1917_Christ_Rumplhanni.html




        
                                  Lena Christ
                                 Die Rumplhanni
 Es ist um den Abend des Tags da man schreibt den fünften August
eintausendneunhundertvierzehn Die Sonn geht langsam hinter den alten
Zwiebelturm der Kirche zu Öd scheint noch eine Zeitlang auf die Bergwände da
hinten weit hinter Höhenrain und Kirchdorf dass sie flimmern und brennen und
verschwindet dann gemach hinter den Wäldern vor Frauenreut Aus der
Hufschmiede die an der Straße gegen Ostermünchen steht dringt noch beissender
Rauch Der alte Hufschmied schlägt fluchend und kreistend dem feisten Bräundl
des Reiserbauern von Vogelried das letzte Eisen an den Huf sein Gsell der
Pauli löscht singend und pfeifend die Glut der Feuerung und der Lehrbub räumt
verdrossen die Werkzeuge auf
    »Soo« sagt endlich der Schmied und strafft seinen Rücken zur Höh
»Herrvergeltsgood dees hätt ma wieder  Jetzt schaug nur Reiser dass er guat
hintrekimmt auf Frankreich dei Häuter« Der Reiser verzieht das Gesicht zu
einem halben Lächeln
    »Werd scho umifindn« meint er dann und weist den Gaul gemächlich aus der
Schmiede »und jetzt sag i dir halt no an scheen Dank und guat Nacht«
    »Es is scho recht« sagt der Schmied und hängt sein Schurzfell an den Haken
hinterm Tor »guate Nacht aa«
    »I lass dein Kaschba a guats Hoamkemma wünschen sagst«  »I dank dir
Reiser«  »Und an Franzl aa balst eahm schreibst«  »Der is scho dahi 
anorts  gega Frankreich moanet i«
    »Aha« Der Reiser gibt seinem Bräundl einen Tatsch mit der flachen Hand und
ruft »Hüa Alter Zua sag i Mit dir gehts morgn aa dahi« Und lenkt ihn in
einem leichten Trab heimzu indes der Schmied in die Werkstatt ruft »Alsdann
Pauli Bua  Feiramd macha  Für heunt glangts« Worauf er zum Brunnen geht
und sich wäscht
    »Feiramd Dass s Gott gsegn« sagt der Pauli und reckt sich »Kreizsakra
heunt hätt i hn bald gspürt mein Buckl Zwoaradreissg ham mir heunt
beschlagn«  »Ah was« brummt der Lehrbub »dees is ja koa Arbat nimmer Dees
is ja a Schinderei« Damit schließt er die Torflügel der Schmiede und schiebt
die eiserne Sperrstange vor
    »Unsern Kaschba ham mir scho gspürt heunt« sagt am Brunnen der Schmied mit
einem Seufzer »der is uns scho recht abgangen  San halt do zwee Arm weniger
gwen« Worauf er sich gegen das Wirtshaus drüben bei der Kirche wendet
    »Ja dees is mir aa so vürkemma heunt« murmelt der Pauli indem er sich
prustend seift und wäscht »den ham mir freili gspürt an Kaschba  Ja ja
heunt nacht gehts dahi damit da muass er fahrn« Der Lehrbub zieht die Arme aus
dem Hemd und pumpt sich einen Strahl Wasser über Hals und Kopf »Der Wirtsjackl
fahrt aa heunt nacht« schreit er dazu laut und schüttelt sich das Wasser aus
den Ohren »und der Hausersimmerl aa und der Knecht vom Wirt und der Fritzl
vom Staudnschneider aa«  »Ja« sagt der Pauli und wischt sich die Händ an den
Hemdärmeln trocken »i glaab dreizehne san eahna von Öd und Voglried i wollt
i waar der vierzehnt Die ganz Arbat ko mi jetzt bald gern haben« Und geht gleich
dem Schmied zum Wirt dem Ödenhuber 
    Ist eine gute Einkehr dem Ödenhuber seine Wirtschaft ein saubers
geräumiges Haus reinlich inwendig und auswendig mit frischem Bier und gutem
Koch einer Metzgerei dabei und einem großen Höft mit feistem Vieh und reichen
Stadeln Dazu der Mathias Ödenhuber als Wirt ein aufrechter Fünfziger der
gleich seinen Vorderen sich beizeiten eine riegelsame und werktätige Hausfrau
genommen hat und nun seit zwanzig Jahren mit ihr einer reichen
Postalterstochter aus dem Ebersberger Gau die Wirtschaft samt dem Hofgut
rechtschaffen hält und führt dabei ihnen ihre beiden Kinder der Jackl und die
Leni gutding dazu helfen  Grad steht der Ödenhuber unter der breiten Haustür
mit dem buntverglasten Oberlicht als sich der Hufschmied in den kleinen
Wirtsgarten mit den drei alten Kastanienbäumen und den zwei wurmstichigen
Tischen setzt auf denen ein grünlicher moosiger Reif wuchert und darauf
Ameisen und Fliegen geschäftig hin und her laufen
    »Grüß di Good Schmied« sagt der Wirt  »Grüß di Good aa«  »Kriagst a
Maß«  »A Maß bringst ma ja«  »Resl der Schmied kriagt a Maß« Der Wirt
rufts ins Haus und die Schenkkellnerin läuft mit dem Krug Der Ödenhuber setzt
sich zum Schmied »Hast Feiramd gemacht«  »Jaa  Waar mir a so bald liaber es
wurd für ganz Feiramd« Die Resl stellt ihm das Bier hin »Was möchst  An
ewigen Feiramd  Zum Wohlsein  Du waarst net viel gschlecki«  »Heunt no
durft Feiramd sei sag i  Nachher gang i glei aa no mit mit insane Buam
Heunt no Wann i no jung waar« Er trinkt hastig Der Ödenhuber schmunzelt
»Du wurdst eahna koa geringe Angst net einjagn moan i Ah Grüß di Good
Pauli« Er macht dem Gesellen Platz Der setzt sich »n Abnd A Halbe möcht i
 Zum Abgwohna« Die Resl lacht »Jetzt hab i schon gjammert dass ins alle insane
Buam davongengan in Kriag derweil is do no oana dabliebn Hams di net gfunden
Oder iss eahna um dein scheena Kopf load« Der Pauli zieht gemächlich seine
kurze Pfeif aus dem Joppensack stopft sie und sagt bloß »Schnabel halten A
Halbe kriag i« Dann zündet er sie an Die Resl lacht
    »Raucht er dir jetzt« und geht danach
    Der Ödenhuber holt ein Zeitungsblatt aus dem Brustlatz seines weißen
Schawers Schurzes und liest die Aufrufungen und Anzeigen Der Schmied hockt
stumm vor seinem Krug
    »Was bist jetzt du für a Jahrgang Pauli« Der Wirt fragts  »Achtadachzg«
 »Deant«  »Naa«  »Ah so«  »Warum fragst«  »No i moan halt sunst tatn
s di wohl a so bald holn«  »Kunnt scho sein«
    Der Schmied starrt stumpf und trüb vor sich hin Jetzt sagt er langsam »Vo
heunt auf morgn is der Kriag alleweil net gar Der frisst schon an etlichs paar
Leut denk i«  »Da kannst recht haben« erwidert der Ödenhuber »Dessell glaab
i aa« meint der Pauli
    Die Resl bringt das Bier »Sollst lebn Pauli«  »Is scho recht Hex Und
bals mi trifft denkst dir nachher derf der ander lebn gell D
Ersatzreserve«  »Warum  Gehst du leicht aa« Die Resl fragts erschrocken 
»Ja no kunnt scho sein « Er raucht dass sein Gesicht kaum mehr zu sehen ist
 »Hast leicht aa scho an Zettl«  »Naa  no net Aber  i moan gar «
 »Pauli Du werst do net«
    Der Wirt horcht auf »Aber Pauli« mischt er sich ein »wia leicht kunnts
di dein Kopf kosten Um dein Kohlrabi waars wirkli schad«
    Der Schmied ist wieder ins Brüten gekommen Jetzt murmelt er vor sich hin
»Werd scho geh Mir muass si halt dreinfinden Is nur guat dass d es nimmer
derlebn hast müassn  Muatta  dass alle zwee  dahigengan  Ja no « Er
schrickt auf an seinem Seufzen und trinkt Dann beschattet er die Augen mit der
Hand und schaut nach der Kirchenuhr »Geh Ödnhuaber siechst net wia spat dass
s is« fragt er
    Der Wirt fährt aus der Zeitung auf »Wia spat sagst« Er zieht die Uhr 
»Drei Viertel auf simme«  »Scho  Er werd si do net versaama der Kaschba« 
»Ah naa Der versaamt si net Is ja der meine aa dabei Sie san halt beim
Pfüagoodn«  »Ja ja Aber um halbe zehne geht der letzt Zug vo Osterminga« 
»Den kriagn s leicht no«  »Jano  Aber i hättn halt no gern daghabt mein
Kaschba  Mir hat do no allerhand zum redn mitanand«  »Dessell is ja wahr
«  »Mir möcht halt no sagen  was oan druckt  bevor oana a so dahingeht
 mir woass net wohi  und wias aussigeht damit «
    Der Wirt nickt und legt seine Zeitung zusammen »Ja ja A Feldzug is halt
koa Keglscheiberts« Der Schmied schnauft tief auf »Schaug mein Franzl hab i
aa nimmer gsehgn  Der is glei von der Kasern aus weiterkemma«  »I woass s a
so«
    Die Resl hat derweil halblaut auf den Pauli eingeredet »Warum möchst denn
scho zahln  Warum gehst denn scho Bist harbisch auf mi«  »Naa  Aber an
kloan Weg mach i no verstehst Herrgott mi druckts a so dass i grad
Landsturm bin « Er trinkt hitzig aus Die Resl starrt ihn angstvoll an
»Pauli  Ja was hast denn« Er setzt das Krügl auf den Tisch dass es
scheppert »Woass s der Teixl Dirndl  i moan  i mach gar aa Feiramd mit
der Arbat I geh aa I meld mi freiwilli  i kanns net dawartn bis
dasss mi holn « Da springt die Resl auf »Furt sagst Freiwilli 
Pauli Ums Christi «
    Der Schmied fährt zusammen »Was hast gesagt Du gehst aa Ja  was tua
denn nachher i « Er starrt den Gesellen an und sinkt dann wieder in sich
zusammen »Ja no muass i di halt geh lassen Da kann ma nix macha Bist ja
gsund Geh nur zua in Gottsnam  geh nur  gehts nur allsamm «
    Der Wirt mischt sich ein »Aber was waar denn jetzt net dees Pauli Werst
hn do net alloa lassen an Schmied den altn Mo«
    Der Pauli ist in einem verlegenen Kampf mit sich selber »I woass s scho
Aber  in mir wurlt grad alls Ödnhuaber i sag dirs wias is i schaam mi«
Er springt auf und reckt sich »Bei meiner Postur Und bei dem Gsund Was
Waars da net a Schand« Die Resl kämpft ein Weinen nieder Der Schmied
betrachtet den Burschen mit trübem Aug Da tritt der Pauli zu ihm »I ko net
anderscht Moasta  i muass dir Pfüagood sagen Lohn hab i a so grad nur vier
Mark fuchzge z kriagn mei Kuferl is glei packt bis die andern gengan bin i
aa firti« Er wendet sich zur Resl »Dirndl Alsdann  zahln sag i Da
Und sei net harb auf mi  i kimm scho wieder«  »Is s wirkli dei Ernst«
fragt der Wirt verstört Die Resl geht aufschluchzend ins Haus  »Ödnhuaber 
es geht um d Hoamat  I muass mit« Der Pauli klopft hastig seine Pfeife aus
und schiebt sie ein
    Und der Schmied zieht langsam seinen ledernen Zugbeutel entnimmt ihm zwei
Taler legt sie auf den Tisch und wickelt bedächtig die Schnur mit den Muscheln
daran wieder um den Beutel Dann sagt er »Da  i konn di net haltn Da san
sechs Mark Weil i di guat leidn hab kinna Lass dirs guat geh Und  balst
wieder kimmst  bist da D Arbat wartt scho auf di« Der Gsell schiebt das
Geld ein Und sagt mit unsicherer Stimm »Moasta i dank dir und sag halt
Geltsgood I kimm scho wieder bals sein will Und wann net na muasst dir
halt um an andern schaugn« Und reicht ihm die Hand »Alsdann Jetzt pfüat di
halt Good«
    Tonlos dankt ihm der Schmied »Pfüa Good aa I konn di net aufhaltn« Und er
stützt die Ellenbogen auf den Tisch und hält den Kopf zwischen den Händen Der
Pauli wendet sich zum Wirt »Alsdann Ödnhuaber  bleib gsund « Er streckt
ihm die Hand hin und der Wirt drückt und schüttelt sie »Na wünsch ich dir halt
Glück Pauli  Pfüat di der Himmi«
    Die Resl tritt mit verweinten Augen aus dem Haus und gibt dem Burschen ein
kleins Packerl in die Hand »Pauli leb wohl Und sagen mir halt aufs
Wiedersehng « Sie drückt die Schürze ans Gesicht Aber der Pauli lacht und
sagt lustig »Servus Resl Aufs Wiedersehng  hast recht Und jetzt woan net
I schreib dir scho amal aus Paris  oder aus Russland  Alsdann Pfüate«
Damit reißt er sie schnell an sich und läuft alsdann eilig dahin ins
Schmiedhaus indes die Resl langsam in die Gaststube geht
    Stumm sitzt der Schmied Der Ödenhuber zieht seine Uhr dann meint er
»Sakra Glei simme Jetzt durftn s aber bald kemma « Und steht auf und geht
mitten auf die Straße zu schauen ob er keinen sieht von den Buben
    Da fährt ein Leiterwagen vorbei hoch aufgesetzt mit Weizen und der
Hauserbauer lenkt laut die beiden Ochsen »Wühlöh Alter Ziag o Hott eina
Hoott« Aber da er den Ödenhuber stehen sieht fährt ihm eine jähe Röte ins
Gesicht er speizt giftig aus und plärrt den Sattelochsen an »Hott eina hab i
gesagt sag i Was der wieder zum gaffa und zum spioniern hat da drent« Und
der Wirt seinerseits hat kaum den Hauser ersehen als er auch schon die Händ in
die Hosensäck vergräbt die Füss weitmächtig auseinanderspreizt und spöttisch vor
sich hinsagt »Dem gehts aber no dick ein heunt dem Hungerleider Der legat
aa liaber dreizehn Aufsetzn auf sei Kinderwagl auf bals gang  Bei dem möcht i
amal Handochs sei« In diesem Augenblick ruft eine gschnappige Weiberstimm vom
Wagen herunter »Was gaffst denn Bamperlwirt Schaug liaber dass dir dei Essig
net no saurer wird« Worauf der Ödenhuber voller Wut murmelt »Schnappen
elendige« Und eilig ins Haus geht
    Die ihn aber zum Gehen gebracht ist ein saubers molligs Frauenzimmer mit
festen Armen feisten roten Backen und kohlschwarzen Haaren Es ist die
Rumplhanni des Hausers Dirn
Die Tenne des Hauserbauern von Öd ist sperrangelweit offen und dem Hauser sein
Sohn der Simmerl schiebt grad einen abgeleerten Leiterwagen zum hinteren Tor
hinaus und hinein in den Wagenschuppen Danach schaut er hinüber gegen die
Straße ob der Alt noch nicht bald einfahrt mit dem letzten Fuder Derweil
biegen auch schon die Ochsen bei dem Gartenzaun des Ödenhubers ums Eck der
Hauser legt sich dem Sattelochsen fest in die Seite und zieht am Leitwayla was
er kann »Wühlöh Alter Wühst umi Wühst sag i Toifi bollischer Wühlöh
Gehst net ummi moanst Pandur miserabiger« Und vom Fuder herab schreit die
Hanni dass es drüben im Holz widerhallt »HollihoAblaarn«
    Die Hauserin hat grad in der Speiskammer die frischgemolkene Milch mit einem
Spritzer Weichbrunn gesegnet und in die Weidlinge zum Aufsetzen eingegossen
sich auch hie und da mit dem Handrücken oder dem Schürzenzipfel Augen und Nase
abgewischt denn sie weint wie ihr Alter der Lenz sagt Rotz und Wasser weil
ihr Simmerl heut zur Nacht noch dahin muss in den Krieg Jetzt wendet sie sich
langsam um dass sie mit ihrer Fülle und Breite nicht etwan hinter sich was
hinabstosse und nimmt den Rahm ab fürs Butterausrühren Vorsichtig fährt sie mit
dem feisten Zeigefinger um den Milchrand im Weidling leckt ihn ab und streift
dann mit dem flachen Holzlöffel behutsam die fette säuerliche Rahmhaut in den
Hafen auf dem Bänklein Danach gießt sie die abgeblasene Milch in den
Topfenkessel und seufzt »Hach ja Ins hassts halt Mir ham halt koa Glück net
 Ja ja «
    Und ihre alte Mutter die Kollerin von Reigersberg jetzt Austragmutter vom
Hauserlenz schiebt drüben in der kohlschwarzen Kuchel einen Büschel Reisig ins
Ofenloch entzündet einen dürren Span und hält ihn unter die Reiser bis sie
knistern und rauchen und brennen Dann löscht sie den Span legt ihn wieder
hinters Ofenrohr zu den dürren Eierschalen und dem Sandriegel schürt etliche
Prügel nach und stellt hüstelnd und seufzend die große Messingpfanne mit dem
Kaffeewasser auf den Herd Dazu sagt sie halblaut immer wieder die Worte »O mei
Herrgott  Der Kriag dees Unglück O mei Herrgott«
    Da scheppert der Rumplhanni ihr Ruf herein ins Haus »Holliho Ablaarn« Und
zur gleichen Zeit läuft der Hauserin ihre Jüngste die Liesl mit einem weißen
Kopftuch auf und einem Endsrechen über der Achsel in den Hausflöz und schreit
»Muatta Grossmuatta Da san ma Dees letzte Fuada ham ma dahoam Zum Ablaarn
sollts kemma« Worauf die Kollerin in die Speis ruft »Rosina schaug aufn
Kaffee I muass zum Woazablaarn« dabei fährt sie aus den Lederpantoffeln
humpelt strumpfsöcklig über die Stiegen hinauf zum Söller öffnet die niedere
Tür zum Kriadaboden und läuft in den dunklen mit neuem starkduftendem Heu und
Klee vollgefüllten Raum Von da aus schreit sie hinab in die Tenne »Simmerl 
Lenz  Bin scho grichtt«
    Nun löst der Simmerl den Wiesbaum vom Fuder und sagt »Hanni geh lass jetzt
mi auffe am Wagn pressiern tuats Um halbe neune muass i geh« Die Hanni kriegt
eine weinerliche Stimm und erwidert »So bald scho Ha dass d denn heunt no
furt muasst« Und rutscht vom Fuder und lässt sich vom Simmerl auffangen indes
die Großmutter Kollerin brummelt »Frag net so damisch Lalln dumme Dass er
heunt no furt muass Weil er halt muass Weils di nixen ogeht Schaug liaber dass
d auffa gehst zum Fassen«
    Derweil stellt der Simmerl eine Leiter an den Heuboden zwickt die Hanni
schnell in den Arm und schiebt sie lachend die Sprossen hinauf Die Hanni
kichert leise packt den endslangen Burschen bei seinem rötlichen Haarschüppel
und wirft ihm das Hütl ins Gesicht ehe sie zur Alten hinaufsteigt Diese aber
hat das Kichern gehört und knurrt nun »Möcht wissen was s da lang zkudern
und zlacha gibt du ausgschaamts Weibsbild du Du brauchst mi gar net
auszlacha bal i eppas sag dass des woasst« Worauf die Hanni schnippisch
erwidert »Und du brauchst mi gar nix zhoassn dass des aa woasst Dir hab i no
koa Weibsbild net abgebn gell ja« Damit steigt sie die Leiter hinauf und zum
Kriadaboden Die Alte murmelt noch was und kriecht dann in die »Obern« empor
    Und der Simmerl besteigt das Fuder indes der Hauser drüben im Stall die
Ochsen tränkt und füttert Nun fasst der Simmerl Garbe um Garbe mit der Gabel und
hebt sie leicht und locker hinüber zur Hanni die sie ebenso locker abnimmt und
der Kollerin hinaufreicht die sie fürsichtig von der Gabel streift damit kein
Körnl Weiz unnütz verloren geht Endlich ist die letzte Garbe untergebracht und
die Großmutter steigt wieder hinab in den Heuboden und hinunter ins Haus Die
Hanni steckt ihre Gabel tief in den Heuhaufen vor ihr und kommt die Leiter herab
in die Tenne der Simmerl schiebt den Wagen hinaus in den Hof und schließt das
hintere Scheunentor Dann kehrt die Hanni die ausgefallenen Körnl und Ähren zum
vorderen Tor hinaus für die Hennen indem sie sagt »Den oan Flügl konnst scho
zuamacha Simmerl« Das tut er Dann lehnt er sich an die Stalltür und schaut
zu wie die Körnl und Spelzen zur Tenne hinausfliegen Mittendrin aber kommts
verhalten von seinen Lippen »Hanni«  »Simmerl«  »Jetzt san ma firti« 
»Ja«  »Jetzt hoassts geh«  »Und mi lasst hänga«  Sie lehnt den Besen ins Eck
und räumt umständlich die Rechen und Gabeln zusammen
    »Hanni«  »Was möchst«  »I muass di pfüatn «  »Und i steh da  im
Dreck«  »Was kann i dafür  Was soll i denn macha«  »Hättst mi net ogrührt
«  »Bal ma oans gern hat «  »Aha Zum Drokriagn«  »I hab di net
drokriagt «  »Aber unglückli gemacht«
    Der Simmerl lehnt langsam den zweiten Torflügel an so dass es ganz dunkel
wird in der Tenne »Was Unglückli I Di Wia nachher« Die Hanni fängt leise
zu weinen an »Ja  wia nachher  weil i dahäng  am Kreiz A so « 
»Was sagst du«  »Jawoi Gwiss und wahrhaftig«  »Vo mir«  »Frag net so
dumm  Dees woasst du guat selber«  »I Da bin i mir gar nixn «  »Aha
Möchst di weggaschraufa «  »Und i sag es ko net sei «  »Dees sagt a
jeder«  »Da muass scho a anderner «
    Die Hanni fährt in die Höh »Du Mach mi net harbisch sag i Sinst geh i
auf der Stell zu de Altn «  »Hanni«  »Dees konnst dir nachher scho denka
«  »Dees werst dir überlegn«  »Da überleg i gar nixn I red ganz oafach«
Der Simmerl tappt ihrer Stimme nach »I sag ja nixn Hanni I bekenn mi ja  «
 »Aha Vor meiner Aber vor dein Vatan «  »Bekümmert di net « Er sucht
sie im Dunkel »I machs recht Hanni I bekenn alls«  »Werd viel fürguat
sein«  »Der Alt muass sorgn «  »Der werd a Freud haben«  »Ja no «  Die
Hanni drückt sich ausweichend in einen Winkel »I muass halt geh « sagt sie
»anorts hi wo mi neamd kennt«  »Zu was denn  I richts ja«  »Moanst i
lass mi oschaugn«  »Koa Mensch schaugt di o«  »Aha Grad mitn Fingern deutn
s auf oan Mir woasss ja no  bei der Sixnkatl« Der Simmerl tappt nach ihren
Armen »Dessell is aa grad der Besenbinderhausl gwen «  »Mhm Du moanst dei
Geldsack stopft an Leutn s Mäu zua Da werst di aber stimma«  »Geh hör jetzt
auf «  »Und mi machst aa net staad mit dein Geld  dass d es woasst«  Er
umfasst sie »I bin ja net abgeneigt « Sie wehrt leise ab »Zu was eppan« 
»Dass i di heirat «  »Dees sagt a jeder «  »Wann i dirs für gewiss hoass«
 »Ja ja Jetzt im Krieg da is leicht epps versprecha «  »Auf Ehr und
Seligkeit Hanni «  »Dees muass si erscht weisen«  »I gib dirs schriftli«
Er zieht sie ganz ins Dunkel »Heunt no kriagst es schriftli «  »Und de
Altn«  »Dees is mir gleich Die müassn staad sei  und du aa « Er
schließt und verriegelt den Torflügel 
    Der Hauser hat die Ochsen gefüttert und getränkt Jetzt geht er hinauf in
die Schlafkammer zieht den Schlüssel zu der alten bemalten Truche aus dem
Strohsack seines Eheweibs und schließt seufzend auf Langsam nimmt er aus einem
alten zinnernen Bierkrug ein etlichs paar Silbertaler sucht ganz zuunterst im
Eck das Salbentiegerl von den wehen Augen seiner Liesl nimmt den hölzernen
Deckel ab und langt zwei Goldfuchsen daraus Dies Geld also tut er in den
Zugbeutel der noch von dem alten Hauser Gott hab ihn selig in der Truche
liegt und schiebts ein für den Simmerl Darauf schließt er wieder ab
versteckt den Schlüssel und geht hinunter in die Stube Sinnierend setzt er sich
auf das lederne Kanapee und schaut seiner Rosina zu wie sie weinend Schnitten
um Schnitten von dem Brotlaib fetzt und in die irdene Suppenschüssel fallen
lässt Salz und Pfeffer drüberstreut und einen Büschel Schnittlauch
dreinschneidet Sie sagt nichts er sagt nichts Dann trägt die Hauserin ihre
Schüssel hinaus in die Kuchel gießt die Wassersuppe darüber und schmalzt und
zwiebelt sie Und mit beiden Händen fasst sie die dampfende Schüssel fährt aus
den Holzpantoffeln damit sie nicht stolpern muss und trägt also die Suppe
barfuß in die Stube Der Dreifuss steht schon auf dem gedeckten Tisch vorsichtig
hängt sie die Schüssel hinein und sagt dazu »Lenz geh schaug der Bua Dass er
si net versaamt« Dazu weint sie heftig auf und läuft weg
    Und die alt Kollerin die Großmutter steht in der Kuchel vor der Anricht
ordnet die Kaffeeschüsseln und Haferln in eine Reihe und wirft den Zucker
darein drei der Bäuerin zwei dem Bauern vier dem Simmerl vier dem Liesei
zwei sich selber und eins der Magd der Hanni Dann schaut sie einmal ins
Bratrohr nach den Schmalzkücheln die zum Aufwärmen drin stehen und gießt
danach den Kaffee ein Langsam und umsichtig schöpft sie ihn mit einem alten
Messinglöffel durch den Seiher in die Schüsseln und Kacherln und danach die
Milch dem Bauern wenig der Bäuerin aber viel mitsamt der Haut dem Simmerl nur
ein Tröpferl mit Haut sich und dem Liesei schier lauter Milch  und der Hanni
den Rest Dazu seufzt sie immer lauter
    »O mei Herr an Lenz  der Rosina  mei wia werds eahm geh  an
Simmerl  an Liesei O mei der Kriag  der andern« Jetzt ist er
eingeschenkt der Kaffee Plötzlich fällt ihr ein dass sie für den andern Tag
zum Nachähren ihren Rechen noch nicht eingeweicht hat »Dasss Gott gsegn« sagt
sie zu sich selber »dees muass i glei toa  Sinst falln eahm morgn bei dera
Hitz alle Zähnt aussa« Und sie läuft hinaus zum Brunnengrand vor dem Wurzgarten
den sie selber gepflanzt und mit allerhand Blumen und Sträuchern geziert hat
mit Windpappeln und Rittersporn Flugs und Dahlien Nelken und roten Rosen
Mittendrin schreit sie laut auf »Marixn  Liesei Malefixkarwatschn  Meine
scheena Bleame« Sie rennt ans Gartentürl »Ja insa liabe Zeit Dees ganz Gartl
is hi«
    »Noo« sagt da die Liesl und tappt mit einer ganzen Schürze voll Blumen
mitten durchs Gurkenbeet »i wer wohl no an Simmerl a Bleame ostecka derfa wo
er furt muass« Und beginnt zu heunen »Gar nix mehr derf ma  Aber wart no Bal
er derschossen is nachher siechst es scho Nachher konnst eahm koa Bleame
nimmer gebn«  Worauf die Alte ganz nachgiebig wird und sagt »Sei staad sag
i Red koane solchern Dummheitn net Möcht oan a so schier an Magn abdrucka vor
lauter Kümmernis« Damit lässt sie die Liesl laufen und geht jammernd in ihr
Austragstübl Dort sucht sie ein alts wächserns Christkindl in einem silbernen
Büchslein her Das wickelt sie samt einem Frauentaler in ein linnenes Tüchlein
mit dem der Herr Pfarrer vor Zeiten unserm lieben Herrn seinen Kelch gehalten
hatte als er den alten Kollervater seligen Angedenkens damit zum letzten Gang
verprofitierte Und sie trägts andächtig hinüber in die Stube und legts dem
Simmerl an seinen Platz
    Der kommt eben pfeifend und zur Reis fertig aus seiner Kammer und setzt sich
munter an den Tisch Die Hauserin bringt die Schmalznudeln die Kollerin stellt
die Kaffeehaferln an die Plätze das Liesei steckt den Hut des Bruders voller
Nelken und Rosen und die Hanni kommt zur hinteren Haustür herein und setzt sich
summend mit den andern zum Essen Worauf sie aber die Kollerin scharf anlässt
»Obst glei staad bist du gottvergessens Weibsbild du Sie singt und röhrt wann
der oanzig Bua vom Bauern in Kriag furt muass Du waarst no so oane Du hättest no
so a Herz in Leib du« Aber die Hanni erwidert patzig »Dees geht di gar nix o
ob i a Herz hab oder koans I woass mei Sach und du muasst erscht ratn« Damit
gießt sie ihren Kaffee auf einen Zug hinunter nimmt sich zwei Schmalzküchl und
läuft weg Die Kollerin greint wie das heilig Donnerwetter und ruft ihr nach »O
du ganz miserabige Karwatschn du«
    »Dass d gar so grob bist damit« meint der Simmerl so nebenbei und löffelt
mit dem Hauser die Brotsuppe aus »Grob« sagt die Kollerin beleidigt »grob wer
i sei Weils wahr aa is Weil salle Tag no bollischer werd und no ohabischer
des Weibsbild dees ausgschaamt«  »Du machst es scho bollisch mit dein ewign
Geknerr« mischt sich der Hauser ein und rührt seinen Kaffee um  »Was willst
da I sagst Mit mein Geknerr sagst Wer knerrt denn«  »Koa Mensch wia
du«  »Aha Weilst mi nur scho wieder hast«  »Da hab i di gar net Aber
weils wahr is « Er brockt sich ein Küchl in den Kaffee  »Ja weils wahr
is Helfts nur hübsch dazu zu dem Weibsbild« Sie löffelt hitzig ihren Kaffee
aus Die Hauserin mengt sich ein »Jetzt dahacklns halt ananda scho wieder Wia
enk nur der Tag net zheilig is Zwegn dem Schlamperl«
    Der Simmerl fährt in die Höh »Hoassn brauchst es du gar nixn« sagt er
»werd eahm neamd was Schlechts nachredn kinna a da Hanni«  »He he Tua di
net gar a so zreissn dafür Für dees herglaaffa « Aber der Simmerl fährt
dazwischen »Und i leids amal net sag i Herglaaffa oder net  d Arbat tuat
s«  »Dessell muass wahr sei« bestätigt der Hauser »da derf scho oane
hergeh «  »Ja ja D Arbat tuats Wass eahm ös zwee oschafts« spöttelt
die Hauserin »Weil s es halt mit die Mannaleut überhaupts besser konn als wia
mit die Weibertn« ergänzt die Kollerin Und beide die Alt und die Jung
schauen sich überlegen an und verlassen zusammen die Stube Die Lies hat
unterdessen schweigend und auflusend ihr Schällein leer getrunken da sie aber
jetzt die Mutter samt der Großmutter hinausgehen sieht macht sie dem Vater und
dem Simmerl ein finsters Gesicht hin nimmt sich etliche Nudeln aus der Schüssel
und läuft gleichfalls davon
    Jetzt sind sie allein die Mannertn Und der Simmerl sagt ohne von seiner
Schüssel aufzusehen »Vadda« Der Hauser wischt seinen Löffel nachdenklich ans
Tischtuch und legt ihn in die Schublade »Was möchst«  »I hätt epps zredn
«  »Mit wem«  »Mit dir« Der Simmerl schiebt die Essschüssel von sich und
steht auf Der Alt erhebt sich gleichfalls und will s Kreuz machen zum Beten
nach Tisch da sagt der Simmerl grad »Mit dir«  »Mit mir Zwegn was« 
»Zwegn der Hanni« Der Hauser setzt sich wieder »Dees versteh i net « Der
Simmerl tritt an eins der Fenster »Ja no a zwiderne Gschicht iss halt « 
»Da kenn i mi net aus«  »Es is halt jetzt nix mehr dro zrichten« Er reißt
eine volle Geraniumblüte ab und steckt sie ins Knopfloch »I woass gar net 
was d moanst « sagt der Alt  »I muass s halt heiratn«  »Wer  Wem
« Der Hauser fährt in die Höh  »Ja no Grossmuatta«  »Auf dees hör i net
«  »Und was s bei dera Bande da drent redn wern  bein Ödnhuaber  Wia
si dies Mäu zreissn wern «  »Dees braucht ins gar nix z kümmern Bal i
zruckkimm na heirat i d Hanni  und bals net is  nachher hör is nimmer
was s sagen I hab jetzt nimmer Derweil dass i no länger umananddischbedier i
muass furt« Damit geht er zur Tür Aber der Hauser steht breit davor und schreit
hitzig »Du bleibst mir no da sag i Die Sach muass gschlicht wern Brauchts
durchaus net dass d aa no protzi bist bei dera Schand Oder is s vielleicht
koa Schand net Aufhänga kunnt i mi wenns net grad Kriag waar Aber a so iss
mei oanzige Hoffnung dass die Bande bei dera ganzen Gaude net a so Derweil haben
werd zum Aufpassen Vielleicht is aa der Kriag bald aus und du kimmst wieder
hoam  nachher redn mir weiter« Der Simmerl steht ungeduldig vor dem
Alten »Und was is s bis dorthin«  »Ja no « Der Hauser geht zum Fenster
und starrt hinaus »I tuas net gern grad weil i di net a so geh lassen mag
muass i s halt daghaltn derweil  und mit der Muader redn« Er dreht sich um
und legt die Händ auf den Buckel Der Simmerl schnauft erlöst auf
»Herrvergeltsgood Jetzt geh i gern  Dank dirs Good Vadda« Der Alt schiebt
die Händ in den Sack »Ja gsegn dirs Good Hallodri Muass i halt redn mit der
Muada «  »Und mit der Hanni Vadda Dass s woass wia s dro is«  »Wia i
sag Gern tua is ja net «  »I muass jetzt Vadda Lass di pfüatn Und bleib
gsund«  »Muasst wirkli scho geh«  »Ja i muass Woasst scho i möcht net gern
zsammkemma mit der ganzn Blasn Bein Ödnhuber drent ham sa si allsamm
zsammbstellt Aber wo is denn d Muatta Muatta He Auf gehts« Er
pfeift schrill durchs Haus
    Der Alt folgt ihm in den Hausflöz »Was i no sagen möcht Vadda D Spreng
von den hinteren Truchenwagn hab i heunt fruah zum Schmied umi dass er a paar
starke Bänder drüberschlagt sinst zreissts es gar amal balst guatding stark
auflegst« Der Hauser nickt »Is scho recht Da hat er mi ausgschmirbt der
Wagnermarti mit der letzten Arbat D Loixna taugn aa nixn Jessas da i
hab no epps für di Werst es scho braucha kinna drausst oder wost hikimmst«
Damit gibt er dem Buben den Beutel »Dees konn ma freili braucha« lacht der
Simmerl und schiebt ihn ein »i sag dir Dankgood dafür Und jetzt Pfüagood
Himmigreizgruzi  dass jetzt do koane zuawageht vo de narrischn Weibatn Na muass
i a so geh« Er langt noch schnell ins Weichbrunnhaferl drinnerhalb der
Stubentür macht ein gschwinds Kreuz und schreit indem er aus dem Haus tritt
»Also pfüat enk I geh Bis der Krieg gar is werds nachher scho amal ausbockt
haben ös bollische Weibsbilder überanand« In diesem Augenblick blökt das neue
Stierkalb »Jess mei Kaibei  Mei Stierzei  D Viecher« Er rennt noch in den
Stall »Gell dass si fei nixn feit bei enk«
    Da stehen sie alle und glotzen ihn an und die vordere Schneiderblassin
fährt ihm an den Kopf und holt sich eine von den Blumen »He Luada« schimpft
der Simmerl lachend »friss mi nur net no bevor mi der Kini kriagt Säh da
habts no epps a Angedenka an mi « Und er reißt die Blumen von seinem
Hütl und wirft jeder Kuh eine hin Und dem Kaibl die Geraniumblüh Dann wischt
er sich schnell mit dem Ärmel über die Augen räuspert und kriegelt rau
streichelt die Ochsen noch einmal und rennt aus dem Haus
    Aber da stehen die Weibertn und das Liesei im Nachtkittl und heunen und
jammern »Jetzt is er furt  ohne Pfügood und ohne alls «  »I bin scho no
da« sagt er und macht einen gschwinden Abschied »lassts enk koa Traurigkeit
gspürn Und teats net alleweil raaffa Dees machan jetzt nachher scho mir drausst
Und vergessts mi net  mitn Schreibn  und mitn Schicka « Er rennt schon
dahin  ums Eck
    Grad will er über die Straße da hört er hinter der Kirche her
Ziehharmonikaspielen Juchzen Singen und Lachen Die Reservisten und Burschen
ziehen noch zum Wirt zum Ödenhuber um dem Jackl seinen Leuten noch mit einer
letzten Stehmass Bescheid zu tun Dem Simmerl kommt ein Zusammentreffen recht
ungelegen darum schlupft er schnell durch den Stangenzaun und versteckt sich
hinter dem Backofen vom Wirt Aber da fährt er zusammen grad vor ihm stößt eine
Weiberstimm einen unterdrückten Schrei aus und jemand lehnt sich in den
hintersten Winkel der Türnische »Was gibts Wer is da« fragt der Simmerl
halblaut im selben Augenblick aber fährt ihm auch schon das Erkennen durchs
Hirn Die Wirtsleni  Da flüstert sie auch schon »Nixn iss Bins grad i D
Leni«  »Ah so« Der Simmerl sagts verächtlich Und es ist ihm zuwider dass er
von ihr auf dem Grund und Boden ihres Vaters angetroffen wird, mit dem er und
seine Eltern verfeindet sind auf dem Grund des Ödenhubers dessen Alter schon
dem einstigen Hauservater Gott schenk ihm die Ruh einen Prozess um den andern
angehängt hatte ihm einen Schabernack um den andern spielte bloß aus dem
Grund weil einmal einer von den ÖdenhuberVorfahren eine Hausertochter hätt zum
Weib wollen und sie nicht bekam weil dem Hauserischen der Guldensack des
Ödenhubers nicht feist genug war und er seine Mirl lieber dem sündreichen
Höchentalerbuben gab der sie dann leider schandbarlich behandelte und nach
kurzer Ehe in die Grube brachte  Und der Simmerl ist unschlüssig ob er nicht
lieber gehen soll trotz des Gespötts der Tropfen da drüben Da fragt die Leni
»Muasst aa furt« Worauf er erwidern will »Dees geht do di nixn o« aber keine
Silbe herausbringt Die lärmende Gesellschaft ist derweil von der Kirche her auf
das Wirtshaus zugekommen und zieht nun singend in die Gaststube Da sagt die
Leni »I hätt dir no gern an Gruass gebn Simmerl Pfüate Good  Viel Glück«
Und legt ihm einen kleinen Büschel Rosen in die Hand und läuft weg Der Simmerl
starrt ihr nach »Jetzt woass i net  hats dee dawischt  oder möcht s mi
grad für an Narrn haltn « Er schaut unschlüssig auf die Rosen »Was eahm die
denkt hat Für koan andern hat s mi net ghaltn Simmerl hat s gesagt «
Geringschätzig will er den Büschel wegwerfen Aber plötzlich schiebt er ihn
rasch in den Sack und rennt dahin
    Drüben beim Wegkreuz wartet die Hanni auf ihn »Simmerl«  »Ah so  du«
 »Scho lang wart i«  »Was iss denn no«  »Wia stehts«  »Was«  »No 
zwegn meiner« Der Simmerl schaut sie von der Seite an Die Hanni wartet auf
seine Antwort  »Gricht iss Der Alt werd dirs scho sagen«  »Gibt ers zua
dass d mi heiratst«  »Gsagt hat ers«
    Die Hanni will sich plötzlich an ihn hängen und ihn halsen Aber er hat
mittendrin was im Kopf  Was andres Und er schiebt die Hand in den Sack und
greift nach was Nach den Rosen Und sagt auf einmal unwirsch »Es is scho
recht Hanni I hab nimmer Derweil zum Scheetoa I muass roasn« Worauf er rasch
ihre Händ von seinem Hals löst und forteilt ohne nochmals umzuschauen
    Eine Weile steht die Hanni und starrt ihm nach Dann lacht sie leise und
geht langsam die Straße zurück gegen Öd
Der Ödenhuber zündet gemach die große Hängelampe in der Gaststube an so dass ein
trüber rötlicher Schein über die blankgescheuerten Tische und Bänke leuchtet
die braunen Kacheln des alten Ofens hie und da aufblitzen lässt und sich in den
drei  vier Glastafeln zwischen den Schützenscheiben und Rehgewichteln an den
Wänden matt spiegelt Und die Resl lässt vorsorglich einen um den andern von den
grünen Rollvorhängen herab so dass die Efeustöcke samt den blühenden Geranien
dahinter im Dunkeln stehen und man sieht statt der leuchtendroten Blüten und
der grossgetüpfelten Gingangvorhänge plötzlich allerhand Burgen auf grellgemalten
Felsen bunte Schweizeralmhütten mit Wasserfällen und Sennerinnen springende
Gemsen und weidende Kühe mit flötenblasenden Hirten
    Aus der Wirtskuchel aber dringt lautes Schelten lärmendes Hantieren mit
Tiegeln und Deckeln mit Herdringen und Schürhaken und das Klappern von Tellern
und Schüsseln Und die Ödenhuberin steht am Hacktisch zerteilt einen langen
Schweinsrücken in gleichmäßige Rippen schwingt den Holzschlegel und schlägt
aufs Fleischbeil dass die Brüh aufsprjetzt und dazu grandelt und schimpft sie
giftig »A saubere Arbat Der ganze Bratn is no roh und bluatig Hab i net
gesagt es soll richti eingfeuert werden Hab i net gesagt um halbe achte kemman
s Aber ös habts ja net Derweil zum Aufpassen Ös müassts ja an d Lumperei
denka Eini damit nomal in d Rain sag i Gwaffa überanand« Die Kucheldirn
rennt hastig und beflissen mit der Bratraine an den Hackstock »I hab ja a so
eingschürt was i nur grad kinna hab« sagt sie weinerlich »s Röhrl bratt
halt nimmer wia sis gehört« Damit streift sie die Ripperl mit dem langen
Tranchiermesser in die Raine und wischt auch die Brüh mit der Hand hinein damit
der Saft beim Fleisch bleibe  indes die Ödenhuberin wütend mit dem Schüreisen
in der Glut herumfährt so dass ihr feistes Gesicht mit den kohlschwarzen Augen
voller Feuer scheint und die unter einem seidenen Netz aufgesteckten reichen
schwarzen Zöpfe rötlich schillern Und sie werkt dass ihre schweren
traubenartigen Ohrgehänge zitternd hin und her schwingen danach blickt sie
zornig auf die Magd trinkt hastig aus einem bemalten Steinkrügl wischt sich
mit der härwenen Schürze den Mund und die schier bärtige Oberlippe trocken und
brummt »Grad dass ma enk fürs Fressen zahlt« Worauf sie in die Gaststube geht
indes die Kucheldirn erlöst ein Kreuz hinter ihrem Rücken schlägt
»Herrvergeltsgott dass s geht« 
    Drin nimmt der Ödenhuber eben ein volles Zigarrenkistl vom Schenkkasten und
riecht prüfend am Inhalt »Aha Die san net so rass wia die andern« sagt er
»die schmecken net so hantig« Die Ödenhuberin nimmt ihm das Kistl aus der Hand
und geht zum Licht »Sand dös die vom Juden«  »Ja«  »Wenn hat er denn die
gschickt«  »Die verganga Woch«  »Hast von die andern koa mehr«  »Jo
schon Aber sie taugn nixn«  »Sand s wirkli so hantig«  »Gallhantig san
s«  Sie gibt ihm das Kistl wieder zurück »Ja no wegschmeissen ko ma s aa
net«  »Freili net«  »Muasst es halt billiger herlassen« Sie sucht nach der
Schachtel mit den bitteren Er schneidet das Band eines Bündels von den neuen
