Paul Scheerbart
Lesabéndio
Ein AsteroidenRoman
Personenverzeichnis
Biba Sehr alter Pallasianer der sich besonders für die Sonne interessiert und
philosophische Bücher schreibt
Bombimba Ganz jugendlicher Pallasianer dessen Entstehung geschildert wird
Dex Ein Führer auf dem Stern Pallas Die Heraufbeförderung und Bearbeitung des
Kaddimohnstahls ist seine Hauptbeschäftigung
Labu Ein künstlerischer Führer der sich fast nur für die Formen mit gekrümmten
Linien interessiert
Lesabéndio Ein Führer der mehr technische als künstlerische Interessen hat und
die Erbauung eines großen Turmes am meisten fördert
Manesi Ein gärtnerisch veranlagter Führer der für Rankengewächse begeistert
ist und viele Pilzwiesen anlegt auch in den Höhlen des Sterns Pallas
Nax Ein Bewohner des Sterns Quikko Kommt mit neun andern Quikkoïanern durch
Vermittlung von Lesabéndio und Biba auf den Pallas
Nuse Erbauer von Lichttürmen
Peka Künstlerischer Führer der nur mit graden Kanten und Flächen arbeiten will
und alle kristallinischen Formen höher schätzt als die anderen Formen
Sofanti Fachmann für Hautfabrikation
Erstes Kapitel
Lesabéndio macht den Biba auf einen kleinen Doppelstern aufmerksam und sagt dass
nach seiner Meinung der Asteroïd Pallas ebenfalls ein Doppelstern sei Biba
schwärmt danach für das intensive Leben auf der Sonnenoberfläche und erklärt
dass er gerne dort sein möchte Lesabéndio will ihn davon abbringen und liest ihm
eine Geschichte vom Stern Erde vor auf dem vor kurzem ein alter Pallasbewohner
gelebt hat ohne von den Erdbewohnern bemerkt zu werden Zum Schluße wird von
dem irdischen Astronomen Pallas berichtet der dem Asteroïd Pallas seinen Namen
gab der merkwürdigerweise ebenso klingt wie der Name den die Pallasianer
selber ihrem Sterne gegeben haben
Violett war der Himmel Und grün waren die Sterne Und auch die Sonne war grün
Lesabéndio machte seinen Saugfuss ganz breit und klemmte ihn fest um die sehr
steil abfallende zackige Steinwand und reckte sich dann mit seinem ganzen
Körper der eigentlich nur aus einem gummiartigen Röhrenbein mit Saugfuss
bestand über fünfzig Meter hoch in die violette Atmosphäre hinein
Mit dem Kopfe des Lesabéndio ging oben in der Luft eine große Veränderung
vor sich die gummiartige Kopfhaut wurde wie ein aufgespannter Regenschirm und
schloss sich dann langsam zu das Gesicht wurde dabei unsichtbar Die Kopfhaut
bildete danach eine Röhre die nach vorn offen war während sich auf ihrem
Grunde das Gesicht befand aus dessen Augen zwei lange fernrohrartige Gebilde
heraustraten mit denen der Lesabéndio die grünen Sterne des Himmels sehr
deutlich sehen konnte als wäre er ganz in ihrer Nähe
Der heftige Biba reckte sich neben dem Lesabéndio ebenso in die violette
Atmosphäre hinein Während aber der Gummikörper des Letzteren ganz steif und
grade stand bewegte sich Bibas Gummikörper wie ein Grashalm im Winde
Nun sagte Lesabéndio und seine Stimme klang dabei sehr laut da sie durch
die Kopfhautröhre verstärkt wurde
»Biba siehst Du neben dem Stern Erde den kleinen Doppelstern«
Biba legte nun auch seine Kopfhaut um die Ohren und machte aus der Haut auch
eine Röhre und ließ auch in dieser Hautröhre seine Augen zu zwei langen
Fernrohren werden
Und der Biba entdeckte den kleinen Doppelstern ebenfalls und sagte nach
einer Weile
»Der Doppelstern hat aber nichts mit dem Stern Erde zu tun er ist einer von
den kleinen Sternen den Asteroïden zu denen auch der Stern Pallas gehört auf
dem wir leben«
»Das ist« versetzte Lesabéndio »auch meine Meinung Ich möchte nur gern
wissen ob wir diesen Doppelstern mal in nächster Nähe sehen könnten«
»Ich habe« sagte da der Biba »diesen Doppelstern schon öfters beobachtet
er geht viel langsamer als der Pallas und wir müssen ihn deshalb in einiger
Zeit einholen Wir werden den Doppelstern wohl bald in nächster Nähe sehen Aber
warum interessiert Dich das«
»Das obere System des Doppelsterns« erwiderte Lesabéndio »sieht wie eine
spitze Düte aus deren Spitze sich oben befindet Das untere System des
Doppelsterns ist eine Kugel die sich dreht die Pole der Kugel befinden sich
rechts und links Erleuchtet wird die Kugel von einem Lichte das aus dem
Inneren der Düte kommt von oben herunter kommt das Licht aus der unten
offenen Düte heraus Das Licht erleuchtet die ganze Kugel da sich die Pole
dieser sich drehenden Kugel seitwärts rechts und links befinden Düte und Kugel
hängen also eng miteinander zusammen«
»Ja« sagte nun der Biba erstaunt »das hab ich Alles längst gesehen Warum
interessiert Dich das in so außerordentlicher Weise«
»Weil« rief nun der Lesabéndio plötzlich sehr laut »ich glaube dass zum
Stern Pallas auch eine solche Düte gehört oder etwas Ähnliches Kurzum weil
ich glaube dass der Stern Pallas auch ein Doppelstern ist«
Biba sagte darauf nach einer Weile
»Ich werde darüber nachdenken«
Dann wurden die Beiden wieder ganz klein die Kopfhaut legte sich an den
Hinterkopf und die großen Augen lagen wieder ganz einfach neben der
messerscharfen fein gekrümmten Nase
Um Bibas Mundwinkel glitzerten viele feine Falten und er sprach dabei
während sein Kopf jetzt nur anderthalb Meter vom breiten Saugfuss entfernt war
»Zweifellos haben wir das Recht in allen astralen Dingen sehr viele
Doppelsysteme zu vermuten und sehr viel Vielfältiges ist doch unsre Sonne mit
ihrem großen Trabantenheer auch nur ein derartiges Vielfältiges ein großes
Doppelsystem in dem die Trabanten den einen Teil bilden während die Sonne das
Andere das Höhere die Düte ist Wie kommt es aber dass sich all die Trabanten
von der großen Sonne fesseln ließ Ich glaube es ist hauptsächlich masslose
Neugierde und masslose Bewunderung Die beiden großen Sterne die der Sonne am
nächsten sind bewegen sich garnicht um sich selbst starren die Sonne immerzu
an und sind ganz weg vor berauschender Bewunderung Der dritte Stern den wir
Erde nennen ist nicht mehr so heftig von der Intensität der Sonnenkraft
mitgerissen er dreht sich noch um sich selbst er hats noch nicht vergessen
dass er einst auch eine Sonne war sein Mond starrt ihn ebenso unbeweglich an
wie die beiden großen Sterne die der Sonne am nächsten sind die Sonne
anstarren Und mir gehts beinahe so wie diesen beiden Sternen obgleich ich kein
Stern und auch weiterab bin Aber diese rasenden Stürme der Sonnenhaut dieses
intensive wilde unerschöpfliche zuckende Flammen Licht und Glutleben reißt
mich auch hin Was soll man zu einer so unbeschreiblichen Kraft zu solcher
ungeheuren Schnelligkeit und zu solchem sprühenden trotzigen Lebensübermass
sagen Ich möchte mich für die Stoffverhältnisse der Sonnenhaut unempfindlich
und unsichtbar machen und einmal da auf der Sonnenhaut mittendrin in all dem
tollen Flecken und ProtuberanzenLeben stehen und sehen wies denn bloß
möglich ist Es muss der höchste Lebensrausch da sein ein Lebensrausch gegen
den alles Trabantenglück einfach müde Schlafmützigkeit ist Oh wenn ich da
hinkommen könnte Lesabéndio die Sonne ist größer als alle ihre Trabanten«
»In noch größeren Kreisen« erwiderte Lesabéndio »als wir bewegen sich auch
Sonnen um die große Sonne die sich in der Mitte unseres Planetensystems
befindet Weiterab von der Mitte weiterab als die Pallasbahn gibt es auch
große Sonnen die sich wie wir um unsre Mittelpunktssonne bewegen warum willst
Du Deine Gedanken nur dieser widmen Und haben wir nicht auch auf unserm Stern
Pallas genug zu bewundern«
Biba bewegte vier seiner Arme aus denen sich viele lange Finger
herausstreckten bedeutsam in der Luft herum und machte dann seine Arme zehn
Meter lang und deutete mit allen Fingern zitternd nach der grünen Centralsonne
die als dickster grüner Stern oben im violetten Himmel sanft leuchtete wie eine
ganz stille ruhige Welt
»Sie ist nicht still und ruhig« rief der Biba
Und der Lesabéndio sprach nun während der Biba wieder seine Arme und Hände
in die Falten seines Körpers hineinlegte
»Ein interessantes Buch hab ich neulich entdeckt in dem ein Pallasianer
seinen Aufenthalt auf dem Stern Erde schildert er ist dort für die
Erdverhältnisse unsichtbar und unempfindlich gewesen und ist von seinem Leben
auf diesem Stern Erde garnicht so entzückt Und so könnte Dirs auch ergehen
wenn Du mal in ähnlicher Weise auf die Sonne kämest« Biba wurde sehr lebhaft
und wollte das Buch kennen lernen und der Lesabéndio griff mit vielen Fingern
an seine Halskette von der an feinen Fäden viele kleine Rollen
herunterbaumelten Und eine von diesen Rollen machten Lesabéndios flinke Hände
auf
Da die meisten Pallasianer ihre Augen auch ganz leicht zu Mikroskopen machen
konnten so wurden fast alle Bücher in allerkleinster Form in photographischer
Manier nur für Mikroskopaugen hergestellt sodass jeder Pallasianer imstande war
seine ganze Bibliothek am Halsbande zu tragen
Lesabéndio las nun aus dem Buche das der Pallasianer der auf der Erde
gewesen war geschrieben hatte das Folgende langsam und deutlich vor
»Auf dem den Pallasianern wohlbekannten Keulenmeteoriten fuhr ich durch die
Bahn des Sterns Erde Und es gelang mir da ganz gefahrlos die Oberfläche der
Erde zu erreichen Die Erde ist ein außerordentlich schwerer Stern besteht aber
aus Stoffen die so vollkommen anders sind als diejenigen die wir auf dem
Pallas kennen dass mein ganzer doch recht umfangreicher Körper für die Bewohner
der Erdoberfläche gänzlich unsichtbar und unempfindlich blieb Ich aber konnte
mit meinen vortrefflichen Augen sehr wohl alles sehen was auf der Erde vorging
Was ich aber sah war wohl sehr seltsam aber doch wenig erfreulich Die
Erdbewohner konnten durch meinen Körper durchgehen ohne dass sie es bemerkten
Ich fühlte bei solchem Durchgehen nur ein feines nicht unsympatisches Kribbeln
in meinen Gliedern Ich versuchte auch ins Innere der Erde zu gelangen das
war aber an allen Stellen unmöglich Und so musste ich auf der Oberfläche
bleiben Ich fand überall eine Vegetation die meinen Körper ernährte Während
wir aber auf dem Pallas nur nötig haben unsern Körper mit den Pallaspilzen in
Berührung zu bringen um den Nahrungsstoff durch unsre Körperporen aufzunehmen
war ich auf der Erde gezwungen Pilze und Schwämme erst zu zerreiben bevor sie
von meinen Poren aufgenommen werden konnten Entsetzt aber war ich durch die
Ernährungsart der Erdbewohner diese nehmen die Nahrung durch den Mund auf bis
ihr Leib aufquillt Und das Furchtbarste war dass sie andre Lebewesen töteten
zerschnitten und zerhackten und dann stück und klossweise in ihren Mund
steckten im Munde hatten sie steinharte Zähne mit denen sie alles zermalmten
Ich versuchte auf alle mögliche Art mich den Erdbewohnern bemerkbar zu machen
es gelang mir aber nicht Die Erdbewohner sind von sehr verschiedenartiger
Intelligenz die führende Rolle hatten Lebewesen die auf zwei Stelzbeinen
mühsam sich weiterschleppten und sich Menschen nannten Diese Menschen waren
ursprünglich Raubtiere das heißt Lebewesen die mit Klaue und Zahn über andre
Lebewesen herfielen sie töteten und auffrassen Aus diesen Raubtierinstinkten
entwickelten sich nun die abscheulichsten Gewohnheiten Die Menschen
vernichteten nicht nur die weniger intelligenten Lebewesen auf der Erdrinde sie
vernichteten sich sogar gegenseitig um der Nahrung willen Und wenn ich auch
nicht gesehen habe dass sie sich gegenseitig auffrassen so musste ich doch sehen
wie sie in großen Horden zu Tausenden aufeinander losgingen und sich mit
Schusswaffen und scharfen Eisenstücken die entsetzlichsten Wunden beibrachten an
denen die meisten nach kurzer Zeit starben«
»Hör auf« schrie da der Biba plötzlich und wurde ganz blau im Gesicht »wie
kannst Du mir das vorlesen Du marterst mich ja Soll ich glauben dass auch die
Bewohner der Sonnenoberfläche auf einer derartig niedrigen Entwicklungsstufe
stehen Niemals werde ich das glauben ich müsste es denn mit meinen eigenen
Augen sehen Und das wäre entsetzlich Willst Du mir meine Sehnsucht nach der
Sonne rauben«
»Aber« sagte nun der Lesabéndio »wie kann Dich dieser Bericht so aus der
Fassung bringen Musst Du nicht froh sein dass Du auf einem Sterne lebst dessen
Bewohner ein feineres Leben führen Sieh lieber Biba ich möchte Dir gerne
Deine ungestüme Begierde nach dem Sonnenleben abnehmen Es ist nicht gut wenn
man so ungestüm nach einem anderen Leben sich sehnt und dabei die Vorzüge des
Lebens in dem man sich befindet missachtet Auch das Leben auf der Erdhaut muss
nach dem Buche das ich hier in Händen habe ebenfalls Vorzüge besitzen«
»Ich bitte Dich« sagte darauf der Biba ganz weich »scherze nicht Du
kannst doch nicht behaupten dass diese Erdbewohner die sich gegenseitig in
Horden vernichten irgendwelche Lichtseiten in ihrem Leben aufweisen könnten«
Lesabéndio lachte und widersprach und las schließlich aus dem kleine Buche
das er in seinen Händen hatte noch das Folgende vor
»So unglaublich es klingen mag so muss doch gesagt werden dass sich einzelne
von diesen Menschen auch mit dem Leben der anderen Sterne beschäftigen und dass
sie sich künstliche Glasaugen gemacht haben mit denen sie die übrigen Sterne in
vergrössertem Maßstabe sehen Und besonders lustig war es als ich hörte dass die
Menschen auch den Stern Pallas entdeckt hatten Unsern Stern nennen sie nach dem
Astronomen Pallas Dieser Astronom heißt nämlich Peter Simon Pallas und ich
habe ihn mit eigenen Augen gesehen Natürlich weiß dieser Pallas nicht viel von
uns aber er wusste doch dass unser Stern gute vierzig Meilen im Durchmesser hat
Gesehen hat er von unserm Stern allerdings nur einen Lichtpunkt Dieser Peter
Simon Pallas hat natürlich nur unsre Atmosphäre gesehen die von der Sonne und
von dem uns nächsten großen Trabanten der Sonne den die Menschen Jupiter
nennen beleuchtet wird Aber es ist doch unglaublich seltsam dass der Name des
irdischen Astronomen nach dem unser Stern genannt wird genauso klingt wie der
Name den wir unserm Sterne gegeben haben Man sollte deswegen auch über
niedriger stehende Lebewesen auf anderen Sternen niemals zu schnell ein
abfälliges Urteil aussprechen«
Bibas Gesichtszüge erheiterten sich und wurden wieder hellbraun wie sonst
Dann aber wollte der Biba das ganze Buch selber lesen und Lesabéndio liehs
ihm
Nachdem der Biba das Buch an einem Faden seines Halsbandes befestigt hatte
beschlossen die Beiden an der steilen Felswand emporzusteigen Sie reckten sich
wieder hoch auf wurden dann blitzschnell wieder klein und stießen sich dann mit
dem zusammengezogenen Saugfuss ab sodass sie in die Höhe flogen wohl
dreihundert Meter hoch
Sie breiteten in der Luft ihre Rückenflügel aus sodass sie sich wieder der
Felswand näherten an der sie dann mit dem Saugfuss abermals festen Fuß fassten
Von dort aus sprangen sie wiederum hoch empor wie vorhin und kamen so mit
einigen guten Sätzen zu den Gipfeln des Gebirges das den oberen Rand des Pallas
kreisförmig abschliesst
Zweites Kapitel
Es wird zunächst die Tonnenform des Pallas geschildert Dann werden die
schwirrenden Bandbahnen des Nordtrichters vorgeführt Und dann kommt Lesabéndio
mit Biba zum neuen Riesenlichtturm den sie mit Nuse Dex und Manesi auf
Seilbahnen besteigen Auf der Spitze des Turms erleben sie das wunderbare
Schauspiel des Nachtbeginns Während Nuse auf dem von ihm erbauten Lichtturm
bleibt begeben sich die vier anderen Herren zum Mittelpunkt des Sterns
Lesabéndio fliegt hinunter und sieht sich die Beleuchtungen des Nordtrichters
an während die drei Andern eine Seilbahn benutzen um schneller zum Mittelpunkt
des Sterns zu gelangen
Das Gebirge das den oberen Rand des Pallas kreisförmig abschliesst hat viele
hohe Gipfel und viele schroff abfallende Felswände Der Kreis den dieses
Gebirge bildet hat einen Durchmesser von zwanzig Meilen
Der Stern Pallas sieht äußerlich so aus wie eine Tonne Die Höhe der Tonne
von oben nach unten beträgt vierzig Meilen die Breite in der Mitte dreißig
Meilen Und dort wo die Deckel der Tonne sind ist der Durchmesser der runden
Deckelfläche oben wie unten zwanzig Meilen groß Aber es befinden sich keine
Deckel an dieser Tonne im Innern der Tonne sind oben wie unten zwei leere
Trichter von zwanzig Meilen Tiefe Die beiden Trichter stoßen mit ihren Spitzen
im Mittelpunkte zusammen In diesem Mittelpunkte befindet sich ein Loch das im
engsten Teile noch eine halbe Meile breit ist Durch dieses Loch sind die beiden
Trichter miteinander verbunden Die kräftig ausgebauchte Tonne dreht sich
langsam um sich selbst um die senkrechte Linie die durch den Mittelpunkt von
oben nach unten geht Und mit Ausnahme der leeren Trichter besteht die Tonne aus
festem Stoff
Lesabéndio befand sich nun mit dem Biba auf dem oberen Rande des
Nordtrichters Und dieser obere Rand zeigte viele hohe Gebirgsgipfel Und nach
unten gings zwanzig Meilen schräg ab in die Tiefe zum Mittelloch Aber die Wände
dieses Riesentrichters waren nicht flach und glatt sie zeigten wie der Rand
oben viele zackige Gipfel und viele schroff abfallende Felswände Aber diese
Felswände waren auch nicht glatt sondern vielfach zerrissen und von vielen
tiefen Tälern durchfurcht
Die Pallasianer hatten nun wohl die Fähigkeit infolge ihres Saugfusskörpers
hoch in die Lüfte zu springen und sich auch in den Lüften mit Hilfe ihrer
Rückenflügel schwebend zu erhalten sodass sie leicht zu jeder Bergspitze und
überallhin gelangen konnten Diese natürliche Fortbewegungsart erschien aber den
Pallasianern sehr bald nicht schnell genug Und sie hatten daher in den beiden
Trichtern unzählige sogenannte Bandbahnen hergestellt die die Gipfel und Täler
nach vielen Richtungen hin schräg waagrecht und auch senkrecht miteinander
verbanden
Die Bandbahnen bestanden aus langen Bändern die nicht viel breiter als fünf
Meter waren und sich an den beiden Endpunkten auf automatisch tätigen Rollen
sehr schnell fortbewegten ein Bandstück bewegte sich oben und das andre unten
Nun brauchte der Pallasianer nur auf das Band aufzuspringen und sich mit seinem
Saugfuss auf dem Bande festzuheften so sauste er mit rasender Eile dahin Am
Schluss sprang dann der Pallasianer ab und flog mit der gegebenen Geschwindigkeit
so lange durch die Luft weiter bis er eine zweite Bahn erreicht hatte die ihn
mit derselben Schnelligkeit wie die erste weiter beförderte
Nun liefen immer sehr viele Bandstreifen auch in andrer Richtung sodass alle
Trichterwände nach allen Richtungen hin leicht befahren werden konnten Die
Bandstreifen bewegten sich natürlich sämtlich ohne Unterlass da die rotierende
Tätigkeit der Rollen um die die Bandstreifen rumgelegt waren nicht aussetzte
Die Bandbahnen boten ein Bild der heftigsten Verkehrsfreude die Pallasianer
flogen immerzu auf die Bänder rauf und immerzu wieder von den Bändern runter
sodass langsam in natürlicher Bewegung dahinschwebende Pallasianer durch ihr
langsames Schweben auffielen wie träge Nichtstuer
Um ihre Saugfüsse ein wenig zu schonen pflegten zusammenfahrende Pallasianer
aufeinander zu sitzen was zuweilen sehr drollig aussah So saß auch der Biba
mit seinem Saugfuss auf Lesabéndios Rücken hinter den Flügeln als die Beiden auf
den Bandbahnen rasch einem ferner gelegenen Berggipfel zustrebten Nachher saß
der Lesabéndio auf dem Biba Die Beiden kamen rasch weiter im oberen Teile des
Trichters und überflogen mindestens dreißig breite Talschluchten in ein paar
Augenblicken
Und dann flogen sie rasch von der letzten Bahn ab nach oben hinauf auf die
Spitze eines sehr hohen Berggipfels auf dem Tausende von Pallasianern ganz
still dasassen und ein neues Bauwerk anstarrten
Das Bauwerk war ein Glasturm
Doch dieser Glasturm ragte eine volle deutsche Meile in den Weltenraum
hinauf
Und so wars sehr natürlich dass Tausende von Pallasianern dieses neue
Bauwerk ganz still anstarrten
Der Pallasianer Nuse der diesen Turm gebaut hatte sah jetzt den Lesabéndio
mit dem Biba heranfliegen und breitete gleich seine Kopfhaut wie einen riesigen
Regenschirm seitwärts aus und brachte den Rand seiner Kopfhaut zum Schwingen
Lesabéndio und Biba taten dasselbe so pflegten sich die Pallasianer immer zu
begrüßen wenn sie gern miteinander sprechen wollten
Und sie sprachen miteinander
Viele feine Falten glitzerten dabei neben den Mundwinkeln der Pallasianer
Und die messerscharfen Nasen zuckten öfters
Der Glasturm war ein Lichtturm der heftig leuchten sollte in der langen
Nacht Die lange Nacht war auf dem Pallas so lang wie ein Monat auf der Erde
der Tag war ebenso lang
Der eigentliche Lichtspender ist aber auf dem Pallas nicht die Sonne
sondern eine weiße große Wolke die hoch über dem Nordtrichter befindlich ist
Diese weiße Wolke leuchtete jetzt auch in vollem Glanze Die Berge auf dem
Trichterrande waren auch zumeist weiß nur einzelne Stellen zeigten blaue und
graue Farben in der Tiefe des Trichters waren die blauen und grauen Farben
dunkler und vorherrschend sodass man da das Weiße nur vereinzelt sah
Die Gesichter der Pallasianer hatten gelbe Farbe nur die Augen waren braun
und die Lippen ebenfalls während die Kopfhaut aufgesperrt innen radiale braune
Streifen auf gelbem Untergrunde zeigte die Rückseite der Kopfhaut war
dunkelbraun Der kautschukartige dunkelbraune Körper hatte viele große und
kleine gelbe Flecke
Nuse hatte schon viele Lichttürme gebaut zumeist auf den Berggipfeln die
sich tiefer im Nordtrichter befanden aber keiner der Lichttürme hatte den
zehnten Teil der Größe erreicht die der Lichtturm erreichte vor dem jetzt
Tausende von Pallasianern staunend dasassen
Nuse klagte und sagte
»Es ist so unsäglich schwierig die Pallasianer zu so großen Arbeiten zu
überreden Ich will doch eigentlich noch hundert solche Türme bauen Aber meine
guten Freunde wollen vorläufig noch nicht sie wollen immer wieder was Andres«
»Oh« versetzte da der Lesabéndio »das ist ja das Geheimnis unsrer Kraft
je mehr Schwierigkeiten und Hindernisse von uns zu überwinden sind um so mehr
wächst unsre Kraft Und es läuft doch alle unsre Tätigkeit nur darauf hinaus
uns immer kräftiger größer und bedeutender zu machen«
Alle Tätigkeit der Pallasianer konzentrierte sich aber darum den Stern
Pallas weiter auszubauen umzubauen besonders landschaftlich zu verändern
prächtiger und großartiger zu machen
Und sie hatten vor nicht allzulanger Zeit ein Material im Innern ihres
Tonnensterns entdeckt das den Horizont ihrer Baugelüste merklich erweiterte
Dieses Material hieß Kaddimohnstahl und bestand aus unzerbrechlichen
meilenlangen Stangen
Mit solchen Stangen war auch der neue Lichtturm erbaut ohne dieses neue
Material hätte man natürlich nicht so hoch in die Höhe gehen können
Der Pallasianer Dex der neben Nuse stand wusste mit diesem Kaddimohnstahl
am besten umzugehen auf dem gegenüberliegenden Teile des Trichterrandes hatte
er zwei riesige Bergspitzen in riesigem Bogen miteinander verbunden und Manesi
der Vegetationsarrangeur hatte diesen Bogen der im Halbkreise die beiden
Gipfel verband mit hängenden und hochaufragenden PallasBäumen besetzt Auch
der Manesi stand neben dem Nuse
Nuse war nur Beleuchtungsarrangeur und sehr stolz auf seinen ganz bunten
Glasturm der übrigens im oberen Teile sehr viele Ausbuchtungen und weit
heraustretende Ausläufer zeigte die letzteren sprangen wie radiale Strahlen aus
dem Turm heraus
Als die Fünf den Turm genug bewundert hatten machten sie aus ihren Augen
wieder lange Fernrohre schlugen die Kopfhaut wie ein Futteral um die
Fernrohraugen rum und sahen sich jetzt die neue Schöpfung des Dex an die noch
nicht fertig war und gegenüber auf dem Trichterrande in einer Entfernung von
zwanzig Meilen auch recht kühn in den Weltenraum hinaufragte
Dann bat der Nuse die vier anderen Herren mit ihm auf die Spitze des neuen
Glasturmes zu steigen
Der Himmel war dunkelviolett und man sah auch all die grünen Sterne am
Himmel auch die dunkelgrüne Sonne neben der ein kleiner hellgrüner Komet
sichtbar wurde Oben mitten über dem Nordtrichter leuchtete die weiße Wolke
Aber die weiße Wolke bekam schon ein paar dunkelgraue Flecke
»Wir müssen uns beeilen« sagte der Nuse Und danach sprangen die Fünf in
den Turm und jeder von ihnen nahm dort ein Instrument in die Hand das einer
großen Kneifzange ähnelte
Im Innern des Turmes rollten dicke Seile über Rollen Diese Seile wurden mit
den Kneifzangen fest angepackt und dann wickelte der Pallasianer blitzschnell
seinen Unterkörper um die langen Druckstangen der Kneifzange herum und flog so
in ein paar Sekunden zur Spitze des Turmes hinauf Die Hemmvorrichtungen
funktionierten oben auf einer Strecke von tausend Metern sodass sich die Zange
im richtigen Moment oben von dem Seile loslöste ohne dass der Passagier Gefahr
lief auf der Spitze des Turmes gleich weiter hinauf in den Weltenraum
hinaufzufliegen
Die Fünf waren also bald oben Und oben sagte der Lesabéndio sehr heftig
»Wundervoll ist ja hier die Aussicht Ich wundre mich nur dass wir so hoch
gekommen sind Wenn wir vom Gipfel unsrer Trichterrandberge aus uns mit Hilfe
der schnellsten Bandbahnen in die Höhe schießen lassen so erreichen wir kaum
eine Höhe von dreihundert Metern und mit solchem Turmbau kommen wir
siebentausendfünfhundert Meter hoch Wenn das nicht seltsam ist so weiß ich
nicht was seltsamer wäre Unsre Leuchtwolke oben hat abstossende Kraft Wie
wärs wenn wir nun diese abstossende Kraft überwänden indem wir noch höhere
Türme bauten«
»Wie willst Du« fragte nun der Dex »das anfangen« »Wir bauen« versetzte
Lesabéndio »auf jeden Trichterrandgipfel einen meilenhohen ganz schlanken
Turm der sich nach der Mitte des Trichters hinüberbeugt Dann verbinden wir die
Spitzen dieser schiefen Türme durch einen Ring dessen Durchmesser kleiner ist
als der Durchmesser des Trichterrandes Und dann bauen wir auf diesen Ring
wieder schiefe Türme verbinden wieder die Spitzen der schiefen Türme durch
einen noch kleineren Ring und fahren so in fünfzig bis hundert Etagen fort
dann sind wir oben mitten in der Wolke und wissen bald was sich dahinter oder
über der Wolke befindet Ich vermute dass da oben das Geheimnis unsres Lebens
verborgen ist«
Da schmunzelten die vier Herren die dem Lesabéndio zugehört hatten Und
dann lachte der Nuse und sagte
»Schöner Bauplan das Aber ich möchte wissen wo Du die Bauleute
herbekommst Ich kriege sie nicht zu einem zweiten Turm und Du willst wenn
ich nicht irre an die tausend Türme bauen«
Dex rief danach
»Und das Material Ei da müssten wir noch viel Kaddimohnstahl ausbuddeln
Obs so viel gibt Ich glaube allerdings dass es ganz bestimmt so viel gibt«
Da bestürmten die Andern den Dex zu sagen woher er das wisse Und er
erzählte ihnen etwas von seinen Entdeckungen und Vermutungen
Währenddem wurde oben die Wolke immer dunkler und senkte sich dann mit
ungeheurer Schnelligkeit hinab und machte Nacht auf dem Pallas indem sie sich
um den ganzen Tonnenstern herumwickelte nur unter dem Südtrichter ließ sie eine
freie Aussicht in den Weltenraum übrig
Diese Wolke bestand aus Trillionen feinster Spinngewebefäden die sich
durcheinander spannen ohne sich zu verwickeln und zu verknoten
Die Sterne des Himmels waren nun nicht mehr zu sehen Dafür leuchteten im
Nordtrichter Hunderte von Nuses kleineren Lichttürmen auf und der große
Lichtturm auf dessen Spitze die fünf Herren standen leuchtete mit vielen
beweglichen buntfarbigen Scheinwerfern so mächtig in die Nacht hinein dass aus
der Tiefe des Kraters ein großes Beifallsgeschrei hervordrang
Nun wollte Biba mit Manesi und Dex rasch zum Centralloch des Sterns um dort
die merkwürdige Musik zu hören die sich immer beim Einbruch der Nacht hörbar
machte sie schossen wieder mit der Seilbahn auf ihren Zangen zur Tiefe hinunter
und benutzten unten eine Tunnelbahn die ebenfalls eine Seilbahn war und auf
der man auch mit Zangen in zwei Minuten die zwanzig Meilen bis zum Centralloch
hinuntersausen konnte Solche Tunnelbahnen gab es sehr viele Und in allen
Tunneln wurden an Stelle der Bandstreifen starke Seile verwandt Nuse blieb auf
seinem Turm
Und Lesabéndio sprang von der Turmplatte aus hoch in die Höhe er kam aber
nicht fünfzig Meter hoch und breitete danach oben seine Rückenflügel aus und
schwebte seitwärts schräg in den Trichter hinein und sah dabei sich langsam
drehend überall die unzähligen elektrischen Lichter im Trichter Und es waren
nicht nur die Lichttürme des Nuse die da leuchteten alle Bäume hatten an
Stelle der Früchte und Blüten größere und kleinere Ballons die am Tage schlaff
herunterhingen nachts aber sich weit aufblähten und leuchtende
phosphoreszierende Farben in die Nacht hinausstreuten
Leuchtkäfer gabs auch sehr viele
Und Lesabéndio leuchtete wie alle Pallasianer ebenfalls an einzelnen Stellen
seines Körpers wenn ers wollte
Er zog seinen langen Schlangenleib im Kreise hintenüber und erfasste mit
seinem Saugfuss seinen Hinterkopf und schwebte so langsam sich drehend mit
ausgebreiteten Flügeln in bequemster Lage langsam zur Tiefe Die Nacht war
köstlich
Drittes Kapitel
Lesabéndio schwebt langsam in großen Kurven durch den erleuchteten Nordtrichter
hinab zum Zentrum des Sterns in dem die SofantiMusik ertönt Er kommt durch
das Zentrum mit Sofanti in den Südtrichter wo die Magnetbahnen zu finden sind
Nachdem die merkwürdigen Verhältnisse der Anziehungskraft die im Südtrichter
nächtlicher Weile vieles auf den Kopf stellen erörtert sind werden die beiden
Führer Peka und Labu im Gespräch mit Lesabéndio vorgeführt Danach wird die
Scheinwerferuhr und das Einschlafen der Pallasianer um Mitternacht geschildert
dabei auch das Rauchen des Blasenkrautes
Ganz langsam schwebte Lesabéndio zur Tiefe immer mit dem Saugfuss am Hinterkopf
und dabei zog er bald den einen Flügel ein und bald den anderen sodass er
kreiste in mächtigen hinuntergezogenen Spiralkurven
Er kam an vielen senkrecht aufragenden NuseTürmen vorüber und er sah mit
seinen Fernrohraugen alle Seiten des zwanzig Meilen tiefen Trichters und sah die
vielen tiefen Grotten und all die Bergkegel die vor den Grotteneingängen
emporragten und er sah die unzähligen breiten Brücken die sich hoch über den
Schluchten und Abhängen hinüberspannten zu den anderen Seiten und er sah auch
die vielen künstlichen Kuppeln die manche Abgründe überwölbten er sah die
Kuppeln alle von oben und sie waren sämtlich von unten aus von bunten
Kristalllampen durchleuchtet
Die bunte Lichtfülle des Trichters berauschte den Lesabéndio Da gabs nur
eine kleine Anzahl von dunklen Stellen Die großen Fruchtballons glitzerten in
phosphoreszierendem Licht und die Leuchtkäfer leuchteten auch und die
Pallasianer leuchteten ebenfalls Aber all dieses »natürliche« Licht hätte den
Trichter nicht sehr hell gemacht wenn nicht die vielen bunten Lichttürme und
die unzähligen bunten Scheinwerfer die sich immerzu nach allen Richtungen hin
drehten ihr künstliches elektrisches Licht in den Trichter hinausgestreut
hätten Dieses künstliche Licht hatten die Pallasianer mit großen Mühen überall
dort angebracht wo sich die Anfangs und Endstationen der Bandbahnen befanden
Und diese Bandbahnen waren überall sie gingen quer schräg und steil nach oben
und nach unten da gabs zehn bis zwanzig Meilen lange Bandbahnen und unzählige
kürzere von diesen führten viele ins Innere der Grotten und Höhlen hinein von
denen aus man auch an einzelnen Stellen ins tiefste Innere des Sterns gelangen
konnte
Und auf den Bandbahnen sah Lesabéndio mit seinen Fernrohraugen während er
in großen Kurven im Trichter herumkreiste die Pallasianer auf und ab fahren
mit blitzartiger Geschwindigkeit Und da die Körper der Pallasianer an vielen
Stellen des Trichters aufleuchteten so sahen die Wände des Trichters so aus
als führen immerfort Funken nach allen Richtungen durch sie durch
Dieses Funkengezuck bildete den Untergrund der Trichterwände von diesem
beweglichen Lichtuntergrunde hoben sich die bunten ganz steif und unbeweglich
dastehenden NuseTürme kräftig ab Und die beweglichen farbigen Scheinwerfer
traten mit ihrem Licht weit aus den Wänden des Trichters heraus sodass auch die
freie Luft des Trichters beleuchtet wurde Und es schwebten sehr viele
Pallasianer und viele Leuchtkäfer in der freien Luft und da die Scheinwerfer
sich nach allen Richtungen hin bewegten so wurden die Pallasianer und die Käfer
auch von den Scheinwerfern oft getroffen sodass sie deren Lichtkegel oft durch
ihre Gestalt und durch die Schatten die sie warfen seltsam belebten
In der Mitte des Trichters besonders im oberen Teile desselben war das
Licht der Scheinwerfer nicht mehr so wirksam nur die größeren Scheinwerfer
warfen ihr Licht in voller Kraft sechs bis sieben Meilen hinaus das wirkte
besonders oben sehr imposant wenn die Lichtkegel zuweilen senkrecht nach oben
hinaufgingen und dort die glitzernden Spinngewebewolken wenn sie nachts
heruntergekommen waren beleuchteten
Lesabéndio hielt sich mehr in der Mitte sodass er von den Scheinwerfern
selten getroffen wurde
Und er sah dann nicht mehr die Wände mit ihren Funkenspielen und Lichttürmen
an er blickte nur noch nach unten in den Mittelpunkt des Sterns
Dort unten im Mittelpunkt wurde es immer heller und heller und noch viel
bunter als rechts und links
Und eine feine Musik mit ganz lang gezogenen seltsamen Tönen drang aus der
Tiefe heraus
Diese Musik kam aus dem Centralloch das den Nordtrichter mit dem
Südtrichter verband
Hier im Mittelpunkte wo die Trichterwände sehr zackig und an einzelnen
Stellen nur eine halbe Meile voneinander entfernt waren hier im Mittelpunkte
bildeten sich immer beim Nachtbeginn großartige Töne die durch den Luftzug
entstanden der von der so schnell herunterkommenden Spinngewebewolke
hervorgebracht wurde
Um diese Mittelpunktsmusik des Pallas die natürlich am besten im
Südtrichter zu hören war zu verstärken und in melodiösen Fluss zu bringen hatte
man in dem Mittelpunkte viele dünne zumeist sehr große Hautstücke so
aufgespannt dass sie die durch die zackigen Felswände hervorgebrachten Töne in
merkwürdiger Weise variierten Und da man die Hautstücke so angebracht hatte
dass sie leicht in andre Lagen zu bringen waren so entstanden durch die
beweglichen Hautstücke wundervolle Melodieen die natürlich durch kleine und
große Schalltrichter und besondere umfangreiche Metallinstrumente ganz
orchestral gemacht werden konnten
Sofanti hieß der Pallasianer der die Hautstücke mit Hilfe seiner Freunde
herstellte Und bei Beginn der Nacht sammelten sich im Südtrichter immer sehr
viele Pallasianer die die neuesten SofantiMelodieen hören wollten
Aber über dem Centralloch im Nordtrichter dort wo dieser nur noch
anderthalb Meilen im Durchmesser hatte da hatte der Dex auf Wunsch des
Sofanti mit Kaddimohnstahl ein großes Gestell errichtet in dem von allen Seiten
schräg nach innen gerichtet Stahlstangen standen die oben durch einen Ring
verbunden waren und auf diesem Ringe waren abermals schräg stehende
Stahlstangen angebracht die auch oben durch einen wieder kleineren Ring
verbunden waren
An einzelnen dieser Stahlstangen hatte Sofanti seine neuesten großen
Hautstücke sämtlich in Scharnieren beweglich angebracht
Als Lesabéndio dieses Stahlstangengestell erblickte riss er plötzlich seinen
Saugfuss vom Hinterkopf los und rief laut
»Dieser Sofanti Da hat er ja eigentlich den großen Turm den ich oben im
Großen machen wollte hier unten im Kleinen schon gemacht Dieser Dex Dieser
Sofanti Also ist meine Idee vom großen Turm garnicht so neu«
Zufälligerweise war der Sofanti grade in der Nähe und hörte sich seine
Trichtermusik von oben an und als er den Lesabéndio so laut reden hörte rief
er ihn an
»Lesabéndio« rief er »warum redest Du so laut zu Dir selbst Ich habe ja
jedes Deiner Worte verstanden«
Da erkannte der Lesabéndio den Sofanti
Und da sprachen sie denn sehr eifrig über den großen Stahlturm und über den
kleinen Stahlturm
Und währenddem rauschte die Centralmusik in ungeheuren mächtigen Akkorden
auf dass die Wände des Nordtrichters ganz fein zitterten und dass die
Pallasianer überall von den Bandbahnen absprangen und in die Luft
hinausschwebten um die mächtigen Akkorde der neuesten SofantiMusik ganz genau
zu hören diese Musik machte auf die Pallasianer fast einen größeren Eindruck
als der große NuseTurm der eine Meile hoch war
Während Lesabéndio mit Sofanti in die Tiefe des laut tönenden Centralloches
hinunterschwebte stand der Nuse noch immer auf seinem Turm und blickte stolz
umher in die dunkle Spinngewebewolke und in den bunten funkenzuckenden
lichtkegelvollen Nordtrichter in dem auch die andren NuseTürme glühten und
leuchteten Oben bei Nuse war es ganz still und kein Laut von der Centralmusik
zu hören
Aber im Südtrichter schallte die Centralmusik oft mit tausend Echos
donnernd um die Felswände rum dass die Pallasianer immer wieder das schnelle
Fahren sein ließ und lauschend in der Luft herumschwebten mit beiden
Rückenflügeln und auch mit einem Die Musik blieb eine volle Stunde hindurch
hörbar eine PallasStunde entspricht ungefähr den vierundzwanzig Stunden eines
Erdtages
Der ganze Südtrichter bildete jedoch eine Welt für sich die mit der
Nordtrichterwelt wenig gemein hatte Die Anlagen des Südtrichters waren älter
und zumeist ganz anders als die im Norden Das hing besonders mit den
merkwürdigen Verhältnissen der Anziehungskraft zusammen
Da der Stern Pallas im Innern sehr viele ausgedehnte Hohlräume besaß so
übten alle Trichterwände eine sehr verschiedene Anziehungskraft aus Dazu kam
noch dass die Nachtwolke alle Schwergewichtsverhältnisse in sehr empfindlicher
Weise verschob Ein Gravitationscentrum kannte man nicht im Südtrichter konnte
