1911_Thoma_Wittiber.html




        
                                  Ludwig Toma
                                  Der Wittiber
                                Ein Bauernroman
                                  Erstes Kapitel
»Um d Kati is schad dös behaupt i weil s wahr is und koa besserne
Hauserin is weit umadum net gwesn« sagte der Zwerger von Arnbach und Männer
und Weiber die beim Leichentrunk saßen nickten beistimmend
    »De Ehr muass ihr a niada Mensch lassn dass ihr d Arbet guat vo da Hand
ganga is«
    »Han«
    Die Fischerbäuerin von Neuried redete undeutlich weil sie ein tüchtiges
Stück Wurst kaute aber wie sie es hinuntergeschluckt hatte wiederholte sie
ihre Worte
    »Dass ihr d Arbet guat von da Hand ganga is sag i«
    »Und halt vastanna hat sie s aa« rief einer über den Tisch hinüber
    »Freili hot sie s vastanna Und gar so viel a guate Melcherin is sie
gwesen« sagte die Fischerbäuerin die als Schwester der Verstorbenen heute ein
Aufhebens machen durfte »Solchene muass it viel gebn und it leicht dass a mal
a Kuah nach ihr ausgschlagn hat und vo drei Strich hat sie so viel Milli
ausgmolka wiar an anderene aus vieri«
    »Und gratn is ihr alssammete« rief die Huberin von Glonn »sie hat a
niads Kaibi durchbracht und bal sie oans no so gring hergschaugt hat is ihr
it umgstanna«
    »Was mögst« fragte der Zwerger den die Fischerbäuerin anstieß »Ah so
Geh teats d Würscht no mal her«
    Und er gab der Nachbarin hinaus die mit Messer und Gabel darüberging und
wehleidig sagte »Es is schad um sie weil sie gar so viel a guate Melcherin
war«
    Der Schormayer von Kollbach hörte die Lobreden oder hörte sie nicht er
schaute verloren an sein Bierglas hin und wenn er den Deckel aufmachte und
eines trank geschah es auch gedankenlos und ohne Genuss
    »Was hoscht jetzt an Sinn« fragte ihr der Zwerger
    »Wia«
    »Was d an Sinn hoscht Übergibst oda machst alloa furt«
    »I bin do it alloa«
    »Ja no die Tochta werd aa it ledi bleibn mögn und bal sie heiret was is
nacha«
    »Dös woass i jetzt aa it«
    »Geh Zwerger lass guat sei Wer redt denn von Übagebn bal ma d Muatta
erst vor a Stund eigrabn hamm«
    Der Schormayer Lenz sagte es und zeigte sich überhaupt als rechtsinnigen
Menschen der auch im Unglück seine fünf Sinne beisammen hat indem er acht gab
dass beim Leichenmahl alles mit Ordnung ging und Verwandte und Gefreundete
herzhaft zugriffen
    »Ja no« antwortete der Zwerger »mi redt grad und wer woass wann mi wieda
beinand is Und es is guat gmoant gwen Schormayer des sell derfst gwiss
glaabn«
    »Wia«
    »I sag dass i dir nix Schlechts moan und nix für unguat«
    »Na na«
    »Bal d Kati bein Lebn bliebn waar kunntst freili no a fünf Jahr
regiern aber a so werd s dir hart okemma«
    »Ja ja«
    »Sie is so viel a guate Melcherin gwen und in Stall überhaupts hat s koa
besserne gar it gebn« sagte die Fischerbäuerin indes sie einen Löffel
Rübenkraut zum Schweinefleisch nahm
    »Der Herr gebe ihr die ewige Seligkeit und lasse sie ruhen in Frieden
Amen« rief am unteren Ende eine scharfe Stimme die zu den frommen Worten nicht
recht passte
    Und sie ging von der Asamin aus die mit einem kleinen Gütler ein armseliges
und streiterfülltes Leben führte
    Sie hatte aber auch mit der Katarina Schormayer eine Schwester begraben und
musste deswegen an diesem traurigen Tage gehört werden
    »Amen« responsierten die Verwandten und Gefreundeten und räusperten sich
dazu denn sie gönnten der Asamin nicht dass sie das Wort führen sollte
    Dann war es still bloß dass man Gabeln und Messer auf den Tellern kratzen
hörte oder auch einen der seufzte oder einen der sagte »Ja no Jetzt is
scho amal a so«
    Nach einer Weile jedoch brachte der Zwerger die Unterhaltung wieder in Fluss
    »Des muass mi sagn schö hat da Herr Pfarra gredt und grad fei hat a sei
Sach fürbracht«
    »Er hot überhaupts a guats Mäuwerk« lobte der Schneiderbauer »da is er
ganz anderst wia der inser in Arnbach Der sell ko gar nix«
    »Dös is wahr bei dem muass mi einschlafa aba an Herrn Metz lob i Er hat
der Schormayerin ihr Ehr gebn dass mi zfriedn sei muass«
    »Ein fleissiges Weib ist eine Krone ihres Mannes hat a gsagt und dessell
hat er aa gsagt durch ein weises Weib wird das Haus erbauet I hon ma s guat
gmirkt«
    Die Asamin ließ sich zu oft hören
    »Mirk d as no Du kost as guat braucha« schrie der Schneiderbauer grob
und brachte viele zum Lachen
    
    »Bals aba da Herr Pfarra gsagt hat«
    »Is ja recht mirk da s no grad«
    »Von a Predigt ko si a niada was hoam nehma net grad i alloa«
    »Is ja recht«
    »Und des sell derf i do sagn dass mi de Predigt gfalln hat und
überhaupts is sie von mir so guat a Schwesta gwen als wia vo de andern und des
is amal wahr dass er dös gsagt hat Ein fleissiges Weib hat er gsagt ist die
Krone des Mannes«
    »Is ja recht bals no du aa oane waarst«
    »Nacha krieget der Asam vielleicht gar was für di« sagte der Zwerger und
wieder lachten Verwandte und Gefreundete
