl getan«
    Der gute Mann hatte sich das merkte man vorgesetzt über Minchens
Leichentext siehe ich komme bald halt was du hast dass niemand deine Krone
nehme auch seine Hochzeitsrede zu halten allein es fehlte ihm just so viel
Zeit um seiner Rede die goldbesponnenen Knöpfe anzusetzen Sonst war sie
fertig in sechs Stunden wäre alles angeheftet gewesen und wir hätten gesehen
wie dieser Text eben so gut für s Tod als für Gretchens Hochzeit in der
Offenbarung Johannis des dritten Kapitels eilften Vers stünde
    So gut es indessen dem Amtmann und den beiden Töchtern der Dorfältesten
ließ eben so gut stand es auch dem guten Pastor Was ihm an gerundeten Perioden
abging ersetzte er durchs Herz und ich hätte um vieles nicht diese
Hochzeitrede mit der grundgelehrten Abhandlung von der Sünde wider den heiligen
Geist vertauscht obgleich diese Abhandlung beseilt und beschliffen war und in
zwei gleichlautenden und gleichgebundenen Exemplaren in der Bibliothek des
Bräutigams stand Zehnmal schien es mir so dass es der Prediger dazu anlegte
mit diesem oder jenem unter uns ein Wort zu wechseln Es lief indessen allemal
so ab wie mit mir beim Anfange Zuletzt hatte er sich zu tief in seinen Spruch
ich komme bald verwickelt oder war es väterliche Rührung Kurz ohne Übergang
nahm er seine Agende und las
        »Lieben Freunde in dem Herrn
    Gegenwärtige beide Personen wollen sich in den Stand der Ehe begeben«  und
so weiter
    Dies Formular alt und wohlgemeint war mir darum so rührend weil ich mich
all Augenblicke befragte wenn du da so mit Minen stündest
    Der Prediger erzählte uns nach der Trauung dass bei Hauscopulationen die in
Preußen sehr häufig wären gemeinhin das Formular verbeten würde und zwar wegen
des Fluchs und Segens des heiligen Ehestandes der in diesem Formular so ehrlich
als nur immer möglich vorgetragen wird
    Ists Wunder dass Gott denen den Ehesegen entzieht deren zu feine Ohren die
Ehestandsbeschwerden nicht einmal in der Kirchenagende ertragen können Leute
denen die Bibel zu herb ist Gottes Wort was für einen schwachen Kopf und Herz
müssen die haben
    »Und Gott der Herr sprach es ist nicht gut dass der Mensch allein sei«
    Das ist ein Wort in allem Verstand anwendbar Es ist nicht gut dass der
Mensch allein sei  Selbst im Sterben würde der Graf wiederholen ists nicht
gut dass er allein sei Selbst auf dem Kirchhofe würde der Totengräber
hinzufügen
    Der Prediger machte in seiner Rede die Anmerkung dass die Kopulation vor dem
betrübten Sündenfall ganz anders gewesen wäre und manche setzte er hinzu die
vielleicht den betrübten Sündenfall am deutlichsten an sich tragen wollen
durchaus eine paradiesische Kopulation und kein Wort aus dem dritten Kapitel des
ersten Buchs Mose sondern alles hübsch und fein alles aus dem zweiten Kapitel
Wie kann das aber  Freilich erschrak das aus dem Paradiese getriebene Paar
über das dritte Kapitel so sehr dass da Gott ihnen Kleider von Fellen machte
sie solche in der Verwirrung nicht einmal anzuziehen verstanden er zog sie
ihnen an heißt es Die meisten unserer angehenden Eheleute hätten weniger
Ursache diesem Kapitel durch eine Hauscopulation und Weglassung der Agende
auszuweichen da sie vom Stande der Unschuld keinen Begriff haben
    Meine Leser sind in der Kirche zu L  schon so bekannt wie ich selbst und
wissen dass die Kirche nie anders als nach einem Lobgesang geschlossen wird Wie
beim Begräbnis ward nach der Kopulation gesungen »Nun danket alle Gott«
    Nach diesem Gesang betete alles vor dem Altare Die Braut hatte wie es
sonst wohl etwas ungewöhnliches ist keine einzige Träne geweint  Nach dem
Gebet traten die beiden Töchter der Dorfältesten hinzu und wünschten Gretchen
alles aus dem zweiten Kapitel  Die edle Einfalt dieser Wünschenden war
rührend so wie es alles Edeleinfältige ist Gretchen und die Mädchen waren
Jahreskinder Milchschwestern zusammen in die Kinderlehre gegangen und zusammen
confirmirt oder wie es in Preußen heißt eingesegnet Gretchen wünschte dass
sie auch bald Gelegenheit haben möge ihnen beiden so Glück zu wünschen  Die
Mädchen hatten Tränen in den Augen und man sah es ihnen an dass es Tränen der
Liebe waren Gretchen küsste sie beide und nun gingen sie zum größeren Haufen
zurück der in der Entferung geblieben war
    Es ging alles wieder paarweise so wie es gekommen war An s Grabe
streute Gretchen die von mir erhaltenen Blumen hin  Sie warf sich nieder
schwerlich hätte sie dies tun können wenn sie in hochzeitlichem Schmuck
gewesen wäre und weinte als ob sie bis hieher ihre Tränen aufgespart hätte
Der schwerfällige Justizrat setzte sich  ich kniete  Der Prediger und seine
Frau hatten sich umfasst  Die beiden Dorfältesten standen von ferne Wir
weinten alle Das neue Paar weinte mit aus dem dritten Kapitel Es war rührend
Ihr sah man die Worte an »Ich will dir viel Schmerzen machen wenn du schwanger
wirst du sollst mit Schmerzen Kinder gebären und dein Wille soll deinem Manne
unterworfen sein und er soll dein Herr sein« Ihm die folgenden Verse
»Dieweil du hast gehorchet der Stimme deines Weibes und gessen von dem Baum
davon ich dir gebot und sprach du sollst nicht davon essen verflucht sei der
Acker um deinetwillen mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Lebenlang
Dornen und Disteln soll er dir tragen und sollst das Kraut auf dem Felde essen
Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brod essen bis dass du wieder zur
Erde werdest davon du genommen bist denn du bist Erde und sollst zur Erde
werden«
    Mir war nur Minchen in Herz und Sinn
    Die ungebetene Versammlung hatte noch das Postludium des Organisten gehört
der sich weil wir nicht mehr darin waren mit Manual und Pedal hören lassen 
Jetzt kam der ganze Haufen und blieb stehen Allen und jeden sah man auf den
Gesichtern Du bist Erde und sollst zur Erde werden
    Genau genommen lieben Freunde ists all eins taufen sterben heiraten
Mensch du bist Erde und sollst zur Erde werden Nach dieser Szene kamen wir in
die Widdem Das neue Paar fiel sich in die Arme  Man sah wie es sich liebte
Von Stund an ließ Gretchen nicht mehr ihren Nathanael Sie nahm mich nicht
weiter Er war der Ihrige  Pflicht Freunde ist sie nicht besser als
Neigung Sicherer stärker wahrlich Sie überwindet den Tod oft weit leichter
als die Liebe allein auch sie wird von der Pflicht überwunden Der Justizrat
fragte so wenig wenn dass er mich jetzt zu bitten anfing doch ja zur
Heimführung zu bleiben Da Gretchen fortfuhr sich ihm ganz zu weihen gab er in
seiner Bitte immer mehr zu  Zuletzt bat er mich im ganzen Ernst gar nicht aus
Preußen zu gehen  Haben Sie nicht hier s Grab setzte er hinzu und
konnte keinen größeren Bewegungsgrund anführen  Doch warum vorgreifend Wir
setzten uns zu einem Mahl so natürlich eingerichtet wie Gretchen gekleidet
war  Wir alle könnt ich fast sagen waren so gekleidet bis auf den
Justizrat der wie ein sauber geschriebenes Urtel in beweisender Form aussah 
Der Prediger bringt mich auf diesen Ausdruck Er hatte den Einfall dass wir
alle wie ein Koncept ein Entwurf aussähen  Wie die Probe sagt ich indem
mir das Lautenconcert einfiel  Der Organist obleich er kein hochzeitlich
Kleid anhatte blieb zum Mahl nur die Dorfgeschwornen nicht obgleich man sie
sehr darum ersuchte Ich erzählte dem Prediger und dem Justizrat was ich bei
dem Glückwunsch der beiden Kranzträgerinnen bemerkt hatte und bat sie
beiderseits sich der Herzen dieser guten Mädchen anzunehmen Dies geschah
unverzüglich  Da kam es denn bald zum Vorschein dass der eine Vater seine
Tochter einem kleinen dicken Pachter und nicht dem raschen Martin der die
Tochter liebte bestimmt hatte der andere wollte sie seiner Schwester Sohn
einem weit schöneren reichern Burschen als Kaspar war zuwenden das Mädchen
aber wollte Kasparn oder keinen Dergleichen Wahleigensinn sollte man ihn wohl
unter Leuten dieser Art vermuten Kunst ist er Von Anbeginn ist es nicht so
gewesen Adam konnte nicht wählen und doch hatt er ein allerliebstes Weib 
Kaspar war indessen ein guter Junge der dem Mädchen mehr zur Hand ging als der
Schwestersohn der seiner Sache sich gewiss glaubte Nathanael und der Prediger
brachten es in kurzer Zeit zum Vergleich Martin und Kaspar waren an dem Tage
da Gretchen Hochzeit hielt die glücklichen Bräutigame Wir werden schon
nacheilen sagten die vergnügten Bursche und Gretchen ward rot was weiß ich
warum Nathanael sah in den Spiegel Ich glaube nicht dass es eben so angenehm
sei in Gesellschaft zu heiraten als zu sterben obgleich ich nicht vom Grafen
zu diesem Glauben aufgefordert bin Ein verliebtes Paar ist Adam und Eva in der
ganzen weiten Welt sie dünken sich die einzigsten Menschen in der Welt zu sein
und sich selbst genug
    Eine Gesellschaft wie diese indessen muss auch bei den Verliebtesten ein
Beitrag des Vergnügens sein Das Dorf kam unserer Hochzeitfreude eben dadurch
näher Es war alles Paar und Paar Die Dorfältesten hatten sich schon längst vor
der Hochzeit festgesetzt dem NathanaelGretschen Myrtenfeste zu Ehren eine
Beifreude zu bezeigen Ein Reihentanz konnt es nicht sein denn sie war aus dem
Stamme Levi und des Seelenhirten eheleibliche einzige Jungfer Tochter Nach
vielem Hin und Herdenken waren sie endlich auf einen ländlichen Gesang
gefallen den zwölf der schönsten Mädchen in weißen Kleidern kurz vor
Schlafengehen absingen sollten Ein junger Bursche hatte diesen Gesang
entworfen der Herr Organist aber wie es hieß hatt ihn stylisirt oder die
Natur verkünstelt Die beiden Kranzträgerinnen hatten große Rollen bei dieser
singenden Mitfreude wobei sich alle zwölf die Hände geben und eine Freudenkette
machen wollten  Hätten die Mitfreudigen und selbst der Censor von den neun
Musen gewusst es wären nicht nach Zahl der Monate zwölf gewesen Unfehlbar aus
denen mehr als zwanzig jungen Mädchen die in die Stelle der Leichenbegleiter
traten nachdem s Sarg vor den Altar gesetzt war
    So ward es beschlossen jetzt aber kam alles in Unordnung Die beiden
Kranzträgerinnen welche die großen Rollen hatten waren aus Text und Melodie
gekommen Niemand wusste ob das Ständchen heut oder morgen gebracht werden
sollte und doch wollte jedermann es so gut als möglich machen Kurz das Dorf
war in Unordnung Diese Unordnung selbst indessen bot Hand zur Freude Die
Freude ist die unordentlichste von allen Leidenschaften Unser Pfarrhaus war
während der Zeit das glücklichste Haus in der Welt Gretchen so ganz und gar des
Nathanael dass sie auch nicht einmal einen Blick für mich übrig hatte Neigung
ist so pünktlich nicht Pflicht aber ist das pünktlichste was ich weiß Der
gute Pastor ließ sich an diesem Tage die Verlagsgeschichte seiner Sünde wider
den heiligen Geist erzählen und war so froh dass er sein Seelenkind so gut wie
Gretchen angebracht Ein wahrer Nathanael von Verleger sagte der Prediger und
feierte ein doppeltes Hochzeitfest Gretchen und ihre Mutter nahmen wie
gewöhnlich keinen Teil an diesem Seelenkinde Nathanael indessen musste wegen
der in schwarz Korduan eingebundenen Exemplare sein Ohr zu dieser Unterredung
neigen Da er Gretchen hatte war ihm schon vieles von diesem Ehrenwerk
entfallen das er als angehender Bräutigam fast wörtlich wusste Gretchens
Mutter war selbst so heiter als wäre sie gar nicht lindenkrank als wäre der
Lindenbaum der so alt wie sie war und der in ihren letzten Wochen ausging
wieder zu Kräften gekommen der Organist so erkenntlich gegen mich wegen des
Schaustücks dass er nicht aus dem Bücken herauskam und so ehrerbietig gegen den
hochedelgebornen Herrn Justizrat dass ich immer besorgte er würde wieder etwas
aus dem Hute lesen obschon er nur auf Begräbnissreden fundirt war der Amtmann
so ins Vergnügen verstrickt dass er den goldbesponnenen Knopf vergessen hatte
Wahrlich man kann auch ohne goldbesponnenen Knopf vergnügt sein Und Gretchens
beide Brüder welche der königliche Rat als die Seinigen in Königsberg erzog
die in eine der besten Schulen gingen wo sie gerades Wegs auf einen
Superintendenten losstudirten  die guten Primaner hatten ein Gedicht zusammen
getragen das sie beim Braten übergaben Freilich hätten sie bis zum Kuchen
warten können indessen war es ihre erste Autorschaft die selten den Kuchen
abwartet Der Vater kritisirte die armen Jungens sehr scharf und nannte ihr
Mascopiewerklein ein ährengelesenes Stück  Guter Pastor hast du denn schon
aller kritischen Tage Abend erlebt  Die beiden Knaben taten in alle Wege so
altklug dass man ihnen ihre Aaronsbestimmung ohne Fingerzeig ansah  Es gebrach
bei diesem Feste nicht an Wein  Se Hochgeboren hatten dem guten Prediger ein
gutes Fässchen Rheinwein verehrt welches wir nicht feierlicher begrüßen konnten
Wein hätte heute getrunken werden müssen Der Kommunion wegen wird an allen
christlichen Orten Wein gehalten Da aber die Andacht keinen Geschmack am
Körperlichen hat so ist der Kommunionwein gemeinhin schlecht sagte der
Prediger Ich fuhr er fort habe noch nie bei dieser heiligen Handlung den Wein
geschmeckt Viele der Herren von Adel schicken den Tag zuvor ein Fläschchen aus
ihrem Keller unser Graf nicht also obgleich sein Rheinwein sich nicht
gewaschen hat Wir saßen länger als gewöhnlich bei Tisch Heut sagte der
Prediger fröhlich mit den Fröhlichen Wir waren traurig mit den Traurigen wir
sind es noch sagte Gretchen und dachte so rührend an Minen ohne sie zu
nennen dass alles an sie dachte Der Prediger belebte diesen Gedanken durch ein
paar rührende Worte Wer seiner Toten nicht denkt wenn er vergnügt ist
bedenkt nicht dass auch sie lebten und dass auch er sterben wird Das war das
Gerippe das er auf gut ägyptisch aufstellte Wahrlich es war nicht
fürchterlich Sie hat ihren Myrtentag nicht erlebt sagte Gretchen und ließ
eine Träne fallen Nathanael küsste sie herzlich Wer es weiß wie schön es sei
ein Mädchen in solchen Tränen zu küssen denke sich die Wonne dieses Paares
Ohne Tränen gibt es keine Trunkenheit der Liebe Diese Ehe sagte die
Predigerin hat der Tod geraten was er rät ist wohl geraten  Die
Dorfältesten schlossen diese wahre hochzeitliche Szene sie kamen und fragten im
Namen der jungen Dorfleute an ob es wohl erlaubt wäre die vier Dorfflinten dem
Tage zu Ehren abzufeuern wie es wohl sonst bei dergleichen Gelegenheiten
geschehen wäre  Das wäre so recht für Junker Gottarden gewesen Wir alle aber
verbaten dies Feuerwerk Die Anfrager mussten ein Glas Wein dem Brautpaar zu
Ehren leeren Das ist besser als ein Flintenschuss sagte der Amtmann ohne
goldbesponnene Knöpfe und dann noch eins und dann das dritte Aller guten
Dinge sind drei sagte der Prediger und ich stimmt ihm meiner heiligen Zahl
wegen herzlich bei Im Paradiese was braucht Adam mehr als Eva um froh zu
sein sagte Nathanael Nach dem Falle haben wir auch Rheinwein nötig um uns
ins Paradies zu bringen Man muss sich hinein trinken Er fing sich aus
lichterloher Galanterie zu wundern an dass Adam nicht beim Blick seines Weibes
aus Entzücken aus Übermaß des Sehens blind geworden Der Prediger half ihm
zurecht Es war im Paradiese sagt er wo Adams Auge so gut wie seine andern
Gliedmaßen unsterblich waren  Der Organist damit ich sein nicht vergesse
hatte den gesunden Gedanken da sich das Brautpaar küsste Lassen Sie uns ihm mit
den Gläsern nachküssen Wir stießen an und zur Ehre dieses Einfalls zweimal 
Der heiligen Zahl war er nicht wert Wir standen auf Der Prediger schlug einen
Spaziergang in das nämliche Wäldchen vor das uns zu diesem Tage anrätig
gewesen und beschlossen wir also wie angefangen war Wahrlich ein schöner
Tag  Wir kamen in der Dämmerung heim und eben wollten wir ins Pastorat da
uns der Musenchor überfiel Der Organist hatte sich der Not angenommen und die
Zahl zwölf noch mit zwölf andern vermehrt Ein wahrer Minnegesang  Gretchen
ging nach vollendetem Ständchen unter diesen schönen Haufen nannte alles
Schwester und dankte so schön dass jedes Mädchen glaubte Gretchen hätte nur
ihm gedankt
    Der Prediger konnte sich ohne Abendessen nicht behelfen Nathanael
declamirte wider das Abendessen er ward aber überstimmt den Alten sagt ich
wäre das Abendessen freilich das vorzüglichste und den Christen bemerkt er
sollt es noch weit mehr sein Man setzte sich an ein Milchmahl Die Sängerinnen
hatten uns musikalisch gemacht Alles sang und sprang hätt ich beinahe
mütterlich hinzugereimt Es war aber wahrscheinlich kein Springen es war eine
stille Freude eine Milchfreude O Gott was liegt in der Unschuld in der
lautern Milch der Unschuld  Unter tausend andern Dingen liegt auch Vernunft
darin Es heißt vernünftige lautere Milch und nichts ist einpassender als diese
Beiworte zur Unschuld Es liegt in ihr Vernunft höchste oder tiefste wie soll
ich sie nennen
    Nun ging das neue Paar ins Schlafgemach  Es verschwand und das ist das
natürlichste Ceremoniel wenn ein neues Paar zu Bette geht Die Auskleidung der
Braut ist ebenso unwürdig als eine laute Hochzeit Geht in Frieden lieben
Leute Es geleite euch der welcher dem Menschen sein Schöpferbild anhing mit
seinem himmlischen Segen Das ist mein Hochzeitgeschenk Auch jedes der
Hochzeitgäste ging in sein Kämmerlein nur ich nicht Ich schlich mich an s
Grab und hatt eine Szene über alle Szenen  Eine himmlische Hochzeit Wer war
glücklicher ich oder Nathanael Spät kam ich in mein Kämmerlein und fand dass
der Amtmann mit dem ich gepaart war auf mich gewartet Ich konnte nichts
sprechen nicht einmal ein Wort zum Dank Auf solch einen Tag wie schön schläft
es sich  Mein Schlaf war eine Entzückung in den dritten Himmel Es fiel keine
Schäkerei den andern Morgen vor keine Strohkranzrede Die Frau Nathanael
schlich sich aus der Schlafkammer und ich merkte sie ward rot auf ihre eigene
Hand sie hätte nicht schleichen dürfen auch nicht rot werden das gute
Gretchen Nathanael und Gretchen waren jetzt so ganz Eins ein Leib eine Seele
    Wie sich das Paar benachbarter Freunde kreuzt und segnete das zur Hochzeit
gebeten war und wie der Prediger sagte post festum nach dem Fest kam kann
man sich leicht vorstellen Hätte der Graf et Kompagnie zusagen lassen dann
hätten wir den Tag zuvor diese Freude nicht haben können Mit dem Paar
benachbarter Freunde hatte es nichts zu bedeuten Dieser Nachtag dies Agio von
Hochzeitfest hatt drei Umstände die ich außerdem dass dreimal mehr Essen und
dreimal weniger Vergnügen herrschte der Bemerkung wert halte Die erste
Denkwürdigkeit Der Amtmann brachte sein Kleid mit den goldbesponnenen Knöpfen
nicht zum Vorschein Warum sollt ich sagt er Möstrich nach der Mahlzeit
    So gern ich also auch meinen Lesern des Kleides Farbe Form und nähere
Nachricht von den Knöpfen und ihrer Zahl mitteilen möchte kann ich
    Die zweite Denkwürdigkeit Die post festum gekommenen Freunde hießen die
neuen Eheleute nicht anders als Brautpaar und wenn sies ausgesprochen hatten
schämten sie sich dieser Übereilung die sie doch gleich darauf wieder begingen
und dann noch einmal  So fest hatten sie es sich eingeprägt es ginge zur
Hochzeit
    Vielen wird dieser Mittelumstand nicht denkwürdig scheinen Mags doch
    Die dritte Der Graf kam ohne seinen Bruder nach Mittage Alles voll Freude
Auch zu Ihnen komm ich sagt er um Sie noch einmal zu sehen und noch einmal
zu sagen  hier oder dort  Was er sich freute dass die Hochzeit vor der
Hochzeit gewesen Das kommt aus dem Bitten heraus Das Feine des Vergnügens geht
verloren Die Natur lässt sich nicht melden es wäre denn bei Krankheiten  Wir
mussten dem Grafen den gestrigen ganzen Tag referiren und wahrlich unsere ganze
Freude dieses Tages war dass wir den vorigen Tag froh gewesen
    Mit den lieben großen Hochzeiten sagte der Graf  So was nenn ich nicht
leben wenigstens will ich das Leben bei dieser Gelegenheit so wenig observiren
als auf dem Schaffot den Tod  Allzuviel ist ungesund Zu Warnungsanzeigen
findet sich zwar in beiden Fällen Stoff die Menge nur zu Lebens und
Sterbensobservationen nicht
    Der Graf konnte nicht lange bleiben Er hatte wie er sagte einen rechten
Segen Sterbender bei sich Obgleich fügt er hinzu ich wenig Heil in meiner
Ehe erlebt ists mir doch lieb geheiratet zu haben um dort einst sagen zu
können hier bin ich und hier sind die du mir gegeben hast Kann das ein
Eheloser So rührend mir diese Empfindung war so schwächte sie doch die
Erinnerung an die Grafenkrone an die weißen Federn und den Orden  Füllt die
Erde heißt füllt den Himmel Wenn Menschen sich nicht Leid klagen könnten wie
unglücklich würden sie sein Die Ehe ist ein Band wo sich Mann und Weib auf
Lebenslang verbinden sich Leid zu klagen
    Der Organist der auch diesen Abend herrlich und in Freuden beim Prediger
lebte hielt sich während der Zeit da der Graf gegenwärtig war so demütig
dass er nicht vom Ofen kam Wieviel sind diesen Monat im Kirchspiel gestorben
fragte ihn der Graf und er ich habe nicht geglaubt die Ehre zu haben Ew
Gnaden zu sehen Zwei Reden hab ich gehalten aus diesem Dorf also zwei Der
Prediger musste das Buch holen und wir fanden abermal dass die Erinnerung des
Todes keine Hochzeitfreude verderbe Die Hochzeitgeschenke welche der Graf
unvermerkt in die Brautkammer setzen lassen waren Sinnbilder vom Tod und
Verwesung Sie hatten einen ausgemachten Wert Eine Urne von Porcellan gefiel
mir am besten
    Ich blieb noch einen Tag in L  und diesen einen Tag waren wir wieder ganz
unter uns Den Amtmann hatten wir unter uns aufgenommen Es war ein recht guter
biederer Mann Wie lang er am Hochzeittage meinethalben seine Ruhe abgebrochen
Mittelmässig war er in allem allein warum sagen wir die Mittelstrasse die beste
und wanken doch so gern Warum
    Bei dem Mittelmässigen fällt es mir ein dass wir den dritten Tag viel von der
Schönheit sprachen Nathanael tat sich bei dieser Unterredung recht sichtlich
hervor Er setzte die größte Schönheit in die Mitte zwischen Feistigkeit und
Magerheit obgleich er selbst mehr fett als mager war Gretchen aber diente ihm
zum Exempel seine Regel zu beweisen und außer ihr alle Statuen der Alten Ich
muss es doch wohl wissen sagte Nathanael Der Amtmann der seinem Bauche nichts
vergeben wollte fand indessen dies letzte Argument unwiderlegbar schlug sich
auf seine Bauchbürde sah Gretchen an und schwieg
    Nathanael ließ nicht ab mich zur Heimführung einzuladen allein meine
Stunde war gekommen Ans wenn war gar nicht weiter beim Justizrat zu denken
Diesen Abend weihte ich noch s Grab nahm von Nathanael und Gretchen das
feierliche Versprechen dieses Grabes Beschützer zu sein und nun wollte ich L 
allem Vermuten nach auf ewig gute Nacht sagen Die Predigerin machte es mir
zur Pflicht dass ich wenn ich bei der Heimführung nicht gegenwärtig sein
könnte wenigstens bis zu Gretchens Abreise bleiben möchte Der Prediger und
seine lindenkranke Frau blieben auch zurück Der Amtmann allein und Gretchens
beide Brüder begleiteten das junge Ehepaar Der Abschied Bei Beschreibungen der
ganzen Natur kann man malen oder pinseln nach der Gabe die jeder empfangen hat
Ist von Menschen die Rede wer kann ohne lästig zu werden Leidenschaften in
Worte ausbrechen lassen
    Gretchen war im Reisekleide ausgegangen und kam mit verweinten Augen zurück
Wo sie gewesen werden meine Leser nicht fragen An s Grabe  Ihre Mutter
stand am Fenster sah unverwandt den Reisewagen an und hatte sich betrübt
aufgestützt Gretchen ging zu ihr fasste sie zärtlich an und Hanna küsste sie
herzlich Gretchen fiel ihr zu Knien und bat um Segen Sei gesegnet sagte Hanna
und legte beide Hände auf sie und sei eine so gute Mutter als du eine gute
Tochter gewesen Nie geh ein Lindenbaum vor deiner Türe aus  Hier hemmten
die Tränen der Mutter und Tochter diese Segenshandlung Nach einer Weile setzte
sie hinzu deine Töchter werden wie Mine und deine Söhne wie s Mann Gott
bewahre die Söhne im Fall sie Justizräte werden vor Treibern vor Revisoren
die Knaben sind und die Töchter vor Nachstellern der Unschuld vor v E  s 
Und nun legte der Prediger den Segen womit Gott sein Volk zu segnen befohlen
auf beide der Herr segne dich usw ohne dass er von einem Kandidaten mit
langen Manschetten aus der Bauskeschen Präpositur unterbrochen ward
    Die beiden Ältesten der Gemeinde kamen gemeinschaftlich das Aufgebot für
ihre Töchter nachzusuchen welches den nächstfolgenden Sonntag zum erstenmal
geschehen sollte  Nebenher wollten sie sich erkundigen wenn heimgefahren
werden sollte und da sie sahen dass es hier so rasch als mit dem Hochzeittage
ging setzten sich einige junge Ehemänner zu Pferde um dem neuen Paar bis zur
Grenze das Geleit zu geben Einige junge Frauen worunter drei gesegnet waren
begleiteten das Paar bis aus dem Dorfe So weit ging auch Vater Mutter und ich
 Der Genius des mir unvergesslichen Kirchdorfs ging weiter mit Gretchen mit
seinem Liebling  Es gehe dir wohl liebe Seele vergiss Minen und ihr Grab
nicht
    Ich reiste denselben Tag nach Königsberg und fand bei meiner Ankunft einen
Brief nebst hundert Pistolen Ich brach den Brief und fand weiter nichts als
folgende Devise
                      »Für Minchens Verwandten in Mitau«
Ein Zug an dem ich den Grafen erkannte obgleich er incognito war und blieb
Aller Mühe die ich mir gab unerachtet konnte ich ihn nicht herausbringen
Wahrlich dieser Zug ähnelt ihm Der Graf dachte ich der den Sargtischler nicht
in Stand setzen wollte ein Mädchen zu heiraten das keinen andern Fehler hatte
als den dass es arm war der Graf der diesen Jüngling für Protektion arbeiten
und sich das Herz abhobeln ließ  da fiel mir wieder seine strenge Gerechtigkeit
ein Er war Patron der Kirche und des Hospitals dem Minchens Anverwandter in L
 den Halbscheid seines Vermögens zugewendet hatte Also  gedankt hätt ich dem
Grafen nicht wenn gleich ich seines Namens gewiss gewesen wäre Gott dank ihm
 Der dankt nicht mit Worten sondern mit Tat und Wahrheit Zwar hatte ich
meiner Mutter die Worte aus Minchens Testamente bestens empfohlen
    »Kannst du meinen Verwandten in Mitau förderlich und dienstlich sein sei
    es Gott wird dich lohnen«
indessen kam mir dies anexoy kai apexoy diese Lotteriedevise mit einem Gewinnst
sehr willkommen Willkommner kann es den Anverwandten in Mitau nicht sein
Schwer war es mir zu diesem allen nichts mehr als ein Franko beitragen zu
können  ein Scherflein in den Gotteskasten
    Das Schwere bei einem mäßigen und zugemessenen Auskommen ist bloß dass wir
nichts mehr als höchstens die Gabe der Reichen frankiren können Darf ich wohl
bemerken dass ich gegen den Grafen kein Wort von Minchens armen Verwandten in
Mitau verloren Es wird nicht jeder so neugierig sein zu fragen ob die Post
auch richtig das Haus der Armen gefunden die in der Welt Angst hatten Um ihnen
keine Minute zu entziehen sandte ich das Geld geraden Wegs und nicht durch
meinen Vater auch nicht einmal durch Wechsel allein ich bat meine Mutter sich
nach der Aufnahme dieses Geldes zu erkundigen da ich hierüber dem lieben Gott
unmittelbare Rechnung abzulegen hätte Er der ehrliche Alte war schon seit
drei Wochen zur Ruhe eingegangen in jene seligen Wohnungen wo ihn kein
Pachtunglück und kein Kontrakt der ohne den lieben Gott gemacht ward und kein
WRIVRW mehr drücken konnte Seine Frau lebte noch zählte bis zehn Noch
mehr sagte sie als ob das Geld unter ihren Händen sich mehrte Sie sprach für
den Geber Segen gab das ungezählte Geld und die gezählten zehn einem ihrer
Nachbaren zum Aufheben und starb   Der Tod war ihr lieber als hundert
Pistolen Der Sohn der Amtsgeschäfte halber seinem Vater nicht das letzte
Geleite geben konnte kam zum mütterlichen Begräbnis Sollten ihn wohl die
hundert Pistolen dazu vermocht haben Meine Mutter versicherte mich dass der
leidtragende Herr Sohn nicht aufhören können Gottes wunderbare Führung zu
verherrlichen  Das dacht ich wohl und meine Leser mit mir dass er diese
hundert Pistolen nicht ohn ein Kirchengebet einstreichen würde Ich wünsche
wohl zu bekommen lieber Herr Prediger an der Grenze
                                       
    Ein Wort zur Rettung der Ehre meiner Mutter die ich vielleicht hier und da
auf zu frischer Tat beurteilt haben kann Darf ich bitten lieber Freund zu
diesem Rettungswort Auch du urteiltest auf frischer Tat da ich dir meinen
Lebenslauf aus freier Faust erzählte und an den Brief kam den meine Mutter an
Minen schrieb sich anhebend
            »Es will verlauten«
    Hermann machte meine Mutter mit dem Abschiedsbriefe bekannt den Mine ihrem
Vater zurückließ als sie aus ihrem Vaterlande und aus ihres Vaters Hause in ein
Land ging das ihr der Herr zeigte
    Hier ist die Antwort meiner Mutter und meines Vaters Was jenes Weib vom
Petrus am Kamin sagte gilt auch von diesen Briefen Die Sprache verrät sie
                                       
    Fasse dich bedenke das Ende so wirst du auch in deinem Schmerz nicht übel
tun Gott ist die Liebe Das größte Überbleibsel des göttlichen Ebenbildes ist
die Liebe Liebe ist der Funke den Gott anschlug da er die Welt schuf Du
weißt das Sinnbild Feuer Liebe Wasser Hass Wo Feuer ist ist Licht  wo Licht
ist ist Wahrheit Das Licht der Vernunft ist Liebe die Luft der Geister ist
Liebe Suche deinen Trost in der Liebe  Du sollst Gott lieben den du nicht
gesehen hast und nicht siehst Sieh ein Hülfs ein Hausmittel dich zu dieser
Gottesliebe hinauf zu schwingen da du Minen liebst die du gesehen hast und
nicht siehst Um diese Welt gleichgültiger zu finden ists gut einen
geliebten Gegenstand in der andern Welt zu haben Wahrlich es warten noch
Stunden auf dich wo es dir in dieser Welt nicht gefallen wird  Du liebst
Minen und wünschest sie nicht glücklicher als du bist  Ist die Liebe nicht
stärker als der Tod Sind wir nicht am geneigtesten allenthalben eine
Ähnlichkeit von Menschen zu entdecken Ein Baum in der Entfernung dünkt uns ein
Mensch Wir geben ihm alle Gliedmaßen und alles dünkt uns so An der Wand im
Dunkeln überall Menschengestalten Nichts ist uns wichtiger als der Mensch
nichts natürlicher als er und dir sollt es schwer werden Minen darzustellen
 Wer sich selbst nicht liebt liebt auch andere nicht In der Schule der
Nächstenliebe wird mit der Selbstliebe der Anfang gemacht Ein Verschwender kann
dem Dürftigen sein Brod nicht brechen weil er selbst nichts zu beißen nichts
zu brechen hat
                                       
    Warum aber so kabinetsverschwiegen Waren wir denn Vater und Sohn oder
waren wir du und du und gute Freunde zusammen Ich find in diesen Fragstücken
Trost allein du wirst ihn hier schwerlich finden Auch für mich selbst ist hier
Unkraut zwischen dem Weizen Friede mit s Seele Friede mit der deinigen
Friede mit deiner Mutter die unaussprechlich leidet Fällt dir ein dass ich es
euch im Wäldchen wohlfeilern Kaufs lassen können so wisse dass dieser Umstand
mich oft ergriffen dass er mich noch ergreift und mehr als es Christen
geziemt Gott helf unserer Schwachheit Dieser Brief wird mir saurer als je
ein Brief mir worden obgleich mir jede Schrift schwer wird und ich meinen
Schreibtisch der aber kaum diesen Herrnnamen verdient die meiste Zeit
widerwillig ansehe  Trost zusprechen sagt man wer kann ihn schreiben und
wenn es viele könnten würde diese Kunst doch nicht mein sein Denke mein Sohn
 das heißt sei mit Minen zusammen Du hast nur s Form verloren Mine
lebt und wir werden auch leben  Besorgt sein und sorgen ist zweierlei Hier
ist so viel von der Predigt über den Text Wir haben hier keine bleibende Stätte
 als ich selbst besitze Du kennst meine Weise zu concipiren Hie und da ein
Wecker Betrügen mag ich nicht So schick ihm doch das Koncept wie es steht und
geht sagt deine Mutter Da ist es wie es steht und geht
                                       
    Herzlich geliebter und nach dem Willen Gottes schmerzlich betrübter und nach
kurzer Freude viel Leid tragender einziger lieber Sohn
    Da sitz ich und lese diese Überschrift zehnmal Herzlich geliebter und
nach dem Willen Gottes schmerzlich betrübter und nach kurzer Freude viel Leid
tragender einziger lieber Sohn und kann keinen Anfang finden ich die ihr
Lebtage nicht des Anfangs halber eine verlegene Minute gehabt und auch noch
hab ich den Anfang nicht denn das ist erst der Anfang zum Anfang Beim Ende
mein Kind war ich oft verlegen Dein Vater pflegte zu sagen ich könnte das
Ende nicht finden obgleich mit seinen Anfängen wenn er was schreibt wahrlich
nicht zu prahlen ist  Bis jetzt hab ich Gott sei Dank noch immer das Ende
gefunden freilich oft in Winkeln wo es nicht jeder zu suchen gewohnt ist  O
mein Sohn wenn du wüsstest wie schwer es mir wird den Anfang dieses Briefes zu
finden du würdest deine Mutter bedauern und sie in deinen Schmerz
einschliessen wie ich dich immer in mein Gebet eingeschlossen habe und jetzt in
mein Gebet einschliesse Ich will sie nur nennen  so gern ich diesem Namen
auswiche Mine da ist der Anfang Mine o mein Sohn wie wird mir da ich diesen
Namen diesen seligen Namen schreibe und spreche Zacharias schrieb und sprach
Er soll Johannes heißen und war ein so glücklicher Vater als ich eine
unglückliche Mutter bin obgleich mein Johannes nicht daran Schuld ist sondern
ich selbst ich allein selbst Mine Mine Mine Da ist der Anfang Ihr Name
wird auch das Ende sein Meine Seele ist betrübt bis in den Tod
Wohl ihr dem Kind der Treue
Sie hat und trägt davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie
Den Sieg die Ehrenkron
Gott gibt ihr selbst die Palmen
In ihre rechte Hand
Und sie singt Freudenpsalmen
Dem der ihr Leid gewandt
    Aus dem Liede Befiehl du deine Wege woraus wie ein Ausgebäube die
schönen Worte Befiehl dem Herrn deine Wege und hoff auf ihn er wirds wohl
machen herausspringen Dieser Vers heißt Wohl Der Spruch steht im
siebenunddreissigsten Psalm der fünfte Vers Fast kann ich sagen ich fiel zu
Grunde wie ein Stein Nichts nichts in dem ganzen Laufe meines Lebens hat mich
so ergriffen als dieser Fall So wie den Egyptern gings mir Sie saßen in der
Nacht während dass bei den Israeliten Tag war  Das Licht war nicht bei mir Zu
Gott rief ich Die Angst meines Herzens ist groß führe mich aus meinen Nöten
Siehe an meinen Jammer und Elend und vergib mir meine Sünde Der Herr sei
gelobt Ich habe Gnade gefunden in seinen Augen so wie den Anfang zu diesem
Briefe Meine Brust schwoll so in die Höhe dass alle Bande zu reißen schienen
Jetzt legen sich diese Blutwogen  obgleich ich noch lange nicht sagen kann es
ist stille Vielleicht wird es nie ganz stille Du warst kein Kind mehr als du
schwach und krank darnieder lagest und wieder gesund wurdest ich weiß indes
nicht wie Der Dr Saft hat wenig oder nichts dabei getan der wenn gleich er
seinem Vater selig eben nicht in Wunderkuren durch Heiraten gleich kommt
jedoch in der Apotheke zu Hause gehört und seine Kunst versieht trotz einem Du
weißt wie gottergeben ich damals war Wärst du gestorben ich hätte keine
Träne wie ich nach der Liebe hoffe sinken lassen Seit der Minute da ich
fühlte dass ich dich hatte bis jetzt da du dich zum Dienst des Herrn weihst
und heiligest  wusste ich dass mein Sohn sterblich war Sterblich von sterblich
und wärst du gestorben Wohl dir du Kind der Treue
Du sängest Freudenpsalmen
Dem der dein Leid gewandt
Aus der Strophe Wohl
    Du wärest wohl versorgt Ein himmlischer Superintendent und Oberpastor Das
ist mehr als in Mitau wohin dir der liebe gütige Gott wenn es seinem heiligen
und allezeit guten Willen nicht zuwider ist verhelfen wolle zu seiner Zeit 
Da ist er wieder in Herz und Feder der Name Mine Mine O der namenlosen Angst
bei diesem Namen den Gott in Gnaden von mir wende wenn der letzte Kampf
anbricht O wende ihn wende am Lebensende das Schreckliche dieses Namens du
der du alles lenkst wie Wasserbäche
    Wie hieß der Barbar der zwei römische Ratköpfe nicht Glieder jämmerlich
hinrichten ließ und da ihm nach kurzer Zeit bei einem Abendmahl unter vielen
andern Speisen ein gekochter Fischkopf aufgetragen ward ihn für das Haupt des
einen Erwürgten ansah Er sprang auf denn der Fischkopf drohte ihm in seiner
Einbildung Er floh der Fischkopf verfolgte ihn und unter diesen Aengsten da
beide Ermordete ihr Blut von seinen Händen forderten starb er Man kann leicht
denken wie Ich meines Orts behaupte Stein und Bein von dergleichen Leuten dass
sie lebendig in die Hölle gefahren Da sagen denn die Gewissenslosen der Barbar
hatte Hitze Freilich hatte er Hitze allein Höllenhitze Er setzte sich hin um
fröhlich und guter Dinge zu sein bis der Ermordete ihm erschien Der Fischkopf
war ihm ein magischer Spiegel und so ists immerdar mit dem Gewissen
Einbildung Recht Allein das ist des Gewissens Art und Weise Es hält uns immer
einen Spiegel vor dieser sei ein Fischkopf oder was anderes  und am Ende will
ich lieber wirklich leiden als einen solchen Fischkopf sehen Was mich mit
Wasser in meiner Minenhitze besprengte war der Umstand welcher andere
vielleicht unmutiger gemacht haben würde Du hast dachte ich meinen grausamen
Brief an Minen Du weißt alles das Bekenntnis der Sünde ist eine halbe Reue
eine halbe Besserung Die Beichte könnte eine sehr vernünftige Sache sein jetzt
freilich ist sie nichts weniger wie das Sei mein Richter O hier ist mehr als
ein Fischkopf Es ist immer ein und dieselbe Saite die in mir sumset  O ein
schrecklicher Ton Auch die Hörner des Altars selbst kann ich nicht ergreifen
So oft ich in Gottes Hause bin seh ich hier Nummer 5 und da Nummer 5 An
Nummer 5 hängt mein Gewissensspiegel Da seh ich das stille gute Mädchen und
fühl es dass ich ihr mit Ungestüm begegnete den letzten Sonntag da schon ihre
Seele alles eingepackt hatte Sie grüßte mich und dich O Nummer 5 Nummer 5 O
wenn diese Zahl nicht wäre Einfältiger Wunsch da eben fallen mir die fünf
Finger ein Sie bleibe diese Zahl und die Erinnerung bleibe dass ich Minen auf
der Seele habe Wie lebhaft ich mir alles zurückerinnere Ich besann mich indem
ich dankte ob ich wohl danken sollte und solch ein Dank ist ärger als Undank
Jetzt danke ich so oft ich die Bank sehe  und niemand ist der mir diesen Dank
abnimmt O wenn doch Minchens Geist diese meine Bücklinge sehen könnte und mich
bedauerte O wenn doch ihr Geist nur ein einzigmal noch in unsere Kirche käme
Wenn ich diesen Fischkopf Sonntag zurück hätte was gäbe ich darum Nur den
Vormittag nur die Predigtstunde Ich sah Minen deines Vaters Predigt hören
über wir haben hier keine bleibende Stätte sondern die zukünftige suchen wir
welche dir dein Vater auf mein Zudringen wie sie da geht und steht senden
wird O Gott wie hörte Mine diese Predigt und ich wie sah ich sie hören
Gleich dachte ich ein Mädchen das so hören kann kann das böse sein Es kann
nicht Ich sah Minen manches Predigtwort befeuchten mit ihren Tränen Ein
warmer fruchtbarer Regen zur Seligkeit Ich sah sie Abschied von Nummer 5
nehmen einen sanften seligen Abschied O möchte ich doch auch wenn ich zum
letztenmal in das Gotteshaus gehe von Nummer 1 so Abschied nehmen und wenn es
auch zu mir heißt wir haben hier keine bleibende Stätte sondern die zukünftige
suchen wir so von hinnen gehen wie sie aus Nummer 5 O hätte ich doch nur
einen Buchstaben von diesem Abschiede gemerkt da Minchen ihn nahm nur ein
Uhütchen ein Ipünktchen Welch ein schreckliches Licht ist mir jetzt
aufgegangen Vorigen Sonnabend ging ich allein ins Gotteshaus und wollte
versuchen ob ich mich vielleicht in der Stille mit s Bank versöhnen
könnte Langsam ging ich zu ihr als zu meinem Richterstuhl Ungefähr kam ich an
die Stelle der sie die Hand gedrückt und siehe es waren feurige Kohlen die
da brannten  Noch jetzt bin ich mit Nummer 5 nicht in Ordnung Gott sei gelobt
und gebenedeit dass ich Minchen anders grüßte da sie herausging Gott Gott
Großer Gott ihre Tränen Ihr Ringen im Auge ehe die Tränen flossen die
bangen Tränen und die letzte die AbschiedsTräne die sie weinte da sie
ging die ihr mein letzter Gruß erregte  O sie komme zur Linderung über mich
zum Erquickungstropfen in meiner brennenden Todeshitze in meiner Todesnot
Vater vergib Ich wusste so wenig als Nathanael was ich tat Dieser Wehrwolf

Doch warum klag ich andre an
Ich habe alles selbst getan
    Der Stank für Dankbrief O hätt ich nie schreiben gelernt Die Zunge hat
viel Unheil angerichtet allein es geht mit ihr wie mit dem Brod beim Bäcker
Den andern Tag wird frisch gebacken  Nie mein Sohn das schwör ich
schriftlich vor Gott der über mir ist ich schwöre nie werd ich Lebenslang
einen Brief ein Promemoria einen Waschzettel schreiben wo ich nicht an Minen
schriftlich denke und ihren Namen wär es auch nur der erst und letzte
Buchstabe Me mit hinein schreibe um meine schriftliche Sünde meinen Stank
für Dank zu büßen Sei mit dieser Busse zufrieden lieber gütiger Gott und sieh
mich so nicht an wie ich Minen vor der letzten Predigt in unserer Kirche Wie
könnt ich sonst vor dir bestehen  Straf mich nicht nach meinen Sünden
vergilt mir nicht nach meinen Missetaten  So du willst Herr Sünde zurechnen
hier in der ersten Instanz vor dem Gewissen und dort in der letzten wer kann
bestehen
Gott du kennst vorhin
Alles was mich kränket
Und woran mein Sinn
Tag und Nacht gedenket
Niemand weiß um mich
Als nur du und ich
    Das das mein Sohn ist mein täglich mein stündlich Gebet zu Gott das ich
aus der Tiefe herauswinde wie ein müder Wanderer einen Labetrunk aus einem
Brunnen der dem Reisebecher Tropfen auspresst Wie gern ich sehe wenn das Glas
beschlägt kann ich dir nicht sagen Es ist mir so mein lieber Sohn als
erquicke sich das Glas selbst
    Du hast mir es ist nicht zu leugnen einen stark gewürzten Brief
geschrieben Muskatennuss Englischgewürz Pfeffer und Ingwer war darin Zu sehr
indessen zeigt der Brief noch dass du mein Sohn bist und ich deine Mutter zu
sehr dass du unter meinem Herzen und an meiner Brust gelegen die niemand als
dein Vater und der nur beiläufig gesehen hat O warum warum vergisst du denn
dies nicht alles Das konntest du leider nicht Warum denn nicht Griff ich dir
nicht ins Herz hinein Riss ich dir nicht ein Aug aus Sohn zu guter Sohn 
Wisse dass ich mir selbst wie jener Gesetzgeber dessen Sohn ein Gesetz
übertrat worauf zwei Augen standen auch ein Aug ausgerissen und zwar das
linke das ich das Herzensauge nenne so wie das rechte das Verstandesaug ist
Jetzt ich weiß selbst nicht wies zugeht da ich dies alles aus der Fülle
meines Herzens herausschreibe fühl ich mich einigermaßen getröstet Mich soll
verlangen ob es von Bestand sein wird   Wundershalber brech ich auf einen
Tag ab
    Gelobt sei der dessen Aufsehen unsern Odem bewacht Ich bin zufriedener
Ich bitte dem lieben Gott wegen des Fluchs ab den ich übers Schreiben
aussprach  Es ist grundfalsch dass das Schreiben nicht auch sein Gutes habe
Freilich hätt ich an Minen nicht schreiben sollen Was kann aber das Wasser
dafür dass es nicht Taufwasser wird welches so schönes Grün hervorbringt dass
das Auge fühlbar gestärkt wird Denke doch weiter über das Schreiben und
schreibe mir mit nächstem was du gedacht hast Bei deinem Vater kann ich mir
deshalb nicht Rats erholen Das Schreiben kommt mir als ein vernünftiger
Monolog vor die beste Manier wie man zu sich selbst kommen und sich ein
Wörtchen ins Herz und Seele hineinbringen kann Wenn man mit sich selbst
spricht läuft jeder für uns und mit den lieben Gedanken  wer zäunt sie gern
ein und unverzäunt wie selten halten sie Stich  Ich weiß an welchen ich
glaube  und bin gewiss dass er mir meine Beilage bewahren werde bis an jenen
Tag dass der so meinen Nelkensamen gestreuet auch die Nelken ablegen und in
ein ander Beet versetzen werde dass der so in mir angefangen das gute Werk
seiner Verherrlichung es auch durch seinen heiligen Geist bestätigen und
vollführen werde bis an den lieben jüngsten Tag O wie es mich entzückt hat
dass die Selige Mosen und die Propheten Bibel und Gesangbuch zu ihrem Ein und
Alles gemacht und dass sie besonders in geistlichen und himmlischen Liedern ihre
Wonne gefunden O du mir sonst teures und wertes Lied
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt
wie weit teurer und werter bist du mir jetzo du s Reiselied auf ihrer
Wanderschaft zur seligen Ewigkeit Weißt du auch noch mein Erst und
Letztgeborner wie wir unterwegs da wir die Folianten die uns kreuzweise zur
Verewigung des vetterlichen Kupferstichs dienten zu Hause brachten wie wir
sangen
Man trägt eines nach dem andern hin
Wohl aus den Augen und aus dem Sinn
    Behüte Gott dass ich dich an diese preiswürdige Stelle darum erinnern
sollte damit auch die hingetragene Mine dir wohl aus den Augen und aus dem Sinn
kommen möge Nein ewig sollst du an sie denken aber denk an sie als Christ
Sieh die Natur gibt dir die Vorschrift deinen Schmerz nicht zu verewigen
Allmählig wie Spiritus duftet er aus Man merkt wohl es ist Spiritus gewesen
allein die Hauptkräfte sind in den Wind geschlagen  Dein Vater pflegte zu
sagen dass er jeder Hand ansehen könnte auch dann wenn jetzt kein Ring daran
hing dass einer daran gewesen Ein gewisser Zwang ein gewisser Stolz bleibt
darin und der kleine Finger will mit aller Gewalt der Daumen oder Mittelfinger
sein Das kleine Närrchen So nicht mit Christenleuten Sie sind einen Zoll über
die Natur größer stärker als sie  Was die Natur nicht kann vermag die
Gnade die mächtig macht Dieser Gnade befehl ich deinen Geist Seel und Leib
alles müsse unsträflich behalten werden bis zum allgemeinen Koncilio wenn
offenbar wird der Gott dient und der ihm nicht dient  Wenn du das schöne
Werk Ehre und Lehre der Augsburgischen Konfession von Johann Weidner Ulm
1732 habhaft werden kannst lass es nicht aus der Hand und dem Auge Dein Vater
hat es nicht Über das Reiselied Ich hab mein Sach Gott heimgestellt hab
ich nicht ohne die äußerste Rührung meines Herzens nachgeschlagen dass ein
siebenundsiebenzigjähriger Greis da er sich diesen Kern und Sterngesang
vorsingen ließ und an die Worte kam
Es wird nicht eins vom Leibe mein
Sei groß oder klein
Umkommen noch verloren sein
sich so angegriffen dass sein erstorbener Körper sich verjüngte wie ein junger
Adler Man sah ihn ordentlich auferstehen Nicht eins nicht eins nicht eins
schrie er vom Leibe mein umkommen und verloren sein und starb ruhig und
selig  Würdest du es wohl gern sehen wenn du von Minen in der andern Welt nur
ein Gemälde nur einen Kupferstich sehen solltest Nicht eins nicht eins hör
ich dich auffahrend rufen wie den siebenundsiebenzigjährigen Greis Nun du
sollst sie wieder haben ganz und gar Es gibt plätze in unsern Liedern wo man
in der größten Sonnenhitze vor dem Sonnenstich sicher ist wo kein Sonnenfunke
hineinbljetzt kein Strahl hineinschleudert und wo es einem so wohl ist so
herzlich wohl  Ich weiß nicht mein Gedächtnis fängt mir an so schlecht zu
werden und ich merke selbst bei Liederstellen dass sie mir wie die Zähne
ausfallen ich weiß nicht wo ich es gelesen habe dass ein braver Mann sich
alle liebe Morgen wenn er aus dem Bette gefahren einen frischen Erdenkloss
bringen lassen daran er eine Weile gerochen Er behauptete dass er Gesundheit
und Lebensverlängerung daraus röche Mein Sohn gibts einen originalern
Menschengeruch Ein Erdenkloss war noch vor dem Adam und er ward aus ihm
gemacht Zwar ist die Erde jetzt sehr mit Toten versetzt denn wer weiß ob ein
Stellchen ist das nicht ein Kirchhof eine Urne wäre Und wer kann es leugnen
dass so ein Erdenkoss aus dem Gott der Herr den ersten Menschen machte sich
ungefähr gegen unsere jetzige Erde verhalten haben könne als gekochtes Gemüse
und rohes Obst  Indes erfrischt auch das gekochte Gemüse das Blut und auch
noch glaub mir auch noch muss man von der Erde was Originales riechen können
wenn man sich nicht an sogenannten wohlriechendem Wasser die Nase von Grund aus
bis auf die Wurzel verdorben hat welches aber nicht wie dir erinnerlich sein
wird durch Himmelsschlüsselchen wozu auch Krausemünze zu zählen geschieht
Den Erdenkloss aus dem Adam ward nicht wahr den hättest du riechen mögen Ich
auch mein Sohn  Noch eine Anekdote schwebt mir in Gedanken über ich hab
mein Sach allein ich kann sie nicht zum Stehen bringen So gehts je älter
je kälter und bald wird mich der Papagei jenes spanischen Gesandten
übertreffen welcher wie ein bewährter Schriftsteller versichert die ganze
Litanei singen können Das wäre ein Kasus für mich Was ist Nachtigall und
Lerche und alle Finkenarten gegen solch einen Litaneipapagei  Zum erstenmal
merke ich dass sich Litanei und Papagei reimt Schön  Es gibt Lasten des
Lebens mein lieber Sohn die auch dem Christen zu schwer zu heben sind allein
er vermag alles durch den der ihn mächtig macht er probirt und probirt so
lange bis er hebt und trägt Es kommt viel darauf an wie mans angreift und
sich auflegt Die Gelehrten lassen sich gemeinhin mit einem Buch in der Hand
malen und darüber wegsehend Nicht also mein Sohn wie diese Verkehrten Ins
Buch sag ich ins Buch das Auge Glaubt ihr Herren Gelehrte Verkehrte etwa
dass das Auge dem der euch sieht verloren gehe Eben dieser Blick ins Buch ist
das Auge eines Gelehrten wenn er nicht ein Verkehrter sein will und nun mein
Sohn lass dich nicht bloß so malen sondern sieh wirklich ins Buch des Lebens
Die Bibel ist davon die erste Ausgabe die zweite vermehrte wird dir in der
andern Welt aufgetan
    Dein Großvater seliger der Glückliche machte wenn er nachsann kleine
Augen recht als ob er keinem Gegenstand mehr Platz lassen wollte dein Vater
macht sie groß wenn er nachdenkt wenn er mit der Seele wohin sieht und da
fallen denn Sonnenkörner kleine Sterne wie die Sternschnuppen aus seinen
Augen Manche machen die Augen dicht zu als ob sie nicht sähen auf das
Sichtbare sondern auf das Unsichtbare denn was sichtbar ist das ist zeitlich
was aber unsichtbar ist das ist ewig
    Was steht in der ersten Ausgabe des Lebensbuchs Denen die Gott lieben
müssen alle Dinge zum Besten dienen Kann der Ton sprechen zum Töpfer warum
machst du mich also
    Der Mensch sieht immer scheel über den lieben Gott weil er so gütig ist
nicht nur in Absicht seines Groschens sondern anderer Dies Evangelium vom
Groschen ist vortrefflich es ist nicht mit Gold zu bezahlen Was kannst du
Mensch mehr als einen Groschen verlangen Am Ende hat niemand mehr Nur dass es
anscheint als hätte dieser oder jener darüber Was willst du mehr Mensch wenn
du deinen Groschen bekommst Was mehr Du willst die ganze Natur verschlingen
Untier Wie viel Arten von Speisen in einer Mahlzeit Fast alle sechs Tagewerke
werden aufgetragen Dafür musst du aber auch leider den Dr Saft in Ehren haben
Selbst das Sterben muss dir dafür schwer werden Du bringst dich selbst um
Israel Wahrlich in allem Betracht dich selber  Das ist ein teuer wertes
Wort dass sich der Mensch mit dem lieben Gott in Verbindung denkt dass er weiß
wie ohne den Vater über alles kein Sperling fällt wenn gleich dieser den
Kirschen nachstellt Kein Haar auf deinem Haupte ist das Gott der Herr nicht
gezählt hätte Alles ist in Verbindung mit einander und alles zu Gott So drehen
sich große Weltkörper um ihre Achse und wandeln sagt dein Vater Ich stelle die
großen Weltkörper an ihren Ort genügsam mit der Bemerkung dass göttliche
Heimsuchungen dergleichen du jetzt erfahren dergleichen ich auch oft erlebt
besonders da dein Vater mir lieblos den Rücken kehrte und ich im hitzigen Fieber
hebräisch lernte da mir deine Großmutter den Ring aufdrückte und da dein Vater
dich Alexander hieß und da er selbst M  l  ch genannt ward was wollt ich
sagen Dergleichen Heimsuchungen sind Wecker sind Haltrufer Steh doch Seele
steh doch stille Gott sucht den Menschen heim wenn es dem Menschen wohlgeht
So sieh dich doch um wie schön dein Feld steht dein Weib fürchtet den Herrn
und deine Kinder stehen wie Palmen am Wasser du hast was dein Herz wünscht und
deinen Augen gefällt Gott sucht den Menschen heim wenn er ihm mit unerwartetem
Unglück in die Quere kommt Glück kommt in die Länge Gott kommt so zu sagen
bis ins Menschen Haus um ihm Gutes im Glück und Unglück zuzufügen Was liegt
nicht alles in dem Worte heimsuchen Gott sucht den Menschen heimzuziehen von
der Welt ab und in sich selbst in seinen eigenen Busen um durch eben diese
Selbsterkenntnis ihn dahin zu bringen wo wir ewig sein werden Kreuz und
Leiden mein Kind sind der Zaum und Gebiss so der liebe Gott uns seinen
Rossen ins Maul legt wenn wir nicht zu ihm wollen und wer ist ohne Kreuz und
Leiden Willst du mit Gott rechten du toll und töricht Volk das wahrlich
nicht an seine Brust schlagen und sagen kann mein Gewissen beißt mich nicht
meines ganzen Lebens halber Das Gewissen wie du selbst wissen wirst geht von
unten ungefähr um den Magen herum in die Höhe Oben hält es sein richterliches
Amt unten ist sein Schlafstübchen Wenn es aufwacht zum harten Criminalurtel
wie brennend sind seine Tritte Wie glühend Eisen gehts in die Höhe  Was
schreien wir denn Dass wir nicht dies und dass wir nicht jenes haben Wenn wir
auch das nicht hätten was wir haben Wenn du zB nicht Pastors Sohn wärst und
Mine die Tochter eines Literati obgleich über seine Literatur noch ein Streit
ist Waren wir nicht Ton aus dem der Weltmeister machen konnte was er wollte
Warum sollten wir der Erde noch mehr Dornen und Disteln auf den Hals wünschen
und ihr fluchen  Glaub mir am Ende hat der Generalsuperintendent und der
Herzog der Präpositus der Pastor der Literatus schlecht und recht fast
möcht ich sagen der Wacker selbst nichts vor dem andern darüber und darunter
Jeder hat seinen Groschen Staub ist Staub er sitze im Sammetrock oder im
Kittel Schmerz ist ein Präludium zur Freude Freude ein Präludium zum Schmerz
Es geht in der Welt alles aus einem Ton aus B  dur Freilich leiden wir oft
des Ganzen wegen so wie der Gerechte durchs Gesetz das eigentlich nur dem
Ungerechten gegeben ist allein leiden nicht auch viele für uns Es geht immer
mit einander auf Wie viel Hände sind nicht unsertwegen eben da ich dies
schreibe in Bewegung Die Menschen haben schon einen angeborenen Trieb zur
Hülfsamkeit sich einander förderlich und dienstlich zu sein Du empfindest die
Sonne weißt du aber ihre Natur und Wesen weißt du ob darin gegessen oder
getrunken wird Das sei dir eine Warnung Über Gott und seine Wege meistere
nicht Dein Standort ist dir nicht recht weißt du aber auch wo du stehst und
wenn du es weißt stehe wohl zu dass du nicht fällst Willst du gerechter
gütiger sein als der Allgütige der Allgerechte Die Natur des Menschen hilft
sich durch die Krankheit so wie die große Hauptnatur durch Donner und Blitz
Hagel und Stürme Wenn sie sich den Magen verdorben hat muss es heraus So lange
dir der liebe Gott die zwei Brünnlein deiner Augen gibt in denen Wasser des
Lebens des Trostes rinnen und so lange der Mensch manche schwere Stunde
verweinen kann was will er denn Zwar
Die Fromme stirbt die recht und richtig handelt
Die Böse lebt die wider Gott misshandelt
allein ists nicht besser dass eine Wohlvorbereitete unter die Engel kommt als
eine die es nicht ist Würden die Engel sonst nicht alle Liebe zu den
Menschenkindern verlieren würden sie sich nicht des Menschen schämen obgleich
er wie sie Gottes Geschöpf ist Wenn der v E  mit seinen habsüchtigen Augen
dahingerafft wäre wahrlich ganz Kurland hätt im Himmel darum verloren Es wäre
Kurland gegangen wie es den Deutschen dadurch geht dass sie lauter Grützköpfe
nach Paris geschickt das Land zu besehen worüber dein Vater nicht genug seinen
deutschen Kopf schütteln kann Lies dir da Trostgründe aus wie wir Zuckererbsen
zur Saat auszulesen pflegen Was wurmstichig ist wirf davon Nicht alle meine
Trostgründe sind Saatzuckererbsen Du weißt doch man muss sie erst aufweichen
wenn sie aufgehen sollen Weine herzlich geliebter und nach dem Willen Gottes
schmerzlich betrübter und leidtragender Sohn und erweiche die Saaterbsen von
Trostgründen durch deine Tränen dann wirst du alles ganz anders finden Weine
für Freuden dass wir weinen können und erhole dich wie die angebrannte Pflanze
nach dem Abendtau Verstopfe die Quelle aus der Leben abfliesst nicht durch
bittere Härte Murre nicht wider Gott Nicht alle können alles nicht jeder kann
einen Wald voll Waldgreise alter und wohlbetagter Eichen nicht jeder kann
einsame Gegenden aushalten wo Schauer aus allen Winkeln zusammenkommen und den
Ankömmling ängstigen als käm er in ein verfluchtes Schloss Da wird er denn in
die Enge getrieben und kommt so im Kleinen zu stehen dass er wie in sich selbst
verkrochen ist Ich konnte den dicksten Wald aushalten als säh ich
Johannisbeerenstrauch und selbst in der alten Rummelei eines vernachlässigten
Waldes in einer zerstörten Stätte wo ein Käuzlein keinen Laut wagt konnt ich
froh sein Da fing ich dann ein Morgen oder Abendlied an und freute mich dass
der Wiederhall so gut Melodie hielt Da sah ich dann manchen Baum dem die Erde
an der Wurzel ungetreu worden Sie wollte von ihm abfallen allein er befasste
sie mit seiner Klaue  und sie blieb Da war ich wie zu Hause und fühlt es
tief in der Seele, dass im Stillen wirken göttlich sei Die Natur Gottes
Sprachzimmer sieh wie still sie ist  Eine Waldblume obgleich sie nie eine
Eiche wird bekommt etwas von der Stärke ihrer Kameraden Sie steht länger als
die auf dem Felde denn wenn ich gleich nur ein Lied bin geht doch manche Ode
auf meine Melodie  ich hörte den Donner nicht als hört ich Gottes Scheltwort
Schelten konnte nur meine selige Mutter  überall und ich  in der Kirche Ich
hab es selbst gesehen und gehört dass mitten im Gesange deine Großmutter
selige war es Katarinen oder einer andern einen Schlag ans Ohr gab  mitten
darin Dergleichen Taktschläge sind mir nicht eigen Wer ein gut Gewissen hat
hält den Donner für eine Instrumentalmusik der Natur Tut Busse tönt er dem
Verbrecher denn das Himmelreich ist nahe herbeikommen  Und der Blitz Gott
verzeih mir meine Sünden oft ist es mir vorgekommen als schlüge sich der liebe
Gott Licht an und auch im dicksten Walde wo ich denn wohl einsah dass die
stolze Eiche die gern ein Wörtchen mitspricht und die wenn der Wind
daherfährt Scheltwort auf Scheltwort gibt stockstill war im Walde wo der
Blitz sich so recht herumschlängeln kann war mir ehemals nichts schrecklich 
Wie still es hier war wie vor dem Worte es werde Licht Da bewegte sich kein
Blatt Mir war ehemals diese Stille erwecklich himmlisch  Nach s Tode
ich kann es nicht leugnen ist mir beim Donner und Blitz nicht mehr so zu Mute
Jetzt ist auch was von tut Busse darin und im Blitz bedenke das Ende Ich
schaudre vor dicker Finsternis und alles scheint Mine im Munde zu haben und
wider mich ausbrechen zu wollen Vor diesem selbst wenn eins vom Blitze
getroffen war kam es mir vor als wär es im feurigen Ross und Wagen gen Himmel
geholt vorzüglich dacht ich dies bei dem Bljetztode des alten Peters denn er
war ein so guter frommer alter Mann dass nichts wider ihn zu sagen war Man
suchte nach seinem Tode allein kein blauer Fleck an ihm  Es war kein Schmerz
in seinen Falten sie schienen wie ausgeglättet Im Leben hatte Peter auch
keinen Fleck außer dass er zuweilen ein Gläschen über den Durst trank Eins nur
Jetzt ist alles mit mir gar anders  Das ganze Haupt ist krank das ganze Herz
ist matt von den Fusssohlen an bis zum Scheitel ist nichts Gesundes nichts
Festes an mir
    Charlottens Laube selbst wie schrecklich sie mir da ist Hier wo so viele
Tränen vergossen sind hab ich Mühe die meinigen in Gang zu bringen Sieh
mein Sohn Du bist zu SuperintendentenLeiden und zu SuperintendentenFreuden
geboren und erkoren zur hohen Würde zur schweren Bürde Zum höheren Halleluja
zum tieferen Kyrie Eleison Du bist das weiß ich nicht unbehülflich in diesem
Kummer  Der Gram ist durstig wenn er aus verunglückter Liebe aus Todesliebe
kommt hungrig wenn er Verachtung Verspottung zur Triebfeder hat Trink ein
wenig Weins deines schwachen Magens halber und wisse dass deine Mine wohl
versorgt sei aber warum schein ich es selbst nicht zu wissen
    Ach wer doch einmal droben wäre Wenn du gelegentlich mein Kind ein Buch
Die große Diana der Epheser oder ein Traktätchen von den Accidentien der
Prediger Danzig 1693 lesen kannst lies es und schreib mir den Inhalt Selbst
lesen mag ich es nicht wohl aber die Ehre und Lehre der Augsburgischen
Konfession von Johann Weidner Ulm 1732 Wenn es dir begegnet kauf es Mit
Freuden ersetz ich Kosten und Porto  Glaube mir mein hiesiger Aufenthalt
wird nicht langwierig sein und ich freue mich darüber bald bald ausgespannt
zu sein und außer dem Leibe zu wallen Meine Seele ein Strahl aus dem
göttlichen Lichte sehnet sich zurückprallen zu können und mit dem lieben Gott
ins nähere Verkehr zu kommen Der Tod wahrlich ist das wahre Universale wider
alle Leiden dieser Zeit Würden wir wohl Lust haben einzupacken wenn nicht
heute hier morgen da einer von unsern Lieblingen und Gespielen das Zeitliche
segnen und aus unserem Kränzchen wie eine Rose die am besten riecht und am
ersten bricht ausfallen würde Und was hat sie denn die Welt im Palast und in
der Wächterhütte Was hat sie denn
So uns nicht naget und plaget
In der Natur ist Tag und Nacht Sommer und Winter Leben und Tod Wäre nicht
Abend wäre auch kein Morgen wäre nicht der Tod wäre wohl Leben Hier ist der
erste Eingang bei den meisten Menschen bis ans Vaterunser Bei den andern das
Thema die Partition bei den meisten ein Gerippe zur Ausführung die mein
seliger Vater wenn der Edelmann communicirte vorn in die Bibel zu legen
pflegte um keine Division und Subdivision zu verlieren
    Die rechte Ausführung vorzüglich die Applikation ist der Zukunft
vorbehalten Zum Amen kommt es bei keinem Menschen Gott allein ist Amen Alle
Verheißungen sind Ja in Ihm und Amen in Ihm Gott zu Lobe durch uns Darum
lieb ich auch dies Wort das Amen fein Amen bis zum Herzandruck bis zum
Küssen  Gott der Herr ist überschwenglich er tut mehr als wir wissen oder
verstehen Wir fragen zwar alle Augenblick wie Maria wie soll das zugehen und
lachen wie Sara weil ihr Herr alt war und es ihr nicht mehr nach der
Weiberweise ging allein Zeit bringt Rosen und Hoffnung lässt die nicht zu
Schanden werden die im Dienst der Wahrheit und des Lebens stehen und nicht auf
den Wirrwarr dieses Lebens sondern auf die Harmonie des Zukünftigen sehen
daher auch der Himmel musikalisch vorgestellt wird
    In Parentesi merk ich an dass ich am Sterbetage deiner Mine faste und
fasten werde bis mich nicht mehr hungert noch durstet und auf mich fällt
irgend eine Hitze der Angst  Aber wie fast ich Nicht dass ich mich
verschlösse sondern dass ich meine Lieblingsschüsseln selbst mit eigener Hand
koche und mit eigener Nase rieche Dann ists keine Kunst zu fasten wenn uns
Feuer und Wasser im Exilio versagt werden Sei getrost mein Sohn Der Trieb des
Lebens hört nicht auf sondern mehrt sich mit den Jahren nur durch die Religion
wird er eingeschränkt und zur rechten Ader gelenkt Ich kann es dir versichern
dass meine Lust zum Leben so ziemlich versiegt ist Wie sollte das zugehen wenn
nicht noch was dahinter wäre Darauf verlass dich Es ist noch was dahinter
Deiner Güte will ich trauen
Bis ich fröhlich werde schauen 
    Weiter kann mein centnerschwer beladenes Herz weder schreiben noch singen
Wieder ein Absatz  Meine Lippen sind gedörrt so dass die Triller nicht aus
der Stelle wollen eben so wenig als die Feder Ich will morgen wieder eins
versuchen  Alte mein Sohn müssen aufs Vergangene Junge aufs Zukünftige
denken Wer die Ursachen der gegenwärtigen Dinge und ihre Verbindung mit den
zukünftigen übersehen kann das ist ein weiser das ist ein göttlicher Mann Der
hat Verstand dem etwas leicht wird was andern Menschen schwer ist der hat
Verdienst der es seinen Nebenmenschen leicht machen kann Ich wünsche dir wohl
zu ruhen
                                       
Mein Gott nun ist es wieder Morgen
Die Nacht vollendet ihren Lauf
Nun wachen alle meine Sorgen
Die mit mir schlafen gingen auf
Die Ruhe wie der Schlaf ist hin
Ich sehe wieder wo ich bin
Ich bin noch immer auf der Erde
Wo jeder Tag sein Elend hat
Hier wo ich immer älter werde
Und häufe Sünd und Missetat
O Gott von dessen Brod ich zehr
Wenn ich dir doch auch nütze wär
    Diese beiden Reihen hört ich einmal von einer Bettlerin singen und dieser
Gesang ist mir in der Erinnerung noch so rührend dass ich keine Zeile mehr weder
abschreiben noch singen kann
    Wie hast denn du geschlafen  Wenn man auch nicht gut wacht wenn man nur
gut schläft so findet sich auch das Wachen
    Der Kandidat erzählte jüngst ein Vorfällchen das kürzer als seine
Manschette allein recht artig ist Ein Bauer kommt nach Mitau um den Brief an
seinen Sohn ja recht gut anzubringen Er gibt ihn ab und wartet bis der
Postillon blaset und nun bittet er ihn recht freundlich doch ja den Brief gut
zu bestellen Lieber Sohn Wir Menschen denk ich machen es eben so und auch
du bist mit deiner Erlaubnis nichts mehr nichts weniger als dieser Bauer mit
dem Briefe Wir alle bitten den Postillon den Brief den er zwei Meilen trägt
gut zu bestellen Wer erreicht seine Schicksale nur über eine Handvoll Jahre
das sind fünf nach der Zahl der Finger Wer bis an Stell und Ort Auch in
Absicht deiner Mine bist du nach Mitau gereist und hast so lang gewartet bis
geblasen ward und hast recht freundlich gebeten doch ja den Brief zu
bestellen Sag am Ende um nur mit einem Blick mit einem einzigen auf die
nächstfolgende Station zu kommen hätte wohl Mine füglich Superintendentin
werden können Wenn ich schwach bin bin ich stark sagt ein Apostel der doch
entzückt ward bis in den dritten Himmel ins Paradies wo er unaussprechliche
Worte hörte die kein Mensch ausdrücken kann In Parentesi mein Sohn Betrüge
den Petrus und den Paulus nicht um ihr us Scheer ihnen den Bart nicht der
ihnen so trefflich fleht Recht Maß rechte Elle recht Gewicht Sei nicht solch
ein Ehrenschänder als ein junger Kandidat der vor acht Tagen bei uns war
welcherlei es viel gibt unter den Deutschgelehrten Der heilige Paul der
heilige Peter O du hölzerner Peter du Peter und Paul ohne us ist nicht Petrus
und Paulus Dein Vater selbst der in solchen Dingen wie du weißt kein Zelot
ist und seinen Schlagbaum manchem öffnet wobei ich halt rufe ärgerte sich
dieses Kandidaten mit hinten gesteckten Locken Du in dich selbst verliebter
Narciss der du der Kirche nicht einmal die Tonsur deiner Haare leistest und
dein Härlein mehr liebest denn Sitte im Lande ist  Doch ich mag keine Delila
sein die Simsons Haupt perückendürftig machte obgleich unser Kandidat so wenig
Simson ist als ich Delila  Was wollte ich aber von Paulus sagen Dass er im
zweiten Briefe an die Korinter sich Gerechtigkeit widerfahren lässt und dies
Wörtchen zu seiner Zeit wer verdenkt es ihm Ich bin nicht wider Selbstgefühl
Wer nicht im Geist und Wahrheit sagen kann ich wie kann der du er ihr wir
ihr sie sagen Jede Woche hat ihren Sonntag und so hat auch der Herr unser
Gott Stände eingerichtet Wer wird dem Stolz das Wort reden allein ich soll
meinen Nächsten lieben als mich selbst Ich bin also das Original mein
Nächster die Kopie Ich enterbe meinen Bruder nicht gebe meinem Nächsten sein
Pflichtteil behalte aber für mich was Recht ist So auch Sanct Paulus zu den
Korintern der seine Lobrede anfangt wie ich nie eine angefangen Ihr
vertraget die Narren weil ihr klug seid Solch einen Eingang lasse ich wohl
bleiben Meine Korinter sind aber auch danach
    »Ich habe mehr gearbeitet ich habe mehr Schläge erlitten ich bin öfter
gefangen oft in Todesnot gewesen Von den Juden habe ich fünfmal empfangen
vierzig Streiche weniger eins Ich bin dreimal gestaupet einmal gesteiniget
dreimal habe ich Schiffbruch erlitten Tag und Nacht habe ich zugebracht in der
Tiefe des Meeres Ich habe oft gereist ich bin in Fährlichkeit gewesen zu
Wasser in Fährlichkeit unter den Mördern in Fährlichkeit unter den Juden in
Fährlichkeit unter den Heiden in Fährlichkeit in Städten in Fährlichkeit in
der Wüsten in Fährlichkeit auf dem Meer in Fährlichkeit unter den falschen
Brüdern In Mühe und Arbeit in viel Wachen in Hunger und Durst in viel
Fasten in Frost und Blöße Ohne was sich sonst zutraget nämlich dass ich
täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen«
    O des vortrefflichen Paulus O des teuren auserwählten Rüstzeuges des
Superintendenten unter den Aposteln Da bin ich eben wo ich hin wollte Kann
sich lieber Sohn Sanct Paulus rühmen seiner Superintendentur warum sollten
wir vergessen dass wir aus dem Stamme Levi sind und dass ich fünf Pastorahnen
von Vater und vier von mütterlicher Seite zählen kann dass einer meiner
Ahnherren Superintendent und zwei Präpositi gewesen dass Ehren Paul Einhorn mit
uns von der Seitenlinie verwandt ist Ists denn nichts Menschen vom Irrtum
und Torheit bringen zu der Wahrheit Ists denn nichts Superintendent sein
Der Herzog regiert über den Leib der Superintendent über die Seele Dein
seliger Großvater sagte wer ein kluges Buch schreibt hat ein Edict
ausgeschrieben das nicht ein spannenlanges Ländchen sondern die Welt
beobachtet Er ist mehr von Gottes Gnaden was er ist als diese Durchlauchtigen
Häupter Wenn ich die Wahl hätte so wollte ich lieber Newton als Tsar Peter
sein sagte unser Hauptcandidat Dein Vater schüttelte den Kopf was ist aber da
zu schütteln Und wenn nicht ein Dichter ein Historicus dazu kommt fuhr der
Kandidat fort es ist immer derselbe mit den langen Manschetten was ist denn
des Helden größte Tat Ein Held ein Monarch braucht einen Dichter einen
Redner aber diese können sich ohne ihn behelfen  Dein Vater nahm den
Kandidaten bei der Hand damit aber war die Sache nicht ausgemacht Es ist kein
Kleines Gottes Diener zu sein Was ist der kaltbrandige alte Herr dagegen Und
doch ist er s Vater Sein Flick von Literatur macht es nicht aus Wie sage
selbst wie hätte sich Hermann zum Schwiegervater eines Ehren Superintendenten
geschickt wenn auch Mine seine Tochter zur Superintendentin zu erkiesen
gewesen Wenn auch O vergib mir dieses wenn auch und oben die Frage Hätte
wohl Mine füglich Superintendentin werden können Ein bösartiges füglich Ja sie
hätte füglich können Ja sie hätte können
    Du weißt wohl wie dein Vater sich zu ärgern pflegte wenn jemand Papier im
Garten vierteilte wenn Papierstücke auf der Erde lagen »Papier« pflegt er
zu sagen »gehört so wenig in den Garten dass es das Auge beleidigt so was im
Freien zu sehen Weißt du was künstlicheres außer deinem Hemde als Papier Und
doch muss erst dein Hemde alt werden wenn Papier daraus werden soll« In der
Studirstube deines Vaters war freilich mehr zerrissen als ganz Da liegt der
Mensch sagt er  wenn ich ausfegen wollte hieß es lass ihn Ich meines Orts
das weiß Gott habe kein Blättchen entzweiet und oft wenn ich gern was
vertilgt hätte konnt ichs Ich kann nicht zusehen des Knaben Sterben hieß es
von mir wie von Hagar und Ismael Obgleich Ismael ein Spötter war ich aber
kein Wort geschrieben habe was ismaelitisch wäre Die Frage hätte Mine füglich
Superintendentin werden können und die Stelle wenn auch  das wäre so etwas
das ich Lust zu vernichten hätte Und der Brief an sie ist wahrlich des Feuers
schuldig  Selten mein Sohn ist ein Herz das nicht mit dem Kopf über den Fuß
gespannt wäre oft wenig oft viel Selten ists dass Kopf und Herz sich mit
einander einverstehen und dann spotten sie sich nach Da spielt denn das Herz
den Kopf und der Kopf das Herz und die beiden Gecken sehen sich als ein Paar
Affen an  Ja sie hätte  Mine hätte können Wenn ein Hechtkopf aufgetragen
wird suche des Kopfs habhaft zu werden Zwar ists auch ein Fischkopf der
jedem Tyrannen schrecklich sein würde dich aber wird er erbauen da fehlt nicht
ein Stück von dem was bei der Kreuzigung vorgefallen  Speer Kreuz  Wie
stehts wie gehts auf der Akademie Lass dich nicht durch s Tod von deinem
Fleiß abwendig machen Sie studiert dort du hier beide Teologiam Vergiss nie
mein Sohn dass du im Dienste der Wahrheit und in keines Menschen Dienst stehest
Die Wahrheit ist Gottes Professor Großvater so gut ich ihm gleich bin ist
doch ein Mensch Von den kopfhängenden Pietisten dergleichen es in Königsberg
an allen Ecken der Straßen geben soll lass dich nicht verführen Die Hurer und
Ehebrecher wird Gott richten Ein Mensch wie du muss so seelenkrank in der Welt
sein  Ist das nicht Jammer und Schade Doch du wirst alles gewohnt werden und
Gewohnheit ist die andere Natur  Minchens Anverwandte in Mitau sind
Anverwandte meines Herzens durch s letzten Willen worden So lang ich Brod
habe solls ihnen gebrochen werden Die guten Alten Warum sollt ich ihnen
sogleich sagen lassen dass Minchen tot wäre Was die Minchen gesegnet haben 
Sie braucht euren Segen nicht mehr Jetzt wissen sie ihren seligen Tod denn die
Wahrheit zu sagen ich wollte mir diese Pension von Segen selbst zuwenden da
hab ich einen Geiz der seines Gleichen nicht hat Sieh das ist ein
Kapitälchen das in der himmlischen Bank aussteht wo die Zinsen auf den Tag
fallen Eile mit Weile Ein Arzt der einem Schaden vorbeugt ist teurer und
werter als einer der ihn heilt Ich weiß nicht ob du s wegen ein
Schwarzröckler werden wirst Ich vermute es und bin drob fröhlich weil du dich
schon zeitig an diese Farbe gewöhnst die deine einzige deine Leibfarbe werden
wird wenigstens würd ich dir zu schwarzen Knopflöchern und Knöpfen nämlicher
Farbe anrätig sein Was Gutes kann man nie zeitig genug anfangen Schwarz
kleidet jeden Menschen Hier wird s Geschichte sehr geheim gehalten Alles
schleicht incognito Du kannst sehr leicht raten warum Der Herr v G kam
jüngst bloß dieser traurigen Geschichte wegen zu uns und so was muss man
sehen wie sie ihm nahe ging Die Frau v G soll gesagt haben Da sieht man
was nicht adelich nicht  Wie wenig beneid ich ihr diesen Adel Und wie wenig
hab ich es Ursache wenn dich Gott zur Superintendentur aufgehen lässt  Ich
werde es freilich nicht erleben in diesem Jammertal allein solch eine
Nachricht kommt sehr schleunig und durch einen himmlischen Kourier gen Himmel 
und da werd ich mich freuen wenn mir meine englischen Gesellschafter oder
Gesellschafterinnen wie soll ich sagen es wird da glaub ich kein Männchen
kein Weibchen sondern alles wird Engel sein Glück wünschen werden Habt Dank
ihr lieben guten Engelein wegen eurer Glückwünsche Schon da ich mit ihm
gesegnet ging schon im Mutterleibe war er Superintendent und ihr werdet hören
und sehen in wie viel Abgewichenen er das glimmende Docht anfachen wie viel
Fromme er befestigen wie viel unschuldige junge Seelen er gründen werde  Wir
werden so ein Plus im Himmel haben dass man darüber erstaunen wird und kommst
du selbst einmal lieber Sohn wenn dein Stündlein vorhanden ist zur ewigen
Freud und Herrlichkeit wie wonnereich wird es mir sein die Stimme zu hören
ei du frommer und getreuer Erzknecht Das ist eine andere Ehre als die
Kanonisation die wir einem unserer Vorfahren erwiesen der dir so ähnlich sieht
wie ein Ei dem andern als dessen Kupferstich wir dem Himmel nahe brachten
indem wir es in der Speisekammer aufhingen Du wirst es nicht bei Ostereiern
bewenden lassen lieber Sohn welche dieser unser Vorfahr in seiner Gemeine
rühmlichst abstellte sondern mit offenbaren im Schwange gehenden Sünden so
umspringen wie er mit den Ostereiern Mache mir geliebtester Sohn die Freude
dass ich von dir im Himmel höre und bei dem gehe ein zu deines Herrn Freude
ich als des Triumphators Mutter mit triumphiren und jubiliren könne in
Ewigkeit Gern werd ich dich dort in Pontificalibus sehen das heißt nicht in
Mantel und Kragen sondern als himmlischer Superintendent Ohne dir den Tod zu
wünschen wenn du hier zu leben Lust hast stell dir vor wie es dich selbst
ergötzen wird wenn der und die kommt dieser und jene und dir dankt dass du
das glimmende Docht angefacht dass du es befestigt dass du es gegründet hast Da
wirst du manche Tat emporgeschossen finden die du aus einem Wortkern gezogen
hast O der unnennbaren Wonne  Ist dies schon so schön in der Prophezeiung
was wird die Erfüllung sein Guter Oberhirte
Gibst du schon so viel auf Erden
Ei was will im Himmel werden
Du weißt mein Lieber wie ich zuweilen mich von Grund aus recht von Herzen
freuen kann in dem biblischen Sinn freut euch in dem Herrn und abermal sag
ich euch freut euch Dein Vater pflegte zu sagen bei der rechten Freude sind
alle Fenster beim Menschen offen und da hat er ganz recht Man fühlt solch eine
Freude durch alle Organe Ich fliege zwar nicht an allen meinen Gliedern
wiewohl diese Freudenflügel bei einigen im Gebrauch sind allein alles ist in
Bewegung an mir Wo ist aber diese Freudensonne geblieben Sie ist hin  ihre
Stätte ist nicht mehr Eben war es bei mir so schön Maigrün an der Erde und
Maiweiss auf den Bäumen und siehe da die Botschaft Mine ist tot zertrat jedes
Gras das sein Haupt heben wollte und zog den Bäumen das weiße Hemd aus so dass
alles wüst und leer steht  Alles ward so eilig in einem Nu in einem einzigen
alles so kurz und klein so verheert und zerstört alles so bettelarm
entkleidet dass es auch den Kalterzigen jammerte Deinem Vater das sah ich
geh ich so nah dass ich ihn drob liebe als könnt er hebräisch wie Wasser 
Der gute Mann seines Weibes der gute Vater seines Sohnes Alles übrige was ein
jeder Christ und jede Christin auf seinem und ihrem Herzen und Gewissen hat die
Not der ganzen Christenheit besonders das gegenwärtige und zukünftige Gewitter
fasse ich zusammen in die schönen Worte Leben wir so leben wir dem Herrn
sterben wir so sterben wir dem Herrn darum wir leben oder sterben so sind wir
des Herrn  Sonst mein lieber Sohn muss wohl das Lichtere den kleineren Teil
ausmachen Rote Weste blauer Rock Wer kann die stets lustigen Leute
ausstehen Der kleinste Teil des Lebens kann nur dem Vergnügen gewidmet sein 
Dem allen unerachtet will ich dir doch wegen der noch blühenden Jahre das meiste
Licht erlauben wenn nur das kleinste Knopf und Knopflöcher schwarz sind
Heller Futter als die Farbe des Kleides pflegt dein Vater zu sagen allein er
verzeihe mir Dies würde heißen sie glänzen schön von außen oder der
hochwürdige Herr weiß sich nicht zu regieren und zu führen Also lass dein Licht
leuchten vor den Leuten trag ein lichtes Oberkleid und beweise dass du auch
mit Pharisäern und Obersten im Volke zu Tische zu sitzen verstehst  ohne deinem
Innerlichen dem inwendigen Menschen dem schwarzen Unterfutter zu nahe zu
treten Ich beharre deine treue Mutter und Fürbitterin bei Gott
    Deines Vaters Brief der ihm durchweg so viel Schweiß gekostet als mir der
Anfang leg ich diesem Sendschreiben bei
                                       
Der Vater Amaliens und ich nach meiner Zurückkunft von dem Nathanael Gretenschen
Myrtentage
    Er Wenn das Ehegeld in Kurland nicht höher ist
    Ich Schwerlich  es gibt Fälle sie sind aber selten
    Er So ist die Sache richtig Meine Frau um mit der Tür ins Haus zu
fallen wünscht den Herrn v G zum Schwiegersohn Er hat ihr sein Ja so
deutlich gemacht nicht etwa zu verstehen gegeben so deutlich gemacht dass es
jedem Menschen sichtbar ist nur hörbar noch nicht Die Aussprache des Worts
fehlt Angeschrieben stehts in seinen Augen Mund Händen Füßen
    Ich Sie sagen mir da etwas 
    Er Was Sie selbst wissen
    Ich Ich
    Er Hätten Sie es denn nicht gelesen Doch stand es so leserlich so
frakturgroß
    Ich Von wem geschrieben
    Er Ich sehe wohl dass Sie in dergleichen Schrift nicht gelehrt sind das
hab ich von jeher Ihretwegen behauptet Gelt Sie sind ein Abstemius obgleich
das Gerede im Weibercirkel ging Sie hätten wirklich ein Mädchen unter die Haube
gebracht das heißt bei uns Sie wären verheiratet Bald darauf ging es Sie
wären Wittwer  So oder anders ich kann in Sachen meiner Tochter 
    Ich So oder anders sind Sie mir lieb
    Er Hören Sie nur auf Betrügerei steht ein böses Gewissen auf Wind steht
Verachtung  Warum der Streit zwischen Geist und Fleisch zwischen Fleisch und
Blut Gerade aus ist am nächsten Sie kennen mich einesteils und hätten mich
andernteils noch näher kennen lernen können wenn Sie öfter bedacht dass wir
uns in die Fenster sehen können und so nahe Nachbaren sind Mit Ehren zu melden
bin ich so offenbar wie mein Laden  Am Ende was wäre denn wenn meine Tochter
Frau v G würde
    Ich Frau v G
    Er Nicht anders
    Ich Soll ich ohne offenen Laden so offen sein wie Sie  Herr v G
    Er Ich bitte 
    Ich Herr v G
    Er Zu dienen
    Ich Ist Studirens halber in Königsberg und gewiss nicht um sich eine
Lebensgehülfin zu suchen
    Er Und wenn er was ungesucht findet
    Ich Ist ein Edelmann
    Er Ha da liegt der Hund begraben  wohl recht der Hund Edelmann Er
Edelmann ich Kaufmann Mann ist Mann Herr v G wäre nicht der erste und wird
der letzte nicht sein der es so macht ob es gleich freilich nicht al corso
nach laufendem Preis ist ich finde nichts in den zehn Geboten 
    Ich Gott und Natur haben nichts dagegen allein der Lauf der Welt 
    Er Lasst die Welt einmal gehen und nicht laufen
    Ich Lauf oder Gang 
    Er Wenn die Welt geht und nicht läuft und sich nicht übereilt kann meine
Tochter so gut Ja sagen als ein Fräulein 
    Ich Und kommt so gut von Adam und Eva als ein Fräulein 
    Er Nicht anders
    Ich Aber wir sind nicht bestanden in der Wahrheit und eben darum Stände
Königreiche Fürstentümer Grafen Freiherren Herren und desgleichen Ehe die
Welt wieder ins Paradies kommt und das möchte wohl eine Zeitlang dauern  Noch
ist an diese Gleichheit nicht zu denken Meinen Sie wohl dass wirs erleben
werden
    Er Kurland ist doch aber ein freier Staat
    Ich Das heißt der Edelmann geht in Stiefeln zur Kur wenn es ihm so
einfällt
    Er So das ist alles
    Ich So ziemlich Ein Kavalier wenigstens heiratet ein Fräulein und ein
Fräulein einen Kavalier des freien Staats unerachtet
    Er Und das ist ein freier Staat
    Ich Wie es heißt
    Er Basta Das Weiberzeug Ich hab es gleich gedacht Herr v G könnte
mein Kundmann nicht sein aber da wollen die Weiber immer hoch hinaus Der
Henker mag wissen was am Ende wird Ein Schustermädel will einen Kaufmann
eines Kaufmanns Tochter einen Geheimenrat die Tochter des Geheimenrats die
wenigstens Emilia Philippina Polyxena Alexandria heißt übrigens kein Hemd
wenigstens keines von holländischer Leinwand auf dem Leibe hat will gar einen
Fähndrich ein Fräulein schlechtweg einen Grafen usw Das ist schon Preis
courant aber da bleibt denn auch manches Mädel ein Ladenhüter wenn sie nicht
klein beigibt
    Ich Sie sind ein vernünftiger Mann
    Er Decourtiren Sie immer etwas von diesem Lobe Ich liebe meine Frau und
da passiert denn zuweilen unrichtig Maß Gewicht und Elle
    Ich Ihre Tochter selbst 
    Er Sagen Sie nicht Der Jäger hat ihr das Herz getroffen
    Ich Das bedaur ich
    Er Ländlich sittlich Kosti das heißt hier auf dem Platz ist es so was
ungewöhnliches nicht dass ein Edelmann Hans und eine Bürgerliche Grete ist
    Der ehrliche Nachbar bat mich dringend das Wort ich liebe auszulöschen
das auf dem Gesichte des Junker Gottards mit so blendenden goldenen Buchstaben
angeschrieben wäre und ich versprach es dem Biedermann Der Vater hatte einen
Kollegen einen Krämer bei der Hand der den Junker Gottard ersetzen sollte
Das Mädchen wollt um alle Welt nicht Sie hatte wie es sich von selbst
versteht ihr gebranntes Herzeleid vom Vater Rückhalt aber von der Frau Mama
die durchaus ihr Blut wie sie sagte ins Reine bringen wollte Ihr Vater
seliger war Sekretär und hatte des Jahrs praeter propter hundert Reichstaler
jährliche Einkünfte gehabt womit ihr Ehemann gewiss kaum vierzehn Tage
haushielt aber des Blutes wegen 
    Eine Ermahnung an Herrn v G der von der Jagd kam und sich noch ein
Viertelstündchen vom Schlaf losbitten musste
    Es kostete ihm doch einige Mühe die Frakturbuchstaben für die Blondine
auszustreichen eigentlich auszukratzen Die Reise kam ihr sehr zu statten
Wären wir länger in Königsberg geblieben würd er sich vorzüglich an die
Brunette gewendet haben die ihm der Testator eigentlich beschied und die so
stolz sie war mit keiner Sylbe an die heilige Ehe dachte Sie wollte nur
siegen bloß siegen aus der Beute machte sie nichts Sie teilte sie andern
aus Mit den lieben Blondinen sie wollen gleich heiraten sagte Junker
Gottard  Ich hab es schon irgendwo bemerkt dass Junker Gottard beide die
Brunette und Blondine liebte Die Blondine hatte indessen wie das mitgeteilte
Gespräch es ausweist nach der Zeit die Oberhand erfochten  unfehlbar weil sie
mir legirt ward wer isst nicht gern vom verbotenen Baum obgleich auch die
zehntausend Liebesgötter die auf dem Busen der Brunette tanzten einen Beitrag
zum Siege für Amalien das Ihrige geliefert haben können  Das Nein welches
Amalia dem Kollegen ihres Vaters dem Krämer halsstarrig sagte so eine blonde
sanfte Stimme sie auch sonst hatte tat mir Amaliens halber leid  Mich dünkt
sie hätte Ja sagen sollen wenigstens kein so halsstarriges Nein welches keiner
Blondine eignet und gebührt
    Ich kann nicht sagen dass der Zeitpunkt des Herrn v G gekommen wäre zu
Hause zu bleiben Stossweise kam es ihm so Er war oft auf der Jagd wozu ihn
außer den wohlfeilen ihm als plus licitanti zugeschlagenen Feldmarken die
Homerischen Hunde Argos genannt verleiteten die ihm ganz vortrefflich
einschlugen Er wusste durch den Ton durch die Aussprache des Namens die
Argosse so von einander zu unterscheiden dass ich anfange zu glauben man könne
sechs Söhne Johann taufen lassen und der von ihnen gerufen wird könne wissen
dass just er es sei der unter den sechsen aufgefordert worden
    Lass uns sagte ich dem Junker Gottard einen Abend sobald als möglich von
hinnen gehen Amalie wird sich bedenken und dem Kollegen ihres Vaters dem
Krämer nicht mehr halsstarrig sondern blond begegnen und dann gehst du mit
dem Gedanken aus Königsberg Amalien in ihrem Lebenslauf keinen Stein der
Ärgernis über den sie leicht fallen können in den Weg gewälzt zu haben Wehe
dem Menschen durch welchen Ärgernis kommt Junker Gottard sträubte sich wegen
der Abreise und dies nahm ich als einen Beweis seiner Liebe zu Amalien Ich
sann auf Mittel und Wege ihn abzubringen bis es ehe ich mich versah
herauskam dass die Feldmarken den eigentlichen Grund des Widerstandes enthalten
Er hatte sie auf vier Jahre sich zuschlagen lassen wie wenig sagte er habe ich
sie benutzt Alle Augenblick Setzzeit  Eben dieser Setzzeit halber komm
Bruder ich bin fertig
    Unser Lebewohl war kurz und gut Amalia nahm auf eine Art vom Junker
Gottard Abschied dass wenig Hoffnung für den ehrlichen Krämer blieb Er
beklagte sich gegen sie wegen der entbehrten Jagdnutzung dass es mir so schien
als wollte er die noch künftige Pachtzeit ihr zum Andenken überlassen Ich
mischte mich in die Unterredung und sie ward beigelegt Der Professor Großvater
wünschte mir so altklug Heil und Segen dass wenn ich ihn nicht schon so
herzlich geliebt hätte ich es jetzt angefangen haben würde Ich konnte nicht
weg von ihm Es ist wie mich dünkt kein unangenehmer Anblick wenn ein alter
Mann und ein Jüngling sich so zusammenpassen wie der Professor Großvater und
ich Den Grossvätern ist eine solche Art eigen sie gewöhnen es sich bei ihren
Enkeln an Die Großmutter in Sterbensgrösse schlug diesmal kein Feuer aus ihrem
rechten Auge Sie ließ sich nicht sehen Mir kam es vor dass sie zu ihrer
Tochter gegangen
    Freund sagte der Alte ich halte nicht viel von Leuten die Länder und
keine Karte gesehen haben Sie gehen das weiß ich von dem Ganzen auf die
Teile und das ist der Weg zur Deutlichkeit Eine Erkenntnis die ohne einen
überdachten Zusammenhang derselben mit andern Erkenntnissen entspringt heißt
bei mir ein Einfall Wer hat nicht alles Einfälle Schade dass der gute
Großvater so wenig gesellig war Ich glaube seine Schlafmütze war schuld daran
Ein großer Kopf ist indessen gewöhnlich ungesellig Geselligkeit hat nur was
Gemeines was Unvollständiges Man ist sich nicht selbst genug Diese Größe
hatte unser Großvater nicht Man sah es ihm an dass Umgang sein Bedürfnis sei
Er war fröhlich und guter Dinge wenn seine Hausmütze ihm die Erlaubnis
erteilte in Gesellschaft zu gehen Beim königlichen Rat hätte er in alle Wege
ein ordentliches Mitglied werden sollen    Das Schreien sagt man befreit
den Augenblick von Schreck Es treibt das zusammengezogene Blut auseinander und
die Natur selbst hat dieses Hausmittel dem schönen Geschlechte verliehen Das
war ein Glück sagte der Professor Großvater dass ich schrie nun ists über Er
hatte die Büste des Homer auf einem seiner Repositorien die herabstürzte da er
zu heftig aufstand ich fing sie auf und dünkte mich groß diesen Kopf in meiner
Hand zu haben Schnell fasste ich ihn auch mit der andern an und wahrlich solch
ein Kopf verdient beide Hände Der Großvater freute sich über meine Freude und
wir brachten den Kopf wieder dem Himmel näher wohin er der blinden
Heidenschaft unerachtet eher hin gehört als der Kopf des Eierheiligen dessen
Kupferstich in der Speisekammer hängt Bei allem was fällt bemerkte der
Großvater ist uns so als fiel es uns auf den Kopf Wer glaubt nicht jede
Rakete steige gerade auf uns herab Fast schien es dass wir das Examen bis auf
den Homer den ich aber diesmal nicht übersetzte sondern der mir auf den Kopf
fiel wiederholten Dem Kunstrichter zu dienen noch die Glosse dass die Büste
von Holz war Ei sagte der Großvater ich habe gehört Sie wären Wittwer
geworden Beim Examen hieß ich diesen Seitenblick auf Minen Traufe und wusste
ich nicht was ich geantwortet nur das wusste ich dass es nicht griechisch
nicht lateinisch nicht deutsch war und dass ich mich lieber noch einmal
examiniren als diese Frage an mich ergehen lassen wollte Jetzt war ich gefasst
und sagte dem Großvater dass ich Minen verloren  Schade sagte er Der
Todesfall wird Sie in Ihrem Studienlauf gestört haben Nicht im mindesten
antwortete ich er ist mir sogar förderlich und dienstlich gewesen Wie das
Schönheit gefällt unmittelbar die Wissenschaften mittelbar  Ich hatte des
Weges nichts zu bestellen Der Professor merkte es mir ab und umarmte mich 
Wir nahmen sehr rührend Abschied Allem Vermuten nach sagte er werde ich so
wenig einen neuen Beweis meiner Grossvaterschaft erleben als Ihre Zurückkunft
Seine Tochter war hektisch  Mir schon recht setzte er hinzu ich habe
gelehrt und will gern lernen der Schatten des Todes enthält wenn er sich
enthüllt Klarheit des Lebens  die größte Unvollkommenheit der Natur den Weg
zum ewigen Leben Der Professor empfahl mir Aufmunterungen weil es auch in
Wüsten Versuchungen gebe und nahm so Abschied als wenn er unter s
Leichenbegleitern gewesen  Schließlich bat der Großvater dem Junker Gottard
für die richtige Zahlung zu danken wenn er nicht die Ehre haben sollte diesen
Dank selbst zu sagen Das baten alle akademischen Lehrer denen ich mich
empfahl Man bemerkte dass selten ein Curländer so richtig Zahlungstermin
gehalten wie Junker Gottard Gern das weiß ich hätte Gottard den Professor
Großvater gesprochen und wär es nur gewesen um ihm des Argos halber
verbindlichst zu danken wenn er sich nicht des Dankes wegen richtig bezahlter
Kollegiorum geschämt hätte
    Der Kreisrichter wollt uns durchaus den Abend ein Mahl geben welches wir
aber ausschlugen Gottard war in die Stelle eines Hausofficiers wirklich
gerückt die ein anderer ihm überlassen und sah sich also dieses Verhältnisses
wegen gedrungen seinen Erlass nachzusuchen den er mit vielen höflichen
Ausdrücken erhielt Mit eins fing der Kreisrichter an Sie reisen ab eben da in
Ihrer Gegend ein lustiger Sprung vorfällt Dies sollte Amalia und der unerhörte
Krämer sein Gottard hatte Amalien in des Kreisrichters Haus eingeführt Junker
Gottard versicherte diese Neuigkeit wäre kaum reitergahr und da er merkte
dass man ihm auf den Zahn zu fühlen anlegte so macht er ein Rechts um kehrt
euch und der Kreisrichter war so klug als zuvor  Die alte und wohlbetagte
Frau hatte ihr Gehör diesen Sinn der Geselligkeit verloren und war eben
dadurch argwöhnisch und verdrießlich worden Gesicht pflegte mein Vater zu
sagen ist im Dienst des Verstandes Gehör im Dienst der Vernunft Was diesen
Dienst betraf so hatte die gute Frau ihn wahrlich nicht übertrieben  Wenn
Gott ihr nicht hilft sagte der Kreisrichter so geht meine Brust verloren die
ich zu meinem Amte wahrlich notwendig habe Diese Hilfe das sah man dem
engbrüstigen Manne an war nach seiner Meinung ein baldiger Tod der nach
menschlichen Berechnungen auch nicht lange mehr ausbleiben konnte Sie ließ
obgleich wir beide keinen Lungenfehler hatten uns nicht vor  Was meinst du
sagte Gottard da wir gingen wenn er Wittwer wird und wieder heiratet ob er
die Hausofficiere behält oder die Stellen eingehen lässt
    Bei unserm königlichen Rat mussten wir die letzte Mahlzeit halten Junker
Gottard hatte überhaupt keine Kollegia gehört und war auch nur wenn der
königliche Rat es nicht länger aussetzen konnte und eine große Mahlzeit gab
unter diesen Gästen Es gefiel Gottarden dieser Zirkel bestehend aus einem
Offizier einem andern königlichen Rat einem Prediger und Professor ungemein
und wenn eben dieser Professor ihm nicht wegen richtiger Bezahlung seines
Kollegiums gedankt und ihn dieses Danks halber auf eine Viertelstunde in
Verlegenheit gesetzt hätte Gottard wäre noch weit vergnügter gewesen Bruder
sagt er wie wir weggingen Gesellschaften solcher Art machen weit klüger als
Kollegia Die Erkenntnis aus Büchern ist tot die aus Gesellschaften lebendig
Sie hat eine öffentliche Probe ausgehalten sie ist abvotirt
                                Nach Göttingen
                                                            Berlin den   17 
    Den König den König nicht einen König den König hab ich gesehen Gern
möcht ich sagen König wenns nicht undeutsch wäre Von Angesicht zu Angesicht
lieber Vater gesehen Das nenne ich sehen wenn man so hörte würd ich sagen
er predigt gewaltiglich Dich mein Vater hab ich so gehört wie den König
gesehen Solch ein Auge  Hat er Augen Sterne hat er Sonnen die ihr eigen
Licht haben und Strahlen werfen Er ist die Experimentalphysik zu deinen
Grundsätzen über den monarchischen Staat Herr v G der ältere das wett ich
würde huldigen wo nicht mit den beiden Schwurfingern so doch innerlich  Bis
recht zum Herzen bringt glaub ich keine Huldigung sie geschehe dem König
oder sonst wem Mein Reisegefährte ist in Beziehung der Monarchie dem Bilde
seines Vaters ähnlich Ich behalte mit Fleiß deine Distinction bei nicht ihm
sondern seinem Bilde ähnlich  nicht die andere Welt empfinden heißt es
sondern die Kräfte der andern Welt  Der dem Bilde seines Vaters ähnliche Sohn
stand sah und war weg  weg war er  Er hätte nicht angelegt wenn das Wild
ihm zu Fuß gefallen und gehuldigt hätte  Was wahr ist ist wahr sagte der
gute Wildfänger zu Hause nachdem er sich von der königlichen lieben Sonne Licht
und Pracht im Schatten erholt hatte Was wahr ist ist wahr Ein besonderes
Ding König zu sein Was wahr ist ist wahr Dieser da Groß sehr groß wie ein
Löwe um beim Wild zu bleiben und wenn er Liebhaber von der Jagd wäre   »und
wenn er aufhören möchte der König zu sein« Ob ich ihn recht beim Worte gefasst
ob ich recht eingegriffen stelle ich deiner reifern Entscheidung anheim Vater
die Augen die Augen Die Nase Stirn Hand Gang alles königlich  Wenn er
sie doch schonen möchte die großen Königsaugen und sie nicht so hin und
herwerfen oft und auf Leute die des Blickes nicht wert sind  wahrlich nicht
Nach allem Menschenmöglichen hab ich mich erkundigt Der kleinste Zug hat einen
König  Man isst bei ihm er isst bei keinem seiner Untertanen Keiner würd
ihn wenn der Legitimationspunkt zum Regiment je zur Frage kommen sollte seiner
Vollmacht wegen in Anspruch nehmen Er trägt sie unterschrieben und besiegelt in
Gedanken Gebärden Worten und Werken So viel Siegel dass der Lack ordentlich
verschwendet ist Feiner Lack Vater  Gleich wie ich ihn sah dacht ich
warum reisen denn nicht Dichter Maler Bildhauer nach diesem Ideal eines
königlichen Aussehens nach diesem Bilde des Königs Er herrscht und regiert
Regenten gibts auch in der Schule Mein Rector magnificus den ich das letzte
halbe Jahr hatte regiert im rechten wahren Sinn allein herrschen kann nur
König Friederich  Beim Regieren wirds schwer Du hättest hören sollen wie
Se Magnificenz Krone und Szepter niederlegten als wenn Sie sich gebadet
hätten so leicht so wie neugeboren Herrschen sieht immer leicht aus so
leicht als einschlafen Eins Vater mit Sr Majestät Erlaubnis gefällt mir
nicht  Was ich mich geärgert habe dass Er die Flöte spielt das soll er dem
Apoll überlassen wenn er in der Schäfermaske ist Sage Vater gibts ein
königliches Instrument Ich kenne keines Die Flöte Freilich da der König sie
bläst scheint es es könne etwas aus ihr werden  Einige glauben gar sie wäre
gekönigt in den Königsstand erhoben O ihr Kleingläubigen Ich find es nicht
Blasen Kann man denn nicht den Odem zum Worte sparen den Odem den göttlichen
Spiritus den Geist oder das Bild von ihm  Aber der König lässt sich nie hören
er bläst die Flöte eben so als er sich im Schlafgewand wenn man es so nennen
soll sehen lässt Eine Schlafmütze hat er nie auf seinem königlichen Haupte
gehabt Sie sticht überhaupt schlecht mit der Krone ab Sein Hut steht ihm als
eine Krone So trägt keiner seinen Hut Der Hut ist überhaupt ein
Hauptkleidungsstück am Könige Der König von Polen mit einer Mütze der Sultan
mit einem Bund machen keinen Einwand Den Bischöfen ihr Insul Wenn der König
grüßt du solltest sehen Vater wie er den Hut fasst  Seine Kleidung Nichts
was neu anschiene Ein neues Kleid ist nicht königlich Am Hut der gewiss nicht
neu war keine Verzierung Vater durchweg ein König Alles so natürlich 
Täten wir es wär es die äußerste Affektation
    Aber wieder von der Flöte Nur die haben seine Triller seine Läufe gehört
die ihn nicht als König ansehen dürfen Freunde Fremde  Tonkünstler Ein
König Freunde König Friedrich soll einen haben oder ein Paar und das ist
viel  Ich hätte nicht das Herz es zu sein auch du Vater so sehr du
Monarchenfreund in abstracto bist hättest du wohl göttlichen Ruf es in
concreto zu sein Immer gerade wer kann sich halten  Nur die so geschnürt
sind und dann tun es nicht sie sondern das Eisen
    Die Verse die er macht Auch das könnt er bleiben lassen und es dem
Voltaire anheim stellen Französische Notabene gereimte Verse hättest du das
gedacht Vater Gott der Herr hat nie in Versen geredet Könige tragen sein
Bild Es sind Götter der Erden  Das schwerste Stück Arbeit eines Dichters ist
wie mich dünkt Gott den Herrn redend einzuführen Wenn Gott zu Menschen
spricht ist es Prosa Den Donner selbst ist wahre Prosa  Wir Menschen wenn
wir zu Gott sprechen poetisiren und das ist nicht ohne 
    Du pflegtest zu sagen Vater jeder große Mann hat einen Vers gemacht es
sei im Wachen oder im Schlaf  Newton so gut wie Rousseau und ich glaub es
dir aufs Wort dir dem einzigen dem ich aufs Wort glaube und als Sohn zu
glauben von Gott und der Natur angewiesen bin wofür ich dem lieben Gott Dank
sage für und für Da dünkt mich hab ich die ganze Pflicht des Sohnes zum
Vater gesagt Christus verlangt selbst nichts mehr da er uns zu Kindern Gottes
berief erleuchtete und heiligte
    Des Königs Poesie2 Gern lieber Vater hätt ich mir den König abmalen
lassen allein da ist er so eigen wie Alexander mein Vetter
                                       