der Kopf der Pallasianer ruhig nordwärts gerichtet bleiben aber während der
Nacht konnte man im Südtrichter den Kopf auch nach allen andern Richtungen
hinbringen ohne körperliches Unbehagen zu empfinden es kam somit vor dass
Pallasianer auf großen Hautstreifen die an manchen Stellen den Trichter quer
durchspannten mit ihrem Saugfusse auf der einen Seite saßen während auf der
andern Seite der Haut auch Pallasianer saßen sodass oft ein Saugfuss oben und
einer unten eine Stelle des Hautstückes umschloss Dieses nahegelegene
Antipodentum wirkte von weitem gesehen zuweilen sehr komisch
Nun war der freie Raum des Trichters von unzähligen Drahtseilen durchzogen
Und viele Hautstreifen waren zwischen diesen Drahtseilen die Zahl der
Hautstreifen die nur zum Ausruhen benutzt wurden war aber nicht sehr groß
sodass der freie Raum als solcher immer noch bestehen blieb Das Verkehrsleben
spielte sich in diesem freien Raume ausschließlich auf den Drahtseilen ab und
zwar wurde der Pallasianer hier durch ein Magnetblech angezogen sodass die
Bahnen »Magnetbahnen« genannt wurden Das Magnetblech befand sich an den
Knotenpunkten der Seilbahn und konnte dort beliebig gestellt werden auch so
dass es seine Anziehungskraft verlor Wollte nun Jemand auf einem Seilstück das
natürlich auch zwei bis vier Meilen lang sein konnte an einem Ringe hängend
rasch dahinsausen so hatte er erst das Magnetblechstück der nächsten
Knotenstation in die richtige Lage zu bringen was durch eine Kurbelvorrichtung
allerdings leicht zu bewerkstelligen war andrerseits doch immerhin sehr viel
Zeit beanspruchte da manchmal ein Magnetblechstück auch von andrer Seite in
Anspruch genommen wurde Die Bandbahnen des Nordtrichters waren jedenfalls
bequemer zudem wurde das Magnetblech immer wieder durch die verschiedenartige
Anziehungskraft der Trichterwände in sehr erheblichem Masse irritiert sodass es
zum Beispiel sehr schwierig war einfach schwebend dorthin zu gelangen wo man
hingelangen wollte Im Südtrichter schwebten deshalb die Pallasianer nur sehr
selten in der freien Luft herum fast alle benutzten die langsamen veralteten
Magnetbahnen die meisten Bandbahnen des Nordtrichters gingen achtzigbis
hundertmal schneller
Die Hälfte der Nacht also eine Zeit die ungefähr einem halben Erdmonat
entsprechen würde verbrachten die Pallasianer vielfach mit geselligen
Zusammenkünften Aber dort wo man schnell mit einer notwendigen Arbeit fertig
sein wollte und solche Stellen gabs immer wurde auch gearbeitet
Die Zeit wurde in der Nacht sowohl im Südtrichter wie im Nordtrichter
durch große automatisch tätige Scheinwerferuhren angezeigt Aber dabei
betätigten sich ein paar Hundert Scheinwerfer sie standen immer unter
besonderen Winkeln zueinander und aus dieser Winkelstellung die eine kurze
Zeit unbeweglich im Trichter sichtbar blieb entnahm der Pallasianer wie spät
es war
Als die Hälfte der Nacht beinahe vorübergegangen befand sich Lesabéndio mit
dem Führer Peka und dem Führer Labu im Zentrum des Sterns Und die Drei sprachen
natürlich nur von dem großen Kronenturm den Lesabéndio auf dem oberen Rande des
Nordtrichters erbauen wollte Peka und Labu lächelten zu dem Plan
»Woher die kolossalen Arbeitskräfte nehmen« fragten sie Beide Peka wollte
den Stern Pallas durch kristallinische regelmäßige säulenartig eckige
gradlinig feste hart und starr aufstrebende Steingebilde verändern er brachte
demnach seiner Wesensart entsprechend dem Plane des Lesabéndio wenig Wohlwollen
entgegen und meinte
»Der Bau mit Kaddimohnstahl will mir nicht sehr gefallen ein kompakteres
kantiges Baumaterial wäre mir lieber«
Labu interessierte sich dagegen mehr für den Überzug er wollte überall
Glasur Email Stukkatur anbringen um damit knorrige wurzelartig dicke
kuppel und schildartige Formen zu bilden er wusste nicht was er bei dem
LesabéndioTurm machen sollte Lesabéndio erklärte dem Labu dass er die Punkte
in denen mehrere Stahlstangen zusammentreffen mussten doch im Kuppel und
Wurzelgeschmack verzieren könnte Doch man begab sich bald ohne sich über
irgendetwas geeinigt zu haben zur Ruhe
Die zweite Hälfte der Nacht und die erste Stunde des Tages pflegten die
meisten Pallasianer zu schlafen
Während des Schlafes nahmen sie durch ihre Hautporen ihre Nahrung auf sie
schliefen auf Pilz und Schwammwiesen die sich in den blauen und grauen
Talschluchten und auf den blauen und grauen Höhenzügen der Trichterwände
befanden diese nahrhaften Schwämme und Pilze wuchsen während des langen Tages
wieder aufs neue
Bevor die Pallasianer einschliefen bildete sich an ihrem Rücken ein
Hautgewebe das bei Eintritt der Müdigkeit sich nach beiden Seiten ausspannte
und hoch oben über dem Körper sich zuschloss sodass sich der Körper des
Schlafenden gleichsam in einem großen länglichen Ballonsack befand
In diesem Ballonsack rauchte der Pallasbewohner sein Blasenkraut das an
einem seiner links befindlichen Arme festgewachsen ist und an einem Wurzelende
in den Mund gesteckt wird Zieht der Mund nun den aromatischen Duft des
Blasenkrautes ein so kommen später durch die Nase und durch die Hautporen
kleine Blasen durch die in dem Ballon größer werden und an der Decke des
Ballons haften bleiben Die Blasen reinigen den Körper und sie leuchten
Der Pallasianer leuchtet nicht mehr wenn er schläfrig wird
Viertes Kapitel
Es wird ein Traum des Lesabéndio erzählt Danach wird geschildert wie die
Pallasianer erwachen und zuerst ihre Ballonhaut abschneiden die in die
Morgenluft emporsteigt Lesabéndio fährt nach dem Erwachen in Pekas Atelier und
sucht ihn für seinen Nordtrichter zu begeistern es gelingt ihm das nicht und
sie begeben sich in Labus Atelier der den Sofanti späterhin in dessen Atelier
auf die Idee bringt den LesabéndioTurm mit transparenten Häuten zu umspannen
Lesabéndio spricht dann von der Bekämpfung der Müdigkeit und zum Schluss wird
die Auflösung eines Sterbenden geschildert
Lesabéndio träumte
Er sah wie ihm plötzlich an der rechten und linken Schulter riesig lange
Arme wuchsen Und diese Arme bekamen viele große Krallen Er flog in einer roten
Luft und breitete die Arme nach beiden Seiten aus und versuchte dann die
Krallen vorn einander zu nähern Da sah er dass aus den Krallenspitzen große
Ballons wurden Und diese Ballons vergrösserten sich immerzu Da er aber die
Krallen doch nicht einander nähern konnte so versuchte er beide Krallenhände
mit den Ballons seitwärts nach hinten zu werfen Und das gelang Und dabei schoss
Lesabéndios Körper mit furchtbarer Geschwindigkeit nach vorn sodass die Arme
ganz hinten blieben Da fühlte er dass er die Krallen bewegen konnte und dass
hinten die Ballons weg waren Da riss er die Arme ganz steif ohne sie zu biegen
wieder nach vorn und als sie vorn wieder so waren wie am Anfang bildeten sich
wieder die großen Ballons an den Krallenspitzen Und er warf die Arme wiederum
nach hinten und sein Körper schoss abermals mit der größten Geschwindigkeit nach
vorn
»Jetzt brauchen wir« rief Lesabéndio im Traume »die Bandbahnen und die
Seilbahnen nicht mehr so gehts ja viel schneller« Doch nach diesen Worten
erwachte der Träumer und sah über sich in der Ballonhülle die seinen Körper
umgab oben die vielen Blasen die vom Rauchen des Blasenkrauts herrührten ganz
groß und ganz weiß Und er schnitt mit den scharfen Nägeln seiner größten Hände
die Ballonhülle dicht am Körper ab Und da stieg die Ballonhülle von den Blasen
getragen in die helle Morgenluft empor und verschwand oben
Und ringsum stiegen auch die Ballonhüllen der andern Pallasianer in die
Morgenluft empor Die weiße Spinngewebewolke leuchtete wieder hoch über dem
Nordtrichter Und alle Pallasianer rieben sich die Augen und erwachten und sahen
die weißen Felsen ringsum und auch die blauen und grauen
Lesabéndio sprang mit einem Satz auf die nächste Bandbahn und sauste in eine
tiefe ganz dunkelblaue Schlucht hinein und kam von dort in eine sechs Meilen
hohe Höhle die der Peka sein Atelier nannte
Hier gabs sehr sehr viele glatt polierte Felswände in allen möglichen Farben
und mit vielen scharfen Ecken und Kanten Peka wollte die Felskegel und die
Felsschluchten in den großen Trichtern des Pallas glatt und kantig machen alle
möglichen regelmäßigen Kristallformen wollte er in den Pallas hineinmeisseln
seine Hauptmaschinen waren große Poliermaschinen die den Felsen spiegelnde
Glätte beibrachten
Pekas größte Werkstätten waren Schleifanstalten in denen kolossale
Riesenbrillanten hergestellt wurden
Aber Pekas Fehler war dass er Alles in allzu großen Dimensionen haben
wollte sodass er niemals die genügende Anzahl von Mitarbeitern fand
Und so kams dass schon in seinem Atelier unsäglich viele Stücke nicht einmal
zur Hälfte fertig wurden
Einen abgeschlossenen Eindruck machten nur die kleinen Modelle in denen er
zeigte wie die Bergkegel in säulen und pyramidenartige Formen gebracht werden
sollten da wurden aus Bergkegeln auch viele spitze und kantige Türme mit
Brillantenknäufen und überkragenden Balkengesimsen
Der Peka wollte hauptsächlich nur mit rhytmischen Verhältnissen wirken und
die Rhytmik wollte er teils durch Farben und teils durch Brillantenverbrämung
wirkungsvoll herausstreichen dies gelang ihm besonders dort wo er schräg
abfallende Felsen in viele Terrassenanlagen zerlegte bei denen er auch durch
lange Säulenreihen wirkte
In Pekas Atelier gabs an die zehntausend verschiedene Säulen die meisten
in kleinstem Maßstabe aber auch viele von hundert Metern Höhe sodass man sich
in diesem Atelier sehr wohl eine Vorstellung von dem was Peka wollte bilden
konnte
Das Atelier hatte nur eine geringe Breite die nur an einzelnen Stellen bis
zu einer halben Meile sich ausdehnte Die Länge des Höhlenraums betrug nur zwei
Meilen Dafür gings aber überall fast sechs Meilen hoch in die Höhe sodass man
überall lange überkragende Terrassen sah auf denen gearbeitet wurde Und
Bandbahnen gabs hier natürlich in großer Zahl und nach allen Richtungen hin
und auch Transportbahnen die aus vielen Drahtseilen bestanden
Auf den Bandbahnen konnte man langsam und schnell fahren man brauchte nur
an der Anfangsstation den Schnelligkeitsapparat an den Schwungrädern
umzustellen
Lesabéndio stellte den Apparat einer schrägen Bandbahn so dass er ganz
langsam drei Meilen neben den Terrassen emporfahren konnte
Und oben kam er mit dem Peka wieder zusammen
Alle elektrischen Flammen und Scheinwerfer leuchteten in der Höhle so dass
alle glatten Felsflächen die Säulen und Gesimse spiegelten und dass die großen
Brillanten aus durchsichtigem Gestein glühende Farben ausstrahlten und dabei
mächtig funkelten Sehr lebhaft wirkten die Atelierterrassen auch dadurch dass
immer wieder viele Pallasianer durch die Säulen durch hinaussprangen und mit
Hilfe ihrer Rückenflügel die nächste obere oder untere Terrasse zu erreichen
suchten
Die meisten Arbeiten die hier getan wurden wären ganz unmöglich gewesen
wenn nicht jeder Pallasianer sehr viele Hände gehabt hätte sowohl sehr grobe
wie auch sehr feine Zu den letzteren gehörten auch die an denen sich Finger
befanden mit denen man ohne weiteres schreiben konnte wie mit einem
Füllfederhalter
Und mit solchem Finger schrieb jetzt auch der Lesabéndio in sein winzig
kleines Notizbuch das neben andern Büchern an seinem Halse hing Dem Lesabéndio
gegenüber saß der Peka mit seinem braunen Körper aus dem die gelben Flecke
scharf herausleuchteten auf einem zwei Meter hohen blauen Brillanten der nur
einen halben Meter breit war und sehr viele feingeschliffene kleine Flächen und
auch scharfe Kanten zeigte
Und nachdem Lesabéndio mit dem Notizenmachen fertig war sagte er
»Es ergibt sich immerhin dass der Eisendrahtturm den ich über dem
Nordtrichter aufrichten will doch eine regelmäßige Form bekommen muss die
Deinen spjetzturmartigen Brillanten in mancher Hinsicht ähnen dürfte Die ersten
schrägen Säulen die von den höchsten Stellen des Trichterrandes aus zur Höhe
gehen und sich dabei zur Trichteröffnung neigen müssen zweifellos in ganz
gleichen Abständen voneinander erbaut werden Und der Ring der die Spitzen der
Säulen oben verbindet dürfte nicht Kreisform haben Säulenspitze muss mit
Säulenspitze immer durch einen graden Balken verbunden werden Und wenn nun auf
diese erste Etage die andern neunundneunzig Etagen hinaufkommen so müssen diese
genau so regelmäßig gebaut werden wie die unterste Etage nur werden die Säulen
oben immer näher aneinanderrücken Aber wir werden oben so viele Säulen brauchen
wie unten wenn unten fünfzig Stahlsäulen nötig sind werden oben in der
hundertsten Etage ebenso viele Säulen nötig sein sie können oben nur dünner
sein Verbindest Du nun die aufstrebenden Säulen und die Querbalken mit einem
glatten Material so hast Du einen Riesenbrillanten wie Du ihn wünschest«
»Die Verbindung« versetzte Peka »dieser Stahlstangen mit einem glatten und
festen Material ist eben eine Unmöglichkeit Es gehört doch schon genug dazu
dieses riesige Stangengerüst aufzuführen Alle künstlerische Ausgestaltung
dieses Knochengerippes muss von selber fortfallen da unsre Kräfte doch nicht
dazu ausreichen auch noch das Entbehrliche herzustellen Die Form Deines
Turmes lieber Lesabéndio ist ja wohl eine Kristallform Aber die Kristall
substanz fehlt Und die ist mir doch die Hauptsache Du kannst nicht verlangen
dass ich mich für Deinen Plan begeistere wenn ich einsehen muss dass ich dabei
überflüssig bin Die Säulen und Balken wirst Du nicht kompakt machen können Und
ich bin doch immer in erster Linie für das Kompakte gewesen«
Sie sprachen beide sehr lebhaft weiter kamen aber zu keinem befriedigenden
Schluss
Nun war aber in ein paar Sprüngen das große Atelier des Labu zu erreichen
der nebenan mit seinen Gehilfen wohnte und nur mit unregelmässigen Formen den
Stern Pallas verschönern wollte Labu hatte nicht das geringste Verständnis für
das Regelmässige ihm erschien alles Unregelmässige tausendmal interessanter Aber
obwohl nun der Labu den schärfsten Gegensatz zu dem Peka bildete so wohnten sie
doch nachbarlich dicht nebeneinander gleichsam Wand gegen Wand Labus Atelier
war nur drei Meilen hoch dafür aber in der Grundfläche sehr umfangreich
Lesabéndio und Peka sahen nun gleichsam von der Decke aus in Labus
unregelmässiges Atelier hinunter in dem unzählige Grotten und Blasengesteine und
ganz unregelmässige Stangengesteine und viele seltsame Emailüberzüge und bucklige
Perlmutterwände neben buntschillernden Wurzelphantasieen zu sehen waren
Hatte aber Peka immer wieder das Pech dass die Pallasianer seine Pläne für
zu schwer durchführbar erklärten so sagten die Pallasianer dem Labu gewöhnlich
dass seine Pläne zu leicht durchführbar seien da sie ja mit allzu großer
Leichtigkeit dem Lokalcharakter der einzelnen Gegenden angepasst werden konnten
Labu kam zu den beiden Freunden nach oben und Lesabéndio wiederholte was
er dem Peka erklärt hatte
Da sagte der Labu
»Mir fällt was ein wir sollten zum Sofanti fahren«
Zu Sofanti aber gings durch Labus sehr unregelmäßig gebildete Decke durch
Als die Drei oben durch waren und von der Bandbahn absprangen erblickten
sie den Sofanti gerade vor einer großen transparenten Haut hinter der
probeweise Lichtarrangements gestellt wurden um die lampionartige Wirksamkeit
der transparenten Haut zu erproben Dem Sofanti aber sagte der Labu
»Du musst Lesabéndios Nordtrichterturm mit Riesenhäuten umspannen dann wird
das große Skelett kompakt und wir bekommen im Nordtrichter dadurch einen neuen
Himmel Die Häute können auf der Außenseite erleuchtet werden«
Da lachte der Lesabéndio und freute sich sehr Und der Sofanti sagte
lachend
»Dazu wär ich schon bereit Aber wird auch der Stoff reichen Soviel Haut
gibt es vielleicht doch nicht Augenblicklich ist noch nicht so viel da«
Nun war aber die Haut die der Sofanti wie Leder verarbeitete nur auf
glatten Steinflächen zu finden und von diesen leicht abzulösen Solche glatten
Steinflächen gabs natürlich auf und im Pallas nur in sehr geringer Anzahl
Peka hatte daher Recht als er sagte
»Hätten wir seit vielen Jahren mehr Felsenabhänge poliert und zu glatten
Flächen gemacht so hätte Sofanti heute mehr Haut loszulösen Aber der ganze
Plan ist ja so großartig dass wir seine Ausführbarkeit garnicht in Erwägung
ziehen dürften Ist das nicht eigentlich nur Zeitverschwendung «
Da sagte Lesabéndio
»Ihr seid alle so müde und zwar nur deshalb weil Ihr nicht alle Eure
Gedanken um einen einzigen ganz einfachen aber ganz großartigen Plan
konzentriert Solche Konzentration macht ganz allein wieder frisch wenn auch
die Ausführbarkeit noch in weiter Ferne liegt Ihr verzettelt Euch«
Lesabéndio hatte kein Atelier aber er war dafür bekannt dass er immer nur
einen so einfachen Plan mit sich herumführte dass für den ein Atelier garnicht
nötig wurde
Mit der Müdigkeit der Pallasianer hatte der Lesabéndio auch Recht es kam so
oft vor dass Pallasianer müde wurden und sterben wollten
Der Pallasianer stirbt wenn erst sein Körper ganz trocken geworden ist
sodass man beinahe durchsehen kann Dann aber hat der Sterbende den Wunsch von
einem Lebenden aufgesogen zu werden der Lebende saugt den Sterbenden durch die
Poren in sich auf Dieser Prozess geht aber nicht so einfach vor sich
Es ist zunächst nötig dass der Aufsaugende auch damit vollkommen
einverstanden ist dass er aufsaugt Wenn nun Jemand aufgesogen werden will so
fragt er zunächst bei dem der ihn aufsaugen soll höflich an Sagt der »Ja«
so geschieht das Gewünschte gemeinhin sofort
So wurde der Peka während er mit seinen drei Freunden vor den transparenten
Häuten saß von einem alten Pallasianer der schon ganz durchsichtig aussah
gefragt ob er wohl geneigt sei dem Sterbenden einen Dienst zu leisten Der
Körper des Sterbenden war ganz hellbraun die gelben Flecken waren fort Peka
willigte sofort ein ein Pallasianer willigte nur dann nicht ein wenn er an
demselben Tage bereits einen andern Sterbenden in sich aufgenommen hatte
Nachdem Peka eingewilligt reckte er sich sofort zu seiner ganzen Höhe auf
fünfzig Meter hoch Pekas Poren öffneten sich dabei ganz weit und im Körper
des Sterbenden der zehn Meter von Peka entfernt höchstens fünf Meter hoch
sich aufrecken konnte entstanden plötzlich fluoreszierende Lichterscheinungen
dann gingen alle Teile des Körpers zerbröckelnd auseinander und wurden von Peka
angezogen in dessen Poren der Körper des Sterbenden nach ein paar Augenblicken
verschwand
Fünftes Kapitel
Es werden zunächst die Veränderungen geschildert die ein Pallasianer in sich
empfindet wenn er einen Gestorbenen in sich aufgenommen hat Peka kommt in
diesem Zustande zum Biba der auf der Außenseite des Pallas wohnt Dort
beobachten die Beiden viele andere Asteroïden und Biba spricht mit Begeisterung
von Lesabéndio der im Südtrichter von Manesi abgelehnt wird im Nordtrichter
aber im Dex den ersten tatkräftigen Freund findet Dex schildert was er alles
entdeckt hat Zum Schluße wird von der Geburt der Pallasianer gesprochen und
eine solche geschildert
Sobald ein Pallasianer einen Sterbenden in sich aufgenommen hatte pflegte eine
Veränderung seines Wesens bemerkbar zu werden Eigentümlichkeiten des
Gestorbenen übertrugen sich auf den der den Gestorbenen aufnahm und auch eine
körperliche Vergrößerung und Stärkung aller Organe wurde dem Aufnehmer zuteil
sodass diejenigen die viele Sterbende in sich aufnahmen eine immer größere
Lebenskraft erhielten Diese zeigte sich zunächst darin dass der durch den
Gestorbenen Gekräftigte mindestens eine ganze Nacht nicht zu schlafen brauchte
und ohne Ermüdung weiter arbeiten konnte Außerdem zeigte sich eine größere
Unternehmungslust in dem Aufnehmer
So kam es dass Peka gleich nach erfolgter Bereicherung seiner Natur zu Biba
fuhr
Biba wohnte immer auf der Außenseite des Tonnensterns da wo nur sehr
wenige Pallasianer wohnten wer dort am Tage zu finden war pflegte sich mehr
mit den anderen Sternen des Himmels zu beschäftigen man pflegte bei den auf der
Außenseite des Pallas Lebenden immer sehr viele Anregungen zu finden besonders
solche die auch für die weitere Ausbildung des Sterns Pallas verwertet werden
konnten
Um auf die Außenseite zu gelangen konnte man nur ein paar schmale enge
Tunnels benutzen die sich nur mit Magnetschlitten befahren ließ wenn man
nicht über den Nord oder Südtrichterrand springend und fliegend ans Ziel kommen
wollte
Peka benutzte einen Magnetschlitten der nicht sehr schnell durch einen
spärlich beleuchteten engen und niedrigen Tunnel fuhr die Magnetsteine der
Endstation wurden elektrisch auf der Anfangsstation gestellt und umgekehrt
und die Schlitten die sich auf spiegelglatter gradliniger Bahn ganz leicht
bewegten standen auf allen Stationen in großer Anzahl da
Auf der Endstation breitete Peka seine Flügel aus und stieß dabei mit dem
Saugfuss auf den Boden mehrmals auf und kam so in die offene Grotte des Biba der
mit seinen Teleskopaugen die grünen Sterne im violetten Himmel betrachtete
Biba freute sich als ihn der Peka begrüßte Und die Beiden sprachen gleich
über Lesabéndios Nordtrichterturm
»Lesabéndio« sagte der Biba »hat mich noch gestern auf einen Asteroïd
aufmerksam gemacht der ein Doppelstern ist Sieh ihn Dir da drüben an er ist
heute schon ziemlich nahe der Pallasbahn oben ist ein innerlich leuchtender
Trichter und unten ein Kugelstern dessen Pole rechts und links sind der
Kugelstern dreht sich mit erheblicher Geschwindigkeit Möglich ist es nun dass
auf der Außenseite des Trichters Wesen leben die von der Existenz der Kugel
unten gar keine Ahnung haben denn die Trichteröffnung ist viel größer als die
Kugel unten Da das Innere des Trichters glüht während das Äußere ganz dunkel
und runzelig ist so ist es mehr als wahrscheinlich dass kein Bewohner durch die
Trichterwand durchkommt Und der untere Trichterrand ist nach oben aufgeklappt
sodass da keiner rüberkommen wird Kurzum etwas Ähnliches kann bei uns auf dem
Pallas auch vorhanden sein denn unsre Spinngewebewolke ist doch etwas allzu
merkwürdig«
»Du meinst also« versetzte Peka der seine Teleskopaugen sehr anstrengte
»der Pallas hätte auch noch oben einen Kugelstern«
»Warum« fuhr da der Biba fort »sollen wir grade einen Kugelstern über uns
haben Wie viele komplizierte Sternsysteme haben wir schon beobachtet Stell Dir
doch nur vor lieber Peka dass wir über zehntausend Asteroïden entdeckt haben
die mit dem Pallas zusammen unsre Centralsonne umkreisen Und mehr als die
Hälfte von allen diesen Asteroïden bestehen immer aus mehreren Sternen Da
drüben links von der großen Sonne die auch unsre Centralsonne umkreist und mit
gradezu unheimlicher Fixigkeit sich um sich selbst dreht siehst Du einen
kleinen Asteroïd der aus sieben Sternen besteht die sich um einen Kreisring
drehen der in der Mitte sich auch dreht Dieser achtteilige Asteroïd ist vor
vierzehn Tagen ein Mond jener großen Drehsonne geworden Wir können vielleicht
ebenfalls mal ein Mond jener Sonne die die Erdbewohner Jupiter nennen werden
sie zog schon mehrere Asteroïden in ihre Bahn hinein Es ist überhaupt zu
befürchten dass die meisten Asteroïden in die Bahnen der anderen Sonnentrabanten
hineingezogen werden Selbst die Erde zieht uns zuweilen an«
»Was könnte denn« fragte nun der Peka neugierig »über unserem Nordtrichter
sein Hast Du nicht eine Vermutung«
»Es können« sagte Biba »ein paar hundert Meteoriten hoch über unsrem
Nordtrichter herumkreisen vielleicht in Bahnen die nicht einmal einen
Durchmesser von fünfzig Meilen haben Wir wissen ja dass die Meteoriten überall
im Raume zu finden sind Hunderte von Asteroïden sind scheinbar ganz unlöslich
mit sehr vielen Meteoriten verbunden Die Anzahl dieser Meteoriten können wir
fast niemals feststellen so gut sind unsre guten Augen denn doch nicht denn
es gibt Meteoriten von fünf Meter Durchmesser das wissen wir Ob es nicht noch
kleinere Meteoriten gibt wissen wir nicht Aber wie gesagt über unsrer
Spinngewebewolke ist schlechterdings Alles möglich Und deshalb ist Lesabéndios
Plan mit einem Turm von hundert Meilen Höhe «
»Verzeih mal« rief nun der Peka heftig »vom Rande unsres Nordtrichters bis
zum Rande unsres Südtrichters sind vierzig Meilen Wenn wir nun hundert Meilen
hoch bauen so kann doch unser ganzer Stern «
»Was dann kommt« versetzte lachend der Biba »wenn der Turm gebaut ist das
wissen wir nicht das werden wir aber wissen wenn wir ihn gebaut haben
Übrigens sollte uns die Sache schädlich sein so werden wir schon durch die
Verhältnisse gezwungen werden den Bau unvollendet zu lassen Jedenfalls wäre
aber doch eine solche Kappe selbst wenn sie nur drei Meilen hoch gebracht
würde eine köstliche Bereicherung und Krönung unsres Sterns Ich verstehe
nicht warum wir nicht auf Lesabéndios Plan eingehen sollen«
»Dann müssten doch« erwiderte Peka während er seinen Kopf traurig nach vorn
überfallen ließ »alle anderen rein künstlerischen Pläne in die Ecke geworfen
werden«
»Nein« sagte Biba »es wäre doch möglich dass sich der große Turm sehr
schnell aufbauen ließe Man kann noch nicht wissen wie viel Kaddimohnstahl der
Dex in den nächsten Tagen entdeckt Und dann Lesabéndio ist eine
Persönlichkeit die niemals müde wird weil sie allen Nebenausschweifungen aus
dem Wege gehen kann Lesabéndio ist keine Vergnügungs und Genussnatur und er
kann sich ganz um einen großen Plan konzentrieren«
»Künstlerisch« sagte nun der Peka müde »ist er aber auch nicht sehr
bedeutend daher gehts mit der Konzentration«
»Das weiß er aber« versetzte der Biba »er weiß dass er nur als Charakter
groß ist Ich aber frage Dich ist das nicht auch etwas Großes«
Währenddem saß Lesabéndio im Südtrichter neben Manesi und sprach mit diesem
von seinem Stahlturm
»Wir kommen auf der Außenseite unsres Sterns« sagte Lesabéndio »sehr wohl
in das Spinngewebe hinein aber das verbrennt uns ja die Haut Schützen wir aber
die Haut durch große Ballons oder Ähnliches so tut uns das Spinngewebe
garnichts Wir müssen also oben auf der Spitze unsres Turmes ganz bequem so
durch das Spinngewebe durchkommen dass wir das entdecken können was darüber ist
das was über uns ist und aller Wahrscheinlichkeit nach unsern ganzen Stern
regiert«
»Dein Turm« versetzte da der Manesi »ist also eigentlich nur zu
Entdeckungszwecken da und nicht zu künstlerischen Verschönerungszwecken Da tu
ich nicht mit Ich sags Dir ganz deutlich So gern ich auch jedem Pallasianer
einen Gefallen tue allen kann man nicht zugleich dienen Meine
Rankenvegetation braucht den Turm nicht Ich kann hier im Südtrichter
Rankengewächse in großer Zahl anpflanzen das weißt Du«
Lesabéndio verabschiedete sich nach diesen heftig gesprochenen Worten von
dem RankenManesi
Aber Lesabéndio sagte beim Abschiede
»Deine Rankengewächse werden aber oben in freier Luft einfach köstlich
aussehen auch künstlerisch und so meilenlang hängend na auf
Wiedersehen«
Danach fuhr der TurmPallasianer mit den schnellsten Seilbahnen auf
Kneifzangen hoch hinauf zum Nordtrichterrande wo der Dex den Kaddimohnstahl aus
dem Pallas herauszog Aufgeregt mit weit ausgebreiteten Rückenflügeln flog der
Dex auf den Lesabéndio zu und rief gleich als er diesen noch garnicht erreicht
hatte »Eine Entdeckung Eine Entdeckung«
Und als sie nun zusammensassen sagte der Dex
»Was ich vermutete ist zur Tatsache geworden Wir haben wie Du wohl weißt
jetzt drei Stellen an denen wir den Kaddimohnstahl aus dem Pallaskörper
rausziehen können Diese drei Stellen befinden sich oben auf dem Rande unsres
Nordtrichters Nun denke Dir ich habe heimlich an verschiedenen Stellen auch
auf dem Rande des Nordtrichters Experimente mit starken Magnetsteinen gemacht
die dort wo Kaddimohnstahl gefunden ist eine eigentümliche Kraftsteigerung
erfahren und auch noch andere Eigenschaften zeigen Nun ist mir durch einen
Zufall gelungen an vier weiteren Stellen Kaddimohnstahl auf Grund meiner
Magnetsteinexperimente zu finden Selbstverständlich habe ich sofort meine
sämtlichen Freunde veranlasst den ganzen Nordtrichterrand mit Magnetsteinen
abzusuchen Ich habe die Hoffnung dass wir noch an fünfzig Stellen
Kaddimohnstahl finden Dann würden wir das Material zum Nordtrichterturm gleich
zur Stelle haben und der Bau könnte in den nächsten Tagen in Angriff genommen
werden«
»Halt ein« rief da der Lesabéndio »das übertrifft ja meine kühnsten
Erwartungen«
»Oh« fuhr der Dex fort »noch mehr habe ich Dir zu sagen ich habe Grund
anzunehmen dass der großartige Stahl ganz regelmäßig verteilt ist wir hätten
demnach gar nicht nötig den Stahl mühsam weiterzuschleppen wir könnten
vielleicht gleich dort die ersten fünfzig Stangen errichten wo der Stahl
gefunden wird«
Auf Lesabéndios Gesicht zuckten tausend Hautfalten und glitzerten und das
Glitzern zeigte sich auch auf den gelben Flecken des ganzen Körpers selbst die
braunen Stellen des Körpers kamen in Bewegung so sehr freute sich der
Lesabéndio
»Das übertrifft« sagte er leise »tatsächlich alle meine Erwartungen«
»Ich« sagte nun Dex »trete daher selbstverständlich für den Bau Deines
Turmes mit allen meinen Freunden ein Aber wir sind ja nur wenige Wen hast Du
noch außer mir«
»Eigentlich« erwiderte Lesabéndio »noch gar keinen oder nur Zusagen die
nicht viel auf sich haben Da ist der Sofanti heute morgen ja wohl für meinen
Plan interessiert worden Aber Du weißt ja wie langsam sich das alles
entwickelt«
»Wir müssten« erwiderte nun der Dex zögernd »noch etwas Anderes entdecken
Weißt Du was«
»Nein« gab der Lesabéndio still zur Antwort und sah dabei die braune Haut
des Dex mit den gelben Flecken aufmerksam an und sah rechts und links neben der
braunen Haut mit den gelben Flecken den violetten Himmel mit den grünen Sternen
und ringsum auf dem oberen Rande des Nordtrichters die vielen weißen Berge und
darunter auch die blauen und die grauen
Dann sahen die Beiden zur weiß leuchtenden Nordwolke empor die wie sie
wussten aus sogenannten Spinngeweben bestand Und die Beiden seufzten
»Es ist doch eigentümlich« sagte Dex »dass wir die Gewebe noch immer nicht
näher untersuchen können in der Nähe sind sie nicht zu ertragen sie brennen
schon auf unsrer gefleckten Haut wenn man sich fünfzig Meter von dem Gewebe
entfernt hält Wenn wir durch Ballonhüllen geschützt sind brennt das Gewebe
nicht aber es weicht zurück Und wir brauchen nur den Arm aus der
Ballonhülle rauszustrecken so brennt gleich wieder unsre gefleckte Haut Und so
kommen wir nie an das Gewebe ran und wir wissen nicht wer es gesponnen hat
und wozu es gesponnen wurde«
»Warum« fragte nun Lesabéndio »erzählst Du mir das Ich weiß es doch Und
Du weißt dass ich es weiß Du weißt dass das jeder Pallasianer weiß Wo willst
Du hinaus«
»Hm« sagte der Dex »ich will nur sagen das Gewebe ist nur ein einziges
Geheimnis auf unsrem Stern Aber es gibt deren noch mehr Die großen Nüsse die
sich in den Bleiadern unsres Sterns finden haben doch noch mehr Geheimnisse in
sich«
»Ach so« rief da der Lesabéndio »Du meinst wir müssten noch mehr solche
großen Nüsse finden nicht wahr«
»Ja« sagte der Dex »dann hätten wir so viele Arbeiter wie wir brauchen«
Mit den Nüssen hatte es nun eine ganz besondere Bewandtnis da staken
nämlich die zukünftigen Pallasianer drin
Das Geschlecht der Pallasianer zu vergrößern oder zu verkleinern das hing
ganz allein von den bereits lebenden Pallasianern ab wollte man mehr
Pallasianer haben so brauchte man nur die in den Bleiadern gefundenen Nüsse
aufzuknacken dann sprang aus jeder Nuss ein neuer Pallasianer heraus
Der Labu beschäftigte sich viel mit der Aufsuchung der großen Nüsse zu ihm
begaben sich nun die beiden Turmfreunde sie wollten von ihm gerne wissen ob
man nicht eine größere Anzahl von Nüssen irgendwo entdecken könnte
Für die Ernährung der frischgeknackten neuen Pallasianer musste der Manesi
sorgen der wusste mit allen Vegetationsangelegenheiten wohl Bescheid
In einer freien weißen Grotte oben am Rande des Nordtrichters fanden die
Turmfreunde den Labu er stand grade mit sechs Freunden zusammen jeder von
diesen sieben Pallasianern hatte einen schweren Bleihammer mit langem Stiel in
der Hand
Mit diesen Hammern schlugen die Sieben mit voller Kraft auf die Nuss los
und da gabs plötzlich einen lauten Knall und die Sieben sprangen zurück
Und dann platzte die Nuss plötzlich die Stücke der Schale flogen zur Seite
und heraus schoss wie eine Rakete ein junger Pallasianer der sich gleich
ganz heftig mit allen seinen Fingern das ganze Gesicht und besonders die Augen
rieb
Sechstes Kapitel
Es wird erst geschildert was der frisch geknackte Pallasianer von dem Leben
erzählt das er vor seiner Knackung gelebt hat Dann fahren Dex und Lesabéndio
mit dem Labu in dessen kleinstes Atelier und lassen sich dort erklären mit
welchen Mitteln für die Folge die berühmten Knacknüsse aufgefunden werden
können. Nachdem die beiden Turmfreunde in zwei Tagen dem Labu neue Arbeiter
besorgt haben fahren sie zum Manesi der erklären soll ob für die neu
geknackten Pallasianer auch die genügende Anzahl von neuen Schwamm und
Pilzwiesen hergestellt werden kann. Manesi gibt befriedigende Aufklärung ist
anfänglich traurig doch zum Schluss sehr vergnügt und zeigt seine neuen
künstlichen Sonnen
Nachdem sich der kleine Pallasianer der erst nach einigen Tagen die ganze Größe
der alten Pallasianer bekam längere Zeit die Augen gerieben hatte versuchte er
zu sprechen und er sagte mühsam
»Bombimbarizapazulliasas«
Danach sprachen nun die alten Pallasianer zu dem Kleinen und setzten ihm
auseinander dass er auf dem Stern Pallas sei und dass er doch Pallasianisch
sprechen könnte und nicht in einer Sprache die kein Pallasianer verstünde er
kenne doch die pallasianische Sprache er solle sich doch nicht verstellen
Der Kleine hörte das eine Weile aufmerksam an spannte die Kopfhaut wie
einen Regenschirm auf und sagte langsam
»Ich verstehe schon was Ihr sagt Aber Ihr müsst mir Zeit lassen Ich war in
andern Welten Wenn ich Euch die beschreiben könnte Eure Sprache versteh ich«
Danach rieb sich der Kleine wieder die Augen machte sie lang zu Fernrohren
und blickte ganz erstaunt umher
So ungefähr benahmen sich alle kleinen frisch geknackten Pallasianer und
sie konnten wunderbarerweise alle gleich in den ersten Stunden die
pallasianische Sprache verstehen und sprechen es ging anfänglich nur ein
bisschen langsam und manche Ausdrücke fielen ihnen nicht sofort ein sodass man
ihnen helfen musste
Der Kleine dem jetzt Lesabéndio Dex und Labu und viele andre Pallasianer
zuhörten wurde nach seinen ersten Worten Bombimba genannt nach ihren ersten
Worten wurden alle Pallasianer genannt
Bombimba sprach langsam das Folgende
»Es war mir so in letzter Zeit als flögen viele Millionen flockenartige
Gebilde die so groß wie meine Kopfhaut sind mit mir zusammen durch eine warme
Luft Diese flockenartigen Gebilde sprachen zu mir so wie Ihr sprecht so wie
ich jetzt auch spreche Sie sprachen sehr lange mit mir aber ich konnte nicht
sehen wie sie aussahen ich hörte sie nur und fühlte sie nur Wir sahen aber
sehr große Sterne die unzählige Arme nach allen Seiten ausreckten Arme mit
vielen langen feinen Fingern Wir haben auch solche Finger ich auch«
Und der Kleine sah sich seine feinen Finger an dann sah er sich auch seine
groben starken Finger an und sagte lächelnd
»Solche groben Finger hatten die Sterne nicht Aber jene Kopfhautwesen haben
mir unsäglich viel von den großen und von den kleinen Sternen erzählt Ich habe
auch viel vom Pallas gehört und die Sprache die man auf dem Pallas spricht
die hat man mir beigebracht Doch ich lernte auch Dinge kennen für die man mir
keine Worte gesagt hat das waren große Gluten und Dinge darin die so
flatterten Da flog vieles mit furchtbarem Krachen auseinander und danach zog
sich wieder alles so zusammen wie eine weiche bewegliche Haut und da gabs auch
Dinge die Farbe hatten aber die Farbe war ganz anders als alle die Farben
sind die wir hier sehen Es klangen auch Töne an mein Ohr die ganz anders
klangen als Eure Worte und meine Worte Und ich schwebte dabei so auf der Seite
und hörte durch alle Dinge durch das was in weiter Ferne lag Aber ich kann
nicht beschreiben wies klang Die Worte fehlen mir dafür Die Kopfhautwesen
waren auch bald fort und ich konnte sie nicht mehr hören Und dann kam immer
wieder das furchtbare Krachen und so viele Dinge gingen auseinander
blitzschnell die Teile sausten nur so durch den Raum Und dann fühlte ich einen
Stich in meinem Körper und ich flog hoch empor Und dann sah ich Euch«
Da erzählten die alten Pallasianer dem jungen wie sie ihn geknackt hätten
Und darüber lachte der junge machte sich ganz klein und schnellte sich dann
hoch empor in die violette Himmelsluft
Die ersten Erzählungen der frisch geknackten Pallasianer wurden immer
aufgeschrieben jeder der kleinen Pallasianer hatte immer etwas ganz Neues zu
erzählen was sich mit dem der andern kleinen nicht vergleichen ließ
Viele Pallasianer beschäftigten sich nur mit diesen ersten Erzählungen die
sehr viel zur Kenntnis der wesentlichen Natur der Pallasianer beitrugen aber
auch unzählige neue Rätsel aufgaben keiner der Frischgeknackten hatte so die
Sprache der Pallasianer kennen gelernt wie der andre und Alle fassten das
Krachen der Hammerschläge als etwas Andres auf
Und dann schilderten die Kleinen die Welten in denen sie gelebt hatten
immer so dass die alten Zuhörer die Empfindung bekamen jeder von diesen Kleinen
wäre ganz wo anders gewesen als der nächste Der eine hatte unendlich lange