    »Schaug no dass du was kriagst für de Dei und des sell muass i dir no sagn
«
    »Sei amal staad« mahnte der Lenz so nachdrücklich dass die Asamin einhielt
    Und jetzt schob auch seine Schwester Ursula die Fleischplatte vor den alten
Schormayer hin
    »Geh Vata iss dennerscht was«
    »I mog it«
    »Dös is jetzt aa nix bal du a so da hockst is ja des best Sach«
    »I mog it sag i«
    »Wickel s eahm ei« sagte die Fischerbäuerin »Dahoam mag er s na scho«
    Der Wittiber trank ein ums andere Mal und schaute mit leeren Augen vor sich
hin dass es den Schneiderbauer erbarmte
    »Wie lang bist jetzt verheiret gwen« fragte er den stillen Mann
    »I«
    »Ja muass do bald dreissg Jahr sei«
    »It ganz Achtazwanzgi san mi beinand gwen«
    »Is a lange Zeit Da gwohnt ma si zsamm«
    »Da gwohnt ma si zsamm ja ja Und jetzt woass i gar nix mehr wo i
highör und dahoam is nix und anderstwo is aa nix«
    »Es werd scho wieder Vata lass no guat sei« sagte Lenz
    »Nix werd s Dös vastehst du net Bal mi achtazwanzg Jahr mitanand garbet
hat und is oan Tag gwen wia den andern und auf oamal is s gar dös is dumm
ganga Dös hätt s it braucht«
    »No schau bei dir is no net allssammete aus« tröstete der Zwerger »Du
host a Bargeld und kost zuaschaugn wanns d heut übagibst«
    »Ja bal i d Arbet nimma hab was is denn nacha Und alloa is d Arbet aa
nimma luschti Dös is amal nix mehr und werd nix mehr«
    Er schaute wieder vor sich hin und rührte nichts an von allem was
aufgetragen wurde
    Den andern aber hatte die Trauer den Appetit nicht verschlagen sie langten
herzhaft zu und über Essen und Trinken wurde es lebhafter
    Von der seligen Schormayerin war nicht mehr so viel die Rede als von der
Ernte und von den Viehpreisen und jeder wusste etwas zu sagen was seiner
Kenntnis Ehre machte
    Und wie sich der Eifer steigerte wollte auch der Lenz zeigen dass er gut
beschlagen war
    Die Fischerbäuerin wieder nahm sich der Ursula an und erzählte ihr von
einigen Bauernsöhnen die rundherum mit guter Aussicht fürs Leben zu heiraten
waren
    Und wenn ihr die Namen ausgingen wusste gleich eine andere noch einen
besseren zu rühmen und über ein kurzes steckten die Weiber ihre Köpfe zusammen
und waren vom Sterben mitten ins Heiraten gekommen
    Die Asamin nicht
    Ihre Meinung hatte in solchen Fragen erst recht keine Geltung und überdem
hielt sie es für richtig jetzt mit einigen Wünschen an den Schormayer zu gehen
    Ohne dass es die andern viel bemerkten setzte sie sich hinter den Wittiber
und fing erst einmal kräftig zu seufzen an Da er nicht darauf achtete zupfte
sie ihn am Ärmel und sagte »Dös is a wahrs Kreuz«
    Der Schormayer wandte sich um »Was willst«
    »A Kreuz is sag i dass d Kati hat sterbn müassn«
    »Jetzt lass du mi aus«
    »Ja glaabst mi bekümmert dös nix Sie is vo mir aar a Schwesta gwen«
    »I woass scho«
    »Und bal i aa grad an arme Güatlerin bi des sell macht da gar nix aus
Vielleicht hon i mehra Derbarma mit dir als an anderne«
    »I dank da schö Ja is scho recht« Und er drehte ihr den Rücken zu
    Aber die Asamin war darüber nicht traurig sie schaute links und rechts ob
die Gespräche noch am Fliessen waren und wie sie das mit Befriedigung sah fasste
sie wiederum den Schwager am Ellenbogen
    »Was hoscht denn«
    »Du hat d Kati gar it dergleichn to dass sie ihre Verwandtn a bissel
was zuakemma lasst«
    »Na gar nix«
    »Koan Pfennig it«
    »Na sag i«
    »Solltst nacha scho du a wengl was toa dass mi liaba bet dafür«
    »Bals d net gern betst lasst d as bleibn«
    »Sie no net glei a so gach Mi sagt ja grad weil s a guats Werk waar
wann mi an arma Menschen was gab«
    »Du hoscht ihra Lebzeitn gnua kriagt und hoscht as do bloß vabutzt«
    »I«
    »Ja du Und jetzt lass mi mei Ruah«
    »Jetzt da muass i lacha Wos hon denn i kriagt von ihr«
    »I red nix mehr«
    Der Schormayer war ein weniges aus seiner allertiefsten Trübseligkeit
gerissen und zeigte seiner Schwägerin die breite Seite
    »Luada« brummte er vor sich hin und trank einmal
    Die Asamin gab viel und doch nicht alles verloren sie wartete etliche Zeit
bis nach ihrer Meinung die Trauer wieder oben auf schwamm
    Dann kriegte sie den Wittiber noch mal am Ärmel
    »Ja Herrgott «
    »Geh Muasst it a so sei I sag nix mehr von an Geld«
    »Du kriagst scho koans«
    »Dös san mi arma Leut gwohnt Aba pass auf den brauna Rock von ihr und den
Spensa kunntst ma do scho gebn«
    »Wos für an brauna Spensa« fragte mit einmal Ursula und fragte es sehr
scharf 187I ho do mit dir it gredt«
    »Na aba an Vata tatst obetteln und schamst dir gor it«
    »Dös is it bettelt bal mi fragt«
    »Dei Fragn kenn i scho und schama tuast di du gor it Möcht sie s Gwand
vo da Muatta«
    »Was waars nacha bal mi an Spensa kriagat Hoscht du it gnua Sach Is dös
it da Brauch dass mi an Verwandtn was gibt Da möcht i scho von Betteln sagn
und s Mäu recht aufreissn als wenn sie koan Schwesta net gwen waar von mi und
s Betn net aa braucha kunnt«
    Die Asamin deckte ihren Rückzug tapfer und gut wie ein jeder sagen musste