entzwei und sagt gar nichts  »Konnts es net herschenka«  »Ah mei a Glump
iss halt« Er zählt der Resl fünfzig von den Judenzigarren in die Schublade des
Gläserkastens »Zum Herschenka werden sies scho toa« meint jetzt die Wirtin und
mustert etliche von den rassen »muasst es halt heunt die Mannsbilder mitgebn auf
d Roas«  »Da kunnt i no so a Ehr aufhebn«  »Ah was An gschenktn Gaul 
hoassts  schaut ma net ins Maul« Sie trägt das Kistl an den Ofentisch und
leert es aus »Waar net zwider Schaugn do ganz schee her« Der Wirt folgt ihr
brummend »Geh lass do die Giftstengl jetzt in der Ruah« Aber sie zählt schon
aus »Drei  sechs  nei  zwülf  i woasss gar net was d hast
fufzecha  achzecha  warum soll ma s denn net hergebn bals a so nix taugn
 oasazwanzg  nacha sans glei gar  Die raachan s scho wenn s sinst nix
haben« Der Ödenhuber geht unwillig auf und ab »Lass di do net auslacha« 
»Warum Dass s fei net guat gnua san« Die Resl schwenkt Krüge und Gläser Jetzt
mischt sie sich drein »Du Ödenhuaberin dass d es woasst i gib s eahna fei
net dees Gift Da kannst di scho selber damit auslacha lassen« Die Wirtin
wirft voller Zorn die leere Schachtel auf den Tisch »Du haltst dei Schnappen
Du hast gar nix z redn Was gehts denn di o Schaug sie net o  d Schnappen
die vorlaut« Sie lässt alles liegen und geht wieder hinaus in ihre Kuchel
    Die Resl lächelt leise Plötzlich aber verzieht sie das Gesicht zum Trauern
und Seufzen und schwenkt wieder weiter indes der Wirt eilends die ganzen
Giftstengel ins Kistl wirft und wegräumt  Mittlerweile kommt der Hufschmied in
die Gaststube stellt seinen Masskrug an den Schenktisch zum Neueinfüllen und
setzt sich danach an den Tisch beim Herrgottswinkel »I woasss net« sagt er
»dass s denn gar so lang ausbleibn Jetzt iss scho achte vorbei Geh Ödnhuaber
magst net dei Leni a bissl umanandsuacha lassen wo s sand I fürcht sie
versaamen si« Der Wirt schaut besorgt nach der Uhr »Dees versteh i selber
net« meint er »sie werden do net a so davon sei« Und er ruft hinaus in die
Kuchel »Leni Is d Leni net da« Worauf die Ödenhuberin mürrisch erwidert
»Was woass i Suach dir s Dees is bei uns alleweil scho a so der Brauch gwen
dass koans da is Für dees hat ma ja Kinder dass ma s gar nia net hat bal mir
s braucht« Sie nimmt den Bratspiess und zieht die Raine aus der Bratröhre »Was
iss denn überhaupts anderschts« fährt sie fort indem sie prüfend ins Fleisch
sticht »grad für ander Leut ziagst dir s Hängst dro hin und opferst hin und
ziagst es groß und was hast nachher  Nix Gar nix« Sie schiebt die Raine
wieder ins Rohr »Iss a Madl na heirat s und iss a Bua  Jess  der Bua
Der Jackl Er muass do furt mitn Halbezehnezug« Sie bricht plötzlich in ein
hartes Weinen aus »Dass aa grad alls über mi kimmt  Jetzt waar er hergwachsen
 und jetzt kimmt der Kriag « Der Ödenhuber geht ans Kuchelfenster und
starrt zwischen den Obstbäumen durch hinüber zum Hof des Hauser »Ja no«
murmelt er halb für sich »geht halt koan anderscht Dem da drent der seinige
muass aa furt« Die Wirtin wischt sich rasch die Augen trocken »Warum Soll der
vielleicht net furtmüassen Solls für den vielleicht epps anderschts gebn Is
der mehra wia der unser Der Lackl is groß gnua dazua Ja  dem vergunn is«
    Von der Kirche her ertönt plötzlich das Singen und Lärmen Da nimmt die
Ödenhuberin eilig einen hohen Stoß von Tellern aus dem Geschirrschrank reiht
sie klappernd auf der Kupfereinfassung des Herdes nebeneinander und reißt die
Bratraine heraus Und ruft »Resl Zähl glei wieviel dass kemman A jeder kriagt
an Bratn an Salat und a Maß Was oana mehra hat zahlt er« Der Ödenhuber
wendet sich um »Ja freili Was dir net eifallt Nix werd zahlt heunt Gar nix
verstanden Den letzten Trunk braucht mir koana z zahlen Gar koana«  »No
wennst du so viel übrigs Geld hast  mir konns ja recht sei Aber bal jetzt a
jeder fünf Maß hat«  »Nachher hat ers Wer woasss obs net die letzten
fünfe san bei dem oan oder andern« Die Wirtin hantiert wütend mit dem Geschirr
»Ah was Du mit dein Getua Werd net so gfahrli werden Die gehngan scho net so
nahend zuawe Vo mir aus tuast was d magst Mit mein Geld konnst ja leicht
umwirtschaften Mit dem dein alloa gangs scho net« Sie spiesst voll Erregung
die Bratenstücke aus der Raine und wirft sie auf die Teller »Meine Leut wanns
no inne wordn waarn wias du mit mein Sach umhaust die kehratn si heunt no
im Grab um«  »Geh lass mir do mein Ruah mit dem Gschwatz narrischs Weibsbild
Mit dir is ja net zum redn «  Der Wirt geht verärgert in die Stube Da steht
schon die Resl in der matt erleuchteten Schenke und füllt Krug um Krug indes
das Juchzen und Singen immer deutlicher ins Haus dringt »Herrvergeltsgott dass
s da sind« murmelt der Hufschmied
    Da kommen sie auch schon herein mit Ungestüm  schreiend lachend lärmend
ihre Hüte schwingend und ihre Koffer und Päcklein Und allerhand Maidln und
Jungfern begleiten sie kichernd und scherzend und halten ihre Schürzen voller
Blumen die Burschen damit zum Abschied zu schmücken Die Resl rennt und läuft
mit den vollen Krügen und trägt ihrer fünf in einer Hand die Kucheldirn bringt
den Braten und stellt jedem einen Teller hin der Ödenhuber hilft rasch dazu
allein Eile tut not und so packt der Jackl der Wirtssohn frisch mit an und
trägt den Salat auf indes die Wirtin gellend durchs Haus schreit »Leni 
Lenih« Da kommt das Maidl auch schon zum hinteren Tor herein brennrot übers
ganze Gesicht und sie läuft sogleich in die Gaststube packt etliche Krüge und
bedient die Gäste ohne der Ödenhuberin zu antworten auf das erboste »Wo kimmst
her Wo bist gwen«
    Nun sitzen sie also alle beieinander die Burschen samt ihren Weiberten der
Hufschmiedkaspar bei der Schustermirl der Müllermartl bei der Schneidersusann
der Reiserfranzl bei der Seilerchristl der Wirtsknecht bei der Bachmaurerlies
der bei dieser und der ander bei der andern
    Und zuoberst an der langen Tischreih sitzt die uralt Rumplwabn die
Großmutter der Rumplhanni Eigentlich ist sie ja schon seit Jahr und Tag nimmer
in des Ödenhubers Wirtshaus gekommen denn da gemeiniglich einerseits
Dienstboten wenn sie was taugen sollen zu der Herrschaft helfen müssen also
des Hausers Feind auch der Hanni ihr Feind war andererseits aber wiederum
Feindschaften gewöhnlich sich auch auf die Freundschaft und Sippe der
Verfeindeten ausdehnen so hatte die Wabn als Ahnl der Hanni nicht grad bsunders
große Gastfreundschaft von Seiten der Ödenhuberischen vorausgesetzt also auch
dieselbe gar nicht lang auf die Probe gestellt Heute aber da ein ganzes Trumm
jugendlichen bodenständigen Lebens durch den Krieg der Heimat entrissen wurde
da wollte sie nicht abseits stehenbleiben wollte vielmehr als eine die es gut
mit ihnen meinte noch die letzte Abschiedsstunde mitten unter ihnen verbringen
und jedem ein Stümperlein Trost und Hoffnung  und dazu ein Häuflein ehrlicher
Segenswünsche mit auf den weiten Weg geben Darum schert sie sich heute auch
rein gar nichts um Hass und Streit tut als wär sie erst gestern das letztemal
hier als Gast gesessen und zwar als ein wohlangesehener
    Und da eben die Resl fragt »Hat jetzt a jeds sei Sach« und dazu prüfend von
einem zum andern schaut da ruft die Wabn »Was iss denn mit mir Resl  Kriag
i heunt gar nix  Mei Stamperl möcht i« Die Resl lacht »Ach liabe Zeit D
Wabn Di hätt ma jetzt bald vergessen Wabn Vor lauter Kriag Was magst denn
für oan an Kräuter oder an Zwetschben oder an Kronawitta« Worauf die Alt
aufsteht ein nachdenklichs Gesicht macht und sagt »Was für oan welchan
fragst ja  wart amal heunt ham mir Mariä Schnee da tuat oan der Kräuter
nimmer weh hoassts Sinst kunnt i ja aa an Zweschben trinka Vorgestern hat ma
Steffanie Auffindung gfeiert und mir sagt Nach der Auffindung von Sankt
Steffanus macht oan der Zweschbn koa Bitternus« Die Resl wird ungeduldig »Ja
 was willst nachher trinka« Da mischt sich der Wirtsjackl drein »Bring nur
glei alle zwee Sorten Resl Oder bring an Kronawitter aa no mit Js ja der
Abschiedstrunk« Die Resl will eilig nach der Schenke Doch die Wabn schüttelt
den Kopf so heftig dass ihr die endsgrosse schwarze Spitzenhaube mit den
Perlenfransen und Bändern daran wackelt und das Augenglas schier von der Nase
rutscht »Naa naa Resl Um Gottswilln naa sag i Durchaus gar net Der
Kranawitt taugt mir net In dera Woch scho überhaupts net«  »Aber Wabn«
schreit in dem Augenblick der Schmiedkaspar drein »wiast nur a so redn magst
Net taugn Heunt  an Reservisti Auszug« Alles lacht Aber die Wabn bleibt
tiefernst »Naa sag i  durchaus gar net Vor Laurenzi hoassts lass den
Kranawitt steh  sinst muasst an Tiburzi zum Aderlass geh«  »Ja no« meint der
Wirtsjackl schmunzelnd »dees is freili ganz epps anderschts  Vo dene
Bauernregeln verstehngan halt mir junge Leut no z weni  Aber woasst was 
Na trinkst ganz oafach um a Stamperl Kräuter mehra  Und lasst dir von der
Muatta a Braterl gebn oder a Bröckl Gselchts« Die Wabn setzt sich und sucht
umständlich in ihrem Rocksack nach der Tabakdose denn sie nimmt nicht ungern
hie und da eine kleine Prise Besonders wenn sie was zu überdenken hat »Balst
moanst Jackl i sag net naa zum Kräuter« meint sie langsam und mit Überlegung
redend »aber dees Braterl  dees lass ma liaber steh moan i Es kunnt mir net
taugn«  »Net taugn  Warum denn net« Der Jackl winkt der Resl »No  bei
dera Liab die dei Muatta zu mir und zu meiner Hanni hat Jackl  da iss net
gewiss ob s mir net eppa an guatn Glückwunsch mit drunter schneidt« Die Resl
bringt den Kräuter »Geh Resl bring der Rumplwabn an Bratn« befiehlt der
Jackl »Is koana mehr da« tönts vom Kuchlschiebfenster her »Nachher bringts a
Gselchts« Die Ödenhuberin lässt das Schiebfenster herab
    Die Resl läuft hinaus in die Kuchel Aber sie kommt leer zurück und ist
verlegen um die Red und sie flüstert dem Jackl ins Ohr »Jackl  mir ham nixn
 sie gibt nix her  hat s gesagt  für d Wabn  sie soll beim Hauser
drent schaugn  hat s gesagt  und bei der Hanni« Die Wabn lust auf und
versteht gar gut wenn sies gleich nicht hört »Ja ja« sagt sie »i woasss
scho Aber i bin ja gar net kemma zwegn der Ödnhuaberin ihran Bratn  Grad
zwegn insane Buam  Gell ja Buam« Und die Burschen nicken ihr zu schutzen
geringschätzig die Achseln gegen die Kuchel und geben ihr Bescheid mit einem
Trunk
    »Mach dir nix draus Wabn  Zum Wohlsein« Der Jackl aber springt auf und
rennt hinaus zur Wirtin »Wo ist der Bratn«  »Im Röhrl drin« sagt die Dirn
Aber die Ödenhuberin fragt »Für wem« und stellt sich vor die Bratröhre 
»Frag net lang  An Bratn will i«  »I hab koan Bratn für die alt Hex«  »Du
gibst oan her«  »Naa sag i«  »Muatta  Tua mi net ärgern«  »Soll nur zu
dene da drent ume geh«  »Du gibst eahm an Bratn sag i«  »Naa gar nia net«
 »I wills haben«  »Dees kümmert mi gar nix«  Der Jackl wird langsam bleich
Seine Red ist heiser »Du gibst eahm koan«  »Naa  Durchaus gar net« 
»Guat  I geh heunt  Du tuast mir die letzte Bitt wo i hätt net zliab 
Guat  Alsdann konn i nimmer einigeh zu meine Kameraden konn i mi nimmer sehgn
lassen Muass i alloa geh  Aber  dass d es woasst  mit dir  hab i nix
mehr zum verhandeln  mi siechst nimmer « Draußen ist er in der Schenke 
reißt den Hut vom Nagel packt das Kofferl und rennt durch die Schenktür davon
Der Ödenhuber läuft ihm nach Die andern habens nicht bemerkt Grad die Wabn
hat ihn fortrennen sehen Die zieht den zahnlosen Mund zusammen wirft einen
herben Blick hinaus in die Kuchel und tut danach als wäre nichts gewesen 
    Die Ödenhuberin hat den Jackl reden hören greinen drohen Jetzt ist er
weg Sie steht starr am Herd  eine ganze Weile Auf einmal hört sie die
Schenktür zuschlagen  sieht den Wirt hinausrennen Da murmelt sie »Mariand
 er werd do net am End « Und sagt schnell laut zu der Magd »Richt an
Bratn her fürn Jackl« Und eilt hinaus  aus der Kuchel  aus dem Haus
    Da kommt ihr der Wirt entgegen zürnend und greinend »Narrets Weibsbild
narrets  Net amal an Buam sei letzte Stund dahoam is dir heili gwen  dir
 du « Sie starrt ihn an »Is er furt«  »Hast hn ja triebn dazua« Er
geht müd ins Haus Sie schaut gradaus  »Hast hn ja triebn dazua  Jess
Maria  er is furt « Sie rennt plötzlich dahin »Jackl  Jackl  Bua«
Sie horcht Da tönt ihr ein spöttisches Lachen in die Ohren Und eine Stimm sagt
höhnend »Was plärrst denn a so Wirtin  Hast leicht dein Buam verlorn« Die
Hanni  Die Rumplhanni  Das   »Werst hn kaam mehr daschrein kinna dein
Jackl  Der is scho leichtli z Voglriad  Und renna tuat er wia wann der
leibhafti Teife hinter eahm her waar  Aber  der Teife dawischt hn nimmer
denk i  Mitsamt sein Gschroa Jackl  Bua« Fort ist sie Die Ödenhuberin
aber schluchzt wild auf wird plötzlich ganz still wird abermals laut und
beginnt zu jammern zu schreien zu fluchen auf die Alt die Rumplwabn auf die
Hanni auf die Hauserischen  auf alles Und sie geht zurück ins Haus  hinauf
in die Schlafkammer Da riegelt sie sich ein legt sich zu Bett und zieht die
Zudeck fest über die Ohren dass sie nichts mehr hört von dem Lärmen und Singen

    Mittlerweil haben die drunten in der Wirtsstube lachend und stänkernd ihr
Freimahl gehalten und einer um den andern fängt gemach an Trutzgstanzln
abzusingen Da ist einmal der Müllermartl der lässt sich zuerst hören
»Leut habts nur koa Angst net
Es hat ja koa Gfahr
A boarische Watschn
Gspürt ma zworavierzg Jahr«
Worauf der Schmiedkaspar dreinsingt
»Bua der Russ bal mi siecht
Na roast er wia a Has
Denn wo a Schmiedpratzn hihaut
Wachst drei Jahr lang koa Gras«
Der alte Schmied lacht still in sich hinein Er betrachtet seinen Kaspar mit
blinzelnden Augen Und mittendrin sagt er auf schnaufend für sich hin »D Welt
muass boarisch bleibn  sinst iss ja nimmer schee« Wobei er aber der Welt
hübsch enge Grenzpfähl steckt so vielleicht von Holzkirchen über Sauerlach und
der Münchnerstadt auf Wasserburg  und von da etwan über Rosenheim den
Wendelstein und über Miesbach wieder Holzkirchen zu also dass sein Heimatl samt
seiner Hütten hübsch gutding in der Mitten liegt  Und die alt Rumplwabn gibt
ihm recht Bloß der Tag des Auszugs passt ihr nicht recht »Ja ha Buam« sagt
sie ein übers ander Mal »dasss jetzt gar grad allsamm heunt roasen müassts Grad
auf Mariä Schnee Dees werd enk koa guats Zoacha fürcht i  Dees bedeut enk
koa Hoamkemma vorm Winter« Worauf der Reiserfranzl sie beruhigt »Dees macht
nix Wabn Strickst uns halt derweil hübsch warme Wintersöckl« Das verspricht
sie hoch und teuer Dann trinkt sie ihr drittes Stamperl leer und schnupft
danach eine kleine Gefälligkeitsprise aus der Dose des Hufschmieds
Unterdessen hat sich der Ödenhuberknecht der Sepp hübsch nahe an die Alt heran
gemacht Jetzt fragt er sie halblaut »He du Wabei  du woasst do allerhand
simpatetische Sachan kunntst mir da net vielleicht epps a Trumm gebn  oder so
an Spruch oder a Gweichtl woasst dass i halt a bissl a Glück hätt da drausst Du
brauchst es ja net umasinst toa verstehst Wabei  Auf a Markl hi oder zruck
gangs mir net zsamm bals was helfat« Die Alt hört ihm aufmerksam zu Jetzt
sagt sie »Aha  I versteh di scho Du bist halt aa oana der wo moant er hat
d Himmelschlüssel mitsamtn Seligkeitsverschrieb in sein Geldbeutl drin Aber i
fürcht alleweil du hast falsch graten Dens treffa muass den triffts  da
hilft eahm koa Sanktus und koa Benediktus« Der Sepp aber lässt sich nicht so
leicht abwehren »Naa dees is net wahr Wabei  Dei Sach hat no alleweil an
gwissn Triffauf gehabt Du woasst ganz gewiss a Hilf oder an Segn« Er sagts so
laut dass es die andern hören können Und da tönts auch schon durcheinander
»Was gibts da Was hat d Wabn He da möcht ma fei aa epps« Sie stehen auf
und drängen sich um die Alt Aber die jammert »Marixn  Ös derdruckts mi ja 
Da geht oan ja glei der Adam aus bei enkerm Wildtoa« Sie kramt umständlich in
ihren Rocktaschen herum Die Burschen aber schreien »Wabn Mir He Mir aa
epps« Und die Maidln tun jammerlich und bitten mit Blicken und Gebärden Der
Sepp vom Wirt stößt die Wabn in die Seite »Gell Wabei  Grad an Betbriaf
balst hättest  Oder an Ablasspfenning« Aber da sind auch schon die andern
da möcht der Kaspar einen gewissen Segen dass ihn keine Kugel trifft  der
Reiserfranzl ein starkes Russengift  der eine dies und der ander das Und der
Martl vom Müller sagt »Ein wirksams Marschierpulverl für d Franzosen wannst
hättest Wabn  dees waar mir dees allerliaber« Darauf aber der Wirtsknecht
meint »Du waarst ja net viel gschlecki Kunnst ja d Oblatn aa glei verlanga
und an Löffel zum Eingebn« Die Rumplin schmunzelt »Teats enk nur net zkeiln
Buam Lassts enk nur Derweil Auf oamal haut ma koan Baam net um hoassts Da 
jetzt kimmt ja scho was a Josephsringl « Sie zieht ein gewundenes rundes
Beinringlein aus dem Sack und hält Umschau unter den Burschen »Aha Franzl 
dees gib i gar dir Auf dass d deiner Christl net untreu wirst unter dem Kriag«
Sie reichts dem verlegen Lachenden
    Da ruft der Schmiedkaspar unter dem Spott und Gelächter der Umstehenden
»Auweh Jetzt is er ausgschmiert der Reiser Jetzt iss nix mehr mit der stolzen
Pariserin wo er gmoant hat «
    »Teats mi nur recht schlecht macha allsamm« sagt der Franzl und schaut die
Christl lachend an Aber die droht ihm ganz ernstaft mit dem Finger »Du I
moan alleweil  gar so unrecht werdn s net haben Moanst i woasss nimmer
wiast beim Sindlhauser seiner Hochzat grad mit der Rumplhanni alloa tanzt hast
Und an Wein hast ihr zahlt und hoamgweist hast es aa« Der Franzl kommt ins
Schwitzen Und er plärrt der Christl ins Gesicht »Lüag net a so Hoamgweist wer
i s haben Nix wahr iss Balst es net glaabst nachher fragst d Hanni selber«
 »Die werd mirs akkrat glei sagen«  »Ja no i habs amal net hoamgweist«
Die Christl muss ihm glauben  Und die Wabn bringt was Neues Ein wächsernes
Wickelkind Sie reicht es dem Müllermartl »Martl« sagt sie zu ihm »jetzt hab i
epps für di  A Glückskindl  I denk du wirst es scho braucha kinna  für
di selber  und aa für dees ander du verstehst mi scho « Der Martl
schaut unsicher auf das Wächslein auf die Wabn auf die Susann vom Schneider
die neben ihm steht Und die Susann wird brennrot übers ganze Gesicht  und
ihre Augen werden langsam groß trüb und voll Wasser Verstohlen schleicht sie
in die Kuchel hinaus indes der Martl stockend sagt »Net dass ich wüsst Wabn 
I versteh di net ganz « Aber die Rumplin sagt ernst und nachdrücklich »Werd
scho eppa sein der dirs auslegt Martl  DHauptsach is dass d wieder heil
und gsund hoam kimmst und dass d aa drausst a bissl auf d Hoamat denkst 
durch dees Wachsl « Der Martl riegelt verlegen den Hut und schiebt das Kindl
in den Sack
    Die Umstehenden sind verstummt Die Seilerchristl aber schüttelt sich »Brr
 Aber Wabn Dees hört si ja schier o wia a Wahrsagung Da laaft oan ja a
Gänshaut über« Worauf die Alte meint »Ja no  mir hat halt so seine gwissen
Sachen Aber passts auf jetzt muass i an Sepp was gebn« Sie zieht ein langes
doppeltes Band aus dem Sack an dessen Enden zwei kleine Stoffpäcklein hängen
aus weißen braunen blauen und schwarzen Wollflecklein zusammengesetzt mit
Kreuzlein aus rotem Flanell daraufgenäht »Alsdann Sepp« sagt sie »da hast a
alts gweichts Schkapulier vo insan heilinga Vater Franziskus I denk dees is
der beste Kugelschutz Geh her nachher häng i dirs o « Sie stellt sich auf
die Zehen und der Sepp der endslange Loder beugt sich zu ihr nieder zieht
den Hut ab und neigt den Kopf dass sie ihm das Band um den Hals legen kann Mit
andächtiger Feierlichkeit hängt sie ihm das Skapulier um Und sagt »Alle
neunhundertneunundneunzig Heerscharen sollen dir abtreiben alle Kugel  Scheiben
und Spiass  Schuss  Stoß  oder Schlag  so gewiss wie der Engel mit seinem
feurigen Schwert vor dem paradeisischen Garten steht in alle Ewigkeit Amen«
Keiner lacht Jeder zieht den Hut Die Weiberten sagen mit eintönig und
wehleidig singender Stimme nach »In alle Ewigkeit Amen«
    Und die Schustermirl sagt bittend »Wabn du hast so guate Segn du bist alt
und hast epps derlebt geh gib mein Kaschbern aa was Du woasst es ja  heunt
vierzehn Tag hätt ma d Hochzat gehabt« Sie kann nicht weiterreden Der
Schmiedkaspar tröstet »Sei gscheit Mirl Es geht halt jetzt net anders Na
heirat ma halt aufs Jahr  bal i wiederkimm« Der Hufschmied wirft den
Deckel des Masskrugs zu dass es scheppert »Ah mei  I mag net redn « würgt
er heraus Der Ödenhuber sitzt stumpf hinterm Ofen auf der Bank hört nicht und
sieht nicht
    Die Resl bringt der Rumplwabn in einem bläulichschimmernden Glas den
Zwetschgenschnaps Und die Wabn ergreift das Glas »Alsdann Buam jetzt muass i
enk no an guatn Trunkspruch sagen  dasss allsamm wieder gsund hoamkemmts
Tobias ging wandern  von oan Ort zum andern begegnet eahm der Teife 
mit seinem krumpen Schweife sollst nit mehr weiter ziagn i will di
jetzund kriagn Kimmt der Engel Raffael jagt den Teifel zruck in d
Höll fahrts zua in Gottes Namen  und des heiling Geistes Amen« Sie
macht mit dem Glas das Zeichen des Kreuzes über alle Danach blickt sie im Kreis
herum »So Buam jetzt habts mein Segn  Stössts o mit mir und teats mir
Bschoad« Da drängen sich alle mit ihren Krügen um sie und ein jeder stößt an
    Und der Hufschmied strafft sich zur Höh und ruft dazwischen »Guat hast es
gemacht Wabn  Aber  jetzt kimmt mei Spruch« Er erhebt den Krug »Auf dass a
jeder sei Schneid und sein Hamur ghaltn tuat und auf dass a jeder a so zuahaut
dass die ganz Band samt und sunders auf der Stell der Teife holt  Insa Hoamat
und insane Leut solln lebn Hoch Hoch Und zum dritten Male Hoch« Und jeder
greift wieder nach dem Krug und erhebt ihn jeder schreit so laut er kann sein
Hoch So rinnt der letzte Trunk hinab ein Jauchzen hebt an die Ziehharmonika
beginnt einen Landler der Franzl reißt die Christl an sich dreht sie im Wirbel
herum und stampft und plattelt dass es die andern gleichfalls mit Gewalt erfasst
und auf ja und nein wird ein Tanzen und Schnackeln daraus dass man wähnt es wär
am Kirchweihmontag
    Auch die Schneidersusann die still vor sich hinweinend bei der Wirtsleni
draußen in der Kuchel saß wird wieder munter sie steht auf schaut erst eine
Weile zu und macht sich danach an den Martl der nachdenklich beim alten Schmied
und der Rumplwabn hockt »Martl Magst net aa oan tanzn« Den Martl aber
gelüstets nicht Er steht vielmehr auf fasst die Susann bei der Hand und zieht
sie mit sich aus der Gaststube und aus dem Haus »I bin net aufglegt zu dem
Gschnack« sagt er »i geh liaber mit dir no a Stuck Wegs alloa«
    Unterdessen hat sich der Hufschmiedpauli zur Reise gerichtet seiner Mutter
der alten Totenpackerin von Helfendorf einen kurzen Abschiedsbrief geschrieben
und tritt jetzt pfeifend aus der Tür die der Lehrbub schlaftrunken hinter ihm
abschliesst Schon will er die Asslinger Straße hinabgehen da hört er den Lärm
und das Jauchzen »Die san ja no da« sagt er zu sich selber und er wendet sich
rasch dem Wirtshaus zu
    Da sieht er bei einem der Fenster ein Weibsbild stehen Er pfeift ihr Sie
fährt zusammen und wendet den Kopf »Was willst« Der Pauli tritt zu ihr »Was
willst denn du«  »Werd di nixn ogeh« Sie will weglaufen »Ah Dees is ja d
Rumplhanni Was rennst denn davon«  »Jess der Pauli« Die Hanni starrt ihn
verwundert an »Dass du aa mitn Kuferl daherkimmst«  »Weil i aa mitgeh«  »Ja
wia dees«  »Freiwilli «  »Ja was Freili« Ein tiefes Bedauern liegt in
ihrer Stimme Und ein großes Mitleiden da sie fragt »Mei was werd denn da dei
Resl sagen« Der Pauli lacht »Was werd s sagen  Nix  Um an andern muass s
eahm halt schaugn«  »Du bist aber grob« Sie betrachtet ihn lächelnd »Wann i
d Resl waar  i liass di net furt«  »Wurdst mi kaam aufhalten kinna« Die
Hanni schaut ihn an in ihren Augen loderts »Wett ma i kunnt  I scho«
    Dem Pauli steigt jäh eine Hitze ins Gesicht Es klingt unsicher da er sagt
»Naa  Net  Koane« Sie lacht Er fährt sich über die Augen »Dass d so alloa
da heraussden stehst Hanni«  »Weil i drin nix verlorn hab«  »Geh halt a bissl
mit eina«  »Dees kannst dir denka  I  zum Ödnhuaba«  »Warum denn net 
Geh nur mit« Er fasst sie am Arm »Du bist do a ledigs Leut  Du kannst do
hingeh wo d magst« Die Hanni sträubt sich »Naa sag i I mag net I hätts
gar net in Sinn gehabt I hab grad a bissl gschaugt wer dass drin is Moanst i
lass mi oschaugn«  »Geh sei net fad Hanni« Er zieht sie gegen den Hausgang
»Balst mit mir einegehst sagt koa Mensch nixn«  »Grad d Resl  Zletzt
moants gar  i tat dir was wolln « Sie sieht ihn wieder an lacht leise und
zeigt ihre Zähne »Und sie tat dir nachher zwegn meiner d Liab aufkündn « 
»Bal i dafür a anderne kriagat « Der Pauli presst ihren Arm dass sie jammert
»Au Du tuast mir ja weh« Jemand tritt unter die Haustür Die Hanni sucht ihren
Arm freizumachen Aber es gelingt ihr nicht »Geh Du tuast mir weh sag i« 
»Gehst mit eine«  »Lass mi aus sag i dir«  »Obst mit eine gehst frag i« 
»Naa i mag net«  »Hanni Geh tua mir halt die Liab«  »Du tuast mir aa
koane«  »Alls tua i Was d willst«
    Von der Haustür her dringt ein Laut Jemand geht hinein Die Resl  Die
Hanni fährt zusammen »Hast nix gehört grad« Der Pauli stellt den Koffer nieder
»Was soll i gehört haben Also gehst net mit Nachher geh i aa nimmer eine
Nachher muasst aber no auf d Bahn a Stuck mitgeh« Er hält sie mit beiden
Händen Sie schüttelt den Kopf »I kann net I muass hoam I sollt scho lang
dahoam sein Geh lass mi hoamgeh« Aber der Pauli ist unerbittlich »Entweder du
gehst no mit eine oder mit auf d Bahn«
    Drinnen tobt das Tanzen tönt das Spiel »Hanni balst liaber mit auf
Bahn gehst  ganz alloa « Er sagts mit unterdrückter Stimm Aber die Hanni
lacht und sagt »Wia die narret san Dees packt oan glei selber o  Alsdann
balst magst nachher geh i no mit eine Aber du muasst amal mit mir tanzen« 
Und sie bückt sich um den Koffer reicht ihn lustig lachend dem Pauli und
drängt »Also mach Sinst is er aus bis mir kemman« Da reißt er sie an sich
sie windet sich los läuft an die Tür und er führt sie hinein wirft juchzend
sein Kofferl auf einen Tisch und zieht sie in den Knäuel der Tanzenden In der
Schenke aber steht die Resl weiß wie der Kalk an den Wänden starrt die beiden
an und lehnt sich todmüd an den Glaskasten
    Die Hanni tanzt und lacht und schmiegt sich fest an den Pauli der sie wild
herumwirbelt und dazu murmelt »Herrgott  Madl  i kunnt di grad
umanandreissen  dass d Welt zgrund geht Hanni magst mi« Aber die
Hanni lacht und sagt gar nichts
    Da ist der Tanz zu End und einer schreit »Auf gehts  Geh müass ma«
Worauf die Burschen nach den Koffern und Päcklein greifen die Maidln ihre
Blumenbüschel und Kränze zusammenraffen der mit der Ziehharmonika sich an die
Tür stellt und also alles sich zum Gehen schickt
    Da erblickt die Hanni ihre Großmutter die Rumplwabn Was ihr recht
ungelegen ist schon wegen der Feindschaft zwischen dem Hauser und dem Wirt 
wegen des Anschauens auch dass sie um die Zeit noch außerhalb ihrer Kammer ist
und  vor allem wegen des Pauli und der Resl Sie schaut spähend nach der
Schenke Da steht die Resl immer noch wie eine der sie das Blut aus den Adern
gezogen haben und starrt herüber zum Pauli Der aber hat nur Augen für sie
selber er hält sie fest bei der Hand und will mit ihr gehen
    Doch da sehen ihn die andern Mit ihr der Rumplhanni Und plärren schon
»Jess der Pauli Aus iss Der geht aa mit  Ja Pauli Alter Bazi«
    Und die Weibertn stecken die Köpf zusammen und wispern »Ja heilig der
Pauli  Mit der Rumplhanni«  »Die hats ja do mitn Hausersimmerl ghalten«
Die Susann sagts  »I hab gmoant mitn Reiserfranzl« Die Christl wird brennrot
und wirft einen wütenden Blick auf die Hanni und auf die Schustermirl die es
gesagt hat »Ah Die hats ja mit an jedn« flüstert die Staudenschneiderlies
verächtlich »Aber er  der Pauli Der hat do mit der Resl epps gehabt« Alle
schauen nach der Resl Doch die ist eben durch die Schenktür hinaus »Naa dees
glaab i net« meint die Susann »sie is ja grad a Kellnerin  Verkohlt werd er
s halt haben« Worauf die Christl geringschätzend sagt
    »Und die ander is a Stallmensch Und a schlechts Weibsbild«
    Unterdessen hat die alte Rumplwabn die Hanni erkannt Sie steht so gschwind
auf wie es ihre alten Beiner erlauben und humpelt mit zornfunkelnden Augen auf
die Hanni zu »Wia kimmst denn du da eina  Zum Wirt«  »Ah D Groß s
Eahlei Du bist aa da«  »Was dass du da herin z suacha hast frag i«  »Nixn
Groß Zwegn deiner bin i eina« Die Hanni schaut ganz unschuldig drein »Grad
weil i di herin gsehng hab Eahlei« Aber das Ähnlein die Großmutter glaubt
ihr nicht recht »Dass d mir auf amal a so nachlaafst  Du kimmst do sinst aa
nia zu mir «  »Bal i nia Derweil hab«  »Dass d nachher heunt Derweil hast
Jetzt  um die nachtschlaffat Zeit«  »No  wenn s mi aussagsperrt haben« 
»Aussagsperrt wern s di haben«  »Wenn i dirs sag Eahlei I hab an Simmerl no
sei Kuferl a Stuck Wegs tragn helfa und wia i hoamkimm is des ganz Haus zua 
hint und vorn Und allsamm schlaffan s«  »Dass d es na net aufweckst« 
»Moanst dass i mi oplärrn lass  Wo s a so so grob san mit mir« Ihre Stimme
klingt weinerlich
    Die Wabn horcht auf »Grob san s sagst«  »Na sag i  Am liabstn
jagetn s mi a so auf der Stell aus weil i neamd hab zum Schutz« Die Alt ist
plötzlich auf Hannis Seite »Was Ausjagn Die solln si untersteh Dees glaab i
 Dees kinnan s ja gar neta Dees kinnan s ja überhaupts gar neta«
    Dem Pauli der inzwischen seinen Freunden erklärt hat dass er freiwillig
mitginge dauert der Disputat zu lang Er fasst die Hanni unterm Arm und will sie
fortziehen »Geh tratschts morgn ös zwee Jetzt gehen ma« Aber die Hanni
schaut ihn groß an »He he Büaberl Net so gach Nachher gehst halt balst geh
willst« Und die Großmutter greint »Du bist mir aber amal a grober Lackl a
ohabischer Glei lasst es steh mei Hanni Moanst dass dee auf di wart Da bist
gstimmt mei Liaber« Aber der Pauli packt die Hanni nur fester Und lacht
»Geh Wabei sei stad  Du verstehst ja nix Du woasst ja nix Bei ins zwee is
d Warterei vorbei« Und damit zieht er auch schon die Hanni aus der Stube und
lässt die Alte wie angewurzelt stehen
    »Geh zua Dirndl« sagt er zur Hanni »druck ma uns Mir wissens gewiss  und
die oan müassn erscht ratn« Aber die Hanni kann auf einmal nicht mehr länger
mit dem Heimgehen verziehen Sie muss ihm den Abschied geben »Pauli« sagt sie
draußen vor dem Haus »jetzt müass ma uns aber pfüatn I muass hoam«  »Hoam 
Du muasst jetzt mitgeh dass d es woasst«  »Naa Pauli I ko net Ganz gewiss net«
 »Grad no a kloans Wegei Hanni«  »I muass hoam Pauli Ohne Bedingnis« 
»Und mi lasst alloa datschn Du bist ausgschaamt«  »Ja no «  »Hanni« 
»Guate Nacht Und viel Glück« Sie lässt sich nicht mehr halten und läuft ihm
unter den Fingern weg durch den Wirtsgarten hinüber zum Hauserhof wo sie
auflachend hinterm Wagenschupfen stehen bleibt
    Indes der Pauli Derweil hat auf einem einsamen Weg nachzudenken über zwei
Weibsbilder oder trübsinnig auf die andern zu warten Davon ihm das eine so
lieb ist wie das ander so dass er giftig ausspeizt ein paarmal flucht und
danach langsam vorausgeht bis die andern nachkommen Was nimmer gar lang
dauert denn drin in der Wirtstube sagen sie grad noch dem Wirt und der Leni
Pfüagood verwundern sich plötzlich dass der Jackl schon fort ist und dann
ziehen sie lachend und singend dahin indes der Ödenhuber trübschauend unter der
Haustür steht und die Resl samt der Leni drin das Geschirr zusammenräumt ohne
Red ohne Eil
    Der Hufschmied und die Rumplwabn gehen schwatzend heimzu der Pauli mischt
sich unauffällig unter die lärmende Gesellschaft und die Wirtin öffnet dem Wirt
die Schlafkammertür worauf sie wieder ins Bett steigt sich gegen die Wand
kehrt und auf den Schlaf wartet den sie selber verscheuchte
    Drüben aber beim Hauser von Öd schleicht die Hanni am Haus entlang und
sucht nach einem offenen Fenster Und da alles zu ist macht sie sich hinten
beim Stadel eine Leiter los lehnt sie an eine zerbrochene Fensterluke beim
Heuboden und steigt hinauf worauf sie durch den Kriadaboden in die Dachkammer
schlüpft und von da über die Speicherstiege hinabschleicht ins Haus und in ihre
Kammer Dort legt sie gemächlich ihr Gewand ab löst die Nadeln aus dem Haar und
macht das Fenster auf so dass die stille Nachtluft das ferne Singen und Spielen
wie einen Hauch herüberschickt und ein herber Geruch von Grummet Scholle und
Dung in die Kammer dringt Dann zieht sie summend die Schuhe und Strümpfe aus
und legt sich zufrieden und lächelnd auf die armselige Lagerstatt wie einer
der sein Sach wohlgemacht hat Und da der harte Strohsack mit der rupfenen
Zieche und dem härwenen Linnen sie rauht und drückt da sagt sie halblaut für
sich hin »Lassts enk nur Zeit als Hauserin lieg i scho besser« Danach freut
sie sich noch dass sie der da drüben der Resl ihren Pauli noch so schön
ausgespannt hat gähnt und schläft ein gut und fest
»Kikerikih« Dem Ödenhuber sein Gockel schreit den Tag an so laut er kann Der
Hauserbauer dem in der Nacht bald schwül und ängstig bald fröstelnd und ungut
zumut war so dass er erst lang nach Mitternacht den Schlaf fand dreht sich
aufschreckend im Bett herum »Sakramontsviech verfluachts Dir drah i do no d
Gurgel um Plärrats Luada plärrats« Er schaut auf die Uhr Drei vorbei Die
Hauserin liegt noch im guten Frühschlaf neben ihm Das feiste rotwangige
Gesicht mit der stumpfen Nase fest zwischen die karierten Kissenzipfel
vergraben den Mund etwas geöffnet und unterm Kinn das geblümelte Kopftüchl zu
einem lockeren Knoten verschlungen Wieder kräht der Nachbarsgockel Der Hauser
springt fluchend aus dem Bett »Wann di nur mitsamt deiner ganzen Sippschaft der
Deixel holn tat«
    Die Hauserin schließt den Mund öffnet die Augen und fährt in die Höhe »Was
gibts  Ja so  Iss eppa scho halbe viere  Dass d scho aufstehst Lenz« 
»Da möcht i scho lang fragn« grandelt der Alt »bal di dees Schinderviech dees
miserablige net schlaffa lasst Koan solchern gschroamauletn Gockl musst ja auf
der ganzn Welt nimmer finden«  »Kikerikih« Der Hausergockl gibt dem
ödenhuberischen Antwort Und die Hauserin sagt gelassen »Is eh scho Zeit Hat
a so der insa aa scho gschrian  Gelobt sei Jes Christ  Na stehen ma halt
wieder auf in Gotts Nam« Sie setzt sich auf und schlieft in den vielfach
geflickten wollenen Unterkittel mit dem abgenähten Kattunleib dran den sie
seufzend zuknöpft »O mei Herr  Wo werd jetzt insa Bua sei  Dass er gar nixn
hörn lasst jetzt is er scho glei a Woch furt und no net hat er geschriebn« Sie
steht vollends auf und legt das schleissige pichige Werktagsgewand an »Der werd
scho net Derweil haben zum Brieafschreibn« sagt er und fährt in die Holzschuhe
»No a Postkartn hätt er grad scho schreibn kinna moanat i« erwidert die
Hauserin knöpft das Schlaftüchl ab und fährt mit einem pappigen pomadigen Kamm
über den Scheitel Dann bindet sie das schwarze Kopftuch auf und besprengt sich
mit dem Weichbrunn worauf beide die Schlafkammer verlassen und ihr Tagwerk
anheben er mit dem Futtermähen sie mit dem Kochen der Morgensuppe
    Also nimmt der Alt die Sense von dem Aststumpf des Birnbaums hinter der
Holzschupfe wetzt sie und beginnt auf dem Anger hinterm Haus das Gras des
Obstgartens zu schneiden Weit ausholend und scharf anreissend mäht er in großen
Strichen Aber er ist nicht recht bei der Sache erst reißt er mitten durch den
größten steinigen Scherhaufen durch danach schneidet er in die Hollerstauden
dass er langmächtig wetzen und schärfen muss um die Endsscharten wieder
auszuschleifen  und zuletzt steht er da vergisst auf die Arbeit und stiert
grad vor sich ins Weite
    Die Geschichte mit dem Simmerl und der Hanni geht ihm nicht aus dem Kopf
»Dass aa der Tropf so was ohebn muass Der Hannakn der saudumme Wia ma nur
so damisch sei konn Und heiratn Aa no heiratn Statt dass ma s
aussezahlt a so a Weibsbild  Waar mir gewiss net auf a paar Hunderter
zsammganga Gwiss net  Aber  mit dem Buam is ja nix z richten der
gehört ja von Grund aus ins Narrnhaus  Und jetzt sollst aa no drüber reden
Mit ihr  der Hanni  und mit der Rosina  Und die Alt hat doch aa
mitzreden wo s no dees Geld aufn Haus steh hat « Er fängt wieder hitzig zu
mähen an »Wenn ma wenigstens amal mit der oan gredt hätt  Aber «
    Ein zorniges Schreien und Schelten lässt ihn aufhorchen »Schaug sie net o
Sie flaggat no im Bett wenn ander Leut scho lang bei der Arbat san Du moanst
vielleicht dass ma di grad zu der Regerazion fuadert« Und die Hanni dazwischen
»Plärr net a so  I steh um halb viere auf  und koan Augnblick net ehander«
 »Du hast aufzsteh bal mir aufstehngan dass d es woasst du fäus Trumm du
fäus faules«  »Und du brauchst mi gar nix zhoassn dass d es aa woasst« 
»Balst moanst dass ma di faulenzen lasst und herfuadert bis d foast bist da
brennst di«  »Dees is gar ninderscht der Brauch dass ma mitten bei der Nacht