Zeiten in langen Röhren gelebt und sprach immerzu von den weiten Perspektiven in
diesen Röhren der nächste kannte nur Wolken die sich feucht anfühlten dann
sprach wieder ein andrer von flackernden Flammen die man auf dem Pallas
garnicht kannte wohl aber auf anderen Sternen sah Auch behaupteten viele
Kleine sie hätten in Wassermassen gelebt die man auch nicht auf dem Pallas
sehen konnte die Vorstellung von Flüssigkeiten in größeren Massen erhielten
die Pallasianer nur durch die Betrachtung einiger in der Nähe befindlichen
Asteroïden auf denen Alles anders war als auf dem Pallas
Labu wurde nun von Dex und Lesabéndio gebeten Näheres über die
Auffindbarkeit der berühmten Knacknüsse mitzuteilen
Und der Labu führte die Beiden in sein kleinstes Atelier er hatte zehn
Ateliers fünf in den Wänden des Nordtrichters und fünf in den Wänden des
Südtrichters
Das kleinste Atelier befand sich im Nordtrichter und war nur eine
Viertelmeile hoch und ebenso breit und nur eine einzige Meile lang
Hier war die wichtigste Arbeitskammer des Labu hier stellte er
hauptsächlich neue Flüssigkeitsmischungen her
Aber der Stern Pallas war ein sehr fester harter trockner Stern auf dem
es garnicht so leicht war die Stoffe in die Flüssigkeitsform hinüberzuführen
Und so befanden sich die Flüssigkeitsquantitäten im schreiendsten Gegensatz zu
der kolossalen Größe der Apparate mit denen die Flüssigkeiten hergestellt
wurden
In diesen Apparaten spielten nur elektrische und magnetische Kräfte und
diejenigen Kräfte die mit diesen beiden eng verwandt waren eine Rolle das
flackernde Feuer das auf andern Sternen so vielfach in die Entwicklung
eingriff konnte auf dem Pallas nicht erzeugt werden das lag an der
eigentümlichen Komposition der Atmosphäre
Als nun der Labu gefragt wurde mit welchen neuen Mitteln er eine Entdeckung
der berühmten Knacknüsse herbeiführen könnte äußerte er sich folgendermaßen
»Unser Stern Pallas ist sehr hart und wir können seinen harten Gliedmaßen
nur sehr schwer beikommen Auf andern Asteroïden ist es dem Rindenbewohner
zuweilen viel leichter ins Innere der Sterngliedmassen zu gelangen besonders
dann wenn es möglich ist das freie hell flackernde Feuer zu erzeugen das wir
nicht erzeugen können auf unserm Stern da ja die Komposition unsrer Atmosphäre
dieses ganz unmöglich macht Und das Schlimmste in unsrer Feuerlosigkeit ist
dass wir durch diese auch verhindert werden Sprengstoffe herzustellen Wir
können wohl alles Mögliche zum Glühen und Leuchten bringen aber die helle
Flamme ist uns nicht gegeben Und so können wir nichts in einfacher Art
vernichten um hinter dem Vernichteten in andre Sphären zu dringen«
»Dass« meinte nun Dex »wir nichts vernichten können ist auch ein Vorzug
unsres Sterns wir müssen unsern Stern sehr hochschätzen dass er uns nicht
gestattet etwas in seinen Gliedern zu vernichten Könnten wir das so müssten
wir annehmen dass diese Glieder noch keine abgeschlossene vollendete Form
erhalten haben«
Lesabéndio schüttelte erregt die Finger eines seiner rechten Arme in der
Luft herum und sagte ungeduldig
»Wir wollen aber nicht vom Thema abkommen Labu will uns doch nur sagen ob
es ihm gelungen ist mehr Knacknüsse zu entdecken als bisher«
Der Labu wies mit allen Armen seiner rechten Körperseite auf seine vielen
großen Maschinen und Apparate und sagte langsam
»Wenn Ihr wüsstet wieviel ich in den letzten Tagen gearbeitet habe so
würdet Ihr nicht so ungeduldig sein Jawohl es ist mir gelungen fünfundachtzig
verschiedene Flüssigkeiten herzustellen und von diesen ist eine einzige so
beschaffen dass sie auf Pallasblei reagiert Wenn ich nun mehr von dieser
Flüssigkeit herstelle und das wird mir gelingen so' können wir an allen
Wänden gleich feststellen ob wir da auf eine Bleiader stoßen werden« »Das ist
ja großartig« rief Lesabéndio
Aber der Labu sagte lächelnd
»Und außerdem weiß ich jetzt dass meine Flüssigkeit die sonst immer rot
aussieht bläuliche Flocken erhält wenn «
»Nun sprich doch« rief der Lesabéndio
»Das tu ich« erwiderte Labu lächelnd »erst dann wenn Du Dir die Ungeduld
abgewöhnt hast«
Da lächelten alle Drei und sie schwiegen ein paar Augenblicke Und dann
sagte der Labu
»Wenn die bläulichen Flocken kommen dann sind auch Nüsse im Blei das weiß
ich jetzt ganz genau dreimal hats gestimmt es wird auch öfter stimmen immer
stimmen«
Da reckten Lesabéndio und Dex ihre Körper hoch auf und dann
beglückwünschten sie den Labu und erzählten ihm nun wie nötig es wäre mehr
Nüsse zu finden um Arbeiter für den großen Nordtrichterturm herbeizuschaffen
Da rief aber der Labu in all die Begeisterung hinein
»Langsam müssen wir fahren ich habe erst anderthalb Liter von meiner neuen
Flüssigkeit hergestellt Besorgt mir Arbeiter dass ich mehr herstellen kann
denn mit anderthalb Litern ist nicht viel zu machen«
Und darauf erklärte er die Arbeiten an seinen neuen Apparaten und Dex und
Lesabéndio hatten danach zwei Tage und zwei Nächte zu tun um eine größere
Anzahl von Pallasianern zu veranlassen das Laboratorium des Labu aufzusuchen
und dort an dessen neuen Apparaten zu arbeiten
Nachdem das die beiden Turmfreunde getan hatten begaben sie sich zum
Manesi
Der Manesi war ganz allein auf dem Pallas imstande darüber zu entscheiden
ob die neuen Knacknüsse die man in größerer Anzahl zu finden hoffte geknackt
werden durften oder nicht
Wars dem Manesi möglich die Pilz und Schwammwiesen zu verzehnfachen so
konnten auch zehnmal soviel Pallasianer als bisher sich auf dem Pallas ernähren
Konnten die nahrhaften Wiesen nur verfünffacht werden so konnten nur fünfmal
soviel Pallasianer als bisher auf dem Stern Pallas leben
Manesi empfing den Dex und Lesabéndio mit ganz traurigen Worten
»Ja« sagte er »ich weiß schon warum Ihr zu mir kommt Ich soll Euch
helfen Und ich will Euch natürlich auch helfen Wir helfen ja immer einander
alle Pallasianer tun das und ich wäre kein echter Pallasianer wenn ich nicht
auch Euch helfen wollte Aber wenn ich Euch helfe zerstöre ich meine
Lieblingsgedanken Und das werdet Ihr nicht so ohne Weiteres wollen Ihr werdet
Rücksicht nehmen auf das was mir das Teuerste ist«
Dex und Lesabéndio beteuerten natürlich dass sie keineswegs die
Lieblingsgedanken des Manesi zerstören möchten Das klang aber nicht so dass der
Manesi dadurch beruhigt wurde
Die Drei saßen in Manesis größtem Atelier Manesi hatte zwanzig Ateliers
das größte lag tief unten in den Wänden des Südkraters In dem Atelier waren
sehr viele neue Pflanzen zu sehen Die Pflanzen hatten nicht alle rundliche
Ballons an Stelle der Blüten es gab auch Pflanzen mit ganz dünnen
scheibenförmigen Ballons und diese hatten an den Rändern der Scheiben lange
spitze Stacheln
Alle diese Ballons konnte der Manesi durch ein künstliches Mittel jederzeit
aufblasen und im Innern phosphoreszierend machen dass es im Innern flackerte und
flirrte in unzähligen Farben
Das künstliche Mittel mit dem das hergestellt wurde was draußen im
Trichter nur während der Nacht möglich wurde bestand in einer besonders
gedämpften Beleuchtung von allen Seiten
»Pilze und Schwämme« sagte der Manesi »kann ich in andrer Weise zum
intensivsten Leben künstlich reizen durch eine kolossale Lichtfülle Und so ist
es mir möglich die Ballonblumen die sonst nur nachts wachsen auch am Tage
wachsen zu lassen durch ein besonders gedämpftes Licht Und andrerseits kann
ich die Pilze und Schwämme auch in der Nacht wachsen lassen durch ein
außerordentlich helles Licht«
»Das ist ja großartig« rief der Lesabéndio »dann können wir ja Pilze und
Schwämme in allen Höhlen und Ateliers wachsen lassen dann können wir ja die
Zahl der Pallasianer verzwanzigfachen«
»Ich weiß wie Ihr seid« sagte der Manesi »Ihr bedenkt aber nicht dass
unser Stern wahrhaftig nicht interessanter wird wenn wir überall nur Pilz und
Schwammwiesen anlegen Ihr zerdrückt mit Eurem großen Turm alle künstlerischen
Errungenschaften der Pallasianer Wo soll ich denn meine neuesten Ballonpflanzen
hinbringen«
»In die Gerippe unseres Turms« rief da der Lesabéndio stürmisch und reckte
sich hoch auf
Da sah der Manesi plötzlich ganz lustig ins Weite und rief lachend
»Das geht allerdings es sind alles Rankengewächse«
Und dann führte Manesi die beiden Turmfreunde in seine Lichtöhle und ließ
dort alle seine neuen Sonnen auf einmal aufleuchten
Dex und Lesabéndio schlugen schnell die Kopfhaut vorn zusammen so blendete
das Licht der neuen Sonnen
Siebentes Kapitel
Lesabéndio begibt sich zum Biba der sehr viel von der Konzentration und von der
Ergiebigkeit erzählt Biba veranstaltet danach eine Buchausgabe um über die
Natur der Doppelasteroïden aufzuklären Es werden nun viele neue Knacknüsse
gefunden und Manesi pflanzt viele neue Pilz und Schwammwiesen Der Bau des
Nordtrichterturms wird aber dadurch keineswegs gefördert da die Pallasianer das
ganze Unternehmen für zu waghalsig halten besonders wird die Größe der
Atmosphäre bezweifelt Lesabéndio lässt sich danach mit Biba vom Südtrichter aus
in die Südatmosphäre hineinschnellen um die Dicke dieser Atmosphäre kennen zu
lernen
Als nun Lesabéndio einsah dass Manesi schon für die Ernährung der neuen
Pallasianer sorgen würde da atmete er erleichtert auf
»Alles wird besser gehen als wir dachten« sagte der Dex
Und Lesabéndio sagte dass er allein sein möchte Er sprang draußen im
Südkrater in den einen Ring der nächsten Magnetbahn und fuhr davon
Aber lange hielt ers nicht allein aus
Und da besuchte er wieder den Biba der ihn sehr freudig in seiner Höhle
draußen auf der Außenseite des Sterns begrüßte
Biba sprach gleich sehr heftig Folgendes
»Das freut mich dass Du kommst Mir kommt es so vor als hätte ich die
Hauptlinie in unserm Sternsystem entdeckt Es erscheint mir nicht zufällig dass
sich so viele Sterne um einen größeren Stern um unsre Sonne drehen und
bewegen Diese Verehrung die alle Planeten dem Grösseren unsrer Sonne
entgegenbringen hat für mich etwas Vorbildliches für alle unsre Verhältnisse
auch die Pallasianer sollen so ein Größeres immer verehren sich ebenso wie die
Planeten an ein Größeres anschmiegen Wo wir dieses Grössere zu suchen haben
das ist eine zweite Frage die Du glaube ich sehr schnell beantworten wirst«
Biba schwieg und rauchte sein Blasenkraut und ließ dabei unzählige kleine
Blasen zwischen seinen gespitzten Lippen durchfliegen dass sie bald sich
vergrössernd leuchtend in der Höhle herumwirbelten
Lesabéndio sagte darauf
»Natürlich haben wir dieses Grössere hoch über unserm Nordtrichter hinter der
Spinngewebewolke zu suchen«
»Diese Antwort« versetzte der Biba »habe ich natürlich erwartet Und
deswegen freute ich mich als Du kamst An diese Erkenntnis von der Bedeutung
des Grösseren knüpft sich aber noch viel mehr Was wir sonst als Konzentration zu
bezeichnen pflegen das läuft auch immer nur auf eine Verehrung des Grösseren
hinaus wir müssen uns an das Grössere anschmiegen wir müssen uns ganz dem
Grösseren ergeben wenn wir in unserm Innern beruhigt werden wollen Und als ein
Letztes erscheint mir immer das endgültige Aufgehen in diesem Grösseren Ich
glaube dass diese Zuneigung zum Grösseren durch alle unsre Planeten geht Nur so
bringen wir einen Sinn in das ständige Umkreisen unsrer großen Sonne Nun
versteht es sich ja von selbst dass wir das Grössere an verschiedenen Stellen
finden können Du findest es über unsrer Nordtrichterwolke ich finds in unsrer
großen Sonne und diese findets in einer größeren Sonne Die Asteroïden sind in
vielen Fällen so gebaut dass sie ein Doppelsystem bilden in dem immer der eine
Teil das Grössere ist man kann dieses Grössere auch als eine Art Kopfsystem
auffassen Jedenfalls sehe ich überall ein Sichunterordnen dem Grösseren
gegenüber und in diesem Sichunterordnen sollten wir alle unser Heil suchen
denn es macht uns wirklich innerlich ruhig nehmen wir uns selbst als
Gipfelpunkt so sind wir immer an einem Ende angelangt das wir in unsrer
unendlichen Welt nicht als etwas Herrliches begreifen werden Um immer weiter zu
kommen muss man sich immer wieder unterordnen ja man muss seine besten
Gedanken auch immer wieder einem größeren noch nicht gleich verständlichen
Gedanken unterordnen tut man das nicht so ermüdet man wird schläfrig und
schlaff So ergehts ja vielen Pallasianern die nur daran denken in ihrer Art
ihren Stern Pallas weiter auszubauen ohne ihre Ausbaugedanken einem höheren
Sterngedanken unterzuordnen Und deswegen finde ich dass es uns allen prächtig
bekommen wird wenn sich die Pallasianer von jetzt ab um Deinen großen
Nordtrichterrand konzentrieren Bist Du zufrieden mit dieser Erklärung«
Lesabéndio war selig
»Wie« sagte er leise »sollte ich etwas hören das meinem Ohrsystem
angenehmer klingen könnte Alle SofantiMusik im Zentrum ist einfach garnichts
dagegen Jawohl ich glaube schon dass dieses Sichunterordnen einem Grösseren
gegenüber das allertiefste Geheimnis unsres Sternsystems umfasst Mir ist es auch
immer so gegangen dass ich mich recht unselig empfand solange ich nur mit mir
selber zusammenhing dass ich aber ganz ruhig innerlich wurde sobald ich mich
in Gedanken an den großen Unbekannten anschmiegte der mehr von unserm Geschick
weiß als wir und der uns lenkt wenn wir ihn auch nicht erkennen können
dorthin wohin wir hingelangen sollen Es ist dieses Sichanschmiegen an den
Grösseren so ganz mir zur zweiten Natur geworden dass ich garnicht mehr anders
kann Mir ist so als wenn der Große immer unsichtbar neben mir ist Und ich
glaube dass ich ihn noch mehr erkennen werde wenn wir oben durch die
Spinngewebewolken durchgekommen sind Konzentration ist zweifellos nur
Unterordnung unter einen größeren Plan oder Gedanken Und deshalb denke ich
jetzt an nichts Anderes als an meinen großen Turm Dex Labu und Manesi sind auf
meiner Seite und nun sind wir mit Dir zusammen fünf«
»Es haben« erwiderte nun der Biba »unzählige Weise auch auf andern Sternen
immer wieder nur den einen Gedanken gehabt dass grade nur die Ergebenheit uns
mit unserm ganzen Leben versöhnen kann Auf einzelnen Sternen sterben Millionen
von Lebewesen in jeder Sekunde dieses große Sterben ist nur dazu da damit die
Überlebenden die großartigen Schauer der Ergebenheit kennen lernen Man nennt
das zuweilen auf andern Sternen auch Religion Und es ist ja auch so klar dass
wir eigentlich stets etwas vor uns haben müssen das größer ist als wir nur so
bekommen wir immer wieder einen Begriff von der kolossalen Grossartigkeit der
Welt Würde es uns so leicht sein höher zu steigen so würden wir die Welt
nicht so als Größeres und Ganzgrosses empfinden wir müssen immer wieder
zurückgedrückt und ein wenig erdrückt werden damit wir merken wie groß das
Große der großen Welt ist wie wir diese Größe niemals ganz ausmessen könnten
Ja jawohl ich glaube ein Leben auf der Sonne könnten wir doch garnicht
ertragen wir sind ja noch garnicht soweit Wir dürfen das Grössere ganz bestimmt
nicht in unsrer eigenen Sphäre unter denen suchen die uns gleichen aber
andrerseits dürfen wir auch das Grössere nicht zu weit ab von uns suchen und
die Sonne ist wohl noch zu weit ab von uns«
»Darum« versetzte der Lesabéndio »bleiben wir bei unserm Turm und bei dem
was über dem Pallas ist Könnten wir nicht vom Kopfsystem des Pallas das da
oben über uns ist sprechen Gibt es nicht analoge Systeme unter den Asteroïden
Könnten wir nicht alle Pallasianer auf diese analogen Systeme energisch
aufmerksam machen damit man allmählich eine allgemeine Begeisterung dem
Nordtrichterturm entgegenbringt«
Biba sagte nichts dazu er bat nur den Lesabéndio mitzukommen Und sie
begaben sich darauf zur nächsten Schlittenbahn fuhren auf einem Schlitten zum
Mittelpunkt des Sterns eilten dort auf einer Bandbahn zur andern Seite und
kamen dann durch einen Tunnel in dem sich rasche Drahtseile horizontal
bewegten zur anderen Außenseite des Pallas wo der Biba ganz riesige
photographische Apparate aufgestellt hatte mit denen unter großen Glaslinsen
das ganze Himmelsbild photographiert wurde Hier zeigte der Biba dem Lesabéndio
die Photographieen auf denen alle diejenigen Asteroïden zu sehen waren die ein
Doppelsystem darstellten Da gabs sogar Kopfsysteme die aus hundert kleinen
sehr kompliziert gearbeiteten Sternen bestanden Bei andern Kopfsystemen
spielten feine Lichtstrahlen und atmosphärenartige Wolkengebilde eine große
Rolle
Biba sah sich in drei Tagen nicht weniger als dreitausend Photographieen von
Doppelsystemen ganz genau an und dann beschloss der Biba einige kleine Bücher
über diese Doppelsysteme herauszugeben und dabei den Stern Pallas als
Doppelstern zu behandeln und zu erklären dass die Spinngewebewolke selbst nicht
das Kopfsystem zum Trichterstern Pallas darstellen könnte da ein analoges
Wolkensystem in dreitausend Doppelasteroïden bislang noch nicht gefunden sei es
müsse sich demnach das Kopfsystem des Pallas über der Spinngewebewolke befinden
Und aus den kleinen Büchern des Biba die in winzig kleiner Form auf
photographischem Wege hergestellt wurden und bald am Halsband aller Pallasianer
baumelten ging allen Pallasianern klar hervor dass eigentlich der Bau des
LesabéndioTurmes nicht mehr aufzuschieben sei
Labu fand indessen die berühmten Knacknüsse in großer Anzahl vor und Manesi
stellte zweihundert neue Schwamm und Pilzwiesen zumeist im Innern der
Pallashöhlen her sodass für die vielen neuen Pallasianer wenn sie auch in
großer Anzahl geknackt wurden vollauf gesorgt war
Gleichzeitig zeigte auch der Dex dass der Kaddimohnstahl in ungeheuren
Mengen vorhanden sei
Und so hätte man glauben können dass der LesabéndioTurm gleich gebaut
werden würde
Dem aber war nicht so
Sehr viele Pallasianer kamen oft auf dem oberen Rande des Nordtrichters
zusammen und sprachen über den Turm und erklärten bald die ganze Idee für
unausführbar
Vergeblich sprach Lesabéndio über den Wert der Konzentration die meisten
Pallasianer erklärten eine derartige Turmkonzentration für den Tod aller
künstlerischen Entwicklung es wurde auch geltend gemacht dass eine derartige
mechanische Tätigkeit den Geist der Pallasianer verblöden müsse und dass man
bei der ganzen Sache nicht vorsichtig genug vorgehen könne man behauptete dass
das obere Stahlgestell den ganzen Pallas in eine andere Lage bringen könnte
und außerdem bezweifelte man dass über dem Nordtrichter die Atmosphäre viel über
drei Meilen hoch sei der eine NuseTurm war eine Meile hoch und man beschloss
zunächst von der Spitze des NuseTurms aus die Atmosphäre die höher lag zu
untersuchen Das hatte jedoch keinen Erfolg man kam eben oben nicht so leicht
höher hinauf
Die Pallasianer waren alle sehr gefällig und immer bereit einem Andern zu
helfen aber man war auch vorsichtig und sehr bedenklich überrumpeln ließ
sich die Pallasianer in keinem Falle
Als daher Lesabéndio nach achtzehn Tagen also nach anderthalb Erdjahren
den Biba wieder aufsuchte waren beide anfänglich sehr traurig
»Schlimm ist« bemerkte der Biba »der Zweifel an der Dicke der Atmosphäre
ich glaube selber nicht dass die Atmosphäre überem Südtrichter und überem
Nordtrichter viel mehr als zehn Meilen betragen wird Würden wir auf einem
anderen Stern leben so könnten wir die Größe der PallasAtmosphäre ohne
Weiteres angeben da wir ja von einem anderen Stern aus nur die Atmosphäre
unseres Sterns und nicht diesen selber sehen könnten Wie wärs wenn wir uns mit
Hilfe der Magnetbahn unterm Südtrichter abschiessen ließ«
»Du meinst« antwortete Lesabéndio »wir sollen das äußerste Seil in der
Mitte zurückziehen lassen und dann wenns losgelassen wird mit der ganz
erheblichen Anfangsgeschwindigkeit in den Raum hinausfliegen der sich südlich
vom Südtrichter befindet Ich bin damit einverstanden«
Und ein paar Stunden später befanden sich die Beiden bereits fünf Meilen
tief in der freien Atmosphäre unterm Südtrichter Die Beiden schwebten mit fest
am Rücken haftenden Flügeln zusammen durch die Luft sie hatten sich mit einem
nicht sehr langen Seile aneinander gebunden sodass sie sich bequem während der
ganzen Luftexpedition unterhalten konnten
Der violette Himmel war sehr dunkelviolett und die grünen Sterne
leuchteten auch die grüne Sonne leuchtete und ein grüner Komet schwebte nicht
weitab mit einem vierzig Millionen Meilen langen Schweife der scheinbar durch
die Hälfte des ganzen Himmelsraumes ging der großen grünen Sonne zu
»Weißt Du auch« sagte nun der Biba »dass neulich der große Planet den die
Erdrindenbewohner Jupiter nennen wieder einen kleinen Stern aus seinem Innern
rausgestossen hat«
Lesabéndio wusste noch nichts davon und ließ sich Näheres über diesen
»Ausstoss« erzählen
Währenddem rauchten die Beiden gemütlich ihr Blasenkraut das ihnen wie
allen Pallasianern an einem ihrer rechten Arme angewachsen war
Die langen molchartigen Körper der Beiden glitzerten sie hatten den Körper
so weit wie möglich ausgedehnt fünfzig Meter lang und an keiner Stelle
gekrümmt sodass sie wie zwei lange Stöcke aussahen
Biba sagte während er vom neuesten JupiterAusstoss erzählte noch
Folgendes
»Es ist zweifellos sehr wahrscheinlich dass der Pallas vor Millionen Jahren
aus seinem Südtrichter auch sehr viele Sterne ausgestoßen hat sonst wäre die
Trichterform unseres Sterns nicht erklärlich Zweifelhaft erscheint mir aber ob
aus dem Nordtrichter auch Körper ausgestoßen sind die Existenz der
Spinngewebewolke ist doch zu seltsam Aber man soll über die Vergangenheit der
Sterne nicht zuviel nachdenken zu sicheren Resultaten kommt man ja doch nicht
Indessen ich merke dass die Luft dünner wird«
Sie waren nach ihren Messinstrumenten die sie an ihr Halsband vor dem
Abgeschnelltwerden befestigt hatten erst acht Meilen vom Südtrichter entfernt
Achtes Kapitel
Biba und Lesabéndio werden auf ihrer Luftuntersuchungsexpedition von einem
andern Weltkörper angezogen sie landen auf diesem ohne Gefahr und machen die
Bekanntschaft mit ganz kleinen Lebewesen Und diese zeigen ihnen mit Hilfe
besonderer Vergrösserungsinstrumente das Kopfsystem des Pallas Es gelingt den
beiden Pallasianern zehn der ganz kleinen Lebewesen dazu zu bewegen mit zum
Pallas zu fahren Die Abschleuderung mit Rückfahrt zum Pallas geht nach längerer
Zeit glücklich vonstatten nur der Biba zieht sich eine Körperverletzung zu
Nach einer kleinen Weile sagte der Biba
»Dass die Luft dünner wird scheint mir nicht so wichtig Ich merke
gleichzeitig an meinem Messinstrumente dass wir uns mit größerer Geschwindigkeit
von unserm Stern Pallas entfernen unsre Fluggeschwindigkeit müsste sich wenn
alles mit richtigen Dingen zuginge verringern Das heißt wir werden von einem
Weltkörper den ich noch nicht sehe angezogen«
»Das wäre ja furchtbar« rief der Lesabéndio »dem müssen wir
entgegenarbeiten«
»Ich fürchte« erwiderte der Biba »dass uns das nichts nützen wird«
Sie drehten blitzschnell ihren Kopf zum Pallas machten ihren Körper
anderthalb Meter kurz breiteten den Saugfuss tellerförmig aus und stießen nun
mit dem Kopf voran den ganzen Körper fünfzig Meter dem Pallas zu Dann
breiteten sie die Flügel auseinander und zogen den Körper wieder zusammen Und
das taten sie einige Stunden durch mit größtem Eifer ohne ein Wort zu sagen
Auf dem Pallas brannten schon alle Nachtflammen sodass der ganze Stern wie ein
Glühwurm aussah
Aber sie kamen dem Glühwurm nicht näher die Anziehungskraft des unbekannten
Weltkörpers war größer als die des Pallas alle Anstrengungen waren vergeblich
Lesabéndio zitterte vor Erregung
»Wo bleibt mein Turm« fragte er kläglich
»Fragen wir lieber« versetzte Biba »wo wir selber bleiben«
Beide sahen immer noch nicht den Weltkörper der sie anzog Biba sagte
lächelnd
»Mir scheint beinahe dass wir von einem Körper angezogen werden den wir
nicht sehen können«
Lesabéndio sagte aber
»Mir scheint dass wir unsre Augen überschätzt haben wir hätten schon längst
für mehr Vergrösserungsgläser sorgen können Wir haben die vergrössernden
Glaslinsen nur bei den photographischen Apparaten verwendet Das ist eigentlich
unbegreiflich Unsre Lage ist zum Verzweifeln«
»Zum Verzweifeln« rief Biba rasch »haben wir jetzt keine Zeit Übrigens
es ist wirklich unbegreiflich dass wir mit Vergrösserungsgläsern nur bei den
photographischen Apparaten operiert haben Wir überschätzten unsre
Teleskopaugen«
Danach schwiegen die Beiden ein paar Stunden hindurch und dann sagte der
Lesabéndio
»Wir sind jetzt nach meinem Messinstrument bereits zwölf Meilen vom Pallas
entfernt die Atmosphäre ist aber nicht dünner geworden im Gegenteil Wir
dürfen deshalb annehmen dass wir uns in der Atmosphäre eines andern Weltkörpers
befinden«
»Und« sagte nun der Biba leise »von dem andern Weltkörper sehe ich bereits
etwas da drüben«
Lesabéndio sah nun auch dorthin wohin der Biba mit einem Finger hinwies
und da sahen denn die Beiden im violetten Himmel zarte hellere Konturen die zu
einem geisterhaften Sterne zu gehören schienen
Und diesem geisterhaften Sterne kamen sie immer näher sie machten gar keine
Anstrengung mehr sich von ihm zu entfernen
Es war ein Stern der aus quallenhaft durchsichtigen Massen bestand Aber in
allen Teilen war er nicht durchsichtig in seinem Kerne zeigten sich jetzt sogar
ganz deutlich karminrote und orangefarbige Stellen die man vorhin nicht hatte
entdecken können
Der durchsichtige Stern hatte einen Durchmesser von ungefähr tausend Metern
die farbigen Stellen befanden sich in der Mitte und schienen nicht sehr
umfangreich zu sein
Und ganz in der Nähe sahen die Beiden dass die quallenhafte durchsichtige
Hülle aus vielen reichgegliederten flügelartigen Gebilden bestand zwischen
denen sich orangefarbige Wiesenstrecken zeigten und ganz im Innern glühten
karminrote Flecke wie Glutaugen auf
Die beiden Pallasianer schwebten neben den durchsichtigen Flügeln vorbei und
berührten mit ihren Saugfüssen vorsichtig den orangefarbigen Wiesengrund
Biba konstatierte gleich dass da Schwämme wüchsen von denen sich
Pallasianer sehr wohl ernähren könnten
»Legen wir uns auf die orangefarbigen Schwämme« sagte er ganz heiter »und
schlafen wir zunächst unser Körper bedarf sowohl des Schlafes wie der Nahrung«
Lesabéndio zitterte und murmelte immerzu
»Mein Turm Mein Turm«
Aber der Biba sagte tröstend
»Vom Pallas sehen wir nichts mehr denn auf dem Pallas ist Nacht die
Spinngewebewolke hat unsern ganzen Stern wieder umsponnen Wenn die aber wieder
oben überem Nordtrichter ist dann könnten wir unsern ganzen Stern sehen und auch
das was über unsrer Spinngewebewolke ist«
»Meinst Du« fragte Lesabéndio
»Ja« versetzte der Biba ungeduldig »das meine ich aber nur dann wenn Du
jetzt nicht mehr zitterst und ruhig einschläfst«
Da nahm jeder der beiden Pallasianer einen Stengel seines Blasenkrautes in
den Mund ließ bunte Blasen in die Luft hinaufwirbeln und sah zu wie sich die
Ballonhaut auf den Seiten des Körpers aufreckte und sich oben schloss
Und dann schliefen die Beiden sehr bald ein
Kaum lagen sie nun in ihren dunkelbraunen Ballonschläuchen ganz ruhig da auf
der orangefarbigen Wiese so wurde es in ihrer Umgebung lebendig Tausende von
kleinen faustgrossen Kugeln rollten heran und aus den Kugeln die auch
quallenförmig durchsichtig waren kamen opalisierende Köpfchen heraus die
Köpfchen hatten lange fühlerartige Augen mit roten Spitzen die leicht
zurückgezogen werden konnten wie die Teleskopaugen der Pallasianer Nase und
Mund bildeten bei diesen kleinen Kugelwesen zusammen einen komplizierten kleinen
Rüssel der auch Schnabelform annehmen konnte Und mit diesem Schnabel konnten
die Kleinen eine sehr laut klingende Sprache sprechen
Die Kleinen waren durchaus nicht ungebildet sie benutzten knochenartige
Teile der großen Quallenflügel ihres Sterns als Teleskope und konnten auch durch
regenschirmartiges Aufspannen der quallenartigen Flügelhäute eine
außerordentliche optische Vergrößerung der nächstgelegenen Raumteile
hervorbringen
Und daher hatten sie die Pallasianer längst entdeckt als diese garnichts
von dem zum größten Teile undurchsichtigen Sterne ahnten Zunächst untersuchten
die Kleinen die Ballonhaut der Schläfer schljetzten kleine Löcher hinein und
besahen durch diese die neuen Ankömmlinge bewunderten die dunkelbraune
porenreiche Kautschukhaut mit den gelben Flecken bewunderten auch die dicken
Augenlider und die messerscharfe gebogene Nase und den feinen Mund und die
vielen Falten im Gesicht und auch die große wulstige Kopfhaut und am Halse die
kleinen Bücher und die Messinstrumente die letzteren erklärten sie sofort für
das was sie waren aber über die Bücher konnten sie sich nicht einigen manche
der Kleinen hielten die Bücher für Nahrungsmittel andre für
Luftveränderungspräparate und so weiter
Als nun die Pallasianer erwachten schnitten sie wie sies auf dem Pallas
gewöhnt waren wieder ihre Ballonhaut dicht am Körper mit ihren Nägeln ab und
glaubten nun die Haut würde getragen von den Blasenkrautblasen wieder in die
Morgenlüfte emporsteigen Das geschah aber nicht da unzählige kleine Kugelleute
auf der Blasenhaut saßen und sie runterdrückten
Biba verstand gleich das neue Wunder und erklärte es dem Lesabéndio Und als
nun die Kleinen die beiden Riesen sprechen hörten sprachen sie plötzlich alle
auch dass es den Pallasianern so vorkam als hörten sie plötzlich zwitschernde
sehr helle Morgenmusik
Und dann zogen die Kleinen die Ballonhäute zur Seite und zeigten sich den
Riesen
Diese sahen nun gleich dass sie sich im Kreise sehr kluger kleiner Geschöpfe
befanden reckten sich vorsichtig auf um den Kleinen nicht wehe zu tun und
versuchten sich verständlich zu machen
Das ging natürlich nicht so schnell aber in einigen Stunden gings doch
besonders mit Hilfe der kleinen Bücher die am Halsbande der Pallasianer
baumelten
Die kleinen Kugelwesen konnten übrigens ihren Körper in alle möglichen
Formen bringen und gaben sich nun zunächst Mühe ihren Körper so
zusammenzurecken dass er wie ein pallasianischer Molchkörper aussah selbst die
Flügel die die Pallasianer zeigten konnten die Kleinen nachmachen aber ohne
damit fliegen zu können
Lesabéndio machte seine Augen zu großen Teleskopaugen und blickte zum Pallas
hinüber der jetzt in seiner vollen Atmosphärengrösse zu sehen war
Biba blickte auch zum Stern Pallas hinüber rief aber gleich ganz erregt
»Das ist garnicht der Stern Pallas auf dem wir bisher gelebt haben«
Da schrie der Lesabéndio laut auf
Als nun die Kleinen sahen dass die Beiden ganz verzweifelt taten da
forschten sie nach der Ursache der Verzweiflung
Kaum hörten sie von der so spannten sie gleich ihre regenschirmartigen
Hautlinsen über den Pallasianern auf und sagten lachend
»Da drüben ist immer noch der Pallas aber für einfache Augen ist nur die
Atmosphäre des Pallas sichtbar die kugelförmig ist und sechzig Meilen im
Durchmesser zeigt«
Jetzt erst erkannten die beiden Pallasianer durch die Atmosphäre hindurch
ihren Stern wieder und Lesabéndio war selig
Und die Beiden wollten jetzt wieder zu ihrem Stern hinübergeschleudert
werden
Biba aber zeigte zunächst mit allen seinen Armen zu dem was über dem
Nordtrichter des Sterns zu sehen war dort befand sich zehn Meilen über dem
Nordtrichter über dem die Spinngewebewolke sehr deutlich und hellleuchtend
aber noch in der Atmosphäre befindlich sichtbar wurde noch ein andres Gebilde
das zehn Meilen hoch über der leuchtenden Spinngewebewolke ganz schwach
leuchtete wie ein spitzer Kegel dessen Spitze unten ist Doch dieser Kegel
bestand aus drei Teilen die sich voneinander in Farbe und Helligkeit stark
unterschieden
Die Kleinen zogen ihre Vergrösserungshäute bald zurück und da sahen die
Pallasianer nichts mehr von dem dreiteiligen Kegelgebilde das zehn Meilen über
der PallasAtmosphäre zu sehen gewesen
Lesabéndio erklärte abermals
»Siehst Du Biba Wir haben unsre Augen überschätzt Mit unsern
Teleskopaugen allein hätten wir niemals das Kopfsystem des Pallas entdeckt«
Biba schrie darauf heftig
»Aber wir haben jetzt doch das Kopfsystem entdeckt Merkst Du nun dass es
richtig ist was ich Dir von der Ergebenheit erzählte Wenn wir uns nicht ruhig
unserm Schicksal unserm unsichtbaren Führer überlassen hätten so würden wir
niemals dieses Kopfsystem entdeckt haben auch nicht mit Hilfe Deines großen
Turms«
Lesabéndio war ganz außer sich
Danach erklärte er dem Biba feierlich
»Wir brauchen also nur zehn Meilen hoch unsern Turm zu bauen und dann
können wir ganz genau sehen was da oben ist Dazu brauchen wir aber kolossale
Vergrösserungsgläser für die der Nuse sorgen muss«
»Jetzt müssen wir aber erst zurückkommen« meinte dazu der Biba
Nun das ging natürlich nicht so schnell
Auf dem Pallas ward es währenddem achtzehnmal Nacht und ebenso oft wieder
Tag
Und die Pallasianer glaubten schon nicht mehr an eine Rückkunft von
Lesabéndio und Biba
Doch diese hatten den kleinen zumeist kugelrunden Bewohnern des
Quallenflügelsterns alles was auf dem Pallas vorging erzählt und die Kleinen
hatten erklärt dass ihr Stern periodisch die Schnelligkeit seiner Umdrehung um
sich selbst verstärkte Und beim Maximum der Schnelligkeitsstärke sollten die
Pallasianer nachdem sie an einem Flügelende fest angebunden waren im richtigen
Momente abgeschnitten werden und so in den Raum hinausgeschleudert der
Atmosphäre ihres Sterns zufliegen
Die Kleinen beschlossen die Köpfe der Pallasianer mit großen Ballonhüllen
zu umgeben damit sie den Mangel an Atmosphäre nicht so bemerkten Von der Kälte
brauchten sie nichts zu befürchten da selbst der Raum der in dem Ringe den
die Asteroïden bildeten scheinbar frei von jeder Atmosphäre war doch durch
besondere Stoffverbindung eine vollkommen unsichtbare und nicht zu
untersuchende so warm blieb dass er den Asteroïdenbewohnern nicht
lebensgefährlich wurde
Nun erklärte der Lesabéndio den Kleinen Folgendes
»Seht mal Ihr Kleinen man wird uns auf dem Pallas nicht glauben dass über
unserm Nordtrichter noch ein Lichttrichter sich befindet den man nur mit
Vergrösserungsgläsern entdecken kann Ihr aber habt diesen Lichttrichter mit
Euren Vergrösserungsgläsern entdeckt Könnten da nicht einige von Euch mitkommen
um uns zu bezeugen dass über unserm Stern noch ein großes dreiteiliges
Kopfsystem zu finden ist Würde das nicht möglich sein«
Da kugelten sich die Kleinen über die quallenartigen Flügel ihres Sterns und
rollten überall lebhaft und aufgeregt herum
Und dazu machten sie mit ihrer lauten Sprache eine so große zwitschernde
Musik dass es den Pallasianern unter der Kopfhaut gellte
Schließlich erklärten sich zehn der kleinen Leute bereit angehängt am
Halsbande der Riesen neben deren Büchern mitzukommen Danach wurden die
verirrten Riesen wieder im richtigen Moment zu ihrem Stern hingeschleudert in
dessen Atmosphäre sie nach zweitägiger Raumfahrt anlangten
Biba hatte sich an einem vorbeifliegenden Meteor im unteren Teile seines
Leibes eine so starke Verletzung zugezogen dass er sich sofort nach seiner
Ankunft verbinden lassen musste
Neuntes Kapitel
Es wird zunächst erzählt was während der Abwesenheit des Lesabéndio und des
Biba auf dem Pallas geschah Da sind zunächst vierhunderttausend der berühmten
Knacknüsse gefunden und geknackt und Dex hat mit Hilfe der Frischgeknackten
einen Modellturm überem Centralloch gebaut um die Idee des LesabéndioTurms
populär zu machen Er erreicht jedoch damit das Gegenteil und erzeugt eine
starke Reaktion die unter Pekas Führung sehr bedeutend wird Zu Dexens Glück
kommen Lesabéndio und Biba mit den zehn Quallensternbewohnern Quikkoïanern auf
den Pallas zurück Und die Turmidee wird jetzt da der Turm nur zehn Meilen hoch
werden soll auch von den ältesten Pallasianern viel sympatischer begrüßt als
bisher
In der langen Zeit in der Lesabéndio und Biba nicht auf dem Pallas lebten
hatte sich auf diesem vieles verändert
Anfänglich wirkten die BibaBücher mächtig nach und man sprach nur von den
astralen Doppelsystemen und es ließ sich nicht leugnen die Pallasianer wurden
dadurch immer mehr und mehr gereizt auch die Art der Doppelnatur ihres Sterns
kennen zu lernen
Doch man trat noch keineswegs der Idee des Nordtrichterturms näher man
hielt diesen Plan im allgemeinen für viel zu abenteuerlich für viel zu zeit
und kraftraubend um seine Ausführbarkeit ernstlich in Erwägung zu ziehen Man
gab sich auch jetzt nicht einmal die Mühe die Entfernung der Lichtwolke genauer
zu messen und auch der Dex dachte garnicht daran
Das Verschwinden der beiden Pallasianer erklärte man sich einfach so wie es
den Tatsachen so ziemlich entsprach man nahm eben als selbstverständlich an
dass ein vorüberziehendes Meteor oder ein kleinerer Stern die Beiden angezogen
hätte So waren schon öfters Pallasianer verschwunden Es waren aber auch ein
paar Verschwundene später wiedergekommen doch das hatte sich schon sehr lange
nicht mehr ereignet Demnach behandelte man Lesabéndio und Biba eigentlich nicht
mehr als Lebende Niemand hoffte mehr sie wiederzusehen auch der Dex tat das
nicht
Weil man aber die Beiden nicht mehr als lebend betrachtete deswegen
erlangte das was sie gesagt und erstrebt hatten immer größere Bedeutung man
sprach immer heftiger über die Konzentration und über die Unterordnung der
eigenen Ideen unter die größeren Ideen
Was man jedoch als größere Idee anzusehen habe darüber konnte man nicht
einig werden Dex redete wohl noch unentwegt vom LesabéndioTurm aber er fand
nur Anklang bei seinen nächsten Freunden die mit ihm zusammen den
Kaddimohnstahl in ungeheuren Massen und Längen aus dem PallasInnern herauszogen
und bearbeiteten
Nun gelang es währenddem dem Labu und seinen Freunden riesige Mengen von