    Du hast mir oft und viel lieber Vater den Schlüssel zu deiner
Monarchenliebe behändigt und wie viel hab ich nicht wie sehr viel was ich
noch weglege weil du dieses Depositum mit der Ermahnung zu übergeben pflegtest
Wintersaat  kommt Zeit kommt Rat Wenn ich gleich wie du weißt das erste
Siegel von anexoy kai apexoy gebrochen dies Siegel soll mir heilig sein Es
gibt Dinge die durchaus Jahre erfordern Leibnitz war zwar im fünfzehnten Jahre
Magister allein als Magister war er nicht Leibnitz und da er schon Leibnitz
war wie oft fiel er in den Magister  Ich bescheide mich von selbst dass ich
gewisse Dinge die du für mich eingepackt hast noch so anzusehen verpflichtet
bin wie die meisten Menschen einen Folianten Wenn ich gelegene Zeit habe 
oder wenn ich volljährig bin denn wahrlich ein Foliant in der Hand eines
Knaben ist nicht gleich und gleich das doch allein sich gesellen sich paaren
sollte Zwar hab ich oft in meinem Leben Folianten getragen und stellenweise
durch deine Güte aus Folianten die einige Leute ich weiß nicht warum
geradeweg Quellen heißen geschöpft Quellen im gemeinen Leben sind im
Verhältnis mit andern Gewässern nicht Folianten
    Verzeih Vater meine Altklugheit die in diesem Briefe hie und da
hervorflicht  Der König von Preußen oder sein Blick gab mir Veniam aetatis
Ist man doch heiter am heitern Tage Ich müsste mich sehr irren wenn ich nicht
des Dafürhaltens sein sollte du wärest darum ein Monarchenfreund weil du ein
Menschenfreund bist der Monarchen wegen ists nicht Da dem Herrn Christo
deinem Herrn eine Münze vorgezeigt ward was sagt er Gebet dem Kaiser was
des Kaisers ist und Gott was Gottes ist Die Monarchen sind unseres Herzens
Härtigkeit halber von Gott gegeben und da nur ein Gott istso ist nach deiner
Meinung die Monarchie die klügste die natürlichste Staatsform Sie ist die
Teokratie in höchst fehlerhafter Übersetzung O Gott wenn sie doch einmal Dr
Martin Luther übersetzen wollte so ins ehrliche Deutsch Monarchie ist der
Freiheit halber da die dem menschlichen Geschlecht ins Herz geschrieben ist
Der Monarch soll so lange grünen und blühen und leben und hoch leben bis die
Untertanen zu ihm kommen und ihm sagen nun sind wir alle so dass wenn uns
Gott der Herr ins Paradies setzen wollte wir nicht essen würden von der
verbotenen Frucht Jetzt ist kein Mein und kein Dein mehr zu verzäunen nötig
wir brauchen keine Besatz und Hypotekenbücher und keinen rotbeschlagenen
Richterstuhl weiter Sei lieber Herr König wie unser einer Sei mit uns wie
Engel Gottes im Himmel wie Adam vor dem Fall  
    Hab ich dich nur von weitem verstanden so schreibe mir ja Vater sonst
hilf mir zurecht mit einer autentischen Interpretation
    Die meisten Menschen reden wider den Staat wider den König Dergleichen
gibts in Preußen so wie überall indessen hilft der König sich mit seinen
Augen Sein Auge ist sein Miniatur Wenn die Berliner seine nächsten Nachbarn
politisch kannegiessen  sieht er und sieht alles rings umher treu und hold
folgsam und gehorsam  Er hat ein Gesicht das man sehen muss so oft es zu
sehen ist Er komme wenn er wolle jedes lässt liegen was er treibt sieht
oder will sehen Es ist als wenn heraus gerufen würde Die Mutter hebt ihr
Kleines in die Höhe und der Junge bleibt starr Das Mädchen lächelt Er ist
selten in Berlin In Potsdam ist er König in Sanssouci Mensch Aber Vater
warum redet alles wider die Obern Es ist die natürliche Freiheit welche sich
vordrängt welche das Wort nimmt pflegtest du zu sagen und Herr v G ist dein
unumstösslicher Beleg Ich hab indessen Missvergnügte gefunden die es bloß sind
weil sie den Tyrannen in Kopf und Herz haben Sie selbst wollen auf den Thron O
der Tyrannen mit ihrem Freiheitsgeplärr O der Sünder wider den heiligen Geist
Einige der Missvergnügten sind es weil sie es sind Sie wissen nicht was sie
tun  Das Wort Freiheit ist ihnen nicht ein Deckel der Bosheit wohl aber ein
Deckel des Unverstandes
    In Kurland pflegtest du zu sagen ist Sklaverei und Freiheit zu Hause
Jeder Adelhof ist ein Thron jeder Turm Sibirien jeder Stock Szepter Der
Edelmann ist Despot Tyrann seine Einwohner bis auf den Pastor loci und den
Hofmeister welche altioris indaginis sind  Sklaven
    Solch ein König auch König Friedrich ist getraue ich mir doch und das ist
wieder ein Wunder in seinem Auge zu ihm zu kommen und ihm den Antrag zu tun
zu sein wie unser Einer es versteht sich wenn dies Stündlein vorhanden ist
Das Menschengeschlecht sucht alles auf dem unrechten Wege und das kommt weil
es nicht zusammenhält Da es nicht Gott treu ist wie kann es Menschen treu
sein Gott hat alles dabei getan und den Menschen den Trieb der Geselligkeit
so gar tief ins Herz gelegt allein noch stoßen sie sich von einander Wie sehr
in weitem Felde liegt nicht alles und wie nahe könnte es liegen wenn Gottes
Wille geschähe
    Nimm lieber Vater mit diesem specimine academico vor den Willen das ich
dir loco testimonii schuldig bin Ich habe die Kosten dabei gespart und bin bei
einem Manne wie du eben so weit wo nicht weiter
                                       
    Meine Leser werden freilich aus diesem Briefstück des mehreren ersehen dass
eine gewisse mir angeborene Königsfreude mich begeistert habe und eben darum
dieses Er an Ihn verzeihen dafür sind auch so viele Sies an Ihn Briefe meiner
Mutter an mich weggefallen und mit keinem einzigen ich an Sie mit keinem
einzigen von meinen Briefen an meine Mutter sind meine Leser belästigt  Ich
habe meinen Brief an meinen Vater so gelassen wie er war warum sollt ichs
nicht
    Im letzten Kriege nicht in dem Prozess die Succession von Bayern
betreffend sondern im letzten Kriege sagte Madame Pompadour da ihr einer aus
dem Volke vorwindbeutelte man würde den König gefangen nach Paris führen da
wird man doch einen König zu sehen bekommen Dies was freilich nur eine
Maitresse sagen konnte so wie das erste nur ein Franzose ist so schön als
wahr gesagt  Einem Kreuzzug der Königin aus Saba zum König Salomo sieht es
freilich nicht ähnlich dafür ist auch Pompadour nicht Königin aus Saba und
Friedrich ist er Salomo der durch eine Lilie auf dem Felde in seiner
Herrlichkeit beschämt ward König Friedrich lässt sich mit keiner Feldlilie in
Wettstreit ein
    Der König lacht nur mit seinen Freunden denn er ist König Ernst liegt in
ihm und wenns hoch kommt Beifall Er straft durch seine Kollegia den Lohn hat
er sich vorbehalten Danken kann er nicht durch Taten dankt er In seinem
Danke liegt ihr seid ein unnützer Knecht ihr habt getan was ihr zu tun
schuldig wart Das sagt er nicht in seinem sondern im Namen des Staats Er
wechselt nicht mit Leuten auf die er einen königlichen Accent gelegt allein er
hat auch keinen Liebling ohne den es ihm schwer wäre zu sein
    Bei seiner Liebe zu Hunden ist mir eingefallen er sähe selbst als König
ein dass wenn der Mensch sich dienen lassen sollte es durch Hunde geschehen
müsste Sie scheint die Natur dazu bestimmt zu haben Vielleicht würden die Hunde
und noch andere Tiere besser wenn ihre angeborenen Herren besser wären Wenn
ein Mensch Mensch ist bedarf er wahrlich keine andere Bedienung als im Fall
der Not einen Hund Diogenes konnte sich ohne ihn behelfen
    Der König hält viel von glücklichen Menschen Der Mensch hat Glück sagte
er Glück und Welt ist in diesem königlichen Sinn nicht viel auseinander und so
könnte man auch sagen der König habe Glück
    Der König ließ in seinen Feldzügen die Kugeln um sich herum pfeifen und
heulen so wie Mücken sah er sie an die um seinen Kopf sich lustig machten
Man sollte fast glauben für einen unverwandten Blick auf einen Fleck für einen
festen Gang zum Ziel für ein Bewusstsein das ist der rechte Weg haben die
Kugeln selbst Respekt  Im Willen des Menschen liegt eine menschliche Allmacht
 Alle beherzte Leute verlieren das Gleichgewicht wenn sie einen Unsinnigen
sehen Ists Wunder da die Beherzten die Mitleidigsten sind Feigheit allein ist
grausam
    Was ist der Mensch ohne Vernunft so sehen Tiere nicht aus welchen es doch
allen am Besten an der Vernunft fehlt  als ein unsinniger Mensch Er ist
weniger als ein Tier geworden  Die menschliche Gestalt ohne Vernunft ist das
Schrecklichste was man in der Natur sehen kann Kains Zeichen ist ein
Gnadenkreuz dagegen Der König kann keinen Unsinnigen aushalten Er sieht wie
tief der Mensch sinken könne obgleich er seines Gleichen ist Ein proskynein
dünkt ihn daher wie ein Bruch der Vernunft  Er zieht sich vor jedem zurück
der vor ihm die Knie beugt Alles aus einer und der nämlichen Quelle  Das
Haupt regiert und nicht die Füße sagte der nämliche Kaiser da man ihm zu
Füßen fiel der da man ihm sein teures Leben landesväterlich vor dem Geschütze
zu decken anriet erwiderte es ist noch kein Kaiser erschossen
    Gott der Herr ist überall Der Himmel heißt es zwar ist sein Stuhl und die
Erde seiner Füße Schemel allein das ist Poesie und ein Selbsterrscher ein
Monarch der im eigentlichen Sinne Gottes Bild trägt sollte auch keinen
beständigen Aufenthalt haben Er der überall sein sollte müsste wenigstens
überall zu Hause sein Das Hoflager kann es denn nicht wandelbar sein um die
Allgegenwart zu spielen Die deutschen Kaiser waren ehemals an keiner Stelle und
Ort zu Hause Die Könige von Polen zogen auch umher und was ist natürlicher
als dass Residenzen Königsstädte durch den Vorzug den ihnen das Schlafzimmer
des regierenden Herrn beilegt das Haupt die andern Provinzen aber die Glieder
werden Würde es nicht gut sein wenn die hohen Kollegia des Landes an den
kleinsten unbedeutendsten Oertern wären Gott regiert im Verborgenen  Der
König von Preußen visitirt wenigstens jährlich seine Provinzen Er braucht
keinen Wardein seiner Diener Sein Auge ist Schwert und Wage und da blickt er
umher und wenn er einen Überhang von Ästen eines Untertans über des andern
Boden findet der diesen stört heißts haue sie ab was hindern sie das Land
 Er besitzt ein moralisches Menstruum universale alle seine Untertanen
aufzuschließen  Bei Freunden irrt er öfters Er hat einmal Berlin und es
verlohnts dass er es hat Wer es behauptet dass die Residenz der Extrakt das
Extrafeine die Punktation aller Provinzen sei mag so unrecht nicht haben Ich
glaube fast dass man aus der Residenz den ganzen Staat in unsern Zeiten am
sichersten übersehen könne es kommt nur hier wie überall auf den Standpunkt
an
    Tiergarten rief Junker Gottard und lief spornstreichs hin 
Glockenspiel schrie Gottfried und vergaß darüber Danzig wo Glockenspiel und
kein Ende ist Gott ehre mir fuhr Junker Gottard fort meinen Tiergarten in 
 der natürlich ist ich will den Berlinern gern den künstlichen lassen und
den Sand obenein der wie er bemerkte der grünen Farbe am schädlichsten ist
Sieh nur sagte er eine Blume deren Laub vollgestäubt ist  Darf man doch im
Tiergarten nicht einmal eine Flinte losknallen Auf die Parade zu gehen hätte
ich ihn um eine Obristenstelle nicht überreden können Man muss den Teufel nicht
an die Wand malen war seine Meinung Ich war auf der Parade in meinem Element
Zuweilen war mir das Komandowort so nahe dass ichs mit Gewalt unterdrücken
musste Der Alexander wollte durchaus zum Vorschein Wie viel Helms sah ich da
tapfere Helms Alles wäre dem Junker Gottard erträglicher gewesen wenn nur die
Fragen woher wohin wer wie was an den Toren ihn nicht mit Vorurteil
eingenommen hätten Muss man sich doch sagte er hier durchdecliniren und
durchconjugiren lassen Da hatte ichs ja beim Professor Großvater noch
leichter wo ich dich für mich antworten ließ und den Argos kennen lernte
welches der beste Hund in der ganzen Welt ist Einen seiner königsbergschen
Argos von dem er glaubte dass er vom Homerschen abstammen müsste hatte er mit
Die andern wurden verschenkt Amalia hatte einen dies erfuhr ich erst
unterwegs Es war wahrlich kein Schoosshund Was tut die Liebe nicht Gottfried
sagte da auch er am Tor examinirt war Muss man sich doch hier an die Glocke
schreiben Da wo der König selbst ist gilt kein Revisor wie der
Natanaelsche kein Knabe der mit der Hand das Postorn so nachmacht dass man
glauben sollte die Post käme Nathanael würde hier seinen Abschied nicht
genommen haben Wo solche Revisors wie unser Natanaelscher den König selbst
vor Augen haben können sie unmöglich Wir Friedrich ohne Furcht der Rute
missbrauchen Ich würde kein Kind zum Treiber des Volks machen Wahrlich
Richterverstand kommt nicht vor Jahren
    Einem seinen Engländer lief ich in Berlin nach und machte ihn mit vieler
Mühe zu meinem  Bekannten Freund war er noch nicht Ein Mensch von
ausnehmendem Kopf  Seine Nation war in ihm getroffen wie aus dem Auge
gerissen Er kam von Russland und wollte noch weiter in die Welt Hier sagte er
in eurem Staat ich bin ein Curländer mein Herr Engländer überall eine
Saladiere zu wenig ein Friedrichsdor erspart In Russland zehn Rubel ein paar
Schüsseln zu viel Immer Epakten immer Überschuss Das fuhr er fort liegt im
geheimsten Mark des Staats In Petersburg ist zu viel in Berlin zu wenig Platz
das sehe ich an Gebäuden die sich sehen lassen  Man weiß wie die Engländer
sind Für den König war er wie ich Ganz gewiss hat er an seinen Vater auch so
geschrieben wie ich  Der Starrkopf Die Franzosen waren seine Freunde nicht
wie gewöhnlich Der König von Preußen sagte mein Engländer liebt den
französischen Verstand aber nicht den französischen Willen Wir und ihr Wir
voraus das hieß England und Deutsche bleiben bei der Angel wenn gleich in
einigen Stunden kein Fisch kommt Der Franzose schießt während der Zeit einen
Vogel Er trägt Gold auf dem Hut wir ein seines Hemde Viele in Berlin fuhr er
fort welche den Unterschied von Verstand und Willen nicht so gut wie der König
einsehen sind ganz und gar Franzosen Man könnte diese unterbrach ich meinen
Engländer weit eher als die Letten in Kurland Undeutsche nennen Dies war ihm
was Neues vom Jahr Undeutsch wiederholte er und lächelte Das Frauenzimmer
bemerkte er ist in Berlin zum größten Teil vom Haupt bis zu den Füßen
französisch Zum größten Teil fiel ihm Junker Gottard ein und der kleinere
Teil ist englisch  Deutsch wie Sie wollen erwiderte der Engländer Ich
dächte beschloss Junker Gottard das Frauenzimmer stamme durch die ganze Welt
von den Franzosen oder die Franzosen vom Frauenzimmer Wir der Engländer und
ich vereinigten uns wider den Junker Gottard und bewiesen ihm dass es noch
Frauenzimmer deutscher oder englischer Art gebe und zeigten ihm davon etliche
in Berlin Ihr kennt sie nur von Ansehen fuhr Junker Gottard fort Darf man
mehr wenn vom Frauenzimmer die Rede ist Da ich dem Junker Gottard die
Gewissensfrage tat ob denn seine Trine von französischer Abkunft sei war er
verlegen Ich richte meine Frage nicht auf Amalien die einen Argos von dir zum
Geschenke zurückbehielt nicht auf die Brunette mit dem trefflichen Busen wo
ein Ball gegeben wird und wo zehntausend Liebesgötter schweben  von Trinen
frage ich   Gottard trat uns bei
    Der gute Junker Gottard hatte es von seinem Vater und dieser von dem
meinigen dass man das Volk in der Sprache suchen müsste und da er sich viel
darauf zu gute tat ein halber Landsmann von Grossbritannien zu sein so neckte
er sich mit dem Engländer dem es sichtbarlich Vergnügen machte Schade nur dass
Junker Gottard nicht viel Englisch wusste Englisch Mann fing er an England
Kurland warum denn nicht curisch Mann  Und dann wieder Was solch ein
englisch Mann vom Kopfe macht Da haben wir doch Gottlob Stirne und Scheitel
und er Kopfkron und Vorkopf  Bruder erwiderte ich das Volk kann ein Wort
vom Kopf mitreden Und dann immer ich selbst fuhr Gottard fort das Selbst
doch ja nicht zu vergessen Sieh sagte ich ihm Bruder da ist doch jeder was
selbst im monarchischen Staat ist man alles par Bricole Dies vom Billard
geliehene Kunstwort fiel ihm so auf dass er als Curländer auch von selbst zu
sagen sich berechtiget glaubte  obgleich ein Curländer mehr als zwei Herren
dient und niemand kann zwei Herren dienen
    Dass sich die Englischmänner auch in Abwesenheit beehren und dem Namen ein
ehrerbietiges Herr vorsetzen wenn gleich der Herr nicht da ist und es auch so
mit ihren Weibern halten gehört auf das nämliche Konto  In der Monarchie ist
man Augendiener fing ich an Wenn man mit dem Herrn spricht bückt man sich
dazu und ist er nicht da heißt er schlechtweg Peter Paul Pompei Heuchelei ist
der Erbfehler der Monarchien In Kurland wo doch Freiheit herrschen soll fuhr
ich fort sehen die Leute ein wie wenig sie bedeuten  Doch warum eine
Donatsche Stunde  Ich will sie mit dem Worte Königreich schließen auf welches
mein Vater aus dem englischen Vater unser den Accent legte und zwar nicht wie
man beim ersten Blick glauben sollte weil mein Vater ein Königscher war
sondern weil er den seligen Zeitpunkt wünschte das Fest aller Heiligen wie
ers zu nennen pflegte da wir allzusammen eine Heerde sein werden und Gott
unser König ein königlicher Vater Ists Wunder dass wir uns in einer Residenz
wo unstreitig der erste König regiert an dies Fest aller Heiligen erinnerten
wo eitel Güte und Wahrheit herrschen wird wo nicht steinerne Herzen und
steinerne Gesetztafeln sondern fleischerne Herzen sein werden und Leben für
und für Gott verhelf uns allen dahin wo Freude die Fülle und liebliches Wesen
ist immerdar  So lang aber dies göttlichväterliche Königreich nicht kommt
ists wahrlich das beste einen König zu haben der es im Geist und in der
Wahrheit ist
    Der König von Preußen hat viele Räte allein er zieht keinen zu Rat
    Noch mehr vom Könige Gern Sowohl der Engländer als ich sind zu mehr
bereit Junker Gottard wird sehen wie es fällt
    Der König schreibt trotz allen Wörterbüchern Federic obgleich Friederich
Frederic heißt
    Ich habe schon bemerkt dass er sich nur angekleidet sehen lässt Ein Held ist
wie eine Uhr sie muss aufgezogen sein wenn sie gehen soll Sollte man dies
nicht auch von einem Könige sagen können
    Der Engländer sagte Finden Sie es nicht auch dass Preußen so lange groß
bleiben werde als es immer Schach bietet
    Alexander der Große fürchtete sich bekanntlich vor dem ateniensischen Tsar
Peter vor den holländischen Zeitungen Aretin machte sich alle europäische Höfe
zinsbar König Friedrich ist darüber weg Man sagt er habe bei Gelegenheit dass
eine unschickliche Schrift die wider ihn gerichtet war sehr hoch hing bloß
verfüget sie sollte etwas tiefer geschlagen werden
    Was ich gern Prinzen sehe sagte mein Engländer ich sehe in ihnen ein
ganzes Land Hunderttausend in Einem 
    Der König sieht jeden an allein er will nicht dass man ihn wieder so dreist
ansehe Wer kann in die Sonne sehen
    Man sagt der König habe blöde Augen und eben daher sein Blick sein großes
Auge Kann sein Seinem Blick ist es nicht anzusehen Er hat alles an sich was
ein vollgültiger Blick haben kann  König und ein Perspectiv sind fast
unzertrennlich
    Der König hält den Soldaten für seinen Freund den Civilisten für seinen
Untertan Ist das recht fragte der Engländer Junker Gottard schrie Nein
Der Engländer gab ihm die Hand Der Soldat fing ich an ist des Staats
Wundarzt der Civilist sein Medicus allein ich kam nicht weiter  Mit dem
Civilisten spricht der König über sein beschieden Teil mit dem Soldaten über
alles Ob der Soldat antworten kann ist des Königs wenigster Kummer Alle
Staaten wenn sie groß werden sind kriegerisch Sind sie groß und wollen sies
bleiben bedürfen sie Staatsmänner
    Der König will einen gewissen Esprit de corps in sein Heer einführen
welches das ganze Geheimnis der Phalanx war so im ersten Paragraph der
phalanxischen Kriegsartikel stand Das ganze preußische Heer soll eine Phalanx
sein Was einem begegnet soll allen begegnet sein So denkt jeder Edelmann in
Kurland fiel Gottard ein Nicht wahr Alexander Ja doch lieber Junker
Gottard jeder Edelmann in Kurland
    Wie kommts fragte der Engländer dass beim Exerciren niemand hustet Hat
kein preußischer Soldat den Husten Er hält sich gerade erwiderte ich  das
hilft für alle Krankheiten selbst des Todes Bitterkeit ist damit zu vertreiben
 Es ist eine monarchische Kur sagte der Engländer und Gottard trat bei Ich
weiß dass viele Krankheiten hiedurch curirt sind  Man verbeisst sie
    Bei allem was der König öffentlich tut ist die Uhr aufgezogen Tun die
Menschen sagte der Engländer denen der König die Parole gibt doch so als
wenn sie den König Salomo urteln gehört
    Der König hat in gewissen Dingen keine Proportion »Da geb Er doch den
beiden Mädchen drei Friedrichsdor« Es sind viere Ew Majestät die gesungen
haben »So geb Er dreihundert« das heißt geb Er ihnen eine Kammer oder ein
Schloss
    Der König wahrlich das ist groß wird so wenig im Krieg als im Frieden
bewacht Man sieht offenbar ein er sei unbesorgt er sei ruhig  Wenn das ein
König sein kann so hat ers weit gebracht
    Noch etwas das dem Engländer das Herz stahl Alles ist gleich weit vom
Throne Der Bediente des Königs ist ein Bedienter
    Warum beschreibt er nur eine Seite Und warum muss alles was an ihn gebracht
wird auf einer Seite Platz haben
    Er liebt nicht Registraturen und Kanzleien Herzog Friedrich der Weise
Kurfürst zu Sachsen nannte die Kanzlei der Fürsten Herz  Wie sie doch der
König nennen mag Wir waren alle der Meinung des Herzogs Friedrich des Weisen
Kurfürsten zu Sachsen
    Alexander der Große ärgerte sich da Aristoteles eines seiner Werke 
drucken ließ hätt ich bald gesagt und einen entsetzlichen Druckfehler
begangen  ausgab Alexander wollte in allem besonders sein und etwas bloß für
sich haben was jetzt auch andere hatten Wie muss er es doch gemeint haben dass
er lieber alles an Gelehrsamkeit als an Macht übertreffen wollte
    Was ist besser wenn die Fürsten philosophiren und die Philosophen regieren
oder wenn die Regenten bloß tun was die Weisen lehren Der König von Preußen
ist ein schöner Geist   
                                       
und mein Engländer ist ein Engländer  Gern hätt ich mir diesen lieben Jungen
zum Freunde gemacht Wer weiß aber wie lang er den im Noviciat behält der zum
Freunde eingeweiht wird  Wir waren wirklich so nahe als man es mit einem
Engländer sein kann der noch nicht Freund ist Seine Ungeselligkeit blieb mir
kein Geheimnis das ist der einzige Umstand wo die Engländer ohne Rückhalt
sind Wir waren immer willst du zur Rechten will ich zur Linken obgleich er
den Deutschen die Ehre tat sich mit ihnen wider die Franzosen in Bündnis
einzulassen Ich ließ es mir merken bitten hätt ich ihn um vieles nicht
können kein Engländer lässt sich bitten dass ich es gern sehen würde wenn er
noch acht Tage bliebe wie ich  Den andern Morgen war er weg und um ganz
englisch zu sein ohne Abschied Unfehlbar stand in seinem Reisekalender Geh
ich ab und da hätt ihn keine Observation der Venus durch die Sonne gehalten
Gott geleit ihn den guten Jungen Ich wünschte wohl wenn er seinen Lebenslauf
schriebe dass er an mich dächte In dieser Welt glaub ich werd ich ihn so
wenig wiedersehen als den Alten mit dem einen Handschuh der auf ein sanftes
Ende mit dem Herrn v G trank und der nur höchstens noch acht Tage zu leben
hatte da er zum Herrn v G kam und dessen Zeit edel war O da werden wir so
manche gute Seele finden die wir in diesem Buche verloren haben Junker
Gottard würde hinzufügen auch so manchen Argos Die Fortsetzung also von
unserm Engländer folgt künftig
    Ich habe viel in Berlin verloren da mein Engländer mit seinem zu viel und
zu wenig nicht mehr da war Junker Gottard munterte mich wahrlich nicht auf 
Gottfried glaubt auch noch andere Örter zu finden wo Glockenspiel wäre
    Auch ohne Engländer wie vortrefflich Berlin  Außer meinem Elemente dem
Paradeplatze was für Nahrung für Geist und Herz Berlin könnte Deutschlands
Athen sein wenn der König es wollte und so mancher Undeutsche der um ihn ist
    Den Tag vor unserer Abreise kam Junker Gottard so außer Atem nach Hause
dass ich befürchtete es wäre ihm ein Ehrenhandel aufgestoßen Was ist dir fing
ich an Und siehe da man hatte sich über sein grünes Kleid lustig gemacht und
wußt er nicht wie er damit daran war Wal um fing ich an hast du nicht was
daran spendirt und dem Witzling dem eine derbe Antwort not tat Wehr und
Harnisch genommen Warum waghalsen sagt er Bruder Wir reisen heute Morgen
erwiderte ich  Damit ich mich räche fiel er ein heute Ich hatte Mühe ihm
zu beweisen dass man sich darum an einem Verräter der grünen Farbe nicht rächt
wenn man einen Tag früher aus Berlin reist Wir blieben die vollen acht Tage
 
                                    Fußnoten
1 Hiess zu der Zeit in Kurland Geld und Gut oder wie einige wollen Gold und
Silbergeld oder im Provinzialausdruck grob und fein groß und klein Geld dies
will sagen Albertstaler und Vierdings
2 Ich mag nicht mehr darüber abschreiben sondern begnüge mich ehe ich weiter
komme die Anmerkung hinzuzufügen dass Se Majestät und ich einen und den
nämlichen Verleger haben Ein Kompliment für uns alle drei Das hätte noch mein
Vater erleben sollen
 
                                 Zweiter Band
In Berlin das haben meine Leser hoff ich sehr deutlich eingesehen gehörte
mein Feldkessel zu Hause den meine Mutter zu kennen nicht die Ehre hatte und
worüber die Frau v G hohnlachte der aber meines Vaters Mitgabe war
    Nach Königsberg brachte uns ein Major und sein Schwestersohn der als Junker
beim Fuhrwerk stand die uns beinahe zwei Tage in Mitau ohne Not verzögerten
die Mittag und Abend in einsweg zu halten weil eine Leichenpredigt vorfiel
sich nicht lange bedachten und die wenn gleich sie nicht erlaubten sich an
grünen Plätzen zu verweilen doch alle Augenblicke einen Platz hatten wo sie
entweder einen guten Labetrank wussten oder wo der Wirt eine gute Prise Tabak
hielt die Wirtin etwa selbst hübsch war oder eine hübsche Tochter im Vermögen
hatte Jetzt Extrapost und wenn es meinen Lesern gefällig ist so bis ans Ende
 Ob wir einen Drosselpastor und sein Schein und Sein kennen oder nicht und den
siebenmal sieben besonderen Grafen die lindenkranke Predigerin und ihren Mann
mit der Sünde wider den heiligen Geist Gretchen die mit mir Ostern auf
Minchens Grabe feierte und Pastors Trinchen welche die heilige Geiststrasse
dreimal auf und ab ging und so viel andere grüne Stellen mehr Was tuts
Extrapost nicht wahr wenn sie gleich mehr kostet als ein Rigascher Fuhrmann
ich mache mir nichts daraus
                 Von Göttingen Parnass und Musen wie es fällt
    Vortrefflich für jeden der Luft und Liebe zum Dinge hat und doch so
ziemlich ohne Jammer und Schaden für den der es nicht hat Diese Akademie hat
bei der Letztgeburt den Segen wie Jakob vom Isaak ohne ihn durch rauch
gemachte Hände zu erlisten ohne ihn durch ein schnödes Linsengericht zu
beschönigen  So viel ist gewiss Göttingen ist so wenig die kleinste unter den
deutschen Universitäten dass sie vielmehr auf dem Wege ist die größte zu
werden oder dass sie es schon wirklich ist den Großvater in Königsberg in
Ehren allein gibts in Göttingen nicht auch Grossväter Und wenn gar zum
AelterVater Hoffnung wäre Ich kann den Gedanken nicht bergen ohne mich zum
competenten Richter aufzuwerfen ob und in wie weit eben der Umstand weil
Göttingen jung von Jahren vieles zu diesem Fortschritte beitrage Die Musen
werden im ewigen Frühlinge der Jahre dargestellt  Zwischen Majoraten Lehen
Stiftern und Universitäten ein Unterschied Damit ich noch ein Kappfensterchen
aufstosse wär es nicht gut wenn sich die Universitäten in Züchten und Ehren
einverstanden was sie eigentlich erziehen wollten Da könnt eine erkoren
werden Professores akademische Lehrer zu bilden Lasst uns Professores machen
Bilder die uns gleich sind Den andern Stief und rechten Schwestern wäre zu
überlassen mit der übrigen studirenden Jugend umzuspringen oder zu tun und zu
lassen was jetzt getan und gelassen wird Kommen denn alle auf die
Universitäten zu lernen um wieder zu lehren Da sind ihrer viel die nur selbst
wissen wollen Zwischen einem Wisser schlechtweg zwischen einem Vielwisser und
zwischen einem Lehrer welch ein Unterschied Und dann unter der Rubrik Lehrer
was steht da nicht alles Schullehrer Kirchenlehrer ist zwar der bekannteste
Lehrunterschied allein auch gewiss der unbedeutendste O der unaussprechlichen
Unterschiede Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen Diese Welt ist
eine Schule wo Lehren und Lernen abwechselt und fast beständig so dass man zu
gleicher Zeit lehrt und lernt Docendo discimus sonst würd auch die edle Zeit
verloren gehen die oft die besten Köpfe aufs Lehren verwenden Es ist indessen
wahrlich weit schwerer zu lehren als zu lernen Der Mensch hat was sehr
Gelehriges allein wenn er unterrichten soll zeigt er überall dass Gott sein
Lehrer gewesen und dass er in Rücksicht des Lehramts das Bild Gottes verloren
Wahrlich dass es mit dem menschlichen Geschlechte so wenig fort will dass es
nicht von einer Stelle kommt liegt am Lehrstande Das arme Menschengeschlecht
wie es da noch immer in seinem Blute liegt Und was tun unsere Groß und
Kleinsprecher Sie bestellen einen schönen eichenen Sarg mit im Feuer
vergoldeten Griffen um für ein standesmässiges Begräbnis Sorge zu tragen Die
meisten Lehrer sind Curatores funeris Leichenbesorger Gott wann erschallt die
Stimme sie komme aus Osten Süden Westen Norden wenn sie nur erschallt du
sollst leben
    Ists also Gotteswerk zu unterrichten so gehorcht euren Lehrern und folgt
ihnen denn sie wachen über eure Seele so lange sie nicht Irrlehrer sind Ich
glaube mit meinem Vater dass der welcher zur rechten Türe in den Schafstall
gekommen fein metodisch seine Lektion gelernt und kein Mietling ist auch
andern die rechte Tür zeigen und ein guter Hirte sein könne der bekannt ist
den Seinen und die Seinen kennt Dies findet vorzüglich bei Universitätslehrern
statt so wie sie jetzt im Schwange gehen Da hat jeder seine Lektion die er ad
unguem bis auf den Nagel selbst weiß und also auch lehren kann indessen
sollte man es bei der Mannigfaltigkeit der Lernenden und des Unterrichts nicht
bei einem  Leisten ja wohl Leisten lassen Würd es nicht Früchte bringen in
Geduld wenn man die Saat nach der erwünschten Ernte den Unterricht nach der
künftigen Anwendung einrichten möchte Jetzt stehen die Studirenden nicht viel
ordentlicher als die Bücher in den meisten Bibliotheken nach der Größe nach
den Bänden nach dem Schnitt nach der Anwerbung Es fehlt nur noch nach dem
Verleger und dem Druckorte Das Druckjahr worauf am wenigsten gesehen wird
würde vielleicht ein Umstand sein der nicht zu verwerfen wäre
    Der Professor hängt jetzt den Brodkorb bald zu hoch bald zu niedrig und
wie oft vergessen nicht die Speisemeister auf Universitäten über der Seele den
Leib Zankt nicht auf dem Wege sagte Joseph zu seinen lieben Brüdern da er
ihnen den Zehrpfennig gab und wahrlich dies sollte die Losung aller
Universitäten sein Durchs Zanken wird zwar die Schale polirt der Kern aber
trocknet ein in diesem sein geschliffenen Gehäuse
    Kann ich doch auf keine Universität kommen ohne mir ihren Ton eigen zu
machen Ein guter Ton wenn die Angeber weniger quid est fragen und alle
Wissenschaften zu ExperimentalWissenschaften zu bringen bemüht sind wie es
jetzt am Tage ist
    In einigen Dingen kann man Universitätsgebrauch lassen Da man einsieht wie
wenig man weiß will man lieber irren als untätig sein Wir ehren einen
paradoxen Mann und blössen unser Haupt nicht vor gemeiner Erkenntnis Wir kleiden
uns prächtig und sollen nur rein einhergehen Ein Sünder der Busse tut ist
besser als neunundneunzig die der Busse nicht bedürfen Ein fähiger Unwissender
er sei wirklich unwissend oder er könne seine so genannte Vernunft gefangen
nehmen so oft sie die Fenster einwerfen will ist ein so schönes Naturstück
als man nur nachdem das Paradies eingegangen sehen kann
    Kein Examen in Göttingen Wozu der Unrat wenn gleich ein Großvater dabei
am Ruder war wie erwünscht fiel der Blitz durch die Ritze  Gute Hausmütze du
konntest nicht gelegener wie ein Eid das Ende alles Haders machen
    Den Fechtboden und das Reitaus nicht zu vergessen wahrlich ein paar
Vergissmeinnicht in Göttingen Wir sind hier geborene Fechter und Reiter sagte
mir der königliche Rat beim Kreisrichter in Königsberg da der letzte eben eine
denkwürdige Schlägerei mit allen ihren Punkten und Klauseln referirt hatte Kein
Wunder dass ich in Königsberg so schöne Vergissmeinnicht nicht fand
    In Göttingen spielt ich auf Fechtboden und Reitaus Alexander wiewohl ohne
an jene jugendliche Ritterspiele zu denken deren vorgestecktes Kleinod Mine
war Berlin aber sah ich vor mir den Paradeplatz nämlich in Berlin und Potsdam
wo der König wie die Sonn auf ein Geländer Pfirsichen wirkt dann schien es
dass sich ein Gedanke in mir hob der wollte und noch nicht konnte Man muss ihm
seine neun Monden Zeit lassen  Getauft soll er werden wenn er zur Welt kommt
    Ich studierte die Mathematik Sie dacht ich ist zu allen Dingen nütze Sie
ist das Lineal und lehrt sich bei allen Wissenschaften gerade halten Selbst
Cicero maß   Doch hatte er nicht zu viel Mathematik in seinen Reden
    Zu viel Mathematik im Felde taugt nicht Was meinen meine Leser vom
ciceronianischen Kriege
    Mein Vater war mit dem ganzen Gange meiner Studien den ich ihm getreulich
und sonder Gefährde vorlegte zufrieden Meine Mutter empfahl mir große Männer
zu hören die sich hören ließ um ihren Ausdruck beizubehalten und ich lernte
hier einen kennen der weder Hand noch Auge brauchte Das Auge pflegte mein
Vater zu sagen hat Christus selbst bei seiner Bergpredigt angewandt Es gehört
dem Prediger die Hand aber dem Handwerker Dieser Redner ohne Aug und Hand
fachte in mir keinen göttlichen Ruf zum Geistlichen auf der sich völlig gelegt
hatte da ich keine Mine mehr hatte Bei meiner ersten Predigt galt mir ihr
verstohlener Blick und Nummer fünf mehr als alle übrige klingende Münze von
großer Anlage von unvergleichlichen Kanzelgaben von kirchenväterlichem
Anstande Minchen liebte mich nach der ersten Predigt mehr als ehedem Ich hatte
mich zum Manne ihrer Seele gepredigt und war vom Alexander bis zum lieben
Jungen erniedrigt oder erhöht worden
    Vergeblich erinnerte ich mich dass mein Vater wiewohl nach dem Brande mich
versichert hatte dass ein Geistlicher der glücklichste Mensch in der Welt wäre
und dass seine Seele in beständigem Frühling sei wo es nicht zu kalt noch zu
warm ist »Frühling ist das Klima des Himmels in der Hölle ist Winter und
Sommer  Herbst würde alsdann das Fegfeuer sein« Beständiger Frühling guter
Vater Wenn es aber ein nordischer wäre wo man den Frühling bloß im Kalender
und in einer lebhaften Einbildung hat Zwar in deinem Lande wo man zeitig eine
Pfeife in der freien Luft raucht den Wein bei der Quelle trinkt und lange
Manschetten trägt  aber wo gehörst du zu Hause wo »Im Himmel« Guter Vater
da ist aller Menschen Vaterland »Dinge der Zukunft sind der Geistlichen
Beschäftigung« Das wäre ja ein gefundenes Essen für mich der ich jagdmüde bin
und wahrlich kein Linsengericht das eine Erstgeburt zu stehen kommt Wie aber
wenn der Geistliche über der andern Welt diese vergässe nur an den Lohn dächte
ohne des Tages Last und Hitze zu übernehmen Wenn er den Purpur und die
köstliche Leinwand selbst nicht abgerechnet hier wie einer der sieben Brüder
des reichen Mannes herrlich und in Freuden lebte wenn ers mit der Ewigkeit so
machte wie geizige Leute die aus Furcht in ihrem Lande das Ihrige durch Handel
und Wandel zu verlieren die überflüssigen Kapitalien in auswärtige Banken
senden oder sie auf sichere Hypotheken eintabuliren lassen um ein recht
gemächliches Zinsenleben führen zu können Man sehe sich doch um lässt sich denn
der Geistliche nicht weit lieber bei seinem Lehnspatron als bei Abraham Isaak
und Jakob zu Tische bitten Sich zerstreuen heißt denn das leben Es heißt
recht geflissentlich nicht leben es heißt das Leben fliehen das ohnehin nicht
leiden kann dass man es sauer ansieht Zwar gibts Männer die wie mein Vater
ein Rad gebrochen und im Wirtshause weilen die wie der Pastor in 
Drosselfänger und wie der in L  Ehemänner von Weibern sind die eine
Lindenkrankheit haben aber 
    Ich will es meinen Lesern nicht länger vorhalten Soldat dachte ich um
mein Leben in die Schanze zu schlagen um so zu stehen wie Urias wiewohl wider
Wissen und Willen stand als der König David sein Weib zur Wittwe machen
wollte Welch eine Kluft indessen war zwischen diesem Gedanken und der
Ausführung welch eine Beste war einzunehmen Ich versteckte mich wie meine
Leser es selbst wissen mit diesem Gedanken unter die Bäume im Garten und
stellte mich geflissentlich so damit meine Mutter mich am wenigsten sehen
möchte deren Losung es war »Wer seinen Eltern nicht folgt folgt dem
Kalbfell«
    Ich studierte in Göttingen Kriegskunst Kriegskunst  Das war ein Wort für
manchen Die Kriegskunst und Urias Aber du guter Mancher Lernt man denn die
Kriegskunst für sich oder für andere und stehe ich denn mit dem Urias eben in
einem Gliede Wagen kann der Mensch sich selbst umbringen muss er sich nicht
    Die hoch und wohlgeordnete und eben so auch verordnete Bibliothek in
Göttingen ist nicht ein Schatz für Motten und Rost wonach höchstens die Diebe
graben und stehlen sie ist ein öffentliches Haus wo jeder einen Zutritt hat
Die Bemerkung meines Vaters wie wahr Eine Universität und keine Bibliothek ist
ein Weinhaus ohne Keller  Da gehe ich doch hundertmal lieber in einen Keller
so finster es auch drin aussieht und so schwer hinabzusteigen er auch ist und
trinke die Gabe Gottes frisch und kräftig fast wie an der Quelle lieber sage
ich als dass ich in manchem prächtigen Auditorio lange gestandenen
warmgewordenen Wein aus einem begriffenen Geschirr trinken sollte Das Geschirr
mag patriarchalisch griechisch gotisch oder modisch gearbeitet sein Eine
Universität und eine Bibliothek sind sich so nahe verwandt dass ich behaupten
könnte eine Akademie sei nichts weiter als eine Bibliothek wo es oft genug
ist zu wissen im Schranke linker Hand da und da Mit diesem Entschlusse kam
ich in Königsberg an und ging nach Göttingen Ich tat nichts weiter als
Register machen welches ein ander Ding ist als Kalender pflegte mein Vater zu
sagen  Das Motto über eine Bibliothek dieses Mannes der meinen Lesern bei
seiner Büchermusterung bekannt zu sein die Ehre hat wie richtig »Macht euch
Freunde mit dem ungerechten Mammon auf dass wenn ihr nun darbet sie euch
aufnehmen in die ewigen Hütten«
    Ich kann nicht aufhören zu sagen was mein Vater gesagt hat Mich wunderts
pflegte er vor dem Brande zu bemerken dass man nicht das Vater unser und seinen
Namen vergisst und mancher Professor sein Kollegium
    Außer der Mathematik studierte ich mich selbst Wenn Newton entdeckt hätte
wie es mit der Welt von Anfang gewesen und was es mit ihr oder mit ihrem
Ebenbilde dem Menschen für ein Ende haben werde so wäre es doch noch ein
Erfinder gewesen allein so gehts Wenn die Menschen sich zeigen kehren sie
wohl vor ihrer eignen Tür
    Seht wie die Natur es zur Menschenkenntnis recht geflissentlich angelegt
hat Die Menschen sind gesellig wie man sagt Wenn wir nach Menschen auslaufen
wollen wir die meiste Zeit nicht den Menschen sondern diese oder jene Tat Nur
wenn man was Großes von jemandem gehört ist man begierig ihn zu sehen und
wenn man ihn sieht sieht man dann wohl den Menschen  Fast nicht sondern
seinen Geist sein Gespenst die Tat die ihn vergrößerte Es ist eine
Erscheinung ein Gesicht Schurken drängen sich vielleicht große Leute zu
sehen weil sie sich nicht vorstellen können dass es solche Menschen gebe Der
Edle sieht in den Spiegel
    Auch den Bösartigsten will man sehen vielleicht um seine Pfosten zu
sichern dass der Würgengel vorüber gehe Akademien sind selbst um zu sehen Das
Gehör ist ein Stück vom Gesicht Im Odem liegt die Liebe in der Rede die Probe
von Weisheit und Torheit Rede und du bist habe ich schon sonstwo behauptet
allein selten trauen wir der Rede wenn wir Temperament und Gemütscharakter
kennen lernen wollen Man hält die Zunge für bestochen für gedungen Sie ist
höchstens ein Hauszeuge Eben darum der natürliche Hang zur Physiognomik Man
will in den Augen sehen wie dem Menschen ums Herz ist Freilich ists schwer
von dem auswendigen Menschen auf den inwendigen zu schließen Ich würde weit
eher aus dem Kleide aus dem Pferde den Menschen beurteilen als aus seinen
Gesichtszügen und andern Schilden die er vielleicht mit gutem Vorbedacht
aushängt und vom besten Stadtmaler zeichnen lässt Wäre hier zur Gewissheit zu
kommen würden die Folgen nicht eben so gefährlich sein als es die von der
Gewissheit unserer Todesstunde sind Ich gebe selbst zu Gottes Finger habe ins
Gesicht dem Menschen sein Testimonium geschrieben wer kann aber Gottes Hand
lesen Da sie auf Kains Stirn leserlich werden sollte musste sie verständlich
gemacht und mit roter Tinte unterstrichen werden In der nämlichen Rücksicht
sind wir so für Handlungen fürs Entstehensehen vor unsern Augen fürs göttliche
Sprechen wo Donner und Blitz eins ist  »Eher hätte ich das bedenken sollen«
 Und wenn ichs bedacht hätte gestrenger Herr bin ich denn nicht auf der
Akademie Und sollte man sobald man der Sache näher tritt nicht finden dass
ich auch hier handle und nicht erzähle Hier ist Vivat und Pereat hoch und
tief  eine Serenade und eine Stunde im Auditorio
    Wollen Ew Gestrengigkeit alles mit Einem von hohen Schulen Wir haben ihnen
die Absonderung der Wissenschaften die Bevölkerung derselben zu danken und ein
gewisses Stellen in Reihe und Glieder Zwar weiß ich den Einwand dagegen allein
wird dieser Mauerbrecher unserm System Schaden zufügen Freilich ist alles in
der Welt in der Gemeinheit und freilich ist noch die Frage ob es denn so gut
sei dass alles und jedes aus der Gemeinheit gesetzt werde Freilich kann man
auch seine Lieblingswissenschaft nicht ganz aus aller Gemeinheit bringen da
selbst Leib und Seele in einander wirken indessen ist doch ein Tausendkünstler
gemeinhin ein schlechter Künstler  Der Schuster kann dem Maler nicht verbieten
einen Schuh zu treffen und der Schneider nicht wenn der Maler ein Kleid
fertigt allein gemalt ist nicht gemacht  Das Gemenge könnte vielleicht dem
symbolischen Erkenntnis förderlich und dienstlich sein wo man am Leitfaden der
Ähnlichkeit zur Wahrheit kommt allein bleibt denn auf dem gelehrten Marktplatz
der Universität nicht noch eine Gelegenheit zu Symbolen übrig wenn gleich
verschiedene Abteilungen vorhanden sind Muss ich denn gehen in dem Garten um
ihn zu beurteilen und ist hier nicht ein Überblick oft nützlicher als ein
Gang  Alles ist Symbol Zahlen selbst wer sollte das denken sind Symbole der
Größe  Der Mensch ists von Gott Darum sind wir so große Bilderliebhaber 
Den Kindern bringt man alles durch Bilder bei weil Bilder kleiner als die Natur
in Lebensgröße sind Mit dem Bilde spielt man allein wer kann es mit der Natur
ohne sich die Finger zu verbrennen  Je mehr der Begriff in die Sinne fällt
oder in dem Sinne liegt je weniger Mühe machen die Worte Je abstrakter aber
der Begriff je schwieriger der Wortfang Auf Universitäten wo auf allen
Straßen abstrahirt wird scheint diese Gewohnheit zur andern Natur zu werden 
Selig sind die nicht sehen und doch glauben Die Probe bei der Abstraktion ist
geistisch Zwar ist auch hier die Anschauung die Probe allein sie bleibt so
schwer als das zu probirende Exempel selbst und noch schwerer Leichter ists
die Sphärenmusik zu hören oder ein Dichter zu sein als abstrakte Sachen
anzuschauen und anschauend zu machen  Nur Sonntagskinder können Geister sehen
so wie Leibnitz zum Beispiel auf einem Baume das Principium indiscernibilium
Zwar geben sich auch etliche mit Geisterbeschwörungen ab allein ich halte
nichts von der Klavicula Salomonis und wer weiß es nicht wie es dem Dr Faust
gegangen
    Der Fuß schläft zuweilen ein und wer kann alsdann von hinnen Man nennt
dies Besterben wer sagt aber dass der Kopf bestirbt und doch bestirbt er eben
so und aus eben der Ursache wie der Fuß Wir merken nicht so stark auf das was
den Organenbeweger trifft als auf die Organe Ungern lassen wir etwas auf den
Kopf kommen den wir zur Schau tragen für jeden der Lust und Liebe zu sehen
hat Wir tun gegen alle Welt groß damit Dem Manne der Hut dem Weibe die
Kinder Den Hut können wir mit leichter Mühe abnehmen sonst würden wir ihm die
Würde eines Ehrenzeichens nicht einräumen Es gibt Völker die das Haupt blössen
wenn sie mit Gott reden und Völker die es decken Die es blössen tun es bei
Leibe nicht um dem Kopf gegen Gott nichts zu vergeben sie wollen vielmehr
zeigen dass auch der Kopf ein armer großer Sünder sei Völker die ihr Haupt
decken schöpfen aus der nämlichen Quelle Sie schämen sich vor Gott ihr Licht
leuchten zu lassen und kriechen unter die Bäume im Garten   
    Sollte hie und da ein Kunstrichter von meinem Kopf zu behaupten für bequem
finden dass er zuweilen besterbe  so mag er wissen wie man der Erde nicht
ansehe dass sie spornstreichs laufe  Sieh da  Ich reise Extrapost und
scheine nicht von der Stelle zu kommen  Fürs Kleinkauen bin ich nicht guter
Freund so gesund es übrigens deinem schwachen Magen sein mag
    Alles was ist hat Geist und Leib  Ich liebe von allem nur den Geist vom
Buch vom Trank vom Essen
    Wie weit sagte mir einstmals ein feiner Jüngling vor der Stunde wie weit
sind noch unsere hohen Schulen vom Ziele wie weit  Alles ist noch zu tapfer
anstatt dass es verfeinert sein sollte Je roher die Nation je tapferer der
Bürger  Je mehr Renommist je weniger Fleiß
    Aber fing ein anderer an wissen Sie auch dass ein Knäbchen Milch und Blut
im Gesicht schon wollte ich Angesicht sagen das gebührt keinem Knäbchen
wissen Sie auch dass ein solches Bürschchen mit aller seiner Wissenschaft kein
Kerl ist Ich nahm mich diesmal des andern an Der Nutzen ist beim Geschmack nur
nebenher sagte ich Sobald der Nutzendurst eigentlich Hunger zu merken ist
leb wohl Geschmack Fein ist der der in der Anschauung Vergnügen findet fest
steif klug wer auf Nutzen wenn der Nutzen gleich nicht zu den sichtbaren
Geschöpfen gehört bedacht ist Nutzen ist ein Gegenstand des Nachdenkens
Feinheit ist ein Dienst der Sinne Wenn aber gleich eine silberne Dose weniger
gefällt als eine von zerbrechlichem Porcellan es sei berlinisch oder aus
Dresden was meinen Sie hat man denn immer Zeit eine Dose zu warten und ists
nicht unangenehm wenn sie bricht Hat man denn nicht mehr in der Welt zu tun
als Geschmack und extrafeinen Geschmack zu zeigen Ein Bauer der seine
milchgebende Kuh verkauft um sich eine Alonge zu kaufen oder eine Brabanter
Kante oder einen Rubens ein Stück von ihm was meinen Sie
    Wer recht viel vor sich gebracht hat kann an Verfeinerungen denken wer
sein Feld gebaut an den Garten und wer sein Haus in Dach und Fach berichtigt
an Verzierung in seinen Zimmern Das Menschengeschlecht in Wahrheit hat so
wenig mehr zu verlieren dass wenn es noch lange mit zerbrechlichem Porcellan
spielen wird wenn es nicht bald anfängt sich zu besinnen und eine silberne
Dose die was aushält zu kaufen wenn es nicht wieder auf Dauer Stärke des
Leibes und der Seele zu sehen sich entschließt nicht viel drum zu geben ist
Wäre das menschliche Geschlecht mehr Renommist mehr stark mehr deutsch man
könnte eher was mit anheben
    Ja wohl sagte Herr v G der diesmal in der Stunde war wer nicht seine
drei Tage und Nächte auf der Jagd sein und dem Hirsch den Fänger entgegensetzen
kann ist weder zum Groben noch zum Subtilen aufgelegt Mehr wollte er nicht
anbringen um es mit dem Jüngling der so fein er war doch wohl Herz haben
konnte nicht zur Jagd anzulegen
    Ein Haus pflegte mein Vater zu sagen das lange niemand bewohnt hat
verliert ein gewisses Leben  Was nur bewohnt ist lebt oder ist belebt Es
ist ihm ein Leben eingehaucht  So gehts mit den Wissenschaften sagte Herr v
G da ich bei einer Gelegenheit die väterliche Bemerkung mitteilte Ich freue
mich dass ich auf ihn komme um noch anführen zu können dass ich auch in
Göttingen in seiner Seele studierte Unser Wirt hatte keinen Taubenschlag am
wenigsten ein geschmackreich gebautes Hühnerhäuschen keinen Garten und wie
konnte sich Herr v G anders helfen als dass er sich drei Hunde zulegte die er
Argos hieß Sie hatten andere Namen er aber firmelte sie Ich will nichts vom
christlichen Namen Satan sagen fing er an wie kann aber ein Hund Packan
heißen wenn man in Königsberg vom Großvater examinirt ist Homer ich kann dich
anreden denn du lebst du bist unsterblich  Wie ists möglich dir ein
besseres Opfer selbst in christlichen Zeiten zu bringen Die dir angrenzende
Nachwelt schlug sich deines Geburtsorts halber ein curischer Edelmann nennt
seine Hunde Argos Wer es empfinden kann wie schön es sei dass ein Buch aufs
Leben wirkt was kehrt sich der an die Packans seiner Zeit
    In einem kleinen Garten kann füglich nicht Natur sein Der Geschmack liebt
Miniatur  Er besteht in der Kunst etwas aus dem Großen ins Kleine zu bringen
um es übersehbar zu machen Er ist so etwas Menschliches als die Natur
Göttliches ist  Und hiemit löbliche Universitäten lebt wohl lebt wohl Wir
scheiden so wie in diesem Teil oft geschieden werden wird  Ihr habt keine
Autentica habita Kod ne filius pro patre etc nötig keinen Kranz kein
Gnadenzeichen  die ganze Fülle der Gelehrsamkeit wohnt in euch leibhaftig
    In seinem ganzen Leben hatte mein Vater keinen längeren Brief geschrieben
als den ich auf meinen berlinischen von ihm erhielt Ein groß Kompliment für
König Friedrich wenn er deutsch könnte Mein Vater suchte Rinnen um
abzulaufen so voll war er  stellenweis
    Ich habe zwar die Melodie noch behalten allein den Text habe ich in diesem
sogenannten freien Lande dass sich Gott erbarm vergessen Ein Hutmacher macht
Kardinäle allein kein Juwelier ein König  Ich will es nicht sagen dass es dir
wie manchen Malern gegangen die das Pferd besser als den Reiter treffen allein
wie ungern fand ich hie und da einen Abbruch zur Unzeit Reden kommt vom Reden
Tun vom Tun Weiber essen sich trunken Männer müssen Pokale haben wenn sie
warm an der Stirne werden sollen
                    Auszug aus einem Briefe nach Königsberg
    Gern seh ich dass du den König sehen wirst  Wenn er dich mit seinem Aug
elektrisirt fühl es dass es ein königlicher Funke sei Grüß den König von mir
Das heißt sieh ihn für dich und für mich Man glaubt gleich alles im Menschen
zu finden was der andere sagt So kann man für groß und klein klug und unklug
gehalten werden je nachdem man im Ruf ist  Es ist gut dass sich die Könige
nur selten und dann zu Pferde zeigen Sie sind geborene Reiter Wandelten sie
unter uns wie oft würde der alleruntertänigst treugehorsamste Knecht sein
Übergewicht empfinden
         Fortsetzung des vorigen Briefes auf meine Epistel von Berlin
    Es gibt olympischen Neid oder Eifersucht der steht einem Könige nicht übel
vielleicht ist er uns allen nützlich Dieser Neid schadet dem andern nicht
sondern ist nur bemüht sich nicht vorkommen zu lassen Wir sind alle faul von
Natur und brauchen Leidenschaftenvorspann um weiter zu kommen
    König Wo kommts her Von können Kung wie du weißt heißt im Lettischen
Herr Nicht als ob meine Achtung für Könige eine Folge von der Meinung wäre
die ich für die Person selbst habe Meine Achtung ist so rein nicht als ein
matematisches Problem du kannst es nicht vergessen haben dass ich von jeher
des Dafürhaltens gewesen der monarchische Staat würde uns in mancherlei
Hinsicht zum Reiche Gottes führen Wilde Bäume haben Stacheln Ungezähmte Tiere
fallen den Menschen ihren Herrn an Und lehrts nicht die tägliche Erfahrung
dass sich ein freier Staat sehr bald in kleine fingerlange Königreiche
zergliedert Hier und dort und da fängt sich ein Mensch zu verbreiten an Da
gehts ihm denn freilich wie dem menschlichen Körper der wenn er in gewisse
Jahre kommt an Größe in der Breite mit dem Verlust der Kräfte und
Wirksamkeit zunimmt Das Ganze leidet bei solchen Kleinkönigen die Beilage
hiezu ist Kurland und Semgallen Man lobsingt dem Alten weil man im Wahn steht
die Natur brauche sich ab werde alt  Nicht also noch heute kann Eden werden
im Gedicht und im Original
    Ich nehme dem Könige Friedrich seine Schatzkammer nicht übel Wo eine
Qualität ist da lass ich auch eine Quantität gelten Das Geld ist beim
Privatmann ein schönes Piedestal und ein König der so wie er denkt muss
entweder alle Augenblicke Schätzungen ausschreiben oder es machen wie
Friedrich  was ist besser
    Die Farbe des Verdienstes ist die Farbe der Schamröte so dass auch alle
rote Farbe von ihr ein fast allgemeines Ansehen erhalten hat Sie ist von ihr
ins Geschrei gebracht Purpur ist die Schamröte auf einer braunen Wange 
Unser guter Hermann reißt beim letzten Vers des Liedes alle Züge seines
Positives auf und die gewöhnlichen Redner und Schreiber suchen mit einem
epigrammatischen Gedanken zu schließen Mich schmerzt so was Stich ist Stich 
Dein Brief schließt BRW mit dem alten Vale Vale
    Über das Spiel hättest du mehr schreiben sollen Es scheint mir
wechselseitige Abmachung interessiert sein zu können Eigennutz und alles und
jedes wo das Wort eigen vorkommt ist aus dem Stammhause Eigenliebe Wer kann
indessen in einer guten Gesellschaft einen Menschen ausstehen der ohne End und
Ziel von sich selbst spricht es wäre denn dass er sein überstandenes Unglück
erzählt Eben so ist ein Eigennütziger ein Gräuel im Umgange Das Spiel scheint
erfunden zu sehen den menschlichen Neigungen die man durch Lebensart zu
unterdrücken verbunden ist zu Hilfe zu kommen Wir würden es sehr übel nehmen
wenn der andere uns geflissentlich gewinnen ließe Der Gewinner muss indessen
eben so viel Glück als Spielverstand zeigen wenn wir ihm das Recht zu gewinnen
zuerkennen sollen obgleich es auch gewiss ist dass Spieler diesen gern jenen
höchst ungern gewinnen lassen es besitze jener gleich Glück und Verstand in der
besten Proportion Du verstehst mich von ferne Unter dem Worte Spieler versteh
ich keinen der aufs Spiel ausgeht oder vielmehr ausläuft Keinen Virtuoso
sondern einen Dilettante um es dir deutlicher das heißt oft uneigentlicher zu
geben Bei Leuten die keine Bewegung haben ersetzt das Spiel diesen Mangel Es
ist Seelenbewegung die nötiger ist als die körperliche es ist eine
Abwechselung aller Leidenschaften aller Jahreszeiten hätt ich bald gesagt und
zur Gesundheit gehört diese Abwechselung
    Der König spielt nicht kein König sollte spielen Spiel ist Zeitvertreib
und wer kann des Morgens Karten mischen ohne das Unschickliche zu fühlen Ich
kenne noch keinen Violonisten der nicht selbst einem treuen Kenner oder
Liebhaber lästig geworden wenn er vor Mittage gespielt
    König Friedrich hat gern Leute die Glück haben Wo Verstand ist muss auch
Wille sein Ein Entwurf will Ausführung ein Anfang Vollendung    Man glaubt
selbst glücklich zu werden wenn man Glücklichen so nahe ist und wer
beschäftigt sich nicht am liebsten mit Dingen wo Glück dabei ist Darum spielt
man Karten darum setzt man in die Lotterie darum geht man auf die Jagd wenn
man kein König ist darum führt man Krieg wenn man König ist   Herr v G
sagt alle Könige sind Spieler
    Leb wohl gib dem Kaiser was des Kaisers und Gott was Gottes ist Fürchte
Gott ehre den König Lebe wohl
                      Aus einem andern väterlichen Briefe
    Deine Mutter schreibt dir viel und unfehlbar auch von mir Ich bin nicht
mehr der ich war Wenn man einmal in gewissen Jahren ist so hat man sich so
ausprobirt dass man lange vor Krankheit sicher ist Da weiß man den verstimmten
Klavis überzuspringen da hält man eine Rede ohne R wenn man das r nicht
aussprechen kann So gings mir aber die Jahre traten ein von denen es heißt
sie gefallen uns nicht Das erstemal dass ich klage Stöhnen erleichtert den
Schmerz so wie der Aufschrei von Schrecken Was hilft es dass du früh
aufstehst und lange sitzest und dein Brod issest mit Sorgen Seinen Freunden
gibt ers im Schlafe im Tode  Wer nach einer frohen Stunde den Tod schön
finden kann das ist ein Mann Leben und Tod liegt im Gemenge Was tun wir im
Tode Wir legen bloß das Kleid ab das jedem zu enge ist Wir glauben vom Tode
so wie die Jünger von ihrem Herrn und Meister er sei ein Gespenst
    Über vierzig Jahre wer wird von denen sein die jetzt sind  Diesen
Augenblick kann man deine Seel abfordern und was wird es sein das du an Zeit
gesammelt hast  Ich habe mich lange umgesehen um von hinnen zu ziehen ins
Vaterland anexoy kai apexoy »Lebe wohl«
    Das letzte Lebewohl Der Herr setze ihn über viel diesen lieben Getreuen
über wenig  Er ist eingegangen zu seines Herrn Freude Amen Amen
    Ich kann nicht mehr als Amen schreiben obgleich es schon so lange her ist
dass er mir dies letzte Lebewohl schrieb  Um es autentisch meinen Lesern
mitzuteilen schrieb ich es aus dem Original aus das noch da vor mir liegt
Ich weiß es dass einige meiner Leser dem Herrn v G nachsagen werden die
Königin ist weg das Spiel ist verloren Der Trefflichste in diesem ist
gefallen  Meine Leser haben ihn gehört und ich ich hab ihn gesehen  Noch
seh ich diesen Mann Jede Falte in seinem Antlitz zeigte wie gut er war
Wahrlich die beste Probe eines guten Alten  Ists nicht wahr dass die Falten
sich nach den Lieblingsmienen formen Ists nicht wahr dass sie da reifen wo
jene blüheten O könnt ich ihn darstellen
    Ruhe sanft seltener Mann Dein Segen war die Wolken und Feuersäule die
mich geleitete auf meinen Wegen Deinen Tod feiern heißt Deinem Beispiel
folgen
    Er ging mit der Sonn unter Es blieb unentschieden wer schöner
untergegangen  In Abendrot gekleidet war die Wolke die ihn zum Himmel nahm
schrieb meine Mutter
    Er starb den 24 Junius des Abends um 9 Uhr in seiner Lieblingsstunde
Jeder hat seine Zahl die ihm am Herzen liegt versichert meine Mutter So war
dem hochwohlgebornen Totengräber sieben ins Herz geritzt die Zahl der Ruhe
die Sabbatszahl die Zahl der Vollendung Meines Vaters Liebling war die Zahl
neun Sie ist neun pflegt er zu sagen und bleibt neun Zweimal neun ist
achtzehn acht und eins ist neun dreimal neun ist siebenundzwanzig sieben und
zwei ist neun viermal neun ist sechsunddreissig sechs und drei ist neun Es ist
die Zahl der Beständigkeit Es kann sein dass die im ewigen Frühlinge sich
befindenden neun Jungfern den ersten Probirer auf diese Berechnung gebracht
oder die Berechnung auf die neun Musen Wer kennt nicht wie mein Vater die
liebe treue neunte Zahl  Meine Mutter schreibt diese selbstbeständige Zahl
blieb ihm auch treu bis in den Tod Er starb um neun Uhr Abends ward
neunundfünfzig Jahr alt neun Monate und neun Tage
    Doch der Tod meines Vaters gehört zum vierten Bande der seinen Lebenslauf
enthalten soll den ich bergab zu erzählen versprochen habe
    So viel noch vorläufig Er starb wie er lebte sprach bis in den letzten
Augenblick seines Lebens wie Sokrates sein Freund
    Meine Mutter beschloss ihren Brief Kurland war sein Zoar wo dieser fromme
Lot Gnade fand vor Gottes Augen Sein Vaterland hab ich auch in seinem letzten
Augenblick nicht erfahren so herzlich gern ich es auch die frühen Spargel und
die Pfeife in der freien Luft und die langen Manschetten an seinen Ort
gestellt  in dieser Welt gewusst hätte Er hat überwunden so manchen Hohn der
ärger ist als andere Leiden dieser Zeit bei welchen wir in die Hände Gottes
fallen  Je mehr Pfand je mehr Wucher Seine Melchisedechspredigt wo Salz und
Schmalz war und so manche andere gewaltige Predigten zeigen dass er nicht von
sich selbst geredet und so sang er auch nicht von sich selbst da er bei der
zweiten Strophe im zweiten Discant einfiel
Lässt sie nicht lange weinen
In diesem Jammertal 
    Er wird nicht in dem hin himmlischen Heilig heilig heilig einen falschen
Ton angeben oder den Takt verlieren dafür steh ich  Er wird mir aber danken
dass ich ihm Sang und Klang empfahl um dort bei der Probe zu bestehen Das
Wissen bläset auf aber die Liebe bessert
    Auch sie singt schon im höheren Chor ein himmlisches Halleluja ein Heilig
Heilig Heilig desgleichen kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz kommen
und Gott bereitet hat denen die ihn lieben  Hier war sie ein Lied dort ist
sie ein Psalm Davids hier ein Sonnabend dort ein Sonntag ein Sabbat hier
ward sie gesät in Schwachheit dort geht sie auf in Kraft Wohl dem der so
stirbt wie sie Sie wartete auf ihren Tod wie Simeon auf den Trost Israels
Sie starb wie Simeon »Herr nun lässest du deine Magd in Frieden fahren«
Mein Leib und Seel befehl ich dir
O Herr ein selig End gib mir
    Das war nach s Tod ihr immerwährender Seufzer Ach wann werd ich
dahin kommen dass ich Gottes Angesicht schaue Ich habe Lust abzuscheiden Sie
war getreu bis in den Tod und wahrlich wahrlich sie hat das Ende des
Glaubens der Seelen Seligkeit die Kröne des Lebens davongetragen  Solch ein
Weib stirbt nicht alle Tage Wenn der hochgräfliche Totengräber sie hätt
observiren können was hätte er darum gegeben Elias sprach zu Elisa Bitte was
ich dir tun soll ehe ich von dir genommen werde Elisa sprach Dass dein Geist
bei mir sei zweifältig  Sollt ich mich trügen wenn ich behauptete dass viele
diesen Wunsch hinauf getan  Nun so mögen die Prophetenkinder allen diesen
guten sanften Biederseelen das Zeugnis geben das sie Elisen gaben Der Geist
Eliä ruht auf Elisa ruht auf diesen Wünschenden Er ruhe wohl
    Meine Leser werden sich mit leichter Mühe erinnern dass mein Vater in seiner
Bibel beim Hauptmann zu Kapernaum und bei drei Obersten Zeichen eingelegt nicht
minder überall wo das Schwert schlägt das Fähnlein weht Trompeten schallen
und wo Sold ausgeteilt wird Eben so erinnerlich wird ihnen die Epistel am
einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis sein die in der väterlichen Bibel
erschrecklich begriffen war und die ich meinen Lesern im ersten Teile so wie
sie im lutherischen Altdeutschen lautet wörtlich vorgelesen Sollte hie und da
einem Kapitellosen dies in Vergessen geraten sein so sei es mir erlaubt ihn
an meine Mutter zu erinnern die wenn sie meinen Vater mit dieser Epistel
angetan zur Kanzel steigen sah zu sagen die Gewohnheit hatte Heute geht er
gestiefelt und gespornt wie ein geistlicher Ritter auf die Kanzel Indessen
war auch sie das gute Weib von einer Prädilection wegen gewisser Spruchstellen
nicht frei Jeder Mensch hat nicht bloß seine Lieblingszahl sondern auch seinen
Spruch Der Liebling meiner Mutter war »Der Herr hats gegeben der Herr hats
genommen« Wenn der Kelch noch nicht da war mochte sie vielleicht gewünscht
haben er gehe vorüber allein wahrlich sie hat auch herzlich hinzugefügt
Nicht wie ich will sondern wie du willt Meine Mutter fand im diesseitigen
Leben zwar Dornen und Disteln allein auch Veilchen Himmelschlüsselchen und
Krausemünze Sie hatte mit Schmerzen ein Kind geboren allein dafür hatte sie
auch einen Sohn Dieser hieß zwar Alexander allein er studierte Theologie Ihr
Ehemann sagte zwar nicht wo sein Vaterland wäre indessen war er doch rein und
lauter in Lehr und Leben Zwar konnte sie eine Zeitlang keinen Menschen aufs
Kanapee nötigen der Name Melchisedech ward nicht anders als bei gedeckten
Türen ausgesprochen und selbst alsdann noch nur ins Ohr indessen schlug mein
Vater doch durch eine einzige Predigt so viele Blutgierige und Falsche und
befreite das Kanapee das wie ein verfluchtes Schloss wüste war vom Fluch 
Ein Weib wie meine Mutter war mit allen Wegen Gottes kindlich zufrieden 
Wenn sie unter den Israeliten gewesen so hätte sie nach keinen Wachteln
verlangt obgleich sie ein Priesterweib und aus dem Stamme Levi war Mit Manna
hätte sie sich begnügt so dass ihr nie ein Fleischtopf eingefallen wäre Sie war
nicht wachtellüstern Viel für eine Pastorin Da ich in meinem vierzehnten Jahr
ohne Hoffnung krank darnieder lag und mein Vater Licht Licht Licht rief
sang sie mit einer Seelenfassung
Gott eilet mit den Seinen
dass sie sogar meinen ungestimmten unmusikalischen Vater dahin sang dass er
selbst bei der zweiten Strophe im zweiten Discant einfiel wie oben und unten
erwähnt worden
    Da mein Vater nach dem Brande versicherte dass da Kleopatra die eine Perle
auftrank sie nicht mehr verzehrt hätte als er und dass kein Lucius Plancius
die andere Perle gerettet war meine Mutter so Gott ergeben dass sie mitten in
der Predigt sang mitten im Gewitter sanft regnen ließ und nur eins lag ihr auf
dem Herzen dass ich nicht gepredigt hätte ehe ich stürbe  Wie sehr ich meine
Mutter geliebt ist am Tage und wenn selbst mein Tod sie nicht aus dem
Lebensconcept bringen konnte ich wüsste nicht was sonst sie zu unterbrechen im
Stande gewesen  Nichts nichts konnte sie scheiden von ihrer Fassung nicht
Trübsal nicht Angst nicht Tod nicht Leben Wahrlich sie kam nie aus der
Melodie sie hielt Takt und konnte selbst ihre Hausgenossen ihre Korinter
wie sie sie in ihrem Kondolenzschreiben nannte in Takt und Melodie setzen 
s Tod indessen brachte sie so sehr vom Leben ab dass sie gern sterben
wollte
    »O des schönen Baums im Garten Gottes« schreibt sie noch in ihrem
vorletzten Briefe »Nach ihrem Ableben fühle ich keinen Schlag mehr der
herrlichen Natur wovon sonst meine Seele genas Sie electrisirt mich nicht
weiter Sie ist mir nicht greiflich Sie sitzt mir nicht mehr dass ich sie malen
kann Keine Tulpe öffnet mir ihren keuschen Busen den sie zuschnürt wenn der
Abend sich Freiheiten herausnehmen will Die Rose lockt mich nicht wonniglich in
die Abendkühle Wenn ich sonst in den Wind sah war mir als hätte ich mich mit
kaltem Wasser erfrischt jetzt wird mir warm ums Herz wenn ich ihn sehe Er
macht mir Hitze Da sehe ich die Saat die sich krümmet wie das Alter und sage
nicht Sei gesegnet im Namen des Herrn Und dem Baume wünsche ich nicht Glück
zur Erziehung seiner neugebornen FrühlingsSprösslinge die ich sonst so gern mit
einer Handvoll Wasser zu taufen pflegte  Ich verstehe die Linde nicht mehr
wenn sie in der Gegend den Priester vorstellet wenn sie sich ehrfurchtsvoll
neiget das kleine Gesträuch segnet und für selbiges betet Es rührt mich nicht
mehr wenn dieses kleine Gesträuch so rings um die brüderliche Linde steht und
mit deinem Geiste lispelt oder wenn es vielmehr nach russischer Art mit einem
Gospobi pumilu sich bückt
    Wie schwer atme ich den Balsam des schönen Morgens ein Ist es mir doch
nicht anders als wenn ich Arzenei einnähme Wie pflegte mich die Natur lieb zu
haben Wie fest an sich zu drücken  Lieb hatte ich sie wieder ich weinte oft
vor Freuden in ihren mütterlichen Armen O ich habe eine liebe gute Mutter
verloren  Wenn ich jetzt etwas sehe ist es alles ungeraten eitel Da ärgert
mich der Baum der gerade wachsen könnte und aus Eitelkeit schief wird um sich
in dem kleinen Gewässer zu bespiegeln das in einiger Entfernung blinket  und
dort verdriesst mich das elende Kraut das sich auf der stolz herausgewachsenen
Wurzel der Eiche niederlässt und diesen edlen Baum chikanirt wie oft der Pöbel
große Männer
    Zwar liebe ich mich abzusondern allein ich kann nicht ganz allein sein das
heißt im Finsteren Licht ist Gesellschaft pflegte unser Seliger zu sagen und
ich brenne selbst Licht in der Nacht als ob ich es besser wüsste wie der liebe
Gott der gewiss mehr Licht am ersten Tage hätte schaffen können wenn es gut
gewesen wäre Bei weitem bin ich nicht was ich war Eine Scheelsüchtige bin
ich
    Das Kind muss einen Namen haben Warum Winkelzüge Freude an der Natur ist
das Probatum est eines guten Gewissens Eine feurige Kohlensammlerin eine
Aufhetzerin ist die Natur dem der es mit dem Gewissen verdorben hat Den Zorn
kann man besprechen allein den Schmerz nicht
    Das tränenschwere Veilchen gefällt meinem Auge am meisten weil sich gleich
und gleich gern gesellen und wenn uns beiden der Tropfen entblinkt sehen wir
gen Himmel der am besten weiß was uns nützet Da zitterte gestern ein Tropfen
auf einem Vergissmeinnicht und der in meinem Auge bebte eben so lange bis mein
Auge zugleich mit diesem blauen Blümchen entbunden war und beide Tropfen
zusammenflossen zu den Füßen des schönen Vergissmeinnicht Mine Mine Mine Ich
vergesse dich nicht ich vergesse dich nicht
    Welke gelbe Blätter das ist meine Wonne wenn sie abfallen ich lese und
höre Gottes Wort allein ich lege keine Sylbe bei Und je mehr ich mich fassen
will je ärger ist es So gehts mit den Leidenschaften sagte dein Vater je
mehr man drückt je elastischer sind sie  Ich die ich keine Fliege auf dem
Rücken liegen sehen konnte wenn sie ans Fenster prallte und sich den Kopf
stieß ich die ich ihr aufhalf obschon sie mich oft aus der Melodie sumsete
habe unschuldig Blut verraten O Mine Ist es Wunder dass mir der Blütenschnee
wie ein Leichentuch vorkommt O wann wird es von mir heißen Ich liege und
schlafe ohne Kummer Wie lange soll ich noch fragen Hüter ist die Nacht schier
hin Wann ruft Gott der Herr in mein Chaos Es werde Licht und es wird Licht
Wann singe ich im höheren Chor Der Tag vertreibt die finstere Nacht«
    Das war die anhaltende traurige Lage meiner Mutter um s willen 
Geschieht das am grünen Holz  Die gute Bussfertige In ihrem Trostschreiben das
ich in seiner Länge und Breite mitgeteilt so wie sie es in verschiedenen
Absätzen die sonst ihre Weise nicht waren an mich erlassen war nichts in der
ersten Hitze geschrieben Sie blieb so bis in ihren Tod  »Wer lebt so wie er
glaubt« pflegte sie zu fragen und darauf »Das taten nur die Apostel« zu
antworten Wahrlich sie lebte wie sie glaubte Sie tat was sie sagte Sie
redete lebendig sie handelte wenn sie sprach Jetzt war sie nicht mehr die
Sanftfliessende  Alle Augenblick schlug sie Wellen Sie lag nicht still auf
einer Seite Sie riss das Deckbette
                            Etwas über das Gewissen
    Man sei noch so fromm noch so gut wer hat nicht ein Wort dem er nicht
auswiche wie meine Mutter wiewohl meines Vaters halber Melchisedech  Wer
hat nicht eine Handlung an die er ungern denkt und wer kann auch bei der
sorgfältigsten Bemühung ein unbeflecktes Gewissen zu behalten beides vor Gott
und den Menschen vor allem Schaden stehen Zwei Dinge sind uns not Gewissen
und Ruf Dieser des Nächsten jenes unsertwegen Das Gewissen aber verdient
nach der Meinung eines Weisen des Altertums mehr Rücksicht als der Ruf Dieser
kann trügen jenes nie Beim Ruf fällst du in der Menschen Hände beim Gewissen
in die Hand Gottes Ich halte dafür dass es zweierlei Gewissensarten gebe ohne
dem neuen gewissen Geist den wir als eine Frucht eines guten Gewissens von Gott
erwarten können ohne dem göttlichen Diplom des Gewissens zu nahe zu treten und
auch ohne auf der andern Seite die Distinctionen von Vor und Nachgewissen
usw ungültig zu machen Es ist ein Lebens und SterbensGewissen Auch der
redlichste Richter findet ehe er von seinem Obern untersucht werden soll noch
Mängel ohne auf ABCSchnitzer die nur ein Revisionsknäbchen rügen kann
Rücksicht zu nehmen Auf die Frage was ist die Freiheit antwortete jener
Weise Ein gut Gewissen Wer ist aber der sich nicht zuweilen wie ich mit
meinen Soldatengedanken meiner Mutter halben unter die Bäume im Garten
versteckt und von Feigenblättern sich Schürzen macht Auch Julius Drusus der in
einem durchlöcherten Hause wohnte und welcher das Anerbieten eines Künstlers
für fünf Talente diesen Flickbau zu übernehmen mit den Worten ablehnte dass er
zehn geben wolle um sein ganzes Haus aller Augen darzustellen auch er wird
doch bei allen guten Zeugnissen seines Lebensgewissens ein dunkles Kämmerchen
gehabt haben wo ihm ein hereingeschlagener Funke ein ungebetener Gast gewesen
wäre
    Am Sonnabend überdenkt jeder gute Haushalter die Woche am letzten Tage im
Jahr das Jahr im Sterben das Leben Es ist gleichviel ob ich es hier oder wo
anders erzähle Ich habe einen Deserteur  in   erschießen sehen der seiner
angeborenen Freiheit halber sich nicht überzeugen konnte von Rechtswegen ein
Mann des Todes zu sein Selbst die spitzfindigsten Rechtslehrer entschuldigen
hiermit die Flucht aus dem Gefängnisse und in einem gelehrten theologischen
Werklein das ich gelesen wird von einem Kasuisten behauptet dass ein
Missetäter der auf den Tod säße mit gutem Gewissen wenn er dazu Gelegenheit
hätte entfliehen könnte Es liegt wirklich etwas Menschliches drin dass die
Flucht aus dem Gefängnisse die Strafe nicht vergrößert  die auf den Missetäter
wartete wenn er nicht geflohen wäre Mit der Desertion ists so eine Sache Es
kommt alles auf den Kontract an den der Soldat eingeht Unserm waren von den
Kapitulationspunkten nicht ein einziger gehalten und doch sollt er des Todes
sterben Bitter und gesetzt wie ein Märtyrer ging er zum Richtplatz Die
Märtyrer haben alle den Todesgang als wäre nichts Welt auf Welt ab ihrer
wert  Die Geistlichen hatten sich müde und matt bemüht unserm Verurtelten zu
beweisen dass er alle zehn Gebote und des Dr Luthers Auslegung obenein bis
auf jedes Komma und Punkt übertreten hätte allein er blieb dabei er sterbe
unschuldig Nun sagte einer der vornehmsten unter den ehrwürdigen Herren so
wäre seine Behauptung unschuldig zu sein eine Todsünde denn setzte er hinzu
wenn wir alles und jedes getan haben was wir zu tun schuldig sind bleiben
wir doch unnütze Knechte und des Galgens wert Da der Deserteur aber diesem
Manne der die Sache beim rechten Ende angegriffen zu haben glaubte seinen
Platz anbot hieß es dass sie so nicht gewettet hätten  Kurz weder Kaiphas
noch Pilatus weder das geistliche noch das weltliche Gericht konnten ihn von
seiner MärtyrerDenkungsart abbringen Der Tag des Todes erschien und auch der
ging ihm auf wie alle andern außer dass er der Lust wegen die er wie er
sagte lange nicht genossen ein Glas Wein frühstückte Es ward zum Todesgang
getrommelt Fürchterlich  Er ging ihn da er sich bloß wegen der Lust
präcaviren zu dürfen glaubte getrost Unterwegs fiel ihm ein Bettler ins Auge
Halt schrie er  ich habe gesündigt Gott erbarme sich mein nach seiner großen
Barmherzigkeit Sagt ich nicht fing der Geistliche an der ihm das Geleite
gab kommt Zeit kommt Rat  Der Märtyrer kam so aus der Fassung dass er kaum
weiter konnte Der kommandirende Offizier der an der armen Seele des Deserteurs
wahren Teil nahm bewilligte ihm Zeit und Raum zur Busse und war eben im
Begriff ihm den Soldateneid vorlesen zu lassen der Geistliche die zehn Gebote
mit ihm nochmals kürzlich durchzugehen und wo es die Zeit zuliesse auch noch
die übrigen Hauptstücke des christlichen Glaubens als es sich ergab dass der
verstockte Sünder über sein Kapitalverbrechen noch eben so wie zuvor dachte
Der Bettler hatt ihn an eine Schuld erinnert die er mitnahm Zwar fing er an
war ich in Not allein musst ich darum dem armen alten Kerl das Brod nehmen Er
hatte vor fünf Jahren einem alten Bettler ein Brod genommen um meine Leser
nicht aufzuhalten der Bettler dem unser Läufer begegnete mochte nun entweder
eine Ähnlichkeit haben mit dem welchem er das Brod genommen wie denn alle
Bettler sich gleich sind oder es mochte das Gewissen welches wie man sagt
auch seine fünf Sinne hat bei dieser Gelegenheit auf die alten schon
reponirten und bestaubten Acta gefallen sein kurz dieser kleine Vorfall
brachte ihm zum Bekenntnis ein großer armer Sünder zu sein und das Leben
verwirkt zu haben Nicht immer machen dem Menschen die schädlichsten
gefährlichsten Dinge den größten Schmerz Wer ist am Zahnweh gestorben und wer
kann diesen Schmerz ohne zu murren ertragen Einer der Kameraden den dieser
Vorfall rührte bot dem großen armen Sünder einen Teil von seinem Solde an um
dass Gewissen zu stillen er nannt es aus gutem Herzen dem Gewissen was zu
verbeissen geben allein der Läufer verbats Gib es wenn du ohne selbst zu
betteln es missen kannst in deinem eigenen Namen Ich will nicht prahlen 
Das Gewissen eines Sterbenden ist nicht so leicht befriedigt  sagt er nach
einiger Zeit Der arme Kamerad gab es und hatte acht ganzer Tage Bussund
Bettage das heißt er konnte in acht Tagen keinen Tropfen Bier trinken es war
von seinem Solde Der Prediger hatte kein Geld bei sich der Stabsofficier hatte
Familie und die Subalternen waren noch Billardpartien schuldig
    Das Gebet des Bussfertigen war kurz herzbrechend Er hatte ein Weib und zwei
Kinder in den Staaten eines andern Herrn und hatte im besoffenen oder welches
gleich viel ist im zu guten Mut Handgeld genommen Seine Kapitulationsjahre
waren abgelaufen Weib und Kind wollten seine Schwiegereltern nicht ziehen
lassen und also  Solch einen Schuss der diesem Armen das Herz bohrte Gott lass
ihn mich nie mehr hören  Seinem Weibe ließ er noch durchs seinen Freund der
ihm den Becher kalten Wassers auf dem Richtplatz reichte zur Pflicht machen
alten Bettlern die so aussäen wie der der ihm begegnet und dem der Kamerad
seinen Sold sein täglich Brod gebrochen ein ganzes Brod zu geben auch wollte
er dass seine Kinder und Kindeskinder es täten immerdar   Das ist mein
letzter Wille sagte er und hiemit gab er seinem Kameraden die Hand her den
Bettler der Wittwe zur Regel abzeichnete und ihn traf  Leb wohl Du warst
ein ehrlicher Junge und so stirbst du auch  Der Kamerad durfte des grausamen
Herrn Fähnrichs wegen nicht weinen desto mehr hielt er aus Es war ein
Ausländer 
                               Die Nutzanwendung
    Mine war das Alles meiner Mutter was der Bettler dem Läufer Sie war älter
als der Läufer Es fiel ihr also manches genommene Brod ein  Der
Hauptdiebstahl war Mine Not hin Not her  Das Sterbensgewissen ist nicht so
leicht zu befriedigen Bis auf die Curländerin lag alles schwer auf ihr Eine
verstimmte Pfeife schreibt sie verdirbt die ganze Orgel Bei mir ist mehr als
eine in Unordnung Was bei manchem Rat ist ist bei mir Unrat
    Meine Mutter ging in Gedanken in ein Kartäuserkloster und sah es ein dass
der Mensch auch bei den besten Gesinnungen unmöglich mir nichts dir nichts
sterben könne Wer kann wissen wie oft er fehle
    Der Stamm Levi vermehrte bei dieser Selbstprüfung ihre Seelenleiden Es war
die Kohle auf ihrem Haupte welche die andern noch mehr aufglühte Wer viel
empfing von dem wird viel gefordert So viel Mund so viel Pfund sagte sie 
Zwar empfand sie leibhaftig dass sie ihrem Nächsten nicht Wasser und Luft
verkauft dass sie kein verirrtes Schaf in ihren Stall getrieben und dem Nabot
keine Spanne Acker abgegrenzt dass sie keine Taubenkrämerin keine Käuferin im
Tempel gewesen Geben war ihr seliger als nehmen indessen heulte doch die ganze
Orgel
    Jacobs Ausruf »Er lebt ich will hin ihn zu sehen« hatte ein großes
Zeichen und so auch alle Stellen wo Tod und Todtengebeine vorkamen Die
Lebenszeichen wurden zwar nicht verworfen dazu war sie zu sanft allein sie
wurden so in die Bibel gesteckt dass ihr Haupt nicht zu sehen war Er hatte sich
geneigt
    Mein Vater sagte es sind alte verdiente Officiere die man zu Kommandanten
macht Ein dergleichen Kommandantenpöstchen hatte auch ihr ehemaliger Liebling
»Der Herr hats gegeben der Herr hats genommen« Der Inhalt der liebsten ja
einzigen Gespräche waren die vier letzten Dinge Tod Auferstehung der Toten
jüngstes Gericht Ende der Welt Alle die sie sonst gekannt hatten fanden
jetzt bei ihr eine so große Veränderung als zwischen Tod und Leben zwischen
Wachen und Schlafen und sie verbarg sie auch nicht wie ehemals den Namen
Melchisedech Tür und Tor standen offen bei ihr Jeder sah den Unterschied
wie Tag und Nacht Ich weiß nicht wie es zugegangen allein alle Augenblicke
hatte sie einen schweren Namen im Munde Mein Vater wollt ihr aushelfen allein
sie verbats Der Tod ist weit schwerer als diese kauderwelschen Namen sagte
sie und mein Vater schwieg bedenklich
    Tertullianus und Teophylactus in Ehren fing sie an welche die Paradoxie
gehabt dass die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus eine bloße
Parabel sei die guten Herren haben gewiss keine Mine in ihrem Dorfe gehabt und
keinen Sohn der Minen liebte und keinen Gewissensscrupel s Todes halber
sonst wären sie gewiss so ortodox gewesen die Erzählung vom reichen Mann und
dem armen Lazarus für das zu halten was sie ist für reine gediegene Wahrheit
Hat denn Adrichomius sich nicht anheischig gemacht des reichen Mannes Haus in
Jerusalem zu zeigen jedem wer es sehen will Ich tue drum keinen Schritt
fügte meine Mutter hinzu und eben so wenig mag ich das Husten Christi sehen
das man irgendwo vorzeigt
    Das heilige Grab aber das Grab Christi o wie gern hätte dies meine Mutter
gesehen Sie nannt es ein geistliches Bad einen geistlichen Gesundbrunnen und
wunderte sich nicht dass so viele Seelenkranke so viele Pilgrime dahin
wallfahrteten Mein Vater der hiebei indessen seinen ritterlichen Gesinnungen
ihren Lauf ließ hatte so wenig wider diese Reise etwas einzuwenden dass meine
Mutter wegen seiner Reisefertigkeit zuweilen fast auf den Gedanken gefallen
wäre ob nicht im heiligen Lande sein Vaterland sei wenn die langen Manschetten
ihr nicht im Wege gestanden Vater und Mutter reisten also die Woche ein bis
zweimal ans heilige Grab und legten sich so oft sie sich auf diesen Weg
machten so pilgermüde so gottselig nieder dass ich wetten wollte kein frommer
Grabeswanderer hat eine bessere Nacht gehabt als sie Des Morgens waren sie
zwar immer in  ohne dass sie einen Türken gesehen was tut aber der Türke zur
Sache
    Wie ich mich verirre ohne dass ich diese Reise nach dem gelobten Lande
mitmache Da bin ich wieder bei den vier letzten Dingen
    Wer meiner Mutter einen Liebesdienst erweisen wollte musste von diesen vier
letzten Dingen mit ihr sprechen Wenn es auf sie angekommen wäre hätte sie noch
gern wenigstens ein letztes Ding darüber gewünscht um noch mehr darüber reden
zu können wenn nicht die Fünf eine herzbrechende Zahl darauf gefolgt Mein
Vater sagte ihr von den vier Teilen Europens von den vier Weltgegenden von
den vier Jahreszeiten von den vier Altern des Menschen von den vier
Temperamenten und vier Elementen lässt sich leichter reden als von den vier
letzten Dingen allein meine Mutter ließ sich nicht abwendig machen Die vierte
Zahl war ihr Liebling geworden Es hat zwar sagte sie kein Auge gesehen kein
Ohr gehört und ist in keines Menschen Herz kommen was Gott bereitet hat denen
die ihn lieben wenn es aber gleich schwer ist von einer Sache zu sprechen die
kein Auge gesehen kein Ohr gehört und die in keines Menschen Herz kommen so
haben wir doch Mosen und die Propheten und im neuen Testamente bis Geschichte
vom reichen Mann und armen Lazarus wo man des Tertullianus und des
Teophylactus unerachtet mehr von den hauptletzten Dingen hört als uns
Vernunft und alle fünf Sinne zu lehren im Stande sind Die Meinung der
Psychopannychiten als ob die Seelen noch in der Welt herum wanken und andere
dergleichen Meinungen wie abgeschnitten Luc 16 stand der Text meiner Mutter
der keinen Kommandantenposten sondern ein hervorstehendes Zeichen hatte und
sollt er nicht  Eine Kocarde am Hute sagte ein Einfallist ein neumodischer
Kandidat den meine Mutter auf diese Zeichen aufmerksam machen wollte allein
dieses Bürschchen ward gerupft obgleich er noch mit seiner theologischen
Schärpe und Ringkragen so wie er eben gepredigt oder auf der Wache gewesen war
da stand Unmöglich hätt er übler wegkommen können wenn er einer der fünf
Gemüts oder GeblütsBrüder des reichen Mannes gewesen wäre
    Der Tod ist Prosa sagte meine Mutter der Himmel Poesie Darf ich weiter in
dem Text  Kürzen heißt nicht veruntreuen Ich will mit Fleiß bei der Extrapost
bleiben damit niemand meiner Mutter den Vorwurf mache sie hätte ins Gelag
hinein geredet Meine Leser kennen sie noch nicht in der Todeslaune die auch
prosaisch war wie der Tod Über Luc 16
    Es kommt fing sie zu ihren Korintern an alles von Gott Glück und
Unglück Leben und Tod wie Sirach im eilften Kapitel und dessen vierzehnten
Vers schreibt Abraham war ein reicher Mann Er würde gewiss mit keinem Curischen
von Adel getauscht haben und der König Salomo dem der Reichtum im Postscript
zufiel wie reich war er nicht Was ist vom ehrbaren Ratsherrn Joseph von
Arimatia zu sagen der so reich er war doch auf das Reich Gottes wartete und
der vornehmste Totengräber gewesen der je gelebt hat Wie leicht fällt aber
beim Reichen die Frage vor wer ist der Herr Wer lässt sich durch Gottes Güte
zur Busse leiten Wer sagt nicht zu seinem Palast wie Nebucadnezar dies ist die
große Babel die ich erbauet habe zum königlichen Hause zu Ehren meiner
Herrlichkeit und bei Gelegenheit seiner vollen Scheuern du hast nun einen
guten Vorrat auf viele Jahre liebe Seele habe nun Ruhe iss trink und habe
guten Mut  Wie leicht kleidet man sich in Purpur und köstliche Leinwand 
Des dreigliedrigen Kandidaten  Manschetten könnten unter uns kleiner und
feiner sein
    Was wird sein du Prasser du Vielfrass du Saufaus was wird sein dass du
alle Tage herrlich und in Freuden gelebt hast O ihr die ihr euch weit vom
letzten Tage achtet die ihr auf elfenbeinernen Lagern schlaft und Überfluss
treibt mit euren Betten die ihr die Lämmer aus der Heerde esst und die
gemästeten Kälber die ihr Wein aus den  Schalen trinkt und salbt euch mit
Balsam und bekümmert euch nichts um den Schaden Josephs was ists was ihr
gelebt habt Wir wollen uns mit dem besten Wein und Salben füllen lasset uns
die Maienblumen nicht versäumen Weisheit im zweiten Kapitel der sechste und
siebente Vers euer Morgensegen euer das Walt ist wohl her Lasst uns wohl
leben weil es da ist und unseres Leibes brauchen weil er jung ist Euer
Benedicite Euer Aller Augen Kommt her lasst uns Wein holen und voll saufen
und soll morgen sein wie heute und noch viel mehr Wehe wehe es wird nicht
lange so sein Der Reiche starb und ward begraben und als er nun in der Hölle
und in der Qual war hob er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und
Lazarum in seinem Schoss  die Engel waren seine Seelenträger Seiner Seele war
es nicht anzusehen dass der Leib voll Schwären und dass die Hunde seine Wundärzte
gewesen Gerades Weges ohne allen Umweg kam er an seinen Ort so wie der
reiche Mann an den seinigen Was der Tod nicht machen kann Welche Kluft ist
zwischen beiden befestigt Lange war der diesseitige Wall so groß nicht
                  Die Sterbensgeschichte meiner Mutter selbst
    Das Ableben meines Vaters war Öl für diese Lampe die für die Ewigkeit
brannte Auch der Tod des Herrn v G lieferte einen Oelbeitrag Dieser starb
plötzlich in unserer Kirche und kann ich wenn es verlangt wird noch Red und
Antwort von seinem Hintritt erteilen  Der hochgeborne Totengräber hat so
viel Leichenbegängnis in diese Lebensläufe gebracht dass ich fast vermute
mancher Kunstrichter werde sich auch eine Spruchstelle merken und ihr kein
Kommandantenzeichen beilegen Lasst die Toten die Toten begraben  Kann sein
hab ich aber nicht s Tod zu feiern
    Nach meines Vaters Tode lagen meiner Mutter ein großer Teil Amtsgeschäfte
auf womit sie den benachbarten Herrn Konfrater nicht beschweren wollte welcher
sich sonst der heiligen Notdurft der verwaisten Gemeinde annahm Oeffentlichen
Amtsverrichtungen konnte sie sich freilich nicht unterziehen weil die Weiber
wie sie sich von selbst beschied schweigen müssen in der Gemeinde dagegen war
sie wo ein Christ nur irgend ein geistlicher Priester sein kann dieser
Priester mit Leib und Seele Sie setzte den Unterricht mit den Katechumenen
fort sie zeichnete die Beichtkinder an ermahnte und tröstete sie nachdem es
der Seelenzustand wollte Die vier letzten Dinge wussten die Kinder wie das
Vaterunser Vorzüglich besuchte meine Mutter die Kranken Ehre den Arzt sagte
sie da mein Vater auf ihr beständiges der Brief gab sondern wider die Ärzte
declamirte in Wahrheit sie ehrte die Ärzte es sind Leibessorger pflegte sie
zu sagen Obgleich sie die Ärzte und unter ihnen den Dr Saft ehrte spendete
sie dennoch wenn es die Gelegenheit gab Hausmittel aus denen sie indessen
wider die Meinung meines Vaters bei weitem nicht so viel als einem Saftschen
Recept zutraute Sie war sehr für alles Geschriebene und stand jedem Saftschen
Schwarz auf Weiß den Rang zu Die Seelencur ging bei ihr über alles Heiraten
rechnete sie in gewisser Hinsicht auch zu Seelenmitteln In allen Seelencuren
war sie so glücklich dass das ganze Kirchspiel zu ihr ein so unumschränktes
Zutrauen hatte dass die Gemeinde den Adel nehm ich aus der zum Teil sein
Gespötte mit ihr trieb sie sehr gern in die Stelle ihres Mannes zum Predigtamt
berufen hätte wenn nicht das Geschlecht ihr entgegen gewesen wäre Selbst von
der Nottaufe hatte sie ihre besonderen Meinungen wobei die Herren Diaconi
Pastores Präpositi und Superintendenten gewiss nicht den Kürzern zogen
    Was jene weise Frau zum Feldhauptmann Joab sagte da er Abel bestürmte »Vor
Zeiten sprach man wer fragen will der frage zu Abel und so gings wohl aus«
das galt von meiner Mutter und ihrem Rate den sie keinem entzog der ihn
begehrte Das Pastorat blieb wie gewöhnlich lange erledigt und meine Mutter
hatte also Gelegenheit ihre Gaben in mancherlei Art unter die Kirchspielsleute
zu bringen Da zersprang ein Felsenherz welches vieljährige Bosheit gehärtet
hatte da taute der Frost wie vom Märzschein auf wenn sie ermahnte wenn sie
lehrte Zwar hatte ein Benachbarter von Adel sich über sie gar lustig
ausgelassen dass sie ihm wie ein flügellahmer Storch vorkäme der den Winter
zurückgeblieben allein dies war ihr kein Stein des Anstoßes kein Fels der
Ärgernis Rache war nie ihre Sache wie sie sagte Man fand das kunstlose
Altertum wenn man sie sah Ihre sehr treuherzige Art zog ihr alle Herzen zu
Sie war keine Blendlaterne die von allen Seiten zugezogen ist sondern eine
gläserne Lampe die überall Licht zeigt wo man sieht  Eine Fackel war sie
nicht und wollt es auch nicht sein Ein Dorfmädchen das eine Hauptdichterin
der Gegend war sagte dass ihre Worte die Herzen wie die Morgensonne die
Blumen öffneten dass sie dastünden wie die Blumenkelche  Seht so hat die
Natur selbst ihre Kunst Es ist ein sehr bekanntes Sprichwort »Wie die Natur
spielt«
    Einst träumte meine Mutter dass Minchen sie auf ein himmlisches Vocalconcert
einladen ließ bei welchem mein Vater der wahrlich diesseitig auch selbst nach
dem Brande nicht sehr musikalisch war und nur den zweiten Discant versucht
hatte eine Hauptstimme übernehmen würde Ehe sie antworten konnte war das
Gesicht verschwunden Diese Einladung blieb sehr lebhaft in ihrer Seele Des
Tags auf diesen Traum ging meine Mutter die Seelenbesorgerin zu einer Kranken
es war die Mutter des armen kleinen Jungen der seinen Milchtopf zerbrochen
hatte und dem Minchen aus der Not half indem sie behauptete dass sie schnell
zugegangen und da wäre der Topf hin gewesen Sie hatte eine hitzige Krankheit
ein ländlicher Universalname aller Krankheiten O meine Lehrerin schrie ihr die
Hitzigkranke zu ich bin diese Nacht zu Gaste bei Minchen gebeten auf ein
Gericht Manna wo ich mit Abraham Isaak und Jakob zu Tische sitzen werde Gewiss
werd ich auch meinen Siebenjährigen finden der den Milchtopf zerbrach Der
Liebe wird himmlisch groß geworden und schön ausgewachsen sein Meinen Sie
nicht liebe Frau Pastorin Meine Mutter hatte die Einladung auf Manna so
getroffen dass sie nicht antworten konnte Nach ihrer Erholung entdeckte sie der
Kranken ihre Einladung auf Gesang  Ich habe aber nicht zugesagt sagte meine
Mutter Und warum die Kranke Weil das Gesicht die Antwort nicht abwartete
Gut fuhr die Kranke fort so werd ich die Antwort mitnehmen Amen sagte meine
Mutter um ein himmlisches Wort zu gebrauchen Halleluja die Kranke und nun
ward eine Todesstille als ob beide sich zu dieser Einladung vorbereiteten Nach
einer Weile kamen sie wieder wo sie stehen geblieben und die Kranke konnte
sich nicht drein finden dass meine Mutter auf Gesang sie aber auf Manna geladen
sei wobei meine Mutter ihr ins Geleis half Seht nur gute Nachbarin da kann
ja während dem Singen sagte sie auf Blättern vom Baum des Erkenntnisses Gutes
und Böses und vom Baum des Lebens Manna herumgetragen werden Wenn die Blätter
groß sind sagte die Kranke  Messer und Gabel und Teller fuhr die Kranke fort
 Weg damit versetzte meine Mutter In der Auferstehung werden sie weder freien
noch sich freien lassen sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel
Die Kranke reichte meiner Mutter die Hand und mit ihr den Tod Mit einem Schauer
trat er ihr in alle Glieder Sie wußt es dass er eingetreten war und ging heim
Die Nachbarin starb in wenigen Stunden um bei Minen Gesang und Manna nicht zu
versäumen Meine Mutter ward krank ohne dass sie und Dr Saft wussten was ihr
fehle Sie starb an der Einbildung wenn ich mich nicht irre an der mehr Leute
sterben als man glauben sollte Dass viele daran krank sind ist eine ohnedem
bekannte Sache Sie hatte wie der Graf  in Preußen das himmlische Heimweh
nur mit dem Unterschiede dass es beim Grafen eine lange zehrende bei meiner
Mutter eine hitzige Krankheit war Ein Lied war ein Springwasser das ihr
zuweilen Kühlung bot und mit welcher Inbrunst sang sie Ihr Trost war ohne
allen Aufwand  sie sah nicht in die Sonne Der Mond war ihr Planet der Planet
eines Planeten Wer kann in die Sonne sehen sagte sie Der Mond hat so was
Menschliches Lass sie die hochweisen Herren nur immerhin behaupten fuhr sie
fort den Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses schon in dieser Welt gefunden
zu haben es ist wahrlich eine Schlange die sie verleitete Die Regeln können
zwar schlechte Dichter vom Parnass oder besser vom Sinai zurückhalten haben sie
aber je einen gemacht Die Weisheit dieser Welt was ist sie beim Licht der
reinen Wahrheit Werdet wie die Kinder Wenn andere lehren Zieht die
Kinderschuhe aus lehrt uns wahre Weisheit Zieht sie an  und noch bis jetzt
fuhr meine Mutter fort hab ich mich beim lieben Mond und bei den Kinderschuhen
wohl befunden Was sie über ihr Herz bringen konnte das konnte sie auch mit der
Vernunft reimen Das Herz spielt auch wirklich weniger Streiche als die
Vernunft Die Vernunft ist eine Gemeinuhr jeder schiebt ihren Zeiger das Herz
trag ich bei mir Je weniger der Mensch der Vernunft und dem Schicksal Blössen
über sich gibt je unüberwindlicher je stärker ist er Wenn ich schwach bin
bin ich stark konnte meine Mutter sagen Ihr Porträt war weibliche Schwachheit
im Arm männlicher Stärke Vater und Sohn können an einem Tage taufen lassen Ein
Pomeranzenbaum hat Blüten und Früchte
    In Betreff ihrer Krankheit so verstellte sie nicht ihre Gebärde Schon bei
meines Vaters Leben hatte sie eine alte Priesterwittwe anstatt einer Diakonin
zu sich genommen und von ihr hab ich empfangen was ich meinen Lesern erzähle
und zwar so als wär ich Augenzeuge gewesen Auf meine Sünde wider Mine steht
Gewissensbiss in der vorletzten Stunde pflegte meine Mutter oft zu sagen die
letzte aber setzte sie hinzu wird heiter sein Es nagte und plagte sie noch
heftig wenn gleich sie bis auf die vorletzte Stunde überwunden zu haben
glaubte Sie sagte in einer schweren Stunde der Anfechtung in Rücksicht der
schon erkämpften und sie jetzt wieder fliehenden Ruhe auf eine schreckliche
Weise wie gewonnen so zerronnen indessen wurden ihre Hände bald bald wieder
gestärkt die strauchelnden Kniee erquickt und der zerbrochene Rohrstab geleimt
 ihre blutrote Schuld war dann wieder schneeweiß Geschieht das am grünen
Holz geschieht das an Minen die auch noch vor ihrem Ende manchen
Gewissensknoten zu lösen hatte ehe sie überwand geschieht das an meiner
Mutter die Gewissensängste ergriffen was will am dürren werden Wer kann dies
zu oft wiederholen Wer es liest der merke drauf  Die Krankheit meiner Mutter
behinderte sie außerhalb ihres Hauses Amtsverrichtungen vorzunehmen Sie kam
seit dem Handschlage nicht mehr aus dem Pastorat indessen ließ sie ihre
geistlichen Priesterhände nicht völlig sinken Freilich mussten sie zuweilen
gestützt werden wie jenes Priesters wenn er das Volk segnen sollte indessen
ward sie nicht lass zu strafen zu lehren und zu trösten Jedes das einen Stein
auf dem Herzen hatte kam zu ihr jedes das sich nicht finden konnte suchte
Rat im Geistlichen und im Leiblichen
    Eine Besonderheit noch denkwürdiger als die schweren Worte womit sie sich
belastete Sie hatte das Glück dass sie einige verborgene Dinge als zB
Diebstähle ans Licht brachte die wie eine Pest im Verborgenen schlichen  Sie
sagt es dem Schuldigen auf den Kopf zu Wo sie anklopfte da ward aufgetan 
Ich weiß nicht schreibt die Priesterwittwe ob die verschiedenen denkwürdigen
Träume die Ursache waren woher sie die ihr verliehene Gabe der Prophezeiung
inne ward nur das weiß ich dass sie viel Aufsehen gemacht haben würde wenn sie
diese Begeisterung eher verspürt hätte Sie sagte der Frau v  sie würde einen
Sohn zur Welt bringen und doch ging die Frau v  nur im fünften Monat Sie
wusste wer Pastor werden würde und sagte diesem und jenem Dinge worüber dieser
und jener erstaunte Selbst von den fetten und mageren Kühen der künftigen Jahre
ließ sie Worte fallen die manchen Kornjuden hätten bereichern können wenn
dergleichen ihren Worten getrauet Wenn sie sich eine Wünschelrute gebrochen
würde sie alles Metall in ganz Kurland und Semgallen auspunktirt haben 
Zuweilen kam ich auf den Gedanken dass es ein Erbstück von ihrer seligen Mutter
gewesen Eine Blitzfrau Die verknüpftesten Rätsel die intrikatesten
französischen Schlösser ohne Dietrich gleich offen  Sie hätte einem
Superintendenten was zu raten aufgeben können von Rahels Gesichtsfarbe zum
Beispiel und von der Seifenkugel des Pontius Pilatus
    Unten noch ein Rätsel das ich lösen zu können wünschen würde Hier noch
die Anmerkung dass der Kandidat mit den langen Manschetten meines Vaters Platz
erhalten  Ich glaube meine Leser haben unerachtet des dreigliedrigen Segens
und der langen Manschetten die eherhin nicht von köstlicher Leinwand waren
nichts dagegen
    Nicht eins aus dem Kirchspiele konnte sich behelfen ohne von meiner Mutter
Abschied zu nehmen und keines ging von ihr ohne Andachtsröte wie die
Priesterwittwe sich ausdrückt auf den Wangen Man brachte die Kinder zu ihr
damit sie sie einsegnen möchte und gesegnete Weiber befragten sie obs ein
Sohn oder Tochter wäre Über mich sagte sie wollte sie nicht den
prophetischen Zügel schießen lassen so gern ich eine Probe ihrer Kunst aus der
ersten Hand gehabt hätte
    Außer der Lehre von den vier letzten Dingen war sie jetzt über die Lehre von
den Engeln unerschöpflich geworden Der Spruch erste Korinter im eilften
Kapitel der zehnte Vers Das Weib soll eine Macht auf dem Haupte haben um der
Engel willen war ein Text worüber sie sich ausliess wiewohl ohne ihn zu
zeichnen Sie zeichnete jetzt überhaupt keine Spruchstellen mehr Da sie
indessen auch selbst als Prophetin ortodox blieb und die Kinder so man zu
ihr brachte nur zweigliedrig segnete so blieb es bei der gewöhnlichen
Erklärung nach welcher Haube das Gegenteil von Hut anzeigt Dieser deutet
Freiheit an jener Unterwerfung unter den Willen des Mannes und sollen also die
Weiber Schleierhauben tragen um die Engel durch Gelegenheit zur Untreue nicht
zu betrüben Die gute Predigerwittwe fand diese Erklärung so überschwenglich
dass ich ihr zum Andenken sie hier einrücke Wie mag diese Spruchstelle doch ihr
Ehegatte seliger erklärt haben Vermutlich legte er sie durch heidnische
Aufpasser in den Versammlungen der Christen aus
    Die Engel sind die treuesten Geschöpfe die Gott geschaffen hat sie sind
rein und selig
    Die Auslegung dass die Weiber darum Hauben zu tragen angewiesen worden
damit sie die Engel nicht ansehen möchten um sie zu begehren war meiner Mutter
ein Stein des Anstoßes   Sie überlegte alles mit ihrem Schutzengel und war
so sehr der Meinung dass jedem Menschen ein Gefährte zugeordnet wäre der ihn in
der Jugend und im Alter begleite dass sie nichts davon abwenden konnte In den
Jahren sagte sie wenn der Mensch im eigentlichen Sinne Mensch ist wie selten
ist er da eines Engels wert Die Engel sind nicht unsere Diener wiewohl
etliche des Dafürhaltens gewesen sondern unsere Vormünder unsere Curatores
Wie muss es sie verdrießen dass eine Gestalt die der erste Adam und der zweite
Adam getragen so vernachlässigt wird Aus der göttlichen Uniform o was ist
aus ihr worden Die Engel lernen von uns die Auswicklung eines Geistes den
Einfluss des Geistes auf den Körper und dieses auf jenen Sie sehen was es mit
einem sublunarischen Körper für eine Bewandtnis habe und wie er einem Geiste
steht Sie sehen die Ungemächlichkeiten die ein Eigentum vor einer Miete die
ein eigenes Haus vor einem geheuerten hatte  O was ist vom Menschen zu lernen
Vielleicht ist in ihm aus jedem Hauptweltstück etwas  Er ist die Welt im
Register Man kann sie bei ihm nachschlagen  und wenn er stirbt welcher neue
Unterricht Die Trennung das Überbleibsel außer der Seele das Hemde vom
Menschen von köstlicher Leinwand  Wir sind also ihrer Vormundschaft
unbeschadet ihre Lehrer Hier sind wir Engel und Menschen in einer Person Wer
sagt dass wir sterben drückt sich uneigentlich aus Wir sind unsterblich
    Kindlichgroße Mutter Du schlecht und rechtes Weib Selig bist du selig
dreimal selig ist dein Kind das Christus unter seine Jünger zum Muster stellte
Jesus rief ein Kind und stellte es mitten unter sie und sprach Wahrlich ich
sage euch es sei denn dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder so werdet
ihr nicht in das Himmelreich kommen Wer sich nun selbst erniedrigt wie dies
Kind der ist der Größte im Himmelreich Selig ist der ein Kind wird um dieses
Kinderfreundes willen
    Gern hätte ich meinen Lesern ein Engelgespräch meiner Mutter mitgeteilt
welches wir andern Leute ein Selbstgespräch zu nennen gewohnt sind das auf dem
Theater ein Staatsfehler ist  indessen besprach sie sich mit ihrem Schutzengel
in der Stille Unsere Seele kennen wir nicht und wollen die Engelnatur
begründen sagte ein Schriftgelehrter in der Gegend Wir wissen in unserm eignen
Hause nicht wer Koch oder Kellner ist und wollen alle Einwohner jener Sterne
zu Gevattern bitten Allein meine Mutter widerlegte ihn nicht Oft brach sie
schreibt die Pastorwittwe mitten drein ab was ich weiß das weiß ich und gab
nicht undeutlich zu verstehen dass sie mit ihrem Schutzgeist bekannt zu werden
Gelegenheit gehabt Sonst wüsste ich auch nicht wo sie alles her hätte von den
sieben fetten und sieben mageren Kühen künftiger Jahre ob Söhnchen oder
Töchterchen und wer Pastor werden würde
    Es war in der Gegend eine Frau v B  von sehr bekannter Einsicht Sie hatte
nie Kinder gehabt Man sagt viele Kinder schwächen die Weiber an Leib und
Seele und wenn man manche alte Jungfer darüber zu Rate zieht sie sei
Durchlauchten hochgebornen hochwohlgebornen oder bürgerlichen Standes findet
man zu dieser Anmerkung Bestätigung  Ihre Neider behaupteten sie wäre keine
Frau sondern ein Mann obgleich ihr verstorbener Gemahl nie darüber Klage
geführt Diese Frau war eine Jüngerin vom seligen Herrn v G  ohne dass er es
dazu anlegte Sie hatte wider manches Scrupel und trat dem Herrn v G  in
allen seinen Meinungen bei ohne zu bedenken ob ihre Scrupel dadurch gehoben
wären oder nicht Nach der Zeit fing sie selbst an aus Büchern zu schöpfen Das
sind nie Quellen für Weiber Bei ihnen kommt aller Glaube durch die Predigt und
siehe da sie hatte von der Existenz der Seele nach dem Tode solche
Hirngespinnste zur Welt gebracht dass es ihr besser gewesen wäre wenn sie
Kinder gehabt hätte wenn sie ihr gleich nicht geraten wären Hirngespinnste
sind oft schädlicher als ungeratene Kinder Hiezu kam dass sie keinem diese
Meinungen mitteilte sondern alles mit sich selbst berichtigte Sie hatte eine
grobe Stimme sonst aber war sie fein ausgenommen Nase und Augen die
ungewöhnlich groß waren  und doch war etwas Fräuliches in beiden Stücken Dass
sie nicht zu unserm Kirchspiel gehörte muss ich noch bemerken Der Prediger der
ihr angewiesener Seelenhirte war schien keine Seelenweide zu verstehen am
wenigsten die Gabe zu haben Scrupel zu heben und alles wieder auf gut Weideland
zu treiben Diese Frau v B  hatte für meinen Vater viel Achtung gehabt
obgleich er durch das zehnjährige Interregnum von der für ihn gefassten guten
Meinung viel verlor Wo sie nur von einem Zeichen hörte erschien sie und immer
im Amazonenhabit Sie war eine geborene Amazonin An Swedenborg den
Geisterseher hat sie öfters Briefe erlassen auch an einige   Jetzt hörte sie
vom benachbarten Phänomen »Liebe Frau Pastorin ich komme zu sehen wie Sie
sich befinden«  Besser als je »Das höre ich« und nun alles einsylbig Je
nun mag nun denn Acht Siehe doch und dergleichen Die Frau v B  hatte
meine Mutter für eine einfältige gute Frau gehalten Sie war wegen ihres Singens
weit und breit bekannt Die Frau v B  sang gar nicht Sie war für keine Musik
Meine Mutter kannte die Frau v B  wegen ihrer Heterodoxie und merkte
sogleich dass es auf ein Zeichen würde abgesehen sein Sie fertigte sie indessen
so kurz und gut als Vater Abraham den reichen Mann ab da er seiner fünf
Brüder halber eine Erscheinung begehrte »Hören sie Mosen und die Propheten
nicht so werden sie auch nicht glauben wenn jemand von den Toten
auferstünde« Mit der Nachricht wer Pastor werden würde war der Frau v B  am
wenigsten gedient und da sie aus zwei bekannten Dingen ein drittes unbekanntes
herauszubringen gar wohl verstand nicht minder gar wohl wusste dass das Glück
allem Ausserordentlichen zur Seite ginge so ward sie so wenig überzeugt als die
Pharisäer und Sadducäer und Schriftgelehrten Meine Mutter hatte indessen etwas
im Gesicht was der Frau v B  auffiel Die Festigkeit mit der meine Mutter
alles behandelte machte die Frau v B  auch ohne erhaltenes Zeichen
aufmerksam  Sie nahm die Assignation auf Mosen und die Propheten an und bat
sich die Erlaubnis aus künftigen Sonntag wieder zu kommen Wenn man den Löwen
vorgeworfen werden soll stirbt der größer und ist mehr als Märtyrer der sich
ihnen gelassen anbietet als der sie reizt  Die Frau v B  zog ihre Straße
und da sie wohl einsah dass meine Mutter nicht mehr lange hier wallen würde
entschloss sie sich etwas auszuführen wofür sie bis dahin zurückgebebt  Sie
kam  Noch ein klein Geläute zuvor wegen des Sonntags Seit der Zeit dass
meine Mutter eine Prophetin geworden war sie des Sonntags mehr als sonst in
diesem Prophetenelement obgleich sie sonst so sehr für den Sonnabend war  Sie
kam habe ich schon gesagt Beide sahen es sich an dass sie heute
außerordentlich wären Es war bei beiden Sonntag  ich will die Pastorwittwe
sich selbst überlassen
    Ich wünschte wohl mit Ihnen ganz allein zu sehen sing die Frau v B  an
»Kann nicht sein« antwortete meine Mutter »Gott ist bei uns und meinen
Schutzengel kann ich nicht gehen heißen  Bleib Lieber« Dieses kurze Bleib
Lieber zu etwas das die Frau v B  nicht sah würde sie sonst zum Lachen
gebracht haben jetzt wandelte sie kein Lachen an »Auch diese meine Kollegin«
fuhr die Selige fort »darf nicht von mir Sie hat mein Herz und weiß meine
ganze Sterbensgeschichte« Nach einigen Erholungsaugenblicken versicherte die
Frau v B  dass sie eine Bitte an die Selige hätte die sie wohl überdacht 
»Im Namen Gottes« erwiderte die Selige Ich glaube fuhr die Frau v B  fort
an Gott den Vater allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden und ehre in
tiefster Demut alle die Wege die er mit den armen Menschen seinen Geschöpfen
eingeschlagen um sie zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen  ich glaube 
doch unterbrach sie sich selbst Sie wissen was ich glaube »Ich weiß« sagte
die Selige mit aller Überzeugung und legte eben hiedurch ein Zeichen von ihrer
Übernatur ab denn mir kam es vor dass die Frau v B  selbst nicht recht
wusste was sie glaubte Gern ich leugne es nicht hätte ich sie den zweiten und
dritten Artikel des Glaubens beten gehört  So beschwöre ich denn rief die
Frau v B  mit einer Mark und Beinstimme so beschwöre ich deinen Geist bei
dem ewigen Anschauen Gottes und bei allen Hoffnungen der Seligkeit dass wenn es
zur Ehre des Geistes der Geister und mit Bewilligung deines Geleitengels sein
kann der hier ist ohne dass ich ihn sehe dass du mir drei Tage nach deiner
Auflösung erscheinest  ich werde in meinem Hause rechter Hand im weißen Kabinet
deiner warten Alle guten Geister loben Gott den Herrn  Die Selige antwortete
auf so viel Kreuzblitze mit einer Gelassenheit die man nicht beschreiben kann
»Eure Rede sei Ja ja nein nein was darüber ist ist vom Übel Lasst mich«
 Sie winkte uns ab  Ich das heißt die alte Pastorwittwe zitterte von
dannen denn ich fühlte dass ein unsichtbares Geschöpf in der Nähe sei das mit
der Seligen conferiren wollte die Wahrheit zu sagen ich hörte ein Rauschen
als eines sanften Windes als einer atlassenen Schleppe Die Frau v B  ging
mit der ehrfurchtsvollsten Gebärde von dannen Samuel konnte nicht
ehrfurchtsvoller sagen Rede Herr dein Knecht hört Wir kamen ins blaue
Stübchen das ich tausendmal gesehen und jetzt war mir so als ob ich es zum
erstenmal sähe Es kam mir vor als sähe ich überall Kreuze Mich umgesehen
hätte ich nicht um Tausende Die Frau v B  sah mich mit ihren großen Augen
starr an  und eigentlich bemerkte ich wie sie eine Todesangst fasste Die
Aengste hoben sie was schweben heißt konnte man an ihr sehen Dies nahm
zusehends zu auch sie konnte sich nicht mehr umsehen Wie es zuging weiß ich
nicht allein ein plötzlicher Sturm riss die Fensterladen von ihren Eisen alles
bebte im Zimmer Alles was einen Klang im Zimmer hatte gab einen Laut
Schrecklich  Weh war es nicht allein nicht viel auseinander  Die Hähne
krähten auf eine Art als wenn eins verraten und verkauft werden sollte  Im
Sturm waren Worte zu hören  Wer konnte sie vernehmen Die hochgelahrte Frau v
B  rang die Hände und konnte sich auf den Knien nicht halten Was Wie ist mir
 Damals und auch nach der Zeit glaubte die zeichenbegierige Frau v B  dass
die Unterredung der Prophetin mit ihrem Schutzgeist auf den Geist der Frau v B
 gewirkt hätte Etwas ging in Wahrheit vor was es aber war mag Gott wissen
und der Prophetin Schutzgeist Die Prophetin klingelte So was von Klingeln habe
ich nie gehört Die hochgelahrte Frau v B  hatte so wenig Herz hinein zu
gehen dass sie mich bat ich möchte hören was sie wollte und da ich vorging
hielt sie mich zurück weil sie nicht bleiben nicht gehen wollte Da eben
gingen die Glocken unserer Kirche und der Sturm der noch nicht nachließ
brachte sie uns so nahe dass sie uns recht ins Ohr schrien »Bedenke Mensch
das Ende« Es war eben ein blühendes junges Mädchen das nur seit drei Tagen
krank gewesen verschieden Gott habe sie selig Die Frau v B  tat ehe wir
noch zu der Seligen gingen eben so feierlich als ihre Beschwörung war
Verzicht auf die Erscheinung der Prophetin als Eines von den Toten und da wir
voll von diesem Verzicht zur Seligen kamen so habe ich nie erfahren wie die
Konferenz abgelaufen und wie sie sich mit dem Schutzgeist beraten Gern wüsste
ich es jetzt Zu der Zeit hätte ich es nicht tragen können Das bin ich
überzeugt hätte sie versprochen sie wäre gewiss gekommen und wenn sie vom
lieben Gott selbst Urlaub bitten sollen  Es wäre ja ohnedem nicht auf lange
gewesen »Rechter Hand ins weiße Kabinet« Jammer und Schade
    Die Prophetin entdeckte uns bei so bewandten Sachen nichts von ihrer
Konferenz und so blieb auch die Frage Ob es angeht dass man erscheinen könne
unentschieden
    Nach einigen das Ableben der Dirne betreffenden Umständen erzählte die
Prophetin uns eine zur Stiftung des Kartäuserordens gehörige Geschichte die
Sie besser wissen werden als ich Es war ein von der ganzen Welt fromm
geglaubter Mann dieser starb und sollte begraben werden Unfehlbar hatte man
über seinen rühmlich geführten Lebenswandel und sein seliges Ende eine Standrede
gehalten und da richtete er sich auf und sagte die Prophetin richtete sich im
Bett in die Höhe Ich bin vor das strenge Gericht Gottes vorgeladen Alles
ging der Neuheit der Sache wegen von dannen wiewohl unbesorgt wegen des
Urteils  Des folgenden Tages da man das Leichenbegängnis fortsetzen wollte
richtete sich der fromme Mann wieder auf und rief Das Verhör ist vor dem
Richterstuhl geschlossen  Die Leichenbegleiter und das Volk verließen diesmal
bänger die Leiche  Ein Verhör dachte man doch vielleicht um dem frommen Mann
desto gründlicher zu lohnen  Den dritten Tag wie begierig war alles den
Spruch der Gnade zu hören das »Ei du Frommer« Allein Weh Weh rief die
Prophetin sie richtete sich so in die Höhe dass sie mir ungewöhnlich groß
vorkam der für fromm Gehaltene sprach mit einem Tone mit einem Tone »Ich bin
verdammt« Die Amazonin fiel in Ohnmacht  Ein Weib auch im Amazonenkleide
ist doch nur ein unausgebackener Mann  Die Prophetin ermunterte sie durch das
schöne Lied »Du stehest Mensch wie fort und fort« Dies Lied half zusehends
 Sie drückte meiner Mutter die Hand Nicht eher als dort wünsche ich Sie zu
sehen rief sie laut recht als ob sie es dazu anlegte dass auch die
Unsichtbaren es hören möchten  Sie nahm noch außer ihrer Kammerjungfer einen
ihrer Bedienten in den Wagen und hat keinen Scrupel mehr und geht nicht weiter
im Amazonenkleide  Den dritten Tag nach Ihrer heiligen Mutter Hintritt fiel
Frau v B  in heiler Haut in eine dreistündige Ohnmacht  und erwachte wieder
so als wenn man ausgeschlafen hat Sie hat wirklich etwas man weiß nicht was
erfahren wovon sie aber bis in ihren Tod der kurze Zeit darauf folgte keine
Sylbe entdeckt hat Ich habe diesem Vorfall eine Pension von fünfzig
Reichstaler Alb zu danken die sie mir mit der Bitte legirt hat diesen
Sonntag ihr zum Andenken nicht zu vergessen und das will und werde ich
erfüllen bis auch ich wissen werde wie es in der Geisterwelt steht Wie mir
vorkommt werde ich Sonntags sterben am Pensionstage Fr v B  ist sehr sanft
gestorben Ich konnte wegen Selbstkrankheit bei ihrem Ende nicht sein
                                       