mit der Arbat ofangt«  »Dees glaab i  Aber dass ma d Deanstboten fürs
Faulenzen zahlt«  »Durchaus net Aber so ausnutzerische Leut wias du oans
bist muasss ja überhaupts nimmer gebn«  »Und koa so a ausgschaamte Goschen
wias du hast aa nimmer«  »I lass mi ganz oafach net a so hunzen«  »Wer hunzt
di denn«  »Naa sag i  Wia a Stuck Viech werd ma hergnomma« In dem
Augenblick fährt die keifende Fistelstimme der alten Kollerin drein »Was gibts
da scho wieder Was möchst du scho wieder du ausgschaamts Weibsbild du ganz
ausgschaamts du« Worauf die Hanni patzig auffährt »Und du nachher Was gehts
denn di o Di gehts überhaupts nixn o« Der Alten schnappt die Stimm über »Was
sagst du Was möchst du s Mäu möchst aufreissn  Dass i di net glei nimm und
drisch dir oane eine in dei Bappen « Sie kann nicht mehr weiter Die Luft
geht ihr aus Aber die Hauserin löst sie ab und schimpft weiter Freilich
umsonst denn die Hanni lässt sie ganz einfach stehen packt den Schiebkarren und
fährt ihn hinaus auf den Anger hinterm Haus wo der Alt eben die letzte Mahd
schneidet Und sie murmelt halblaut einen höchst unrespektierlichen Wunsch
greift nach dem Rechen und dem Korb und fasst also das Morgenfutter fürs Vieh
ein das bereits zu brüllen beginnt »A Goschen hats a guate« denkt sich der
Hauser indes er die Sense mit einem Grasbüschel reinigt »Gfalln lasst sie die
amal nix Dees gfallt mir«
    Die Stallarbeit und das Melken ist geschehen Die Hauserischen sitzen
schweigend beim Morgenkaffee der Bauer mit gutem Appetit essend die Bäuerin
mit hochrotem Kopf hastig trinkend die Kollerin gelb vor Zorn und nach jedem
Löffel voll den sie isst die Hanni mit giftigem Blick messend und die Hanni
gelassen und gleichmütig einbrockend und ebenso gelassen Brocken um Brocken
auslöffelnd grad als wär nie was gewesen Was wiederum die Kollerin so aus der
Scharnier bringt dass sie mittendrin den Löffel hinwirft ein Schimpfwort
herausstösst und davonläuft Worauf die Hauserin ebenfalls austrinkt schier
blaurot im Gesicht wird und auch geht Indes die Hanni sich ruhig noch einen
Keil Brot abschneidet und gemächlich zu End isst 
    Und da sie fertig ist wischt sie sich mit dem Handrücken den Mund ab
machts Kreuz und sagt aufstehend »Hauser was soll ma toa Haber umdrahn oder
Erdäpfel ausgrabn Sie hat gestern gesagt dass ma amal ofanga kunnt  mit dee
Rosenkartoffel wenigstens« Der Hauser trinkt seine Schüssel leer »D Erdäpfel
konn d Muatta aa aussatoa« sagt er »gar so viel brauchan s net  Du tuast
Habern umdrahn und i werd drunt bei der Niederloatn ritzen Mit dem neuen
Pfluagmesser werds scho geh wenns aa guatding trucka is«
    Die Hanni nickt dann nimmt sie den langen Haberstecken schüttelt sich noch
einen Rocksack voll Pflaumen von einem Baum und geht hinaus aufs Feld Unterwegs
begegnet ihr dem Staudenschneider sein Girgl Er ist der einzige Sohn des Hofs
drüben hinter der Kirch und mag dereinst einmal leichtlich seine siebzig bis
achtzigtausend Mark bar zu dem übrigen Sach erhalten Der alt Staudenschneider
den im vergangenen Winter ein Schlag gerührt und zu allem Tagwerk unnütz gemacht
hat liegt tagaus tagein auf dem Kanapee hinterm Ofen lallt und jammert ein
wenig wenn er nicht seinen leichten Halbschlaf dahinsäuselt wartet aufs
Sterben  und aufs Heiraten vom Girgl Aber noch hat er keine glückliche
Brautschau gehabt der junge Staudenschneider  trotz den achtzigtausend Mark
den sechzig Stück Vieh und hundert Tagwerk Wald und Grund
    Und daran trägt nicht so sehr sein jämmerlichs und verkrüppeltes Aussehen
die Schuld als vielmehr sein inwendiges Mannsbild Denn man mag zehn Stunden im
Umkreis Nachschau halten man wird keinen Burschen finden der sich mit ihm
messen kunnt an anhabigem Stolz und bockstarrigem Eisenschädel Wie denn auch
seine Mutter die selige Staudenschneiderin eine Bäuerin gewesen war dass sie
nur die Protzenmirl und die Millionenschachtel geheißen wurde worüber sie sich
freilich so erzürnte dass ihr die Galle ins Blut geriet und sie daran sterben
musste Darauf dann der alt Staudenschneider sich eine Haushalterin nahm und also
mit seinem Girgl schlecht und recht fortwirtschaftete bis ihn das Schlagerl
streifte Von da ab musste der Girgl allein werken mit den drei Knechten und den
vier Weibsleuten Aber wenn auch gleich alles wie am Schnürl ging und jeder im
Haus den Jungen grad so achtete wie den Alten schon wegen seiner Tüchtigkeit
und Grobheit so wurde ihm das Regieren doch immer zuwiderer besonders in der
letzten Zeit wo die Knechte gleich seinen Rössern und Wägen vom Krieg
requiriert wurden und er mit lauter Weibsbildern hantieren musste
    Und auf den heutigen Tag ist er so weit dass er sich sagt heiraten  ganz
gleich was für eine Drum hat er auch heut seine Wichs angelegt mit den
ledernen Kniehosen und trägt einen leeren Rucksack am Buckel dass man seine
beinerne Kirm die ihm unser Herrgott schon mit dem ersten Schulränzel angehängt
und entsprechend seinem Grösserwerden alleweil wieder ein bissl höher aufgepackt
hatte nicht gar zu deutlich sehen möcht Der alt Schneckennazi der Schmuser
wüsst ihm wieder eine eine Hochzeiterin Herrgott ja Hols der Deixel Es mag
leicht schon die zehnte oder zwölfte sein Und dass die ja sagen sollt als reiche
saubere Burgermeisterstochter wo die andern alle nein gesagt hatten  er
kanns nicht recht glauben Aber  er muss halt gehen Und so geht er jetzt Und
trifft auf die Hanni Die schaut ihn an und misst ihn spöttisch von unten bis
oben Er sagt kurz »Morgn«  »Guat Morgn aa« erwidert die Hanni »gehst scho
wieder zum Heiratn«  »Kümmerts di leicht was«  »Naa gewiss net I hab grad
gmoant« Sie betrachtet ihn lachend »Sinst hätt i dir halt abgraten davon« 
»Warum« Er fragts hastig »No  weilst do wieder umasinst gehst  Is schad
ums Leder dees wost abezreissst von de Schuach«  »Werd dir aber gleich sei
kinna« erwidert der Girgl gereizt »bal i net die Nächstbeste ins Haus nimm so
is dees grad mei Sach Dees geht neamd was o«  »Freili net Und bal die
Weibertn Mannsbilder liaber san als wia Mühlesel so gehts ja aa neamd was o«
Der Girgl ist ganz starr Das hat ihm noch keine gesagt Er sucht nach Worten 
    Aber die Hanni fährt schon fort »Dass du überhaupts so weit umanand rennst
um a Bäuerin Dass d net oafach oane von deine Dienstigen heiratst Enka
Mittadirn is do so sauber und so richti Und kaam viel billiger als wia oane
von an Hof aussa« Sie sagts ganz ernst aber in ihrem Gesicht zuckts und
wetterleuchtets »Wennst dera alle drei Jahr amal a neus Gwand kaafst und alle
Jahr oa Paar Schuach nachher kimmts di gar net so teuer Fressen wird s
danach aa net mehra wia ehvor Und bal s als Staudenschneiderin wirkli a
dickerne Haut auf der Kaffeesuppen verlangt wia als Mitterdirn so machts dir
derhalben dein Stall net laarer und dein Geldsack net gringer  Hab i net
recht« Sie schickt sich zum Gehen an »I tat mirs do amal überlegn Girgl dees
mit der Mitterdirn« Lachend entfernt sie sich
    Der Girgl steht da wie der Ochs vorm Berg und schaut als ob ihm die Hennen
das Brot gestohlen hätten »Himmeherrgott Da sollst jetzt auf Brautschau geh
Wann dir oans d Ohren so vollschwatzt « Er schaut ihr grimmig nach Aber 
wie er sie so dahingehen sieht  so stämmig handlich so ihren Platz
ausfüllend da kriecht ihm langsam ein Gedanke durch den Sinn und je länger er
ihm nachhängt um so besser deucht er ihm So dass er schließlich umkehrt und
wieder heimgeht
    Aber es leidet ihn nicht daheim Das was die Hanni gemeint  mit der
Dienstigen  das bohrt in ihm herum Bloß das mit der Burgl der Mitterdirn
das passt ihm nicht Es dürft keine vom Hof sein weil sonst die andern
rebellisch würden Eine aus der Nachbarschaft vielleicht  Oder aus der
Umgegend  Herrgott das Maidl wär gar nicht dumm wenn mans richtig
betrachtet So ein untertänigs Frauenzimmer könnt man wenigstens richten wie
mans bräucht Und sie verstünd was von der Arbeit der kunnt keine was
vormachen Trotzdem wär er der alleinige Herr im Haus denn von so einer lasst
man sich die Hosen schon nicht abtun Freilich eine Hörige ein Dienstbot in
den angesehenen Staudenschneiderhof  die Mutter wenns wüsst die tät sich noch
in der Truch umkehren  In ihm kehrt sich ja auch was um aber wo es zum Nutzen
und nur zum Vorteil gereicht da kann man ja schließlich den Stolz auch einmal
fahren lassen Und wann er eine erwischte die zu einer riegelsamen Tüchtigkeit
und unbedingter Unterwürfigkeit auch noch eine gute Postur und ein saubers
Gesicht mitbrächt dann kunnt er wohl auf die oder die ander mockige
Bauernmollen verzichten trotz Geldsack und Kuchelwagen
    Nachdenklich streift er durch die Felder wo seine Weibertn und die
gedungenen Mahder arbeiten Und mittendrin steht er an der Haberleiten vom
Hauser wo die Hanni rüstig und mit leichter Hand schafft »He du Rumpl« Die
Hanni wendet Büschel um Büschel ohne aufzuschauen »Hanni« Jetzt hört sie
»Du i hätt epps z redn mit dir«  »Dees werd was Gscheidts sei« Sie beginnt
bei der nächsten Mahd und hört nicht einen Augenblick auf zu werken Der Girgl
schaut ihr wohlgefällig zu »Sakra von dera kunntn die mein was lerna« denkt
er Und laut sagt er »Teats heunt no einführn«  »Bals Wetter guat bleibt
kos scho sei«  »Maht der Hauser«  »Naa ritzen tuat er« Die nächste Mahd
wird umgelegt »Hat enka Sixnblassin scho kalbet«  »Naa auf d Woch moanat
i«  »Stellts es auf s Kaibe«  »Bals a Stierkaibe is scho«  »Sinst
verkaafts es«  »I denk scho An Postalter vo Beiharting werd ers halt wieder
gebn«  »Moanst dass ers mir net gaab«  »Muasst hn halt fragn«
    Er verfolgt ihre Bewegungen wie eine Katz den Perpendikel der Stockuhr
»Guat gstellt« denkt er »net gschlampert beinand und koa Karfreitaratschn
net  dees is was wert Und d Arbat geht ihr von der Hand  grad guat zum
Zuaschaugn Und gar net schiachredat die richtt neamd aus und halt zum Bauern
«
    »Hast gehört Hanni« Er beginnt die Unterhaltung wieder »Was willst« 
»Hat der Simmerl scho epps hörn lassn«  »Hab no nix redn hörn drüber« 
»Werst aa mehra z toan haben jetzt wo er furt is«  »Ja no Wias halt is« 
»Bist eigentli du gern sell beim Hauser«  »Warum fragst« Die Hanni schaut ihn
scharf an  »I hab halt gmoant«  Sie schafft wieder weiter »Ja no  is oa
Platz wia der ander wähn i« sagt sie  »Dees kimmt grad drauf o«  »s
deanat Brot schmeckt überall gleich sauer«  »Muass ma halt amal a anders
verkosten«  »Was nachher für oans« Sie hält inne Er schaut sie begehrlich
an »No  dees eigne halt« Die Hanni lacht »Aha« Sie langt ein paar Pflaumen
aus dem Sack und isst sie wobei sie die Kerne weit von sich spuckt  »Hast no
nia ans Heiratn denkt Hanni« Er steht wie am Sprung Sie schaut nach den
schneeweißen Wolkenballen die sich um die Frühsonne sammeln »I glaab net dass
s Weeda aushalt heunt« sagt sie und fängt wieder an zu wenden  »I wüsst dir
an Hochzeiter Hanni«  »Soo sooo«  »Kunnst in a scheens Sach eineheiratn«
 »Was d net sagst«  »s Hoamatl guat beinand verstehst  Und lauter foasts
Viech und schwaartragate Grund«  Die Hanni schmunzelt »Grad der Hochzeiter
hat an kloan Fehler gell« sagt sie »in der oberen Stubn hat er z wenig und am
Buckel a bissl z viel« Auweh Sie hat ihn schon Aber der Girgl verliert die
Schneid nicht »Macht ja nix« sagt er »was eahm mangelt dees kunntst ja du
leicht guatmacha Dumm bist net und schiach zum oschaugn bist aa net«  »Ja
no So dumm waar i amal gewiss net dass i di heiratn tat«
    Der Girgl ist sprachlos Die wär wahrhaftig gut zu der Feuerwehr zu
brauchen die hätt für jeden Brand ein Wasserschäffel bei der Hand »Was sagst
du«  »Nix dass i di net möcht sag i«  »Und warum net«  »Weil i di kenn«
 »Moanst dass d es net guat kriagatst«  »Gwiss kaam anderscht wia a
Mitterdirn« Sie nimmt wieder etliche Pflaumen aus dem Sack »Naa mei Liaber
da bleib i scho liaber beim Hauser d Oberdirn« Der Girgl ist so starr über
diese Antwort dass es ihm schier die Red verschlägt Nur mühsam bringt er die
Frage heraus »Du sagst also naa« Worauf die Hanni ruhig eine Pflaume um die
ander isst und dazu sagt »Gwiss aa no  Da muasst dir scho um a anderne schaugn
dass s ja sagt  Hast dir denkt weil i dir den guatn Gedanka von der
Mitterdirn einblasen hab du musst di glei erkenntli zoagn  Naa Girgl I mags
gar net so guat haben I wüsst gar net wo i di Truchen hernahm zu dem vielen
Gwand wost mir du schaffetst I will di net von dein Geld bringa«
    Der Girgl fasst sich langsam Und findet nach und nach die Worte zu einer
Erwiderung »Du schlagst mi also aus«  »Balst es a so hoassen willst  ja« 
»Ganz und gar«  »Durchaus«  »Und zwegn was für an Grund und Ursach«  »Weil
i di net mag«  »Ah so  Abspeisen tuast mi«  »Wias d es halt nennst« 
»Nachher gilt dir insa Sach gar nixn«  »Dei Sach und du is zwoaraloa« 
»Achzgtausad san mir gewiss Kinnan hunderttausad aa werden«  »Vo mir aus zwee
I mag di net und balst um und um voll Gold ohängst«
    Jetzt langt er Jetzt hats ihn troffen »Du sagst mir dees Du  Mir« 
»Ja i  dir« Sie arbeitet ruhig weiter die letzte Mahd wendend Der Girgl
aber bohrt sich langsam in einen Zorn hinein dessen Grundursach beleidigter
Stolz ist »Mir sagst du dees Mir An Staudenschneiderbuam von Ö  Du A
Barasolflickersbankert A windiger Deanstbot a oaschichtiger « Er kommt
gemach in ein richtiges Schelten und Schimpfen
    Aber auf einmal fängt er an zu lachen und lacht so laut und unbändig dass
die Hanni vermeint es wär ihm ihre Absag ins Hirn gestiegen und hätt ihn um den
Verstand bracht Sie schüttelt den Kopf und fragt ihn schier ängstlich »Was
hast denn jetzt dass d so dumm lachst« Worauf er noch lauter und närrischer
werkt die Händ in die Hosensäck schiebt und schreit »Was i lach sagst  Weil
s mi gfreut dass i di so fein ausgschmirbt hab Ha Hab di ja grad derbleckn
wolln  Zum Derblecka taugst ja leicht Du werst dir do net eibilden dass i a
solchene in Ernst heiratn tat wias du oane bist A so a Herglaaffene Moanst
eppa mir graust vor gar nix«
    Die Hanni ist langsam näher an ihn herangekommen jetzt steht sie dicht vor
ihm Da sagt er das letzte Sie hat die Zähn fest zusammengebissen die Lippen
öffnen sich der Mund verzerrt sich ein wenig und eh der Girgl sichs versieht
hat er eine so derbe Maulschelle im Gesicht dass ihm das Feuer vor den Augen
fliegt  Die Hanni wendet sich ohne ein Wort zum Gehen
    Der Hochzeiter murmelt einen Schimpf einen Fluch und läuft gegen den Wald
zu wo zwei von seinen Mägden Streu arbeiten Die findet er lachend und
schwatzend auf dem Moos hockend und er hört grad noch die eine sagen »Ja
moanst eppa dass hn i möcht  A so a schiachs Mannsbild und so bollisch und
zwider und a so a Gnack a hungrigs  Naa liaber als harwene Büasserin
umanandlaaffa als wia an solchern Mariand Josix« Sie springt
erschrocken auf und greift nach der Mooshaue  Aber das Wetter bricht schon
los mit Donnern und Blitzen und Schreien und Schelten und die Aufsag für die
nächste Lichtmess hat auch jede im Ohr
    Er geht fuchsteufelswild heim der Girgl und richtet sich aufs neue zur
Brautschau von der er leider spät in der Nacht immer noch als freier lediger
Jungherr sternhagelvoll heimfährt Indes die Rumplhanni zufrieden ihre Arbeit
tut und des dienenden Standes Bitternisse nicht gar zu schwer nimmt in der
Erwägung Ewig dauert nix und als Hauserin schmeckt mir amal mei
Erdäpfelschmarrn grad so guat wia der künftigen Staudenschneiderin ihra Bratl
Denn als Hauserin hab i d Hosen o und als Staudenschneiderin woass i net amal
obs allezeit zu an Kittel glangt Der Frauendreissiger die Spanne zwischen Mariä
Himmelfahrt und Mariä Namen ist für die Landleut eine heilige und gesegnete
Zeit Kräuter zu dieser Zeit geweiht sind ein Abwehrmittel gegen Feuersgefahr
und Wetterschaden eine Arznei gegen Krankheit und Siechtum bei Mensch und Vieh
und eine sicher wirkende Hilf zur Abtreibung aller Zauberei und Verhexung in
Haus und Stall Kälber unterm Frauendreissiger gezogen sind gesünder und
fruchtbarer wie andere und man soll sie aufstellen Die Kühe geben um diese
Zeit ihre beste Milch das Schmalz hat einen besseren Kern wie um Georgi und
Jakobi und lässt sich gut einrühren als Winterschmalz und für die Kirchweih Die
Hennen aber legen in diesen Tagen ihre größten und schönsten Eier die
sogenannten Fraueneier Diese gelten der Bäuerin soviel wie geweihte ja schier
noch mehr Denn ihnen haftet nicht die Vergänglichkeit alles Irdischen an  sie
sind ohne allen Keim der Fäulnis und halten sich frisch bis Allerheiligen also
dass sie mit jedem Tag rarer und kostbarer werden und in den Geldbeutel der
Bäuerin frei den Segen Gottes tragen zu einer Zeit wo die Natur alljährlich
aufhört mit dem Geben und Schenken und also auch die Hennen ihr »Gagagagei
Henn legt ihr Ei ga gei« immer seltener rufen und schließlich ganz damit
aufhören bis zur Weihnacht da sie dann der Hausmutter gemeiniglich die ersten
Christkindleier ins Nest legen
    Darum machen auch die Karrner und Kirmtrager die jahraus jahrein von Hof
zu Hof wandern und für die Städter Schmalz und Eier zusammenkaufen unterm
Frauendreissiger viel Tritt und Weg umsonst und haben oft zu guter Letzt wenn
sie vom frühen Tag bis in die Nacht bei Sonnenhitz oder Regenschauer bergauf und
talab gewandert sind Kirm und Karren leer die Ohren aber voll von grober
protziger Absag und Antwort  So gings auch dem Buschenreiteranderl in diesen
Wochen und er schnauft erleichtert auf da er am Samstag dem dreizehnten
September die Glocken von Schönau und Tuntenhausen den letzten Tag des
Dreissgers einläuten hört Jetzt kommt die Zeit der Bratgickerl der Enten und
der Suppenhennen Und er lädt seine Kirm und Körb auf den Schubkarren und
beginnt seine Wanderschaft dahin dorthin und auch nach Öd
    Da kehrt er zuallererst einmal beim Ödenhuber ein denn er ist rechtschaffen
müd worden und hat Hunger und Durst Der Ödenhuber ist grad im Schlachtaus
denn da er für den Jackl noch keinen rechten Aushilfsmetzger gefunden hat muss
er selber schlachten und wursteln Die Wirtin steht im Gemüsgarten und schneidet
Gurken ab für den Sonntagssalat dabei schaut sie neugierig und verstohlens
hinter den Johannisbeerbüschen am Zaun hinüber zum Hauserhof wo die Kollerin
und die Rumplhanni eben wieder wie ein paar Kampfgockel aufeinander loshacken
Die Resl sitzt schwermütig am offenen Fenster und strickt neue Fersen in ihre
blauen Strümpfe indes die Kucheldirn am Ofentisch das Voressen für den andern
Tag schneidet Die Wirtsleni aber hat grad mit großer Hast ein Päcklein
verschnürt eine Adresse mit dem Vermerk »Feldpost« daraufgeklebt und steckt es
jetzt rasch unter einen Haufen Flickwäsche hinten im Eck wo eine taube
Störnähterin unermüdlich auf der Maschine werkt und rasselt
    Der Buschenreiter trinkt langsam und schiebt bedächtig Brocken um Brocken
zwischen die Zähn bald einen von der Wurst  bald einen vom Brot jeden aber
erst in das bläuliche Salzfass tunkend damit er würziger schmecke Die Leni
setzt sich zu ihm »Wo kimmst her Anderl«  »Vo Vogelriad uma«  »Tuast
kaaffa«  »Bal i was kriag scho«  »Gibts scho hübsch Anten und Gickerl« 
»Mei  no konn ma nixn sagen« Er zündet seine Tabakspfeife an  »Bist z Öd
scho umanandgwesn«  »Naa«  »Beim Staudenschneider aa no net und beim
Hauser«  »Naa  warum«  »I moan halt  Werst scho was kriagn beim
Staudnschneider denk i«  »Ja konn scho sein«
    Die Resl muss in die Schenke Die Maschine rasselt die Dirn schneidet ohne
aufzuschauen Die Leni holt eilends das Paket hervor »Anderl  i hätt a Bitt an
di«  »Sags nur«  »Geh gib mir z Schönau dees Packl auf Es is von der
Hauserhanni und gehört an Simmerl Sie wills net wissen lassen drent dass s eahm
aa hi und da was schickt Jetzt hat sie s mir gebn Aber i kimm aa grad net ummi
auf Post«  Der Anderl nimmt das Paket und schiebt es in den Joppensack »Soo
von der Hanni sagst Und fürn Simmerl  Is scho recht nachher« Er trinkt aus
 »Tuas aber net vergessen Anderl«  »Naa naa«  »Und jetzt trinkst no a
Halbe«  »Naa dees leidts nimmer«  »Die geht nachher auf mein Nama«  »Für
was denn«  »No  für d Hanni«  »Dees hätts net braucht Leni Aber  balst
moanst «  Die Leni trägt das Krügl an die Schenke »A Halbe no fürn Anderl
Resl die kriagst vo mir«  Der Buschenreiter bedankt sich Dann fragt er nach
Vater und Mutter nach dem Geschäft nach Hof und Stall »Hat er guat kaaffa
kinna der Vata beim letzten Markt«  »Ja  vier Kaibe und a Kalbn«  »Was
hat er zahlt«  »Für d Kaibe a Fuchzgerl  und für d Kalbn glaab i siebazg«
 »Wia schwaar«  »Guate Zentnerkaibe d Kalbn viertalbe«  »Vo wem hat er
s«  »I woass net gnau Vo Sindlhausen auffa glaab i«  »Aha Dees werd d
Moserkalbin sei Und zwoa Kaiben aa Dee müassn verkaaffa«  »Warum dees« 
»Ja no er is krank sie is krank der Sepp is in Kriag d Urschl alloa konn aa
net alles dakraftn«  »Freili net«  »Is der Sepp net mit enkan Knecht beinand
gwen z Münka«  »Freili Bei dee Leiber«  »Wo is na enka Jackl«  »Der is
aa bei dee Leiber«  »Was der aa  Jetzt hab i gmoant ja so   Ja du
is net der Simmer vom Hauser « Er will das Paket aus der Tasche ziehen Aber
die Leni wehrt ihm hastig ab Denn eben kommt die Ödenhuberin in die Gaststube
»Der is aa dabei Jawoi Der und insa Jackl sand in oana Kompanie«  »Was d
net sagst«  »Ja In der viertn«
    Die Wirtin mischt sich drein »Werd eahm zwider gnua sei insan Buam wenn
er mit dem beinand sei muass«  »Dees ko ma gar net wissen Wirtin«  »Du
moanst dass si die zwoo «  »Da drausst ganz guat vertragn moan i In der Not
gibts koa Feindschaft  zwischen guate Charakter«  »Ah Da schau her  Da
werst aber falsch gratn haben Zwischen mein Jackl und dem «  Die Leni
unterbricht sie »Er hat aber gar net grob gschriebn drüber in sein letzten
Schrieb Da « Sie langt einen zerknitterten Brief aus dem Sack und liest
»Der Reiser der Hauser und ich mir stehen zusammen bei Saarburg wo wir stark
gekämpft haben Große Schlacht Es ist grimmig hergangen Aber mir leben noch
Ist gut dass mir wenigstens drei Kameraden von einem Ort sind « Die Wirtin
reißt ihr den Brief aus der Hand »I will nix mehr hörn sag i  Hoffentli hats
bald a End  die Kameradschaft  I wünsch neamd nix Schlechts  aber «
Sie geht in die Kuchel
    Der Anderl zieht den Geldbeutel »Geh zahln tua i« Die Resl rechnet
»Zwanzg  dreiadreissg  sechsadreissg« Die Leni legt wortlos dreizehn
Pfennig dazu und geht aus der Stube »Pfüa Good« sagt der Anderl »Kehr wieder
ein« erwidert die Resl  Und die Leni flüstert ihm draußen im Hausflöz zu
»Vergiss fei net Anderl  und kimm auf d Woch wieder«  »Feit si nix« sagt
der Buschenreiter Und er legt sich den Traggurt ums Genick geschirrt sich an
den Schiebkarren und fährt weg  hinunter zum Staudenschneider Da ist die
Haushalterin die Susann grad ganz allein der Alt tut seinen Schlaf und die
Ehhalten samt dem Girgl sind auf dem Feld Also hat sie freie Hand Und sie
nützt den Augenblick »Was möchst denn haben Anderl«  »Was d halt hast Oar
Butter Schmalz a Henn an Gockel a Anten « Sie verschwindet in der Speis
Er folgt ihr mit einem Korb »Um fünf Mark gib i dir Oar Wiaviel gibt ma denn
jetzt Zwölfe«  »Naa naa Scho no vierzehne«  »Dreizehne gib i dir«  »Ja
no Is scho recht nachher«  Sie läuft hinauf in eine Kammer Und bringt einen
großen Weidling voll Schmalz »Sechs Pfund gehngan eine« sagt sie indem sie
unter die Haustür tritt und einen raschen Blick auf die Straße tut »a Mark
fufzge s Pfund«  »A Mark dreissge zahlt ma jetzt« Der Anderl stellt den
Weidling auf den Tisch im Hausflöz zieht sein Messer und sticht das Schmalz
kunstgerecht heraus  »Nachher gibst mir halt acht Mark dafür«  »Hast an
Butter aa«  »A bissl oan scho« Sie läuft in den Keller und bringt einen
Wecken »Fünfe wiegt er«  »Nachher sans sechs Mark«  »Naa sechs Mark
fuchzg« Der Karrner packt ihn samt dem Schmalz ein »Fünf mal zwölf is sechzge
Also macht er sechs Mark Hast no was«  »Naa Anten hab i no koa abto und d
Henna legn alleweil no ganz guat«  »Alsdann nachher ham mir fünfe und acht
sands dreizehne und sechs sands neunzehne«  »I hab denkt zwanzge waarns« 
»Balst ma no um a Mark Oar gibst nachher scho«  Sie legt noch dreizehn in
seinen Korb »Brauchst aber nixn z sagen vor eahm dass i dirs selber gebn hab
gell Sinst schimpft er I gib nachher s Geld dem Alten«
    Er zählt ihr vier Fünfmarkscheine hin  »Hast es net in Silber da« 
»Warum«  »No weil eahm halt s Papier so zwider is dem alten Mo Weil ers so
schlecht siecht«  »Heunt hab i s net anderscht«  »Ja no nachher wechsels
eahm halt i aus«  »Wenn derf i denn wieder kemma«  »Bis in a vierzeha Tag
denk i«  »Soo Aha Is scho recht nachher Pfüate Good«  »Pfüa Good aa
Gehst zum Hauser aa umme«  »Ja«  »Aha Is scho recht Pfüate« Sie schließt
die Haustür und riegelt ab Dann läuft sie in ihre Kammer versteckt das Geld
hastig in ihrem Koffer und geht danach ruhig hinab in die Kuchel
    Und da der junge Staudenschneider heimkommt riegelt sie ihm das Haus auf
und sagt »Hast an Karrner troffa«  »Naa«  »Oar hätt er braucht«  »Hast
eahm oa gebn«  »Naa Er hätt fufzehne wolln und mir gibt grad mehr zwölfe« 
Der Girgl freut sich über den haushalterischen Geist seiner Susann »Hast scho
recht to« sagt er  »I hab mir denkt der werd scho amal wiederkemma balst
selber da bist«  »Is mir aa liaber«  »Dees hab i mir a so denkt Drum hab i
eahm aa gar net lang aufgriegelt«  »Is aa gscheiter«  »Weils es net
braucht bal ma eahm do nixn gebn will«  »Der kimmt scho amal wieder« 
    Unterdessen ist der Buschenreiter zum Hauser gefahren Die alt Kollerin
bürstelt eben ihre Zeugstiefel ab für den Kirchgang »Grüß di Good Muatta« 
»Grüß di Good«  »Is die Hauserin da«  »In Stall is s«  Er geht in den
Stall »He Hauserin« Die Hauserin richtet grad eine Strohschütt her legt den
Kälberstrick und ein Ziehholz zurecht und stellt ein Schaff Wasser hinter den
Stand einer kreissenden Kuh »Hauserin«  »Was gibts«  »Hast nix für mi« 
»Ah der Anderl Naa gar nix Jetzt im Fraundreissger kaam er zum Kaaffa« 
»Oar hätt i braucht«  »Gib koa her koane Frauaoar«  »Schmalz  Butter« 
»Ja  Wo mir koa Milli net haben Da siechst es ja selber D Bleamlin hat vor
vierzehn Tag kalbet d Blass kalbet heunt der Bachmoarin sei Kaibe is aa no
dro und zwee kalben auf d Nachst  Im Oktober gibts wieder Milli grad gnua«
    Der Hauser füttert grad die Ochsen »Jetzt derfst glei dableibn« sagt er zum
Karrner der die Blass aufmerksam betrachtet  »Moanst dasss so schwaar werd
dass es ös alloa net daziagn kinnts«  »Konn scho sei Hoffan tät mirs« meint
die Hauserin  »Hats scho daucht«  »Ja ja Scho seit drei Stund Konn nimmer
lang osteh«  »No nachher wünsch i Glück« sagt der Buschenreiter und schickt
sich zum Gehen an »und i schaug halt in a vierzehn Täg wieder her« Er geht
grad in dem Augenblick da die Kollerin eben mit dem kupfernen Weichbrunnkrügl
und einem geweihten Kräuterbüschel in der Hand eintritt um die kreissende Kuh
damit zu segnen und ihr in den Kräutern auf die sie noch Ostersalz streut und
Weichbrunn spritzt eh sie dieselben in den Barren legt ein wahrhaftigs
Hilfsmittel gegen Unglück Tod und Hexerei einzugeben
    Der Anderl spannt sich draußen wieder in seinen Karren Die Hanni steht am
Brunnen und wäscht das Seihtüchlein für die Milch aus Da sagt der Karrner
»Hanni«  »Was gibts«  »Hast gehört«  Er dämpft seine Stimme »I machs scho
richti Konnst di verlassen«  »Mit was«  »No  mitn Packl«  Die Hanni
schaut ihn groß an »Mit was für an Packl«  »No fürn Simmerl«  Sie
schüttelt den Kopf »Fürn Simmerl A Packl I glaab du bist a Dummerl wordn
Anderl«  Der Karrner ist wie vors Hirn geschlagen Aber die Hanni sagt
»Moanst dass i da di brauch bal i wem was schicka will I bsorg mir mei Sach
scho selber Dees hoasst bal i gern was bsorg«  Dem Anderl geht langsam ein
Licht auf Aber der Andreas Buschenreiter ist ein Mann der weiß was sich
gehört auf den man sich verlassen kann Und er denkt aha und Schweigen ist
Gold Und lacht recht dumm So dumm dass er der Hanni schier erbarmt wegen des
verlorenen Verstandes Und sie fragt aus reinem Mitleid um ihn auf was anders
zu bringen »Hast guat einkaaft z Öd«  Er ist froh dass sie ihn was fragt
Und er gibt ihr willig Auskunft »Net schlecht« sagt er »beim Staudenschneider
hab i um zwanzg Mark Sach kriagt heunt« Die Hanni zweifelt »Ah Dass der so
viel hergebn sollt dees Gnack «  »Hat mirs ja d Halterin gebn«  »D
Susann«  »Ja«  »Hat denn die so viel Recht«  »Werds scho haben«
    Die Hanni will noch was erwidern da ruft die Hauserin aus dem Stall
»Hanni  Her da zum Ziagn« Und der Hauser pfeift ihr die Kollerin grandelt
erregt »Dass s denn wieder net zuawa geht« Da sagt sie lachend »Pfüate Good
Anderl« und läuft eilends hinein um mitzuwirken bei dem Werk der Erschaffung
eines wunderschönen Kälbleins das dann vom Hauser mit Wasser übergossen von
der Hauserin mit Stroh abgerieben und von der Kollerin benedeit und gesegnet
wird bis es die Augen auftut blökt und das Aufstehen probiert und endlich von
der Hanni der Blass zugeführt wird zur völligen Reinigung und mütterlichen
Liebkosung Worauf die Kollerin der Blass den Muttertrank einschüttet und die
Hauserin den Melkeimer und das Stühlchen holt um sie auszumelken während der
Hauser Strick und Ziehholz wäscht bedächtig die Ärmel herabstreift und zuknöpft
und sagt »Um simme kinnts es ihrs erschtmal ostelln Dass oans dabeibleibt und
dass ihrs net z lang saufen lassts« Danach geht er aus dem Stall Die Kollerin
folgt ihm
    Die Hauserin trägt die dottergelbe Milch den Biest in die Speiskammer und
stellt ihn auf und die Hanni legt das Kalb auf seine Strohschütt wischt ihm
die Augen mit der Schürze aus und bindet es an den Ring Dann breitet sie der
Blass frische Streu unter und geht zum Nachtessen dabei der Hauser sagt »A
scheens Kaibi iss I stells aa auf Und bal die nachstinga schee werden stell i
s aa auf Dass der Stall schee voll wird bis der Simmerl wiederkimmt« »Und bis
i Hauserin werd« denkt sich die Hanni
Wenn die Bienen anheben ihre Waben mit Wachs zu überdecken dann ist der Honig
zeitig zum Schleudern Also stellt am Frauentag der Hauser auch die Schleuder
samt dem Honigkübel in die heiße Kuchel verschleiert sich das Gesicht wie eine
Engländerin die eine Weltreise tut zündet sich die kurze Pfeife an und sagt
»Alsdann deckelt ham s d Impen a guats Wetter is aa dass s net gar zletz
hand i moan i fang o zum Aussahebn« Und so beginnt der Tag der von Honig
fließt
    Die Hauserin taucht die Honigkelle ins heiße Wasser und löst behutsam das
Wachs von den schweren Waben Und während sie diese gemächlich durch die
Schleuder treibt schaut sie zufrieden auf den klaren Goldstrang der durch den
Seiher rieselt drunten im Kübel noch wie ein dicker Faden sich windet und
kräuselt und endlich in der kostbaren Lacke untergeht
    Die alte Kollerin trinkt unterdessen ihren Kaffee aber da kriegt sie
plötzlich einen Impenstich und so ist schon in aller Früh eine Bitternis in die
Süßigkeit des Tags geträuft »Au sakra« schreit sie und haut nach dem Imp
dabei sie leider auch die Kaffeeschale samt den Brocken hinabschlägt »Hat mi
scho oana gangelt a so a Toife Luaderviech miserabigs Naa i sags ja Dasss
jetzt grad heunt schleudern müassts Habts enk jetzt koan andern Tag nimma gwisst
als wia an gottsheilinga Feiertag«
    Die Hauserin will sie beschwichtigen Derweil aber übersieht sie dass an dem
Rahmen den sie eben abdeckelt eine Biene surrend und bebend vor Wut kreist und
hin und wider läuft plötzlich auf ihre Hand losfährt und sticht »Eia Hoass
Teife« Sie wirft vor Schreck den Rahmen weg dass er zerbricht »Malefizviech«
Die Kollerin lässt die Scherben ihrer Kaffeeschale fallen und läuft erregt herzu
»Ja wia konn ma si denn so dumm gstelln Schmeissts den scheena Rahma weg Geh
Wia ma nur so ungschickt sei konn« Aber damit beleidigt sie ihre Tochter die
Hauserin »Ungschickt Dees glaab i Bal oan a so a Krüppi glei angelt sticht
dass oans Feuer vor dee Augn brennt« Die Kollerin tut verächtlich »Ah was
Zwegn oan oanzign Stich macht ma do net a so a Gaude und a Aufhebats«  »Aha«
sagt die Hauserin gekränkt »I müasst staad sei Du hast ja aa gschimpft zuvor«
 »Gschimpft Wer I Gschimpft wer i haben«  »Aber schon hast gschimpft Und
dei Kaffeeschüssei hast aa weggworfa«  »Weggworfa Wia ma nur grad a so lüagn
konn Bals oan aberumpelt«  »Vor lauter Gift und Gall«  »Nix wahr iss
Mir werd wohl no redn derfa«
    Indem reicht der Hauser einen vollen Rahmen zum Kuchelfenster herein und
nimmt etliche leere zum Einsetzen Da hört er die beiden werken »Aha« sagt er
schmunzelnd »Seids scho wieder bei der schmerzhaften Frühlitanei  Da teats
liaber enka Arbat und grohnts nachher weiter« Die Hauserin wirft ihm einen
giftigen Blick zu die Kollerin aber murmelt verächtlich »Dees woass ma scho
dass du a grober Rüappel bist« nimmt den Rahmen und deckelt ihn ab Und sie
hilft ohne weiters sogleich rechtschaffen mit beim Schleudern ungeachtet der
Stiche und Binkel und der Spottreden des Hausers
    Indem kommt das Liesei im Unterröckl mit verschlafenen Augen und wirren
Haaren in die Kuchel »Mein Kaffee möcht i  Uih Gschleudert werd Juhu« Sie
stellt sich sogleich zur Großmutter und nimmt sich etliche Brocken von dem
zerbrochenen Bau streicht auch die Wachsschüssel sauber aus und nascht und
schleckt dass ihr der Honig an den Haaren hängt am Gesicht klebt und von den
Fingern träuft Unterdessen wird die Hauserin allmählich müd und beginnt zu
schwitzen zu seufzen und zu schnaufen Da fällt ihr die Hanni ein »Ja
kreizsakra Für was hat ma denn an Deanstbotn Wo steckt denn die wieder dass s
net hergeht bals a Arbat gibt« Die Kollerin schaut sogleich nach Im Stall 
aber da liegen die Kühe alle geruhig und wiederkäuend auf dem sauberen Stroh und
die Hanni ist nicht mehr dort In der Speis vielleicht Doch die Frühmilch ist
bereits ausgeseiht und in den Weidlingen aufgestellt Und auch in der Essstube
ist sie nicht Die Kollerin geht in steigendem Zorn hinauf in die Magdkammer
    Da sitzt die Hanni hemdärmelig im Sonntagsunterrock am Fensterbrett hat das
Tintenglas samt dem Federhalter vor sich und steckt eilends einen Brief in den
Miederleib Die Kollerin fährt sie an »Wo steckst denn du Wo hockst denn du
umanand« Die Hanni dreht ihr den Rücken zu »Wo i mag«  »Woasst du net dass d
a Arbat hast«  »D Stallarbat is gschehgn sinst werds net viel z toan gebn
am Frauatag«  »Frauatag hi oder her Du hast z arbatn bals dir gschaft is«
 »Is mir aber nix gschaft wordn«  »Soo moanst  Nachher schaff dir i was«
 Die Hanni lacht spöttisch auf »Du schaffst mir guat o  Dees is dir net z
guat« Die Kollerin bebt vor Zorn »Was willst  Du willst mi für an Narrn
haltn«  »Dees sagst grad du«  »Von dir lass i mi fei net dablecka« 
»Brauchts aa gar net«  »Moanst di hat ma grad für d Herrlichkeit«  »Siecht
net aus danach«  »Warum gehst na net abe zum Schleudern«  »Weil mi dees
nixn ogeht Und weil i jetzt in d Kirch geh Bals ös heunt gern schleuderts
kinnts es ja leicht toa Da redt enk neamds epps ei Aber i geh jetzt in d
Kirch« Sie legt ihr Sonntagsgewand an setzt den Hut auf und nimmt das
Gebetbuch ohne sich weiter um das empörte Wettern und Greinen der Kollerin zu
kümmern
    Die aber rennt hinab zu ihrer Rosina »Konnst da no redn Sie hockt drobn
 wia a Prinzessin  und schreibt Briaf Und hängt oan d Goschn o Und
weigert si zum arbatn« Die Hauserin hockt müd auf einem Bänklein und hört der
Alten zu Jetzt sagt sie langsam »Soo sie weigert si sagst Zu der Arbat«
Der Hauser gibt grad einen Rahmen herein »Soo dees is der letzt Jetzt ham
mirs« Da sagt die Kollerin »Ja weigern tuat sie si«  »Wer weigert si«
fragt er zum Fenster herein »Da tat i scho lang fragn« erwidert die Alte
gereizt »Wer anderscht als wia enka Herzbinkerl d Frailn Hanni« Und die
Hauserin sagt energisch »Dees Weibsbild kimmt mir jetzt ausm Haus Und dees
glei Auf der Stell sag is eahm« Sie steht auf und geht hinauf in die
Magdkammer Und überlegt unterwegs was sie dem Weibsbild dem anhabisschen
sagen wollt
    Aber  die Hanni ist schon weg  in die Kirche Sie trabt schon durch das
Gehölz und schaut etliche Male um ob niemand hinter ihr herkommt Und da sie
keinen Menschen sieht langt sie eilends ins Mieder und holt den Brief heraus
Sie geht zu einer alten dicken Eiche und zieht einen Bleistiftstummel aus dem
Sack Und dann schreibt sie schlecht und recht wie es eben grad geht an dem
rauen Baumstamm Hie und da blickt sie spähend auf den Weg dann schreibt sie
weiter Endlich ist sie fertig damit und sie überliest halblaut den ganzen
Schrieb
                               Gelibter Simmerl
meine Hoffnung dass du mir ein Brifflein schreiben kuntst oder sonst was rigeln
zwegen deinen Heuratzverspruch hat sich mir zu schanden geworden Dein Vater
schweigt wie das Grab und du auch wo du mich doch so ungliklich angefihrt hast
Auch ist deine Mutter so vill grob gegen mir und die Kollerin weis schon bald