den berühmten Knacknüssen zu entdecken und auszubuddeln
Und Manesis neue Pilz und Schwammwiesen entwickelten sich überall auch in
den Höhlen des Pallas mit fabelhafter Geschwindigkeit sodass dem Aufknacken der
neu gefundenen Nüsse bald nichts mehr im Wege stand
Dex trieb zum Aufknacken der Nüsse mit all der Energie die ihm zu Gebote
stand
Und so gabs plötzlich fünfmal soviel Pallasianer wie bisher es lebten so
lange gewöhnlich nur hunderttausend Pallasianer auf dem Trichtertonnenstern
und danach lebten plötzlich fünfmalhunderttausend Pallasianer ebenda Dex mit
seinen Freunden unterrichtete die frisch geknackten Pallasianer sofort über die
Bedeutung des LesbéndioTurms und die Frischgeknackten nahmen die Turmidee mit
großer Begeisterung auf sodass dadurch sehr bald alle bisherigen Verhältnisse in
andre Bahnen gelenkt wurden das ganze Bild des pallasianischen Lebens verschob
sich die Begeisterung der Kleinen ließ sich garnicht dämpfen
Und der Dex verstand es diese Begeisterung der vierhunderttausend
Frischgeknackten sofort für die Turmidee fruchtbar zu machen er erklärte ihnen
dass er mit ihnen zusammen ein großes Turmmodell herstellen müsse und die
meisten erklärten sich zur Mitarbeit sofort bereit
Nun hatte der Dex wie bekannt im Nordtrichter über dem Mittelloch bereits
ein Gestell aus Kaddimohnstahl hergestellt das weiter ausgebaut ohne
Weiteres als Modell für den großen Nordtrichterturm gelten konnte
Und an der Herstellung dieses Modells in sehr vielen Etagen arbeitete nun
der Dex mit den frisch geknackten Pallasianern in einer so heftigen alle andern
Interessen zurückschiebenden Weise dass die alten Pallasianer ganz erschrocken
aufblickten und nicht wussten was sie zu dieser Energie sagen sollten
Die Reaktion blieb natürlich nicht aus
Peka stellte sich an die Spitze dieser Reaktion
Peka sagte weich und milde
»Es ist ja nicht zu leugnen dass der Dex für die Umgestaltung unsres Sterns
in sehr energischer Art tätig sein möchte Und wir können natürlich auch nicht
die frisch geknackten Pallasianer veranlassen seinem Modellturm der ja dem
Pallas als solcher sehr wohl zur Zierde gereicht fernzubleiben Die alten
Pallasianer können aber in ihrer Freundlichkeit nicht so weit gehen dass sie
sich von Dex und seinen neuen Freunden ganz einfach an die Seite schieben
lassen Die alten Pallasianer stehen in der Mehrzahl nach wie vor auf dem
Standpunkte dass die Ausführung des großen viele Meilen hohen LesabéndioTurms
eine ernste Gefahr für uns alle bedeutet Zunächst ist nicht abzusehen wie die
Schwerkraftverhältnisse durch den hohen viele Meilen hohen Turm auf den Pallas
beeinflusst werden könnten uns fehlt in dieser Hinsicht jeder Anhalt und von
wissenschaftlicher Berechnung des Ganzen kann gar keine Rede sein Andrerseits
würden durch eine derartige jahrelange Arbeit an der doch alle Pallasianer
Anteil nehmen müssten die künstlerischen Pläne und Arbeiten jedes einzelnen
Pallasianers vernichtet Dem müssen wir aber doch vorbeugen Wir können es doch
nicht dahin kommen lassen dass schließlich alle alten Pallasianer bloß Maschinen
werden wenn wir durchaus dem Willen eines Höheren gehorchen sollen so müssen
wir diesen Höheren zunächst als solchen in ungefähren Umrissen erkennen Alle
Kunstfreunde müssen so lange Turmfeinde sein solange dieser Höhere uns als
solcher noch nicht deutlicher geworden ist«
Der Wirkung dieser milden sachgemässen Rede konnten sich die alten
Pallasianer nicht entziehen und Dex hatte Mühe die jungen Pallasianer zum
Bleiben bei seiner Turmmodellarbeit zu bewegen Diese Arbeit war keine kleine
da es galt all das viele Kaddimohneisen von der Höhe des Trichterrandes zwanzig
Meilen hinunter zum Centralloch zu bringen wozu natürlich große komplizierte
Zug und Hemmmaschinen und kolossale Schleifbahnen nötig waren der Modellturm
sollte sehr viele Etagen zeigen in künstlerisch durchbrochener und vielfach
ausgebauchter Form aber über die Zahl der Etagen hatte man sich noch nicht
geeinigt Dex hätte am liebsten hundert gehabt unter sechzig wollte ers in
keinem Falle machen
Die Zahl der Etagen blieb aber natürlich am Anfange des Baues ganz
gleichgültig Jedenfalls wollte Dex drei Meilen hoch in die Höhe gehen
Wie eine Erlösung kams da dem Dex dessen Lage stündlich schwieriger wurde an
einem Morgen vor als er hörte dass Lesabéndio mit Biba zurückgekehrt sei
Als ers hörte rief er zunächst »Träume ich auch nicht Ist es auch
wirklich wahr«
Und er ließ sich dreimal erzählen dass die beiden Verlorengeglaubten oben
auf dem Nordtrichterrande seien
Und dann sprang er er befand sich nicht weitab vom Centralloch auf die
nächste Bandbahn und stürmte auf dreißig Bandbahnen nach oben den Ankommenden
entgegen
Er war so hingerissen von der neuen Nachricht dass er garnicht daran dachte
eine Seilbahn zu benutzen mit der er zehnmal so schnell nach oben gekommen
wäre
Das war aber ein Wiedersehen
Kaum wurden die kleinen Quallensternbewohner von dem Dex beachtet mit
fliegendem Atem erzählte er von seinem Modellturm und von seinen immer größer
werdenden Verlegenheiten
Lesabéndio konnte am Anfange infolge der langen Raumreise garnicht sprechen
und Biba musste erst sein Bein verbinden lassen das von einem Eisenmeteoriten
oberhalb des Saugfusses sehr gefährlich verletzt war ein großes Stück des
kautschukartigen Beinkörpers fehlte doch hing dieser immer noch mit dem Saugfuss
zusammen
Nur die ältesten Pallasianer konnten sich an derartige Körperverletzungen
erinnern sie wussten aber auch wie diesen zu begegnen war und machten den
Schaden mit Pflastern und Bandagen bald wieder gut
Der Biba vermochte am Anfange deshalb auch nicht gleich so zu sprechen wie
sonst
Somit sprachen anfangs nur die kleinen Quallensternbewohner die sich nach
ihrem Stern der Quikko heißt als Quikkoïaner vorstellten und durch ihre
unzusammenhängenden Reden recht unverständlich blieben was die Aufregung und
Verwirrung der Pallasianer nur noch erhöhte
Indessen wie jubelte der Dex als er allmählich vernahm dass die beiden
verloren geglaubten Pallasianer das Kopfsystem über dem Pallas mit Augen gesehen
hatten
Wie jubelte der Dex als die zehn kleinen Quikkoïaner die Aussagen jener
bestätigten und ergänzten
Und als der Dex nun gar erfuhr dass die Atmosphäre sowohl über wie unter dem
Pallas nur zehn Meilen stark und dass die Spinngewebewolke nur zehn Meilen vom
Nordtrichterrande entfernt war was die ungenauen Messungen niemals ergeben
hatten da kannte Dexens Jubel einfach keine Grenzen er war einfach außer
sich und sprang mehrmals hoch in die Luft hinauf und kehrte immer wieder gleich
kopfunter zum Pallas zurück sodass sich aller Pallasianer eine ungeheure
Heiterkeit bemächtigte als sie diesen Jubel sahen
Und sie empfanden alle diesen Jubel sehr bald mit und sie beglückwünschten
alle den Lesabéndio und den Biba zu ihrer glücklichen Raumfahrt
Man fing gleich an nochmals die Entfernung der Lichtwolke mit Sorgfalt zu
messen und entdeckte dass die Entfernung tatsächlich nur zehn Meilen betrug
Und man wunderte sich sehr über die fahrlässigen Rechnungen einer früheren Zeit
Peka bemerkte nun gleich das Folgende
»Das ist ja ein riesig großes Glück dass wir endlich dahintergekommen sind
was hinter der Spinngewebewolke verborgen ist Da brauchen wir ja den
LesabéndioTurm nicht mehr zu bauen jetzt kommt der Bau nicht mehr in Frage«
Das hörte der Dex und stand ganz still und sagte dann milde und weich
»Aber Peka Was redest Du Jetzt müssen wir doch grade den Turm bauen denn
jetzt wissen wir doch dass er ganz bestimmt einen Zweck hat Jetzt wissen wir
doch dass ein Kopfsystem da oben zu finden ist Jetzt müssen wir dieses
Kopfsystem doch kennen lernen Und um das zu können dazu brauchen wir doch den
Turm Und weil wir ihn brauchen deswegen müssen wir ihn doch bauen«
Peka strich sich sein Kinn mit einer seiner linken Hände und wusste nicht
gleich was er sagen sollte
Er meinte nur kleinlaut
»Der Plan ist aber doch zu groß Wir riskieren aus dem Gleichgewicht zu
kommen«
»Keineswegs« versetzte nun der Dex und er reckte sich fünfzig Meter hoch
auf und machte sich ganz schnell wieder klein und wiederholte dieses Spiel
immerzu
»Was willst Du denn« rief da der Peka ein wenig ärgerlich
Da stand der Dex zehn Meter hoch ganz still und sagte sehr feierlich mit
weit ausgebreiteten Armen
»Peka Peka Hast Du nicht gehört dass die geheimnisvolle PallasWolke nur
zehn Meilen über unserm Nordtrichterrande ist Wir brauchen darum doch den
großen Turm nur zehn Meilen hoch zu bauen Es ist nicht nötig dass wir ihn
sechzig bis hundert Meilen hoch bauen Unsre Messinstrumente haben uns eben
solange wir nur auf unserm Stern lebten der Spinngewebewolke gegenüber im Stich
gelassen wir haben sie zu hoch eingeschätzt Aber jetzt schadet das ja nicht
mehr Wir haben uns bei unsern Messungen viel mehr mit dem Fernabgelegenen
beschäftigt als mit dem Nächstliegenden der Lichtwolke Es ist unbegreiflich
aber bei unserm Interesse für das Ferne doch so natürlich Denken wir nicht mehr
darüber nach«
Und nun erzählte der Dex abermals dem Lesabéndio und Biba von seinem Modellturm
»Ich habe den Modellturm unten über dem Centralloch« sagte er lachend und
mit den Händen herumfuchtelnd »so konstruiert dass er hundert Meilen hoch
gebaut werden konnte hundert Etagen hoch Ich habe aber erst die ersten zehn
Etagen fertig gemacht Und jetzt höre ich dass ich garnicht nötig habe höher zu
bauen Ja soll ich das nicht einfach köstlich und entzückend finden Jetzt
kann Peka doch der Turmidee nicht länger feindlich gegenüberstehen es handelt
sich doch nur um einen Bau der zehn Meilen hoch werden soll«
Die alten Pallasianer lachten dazu und der eine sagte schmunzelnd
»Lieber Dex wir haben vor drei Jahren den großen NuseTurm gebaut und
wissen dass er nur eine Meile hoch ist Das war aber ein schönes Stück Arbeit
Zehn Meilen hoch ist zehnmal höher So einfach ist das alles nicht«
Doch es flog die Nachricht dass der große Turm nur zehn Meilen hoch gebaut
werden sollte rasch von Mund zu Mund und alle alten Pallasianer nickten bald
zustimmend mit den Köpfen und alle sagten bald
»Darüber ließe sich reden jetzt ist die Turmidee reif« Als das dem
Lesabéndio und dem kranken Biba hinterbracht wurde freuten sie sich sehr
Und als sie nun von dem Bau des Modellturms Weiteres gehört hatten und
einsahn was der Dex alles für die Idee getan da empfand der Lesabéndio eine
so stürmische Dankbarkeit dem Dex gegenüber dass er garnicht wusste wie er
dieser einen Ausdruck verleihen sollte
Und als der Dex herangesprungen kam schrie ihm der Lesabéndio lachend
entgegen
»Dex ich schenk Dir meine fünf Quikkoïaner damit Du weißt wie dankbar ich
Dir bin«
Und der kranke Biba rief auch
»Dex ich schenk Dir auch meine kleinen Quikkoïaner«
Da freute sich der Dex mächtig
Aber die kleinen Quikkoïaner machten einen fürchterlichen Lärm und riefen
mit gellenden Stimmen durcheinander
»Pallasianer Was fällt Euch ein Ist das Euer Dank gegen uns dass Ihr uns
wie Spielzeug verschenken wollt Sind wir dazu mit Euch mitgekommen Wir wollten
Eurem großen Turmplan auf die Beine helfen Und jetzt wollte Ihr uns wie
Spielzeug verschenken«
Sie fingen jämmerlich an zu weinen
Da kam die Spinngewebewolke herab
Und es ward Nacht auf dem Pallas
Zehntes Kapitel
Die Quikkoïaner zeigen dass sie außerordentlich lustige kleine Leute sind und
für die Turmidee in sehr energischer Weise eintreten können Lesabéndio spricht
zu den Quikkoïanern von der Bedeutung des Kopfsystems
Und dann führt Dex den Lesabéndio auf den großen NuseTurm wo Nuse und Sofanti
auch voll Begeisterung für die große Turmidee sind und sofortige Abstimmung
verlangen Alle Pallasianer mit Ausnahme Lesabéndios stimmen hierauf auf
dem Modellturm sitzend für den Bau des großen Turms Lesabéndio kommt zu spät
Und es ward überall Licht gemacht buntes Licht
Die Quikkoïaner sahen das Licht und sie machten ihre Augen zu langen
Fühlhörnern und blickten umher dabei bemerkten sie dass die Pallasianer
garnicht wussten was sie vor Verlegenheit sagen sollten
Da lachten plötzlich alle zehn Quikkoïaner hell auf und der Nax der
gewöhnlich für die neun andern sprach sagte lachend
»Ist es denn wirklich möglich Euch so furchtbar viel weiszumachen Seid Ihr
so leichtgläubig dass man Euch auch den allerdicksten Spaß aufreden kann Glaubt
Ihr wirklich dass Euch Jemand böse sein kann Glaubt Ihr wirklich wir könnten
Euch böse sein Glaubt Ihr es wäre überhaupt möglich uns als Spielzeug zu
behandeln Glaubt Ihr Tränen seien immer ein Zeichen des Schmerzes«
Da mussten auch die Pallasianer lachen
Aber der Nax sagte gleich
»Wir lassen uns aber das Verschenktwerden gern gefallen und gehören nun für
alle Zeit dem tatenfreudigen Dex Der gefällt uns über alle Massen warum sollen
wir ihm nicht angehören Und das ist ja auch nicht schmerzhaft Dex sag uns
schnell wer sich der Turmbauidee widersetzt damit wir uns an seinen Hals
hängen und ihn überreden«
Dex war vergnügt für sechs und sagte während alle seine vielen
Gesichtsfalten mächtig glitzerten
»Besonders müsst Ihr den Peka mit seinen Freunden überreden Und dann ist
auch der Labu sehr lau und der Manesi möchte sich auch gerne drücken der
redet in letzter Zeit immer mehr davon dass die meisten Rankenpflanzen die
dünnere Luft der höheren Atmosphäre nicht vertragen«
Na die Quikkoïaner taten das ihrige
Lesabéndio setzte ihnen noch die Ergebenheitsgeschichte auseinander
»Es ist ja die größte Torheit« sagte er »dass jeder der Pallasianer in ganz
besonderer Art den Stern Pallas ausbauen will Das ist schon unendlich lange
Zeiten so gegangen und dabei ist nichts rausgekommen dabei konnte doch
garnichts rauskommen Wir können den Stern doch nur dann ausbauen wenn wir uns
in einem Plane vereinigen Anders gehts doch nicht Bleibt Jeder immer
eigensinnig bei seinem eigenen Einfall ohne den Einfall des Nachbarn zu
berücksichtigen so kann doch an die Ausführung eines Planes nie gedacht werden
Wir müssen eben unsre Gedanken einem größeren Gedanken oder dem Gedanken eines
Grösseren unterordnen Dadurch dass wir das tun brauchen wir unsre eigenen
Gedanken noch nicht fallen zu lassen bei dem großen Nordtrichterturm können ja
noch unzählige Stein Haut Licht und andere Pläne zur Ausführung gelangen
Aber das Wichtigste bleibt doch immer dass Alles einem größeren Plane
untergeordnet wird Da wir nun wissen dass der Stern Pallas ein Kopfsystem hoch
über seiner Atmosphäre besitzt so ist es doch der natürlichste Gedanke dieses
Kopfsystem mit dem Trichtertonnensysteme zu verbinden Eine derartige Verbindung
ist aber doch nur denkbar durch Erbauung eines Turmes wir müssen erst durch den
Turm zur Nähe des Kopfsystems hingelangen Wie wir dann später den Turm mit dem
Kopfsystem in Wirklichkeit verbinden das können wir natürlich erst dann
wissen wenn wir dieses oben näher kennen gelernt haben Kennen lernen müssen
wir aber dieses Kopfsystem erst wenn wir es kennen gelernt haben können wir
einen einheitlichen Faden in unsre Sternumbaugedanken hineinbringen Der Turm
muss gebaut werden ohne den Turm haben wir gar keine nähere Vorstellung von dem
Kopfsystem In diesem sitzt unser Führer der uns höher hinaufbringt Durch ihn
sollen wir höher hinaufwachsen in eine noch feinere geistigere kompliziertere
Weltsphäre Da nach oben hinaufzukommen das muss unser nächstes Ziel sein Und
daher müssen wir uns alle um den großen Turmbau konzentrieren ihm uns ergeben
dadurch ergeben wir uns gleich unsrem großen Führer dem Grösseren der mehr
kann als wir Und wir müssen selig sein dass wir jetzt alle wissen wo wir den
Grösseren finden können Dort oben über uns da ist der Grössere«
Lesabéndio reckte sich fünfzig Meter hoch auf und hob alle seine Arme empor
und auch seine Rückenflügel Und sein ganzer Oberkörper begann mächtig zu
leuchten sodass alle die es sahen still wurden und sich danach vom Nächsten
erzählen ließ was der große Lesabéndio gesagt hatte
Und die Quikkoïaner ließ sich zu Manesi und Labu und zu Peka und seinen
Freunden bringen denen sie eifrig erzählten was sie gehört hatten und auch
das was sie vom Kopfsystem des Pallas vom Stern Quikko aus gesehen hatten
Dex aber führte den Lesabéndio zum NuseTurm auf dem sich auch der Sofanti
aufhielt
Nuse empfing die Drei hoch oben auf seinem eine Meile hohen Lichtturm
Und er sagte gleich zum Lesabéndio
»Sofanti und ich sind durch Dex vollkommen für die Turmidee gewonnen worden
Das ist dem Dex nicht schwer gefallen uns zu überreden denn es ist ja
selbstverständlich dass die fünfzig schiefen Stahltürme auf denen der erste
Ring ruhen soll auch gleichzeitig Lichttürme werden müssen Und die übrigen
höheren Stahltürme werden auch gleichzeitig Lichttürme sein Ich also bin mit
ganzer Seele dabei Und dem Sofanti geht es nicht anders denn er wird die
Stahltürme oben mit Häuten zuschliessen müssen damit sie lampionartig zu
Lichttürmen werden können. Außerdem wird der Sofanti auch im oberen Teile des
ganzen Turmes womöglich diesen auf allen Seiten mit Häuten schließen müssen da
ja anders ein Schutz gegen die Spinngewebewolke nicht denkbar ist Nun scheint
mir aber der Moment gekommen zu sein die Entscheidung herbeizuführen Wir
müssen noch in dieser Nacht alle Pallasianer im Nordtrichter zusammenrufen und
sie müssen sich dann erklären ob sie den Turm bauen wollen oder nicht Fast
sämtliche der Frischgeknackten sind auf unsrer Seite und das sind fast
vierhunderttausend Pallasianer und von den alten Pallasianern sind die Hälfte
auch auf unsrer Seite Wir hätten danach höchstens fünfzigtausend gegen uns und
die könnten jetzt durch die Ankunft und Anwesenheit der zehn Quikkoïaner im
Handumdrehen umgestimmt werden«
Lesabéndio freute sich so sehr dass er zitterte
Er sah ganz berauscht nach unten in den zwanzig Meilen tiefen Trichter in
dem die unzähligen Scheinwerfer sich bewegten und die Zeit anzeigten Und dann
sah er auf den Trichterwänden das Flimmern das von den vielen Pallasianern
herrührte die leuchtend auf den Bandbahnen herumfuhren um die neuesten
Nachrichten vom Stern Quikko und vom Kopfsystem des Pallas zu vernehmen und
weiter zu verbreiten
Und dann bat der Dex doch die Versammlung aller Pallasianer unten auf dem
Modellturm zu veranlassen Lesabéndio wollte oben bleiben und erst nachher
kommen
Da fuhren denn die Drei auf Kneifzangen mit den Seilbahnen zum Centralloch
und ließ dort alle Pallasianer bitten auf dem Modellturm zusammenzukommen
Dieser war zehn Etagen bereits hoch und konnte sämtliche Pallasianer tragen
Und da setzten sich denn alle Pallasianer sehr bald nachdem die
Centralmusik in den SofantiHäuten verklungen war auf die zehn mächtigen
Eisenringe sodass sie mit dem Kopfe ins Innere des Turmmodells schauten während
sie sich mit ihrem Körper um den Ring geschlungen hatten
Und nun wurden zunächst von einigen jüngeren Pallasianern die zehn
Quikkoïaner im Innern des Modellturms herumgezeigt in jedem Ringe wurde einer
der Quikkoïaner gezeigt
Und diese kleinen Kerle redeten mit ihrer hellen lauten Stimme ungefähr so
»Pallasianer wenn Ihr jetzt Euch nicht entschließt den Turm zu bauen so
seid Ihr schön dumm Wir haben das Kopfsystem Eures Sterns gesehen Ihr müsst das
auch sehen Wenn Ihr Euch jetzt nicht alle zusammentut und den Turm baut so
werdet Ihr nie dazu kommen das Wesentlichste auf Eurem Stern kennen zu lernen
Glaubt doch ja nicht dass es auf allen Sternen so leicht ist sich dem Kopfe des
Ganzen zu nähern Auf unserm Stern Quikko befand sich das Kopfsystem mitten im
Innersten des Quallenflügelsterns Und in dieses Innere konnten wir nie
hineingelangen es leuchtete uns immer nur mit karminroter Glut entgegen aber
wir mussten ihm fernbleiben Wir konnten uns dem Kopfsystem unsres Sterns nicht
nähern Ihr aber könnt Euch dem Kopfsystem Eures Sterns nähern wenn Ihr den
großen Turm baut Wie Ihr da noch eine Stunde zögern könnt ist uns
unbegreiflich«
So sprachen alle Zehn immerzu und immer weiter sodass dem Dex ganz komisch
zumute wurde da er garnicht zu Worte kam auch garnicht nötig hatte zu Worte
zu kommen
Er dankte im Innern dem Lesabéndio für die Turmfreunde vom Stern Quikko
unzählige Male und war schon ganz ungeduldig
Lesabéndio stand währenddem hoch oben auf dem NuseTurm immer noch ganz
allein und er bemerkte plötzlich dass das Flimmern in den Wänden des
Nordtrichters gänzlich verschwunden war
»Ach so« flüsterte er »die Pallasianer sind schon unten versammelt Da muss
ich ja auch hin«
Und er sprang von der Turmspitze wieder hoch empor in die dunkle Nachtluft
hinauf und schoss dann im großen Bogen hinunter wieder warf er den
rausgestreckten Körper hinten rum und befestigte wieder den Saugfuss am
Hinterkopfe sodass seine ganze Gestalt wie ein Ring aussah Und dann ließ er
wieder bald den einen Flügel und bald den andern Flügel aufgespannt zur Seite
herausragen dass sein Körper in großen fein gewundenen nach unten
runtergezogenen Spiralkurven ganz langsam dem Trichtergrunde zuschwebte auf dem
der Modellturm erbaut war der jetzt alle Pallasianer mit Ausnahme des
Lesabéndio in seinen zehn Ringen vereinigte selbst der kranke Biba hatte sich
auf dem untersten Ringe niedergelassen man hatte den Biba festgebunden da sein
Bein noch nicht zugeheilt war die Pflaster lagen ja erst ein paar Stunden auf
der großen Wunde
Lesabéndio schwebte in Spiralkurven langsam zur Tiefe und dachte nur an
seine Ergebenheitsteorie
»Und wenn man« sagte er leise zu sich »auch keine Einigung erzielt so
wirds ja wohl auch so gut werden Wenn der große Geist der uns führt und den
ich ganz bestimmt hoch über unserm Nordtrichter als ein großes Wesen fühle
wenn dieser große Geist nicht will dass wir uns ihm nähern wenn er nicht will
dass wir uns ihm nähern dann wird es ja wohl auch so gut sein Wir haben ja
getan was wir konnten Mehr können wir nicht tun Wenn jetzt Peka und seine
Freunde sich abwenden von dem Turmplan wenn sie uns weiterhin widerstreben so
können wir ja vielleicht auch ohne sie den großen Bau beginnen Aber der Peka
hat sehr viele Freunde und sehr viele Maschinen die wir alle gebrauchen werden
Und es ist nicht gut wenn die Pallasianer solch ein großes Werk beginnen
ohne sich vorher geeinigt zu haben Aber das wird ja alles so kommen wie es
kommen muss Wir haben getan was wir tun konnten Mehr können wir nicht tun Und
wir wollen uns in der Ergebenheit üben Und wir wollen mit allem zufrieden sein
wies auch kommt«
Da hörte der Lesabéndio in der Tiefe ein großes Geschrei und dann einen
ungeheuren glockenhellen lang gezogenen Ton
»Ist das« fragte Lesabéndio »SofantiMusik Nein so hats noch nie
geklungen Es müsste denn grade der Ton durch eine neue Erfindung des Sofanti
hervorgerufen sein Aber das glaub ich nicht Ich glaube das waren alle
Pallasianerstimmen zusammen Nun werden sie vielleicht alle ihre Stimmen für und
wider den Turm abgeben nur ich allein werde fehlen Schließlich baut man noch
den Turm ohne meine Einwilligung Das wäre sehr seltsam und sehr lustig Es ist
nur gut dass alle aufgeregten Augenblicke des Lebens auch immer ein drolliges
Element in sich haben Aber ich bin jetzt sehr neugierig wie die Geschichte
abgelaufen ist Ich muss schneller fliegen«
Er löste vorsichtig seinen Saugfuss von seiner Kopfhaut los und schoss jetzt
fünfzig Meter ausgestreckt mit eingezogenen Flügeln und grade wie ein Stock den
Kopf nach unten zur Tiefe
Und er hörte nochmals das Geschrei und dann wieder den lang gezogenen
dumpfen Glockenton
Und danach hörte er den lang gezogenen dumpfen Glockenton zum dritten Male
Und dann sah er die zehn Etagen des Modellturms mit seinen Teleskopaugen
ganz deutlich und er sah auch alle Pallasianer
Und dann kam er nach unten und schoss von oben mitten ins Innere des
Modellturms hinein
Und da riefen alle
»Lesabéndio«
Und dann lachten alle
Und dann sagte der Dex
»Nun haben alle Pallasianer einstimmig einstimmig einstimmig dreimal
einstimmig beschlossen Deinen Turm zu bauen Du aber Lesabéndio hast Deine
Stimme nicht abgegeben«
Elftes Kapitel
Der Quikkoïaner Nax hat eine große Idee die aber nicht zu verwerten ist Dex
setzt darauf in einer Volksversammlung auseinander dass zunächst vierundvierzig
eine Meile hohe Türme oben gebaut werden müssen Man macht dem Peka Labu und
Manesi Versprechungen die aber während des Baus nicht gehalten werden Peka ist
ganz besonders unglücklich dass seine Ideen nicht zur Ausführung gelangen Als
das erste Stockwerk nach sehr langer Arbeit fertig ist und wie ein Gerüst
aussieht ist dem Labu die Heilsalbe ausgegangen Peka bekommt einen
Krampfanfall der schließlich dem Labu das gibt was ihm fehlt
Der kleine Nax vom Stern Quikko hing am Halsband des großen Lesabéndio und sagte
mit seiner schrillen Vogelstimme
»Großer Le ich verstehe nur nicht warum Ihr nicht ein großes Seil über den
Nordtrichter spannt und Euch dann in die Höhe schießen lasst vom Seil aus Was im
Süden bei Euch geht muss doch auch im Norden gehen«
»Geht aber doch nicht« sagte Lesabéndio »die Spinngewebewolke oben muss
wohl einen großen Druck ausüben Wir kommen oben nicht sehr weit kaum eine
Meile Mit dem Seile ist es schon versucht worden«
»Ja« versetzte der Nax »da müsst Ihr schon den Turm bauen Schade dass Euch
die Quikkoïaner nicht helfen können Aber wir sind doch zu klein«
Währenddem hatte der Dex schon oben die Stellen untersucht an denen die
Türme gebaut werden sollten
Die festliche Stimmung war sehr bald verwischt Eine rücksichtslose
tatgierige Hast packte die meisten Pallasianer besonders die jüngsten
Biba sah diese Hast und sagte zu Lesabéndio
»Mir ist diese Heftigkeit der Pallasianer garnicht angenehm Wir stehen vor
sehr langwierigen Arbeiten und sollten daher etwas weniger beweglich vorgehen
Wer Großes erreichen will muss zunächst bemüht sein geduldig zu werden Man muss
es lernen auch das Peinliche zu ertragen Mein Fuß heilt nur ganz langsam Und
ich fürchte dass bei den großen Turmbauten Verletzungen unsrer Gliedmaßen öfters
vorkommen könnten Damit müssen wir rechnen Und darum sollten wir den Labu
zunächst veranlassen mehr von den berühmten Alten Salben herzustellen Die kann
er denn in hübsch glasierten Kruken auf dem Rande des Nordtrichters aufstellen
damit die Salben immer gleich zur Hand sind wenn mal was passiert«
Und nun fuhren die Beiden zum Labu und setzten ihm das auseinander Biba saß
auf Lesabéndios Rücken während dieser Fahrt
Labu war natürlich gleich bereit das Gewünschte herzustellen Doch er
brauchte dazu drei Tage und drei Nächte hindurch die Mitarbeit von
hunderttausend Pallasianern die Salben herzustellen machte sehr viel Mühe
Dex war währenddem mit der Untersuchung des Nordtrichterrandes fertig und
erklärte feierlich in einer großen Volkssitzung im Modellturm der Mitte dass
überall oben genügende Mengen von Kaddimohnstahl vorhanden seien die
Magnetsteine ließ sogar die Anzahl der Stahlstangen erkennen
»Nun bin ich aber der Meinung« fuhr Dex fort »dass wir Nuses ersten graden
Turm sehr wohl mitbenutzen könnten Wollen wir das aber so sind wir wohl
genötigt noch drei andre grade Türme zu errichten damit das erste Stockwerk
des großen Turms ein regelmässiges wird Wir bauen die graden Türme wohl am
besten an den Ecken eines Quadrats dessen Seiten nicht viel mehr als zehn
Meilen lang werden dürften Zwischen den graden Türmen denke ich mir dann je
zehn schiefe sodass wir das ganze Gerüst auf vierundvierzig Grundtürmen
errichten«
Dieser Vorschlag wurde nach längeren Reden angenommen Peka sagte aber zum
Schluss
»Das Wort Gerüst ist gefallen Das scheint mir sehr bezeichnend zu sein Ich
glaube dass das Ganze wie ein großes Gerippe aussehen wird dem das Fleisch
fehlt Ich fürchte der LesabéndioTurm wird zur Verschönerung unsres Sterns
nicht viel beitragen«
Großes Halloh entstand und der Biba sprach danach
»Nicht so heftig das möchte ich immer wieder allen Pallasianern zurufen
Wir dürfen ein so großes Werk nicht so stürmisch anpacken sonst geht uns zu
schnell unsre Kraft aus Peka kann doch die Fundamente für die Grundtürme in
großen Kristallformen fest verankern Labu kann die Knotenpunkte im Gerüst ganz
nach seinem Geschmack gliedern und umschalen Und Manesi kann überall wo leere
Flächen entstehen seine Rankenpflanzen anbringen Dadurch wird doch der
Gerüstcharakter des Ganzen aufgelöst«
»Das sind zunächst Versprechungen« sagte der Manesi »ich fürchte dass uns
die große weiße Wolke oben manchen Strich durch die Rechnung machen wird«
Daran wollten nun die Meisten nicht glauben Lesabéndio Dex und Biba
versicherten immer wieder dass die künstlerische Ausgestaltung des großen zehn
Meilen hohen Turms der Kopf und Rumpfsystem des Pallas miteinander verbinden
sollte nicht vernachlässigt werden würde
Peka bekam gleich den Auftrag die Fundamentformen in Zeichnungen
herzustellen Und so gingen denn alle Pallasianer an die große Arbeit manche
mit sehr gemischten Gefühlen besonders die Anhänger von Peka Labu und Manesi
Und nun entstanden zunächst die drei graden Türme die dem ersten des Nuse
entsprachen Peka stattete bei dem einen das Fundament mit mächtigen
Kristallblöcken aus die sehr hell funkelten Aber drei Türme blieben ohne die
Kristallfundamente Als die graden Türme so weit fertig waren dass sie fest
zusammenhielten und die nötige Tragkraft versprachen wurden alle Arbeiter
wieder von so nervöser Hast und Unruhe gepackt dass man sofort die Herstellung
der vierzig schiefen Türme in Angriff nehmen musste Man wollte baldigst
Resultate sehen An den vier graden Türmen hatte man zwanzig Tage und zwanzig
Nächte fast ohne Unterbrechung gearbeitet
Biba mahnte wieder zur Ruhe er erklärte dass der Pallasianer auch schlafen
müsse sonst könne sein Körper nicht die nötige Nahrung aufnehmen
Widerwillig bequemte man sich zu längerer Nachtruhe Aber dann gings wieder
los als säßen unruhige Hetzgeister den Pallasianern im Nacken Und man dachte
garnicht mehr an künstlerische Ausgestaltung Man wollte nur alles so fest wie
möglich machen befestigte verankerte Stangen noch weiter dem äußeren
Trichterrande zu in den Stein und brachte da auch starke Drahtseile an mit
denen die schiefen Türme festgehalten wurden
Jetzt waren bald nur noch Stangen und Seile zu sehen Und nach hundert Tagen
und hundert Nächten reckten sich vierzig schiefe Stöcke in die Luft jeder war
eine Meile hoch und er hatte neben sich viele Stangen und Seile mit denen er
von hinten festgehalten wurde
Das sah keineswegs entzückend aus
»Wie ichs befürchtet habe« sagte Peka »so ist es gekommen Das hab ich
alles vorausgesehen Jetzt haben wir eine herrliche Krone für unsern Stern
zurecht gezimmert Und uns tun alle unsre Glieder weh und viele Pallasianer
haben Verletzungen erlitten sodass von Labus vielen Salben nicht viel übrig
geblieben ist«
Biba dessen Bein wieder ganz geheilt war sprach in der Volksversammlung
und bat alle flehentlich doch ja Geduld zu haben Und dann sprach er mit Peka
allein
Doch Peka sagte heftig »Die Versprechungen sind mir noch nicht gehalten
Ich habe erst ein einziges Fundament mit riesigen Kristallen umgeben
dreiundvierzig sind noch ohne Kristall«
Nun wollte der Biba dafür sorgen dass zuerst die Fundamente hergestellt
würden Da jedoch stieß er überall auf Widerstand
Dex sagte
»Wenn das geschieht so werden wir niemals mit dem großen Turm fertig
Die Fundamente würden mindestens zweihundert Tage und zweihundert Nächte
beanspruchen Jetzt müssen zunächst alle Türme oben miteinander verbunden
werden damit das ganze Gerüst feststeht und nicht mehr fallen kann«
Und man tat in weiteren fünfzig Tagen und fünfzig Nächten wie der Dex
verlangt hatte
Das war aber eine ungeheuerliche Arbeit nach der alle ganz erschöpft
dalagen und kaum die Glieder bewegen konnten Eine mehrtägige Pause musste
eintreten
Und da besuchte Lesabéndio den Labu in dessen großem Atelier das neben dem
des Peka lag
Labu lag ganz traurig auf einer großen hellblauen Türkisschale und sagte
»Lieber Lesabéndio Wir sind hier ganz dicht neben Pekas Atelier und ich
habe den Peka schon zweimal sehr laut zu sich selber sprechen hören Ich weiß
nicht was ihm fehlt Verletzt beim Turmbau hat er sich nicht Ich war bei ihm
Aber das ist es nicht was mich so traurig macht Etwas Andres macht mich
traurig Ich habs noch keinem bisher gesagt Ich wollte zuerst mit Dir darüber
sprechen«
Lesabéndios Augen glühten wie zwei kleine Scheinwerfer und er sagte ruhig
»Ich bin auf das Schlimmste gefasst Sage nur was Du mir zu sagen hast Wir
werden schon einen Ausweg finden«
»Ich fürchte« erwiderte Labu »das wird nicht so schnell gehen Du weißt
die Kaddimohnstangen sind sehr lang Die meisten sind über dreitausend Meter
lang viele sind eine ganze Meile lang Mit solchen Stangen da oben in der Luft
zu hantieren war sehr schwierig«
»Das weiß ich doch« rief heftig der Lesabéndio dazwischen »halte Dich doch
nicht so lange mit der Einleitung auf Ich bin doch auch allmählich sehr
ungeduldig geworden«
»Du solltest« versetzte Labu »aber nicht so ungeduldig sein Du am
allerwenigsten Aber ich will mich kurz fassen sehr viele Verletzungen haben
die Pallasianer beim Turmbau davongetragen namentlich an den Saugfüssen Und
und meine Salbe ist dabei aufgebraucht worden Und ich weiß nicht wie ich
neue herstellen soll Es ist mir ganz unmöglich Flüssigkeiten zu bereiten«
»Oh« rief Lesabéndio »das ist schlimm«
»Ja« fuhr Labu fort »Tropfen würde ich mit Jubel begrüßen Der Stern
Pallas ist zu trocken Zwanzig Quetschungen habe ich bei zwanzig Pallasianern
bereits mit einer Masse eingerieben die garnicht feucht ist und deshalb
garnicht wirken kann Die Ärmsten dauern mich Ich weiß mir nicht mehr zu
helfen Wenn wir auf dem Stern Quikko Flüssigkeit entdecken könnten «
»Das nimmt ja« sagte Lesabéndio »zu viel Zeit in Anspruch Das geht ja
garnicht Dann müssten wir ja mindestens zwanzig Tage und zwanzig Nächte
pausieren«
Nach diesen Worten hörten die Beiden in Pekas Atelier plötzlich einen
furchtbaren Schrei der in ganz unartikulierte Laute überging Die Beiden
sprangen auf und flogen zum Peka und sahen wie er sich auf dem Fußboden wand
wie eine Schlange sein Körper zuckte Und dann schrie der Peka noch lauter und
rief plötzlich
»Du hast mich zerstört Du hast mir Alles genommen Du hast mich vernichtet
Dein verfluchter Turm hat meinen Künstlerträumen ein erbärmliches Ende bereitet
Das kann ich nicht überleben Du hast mich zerstört«
»Still still« sagte Lesabéndio »Du brauchst ja oben nicht mehr
mitzuarbeiten Du kannst ja hier in Deinem Atelier bleiben Sei doch nicht so
aufgeregt Ich konnte doch nicht anders Ich musste doch auf meinem Wege bleiben
Zürne mir nicht Vergib mir«
Aber Peka schrie wieder wie ein Rasender und große Tropfen stürzten aus
seinen Augen Und er sagte mit heiserer Stimme
»Dein Trost nützt mir nichts Ich habe die Hoffnung verloren Jetzt habe ich
nicht mehr die Hoffnung dass meine Ideen jemals ausgeführt werden Daran ist
nicht mehr zu denken Alles hat Dein Turm verschlungen Du hast mir Alles
zerschlagen alle meine Brillanten alle meine harten Granitblöcke Du hast
mich selbst zerschlagen Für die Wunden gibt es keine Salben Ich gehöre nicht
mehr auf den Pallas Was soll ich hier Ich bin überflüssig Und ich kann es
nicht ertragen überflüssig zu sein Alle meine Träume von der glatt polierten
Zukunft des Pallas sind zerflattert Und ich kann das nicht ertragen Ich möchte
Deinen Turm zerreißen Ja das möchte ich Lesabéndio«
Und abermals traten dicke Tropfen aus Pekas Augen und rieselten über seine
Wangen
Labu aber sprang hoch auf und schrie plötzlich auch Sein Schrei klang aber
wie der Schrei der höchsten Seligkeit
Wie ein Toller sprang Labu in Pekas hohem Atelier herum Und dann riss er
eine kleine Flasche von seinem Halsbande los bückte sich zu Peka und rief
»Ich habs Ich habs Peka gib mir mehr Tropfen aus Deinen Augen Dann kann
ich wieder Salbe machen«
Und er fing alle Tropfen die aus Pekas Augen kamen in seinem Fläschchen
auf und lachte wie ein Toller
Peka sah den Labu ganz verwundert an und sagte leise
»Was ist denn das Ich verstehe Dich nicht«
»Oh« rief da der Lesabéndio »ich verstehe was es ist
Das sind sogenannte Tränen kostbare Flüssigkeiten Vor langer Zeit sind
schon bei einem alten Pallasianer der verschwunden ist solche Tränen entdeckt
worden Man sagte damals er habe geweint Weine mehr lieber Peka Den Labu
wirst Du glücklich machen Und die verwundeten Pallasianer wirst Du auch
glücklich machen Dein Schmerzensausbruch ist für uns ein großes Glück«
Da sah der Peka die Beiden groß an Und als ihm Labu von seiner Verlegenheit
erzählt hatte traten dem Peka noch mehr Tränen in die Augen
Und da mussten plötzlich alle Drei furchtbar lachen auch der Peka
Zwölftes Kapitel
Die kleinen Quikkoïaner zeigen was sie können Der Nax tut sich ganz besonders
hervor Die weiche Natur der Quikkoïaner steht zur harten der Pallasianer in
schroffem Gegensatz Das zweite und das dritte Stockwerk des Turms werden
gebaut Peka ist sehr unglücklich dass er bei einer Arbeit bleiben muss die für
seine Ideen wertlos ist Nax will ihn trösten das gelingt ihm aber nicht Nax
hat Mitleid mit dem Peka und will den Sofanti verhindern seine Häute
auszuspannen die gegen die Spinngewebewolke von der die Arbeit oben behindert
wird einen Schutz bilden sollen Es gelingt aber dem Nax den Sofanti vom
großen Plan abzubringen ebenfalls nicht Dagegen gelingt dem Sofanti die Häute
so stark zu machen dass sie von der Spinngewebewolke nicht mehr zerrissen werden
können.