aber sie musste eben doch zurückweichen und von allen Angriffen abstehen
    Sie saß wieder am unteren Ende des Tisches und blieb von den flinken Augen
der Ursula bewacht so dass kein lautes Gespräch mehr für sie eine neue
Gelegenheit gab
    »Und jetzt geh i« sagte der Schormayer bald darauf und stand auf
    »I geh mit dir Vata« rief der Lenz
    »Na du bleibst do und de andern aa I find alloa hoam und koan
Unterhaltung brauch i net S Good beinand«
    Er schwankte etwas und hatte in Kümmernis und Nachdenken mehr Bier
getrunken als mancher Fröhliche ertragen könnte aber die Türe erreichte er
doch in einer mäßigen Bogenlinie
    Die Trauerversammlung rief ihm Grüße nach und hielt wieder eine Zeitlang
Betrachtungen ab über die Schormayerin und ihr schnelles Sterben und über den
Tod im allgemeinen
    »Es is wirkli hart für eahm« sagte die Fischerbäuerin »und bal mi s recht
sagt is er z alt zun no mal Heiretn und z jung zun Aufhörn«
    Die Schneiderin rückte näher zu ihr und wisperte leise dass es die
Mannsbilder nicht hören sollten »Überhaupts sag i dös bei dem Alter is besser
wann da Mo zerscht stirbt weil si inseroans leichter in d Ruah gibt«
    »Da hoscht amal recht und des sell is no allemal wahr gwen wie ma sagt
bal inser Herrgott an Hanswurstn hamm will lasst er oan mit fufzg Jahr
Wittiber wern«
    Die Fischerin sah die Schneiderin bedeutsam an und sie nickten mit den
Köpfen und waren sich einige darüber
 
                                Zweites Kapitel
Der Schormayer trat tiefe Löcher in die weiche Dorfgasse wie er jetzt an dem
trübseligen Herbstnachmittage heimging aber er achtete nicht auf den
glucksenden Lehm der ihm an den Stiefeln hängen blieb
    Wenn er vom Wege abkam und beinahe knietief in den Schmutz trat fluchte er
still und lenkte in die Mitte der Straße ein aber bald zog es ihn wieder links
oder rechts an einen Zaun und er blieb stehen und brummte vor sich hin
    »Nix mehr is gar nix mehr«
    »Himmelherrgott« sagte er wenn ein Windstoß in die Obstbäume fuhr und ihm
kalte Regentropfen ins Gesicht schleuderte
    Ein Hund riss an der Kette und bellte ihm heiser nach beim Finkenzeller
öffnete die alte Mariann ein Fenster und rief ihm zu »Derfst ma s it übel ham
dass i net bei da Leich gwen bi i hon an Wehdam in die Haxen und kimm it bei
da Tür aussi I waar ihr so viel gern ganga und derfst ma s gwiss glaabn i bi
ganz vokemma wian i dös ghört hab und weil sie gar so «
    Der Schormayer hörte sie nicht er bog scharf um die Hausecke und war nun
bald unverständliche Worte murmelnd an der Einfahrt seines Hofes
    Die Spuren vieler Tritte waren noch sichtbar sie liefen mitten über den
geräumigen Platz bis zur Haustüre und bei ihrem Anblick raffte der Schormayer
seine Gedanken wieder fester zusammen
    »Da hamm s as raustragn Ah mei Ah was«
    Er fasste zögernd nach der Türklinke als vom Kuhstall herüber eine helle
Weiberstimme klang
    »Bauer«  »Was is«
    »Schaugst it eina D Schellerin hat a Kaibi kriagt«
    »Was nacha«
    »A Stierkaibi«
    Die Stalldirne klapperte auf ihren Holzpantoffeln mit hoch aufgeschlagenen
Röcken näher heran
    »Vor a Stund is s kemma und hat gar it viel ziahgn braucha und i ho mir
zerscht denkt i schick umi zun Wirt aba nacha is an Tristl sei Knecht da
gwen und nacha «
    »Ja ja Is scho recht «
    Er trat ins Haus und schlug die Türe hinter sich zu
    Im Flötz stand noch der weissgedeckte Tisch und darauf ein Kruzifix auch
war ein süsslicher Duft von Weihrauch zu merken und so blieb der Schormayer
nachdenklich stehen und schaute die Stiege hinauf über die sie vor wenigen
Stunden seine Bäuerin heruntergetragen hatten
    Er zog den Mantel nicht aus und hing den Hut nicht an den Nagel wie er war
ging er mit schmutzigen Stiefeln in die Stube und setzte sich auf die Ofenbank
    Es wurde schon Abend und die Fenster schauten wie große Augen in dei
dämmerige Stube herein eine Uhr tickte laut und aufdringlich als das einzige
Ding was hier zu vernehmen war und ihr Schlag und die Stille und dunkle Winkel
erinnerten den Schormayer an seine Verlassenheit Er dachte wohl nicht viel
darüber nach und malte sich keine wehmütigen Bilder vor aber er spürte die
Einsamkeit wie er sich so vornüberbeugte und auf den Boden sah
    Da waren einige weiße Flecken und wie er nachdachte woher sie kämen trat
ihm lebhaft und deutlich die traurigste Stunde seines Lebens vor Augen
    Das waren Tropfen von Wachskerzen und da herinnen waren die Weiber
versammelt als der Pfarrer die Leiche aussegnete
    Er hörte die Hammerschläge die von oben herunter tönten als sie den Sarg
zumachten und dann schwere Tritte auf der Stiege und das Schleifen der
Totentruhe und die tiefen Stimmen der betenden Männer und die hellen der
Weiber und dann wieder durch die Stille eine fette Singstimme der eine andere
erwiderte mit fremden Worten die er oft und oft gehört aber heute sich erst
gemerkt hatte
    »Requiescat in pahace Ahamen«
    Eine zitternde verschnörkelte Stimme und dann das Klirren des