gar nicht mehr wie dass sie mich beser drangsaliren soll Die Verzweifflung dreibt
mich zu der Feder Ich muss dir auch mitteilen dass sie mich heute schon so
gehunst haben wegen den schleudern Und von Reden wegen der Heurat zwegen dir
und mir ist gar keine Rede nicht Wens nicht bald was gwisses wird dann sage ich
es ihnen selber den dann weis ich es gans bestimmt dass du mich bloß verkolt
hast Ich kunnt vile Burschen heiraten und der Staunschneidergirg möcht mich
gleich aber ich gar nicht zamt sein Sach Weil ich bloß dich mag Den
Schmidfranzl hät ich auch haben kinnen aber ich will nicht Auch teile ich dir
mit dass die Susan vom Girgl so viel falsch ist und ihm unteren Fraundreissger
gleich um zwanzig Mark Eier und Schmalz verkauft hat in ihren Sack Wo mir das
gar nicht einfalen tät eine solche falschheit
    Ich warte auf dein schreiben und grisst dich deine unglikliche Hanni
    Sie nickt befriedigt »Jawoi Entweder  oder Jetzt muass was ausanandgeh
sinst werd mir die alt Hex no Herr Sicher is sicher « Rasch steckt sie den
Brief in den Umschlag und macht ihn zu Dann läuft sie eilig dahin Schönau zu
wirft ihn dort in den Postkasten und geht danach aufrechten Haupts in die
Kirche wo sie sich breit in den Betstuhl der Hauserbäuerin setzt als wär er
schon ihr eigener
    Unter der Predigt überdenkt sie ihren weiteren Plan und nach der Kirch
unterm Heimgehen sagt sie  eins mit sich  zu sich selber »Alsdann morgn
werd gredt und ghandelt Nachher kann s knerrn und röhrn die Alt soviel s
mag Und am Irta Dienstag muass der Hauser mit mir zum Notar  Wer woasss wia
lang dass der Kriag dauert  und wia er sie auswachst Und bal er fallt der
Simmerl  was iss nachher  Was Schriftlichs is alleweil am besten so lang i
no net Hauserin bin Danach gib i mi mit scheene Wort aa zfriedn«
    Auf dem Weg nach Öd begegnet ihr die Wirtsleni Die läuft schier atemlos
durchs Holz und trägt in ihrer Schürze ein Päcklein Und da sie die Hanni sieht
will sie eilends ausweichen doch diese hat sie schon erkannt und ruft ihr zu
»Möchst an Pfarrer no gschwind s Messbuach bringa bevor ma zwölfe läutt dass
er dir a Extraamt liest Da derfst roasen sinst is er grad bei der Vesper
balst kimmst« Die Ödenhubertochter hat nicht viel Antwort bei der Hand »Du
muasst alleweil was zum Derblecka haben« sagt sie verächtlich und trachtet dabei
ihr Päcklein möglichst gut vor den Augen der Rumplhanni zu verbergen Aber die
ist schon wieder mit ihrer eigenen Sorg beschäftigt und geht weiter so dass die
Leni erlöst aufschnauft und eilends ihren Weg dahinläuft
    In Schönau geht sie in die Post und schreibt die Adresse auf ihr Paket An
den Gefreiten Simon Hauser vom Leiberregiment Infanterie erstes Baion 4te
Komponi Dann geht sie nochmals heraus auf die Straße gibt das Päcklein einem
Kind und beschenkts mit einer Münze dafür dass es die Liebesgab am Postschalter
abgibt Worauf sie selber einen Augenblick in die Kirche eintritt dann zum Grab
ihrer Voreltern geht und schließlich sich wieder heimzu wendet froh und
zufrieden dass auch diesmal das Päcklein den Weg dahin findet wohin sie es
vermeint
    Unterdessen ist die Hanni nach Öd gekommen und will grad neben dem Backofen
des Ödenhubers ums Eck biegen als sie aus dem Wurzgarten der Hauserin lautes
Schelten und Schimpfen hört Sie bleibt horchend stehen »Ja was is denn dees«
greint eben die Hauserin »die ganzen Salatpflanzl sand hin Und d Gurkenstaudn
sand ganz zerrupft Und meine Astern liegn herausst Deixelsviecher verflixte
Naa i sags ja Solcherne Henna muasst ja auf der ganzen Welt nimmer finden als
wia dera da drent die ihran Akkrat wia sie selber Wo s oan was otoa kinnan
da tean sies Aber i derwisch scho amal a paar so gschopfate Luader Nachher
drah i eahna s Gnack um dees woass i« Drüben steht die Wirtin hinter dem
Gartenzaungut gedeckt von Bohnenstauden und Dahlienstöcken und lust auf Und
jetzt fährt sie auf die Hauserin los »Aha s Gnack draht s eahna um sagt s
So da is also die Betreffadi wo mir meine ganzen Henna umbringt Aber jetzt geh
i zum Wachtmoaster Glei Auf der Stell«  »Ja geh nur zua« schreit die
Hauserin »Vo mir aus zum Teife Aber dass nachher i aa geh dees mirkst dir
Moanst i woasss net wer ins die ganzen Stallhasen wegagfangt hat« Die
Ödenhuberin reißt eine Bohnenstange aus vor Zorn »O du ganz niedertrachtigs
verleumderischs Weibsbild« ruft sie aus »mir hätten ihrane Stallhasen Sag
liaber wost insane zwölf Anten hinbracht hast Und wer insan ganzen Gartenzaun
überen Haufen gfahrn hat die vergangene Woch« Jetzt ists die Hauserin die
nach Luft schnappt vor Gift und Grimm Und sie ist unfähig der Wirtin noch eine
ergiebige Antwort auf die Beschuldigung zu geben ein hartes trockenes Weinen
kommt sie an und sie muss an den Worten würgen da sie sagt »Mir Mir hätten
dees to « Die Ödenhuberin betrachtet triumphierend diese Wirkung und sie
sagt »Aha Gell jetzt hab i di troffa du alte Speckschwarten Jetzt kommen dir
d Krokodilzachern Bläck nur dass d net so z schwitzen brauchst wannst drobn
hockst am Amtsgricht«
    Aber da ist plötzlich die Hanni »Dass d di nur net z früah freust
Wirtin« sagt sie »mir henkt koan hoassts bal man hn net zuvor hat Wo hast
denn deine Zeugn« Die Ödenhuberin fährt zusammen  »Wer redt denn mit dir«
murmelt sie »was hast di denn du da einzmischen«  »Gar net viel« erwidert
die Hanni »bloß so weit dass i der Hauserin an Zeugn abgebn kann An gwissen
verstehst Moanst dass uns mir alles gfalln lassen von enk Gwiss net Und jetzt
red i  Wer hat seine Heissen Pferde die ganze Zeit in unsern Groamat drin
Wer hat seine Henna in unsern Troad drinna gehabt Wer hat unserm Dirndl znachst
an Hund oghetzt Gell jetzt gehst Jetzt willst nix mehr hörn«
    Die Wirtin hat eilig den Garten verlassen und schlägt laut schimpfend die
Haustür hinter sich zu die Hauserin aber steht da wie eine Siegesgöttin schaut
der verschwundenen Nachbarin noch eine Weile befriedigt nickend nach und wendet
sich danach um nach der Hanni um ihr zu sagen »Dees hast aber guat gemacht i
sag dir mein scheen Dank« Aber die Hanni ist schon droben in ihrer Kammer legt
das Kirchengewand ab und geht danach in den Stall die Kälber zu tränken und das
Vieh zu füttern Erst zum Mittagessen erscheint sie in der Stube Aber da ist
sie wie immer wortkarg und wie die Kollerin zu sagen pflegt ein
unausstehlichs anhabischs Weibsbild das aus dem Haus gehört
    »Was iss nachher jetzt mit dera« fragt sie nach dem Essen als die Hanni
mit dem Geschirr in die Kuchel gegangen ist »wia lang willst es jetzt no fuadern
für nix und wieder nix« Aber die Hauserin hört diesmal nicht sie fragt
vielmehr sehr interessiert ihren Lenz ob er das Fortgehn im Sinn hätt »Willst
no auf Schönau heunt«  »Warum« Der Hauser liest gedankenlos die Zeitung »I
moan halt Weil morgn Viechmarkt is z Schönau Vielleicht woass oana was zwegn
an Ochsen«  »Ja so« sagt der Hauser »freili Schaugn kann i ja Dees kostt
ja nix« Und er legt die Joppe an bürstet den Plüschhut aus und geht Die
Hauserin aber sagt zur Alten »Muatta heunt muasst du in Rosenkranz geh«
riegelt sich in ihre Schlafkammer ein und legt sich aufs Bett indes die Liesl
zum Staudenschneider in den Heimgarten geht und also die Hanni Hüterin des
Hauses ist und des Hofs von dem sie im stillen schon jetzt sagt »Mein Haus
mein Hof«
Beim alten Wirt zu Schönau ist die Gaststube schier übervoll von Gästen Rauch
und Qualm so dass der Hauser nicht unrecht hat da er zum Messmer von Niklasreut
sagt »Bruader in der Höll bals amal a so zuageht und dampft nachher kennt si
leicht der Teife selber nimmer aus« Kein Platz ist mehr da zum Sitzen die
Bauern haben den Herrgottswinkel und das Ofeneck ausgefüllt und an den übrigen
Tischen hocken die Jüngeren und die Dienstigen Man redet vom Krieg Und der
eine meint »Ja no s Belgien ham mir scho s Frankreich ham mir aa scho glei
Paris kriagn man auf d Woch und s Russland aufn Kirta Bis Allerheiling ham mir
nachher an Engländer umbracht und z Weihnachten sauf i mir mein Friedensrausch
o«  »Wenn dir der Italiener net s Krüagl aus der Hand haut derweil« meint
der Messmer von Niklasreut »woasst den Schlawiner tat i scheucha« Aber »Was
Den Katzlmacha« heißts da »den Polantifresser Den Maronibruada möchst
ferchten Was willst denn Was will denn der macha Hat ja grad oa Loch wo er
aussikann der Italiener«  »Und dees is zuapitschiert« meint der Hauser »Dees
ham eahm d Österreicher a so verpappt dass er a Jahr braucht bis er si
durchefrisst« Und so wird weiter disputiert und politisiert bis jeder voll ist
und jeder genug hat und der Wirt sagt »Feiramd meine Leutln Ins Bett werd
gangen« Da wünscht einer um den andern allerseits eine »guate Nacht« der Wirt
zündet seine Laterne an nimmt den Schlüsselbund aus der Schenke und geleitet
die letzten noch hinaus bis auf die Straße »Alsdann kemmts guat hoam und
kehrts wieder zua« sagt er noch dann schlägt er die Haustür zu indes die
Gäste draußen noch eine Weile verhandeln einen alten Brauch ehren und dann
ihren Weg dahintrotten der Heimstatt zu
    Der Hauser von Öd und der Messmer von Reut gehen zusammen Sie sind so
mittendrin in der Schlacht von Sedan anno siebzig und warten einander mit so
viel Erlebnissen und Trümpfen auf dass an ein Fertigwerden nicht zu denken ist
Ganz unversehens stehen sie plötzlich vor der Kirche zu Niklasreut »Ja
Herrschaft Mir san ja scho da« sagt der Messmer verwundert »mir san ja scho
dahoam« Da reissts den Hauser »Dahoam« ruft er »dees glaab i Du bist freili
dahoam Aber i Himmeseitn Jetzt derf i den ganzen Weg no amal geh A so a
Viecherei Renn i mit auf Reut und sollt auf Öd«  Er hört gar nimmer auf die
Trostreden des Messmers brummend und mit sich selber hadernd geht er zurück den
Kopf tief zwischen die Schultern gesteckt die Arme etwas nach rückwärts
gestreckt bald über den einen Fuß stolpernd bald über den andern
»Herrschaftseiten« brummt er für sich selber »heunt glaab i gar hab i an
kloan Wurf Heunt hat er scho glei wieder a so a guats Gsüff gehabt dass s ganz
aus is Zu an Krüppi kunntst di saufa Aber die Alt Sakra die Alt werd
grohna Heunt werd s scho richti zwider sein bal s mir aufriegeln muass Am
liabsten tat i gar nixen sagen dazu« Unter solchen Betrachtungen und
Erwägungen stiefelt er gemach seinen Weg dahin braucht die ganze breite Straße
rumpelt wohl auch einmal an einen Zaun oder Baum an und steht doch zu guter
Letzt ganz munter vor seinem Hauserhof
    Da setzt er sich eine Weile auf die Hausbank und überlegtSollst klopfen
oder pfeifen oder still sein Und bedenkt Jetzt schlaft sie die Rosina und
du weckst si auf und wegen eines Ochsen hast auch nicht geschaut und gefragt
und zu viel aufgelegt hast auch Und ist also schließlich so weit dass er
halblaut für sich hinmurmelt »Naa klopfa tuast ihr net der Rosina Schaugst
liaber dass di d Hanni einlasst« Damit hat er auch schon eine Leiter aus der
Schupfe genommen und lehnt sie unters Kammerfenster der Hanni Schwitzend steigt
er hinauf Die eine Scheibe ist nur angelehnt Der volle Mondschein wirft seinen
Schatten in die Kammer der Dirn Die liegt fest schlafend die Arme überem Kopf
verschlungen auf ihrer Lagerstatt Der Hauser öffnet leise die Scheibe und
starrt auf das Maidl Und mittendrin fährt ihm das Wort »Kammerfensterln« durchs
Hirn ganz gähend dass es ihm die Hitze in den Kopf treibt Ein Gedenken an weit
hinten liegende junge Jahre kommt über ihn Kammerfensterln
    Die Hanni wird unruhig Sie wirft den Kopf herum dass ihr die kohlschwarzen
wirren Haare ins Gesicht hängen lässt die Arme auf die Zudeck fallen und kehrt
sich danach aufschnaufend auf die Seite Der Hauser steht starr wie ein
Wandheiliger ein ganz seltsames Gefühl überkommt ihn und presst ihm mittendrin
den heiseren Ruf »Hanni« heraus »Hanni« flüstert er wieder Das Maidl fährt
in die Höhe »Was gibts« Der Hauser beugt sich weit hinein in die Kammer
»Hanni I bins der Hauser Der Bauer Aussagsparrt ham s mi Magst mi net
einlassen« Die Hanni sitzt erschrocken und schlaftrunken aufrecht im Bett und
reibt sich die Augen »Was Du bist es Hauser«  »Ja i bins Durchlassen
sollst mi durch dei Kammer« Allmählich begreift sie »Ja so Du hast d Uhr
nimmer kennt« sagt sie in ihrer Art »und jetzt muasst di vor dein Nachtwachter
fürchten  Mei wannst moanst dass d durch den Türstock leichter aufn
Strohsack kimmst als wia anderscht nachher geh nur durch Vo mir werd neamd
nix inne« Der Hauser muss lachen »Du bist es ja scho gwohnt s Staadsein«
sagt er indem er sich mühsam durch den Fensterstock zwängt »Is ja der ander aa
leicht öfters auf dem Weg hoamganga  der Bua«
    Die Hanni ist um die Antwort verlegen Aber es fährt ihr durch den Sinn dass
sie ja mit dem Alten reden wollte wegen des Simmerls Ob nicht jetzt eine
glückhafte Stund wär zu dem Anheben Sie tut geschämig »Ja no  I hab hn aa
net aufhaltn kinna« sagt sie »I konn ja di aa net aufhalten « Dem Bauern
schlägelt das Blut bis zum Hals hinauf »Glaabs scho« meint er »dass eahm der
Weg net schiach vürkemma is« Er betrachtet blinzelnd das Weibsbild »Gar net
übel« sagt er sich »guat gstellt und do net übermassi gformt sauber beinand
und frisch in der Art und dazua a Mundwerk wia a Spinnradl Herrgott wann i
net der Alt waar  aber  wer woasss  vielleicht schatzt s mi gar net so
alt «  »Schiach zum Oschaugn bist scho net« sagt er halblaut zu ihr »gaab
scho mehra Leut dene wost gfalln tatst« Die Hanni lacht Ein ganz leises
Lachen dabei sie die Zähne weist und die Augen ein wenigs zudrückt um sie
nachher ganz groß und unschuldig aufzuschlagen »Werd net so gefahrli sei« sagt
sie leise Beim Hauser beginnt ein inwendigs Feuer zu brennen Die Hanni meint
verlegen »Und net amal an Nachtkittel hab i o gell Weilst mi a so derschreckt
hast« Der Alt stiert sie begehrlich an »I schaug dir nix weg« sagt er heiser
»Aber mir wer i mein Verstand jetzt bald weggschaugt haben Geh lass mi a weng
niederhocken«  »Aber Hauser Was fallt dir denn ei« Sie hält verschämt die
Hände über der Brust gekreuzt »Werst do in deiner Schlafkammer aa no an Sitz
finden«  »Aber koan so an kommoden« flüstert er setzt sich an den Bettrand
und sucht ihre Hand zu fassen Die Hanni weicht zurück an die Wand »Geh sei do
gscheit Bauer Werst do deiner künftigen Schwiegertochter net heunt no d Liab
erklärn wolln Lass mei Hand aus Geh lass aus sag i« Er lässt nicht aus In ihm
brennts lichterloh »Hanni Deixlsdirndl Konnst ma gar net a bissl schee toa«
Sie will ihm ihre Hand entziehen »Also sei doch gscheit« flüstert sie wieder
»denk do an sie Wenn sies jetzt hört«  »Ah was die schlaft do Geh sag
mirs obst mi guat leiden konnst« Der Hanni wird ungut zumut
    »Ja« sagt sie »freili konn i di leidn I wer do gegen mein künftigen
Vatern net grob sei Aber jetzt muasst geh Moanst was der Simmerl sagen tat wann
er dees wüsst« Sie zieht sich allmählich bis ans Fussende zurück und springt
schließlich aus dem Bett »Bist denn jetzt ganz vom Verstand kemma« ruft sie
aus »Wiast jetzt net augenblickli gscheit bist nachher schrei i der Hauserin
Oder der Alten« Sie schlüpft in den Unterrock und stellt sich an die Tür Der
Hauser tappt ihr verlangend nach »Dees werst aber bleibn lassen« sagt er
»denn wannst mir du übel willst nachher will dir i aa net guat Auf mi kimmts
o obst amal Hauserin wirst« Aha Da hat er einen Trumpf Einen der was gilt
    »I sag ja net dass i dir übel will Aber i konn do net an Simmerl mit sein
eignen Vatern oführn Dees hat er do net verdeant dei Bua  Und wann i amal
Hauserin bin nachher zoag i dirs scho dass i di aa gern hab  als mein
Vatern «  »Ah was Vatern Is scho recht balst mi danach aa no magst 
als mei Tochta  Aber jetzt  heunt «  »Heunt sagst mirs ob i an Simmerl
heiratn derf gell« Sie wird nachgiebiger »Freili derfst hn  alles derfst
«  »Und du gehst morgn mit mir zum Notar«  »Zwegn was«  »No zwegn der
Heirat Woasst dass i halt eppas Gwisss in Händen hab«  »Ja so  Ja no  Vo
mir aus  Balst mir a bissl schee tuast  nachher konnst verlanga  was d
magst «  »Gell und du lasst di net aufhalten morgn  Und i geh mit« 
»Freili gehst mit  du « »Und lasst es schreibn dass der Simmerl nach dem
Kriag an Hof kriagt  Und i damit  Gell«  Er verspricht alles ja er
gibt ihr den ganzen Geldbeutel zum Pfand dafür dass ers morgen richtig macht
Bloß um ein bissl Schöntun 
    Die Hanni zieht sich langsam gegen ihren Kommodkasten zurück Da steht die
Kaffetasse welche ihr der Simmerl einmal von der Münchner Dult mitbrachte und
eine gipserne Statue der LourdesMadonna und das Weichbrunnkrüglein Der Hauser
hat sie bei beiden Armen ergriffen und sucht sie in die Höhe zu heben In
diesem Augenblick erhascht ihre Hand die Fransen der Kommodendecke Und sie
zieht an Er will sie zur Lagerstatt tragen  Rratsch  »In Gottsnam
Hauser Dees hat sie gehört«
    Der Alt hat sie gählings losgelassen »Gefehlt iss Hauser Dees bal der
Simmerl inne werd « Sie beginnt zu weinen Der Hauser steht lauschend mit
wildklopfendem Herzen an der Tür »Sei do staad« flüstert er »lass mi do
lusen Noch hör i nixen«  »Schaug nur grad dass d aus der Kammer kimmst Mei
Herrgott sehgn bal s di tuat d Hauserin  oder gar d Kollerin  auf der
Stell muass i geh«  Der Hauser horcht immer noch Alle Augenblick vermeint er
was zu hören Da  wars jetzt im Stall Oder bei der Kollerin
    »Schaug bal mir morgn zum Notar gehen nachher  is sie net dabei 
und die Alt net  geh zua jetzt Gell jetzt gehst Ganz staad Und tuast ganz
unschuldi I nimms scho auf mi dees Scheppern I sag dass oaner einsteign hätt
wolln und du hast hn vertriebn« Ja das ist ihm recht Und er sagt zu allem
ja Und schleicht rasch aus ihrer Kammer zieht draußen ganz still die Stiefel
aus und öffnet die Tür zur Schlafkammer Aber da liegt seine Hauserin
schnarchend und blasend und fährt erst in die Höhe als er sich fluchend auf die
Kissen fallen lässt  »Ja so du bist es« sagt sie beruhigt und sie kehrt
sich auf die Seite und schnarcht weiter Indes er über seine Dummheit flucht
dass er so ängstlich war über das Unglück mit der Decke nachgrübelt und sich auf
keine Weise einbilden kann wie es möglich war Die muass i rein mit weggrissen
haben wia i s Madl umetragn hätt i Rindviech denkt er Herrgottseiten  scho
so nahend dro  aber  morgn is aa no a Tag Jawoi Bis auf Eberschberg is a
scheener Weg Und sie muass mit Zwegn an Ödnhuaber sag i  Ah was Jetzt schlaf
i gar Werd si scho was finden Und so halb und halb zufrieden müd und mit
schwerem Kopf dreht er sich um zieht die Zudeck über die Achsel und schläft
ein
    Die Hanni aber klaubt die Scherben der LourdesMadonna zusammen indem sie
sagt »Gholfa hast mir do wannst aa gipsern bist Aber halt di net auf bal i
erst Bäuerin bin nachher stell i di stoanern auf mit aner feinen Grotten«
Der Hauser hat in der Nacht allerhand närrischs Zeug zusammengeträumt und ist
erst beim Tagwerden in jenen traumlosen tiefen Schlaf gesunken den er sonst
gewohnt istDaher kommt es dass seine Hauserin ums Gebetläuten ganz erschreckt
aus den Kissen fährt aufhorcht ihren Lenz noch tief schlafend neben sich sieht
und also ganz und gar irr wird an der Zeit Sie schüttelt den Bauern fest an der
Schulter »Lenz He du Was läut ma denn jetzt Brennts leicht wo«
    Da schlägts fünf Uhr »Was Fünfe  Ja was is denn dees heunt mit dem
Mannsbild Um fünfe schlaft er no Auf du He Lenz Aufsteh sollst Ja
Herrschaft Dass denn der net aufsteht« Sie erhebt sich eilends und zieht sich
erregt an »Der muass ja net schlecht gsuffa haben gestern« Wieder versucht sie
ihn zu wecken doch wieder antwortet ihr nur ein tiefes Grohnen Sie schüttelt
ratlos den Kopf »Dees is mir aa no nia passiert dass i den Tropf net ausm
Schlaf bring« sagt sie »Bal der a so ofangt nachher wern mir bald von die
Federn aufs Stroh kemma Der muass ja an ganzen Banzen ausgsuffa haben« Ihr Blick
fällt auf seine Sonntagshose »Da muass i do scho in sein Geldbeutl nachschaugn
ob er no drei Kreuzer drin hat der Schwammerling« Sie sucht in den
Hosentaschen herum »Wo hat denn der sei Geld Der hat ja sein Zugbeutel net
drin Is der ohne Geld furt gestern« Eilig sucht sie seine Werktagshose durch
»Naa da hat er hn aa net drin Jetzt da hört si do scho allerhand auf Hat
denn der dees ganze Geld mitsamt n Beutl versuffa« Eine plötzliche Wut
überkommt sie Sie reißt ihm die Zudeck weg und plärrt ihn an »Aussa sag i du
Lackl du verlumpter Is dees aa no a Wirtschaft mit so an Mannsbild Wo hast
denn du dein Geldbeutl Wo hast denn du dei ganz Geld hinbracht Wo bist denn du
gestern gwen dass d koa Geld nimmer hast« Der Hauser sucht erschreckt nach der
Zudeck »Noo Konnst oan net schlaffa lassen Mitten in der Nacht reißt s oan
aussa «  »So Um fünfe in der Früah Jetzt woass is do gewiss dass d glumpt
hast gestern«  »Glumpt wer i haben « brummt der Alt und steht unlustig
auf  »Naa sag i Wo hast nachher s ganz Geld hinbracht«  »s Geld
hinbracht A so a dumms Gred« Er schlupft in die Werktagshose »Im
Geldbeutl wer i s halt haben«  »Aha Im Geldbeutl Wo hast nachher dein
Geldbeutl«  »Geh Herrschaft Wo wer i hn denn haben In der Hosen halt« 
»So in der Hosen O du Lugenschüppel du ganz schlechter du« Der Hauser ist
ganz starr Ja was hat denn jetzt heunt der Hausdrach  mit dem ewigen Gefrag
denkt er Aber da greift er selber in die Sonntagshose in die Joppe und findet
den Beutel nicht »Ja Himmekreizkruzi « Vor Schreck muss er sich aufs Bett
setzen »Wo hab denn i «
    Seine Rosina will ihm daraufhelfen »Wie i sag verlumpt werst es halt haben
 werst scho anorts wo oane aufgabelt haben « Sie packt das Sonntagsgewand
und bürstet etlichemal darüber Der Hauser aber hockt da reißt mittendrin die
Augen weitmächtig auf und es fällt ihm was ein  eine Todsünd Herrgott  Wenn
sie ihm draufkommt  gfehlt ists  »Den muass i rein danebn gschobn haben 
beim Wirt « sagt er unsicher »da muass i nachher glei ofragn lassen 
durch d Hanni « Die Hauserin fährt auf »Sunst nix mehr Möchst es net die
Deanstboten aa no einistreicha was d für oaner bist  für a Hallodri« Der
Alt zieht sich gedrückt vollends an da hat er sich ja eine saubere Suppen
eingebrockt Wenn ihn nur das Weibsbild wenigstens nicht aufbringt Das wär erst
noch was Herrgott die Schand vor ihr der Rosina der Alten dem Simmerl
Sein Lebtag könnt er dem Buben nimmer grad ins Auge schauen wenn ers inne
würd was ihm da sein Alter mit dem Weibsbild angetan hatt oder doch wollte
Wenn er nur mit ihr zu reden käm mit der Hanni  »Wia  Lus auf  Hörst nix
 Was hat denn d Muatter scho heunt« Die Hauserin fragts im selben
Augenblick und macht die Tür auf Da hört sie die Kollerin plärren »Is dees aa
no a Art Is dees no menschli D Loater loahnt um sechse in der Fruah no am
Fenster dro Und sie hat gar nimmer Derweil dass s an d Arbat gang Sie steht
einfach gar nimmer auf vor lauter Gloria« Dem Hauser ist so ungut dass er sich
auf sein Bett hocken muss »Herrgott jetzt ham s mi scho« denkt er voller
Ängsten Und die Kollerin schimpft weiter »Du ganz miserablige Stanz du Moanst
du mir ham di dunga zu der Lumperei Dei Herrlichkeit waar a bissl gar z groß
wordn bei ins da Aber jetzt hats a End dass d es woasst Insa Haus is a
ordentlichs Haus  dees mirkst dir  Da muasst scho wo anderscht suacha dass dir
dei Schand geduldt werd du Schuri du gstroachte So und jetzt packst dei Sach
zsamm und druckst di Glei auf der Stell«
    Die Hauserin horcht ganz starr auf »Was hat die Daghabt hat s oan Beim
Fernsterln hat s oan gehabt Ja wo is denn der Schlampen dass i hn nimm und
ausseschmeiss dass s nimmer einafindt die Strohgeign die schlechte« Sie rennt
voller Wut an die Kammer der Hanni Aber die Dirn schlägt ihr die Tür vor der
Nase zu und riegelt ab »Willst du aufmacha« brüllt die Bäuerin und reißt im
höchsten Zorn an der Klinke indes die Kollerin mit dem Kehrbesen an die Tür
schlägt dass es durchs Haus scheppert »Obst guatwilli aufmachst frag i di« 
»Fallt mir gar net ei« sagt drin die Hanni  »I hau d Tür ei«  »Vo mir aus
zwee« Die Hauserin läuft in die Schlafkammer »Treib mir dees Weibsbild aussa
So weit is s jetzt kemma dass mi i aussasparrn lassen muass von so an Polster Geh
nur zua und jag s aussa Und auf der Stell wirfst mir s aus n Haus Auf der
Stell«
    Der Hauser sitzt immer noch auf seinem Bett Er soll die Dirn jetzt
ausjagen Er soll ihr Grobheiten machen  wegen des Fensterlns Er Eine Hitz um
die ander steigt ihm auf Aber er sagt doch mit großer Ruhe und
Gleichgültigkeit »Was geht denn mi dees Weibsbild o Machts do enka Sach selber
aus miteinand I misch mi do in koane Weiberleut net ei«  »So In Stich lassen
willst mi Gegen so a Schlamperl Mi d Hauserin vo Öd«  »Ös werds do selber
aa firti werden damit  Seids do sunst net a so aufs Maul gfalln du und dei
Alte« Er wundert sich selber über seine Ruhe Aber  es muss doch nicht gar so
schlecht stehen um ihn die Kollerin hat ihn noch nicht in der Nase als den
Hallodri Da waar ja i dappig wann i mi einmischen wollt und die ander gegen mi
aufhetzen denkt er Und er sagt noch mal zu seiner Hauserin »Dees muasst do
selber sagen dass dees koa Mannsbilderarbeit is Balst moanst na schmeisst es
aussi aber was d danach einakriagst dees woasst halt aa no net«  »So oane
kaaf i mir heunt no am Markt« sagt sie verächtlich »und überhaupts hab i s
gar net im Sinn no amal a so a Schloapfa z dinga Deswegn gschieht mei Arbat
grad so guat ob i jetzt a so a Weibsbild da hab oder net«  »Ja no« meint der
Hauser indem er sich zum Gehen anschickt »dees muasst selber wissen Zwegn
meiner konnst oane haben oder koane Mei Arbat tuat mir alleweil neamd  Und
jetzt geh i zum Gras maahn D Küah plärrn« Und indem er innerlich von Herzen
froh ist dass er sich so gut aus der Geschichte herausgewunden hat tritt er aus
der Kammer und sagt im Hinabgehen sehr laut zurück »Is der Stall scho gräumt
San d Küah scho gmolcha Is s Viech scho gfuatert A Gsott Häcksel muass aa
gschnittn werden Und Runkeirüabn müassts auszian und Erdäpfel klaubn«
    Die Hauserin lässt ihn reden Sie ist noch nicht eins mit sich Soll sie das
Weibsbild ohne ein weiteres Wort hinauswerfen oder soll sie ihr noch ordentlich
die Meinung hinsagen  Die Kollerin indessen hat kaum die Befehle ihres
Tochtermannes gehört als sie auch schon knerrt »Ja schaff nur schee o Dees
konnst Aber so an Besen richti ranschiern dees konnst net Da laafst davo
Werst scho wissen warum Werst scho aa net ganz sauber sein Bist ja so a ganz
a guater Um sechse fangt ers Arbatn o Um sechse Wann andere scho lang müad
san«
    Ihre Tochter die Hauserin hat gut gehört was ihre Mutter eben sagte und
mittendrin fällt ihr der Geldbeutel ihres Lenz ein Daher fragt sie ganz
unvermittelt »Muatta woasst du aa eahm sein Geldbeutl net Sein Geldbeutl hat
er nimmer« Die Kollerin vergisst über dieser Frage einen Augenblick die arme
Sünderin in der Kammer drin Was die Hanni welche alles mit angehört hat dazu
benutzt ganze leise den Türriegel zurückzuschieben den Geldbeutel des Hausers
ins Mieder zu stecken und eilends durchs Fenster hinaus auf die Leiter zu
steigen
    Im selben Augenblick tritt unten der Bauer aus der hinteren Haustür sieht
die Leiter und darauf die Hanni Er lässt vor Schreck schier die Sense fallen
»Hanni« fährts ihm halblaut heraus Aber die Dirn winkt ihm zu still zu sein
steigt lautlos zu ihm hinab und flüstert »Schnell weg damit Dein Geldbeutel
leg i dir in d Schupfn dass d net Schläg kriagst von der Alten Die hat so
grad gesagt dass d a ganz a guater bist und dass s net sauber is  no ja woasst
scho was« Sie lacht leise »Mei vo mir werd s nix Neus inne« sagt sie
schmunzelnd »dafür möcht i bald von dir was inne werden Woasst aa scho zweng
was gell«  Dem Hauser wird auf einmal wieder leicht und wohl »Siechst« sagt
er »du gfreust mi  Du bist a richtigs Leut Aber lass dir nur Zeit i mach mei
Sach scho recht« Damit trägt er die Leiter hinter den Stadl indes die Hanni in
die Holzschupfe läuft den Geldbeutel des Hausers neben dem Hackstock auf die
Erde wirft und danach ruhig in den Stall geht zum Melken 
    Unterdessen hat droben die Junge der Alten lang und breit erzählt wie ihr
Lenz den Geldbeutel samt der Münz nicht mehr heimbrachte wie er nicht zum
erwecken war und was sie über ihn dächte Und die Kollerin steht dabei wie ein
alter Lämmergeier streckt den Hals dämpft die Stimm und flüstert »Dass s net
sein kunnt Dass sn net verhext haben kunnt an Lenzen Mei Liabe die macht dir
no allerhand z schaffa balst es net aus m Haus tuast« Wohl mags die
Hauserin nicht recht glauben das von ihrem Lenz aber die Alte machts so
wichtig und überzeugend dass schließlich auch der Glaube ihrer Tochter wankend
wird und der Zweifel an der treuen Ehelieb ihres Lenz in die Höh kommt »Ja ja
 mei dass s net sein kunnt« sagt sie nachdenklich Und sie seufzt Aber dann
wird ihre Stimme entschlossen und fest als sie sagt »Drum muass s aus m Haus
Glei Auf der Stell« Damit hat sie auch schon mit der Faust an die Tür
geschlagen und ruft nun hinein »Ja willst jetzt du aufmacha oder net du
Herrgottsakramonter Willst ins guatwilli einelassen moanst he« Und sie packt
die Klinke die Kollerin lehnt mit ihrem Kehrbesen fest an der Tür und pumpert
mit Füßen und Fäusten die Hauserin reißt in aufflackernder Wut wild an dem
Türgriff und dann liegen sie beide sich überkugelnd in der leeren Kammer
    Die Hauserin ist die erste welche sich fasst und erhebt »Die is ja gar net
da« ruft sie »die hat ins ja grad für an Narrn ghalten« Die Kollerin rafft
sich mühsam an ihrem Besen zur Höhe Und auch sie muss sehen dass die Hanni dahin
ist samt der Leiter Bei dieser Erkenntnis steigt ihr Zorn schier ins
Ungemessene »Was Furt is die Karnalje« kreischt sie »beim Fenster is s
ausse das Gfriss Ja die soll doch glei «  »Auf der Stell der Teife holn«
ergänzt die Hauserin und geht voller Gift und Galle hinab die Dirn zu suchen
und ihr den Laufpass zu geben indes die Kollerin droben knerrend am Fenster
steht und nach der Leiter schaut wobei sie den Bauern sieht »I wett dass der
Tropf im Gspiel is« murmelt sie und beobachtet ihn lauernd wie er langsam in
die Holzschupfe geht eine Weile herumsucht und plötzlich etwas vom Boden
aufhebt »Is jetzt dees net «  Sein Geldbeutel ists ja Er zieht ihn auf
und zählt flüchtig den Inhalt dann schiebt er ihn rasch in den Sack nickt
etliche Male vor sich hin und geht danach ins Haus
    »Jetzt hat er hn ja« sagt die Alte für sich und geht hinab »Also hat er
hn gewiss und sicherli verlorn wie er d Loater gholt hat Also is er am Fenster
gwen Drum muass a End gemacht werden a gschwinds« Sie läuft sogleich in den
Stall Da steht schon die Hauserin reißt der Hanni den Melkkübel aus der Hand
und plärrt sie an »Du melchst mir nimmer sag i Du schaugst dass d mir aus
mein Haus aussekimmst Du waarst no so oane du «  »Aha« sagt die Hanni
protzig »du bist nachher mehra wia oane«  »Ha Hoassen möchst mi du was« Die
Hauserin erhebt drohend die Faust Da mischt sich die Alte ein »Was will die
Aufmandeln will sie sich no mit ihra Schlechtigkeit Des Laster«  »Und du
nachher erscht du alter Bachofa Du werst nachher besser gwen sei Di werden s
scho in die Kindswindln heilig gsprocha haben Da balst mir net ganz staad
bist« Die Kollerin muss krampfhaft nach Luft und Worten schnappen Die
Hauserin aber packt die Dirn rau bei der Schulter und stößt sie zurück »Jetzt
glangts aber« schreit sie »jetzt is s gnua Jetzt gehst du Flitschen du
zammzepfte oder i mach dir Füass«
    Die Hanni hält sich gerade noch am Barren fest um nicht rückwärts zu fallen
von dem Stoß Sie wird jäh bleich ballt die Faust und macht einen Schritt gegen
die Hauserin Plötzlich aber lacht sie verächtlich kurz auf »Ha Werd i mi do
net vergreifa  an so ana gwamperten Bauernsau  An so an Scherbn « Damit
lässt sie beide stehen und rennt davon aus dem Haus zu ihrer Großmutter der
alten Rumplwabn Und auf dem Weg dahin sagt sie sich »Habts mi guat aussegworfa
I kimm scho wieder eine Aber nimmer als Dirn Nur als Hochzeiterin dees mirkts
enk Nachher knerrts mir guat und plärrts mir guat ös zwoo Michelidrachan« Bei
dieser Erwägung wird sie wieder ruhig und heiter und summt als sie die Tür bei
ihrem Ähnl öffnet
    »Der Franzos streitt ums Elsass der Russ streitt ums GeldI streit um an
Bauernhof und pfeif auf die ganz Welt«
Im Hauserhof gehts bös her Die Hanni ist nun drei Tage bei ihrer Wabn Und die
Hauserin merkt allmählich dass ohne Ehehalten schwerer arbeiten ist Aber 
nachdem sie schon einmal mit Händen und Füßen gewerkt hat bis das Weibsbild aus
dem Haus war  Das heißt hat sie denn das Sie steht müd und schwitzend vor
dem Herd und sinniert Und mittendrin sagt sie grandig zur Kollerin die neben
dem Ofen sitzt und Butter ausrührt »Herrschaft aber heunt hockst wieder lang
da bei dein Rührfassl Dalebn konn ma di aber jetzt scho nimmer« Die Alte lässt
den Rührschwengel fallen »Jetzt da schaug her Fuchzg Jahr rühr i jetzt scho aus
und no nia hat sich eppas gfehlt Jetzt auf amal waar i z langsam Nachher
rührst dir ganz oafach selm aus wennst moanst dass s bei dir schneller geht«
Sie steht auf und geht zornig aus der Kuchel Die Hauserin ruft ihr gereizt
nach »Jetzt rennt s davo Vo mir aus I rühr net aus I glang a so mit meiner
Arbat I durft mi a so zreißen Die ganz Stallarbat hab i die ganz Hausarbat
s Kocha d Feldarbat s Dreschen  Jetzt müasst i gar no ausrührn aa  Gern
haben kinnts mi allsamm mitanand«
    In diesem Augenblick kommt der Hauser mit den Ochsen heim spannt aus und
geht in die Kuchel »Is s Essen firti D Ochsen müassn glei gfuatert und tränkt
werden Ham d Küah eahna Sach Habts d Kaibe scho hibei gehabt bei die Küah
Nachm Essen richts zum Dreschn o und oa Fuada Erdäpfel muass aa hoambracht
werden«  »Und du konnst mi gern haben mit deiner Oschafferei« schreit ihn seine
Rosina an »I bin doch koa Herrgott net dass i überall zgleich sein kunnt Und
s Hexen hab i aa no net glernt bis jetzt Wennst so guat oschaffa konnst
nachher probier nur s Arbatn aa«
    Der Alt lässt sie ruhig greinen Er setzt sich in der Stube an den Esstisch
macht das Kreuz und betet laut seinen Bittgarschön an den himmlischen Vater ums
tägliche Brot Und da ihm seine Bäuerin zu lange verzieht mit dem Essenbringen
ruft er hinaus in die Kuchel »Muass i no lang wartn auf enka Gfrass Nachher geh
i zum Ödnhuaber ume und kaaf mir mein Mittagmahl« Worauf die Hauserin in lautes
Weinen ausbricht vom zu Tode Schinden und Zerteilen jammert und sich das
Sterben wünscht »Habts es ja net anders haben wolln« sagt der Lenz Die
Hauserin hört ihn scheinbar nicht »Hätts es ganz schee aushalten kinna du und
die Alt« bohrt er weiter  »Ja no Grad alles lasst ma si aa net gfalln Die
braucht mi koan Scherbn net z hoassen und koa gwamperte Sau aa net«  »Mei 
recht mager bist aa net«  »Und zum Kammerfensterln hat ma s aa net dunga«
sagt sie und wischt sich die Tränen mit der rupfernen Schürze ab »Dees glaab i
gar net dass s oan da gehabt hat« erwidert ihr der Bauer »Soo Du glaabst es
net«  »Hast du oan gsehng« fragt er ruhig»Nnaa gsehng hab i eigentli neamd
«  »Hast du d Loater gsehng« fragt er wieder  »D Loater Naa i hab s
net gsehng Aber d Muatta hat s do gsehng«  Der Hauser lacht kurz auf »Ah
was D Muatta Dei Muatta siecht gar oft was I wett sie hats grad gesagt dass
sie s weiterbracht hat d Hanni« Die Bäuerin ist starr Sie muss sich
niedersetzen »Du moanst dass gar koana dagwen is« murmelt sie »aber d Muatta
hat doch sogar gmoant dass du «  »Die konn moana was s mag sagst«
erwidert ihr der Lenz sehr laut »Und balst du so eppas vo mir glaabst nachher
bist aa trauri dro «  »I glaabs ja a so net« sagt sie schnell »aber d
Muatta konns oan a so vürmacha dass ma ganz zweiflat werd« Sie trägt das Essen
auf »Aber dees konn i do net vergessen was s mi ghoassn hat« fängt sie von
neuem an  »Ja no Da konn i dir aa net helfa Werst es scho aa was ghoassn
haben I muass jetzt essen dass i wieder zu meiner Arbat kimm« Während des Essens
wird nichts mehr geredet Der Hauser aber ist zufrieden mit seinem Werk »D
Weiber muass ma bloß richti behandeln« denkt er »die san akrat wia d Ross je
schwaarer dass s ziagn müassen um so leichter dass s zum zügeln san«
    Die Kollerin rührt wirklich nicht mehr aus ja sie lässt sich auch für den
Tag nicht mehr im Haus blicken sondern riegelt sich in ihre Austragkammer ein
und verschmäht sogar das Essen Die Hauserin aber schafft und werkt schwitzt
und seufzt und hockt endlich abends ums Gebetläuten wie tot auf der Hausbank
kaum mehr fähig sich zum Schlafengehen aufzuraffen Da kommt plötzlich wie
hergeschneit die Hanni Sie geht quer durch den Obstgarten kommt aufs Haus zu
geht ohne ein Wort an der Hauserin vorbei und hinein läuft die Stiege hinauf in
ihre Kammer und riegelt hinter sich ab Die Hauserin ist völlig starr Langsam
wendet sie den Kopf schaut der Dirn nach und sagt halblaut »Ja was is denn