Und alles lachte über Labus Tränenspass und der Peka musste immer mitlachen was
ihm schließlich etwas schwerfiel
Aber den kleinen faustgrossen Quikkoïanern machte es den allergrössten Spaß
dass die Tränen der größten Wut und des größten Schmerzes zur Heilung kranker
Gliedmaßen benutzt werden konnten
Peka und Labu hatten daher immer einen der Quikkoïaner am Halsbande Deren
lustige ziel und sorgenlose Gemütsart erheiterte die Pallasianer Der kleine
Nax war ganz besonders ausgelassen er arrangierte immer wieder etwas Neues
»Wir sind an Eure große Schwerfälligkeit« sagte er zwitschernd »noch nicht
gewöhnt Auf dem Quikko haben wir uns niemals Mühe gegeben etwas zu verbessern
oder auszubauen Daran dachten wir nie Der Pallas ist ein ganz besondrer Stern
Der verändert sich nicht so leicht er ist sehr hart und trocken und
undurchsichtig Der Quikko dagegen ist sehr weich gallertartig und
durchsichtig Letzteres allerdings nur wenn er will Aber wir sind ebenso wie
unser Stern auch so leicht veränderlich wie er«
Und dann gab er seinem kleinen Körper die Tonnengestalt des Sterns Pallas
und wurde undurchsichtig und bekam blaue Flecke und ein Loch in der Mitte und
oben und unten zwei kleine Trichter Von dem Kopf des Quikkoïaners war dabei
nichts zu sehen
Die Pallasianer starrten das Wunder mit Mikroskopaugen an Der Nax drehte
sich und schwebte frei in der Luft Das machte natürlich auf dem ganzen Pallas
großes Aufsehen Und der Peka interessierte sich so sehr dafür dass man zwei
Tage und zwei Nächte den großen Turmbau auf dem Nordtrichter gänzlich vergaß
Es hätte nun nicht viel gefehlt und die Gedankenrichtung der
Pallasbewohner wäre durch die kleinen Gäste bald in eine ganz andre Richtung
gekommen
Lesabéndio erkannte die Gefahr und sprach darüber mit dem Biba und der
sagte
»In diesem Nax steckt zweifellos ein kleiner Spötter Aber er kann nicht
alles was er will Er hatte mir schon längst von dieser Umwandlung seines
Körpers erzählt Er wollte auch über sich ein kleines Kometensystem erzeugen um
ganz dem Pallas ähnlich zu sehen Aber das ist ihm glücklicherweise nicht
gelungen Die Kleinen kriegen es immer fertig sich lustig zu machen über
alles Mögliche Aber es hat seine Grenzen Eine Gefahr für unsern Turm besteht
aber in diesen Verwandlungskünstlern die uns eigentlich sehr scharf
verspotten«
Darin hatte nun der gute Biba Recht denn die Quikkoïaner gaben immer wieder
andre Umwandlungen ihres Körpers zum Besten Sie übten sich darin wenn sie
unter sich waren hauptsächlich dann wenn die Pallasianer schliefen die
Kleinen vom Quikko brauchten sehr wenig Schlaf konnten außerdem immer
schlafen wenn sie wollten sie wurden dabei zur runden undurchsichtigen Kugel
»Wir« sagte Lesabéndio »quälen uns um eine Umwandlung unsres Sterns
hervorzubringen ganze Jahrhunderte hindurch Und diese Kleinen wandeln sich
alle Tage um bald sehen sie aus wie ein kleiner Pallasianer dann ähneln sie
wieder unsern Glühwürmern dann werden sie zu Ballonpflanzen dann zu
Kreisringen die sich um unsre Stirn und um unsern Leib schnallen können wie ein
Gurt Man könnte die Kleinen beneiden Was wir mit schmerzlichstem
Selbstüberwinden kaum erreichen das machen die zum Spaß aus Laune Wir
müssten die Kleinen beschäftigen damit sie die Unsrigen nicht ablenken«
Biba sagte dazu
»Nax müsste dem Peka am Halse bleiben um ihn zu erheitern Manesi und Labu
müssen auch ihre LeibQuikkoïaner bekommen Ich werde versuchen die Kleinen zu
überreden Peka wird uns ganz bestimmt bald sehr gefährlich werden Auf uns
hören ja die Kleinen Ich bin übrigens sehr sehr ungeduldig und möchte dass wir
den Bau des nächsten Stockwerks noch heute in Angriff nehmen Bist Du nicht auch
der Meinung«
»Sofort müssten wir« versetzte Lesabéndio lebhaft »mit dem Weiterbau
beginnen Ich kanns kaum noch erwarten Aber Du musst erst die Kleinen für unsre
Arbeit wieder mehr zu interessieren suchen Sie haben uns ja schon so viel dabei
geholfen Das wollen wir nicht vergessen Die einmütige Abstimmung auf dem
Modellturm wäre ohne die Kleinen nicht möglich gewesen«
Nun tat Biba wie Lesabéndio wollte Und dann begann man am nächsten Tage
mit dem zweiten Stockwerk
Dex war der Meinung dass man das zweite Stockwerk so schräg wie möglich
ansetzen müsse um an Kaddimohnstahl in den höheren Stockwerken zu sparen
Der Turmbauer Nuse führte eine Verbesserung der Maschinen ein mit denen der
Stahl aus dem Innern des Sterns herausgezogen werden musste Und auch die
Maschinen die den Stahl zu den Höhen emporbrachten wurden verbessert
Und so ging dieses Mal die Arbeit viel schneller und Verletzungen beim
Halten und Befestigen der Stahlschienen kamen garnicht mehr vor
Nach dreiundfünfzig Tagen und Nächten war auch das zweite Stockwerk fertig
wie ein schräges Dachgestell ragte es über dem Nordtrichter zur Mitte zu
Die Pallasianer waren wieder alle sehr ermüdet und wollten eine größere
Pause haben
Aber Lesabéndio und Biba waren unruhiger und ungeduldiger als bisher Auch
Dex und Nuse waren sehr ungeduldig und wollten nichts von einer Pause wissen
Sofanti war der ungeduldigste von allen er sagte
»Jetzt müssen wir aber endlich wissen ob uns die große Spinngewebewolke
gefährlich werden kann. Wenn das wäre müsste ich für riesige Hautmassen sorgen
damit wir so dem Spinngewebe gegenüber geschützt sind Ob das mit den Häuten
die ich herstellen kann möglich ist das weiß ich natürlich noch nicht Aber
wir werden es wissen wenn wir nochmals ganz schräge das dritte Stockwerk
ansetzen Darüber müssen wir endlich ins Klare kommen Wir haben keine Zeit zu
verlieren«
Und es gelang dem Sofanti und seinen Freunden die Andern zu überreden Und
man setzte das dritte Stockwerk auf die beiden andern so schräge wie möglich
Und als die ersten vier Türme fest saßen kletterten einige Pallasianer beim
Nachtanbruch hinauf und da mussten sie der großen Spinngewebewolke weichen
ganz oben konnten sie nicht bleiben Nun kam wieder eine neue Bewegung in die
Bauleute Sofanti hatte Recht gehabt
Jetzt handelte es sich zunächst darum auszuprüfen ob die SofantiHäute vor
der Wolke schützten Um das auszuprüfen musste man noch mehr Türme bauen Und
man baute schließlich mit der größten Heftigkeit alle vierundvierzig An den
oberen Teilen konnte nur am Tage gebaut werden Nun waren die Spitzen der
obersten Türme miteinander zu verbinden Und das beanspruchte sehr lange Zeit
da beim Herannahen der Wolke alle Bauleute wieder runterkommen mussten
Nach hundert Tagen und Nächten wusste man immer noch nicht ob die
SofantiHäute genügenden Schutz zum Weiterbauen gewähren würden
Und der Peka wurde immer ungeduldiger Aber seine Ungeduld war von andrer
Art als die von Lesabéndio Biba Dex Nuse und Sofanti Diese konnten beim
Turmbau ihre künstlerischen Ideen einigermaßen zur Geltung bringen Peka aber
sah dass er ganz kaltgestellt war Und Labu und Manesi sahen dass es ihnen
ebenso ging wie dem Peka
Der kleine Nax gab sich die größte Mühe den Peka zu trösten Aber Naxens
Verwandlungsscherze erzielten bald nicht mehr die Wirkung wie bisher Peka wurde
immer trauriger
Die Quikkoïaner hatten mittlerweile gelernt ihrem Körper kleine Flügel zu
geben mit denen sie sich ganz frei in der Luft halten und somit vor dem Gesicht
des Pallasianers sprechen konnten wenn dieser oben mit dem Lenken und
Befestigen der Kaddimohnstahlstangen beschäftigt war
In einer solchen Situation sagte der Nax zum Peka hoch oben drei Meilen über
dem Nordtrichter als hell die Spinngewebewolke herunterglänzte während die
Sterne ringsum smaragdgrün im dunkelvioletten Himmel funkelten
»Lieber Peka Ich verstehe den Eigensinn nicht Wenn man sich auch Hunderte
von Jahren damit befreundet hat die Zukunft seiner Umgebung nur in einer
harten kantigen Brillantenarchitektur zu erblicken so kann man doch wenn man
einsieht dass die Ausführung dieser Idee nicht gut möglich ist ganz gemütlich
darauf verfallen sich die Sache in der Phantasie auszumalen und die
Wirklichkeit zu lassen wie sie grade ist Ich verstehe nicht warum man
eigensinnig grade die Ausführung im großen Maßstabe will wenn man sie im
kleinen Maßstabe haben kann Der ist doch auch etwas Unsre Phantasie ist doch
auch was Reales Wie kann man nur so eigensinnig sein wie Du und wie Labu und
Manesi die auch immer jammern Auf dem Quikko jammerte man nie Da wollte keine
Seele das was sie nicht konnte Man wollte nur das was man konnte«
»Jawohl« versetzte Peka »aber das hat Euch auch grade so weit gebracht
dass Ihr gar keine höheren Ziele kennen lerntet Ihr habt auch niemals gewusst
was es heißt nach unsäglichen Mühseligkeiten endlich sein Ziel zu erreichen
Ihr seid immer sehr zufrieden Aber dafür habt Ihr auch niemals stärkere
gewaltigere körpervernichtende Seligkeiten kennen gelernt Ihr lebt hier immer
nur als Zuschauer und als Spassmacher und seid dabei ganz zufrieden Was wir aber
bei dieser nervenzerstörenden Arbeit empfinden davon habt Ihr gar keine Ahnung
Du weißt nicht was ich leide Und Du wirst meinen Schmerz niemals verstehen«
Der kleine Nax wusste nicht recht was er sagen sollte Schließlich meinte er
ganz treuherzig
»Du ich werde dem Lesabéndio und dem Biba auseinandersetzen dass sie doch
die ganze Turmgeschichte aufgeben müssten Wenn höher hinaufgebaut werden sollte
so würde doch alles durch die Spinngewebewolke zerstört werden Die
SofantiHäute würden nichts nützen Das werde ich sagen Und dann kannst Du
unten Brillantenarchitektur machen Du hast dem Lesabéndio und Biba geholfen
solange es ging Sie müssen Dir dafür auch helfen solange es geht Und dann
wirst Du Deinen Schmerz los und wirst wieder so lustig wie ich Ich kanns
garnicht ansehen wenn Einer so traurig ist wie Du Ich gebe ja gerne zu dass
ich nicht die stärksten Seligkeiten kenne aber wenn ich die mit so viel Qualen
erkaufen soll wie Du dann will ich sie lieber niemals kennen lernen Das
kannst Du mir glauben«
»Du bist eben« erwiderte Peka »ein kleiner Flachkopp und hast keine
Knochen im Leibe wie die harten Pallasianer Ich möchte wieder nicht so leicht
veränderlich und so wenig fest wie Du sein das kannst Du mir auch glauben«
Sie sprachen noch lange so weiter und der kleine Nax flog zum Sofanti und
setzte ihm auseinander dass seine Häute wohl nicht genügenden Schutz den Wolken
gegenüber gewähren würden
Da kam aber der Kleine schön an
»Dann machen wir« sagte Sofanti lachend »die Häute immer dicker bis sie
gut sind Die Häute werden ja trotzdem durchsichtig bleiben Du willst wohl die
Pallasianer verleiten von ihrem Plan abzukommen der Peka scheint Dir mit
seinen Tränen ein wenig imponiert zu haben Aber glaube nur wir schätzen jeden
Pallasianer aber deswegen schätzen wir doch unsre Ideen noch viel mehr als
alles andre Da gibt es keine Rücksichten Wenn wir was wollen setzen wir das
auch durch mag kommen was da will Auch vor den Tränen der Andern haben wir
keine Angst Das was von uns einmal als richtig erkannt worden ist, das muss zum
Durchbruch kommen Wir verändern unsre Ideen nicht Wir haben keinen
veränderlichen Leib wie Ihr Und wir haben auch keinen veränderlichen Kopf wie
Ihr Wir können nicht heute dieses und morgen jenes wollen Wir bleiben immer in
derselben Richtung wenn auch die ganze Welt untergeht«
»Seid Ihr aber hart« rief da der kleine Nax aus und er flog zum Lesabéndio
und wollte ihn überreden die Turmgeschichte aufzugeben doch er fand die
richtigen Worte nicht und wagte es schließlich garnicht den Mund aufzutun
Und beim Biba ging es ihm ebenso
Und dann wurden die SofantiHäute oben drei Meilen über dem Nordtrichter
ausgespannt Und sie rissen entzwei
Aber Sofanti ließ stärkere Häute hinaufbringen und die rissen abermals
entzwei
Der kleine Nax lachte und rief während er sich in ein zwanzig Quadratmeter
großes Hautstück umwandelte ein ganz neuer Scherz auf den er sehr stolz war
»Lieber Sofanti vielleicht verwendest Du die Quikkoïaner als Schutzhüllen
Wir opfern uns gerne wenn wir auch die größten Seligkeiten der Tatkreaturen
nicht kennen«
Sofanti lachte und ließ sich nicht stören
Und nach zehn Tagen und zehn Nächten hatte er neue Häute oben die dem
Drucke der Spinngewebewolke Stand hielten
Da gabs aber keinen großen Jubel auf dem Pallas die Bewohner dieses Sterns
waren durch die lange Arbeit so erschöpft dass Keiner mehr was von Neuigkeiten
hören wollte
Auch die Quikkoïaner fanden keine Zuhörer und sie blätterten daher am
Halsbande der Pallasianer in den kleinen Büchern und lasen darin
Dreizehntes Kapitel
Lesabéndio Peka und Biba werden in ihren Schlafsäcken kurz vor dem Einschlafen
mit ihren Monologen vorgeführt Peka bekommt um Haut zu schaffen den Auftrag
die Fundamente der vierundvierzig Randtürme architektonisch auszubauen Er tut
das bei drei Türmen und erklärt dass er aus dem ganzen Pallas einen
Kristallstern machen möchte Dem widersprechen sogar seine Freunde Labu und
Manesi Sofanti aber merkt dass Peka in einem Jahrhundert nicht das notwendige
Hautmaterial für die oberen Stockwerke des LesabéndioTurms herstellen kann
Alles verzweifelt Nax aber hat eine erlösende Idee
Als es auf dem Pallas dann wieder mal Nacht wurde durch die Spinngewebewolke da
lag Lesabéndio oben im Nordtrichter auf einer Pilzwiese in einer tiefen
Talschlucht und fühlte wie sich seine Nachtaut vom Rücken aus aufspannte und
sich dann anderthalb Meter über ihm oben zusammenschloss s steckte sich einen
Zweig seines Blasenkrautes in den Mund ließ seinen linken Arm elektrisch
leuchten und rauchte dass große schimmernde Blasen zur Decke seines Schlafsackes
aufstiegen die Blasen veränderten wenn sie aus dem Munde mit den kleinen
weißen Kautschukzähnen herauskamen immer wieder ihre Farben und sahen oft wie
Perlmutter und wie Seifenblasen aus wenn sie langsam sich drehend emporstiegen
und oben an der Decke des Schlafsackes bewegten sich die Farbenspiele noch lange
Zeit in den Blasen ohne dass diese zerplatzten
»Nun sind wir« sprach s unhörbar zu sich selbst »wieder eine ganze
Strecke höher gekommen schon drei Meilen hoch Und ich habe beinahe vergessen
warum wir diese schwere Arbeit übernahmen und die Andern vergaßen wohl auch
wozu das alles sein soll Wir handeln eben garnicht in erster Linie nach unserm
Willen Der große Geist unsres Sterns herrscht in uns und wir sind nur
scheinbar selbständige Wesen Was unbewusst in uns tätig ist das ist das
Mächtigste in uns Und ich glaube dass das Führende hoch über uns im Kopfsystem
des Pallas lebt in der großen Wolke die uns Tag und Nacht gibt und über
der großen Wolke in den gefesselten Kometen zu denen wir hinstreben
Ihretwegen bauen wir immerzu an dem großen Turm Das ist gar keine künstlerische
Geschichte mehr das ist ein Andres ein Unbegreifliches Wir fühlen uns auch
nur wohl wenn wir uns mit dem Gewaltigen ganz eins wissen Ich möchte mal ganz
und gar mit ihm zusammen ein Wesen sein Vielleicht sterbe ich mal anders als
die andern Pallasianer vielleicht nimmt Er da oben der Gewaltige mich
auf wenn ich schwach und durchscheinend werde Wir werden transparent wenn wir
dem Tode nahe sind Aber ich glaube «
Lesabéndio schlief ein und er träumte von einem großen Sonnensystem und
das wirkte auf ihn wie ein System von Millionen Gummistrippen die sich immer
wieder auseinanderzogen und sich dann wieder näherten und er wusste nicht ob
sie sich lieber zusammenziehen oder auseinanderziehen wollten aber die
Millionen arbeiteten immerzubald so und bald sound es entstand dabei eine
feine schwingende Saitenmusik und dann rissen ein paar Saiten entzwei und es
dröhnte ganz dumpf durch den großen Raum Und an den Enden der Strippen saßen
plötzlich grüne spinnenartige Wesen mit ganz langen Beinen die auch zu
Gummistrippen wurden und bald länger und dann wieder kürzer wurden
Und während s so träumte lag der Peka nicht weitab von ihm auch
rauchend in seinem Schlafsack und sprach laut zu sich selbst ungefähr so
»Jetzt braucht man Haut Und da die Haut nur auf den polierten Steinen bei
uns wächst so wird man mir Gelegenheit geben mit meinen polierten Steinen
große Fundamentalbauten herzustellen Etwas werde ich machen können in meiner
Art Aber viel wirds nicht werden das weiß ich schon Einiges kann ich machen
weil man mich braucht Aber dadurch kommt das kristallinische Prinzip die
Kunst der Raum und Flächenrhytmik das Architektonische nicht zur vollen
Entfaltung auf dem Pallas Der ganze Turm ist doch keine Kunstangelegenheit
der Turm da oben ist ein simples Nutzwerk wie eine Brücke oder eine Bandbahn
Architektur sah niemals so gerippartig aus die will stets das Kompakte Die
Ingenieure die unsre Bandbahnen bauten waren keine Künstler keine
Architekten und die Ingenieure wie Dex und Nuse die heute den großen
Nordtrichterturm bauen sind auch keine Künstler keine Architekten Hier sind
zwei einander widerstrebende Richtungen und ich vermag nicht einzusehen wie da
jemals eine Einigung möglich wäre Das eine wird vom andern erstickt Was ich
wollte wird auch durch diese Ingenieure erstickt Und da muss man ganz ruhig
sein Und ich kanns nicht sein Meine Welt wird mir zerschlagen Man gibt mir
Jetzt ein paar kleine Aufgaben um mich zu zerstreuen und ein wenig zu
beruhigen Ich aber kann von der Phantasie allein nicht leben Ob das eine
Schwäche ist Dann wäre ich schwach ich kann nicht dafür Aber mein Beharren
im einmal Erkannten ist doch wieder eine Stärke Oh wer Alles vereinen könnte
so vieles widerstrebt dem andern «
Und Peka schlief auch ein und träumte von Brillantensonnen die glühten
mächtige Strahlenbündel ins weite All hinaus
Und währenddem lag der Biba gleichfalls in seinem Schlafsack auf dem
Nordtrichterrande nicht weit von der äußeren Kruste an die sich vorsichtig die
geheimnisvolle Spinngewebewolke anschmiegte Biba sagte laut »Wieviel
Unbegreifliches haben wir in unserm Leben zu ertragen Mich zieht die
Centralsonne immer wieder an den s zieht das Kopfsystem des Pallas an Aber
was ist dieses Anzieben Warum zieht in unserm Sonnensystem eins das andre mit
unsichtbaren Fäden zu sich Und warum gibt es so viele Dinge die wieder
zurückdrängen und nicht an das herankommen lassen was doch eigentlich
unaufhörlich das Näherkommen des Angezogenen möchte Wie unbegreiflich das alles
ist Lesabéndio glaubt jetzt wohl schon dass er mit dem Kopfsystem des Pallas
eins werden könnte in Bälde Ich glaube nicht daran dass ich bald mit unsrer
Centralsonne eins werden könnte In zehn Millionen Jahren vielleicht Ja
vielleicht dann noch nicht einmal Aber die Pallasianer sollten den Turm doch
weiterbauen schon der Spinngewebewolke wegen die sonst nichts an sich
herankommen lässt die mehr abstösst als anzieht die muss durch den Turm
entfaltet werden vielleicht wollen wir nur darum unsern Stern künstlerisch
ausbauen vielleicht kommt es garnicht auf das Künstlerische an vielleicht
will der große Stern nur dass wir oben den Turm bauen damit sich oben einiges
verändert«
Biba schlief nun auch ein und träumte von einer großen blauen Kiste die von
oben herunterkam und plötzlich auseinanderging wobei große und kleine Tiere und
viele bunte Steine herausfielen
Am nächsten Morgen kam Sofanti zum Peka und setzte diesem auseinander dass
er jetzt große Fundamentalbauten mit großen kristallinisch geschliffenen Steinen
herstellen müsse Peka tat nicht sehr erfreut aber doch so wie man wollte von
den vierundvierzig Grundtürmen gab er drei Türmen ein imposantes Fundament
»Das ist« sagte er »eigentlich nur eine dekorative Arbeit Rein
künstlerische Ideen sind hier nicht leitender Teil das Ganze wird gemacht um
Haut zu bekommen Utilitätsprinzipien sind hier nur herrschend Die rhytmische
Gliederung der Raum und Flächenteile kann dabei nicht so durchgeführt werden
wie bei ganz reiner absichtsloser Baukunst«
Nun waren anfangs alle Pallasianer sehr gern bereit Pekas Ideen gerecht zu
werden doch Peka zeigte sehr bald dass er mehr haben wollte als er
beanspruchen konnte Pekas Hauptidee war dem ganzen Stern Pallas eine
vielseitig geschliffene kristallinische Form zu geben Peka konnte die
unregelmässigen Formen nicht vertragen und er sagte das er sagte das immer
wieder noch mal sodass schließlich seine besten Freunde ungeduldig wurden
»Ordnungsfanatiker« sagte Manesi »mögen ja künstlerisch sehr berechtigt
sein Aber die Natur unsres Sonnensystems zeigt eine Ordnung die dem
Symmetrischen oft entgegenarbeitet Wir müssen es für einseitig erklären wenn
Peka die Rhytmisierung der Raum und Flächenteile nur durch
kristallinischsymmetrische Formen durchführen möchte Eine Guirlandenkunst wie
ich sie haben möchte ist mit der gerüstartigen Trockenheit des großen
Turmsystems viel eher vereinbar als mit der starren Schwerfälligkeit eckiger
Kanten und Seitenkunst Die Bogen haben doch mindestens dieselbe Berechtigung
wie die Winkel«
Dem stimmte natürlich auch Labu sehr lebhaft bei da Labu ebenfalls die
komplizierten Bogenkurven in allen seinen Entwürfen bevorzugte und grade Linien
sowie alle Winkel Kanten und Ecken zu überwinden bestrebt war
Und so stand der arme Peka bald ganz allein mit seinem kantigen
Ordnungsfanatismus da obschon man zugab dass seine Fundamentkompositionen an
den drei Türmen ganz herrlich wirkten Da gab es dreihundert Meter hohe ganz
waagrecht aufsteigende Spiegelwände und dann viele rechtwinklige Schluchten und
köstliche Überkragungen und tausendkantige Säulen dazwischen Alles funkelte
Und die Haut gedieh auf den glatten Flächen ganz vortrefflich Und die Terrassen
glänzten
Dex Nuse und Sofanti rechneten währenddem ganz genau aus wieviel Haut sie
oben gebrauchen würden Und sie sahen sehr bald ein dass sie sehr viel Haut
gebrauchen würden
»Die zwanzig Fundamentbekleidungen« sagte Sofanti »werden uns nicht so
viel Haut liefern wie wir brauchen Wenn wir den Turm in der angefangenen Weise
weitere sieben Meilen hoch bauen wollen so brauchen wir so viel Haut dass Peka
tatsächlich den ganzen Nordtrichter kristallinisch gliedern müsste Das würde
aber so lange Zeit beanspruchen dass wir das alles kaum überleben dürften«
Das sahen alle Pallasianer ein Und man war nicht mehr gerne bereit den
Peka in seinen Arbeiten zu unterstützen
Und der Weiterbau des Turms ohne das notwendige Hautmaterial erschien Allen
als unmöglich da die Spinngewebewolke alle Arbeit oben unmöglich machte Wenn
nur so lange oben gearbeitet werden konnte wie die Wolke oben leuchtete so zog
sich die ganze Geschichte allzu lange hin
Somit waren die Pallasianer der Meinung dass man das begonnene Werk liegen
lassen müsse Unmögliches ließe sich doch nicht durchsetzen sagten sie mit
mitleidigen Mienen
Und man bedauerte den Lesabéndio
Der aber saß eines Tages ganz ruhig oben auf dem Turmgerüst drei Meilen über
dem Rande des Nordkraters und lächelte und der kleine Nax umschwebte den Kopf
des s in zierlichen Kurven und sah dass s lächelte
»Ei Ei lieber s« rief der kleine Nax »ich sehe dass Du lächelst
während man Dich unten überall bemitleidet Du siehst so glücklich und garnicht
bemitleidenswert aus Was denkst Du Glaubst Du dass Dir und Deinem Turm noch zu
helfen ist«
»Das« versetzte s »weiß ich nicht Aber ich habe die Empfindung dass
wir einen Ausweg finden müssten
Ich lächle darüber dass wir so schwerfällig sind und uns garnicht zu helfen
wissen Ich habe die Empfindung dass ein Unbefangener dieses Turmproblem im
Handumdrehen lösen kann Ich glaube dass mir gleich das Richtige einfällt Und
ich musste lächeln dass mir das Richtige noch nicht eingefallen ist«
Die grünen Sterne im violetten Himmel funkelten recht lebhaft und die Wolke
oben leuchtete weiß wie ein Geisterauge
Nax setzte sich in beweglicher Kugelform auf Lesas Schulter klemmte seinen
Körper wie einen kleinen Saugfuss fest an ließ seine kleinen Augen sehen
brachte seinen Rüssel vor und sprach zwitschernd
»Baut doch quer sodass Ihr erst zur Mitte des Nordtrichters hinkommt Dann
könnt Ihr da einen ganz dünnen Turm errichten Und für den braucht Ihr nicht so
viel Haut Die Geschichte erscheint mir sehr einfach«
Da lächelte der s und sagte so als wenn garnichts Besondres passiert
sei
»Siehst Du Da hast Du das Richtige getroffen Es war so einfach Und ich
muss abermals lächeln dass wir alle nicht darauf gekommen sind Natürlich gehts
so Und Du kleiner Nax sollst jetzt unten gefeiert werden Deine Idee ist sehr
einfach Aber sie kam zur rechten Zeit Wie oft können wir nicht zu der ganz
einfachen Lösung kommen weil wir zu sehr befangen sind von allen möglichen
andern Dingen die uns von der Lösung eines Problems zurückdrängen Es geht uns
mit den Problemen so wie mit unsrer mysteriösen Wolke wir können nicht
rankommen und es erscheint uns alles so einfach wenn wir uns doch dem Ziel
nähern Wir nähern uns dem Ziel Komm Nax an mein Halsband Wir wollen
hinunter und den müden Seelen neuen Mut einflößen Neuen Mut hast Du uns
gegeben Der Gewaltige oben gab ihn uns durch Dich kleiner Nax Sei nicht zu
stolz auf das was Du sagtest«
Der kleine Nax lachte und dann stieß sich Lesabéndio zur Mitte zu ab Und
er flog dahin wie ein Pfeil und sauste langsam in großartiger Parabelkurve ganz
lang gestreckt zur Tiefe
Und als s unten das sagte was der Nax gesagt hatte da erscholl ein
grossartiges Gelächter im Nordtrichter des Pallas Diese Lösung des schwierigen
Problems erschien Allen so einfach und selbstverständlich dass man sich garnicht
beruhigen konnte
Sofanti sagte ganz erbittert
»Ich glaube dass uns die kolossale Arbeit ein wenig den Verstand verwirrt
hat Wir sind zweifellos etwas dumm geworden und sollten uns vor den edlen
Quikkoïanern schämen Die haben jetzt alle Veranlassung sich über uns lustig zu
machen Ich finde das eigentlich beklagenswert«
Aber der Nax rief da ganz laut
»Das finde ich garnicht beklagenswert Wir haben uns ein wenig nützlich
gemacht Und deswegen wollt Ihr uns ausschelten Das ist nicht freundlich von
den Pallasianern«
Und der Kleine tat so als wenn er wieder weinen müsste Sein Schluchzen
klang ganz fürchterlich
Und viele Pallasianer kamen herbei und wollten den Kleinen beruhigen Er
aber schluchzte nur noch heftiger
Da sagte der s
»Nax Lach mal wieder«
Da war der Kleine plötzlich still und sagte dann ganz leise
»Ich weinte ja garnicht Ich tat bloß so Ich muss doch immer Unsinn machen
Ich kann doch garnicht anders«
Die Pallasianer waren entzückt über diese Worte des kleinen faustgrossen
Quikkoïaners
Vierzehntes Kapitel
Es wird zunächst die Verständigung durch drahtlose Telegraphie erörtert Dann
erzählt Nax vom Schlüsselstern und dessen Attraktionscentrum Danach wird die
Anziehungskraft drei Meilen über dem Pallas untersucht und man bemerkt dass
sich die Centren verschoben haben nach oben zu Und so kann man drei Meilen
lange Stahlstangengerüste ganz leicht durch Kranvorrichtung nach oben drehen
sodass das nächste drei Meilen lange Stockwerk in kurzer Zeit fertig wird Biba
unterhält sich danach mit Lesabéndio über das Verhältnis des Saturnrings und
ähnlicher Ringe zu dem Asteroïdenring Biba bringt die Lichtwolke über dem
Pallas mit diesen Ringsystemen in Zusammenhang und man beschliesst oben die
Wolke des Nachts durch SofantiHäute näher zu betrachten Das geht aber
vorläufig nicht
Während des Turmbaus hatte man bald eingesehen dass eine rasche Verständigung
oft sehr nötig wurde Und es genügten die verabredeten Signale nicht mehr Man
führte daher eine Art drahtloser Telegraphie ein die aber nur bei den Bewohnern
des Pallas möglich ist die ihren Körper seiner elektrischen Eigenschaften wegen
auch in eine Art Empfänger umbilden konnten sie gaben dabei ihrer Kopfhaut eine
Form die aufgespannten Regenschirmen glich Und mit der so gestellten Kopfhaut
konnten sie die elektrischen Wellen auffangen Dem Pallasianer fiel das garnicht
schwer da er ja von verschiedenen Stellen seines Körpers elektrisches Licht
aufleuchten lassen konnte
Naxens Idee war den Pallasianern natürlich auch auf dem eben beschriebenen
Wege mitgeteilt worden Drei kurz aufeinanderfolgende Explosionstöne machten die
Pallasbewohner darauf aufmerksam dass eine Neuigkeit die alle interessieren
musste mitzuteilen sei Und wer dann wollte konnte gleich darauf das Neue
hören Gedruckte Zeitungen oder photographierte Zeitungen gabs deshalb nicht
Auf dem Nordtrichter hatte man zehn Stationen errichtet von denen aus
elektrische Wellen ausgesandt werden konnten Der Lautwert der einzelnen Zeichen
war allen bekannt
Oben auf dem Turm war während des Baus nur ein Explosionston das
Alarmsignal
Als sich nun Alle einverstanden damit erklärten dass man das nächste
Stockwerk nicht nach oben sondern nach der Mitte richten musste da dachten
natürlich alle Pallasianer sehr energisch über die Art nach in der das am
besten ausgeführt werden konnte Die drei Explosionstöne waren immer wieder zu
hören Und alle saßen stundenlang oben im Nordtrichter mit aufgespannter
Kopfhaut da und lauschten auf das was den Andern einfiel Und dabei kamen
schließlich sehr viele zum Wort
Und man beschloss ziemlich einstimmig gleich drei Meilen lange Türme
herzustellen Diese sollten von den vierundvierzig errichteten einfach
herunterhängend zusammengeschmiedet und wenn sie fertig durch Kranvorrichtung
nach oben in die waagrechte Stellung hinaufgedreht werden
Nun handelte sichs nur darum darüber einig zu werden wie man zum Schluss
die Spitzen der neuen Türme miteinander verband
Bombimba einer von den jüngeren Pallasianern war immer an Dexens Seite und
half diesem in allen seinen Kaddimohnstahlarbeiten Bombimba meinte Folgendes
»Das Allerunbequemste ist bisher zweifellos die Schmiedearbeit hoch oben auf
dem Turmgerüst gewesen Wenn wir nun die vierundvierzig drei Meilen langen
Turmstangen herstellen während die Stangen runterhängen so haben wir uns ein
gut Teil unsrer Arbeit erleichtert Jetzt fehlt uns nur noch dass wir den Ring
mit den vierundvierzig Ecken auch unten anfertigen können Ich glaube aber dass
wir das können Sind die vierundvierzig herunterhängenden Turmstangen von je
drei Meilen Länge durch unsre Kranvorrichtungen hinaufzuwinden so lässt sich der
Ring mit den vierundvierzig Ecken ebenfalls mit Drahtseilen hinaufwinden
Dex fand die Idee sehr gut wollte aber noch weiter darüber nachdenken
Währenddem kamen s und Biba hinzu mit dem kleinen Nax und die Fünf
unterhielten sich hoch oben auf einem NuseTurm über das was sie über den
Turmbau gedacht hatten Und während Dex umständlich seine Gewichtsberechnungen
vorführte und erklärte rief plötzlich der kleine Nax
»Mir fällt etwas Wichtiges ein Auf unserm Stern Quikko konnten wir mit
unsern Quallenhautlinsen einmal auch einen kleinen Schüsselstern beobachten auf
dem wir eine ganz seltsame Geschichte sahen Der Stern sah wie eine Schüssel
aus Im Innern der Schüssel lebten die kleinen Bewohner des Sterns Da sahen
wir dass einige der kleinen Leute auf dem Rande der Schüssel herumkrochen und
plötzlich fielen sie nach außen alle hinunter in den Weltenraum Wir bedauerten
natürlich die kleinen Leute konnten uns aber den Fall eigentlich nicht
erklären Da sahen wir denn dass alle Gefallenen tief unter der Schüssel in der
Atmosphäre plötzlich nicht tiefer sanken sie schwebten wie Pendel immer nach
verschiedenen Seiten hin und zurück Und dann wurden vom Rande Taue ausgeworfen
die ganz grade zu den Gefallenen hinstrebten Diese ergriffen die Tauenden und
wurden an diesen wieder hinauf an den Rand gezogen«
Nax schwieg und wackelte mit seinem kleinen Rüssel in der Luft herum
breitete zwei Flügel aus Pallassteinhaut in die Luft und schwebte um die Köpfe
der vier Pallasianer herum Biba lachte und sagte »Da hat der Kleine wieder mal
eine erlösende Idee gehabt Er wollte mit seiner Erzählung nur sagen dass man
niemals so recht weiß von welcher Gegend man angezogen wird Es wäre deshalb
doch das Wichtigste dass wir zunächst untersuchen ob sich die Anziehungscentren
auf dem Pallas durch unsern jetzt schon drei Meilen hohen Turmbau nicht
wesentlich verschoben haben Vielleicht lassen sich die Türme viel leichter
heben als wir denken«
s reckte sich fünfzig Meter hoch empor und rief
»Das müssen wir sofort untersuchen«
Und so eilten die Fünf zur nächsten Funkenstation ließ drei mächtige
Schüsse ertönen und teilten den Pallasianern mit dass zunächst oben die
Attraktionstätigkeit des Pallas untersucht werden müsste
Und ein paar Minuten später waren fast alle Pallasianer mit den flinken
Seilbahnen auf den obersten Ring des Turmes gefahren Da saßen sie nun und
warteten was Biba sagen würde Und der sagte dass sie zur Mitte hinspringen
müssten Und das geschah Jeder sprang mit seiner ganzen Kraft Und siehe da
alle schossen drei Meilen gradaus der Mitte zu ohne zu sinken Dann ging es
erst langsam im langgestreckten Parabelbogen nach unten zu Und der Flug der
Pallasianer wurde immer langsamer und Biba sah dass sich das Attraktionscentrum
tatsächlich verschoben hatte Es ließ sich allerdings nicht feststellen wo es
eigentlich lag Vor der Mitte bogen die ganz steif wie Stöcke durch die Luft
Fahrenden langsam zur Seite und schwebten dann rückwärts und kamen so in den
oberen Regionen des Kraters wieder zu ihrem Stern ohne die Flügel zu
gebrauchen
Ein allgemeiner Jubel brach nun los Denn jetzt war es klar dass sich die
drei Meilen langen Stahltürme ganz leicht hinaufwinden ließ
Es wurde gleich ein solcher Turm gebaut und das Hinaufwinden ging ganz
leicht
Lesabéndio weinte vor Freude
Dex aber erklärte dass er jetzt gleich unten an jedem Turm nach beiden
Seiten rechtwinklig zwei starke Stangen anbringen möchte sodass man den Ring mit
den vierundvierzig Ecken nicht extra zusammenzuschmieden brauchte
Und in Jahresfrist war der drei Meilen lange schiefe Turm fertig Man führte
ihn nicht ganz horizontal doch etwas schräg emporgehend sodass jetzt der ganze
Turm fast vier Meilen hoch emporragte
Eine allzu große Erschöpfung machte sich nach dieser verhältnismäßig
leichten Arbeit nicht bemerkbar Aber alle waren doch der Meinung dass jetzt
abermals eine große Pause eintreten müsste Und dem konnte man nichts
entgegenhalten Und so kehrten viele Pallasianer in ihre alten Ateliers zurück
und dachten darüber nach wie sich nun das Weitere entwickeln würde
Die jüngeren Pallasianer fuhren in großen Scharen zur Turmhöhe hinauf und
machten dort Flugversuche Leider mussten diese in der Nacht wenn die Wolke
alles finster machte unterbleiben da die Wolke nach wie vor unnahbar blieb und
den oberen Teil des Turmgerüstes immer wieder knisternd und zuweilen auch Funken
sprühend umspann
Eines Tages saß Lesabéndio mit Biba ganz hoch oben auf dem zuletzt
geschmiedeten Ring auf einer der vierundvierzig Verbindungsstangen Beide
blickten in die grüne Sternenwelt hinein und freuten sich über den
dunkelvioletten Himmel und über die geheimnisvolle Lichtwolke hoch über ihnen
»Grade hier in diesem Asteroïdenring in dem wir leben« sagte Biba »ist
von einer Gesetzmässigkeit so wenig zu bemerken wir sehen immer wieder neue
seltsame Anziehungsverhältnisse in den einzelnen Asteroïden und diese tun so
als nähmen sie garnicht weiter Notiz voneinander Hier ein Gemeinsames entdecken
das wäre eine große Aufgabe«
Lesabéndio sagte hastig »Du denkst immer wieder an die größeren
Verhältnisse Du hast immer gleich das ganze Sonnensystem mit allen Planeten im
Auge Wir haben aber doch Rätsel die uns näher liegen«
»Halt« sagte da der Biba »wir können den Pallas nicht so einfach loslösen
er gehört einem System an Und in diesem System gehören wieder die Asteroïden
zweifellos zusammen Du darfst nicht das Ganze so leichthin aus dem Auge lassen
sonst wird Dir auch das Näherliegende immer rätselhafter werden Findest Du
nicht dass wir viel zuwenig über die Attraktionskräfte auf unserm Stern
nachdenken Wir gewöhnen uns in dieser Beziehung zu leicht an die allergrössten
Wunder Früher fiel ein Stein den wir durch unser Centralloch in der Mitte
unsres Sternrumpfes warfen fast immer durch und suchte erst im Südtrichter die
Trichterwände zu erreichen Wenn wir heute wie ich es neulich mehrfach
versuchte einen Stein durchwerfen wollen so fliegt er immer schon im Loch
selber an die Wand geht durch das Loch nicht mehr durch Das ist doch seltsam«
»Was hat das aber« fragte s »mit den anderen Asteroïden zu tun Ich
denke dass das mit dem Kaddimohnstahl hier auf unserm großen Turm
zusammenhängt«
»Oder mit der Wolke« versetzte Biba
Beide schwiegen eine Weile
Dann fuhr Biba also fort
»Wenn wir für dieses Rätsel eine Erklärung haben wollen so müssten wir doch
zusehen ob sich nicht auf anderen Asteroïden Ähnliches ereignet Wir bemerken
dass sich im Pallas ein Zusammenziehen von Rumpf und Kopfsystem anbahnt Der
Kopf will zum Rumpf oder umgekehrt Und so verändert sich das Zentrum des ganzen
Systems Nun meine ich aber dass sich zwischen den einzelnen Asteroïden etwas
Ähnliches vorzubereiten beginnen könnte Ich ahne so was Du kennst den großen
Planeten den auch wir mit so vielen andern Planetenbewohnern Saturn nennen Der
Saturn hat ein ganz regelmässiges und ganz intensiv zusammenhängendes Ringsystem
in dem Millionen kleiner Sterne zusammen dahinkreisen Könnte der Asteroïdenring
nicht auch das Bestreben haben mal so innig zusammenzukommen Kopf und Rumpf
des Pallas wollen schon zusammenkommen Ist das nicht ein Zeichen dafür dass
eigentlich alle Asteroïden zusammenkommen wollen Sie ziehen momentan noch zu
fern voneinander ihre Bahn Der Stern Erde hat doch auch einen Ring von kleinen
Sternen um sich und an der Sonne sehen wir doch etwas Ähnliches Wenn diese
Sterne auch sehr klein sind Pendants zum Saturnring bilden sie trotzdem Nur
würde der Asteroïdenring tausendmal größer werden als die andern Ringe Diese
sind aber zweifellos durch den willkürlichen Eigenwillen der größeren Planeten
entstanden Saturn und Erde und die meisten andern Planeten sind doch als
ebensolche Sonnen zu betrachten wie unsre Centralsonne eine ist Diese hat die
andern Sonnen nur dadurch in ihre Nähe gebracht dass sie ein übergrosses Maß von
Lebensenergie entwickelte Die zieht immer an natürlich nicht so wie ein Stein
von unsrer Trichterwand angezogen wird Die Centralsonne hält auch gleichzeitig
die andern Sonnen die Planeten wurden in respektvoller Entfernung damit kein
Zusammenstoß stattfindet Das finden wir auch wieder bei den kleinen Planeten
die sich um die großen drehen und die wir Monde nennen Der Grössere hält immer
die kleineren zurück Aber diese kleineren können untereinander enger aneinander
kommen wie das die Saturn Erde und SonnenRingsysteme zeigen Ein ähnliches
Ringsystem müssen auch die Asteroïden bilden sie können es wenigstens Darum
werde nicht ungeduldig müssen wir den Zusammenhang mit unserm Kopfsystem
fördern das heißt wir müssen die Spinngewebewolke näher untersuchen«
»Das war aber umständlich« rief da der s
Biba aber fuhr fort
»Unterschätze meine umständliche Rede nicht Denke darüber nach Wenn Du
Dich einst mit dem Kopfsystem des Pallas als eines fühlen willst so musst Du
auch wissen was dieses Kopfsystem in erster Linie im Auge hat Nicht nur mit
dem Rumpfsystem will sich dieser seltsame Kopf inniger verbinden auch mit den
andern Asteroïden Das ist meine Meinung«
»Ich werde« versetzte s rasch »sehr energisch darüber nachdenken Ich
danke Dir Dein Blick ist weit sehr weit weiter als der meine Ich sehe
immer nur das Nächstliegende Aber ich hoffe dass ich bald anders werde
Jedenfalls wäre das Erste jetzt dass wir durch Haut verdeckte Bandbahnen hier
oben vier Meilen über unserm Sternrumpf herstellen«
»Selbstverständlich« versetzte Biba »wäre das das Erste Vergiss aber das
Weitere nicht Nun wollen wir zum Sofanti fahren damit er uns die Bandbahnen
hier oben mit Haut umhüllt Durch diese Haut wollen wir dann das Spinngewebe
beobachten«
Beide fuhren zum Sofanti und die Bandbahnen wurden so hergestellt dass die
Pallasianer sich auch oben aufhalten konnten wenn die Wolke von oben
herunterkam und Nacht auf dem Pallas machte
Aber als vier solcher Bahnen oben fertig waren zeigte es sich dass die Haut
nicht durchsichtig genug war man sah wohl die sehr beweglichen Spinngewebefäden
konnte aber die einzelnen Teile des Gewebes nicht deutlich erkennen Man
versuchte das Gewebe durch Scheinwerfer zu durchleuchten Aber das hatte gar
keinen Zweck da sich das Gewebe dem Licht gegenüber plötzlich ganz starr
verhielt als wenn es zusammenfror Das Gewebe machte gar keinen interessanten
Eindruck im elektrischen Licht das Gewebe wurde leblos während es
unbeleuchtet an Bewegung nichts zu wünschen übrig ließ
Nun verlangten alle von Sofanti dass er ganz durchsichtige Häute herstellte
Das nahm aber sehr viel Zeit in Anspruch so viel Zeit dass Dex den Vorschlag
machte doch zunächst mal weiterzubauen Sofanti sollte in seinen Experimenten
nicht gestört werden
Biba sagte
»Dass das Gewebe nichts Lebloses ist scheint mir ganz klar zu sein Aber
gespannt bin ich wie es eigentlich lebt Vielleicht haben wir in diesem
Gewebe lebendige Lebewesen des Pallaskopfes vor uns«
Selbst Peka musste zugeben dass der Turm nicht umsonst gebaut wäre wenn es
möglich wurde durch diesen Bau hinter das große Geheimnis der großen Lichtwolke
zu gelangen
Fünfzehntes Kapitel
Peka Labu und Manesi sind in melancholischer Resignationsstimmung sie klagen
dass ein Nutzbau alle künstlerischen Interessen verdrängt habe Aber der Turm
bekommt abermals ein neues Stockwerk das ganze Werk ist jetzt fünf Meilen hoch
und der oberste Ring hat nur noch einen Durchmesser von sechs Meilen Und nun
entdeckt man dass die Lichtwolke aus unzähligen Lebewesen mit kleinen Köpfen
besteht Man will sich diesen mit Hilfe der Quikkoïaner verständlich machen
Aber das misslingt Dex will darum nicht mehr weiterbauen Aber Sofanti erklärt
dass er das genügende Hautmaterial hergestellt habe und da wird Dex so weit
umgestimmt dass er sich Bedenkzeit ausbittet
Eines Tages saßen nun Peka Labu und Manesi auf dem obersten Rande des kleinen
Modellturms nicht weit ab vom Centralpunkt des Pallasrumpfes Die Drei saßen da
und rauchten ihr Blasenkraut und blickten nach oben Sie hatten ihren
Unterkörper mehrmals schraubenförmig um den Kaddimohnstahl gewickelt und lehnten
den Oberkörper gegen den Unterkörper ihre braune Molluskenhaut mit den gelben
Flecken glänzte im Lichte der Spinngewebewolke So saßen sie da rauchten und
schwiegen und sahen nach oben in das große neue Turmgerüst hinein
»Sehr heiter sind wir nicht« meinte Labu nach einiger Zeit
Und dazu sagte nach einer guten Weile der Peka
»Dazu haben wir auch wahrhaftig nicht die geringste Veranlassung«
Alle Drei rauchten heftig dass viele tausend Blasen auch ziemlich große