    Des alten Herrn muss ich bei dieser Gelegenheit auch gedenken sowohl meiner
Mutter als der Frau v B  wegen die nach Geistern ausging und am Ende doch
zu den Seligen gehörte welche nicht sehen und doch glauben
    Meine Mutter hatte ihn sogleich nachdem sie von s Geschichte
unterrichtet war citirt und nachdem sie ihm Himmel und Hölle vorgestellt
seinem Herzen die Wahl überlassen  ob Himmel oder Hölle
    Herr v E  hatte um sich aus der Schlinge zu ziehen den Hermann völlig
verlassen Magdalena aber schien um einen Literatus zu heiraten ihn nicht
aufgeben zu wollen Er schien wirklich s Andenken und der Zurückerinnerung
an ihre Mutter den Gedanken dieser Heirat völlig geopfert zu haben Not sagte
meine Mutter hält kein Gebot wenn ich Ihnen aber Nahrung und Kleider
verspreche so lange ich lebe versteht sich Hermann machte Busse und Glauben
durch das gute Werk tätig Denen zu entsagen  Nach der Zeit tröstete sie den
Hermann darf ich mehr bemerken um an den Tag zu legen dass der tochterlose
Hermann wirklich Reue und Leid über seine Sünden getragen Sie hatte ihm alles
aufgedeckt auch was er an der Curländerin verschuldet Er ging krumm und sehr
gebückt den ganzen Tag war er traurig  Der Tremulant war sein Hauptzug Seine
größte Strafe wie meine Mutter bemerkte war die Furcht vor dem Tode nicht
weil es ihm in der Welt gefiel sondern weil er sich fürchtete seinem Weibe und
Tochter unter die Augen zu kommen So war unser Bekannter voll Angst seinen
Sohn und Charlotten zu sehen
    Eines Tages da meine Mutter ihn in tiefster Schwermut fand welches sie
zwischen elf und zwölf in der Nacht nannte nahm sie ihn bei der Hand Getrost
sagte sie Luther ließ sich zu seiner Zeit gegen einen traurigen Organisten so
aus Lieber Matia wenn Ihr traurig seid und es will überhand nehmen so
sprecht Auf ich muss ein Liedlein schlagen auf dem Regal das Te Deum oder
Benedictus  Gehe hin tue desgleichen Hermann so betrübt er war konnte
nicht umhin anzumerken dass er nie Organist gewesen sondern nur ein Post und
Präludium hie und da gehalten wenn es vierzehn Tage zuvor bestellt worden
womit es meine Mutter bewenden ließ die um alles in der Welt willen ihm nichts
vom kalten Brande gesagt hätte Sie kränkte seine Literatusehre nach s Tode
nicht weiter Diese Welt lieber Hermann sagte sie ist ein Präludium die
künftige das Textlied  Ja wohl erwiderte er mit einem tiefen Seufzer So
lebte Hermann nicht viel anders als ein Kartäuser hatte nicht Lust und Liebe
mehr seitdem er den Kinderunterricht aufgegeben seine Handwerke zu treiben
obgleich er noch vom Schneider die Gewohnheit beibehalten auf den Tisch zu
klopfen vom Schuster das weite Ausholen mit den Händen und vom Töpfer das
beständige Wackeln mit dem Fuße  Die Frau v B hatte außer der Pastorwittwe
auch an ihn im Testamente gedacht Sie hatte sich nach ihrer Wallfahrt zu
meiner Mutter um alle Umstände die Minen und mich betrafen erkundigt »Auch
Hermann jährlich fünfzig Taler Alb« hieß es in ihrem mildtätigen Testamente
Mir hatte sie ein schwarzes Kleid nebst Kragen und Mantel legirt wenn ich
Prediger werden würde welches ich so unbeträchtlich der Umstand ist hier
anzumerken nicht ermangeln kann
    Meine Mutter ward von Tage zu Tage schwächer der Geist immer noch willig
tätig kräftig das Fleisch schwach Ihre Einbildungskraft nahm so zu dass sie
hier schon wie ein Geist aussah Aus der Geschichte mit der Frau v B ergibt
sich dass sie zu Bette gewesen Sie war wirklich so dass sie sich nicht auf den
Füßen halten konnte Seht nur meine Lieben sagte sie wie sehr ich beweise
dass mein Geist unsterblich ist Da bin ich durch den der mich mächtig macht
stärker als Socrates von dem so viel gemacht wird und der doch wie man mir
erzählt hat einen Hahn opfern ließ um seine Religionsgrundsätze zu leugnen So
muss ein Hahn immer bei der Verläugnung sein Ich lebe auf indem ich sterbe
Mein Geist fliegt indem mein Körper sinkt 
    Besonders war es dass meine Mutter über mich wie bereits bemerkt worden
auch keinen einzigen Laut prophezeite Nach ihrem letzten Briefe den ich
extractsweise meinen Lesern mitgeteilt war alles still über mich Zuweilen
dachte sie meiner im Fluge wer kann aber im Fluge treffen Die Pastorwittwe
konnte es nicht Sieben Tage vor ihrem Ende wie diese Krankenwärterin mit den
fünfzig Taler Alb Pension mir berichtet war der Geist wie soll ichs nennen
noch stärker Kann es nicht heißen als je Sie war in einer wirklichen Ekstase
wo zuweilen Funken fielen allein sie fielen auf kein gut Land schreibt die
Pastorwittwe sie zündeten nirgend Es war alles so in die Luft Die gute Frau
hat mir davon eine Probe mitgeteilt die ich so wiedergebe als ich sie
empfangen habe Meine Leser wissen wie sehr ich für eigene Worte bin
    Alles was Odem hat liebt und was keinen hat möchte gern lieben Es
sehnet sich nach Liebe Bein von meinem Bein Fleisch von meinem Fleisch Habt
ihr nicht gemerkt wie sich manches Gewächs an einander schlingt so fest als
ein junges Weib an ihren Gatten und was sich nicht umschlingen kann berührt
sich wenn ein sanfter Wind es bewegt Wie es sich küsst Wonniglich ist der Kuss
den der Zephyr der Rose stiehlt Ist er der Rose treu ist er der Herr v E
der barbarische Stutzer Ists ein Stutzer der zerschmilzt der wie ein
Flötenton vergeht Wie Zucker in der Tasse Was ist die Liebe Der Atem Gottes
 Fasst ihn doch auf so warm er da kommt aus seinem Munde Heilig heilig
heilig ist Gott der Herr Zebaot und alle Lande sind seiner Ehre seiner Liebe
voll Entweder wirklich lieben oder lieben wollen nach Liebe sich sehnen sonst
verlohnts nicht dass ein Hund ein Stück Brod von uns nimmt Die Hunde nehmens
auch nicht vom Lieblosen und Falschen Wenn ich mit Menschen und mit
Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht so wär ich ein tönend Erz und
eine klingende Schelle Wenn man dem Huhn nicht ein Nest bereitet legt es in
die Nesseln Auch Wasser wird Lauge wenn es durch Asche geseihet wird Seht
seine Einfalt erhebt den Witz wie Schatten das Licht Wenn die Natur ein
Chorhemde anzieht ist sie das Christentum Zergliedere und du findest an der
schönsten Tat Flecken oder Runzeln oder dess etwas Sie hat Sommersprossen eine
Blatternarbe allein im Ganzen schön So gehts auch mit aller diesseitigen
Heiligkeit  Die Liebe ist kein Porträtmaler Sie malt die Seele Sie malt den
ganzen Menschen Das Gute ist zu hören das Schöne ist zu sehen Das Schöne
erscheint von vorn das Gute von hinten Mine ist zu sehen und zu hören mein
Schutzengel desgleichen wie er da um mich wallt unsichtbar dem Werktagsauge
Der Mond scheint hell der Tod reitet schnell ihr lieben Leutlein graut euch
auch  Singst du Holde Apfelblüten vom Baum des Erkenntnisses Gutes und
Böses waren auf ihrer Wange jetzt Blüten vom Baum des Lebens Mine singst du
 Hört sie singen sie ist des alten Herrn Tochter nicht mehr sie ist meines
Mannes Tochter und ihrer Mutter Tochter Wie schön sie singt »Es ist das Heil
uns kommen her«  Wie eine Lerche wölbt sich ihr Gesang wie eine Wachtel fällt
er Da steht sie  Wie ein Stern über meinem Haupte O des schönen
Morgensterns
Also werd ich auch stehen
Wenn mich wird heißen gehen
Mein Gott aus diesem Jammertal
    Nun ruhen alle Wälder von Paul Gerhard Nun wachen alle Wälder von Feustel
und Riedner die beide in Maskopie die Wälder aufgeweckt  Zur Unzeit wie
gewöhnlich Sie hätten sie ruhen lassen können Seinen Freunden gibt ers im
Schlafe Gott lässt uns sinken aber nicht ertrinken Wenn der Klügste beichten
sollte was er in seinem Leben für Einfälle und Ausfälle gehabt wäre er des
Irrenhauses schuldig Grüne Ostern weiße Pfingsten Viel können zwar zusammen
singen aber nicht zusammen reden Der Gesang ist gesellig die Prosa ist
leuteschen einsiedlerisch tückisch  bei alle dem ernstaft Träume ihr
sollt nichts sein und wenn die Ursache vom Zukünftigen schon in mir liegt
Auch dann nichts wenn das Seelenauge schon sieht was das Körperauge noch nicht
zu sehen im Stande ist Die Kalendermacher machen den Kalender der liebe Gott
das Wetter Stecke ein Licht an wenn die Sonne scheint kannst du das Licht
sehen Greife auf der Laute wenn die Glocken tönen kannst du hören Wenns gut
schmeckt verdaut man auch gut Jede Empfindung die das Leben unterbricht ist
Schmerz die Leben ins Leben bringt ist Freude Der Tod ist Beförderung des
Lebens Der Tod hat auch sein Sonntagskleid Alte Leute in Doktorhänden wären
sie auch des Dr Saft seine sind Maien die abgerissen sind von der Natur und
im Wasser stehen  Es geht eine Zeitlang allein nicht lange Viel Köche
verderben den Brei Bei sieben Künsten geht man betteln bei einer kann man
Altmeister werden Gott der Herr hat in jedem Dichter sein Feuer und Herd O
Jerusalem Jerusalem die du tödtest die Propheten und steinigest die zu dir
gesandt sind wie oft hab ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne
versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel und ihr habt nicht gewollt Und es
werden Zeichen geschehen an der Sonne Mond und Sternen und auf Erden wird den
Menschen bange sein und werden zagen und das Meer und die Wasserwogen werden
brausen und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und Warten der Dinge
die kommen sollen auf Erden denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden So
seid nun wacker allezeit und betet dass ihr würdig werden möget zu entfliehen
diesem allen das geschehen soll und zu stehen vor des Menschen Sohn Sollte
Gott nicht retten seine Auserwählten die zu ihm Tag und Nacht rufen und sollte
Geduld darüber haben Ich sage euch er wird sie erretten in einer Kürze In der
Welt verschlingen die sieben fetten Kühe die sieben mageren in des Träumers
Pharaonis Traum umgekehrt  Wo ist deine Schöne du heilige Stadt wo dein
Glanz du Gotteshaus wo dein Allerheiligstes die Lade des Bundes Wehe wehe
wehe deinen Toren Wehe deiner Feste Wehe dem Tempel Wehe über dies Wehe
Dies letzte Wehe Wehe auch mir Mine traf mich wie jenen Weherufer auf
Jerusalems Mauern ein römischer Pfeil in Schlangengift getaucht  Wehe auch
mir  Wie es zischt in meinem kochenden Busen Labung Labung  Meine Zunge
verdorrt in dieser Qual Essig und Galle O Gräuel der Verwüstung an heiliger
Stätte Fliehe auf den Berg der du im Tal bist Stürze in den Abgrund du der
du dich vor den Wolken bückst Wer auf dem Felde ist kehre nicht um seine
Kleider zu holen Wer auf dem Dache ist in bloßen Füßen stürze nicht herab um
einer Verkältung zu entweichen Wehe wehe der Schwangern die eine Tochter
trägt Wehe der Säugenden Sie sterben dahin in fremden Landen und keine
Milchschwester singt ihnen das Gehabt euch wohl Keine Gespielin streut Blumen
auf ihr Gebein s Stätte ist in Kurland nicht mehr Der Mond seht ihr denn
nicht Scharlach Zeter Der Komet Gottes angebrannter Wachsstock Er kommt er
kommt uns anzuzünden Ha da brennt die Erde und der sie anzündet verbrennt
sich die Finger wie mein Seliger da er Licht Licht Licht rief und tot
tot alles tot  Was ist der Tod Die Saite platzt an der Harfe die ist
leicht bezogen und gestimmt Der Würgengel mit seinem letzten Wehe Ich bin vor
dem gestrengen Richterstuhl verklagt citirt vor  Nein da kommt ein heiliger
Engel der Gnade bringt Gnade für Recht Und s Mutter Und sie singen eine
Terz tiefer Gnade Gnade
    Drei Tage vor ihrer Auflösung oder ihrem Auflösungsanfang verließ sie die
Gabe der Weissagung der Geist der Kraft und Macht  Die Flügel der Morgenröte
sanken  Sie kam auf die Beine Der Sabbat hatte sich geneigt und sie war
wieder ein anderer Tag in der Woche indessen doch kein Sonnabend mehr  Diese
Gemütsfassung verlor sich so allmählig so weich  Merklich ward dieser
Verlust durch den Umstand dass meine Mutter sehr gelassen anstimmte
»Was willst du armes Leben«
    Ja wohl armes Leben auch bei der Gabe der Prophezeiung und bei dem Geiste
der Kraft und Macht Es war dieser Tag s Sterbetag Auch an diesem Tage
beobachtete meine Mutter ihre Fasten so streng als ob sie den Tag vorher bei
einer Hochzeit auf den Fasttag pränumerirt hätte  Sie fühlte wie sie selbst
sagte dass sie zu weit gegangen  Wahrlich es war mehr als ein Gang Ein Kind
geht  Jetzt war sie wieder in diesem Kindergleise  im Gange  Das erste was
sie in demselben tat war ein Brief an den Herrn Amtsbruder der in der Vacanz
ab und zureiste Sie bat ihn ihr die Kommunion zu reichen als welches sie in
ihrer Ekstase wie sie selbst sagte nicht gebeten haben würde Sie wusste alles
was in dieser Entzückungszeit vorgefallen war aufs genaueste Der Amtsbruder
versprach zu kommen und kam Kurz vor seiner Ankunft hatte meine Mutter Tinte
und Feder gefordert und eine Viertelstunde geschrieben Sie versiegelte diese
Schrift dreimal
    Von jeher hatte meine Mutter die Gewohnheit gehabt sich den Morgen vorher
ehe sie zur Kommunion ging die Füße zu waschen Das war ihr ein so notwendiger
Vorhergang als ein Präludium vor dem Liede Auch jetzo hatte sie zu diesem Ende
ein Fussbad veranstaltet Ohne alle Specerei Sie ersuchte ihre Gesellschafterin
die Pastorwittwe dieses Fusswaschen zu übernehmen und bat sie aus dem fünften
Kapitel des ersten Briefes an den Timoteus den neunten und zehnten Vers
aufzuschlagen und laut zu lesen
    »Lass keine Wittwe erwählet werden unter sechzig Jahren und die da gewesen
sei eines Mannes Weib und die ein Zeugnis habe guter Werke so sie Kinder
aufgezogen hat so sie gastfrei gewesen ist so sie der Heiligen Füße gewaschen
hat so sie den Trübseligen Handreichung getan hat so sie allem guten Werk
nachkommen ist«
    Die Pastorwittwe die nur einmal verheiratet gewesen freute sich herzlich
über diese Worte die wie auf sie zeugend waren und war bereit diese
ehrwürdige Zeremonie zu verrichten da meine Mutter sie die Einsetzungsworte
laut verlesen hieß Sie fing also nachdem sie sich mit dem weißen Schurz den
ihr meine Mutter in die Hände gegeben bekleidet zu lesen an wie folgt
    »Stund er vom Abendmahl auf legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz
und umgürtete sich Danach goss er Wasser in ein Becken hub an den Jüngern die
Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurz damit er umgürtet war Da kam
er zu Simon Petro und derselbige sprach zu ihm Herr solltest du mir die Füße
waschen Jesus antwortete und sprach zu ihm Was ich tue das weissest du jetzt
nicht du wirsts aber hernach erfahren Da sprach Petrus zu ihm Nimmermehr
sollt du mir die Füße waschen Jesus antwortete ihm Werde ich dich nicht
waschen so hast du kein Teil mit mir Spricht zu ihm Simon Petrus Herr nicht
die Füße allein sondern auch die Hände und das Haupt Spricht Jesus zu ihm Wer
gewaschen ist darf nicht denn die Füße waschen sondern er ist ganz rein und
ihr seid rein aber nicht alle Denn er wusste seinen Verräter wohl darum
sprach er Ihr seid nicht alle rein Da er nun ihre Füße gewaschen hatte nahm
er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen
Wisst ihr was ich euch getan habe Ihr heißt mich Meister und Herr und sagt
recht daran denn ich bins auch So nun ich euer Herr und Meister euch die
Füße gewaschen habe so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen Ein
Beispiel habe ich euch gegeben dass ihr tut wie ich euch getan habe
Wahrlich wahrlich ich sage euch Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr
noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat So ihr solches wisst selig
seid ihr so ihrs tut«
    Diese Zeremonie ward so rührend vollzogen dass die Pastorwittwe mit Tränen
das Fusswasser verstärkte welches nach vollbrachter Zeremonie unweit dem grünen
Taufwasserplatz ausgegossen ward Es ist kein Taufwasser sagte meine Mutter
Da dieses alles der Pastorwittwe als etwas sehr neues schien verhehlte ihr
meine Mutter nicht dass die Wiedertäufer mehr heiliges Wasser in ihrem Glauben
hätten als wir indessen es später zu gebrauchen anfingen Behüte Gott dass wir
das Fusswaschen nach Meinung mancher Irrchristen für etwas mehr als einen
Nachtmahlsvorklang ein reines Hemde zum Fest erklären wollen als eine Sache
die sein und nicht sein kann warum sollten wir aber dieses Zeichen der
Erniedrigung weglassen und nicht vielmehr bei diesem Fussbad an die Reinigung
der Seelen denken ohne welche niemand Gottes Angesicht schauen wird  Meine
Mutter wie die Pastorwittwe eines Mannes Weib bemerkt war hier nachgebender
als sie es wohl in gesunden Tagen gewesen Die Mennonisten kamen besser weg als
man denken sollen Sie nannte sie sonst Fusswäscher und behauptete dass sie wegen
ihrer Agapen oder Liebesmähler sich den christlichen Magen verdorben hätten
Jetzt gar anders Wenn gleich sie ihnen nicht den Beinamen der Honigbienen des
Staats bewilligte womit man sie wegen ihres Fleißes und ihrer Sparsamkeit zu
beehren pflegte vielmehr es sich ziemlich deutlich merken ließ dass sie
ungelehrte oder wie sies nannte plattdeutsche Socinianer wären so richtete
sie dennoch nicht um auch nicht gerichtet zu werden  Fasten und leiblich sich
bereiten sagte sie bleibt beim Nachtmahl eine feine äußerliche Zucht aber der
ist recht würdig und wohlgeschickt der die Worte für euch versteht  Für euch
Nach dem vollendeten Fussbade faltete die Gewaschene die Hände und sprach Das
Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu dem lebendigen Wasserbrunnen
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen Offenbarung Johannis das
neunzehnte Kapitel vom siebenten bis zum neunten Vers Lasst uns freuen und
fröhlich sein und ihm die Ehre geben denn die Hochzeit des Lammes ist kommen
und sein Weib hat sich bereitet und es ward ihr gegeben sich anzutun mit
reiner und schöner Seiden die Seide aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen
Und er sprach zu mir Schreibe selig sind die zum Abendmahl der Hochzeit des
Lammes berufen sind
    In dieser fussgereinigten geduldigen nachgebenden Lage traf sie der Pastor
der sie noch in der vorigen Verfassung zu finden glaubte Er musste also seine
Anrede die er auf den entzückten Zustand zugeschnitten kurz und gut abändern
Sein unstudirter Vortrag fiel indessen so erbaulich aus dass alle die ihn
hörten gerührt wurden Seine Hauptworte waren Selig sind die zum Abendmahl
der Hochzeit des Lammes berufen sind Meine Mutter hielt eine Beichte die sie
aus dem Innersten des Herzens nahm Mine war Anfang und Ende  Nach mancherlei
Herzensnöten schloss meine Mutter mit den Worten »Gott helfe meiner
Schwachheit Amen« Alles andere war im Verhältnis gegen Minen wie Worte gegen
Sachen wie das Haupt gegen seine Glieder  Mine war oben drauf
    Wenn ich diese Beichte die meine Mutter nicht ins Ohr sondern laut
ablegte mit allen ihren Punkten und Klauseln erhalten wie gern gäb ich sie
meinen Lesern  Mit welcher Inbrunst empfing sie die Kommunion Sie aß und
trank Trost und Beruhigung Von der Minute da sie das Nachtmahl empfangen
klagte sie nicht mehr über Angst als in den vorletzten Augenblicken ihres
Lebens Die Worte Christi beim Lukas im zweiundzwanzigsten Kapitel die er kurz
vor dem Abendmahl sprach wie rührend sagte sie ihm meine Mutter nach Mich hat
herzlich verlanget dies Osterlamm mit euch zu essen ehe denn ich leide denn
ich sage euch dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde  Man sah dass sie
mit der Seele aß  Den Hermann hatte sie zu dieser heiligen Handlung bitten
lassen der aber nicht den Judas beim ersten Abendmahl machte sondern den
Petrus welcher nachdem er beim Kaminfeuer in Kaiphas Hause seinen Meister
verraten hinausging und bitterlich weinte  Meine Mutter pflegte den Apostel
Paulus einen Notarius des letzten Testaments zu heißen Ich habe es von dem
Herrn empfangen das ich euch gegeben habe denn der Herr Jesus in der Nacht da
er verraten ward nahm er das Brod   Kann was Rührenderes sein als dieses
Gedächtnissmahl  Verachtet man doch eines Menschen Testament nicht sagt Paulus
den Galatern pflegte meine Mutter zu bemerken und schüttelte sonst das Haupt
weil im Credo nichts vom Sakrament des Altars steht Jetzt dachte sie zwar da
sie sich selbst mit den Mennonisten vertragen hieran nicht indessen konnte die
Rührung nicht höher sein als die meine Mutter zeigte Johannes der Jünger den
Christus liebte communicirte so an seinem Busen Gott tut was
Überschwengliches im Nachtmahl an seinen Gästen pflegte meine Mutter zu sagen
und wie sehr war es an ihr sichtbar dass sie auf den Geist gesäet Wer auf sein
Fleisch säet der wird von dem Fleische das Verderben ernten wer auf den Geist
säet der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten und wie viel nach dieser
Regel einhergehen über die sei Friede und Barmherzigkeit und über den Israel
Gottes Wahrlich schreibt die Wittwe das Weib eines Mannes Sie hatte ein
hochzeitliches Kleid an Nach diesem Mahl sprach sie mit dem Pastor über
verschiedene die Gemeinde treffende Dinge Sie trat ihm die letzten Sorgen über
die Gemeinde welche sie noch behalten in rührender Form ab Ich sterbe fing
sie an und Gott wird mit euch sein Obgleich sie angeordnet dass nach dem
Weissagungszufall niemand zu ihr gelassen werden sollte als den sie selbst zu
sehen verlangen würde so konnte sie es doch nicht verhindern dass jetzt in
ihrer wiederhergestellten Fassung das Volk sich zudrängte Ich sterbe sagte
sie und Gott wird mit euch sein
    Ermahnet euch unter einander und bauet einer den andern dem fehlt ein
Fenster dem eine Tür dem ein Stück am Strohdach helfet ihm so wie ihr
wollt dass euch der Herr helfen soll im Leben und im Sterben und vor seinem
Richterstuhl So lieb einem jeden sein ewiges Wohl ist vermahnet die
Ungezogenen tröstet die Kleinmütigen traget den Schwachen seid geduldig
gegen jedermann Seht zu dass niemand Böses mit Bösem vergelte sondern
allezeit jaget dem Guten nach beides unter einander und gegen jedermann Seid
allezeit fröhlich Betet ohne Unterlass Seid dankbar in allen Dingen denn das
ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch Den Geist dämpfet nicht die
Weissagung verachtet nicht prüfet aber alles und das Gute behaltet Meidet
allen bösen Schein Er aber der Gott des Friedens heilige euch durch und
durch und euer Geist ganz samt Seel und Leib müsse behalten weiden
unsträflich auf die Zukunft unsres Herrn Jesu Christi Getreu ist er der euch
ruft welcher wirds auch tun Lieben Freunde betet für uns Die Gnade sei mit
euch Gehorchet euren Lehrern und folgt ihnen denn sie wachen über eure
Seelen als die da Rechenschaft dafür geben sollen auf dass sie das mit Freuden
tun und nicht mit Seufzen das ist euch nicht gut nicht gut  Gedenket an
eure Lehrer die euch das Wort Gottes gesagt haben welcher Ende schaut an und
folgt ihrem Glauben nach Wir sind alle mit Fehlern versetzt der aber ist der
Fehlerhafteste der seinen Bruder seine Schwester darben lässt Bedenkt dass die
Welt Gottes Speise Gottes Vorratskammer sei Sehr groß werdet ihr sagen
aber bedenket auch was der liebe Gott für Kostgänger hat Wer mehr nimmt als
er verzehren kann tut seinem Nächsten unrecht Wenn dieser zu klein war zum
Fach zu reichen tut ihr es für ihn Wer wird aber des Handgriffs wegen
glauben dass man an der genommenen Habe und Gut allein ein Recht besitze Seht
alle guten Menschen geben von dem was sie drüber haben  Gott gebs wieder
sagte jener Arme allein der Geber noch weit besser Er hats schon gegeben
Almosen geben armt nicht
Kirchengehen säumt nicht
    Beneidet euch nicht unter einander wie die wilden Tiere Seht die
Sternlein wie still sie da des Abends bei Mondschein zusammen sind Keines
kommt dem andern zu nahe und doch find ihrer mehr zusammen als wenn die ganze
Gemeinde bei einander ist Kannst du sie zählen sagte Gott zu Abraham  Ein
Vogel singt ein anderer fängt Fliegen Jedes Ding nach seiner Art Lasst euren
künftigen Lehrer nicht von euch sagen wenn er euch eine Busspredigt gehalten
dass er in ein Wespennest gestochen lasst es ihn nicht an seiner Kalende
empfinden Er trägt die Bibel nicht umsonst  Es ist die Laterne zum Himmel
Die Manschetten wird er ablegen Gott segne euch Herzoge gelten nicht viel nach
dem Tode Gelehrte nicht viel beim Leben Und hiermit dank ich euch ihr meine
Lieben für alle eure Liebe und euer Zutrauen das ihr meinem seligen Mann und
mir erwiesen Dafür kann kein Säemann dass nicht jedes Korn aufgeht und wenn
hie und da ein Pulver das ich für den Leib und ein Trostwort das ich euch für
die Seele eingab nicht anschlug  ich bin unschuldig an eurem Blute  Liebet
euch das ist mein letztes allerletztes Wort Hab ich euch beleidigt es sei
mit zu heftiger Ermahnung oder mit unterlassenem Trost es sei Tat oder
Unterlassungssünde vergebt Vergebt mir um Gottes willen Ich muss es Gott
klagen und euch ihr wisst was mir auf dem Herzen gelegen Wer wälzt diesen
Stein von mir war mein Gebet Ich war traurig wie Esra und Nehemia Ihr
wisst dass mich der gerechte Gott gezüchtigt hat durch des alten Herrn Tochter
der ich hart begegnet Ihr wisst was in diesen Tagen geschehen ist Alle
Züchtigung aber wenn sie da ist dünkt sie uns nicht Freude sondern
Traurigkeit zu sein aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der
Gerechtigkeit denen die dadurch geübt sind  Ich scheide und übergebe eure
Seelen diesem treuen Hirten seines Herrn der so segnet wie meine Väter
gesegnet haben er leite und führe euch auf ebener Bahn damit er euch dereinst
dem Nachfolger meines Lebensgefährten als eine geschmückte Braut dem Bräutigam
übergeben könne den Gott lehren wolle sein Volk zu segnen Dich o lieber
Altar wo ich so oft das Nachtmahl meines Herrn empfangen o könnt ich diesen
rotbeschlagenen Tisch noch einmal sehen Der Herr mit euch wenn ihr dazu
tretet und wenn in Pfingsten Maien bis zu den Hörnern des Altars gesetzt sind
die gern ihren Geist im Tempel aufgeben und doppelt so angenehm wie im Walde
duften die in der Kirche begraben werden so tröste der grundgütige Gott den
der Trost bedarf und erhöre das stille Gebet das aus dem Innersten eures
Herzens quillet das Gott allein weiß das das erhöre Gott Ja Amen Ich will
nicht in der Kirche begraben werden wie die Pfingstmaien Auch im Grabe will
ich meinem Seligen die Hand geben und da liegen wo Er s Mutter und
Charlotte liegt Wenn ihr diese Gräber vorbei geht denkt Selig sind die
Toten die im Herrn sterben Auf die Kanzel wo mein Lebensgeleitsmann und
unser Sohn stand trete nie ein Mietling nicht einer den Fleisch und Blut
sondern den Geist und Kraft zum Diener des Herrn erkoren Zweigliedrig sei sein
Segen den er dem Zerknirschten gibt und zweischneidig das Schwert seines
Mundes wenn er dem Sünder das Ohr abhaut Es wird sich das dritte Segensglied
von selbst geben wenn die Manschetten wegfallen werden No 5 die Bank wo
Mine gesessen sei euch mehr als No 1 Die fünfte Zahl ist eine Wundenzahl
Ich kann nicht mehr  Sie hielt inne sie hatte sich sehr ermüdet Nach einer
Weile sah sie alle an Lebt sagte sie dass wir uns alle alle dort wieder
zusammenfinden wie wir hier von einander schieden damit ich sagen könne Herr
hier bin ich und die so du mir gegeben hast  Lieb wird es mir sein herzlich
lieb euer Angesicht zu sehen mit Freuden in der seligen Ewigkeit  Gott aber
des Friedens der von den Toten ausgeführt hat den großen Hirten der Schafe
durch das Blut des ewigen Testaments unsern Herrn Jesum der mache euch fertig
in allen guten Werken zu tun seinen Willen und schaffe in euch was vor ihm
gefällig ist durch Jesum Christ welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit
Amen
    Es war ein gesegneter Einfall dass meine Mutter dem Pastor der selbst sehr
gerührt war das Lied »Es woll uns Gott gnädig sein und seinen Segen geben«
zuwinkte um den Ausbruch der Rührung der Gemeinde zu hemmen Jetzt kam alles in
sanfte Tränen und alles wünschte dass Gott meine Mutter geleiten möge und an
Ort und Stelle bringen in den Himmel Amen Sie versprachen die Gräber in
Ehren zu halten und es ihren Kindern und Kindeskindern auf ihrem Sterbebette
anzubefehlen so dass der jüngste Tag sie noch finden sollte
    Die Wittwe bricht hier ab und auch ich muss abbrechen
    Dem Pastor gab meine Mutter die Schrift mit drei Siegeln mit dem
ausdrücklichen Beding sie nicht eher als sieben Tage nach ihrem Begräbnis zu
öffnen Ja sagte sie Er Amen Er legte sie in die Agende Sie fing ihm noch
einmal zu danken an Es ist sehr rührend wenn ein Sterbender dankt Gemeinhin
ist sonst der Dank eigennützig  Der Pastor ließ sie nicht ausdanken sondern
drückte ihr die Hand und ging mit den Worten von dannen  In Ewigkeit  Sie
noch ein Amen
    Man hat nie erfahren was in dieser Schrift mit den drei Siegeln gewesen So
viel ist gewiss dass sie mehr enthalten als die Zeitungsnachricht wer Pastor
werden würde Der gute Vikar ist nach dem siebenten Tage von dem Begräbnisse an
gerechnet ein ganz anderer Mann in Gedanken Gebärden Worten und Werken
worden Es schien als hätt er einen Pränumerationsschein auf einige künftige
Fälle erhalten An die Frau v B  war in dieser Schrift gedacht Warum denn
nicht an mich Warum für mich nicht auch eine anexoy kai apexoy mit drei
Siegeln sieben Tage nach dem mütterlichen Begräbnisse zu eröffnen  Meine
Mutter hatte herzlich gewünscht dass das heilige Abendmahl ihre letzte Speise
sein möchte auf dieser Welt und ihr Wunsch ward erfüllt Sie ward von Stunde zu
Stunde schwächer und bat die Pastorin ihr die Leidensgeschichte Christi und
seinen Tod vorzulesen aus allen Evangelisten Wir sollen sagte sie des Herrn
Tod verkündigen bis dass er kommt
    Während dem Lesen sagte sie zuweilen Strophen aus Liedern Beim Begräbnis
Christi sang sie mit dumpfen Tönen Dies war ihr letzter Gesang Sie selbst
sagte Meine Stimme ist schon begraben Sie wird wieder auferstehen im ewigen
Leben Man kann länger reden als singen
Die Welt ist mir ich ihr nicht gut
Mir ekelt alles was sie tut
Was kann sie mehr als Fromme schmähen
O nimm mich nimm mich hin ins Grab
So sterb ich meinen Sünden ab
Und werde sauber auferstehen
Komm so mein Tod und sei gegrüßt
Der mehr als tausend Leben ist
    Dr Saft der ohne dass sie ihn verlangt zu ihr gekommen war sagte der
Pastorin dass eine Entzündung da wäre Den Gang der Krankheit konnte er nicht
bezeichnen Jetzt war freilich mehr als Einbildung Aus dem Schein war das Sein
worden Sie selbst sagte der Pastorin ins Ohr dass sie des folgenden Tages
sterben würde Früher als einen Tag zuvor schien sie ihren Todestag nicht zu
wissen vielleicht wußt es ihr Schutzgeist nur eine Stunde früher Auf
Seelenkrankheiten verstehen sich die Engel sagte sie auf Leibeszufälle wenig
oder gar nicht Gott weiß alles Sie hatte verlangt dass niemand zu ihr gelassen
werden sollte Saft drängte sich noch den letzten Tag früh Morgens vor Ich
weiß sagte sie ihm  Sie verweigerte ihm die Hand da er sie beprüfen wollte
und zeigte mit vieler Mühe gen Himmel Sie blühete im Gesicht wie eine Rose Den
Tag wusste sie die Stunde nicht Sie war wie wir wissen aus Sonnabend Sonntag
geworden Starb den   Sonntag  
    Wie er von ihr ging neigte sie ihr Haupt und dankte ihm  Die vorige Nacht
hatte sie noch die entsetzlichsten Schmerzen Um vier Uhr Nachmittags war alles
vorbei Zuweilen fiel sie in eine Phantasie und sprach wieder mit ihrem Engel
Da sie ihn zum erstenmal wieder inne ward redete sie ihn mit einer Heftigkeit
an die durch die Seele ging
    »Alle guten Geister loben den Herrn«
    Die Pastorin versicherte dass sie bei einem Geisterrauschen eine holde
Stimme vernommen »Ich auch« Je näher zum Tode je mehr sprach sie mit diesem
guten Geiste der sich Ich auch genannt hatte wie die Pastorin versichert Sie
sprach mit ihm wie mit ihrem Seelenträger mit ihrem Reisegefährten und war so
froh an seiner Hand in Abrahams Schoss zu kommen und die Krone der
Gerechtigkeit zu empfahen dass sie den glühenden Fegofen die Löwengrube der
Trübsale nicht achtete »Aber der Engel Gottes« sagte sie zur Pastorin »führt
mich zu einem Wasserbrunnen dass ich beim Leben erhalten werde Er lagert sich
um die her so den Herrn fürchten und hilft ihnen aus«
    Der Schmerz ist weg fing sie zu der Pastorin nach einer Weile an aber die
Seele die Seele tut mir sehr sehr wehe Sie hat sich an die Melodie des
Körpers sehr gewöhnt
    Die Wittwe musste hier Verschiedenes aus der Bibel lesen und aus dem
Gesangbuch singen Die selbst sprach sehr unvernehmlich Die Angst bis sie
stossweise ausstand war groß Das letzte Lied war
Herr Gott dich loben wir
    Die letzte Strophe musste die Pastorin viermal singen nach Zahl der letzten
Dinge 
Behüt uns heut o treuer Gott
Für aller Sünd und Missetat
Sei uns gnädig o Herre Gott
Sei uns gnädig in aller Not
Zeig uns deine Barmherzigkeit
Wie unsre Hoffnung zu dir steht
Auf dich hoffen wir o lieber Herr
In Schanden lass uns nimmermehr Amen
    Auch im Grabe sagte sie nicht zu Schanden
    Trinken können die Kranken länger als essen Die letzte Zeit konnte sie wie
wir wissen keinen Ton angeben Zuweilen schien es sie wollte allein sie sah
sich verbunden ihre Seele in Geduld zu fassen und sich mit Prosa zu behelfen
    Die Pastorin musste den Vorhang am Fenster wo sie lag mitten entzwei
reißen So so sagte sie so reißts hier hier Licht rief sie Der Vorhang
ward weggezogen sie sah Licht Grün grün fing sie an Frühling so schönes
Grün als das Taufwassergrün und noch schöner Kein Fusswasserplatz daneben
Alles gleich schön Oft reckte sie beide Hände aus Paradies rief sie Sie ward
wieder still ließ sich ein Kruzifix dahin setzen wo der Vorhang zerrissen war
Sie sah es starr an verlangte es näher drückt es an ihr Herz mit den Worten
die sie ungewöhnlich vernehmlich aussprach
Wenn ich einmal soll scheiden
O scheide nicht von mir
Soll Todesangst ich leiden
O scheide nicht von mir
Und wenn am allerbängsten
Mir rings ums Herz wird sein
Reiss du mich aus den Aengsten
Kraft deiner Angst und Pein
    Sie fiel wieder ohnmächtig ein  Was ist die Uhr fragte sie die Pastorin
und diese versicherte dass ihr keine Frage empfindlicher gewesen Vier Bald 
Sie hielt sich fest am Kruzifix das sie sich hatte reichen lassen
    Ihre letzten Worte nicht völlig vernehmlich waren
Komm so mein Tod und sei gegrüßt
Der mehr als tausend Leben ist
    Ihre gewaschenen Füße lagen im Kreuz so im Kreuz mit Händen und Füßen
wollte sie auch begraben werden Ihr Gesicht war nicht im mindesten im Tode
entstellt
    Kein Hund heulte schreibt die Pastorin weder vor noch nach ihrem Ableben
der Storch nur der in der Gegend des Pastorats sein Sommerhaus hatte ist
verzogen
    Von ihrem Begräbnis will ich nur wenig anführen
    Sie hatte nur bloß über den Ort wo sie ruhen wollte über ihre Begleiter
und einige Austeilungen an die Armen der Gegend Einrichtungen getroffen alles
andere aber den Zurückbleibenden überlassen Sie wollte nicht in der Kirche
ruhen sondern unter ihren lieben Toten indessen hatte sie verfügt dass sie in
die Kirche gebracht und rund herum getragen werden sollte Bei Nr 5 bitt ich
anzuhalten sagte sie Mein Gott schreibt die Wittwe wie bange war mir sie
würde sich aufrichten Ich bin vor dem strengen Richterstuhl Gottes verklagt 
Fürs Urteil war mir nicht bange Eine Selige ist sie wahrlich
    Der Vicarius hielt ihr eine Rede über die Worte Mattäi im fünften Kapitel
der achte Vers »Selig sind die reines Herzens sind denn sie werden Gott
schauen«
    Eine Stelle aus dieser Rede
    »Unsere Glaubensschwester führte ein verborgenes Leben in Gott Man sah an
ihr die Worte erfüllt Lass dir an meiner Gnade genügen denn meine Kraft ist in
den Schwachen mächtig Die Trübsal hatte in ihr gewirkt Geduld die Geduld
Erfahrung die Erfahrung Hoffnung und diese lässt nicht zu Schanden werden Ihre
Seele war genesen da sie aus meinen Händen das Mahl des Herrn empfing Gott war
mit ihr  Wahrlich Freunde diese Gegend hat eine Beterin eine
Himmlischgesinnte eine Gottverlobte verloren«
    Vor der Rede ward gesungen
Wenn Gott von allem Bösen etc
    Die Pastorin schreibt dass sie den zweiten Vers dieses Liedes auch mit
heiligem Schauer gesungen nicht mit Bangigkeit wie beim Herumtragen bei Nro
5 Sie wird den Sargdeckel heben dacht ich ihre eigenen Worte und mitsingen
Mein Mund wird nichts als lachen
Und meiner Zungen Klang
Wird lauter Lieder machen
Gott unserm Heil zu Dank
    Nach der Rede ward gesungen
Es ist gewiss ein große Gnad etc
    Bei der vierten Strophe schreibt die Pastorin empfand ich wie wohl
gewählt dies Lied war
Da wird Gott alls in allem sein
Da wird dann recht erklingen
Der Sang der heilgen Engelein
Die Gott ein Loblied singen
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
    Sie ward wie sie angeordnet in die Erde gelegt bei meinem Vater Hier
werden sie Hand in Hand ihren schönen Morgen erwarten wenn das Verwesliche wird
anziehen das Unverwesliche und das Sterbliche die Unsterblichkeit Außer den
Begleitern die sie erbeten hatte war die ganze Gemeinde jung und alt
gegenwärtig Man hatte keine Schaufel nötig sie zu bedecken Jedes warf eine
Handvoll Erde sanft auf ihren Sarg Der Greis flehte um einen seligen Tod der
Mann um die glückliche Entbindung seines Weibes das Weib dass ihr Erstgeborner
ihr wohl gedeihe der Jüngling für seine Geliebte die Braut um die treue Liebe
ihres künftigen Gatten das Kind um das Leben seiner Eltern Was jedem das
Liebste und Beste war das erflehte er sich bei diesem Grabe und jedes warf
eine Handvoll Erde
    Freunde schaudert ihr vor dem kalten Arm der Erde Seid getrost ihr werdet
in ihm von der Last eurer Pilgrimschaft ausruhen und auch der hier nicht viel
schlafen konnte wie sanft wird er hier sich legen Was weiß ich schreibt die
Pastorin ob das Laken gerissen oder die Wehmut derer die einsenkten daran
Schuld gewesen die Wehmut ist schwach wie ein Kind  der Sarg riss sich los
recht als ob er die Zeit nicht abwarten konnte Wie er nahe an meines Vaters
Sarg kam wankte der Deckel Dies vermochte die Träger um die Erlaubnis zu
bitten beide Särge noch zu öffnen und beider Hände in einander zu legen Diese
einfältige fromme Bitte ward von den Leichenbegleitern bewilligt und sie
copulirten dieses Paar weinten die bittersten Tränen auf die Hände deckten
jeden Sarg zu und alles empfand bei diesem ungekünstelten unbereiteten
Vorgange dass er ungekünstelt unvorbereitet war
    Noch einen dergleichen muss ich nachholen Den Abend vor dem Begräbnis
versammelten sich die besten Sänger und Sängerinnen im Dorfe und sangen vor dem
Trauerhause das Todtenlied so ich meinen Lesern in einer Übersetzung
mitzuteilen nicht anstehen kann
                                       
    Todtenglocken klagt klagt laut und wimmert nicht so dumpfig so innerlich
dass es Mark und Bein durchtönt Ruft es aus damit jedes Klein und Groß wisse
woran es sei Vater tot Mutter tot Unsere Kirche eine vater und mutterlose
Waise
    Armes Weib die doch gern gebären wollte damit unsere Kirchenmutter ihre
Hand auf das Knäbchen lege und es einsegne du kamst zu spät Ihre Hand ist
eiskalt Nicht ein Tropfen warmer Segen ist drin Sie hat ihn keinem entzogen
der seinen Kopf darreichte  Wir fühlen noch alle die Stelle wo ihre milde
Hand lag
    Wer wird nun unsern Kleinen Honigbrod geben wenn sie den Glauben beten Wer
wird sie bei der Hand nehmen wenn sie Abba mein Vater an einem Nest voll
junger Vögel die ihren Mund gen Himmel aufreißen beten lehren Wer nach dem
Ungewitter wenn die Luft sich erholt hat ein Loblied singen mit den Finken um
die Wette
    Kommt lasst uns gehen wo es wiederhallt und Mutter rufen Mutter
Vielleicht erfährt sie dadurch dass wir ihrer denken Uns spottet das Echo nach
mit Geistern spricht es wie wir mit einander Kommt in den Wald wo es
wiederhallt Fast hochnot ist dass wir Zweige brechen den Weg zu bestreuen zu
diesem Grabe Ihr Grab wird von selbst grünen und blühen Nicht von Ästen
diese sich jeglicher Reisende brechen kann um sich auf seinem Wagen eine Bude
zu bauen die ihn vor der Sonne schirmt In die Höhe wollen wir klimmen und aus
den Gipfeln Äste nehmen und brechen Sie ists wert dass man hoch steigt und
dass man bricht und nicht schneidet Sie ist von der Seele gerissen wie diese
Äste vom Stamme Sie welkt wie dieses Laub auf dem Wege zu ihrem Grabe  Wem
dienen die Tauben die sie im Schlage zurückließ Auch sie sind arme Waisen wie
wir alle Sie fressen nicht mit Wohlgefallen seit sie tot ist Lasst uns
Teilung halten jedes Haus ein Paar Ihre Jungen und die Jungen ihrer Jungen
die sie brüten sollen das Andenken eines Pastorpaares erneuern das wie ein
paar Tauben war und wenn wir von diesen Tauben unsern Kindern ein Paar
zurücklassen sei es mit der Ermahnung an die Gräber dieser Frommen zu denken
und ihnen kein Leid zu tun Ist es euch nicht so als wenn die Tauben selbst
drum bäten ohne unser Zutun Gar fromme Tiere Unser Pastorpaar wird sich der
liebe Gott so halten wie jeder von uns das Taubenpaar
    Seht ihr nichts im Monde Seht Sie ists Im weißen Kleide weißer heller
noch als der Mond sonst könnten wir sie nicht sehen Das Tuch um ihr Haupt so
wie sie da lag ehe sie eingesargt ward Wie sie uns zublickt Seht Seht Welch
ein Abglanz auf uns Nicht um das Auge zu blenden nein um es zu stärken Nicht
Mittag Abendkühle liegt drin Heilige Dank für deinen Blick Dank für alles
Sieh auf dein Grab ist es nicht aus Erkenntlichkeit gut aufgeklopft Da soll
dein Gebein ruhen sicher vor jedem Sturmwind der sich mit unbedeckten Gebeinen
neckt als könnt er sie lebendig machen und die frommen Tauben mögen Habichte
werden und unsere jungen Küchlein aufhacken wenn wir dein Gebein nicht ehren
du fromme Mutter um deinetwillen
    Am Begräbnisstage und noch zwei Tage nachher ward in der nämlichen
Procession dies Lied abgesungen und jedesmal mit einer Rührung die ihres
Gleichen nicht hatte Immer als zum erstenmal
    Der nämliche lettische gelehrte Sänger hat auch auf meinen Vater einen Sang
herausgegeben indessen finde ich die gegenwärtige fromme SonnabendsEmpfindung
bei weitem nicht drin Naive Tändelei ist dem Volke eigen indessen ist was
drüber ist nicht immer vom Übel
    Eine Stelle verdient Mitteilung Man merkt leicht dass das Lied aus höherem
Chor ist und dass überhaupt unser Meistersänger das Kunstlose des Volksliedes
öfters verfehlt Wie das zugeht weiß ich nicht Mein Vater pflegte zu
behaupten Meine Mutter sei Schuld daran Nicht doch erwiderte meine Mutter
das kommt weil er ein Christ ist Das Christentum ist göttliche himmlische
Kunst
    Die Stelle
    Er starb zu einer seligen Stunde eben da wir den Weizen einstreuten Sein
Leib dies Weizenkorn Gottes wird so leicht verwesen als eine Rose verbleicht
so sanft als Leib und Seel von einander gingen und sich zum letztenmal
herzten
    Die Erde ist nicht so kalt als sie zu dieser Jahreszeit zu sein pflegt
Schaudre nicht ehrwürdige Pastorleiche Die Sonne schlug so warm ringsum warm
herum als wenn sie es auswärmen wollte und was wars für ein Rauch den ihre
Strahlen herauszogen Weihrauch den sein Engel der auf dem Sonnenblick
herabfuhr anzündete um dies Grab zur Schlafkammer auszulüften
    Ist es erlaubt zu der Standrede des Herrn Vikars über die Seligkeit der
reinen Herzen die Gott schauen werden etwas zum Lebenslauf meiner Mutter zu
liefern Prose wie ihr Tod war Den Gesang hab ich dem Letten überlassen dem
der Vikar ein großer Lette nachgeholfen zu haben scheint
    Sie war von mittelmässiger Größe hatte braunes Haar eine sanftgebogene Nase
und große Augen die am Blitz jenem Grossmutterauge durch die Ritze wenig oder
gar nichts gewichen hätten Aus beiden Augen ließ sie dies Licht leuchten Die
Nase ist der Zeiger am Menschen Sie sah gerade zu und trug die Nase wie sie
selbst bemerkte weder gen Himmel noch hatte sie ein Schatzgräberaussehen Sie
war sehr verhältnismäßig gebildet Man sah ihren Händen an dass sie solche nur
selten in Handschuhen verschlossen gehalten und doch waren ihnen die
Priesterahnen und eine gewisse bewährte Feinheit anzusehen Sie hatte die
folgsamste Zunge die je im Dienste des Herzens gestanden Ihre Hände lebten mit
der Zunge in Gemeinschaft sie schrieben sich  Kompagnie Aergert dich
dein Auge reiss es aus ärgert dich deine Hand haue sie ab konnte keinem
Zuhörer meiner Mutter einfallen wenn sie sich hören ließ Alles war im besten
Zusammenhange und ließ auf ein gleich übereinstimmendes Herz schließen  Sie
bezog nicht Leben und Taten der hochwohlgeborenen Herren mit Firnis Messing
Blech Gold sie war selbst keine Freundin von englischem Lack Papilloten
konnte sie nicht leiden ich habe nie in meinem Haare Papilloten getragen Vater
und Mutter waren dagegen Papier im Garten und in den Haaren war meinem Vater
gleich unnatürlich und meine Mutter sagte wenn sie einen falschen Menschen
beschreiben wollte Es ist ein Mensch der sich in Papilloten zu legen versteht
Eine Ordnung war ihr eigen die mein Vater ein Schnürchen Perlen zu nennen
pflegte Sehr war sie für Leute die von Natur lockigt Haar hatten Geborene
Pastores pflegte sie zu sagen Im Tanzen hatte sie nicht Unterricht genommen
das sah man ihr an Sie hielt sich nicht rohrgerade allein sie fiel auch nicht
zusammen ein kunstloser völlig natürlicher Anstand war ihr eigen Sie schnürte
sich nie ging etwas schnell und ein wenig mit dem Kopfe vorgebogen Eine
Lieblingsart von Andachtsbezeugung war es die Schultern in die Höhe zu ziehen
Die Hände faltete sie auf eine so vortreffliche Weise dass man Ausdruck drin
sah Sonst hemmt das Händefalten alle Handaction es scheint die tiefste
Ehrfurcht zu verraten die immer unbeweglich ist Man will sich selbst halten
sich selbst binden Die Hände meiner Mutter bewegten sich indessen auch
gefaltet und zwar der Ehrfurcht unbeschadet Sie hatte keine Menschenfurcht
indessen war sie auch eben so weit entfernt sich zu erdreisten
    Ihr seid ein Narr sagte ein bekannter Landesvater zu einem seiner Höflinge
Wer ists nicht allergnädigster Herr erwiderte der Höfling Dies wer ists
nicht sieht meiner Mutter ähnlich obgleich sie gewiss in einem andern Tone als
der Hofnarr es gesagt haben würde Da sie alles nahm wie es kam fiel nichts
bei ihr vor das wie gesucht anscheinen könnte Sie pflegte zu sagen Man muss
keinem Gedanken die Türe verschließen  Sie war im höchsten Grade gastfrei
    Trau schau wem war ihr ein Sprüchwort das sie nicht liebte obgleich
wider den Reim nichts zu sagen ist
    Sie hielt keine Wirtschaftsbücher und liebte sehr ohne Etat zu leben
Wenn der liebe Gott mit uns alles zu Buch bringen sollte pflegte sie zu sagen
ei denn  Sie dachte überhaupt alles ohne Zahlen
    Mein Vater bemerkte sie dachte alles poetisch Ein neues Haus ohne
Baukosten indessen bot sie ihm die Spitze durch einen hohen Geistlichen den
Papst Sixtus den Fünften welcher behauptet hätte dass man auch einem Esel die
Aritmetik beibringen könnte
    Der Mond war ihr Liebling Das Profil und das Geradezu pflegte sie zu
sagen wie schön
    Sieh einen Geizigen sagte meine Mutter Treppen steigen wo er nur kann
nimmt er zwei Stufen auf einmal Man lasse doch dem Reichen seine vollen
Scheuern ihm der gemeinhin arm an Leib und Seele ist
    Wer Worte aufmutzt war ihr ein Hahn der den Auskehricht nachkehrt Gern
hätte sie gesehen dass der Hahn die üble Gewohnheit nicht hätte Er war ihr ein
bedeutendes Tier Sie selbst war sehr grammatikalisch und setzte ihren Kasum
    Die Hölle nannte sie oft brennende Kälte
    Ich meines Orts pflegte sie zu sagen habe nichts wider die Herren
Philosophen allein sie sind alle wie mein Hausphilosoph im Herzen für den
monarchischen Staat Freiheit ist Himmel
    Der Dichter ist für gleich und recht aus der goldenen Zeit her Er hebt
alles Ansehen auf Den Großen lässt er einen Kittel anziehen den Unbedeutenden
einen blanken Rock Das beste ist es kostet ihn nichts Er ebnet und gleicht
alles und da sieht man sonnenklar dass kein Ansehen in der Welt ist Er ahmt
Gott nach denn auch vom Dichter kann es heißen
Es ist dem Dichter alles gleich
Den Großen klein und arm zu machen
Den Armen aber groß und reich
Er ist der rechte Wundermann 
    Da liegt die Ursache warum nur gewöhnlich arme Leute dichten
    Das Pfingstfest nannte sie Geniefest und hielt es für notwendig dass in
diesen heiligen Tagen Wein getrunken würde selbst Champagner wenn nicht
anders In Ostern aß sie ein Lamm mit Brunnenkresse Überhaupt verwahrte sie
alle Erstgeburt so die Mutter gebrochen auf Festtage Die Erstgeburt war ihr
heilig Auch selbst das erste Glas aus einer Flasche war ihr wie Erstgeburt
wert Sie gab es dem den sie lieb hatte
    Sehr war sie für ihr Geschlecht indessen war Adam doch die Erstgeburt das
konnte sie nicht leugnen und sagte dass ein Weib eine 0 sei der eine 1
vorstehen müsste wenn die Null was bedeuten sollte Die Mädchen sagte sie zu
mir sind wie Hopfen sie müssen sich von klein auf rankeln Du nicht also
setzte sie hinzu
    So lasst ich bitte euch das Doch aus dem Vaterunser  und wenn Bitte nicht
helfen wollte frass sie ein heiliger Eifer Ist denn fuhr sie fort das
vollkommenste Gebet auch nicht vollkommen O ihr Kleingläubigen dass ihrs mit
einem Doch verstärkt Führ uns doch nicht in Versuchung Erlös uns doch von
allem Übel
    Mein Vater nahm sich des Flickwörtchens Doch weniger als der armen Leute
an die wenn sie beteten nicht ans Vaterunser sondern ans Doch und an meiner
Mutter Scheltwort dachten  Lass sie Lässt Gott der Herr nicht manches Doch an
uns  Meine Mutter ließ demungeachtet nicht nach das Unkraut aus dem
Vaterunserweizen wie sie sagte zu jäten
    Das Gedächtnis meiner Mutter war außerordentlich es war eisern Kein
Wunder wenn sie zu Sprachen aufgelegt war Sie behauptete dass man bei der
Poesie das Gedächtnis schone Sie ist dem Gedächtnis eben das pflegte sie zu
sagen was die grüne Farbe den Augen ist Bei Sprachen hingegen fuhr sie fort
greift man das Gedächtnis an  Was ich sagen wollte betraf eigentlich
Sprachen
    Meine Mutter war keine Freundin von Wörterbüchern Wenn auch sagte sie dir
das oder jenes Wort fehlt die Sprache verlässt keinen der sie nicht verlässt
Sie hat nicht unrecht Wer eine Sprache nicht ex professo weiß kann sich doch
drin trefflich ausdrücken wenn er nur sonst ein Kopf ist Wagen gewinnt wagen
verliert heissts hier Was ich ein Genie gern eine Sprache reden höre deren es
nicht völlig mächtig ist und wo ist ein Genie das seine Sprache pünktlich
weiß Da sehe ich denn wie dem vollen Ausbruch der Flamme nur ein Mund voll
Luft gebricht  Ein Genie ist ein Kopf der nicht aufs Wort merkt und doch
fehlts ihm nie an irgend einem Guten Kraft und Macht sind hier verschieden
obgleich sie sonst ein Paar sind
    Mein Vater las nie ohne Wörterbuch eine Sprache in der er nicht Meister
war Er musste alles aus dem Grund haben und jedes Wort aus der Wurzel ziehen 
Mein Vater war ein Prosaist meine Mutter eine Dichterin
    Wenn ein Hahn krähte dachte meine Mutter an den Hochverrat des Petrus und
an ihren eigenen den sie sich wegen Minen zu Schulden kommen lassen Der
Präpositus unter ihren Hähnen der alle andern überschrie war ihr ein
ehrwürdiges Tier In den Denkzetteln tat sie ihm sogar die Ehre ihn
Superintendent zu nennen Schade sagte sie dass auch er den Auskehricht noch
einmal auskehrt  Nichts konnte es ihr näher legen wer steht mag wohl
zusehen dass er nicht falle als ein Hahn
    Sie konnte keine Uhr schlagen hören ohne dass sie auffuhr Kauft die Zeit
aus sagte sie Wenn sie wo war stand sie mit dem Schlage auf wenn sie wo
hinging geschah es mit dem Schlage und dies nicht etwa der Pünktlichkeit
wegen sondern des Vollschlagens halber Sie tat als wüsste sie dass sie mit
dem Schlage sterben würde Ich wollte auch nicht im ersten oder dritten Viertel
oder wenn es halb ist kalt oder warm sagte sie da du aber lau bist will ich
dich ausspeien
    Wäre es nicht gut fragte sie lieber Mann wenn man lieber spräche wie
Mattäus Marcus Lucas sagt und nicht wie sie schreiben Sagen ist lebendiger
Glaube schreiben todter Jenes Geist dies Leib Mein Vater lächelte
    Meine Mutter die gegen jedermann gerecht war und die mir in ihrer
Textsammlung in ihren Denkzetteln die Lehre gab die u bei ihrem Strich und die
i bei ihrem Punkt privilegio reali zu lassen war eben so gerecht gegen alte
Wörter und ihre wohlhergebrachten Privilegia Der Wurmstich tut zu ihrer
Gültigkeit nichts ab nichts zu Luther war ihr Autor classicus
    Sie liebte sehr Realworte solche welche die Sache selbst wären wie sie
sich ausdrückte Donner  Blitz  Sturm  In dieser Hinsicht war sie mit
einigen nicht zufrieden zB mit Geschwind Es wird kalt ehe man das Wort zu
Ende spricht Schwind wie der Wind wäre besser Du sollt nicht stehlen setzte
sie hinzu und wich dem Worte Geschwind aus um ihren Grundsätzen nach auf der
einen und auf der andern Seite dem Worte keinen Schaden noch Leides zu tun
sondern allen wärs auch einer Sylbe förderlich und dienstlich zu sein
    Sie gab allen Bäumen zu viel Wasser die sie selbst pflanzte Überaus gern
sah und hörte sie regnen
    Ihren Unterricht pflegte sie eine Schöpfe zu nennen Wollte Gott setzte sie
hinzu aus einem Gesundbrunnen aus einem Brunnen des Lebens Nicht jeder kann
so lange wie er ist sich in den Betesda stürzen
    Seht doch jenen Baum dem die Äste brechen Er hat mehr Kinder als er
tragen kann So fromm wie jene Wittwe das Scherflein einlegte so fromm stützte
sie diesen Baum
    Ein Pastor aus der Gegend dessen Geiz gränzenlos war hatte einem dürftigen
Eingepfarrten 10 Tlr Alb geliehen Wo sind denn die neune sagte er zu seinem
Schuldner da er ihm einen Reichstaler zum Anfang abtrug Das neune ich sagte
meine Mutter eine Spruchspötterei dergleichen sich zehn Freigeister nicht zu
Schulden kommen lassen wiewohl sie ob der Bibelsprache hielt
    Die Juden sah meine Mutter wie Winckelmann die Antiquitäten an Von
getauften Juden war sie vielleicht bloß darum keine Freundin Nie hatte sie bei
einer Judentaufe Gevatter gestanden obgleich sie gern bei Christenkindern
dieses Patenamt übernahm Sie drängte sich recht zu Gevatterständen Lasst die
Kindlein zu mir kommen sagte sie und wehret ihnen nicht denn solcher ist das
Reich Gottes
    Wer beim ersten Gericht von Religionssachen spricht ist ein Heuchler  da
denkt man an den Leib Beim letzten Gericht vorzüglich beim Kuchen wird in
allen Gesellschaften von Religion des Mittags von Erscheinungen des Abends
gesprochen
    Das Gewissen sagte sie ist eine Saite die nie ausgespielt wird
    Sie schrieb Christ mit einem X und Christentum Xtum und war eine so große
Verehrerin vom Kreuz dass wenn gleich sie nicht mehr ein Kreuz schlug wenn sie
gähnte sie doch alles und jedes ins X legte ZB Messer und Gabel Die
Eckartschen Kamine waren ein Greuel in ihren Augen weil das Holz hier nicht
kreuzweise brannte Sonst war Kaminfeuer ihr Leben Mein Vater war auch dafür
    Zu früh sagte meine Mutter ist eben so zur Unzeit als zu spät Wer etwas
zu geschwind sagt weiß es und weiß es auch nicht Sie ging zwar etwas schnell
allein sie sprach so wie man muss nicht zu früh nicht zu spät Sie hatte sehr
was Vernehmliches in der Sprache eine klingende Stimme
    Sie war sehr für rasche Pferde und da mein Vater gleicher Meinung war so
pflegte sie oft wenn sie mit ihren vier Braunen fuhren zu sagen Feurige Rosse
und Wagen Es kann sein dass sie bloß weil sie Dichterin war rasche Pferde
geliebt indessen erwähnte sie nie des Pegasus
    Wer wird sagte sie einen Erzengel Gottes wirklich geheimen Staats und
Kriegsminister nennen Kindliche Weisheit mit Scholastik verkaufen Wisst ihr
nicht dass ein wenig Sauerteig das ganze Gebäcke versäuret
    Sie glaubte sich als Pastorin wirklich im göttlichen Dienste Die
Schauspielerin arbeitet so gut als er Eine Sängerin erhält oft ihren Mann Eine
Pastorin besorgt den kleinen Dienst sagte sie um meinem Vater zum Munde zu
reden
    Ein Berg ist die eigentliche Kanzel Gottes Christus der Herr bestieg
selbst eine dergleichen Kanzel und predigte gewaltiglich
    Vernunft nannte sie Unterfutter Oberzeug sagte sie muss Dichtkunst sein
wenn es kleiden soll
    Sie konnte nichts Übertriebenes leiden und übertrieb selbst wenn sie
dergleichen Leute auf den rechten Weg leiten wollte »Tut sie doch so keusch
dass sie Bedenken trägt ein Söhnlein christlicher Eltern über die Taufe zu
halten«
    Einen Unbeständigen bezahlte sie mit gleicher Münze Im Mutterleibe sagte
sie ist er am längsten gewesen Wer hat aber seine Mutter darüber befragt ob
sie nicht Beschwerde zu führen gehabt dass er den Zaun brechen wollen ehe es
Zeit war
    Für die Augsburgische Konfession war sie über alle Massen Herzlich konnte
sie sich über einen curischen Kandidaten freuen der auf die Frage woher sie
Konfessio Augustana hieße antwortete weil sie vom Augustino herkäme warum
nicht gar vom Kaiser Augusto der eine Schatzung ausschrieb Der Konversus war
aus Augsburg kein Wunder dass des Königs von Spanien unerachtet alles mit dem
Hieronymo a sancta fide so gut beigelegt und ein für den Konversus so
vorteilhafter Friede eingegangen ward
    Wenn meine Mutter zuweilen im heiligen Eifer war sprach sie wie sie selbst
bemerkte nach Prophetenart die es auch wie sie glaubte so böse nicht gemeint
hätten Den folgenden Fluch hatte sie aus den Propheten ausgezogen nie hat sie
ein Glied davon gebraucht  »In der Stadt soll keine Mühle mehr gehen keine
Braut soll sich ihres Lieblings freuen kein Richter soll einen Mord rügen jede
Erstgeburt verunglücken Nie werde gesungen und gesprungen Hülle und Fülle sei
nirgend weder im Tempel noch beim Schmause Lang werde den Tischgästen die
Zeit wie den Taglöhnern und kein Mark sei auf ihrem Tische in ihren Häusern
rieche es nach eitel toten Leichnamen die den Weihrauch nicht aufkommen
lassen wenn gleich ihn Aarons Hand wölbt Wenn es donnert ergreife den
Einwohner eine Angst wie eine Gebärerin und niemand finde hier volle Genüge
Keine Kreatur freue sich hier ihres Seins Der Vogel sitze länger um seine
Jungen zu brüten und verlasse das Nest ehe seine Nachwelt einen Flug getan
Ein Schwindelgeist sei unter ihre Jugend ausgegossen dass sie wie Trunkenbolde
laufen wie aufgeraffte Mittagsschläfer Ihr Alter sei wie Rohr das der Wind
hin und her beugt  Verzagteit wohne in ihren Städten und bei dem kleinsten
Übel recke jeder seine Hand wie ein Ertrinkender wenn er sie zum letztenmal
reckt«  Die Propheten behauptete sie fluchten schön und  wer lese nicht
gern solche Flüche
    Eine feine Flucherin Ich schreibe mir nichts hinters Ohr sagte sie und
tat auch also Ich habe mit keinem Menschen ein Hühnchen zu pflücken Wahrlich
sie war ein schöner nordischer Maitag Sie war nicht eine Fläche die dem Auge
nicht hinreichend Nahrung gibt Ein Berg eine Kanzel Gottes grenzte an ihr
Tal
    Einen Plan machen konnte sie nicht Sie schlug nicht Alleen im Walde
sondern nachdem es die Gelegenheit gab hier und da einen Stamm Zum ersten
besten Bahnbruch war sie nicht aufgelegt Sie selbst aber wusste ein und aus
    Mein Vater war gleich mit einem Riss fertig Meine Leser werden selbst so
manche Abschnitzel von Entwürfen bemerkt haben Gern aber mochte meine Mutter
Plane hören zB die Disposition meines Vaters von der Sonntagspredigt schon
Sonnabends zu wissen war ihr Leben Mein Vater nannte es den Küchenzettel der
Predigt Meine Mutter war mit diesem Ausdruck höchst unzufrieden
    Sie sah sehr ungern wenn irgend ein gemeiner Mensch ein Instrument spielte
Singen sagte sie muss jeder können allein spielen nur der wer Geld und Zeit
hat Sie glaubte ein Reicher hätte unendlich mehr Zeit als ein Armer und man
könne wirklich Zeit kaufen
    Seht die Vögel unter dem Himmel sie säen nicht sie spinnen nicht und
darum singen sie doch pflegte sie zu sagen
    Das Schreiben hielt sie in Absicht des gemeinen Haufens unnötig sogar
schädlich dagegen behauptete sie müsse jeder Mensch sein Augenmass excoliren
das heißt setzte sie hinzu zeichnen lernen wenn nicht anders so mit den
Augen allein
    Weder Hefen noch Schaum  Der alte Herr ist oft beides  Sie goss alles
ohne Schäumchen auf
    Ein Becher war ihr liebstes Geschirr ein Halbbruder vom Kelch sagte sie
Mein Vater war für Gläser
    Der Champagner war ein Stutzer unter den Weinen Windbeutel nannte sie ihn
 In Pfingsten hieß er Geniewein
    Sie aß gern Honigseim wie sie es nannte zu deutsch Honigkuchen
    Sie hatte eine Weise der Mode nicht ungetreu zu sein indessen brachte sie
dabei etwas an wodurch sie ihre curische Freiheit sich reservirte Mein Vater
der Monarchenfreund versicherte dass sie eben diese Abweichung am
vorteilhaftesten gekleidet hätte und in Wahrheit eine bloß modische Frau ist
geputzt eine die wenn es nötig sich selbst etwas vorbehält hat Geschmack
Sie ging sehr reinlich Wenn sie sich ungewöhnlich ankleidete pflegte sie zu
sagen Wir brauchen Brod alle Tage Geld aber nur alle Jahr
    Walt ewiger Gott Wie viel Vorliebe hat der Mensch doch fürs Sinnliche
Lässt er wohl das Kippen und Wippen Und doch ist er schon hier im Stande
verklärt zu werden Es gibt Seelen von Menschen Geister von Menschen sagt man
nicht Es gibt Gemüter von denen man behaupten könnte sie hätten keine
Erbsünde allein den meisten Menschen ist nicht um Sachen sondern um Worte zu
tun Welch eine Torheit singt dein Vater und das mit Recht Nach dieser Fahr
und Not will ich dir lobsingen Gott meine Zuversicht in deinem Heiligtum
Als ob Gott dem Herrn mit einer Handvoll Worte mit einem Panegyrikus gedient
wäre Handlungen das ist die eigentliche Art mit Gott zu reden das heißt ihn
im Geist und Wahrheit anbeten
    Das sind mir die rechten Pastores die böse Hunde halten und die Leute bloß
ins Gebet einschliessen Sie hielt die Hunde für eine Beleidigung der
Gastfreiheit
    Mein Sohn schreibt sie mir gleich nach meiner Abreise bald hätte ich mein
Kind geschrieben und das ist nicht Jüngchen nicht Mädchen Dieser Ausdruck
schickt sich für keinen als den Johannes den Evangelisten den Christus lieb
hatte mit dem er spielte  Das war ein Kind ein liebes Kind im erhabenen
Sinne Wie ich den Johannes lieb habe Was ich dir sagen wollte Saul suchte die
Eselin seines Vaters und fand ein Königreich Joseph träumte sich zum Herrn
über ganz Aegyptenland der nicht ein Kornjude wie etliche wollen sondern ein
feiner Finanzminister ward Es ist sehr gut dass es dem Menschen nicht immer
nach seinen Wünschen geht Gott behält sich ein Votum bei ihm vor und anstatt
dass ein Mensch betrübt sein sollte dass ihm ein Posten abgeschlagen wird sollte
er sich freuen dass Gott der Herr sich in die Sache eingemischt Wenn man die
Zeit abwarten kann wird Wasser in Wein verwandelt Wer weiß ob Horeb oder
Getsemane der beste Berg ist Du willst in die Ratsstube und weißt nicht dass
du in die Mördergrube geraten würdest du willst Geld und bedenkst nicht dass
Geiz die Wurzel alles Übels ist du klagst über öfteren Anfall von Kolik und
weißt nicht dass wenn der Stöhner nicht lange lebt der Prahlhans gewiss nicht
Ich zittere vor einem großen Glück wie dein Großvater selig Wenn es recht warm
gewesen donnert und blitzt es Da erzählt mir jüngst der Kandidat mit den
langen Manschetten dass eine Glocke die nicht fest genug hing auf ein Mädchen
von sieben Jahren gefallen die unten spielte und zwar so dass sie sie
bedeckte Von solchem Glücke konnte dein Großvater nicht sagen Das heißt Glück
Da hätte auch der Himmel fallen können und nicht bloß eine Glocke Dies Mädchen
wäre keine Frau für dich geworden Mag sie doch der Herzog heiraten wenn er
Lust und Liebe zum Dinge hat
    Bücher und Kinder kosten am meisten und es ist unrecht dem geistlichen
Stande den Kredit darüber zu benehmen Die alten Prediger ließ etwas Bart zur
Art stehen und diese Weise gar eben wäre so etwas in meinem Kram Vielen
unserer Kandidaten würde es Mühe kosten diesen Aufwand zu machen Der Bart wird
sich zeitig bei dir einfinden Es ist kein ungebetener Gast er sei willkommen
    Sobald du den Kopf auf einer Seite und nicht geradezu trugst merkte ich
gleich du wärest verliebt So trägt ihn der Verliebte Du fingest an in Tenor
zu fallen Gut dachte ich er hat das Weltbürgerrecht gewonnen Ich wusste mein
Blick könne nicht fehlschlagen und du wärest nicht gleichgültig gegen Minen
Mein Gott aber wer konnte auch gleichgültig sein Wenn ich ihr kaum einen guten
Morgen bot da sie kam musste ich sie doch küssen wenn sie ging Viele Menschen
lassen die Natur nicht zum Worte Mine stand so mit der Kunst Wahrlich die
Natur hat euch die Liebe gelehrt  Lass sie nur Pfefferkraut sammeln dachte
ich Was hat es zu sagen wenn es beim Pfefferkraut bleibt Ich Törin konnte
ich denn nicht bedenken zu dieser meiner Zeit dass du die erste und letzte
Geburt einer Dichterin wärest und dass deine Einbildungskraft kein Stück Kleid
bei dem was es ist lassen sondern es in ein himmlisches Gewand umschaffen
würde Ich die ich deines Vaters halber hebräisch lernte ich konnte dies alles
nicht bedenken
    Meine Mutter obgleich kein Wort ihr Kopfschmerzen machte und sie Genie im
Ausdruck war trat doch der u und i Gerechtigkeit halber meinem Vater in Absicht
der Stammworte bei Diese waren ihr so ehrwürdig als ihre Ahnherren die
Superintendenten und Präpositi Sie riet sich daran zu halten um jedem Worte
seine Würde und Ehre zu geben Ohne das ist alles nicht Fleisch nicht Fisch
nicht gekocht nicht gebraten Soldat ist zusammengesetzt von Sold und Tat
sagte sie Wer ums Lohn Dinge tut tut sie der fragte sie denn sie hielt
nicht viel auf Soldaten Sie hieß sie gewöhnlich mit der heiligen Schrift
Kriegsknecht Die Bauern nannte sie lächelnd Bauherren
    Wenn gleich in Kurland bloß der Bauern und Ritterstand obwaltet und der
Literator der Rinnstein zwischen beiden ist doch so dass er sich mehr zur
bäuerlichen Seite wendet so meinte sie doch das Mittelstück sei das beste
    Wie heißt das vierte Gebot
    Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren auf dass dirs wohl gehe und du
lange lebest auf Erden
    Was ist das
    Ob denn nicht ein Autor auch ein geistlicher Vater sei Gern sehe ich es um
den verlorenen Sohn von Kunstrichter bei Gelegenheit dass ich meiner Mutter die
kindliche Pflicht erstattet zur ähnlichen Schuldigkeit anzuweisen  Mag er
doch bei seinen Trebern bleiben
    Du aber ruhe wohl meine gute liebe Mutter bis der liebe jüngste Tag
anbricht bis zur Stunde da es heißt Steht auf Du warst zur Wiedergeburt
gewöhnt wahrlich du wirst wiederkommen Ei du Fromme und Getreue du bist
über wenig treu gewesen Du wirst zu vielem kommen Du warst reines Herzens du
wirst Gott schauen du preisest Gott mit deinem Leibe und deinem Geiste welche
sind Gottes  Was gesäet war in Schwachheit wird auferstehen in Kraft Eva aß
und gab ihrem Manne auch davon und er aß und doch war Eva das Weib aller
Weiber die Mutter aller Lebendigen Gute einfältige fromme Seele Gott segne
dich Vergesse ich dein so vergesse mein Herz meiner Mein Vertrauter der aus
einem Becher mit mir trinkt sei ein Judas der Gift unter meinen Kuss mische In
meiner Rechtssache spreche ein schielender kleiner Bube aus einem Obergericht
Der in der Curländerin Sache sprach richte auch meine Sache wenn von Ehre und
gutem Namen die Rede ist Mit Tränen will ich ernten was ich mit Freuden
säete Dein Mann mein Vater versplitterte oft das beste Stück Bauholz woraus
ein anderer eine Kirchenstütze gekannt hätte wenn ers im gemeinen Leben
brauchte Er wechselte ein Schaustück eines Dürftigen halber und auch du gabst
was du unterm Herzen hattest  Wahrlich du warst kein Gras das unter Steinen
wächst das keinen rührt und wozu niemand sagt Gott grüß dich Eine grüne
Taufwiese warst du ein holdes Tal das einen Berg zum Nachbar hat Ein Lied im
höheren Chor ein Sonnabend auf den der Sonntag folgt Eine Glorie vom hellen
Mondschein war hier dein Teil dort bist du gekleidet in Sonne der
Gerechtigkeit Gerechtigkeit war deine Aussaat und wird deine Ernte sein Keinem
Worte hast du einen Zahn ausgestoßen keinem einen bleiernen oder silbernen
eingesetzt Jedem Buchstaben groß und klein gabst du was sein war Sümpfe zu
verurbaren gemeine Seelen zu adeln in den Schwachen mächtig zu sein so wie es
Gott in dir war das hieltest du für deinen Beruf Du hattest richtige Läufe
Ruhe wohl  Du hast deine Quarantaine vor der Ewigkeit richtig gehalten  du
bist eingegangen Gott webe seine Hand über deinen Staub Lebe wohl
    Dass Herr v G der ältere noch vor meinem Vater den Weg gegangen den wir
alle gehen werden hat meine selige Mutter anzuzeigen nicht ermangelt Freilich
gehört Herr v G nicht so unmittelbar in diese Geschichte und wäre es wohl
Zeit dass ich an mich selbst mehr dächte soll man denn aber seinen Nächsten
nicht lieben als sich selbst und ist denn Herr v G der ältere nicht wahrlich
unser aller Nächster Je weniger man andere aus den Augen setzt je mehr sagt
man von sich selbst  und damit ich mein Schwert in die Scheide stecke und
meinen Lesern reinen Wein einschenke so verlangt der nämliche Freund der mich
schon mehrmals in dieser Geschichte besuchte den Herrn v G in Lebensgröße So
werd ich ihn nicht darstellen können weil ich Extrapost genommen indessen
doch hie und da ein Zug von diesem Naturmanne der auch die Kunst nicht zum
Worte kommen ließ wie meine Mutter es Minen nachrühmt Es ärgert mich
jederzeit wenn ich eine Vor oder Nachrebe vollbracht habe und doch kann ichs
nicht lassen Wer kann sich ohne guten Morgen und gute Nacht behelfen In allen
Sprachen wird es der lernenden Jugend zuerst beigebracht und wer sich überhaupt
ohne Vor und Nachreden behelfen oder wenn sie schon da sind sie mir nichts
dir nichts streichen kann kann mehr als ich Es ist so etwas von Erstund
Letztgeburt darin
    Damit meine Leser indessen gleich wissen woran sie sich zu halten so sei
mir erlaubt den Text zu verlesen worüber gepredigt werden soll Wahrlich dies
ist auch der einzige Gesichtspunkt aus welchem Herr v G zu nehmen ist
    Er und mein Vater hatten sich in zehn Jahren nicht besucht wohl aber so
oft sie sich nur reichen konnten mit Gedanken Gebärden Worten und Werken
wiewohl alles in Ehren gepfändet Sie empfingen sich da Junker Gottard und
ich zusammen gegeben werden sollten wie die beiderseitigen Schwiegereltern
gemeinhin am Hochzeitlager so freundlich dass nichts darüber war Aber Pastor
sagte Herr v G nachdem sie in der freien Luft so manches gute Wort
gewechselt sind wir nicht ein Paar Verneinungen ein Paar Nullen gewesen dass
wir uns und so manchen Realitäten sieben Jahre wenns nicht mehr ist es waren
wie ich nicht anders weiß zehn die vollkommene Zahl den Rücken gekehrt
                        Aus einem Briefe meiner Mutter
    Ich habe das weißt du je und in alle Wege viel aus den Predigten deines
Vaters gemacht obgleich er nicht viel aus meinem Gesang bis er mit Brand
heimgesucht ward Am liebsten hör ich ihn wenn er eine Kasualpredigt hält So
ist mir die Predigt Richtet nicht noch immer in den Ohren ein süßer Schall
und hätt ers bei den Liedern nicht versehen dieser Sonntag wäre wert in
Gold gefasst zu werden und Edelstein  Über den Herrn v G hielt er eine
Predigt trotz der Richtet nicht indessen war sie nicht für jedermann Sein
Text war aus dem einhundert neununddreissigsten Psalm und dessen
dreiundzwanzigstem und vierundzwanzigstem Vers »Erforsche mich Gott und
erfahre mein Herz prüfe mich und erfahre wie ichs meine und stehe ob ich
auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege« Seine Predigt handelte vom
Verstande und Herzen eines Christen nicht wie alles ist sondern wie mans
glaubt dass es so recht dass es so gut so recht gut ist  Auf den Glauben
kommts allein an Mancher der nicht Herr Herr gesagt hat wird dort die
beschämen die Herr Herr des Morgens des Abends und vor und nach Tische
sangen und beteten Nicht die Vater unsers nicht die das Walts machens aus
sondern die den Willen tun des Vaters Jesu Christi im Himmel sind hier auf
gutem auf ewigem Wege Da bekamen in die Länge und in die Quere die sich über
den Herrn v G aufgehalten weil er lange nicht communicirt und kein
Kirchengänger gewesen Es war deinem Vater nicht anzusehen dass er sein ganzes
Hebräisch vom Konversus hatte und das heißt eben nicht weit her Er sagte uns
Christenleuten so manches teure werte Wort und wahrlich mein Sohn er hatte
nicht Unrecht Die Ortodoxie des Herrn v G will ich an seinen Ort stellen
Gott gebe wenn es nicht zur Rechten ist es wenigstens nicht ganz zur Linken
sondern von der Seite sei Der Herr v G bekannte und läugnete nicht Ich bin
keiner sagt er rein heraus und ohne Sprichwort Wenn man aber die jetzige
neue Mode Christen zu sein erwägt die unsere jungen Herrn Gott nehme dich in
seinen Schutz von einigen Akademien mitbringen Heil mit Königsberg und
Göttingen für und für so könnt es wohl heißen dein Silber  zu reden aus
Jesaias dem ersten Kapitel und dessen zweiundzwanzigstem Vers »O Christentum
dein Silber ist Schaum worden und dein Getränke mit Wasser gemischt« und aus
dem drittem Kapitel der siebenzehnte und vierundzwanzigste Vers »Der Herr wird
den Scheitel der Töchter Zion kahl machen und der Herr wird ihr Geschmeide
wegnehmen« Das heißt er wird den Leuchter von der heiligen Stätte stoßen und
statt der feierlichen hellbrennenden Kerze prasselt dann ein elendes Talglicht
zwar in einer gläsernen Form gegossen schön von außen allein doch Talglicht
dann wird Stank für Gutgeruch sein und ein loses Band für einen Gürtel und
eine Glatze für krauses Haar und für einen weiten Mantel ein enger Sack für
Bibel und Gesangbuch allerlei Naschwerk und Marcipan das süß auffällt allein
den Magen verdirbt
    In dieser Verstandes und Herzenspredigt dachte dein Vater an den Herrn v
G Es war wie vom Himmel gefallen Ha vermutete man da wird er die
zehnjährige Entfernung aufdecken da wird man erfahren ob Rahel weiß oder braun
gewesen was für Federn Gabriel in seinen Flügeln gehabt ob Adam mit einem
Nabel versehen gewesen  wenn gleich der Text danach nicht war  Es war eine
Stille wo man das Wort fast in der Seele hören konnte Die Frau v die so tief
zu seufzen gewohnt ist dass die Wände es hören und wiederhallen als wunderten
sie sich drob  still ganz still O mein Sohn dein Vater ist ein
feuerschlagender geistreicher Mann Schade dass er sein Hebräisch nicht aus der
ersten Hand hat und abermals Schade dass man nicht weiß wo er her ist Sein
Text ist Stahl und Feuerstein Er schlägt und es fallen Funken des
Küchenzettels unerachtet den er über jede Predigt macht Ich habe geweint
bitterlich und die ganze Kirchen oder Trauerversammlung weinte so Er schalt
nicht er drohte nicht Er stellte dem es heim der da recht richtet Wenn ich
doch schreiben könnte was er sagte Es war alles wie in Versen so leicht so
schön
    »Lasst uns ungebeten an ein Mitglied einer benachbarten Gemeinde denken
dessen Erforschungs dessen Prüfungsjahre selig zu Ende gegangen und der den
ewigen Weg der Wahrheit und des Lebens angetreten  Er kam nicht zu mir so wie
ers seit einiger Zeit öfters zu tun die gütige Gewohnheit hatte sondern zu
unserm Gotteshause Er wollte unsern frommen Übungen beiwohnen ohne dass ichs
zuvor wusste Ich sprach ihn nicht ich begrüßte ihn allein von weitem und
siehe da noch ehe ich meine Predigt anfing hatte er seinen Lauf vollendet
Noch ehe ich Ja sagte war er beim Amen Er starb wie ihr alle wisst in den
letzten Worten des christlichen Glaubens
Nach diesem Elend
ist uns bereit
dort ein Leben in Ewigkeit
Unvergesslich wird mir jedes Wort dieses Umstandes sein so wie dieser Mann es
einem jeden sein muss der ihn gekannt hat  Er besuchte selten die Kirchen und
musste in einer Kirche sterben Ich sah den Aufstand der unseres Vollendeten
halber entstand allein ich hielt seinen Zufall für einen solchen der bei
weitem nicht der letzte wäre«
    »Welch eine Kluft zwischen Gottes und unsern Gedanken Dein Wille unser
Vater dein Wille ist geschehen «
    »Er war  ich sage das Wort war anstatt ist zum erstenmal und ich fühle
es es ist das erstemal  er war mein Freund Er war ich will mich an dies
Wort gewöhnen er war ein Freund der Wahrheit und ich kann hinzusetzen ein
Freund Gottes und der Menschen nach seinem Bilde gemacht  Gemeint hat er es
gut das wissen wir alle mit Gott und Menschen Was können leichte Wolken der
Sonne schaden Sie darf sich nicht vordringen sie leuchtet ungesucht hervor
und jeder sagt die liebe Sonne Er dachte nicht so wie wir Freunde Ihr
wisst dass er und ich uns darob wie Lot und Abraham trennten und fiel etwas
vor was nicht ganz wie Lot und Abraham war verzeihe es Gott bei dem viel
Verzeihung ist Ich bekenne es frei ich war bei dieser Trennung der Eiferer
und der Eifer tut nicht jederzeit was recht ist  Mein Trost ist dass auch
ich es gut meinte O Gott wie oft ringt meine Seele zu dir Wie oft bete ich in
meiner Einsamkeit nur allein von dir gehört Erforsche mich Gott und erfahre
mein Herz prüfe mich und erfahre wie ich es meine und siehe ob ich auf
bösen auch nur auf Irrwegen bin und leite mich auf ewigem Wege Ich habe
getan was meines Amtes ist Tut Freunde auch was das eurige ist Ich
wünsche ihm die Ruhe der Gerechten Ihr desgleichen Gedenke an mich wie ich
gestorben bin so wirst auch du sterben Gestern war es an mir heute an dir
das sei unser Geleitsspruch wenn wir dieses Gotteshaus verlassen«
    Dieser Auszug bedarf keines Zusatzes Kurz und gut war der Tod unseres
teuren v G Eben so kurz soll auch meine Leichenrede sein ob so gut kann ich
nicht bestimmen
    Herr v G war ein sehr natürlicher Mann alles was er sagte war mit der
Hand geschöpfte Natur Diogenes sah einen Knaben Wasser mit der Hand schöpfen
so wie unsere es mit dem Hute zu tun gewohnt sind und setzte sich aus dem
Besitz seines Mobiliarvermögens ohne solches publica legis auctione dem
Meistbietenden zu überlassen Wenn die Natur Lehrer und Propheten sendet sind
es alle solche Wasserschöpfer  Herr v G hatte eben da seine eigentlichen
Kollegia gehört Er war aus Kurland Da wo er geboren waren schon sieben
Herren v G geboren und gestorben allein wahrlich kein v G seiner Art
Kurland hat einen solchen Mann schwerlich aus seinen Mitteln gehabt Mein Vater
konnte sich nicht überzeugen dass seine Vorfahren Curländer gewesen Er ist wie
die Curländer sein könnten und wo sind v Gs Wie aber wenn die Natur in
einem Lande wo Keckheit Rauhigkeit Trotz und Tyrannei unter dem Namen von
Freiheit gang und gäbe ist einen Mann der ihrem edelen Bilde ähnlich wäre
recht mit Fleiß schaffen wollen Wenn sie gedacht lasst mich einen Curländer
machen ein Ideal
    Herr v G hatte wie jeder Junker seinen Hofmeister Dieses war zum
Unglück ein so ausgelernter Künstler dass er wider die Landesgewohnheit viel
tote Kenntnis besaß die in der curischen Dunkelheit hell schien so wie faules
Holz gewöhnlich im Finsteren Unser Jüngling war seinem Führer am Verstande
unendlich überlegen dieser aber jenem an Sprüchen und da der gute Goliat an
dem Herrn Vater unseres kleinen Davids einen Verehrer gefunden so war der junge
Herr gezwungen den Kürzern zu ziehen seine Schleuder ungebraucht zu lassen
und sich höchstens mit einem verstohlenen Blick des Beifalls von seiner guten
Mutter zu begnügen Dieses edle Weib hatte die gerechtesten Klagen wider ihren
Mann besonders in puncto puncti Auch außer dem puncto puncti nahm sich der
alte Herr v G so manche schreiende Härte nicht übel und befand sich dabei
recht wohl Fiel ja ein Gewissensbiss vor so hatte der Hausarzt ein Recept von
Sprüchen die ihn auf der Stelle beruhigten Arzt und Patient waren gleich
kurzsichtig Aus seines Vaters Hause ging unser seliger Mitbruder in die
akademische Welt ließ seiner Denkungsart die bisher Ziegel gestrichen den
freien Lauf und ward  Dreistdenker Anfänglich war es nur um das Grossmaul den
theologischen Goliat zu Gottes Erdboden zu bringen Obgleich dieser
Ausforderer in dem väterlichen Hause zurückgeblieben war und mit keinem kleinen
Stein erreicht werden konnte so war er doch unserm David so lebhaft dass er mit
einem kleinen Steinchen nach dem andern seine Stirn probirte Dieser Steinwurf
ward ihm eigen Jung gewohnt alt getan Die Gewohnheit ist eine andere Natur
hätte ich bald gesagt allein in Wahrheit nicht die andere sondern die erste
die eigentliche die Natur selbst Unser Seliger studierte Lebens und nicht
Schulweisheit von der er immer der Nachfrage halber eine Kiste erhandeln
können Freilich sagte er hätte ich und es tut mir oft leid dass ichs nicht
habe allein wenn es mir wieder einfällt dass alle die Raritäten so sehr der
Mode unterworfen sind als es kein Kopfputz meiner Frau ist warum sollte ich 
Wahrlich Gelehrsamkeit ist Weiberkopfputz der erste unter den Gelehrten geht
frisirt  Pfui da ehre mir Gott mein eigen Haar wenns gleich nicht kraus
ist wie die gute Pastorin es gerne sieht Nicht war er in sich selbst verliebt
ist denn das die Natur Lässt sie nicht die Kunst in ihre geheimsten Zimmer 
Hilft ihr nicht die galante Kunst beim Anziehen bald hätte ich gesagt reicht
sie ihr nicht oft das Hemde allein ist sie darum eine Buhlschwester Mit
nichten
    Alles was Herr v G aus der zweiten und dritten Hand hatte war ihm nur
insoweit teuer und wert als ein gutes Stück Natur darunter war So konnte er
sich über naiv und Laune nicht zufrieden geben obgleich diese ganze Lehre viel
Kopfputz enthält Ich habe die Schule durchgelaufen pflegte er zu sagen
spornstreichs setzte er hinzu Was tuts Er hatte mehr beim Fenstereinwerfen
und beim Ständchen bei einer ProfessorKour und was weiß ich wo mehr
gelernt als hundert seiner Gesellen in den Kollegien die sich ärgerten wenn
jemand dem natürlichen Wink seiner Nase folgte und sie mit dem Schnupftuch in
der Hand störte Da sehe ich noch so manchen Nachschreiber lebhaft der gern dem
guten Pastor nachgefragt hätte Wer grunzt in der Gemeinde wenn dies
Milchknäbchen nicht befürchten müssen es würde ihn ein Spiessgeselle angewiesen
haben seine weise Nase ins Heft zu stecken
    Herr v G behauptete Gelehrsamkeit sei nur um nachzuschlagen und wenn
man ein so gutes Lexikon in der Nähe hätte wie mein Vater so wäre nichts
überflüssiger als sich den Kopf mit Worten zu überladen oder mit der Schale zu
schöpfen
    Es gibt Schrift und Redgelehrte Sokrate und Platone so wie es gehende und
sitzende gibt Ich mag deren keines Zum Erfinden sagt der Pastor gehört
Einfalt kindische Einfalt Selten ist ein Erfinder ein Gelehrter  Wenn ich
doch ja was sein sollte wollte ich ein Erfinder sein Da gibts freilich
Professoren die sich auf ein Definitionchen so viel einbilden als auf eine
eingenommene Festung mit Sturm oder List Die Toren Was hilfts in schönem
Porcellan jämmerliche Kost ohne Geruch und ohne Geschmack Was im krystallenen
Pokal verschalter Wein  Ein Definitionskrämer wird wahrlich kein Newton
werden obgleich auch dieser über die Offenbarung Johannis schrieb
    Herr v G las blutwenig Wenn ich ein Buch lese sagte er lassen mich
meine Gedanken nicht zum Worte kommen Böse Gesellschaften verderben gute
Sitten Die Natur wollte ihn nicht verführen lassen Die gute Mutter Natur Bald
hätte ich geschrieben die gute Frau v W Ich habe mir immer eingebildet so
würde die Natur aussehen wenn sie Menschenkindern zu Ehren sich in unsre
Gestalt verlieben sollte Sie wird es nicht
    Las Herr v G ja etwas so musste es leserlich geschrieben sein Der Autor
musste wie er sagte ihn nicht breitschlagen oder zum Besten haben wollen Mein
Vater hatte ihm einige Stellen aus den Alten verdeutscht und Herr v G war so
gütig sie ein Brennglas zu nennen wodurch wir die Sonne an die Pfeife zögen
Er liebte nicht mit Schriftstellern umzugehen Die sich frisch und gesund lesen
lassen sagte er sind wie ich gehört habe stockstill in Gesellschaft  Man
sagt ein Hephata nach dem andern die Zunge wird nicht los Herr v G selbst
war ehe er schrieb noch schwieriger wie mein Vater hatte er indessen die
Feder einmal ergriffen gings seinem eigenen Ausdruck zufolge wie aus der
Pistole Er strich so wenig wie meine Mutter und nie hatte er ein Blatt
zerrissen um es besser zu schreiben Warum soll ich mich mit mir selbst
schlagen warum mich selbst herausfordern Ich bin sehr für den Hausfrieden das
ist für den mit mir selbst Nie machte er ein Kouvert am liebsten schrieb er
auf unbeschnittenem Papier Gemeinhin schrieb er mit umgekehrter Feder kehrt
man denn nicht sagte er den Hut um wenn die Sonne scheint Die Ursache war
weil er nicht gern Federn schneiden machte und da meinte ers denn so ehrlich
mit jeder neuen Feder dass sie bald unbrauchbar ward Hermann schnitt ihm
zuweilen Federn allein gemeinhin waren sie ihm zu spitzig
    Plane pflegte er zu sagen kann man erzählen Ausführungen reden von sich
selbst
    Nie zog er seine Stiefeln um wie andere ehrliche Leute Schuhe hat er so
wenig getragen wie der König von Preußen
    Das Brod schnitt er sehr gerade Schade pflegte er zu sagen dass es
geschnitten werden muss Was nur möglich war aß er ohne Gabel und Messer Hatte
er zuweilen eine Mahlzeit die er durchweg ohne dergleichen Mordgewehr wie ers
nannte vollbringen konnte so war sein Gratias an Gott desto inbrünstiger
    Er war hitzig da möchte ich sagte er selbst gleich das Haus zum Fenster
hinauswerfen allein wenn ich näher komme sehe ich dass das Fenster zu klein
ist
    Die Feder gilt nichts wenn sie zertreten ist war sein Sprüchwort warum er
dies Sprüchwort eben von der Feder entlehnt weiß ich selbst nicht
    Jeden seiner Herrn Brüder hielt er drei Schritte vom Leibe Nie ließ er sich
zu nahe kommen allein auch er kam keinem zu nahe
    Mit dem Künstler Meister Hermann sprach er wie Naturmann Er fragte sich
nie was werden andere Leute sagen allein er lebte wahrlich so dass niemand von
ihm auch nicht einmal etwas Böses denken konnte darauf fügte er hinzu muss man
es anlegen Der Schmähsucht entgeht niemand Selten wird ein Mann sein der so
gleichgültig gegen das Urteil anderer ist als er war Um von gewissen Leuten
nicht gelobt zu werden hätte er sogar etwas tun können das er sonst nicht
würde getan haben
    Es gibt Krippenreiter in Kurland die es recht geflissentlich dazu anlegen
ihre Brüder in Versuchung zu führen ihnen auf die Zähne zu fühlen indessen nur
alsdann wenn die Zähne los sind stoßen sie sie ihnen aus Da hatte einer eine
Ohrfeige erhalten und nichts dagegen vorgenommen als gefragt wie er diese
Zweideutigkeit verstehen sollte Das war sehr natürlich unserm v G ein Stachel
im Auge Der Tor sagte er Sieh den andern der dich ansieht wieder an und
sein Auge sinkt Ziele nur der andere wird wanken wenn er Herz hat und sich
zurückziehen wenn er keines hat Umgekehrt so wird ein Vers draus Auf den
Hohn das Pulver scheint der Herr Bruder nicht erfunden zu haben gleich den
Trumpf aber zu gebrauchen weiß ichs Ich wette drauf der Pulvererfinder wird
sich in bester Ordnung zurückziehen
    Herr v G der standhafte Mann blieb indessen gefällig Seine
Lieblingstiere waren Hühner und nur nach ihnen folgten Hunde Er überrumpelte
niemanden jeden ließ er zum Wort und beim Worte  Keine Dissonanz in seinem
Umgange er war immer gestimmt  immer heiter
    In seinen Zimmern war ein eigener Geschmack kein fournirter Tisch keine
Falschheit  Keine Weste wo hinten Leinwand war wäre sie auch von Gold und
Silberstück gewesen ist je an seinen Leib gekommen Von allem was ihm gefiel
sagte er es schmecke ihm So schmeckte ihm ein Zimmer dieser oder jener
Freund  Er behauptete auch ein Zimmer habe seine Physiognomie und aus der
Schlafstube oder vielmehr aus einer solchen wo kein Fremder so leicht einen
Zutritt hat müsste man den Hausherrn beurteilen
    Vom Trinken machte er mehr als vom Essen Kalt aß und trank er am liebsten
    Das natürlichste pflegte er zu sagen ist wie Diogenes zu essen wenn man
Hunger hat ohne sich an Morgen und Abend zu binden Gesünder würde man dabei
sein auch älter werden allein wir würden mehr einbüßen als gewinnen Das
Essen und Trinken mit Wohlgefallen weg wäre es Löffel sind im Hospital
erfunden Alle flüssigen Sachen schwächen  Für Kinder Milch für Männer Käse
    An seine Gemahlin war er gekommen wie man an vieles kommt Sie soll außer
der Weise schön gewesen sein  Wieder Natur am Herrn v G Des darf ich bitten
wegen hätte er sie geheiratet sagte Herr v G da er in  zu Tische bat Sie
konnte wenn sie wollte allerliebst sein und gutherzig scheinen Ist man es
wirklich wenn man so stolz wie die Frau v G ist Unser Freund hatte die
beste Ehe von der Welt Wenns zu arg kam sagte er Punktum und die gnädige Frau
ging sehr freundlich ab wovon wir alle einer Probe beigewohnt haben Von ihm
und nicht von ihr hing es ab ob einem in seinem Hause wie Herr oder Monsieur
begegnet werden sollte  Seine Liebkosungen waren immer mit Ungestüm Frau v
G befürchtete zuweilen dass es ihr wie den russischen Weibern wiewohl ohne ihr
Zutun gehen würde die aus Liebe von ihren Männern geschlagen werden Wo der
Herr v G geküsst hatte war gewiss ein roter Fleck
    Sie pflegte von ihrem Manne den sie im Herzen sehr hoch hielt zu sagen Er
hätte Einfälle wie ein altes Haus und wahrlich er hatte Einfälle nicht wie
der lebendig tote Hermann an dem man immer den Bocksfuss sah sondern wie ein
Mann der alles gern beim rechten Namen nennt »Er hat zwar« sagte er von einem
alten Geistlichen der sich sehr viel zu gut tat »einen kahlen Kopf wie
Elisa allein den Mantel hat er nicht von Elias geerbt« Pastor sagte er zu
einem andern Seelsorger Sie schlagen mit Moses um die Wette jener auf den
Fels Sie auf die Kanzel hier und dort kommt Wasser Man hielt ihn für einen
Feind der Geistlichen und die Wahrheit zu sagen seine alten Hauseinfälle
trafen diese Herrn am meisten Dies war vielleicht eine geheime Ursache warum
mein Vater sich zehn Jahre von ihm entfernte
    Mein Vater hatte ihm seiner Hitze halber im Scherze angeraten ich du er
wir ihr sie zu sagen so wie er sich selbst vorgenommen hatte panis piscis
crinis ignis finis glis in dergleichen Fällen zu brauchen allein Herr v G
konnte sich nicht ohne den Teufel behelfen Es lüftet das Herz so wie eine
Prise echter Curländer die Nase Sein Argos hieß Satan So wie meine Mutter kein
i um seinen Punkt betrog so sagte Herr v G nie dass dich So was fügte er
lächelnd hinzu heißt den Teufel betrügen
    Er barbirte sich so wie mein Vater mit kaltem Wasser oft mit Schnee um
etwas Seifähnliches zu brauchen Wer warmes Wasser an seinen Leib kommen lässt
ist aus Furcht des Todes ein elender Knecht seines Lebens Herr v G war viel
zu sehr ein freier Curländer um beim Leben in Dienst zu treten
    Herr v G hatte sein Lebtag keine gewisse Essstunde Wenn gleich er leider
Mittag und Abend hielt so wollte er wenigstens sich doch nicht auf Stunden
einschränken lassen Hierin mindestens wollte er frei sein wenn es nicht
vollständiger angehen könnte Dergleichen Regeln und fast alle pflegte er zu
sagen sind der Gemächlichkeit wegen da wer Verstand und Willen hat braucht
keine dergleichen Kinderregeln Grundfalsch war nie etwas das er behauptete Er
hatte einen so treffenden Blick in Seele und Leib dass man glauben musste es
wäre alles regelrecht was er sagte Er war wie wir wissen ein Wurzelmann Die
Frau Gemahlin die bei ihrem hohen Sinn nicht allemal einen hohen Ausdruck
hatte pflegte dies zu übersetzen er merke Mäuse Jeder Mensch hat seine
Manier seine Natur im Sprechen Herr v G besaß wenn gleich nicht den
treffenden Ausdruck meines Vaters so doch einen wohlgemeinten einen
verständlichen Gnade dem Gott wer ihm mit Punkten und Klauseln kam die man so
und anders nehmen konnte so was mochte er versäufen im Meere wo es am tiefsten
ist Auf die Juristen war er übel zu sprechen die besten behauptete er
bemühten sich dem Kinde einen Namen zu geben der Name ist ein Zaun ein
Schranken bis dahin und weiter nicht Gott hat keinen Namen
    Das natürlichste was noch in der Welt ist sagte Herr v G ist der Schlaf
und Wasser In Rücksicht des Wachens und Essens sind so viele Verstümmlungen
vorgefallen dass die eigentliche Natur zu finden ein Rätsel ist Der Schlaf in
so weit die Träume von des Tages Last und Hitze abhängen ist auch schon
verfälscht wenn mans genau nimmt Wasser also ist allein aus dem Paradiese
übrig geblieben Wasser ist das einzige unter allem Flüssigen was reinigt
setzte er hinzu
    Die vier Elemente Feuer Luft Wasser Erde nannte er die vier
Temperamente der Natur  die fünf Sinne die Poststrassen zur Seele ein
Liebhaber der fünften Zahl hat darum fünf angenommen mag sein nach Anzahl der
fünf Finger
    Unsere Sinne sind nicht gleichen Ursprungs einige haben ihre Privilegia
erschlichen Geruch und Geschmack sind gekaufte Titel kein Kind hat Geruch und
Geschmack  Freilich lernt es auch sehen allein diese Lehre bekommt es aus der
ersten Hand durch wie viel Hände erhalten wir dagegen Geruch und Geschmack 
Kann es je heißen Gott hat die Menschen aufrichtig gemacht aber sie suchen
viele Künste so hier
    Das Herz war das Gesetz unseres teuren v G und wahrlich ein trefflicher
Gesetzgeber wenn es wie das v Gsche ist
    Empfindsamkeit pflegte er zu sagen schützt vor Zügellosigkeit allein was
ist besser zügellos oder weibisch
    Er glaubte dass es Hand Mund und Herzensworte gebe Die Augen sind
Filiale pflegte er zu sagen vom Herzen die Füße von den Händen der Mund hat
keinen so nahen Bundesgenossen
    Sobald über Natur die Rede ging war er unüberwindlich in der Kunst war er
gern Schüler Selbst im Wortwechsel überrumpelte er keinen Seinen Grundsätzen
war er treu wie Gold er war kein Prävaricator kein zweier Herren Diener
    Die Hauptsache worüber mein Vater und der Herr v G uneins geworden waren
freilich die drei Artikel des christlichen Glaubens indessen stand der
monarchische Staat hiemit in Verbindung ohne an manche geheime Ursache zu
denken die nie ausbleibt Herr v G glaubte die christliche Religion und die
monarchische Regierungsform arbeiteten sich in die Hand und mochte ihn wohl der
Umstand dass mein Vater beides Christ und Monarchenfreund war zu diesen
Gedanken gebracht haben Überhaupt paarte er zuweilen Dinge die wenn man es
genau erwog wirklich ein Herz und eine Seele waren wenn gleich niemand sie
dafür gehalten Ob nun zwar die christliche Religion dem Kaiser was des Kaisers
ist und Gott was Gottes ist zu geben anordnet so ist sie doch so wenig für die
Monarchie dass sie vielmehr das Reich Gottes einführen will
    Lasst euch mit den Menschen ein sagte Herr v G sie klagen immer Woher
kommts Warum die Klagen über schwere Zeiten die seitdem der Cherub mit dem
gezogenen Schwerte vor der Türe des Paradieses auf die Wache gezogen
entstanden Weil der Mensch sich frei fühlt und es nicht ist  Recht sagte
mein Vater Gottes Reich ist noch nicht kommen Der Monarch ist einer er trägt
Gottes Bild in diesem besonderen Sinne und ist mehr als in einer Rücksicht wenn
er will im Stande sein Volk dem Reich Gottes näher zu bringen Wenn er will
sagte Herr v G wird er aber wollen Wird er Gott dem Herrn seinen Stuhl
abtreten und sein wie unser Einer
    Wir sollten immer einfacher werden und uns in den Stand setzen wenig zu
brauchen dadurch würden wir der Härte unserer Obern trotzen gegen Mein und
Dein gleichgültiger werden und allmählich zum Reiche Gottes kommen welches
nicht besteht in Essen und Trinken sondern in Liebe
    In dem Gesetz was du nicht willst dass dir andere tun tue ihnen auch
nicht liegt das ganze Criminalund der größte Teil des bürgerlichen Rechts
Gott ehre mir unsere curischen Gesetztafeln sie sind ziemlich im Kurzen allein
die Hülfsvölker  dass sich Gott erbarm Wahrlich auch hier sollte das Reich
Gottes näher kommen und der Mensch sich aufs Einfache zurückstimmen denn in
Wahrheit überall ist nur Eins not
    Wenns so fiel war alles trefflich Sobald aber Herr v G anfing er
wünsche dass heute alle Könige Herzoge von Kurland würden und dass alle Armeen
anstatt des Degens eine Sichel und statt der Flinte einen Spaten zur Hand
nehmen möchten so fragte mein Vater heute und wenn Herr v G beim heute
blieb und es sich nicht ausreden lassen wollte so war Feuer in den Dächern Wer
hat etwas größeres gesagt als jener Primas dem König ist die Krone nicht an den
Kopf gewachsen fing der Herr v G an und mein Vater bat den Herrn v G
Polen in Augenschein zu nehmen und zu bedenken was Polen sei und was es aller
Wahrscheinlichkeit nach werden würde Mag ist doch Freiheit da kann doch hier
jeder Edelmann dem Regenten ins Gesicht sagen Der Bucephalus ließ zwar den
Alexander aufsitzen allein ohne Zaum den litt Bucephalus nicht Wenn ich
Edelmann wäre erwiderte mein Vater ich weiß nicht ob ich gern Bucephalus
heißen würde Nicht sagte Herr v G und doch war Bucephalus ein Curländer 
Bei weitem nicht erwiderte mein Vater
    Mein Vater war ein Bienenfreund und Herr v G trieb seine
Monarchenfeindseligkeit so weit dass er sogar keine Bienen hielt weil sie einen
monarchischen Staat machten dagegen liebte er Ameisen von denen er behauptete
dass sie in der Freiheit lebten Ist denn der Honig nicht süß sagte mein Vater
Kostet er denn nicht den besten Saft den Blumen erwiderte Herr v G Ist es
nicht gesammelter Zoll und Accise und wird nicht Zoll und Accise noch obenein
mit einem widerlichen Gesumse genommen Mich dünkt immer ich höre die Bienen
sumsen Wir von Gottes Gnaden Freilich ist die Biene militärisch hat ihr
Schwert bei sich sticht  allein wenn sie gestochen wenn sie Krieg geführt
hat ist sie auch so matt und elend  Und wenn uns die Ameisen bekriechen fiel
mein Vater ein So schüttelt man sie ab  Die hässlichen Tiere  Sind
Curländer sagte Herr v G Könnte sein mein Vater
    Staat ist ein so notdringliches Mittel den Menschen glücklich zu machen
dass man ohne dies Mittel zu keinem Zweck kommen kann Alles führt zum Staat
untere und obere Seelenkräfte Seele und Leib Bedürfnis und Leidenschaft
Hospital und Schauspielhaus Die bürgerliche Gesellschaft ist auch eben darum
sogar für Naturzweck von etlichen gehalten Staat ist freilich Kunst allein
diese Kunst besteht aus zusammengesetzter Natur  und muss denn der Staat eben
Monarchie sein
    Ist nicht nur ein Gott und wird nicht eher lieber Ein Gott der Erden dem
Original weichen sobald das Volk sich ans Unsichtbare gewöhnen lernt als an so
viele Götter
    Doch warum in spitzfindigen Reden und Antworten ich will versuchen meinen
Vater in Eins zu bringen und was stückweise über den monarchischen Staat
vorfiel in einen Ausbund vom Ganzen zu ziehen
    In der Vernunft womit der Mensch ausgestattet ist liegt Freiheit und
Regel Der Mensch ist frei das heißt der Mensch kann tun und lassen kann
wollen der Mensch ist an eine Regel gebunden das heißt seine Willkür hängt
vom Gesetz ab Er hat Verstand Verstand und Wille zusammengenommen könnte man
die Vernunft heißen Alle die Unterschiede welche die Philosophen und Juristen
ehemals Nachbarn jetzt fast völlig aus der Gemeinschaft gesetzt unter
Gesetzen machen können sehr einfach werden wenn nur nicht das Leichteste in
der Welt dem Menschen so überschwenglich schwer würde Es gibt eigentlich nur
Naturgesetze oder solche welche aus der menschlichen Natur fasslich sind Zwar
haben auch Gesellschaften Völker Staaten Gesetze die außer dieser Grenze zu
liegen scheinen allein wenn diese Gesetze anders als aus der Natur des
Menschen erklärt werden so sind es nicht Gesetze sondern Unmenschlichkeiten
es sind Landplagen ärger als Frösche Heuschrecken  Und auch ärger als wenn
die menschliche Erstgeburt unter die Soldaten genommen wird fiel Herr v G bei
dieser Gelegenheit ein
    Mein Vater hielt ein wenig an und fuhr fort ohne zu antworten Der Mensch
ist ein geselliges Tier es ist nicht gut dass er allein sei Die Menschen
werden nur Menschen und können sich als Menschen zeigen wenn sie in
Gesellschaft treten »Einer ist keiner ein Mensch ist kein Mensch« würde meine
Frau sagen Ein Mensch aber ist kein guter Mensch Nicht der Müßiggang sondern
die Einsamkeit ist die Mutter alles Bösen Es ist indessen Grund und Folge
allein sein und müßig sein ist ziemlich einerlei Große Erfindungen selbst sind
in Gesellschaft gemacht alle Künstelei in der Einsamkeit Gott allein ist
Einer hier gilt nicht Eins ist keins Der Verstand und der Wille eines
einzelnen Menschen scheinen nicht zuzureichen ein vollständiges menschliches
Sein auszudrücken der Pluralis vom Verstand und Willen ist erforderlich wenn
der Mensch was auszurichten im Stande sein soll Der Staat ist der Mensch im
Plurali im Plurali indessen gilt eben das was im Singulari gilt Der Staat ist
der vollkommenste der die meisten Menschen hat die wie Einer scheinen Je
volkreicher ein Land ist je mehr scheint es sich dieser Probe eines
wohleingerichteten Staates zu nähern In Staaten hab ich gesagt müssen auch
die Gesetze aus der Natur erklärt werden falls sie nicht ägyptische Plagen sein
sollen und wenn ich hinzufüge dass es Natur aus der ersten und Natur aus der
zweiten Hand gäbe so hab ich mich näher bestimmt Im Naturzustande wo sich
der Mensch ganz allein denkt im Paradiese ist er zwar ein Gott der Erde
allein so lange er so denkt wie Adam und die zeitigen Adamskinder wird er
gewiss vom verbotenen Baume essen und bei der Mühe und Arbeit und dem Schweiß
seines Angesichts mit dem er sein Brod isst sich weniger bedauern als in der
Einsamkeit wo der Müßiggang ihm eigen ist wo er vielleicht länger lebt und
ohne viel Schmerz einschlummert wo indessen gegen eine einzige Stunde jetzigen
Lebens Tage und Wochen dieser Einsamkeit wie gar nichts sind Was ist ihm solch
ein Baum des Lebens Er lebt hier auch im Singulari Im Staate lebt der Mensch
im Plurali Zwar kann man sich einen Stand der Natur denken und der erste
bekannte Schriftsteller entwirft uns ein Bild im paradiesischen Adam von dem
Naturstande so wie der Stifter der christlichen Religion der zweite Adam ein
Urbild des vollkommensten Menschen im Staate ist
    Wenn Feinde seines Namens behaupten wollen Christus habe ein weltliches
Reich stiften wollen so ists aus zwei Drittel Ursachen eher unglaublich als
glaublich allein gesetzt er wollt es so war es bloß um die Menschen auf
diesem Wege zu dem Ende des Vaterunsers zu dem zu bringen dessen allein das
Reich die Kraft und die Herrlichkeit ist Dahin ging er auf dieser Welt und
wenn die Menschen so stockblind waren dass sie das Licht nicht sahen das er
ihnen anzünden wollte wenn er in sein Eigentum kam und die Seinen ihn nicht
aufnahmen so ließ er uns wenigstens ein Vorbild nachzufolgen seinen
Fußstapfen Es gibt eine doppelte Teokratie die eine würde körperlich die
andere geistig zu nehmen sein Was ist glaublicher als dass die Menschen über
kurz oder lang zu allgemeinen Weltgesetzen kommen werden wo jedem Staate sein
bescheiden Teil angewiesen ist und wo wenn der eine weiter gehen will er
alle übrigen vereinigten Staaten wider sich hat Dies verbesserte Völkerrecht
möcht es doch bald kommen Wie weit näher wären wir alsdann schon dem Ende des
Vaterunsers als jetzo Man könnte von dieser körperlichen Teokratie von
dieser WeltRegierungsform sagen es ist eine Heerde und ein Hirte allein auch
selbst alsdann ist noch alles leiblich Geistlich wird es sein wenn wir selbst
diese allgemeineren Weltgesetze nicht mehr brauchen wenn der göttliche Kodex
eintritt wenn der Glaube an Gott schon alles in allem ist  Um sich die Sache
noch begreiflicher zu machen kann man den Redegebrauch der Theologen
beibehalten So wie die Welt jetzt ist könnte man sie das Reich der Allmacht
nennen Das Reich der Gnaden wäre die körperliche Teokratie wenn die Menschen
anfingen allgemeine Weltgesetze zu machen wohin es gewiss kommen müsste wenn der
gemeine Mann zu mehreren Kenntnissen käme als er jetzt hat Das Reich der
Herrlichkeit wäre jenes Reich der Möglichkeit wo wir alles um Gottes willen
täten  wo 
    War es Wunder um wieder auf den ersten Adam zu kommen war es Wunder dass
die Natur ihm so wohl anstand Adam kam aus den Händen des Schöpfers er war die
Blüte des Naturstandes zu Früchten kam es mit ihm nicht er fiel als Blüte
ab Schade Er war allein und durfte sich vor keinem fürchten und konnte jede
Kreatur durch Vernunft beherrschen
    Man kann sich einzelne Menschen denken ohne Gesetze ohne Zäune wie Götter
auf Erden unter einander herumwandeln Die Welt ist groß für alle niemand darf
dem andern vorbauen zu solch einem Stande hat Gott den Menschen angelegt
allein dem Menschen fiel das Mein und Dein ein wovon er erst nicht wusste jetzt
wird sein Stand ein wahrer Stand der Sünden wissentlicher und unwissentlicher
Schwachheits und Bosheitssünden Diese Erde diese Menschenwelt das läugnet
niemand ist jetzt noch in der Kindheit hie und da ein Kopf Eine Schwalbe aber
macht keinen Sommer Ich kann mir aber denken dass der Mensch wieder
zurückkommen werde und zwar aus Grundsätzen zurückkommen werde wo er ausging
dass zuletzt wieder die Welt ein Paradies sein und jeder Mann Adam und jedes
Weib seine Rippe sein werde Das tausendjährige Reich wovon so viele träumen
liegt sehr verworren in diesem Gedanken sehr verworren kein Stein auf dem
andern Meine Beruhigung ist dass alles was möglich ist auch wirklich sei oder
werde Warum wär es sonst möglich Die Gelehrten haben sich oft gestritten ob
der Mensch gesellig oder ungesellig sei So oft die Gelehrten sich gleich
vergebens gestritten so ist doch diese Frage keine vergebliche Jeder Mensch
sucht selbst im Staat sich zu befreien es ist seine Herzenslust wenn er sich
nur einigermaßen in Freiheit setzen kann Jeder kluge Gesetzgeber muss gewisse
Fälle dem Menschen anheimstellen wo er frei sein kann sonst würde er
zuverlässig auch den menschenfreundlichsten Landesherrn Tyrann heißen und sich
sein Joch abschütteln so sanft so wohlmeinend es ist Dagegen würde der Mensch
den größten Tyrannen ertragen wenn er ihn nur hie und da im Freien ließe
Monarchen die Religionsfreiheit einführen können immer Zoll und Accise höher
stellen Der Geiz der Sammlungstrieb gehört auf diese Rechnung Man ist ein
Sklave um einst frei zu werden man dient als Soldat um nicht als Bürger zu
gehorchen man ist Ehemann man ist ein Sklave um zu glauben man sei frei
Selbst dieser so ausgeartete Trieb führt oder könnte uns auf den Punkt führen
den Christus angab er sei bei uns alle Tage bis an der Welt Ende zu einer
Teokratie wo jeder dem andern lässt was er hat wo im erhabensten Sinn jeder
für sich und Gott für uns alle ist wo wir nicht messen und wägen wo alles in
den Tag hinein lebt  Diese güldene Zeit dieses mannbare Weltalter wann wird
es kommen Wann die leibliche Teokratie wann die geistliche das Reich der
Gnaden und der Herrlichkeit Amen Komm du schöne Freudenkrone singt meine
Frau
    Dies ist das Paradies aus Grundsätzen das sich der Mensch selbst bauen
kann
    Denkt man sich aber einen verwilderten Naturmenschen der gewiss in keinem
Paradiese sein wird wenn es ihm nicht ein anderer gebaut hat so kann er
freilich Herr der Tiere sein allein wenn er seines Gleichen sieht denen er
die nämliche Vernunft die nämliche Quelle zu Zwangsmitteln ansieht so flieht
er Hobbes hat dem ungeachtet Recht wenn er behauptet dass der natürliche
Mensch den Begriff von Botmässigkeit und Herrschsucht in sich trägt
Herrschsucht Tyrannei und Furcht sind sich so nahe verwandt als möglich Ein
Grad mehr Furcht am andern zu erblicken macht den Wilden nachdenkend Jener
läuft dieser verfolgt ihn jener verkriecht sich dieser spürt ihm nach
Freilich wenn sich jener umsehen nur umsehen nur hervorblicken möchte würde
dieser umkehren allein da jener sich nicht umsieht da er nicht hervorblickt
so wird dieser sein Meister Aus Furcht wird er ihn beherrschen damit er sich
nicht mehr vor ihm fürchten dürfe Im wilden Naturstande müsste man also den
Herrn bloß als ganzen Menschen die Untertanen aber als verstümmelt blind
krumm und lahm sehen Mit der Zeit würde sich der Mensch besser kennen lernen
es würde dem herrschenden Scharfrichter leid tun dass er diesem die Hand jenem
das Bein gelähmt und man würde sich in Verbindungen mit einander setzen Wenn
sich gleich beim Anfange ein paar Warmherzige begegnen sollte nicht ohne den
Weg durchs Hospital zu gehen eine Gesellschaft zu Stande kommen   Der Stand
der Natur ist ein Stand des Kriegs allein der polizirte Staat ist es auch bis
wir zum Stande der Gnaden zu allgemeinen Weltgesetzen kommen welches der
Vorhof zum Reiche Gottes im eigentlichsten Sinne ist Ich habe so manches
Lobopfer ausgelassen welches bei dieser Gelegenheit dem monarchischen Staate
gebracht ward indessen fand auch Hr v G  der Freund und Feind meines
Vaters seine Rechnung bei dieser Deduktion Die Hauptfrage blieb mir bringt
die Monarchie oder die Freiheit am nächsten zum Reiche oder wie Herr v G  es
wollte zum Stande der Gnaden  Im Naturstande denkt der Mensch darum nicht an
Gesetze weil er gar nichts denkt Sich zu erhalten sich fortzupflanzen das
würde das einzige sein was ihm auffallen und was ihn beschäftigen könnte Es
liegt alles in uns Allein dieser Nähe unerachtet wer würde es finden wer es
nur suchen Tausend und abermal tausend Menschen im Naturstande würden auf
keinen Buchstaben von natürlicher Religion und natürlichem Rechte fallen wenn
nicht die Gottheit es ihnen noch näher gelegt hätte Die Gottheit kann sich
Menschen nicht anders als durch Menschen offenbaren und die bleiben Menschen
wenn gleich sie Gottes Menschen sind getrieben vom heiligen Geist Niemand hat
Gott je gesehen erhabene große Menschen sendet Gott zu Menschen um ihnen zu
sagen was sie gleich alle wissen wenn es ihnen nur gesagt wird Wir sind Alles
und Nichts Das Licht der Vernunft das in uns ist muss angezündet werden sonst
bleiben wir beständig Kinder der Finsternis Das natürliche Recht ist so lange
der Mensch nicht göttlich unterrichtet wird das was das römische Recht sehr
treffend von ihm sagt was die Natur allen Tieren lehrt Die Kräfte die der
Mensch noch darüber hat unterscheiden ihn vom Tiere Selbst die Gesellschaft
die Vereinigung die die Natur dem Menschen so sichtlich beibringt indem seine
Jungen weit später zu sich selbst kommen als andere Jungen fordert ihn zur
Gesellschaft auf allein wenn es auf einen Streit ankäme würde ich denen eher
beitreten welche glauben dass ein Ungefähr die Menschen zusammengebracht und
nicht die Vernunft Selbst jetzt regiert wohl die Vernunft im Großen Sie lebt
so in bedrückter Kirche dass man von ihr behaupten könnte sie wohne in Höhlen
in Klüften und doch darf man von ihr nicht fürchten dass sie so ausarten würde
als die christliche Kirche da sie ins Große ging ausgeartet ist Die Ausartung
der Vernunft wäre Unvernunft
    Fast könnte man behaupten dass die Menschen nachdem sie vielleicht durch
ein Ungefähr zusammengebracht waren auf die Vernunft gekommen so wie man auf
etwas kommt Gott hat es ihnen offenbart Es waren vielleicht erst positive
Gesetze ehe man an natürliche dachte Der Grund der positiven Gesetze wenn sie
anders den Namen von Gesetzen verdienen sollen ist so gut die Vernunft als sie
der Grund der natürlichen ist Die Rechtslehrer machen einen Unterschied
zwischen positiven natürlichen und gemischten Gesetzen Jedes Gesetz muss
natürlich oder welches fast dasselbe ist vernünftig sein so auch jede
Offenbarung Das Christentum ist eine vernünftige lautere Milch Was
vernünftigen Menschen Regeln vorzeichnen will muss dünkt mich selbst
vernünftig sein es muss sie überzeugen Zwar leugne ich nicht dass der Staat
Anordnungen treffen könne die sich nur aus dem Staat erklären lassen und
alsdann ist die Vernunft auf den Staat angewendet der Grund des Gesetzes Wenn
man die positiven Gesetze aus diesem Gesichtspunkte nimmt wie ehrwürdig sind
siel Sind sie nicht der moralische Katechismus des Volks Wo ist solch ein
Kodex Ich habe noch keinen von dieser Art gesehen
    Ich will mich nicht über die positiven göttlichen Gesetze auslassen Die
Frage ob es allgemeine göttliche positive Gesetze geben könne kann wohl keinem
Streit unterworfen sein da es bei dieser Frage auf die Frage ankommt ob es
Gesetze gibt die aus der Natur nicht zu erkennen und die Gott außerdem dem
menschlichen Geschlecht eröffnet hat Gibts solche Diese Frage ist streitig
Herr v G nahm das Wort Streitig sagte er Unstreitig ists dass es keine
dergleichen gibt und gegeben hat und geben kann Mein Vater fuhr fort
    Jeder Staat ist eine Teokratie Gott ist nicht fern von einem jeglichen
unter uns In ihm leben weben und sind wir Das jüdische Volk behauptet dass es
im besonderen Sinne Gottes Volk wäre obgleich es sich am wenigsten als ein Volk
Gottes unter allen Völkern aufgeführt hat und doch ist aus ihm allen Völkern
Heil widerfahren
    Menschliche positive Gesetze heißen auch und das mit Recht bürgerliche
Das Volk selbst oder der oder die dem oder denen es das Volk überträgt geben
Gesetze Hier gibts gemeine und Provincialgesetze Ich wünschte es wären keine
Provincialgesetze Was sollen sie wenn sie nicht Polizei und solche sind wozu
Boden und Sonne Gelegenheit gibt und die aufs Mein und Dein wenig oder gar
keinen Einfluss haben Wir sind alle Kinder Gottes alle Söhne der Mutter E de
Wir haben eine Sonne wir sind alle Brüder Alle Augenblicke der Wunsch o wenn
doch Gottes Reich leiblich und geistlich das Reich der Gnaden und der
Herrlichkeit käme
    Es gibt Provinzen die einem Herrn unterworfen sind und in jeder Provinz
sind andere Gesetztafeln Ein Staat scheint kein Ganzes zu sein wenn er seine
Gesetzbücher nach Provinzen zählt Man sieht ihm Nabel und Zwirn an womit er
zusammengenäht worden Er scheint nicht für sich zusammengeboren die
Vereinigung scheint nicht im Himmel geschlossen zu sein Wer liebt nicht selbst
in seinem eigenen Hause eine Übereinstimmung seiner fahrenden Habe Wer hält
nicht lieber Auction wenn er erbt als dass er fremdes Gut und das seinige
unschicklich zusammenbringt Excipe Wenn es Sachen sind auf die man einen
Accent legt die einen Lieblingswert haben
    Natürlich sind in einem so unübereinstimmenden so zusammengerafften Staate
die Bürger sich auch fremd sie machen einen Staat im Staate es kommt unter
ihnen zu Anfeindungen und am Ende wird dieser Staat wüste keine Provinz kein
Stein bleibt bei einander So gewonnen so zerronnen
    Aber sagte Herr v G das passende Wort zum aber wird freilich schwer zu
finden sein ich für meinen Teil mag es nicht suchen aber sind denn die
Fürsten von der Art dass man glauben kann sie werden die Welt zum Gnadenreiche
bringen Noch scheint es nicht erwiderte mein Vaters
    Je länger je weniger Herr v G
    Ich zweifle
    Sie sind Tyrannen
    Desto besser
    Was zu hoch gezogen wird reißt
    Nicht anders
    Und wenn es reißt sind wenigstens zwei Enden
    Die man verbinden kann
    Durch einen Knoten
    Mein Vater setzte diese Allegorie nicht weiter fort Herr v G fiel auf die
Bemerkung meines Vaters
    Freilich Pastor fing er an wenn uns die Vernunft wieder ins Paradies
bringt werden wir solche Narren nicht sein als unsere ersten Eltern  Die
Fürsten fuhr Herr v G fort taten ehemals alles mit Bewilligung der Stände
darum Wir von Gottes Gnaden Jetzt ist von allem dem nur der Pluralis übrig der
sogar gebraucht wird wenn sie sich vermählen Wir haben uns entschlossen unser
Beilager auf den und den  geliebts Gott zu halten Wir sind durch die
Entbindung unserer Gemahlin eines Tronerben wegen höchlich erfreut  Als ob
fragte Herr v G so wie mein Vater bei einer andern Gelegenheit allein mein
Vater antwortete nicht
    »Ja wohl«
    Vielmehr war mein Vater der Meinung dies käme daher weil sie den Menschen
im Plurali den Staat vorstellten Herr v G blieb bei seinem als ob
    Teurer Naturmann sagte mein Vater die Wahrheit ist nackt
    Wir anders
    Allein man gibt ihr ein Gewand
    Die Fabel tuts
    Niemand kann einen nackten Menschen aushalten Das Nacktsein hat so etwas
Wildes Anstössiges an sich dass ich fast die Wahrheit selbst nicht nackt sehen
möchte
    Zwar hatten die beiden guten Männer Herr v G und mein Vater bei der
feierlichen Aussöhnung den Friedenspunkt mit berührt dass des monarchischen
Staates weder im Guten noch im Bösen gedacht sondern er vielmehr in seinen
Würden und Unwürden gelassen werden sollte indessen war Herr v G dem zum
Vorteil dieser Punkt verzeichnet war der Erste der ihn brach
    Die drei Hauptartikel des christlichen Glaubens indessen waren die
Hauptsteine des Anstoßes
    Mein Vater verkündigte wie meine Mutter versichert das Wort Gottes rein
und lauter und ich muss noch hinzufügen ich weiß nicht ob es meinen Lesern von
ihm gefallen wird dass er Lehrer und Prediger als Zunftverwandte ansah die
alles zu tun und zu lassen verbunden sind was die Innung mit sich bringt
Unser Schild pflegte er zu sagen ist die Bibel Wenn wir ein ander Buch
aushängen und eine andere Arbeit treiben oder die uns angewiesenen Geschäfte
nicht nach dem Zunftprivilegio einrichten sind wir Pfuscher Betrüger Zwar gab
mein Vater im Streite mit Herrn v G zu dass wenn jemand mit der Bibel
eingeschlossen werden sollte um daraus ein System herauszubringen er nie das
unsrige herausbringen würde im Fall er nämlich nicht das mindeste von einem
Katechismus gehört und darin gegängelt worden Was aus dem System des alten
Testaments werden würde wär ich begierig zu sehen sagte Herr v G und was
das System aus dem neuen betrifft fuhr er fort und mein Vater griff ein so
könnte es natürlicher kindlicher und herzlicher ausfallen ob aber in
Hauptsachen von dem unsrigen abweichend weiß ich nicht  Meines Vaters Losung
war aut aut er war in keinem Stücke lahm und da Herr v G nicht aufhören
konnte zu spötteln und zu lächeln und da nicht beten und dort nicht das
Nachtmahl nehmen wollte da er die Beichte für eine Art von Tortur schalt und
die Geistlichen beschuldigte sie wären Usurpateurs des Gewissens und das
Christentum sei monarchischer Staat eingeteilt in drei Provinzen Papsttum
Lutertum und Kalvinismus so konnte unter diesen beiden Männern kein Reich der
Gnaden vorerst zu Stande kommen Zwar fuhr Herr v G fort hätte die
selbsteigene Schwere dieser den obersten Gipfel erstiegenen Monarchie und
Tyrannei sie wieder zur Erde gezogen wovon sie genommen war allein  mein
Vater ließ ihn nicht ausreden
    Alle solche Zwars und Alleins solche Abweichungen zur Rechten und Linken
konnte mein Vater nicht ertragen Hören und Sehen verging ihm Ein einzelner
Mann seinen sehr gesunden natürlich edlen Verstand und Willen bei Seite will
sich wider die Kirche auflehnen was würde man von mir denken wenn ich fünf
gerade sein ließe und einen Mann nicht miede dem man sonst die Wahrheit zu
sagen nicht füglich meiden kann Er ist Lot in Kurland Ein Gerechter Seine
Gemahlin sei was sie wolle hier kommt sie nicht in Anrechnung allein er sei
Lot in Beziehung auf Kurland nur nicht in Rücksicht auf mich wenn ich den
Abraham vorstelle Willst du zur Rechten so will ich zur Linken willst du zur
Linken so will ich zur Rechten könne zwischen dem Herrn v G und mir nicht
statt finden wenn von der lautern Milch unserer Religion die Rede ist Zwar
will ich nicht richten allein man muss doch hier wie überall auf einen Ausgang
denken Die Pluralität selbst wenn ich dem Herrn v G diesem Naturmanne
einen Gefallen tun wollte es drauf auszusetzen würde für mich entscheiden
Zwar ist die Religion nicht mehr so ganz die Religion Christi sondern die
christliche Religion allein wenn gleich das Paradies verloren gegangen so
gibts doch noch ein Reich der Gnaden und eines der Herrlichkeit in der
christlichen Kirche
    Die Pfändungen welche testantibus actis Vol I vorfielen waren wie aus
allem diesem zu ersehen lauter Religionskriege
    Der Brief dem mein Vater zehn Jahre weniger einen Tag entgegengesehen was
könnt er anders als ein Glaubensbekenntnis in sich halten das wenn es gleich
nicht aus Augsburg wie der Konversus war jedoch Mit dem Versprechen begleitet
ward nicht von Religionssachen sprechen zu wollen es sei denn der Belehrung
halber als wobei wie es von selbst sich verstünde Herr v G Schüler und mein
Vater Lehrer wäre Dies waren die Vorteile die meinem Vater schon in den
Präliminarpunkten eingeräumt waren wogegen sich Herr v G alle Anzüglichkeiten
gegen den freien und Lobreden auf den monarchischen Staat verbat
    Die Punkte kosteten bis die Sache abgeschlossen war noch so manchen
Kopfstoss Der Vergleich kam allerliebst zu Stande Diesen Brief dessen lc
Erwähnung geschehen will mein Freund   Kein Wunder weil er auf den Herrn v
G in Lebensgröße besteht Gern lieber Getreuer l Du weißt dies ganze Buch ist
ein langer Brief an dich allein du findest hier Vorhänge die ich im Hause des
Herrn v G nicht fand Wer diese Vorhänge zugeschnitten und angebracht weiß
ich nicht Vermutlich ließ Herr v G nach der Zeit sich näher durch meinen
Vater belehren und strich was er anders einsah
    Die ganze Vorrede gestrichen
                             Gott allein die Ehre
    Den historischen Wahrheiten geht es wie den alten Leuten je älter je
schwächer Ich verdamme keinen wenn er daran zweifelt was er nicht selbst
gesehen wenigstens kann ihm ein Zweifel dieser Art keinen Schaden noch Leides
tun Da es der Vernunft erlaubt ist jede historische Wahrheit durchzuprobiren
so ist nichts gewisser als dass die Sache wenn nicht vor meinen sichtlichen
Augen so doch vor dem Auge meiner Vernunft noch einmal vorgehen muss wenn ich
sie gläubig annehmen soll
    Es gibt notwendige Hypotesen wahrscheinliche Gewissheiten Nichts ist ohne
Praxis Bei der Theorie kommt man nicht weit Sie ist der Buchstabe die Praxis
ist das Leben
    Wollte Gott es wäre ein Katechismus möglich den ich sokratisch nennen
würde wo die Beantwortung und Frage wenn man so sagen soll in der Sache
nicht in der Person liegen wo beide der Frager und der Gefragte an der Quelle
wären und selbst schöpften Solch ein Buch wäre freilich nicht zum Lesen zum
Auswendiglernen allein es müsste ins Herz gebracht werden Man frage nicht wie
Gehen und reden ist schon eine halbe Tat Ein Leser ist ein Tagedieb Wir
wollen den gemeinen Mann nicht an eine Studirstube gewöhnen da käme er aus dem
Regen in die Traufe
                                       