Weihrauchfasses und gleich darauf ein weißer beizender Rauch der viele zum
Husten brachte
    Und ein Flüstern unter den Männern die den Sarg aufhoben und wieder viele
dumpfe Tritte und schreiende Stimmen durcheinander
    »Vater unsa der du bischt in dem Himmel geheiliget werde dein Name «
    Der Bauer fuhr zusammen weil die Stubentüre aufging
    »Wos geit s«
    »I bins« sagte die Stalldirne die auf Strumpfsocken hereinkam
    »Was willst«
    »I ho ma denkt obs d as Kaibi net oschaugst weil s gar so fei is«
    »Morgn nacha«
    »Und d Kuah is aa guat beinand gar it viel eibrocha«
    »So«
    »Ganz leicht is ganga i hätt an Tristl Knecht schier gar it braucht aba
no mi woass net«
    Der Bauer gab keine Antwort
    Zenzi ging ans Fenster und schaute hinaus gegen die Helligkeit erschien
ihre Gestalt so groß und mächtig dass sie der Schormayer zum erstenmal daraufhin
anschauen musste Die hatte einen Buckel wie ein starkes Mannsbild und dicke Arme
und volle Brüste
    »Soll i dir a Kaffeesuppen kocha« fragte sie
    »Na«
    »Aba d Ursula werd so schnell it kemma und i ko d as leicht macha«
    »I mog nix«
    Zenzi trat zur Ofenbank und wie der Bauer sie nicht wegschickte setzte sie
sich neben ihn
    Ihr Arm streifte den seinen und eine Wärme ging von ihr aus die ihm
wohltat den ganzen Tag hatte er das Gefühl gehabt dass es ihn fröstle beim
Alleinsein und in der Stube hatte es ihn erst recht so überkommen
    Zenzi drehte den Kopf nach ihm zu ihr sinnlicher breit gezogener Mund und
ihre flackernden Augen versprachen Dinge die selten einer verschmäht
    Aber der Schormayer schaute sie nicht an
    »Wia lang is sie jetzt krank gwen« fragte Zenzi
    »A schlechts Blüat hat sie scho lang ghot« erwiderte er »aba glegn is
sie it länger wia r a viertl Jahr dös woasst ja selm«
    »An da Lungl hat s ihr gfeit gel«
    »Ja«
    »A meiniger Vetta wo i in Deanst gwen bi hot s aar a so ghabt und is
alle Täg weniga worn Da is gscheidter bal oans stirbt«
    »Ja ja«
    »Dös ko mi net anderst macha und da waar i jetzt net a so trauri«
    »Dös vastehst du zweni« sagte er und streifte sie mit einem Blick
    »Moanst«
    »Wenn ma so lang vaheiret is mitanand da ghört ma so zsamm dass ma sie
dös gar it anderst eibildn ko«
    »Aba d Freud ko aa nimmer so groß gwen sei«
    »Was für a Freud«
    »No a so halt« sagte Zenzi und stieß ihn mit dem Ellenbogen an
    Er schaute sie wieder an ihr Mund war zu einem sinnlichen Lachen verzogen
und ihre Augen wichen nicht aus
    »Ah mei« sagte er »An selle Dummheitn denkt mi do net«
    »Waar ma scho gnua« sagte sie »Da denkat i freili dro Für was is ma denn
vaheiret«
    »Geah Du bischt halt no jung und dumm In Ehstand is ganz anderst als wia
lediger«
    »Warum nacha«
    »Weil mi halt gscheidter werd und älter aa und weil mi an was anders z
denka hot«
    »Du bischt do net z alt«
    Zenzi rückte näher und da fasste er mit einer groben Bewegung ihren Arm und
drückte ihn fest
    »Herrgott Aber Arm hoscht scho her« sagte er
    »Da is was dro gel«
    »Ja du bischt scho a Mordstrumm Weibsbild«
    Er griff nach ihrer Brust
    Sie kicherte
    »Geah du«
    »Was hoscht denn für an Schatz« fragte er
    »I ho koan«
    »Ja dös wer i dir glaabn Vielleicht bischt gar no bein Jungferbund«
    »Da kunnt i leichter dabei sei als wia anderne I mag mit die Burschn nix
z toa hamm«
    »So schaugst du aus«
    »Weil nix Gscheidts rauskimmt dabei Aba du bischt oana Hörst it auf
Hörst it auf«
    Sie lachte und wehrte sich gegen seine derben Griffe er legte den Arm um
ihre Hüfte und zog sie keuchend zu sich heran und im Ringen fiel ihm der Hut
auf den Boden
    Plötzlich machte sie sich mit einem Ruck frei und sprang in die Höhe »Es
kimmt wer« sagte sie hastig und streifte ihren Rock zurecht
    Er sah verstört und mit blöden Augen nach der Türe und bückte sich um
seinen Hut aufzuheben als Ursula eintrat Sie warf einen schnellen Blick auf
den Vater der seine Verlegenheit verbergen wollte und den Staub vom Hute
abblies und dabei fuhr sie die Magd an
    »Was hoscht denn du da herin z toa«
    »I hon an Bauern gsagt dass mi a Kaibi kriagt hamm«
    »Na geh no wieda an Stall aussi«
    »I geh scho«
    Der Schormayer kam ihr zu Hilfe
    »A Stierkaibi is hoscht gsagt Gel«
    »Ja«
    »Und da Tristlknecht hat da gholfa«
    »Ja Da Toni«
    »Is scho recht nacha Sagst eahm i zahl eahm a paar Maß«
    »Jetzt mach amal dass d weiterkimmst du hoscht di lang gnua vahaltn da
herin moan i« schrie Ursula
    »s nachstmal sag i halt nix mehr bal dös aa no net recht is und so was
geht do an Bauern o«
    Zenzi schlug die Türe hinter sich zu und man hörte sie noch im Flötz
schelten und ein Stück weit über den Hof
    Der Schormayer hatte derweilen seine Fassung gewonnen und der Ärger stieg
in ihm auf
    »Dass du gar a so grob bischt mit ihr« fragte er
    »Red liaba it Vata«
    »Wos Derfst du mir s Mäu biatn Gang dös scho o Herr bin i dass d as
woasst«
    »Und dös ghört si amal it dass des Mensch da herin steht«