langsam emporstiegen und in vielen Farben opalisierten wie Seifenblasen auf dem
Erdstern
Manesi sagte dann
»Ich hätte eigentlich keinen rechten Grund zur Klage Das Gerüst da oben
künstlerisch zu beleben wäre ja eine natürliche Aufgabe für mich Da lassen
sich überall an großen Drahtseilen Guirlanden anbringen die Stoffe für das
Wurzelwerk der Pflanzen ließ sich wohl in hängenden Schalen einpflanzen Alles
würde wohl möglich sein Das Gerüst könnte da oben mal zu einem prächtigen
Blumenstück gemacht werden Aber wann soll das geschehen Vorläufig ist doch
noch lange nicht daran zu denken Zunächst hat da oben immer nur der liebe Dex
das beherrschende Wort und er will immer die größere Höhe erreichen um da das
Rätsel unsres Lebens zu lösen Und wenn der Stahlturm fertig ist so hat Sofanti
mit seinen Steinhäuten alle Hände voll zu tun Und an mich wird man noch lange
nicht denken Vor mir kommt auch noch der Nuse mit seinen Laternenkünsten die
auch so viel Zeit in Anspruch nehmen dürften dass das was ich durchsetzen
könnte garnicht bemerkt werden kann. Sollen da oben tausend Schlinggewächse
durcheinander wachsen so ist dazu so viel Arbeit nötig dass ich nicht mehr zu
glauben vermag ich könnte das jemals erleben«
»Ich aber« rief Peka heftig »bin fast ganz und gar überflüssig Aus den
Drahttürmen kann ich keine kompakten Steingebilde machen«
»Das würde« versetzte Labu »uns auch die Aussicht nehmen Ich bin sogar
der Meinung dass Schlinggewächse da oben garnicht möglich sind sie würden uns
doch das Licht der Wolke oben verdecken wir hätten dann keinen ordentlichen
Tag mehr auf dem Pallas«
»Was aus der Wolke oben wird« sagte Manesi müde »wissen wir auch nicht
Ich glaube nicht dass der Turm so einfach durch die Wolke durchzustechen ist«
»Die rein künstlerischen Dinge« sagte Labu »werden auf dem Pallas nicht
mehr geschätzt Was ich in runden und unregelmäßig gebogenen Formen an dem
Gerüst anbringen möchte das will der Dex nicht haben Er behauptet dass er die
Tragkraft des Gerüstes nicht so groß machen könnte um die plastische
Ausgestaltung der Stangenverbindungen zu gestatten so groß sei die Menge des
Kaddimohnstahls nicht hat er mir oft genug gesagt Ich glaube sogar dass der
Dex die Belastung durch Schlingpflanzen auch nicht für möglich hält«
»Wir sind« sagte Peka traurig »auf dem Pallas sehr überflüssig Wir können
unsre künstlerischen Pläne nicht wirkungsvoll zur Ausführung bringen Was wir in
den Wänden des Nordtrichters anbringen könnten würde immer verschwindend und
wirkungslos bleiben Der Nutzbau hat den Kunstbau verdrängt Die
wissenschaftliche Neugier ist mächtiger gewesen als die künstlerische
Schöpferkraft Ich glaube nicht dass ich das lange überleben werde Meine Pläne
kommen ins Museum für veraltete Kunstphantasie Meine Gedankenwelt löst sich
langsam auf da ich nicht mehr daran glauben kann dass ich jemals nennenswerte
Formänderung im Pallas durchsetzen könnte«
Wieder schwiegen die Drei und ihre Rauchblasen stiegen langsam zum hohen
Turmgerüst empor und funkelten oben im blendenden Licht der Spinngewebewolke
Und von vier Türmen aus rollten nun hoch oben drei Meilen lange Stangen zur
Mitte zu Dex führte die nächste Etage zur Wolke empor
Die Arbeit nahm dieses Mal lange nicht soviel Zeit in Anspruch wie man
geglaubt hatte Und bald stand auch das fünfte Stockwerk hoch oben unter einem
Winkel von fünfundvierzig Grad Jede der vierundvierzig Stangen hatte ganz unten
rechts und links wieder im rechten Winkel zwei kürzere Stangen gehabt die sich
oben nachdem alle Stangen hinausgedreht waren aneinanderschlossen und so
abermals einen Ring mit vierundvierzig Ecken bildeten Dieser Ring war garnicht
mehr groß zu nennen er hatte einen Durchmesser von sechs Meilen sodass man
leicht von einer Seite zur andern fliegen konnte Das ließ sich natürlich nur am
Tage durchsetzen Nachts ging die Spinngewebewolke ganz tief hinunter bis in die
Mitte des dritten Stockwerks
Im Ganzen hatte man jetzt eine Höhe von fünf Meilen erreicht Die Hälfte des
Turms war vollendet Alle glaubten dass jetzt die Hauptarbeit getan sei Und es
entstand eine sehr freudige Stimmung die nur von Peka Labu Manesi und ihren
Anhängern nicht geteilt wurde die waren trauriger als je und das bedrückte die
Andern
Währenddem aber hatte es Sofanti glücklich fertig gebracht ganz
durchsichtige Hautstücke herzustellen Doch viel von diesen ganz durchsichtigen
Hautstücken existierte noch nicht Immerhin das Wenige genügte ja zu
Beobachtungszwecken Und so wurden durchsichtige Hautstücke in den
Bandbahnbedachungen des obersten Ringes untergebracht und die Beobachtung der
Spinngewebewolke konnte beginnen
Es hatten an den Beobachtungsstellen nur zwanzig Pallasianer Platz Und die
sahen nun bei Anbruch der nächsten Nacht mit teleskopisch vergrösserten Augen
durch die kleinen Hautfenster in die dunkle Spinngewebewolke hinein und ließ
Scheinwerfer durch die Wolke durchgehen Das Gewebe wurde wieder leblos und
starr wie bei der ersten Beobachtung Man zog daher die Scheinwerfer zurück und
versuchte im Dunkeln etwas zu erkennen Da sah man aber garnichts Danach
machte man in der Beobachtungsstation ganz vorsichtig etwas Licht und verstärkte
das Licht allmählich
Und da sah man plötzlich ganz kleine winzig kleine Köpfchen in der Wolke
Köpfchen mit ganz spitzen dunkelvioletten Stielaugen
»Jetzt wissen wir genug« rief der Biba Und man sah auf allen vier
Stationen von denen aus beobachtet wurde die winzig kleinen Köpfchen mit den
dunkelvioletten Stielaugen
Die Beobachter verständigten sich rasch drahtlos dass sie unten
zusammenkommen wollten Und auf den Bandbahnen fuhren sie hinunter zum ersten
Stockwerk Auf der Spitze jenes Turms den Nuse zuerst eine Meile hoch erbaute
versammelten sich die Zwanzig um die große Entdeckung zu besprechen
»Wir haben also« sagte Biba »endlich entdeckt dass unsre große Wolke keine
leblose Masse ist Es ist von uns endlich festgestellt dass wir hier ganz feine
Lebewesen vor uns haben von denen wir vielleicht sehr viel lernen können
Indessen dass diese Wolke zur Tageszeit leuchtet das ist nach meiner Meinung
nicht abhängig von diesen zarten Wesen dieses Leuchten wird wohl nur durch die
Nähe des kometarischen Lichtes im Kopfsystem unsres Sterns erzeugt Wie das
allerdings erzeugt wird das wissen wir nicht wissen wir nicht wie so viele
andre Dinge Wir leben in einer sehr rätselvollen Welt Aber wir brauchen nicht
ungeduldig zu werden dass uns diese Welt so viele Rätsel aufgibt Würden wir zu
viele dieser Rätsel auf einmal lösen so könnten wir ganz bestimmt diese Fülle
der neuen Erscheinungen nicht ertragen Wir haben schon an dem was wir erleben
reichlich genug Wenn wir nicht so trockene Naturen wären könnten wir das
Erlebte ganz bestimmt nicht überleben Die Veränderung der Lage des
Attraktionscentrums ist schon wunderbar genug Die feinen Spinngewebefäden mit
den winzig kleinen Köpfen und deren dunkelviolette Stielaugen sind noch
wunderbarer als alles Bisherige Wir haben jedenfalls den Bau unsres Turms nicht
zu bedauern Er hat uns in eine neue höhere Atmosphäre gebracht Jetzt wollen
wir zusehen was wir von den kleinen Köpfen mit den dunkelvioletten Stielaugen
erfahren können vielleicht sind sie klüger als wir alle zusammen Wundern würde
ich mich auch darüber nicht«
»Das Gewaltigste« rief da der Lesabéndio« muss aber jedenfalls das
Kometensystem hoch oben über uns sein Von dem können wir bestimmt noch mehr
erfahren als von den kleinen Köpfchen mit den Stielaugen«
»Das geht aber nicht« sagte da der Dex »der s hat keine Ruhe mehr Er
will immer nur dass wir weiterbauen Und wir haben doch zunächst einmal ein
Resultat erzielt Damit müssen wir uns doch erst abfinden s hat eine Unruhe
in sich die uns ganz heftig machen könnte«
»Verzeiht Verzeiht« rief da der s
Und nun wurden zuerst die Stationen für die Fernschalter in Bewegung
gesetzt Dumpf knallten die Explosionstöne durch die Nacht und alle Pallasianer
richteten ihre Kopfhaut den Stationen zu und hörten nun was man entdeckt hatte
Und darauf flogen alle Pallasianer wild durch den Nordtrichter und dann
zum Turm hinauf Alle wollten die Kleinen sehen Und man sprach sehr eifrig
darüber wie man sich wohl mit den Kleinen verständigen könnte Und man dachte
natürlich gleich daran den Quikkoïanern den Auftrag zu geben ein paar
Verständigungsmanöver einzuleiten Nax mit den Seinen war selbstverständlich
gern bereit erklärte aber gleich dass er die Ahnung habe hier vor unmöglich
lösbare Aufgaben gestellt zu sein
Doch man begann Nax ließ sich in einer Hautblase tief in die Wolke
hineinstecken die Hautblase war durchsichtig und durch einen langen durch
Draht versteiften Schlauch mit der durch Häute geschützten Beobachtungsstation
verbunden Nax konnte durch den Schlauch leicht zurückkommen wenn die
durchsichtige Hautblase die ziemlich groß für Naxens faustgrossen Körper war
verletzt werden sollte
Die Hautblase in der sich Nax befand war ebenfalls durch feinen Draht
versteift
Nax veränderte nun seinen Körper machte ihn fadenförmig gab sich einen
ganz kleinen Kopf und zwei lange Stielaugen und diese ließ er elektrisch
aufleuchten Auf der Beobachtungsstation war alles dunkel Und dort sah man
jetzt erst den kleinen Nax im Lichte seiner Stielaugen die blassrot leuchteten
Die kleinen Köpfe aus der Wolke kamen jetzt zu Hunderten näher und die kleinen
dunkelvioletten Stielaugen der Wolkenwesen legten sich vorsichtig an die Wände
der Hautblase Und nun veränderte der kleine Nax seinen Körper machte ihn
spiralförmig er drehte sogar das eine Auge dass es spiralförmig aussah Die
kleinen Köpfe außerhalb der Blase flogen hin und her und schienen sich lebhaft
zu unterhalten Aber es währte nicht lange dann verschwanden sie plötzlich
allesamt und ließ sich nicht mehr sehen
Nax konnte nun in seiner Blase hinkommen wohin er wollte die kleinen
Köpfe blieben unsichtbar nur das Spinngewebe schien in ängstlicher Bewegung
wenn der Quikkoïaner näher kam Und dann zog sich auch das Spinngewebe zurück
Und man sah garnichts
Die Experimente wurden fünf Nächte hindurch immer wieder mit neuen Blasen
fortgesetzt und immer wieder erfolglos
Da sagten die Pallasianer allesamt
»Wir müssen es aufgeben die Kleinen sind viel zu scheu«
Und man gab es auf
Lesabéndio sagte zum Dex
»Du nennst mich so unruhig Und ich glaube doch dass es das Beste ist wenn
wir mit dem Bau des Turms fortfahren Das Wichtigste erfahren wir doch erst da
oben Und wenn wir schon die Hälfte des Turms gebaut haben so können wir doch
jetzt nicht mehr aufhören Dass wir uns der Spinngewebewolke nicht weiter nähern
können zeigt doch dass wir weiterbauen sollen«
»Das sagst Du alles so ruhig« rief der Dex »aber ich habe die größte
Arbeit zu leisten Und ich muss gestehen dass ich beinahe müde werde«
»So warten wir bis Du wieder frisch bist« sagte der s
Und dann kam der Biba und tröstete den Dex
Dex aber sagte schließlich
»Es kommt mir doch beinahe seltsam vor dass wir uns eine riesige Arbeit
aufladen ohne eigentlich zu wissen warum wir das tun Anfänglich wollten wir
unsern Stern künstlerisch ausbilden Rhytmik in Flächen und Räume
hineinbringen Und dann kam plötzlich der s vom Stern Quikko und erzählte
uns dass wir über unsrer Lichtwolke ganz sicher ein Kopfsystem unsres Sterns
hätten Die Quikkoïaner bestätigten Lesas Erzählung Und wir waren plötzlich
alle so für dieses kometarische Kopfsystem begeistert dass wir den Turm bauten
Aber zufrieden sind wir jetzt trotzdem alle nicht mehr mit dem Bau Wir wissen
ja jetzt dass unsre Lichtwolke aus lebendigen Wesen besteht Die fliehen uns
aber Was haben wir also von unsrer neuen Erkenntnis Wird es uns nicht ebenso
gehen wenn wir oben das Kopfsystem von Angesicht zu Angesicht sehen Wir wissen
noch nicht einmal ob in diesem kometarischen Kopfsystem irgendetwas enthalten
ist, was unsrer Kopfform entspricht Können wir hoffen dass wir da oben
weiterkommen wenn wir bis da hinaufgelangen Man bestürmt mich von allen
Seiten dass ich doch mit dem Turmbau aufhören möchte Man will wieder
künstlerische Pläne versuchen Peka Labu und Manesi tun mir leid Man will im
Allgemeinen nicht mehr mit Und ich kann doch allein die Widerstrebenden nicht
mitreissen zumal ich garnicht mehr weiß warum wir weiterbauen wollen«
Nun kam auch Sofanti zu den Dreien und erzählte dass er jetzt endlich so
viel Haut habe um einen vier Meilen hohen Turm zu umhüllen wenn er im
Durchmesser nicht stärker als eine halbe Meile sei
Dex schwieg
Doch als die drei Andern immer dringlicher wurden bat er einfach um
Bedenkzeit
Biba meinte
»Wir wollen nicht verzagen Dex wird sich schon klarmachen dass jetzt ein
Zurücktreten von unserm großen Plane nachdem wir so weit gekommen sind
eigentlich ganz widersinnig ist«
s und Sofanti waren bald derselben Meinung
Sechzehntes Kapitel
Biba spricht wieder mit s über die Lichtwolke Als diese runterkommt
entsteht auf allen Bergspitzen des Nordtrichterrandes ein großes
Phosphoreszieren wodurch die Pallasianer fast sämtlich nach oben gelockt
werden Manesi und Labu wollen dann eine riesige Blumenampel ins
Attraktionscentrum hängen ohne den Turm zu belasten Das geschieht Und der
Turm wird zu einem Lichtfestturm Ein Komet kommt vorbei und erhellt die
Spinngewebewolke in der Nacht so wie die Wolke am Tage vom Kopfsystem des
Pallas erleuchtet wird Dieser wunderbare Zusammenhang führt den Dex zum
Weiterbau des Turms Nax bekommt Heimweh und möchte auch zur Erde Biba erzählt
ihm etwas Wichtiges vom Jupiter
Drei Tage später saßen Biba und s am Fuße eines NuseTurms oben am
Nordtrichterrande auf einem der glatt polierten rechteckigen Felsblöcke die
Peka dort hingebracht hatte um Haut darauf wachsen zu lassen
Die Saugfüsse der beiden Pallasianer saßen fest auf dem glatten Stein sodass
sich ihre Körper leicht nach vorn und rückwärts biegen konnten taten sie das
Erstere so blickten sie hinab in das gigantische Schluchtenreich des
Nordtrichters bogen sie den Kopf zurück und nach oben so konnten sie zum
großen Turm hinaufblicken Die Lichtwolke wurde oben fleckig sie musste bald
hinunterkommen
Und Biba sagte langsam
»Man kann dem Dex das Zögern nicht übelnehmen Eigentlich ist ja der Turm
nur ein großes Sprungbrett für Lesabéndio Für Dich lieber s wird der ganze
Turm gebaut Du willst oben in das Kopfsystem des Pallas mit ihm eins werden
Du willst nicht in einem anderen Pallasianer mal aufgehen Du willst oben in dem
großen Kometensystem aufgehen willst selbst ein Komet werden«
»Will ich das« fragte s leise
Biba nickte und tausend Falten zuckten glitzernd über sein Gesicht
Und da kam die Lichtwolke herunter und wurde dunkel gleichzeitig aber
bekamen alle Bergspitzen des Nordtrichterrandes einen phosphoreszierenden Glanz
und Funken spritzten von den höchsten Bergspitzen ab Und das währte eine gute
Weile sodass es alle Pallasianer sahen und in Scharen hinaufkamen zum großen
Turm
Das neue Wunder wurde eifrigst besprochen Und man dachte lange nicht an den
Schlaf auf den Pilzwiesen
Natürlich brachte man die seltsame Erscheinung mit den kleinen Köpfchen in
der Lichtwolke zusammen Zu diesen gehörten zweifellos sehr lange ganz feine
Fadenkörper deren Struktur allerdings nicht weiter erforscht werden konnte
Aber dieses Aufleuchten der Bergspitzen hielt man doch für eine Antwort der
scheuen Wolkenwesen diese Antwort konnte allerdings Niemand enträtseln
Doch die Folge dieser Antwort war dass jetzt alle Pallasianer nur noch auf
dem großen Turm leben wollten Im Südtrichter sah man schon seit langer Zeit
sehr selten einen Pallasbewohner auch im unteren Teile des Nordtrichters ließ
sich selten einer sehen Nur wenn alle schlafen wollten kamen die Pallasianer
zu den Pilzwiesen hinunter die unten im Nordtrichter und im Südtrichter lagen
Selbst die SofantiMusik im Centralloch wurde vernachlässigt Man musste sogar
oben auf den NuseTürmen neue Scheinwerferuhren anbringen da die tiefer
gelegenen von oben aus nicht ordentlich gesehen werden konnten
»Das Interesse für den sTurm wird wieder größer werden« sagte der Biba
Und der s nickte dazu und wurde sehr ernst er sagte traurig »Ob ich
nicht zuviel will Du hattest vorhin meine innersten Gedanken erraten Ja ich
will so wie Du sagtest Ich will ein Komet werden Aber so darf man wohl
nicht sagen Eins mit ihm werden mit dem großen Lenker unsres Lebens Aber
ist das nicht zuviel Ich weiß nicht ob es möglich ist«
»Für mich« sagte Biba rasch »wärs zuviel Doch ich möchte dass Du das
ausführen könntest was ich nicht kann Der Kühnste empfindet doch immer das
größte Glück Das vergiss nicht Der Klügste ist nicht so leicht zum größten
Glücksempfinden hinzuleiten er ist kleinlich und bedenklich Du aber sollst
keine Bedenken in Dir aufkommen lassen«
»Du schickst den Dummen voran« sagte s leise
»Den Kühnen lieber s will ich voranschicken Ich habe nicht gesagt dass
der Kühne dumm sein muss Dass er nicht der Klügste zu sein braucht das wollte
ich allerdings feststellen Das darf Dich also nicht kränken«
»Tuts auch nicht« erwiderte der s »sehr klug erscheine ich mir selber
nicht Ich werde getrieben von unbekannten Mächten immerzu gradaus zur
Höhe empor Und deswegen musst Du Alles daransetzen dass die Pallasianer das
Leben oben auf dem Turm immer mehr schätzen lernen Dex wird umgestimmt wenn er
sieht dass alle sich oben sehr wohl fühlen und wohl auch höher möchten«
»Gut gut« erwiderte Biba »ich habe schon das Meinige getan Ich habe ein
Büchlein über den Flügelwert der Pallasianer photographieren lassen Außerdem
ließ ich auch etwas über die grandiosen künstlerischen Perspektiven die sich
vom Turm aus eröffnen photographieren Der kleine Nax macht ein Flugblättchen
über die kometarische Geschwindigkeit unsrer Seilbahnen oben auf dem Gerüst
Jeder Turm ist ja jetzt neun Meilen lang im Ganzen Die Schiefe der Türme gibt
auch einen famosen Blick nach oben und nach unten und in den Sternhimmel hinein
Die langsameren Bandbahnen zu benutzen ist oben am Tage doch ein Genuss
künstlerischer Art Die Pallasianer werden schon wieder Vertrauen zum Turmbau
bekommen«
»Ich danke Dir« sagte s weich
Biba jedoch fuhr eifrig fort
»Ich habe den Dex auch darauf aufmerksam gemacht dass die langen Stangen für
das nächste Stockwerk am besten auf Rädern weitergeführt werden die oben auf
den schon festgemachten Turmstangen laufen Radsysteme haben wir eigentlich nur
in den Rollen der Bandbahnen Die Räder sollten wir beim Bau noch öfters
verwenden Ich wundre mich sehr dass wir das noch nicht getan haben Immer
wieder sehe ich dass die Klügsten so häufig das Nächstliegende nicht sehen und
sich alles schwieriger machen als nötig ist Ich fange an die Klugen zu
bemitleiden«
»Das dachte ich auch schon sehr oft« sagte der s
Und dann fuhren die Beiden rasch nach oben allwo so viele Pallasianer in
der Luft herumflogen dass Biba lächeln musste
»Wie schnell bei uns ein kleines Büchlein wirkt« rief er laut aus Die
Lichtwolke schien ganz hell und Manesi mit Labu hatten Bibas Ausruf gehört sie
kamen herbei und fächelten lebhaft mit ihrer Kopfhaut
»Ist es nicht seltsam« rief der Manesi »dass wir noch nichts im
Attraktionscentrum angebracht haben«
»Was sollen wir denn da anbringen« fragte plötzlich lachend der s
»Da hängt doch« sagte Labu »eine ganz schwere Last so gut wie von
selbst Der Pallasianer sinkt nicht wenn er in der Mitte fliegt Folglich sinkt
auch eine schwere Last nicht die an Seilen hängt«
»Ich merke was« rief Biba »Ihr wollt wohl ManesiPflanzen in die Mitte
hängen nicht wahr«
»Wir wollen« sagte Manesi »das Gerüst nicht belasten und trotzdem da in
die Mitte was hineinhängen Labu und ich wir haben doch noch nichts am Turm
anbringen können Wir möchten eine Blumenampel in die Mitte hängen Labu will
die Ampel machen in großen knolligen und in bogenartig aufgebauschten Formen
mit Kugeln und Henkeln Trauben und Schalen Ihr wisst ja so wie es Labu gern
möchte Wie groß die Ampel werden soll müssen wir natürlich vorher
ausprobieren Wir nehmen die Seile aus dem Südtrichter Und die Magnete können
wir wohl auch in der Ampel anbringen Das kann eine halb schwebende Insel
werden Die Blumen in Guirlandenform und die Stoffe für die Wurzelnahrung
besorge ich Seid Ihr einverstanden«
»Selbstverständlich« rief der Biba und der s sagte das auch Und kurze
Zeit darauf waren alle Pallasianer mit der ManesiLabuAmpel einverstanden
Und man konnte ihr einen Durchmesser von dreihundert Metern geben Soviel
blieb im Attraktionscentrum schwebend ohne den Turm erheblich zu belasten Dex
sagte zu Biba nachdem er alles berechnet hatte
»Eigentlich könnte die Ampel noch dreimal so schwer sein Aber ich will
sicher gehen Jetzt können wenigstens die Guirlanden ruhig weiter wachsen an den
Seilen«
An acht Seilen wurde die Ampel befestigt Und die Pallasianer umschwebten
alle diese schwebende Insel Und viele Pallasianer saßen auf dem Rande der Ampel
und unter dem Rande in den trefflichen plastischen Arbeiten des Labu In der
Mitte der Ampel oben wurde eine kleine Pilzwiese angelegt auf der immer nachts
ein paar hundert Pallasianer schlafen konnten Sie priesen dann immer die
Morgenstimmung mit so großer Begeisterung dass die Ampel schließlich ein
Mittelpunkt für das ganze gesellige Leben auf dem Pallas wurde Scheinwerfer
brachte man ebenfalls am Ampelrande an Und die Magnetsteine wurden für ein paar
Seilbahnen verwertet die direkt zum obersten Stockwerk hinaufführten
Ringsum im ganzen Turm brachte man Lampions an die aus durchsichtigen
bunten SofantiHäuten hergestellt waren Glas verwendete man nicht seiner
Schwere wegen
Und so wurde der ganze Turm mit all den leuchtenden NuseTürmen zusammen ein
einziger großer Lichtturm
Und der Nachtbeginn wenn die Bergspitzen unten phosphoreszierend
aufglänzten wirkte immer berauschender
Nun gabs allabendlich stets ein großes Lichtfest und man kam vom Turm nur
noch herunter wenn mans nötig hatte unten auf den Pilzwiesen zu schlafen
Auf der Ampelwiese schliefen in jeder Nacht andere Pallasianer sodass bald
alle mal da oben geschlafen hatten
Es hatte somit den Anschein dass ein Weiterbau des großen Turms jetzt weiter
keine Schwierigkeiten haben könnte Und Dex wurde besonders von Sofanti und Nuse
bestürmt doch nicht weiter zu zögern
Dex aber hielt sich trotz allem zurück und wollte nicht mit der Sprache
heraus
Da trat ein Ereignis ein das der Gedankenrichtung der Pallasianer plötzlich
eine ganz andere Wendung gab ein großer Komet erschien und schwebte ganz dicht
neben dem Pallas vorüber Und dabei geschah etwas Ungeheuerliches als die
Lichtwolke eines Nachts herunterkam wurde sie nicht dunkel wie sonst das
Kometenlicht machte die Wolke auf der einen Seite fast genauso hell wie am Tage
wenn die Wolke oben hing
Hieraus ging für alle Pallasianer deutlich hervor dass oben über der Wolke
nur ein Komet das große Licht spenden könnte ein gefesselter Komet
Da wurde der Dex von so vielen Pallasianern zum Weiterbau des Turms
aufgefordert dass er sich beim besten Willen nicht weiter weigern konnte
Und so beschloss der Dex das nächste Stockwerk und zwar nochmals gleich
drei Meilen lang unter einem Winkel von fünfundfünfzig Grad herzustellen
s war sehr glücklich er war immer mit Biba zusammen und die Beiden
sprachen nur von dem großen Kometen hoch über ihnen und von dem der am Pallas
vorbeizog zur Sonne hin
Biba sprach immer wieder von der Sonne und von dem großen Ring den die
Asteroïden zusammen bilden müssten entsprechend dem SaturnRing
»Es ist Deine Aufgabe« sagte er zum s »die Asteroïden
zusammenzubringen sie müssen zusammen wie eine einzige Masse wirken
mindestens müssen sie so einig untereinander sein wie die Pallasianer auf dem
Pallas«
»Du vergisst den Peka« versetzte s »wir sind doch eigentlich noch nicht
so einig Und außerdem sollten wir nicht so übergrosse Pläne haben«
»Irrtümlich scheint mir das« fuhr Biba fort »bist Du einmal so kühn
gewesen dass Du Dich mit dem Kopfkometen des Pallas verbunden hast so kannst Du
auch dieses Kopfsystem gedanklich beeinflussen Möglich ist es ja dass Du oben
ganz untergehst in dem Großen Dann würdest Du Dein Persönlichkeitsbewusstsein
vollkommen verlieren Dann wäre vielleicht für Dich alles aus Aber es ist doch
auch möglich dass Du da oben selbständig bleibst Und dann kannst Du doch das
ganze Asteroïdenheer zusammenbringen wollen Ein derartiges Zusammenleben mit
einem gefesselten Kometensystem muss doch in Dir eine riesig große Kaft
entfalten«
»Zu groß« sagte s »erscheint mir das noch An solche Gedankengänge bin
ich noch nicht gewöhnt Du weißt was ich stets von der Ergebenheit dem großen
Unbekannten gegenüber gesagt habe Ich muss bei dem was ich darüber sagte
bleiben Ich kann davon nicht abkommen so schnell wenigstens nicht Dränge
mich nicht«
Biba lächelte und schwieg
Da äußerte Nax zu Biba und s dass er Heimweh hätte
»Du darfst nicht fort« sagte Biba »wir werden Dich oben beim Bau noch
öfters gebrauchen«
Da sagte der kleine Nax lustig
»Meinetwegen bleib ich auch noch hier Aber Ihr müsst mir versprechen mich
später mit einem Pallasianer zum Stern Erde zu senden Ich habe neulich ein Buch
gefunden in dem wird erzählt die Erdianer könnten garnicht von der tollen Idee
abkommen dass sich die Sterne gegenseitig so anziehen wie die Sterne ihre
Oberflächenstücke anziehen Das finde ich so schnurrig Und deshalb möchte ich
die Erdianer die ja die drolligsten Lebewesen unsres Sonnensystem zu sein
scheinen doch mal kennen lernen Dann kann ich doch wieder mal tüchtig lachen
Ihr seid mir zu ernst«
»Lieber Nax« sagte da der Biba »wenn einer von uns mal zur Erde hinwollte
sollst Du mitkommen Aber so köstlich erscheint mir das Lächerliche dort nicht
zu sein Andrerseits finde ich dass die Idee der Erdianer wenn sie auch falsch
ist so unnatürlich garnicht genannt werden kann. Der Einfluss des Sterns den
die Erdianer Jupiter nennen auf die Sonnenfleckenperiode der Sonne ist doch
nicht zu leugnen Fast zwölf Erdjahre ist diese Periode lang in derselben Zeit
umwandelt der Jupiter die Sonne Beziehungen zwischen den Sternen sind also da«
Nax rieb sich seinen kleinen Rüssel und sagte
»Bei Euch muss man also auch das Lächerliche sehr ernst nehmen«
Siebzehntes Kapitel
Dex wird mit den Pallasianern bei der Turmarbeit vorgeführt die nur noch eine
gedankliche Arbeit keine handliche ist Peka wird müde sein Körper wird
stellenweise durchsichtig und er will sich in Lesabéndio auflösen sagt das dem
Bombimba der den s holt Peka sieht dass er nicht so tatkräftig wie der s
war und somit diesem weichen musste Sie nähern sich geistig einander obschon
sie im Leben immer einander widerstrebten Pekas Auflösung in s verändert
diesen sehr gibt ihm mehr Ruhe worüber sich Biba sehr freut Dex vollendet das
nächste Stockwerk und der Turm ragt jetzt fast sieben Meilen hoch zum
Kopfsystem empor
Nun war der Dex wieder mitten in seiner Arbeit Und die meisten Pallasianer
halfen ihm wo sie konnten Die Maschinen die den Kaddimohnstahl aus dem
Pallasrumpf herauszogen stampften wieder und ächzten Und die großen
Schmiedehammer dröhnten wie alte Metallglocken Alles ging durch elektrische
Kraft kein Dampf war zu sehen die Stoffe auf dem Pallas lassen sich nur sehr
schwer in die Dampfform umsetzen es ist sogar so schwer dass es die Pallasianer
gänzlich aufgegeben da ein unmittelbarer Nutzen aus der Dampfform nicht zu
ziehen ist Auch das Flüssigmachen der Stoffe ist wie schon öfters erwähnt
außerordentlich schwer Flüssigkeiten werden nur zu Heilzwecken verwandt müssen
also gelegentlich hergestellt werden Das geschieht aber nur in Labus Atelier
mit Hilfe der kompliziertesten Maschinen Die Struktur der Pallasstoffe
unterscheidet sich von der auf anderen Sternen so vielfach dass ein Vergleich
garnicht stattaft ist Die Quikkoïaner die auf einem gallertartigen Stern
lebten wunderten sich immer wieder über die verblüffende Trockenheit des Sterns
Pallas
Die »Arbeiten« am Turm hatten nur am Anfange die Körperkräfte der
Pallasianer in Anspruch genommen Gleich danach hatten sich ein paar hundert
Freunde des Dex bemüht neue maschinelle Erfindungen einzuführen Und dann galt
es nur die vielen Maschinen richtig zu bedienen und sie rechtzeitig zu
reparieren Und schließlich bemühten sich Alle nur darum immer bessere
Maschinen zu erfinden Die »Arbeiten« bekamen somit sehr bald ein ganz anderes
Gepräge es wurde viel gerechnet und immer wieder etwas Neues ausprobiert Eine
gedankliche Tätigkeit trat allmählich überall an die Stelle der handlichen Und
alles wurde so praktisch und bequem wie möglich eingerichtet sodass Unfälle
schließlich nicht mehr vorkamen
Besonders wurde die Anlage der Bandbahnen immer wieder verbessert sodass
oben am Turm bald kein Band mehr vergeblich dahinrollte die Bänder wurden so
geschickt von einer Rolle zur andern übergeführt dass jedes Stück mehrfach zu
gebrauchen war Für den Stahlstangentransport hatte man ein paar Zahnradbahnen
versuchsweise eingeführt doch sie bewährten sich nicht durch Stahl
versteifte langsam rollende Bandbahnen bewährten sich für die Überführung der
langen Stangen doch am besten
Und Peka wurde sehr müde sein Körper begann schon an einigen Stellen
durchsichtig zu werden Tief unten an einem NuseTurm im oberen Teile des
Nordtrichters lag er eines Tages auf einem glatt polierten großen Steinwürfel
und Bombimba saß neben ihm
»Sie hören nicht mehr auf« sagte der müde Peka »ihre ganze
Gedankenrichtung ist eine technische geworden Die große Kunst der
Rhytmisierung in den Flächen und Raumpartieen gilt ihnen garnichts mehr sie
wird ihnen nie mehr etwas gelten Und so ist es mir nicht mehr möglich länger
unter ihnen zu weilen Ich werde bald fort sein Das Klagen hat natürlich gar
keinen Zweck Ich wollte unserm Stern Bewohner geben die in beschaulicher Ruhe
dahinleben können Das war aber wohl nicht die Absicht des großen Unbekannten
der uns führt Ich habe ihn nicht verstanden Und darum muss ich fort Ich bin
überflüssig geworden Man hat in den letzten Jahren so viele Maschinen erfunden
um den großen Stahlturm da oben zu bauen Hätte man nicht in derselben Zeit so
viele Maschinen erfinden können um mein Steinpolieren zu erleichtern Dann
wäre Alles anders gekommen Man hätte den Nordtrichter in derselben Zeit
köstlich mit funkelnden Kanten und Brillanten durchsetzen können mit ganz
steilen glatten Wänden Und in den Wänden hätten rechtwinklige Löcher sein
können in denen man jetzt sitzen könnte und hinausstarren und hinunterblicken
Man hätte die Rhytmen des Nordtrichters so oft wieder von einem andern Punkte
aus sehen können von unten sowohl wie von oben Man hätte in einem Bauwerk
gelebt Und die Ateliers der Pallasianer hätten Aussichten gehabt in den
Nordtrichter hinein In dem hätte jeder Stein glatte Flächen zeigen können
glatte Flächen die doch allein den Rhythmus in den Raum und Flächenpartieen
künstlerisch wohltuend markieren können Das ist nun alles unmöglich Das
Drahtnetz oben zerstörte den Rhythmus im Raum es kann vielleicht mal eine
Kuppel werden aber das Kompakte das Bleibende und Feste das fehlt Und dass
es fehlt das gibt der ganzen Gedankenrichtung der Pallasianer eine andere
Richtung Ich bin mit meinen schwerfälligen Steinen eine veraltete Erscheinung
nur noch gut genug dem Sofanti Turmhäute zu liefern Das genügt mir aber nicht
Mir genügt es auch nicht wenn ich im Nordtrichter hier und da ein paar glatte
Wände und scharfe Kanten anbringen kann Ich wollte auch mal eine künstlerische
Aussicht haben Die hätte ich aber nur wenn ich den ganzen Nordtrichter nach
rhytmischen Prinzipien durchgearbeitet hätte Eine Kleinigkeit genügte mir
nicht«
»Hättest Du da nicht« fragte Bombimba »auf der Außenseite des Pallas so
viel umwandeln können dass die Aussicht überall Deinen Prinzipien genügt hätte«
Peka lächelte schmerzlich und sagte nach einer langen Weile
»Wir haften mit unsern Gedanken nicht immer da wo wir wollen Ich habe
zumeist im Nordtrichter gelebt nicht auf der Außenseite des Pallas Die ist
auch garnicht so leicht nach allen Seiten durchzubilden Man kommt da immer
wieder an eine Grenze wo das Ungeordnete herrscht Und grade das Ungeordnete in
unserm Stern wollte ich ja ganz und gar vergessen Hätte ich alle Berge auf dem
Nordtrichterrande rhytmisch mit graden Linien und glatten Flächen in tausend
Winkel gegliedert dann wäre ich nie darauf gekommen über den oberen Rand
hinwegzublicken oder unten durch das Loch in den Südtrichter zu fahren Ja
ich bin eben nicht in der Lage aus meiner Gedankenrichtung hinauszukommen Und
da ich sie nicht in erquickende Wirklichkeiten hineinzusetzen vermag so ist
meine Gedankenrichtung nicht mehr lebensfähig Kannst Du alles was ich Dir
sagte dem Lesabéndio sagen Ich wäre Dir dankbar Ich möchte mich in s der
mich vernichtete auflösen Vielleicht bleibt dann Etwas von dem was ich
dachte auf dem Pallas zurück Willst Du ihm das alles sagen«
Bombimba nickte und flog davon um den s zu suchen und zu
benachrichtigen
»Immer« fuhr Peka als er allein war fort »glaubt man das Beste zu tun
Und schließlich wird doch Alles ganz anders Wer kann den unbegreiflichen Führer
begreifen Wer begreift unser ganzes Leben Einst als wir Nüsse waren da ging
Alles so wirr durcheinander Und im Traume gehts auch so wirr durcheinander Und
im andern Pallasianer Gehts da auch so wirr durcheinander
Wir wissen das alles nicht Vielleicht habe ich Unrecht gehabt und Unrecht
getan Vielleicht war ich schon zu müde vor vielen vielen Jahren s ist
jedenfalls kräftiger Das ist auch etwas wert Ja Ja«
Bombimba fand den s nicht gleich und musste dreißig Bandbahnen benutzen
ohne ihn zu finden Oben im Turm sagte man überall s sei unten Und unten
auf den Bergen bei den Maschinen war es überall so laut dass Bombimba sich
schwer verständlich machen konnte Die großen Maschinen zogen den Kaddimohnstahl
aus dem harten trockenen Boden heraus dass der furchtbar knirschte Dazu kamen
die Hammermaschinen die den Stahl bearbeiteten Es war garnicht leicht einen
Pallasianer zu finden wenn er allein sein wollte Und s wollte jetzt immer
wieder allein sein Schließlich wurde er in dem Aussichtszimmer eines kleinen
Lichtturms gefunden der ganz einsam drei Meilen höher als der Modellturm schon
vor sehr langer Zeit gebaut wurde s hörte was er sollte und begab sich
gleich mit Bombimba zum müden Peka
Lesabéndio sagte zum Peka milde
»Ich danke Dir dass Du mich grade gerufen hast Ich habe alles was Du zu
Bombimba sagtest von diesem gehört Und ich weiß nicht was ich Dir zum Troste
mitteilen soll Ich weiß Du brauchst keinen Trost Aber es ist doch immer ein
seltsamer Augenblick wenn man fühlt dass der Körper durchsichtig wird Wir
werden alle von unbekannten Mächten fortgetrieben Und das Ziel das uns
vorschwebt scheint uns immer wieder undeutlich zu werden Was wissen wir von
unserm Leben Vielleicht hast Du mit Deinen künstlerischen Bestrebungen ein
Wertvolleres im Auge gehabt als ich Du wolltest die ruhige Stille Ich habe die
nie gekannt Und das empfinde ich doch zuweilen als einen Mangel in mir Ich
kümmere mich viel mehr um das was außer mir ist Aber glaube mirs auch das
muss wohl ein Wertvolles sein Es kam mir das Leben unsres ganzen Sonnensystems
und besonders das Leben unsres Doppelsterns immer viel wichtiger vor als mein
eigenes Leben Wissen wir denn ob wir jemals ein eigenes Leben erfassen können
Deine Freude am Rhytmischen gab Dir ja mehr die Empfindung dass Du ein eigenes
Leben hattest Ob das aber nicht auch nur eine Täuschung war Ich habe viel von
dem was Du wolltest wohl unmöglich gemacht Doch ich war nicht Herr meiner
selbst«
»Ich bin ganz ruhig« erwiderte Peka »und ich habe jetzt nur noch den einen
Wunsch dass Du recht viel von meiner Ruhe und Beschaulichkeit in Dich aufnimmst
Du bist der Tatkräftige Das Tatkräftige war mir aber meiner Anlage entsprechend
nicht naheliegend Es entwand sich mir immer Nun sehen wir beide ein dass wir
nicht leicht solange wir nebeneinander lebten zusammenkommen konnten Da ist
es doch ein Trost dass wir uns zum Schluss noch so nähern können Das Ende der
Pallasianer ist doch ein beneidenswertes Ich glaube nicht dass es Ähnliches
öfters in unserm Sonnensystem gibt Ich werde in Dir weiterleben als Dein guter
Freund obschon ich im Leben niemals Dein guter Freund war und immer in andern
Sphären meine kühlen ruhigen rhytmischen Ziele erblickte Zur Wehmut haben wir
also keinen Grund So wie es gekommen ist wirds wohl das Richtige sein Das
Kräftigere siegt immer Aber wir müssen auch ein Vergnügen darin erblicken mal
vom Kräftigeren besiegt zu werden Gib mir Deine Hand s Wenn Du bereit
bist so werde ich Dir dankbar sein Bombimba kann in unsrer Nähe bleiben«
Die Beiden reichten sich die feinen Hände und drückten sie Bombimba sah
starr zu er hatte noch niemals einer Auflösung beigewohnt
Und dann reckte sich plötzlich der Lesabéndio dreißig Meter hoch empor und
die Poren seines Körpers weiteten sich mächtig wie große Rachen auf Und Peka
wurde mit einem Ruck von Lesas Körper angezogen und war gleich danach
verschwunden
Langsam schlossen sich Lesas Körperporen und dann wurde er langsam wieder
kleiner und blickte langsam im Nordtrichter herum als sähe er alles mit ganz
neuen Augen
»Es ist mir doch« sagte er bedächtig zum Bombimba »als wären wir immer auf
einem Irrwege Wir haben eigentlich niemals das Gefühl als wäre das was wir
tun das Richtige Es gibt immer noch eine andere Bandbahn die in scheinbar
besserer Gegend zum Ziele führt Ich sehe den Peka der mir so heftig Zeit
seines Lebens widerstrebte jetzt so deutlich vor mir wie ich ihn nie in seinem
Leben sah Sein Geist wird in mir immer lebendiger werden Und ich bekomme
dadurch eine neue Seite Unsre Persönlichkeit schließt sich niemals ganz ab
Auch Peka empfand zuletzt dass sein Weg wohl nicht der einzige Weg zum guten
Ziele sei Auch sein gutes Ziel wurde ihm undeutlich«
Bombimba sagte rasch
»Welch ein geheimnisvolles Leben führen wir auf dem Pallas Mir ist so als
hätte ich Euch beide jetzt erst verstanden Aber ich verstehe auch dass Ihr nie
zusammenkommen konntet solange Ihr lebtet Die Auflösung Pekas in Dir hat aber
das Unmögliche ganz einfach möglich gemacht Ob es möglich ist s dass sich
der Pallasianer auch in einem andern höheren Wesen auflösen könnte Weißt Du
das«
»Ich weiß das nicht« versetzte s »aber vielleicht erfahren wirs wenn
wir oben sind Wir erleben ja auf dem Pallas so große Wunder dass wir wohl
hoffen dürfen dass wir immer größere erleben werden«
Die Lichtwolke kam herunter und es wurde Nacht im Nordtrichter Alle
elektrischen Lampen flammten mit einem Ruck bunt und funkelnd auf Die
Scheinwerfer drehten sich Bombimba legte sich auf die nächste Pilzwiese die
Haut seines Rückens spannte sich hoch über ihm zusammen Er ließ seinen linken
Arm leuchten und rauchte sein Blasenkraut und dachte über Leben und Sterben auf
dem Pallas nach
Lesabéndio aber fuhr auf zehn Bandbahnen und zwei Seilbahnen zum Biba und
erzählte ihm was vorgefallen war
Biba lächelte und sagte hastig
»Das hab ich immer gewünscht Grössere Ruhe ist für Dich ein Bedürfnis Peka
wird sie Dir geben Jetzt kannst Du auch erfahren wie der Peka in Dir wirkt
ob er persönlich in Dir lebendig bleibt Ist das der Fall so könntest Du auch
persönlich oben im Kopfsystem Dich erhalten«
»Wenn wir nur erst genauer wüssten was das Persönliche eigentlich ist«
erwiderte s
Sie sprachen noch lange darüber
Am nächsten Tage aber hatte Dex das nächste Stockwerk fertig gebaut abermals
drei Meilen schräg nach oben der Ring oben hatte nur noch einen Durchmesser von
einer guten halben Meile Sofanti ließ viele Häute hinaufschaffen
Der Turm reckte sich jetzt fast sieben Meilen hoch zum Kopfsystem des Pallas
hinauf
Achtzehntes Kapitel
Biba hält dem s einen großen Vortrag über die Annäherungsmotive astraler
Lebewesen und s hält das Gesagte für einen Beitrag zur Lösung des
Persönlichkeitsproblems Man entdeckt in Pekas Atelier ein großes Modell des
Nordtrichterturms mit architektonischer Durchbildung Viele Pallasianer
bedauern dass der Turm die Ausführung des PekaModells verhinderte Die Ampel
oben steigt aber höher und man baut das nächste Stockwerk eine Meile hoch
Sofanti umschließt das Ganze mit Haut sodass der Turm seine Laterne hat Labu
ist verschwunden Manesi geht in seinem Sonnenatelier ebenfalls wie Peka in
Lesabéndio auf
Biba wurde jetzt sehr lebhaft er ließ den Lesabéndio fast garnicht mehr aus den
Augen Fast in jeder Stunde hatte er ihm neue Gedankengänge zu übermitteln Und
s hörte immer aufmerksam zu
Oben auf dem Rande der großen ManesiAmpel sagte Biba eines Tages zwischen
großen karminroten Blumen die wie schlaffe kleine Luftballons unter dem
violetten Himmel hingen während die grünen Sterne heftig funkelten und die
Lichtwolke oben strahlte
»Lieber s wir denken wohl häufig es könnte wohl verwunderlich sein dass
sich die Sterne einander nähern und so lange einander nahe sind Ein bloßes
Mitteilungsbedürfnis kann sie doch nicht zusammenführen Um sich Gedanken
mitzuteilen dazu bedarf es keiner körperlichen Annäherung Die
Gedankenmitteilung ist durch Bücher und andere Schriftzeichen viel leichter
herzustellen Wenn wir Oberflächenwesen schon die fixierte Gedankenübermittlung
kennen so dürfte den Sternen noch eine ganz andere Art von verständlichen
Schriftzeichen geläufig sein Darum bin ich der Meinung dass den großen astralen
Lebewesen das Fixieren von Gedanken nicht so wichtig ist wie das Formulieren
von neuen Eigenschaften Dieser wegen kommen sie zusammen Und so läuft alles
Zusammenkommen auf große lange Zeit hindurch vorzubereitende Umwandlungsprozesse
hinaus Die Sterne kommen eben zu andern Sternen um ihr ganzes Wesen ein wenig
oder recht energisch umzuwandeln Wie verwandeln sich nur die Kometen in der
Nähe der Sonne Bedenke das nur Das ist das Deutlichste Dieses
Umwandlungsprinzip ist darum auch in den Oberflächenwesen der Sterne zu
konstatieren Denke an die sterbenden Pallasianer Vielleicht ist alles Sterben
in unserm Sonnensystem nur auf dieses große überall bemerkliche
Umwandlungsprinzip zurückzuführen Da hätten wir einen Gedankengang der wohl
viele Rätsel einer Lösung etwas nähert Andrerseits wird doch auch die Sonne
durch ihre Planeten umgewandelt der Einfluss des Jupiters auf die
Sonnenfleckenperiode ist doch ebenfalls so außerordentlich deutlich Vielleicht
ist sogar der Pallas in der Lage einen kleinen Eindruck auf das Leben der Sonne
auszuüben Wir könnens ja nicht bemerken Aber vielleicht weiß das Kopfsystem