    Ich glaube an Gott den Vater allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erben
Zwar ist Gott der Herr mir unbegreiflich allein er ist damit ich mich kurz
fasse und doch so dass ich mir wirklich etwas denke und nicht bloß einbilde
was gedacht zu haben er ist der Inbegriff aller Moral mit der zugefügten
Gewalt der Herr der Sonne und des Blitzes und Donners Pastor da kann kein
Mensch was dawider sagen dieses unendlich moralische Wesen nehme ich an Mein
Herz sagt es mir Er ist ich sehe ihn ich höre ihn in allem
    Ich glaube an Gott und glaube dass man an einen Gott in drei Artikeln
glauben könne ich glaube aber auch dass ein einziger Artikel genug sei Ich
glaube dass sich der Glaube ändern könne Der Mensch besteht wie man sagt aus
Geist Seele und Leib und Gott den Herrn kann man sich als Vater Sohn und
heiliger Geist vorstellen Vielleicht ist der Geist die Vorstellung die Gott
sich von sich macht vielleicht  
                                       
    Ich glaube an Gott das heißt ich bin ein Kind im Verhältnis gegen ihn ein
Bruder im Verhältnis mit meines Gleichen ein Mensch im Verhältnis alles dessen
was ich außer mir sehen oder nur empfinden kann alles was lebt und nicht lebt
im Großen und im Kleinen was weniger schätzbar angenommen wird und was zur
höheren Schätzbarkeit in der Welt ich weiß nicht warum gekommen ist Ich
gebrauche was sichtbar und unsichtbar lebt alles lebt zur Speise zum
Getränk und zum mäßigen Vergnügen Was drüber ist halte ich strafbar Ein Hauch
Gottes und so hat alles Leblose eine lebendige Seele Was weiß ich was ich war
und was ich sein werde Die ganze Welt ist mit mir verwandt Erbe bin ich und
Erde werde ich wovon ich genommen bin denn der Mensch ist Erde und soll
wieder zur Erde werden
    Ich bin in der Welt Kind Bruder Mensch oder Herr doch bin ich in meines
Vaters Hause wo viel Wohnungen sind und wo mir nur das Mutterteil abgetreten
ist wo ich viele Brüder habe und unter dem Auge des gütigsten allein auch
gerechtesten Vaters stehe der mir das Vaterteil noch vorbehalten hat
    Ich glaube das heißt wenn tausend Schwarz und Weisskünstler und
Klugheitsgaukler auch kämen und sprächen es ist kein Gott so müssten und
könnten mich doch diese Sprünge durch den Reif aus diesen Verhältnissen nicht
herauslügen und trügen da schon die Wahrscheinlichkeit selbst die Möglichkeit
dass er sei und der eben hieraus fliessende Glaube an ihn hinreichend ist mich
in den Verhältnissen als Kind als Bruder als Herr zu erhalten und zur
strengsten Erfüllung der hiermit verbundenen Pflichten zu bringen
    So erkläre ich mir den Glauben von welchem vielfältig in der Bibel geredet
wird Eine vollständige demonstrirte Gewissheit von dem Dasein des Unvollkommenen
würde mehr schaben als nützen so wie die Gewissheit von meinem Tode wenigstens
ist mir die Demonstration von der Existenz Gottes nicht notwendig und ein
lebendiger Glaube ist die Sache genau genommen mehr als eine Demonstration
Einen lebendigen Glauben nenne ich der durchs Leben tätig ist denn der
Glaube wenn er nicht Werke hat ist er tot an ihm selbst, wie die meisten
Bücher die nicht Gottesmenschen geschrieben haben tot an ihnen selbst sind
Die Menschen müssen nie von Gott reden ohne dass sie an ihre Pflichten gegen
ihre Mitmenschen denken Gott ist in allem und durch alles In ihm leben weben
und sind wir Er der Originalgeist der Geist im Ganzen Die Natur ist die
Seele
    Von Gott dem unendlich moralischen Wesen kommt alles her Er ist wie oben
gemeldet die Moral in origine Die Schöpfung ist ein hingestellter göttlicher
Gedanke ein Buch Gottes Bei uns sind die Gedanken Wasserblasen beim lieben
Gott eine Welt  Dies All verkündigt das Dasein Gottes und es gehört nicht
Schulweisheit dazu sondern bloß menschliches Gefühl die Macht und Güte Gottes
wahrzunehmen und dies Er ist zu verstehen Würde der Verstand selbst den Kopf
schütteln das Herz spräche doch Ja Der Gedanke es ist ein Gott ist der
Anfänger aller bildlichen Poesie Was schadet es also ihr Herren Sophisten dass
man Flügel der Morgenröte nimmt wenn man von Gott spricht
    Alles versteht sich in der Natur, und diese Übereinstimmung diese
Mitwirkung aller moralischen und physikalischen Kräfte dieses Sichtbaren und
Unsichtbaren in der Natur, sind die unbescholtensten Zeugen der göttlichen
Weisheit Was schadet die anscheinende Unregelmässigkeit Ist sie es Und wenn
sie es in meinem Wirkungskreise ist kann dieser Misslaut nicht ein feiner
Triller im Ganzen sein  Der Pastor redet so von der Harmonie der Sphären als
hätte er diese Geistermusik gelernt die anders klingt als das Waldhorn Ich
habe seinem feinen Gehör viel zu danken nichts lernt man leichter als hören
    Ich hänge von Gott ab und dränge mich recht von ihm abzuhängen Mein
Gefühl überzeugt mich dass ich als ein Mitwesen in der Reihe der erschaffenen
Dinge und zwar unter ihm stehe Da darf der Pastor nicht gleich kreischen er
hätte als Monarchenfreund die Schlacht gewonnen Der liebe Gott lässt einem jeden
so seine Freiheit als man sie nur in Kurland haben kann Ich bleibe in diesem
Abhange noch immer ein curischer Edelmann kann tun und lassen was ich will
allein da Gott ein lieber guter Gott istso ist mein Gefühl der Abhängigkeit
die Mutter der Ehrfurcht der Liebe für ihn den Schöpfer und des Gehorsams für
seinen heiligen und allezeit guten Willen und dessen Gesetze dies heißt mit
andern Worten ich kann von Herzen sagen Abba mein Vater dein Wille geschehe
auf Erden wie im Himmel  Ich tue ihn gerne dein Gesetz hab ich in meinem
Herzen Gottes Willen gern tun heißt Gott dienen
                                       
    Ich schwöre nicht beim Himmel dass dich der Donner erschlüge nicht bei der
Erde dass du den Hals brächest Der Himmel ist Gottes Stuhl die Erde sein
Fussschemel
    Ich liebe Gott mit einer besonderen Liebe über alles und in allem meinen
Nächsten liebe ich wie meine ehrliche Haut
                                       
    So denken hab ich gelernt Nicht unmittelbar von Gott sondern mittelbar
von Gottesmenschen von solchen die sein Bild an sich tragen im besonderen
Sinn Diese Gottesverkündiger getrieben vom heiligen Geist dürfen nur den
Wachsstock in mir anzünden der schon da ist Jeder hat seinen fertigen
Wachsstock bei sich Wie er gleich lichterloh brennt
    Wenn ich nicht einmal weiß wie ich im Mutterleibe zum Menschen geronnen
wie ich Ich geworden wie kann ich wissen wie die Welt wie Himmel und Erde
entstanden und zum Stehen und Gehen gebracht sind
    Vom Pastor  in  hab ich viel gelernt Es ist zuweilen höchst notwendig
nicht übereinstimmend zu denken Die Wahrheit hat keinen größeren Feind und
keinen größeren Freund als die Übereinstimmung Es kommt nur auf Umstände an
Der älteste von den Gottesmenschen von den Gefühlanzündern hat uns die
Erschaffung der Welt gemalt Ein schönes Stück Die neuen Maler sind Klecker
gegen ihn Es hängt vor meinen Augen zum ewigen Andenken das Bild eines Mannes
der außer göttlicher Kraft viel Menschenkenntnis besaß und sein Voll von Grund
aus kannte So wie aber die Maler ihren Namen in einer Schattenstelle gewöhnlich
anbringen so auch er bei dieser Schilderei  Das kann man ihm lassen Ich
wenigstens stoße mich an diese Schattenstelle nicht Wissen wie die Welt
gemacht ist heißt Gott sein Wie kann ein Endlicher hieß wissen dies fassen
Und würd es ihm nützlich und selig sein zu wissen und zu fassen wenn er es
wissen und fassen könnte Wir sehen dies so leicht an und es scheint wirklich
so allein alles was recht schwer ist sieht leicht aus 
    Warum aber so weit hinaus Gott weiß ob der Mensch länger als zehntausend
Jahr in seinem Kopf in seinen Büchern tragen und beherbergen kann Er wirb
schwerlich selbst mehr Geschäfte fassen können Wenn alsdann nicht ein seliger
Kelch der Vergessenheit dem menschlichen Geschlechte gereicht wird wie wird es
aussehen Die zehnte Zahl ist die Zahl mit beiden Händen die vollkommenste
sagt der Pastor mit welchem Friede sei jetzt und in Ewigkeit Er ist ein guter
Christ und ein braver Mann und wenn ich das erste weniger bin so glaub ich
doch ruhig und selig zu sterben weil ich ihm in Letzten keinen Tritt weiche
                                       
    Jetzt sind dem Menschen Zurückgedanken allerdings noch zu gestatten denn
die Welt ist nach Seti Kalvisii Kalenderberechnung eben aus ihren
Jünglingsschuhen Dass sich der Mann verrechnet hat ist durch mehr als eine
Probe zu erweisen Dem göttlichen Maler Moses geht dabei nichts ab  der war
klug genug im Anfang zu setzen und die Jahrzahl dem Seto Kalviso zu
überlassen
    In Moses Schöpfungsgeschichte leitet dieser Führer in einer schönen Malerei
geradesweges die Menschen überhaupt zur Wahrheit und nicht wie sein Volk aus
weisen Absichten durch Wüsteneien bei der Nase herum indessen ist nicht jeder
Liebhaber von der Malerei und der versuche wie weit er durchs Licht der
Vernunft gelangen werde Die Geschichte Moses von Entstehung der Welt ist so
abgefasst als sie dem Menschen vorgekommen sein würde wenn Gott die Welt vor
seinen Augen hätte schaffen wollen Dem Moses fiel vielleicht an einem schönen
Morgen da er früher als sonst aufgestanden war ein so würde es dir geschienen
haben wenn dich Gott der Herr auf die Schöpfung zu Gaste geladen und dein Auge
das Licht hätte vertragen können das die Sonne ansteckte Dieser mosaische
Gedanke war göttlicher Funke der schnell zündete göttliche Eingebung die zum
feurigen Busch ward  Die ersten Kapitel im ersten Buch Mose wie schön sie
brennen Es ist ein allerliebster Bibelmorgen  Ganz aufrichtig gefragt ist
nicht sehr viel vom Morgen in der Schöpfungsgeschichte Das Licht ist das
Schimmerlicht ehe die Sonne aufgeht und so fortan  Pastor Sie haben mich
immer damit ausgelacht mögen Sie  Eben so denk ich und Zweifler fass in
deinen Busen du wirsts auch so finden dass jeder Mensch den Stand der
Unschuld der Sünde der Gnade selbst belebt Gott helfe uns zum Stande der
ewigen Herrlichkeit Nimmt man die Sache so wie viel Weisheit Stärke und
Schönheit in allem Da sieht man eine Hieroglyphe die von allen Ecken und
Seiten erklärungsfähig ist Man findet nicht anstößig dass Fische im Meer und
Myriaden Welten paarweise wandeln Malerei und Astronomie sind sich
spinnenfeind Beim Moses sind sie verwandt Noch bis auf den heutigen Tag ist
keine Entdeckung gemacht worden wobei Moses zu kurz gekommen wäre  Wer kann
ihm die Göttlichkeit absprechen
    Ist damit ich die nämliche Hieroglyphe auf die andere Art nehme ist denn
nicht jedes Kind wenn es auf die Welt kommt im Stande der Unschuld Weiß es
vom Mein und Dein Fällt es nicht in den Stand der Sünden Kann es indessen
nicht erzogen und der göttlichen Absicht das heißt dem göttlichen Ebenbilde
näher gebracht werden Muss der Mensch gleich oft im Streite sein und im Schweiß
des Angesichts über seine Leidenschaft kämpfen kann er nicht auch siegen Und
was ist besser die Hände in den Schoss legen und nicht wachen nicht schlafen
oder beides recht von Herzen tun
    Ich komme wieder zum Anfange
                                       
    Am Anfange in einer neuen Weltperiode oder auch am tieferen Anfange am
allerersten Anfange war das menschliche Geschlecht so Eins wie Einer Das
ganze Geschlecht war Adam weniger einer Rippe oder und eine seiner Rippen
Welche göttliche Weisheit in diesem Bilde Mann und Weib sind eins und
verschieden Es fehlt dem Manne wenn er ein Weib hat eine Rippe allein dieser
Verlust wie reichlich ersetzt wie reichlich eben weil er ein liebes Weib hat
    Im Schlafe verlor Adam eine Rippe und es ergibt sich besonders im Schlaf
wo so viel Bilder um uns herumgaukeln wie nötig dem Manne ein Weib sei
                                       
    Vom Garten fing die Haushaltung an nicht vom Ackerbau Man aß eher Äpfel
als Brod Jeder Mensch bebauete sich einen Fleck mit Bäumen und Kraut niemand
beneidete dem andern sein Gartenland und niemand kam dem andern ins Gehege Das
Hirtenleben das Schäferleben wird dem Ackerbau im ersten Buch Mose vorgezogen
und das mit Recht Die Schäfer waren Kinder Gottes die Ackerbauer Kinder der
Menschen Kain brachte dem Herrn ein Opfer von Feldfrüchten Abel von den
Erstlingen der Heerde Kain gefiel dem Herrn nicht so wohl der schon bei seinem
Acker bei seinem erarbeiteten Mein und Dein mit dem Gedanken umging eine Stadt
zu bauen die er nach seinem Sohn Hanoch nannte der Mörder der So gings Erst
ein Garten dann zwei Wege einer das Schäferleben der andere Ackerbau Beim
Schäferleben war noch am wenigsten von Mein und Dein allein beim Ackerbau wo
der Mensch der Natur weniger überlässt wo er selbst Hand aus Werk legt wie viel
Mein und Dein Vom Ackerbau bis zur Stadt ist nur so weit als von Vater und
Sohn vom Mörder Kain und vom Hanoch Noch jetzt tun wir uns etwas zu gut wenn
wir vom Schäferleben von der güldenen Zeit träumen Wir sehen das Schäferleben
als den nächsten Grenzort zum Paradiese an
    Der Fall Adams ist der Fall aus der Natur ins Mein und Dein wodurch Arbeit
Mühe Schweiß des Angesichts Übermut Weichlichkeit in die Welt kam Auch der
Tod ist der Sold dieses Standes der Sünden der aus Krankheiten besteht welche
aus einem unparadiesischen Leben entstehen und womit der Tod jetzt gemeinhin
verbunden ist Vor diesem wäre der Mensch lebendig gen Himmel gekommen er wäre
in dieser Welt eingeschlafen und im Himmel aufgewacht
    Das lässt sich schön hören lieben Freunde in dem Herrn allein eingemachte
Früchte sind auch nicht zu verwerfen und eine vorhergegangene Krankheit hat
sie denn nicht ihren großen Nutzen Macht sie uns nicht das so liebe Leben ekel
Ich habe schon oben gesagt es ist gut zu wissen dass man wacht und dass man
schläft und so könnte ich auch behaupten eben so gut sei es auch zu wissen
dass man stirbt und dass man lebt Ist denn die Kürze des Lebens so etwas
schreckliches Ja wenn das Wohlgehen mit dem langen Leben verbunden ist wem
gehts aber in der jetzigen argen bösen Welt wohl wo selbst in Kurland ein
Herzog ist Ost lebt man darum so gern lange damit man sich nicht den Vorwurf
zuziehe sein Leben verkürzt zu haben Ein langes Leben scheint uns ein
Testimonium des Wohlverhaltens gegen uns
                                       
    Der Fluch der die Weiber traf gehört er nicht auf die Rechnung der
Weichlichkeit und Verzärtelung Weiber die sich weniger verzärteln empfinden
von dem Fluch »Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären« noch bis diesen
Augenblick wenig oder gar nichts und wenn sie selbst wie im Naturzustande
arbeiten und sich nicht bloß vom Herrn General ernähren lassen haben sie so gut
ihren Willen als die Männer Eignen sich nicht viele Weiber diesen Eigenwillen
besonders im adelichen Stande schon wegen ihres Eingebrachten zu  Dass sich
Gott erbarme In seinem eigenen Hause ein Sklave sein
    Der Stand der Unschuld oder der Stand der ersten Natur das Paradies war
ein Zustand da der Mensch so wie die Tiere wandelte nur dass ihn seine
Vernunft zum Herrn über seine Schulkameraden machte Der Mensch saß in Prima
Keinem Menschen fiel es ein sich Grenzen abzuzeichnen Eine Höhle das war
alles was er nötig hatte und auf die war er so wenig neidisch und hatte es
auch so wenig Ursache zu sein dass niemand so leicht dem andern in den Weg kam
Er ging nackt und brauchte keine Kleider Kleider sind eben das was den meisten
Zank unter den Menschen verursacht denn sie sind beständig sichtbar dagegen
Speise und Trank wenn es gleich Neid verursacht ihn auch wieder dämpft weil
es nicht ins Auge fällt Die Vernunft braucht Gesetze sobald sie heranwächst
Diese Zäune diese Grenzen brauchte auch das menschliche Geschlecht da es mehr
seine Stärke fühlte Die Herrschaft über die Tiere brachte es zur Herrschaft
unter sich Die ersten Grenzzeichen waren Bäume wer sie nicht achtete war der
Mensch Das Weib reizte den Mann der Kinder halber an die mit dem
zugewiesenen Platz nicht auskommen würden und so brach der Mensch die Grenze
und von diesem Zeitpunkt an lernte er aus der Sünde aus der Grenzübertretung
das Gute und Böse erkennen was er erst nicht kannte da er vor diesem so in den
Tag hinein lebte Gott den Vater walten ließ das Maul aufsperrte wenn es
regnete und den Apfel nicht eher aß als bis er halb faul vom Baume sich
herabschlich Da lobe ich mir ein Sprindt zu suchen und den Apfel herabzuholen
ehe er natürlichen Todes so alt und schwach stirbt dass er inwendig faul und
auswendig zusammengefallen ist Freilich hätten die grenzstreitigen Parteien
sehr leicht auseinander kommen können wenn sie so klug gewesen nur ein paar
Schritte weiter zu gehen wo sie eine vortrefflichere Gegend eine Gegend voll
Leben kennen gelernt und wo sie ohne sich zu nahe zu kommen hinreichend
entschädigt gewesen wären Sie durften nicht nach Amerika  Mit dem rohen
Adamsnaturstande ists indessen so eine Sache Zu ein paar Schritten weiter
waren sie nicht zu bringen
    Der Stand der Sünde der Stand da aus Familien allmählig Staaten wurden
hat freilich sein vieles Böse an sich indessen ist er doch auf der andern Seite
nicht ohne sein vieles Gute Der Staat ist wirklich ein Baum des Erkenntnisses
Gutes und Böses
                                       
    Der Mensch ward feiner an Leib und Seele Schande und Sünde ists freilich
dass die Seele nicht wachsen kann wenn nicht zugleich auch der Körper verzärtelt
wird oder abnimmt
                                       
    So gehts Der Stand der Sünde bringt uns gerades Weges zum Stande der
Gnaden Durch den Pastor  bin ich zuerst auf diese Begriffe gekommen indessen
irrt er wenn er des Glaubens ist dass der monarchische Staat zum Stande der
Gnaden eher als der aristokratische und demokratische führen werde Mit
nichten Der monarchische Staat ist vielmehr der Stand der wirklichen Sünden
die andern Staatenarten sind Erbsünde Wenn der monarchische Staat erst zum
höchsten Despotismus hinausgewachsen kommt man wieder ins Freie wogegen der
freie Staat kaum den Namen des Standes der Sünde verdient Durch einen sanften
Schlaf kann man aus ihm zu den Seligkeiten des Standes der Gnaden gedeihen 
man weiß nicht wie Sie sehen Pastor wie weit ich in der Ortodoxie gekommen
Sie sind nur drei ich gar viergliedrig Wenn Sie die teologische Distinktion
vom Reich der Allmacht Reich der Gnaden und Reich der ewigen Herrlichkeit zum
Grunde legen tue ich ein gleiches mit dem Stande der Unschuld Stande der
Sünden Stande der Gnaden und Stande der ewigen Herrlichkeit Die Sache genau
genommen hebt sich der Bruch und eins geht mit dem andern auf Ich bin für
Stände Sie für Reiche Ich wünsche den Stand der Gnaden Sie das Reich der
Gnaden Sie sind ein Königischer ich ein Curländer  Den Stand der Gnaden
würde ich fast so bestimmen dass es in der ganzen Welt wie in Kurland stände 
Außer diesen Banden sagt der Apostel Paulus und freilich muss Kurland noch von
vielen Ungnaden geläutert werden ehe es ein wahrer Stand der Gnaden ist Auf
dem Wege dazu ist es Wie sind wir denn unterschieden Pastor Sie wissen mehr
als ich und glauben mehr als ich Ich weiß wenig und glaube wenig Sie haben
ein Perspektiv ich mein leibliches Auge Sie Schule ich gemeines Leben  Man
ist nur so groß als man gewachsen ist  Sie denken verfänglich von Kurland und
Semgallen und ich von der Schöpfung Alles hebt sich Wir sind beide im
Jammertal und werden beide gen Zion kommen Wollen Sie noch mehr vom Stande der
Gnaden
    Der Stand der Gnaden ist ein durch Vernunft gereinigter Naturzustand nach
welchem die Vernunft den Menschen regiert nach welchem er ihre ewigen Gesetze
verehrt ihnen folgt und wenn Klima und Denkart sich ihr Votum vorbehalten so
hält der Mensch auch dies Votum sobald es die Vernunft an Kindesstatt annimmt
oder ihm beitritt in Ehren  Kann man denn nicht bei leiblichen Kindern auch
Kinder adoptiren Auch noch eher als der Mensch zu diesem Glücke des Standes
der Gnaden gelangt kann er sich selbst in diesen Stand hinein denken ihn sich
so eigen machen als wäre er wirklich schon da und wenn das viele täten wie
der Pastor und ich ich wette drauf Gottes Reich wie der Pastor will oder der
Stand der Gnaden wie ich will käme einige Jahrhunderte eher als jetzt Vor
unserer Trennung war dieses Reich und respektive Stand der Gnaden in unsern
beiden Wohnungen Mein Weib bisweilen abgerechnet
    Auch noch Geliebte in dem Herrn auch noch ist der Mensch wenn er will
wie im Paradiese Er ist mehr drin wie vorhin Er setzt sich jetzt selbst
herein und erst kam er so dazu mir nichts dir nichts Erworbenes Brod schmeckt
am besten und bekommt auch so Der Teppich der Erde ist mit den
vortrefflichsten Kräutern angefüllt Nur wir sind nicht mehr Schoosskinder Wir
müssen Hand ans Werk legen Wie die Natur nur ein Kind hatte da hielt sies
freilich auf dem Schoss jetzt aber  was sollte sie mit so viel Tagdieben
anfangen     Bloß das Gute kennen Freund Pastor Ists denn so herrlich
oder ists nicht besser wie Gott wissen was gut und böse ist aus dem
Paradiese in die Welt gehen aus der bloß simpeln Unschuld zur Vernunft Die
vernünftige Unschuld ist was göttliches  allein jene rotbäckige gemeine
Unschuld was hat sie denn für Reiz Wüsste denn wohl Adam sich eine Talubbe
Schlafpelz zu machen Ich mag ihm keinen Namen beilegen diesem Namengeber
denn wahrlich er würde nicht sonderlich abkommen wenn ich ihn taufen sollte
    Ist der Mensch denn nicht noch jetzt der Herr der Erde Er ruft alle
Geschöpfe mit Namen und kann ihnen Namen geben sobald er ihnen nur ins Auge
sieht falls sie nämlich noch nicht benannt sind Der Mensch verträgt alle
Gegenden und hat er einen guten Hund das natürlichste Hausgesinde das Gott
dem Menschen zugeordnet hat wie wir alle wissen hetzt er Löwen wie Hasen
obgleich der Löwe Herzog unter den Tieren ist als welches ich ihm gar nicht
streitig machen will König mag ich mit des Herrn Pastors Erlaubnis solch ein
edles Tier nicht nennen Wo ist denn Unkraut Nirgends Freunde nur dann ist
etwas Unkraut wenn es nicht an der rechten Stelle steht wenn es nicht
gebraucht sondern gemissbraucht wird Dem Toren ist alles Unkraut Dem Weisen
ist alles Kraut alles ist ihm gut was in der Welt ist er machts wie Gott der
Herr sieht an was Gott gemacht hat und es ist alles sehr gut
                                       
    Gott sah an alles was er gemacht hatte und siehe da es war alles sehr
wohl
Was böse scheint ist Gewinn
Der Tod selbst mein Leben
singt Ihre Frau Der Schein trügt Das was böse aussieht die Grundtriebe womit
der Mensch auf die Welt kommt wie wickeln sie sich vortrefflich aus Lasst sie
nur wachsen ohne an einen Stock zu binden Lasst sie wachsen wie Gott und sie
wollen und siehe da es ist alles sehr gut Die Menschenfurcht die das
Misstrauen den Geiz und andere Schand und Laster erreget auch sie ist aus der
unversiegenden Quelle alles Guten  Welch eine Fülle der Weisheit liegt in
allem verborgen Eine Welt mit diesem Bösen ist besser als eine ohne solches O
welch eine Tiefe des Reichtums beide der Weisheit und der Erkenntnis Göttes
Wie gar unbegreiflich o Gott mein Gott sind deine Gerichte und unerforschlich
deine Wege Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Ratgeber
gewesen oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben das ihm werde wieder vergolten
Denn von ihm und durch ihn und in ihm sind alle Dinge Ihm sei Ehre in Ewigkeit
Amen
    Was aus Gottes Händen kommt ist eitel gut
Ich nehme wie ers giebet
singt Ihre Frau die anders rechnet als ich In der Summe stimmen alle guten
Menschen auf ein Haar Toren  Ihr wollt Gott den Herrn meistern Ihr wollt
sticken und flicken wie die Pastorin sagt Es ist nicht völlig regelmäßig
glaubt ihr Und wisst ihr denn dass sogar alles was über die Regel wegragt was
der Regel über die Schulter sieht göttlich ist  Man nennt das Geniezüge die
größer als die gemeinen bekannten Regeln sind und sagt zuweilen von einem
Stück wo doch zuweilen nur ein einziger gewagter Strich vorfällt Überaus
schön Unvergleichlich
    Ein Gesicht ist es bloß regelmäßig kann es schön sein aber nicht drüber
So war das Gesicht der Jungfrau Maria schön Christus der Herr hatte einen
Zug der göttlich der nicht regelmäßig war  So und nicht anders seht die Welt
an und findet ihr dennoch Böses
Was böse scheint ist Gewinn
Der Tod selbst ist mein Leben
    Der Teufel selbst ist Gottes Staatsminister
    An die Vorsehung glauben ist weit besser als lauter gute Schicksale haben
Wir würden sonst gleichgültig gegen alles sein  Du denkst nicht an Gott Wer
lange nicht an ihn gedacht hat scheut sich ihm nahe zu kommen Er fürchtet
sich vor ihm Unglück Ist denn wirklich Unglück in der Welt Die Künstelein
die Bedürfnisse welche der Mensch so mühsam suchte haben sein Unglück gemacht
Reichtum ist nichts Wesentliches In der im Argen liegenden Welt sieht er zwar
so aus allein er ist es nicht Gott der Herr würde ihn sonst nicht so verteilt
haben Wer hat denn den Reichtum Gemeinhin Leute mit denen wir nicht tauschen
würden Christus war ganz und gar nicht für den Reichtum und da er wirklich an
sich etwas Unnatürliches ist wie schwer ist es hier ein guter Amtmann Gottes
zu sein Gott wende den Reichtum wende ihn von mir wenn ich die Buchhalterei
nicht verstehe die vor dir gilt
                                       
    So denken und nach diesen Grundsätzen handeln heißt das Salz der Erde sein
wodurch uns die Welt schmackhafter wird das Reich oder den Stand der Gnaden
beschleunigen diesem Gnadenzeitpunkte Gewalt antun Hab ich nicht viel von
Ihnen behalten Pastor
    Einen sehr großen Teil ist dieser Gnadenpunkt durch die Erscheinung Christi
ins Fleisch herangerückt  Daher heißen auch die Tage von den ersten
Weihnachten dies ist die angenehme Zeit dies ist der Tag des Heils  Und es
mag es gesungen haben wer da will wahr ists dass durch Christi Herabkunft
Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen und eben dadurch Ehre Gott
in der Höhe entstanden
Dess sollen wir alle froh sein
singt die Frau Pastorin und ich singe es mit Was wollen Ew Wohlehrwürden mehr
                                       
    Dies Singen und Singen bringt mich zur Behauptung dass das alte Testament
Poesie das neue Prosa sei so wie die Poesie eher als die Prosa gewesen
Garten wie wir wissen eher als Feld Alles war im sogenannten alten Bunde
Bild Opfern ist ein sehr natürlicher Gottesdienst Der Rauch geht hinauf er
trägt wirklich etwas ab und zwar eben dahin von wo so viele gute und
vollkommene Gaben herabkommen Seht nur wie im Junius die Natur opfert Das
Opfer steigt hinauf welches die Blumen dem himmlischen Vater bringen Die
Erstlinge des Frühlings Wie natürlich die ersten Menschen aufs Opfer gekommen
Es ist viel Poesie beim Opfer sagten Sie Pastor Wahr Weg mit dem Rauch aus
der Schachtel des Apotekers Lasst die Blumen opfern wir wollen im heiligen
Leben wandeln  das Alter ist nicht so empfindsam als die Jugend Es scheint
dieses sei die Folge der Vernunft Einer jungen Frucht drückt man alles ein
Wozu dienen aber junge unreife Früchte Freilich schmecken unreife
Stachelbeeren mit jungen Hühnern nicht übel  allein sie müssen versüsst werden
und reif bleibt doch reif
                                       
    Christus brachte die Menschen auf die Akademie nachdem sie vorher in der
Schule gewesen und oft Schulläufer geworden Nie legte er es darauf an ein
weltliches Reich zu stiften Hätte ers getan sagt selbst wer kann es oft
genug fragen wäre es nicht gewesen um das Reich Gottes näher zu bringen
Johannes und Jacobus ließ zwar durch ihrer Frau Mutter ein paar Plätze zur
Rechten und Linken bestellen allein Christus gab ihnen zur Resolution ihr
wisst nicht was ihr bittet Er war ein Jude weil dieses Volk das einzige war
das mit so entsetzlicher Mühe zum einigen alleinigen Gott der ein Geist ist
und nicht abgebildet werden kann vorbereitet worden sagen die Herren
Theologen Max sein auch nicht Was geht mich das Warum an
    Wer kann einen Geist malen Und wenn er nicht gemalt wird wie es ein
jüdisches Kirchengesetz war wie schwer ist er von Menschen zu glauben die nur
auf das Augsichtbare zu sehen gewohnt sind Man kann es sich kaum vorstellen
wie sehr das Menschengeschlecht von jeher zur Abgötterei geneigt ist Christus
nannte Gott den Herrn Vater und wenn unsere Maler ihn als einen alten Mann
bilden kann es bleiben Ists verwerflich
    Wie eifrig Christus bemüht gewesen die reine Erkenntnis Gottes zu lehren
beweisen die Evangelisten die unter uns gesagt auch mehr hätten von Christo
aufschreiben können Es sind auch viel andere Dinge die Jesus getan hat sagt
Johannes welche so sie sollten eins nach dem andern geschrieben werden achte
ich die Welt würde die Bücher nicht begreifen die zu beschreiben wären Lieber
Johannes der Pastor und ich hätten sie begriffen denn wir sind nicht von der
Welt
    Moses kleidete die abstrakten Wahrheiten in Allegorien ein So die Schöpfung
in ein Frühstück so die Quelle des moralischen Bösen in die Erzählung vom
verbotenen Baum so den Ursprung der mancherlei Sprachen in die Geschichte vom
Turmbau zu Babel Christus der Herr war sehr entfernt von aller
rückhaltenden abergläubischen spitzfindigen Lehrart welche voll Verachtung
gegen alles Fassliche gern in der Dämmerung ist Er war das wahrhafte Licht
welches die Welt erleuchtete Seine Lehre war eine Kinderlehre allein man sieht
es noch jetzt wie groß sie sei Er war wahrlich ein Gesandter Gottes der in
Gottes Schoss war und Gott verkündigt hat den kein Mensch gesehen hat noch
sehen kann Seine Offenbarung seine Verkündigung Hat der Vernunft die
trefflichsten Dienste so wie diese sie nach der Zeit und noch jetzt erwidert
Seit dem Christentum ist noch kein Philosoph gewesen dessen Vernunft nicht von
der Offenbarung geleitet oder bestochen worden  Die guten lieben Herren den
Pastor nicht ausgenommen Man sollte Wunder denken wo sie es her haben Lies
das neue Testament geneigter philosophischer Leser und du wirst finden dass
die Philosophie nichts weiter als Formalität als Leisten als Wörterbuch sei
Suche so wirst du finden klopfe an so wird dir aufgetan
                                       
    Christus forderte eine Reinigkeit des Herzens die noch nie jemand vor ihm
gelehrt hat Der Mensch soll des Glaubens halber an Gott und nicht aus Stolz
aus Gewinnsucht seinen Obliegenheiten nachkommen Es soll kein Wasser diesen
Wein verderben und ist sie denn nicht wert die Tugend dass man sie liebt Hat
sie denn nicht die glücklichsten Folgen die bis in Ewigkeit dauern Nichts
vergeht ganz alles der Körper selbst ist ewig Und unsere Handlungen Keine
ist kinderlos jede pflanzt sich fort und oft wird aus einem Adam von Handlung
eine ganze Welt Lasst uns Gutes tun und nicht müde werden denn zu seiner
Zeit werden wir ernten ohne Aufhören Über diesen Spruch hörte ich Sie
predigen lieber Pastor und noch höre ich Sie so wohl tut mir diese Predigt
                                       
    Der Mensch ist auf der Stufe seiner göttlichen Natur nicht im Stande so
Herr seiner Handlungen zu sein dass er den moralischen Gesetzen völlig folgen
könnte Die Welt hat eine Beziehung auf unsere Seele und Körper nachdem wir die
Welt aus diesem oder einem andern Gesichtspunkte fassen Bald so bald so
Gehts uns schlecht ist alles schlecht Geht es uns wohl so lächelt uns alles
an Zwar ist der Geist unabhängig vom Körper und sagen wir also nicht sein
böser Geist sein guter Geist sondern sein böses Herz sein gutes Herz Wer
kann den Geist indessen allen äußeren Antrieben entziehen Diesen Geist wer
kann ihn heiligen so wie Gott heilig ist  wer kann ihn gewöhnen bloß nach
Grundsätzen der Vernunft zu handeln Dieser Kampf des Geistes und des Fleisches
ist der gute Kampf den wir alle kämpfen  Um mich indessen in einer für mich
so höchst wichtigen Sache nicht in Ungewissheit zu lassen und mich von der
Sentenz zu unterrichten die Gott vor seinem Richterstuhl über jede meiner
Handlungen ausspricht gab er mir ein moralisches Gefühl
                                       
    Vor Gott sind die Himmel nicht rein und eine ganz absolute Vollkommenheit
kann in keinem endlichen Wesen sein Etwas das über die Schranken der
Menschlichen Natur geht kann der Schöpfer nicht fordern Es gibt keinen
allgemein guten und keinen allgemein bösen Menschen
                                       
    Erbsünde ist vielleicht Bewusstsein von natürlicher Freiheit mit der wir
alle auf die Welt kommen vorzüglich ein Curländer Die Herren Theologen nehmen
sie anders Ich lasse sie bei ihrer Freiheit allein ich bestehe auch auf der
meinigen In dem Sinne wie die Herren Geistlichen es nehmen hat die Frau v W
keine Erbsünde und so kenn ich viele ohne Erbsünde  Was ist die Erbsünde
nach der Meinung der Geistlichen Ein Kind der Dogmatik Der erste schlechte
Erzieher der sich entschuldigen wollte erfand dies Namenspiel
                                       
    Wie kann sich aber der Mensch bei dem Bewusstsein gesündigt zu haben
beruhigen Es gibt im eigentlichen Sinne nur Sünde wider seinen Nächsten Wir
sündigen wider Gott in so weit als wir unsern Bruder beleidigen Die Liebe zu
Gott hat keinen andern Beweis als die Liebe zum Bruder Die meisten Menschen
glauben den lieben Gott so behandeln zu müssen wie einen vornehmen Herrn
obgleich Christus ihn als Vater dargestellt hat Er hat sich uns zum Vater
hergegeben Wer hat sich aber nicht von Jugend auf angewöhnt Gott zu
schmeicheln den Herzenskundigen mündlich zu versichern was uns nicht ums Herz
ist ihn mit den Lippen zu ehren und die Seele sein Gnadenwerk von ihm zu
entfernen
    
    Kurz wer bemüht sich nicht durch süße Reden Gott ums Herz zu betrügen
Solch eine Führung halt ich gerades Weges für Menschengebot und Menschentand
Wenn es mich angreift schrei ich aus Ich bin zuweilen ordentlich bös auf den
lieben Gott und da wett ich das muss ihm lieber sein als wenn ich den
Widerwärtigkeiten äußerlich begegne wie einem Boten von ihm und innerlich
wünsche dass dieser Abgeordnete zum T  wäre  Ich bekenne es frei dass ich
nicht danken nicht beten kann wenn mich Unglück trifft Wenns donnert ist
der lustigste Vogel hypochondrisch und wenns ein schöner Morgen ist wie
jubilirt die ganze Schöpfung Überhaupt denk ich vom Gebet anders als der
Pastor obgleich ich das meiste von seiner Meinung auf und angenommen und wohl
eins mitbete wenns so die Gelegenheit gibt Tor Was kann denn dem göttlichen
Wesen damit gedient sein dass du seinetalben die Augen verkehrst dich
krampfartig stellest die Hände ins Kreuz hältst  des Sonntags so tust als
hättest du die Wache vor seinem Palast
    Mit diesen meinen Gesinnungen stimmt meine Hymne die ich Gott dem Herrn
beim Eingange dieses Aufsatzes angestimmt und die mich zuweilen so anwandelt
dass ich mich kaum auf den Füßen halten kann Ich springe als wollt ich gen
Himmel springen so ein alter steifer Kerl ich bin Eine Ader hab ich mir
dabei nicht verrenket Da hab ich zuweilen eine Hymnestunde wo mir das Herz
die Brust durchstossen will Hinauf will es und alles um mich her hat dann eine
allerliebste Stimme alles singt melodisch Gott allein die Ehre Lachen ist ein
Kranz der gemeinhin sauren Wein anpreiset Meine Freude braucht keinen Kranz 
die Natur hat eine Wonnecirculation die mich zu dieser Freude auffordert
    Was kann es dem lieben Gott helfen wenn ich dem lieben Gott zu Ehren
meiner begangenen Sünden halber einen Trauerrock anlege mit Klötzen an den
Füßen gehe Das nenn ich die edle Zeit töten und Sünden mit Sünden häufen
Anstatt Leib zu tragen um meinen Tobten erzieh ich meine übrigen Kinder und
sage zum verstorbenen Sohne ruhe wohl Es besser machen durch Schaden klug
wie neu geboren werden ein ander Leben anfangen das heißt Busse tun und dies
führt die Vergebung der Sünden mit sich Das Bewusstsein einer guten Tat
wodurch wir uns am Morgen des neuen Lebens auszeichnen vertreibt die vorige
finstere Nacht der Sünden  Es ist so als wenn man ein frisches Hemd anzieht
 Ist die Sünde zu ersetzen gilt vor dem Ersatz keine andere gute Handlung Mit
zinsenreichem Ersatz fängt sich das Werk der Bekehrung an Ist aber diese
Genugtuung nicht möglich so nehme ich die Einbildungskraft zu Hilfe und stelle
mir jemand dar dem ichs vergelte dem ich in des Beleidigten Namen Gutes tue
in eines Jüngers Namen ein Glas Wasser reiche Gott denk ich hat doch einmal
einen vollkommenen Menschen gesehen Jesum Christum der gerecht ist Wenns
auch mit dir fehlt hie und da sei unverzagt  und ich bins auch  Bete du
nur zehn Jahre und gib der Wittwe nicht das Stück Weizenland wieder um das du
sie betrogst wirst du Ruhe haben wenn dich ein hitziges Fieber ergreift oder
es sich sonst über deinem Haupte zusammenzieht  Mit nichten Die beste Cur ist
eine gute Handlung wodurch das Bewusstsein in dir auflodert dir sind deine
Sünden vergeben Dies war das Recept das Christus verschrieb und wahrlich es
ist kein Kraut kein Pflaster was so heilet wie dies  Viele Leute werden
gesund wenn sie ein Testament gemacht haben und ich halte dies für ein
gewisseres Notmittel als das versparte Aderlassen Sobald der Mensch ruhig
ist sobald er empfindet seine Sünden sind ihm vergeben so steht er bald auf
und wandelt  Pastor Sie sagten einst wie mich dünkt man muss die Körpercur
mit der Seelencur anfangen  Die Hypochondrie ist gemeinhin eine im Gemüt
stecken gebliebene Sünde die ich an mir selbst verübt Gibts denn Sünden an
mir selbst Freilich denn ich bin mir selbst der Nächste allein solche Sünden
haben mir noch keine schwere Lebensstunde gemacht ich leide ihretalber die
natürlichen Strafen Ich sterbe ihretwegen täglich und suche mir durch Bewegung
und ein Glas Wein die Gedanken zu vertreiben wenn sie mir ins Ohr raunen du
bist ein Selbstdieb Gottlob ein Selbstmörder bin ich nicht  Wer aber nie an
sich selbst gesündigt der hebe den ersten Stein wider mich Ich bitte den
Herrn Generalsuperintendenten nicht ausgeschlossen ich bitte
    Gott sei mir Sünder gnädig Das war so herzlich als Gott allein die Ehre
    Es gibt Seelen die sich immer gleich und wie ein sanfter schöner Tag sind
wo es immer scheint es wolle die Sonne hervor es wolle regnen und es regnet
nicht und es scheint nicht die Sonne Ich habe auch dergleichen Tage gehabt Man
könnte sie heilige Tage nennen und den der sie zu leben versteht einen der
geheiligt ist Da komm einem was da will es regnet nicht es scheint nicht die
Sonne Die Empfindung dass uns alles alles zum Besten dient wirkt so stark auf
unser Herz dass wir innerlich und äußerlich ruhig sind Da sieht man so zu
sagen in allem Gott den Herrn Jaget nach der Heiligung sagt der Apostel ohne
welche wird niemand den Herrn sehen Gott lass mich so leben so sterben
                                       
    Leidenschaften sind Engel und können Teufel werden Sie sind Beförderer
Mitwirker des Guten Sie geben Spannkraft und Tätigkeit dem Müden  Wärme und
Leben dem Kaltgewordenen
    Wohl dem der sich der Eigenschaften zu seinem eignen und zum Vorteil
seines Nächsten bedient der alles zu edlen Absichten lenkt Hat doch jemand
gesagt das Ungeziefer wäre bloß da um die Faulen zur Arbeit zu treiben  Dass
dich doch die Mücke dafür stäche
                                       
    Noch nie hat sich ein Mensch seiner Sünden als Sünden gerühmt Er wollte
vielmehr durch diese seine Offenherzigkeit den andern auf das Gute aufmerksam
machen was in diesem Bösen lag Wer Böses von sich sagt ist oft der feinste
Lobredner auf sich Man denkt er wolle sich was Leides tun allein er tut
sich was zu gut sowie sich niemand ums Leben bringt der vor aller Welt Augen
die Pistole ladet und laut ruft auf mich Wen er lieb hat den züchtigt er
könnte man vom Menschen sagen der übel von sich selbst spricht
                                       
    Da Christus den großen Zweck seiner Sendung nicht erreichen konnte sondern
bei der evangelischen Lehre des Gnadenstandes des Heilstandes nichts anders als
Verachtung und den Tod selbst erduldete so war es kein Wunder dass seine
Jünger die so weit von ihrem Meister abstanden ob diesem Werke verzweifelten
bis sie endlich nach sehr geheimen Beratschlagungen sich entschlossen das
Evangelium zu verkündigen bis dass er käme bis dass sein Reich käme und wir ihn
wieder im Geist dargestellt sähen  Ein einmütiger heiliger Geist beseelte die
Jünger so dass sie das Werk anfingen mit Freuden und für so eine gute Absicht
Märtyrer zu werden kein Bedenken trugen
                                       
    Obgleich Menschensatzungen die Religion Jesu so sehr verdunkelt dass wenn
Christus herabkäme er die Christen nicht kennen würde sagt ist sie nicht noch
jetzt so wie sie da liegt vortrefflich Ist sie nicht die einzige die den
Menschen zum Gnadenreiche zum Stande der Gnaden zu bringen Kraft und Stärke
hat Ich hab es anfänglich so nicht eingesehen allein jetzt glaub ich dass in
dieser Lehre Leben für diese und Seligkeit für die andere Welt liege
                                       
    Die Jünger Christi waren ehrliche Kerls bis auf den Judas der ihn verriet
Petrus war feurig Jacobus strenge Johannes sanft Keiner hat sich Schätze
erworben Wie lebten sie wie starben sie So lebt so stirbt kein
Leutebetrüger
    Vornehm werden wollen heißt darauf ausgehen dass man bewundert oder
beneidet wird Beides taugt nicht Sich Glück wünschen heißt andere kleiner
verlangen als man selbst ist andere auf seine Kosten unglücklich wissen 
Solche eigennützige strafbare Wünsche sind geradenwegs dem Gnadenreiche Christi
entgegen wo kein Kronprinz kein Königsbruder ist Der Erste ist der Letzte
der Letzte der Erste der Geringste der Vornehmste der Vornehmste der
Geringste  Gegenseitige Gesinnungen bei seinen Besten zu bemerken musste den
Erretter den Erlöser des ganzen menschlichen Geschlechts ganz natürlich zum
Rückhalt gegen diese seine sonst guten Freunde bringen welche die zwölf Stämme
unter sich teilten und durchaus etwas vorstellen wollten  War es Wunder
Wären wir in allen ihren Umständen besser gewesen Ich glaub es nicht Christus
nahm sie also wie Kinder denen man durch Gleichnisse durch Erzählungen auf den
rechten Weg hilft und sagt Freunde wenn Christus in Kurland gewandelt hätte
wo doch alles von Freiheit spricht wär er nicht gekreuzigt Sie Pastor sind
eins mit mir Was würde nicht im despotischen im monarchischen Staate werden
Noch jetzt kann man Christi Absicht so klar sie gleich da liegt weder erraten
noch ertragen Man hält sie unmöglich Was aber bei Menschen unmöglich ist ist
es nicht bei Gott Wie langsam gehts mit der wahren Erkenntnis Gottes und mit
der Tugendübung Wahrlich Christus leidet noch  wie seine Worte gekreuzigt
werden
                                       
    Getrost
    Johannes der Schoossjünger Christi sah da er ein hohes Alter erreicht
hatte ein dass die Zwölfe nicht im Stande gewesen dieses große Werk
auszuführen allein seine Hoffnung war noch fest  Die Religion Christi war
nicht Menschenwerk Er half sich mit der Einbildungskraft da wo er sich
verlassen fühlte In seinem Gesichte sah er einen Engel vom Himmel fahren der
hatte den Schlüssel zum Abgrunde und eine große Kette in der Hand Doch warum
diese Züge von einem so ins Große gemalten Bilde  Er ergriff das Erdenelend
und band es tausend Jahr Johannes der es empfand wie menschenunmöglich es
sei Christi Reich auf Erden zu verbreiten ohne dass Tyrannei und Bosheit
gefesselt würden bildete sich ein es sei also Er stellte sich um sich nicht
zu vergessen vor dass die Märtyrer die Zeugen Jesu welche die Malzeichen an
Stirn und Hand hätten jetzt in diesen Gnadenstand eingehen und tausend Jahre
mit Christo regieren würden  Selig ist der und heilig der Teil hat an der
ersten Auferstehung über solche hat der andere Tod keine Macht sondern sie
werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahr
    Der hat den Himmel auf Erden dessen Lebenszeit in diese tausend Jahre
fällt wo man einsehen wird was Christus und die Märtyrer beabsichtigt Nach
dieser tausendjährigen Regierung bildet sich Johannes wieder Tyrannei und
Blutvergießen ein Das Erdenelend wird wieder losgeschlossen allein nach seiner
Vorstellung soll es nicht lange dauern Hallelujah Es kommt ein neuer Himmel
eine andere Denkungsart von Gott eine neue Erde andere Menschen Da ist er
Ein immerwährender Stand der Herrlichkeit
    Ich sagte Johannes sah die heilige Stadt das neue Jerusalem von Gott aus
dem Himmel herabfahren zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne und
hörte eine große Stimme von dem Stuhl die sprach Siehe da eine Hütte Gottes
bei den Menschen und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und
er selbst Gott mit ihnen wird ihr Gott sein und Gott wird abwischen alle
Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein noch Leib noch
Geschrei noch Schmerz wird mehr sein denn das erste ist vergangen Und der auf
dem Stuhl saß sprach Siehe ich mache alles neu und er spricht zu mir
Schreibe denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss
    Amen Amen
                                       
    Meditiren wie die Gelehrten es nennen nachdenken wie der gemeine Mann
sagt heißt in vielen Fällen beten  Wer das Gebet als einen Erzwang in
Hinsicht der Sachen die er bittet ansieht irrt sich es ist nur die
Konnexion in die man sich mit Gott setzt Das Vaterunser kann jeder Mensch
beten wenn wir indessen wenn Gott will in den Stand der Gnaden und in den
Stand der ewigen Herrlichkeit eingetreten müssen wir ein anderes Gebet haben
nicht wahr lieber Pastor dazu uns Gott seine Gnade und seines Geistes
Beistand Stärke und Hilfe verleihen wolle  Ja Gott der in uns angefangen
hat das gute Werk wolle es durch seinen heiligen Geist in uns bestätigen und
vollführen bis auf den Introductionstag des Standes der ewigen Herrlichkeit bis
auf den Tag Jesu Christi Getreu ist Gott der euch ruft wirds auch tun
    Ein Ateist ist der welcher seinen Bruder nicht liebt den er sieht
Selbstverläugnung ist Ersparung an sich selbst, um gegen den Nächsten freigebig
zu sein Freude ist Danksagung Wollte Gott dass ich alle Menschen dies zu üben
bewegen könnte Das würde heißen sie beten lehren Vergib deinem Bruder vergiss
nicht dass du erst von den mehreren Pfunden die Gott dir verlieh Rechnung
abzulegen verbunden bist ehe du vor Gott treten kannst  Vor Johanni bestellen
die Leute ein Gebet beim Prediger nah Johanni sagt Gevatter Hans will ich
schon mit meiner Grete beten Warum haben die gemeinsten Leute Neigung zu
Spöttereien Man sollte ihnen nicht mehr zu glauben aufgeben als glaublich ist
Ein Thomas wirst alles über und über und sein Nachbar glaubt was das Zeug hält
um mit Glauben dem Tun auszuhelfen  Aufforderungen zu guten Handlungen sind
nicht Handlungen selbst das Geläute keine Predigt Der Christ hat zwar seinen
Stern am Himmel wie die Weisen aus dem Morgenlande allein er muss auch seine
Lampe in der Hand halten wie die fünf klugen Jungfrauen Viele berufen wenige
auserwählt
                                       
    Die Welt ist vorderhand nicht im Stande der Gnaden Man muss sie so
verbrauchen Doch befinde ich mich unter Wesen die mit mir zu einer Klasse
gehören denen Gott Augen Ohren Vernunft und alle Sinne gegeben hat Was ist
billiger als dass ich in Rücksicht dieser meiner geliebten Mitbrüder genau nah
den Vorschriften verfahre die uns der Wille unseres gemeinschaftlichen Urhebers
vorgeschrieben hat Im Worte Bruder liegen alle diese Pflichten zusammen Bruder
ist ein großes Wort Mich freut es recht von Herzen dass hieß Wort in Kurland so
gang und gäbe ist  Zwar ist es in den meisten Fällen nur so da der Mode
halber wie hol dich  indessen ist Rom nickt an einem Tage erbaut
    Durch die Geburt sehe ich mich in gewisse gesellschaftliche Verbindungen
gesetzt zu welchen ich zwar meine Einwilligung nicht mittelst eines deutlichen
und aufrichtigen Jaworts beigetragen hab ich aber nicht Anteil an den
gemeinschaftlichen Vorteilen genommen Fordern mich also Gesetze des Staats in
dem ich lebe auf denen das Gewissen seine Stimme nicht entzieht so bin ich
schuldig treu hold und gewärtig zu sein Ich muss das Land das mir Brod und
Wasser gibt nicht als eine Herberge ansehen wo man sich oft länger als man
wünscht aufzuhalten verbunden ist weil ein Rad gebrochen Wessen Brod ich
esse dessen Lieb ich singe
    Gott aber muss man mehr gehorchen als den Menschen
    
    Die Religion im jetzigen Sinn ist der zweite Teil der Staatsverfassung Sie
ist die Ehegattin der Staatsklugheit Ich bin nicht berechtigt wider die
Religion die der Staat entweder als Mitregentin nimmt oder als Freundlingin
schätzt mir eine Verräterei zu Schulden kommen zu lassen
    In dieser Rücksicht bekenne ich mich als ein Mitglied eines christlichen
Staats zur christlichen Religion in so fern derselben Lehrsätze meinen
geprüften und als wahr anerkannten Grundsätzen bei denen mein Gewissen
präsidirt nicht entgegen sind Von dieser Oberratsstube gilt keine Appellation
nach Warschau
    Keinem will und werd ich meine Grundsätze nahe legen Nie würd ich mit dem
guten Pastor gestritten haben wenn er nicht der Pastor in  und ich der wäre
der ich bin Warum wir uns aber zehn Jahre abgesondert begreif ich nicht bis
diesen Augenblick Luthers Schuhe pflegten sie zu sagen sind nicht allen
Dorfpriestern gerecht
                                       
    Über Vermögen fordere ich von meinen Untergebenen sie mögen undeutsch oder
deutsch sein keinen Schritt Wenn Gott es mit den Ungerechten machte wie sie
mit ihren Schuldnern   
    Milchhaar wird auch braun oder schwarz und wo ist denn eine Lust die ihren
Gift nicht bei sich trägt Wo ist ein Mahl von reinem Wein voll Mark darin kein
Hefen ist Wo eine Sünde ohne Strafe Wüstenei ist in der Stadt Das ist ein
Text wo er steht weiß mein Hofmeister den Gott tröste am besten Was ist
aber richtiger als Wüstenei in der Welt Ein unverfälschtes Lachen gibt es
nicht in der Welt Jeder leidet was seine Taten wert sind Der Weise rühmt
sich eines Seelenvergnügens und wirft seinem Weibe aus Verdruss einen
Porcellanaufsatz an den Kopf Ein lautes Vergnügen hält man für Rausch Sauer
und süß essen Vornehme und Geringe und wenn man ein rechtes Vergnügen
beschreiben will heißt es eine Tränenwonne Die göttliche Traurigkeit die
Reue die niemand gereuet ist ein Beweis dass Freude und Leid sich verhalten
wie Rosen und Dornen
                                       
    Ich fühle zwar mich und meine Kräfte in gewissen Grenzen eingeschlossen
allein ich weiß auch dass das Ende dieses Lebens nicht auch das Ende meiner
ganzen moralischen Existenz sei vielmehr hoffe und glaube ich dass wenn gleich
mein Körper durch die Verwesung in seine ersten Teile aufgelöst und mit der
übrigen Materie vermischt wird ich dasselbe Ich und kein Fremder fortdauern
werde
                                       
    Die Vernunft ist ewig Sie ist der Sitz des göttlichen Ebenbildes und dies
sein Bild sollte Gott der Herr vernichten
    Glauben im gemeinen Leben heißt anderer Meinungen annehmen Tun heißt
nach seiner Überzeugung handeln
    Verstand haben heißt etwas verstehen
    Leichtsinnig ist der welcher alles leicht fasst allein eben darum gehts
hier herein dort hinaus Der Pastor sagt ich wäre leichtsinnig allein dieser
Aufsatz selbst mag Richter sein zwischen mir und ihm Ist denn die Saat die der
Pastor ausgestreut auf einen Felsen gefallen wo wenn es regnet die Saat zwar
keimen ihr Haupt emporheben allein nicht Wurzel schlagen kann wie solches
alles der alte Herr in Musik gesetzt hat Ist die Saat in Rücksicht meiner auf
einen so harten Boden gefallen dass sie keinen Eindruck gemacht sondern den
Vogel zum gefunden Frass und dem Wanderer zum Spiel gereicht Wie der Wanderer
sie da mit seinem Stabe aussprengt Gehör ich denn nicht zu den Seligen die
Gottes Wort hören und bewahren Ein Schwärmer bin ich nicht der alles gierig
und heiß isst und sich total den Magen verdirbt Er kann die Zeit nicht abwarten
    Alles ist Geschichte in der Welt und da kommts freilich viel darauf an ob
ich selbst gesehen selbst gehört oder mir von andern erzählen lassen was diese
andere gesehen und was sie gehört Der hat ein Auge fürs Vergangene der fürs
Gegenwärtige Man sagt einige hätten es für die Zukunft Ich meines Orts habe
keinen von der letzten Art gekannt Sie Pastor sehen das Gegenwärtige als
stünd alles vor Ihnen
                                       
    Wie lange kann es mit uns währen So alt oder älter Wir sind nicht von
dannen sondern warten auf unseres Leibes Erlösung
    Solang ich hoffe leb ich so lang ich seufze hoff ich Ich bin der
festen Zuversicht dass mein Tod mich nicht aus der Fassung bringen werde Jetzt
in diesem Stande der Sünden zu leben wenn gleich Kurland noch hie und da
vermöge der herrschenden Freiheit mehr Aussicht zum Gnadenreiche hat als ein
ander Land was ists mehr als Wüstenei Man stirbt jetzt des Erdenleidens wegen
gern wenn gleich Krankheit und Schmerzen uns den Tod verbittern Im Stande der
Gnaden wird man gern sterben weil bei einer einfachen Lebensart die Krankheiten
sich von selbst heben werden Leicht ist der Tod immer Alles ist leicht nur
das Leben nicht Ein wahres Wort im Stande der Sünde  Nur im Grabe hat der
Mensch alles unter seine Füße getan Die sechs Seiten des Cubus sind nicht der
ganze Inhalt unseres Seins
                                       
    Ob auf einem Berge mehr Kornähren oder Bäume stehen können als auf dem
ebenen Grunde war eine Frage die jetzt so klar beantwortet ist als wie viel
macht zweimal zwei
                                       
    Ich bin vielleicht sehr oft ein Ich gewesen Man hat drei Reiche das
Mineral Pflanzen und Tierreich die könnte man dünkt mich Reich der
Allmacht Reich der Gnaden Reich der Herrlichkeit nennen besonders wenn man
den Menschen als das letzte Tier in Erwägung zieht Durch diese drei Reiche bin
ich vielleicht schon durchgewandert So wie ich leblos als Erde war so hatte
ich Saft als Pflanze bis ich als Tier Blut bekam Jetzt bin ich Mensch bin
Tier und Engel  Die Seele ist Mittler zwischen Geist und Körper Mein Geist
denkt vernünftig zusammenhängend allgemeine Wahrheiten indessen ist mein Geist
ein ausgelernter Geist Kinder zeigen so wenig von allen diesen
Menscheneigenschaften dass einem jeden klugen Mann bange wird wenn er sein Kind
sieht Kluger Mann sag ich das heißt ein solcher der die wenigste Affenliebe
hat Wer hat sie aber nicht Gemeinhin der verzweifelt der Kluge auch im
Verhältnis von sich auf den Kleinen ob je aus dem Kindlein was werden würde
und eben darum geraten so selten die Kinder der Gelehrten In der ersten Jugend
wissen sie so viel dass man gewiss glaubt sie würden eher Magister werden als
Leibnitz allein sie bleiben bald stockstill stehen   Der Herr Vater gibt sie
auf
    Vielleicht werd ich noch ein paarmal verwandelt ehe ich das Bewusstsein
meines ganzen Gewesens erhalte und die Kette übersehe welche ich hinaufging
Mein Körper steht auf Nichts wird ganz vernichtet Alles das geringste
Stäubchen nicht ausgeschlossen ist zu etwas gut  Die Vernunft ist ewig ewig
Sie ist der Sitz des göttlichen Ebenbildes und hieß Bild sollte Gott der Herr
vernichten
    Hiermit will ich diesen Aufsatz schließen den man wohl schwerlich von einem
Curischen von Adel erwarten sollte
    Dass Herr v G in seinem Aufsatze mancherlei von einem rechtgläubigen Vater
angebracht ist nicht zu leugnen allein mein Vater nahm sich dieser wirklich
ungeratenen Kinder nicht an stellte alles Gott anheim der recht richtet und
blieb bei seinem aut aut  Obgleich er wie wir wissen zugeben musste dass
wenn jemand mit der Bibel allein eingeschlossen würde er gewiss nie unser
Kirchensystem herausbringen würde so war er doch wie wir auch wissen für die
Zunftregeln und wollte durchaus nicht weiter gehen als sein Schild es besagte
    Dieser Aufsatz konnte also bei solchen Gesinnungen so wenig befriedigend für
meinen Vater sein dass er ihn gewiss nicht ohne Beklemmungen seines Herzens
gelesen haben wird
    Herr v G hatte ihm einstmals in einer großen Gesellschaft die Frage
vorgelegt was er wohl lieber aufgeben würde die Bibel oder die natürliche
Religion So etwas zu fragen
    Herr v G konnte nicht aufhören sich über die Unzulänglichkeit der
evangelischen Nachrichten zu beklagen Mein Vater erwiderte Freilich sind es
fünf Gerstenbrode und ein wenig Fischlein so die Evangelisten zurückgelassen
allein den Segen drüber gesprochen so ist es hinreichend dass viertausend Mann
davon gespeist werden können wenn sie auch noch so heisshungrig sind und wie
viel Körbe bleiben nicht noch für den Denker übrig
    Herr v G war wie mein Leser sichs leicht vorstellen können bei einer
solchen Denkart ein Sokratiker  Ich bin ein Christ sagte mein Vater mache mir
eine Ehre draus und alle Rechtschaffenen erkennen mich dafür
    Hier konnte man wohl mit Recht
                als ob und
                ja wohl
fragen und antworten
    Wenn ich noch mit einem Bausch und Bogengespräch über den Sokrates dienen
kann welches über die zehnjährige Entfernung ebenfalls Licht zu verbreiten im
Stande sein dürfte will ichs gerne
    Gehalten am Bausch und Bogentage kurz vor der Tafel an dem schönen Tage da
wir mein Vater und ich nach  zum Herrn v G kamen und zwischen beiden
streitführenden Mächten ein Vergleich gesäet und begossen ward wozu auch Gott
das Gedeihen gab
    Wo wissen Sie denn dass ein Sokrates in der Welt gewesen fragte mein Vater
und zwar ein Sokrates eben so und nicht anders
    Aus seinen Früchten antwortete Herr v G sollt ihr ihn erkennen Kann man
auch Trauben lesen von den Dornen und Feigen von den Disteln  Plato 
    Suchte Ideale
    Und fand den wirklichen Sokrates  Den Apostel der Heiden
    Das war Paulus
    Nach Christi Geburt Das Orakel versichert Sokrates sei der weiseste unter
allen Menschenkindern gewesen
    Sokrats andron sopotatos weil er nichts wusste
    Ist das verständlich
    Ich verstehe kein Griechisch
    Und ich dieses Orakel nicht Zwar weiß ich den Unterschied zwischen Weisheit
und Wissenheit   
    Wer aus diesem Zeugnis folgert ergo ist der der Allerdümmste welcher viel
oder alles weiß Pastor der verdient zur Strafe ewig mit einem umgewandten
Kleide zu gehen
    Ich lasse kein Kleid kehren
    Ich auch nicht
    Sokrates 
    Was sagte der Physiognomist von ihm
    Was Sokrates selbst sagte Hüte dich vor dem den Gott gezeichnet hat ist
eine apokryphische Regel Ist denn Pastor ein Sünder der Busse tut ist er
nicht besser als neunundneunzig Gerechte die der Busse nicht bedürfen
    Wahr ein Prophet muss aber nicht hässlich nicht schön sein so wie Wasser
und Brod muss er in seinem Äußern nach nichts schmecken  O toinyn toioyto
synon somati tina hgoymeta eixe pyxhn Hüte dich vor dem den Gott gezeichnet
hat ist freilich eine apokryphische Regel aber können wir denn die
Sinnlichkeit ablegen und trauen wir wohl einer Seele die so schlecht wähnt
Geschmack zu  Niemand hat uns Christi Gestalt rein und lauter beschrieben
Weber Lukas noch die heilige Veronika und ich ärgere mich wenn die Maler und
Zeichenmeister sich um die Wette bemühen einen ChristusKopf darzustellen Den
werdet ihr nicht treffen liebe Leutlein Ein MarienGesicht das lass ich
gelten da wollte ich schwören dass mein Weib einen Zug von ihr hat Mein Sohn
lag in seinem vierzehnten Jahre ohne Hoffnung darnieder und mein Weib wie
Maria des Herrn Mutter ich bin des Herrn Magd mir geschehe wie du gesagt hast
 Ich ehre den Sokrates
    Nicht so wie ich
    Kann sein weil ich ein Christ bin
    Und wenn es Sokrates auch gewesen Christus war er nicht warum wollen Sie
ihm aber den christlichen Glauben absprechen Weil sie ihm die Hand nicht auf
seinen Mondkalbskopf gelegt 
    Sie spötteln
    Und Sie predigen
    Das tat Sokrates auch
    Und schrieb nicht so wie wir alle beide Da sind wir wieder zusammen wie
Mann und Weib
    Nur noch lange nicht eine Seele Freilich besaß Sokrates etwas das die
Weisen seiner Zeit nicht hatten was man einen Dämon einen sokratischen
Schutzengel nannte und was nichts weiter als ein philosophisches Genie war
Genie und Dämon ist nicht viel auseinander
    Pastor den Rabatt lass ich mir nicht gefallen kann denn nicht wirklich
eine unsichtbare Gestalt  Wusste denn nicht Sokrates Zukünftigkeiten
    Wie Sie und ich
                                       