jetzt dees Ja die is guat«  Erst nach und nach erfasst sie die Dinge und sie
steht auf und geht in die Schlafkammer wo ihr Lenz bereits in den Federn liegt
und schnarcht Sie schüttelt ihn »He Du  Lenz« Der Alt brummt etwas und
dreht den Kopf »Du Hörst mi Sie is da  d Hanni«  »No lass s da sein«
sagt er verschlafen »Was die da no verlorn hat Net amal an Gruass hat s gehabt
für mi« Der Hauser schnarcht schon wieder Da kommt sie abermals ein Weinen an
»Er schlaft halt scho wieder Und mit mir kann die ganz Welt toa was s mag I
bin der Depp hint und vorn Und derf mi aa no alles hoassn lassn« Sie horcht
hinaus »Ja  bleibt denn die über Nacht da« Ganz leise schleicht sie sich an
die Tür Spähend schaut sie durchs Schlüsselloch Da steht die Hanni beim Licht
ihres Wachsstocks und packt langsam ihre Sachen in den armseligen Koffer Danach
zieht sie das Bettzeug ab legt es mit der andern Schmutzwäsche auf ein Häuflein
zusammen und wirft ein Stück Seife dazu Und am End zieht sie sich ruhig aus und
legt sich in das grobe unüberzogene Bett löscht das Licht ab und reckt sich
auf dem knarrenden Lager Die Hauserin geht gedankenverloren in ihre Kammer
zurück Also sie will noch ihre Fähnlein waschen Und das Bettgewand
Eigentlich ist es ja schön von ihr dass sie an das Bettzeug denkt dass sie ihren
Dreck hinausputzt Überhaupt denkt sie an die Arbeit die Hanni Da darf schon
eine hergehen  Aber  die Unverschämtheit die Goschen  Sie kann kaum
einschlafen die Hauserin vor lauter Denken und Sinnieren Ja ja das Maulwerk
Direkt eine Sau hat sie einen geheißen Einen Scherben Nein das kann man nicht
angehen lassen  Da gibts keine Gnade mehr Sie gähnt müd Nein  die Arbeit in
den letzten Tagen Wenn das so weiterging Freilich gehts so weiter wenn nicht
eine Dirn  die Hanni  Die Hauserin schläft Mitten unterm Grübeln und
Bohren sind ihr die Augen zugefallen
»Rosina  He  Aussa  Zeit iss zum Aufsteh« Der Hauser weckt seine Bäuerin
»Is ja no Nacht« sagt diese müd und verschlafen Aber es hilft nichts sie muss
aus den Federn Wenn man kein Dienstvolk hat muss man selber werken und wenn
man mit einem kurzen Tag Arbeit nicht zurecht kommt muss man anstückeln
Geschehen muss das Tagwerk so oder so Freilich wenn halt die Dirn noch da wär
 »Jessas d Hanni  Du Lenz woasst es dass d Hanni da is« Der Hauser
brummt bloß »Vo mir aus gnua« schlüpft in die Haferlschuhe und geht hinab um
das Gras fürs Vieh zu mähen Die Hauserin schaut ihm wild nach »O du Erzlackl
du grober« murmelt sie »Naa den bekümmert dees Weibsbild nix dees kenn i Da
hat d Muatta scho irr gsehng«
    Aber  die muss doch schließlich heraus Die hat ja eigentlich gar nichts zu
suchen da Herrgott jetzt geht halt die verflixte Schinderei wieder von vorn
an Und es kunnt doch alles ganz anders sein wenn das lausig Ding da nicht so
unverschämt gewesen wär Ob sie nicht doch schon Reue hat die Hanni Man sollte
sie doch aufwecken heraustreiben  Drunten brüllen schon die Kühe plärren die
Kälber Und der Kaffee soll gekocht werden und das Holz soll erst
hereingetragen werden und Wasser gepumpt und Gras eingefahren und Mist
breiten soll man  ah was
    Sie steht plötzlich an der Kammertür der Hanni Und klopft hart an »Hast du
da einigheirat« Die Dirn rührt sich nicht Da reißt die Hauserin an der
Klinke »Was hast denn du überhaupts no da z suacha bei ins« Diesmal antwortet
ein undeutliches Gemurmel »Woasst du net dass d ausgjagt bist«
    Die Hanni ist längst auf und wollte eben mit ihrem Päcklein Wäsche
fortschleichen als die Hauserin klopfte Jetzt sitzt sie unschlüssig auf dem
Bett und überlegt was sie entgegnen soll »Obst net woasst dass i di ausgjagt
hab« tönt nochmals die Frage der Bäuerin hinein »I wer wohl mei Sach
zsammpacka derfa« erwidert jetzt die Dirn Und im stillen denkt sie »Am End
iss doch besser i kehr mi auf die feine Seiten mit der groben werd nix z
richten sein«  »Hat dees so lang dauert dass d über Nacht dazu braucht hast«
fragt die Bäuerin »Ja no auf der Strass konn i aa net schlafa«  »Wo hast
nachher bis jetzt gschlafa«  »Bei der Ähnl Aber sie hat gesagt unterm Jahr
derf i net geh« Sie horcht gespannt hinaus Was wohl die Hauserin jetzt für ein
Gesicht macht Vielleicht lenkt sie doch wieder ein Wär ihr schon recht wenn
sie um den Bauern herum sein könnt Der Alt ist ein Hallodri  den muss man am
Schnürl haben »D Ähnl hat mi recht gschimpft weil i nimmer bei enk bin« sagt
sie mit kleinlauter Stimme hinaus und horcht wieder »Da hat s scho recht
gehabt« meint die Hauserin und denkt Z kriegen wär s scho wiederbraucha
kunnt i s aa wieder und mögen  No  mei   »Kunnst ja leicht no da sein
bei uns wennst net a so a ausgschaamte Goschen hättest«  »Ja no «  »Für
was brauchst mi denn du an alten Scherbn z hoassn«  »Ja no «  »Und a
gwamperte Sau hast mi ghoassn«  »Ja no «  »Also  Gell jetzt siechst es
ein dass d a ganz a ausgschaamts Weibsbild bist«  Die Hanni steht schmunzelnd
an der Tür »Freili siech is ein« sagt sie mit weinerlicher Stimm »No wennst
es nur einsiechst Und jetzt schaugst dass d abe kimmst zu deiner Arbat Und
hoassn tuast mi nix mehr dass d es woasst« Sie muss eine Rührung niederkämpfen
die Hauserin denn sie denkt mittendrin an das Evangeli vom verlorenen Sohn von
der Magdalena von andern Sündern
    Die Hanni aber riegelt eilends die Tür auf trägt beschämt den Kopf tief
gesenkt und geht an ihre Arbeit Der Hauser geschirrt eben die Ochsen ein als
sie in den Stall geht zum Melken Sie schaut ihm herausfordernd ins Gesicht Da
blinzelt er sie an sagt »So so  Na alsdann« und schlägt ihr das Leitseil
um die Schultern »Auweh« sagt die Dirn mit einem leisen Lachen Und sie geht
zufrieden an ihr Tagwerk indem sie denkt Ein Riss in der Freundschaft schadet
nicht wenn der recht Schneider bei der Hand ist zum Flicken
»Der Sommer geht ummi  fallts Laab von die Baam
Der Bua is in Kriag drausst  kimmt nimmermehr hoam
Der Bua is Soldat wordn und werd Kriagsgeneral
Ja wer liabt na dees schwarzauget Dirndl derweil«
Hell singend verrichtet die Hanni ihr Tagwerk Die Zeit geht hin die Tage
werden gemach kürzer und voll Nebel und auch im Hauserhof richtet man sich für
den Winter mit Daxenhacken Torffahren und Holzklieben Die Hauserin staubt die
Spinnräder ab und legt die silberigen Flachszöpfe dazu und der Hauser richtet
die letzte Feldarbeit bevor sich die große weiße Zudeck darüberbreitet und die
werdende neue Saat vor Reif Frost und Erfrieren schützt Es ist ein geruhigs
Arbeiten und Schaffen bei den Hauserischen denn der Bauer und seine Rosina sind
zufrieden mit dem was die Hanni zuweg bringt die Dirn wiederum hat keine
Ursach zur Klag über ihre Diensterrschaft und die alte Kollerin ist schon seit
Wochen krank und serbend siech und liegt in dem alten ledernen Lehnstuhl
droben in ihrer Austragkammer jammernd seufzend und ächzend Dazu hat sie die
kleine Lies bei sich und lässt sich von ihr fleißig berichten was im Haus und
Ort vorgeht
    Dann und wann kommt auch der Buschenreiter Anderl der Karrner zum Hof
erhandelt bald dies und bald das weiß viel zu erzählen vom Krieg von den
Soldaten drin in der Stadt von den Verwundeten und Gefallenen des Gaues und
hat auch daneben allerhand gute Ratschläge für die alte Kollermutter und ihr
Gebresten welches er als den stillstehenden Gichtfluss erkennt von dem aber die
Hanni sagt »Ah was D Gall is ihr halt in d Boaner kemma weil s mi net ausn
Haus bringa kann«  Der Buschenreiter Anderl trägt übrigens noch
dienstbeflissen die Päcklein für den Hausersimmerl auf die Post in Schönau jene
Päcklein von denen die Hanni nichts weiß und die dennoch nach den Worten der
Ödenhuberleni »die Rumplhanni bitten lässt sie auf die Post zu bringen für den
Simmerl« Hie und da kommt auch ein Brief vom Simmerl an die Hauserischen an
die Hanni und an die Leni die er ganz zufällig einmal als die Absenderin seiner
Liebesgabe entdeckte Sein Kamerad der Ödenhuberjackl hatte eines Tages von
der Leni ein Päcklein mit Kuchen erhalten in den ein Zettel eingebacken war mit
dem Verslein
»A Büscherl zum Abschied und an kurzen Pfüagood
Ob wohl meine Rosen scho welk san und tot
Obst wohl no ans Dirndl beim Bachofa denkst
Und obst eahm wohl oamal an Grüassdigood schenkst«
Mit der nämlichen Post war auch für den Simmerl ein Päcklein angekommen es lag
gleichfalls ein Kuchen drin und dabei eine Karte »Lieber Bruder nimm einen
Gruß von deiner Schwester Leni« Da hatte der Simmerl den Jackl angelacht und
der Jackl den Simmerl und in der nämlichen Stund legte sich eine hundertjährige
Feindschaft nieder zum Sterben 
    Nun ists um die Zeit da der Sturm die Wolken peitscht die Bäume schüttelt
und Mensch und Vieh erschauern lässt im ersten Frost Auf dem Gottesacker hängen
die Fetzen der Allerheiligenkränze und in den Kachelöfen der Bauernstuben
kracht und knistert das Feuer An den Fensterläden klappert der Klaubauf dem
heiligen Nikolaus sein wilder Ziehbruder und in den Spinnstuben erzählt man
sich jene alten Geschichten bei denen es schon unsern Vorfahren da sie noch
jung waren eiskalt über den Rücken lief und das Gruseln sie beutelte So kommt
die Weihnacht und mit ihr die Sorge um die welche da draußen in ihren
Schützengräben wachen und frieren Und die Hauserin stellt den Backtrog in die
Kuchel die Hanni schneidet die Kletzen gedörrte Birnen und Äpfel klein die
Lies schlägt Nüsse auf und der Hauser heizt den Backofen gut aus damit dem
Simmerl auch draußen im Krieg das süße Brot der Weihnacht nicht mangle So geht
das Jahr hinüber und das neue nimmt das Regiment in die Hand bringt allerhand
Leid und Trübsal und trägt in den Hauserhof die Totentruh für die alte Kollerin
Die ist mittendrin ganz still hinübergegangen in die ander Welt beklagt von der
kleinen Lies betrauert von der Hauserin gesegnet und in alle Himmel gewunschen
von der Hanni die ein übers andere Mal murmelt »Der Herr gib ihr die ewig
Ruah Weil nur grad der alte Predigtstuhl nimmer da is Die wär imstand gwen und
hätt mi no um alles bracht um mein Platz um mei Hoffnung und um an Simmerl
Der Herr gib ihr an guaten Platz in der Ewigkeit«
    Nun liegt sie aufgebahrt in der Wohnstube die Alte umgeben von blühenden
Stöcken umspielt von dem flackerndenden Schein der Kerzen Ernste Männer
trinken den Totenschnaps jammernde Basen knien in der Stube schnaufen hart in
dem süsslichen Geruch der die qualmende Luft erfüllt und beten für die arme
Seel der Heimgegangenen Dann trägt man sie aus dem Haus hinunter zur ewigen
Ruhstatt im Freitof zu Schönau 
    Der Hauser hat seinem Simmerl den Tod der Großmutter gemeldet und ihn ums
Kommen gebeten allein das Regiment ist nicht mehr in der alten Stellung und
also dem Sohn die Heimreise nicht möglich Doch kommt nach geraumer Zeit ein
Schreiben von ihm an den Vater darin er den Heimgang der Großmutter betrauert
und gleichzeitig bittet Nachdem also jetzt unser Ähnl nicht mehr lebt musst du
jetzt bald mit der Mutter reden wegen der Hanni Richtet alles gut zu für das
Kind gebts der Hanni ein Geld in die Händ und bringts sie gut unter vielleicht
bei ihrer alten Wabn Lassts ihr nichts fehlen und es grüßt euch euer treuer Sohn
Simon Hauser
    Der Hauser kratzt sich hinterm Ohr Herrschaftseiten Jetzt gang alles so
schee und ruhi dahin und jetzt soll i der Rosina die zwiderne Gschicht
ausdeutschen Naa i tuas net Dees konn i mit der Hanni alloa aa richten So
denkt er und sucht nach einer Gelegenheit mit der Dirn über die Geschicht reden
zu können
    Diese Stunde schickt sich auch eine Woche vor Lichtmess da die Hauserin aufs
Amtsgericht fährt wegen eines Prozesses mit der Ödenhuberin und also der Hauser
mit der Hanni allein ist Grad sitzt er beim Tisch und wartet aufs Essen Die
Lies ist in der Schule von der sie vor dem späten Nachmittag nicht heimkommt
Da tritt die Hanni ein die Schmarrenschüssel in der einen Hand den Apfeltauch
in der andern das Gesicht vom Kochen heiß und gerötet die Ärmel des
Wollspenzers weit über die runden Ellbogen aufgestülpt »Wartst scho auf d
Mahlzeit gell« sagt sie indem sie ihm die Schüssel hinreicht »Aber woasst
es braucht halt do hübsch beißen dass ma firti werd mit der ganzen Arbat
alloanig« Der Alt betrachtet sie wohlgefällig »Ah was Du werst ja alleweil
firti Du hast es halt los« Die Hanni lacht geschmeichelt »Mei is net so
gfahrli« sagt sie »Aber an Bauernhof wia den dein trau i mir scho z regiern
Da wer i scho firti Da fürcht i mi net bal i amal Hauserin bin« Er zuckt doch
zusammen der Alt bei diesem Wort Aber ihre Augen blicken ihn fest an ihr
ganzes Gesicht lacht und lässt eine Fröhlichkeit von sich ausgehen die ihm auf
ja und nein den Ernst nimmt »Ja ja Der kann lacha der Simmerl« sagt er und
erfasst ihren Arm »der kriagt amal die Recht an dir Sakra waar mir gar net
zwider wenn i mei Bua waar« Die Hanni rückt mit ihrem Stuhl ganz nahe an seine
Knie »Du scho  Du bist scho so a Schlankl«  Der Hauser tut verwegen »Mei
grad a Heiliger bin i gar nia gwen« meint er »Da is do nix dabei wenn ma a
saubers Dirndl guat leidn konn«  »Is mir scho recht« erwidert die Dirn
»nachher kriag i koa schlechte Zeit bei dir Dees is was wert wenn der
Schwieger guat is« Sie isst mit gutem Appetit indes der Hauser sie begehrlich
betrachtet »Geh iss Sinst werd dir der Magn kalt« mahnt sie ihn Er lässt
seine Augen über ihre ganze Gestalt hingehen über die dunklen Haarzöpfe über
das Gesicht den Nacken die Brust den Rücken  »Dass d du net breater bist
da umma« fragt er plötzlich und misst mit dem Blick ihre Hüften Und tappt mit
der Linken darüber Da schlägt sie ihn auf die Hand »Obst dei Pratzn wegtuast«
sagt sie lachend »Mit die Händ schaugt ma nixn o hoassts« Der Hauser wird
nüchtern und kommt ins Betrachten wie er gewohnt ist sein Vieh zu betrachten
»Wia viel Zeit hast jetzt« Die Hanni steht gekränkt auf »Bist firti mitn
Essen« fragt sie »Nachher geh i« Der Hauser wendet keinen Blick von ihr Und
er fragt wieder »Is net bald d Zeit bei dir I frag grad weil der Simmerl
gschriebn hat i soll di guat versorgn « Die Dirn ist wie mit Blut
übergossen »Naa dei Gfrag is mir scho so zwider «  »Jetzt muass amal drüber
gredt werden«  »Dees waar aa ohne viel Grederts gangen« Sie will hinaus Der
Bauer lehnt an der Stubentür »Jetzt redst sag i  Wia lang hast no«  »A
vier fünf Wocha  Aber jetzt lass mi aussi«  »Dass d gar so gschaami bist« 
»Du sollst von der Tür weggeh« Der Hauser hört nicht Er schaut die Dirn um und
um an schaut misst denkt und rechnet Und schüttelt mittendrin den Kopf Indes
die Hanni immer erregter wird schimpft schreit droht mit den Füßen stampft
und seltsam absticht von dem starr dastehenden Alten »Dass d di denn gar a so
gstellst« meint dieser »Du bist do sunst net so gschaami gwen Da hast di do
nix z fürchten wenn i di oschaug I wundert mi ja nur «  »Vo mir aus«
schreit sie ihn an »I lass mir do net d Seel vom Leib ausserschaugn«
    Da geht er langsam weg von der Tür Sie läuft hinaus Er blickt ihr nach
Und schüttelt den Kopf Etwas steigt in ihm auf  ein Verdacht 
Die Hauserin kommt am Nachmittag heim und berichtet freudig dass die Ödenhuberin
den Prozess verloren hat Sie ist überaus gut aufgelegt und lobt die Hanni für
ihr gutes Haushüten Diese meint bescheiden »Hats scho tan Hauserin« und fügt
dann bei »A Bitt hätt i Ob i net heunt no zu meiner Eahl ummeschaugn derf Sie
is net guat beinand«  »Da brauchst do net fragn« sagt die Bäuerin »dees is
do gewiss dass d zu deiner Grossmuater geh konnst bal ihr epps feit«
    Also läuft die Hanni gleich nach der Stallarbeit hinüber zur alten
Rumplwabn Die sitzt hinterm Ofen und strickt
    Und der alt Hufschmied hockt neben ihr und redet vom Krieg und von seinen
beiden Buben die er bereits gefressen hat dieser blutige Maahder der nimmer
Derweil hat die Sense zu wetzen vor lauter Mähen und Morden Da die Hanni
kommt steht er auf »Jetzt kimmt d Jugend« meint er müd »jetzt verziag i mi I
pass net zu dee junga Leut mit mein Gewinsel Und winseln muass i « Er geht
ohne Gruß Die Alte nickt ihm nach Dann wendet sie sich an die Hanni »Dass d
du heunt kimmst Bist scho wieder ausgjagt wordn«  »Naa« sagt die Hanni
»Bist selber davon«  »Naa«  »Was möchst nachher heunt am hellichten
Werktag« Die Hanni hockt sich auf einen niederen Schemel »Eahl i brauch a
Kind I muass a Kind haben Glei auf der Stell« Der Alten fällt das Strickzeug
aus der Hand »Was muasst«  »A Kind muass i haben Du muasst mir oans
verschaffa Bringst es her wo derwillt her muass oans« Das Ähnl muss sich mit
beiden Händen an der Ofenbank festhalten »Ja  in Gottes Himmis Christi Willn
 Hanni Bist denn narrisch A Kind A kloans Kind«  »Ja a kloans Kind
Oans dees wo grad auf d Welt kemma is«  »Ja zu was denn Ums Christi zu
was denn« Die Hanni wird zornig
    »Also gstell di do net so dumm Verstehst mi denn net Der ganz Hauserhof
steht aufn Gspiel für mi« Die Alte steht zitternd auf »Naa i versteh di net
« Die Dirn springt in die Höh und rennt die Stube auf und ab »Geh wia konn
ma denn Dees is doch ganz einfach I muass Hauserin werden Gehts wies mag Und
dazu brauch i a Kind Vom Simmerl Verstehst es jetzt« Die Rumplwabn bleibt
starr stehen Ja hast di denn du mitn Simmerl  Die Hanni fährt ihr
dazwischen »Dees is do mei Sach Dees geht do neamd was o Um dees handelt ja
si jetzt aa net I und der Simmerl sand oans I und der Hauser sand aa oans Und
für dees weitere muass i a Kind haben« Sie beginnt dem Ähnl zu schmeicheln
»Geh Eahl sei do net so gspassi Du bist do so gscheit und woasst allerhand
Zauberei und hast so viel solchene Büacher wo dees alles drin steht geh hilf
mir halt Oder schaug anorts dass d oane findst die grad in d Wochen kimmt
Gaab oft oane ihra Schand gern her wenn do nixn zahlt wird dafür und i brauch
hn so nötig so an Schrazn Geh Eahl Sei do barmherzi Möchst mi denn net aa
gern als Bäuerin sehng Hättst du koa Freid wenns mir guat gang« Sie bettelt
bittet bestürmt die Alte
    Aber die hockt wieder auf der Bank starrt ihre Enkelin an wie ein Gespenst
und murmelt »Also  so schlecht bist du So gottverlassen An Schwindel hast
gemacht  um an Bauernhof  und an Schwindel  um an Menschen  der da
draußen ehrli sein Kopf hinhalt vor d Kugeln« Der Hanni wird ungut zumut »Es
hilft di nix Eahl« sagt sie hart »du muasst mir helfa« Die Alte schüttelt den
Kopf und wehrt mit beiden Händen ab  »Du richst mi zgrund Eahl«  »Und i
misch mi net ei in so epps«  »Eahl Staudnschneiderin hätt i werden kinna
Reiserin Burgamoasterin hätt i werden kinna Der Reiserfranzl is ganz narrisch
gwen in mi Der Staudnschneidergirgl hätt mi vom Fleck weg genomma Net hab i
mögn In Hauserhof bin i eingwohnt der Simmerl is a guater Lapp der Alt hat an
Affen gfressen an mir sie is froh wenn s nix arbatn muass und die Alt is tot
D Liesl ghalt i zu der Arbat Oder zum Kindsen  Also Eahl Gell du hilfst
mir« Die alte Wabn sitzt so seltsam starr am Ofen ihre Augen suchen in weiter
Ferne etwas ihre Hände haben sich ineinander verschlungen Und mittendrin
kommts tonlos von ihren Lippen »Hundert Jahr iss her Da hat mei Muatta dees
nämliche gmoant Und hat aa denkt es brauchet net mehra als wia sagen Haferl
Nachher waar d Wurst aa scho drin Insa Muatta is Kindsdirn gwen beim
Stoamüller von Kreiz Dees warn zwee Bauernhöf a Mahlmühl a Schneidsäg und a
Sandmühl Er hat s zwoate Wei gehabt und Zwilling von ihr Von der ersten
Mühlnerin hat er grad oan Buam gehabt der hat scho an Mühlburschen gemacht Auf
den is dees halbert Sach scho von der Muatta aus gschriebn gwen Ja da hat insa
Muatta aa gmoant Mühlnerin sein is besser wie kindsen und hat den Burschen
richtig ogankerlt und eingfadelt  Derweil is der groß Napoleon mit seine
Soldaten daherkemma d Österreicher ham von der andern Seiten eahna Armee
daherbracht und in unserm Landl hats gräusli ausgschaut Da hat sie mei Muatta
denkt Jetzt is s an der Zeit dass d Mühlnerin werst Überall hats schlechte
Mentscha gebn die gmoant haben a napolischer oder a österreichischer waar
besser als wia a boarischer Bursch und a solchs Weibsbild sie is Stallmentsch
gwen beim Stoamüller hat meiner Muatta gholfa zu ihran Werk Der Hochzeiter hat
alles glaabt hat scho eingebn zum Heiratn hat si schon von der Kanzel her
verkünden lassen da hats gschnackelt Dees is a so ganga er is a Rotaareter
gwen und sie a Strohgelbe Und das Kindl is schwarz wordn kohlschwarz wia a
Zigeunerbalg Is ja aa oana gwen I selber bins Die ander mei rechte Muatta
is drei Tag nach mein Kemma gstorbn Weil sie si nix omirka lassen hat derfa
Und die oa is im Bett glegn hat si gestellt wia a Wochnerin  und is dennoch
die Bschissene gwen Denn er hat mi net okennt als sein Kind Und hat s
ausgjagt Siebn Monat danach hat s a rotaarets Büaberl gehabt aber es is halt
scho z spaat gwen Der Stoamüllerbua is unter d Soldaten ganga und hoam kemma
is er nimmer Jetzt woasst es  Und drum misch i mi net ein«
    Die Hanni hockt am Tisch Und sieht vor sich ein großes Loch  eine Grube
in die sie jetzt fallen soll Und sie stöhnt auf Aber  nicht lang sitzt sie
so Plötzlich strafft sie sich zur Höh »Macht aa nix Gehts a so net nachher
gehts anderscht Aber geh muasss  Nachher brauch i koa Kind Na werden mirs
scho sehng wias geht « Sie lässt die Wabn sitzen und geht Ihr Plan ist
fertig
    Am Lichtmesstag in der Früh sagt sie zur Hauserin »Bäuerin wenn i di bitten
durft Stell dir a anderne ei I bin net guat beinand I muass mi a Zeitl legn
Vielleicht konn i bald wieder Nachher bleib i gern wieder da bei enk Aber jetzt
muasst mi geh lassen« Die Hauserin will nichts davon wissen »Geh Schaugst aus
wia s Lebn Wia werst denn du krank sei Bei mir hättest di ja aa haltn kinna«
Aber die Hanni deutet an dass sie was angestellt hätt und dass sie fürchte es
möchte an der Zeit sein Da muss sie freilich nachgeben die Hauserin Aber sie
ist gar nicht erzürnt über die Hanni es mangelt die Kollerin zum Schüren »Ja
mei Herrgott« sagt sie »A so a Unglück Is s do a Richtiger«  »Ja A
Bauerssohn« Sie sagts dreist die Dirn Die Hauserin wär gern neugierig Aber
die Hanni lässt nichts verlauten Und so wundert sich die Bäuerin bloß dass sie
es so geheim halten konnte die Hanni Und freut sich drüber denn dann kommt es
doch nicht so unter die Leut
    »Aber danach kimmst wieder« sagt sie zur Dirn beim Abschied »Der Bauer
werd schaugn Der is in aller Fruah scho auf Tuntenhausen zum Markt Ja no
Werdn mir scho firti werden derweil bis d wieder kimmst I wünsch dir Glück«
Das ist ein anderer Ton gegen früher
    Die Hanni geht schmunzelnd dem Häusl ihrer Wabn zu Dort legt sie ihren
Sonntagsstaat an sagt ihrer Großmutter dass sie einen freien Tag hätt und geht
summend fort nach Tuntenhausen Dort kauft sie einen Bogen Schreibpapier und
geht auf die Post wo sie lange herumdrückt die Feder immer wieder eintaucht
und endlich anfängt zu schreiben
    Ich Lorenz Hauser von Öd bestättige hiermit dass mein Sohn Simon Hauser und
die lödige Johanna Rumpl von Öd als ein effentliches hochzeitlich versprochenes
Prautbaar von mir angekent sind und dass ich bei Heimkommen meines Sohnes
sogleich in die Hohzeit wihligen und den Hauserhof dem jungen Ehepaar übergeben
wihl mit alles was dazu gehört an lebendigem und toten Infentar Öd am
Liechmesstag 1915
    Langsam vollendet und überliest sie das Schriftstück Vorsichtig steckt sie
es in die Tasche des Unterrockes Danach mischt sie sich fröhlich und zufrieden
unter die Besucher des Jahrmarkts besieht sich dies und jenes und geht zu guter
Letzt am Abend hinein zum alten Postwirt wo schon männiglich beieinanderhockt
isst und trinkt und politisiert Sie setzt sich ins Nebenzimmer doch sucht sie
den Platz so aus dass sie die Tür der Gaststube im Auge hat und keinen
übersieht der durch sie aus oder eingeht Da bleibt sie lässt sich eine Suppe
geben ein Stück Braten trinkt auch ein Krüglein Bier dazu und hat mittendrin
einen ersehen auf den sie schon lang wartet  den Hauser Er ist schon gutding
voll wie es bei einem Bauern am Abend des Markttags halt so Brauch ist
»Alsdann guate Nacht beinand« hört sie ihn sagen »Guate Nacht Hauser Guat
Nacht« tönts zurück hell oder brummend wie es die Freundschaft grad
erleidet Die Hanni steht eilends auf und geht in die Kuchel wo sie der
Kellnerin ihre Schuldigkeit bezahlt Dann läuft sie durch die Hintertür hinaus
auf die Gasse und dahin dem Hauser nach
    Der stapft tiefsinnig durch den Schnee Ein beissender Sturm fegt über die
Felder jagt große Flocken in wildem Wirbel durcheinander und pfeift hohl
herüber vom Wald Die Hanni zieht erschauernd den Rock über den Kopf versteckt
den feinen schwarzen Seidenfilz mit den goldenen Borten und Quasten unter der
Schürze und trabt hastig aus dem Ort Immer dichter fallen die Flocken immer
undurchdringlicher wird das Gestöber Die Hanni hört den Hauser brummen und
murmeln Sie blickt um sich aber weit und breit ist nichts zu erkennen als dies
graue Tanzen und Wirbeln kein Horcher ist zu fürchten Da eilt sie entschlossen
dem Bauern nach tritt neben ihn und hält mit ihm Schritt »Grüß di Good
Hauser« Der Alt fährt schier erschrocken herum »Du Hab glei gmoant dei
Gspenst waars Grad hab i an di denkt«  »Und bal ma an Esel denkt kimmt er
grennt hoassts gell«  »Ja bal man hn nennt hoassts Dass du da bist« 
»Weil i heunt ausgstanden bin«  »Was Ausgstanden«  »Ja auf a Wocha a
zwee«  »Zwegn was denn«  »No  mei weil i net recht guat beinand bin«
 »Net guat beinand bist« Der Hauser schaut sie trotz der Dunkelheit forschend
an Sie hält ihr Gesicht ganz nahe an das seine »Gell schlecht schaug i aus«
lacht sie lustig »I siechs net« meint er ehrlich Aber die Dirn fasst seine
Hand »Muasst halt greifa balst net siechst« sagt sie lachend und führt seine
Hand an ihre eiskalte Wange »Gell i bin scho ganz kalt« scherzt sie »i
brauchet s Aufwarma« Der Hauser tappt tastend über ihr Gesicht »Konn scho
sei« meint er »a bissl a Bettwarmer kunnt net schadn« Sie stapfen durchs Holz
»I bin froh dass d bei mir bist« sagt die Hanni »im Holz fürcht i mi scho
recht bei der Nacht« Sie lässt seine Hand nicht mehr los »Woasst mir hört do
oft dass oana a Madl opackt hat oder umbracht« Ganz dicht schmiegt sie sich an
den Alten »Ah bal i dabei bin nachher brauchst di do net z fürchtn Dirndl«
erwidert er  »Tatst mir du nix toa lassen«  »Gwiss net«  »Obst mir aber du
selber nix tuast« Sie drückt seine Hand und zieht seinen Arm um ihre Hüfte Da
lacht der Alte kurz und heiser Herrgott das Weibsbild hat eine Art und Weis
den Wildling im bravsten Menschen aufzuwecken  Er drückt sie einen Augenblick
heftig an sich »Ob dir i nixn tua moanst No  balst es grad selm gern
haben tatst  kunnts scho sei  «  »Bist du so gfahrli« Sie leidet es
willig dass seine Hand der aufsteigenden Hitze gehorcht eng schmiegt sie sich
an ihn an lacht scherzt schwatzt und peitscht seine Begierde auf dem ganzen
Weg bis sie endlich vor dem Häusl der alten Rumplwabn stehen
    »Is schad dass der Weg scho gar is« flüstert die Hanni »heunt waar i no
gern mit dir weiterganga«  »Brauchst mi ja no net weiterzjagn« meint der
Hauser »Aber z gfahrli is s da am Weg «  »Nachher gehen ma halt hinei« 
»Moanst dass s Eahl schlaft«  »Die hört mi net  I ziag d Schuach ab«
Die Dirn lacht leise Und sperrt vorsichtig das Haus auf und schleicht hinein
Ihre Kammer ist gleich linker Hand indes die Alte ober der Stiege schläft
»Schleich di nur eina« flüstert die ihm zu und schlingt den Arm um ihn »s
Bett is scho aufbett und s Stuberl schee kehrt  drum leg di nur eina es
wird dir net gwehrt« Ganz leise summt sie s ihm ins Ohr Da packt er sie wild
um die Mitte hebt sie in die Höhe und trägt sie in die Kammer »Mach d Haustür
staad zua« flüstert sie Er riegelt lautlos ab Sie legt das Schriftstück und
einen Tintenstift auf das Tischlein
    Fiebernd schleicht der Bauer in die Kammer zurück und riegelt ab »Soll i d
Latern ozünden« fragt die Hanni indem sie hemdärmelig vor ihn hinsteht Er
tappt nach ihren entblößten Armen »Zünd s halt o oder aa net wiast halt
moanst  Madl « Die Hanni macht sich mühsam frei und zündet eine kleine
Weglaterne an »Jetzt siech i di guat Jetzt gfallst mir  Dirndl « Er zieht
die Dirn auf den Truhensitz nieder »Konnst mir a weng schee toa«  »Tua i dir
net a so schee Tua i net a so alles für di«  »Braucht di aa net z reun«
flüstert der Tropf »was i dir Guats toa konn  dees tua i dir «  »No 
ganz glaab i dirs no net  Woasst dees ander Mal hast mirs aa versprocha «
Der Alt hört kaum was sie sagt  »Da hast aa gesagt dass d mit mir zum Notar
gehst Und dass d es schriftli machst zwegn mir und an Buam Aber gell du
Schlankl gangen bist nia«  »I hab ja nia Derweil gehabt« entschuldigt sich
der Bauer und versucht immer zärtlicher zu werden »Dees woass i scho« sagt die
Dirn »So viel verlang i aa gar net  I bin scho zfriedn balst mirs
unterschreibst dass d fürs Kloane sorgst wenn i grad Unglück hätt im
Wochabett Gell Lenz Gell dees unterschreibst mir«  »Freili  Glei morgn
 Aber jetzt  geh  mach « Die Hanni zieht ihn zum Bett »Lenzl  balst
mirs jetzt glei unterschreibst  nachher ghör i dein  als a ganzer « 
»Geh Herrgott  lass mir do mein Ruah heunt  morgn schreib i dir  was d
magst «  »Naa Lenzl heunt muasst Schau  brauchst ja grad dein Nam
hisetzen« Sie langt ihm den Schrieb her und liest ihm vor »Also mirk auf I
der Hauserbauer von Öd verpflichte mich dass ich für das Kind vom Simmerl und
von der Hanni sorgen will auch für den Fall dass die Hanni unterm Kindbett
stirbt Also Du schreibst jetzt dein Nam drunter siechst  grad da « Sie
weist ihm mit dem Zeigefinger die Stelle und gibt ihm den Stift in die Hand Der
Hauser flucht schimpft ärgert sich über das närrisch Weibsbild das ihm die
schönste Stund verdirbt mit seinem dummen Getue  und setzt doch an zum
Schreiben Lorenz Hau  Himmelherrgott  Da steht ja  ganz was anderes Das
heißt ja übergeben Sich verkaufen Sich verhandeln um eine Lumperstund Als
ein rechter misstrauischer Bauer der seinen Namen unter nichts setzt was er
nicht kennt hat er mitten unterm Buchstabieren angefangen zu lesen grad so
drunter hinein in das Geschreibsel und hat den Satz gefunden » und den
Hauserhof dem jungen Ehepaar übergeben will mit allem was dazugehört « In
einem Augenblick ist er nüchtern So stark nüchtern dass er plötzlich weiß wer
er ist er der Hauser von Öd »Hast gmoant du konnst mi fanga Hast dir denkt
Der Depp unterschreibt scho Gell Aber oha An Hauser fangt ma net wia d
Singvögel und d Goldfisch Der is net so dumm wia er herschaugt Dass i fürs
Kind sorg Für was für oans denn Hast dir denkt Is der Jung so dumm und
kriacht auf den Leim nachher geht dir der Alt erscht recht drauf Derweil bist
du die Pitschierte mitsamt deiner Gscheiteit  und Schlechtigkeit du
Schlamperl du Schaam di« Er nimmt das Schriftstück und steckts ein trotz
ihrer verzweifelten Anstrengung es ihm zu entreißen »Naa den Fetzen kriagst
mir du nimmer in d Händ« sagt er »der werd aufgspart für mein Buam zu der
Erinnerung an dei Lumperei du ganz schlechts Weibsbild du schlechts So und
da is dei Jahrgeld « Er zieht den Geldbeutel und entnimmt ihm zwei Hunderter
»Dass d net sagen konnst der Hauser is a hungriger Tropf aber sehng will i di
in mein Haus nimmer verstanden« Er schiebt den Zugbeutel wieder ein
    Jetzt ists doch gut dass er keinen Stier erriet zum Kauf kann er
wenigstens das Weibsbild gleich hinauszahlen  und still machen »Dei Sach lasst
dir holn  selber kemma tuast mir net Sinst kunnt sei  dass « Er
vollendet nicht
    Die Dirn steht vor ihm hemdärmelig in dem hochroten Wollunterrock die
Zöpfe lang herabhängend weiß wie der Kalk bis in die Lippen die sie fest
aufeinanderpresst Ihre Augen sehen ihn an mit einem seltsamen Gemisch von Wut
Hass Verzweiflung und trotzigem Stolz Sie sagt kein Wort mehr
    Über den Hauser aber kommt jetzt der ganze Bauernstolz seine Verachtung für
»das Mensch« steigt mit jedem Augenblick und schließlich gibt er diesem Gefühl
Ausdruck indem er noch einmal vor die Dirn hintritt sie von oben bis unten
betrachtet wie der Schinder eine nichtsnutzige Kuh vor ihr ausspuckt und mit
den Worten »Pfui Teife vor dir« aufriegelt und geht Hart schlägt hinter ihm
die Haustür ins Schloss
    Die Hanni fährt zusammen und löscht eilends das Licht ab  Droben erwacht
die alte Wabn von dem Lärm kriecht aus dem Bett und ruft hinunter »Hanni hast
nix gehört D Haustür hat gscheppert«
    »Des is der Wind« sagt die Hanni kurz riegelt das Haus ab und legt sich
zur Ruh die sie aber nicht finden kann Verspielt Alles verspielt Hundertmal
fährt ihr dies Wort durch den Kopf immer wieder immer wieder Herrgott der
verfluchte Ehrgeiz Wie hatte sie getüpfelt bedacht überlegt gehandelt Immer
wieder wollte das Schicksal trumpfen sie hatte gestochen und nun da alles auf
der letzten Karte stand da Herz Trumpf war da kam sie mit Schellen Mit
Habgier und Hitze Ohne Überlegung stieß sie den Krug um ehe sie trank  »O i
Rindviech« Ein trockenes Weinen kommt über die Dirn Wie schön war alles
gegangen bisher Wie sie den Simmerl damals eingefädelt hatte dass er in sie
verschossen war wie ein junger Geissbock Wie sie das gut herausgebracht hatte
dass er sie angesetzt und unglücklich gemacht hätt und sie heiraten müsst Und den
Alten schon einmal so weit haben ohne ihn zu fassen  Und heut wieder »O i
Rindviech« Noch oft sagt sie so aber nach und nach wird der Grimm und die
Verzweiflung doch milder ihr Geist ermüdet und das Weiterbohren und Sinnieren
fällt ihr schwer und schwerer Und endlich fallen ihr die Augen zu und sie
schläft einen schweren bleiernen Schlaf
Es ist ums Morgenläuten Der Ödenhuber fährt mit seinem Braunen ins Gäu ein
Kalb zu kaufen Vor dem Häusl der alten Rumplwabn knallt er ein paarmal fest mit
der Geissel zieht den Zügel wühst und lässt den Gaul frisch dahintraben die
Straße nach Berganger zu
    Die Rumplhanni schreckt aus dem Schlaf auf »Jess wo bin i denn was
iss denn hab i jetzt net traamt  dass  alles aus is« Sie setzt sich
mit einem Ruck auf »Was is denn jetzt dees Is denn net der Hauser « Ihr
Blick fällt auf den Stift am Tisch auf ihr Kirchengewand »Marixn Naa  es is
koa Traam gwen Es is wirkli und wahrhafti a so dass i verspielt hab« Mit einem
Satz ist sie aus dem Bett Hastig legt sie sich an geht sie hinüber in die
Kuchel
    »Eahl« Das Ähnl kommt eben aus dem Geissenstall den vollen Milchhafen in
der Hand »Dass d scho aufstehst wennst krank bist« fragt sie »Weil i zum
Dokter muass« erwidert die Hanni »Dass d überhaupts zu mir kemma bist und net
ins Krankenhaus gehst«  »Weil i denk dass s bald wieder geht wenn i in an
andern Platz kimm«  »Ja bist denn weg vom Hauser«  »Da möcht i scho fragn
Hast es ja net anderscht haben wolln Hättst mirs ja net vergunnt dass s mir aa
amal a bissl besser gangen wär«  »Koan krummen Weg geh i net« sagt die Alte
fest »Balst aufn graden net Hauserin werst die Winkelweg führn do danebn oder
gar eini ins Loch «
    Die Hanni erwidert gar nichts Sie hockt sich neben den Herd schaut der
Großmutter gedankenlos beim Feuermachen zu starrt in die flackernden Flammen
des Reisigs in den Rauch der aufwirbelt und wie ein feines bläuliches Netz an
der Weissdecke hängt und schlingt die Hände um die hochgezogenen Knie Und
langsam kommt Gedanke um Gedanke zieht das Erlebte an ihr vorbei formt sich
ein Plan für die Zukunft Das Ähnl kocht den Kaffee brummend über die
nichtsnutzige Dirn die einem in den alten Tagen noch lauter Verdruss und keine
Freud macht und gießt doch die schönste Schale für das »Blasl« voll gibt der
»gottvergessenen Schuri« die ganze fette Rahmhaut und setzt sich danach
seufzend mit ihrem Kaffee auf das Spülbänklein
    Die Hanni lacht plötzlich leise »Eahl du muasst mir nachher mein Sach beim
Hauser holn«  »Willst wirkli nimmer weiterarbatn dort«  »I konn do net« 
»Wann i bitten tät für di«  »Untersteh di Liaber auf der Stell tot sein
als nomal in dees Haus geh«  »Wo willst nachher aus«  »Dees werd si scho
finden« Auf ein weiteres Fragen gibt sie der Alten keine Antwort mehr trinkt
hastig ihre Schale leer und geht fort hinüber zum Ödenhuber
    Und lacht wieder leise »Iss der net nachher iss vielleicht der ander«
sagt sie zu sich selber »und wer i net Hauserin so wer i vielleicht
Ödnhuaberin« Sie tritt frisch in die Gaststube Die Resl stellt eben die
Salzgefässe auf die Tische »Guat Morgn« will sie sagen da erkennt sie die
Rumplhanni Und denkt an ihren Pauli und an jenen Abend des Abschieds wo ihn
dieses Weibsbild so stocknärrisch gemacht hatte dass er frei allen Verstand
verlor »Was möchst denn du da« fragt sie daher die Eintretende unwirsch »Di
net« erwidert ihr die Hanni und freut sich im stillen aufs neue darüber dass
sie damals die beiden so schön zum Narren haben konnte
    Sie geht hinaus in die Kuchel Da steht die Leni am Herd und rührt ein