    »So Geaht mi dös nix o was an Stall draussd gschiecht Dös waar mi des
neuest Bin i gar nix mehr weil d Muatta nimma do is«
    Jetzt hatte der Schormayer einen Boden unter sich und kam sich in seinem
Rechte gekränkt vor Und da schrie er dass ihm die Halsadern schwollen
    »Da waar ja i der Garnixmehr auf mein Hof und s Mäu lass i mi no lang it
biatn von enk«
    »Dös hon i it to«
    »Jo hoscht as to Aba probier s grad nomal na zoag i dir an Weg«
    »Mögst mi nausschaffa am nämlinga Tag wo mi d Muatta eigrabn hamm«
    »Und i lass mir amal s Mäu it biatn«
    Der Lenz stand unter der Türe und schaute verwundert den Vater an der
zornig in der Stube auf und ab ging und die weinende Ursula anschrie
    »Was geit s denn«
    »Dös is mei Sach«
    »Öhö« machte der Lenz
    »Ja gar nix öhö Und Herr bin i dös mirkts enk all zwoa«
    Der Schormayer ging in die Schlafkammer die nebenan war und schmiss die
Türe krachend ins Schloss
    »Was hot er denn«
    »I sag d as scho an andersmal« sagte Ursula weinerlich und ging hinaus
und droben hörte der Lenz sie murmeln und zwischen hinein sich schneuzen
 
                                Drittes Kapitel
Es war nicht eigentlich behaglich im Wirtshause zum Lamm Die wenigen Gäste die
zukehrten trugen Schnee in die Stube der zu schmutzigen Wasserlachen zerging
und von Hut und Mantel tropfte es auf den Boden und es roch nach schlechten
Zigarren und nassen Kleidern
    Die Lampe über dem Ofentische schwelte und die dicke Kellnerin musste immer
wieder auf einen Stuhl klettern und den Docht herunterschrauben
    Bei dem kümmerlichen Lichte sah man den Schormayer in einer Ecke vor seinem
abgestandenen Biere sitzen und wer kam oder ging redete ihn an
    Aber kein Gespräch wurde so lebhaft dass nicht die Frau Wirtin schon am
frühen Abend laut gähnte und die Kellnerin aus einem Winkel heraus als Echo mit
Gähnen antwortete
    Wenn die Uhr rasselnd und ächzend als wenn sie einen Kropf hätte achtmal
schlug legte der Schormayer sein Geld für drei Halbe auf den Tisch und ging mit
einem brummigen Gruße hinaus
    »Er kimmt jetzt jedn Tag« sagte die Wirtin »und früherszeiten hat ma n
ganz weni gsehgn Er muass dahoam it viel Schöns hamm«
    Und da hatte sie das Richtige getroffen
    Dem Schormayer verging ein Tag um den andern mit Langweile oder Verdruss und
er war recht übel daran dass ihm sein Weib gerade vor dem Winter weggestorben
war
    Er hatte wenig Arbeit die ihm über seine Gedanken hätte weghelfen können
die Ernte war ausgedroschen und im Holze war nicht viel zu tun im Rossstall
hantierte sein Lenz und bei den Kühen schaute er nicht gerne nach weil ihm die
Ursula auf Schritt und Tritt nachging und jedesmal ein Geschrei mit der
Stalldirne anhob
    Und es war ihm selber zuwider wenn die Zenzi Augen auf ihn machte und ihn
damit an eine Dummheit erinnerte die ihm bloß im Rausche hatte geschehen
können
    Davon wollte er nichts mehr wissen und wäre die Tochter so gescheit
gewesen die Geschichte nicht immer aufzurühren er hätte sie gern vergessen
    Aber von den Weibsbildern kann ja einer bloß Vernunft erwarten wenn er sie
nicht kennt
    Freilich redete sie darüber nicht offen aber der Herrgott hatte auch ihr
das Talent gegeben dass sie versteckt und von hinten herum immer wieder auf die
Sache kommen konnte
    Ging denn ein Mittag vorüber ohne dass sie Streit in die Stube trug und
hinter Schimpfen und Plärren ihm einen Brocken zu schlucken gab den er am
Geschmack recht wohl erkannte
    Wie sie der Magd die Schüssel hinschob und den Löffel hinwarf hatte es auch
für ihn eine Nutzanwendung und in jeder Grobheit mit der sie die Mahlzeit
segnete war ein spitziger Steften der ihm ins Fleisch drang
    Nein er hatte es nicht schön daheim und wenn er auch wirklich nicht
feinfühlig war kam ihm das Haus doch leer und fremd vor Die eigenen Schritte
werden so laut wenn man weiß dass niemand auf sie horcht der zu einem gehört
und da kriecht einem die kalte Einsamkeit ans Herz
    Zärtlichkeiten und schöne Worte braucht man wohl nicht aber die Gewissheit
dass jemand um einen froh sein muss hilft einem leicht einschlafen und wieder
frisch aufwachen zur Arbeit
    Und das merkte der Schormayer überall dass sein Kümmern und Anschaffen keine
rechte Achtung fand
    Der Lenz widersprach ihm nicht und tat auch was er ihm sagte aber es war
doch so als wenn er nachprüfte ob es ihm für das baldige Regiment passte
    Eigenmächtigkeiten ließ sich der Lenz genug zuschulden kommen und es war
noch viel wenn er hinterdrein dem Vater sagte was für eine Arbeit er übertags
getan hatte
    Das konnte dem Schormayer mitten bei der Nacht einfallen und ihm das
Schlafen verleiden War ihm damit nicht deutlich vor Augen gehalten dass man ihn
bloß zum Schein das Regiment führen lasse und gerade noch ein wenig Geduld mit
ihm habe
    Da machte er sich zornige Gedanken darüber ob er es so bald und so
unabwendbar an sich kommen lassen müsse dass ihm der Sohn das Regiment abnehme
    Freilich wenn er es ruhiger betrachtete wie sollte er es aufhalten können