    Zu Christo kam Nikodemus des Nachts zu Sokrates der Euklides
    Aber Nikodemus ein ehrbarer Ratsherr maskirte sich nicht in Weibertracht
    Wie Sokrates starb
    Ist die Frage
    Groß Pastor
    Kann sein
    Stehen Sie etwa des Hahns wegen an Kommt denn nicht auch ein Hahn in der
Passionsgeschichte vor
    Da Petrus Christum verläugnete
    Eben krähete auch jetzt ein Hahn und Herr v G war still kam aus dem
Zusammenhang und machte ein Gesicht als wollte er sagen du hättest auch nicht
krähen dürfen
    Mein Vater tat obgleich es schien dass er wider den Sokrates war ihm die
bündigste Ehrenerklärung sobald Herr v G nur nicht auf Kosten des
Christentums dem Sokrates lobredete Es war unmöglich dass Sokrates und mein
Vater nicht gute Freunde sein sollten
    Cicero sagte er nannte ihn den Adam der Philosophie den Vater der Weisen
und das mit Recht weil er die Sophisten seiner Zeit die mit einem Wortkram von
Scholastik geziert waren so trefflich durch gemeines Leben durch edle Einfalt
in die Enge trieb Gehts denn unsern Philosophen anders Sind denn nicht die
meisten den Professor Großvater nicht ausgenommen in Wortsünden empfangen und
geboren Haben sie nicht alle sophistische Erbsünde Sokrates war ein
Volksphilosoph und so ist die Einfalt zu nehmen die er frei von sich bekannte
Er fing nicht Fliegen in einem Spinnengewebe von Feinheit Aus Hausmannskost
bestand seine Mahlzeit Was nützen denn Definitionen wenn man das Wort
versteht und was hat man denn wenn man ein ganzes Geschlechtsregister eines
Worts gelernt hat Tun die Philosophen viel mehr als jener Landgeistliche der
seinen Bauern bei Gelegenheit des Evangelii vom reichen Fischzuge erklärte was
ein Netz sei Das Dorf hatte große Fischerei
    Die Standrede die Diogenes auf den Sokrates hielt verhält sich freilich zu
der des Hauptmanns unterm Kreuze wie beide Erblasste gegen einander Er ist ein
frommer Mensch und Sohn Gottes gewesen  Meine Frau sagt da zog die Erde den
Tremulanten sie bebte  Da wurde das Haus des Entschlafenen der Himmel mit
Trauertuch ausgeschlagen Es ward eine Sonnenfinsterniss und hat meine Maria
nicht Recht
    Diogenes sagt
    Protos meta toy mattoy Aisxinoy rhtoreiein edidaxe kai protos peri bioy
dielext kai protos pilosopon katadikasteis etelyta
                                                Diogen Laërt I 2 sect 20
    Herr v G verstand freilich kein Griechisch wie konnte er aber auch
verlangen dass Diogenes seinetwegen deutsch oder lettisch lernen sollte
Beiläufig sagte mein Vater die drei Teile in welche die Leichenrede des
Diogenes zerlegt ist
    Sokrates war ein Herzensredner ein Moralist und der erste philosophische
Märtyrer
    Der erste fragte Herr v G Der erste antwortete mein Vater denn wenn
gleich in der Recension über diese Standrede bemerkt worden dass Zeno noch vor
dem Sokrates ums Leben gekommen so starb doch Zeno nicht der Philosophie
halber
    Die Schacher litten was ihre Taten wert waren Zeno als General in
Sachen seines Vaterlandes wider den Tyrannen Nearchus Sokrates starb und
katadikasteis durch ein Criminalurtel unschuldig verdammt
    Teurer Sokrates du wolltest die Menschen zur Erkenntnis Gottes und seines
Willens bringen du wolltest die Menschen gehen lehren die gen Himmel sahen und
darüber das Bein brachen War das dein Lohn
    Socrates primus philosophiam devocavit e coelo et in urbibus collocavit et
in domos etiam introduxit et coëgit de vita et moribus rebusque bonis et malis
quaerere
    Herr v G nahm meinen Vater bei der Hand als wollte er sagen ich verstehe
auch nicht Lateinisch Sokrates fing mein Vater an lehrte nicht wie die Welt
entstanden wie sie vergehen würde er wusste nichts von der Elektricität und
ihren Wirkungen er hätte Gott dem Herrn wenn er ihn am ersten Weltmorgen zu
sich geladen keinen Rat gegeben wiewohl etliche  er wusste nichts von Zeit
und Raum von bester und nicht bester Welt  Leben lehrte er um froh zu
sterben  Er brachte die Philosophie in Stadt und Haus
    Lieber Pastor sagte Herr v G Sokrates lehrte den Stand der Gnaden er
brachte die Philosophie in Stadt und Haus das heißt er wollte alle Gesetze
heben und die Menschen so gesittet machen dass sie über alle Gesetze wären Er
wollte nicht Recht sprechen sondern ohne Recht sich behelfen lehren Nicht
also
    Mein Vater ließ sich nicht aus dem Koncept heraus fragen Wie trefflich sagt
er der Pompadour seiner Zeit der Theodora da sie ihm vorrückte dass sie ihm so
manchen seiner Schüler weggeworben er aber schwerlich einen der bei ihr
Handgeld genommen abwendig machen würde Dein Weg ist breit der meinige
schmal Dein Weg geht bergab der meinige bergauf Die Welt aber vergeht mit
ihrer Lust wer aber den Willen Gottes tut bleibt in Ewigkeit
    Eine Frau hätte er nicht nehmen sollen sagte mein Vater
    Eine Xantippe nicht erwiderte Herr v G
    Keine mein Vater
    Sind sie wohl alle Xantippen Die meinige hat ihres schönen darf ich bitten
unerachtet etwas von ihr
    Die meinige keinen Zug
    Ein so hässlicher Mann wie Sokrates fuhr mein Vater fort ohne daran zu
denken dass Herr v G kein Griechisch verstand bei dem man fragen konnte ei
Sokratoys esti tis simoteros band es mit zwei Frauen an war das ratsam Ein
Mann der zu den Füßen der Diotima die Kunst zu lieben und zu den Füßen der
Aspasia die Kunst der artigen Beredsamkeit gelernt musste sehr leicht solche
Ehefehler begehen Wer hieß ihn denn hier Unterricht nehmen Kein Weiser muss von
einem Weibe lernen Wer eine Mamsell gehabt behält etwas Mamsellähnliches wenn
gleich er Feldmarschall wird Das ganze schöne Geschlecht lehren das kann der
Weise Sokrates hätte freilich das was ihm am Körper abging durch Seele in
Rücksicht seiner Weiber ersetzen können und sollen Tat ers denn nicht Wer
weiß es Ist es denn so unrecht dass er gesagt hat
toys men andras tois poleos nomois dei peitestai
tas de gynaikas ton synoikoynton andron htesi
    Ist denn nicht der Mann der Gesetzgeber seines Weibes Was kann ein Weib
ohne Mann Wäre ich Sokrates gewesen würde ich freilich meine Philosophie im
eigenen Hause zu üben angefangen haben wer singt indessen nicht den andern
Diskant wenn die Frau Zeit und Stunde trifft und das rechte Lied Ließ denn
Sokrates sein Haus ohne Unterricht Brachte er nicht Freunde ins Haus ohne ein
Dresdener Service und ohne zu den ersten Leckerbissen seiner Frau Geld gelassen
zu haben
    Ich weiß sagte Herr v G da kam er einst mit dem Eutydemus vom
Fechtboden die Frau Professorin anstatt den Tisch zu decken kehrte ihn um und
um Eutydemus ungewohnt gegen Weiber seine Stärke zu zeigen wünschte vor
Tische eine gesegnete Mahlzeit Nicht also sagte der Herr Professor Tat denn
nicht jüngst eine Henne das nämliche da ich das Vergnügen hatte bei Ihnen zu
essen Mein Vater ließ den Herrn v G dem er ein für allemal nicht gestattete
sich des Sokrates anzunehmen obgleich weder die Henne noch der um und um
geworfene Tisch der christlichen Religion Schaden oder Leides tun konnte so
unangehalten nicht mit dieser Geschichte Er zeigte sehr gelehrt wie zwar Ornis
eine Henne bedeute allein im gegenwärtigen Verstande schwerlich und heißt denn
anastrepein trapezan um und um kehren Hier würde es um so weniger passen da
ich noch nie gesehen dass eine Henne den Tisch umgekehrt Die Geschichte fuhr
mein Vater fort ist aus dem Plutarch  allein der gute Herr v G nahm ihn bei
der Hand kehrte den Tisch nicht um und um sondern wusste meinen Vater so
vortrefflich einzulenken dass er fortfuhr und die Wahrheit zu sagen Herr v G
hätte ihn nicht unterbrechen sollen Hatte er denn nicht schon gewonnen Spiel
Die Grille sagte mein Vater da er wieder an Stelle und Ort war schwirrt ein
Abend die Lerche ein Morgenlied Leidet man nicht Kamine und Kachelofen im
Sommer Leibnitz starb bei Barklais Argenis ein anderer stirbt bei der letzten
Oelung Solange man der Seele nicht gesunde Triebfedern und den Adern frisches
Blut einflößen kann was ist zu machen Lot blieb auch in Sodom gerecht Herr v
G wollte sagen Abraham war aber auch sein Oheim allein mein Vater ließ ihn
nicht zum Worte und wenn es wahr ist dass Xantippe bei seinem Tode die
bittersten Tränen vergossen so ist sie mir lieber als die Wittwe von Ephesus
    Ihr Philosophen heutiger Zeit lernt hier vom Sohne einer Hebamme und eines
Bildhauers Weisheit lehren da euch doch das neue Testament nicht kunstgerecht
ist Sokrates tat zwei Feldzüge ward noch im hohen Alter ateniensischer
Ratmann ein Feind der Tyrannei und ein Freund seines Vaterlands Er lehrte auf
den Straßen und an den Zäunen und catechesirte alle die nur hören und
antworten wollten wogegen ihr nur Disputationen haltet
    Da fiel es ihm ein dass er mit den Akademien Friede gemacht und dass Junker
Gottard und ich reisefertig wären
    Sokrates hatte an den Sophisten die größten Feinde Die Schriftgelehrten
hetzten den Aristophanes wider ihn auf der ihn in einem Lustspiel lächerlich
machte Sokrates sah sich auf dem Theater allein dieser große Selbstkenner
kannte sich nicht obgleich die Gallerie einmal übers andere bravo getroffen
rief und dem Schauspieler klatschte Wer im siebenzigsten Jahre durch Urtel und
Recht stirbt kann mit Wahrheit sagen dass eben dies Urtel die Natur schon über
die gestrengen Herren Richter selbst ausgesprochen hätte Unser Leben währet
siebzig Jahre
                                       
    Ich würde geliebter Leser diese Unterredung gerne unberührt gelassen
haben allein eben jetzt da ich dieses schreibe verfolgen mich ein paar
Sophisten Anytus und Melitus die Gevattern von meinem Aristophanes sind Ein
seines Triumvirat  Gott wird ans Licht bringen was im Verborgenen geschehen
und den Rat der Herzen offenbaren und dann wird einem jeglichen von Gott Lob
widerfahren Amen Komm o schöne Freudenkrone Amen
    Die Umstände des Todes unseres teuren v G will ich nicht wiederholen Er
wollte meinen Vater seinen Freund an einem Sonntage beschleichen und ihn
predigen hören Er kam öfters nach der Aussöhnung zu ihm noch nie war er einen
Sonntag da gewesen Man sagt Herr v G habe in der letzten Zeit die Bibel sehr
fleißig gelesen und zu sagen die Gewohnheit gehabt Wenn man etwas herausbringen
will muss man die Bibel selbst lesen s Schicksal ging dir zu Herzen
teurer Naturmann und dein Tod erschüttert meine Seele Da mein Vater dem Herrn
v G s Begräbnis und bei dieser Gelegenheit auch vom hochgräflichen
Totengräber erzählte konnte er nicht aufhören den Kopf zu schütteln Zum
Totengräber hatte Herr v G keine Anlage Bei Gelegenheit des Herrn v G
sagte mein Vater in der Hitze Da haben wir Kurland  Nicht also Pastor
sondern die Welt
    Herr v G stieg im Pastorat ab und wäre bei einem Haar meiner gastfreien
Mutter wegen her Mittagsmahlzeit zuvorgekommen Sie bat eine Minute zuvor als
er sagen wollte Diesen Mittag bin ich Ihr Gast wenn Sie so wollen  Er ging
zur Kirche Meine Mutter ordnete das Mahl an und um Maria und Marta in Einer
Person zu sein ging sie etwas spät in die Kirche und um der Gemeinde kein
Ärgernis zu geben wie der Zöllner unter den Glockenturm
    Sie kam im letzten Wir das sie nicht umhin konnte laut mitzusingen so dass
wenn sie sich nicht besonnen hätte wie sie unterm Glockenturm wäre sie eben
so gut als durch die Tür verraten werden können da sie meines Vaters
Vaterland erschleichen wollte
    Von diesem lebte Herr v G nur noch wenige Reihen denn bei den Worten
nach diesem Elend schrie er auf sank zur Erde und ward tot aus dem
Kirchenstuhl getragen Er fiel vorwärts Mein Vater sah den Herrn v G in die
Kirche kommen und wie er aus der Kirche getragen ward Sein Text war »Römer im
achten Kapitel der fünfunddreissigste Vers« »Wer will uns scheiden von der
Liebe Gottes Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder
Fährlichkeit oder Schwert wie geschrieben steht Um deinetwillen werden wir
getödte den ganzen Tag wir sind geachtet wie Schlachtschafe Aber in dem allen
überwinden wir weit um dess willen der uns geliebt hat«
    Bei diesem Text dachte mein Vater so manches Wort dem Herrn v G ans Herz
zu legen und da er seit st geraumer Zeit nicht ist seiner Gegenwart gepredigt
es dahin zu bringen dass Herr v G in seinem Glaubensbekenntnisse noch so
manche Reihe streichen möchte Wer kann auf der Kanzel mit euch aufkommen
pflegte Herr v G zu sagen Ihr fragt und behauptet und kein Mensch ist euch
zu antworten und einzuwenden im Stande Nichts ist unausstehlicher als die
Methode der Redner zu fragen Ists nicht also Was könnt ihr dagegen sagen
meine Freunde Er nannte diese stumme Fragen so wie es stumme Sünden gibt
    Der gute v G er ist allen Fragen entgangen Er hat überwunden Mein Vater
schlug sich diesmal im eigentlichen Sinne mit seinen eigenen Worten Wie doch
immer der liebe Gott das Beste tut so musste er es vorzüglich bei dieser
Predigt tun da mein Vater ganz zerstreut war und nicht wusste wie es mit
seinem Freunde hinauswollte 
    Meine Mutter bemerkt dass Herr v G kein Wort von allen drei Wirs
mitgesungen bis die Worte gekommen nach diesem Elend da wollte er wie sie
ihren sichern Nachrichten Zufolge schreibt allein er konnte nicht Es kann ihm
auch wohl schreibt sie den ganzen Glauben über übel gewesen sein Wahrlich
liebe Mutter am Ende des Glaubens war ihm wohl sehr wohl Ende gut alles gut
    Auch berichtet sie dass Herr v G ohne Klang und Sang indessen wider seine
öftere Äußerung nicht in die Erde gescharrt sondern nach der Anordnung seiner
Frau Gemahlin in dem Familiengewölbe beigesetzt sei Gott schenke ihm so
schließt sie eine fröhliche Auferstehung Amen
    Ich weiß nichts hinzuzufügen als dass die Frau v W sehr gerne ihrem
Gemahl zu Gefallen des Herrn v G halber Trauer anlegte Herr v W tat so
als ob Junker Gottard schon wirklich sein Schwiegersohn wäre Beim Herrn v W
blieb es bei der Trauer allein seine Gemahlin war so betrübt dass die
Schmähsucht zum Glimpf und Namenbruch wie meine Mutter sich ausdrückte
Gelegenheit genommen hätte wenn nicht vom seligen v G und von der v W die
Rede gewesen Herr v G hatte von jeher viel Freundschaft für die Frau v W
bewiesen In seinem Glaubensbekenntnisse stritt er ihr die Erbsünde im
theologischen Sinne glatt ab Gott schuf ihr Herz pflegte er zu sagen im
stillen sanften Mondenstrahle Sein Finger ist kenntlich Sie ist das Liebchen
der Natur Sie nascht ihr wie ein frommes Lämmchen aus der Hand  Wie wahr
Und wer war ein treuerer Naturkenner als Herr v G
    Meine Mutter versicherte dass nie eine Trauer besser gestanden als der Frau
v W über ihren Freund  obgleich fügte sie hinzu sie beide vor Gott noch
keine Verwandten sind Der Mensch denkt Gott lenkt
    Noch einen Ausdruck aus meiner Mutter Nachricht den Tod des Herrn v G
betreffend Sie bemerkte Herr v G wäre zwar ein braver allein kein
kreuzbraver Mann jenes sei ein Sokratiker dies ein Christ  Warum ist er doch
nicht in die Erde gescharrt dieser brave Mann dieser Naturmann
    Genug vom Herrn v G der bloß aus Nächstenliebe in diese Geschichte
gekommen der keines andern als des Gastrechts sich zu erfreuen gehabt Gott
schenke ihm eine fröhliche Auferstehung  und uns zu seiner Zeit eine selige
Nachfolge
    Der Tod meiner Mutter bewog mich mich wegen des Nachlasses meiner Eltern an
einen Rechtsfreund zu wenden Ich konnte und wollte nicht nach Kurland Meine
Leser kennen meinen Bevollmächtigten es ist der Protokollist dem der gelehrte
a  aufgab nichts auf die Erde fallen zu lassen was im Blutrate über Minen
vorfiel
    Ich statte dem Curator funeris hier öffentlich meinen Dank ab ohne zu
wissen ob meine Leser diesem Danke in Rücksicht der ihnen mitgeteilten
Nachrichten beitreten werden Ich wünschte es wohl 
    Unter den mütterlichen Papieren welche er mir übersandte war ein Briefbuch
 welches unser Gottfried meiner Mutter zugeschrieben Dies war der geheime
Auftrag den man dem Gottfried da wir auf dem Gute des Herrn v G in
Königsberg schliefen eben so ansah als es ihm anzusehen war dass er geweint
hatte Es sei dieses Briefbuch unter den AbcBeilagen die letzte Mit welchem
Herzen ich dies Wort letzte niedergeschrieben weiß Gott und mein Freund   es
 
                                   Beilage C
     Einen freundlichen Gruß und alles Liebes und Gutes zum voraus
    Wohlehrwürdige Veste Hoch und Wohlgelahrte Frau Pastorin Fürsichtige
    Seelsorgerin und Mutter meines zweiten Herrn
nebst dienstwilliger Bitte mir durch die Finger zu sehen dass ich so keck bin
schriftlich Ew Wohlehrwürden hinterm Stuhl zu stehen und auf diesem Teller ein
Glas Wasser zu reichen Wer durstig ist steckt auch die Nase in ein Glas
Wasser Ein Schelm gibt mehr als er hat Mit der Zeit hoffe ich ein
Spitzgläschen Wein reichen zu können Ew Wohlehrwürden dürfen nicht glauben
dass ich Ihr Kleid mit diesem Glas Wasser begiessen werde und wenn ich etwas
vergösse ist es doch bloß Wasser Wo das fleckt ist die Farbe nicht echt 
Ew Wohlehrwürden haben alles ächte Farben
    Ich lerne was man nur kann Verstand kommt nicht vor Jahren wie ich sehe
weder in Kopf noch in Finger Meine Herren machen sich den Spaß zu sagen dass
ich viel Anlage zum Handwerk habe aber blutwenig zum Gelehrten da das
Schreiben mir wunderbarlich von statten geht und da ich die schwersten Worte
von der Faust weg aufs Papier setze Das wächst alles wie Pilze Wenn ich nur
die Herren und Bedienten unter den Worten unterscheiden könnte aber da liegt
der Hund begraben nicht der Argos meines adelichen Herrn sondern der Hund im
Sprüchwort Wüsste ich die großen und kleinen Buchstaben zu brauchen was würde
mir dann fehlen Im gemeinen Leben kennt man so was an der Livree bei den
Buchstaben ist alles eins nur dass einer ein besser Gesicht als der andere hat
Die l gefällt mir über die Massen ein schlanker Buchstab und überhaupt bin ich
den Buchstaben gut die gedruckt und geschrieben sich gleich sind da weiß man
doch woran man ist Es wird mir herzinniglich lieb sein zu vernehmen wenn
mein lieber Vater wohl auf wäre der keine i geschweige denn eine a machen
kann Für mich ist a der schwerste Buchstabe im ganzen deutschen ABC Schwester
Trinchen die so schrieb wie ich ehe ich auf die Akademie ging wird wohl noch
nicht aufgeboten sein Meinetwegen danke dem lieben Gott für gute Gesundheit
Mir hat auf der Reise kein Finger vom Daumen bis zum kleinen weh getan und
meinen Herren auch nicht Keinmal umgeworfen aber alle Augenblick gedacht es
fiele schon Einem der andern Herren Passagiers kam eine meerschaumene Pfeife
die in Kurland ihre zehn Bauern wert gewesen unter das Rad und noch einer
verlor seinen Hirschfänger den er auch zu Hause hätte lassen können Er war
noch dazu nicht von Adel und trug unter dem Hut eine baumwollene Schlafmütze
Meine Herren pflegten zu sagen dass er in einem Zuge wache und schlafe Hätte er
den Hirschfänger nicht mit gehabt wäre er nicht verloren gegangen Er hatte
einen silbernen Griff Das Gehenk schenkte er mir weil ich ihm unterwegs
beisprang Sonst war er bis auf den Hirschfänger und den Hut und Mütze in einem
Stück bald hätte ich in einer Person geschrieben nicht zu verwerfen Schon
hatte ich eher Ew Wohlehrwürden von allen diesen Dingen dies Glas Wasser voll
Nachricht erteilet wenn ich nicht erst das Glas reinigen und läutern wollen
Wird sich von selbst verstehen dass ich mich im Schreiben sichtlich gebessert
habe wofür ich nächst Gott meinen Herren dienstlich verbunden bin Ein Apfel
fällt nicht weit vom Stamm und wer nur Lust hat kann schon auf der Akademie
was lernen es sei großer oder kleiner Buchstabe Ew Wohlehrwürden danke ich
ganz gehorsamst für alles Gute und unter diesem Guten für die schöne Predigt da
ich Abschied nahm und den Segen empfing den Ew Wohlehrwürden an diese Predigt
legten Das ging mir alles durch Mark und Bein So ein schöner Text als wenn er
auf mich gemacht wäre Niemand kann zwei Herren dienen Ew Wohlehrwürden
Erklärung vergesse ich nicht solange eine Handvoll Leben in mir ist dass
nämlich dieser Spruch so wie der vom KameelNadelöhr und dem Reichen zu
verstehen sei Ich habe alles gefunden wie Ew Wohlehrwürden es mir auf den Weg
gegeben Meine beiden Herren sind wie Mann und Frau und ich diene also nicht
zwei Herren Sie sind so von einander unterschieden und wieder so zusammen wie
Mann und Weib
    Ew Wohlehrwürden Herr Sohn wird einen starken schwarzen Bart bekommen Der
liebe Gott lasse ihn dabei Ist doch besser als ein Judasbart den ich in drei
Kirchen am Altar abgemalt gefunden So getroffen Mich wundert dass ein Barbier
nicht in Gedanken dem Judas zu Halse gegangen Man konnte ihn recht beim Bart
halten Mit dem Herrn v G hält es wegen des Barts schwer Hie und da ein
weißes Härchen Sonst sind hier die Barbiere nicht in sonderlichem Ansehen und
werden von den Herren Studenten Bartphilosophen genannt welches ich Ew
Wohlehrwürden nicht verhalten kann Große Städte große Sünden kam auch in Dero
Abschiedsermahnung vor und das ist wahr und wahrhaftig Prediger die schwere
Menge mit blauen und weißen Kragen Blau haben die Feldprediger auch
Manschetten und kleine seidene Mäntel die man Advokatenmäntel heißt Die
Advokaten gehen hier schwarz mit kleinen Mäntelchen die man Feldpredigermäntel
heißt Sie nennen sich Priester her Gerechtigkeit von andern ehrlichen Leuten
werden sie Galgenprediger genannt Ich konnte diese Herren lange nicht aus
einander bringen bis mich der blaue Kragen an Ort und Stelle brachte Wie das
alles hier durch einander läuft und fährt wahrlich noch weit ärger als in
diesem Briefe Prediger und Advokaten Man kann vor Lärm kaum sein eigen Wort
hören Die Pastortracht die in Kurland keiner anzulegen sich erkühnen darf er
sei noch so hochwohlgeboren und hochgeschoren ist hier etwas so Gemeines dass
alle Küster sich in Kragen und Mantel stecken und kein Ansehen der Person
zwischen Pastor und Glöckner ist Gräuel ist es anzusehen Es gibt sogar Leute
die beim Wagen gehen wenn Vornehme begraben Werden ganz gemeine Kerls Träger
von den eigentlichen Leichenträgern und auch diese Unterträger gehen mit Kragen
und Mantel Anfänglich war mein Hut mehr in der Hand als auf dem Kopf weil ich
jeden Kragen und Mantel grüßte jetzt lasse ichs bleiben und so bleibt auch
wider meine Schuld mancher Pastor ungegrüsst welches Ew Wohlehrwürden nicht
übel auszulegen belieben wollen Gott grüße den Herrn wenn er es verdient und
Ew Wohlehrwürden gleich ist in Lehre und Leben
    Um zur Hauptsache zu kommen die Ew Wohlerwürden mir auf meine arme Seele
gebunden so habe ich mancherlei von Ketzern auch in Kurland gehört allein wer
den Teufel nicht selbst gesehen hat keine rechte Vorstellung vom bösen Feinde
Die Ketzer sehen Gott seis geklagt aus wie wir andere Christenmenschen Vom
Kopf bis zu Füßen nicht einmal lassen sie sich den Bart wachsen wie Judas in
den drei Kirchen Man hat mir erzählt dass unter den Doktoren und
Schriftgelehrten sogar viele wären die nicht reiner Lehre sind allein hier ist
jeder für sich und Gott für uns alle Ich habe mir einen Kandidaten zeigen
lassen der seine Stimme durch eine Erkältung verloren aber darum geht ihm kein
Dreier ab Er steht sich besser als wenn er eine Gemeinde und eine Stimme
hätte Er lebt vom Predigtmachen so gut als einer und wenn der Pastor unter
den Mennonisten den Reformirten den Katholiken selbst unter den Juden eine
Predigt nötig hat husch ist er mit fertig und wer sie hört merkt nicht auf
tausend Meilen dass ein luterischer Kandidat ohne Stimme diese Predigt
ausgeheckt Der Herr Sohn sagt der Mann sieht wie die Toleranz selbst aus und
da war ich noch übler mit diesem Kandidaten daran wie zuvor denn ich fand an
ihm kein Abzeichen ob ich ihm gleich zehn Straßen nachlief wenn ich ihn gehen
sah Was er darüber gedacht hat fahre in die nächste Predigt die er für den
Rabbi macht welches allhier ein feister Mann ist der wie ein Wechsler aussieht
und von Moses kein Haar hat Die Toleranz sieht wie der Herr Kandidat aus und
der Herr Kandidat wie ein anderer ehrlicher Mensch Was ich mir darüber den Kopf
zerbrochen habe Gestern bemühte sich der Herr Sohn das Wort ins Licht zu
stellen wozu ich ihm Feuerstein und Stahl reichte
    Toleranz heißt wenn man fünf gerade sein lässt welches doch nicht ist
obgleich wir an jeder Hand fünf Finger haben Wo Duldung ist da ist auch
Fortpflanzung sagt er und was er sagt ist wie Amen in der Kirche Hier zu
Land ist man für beides für Fortpflanzung und für Toleranz Die Leute sagen je
mehr Kinder je mehr Brod Das finde ich nicht und was die Toleranz betrifft
so kann ich Ew Wohlehrwürden versichern dass zur heiligen Advents und
Weihnachtszeit von den Chorknaben vor den Häusern der Juden so wie vor
ChristenTüren gesungen wird »Uns ist geboren ein Kindelein« das ist über den
Kandidaten den Predigtfabrikanten Ew Wohlehrwürden können nicht glauben wie
sonderbar das Lied »Uns ist geboren ein Kindelein« vor einer Judentür klingt
Es verlohnt der Mühe drum nach Königsberg zu reisen und wenn Ew Wohlehrwürden
einen so guten Major und Junker finden wie wir so würde Ihnen kein Haar
gekrümmt das Ew Wohlehrwürden nicht selbst zu krümmen Lust und Belieben
finden
    Bei uns essen die Juden und die Edelleute freilich Kirschen zusammen allein
man weiß wohl wies geht wenn paar und unpaar Kirschen essen Ich versichere
Ew Wohlehrwürden dass hier ein Katholik bei einem der ersten Prediger im Dienst
steht Er heißt Johann und ist bis auf den katholischen Glauben ein guter
Knabe der mich neulich in seine Kirche schleppte wo ich eine Predigt gehört
die Gott sei bei uns mir so vorkam als wäre sie luterisch Das soll mir eine
Warnung sein nie mehr in unächte Kirchen zu gehen Die preußische Luft ist so
tolerant dass man wie behext dasteht Ew Wohlehrwürden versichere auf Ehre
dass Gott steh uns bei wenn ich mir die Augen verbände ich ein »Vaterunser«
in der katholischen Kirche beten könnte trotz dem Johann der beim ersten
lutherischen Prediger dient Wie sich das alles hier spricht und widerspricht 
Ein Wäscherin heiratet einen Kohlenbrenner eine Herrenhuterin die selbst so
schlecht und recht einhergeht als könnte sie nicht drei zählen nährt sich vom
Putzmachen Jedes geht seinen Weg Keiner legt es an den andern zu bekehren
Juden das versichere Ew Wohlehrwürden auf meinen christlichen Glauben kommen
sogar in christliche Kirchen nicht um sich zu bekehren und zu leben sondern um
eine wohlgesetzte Predigt zu hören In der Kirche bis auf die schöne Musik zu
ist es wie auf dem Tanzboden Alles fasst sich an hier mit der Hand dort mit
den Augen Dass die Toleranz dem lieben Gott ein Gräuel sei weiß ich wie einer
dass aber die Leute hier just so dick und fett sind wie anderswo ist nicht zu
leugnen Mag aber wohl ungesundes Fett sein Hexen glaubt hier kein Kind von
acht Tagen das doch so in seinen besten Glaubensjahren ist Mein adelicher Herr
sagte gestern Wenn hier die alten Weiber mit Ew Wohlehrwürden Erlaubnis noch
so hässlich aussehen es ist keine der Gefahr ausgesetzt verbrannt zu werden
wiewohl auch zu meiner Zeit keine in Kurland Gott seis geklagt in Rauch
aufgegangen Ich möchte gern eine prasseln hören Muss doch einen besonderen Knall
geben Der Himmel weiß wie es kommt so hässlich sind die alten Weiber in
Kurland nicht wie hier Mag wohl kommen weil sie hier nicht alt sein wollen
Die Mädchen so frech dass nur noch jüngst eine Ehefrau ich stand hinter ihrem
Stuhl so behext wie in der katholischen Kirche die Frage aufbrachte warum wir
nicht alle nackt gingen wie im Paradiese Da bin ich gut dafür dass Ew
Wohlehrwürden das Wort »nackt« noch bis diesen Augenblick nicht ohne Röte
werden aussprechen können und diese  war nicht einmal rot Sie forderte ein
Glas kalt Wasser Dass dein Feuer gelöscht werde dachte ich allein es scheint
sie bedürfe des Löschens nicht Ländlich sittlich könnte man wohl sagen wenn
bei dieser Sache auch nur das mindeste Sittliche wäre Man hat mich versichert
dass dergleichen Mädchen mit bloßen Busen hinter deren Stuhl man behext wie in
der katholischen Kirche ist die tugendhaftesten wären Erbsünde hat jedes Ew
Wohlehrwürden selbst nicht ausgeschlossen Das grüne Holz die Frommen die
Stillen sollen hier zu Lande das dürre sein und davon kann Ew Wohlehrwürden
ein Pröbchen geben Grad über wo wir einwohnen war ein Mädchen in ihrer Art
nicht uneben Sie tat so züchtig als kennte sie den alten Adam nicht anders
als im Kupferstich wo ich ihn auch mit Hörnern gesehen  Sie dient ich diene
Mein adelicher Herr kann ihre Jungfer leiden und  was soll ich leugnen  ich
sie Wenn ich sie nur ein wenig hart zur Hand nahm gleich ein Schrei und dann
wieder bringen Sie mich nicht zum Ende Sie werden Unheil anrichten und so
weiter Kam ich Sonntags las sie die in Gott andächtige Jungfer mit ihren
Morgens und Abends zu Gott erhabenen Händen an Sonn und Festtagen sowohl
durch auserlesene Sprüche der heiligen Schrift andächtige Gebete und geistliche
Lieder vorgestellt als in beigefügten sauberen Kupferbildern entworfen von M
Nicolao Haas Pastore Primario und Inspectore der evangelischen Kirchen und
Schulen zu Budissin
    Stade druckts und verlegts Kaspar Holwein Im Jahr 1717
    Was mir diese Andacht durchs Herz ging kann ich nicht sagen Den Titel
abzuschreiben hat mir wie Ew Wohlehrwürden leicht denken können viel Mühe
gemacht aber ich tat es mit Freuden um Ew Wohlehrwürden diese Freude zu
machen Weiß nicht ob Ew Wohlehrwürden diesen Haas diesen Kaspar Holwein und
die in Gott andächtige Jungfer kennen Sollte mir herzlich lieb sein wenn es
wäre Der Name Haas ist freilich etwas anstößig wer kann aber für den Namen
Die Kupferstiche sind sauber Wo ich ein andächtiges Weibsbild auf Knien fand
dacht ich Lieschen war es auf ihrem Herzensknie Das Büchelchen war mit
Silber beschlagen Können sich Ew Wohlehrwürden von dieser in Gott andächtigen
Jungfer mit ihren Morgens und Abends zu Gott erhabenen Händen an Sonn und
Festtagen vorstellen dass sie vor vierzehn Tagen ein Söhnchen taufen lassen Da
wär ich angekommen wenn ich es mit ihr zu Ende gebracht Ich habe gar viel
Spott darüber von Freund und Feind erlitten weil man nichts anders glauben
wollte als dass ich Hähnchen im Korbe gewesen  Der Täter soll ein
liederlicher Bursch sein der durchs Gebetbuch gewiss nicht angelockt worden
Hab ich doch um das Mädel geweint wie ihr kleines Kind Da war sie in Angst
und Not wegen ihres Kindes und wollt ich wohl oder übel musste schon in einen
saueren Apfel beißen und das Kind ernähren Der Apfel ist eben so sauer nicht
Geht schon in den vierten Monat dass ich das Kind erhalte Ward mir indessen vom
Johann der sich auf so etwas versteht angeraten zum Richter zu gehen und
über das alles ein Protokoll zu lösen damit ich nicht zu Kind und Kegel käme
wozu hier zu Lande die Unschuldigsten am ersten kommen Ist ein braver Mann der
Richter nahm kein Geld für die Schrift wohl aber musst ich den Stempelbogen
bezahlen weiß nicht warum Besser wäre es gewesen das Kind hätte das Geld
dafür aufgepappt
    Was das wunderlichste dabei ist so tut die in Gott andächtige Jungfer als
wäre die ganze Sach eine Kleinigkeit  Wie man es nimmt freilich eine
Kleinigkeit Der Stempelbogen ärgert mich am meisten  Wozu ist denn ein
Stempelbogen nötig wenn man ein Kind einer in Gott andächtigen Jungfer Stade
druckts und verlegts Kaspar Holwein erziehen will Johann sagt ob Rose oder
Knöspchen Weiß nicht Liese soll sich haben verlauten lassen Wer wieder
aufstehen kann was tut dem der Fall Ich denke tut viel und wär es auch
nur dass alle Leute drob lachten wenn man fällt Sollte man glauben Lieschen
liest wieder die in Gott andächtige Jungfer als wäre nichts vorgewesen Mit der
Zeit merk ich ist man allen kleinen Kindern gut Vater sein oder nicht macht
nichts zur Sache Ew Wohlehrwürden würden dem Knäbchen selbst gut sein wenn
Sie es sehen sollten Ist ein feines sauberes Kind wie die Kupferbilder Zwar
sagt die arge böse Welt dass es mir ähnlich wäre allein was sagt die nicht
Ist nur gut dass ich das Protokoll auf Stempelpapier habe um der argen bösen
Welt das Maul zu stopfen zu so etwas ist ein Stempelbogen gut
    Ew Wohlehrwürden Herr Sohn wird von allen Menschen geliebt Ich wette wenn
er Geld lehnen wollte Juden und Christen würden ihm leihen auf sein blank
Angesicht Sonst gibt man den Studenten kein Geld sie studieren weltlich oder
geistlich Warum denn nicht  Sein gerader Weg macht ihm Kredit überall Wenn
was zu sehen ist und es ist Wache ausgestellt Er kommt gleich ist die Pforte
offen ich hinterher wie Ew Wohlehrwürden leicht denken können Jeder Vater
der ihn ansieht möchte ihm seine Tochter geben und jede Tochter das wollte
ich wetten möchte ihn auch gerne mit Herzen Mund und Händen Das lässt er aber
bleiben Er wird sich durch keine in Gott andächtige Jungfer anstecken lassen
ob er aber ohne Protokoll abkommen wird zweifle sehr Wer hier ein gutes Herz
hat kann an ein Protokoll kommen weiß nicht wie Selten glaub ich ist
jemand der nur mit dem Stempelpapier abkommt wie ich wofür ich Seiner
Gestrengigkeit großen Dank sage und es zu rühmen wissen werde Lieschen ist
einundzwanzig Jahr alt und bis auf das Söhnchen ein vortreffliches Mädchen
Hoffe dass das Kind ihr Gemüt haben werde und nicht des liederlichen Burschen
Sonst sollte mirs doch wohl um die paar Groschen leid tun die ich meinem Munde
entziehe der Magen verliert nichts daran Ob Ew Wohlehrwürden Dero Abkömmling
kennen würden in seiner gelben Weste und Hosen Könnte wohl schwarz sein wird
auch wills Gott werden Gegen die Königsbergschen Jungfern ist gleichviel
ob grünes oder dürres Holz ist er wie Eisen und Stahl Weiß nicht wie es
kommt  Wünschte dass ich gegen Lieschen auch so wäre Bins nicht Weiß nicht
wie er auf gelb gefallen keine sonderliche Farbe Hat aber seine Grillen Habe
ihn zuweilen mit sich selbst reden gefunden und recht laut sagt dass es alle
Leute täten die sich stark was einbilden könnten Mir würde grauen wenn ich
allein sein und reden sollte Denk es könnte sich doch was melden und da war
ich übel dran Ob er zur Übung mit Tisch und Stühlen katechisirt weiß nicht
möchte erfahren was Ew Wohlehrwürden von diesem Gerede denken Ob Röschen oder
Knöspchen sagt der Katholik allein großer Unterschied Ists denn gleich fein
züchtig sich gehalten oder Scham und Schande verloren und sich weit und breit
jedem darstellen ders begaffen und beriechen will Ew Wohlehrwürden werden
meiner Schwester Trinchen diese Rosengeschichte nicht aufblättern Sie und
Hannchen liegen sich immer an den Ohren Hätte zwar Hannchen halber die in Gott
andächtige Jungfer je eher je lieber ehelichen können da ich kein Buch und Tuch
aufs Gewiss gegeben Ein Hannchen aber ist mehr wert als zehn andächtige
Jungfern Werde schwerlich Hannchen zum ehelichen Gemahl nehmen
    Von Wahrzeichen weiß Ew Wohlehrwürden wenig oder nichts zu sagen außer die
schöne Aufschrift an einem Hause die meine Herren sich den Tag wohl zehnmal
abfragen und abantworten Der eine fängt an
    Klimm schläfst du
    Der andere antwortet
Treu Glaub das Recht und das rechte Recht
Die haben sich alle vier schlafen gelegt
Nun komm du lieber Herre
Und erweck sie alle viere
    Zwar sind diese Worte im platten Deutsch welches man so gut wie das
Curische undeutsch heißen könnte hab indessen Ew Wohlehrwürden mit diesem
platten Deutsch nicht schwer fallen wollen wohl wissend was Ew Wohlehrwürden
schuldig bin Mir ist in dieser Aufschrift so was vom lieben jüngsten Tage dass
ich das Haus bei Mondschein nicht ohne Schauer vorbeilaufen kann wo diese
Jüngstetagesschrift angeschrieben ist Gehen könnt ich nicht vorbei um
Tausende Da dünkt mich immer Klimm regt sich Wenn Ew Wohlehrwürden mir bei
guter Gelegenheit zu erklären die Güte hätten wie das Recht und das rechte
Recht von einander wären würden Ew Wohlehrwürden Ihrem Diener ein großes Licht
anzünden Mein zweiter Herr ließ sich zwar verlauten dass das Recht im Buche
das rechte Recht im Herzen und im rechten Herzensfleck im Gewissen
angeschrieben stünde und dass wo viel Recht wäre oft am wenigsten rechtes
Recht sei das mag aber wohl er und Klimm verstehen ich begreife da kein Wort
    Der König soll sich alle Mühe geben Recht und rechtes Recht in sein Land zu
ziehen sowie es alle Fremde gut bei ihm haben allein noch soll Klimm schlafen
An Recht soll es wie man hört nicht fehlen mag wohl am rechten Recht Hoffe
wohl für mein Teil ungeschlagen auch selbst ohne blaues Auge davon zu kommen
da ich das Protokoll in Händen habe Sollte glauben dass vor dem lieben jüngsten
Tag Treu Glaube Recht und das rechte Recht schwerlich aufwachen werden
Diesem seligen Tage sehe mit allen frommen Christen entgegen Wünsche gar
andächtig Ew Wohlehrwürden desselben Tages früh Morgens um drei Uhr einen
schönen guten Morgen sagen zu können Sollte denken dass ich den Klimm alsdann
ohne Schauer bei Mondschein sehen werde
    Mein erster Herr sagte gestern gar eben die Hoffnung sei der Steigbügel
woran wir uns halten und das gefiel mir nicht übel Bedaure nur dass Ew
Wohlehrwürden nicht reiten um dies Gleichniss probiren zu können  Muss
bekennen dass sich mein erster Herr durch meinen zweiten Herrn sichtbarlich
verklärt wie aus dem Steigbügel zu sehen Hat mir seine Antwort gefallen die
er gestern gab Sie müssen schon das Auge zumachen sagt ihm jemand Das tue
ich nur erwiderte er wenn ich schlafe
                                       
    Das übrige was Freund Gottfried meiner Mutter zugeschrieben stellenweis
Überhaupt ist mir diese Beilage in die Hand gefallen ehe ichs mir versah Ich
hatte meinen Lesern ein ganz anderes C bestimmt womit es mir indessen freilich
wie dem Gottfried mit den großen und kleinen Buchstaben gehen können Ich
wünschte herzlich dass ich dem Buchstaben C durchs gegenwärtige Briefbuch nichts
vergeben hätte dessen mein Vater sich als eines Unterdrückten und Notleidenden
angenommen Er wars der den Kandidaten ohne C widerlegte und diesem Buchstab
das deutsche Bürgerrecht verlieh welches ihm meine Mutter zur Gerechtigkeit
rechnete obgleich der lettische Dichter Paul Gerhard kein Lied mit C angehoben
welches ihm meine Mutter nie ganz vergeben konnte Dass ich Worten denen
respective große und kleine Buchstaben gebühren diese Gerechtigkeit widerfahren
lassen und dieses Briefbuch mehr leserlich von dieser Seite gemacht sei für
die Buchstabenhelden gesagt
                                                             Königsberg den  
    Der König hat sich in den Kopf gesetzt die Sperlinge zu vertilgen und es
ist ein Befehl ausgeschrieben dass jedes Männlein eine gewisse Anzahl
Sperlingsköpfe jährlich einzuliefern verbunden Ohne den Willen des himmlischen
Vaters der doch am besten wissen muss wozu ein Sperling gut ist fällt keiner
Wäre ich wie der König ließ ich keinem den Kopf abdrehen Ew Wohlehrwürden
sollten nicht glauben wie viel Sperlinge dieser Verfolgung unerachtet in
Preußen sind besonders in den Kirchenmauern wohin die armen Dinger sich retten
und fliehen Da sieht man doch dass es nicht ganz gottlose Geschöpfe sind Vor
wenigen Tagen hielt mein zweiter Herr den Sperlingen eine Verteidigung wobei
er auch vom Morgen und Abendsegen der Raben sprach die andächtiger auswendig
beten mögen als Lieschen aus der in Gott andächtigen Jungfer Kann das Mädchen
nicht aus den Gedanken bringen Besonders des Nachts gaukelt sie mir vor den
Seelenaugen Hoffe indessen mit der Zeit sie gar völlig los zu werden Mein
zweiter Herr behauptet dass es gewisse Raupen gebe von welchen die Sperlinge
den Boden reinigen Habe nie gewusst was eine Insel sagen wolle bei dieser
Sperlingsgelegenheit auch erfahren In England kann man Tiere ausrotten als
Bären wilde Schweine Wölfe aber Vögel zu vertilgen muss man in England
bleiben lassen Möchte wissen was Ew Wohlehrwürden von Preußen und den
Sperlingen denken von denen doch ein Paar im Kasten Noah gewesen 
    Ha der Betrüger Lieschen ist so schuldig nicht als ich glaubte Er hat
sich durch keinen Schrei abschrecken lassen wie andere wohlgezogene Gemüter
Hat ihr ein seines Briefchen von seiner Mutter gezeigt die gar höchlich froh
über solch eine Schwiegertochter getan Mich hat der Bösewicht mit Verlaub zu
melden einen Kosaken genannt Möchte wissen ob so etwas nicht zu bestrafen
Fürchte nur dass nicht ohne Stempelpapier abkommen würde Hat einen Nickel
verkleidet der als seiner Mutterschwester Lieschen gar lieblich begrüßt und
nun ist Mutter und Mutterschwester nicht zu sehen nicht zu hören Glaube auch
dass der Bösewicht der still wie ein toller Hund hinschleudert sich unsichtbar
machen werde Mich einen Kosaken Möchte nicht einmal ein Katholik sein wenn
Papst werden könnte so doch ein gutes Stück Brod ist  Habe es meinem zweiten
Herrn erzählt wundert sich darob dass alles wie aus einem Buch genommen wäre
Habe es von Lieschen die es mir mit Tränen erzählt hat und konnte ich nicht
umhin herzlich mitzuweinen Was das Mädel den Tanz bedauert wozu ich die Musik
bezahle ist nicht auszusprechen Habe Lust das Protokoll zu zerreißen und dem
Kinde meinen Namen zu geben Ob ich das Protokoll zerrissen zurückbehalten
werde weiß nicht  Wollte das Kindlein Ew Wohlerwürden gottesfürchtig
empfohlen haben wenn ich unterwegs bleibe Die Mutter ist seit gestern so voll
Busse dass wenn sie nicht etwa eine neue Untat bereut welches Gott verhüten
wolle sich ein Stein über sie erbarmen könnte Bittet Ew Wohlehrwürden auf
allen Fall ihres Kindleins halber zu grüßen Hoffe dass Hannchen wenn gleich
sies erfährt bedenken wird dass Tanz und Musik zweierlei ist
      Habe gestern eine Wallfahrt mit meinen beiden Herren zu Fuß gehalten
nach der alten Stadt und deren Kirche wo der Sohn des seligen Dr Luther
Johannes genannt begraben liegt Werden auch wohl in Ferien nach Mühlhausen
ein paar Meilen von hier reisen wo seine Tochter schläft Man zeigt noch ihre
Knochen in einem kleinen Sarge  Soll gut für Kopfschmerzen sein
    Will Ew Wohlehrwürden ein paar Geschichtlein nicht verhalten die hier viel
Redens gemacht in Lehr Wehr und Nährstand wie Ew Wohlehrwürden die
Christenwelt bedachtsam einteilen
    Ein armes Weib die in einem benachbarten Flecken mit Brod ausgesessen ist
allda vor Hunger gestorben Will viel sagen frisches Brod riechen und nicht
begehren seines Nächsten frisches Brod  Ihr Brodlohn hat sie ihren zwei
unerzogenen Kindern zugewendet welche der selige Mann ihr zurückgelassen 
Wollte nicht in diesem Flecken wohnen Muss Hagelschaden kommen und Misswachs
    Da geht ein gedrückter Mann in die Kirche nach Trost  Findet ihn Der
Pastor predigt recht nach seinem Herzen nun gehts an eine Kollecte für eine
abgebrannte Kirche Die Kirche hat nicht Fleisch und Bein wie ich habe sondern
Stein und Kalk und ist nicht mein Nächster wie ich glaube Der arme Mann will
zur Tür hinaus ehe die Kirchenältesten die Sammlung anheben Siehe da die
benachbarte Tür ist verschlossen und so muss er durch die ganze Kirche und
alles zeigt ihm mit Fingern nach Er hatte nur einen Gulden in seinem ganzen
Hause und fünf Kinder die nach Brod den Mund aufsperrten Mein zweiter Herr
behauptet dieser Trostlose hätte mehr gegeben wie sie alle obgleich er nichts
gab Er ließ sich schnöde mit Fingern nachweisen Wenn es doch mit dem Gulden
wie mit dem Oelkrüglein ginge Gott gebs
    Hab mir noch einige Knoten ins Schnupftuch gemacht
    
    Ein armes Weib bekommt drei Kinder und hat nur mit genauer Not ein
Hemdchen vor ihrer Niederkunft zusammengebracht Wie das dritte kommt ringt sie
die Hände Das arme Weib will die beiden jüngsten nackt taufen lassen  Der
Prediger gab nichts als drei Segen und wollte auch für drei bezahlt sein Was
aber die Leute ohne dass sie Gevattern waren dem armen Weibe zugewandt ist
nicht zu beschreiben Müssen doch noch mehr Gerechte hier sein als in Sodom
wenn gleich man mit »Uns ist geboren ein Kindelein« vor den Judentüren hausiren
geht eine Wäscherin einen Kohlenbrenner heiratet eine Herrenhuterin Putz
macht ein stimmloser Kandidat für Juden und Heiden Predigten fabricirt
    Ein großer Knoten  Meine Herren klagen alle Morgen über die schlechte
Milch Freilich sieht sie aus als käme sie von einer der sieben mageren Kühe
Doch liegts nicht an der Kuh und wird sie mit Wasser von den Mädchen
verfälscht die sie ausschreien  Da geht eines dieser Milchmägdlein und der
Wind reißt ihr ihr rotes Tuch vom Halse und nimmt es mit ins Wasser  Weg
ists Da steht sie mit bloßem Busen wie die junge Frau die nackt gehen
wollte Vom Wasser kommts zu Wasser gehts So gewonnen so zerronnen sagten
die Leute und Ew Wohlehrwürden werden diesen großen Knoten verzeihen
    Es ist eine extrafromme Schule wo ein Knabe gefragt wird wer ist dein
Vater Soll antworten der Teufel wie es geschrieben steht der Junge ist so
dumm und sagt Erzpriester in  ist darüber hart angesehen wie ers auch wohl
verdient hat
    Habe so viel von einem großen Gelehrten erzählen gehört der im großen
Weinfass seine Wohnung genommen und sich über alles aufgehalten was ihm zu nahe
gekommen Ein Mann desselben Schlages ist allhier befindlich Seiner Profession
ein Jude Sagt allen Leuten eine trockene Wahrheit hat nur den Fehler dass er
betrügt wie andere Mag wohl der Fassgelehrte auch nicht ohne Tadel gewesen
sein
    Das Pflaster einer der besten Straßen wird gebessert Was wollt ihr fragt
der Jude da sie mit Spaten und Steinen kommen Die   Gasse ausbessern Das
geht nicht mit Steinen sondern mit Friedrichsdoren Eine Münze die hier
fünfzehn Gulden gilt und der der König seinen Namen gegeben hat Ist doch nur
ein Stückchen Gold und Ew Wohlehrwürden sollten Lieschens schönen Jungen
sehen  Ich denk ich zerreiss das Protokoll und verwerfe die Stücke
    Der Jude ist ein sonderbarer Kauz »Hängt ein Jude« sag er »wem kommts
wohl ein zu schreien Da hängt ein Dieb da hängt ein Jude sagt jeder«
    Was habt Ihr das Jahr gestrenger Herr fragt er einen Richter Bald viel
bald wenig wie es fällt erwiderte der gestrenge Herr Sporteln meint Ihr
doch fügte der Richter hinzu Nicht doch beschloss der Jude Flüche und Segen
    Der Reiche hat er sich verlauten lassen ist ein Kettenhund des lieben
Gottes den er an die Kisten und Kasten gestellt hat Der Reiche bezahlt für den
Armen dieser genießt jener trägt die Kosten
    So gehts sagt er da jemand fuhr der sich durch einen wohltätigen
Bankerott bereichert hatte der Herr fahrt weil er sich vergangen hat
                                       
    Eine Hand wäscht die andere Gottfried hat für mich ein gut Bekenntnis
getan und ich kann ihm mit gutem Gewissen Gleiches mit Gleichem vergelten Es
war kein Augendiener sondern einer von Herzensgrunde Wissbegierig bei
mittelmäßigen Fähigkeiten Ein seltener Fall Ost vergaß er aus Achtsamkeit dem
königlichen Rat den Teller zu nehmen und bald gab er ihm Salz für Pfeffer und
Essig für Zucker Der königliche Rat liebte alles sehr süß Gottfried hörte
überhaupt mehr als er sah war nicht etwa ordentlich sondern peinlich Es
verdross ihn nichts mehr am Junker Gottard als dass er die Groschen und Pfennige
oft unberechnet ließ Herzlich freute er sich über meine Bemerkung Bruder zum
Kaufmann und tiefen Gelehrten hast du keinen Beruf die berechnen Pfennige
Dichter aber könntest du werden  Nach Noten erwiderte Junker Gottard
Gottfried lächelte und dachte vielleicht innerlich zum tiefen Gelehrten mehr
Anlage zu haben als der gnädige Herr
    Zuweilen übertrieb Gottfried diese Anlage Wenn er Spielgeld wegtrug
bestand er auf eine Quittung worüber er einmal bei einem Haare aus dem Regen in
die Traufe gekommen wäre Einen gastfreien Ausdruck nahm sich Gottfried nicht
übel und kam immer mit heiler Haut davon wenn gleich er zu weit ging  Seine
Rechtschaffenheit blickte überall durch Jeder nahm Partei sobald er ihm ins
Gesicht sah Da er sich im Schreiben zu üben Gelegenheit hatte glaubte er auch
im Denken es weit gebracht zu haben So geht es mit solchen Leuten und was
schadet es dass es so geht Man kommt oft mit Erfahrungsbegriffen weiter als mit
Vernunftbegriffen Bei jenen ist man unternehmend nichts ficht uns an bei
diesen alle Augenblick ein Querstrich ein Seitensprung Die Vernunft ist nicht
jeder Sache gewachsen und kann manches Gehege nicht durchbrechen wo die
Erfahrung sich Bahn macht  Die Barschaft seiner Seelenkraft ergibt sich aus
seinem Briefe Ich habe den größten Teil seines langweiligen Briefbuchs
abgesichelt Was hindert er das Land Seine Bemerkungen über Danzig gehen alle
auf das Glockenspiel heraus In Berlin hat er keine in Gott andächtige Jungfer
mit ihren Morgens und Abends zu Gott erhabenen Händen gefunden Lieschen ist
tot ihr Kind hat Gottfried nach seinem Namen genannt und das Protokoll nicht
etwa eingerissen sondern verbrannt Noch eine Stelle finde ich in seinem
Briefbuche die lesenswert sein dürfte
    Es ist allhier Sitte dass man die von Gottes Gnaden oder Ungnaden wie es
die Leute nennen in den Wirtshäusern zu jedermanns Achtung sonderlich denen
daran gelegen aufknüpft Da hing ein ganzer Kodex meine Herren nannten es so
am Nagel und es gefiel meinen Herren die Art den Kodex an den Nagel zu
hängen worüber der Wirt selbst lachte da man ihn darauf brachte Sein
Schwager der das Bier zu versuchen gekommen war hatte noch einen tückischern
Einfall den ich Ew Wohlerwürden mitteilen will Mein adelicher Herr tat die
Frage Nun Ihr haltet doch diese heilsamen Verordnungen oder von Gottes
Gnaden wie Ihr sie nennt  Junger Herr einer hält sie im ganzen Dorfe Gott
verzeih mir meine schwere Sünden Da fiel mir der Jüngling ein der alle zehn
Gebote gehalten hatte von seiner Jugend an Ha dachte ich das wird wohl so ein
Enkelchen dieses Jünglings sein und freute mich dass beide Herren fragten wer
denn hätten sie nicht gefragt so hätte ich es getan Wer Der Nagel
antwortete der Bauer und sah nach oben als ob seine Antwort auch an dem Nagel
hinge
    Aus dem nämlichen Fasse des jüdischen Diogenes Nicht wahr Ein besonderer
Geschmack darin Es schmeckt nach dem Fasse
    Hier sagt man schreibt Gottfried mutterseligallein habe es in Kurland
nicht gehört Mein zweiter Herr ist gleich mit einer Erklärung da Will es von
den sechs Wochen verstanden haben da der Mann sein Weib wenn er sie gleich
noch so liebt allein lässt und wo sie doch allein so selig in der Mutterfreude
ist dass sie nichts mehr begehrt  Liese fügte er hinzu hat nur drei Wochen
gehalten Möchte wissen wenn nach dem betrübten Sündenfall die sechs Wochen
aufgekommen
                                       
    Meiner Mutter Lieblingswunsch war Gott tue wohl den guten und frommen
Seelen und so schließe ich auch diese Beilage C
 
Soldat Ob mein Vater den rechten Weg eingeschlagen mich zum Soldaten zu
erziehen mögen Feldherren und nicht Kunstrichter bestimmen Dass ich mich aber
selbst nach dieser Lebensart nur erst da Mine tot war herzlich gesehnt ist
ein Umstand den ich zur Steuer der Wahrheit sonder Arglist und Gefährde hie
und da zu erkennen gegeben Nie würde ich diese Sehnsucht befriedigt haben wenn
es nicht dem Herrn über Leben und Tod gefallen meine liebe teure Mutter aus
der streitenden Kirche dieser Welt in die triumphirende zu versetzen und zum
ewigen Frieden in sein himmlisches Reich zu bringen wo Ruhe ist Sie warf
zuweilen die grossmütterliche Frage auf Ob es in der andern Welt zwei
Geschlechter geben würde und mein Vater der sich in solche Fragen nie einließ
brachte sie auf die himmlischen Heerschaaren und ließ das gute Weib im Stich
Sie war wirklich auf dem Wege zu glauben dass dort nur männliches Geschlecht
sein würde Indessen erklärte sie die Spruchstellen welche die Engel als starke
Helden als edle Streiter als Hülfsvölker der Menschen darstellten in der Art
dass man in der andern Welt sich recht emsig bemühen würde dem Wort exerciren
wich sie glücklich aus Gott zu loben  Der Engel aber sagte mein Vater der
in einer Nacht einhundert fünf und achtzig tausend Mann schlug  »Das war durch
eine Feldpredigt« Und der mit dem Schwerte vor dem Paradiese aufzog fiel ich
ein Stecke dein Schwert in die Scheide denn wer das Schwert nimmt wird durchs
Schwert umkommen
    Ohne dass man wusste ob diese vortrefflichen Worte auf den Cherub oder mich
gingen
    Noch nie bin ich über etwas so stimmig gewesen als über die Ausführung des
Entschlusses Soldat zu werden Es war göttlicher Ruf Ich hatte nicht nötig
die goldene Regel von zwei Loosen in Anwendung zu bringen und in eines flugs Ja
und ins andere flugs Nein zu schreiben sie einander gleich zu machen eins zu
greisen und zu tun was ich gegriffen Es war alles Ja in mir und Amen in
mir und wahrlich ich empfand dass ich eine Stimme zum Adler und Löwen hatte
die meine Mutter nur Basspastoren erlaubte dagegen sie der gütigen Meinung war
dass auch ein Discantist schon ein Tierchen für sein Stimmchen in der Bibel
finden würde
    Der preußische Dienst hat so viel Anziehendes für mich dass ich lange
kämpfen musste wo ich den Tod den lieben Tod suchen sollte Da fiel mir noch zu
rechter Zeit ein Gespräch ein das der Professor und der Offizier beim
königlichen Rat über diese Materie gehalten Es ward von einem jungen Manne
gesprochen welcher durchaus und wider seiner Eltern Willen wie es der
Professor hieß dem Kalbfell und nicht den Prolegomenen der Metaphysik folgen
wollte
    Der KalbfellAusdruck fiel dem Offizier auf Er forderte den Professor Hier
ist das Duell
    Und wenn er will
    Der Verstand ist frei
    Der Wille nicht
    Wer sich auf den Verstand verlässt was tut der
    Alles
    Mit der Feder
    Mit dem Kopf überall der Soldat Freund ich lasse Ihrem Stande alle
Gerechtigkeit widerfahren ich lasse ihm den Degen und wenn Sie wollen die
Hand
    Und Willen
    Meinetwegen wenn mein Stand den Verstand behält hat er gewonnen Spiel Den
Verstand  
    Bitte zu behalten Gegönnt von ganzem Herzen Mit Verstand ist nicht viel
anzufangen aber was können Sie denn meinem Stande nachsagen
    Kain schlug seinen Bruder Abel tot war der erste Alexander der Große der
erste commandirende GeneralFeldmarschall ein Allerdurchlauchtigster
Überwinder Sieger aller Sieger
    Und das Zeichen das ihm Gott an die Stirn hing gelt
    Das war wohl nach Ihrer Meinung ein Gnadenkreuz ein Orden  
    Wenn Sie wollen wenigstens schützt manches Gnadenzeichen den Träger dass
man ihn nicht Mörder schilt
    Gewonnen
    Noch nicht Gott schuf Weiber und Männer allein viele Männer sind Weiber
und viele Weiber Männer Es gibt Leute die den Baum sein höflich wegbiegen und
Leute die ihm gerade entgegen trotzen Leute die bitten und die fordern
    Fordern Freund Was haben wir denn Welt auf Welt abzufordern
    Die ganze Welt
    Oder nichts als uns selbst Ein jeder hat den Ort wo er steht den Platz
wo er seine Rüben Pflanzt
    Und wer ihm das nimmt
    Ist sein Feind
    Also Krieg und Soldat
    Vor dem die steinerne Tafel sub B die von der Liebe des Nächsten handelt
ihn schützt Was du nicht willst dass dir andere tun tue andern auch nicht
    Und wenn trotz der steinernen Tafel sub B doch ein solcher Täter wäre
    Dann alles wider ihn bellum omnium contra unum solum totum
    So wäre das menschliche Geschlecht eine Familie wo der liebe Gott Hausvater
wäre Staaten sind unserer Herzenshärtigkeit wegen und Soldaten
    Träume Freund Wir wollen nicht im Schlaf reden
    Ists Schlaf Ists Traum Wie gern gäbe ich wie der Astronom den Tag um
diese Nacht Glauben Sie nicht Freund dass einmal eine Heerde und ein Hirte
sein wird Dass die Böcke ausgestoßen und die Lämmer gesammelt werden können 
Es gehen viele Lämmer in einen Stall und in Wahrheit die Erde ist so ein
kleiner Stall eben nicht dass nicht jedes Paar sein Königreich sein Haus und
Hof seinen Acker haben und sich begnügen sollte mit dem was da ist Wir haben
nichts in die Welt gebracht und ist gewiss dass wir auch nichts Herausnehmen
werden Der Mensch wenn er tot ist hat mit wenig Spannen Erde genug und wenn
er lebt schwebt und ist braucht er ein paar Spannen drüber Man sollte nach
Spannen messen Die verdammten Meilen sie mögen deutsche oder englische oder 
sein so sind es Wege die den Menschen aus dem Menschen hinausführen Die
Soldaten sind eigentlich die Meilenzeiger Sie haben alles Unglück in die Welt
gebracht sie erhalten es und werden es so lange erhalten bis die Menschen so
klug werden dass sie kein Herz mehr haben dann wird sich alles von selbst
geben
    In den ersten fünftausend Jahren wohl nicht und da unser Leben siebzig
währet wenns hoch kommt achtzig lassen Sie uns die Welt nehmen wie sie ist
und den Soldaten Soldaten sein
    Aber das Bewusstsein dass er überflüssig ist dass die Welt ohne ihn sein
könnte und was noch mehr ist glücklicher sein würde  ha solch Bewusstsein
tut weh
    Kann nicht sagen Was würden denn die Herren Gelehrten in diesem Paradiese
vorstellen
    Bewahrer der Labe des Bundes wo geschrieben steht Was ihr nicht wollt dass
die Leute euch tun das tut ihnen auch nicht
    Lieber Freund Zu so einem kleinen Bundeslädchen hat jeder in seinem Hause
Platz ohne den Gelehrten Miete bezahlen zu dürfen
    Nun so mag alles dahin fahren Der Herr hats gegeben der Herr hats
genommen der Name des Herrn sei gelobet
    Und gebenedeiet Kurz und gut lieber Professor Gesetze ohne Vollstreckung
sind Professores ohne Studenten
    Zur Vollstreckung sind hundert Mann genug
    Nachdem die Untertanen sind viel oder wenig ruhig oder unruhig
    Man weiß nicht ob Julian die Christen oder die Christen den Julian
verfolgt Die Sterbescene an seinen Ort gestellt da Julian eine Handvoll
Menschenblut mit den Worten gen Himmel warf Endlich hast du Galiläer doch
überwunden
    Ich Julian 
    Die wenigsten Untertanen lassen es bis zur Execution 
    Und die Nachbaren
    Müssen denken wie wir
    Müssen Und wenn nicht
    Greift der Bürger nach seinen Waffen
    Der Professor nach dem Studentendegen
    Hat es denn nicht militiam civicam gegeben
    Schneider zum Beispiele
    Fleischer Schlosser Schmiede unsere Fuhrleute
    Gänse zur Leibwache fürs Kapitolium 
    Was ich bei dieser Unterredung für vernünftige lautere Milch in Absicht
meines Entschlusses eingezogen wird jeder selbst einsehen So lange die Welt so
ist wie sie ist scheint der Soldatenstand so etwas Männliches so etwas
Rüstiges an sich zu tragen dass ich keinem jungen Menschen falls er nicht eine
Mine hat verarge wenn er dem Kalbfell folgt so wenig wie dem Sokrates dass er
zwei Schlachten pro patria et gloria übernommen Der Gebrauch dass man das Kind
die Semmel erst mit einem Pfeile treffen ließ ehe man ihm solche bewilligte
hat er nicht sein Gutes Und wer kann meinem Vater das Alexanderspiel vorrücken
Man sieht den Krieg als einen Staatsaderlass an und vielleicht nicht ohne Grund
Der Professor war der Meinung so wie es alle Schulmänner sind der Peditatus
das Fußvolk sei der Kern die Phalanx der Armee Weil die Alten dafür gewesen
sagte der Offizier und weil die Schulofficiere selbst alle Peripatetiker
Spaziergänger sind Der Offizier war ein Reiter Ein Pferd ist freilich ein
geborner Soldat unter den Tieren und kann es vom Reiter mit Recht heißen
doppelte Schnur reißt nicht indessen war ich mit dem Professor sehr fürs
Fußvolk Kein Wunder da ich Student war Ich blieb aber auch dieser Meinung
weil ich in der Jugend schon bei der Infanterie gedient und einen rühmlichen
Abschied als Alexander erfochten Fusssoldaten sind die Richter die das Urteil
aussprechen die Reiter vollstrecken es nur
    Dass doch der gütige Himmel dies Kränzchen beim königlichen Rat in Frieden
erhalten wolle Nach meinem letzten Briefe aus Königsberg lebt er noch der
Präsident desselben dieser Mann mit einer offenen weit offenen Stirn
schwarzem Haar und einem Auge in dem man ihn im Kleinen allein doch ganz sah
dieser Mann der in den Mond und auf ein Grab sehen und weinen konnte
    Es gehört sagte der königliche Rat Minister und General zum Kriege
einer der das Pulver erfindet und ein anderer der es braucht und dies kam
dem Professor wie gerufen Was will denn der Soldatenstand sing er an Erfand
nicht ein Geistlicher das Pulver Und hat nicht Daniel einen Traktat von der
Kavallerie geschrieben Der Offizier hätte das sah man ihm an den guten Mann
nicht ohne ein Wer da gehen lassen wenn nicht Daniel eben von der Kavallerie
geschrieben Das brachte ihn durch
    Über die fremden Worte beim Exerciren war der Offizier am verlegensten Die
Herren sagte der Professor sind alle deutsche Briefe mit französischen
Aufschriften Für ausbrechen fortgehen sagen sie marschiren für Schlacht
Bataille für Rittmeister Kapitain für Rottmeister Korporal für Feldwebel
Sergeant  Warum denn nicht Feldherr sondern General Von den Polen können wir
deutsch lernen da gibts allein Groß und Unterfeldherrn Zwar fuhr der
Professor fort haben die Herren freilich auch ihre deutschen Kunstwörter So
heißt zB der Teufel hat ihn geholt in unserer Sprache er ist sanft und selig
im Herrn entschlafen aber  Wer andere jagt fiel der Offizier ein wird selbst
müde und der Professor wie ein Kanonenschuss Man muss sein Geld nicht in einen
Kasten werfen wozu man den Schlüssel nicht hat
    Außer in den Gotteskasten sagte der königliche Rat
    Soldat aber wo Eigentlich ist man Soldat fürs Vaterland Da Kurland
indessen kein Vaterland ist oder da Kurland keine Soldaten hält so war mir die
ganze Welt offen Wo dachte ich Der gute Offizier ohne zu wissen was ich
dachte sprach ohne Ende und Ziel von der überwiegenden Würde eines preußischen
Soldaten Überzeugt dass er mit drei Mann dreitausend schlagen könnte so dass
kein Gebein von ihnen auf dem andern bleiben sollte war ihm Alexander nicht
groß Alexander nicht Der Professor sagte an einem tapfern Tage Gewiss hat ein
preußischer Trompeter die Mauern von Jericho zu Schanden geblasen Unser Reiter
lächelte Wissen Sie Freund fuhr er fort die Unterredung des großen Alexander
mit dem Seeräuber der sich so nahm als wären sie Kriegscameraden Der Reiter
lächelte Als Alcibiades sagte der Reiter erfuhr dass die Atenienser ein
Todesurteil über ihn ausgesprochen sagte er lasst uns ein Lebensurteil
eröffnen und dies Urteil in Rechtskraft setzen Alcibiades lieber Professor
zeigte dass er lebte
    Der Professor schwieg ohne zu lächeln Ich würde unserm Reiter der
wahrlich ein deutscher Brief mit einer französischen Aufschrift war die
Verachtung des großen Alexanders verziehen haben obgleich Alexander mein
Verwandter war und worden sein wie er Einer wenn nicht zu allem dem noch ein
Vademecum von Werbgeschichten gekommen wäre die der Reiter in Bereitschaft
hatte und die mehr interessieren als die im Druck erschienenen List und lustige
Begebenheiten der Herren Offizier auf Werbungen Es ist bekannt dass Preußen für
seine Kriegsmacht zu wenig Vaterländer habe und dass durchaus auf Fremde
Rücksicht genommen werden müsse Mein Herr sagte ein Witzling braucht nicht
Kinder sondern Männer als man von der Unzulänglichkeit der preußischen
Landeskinder sprach Kann man aber vom Witze sagen dass er seinen Mann halte 
Der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht bemerkte der Professor über
diesen Gegenstand Es kommt viel darauf an wie man ihn trägt erwiderte der
Reiter Mag sein Was kann denn aber ein Fremder für innerlichen Beruf fühlen
für ein fremdes Land zu siegen oder zu sterben Sollte man es nicht für eine
Art von Blutschande halten wenn Fremde für Geld und gute Worte Blut und Leben
in die Schanze schlagen Freilich geben auch zwei kalte Steine Feuer allein man
muss sie lange reiben mit einem eilfertigen Fertig schlagt an Feuer ists
hier nicht getan Zur Zeit der Anfechtung fallen die Mietlinge ab  Gut
sagte der Reiter dass der Spreu vom Kern stiebt  allein noch besser wenn
keine Spreu mehr da ist Der Professor  Sollen Werbungen sein warum denn
list und lustige Begebenheiten dabei Ists denn so unrecht wenn ein mit List
und Luft Geworbener sich mit List und Lust wieder aus dem Staube macht Der List
kann durchaus nichts anders als List entgegengesetzt werden Verstand tut
nichts dagegen  Der Professor konnte nicht aufhören über den armen Tropf zu
lachen der als Regimentsglaser Handgelb genommen Eine einzige von diesen
interessanten Geschichten
    Ein Offizier der aus List und Luft in gemeiner Kleidung auf Menschencaperei
ausging fand wie sich unser Reiter ausdrückte seine Leute die er mit Geld
und guten Worten locken wollte dass sie daran glauben sollten so gefasst dass er
keine Menschenfestung einnehmen konnte Er legte sein Überkleid ab fing an zu
drohen und siehe da man legte es ihm so nahe dass er sich ins Wasser stürzte
um sich zu retten Ungewohnt zu Wasser Dienste zu tun würde er sein Leben
gewiss eingebüßt haben wenn nicht ein junger Mensch der nur an die Tat nicht
an die Gefahr zu denken gewohnt war mit seiner eignen Lebensgefahr das Leben
dieses Werbers gerettet hätte Edler Mensch sagte ihm der Gerettete was bin
ich schuldig  Nichts erwiderte er  Ein Tuch wenigstens zum Trocknen  Ich
bin nie anders getrocknet als von der Sonne  So sei mein Freund  Hier ließ
sich der Retter bewegen dem Geretteten die Hand zu geben und ihm zu folgen
Edler Mensch wo gehst du hin
    Bei großen Handlungen ist kein Stand merklich Man sieht den Menschen nicht
vor der Tat Jetzt da beide unter Dach waren sah der Offizier dass die Seele
seines Lebensverehrers weit über dessen Stand wäre  Der Gerettete ließ
auftragen was das Haus vermochte Macht nur den Versuch es kommt nur auf euch
an wie ihr den gemeinen Mann haben wollt Ihr habt den Stimmhammer zu seinen
Gesinnungen in euren Händen 
    Der Offizier so wenig zum Stimmen aufgelegt dass er bis auf eine sehr
kleine Kultur tief unter seinem Retter stand verhielt sich herrlich zu ihm Man
aß und trank und ward wie der Reiter sich ausdrückte von innen so nass wie von
außen In diesem ausgelassenen Vergnügen nötigte der Offizier seinem Erretter
ein Versprechen ab das sogleich durch eine rote Binde in Rechtskraft gesetzt
ward Unser Reiter nannte diese Erzählung einen Wasserfall und tat so listig
und lustig dabei dass es jedem von uns wie ein zweischneidiges Schwert durch die
Seele ging
    Wenn das der König wüsste sagte der königliche Rat  Wenn erwiderte der
Reiter was für ein Federleser wird es ihm denn melden Da niemand das Wort
nahm fuhr der Reiter fort Nachdem es fällt Was für Kollision ist denn hier
wenn man die Sache beim rechten Zipfel fasst 
    Ich wünschte diese zweischneidige Geschichte so kalt erzählt zu haben als
sie der Reiter erzählte der mir in diesem Augenblick mit seiner List und Lust
wie ein Menschenhändler vorkam Er glaubte dass der Retter nicht höher als
durch eine rote Binde belohnt werden könne da er aus einem Sklaven ein
Gebieter worden Wie man alles in der Welt nehmen kann Das Kopernicanische
System scheint paradox und ist doch das wahrscheinlichste Der Retter war
freilich ein gemeiner Mann muss man denn aber einen Degen tragen um glücklich
zu sein
    Ich dachte nicht mehr wo Die Russen können von Riga aus den Curländern in
die Fenster sehen Unser Reiter selbst konnte den Russen nicht ein gutes Zeugnis
abschlagen Er hatte sich mit ihnen gemessen und sein Vater der während des
dritten schleichen Kriegs in Preußen den Russen zu huldigen verbunden gewesen
hatte alles Liebes und Gutes von diesen guten Feinden genossen  Alles fügte
er hinzu alles haben die Russen von uns  Mag Man sagt freilich die Russen
ahmten nach Besonders dass eine Nachahmung der Natur eine Beschleichung
derselben eine unmittelbare Befolgung der Vernunft eine Erfindung heißt und
von niemandem als wer es versteht Nachahmung gescholten wird Nur wenn ein
Mensch ein Menschennachahmer ist heißt er Affe Männchenmacher oft
Possenreisser dann siehts aus als wenn man im verbotenen Grade geheiratet
hätte  Ists eine Blutschande für ein anderes als das Vaterland den Degen
blössen so ist hier die Blutschande noch ersichtlicher Wahr dass kein
Menschennachahmer es weit bringt und die Nase bei jeder Nachahmung ein
Hauptstück das in Bewegung ist hoch heben kann Warum aber wahr Weil der
Menschennachahmer vielleicht mehr vermochte als sein Herr und Meister weil der
Nachahmer kein Herz hatte und weil überhaupt es nicht viel Menschen gibt deren
Bild man tragen kann
    Jeder Mensch ist Original sagt Pope und wie oft ist das Uneigentümliche
nichts weiter als Rost der sich an eigenes Talent anklammert
    Das erste Wort war Russen das zweite Krieg und das dritte Türken So viel
Worte so viel Gewichte Die Türken gaben den Ausschlag
    Mein Vater konnte zwar als ein christlicher Geistlicher nicht wie Aristander
in dem Alexanderspiel dienen allein wider die Türken wäre er mit Freuden als
Feldpropst gegangen
    Ich fürchte er hätte seine Bibel sehr bald mit dem Degen verwechselt Er
hatte nach seiner angestammten Milde keinen Feind in der Welt als die Türken
Auch diese waren Feinde der Einbildung Wäre es auf Liebesdienste angekommen er
hätte nicht ermangelt Selbst zog er keine erbauliche Kirchenglocke wider sie
Meine Mutter besaß eine Predigt mit dieser Aufschrift die mein Vater in seinem
Bücherheere litt  Das will schon viel sagen was tat er denn Kurland und
Semgallen und was den Türken  Wem fällt hier nicht seine Reise ein die er
mit meiner Mutter des Abends zum Grabe Christi anstellte Des Morgens wenn
beide zu Hause wieder eintrafen hatte keines einen Türken gesehen  
                                       
    Junker Gottard hatte nach dem Tode seines Vaters von seiner Mutter
dringende Briefe zurückzukommen Schnell fiel ihm auf einmal seine unverkrümmte
und unverkrümmte reif wie die Natur herausgegangene wie eine Göttin
ausgewachsene Trine ein gegen die alles was er in Königsberg Schönes erjagt
nur mangelhafte Kopien blieben Was das für ein Geruch ist sagte er mir einen
Abend wenn die Pomade auf dem Kopf und die Rose am Busen im Wettstreit sind
Nun war Junker Gottard fertig Er sagte selbst dass er wie aus der Pistole
abgehen wollte Unvergesslich ist mir der Abend da die Nachricht von seines
Vaters Beförderung einging Seine Mutter hatte mir übertragen ihm diesen
Todesfall gelegentlich im Säftchen beizubringen Er kam mir mehr als halbes
Weges entgegen Meine Vorbereitung indessen verpfuschte mir eine Szene nicht
auf die ich es geflissentlich anlegte Er ist geborgen fing er an Was meinst
du Bruder ich werde nicht alt werden Mit diesen Worten stützte sich Junker
Gottard auf drei Finger seiner linken Hand er hatte starke Finger und blieb
so eine Viertelstunde Jetzt sprang er auf und murmelte die Melodie Wenn Mein
Stündlein vorhanden ist Das Ende vom Liede fing er zu mir nach dem dritten
Vers an das Ende vom Liede Bruder ist sterben  Wir leben für nichts und
wieder nichts eins kommt zum andern erwiderte ich es gibt auch schöne Tage
in der Welt
    Er Summa Summarum was ist das Leben
    Ich Freilich der schönste ist der Sterbetag
    Er Gelt es war ein Mann mein Vater Ich will nicht ruhmredig sein Ich
werde nie werden was er war 
    Wahr Bruder ich vergesse nie ihn und den Alten mit dem einen Handschuh
den er jetzt mit Bor und Zunamen kennt
    Junker Gottard holte sich den Kalender und brachte ganz richtig heraus dass
sein Vater an dem nämlichen Tage gestorben da der ehrwürdige Alte zum
letztenmal vom Gewächs des Weinstocks bei ihm getrunken  Eine Stille 
    Junker Gottard aß den Abend keinen Bissen Er war ernst und feierlich
Gottfried außer sich  Beide konnten sich nicht anders nehmen da sie herzlich
betrübt waren Gottfried weinte laut als wollte er seinem Herrn den Rang
ablaufen Junker Gottard keine Träne
    Man entgeht mit eins wenn man stirbt allem allem Elend sagte Gottfried
und riss seinem Junker das Kleid herunter und band ihm das Kopftuch mit den
Worten um Ists mir doch als wäre es dem seligen Herrn 
    Ich weiß nicht ob dich oder was anders der Drücker der Flinte gewesen 
Junker Gottard weinte heimlich Er und ich hatten die Gewohnheit aus dem Bette
gute Nacht auszuwechseln diesmal hielt es lange an ehe sie seinerseits zum
Vorschein kam Ich hörte ihn weinen  Spät kam die gute Nacht und so mit
Tränen versetzt dass ich selbst bewegt ward Ich kein Wort wie gute Nacht Wer
sollte glauben dass Junker Gottard dieser raue Jüngling auf diese Art gute
Nacht sagen könnte Er schlief bald ein Seine drei Argos die er in Göttingen
hatte konnte er nicht freundlich ansehen Der Selige hatte es ihm verboten So
wie sein Schmerz nachließ so nahm die Liebe zu den Hunden zu Sie heißen Argos
sagte er ich nehme sie mit Der Schmerz sagte ich ihm ist eine
Seelenbewegung Die deinige hatte sie höchst notwendig
    Ich gestehe es sie war der Stockung nahe
    Fast 
    Ich kann mich nicht so geschwind auffreuen als mancher
    Desto besser dass du geweint hast 
    Aber weinen 
    Würden wir wohl weinen können wenn wir nicht weinen sollten
    Gerne hätte er wie er sagte seinen Vater im Sarge gesehen Du hast mir
gesagt es gebe Gesichter die sich da ausnehmen Mein Vater war einer von
denen die im Tode getrost zu sein verstanden Es freute den Junker Gottard
dass sein lieber Vater wie ers nannte zu Kreuz gekrochen und sich mit der Bibel
ausgesöhnt hätte
    Seine Mutter hatte ihn von allem unterrichtet und im Postscript das fast
eben so lang als der Brief war vorgezeichnet wie die Trauer beschaffen sein
sollte Die Regel jenes Alten die er gab da man ein Mittel wider den Schmerz
von ihm verlangte brachte den Junker Gottard wieder auf die drei Finger seiner
linken Hand denke an die Zukunft als wäre sie da  Wahrlich eine schöne
Regel
    Gibts Schmerz könnte man fragen und gibts Freude darauf antworten Bei
Gott ist Finsternis Licht Böses ist bei ihm Gutes Er sieht wie Gott und wir
wie Menschen  Podagra ist Originalschmerz Edles Salz uns das Leben
schmackhaft zu machen das ist Schmerz    Dass dem Junker Gottard seine gute
Trine einfiel wer kann es ihm verdenken Ich verdenke keinem was die Natur ihm
nicht verdenkt Da ich ihn aber an die liebe Kleine an Lorchen erinnerte
schlug er den Kopf zurück Kinderspiel Das war alles was er sagte Junker
Gottard ward was er nie gewesen krank und konnte nicht reisen Die Ärzte
widerrieten ihm die Reise und seine Mutter da sie die Nachricht von seiner
Krankheit eingezogen verbot sie ihm Sie verfügte eine Zeit damit er sich ja
nicht übereilen möchte Ihren mütterlichen Segen setzte sie darauf  Junker
Gottard blieb wie er mir sagte gern meinetwegen und ich leugne es nicht dass
ich mich ihm und seinem Gottfried in dieser Vorbereitungszeit mehr widmete als
vor diesem
    Einen Morgen traf ich ihn mit einer Taube beschäftigt Er wollte ihr
beibringen die Wicken aus den Erbsen zu lesen  Bruder setze den Citronenbaum
dem Fenster näher siehst du nicht wie er seine Äste nach der Sonne reckt 
Natur Bruder  Wie kannst du glauben dass eine Taube sich so verleugnen
sollte  Dafür ists eine Taube erwiderte er
    Ich würde sie verachten wenn sie keine Erbse mit verschlänge
    Zugegeben sagte er eines Abends da er sich durchaus noch eine
Viertelpfeife länger mit mir unterhalten wollte Alles zugegeben eine Flinte
ist doch was Großes Jupiters Szepter Donner und Blitz Jupiter würde sich
nicht schämen sie zu führen
    Je aufgeklärter die Nation je weniger wilde Tiere erwiderte ich Wilde
Tiere wilde Menschen
    Er Der Sohn des Achill ging mit zwei Jagdhunden in die Versammlung der
Achäer
    Ich Wilde Tiere sind Strassenräuber
    Er Darum Jagd
    Ich Ich wünschte Ausrottung
    Er Und wo denn Fleisch in der Wüste
    Ich Wachteln Vogelwild
    Er Vogelwild ist Weiberwild Männer sollten so männlich sein und diesen
Jagdabschnitt den Weibern überlassen Nicht wahr auch Haustiere
    Ich Freilich wenn durchaus Fleisch sein soll wenn Manna nicht hinreichend
ist Man muss doch von jeher Gewissensbisse übers Fleisch gehabt haben sonst
würde nicht in den christlichen Kirchen die Fleischfasten ein Religionsstück
worden sein Der Mensch dünkt mich ist Souverän der Erde kann essen und
trinken was er will was sein großes Haus die Erde nur vermag  Was seiner
Souveränetät in Weg kommt begeht Hochverrat Alle schädlichen Tiere sind
Verräter Nimm England
    Er Hasen gibts da noch
    Ich Die sind zu keinem Hochverrat aufgelegt
    Er Der Hauptjagdartikel
    Ich Du sprichst dein Urtel selbst Siehe da den Beweis dass die Jagd mehr
ein Spiel als eine Ausübung der Majestätsrechte über die Tiere ist  Freilich
kommt der Jäger mit List Hunden und Flinte so wie jeder Despot allein der
Sache nahe getreten ist er Fiskal Richter Henker der im Kleinen den
Monarchen spielt  Ausrottung Bruder Ausrottung
    Er Du redest wie Moses von den Kanaanitern Hetitern Amoritern
    Ich Mit dem Unterschiede dass meine Kanaaniter Bären wilde Schweine Wölfe
und andere dergleichen schadenfrohe Tiere sind
    Er Und England
    Ich Ich bitte
    Er Dieser Wildfang von Staat ward was die Tiere erst waren ward wild
    Ich Frei willst du sagen und Kurland dies Bärenland
    Er Gute Nacht Bruder
    Ich Gute Nacht
    Er Mein Vater pflegte zu sagen der Monarchist reitet der Aristokratist
fährt der Demokratist geht zu Fuß wie jeder kluge Mann
    Ich Der Despot lässt sich in der Sänfte tragen
    Er Der Monarch liebt die Jagd
    Ich August der Schöne König von Polen liebte die Jagd rasend und der
OriginalKönig Friedrich liebt er sie
    Schon habe ich bemerkt dass die Frau v G ihrem Sohne die Trauer sehr
pünktlich vorgezeichnet Herr v W hätte nicht genauer sein können wenn von
ihm ein Trauergutachten auf Ehre und Reputation wäre abgefordert worden Wer
aller dieser Trauergesetzgebung ungeachtet nicht trauerte war Junker Gottard
    Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen sagte er dem Vater mehr als
der Mutter
    Herr v G der Selige declamirte nach der Relation des Junkers Gottard
unaufhörlich wider alle Trauer Jedes sagte dieser Naturmann hat seine Tracht
Die Erde grün die Sonne Gold Grün und Gold ist Erde und Sonne
    Bruder sagte ich man siehts dir nicht an Dies war seine Uniform wie wir
alle wissen
    Ihr Gelehrten habt alle kein Auge erwiderte er
    Aber die Jagd Bruder verbot sie der Selige nicht
    Er selbst war Jäger bin ich denn noch Student
    An der Taube hast du den Erb und Gerichtsherrn von  gesehen nicht wahr
in Lebensgröße Sei immer eine Taube lieber Gottard
    Der Zeitpunkt kam den ihm die besorgte Mutter bezielt hatte und nun
schieden wir an einem regnichten Tage nach Mittag weil es eine weite Reise
war von einander
    Es ist in diesem Buche schon so oft Abschied genommen worden und begnüge
ich mich also zu bemerken dass der unsrige kurz und gut war wie vieles in
diesem Buch ist Ginge ich zu Fuß würde ich behaupten ich ginge mit einem
Springstock  Gottfried hatte etwas Schriftliches aufgesetzt das er mit einer
Art behändigte die nicht zu beschreiben ist
    Der Jüngling fing Gottard an lehrt den Mann der Mann den Greis Der
Grund die Folge pflegtest du zu sagen lieber Bruder Du sollst Freude an mir
erleben  Gott segne dich lieber Gottard sagte ich
    Er Du wirst dein Lebtag nicht Pastor werden
    Nach einem kleinen Wortwechsel mit dem Postillon wegen der drei Hunde
brachte Junker Gottard es in einem Augenblick durch Geld und gute Worte dahin
dass der Postillon diesen dreien Argos selbst ein Lager legte Und nun ließ
Junker Gottard über und über blasen Reise glücklich
    Zum erstenmal empfand ich die Glückseligkeit allein zu sein Dass Leute in
gewissen Jahren zum Traualtar so schwer zu bringen sind kommt wahrlich daher
weil sie die Süßigkeiten des Einsiedlerstandes gekostet haben  Luther sagt wo
ich nicht irre wo reiche Leute sind ist Teurung wo Menschenhülfe aufhört da
sängt Gotteshülfe an und gewiss keinen hat Gott und die Natur verlassen 
Wahrlich Freunde es ist keine unrichtige Behauptung dass der ehelose der
einsame Stand nach der jetzigen Eheweise unendlich viel zum göttlichen Leben
beiträgt dass eine gewisse Kirche die Ehelosen begünstigt ist es Wunder
    Russen Krieg Türken das waren die drei Worte bei denen ich stehen blieb
und mich ausruhte Auch ich war fertig nach dem Ableben meiner Mutter wie aus
der Pistole Preußen vermied ich wohlbedächtig ich wollte stark sein und
wahrlich das heilige Grab hatte mich geschwächt
                                       
    Ich kam ins russische Lager zu einer teuren Zeit Die Türken hatten alle
Lebensmittel aus der Moldau aufgeräumt um uns das Bahnmachen das Vorrücken zu
behindern  Solche Zäune sind im Kriege die gefährlichsten
    Fürst Gallizin sein Name sei in der Geschichte ehrwürdig ließ zwei
Brücken über den Dniester schlagen und brach auf mit uns  Die Hauptmaxime des
Krieges ist freier Kopf und freie Füße Sich den Feind vom Leibe halten ist im
Großen und Kleinen ein wichtiges Glück
    Wer von mir Ulysseische Wanderungen erwartet dem gebe ich eine gültige
Anweisung auf den Homer und wenn er will auf den Professor Großvater der dem
Homer neben der Bibel ein Räumlein vergönnt hatte  Wer nach einer Abhandlung
wider den Soldatenstand dürstet gehe zum Antagonisten des Reiters dem
Professor  KleinVater hätte ich bei einem Haar geschrieben
    Freunde um euch nicht ganz im Blossen zu lassen Es ist alles in der Welt
nur ein Spiel Der Soldatenstand wie der akademische der Feldherr Professor
die Stabs und andere Offiziere Magistrati Baccalaurei Licentiaten
Kandidaten Fußvolk und Reiterei Studenten im vollen Mond im halben im
Viertel nur mit dem kleinen Unterschiede dass der Pedantismus mehr im Soldaten
als im akademischen Stande herrscht
    Ich bitte mein Herr Obrister dies für keinen Druckfehler zu halten
Tausendmal habe ich gedacht nur neue Dekorationen das Stück ist das nämliche
Wenden Sie Ihre Zeit gut an sagt der General und der Professor und wenn sie
Pietisten sind setzen sie hinzu Gott segne Ihre Unternehmungen Ich dachte so
wenig da ich Soldat ward meinen Lebenslauf zu schreiben als auf der Akademie
Dort wollte ich leben hier wollte ich sterben Auch nicht viel auseinander
Kein Wunder dass ich bei aller menschenmöglichen Gelegenheit Mut zeigte Wäre
ich ein Katholik gewesen vielleicht schrieb ich im Kloster Prodromum
aeternitatis Jacobs Himmelsleiter als Protestant sage selbst liebe Mutter
was konnte ich anders als Soldat werden Ich folgte nicht dem Kalbfell sondern
der Todesfahne in der ein Kreuz hing dein Lieblingszeichen das du dir aber
meines Vaters halber beim Gähnen abgewöhntest Es gehört auch für kein groß
Maul
    So und nicht anders konnte mir der Soldatenstand nur willkommen sein ich
wollte nicht den Bürger kränken um mir von seinem Schweiß und Blut einen Bauch
des reichen Mannes anzumästen  ich wollte siegen oder sterben Mine selbst
würde es mir nicht verzeihen die vielleicht auf dieses Blatt blickt wie
Geister blicken wenn ich eine Unwahrheit schriebe Ehre mischte sich in meinen
Entschluss und wo sie nicht ist was schmeckt Ich war nicht verliebt in mein
Leben allein ich wollte es nicht um ein Linsengericht dahingeben
    Was kann meinen Lesern mit Scharmützel und Schlachtrissen gedient sein
Hätte ich geglaubt mich dadurch in bessern Ruf zu setzen würde ich daraus mit
Gottfrieds Erlaubnis die Beilage C gemacht haben
    Ich war bei dem Treffen da es zwischen dem Vordertrab des Fürsten
Prosorowsky und dem ottomannischen Haufen der vom Karaman Bassa angeführt
wurde zum Angriff kam
    Ich war bei der Belagerung von Chotzim Überall stand ich wie Urias ohne
sein Empfehlungsschreiben zu haben Mein lebensgleichgültiges Herz hatte mir
diesen Uriasbrief geschrieben die Ehre hatte ihr großes Siegel mit einem Adler
drauf gedrückt Bei Chotzim gab mir der Tod mit dem ich wie mit einem guten
Freunde umging die Hand Ich ward durch den Arm geschossen Ich kam dieser
Armkugel nicht in den Weg ich sagte nicht du irrst dich hier ist der Fleck 
aufs Herz zeigend Es ist ein besonderes Ding das Leben auch wenn man eine
Gemütskrankheit hat die das Leben schwarz wie die mondlose Nacht und den Tod
weiß wie einen schönen Lenztag poetisch verkünstelt ES ist doch das Leben
worauf es angesehen ist
    Ein Armbruch ist im Kriege ein Aderlass ehe ich selbst dachte war ich da
und froh dass ich da war Geschäfte sind dem Menschen nach unserm Weltlauf so
nötig als das tägliche Brod Ich kann nicht sagen dass ich Minen drüber
vergaß allein Handlungen sind der Einbildung so entgegen wie Wasser dem Feuer
    Gallizin der mich bis zum Hauptmann gebracht er war so gut zu sagen ich
allein hätte es getan übergab das Kommando dem Romanzow Auch er verdient
einen undanksichern Platz in der Geschichte
    Ich stand unter dem braven General Elmpt bei der Einnahme von Jassy
    Was wert zu sehen war habe ich gesehen Was ist doch Paris und Rom und die
schönste Schweizergegend gegen diesen Schauplatz Ich sah mehr als was alle
Künstler zeigen können ich sah den großen Sieg da das türkische Lager erobert
ward  Möchten sie doch das heilige Grab verlassen wie ihre Zelter  Da sah
ich den Prinzen Wilhelm von Braunschweig siegen Warum nicht sterben Was will
eine Civilkrankheit von Helden  Wie mir sein Tod nahe ging bloß weil es ein
Betttod war Kein Prinz sollte einen Civiltod sterben
    Ich sah Bender mit Sturm erobern Es war ein Wirbelwind ob es gleich nur
Türken galt wandte ich doch mein Auge von der Plünderung Feinde laufen
Prinzen ihr Leben ausschlagen sehen ist ein Anblick der seines Gleichen nicht
hat Welch ein Abfall die Plünderung Drei Auftritte gingen mir bei dieser
Plünderung durch die Seele Mein Herz rief wehe über sie Sie sollen nicht
meinen Lebenslauf verunreinigen
    Romanzow commandirte mich zum Paninschen Korps Er schien mit mir zufrieden
zu sein und begiessen zu wollen was Gallizin gepflanzt hatte Romanzow band mir
ein paar vornehme Russen auf die Seele Nicht sollen sie sagte er wie an der
Schnur irgend eines Unterrichts einhergehen  Sie sind schon vor solch einem
Garn gewesen Wir Russen sind gewohnt die Antwort aus der Frage zu nehmen Reim
dich oder ich fress dich ist unsere Regel Durch Umgang ohne Übergang und
Curialien wünschte ich dass Sie dann und wann einen Funken Ihres natürlichen
Verstandes in ihr Herz und ihre Seele fallen ließ Zünden wird es hoffe ich
 Es waren ein paar allerliebste junge Helden Sie wussten vom Handwerk mehr als
ich indessen schlossen sie sich so fest an mich an als brauchten sie über
alles was sie wussten meine Bestätigung Die matematische Methode ist in der
Philosophie abgekommen und ist die Mathematik heut zu Tage da alles was nur
einen halben Kopf hat studiert zum Soldaten nötiger als Gesinnungen als
Grundsätze Wer kann denn den Franzosen ihre Kriegskunst abstreiten  Bücher
sind nur ein Beweis für das was in uns ist Ihr Geist gibt Zeugnis unserm
Geiste dass wir richtig wandeln Wie leicht wird uns manches durch Umgang was
im Buche so schwerfällig war Über den Fuß auf dem ich mit diesen jungen
Helden umging waren sie ausgelassen Mich sollte verlangen fing der eine an
was er von meinem Aufsatz sagen wird  Ich durfte nur überall Natur
hineinbringen Alles war schwer von Kunst beschlagen Ich brauchte nur den Kopf
zu schütteln und alles ward glatt ausgelöscht Gnade dem Gott der sich
unterstand um den Deutschen zu verargen Die Russen ziehen selten aus dem Kern
etwas groß Alles wird mit der Wurzel verpflanzt   All mein Lebtage denke
ich an einen Vormittag wo meines Vaters Geist auf mich fiel und wo meine
beiden Freunde ausnehmend zufrieden mit mir schienen
    Wir sprachen vom obersten Kommando wozu wir die Gelegenheit nicht weit
suchen durften Nicht wahr es sollte nach der Staatsform geformt werden Ist
die monarchisch aristokratisch demokratisch so auch das Kommando Der hat
sehr über den Soldaten gewonnen der ihm einbilden kann er wäre zu Hause  Die
Maxime ist gar nicht unüberdacht dass man den Soldaten das Heiraten verbietet
Da merken sie es gleich dass sie nicht zu Hause sind wenn sie ihre Weiber nicht
bei sich haben Ein Weib und ein Schlafrock scheint einem Soldaten gleich
unpassend
    Soll ein Prinz das Kommando haben Gustav Adolph und Karl der XII scheinen
fast auf ein Nein zu bringen Peter der Erste König Friedrich würden es
bejahen
    Zum Beschluss tranken wir dem Drosselpastor zu Ehren Vivat Academia Es lebe
Romanzow
    Meine beiden Schüler waren jung und konnten nicht umhin sehnlichst zu
wünschen dass Lustbarkeiten Bälle und Theater im Felde erlaubt wären Ich
schlug es ihnen rund ab Nicht eines Der keines lieben Freunde Der Kampf der
Ehre und Liebe macht den fünften Actstod so schön dass man mit Geschmack sterben
will  Im Felde muss man den Tod nehmen wie er kommt  da hilft keine
HerzMutter Dies brachte uns auf die lieben Franzosen die ihren Feld Tanz
und Fechtboden ihr Feldteater und andere Feldplaisirs mehr haben 
Feldbiblioteken ja nicht zu vergessen  Die guten Herren Da sie zu sich
selbst kein sonderliches Zutrauen fassen können haben sie Zutrauen zu
Festungen Ich bin für Soldaten von deutschem Schrot und Korn Im Felde muss man
Flinten blitzen sehen und SoldatenVolkslieder singen hören Ein Marsch ein
Feldgeschrei das ist alles was von Instrumental und Vocalmusik erlaubt ist
Lasst den Schäfer ins weiche Bett des Grases sich legen lasst ihn beiher die
Nachtigall aus einem Blütenbaum schlagen hören Wir haben vom Stoicismus
Handgeld genommen Wahrlich die erhabenste philosophische Secte Lasst uns mit
der königlichen Frau Mutter so umgehen wie Alexander mit Madame Darius und ich
mit der Babbe welche zum Leidwesen meiner Mutter über der königlichen Würde die
Grütze versalzte Gute Mannszucht ist Empfehlung zur Huldigung  Mannszucht ist
Strenge  wo die nicht ist wie kann da Güte sein Liebe ohne Gerechtigkeit ist
ein Unding  Welche Nation denn die tapferste wäre  Die russische sagten
meine beiden Jünger  Leute aus bergigen Orten fiel ich ein sie sind allen
Elementen ausgesetzt und wer die aushalten kann was hat der seines Gleichen zu
fürchten Die Gallier jagten den Römern wegen ihrer Größe Schrecken ein und man
sage was man will Friedrich Wilhelm hatte mit seinen Potsdamern in der Regel
so recht als sein Sohn diese Riesen in alle Welt gehen zu lassen Große Leute
sind wie Mauern und Wälle Zu ersteigen ist alles Wie viel brechen aber darüber
den Hals ehe sie oben sind Ich war von Jugend an sehr für Berge Große
Menschen sind Berge Befehlshaber dürfen nicht nur nicht groß sein sondern hier
wird oft die Größe schädlich Höhere Wesen wenn sie erscheinen sollten würden
sich in ein mittelmässiges Menschenkleid einkleiden Kein großes Genie hat
Riesenhöhe  Starke ausgewachsene Männer sind die bescheidensten  Ich wollte
mit der goldenen Regel schließen Ein weiser Mann ist stark und ein vernünftiger
Mann ist mächtig an Kräften allein man wollte noch mehr von der Furcht dem
Hauptfeinde des Soldaten
    Ich hatte geäußert dass man durchaus retiriren lernen müsste bei diesem
einzigen müsste man im Kriege an strenge Regeln gebunden sein Den Feind zu weit
verfolgen heißt ihn zur Verzweiflung bringen und dann kehrt sich auch der
Feigste als Held um Konnte nicht ein so unbekannter Mensch als Herostrat den
Tempel zu Ephesus anstecken Mich ärgert wenn man seinen Namen ausspricht Das
wollte er nur Ein einziger Strahl so macht der Flüchtling Halt ist feuerfest
 ist Mauerbrecher
    Man hat so viel fing ich an von der Furcht gesagt dass gewiss der kleinste
Teil richtig sein kann Die Deutschen gingen nie zum Rat nie zum Fest
unbewaffnet Sie schlugen auf ihre Waffen das hieß Ja Die Waffen waren ihr
Sprachrohr Dies alles nicht aus Furcht sondern um mit den Waffen bekannt zu
werden Ordnung treibt so sehr die Furcht aus dass ich eben hier den weisen
tiefweisen Grund des Exercirens entdeckte das ohne diese Rücksicht Kinderspiel
wäre Eben weil es wie Kinderspiel aussieht wird es auch von allen Kindern
sobald sie Soldaten sehen nachgemacht Man muss sich dicht halten wie ein Mann
ist eine Folge dieser Regel Ein taktaltender Marsch ist Beweis einer Phalanx
Der Mensch braucht was Unsichtbares an das er sich hält und das ist die
Ordnung Sobald etwas Unregelmässiges eine Lücke sich vorfindet steht der
Feind dass sein Gegner nicht mehr für einen Mann steht Sem Mut wächset  er
wagt Er siegt Die Furcht siegt öfter als Grundsätze der Herzhaftigkeit Die
Furcht schützet Königreiche Sie ist eine Kunst wodurch wir andere glauben
machen wir fürchteten uns für nichts Daher so viele Trasonen so viele Donner
ohne Blitze  Entalte dich von allem Gewissensvorwurf wenn du wider deine
Feinde ausziehst das ist wahrlich kein Feldpredigertext sondern ein teures
wertes Wort Ists ein Gott der uns entgegen ist wir haben eine gerechte
Sache Ist es ein Mensch wir sind das was er ist Was meinen Sie meine
Herren würde sich Aristander bedenken die Phalanx über diese Worte in
beliebter Kürze und Einfalt von den Gesinnungen eines Helden zu unterhalten Ich
wünschte er ließe die Predigt drucken
    Die Furcht ist wahrlich ein größeres Übel als das wofür man sich
fürchtet Was ist es denn worüber dir die Zähne klappern als Störche worüber
dir die Sporen zittern als wollten sie einen Ton angeben Tritt ihm doch näher
es ist dein Schatten Die Arznei ist ärger als die Krankheit Junker Gottard
bei seiner Eheverbindung kann ihm dieser Umstand weder Schaden noch Leides
tun fürchtet sich in   in einem Zimmer allein zu schlafen wo Alexander der
Große gemalt war Es waren doch noch andere Bilder da sagte ich ihm Bruder
die du im Fall der Not zu Hilfe rufen können Er war getroffen fuhr Gottard
fort als wollte er mit mir sprechen Immer gerade zu auf mich Da wandelte mich
auf einmal die Vorstellung an wie leicht kann er lebendig werden Bruder hast
du ihm denn ins Gesicht gesehen  Ein preußischer Korporal mit einem Stutzbart
gut getroffen würde eher zu fürchten sein Alexander hat so wie alle seines
Gleichen etwas von einer Kinderwärterin von einer Amme im Gesicht Bei mir
hieß es in Rücksicht auf meine Herzensgeschichte die Liebe treibet die Furcht
aus In Wahrheit ein wahres Wort Der ist unschuldig der keine Furcht hat der
ist nicht furchtsam der gar nichts fürchtet Die Flamme welche der Wind
anfacht verfliegt bald  Wer nach Grundsätzen herzhaft ist wer nicht schnöden
Gewinnstes oder Zeitungsewigkeit halber die Waffen ergreift was kann den
stören Widrige Vorfälle Sind die nicht überall Mars und Venus halten es mit
allen Ist Mars Zweifelhaft so ist Venus wahrlich nicht sicher Pack schlägt
sich Pack verträgt sich würde meine Mutter sagen In allen Sachen Herz zeigen
heißt ein großer Mann sein
    Hand in Hand ging ich mit meinen beiden Kriegskameraden
    Bialograd verglich sich  Desto besser für mein Auge Ibrailof ward von den
Türken verlassen Bukarest  Bukarest
    Mit welchem Herzen schreib ich diesen Namen Einer meiner Jünger starb hier
einen schönen Tod vor meinen Augen Gott welch einen Blick er mir gab  Du
Hast mir den Unterricht herrlich bezahlt Ein unaussprechliches Honorarium Kein
König kann so lohnen  So nimmt ein wohlgeratener Sohn Abschied von seinem
Vater Seinem Milchbruder konnte er noch die Hand reichen mir nicht Wir waren
zu weit auseinander Soll ichs sagen er wollte mir seine Liebe noch sterbend
beweisen Wird mein gebrochenes Auge hierzu Kraft haben Er warf mir eine
Handvoll Blut zu mit einer Art die gesehen werden muss Den Abend vorher
sprachen wir kein ander Wort als vom Tode Er war der froheste unter uns Gern
hätte ich den hochgebornen Totengräber hergewünscht um diese und so manche
Sterbensscene zu besichtigen Lieber Graf hier ist der Tod ganz ein ander
Wesen Wer ihn nicht anders als aus der Kammer kennt und wäre da gleich ein
Observatorium angelegt weiß hier nicht dass man stirbt So wie die große Welt
von ProvincialFlecken so Tod von Tod Zwar sind Sie der Meinung der
Heldentod der Feldtod wo der Mensch nicht Zeit und Raum hat sich in Ordnung
zu legen eh er dahin fährt sei keiner Observation wert allein Sie irren
lieber Graf  Hier ist die große Welt des Todes
    Ich will dem Grafen nicht mit Bemerkungen das Licht halten wahrlich ich
könnte sein Schatzkästlein bereichern
    Warum aber Obst eh es reif ist Warum durchs Schwert eines Türken Mir
war es als fielen unser trefflicher Jüngling und der so ihn schlug Freund und
Feind Der Türke der ihm das Leben nahm wäre wert bei dem Grabe Christi auf
die Wache zu ziehen wie der Hauptmann unterm Kreuz Was haben die Großen die
prädicirten Götter der Erden mehr als den Bindeschlüssel Der Löseschlüssel ist
ihnen nicht behändigt
    Weint um meinen Edlen ihr Jungfrauen im Lande  Leib und Seele hätten um
den Vorzug streiten können wer schöner sei wären sie nicht so stimmige Freunde
gewesen Wehe dem Feueranleger Es muss Ärgernis kommen doch wehe dem Menschen
durch welchen Ärgernis kommt Was trug sein Mund für mich der endlich sank
wie unter einer Last die ihm zu schwer ward Blumen waren es nicht die bald
welken Gesinnungen die ewig sind wie er Ich habe dich verstanden Edler
dein ganzes Gesicht war leserlich Du hättest die Handvoll edles Blut nicht
verschwenden dürfen Es fiel auf kein gutes dir wertes Land Was kann man sich
im Kriege mehr wünschen als einen edlen Feind Mich dünkt dies Ziel Hast du
erreicht  Verzeih Sterbender dass ich nur ein halbes Auge auf dich verwenden
konnte ich hatte drei Viertel hochnot für die Feinde
    Gott wann kommt dein Reich wann wird Friede auf Erden und den Menschen ein
Wohlgefallen Jeder Irrtum hat seine Schule sein Auditorium Keiner kann so
übertüncht werden als die Idee vom Kriege Wahrlich ein übertünchtes Grab
Nicht meine Leser würden es mir vergeben nicht ich selbst wenn ich mich nicht
selbst über diesen Edlen vergessen hätte
    Bukarest  schrecklicher Name  war der Ort wo auch ich den Tod fand 
ich erhielt tödtliche Wunden  Guter Türke ich verzeih dir alles auch den
Stich da ich nicht mehr den Arm bewegen konnte der etwas türkisch war und den
du bleiben lassen können  Sei glücklich  Alles gab mein Leben auf Mein
andrer Lehrling starb acht Tage darauf Sein Sterbelager war vier Schritte von
dem meinigen Für mich eine halbe Welt Der Arzt verbot mir sogar allen Trost
Wie könnt ich ihn aber ohne den sterben lassen Oft wenn er lechzte wie gern
hätt ich ihm ein Glas Wasser gereicht Könnt ich  Da lag ich noch ärger als
tot So etwas Freunde wer kann es erzählen Leset den Homer Ich bitt euch
 Ich kann nicht mehr
    So viel sei euch noch unverholen dass ich den Sterbenden mit dem Prinzen
Wilhelm von Braunschweig am meisten aufrichtete der ein Schwestersohn König
Friedrichs war Auch er sagt ich starb im Kriege Eben so wenig unmittelbar
An den Nebenumständen des Krieges starb er die so Wie die Krankheiten ärger
als der Tod sind Ich werde auch als Held auferstehen sagte er in einer Nacht
Wie denn anders antwortete ich und hatte eine Träne in den Augen Er starb
    Was konnte ich mehr verlieren Meine beiden Freunde Mich selbst Ich lag
vier Wochen ohne alle Hoffnung Ists Sünde und Schande in solcher Lage die
Lebensschnur selbst abreißen die ein Arzt mit solchen unaussprechlichen
Schmerzen anknüpfen will Hält die Schnur da wo sie angeknüpft ist am
längsten und ein eisern Band da wo es brach und durch Feuer und Schlag
zusammengeschmiedet war Keine dieser Fragen stellten in meiner Leidenszeit mich
zur Rede Ich hatte nicht Zeit im Allgemeinen zu fragen
    Der Civilsterbende wollte durchaus auf dem Schlachtfelde eingescharrt
werden Auch ich musste ihm versprechen eben da den Krieg ausschlafen zu wollen
Sein Testament ist erfüllt was ihn selbst betraf Ich zwar wache noch allein
ein Teil meines Lebens ist auf dem Schlachtfelde bei Bukarest verscharrt Ich
liege in deiner Nachbarschaft edler Jüngling  Deine Wünsche sind erfüllt
    Romanzow wie er gehört was vorgefallen soll höchst zufrieden mit meinem
Unterricht gewesen sein und soll den Edlen und mir eine Leichenrede gehalten
haben die kürzer und dringender gewesen als die ungebetene des Organisten in L
 bei Minchens Grabe  Kommt er auf war der Schluss dieser Leichenrede ist er
Brigadier Ich war schon seit einiger Zeit Major worden
    Wahrlich Freunde dies war ein Examen trotz dem beim Professor Großvater
Was ist ein Blitz einer Hausmütze durchs Stubenritzchen gegen Kriegsblitze 
Zwar lebt jeder seines Lebens zwar stirbt jeder seines Todes jedem ist sein
Pfund Leben und sein Pfund Tod zugewogen wie der hochgeborne Totengräber sehr
einsichtsvoll behauptet doch glaube ich dass mancher dies Pfund ins Schweisstuch
vergraben und mancher damit wuchern kann Der Kriegswucher was meinen Ew
Hochgeboren ist er nicht der reichlichste Er trägt tausendfältig und zwar
Leben und Tod Kaum lebt man wenn man den Tod nicht in der Nachbarschaft hat
Die weisesten Leute haben von jeher Todesbetrachtungen für Lebensregeln
gehalten Wo ist der Tod bei lebendigem Leibe dem Gefunden dem Starken so nah
als im Kriege Wo kann man ihn mit mehr Leibes und Seelenkraft denken als
eben hier Ihr Weisen des Altertums und ihr der neueren Zeit warum habt ihr
nicht über Kriegstod geschrieben  Sie hochgeborner Totengräber warum nicht
über den Kriegstod eine Redeübung angestellt Weil der Krieg eine von den
Künsten ist welche die Menschen gesucht haben die von Gott aufrichtig gemacht
find Wahr allein auch wahr dass jeder Weise im Privatkreise alles zum Guten
lenkt so wie Gott der Herr es pro Publico tut
    Prahle nicht lieber Reiter Herz haben und im Kriege sein ist solch ein
Unterschied wie Grundsätze haben und nach Neigungen verfahren  handeln und
sich mit einem Gewebe von Empfindungen behelfen  Jedermann der ein gutes
Gewissen hat und sich bewusst ist eins haben zu können kann von sich sagen das
tat ich
    Auch ich Freunde würde es sagen wenn ich wirklich getan und nicht bloß
gelitten hätte Glaubt nicht ihr Kleingläubigen jenen Schreihälsen jenen
Zahnärzten jenen Nachtwächtern die nicht aufhören können Schlachten zu malen
als wären es Taten Der commandirende General allein hat getan alles was
nicht er selbst oder sein Rat ist leidet  Mit Vielen kriegen mit Wenigen zu
Rat gehen Wer kann mir sagen dass ihn nicht Schauder ergriffen wenn er zwei
Heere auftreten gesehen und sich mitunter Ihr die ihr bis jetzt dafür
hieltet dass es Todesfurcht sei habt euch wie mich dünkt Hintergangen denn
auch mich schauderte Es ist eher Menschenfurcht Mangel der Lebensart als
Schrecken des Todes Seht einen Haufen Menschen bei einander ist es nicht die
nämliche Anwandlung Sie ist so angreifend nicht vorhanden ist sie Wenn ich
schwach bin bin ich stark könnte man hier sagen Wenn ich allein bin fürcht
ich mich falls ich gesund bin vor keinem Junker Gottard der sich vor dem
Alexander dem Großen im Bilde fürchtet macht keinen Einwand Frische und
gesunde Leute sind sogar geborene Freidenker  Ich würde sie Fleisch und
Blutphilosophen heißen  Frische und gesunde Leute sag ich denn wenn ich
einen Spötter sehe dessen Körper wie ein zerrissenes Kleid aussteht weiß ich
dass seine letzten Stunden zu seiner Zeit im Druck erscheinen Wie kommts dass
der Mensch der doch die menschliche Schwäche kennt sich vor nichts so sehr als
Menschen fürchtet Der Mensch hat keine natürliche Rüstung und Waffen das was
außer ihm ist sich vom Halse zu halten Nicht Element nicht Tier kann er
allein zwingen und doch ein Kronprinz der Natur Vereinigt aber steht alles für
einen Mann Tausend Köpfe tausend Arme sind Ein Kopf Ein Arm  Ists Wunder
dass er blass wird wenn er den Feind sieht Zwar befindet er sich auch in guter
Gesellschaft allein die Furcht sieht immer ins Weite was nah ist ist vor
ihren Augen verborgen Die Furcht hat ein Perspektiv die Hoffnung ein
Vergrösserungsglas Sonst sind sie Töchter einer Mutter Kommt man sich näher
wird man auf einander erbittert Man schlägt weil man geschlagen wird Gehört
denn dazu Herz Der Lärm der sehr wohlbedächtig erregt wird lässt die Vernunft
zu keinem Gedanken  Man stirbt man weiß nicht wie Ist das ein schwerer Tod
Hunger Durst Hitze Frost sind schwer die Schlacht ists nicht bis auf die
Invalidenfurcht an die kein braver Soldat denkt Kommt es denn nicht in
Anschlag in Gesellschaft zu sterben
    Beim Seetreffen tuts der Wind Bei Landschlachten sind Berge Täler und
außer diesen großen Dingen oft die unbeträchtlichsten Kleinigkeiten die wie
ein Irrlicht den Feind verführen dass er einen Schritt rückwärts tut Dies
seinem Volke nur einbilden dies ihm nur vortaschenspielen heißt die Schlacht
gewinnen
    Der gemeine Soldat muss jung sein der Befehlshaber sagt man alt Ich
glaub es selbst Nur nicht zu jung nicht zu alt Ziska commandirte und war
blind Ein Kommandeur braucht nichts als Kopf Ein Vorurteil tut hier oft
Wunder Richelieu will zwar einen herzhaften General allein Richelieu war ein
Geistlicher Wie kommts dass kluge Leute so sehr viel auf herzhafte Leute
halten und dass sie unter einander sich nicht sonderlich ausstehen Sie sehen zu
sehr ein dass man mit dem Verstände eben nicht weit kommen kann und wollen doch
wo den Menschen stark finden O ihr kluge liebe gute Herren Lasst euch sagen
auch das menschliche Herz ist ein trotzig und verzagt Ding wer kann es
ergründen
    Es ist ein altes Sprüchwort Wer zum erstenmal nach Rom reist suchet den
Schalk Zum zweitenmal findet er ihn Zum drittenmal bringt er ihn mit
    Ei wenn ich das auf den Krieg beuten würde
    Ich hoffe große Kriege werden abkommen so wie man dem dreissigjährigen über
einige hundert Jahre nicht mehr Glauben beimessen wird Wozu sind auch Kriege
selbst noch ehe das Reich Gottes kommt wozu  So wenig durch Disputationen die
Wahrheit ausgemacht wird so wenig entscheiden Siege Darf ich raten Hohe
Herren denkt mehr eure Untertanen zu mehren So viel liebe Getreue im Lande
so viel Festungen Die Bevölkerung ist wie die Gottseligkeit zu allen Dingen
nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens
    Mit einem Statu morbi kann wohl keinem ein Dienst geschehen sonst könnte
ich damit aufwarten Die Herren a b g von welchen Herr a der Kopfhalter war
würden mir diesen Liebesdienst gern erweisen Es war kritischen Sammlern kein
alltäglicher Fall Eine Quetschung an der Seite eine Zerschmetterung des
rechten Armknochens
    Die unaufhörliche Versicherung der Wundärzte nie mehr dienen zu können war
mir mehr als alles Diesen Trost hätten die kunsterfahrnen Herren bei sich
behalten können da ich es selbst so sehr fürchtete
    Der Gedanke obgleich er sehr natürlich war was wirst du essen was
trinken womit dich kleiden beunruhigte mich keinen Augenblick Er hat mir
wenig Kummer in dieser Welt gemacht Als Mensch kann jeder leben wenn gleich
nicht jeder als Major
    Romanzow ließ mich bei aller Gelegenheit Proben seines Wohlwollens
empfinden und das war freilich Öl und Wein in meine Wunden Der Gedanke in
der Lehre bleiben zu sollen schlug diesen Aufblick nieder  Bei dem ersten
Anklang der Sterbensglocke die ich freilich nur in der Einbildung hörte war
ich auch in der Einbildung bei meinem guten Pastor zu L  in Preußen Mine hatte
ihre Ansprüche auf mich geltend gemacht  Ich fand dass die Liebe solch eine
Liebe wie die unsrige durchaus nur auf gewisse Lebensperioden passt und doch
ist nach unserm Weltlauf so zu lieben wie wir Tugend hohe Aufopferung seiner
selbst Weite Überwindung der Natur  Mein Leben war ein lebendiger Tod und
dies ist eben der Zustand des Menschen wo eine dergleichen Liebe ihr Feuer und
Herd hat Man kann nicht anders sagen als dass auch solch eine Liebe ihre
schönen Tage habe Dass Böse hat auch sein Gutes sagte Herr v G und es liegt
göttliche Weisheit in diesem Ausspruche
    So war das Ende meiner kriegerischen Laufbahn Folge dachte ich dem Wink
deines rechten Armes Er hat Abschied genommen nimm du ihn auch und so musste
ich denken Meine Gesundheit war äußerst zurückgesetzt Du Hast dachte ich was
du wolltest  ein paar große Schritte näher zu Minen allein ich widerlegte mich
selbst Wohlgehen steht vor lange leben im vierten Gebot und krank sein ist
nicht leben nicht sterben Fast ists ein Mittelding bei dem jedem einfallen
muss o dass du kalt oder warm wärest Es gab eine Zeit wo ich den Tod
schlechtin aussuchte und stehe da ich hatte weder ihn gefunden noch das
Leben behalten
    Ich erhielt meinen Abschied nicht sondern einen Auftrag zu einer wichtigen
Reise »Ich weiß keinem dies Geschäft zu übertragen der es so wie Ihr
betreiben könnte« schrieb die Kaiserin und ihr Wunsch dass die Veränderung der
Luft meine Gesundheit wieder herstellen möchte war mir das was jeder Rausch
ist Ich fühlte keinen Schmerz und reiste nach Petersburg und sodann 
    Wie bald ich von meinem Jesuitenräuschchen wieder nüchtern worden darf ich
nicht bemerken
    Wer meinen Auftrag näher kennen lernen will dem dient zur Antwort dass er
geheim war wer wohin frägt kann gründlicher beschieden werden Freund da wo
man früher als in Russland eine Pfeife im Grünen raucht früher Spargel isst
und den Wein aus der ersten Hand hat Wegen der Manschetten muss ich um die
reine Wahrheit zu sagen bemerken dass ich sie nicht länger wie die hiesigen
gefunden  Moden ändern sich
    Obs nicht gut wäre kränkliche Leute zu Gesandtschaften und was ihnen
anhängt zu brauchen Eine Frage die nebenher auffällt Ich richtete treulich
und sonder Gefährde aus wozu ich gesandt war allein meine Gesundheit hatte
durch die Luftveränderung noch mehr gelitten Ich glaubte schon ich würde lau
zu sein aufhören und kalt werden  Wohl dem der es wird Eine so geschwinde
Rückreise als es die Geschäfte wollten hätte mich wirklich zu Minen gebracht
da kam  mein Freund und entledigte mich meiner Bürde So sei es dir wieder
mein Geliebter wenn du lebenssatt und müde suchest wo du dein Haupt
hinlegst Er konnte sich nur eine einzige Nacht aufhalten die wir durchwachten
 und wie es doch immer geht wir dachten nicht an uns sondern an andere Er
hatte meine beiden Anbefohlenen sehr genau gekannt Warum Freund nur eine
Nacht Er konnte nicht Armer Freund der Schlaf wäre dir gesünder gewesen als
solch eine Todtenwache  Gehe hin in Frieden in Frieden
    Jetzt Freunde hätte ich zum AndreasOrden gesagt Geh mir aus der Sonne
Der gnädigste Brief der Kaiserin selbst konnte mir in dieser Lage keine frohe
Stunde verleihen
    »Ich entlasse Euch aller Dienste und da Ihr durchaus nicht mehr als Major
sein wollt so bleibt was Ihr seid mit der Versicherung dass Mir Eure seltene
Bescheidenheit zum Wohlgefallen gereicht
    Ich wünschte dass dieser Brief Euch nicht aus dem Wege zu Bädern träfe wenn
sie anders Eurer Gesundheitsverfassung dienlich sind Ich schenke Euch   Gern
würde ich es sehen wenn Ihr in Liefland  
    Wenn Ihr Eures Adels wegen Ansprüche befürchtet so erteile ich Euch
hiermit den Adel mit allen seinen Vorzügen und soll Euch das Diplom sobald Ihr
es verlangt 
    Lebet so glücklich als Ihr es verdient und als es wünschet
                                                           Eure gnädige Kaiserin
                                                                     Katarina«
    Wenn solch ein Brief keine frohe Stunde mehr verleihen kann wie lebensmüde
muss man sein Gott was kann solch ein Brief
    Allerdurchlauchtigste  Nein 
    Gute Kaiserin Mutter eines Staats der nach einer strengen Vaterregierung
Peters des Großen einer Mutter nötig hatte um das zu werden was er unvermerkt
wird  
    Wenn diese Monarchin mit dem Könige von Preußen ein Paar worden Welt was
meinst du
                                       