Einbrenn zum Voressen Sie fährt erschreckt zusammen als sie die Hanni sieht
Eine heiße Röte steigt ihr ins Gesicht eine plötzliche Angst lässt ihr das Blut
im Hals schlägeln Mariand  sie werd do net  was wissen fährts ihr
durchs Hirn Und mit unsicherer Stimm fragt sie »Rumplhanni was möchst denn«
Die Dirn tut freundlich »Dei Muatta möcht i grüass di Good Leni Bist scho
fleissi« Gottlob »Tuats scho Hanni Grad was sei muass D Muatta werd glei
kemma Magst di net niederhocka derweil« Sie schiebt ihr einen Hocker hin
    Die Hanni setzt sich »I bin so frei bals verlaubt is Leni Was iss mitn
Kriag Habts vom Jackl scho Nachricht Gehts eahm guat«  »JaGeht eahm
alleweil no guat « sagt die Leni
    Da kommt die Ödenhuberin Die Hanni steht sogleich auf »Grüß di Good
Wirtin« Die Ödenhuberin blinzelt erstaunt »Was will denn die da« Sie schaut
mit einem Gemisch von Hochmut und Misstrauen an der Hanni hinunter »Ganga bin i
drenten« sagt diese  »Na  und« Eiskalt ist der Ton dieser Frage  »Und
jetzt möcht i zu dir Grad mit Fleiß Grad dass i s tratzen konn dee da drent«
Die Leni fährt herum Die Ödenhuberin verzieht die Mundwinkel ein wenig Ihre
Ohrgehänge zittern leise »So zu mir möchst Aha« Wie das durchgeht Wie eine
Messerspitz durchs Fleisch Der Hanni ist nicht wohl zumut dabei Aber sie lacht
doch ihr helles freundliches Lachen und sagt »Ja grad extra Dass er si recht
gift der Hauser« Die Wirtin wischt mit der flachen Hand etliche Brosamen von
der Anricht »Und du moanst dass i di glei mag«  »Ja no  Zfriedn waarst mit
mir«  »Dees kaam drauf o Aber i probiers gar net mit dir« Der Hanni fährt
die Röte ins Gesicht »Weil i di gar net möcht« sagt die Wirtin »weil i di
kenn Und weil i a bessers Gedenka hab als wia zum Beispiel du«  »I I
versteh di net «  »Werst mi glei versteh wenn i dir draufhilf Oder bsinnst
di leicht selm no auf den Tag wo mei Jackl furt is  und grennt als wia wenn
der leibhafti Teife hinter eahm gwen waar Aha Fallt dir scho ei gell Und
sell am Gartl drausst gell dees fallt dir aa no ei Und überhaupts und a so
Und es is mir liaber du gehst Glei Da is d Tür« Auweh Das ist schier eine
Rossschwemm Mit der Hoffnung ists auch vorbei
    Die Hanni rennt wie begossen aus dem Haus dahin Läuft auf ein Haar dem
Staudenschneidergirgl unter die Rosse als er grad mit dem Fuhrwerk ums Eck
biegt »He he Jungfer Gschnappi Mach mir meine Gaul net scheuch« spöttelt
der Girgl »bist jetzt du grad vom Hauser aussagflogn oder vom Wirt« Der Hanni
liegt eine grobe Antwort schon auf der Zunge da fährt ihr was durch den Sinn
Darum erwidert sie fröhlich »Naa direkt vom Himme aba Und zu dir fliag i
eine« Sie blickt scharf nach seiner Miene Aber die bleibt unbewegt als er
sagt »Hab koan Platz für so an Erzengel«  »Brauchts aa net dass d mi als an
Erzengel einstellst I bin scho mit was Gringern aa zfrieden Zum Beispiel als
Mitterdirn « Der Girgl horcht auf »Du möchst mi derblecka «  »Aber ganz
gewiss net Ganz im Gegenteil Abbitten tat i gern eppas « Sie schaut ihn heiß
an »Weils mir koan Ruah net lasst dass i so grob gwen bin gega di «  »Da
bist aber spaat dro damit«  »Ja no Weil ma halt übermüati is« Ihre Augen
blitzen ihr ganzes Gesicht zeigt ihm ihren lachenden Übermut »Geh sei mir
wieder guat Girgl« sagt sie »woasst wenn i aa a diam narrisch bin guat leidn
konn i di do«  Dass die gar so zuckersüass tuat denkt sich der Girgl und laut
sagt er »I glaab dirs scho Hanni Dir glaab i überhaupts alls«  »Dees derfst
aa Aber  jetzt Gspass beiseitn i frag di obst koa Dirn brauchst I bin ganga
beim Hauser«  »Ah so Ja jetzt« Also deswegen die Freundlichkeit Der junge
Staudenschneider ist ein Bauer Ein richtiger Und nicht aufs Hirn gefallen Und
misstrauisch und argwöhnisch wie sichs gehört Und die Hanni ist für ihn nicht
mehr die Hochzeiterin die ihn verschmäht hat sondern eine Dirn  ein
Dienstmentsch wie jedes andere auch Und beim Einstellen von Dienstboten gehts
wie beim Viehkauf Wenn man nicht angeschmiert sein will schaut man gut und
überlegt gut Und wenn schon zuvor was fehlt dann sagt man lieber gleich ein
Nein denn beim Vieh gilt nur der gesetzliche Fehler während die andern den
Handel nicht aufheben und doch den Stall verschandeln und den Geldbeutel unnütz
leer machen Will einer sagen dass es beim Dienstvolk anders ist Drum frag
erst  Der Girgl fragt »Dass d du zu mir möchst Dass d du weg bist beim
Hauser«  »Weils mi nimmer gefreut hat bei dem alten Sponzierer«  »Aha Und
beim Ödnhuaber ham s di net mögn Jetzt versteh i s scho  Hüa Hüa hott 
Naa i mag di aa net A so net und a so net I möcht di nimmer als Hochzeiterin
und aa net als Dirn I mag di net amal für a Nacht aufs Stroh Dass d es woasst
 Hüa sag i Fahrts zua ös Luader«  Oho »Ja was is denn dees
Strohschüppel buckelter Nachher lasst es steh balst net magst«
    Die Hanni rennt heim zu ihrer alten Wabn Die ist grad zum Hauser gegangen
Und muss sich dort allerhand sagen lassen von ihr der Hauserin Denn so was ist
doch himmelschreiend Hat man das Weibsbild angenommen als ein Betteldirndl von
der Straße weg hat es hergezogen rechtschaffen und mit dem besten Beispiel und
jetzt hat man den Dank »Kunnt ma s so guat braucha« jammert sie »hätt ma s
so guat gmoant damit Derweil taat sie nachn Simmerl greifa Und taat eahm a
Kind vürmacha A so a liaderlichs Weibsbild« Er hat gut gepfiffen der Hauser
Aber von seinem Zusammentreffen mit der Hanni hat er wohl geschwiegen Denn die
alte Rumplwabn legt der Hanni um Mittag hundert und achtzig Mark auf den Tisch
»Da dei Jahrlohn von der Hauserin Dees von die andern Jahr sagt s hast Und
da hast dei Sach Du hättest aa nimmer dümmer sein könna als wia d gwen bist«
 »Es is scho recht sag i« erwidert die Hanni grob Im stillen aber sagt sie
selber ein ums andere Mal
    »O i Rindviech«
    Am Nachmittag da das Ähnl seinen gewohnten Schlaf tut hockt die Hanni in
ihrer Kammer hat die Tür verriegelt und überzählt ihr Geld »Fünf Jahr
Hausergeld  hundert Mark von der Muatta zwoahundert von dem alten Tropf
« Zufrieden betrachtet sie die Gold und Silberstücke die Scheine »Hätts
enk gar net schiach ausgnomma bei die Geldsäck von an Ödhof« murmelt sie
»waarts guat zuawegstanden zu die Hausertaler zu die Staudnschneiderfuchsen
und zu die Ödnhuaberkrandln Aber  was net sein konn konn net sein Wo der
Pfenning gschlagn is da gilt er nix Da iss besser er wandert aus« Sie räumt
ihren Schatz wieder sorgsam zusammen wickelt alles in ein Taschentuch steckt
es in einen Strumpf den sie gut zubindet und verwahrt so ihr Gut in einem
großen alten Samtzegerer einem Reisesack den sie mit etlichen Wäschestücken
und einem Werktagsfähnlein vollstopft wie einen Koffer Ihre übrige Habe sperrt
sie in die Truhe auf die sie einen Zettel klebt mit der Aufschrift Eigentum
der Jungfrau Johanna Rumpl von Öd bei Schönau in Bayern Gewissenhaft muss alles
geschehen denn wer weiß wo der Wind einen hinreisst
    »Jetzt probier is amal z Münka« sagt sie »und is s z Münka nix nachha
geh i auf Berlin und wenns da aa nix is nachher roas i ganz furt Ins
Amerika« Sie nimmt den Spiegel von der Mauer und den Kamm aus der
Zigarrenschachtel in der auch die Seife das Haaröl und der Schuhlöffel liegen
dann setzt sie sich ans Fenster und beginnt sich das Haar modisch zu richten
und zu stecken Darauf zieht sie ihr blaues Festtagsgewand an steckt die
schweren langen Seidenbänder an den Hut dass sie ihr hinabhängen bis zu den
Fersen wickelt sich in einen dicken roten Wollschal und macht sich also fertig
zur Reise In der einen Hand den Zegerer in der andern die Kammschachtel in
die sie noch schnell Gebetbuch und Rosenkranz wirft so steht sie endlich an der
Tür und blickt forschend herum »Vergessen hab i nix Mein Geldbeutel hab i mei
Schneuztüachl aa s Eahl schlaft und sinst hab i nix mehr z toan  Alsdann
Nachher geh i« Ganz leise schleicht sie aus dem Haus
    An der Stelle beim Wegkreuz wo sie selbiges Mal dem Simmerl noch den
letzten Pfüagood bot bleibt sie noch einmal stehen schaut zurück zu den drei
Bauernhöfen zieht die Lippen verächtlich herab und geht dann rasch und
entschlossen ihren Weg dahin der Bahn zu Rüstig schreitet sie fürbass auf der
tiefverschneiten Straße Grau und trüb hängt der Himmel über den Hügeln und
Tälern des Gaues aber die Hanni schaut fest hinein in den Nebel und ins Gewölk
indem sie denkt Du bist mir guat trüab und grob Bis i auf Münka kimm werd d
Sunn scho wieder scheina Und s Glück aa
Der Bahnhof zu Ostermünchen steht öd und verlassen da die Hanni dort ankommt
Etliche Lichter scheinen trüb durch den dichten Nebel der ringsum schwer über
dem Boden hängt und ein alter Griesgram macht scheltend und brummend seinen
Dienst Die Uhr zeigt auf sieben
    Die Dirn tritt in die Halle und zum Schalter Mit festem Knöchel klopft sie
an die Scheibe »He da Eisenboh I muass auf Münka« Ein Ruck das Fenster wird
scheppernd in die Höhe gerissen Der Kopf des Herrn Bahnvorstands erscheint
einen Augenblick in dem Guckloch »Jetzt geht kein Zug« Rratsch Der Kopf ist
verschwunden das Guckloch fällt zu »Nachher wart i halt bis oana fahrt
Rüappel« sagt die Hanni gelassen und geht langsam und betrachtend in dem Raume
auf und ab
    Nach geraumer Zeit kommt noch einer der mit möchte  ein Soldat Den fragt
sie »Wann fahrt er denn scho der Zug«
    »In ana halben Stund« sagt der Bursch »i kaaf mir derweil no gschwind a
Halbe drent beim Wirt« Damit lässt er sie wieder allein mit ihren Gedanken
Plänen und Wünschen Und sie überdenkt kurz ihre Zeit im Hauserhof spürt noch
einmal die Röte und Hitze einer zornigen Scham die ihr jäh ins Gesicht fährt
da sie überlegt wie sie den Karren hätt heimgebracht wenn sie nicht so narret
hätt am Zügel gerissen Nun heißts wieder von vorn anfangen Aber Fang ma halt
nomal an denkt sie Glei frisch drauf los und mitten eine ins Glück Wer woass
s hat mir koa Bauernhof gehört werd mir scho a Stadtpalast ghörn oder gar a
Gschloss Ein leises Lachen kommt sie an »Is mir net angst Wenns aa s
erschtemal is dass i in d Stadt kimm Da werds scho aa ein Orts a Platzl gebn
wo i hinpass«
    Etliche Reisende kommen an und bringen die Dirn aus ihren Betrachtungen Sie
löst ihre Karte für die Fahrt Der Zug fährt ein »Herrgott« Ein Riss geht der
Hanni durch die Brust
    Aber sie steigt frisch ein und setzt sich breit neben etliche Soldaten die
gleich ihr nach München fahren Einer von ihnen ein langer schwarzäugiger
Bursch schielt sogleich begehrlich zu ihr herüber »Wo fahrst aus scheens
Kind«
     »Mit der Postscheesn in Himmi« sagt die Hanni lachend Die andern
schmunzeln Der Lange aber meint »Dees muass aber a abscheulige Himmelfahrt
sein  so alloanig  I moan wennst mi als Schutzengel mitnahmst « 
»Nachher kaam i ganz sicher in d Höll Dees glaab i gewiss Naa i fahr liaber
oaspanni nachher werd mir doch mei Gaul net scheuch«  »Aha die kennt di
Brüaderl« sagt dem Langen sein Nachbar »Die bandelt net gern o mit an
sechsfachen Raubmörder«  »Aber mit so an Schinderhansl wias du oana bist«
erwidert der andere grimmig »mit so an boarischn Hias lasst sie si ein Naa
Frailein da bleibns scho liaber ledig und wern s a Klosterfrau  Dees hoasst
wanns vielleicht doch a bisserl a Liab hätten zu an ordentlichen Menschen«
Die Hanni lacht vergnügt »Dees müasst i mir wohl erscht no a Zeitl überlegn«
sagt sie »und bis dahin kunnt i dir leicht z alt sein« 
    Der Zug hält Allerhand Leute steigen aus und ein und die Hanni betrachtet
neugierig das Getriebe Da hört sie hinter sich einen rufen »Ja was is denn
dees Der Knittl Ja grüass di Good Knittl Wo fahrst zua alter
Pfannaflicker« Sie fährt erschrocken zusammen Der Knittl Der Pfannenflicker
Ihr Vater
    Herrgott das ging ihr jetzt gerad ab dass der Alte sie sieht Ängstlich
duckt sie sich zusammen Hinter ihr sagt der den sie von Rechts wegen Vater
nennen sollt eben »Ja grüass di Good aa alter Spezl Fahrst aa Münka zua« Er
fährt also auch nach der Münchnerstadt Der Hanni steigts schwül auf und sie
sucht mit den Blicken die Wagentür Indes ihre Nachbarn scherzend fragen
»Alsdann was is s scheens Kind Wer derf mittoa bei dera Himmelfahrt« Sie
antwortet nicht ihre Lippen pressen sich fest aufeinander ihre Finger rupfen
und zerren an den Fransen des Wolltuchs
    Und jetzt steht er auch schon da der alte vollbärtige Krauterer mit dem
verpichten Gewand dem der Schnupftabak in den Bartaaren hängt und das Wasser
stetig aus den Augen tropft vom vielen Saufen »Gibts da aa koan Platz mehr für
an oaschichtigen Handwerksburschen« Die Hanni steckt den Kopf tief zwischen die
Schultern ihre Hände wischen im Gesicht herum Aber  »Jessas  was siech i
 is dees net  bist du net  mei Hanni« tönts wie eine Posaun vom
letzten Elend an ihr Ohr »bist du net mei Hanni Von der Rumplkatl a
Tochta« Ach dass kein Spältlein in der Erden kein Mausloch Erbarmen hat mit
ihr Gibts denn keine Mauer die sich herabsenkt vor ihr und sie unsichtbar
macht vor ihm dem alten Tropfen Schaut nicht schon alles auf sie auf ihr
festliches Gewand  und betrachtet dann ihn und seine Haderlumpen Ja man
schaut und horcht freilich Sie spürts deutlich Und denkt daran dass sie die
Rumplhanni zwar wohl das Kind dieser beiden Menschen ist aber dennoch ein
Waisl das sein Lebtag jede Suppe allein auslöffeln musste und jeden Strumpf
selber flicken wenn er ein Loch hatte Wer hat mir gholfa wia i als arms
Haderlumpadirndl auf Gemeindekosten von ana alten Bissgurrn schlecht gfuttert und
schlecht ghalten wordn bin  Neamd I selber bin davon Und dass mi d Hauserin
gnomma hat is aa koa Werk von dene gwen die heunt gern Kind zu mir sageten So
denkt die Dirn Und da der Alte abermals fragt »He du Dirndl Di moan i Bist
du net d Rumplhanni von Öd« da richtet sie sich straff auf und sagt
eisigkalt »Naa da bist irr So hoass i net«  »Bist du net beim Hauser von Öd
Dirn gwen«  »I kenn koan Hauser I bin vo Rosenhoam« Der Alte schaut sie
immer noch an forschend fragend wehmütig enttäuscht »Vo Rosenhoam Ja
nachher hab i falsch gsehgn Nachher sag i halt Nix für unguat«
    Er kann sich nur schwer abwenden Und da ers tut rinnen ihm die Tränen dick
über seine blauroten Backen und er sagt »Mei wenn sies aa waar mit mir
kunnt s alleweil koan Staat macha mit mir alten Hallodri « Damit zieht er
ein Schnapsglas aus dem Sack und trinkt indes die Hanni bleich und rot wird und
sich wie von tausend Hunden gehetzt vorkommt Er setzt sich nun zu seinem
Kameraden der Pfannenflicker Mit zitternder Hand bietet er ihm die
Schnupfdose das Schnapsglas
    »Da alter Spezi schnupf amal Und trink amal Is a guater Enzian Weils
gleich is Weil i heunt amal wieder woass dass i a alter Lump bin und a Lump war
meiner Lebtag  Bist no alleweil billiger Jackl« Der Freund bejaht Und
schnupft und trinkt
    Da hält der Zug in Grafing Allerhand Reisende Bauern Bäuerinnen Soldaten
und junge Weiberleut steigen ein so dass der Wagen gedrückt voll wird Der alte
Knittl lacht »Da schau her Jackl Da gehts zua wia wenn Kirtamarkt wär oder
d Jakobidult« Der billige Jakob nickt Und trinkt wieder von dem Enzian des
Freundes Da steigt einer ein der hat kaum den billigen Kaufmann erblickt als
er auch schon schreit »Ei ei Wen siech i da An Jackl den Spitzbuam Was
hast gesagt wiast mir die selbig Bettdeckn aufghängt hast Da legst di eine mit
deiner Bäuerin hast gesagt und raus gehst nimmer bis dass der Kriag gar is Und
jetzt muass i einrucka« Der Jackl schmunzelt »Jetzt der is guat« meint er »Der
denkt wann er bei mir Kundschaft is nachher wird er für unabkömmlich erklärt
Mei Liaber du gfallst mir Du hast dir dein Orden scho verdeant Für di waars
schad wann s di amal derwischetn d Franzosen oder d Russen« Er gibt dem
alten Knittl die leere Flasche wieder zurück »Da alter Schwed Guat is er
gwen Der macht an Toten lebendig« Bald ist eine gute Unterhaltung zwischen den
dreien im Gang der Kaufmann macht seine trockenen Witze und der alte
Pfannenflicker vergisst vor lauter Lachen dass er vor kaum einer halben Stunde
erinnert wurde an seine Jugend an eine bewegte Zeit und an ein Maidl das da zu
ihm sagen müsst Vater
    Die Hanni aber ist verschwunden In Grafing ist sie ausgestiegen hat sich
einen andern Wagen ausgesucht und sitzt nun mit ihren Gedanken und Plänen einsam
in einem Abteil für Frauen Und der Zug eilt dahin und bringt sie der Stadt
immer näher immer näher ihrem ferneren Geschick Glück oder Unglück
Nachdenklich lehnt sie am Fenster und blickt hinaus in die schweigende Nacht
sieht die Lichter der Wohnstätten an sich vorübergleiten und gewahrt weit hinten
im Nebel die leuchtende Helle der Großstadt mit ihren ungezählten Lichtern Und
plötzlich beginnt ihr das Blut laut und stürmisch in den Adern zu schlägeln
eine große Angst vor der weiten fremden Stadt kriecht in ihr herauf Doch
tapfer wehrt sie dem Gefühl und würgt es hinab
    Und da der Zug immer näher dem rötlichen Schein des Lichtmeers kommt da der
Schattenriss der Münchnerstadt sich immer weiter vor ihren Augen ausbreitet da
wird ihr Blick wieder klar ihr Gesicht hart und entschlossen Sie richtet sich
zum Aussteigen und erwartet stehend das Ende der Fahrt Und als endlich der Ruf
»Ostbahnhof München Ostbahnhof« an ihr Ohr dringt da reißt sie ungeduldig an
der Tür springt frisch aus dem Wagen und trabt wohlgemut den andern Reisenden
nach die hastend aus dem Bahnhof und über den Platz zur Strassenbahn eilen
    Schreiend und scheltend drängt sich die Menge in die Wagen die Hanni aber
spürt keine Lust ins Ungewisse hineinzufahren hebt vielmehr vorsorglich den
Rock hoch damit der Strassenkot ihn nicht bespritze und stapft den Schienen
entlang die Straßen dahin bis zur Isarbrücke Da bleibt sie staunend stehen
Glitzernd und schillernd eilen die Wasser des Isarflusses dahin Türme Giebel
und hohe Paläste ragen in die neblige Nacht indes Hunderte von Lampen und
Lichtern die Straße taghell machen und das Auge blenden Hastend und unruhig
wogt der Strom von Menschen an ihr vorüber Karossen und Wagen eilen hin und
wider und mit viel Lärm bringt die Strassenbahn ihre Fahrgäste dahin dorthin
irgendwohin Lange steht sie da die Dirn und schaut Und kommt sich klein und
immer kleiner vor in diesem endlosen Gewurle und Getriebe Wieder steigt die
Angst in ihr auf Aber wieder drückt sie das Gefühl nieder und geht frisch
weiter dem Isartor zu Und denkt »Groß is s d Stadt und weit is s aa
nachher wird si scho für mi aa ein Orts a Hoamatl finden und a Kuah zum melken«
Grasgrea is die Hollerstaudn
Schneeweiss is die Blüah
Dirnderl i hätt di gern
Wia is denn dir
D Kerschbaam blüahn aa wia Schnee
s Liabn braucht an Fleiß
Dirn trau dem Büaberl net
Er führt di aufs Eis
Die Hanni steht zaghaft vor dem alten Gasthof drunten im Tal Schreien und
Lachen dringt daraus Gäste kommen und gehen eine laute Musik übertönt
zeitweise den Lärm Ein altes Weib mit pergamentenen Zügen und langen
Ohrgehängen kniet in der Toreinfahrt vor einem Ofen fächelt mit einem russigen
Flederwisch in die schlafende Glut dass sie zur bläulichen Flamme auflebt und
sagt dazu so oft jemand vorbeigeht »Heisse Maroni Herr Gute heiße« An diese
Alte wendet sich die Hanni »Muada woasst nix ob i da drin über Nacht bleibn
konn«  »Da drin O ja Freilich wohl Ganz gut« Sie steht auf und schüttelt
die Kastanien auf dem Röstblech durcheinander Die Hanni schaut ihr unschlüssig
noch eine Weile zu dann tritt sie ein in die Gaststube
    Herrgott Gehts da zu Ein Lärm Ein Rauch und Qualm Und ein Duft An
schmierigen Tischen sitzen allerhand verwegene Burschen verlotterte Mannsbilder
und freche plärrende Weiber Dazwischen gehen und stehen ärmliche Händler und
Hausiererinnen herum bieten ihre elendigen Waren an und unterhalten sich mit
dem und jenem Bald steht hier bald dort ein Streit auf erlischt wieder und
wird aufs neue angefacht dazu rattert bläst pfeift und scheppert in einem
hohen Kasten die überlaute Musik und über dem ganzen Trubel hängt der dicke
beissende Tabaksqualm der dem Neuankommenden für den Augenblick jede Einsicht
hindert jedes Suchen nach Bekannten unmöglich macht Die Luft ist erfüllt von
diesem Rauch vom Dunst der Speisen vom Geruch abgestandenen Bieres vom Lärm
der Menschen und der Musik Betäubt steht die Hanni am Eingang wird bald von
einem gestoßen von dem andern geschoben und gerät auf Ja und Nein mitten in
einen Knäuel streitender schimpfender Burschen und Mädchen Vergebens sucht sie
daraus zu entkommen und den Ausgang zu gewinnen der Streit wird zum Geräufe
Stühle Krüge Körbe fliegen Schläge fallen dumpf auf die Köpfe etlicher
Angegriffener Weiber kreischen auf und dann fährt gewichtig die Faust eines
Hausknechts dazwischen der die ganze Gesellschaft in wenig Augenblicken
auseinandertreibt und an die Luft setzt Die Hanni steht eingezwängt zwischen
Tischen und umgeworfenen Stühlen unfähig sich zu rühren Die Bänder ihres
Hutes sind abgerissen ihr Gewand ist voll verschütteten Bieres Und in ihrem
Gesicht steht der Schrecken des Augenblicks
    Da sagt eine bekannte Stimme »Hanni  Rumplhanni« Sie schaut um sich
Einer von Vogelried Ein Landsmann
    »Gell du bist vom Ropfer z Vogelried« fragt sie ihn
    »Freili bin is Und du bist d Rumplhanni vo Öd gell«  »Ja« Gott seis
gedankt Ein Bekannter Ein Schulkamerad Die Hanni besinnt sich noch gut auf
den Ropferflorian von Vogelried »Gell du bist selbigsmal davon  durchbrennt
 wia s di wegn dera Gschicht  bei der Kramerin ozoagt haben« fragt die
Hanni weiter Und sie erinnert sich wieder des Tages da man die alte
Haschermutter in ihrem Laden schier ohne Besinnung aufgefunden hatte Das
abergläubische Weiblein zitterte vor Angst und berichtete der Teufel wär eben
leibhaftig bei ihr im Laden gewesen und hätt ihr gedroht »Entweder du gibst mir
zwanzg Mark oder i pack di auf der Stell zsamm und nimm di mit in d Höll«
Der Florian lacht »Mei i habs ihr ja net gschaft dass sies glaabn soll«
sagt er »aber braucha hab i s Geld scho könna Sie hat mirs ja freiwillig
gebn« Und damit ist die Geschichte für ihn wieder tot »Wo kimmst her und wo
gehst aus Wia kimmst da rei in d Stadt und in die Boazn« Das ist seine
weitere Frage Die Hanni seufzt »Mei an Platz suach i in der Stadt herin Und
a Wirtshaus zum Übernachten« Der Florian ist hocherfreut »Du hast s Dableibn
im Sinn An Platz möchst Ah da woass i dir glei Rat Ja da schau her Und
übernachten kannst glei in der Näh Glei in dem Haus wo i wohn Und jetzt gehst
mit mir um a Häusl weiter nachher lad i di ei zum Essen Und zu an Kaffee Is
s dir recht« Obs ihr recht ist Freilich So allein in der endsgrossen fremden
Stadt in dieser Rossschwemm
    Zwar ist er nicht viel Gescheites der Ropferflori es ist auch etwas in
seinem Wesen was ihr nicht recht gefällt aber er ist halt doch ihr Landsmann
das einzige bekannte Gesicht unter viel hundert fremden Und so geht sie gern
mit ihm in eine andere Wirtschaft isst und trinkt lacht und erzählt und
erschrickt ganz als die Zeit der Polizeistunde da ist Nun heißts heimgehen
Heim  Wo mag heut ihr Heimatl sein Wo morgen Ein leiser Seufzer entfährt
ihren Lippen »Moanst dass i z Münka an richtign Platz kriag Flori« 
»Freili Grad gnua Oan besser wia den andern«  »Gott sei Dank Is mir scho
schier loade worn beim Drodenka Aber wennst du a so sagst nachher werds scho a
so sein« Sie überlässt ihm willig ihren Reisesack den er ritterlich trägt
    So schreiten sie frisch dahin durch den leise fallenden Schnee die Hanni
immer ein paar Schritte hinter ihrem Begleiter der ihr den Weg weist Grad
biegt er hinten beim Kloster am Anger ums Eck indem er sagt »Jetzt wern mir
glei da sein Muasst aber a bissl warten da herunten bis i mit der Hausfrau
gredt hab« da geschieht etwas ganz Unerwartetes Der Florian stößt plötzlich
einen kurzen Fluch aus dreht sich blitzschnell um und rennt an ihr vorbei
zurück um die Ecke davon
    Mit ihrem Zegerer ihrer ganzen Habe Und vor ihr stehen zwei in Uniform
die ihr den Weg versperren vor und zurück Und fragen ob sie den Burschen
gesehen hätt »Freili hab i hn gsehgn« Wo er hin wär »Da hint ums Eck Was
woass i« Ob sie vielleicht zu ihm gehöre »Mei  ja und naa Wias des
nimmst« Aber »Was Sie wolln uns derblecka scheints Sie haben eine
ordentliche Antwort zu gebn dass Sies wissen Wie heißen S« Die Hanni will
weiter dem Tropfen nach der ihren Reisesack mitnahm »Dees geht koan Menschen
nix o wia i hoass Und überhaupts hab i mit enk gar nix z toan I will zruck
dem oan nach der mei Sach hat« Aha Sie gehört also zu ihm »Sie bleibn jetzt
amal bei uns da Frailein Verstanden Sie wissen guat wo S Eahna Sach danach
suacha müassen Und jetzt sagen S wie Sie heißen«  »Naa ganz gewiss net Da
kunnt a jeder kemma und fragn wia i hoass Gar wo ma mi so saudumm oredt Als
wia wenn i wissen tat wo der oa mit mein Zegerer hin is« Sie gerät in die
Hitze »Mein Ruah will i haben sag i Suachts enk a anderne aus zum
Fürannarrnhalten« Und da die beiden immer noch nicht gehen kommt sie immer
mehr in Zorn und Wut und beginnt zu schimpfen und zu schreien »Mein Fried
sollts mir lassen Schaugts liaber dasss hoam kemmts anstatt dasss d
Weibsbilder drangsalierts Ös ghörts überhaupts net da her Ös ghörts scho lang
in Schützengrabn ausse Seids groß und stark gnua Und bals mi jetzt net glei
guatwilli steh lassts nachher zoag is enk wer i bin Aber richti« Sie ballt
die Fäuste stampft wütet Und da die beiden gar verlangen sie solle mitgehen
auf die Wache als sie vom Verhaften reden und von grober Widersetzlichkeit da
ist es aus mit ihrer Fassung »Grob Wer is denn grob Koa Mensch wia ös Ös
waarts mir no so Soldaten Schaama derfts enk Da waar insa Kini sauber
aufgricht wenn er lauter solchene hätt« Und schließlich bricht sie in
Tränen aus weint um ihr Sach um ihre Ruh um ihr Öd Es ist nichts mehr mit
ihr zu machen und da schließlich den beiden Polizisten etliche Kameraden in den
Weg kommen packen sie die Hanni heben sie in einen herbeigeholten Wagen und
bringen sie trotz ihres Sträubens zur Polizei als ein »aufgegriffenes
Frauenzimmer welches sich nicht ausweisen konnte und Widerstand gegen die
Staatsgewalt verübte«
    So sitzt also die lautweinende Hanni im Polizeiarrest bei noch etlichen
andern die gleich ihr im Verlauf der Nacht aufgegriffen und eingeliefert
wurden Neben ihr hockt eine alte betrunkene Hadernsammlerin aus Giesing auf
der Bank und schimpft über den sozialen Tiefstand des Wirtschaftsbetriebes über
die ungleiche Verteilung von Geld und Bier und über die ungalante
Schutzmannschaft Deutschlands Daneben unterhalten sich ein paar auffällig
gekleidete Mädchen mit einer dicken Wäscherin die sich ihnen als Hauswirtin
anbietet Indes in einer Ecke eine Hausiererin steht und mit viel Tränen einem
Mädchen der Gasse ihr elendigs Schicksal und ihre Not schildert Und da sie dies
getan geht sie auf die Hanni zu und sagt
    »Gehngan S zua Frailein woanan S do net a so Deswegn werds do net
anders Sie müassn Eahna akkrat a so denka wia i Der Arme is ein Opfer des
Kapitulierns Mit den Arma tuat a jeder was er mag Bsonders wann oana koan
Pfenning Geld hat und an schlechtn Leumund Dass er sei Straf net zahln konn dass
er s absitzen muass wia i Ja wenn i net so a Rindviech waar Aber a so hab i
halt wieder um a Glasl zviel gehabt a Wort hin und oans her und der Widerstand
is fertig gwen Und der Alt hockt dahoam und huast d Kinder plärrn um was z
essen und d Hund winseln ums Fuatta Und i hock da und wart auf morgn früah
wenn s mi heunt nimmer auslassen Wo kommen S denn her Warum sand S denn
da«
    Die Hanni hört allmählich zu weinen auf Das Weib da vor ihr hat eine
größere Kirm zu tragen Die ist nimmer frei und ledig Und dennoch überkommt die
Dirn noch mal ein heftiges Schluchzen als sie der andern erzählt von ihrer
Reise von ihrem Zusammentreffen mit dem Ropferflori von ihrem Unglück »Hättst
es halt die Schutzleut gesagt wiast hoasst« meint ihre Genossin Aber  »Wenn i
gmoant hab Soldaten sand s Was woass i von dee Schutzleut Bei uns hat ma halt
Greane Schandarm hoasst man s« erwidert die Hanni Und es währt nicht lang da
sind die beiden Weiberleut gut Freund geworden So dass die Hanni wieder ganz
munter ist und ruhig den Morgen und das Verhör erwartet
    Da redet sie frei und ehrlich sagt auch wer sie ist und was sie vorhätt
und empfängt mit viel Freude ihren Reisesack den der Flori wohl in der Eile von
sich geworfen und den ein Strassenkehrer gefunden hatte Freilich die Strafe für
ihre Widerspenstigkeit gegen die Staatsgewalt muss sie wohl bald erleiden Doch
tröstet sie ihre Leidensgenossin die Hausiererin »Was wolln s dir viel
macha« sagt sie »wennst viel kriagst nachher kriagst a Woch Dees hast
schnell abgsessen Mei was sollt denn da i sagen i muass jeden Winter meine
sechs acht Wocha macha Weil i d Straf net zahln konn Weil i a arma Teife
bin Und s Gschäft geht halt amal in dene Straßen am besten wos Hausieren
verboten is«
    Ja ja Aber es ist halt doch eine Woche wenns auch bloß eine Woche wird
Und sie muss mit den vier Mauern bekannt werden die sie mehr scheut als ein
langs Siechenbett Herrgott Die in Öd wenns wüssten Der Staudnschneider die
Hauserischen der Simmerl Oder die Leni Die Schand Das Gerede
    Es ist gut dass die Hausiererin ihr Sinnieren und Bohren unterbricht indem
sie sagt »Übrigens was i dir sagen will Du kunntst leicht bei mir a paar Wocha
bleibn als Kindsmagd Oder aa zum Obstverkaaffa I gib dir s Essen dafür und s
Schlaffa Wennst willst kannst jederzeit komma I wohn in der Au beim
Lilienberg Wennst nach mir fragst a jeds Kind zoagt dir dees Häusl von der
Weinzierlfranzi« Die Weinzierlfranzi Vom Lilienberg In der Au Ein Heimatl
Die Hanni sagt zu
Draußen bei der Kirche Maria Hilf in der Au sind die Herbergen vieler alter
Bürger unserer Münchnerstadt Und entlang dem Lilienberg lehnen noch allerhand
Hütten und Häuslein in denen schon die Urväter mancher noblen Palastbesitzer
und Wagerlprotzen ihre ärmlichen Hosen zerrissen und die Wänd bekritzelt haben
Ein winziger Geissenstall ein morscher Holzschupfen ein alter Röhrlbrunnen oder
eine mürbe Holzaltane und ein wilder Holunderstrauch in dem armseligen
Wurzgärtlein weist noch dem Beschauer die Genügsamkeit der Bewohner dieser
Herbergen mit ihren zwei drei Kammern und dem Küchenloch Da hinaus führt nun
die Weinzierlfranzi ihren Schützling die Hanni Es ist um die Zeit am Morgen
da die Fabriken ihre Signale zum Beginn der Arbeit heulen und die Bäckerburschen
mit den Milchmädchen an Strassenecken schwatzen Durch die Gassen hinkt ein alter
Lichtanzünder und verlöscht das Morgenlicht in den Laternen und fröstelnd
trippeln fünf sechs Mädchen in dünnen Fähnlein ihrer Arbeitsstätte zu Aus den
Fenstern der Häuser blinkt da und dort ein mageres Öllicht und aus den russigen
Kaminen steigt leicht und bläulich dünner Rauch in die beissend kalte klare
Morgenluft Auf den hohen Giebeldächern liegt der festgefrorene Schnee und von
den Dachrinnen die so nieder sind dass man den Hausschlüssel darin verwahren
kann ohne einen Schemel zu brauchen hängen dicke Eiszapfen schier bis zum
Boden
    Vor einer dieser Hütten macht die Franzi halt sie späht erst durch eins der
vereisten Fenster dann drückt sie leise auf die Klinke Das Haus ist offen und
sie treten ein in den winzigen Hausflöz Da liegen und stehen Körbe Kisten
Häfen und Holzscheite herum auf den ausgetretenen Stufen der geländerlosen
Stiege liegt Wäsche und Spielzeug und vor der Tür die in die eine Kammer
führt steht das eiserne Zylinderhütlein ihrer Kinder In der Kammer liegen drei
der Hascher in einer mageren Bettaut einer sitzt hemdärmelig auf dem kalten
Stubenboden hat die Kaffeemühle und etliche Erdäpfel als Spielzeug neben sich
und jammert um die Morgensuppe Ein aufgeschossenes Maidl hockt vor dem alten
Sesselofen und bläst aus vollen Backen in die schwelenden rauchenden Reiser
während ein etwa sechsjähriger Bub auf dem zusammengesessenen pichigen Kanapee
steht und die Herdringe zur Melodie des Münchner Schäfflertanzes schwingt
    Die Hanni bleibt beklommen draußen vor der Stubentür stehen doch ihre
Gastgeberin sagt freundlich »Trau di nur rei Hanni Gschiecht dir nix
Höchstens dass di d Arbat opackt Geh ziag mir die Gsellschaft o die
derfriern ja Und koch eahna an Kaffee Muasst aber zerscht d Goass melcha« Die
Dirn ist froh um die Arbeit Sie zieht die schreienden zappelnden Würmer an
wäscht sie und striegelt ihnen das Haar hilft der Großen ein Feuer anmachen
dass es knistert und kracht und stellt den Hafen mit dem Kaffeesatz darauf »Wo
hast dein Stall und a Melchgschirr« fragt sie danach Die Weinzierlin wird
verlegen »Mei« sagt sie »so nobel wia bei den Bauern gehts bei mir net zua
Da hätt ja i an Platz net dazua Mir haben halt drei Stuben und da hab i oane
vergebn an an Zimmerherrn Sand halt doch alle Monat sechs Mark Und hintn wo
der Stall hingehört hab i mei Gmüas und mei War Mir muass si halt nach der
Deckn strecka Da hint steht a blecherna Eimer schau den nimmst zum Melchen
Und da drin « sie öffnet eine niedere Tür  »Da drin is d Goass«
    Die Hanni nimmt den Blecheimer auf dem noch ein Zettel klebt »Feinste
Aprikosenmarmelade« und will hinein in die Geissenkammer Aber erschrocken fährt
sie zurück Da liegt auf einem elendigen Lager ein bleicher Mann mit
eingefallenen Wangen und fiebernden Augen der flüstert heiser etwas
Unverständliches und winkt mit matter Hand seiner Franzi wobei ihn ein dürrer
Husten peinigt Neben diesem Siechenbett steht ein alter Waschkorb und darin
kriechts und wurlts und es winselt ein Häuflein junger Hunde und krabbelt und
sucht an der knurrenden Alten herum Drunten am Fussende der Bettstatt aber ist
ein Haufen Laubstreu aufgeschüttet und darauf liegt an den Bettfuss gebunden
meckernd eine grobbeinige Geiß die sogleich aufspringt und nach ihrem Futter
schaut Die Weinzierlin geht an die Liegerstatt ihres Mannes streicht ihm das
Kopfkissen glatt und horcht auf sein Geflüster »Wo bist denn gwen« fragt er 
»Da brauchst do net z fragn« erwidert sie bitter »Dass d di denn alleweil
wieder erwischn lasst«  »Ja no I hab halt wieder s Maul net halten könna Und
a Widerstand is schnell beinand Aber dees is jetzt gleich Dees gehört zum
Gschäft I hab mir wem mitbracht als Aushilf derweil bis i wiederkimm  von der
Straf Deesmal muass i sechs Wocha macha« Ihr Alter seufzt und fragt um den
Kaffee »Glei kriagst hn« sagt seine Franzi und schaut zufrieden auf die
Hanni die sich frisch auf die Streu gekniet hat und nun in flinken Strichen die
gelbliche Milch in den Eimer melkt Danach kocht sie eilig den Kaffee fertig
füttert die Kinder und den Kranken und geht dann hinter in den winzigen Schupfen
um Heu für die Geiß So beginnt sie ihr Tagwerk in der Münchnerstadt in dem
neuen Hoamatl von dem sie dachte es würde sich schon eine Kuh drin finden zum
melchen »Macht nix« denkt sie »wenns aa koa Kuah is na is s halt derweil a
Goass« Und sie tut singend ihre Arbeit
Kinder warten Hunde füttern den Kranken pflegen und der Geiß einstreuen das
Haus versorgen und die Mahlzeit richten das ist der Hanni ihr Tagwerk ein paar
Stunden Schlaf auf dem hinabgeschelchten Kanapee das ist ihre Nachtruh Und
eines Morgens sagt die Weinzierlin »Hanni heunt muasst mit zum Handeln Dass d
dich auskennen lernst in der Stadt und dass d mir s Gschäft weiterführn
kannst wenn i net da bin« Also holt sie ihren Handkarren aus dem Schupfen
ordnet das Gemüse die Orangen und die Nüsse darauf und schreibt mit großen
Buchstaben die Preise auf die Tafel die sie auffällig an den Karren hängt
»Franzi wennst von der Schul hoamkommst nachher wärmst die Suppen in dem
blauen Hafen dort auf« sagt sie noch zu der Großen »und a Brot gibst an jeden
und an Vatan a weichs Ei An Hund net vergessen und d Goass Pfüat enk der
Himme« Sie schließt das Haus und macht sich auf den Weg
    Und so trabt auch die Hanni mit der Händlerin durch die Straßen dahin wie
das Kalb am Strick betrachtet die Stadt mit ihren Häusern und Läden die
Gassen Plätze und Winkel schaut auf die Schilder welche ihr deren Namen
weisen und horcht auf die Rufe der Franzi die ihre Waren mit beredten Worten
anzubieten versteht »Madam Schöne goldgelbe Zitrona viere a Zehnerl  Geht
nix ab  Zuckersüasse Oranschen Herr Nachbar  Nehman S Eahna a paar mit
Fünfe um a Zwanzgerl Herr  Neue Nuss Nix gfällig« Freilich geht das Geschäft
nicht reißend aber sie kommen auf ihrer Reise doch auch an Plätzen vorbei wo
sie binnen weniger Minuten mehr verkaufen als anderswo in einer Stunde »Dees
muass i mir merka« meint die Hanni »dass i die Plätz no woass wann i amal
verkaaf Überhaupts sollt ma glei bloß dahin fahrn wo si was rührt«
    Aber im selben Augenblick kommt einer den die Dirn noch gut erkennt als
einen Wächter der Gesetze und sie begreift es schnell warum ihre Wirtin so
geschwind den Karren um die Ecke schiebt und im Trab die nächsten Straßen