    Sobald die Ursula aus dem Hause war musste eine Frau herein und dass er noch
einmal heiraten sollte fiel ihm nicht ein
    In seinem Alter das Leben von vorne und mit schweren Verdrießlichkeiten und
Zerwürfnissen anfangen das konnte nicht gut ausfallen und hieß ins Ungewisse
hineintappen Auch war der Lenz fleißig und rechtschaffen und verdiente es wohl
den Hof so zu kriegen wie er jetzt beisammen war Nein noch einmal heiraten
wollte er nicht
    Aber gerade weil er über eine kleine Weile nichts mehr zu sagen hätte
sollte ihn der Sohn nicht jetzt schon daran erinnern
    Und er sagte ihm dass er noch auf dem Bock säße und kutschiere und noch
lange nicht neben dem Wagen herlaufen wolle und wenn der Lenz meine er könne
ihm das Sitzbrett wegziehen dann solle er blaue Wunder erleben
    Da war dann freilich ein verdriessliches Gesicht mehr in der Stube und neben
der keifenden Ursula setzte der Sohn grobe Ellenbogen auf den Tisch und stach
wütend in die Schüssel hinein Diesen Zuständen ging der Schormayer gerne aus
dem Wege und hockte sich lieber neben die gähnende Lammwirtin und das beste
davon war dass sein Haus im Schlafe lag wenn er heimkam
    Eines Abends aber sah er schon von weitem Licht in der Küche brennen und
auf des Nachbarn Hauswand lag der breite Schatten einer Weibsperson
    In der üblen Hoffnung dass ihn noch ein Gespräch mit seiner Tochter erwarte
trat er mürrischer wie sonst ein und da klinkte auch schon eine Tür auf
    »Bischt as du Vata«
    »Ja wer sinscht«
    »I hätt di gern was gfragt«
    »Frag halt«
    »Die Basn vo Arnbach hat mar a Botschaft to und i soll morgn zu ihr
umikemma und es waar oana do«
    »Was für oana«
    »A so halt oana«
    »Fallt dera nix anders ei dass sie jetza scho kuppeln muass«
    »Ja no weil s halt da Prückl Kaschpa vo Hirtlbach waar und an sellan geht
mar it alle Tag auf«
    »Ko der it zu mir herkemma und bei mir fragn wia s si ghört«
    »Er werd no nix wissn vo dem und er hot grad a Gschäft z Arnbach und s
Basl moant wann i drent waar na kunnt mi vielleicht auf des sell aa z redn
kemma«
    »Geh halt umi vo mir aus«
    »I geh aa wann d Zollbrechtin für d Aushülf kimmt«
    »Was für an Aushülf«
    »Dahoam halt«
    »I brauch koane Zwegn dem verhungern mi net bal du net do bischt«
    »Abar i mog it dass du alloa do bleibst«
    »Han«
    »I mog it dass du alloa mit dem Weibsbild dahoam bischt«
    Der Schormayer rückte den Hut aus der Stirne und fragte ruhig
    »Wia redst denn du mit dein Vata Han«
    Ursula verzog greinend das Maul und stampfte auf den Boden
    »Weil s wahr is«
    Aber da schrie er schon
    »Wia du mit mir redst frag i du Herrgottsaggerament«
    »Ja du wurd mi gschimpft und «
    »s Mäu halt du Saufratz du nixiga«
    Sie trat einen Schritt zurück denn er zog die Hand auf
    »No mal sag so was na fangst d abar oane du Rotzlöffi du Schaug so
was o«
    »Und i ho s amal gsehgn «
    Da packte der Schormayer seine Tochter mit harten Fingern am Arme und schob
sie zur Türe hin
    »Naus sag i und marsch in dei Bett«
    Sie schrie weinerlich auf
    »Lass mi do aus«
    »I wer di na scho auslassn di Und dös mirk da bein erstnmal wos d
no mal frech bischt muasst d ausn Haus Du Krampn du mistiga«
    Er gab ihr einen derben Stoß und warf die Türe hinter ihr zu
    Sie blieb eine Weile im Hausflötz stehen und überlegte sich ob sie
gescheiterweise noch etwas sagen sollte aber sie griff dann lieber wie viele
Frauenzimmer zu einem Selbstgespräch indes sie in ihre Kammer hinaufging
    »Und bal i s amal gsehgn ho dass sie bei eahm sell ghockt is auf a
Ofabank und ganz hibei is sie ghockt und d Red hat s eahm aa verschlagn
wiar i in d Stubn eina bi und jetzt wisst a bal gor nimma was er mi
allssammete hoassn muass Und was i amal woass des sell woass i«
    Und was die Ursula einmal wusste das vergaß sie nicht und brummte es ins
Kopfkissen hinein bis der Unwille in Schlaf und Schnarchen überging
    Aber auch sonst gab es noch Geräusch im Hause denn unten flog ein Stiefel
an die Kammertüre und ein Fluch wurde länger wie der andere bis die Müdigkeit
den Zorn wegräumte und dafür dem Schormayer einen schweren astreichen Block
unter die Säge schob Und oben klinkte leise eine Türe ins Schloss und barfuß
tastete jemand über ein knarrendes Brett und schloff heimlich und still ins
warme Nest zurück und schaute noch eine Weile mit nachdenklichen Augen zur Decke
hinauf
    Dann drehte sich die Zenzi gegen die Wand und schickte den letzten Gedanken
zwei Türen weiter zur Ursula hinüber »Wart du Luada« sagte sie im
Einschlafen
 
                                Viertes Kapitel
Alle Dinge sind in der Nacht größer und schreckhafter wie am Tage und sie
werden kleiner wenn sie deutlicher zu erkennen sind
    Das graue Morgenlicht zeigte dem Schormayer dass hinter seinem gehabten
Verdruss eigentlich nichts stand wie die Dummheit einer Weibsperson die er
niemals für gescheit genommen hatte
    Und er hätte beim Aufwachen nicht einmal daran gedacht wenn ihm nicht