    Ich folgte dem Winke den mir der Gnadenbrief gab und ging nach Pyrmont
Schon die Reise schlug bei mir an Wie gar anders ists doch reisen müssen und
reisen wollen Jeder kann diese Erfahrung beim ersten besten Spaziergange
anstellen Auch selbst die Gesundheitssorge muss man dabei verlieren sonst ist
schon kein feiner Zwang dabei den die frische Luft nicht vertragen kann
    Mit meiner Wiederauflebung meine uninteressirte Leser die Spaziergänger bei
dieser Schrift aufzuhalten wäre unverzeihlich Gerne erzählte ich sie aber
den Kunstrichtern die von Amtswegen die Sonne aufund untergehen sehen und die
den grünen Grund im Naturgewande nicht ohne den albernen Gedanken ansehen
können Ei wenn er weiß wäre O ihr Toren und trägen Herzens zu glauben alle
dem was in der Natur geschrieben ist
    Ich blieb den Winter hindurch in Süden lernte je länger je mehr den
kaiserlichen Brief empfinden bis ich endlich so hergestellt war als ein
Invalide es sein kann dessen Körper ein immerwährendes Wetterglas ist  Eben
ein Stich im Arm der mir den Wunsch abzwingt dass meine Leser dergleichen
Stiche nicht von selbst bemerkt haben möchten Was gehts meinen Leser an dass
ich im Felde gewesen
    Bei meiner Hinreise ging ich durch Königsberg wie Mine Ich sah keinen als
Postbediente allein was ich empfand weiß der der Herzen und Nieren Prüfet 
Ich müsste mich sehr irren wenn es nicht Se Spectabilität gewesen die mir da
ich schon im Postwagen war so heiter ausfielen als gingen Sie zu Weine  Kann
gewesen sein denn bei meiner Rückreise erfuhr ich dass die Hausmütze Todes
verblichen sei  und dass der gute Großvater da er keinen Blick durchs Ritzchen
weiter zu befürchten hatte gar lustig zu jubiliren angefangen Alles in Ehren
versteht sich Jetzt wieder in Königsberg Ich wiederholte hier meine Studia 
Mein erster Gang war zu Sr Spectabilität nach dem signo depositionis Ich fand
den Großvater auf dem Sprunge zu einem Klubb zu dem er mich mitnahm Wie man
sich doch noch als Großvater ändern kann wenn man keinen Ritzenblick mehr zu
fürchten hat Er war seiner Bande entledigt und jetzt ungestört so froh als
wenn seine Tochter den nämlichen Tag hätte taufen lassen als wenn der Täufling
ein Söhnlein sei und noch obenein nach dem Großvater genannt wäre Setzen Sie
sich an meine grüne Seite sagte der Professor eine preußische Redensart die
zur Rechten bedeutet Ich setzte mich und machte an dieser grünen Seite eine
Anmerkung die ich meinen Lesern nicht verschweigen kann Der gute Großvater war
kein Religionsfreund obgleich die Bibel so wenig wie Homer bestäubt war
Selten ist ein Professor Großvater ein Religionsfreund Woher Freunde Weil er
das Wahre in seiner Lehre aus Gottes Wort geschöpft hat und weil er einsieht
dass wenn er seine Wissenschaft aufs Volk herabstimmen solle man nicht anders
lehren würde als Christus der Professor des ganzen menschlichen Geschlechts
    Zu diesem Weil noch ein Paar weil alle wahre Philosophie in Zweifel
besteht weil viel Unphilosophisches in die Religion hineingekommen zu der
jeder vernünftige lautere Christ zu sagen gewohnt ist »Freund wie bist du
hereingekommen und hast kein hochzeitliches Kleid an« Solch eines Gastes halber
aber die ganze Hochzeitfreude aufzuheben ist sündlich O ihr guten Philosophen
macht ihrs wohl wie die Engel die das Unkraut vom Weizen trennen Ihr reißt
beim Jäten Unkraut und Weizen aus so dass die Erde ohne Hemde nackt und bloß da
ist als wärs Wintertag wenn der Wind allen Schnee weggetrieben  Mich
friert
    Was wollt ihr hochgelahrte Nichtswisser von den Koncilien und den jetzigen
Winkelzwiespalten in der Kirche Fasset doch in euren eignen Busen Wie lange
ists dass in Deutschland alles demonstrirt ward Man hat mir vom großen Wolf
als eine sehr wahre Anecdote erzählt dass als ihn einer seiner Zuhörer um ein
Demonstratiönchen angetreten das er keinem abzuschlagen gewohnt war er gleich
auch jetzt damit fertig gewesen Da der Impetrant den Aufsatz beim Lichte besah
fand er dass sein Pythagoras das Gegenteil von seinem erwünschten Satze
demonstrirt oder zu deutsch sonnenklar gemacht hatte Da stand der arme
Jüngling wie Butter in der Sonne Der Lehrer nahm ihn bei der Hand Was mehr
fing er an Man kann alles demonstriren Flugs demonstrirte er ihm was zu
erweisen war Man sagt der Jüngling sei nicht gerechtfertigt in sein Haus
gegangen Ich wäre ich Jüngling gewesen ich hätte es mit der ganzen
Philosophie gebrochen Die Demonstrirzeiten haben Gott sei gelobt aufgehört
Jetzt observirt man Man geht auf die Jagd    Pulver und Schrot wird
verschossen selten trifft man So geht alles im Cirkell Lieben Herren wenn die
Glocke zwölf geschlagen gehts auf eins bis es wieder an zwölf kommt  Bald
Vernunft bald Sinne Die Philosophie ist ein Wortkram Ich leugne es nicht dass
manches Wort abgebrannt ist und die wüste Stelle wohl verlohnte bebaut zu
werden Nur vergesst nicht Freunde Grossväter dass ihr keinen Fischzug Petri
gehabt wenn ihr hie und da Altflickereien von Schuldefinitionen angebracht ob
so oder so  Was habe ich denn wenn ich weiß dass geschwind behend schnell
nur von leblosen Sachen zB Kugel rasch hurtig hingegen von lebendigen
gebraucht wird Ihr legt dem Menschen Daumenschrauben an und wenn man sich
recht umsieht ist man Tag und Nacht gefahren und immer in die Runde und auf
Einem Fleck geblieben Schwindlich oben ein
    Unser Großvater der wahrlich die Bibel gelesen die dem Homer zur Seite
lag glaubte vigore commissionis kein Wort in her Bibel allein jedes Wort in
den Reisebeschreibungen war ihm heilig Theater Poesie mit allen At  und
Pertinentien waren ihm unausstehlich wenn aber die Reisebeschreibung auch noch
so poetisch noch so schön war so dass man gleich beim ersten Blick sah die
Beschreibung und nicht die Reise sei die Hauptsache bei dieser Arbeit sie war
ihm Ja und Amen Aber lieber Großvater  Aber lieber Major Mag es beim Aber
bleiben und jeder lebe seines Glaubens
    Ich kann mich irren allein mich dünkt mein Vater besaß das was die
Griechen apoptegmatikhn braxylogian kai lakonikhn nannten Herr v G der
Selige pflegte um dem frühen Spargel und der Pfeife im Freien meines Vaters
nicht zu nahe zu kommen zu sagen er sei aus Lacedämon Herr v G ehrte meines
Vaters Wortgriffe Schade sagte mein Vater dass ich nur auf Worte herabgesetzt
bin  Zum Gluck auf Volksworte wie ich zu Gott hoffe Freund sagte Herr v
G kommen Sie wenns Gelegenheit gibt auf die Bärenjagd Mein Vater zeigte
auf seine Reverende Jagd fügte er hinzu um kein Wort schuldig zu bleiben ist
nur Tatenspiel Ballschlag Zum Worte Funken selbst gehört Stahl und
Feuerstein  Pastor beschloss Herr v G Sie Stahl ich Kiesel
    Mein Vater war kein Freund von Sprüchwörtern von faulen Knechten von
stummen Dienern wie er zu sagen Pflegte wohl aber von Volkssprüchen Vox
populi sagte er vox Dei Ein Volksspruch ist die Unterlage zur Handlung
behauptete mein Vater Bei Sprüchwörtern und Sentenzen guckt ein sauber
gedrucktes Buch hervor
    Ehrlicher Großvater du tust wohl dass du zu Weine gehst darf ich dir
indessen des Herrn v G letzte Stunden empfehlen Je mehr du Menschen sehen
wirst je mehr wirst du finden dass es auf eine Definitionsspitze nicht ankommt
Lebe wohl  Trink auf meine Gesundheit Schreibst du so ist dein Buch gewiss in
meinem Büchervorrat Verzeihe dass ich unser Examen auf Mutwillen gezogen und
so manches was du für ein Ehrenkleid hieltest so lange noch die Ritze war
    Wer wird nicht gern mit zum königlichen Rat kommen mit der offenen weit
offenen Stirn schwarzem Haar und einem Auge in dem man ihn im Kleinen  allein
doch ganz sieht Ich überfiel ihn wie er sagte und da er keiner
Erschütterungen gewohnt war sondern immer seinen geraden Weg ging selbst wenn
er auf dem Gottesacker weinte  so kostete ihm wie er mir den folgenden Tag
versicherte dieser Besuch eine Nacht Niemand war von unserm Kränzchen mehr
übrig als der Prediger der aber wie meine Leser es ziemlich deutlich gemerkt
haben werden nur zum Kollektsingen und Segensprechen gebraucht werden konnte
Er war verwandt mit dem königlichen Rat sonst hätte er nicht Sitz und Stimme
erhalten  Alles tot Auch der Kreisrichter wo ich den königlichen Rat
kennen gelernt und seine Frau die schon bei meiner Abreise ihr Gehör verloren
Er eher wie sie an einer Brustkrankheit so wie er sich selbst prophezeit
hatte  Junker Gottard hatte die Frau Kreisrichterin noch am Leben gefunden
und als gewesener Hausoffizier seine Schuldigkeit bei der Durchreise beobachtet
Sie hatte ihn vorgelassen Schade auch der Reiter tot Der königliche Rat
versicherte mich dass dieser Offizier so sehr mein Freund gewesen dass er bei
meinem Entschluss Soldat zu werden sobald er erschollen nichts weiter zu
tadeln gefunden als dass ich nicht sein Kollege geworden
    Auch der Professor tot der eine so vortreffliche Deklamation selbst im
gemeinen Leben besaß dass man seine Stimme eine Prosaische Melodie nennen
konnte Der letzte Zank den er mit unserm Reiter gehabt war über die
Zeitungen die der Reiter in hohen Ehren hielt er aber so wenig dass er sich
der verächtlichen Bemerkung bediente er brauche sie nicht anders als wenn beim
Rasiren ein Einschnitt sich etwa zugetragen Sie wussten nicht sagte der
königliche Rat dass sie beide in einer Woche in die Zeitung kommen würden 
Ich konnte den kleinsten von diesen Zügen nicht ohne ganz besondere
Aufmerksamkeit hören Alles nahm ich zu Herzen Wir erinnerten uns so manchen
Streits Der Reiter behauptete dass nach dem neuen Testament die Zeitungen den
ersten Platz verdienten und dass eben sie die jetzige Welt vor Barbarei schützen
würden Setzen Sie den Fall man schriebe aus  es hätte sich da ein Gespenst
hören und sehen lassen würde man nicht gleich aus Berlin antworten kein wahres
Wort  Die Avancements waren indessen unserm Reiter das Hauptstück die nun
freilich weniger Interesse für die Welt haben als wenn ein Gespenst sich sehen
und hören lassen sollte Ich ließ unverhohlen dass eben der ZeitungsPanegyrist
Schuld daran wäre dass ich in russische Dienste gegangen
    Der königliche Rat hatte die abgegangenen Stellen wieder besetzt indessen
hatte er um mir die eingebüsste Nacht nicht schuldig zu bleiben außer dem
Stammhalter dem Prediger die als ordentliche Mitglieder eingeführten Männer
den Offizier den königlichen Rat den Professor und noch einen verabschiedeten
preußischen Offizier gebeten der als Zöllner versorgt war Dieser Zöllner und
ich sahen uns an und wie aus einem Munde Alexander Darius Wer hätte das
gedacht
    Es war im ersten Augenblick alles Du und Du Da aber Darius hörte ich wäre
Major gewesen beschied er sich den Augenblick und ich hatte viel Mühe ihn
wieder an Ort und Stelle zu bringen Benjamin Ja er selbst  Auch Benjamins
Geschichte will ich Extrapost erzählen Wir verließen Benjamin in einem
schrecklichen Zustande
    Mine die ihm aufgetragen ihre Reise nach Mitau vorzubereiten fand ihn
selbst reisefertig zur andern Welt und ging von seinem Bette betrübt bis in den
Tod Benjamin erholte sich zwar indessen konnte er in einem halben Jahre zu
keiner Fassung kommen Man gab die Hoffnung auf dass er je ganz zu sich selbst
rückkehren würde Endlich war er im Stande die Szene mit seiner Schwester zu
verstehen die ihm aber wegen der so langen Zeit mit vielen Zusätzen und
Verstümmelungen beigebracht ward Meister und Meisterin hatten keine Schuld an
ihm Der alte Herr hatte keine Taube seines Sohns halber versandt und der
Meister war so voller Beobachtung der Regel was dich nicht angeht davon lass
deinen Fürwitz dass er um den Dariusschen Ausdruck beizubehalten seinen
Prügel viel zu lieb hatte um ihn unter die Hunde zu werfen Vorerst war es auf
eine Heirat mit des Meisters einziger Tochter Christine angelegt Es wird
doch sagte der Meister keine Missheirat sein Da aber Christinchen sich
unversehens so sehr verlaufen wie Darius sagte dass kein ehrlicher Mann sie
aufzusuchen im Stande war so ließ die betrübten Eltern Benjamin ziehen in
Frieden Beim Abschiede sagte Benjamin lief es mir eiskalt überen Rücken Es
waren sehr gute Leute Benjamin zog nicht eher Nachricht von Minen ein als bis
sie tot war  Ich aß eben sagte er Brod in frische Milch eingebrockt da ich
die erste sichere Nachricht von ihrem Tode erfuhr und ich hätte so hungrig ich
war den Löffel nicht an den Mund bringen können um wie vieles  Auf meiner
Wanderschaft sagte er hat mich manch harter Sturm erschreckt o wie manche
rabenschwarze Nacht habe ich belebt und wie oft bin ich ganze Tage gegangen
ohne einen Hüttenrauch zu entdecken An einen Kirchenturm war ohnedies nicht zu
denken
    Er kam in eine preußische Stadt wo er dem Kommandeur vorgeführt wurde 
Benjamin erschrak gewaltig da er vom Soldaten hörte den ihm der Offizier so
süß vorpfiff  Es ward ihm indessen alles überlassen Eben weil er nicht
gezwungen sondern sich selbst überlassen ward bot er sich nach vier Wochen von
selbst an Die Meisterin des Orts wo auf kein Christinchen Rücksicht zu nehmen
war hatte ihn ohne Ursach chicanirt und nun glaubte er sie wieder chicaniren
zu müssen Ich warf den Plunder weg sagte er und ward Soldat Das Dariusspiel
hat viel dazu beigetragen Benjamin zeigte keine kleine Geschicklichkeit im
Schreiben und da er im ganzen Städtchen privilegirter Briefsteller und
Berechner war so stand er sich so vortrefflich dass er auf Standeserhöhung
dachte die ihm auch nicht fehlschlug Er ward namhafter Korporal Wie wars
wenn es aus Feuer ging fragte ich ihn Musste gut sein erwiderte er Freilich
hatte ich noch keine Flinte bis auf den Tag da ich Menschenjäger ward
losgedrückt und außer einem Taschenpuffer kein Knall und fallendes Gewehr in
meiner Hand gehabt indessen fand sich alles nach und nach Vorerst ward mir
dann und wann eins angehangen und vorzüglich habe ich meines Fußes halber
manchen Spaß gehabt Kommts nicht heute kommts morgen dachte ich und es kam
morgen  Du pflegtest mir zu sagen dass in jeder Sache außer dem was ins Auge
fällt noch etwas Unsichtbares wäre außer dem was da ist noch ein Geist der
webt Beim Soldatenstand ist dergleichen Geist nicht wohl aber wie du selbst
wissen wirst so mancher blaue Dunst den man machen kann Was fehlt meinem
Bein  Ich unterrichtete beim Oberstlieutenant die Kinder Du meinst du Nein
Jeder Mensch hat im Regiment geglaubt ich hätte studiert da habe ich manchmal
gedacht ich wäre schon so aus der Erbliteratenfamilie  Der Prediger hielt
mich für einen Juristen der Auditeur für einen Theologen  Die Herren Geehrten
müssen doch selbst nicht so recht wissen woran sie sind
    Darius ward auf Werbung vermöge ganz besonderer Empfehlung gesandt und da
er hier Gelegenheit hatte sich ausnehmend hervorzutun vom Könige unmittelbar
zum Lieutenant ernannt Meine Feinde sagen es sei ein Missverständnis im Namen
vorgefallen  und der König soll sich auf einen Korporal gleiches Namens
besonnen haben der vor seinen Augen wie ein Bär im Kriege getan Auf einmal
erscholl ein Gerücht dass alle bürgerlichen Offiziere die nicht zu dieser
Ehrenstelle während dem Kriege gekommen in Gnaden entlassen und nach Bewandtnis
der Umstände untergebracht werden sollten Das Glück ging mir nach diesem
Unglück bald wieder auf Anfänglich nur in Gestalt eines halben Mondes ich
hatte nur eine halbe Glückswange Dieses Halbglück war ein Mädchen das mir
wohlwollte Es ward meine Frau Bald darauf erschien der volle Mond Ich bekam
eine Stelle bei der Zoll und Acciseverwaltung wo ich außer einer Ärgernis
die mir viel zusetzt ehrlich und ordentlich lebe  Zur Ärgernis gab ein ganz
besonderer Vorfall Gelegenheit Benjamin Hauptmann der nicht so gut schrieb und
rechnete wie Benjamin Darius ward als sein Subaltern angesetzt Der arme Mann
hatte Feldzüge mitgemacht und Darius nichts weiter als Werbdienste getan
Natürlich dass dieser wunderliche Wechsel den Herrn Hauptmann schmerzen musste
und dies um so mehr da er sich von Adel hielt woran indessen auch gezweifelt
ward Bruder fügte er hinzu es ist ein Literatusadel den ich mir auch
zuzueignen im Stande wäre Ich konnte mich nicht des Lachens enthalten
    Benjamin unterhielt mich mit dem Für und Wider den Adel des Herrn
Hauptmanns betreffend länger als ich selbst wollte Das ärgste ist sagte er
dass unser Hauptmann von Kapernaum aus einem guten Hause geheiratet und eben
darum sich Anhang zusammengesprengt hat Alles hausarm allein desto fester
halten die Kletten Da findet denn sich hoch wo ein gnädiger Onkel der einen
Einfluss hat So viel kannst du glauben fuhr Darius fort ich vergebe mir
nichts Ehre verloren alles verloren Da ich der Sache näher trat oder
eigentlicher treten musste war der anomalisch adliche Hauptmann so wenig ein
Subaltern des Darius dass er bloß eine kleinere Stelle besaß  Meinst du
fragte er mich
    Allerdings und die Hitze des Subordinationsfiebers legte sich
    Freilich fürchte ich es werde eine Palliativcur sein Meine Frau  
geheiratet Ja Ein Sohn und eine Tochter
    Benjamin ließ nicht nach mir dass Versprechen abzufordern dass ich bei ihm
Nachtlager nehmen möchte  So sieht er doch fügte er hinzu dass auch ein Major
bei mir einkehren kann Da haben wir das Subordinationsrecidiv Ich lernte eine
recht artige gute Frau Lieutenantin oder wie sie lieber hieß Inspektorin
kennen Der Hauptmann war nur Einnehmer Sohn und Tochter Ein Paar liebe
Kinder Ich erschrak an der Tochter einen entfernten Zug von Minen zu treffen
und da ich ihm nachspürte fand ich ihn auch am Vater und was noch mehr war an
der Mutter
    Meine selige in Gott ruhende Mutter behauptete Stein und Bein wie sie
sprach dass Mann und Weib ein Leib wären das heißt was ähnliches hätten
sonst setzte sie hinzu würden sie sich nicht geheiratet haben Das ist der
Abdruck des Himmels in dem bekanntlich Ehen geschlossen sind Ich muss frei
bekennen dass ich diese Bemerkung oft bestätigt gefunden Mag wohl immer sein
wenn Neigungen Ehen binden  Man liebt sich selbst im andern  Desto
angenehmer war mir der Abend
    Wir blieben spät in die Nacht zusammen Die beiden Kleinen die von Schlaf
umfielen mussten nicht von der Wache Hab ich mir nicht sagte der Herr
Inspektor mehr im Kriegsdienst gefallen lassen und konnte ich denn dafür dass
während der Zeit kein Krieg war Sprach man doch jede Revue vom Marsch  Wir
wollen doch sehen mein Kind bemerkte die Frau Inspektorin wer von den Kindern
den Preis erhalten wird ob unsere oder des Einnehmers Ich freute mich dass
Madame es auf diese Probe aussetzte und sah wohl ein dass die
Subordinationsstreitigkeit eigentlich bei der Weiberinstanz vorlag  So nagt
doch immer fing die Frau Inspektorin nach einer kleinen Weile an etwas am Mark
des Lebens  Eine gute Frau bis auf die kleine Affektation hie und da etwas
das gehen sollte tanzen zu lassen Ein Kapriolchen nahm sie sich nicht übel
Sie las viel Romane die alle vortrefflich gebunden waren Sie kleidete sich
sehr mit Geschmack  Ich fand sie im allerliebsten Negligé Was sie spricht die
Frau Einnehmerin nämlich sagte die Frau Inspektorin ist mit welkgewordenen
Blumen einer Metapher bekränzt  Solch ein Kranz Er ist nur auf wenige
Stunden Im Wasser halten sich die Blumen am schönsten »Liebe Frau Inspektorin
muss aber kein Springwasser sein«
    Meine Frau sagte Darius nicht wahr geht rund herum ich steige gleich
aufs Dach Sie stellts zur Schau aus ich hänge es geradezu hin wo es hängen
soll  Mein Kind sagte sie bei einer andern Gelegenheit wie er heiratete
der Hauptmann nämlich verschwand der letzte Stern von Hoffnung Aber
erwiderte er der Major sagt   Mag immer lieber Herr Major Weibersehnen
entstricken sich eher
    Unfehlbar glaubte sie ihrem Stande durch einen dergleichen Ausdruck
nachzuhelfen Mag wohl literatadlich sein natürlich ist er nicht Mir
wenigstens kann kein Naturstück aufstossen wo ich nicht etwas Ähnliches
entdecke Bein von meinem Bein Fleisch von meinem Fleisch
    Sie erkundigte sich sehr herzlich nach ihrem Schwiegervater und wollte von
mir eine Beschreibung von einem Literatus welche sie bis dahin noch nicht von
ihrem Manne nach der Tablatur wie sie es nannte erküssen können Ich ließ den
Hermann bei Ehren Hätte der Hauptmann von Kapernaum pro tempore
Acciseeinnehmer die Abkunft des Inspektors erfahren Subordination  wo wärst
du geblieben Wenn mein Mann wider seinen Vater etwas hat was gehts mich an
Man sehe doch das galllose Schäfchen Ernst Ein gutes Weib Man lasse ihr doch
die welkgewordenen Blumen einer Metapher  Was tut es denn dem Manne wenn
seine Frau in so etwas Unschuldiges verliebt ist  Zehnmal versicherte sie
mich wahre Freundschaft daure noch wenn gleich alle Kronen Urnen geworden 
Und alle Worte Gedanken wollte ich schon sagen  Ihrem Manne machte das
Tulpenbeet seiner Frau in zierlichen Ausdrücken dargestellt keine geringe
Freude obgleich er selbst bei seiner Weise blieb geradeswegs aufs Dach zu
steigen Freilich musste das Dach nicht zu hoch sein  da Benjamin Darius
origetenus auf schwachen Füßen stand
    O der wunderbaren Vermischung der Denk und Handlungsart der Menschen und
doch wieder so allzusammen eins dass man weiter gehen könnte als meine Mutter
Nicht bloß Mann und Weib sondern alle Menschen haben einen gemeinschaftlichen
Zug  alle etwas vom Vater Adam und Mutter Eva denen sie mögen gewesen sein
wie sie wollen doch Kindespflicht eignet und gebühret
    Amalia war mit dem Krämer ehelich verbunden und glücklich genug gewesen
fünf Kinder mit ihm zu erzielen Junker Gottard hatte sie nicht besucht
worüber sie sich beklagte ohne dass der Krämer ein Wort darüber verlor
    Ich erneuerte alle meine alten Bekanntschaften die heilige Geiststrasse und
den Rossgärtschen Kirchhof nicht ausgeschlossen Die Straße die zu meiner Zeit
beim Abzuge des Malers dessen Quartier wir bezogen illuminirt war soll wie
man sagt nicht aus der Illumination herauskommen Was die Mütter taten tun
die Töchter nach ihnen
    Schließlich übergab ich dem Darius und vorzüglich seiner Frau s Grab
in L Ich tat es in Gegenwart ihrer Kinder und so feierlich dass alles weinte
nur der gewesene Herr Lieutenant nicht dem man in Hinsicht der Tränen nicht so
leicht aufs Dach steigen konnte Sie gab mir das feierliche Versprechen
künftige Woche zum guten Pastor nach L zu fahren wo sie schon bekannt war um
ihren Kindern das Grab zu zeigen Gern wäre sie jetzt gleich mitgekommen wenn
ich es ihr nahe gelegt ich wollte mir aber durch kein Gewürz ein gesundes
natürliches Essen verderben Auf diesen Ausdruck bringt mich die Frau
Inspektorin selbst Sie sprach von einem Ausdruck den sie das vor Fäulnis
bewahrende Salz nannte  Wenn die Speisen nur nicht versalzen werden wie die
königliche Frau Mutter es schon drei Tage vor dem königlichen Auftritt zu tun
gewohnt war
    Darius dankte mir wiewohl insgeheim wer mag gern in Gegenwart seiner Frau
in die Flucht geschlagen werden für die schönen Tage die er bei einem Haare
wie die Dorfjungen Talken genannt hätte wenn ich ihn nicht in Zeiten ins
Griechische gebracht Ich habe diesen Kriegen sagte der Herr Inspektor viel zu
danken Nimmermehr würde ich sein was ich bin wenn ich nicht Darius gewesen
Freilich kann wohl aus Darius nichts natürlicher als AcciseInspektor werden
Alexander aber und Major ist da Verhältnis kunstrichterlicher Leser Nicht
wahr eine versalzte Frage
    Ich fand Fronspergers Kaiserliches Kriegsrecht beim Darius und Benjamin
versicherte mich dass ihm das Werkchen viele gute Dienste getan Freunde Darf
ichs wiederholen beim Spiel eine ernsthafte Miene gemacht so ists Ernst
beim Ernst eine komische Miene so ists Spiel Entweder ist alles Spiel oder
alles Ernst in der Welt  Wie man es drauf anlegt  Und nun wenn anders meine
Leser keine Tücke auf Benjamin haben wer hätte gedacht dass diese linke Hand
sich so herausarbeiten würde Ist ihm die Nottaufe anzusehen Schneider oder
Literatus sagte seine liebe selige Mutter
    Der Major der uns nach Königsberg brachte war tot Schade Eben da ich
sein Kollege war Der Junker war Lieutenant geworden Benjamins Amtsbruder nur
mit dem Unterschiede dass Benjamin ein stehendes sein Kollege aber ein
fliessendes Wasser war Wie weit kann ers nicht noch bringen Der fliessende
Lieutenant wie er sich darüber freute dass ich Soldat geworden Noch lieber
hätte er und der verstorbene Reiter wirkliches Mitglied des gelehrten
Kränzchens wenn letzterer nämlich noch gelebt gesehen dass ich bei der
Kavallerie gestanden
    Beim Abschiede gab ich dem Herrn Inspektor den Brief der Kaiserin den ich
außer dem königlichen Rat keinem gezeigt hatte Dem Professor Großvater wäre
wie mich dünkt am wenigsten damit gedient gewesen Da war Benjamin wieder aus
dem DuGeleise und bat um Verzeihung so sehr die Subordination beleidigt zu
haben Ich hatte Mühe ihn ins Du zurück zu bringen Stelle Dir vor sagte er zu
seiner Frau ohne dass ich es verhindern konnte dass er diesmal zu Dach stieg
unser Gast ist auch geadelt und ein Gutsbesitzer  Ihr Gesicht  wahrlich etwas
zur Schau  Gut dass es beim Schluss war
    Lebe wohl Königsberg auf ewig
            Nach L  nach L 
    Ich zog durch einen andern Weg und obgleich ich nichts tat als mich
gierig nach dem heiligen Grabe umsehen fand es doch mein Auge nicht Der gute
Pastor Mich ärgern alle die Verzierungen die man beim guten gemeinen Leben
anbringt Da will man seine vorigen Bekannten raten lassen wer man ist Da
lässt die Frau ohne dass der Herr Gemahl es weiß zu seinem Geburtstage ein Mahl
anrichten In der Josephsgeschichte selbst gefällt mir der Zierrat nicht 
Warum nicht gleich ich bin Joseph euer Bruder  Geradezu gab ich mich dem
Pastor zu erkennen wie seinem Bruder dem königlichen Rat der es einen
Überfall nannte und der darüber um eine Nacht kam ich weiß nicht wie Wie es
mit s Grabe stände war meine erste Frage in die sich unser Pastor nicht
finden konnte Ich umarmte ihn und ohne ihn zur Antwort zu lassen die er von
der Überlegung borgen wollte nahm ich ihn bei der Hand und da waren wir 
Nach der Zeit hat er mich versichert dass ihm noch selbst auf dem Wege alles wie
ein Traum gewesen Da sagte er liegt mein Weib s Nachbarin Es war kurz
vor Ostern und schon war s Grab so grün so schön
    Der Pastor verließ mich um wie ich nach der Zeit sah von Haupt zu Fuß
sich umzukleiden Ich sah gen Himmel warf mich auf die Erde auf die heilige
Minen geweihte Erde Ich konnte nicht weinen  Mine Mine war alles was ich
konnte Ich warf mich mit einer Heftigkeit aufs Grab die kein Wort aufkommen
ließ die es erdrückt haben würde wie ein Grausamer einen Wurm der sich krümmt
 und stehe da so wie ich hinstürzte fiel das Grab ein Ein anderer wäre
aufgesprungen allein ich erschrak darüber so wenig als ich mich über den
kaiserlichen Brief erfreute Wer kann etwas in solchen Umständen Nach einer
kleinen Weile war es mir so als der lebendige Odem aus ihrer Nase woraus wir
ihre Rückkunft ins Leben erprobten Gott schrie ich und sah nun ein dass der
Sarg nachgelassen und die Erde ihm gefolgt war als ob sie mir Platz machte
dachte ich Ich komme bald sagte ich so laut dass ichs wiederhallen hörte wo
es wiederhallte weiß ich noch nicht allein dies Bald im Wiederhall wie es
mich ergriff das kann ich nicht sagen nicht denken Empfinden  kann ichs In
solchen Fällen lasst der Empfindung ihren Wert ihr Empfindungsstürmer Noch
jetzt hat es mich erschüttert Bald Amen bald Amen
    Nach einer Weile fiel es mir wie ein Blitz ein das Ende meines
                               anexoy kai apexoy
zu machen Schnell riss ich die letzten Siegel auf und las
    »Du bist ein geborner Edelmann ich heiße   Einen einzigen Buchstaben
habe ich im Namen geändert Wirfst du den weg bist du was deine Vorfahren seit
undenklichen Jahren gewesen Mein ältester Bruder der mich verfolgte ist
Schuld an diesem allen Wie wenig ist dieses alles Ein geänderter Buchstabe
ein einziger was will das sagen Die Beilage ist die Asche von den Papieren
die im Brande drauf gingen der sich zutrug da du krank warst Sie muss gelten
wenn du sie geltend machen willst Gott segne und behüte meinen Bruder und die
Seinen für und für Auch dich segne er mit und ohne den Buchstaben  «
    Mehr konnte ich vorerst nicht lesen und auch meine Leser wissen genug in
meinem Lebenslauf Das übrige gehört zum Lebenslauf meines Vaters wovon der
vierte Teil bergauf handelt Die Beilage Asche hatte die Buchstaben so
unleserlich gemacht dass alles wie schwärze Kunst aussah
    O Freunde Die Szene wie ich beide Adelbriefe zusammennahm und sie auf
s Grab legte zu ihren Füßen könnte ich sie doch mitteilen Ob sie gemalt
im Zimmer sich ausnimmt weiß ich nicht aber fürs Herz  Ich kann nicht  Sie
brachte mich zu Tränen zu sanften süßen Tränen Mine war mir Welt Leben
Alles
    Sieh s Schutzgeist steh der du ihr das Bald so warm wiedergebracht
hast als es das Echo das Sprachrohr der Geister dir zubrachte Sieh diese
Treue Sie war s wert Was sollen mir diese Gnadenbriefe ohne sie O du
lieber seliger Vater Dank sei dir dass du diesen Pomp in Asche verwandelt und
sie zur Beilage gemacht hast Wir sind Staub und Asche
    Der Pastor kam ganz herrlich verziert und wollte mich seiner Entfernung
halber um Vergebung bitten Da er aber sah was vorging war er Willens zu
bitten dass ich ihm seinen Überfall verzeihen möchte Herr Major fing er an
dies hatte er schon von meinem Bedienten erkatechisirt das hat nie ein Major
getan so lange die Welt steht  So hat er auch keine Mine gehabt so lange
die Welt steht  erwiderte ich nahm ihn wieder bei der Hand und führte ihn
zu dem Grabe seines Lindenweibes Hanna wollte durchaus sagte er s
Nachbarin sein und wir alle wollens sein Meine Tochter hat sich dieses von
ihrem Manne schriftlich versprechen lassen und er von ihr  Hat Mine es doch
dem Nathanael vergeben lieber Major Sie würden sich gewiss vertragen  gut
begehen hätte ich bald gesagt  Freund antwortete ich selbst weiß ich nicht
wie ich dazu kam da sind Türk und Russe Brüder  O lieber Herr Major vom
Türkenkriege zu reden  Freilich hier nicht aber doch Ja Ich drückte ihm die
genommene Hand Freund das Grab Ihrer Hanna ohne Linden  Eine wollte ich ihr
geben ausgegangen drei Jahre nach einander gesetzt und ausgegangen Wie tot
geschlagen Ohne Leben und Odem Mehr als eine mochte ich nicht Warum sollte
ich Ihrer Mine die Sonne entziehen  Die Linden nehmen sich viel heraus wenn
sie ins Wachsen kommen Sie sind sehr sonnengeizig ungerecht gegen alles was
unter ihnen wächst
    Nach dieser Szene gingen wir in die Kirche Siehe ich komme bald halt was
du hast dass niemand deine Krone nehme rief mir jede der vier Gegenden zu
Osten Süden Westen Norden Alles war mir so gegenwärtig als ob es vorginge
s Begräbnis Gretchens Eheverbindung
Was Gott tut das ist wohlgetan
Es bleibt gerecht sein Wille
und
Drum lass ich ihn nur walten
    Warum denkt man so gern an gehabte frohe Stunden Wahrlich weil das Leben
so kummervoll ist und weil wir ihm durch dergleichen Kunstgriffe förderlich und
dienstlich sein wollen Wahrlich die überall gütige Natur hilft auch hier so
wie in allem unserer Schwachheit aus Wir erinnern uns froher Tage fast eben so
froh oft froher als wir es waren da wir sie lebten Die Zurückerinnerung an
traurige Vorfälle geht von langen zu kurzen Tagen über und wird schwächer
    Alles war uns von Gretchens Hochzeit sichtbarlich die Verschwendung des
Puders von Seiten Natanaels das Kleid mit den goldbesponnenen Knöpfen des
Amtmanns selbst womit der Amtmann sich bloß ausstaffiren wollte und das nicht
zum Vorschein kam war uns gegenwärtig
    Der gute Pastor hätte nicht die Frage aufwerfen dürfen Wie wäre es wenn
wir Gretchen besuchten Hätte ich ihr so nahe sein können ohne sie von
Angesicht zu Angesicht zu sehen Miss ich denn nicht ihr und ihrem Manne für die
treue Pflege danken die sie s Grabe angedeihen ließ Die Zeit hatte
meinen Schmerz über Minen in Poesie gebracht wie sie es immer tut o so sanft
lyrisch Bin ich Gretchen denn nicht die Heimführung schuldig
    Es ward verabredet zuerst Gretchen und ihren gepuderten Mann und nach
diesem den hochgebornen Totengräber  Kompagnie zu besuchen Ich habe schon
bemerkt dass ich keine Maskeraden liebe Warum auch die Mummerei Da steige ich
lieber den Leuten wie der Herr Lieutenant aufs Dach als dass ich ihnen auch
ein Ausdruck des Herrn Inspektors was ins Maul schmieren sollte  Wie das
absticht der Herr Inspektor und die Frau Inspektorin
    Mein Gott wie sich Gretchen freute auch Nathanael
    Sie küsste mich wieder so herzlich als wie ich zur Hochzeit kam und den
Justizrat zur Frage Wenn brachte Der arme Mann musste jetzt viel dieser
Eifersucht halber ausstehen  Jetzt war er so weit vom Wenn dass er selbst gern
darüber lachen mochte Er hatte sich ungemein auf die Politik gelegt und wollte
durchaus die Karte herbeiholen da sich der Herr Schwiegervater an den
Türkenkrieg erinnerte Der gute Nathanael war immer mit marschirt hatte immer
mit gekriegt und mit gesiegt Er war so wie sein Schwiegervater wohlbedächtig
russisch obgleich sonst jeder Mensch eine Neigung hat sich des Unterdrückten
anzunehmen Ists Wunder Es ging ja gegen die Türken Die Anlage zur Politik
welche der Prediger bei Gelegenheit der verlorenen Schildwache zeigte hatte
freilich noch nicht ihren Geist aufgegeben indessen übertraf Nathanael seinen
Schwiegervater in der Politik bei weitem Gretchen war dagegen so unpolitisch
dass sie recht geflissentlich diesem Blutvergießen auswich Ein politisches Weib
ist wahrlich das unausstehlichste unter allem aus der siebenten Bitte Fast
sollten sie das Wort Krieg nicht auszusprechen nicht über ihr Herz zu bringen
vermögen Ein anderes gings um die schöne Helena oder wenn sich ein Paar um
das blaue Augenpaar der Huldgöttin der Stadt schlügen In solchen schönen Fällen
erlaube ich ihnen auch ein Wort über Krieg und Kriegsgeschrei zu sprechen
    Gretchen du hast den besten Teil erwählt das soll nicht von du und deinen
Töchtern genommen werden ewiglich Wie du in Reisekleidern ausgingst
liebenswürdiges Geschöpf und mit verweinten Augen zurückkamst  Gott lohne
dich mit seinem reichlichen Gegen  Sein Antlitz hebe Er aus dich und sei dir
gnädig
    Es war ein gutartiger allerliebster Frühlingstag Wir kamen früh an und
frühstückten auf einem Haufen Mir kommt das Frühstück als die natürlichste
Mahlzeit vor das sich auch die englische die natürlichste Nation nicht nehmen
lässt Omen Morgen lieber Engländer
    Ich setzte mich ins Gras und die fünf Kleinen so viel hatte Nathanael
aufzuzeigen um mich her Dies brachte mir ein Vergissmeinnicht jenes nahm mir
den Hut ab die beiden kleinsten Mädchen ergötzten sich an den blanken Knöpfen
meiner Uniform
    Der gute Prediger sah diese Gruppe und sagte »Simon Johanna hast du mich
lieb« Weide meine Lämmer Ich hielt diesen Spruch an und auch noch schallt er
mir ins Herz »Weide meine Lämmer«
    Leopold willst du ins Grüne
    Eben wollte ich bitten
    Komm
    Ohne Strohhut
    Versteht sich 
    Gretchen sowohl als Nathanael behaupteten der dritte von oben hätte viel
Ähnlichkeit von mir Ich fand es nicht Vater und Mutter hatten ihn am
liebsten Schade dass er nicht Alexander hieß sagten die Eltern der älteste
hieß so Das erste Kind war eine Tochter und hieß Mine  Wie ich dies liebe
Mädchen an mein Herz gedrückt Es war es das mir Vergissmeinnicht brachte Ich
ließ mir von Gretchen das Ende ihrer Mutter erzählen wo sehr starke Stellen
darin vorkommen Ich will meine Leser denen ohnehin eine Todesfahrt bevorsteht
mit den nähern Umständen nicht aufhalten  Sie starb sehr heiter Ihr Tod war
kein Lindentod Wer nicht von dieser ihrer Krankheit gewusst hätte würde sie in
Wahrheit aus den letzten vier Wochen ihres Lebens nicht ersehen haben Ihre
Einbildungskraft war wieder eingezäunt Ihr Auge hatte jene Wildheit nicht mehr
 es strahlte nicht es schien nur  In ihren Segnungen paarte sie mich noch
mit Gretchen das heißt sie segnete mich so inbrünstig als sie obgleich
Nathanael und seine Kinder hiebei nicht zu kurz kamen Auf den Enkel Alexander
legte sie beide Hände auf jedes andere ihrer Kinder nur eine  Was sie froh
war sagte Gretchen Minen zu sehen  Gehe ein zu deines Herrn Freude
    Kaum hatte Gretchen diese für mich so rührende Geschichte vollendet so
marschirte Nathanael schon wieder zum Türkenkriege und wollte ich wohl oder
übel ich musste erzählen  Gretchen bestellte während des Türkenkrieges ein
natürlich schönes Mahl Bei Tische war der Justizrat nicht von Bukarest zu
bringen bis ihn endlich Gretchen wie einen Türken schlug Die kleine liebe
Russin Sie vergoss über meine zwei liebe Kriegskameraden bittere Tränen und
mehr als die Geschichte dieser jungen Helden wollte sie nicht Der Prinz
Wilhelm von Braunschweig war ihr zu vornehm um an ihm Teil zu nehmen
    Rechten und Fechten sing die Lose an und zeigte mit Fingern auf Nathanael
Er gleich fertig brummen verstummen und zeigte auf Gretchen Ich gab dem
Justizrat einen Blick als wollt ich sagen ich bitte meine Mutter ruhen zu
lassen in Frieden
    Was Gretchen wohl ansteht gebührt eben einem so puderreichen Manne nicht
Nathanael fühlte dass er zu weit gegangen und ward so still dass ich ihn selbst
mitleidsvoll durch eine Türkengeschichte aufmunterte Wer kann immer fechten
ich fing also zu rechten an »Ich will mich selbst richten« schrieb Nathanael
an seinen Schwiegervater »und den Krieg Rechtens mit mir selbst anfangen« Ein
schön Stück Arbeit Nathanael hatte redlich Wort gehalten Nie sprach er ein
Urtel über andere aus Sich selbst hielt er in Ordnung Vielleicht fiel er eben
darum aufs Politische Durch eine Schadenfreude über die Türken konnte er
freilich keinen Schaden tun  Wenn er ja noch mit einer Beurteilung sich
hören ließ so war es wider die Gesetze selbst Wider die Türken und wider die
Gesetze sollte wahrlich jedem Christenmenschen ein Wort zu seiner Zeit erlaubt
sein
    Die Gesetze sagte der Justizrat scheeren alle Menschen über einen Kamm
Unfehlbar dachte er ans Promemoria Wenigstens fiel es uns allen ein obgleich
wir es nicht sagten Der Gerechte und Ungerechte wird nach einer Form behandelt
und ein gelehrter Jurist ist der welcher aus einer Tasche nimmt und es in die
andere legt aus der Ausgabe in die Hauptcasse  Und unsere Philosophen sagt
ich was tun sie mehr Wenn es köstlich gewesen schlagen sie die Zinsen zum
Kapital Und dann fuhr der Prediger fort geben sie es an einen unsicheren Ort
Und dann beschloss der Justizrat holt der Teufel alles
    Der gute Nathanael erschrak selbst über den Teufel da er ihn citirt hatte
so wie übers Brummen und Verstummen Er hatte in diesen Tagen ein klein
Kapitälchen verloren das er vielleicht auch wie die Philosophen von Zinsen
gesammelt Solch Geld soll überhaupt nicht viel Segen haben
    Warum Scheltwort wider die Gesetze sagte der Prediger Ihr Herren habt ein
gewisses Phlegma das ihr Diensteifer nennt Alles nur so nach dem es scheint
nichts nach dem es ist
    Ihr Bruder fing ich an 
    Ist nicht phlegmatisch von Natur 
    Ein wahrer Menschentreffer
    Mag allein das beste Auge wird müde 
    Ich Und furchtsam wenn es ein paarmal fehlgeschossen
    Justizrat Man hat so viel Mühe sich selbst zu treffen und hat sich doch
immer vor der Nase
    Prediger Aber nicht vor den Augen
    Ich Vielleicht trifft man sich mehr als es scheint  Man publicirt uns
das Urtel nicht Es bleibt uneröffnet Jeder Schelm weiß dass ers ist der
kleine schielende Revisor so gut wie ein anderer  Die Justizform in England 
    Justizrat Freilich die beste Die lieben Dicasteria Lasst den Nachbar über
den Nachbarn urteilen so wie bei uns Soldat über Soldat Unteroffizier über
Unteroffizier Offizier über Offizier Wenn nur das Desertionsedikt nicht wäre
 Dicasteria sind gemeinhin Hospitäler wo viel geredet und wenig getan wird 
Kommt einmal ein großer Kopf herein stößt er ihn sich wund Das edle Geschöpf
Gottes hatte nicht Raum in dieser Herberge
    Sollte man wohl nach diesen Datis glauben der Justizrat habe keinen
Dienstverstand  Die Herren Rechtsgelehrten lernen die Gesetze allein selten
den Menschen Es gibt Leidenschaften die jeder billiget weil sie mit ihm
selbst stimmig sind Wer zürnt über den Zorn wenn der Eifer über eine
Beleidigung kommt die ins Allgemeine geht Ein dergleichen Eiferer heißt ein
Patriot  Trifft der Eifer einen Lehrer der ein falscher Münzer ist der Worte
für Sachen verkauft Schiffszwiebacke für Manna ausgibt oder auch einen
solchen der seinem moralischen Vortrage durch seinen Lebenswandel widerspricht
dann ist dieser Eifer ein Eifer für des Herrn Haus Bei dieser Gelegenheit da
wir dem was ins Allgemeine schlägt Gerechtigkeit widerfahren ließ fing der
Prediger an Es ist so eine Sache mit dem lieben Allgemeinen Wir wollen nur
Tatsachen die aufs Allgemeine gehen Je allgemeiner die Benennung ist womit
man uns belegt je weniger will man sich so benennen lassen Mensch kann zur
Probe dienen Ein allgemeiner Geist zieht in seinem Privatause gemeinhin den
Kürzern
    Nathanael versicherte und auch dies war wahrlich nicht der kleinste Beweis
von seinem Dienstverstande dass er in seiner langen Praxi nie gefunden dass ein
gutdenkender Mann auf einen Dieb böse gewesen wenn er das Seinige wieder
erhalten Wir Menschen denk ich sehen es zu sehr ein dass wir alle gleiche
Rechte in der Welt haben und danken Gott wenn wir nur bei solchen
Gelegenheiten ungeschlagen davonkommen
    Der Prediger der noch kein Wort von seiner Sünde wider den heiligen Geist
gesagt vielmehr seinem Herrn Schwiegersohn weil er Justizrat war obgleich
ein in Gnaden verabschiedeter die Vorhand gelassen holte jetzt alles ein
schlug Zinsen zum Kapital und bemerkte jedes Wort das er in der zweiten
Ausgabe dazu und davon getan Er sprengte da es Nathanael ihm zu lang machte
überen Zaun und der Schwiegersohn musste ihm das Wort abtreten obgleich er
Justizrat war Man kann sich um den Hals reden  auch um den Gedanken  Der
gute Prediger fing nicht zu seiner besten Stunde an Gretchen kam und ich ließ
den Justizrat Gelehrsamkeit gegen Gelehrsamkeit bei der Frage »ob auch
jemand mit der linken Hand schwören und ob wenn er falsch geschworen ihm die
Finger abgehauen werden könnten« und den Pastor bei der Antwort »dass er
sehnlichst wünschte einen Sünder wider den heiligen Geist seiner zweiten
Ausgabe in Kupfer vorstechen zu lassen« Mögen sie rechten und fechten
    Gretchen und ich gingen spazieren ein Sohn und ein Töchterchen mit uns
Eins für mich eins für Sie sagte die gute Hausmutter Wer Gretchen mit ihren
Kindern sah und nicht Luft bekam zu heiraten hatte kein Gefühl von Unschuld
Sie zeigte mir dort eine neue Anlage zum Spaziergang hier ein vortreffliches
Grasstück  Den Acker rahden und der Gegend zur Aber lassen wie Gretchen es
nannte oder einen Graben ziehen überließ sie dem Herrn Gemahl  sie nannte
das Milchdepartement ihr beschiedenes Teil und nötigte mich in ein
allerliebstes Büdchen ihren Thron wie sie sagte Allerliebst So schön sitzt
kein Monarch als Gretchen in ihrer Milchbude Hier ward oft frische Milch
gegessen und die schönste Wiese die das Gütchen vermochte lag vorm Auge
    Wer fehlt mir Freund als Mine sagte Gretchen und weinte so sanft als man
in einer Milchbude weinen muss Sie beklagte sehr keine Freundin in ihrer Gegend
zu haben Allein ich habe einen lieben sehr lieben Mann fügte sie hinzu Wer
hätte das dem Nathanael dem Justizrat ansehen sollen Wenns geregnet hat
sagte sie wie schön ist es hier und gab mir die Hand Das gute Gretchen Warum
nicht alle Kinder fragt ich Gretchen Gern möcht ich mich mit diesen Kleinen
ins Gras setzen »Ich wollte mehr mit Ihnen allein sein« Wahr ists drei
kleine Kinder Zusammen ist wie eine große Gesellschaft Gretchen hatte keine
andere Gesellschaft als ihre Kinder Zuweilen kam der Graf und sie waren noch
öfter bei ihm Gretchen war nicht ganz für diesen Geruch des Todes zum Tode Die
Sache genau genommen ist auch der Geruch des Lebens zum Leben Leib und Seele
gesünder Eine Person von ihrem Herzen konnte nicht anders als tötlich gerührt
vom Grafen heimfahren Nathanael ließ sie vorzüglich wenn sie gesegnet war
nicht zum Grafen Alles gut sagte Gretchen das hiesige Leben ist doch auch
nicht zu verachten und es ist Pflicht zu genießen und Trost zu hoffen Was
fehlt uns denn in dieser Milchbude
    Die Milch Gretchen
    Wollen Sie
    Ich lächelte Nein
    Der siebenmal sieben liebe Graf  Ist denn nicht mein Stubenornat besser
hatte er jüngst zu Gretchen gesagt als wenn ich meine Zimmer mit geilen Bildern
behangen hätte deren jedes Feuer streut wodurch so viele junge liebe Herzen in
Brand geraten Viele lügen sagt ich weil die Wahrheit was gewöhnliches ist
Der Graf ist nicht besonders weil er es sein will sondern weil er einen
Lebensconcurs gemacht hat  Ich wusste wohl mit wem ich sprach Gretchen hatte
aufs Haar gelernt was ein Koncurs sei
    Ich habe einen sehr lieben lieben Mann wiederholte Gretchen von freien
Stücken Der Koncurs kann ihr unmöglich hiezu Gelegenheit gegeben haben Mein
Mann liebt mich fuhr sie fort und seine Kinder ist gerecht gegen jedermann
und verlangt vom Glücke keinen Dreier mehr als es ihm zugewendet  Wir
verloren ein kleines Kapitälchen und zweimal haben wir in der Lotterie gewonnen
so dass sich alles ziemlich heben wird
    Es war Gretchen zu kalt Sie zeigte bei aller Gelegenheit eine schwache
Brust Wenn nur die Lindenkrankheit ihrer Mutter ihr nicht den Stoff zur Hektik
eingepflanzt Schonen sie sich Gretchen hören Sie schonen Sie sich Ein
großer Teil meiner Leser vereinigt seine Bitte mit der meinigen Schonen Sie
sich
    Ich wendete mich zum Wege aus dem wir gekommen waren allein Gretchen zog
mich seitwärts um mir einen Gang zu zeigen der nach einem meiner Vornamen
hieß Auch einen Minchenberg gab es wo wir uns wenige Augenblicke
niedersetzten Dass wir doch nicht Geister sehen können sagte Gretchen Der Graf
glaubt zwar drei Seelen bei ihrem Ausflug mit einem Blick erhascht zu haben 
Im Fluge Gretchen trügt das Gesicht am meisten  Zum Kollationiren sagte
sie gehört Original und Kopie Liebes Gretchen erwiderte ich reden Sie doch
wie eine wahre Justizrätin
    Wir kamen zurück und fanden den Herrn Schwiegervater und Sohn noch in
gelehrten Streitigkeiten Der Justizrat sprach über die Frage »Ob jemand mit
der Todesstrafe zu belegen der einen Missetäter eine halbe Stunde vor des
Todesurtels Vollstreckung ermordet« und der gute Prediger »Ob es nicht billig
dass der Verleger den Titelbogen für voll bezahle wenn gleich nur ein Blatt
beschrieben sei« Ists doch der Titel
    Was meinen meine Leser von einem Sünder wider den heiligen Geist in Kupfer
Sollte nicht eine Silhouette mehr anzuraten sein
    Keinen stärkeren Beweis konnte wohl Nathanael ablegen nicht mehr
eifersüchtig zu sein als eben den dass er sein liebes treues Weib mir
anvertraute Hat der Herr Major alles gesehen Ja lieber Nathanael alles
Tausend Dank für Gang und Berg Ich will gleiches mit gleichem vergelten wenn
mir Gott an Ort und Stelle hilft Gretchen war mir lieb als Gretchen und lieb
ist sie mir als Frau Nathanael
    Herr Major sagte Nathanael sie ist s Schülerin
    Wer kann wohl glauben dass es nicht drei Minuten dauerte da wir von
Gretchens Milchbüdchen bis Bukarest waren
    Diessmal waren Gretchens Brüder meine Retter Sind sie noch fragte ich in
PoesieKompagnie Vier Augen sehen mehr als zwei sagte Gretchen und lächelte
Wie Sie doch so gütig sind fiel der Prediger ein sich selbst an diese Maskopie
zu erinnern Denken Sie noch daran wie ich Ihnen meine Abhandlung zum
erstenmale anvertraute Sollte ich nicht erwiderte ich und lenkte wieder auf
die beiden Kompagnons ein wovon einer in Kurland Hofmeister war der andere in
dem nämlichen Ehrenamt in Preußen stand Der Prediger empfahl mir den Curländer
wenn er wo mit v E  s in Kollision käme  Ich antwortete mit einem
Händedruck
    Den folgenden Tag reisten wir zum Grafen Ich wünschte dass Gretchen mit
käme allein ich bat sie nicht mitzukommen da ich wusste dass der Geruch des
Lebens zum Leben ihr lieber war  Ich glaube je länger je mehr weil sie die
Folge der mütterlichen Lindenkrankheit selbst fühlte und nicht fühlen wollte
Das liebe Gretchen  Sie kam von selbst die gute Grete Wir fuhren alle viere
 
    Der Graf freute sich über alle Massen Ein Sterbender allein hätte ihn mehr
erfreuen können Man schrieb mir aus Königsberg Sie wären da sagte der Graf
und ich wäre fast in die Verlegenheit gekommen Sie zu bitten Ihren alten
Freund nicht zu vergessen  Desto besser dass Sie ohne das gekommen sind
    Meinen Lesern ist es bekannt wie viel der Graf von Künftigkeiten zu
bestimmen gewohnt war Es fiel ihm mancher Umstand wie aus dem Ärmel Wer wird
denn wohl im dreissigsten oder vierzigsten Jahre wissen wollen ob er es bis
siebzig oder achtzig bringen oder eher sterben werde Und wem ist überhaupt
damit gedient da Vorhänge aufzuziehen wo die Hand der Vorsicht sie
wohlbedächtig angebracht hat Warum soll man die Kunst lernen fast immer die
Zeit und Stunde zu wissen wenn es mit dem Patienten aus sein werde Gut keinen
medicinischen Tod zu sterben indessen würde ich es eben so ungern sehen wenn
ich wüsste ich sterbe und ein anderer observirt mich Wer lässt sich gern
observiren Eben darum trifft der Maler am besten der die Gestalt stiehlt 
Die Welt ist ein Garten im Norden wie der Graf sagt wo wenig reif wird So wir
das wissen selig sind wir wenn wir danach tun  Wie kommt das dass ich
Gretchen unvermerkt in Rücksicht ihres Geruchs beitrat Ich weiß keine andere
Ursache als weil ich auch vierzig Jahre trage Der Graf schien es selbst zu
merken dass ich den Anteil an seinen Anstalten nicht nahm den ich vor diesem
genommen Diessmal sagte er sehr fein werden Sie nicht in  krank werden Weil
ich es bin erwiderte ich und wie mich dünkt war meine Antwort eben so
richtig als seine Frage Sie haben ein größeres Sterbehaus gesehen Herr Major
sagte er als das meinige Der Justizrat und der Prediger waren froh um
vielleicht manches noch vom Türkenkriege zu hören worüber ich wie sie wähnten
den Grafen nicht abschlägig bescheiden würde allein sie kamen wieder von
Bukarest zurück ohne mehr zu wissen Ohnmöglich kann den lieben Herren solch
eine schnelle Reise gut tun Der Graf hielt sich bloß über die Frage auf Ob
man wohl im Felde ohne seiner Pflicht etwas abzukürzen observiren könnte 
Ich hatte ihn schon überzeugt dass es viel Gelegenheit zu Observationen im Felde
gebe und ihm eine ganz neue Aussicht eröffnet
    Der Inspektor und seine Frau  Sie waren zum Prediger nach L gekommen und
von L zum Grafen ob sie es sich gleich erst die künftige Woche zu tun
vorgesetzet Ich war Major und von Adel und freilich hätte die Subordination
gelitten wenn Benjamin wie er sich ausdrückte ermangelt hätte   Wie machst
du es mit deiner Stelle Er hatte den Einnehmer damit belehnt lieber Major
erwiderte die Frau Inspektorin für den Herrn Inspektor Das heißt wohl sein Amt
an den Nägel hängen Noch dasselbe Gesicht zur Schau das die Frau Inspektorin
beim Gutsbesitzer und Edelmann aufschlug  Er selbst auch noch die nämliche
Subordination Bei ihm wirkte der Edelmann bei seiner Frau der Gutsbesitzer 
Er war aus Kurland sie aus Preußen Bei diesen Schaugesichtern war es kein
Wunder dass die Sache weiter ging und an den Grafen kam dem die Nachricht eben
so wie der Frau Inspektorin auffiel Ihnen lieber Graf der Sie täglich
sterben  Gretchen allein war wie vorhin  Der Justizrat räusperte sich ein
wenig da er zum erstenmal mit dem adelichen Major dem Erbherrn auf  sprach
Dem Prediger war nichts anzumerken Der Graf den der Türkenkrieg bloß des
Observationsstübchens halber interessiert hatte wovon ich ihm einige Winke
gegeben nahm an meinem Adel so viel Anteil dass die Observation jetzt auf
meiner Seite war Mein Gott wie kann doch jemand der täglich stirbt an
dergleichen Kleinigkeiten Teil nehmen Vorurteile gegen die doch der Mann der
sich vom Haufen unterscheidet angehen soll können die auch solch einen Mann 
so beherrschen Es ging mir nahe diese Bühne aufgezogen zu sehen Sein erster
Blick tat gleich zehn Fragen an mich und so lieb es mir war den Herrn
Inspektor noch zu sehen so war ich doch im ersten Augenblick nahe daran zu
wünschen dass er lieber mit seiner Hausehre beim Herrn Hauptmann geblieben als
uns gestört hätte
    Der Graf wollte die Lebensläufe aller meiner Ahnen Lieber Graf ich weiß
sie selbst noch nicht und suche noch hie und da Lücken auszufüllen Zeit bringt
Rosen Wenn Sie Geduld haben die jedem not ist und Gott Ihnen das Leben
fristet so sollen Sie im dritten Teil meinen Vater und im vierten meinen
Großvater von oben ab sehen Gleich ein Unterschied zwischen mir und der andern
Gesellschaft Lieber warum das warum die weißen Federbüsche und die Wappen
und die gräfliche Krone Der gute Pastor in L  sagte auf den Punkt versteht
der Graf keine Brüderschaft Da ist das Krönchen leicht gebrochen Der Graf
kannte meine Familie  sollt er nicht  und nichts war ihm im Wege als meine
Mutter die doch bürgerlichen Standes gewesen Sie ist tot lieber Graf
Freilich hebt der Tod viel es ist nur der Ahnentafel und der Stiftsfähigkeit
wegen Ich versicherte die gräfliche Krone weder an eine Ahnentafel zu denken
noch auf Stiftsfähigkeit je Anspruch zu machen allein er drückte mir die Hand
mit einem sehr bedeutenden Kommt Zeit kommt Rat  Da Gretchen alles sah was
vorging schien sie selbst einen Subordinationszug einführen zu wollen den ich
aber sogleich bei der Tür abwies  Die Frau Inspektorin fand vollkommen ihre
Rechnung Sobald sie bemerkte dass es hier auf Paar und Unpaar ankam ging sie
bei sich selbst zu Rate ob und in wie weit ihr der Rang über Gretchen
zustände Sie übertrug dem Herrn Inspektor hiebei Sitz und Stimme da sie aber
zu ihrem Leidwesen erfahren musste dass ihm der Fall zu wichtig sei nahm sie
ihres Herrn Gemahls Verfahrungsart an stieg Gretchen zu Dache und drängte sich
der lieben Unschuldigen vor die indessen bei dem allerersten Blick des
Vordrangs so nachgebend war dass die Frau Darius nur ein sehr kleines Dach zu
steigen hatte
    Der Graf hatte die ganze Gesellschaft elektrisirt Alles war geschlagen bis
auf Gretchen ihren Vater und mich Elektricität ist ein Naturblatt auf dem
viel steht pflegte mein Vater zu sagen Wenn wir den Altar kennten von dem
diese glühende Kohle dieser göttliche Funke genommen ist wären wir weiter
    In der Naturlehre lieber Vater Wenn du aber hier in dieser geschlagenen
Gesellschaft gewesen was für ein Feld zu moralischen Anmerkungen wäre dir da
offen gewesen Wie doch dem Menschen der Zwang so eigen werden kann Ein kleiner
Schlag und alles gerade wie auf Drat gezogen
    Gretchen gewann bei meiner Standeserhöhung am meisten denn der Todtengeruch
war sehr zum Geruch des Lebens zum Leben übergegangen
    Der Graf bat es sich zur Freundschaft aus sobald ich mich mit meiner
Familie in Verkehr gesetzt haben würde ihm über diesen und jenen Punkt wo
seine Familienkenntnisse nicht zureichten Auskunft zu erteilen Dieser und
jener Punkt waren Federbusch Wappen und dergleichen Dinge mehr  Hie und da
eine Anekdote von dem und dem in der Familie Das war alles Wie ich sage
keinen Tritt weiter Ists möglich ein Mann der einen Mann ohne Wappen zum
Lebens alle Sterbende zu SterbensBrüdern und Schwestern annahm  Was
anderes wenns Leute täten die dem hiesigen Leben den Eid der Treue
geleistet
    Ich konnte das Andenken an jene Grabschrift nicht abwehren
                         Hier liegt der lebendig Tote
Bei diesen Umständen hätten Sie die Blätter die von der Reise zum Grafen
handeln nicht überschlagen dürfen meine gnädige Frau Zwar nahm ich mir die
Freiheit bei Gelegenheit der Sterbensumstände unserer guten Hanna diese Reise
eine Todesfahrt zu nennen allein geruhen Ew Gnaden die Fräulein Schwester zu
fragen der es gestern als Vestalin auf dem Balle recht gut stand ob nicht
diese Blätter unbedenklich mitgenommen werden können
    Hier oder dort waren die letzten Worte die ich mit dem Grafen beim
Abschiede wechselte da ich ihn beim Geruch des Todes besuchte  Wer hätte
geglaubt dass das Hier eintreffen sollte und zwar ein recht eigentliches Hier
voll Geruch des Lebens Wie sich die Luft erfrischt hatte bloß weil ich
Edelmann war  Da wir im heiligen römischen Reiche meines Adels halber waren
kamen wir ich weiß nicht wie auf Karl V der sich bei lebendigem Leibe
begraben ließ um zu sehen wie es ihm lassen würde Ich glaube sagt ich
diese Probe hat sein Ende befördert Ich nicht erwiderte der Graf der alle
Vierteljahre eine Nacht in seinem Sarge schlief Karl V starb aus Reue und Leid
seiner niedergelegten Kronen halber Und ohne ein Komma zu machen war der Graf
bei der Frage ob mein Adel älter wäre als Kaiser Karl V glorreichen
Andenkens der eh er 1558 starb sich Probe begraben ließ Das ich nicht
wüsste erwiderte ich
    Wenn doch dachte ich was Sterbendes vorhanden gewesen um den Grafen
wieder einzulenken  wenn noch Eins eingeläutet würde
    Jetzt Abschied auf ewig so wie ich ihn auf ewig vom heiligen Grabe in
dieser glorreichen Gegend nehmen werde Dort lieber Graf dort
    Lasst mich lieben Leser Abschied nehmen Ich bitte lasst Gesundheittrinken
ist wie ihr wisst ein Sinnbild des Lebens Abschiednehmen ein Sinnbild des
Todes War es Wunder dass der Graf beim Abschiede wieder in seinen ihm eigenen
Ton fiel Darum soll ich böse werden weil es Nacht und Tag in der Welt ist
Vielleicht schmeckt alles süß was schlecht bekommt Zucker schleimt sagt mein
Hauptarzt Vielleicht schmeckt alles widerlich was uns eigentlich wohlbehagt
Zwischen Schein und Sein wie der Drosselpastor ganz recht hat welche eine
Kluft Weil wider dieses Übel die China nicht hilft darum bist du böse Gibt
es nicht Hausmittel warum China Können denn nicht außer der Hauptstraße viele
Nebenwege sein Sind überhaupt Übel in der Welt Ist es nicht alles je nachdem
man alles stellt Genau genommen sind bei allen Dingen die nämlichen
Ingredienzen Mütterlich hat die Natur für uns gesorgt Wahrlich mütterlich 
Die Hoffnung ist was Geistiges was Unsichtbares Sie ist Geist vom Geist Sie
ist selbst ein Geist der uns lehret weise zu leben und froh zu sterben Siehe
wenn der Körper stirbt fängt ihr Leben in Gott an  Man nehme dem Genuss die
Vorstellung die Weise alles was man gern hat sich weit vorzüglicher zu
denken als es da ist allem ein poetisches Kleid umzuhängen  Was ist denn der
Genuss Er ist nicht Aufhebens wert  
    Dies war unsere Unterredung beim Scheiden Hätte mir der Graf nicht mit den
Worten die Hand gedrückt Die bewussten Nachrichten wahrlich ich hätte glauben
müssen es wären zwei Grafen  Was meint ihr dem allem unerachtet ein weiß
Federbüschchen kann man ihm verzeihen  Der Herr Inspektor sowohl als die Frau
Inspektorin schienen über unsere letzte Unterredung sehr erbaut Sie sahen die
Kronen Urnen werden und die Urnen wieder Kronen Gretchen und den lieben
Ihrigen war nichts neu  Minchens Verwandte in Mitau vermied der Graf so
sorgfältig dass kein Zweifel übrig ist er sei der Wohltäter  Doch ein
hochgeborner lieber Mann Nicht wahr Das übel angebrachte weiße Federbüschchen
tut wenig oder gar nichts zur Sache Wir Menschen incliniren so zu zwei
Principien dass es mich nicht wundert wenn man ein gutes und böses Wesen
angenommen die auf dem Welttron Sitz und Stimme haben Freilich wenn man
erwägt dass eines das andere herunterstossen müsste so sieht man wohl dass die
Vernunft hiebei Anstösse findet wo kann aber auch die Vernunft durch ohne dass
man sich den Kopf stößt  Eine große Maschine sagt man von einem ungewöhnlich
großen Menschen Warum Maschine Könnte man diesen Ausdruck nicht weit eher von
der Vernunft brauchen wenn sie gleich übrigens recht sein aussieht und sich so
rein gewaschen wie möglich  
    Bei der rechtlichen Abstellung der beiden Principien kann man freilich dem
Ausspruch der Vernunft nichts entgegen stellen indessen haben wir doch einen
Gott dem Herrn untergeordneten Bösen noch bis jetzt in unsern Glaubensbüchern
worüber meine Mutter singt
Vor dem Teufel uns bewahre
    Extrapost  In L leutschändete ich ein wenig mit Gretchen über die Frau
Inspektorin doch so dass diese Krone und Urne es in hoher Person anhören
können Gretchen versicherte den Grafen von dieser Seite zwar vermutet noch
nie aber so in Lebensgröße gekannt zu haben  Wer hat nicht liebes Gretchen
sein weißes Federbüschchen Die Frau Inspektorin so gut wie der Graf sagte
Gretchen Und der Herr Inspektor fragte sie Der steigt zu Dach erwidert
ich Ganz böse ist der Teufel selbst nicht Weiß Gott ob er sich nicht noch
einmal erholt wie mancher Baum der wenn er ganz weggehauen ist frisch an der
Wurzel ausschlägt
    Ich ermahnte den Inspektor seinen Vater ja nicht zu vernachlässigen wenn
gleich Hermann keine Taube nach ihm ausgesandt Die Frau Inspektorin die hiebei
den Klingklang vom Literatus vermisste bereicherte meine Aufmunterung mit ein
paar schönen Redensarten womit sie das Herz des Herrn Gemahls wie sie sagte
zur Sanftmut betauen wollte Wenn wir am schönen Abend sing sie an Hand in
Hand dahinschleudern und der Mond sich in meinen Tränen bespiegelt wenn ich
an so manche heilige Schauer zurückdenke die ich in   beim Grafen empfand da
er Abschied nahm  wenn  Sie wollte fortfahren allein Darius fiel ihr ins
Wenn Man seh doch sagt er auch du bemühst dich mein Kerbholz zu vergrößern
und den Major aufzuwiegeln Noch blieb Madame in ihrer Fassung Leute von
gewissem Stande fuhr sie fort sollten sich durch Zutätigkeit gegen ihre
Verwandten auszeichnen Ein Ast der den andern überwachsen will setzt sich der
Gefahr aus dass der Bube ihn bricht oder der Gärtner ihn wegschneidet  Bei
den meisten Menschen sind die Farben nicht recht angebracht rot die Augen
schwarz die Zähne  Ihre Augen und Zähne waren die Wahrheit zu sagen ohne
Tadel Jetzt stieg der Herr Inspektor der Frau Inspektorin wirklich zu Dache
und sie die sich bei dieser Gelegenheit durch Sanftmut auszeichnen sollen
überwuchs ihren Gemahl so zusehends dass man sie nicht wieder kannte Ein
Sonntagskleid wird am Ende ein Alltagskleid Anstatt dass sie ihren Mann sanft
wie der Zephyr die Rosen küssen sollen machte sie ein Geschrei als wenn die
Hühner auffliegen wollen Wahrlich die Farben waren auch nicht recht
angebracht Rot die Augen schwarz die Zähne Der Inspektor wie behutsam er
vom Dache stieg Er bewies sich als einen wahren Darius der auf der Werbung
Lieutenant geworden und war wie er sich ausdrückte in die Pfanne gehauen Er
versprach seinen Vater nicht zu verlassen und ich bot mich als Mittler an
welches von beiden vorzüglich von der Frau Inspektorin dankbarlich aufgenommen
ward
    Was machen Sie da Gretchen Ich kann mit dem Tuche nicht zurecht kommen 
Ich hatte Gretchen die Art gewiesen wie sich das schöne Geschlecht in Russland
ein Tuch um den Kopf bindet Allerliebst sagte Gretchen Ich wette sie geht
noch alle Morgen so bis auf den heutigen Tag
    Über die Sprache der Frau Inspektorin sagte mir Gretchen so was Treffendes
dass ich es durchaus meinen Lesern mitteilen muss Ein großer Unterschied wenn
der Himmel begiesst und wenn es die Hand des Gärtners tut Die Blumen wissen
gut wo es herkommt
    Ich übergab s Grab segnete die ganze gelobte Gegend und schied
    Ich werde es nicht mehr wiedersehen sagte ich zu Gretchen und zeigte aufs
Grab nachdem die Zeremonie vorbei war  Die Frau Inspektorin hatte wie ein
Kind geweint und kein Gedanke war ihr angewandelt ihren Rang mit dem Rang
einer Justizrätin in die Schale zu legen
    Am jüngsten Tage sagte Gretchen wenn die ganze Erde setzte die Frau
Inspektorin hinzu nur ein Grab ist  Der Pastor umarmte mich und bückte sich
tief  Der Inspektor sah auf sein lahmes Bein als wollt er sagen dies Dach
ist mir zu hoch
                                       