durcheilt Ja ja Breit ist die Straße  zum Verderben aber es wohnen halt die
reichen Leute dort Und die Franzi meint »Ja no Allemal wenn i mei Straf
wieder abgsessen hab gib i a Zeitlang Obacht auf die Vorschrift Aber wenn i
siech wia meine Kinder hungri sand und d Apotekn oa Markl um dees ander frisst
für mein Kaschban seine Trankerl  mei da wird oan alles wurscht Da hoassts
halt Hast a Geld Und balst koans hast bist verratzt und verkaaft vom Anfang
bis zum End Is s vielleicht anders Bringst an Schratzn auf d Welt  dees
erschte is dass d Hebamm fragt Hast a Geld Wenn s aa net mit Worten fragt
mir gspürts scho wann s siecht dass ma koans hat Nachher lasst a so a
Grischberl taafa mei s Wasser kostt freili nix Aber  der Pfarrer möcht
lebn und der Messmer möcht lebn und der Magischtrat und d Gmeinde aa s
Heiratn ham s oan aa net umasonst erlaubt und balst amal einefallst in d
Gruabn und brauchst an Nasendetscher und an Ewigkeitsfiaker nachher tat not
du hättest als a Toter no an Geldbeutl in der Hand Ja ja  Is mir heunt scho
angst wenn mei Kaschba amal dro glaabn muass Bis i dees beinand hab derf i mi
no oft einsperrn lassen Denn i möcht hn doch scho dritter Klass eingrabn
lassen wenns a bissl geht  Gnä Frau was geht ab Der Karfiol Sechzig gnä
Frau  Sonst noch was gfällig  I dank schön gnä Frau A andersmal wieder d
Ehr« Einmal kehrt die Franzi mit der Hanni auch ein während ihrer Handelsfahrt
Drunten beim Markt und Dultplatz im Blauen Bock Da sitzen sie beieinander die
Karrenschieber essen ihren Brocken Wurst oder Käs trinken ihre Maß und
schwatzen sich die Galle weg die ihnen so oft im Tag übergeht wegen der War
wegen der Kundschaft und wegen des Wortes: Verboten Und die Hanni lernt das
Geschäft kennen den Grosshändler die Reisser und Schlager unter der Ware die
Kundschaft und das Gesetz mit seinen Vertretern Sie horcht genau auf die Rede
des alten dicken Kartoffeltobias verfolgt die Ausführungen der rotaarigen
Blumenhändlerin und überlegt was man für die nächsten Tage ankaufen könnt um
wenig zu setzen und viel zu gewinnen
    So lebt sie sich gemach ein in den Beruf ihrer Hauswirtin der
Weinzierlfranzi und wird schließlich deren Vertraute und rechte Hand Und das
Häusl draußen an dem Berghang wird allmählich hell und freundlich die Kinder
hängen an ihr dem Baserl die Hunde springen ihr entgegen die Geiß kennt sie
und der dahinsterbende Weinzierl macht zufrieden die eingebrochenen Augen zu
wenn ihm die Hanni die Kissen aufschüttelt und die Kammer hinausfegt  Die
Weinzierlin aber geht dahin wo sie als tote Nummer einer Zelle den grauen
Kittel der Verbrecher trägt Socken strickt und Tüten klebt Böden schrubbt und
Wäsche reibt gegen einen Taglohn von vielleicht zwölf Pfennigen bis sie den
letzten Heller ihrer Strafmandate abgesessen hat
Josefi Der Tag aller Sepperl und Pepperl »Heut geh i mit Bleame« sagt sich
die Hanni am Tag vor Josefi »denn heut bring i sicherli mehr Veigerl und
Schneeglöckerl o als wia Blaukraut und gelbe Rüabn« Und sie legt ihr gutes
Gewand an nimmt den weiten Armkorb statt des Karrens und läuft zur großen
Marktalle wo sie bald das Rechte findet Anemonen Schneeglöcklein Nelken und
Veilchen Auf einer Bank nahe der Isar bindet sie geschwind eine Menge kleiner
Sträusslein und dann eilt sie mit dem Korb stadteinwärts belebten Straßen zu
und großen Häusern »Herr ein Sträusserl gfällig  Schöne Veigerl Frau was
geht denn ab A Namenstagbuketterl net vergessen gnädigs Fräulein« Ach sie
kommen hart über ihre Lippen diese Lockrufe und Anpreisungen Und die Frauen
die vorüberhasten sehen sie an mit Augen die ganz unverhohlen sagen
Betteldirn Tagdiebin Und die Männer Ja ja Die schauen nicht bloß ihre Blumen
an und ihren Korb die gaffen ihr gar oft ins Gesicht dass sie wähnt es würde
ihr bei solchem Gaffen alles abgezogen jede Hülle und sogar die Haut
»Herzerl  Schatzerl  Schöns Kind« Aber das Geschäft geht gut
    Und gegen Abend da die Straßen und die Läden die Gaststätten und die
Wohnungen hell erleuchtet werden da hat sie alle ihre Veilchen und die
Schneeglöcklein verkauft und auch von ihren Nelken und Anemonen sind nur noch
wenig Büschel übrig Da kommt ein alter Herr des Wegs im Pelzrock und
Zylinderhut Der hat kaum die Hanni erblickt als er sogleich zu ihr in die
Toreinfahrt tritt auf den Rest in ihrem Korb deutet und fragt »Was kosten
sie« Und dabei gleitet sein Blick über ihre schwarzen Zöpfe ihren Körper und
bleibt betrachtend stillstehen in ihrem von der kalten Luft geröteten Gesicht
und in den Augen indes sie leise sagt »Drei Mark Herr« Er zieht die Börse
und fragt während er darin herum sucht »Wie heißt du denn Bist du Münchnerin
Bist du schon Frau« Die Hanni bindet mit unsicherer Hand den Strauss zusammen
    Was der alles wissen möcht Das wär wieder so einer Aber ein feiner ein
vornehmer Herr ist er doch Und sicher reich  sehr reich Seine Börse ist
gefüllt mit Silbergeld und Scheinen und sein Anzug sein Benehmen sagt ihr dass
er etwas andres ist als alle die ihr bisher in die Augen sahen  so begehrlich
 »I bin koa Münchnerin naa Herr I bin aa net d Frau selber I bin bloß d
Hanni«  »Die Hanni Hast du zu Haus noch Blumen«  »Naa Herr Aber i kann
Eahna leicht morgn no oa bsorgn so viel S mögn« Der Herr besinnt sich ein
wenig Dann reicht er ihr eine Banknote hin »Hier Lass nur gut sein Und bring
mir morgn noch so einen Strauss Wart hier hast du meine Adresse Um zwei Uhr
bin ich zu Haus« Er gibt ihr eine feine Visitenkarte in die Hand »Auf
Wiedersehen Fräulein Hanni« Noch ein kurzer Gruß ein Lüften des Zylinders
dann ist er in dem Strom von Strassenbummlern verschwunden
    Die Hanni blickt ihm betäubt nach Dann betrachtet sie abwechselnd die Karte
und das Geld »Zwanzg Mark Für die paar Bleame Und a Baron is er der Herr
Und reich ganz narrisch reich « Sie fährt mit der Trambahn heim »Heut laaf
i nimmer z Fuass bis in d Au Heut hab i scho mein Wochenlohn verdeant« sagt
sie sich Und immer wieder betrachtet sie die Karte mit dem vornehmen Namen und
der vornehmen Adresse Und da sie draußen bei der Weinzierlhütten steht und
aufschliesst summt sie leise
»Lusti is auf der Welt
Zwanzg Gulden in Silbergeld
Dreissge in Schein 
Bua mei Herzerl gehört dein«
Die Hanni wirft den Korb unter die Stiege im Hausflöz zündet eine Kerze an und
geht hinein in die Stube Aber die ist leer Und aus der Kammer daneben dringt
ein matter Lichtschein Sie läuft durch die Stube und bleibt erschrocken an der
Kammertür stehen Da liegt der Weinzierl wachsgelb und starr in den Kissen
neben der Lagerstatt brennt in einer steinernen Flasche eine Wachskerze und auf
dem Nachttischchen liegen allerhand bunte Heiligenbilder ausgebreitet Und auf
der Zudeck des Bettes liegen und krabbeln die jungen Hunde indes die Alte
drunten bei den Füßen des Toten sich unters Deckbett verkrochen hat und schläft
    Die Kleinen aber hocken auf der Geissenstreu und machen halblaut Musik mit
Papiertrompeten indes der Bub leise weinend unter der herausgezogenen
Kommodenschublade liegt und ängstlich nach dem eingebrochenen Gesicht des Toten
schielt Und die Geiß steht meckernd dabei wühlt mit den Hörnern in der Wäsche
und zerrt an ihrem Strick der sich in ihre Füße verwickelt hat Starr steht die
Hanni eine Weile vor dem Bild endlich rafft sie sich zusammen trägt die Kinder
hinaus kocht versorgt das Haus und eilt danach zur Totenpackerin und zum
Schreiner zum Doktor und zum Pfarrer bei dem sie auch das große Weinzierlmaidl
findet bleich und mit großen fremden Augen »Sie hat ihn sterben sehen« sagt
der Pfarrer mit einem Blick auf das Kind »nun wollt sie nimmer heim allein« 
»Aber mit der Hanni geh i scho hoam« sagt das Dirndl Und sie fasst die Hanni
bei der Hand und zieht sie mit sich fort
    Nun liegt also der Tote da und man muss warten bis zum Morgen bis er in die
gelblackierte Truhe mit dem Hobelspanbett und den steifgestärkten Spitzen kommt
und der Deckel mit dem blechernen Herrgott drauf den starren Leichnam
einschliesst in die Kammer die leicht Platz hat in der stillen Grube draußen im
Gottesacker »Mei is guat dass hn unser Herrgott hoamgholt hat« meint die
Leichenfrau am Morgen da sie den Abgeschiedenen wäscht und für die letzte Reise
kleidet »Für die arma Leut is der Tod allemal a Glück Und fürn Weinzierl scho
ganz gewiss Sitzt sie scho wieder« Die Hanni gibt ihr keine Antwort und geht
hinaus Indes die Leichenträger und die Geistlichkeit erscheinen der
Friedhofswagen mit den beiden Rappen vorfährt und also der ehrbare Kaspar
Weinzierl für immer seine Herberg in der Au verlässt dabei dann einer von den
Trägern zu den andern halblaut sagt »Da werds mitn Trinkgeld mager ausschaugn«
und ihnen seufzend eine Prise aus der großen Dose anbietet
    Da nun die Kammer leer und ausgefegt und das Bett des Heimgegangenen in die
Holzlege hinausgehängt ist zum Lüften auch die Kinder versorgt und die Stube
durchwärmt ist da muss die Hanni daran denken den Tod des Hausvaters seiner
Wittib draußen mitzuteilen Und so macht sie sich am Vormittag noch auf den Weg
»Und wenn grad amal was wär Hanni mit eahm oder mit die Kinder nachher
bringst mir die Botschaft naus fahrst bis in d Tegernseerlandstrass und gehst
die Alleebaam nach Wenn d Häuser ausgehn siechst es a so vor dir steh« So
sagte die Weinzierlin noch vor ihrem Gehen Also fährt die Hanni mit trübem Sinn
und müdem Kopf dahin und geht nachdenklich durch die alte Straße indes der Föhn
durch die Bäume pfeift die Wolken jagt und drüben im Forst heulend über die
Wipfel fegt dass es weithin ächzt und kracht Fröstelnd zieht sie ihr Wolltuch
fester um die Schultern und blickt mit großen starren Augen hinüber zu dem
düsteren Häusergeviert mit der kleinen Kirche und den hohen Mauern welche
alles was dahinter ist abschließen von der Außenwelt »Wann wirst du selber
drin sein hinter dene Fenstergitter« fragt sie sich »wie mag dir wohl die
Suppen schmecken drin in so einer Keuchen« Und ein Zorn packt sie  über ihr
hitziges Blut über ihre Reise nach München über alles was Schuld trägt an
ihrem Dasein überhaupt
    Unter solchem Denken und Sinnieren kommt sie unversehens an das hohe
Gittertor das sich eben hinter einem alten dürren Weiblein schließt Sie
überlegt ob sie nicht dem Pförtner noch rasch rufen sollt aber sie tuts nicht
»Dann geh ich zu Maxim  da bin ich sehr intim « Die Hanni blickt
erschrocken um sich Da trippelt auf zierlichen Stöckelschuhen eine modisch
aufgeputzte Dame hinter ihr zum Tor trällert und singt und wiegt den Kopf mit
dem Federnhut dazu im Takt schlenkert das Täschchen und den Schirm in der Hand
und tut als ging sie zu einem Reichsgrafen auf Besuch Vor dem Eingang bleibt
sie stehen schaut von oben herab zur Hanni hin und fragt
    »Ham Sie schon gläut«  »Naa« Die Hanni betrachtet in starrem Staunen
das noble Frauenzimmer und überhört schier dass der Pförtner mit dem rasselnden
Schlüsselbund das Tor aufschliesst und einem die Freiheit gibt einem bleichen
hageren Burschen im hellen Sommeranzug und Strohhut Der zieht frierend die
Schultern hoch steckt die Hände tief in die Hosentaschen und sagt »Joldene
Freiheit wie blickste mir an Nee Justav so wat machste nich wieder« Und
damit stutzt er mit langen Schritten stadteinwärts Der Schliesser aber begrüßt
die Dame mit den Worten »So bist scho wieder da Kati Nur reinspaziert«
und sagt dann zur Hanni »Wollen Sie auch rein« Die fährt erschrocken
zusammen »Jaa  dees hoasst  i muass zum Herrn von dem Haus I hab eppas zum
ausrichten«  »Aha Also dann gehen S nur aa glei mit« Drinnen in der
Wachstube des Pförtners wird das feine Fräulein sogleich als alte Bekannte
begrüßt und einer Aufseherin überwiesen Die Hanni aber weist den Totenschein
des seligen Weinzierl vor und sagt »Ich muass mit der Weinzierlfranzi redn Ihr
Mann is gstorbn gestern« Man stellt sie dem Inspektor der Anstalt vor dann
wird sie in eine Kammer geführt die durch ein hohes Gitter in zwei Hälften
getrennt ist Sie setzt sich fiebernd und zerschlagen auf einen Stuhl Ein
Schaudern erfasst sie wieder da sie daran denkt dass sie vielleicht schon in
wenig Tagen auch hier sein muss  als eine Bestrafte eine Büsserin Aber
dazwischen kommt ein trotziger Grimm über sie »Für was eigentli Wegen was
sperrn s di ein Was hast denn gar to A paar fremde Mannsbilder hast a bissl
scharf anlassen weilst es net kennt hast dass s gwappelte gwen sand  Ah
was«
    Eine Tür wird aufgeschlossen eine robuste Wärterin mit harten Zügen und
stahlgrauen Augen tritt mit der Gefangenen ein Die Franzi wird bleich und rot
Angst wechselt mit dem Gefühl der Scham hier hinter Schloss und Riegel hinter
Gitterstäben und im Beisein eines Dritten weiß Gott was hören reden zu müssen
Aber die Hanni spürt wie es der Franzi ist sie würgt an ihrem Mitleid Zorn
und Schmerz drückt die notpeinliche Verlegenheit nieder die sie beim Anblick
ihrer Hausmutter befällt dabei sie an die Legend vom lieben Christusherrn
denken muss wie er vor dem Herodes stund und sie sagt »Franzi du hast gesagt
wenn amal was is i muass dir sagen  dass dei Mo  der Kaschba  gestern
 ruhi  und guat  hoamganga is Am Sunnta werd er eingrabn« Es ist aus
mit ihrer Fassung Da drüben hinter diesem Beichtstuhlgatter da steht die
Wittib wie eine schmerzhafte Mutter unterm Kreuz schlägt die Händ vors
Gesicht lässt sie wieder sinken und sagt endlich mit einer fremden toten Stimm
    »Der Vater Mei Kaschba Nachher san ma jetzt alloa«
    Die Aufseherin unterbricht sie mit einem Wort des Beileids Und meint
danach »Mei grad recht leicht wird er kaum gstorbn sein Eahna Mann Wenn man
bedenkt  die arma Kinder und d Frau da herin «
     »O du « Beinahe wäre der Hanni ein Wort entfahren das ihr gewisslich
eine Woche Aufenthalt in diesen Mauern eingebracht hätte aber sie schluckt s
hinab »Wennst was Bsonders hättest Franzi an Wunsch oder was sag mirs Was i
toa kann tua i« Die Weinzierlin schüttelt den Kopf »Naa Hanni Werst scho
alles recht macha A Sträusserl Rosen kaafst eahm für mi und a Mess lasst eahm
lesen  Ja wenn is Geld hätt Aber mei Unseroana is und bleibt der Depp Im
Lebn und im Sterbn Aber dees macht nix Dafür gehts die reichen Leut besser
Geh Hanni gehen ma wieder I mag net grob sein Wenn oana an Geldsack scho in
d Wiagn nei kriagt kann er so weni was dafür als wia oana der an Buckel mit
auf d Welt bringt oder an Kopf ohne Verstand Mach dei Sach guat Am Samstag
acht Tag bin i wieder frei Frailn Maier führn S mi wieder auffe bitt schön
Pfüate Good Hanni Schaug auf meine Kinder « Ein hartes Weinen schüttelt
sie da sie geht Die Hanni macht sich still auf den Heimweg
Der Weinzierl ist zur Erden bestattet mit dem Gepräng und den Ehren die ihm
gemäß der Klasse für die bezahlt wurde zukamen Und die Hanni begleicht die
Totenrechnungen bindet den Kindern schwarze Halstüchlein um fegt das Haus von
unten bis oben und geht danach wieder zum Handeln wie zuvor Bis endlich die
Weinzierlin kommt und ihr die Geldtasche samt dem Karren abnimmt indem sie
sagt »Is mir lieber wannst du dahoam bleibst bei die Kloana Du konnst mit der
Hausarbeit besser umgehn und i mitn Handeln«
    So hätte denn die Hanni ihr Heimatl ihre Erdäpfel mit der Brennsuppen und
ihre Arbeit Aber wie es halt so ist im Leben hat einer den Strick so möcht er
den Esel dazu und hat er den Esel so möcht er ein Ross Und da die Hanni das
Häflein hat möcht sie auch eine Wurst darein Oft steht sie an dem Guckloch des
hochgiebeligen Schindeldaches oder droben auf der Höhe des Fischerberges schaut
mit brennenden Augen über die grossmächtige Münchnerstadt hin und seufzt »Ja
ja Wer da drin an Orts so an Palast hätt A rare Hoamat und a Geld und a
Ansehng bei die Leut « Wohl ist sie ihrer Hauswirtin dankbar für die Aufnahm
für das Vertrauen wohl kommt sie sich da draußen in der altmodischen Vorstadt
mit ihren gemütlichen Häuslein und Hütten mit ihren Gassen und Winkeln und dem
grünen Wasser das sich mittendurch schlängelt schier wie daheim vor aber in
ihr bohrt der Ehrgeiz das Verlangen nach Wohlstand und Ansehen Und sie
überlegt schon wie sie einen Vorwand fände der Weinzierlin den Pfüagott zu
geben
    Da schickt sichs dass sie eines Tags in ihrem blauen Festgewand eine Karte
findet die ihr das Blut gählings in die Schläfen treibt jene vornehme
Visitenkarte mit dem Namen des Barons im Pelzrock der ihr die Blumen alle
abnahm und so freigebig bezahlte Sie starrt auf die Adresse Wenn nun der Weg
zu ihrem Glück durch diese Straße führte Vielleicht sollte man einmal
hingehen Blumen bringen und sagen  ja was sollt man sagen Man hat
sich nicht getraut  Ein leises Lachen überkommt sie bei diesem Gedanken »I 
mir net traun I trau mir scho I geh zum Sparrigankerl selber wenns sein muass
wenn mei Glück davon abhängt« Aber da ist eine Stimm die warnt und ratet ab
davon »Geh nit hin Tus nit« Und die Hanni geht zwiespältig mit sich selber
herum und kommt zu keinem rechten Fürnehmen
    Derweil aber rollt der Stein den sie in derselbigen Nacht so grob und
hitzig gegen jene Männer vom Gesetz hinwarf seinen Weg dahin und liegt ganz
unversehens mitten in ihrer Bahn als Urteilsspruch der sie für dreimal
vierundzwanzig Stunden hinausschickt in eine jener Zellen darin heute eine ihr
Unglück beweint morgen sich eine ihrer Bosheit freut und übermorgen vielleicht
eine fragt »Warum Was hab ich getan« Und auch die Hanni steht eines Tages in
jenem Raum in dem die Kleider und das Eigentum aller eingeschlossenen Frauen
und Mädchen verwahrt sind und wie zuvor zu der die hierherkam weil sie ihr
Kind zu einem Krüppel schlug wie zu der Dirne die einem Gimpel seine goldnen
Federn ausrupfte wie zu der verwegenen Landstreicherin die mit ihrem Genossen
und Geliebten in Gehöfte einbrach und von Betrug und Diebstahl lebte so sagt
die Aufseherin nun auch zu ihr »Ihren Namen  Wie lange haben S  D Stiefel
runter  D Strümpf ausziehn  D Haar aufmachen  Auskleiden« Hoch bäumt
sich etwas auf in ihr es mag wohl Stolz sein Scham und ein verletztes
Ehrgefühl Doch
    Du bist ein Sträfling wie jene andern sagt sie sich jetzt hat Gottes Mühl
auch dich zwischen die Mahlsteine genommen Jetzt kommt die Straf für deinen
Hochmut in Öd Die Aufseherin durchsucht ihr die Kleider die Wäsche die
Strümpfe das Haar Danach heissts »Wieder ankleiden« Ein Paar Pantoffeln ein
Handtuch und ein deckelloser Steinkrug sind ihre ganze Habe die sie mitnimmt in
die einsame Zelle mit dem hochgeschnallten Strohsack dem Tischbrett und der
Bank Schlüssel rasseln Riegel schlagen das hohe Gitter auf der Treppe
scheppert die Hanni ist Gefangene eine Zellennummer wie die andern neben
ihr über ihr unter ihr
    Nach einer Zeit tönt abermals der Lärm des Schlüsselbundes das Stoßen der
Türriegel »Kübel raus Krug raus«
    Bleiche Gesichter freche trotzige Mienen vom Weinen verschwollene Augen
graue Büsserkittel feine Schlafröcke Für einen Augenblick huschen bunt
zusammengewürfelt die Bewohnerinnen des Stockwerks aus ihren Zellentüren mit
scheuer Neugierde wandern schnelle Blicke den Gang hinauf hinunter und
flüchtig werden hier und dort mit Augen und Händen Zeichen geheimen
Einverständnisses gewechselt indes zwei grobgewandete Mädchen Wasser in die
Krüge füllen und das Brot verteilen und eine finster schauende Aufseherin alles
bewacht beobachtet hier eine Erkrankte für die Sprechstunde beim Arzt
vormerkt dort ein Versehen rügt eine Gefangene scharf anlässt und schließlich
klappernd und rasselnd eine Zellentür um die andere zuschlägt und verriegelt
    Die Hanni hockt stumpf auf ihrem Bänklein wie ein harter Traum kommt ihr
das Ganze vor Aber wieder und wieder schreckt sie das Geklirr der Schlüssel
das Schlagen der Riegel und Türen auf und da plötzlich eine Klappe in ihrer Tür
laut schallend geöffnet wird springt sie mit einem dumpfen Schrei in die Höhe
und fährt sich an den Hals Doch ists bloß abermals eine Aufseherin und zwei
Gefangene die das Essen verteilen eine dicke Erbsenbrüh mit einem schwarzen
Brotknödel Die Hanni berührt es kaum Sie stützt die Arme auf den Tisch und
schaut durch den kleinen Spalt des halb geöffneten Fensters hinauf in das
Stücklein Himmel in die jagenden Wolken die durch die dicken schwarzen
Gitterstäbe noch blendender weißer erscheinen
    Rrumm »Gschirr raus« Mit müden Schritten trägt die Hanni ihre Schüssel hin
zur Türklappe Eine Hand nimmt sie weg und eine derbe Stimme sagt »Nummer
achtundzwanzig hat auch nix ggessen«  Nummer achtundzwanzig  bin dees net
i denkt die Hanni da erscheint auch schon der Kopf der Wärterin in der
Türklappe »Warum essen Sie nicht«  »Weil i net kann«  »Warum nicht« 
»Weil i koan Appetit net hab«  »Aha Koan Appetit hat s net Da kann man
abhelfen heut nachmittag tun S Böden abreiben dann wirds Ihnen morgen schon
besser schmecken« Rratsch Die Klappe ist zu
    Eine Weile ist es still auf dem Gang Nur von ferne hört man Klappern
Bürsten Wasser schütten Dann werden wieder Tritte laut Und jemand rollt leise
summend Fässer oder Blechtonnen vor die Zellentüren Irgendwo schwatzen und
lachen Frauen vielleicht Aufseherinnen Und dann ist wieder Stille eine
schwere beengende Stille die durch nichts unterbrochen wird als durch das
klagende Läuten der Mittagsglocke drüben in der Kirche durch den dumpfen Laut
einer zugeschlagenen Tür in einem andern Stockwerk durch einen schrillen
Schrei ein lautes Weinen
    Endlich klirren wieder die Schlüssel knarrt das Gitter kommt Leben in das
Haus Die Zellen werden geöffnet »Kübel nei Anstellen in den Hof« Da
kriechen sie aus ihren Zellen wie die Schnecken aus den Häuslein Hier humpelt
eine dürre bucklige Alte mit einem winzigen schneeweißen Haarschwänzlein durch
das eine große Beinnadel gesteckt ist die wohl gewohnt war einen schweren Zopf
oder ein Gesteck aus Rosshaaren zu halten Die große Hakennase macht das faltige
Gesicht schier hexenhaft und die Augen blitzen giftig von der Aufseherin zum
Gitter Daneben tritt eine große stattliche Dame in Trauerkleidung aus einer
Tür und sie schaut scheu von einem Gesicht zum andern ob nicht jemand da ist
der sie erkennen möcht Ihr gegenüber lehnt eine einäugige Bauerndirn mit
pichigem rotblondem Haarschüppel in ihrer grauen Sträflingskutte und
schmutzigweissen Strümpfen an der Mauer bohrt in den Zähnen und betrachtet
gelangweilt das Getriebe um sich her
    Die Hanni geht gedrückt zu dem Häuflein das am Gitter steht und sie
schielt verstohlen hin zu den andern Gefangenen zu der kleinen schwarzen Frau
im roten Schlafrock mit ihren lebhaften Augen und dem hochfahrenden Wesen zu
der alten gebeugten Mutter mit dem bunten Kopftuch und der tröpfelnden Nase zu
den beiden jungen Mädchen mit den frischgekräuselten Locken und den
herausfordernden Gesichtern zur Aufseherin die mit kalter strenger Miene vor
dem Gitter steht mit den Schlüsseln klirrt und ungeduldig mit dem spitzen Schuh
den Boden tritt »Wirds bald Wollt ihr euch ordentlich anstellen da vorn
Marsch vorwärts jetzt« Das Gitter öffnet sich und stumm gehen die Paare
hinaus ins Freie in ein kleines Viereck mit hohen Mauern etlichen knospenden
Sträuchern und einem jungen Grasfleck in der Mitte Und die Paare lösen sich
auf immer eine hinter der andern jede durch einen Zwischenraum von ihrer
Vordnerin getrennt so beginnt der Umgang »Abstand halten  Was haben denn Sie
zu gaffen  Wer schwätzt da  Sie da hinten  Wissen Sie nicht dass Winken
und Zeichengeben verboten ist  Nachgehen da drüben  Abstand da herüben« Die
Hanni tappt stumpf und gleichgültig hinter der zwerghaften verkrüppelten
Gestalt mit dem großen knochigen Schädel und dem faltigen leberfleckigen
Gesicht drein und sie sieht gar nicht dass diese schon eine Weile scheinbar den
härwenen Rock rückwärts hochhebt um ihn nicht zu beschmutzen wenn sie in die
vielen Wasserlachen patscht in Wirklichkeit aber mit großer Behendigkeit mit
den Fingern Zeichen macht die nur ein Eingeweihter kennt Da tönts plötzlich
an ihr Ohr »He da Sie von Nummer achtundzwanzig Was haben Sie da für eine
Unterhaltung mit Ihrer Vordnerin« Die Hanni fährt erschrocken zusammen ihre
Gedanken waren weit weg in einer armen Hütten in Öd bei ihrer alten Wabn 
Da kommt abermals die barsche Frage »Was haben Sie eben verhandelt mit Nummer
sechzehn«  »I Gar nix I kenn ja gar neamd da herin «  »Aha Gar nix Sie
kennt niemand Raus da alle zwei Sie da Was haben Sie eben der Gefangenen da
für ein Zeichen gemacht« Die Leberfleckige schaut dreist von der Aufseherin zur
Hanni und von der Hanni hin zu einer rotaarigen Dirn mit frechem Wesen »I Mit
dera Dees taat i scheucha I hab grad meiner Freundin an Servus zuagwunken«
Worauf die Rotaarige sofort ungefragt dazwischenfährt »Teats enk fei nix Dass
ma si fei nimmer grüassen derf da herin Da kannts weiter net zuageh« Die Hanni
schnauft erlöst auf Die Aufseherin aber lässt die beiden bös an und übersieht
darüber ganz dass unterdessen die Abstände zwischen verschiedenen immer kleiner
werden dass da und dort die Hände und die Augen reden ja dass sogar geflüstert
wird  »Wia lang hast Wo bist Numero Wann wirst frei Wennst
mein Altn siechst sagst eahm i lass hn grüassn « Unterdessen kann die Hanni
wieder eintreten die beiden andern aber werden immer frecher immer
schnippischer in ihren Antworten bis die Aufseherin plötzlich zur Tür geht und
scharf läutet Es erscheint eine andere Wärterin und die Weiber werden
augenblicklich abgeführt Und die in der Reihe flüstern »Jetzt gibts Dunkel und
Kostabzug« blicken scheu den beiden schreienden und schimpfenden Mädchen nach
und schlürfen gedankenvoll ihren Weg weiter bis es heißt »Anstellen« Da
kehren sie zu Paaren wieder zurück in ihre Zellen und machen andern Platz zur
Promenade
    Nun beginnt die Arbeit das Bödenreiben Die Hanni wird mit noch vier
anderen von einer Wärterin zurückgeführt in einen Raum wo Putzzeug aller Art
vorhanden ist. »So Maidli  Nehmet nur eir Sach  s isch alles da was d
ihr brauchent  Allens Allens  Machent e bissele rascher ihr säumige
Schlämpli  Bis ich wiederkomm will ich epps Gschaftes sehe  Und dass d ihr
mir ja grindlich schrubbe wellet Sonsch lass ich eich das ganze Werk nomahl
beginne  Allens Allens  Nit so säumselig  Die Arm a bissele brauche ihr
Gschössli« Sie steht noch eine Weile und sieht der Arbeit zu geht dann leise
von Tür zu Tür und schaut durch das kleine Guckloch sperrt unvermutet eine
Zelle auf und ruft zornig »Nix wird gschlafe Uf der Bode flakke am helle Tag
sell könnt ne passe Her da zum Schrubbe Zum Schlafe braucht mer die Nacht
Bei Tag muess mer schaffe« Damit lässt sie die Gefangene gleichfalls einen
Wuschel Stahlspäne nehmen und heißt sie fleißig mitarbeiten Dann geht sie
langsam zum Gitter schließt hinter sich ab und ist verschwunden
    »Alleluja Löffelstiel alte Weiber schwätzet viel « murmelte eine der
Putzerinnen »Jetzt ham mir unsern Grüabigen für a halbe Stund Herrgott meine
sechs Wochen wenn amal um sand «  »Nachher zahlst an Rausch gell« ergänzt
ihre Nachbarin die Einäugige Aber »Da wirst di schneiden Den sauf i mir scho
selber an« erwidert die erste eine dicke Person von vielleicht dreißig Jahren
»Du bist aa net so nobel dass d amal an Taler springa liassest«  »Was I Auf
an Taler gehts mir gar nia net zsamm Da kann mi a jeds beim Wort nehma« Eine
robuste Alte mischt sich ein »Dir schneibts gewiss s Geld oder findst es auf
der Straßen« Die Einäugige schmunzelt »Kannst gar net so unrecht haben I hab
scho hie und da oans gfunden«  »Auf der Straßen«  »Ja auf der Straßen« 
»Du«  »Ja i«  »Mit dem Kopf«  »Warum« Die Einäugige fährt in die Höhe
Die Alte betrachtet sie eine Weile aufmerksam und meint dann mit großer
Geringschätzung »Naa Mi drahst net o So farbenblind san nachher d
Mannsbilder do no net«  »Di schaugt freili koana mehr o«  »Brauchts aa net
I hab mei Sach«
    Eine Jüngere mischt sich ein »Aber ihr habts amal an damischn Dischkurs
Dees Mannsbild möcht i kenna dees wo sein Madl s Geld glei häufaweis
nachschmeisst der mei is net so dumm«  »Aber du bist scheints no ganz dumm«
meint die Einäugige »Warum hängst di denn hi an oan der nix hat Muass s denn
grad der sein Als ob net a andere Muatta aa wieder a liabs Kind hätt Naa mei
Liabe zwegn oan Mannsbild traurig sein dees fallt mir gar net ein Allweil
überecks überecks  alleweil fünf sechs«  »Wia machst nachher du dees dass
si so viel ohängen« Die Einäugige lacht belustigt »Wia i dees mach Ja gibts
denn dees aa dass oans no so dumm is Pass auf i zoag dirs amal wenn i wieder
in Freiheit bin« Die Dicke aber meint »Zoags uns nur jetzt glei Mir möchten aa
was profitiern davo«  »Dees könnts enk denka Wenn nachher grad s Auge Gottes
daher kommt nachher hoassts Drei Tag Dunkel« Aber die andern hören nicht auf
zu betteln Und die Alte deutet auf die Hanni »Da is oane die soll derweil
luren ob wer kommt Di soll si derweil ans Gitter stelln« Die Hanni schüttelt
den Kopf »Naa so was mach i net Zwegn dene drei Tag die ich hab is s net
der Müh wert dass i mir an Dunkelarrest hol So an Schlüsselbund hört man von da
aus aa scheppern« Ein höhnisches Lachen ist die Antwort darauf »Aha A Greane
Die hat ihre ersten drei Tag Eiskasten Na bals amal öfter da war vergehts ihr
scho besser s Zwirma«
    Die Einäugige wirft ihren Wuschel weg und steht auf »Also passts auf
nachher zoag i s enk wia ma Gimpel fangt« Sie bewegt kokett ihren Kopf
zwinkert mit dem Auge reckt sich macht sich elegant in der Erscheinung, indem
sie aus den Pantoffeln schlüpft sich auf die Zehen stellt die Büste zur
Geltung bringt und sich in den Hüften wiegt »Das is doch furchtbar einfach«
sagt sie »Da geht ma fesch austapeziert mit Federnhuat und Lackschuah durch d
Neuhauserstrass stellt si beim Oberpollinger an a Strassenlatern schwingt s
Handtascherl und hebt n Rock dass ma d Spitzerl siecht Kommt nachher so a
Stieglitz daher nachher brauchst bloß recht freundlich schaugn mit die
Augndeckl z winkn und «  »Vorsicht Strohhalm Der Schlüsselbund« flüstert
im selben Augenblick eine der Putzerinnen und alles schrubbt und reibt dass der
Staub fliegt Aber es ist nichts Gefährliches Die Aufseherin eines andern
Stockwerks stellt außerhalb des Gitters einen Arbeitskorb nieder und geht
wieder Also kann die Unterhaltung gut noch fortgesetzt werden Und die Alte
meint »Du bist gewiss deswegen da zwegn die Augndeckl« Die Einäugige erwidert
sehr von oben herab
    »Da werst di aber täuscht haben Dumm wer i sein Naa i bin bloß da weil i
an Geldbeutl gfunden hab«  »Ah so«  Alle schmunzeln Nur die Dicke bleibt
ernst und meint »Ja ja Wias halt geht Bin i jetzt fünf Jahr Kellnerin beim
Matäser und muass mi rein zwegn nix und wieder nix zwoa Monat da reihocka Bloß
weil i an den Kerl a bissl mitn Masskrug hinkomma bin  wo er behauptet hat i
hätt hn bschissen um a Markl Körperverletzung Dem hats gar net gschadt dass
er a bissl was verlorn hat von seim boshaftn Bluat Und überhaupts i bin ja net
amal richtig dro hinkomma an sein Wasserkopf«  »Mei es gibt halt überall a
Ungerechtigkeit auf der Welt« sagt da die Alte »geht mir aa net anders Drei
Scheitl Holz hab i weg von an Lagerplatz sechs Wocha haben s mir auffeghaut
Und der ander der scheene Herr Baumoasta hat mir aa no dees ganze Holz wieder
gnomma Trotz m Einsperrn Und hätt ma den ganzen Winter so schee brenna könne
dro«  »An dene drei Scheitl« Die eine sagts die zuvor beim Schlafen erwischt
wurde Die Alte wirft ihr einen giftigen Blick zu »Di wern s aa net zwegn an
Rosenkranzbetn da rei haben«  »I woasss net Wenn a Widerstand dees nämliche
is nachher scho« Ein Widerstand Die Hanni horcht auf Und sie getraut sich zu
fragen »Habts ees aa an Schandarm beleidigt«  »I Naa Aber a paar
Schutzleut« Und dann erzählt sie dass sie an Dienstboten Stellen vermittelt
dass sie grad jetzt das beste Geschäft gehabt hätte und die schönsten Plätze
»Was moanst denn was mir dees für a Schadn is« sagte sie »Jetzt sollt i fürn
Mohrenwirt zwoa Kellnerinnen suacha und fürn Martlbräu a Küchenmadl fürn
Schlickerwirt a Zimmermadl « Die Schlüssel klirren die Aufseherin kommt
»Ei ischts nur meeglich Die Frauenzimmer hent no nit gar Wie lang wellet ihr
denn da no rumknocke ihr lahme Flitschli Allens jetzt oder es geit e
Dunnerwetter«  »Wenn mir a so tean was mir könnan« murmeln ein paar der
Putzerinnen die Hanni aber schrubbt und werkt und hat etwas im Kopf das geht
herum wie ein Mühlrad fürn Martlbräu a Küchenmadl  fürn Schlickerwirt a
Zimmermadl  Dass doch die drei Tag schon um wären
    Aber da ist eine lange Nacht auf hartem Lager  und ein langer Tag und noch
zwei Ewigkeiten schier bis endlich der Riegel für sie zum letztenmal
zurückgestoßen und die Zellentür geöffnet wird bis die Aufseherin da drunten in
der Kleiderkammer wieder sagt »Ausziehen Wieder ankleiden« Bis sie den Zettel
in Händen hat gleich einer Quittung dass sie ihre Schuld gebüßt gezahlt hat
Bis sie endlich wieder außerhalb des hohen Gittertores auf der Straße steht
tief Atem schöpft und schließlich wie erlöst von dannen geht ihrem Heimatl zu
drunten in der Au
He juche is der Graf zIrlbach gstorbn
He juche mitsamt seine Knecht
He juche jetzt kunnt i Graf z Irlbach werden
He juche wann mi d Frau möcht
Die Hanni geht singend durch die Gassen hinauf zum Martlbräuwirt Leise summend
tritt sie ins Haus betrachtet im Hof die vielen Bauernfuhrwerke schaut dem
Hausknecht zu wie er ein Ross eingeschirrt und sucht danach die Küche
    Da steht die feiste Wirtin eben an dem grossmächtigen Herd und kostet die
Speisen wobei sie sagt »Salz her Essig her Da is ja koa Saft und koa
Gschmach drin in dem Bifflamod Dees schmeckt akkrat so fad wias du bist du
zwiders Frauenzimmer Du waarst no so a Köchin Da kann amal oana a Freud haben
wenn er di kriagt du fade Nockn du fade Geh mach dass d mir aus der Küch
kommst s Blaukraut is net gsalzen die Gröstn haben koane Rammerl der Salat
is lauter Gnatsch  geh zu dein Schepperkasten nauf is mir liaber Lern dein
Walzer dass d was konnst wenn amal der Kriag gar is« Das Mädchen ein
blasses hochaufgeschossenes Ding von vielleicht sechzehn Jahren zieht der
Wirtin den schweren silbernen Schlüsselhaken aus dem Schürzenbund »I brauch d
Schlüssel Bei dir kann ma überhaupt nix recht macha Oamal is dir z süass
kocht und oamal z sauer Da bin i scho liaber beim Vater in der Schenk drin
Oder in der Stund Übrigens was i sagen möcht Mutter A neue Operette is wieder
gspielt wordn Die schau i mir an und wenns was is fürs Klavier nachher kaaf i
mirs gell« Die Wirtin rührt heftig in der Griesssuppe herum Jetzt schielt sie
ein wenig hin zu ihrer Tochter »Soo a neue Operettn sagst Die schaugn mir
uns an jawohl Kati richten S d Teller und d Plattl her und schneiden S
an Schnittlauch für d Suppen Fanny läuten S der Kellnerin dass i ihrs Essen
ansag Fräulein was möchten S denn« Sie schaut forschend nach der Hanni die
schüchtern an der Tür steht und einen Grüß Good herauswürgt »D Verdingerin
hat gesagt Sie brauchen wem zu der Arbat da in der Kuchl «  »Naa sag i
Seit drei Tag wart i scho drauf dass s mir oane schickt Heut hätt i mir um a
andere Verdingerin gschaut« Sie betrachtet die Hanni mit scharfem Auge »San
Sie scho lang in der Stadt«  »Naa i komm vom Land« erwidert diese und
befolgt damit einen Rat der Weinzierlin die noch vor ihrem Weggang sagte »Wenn
s di ums Dienstbüacherl fragn nachher sagst du hast no koans und du bist vom
Land Dees hört jede gern« Damit hatte sie nicht unrecht denn die Wirtin
mustert ziemlich wohlwollend das ganze Äußere der Hanni und sagt dann »Aha Vom
Land Wo sand S denn her  Soo von Öd bei Aibling Wie alt  Vierazwanzg
Aha Was verlangen S denn Lohn  Fünfazwanzg Mark Dees is a bissl viel I zahl
eigentli koana mehra wia zwanzg  Aber da kann ma ja no redn drüber  Sagn mir
halt jetzt amal zwanzg Mark kassenfrei und an Liter Bier im Tag Und d Arbeit
s Gmüas putzen s Fleisch herrichten der Köchin flink in d Händ arbatn der
Hausmagd helfen und an Metzger helfen Können S glei dableibn« Die Hanni
meint »Mei Sach hätt i halt no holn müassn« Aber die Wirtin sagt schnell
»Dees soll Eahna nachher der Hausl holn Iss weit  Am Fischerbergl Bei der
Quellngassen drübn  Ja ja dees geht scho  An Schurz kann Eahna ja d
Frieda gebn Wia hoassen S denn  Hanni Soo Also  Frieda an Schurz für d
Hanni Nachher zoagn S ihr glei die Keller s Schlachtaus s Fleisch d
Speis und eure Zimmer Und dann kann s glei die Ranna hobeln und Kartoffel
schäln«
    Die Tochter der Wirtin steht immer noch mit dem Schlüsselbund an der
protzigen Silberkette da betrachtet die Hanni neugierig und läuft dann eilends
hinein in die Gaststube zum Wirt »Vata jetzt ham mir schon a Küchenmädl Hanni
heissts A ganz netts Madl I glaub die kann i guat leidn« Also tritt die Hanni
ihren neuen Platz an und denkt Wird schon gehen mit Glück und Geschick und
vielleicht hängts jetzt doch auch einmal wieder auf die gute Seiten