oben Näheres davon Vielleicht stehen wir der Sonne näher als wir denken
Natürlich werden sich manche Sterne zu Zeiten auch gegen den allzu kolossalen
Einfluss der Sonne auflehnen und sich dann eine Kruste zulegen durch die sie ein
wenig geschützt sind gegen die allzu heftigen Temperaturbeeinflussungen unsres
großen Centralgestirns So mags bei der Erde sein Vielleicht kommt daher auch
die etwas zurückgebliebene Geistesverfassung der Erdoberflächenbewohner Der
Pallas ist ja auch sehr hartkrustig Aber er hat einen beweglichen Kometenkopf
Vielleicht stammt dieser doch aus dem Nordtrichter Man müsste allerdings
annehmen dass dann dem Südtrichter auch ein Kometenkopf entstiegen sei
Aber über die Entstehung der Sternsysteme darf man ja nicht nachdenken Was
ist in diesen Kopf und was ist Rumpfsystem Das ist doch alles nur
Bildersprache von uns Möglich ist doch auch dass das Kopfsystem oben
ursprünglich garnicht an unsern Trichterstern gebunden war Was ist nicht alles
möglich Wir sollen nicht darüber nachdenken Das führt zu weit Und wir würden
wohl garnicht klüger wenn wir Näheres von der Sternentstehung wüssten oder wir
würden vielleicht zu klug was uns doch ebenfalls sehr schädlich sein könnte«
s sagte lächelnd
»Das war eine famose Randbemerkung zum Thema
Persönlichkeit«
Sie sprachen weiter über dieses große Thema
Währenddem waren die Freunde Pekas mit Labu in Pekas Atelier gefahren und
durchstöberten da alle Ecken und Winkel der riesenhaft großen Räume Und dabei
entdeckten sie plötzlich eine Türe die durch Druck nachgab
Und sie sahen einen großen von der Decke aus hell erleuchteten Raum vor
sich Und im Fußboden dieses großen Raumes befand sich eine ganz genaue
Nachbildung des Nordtrichters aber mit unsäglich vielen kristallinisch
gebildeten Felsmassen durchsetzt mit glatten Wänden und mit großen
Überkragungen mit Terrassen und Türmen Brücken und Geländern auch viele
Bandbahnen waren da die sich so bewegten wie die großen Bandbahnen draußen
Das Modell hatte einen Durchmesser von ungefähr fünfzig Metern und drehte
sich langsam automatisch um sich selbst Von diesem Modell hatte bisher kein
Pallasianer eine Ahnung gehabt Peka hatte es heimlich ganz eigenhändig
hergestellt Es bewegte sich immer noch und die nachgebildete Lichtwolke oben
leuchtete auch noch immer Das Ganze war an eine Elektrizitätsquelle
angeschlossen und hätte sich noch Jahre hindurch bewegt wenn man den Modellraum
auch nicht entdeckt hätte
»Welche Arbeit« sagte Labu
Man sah noch von oben mehrere Stricke herunterhängen an denen hatte sich
Peka angeschlossen wenn er in seinem Modellturm die kleinen Modellfelsen
anbrachte Es sah wie eine Spielerei aus Aber Pekas Freunde wurden doch sehr
traurig als sie das alles sahen
Bei der ständigen Drehung des Ganzen ließ sich der rhytmische Wechsel in
allen Raumteilen sehr gut beobachten Und auch der Rhythmus in den Flächen wurde
deutlich er war durch farbige Linien und Bänder markiert
In der Tiefe war das Loch des Planeten und durch das sah man in den
Südtrichter Man versuchte nun zu diesem auch durchzudringen es war aber zu
eng um einen Pallasianer durchzulassen Nach langem Suchen fand man endlich
eine Falltüre durch die man in den unten gelegenen Raum gelangte Dort aber lag
noch alles ganz roh durcheinander an den Südtrichter hatte Peka niemals
ernstlich gedacht allerdings schien ers wohl nicht für unmöglich gehalten zu
haben dass auch dort mal seine rhytmisierende Tätigkeit beginnen könnte
Schnell wurden alle Pallasianer von der Existenz dieses Modells in Kenntnis
gesetzt Und Alle kamen um sich die große langwierige feine Arbeit anzusehen
Viele bedauerten beim Anblick dieses Modells dass so wenig davon zur
Ausführung gelangte nur die Fundamente von drei NuseTürmen waren nach diesem
Modell oben ausgeführt Und diese drei allerdings umfangreichen Fundamente
hatten dem Sofanti genügt um ein überreiches Hautmaterial zu erzeugen
Bald darauf entdeckten die Pallasianer ein neues Wunder die Ampel die oben im
Turm so lange an den langen Drahtseilen hing begann sich unabhängig von den
Drahtseilen zu machen die Ampel fing an zu steigen sodass die Drahtseile
schlaff und eigentlich ganz zwecklos dahingen
Nun hatten sich jedoch die Rankenpflanzen des Manesi weit auf den
Drahtseilen fortgepflanzt abschneiden konnte man also die Drahtseile nicht
Die Ampel stieg immer höher das Attraktionscentrum musste demnach abermals
ebenfalls höher gestiegen sein
Und dann wurden die Drahtseile allmählich wieder straff aber sie wurden
jetzt aufwärts strebend straff zogen also die Ampel runter und nicht mehr empor
wie früher
»Alles drängt nach oben« sagte der Dex
»Demnach müssten wir« meinte der Sofanti »doch wieder an die Arbeit gehen«
Und dem stimmten die meisten Pallasianer bei Und das nächste Stockwerk
wurde hergestellt
Dex wollte nur eine Meile hoch gehen
Und da der Durchmesser des obersten Ringes mit den vierundvierzig Ecken nur
eine gute halbe Meile lang war so konnte man dieses Mal fast senkrecht die
neuen Stangen ansetzen
Das ging schneller als man dachte
Sofanti brachte hiernach seine Häute hinauf und umkleidete das neue
Stockwerk ganz und gar
Und da hatte die Turmspitze plötzlich einen Lampioncharakter im Innern des
neuen Stockwerks wurden Tausende von elektrischen Lampen angebracht
Der Turm hatte nun oben seine »Laterne«
Nuse der die meisten Lichttürme im Nordtrichter gebaut hatte war ganz
besonders davon entzückt dass jetzt der große Turm endlich zum vollendeten
Lichtturm geworden war
Aber Nuse sah jetzt mit Sorge der Lichtwolke entgegen und behauptete dass
sie sich wohl in das Innere des neuen Stockwerks hinunterlassen könnte Und
darum meinte er sei eine Überspannung oben durch Häute wohl angebracht
»Ich wundre mich« sagte er »dass uns die Lichtwolke bislang so wenig
hinderlich gewesen ist Wenn sie kommt fahren wir ja alle in die Tiefe Aber
nachdem wir sie elektrisch durchleuchtet haben scheint sie sich immer weiter
zurückzuhalten Die kleinen Wesen mit den fadendünnen langen Körpern scheinen
Furcht vor uns zu haben«
Man war der Lichtwolke bereits sehr nahe gekommen Am Tage war der
Aufenthalt ganz oben im Turm nicht grade angenehm die Lichtwolke leuchtete so
heftig dass die Pallasianer stets ihre Augen durch ihre große regenschirmartige
Kopfhaut schützen mussten Nachts wenn die Wolke heruntergekommen war konnte
mans nur ganz kurze Zeit im Innern der Laterne aushalten man konnte sich das
nicht erklären da die Wolke nicht durch das obere Loch durchkam
Sofanti wurde demnach gebeten doch oben das Loch mit Häuten zuzumachen Er
stöhnte ob des vielen Materials tat aber schließlich sehr gern was man von ihm
verlangte
Und als die Laterne oben zu war konnte man die ganze Nacht im Innern der
Laterne verweilen Und das taten denn auch sehr viele Pallasianer
Man wurde allmählich aufgeregt man glaubte dass jetzt die Lösung von
unzähligen Lebensrätseln bald da sein würde
Und fast Niemand dachte an künstlerische Ausgestaltung des Turms man dachte
nur an das was hinter der Wolke lebte an das große Kopfsystem des Pallas
Zu denen die nicht von der allgemeinen Stimmung mitgerissen wurden
gehörten besonders Manesi und Labu
Labu war nicht aufzufinden Er hielt sich verborgen Bombimba war
gleichzeitig mit ihm verschwunden
Wo die Beiden lebten wusste Niemand
Man suchte auch nicht nach ihnen da Alle ganz von der Wolke gefangen
genommen wurden und nur über diese sprachen
Lesabéndio wurde so ehrfürchtig verehrt als wüsste er ganz allein was da
oben sein könnte
Und Lesabéndio wurde immer schweigsamer Er gab Allen die ihn ausforschen
wollten nur ganz kurze Antworten sagte dass er nicht mehr wisse als die
Andern
Dex zögerte mit dem Weiterbauen
Aber er ließ unten von den Maschinen den letzten Stahl aus den Tiefen
herausziehen und bereitete alles zum Weiterbau vor
Biba blieb immer in Lesas Nähe ließ ihn aber stets allein
»Ich will Dich nicht stören« sagte er öfters »aber ich glaube dass der
Mutigste doch das größte Glück zu packen vermag«
Manesi umschwebte immerzu seine große Blumenampel Und dabei wurde sein Körper
an einzelnen Stellen durchsichtig
Und Manesi bat den s eines Tages ihm doch in sein großes Atelier zu
folgen das im Südtrichter lag
Sie fuhren beide hin und Manesi sagte müde und abgespannt
»Ich glaube auch nicht mehr daran dass jemals wieder künstlerische Neigungen
auf dem Pallas die Oberhand gewinnen werden Es geht alles ganz anders als ich
gedacht habe Als Ihr damals zuerst mit der Turmidee kamt sagte ich mir ja
gleich dass dadurch alles Künstlerische zurückgedrängt werden würde Doch dass
das so vollkommen geschehen würde das hätte ich nicht gedacht Fühlst Du
nicht lieber s etwas vom Peka in Dir«
»Das schon« versetzte s »aber das da oben ist mächtiger Wir sind nicht
die Herren unsres Schicksals«
Danach sagte Manesi
»Was Du dem Peka tatest das tu mir auch Ich werde Dir dankbar sein«
Und s war damit einverstanden
Manesi ließ in seinem Atelier alle seine künstlichen Sonnen durch die das
Wachstum der Pilz und Schwammwiesen so heftig gefördert wurde plötzlich hell
aufflammen und reckte sich ganz hoch auf Und s reckte sich auch hoch auf
und die Poren seines Körpers öffneten sich wie Rachen
Ein paar Glühwürmer umschwebten Manesis Kopf
Ringsum die vielen Ballonblüten der herrlichsten ManesiPflanzen schwankten
träumerisch hin und her Und in den größten Ballonblüten begann ein mächtiges
Phosphoreszieren und ein großes Farbengezucke Manesi sahs lächelte sah dem
s fest ins Auge und verschwand in Lesas Körper
Viele Ballonblüten fielen müde und schlaff zusammen
Das Licht der künstlichen Sonnen wurde immer schwächer
Es wurde bald ganz dunkel in Manesis Atelier
Neunzehntes Kapitel
Nuse gibt den Rat die Stangen für das nächste Stockwerk auf der Außenseite der
Laterne hinaufzuführen Manesi und Labu werden vermisst Manesis Auflösung
verbreitet Missstimmung Labu stellt mit Bombimba ein PallasModell her das mit
Hilfe von hundert andern Pallasianern auf die Ampel hinaufbefördert wird Als
das nächste Stockwerk aufgerichtet und der ganze Turm jetzt neun Meilen hoch
aufragt verbreitert sich die Lichtwolke und kommt in einer Nacht obschon sie
dunkel wird nicht hinunter bleibt tellerartig oben Und die Sterne sind des
Nachts zu sehen Ein Spiegelstern zieht vorüber am Pallas Lesabéndio wird müde
und will dass das letzte Stockwerk schnell aufgeführt wird
Oben in der Laterne wurde nun die Aufregung immer größer Die Lichtwolke war am
Tage nicht mehr volle zwei Meilen von der Turmspitze entfernt hätten sich die
Pallasianer nicht durch ihre Kopfhaut schützen können so wäre der Glanz der
Lichtwolke unerträglich gewesen
Die Haut die oben die horizontale Seite der Laterne von der freien Luft
abschloss hatte an vielen Stellen durchsichtige Hautplatten die teilweise
verdunkelt einen freien Blick auf die Wolke auch am Tage gestatteten An vielen
Seilen hingen viele Pallasianer unter der oberen Laternenhaut blickten nach
oben und berechneten die Entfernung die bald ganz genau bestimmt war
Der Durchmesser der Laterne betrug jetzt oben nur noch dreitausend Meter
Man wollte weiterbauen abermals eine Meile hoch höher steigen
Das war nicht so einfach da die Nähe der Lichtwolke jetzt viel gefährlicher
erschien als in den unteren Stockwerken obschon sich die Wolke in respektvoller
Entfernung hielt hatte sie doch eine abstossende Kraft der man sich jedenfalls
nicht mit den Gliedern des Körpers aussetzen durfte
Da machte Nuse der sich für den großen Lichtturm mit seiner riesenhaften
Laterne am meisten begeisterte folgenden Vorschlag
»Wir haben« sagte er »bei den letzten Etagen unsre Stangen nur mit Mühe
nach oben bringen können da wir die Stangen die eine Meile lang sind nur im
Innern der Laterne hinaufführten Das Umkippen der Stangen ließ sich nicht
durchführen da ja die Laterne im Querschnitt einen Durchmesser hat der nicht
eine halbe Meile beträgt Darum schlage ich vor das nächste Stockwerk anders zu
bauen Wir können doch die Stangen von außen hinaufführen und zwar gleich mit
der Haut zusammen die kann gleich unten rechts und links von den Stangen in der
nötigen Breite angebracht werden Dann haben wir schließlich nur das oben
abschliessende horizontal gelagerte Hautstück eine Meile hoch hinaufzuschieben
und das nächste Stockwerk ist fertig und oben gleich wieder abgeschlossen Das
Anbringen der Räder und Rollen auf der Außenseite der Laterne wird nicht große
Schwierigkeiten bereiten da wir ja nicht zu fürchten brauchen
hinunterzufallen unsre Körper bleiben ja fast mühelos durch ein paar
Flügelschläge lange in derselben Höhe«
Der Vorschlag fand allgemeinen Beifall Dex und Sofanti gingen sofort an die
Arbeit Und viele Pallasianer meldeten sich die die Räder und Rollen an der
Außenseite der Laterne befestigen wollten Die neuen Turmstangen wurden unten
gleich mit weiteren Rädern und Rollen an der Außenseite versehen sodass auch die
Aufführung des letzten Stockwerks ganz mechanisch ohne weitere Handarbeit
arrangiert werden konnte
Als nun die Arbeiten ruhig und sicher oben zur Ausführung gelangten fiel es
plötzlich auf dass Manesi und Labu nicht mehr sich sehen ließ Und man
vermutete dass sie Beide dem Beispiele des Peka gefolgt seien zumal Lesabéndio
ebenfalls nicht sichtbar wurde Als dieser schließlich kam und nur vom Manesi
erzählte waren Viele missgestimmt Man konnte sich aber nicht erklären wo sich
der Labu versteckt hielt mit ihm war auch Bombimba verschwunden Und man
suchte sie
Die beiden Verschwundenen befanden sich aber in einem der größten Ateliers
des Labu im Südtrichter Dort hatte der Labu eine kolossale Steinkugel von
dreißig Metern Durchmesser aufbewahrt Von dieser Kugel schnitten die Beiden
oben und unten eine Kappe ab und machten dann oben und unten zwei Trichter
sodass das Ganze ein Modell des Pallasrumpfes darstellte An diesem Modell wollte
Labu alle seine künstlerischen Absichten zeigen Die Beiden zeigten an
verschiedenen Stellen wie die Trichterwände durch kugelartige und auch durch
unregelmässige hügelige Formen am besten belebt werden könnten wenn man nicht
verschmähen würde stark wirkende Farben aufzutragen
Labu sagte öfters
»Ich verstehe nicht warum der Peka immer sagte dass rhytmische Gliederung
nur durch Ecken und Kanten und besonders durch rechteckige Formen herzustellen
sei Warum soll Rhythmus nicht auch mit komplizierten gewundenen Kurven
deutlich zu machen sein Wir sind wohl alle etwas einseitig Ich will ja das
Rechteckige garnicht ausschließen bevorzuge allerdings auch immer nur die
gekrümmte Linie Doch so halsstarrig wie Peka bin ich nicht Und deshalb fällt
es mir garnicht ein an der künstlerischen Zukunft der Pallasianer so zu
verzweifeln wie der Peka«
Die suchenden Pallasianer fanden nun schließlich die Verschwundenen als sie
grade eifrig an ihrem Modell arbeiteten
Als Labu von Manesis Auflösung hörte wurde er fast zornig und sagte
»Das ist doch wahrhaftig nicht vernünftig Ich denke wahrlich nicht daran
zu verzagen Und um das den Pallasianern zu beweisen möchte ich mein Modell
oben auf der Ampel anbringen über der Mitte frei schwebend nur von
Stricken gehalten Da soll man sehen dass ich nicht wie Peka und Manesi bin Ich
verzage nicht so leicht Wenn der Turm fertig ist kommen auch andre Zeiten Und
da wird man abermals der Kunst wenn man sie jetzt auch noch immer in die Ecke
stellt ein neues Rückgrat verschaffen Nun handelt sichs nur darum das etwas
schwere Modell hinaufzutragen«
Die Pallasianer freuten sich über diese Rede des lebensfrohen Labu
außerordentlich und wollten gleich ein paar hundert andre Pallasianer
veranlassen das Hinauftragen des Modells nach Kräften zu fördern
Und es kamen auch achtzig hilfsbereite Freunde des Labu unten in seinem
großen Atelier an
Man brachte das Modell mit Rädern auf Eisenschienen hinaus löste ein paar
Magnetbahnen auf knüpfte das Modell an die dadurch frei gewordenen Seile und
zog an diesen den kleinen Trichterstern durch das Centralloch durch so dass er
nicht an die Wände des großen Pallas herankommen konnte Und dann stieg die
schwere Steinmasse von mehreren Seiten an den Seilen in der Mitte gehalten
nach oben empor ohne dass man weitere Mühe hatte
Oben auf der Ampel wurde das Modell frei schwebend angebracht nur durch
ein paar Seile gehalten dass es nicht höher steigen konnte
Das Attraktionscentrum rückte zeitweise immer höher hinauf Doch dann sank
es auch wieder mehr hinunter sodass man die Ampel zuweilen wieder hängend sah
wie am Anfange als sie angehängt wurde in diesem Falle musste das Modell durch
Stangen gestützt werden
Labus Modell machte aber wenig Eindruck auf die oben befindlichen
Pallasianer die dachten fast alle nur an die große Lichtwolke
Die große Lichtwolke veränderte sich als das nächste Stockwerk der Laterne
fertig in die Höhe gerichtet dastand Jetzt ragte der Turm schon neun Meilen
hoch auf Seine Spitze war von der Wolke nur noch sechstausendundfünfundfünfzig
Meter entfernt Es schien so als würde die Wolke ganz unruhig am Tage zeigte
sie oft schwarze Flecke und des Nachts wurde sie immer breiter Und eines
Abends kam sie nicht mehr hinunter wie sonst Die Wolke wurde dunkel breitete
sich aber plötzlich nach allen Seiten aus wie ein flacher Teller
Man erschrak
Alle glaubten jetzt würde gleich etwas Fürchterliches geschehen Eine Nacht
gabs auf dem Pallas in der alle Sterne zu sehen blieben grün funkelten sie am
violetten Himmel
Die Sonne leuchtete so hell dass eine Dämmerungsstimmung entstand in der
die vielen elektrischen Lampen und die Lichttürme des Pallas besonders der
große sehr seltsam und geheimnisvoll wirkten
Eine derartige Zwielichtbeleuchtung war den Pallasianern ganz neu
Um Labus Modell kümmerte sich nun Niemand mehr selbst Labu selber nicht
Als sich die Wolke dann gegen Morgen wieder zusammenzog wurde sie
allmählich wieder hell und leuchtete wie sonst
Alle Pallasianer hatten in dieser seltsamen Dämmerungsnacht nicht
geschlafen
Jetzt aber wurden sie müde und suchten die Pilzwiesen auf besonders die in
den dunkeln Höhlen wo das Tageslicht nicht hinkonnte
In der nächsten Nacht schwebte neben dem Pallas ganz in dessen Nähe ein
seltsamer Asteroïd vorüber
Der hatte an der Seite die er dem Pallas zukehrte einen zwei Meilen
langen ganz glatten Metallspiegel
In diesem Metallspiegel spiegelte sich der ganze Pallas und da sah man
erst wie magisch und geheimnisvoll der große Lichtturm mit seiner hohen Laterne
wirkte
Alle Pallasianer waren entzückt und gaben dem Spiegelstern Zeichen mit
Scheinwerfern
Auf dem Spiegelstern sah man danach plötzlich ebenfalls eine Menge
Scheinwerfer hervorbrechen Und der Spiegel wurde dabei karminrot
Da veränderten die Pallasianer alle Farben in ihren Lichttürmen durch anders
gefärbte Hautstreifen
Und gleichzeitig geschah das auch auf dem Spiegelstern
Biba wollte eine Zeichensprache durch Scheinwerfer deutlich machen Es
gelang aber nicht Der Spiegelstern entfernte sich und zeigte dabei eine andere
Seite seines Sternkörpers die so aussah wie ein Gewirre von unzähligen bunten
glitzernden Schlangen
Nun dachte man daran das nächste Stockwerk anzusetzen
Doch Dex und Nuse wurden ängstlich
Sofanti sagte
»Was dann geschieht wenn die Stangen mit den Häuten die Wolke oben direkt
berühren das können wir nicht wissen Ich glaube die Wolke wird sich dann
ganz und gar auseinandertun Wir stehen jedenfalls von dem größten Ereignis
unsres Lebens«
»Es wäre« fuhr er dann später fort »doch wichtig dass wir jetzt hörten
was Lesabéndio zu dem Ganzen sagt«
Lesabéndio aber schwieg
Biba kam nun in Lesabéndios Nähe und sagte leise
»s Du beunruhigst mich Warum sprichst Du nicht Sollen wir weiterbauen
Oder sollen wirs vorläufig lassen Du musst Dich doch jetzt äußern Deinetwegen
ist doch der ganze Turm gebaut Ich verstehe Dein Schweigen nicht Sprich doch
Was fehlt Dir«
Da sagte s müde
»Quält mich doch nicht mit Fragen Baut doch weiter Es eilt«
Da baute man weiter
Zwanzigstes Kapitel
Das letzte Stockwerk wird nach oben gebracht Die letzten Vorbereitungen zu
Lesabéndios Aufstieg werden getroffen s gibt dem Biba auf dem höchsten
Balkon noch besondere Anweisungen Als s allein ist beugt er sich noch
einmal über den Balkonrand und sieht zum letzten Male lange Zeit hindurch in den
Nordtrichter in dem viele Gesteine sehr heftig funkeln was am Tage noch
niemals beobachtet wurde Dann spricht Biba mit s über eine spätere
Verständigung und über die Zukunft des Asteroïdenrings und über die
Vergangenheit des Pallas s wird wieder mutig und bleibt oben allein Alle
Pallasianer schlafen in dieser Nacht unten Am nächsten Morgen soll das letzte
Stockwerk aufgerichtet werden
Die letzten vierundvierzig Kaddimohnstahlstangen mit dem dazu gehörigen
Hautmaterial wurden dann langsam von Stockwerk zu Stockwerk hinaufgezogen Und
man achtete darauf dass das gleichmäßig geschah
Während aber die Arbeit der Maschinen ganz ruhig vor sich ging entstand
oben in der Laterne eine immer größere Aufregung das Durchstossen der Wolke oben
musste in allernächster Zeit Klarheit schaffen Alle Pallasianer glaubten jetzt
würde sehr bald das letzte Rätsel ihres Lebens gelöst werden Ein Gespräch über
künstlerische Angelegenheiten kam nicht mehr auf Selbst Labu sprach nur noch
von der Wirkung der letzten Stahlstangen wenn sie einfach gleichzeitig oben in
die leuchtende Wolke hineinstiessen Man wollte am frühen Morgen die große Tat
zur Ausführung bringen
Dass Lesabéndio sehr bald nach Aufrichtung des letzten Stockwerkes den
Versuch machen wollte sich oben mit dem Kopfsystem des Pallas zu vereinigen
das war Allen bekannt Und die meisten Pallasianer hielten diese letzte Tat
Lesabéndios für den würdigen Abschluss des Turmbaus und für das Allerwichtigste
bei diesem Turmbau
»Wenn dem s das gelingt« sagte Dex »so ist die Zukunft unsres Lebens
mehr oben im Kopf zu suchen als unten im Rumpf«
»Wenn es« sagte Nuse »dem s gelingt ist es aber noch nicht
feststehend dass es einem zweiten Pallasianer ebenfalls gelingt«
»Darüber brauchen wir noch nicht nachzudenken« meinte dazu der Sofanti
»zunächst müssen wir wissen wie wir den s so hoch hinaufführen dass er das
was er will auch zur Tat machen kann Ich habe deswegen an der Innenseite des
letzten Stockwerks an allen vierundvierzig Stangen Räderwerke angebracht die
uns gestatten das ganz oben befindliche horizontal angebrachte schützende
Hautstück in ein paar Sekunden zur allerhöchsten Spitze des Turms
hinaufzuschieben Es ist alles vorbereitet Aber es scheint mir vorsichtig zu
sein wenn wir noch ein oder zwei solche Hautstücke dem ersten nachsenden wenn
das erste zerreißen sollte Hiermit müssen wir rechnen«
Und nach kurzer Beratung beschloss man noch drei weitere horizontal
abdachende Hautstücke hinter dem ersten aufzuspannen
»Ich habe noch soviel Haut« sagte Sofanti
Und die drei Hautstücke wurden bald hinaufgeschaft und hintereinander in
einer Entfernung von je dreihundert Metern unter dem obersten aufgespannt
Leicht auflösbare Klapplöcher befanden sich in jedem dieser Dachhautstücke
Als nun die letzten Hautstücke langsam eines Morgens oben an der Laterne höher
stiegen saß Lesabéndio mit Biba zusammen außen am unteren Rande des vorletzten
Stockwerks auf einem der breiten weit vorspringenden Balkons Und die Beiden
blickten nachdenklich in den violetten Himmel und in die grünen Sterne Die
Kopfhaut schützte die Beiden wie ein aufgespannter Schirm vor den blendenden
Strahlen der Lichtwolke die oben jetzt immer sehr heftig leuchtete obschon sie
öfters große schwarze Flecke zeigte als wollte sie demnächst auseinandergehn
s sagte langsam
»Ich traue meinen Kräften nicht so recht Könntest Du nicht den Sofanti
fragen ob er das vorletzte Dachstück nicht so behandeln könnte dass es in der
Mitte heruntergezogen und dann nachher losgeschnellt so wie ein Sprungtuch für
mich wirkt Ich möchte zwischen den obersten beiden Dachhäuten allein sein und
schließlich das oberste in der Mitte aufreißen rasch auf dem vorletzten ganz
hinaufkommen plötzlich zurückgezogen und dann hinaufgeschnellt werden Ich
denke dass ich so hoch genug komme«
Biba versprach den Sofanti zu verständigen und eilte auf der nächsten
Bandbahn davon
s saß allein und sah traurig in die Sternenwelt hinein
Plötzlich durchzuckte ihn ein Gedanke er wollte noch ein Mal den
Nordtrichter sehen
Und er sprang mit einem Satz zum äußersten Rande des Balkons hielt sich mit
dem Saugfuss fest und beugte sich hinüber und blickte hinab in die Tiefe
Er sah wie die letzten Stangen an der Laterne langsam gleichmäßig
hinaufstiegen Und unten in der Tiefe des Nordtrichters sah er ein Funkeln in
den Steinen das er noch niemals dort gesehen
Aber die Berge des Trichterrandes waren so fern, dass er seine Teleskopaugen
ganz weit ausstrecken musste um noch ein Mal alles ganz deutlich zu sehen
Pekas Steinfundamente besonders und auch die NuseTürme
Es war da unten alles ganz hell und ganz still kein Pallasianer schwebte da
unten herum Fast dreißig Meilen gings bis zum Zentrum hinunter
Die ManesiAmpel konnte s nicht sehen und er bedauerte das Und dabei
musste er sehr lebhaft an den Manesi denken und er sah einige Ranken der
ManesiAmpel langsam unten an den Stricken die zum Turm führten hin und her
schwanken
»Es wäre wunderbar« sagte er leise »wenn an allen Turmstangen solche
ManesiRanken hin und her schwanken könnten Vielleicht sind wir doch zu hastig
gewesen Doch wir konnten ja nicht anders Wir mussten doch erst hinaufkommen«
Da sah der s dass sich das Funkeln in den Tiefen des Nordtrichters weiter
hinaufzog Und plötzlich funkelte es an so vielen Stellen im ganzen
Nordtrichter dass s seine Teleskopaugen zurückziehen musste er konnte den
neuen Glanz nicht ertragen
Als s wieder die Augen langsam vergrößerte sah er das Funkeln nicht
mehr
Alles lag unten in der schauerlichen Tiefe still und feierlich da Die
weißen und blauen Felsen im oberen Teile des Trichters leuchteten ganz hell
»Wie ruhig da unten Alles leuchtet« sagte s leise
Als Biba zurückkam blickte s immer noch weit vorgebeugt am Balkonrande
hinunter in den großen Nordtrichter des Pallasrumpfes hinein
s merkte dass Biba wieder da war Biba lächelte und sagte sanft
»Du nahmst Abschied«
s kam wieder zur Laternenwand Und dann saßen die Beiden stumm
nebeneinander
Biba sagte
»Sofanti macht alles so wie Du es wolltest Die Stangen werden noch vor
Einbruch der Dunkelheit oben sein Und morgen früh können die Stangen mit den
Häuten aufgerichtet werden Die Häute sind jetzt derartig an den Stangen
befestigt dass sie sich oben sofort zusammenschliessen ohne dass weitere Arbeit
notwendig ist«
»Ich danke Dir« sagte s »ich fühle mich ganz wohl obschon so viele
Teile meines Körpers durchsichtig werden Nur sehr kräftig fühlt sich mein
Körper nicht«
Biba richtete sich dreißig Meter hoch auf und rief
»Ich glaube ich fühle was Du bald fühlen wirst«
Dann wurde er wieder so klein wie s und dieser sagte langsam
»Wenn ich nun dort oben weiterlebe so will ich Dir ein Zeichen geben Sei
immer mitten auf der Ampel wenn der Abend naht Doch nein Es ist ja garnicht
wahrscheinlich dass Nacht und Tag auch weiter auf dem Pallas wechselt wie
bisher Sei in Deinem Atelier am Aussenrande des Pallas so oft Du kannst Und
ich werde versuchen Dir meine Nähe anzuzeigen durch leise zitternde Töne«
Biba nickte
»Es ist vielleicht« fuhr s fort »alles was wir von dem Großen da oben
gesprochen haben ganz und gar falsch Ich habe das Gefühl dass alles ganz
anders aussieht wenn ich es oben selbst vollständig verändert durchschauen
kann Vielleicht ist es mir auch dort noch garnicht möglich mehr von unserm
Planetensystem zu durchschauen als hier Ich glaube doch dass die Welt so
großartig ist dass auch die Sterne ihre Grossartigkeit noch garnicht erfassen
können Wir kommen wohl immer weiter und sie die Grösseren kommen auch immer
weiter Aber auch in der Erkenntnis kommen wir nicht an ein Ende Die Welt in
der wir leben ist in allen Beziehungen so dass alles ins Unendliche führt und
nicht zu einem Schluss Das darf uns ja nicht traurig machen Im Gegenteil Gäbe
es eine endgültige Lösung aller Rätsel so könnten wir ja nicht mehr weiter«
»Ja« erwiderte Biba »glaubst Du nun aber dass ein Zusammenschluss der
vielen Asteroïden möglich ist Sie sind ja alle so verschieden voneinander dass
man daran wohl zweifeln kann«
»Das« erwiderte der s »habe ich mir auch schon öfters gesagt Aber
warum sollen denn nicht die Verschiedenartigsten zusammenkommen Wenn ich
bedenke dass ich mit einem großen Kometensystem zusammenkommen kann so können
doch auch die vielen Asteroïden sehr wohl zusammenkommen denn sie sind
voneinander lange nicht so verschieden wie ich von dem großen Kometensystem
oben verschieden bin Ich muss Dir allerdings gestehen dass diese kolossale
Verschiedenartigkeit zwischen mir und dem Großen da oben mich doch immer wieder
mutlos macht Ich wage beinahe nicht mehr das zu tun was ich wollte und was
Ihr jetzt alle auch von mir wollt«
»Was ist kühn« versetzte Biba hart »ich möchte mich mit der Sonne
vereinigen Ist das nicht noch kühner als das was Du vorhast Allerdings
heute und morgen will ich das noch nicht Ich denke nur dass ich allmählich
immer reifer werden könnte Ich habe Dich bisher Deines Mutes wegen so viele
Male bewundert Ich glaube dass der Mutigste das größte Glück haben wird Bleibe
Dir treu damit ich Dir auch treu bleiben kann«
»Aber« sagte nun s »ich will garnicht mehr das größte Glück Es gibt ja
doch noch immer ein größeres Ich denke garnicht mehr daran dass ich selbst
etwas will Ich werde von einem starken Luftzuge weitergetragen Ich kann
garnicht mehr so wie ich selber will Ich muss so tun wie der Luftzug es will
Aber ich frage mich ob ich auch würdig bin so von dem großen Luftzuge mit
fortgerissen zu werden Ich komme mir nicht so groß vor Das ist es Und ich bin
traurig dass ich nicht mehr so stürmisch weiterkann wie einst Und ich fürchte
dass ich meine Schwäche verschuldet haben könnte durch nicht genügende
Konzentration meines ganzen Wesens Wie oft schweiften meine Gedanken ab und
nahmen einen ganz gewöhnlichen Flug dachten an Kleinigkeiten und unbedeutende
Verhältnisse Das macht mich traurig Ich war nicht immer so ganz von Ehrfurcht
vor dem Großen angefüllt wie ichs stets hätte sein sollen«
»Es soll« sagte Biba »doch wohl auch Ruhepausen geben Wir dürfen uns
nicht zu heftig anstrengen Wir müssen doch auch mit unsern Kräften Maß halten«
»Vielleicht« versetzte s rasch »ging es dem Stern den wir Pallasrumpf
nennen mal auch so Und vielleicht kam dann das kometarische Kopfsystem und
erweckte langsam wieder den sogenannten Sternenrumpf Und darum mussten wir den
Turm bauen«
»Ich glaube« versetzte Biba rasch »dass es wirklich so ist Und deshalb
kannst Du ruhig wieder Mut fassen«
»Ich wills versuchen« sagte s
Und dann saßen die Beiden still da und Biba legte seine rechte Hand in
Lesas Linke und drückte die Hand
Als es Nacht wurde waren die letzten vierundvierzig Stangen allesamt ganz hoch
oben
Und die große Laterne leuchtete in die Nacht hinein
Und s bat den Biba dafür zu sorgen dass alle Pallasianer unten in dieser
Nacht schliefen damit sie frisch sein könnten am großen Morgen
Und man tat wie s wollte
Nur Sofanti blieb bei dem s und öffnete ihm die Klapptüren sodass er in
die oberste Kammer kommen konnte
»Darf ich nicht bei Dir bleiben« fragte der Sofanti darauf
Aber s sagte still
»Lass mich jetzt allein Und morgen früh leiste mir den letzten Dienst Ich
muss mich sammeln Ihr werdet hören von mir durch Biba wenn ich mich hörbar
machen kann Das weiß ich ja noch nicht«
Da strich Sofanti sanft über Lesas Kopfhaut und ließ ihn allein und begab
sich auch nach unten auf die große Ampel wo er bald einschlief denn er hatte
in der letzten Zeit mehr gearbeitet als alle andern Pallasianer
Einundzwanzigstes Kapitel
Lesabéndio ist oben in seiner einsamen Kammer und bereitet sich auf das Kommende
vor Er verliert schließlich alle Furcht und findet alles wies auch kommen mag
nicht mehr furchtbar auch die gänzliche Vernichtung nicht
Dann wird das letzte Stockwerk am nächsten Morgen aufgerichtet während alle
Pallasianer lautlos zusehen Mit der Lichtwolke gehen die kolossalsten
Veränderungen vor Sie zerreißt schließlich in der Mitte und gelbe
Lichtschlangen werden sichtbar in denen Lesabéndio verschwindet
In einer seltsamen Kammer war der s Hundert Meter war sie hoch Von
vierundvierzig Wänden war sie fast kreisförmig umschlossen ganz regelmäßig
Boden und Decke waren ganz glatt Und alles bestand aus bunten Häuten Vor den
vierundvierzig Wänden sah man Tausende von elektrischen Lichtern in die Nacht
hinausstrahlen Auch nach innen waren sie von bunten Häuten verdeckt sodass auch
innen alles ganz bunt leuchtete
Aber ganz kahl sah der große bunte Raum aus
Und es war einsam hier
s saß auf dem Boden in der Mitte vornüber gebeugt und ganz klein Er
blickte scheu umher und empfand das Kahle und Einsame des Raumes und wollte sich
zerstreuen er wollte lesen und tastete nervös mit den Fingern seiner feinen
rechten Hand an seinem Halse herum und er fand sein Halsband nicht
»Ach so« sagte er leise nach einer guten Weile »das Halsband hab ich ja
nicht mehr das hab ich ja dem Biba geschenkt Es ist das Einzige was ich unten
auf dem sogenannten PallasRumpf zurücklasse Peka ließ mehr zurück große
Ateliers und große Fundamente und ein großes Modell«
Und nun war dem s plötzlich als wäre er nicht mehr allein es ging ein
so feines Surren durch den Raum
»Bist Du es Peka« fragte er laut
Und ihm war dabei so als würde er etwas höher gehoben er fühlte an seinem
Saugfuss den Boden nicht mehr
Und an seiner Kopfhaut fühlte er prickelnde Zweige und er rief plötzlich
»Bist Du auch da Manesi«
Doch da ward es ganz still Die vielen elektrischen Lampen leuchteten wie
vordem und er fühlte wieder die Bodenhaut unter seinem Saugfuss
»Die Rätsel des Lebens« sagte er mit harter Stimme und nach oben
gerichtetem Gesicht »kann man wohl sehr ernst nehmen Es ist aber wohl nicht
nötig wenn man sie immerzu sehr ernst nimmt Man kann sie auch mal sehr lustig
nehmen Dadurch werden sie ganz bestimmt nicht unbedeutender Es ist wohl nicht
nötig immer sehr ernst zu sein Und grade wenn man Abschied nimmt von alten
Zuständen dann könnte man wohl ganz besonders lustig sein Jedenfalls wird die
Veränderung der Lebensform doch einige Rätsel lösen Und das kann uns doch ganz
heiter stimmen Man könnte sogar lachen dass man so voll Bangen ist da man
nicht weiß wie es kommen wird ob es enden wird oder nicht Dass man das nicht
weiß das ist doch nicht traurig Man könnte darüber auch lachen«
Er lachte aber nicht Er befühlte seine durchsichtigen Hände
Er dachte an die große Sonne und an das gewaltige Planetensystem und an den
Asteroïdenring
»Wenn ich das könnte« rief er plötzlich begeistert »die vielen Asteroïden
die so verschieden voneinander sind einander zu nähern Wenn ich das könnte
Oben Aber weiß ich ob ich oben noch weiß dass ich jemals etwas wollte Wenn
nun oben Alles zu Ende geht mit mir dann lebe ich nicht mehr empfinde nichts
mehr von der Sonne und ihren Bewunderern Dann ist Alles aus Ist das traurig
Ist das zu beklagen wenns mit mir kleinem Wurm für immer zu Ende ist Muss ich
nicht froh sein dass es mir mal vergönnt war hineinzublicken in ein großes
Weltgetriebe das viel größer ist als alles Andere das mir nahe kam Und
kanns mir nicht gleich sein wies kommt Wenn in ein paar Stunden alles aus ist
so kann doch ich nicht dafür Warum bin ich traurig wenn ich denke dass alles
aus sein könnte da oben«
Er breitete beide Arme weit aus und reckte sich hoch auf so hoch er konnte
vierzig Meter hoch Und er blickte hinauf zur Decke und schrie
»Ich weiß nicht ob ich noch etwas erleben werde Aber darum bin ich nicht
traurig Ich will lachen«
Er lachte aber abermals nicht
Langsam wurde s wieder kleiner
Und als er ganz klein geworden lächelte er und sagte
»Dass ich wieder klein wurde finde ich so lustig Vielleicht werde ich so
klein oben wie ein Quikkoïaner Und die sind immer lustig Sie freuen sich
solange sie sich freuen können Warum soll ich mich nicht auch freuen Und wenn
ich noch viel kleiner würde ich würde mich auch freuen Wenn nur das Große
groß bleibt Und das bleibt doch groß Der unendliche Raum kann nicht so klein
werden wie ein Punkt Ich aber kanns Und dass ich das kann ist auch etwas
Großes Jetzt muss ich doch lachen«
Und er lachte ganz leise ein wenig Und dann lachte er immer mehr und immer
lauter Und er lachte so laut dass die vierundvierzig Wände zitterten Und er
bemerkte das Und er lachte noch einmal laut auf und war dann ganz still
Da wars ihm so als hörte er an allen Ecken und Enden immerzu leise lachen
und kichern und er rief »Warum lacht Ihr auch Lacht Ihr über mich«
Er horchte
Doch jetzt hörte er nichts mehr
Schon lange vor Anbruch des großen Morgens waren alle Pallasianer wieder hoch
oben in der Turmlaterne Und alle hatten dunkle durchsichtige Hautlappen oben an
der Kopfhaut befestigt sodass sie die Teleskopaugen vor dem Glanz der Lichtwolke
schützen konnten während die Kopfhaut die Augen seitlich schützte verdunkelten
vorn angeheftete dunkle durchsichtige Hautstücke das grelle Licht der Wolke
Als nun die Wolke sich nach oben zog und oben wieder zu blenden begann
begaben sich alle auf die obersten Balkons des Turms und die Stangen des
letzten Stockwerks drehten sich langsam mit ihren Hautstücken ganz gleichförmig
nach oben sodass die Stangenspitzen einen Halbkreis beschrieben
Nur Sofanti befand sich mit einigen Freunden im Innern der Laterne um die
Haut auf der Lesabéndio saß in der Mitte rechtzeitig zurückziehen zu können
Das ganze oberste Stockwerk musste auch im Innern nach oben befördert werden
Sobald es oben angekommen war riss durch einen einfachen Mechanismus die Decke
in dem Raume in dem der s saß auseinander sodass dieser von seiner
Bodenhaut aus wie von einem Sprungtuch aus in die Höhe geschnellt werden konnte
Alles war sorgfältig vorbereitet Das Funktionieren der mechanisch
arbeitenden Wandrollen hatte man schon in den unteren Stockwerken ausgeprüft
sodass alles im richtigen Momente klappen musste
Keiner sprach oben ein Wort
Draußen sah man lautlos zu wie sich die Stangen langsam und bedächtig
gleichmäßig nach oben drehten
Auch Sofanti mit seinen Leuten im Innern schwieg
Und von s war nichts zu hören
Als nun die Stangen immer höher kamen sah man dass die Wolke immer
unruhiger wurde große schwarze und graue Flecke bildeten sich in der
leuchtenden Masse und sie wurde am Rande der sonst kreisförmig wirkte
unregelmäßig
Dann bildeten sich elektrische Wirbel in den schwarzen und grauen Flecken
Die Wirbel rollten sich spiralförmig zusammen und sandten zuckende Wirbelblitze
herum
Danach erschienen am Rande große blaue rote und grüne Kugeln die sich
fabelhaft schnell drehten und sich oben abplatteten sodass viele fast zu
Scheiben wurden
Die Erregung der Pallasianer stieg von Sekunde zu Sekunde
Und die Stangen kamen immer höher
Die schwarzen Flecke in der Lichtscheibe wurden plötzlich dunkelviolett und
die grauen Flecke wurden hellbraun
Und nun wurden die Flecke immer größer sodass die Wolke schließlich nur noch
ein seltsames Licht ausströmte das sich aus Hellbraun und Dunkelviolett
zusammenmischte
Violette zitternde Scheinwerfer wie Kometenschweife schlugen nach unten
und umzitterten die Spitzen der Stangen die immer höher kamen
Lesabéndio sah von alledem nichts Er saß ganz still
Und es wurde ganz finster in seiner Kammer
Er versuchte mehrmals sich aufzurecken
Aber er fiel immer wieder kraftlos zurück
Er blickte jetzt nach oben und sah dass die Decke seiner Kammer
dunkelviolett leuchtete bald heller und bald dunkler
Dann entstand draußen ein furchtbares Geschrei
Die Spitzen der Stangen berührten die Wolke und die Wolke begann zu
zittern
Ein furchtbarer Donner wurde hörbar
Und die ganze Wolke begann an den Rändern zu blitzen
Danach gab es einen Knall
Und die Mitte der Wolke die ganz dunkelviolett leuchtete bekam plötzlich
einen Riss der gelb aussah und unregelmäßig wurde
Gleichzeitig berührten die Spitzen der Stangen den violetten Teil der Wolke
und diese fing an sich zu heben und zu senken und dann immerzu auf und ab zu
flattern
s fühlte plötzlich dass neue Kräfte in ihm wuchsen er konnte sich aufrecken
immer wieder noch ein Mal und schließlich ganz hoch fast fünfzig Meter
hoch Und er wollte springen
Dann entstanden in der Mitte der Wolke immer mehr Risse
Das Gelbe sandte mächtig glänzende Strahlen aus
Und die Stangen gingen in das Gelbe hinein
Und die Häute umschlossen das letzte Stockwerk mit einem Ruck alle Teile
der Maschinen funktionierten so wie man es gedacht hatte
Danach riss das Mittelstück der Wolke ganz und gar auseinander Und die
violetten äußeren Teile traten weit zurück und die ganze dunkelviolette Wolke
trat immer weiter zurück und bildete einen dunkelviolett leuchtenden
unregelmäßig gebildeten Ring
Und wo früher die Wolke war sah man jetzt nur ein wogendes Lichtmeer von
gelben Schlangenleibern die auch leuchteten
Und die Pallasianer die an den äußersten Rändern der obersten Balkons saßen
sahen dass Lesabéndio ganz lang wie eine lange braune Stange hineinschoss in
das wogende Meer der gelben leuchtenden Schlangenleiber
Und die Schlangenleiber zitterten
Und Lesabéndio verschwand
Und ein karminroter Fleck bildete sich im Gelben und ward immer größer
Sofanti sah zuerst diesen roten Fleck
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Es wird geschildert was Lesabéndio im Kopfsystem des Pallas empfindet Er kann
anfangs nichts hören und nichts sehen bemerkt dann aber dass er ganz neue
Sehorgane bekommt mit denen er das ganze Planetensystem und besonders die Sonne
ganz anders sieht als bisher s empfindet den größten Rauschzustand und hört
schließlich was die Sonne für die größte Weisheit hält und warum die Planeten
die Sonne umkreisen Dazwischen wird berichtet was sich unten auf dem
PallasRumpf ereignet
Aus Gasen bestanden die gelben Lichtschlangen oben Und Lesabéndio wurde
geblendet von den gelben Lichtschlangen Er sah nichts mehr Er fühlte nur dass
sein ganzer Körper zerging und sich ausbreitete weithin nach allen Seiten
Er wollte schreien aber brachte keinen Ton hervor Er sah nichts und hörte
nichts Ihm war so als ginge ein feines Kribbeln durch sein ganzes Wesen doch
das ging so weit nach allen Seiten fort
»Ich lebe noch« wollte er rufen
Doch es blieb alles still und er fühlte nur dass er bemerkte wie Fernes
herankommen wollte