    Der Drosselpastor war nicht mehr in  Ich wollte mein Pfand einlösen und
mich ihm aufbringen allein er war weit weggezogen und sein Nachfolger hielt
keine Leichenpredigten nach Art des vorigen Er war seiner Esausstelle
angemessen und ein gewaltiger Drosselfänger
    Meine Absicht war so schleunig als möglich nach meiner Heimat zu gehen
das heißt nach Liefland auf das Gut so die Kaiserin mir verehrt Ich hatte
meinen Rechtsfreund nach Mitau citirt um da mit ihm alles fein zu berichtigen
Mitau nach Junker Gottards Meinung die Hauptstadt der Welt nahm ich aus
sonst wollt ich Kurland ansehen wie eine Herberge wo man durchs Fenster steht
ob das zerbrochene Rad nicht wieder im Stande ist War denn Lot nicht tot
Abrahams Verwandter Und Junker Gottard den hatt ich sein säuberlich
gleichfalls nach Mitau beschieden um sich hier zu rechter früher Tageszeit
einzufinden  Die Gräber der Eltern machen keine Gegend zur gelobten Wenn ich
gelegenere Zeit habe dacht ich  Ihre Seelen die in Abrahams Schoss von den
Engeln getragen sind werden mir immer wie gegenwärtig vor Augen schweben
    Gottard fand ich nicht  Der Rechtsfreund der wohl wusste was eine
Citation war hatte die Tagfahrt eingehalten ein junger Mann mit einer
unbefangenen Stirn Meine Leser würden ihm ihre Rechtssachen ohne Bedenken
übertragen Ich gab ihm eine Quittung für sich seine Erben und Erbnehmer wegen
meiner wohlbesorgten Erbschaftsangelegenheit Was es mir angenehm ist eine
Quittung zu geben und eine zu nehmen  Das ist der Abschied in
Rechtsgeschäften
    Eben wollt ich den   der die russischen Angelegenheiten in Mitau
betreibt besuchen da er selbst zu mir kam und mir ein Kabinetsschreiben
übergab Es enthielt einen Auftrag den ich öffentlich bekannt machen könnte
wenn ich wollte Warum sollt ich Dieser Auftrag erforderte eine Reise ins
Land die ich unverzüglich antrat Ich wollte meinem lieben Gottard von
Liefland aus Vorwürfe machen und ihm die Kosten zur Last legen mich eben dort
zu besuchen und so wollt ich aus meiner Heimat mein Versprechen erfüllen das
ich der Frau Inspektorin in Rücksicht ihres Herrn Schwiegervaters getan Jetzt
änderten sich diese Vorsätze und ich hatte so wenig Ursache die Hoffnung
aufzugeben Gottard den alten Herrn und wer weiß wen mehr zu sprechen dass ich
ihnen vielmehr entgegen reiste
    Ich hatte das Glück gehabt dem Geschenke der Kaiserin durch den Ankauf
eines kleinen benachbarten Gutes eine so beträchtliche Verbesserung zuzuwenden
dass nach den Beschreibungen meines dortigen Geschäftsträgers mich ein nicht
völlig unangenehmer Aufenthalt erwartete In dieser Rücksicht war mir der
kaiserliche Auftrag im Wege in vielem andern Betracht aber unaussprechlich
willkommen
    Ich ging ohne Anstand von Mitau nach  und sollte nach dem mir
vorgezeichneten Reiseplan in  Nacht halten Meine Sache war es nie den Herrn
des Gutes zu überfallen wo die öffentlichen Anstalten für Dach und Fach gesorgt
hatten so sehr solch ein Überfall auch Sitte in Kurland ist Ich ward bei
einem Amtmann eingebracht der nach vielen Komplimenten meinen Schein ansah und
mein Sein abfragen wollte Natürlich erfuhr der Ehrenmann nur so viel als
nötig war Wie ich aber so wenig neugierig sein konnte zu fragen wer seine
hochwohlgeborne Herrschaft wäre weiß ich noch bis diesen Augenblick selbst
nicht Mein Vater war ein Fremdling in Kurland und ich war so wenig zu
Wurstreisen zu Krippenritten angeführt dass ich wie er in Kurland gleichfalls
nicht zu Hause gehörte Auch selbst jetzt hätt ich wie ich schon bemerkt nur
einen Durchzug gehalten wenn nicht der Auftrag mich auf andere Gedanken
gebracht So viel nahm sich mein lieber Herr Amtmann die Erlaubnis gleich zu
bemerken dass die einzige Baronesse Tochter seiner hochwohlgebornen Herrschaft
morgen priesterlich verlobt werden sollte  Da ich daran keinen Anteil nahm
vielmehr sehr zufrieden war dieses Haus in seiner hochzeitlichen Freude nicht
gestört zu haben so verschwand mein lieber Herr Amtmann und kam mit einem
Livreebedienten zurück der sich noch die eben angelegten Manschetten und
Halsbinde zurecht zog Beide stimmten gegen einander ein Duett von Bitte an von
Sr Hochwohlgebornen ein Nachtlager anzunehmen Diese Art hätte mich ohne
Nachfrage darauf bringen können wo ich war Soll ich es meinen Lesern noch
besonders anzeigen dass Herr v W hier sein Feuer und Herd hat Ha dacht ich
nun weiß ich warum mein guter Gottard sich nicht in Mitau eingefunden Er hat
ein liebes Weib genommen darum konnt er nicht kommen und freute mich dass
Fräulein Tinchen  so ward sie seit einiger Zeit genannt weil ein Lorchen in
dieser Gegend kein gutes Lorchen war Lorchen v W hatte gar viele Namen die
der Herr Vater ihr bloß aus Höflichkeit beilegen lassen  also Tinchen und
Junker Gottard ein Herz und eine Seele worden Freilich hätte ich auf dies
Duett eine Antwort auf Noten setzen sollen allein sobald ich wusste wo ich war
und mir Gottards Verlobung mit dem lieben Tinchen dachte war ich unverzüglich
im Hofe Ich wusste wo ich die Ehre hatte zu sein Mein Herr Wirt und die
lieben Seinigen wussten nur dass ihr Gast ein Major sei
    Ich kann sehr kurz sein wenn ich meinen Lesern die Gesellschaft präsentire
in die ich sie führe
    Den Herrn v W und die liebenswürdige Frau v W kennen sie Fräulein
Tinchen sind wir auch im Hofe des seligen Herrn v G inne geworden Sie hatte
einen Bruder der Mücken mordete Fräulein Tinchen ließ sich Blut von Mücken
abziehen und wünschte wohl zu bekommen  Dass der einunddreissigste Julius an
welchem Benedictus der Erste der sechste römische Papst nicht minder Ignatius
Lojola im 65sten Jahre gestorben in dieser Familie denkwürdig waren gehört so
füglich nicht hieher und kann es wie mich dünkt meinen Lesern sehr
gleichgültig sein dass der verstorbene Junker Kasimir v W am nämlichen
einunddreissigsten Julius die ersten Zahnsprossen erhalten und acht Tage darauf
Todes verblichen Auch zweifle ich dass meine Leser die nicht selbst etwa wo
einen Beinbruch erlitten den Umstand so innigst beherzigen werden dass der
Mutter Bruder des Herrn v W gleichfalls am einunddreissigsten Julius ein Bein
gebrochen Wer wird sich aber nicht freuen dass ich ihn daran erinnere wie
Fräulein Tinchen den 18 April eben heute da ich dieses schreibe geboren ist
am Tage da Alexander Magnus gestorben und Diogenes aus Sinope der Alexander
unter den Philosophen
    Kurz ehe ich im Hofe war befragte mich der Livreebediente der jetzt mit
Manschetten und Halsbinde völlig in Ordnung war nach einer tiefen Bitte es
nicht auf die Rechnung strafbarer Neugierde zu schreiben ob ich wirklich als
Major gestanden oder nur meinen Abschied als Major erhalten Nach der Zeit
erfuhr ich dass dieser Umstand so klein er auch scheinen dürfte in der
Etikette des Herrn v W einen beträchtlichen Unterschied machte  Er lief mit
der Antwort voraus und der Herr v W empfing mich einen Fuß über die letzte
Stufe zum Hause gesetzt Hätte ich es weiter gebracht würd er den andern Fuß
gefälligst nachgezogen haben wäre ich nicht wirklich Major gewesen würde auch
der eine Fuß diese Vorbeugung nicht gemacht haben
    Ich freute mich wahrlich den guten Herrn v W so fern von allen
Waldhörnern zu sehen Man sah ihm eine gewisse Zufriedenheit an die nicht von
ungefähr entstanden sondern durch eine fröhliche Begebenheit veranlasst war
Herr v W war nicht gewohnt sich ungewöhnlich zu freuen  Heute aber hatte
sein wohlseliger Herr Großvater ein vortreffliches Geschenk von des Herzogs
Durchlauchten erhalten das noch bei her Familie aufbewahrt wurde und in einem
Porträt des Herzogs in Gold gefasst bestand Morgen war der frohe Tag da eben
dieser selige Herr Großvater ruhmwürdigen Andenkens sich mit der seligen Frau
Großmutter ehelich verbunden  So sehr die gute Frau v W die Arten und
Unarten ihres teuren Herrn Gemahls mit Stillschweigen zu übergehen pflegte war
sie doch da ihr Herr v W eröffnete wie seine Tochter an dem nämlichen Tage
verlobt werden sollte ins alte Volkslied ausgebrochen
Als der Großvater die Großmutter nahm
War der Großvater der Bräutigam
worüber der Herr Gemahl gewiss aus der Melodie des damaligen Freudenfestes
gekommen wäre wenn er nicht so melodiefest gewesen Er war eigentlich nur
Melodie
    Eben wie Herr v W den einen Fuß ich lasse ungesagt ob es der rechte oder
der linke gewesen nach mir ausgesetzt war dieses herzogliche in Gold gefasste
Geschenk welches wie Herr v W sich ausdrückte als eine Sonne dieses Tages
geleuchtet untergegangen und ins Freudennaturalienkabinet wie Frau v W es
auch in einer frohen Stunde genannt gelegt so dass ich auch diese Gnadengabe
nicht zu Gesicht bekommen Wer wird fragte Herr v G am Pfingsttage singen
Vom Himmel hoch da komm ich her und zu Weihnachten Wer recht die Pfingsten
feiern will Der heilige Abend des Verlobungsfestes war eingetreten und den
brachte Herr v G als Brautvater mir so sichtbarlich entgegen dass ich mich
nicht entbrechen konnte zu sagen Man könnte aus dem Untergange der heutigen
Sonne sehen was für ein schöner Tag uns morgen erwarte Seine Kleidung ganz
fröhlich und guter Dinge Herr v G sagte dem guten Herrn v W bei einem
seiner Halbstfeste Bruder du bist wie ein Damenbrett gekleidet Guter lieber
G heute hättest du den Brautvater sehen sollen
    Ich ward ins Gastzimmer gebracht wo ich die Hand der Frau v W nicht
verkannte Wie natürlich schön  Da der Herr v W kein Wort an Junker Gottard
dachte den ich doch so gewiss als zweimal zwei vier den Tag vor seiner Verlobung
in  erwarten konnte ging ich auch von meiner Regel ab Zwar stieg ich nicht
wie der Herr Inspektor Darius zu Dach allein es war mir nie möglich auch in
gutem Sinn mich unter die Bäume im Garten zu verstecken und mir Schürzen von
Feigenblättern zuzuschneiden Jetzt vergalt ich Gleiches mit Gleichem tat so
zurückhaltend wie Herr v W es war So gern ich also vom guten Junker Gottard
und vom Fräulein Tinchen ein lebendiges Wort gesprochen so zwang ich mich doch
dem Herrn v W gefälligst nachzugeben der mich unterrichtete warum ohne weiße
Strümpfe kein Gallakleid stünde Das tat freilich mehr not als von meinem
guten Gottard reden zu hören Beim weißen Strumpf sagte Herr v W ist der
Fuß dicker beim schwarzen schrumpft er vor Ihren sichtlichen Augen ein So wie
beim langen Bart fuhr er fort das Auge immer trübe und klein ist dagegen wie
heiter wenn der Bart abgenommen worden Er stand bei dem Worte abnehmen lange
an unfehlbar um dem Barte nicht zu viel zu tun Abnehmen ist ein so
wohlgewähltes Wort dass kein königlicher Bart dagegen etwas sagen könnte  Dass
mich Herr v W nicht kannte war das größte Feigenblatt so ich bei meinem
Wiedervergeltungsrecht anwendbar fand  Von einem Manne der nie gegenwärtig
ist sondern hinoder zurückdenkt wie kann man erwarten dass er den Retter
seiner Tochter dem er bei der Abreise mit steifem Arm zu umarmen die Ehre
erwies da er vor ihm stand kennen sollte Ich fand ihn in allem wieder das
griesgrämische Gesicht nicht ausgenommen auf das ich mich sehr lebhaft besann
Dass Sie nur ja nicht glauben mein Herr Major dass ich täglich in weißen
Strümpfen gehe  Alle Einerleiheit beschwert Wechsel erleichtert sagte mir
ein gewisser Pastor  mein Vater ein gelehrter Mann der aber wie die meisten
Gelehrten zu wenig Welt hatte und wer hat sie hier zu Lande Man hat hier
Kurland allein nicht Welt
    Wenn immer Tag wäre und immer Nacht so wollte ich lieber kein Mensch sein
 Freude und Traurigkeit Sommer und Winter das ist das menschliche Leben
Heute König morgen tot  Wer geht denn immer mit einem Hemde damit ich mich
dieses Wortes mit Ihrer Erlaubnis bediene Wer wechselt denn nicht im Sommer
täglich Zwar fuhr er fort und zog sich eine Viertelelle länger als vorhin
liegt freilich etwas Erhabenes etwas Großes in einem gewissen Einerlei allein
das ist nicht für jedermann So ist Gott der Herr immer derselbe Und was meinen
der Herr Major von der schwarzen Farbe Sie ist römisch kaiserlich  man nenne
mir aber nach ihr eine einzige Farbe die Stich hält  Gottes Alltagszimmer
wie oft verändert es sich  Ich meine diese Erde Alle Augenblicke andere
Mobilien Freilich in seinem Hauptschlosse im Himmel wird sich alles nach ihm
richten
    Der Herr Major werden verzeihen fuhr Herr v W fort dass ich Sie mit
meinen Lieblingsideen unterhalte
    Nach einigen ausgewechselten Komplimenten wobei ich die morgende
Tagesfreude des Herrn v W sich lichterloh vermehren sah konnt ich mich nicht
länger halten nach dem Bräutigam der Fräulein Tochter zu fragen und ein Stück
von meiner Feigenblattschürze einzureissen Wissen Sie ihn hier erwiderte der
Brautvater Ich sollte denken antwortete ich Sie kennen unsere Curländer noch
nicht wie ich sehe Die Herren wissen von keinem heiligen Abend und von keinem
Fastnachttag Brautnacht ist die Losung  In dieser Beschreibung verkannte ich
meinen guten Gottard so wenig dass ich ihn vielmehr augendeutlich vor mir sah
obgleich er noch nicht da war  Ich hatte gar keine Neigung die Braut zu sehen
und welch eine Mannsperson sieht eine Braut gern Herr v W und ich waren aus
der wohldekorirten Gaststube in ein Zimmer gegangen wo er mir eine allerliebste
Aussicht zeigen wollte und da kamen Mutter und Tochter bis uns noch im andern
Zimmer glaubten Man sah es ihnen an dass sie uns hier nicht vermuteten
Tinchen in einem weißen lichten Gewande wo sie beinahe wie ein Leibnitzsches
Körperchen aussah  Hätt ichs nicht gewusst ich hätte sie nicht wieder
gekannt  Sie mich aber auf den ersten Blick Die Mutter war fast unverändert
Sie aber fand mich sehr verändert wie sie sagte Wer hatte nun Recht Tinchen
und ich sahen einander und die Fassung schien uns beide im Stich zu lassen
Obgleich noch mehr da waren kam es uns doch so vor als wären wir unter vier
Augen Im Augenblick verloren wir den Faden Ich fand ihn zwar wieder in der
andern Sekunde Tinchen aber schien sich nicht fassen zu können  Was fehlt der
Braut fragte Herr v W Etwa der Bräutigam Kennst du denn nicht deinen Gast
Tinchens Retter erwiderte Frau v W Herr Major Herr v W O des frohen
Tages sagte der gütige Wirt und bald darauf Sind Sie denn wirklich Major
Wirklich Herr v W Da ich schon aus dem Rufe in Rücksicht meines Auftrags
bekannt geworden und hiernächst dem Herolde meine Wirklichkeit versichert so
war die Frage fremd Nebenher was meinen meine Leser ziemlich unhöflich Ich
begrüßte die gute Frau v W mit so vieler Achtung als Empfindung nahm Tinchen
bei der Hand die sie sehr nachlässig weggeworfen und wollt ihr zum heutigen
heiligen Abend und morgenden Verlobungstage Glück wünschen da ich bemerkte dass
Mutter und Tochter einen geheimen Kummer hatten der tiefer lag als Herr v W
ihn kurz zuvor anzugeben für gut fand  War doch Tinchen fast so außer sich
als wie sie ins Wasser gefallen und als Luischen rett rett rief O wie gern
hätte ich das arme Mädchen wieder aus diesem Wasser der Anfechtung gezogen wenn
es in meinen Kräften gewesen wäre  Endlich erholte sie sich wieder und Herr
v W konnte nicht vor dem Bitten um Vergebung Luft und Kraft schöpfen Fürs
erste dass er mich verkannt sodann dass seine Frau so unvorbereitet erschien
hiernächst dass die Braut sich so wie ins Wasser gefallen aufgeführt An die
Frage ob ich denn auch wirklich Major wäre dachte er nicht obgleich er billig
dieser Frage wegen die erste Bitte um Vergebung anbringen sollen Was hast denn
du getroffen fragte mich Junker Gottard da ich mit meiner Jagdprobe so
schlecht in seinen Augen bestand Dies edle Geschöpf war meine Antwort die ein
Blick auf Tinchen geleitete Diese unschuldige Frage und Antwort fiel mir jetzt
so sehr auf dass ich nahe war laut daran zu denken Nicht wahr Sie hätten
Tinchen nicht gekannt Herr Major fragte mich die gute Mutter Nein erwiderte
ich sehr aufrichtig Und woran würde es gelegen haben an Bild oder Rahmen An
beiden sagte ich gnädige Frau Tinchen war nicht gegenwärtig  Herr v W
hatte sich auf ganz kurze Zeit beurlaubt und die liebe Frau v W entdeckte
mir dass Tinchen schon von lang her etwas in ihrem Herzen getragen in ihrem
Gewissen fügte sie hinzu wahrlich nicht Sie ist so so unschuldig als wie
sie ins Wasser fiel wie sie Ihnen den Abschiedskuss gab Tinchen fuhr sie fort
konnte anfänglich nicht aufhören Ihr Lob zu verkündigen und die Geschichte mit
Mine wie viel Ehre haben Sie damit eingelegt  Seit einiger Zeit hat Tinchen
Sie und alles vergessen mich dünkt auch sich selbst  Sie ist still  tief 
was weiß ich wie sie ist was weiß ich was sie ist
    Natürlich
    Nicht ganz
    Sie liebt ihre Mutter die sie verlässt
    Die sie aber im Auge behält wenn gleich nicht an der Hand
    Gnädigste die Hand ist bei einer zärtlichen Liebe die Hauptfache Unter
Mutter und Tochter unentbehrlich
    Sie kann es mit so manchem Lebensvorfall aufnehmen ihre Entfernung ists
nicht
    Ihr Bräutigam ist rau allein bieder und gut
    Fast sollt ichs auch glauben
    Gewiss Gnädige gewiss und solch ein Mann ist behaglicher als einer der
vorerst kriecht und nachher sein Weib verlässt wie es hier zu Lande zu meiner
Zeit Sitte war  und noch ist
    Desto glücklicher diese Wahl
    Nicht Raupe nicht Schmetterling ist für ein Herz wie Tinchen  Gnädige
Frau ich kenne es
    Kaum in aller seiner Feinheit Man weiß wie junge Leute sind allein er
hätte wenigstens bedenken sollen was Tinchen zu ertragen vermag und was ihr zu
schwer ist  Jugendliebe  
    Nichts als Jugend Helden und Eulenspiegelstreiche Tinchen und Amalchen
tun nichts zur Sache Jagd ist die Losung
    Da kam der Herr v W der da anfing wo ers gelassen hatte mit einer
Bitte um Vergebung  Er nahm Anteil an unserer Unterredung und obgleich er
wider seinen Eidam allerdings so manche Bedenklichkeit hatte so war er doch der
Meinung dass Güte des Herzens und Biedersinn über eine gewisse Zärtlichkeit
gingen woran in Kurland bloß darum so viel Misswachs wäre weil die Höflichkeit
nicht betrieben würde die zu allen Dingen nütze sei  Glücks genug wenn man
heut zu Tage einen Mann ohne Schulden findet der zu seiner Zeit ein Mahl zu
Ehren anrichten kann einen Mann ohne Eigensinn der Arten begreifen will einen
Mann der Verstand hat und Arten zu fassen versteht  Wieder eine Bitte um
Vergebung und warum Weil ich Sie so lange von meinem künftigen Schwiegersohn
unterhalten habe Er ist mein Freund
    Desto besser sagte Frau v W Sie bleiben doch morgen fügte sie hinzu
    Ich bleibe
    Herr v W kleidete sein Gesuch dass ich morgen noch bleiben möchte in ein
so feines Kompliment dass es zugleich für seine Gemahlin und mich Weisung
enthielt weil wir die Sache so kurz und gut berichtigt  Man hats sagte er
wiewohl bei einer andern Gelegenheit für ein Geld  Warum sollte man nicht ein
wenig Gewürz dran legen
    Es hebt
    Macht aber Hitze
    Nach dem das Gewürz ist
    Wir gingen zu Tische und Tinchen war sehr heiter Vater und Mutter schienen
ausnehmend mit ihr zufrieden Was mir vorzüglich auffiel war die gütige Art
mit der sie sich gegen mich benahm  Sie erinnerte sich an die geringste
Kleinigkeit die zu der Zeit da ich nach Königsberg ging vorgefallen war Herr
v W hatte Mühe uns von einander zu bringen und wenn wir anstanden mündlich
zu sprechen waren unsere Augen in einer immerwährenden Unterhaltung ich
rettete Tinchen und sie dankte mir  Tinchen richtete den Salat an und ich
nahm mir die Erlaubnis sie an das examen rigorosum zu erinnern das sie in  
überstand Mir kam es vor dass des strengsten Augeninnersten und Händegewichts
unerachtet womit Tinchen sonst begabt war diesesmal die Salatingredienzien
nicht nach richtigem Maß und Gewicht gemischt wurden Zu viel Salz  zu wenig
Essig
    Die Deutschen Herr Major hielten auf ehrliche Geburt alle ihre höheren
Titel laufen auf geboren heraus
    Ehrenfest Hochedel und Wohledel Gestreng sind noch mehr originaldeutsche
Titel als das liebe Geboren
    Erlauben der Herr Major sagte Herr v W Der Franzos sagt Monsieur wie
gehts aber mit dem Geboren Ich glaube in Frankreich kennt selten der Sohn den
Vater
    Sie haben etwas die Franzosen in der Sprache und in allem was man ihnen
nicht nehmen kann nur das Geboren nicht  Wie dreist ist ein Franzose bei
aller seiner Sprachfeinheit  Ein dummdreister Mund und ein liebliches Wort 
Man sehe nur wie die Franzosen ihren mes Dames begegnen Sie verstehen in
Feinheit grob zu sein Sie gehen als wenn sie einen guten Freund auf der
Schulter balancirten oder wie der letzte Taschenspieler der eine Pfeife auf
der Nase tanzen ließ Zur Höflichkeit zur Festlichkeit gehört auch ein Körper
der etwas auf sich nehmen kann Ein gewisser Wuchs ist schon an sich festlich
und wenn sich ein Zwerg bückt ist das höflich  Da fällt mir immer der Bericht
ein den ein General dem verstorbenen Könige von Preußen über Paris erstattete
Alles Ausschuss allergnädigster Herr Kein Hofcavalier der Sieben misst  Was
ich den Franzosen nicht gönne ist das Wort Servante Das deutsche Dienerin ist
nicht hin nicht her und Magd Pfui übers Kopftuch Wir hielten über diese
Materie ein Gespräch an dem ich wie der Inhalt es zeigen wird wenig Anteil
nahm Ich sah lieber Tinchen im Wasser als dass ich das Fest der Deutschen
wiederholte
    Der Franzose ist auswendig gelernt der Deutsche nimmt sich wie er sich
findet der erste Blick ist immer der beste das sieht man beim Villard
    Was geben die Franzosen wenn sie einen zu Gaste nötigen Die
letztbeklatschte Komödie zu lesen oder die heutige Zeitung eine Limonade oben
ein  Sie sind geselliger als die Deutschen allein ihre Gefälligkeit schränkt
sich aufs Reden ein Ists Wunder dass in ihren Worten mehr Geschmack als bei
uns ist Wenns aber auf Taten ankommt heraus ihr Herren wenn ihr Herz habt
Mir gefällt jener Deutsche der wie alle seine Landsleute nie allein trank
Wenn dieser Biedermann keinen hatte mit dem er Gläser anstossen konnte nahm er
sein Stammbuch und leerte Seite vor Seite aufs Wohl seiner Freunde sein Glas 
Dass es dir wohlbekomme ehrlicher Deutscher
    Der Engländer vergräbt alles in sich zuweilen gräbt ers auf um diesem oder
jenem Toten den Ring vom Finger zu ziehen Man sieht aber fast immer noch am
Ringe ein Stück vom Finger
    Noch eine sehr feine Bemerkung die Herr v W machte ihm zum
immerwährenden Andenken
    Man sagt mein Röschen Niemand mein Nelkchen meine Lilie meine Hyacinthe
Da sieht man doch dass jedes Ding sein Hochwohl und Hochedelgeboren hat wenn
man es nur nimmt wie es zu nehmen ist
    Möchten Sie doch liebes Tinchen glücklich in Ihrer Ehe sein Wer Sie nicht
auf Händen trägt verdient keine Hand zu haben  Junker Gottard hat zwei
Hände
    Wir standen von der Tafel auf Ich sprach mit Tinchen allein ohne dass sie
und ich an ihren morgenden Verlobungstag dachten
    Wie kam das Um vieles hätte ich sie nicht daran erinnern können
    Herr v W hatte die Gewohnheit alle Abende mit seinen Leuten eine Betstunde
zu halten Es war wie ers nannte ein schuldiger Gottesdienst Die Frau v W
sagte mir diese Gewohnheit mit einer so herzlichen Art dass ich diese
Abendstunde um vieles nicht verlieren wollte Herr v W legte es da die
Betglocke geschlagen so geflissentlich an mich eben so gern hinaus zu
complimentiren als ich bleiben wollte Endlich kam es zum Wortwechsel Warum
wollen Sie sich incommodiren fing er an als ob das Gebet eine Beschwerde wäre
als ob es den Herrn v W anginge Ich ließ nicht nach und fand dass Herr v W
durchs Gebet mit dem lieben Gott complimentirte und offenbar bewies dass er das
Gespräch nicht angehört welches zwischen meinem Vater und dem Herrn v G bei
der Ankunft in  in dem Hause des Herrn v G vorfiel
    Wir gingen in das Betzimmer wo auch wenn das Wetter zu schlecht war um in
die Kirche zu fahren eine Predigt gelesen ward und Tinchen nahm mit einer
Unschuld die über alles ging ein in schwarz Korduan gebundenes Buch und las
ein Gebet mit einer solchen Herzlichkeit dass es mir durch die Seele ging  War
es mir doch als wenn sie Gott sähe Meine in Andacht trunkene Seele fand in
Tinchens Herzen Mund und Händen das ganze Ideal einer erhörten Beterin
    »Du weißt was uns bevorsteht und wir wissen dass du unser Vater bist
Vater in deine Hände befehlen wir unsern Geist  Dein Geist  lieber Vater
gibt Zeugnis unserm Geist dass wir deine Kinder sind  Geister sind so alle
zusammen verwandt und unsere Leiber hast du durch deinen lieben Sohn an
Kindesstatt angenommen Ganz sind wir dein«
    Noch eine Stelle
    »Lehre du uns mit deiner Welt zufrieden sein die du gemacht hast sehr gut
Lass uns nie vergessen dass es an uns liegt wenn sie uns nicht sehr gut ist
Wenn sie uns nicht sehr gut vorkommt Dein Wille geschehe«
    Hier brach sich ein Tränchen das Tine so lange zurückgehalten hervor Man
hörte es an ihrer Stimme Gehen konnte es keiner so weit ließ Tinchen es nicht
 Wie rührend  Jedes von uns hatte eine Träne im Auge Herrn v W allein
ausgenommen der nur nach vorgeschriebenen Noten weinte
    »Dein Wille geschehe« Hundertmal möchte ich diese Worte hersetzen
vielleicht träfe Eine meiner Leserinnen Tinchens Ton  »Dein Wille geschehe«
    Herr v G der Aeltere soll gesagt haben den Willen hat sich der liebe Gott
vorbehalten vom Verstand hat er uns ein gutes Stück abgebrochen und als er
sagte brach er sich Brod ab welches er wie wir wissen ungern schnitt
    Mein Vater ist dagegen der unvorgreiflichen Meinung gewesen dass dem
Menschen viel Willen anheimgestellt wäre den Verstand aber hätte sich Gott der
Herr vorbehalten
    Endlich haben sie sich auf den Satz vereinigt dass der Verstand eine
herrliche Gabe Gottes sei wenn nur nicht der Unverstand seine Lobrede
übernehme
    Liebhaber hast du je deine Geliebte beten gehört und gesehen Lieber
Gottard wie hättest du hier alles alles vergessen was nicht deine Tine ist
wenn du sie gesehen und gehört hättest Wer verdenkt dem Gottfried seine Liebe
zur in Gott andächtigen Jungfrau
    Jener Arme der einen reichen Mann um Geld ansprach erwiderte da ihn der
Reiche fragte Gegen was für Sicherheit  Ingrossation auf den Himmel  Der
Reiche gab ihm nichts weil auf diese Güter schon zu viel intabulirt wäre wie
der Reiche glaubte
    Das Gebet Freunde ist wahrlich eine gerichtliche Verschreibung auf die
unsichtbare Welt
    Dem Wille geschehe sagte Tinchen und die letzten Worte
    »Dann liegen wir in unserm Grabe und schlafen unbekümmert den süßen Schlaf
des Todes und ein Bote des Herrn geht mit einem Gesegnet seist du dem Herrn
vorüber bis wir eingehen zum ewigen himmlischen Reiche das bereitet ist denen
die Gott lieben«
    Wir schieden sehr still von einander  Die versammelte Gemeinde näherte
sich alles in gewissen Tempos zu den Knieen des Herrn v W die Frau v W
wünschte bloß eine gute Nacht Das Fräulein Tinchen sahen die Leute so an als
dächten sie schön gebetet  Niemand rührte sie an als wäre sie ein Engel
Gottes den niemand tasten kann
    Was meinen der Herr Major sagte Herr v W zu mir das Forte piano und
pianissimo weiß meine Tochter zu halten O des Erzcomplimentisten mit seinem
Forte piano und pianisimo
    Ich konnte die Nacht kein Auge schließen War es Wunder
    Tinchen wie ihre Mutter des andern Tages versicherte hatte eine noch
ärgere Nacht gehabt Die Nacht vor der Verlobung ist sie nicht wirklich wie
meine Mutter bei Gelegenheit ihres Romans den sie mit meinem Vater gespielt
sie nennet eine arme Sündernacht
In welcher Nacht ich lag so hart
Mit Finsternis umfangen
    Ich weiß nicht was mir war Schlafen konnte ich nicht gewacht habe ich
auch nicht
    Der Verlobungstag erschien an welchem der Herr Großvater des Herrn v W
mit der Frau Großmutter sich ehelich verbunden und ward mit einer Feierlichkeit
eingeläutet die ihres Gleichen nicht hatte Dass Herr v W mit einem dicken Fuß
wegen der frisch angelegten weissseidenen Strümpfe paradirte bedarf keiner
Anmerkung
    Ich sah zeitig aus meinem Fenster das ich öffnete Wahrlich ich betete
so voll war ich Bei aufgestossenem Fenster versteht sich Ich weiß nicht ob
meinen Lesern noch das Vaterunser beiwohnt da mein Vater und ich im Hofe des
Herrn v G ausgeschlafen hatten Wir sahen zum Fenster hinaus und da ich
Abschied in diesem so seligen Hofe von ihm nahm es war das letztemal dass ich
meinen Vater sah stieß Er ein Fenster mit einer Heftigkeit auf die mir noch
auffällt »Mein Vater mein Vater Wagen Israels und seine Reiter«
    Ist sie es Sie ist es Ich sah durch mein Fenster Tinen an einem Teiche mit
einem Mädchen herumgehen und immer in den Teich sehen Sollte sie dachte ich
da ihr Herr Aeltervater mit der Frau Aeltermutter sich ehelich verbunden und
auch sie Gottarden auf ewig die Hand zu geben in dem Herrn entschlossen ist
sollte sie da dass Andenken des Wasserfalls feierlich begehen Und gleich
unterdrückte ich diesen stolzen Gedanken  Wir taten als sähen wir uns beide
nicht und doch sahen wir uns beide  und wünschten es dass wir uns sähen
    Sie verschwand
    Eine feierliche Stille im ganzen Hause Mehr als ein Pianissimo
    Bald hätte ich zu bemerken vergessen dass Herr v W mir des Abends das
Geleite gegeben und des Morgens früh nach meinem Wohlsein sich erkundigen
lassen  Frühstück ward jedem in sein Zimmer gebracht und es kann Zehn gewesen
sein da Herr v W zu mir kam in vollem Staat und mir die Visite gab Es ward
mir auf den Ärmel geheftet dass ich sie ihm wiedergeben müsste das tat ich
und nun war bis zum Verlobungsmittag alles nach Ortsgebrauch berichtigt
    Man gab mir zu verstehen ob ich nicht Luft und Liebe hätte das
Verlobungszimmer anzusehen  Ich hatte nicht Luft und Liebe  Da ich indessen
merkte dass diese Anregung höheren Ortes sich herschrieb ging ich und fand ein
Zimmer wo ein Sopha stand carmoisinrot beschlagen darüber Großvater und
Großmutter so unaufgeräumt gemalt dass es mir vorkam als wäre dies gute Paar
unwillig dass man sie aus dem Schlafe störe
    Man öffnete zwei Flügeltüren und ich fand eine solche allerliebste
Übereinkunft dass es schien als freuten sich die Zimmer dass sie einander
sähen Man sah es recht dass eins ins andre kam Wenn eine Saite angeschlagen
wird tönt die andere falls die Instrumente gleich gestimmt sind Überall fand
ich die liebe liebe Frau v W
    Schwerlich dachte ich wird es Junker Gottard so empfinden als ich
    Es war alles bereitet und niemand fehlte als der Bräutigam Freilich bei
der Verlobung ein wichtiges Stück Da rasselte ein Wagen und da lief alles was
nur von Domestiken laufen konnte auf den Posten Herr v W war nicht Willens
seines Schwiegersohns halber die letzte Stufe der Treppe zu beschreiten um den
Ankömmling entgegen zu nehmen denn vorerst war er der Schwiegersohn sodann
verstand er nicht was heiliger Abend war und selbst an seinem Ehrentage hatte
er viel zu lange auf sich warten lassen
    Wo sind denn die Damen schrie Herr v W der in seine Rolle gesehen hatte
Sie hatten sich noch nicht sehen lassen außer dass ich Tinchen am Wasser
erblickte
    So erschrak Luise nicht über den unzeitigen Flintenschuss als ich da ich
hörte Tinchen wäre wie tot  Ich hörte das Wie nicht und doch hat ein
dergleichen Wie eine große Bedeutung  Herr v W wollte nicht aus der Rolle
weichen und das war ihm in den Jahren nicht zu verdenken Er hatte zu viel zu
behalten um sich völlig auf sein Gedächtnis verlassen zu können  Tot Herr
v W tot Was hilft der Bräutigam wenn die Braut fehlt Dieser Gedanke muss
ihm wie ich vermute einen Stoß gegeben haben Er war wirklich aus dem
Koncept und ging zu seiner Tochter die wie es bald darauf hieß immer
schlechter würde Soll denn sagte Herr v W da er aus Tinens Zimmer kam aus
dem Tag der Freude ein Tag des Trauerns werden Alles lief durch einander Die
Mutter hörte ich rufen Meine Tochter meine Tochter so kläglich als die
Retts und die Hiers von Luisen schallten sie mir und o was ist in solchen
Fällen der Wohlstand Das schrecklichste was ich weiß Wird Gottard der eben
gekommen es nicht so machen wie ehemals und eher die Flinte abzuschiessen
bereit sein als seiner Kranken die Hand zu reichen
    Nach einem langwierigen unverständlichen Mischmasch kam alles an Ort und
Stelle Der Herr Bräutigam hatte sich entschuldigen lassen Sein Fürsprecher war
Junker Peter der Mückentodtdrücker Tinchens Bruder der mit feurigen Ross und
Wagen angekommen war Man hörte es den Pferden an dass sie bei einem Bräutigam
im Dienst sind sagte Herr v W und tat sehr zufrieden dass der Herr
Schwiegersohn in Rücksicht der Pferde die Etikette als Bräutigam nicht verfehlt
was aber ihn selbst betraf o das war ihm zu unerträglich als dass er über
diese curische Denkart seinen Unwillen nicht äußern sollen Die Stimme ist
Jakobs die Hände Esaus sagte der gute Herr v W ohne zu bedenken dass er
dem Jakob den er mit den kecken Bräutigamspferden verglich eben keine
sonderliche Ehre erwies Wie doch alles in der Welt durch Missverständnisse
geschlängelt wird Ich weiß nicht ob meine Leser sich noch an den sonst
unbeträchtlichen Umstand des vermeintlichen Todes des Dr Saft erinnern welchen
meine betrübte Sündenfallskrankheit im vierzehnten Jahre veranlasste und was für
Kreuzwege gingen nicht aus dieser meiner Krankheit aus bis sie alle zusammen in
den zweiten Discant meines Vaters zusammentrafen
Gott eilet mit den Seinen
Lässt sie nicht lange weinen
Du wirst dich so vergessen sagte Frau v W zu ihrem gedrückten Manne der
wahrlich seine Jakobsstimme eingebüßt hatte dass du deinen Gast aus dem Gesicht
zu verlieren im Begriffe stehst  Gleich ein Platzregen von Bitten um
Vergebung und doch hinter diesen wieder Glossen über Kurland und Semgallen die
mein Vater nicht unhöflicher machen können Freilich war es arg dass die Sonne
am grossväterlichen Verlobungstage so unverrichteter Arbeit untergehen sollte
und ohne dass sie ein Enkelpaar begrüßt hatte  Ein Trost fiel mir ein der noch
am heilsamsten anschlug Wer Torheit mit Klugheit verbessern will gebe ja das
ganze Geschäft auf Torheit muss Torheit heilen Gleich und gleich 
Grossväterlicher Hochzeitstag sagen Sie Ja doch Hochzeitstag erwiderte Herr
v W der unter uns gesagt sein unhöfliches Doch ersparen können dessen ich
mich nicht gewärtig war Indessen ging es nicht mich sondern seine
unbedachtsamen Voreltern an die zwar den Hochzeits nicht aber den
Verlobungstag in die Archive von gelegt und in die Familienakten verzeichnet
hatten welches Herr v W bei dieser Gelegenheit sehr empfindlich rügte  Nun
nahm ich mir die Erlaubnis zu bemerken Ihr Herr Vater hat auch einen
Hochzeitstag gehabt Freilich erwiderte Herr v W allein wie schön wäre
alles zu stehen gekommen wenn an diesem Tage  das Beilager griff ich ein und
an jenem die Verlobung gehalten wäre Darf ich aber Ihren selbsteigenen
Hochzeitstag weil doch die Verlobungstage in der Familie in etwas
vernachlässigt zu sein scheinen wenigstens nicht ahnenreich sind darf ich 
Herr v W merkte auf und begriff wo ich hinaus wollte er schien sich zu
fassen obschon er nicht umhin konnte dem Worte Beilager einen Brandmark zu
geben und wie er sagte mich höchlich zu bitten zur Ehre der Deutschen dies
Wort bis aufs Blut zu verfolgen welches ich ihm um seinen patriotischen
Absichten nicht den Weg zu vertreten versprach
    Tinchen genas und die Familie versammelte sich zu einem zwar etwas späteren
allein desto einträglicheren Mittagsmahl aus welchem indessen zwei Schüsseln
nach Anordnung des Herrn v W ungegessen abgetragen werden mussten weil wie
er sagte sie origetenus Verlobungsgerichte wären Die eine war dünkt mich
Kälbermilch Herr v W um nicht die Regeln der Lebensart zu übertreten er
verzieh mir den harten Beilagerausdruck verbiss seine Bitterkeit Die
Frauenzimmer schienen so zufrieden dass selbst von Tinchens Krankheit nicht viel
gesprochen wurde Ein Wasserfall sagte sie da ich mich danach erkundigte
Wenn man einmal aufm Trocknen ist was ist mehr So schien sie mir auch
wirklich  Frisch wie nach dem kalten Bade Und die Mutter Auch sie brauchte
so wenig wie Luischen meinen Hut voll Wasser Die Zufriedenheit ihrer so
liebenswürdigen Tochter hatte sie hinreichend getröstet
    Von Tinchens Bruder vom Mückenhelden bin ich noch die Beschreibung
schuldig Dieser junge Mann war auf eine so höfliche Art von seinem Herrn Vater
erzogen dass nichts darüber ging Wen er lieb hat den züchtigt er scheint mir
noch immer die Hauptregel der Erziehung zu sein Ich weiß dass man es heut zu
Tage darauf anlegt durch gute Worte gute Plätze zu suchen Wenns nur ohne
Nagelbohrer gehen wird
    Meine liebe selige Mutter schrieb meine Krankheit im vierzehnten Jahre auf
die Rechnung des betrübten Sündenfalls
    Extrapost Die Festlichkeit und Höflichkeit welche unser teurer Herr v W
so brüderlich zu vereinigen wusste floss die reine Wahrheit zu sagen aus der
Quelle des Stolzes  Hierin folgte der Herr Sohn dem Vater buchstäblich und da
es ihm nicht verborgen bleiben konnte dass eben die Höflichkeit das Wort
Melchisedech war welches seinem Herr Vater rings umher in einem solchen Lande
wie Kurland übel ausgelegt ward so machte er sich noch eine gewisse Heuchelei
eigen die weit unartiger hervorschoss als wenn sie bloß aus der Wurzel der
Fest und Höflichkeit entsprossen wäre  In seines Vaters Hause war er höflich
und festlich und zwar gegen seinen Vater ungezogen curisch in aller Rücksicht
sobald er ins Freie kam Alles von dieser Verfahrungsart konnte dem Vater
unmöglich verborgen bleiben indessen schrieb er dies flugs der großen Kunst zu
sich in die Zeit zu schicken Überhaupt glaubte der Herr Vater einen
wohleingeschlagenen Sohn in Junker Petern vorzeigen zu können und hatte nie
etwas dagegen wenn es dem jungen Herrn einfiel seinen Vergnügungen Tür und
Tor zu öffnen Die gute Mutter die kein doppeltes Gesicht ausstehen konnte
weil das Gesicht das Patent des Herzens des Gemüts ist hörte nicht auf
einzulenken allein da war der Herr Sohn so wie es die Zeit mitbrachte oft
höflich wie gegen seinen Vater oft rau und curisch wie mit seinen Brüdern
    Was ich einen sich immer gleichen Charakter liebe Und wahrlich zu diesem
Gleichlaut den Menschen zu bringen kann nicht schwer halten wenn man ihn von
der Bahn der Ausdrücke der Worte zu Handlungen zu Taten von dem Wege der
Empfindungen auf den Weg der Grundsätze und der Regeln leitet Wer kann das zu
oft sagen Wahrlich es wäre gut den Menschen von allen Neigungen abzuhalten
die sich nicht aus der Naturschule herschreiben  Man lasse das Kind wie Herr
v G der Selige der Meinung war essen wenn es hungert man lass es zu
Bette gehen wenn es schläfert  Man überlass es sich in solchen Dingen so
sehr dass man jedes Gängelband verabscheue  Es hat gute Wege Wenn der Finger
verbrannt ist wird man das Licht scheuen und wenn sich das Kind den Kopf
gestoßen wird es dem Fall ausweichen  Die Erziehung geht nicht diesen
sondern einen ganz andern Weg Man sehe doch wie Gott den Menschen zu erziehen
sich bemüht da der Mensch sich in die Unnatur stürzte und in seinem Blute lag
    Neigungen Angewohnheiten schränken die Macht der vernünftigen
Bewegungsgründe der Grundsätze ein und überhaupt was macht uns unglücklich in
der Welt Wahrlich nicht der Mangel der Sache Der Mensch kann sich ohn alles
behelfen Selbst ohne die Hoffnungen der andern Welt kann man Gutes tun Der
Appetit Freunde die Neigung zu etwas das entweder gar nicht da ist oder
schwer erhalten werden kann macht uns unglücklich  Mensch du bist ein
geborner Diogenes Lerne dich selbst kennen
    Ob und in wie weit der Mückenheld diese Lection verdient habe die ich ihm
gelesen sei meinen Lesern zu beurteilen überlassen
    Jetzt zur Geschichte und damit ich meinen Lesern doppelt einbringe was sie
bei dieser Nutzanwendung eingebüßt so sei mir gleich mit der Anzeige anzufangen
erlaubt dass Junker Gottard nicht Tinens Bräutigam war Wie das möglich ist
und wie ich denn auf Trinchen und Amalchen in meiner Unterredung mit der lieben
Frau v W fallen können Wohlgesprochen Aber ich frage wieder Wie man glauben
können dass Dr Saft tot sei Und ob nicht jedes der Meinung sein müssen
Junker Gottard wäre der Bräutigam Wer anderer Meinung ist blättre das
griesgrämische Gesicht des Herrn v W auf da er die heißesten Wünsche seinem
Schwiegersohne bei der academischen Wanderung auf den Weg gab dass der große
Gott ihn auf seiner Reise begleiten seine Studia zu seiner Ehre und des
Vaterlandes Nutzen segnen und ihn zu seiner Zeit in die Arme seiner kleinen
Braut gesund zurückbringen wolle  Und das war nur ein Teil der kleinste von
seiner Schwiegervaterempfindung
    Junker Gottard wars nicht Warum nicht Daran wird weniger liegen als an
der Frage Wer es denn sonst gewesen Ich will versuchen beide Antworten unter
einen Hut zu bringen
    Junker Gottard hatte in Göttingen und Königsberg so wenig Aufmunterung zur
heiligen Ehe gefunden dass ihm vielmehr seine Trine je länger je schmucker
vorkam und was ihm den Rest gab kann wohl die Art gewesen sein wie Tine v W
ihm bei seiner ersten Aufwartung begegnete  Herr v W mit offenen Armen Frau
v W reicht ihm die Hand Tinchen benahm sich dabei so als wenn sie nur zum
Zusehen da wäre  Erbarmung dies Mittelstück der Liebe wenn Erbarmung rechter
Art ist sieht aufs Unglück nicht auf die Person und die Liebe Sagt ihr die
ihr geliebt habt hat nicht jede Liebe einen Götzen den sie anbetet Idol oder
Ideal ist hier nicht weit auseinander Alexander bringt das Bild seiner Mine
auf die Welt und Mine das Bild Alexanders Die Sinnen bringen nur auf etwas
was schon da ist Sie decken nur den Tisch um die fertigen Schüsseln
aufzutragen und noch jetzt wenn gleich die Eheangelegenheiten ihre sieben
mageren Jahre angetreten gibts doch noch Adams und Evasehen
    Junker Gottard empfand dass er gekommen gesehen und nicht gesiegt hatte
und ging gerechtfertigt in sein Haus  Er sah ein dass hier keine Aussicht für
ihn wäre wenn er mit gutem Gewissen verfahren sollte und es kostete ihm wenig
Mühe umzusatteln um aus seiner Sprache ein Wort anzubringen Ich glaube dass er
nie mit dem ernsten Gedanken zu Tinchen gekommen seine alten Rechte geltend zu
machen und da er fand dass das Wasser im Teiche Betesda sichtbarlich nicht für
ihn sondern für einen andern bewegt ward hoffte er nach der Liebe dass wenn
ihm ja nach der Eheklause eine Sehnsucht anwandeln sollte ihm sein Kämmerchen
nicht fehlschlagen würde
    Tinchen und Gottard fanden bei diesem Auftritte vollkommen ihre Rechnung
nur Tinchens Vater und Mutter waren nicht sonderlich erbaut welches Gottards
mindester Kummer war  Ein Glück für Junker Gottard war es denn sonst würde
ihn Herr v W mit Höflichkeit verfolgt haben dass er bei dieser Gelegenheit
alle Regeln der Höflichkeit gegen den Herrn Schwiegervater übertreten Kein
Wunder dass er diesen Ehrenmann der mit seiner Tochter nicht verlegen war in
Harnisch jagte und dass die fehlgeschlagene Hoffnung dem Herrn v W keine
Minute verdarb  Fast hätte man glauben sollen Tinchen und Gottard hätten
sich aus bloßer Liebe verlassen so schien es da sie sich einander los waren
Tinchen legte indessen ein Jahr nach dem andern zurück und was noch mehr ist
so war sie so sehr in sich gekehrt dass die Eltern ihretalben fürchteten Es
kann sich wohl auch ein Dr Saft mit einem Heiratsrecipe obenein gemeldet
haben worauf um so mehr Rücksicht genommen ward als ein Lorchen wie schon
erwähnt worden in der Gegend sich so herabgesetzt dass sogar Tinchen nicht mehr
Lorchen genannt wurde In dieser Lage ward Tinchen von einem reichen Junker
gesehen der nicht aus dem Lande gekommen war Auge auf Beutel auf sagte Herr
v W und interessierte sich fast gröblich für diese Heirat Herr v W bewies
dass wenn gleich die Höflichkeit zu allen Dingen nütze wäre das Geld ihr nur
etwas weniges nachgebe und da er Festlichkeit mit der Höflichkeit paarte wie
sie denn sich gegen einander wirklich verhalten wie Mann und Weib so war es
sehr natürlich dass er das Vermögen des reichen Junkers in eine der Sache gemässe
Erwägung zog Tinchens Freier unterstützte den Mückenhelden mit Vermögen zu
allerlei Vergnügungen und dieser ihn mit Empfehlungen im väterlichen Hause So
hoben sich die Brüche und selbst die gute Frau v W war wie wir gehört haben
eben nicht wider diese Heirat
    Tinchen allein sah die Sache von einer ganz andern Seite an Sie wollte
nicht fremdes Feuer auf einen Altar bringen der einem unbekannten Liebhaber
geweiht war und eben in dieser Rücksicht sielen ihr tausend Dinge an ihrem
Liebhaber auf die andere Leute nicht bemerkten Selbst ihre seine Mutter nicht
Die Liebe entschuldigt die Abneigung tadelt alles  und wahrlich Tinchen hatte
nicht Ursache bei dieser Tadelsucht sich anzustrengen Tinchens Werber Herr v
K damit ich den ersten Buchstaben gebe hatte sich nicht bloß auf eine
schmucke Trine eingeschränkt sondern auf jedem seiner Dörfer und Vorwerke war
eine dergleichen schmucke Person die er begnadigte ein lettischer Ausdruck
den ich nur sehr unkräftig verdolmetscht habe Der Mückenheld war in Absicht
dreier dieser Trinchens in Kompagnie getreten wo aller Schaden auf Herrn v K
der Vorteil aber zu wenigstens gleichen Teilen ging juristisch
Löwengesellschaft genannt v K war ein Verschwender und geizig  er liebte
und hasste auf eine so uncivile ungesittete Art dass freilich bei der Verbindung
mit Tinchen keine sehr glückliche Ehe abzusehen war  Was solche Leute ekelhaft
sind  Ich trinke darum ungern Punsch weil er wie Herr v E und Herr v K
sich widerspricht Indessen ward Tinchen endlich eingeschläfert im Schlafe
aufgesprengt und da hatte sie den Kopf nach vorn genickt wie alle gute Leute
wenn sie schlafen nach vorn den Kopf zu neigen pflegen Dies Nicken hieß beim
Herrn v W um so mehr Ja als nach seinen Regeln der Höflichkeit er keinem
Mädchen in ein deutliches Ja auszubrechen gestattete höchstens konnte sie es
verlieren Eben darum hätte er das Trauungsformular trotz dem zweigliederigen
Segen gern reformirt wenn es in seiner Macht gewesen wäre Die gute Mutter
empfand desto mehr dass Kopfnicken und deutlich Ja sagen verschieden wären Sie
sah ihre Tochter so oft ganz Gott ergeben vor dem Altare dienen wo freilich nur
das Fest des unbekannten Liebhabers gefeiert wurde indessen ist die Liebe der
Einbildung die gefährlichste
    Kind fing sie an und Tinchen erwiderte Mutter
    Liebes Kind
    Liebe Mutter
    Einzige Tochter
    Einzige Mutter
    Das war alles Was verhandelt ward Du hast gewollt Ja liebe Mutter
Ungern Ja liebe Mutter Gott wird helfen Tinchen blickte gen Himmel  Ihre
Mutter führte sie auf so manche Höflichkeitsscene durch welche sie sich
durchdrängen müssen auf die Abneigung die sie für alles was sich biegt
gehabt und noch hätte und dann unterbrach diese Lieben der Mückenheld oder
sein Herr Vater und Tine empfand die Unannehmlichkeit in ihrem ganzen Umfange
von diesem des Herrn v K halber geliebkost und von jenem aufgefordert zu
werden  Alle Zudringlichkeit ist bei Gemütern die selbst zu wissen glauben
was zu tun ist unausstehlich es kleide sich diese Zudringlichkeit schwarz
oder weiß
    Herr v K der wohl wusste dass Geld bei ihm die Losung sei bot seiner
Braut auf eine recht curische Art ein Geschenk in baarem Gelde an um nach ihrem
weltberühmten Geschmack wie er sagte selbst davon Gebrauch zu machen Wer kann
das so wie Sie setzte der galante Herr v K dazu  Weltbekannt erwiderte
Tinchen  kehrte den roten Netzbeutel zurück und fügte auf eine Art hinzu Wir
sind beide nicht aus Kurland gewesen dass Herr v K selbst es verstand Das muss
doch eine sehr deutliche Art gewesen sein  Herr v W der höfliche Herr v W
wusste selbst diese Geschenkmanier zu Gunsten des Herrn v K auszulegen
obgleich Geschenke in Geld so was Widerstehliches an sich haben dass kein guter
edler Mensch sie mit offenen Augen nehmen kann Geschenke machen die Weisen
blind  Herr v W hatte dem Junker v K den Hochzeitstag seines Herrn
Großvaters verziehen wie sollte er ihm ein Geschenk in Geld übel deuten Geld
war des Junkers v K Losung
    Geschenke in Geld heißen Geschenke in originali sing Herr v W an
Präsente in Sachen bestehend heißen Geschenke in autentischer Kopie Alle
Originale sind hart oft widerlich gestrichen und mit Fähnchen versehen Eine
vidimirte Kopie wird gemeinhin schön geschrieben fällt weicher ins Auge
Original ist indessen Original und bleibt Original
    Tinchen war endlich wirklich entschlossen Ja in den Augen von ganz Kurland
und Semgallen zu nicken bis sie den Tag vor meiner Ankunft solche Beklemmungen
erhielt dass ihre Mutter ihretalben besorgt war Ihr Vater hielt es für ein
Kapitel aus der Weiberpolitik und klatschte dass sie ihre Rolle so schön
spielte  Auf Schauspiele hätte sich doch Herr v W besser verstehen sollen
    Auf diese Rechnung gehörten die herzlichen Worte »Dein Wille geschehe« und
das Pianissimo beim Schluss
    »Dann liegen wir in unserm Grabe und schlafen unbekümmert den süßen Schlaf
des Todes und ein Bote des Herrn geht mit einem Gesegnet seist du dem Herrn
vorüber«
    Meine Ankunft war ihr so etwas Wunderbares dass sie völlig aus dem
Zusammenhang kam Sie extemporirte Wer denkt beim Extemporiren viel an das was
vorhergeht und was nachflogt Wer glaubt nicht Wunder wenn er liebt Und bald
hätte ich gefragt Wo geschehen in diesen wundergeizigen Zeiten anders Wunder
als in der Liebe Im alten Bunde versandte Gott Engel jetzt macht er gute
Menschen zu Kommissarien Kommen Sie mir doch wie ein Engel sagte ich zu meinem
I   s da er mich zum letztenmal heimsuchte und wahrlich Du warst mir ein
Engel guter I   s
    Da die Bräutigamspferde ansprengten fiel Tinchen in Ohnmacht  Warum Als
ob man bei einer Ohnmacht warum fragen könnte Des Morgens wie wir alle wissen
war sie gesund und heil aus Wasser gegangen
    Die Bräutigamspferde brachten nur den Junker Peter unbepackt mit
Entschuldigungen die freilich wenn gleich sie noch so schwer gewesen an einem
solchen Tage unbefriedigend geblieben wären War es denn nicht der Verlobungstag
des Herrn Großvaters Hochwohlgeboren Konnte denn aber Peter nicht wenigstens
vorgeben Herr v K wäre sterbenskrank geworden und dem Dr Saft einen Brief
an die Braut übertragen Junker Peter schien nicht undeutlich zu verstehen zu
geben dass der Ton beim Präsent in originali viel zu dieser Führung beigetragen
Den folgenden Morgen kam ein Brief vom Herrn v K worin er alle
Unterhandlungen unterbrach Herr v W gab mir in der ersten Hitze diesen Brief
zu lesen Gewiss würde ers nicht getan haben war es nicht in der ersten Hitze
gewesen Herr v K hatte seinem Freunde keinen unhöflichen Blick von seinem
Vater zuziehen wollen der aber mit 300 Tlr Alb herausrücken sollte
    Man bat mich zu bleiben ich blieb Der Ton schien überhaupt in diesem
Hause zu Hause zu gehören Überhaupt gehört er zum Weiberdepartement Fast
würde ich behaupten dass alle Declamation Weiberwerk sei
    Lieschen war bis jetzt Tinchens Vertraute geblieben und da ich mich ihrer
so lebhaft und oft erinnerte ward sie herbei geholt Sie war an einen Amtmann
verheiratet Sie hatte keine Kinder  Frau Luischen kam und freute sich so
mich zu sehen dass nichts drüber ging Sie fand dass ich alt geworden und dass
mein Arm schwerlich ein Fräulein Lorchen mehr aus dem Wasser holen würde Ein
Fräulein Tinchen noch weniger setzte sie hinzu Frau v W und ihre Tochter
fanden der keines  Die Frau Amtmännin besuchte mich öfters auf meinem Zimmer
wenn ich allein war und unser einziger Text war Tinchen In der Nutzanwendung
kam Herr v K vor und da ward er behandelt wie man die Sünder in der
Nutzanwendung zu behandeln pflegt
    Noch vier schöne Tage lebte ich in  und da sich meine Kommission nicht
länger verschieben ließ ging ich mit dem Versprechen ab nach geendigtem
Geschäfte wieder zu kommen
    Beim Abschiede wieder der Ton Wie ich den Ton liebe und alles Kopfnicken
hasse wenn der Kopf gleich nach vom fällt  Nur beim Tode nicht Herr v G
starb nach vorn Nur beim Schlaf nicht denn er ist des Todes leiblicher Bruder
    Junker Peter hatte sich gegen mich ziemlich fremd benommen und ich bezahlte
ihn mit gleicher Münze indessen muss ihm der Abschied den Tine und ich nahmen
aufgefallen sein ohne dass eben der Ton der freilich ein zu guterziges Kapitel
für ihn war dazu etwas beigetragen haben kann Wenn fragte Tine O wie
anders als Nathanael als er sein Gretchen sehen wollte  Auch die liebe
Mutter dieses edlen Geschöpfes fragte Wenn Herr v W konnte sich nicht aus
dem Strudel herausarbeiten Oft kam er in die Komplimente die er seinem
Schwiegersohne zugedacht hatte und die er für nichts und wieder nichts gelernt 
und nun verlernen musste  Wie er dann abbrach wenn er auf einmal merkte es
sei ein Wort des Schwiegervaters zum Sohne  Wer sieht nicht gern schwimmen
wenn ein Kunstverständiger im Wasser ist
    Die Frau Amtmännin konnte nicht umhin mich weit dringender als das ganze
Haus zu bitten wieder zu kommen Aber liebe Frau Amtmännin mein Arm ist
nicht mehr in den Umständen Lorchen aus dem Wasser zu ziehen Kommen Sie doch
Herr Major
    Ob Herr v K durch seine abschlägige Antwort die Absicht gehabt Tinchen
weichherziger zu machen das Präsent in originali anzunehmen um das Lämmchen
anzugewöhnen aus seiner Hand zu essen oder ob er ihren Vater zu einer andern
Eheverschreibung auffordern wollen oder ob er sich was weiß ich in der
Gegend wo man ihn mit Tinchens Sprödigkeit aufzuziehen anfing wieder in Kredit
zu bringen gedacht oder ob er es seinem Herrn Schwager bloß zu Gunsten getan
um seinen Herrn Vater bei dieser erwünschten Angelegenheit des Hauses so
geschmeidig im Geben zu machen als der Herr Sohn es im Reden war das sind
kitzliche Fragen die ich meiner Aeltermutter überlassen würde wenn sie noch am
Leben wäre
    Junker Peter ohne einen Auftrag selbst vom Vater zu haben reiste von
selbst wieder wo er gekommen und erzählte dem Herrn v K was er gesehen und
gehört und was er zu glauben Ursache hätte erhielt auch sogleich von ihm Macht
und Gewalt sobald ich wieder einträfe mich zur Rede zu stellen wie ich zu der
Dreistigkeit käme in einem Hause mich aufzudrängen wo er Regent wäre
    Mein politischer Auftrag ging so von statten als noch kein Geschäft mir je
von statten gegangen Den Türkenkrieg nicht ausgenommen Ich kam fand Tinen so
wie ich sie gelassen ihre Mutter desgleichen Ihr Vater hatte etwas
Rückhaltendes angenommen obgleich er nicht verfehlte in Absicht der Treppe
mich so zu empfangen als zuvor
    Warum Nebenumstände da ein einziger alles entscheidet Bis jetzt hatte ich
an Tine nicht anders als an ein liebes gutes Mädchen gedacht Den Abend als
ich zurück kam ging ich weiter Was war es was mich weiter brachte Ein
Ungefähr O ihr Kleingläubigen Ich ehre jedes Ungefähr als göttlichen
Fingerzeig Es ist etwas das eine unsichtbare im Stillen wirkende Hand tut
und was sie tut ist wohlgetan Was ists denn hier Ich kam in mein Zimmer
und da wars wie eine Stimme die zu mir sprach Mine Schnell lief ich zu ihren
Papieren und fand die Stelle  Groß geschrieben
    »Nun meine feierlichste Bitte mein Beschwur Ich bitte dich vor Gott und
nach Gott Ich beschwöre dich bei allem was heilig ist im Himmel und auf
Erden und nach diesem hohen Schwur bei meinem letzten letzten Seufzer bei
meinem letzten Todesstoss bei meinem letzten warmen Hauch  dich zu seiner Zeit
ehelich zu verbinden Gott segne dein Weib und die Kinder die er dir schenken
wird«
    Wie mir dabei war weiß Gott Ich konnte kein Wort mehr lesen Schnell legte
ich mich nieder um keine Zeit zu versäumen Als ob ich nicht schon zum voraus
wusste ich würde nach dieser Stelle keine Stunde schlafen Ich schlief wirklich
keine Stunde und doch hatte ich ausgeschlafen Mein Entschluss war alles dem
Ungefähr zu überlassen mich nicht um Tinen zu bewerben allein ihrer Hand auch
nicht auszuweichen Dass mir Tine schon zuvor nicht gleichgültig gewesen leugne
ich nicht mich aber so gegen sie zu benehmen war das Werk dieses Abends
welches der in mir wirkte der Wollen und Vollbringen gibt nach seinem
Wohlgefallen
    Ein Traum wird der gelehrte Kunstrichter fragen und wenn er bitter ist
bemerken dass dies ein Hauptstück eines regelmäßigen Trauerspiels sei Mein
Vater sagte an einem dunkeln Tage Wenn ja Arzneien genommen werden sollen
ists gleichviel was für welche Auf die Art wie auf den Glauben kommts an
»Solch einen Glauben« konnte man wohl hinzufügen »habe ich in Israel nicht
gefunden«
    Mehr als einmal hat mich eine dergleichen Stimme eines Unsichtbaren
aufgefordert Noch nie hat es mich gereut diesen Seelenappetit befriedigt zu
haben
    Wie ich Tinen und das Haus ihrer Eltern gefunden wissen meine Leser schon
und eben diese Aufnahme machte mich empfänglich das Wort Mine zu fassen  Ich
ging mit Tine in den Garten und eben an der Stelle wo sie am Wasser
herumirrte fragte ich sie was sie zum Wechsel zwischen dem Herrn v K und mir
sagen würde Dass es kein Wechsel ist Wie so Fragen Sie das Mit einer Art dass
ich alles wusste Ich nahm ihre Hand und sie legte ihr Gesicht auf meine
Schulter Wir weinten beide
    Gott ist die Liebe Ist es denn Schande zu lieben Alles was nur diesen
süßen Namen führt und mit ihm in Verbindung ist stammt von ihm ist seines
Geschlechts Gott ist die Liebe
    »Jenes korintische Mädchen zog Striche um den Schatten ihres schlafenden
Liebhabers in denen sie sein Bild sah Ihre Einbildung füllte mit einem
wohlgerüttelten und überfliessenden Maß diesen Schattenumriss aus«  So ging es
mir mit Ihnen nur dass meine Einbildungskraft auch alle die Striche zog  Liebe
Tine
    Was man auch immer von Silhouetten sagen mag Personen die man kennt und
liebt sollte man nicht malen Da hat die Einbildung zu viel Musse Bei einer
Silhouette arbeitet sie mit sie füllt die Striche aus bringt Kolorit an  Um
unsere Lieben der geehrten Nachwelt zurückzulassen ist ein Gemälde nötig
    Wir waren so eins am Wasser dass alles Er und Sie Sie und Er war Warum wir
uns nicht duzten weiß ich bis diesen Augenblick nicht
    Ihre Mutter
    Weiß alles
    Gott Lob
    An Herrn v W dacht ich nicht
    Ich sprach die gute Mutter die keinen Schatten von Bedenklichkeit fand
allein sie wünschte dass ich mich an ihren Mann oder wie sie sagte an Herrn v
W wenden möchte
    Ich tats und merkte dass er sich herzlich freute eine Gelegenheit zu
haben von seiner Komplimentensammlung Gebrauch zu machen Nachdem ich aber
alles sichtete fand ich unendlich mehr Spreu als Körner und was noch Korn war
lief auf die wohlhergebrachte Landesmanier heraus dass man ein Vierteljahr
seiner Geliebten die Aufwartung machen und nach so mancherlei Beiurteln endlich
die Definitivsentenz abwarten müsse Hiezu kam dass Herr v K doch warum soll
ich all die Umwege bemerken In diesem Schattenriss kann jeder die Striche
machen ohne den Herrn v K gekannt zu haben Da darf man nur den Menschen
kennen und dies Zutrauen hab ich zur Zeitwelt und weit weit zuversichtlicher
zur Nachwelt
    Wer will nicht das haben wonach er einen andern ringen sieht Wer hätte
nicht ein Landgut ein Haus gern wenn es eben verkauft ist Geht auf die erste
beste Auction um euch hievon zu überzeugen
    Das schlimmste bei dem gegenwärtigen Falle war dass Herr v W fest
entschlossen war wenn Herr v K nur irgend ernstlich wollte auch zu wollen
Seine Meinung war es zu machen wie meine Großmutter da mein Vater nach meiner
Mutter ging Herr v W wollte seine Tochter auf keine Weise einem Major geben
dessen Vater Pastor in Kurland gewesen er mochte nun in seiner Jugend Alexander
gespielt haben oder nicht  Man muss sagte Herr v W freilich nicht Fleisch
und Blut Männern von Verdienst vorziehen allein Ehre und Geburt sind die Wurzel
alles Guten O des verfehlten Wurzelmannes Wie kam dieser Blätterliebhaber
selbst aufs Wort Wurzel das nur dem Herrn v G zustand den ich bei dieser
Gelegenheit vermisste Ich hatte freilich mein Auskommen allein Junker v K war
reich
    Das korintische Mädchen Tine wäre nun wohl bereit gewesen mit ihrem
Liebling zu ziehen wie und wo ers verlangt allein wer wollte das Licht mit
dem Finger auslöschen wenn Putzscheeren vorhanden Wer wollt es ausblasen und
Gestank zurücklassen sagte Herr v W bei einer andern Gelegenheit und hatte
nicht Unrecht obgleich wenn es eine reine schöne Wachskerze ist der
angebliche Gestank Geruch heißen könnte Wer weiß überhaupt wie dies zum Geruch
und jenes zum Gestank gekommen Zwar musste Petrus sein Schwert einstecken fuhr
Herr v W bei dieser andern Gelegenheit fort allein dem Adel gebührt es sich
zu gürten wenn sich der Unadel etwas herausnehmen will Ein Edelmann ist ein
verstärkter Mann er präsentirt sich und seine Vorfahren Wer hätte wohl solchen
Till und Kümmel vom festlich höflichen Herrn v W erwartet
    Da kam Junker Peter im Harnisch gejagt Ja wohl gejagt mit Entschlüssen
die nicht Fleisch nicht Fisch waren Er schnitzelte am Rahmen noch eh das
Bild angefangen war Stolz dass er seinen Vater Hochwohlgeboren gesattelt fand
verzog er seinen Mund als wollt er Hohn sprechen und empfing mich so unartig
dass ich weil er Tinens Bruder war nichts anders tun konnte als ihn
großmütig übersehen  Zum Mückenfänger war ich nie aufgelegt War ich dazu zu
kräftig oder zu gut das weiß ich nicht Ich gab auf alle seine Reden die er
entweder vor sich oder gegen andere richtete kein Wort Da aber dies Wüschen
eben hiedurch dreister ward und sich gerad an meine Stirn klebte sah ich mich
gedrungen es wegzuscheuchen Unfehlbar hatte unser Held einige Romane gelesen
wo der Zweikampf in einer Kinderlehre abgehandelt wird  Ihr lieben Herren
Wenn ihr den Menschen da bessern wollt so habt ihr eben nicht das rechte End
ergriffen Vorwärts ihr Herren zu allen Zeiten stehe oder falle was da will
Unser Mückenheld erwartete eine Katechismusantwort und sah mich über Hals und
Kopf blank Was wollen Sie junger Mensch Ihre Schwester Die werd ich nicht
nehmen wenn Tine nicht selbst will und wenn Tinens Eltern nicht wollen Vater
und Mutter Was haben Sie für Rechte auf Ihre Schwester so lange Ihre Eltern
leben und so lange Tine selbst denken und handeln kann Unser Held steckte sein
Schwert so notdürftig in die Scheide dass er den Namen v K stammelte und sich
eben nicht in der besten Ordnung zurückzog  Wie er sah dass auch ich nachließ
fing er seine Vorbehalte an  Wollen Sie mehr als ich versprochen erwiderte
ich Haben Sie denn versprochen meine Schwester dem Herrn v K dem sie
eigenet ungestört zu lassen
    Nein
    Aber sie gehörte ihm
    Hat er sie nicht aufgegeben
    Hat er sie nicht wiedergenommen
    Da sie nicht mehr frei war
    Hur v K tat oder war wirklich unerträglich verliebt Er bereute seine
Übereilungen wie es hieß und schrieb und sandte Boten ohne Ende Herr v W
der schon an sich entschlossen war dem Herrn v K zu verzeihen und außer dem
Versöhnungsfest noch auf so mancherlei rechnete was diese Anwerbung
begünstigte ging ihm mit zuvorkommender Huld entgegen Zu allem diesem wissen
wir die Beweggründe
    Der Vater Pastor
    Lieber Mann der Sohn Major
    Aber liebe Frau beim Adel gilt der Vater immer mehr als der Sohn
    Will denn Tine den Vater
    Wenn sie aber auch Sohn Vater Großvater und so weiter in der Person des
Sohnes heiraten kann
    Dann ists Blutschande
    Herr v W ward über die Blutschande böse und fing pathetisch an ein
anderes ist ein Siegel mit dem Lindwurm am Taschenmesser ein anderes ein
wohlhergebrachtes Wappen ein anderes die feinsten Spitzen ein anderes
Judenkanten ein anderes Prinzmetall ein anderes ächtes gediegenes Gold ein
anderes ein Kratzfuss ein anderes eine Verbeugung Wer wird sich denn die Finger
verbrennen wenn man sein Kind mehr ist
    Allgemach legte sich dieser Ahneneifer an welchen Junker Peter vielen
Anteil hatte  Der Mückenheld hatte mich blank gesehen und so mochte er seinen
Schwager wohl aus mehr als einer Ursache nicht sehen
    Die Frau v W nahm Gelegenheit ihrem Gemahl ans Herz zu legen was sie
gehört dass ich nämlich von gutem alten Adel wäre und Tinchen also auch Vater
Großvater Aeltervater und so weiter in mir vereinigt heiraten würde Warum
fuhr sie fort ihm Luft und Atem abschneiden ehe man noch die Gränzen seines
Seins kennt Der Schein betrügt 
    Er stammt von Melchisedech
    Der war ein König und Priester
    Warum diese Ahnentafelunterredung die das Alltägliche enthält Sie hatte
indessen die Folge die ich meinen Lesern schuldig bin
    Frau v W nahm mich bei der Hand und zwar so dass diese Art mir Bürge
wurde es sei wie es sei Sie sind Tinens und Tine ist die Ihre  Sie wusste
nicht wie sie es recht anfangen sollte und fing endlich nachdem sie mich lange
bei der Hand gehalten allein wie mich dünkt viel zu entfernt an der
Schleier der Bescheidenheit gibt jedem Gesichte jeder Tugend einen größeren
Wert
    Ja Gnädige der Beleg ist Tine
    Da war sie wieder weiter zurück wie zuvor Sie nahm mich aufs neue bei der
Hand und ohne dass sie blitzte mein Schlag
    Gnädige Sie wollen was sagen  Fragen erwiderte sie
    Die Liebe das einzige was die Natur uns noch zurückgelassen sollte
freilich über alle Kunst hinaus sein  bei einem Haar wäre sie wieder vom Wege
gekommen  Wer ist aber heut zu Tage natürlich Mein Mann Sie kennen ihn 
Können Sie sich so viel von Ihrer Denkart auf einen Augenblick abmüssigen und ihm
in der Nähe zeigen was so viele von weitem gesehen Jedes Auge trägt nicht
gleich weit Sind Sie ein Edelmann
    Eine Ehre ist der andern wert Um wie vieles hätt ich das Vergnügen nicht
gegeben erst Tinen zu heiraten und ihr sodann zu beweisen dass sie von dieser
Seite keine Ungezogenheit vom adlichen Pöbel zu fürchten hätte
    Das Wort ein Gewisser könnt ich selbst von meinem Eidam nicht leiden um
wie vieles fuhr Frau v W fort
    Das traf Frau v W hatte Recht Ein Gewisser so vortrefflich das Wort
gewiss sonst ist welch ein erniedrigendes Wort Ein Gewisser heißt Einer der
wegen seiner Existenz besorgt zu sein Ursache hat und eine Tafel aushängen muss
hier wird Seife gesotten Es ist ein in einem kleinen Enkel bloß Bekannter ein
Kleinstädter der will und nicht kann Fast scheint es dass es mit dem Menschen
nicht aufs Gewisse angelegt ist  Liebe gnädige Frau Ich will alles tun um
mich aus dem Gewissen ins Ungewisse zu setzen Der vorliegende Fall ist von der
Art dass ichs kann Ich wollte der Frau v W zeigen allein wie doch die
Weiber sind das Siegel war ihr genug  Sie ging zu ihrem Mann der aber bei
der ganzen Erzählung das Siegel mit eingerechnet so ungewiss als möglich blieb
Tine war mir so wert dass ich selbst Gelegenheit nahm dem Herrn v W zu
zeigen wovon seine Gemahlin nur das Siegel gesehen und da er weniger erfahren
in Familienregistern als der hochgeborne Totengräber war so konnt ich ihm
zwar von meinem uralten Adel nicht so überzeugende Beweise geben indessen sah
er eben darum die Sache größer als sie war  Er fand in der Dunkelheit so etwas
Festliches dass er den Pastor drüber vergaß Er sah über die Hütte hinweg und
heftete sein Auge an die Kirchenmauern Die rechte Saite in seiner Seele war
getroffen Die Glücksumstände des Herrn v K konnten mir nicht den Weg
vertreten da ich ihn vom Geschenk der Kaiserin und dem dazu gekommenen
glücklichen Kauf unterrichtete
    Alle Geschenke erniedrigen nur Geschenke der Großen nicht da gilt ein Band
mehr als man glauben sollte Wie doch alle Leidenschaften Nachbarskinder sind 
Stolz und Furcht sind außer der Nachbarschaft verwandt Herr v W fürchtete den
Junker v K und seinen leibeigenen Sohn der es mit Junker v K hielt Sie
wissen fing er an und suchte Kraft zum Atemholen  wie es in Kurland geht
Die Wahrheit zu sagen ich bin froh dass eins von meinen Kindern aus diesem
Waldhornstaat aus diesem DuLande erlöst wird  Wer ist hier vor ein paar
Pistolen sicher Jeder der Herz hat erwiderte ich Nicht immer Herr Major
Es gibt unter den Krippenrittern Leute die ihr Leben keinen Pfeifenkopf wert
halten Was haben sie denn in dieser Welt zu gewinnen und zu verlieren und wenn
Herr v K es dazu anlegt so ist mein Haus belagert und ich mit Mann und Maus
verloren Junker v K hat Geld das will in Kurland viel sagen Freilich wers
Glück hat führt die Braut heim Der verstorbene Herr v G hatte sie weit von
sich entfernt Sie kamen Er begegnete ihnen nicht wie hochwohlgebornen Brüdern
sondern wie bettelnden Schneidergesellen  Den Pferden und Waffenträgern dieser
DonQuischoten noch übler Einer unter diesen Krippenrittern nahm das Ding
unrecht und forderte den Schlüssel zum Gastzimmer und weil sich der Gerechte
auch seines Viehes erbarmt zum Stall Hier ist der Schlüssel sagte Herr v G
und zeigte auf den Degen Freilich hätte er hier sind sie sagen sollen da zwei
Schlüssel gefordert worden einer zum Stall und einer zum Gastzimmer und
alsdann hätte er auf die Pistolen weisen können die verheiratet sind und die
man nicht anders als paarweise hat  Mag  Sein Haus ist von dieser Zeit an von
der ägyptischen Plage der curischen Heuschrecken verschont blieben Das nenn
ich aber tolldreist Zwar hab ich es beschloss Herr v W mit meiner
Höflichkeit so weit nicht gebracht indessen kann ich auch nicht bittere Klagen
führen
    Ich versicherte ihn dass dieses mein geringster Kummer wäre und er schien
wirklich die Meinung von mir zu fassen dass mir nicht leicht das Haar zu Berge
stünde
    Sie versprechen sagte er mein Herr Major bei allem was Gott geben die
Seele denken das Herz wollen der Mund sprechen die Hand greifen kann meine
Tochter zu lieben bis der Tod sie scheidet Ich verspreche  Wohlan so will
ich den Verlobungstag festsetzen an dem ich mich mit meiner Frau verlobte
    Nach dieser Feierlichkeit fiel ihm das sah ich mein Vater ein allein
konnt er nach diesem festlichen Auftritt von diesem Einfall Gebrauch machen
    Wenn ich nicht durchaus mir vorgesetzt nicht in den alten Geschmack von
Gefechten zu fallen sondern der reinen klaren Liebe getreu zu bleiben so
könnte ich wirklich mit einigen Vorfällen aufwarten die niemanden als dem Herrn
v W schwer fielen  Gottard wer sollte das denken legte alle diese
Neckereien bei und alles war wie abgeschnitten oder abgehauen  Gottard er
ganz allein Ein Tauber hält sich Vögel und freut sich dass sie springen wenn
gleich er sie nicht singen hört und Gottard war im Stande in Kurland solche
Strahlen zu sprühen dass alles wie vom Blitze gerührt stand
    Gottard den mein Brief nicht getroffen hatte durch viel Mühe erfahren
dass ich in  wäre und flog in meine Arme Entzückt über alles was vorging
versicherte er mich auf Ehre dass er Tinen mir aufrichtig gönne und nur dann
fügte er hinzu wäre keine Schlacke unterm Golde wenn ich mit meiner Frau in
Kurland bliebe  Was sich Gottard freute  Aus lichterloher Freude war er
gegen den Herrn v W höflich der ihm wegen der Befehdungen seine Not klagte
worauf er ihm seinen kräftigsten Beistand versprach »Bruder« Ich erwiderte
er da gehen viele auf der Heerstraße andere über Stock und Stiel viele durch
Blumenbeete andere über Felsen durch Dornen und Disteln  Nicht auf den Weg
Bruder sondern aufs Ziel kommts an
    Bruder
    Was ich dir sage
    Junker Gottard löste diese Rätsel und es ergab sich dass er seine
Helfershelfer hatte die er besoldete um andere Helfershelfer abzuhalten Wer
hier Geld hat Bruder fügte er hinzu ist schusssicher Er hält sich seine
Leibwache und Trotz dem geboten der sich erfrecht ihm zu nahe zu kommen und
nicht drei Schritte vom Leibe zu bleiben Jetzt macht mich nichts wild  Herr
v W der zum Teil von diesen Haustruppen unterrichtet war nahm dieses
Anerbieten mit vielen Komplimenten an das ich aber kurz und gut abschlug
    Bruder fuhr Gottard fort die Kerls so dich anfallen wollen sind keine
Türken sind keines Tropfens Christenblut wert Solchen Lumps auszuweichen ist
Ehre
    Herr v W trat dieser Behauptung bei ich nicht völlig Es sei indessen
dass Herr v W mit Junker Gottard eine geheime Allianz geschlossen oder dass
seine Anwesenheit im Hause schon die gegenseitige streitführende Macht durch
Furcht in die Flucht geschlagen genug wir waren so ruhig wie möglich
    Der Mückenheld selbst da Junker Gottard mit ihm allein gesprochen und ihm
vielleicht eine Bürgschaft wegen der nächst zu bezahlenden Schuld und etwa eine
schmucke Trine zugesagt hatte andere Saiten aufgezogen und so waren wir dahin
gediehen dass wirklich in der folgenden Woche das Verlobungsfest ohne zu
fürchtende Belagerung gefeiert werden konnte
    Junker Gottard wich nicht von dannen und war mir ein so angenehmer lieber
Gast dass Tine selbst so viel Vergnügen in seinem Umgange fand als sie zuvor
Misswillen geäußert hatte
    Ich weiß nicht wie mir der einige Ausdruck Busenfreund entfuhr den mir
Herr v W entsetzlich übel nahm
    Das Wort Busenfreund fing Herr v W an ist das zweideutigste was man
brauchen kann so bald man zur heiligen Ehe schreitet Ist man Junggesell wo
ist ein besseres zu Freund als Busen
    Junker Gottard umarmte mich brennend und zeigte mir wie man auch bei der
größten Rauhigkeit bieder und gut sein könne  Kein großer Mann sagte er zum
Herrn v W hat sich in sein Hauptwerk allein verliebt Es war eine Anmerkung
seines lieben seligen Vaters die er aber besonders lenkte unfehlbar dachte er
an seine schmucke Trine Er sucht ein Nebenwerk und findet es Er sieht die
Beklommenheit die Eingeschränkteit seines Hauptwerks ein und will der
schwachen Menschheit durch Abänderung aushelfen Kein Mann der sich von andern
unterscheidet ist daher groß in seiner Hauptkunst Im Nebenwerk bringt ers oft
weiter  welches auf die Rechnung des Freiheitstriebes gehört der überall
ausschlägt und schöne Zweige zeigt
    Bruder sagt ich ihm von Anbeginn ist es so nicht gewesen  Vortrefflich
fiel Herr v W ein bis auf das Wort Bruder das ihm wie er sagte zu kahl
zu entblättert da stünde  Wenn nur nicht unsaftig erwiderte ich Gern hätt
es Herr v W gesehen wenn Gottard und ich das Du gestrichen allein das ging
nicht und da ich den Herrn v W versicherte dass nur Gottard und Darius meine
Dus waren die ich in der Welt hätte und dass ich selbst meine beiden
Kriegskameraden die bei Bukarest im Herrn ruhen nicht Du genannt so begab er
sich Froh legte er unsere Hände in einander und sprach Was Gott
zusammengefügt soll der Mensch nicht scheiden  Und nun nahm er mich allein
Gelt fing er an zum Eherat würde ich den Herrn v G nicht vorschlagen Und
ich nicht nehmen war meine Antwort
    Er Sie lieben Tinen
    Ich Herzlich
    Er Einzig
    Ich Bis in den Tod
    Griechen und Römer fing er zu uns beiden an im Wiederhall des Festes der
Deutschen wo ist jene edle Einfalt die wenn gleich sie geradezu ging und mit
Gott und mit Menschen gleich sprach doch so viel Feinheit anbrachte dass man
kein Du merkte so wie es noch in keiner wohlgesetzten Poesie zu merken ist Ist
wohl eine neuere Sprache ohne Erbsünde Was lästert ihr Nachbaren über unser
Hoch und Wohlgeboren Hochedelgeboren und Hochedlen da doch auch ihr Ew
Majestät wird erlauben Ew Excellenz denkt zu gerecht sprecht Wie man da von
hinten kommt Wie ein Politikus Wo ist eine Sprache die nicht dergleichen
Flecken oder Runzeln oder dess etwas hätte  Mir fiel das Wort Monsieur aus
dem Garten Eben des seligen v G ein Utinam viveret
    Ich nahm das Wort und bemerkte dass die Deutschen Ew Durchlauchten
Hochgeboren Hochwohlgeboren Hochgelahrten Hochbenamten Hochweisen
Gestrengen vielleicht als eine Satyre über die andern Sprachen auf und
angenommen Wie fiel mir Herr v W ein so würden Sie auch mich nicht für
einen höflichen Mann gelten lassen sondern für einen Swift über die Höflichkeit
halten Ich bückte mich so dass Herr v W völlig mit mir ausgesöhnt ward und
da er nicht lange darauf anfing
    Lieber Major Ihre Meinung als wäre die deutsche Sprache eine Satyre über
andere Sprachen stieß mir so auf so erschrak er selbst über den harten
Ausdruck stieß mir auf dass Herr v W sich selbst aufstiess  Es hob sich
Kredit und Debet und wir waren eins
    Die Verlobung kam dem Herrn v W sehr hoch zu stehen Umstände verändern
die Sache Ein anderes übers Evangelium ein anderes über die Epistel  Wir
sahen ihn so oft allein und mit sich selbst zu Rate gehen wobei wir die
Wahrheit zu sagen nichts an Rat verloren
    Unausstehlich würde es meinen Lesern sein wenn ich ihnen die ganze
Procession dieses Verlobungsfestes erzählen sollte Nur ungesuchte Züge wie sie
fallen
    Gern wollte Herr v W dass ich auf Knien Ja sagen sollte Es war ihm so
etwas Ritterliches so etwas Altadeliches drin Da ich ihm indessen das
Ungewöhnliche zu Gemüt führte so mancher Missdeutungen erwähnte welche
hiedurch zum Vorschein kommen würden ließ er mich auf den Füßen nachdem er von
mir das Versprechen abgenommen meiner Prinzessin diese schuldige Ehre inter
privatos parietes zu erweisen
    Bei so viel Natur die bei der Verlobung herrschte in so weit sie zum
Departement der Frau v W gehörte stach die Unnatur des Herrn v W so ab dass
man keine Abstufung sah sondern hier gleich und eben ging und dort auf dem
Sprunge war
    Unter andern war Herr v W so parfümirt dass jeder einen Schlagfluß
befürchten musste der ihm zu nahe kam Zwar duftete er jederzeit noch nie aber
so wie heute  Kurz vor der Zeremonie hatte er sich so wohlriechend gemacht
    Junker Gottard konnte nicht umhin darüber ein Wort zu verlieren allein
Herr v W führte ihn an Stelle und Ort indem er ihn belehrte dass Christus der
Herr selbst für wohlriechendes Wasser gewesen indem er sich von einer Dame mit
eau de Lavande besprengen lassen
    Die Verlobung fing mit einer Rede an die Herr v W übernahm indessen
schloss er dabei wie bei der Redeübung am Fest der Deutschen zu kurz Sein
Allerseits nach Stand und Würden Hochwohlgeborne Versammlung verlor keine Sylbe
und eine Träne die ihm allemal zu Diensten stand wenn ihm ein Wort versagte
bewegte mich so als ob er zum erstenmal geweint hätte Wir sagten ohne dass wir
gefragt wurden Ja und küssten einander so herzlich dass jeder glaubte der uns
ansah er hätte nichts von der Rede verloren Da Herr v W selbst nicht aus und
ein gewusst und darüber wie mir vorkam verlegen schien so ließ ers geschehen
dass alles über und über ging und eben dies über und über wie schön war es 
Wie der Lenz ist die Verlobung Das Beilager ist ein schöner Sommertag dieses
die Sonne im Glanz jene Aurora
    Tine warf sich ihrer Mutter in die Arme und bat um ihren Segen Herr v W
lenkte diesen zu natürlichen Armwurf so künstlich ein dass die Frisur dabei
nicht litte  Bei solchen Vorfällen bemerkte er muss man schon zuweilen fünfe
gerade gehen lassen
    Bei Tafel bemerkte Herr v W dass man durchaus etwas auf dem Teller liegen
lassen müsse Bin ich beim Vornehmern wie ich sagt er lasse ich das beste
zurück um zu zeigen dass auch das schlechteste für mich das beste ist  Selbst
in meinem Hause mache ich meiner Frau dies Kompliment welches auch diesmal
beobachtet ward
    Mein lieber Gottard blieb noch acht Tage bei uns und reiste mit der
Versicherung ab so lange er lebe unser Freund zu sein  Herr v W der ihn
bis dahin als einen Kommandanten angesehen nahm ihn beim Abschiede allein
Unfehlbar gaben sie sich die Parole wenigstens konnte man dies aus den Worten
schließen womit Junker Gottard aufbrach Es ist besser sein Ross an des
Feindes Zaun binden als dass der Feind es an unsern Baum anstrickt Gute
Nachbarschaft erwiderte Herr v W ist die beste Mauer und ich Mut der
leichteste Harnisch Peter und Gottard sprachen wieder geheim Bald hätte ich
vergessen zu bemerken dass sich Peter bei dem über und über an meinem
Verlobungstage artig genug benahm
    Ich blieb noch drei Tage in  Tine und ich waren so seelenfroh dass alles
was uns sah Teil dran nahm  Die Liebe ist wahrlich die Sonne des Lebens
Durch sie leben und sind wir Du bist nicht wert dass dich die Sonne der Liebe
bescheint ist eine Injurie welche die größte ist die je ausgesprochen worden
 Sinais Fluch ist dagegen Segen
    Meine Übernahme in  ward von einem Tage zum andern ausgesetzt Herr v W
bat aus Höflichkeit meine Tine und ihre Mutter herzlich  herzlich meiner
Tine Leibwort
    Es war die höchste Zeit dass ich nach  ging Manche kleine Einrichtung
wartete auf mein Auge Tine sah selbst die Notwendigkeit meines Hingangs und
doch ließ sie mich ungern hingehen Ich hatte die geringste Kleinigkeit mit ihr
überlegt Die Liebe macht alles wichtig was die Liebenden betrifft  außerhalb
ihrer Grenze ist eine Krone des Aufhebens nicht wert  Da sollte ein Sopha
dort ein Nähtischchen hier ein Schränkchen sein  da eine blaue und wieder da
eine rote Tapete zu stehen kommen
    Nur an die Schlafkammer ward nicht gedacht Die bleibt immer dem Geschmack
des Bräutigams und der Schwiegermutter anheimgestellt Nachdem nun alles und
jedes bis auf die letzten vier blinkenden Nägel die meine Mutter da sie am
Kupferstich eines Eierreformators angebracht wurden für Sterne hielt
verabredet war kam die Frage zur Erörterung ob ich Morgens oder Nachmittags
reisen sollte  Was darüber für und wider verhandelt ward ist unaussprechlich
Wahrlich die Andacht und die Liebe sieht alles für Sterne an wenn gleich sechs
für einen Vierding zu haben sind Ich ließ nur fallen dass wenn ich früh in
mein Land zöge ich schwerlich mehr als zwei ganzer Tage zur Reise nötig haben
würde Herr v W glaubte so frühe nicht mit allem fertig werden zu können was
doch der Wohlstand bei dieser Gelegenheit mit sich brächte Der Fall war eigen
 Endlich kamen die Präliminarien in Richtigkeit früh des Morgens So sehr ich
darauf drang dass niemand sich sehen lassen möchte so war doch Herr v W der
Meinung dass dieses auf keine Weise Styli werden könnte Um indessen eine Finte
anzubringen ließ er mich halb und halb in Ungewissheit Er wollte dadurch der
Sache einen Anstrich von Unerwartung und einen desto größeren Wert beilegen 
Ich war um vier Uhr Morgens in Reisekleidern und eben da ich mich durch den
Saal schleichen wollte kam mir Herr v W entgegen der wie ein wachsamer
Chef eine Viertelstunde vor der bestimmten Zeit auf dem Platze witterte 
Meine Schuld ist es nicht fing er an  Und was konnte ich wohl bei diesen
Umständen anders als Kompliment über Kompliment machen  Tinchen kam am
letzten nicht weil sie am spätsten aufgestanden war sondern weil ihr Vater es
ihr vorgezeichnet Auch bei der zärtlichsten herzlichsten Liebe muss der
Wohlstand nicht aus den Augen gesetzt werden sagte Herr v W da er ihr ihre
Rolle übergab O dieser Morgen  Was ist alles im menschlichen Leben wenn man
es nur zu nehmen versteht Niemand selbst Herr v W nicht war völlig in
pontificalibus wie ers nannte Der Morgen bemerkte er muss anzusehen sein
Diese edle Nachlässigkeit die jedes Blatt zeigt ehe es ausgeschlafen hat wie
schön  Mag wohl sein weil der Mensch wirklich nicht da ist um auf Draht
gezogen zu werden wäre es selbst durch Arbeit  Wie es alles dahinschlenderte
 Die Milch noch von keiner Sonne getroffen Alles so frisch  Tine kam zu
mir sobald in ihrer Rolle der lange Monolog zu Ende war und gab mir obgleich
es nicht vorgeschrieben stand die Hand die ich in die meinige einschloss  Ein
Handkuss würde die Sonne verdorben haben Da kam ihre Mutter und legte sich auf
meine Schulter Selbst Junker Peter dem der Morgen am meisten anzusehen war
fragte zweimal wenn er mich wieder sehen würde Solch eine Morgengruppe ich
kann sie nicht malen  Tine verlangte aufs genaueste zu wissen wo ich jeden
Mittag essen und jede Nacht schlafen würde
    Alles trank Kaffee bis auf mich Ich blieb bei Milch die mir verordnet
war Herr v W würde mich ohne diese Rücksichten nicht vom Kaffee losgelassen
haben Er versicherte dass der Kaffee so etwas Festliches hätte dass selbst
seine Farbe wenn die Milch oder die Wäsche wie ers nannte gut wäre gewiss
keinen geringen Rang verdiene Eines seiner Hauptstaatskleider war kaffeebraun
doch so dass die gute Milch durchschien Warum sind Bäder so nutzbar Warum ein
Frühstück so wohlschmeckend Weil wir mit dem Morgenkleide den Menschen
angezogen und den Staat nicht begrüßt haben dessen Sklavereiuniform unser
Feierkleid ist
    Versucht es einmal ihr die ihr so etwas zu versuchen versteht des Morgens
Abschied zu nehmen Ists nicht rührender wenn ein blühender junger Mensch
stirbt als wenn dies Loos einen Greis trifft
    Her v W hatte sich auf einige Augenblicke entfernt unfehlbar auf die
letzte Oelung zu studieren und da waren wir Tine und ich mit einem so
herzlichen Kuss zusammen dass kein Wort Platz fand es wäre erstickt Herr v W
blieb wieder wie Absalon an einer Eiche hangen nur mit dem Unterschiede dass
ich ihm zeitig zu Hilfe kam und sein langes Haar losriss  Junker Peter wollte
darüber spötteln allein weder seine Schwester noch ich gaben einen Blick
geschweige ein Wort darauf
    Je weniger Saiten bei einem Instrument je weniger Luxus Mit diesem Plan
kam ich nach  wo alles meine Erwartung übertraf Hier dachte ich wirst du
Ruhe atmen und wie Fabricius Rüben ernten Weisheit cum omni causa ist so kurz
und gut dass jeder Mensch sie fassen kann wenn er will In den meisten Fällen
hat sie aber zwei Äste von denen ihr einer inoculirt ist  Gott wird uns ins
Paradies helfen wo das Einäugige verboten ist  Das Wort Stille Stille hat
schon so etwas von Silberglockenton Diese Glocke läutet zum Himmel Ruhe ist
hart gegen Stille  Alles ist in uns alles tun wir aus uns und je nachdem
wir bloß Sonnen oder JupitersTrabanten sind je nachdem machen wirs um uns
helle oder dunkel  Was will man mehr als sich  Das ist Eigenliebe die Gott
wohlgefällig ist Sie ist die Liebe im ganzen Umfange denn wahrlich der
Nächste kommt dabei nicht im mindesten zu kurz
    Ich richtete alles nach dem mit Tine verabredeten Risse ein wovon ich ihr
auf der Stelle getreuen schriftlichen Bericht erstattete Viel Anlage zum
Garten Bäume und Wasser das die Bäume unvermerkt belauschte Wie ich über dies
alles fröhlich und guter Dinge ward Da stellte ich mir so lebhaft vor was da
noch alles werden sollte und das ist immer schöner als was schon da ist
    Zwei meiner Nachbarn waren Leute mit denen es der Mühe verlohnte umzugehen
In Rücksicht der andern die mich begrüßten war mein Entschluss gefasst dass es
beim Begrüssen verbleiben sollte Einer von den Auserwählten behauptete noch nie
ein Glas Wein allein getrunken zu haben Ich weiß nicht ob man ein besseres
Zeugnis eines guten Herzens für sich haben kann Der andere Auserwählte stritt
sich mit einem der bloß Grussnachbarn wegen der schlechten Zeiten Die Klagen
über die schlechten Zeiten sind so alt wie die Zeit sagte der Auserwählte und
der Grussnachbar fand dass dies nicht klappte und sah es sogar als einen Anstoß
an Es wurde nun zwar alles auf eine Art beigelegt dass niemand darüber aus der
Welt ging wer sollte aber denken dass der Grussnachbar bei einer Sache etwas
Befremdendes finden sollte die bekannt wie ein Kind im Hause ist  Der Koch
wird vom Geruche satt sagte der Auserwählte in der Stille zu mir Schickt euch
in die Zeit erwiderte ich denn es ist böse Zeit Der Auserwählte hatte diesem
händelsuchenden Grussfreunde ein Anlehn wie Rechtens abgeschlagen und dies war
die Ursache dass er ihm so unzeitig aufs Wort merkte
    Den ersten Platz den ich in meinem Hause aussuchte war eine Altarstelle
für Tinen ein Betkämmerlein eine Zelle für diese Beterin   und von dieser
Einrichtung ging ich zu der andern über In dieser Kapelle sollte s Bild
hängen 
    Einige meiner Leserinnen werden ganz unfehlbar die Anmerkung in ihrem guten
Herzen haben aufkeimen lassen wie ich über der zweiten Ehe die erste so bald
und so tief vergessen können Freilich dachte weder Tine noch ich von der Zeit
da wir öffentlich eins waren laut an Minen allein in unserm Herzen ward ihr
kein Schritt von der Grenze entzogen Ich liebte Minen in Tinen  Das
menschliche Herz ist ein wunderliches Ding Warum vermieden wir den Namen Mine
War es weil Tine befürchtete ihre Vorgängerin im Amte würde ihr Abbruch tun
War es weil ich befürchtete dass Tine dieses befürchten könnte oder was war
es
    Oft weiß der Menschenkenner der Menschentreffer ganz pünktlich was der
andere denkt und lässt ihn dabei ohne im allergeringsten etwas dagegen zu
haben sobald dieser andere aber seine Gedanken in Worte auswechselt weg ist
die Fassung Ich vergaß über Minen nicht meine Tine und über Tinen nicht Minen
Sie waren mir eins Wunderbar Freilich wunderbar Was ist aber die Liebe Das
natürlichste was in der Welt ist Was ist sie worden Wenn sie köstlich
gewesen was ist sie anders als Schwärmerei Wir sind so weit gediehen dass
diese Schwärmerei allerliebst steht Nicht wahr Allerliebst
    Die erste Nacht die ich in  schlief wars mir doch als sprach ein Engel
mit Minen über meine Verbindung Nicht wollte er Einspruch tun sondern über
Dinge sprechen die kommen sollten Da kamen Rück und Hin und Seitensichten
zum Vorschein Mine trat mich so feierlich ab dass ich drüber Tränen vergoss 
und endlich wurden unsere beiden Geister Tinens und der meinige
zusammengegeben Es soll eine Himmelehe werden sprach ein Erzengel  Eine
Himmelehe
    Herr v W war ein solcher Tagewähler dass jeder Tag wie wir wissen seine
eigene Plage oder seine Freude hatte So ward der Hochzeittag nach der Anlage
des Verlobungstages bestimmt  Sehr natürlich
    Wer etwas fassen will sieht es zuerst im Ganzen und wählt sobald es zum
Zergliedern kommt nicht die größeren hervorragenden sondern die etwas
versteckteren Stellen  So mit dem Menschen Die guten Herren die ihn so
beschrieben wie er aus des Modeschneiders Modefriseurs Händen kam recht als
ging er zum Ball haben ihn wenig getroffen Sie treffen den Puder und die
Kleiderfalten Wir sind dieselben wenn wir in Gallakleidern sind oder im
Schlafrock  Sagt aufrichtig haben wir nicht höchst selten den Menschen im
Buche gesehen Einen Teatermenschen schön geschmückt als ging er zur Bühne
als wollte er sich zeigen als wollte er populo esse spectaculo Den Menschen
mit einer gewissen Lebensart so vorzuschieben als ein Bild am optischen Kasten
 o dergleichen Menschen ohne Ende und Ziel  Jede Bibliothek hat
Vorsetzbilder von Menschen dieser Art die schwere Menge Die meisten
Menschenmaler bilden ihn in so fern er repräsentirt  Eben darum wie froh ist
man wenn ein Autor nur so tut als wählte er die kleineren ungesuchtern
Stellen als riefe er Adam wo bist du  als riss er ihm die
Feigenblattsschürze ab
    Ob ich bei dieser Tafel ins Schwarze getroffen mögen die beurteilen die
es wollen wenn sie können
    Herr v W bestand darauf ohne dass er nötig hatte darauf zu bestehen
weil ihm niemand widersprach  Hermann sollte zur Hochzeit gebeten werden 
und dies war die Tonangabe dass Tine und ich wieder von Minen sprachen Das
pytagorische Stillschweigen war größtenteils gehoben und Mine war nicht mehr
so wie vorhin geflissentlich vermieden
    
    Hermann ward einige Tage zuvor geholt und ich fand ihn so wie ich ihn
gelassen Sein Auge zeigte indessen eine gewisse Scham über seine begangene
Sünden eine gewisse Busse Dem Büssenden muss man nicht mehr auflegen als er sich
selbst aufgelegt hat Da er sah wie gut ich ihn aufnahm so kam er zwar mehr in
sein voriges Geleise indessen blieb etwas im Auge das man ein Kainszeichnen
nennen konnte O dergleichen haben viele
    Herr v W der ihn zum Adjutanten so nötig hatte gab ihm die
erforderliche Instruktion und hiebei fiel eine Geschichte mit dem Staatsringe
vor die nicht possierlicher sein konnte Herr v W wollte dem Hermann diesen
Ring vorstrahlen
    Schön schrie Hermann indem Herr v W die einem solchen Ringe zustehenden
Überzüge und Bemäntelungen abzog  Tine die dabei stand und schon wusste wie
winterlich der Ring bezogen war ganz nach ihrer Art Herr Hermann es kommen
noch zwei Futterale  Mir fielen diese zwei Futterale auf welche Hermann bei
seinem Schön nicht gerechnet hatte so auf dass ich laut lachen musste allein
Herr v W schien zu glauben dass Hermann der Sache nicht zu viel getan und
schon im Geist etwas beklascht hätte so wie man einem Schauspieler oft das
Opfer bringt sobald er kommt und ehe er noch den Mund geöffnet
    Hermann hatte einsehen gelernt dass die Liebe zum Leben die ergiebigste
Quelle sei Komplimente zu schöpfen  Einem Sterbenden würde er gesagt haben
Er sehe aus wie ein Hochzeiter Wer dem Kinde sagt es sehe für seine Jahre weit
älter aus und dem Manne er sehe weit jünger aus verbindet sich beide gar
höchlich Beides ist dem Lebensdurst zuzuschreiben das Wort Lebenshunger kann
man nur im Hospital brauchen
    Hermann versicherte dass ich mich verjüngt hätte und da ich ihn
versicherte dass ich vom Gegenteil überzeugt wäre so blieb er nicht nur bei
seiner Meinung sondern wusste sie so trefflich zu beschönigen dass Tine ihm
beizutreten Willens schien Herr v W brachte die Sache ins Reine und
bemerkte dass der Mensch erst in die Höhe dann in die Dicke wüchse und im
dreissigsten Jahre mündig würde Dies ist das Jahr da jeder redet wenn gleich
mancher noch schweigen sollte
    Herr v W hielt eine lange Unterredung vor der Hochzeit wegen der Kleidung
mit mir und da er wohl von selbst einsah dass ich meiner Uniform nicht untreu
werden könnte so bemerkte er dass bis Einförmigkeit in der Kleidung zwar was
Gesetztes ganz gehorsamster Diener anzeige allein es wäre nichts Fröhliches
nichts Aufmunterndes nichts Schönes dabei  Immerhin
    Mit den lieben Schönleuten Ich liebe sie nicht sie mögen Schöndenker
Schönschreiber Schönfärber sein
    Tine hatte sich ganz russisch gekleidet Sie trug wie sie sagte meine
Uniform Ich zeigte ihr wie Gretchen die russische Art beim Negligé ein Tuch
um den Kopf zu binden  Stchy ein russisches Originalgericht kam oft auf die
Tafel Herr v W fand es den Umständen angemessen da ich russischer Major
wäre Kiengis Pelzschuhe verehrte ich meiner Braut und sie zeigte solch eine
Freude darüber dass sie solche stehenden Fußes anzog Sie schien sie anbehalten
zu wollen Für den Winter fing ich an liebe Tine Für den Winter sagte Tine
Ja liebe Tine
    Herr v W der auch diese und andere russische Trachten meinetalber
grossmütigst gestattet hatte gab seiner Tochter den Wink dass da nun bald der
tabelnoi prasznick einfiele sie auf ihren Brautschmuck denken sollte So sehr
ich auch Gretchens Hochzeit empfahl so fand ich doch sein Gehör und gab gern
nach
    Mit den lieben Ehepakten Ich habe sie nie recht ausstehen können indessen
war ich ihnen eben so wenig als dem Brautschmuck entgegen Nachdem sie
unterschrieben und besiegelt waren bat ich eine Abänderung welche darin
bestand dass ich meiner künftigen Frau Gemahlin die Herrschaft abtreten wollte
in bester Form Rechtens Zwar fuhr ich fort nennt Dr Martin Luther
dergleichen Männer verba anomala allein den Herrn Dr Martin Luther in Ehren
ich trat die Herrschaft ab und wenn ich mir ja was ausbitte ists dass es
nicht zu merklich sei Ich sprach im Ernst Tine kam nicht aus dem Lachen Sie
warf sich in meinen Arm als ob sie mir gern huldigte Herr v W und sein
Waffenträger nahmen diesen Verzicht so hoch dass sie es für das feinste
Kompliment erklärten das ich meiner Braut hätte machen können Indessen hielt
Herr v W nach gepflogenem Rat es doch fürs beste dass diese Abtretung nicht
in Schriften verfasst würde Ein ehrlicher Mann hält Wort Tine hab ich Wort
gehalten Ich schreibe Ja oder Nein was du willst Schreib Ja und Nein Da
stehts
    Zur Hochzeit hatte Herr v W noch einen Adjutanten gebeten Ein
Gesellschafter für Hermann ein Märtyrer der deutschen Sprache Dieser Ehrenmann
hatte als Privatsecretär gedient und sein Unglück gemacht weil er durchaus
nicht Herr Kapitän sondern Hauptmann schreiben wollen Wahrlich darum verdient
er zur Hochzeit gebeten zu werden
    Diese MärtyrerGeschichte brachte den Herrn v W geradeswegs auf das Wort
Herr womit er so ganz wegen der zwei erren nicht zufrieden schien da ich ihm
aber erwiderte dass ein deutscher Herr und französischer Monsieur zwei sehr
unterschiedene Leute wären so gab er nach Ein deutscher Herr ist ein Herr mit
einem Zähnezusammenbiss
    Mein guter Gottard brachte einen Hochzeitgast mit auf den niemand
gerechnet hatte er commandirte sein Korps und war ein so toller Hund wie er
ihn nannte dass nichts drüber war  Stolz barsch  Zum Glück bekam dieser
Barsche einen Auftrag und konnte nicht bleiben so dass seine Gastrolle eben
nicht stark war  Vielleicht dien ich vielen meiner Leser die solch ein
curisches Original in meinem Buche gesucht und nicht gefunden Der Kommandeur
ließ schießen wenn es donnerte nicht um die Dünste zu zerteilen Ein Herr
begrüßt den andern sagte er
    Den lieben Gott hat er förmlich zu Gevatter gebeten Der Pastor loci musste
ihm einen Insinuationsschein ausstellen und den lieben Gott wirklich als
Taufzeugen aufführen
    Seinen Hund machte er zum Wacker Die Bauern mussten den Hut vor ihm
abziehen
    Bei der Taufe seiner Kinder musste der Pastor fragen Wollen Ew
Hochwohlgeboren getauft werden und beim Abendmahl Befehlen Ew Hochwohlgeboren
auch vom andern Seine Beichte fing an Ich von Gottes Gnaden Erbherr auf   
diesen Augenblick vor Gott allein nicht aber vor dem Pastor ein armer Sünder
    Ich glaube meine Leser werden es gerne sehen dass dieser tolle Curländer
abgerufen worden Wie Öl und Wasser passt er zu uns allen am wenigsten aber
zum armen Herrn v W der wohl lieber ein Waldhorn vor den Willen genommen
hätte wenn ihm die Wahl wäre überlassen worden
    Bruder wie kommst du zu dem Menschen  Es sind deren etliche unter meinem
Regiment der ehrlichste Kerl den du denken kannst  Den lieben Gott zu
Gevatter zu bitten Sieh Bruder Er hat nicht viel und will sich doch zeigen
 Der Herr Gevatter verzehrte einen Wildbraten zwei Bouteillen Franzwein und
eine Ungarisch gab uns allen die Hand und zog seine Straße fröhlich wie es
schien Starke gesunde Kinder sagte er zu mir Ich Eine glückliche Reise
    Gottlob dass ich in Liefland wohne So etwas war mir in Kurland noch nicht
vorgekommen obgleich kein Zug unrichtig nicht einmal verstellt ist  Alles
wie es war Herr v W kannte ihn wie er sagte par renommée bemerkte
indessen dass er dergleichen Schlag Menschen vor den Tod nicht ausstehen könnte
Ich auch nicht so ganz sagte Junker Gottard Was muss man aber nicht um
Frieden zu haben Nur dass ich ihn mitgebracht hält dir den Herrn v K und
seine Spiessgesellen zehn Meilen vom Leibe  Wie kann ihm aber fragt ich der
Pastor einen Empfangschein geben Ei müssen Bruder du glaubst nicht wie viel
Pastors es gibt die sich hier mit dem Edelmann messen wollen Solch ein
Empfangschein schadet ihnen nicht
    Herr v W war gezwungen dem Junker Gottard für dieses Meteor den
verbundensten Dank zu sagen indessen dankt er ihm noch weit mehr dafür dass er
die Hochzeit von diesem feuerspeienden Drachen auch wieder befreit hätte Er ist
nüchtern so unausstehlich nicht als wenn er was im Krönchen hat sagte Junker
Gottard und hätten Sie ihn durchaus nicht länger haben wollen ich würd ihn
schon zum Aufbruch gebracht haben ohne dass er abgerufen wäre Einigen gelingts
in Kurland ohne dergleichen Helfershelfern sich die Landplagen der
Krippenritter vom Halse zu halten indessen hat sich mein Vater doch fünfmal
schießen müssen  und Ihnen Herr v W kostet es gewiss manches Kompliment 
Ich liebe nicht mich herum zu schießen warum sollt ichs so lang ich so
abkommen kann Dieser GottesGevatter ist arm hat eine mäßige Pension von mir
und von meinen Brüdern meines Gleichen die sich nicht schießen mögen Ein alter
Edelmann ist er und sein Vermögen hat er mit guten Kerls aufgegessen und
aufgetrunken
    Den Tag vor der Hochzeit war ein erschreckliches Regenwetter Man konnte
sagen die Fenster des Himmels täten sich auf Dies brachte dem Herrn v W
keine kleine Sorge zuwege Er hatte durchaus schönes Wetter auf die Hochzeit
invitirt und mancherlei Vergnügungen gar danach eingerichtet Die ganze Nacht
an keinen Stern der Aufklärung verkündigte zu denken Den Morgen klärte es
sich auf und wir hatten einen so heitern einen so schönen Tag dass Herr v W
diesen Umstand zum heutigen Feste verzeichnete Er war es wert dass er zum
Protokoll genommen ward
    Unter vielen Zeremonien nur einige
    Die Trauung war in eine Rede eingeschaltet welche der Pastor der Gegend
über die Worte hielt
    Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn er wird es wohl machen zu
reden aus dem fünften Vers des sieben und dreissigsten Psalms Königs und
Propheten Davids
    Wahrlich kein Gedanke der auch nur eine Pflanzengrösse übertraf indessen
traf so mancher mein Herz
    Meine Tine gab mir mitten unter der Rede bei einer Stelle die ihr auffiel
die Hand und obgleich ihr Herr Vater diesen Vorfall so übel vermerkte dass er
uns gern aus einandergeschlagen hätte so blieb es doch bei diesem Hand in Hand
bis wir sie von Trauungs wegen aus einander nahmen damit sie der Herr Pastor
zusammenlegen und was Gott zusammenfügt soll der Mensch nicht scheiden
darüber sagen konnte
    Wie solch eine Kleinigkeit zum wahren Beweise dass die Natur über die Kunst
geht bis ins Innerste dringt
    Nach der Trauung warf sich Tine in meine Arme Dein sagte sie ohne dass wir
ein Du verabredet hatten und von Stund an war es du und du dem Herrn v W
nicht zur kleinen Ärgernis der dieses auch unter Eheleuten nicht so leicht
erlaubte  Wir brachten ihm anderswo ein was hier drauf ging
    Keine von allen diesen Zeremonien rührte mich mehr als die Wallfahrt die
der Herr v W in Begleitung unserer und einiger ausgesuchten Hochzeitgäste
wozu auch Hermann und der Herr Hauptmann gehörten anstellte
    Er allein mit einem Teeschälchen in der Hand das mit grünen Blättern
bedeckt war Es ward so feierlich getragen und die ganze Zeremonie sah fast so
aus als wie meine Mutter und ich den Eierheiligen verewigten
    In der Opferschaale lagen zwei Pomeranzenkörner die er mit einer großen
Feierlichkeit zur Hand nahm und in zwei dazu schon gemachte Töpfe setzte  Seid
fruchtbar sagte er und mehret euch Jedem meiner Tine sowohl als mir ward
ein Glas Wasser gegeben womit wir diese eingeackerten Pomeranzenkörner
begossen  Gott sagte er gebe das Gedeihen  Er hatte überhaupt die
Gewohnheit die Körner von Pomeranzen und Citronen die er zu Papst Kardinal
Bischof und Punsch an festlichen Tagen verbraucht hatte zum Andenken des
festlichen Tages zu pflanzen So hatte seine ganze curische Orangerie festliche
Geburtstage Er glaubte der Frucht dadurch ein Andenken zu stiften und ihr eine
Art von Erkenntlichkeit zu beweisen Mein Vater dachte in Absicht der
Pomeranzen und Citronenkörner anders Dafür war er ein Kernmann Herr v W
aber ein Blättermann
    Bei Tafel war Herr v W der gefälligste Wirt den man sich nur denken
kann
    Er fing eine Unterredung an oder brach sie schnell ab je nachdem es Zeit
und Gelegenheit wollten
    Den guten Pastor der heute alles wohlgemacht hatte brachte er in die Enge
indem Herr v W den undeutschen Anfang des Vater unsers auf die Rechnung der
Höflichkeit schrieb Das Substantivum sollte überhaupt vor dem Adjectiv zu
stehen kommen
    Eine Unterredung fiel mir sehr auf die Herr v W so recht aus dem
Innersten seines Herzens geschöpft zu haben anschien Grobe Leute sagte er
sind glücklicher als die Höflichen Vor Groben fürchtet sich jedermann Man
freut sich wenn sie ein Lächeln wo leuchten lassen  Ich habe Leute gekannt
die sich durch Grobheit als Gelehrte als Herzhafte als   alles was man will
ins Geschrei gebracht Indessen ist erspartes Geld fügte Herr v W
wohlbedächtig hinzu besser als erworbenes und kommt ein harter Stein zum
andern so steht der hinterste im Genitiv Die selige Mutter meines Herrn
Schwiegersohns würde gesagt haben zwei harte Steine mahlen selten reine
    Unser Jupiter unser GottesGevatter hätte sich wie mich dünkt bloß bei
dieser Unterredung erholt alles andere wären Schaubrode für ihn gewesen bei
denen er nun freilich weit dreister wie David zu Werke gegangen Selbst aber
diese Dreistigkeit würde sie nicht allen die zu Tische saßen unerträglich
gewesen sein Der geschickteste Mann sagte Junker Peter um grob und fein zu
sein bei den besten Kohlen und recht gesunden Funken fehlt ihm Wind das
heißt eine gewisse Art  Gefälligkeit Gelindigkeit  er wird in der Geburt
ersticken  Gewünscht hätte ich dass den Junker Peter ein Maler gesehen hätte
wie seine Herzhaftigkeit in der Geburt erstickte da der Kommandeur an ihn kam
um ihm die Hand zu reichen die er uns allen beim Abschiede reichte Jupiter
ließ es dabei nicht sondern drohte ihm mit den Vorderfingern der rechten Hand
Im Spaß versteht sich Wie fuhr aber Junker Peter im Ernst zusammen
    Meine Leser werden ohne meinen Fingerzeig bemerken dass ich dem Herrn v W
bei der Tafel das Heft in Händen ließ Sein Refrain war dass Festlichkeit die
Freude leite und führe auf ebner Bahn so wie sie auch die Betrübnis in
Schranken setze Wahrlich ein teures wertes Wort
    Ich hatte mit Tinen Herzensangelegenheiten die über alles gingen Wir
sprachen von unserer Trauung von der wir alle beide nicht sonderlich erbaut
waren Ich freue mich sagte ich liebe Tine dass sie pompreicher und weniger
herzlich ablief als Gretchens  Schwerlich würde ich sie sonst ausgehalten
haben
    Tine hatte wie sie sagte eine Bitte über alle Bitten an mich  und diese
war dass ich sie nicht mehr Albertine sondern Mine nennen sollte  O Tine das
ist mehr als die ganze Trauung Es war mit mir geschehen  Diese Firmelung
brachte mein ganzes Herz aus seiner Fassung Mine sagte ich und drückte sie an
öffentlicher Tafel so fest an mein Herz dass Herr v W aufschrie und mitten in
der Höflichkeit sich hart verging Er fasste sich und hätte eben so laut um
Vergebung gebeten als er aufgeschrieen wenn ich die Sache weiter treiben
wollen  Sie selbst als ob sie nun nichts weiter nach der priesterlichen
Einsegnung zu fürchten hätte sprach ohne Ende von Minen Nun war die Zunge
völlig gelöst Einmal hatte Tine sie gesehen  Ich habe sie gemalt setzte sie
hinzu Auswendig weiß ich sie Du sollst ihr Bild sehen  Über der Rüstkammer
von ihren Sachen die du ihr zum Andenken aufbewahrest soll es hängen
    Heiss ich Mine
    Du heissest Mine
    Junker Gottard dem die Geschichte von meiner seligen Mine nicht verborgen
geblieben und der diesen mir ewig süßen Namen jetzt nennen hörte warf sich so
wie er da ein Hochzeitgast war zur Rache wider v E auf die er aber
wohlbedächtig durch seinen Jupiter üben lassen wollte
    Friede sagte ich ihm Bruder Ich höre fuhr er leise fort und hielt die
Serviette vor als ob er die Frage mit der Serviette verhängen wollte ihr duzet
euch
    Mine lächelte und Junker Gottard konnte nicht umhin ihr überem Tisch die
Hand zu reichen und ein Glas Wein darüber umzustürzen  Nicht das Glas
sondern die Handgabe war ein Greuel in den Augen des Herrn v W der aber nicht
einmal aufschrie wie oben da ich Minen an mein Herz nahm  Wie gütig
    Ich darf es wohl nicht bemerken dass außer dem wohlgemachten Pastor wenig
Leute da wären die einen Begriff vom Zusammenhange in Gesellschaft hatten Herr
v G der Selige was meinen meine Leser war er nicht geboren in eine
Gesellschaft Geist und Ordnung zu bringen  und selbst Waldhörnern den
Kammerton beizulegen Ich wette Jupiter wäre unter seinem Vorsitz ein
angenehmer Gesellschafter worden und behaupte dass in der Konversation da wir
auf seinem Gute waren so viel Einheit so viel Stimmung liege dass es ein
Konzert heißen könnte wenn der Kunstrichter es so erlauben will
    Wahrheiten die jeder sieht und hört wer kann sie aushalten Es regnet es
hat geregnet es wird regnen  Wer einen Garten anlegt muss für Schatten
sorgen Wagen gewinnt wagen verliert Wenn ich gehe komm ich weiter Solcher
Augenscheinlichkeiten drängten sich in schwerer Menge zum Vorschein wer kann
aber daran Teil nehmen Wer über Einfälle der nämlichen Art lachen Ists
Wunder dass sich unsere Redner geflissentlich bemühen den gemeinsten Hut nach
der Mode zu stutzen So wasserklar waren auch die Hochzeittischreden und das
Gedicht welches s gewesener Informator zusammengewürfelt hatte Das
Gedicht lief allen an Wasserklarheit den Rang ab Ein Reim nahm die Erklärung
des andern über sich  Wie Herr und Knecht war einer gegen den andern
    Ein alter Edelmann unterschied sich durch den Brauch nach Noten zu gähnen
und hielt dabei ordentlich Melodie Anfänglich fiel uns diese Musikneigung auf
indessen nahm Herr v W in eigener Person seine Verteidigung über und
Hermann der nur auf dies Kommando gewartet hatte behauptete dass das Gähnen
die Erfindung der Kadenzen wäre die doch heutzutage so trefflich beklatscht
würden Man bewunderte sogar die Euphonie unseres Gähnenden Versteht sich dass
er sich desto öfter sehen und hören ließ  Herr v W hätte seinen so
freigebigen Beifall sobald unser Edelmann es zur förmlichen Tafelmusik anlegte
gar zu gern widerrufen wie konnte sich aber Herr v W widersprechen Freilich
war er sonst die leibhafte Katachresis eine Figur in der andern Er war ein
Trauerfröhlicher Die Figur ließ sich indessen nicht bei dem vorliegenden Fall
anbringen
    Auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa gebrach es an Wein hier gebrach es an
mehr An etwas das kein Wein geben kann wenn gleich tausendmal jenes
paulinische Recept Trinke ein wenig Weins deines schwachen Magens halber in
Ausübung gebracht wird
    Darf ich noch bemerken dass es bei der Mahlzeit in so weit es überhaupt das
Departement der Marta betraf das sich Herr v W in hoher Person zugeeignet
nicht fehlte an irgend einem Guten  Wohl aber war von allem etwas drüber ein
Kompliment stach überall durch  Ist das nicht etwas drüber
    Der Kadenzgähner brachte wiewohl in unmassgeblichem Vorschlag Hamburger
Pulver zum Desert indessen fand er keinen Beifall Herr v W selbst meinte
das würde heißen Zum Busstage gratuliren
    Unter einem Märtyrer stellt man sich einen tätigen hervorragenden Mann
vor der einen Kopf zu viel hat oder der einen Kopf größer wie der Hause ist
Was aber den unsrigen betrifft so war er so leidend wie möglich Wo studiert
Herr Hauptmann
    In Königsberg
    Auch ein Kollegium über den deutschen Styl
    Beim Professor   gehört
    Das dachte ich wohl beim Professor Feldherr anstatt General
    Ein Märtyrer also vom Hörensagen
    Beide Hermann und unser Hauptmann saßen an einem kleinen Tische der an
unsere Tafel grenzte Ich hätte sie zur Tafel gezogen auch meine Mine hätte es
wenn es auf uns angekommen wäre
    Wegen einer aus dem Alter genommenen und auf curischen Grund und Boden
verpflanzten Geschichte wäre der Herr Pastor der sonst alles wohl machte bei
einem Haar übel angekommen Auf die schriftliche Anfrage wie viel jährlich für
einen einzigen Junker hätte ein Hofmeister nach der Erzählung des Herrn
Pastors hundert Taler Alb gefordert Wir werden nicht Handelsleute
erwiderte der Edelmann dafür halte ich meinem Sohne zeitlebens zwei deutsche
Bediente und da hat er Verstand und Dienst obenein Facit erwiderte der
Hofmeister drei Schlingel  Dies unschickliche Wort welches eben weil ein
Junker mit darin begriffen war desto härter auffiel brachte alles in Bewegung
obgleich es nicht auf die Rechnung des Pastors sondern des Hofmeisters gehörte
Wenn nicht Hermann die Sache ins Geleise gebracht wer weiß ob nicht selbst der
Kadanzmacher aus der Weise gekommen wäre Richtig sagte Hermann und der
Kavalier beschloss Eins zu drei tut vier Schriftlich oder mündlich fragte ein
anderer Schriftlich erwiderte der Pastor der Hofmeister war noch zur Zeit in
Preußen Das war dem Schlingel zu raten Ich dächte der Pastor hätte die
Geschichte weglassen und der Märtyrer hätte Kapitän statt Hauptmann schreiben
sollen
    Noch hatte der gute Herr v W zwei Reden auf dem Herzen
    Die Begleitungsrede ins Schlafgemach und die Strohkranzrede Und wo war bei
so vieler Verwirrung Zeit auf diese Arbeiten zu denken  und sie anzuordnen
    Solche zehn Reden wenn sie auch alle zehn so geglückt wären als die beim
Schlafengehen verunglückte waren nicht den Segen wert den unsere gute Mutter
auf ihre Tochter legte Sie verließ uns mit dem Leichentext meiner Mutter Selig
sind die reines Herzens sind denn sie werden Gott schauen
    Mehr dünkt mich war nicht nötig anzuführen als dass diese
Schlaftrunksrede verunglückt sei um zugleich zu bemerken dass Herr v W sie
selbst übernommen
    Die Strohkranzrede ausgenommen fiel nichts vor unserer Heimführung vor was
bemerkungswürdig gewesen wäre
    Ob nun Herr v W wieder befürchtet dass er seinen Mund an einen Stein
stoßen würde oder ob er in Erwägung gezogen dass eine Strohkranzrede sich für
keinen Vater schickt wenn gleich dieser Vater zum Komplimentiren oder zum
Redehalten das ist sich wohl nicht viel aus dem Wege geboren ist weiß ich
nicht Dieses Geschäft war indessen einem jungen Edelmann übertragen dem der
Hermann soufflirte
    Zu Hermanns Ehre ein Wort er weinte ungesehen da ich mit Minen zu Bette
ging  ungesehen
    Und warum war die Frau v G nicht bei der Hochzeit
    Ich bat die gute Seele der Frau v W außer dem Gewöhnlichen noch ein Wort
des Vertrauens an sie zu senden ihres Seligen und Bruder Gottards wegen Warum
kam sie dieses Worts des Vertrauens unerachtet nicht Weil mein adliches Blut
durch das poetische Blut meiner Mutter Schaden gelitten und weil meines Vaters
Adel dadurch dass er die Kanzel bestiegen einen unauslöschlichen Fettfleck
erhalten  Junker Gottard Deine Mutter warum   Wäre sie meine Mutter
nicht würde ich mir die Freiheit nehmen zu sagen Warum  Guter Junge
    Herr v W und Frau v W geleiteten uns bis zu unserer Heimat Besonders
dass keine Träne bei allen diesen Abschieden vorfiel Junker Peter blieb zu
Hause er hatte sich zu einem Abschiede vorbereitet der zu lang war um nur
herzlich zu scheinen
    Ohne Umstände Peter
    Darf ich 
    Sie sind der Bruder meines Weibes wollen Sie auch mein Bruder sein
    Ernst
    Wahrer
    Können Sie vergeben
    Was denn
    Vergessen ist mehr als vergeben Bruder
    Junker Gottard gab meinem Weibe und mir die Hände Jedes von uns erhielt
eine Wir küssten ihn beide Desto besser sagt er Gott lass es euch
wohlgehen Meine Trine wird mir die ersten vierzehn Tage kein Leckerbissen sein
da ich euch gesehen
    Er gab uns sein Ehrenwort uns alle Jahr einmal zu besuchen Sind Jagden in
   Versteht sich  Lebt wohl
    Auch du guter Gottard ich liebe dich herzlich
    Ich halte was ich versprochen sagte Gottard zum Bruder Peter der sich
verbindlichst verbeugte  Noch wollte Peter mit Gottarden in der Stille
sprechen Es bleibt schrie ihm Gottard zu
    Ehemann also der Mann eines Weibes das mich liebt und das ich wieder
liebe  Komm liebes Weib Tine Mine genannt komm schreib selbst  damit
meine Leser wissen was an dir ist
    Was soll ich schreiben
    Von der Zeit an da ich ins Wasser fiel bis diesen Augenblick
    Ich liebte meinen Mann von dem Augenblick da die Retts und die Wos
vorfielen ohne dass ich wusste was Liebe sei Meine Liebe äußerte sich durch
meinen Hang von ihm ohne Aufhören zu reden Alle meine Kinderfragen auf die
Manier wie Sehen Sie doch Gnädige wie hoch der Baum ist der Babylonische
Turm war wohl weit höher
    Meine liebe Mutter ward nicht müde mir Mutterantworten zu geben Ich weiß
den Tag noch da ich nicht mehr über ihn kinderfragte und von dieser Zeit an
verwandelte er sich in ein Ideal das mit mir ging und kam und aß und trank
das mich zuweilen froh machte wenn ich glaubte ich könnte sein werden und
zuweilen betrübte wenn es mir einfiel und wenn dies Ideal ein ander Ideal
hätte Dies Ideal verdrängte meinen Alexander und doch war es mein Alexander
als wenn er gesessen hätte
    s Andenken war mir nicht im mindesten im Wege Nie kam der Gedanken in
meine Seele Ihr Tod ist dein Leben Ihr Alexander war nicht der meinige Der
ihrige war da der meinige war ein Seelenalexander  Es war alles ich weiß
nicht wie Ich hätte einen andern der diesem Bilde nicht ähnlich war heiraten
können allein aus blindem Gehorsam gegen meine Eltern Ein dergleichen
Isaaksopfertag erschien und ein Engel brachte mir den zu den ich liebe und
lieben werde bis in den Tod Wenn ich jetzt an meine Hirngespinnstperiode
zurückdenke kommt es mir vor ein Mädchen das über fünfzehn ist könne nur
zweierlei entweder ein solch Ideal haben oder  sich lieben lassen und sich
verlieben wie das arme Lorchen derentwegen ich diesen meinen Namen in Tine
verwandelte der jetzt in Mine verändert ist  Es tut mir recht leid um den
Namen Lorchen den ich verlor Tine hab ich gern verloren
    Es ist eine ganz andere Liebe vor und eine ganz andere nach der Hochzeit
Bei dieser ist mehr Sein bei jener mehr Schein wie der Drosselpastor sich
erklären würde den mein Alexander bei seinem Heimzug nicht gesprochen hat 
Was mir das leid tut
    Von dem Augenblick da ich den Namen Mine erhielt und ich meinen Alexander
du nannte trat die Vesper ein das
    Nach der Hochzeit  
    Ich bin ein so glückliches Weib als man es in einer Welt sein kann die ein
Sonnabend ist und auf die der Sonntag folgt Meine selige Mutter das Schwieger
kann ich nicht schreiben es ist nicht kalt nicht warm war nicht allein ein
Sonnabend Alles in der Welt ist es Alles Unsere Liebe selbst das
vollständigste was ich kenne ein Sonnabend  Wollt ihr mehr von unserm
Eheleben
    Was ich mir nur merken lasse tut mein Alexander Fast aber sollte ich
denken seiner Herrschaftsabtretung unerachtet würd er nicht tun was ich
will Wie kann ein Weib wollen
    Unsere Trauungseinsegnung wäre freilich anders ausgefallen wenn sie der
Pastor aus L übernommen Wie sie mir aber noch lebhaft sind die Worte alle
Fragen haben was Feierliches für mich Wollen Sie mit diesem Manne ziehen
Glück und Unglück mit ihm teilen und sich nicht eher von ihm trennen als bis
ein Gott geb seliger Tod Sie scheidet  Mein Vater hatte mir Ja vorpräludirt
allein mein Herz hielt so wenig Melodie dass ich laut Ja sagte und so laut so
herzlich sag ich es noch jetzo bis der Tod uns scheidet Ja ja Amen Amen
Hörst du Alexander Ja
    Mein Mann kann mir keinen größeren Beweis von seiner Liebe geben als dass er
mir eine Ähnlichkeit mit Minen zuschreibt Zwar hab ich sie nur ein
einzigesmal in ihrem kummervollen Leben zu sehen das Glück gehabt so wie auch
vor diesem die frömmsten Leute nicht alle Tage Engel sahen allein auch dies
einemal macht sie mir auf ewig wie gegenwärtig Da steht sie Auch dort werd
ich sie gleich kennen
    Sie hängt in unserm Hause nicht bloß über den Kleinigkeiten die sich mein
Mann zum Andenken erkoren überall hängt sie in Öl in Pastell und Silhouetten
ohn Ende  Sie lebt und schwebt mir vor Augen Dank lieber Schutzgeist dass du
mir sie präsentirt hast da ich mich auf die paar Züge nicht besinnen konnte 
Jetzt darf ich dich nicht mehr beschweren
    Mein Alexander ist sehr geradezu  Meine Mutter liebt ihn wie eine Mutter
ihren Sohn Mein Bruder fängt sich so sehr nach ihm zu bilden an als es einem
äußerst verdorbenen Menschen nur immer möglich ist  Mein Vater selbst ist mit
diesem Geradezu so zufrieden als ich es nie gedacht habe Aeusserst zufrieden
mit meinem Manne behauptete er jüngst dass ein gewisses edles Geradezu die
allerfeinste Höflichkeit wäre Aufs Einkleiden kommts an setzte er hinzu und
eben das Einkleiden scheint meines Alexanders Sache eben nicht zu sein Mein
Vater fängt mehr an über die Höflichkeit und Festlichkeit zu speculiren als sie
zu üben Ganz wird er diesen Schmuck nicht ablegen und warum sollt er Mein
Mann steigt nicht zu Dache Sein Geradezu ist ein edles Geradezu
    Die Liebe ist kühn und schüchtern im Großen und im Kleinen  Mein Vater
will nicht leiden dass ich meinem Alexander unters Kinn greife  Warum nicht
lieber Vater Ein Eheweib darf nichts Entehrendes finden als ein Schelmstück
und da sei Gott vor   Wahrlich eine gewisse unzeitige Scham hat unser
Geschlecht unter dem Vorwande es zu heben so heruntergebracht dass die
wenigsten wissen was sie tun
    Dem guten Vater fällt oft was auf die Nerven was andere keinen Augenblick
anhält
    Ehrentalber sagt mein Mann ist der unausstehlichste Ausdruck den ich
kenne und beim Kratzfuss des alten Herrn pflegt er zu sagen Warum verstellst du
deine Gebärde
    Der alte Herr ist so oft er kommt ein mir sehr lieber Gast Was mir das
leid tut dass er am Hochzeittage am kleinen Tische aß So oft er kommt muss er
mir Ich hab mein Sach Gott heimgestellt etc spielen und da sing ich es
dann so herzlich dass ich ihn noch jedesmal weinen gesehen Auch ich weine Es
ist ein Regenlied
    Mein Mann beschuldigt mich dass ich zu spitzig bin Noch hab ich keinem als
mir selbst mit einer Nadel Schaden getan Wie Alexander da lacht Sollt ich
wieder wo zu nadelspitz gewesen sein  Fürs Lachen eine Klage
    Mir ist äußerst schwül zu Mute wenn ich die Zimmer kehren und aufputzen
lasse Freilich sagt mein Mann kein Wort darüber allein wenn sein Blick diese
meine Taten bestreicht ist nurs so als sage er etwas Seine Schreibstube
wird fast gar nicht geläutert Weiß der Himmel es ist wenig Staub drin aller
der Bücher unerachtet von denen sich manche recht nach Staub zu sehnen
scheinen  wie er selbst sagt
    Ehegestern sah er sehr steif an einen Ort und war so tief in Gedanken als
man in keinen Schlaf sinken kann Da hab ich dich gesehen sagte Alexander wie
du einst alt und wohlbetagt sein wirst  Recht so Sobald die Mienen wenn man
so sagen soll ohne steife Wüste zusammenfallen sieht man alle die Ansätze zu
Runzeln die man einst haben wird wenn keine Ermunterung keine Aufraffung
diese Linien diese Falten mehr zu verlöschen im Stande ist
    Mein Mann isst stark lauter natürliche Speisen trinkt wenig Wein allein
immer aus der Quelle  Ich lege vor  er gießt ein  Alles was bei Tische nur
gebraut und angerichtet werden kann wird öffentlich gebraut und angerichtet Er
macht Punsch und Bischof ich Salat  oft ein Ragout aus freier Faust  Man
gewinnt viel sagt mein Mann wenn man was werden sieht Ich glaube selbst Was
muss es dem lieben Gott nicht angenehm gewesen sein so alles entstehen zu sehen
 Ich will schon gern nicht nach den Sternen sehen können aber Gras und Bäume
wachsen möcht ich gern sehen  Wer kann es beschleichen
    Noch einen Beweis der zärtlichsten Liebe meines Alexanders Mein Leopold hat
viel Züge von mir Er küsst mich in ihm O das sind Küsse sagt er selbst wenn
man sein Weib in seinem Sohne küssen kann Sage noch einmal das sind Küsse Ich
fühle jeden den du deinem Sohne gibst
    Wie sehr hab ich mich gescheut einen Vorfall anzuzeigen welcher der
wichtigste meines Lebens ist kein Wunder dass ich ihn bis auf die letzt
gespart
    Ich bin die Mutter nur von einem einzigen Sohne Alexander Leopold genannt
Er heißt im gemeinen Leben Leopold weil mein Mann da Alexander heißt Dies
waren meine ersten und letzten Wochen
    Nach einem der vergnügtesten Jahre empfand ich alle Bitterkeiten des
Ehestandes und den Fluch der auf unsere Allmutter Eva gelegt ward Du sollst
mit Schmerzen Kinder gebären  Verzeiht den Seufzer den ich tief hole und
diese Tränen die auf dieses Blatt fallen  Mein Mann konnte die Szene nicht
aushalten Er ging davon da er sie nur anfangen sah In meiner Sterbensnot
ging er nicht davon  Nun bin ich allein  Vielleicht dreister Es kam bei der
Geburt meines Einzigen auf die Frage an ob das Kind oder ich geopfert werden
sollte Mein Mann sollte entscheiden der Arzt und die Hebamme setzten es darauf
aus Mein Gott was für Vorfällen kann der Mensch ausgesetzt werden Führ uns
nicht in Versuchung sondern erlöse uns von allem Übel Gott unser Vater  Ich
kann nicht weiter
    Nach einem sehr harten Kampfe blieben zwar Mutter und Kind ich und Leopold
leben allein weh mir  Ich kann nicht mehr Mutter werden
                                       