Die Karwoche ist vorbei mit ihren Trauermetten und Busspredigten mit ihren
Fasttagen und Fischgerichten man läutet die Auferstehung unsers Herrn mit allen
Glocken ein zu Sankt Ludwig und Sankt Kajetan im Damenstift und vom Dom unserer
lieben Frau Und es folgt das eherne Geläute von Sankt Peter und von Paul von
Mattäus und Sankt Markus von Lukas und Johannes In den Läden stehen die
Osterhasen und die Zuckerlämmer mit ihren Fähnlein und in den Wirtshäusern
hocken die Arbeiter schimpfen auf die Feiertage auf den Krieg auf alles was
nach ihrer Meinung Ursache ist zum Klassenunterschied zur Armut und zur
Notwendigkeit der Arbeit schimpfen brummen und trinken und gehen zum Metzger
wo sie sich so ein drei vier Pfund Schweinernes oder Kälbernes kaufen als
Osterbraterl weils gleich is weil der Arbeiter alleweil der Hanswurscht is
Auf den Bahnhöfen wurlts und wimmelts von Soldaten fortziehenden und
heimkehrenden von lachenden Frauen weinenden Müttern und über dem ganzen
österlichen Getriebe der Münchnerstadt schwebt der laue Hauch des Frühlings und
eine stille Sehnsucht nach einer friedlichen glückhaften Zeit
    Droben beim Martlbräu platzen die Knospen der Kastanien treibt der Flieder
seine Dolden gurren die Tauben auf dem Dach der Stallungen Und die Hanni steht
mit heißem Gesicht und geröteten Armen am Herd wendet den Braten rührt die
Brüh klappert mit den Deckeln und wischt an den Tellern indes die Wirtin den
goldenen Zwicker auf die dicke Stumpfnase setzt die Zeitung durchblättert und
nebenbei zufrieden nach der Hanni schaut wie sie schafft und werkt ein
heiteres Gesicht macht und doch alles unter ihre Fuchtel zwingt sogar die
Köchin die Frieda
    Eben kommt der Metzger aus dem Schlachtaus in die Küche trägt eine große
Mulde mit Nieren Lebern Fleisch und Milzwürsten zur Anricht und sagt »Jetzt
bin i fertig Da sand no zwoa Schweinslebern zu der Suppen auf morgn Wer hilft
mir s Schlachtaus zsammräuma« Die Frieda fährt ihn ungnädig an »Dees können
S Eahna denka dass mir heut für Eahna Zeit haben D Marie muass draußen im
Garten d Tisch und d Stühl putzen und aufstelln und d Hanni muass mir d
Leber wiegn zu der Suppen Werden S Eahna scho alloa a net z weh toa denk i«
Die Wirtin schielt über den Zwicker weg zu den beiden hin Und zwischen den
Brauen graben sich ein paar unmutige Falten ein »Weils nur scho wieder streiten
müassts« Da sagt die Hanni »I werd leicht fertig mit meiner Leber Wenns Eahna
recht is Frau nachher hilf i an Hans schnell zsammputzen« Die Falten sind
verschwunden die Wirtin nickt bejahend und befriedigt »Ja Hanni helfen S
Was gschehgn is is gschehgn Nachher kommt er in d Schenk der Hans Mei Mann
sitzt si aa gern a bissl nieder« Der Frieda fährt die Röte des beleidigten
Stolzes übers Gesicht »Vo mir aus konn s ja helfa d Hanni Vo mir aus tuat
s überhaupt glei alles Mei Arbat aa Mi gfreuts a so nimmer Wann i Eahna
nimmer pass nachher derfan S es grad sagen Frau I kann ja geh aa« Die Wirtin
wirft die Zeitung weg und reißt den Zwicker von der Nase »Jetzt is halt scho
wieder Feuer am Dach Nachher gehen S halt Vo mir aus zum Teife So a fade
Bries krieg i alleweil wieder wia Sie sand« Aber die Hanni meint »Dees
brauchts do net Frau D Frieda moants do gar net a so Sie siecht si halt mit
der Arbeit net recht naus Aber mir werden scho ferti Vorwärts Hans schnell a
Wasser in den Kübel Bis mir lang schwatzen ham mirs«
    Der Metzger schmunzelt Herrschaft die verstehts Das ist ein Leut So eine
als Frau kriegen in so ein Gschäftl wie der Martlbräu Da gäb der Alt daheim
gern seinen Segen und die notwendigen Pfandbriefe dazu Dann bräucht man als
reicher Bauernsohn nimmer andern Leuten in den Sack hausen Man hätt selber sein
Sach und seine Familie Er schleppt das heiße Wasser hinunter ins Schlachtaus
Die Hanni folgt mit Seife und Bürste Sand und Putzhadern »Hanni«  »Was
iss«  »Du gfallst mir«  »Soo Dees is freundli von Eahna«  »A so a
Weiberl kannt i glei braucha«  »Aber i no koan Mo« Sie beginnen zu wischen
zu putzen und zu fegen zu kratzen und zu kehren Und der Bursch beginnt wieder
»Hanni«  »Ja was iss«  »Gell dees gfallt dir gar net dass i a gläserns
Aug hab«  Die Hanni erschrickt Denn schon etliche Male hatte sie den
sauberen nicht unebenen Burschen still betrachtet und gedacht Wenn er net grad
a Metzgerbursch wär und wenn er net a Glasaug hätt  nachher wär er gar net so
übel der Hans  »Warum Dees konn doch mir ganz wurscht sein was Sie für Augn
haben« Sie werkt und schrubbt dass alles schäumt und spritzt »Is dei Schatz aa
in Kriag Hanni«  »Was iss I hab koan Schatz«  »So sagt jede«  »Dees
kann scho sein vo mir aus Aber i hab koan I kunnt gar koan braucha Weil i den
do net kriag den i möcht« Der Bursch horcht auf »Was möchst nachher du für
oan« Die Hanni lacht Ihr helles lustiges Lachen »Mei dees is glei gesagt
Der mei muass amal sauber sein richtig sein a Geld haben und a Schneid dass ma
zu was kommt Denn i brauch a Haus und a Kuah und a guats Millisupperl in der
Fruah « Der Metzger schaut ihr begehrlich ins Gesicht »Du verlangst freili
viel Aber wenn jetzt i dees alles hätt was du verlangst «  «  »Sie Was
i verlang Mei Liaber Sie hätten dees gar nia was i verlang Sie gewiss net« 
»Warum net«  »Fragn tuat er aa no Der oaschichtige Metzgerbursch der
Deanstbot Mei Liaber A Deanstbot bin i ja selber Also brauch i oan der mi
draus erlöst Der mi zu ana Frau macht Naa Freunderl dees schlagn S Eahna
nur glei wieder ausm Kopf Mit uns zwoa iss nix ganz gewiss nix« So sieht eine
Absag aus Eine richtige Absage Und doch ist der Hans nicht zornig nicht
gekränkt Er schweigt räumt seine Messer auf und pfeift danach einen Landler
Und denkt bei sich »A so und net anders muass amal die meinige sein«
»Der Wirtin Töchterlein
Die trägt ein himmelblaues Kleid
Sie schwärmt fürs Blaue
Zum Zeitvertreib«
Eine Kompanie Soldaten zieht durch die Straße
»Ei darum Maderl Maderl wink wink wink
Unter einer grünen Lialind
Sitzt ein kleiner Fink Fink Fink
Ruft nur immer Maderl wink«
Vor der Tür des Martlbräustüberls stehen vier Mädchen und winken die Tochter
der Wirtin die Kellnerin die Frieda und die Hanni Und es winkt die Tochter
dem jungen Leutnant mit den spiegelnden Ledergamaschen die Kellnerin der ganzen
Kompanie die Frieda dem gestrengen Feldwebel und die Hanni dem Offizier der
auf seinem Fuchsen hinter der Mannschaft dreinreitet eine Zigarre in der
behandschuhten Linken hält und die Rechte mit der eleganten Reitpeitsche grüßend
an die Mütze führt indes ein leises Lächeln über sein Gesicht huscht Die Hanni
schaut mit großen brennenden Augen dem tänzelnden Pferd mit seinem Reiter nach
Und sie hört kaum dass der Briefträger vor sie hintritt und sagt »Hat euch des
zwoafarbige Tuch wieder ganz und gar vom Verstand bracht He da  Frailn
Johanna Rumpl Für Eahna hab i heut allerhand amal was Amtlichs und was
Grichtlichs und an Briaf vom Schatz Und für d Frau Martl hab i heut aa was
Hier Frailn Berta Es is vom Herr Bruader Soo Und jetzt iss gar Jetzt habe
die Ehre meine Damen« Das Fräulein Berta reißt hastig den Brief aus dem
Umschlag überliest den Inhalt und läuft mit dem Ruf »Der Ferdl kommt« lachend
ins Haus zur Mutter Die Hanni aber starrt auf die drei Schreiben und kann sich
auf keine Weise einbilden was sie enthalten Und so öffnet sie zuerst den
Brief der zu Schönau gestempelt wurde »Von dahoam« murmelt sie mit einem
seltsamen Gefühl »wer denkt denn da no an mi«
    » Geschrieben zu Öd in Bayern den Irtag vor Pfingsten Liebe Rumplhanni
ich mache dir kunt und zu wissen dass mir die Wabm wo deine Grosmuter ist heute
eingraben ham Ist recht guet gstarbm und hat es dir vermacht ales mitsamt den
Haus Ich habe es den Herr Bezirksamt gesagt und du wirst es schon erfahren
Jetzt ist auch meine libe Wabm wo ich mich so guet unterhalten kann gegangen Wan
wird entlich auch mir meine Stunt schlagen ich bin ein fünftes Rat am Wagen
Der Pauli hatz Gschäft von mir kauft und er heurat osent in ein sechs Wochen die
Enhüberkellnerin wos du wohl kenst die Res Sie habm ihm z Frankreich ein Hax
abgschossen Lebe gesunt und klüglich und sei gegrisst von deinen Nachpar
Schmied Das meine zwo Bubm gefalen sind wirst du wohl wissen wan wird er auch
mich holen der boanerne Gfater ich bin bereit Grus Huffschmied«
    Die Hanni steht stumm und bleich und ihr Gedenken eilt hin in das Häuslein
zu Öd hin in die niedere armselige Kammer darin ihr Ähnlein in den letzten
tiefen Schlaf gesunken ist Sie steht vor der Heimgegangenen begleitet sie auf
dem letzten weiten Weg hin zum Freitof in Schönau und sie steht vor dem
schwarzen Hügel mit dem verrosteten Kreuz betrachtet im Geist die düstere
Kammer hört das Rieseln und Kollern der Erdschollen das Beten des Pfarrers
das Singen des Lehrers sie schaut auf das Häuflein Menschen die da um die
Grube stehen gaffen und lusen und gedankenlos ihr Vaterunser um eine friedliche
Ruhe für die Entschlafene herunterleiern indes abseits einer ist der alt
Hufschmied von Öd dem das Wasser in den Augen steht und der seufzt »Wann kommt
endlich auch deine Stund«
    Und langsam füllen sich auch ihre Augen mit Wasser rollt eine Zähre auf das
Papier Mittendrin aber schüttelt sie etwas von sich ab strafft sich zur Höhe
und wischt sich rasch über die Augen Dann öffnet sie die beiden andern
Schreiben ersieht daraus dass ihre Mutter die sie eigentlich nie recht kannte
irgendwo in einem Krankenhaus verstarb und dass sie die Johanna Rumpl von Öd
bei Schönau in Bayern die alleinige Erbin des Besitzes und der Habe ihrer
Großmutter ist.  Also mehrt sich das Gut der Hanni um ein gerechtes Häuflein
Geld und Sach davon besonders zu benennen ist das Kästlein in der alten
Gewandtruhe mit siebzehnhundert alten Silbergulden und einem vergilbten Schrieb
desselbigen rotaareten Steinmüllersohnes von Kreuz den das Urahnl der Hanni
beinah als seinen Eheherrn hätt um die Finger wickeln können wenn das
schwarzhaarete Kindl nicht gewesen wär In dem Schrieb aber bekannte er sich
noch als den in Lip demütigen und getreien Knecht und Buhl Andreas wünschte
seinem Waberl eine gute Zeit und glückhafte Genesung von einem liplichen
Kindtlein  Die Hanni hält das raue modrige Papier lang in ihren Händen und
ihr Blick betrachtet die ungelenken Schriftzüge des Toten Und es kriecht
langsam in ihr eine verlegene ungute Scham herauf darüber dass auch sie einen
Burschen einhandeln wollt um eine Spitzbubentat Aber da blinken und gleissen die
Guldenstücke lockend aus dem Kästlein und ziehen den Blick hinweg vom Betrachten
und Erkennen vom Bereuen und Fürnehmen So dass die Dirn darauf vergisst und
lieber mit den Fingern in den hellklingenden Münzen wühlt und dabei summt
»Wanns Kronataler regnen tuat  und Guldnstückl schneibn  nachher bitt i
unsern Hergott  es möchts Wetter a so bleibn«
    Im Hause des Martlbräu herrscht Lust und Freud Der einzige Sohn der Ferdl
ist auf Urlaub heimgekommen und wurde empfangen mit Blumen und Girlanden mit
Willkommengrüssen auf Transparenten und einer Jubelhymne auf dem Klavier Und die
Mutter preist ihr Glück dass sie ihren Buben wiedersieht freut sich über seine
goldenen Borten und die Knöpfe an seiner grauen Uniform die ihn als
Vizewachtmeister der Feldartillerie kennzeichnen und lässt Freund und Nachbarn
teilnehmen an Glück und Freud indes der Vater zufrieden und wohlwollend den
Erzählungen des Sohnes lauscht und das schlichte schwarze Kreuz in der Hand
hält betrachtet und es danach den Stammgästen zeigt Die Schwester des Herrn
Vizewachtmeisters aber prangt in Festgewändern hüpft und tänzelt um den feschen
Bruder herum hat hundert Pläne im Kopf und eine Menge Vorschläge im Mund wie
der Ferdl am besten seine zehn Tag Urlaub in Saus und Braus und in ihrer
Gesellschaft hinbringen könnt und weint schließlich vor heller Enttäuschung und
Verzweiflung darüber dass der »fade Mensch« am liebsten bei der Mutter in der
Küche oder beim Vater in der Stube hockt raucht und sich darüber freut dass er
endlich ein bissl ausruhen und zu sich selber kommen kann
    Eine aber ist die dies Heimhocken des Herrn Ferdinand Martl nicht bedauert
die Hanni Für sie ist die Ankunft des Sohns vom Haus ein Ereignis wie die
Erscheinung eines neuen Kometen für den Sterngucker Und ein Gedanke steigt in
ihr auf wächst riesengross und beherrscht am End das ganze Denken Sinnen und
Trachten der Dirn der Gedanke eine Brücke zu bauen hin zu den Besjetztümern des
Martlbräu Also beginnt sie sogleich ihr Werk sie kleidet sich nach dem Vorbild
etlicher feiner Herrschaftsmädchen die abends immer das Bier holen nur mehr in
himmelblaue getüpfelte Waschkleider trägt weiße Schürzen mit gestickten
Spitzenträgern und zwängt die Füße in schmale braune Spangenschuhe Auch
versucht sie ihr dichtes schwarzes Haar modisch zu richten wellt und brennt
und steht abends lang vor dem Spiegel frisiert und probiert flicht sich Zöpfe
und löst sie wieder macht sich Schnecken und Locken Scheitel und Tuffen bis
sie endlich eine Haartracht findet die ihr vorteilhaft genug erscheint um sich
in den Augen des Herrn Ferdinand ins rechte Licht zu setzen Dazu ist sie von
einer frischen kindlichen Heiterkeit schafft und werkt mit einer riegelsamen
Emsigkeit und macht sich also schier unentbehrlich bei der Wirtin die des
Lobes voll über die Hanni wiederholt zu ihrem Sohn sagt »So oane wie d
Hanni so tüchtig und so nett Ferdl und dazua aus an guatn Haus so oane möcht
i glei als Schwiegertochter Der tät is Gschäft schon anvertraun«
    Und der Herr Ferdl schmunzelt sagt gar nichts und ist gegen die Hanni von
einer gleichmäßigen höflichen Freundlichkeit lässt sich von ihr die Uniform
ausbürsten die Ledergamaschen polieren und sagt zu seinem »Danke« stets auch
noch »liebs Hannerl« oder »liebs Kind« kneift sie in die Wange oder tätschelt
sie schier väterlich zärtlich dabei dann die Hanni alle Register ihrer galanten
Kunst gezogen hat lacht scherzt mit Blicken betört und mit allerhand Reizen
lockt die Zähne zeigt und die frischen roten Lippen spitzt und doch wieder
sich scheu und schier unnahbar macht wenn ihr der gesunde heissblütige Mensch
gefährlich erscheint So treibt sie dies Spiel eine ganze Woche und bringt damit
ihren unentwegten Verehrer den Metzgerhans in nicht geringe Wut und
Verzweiflung also dass er in groben Worten seine Meinung sagt »Lass dir nur
Zeit Es is scho oana der wo sorgt dass d Baam net in Himmel wachsen Dei
Hochmuat tuat scho aa no an Kniafall wart nur« Doch die Hanni lacht und denkt
Du brummst mir guat Du hast glei ausbrummt wann amal i da herin was z redn
hab Du wirst dein Strohsack schnell vor der Tür haben
    Inzwischen geht die Zeit des Urlaubs rasch dahin und der letzte Sonntag an
dem der Herr Ferdl noch zu Haus bei den Eltern weilt bricht an Und der Herr
Vizewachtmeister sagt am Vormittag zu seiner Mutter »Heut nachmittag möcht i no
gern an Kameraden aufsuchen Wenn i abends net heimkomm zum Essen bin i dort
eingladen dass d es weißt« Die Hanni hörts Und sie sagt sich »Heut oder
nie Heut hab i mein Ausgang Der Kamerad wartt schon« Also steht sie gleich
nach der Mittagszeit droben in ihrer Kammer wäscht und schrubbt an sich herum
kleidet sich vom Fuß bis zum Kopf nagelneu und betrachtet endlich befriedigt ihr
Spiegelbild In dem einfachen schwarzen Lüstergewand mit dem feinen weißen
Spitzenkragen dem soliden Hut und dem sauberen Schuhwerk sieht sie besser aus
als manche Bürgerstochter die in Modefähnchen und auf überspannten
Stöckelschuhen einhertrippelt Ihre Finger schlüpfen in die schwarzen
Lederhandschuhe sie nimmt den neuen Schirm aus dem Koffer und geht hinab in die
Küche wo sie von der Frieda und dem Fräulein Berta sogleich wegen ihres
»feschen« Aussehens bewundert wird Da aber in dem Augenblick draußen an der
Schenke der Herr Ferdinand seinem Vater grad zum Abschied die Hand gibt so hört
die Hanni nicht mehr auf das Gerede sagt kurz »Pfüagood« und geht durch die
große Toreinfahrt aus dem Haus
    Der Herr Vizewachtmeister geht langsam seine Handschuhe zuknöpfend mit
rasselndem Säbel der Strassenbahn zu Die Hanni folgt ihm in kurzem Abstand Er
zündet sich eine Zigarette an und besteigt einen Wagen der stadteinwärts fährt
Die Hanni springt geschwind in den Anhängwagen verlangt »So weits geht« und
lässt ihren Vogel nicht aus den Augen Der steht rauchend und sinnierend in einer
Ecke bis der Schaffner ruft »MaximilianLenbachPlatz die nächste« Da wird er
unruhig zündet sich an der abgebrannten Zigarette eine neue an schaut suchend
aus dem Wagen fasst den Säbel und steigt aus Auch die Hanni verlässt den Wagen
und folgt dem rasch Dahineilenden wie der Jäger einer Wildspur Jetzt biegt er
in die schattige Anlage ein grüßt einen Offizier dankt etlichen Soldaten und
verlangsamt seine Schritte Elegante aufgeputzte Menschen gehen an ihm vorüber
folgen ihm überholen ihn Und die Hanni denkt »Jetzt is der rechte Augenblick
da Jetzt kann er net aus«
    Sie überlegt wie sie ihn begrüßen anreden soll da lässt ihr etwas das Blut
schier gefrieren  Eine hochgewachsene Dame in duftigen Gewändern eilt
plötzlich auf den Herrn Ferdl zu er streckt ihr beide Hände hin sie begrüßen
sich mit einer großen Zärtlichkeit und Freude und schlingen ihre Arme
ineinander indem sie lachend und scherzend zu einem Wagen gehen dem Kutscher
etwas zurufen und davonfahren Und also die Hanni schier zur Salzsäule
erstarrt stehen lassen
    Es währt eine gute Weile bis die starre Bewegungslosigkeit von ihr weicht
die Augen sich langsam grünlich färben die Zähne sich knirschend
aufeinanderpressen und die Brust wild arbeitet vor Wut und Enttäuschung Mit
einem Ruck macht sie kehrt und geht planlos dahin bis sie sich doch zu guter
Letzt daheim in ihrer Magdkammer wiederfindet Am Abend dieses Tages sagt die
Hanni das erstemal zum Metzgerburschen »Lieber Hansl«
Beim Martlbräu gehts heiß her denn drüben in der Au ist Jakobidult und der
erste Sonntag bringt schon eine Menge Gäste zum Mittag so dass die Wirtsstuben
dicht besetzt sind Da gehts in der Küche an ein Kochen und Braten Werken und
Plärren Klopfen und Hacken die Wirtin befiehlt die Frieda grandelt die Hanni
läuft und schwitzt und die Hausmagd klappert und rasselt mit dem Geschirr dass
man kaum das Rufen und Schreien der Kellnerinnen und der Tochter vom Büfett her
versteht »Drei Leber eine Nockerlsupp Zwei Fleisch mit Koirabi ein Niern
ein Brust ein Schlossbratn Gröstthe Kartoffel und Gurkensalat« Das Fräulein
Berta wiederholt diese Bestellungen die Frieda gibt sie an die Wirtin weiter
und diese ruft »Hanni a Nockerl und drei Lebersuppn kriagt d Aushilfmarie
An Gschloss an Niern und an Brustbratn herrichten Zwoa Ochsenfleisch hat s
aa bstellt San die Gröstn hergricht Zwoa Koirabi an Gurken und an
Kartoffelsalat hin«  »Und i kriag an Rindsbratn mit Ganze zwei Schweinskarree
mit Gmischten und ein Hackbratn mit Andivi Frau Martl« ruft die Lina »und
fürn Herr Amtsrichter an Schweinsbratn aufhebn Der Herr Rat is aa no net da
Seine gfüllte Brust fei net hergebn An Andivi hab i gesagt zum Hackbratn
Habts an Herrn Kommissär sei bratne Haxn reserviert«  »Ja ja« sagt die
Frieda grandig »der werd s scho kriagn sei ewige Haxn« Und sie wendet sich
an die Wirtin »Frau Martl schreibn S auf bittschön an Kommissär sei Haxn
an Rat sei Brust und an Amtsrichter sein Schweinsbratn«  »Und an
Statzionsmoasta sein Kopf bis um oans bacha« erinnert die Tochter in dem
Augenblick »Wenn der sein Kopf net kriagt macht er an Krach und was für oan«
 »Is scho wahr« sagt die Wirtin erschrocken »Herrschaft den hätt i jetzt bald
vergessen Hanni Gschwind an Statzionsmoasta sein Kalbskopf auslösen Und an
Kommissär sei Haxn in a Degerl nei Können S an Rat sei gfüllte Brust aa glei
dazutoa und den Schweinern vom Amtsrichter« Derweil bestellen die Kellnerinnen
schon wieder aufs neue eine Menge Fleisch Salat Suppen und Gemüse und die in
der Küche wissen schier nimmer wo sie zuerst anpacken sollen Aber es geht
dennoch alles seinen Gang eins ums andre wird fertiggemacht und schließlich
ist auch dieser Sturm vorüber die Küche wird still und leer und auf das
Getriebe folgt die Ruhe des Nachmittags für alle auch für die Hanni Die Wirtin
aber ist voller Anerkennung und sagt »Hanni i bin recht zfrieden mit Eahna I
wollt mei zukünftige Schwiegertochter wär amal so tüchtig wie Sie Aber wer
weiß was mei Ferdl für eine heirat « Aha Die Hanni wüssts schon ein wenig
wie sie ausschaut und dass sie keiner Martlbräuin gleichsieht Aber  Schweigen
Und die Hanni lächelt nur zufrieden und tut weiter ihre Pflicht Indes der
Metzgerhansl immer mehr den Narren an ihr frisst und sich fest und steif in den
Kopf setzt »D Hanni oder gar koane«
Etliche Tage später tritt ein Soldat zum Martlwirt in die Stube »Herr Martl
morgn gehts dahin  ins Feld Heut auf d Nacht derfan S uns no an kloan
Abschiedsschmaus und a guate Maß herrichten Fünfasiebazg Mann san ma« Der
Martlbräuwirt reibt sich diensteifrig die Hände und meint »An Abschiedsschmaus
sagst Ja is scho recht Gefreut mi wanns kemmts Werd scho richtig auftragn
Da magst vielleicht schnell a Wetschinia A guate Zigarrn raucht ma alleweil
gern Und a Maß trinkst schnell Die gehört nachher für s Ansagn« Und dann geht
er hinaus in die Küche wo der Metzgerhans eben allerhand Fleischbrocken aus dem
Sudhafen nimmt und zur Hanni sagt »Geh Hannerl sperrn S mir s Schlachtaus
auf«  »Hans Hast gehört Unserne Landwehrleut von der sechsten ham eahnan
Abschied heunt auf d Nacht Machst mehra Milzwürst gell Und richst a paar
gspaltene Haxen her und etliche Kalbsschäuferl D Hanni kann dir ja helfa dass
d fertig wirst bis um fünfe« Also gibt der Wirt seine Befehle und alles
richtet sich danach Die Wirtin stellt die Speiskarte zusammen das Fräulein
Berta zählt die Bierzeichen und die Zahlmarken die Frieda stellt eine Menge
Häfen und Tiegel auf den Herd die Küchenmagd putzt Salat ein und wäscht
Kartoffel und die Hanni geht mit dem Hans hinab ins Schlachtaus um ihm zu
helfen bei seiner Arbeit Da heißts Fleisch wiegen Zwiebeln schneiden Gewürze
richten Netze waschen Milz und Bries in Stücklein hacken und das Wurstbrat
rühren Und der Hans sagt »Hannerl a Zitrona reibn Hannerl an Petersil fein
schneidn Hannerl hast jetzt du no gar koan Hochzeiter im Sinn«  »I O mei An
so was denk i gar net Wo ham S denn an Pfeffer Hans«  »Da is er drin Wie
wärs denn wannst jetzt amal a bissl an oan denkn tätst Hannerl« Er schneidet
etliche Zwiebeln und wischt sich das Wasser aus den Augen »I wüsst dir an recht
an braven Hochzeiter Hannerl An recht an ordentlichen«  »Jetzt fangt er halt
scho wieder mit dem Gschwatz an« sagt die Hanni aber sie fragt doch nach einer
Weile während er anfängt die Kalbsnetze zu waschen »Kann er a Frau ordentli
ernährn« Der Hansl wirft sich in die Brust »Ah mei Ernährn Was willst denn
Heut no kaaf i dir an Martlbräu wannst es haben willst Heut no« Die Hanni
schmunzelt Aber sie sagt scheinbar verwundert »Ah so Also bist du der
Hochzeiter«  »Ja allerdings Weil i moan dass s dir am End do net gar so
ernst gwesn sein kunnt s letztemal  Mit deiner Absag «  »Aha« Sie
arbeiten eine Weile schweigend dahin Bis die Hanni fragt »Lebt dei Vata no
Hans«  »Ja Warum«  »Und dei Muatta«  »Naa scho lang nimmer A
Schwiegermuatta hättest net z fürchten «  »Die fürchtet i a so net Wia
hast s Brat gsalzen Naa Also schaug oana nur den gedankenlosen Tropf an« 
»Dees macht d Liab Hannerl«  »Oder dei Dummheit Für dees da is net zum
helfa und für dees ander aa net«  »Dees wollt i aber bezweifeln Denn wennst
mi aa gern hättest nachher bräucht i ja nimmer dumm z sein« Die Hanni lacht
voll Spott Aber sie schaut ihn doch so an mit ihren Augen dass er sich wie
verhext vorkommt und schwer schnauft Doch sie hält ihn am Schnürl »Wo hast
dein Spagatt Sand die Netzln sauber Tua fein net wieder so viel nei wie s
letztemal Net dass s wieder oane zreisst« Doch nach einer Zeit fängt sie
abermals an zu fragen »Is dei Vater no aufn Gschäft« Der Hans erwidert »Ja
Aber dees schadt ja nix I nimms gar nia dees sein I bleib alleweil in
München herobn«  »Aha Was moanst jetzt dass der Martlbräu kosten tät I moan
bloß «  »Ja mei  a so a zwoamalhunderttausad scho und alleweil seine
fufzg sechzg Anzahlung«  »Mhm«  Aha So viel hat er also mindestens zu
kriegen als Heiratsgut Das ist nicht schlecht Gar nicht schlecht »Mei da
brauchetst halt aa wieder oane mit an Geld« sagt sie lauernd »mit ana armen
Kucheldirn kunntst da alleweil net anfanga« Sie spaltet mit festem Hieb eine
Kalbshaxe Der Hans lacht denn er kennt das Kapital das in ihr steckt
»Moanst« sagt er scheinheilig »Moanst dass alleweil der Geldsack wieder nur
zum Geldsack taugt Naa mei Liabe Die wo mir i einbild die braucht gar nix
z haben als a bissl a Liab zu an braven Hochzeiter Und an guaten Humor«  »Ja
no Aber oane die net amal a richtige Hoamat hat und net amal gscheite Eltern
die möchst halt aa net «  »Für dees kunnst ja du nix wenns bei dir a so der
Fall waar «  »Aa scho Recht hättest scho Wieviel Haxen soll i denn
spalten«  »Viere Und nachher hilfst mir no a bissl beim Zsammputzen Und am
Sonntag gehst mit mir ins Apollo Hanni Und wenn s dir recht is nachher
schreib is mein Vater «  »Hm  Was schreibst eahm denn« Sie lacht leise
in sich hinein Und schaut ihn doch wohlgefällig von der Seite an »No  dass i
jetzt a Hochzeiterin hab  Hannerl  Dees hoasst  wennst mi magst mit mein
Glasaug «  Ob sie ihn mag Sie blinzelt schmunzelnd zu ihm hin und sagt
langsam »Wenn i di mag sagst  Ja Hansl i mag di ganz gern I kann di ganz
guat leidn Aber i bin halt grad a Pfannaflickersdirndl Und mehra wie
fünftausend Mark Bargeld hab i aa net « Der Hansl fährt herum Und nimmt sie
lachend um den Hals »O du liabs Schaf« sagt er und küsst sie frisch auf den
Mund »du bist mei Hanni und damit Punktum Und auf Kirchweih heiratn mir«
    Also ist die Rumplhanni Hochzeiterin und hat was sie gewollt a Haus und a
Kuah und a Millisupperl in der Fruah
Die Martlwirtin und ihre Tochter gehen zusammen auf den Markt und die Frieda
folgt mit dem großen Armkorb hinterdrein Es ist nicht mehr lange hin auf
Martini auf die Zeit wo die Gänse am besten schmecken und am leichtesten zu
haben sind Und also kauft die Wirtin fünf Stück indem sie meint »Heut
glangens Aber wenn unser Hanni Hochzeit hat derf ma keck zehne bsorgn Denn
der Hans hat viel Bekannte Mi gfreuts dass die zwoa zsammkommen«
    Unterdessen sitzt der Wirt daheim in seinem Bräustüberl und liest fröstelnd
die Zeitung Doch ist er nicht so recht dabei denn er starrt alle Augenblick
nachdenklich vor sich hin und seufzt hie und da tief auf Wo mag jetzt der Ferdl
sein der Bub Seit vier Wochen ist keine Karte keine Nachricht mehr von ihm
gekommen Da tritt ein Telegrammbote ein »Herr Martl «  Er ist schon wieder
dahin Und der Alte dreht das Papier unschlüssig zwischen den zitternden Fingern
 »Was werd dees  no  so geh halt auf  es werd do net der Bua 
Herrgott  der Ferdl  mei Bua  is tot « Wie ein Baum fällt der Wirt
in einen Stuhl »Mei Bua  Mei Ferdl «
    »Hans geh bleib mir heut in der Schenk Mir is net guat« Der Martlbräu
legt sich todmüd hin auf sein Bett und hält das Telegramm in Händen Und bohrt
und sinniert und bringt doch keinen andern Gedanken zuweg als »Mei Bua is
nimmer da « Ob ers seiner Frau sagt  »Naa I kann net I kanns net O mei
Muatta Jetzt ham mir halt den aa umsonst aufzogn I kann dirs net sagen dass mir
hn nimmer ham« Er schiebt das Telegramm ein Und schließt die Augen Wie das
hämmert  und zuckt  und werkt 
Die Martlbräuin kommt müd heim »Vata Wo is denn mei Mann Hans«  »Der
Herr is net guat beinand Frau Martl er hat si niederglegt«  »Unser liabe
Zeit Es wird do nix Ernstlichs sein I will glei schaugn « Sie läuft hinauf
in die Wohnung Und hinein ins Schlafzimmer »Vater  Vater  Is dir net
guat« Nichts rührt sich »Schlaft er Dees wär recht Der Schlaf richt hn am
ehesten wieder zsamm « Sie beugt sich über ihn Aber  »Allmächtiger 
Vater Ums Christi Vaterl  Naa  heiliger Himmel naa  Es kann ja net
sein «
    Bleich und stumm liegt der Wirt vor ihr Und hat die Augen für immer zu
»Frau Martl in der Joppen vom Herrn Gott hab hn seli is no allerhand Sach
drin« Die Küchenmagd sagts Und die Wirtin holt leise weinend die Dinge
heraus die Tabakdose das Schnupftuch den Fleischstempel das Einschreibbuch
ein Telegramm  Sie faltets befremdet auseinander Und tut einen tiefen
Seufzer »Unser Bua  mei Ferdl « 
    Tage schwerer Krankheit heftigen Fiebers kommen über sie so dass die Hanni
mit der Frieda ganz allein die Küche versorgen muss indes der Hans die Schenke
und das Schlachtaus unter sich hat Und so wird die Hochzeit noch
hinausgeschoben auf eine bessere Zeit
»Auf Mariä Verkündigung
Kehren d Schwaiberl wieder um«
Der Frühling kommt gemach über die Münchnerstadt und der Metzgerhans bestellt
das Aufgebot Also verkündet drunten in der Pfarrkirche zu Maria Hilf der
Priester am Sonntag der genannt ist Lätare von der Kanzel herab
    »In den heiligen Stand der Ehe haben sich versprochen der ehrenhafte
Jüngling Johann Niederhuber Metzger von Rottalmünster mit der Jungfrau Johanna
Rumpl Köchin von Öd«
    Und die Hanni läuft von Laden zu Laden besorgt dies und das hat den Kopf
voller Pläne und die Hände voller Arbeit und ist so zufrieden und gut aufgelegt
wie noch nie im Leben Der Hans aber verhandelt mit der Martlbräuin die von Tag
zu Tag müder und verdrossener im Geschäft wird wegen des Verkaufs »Also was
iss Frau Martl Jetzt wär i halt da und sagt Gebn S mir die ganz Putschari
 Nachher haben S Eahnan Ruah« Und die Martlin sagt nicht nein »Dees stimmt«
meint sie »Und a bessere Wirtin wüsst i mir eigentli gar net als wia d Frailn
Hanni Ja i bin recht müad Recht froh wenn i mein Ruah kriag«
    Also wird die Sache richtig gemacht und am zweiten Sonntag im Mai laufen
etliche Kinder draußen in der Au und droben beim Martlbräu treppauf und ab und
werfen in die Briefkästen der Leute Karten auf denen zu lesen ist
    »Zu ihrer Hochzeit am Samstag den zwanzigsten Mai 1916 im Martlbräukeller
laden ergebenst ein Johann Niederhuber und Johanna Rumpl Zugleich geben wir
bekannt dass wir die Martlbrauerei käuflich erworben haben «
»Musikanten lassts Landler erschallen
Spielts auf in die Martlbräuhallen
Teats blasen und pfeifen
In d Soatn frisch greifen
Teats trommeln und zitern und harpfan
Und hockts net grad da wia die Karpfan«
Der alte Niederhuber ein beleibter weisshaariger Bauernwirt steht vor den
Musikanten schnalzt mit den Fingern schnackelt und singt und zahlt für sein
Lieblingsstücklein einen blanken Taler Dann geht er lachend an die lange
dichtbesetzte Tafel wo die Basen und Tanten des Hochzeiters als Ehren und
Kranzljungfern in ihrer bäuerlichen Pracht und ihrer verlegenen Schweigsamkeit
wie Krippenheilige dahocken und kaum einmal laut lachen oder den Mund auftun zu
einer Red Ringsum ist der Saal gedrückt voll von Gästen und Geladenen Alten
und Jungen Frauen und Männern Burschen und Mädchen Alles unterhält sich
lacht schwatzt und scherzt und die Jungen wagen trotz der Kriegszeit hie und
da ein kurzes Tänzlein auf dem winzigen Fleck vor dem Musikpodium
    Aber der Hochzeiter Und die Hochzeiterin Ei ja Da steht der Hans in der
Schenke im Bratenrock und weißer Binde den Rosmarinstrauss im Knopfloch füllt
die Krüge entkorkt Flaschen rollt Banzen und schafft und werkt dass ihm der
helle Schweiß auf der Stirn steht Und draußen in der Küche hantiert die
Hochzeiterin im silbergrauen Brautgewand mit Myrtenkranz und Schleier rührt in
den Tiegeln riegelt die Pfannen schneidet den Braten und klappert mit Tellern
und Platten indem sie befiehlt fragt und bald dem einen bald dem andern
Hochzeitsgast aus dem frischgefüllten Krug oder Glas lachend Bescheid tut Und
sie regiert mit fester Hand und lauter Stimm indes die alte Martlbräuin still
und betrachtend auf einem Polstersessel in einer Ecke sitzt und denkt »Ja ja
So hab i mirs alleweil vorgstellt  meim Buam sei Hochzeiterin  die junge
Martlin «
    Also beginnt der Ehestand der Frau Johanna Niederhuber geborene Rumpl mit
viel Arbeit und fröhlichem Schaffen und da sie endlich spät in der Nacht das
grüne Kränzlein und den Schleier vom Haar löst sagt sie zu sich selber
    »Alsdann In Gottsnam hab i angfangt In Gottsnam tean ma weiter Guate
Nacht Himmelvater guate Nacht Himmelmuatta guate Nacht Schutzengel Amen«
Und dann lässt sie sich willig von ihrem Eheherrn hineingeleiten in die
Schlafkammer als seine liebe Hausfrau und Martlbräuin
Ein schwüler Sommertag Die Sonne brennt nieder auf die Straßen der
Münchnerstadt und lässt die Menschen seufzen und nach einem frischen Trunke
lechzen Und einer um den andern der Ratsherr wie der Kaufherr der Richter wie
der Arbeitsmann sie alle tun ein festes Gelöbnis
    »Heut geh i aber nachm Feierabend auf an Keller und trink a Maß« Ja ja
Die Brauherrn haben ihre Sach nicht schlecht gemacht da sie ihre Lagerkeller
außerhalb der Altstadt auf grünende luftige Anhöhen bauten mit schattigen
Baumgärten umgaben und also nicht nur für den dürstenden Leib sorgten sondern
auch dem müden und ermatteten Geist eine wohltuende Erfrischung boten Da
breiten mächtige Kastanien ihre Kronen aus da ruht das Auge zufrieden auf
saftiggrünen Wiesenflecken auf gemütlichen hohen Hausdächern auf den
glitzernden grünen Wassern unseres Isarflusses und auf dem grossmächtigen
Schattenbild der Münchnerstadt mit ihren Giebeln und Türmen die ruhig und
erhaben in die leichtgetrübte laue Abendluft hineinragen Hier sitzt der Reiche
bei dem Armen der Hohe neben dem Niederen und alle Standesunterschiede
verschwinden bei der beschaulichen Ruhe die über allem liegt und jeden
überkommt der da zufrieden seinen Rettich oder Käs verzehrt und dazu sein
Häflein trinkt und kein anderer Wunsch wird laut als nur der eine »Wenns doch
draußen auch einmal wieder still und ruhig würde Wenn halt mein Sohn mein
Freund einmal wieder hiersitzen möcht bei mir und mir Bescheid tun auf die
Losung Auf eine friedsame glückhafte Zeit «
    Droben im Martlbräukeller gibts an heißen Tagen viel zu tun Da klappern in
der Schenke die Krüge rollen die Banzen hallen die Schläge des Schenkkellners
der den Schlegel schwingt und frisch anzapft bald ein Fass Dunkel bald ein Fass
Hell  Und der junge Wirt geht zufrieden durch den Garten begrüßt seine Gäste
und plaudert mit Bekannten indes seine Wirtin die Hanni an dem großen
Schiebefenster steht und werkt und schafft
    Da tritt einer zu ihr ein alter schneeweisser Griesgram der mit einem
bitteren Lächeln sagt »So so Da is s ja d Rumplhanni von Öd Na Hanni du
hast es scheints besser derraten wie d Ödenhuberleni« Es ist der Hufschmied
von Öd den die Hanni mit fröhlicher Lebhaftigkeit begrüßt und dann fragt
»Warum wie d Leni Schmied« Der erwidert »Weilst an gsunden Mo hast der no
seine gradn Glieder hat Der Hausersimmerl hat s nimmer Dees hoasst grad wärn
s scho aber fehln tean halt a paar  a Hand  a Hax  Aber sonst gehts
eahm net schlecht « Und dann geht er hinein zur Martlbräuin die ihn nicht
gehen lassen will und ihn mit Speis und Trank bewirtet Und erzählt ihr von der
Heimat von den Hauserischen von allen »Und der Staudnschneidergirg hat sei
Susann gheirat« sagt er »aber sie hausen net guat mitanand« Die Martlbräuin
lächelt Und denkt an jene Fraueneier an das Schmalz und an den
Buschenreiteranderl den Karrner »Und d Hauserin und die alt Ödnhuaberin san
jetzt die besten Freund« fährt der Schmied fort »und d Mannetn natürli aa Und
i leb halt so oaschichti im Austrag beim Pauli und denk an meine Buam  und wia
lang alss no dauert « Die Hanni will ihn trösten aber er sagt »Naa Hanni
sag mir nix Wia s mir mei Wei ausse ham in Gottsacker da ham s mir aa mei
Hoamat furt Und die mir wieder oane macha hättn könna san aa furt  Und a so
geh i halt umanand wia oana dem d Henna s Brot gnommen haben und schaug oamal
ums andermal auf d Uhr ob s no net bald Zeit wird zum Hoamgeh für alleweil«
    Ja ja So redet das Alter Die Hanni aber ist jung und denkt Dees hat no
Zeit Mir gfallts in dera Hoamat no recht guat und i hab koa Verlanga nach was
andern Und wenn amal dees Kloane  vielleicht a Bua  s Martlbräu hat 
nachher hat s erscht recht no Zeit 
    Ihr ehelicher Hausherr bringt sie aus ihrem Sinnieren indem er zu ihr tritt
und sagt »Hanni der Herr Postrat hat seine Fleischmarken vergessen Geh schick
d Marie nüber zu seiner Frau und lass s holn Dann kriegt er a abbräunte
Milzwurst mit Gurken und Gröstthe Und i mag oane in der Brotsuppen Hannerl
gell «  Und die Hanni gibt ihre Befehle und richtet danach ihrem Hans die
Brotsuppe mit der Milzwurst Indes draußen im Garten die Gäste still sitzen und
auf die Töne der Musik lauschen die der Abendwind vom Petersturm herüberträgt
zum Martlbräu