einige Nebenumstände die Erinnerung aufgerüttelt hätten
    Denn wie er mit der Hand nach dem Nagel langte an dem sonst seine
Taschenuhr hing fühlte er dass sie nicht dort war und wie er sichs
zurechtlegte wo sie nur sein könnte fiel es ihm ein dass sie noch im Gilet
stecken müsste und als seine Augen das Gilet suchten lag es wieder nicht auf
dem Stuhle sondern auf dem Boden unweit von einem Stiefel der recht verlassen
von seinem Kameraden dastand
    Dieser Gefährte aber lehnte unwillig an der Türe neben einem zerknüllten
Hute
    Es war eine lange Geschichte der man in der frühen Stunde nur langsam mit
den Gedanken folgen konnte und erst an ihrem Ende kam die nächtliche Frechheit
der Ursula
    Der Schormayer überdachte Ursachen und Folgen des Auftrittes und er wollte
gerade finden dass er sich von einigen anderen recht wenig unterschied als es
klopfte
    »Was geit s«
    »D Kaffeesuppn is firti«
    Das war eine fremde Stimme
    Er richtete sich auf
    »Han Was is«
    »Da Kaffee is firti«
    »Wer is denn do«
    »I«
    »Wer i«
    »Die Zollbrechtin«
    »Jetzt schaug die amol o« brummte der Schormayer vor sich hin und laut
sagte er »I wer nacha scho kemma«
    »Jetzt schaug die amal o Is sie furtganga und hat ma dös Weibsbild als
Aufsicht umagschickt«
    Er schloff in die Lederhose und verschob das Waschen auf später um
schneller in die Küche zu kommen
    Von der Zollbrechtin wurde er mit geschwätzigem Eifer in Kenntnis gesetzt
dass die Ursula schon in aller Herrgottsfrühe bei ihr gewesen sei und sie gar
schön gebeten habe für einen Tag herüberzukommen und dazubleiben bis sie die
Ursula wieder heimkomme und es sei schon möglich dass es bis auf die Nacht
dauern könnte und sie die Zollbrechtin hätte eigentlich die Zeit nicht
gehabt weil es daheim viel Arbeit gebe aber weil die Ursula es gar so
kreuznotwendig gemacht habe könne sie auch nicht so sein und sie hätte ihr den
Gefallen getan wegen der guten Nachbarschaft und überhaupt und es solle ihr
hoffentlich gelingen dass sie es mit dem Kochen recht mache
    Der Schormayer löffelte schweigsam den letzten Brocken Brot aus der
Kaffeesuppe und trank die Schüssel aus und indem er sich mit der Hand das Maul
abwischte fragte er die Zollbrechtin
    »So Arbet hoscht viel dahoam«
    »Ja mei D Wasch soll i bögeln und s Brot soll i bacha und putzn müasst
i aa no vor n Sunntag «
    »Nacha gehst glei hoam es is leicht was vosamt«
    »Aba bal i s do der Ursula vasprocha hab«
    Der Schormayer legte einige Nickelstücke auf den Tisch und schob sie der
Zollbrechtin hin
    »Sä« sagte er »dös is für s Kaffeekocha und wann s amal auftrifft dass
i di brauch nacha sag i dir s scho selm«
    »Jetzt dös is amal gspassig bal sie heunt no bei da Dunklheit bei mir gwen
is und koan Ruah gebn hot bis i gsagt hab dass i kimm und auf Ehr und
Seligkeit ho i gsagt «
    »Des sell machst mit da Urschula aus und jetzt pfüad di Good«
    Die Zollbrechtin war gekränkt und wie es jeder Mensch zugeben muss mit
Recht denn für was holt man sie bei der nachtschlafenden Zeit heraus und wenn
sie hernach in der allergrössten Gutmütigkeit nachgibt wäre es schier gar als
hätte sie um die Arbeit gebettelt und sie wird für ihre gutnachbarliche Meinung
hinausgeschmissen Aber vielleicht holt man sie noch einmal Und vielleicht ist
sie noch einmal so dumm und lasst daheim alles liegen und stehen Der erlebt was
der wieder so kommt Adjä
    Und beim Hinausgehen rumpelte sie an den vollen Milcheimer an den ein
Weibsbild hereintrug
    »Oha« sagte Zenzi und schaute der eiligen Person nach
    »Bleibt d Zollbrechtin it do« fragte sie den Schormayer der ihr den
Rücken zukehrte und zum Küchenfenster hinausschaute
    Er gab keine Antwort
    »Wer hot an Schlüssel zun Kella«
    »Am Tisch flackt a« brummte der Bauer ohne sich umzuwenden
    »Soll i heunt Butta rührn«
    »Was woass i Mach dei Arbet wia sinscht«
    Zenzi merkte dass der Bauer keinen gesprächigen Tag hatte und ging auf
klappernden Holzschuhen die Kellerstiege hinunter Es musste sie aber etwas
gefreut haben weil ihr ein heimliches Lachen um den Mund spielte
    Der Schormayer überlegte sich dass es gescheiter wäre wenn er nicht daheim
bliebe denn da konnte ihm der Tag so zuwider verlaufen wie er angefangen
hatte und weil ihm in Hohenkammer ein guter Freund lebte mit dem er zusammen
die Militärzeit durchgemacht hatte beschloss er einmal hinüberzugehen auch
unterwegs da und dort sich nach dem Viehstand umzuschauen Er machte sich also
auf den Weg und verlor an dem klaren Tag auch bald die dummen Gedanken die sich
in der Stube an ihm festingen und ihn mahnten dass er auf der Abseite des
Lebens angelangt sei
    Er kam mit einem kleinen Umweg an die stattliche Ackerbreite die ihm
gehörte  jawohl die ihm noch gehörte  und er stapfte mit einem befriedigten
Gemüt über die gefrorenen Schollen Da sollte ihm ein guter Weizen heranwachsen
und weiter drüben an die zehn Tagwerk schöne Gerste die ihm der Bräuer in