Ihm war so als gingen überall auf allen Seiten von ihm feine Fühlfäden aus
ganz feine Und die wurden immer länger immer länger Und die fernen Spitzen
seiner Fühlfäden wurden empfindlich und sie umfühlten wie er glaubte große
feine zitternde Glasschalen Und die Spitzen der Fäden verbanden sich mit den
Glasschalen und wurden zusammen zu großen sich ausbreitenden Glaskugeln durch
die er plötzlich alles im Sonnensystem viel viel größer sah als bisher
Nun sah er wieder durch die großen Glaskugeln und er konnte die Kugeln
beliebig vergrößern und verkleinern Und er konnte ihnen auch andre Formen
geben konnte sie heranziehen und weit vorstossen Und er fühlte nirgendwo ein
Hemmnis
Da sah er nun die anderen vielen Asteroïden ganz nahe und dann auch die
Sonne ganz nahe
»Wenn das der Biba könnte« wollte er wieder rufen
Aber alles blieb still in seiner Nähe Er fühlte nur dass er sich langsam
drehte
»Von meiner nächsten Umgebung« sagte er langsam in Gedanken »kann ich
leider nichts erkennen Doch ich will nicht wissen warum ich das nicht kann
Das Ferne bemerke ich das ist mir genug«
Und da wars ihm so als würde er von leichten Wolken umschwebt und die
Wolken drückten sich leicht in ihn hinein bald heftiger und bald leiser
Er fühlte hin und glaubte plötzlich eine Drucksprache zu verstehen
Und die sagte
»s bist Du bescheiden Du bist ja immer mit dem zufrieden was Dir
geboten wird Ich der Drückende will mehr als das was augenblicklich möglich
ist Ich will kristallinische Formen in Gasform kantige Säulen in Gasform
und Oktaëder und Prismen und noch mehr Kantiges alles in Gasform«
s wollte lächeln und er wollte sagen
»Peka ich erkenne Dich schon«
Aber er konnte nicht lächeln und durch Wolken konnte er sich nicht
verständlich machen
Er fühlte dass auch Manesi nicht weitab war auch mit unmöglichen Dingen
Manesi redete durch dicke Gasfäden die bald langsam bald schneller in der Nähe
des s hin und hergezogen wurden
»Gasblumen« verstand er
Und dann verstand er noch
»Gasschlangen sind leicht vorstellbar aber Gasranken mit Gaszweigen die
hin und her schwanken von magnetischen Winden bewegt das ist mehr mehr«
Dann wurde dem s diese seltsame Sprache ganz unverständlich
Und er fühlte wieder in den Enden der langen Fühlfäden ein Zucken und
Ziehen
Und er sah wieder durch die Glaslinsen in den Spitzen seiner Fühlfäden die
große Welt in der Ferne
Auf den oberen Stockwerken des Nordtrichterturms flog währenddem alles wie
durcheinander Alle sprachen und Keiner hörte auf den Andern
»Jedenfalls« sagte Biba »ist er oben geblieben Er ist also vom großen
Kometensystem aufgenommen wie er von uns hätte aufgenommen werden können.«
Und nun fragten sechs Andre
»Lebt er aber noch«
»Das wissen wir« sagte Biba ernst »heute noch nicht Wir wissen auch noch
nicht ob Peka und Manesi und alle die Andern die nicht mehr unter uns sind
heute noch leben Aber wir haben das Kometensystem oben gesehen Wir könnens
jetzt noch sehen Ein rotes Auge blickt unheimlich in unsre Turmlaterne hinein
Das ist das größte Ereignis unsres Lebens Jetzt wird sich vieles verändern
Mich verlässt die Ruhe«
Den andern Pallasianern kam auch die Ruhe abhanden denn die dunkle Nacht
blieb zunächst aus die Spinngewebewolke kam abermals am Abend nicht wieder
runter sie zog sich immer weiter nach allen Seiten auseinander und bildete oben
einen großen grauen unregelmässigen Kranz
Darum blieb die Nacht hell
Allerdings die Helligkeit des gelben sichtbaren Kopfsystems wurde immer
schwächer und erreichte bald nicht mehr den zehnten Teil der von der Lichtwolke
ausgeströmten Helligkeit
Und so war auch der Tag viel dunkler als bisher
Der rote Fleck blieb und sendete wie ein feiner Scheinwerfer einen
karminroten Lichtkegel senkrecht in die Laterne hinein Die Spitze des
Lichtkegels traf die Mitte der ManesiAmpel
Dämmerung herrschte auf dem Nordtrichter des Pallas auch am Tage Der
Südtrichter blieb am Tage so dunkel dass man kaum dreihundert Meter weit sehen
konnte
Und so ließ man auch am Tage alle elektrischen Lichter brennen
Die Dämmerung wirkte unheimlich
Niemand wusste was daraus werden konnte
Wer schlafen wollte begab sich auf die Pilzwiesen die Manesi in den großen
Höhlen des Pallas angelegt hatte
Währenddem fühlte s oben keine Spur von Unruhe Da er nichts hören konnte
fühlte er in seinem Innern eine große Stille Das Naheliegende vergaß er er
vergaß auch den ganzen Stern Pallas Dagegen wurden die neuen Kugelaugen die er
an seinen feinen Fühlfäden entdeckt hatte immer empfindlicher Aber diese
Empfindlichkeit machte garnicht unruhig
Mit seinen neuen Augen sah der s ringsum die vielen Asteroïden ganz
deutlich
Und er wunderte sich
»So verschiedenartig« sagte er in Gedanken zu sich selbst »habe ich die
Asteroïden garnicht für möglich gehalten«
Und viele Asteroïden sah er dicht neben den größeren Planeten auch am
Jupiter und hinter dem Saturnringe und auch neben den Planeten die der Sonne
näher waren als der Pallas
»Und welche große Zahl« sagte er weiter in Gedanken »umkreist die Sonne
Das sind ja Millionen Die alle zusammen in einem Ringe vereinen das geht ja
garnicht Und der eine läuft rasend schnell und der andre ganz langsam«
Er bewunderte besonders diejenigen Asteroïden die den nächsten Planeten
der der Sonne näher war als er umkreisten Diese Kleinen rasten so schnell
dahin dass er nicht wusste wie sie so schnell sein konnten und warum
Und der s fühlte dass er sich drehte ohne es zu wollen
Es kam ihm dann so vor als wäre er dicht vor dem Einschlafen Und es
überkam ihn ein wohliges seliges Gefühl wie er es niemals empfunden hatte
Ein ganz neuer stetiger nicht veränderlicher Rausch schien ihn zu umhüllen
Es war kein Traum es war auch kein Wachen
»Vielleicht ist das doch ein Zustand ewiger Seligkeit« dachte er
»Und dann« fuhr er in Gedanken fort »beinahe verstehe ich jetzt warum
sich die meisten Sterne immerzu drehen Es liegt etwas Berauschendes in der
steten Drehung eines runden Dinges eine runde Kugel wirkt am schnellsten
berauschend Deswegen haben wohl auch so viele Sterne Kugelform Sich drehende
Räder wirken auch so berauschend schon in den Gedanken Wenn man immerzu an
sich drehende Räder denkt so setzt uns das in einen Rauschzustand wie er
größer garnicht gedacht werden kann. In den drehenden Rädern steckt das größte
Geheimnis unsres Planetensystems«
Und er dachte an alle die Kreise die von den Planeten um die Sonne gezogen
wurden Die Kreise wurden zu Rädern und Lesas Gedanken verwirrten sich
Biba saß nun in seiner einsamen Klause am äußeren Rande des Pallasrumpfes
Biba starrte mit ganz weit vorgestreckten Augen in die ferne grüne Sonne
»Ob jetzt der s« sagte er still »schon mehr weiß von der Sonne als wir
Der größte Mut führt doch immer am weitesten Wie kommt es nur dass ich den
großen Mut den der s hatte nicht besaß und auch nicht besitzen werde
wie kommt das nur«
Er dachte so lange nach darüber bis er fühlte dass er müde wurde
s sah ganz große sich drehende Schlangenleiber in der Ferne und die waren
alle in einer durchsichtigen Kugel Und die Kugel drehte sich langsam um sich
selbst
»Ist das das Innere eines Sterns«
Also wollte er fragen
Aber er sagte sich gleich
»Warum soll ich fragen Ich bekomme ja doch keine Antwort Bekäme ich nur
mal eine Antwort Aber man fragt so oft während man sich sehr leicht selber
eine Antwort geben kann Ob ich träume oder wache das ist doch auch ganz
gleichgültig Ich wills garnicht wissen In meinem Zustande ist zwischen Träumen
und Wachen ganz bestimmt kein großer Unterschied«
Und ihm war so als sähe er in das Innere vieler Sterne und er staunte
»Wenn das der Biba könnte« dachte er »wie würde der sich freuen Doch es
ist zu viel zu sehen Besonders in der Sonne Daraus wird man nicht so schnell
klug Es ist da Alles so kompliziert dass ich wohl begreife warum die vielen
Planeten immerzu um die Sonne kreisen sie wollen das sehen was sie noch
niemals gesehen haben das Neue das Kolossale das Überwältigende Das
Überwältigende erzeugt immer so wie die Kugeln und Räder diese Symbole des
Unendlichen den allergrössten Rausch Das Erkennen erzeugt nicht den größten
Rausch Wenn das doch alle Wesen erkennen könnten dieses Erkennen dessen das
nicht erkannt werden will und garnicht erkannt werden soll«
Wieder verwirrten sich Lesas Gedanken
Er fühlte nur dass er sich immerzu drehte und empfand einen seligen
Rauschzustand Und er freute sich darüber
Dann kams ihm so vor als spräche was neben ihm in einer geheimnisvollen
Zeichensprache Und ihm war so als verstände er die Zeichensprache
»Du willst wissen« glaubte er zu vernehmen »warum die Planeten die große
Sonne umkreisen Oh sie ist nicht nur groß sie ist auch so gütig Das ist
das Wichtigste Sie gibt Licht und Wärme in Hülle und Fülle Sie ist tätig für
alle die sie umkreisen Ihre Tätigkeit für die Andern das ist ihre Güte Sie
belebt alles auch das Kopfsystem des Pallas und Dich s ebenfalls
Fühlst Du nicht was die große Sonne denkt«
s sammelte sich und schaute mit seinen neuen Sehorganen ganz heftig in
die Sonne hinein und da wars ihm so als spräche die große Sonne zu ihm Er
horchte Und er hörte dass sie sprach Aber er verstand nicht was sie sprach
Da wurde er traurig
Dann vernahm er deutlich abermals Worte in seiner Nähe sie sagten
»Eine der größten Weisheiten unsrer großen eigentlich nicht so ganz gütigen
Sonne ist die dass nur Schmerz und Qual als die größten Glückserzeuger
bezeichnet werden dürfen Wir haben kein Recht uns vor dem Entsetzlichen zu
fürchten Das Entsetzliche führt uns doch immer weiter Es wandelt uns um Und
wir sind nicht imstande uns umzuwandeln wenn wir Schmerz und Qual fliehen
Höre nur was die Sonne Dir jetzt sagen wird«
Und s hörte nach einer Weile klare Töne und dann diese Worte
»Fürchtet nicht den Schmerz und fürchtet auch nicht den Tod«
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Die SofantiMusik verstummt Und oben auf dem obersten Stockwerk verbinden sich
die Lichtstrahlen des Kopfsystems mit der Turmlaterne s sieht immer mehr von
dem Innern der Sterne und von dem was sie wollen Der karminrote Lichtkegel
geht durch den ganzen Stern Pallas hindurch Und dann wird der Stern Quikko Mond
des Pallas s kann sich dem Biba verständlich machen Die Pallasianer wohnen
nur noch auf der Außenseite des PallasRumpfes und bauen mit Hilfe der
Quikkoïaner große Teleskope Das Kopfsystem strahlt große Kometenbüschel aus
und die Spinngewebewolke leuchtet so hell wie einst
Da die Lichtwolke nicht mehr des Nachts herunterkam war auch die SofantiMusik
in den Häuten des Centrums nicht mehr zu hören Anfänglich wurde das nicht
beachtet Als Sofanti darauf aufmerksam machte schüttelte man mit dem Kopf
hielt das aber für ganz natürlich
»Wir werden noch« sagte der Nuse »das Ungeheuerlichste für ganz natürlich
halten Alle meine Lichttürme sind für die dunkle Nacht berechnet gewesen
jetzt leuchten sie am Tage der allerdings mehr ein Abend genannt werden muss
Die grünen Sterne bleiben immer für uns sichtbar Ein Zwielicht wird durch die
Lichttürme in der Dämmerung erzeugt Das ist so köstlich dass ich behaupten
möchte wir haben etwas Köstlicheres noch nie erlebt«
»Die Sterne« sagte Dex »sind uns jetzt wie mir deucht viel näher als
bisher Wir sollen uns wohl mehr um sie kümmern«
Sofanti aber sagte dazu
»Wenn soviel wie jetzt auf unserm Pallas sich ereignet so können wir uns
vorläufig noch nicht um die Sterne bekümmern Kommt rasch hinauf in die Laterne
Ich habe da wieder etwas Neues entdeckt«
Und die beiden Andern folgten dem Sofanti auf den flinken Band und
Seilbahnen des Turms hinauf in die Laterne In der leuchtete der karminrote
Lichtkegel Und sie bemerkten dass der Lichtkegel viel breiter war
Nun führte Sofanti den Dex und den Nuse in dem letzten Stockwerk durch die
Seitenklappen hinaus auf einen Balkon und da sahen die Drei dass sich die
gelben leuchtenden Schlangenleiber die man oben im Kopfsystem entdeckt hatte
in ganz merkwürdigen Knoten um den oberen Teil des obersten Stockwerks
herumgeschlossen hatten
»Jetzt hat sich« sagte der Dex rasch »das Kopfsystem unlöslich mit dem
Rumpfsystem des Pallas verbunden Jetzt wird Niemand mehr sagen dass wir den
Turm zwecklos gebaut haben Dazu also haben wir soviel Kaddimohnstahl
verarbeiten dürfen Wir haben getan was Rumpf und Kopf unsres Sterns zusammen
wollten«
Als das bekannt wurde kamen Alle hinauf und staunten das neue Wunder an
s empfand nun oben immerfort ganz neue Dinge im Planetensystem Er konnte
garnicht alles erfassen Er sah in das Innere der Planeten hinein und sah wie
heftig sie lebten wie sie immerzu bemüht waren den Bewegungen des
Sonneninnern zu folgen Und dieses glühte so heftig dass s nicht wusste was
er zuerst sehen sollte Er fühlte sich einsam und wollte einen Führer
Kaum hatte er das gewollt so vernahm er ganz fremde Töne und er verstand
sie sie sagten
»Nur ganz allmählich wirst Du mehr von unserm großen Sonnenleben begreifen
Die Asteroïden kamen hierher in großen Scharen als sie sahen dass große
Planeten die Sonne umkreisten Wir verstehen selber noch recht wenig von den
innern Zusammenhängen Jedenfalls wissen wir jetzt dass hier nicht Rücksicht auf
die kleinsten Dinge genommen wird Wir müssen uns daran gewöhnen dass Vieles an
die Seite geschoben wird damit Wichtigeres Platz bekommt Das führt zu manchen
Brutalitäten Darüber wird immerzu zwischen der großen Sonne und ihren kleineren
Trabanten verhandelt Was die größeren Planeten die nach uns kamen mit der
Sonne zusammen überlegen das wissen wir nicht Vom Jupiter wissen wir wenig
Einzelne Asteroïden umkreisen deshalb den Jupiter«
s fühlte einen stechenden Schmerz in dem einen seiner glaskugelartigen
Sehorgane und er sah damit nichts mehr Er wollte auch nichts mehr sehen
In der Laterne des Lichtturms gabs bald noch eine größere Neuigkeit während das
gelbe Licht der Schlangenleiber schwächer wurde und diese fast vollständig zur
Ruhe kamen verbreiterte sich der rote Lichtkegel zusehends sodass er unten bald
breiter als die Ampel war und nun nach unten ging durch das Centralloch durch
Und dabei wurden die Kaddimohnstahlstangen des kleinen Modellturms unten
blendend weiß
Dex befürchtete dass der Stahl durch das Licht angegriffen werden könnte er
untersuchte den Stahl fand aber nichts was ihn beunruhigte Dagegen merkte er
als er sich längere Zeit dem karminroten Lichte ausgesetzt hatte dass sein
Körper in eine ihm ganz neu erscheinende Erregung versetzt wurde er sprach
danach so lebhaft dass sich die meisten Pallasianer sehr bald aus seiner Nähe
zurückgezogen nur Biba hielt es aus Und er flog auch in das rote Licht und
er fühlte dieselbe Erregung
Nun sagten aber Beide dass die neue Erregung keineswegs unangenehm wirke
das Licht sei vielmehr belebend Und so begaben sich bald alle Pallasianer in
den roten Lichtkegel und der durchleuchtete nun auch den Südtrichter des Sterns
und leuchtete unten ganz weit über den südlichen Trichterrand hinaus Und man
sah dass der Strahl einen kleinen Stern traf
Durch Spiegel versuchte man das rote Licht abzulenken Und wo das
abgelenkte Licht den Stein der Trichterwände traf da leuchtete der Stein
dunkelviolett und in wundervollem Glänze
Nuse bemerkte dass dagegen seine Lichttürme fast verblassten Und man
beschloss die Spiegel nicht zu oft so zu stellen dass das rote Licht seitwärts
abgelenkt wurde Schließlich lenkte mans nur im Südtrichter ab wo die
Lichttürme nicht mehr erleuchtet wurden
s aber erinnerte sich plötzlich dass er ja dem Biba versprochen habe ihm
ein Zeichen zu geben Und der Biba saß in seiner stillen Klause und dachte
fortwährend an seinen verschwundenen s Und plötzlich sieht der Biba dass
seine Höhle hell aufleuchtet in ganz zartem blaugrünlichem Licht einer von
Lesas Fühlfäden ist dortingelangt mitten durch den Felsen durch s sieht
den Biba der Kopf seines Fühlfadens ist nicht aus gewöhnlichem Glas geformt
nicht zerbrechlich der Kopf ist ein ganz besonderes Glas das für die Augen
der Pallasianer nur als blaugrünlicher Lichtschimmer bemerkbar ist
s will dem Biba etwas sagen und es gelingt dem großen
Kometenkopfbewohner seine Gedanken auf den Biba ohne weiteres zu übertragen
»Lebt« sagte der s »auf der Aussenrinde des PallasRumpfes der lebt
jetzt mit dem Kopfsystem zusammen und wieder mit den anderen Asteroïden
zusammen mit dem ganzen Planetensystem und auch mit dem Sonnensystem zusammen
Das sollt Ihr auch Lebt draußen macht Euch große Teleskope Die Quikkoïaner
werden Euch helfen Ihr werdet immer mehr entdecken Ich entdecke auch immer
mehr Es geht nicht sprungweise Ihr könnt Euch nur allmählich entwickeln Auch
die Sterne entwickeln sich nur allmählich Ich bin noch kein Stern Ich komme
aber immer weiter Schon ahne ich etwas von dem was im Innern der Sterne
vorgeht Die Sonne ist für mich noch viel zu groß Aber auch die andern Planeten
sind noch immerzu zu groß für mich Das vergesst nicht Wir müssen alle zusammen
dasselbe große Ziel im Auge behalten Vergiss den s nicht«
Danach wars dunkel Und Biba schrie
»Ich danke Dir s«
Und dann stürmte er hinaus und erzählte Allen was er erlebt hatte
Und da legten die Pallasianer auf der Außenseite des PallasRumpfes
Pilzwiesen an und sie schliefen auf diesen Pilzwiesen Und wenn sie erwachten
starrten sie mit lang ausgestreckten Augen in die grünen Sterne
Die Quikkoïaner aber dachten darüber nach wie sie große Teleskope bauen
könnten
Und s freute sich oben dass es ihm gelungen war sich den Pallasianern
verständlich zu machen und dass sie wieder taten wie er gebeten hatte
Und dann gingen Lesas große Weltaugen wieder zur Sonne hin und zu den
Planeten die der Sonne näher waren als der Asteroïdenring
s bemerkte dass alle rücksichtslos immer tiefer eindringen wollten in
große Geheimnisse die für ihn noch unverständlich waren Aber s wurde
mitgerissen von dem stürmischen Vorwärtsstreben der Sterne Und ihn packte eine
große Wildheit
»Ich will auch weiter« rief er in seinen Gedanken »wenn ich auch nicht
weiß wohin es führt Aber es geht ein Trotz durch die Planeten Sie wollen
nicht mehr am Kleinlichen haften bleiben sie wollen alle nur das Große
Gewaltige Und das hat nicht träge Ruhe in sich Da löst sich die schlaffe
Seligkeit auf Und man wird Vulkan Welterschütterung tosender Sturm und
berauschender Lichttrubel Was kommt es darauf an ob ich lebe oder nicht lebe
Wenn nur der Stern mit mir in mir lebt ein Weltenleben Schwer ist es Aber
durch das Schwere kommt man zu den größten Seligkeiten Die schlaffen Pausen
müssen überwunden werden Schneller muss sich alles drehen damit man mehr
aufnimmt Wieder kommt der Rausch den die ewige Drehung erzeugt die sich
drehenden Kugeln und Räder ersticken das Kleinliche Vorwärts Nicht den Schmerz
fürchten Nicht den Tod fürchten Die Kugeln Die Unendlichen Die Räder Die
Kreise Die Kreise«
Und Lesas Gedanken verwirrten sich wieder und er empfand nur noch eine
stürmische Seligkeit
Da sahen die Pallasianer plötzlich den Stern Quikko näher kommen
Nax und die Seinen jauchzten
»Er wird« rief der kleine Nax »Mond des Pallas«
Und so geschah es
Und die Pallasianer nahmen die zehn kleinen Quikkoïaner und ließ sich
hinschnellen durch Seile zum Stern Quikko auch Biba flog hin
Und da gab es ein großes Wiedersehen Und die Quikkoïaner lösten vorsichtig
einige Quallenstücke von ihrem Stern los Und mit diesen Quallenstücken flog man
zurück und baute auf der Außenseite des Pallasrumpfes viele Teleskope
Und während der Stern Quikko neugierig den Pallas auf dem jetzt Kopf und
Rumpf immer intensiver zusammenwuchsen umkreiste flogen die Pallasianer oft
hinüber zum Quikko
Und die Quikkoïaner flogen zum Pallas oft hinüber
Und es entstand auf dem Pallas ein ganz neues Leben und auf dem Quikko
ebenfalls
s empfand immer mehr dass er nicht mehr so empfand und dachte wie einst Es
ging das Streben des Kometensystems allmählich immer heftiger in ihn hinein
»Wir wollten ja« vernahm er da »auch mal zur Sonne Aber wir blieben am
Pallas hängen In dem war noch so viel Kraft Aber der große Asteroïd schlief
Und jetzt haben wir ihn wieder erweckt«
s teilte dem Biba gleich mit was er vernahm und sagte ihm
»Wenn wir nur wüssten was die Kometen jetzt wollen«
Da sahen die Pallasianer und die Quikkoïaner dass das Kopfsystem sehr unruhig
wurde Mächtige Kometenbüschel strahlten nach allen Seiten aus dem Kopfsystem
heraus
Und die Spinngewebewolke wurde wieder glänzend wie einst Und der Kranz
leuchtete mächtig Und Funken sprühten in dem Kranz herum dass er noch heftiger
leuchtete
Ganz allmählich wurde das Leuchten und das Funkensprühen schwächer
s blickte mit allen seinen neuen Augen hinab
Und man sah auf dem Pallas an vielen Stellen einen blaugrünlichen
Lichtschein
Vierundzwanzigstes Kapitel
Biba lässt für die Sonnenbeobachtung eine neue Bandbahn bauen die den äußeren
Teil des PallasRumpfes in der Mitte umspannt s sagt dem Biba das Wichtigste
über die Sonne Bombimba will wie s in das Kopfsystem es gelingt ihm aber
nicht er wird von Labu aufgenommen Die Quikkoïaner wollen wieder das
Künstlerische auf dem Pallas fördern Dort ist aber alles mit Sternbeobachtung
beschäftigt Zwei Meteorgeister kommen in die Nähe des Pallas und umkreisen
Turm und Kopfsystem sind aber unnahbar da sie zurückdrängende Atmosphäre
haben Das Kopfsystem kommt tiefer herunter und verbindet sich ganz fest mit dem
Rumpf Lesas blaugrünliches Licht ist jetzt öfters unten zu sehen zuweilen an
vielen Stellen zu gleicher Zeit
Biba wollte gleich anfangs als der Quikko den Pallas noch nicht als Mond
umkreiste eine neue sehr breite Bandbahn anlegen die nur für die
Sonnenbeobachtung die Mitte des PallasRumpfes von außen umgeben sollte Und die
Bahn sollte ganz langsam fahren und von links nach rechts geleitet werden
während der Pallas von rechts nach links sich drehte Diese Drehung sollte durch
die Bahn aufgehoben werden damit man ungestört auf der Bahn sitzend die Sterne
beobachten konnte und besonders die Sonne und die Asteroïden
Diese Bahn wurde denn auch bald gebaut Und Biba beschäftigte sich danach so
eifrig mit der Sonne dass er zeitweise alles andre darüber vergaß Auch ein
großes Sonnenteleskop befand sich auf dieser langsamen Bandbahn
Als der Biba mal aussergewöhnlich lange an seinem Sonnenteleskop tätig
gewesen war und nun sehr müde in seine Höhle zurückkehrte um auf seiner kleinen
Pilzwiese zu schlafen da sah er plötzlich wieder das blaugrünliche Licht Und
er wusste gleich dass s wieder da war Er horchte hin und hörte wie s
hastig Folgendes sprach
»Größte Qual und größte Seligkeit treten nicht nur sehr oft nein in
unserm Sonnensystem fast immer zusammen auf Daran muss man sich gewöhnen Die
Sonne sagte mir schon dass wir den Schmerz nicht fürchten dürfen der
Todesschmerz ist vielleicht der größte Schmerz Er enthält aber auch die größte
Seligkeit diese Auflösung im Grösseren und Stärkeren ist eine ganz
außerordentlich großartige Empfindung Viele Lebewesen können den Tod garnicht
auskosten da sie den Moment des Sterbens nicht festzuhalten vermögen Es geht
ihnen so wie uns wenn wir einschlafen Wir können auch den Moment in dem wir
einschlafen nicht festhalten Aber uns auflösen wenn unsre Glieder
durchsichtig werden das können wir bei vollem Bewusstsein Wir fürchten ja
deshalb auch nicht den Tod Aber viele andre Lebewesen in unserm Sonnensystem
tun das Lieber Biba dieses weiß ich schon lange Doch jetzt habe ich auch
erfahren was das Wichtigste der großen Sonnenphilosophie ist wir sollen alle
die größte Selbständigkeit erstreben und erlangen und gleichzeitig dabei stets
darauf bedacht sein uns dem Grösseren unterzuordnen Diese beiden Dinge kommen
in Millionen Variationen immer wieder in und auf allen größeren und kleineren
Sternen vor die unsre große Sonne umkreisen Auch die Kometen ordnen sich
unter Das Sichunterordnen ist das Größte Sterben ist eigentlich auch nur ein
Sichunterordnen Das ist oft sehr schwer zu verstehen da es ja der größten
Selbständigkeit scheinbar widerstrebt Indessen es handelt sich ja immer um
ein Sichunterordnen dem Grösseren gegenüber Darum ist Deine Idee vom
Asteroïdenring ganz richtig Der Saturnring kann vorbildlich für uns sein Wenn
wir einen großen Ring bilden ist der gemeinsame Geist desselben zweifellos
größer als der Geist der einzelnen Teile Darum müssen wir alle darauf
hinwirken dass wir uns zusammenfinden Wir kämen zusammen weiter Dann wird es
uns schließlich vielleicht auch mal möglich uns dem ganzen großen Sonnensystem
unterzuordnen vielleicht sterben wir mal in ihm in dem ganzen großen System
in dem alle Planeten Kometen und Meteorgeister leben Lieber Biba Denk an das
Sterben des Asteroïdenrings Es muss sehr qualvoll sein aber doch eine
ungeheure Seligkeit Es ist ja das Sterben nur ein Sichauflösen in dem Grösseren
Oh das sage nur Allen auch den lustigen Quikkoïanern Der sich selber
Quälende kommt immer weiter Lebe wohl«
Biba lag ganz still auf seiner Pilzwiese
Das blaugrünliche Licht verschwand wieder
Biba verbreitete das was ihm s gesagt
Und es machte auf Alle einen großen Eindruck besonders der letzte Satz von
dem sich selber Quälenden
Es starben mehr Pallasianer in der bekannten Art als bisher
Bombimba wollte sich wie s im Kopfsystem des Pallas auflösen es gelang
ihm aber nicht Er stürzte zurück und drei weitere Versuche misslangen auch Da
klagte er über furchtbare Schmerzen Und da nahm ihn Labu auf
Bombimbas Schmerzen wurden viel besprochen sonst hatten die Pallasianer vor
der Auflösung noch niemals über Schmerzen geklagt Jedenfalls unternahm es
Niemand wieder wie s ins Kopfsystem zu springen die Lehre von der Bedeutung
der Schmerzen fand unter den Pallasianern keine Anhänger selbst Biba meinte
dass diese Lehre mit Lesas neuem Zustande zusammenhängen müsse in dem er von
andern Sternen viele Dinge erfahre die für den Pallasianer nicht so ohne
weiteres verwertet werden könnten
s jedoch empfand immer deutlicher die Wichtigkeit der Schmerzen Er
bemerkte auch dass auf vielen Sternen besondere unbequeme Einrichtungen aufrecht
erhalten wurden die nur dazu dienen sollten den Lebewesen eine Lektion über
die Bedeutung des Qualvollen zu geben
s hörte dabei mal neben sich ganz deutlich eine dröhnende Stimme die da
sagte
»Empfindungen lassen sich doch nicht steigern wenn man das Schmerzhafte
peinlich vermeidet Eine Steigerung der Empfindungen muss doch das Schmerzhafte
mindestens streifen Schmerz ist doch nur eine zu heftige Empfindung«
s wusste nicht wer ihm das sagte aber er behielt die Worte und wollte
sie den Pallasianern mitteilen merkte aber dass sie die Geschichte vorläufig
noch nicht verstehen konnten ihr Leben floss immer noch allzu ruhig dahin
Die Quikkoïaner wunderten sich sehr dass die Bewohner des Pallasrumpfes nach
Herstellung ihres Turms garnicht mehr an neue Unternehmungen dachten
Und so kam man bald wieder auf künstlerische Pläne Der kleine Nax suchte
Dex Sofanti und Nuse anzufeuern auch wollte er den alten Labu aufrütteln
Aber die Vier sagten nach einiger Zeit dass sie vorläufig von allen
künstlerischen Arbeiten absehen möchten da die Pallasianer viel zuviel mit der
Beobachtung der andern Sterne beschäftigt seien
»Daran haben« sagte der Sofanti lachend »die Quikkoïaner Schuld Hätten
die uns nicht auf der Außenseite des Rumpfes und am Turm so viele Sternwarten
hergestellt so wärs anders«
Die Sternwarten kamen erst ordentlich zur Geltung als mehrere sehr große
Kometen am Pallas vorüberrasten der Sonne zu Man sah dass jeder Kometenkopf
aus ganz anderen Stoffen bestand Der eine Komet hatte sogar weit vorragende
Terrassen die wie Flügel wirkten Und Biba wollte auf eine dieser Terrassen
hinaufgeschnellt werden Der Komet raste aber zu schnell dahin sodass die
Sprungseiltuchvorrichtung zu spät fertig wurde
Die Folge davon war dass man jetzt überall große Sprungseil und
Sprungtuchvorrichtungen anbrachte die zunächst zum bequemen Hinüberkommen auf
den Quikko dienten
Auf dem Quikko ließ sich die größten Fernrohre durch Hautaufblasen herstellen
Grössere Hautstücke ließ sich da nicht loslösen sodass auf dem Pallas nur
Fernrohre mit kleinen Hautstücken hergestellt wurden die künstlich aufgeblasen
wurden während sie sich auf dem Quikko ganz natürlich bildeten
Hier sah nun der Biba nicht nur die Sonne viel größer als bisher er sah
auch die unzähligen Asteroïden und bemerkte dass kaum einer dem andern ähnte
Diese ganz verschiedenartigen Lebewesen zusammenzubringen erschien darum dem
Biba als sehr schwer zu lösende Aufgabe
Auf dem Quikko gelang es auch die Meteore zu beobachten Und da sah man
dass auch sie astrale Lebewesen waren
Und damit das den Pallasianern ganz deutlich wurde geschah wieder etwas
noch nicht Dagewesenes zwei Meteorgeister kamen dem Pallas ganz nahe und
umkreisten den Pallasturm in großen Ellipsenbahnen wie kleine Monde
Man beschloss zu den Meteorgeistern hinüberzufliegen Dex und Nuse ließ
sich hinüberschnellen Sie kamen bis auf eintausend Meter an die Meteore heran
kamen dann aber nicht weiter sie bemerkten dass die Meteorgeister von einer
ganz besonderen sehr frisch wirkenden Atmosphäre umgeben waren die
zurückdrängend wirkte
Die Meteore hatten viele lange zappelnde Gliedmaßen die in allen Farben
schimmerten Auf den Körpern, die kaum hundert Meter lang waren ließ sich
kleine Lebewesen nicht entdecken Die Teleskope auf dem Quikko zeigten dies ganz
deutlich
Der Kopf der Lebewesen ließ sich aber auch nicht entdecken Eine
Verständigung mit diesen astralen Riesen war ganz unmöglich obschon man sich
auf dem Quikko und Pallas die größte Mühe gab die Aufmerksamkeit der
Meteorgeister zu erregen Trotzdem umkreisten diese den Turm und das Kopfsystem
des Pallas mit dem größten Eifer als fänden sie es sehr interessant
Lange Zeit hindurch ließ man diese kleinen Monde nicht aus den Augen Die
Beweglichkeit der Gliedmaßen an diesen Geistern steigerte sich immer wenn sie
dem Kopfsystem des Pallas näher kamen
Von den neuen Monden wurde man aber bald wieder abgelenkt Der rote Lichtkegel
der von oben durch die Mitte des Pallas durchleuchtete wurde eines Tages
merklich kleiner zog sich immer mehr hinauf und verschwand oben ohne eine Spur
zu hinterlassen
Das Kopfsystem aber breitete sich im obersten Teile des Turms so heftig aus
dass ein Luftstrom nach unten entstand und die vergessene SofantiMusik im
Zentrum wieder zu ertönen begann
Darauf wuchs das ganze Kopfsystem heftig weiter nach unten zu umklammerte
den ganzen Turm mit feinen Lichtarmen und mit großen wolkig wirkenden
Gasgebilden
Und man sah nun ganz deutlich wie sich immer wieder überall große
Kometenschweife bildeten
Und die großen Kometenschweife erleuchteten den ganzen Nordtrichter
Das neue Wunder nahm natürlich die ganze Aufmerksamkeit der Pallasianer in
Anspruch
Man machte wieder mit Spiegeln den Versuch das Licht der Kometenschweife
abzulenken und lernte dabei die Wirkung dieser Kometenschweife kennen sie
wirkten einschläfernd
Wer einmal von einem Kometenschweif getroffen wurde begann sofort zu
schlafen und sank auf den nächsten Hügel oder Turm und blieb da Stunden lang
liegen Der Getroffene konnte nicht einmal eine Pilzwiese aufsuchen Natürlich
brachten die andern Pallasianer den Eingeschlafenen sehr bald auf eine
Pilzwiese
Aber diese Kometenschweifwirkung erschien unerklärlicher als alles Andre
vom Verstehen einer Naturkraft konnte hier schlechterdings nicht mehr die Rede
sein
Und s fühlte dass das Kopfsystem mehr nach unten ging und sich mit dem Turm
und dem Rumpf ganz fest verband Und das brachte auch den s wieder den
Pallasianern näher sie sahen jetzt Lesas blaugrünliches Licht sehr oft
aufleuchten zuweilen an mehreren Stellen zu gleicher Zeit
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Die Spinngewebewolke ordnet sich zu einem gleichmäßigen Ringsystem was Biba für
vorbildlich erklärt s erinnert den Biba an die Qualen die die Pallasianer
beim Turmbau ausgestanden haben und kündigt ihnen große Schmerzenszustände an
Die kommen als sich Kopf und Rumpfsystem des Pallas endgültig
zusammenschliessen s hat dabei die größten Schmerzen auszustehen Der ganze
Pallas wird so gewaltig erschüttert dass selbst einige Bandbahnen zerreißen und
der große Turm zu klirren beginnt Danach fühlt s dass er mit dem Doppelstern
ein einziges Wesen geworden ist und es beginnt ein neues Leben für ihn und
alles nähert sich einander auch die Sterne des Asteroïdenringes nähern sich
einander
Die Spinngewebewolke hatte sich nun auch verändert Sie war immer weiter vom
Kopfsystem abgerückt und hatte allmählich eine ganz regelmäßige Kranzform
angenommen Der Kranz wurde immer flacher Und man sah schließlich vom Pallas
und vom Quikko aus dass sich auch die roten kleinen Köpfe regelmäßig überall
verteilten Nun sah man auch dass die feinen Fäden tatsächlich lange Gliedmaßen
bildeten Sie schlangen sich so durcheinander dass zwischen ihnen immer mehr
Raum frei blieb Der Wolkencharakter des Ganzen verging somit Eine Annäherung
an dieses Miniaturringsystem blieb auch jetzt unmöglich eine Verständigung mit
den feinen Fadenwesen ebenfalls Das Ganze besaß nach wie vor eine starke
zurückdrückende Kraft die schon in einer Entfernung von tausend Metern
einsetzte
»Das ist beinahe vorbildlich« sagte Biba »sowohl für uns wie für den
großen Asteroïdenring«
Während Biba das neue Ringsystem von einem Balkon der Turmlaterne aus
beobachtete bemerkte er vor sich in der Luft wieder das blaugrünliche Licht
durch das der s seine Nähe anzeigte
Und s sagte durch einfache Übertragung der Gedanken
»Wie schnell doch die Pallasianer alles Mögliche vergessen Ihr wollt nichts
von der Bedeutung des Schmerzes wissen so als hättet Ihr stets in weichlicher
Untätigkeit gelebt Und das ist doch garnicht der Fall Ihr habt doch mit so
ungeheurer Kraftanstrengung den großen Turm gebaut Habt Ihr dabei nicht genug
Schmerzen empfunden War das nicht für uns alle zusammen eine große Qual Und
als alles fertig war da kams Euch doch wie eine Erlösung vor Allerdings dann
kam gleich so viel Neues dass Ihr Eure Arbeit schnell vergasset Lieber Biba
sage doch Allen dass sie den Schmerz nicht unterschätzen dürfen Vielleicht habt
Ihr in allernächster Zeit Furchtbares zu ertragen Bereitet Euch vor Ich fühle
dass ich mich Euch nicht mehr lange verständlich machen kann Vergiss nicht was
die Sonne sagt Lebe wohl«
Biba hörte wie das Licht mit einem leisen Knall erlosch Und er eilte auf
den nächsten Bandbahnen zu einer großen Signalstation und machte von dort aus
alle Pallasianer aufmerksam dass er Neues mitzuteilen habe
Und es berührte dieses Neue alle Zuhörenden wie etwas Grausiges noch nie
Geahntes
Und gleich danach wars dem s so als hätte er noch einen Körper wie einst
aber einen viel längeren und breiteren und es ging ein Schauer durch seinen
Körper und er fühlte dass alles in ihm zitterte Und einen stechenden Schmerz
empfand er bald da und bald dort
Und dann fühlte er einen Starrkrampf in seinen neuen Sehorganen und sie
gingen alle nach unten und verbanden sich mit dem großen PallasRumpf wurden
mit diesem eins Das aber griff alle seine Sehnen und Muskeln furchtbar an dass
er hätte schreien mögen
Ganz finster wurde es s sah nichts mehr Er fühlte nur noch reissende
zerrende Schmerzen die immer stärker wurden
Und die Pallasianer empfanden plötzlich ähnliche Schmerzen wie der Lesabéndio
Die Schmerzen waren nicht so stark wie die die oben der s empfand Aber die
Pallasianer schrien doch laut auf
Und das schmerzliche Geschrei hallte unheimlich im Nordtrichter Dazu
brauste die SofantiMusik mit tiefen stöhnenden Tönen
Die kometarischen Ausströmungen des Kopfsystems umflackerten grell mit
Tausenden von zuckenden Scheinwerfern den großen Turm und kamen hinunter und
blitzten durch den Nordtrichter und auch durch den Südtrichter Der ganze
PallasRumpf schien in elektrischen Flammen zu brennen Und der Pallas zitterte
Und dieses Zittern brachte den großen Turm zum heftigen Schwanken
Das Schreien der Pallasianer wurde so furchtbar dass Alle glaubten der
Stern würde gleich entzwei bersten
Die SofantiHäute dröhnten und brausten so heftig dass einzelne Häute mit
lautem Knall entzwei rissen
Die Quikkoïaner die auf dem Pallas waren fielen sämtlich in Ohnmacht und
lagen bewusstlos da Und Niemand kümmerte sich um sie
Biba und Labu die den Schmerzen am kräftigsten Widerstand leisteten und nur
stöhnten nicht schrien blickten durch Teleskope außen nach den übrigen
Asteroïden hinüber und sahen dass dort auf vielen der kleinen Sterne elektrische
Ausstrahlungen entstanden
»Es geht etwas Furchtbares vor« rief Biba dem Labu zu
Labu antwortete nicht
Biba sah danach zur Sonne und entdeckte auch dort heftige Sturmfackeln auf
der Oberfläche viel mehr als sonst
»Ich glaube« sagte er stöhnend »dass wir vielleicht nur näher
aneinandergebracht werden sollen Und das ist so schmerzhaft Wenn jetzt der
s was sagen würde«
Aber s sagte nichts
Allmählich ließ die Schmerzen der Pallasianer nach Und man kam wieder
zusammen und besprach dieses allerneueste Wunder das Allen die Bedeutung des
Schmerzes klargemacht hatte Und Biba sagte was er für den Grund des
Ereignisses hielt
»Das Kopfsystem des Pallas« meinte er »verbindet sich mit dem Rumpfsystem
Der alte Stern Pallas erwacht zu ganz neuem Leben Das ist eine furchtbare
Empfindung so zu neuem Leben zu erwachen Der große Zusammenschluss von oben
und unten hat stattgefunden Das ist auch vorbildlich für die anderen
Asteroïden sie haben auf den PallasSchmerz reagiert ich habs gesehen die
Sonne zeigte sich auch dadurch bewegter Wir sollen uns deshalb auch mehr
zusammenschliessen Künstlerische Gegensätze dürfen uns nicht mehr einander
entfremden«
»Ich glaube« sagte Labu darauf »dass alles Künstlerische auf dem Pallas
vielleicht doch nur Mittel zum Zweck war«
Dem stimmten sehr viele Pallasianer zu
Dann suchte man die Quikkoïaner und brachte sie allmählich wieder zum
Bewusstsein Sie waren über das neue Ereignis sehr erstaunt und wollten alle zum
Quikko hinüber
Die Pallasianer die während der Erschütterung des Pallas auf dem Quikko
sich aufhielten hatten nur ein leichtes Zucken in ihren Gliedern verspürt
Das hatte zur Folge dass sich jetzt sehr viele Pallasianer zum Quikko
hinüberschnellen ließ um dem nächsten Sturm zu entgehen Alle Quikkoïaner
verließen den Pallas
Aber auch auf dem Quikko war vieles anders geworden Der kleine Stern drehte
sich nicht mehr um sich selbst
Auch die Glieder der beiden Meteorgeister die oben den Pallaskopf
umkreisten waren ganz steif geworden
Lesas Schmerzen waren aber währenddem noch nicht zu Ende Sein Starrkrampf wurde
plötzlich noch viel mehr gesteigert Er hielt es nicht mehr aus Er wollte mit
Gliedmaßen die er garnicht hatte ausgreifen wollte sich fortwinden und konnte
doch nicht Er fühlte dass er gefesselt war unten an den Rumpf
Und da fühlte er zugleich mit dem PallasKopf und mit dem PallasRumpf
zusammen dass er mit Beiden ein einziges Wesen sei und dass jetzt ein neues
Leben für ihn begann ein PallasLeben
Dieser zweite Starrkrampf der den ganzen Doppelstern gepackt hatte wirkte noch
viel furchtbarer als der erste
Der Turm klirrte
Die SofantiMusik zerriss plötzlich da alle Häute mit einem Ruck zerrissen
Der ganze PallasRumpf bebte noch einmal so heftig dass auch mehrere
Bandbahnen zerrissen
Doch danach wurde plötzlich Alles ruhig
Die kometarischen Ausstrahlungen am Turm und in den Trichtern wurden mit
einem Male ganz ruhig und leuchteten die Turmlaterne leuchtete am hellsten
aber auch ganz ruhig
Die Pallasianer konnten dieses Mal den Schmerz überwinden Es schrie Keiner
Biba sagte still
»Ich glaube dass sich jetzt alles zusammengeordnet hat Es wird nicht mehr
Erschütterndes kommen Wir wollen jetzt auch zusammenbleiben und zu unsern
Teleskopen fahren Die zerstörten Bandbahnen müssen wir auch gleich ausbessern«
Und man besserte die zerstörten Bandbahnen wieder aus und begab sich dann zu
den Teleskopen um die Asteroïden zu beobachten
Lesabéndio aber fühlte ganz anders als einst er fühlte dass er allmählich ganz
zum Stern wurde Die Interessen der Pallasianer berührten ihn nicht mehr Er
bemerkte auch dass er abermals neue Organe bekam mit der Atmosphäre seines
Sterns konnte er allmählich sehen die Atmosphäre wirkte auf allen Seiten für
ihn wie ein kolossales Teleskop
Und dann sprach s mit dem Quikko und mit den Meteorgeistern und auch mit den
feinen Wesen die einst als Spinngewebewolke dem Pallas so helles Licht
spendeten
Darauf fühlte s dass er mit seinem Doppelstern auch hinüberreichen konnte
zu den andern Asteroïden
Und dort sprach man überall von der Notwendigkeit der gegenseitigen
Annäherung
»Der Asteroïdenring muss ein Einheitliches werden« sagten Alle »wir kommen
weiter wenn wir zusammen sind wie die Geister der Saturnringe Es wird
natürlich noch viele Schmerzen erzeugen«
s fühlte wies ihm noch immer in allen Gliedern zuckte
Aber das ging vorüber
Und er fühlte nur wie er sich langsam drehte Und er fühlte dass er allen
Sternen immer näher kam
»Wir wollen einander« sagte er in seinen Gedanken zu sich selbst »immer
näher kommen wenn auch furchtbare Qualen zu überwinden sind Es ist doch eine
Seligkeit wenn man sie überwunden hat Ich fühls Auch das Sichunterordnen ist
sehr schmerzhaft Aber notwendig ist es doch Und ich ordne mich so gerne den
größeren Sternen unter besonders der Sonne«
Und da reckte er kraftvoll seinen ganzen Leib und er fühlte dass sein Leib
der ganze PallasRumpf war
Und der Doppelstern drehte sich weiter
Und die Asteroïden begrüßten den zu neuem Leben erwachten Doppelstern mit
glänzenden elektrischen Lichtern
s träumte er sei jetzt ganz frei und könne hinkommen wohin er wolle
er hätte jetzt Sternkräfte
Und es war ihm dann als spräche er mit den Saturnringen und mit den Monden
des Saturn und da kam der Quikko und sagte
»Bleibe bei uns«
Und da kehrte s zurück
Und er sah den ganzen Stern Quikko auch sein Inneres das war so milde
als wärs aus lauter streichelnden Händen zusammengesetzt
»Wir kommen immer weiter« hörte s leise aus dem Quikko heraustönen
Doch donnernd rief die Sonne dazwischen
»Wenn wir Schmerz und Tod nicht fürchten«
s hörte Beides
Und er drehte sich ruhig weiter und empfand eine große Ruhe Und es kam ihm
so vor als ginge er leicht hinüber in ein neues Reich in dem alles ganz sanft
hin und her schwankte wie flüsternde ManesiRanken unten am großen Turm
»Mit Allen zusammen« sagte s ganz still
Und die grüne Sonne strahlte so hell auf als wäre auch auf ihr ein neues
Leben erwacht