    Ich habe geendigt in dieser Welt  Ich bin in ein Kloster gegangen Als
Kloster in ein sehr glückliches Mein Mann liebt mich wie seine Freundin Mein
Leopold der Lohn meines Kampfes ist der beste Junge der in der ganzen Welt
ist  Was will ich mehr
Einen guten Kampf hab ich
auf der Welt gekämpfet 
             
             
dass ich meinen Lebenslauf
seliglich vollendet
und mein arme Seel hinauf
Gott dem Herrn gesendet
                                       
    Dass ich meiner seligen Mutter nicht völlig im Gesang gleich komme ergibt
sich dünkt mich aus meiner Erzählung Wenn ich aber in meiner Lage ein Lied
anstimme wo mein Mann seinem Vater gleich im zweiten Diskant einfällt wie
wohl ist mir
    Ich bin der Welt im eigentlichsten Sinn abgestorben und finde in der
Hoffnung der künftigen Welt so viel Trost dass es wohl der Mühe lohnt hier
nicht ganz glücklich zu sein  Ich wollte um wie vieles nicht mein Teil in
diesem Leben haben um wie vieles nicht  Wie du willst Herr wie du willst
schick es mit mir  Wahrlich wir sind zur Hoffnung geboren Mit dem Genuss
will es nicht recht fort  Ich weiß nicht ich kann keinen Menschen so recht
ausstehen der es sich geflissentlich angelegen sein lässt zu genießen dem man
es anmerkt dass es ihm so recht schmeckt
    Man sagt dass es die Wehemutter bei meiner Niederkunft versehen haben soll
Ich verzeih es ihr herzlich  herzlich  Gott tröste sie Sie ist nach der Zeit
öfters tiefsinnig  Mein Mann und ich das weiß Gott haben nichts dazu
beigetragen dass sie tiefsinnig worden Gott tröste sie und alle die dies
lesen bei ihren Leiden mit dem Troste des bessern Lebens das Gott geben wird
denen die ihn lieben
                                                             Tine genannt Mine
    Damit ich dich ablöse Mine ist eine Dichterin Hier ist eine Probe von ihr
die sie nicht lange nach unserer Heirat lieferte Man wird noch immer das
Fräulein Lorchen drin finden das spitzige Mädchen obgleich sie es nicht haben
will und öffentlich behauptet sie hätte noch keinem andern als sich selbst
mit der Nadel Schaden getan Aus Lorchen ist Tine und aus Tinen ist Mine
worden  Dies ist die letzte Verwandlung bis der Tod sie und mich verwandeln
wird und das Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit  Wär es doch auf
Einen Tag auf Eine Stunde
                                       
    Komm mein Geliebter hier ans Kamin damit ich den Unterschied desto mehr
empfinde in deinem warmen Arm zu sein und mich am Kaminfeuer zu wärmen Welch
ein Abstand zwischen Feuer und Feuer gemein und Opferbrand Deine Hand deine
beiden Hände in allem schlägt ein Schlag der Liebe und wenn du deine Hand in
meine legst ists so als würden unsere Nerven in einander gestrickt unsere
Adern zusammengebunden Wir sind eins Wie fremde es klingt Er und Sie Mine
und Alexander du und ich Zwei Dus sind wir zwei Ichs Außer dir ist nichts
und außer mir ist nichts
    Welch ein Schauder Noch einer Was seh ich Sieh Geliebter an die
Fensterscheibe vor deinen sichtlichen Augen malt sich ein Vergissmeinnicht
Sieh Sieh im Zuge M und A Fühlst du es so wie ich Mine wars der Engel
Mine der es malt Mine die mich an dich in der Welt abtrat die dich im Himmel
wieder fordern wird Das war nicht die Hand der Natur die diese Züge
herausspielte Dieses M und A im weißen Damast Genäht ists nicht  Da ist
kein Stich zu kennen  Wie schön himmlisch schön wo auch kein Stich zu kennen
ist  O Geliebter verzeih diesen Seufzer Wenn ich dich im Himmel zu verlieren
denke wie ist mir der Himmel und Verlust  Wen willst du wählen wen O der
zwei Sieen Sie oder mich Mich oder Sie  Mine die immer ein Engel war oder
Mine die Fleisch und Bein hatte und die werden wird was Mine immer war Engel
Mine Ists möglich schreibts bei hellem Mondschein ans Fenster wenn mich ein
Herzbeben ergreift das mir das Nahesein eines Geistes verkündigt Du oder ich
 Verzeih Himmlische diese Erdenfrage Grossmütige verzeih  Du bist mein
Geliebter  du bleibst mein Geliebter  Mine die Göttliche wie sie mich dir
lässt  Komm in meinen Arm komm ans Kaminfeuer Wir sind Ein Herz und Eine
Seele wir sind Eins für Himmel und Erde  Höre wie das Feuer im Kamin in
Jubel ausbricht Das ist kein gemeines Geprassel  Und auch jene sanftere
Stimme wie harmonisch  Kohlen vom Heiligtum geben dem stummen Wasser Leben
und Sprache So kocht kein schlechtes Wasser wie dies da das sich mit dem
Geprassel des Kaminbrandes in Melodie setzt  das sich vordrängt um gehört zu
werden Alles spricht Du und Ich Wir beide Dus wir beide Ich s
Grossmütiger Engel Mine  Unaussprechliche Himmlische  Wenn ich ein Engel
werde wie du es immer warst will ich dir danken
                                       
    Tine genannt Mine ist äußerst fromm  Sie betet alle Abend so wie sie es
in ihres Vaters Hause zu tun gewohnt war  Selbst hat sie Gebete aufgesetzt
die wenn gleich sie auch nicht Bild und Überschrift Volksgebete verdienen
doch von einem Herzen zeigen in dem Gott sein Werk angefangen hat Er wolle es
in ihr durch seinen heiligen Geist bestätigen und vollführen bis zu seinem Tage
Amen Ich will das
                            Gebet für den Sonnabend
hersetzen
    Dieser Tag in Parenteft ist meines Weibes Liebling so wie es der Tag
meiner Mutter war allein aus verschiedenen Ursachen Mit mir sagt mein liebes
Weib ists Sonnabend  Gute Seele  Unsere Wege sind nicht Gottes Wege Unsere
Gedanken sind nicht Gottes Gedanken So hoch der Himmel über der Erde so sind
auch Gottes Wege höher denn unsere Wege und Gottes Gedanken höher denn unsere
Gedanken
                                 Am Sonnabend
    Gottlob wieder eine Woche Wie sie war und nun nicht mehr ist Ich glaube
es wissen viele Leute nicht wenn sie sterben dass sie gelebt haben O selige
Kürze der Zeit einziger lebendiger Trost bei allen Leiden dieser Welt die eben
deretwegen zeitlich und leicht sind und doch schaffen sie eine ewige und über
alle Massen wichtige Herrlichkeit uns die wir nicht sehen auf das Sichtbare
sondern auf das Unsichtbare nicht auf den Leib sondern auf die Seele nicht
auf die Welt sondern auf Gott den Anfänger und Vollender den Höchsten so wie
der Menschen Geist vielleicht der niedrigste ist   Es geht mit der Zeit so
wie mit allem was gut ist Wir schätzen es nicht eher als bis wir es nicht
mehr haben  Nichts ist weniger habhaft zu werden als die Zeit Ich stelle mir
vor sie verwandelt sich in Ewigkeit so wie wir in Engel Wer kann alles
begreifen wie es zugeht Ich fürchte mich nicht wenn diese Woche auftritt und
mich einst vor jenem Richterstuhl zur Rechenschaft fordert wo wir alle werden
offenbar werden an diesem Sonnabend der Welt Wer kann aber Richter der Welt
wer kann vor dir bestehen du Herzenskündiger du Gedankenkenner Barmherzigkeit
komme über mich und über alle die sich bemühen Barmherzigkeit zu üben und
Gutes zu tun und in guten Werken zu trachten nach dem ewigen Leben
    Die Zeit vergeht allein gute Taten pflanzen sich fort und ihre
Geschlechter dauern bis zum Ende der Tage  Jede gute Tat hat mehr als einen
Sohn hat viel Erben und diese Kinder haben wieder Kinder  Wer wollte nicht
gut sein um ein Vater eine Mutter von so guten lieben Kindern zu werden die
sich selbst erziehen
    Der Schluss der Woche kann der Anfang zur Besserung sein Ich gelobe und
wills halten mein Fleisch und Blut niederzuschlagen wenn der Eigendünkel mir
einbilden will ich wäre besser als ein anderer wenn die Härte mir ins Ohr
zischt Verdient es auch der Arme will ich antworten Bei Gott gilt der gute
Wille was würde sonst aus uns allen werden So will ich leben damit ich einst
froh sterben kann Wann werde ich Das weiß Gott der Herr des Lebens Wohl mir
dass er nicht ein Gott der Toten sondern der Lebendigen ist Wohl mir dass er
mir den Trieb zum Leben so tief eingepflanzt hat Je älter wir werden je mehr
Lust zum Leben wandelt uns an Diesen Trieb zum Leben sollte ich haben und doch
sterblich sein Nein wahrlich wahrlich Ich glaube es nimmermehr werde ich
sterben es wird nur so scheinen als stürbe ich  Der liebe Gott würde sich
geirrt haben wenn er den Lebensplan in den Menschen gelegt hätte falls der
Mensch ihn auszuführen außer Stande wäre Gott begeht keinen Irrtum Ist der
Tod nicht Ende Wie glücklich dass wir sterben Erwachen wir nicht nach einer
Nacht voll Schlaf frisch zu einem schönen Morgen Die Nacht ist ein Bild des
Todes der Morgen ein Bild der Wiedergeburt die uns allen bevorsteht  Herr
lehre du mich bedenken dass ich sterben muss lehre es mich in jeder Dämmerung
lehre es mich am Sonnabend vor allen Dingen Mache es mit mir wie du willst 
und ist der Sonnabend meines Lebens vorhanden helfe mir Gott der helfen kann
wenn alle menschliche Hilfe verzweifelt  Wenn kein Trunk mehr unsere gedorrten
Lippen labt erquicke uns der Trost der Unsterblichkeit Wenn die Unsrigen
unsern Segen fordern und wir segnen wollen und nicht mehr können vollende das
Werk Abba lieber Vater du hast mehr als Einen Segen Lass unsere Lieben
bedenken dass wir sie alle wiederfinden werden an einem schönen Sonntage mit
Feierkleidern angetan  Halleluja  Vollbracht sei unser letztes Wort Gnade
 unser letzter Seufzer
    Da denke ich eben an die so eben jetzt da ich um ein sanftes seliges Ende
bete wenn mein Stündlein vorhanden ist ihr Haupt zum Tode zurecht legen
Möchte doch ihr Sterbekissen ihnen leicht sein  so wie uns allen einst die
Erde Wir sind ja alle aus deinem Hause lieber Vater Kinder der Todesangst
unseres sterbenden Bruders unserer entschlafenen Schwester Lass den guten
Geist der sie in dieser Welt leitete ihre Seele geleiten zu den Wohnungen der
Gerechten  Sie sterben an einem schönen Tage Erbarme dich ihrer und unser
aller  Kürze die Not eines jeden die er auch seinem Vertrautesten nicht
entdeckt der Mann nicht seinem Weibe  Erhöre jeden Wunsch wenn es auch dein
Wunsch ist Amen In deine Hände befehle ich meinen Geist Amen
                                       
    Ich habe die Gewohnheit beibehalten dass sie alle Abend in Gegenwart der
Leute betet und auch ein Lied nach dem Gebete anstimmt das wir alle singen Ihr
gebührt die Wahl und ich habe oft die Freude durch diesen oder jenen Gedanken
eines Liebes herzinniglich überrascht und selig erquickt zu werden  Würde sich
meine selige Mutter über eine solche Tochter nicht freuen wenn gleich sie nicht
aus dem Stamme Levi ist und ich nicht Superintendent worden Aus dem Liede sehe
ich wie mein liebes Weib gestimmt ist
    Gestern Abend sangen wir
                       Warum sollt ich mich denn grämen
Gott wie sang sie den Vers
Kann uns denn der Tod wohl töten
Nein er reißt
meinen Geist
aus viel tausend Nöten
schließt das Tor der schweren Leiden 
und macht Bahn
himmelan
zu dem Sitz der Freuden
    Heute singen wir ein Loblied das sehe ich ihr an alle Sonnabend einen
Sterbegesang das weiß ich schon Meiner seligen Mine Regenlied Ich hab mein
Sach Gott heimgestellt ist auch ihr Seelenlied  Ich wünschte dass manche
edle Seele von meinen Leserinnen den Hermann spielen und mein Weib singen hören
könnte  O des guten Weibes
    Unserm Leopold habe ich in diesem Buche sein Kind und Pflichtteil
berichtigt Ich habe ihn beim Publico eingeschrieben mehr gebührt ihm nicht So
viel indessen zur Nachricht dass er ein lieber lieber Junge ist der seinen
Lebenslauf zu seiner Zeit schon ohne seines Vaters Beihilfe schreiben wird  Es
hat gute Wege mit ihm Fähigkeiten seltener Art
    Junker Gottard besucht uns alle Jahre so wie er uns sein Wort gegeben
Noch ist er nicht Ehemann  Seine Ja Jagdliebhaberei nimmt täglich zu  Sein
Herz ist untadelhaft Man mag sagen was man will er ist doch immer das beste
Wild in allen seinen schönen Wäldern
    Seine Mutter kann es sich noch nicht vorstellen dass ich die Tochter eines
benachbarten Edelmanns geheiratet und freut sich herzlich dass nicht die Sonne
in Kurland diesen unerhörten Fall bescheine  Käme es auf sie an sie würde
unsere Ehe noch bis diesen Augenblick ungültig erklären  Sie zahlt zehn Ahnen
mehr als nach Seti Kalvisii Berechnung der doch auch sein Exempel zu rechnen
wusste die Welt gestanden O der stifts und turnierfähigen Frauen  Doch
warum von ihr Auskunft da mir noch jemand weit näher ist
    Der alte Herr hat jetzt seine Freistatt beim Herrn v W Seine dürftigen
Umstände erforderten Beihilfe und wer wird sich nicht freuen dass Hermann der
nach dem betrübten Sündenfall den Apfelbaum aus seinem Garten rottete und der
tugendbelobten Jungfer Dene einen Scheidebrief erteilte nicht Not leidet
Herr v W konnte aber auch sich selbst nicht besser raten als auf diese
Weise
    Hermann ging nach s Tode krumm und gebückt und meine Mutter fand sich
verpflichtet ihm Nahrung und Kleider zuzuwenden Diese Sorgfalt versprach sie
so lange sie lebte für ihn zu haben Sie hielt mehr als sie versprochen und
noch nach ihrem Tode empfand er ihre milde kalte Hand In die Stelle ihrer
Gutherzigkeit trat das Legat der Frau v  b  indessen war Hermann noch nicht
völlig aus aller Leibesnot aus welcher ihn Herr v W völlig setzte Der Herr
Inspektor fand sich auch mit hundert Talern preuss ein die Hermann zum
Bratenrock verwendete Indessen hat Darius so wenig Lust seinen Vater als der
Vater den Herrn Inspektor zu sehen Diese Pension von hundert Talern preuss
will Darius jährlich fortsetzen
    Man sagt Schulmeister werden darum so sehr alt weil sie immer mit jungen
Leuten umgehen Diesen Kunstgriff haben viele Alte um sich zu verjüngen wie
die Adler  Freude steckt an Man darf hier nicht bloß auf die Ausdünstung
Rücksicht nehmen auf die es vielleicht bei dem Kebsweibe des Königs David
angesehen war  Hermann hatte nun wohl schon längstens das Schulhandwerk
aufgegeben indessen hatte er ein Temperament das hier mehr galt als der
Umgang mit der Jugend
    Wenn er zur Treppe heruntergeworfen wird sagte Herr v G der Selige kommt
er zuverlässig seinen Hut zu holen  
    Hast du lieber Leser je einen observirt der dem andern zu Gefallen lacht
oder weint Beides ist hässlich Unendlich lieber aber will ich jemanden zu
Gefallen weinen als lachen sehen Wie Ekel wenn man jemanden zu Gefallen
freundlich tut  Hermann war ein dergleichen Klag und Freudenweib Er gibt
wie Herr v G der Selige sagte wie ein Teich nasse und trockene Nutzung
    Der Stolz ist zweierlei innerlich und äußerlich Leibes und Seelenstolz
So kann man stolz sein auf seine Nase Augen Ohren aufs Zifferblatt allein
auch aufs Werk selbst auf die Seele Dieser innerliche Stolz wenn er übel
angebracht ist heißt Aufgeblasenheit Dies war Hermanns Fehler den er beim
Herrn v W abzulegen schwerlich Gelegenheit finden wird Von seinem
Schnupftuche hängt ein großer Teil aus der Tasche Er schmückt sich gern mit
einem lateinischen Wörtchen welches wie ein Schönfleckchen absticht
    Herr v G selbst indessen wenn er noch lebte würde dem Hermann dieses
Schönfleckchens und des herausragenden Schnupftuchs unerachtet das Zeugnis der
Besserung in sehr vielen Stücken nicht versagen  Wir wollen uns nur der
stillverweinten Träne zurückerinnern da ich mit Minen zu Bette ging
    Seine Einfälle freilich hat er noch nicht gelassen wer lässt aber auch
Busensünden so leicht Sie sind Parderflecken
    Herr v G der Selige nannte seinen Witz des Satans Engel der ihn mit
Fäusten schlüge und wahrlich mit Recht Seine Einfälle Sind sie denn Einfälle
Kaum Es sind Gypsabgüsse von Witz
    War es Wunder dass Hermann wieder zu Kräften kam da ihm Herr v W mit Rat
und Tat so höflich beistand Der Tremulant ward zwar noch zuweilen gezogen
indessen ließ von Zeit zu Zeit der Trompetenzug sich hören
    Lange hungern ist nicht Brod sparen sagte Junker Gottard der gute Junge
Er hatte eine gewisse Antipathie wider den Hermann von seinem Vater geerbt 
Jüngst sah er mich an und liebängelte mir auf Rechnung meines Schwiegervaters
und seines Waffenträgers zu Das Wetter sagte er kennt man am Winde Als
Hermann von seinen ausgestandenen Unglücksfällen anfing machte ihn Gottard mit
der Bemerkung still was ein guter Haken werden will krümmt sich in Zeiten
Hermann erzählte eine Beleidigung die ihm ohne sein Verschulden zugefügt
worden  Da hielten Sie wohl ein Schnupftuch vor und sagten Mir blutet die
Nase fragte Junker Gottard
    Hermann hatte die Art wenn ihn jemand seines Gleichen was fragte nicht zu
antworten sondern recht als fürchtete er etwas anstatt der Antwort wieder zu
fragen Wie so Er begegnete der Frage durch ein andere Frage und so wie kluge
Leute wenn sie nach gotischer Weise examinirt werden die schwere Pflicht zu
antworten sehr weislich auf den Frager schieben so machte es auch Hermann und
eben hiedurch gewann er Zeit erhielt sich bei Ehren und suchte sich wie alle
Leute seiner Art zu präserviren
    Dem Junker Gottard der doch wahrlich nicht seines Gleichen war begegnete
Hermann auf gleiche Weise indessen gewöhnte er ihm sein wie so auf eine so
auffallende Art ab dass Hermann sich bei jeder Frage verscheute wenn gleich sie
nicht wie so war
    Das ist so platt dass es keine Nase hat sagte Hermann zum Herrn v W über
einen Ausdruck des Junkers Gottard allein er fand keinen Beistand vielmehr
ward er auch vom Herrn v W auf eine Art angelassen dass um seinen
gewöhnlichen Ausdruck beizubehalten ihm die Ohren klangen Da verdienen Sie
eine Nase erwiderte Herr v W und freute sich dass bei seinem Scheltwort
wenigstens ein Wohllaut wie er dafür hielt anzubringen gewesen  Wohllaut
Herr v W
    Die Gewohnheit die Hermann seit so lange ich ihn kenne hatte seine Weste
mit Nadeln zu bestecken dass sie wie mit goldenem Rundschnur besetzt aussah hat
ihm Herr v W glücklich abgewöhnt  Versteht sich mit Höflichkeit
    Vor kurzem nahm mein Schwiegervater bei Gelegenheit der Nase die Sache des
Junkers Gottard jetzt rettete er Hermanns Ehre als Gottard ihm den Schneider
vorrückte Federschneider wollen Sie sagen fiel ihm Herr v W ein Freilich
hätte Gottard bedenken sollen dass Hermann ein Häusling des Herrn v W ist
Gottard war gewohnt dem Herrn v W nachzugeben Es blieb beim Federschneider
Viele nannten den Hermann Sekretär und man ließ sie ohne dass sie
zurechtgeholfen wurden dabei
    Um die Zeit wenn der Inspektor seinem Vater das Jahrgeld sendet ist
Hermann so tief in Gedanken dass Herr v W alle Mühe hat ihn zu zerstreuen 
Er könne sich sagt Herr v W vor Unruhe nicht bergen  Wie das kommen mag
Wenn es nur nicht mit Hermann zum Ende geht sagte Herr v W da er mich zum
letztenmal besuchte  Jetzt fängt er an so tief in Gedanken zu fallen wenn er
nur etwas anlegt das von dieser Pension gekauft worden Den Bratenrock zieht er
gar nicht mehr an Gott sei seiner Seele gnädig
    Der Schwager Peter hat ein Weib genommen darum kann er nicht kommen sagt
Junker Gottard das heißt Der gute Junker Peter hat die Herrschaft in seinem
Hause nicht abgetreten allein er ist so wenig Herr dass seine Frau sogar den
Stab Wehe über ihn führt  Herr v K nahm ihn in Anspruch und forderte alles
Geld das er ihm geschenkt oder mit ihm gemeinschaftlich reichmännisch
durchgebracht hatte Es war nur schreibt ihm Herr v K auf die Hand gegeben
v K der ehemals ein Verschwender war ist jetzt in einen solchen Geizsumpf
gefallen dass er sich entsetzlich besudelt  Jeder Redliche im Lande flieht
ihn Wer hat aber nicht seinen Anhang in Kurland der auch mit v Ks vor den
Willen nimmt Junker Peter konnte sich in der Not da er vom v K in Anspruch
genommen ward und bei dieser Gelegenheit so mancherlei und manches ans Licht
brach nicht anders als durch ein Eheverbündniss helfen Wie oft decken Ehen der
Sünden Menge Fast immer sind sie heut zu Tage Sündendiener
    v E hat eine sehr liebenswürdige Frau und von ihr drei Söhne die dem
Bilde ihrer Mutter ähnlich sind Ich hab ihn seit der Zeit nicht gesehen da er
in Königsberg König eines Freudenmahls war Warum bracht ich die Nacht da Herr
v E mit Extrapost von Königsberg ging schlaflos zu Seine Zuschrift nachdem
er von meiner Ankunft in Kurland Nachricht eingezogen will ich so wenig
mitteilen als meine Antwort Wir wissen alle dass er Franzos und Curländer war
dass er kriechen und sich ein Paar Zog höher heben konnte als er gewachsen war
Ob seine Frau ihn nicht wenigstens auf Eins einschränken und entweder zum
Curländer oder zum Franzosen bringen wird muss die Zeit lehren Wie es
zugegangen weiß ich nicht allein v E hat den v K gefordert Wie
gewöhnlich haben sie sich nichts getan Da hat jeder seinen heisshungrigen
Jupiter und dergleichen Gevatter wetzen die Scharten aus
    Diesen Augenblick erhalt ich vom Herrn v W die Nachricht dass Hermann in
wirklichen Wahnsinn gefallen Welch ein Unterschied gegen eine Lindenkrankheit
 Die Höflichkeit des Herrn v W erlaubt es nicht ihn von sich zu entfernen
Und auf der andern Seite bemerkt er bin ich äußerst mit ihm geplagt  Sich
selbst kann Hermann nicht überlassen werden
    Sein Sohn hat ihm dieses Jahr hundert und fünfzig Taler gesandt Ob ihm
diese Erhöhung völlig den Kopf verrückt oder die Bitte die Benjamin der Zusage
beigefügt ihn in Preußen zu besuchen weiß Herr v W nicht
    Die Frau Inspektorin sei in gesegneten Umständen und trüge ein so großes
Verlangen schreibt Darius ihren Schwiegervater zu sehen dass er auf das
dringendste bitten müsste  Müsste das glaub ich selbst Einen andern Vater
würde dies entzückt haben und Hermann  
    Ist tot  Ein Brief von meiner lieben Mutter  Drei Tage vor seinem Ende
ist er vernünftig gewesen In den Anfällen der Raserei hat er sehr laut Benjamin
gerufen Mine aber so hohl als dürft er nicht Inspektor Inspektor jetzt
könnt es dir leid tun dass du deinen Vater nicht noch gesprochen hast Gute
Wochen deiner Frau Eben meld ich ihm den väterlichen Tod In der Beilage
dieses Briefes erfolgten 350 Reichstaler preuss die Hermann unerbrochen
weggelegt hat Unerbrochen Das Ehrenkleid das er von der Pension des ersten
Jahres berichtigt ist ihm mit ins Grab gegeben auf sein ausdrückliches
Verlangen Ich will es anziehen hat er gesagt wenn ich Minen sehe
    Rot wird seinetwegen kein Tag im Kalender des Herrn v W gefärbt werden
dafür steh ich so wie ich weiß dass er seinen Tod herzlicher als den Tod so
vieler anderer Rotgefärbten bedauern wird
    Junker Gottard soll Bräutigam sein Das wäre viel  Alles was ich sonst
noch auf meinem Herzen und Gewissen habe in die Nutzanwendung
                                    Schluss
    Endlich wird ein großer Teil meiner wohlmeinenden Leser wie ich wünsche
und hoffe sagen und diesem Endlichsagen setz ich aus dem Innersten meines
Herzens Gottlob entgegen  Gottlob
    Also hätten wir in den gegenwärtigen Teilen abgehandelt ob kürzlich weiß
ich nicht einfältig aber gewiss meinen Lebenslauf bis auf eine sächsische
Frist vor der Messe nebst drei Beilagen ABC., denen ich am Tor ein
vielleicht zu stolzes Prognostikon gestellt habe Nichts ist wahrer als jene
Bemerkung nulla tam odiosa narratio quam sui ipsius laus welches Junker
Gottard sehr schön Eigenlob stinkt verdolmetschen würde Darius würd es noch
handgreiflicher geben Damit also nur ja niemand auf den unrichtigen Gedanken
falle als hätt ich mir selbst dieses Monument errichtet so sei es mir
erlaubt zu bemerken dass solches bloß der lettischen Muse dem Organisten in L
und dem guten Gottfried zu Ehren prangt und dass der vierte und fünfte Teil
mehr durch meine Feder als durch meinen Kopf gehen werde Qui bene distinguit
bene docet
    Dank dir Deutschland an das meines Schwiegervaters Hochwohlgeboren tausend
Empfehlungen mitgehen dass du mir nicht manum de tabula die Hand vom
Schreibtisch zugerufen Schuldig bin ich noch da ich dieses Werk mit einer
Hand verglichen ob rechte oder linke hab ich wohlbedächtig unbestimmt
gelassen den Goldfinger und Ohrfinger Getreulich und sonder Gefährde hab ich
die drei ersten oder die Schwurfinger dargereicht den Daumen oder den Kopf der
Hand den Zeige und Mittelfinger  Zu Abtragung meiner Schuld nur eine kurze
Frist
                                     Frist
    Ich weiß so gut wie Nathanael versprechen macht Schuld und wer mehr
verspricht als er zu halten im Stande ist kann zur Ersetzung des Schadens ex
L Aquilia angehalten werden Schaden Vorteil soll euch mein Anstand zuziehen
und landübliche Zinsen tragen Es fehlen nur noch einige Nachrichten meines
Vaters Jugend und meines Großvaters Alter betreffend um allen respektive Frag
und Verwunderungszeichen zu entgehen Ein Kind wenn es sich die Finger
verbrannt pflegt das Licht zu scheuen obgleich mein Leopold es noch lange erst
versuchen würde ob die Finger mit der Zeit nicht stärker als das Licht sein
würden
                                     Kurze
    Ich habe nicht nötig zu fragen Meinst du dass diese Gebeine wieder
lebendig werden Es liegt alles bis auf einen Hauch da  Es ringt nach Leben
    Da seht meine Ehrlichkeit  Hätt ich denn nicht meiner Länge wo nicht
eine ganze Eile so doch ein Viertel und da ich Soldat gewesen ein Paar Zoll
zusetzen und behaupten können dass mich ein anderes gelehrtes Werk abhielte Ich
habe aber nie auf den Zehen in diesem Buche gestanden oder mich durch einen
hohen Absatz vergrößert Warum sollt ichs Warum sollt ich sagen dass mich
eine andere gelehrte Arbeit beschäftige und dass ich zwei Herren diene Bloß bin
ich im Dienst der Wissenschaften und diese meine hochgebietende Herren sind so
geneigt wie Gott der Herr ihren Dienst einzurichten Wir dienen nicht Gott
sondern uns und so gehts auch mir mit den Wissenschaften
    Ich glaube nicht dass ein Speisemeister vom andern und dritten Teile zu
sagen Ursache gefunden Jedermann gibt zuerst den guten Wein und wenn die Gäste
trunken sind den geringen Dies sei die Bürgschaft die ich bei meinen Lesern
in bester Rechtsform wegen der Fortsetzung einlege und sollte hie und da ein
Speisemeister diese Klage wider mich rechtlich führen zu können des Dafürhaltens
sein so wisse er dass ich nicht Jedermann bin und dass ich in Wahrheit es nicht
zum Betrinken angelegt Freiheit ist meine Losung bei Tisch als Schriftsteller
 überall  Ein Jesuiterräuschchen hat bei den trüben Tagen des Lebens nichts
zu sagen  Zwar hab ich mich bemüht allen einschläfernden Erweiterungen
auszuweichen Was ist aber ganz vollendet Alles was vollendet ist ist dem
Menschen nicht auf seinen Leib oder eigentlich auf seine Seele gemacht Selbst
ihr Unsterblichen du Newton und du Kopernikus wisst ihr denn auch gewiss dass
alles so ist wie es euch in einer glücklichen Nacht träumte  Das rechte Wort
zu allen Empfindungen  Könnt ihr sagen es ist vollendet Ihr die ihr selbst
nicht vollendet sondern nur Numero sieben seid Maulwürfe können die
vollenden Homer und Milton Vater und Sohn was meint ihr  Ach Gott du
allein Unbegreiflicher du allein bist vollständig vollkommen Alle
Erfindungen so hoch man auch kommt lehren nur den Menschen wie weit er noch
vom Ziel sei Die Hauptmenschen in der Welt verdienen nur den Namen Propheten
Sie sagen was künftig sein wird
    Es würde die vires haereditatis übersteigen heißen wenn sich irgend ein
Mensch einbilden wollte etwas zu schreiben wovon er behaupten könnte es wäre
so ganz da wie er Ein andres Schöpfer ein andres Geschöpfe Niemand kann
sagen er sah an alles was er gemacht hatte und siehe da es war alles sehr
gut
    Ein Fragment ist mir aus diesem Gesichtspunkt ein angenehmes Wort Es ist
ein Menschenwerk Der Mensch selbst kommt sich in dieser Welt nur als ein
Fragment vor so ganz er gleich da ist Heil ihm dass er eben von diesem Ganzen
schließen kann dass er selbst sich in allen Rücksichten begreifen von allen
Zipfeln einst fassen werde in der Fortsetzung seines Lebens  in der andern
Welt
    Das was meinem Herzen von meinem Leben am meisten aufgefallen hab ich
mitgeteilt  und was die Zukunft betrifft  was kann mir künftig beim Licht
die Sache genommen viel mehr begegnen als der Tod  und da hoff ich zu dem
der in mir angefangen hat das gute Werk er werde es durch seinen heiligen Geist
in mir bestätigen und vollführen bis an diesen meinen jüngsten Tag auf dieser
Welt und in der neuen  Ein doppelter jüngster Tag  Sollten sich Umstände
ereignen  wer weiß die Geschichte seines morgenden Tages die eines Protokolls
wert wären  so trag ich es hiermit meinem beim Publico als Autor
eingeschriebenen Sohne Alexander Leopold auf getreulich alles zu geben wie er
es empfangen hat  Gott segne dich lieber Leopold und deine Mutter für und
für Amen
    Schone mich nicht mein Sohn ziehe vielmehr den Vorhang auf wenn ich mich
vor dem Publico geflissentlich in einem andern Lichte darstellte Schreibe
getrost schone nicht So war mein Vater nicht so war er
    Was soll ich von meinem Buche sagen Wahrlich es ist nicht ein olympischer
Lauf nach einem Zeitungslob  Ein unverwelktes Erbe war mein Ziel zu trachten
in guten Werken nach dem ewigen Leben meine Hoffnung
    Ich schrieb den Menschen oder bemühte mich ihn zu schreiben Jeder hat
noch ein Aestchen aus dem Paradiese mitgebracht und jeder hat etwas vom Apfel
gegessen  Die Menschen sind alle auf einen Fuß Man darf sie nur aus dem
gehörigen Gesichtspunkte nehmen so sind sie als Einer als Adam Madam Eva war
ja auch in ihm in seiner Rippe Solch ein Gesichtspunkt ist vorhanden ob ich
ihn getroffen sei dem wachhabenden Offizier dem mit einem Achselbande zu
Pferde zu Fuß von der Leibgarde von der Garde der Gelehrtenrepublik anheim
gegeben  Mit den Torschreibern habe ich mich wie erwecklich zu lesen in dem
Buche selbst ein Langes und Breites abgegeben
    Freilich ist zwischen Wächtern und Richtern ein Unterschied Wie wenige
verdienen aber den ehrwürdigen Namen Richter Ein Richteramt ist ein schweres
Amt Nathanael wählte den besten Teil da ers niederlegte und wie wenig gibts
Natanaels und solche kunstrichterliche Justizräte wie er Kleine schielende
Revisionsknaben die Menge  Die Herren a b g möchte ich auch ungern darüber
sprechen lassen
    Wer in den Charakteren nicht Präcision findet kann jeden in Person kennen
lernen bis auf die welche in diesem Buche selig entschlafen sind und wer
meiner Großmutter nachspottet und mit gerümpfter Nase die Frage aufwirft wie
vielmal Amen in diesem Buche vorkommt wisse dass ich ein Liebhaber dieses
Wortes bin Ich liebe nicht Flittern nicht Schminke trage keinen Regenschirm
keinen Hermannschen Glanzkittel Eine Jahreszeit ist mir so wie die andere
Alles was aus Naturhänden kommt ist Gottes Gabe Geschmack Ja freilich hat
nicht jeder Lust zu lauter Milch und Kuchen und zum Stück vom zarten guten
Kalbe diesem Verlornensohnsbraten obgleich Abraham himmlische Herrschaften
damit bewirtete
    Wer nicht zuweilen Himmel und Erde in Eins gefühlt hat Seele und Leib in
einer Person  wer nicht Mut gehabt im dicken Walde die heiligem Schauer aus
seinem Grabe herausgestiegen zu empfinden und die Stimme der
menschenfeindlichen Eiche verstanden aus mir wird einst dem Sarg geschnitten
muss freilich ganze Bogen dieses Buchs unausstehlich finden Wer aber dieses
Gefühl kennt das sich nicht untersteht einen Ausdruck zu wagen damit ihn
nicht ein Bote Gottes ungewählt fände mit dem gehe ich zusammen Hebt sich dein
Herz wird dem Busen entzündet komm in Charlottens Laube und wo du sonst
willst hier ist meine Hand
    Ein Mensch der zu empfinden weiß dass er nicht mehr brauche als zu leben
dass alle Reichtümer Schätze sind die Motten und Rost fressen und wonach die
Diebe graben um sie zu stehlen erhält eine gewisse edle Art ein wahres
Geniegefühl das allen hoch und hochwohlgebornen Zwang verschmäht sich
entsattelt und den Reiter verachtet der sich ihm aufbürden will Das ist ein
Genie
    Muttermäler der Sinnlichkeit und Schönpflästerchen sind so unterschieden
als ein unschuldiges frommes Mädchen und eine Nonne
    Wir verehren nicht gemeine Dinge und versündigen uns oft schwer an ihnen
Was selten ist gefällt  Man hasst den der im Kleinen betrügt Tut ers im
Großen so finden wir so viel nicht auszusetzen Das Spiel verlohnt das Licht
nicht  Große Diebe laufen kleine hängen Der Beobachter wendet sich nur an
kleine Züge und überlässt gern die Hauptstücke Andern bloß weil sie mehr ins
Auge fallen Das Gemüt das Herz schlägt im Winkel an seine Brust wie der
Zöllner es will durchaus nicht gesehen sein allein jeder auch seinen Pharisäer
bei sich der geflissentlich bemüht ist sich vorzudrängen wenn man den
Menschen malen will
    Gern gern verzeihe ich allen die mich trüglich behandelt mit Lügen und
mit falschem Gedicht durch notas selectas und variorum Scire leges non est
verba earum tenere sed vim et potestatem
    Der der aller Welt Richter ist und recht richtet der das rechte Recht
spricht das sich schlafen gelegt hat weiß den innersten Gedanken meiner Seele
und den Rat meines Herzens Er weiß wie ich ringe die Menschen die sich von
ihm entfernt zu ihm zu sammeln und wie ich getrost ohne Menschenfurcht
gerufen Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner
Gerechtigkeit so wird euch das andere alles zufallen Vor ihm ist all mein
Begier mein Seufzen ist ihm nicht verborgen meine Tränen nicht für
Jerusalem ach wenn es bedächte zu dieser seiner Zeit was zu seinem Frieden
dienet aber noch ist es vor seinen Augen verborgen und mein Gebet Dein Reich
komme   das alles weiß der Herzenskündiger
    Und doch hielten viele mein Buch weil ich mit Zöllnern zu Tische saß für
einen Verführer des Volks  Ihr die ihr nur aufs Sichtbare seht und nicht aufs
Unsichtbare obgleich das Sichtbare zeitlich ist und das Unsichtbare ewig O
ihr Gottes Augendiener die ihr Splitter im Nächstenauge seht und euren Balken
nicht bemerkt was meint ihr wohl von Tugend und Religion die ich entweiht
haben soll Werdet wie die Kinder das ist die göttliche Lehre deren Geist mich
trieb und ihr Pharisäer die ihr nicht seid wie andere Leute Räuber Abgötter
oder dieses Buch dieser im Winkel stehende Zöllner die ihr zwier in der Woche
fastet und gebet dem Armen von allem was ihr habt und die ihr dies alles
gerade vor dem Altar laut sagt glaubt ihr gerechtfertigt in euer Haus zu gehen
 Glaubt ihr dass der Paukenschall allein gen Himmel reiche und dass euer
Odenwirbel dem ein süßer Geruch sei der menschlich zu Menschen sprach und
allem was groß ist Einfalt beilegte Was schlecht und recht ist ist ihm
angenehm nicht das Hohe das sich bäumt und schwillt nachdem es respective
sich bäumen oder schwellen kann
    Ich will euch nicht namentlich darstellen euch die ihr Gottes Finger
verkanntet die ihr Steine wider mein Buch aufhobet und ein Gesicht dabei
schnittet als tätet ihr Gott einen Dienst daran Unser Herr und Meister schalt
nicht wieder da er gescholten ward dräute nicht da er litte sondern stellte
es dem heim der da recht richtet indessen konnte er nicht umhin eine Geissel
in die Hand zu nehmen und die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel zu treiben
und das seid ihr Ihr die ihr Gott zu lieben vorgebt den ihr nicht seht und
euren Bruder nicht liebt den ihr seht Ihr die ihr einen Menschen schnöden
Gewinnstes gallsüchtigen Neides halber verfolgt der die Lebensläufe in
aufsteigender Linie schreibt und am Sonntage Ähren isst wenn ihn hungert
auch wenn ihm Gelegenheit gegeben würde einen jeden Esel aus dem Brunnen
ziehen würde am Sabbat  was habe ich euch getan Habe ich je einen Pharisäer
und einen Sadducäer namentlich genannt Habe ich nicht vom Laster geredet wenn
ich den Lasterhaften meinte Mit dem einzigen Voltaire habe ich namentlich ein
Gespötte getrieben und ich versichre es euch auf Ehre dass es mir leid tut
obgleich er gewiss den ersten Teil meines Lebenslaufs nicht gelesen hat und
also unmöglich daran gestorben sein kann
    Fragt meine Eltern Vater und Mutter die alle in der Erde liegen und
schlafen ob ich sie nicht geliebt habe bis in den Tod fragt dies Buch wenn
gleich es die Wahrheit geschrieben hat es darum nicht Vater und Mutter geehrt
 Wahrlich des vierten Gebots halber wird es ihm wohlgehen und es wird lange
leben auf Erden und selbst wenn es gekreuzigt würde wird es auferstehen
    Entweder die Religion muss alles tingiren oder es ist gar keine Ist denn
Gott nicht überall Und glaubt ihr Leutbetrüger Gott sei wie ein Mensch den
ihr mit einem Gesichte voll Ergebenheit wenn gleich das Herz fern von ihm ist
hinters Acht führen könnt Mit gutem Herzen zu sagen Es ist kein Gott  aus
Tyrus und Sidon sein ist besser als Gott heucheln wie des Hiobs Freunde
    Willst du erlauben lieber Herr a dass ich dich ganz deutlich ins Gesicht
frage Verstehst du auch was du liesest Wenn meine Mutter nicht eine
Originalchristin ist möchte ich sagen gibts kein Christentum
    Biblische Worte und Wendungen Ist denn die Bibel nicht wert dass man ihr
nachspricht Fehlt es ihr wo an Lebensart dass man sie nicht in Gesellschaft
nehmen darf Und die wohlgemeinte luterische Übersetzung kommt sie nicht von
Herzen und geht sie nicht zu Herzen Wir haben schon anders den Grundtext und
wer steht uns dafür dass Man Luthers Bibelübersetzung in der christlichen
hochdeutschen Gemeine nicht verbietet wird sie aber darum das Kindliche
verlieren Und haben nicht selbst einige dieser neuen Übersetzer Luthers Stern
und Kern wie meine Mutter sagen würde im Segen benutzet Von einigen Stellen
sollte man fast glauben Christus der Herr würde solch Deutsch geredet haben
wenn er diese Sprache bei seiner Amtswanderschaft auf Erden gefunden
    Ist die Bibelsprache zu erhaben zu heilig Sollen wir denn nicht heilig
sein wie Gott der Herr und sind wir nicht seine Kinder Nimmt denn Gott der
Herr es übel wenn wir in Liebe und Einfalt uns ihm auf den Schoss setzen Kann
ich mit ihm umgehen wie die lieben Kinder mit ihrem lieben Vater warum denn die
affektirte Ehrerbietung gegen ein in schwarz Korduan gebundenes Buch mit goldnem
Schnitt Wo ist ein selbst der Natur mehr nahekommendes Werk das so sehr unter
Menschen von allerlei Art bekannt ist Kennen denn alle den Homer welche die
Bibel kennen Und wo ist mehr wohltätige Volksphilosopie kindlich größere
Natur als in der Bibel Prüft doch die Leute näher welche die Bibel und
eigentlich nicht sie sondern das Kleid der Bibel wie Schaubrode wie Religion
behandeln Der Mann da mit der frommen Miene besitzt sieben Hufen Nabotsacker
und jene Betschwester hat jedwedes Mitglied ihres Hofstaats mit einer Narbe
beehrt welche freilich eine heilige Wunde zurückgelassen indessen war es doch
Wunde und ist doch Narbe Sie wirft jedem was ihr zu nahe kommt mit der Bibel
an den Kopf der sie nachher das Blut abwascht und der sie mit einem Kuss
abbittet Judas verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss
    Was macht die Ungnädige fragte ich jüngst und der ehrwürdige Beichtvater
antwortete Sie geht herum nach 1 Petri 5 V 8 Und diesen silberharigen Greis
diesen Mann Gottes sollte ich seines 1 Petri 5 V 8 wegen ansehen wie Kain
seinen Bruder Abel weil er nicht wie seine Amtsbrüder am Wort und an der
Lehre hält weil er nicht mit jedem von und jedem und Abgötterei treibt das in
der Bibel steht An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen Du sollst nicht
andere Götter haben neben mir spricht der Herr und aus diesem Herrn ist unser
Vater worden nach dem Unterricht des der gekommen ist zu suchen und selig zu
machen was durch Übelverstand verloren war Ich habe nichts dagegen wenn
Nathanael sich in den Pandekten den Titel de verborum significationibus bekannt
macht was ist aber Bild und Überschrift wenn Barren da sind
    Mein Name Was tut denn der zur Sache Muss man durchaus in Kupfer gestochen
sein wenn man ein Autor ist Und muss der Herr Kunstrichter um sein Mütchen zu
kühlen noch den von Angesicht zu Angesicht kennen den er mit Lob oder Tadel
misshandeln will Du sollst keine Person ansehen noch Geschenke nehmen Geschenke
machen selbst die Weisen blind und verkehren die Sachen der Gerechten Was recht
ist dem sollst du nachjagen Kannst du denn nicht loben Elender als ins
Gesicht Der Name Bin ich denn anders seitdem ich Alexander war und russischer
Major ward seitdem mir mein Vater mit dem einen Buchstab ein Geschenk machte
und da ich dies Geschenk noch nicht hatte Alles auf Worte auf Buchstaben
Kommts denn in dieser Welt auf etwas mehr als Grundsätze an Gibts nicht eine
unsichtbare Kirche für welche ich allemal viel Achtung gehabt Freunde  Auch
euch nenn ich so die ihr mir flucht und nachschmäht  es gibt sichtbare und
unsichtbare Kirche streitende und Heil mir triumphirende Kirche   
    Seht ich hab es dazu nicht angelegt dass diese Schrift per honore di
lettera aufgenommen werde
    Nur drei wissen meinen Namen und Einer ists an den ich dieses Buch
geschrieben habe  Eine lange Epistel Den andern beiden hab ich meinen Namen
ins Ohr gesagt einem ins rechte einem ins linke Was das angenehm ist so
manchen Schuster hinter dem Vorhange zu hören der über seinen Leisten
hinwegurteilt und den ein Schneider verbessert und mit dem ein Hutmacher das
Garaus macht da der Dummkopf sich sogar bis an den Kopf gewagt  Hut wollt
ich sagen Beim Leisten Meister beim Leisten
    Ich trinke lieber mit meiner lieben Mine und meinem Leopold frische Milch
als dass ich einem literarischen Reisenden zu Anekdoten und zu einer Sünde mehr
wider den heiligen Geist Gelegenheit geben sollte
    Christus der Herr verbot seinen Jüngern alles Studiren Es wird euch zu der
Zeit schon alles gegeben werden Dies ist eine Regel die mit goldnen Buchstaben
angezeichnet zu werden verdiente über alle Bibliotheken in der Welt  Über
alle Autortische
    Es ist sehr natürlich dass man sich wundern werde wie ich selbst nicht an
Stelle und Ort bekannt worden und bis jetzt allen feurigen Pfeilen der
Bösewichter auch der im Dunkeln schleichenden Anekdotensucht so ritterlich
entgangen
    Obgleich ich nun eben nicht nötig hätte eine Polemik ehe mir dazu
Gelegenheit gegeben wird diesem tetischen Werke anzuhängen und eher zu
antworten als ich so naseweise gefragt worden so habe ich lieber so viel
Anstosssteine als ich nur sehen konnte wegzuräumen als sie im Wege zu lassen
mir in dem Herrn vorgesetzet
    Wisse also Opponens doctissime dass Mitau zwar nur sieben Meilen von Riga
liegt allein diese sieben Meilen sind in Absicht der Sitten und Gebräuche nicht
sieben sondern siebenzigmal sieben Es ist zwischen beiden Städten eine so
große Kluft befestigt dass die da wollten konnten nicht Wer liest in Kurland
Wahrlich wenig sind die diesen schmalen Weg finden  Herr v G ist tot Also
hätte ich mir Kurland mit leichter Mühe vom Halse geschafft
    An Ort und Stelle habe ich dreien braven Leuten wie oben bereits gesagt
worden der Organist in L würde sagen dreien getreuen Nachbarn und
desgleichen das Geheimnis entdecken müssen Die guten Herren lasen und schon
beim dritten Blatte des ersten Teils waren sie mir so zu Dache wie der
Inspektor es nur immer sein konnte Das sind Sie ja mit Leib und Seele Nun ja
doch Ich bins Allein für jeden nicht  Was braucht ein Vierter und Fünfter
den Ringschlüssel zu tragen und warum soll ich jedem Gecken erlauben in meinem
Hause gemächlich zu tun Kann ich denn nicht auch wie Herr v G der Selige
auf meinen Degen schlagen wenn der Krippenritter nach dem Schlüssel zum
Gastzimmer und Stall fragt
    Behalte es bei dir du mir liebes Triumvirat bei dir und wenn der   mit
dem roten Bart her immer Wasser auf seine Mühle sucht seine Nase in euren
teuren Rat denn guter Rat ist teuer steckt schlagt dem Bengel der mir
schon so oft gallenbittere Stunden gemacht auf seine unbedeutende
herausgegohrene Nase damit er das Stecken in anderer Leute Händel aufgebe und
seine eigene Haustafel lerne wo Rechenmeister nur er nicht wie am Pasquin
mit dürren Worten gelten haben Land und Leutebetrüger O du Mückensauger
Kameelverschlucker Lederdieb um ein Paar Pantoffeln zu fertigen das du dem
Bettler gibst wenn er nämlich eine Rohrdommelstimme hat und in allen Straßen
singen kann
    Es ist das Heil uns kommen her
    Ich kenne dich   mit deinen Klauen kenne ich dich Raubvogel und könnte
ich diese Klauen einem klugen Physiognomisten in copia vidimata senden er würde
ex ungue nicht leonem sondern   kennen und sie zur Warnungsanzeige drucken
lassen allen die Gottes Finger und Menschenfinger kennen Du ein ärgerer
falscher Zeuge als Johann Peter Beifuss und Martin Jakob Kegler um du bist
mein Alexander Schmidt der dem ehrlichen Petrus viel Herzeleid zufügte und
seinen Werken und Worten oft widerstand Gott vergelte dir nicht nach deinen
Werken sondern schenke wenns möglich ist dir schwarzes Haar im Bart und
statt der Nebucadnezarnägel menschliche  wenn es seinem heiligen und allezeit
guten Willen nicht zuwider ist
    Gott weiß am besten mit welchem schweren beklommenen Herzen ich dieses Buch
geschrieben Menschentreffer werden es ohne Wegweiser finden und ich sollte
noch obenein mir von diesem oder jenem Weibe wenn ich in erlaubter Entfernung
am Kaminfeuer stehe und mich wärme ins Gesicht sagen lassen warst du nicht
Einer  
    Deine Sprache verrät dich Ich mag nicht klätschern am Kaminfeuer Rede
stehen und Gecken das Verständnis öffnen dass sie die Schrift verstehen Hören
sie Mosen und die Propheten nicht so werden sie nicht glauben wenn einer von
den Toten auferstünde und das Reich Gottes predigte welches nicht bestehet in
Essen und Trinken sondern in Liebe und Freude im heiligen Geist  Kann wohl
auch der Geduldigste die so boshafte Art womit man Köpfen begegnet ertragen
Kann er wenn sein Name in allen Landen bekannt ist einem
MelchisedechsSpottworte in seinem Lebenscirkel ausweichen Gern sehe ich
Wahrheit sich mit Kritik herausfordern allein nicht pöbelhaft balgen
    Ein Burschenvivat oder Pereat ist nicht für mich Ich verbitte beides Und
wer kann beidem entgehen wenn man weiß wo ich des Abends Licht brenne Wenn
nun an auch jetzt ein verzogener ungenannter Bube der auf der Landstraße die
Vorbeigehenden mit Schneebällen wirft die er alle in seiner Hand gedrückt und
gedrängt hat eins auf mich abfeuert lasst ihn doch diesen Prophetenknaben
ohne ihm die Rute zu geben Er ist zu petulant um von ihm sagen zu können Der
Herr hats ihm geheißen Ists doch auf der Landstraße wo man mich auch nicht
kennt Ich sollte  Nein Das Bübchen wird seinen Schulmeister schon finden und
das Birkenreis wäre es auch ein Revisor
    Was willst denn du mit den kleinen Steinen Könntest du sie schleudern wie
David und wäre eine Goliatstirn dir zu Diensten so wärs eine Sache  David
hob anders seine kleinen Steine wie du und alle ihr die ihr voll Wut das
Strassenpflaster zerstört und Steine nehmt mich steinreich pöbelhaft zu
überfallen steinigt Wisst ich sehe den Himmel offen und einen der meinen
Geist aufnimmt Grabt mir Gruben Ich singe mit meiner Mutter
Wenn wir geschlafen haben
Wird uns erwecken Gott 
    Und mit meinem Vater aus seinem Lieblingsliede wo er zuerst den zweiten
Discant anstimmte
So gings den lieben Alten 
    Ich werde nicht sterben sondern leben bleiben  
    Nur dann wenn das Wasser gerädert wird wenn man es aufhält machts ein
Geschrei Was tue ich euch
    Roman
    Und wenn es denn einer wäre Freilich bekam es dem guten Bischof Heliodorus
nicht sonderlich dass er in seiner Jugend einen Roman geschrieben der noch
unter dem Namen Aetiopica wenn nicht blüht so doch vorhanden ist  Seine
Herren Amtsbrüder sahen dass sich junge Leute diesen Roman kauften und
verlangten dass der Bischof entweder diesen Roman öffentlich wie einen Sodomiten
verbrennen oder seine Mütze abnehmen sollte Der Schriftsteller ließ die Mütze
fahren  Gott sei gelobt Ein Bischoftum habe ich nicht zu verlieren und wer
es genau nimmt wird finden dass alles in der Welt Roman sei Hat je ein großer
Herr das gemeine Leben so wie es da gemein ist gesehen Wer kennt die Stadt
den Berg das Tal aus der Beschreibung wenn er an Stelle und Ort kommt
Curtius hat es nur ein klein wenig zu grob gemacht welch ein Geschichtschreiber
indessen hat ihn nicht in der Schule übersetzt Man behauptete zu seiner Zeit
Philipp III König von Spanien sei Autor des Don Quixote und Cervantes habe
nur Hebammendienste verrichtet und den Druck besorgt  Wäre mein Buch also ein
Roman warum sollte ich es zurückhalten Was Philipp III Könige von Spanien
anstand kann sich ja wohl ein Major mit einem abgeänderten Buchstaben im Namen
gefallen lassen
    Seht ihr aber ihr Romanhelden seht ihr nicht in meinem Buche das gemeine
Leben Ist der Geist wahr wie er denn wahr und wahrhaftig ist was kümmert euch
der Leib Ein König von England sagte über einen Betrunkenen der sich
Freiheiten gegen ihn herausnahm die den übrigen die zu Tische saßen nicht
wohlgefielen Lasst ihn ein Betrunkener ist mein Kollege Wer geizig ist um zur
rechten Zeit drauf gehen zu lassen kann der geizig heißen und wer seine Zinsen
verzehrt ohne den Hauptstuhl anzugreifen ist das ein Verschwender Wo Holz
gehauen wird fallen Späne Sparpfennige sind wie gute Feueranstalten um gleich
zu löschen wenn es brennt
    Ich fühle es Freunde Ich habe einen guten Kampf gekämpft ich habe den
Lauf vollendet fortin ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit nicht
allein aber mir sondern allen welche die Erscheinung welche den Advent des
Reichs Gottes lieb haben   Komm du schöne Freudenkrone
    Der zeitlichen Ehre will ich gern entbehren  Du wollest mir nur die ewige
gewähren und wenn ich mir noch etwas zur Gefälligkeit erbitten darf zeichnet
mein Buch nicht durch Falten könnt ihr nicht ohne Merkmal finden wo ihr
geblieben nehmt Denkzettel Solltet ihr euch aber auch nicht ohne die behelfen
können Ich habe keinen Sand auf das Manuskript gestreut es ist durchweg durch
die Sonne getrocknet Und solltet ihr nicht ohne Zeichen lesen können
    Gott grüße euch lieben Leser und Leserinnen und lasse es euch nie mangeln
an irgend einem Gute das heißt Er lasse es euch selbst erkennen wie wenig der
Mensch braucht um alles zu haben
    Wenn ich zum vierten und fünften Teil schreite sehen wir uns wieder Ists
gleich nicht so nahe sehen wir uns doch  Da kommts nur aufs Auge an So wie
ich meinen Tod wünsche so plötzlich nehme ich Abschied Lebt wohl
    Geschrieben zu  l 
                                                                     Von Tr  1
    Aus Alles aus Amen Amen Auf ewig lebt wohl lieben Leser Mein Leopold
ist hin  Sanft und selig ehegestern den sechsundzwanzigsten März des Abends
um sieben Uhr   Bis heute konnt ich kein Wort und heute was werd ich
können Wenig oder gar nichts Wie ruhig Pold starb  Es war ein lieber lieber
Junge einen Himmelszug um die Augen welcher laut lehrte Pold sei nicht von
dieser Welt sondern von jener Fass dich armes liebes Weib Wir werden alle
sterben Gott gebe sanft und selig wie Pold uns vorstarb Kinder die den
Eltern gar nicht ähnlich sind sind Gottes Bild gehören ihm Pold glich weder
meinem Weibe noch mir Er ruhe wohl wohl  
    Geschrieben den neun und zwanzigsten eben da es sieben schlägt Polds
Sterbestunde
    Mein Pold ist beerdigt und ich bin gefasster als den neunundzwanzigsten um
sieben Uhr Abends Ich hoffe dass ich Kraft haben werde etwas von ihm zu
schreiben Nur eine Handvoll  Ich hab ihn in dieses Historienbuch
einschreiben lassen lasst mich lieber Leser lasst mich ihn ausstreichen Mit
ihm ist mein Stamm hin Er war uns ein sehr teurer Sohn ihr wisst wie Dass er
wie Klodius Albinus zur Welt gekommen hab ich gleich zu Anfange dieses Werkes
gesagt  Seine Geburt machte ihn aber zum Einzigen zum Einzigmöglichen Das
arme Weib Ich wählte die Mutter Gott ließ mir den Isaak und sie zugleich
Gott Er lieh mir den Isaak Vollbracht  Herr wie du willst dein Wille
geschehe
    Ihr gutherzig Rachsüchtigen ihr Edelgestrenge die ihr im Herzen darüber
aufwallt dass ich nach Minen der ersten Minen die zweite lieben konnte habt
ihr denn s Testament vergessen  den Beschwur vor und nach Gott und das
So wahr dir mein Andenken lieb ist Eben geht nur eine Stelle auf in s
Testament  Da ist sie
    Wenn dir ein Sohn stirbt  schreckliche Ahnung  sei er mein in der andern
Welt Ich will mich mit ihm verbinden und deine himmlische Schwiegertochter
werden ha kommen dir dann und deinem künftigen Weibe entgegen ich meine
Mutter dein Sohn und lehren dich in der Stadt Gottes die Häuser kennen
Hallelujah Hallelujah Amen
    Erfüllt Aber Mine ich habe nur den Einzigen kann nur einen Einzigen
haben Nimm ihn hin Gott dein Wille ist geschehen
    Ich habe geendigt Mein schriftlicher Lebenslauf ist zum Ende Auch ich bin
es ich bin auch zu Ende Mein Weib zu Ende Alles Amen Amen
    Ich kann nicht weiter  so gern ich meinem Leopold parentirte Es ist spät
Spät oder früh Ich schlafe keine Minute diese Nacht
    Des Abends um elf 
    Da ich heute den Tag des Morgens um sechs Uhr lese was ich ehegestern
des Abends um elf Uhr geschrieben find ich schon der Parentation Anfang Der
liebe Junge so gern wollt er ins Buch Komm herein du Gesegneter des Herrn
warum stehst du draußen Deine Wünsche sollen erfüllt werden die meinen bleiben
unerfüllt Ich wollte dass du meinen Lebenslauf ergänzen und wenn zwischen
jetzt und meiner Sterbestunde sich noch ein Fall ereignete der wert wäre in
einem Postscript aufbewahrt zu werden dass du ihn verzeichnen möchtest Ich trug
du eine Durchsicht auf so wie du sie vor deinem Gewissen zu verantworten
gedächtest  Du bist vollendet Du bist bei Minen  Da ruft deine Mutter
deren Schmerz lange stumm war so dass dies Ansichhalten meine Seele betrübte
»Süsser Mondstrahl Kommst du von Minen kommst du von Pold O bringe mich
bringe mich zu meinen Lieben  Hinauf hinaufleuchte mich wenn diese Augen
brechen Dort oben wo Ruhe ist«
    Wie bald ists mit unsern Vergnügungen geschehen Schnell wie der Schnee
auf der Straße schmelzen sie weg und ihre Stätte ist nicht mehr  Diese Welt
ist erster Wurf Man sieht den Meister allein es bedarf Ausarbeitung Dies sind
allgemein verlautbare Klagen die nachdem das Blut aufschlägt oder wieder
fällt angestellt werden Es gibt ein besonderes Licht wenn die Nacht sich mit
dem fernen Sternenlicht kreuzt Das ist das treue Bild unseres Wissens unseres
Weissagens und unserer Hoffnung welches die göttlichen Kabinetsbriefe
geschrieben auf Gottes allergnädigsten Specialbefehl durch Männer getrieben
vom heiligen Geist uns erteilen Dies ist das Sehen durch einen Spiegel in
einen dunkeln Ort  Das Regale der Vernunft ist zu zweifeln der geoffenbarten
Kinderlehre zu glauben Gott helfe meiner Schwachheit Amen
    Pold war nicht kindisch sondern kindlich Ein paar Worte bei denen meine
Mutter einen himmelweiten Unterschied fand
    Es war ein lieber sehr lieber Junge Weiß und rot Lilien und Rosen Oft
in Gedanken Was hast du kleiner Mensch zu denken Statt einer Antwort lächelt
er
    Homer und Milton und all ihr Menschenleser   ihr seid alle zu früh
gestorben denn ihr habt keine Fibel geschrieben Wie sehr ich dies Werk bei
meinem Pold vermisst ist unaussprechlich Welch ein großer Geist wird einst die
Kindlein zu sich kommen lassen und sie nicht zu klein finden denn ihrer ist das
Reich Gottes  In solche Schulen zu gehen würde so viel heißen als eine
Promenade ins Paradies machen Jetzt haben sich auch hier Staatsgrundsätze
eingeschlichen und jedes Kind wird jetzt schon an eine Kette gelegt als ein
beissiger Hund
    Mensch ist denn dies das Reich Gottes Wahrlich ich sage euch wenn ihr
nicht werdet wie die Kinder werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen
    Etwas von Ähnlichkeit haben die Kinder auch von unmittelbaren Eltern
Dieser Aehnlichkeitsflecken ist oft sehr versteckt Mein Vater fand ihn sehr
öfters in den Nägeln an den Fingern  Die Probe dürfte meistenteils richtig
sein
    Gottlob dass ich Polden nicht ins Treibhaus gebracht Was hätt es ihm
geholfen wenn er zu decliniren und zu conjugiren gewusst Er ist zeitig reif
worden sagt meine Mine Er wird es werden meine Liebe
    Gedankenwerk ist Fachwerk  Bildung der Vernunft ist eigentliche Erziehung
und Seelenbeschäftigung Mein Vater hatte die Gewohnheit über den Kyrie
eleison auszurufen der nicht griechisch verstand Warum lieber Vater Er gab
so klein ich war alle Tage ein griechisch Wort zur Parole aus
    Warum lieber Vater Wenn Plato nichts anders als griechisch weiß kann mein
Pold kein Wort mit ihm wechseln Gewiss wird er nicht beim Griechischen geblieben
sein  Mein Vater sagte die hebräische Sprache sei die metaphysische die
deutsche die philosophische im allgemeinen Sinne die französische die witzige
die englische die dichterische Die englische die Genie die französische die
Geschmackssprache
    Ich überließ Polden wo ich nur wußt und konnte der Natur und entfernte
ihn so wenig von den Kindern gemeiner Leute dass ich ihn vielmehr in ihre Art
kleidete Sein Anzug war nur durch innern Wert auf den kein Kind sieht
unterschieden 
    Warum wie ein Holländer wie ein Engländer wenn man in Liefland wohnt
                                       
    Heraus schrie Pold einmal da mein Schwiegervater kam und alle Jungens
traten ins Gewehr Wie hoch dies Herr v W aufnahm kann ich nicht aussprechen
    Seine Mutter hatte ihm unfehlbar gelehrt den Bohnen nachzuhelfen und sie
von den allerersten Blättern die sobald gelb werden zu befreien das war sein
Leben  Meine Frau nannte dies den Bohnen die Kinderschuhe ausziehen  Meine
beiden Minen mochten so gern der Natur einen Liebesdienst erweisen und ihr
hülfreiche Hand leisten  Sie konnten nicht einmal eine Pflanze leiden sehen
    Besonders Pold selbst pflanzte nicht durchaus nicht Warum das Pold »Es
könnte ja ausgehen« Guter Junge du bist nicht ausgegangen
    Ein Kind muss in seinem irdischen Vater den himmlischen Vater kennen lernen
in seiner Mutter seine künftige Geliebte in andern Menschen sich selbst  Die
Mutter hatte unserm Pold kein das Walt kein aller Augen gelehrt so wie er
mit mir sprach betete er auch
    Er war sehr geneigt für sich zu sein  Oft hab ich ihn laut redend mit
sich selbst gefunden Alle fleißige Beter sind Selbstsprecher Hat dir der liebe
Gott schon einen guten Morgen gewünscht hieß an einem schönen Frühlingsmorgen
Hast du schon die Sonne scheinen gesehen  Der liebe Kleine sprach des Morgens
und des Abends vor Tisch und nach Tisch so einfältig rührend mit dem lieben
Gott als ein liebes Kind mit dem lieben Vater
    Einen guten Mittag da er noch jünger war trat er hin nach Tisch und
sprach Ich danke dir lieber Gott für die schöne Kräutersuppe und den Braten
und den Kuchen Kuchen nicht Gestern hatten wir Kuchen und gestern hab ich
auch dafür gedankt
    Die Mutter wollte haben dass er die Hände unter die Decke beim Schlafen legen
sollte allein er schlief nie anders als die Hände frei und über der Decke
    Aus Händefalten war er schwer zu bringen Er hatte einen Gefangenen an
Händen geschlossen gesehen Sind wir denn des lieben Gottes Gefangene sagte er
dass ich die Hände schließen soll Wir sollen beten und arbeiten sagte ihm die
Mutter darum zeigen wir dem lieben Gott die Hände Das gute Weib hatte diese
Erklärung freilich nicht selbst erfunden Sie war für Polden beruhigend er
faltete die Hände  Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brod essen ist
das beste Recept für alle Krankheiten
    Wie ich noch ein kleines Mädchen war sagte der Kleine bei einer Erzählung
und meinte die Zeit da er noch im langen Rocke gegangen
    Die Mutter ließ ihn nur acht Stunden schlafen So lange soll er schlafen bis
er acht Jahr ist und nach der Zeit sieben Stunden Sie hat Recht dass man eben
sowohl zu viel essen als zu viel schlafen kann
    Einen Tag kam ich vom Felde und Pold hatte das Bild der seligen Mine mit
den ersten Blumen so bekränzt wie eine Braut sagte der Kleine und sprang
herum
    Die Geselligkeit ist nicht die Folge einer aufgeklärten Vernunft Je klüger
der Mensch je weniger teilnehmend je weniger gesellig ist er Je mehr Kultur
je kleiner der Wirkungskreis Es scheint ein vernünftiger Mensch bilde sich
ein er sei so stark an Leibeskräften als an Verstandesvermögen und braucht
keiner Gesellen
    Das schwerste ist den Kindern einen Eindruck von Gott machen ohne ihnen
Gott zeigen zu können Mit Gott in Gemeinschaft treten ohne ihn zu sehen ist
schwer und doch stehen wir uns selbst im Licht wenn wir gewisse Begriffe nicht
in der Jugend gründen und allmählich einen Damm von dieser zur künftigen Welt
schütten die unsichtbar ist wie Gott der Herr
    Meine selige Mutter hielt viel auf eine Lade Jedes im Hause hatte seine
Lade Ich auch die meinige Mein Vater lachte darüber Sie hatte dabei die
Bundeslade in Gedanken Schon das Wort war ihr heilig Pold musste nichts
verschließen Was hat denn Gott der Herr verschlossen das wir brauchen
    Mein Vater pflegte zu sagen Es wären fünf Wünschperioden beim Menschen
    Erstlich Beinkleider
    Zweitens Taschenuhr
    Drittens Mädchen
    Viertens Vermögen
    Fünftens Landgut  Die fünfte Zahl setzte er hinzu ist bei dem Menschen
nicht zu verachten es ist die Körperzahl
    Meine liebe Mine der das meiste auf diesem Blatte zugehört will noch etwas
mehr angefügt haben Gern liebes Weib
    Wie er klein war sagte sie ließ ich ihn so lange schreien bis er
aufhörte ohne ihn zu herzen und zu küssen Nie hat er in einer Wiege gelegen
    Da ging ich mit ihm spazieren nach dem Berge wo die Bäume so stehen als
stiegen sie den Berg hinauf Es war ein schöner Abend Pold sagte wie die Engel
auf Jakobs Leiter
    Pold aß nicht süße Früchte saure waren für ihn
    Da sah er einen Ast an dem Birnbaum geknickt und nahm sein Strumpfband und
band ihn an
    Liebes Weib Wem kann das alles behagen
    Nur noch wie er starb
    Meinetalben Herzlich gern
    Ich mein liebes Weib nämlich erzählte ihm viel von der seligen Mine an
die ich ihm wie an eine Verwandtin unseres Hauses eine Empfehlung gab
    Du wirst sie dort finden  sie wird dich aufsuchen Auch sagte ich ihm dass
er keinen Bruder keine Schwester mehr haben würde Warum liebe Mutter Unser
Nachbar und seine Frau haben sieben Söhne Wir keinen mein Kind wenn du tot
bist keinen Sag es Minen in meinem Namen keinen Auch in Vaters Namen fragte
Pold  Ich stand an über diese Frage Ja erwiderte ich auch in Vaters Namen
Hab ich zu viel gesagt Nein liebes Weib auch in meinem Namen  Meine Mutter
hatte nur mich  Gottlob dass sie dich behielt sagt und schreibt Mine
                                       
    Mine wollte dass ich Polden nach preußischer Manier begraben lassen sollte
allein ich tats nicht sondern ließ ihn einen Morgen bei Sonnenaufgang
begraben Ich begleitete ihn mit einem meiner Freunde den ich an diesen Ort
bestimmt hatte Sie weiß wo er ruht und noch heut hat sie Muttertränen auf
sein Grab geweint  Weine nicht Mine  Weine nicht
    Gott was ist das Leben
    Eben eine Antwort von unserer Mutter und ihrem Gemahl Sehr verschiedenen
Inhalts
    Zwar auch er scheint den Fall zu Herzen zu nehmen der ihm so viel
Gelegenheiten zu Freudenfesten genommen Da er ihm aber doch ein Trauerfest
verleiht scheint er sich zu finden Komplimente machen kalt Man löst sich ganz
in Worten auf und in abgemessenen Verstummungen Wer es zu Worten bringt ist
getröstet so wie ich es jetzt unendlich mehr bin als zuvor   Ein
Komplimentist ist ein Klugredner Meine liebe Mutter Gott was hat sie
gelitten Das Wort Sohn gilt sonst nicht um die Hälfte so viel bei der
Großmutter als der Mutter Die Großmutter rechnet auf seinen Schutz nicht 
Pold aber war das einzige Grosskind und seine Großmutter war die Frau v W Soll
ich aufhören Großmutter zu sein schreibt sie und ringt die Hände schriftlich
ringt sie die Hände Es ist ihretalben zu fürchten  Isaak der Eineinzige 
Ei du frommer und getreuer Knecht schreibt die gewesene Großmutter du bist
über wenig treu gewesen ich will dich über viel setzen Diese Worte so
anstößig sie wegen des Knechts scheinen beruhigen mich doch auf eine
unbeschreibliche Art ich fand sie so treffend  Beim Trost muss man jede
Gelegenheit benutzen die ohnedem immer wie eine Sibylle ihre Ware ausbietet
Wer nicht zugreift verliert die Hälfte davon und muss die andere Hälfte doppelt
bezahlen
    Da der Mensch immer leidet so hat auch Gott der Herr dafür gesorgt dass er
auf trostergiebigem Boden wandelt  Der Trost hält Stich wenn man alle
zerstreute Züge in einem Brennpunkt zu vereinigen sucht Er ist wie die
Schönheit die hässlich wird sobald man sie zergliedert Das dressirteste Pferd
stolpert unter einem schlechten Reiter und auch den härtesten Stein weiß der
Künstler so weich darzustellen so warm zu machen dass man glaubt es sei Blut
in ihm
    Liebe Mutter liebes Weib fasst euch wir werden zu ihm kommen  Seht nicht
auf die Person sondern auf die Sache und dann blickt euch um Gehts anders in
der Welt Sind wir die Einzigen die einen Pold verloren haben
    Beim Sonnenlicht besehen was hat die ganze weite Welt so lange der Mensch
noch nicht auf seine eigene Hand lebt Ohne durchs Schlüsselloch Entdeckungen zu
machen fragt den besternten Hofmann wenn er des Tages Last und Hitze getragen
und gekrümmt nach Hause kommt ob alles Gold sei was man für Gold ausgibt Der
Würgengel geht keine Tür vorbei Er hat den Auftrag sich überall an der
Erstgeburt am Markt des Lebens zu halten  Vielleicht ist es noch am besten
den Exorcismus gebrauchen den allgemeinen Klagen und allen Übeln des Lebens
durch eine Tollkühnheit widerstehen den lieben Gott zu Gevatter bitten und
Krippenreiten Als ob die Spekulation etwas anderes wäre als wenn ein
Gevatterstand den man dem lieben Gott ansinnt  Wahrlich ein Krippenritt
    L 3 Inst quibus ex caus manum non lic saepe de facultatibus suis
amplius quam in his est sperant homines  Lasst sie doch die armen Menschen
wenn sie sich durch Selbstbetrug weiter bringen können  ob so oder anders
    Ehemals wirkte das Bewusstsein der Mühseligkeiten dieses Lebens den
Entschluss der Welt zu entsagen welcher noch bis jetzt in einer Kirche wiewohl
nur in den meisten Fällen pro forma Stich gehalten bei mir wirkt er das
Gegenteil Nachdem ich mich anders bedacht fand ich mein Zoar meine
Bücherstube der Lage nicht angemessen in die ich versetzt war Gibt es denn
mit Zoars und Sodoms und Gomorras in der Welt  So wie die Welt jetzt ist was
meint ihr scheint sie uns nicht noch am allererträglichsten wenn wir näher auf
sie zugehen und durch Wandel ohne Krümme ihr ein Beispiel zeigen nachzufolgen
unsern Fußstapfen
    Studium wenn es Trost des Lebens sein soll kann nicht in einem
platonischen optischen Kasten oder in einer bessern Melodie auf den nämlichen
alten Text bestehen Und ist die Spekulation etwas anderes Lasst euch doch nicht
durch den Schall betören Der Text ist immer derselbe Die Stoiker ließ sich
ihrer Philosophie unbeschadet zu Weltgeschäften brauchen
    Christus war nur vierzig Tage und vierzig Nachts in einer Wüste und nie
wagte sich der Satan an den Heiligen als eben hier Fleisch und Blut ist in der
Einsamkeit so laut als es die Torheit in der Welt ist  Wer kann mit
Spekulation und wer mit Weisheit zu Ende kommen Mit Geschäften aber kommt man
zum Ende Und welch eine Freude zum Ende zu kommen Wer sich selbst Arbeiten
auflegt dispensirt sich auch selbst färbt ehe man sichs versieht einen
ganzen Monat rot im Kalender und hat alle Augenblicke einen Heiligen dem er
nicht die Messe abschlagen kann
    Geschäften ist bei dem Übergewicht des Menschen zur Trägheit nichts besser
als ein Muss  Wenn es schon auf Kunst angesehen ist warum soll man nicht zu
diesem kunstreichen Muss greifen Wenn die Dienstjahre nur nicht länger als sechs
Jahre dauern Jakob diente sieben und sein Lohn war eine Lea  Wie man schläft
wenn man was beendigt hat ist unaussprechlich Man ruht man stirbt man
aufersteht wie neugeboren Dem Pastor schmeckts am Sonntag am besten dem Junker
am Ernteschluss und dem Kaufmann am Posttage
    Ich überlegte alles mit meinem Weibe und sie fand es wie ich Was findet
dies Mariengesicht nicht so
    Seht wir gehen hinauf gen Jerusalem sagten wir einander und ich
entschloss mich noch einmal mich in Geschäfte einzulassen wozu ich mich so
wenig gedrängt hatte dass vielmehr die dringendsten Anträge mich zuerst auf den
Gedanken brachten Diese Stelle ist sechsjährig sie ist wohltätig für andere
und ohne alle andern Einkünfte als Diäten zu denen ich noch einmal so viel
legen muss um in   zu leben wo alles kostbar ist
    Mein Weib wünschte ich möcht einen Victualienzettel beilegen Warum aber
Beilage D zu der ich mich nicht verbindlich gemacht So muss man geschäftig
sein wenn uns Geschäfte zerstreuen und hülfliche Hand leisten sollen Wenn
diese Kapitulationsjahre geendigt sind bin ich gegen fünfzig und wer drüber
geschäftig ist glaubt nicht was Herr v G herzlich mitsingen wollte und nicht
mehr konnte was meine selige Mine mir noch zu guter Letzt schrieb
Nach diesem Elend
ist uns bereit
dort ein Leben in Ewigkeit
    Ein Versuch werden viele meine Leser sagen und mein lieber  s
desgleichen Freilich ein Versuch allein ein misslungener Prozess in der Chemie
brachte das Porzellan aus Tageslicht welches zwar zerbrechlich ist indessen
doch schön aussieht Das Berliner hat eine schönere Malerei als Porzellan
anderer Orte
    Ein Baum ohne Zweige ohne Kinder und Erben schießt in die Höhe Das will
und werd ich nicht Mein Mut ist nicht zum Himmelstürmen und das
Sechsjahrziel wie bald verlaufen Schon jetzt freu ich mich auf die gütige
milde Ausspannung aus dem Jahre der Standesrücksichten und gewisser Etiketten
ohne die kein Amt ist und die mir schon seit der kurzen Zeit da ich
eingespannt bin so drückend sind  Bei Geschäften falls sie köstlich gewesen
ist alles eine autonianische Chrie wenns noch so unpedantisch aussieht  Auch
wenn ich von dem Legat der Amazonin der Frau v  b Gebrauch gemacht und
Mantel Rock und Kragen angelegt wär ich ohne autonianische Chrie abgekommen
                                       
    Jener Heide hörte dein Sohn ist tot da er den Göttern opferte und
räucherte ich nicht also
    Meine Stunde ist kommen um von meinen Lesern vielleicht auf ewig
vielleicht auf sechs Jahre Abschied zu nehmen Wer hätte das denken sollen da
ich über die Worte kurze Frist commentirte Natürlich bringt mich dieses nach
einem Endlich noch auf ein
                                letztes Endlich
    Ich weiß was für eine herrliche Sache es ist den Schlussstein des ganzen
Gewölbes zu entdecken und bei dieser Gelegenheit sich zu überzeugen dass die
Säulenbogen nicht nur schön sondern auch sicher sind Weisheit Stärke und
Schönheit an einem dergleichen Schwibbogen finden ist so was Erwünschtes als
etwas in dieser Welt wo so selten der Schlussstein zu sehen ist nur sein kann
Ists aber meine Schuld  Dacht ich Zoar je zu verlassen Legt ich es je zu
einem Buchstaben so oder anders mehr oder weniger in meinem Namen an um diese
Namensveränderung mit mir sterben zu lassen Kinderlos bei einem so lieben
edlen Weibe  Und was soll mir der Lebenslauf meiner Vorfahren in aufsteigender
Linie da keine absteigende vorhanden ist  So hat es dem Herrn über Leben und
Tod gefallen und er allein weiß es ob ich noch mein Wort erfüllen und die
beiden fast fertig daliegenden Teile übersehen und ergänzen werde In meinen
Amtsjahren gewiss nicht Was da alles aufs Wort merkt  Gewiss nicht in den sechs
Dienstjahren
    Verzeiht lieben Leser diesen Umschlag den ich zu machen gezwungen bin
    Seht ich gehe hinauf
So wie ich einen jeden wess Standes Alters und Ehren er ist hiermit
feierlichst ersuche nichts zu diesem Werke hinzuzutun und unter dem Scheine
des Rechts meinen Vater und Großvater durch magische Künste zu citiren so sei
es mir auch erlaubt zu bitten nichts von diesen drei Teilen abtun zu dürfen
und das Bild und die projektirte Überschrift zum ewigen Andenken so zu lassen
wie beides da ist
    Hiermit lebt wohl
    Nach geendigtem Buche lieber  es noch etwas hinzufügen heißt die Einheit
verletzen und der göttlichen Natur eines Buchs zu nahe kommen Ich bin kein
Freund wenn schon letzte Worte da sind noch mehr letzte Worte und allerletzte
letzte Worte beizufügen Meinetalben Ein paar Züge können freilich nicht
helfen nicht schaden
    Herr v G war fürs Einfache Mein Vater hatte für Eins auch eine wahre
Achtung wäre er sonst ein Monarchenfreund gewesen Im Skelett sagte er
scheinen Mann und Weib einerlei Je näher man der Natur tritt je mehr überzeugt
man sich dass der liebe Gott alles vortrefflich rubricirt hat Sein Hausbuch der
Welt hat weniger Artikel als man glauben sollte Drei Ingredienzen konnte mein
Vater leiden nicht aber mehr Verträgt sich doch Öl und Essig  Die neunte
Zahl war meines Vaters Liebling Dreimal drei ist neun
    Eisen war ihm in vielen Rücksichten besser als Gold  Gold ist Wahn und
Zufall Eisen ist Wahrheit und wirklicher Wert
    Nur neulich erinnerte mich mein Schwiegervater dass er wegen des
Abschiednehmens mit meinem Vater ein Herz und eine Seele gewesen So ganz nicht
Etwas kann sein
    Mein Vater hasste armselige Allgemeinheiten Wer Abschied nimmt singt die
Melodie des Todes mancher pfeift sie
    Herr v W nannte einen kurzen Abschied der wie mich dünkt der beste ist
den man nehmen kann einen Schlagfluß einen feierlichen Abschied die Hektik
die sich in die Zeit zu schicken versteht
    Wer ohne Abschied aus der Gesellschaft scheidet oder wie man sich
ausdrückt sich unsichtbar macht hat sich wie mein Vater sagt selbst
umgebracht
    Mein Vater war kein Tagwähner Tagfärber Auf Tagezeiten hielt er sehr So
hab ich ihn nie des Morgens lachen gesehen Den Sommer hielt er für den
Gelehrten weniger zur Arbeit tauglich als den Winter So verkehrt ist die liebe
Gelehrsamkeit Man sagt Milton obschon er blind gewesen soll im Winter
bessere Verse gemacht haben
    Mein Vater war ernstaft hager und hielt sich gerade Ein gewisses
Nachdenken das wie Schwermut aussah so sieht das Nachdenken gemeinhin aus
vielleicht weil wir zu sehr wissen dass wir nicht weit damit kommen war in
seinem ganzen Gesicht verbreitet Er war sonst heiter und guter Dinge Selten
griff ihn etwas an  Die Augen hatten ein besonderes Feuer  Die Lerche singt
im Fluge so auch ächte Dichter Der Philosoph steht Oft wenn er spazieren
ging blieb er stehen die linke Hand auf seinen großen weißen Stock gelegt und
mit der rechten sich aufgestützt
    Da sehen die meisten Leute diese Welt als eine Spielgesellschaft an wo die
Klugen nichts weiter tun als Partien machen Einigen scheint sie wie ein
Schauspiel wo sich der Zuschauer bloß weil er seinen Platz bezahlt hat über
andere zu lachen berechtigt hält Der Weltpatriot sieht dies Leben als Zeit und
Gelegenheit zu ernstaften Dingen an wenigstens hält er sich verpflichtet
Vorsätze hiezu zu fassen Gott segne seine Studia
    Mein Vater stritt ohne eben darauf auszugehen Recht zu behalten Jeder
wird seines Glaubens leben war sein Glaube Meine Mutter pflegte zu sagen er
sei von der streitenden nicht aber von der triumphirenden Kirche
    Ich möchte wetten er hätte gern einen Ring getragen wenn er nicht Pastor
gewesen Herr v G seliger gewiss nicht um wie viel nicht
    Mein Vater setzte nichts ins Spiel was er lieb hatte Meine Mutter glaubte
man könne seine Zuneigung zu allem Leblosen nicht anders an den Tag legen als
wenn man es an einen Ehrenort setzte Selbst war sie für Gewölbe bis mein Vater
sie davon wie vom Kreuzschlage abbrachte Mein Vater brauchte alles was er
lieb hatte Durchs Aufbewahren bemerkte er zerbricht alles leichter
Peinlichkeit schadet überall Wenn man mit der Dose im Umgange ist wird sie
zuletzt ganz dreist mit uns und so bekannt dass sich keines vor einander
scheut weder ich noch sie Ist es nicht töricht sich Knoten ins Schnupftuch
machen um sich an dies und das zu erinnern
    Was er doch über die Teilung von Polen gesagt haben würde wenn er sie
erlebt hätte
    Gern lieber Freund   hätte ich gewünscht Sie hätten meinen Vater wenn
nicht gekannt so doch einmal gesehen Er gehörte unter die sichtbaren und
unsichtbaren Geschöpfe und war in allen Rücksichten ein verehrungswürdiger
Mann
    Männer seiner Art sieht man gern Eine doppelte Persönlichkeit am Kern und
Schale Körper und Geist
    Es gibt Leute an denen es auffällt dass sie den Leib nur wie einen
Schlafrock umgeworfen  Er hängt so wie ein Dieb am Galgen  Meinem Vater war
der Leib auf die Seele gemacht so wie man vom Kleide sagt Es ist auf den Leib
gemacht Es war ihm Maß genommen Ein feiner Anzug  Keine steife Leinwand
alles so locker und ädellose und doch anprobirt Wie auf den Leib gegossen Oft
ging er für die Seele Es gibt wirklich Seelenbewegung wobei man ordentlich
fühlt dass der Leib keinen Anteil hat Den Magen nannte er die Wurzel des
Tieres das Gehirn die Wurzel der Seele
    Zu ortodox Er war freilich den Grundsätzen seiner Kirche treu allein
wahrlich er würde den kindlichen Kommunionshunger des Johann Jakob Rousseau
welcher auch in meinem Buche Todes verblichen gestillt haben Meine Mutter die
eine Schutzpatronin der leidigen Erbsünde war hätte ihn zwar ohne Gnade und
Barmherzigkeit vom Tisch des Herrn gewiesen und wider seinen Zutritt in bester
Rechtsform protestirt allein mein Vater nicht Wahrlich wahrlich ich sage es
euch er hätte ihm diesen Tisch gedeckt und einem so hungrigen und durstigen
Mann das Brod gebrochen und diesen Kelch gegeben Ihm der Brüder und Schwestern
suchte und so viel Seelenmordbrenner und Gewissensvergifter fand dass er
zuletzt meinem vierschrötigen Freunde Hume nichts Gutes ansah und ein solch
wunderlicher Seelen und Leibesphysiognomist ward dass sich Gott erbarme Nie
kann ich es vergessen was mein Vater der mit dem Apostel Johann Jakob nur nach
meiner Zeit näher bekannt worden meiner Mutter aus dem Einhornschen
Geschlecht bei Gelegenheit dass sie den Stab über den Herrn v G brach dessen
er sich in seiner Abwesenheit immer ritterlich annahm zurief Preußen Holland
Toleranz hin Toleranz her Ein anderes ist Toleranz aus Kommerciumabsicht ein
anderes von Gotteswegen Ein anderes Holland ein anderes er nannte ein Land
 Glaube mir mein Kind wer würde in Holland und  dem Herrn Christo die
Kommunion versagen wenn er da wäre Die Narren ohne zu bedenken dass er sie in
der Nacht da er verraten ward eingesetzt hat Nenne mir ein Land liebe
ortodoxe Seele wo man ihn nicht kreuzigen würde Wo er nicht noch in manchem
seiner Jünger Rousseau und  gekreuzigt wird Lieber Rousseau Ich habe dich
meinem Schwiegervater empfohlen und er feiert deinen Sterbetag obgleich du
nicht von Adel bist  Mehr vermag ich nicht Meine Mutter hätte dir kein
Monument in der Speisekammer errichtet Ob mein Vater zum Eugen im Prunkzimmer
zur rechten Hand unterm Spiegel gesagt Weiche diesem weiß ich nicht Wenn ich
erwäge dass du wie alle edle Menschen nicht hattest wo du dein Haupt
hinlegtest und da dich dürstete dir nichts gegeben ward als Essig und Galle
so fällt mir der Spruch ein Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder
das habt ihr mir getan
    Geburt sagte mein Vater klebt an bis ins Grab Wahrlich er hatte Recht
Die wahre Religion ist die in der man geboren und erzogen ist Erziehung ist
ein Stück von Geburt Seelengeburt Seht selbst Gelehrte wenn sie von
schlechtem Herkommen sind wie sie sich nach ihres Geburtsgleichen sehnen  Sie
finden dass der gemeine Mann eben so klug ist wie der Hofmann nur dass ihm der
Ausdruck fehlt zu dem ihn doch zuweilen ein Gläschen übern Durst bringt und
dann ist dieser Ausdruck immer treffender und wärmer als der Ausdruck des
Hofpapageien Gelehrte von geringer Abkunft wollen nicht Engelaffen sondern
Menschen sein Tun sie ja als wüssten sie auch wie es bei Hofe zugeht so
stehts ihnen gewaltig übel  Selten ist Geschmack in ihrer Kleidung am
wenigsten bei Perücke und Schuhen Ein Schweinbraten kommt bei einer wirklichen
Hofschüssel zu stehen  Etwas wohlfeiles in ihrem Ausdruck und dann zuweilen
ein Schwung dass man frägt Wo sind sie geblieben Sie nehmen sich des gemeinen
Mannes an und wollen es nicht sein
    Ich weiß nicht ob es meinen Lesern nicht aufgefallen wie sehr mein Vater
von je an Zeichen einer guten Geburt schimmern lassen Er hatte wahrlich eine
sehr feine Lebensart Ein gewisses Selbstgefühl war ihm eigen bei einer edlen
Mitteilung auch immer ein gewisser Rückhalt der Leuten von Stande eigen ist 
Aus diesem Gesichtspunkte wird man manches so nach und nach auflösen was in
seinem Charakter sich zu widersprechen anscheint und sich nicht widerspricht
Nie wand sich das Licht in einem schwarzen Chaos ehe es heraussprjetzte Es
spritzte nicht es floss  Er schrie nicht er sprach und es ward Sein
Ausdruck war nie gemein allein auch nie schwer Er war kein Tongeber allein
auch kein Tonnehmer  Die Italiener bitten aufs Kasino zu Gast Sie wollens zu
gut in ihrem Hause machen und lassen es lieber gar bleiben Der ist geborgen
der schon bei ihnen im Saal ist Licht ohne Ende Allein auf der Treppe flösst
man sich den Kopf
    Vielleicht hätten wir ohne menschliche Seele Anlage zu Haustieren sagte
mein Vater und dann wieder kaum
    Meine Mutter hatte die beliebte PastorErklärungswendung Als wollte er
sagen  Wenn er Pastorin in  gewesen fiel mein Vater ein Die Kommentatores
empfehlen was jetzt getragen wird Sie machen aus einem Kopf ein Kniestück und
sticken ein Stück Leinwand an das sie nach Gutdünken bemalen  Schade um den
alten guten Rahmen aus dem sie den Kopf gehoben Meinst du Jammer und Schade
um das Bild Ein junger hohnsprechender Pastor der von  kam ließ sich aus Er
würde eine VorsündflutsWeltgeschichte schreiben und der Bibel Vorflut
schaffen Mein Vater vermied so sehr als möglich mit ihm zusammen zu sein Noch
ist das Werk nicht heraus
    Mein Vater war nie verlegen über seine Predigten Im gemeinen Leben schien
er rednerisch es war aber bloß ein lebensartiger Ausdruck Die Redekunst macht
seichte Köpfe pflegte er zu sagen und wenn einige seiner vernünftig
milchlautern Kollegen sich unter einander beschwerten dass sie nichts mehr zu
predigen wüssten und dass sie sich ausgepredigt hätten versicherten so konnte
er dies eben so wenig begreifen als dass irgend jemand die Zeit lang werden
könne Oft nahm er eine Blume einen Ast aus der Sonntagslection Evangelium
oder Epistel oft ging er sie ohne meiner Mutter Als wollte er sagen nach
ihrer ganzen Länge durch Kopf blieb Kopf  Kniestück Kniestück
    Wenn Christus sagte meine Mutter eine Bibel vom Himmel gebracht wie doch
die gewesen wäre
    Darstellung sagte mein Vater ist der nächste Weg zum Menschen Wer durch
die Speculationstür kommt ist ein Mietling
    Die Feierlichkeit mit der mein Vater alles tat war so sehr von der
Festlichkeit des Herrn v W unterschieden dass ich behaupten kann bei einem
war der Leib bei dem andern die Seele im Sonntagsgewand
    Meine Leser oder soll ich mich bloß zu dir mein guter   es wenden
werden dieses Sonntagskleid oft gefunden haben nie aber mehr als wie er
Licht rief  Das Papier glühte so feierlich sagte meine Mutter als wenn
einst Gott den Bogen Papier des Himmels am Licht anzünden wird
    Meine Mutter konnte ihm seine Kopfunterlage im Bette nicht hoch genug
machen Es war ein Berg aus lauter Matratzen  Herr v G hatte fast nichts
unterm Kopf
    Salbei ein Kraut woraus die Alten viel machten ward meinem Vater zu
Gunsten an die meisten Schüsseln gelegt die meine Mutter anrichtete
    Er schöpft die Natur so von oben sagte meine Mutter wie ich den Milchrahm
obgleich sie auch naturfinderisch war
    »Gleich das erste Jahr nach unserer Hochzeit ging ich mit ihm spazieren wir
sahen eine Eiche die am Zaun stand Sieh nur sagte er sie sieht auf den Zaun
dessen Kinder und Kindeskinder sie beleben wird«
    Von abgerissenen Blumen die im Zimmer ihr Leben aufgaben war er kein
Liebhaber  Man riecht den Todesschweiss sagte er und ihre Verwesung
    Meine Mutter konnte nicht vergessen dass er die Frösche einst Dorfmusikanten
genannt
    Wie die Blumen und Bäume da schlafen sagt er einen schönen Abend zu mir
alles aus dem Munde meiner Mutter da uns der Mond herausgelockt hatte Sieh
einige Blätter legen die Füße zusammen andere legen sich ganz zu Alles anders
als wenn es wacht Zweige beugen sich als wenn du in dem Stuhl eingeschlafen
bist Wie schön alles eingeschlummert ist Gute Nacht lieber Mond
    Was meines Vaters teosophischen Ausdruck betrifft so hat uns Herr v G
der selige auf so manche Spuren gebracht die meinem Vater zur Phyllobolie
dienen können Wasser ist Mutter Feuer Vater sagt er
    Über die Liebe sprach er gern und gewaltiglich Sie hat versichert er
wenn er menschlich darüber sprach die Adjectiva erfunden Kam er auf die
Epistel am Sonntage Quinquagesimä Erste Korinter das dreizehnte Kapitel so
wußt ich nicht wo ich war sagte meine Mutter und ob er mit Menschen oder
Engelzungen redete
    Meine Mutter hatte diese Liebessprache so zu Herzen genommen dass auch sie
in die Liebe verliebt war wie die Priesterwittwe mit den fünfzig Talern Alb
sich ausdrückte Wahrlich die Liebe ist ein Hauch Gottes ein elektrischer
Funken ein Geheimnis so gemein sie da aussieht  Es gehört Kraft und Macht
dazu zu lieben und geliebt zu werden  Auch meine Mutter hatte Flügel der
Morgenröte welche das Lied Was willt du armes Leben niederdrückten Sie
sprach wie mein Vater gewaltiglich über die Liebe
    Die Epistel am Sonntage Quinquagesimä hebt sich an
    Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht
        so wär ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle
und schließt
    Nun aber bleibt Glaube Hoffnung Liebe diese drei Die Liebe ist die
größte unter ihnen
    Am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis ging mein Vater nach meiner
Mutter Meinung wie ein geistlicher Ritter gestiefelt und gespornt auf die
Kanzel  Herr v G Seliger hatte bemerkt am Sonntage Quinquagesimä  wie ein
Goldmacher  Liebe ist die Firmelung der Seele sagte mein Vater usw
    Die heilige Eins meines Vaters ist uns bekannt und seine heilige Drei
desgleichen
    Man muss Gott sagt er nicht verkörpern und den Menschen nicht vergöttern
Statt Leib und Seele sagte er oft Meine Physik und Metaphysik und diese
Ausdrücke sind noch in der dortigen Gegend gäng und gäbe bis auf den heutigen
Tag
    Der Geiz sieht auf die Folge der Sache Wenn andere spazieren fahren denkt
er sie werden wieder zu Hause kommen und dann sind sie eben so klug als ich
der ich zu Hause geblieben Ich könnte denkt er wenn ich wollte auch
traktiren und gibt keinem Salz und Brod
    Mein Vater pflegte sehr artig die Christen aus diesem Gesichtspunkte des
Geizes zu beschuldigen die nur bloß bei ihrem Gutsein doch wer ist das als
Gott bei ihrem Bestreben gut zu sein auf die andere Welt sehen  Er war
kein Feind dieses Lebens obgleich er mit einer seligen Fassung starb und
wirklich auch in der Hoffnung selig war eines künftigen Lebens
    Er ging mit der Sonne unter wie ich schon gemeldet habe
    Er starb sich vollständig bewusst und nur in einer Stunde in der er viel
griechisch redete schien die Einbildungskraft der Vernunft das Übergewicht
abgewonnen zu haben Es währte indessen nicht lange und alles war wieder an
Stelle und Ort
    Er dachte an mich mit herzlichem väterlichem Segen
    Meine Mutter fragte ihn ob es ihm leid täte dass ich Alexander hieße Er
lächelte Gern wie sie schreibt hätte sie ihn wegen seines Vaterlandes und
nach einer schweren Menge ihr unauflöslicher Dinge gefragt wenn sie wie sie
anmerkt Herz gehabt Er sah so himmlisch aus dass meine Liebe sich in Achtung
verwandelte schreibt sie Liebe frägt fuhr sie fort Achtung merkt auf Mein
Vater starb mit den Worten Nimm meinen Geist auf  Er verstummte nicht
schreibt meine Mutter dieser treue Lehrer Er blieb nicht im Worte Der Geist
vertrat ihn und half seiner Schwachheit aus Man hörte ganz vernehmlich Nimm
meinen Geist auf
    Sobald er kalt war sang sie das Pfingstlied
Nun bitten wir den heiligen Geist
Um den rechten Glauben allermeist
Dass er uns behüte an unserm Ende
Wenn wir heimfahren aus diesem Elende
Kyrie Eleison
                                       
    Auch dies ist vollendet Ein kleines Stück aus dem vierten Teil  Weit
weniger als ein Fragment
    Dass ich schon in Jerusalem bin wo ich hinaufging will ich noch kürzlich
bemerken Ich will ausdauern aber wahrlich niemanden raten ins
Geschäftskloster zu gehen um sich zu zerstreuen  Lieber I   es lass dich
nicht gelüsten
    Ein ehrbarer römischer Ratsherr ließ sich aufs Grab schreiben Hier liegt
Similis ein alter Mann der doch nur sieben Jahre gelebt hat Sieben Jahre
lebte er in Similis Höfchen  das andere von seinem Leben gehörte nicht ihm
    Sechs Jahre weniger fünf Monat Gott wird helfen Amen
    Eben hat Mine mir wieder ein Pröbchen von ihrer Dichtungsgabe vorgelesen Da
ist es  Es enthält eine treue Beschreibung meines Festungsgartens den sie
spottweise Alexandrien nennt Meine Arbeitsstube geht in diesen Garten so dass
ich ihn mir eigen mache
                                  Alexandrien
    Ist die Welt denn etwas anderes als ein Vogelbauer wo man sich herumdreht
und wenn es recht lustig hergeht Sprosse auf Sprosse abspringt Klage nicht
über dein Gärtchen das rings umher mit Häusern umgeben ist so dass dir nur nach
oben zu freie Aussicht übrig bleibt Gibts eine andere freie Aussicht als die
nach oben gen Himmel O die schöne Gipsdecke Gottes so schön kann kein Künstler
sie nachmachen Alles können Maler und Zeichner nachbilden nur den Himmel
nicht Wie kann man die Welt in eine Kammer bringen Den großen Gott in ein
Haus wenns auch einen Turm hat Sieh dich um in deinem Gärtchen sind die
nachbarlichen Mauern nicht grün behangen und so schön von der Natur bewirkt
dass man die Festungsmauer ringsum nicht wahrnimmt Willst du mehr als diese
augenstärkende herzerfrischende grüne Tapete Das Grasstück Wiese und diese
lebendige Wand Wald was hat die Erde herrlicher Was war im Paradiese mehr
als Bäume und Gras Und sieh nur jenen großen Baum Er stammt geradeweges vom
Baum des Lebens im Paradiese Wie herrlich er da steht sich verbreitet und sich
einbildet deinen ganzen Garten befassen zu können Lass ihn groß tun diesen
Baum aus so gutem Hause lass ihn groß tun Es kostet ihm am meisten Das Gras
braucht Schatten und die Hecke Äste die ihr zu Hilfe kommen Sieh Wenn dieser
Lebensbaum ihr nicht unter die Arme griffe und aushülfe sie würde nicht bis
oben zu die Mauer bedecken die allem was grün ist so spinnenfeind ist Auch
würde die Sonne sonst dieser nur frisch gepflanzten Hecke das Kleid beflecken
und es verderben ehe der Herbst kommt und es Zeit ist Klein ist dein Garten
allein merkst du nicht wie alles sich bestrebt sich danach einzurichten Die
Biene sumset so laut nicht um den Finken nicht zu stören der deinen kleinen
Garten sich zur Kapelle geheiligt hat sein Morgenlied abzusingen  und wenn die
der Welt abgestorbene Philomele deine kleine Einsiedelei entdeckt was sollte
sie abhalten hier ihr Klagelied anzustimmen und diese Einsamkeit dem
vögelreichen lärmvollen Walde vorzuziehen welcher ihrer nicht wert ist 
nicht wert
    Sieh wie der Sperling sich in der Stille paart um durch sein galantes
Zwitschern keinem gesitteten Bürger deines Gartens durch Üppigkeit ein böses
Beispiel zu geben
    Groß ist dein Garten dem Weisen dem Guten dem nichts zu klein ist wie
unserm Herr Gott Einen so großen Erdschollen als der Mensch zum Grabe braucht
hat er auch nur nötig Froh zu sein  Wie weit mehr hast du Du und dein Weib
können in diesem Gärtchen begraben werden und selig ruhen und doch bleibt noch
Raum für einen Menschenfreund dem Philomele beistimmt wenn er unsern Tod
beweint
                                       
    Eben ein Brief dass meine Schwiegermutter außer Hoffnung sei  So stirbt
denn alles was gut ist  Vielleicht bessert sie sich Gott geb es 
    Meine Mine will den ältesten Sohn des Nathanael Alexander genannt
erziehen Mag sie sich wissen
    Hiermit lebt wohl Das waren die Worte in die mein Freund   es griff
Jetzt da ich auch ihn befriedigt kann ich mit völlig entledigtem Herzen lebt
wohl wiederholen Wenigstens habt ihr doch etwas von der aufsteigenden Linie
so dass Bild und Überschrift dieses Buchs zum kleinen Teil erfüllt ist 
Sterb ich in den sechs Jahren gönnt mir die Ruhe  Lasst was ich euch gesagt
habe im Segen bei euch bleiben Ich lasse euch den Frieden ich gebe euch den
Segen des Friedens Gottes der höher ist denn alle Vernunft Nicht geb ich euch
den Frieden wie die Welt gibt die mit ihrer Lust vergeht Euer Herz erschrecke
nicht ob dem großen Gedanken vom Reiche Gottes und fürchte sich nicht Weiter
lieben Brüder was wahrhaftig ist was ehrbar was gerecht was keusch was
lieblich was wohl lautet ist etwa eine Tugend ist etwa ein Lob dem denkt
nach Der Gott des Friedens sei mit euch und meinem Geiste Amen 
    Legt es dazu an Freunde dass wir uns einst wiederfinden in der Versammlung
der Guten nach dieser Zeit Leiden wo so mancher seine Mine seinen Pold
wiederfinden wird unter den Verklärten des Herrn
    Liebes holdes Mädchen schäme dich der Träne nicht die dir entfiel Deine
Liebe zu dem Vertrauten deiner Seele war eine edle gute Liebe Du wirst ihn
wiederfinden deine Traurigkeit wird in Freude verkehrt werden Du hast deinen
Willen überwunden der Welt halber du hast über die Welt gesiegt in welcher du
Angst hattest Sei getrost
    Auch du kinderloser Mann der du Kraft fühltest dir Nachkömmlinge zu
erwecken der du jene astronomische Prophezeiung nicht zu hoch fandest zähle
die Sterne kannst du sie zählen also soll auch deine Nachkommenschaft sein 
Du in deiner Kraft durch den Weltlauf erstickter edler Mann nimm Trost aus
meinem Beispiel Sieh ich werde ohne mich fortzupflanzen versammelt zu meinen
fruchtbaren Vätern Kein Sohn wird bei meinem Grabe gen Himmel sehen und sagen
Mein Vater  Keine Tochter wird ihre Hände ringen und meine Gebeine begrüßen
mit einem Ruht wohl Und sieh Freund Du bist weiblos und ich habe eine Mine
und sie hat mich  Weib meiner Seele Wende dein Auge ich seh es brechen
wend es Ich bitte ich flehe Lass mich mit diesen Kinderlosen allein Unser
Pold sieht das Angesicht unseres Vaters im Himmel der heute nach einer so
langen Dürre regnen ließ Blick her wie sich der Baum vor dem Fenster erholt
hat Unser Pold ist bei Gott Die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück
und die richtig vor sich gewandelt kommen zum Frieden und ruhen in ihren
Kammern  Freund hast du sie gesehen Hast du mich gehört O danke Gott dass
du kinder und weiblos bist dass du nicht nötig hast ein Weib zu trösten ihres
einzigen Sohnes halber Wie weit glücklicher bist du
    Die Freude an Gott und seinem Reich sei unsere Stärke Bis unser Ende kommt
wollen wir nicht weichen von unserer Frömmigkeit Vergiss Lieber was dahinten
ist und strecke dich nach dem was da vorn ist jage nach dem vorgesteckten
Ziel nach dem Kleinod welches verhält die himmlische Berufung  Wandle
würdiglich dem Herrn zu gefallen und sei fruchtbar in allen guten Werken bis
uns der Herr erlöst von allem Übel und uns aushilft zu seinem himmlischen
Reiche Denk Einsamer wenn du Kinder hättest die deine grauen Haare in die
Grube brächten Kinder deretwegen du wie Eli der Priester den Hals brächest
halsbrechende Söhne Absalons die die gerechte Seele quälen Tag und Nacht Hat
denn dein Bruder nicht einen Sohn und ist sein paradiesnatürliches Weib nicht
wieder gesegnet Sei frohen Muts Gott kann dir aus Steinen Kinder erwecken
Dein Leichenstein wenn er glücklich gelegt ist kann deinen Namen einem Seher
ins Gesicht bringen der dich in sein ewiges Buch schreibt da lebst du dann so
gut als durch deine Nachkommen
    Soll ich euch geliebtesten Leser über sechs Jahre wie ich hoffe
wiedersehen so geb es Gott dass wir uns guten Muts treffen Er der mein
Innerstes sieht weiß mit welchem Herzen ich von euch scheide Meine Seele ist
betrübt bis in den Tod  Gott schenke euch viel Freude  Dank euch drei
Männern die ihr mich geleitet habt Der Engel des Herrn geleite euch wieder
und du mein lieber   es dem ich dies ganze Buch zu Gefallen geschrieben
danke nicht Es ist gern geschehen
    Lebt alle alle wohl fromm und glücklich
    Steht auf und lasset uns von hinnen gehen
 
                                    Fußnoten
1 Dass dies die Anfangsbuchstaben meines Namens sind bekräftige ich hiermit mit
Ja und Amen