Indersdorf abkaufen würde und er sah schon im Geiste die Halme in die Höhe
schießen voll werden und reifen
    Wie lange und der Tag war wieder am Wachsen Und musste nicht über einer
Weile der Auswärts kommen Da sollte nur die liebe Sonne scheinen wie heute
dann mussten die Wasser in den Furchen rieseln und klingend und klirrend wollte
er wieder mit dem Pflug die Höhe hinaufkommen hinter seinen breitrückigen
Braunen
    Das sollte ein anderes und ein rechtes Leben werden in dem es nichts mehr
gab von Stubenhocken und Trübsalblasen
    Ei da war ihm beim Gehen warm geworden und er lüpfte den Hut indes er vor
Augen die Lustbarkeit des Schaffens hatte und Sorgen und Hoffnungen wie
ehedem
    Nun ging er den Weg an seinem Jungholz entlang und liebkosend streifte er
mit der Hand die buschigen Zweige der jungen Fichten Die hatte er alle gesetzt
Reihe an Reihe und gingen sie ihn heute weniger an wie zu der selbigen Zeit
    Und warum
    Es wurde ihm fröhlich ums Herz und beim Ausschreiten spitzte er ohne es
selber zu wissen das Maul und pfiff einen alten Ländler
    Hügel auf und Hügel ab trugen ihn die Füße und wurden nicht müde und da
hatte er sich selber was vorgeredet vom Altwerden und merkte jetzt dass es noch
lange nicht so weit war
Schpringt da Hirsch über n Bach
Brockt eahm drei Tritt  aberi 
Schöni greani brauni Birnblattl
Ab vo dem Baam 
    »Öhö Schormoar wo aus« schrie ihn ein untersetzter rotgesichtiger Mensch
an der auf einem Seitenweg daher kam
    Es war der Viehhändler Tretter von Pettenbach ein lustiges Mannsbild
voller Späße und mit einem gesunden Maulwerk begabt
    Er passte dem Schormayer gut zu dem fidelen Morgen
    »Ja grüass di Good Simmerl Bist du um an Weg«
    »Allawei Ma muass si ja d Haxn weglaffa bis ma von enk gscheerte
Spitzbuam was kriagt«
    »Mögst was kaffa«
    »Mögn tat i scho mögn aba kinna ko ma net«
    »Muasst halt guat zahln nacha geht s scho«
    »Freili Aba wos treibt denn di umanand  Host aar an Handel«
    »Na i geh grad amal hoagartn auf Hochakammer ummi«
    »So da geh i a Trumm mit dir vielleicht fallt dar a Geld ausn Sack dass
i mir a Maß Bier kaffn ko«
    Nachdem sie eine Weile miteinander gegangen waren fragte der Tretter »Gel
dir is dei Wei gstorm«
    »Ja vor guatding sechs Wocha«
    »Host da scho wieda r an anderne aufganga«
    »I A was moanst denn«
    »Dass da wiedar a resche Bäurin nimmst moan i«
    »I net Simmerl«
    »Den schaug o Wia alt bist denn«
    »Vierafufzg«
    »No und i bi achtavierzg aba auslassn tuar i no lang net«
    »Wer redt denn vo dem«
    »I no allawei Schormoar und bein redn bleibt s it«
    Schormayer blieb stehen und lachte herzhaft
    »Du bist scheints a ganz a scharfa« sagte er »aba r i moan es kimmt
nix Gschaits raus beim zwoatn mal heiretn«
    »Warum nacha Schaug mi o I hab aa scho s zwoate Wei«
    »Aba de hoscht vor zehn Jahr gheiret dös is was anders«
    »Und bal mir de net bleibt nimm i de dritt«
    »So was ko ma leicht sagn«
    »Und toa ko ma s grad so leicht und i ziag halt amal grad zwoaspannig
weil i s gwohnt bi Und da Gspass is größer bal mar a neus Weibets hot Des
is mei Ansicht«
    »Dös sagst deiner Altn dahoam vielleicht dalebst nacha aar an Gspass«
    »De De woass des ganz gnau Und gsagt hon i s ihr aa scho oft Bals d
mir heut oschiabst hab i gsagt is morgn an Ersatz do A bissel was hon i
allawei in da Reserv«
    »Abar i hon halt nix«
    »O jessas dös is schnell gfundn«
    »Mir is s sucha z letz Tretter«
    »Da lockst a bissel fliagn da grad gnua zuawa«
    »I ko s Lockn net i ho s meiner Lebtag it glernt«
    »So No i ho s amal guat kinna« sagte der Tretter und pfiff durch die
Zähne
    Mit einemmal blieb er stehen und indem er den Stock etliche Male auf den
Boden stieß machte er ein nachdenkliches Gesicht
    »Herrgottsaggerament Jetzt fallt mar aba was ei«
    »Wos«
    »Du Schormoar muasst du auf Hochakammer ummi«
    »Müassn net aba warum«
    »Du pass auf geh mit mir nach Weichs«
    »Was tat i denn do drent«
    »Na pass auf lass da sagn grad Gspass halba gehst mit«
    »Zwegn was«
    »Pass auf Lus amal zua was dar i sag In Weichs drent hon i a Basl de
Limmerin an Mathias Limmer sei Wei und vo dera sell a Stiefschwesta is de
Kaltnerin vo Inzemoos und dera ihr Mo is vor an Jahr gstorm vastehst «
    »I vasteh di scho«
    »Pass auf lass da sagn sie hat ihran Hof ztrümmert heuer an Hirgst i bin
selm beteiligt gwen beim Ztrümmern und woass des Sach guat gnua und es san ihr
a so a fufzehtausad Markl bliebn bis de Schuldn wegzahlt gwen san
vastehst «
    »I vasteh di guat«
    »Jetza pass auf de Kaltnerin is im Kaaf mit n Atzenhofer vo Weichs der a
mitters Sach beinand hot und vokaffa möcht und für sie waar s it unglegn
aba weil s no net ganz beinand san mit n Preis hot sie si eiloschiert bei
ihra Stiafschwesta vastehst «
    »I vasteh di scho«
    »Ja geh umi mit mir und schaug dir s o Vielleicht gfallt s dir«
    »Ah wos Des hot ja koan Wert it«
    »Es braucht ja koan z hamm Bals nix is host an Gspass ghabt«
    »Und s Gred hon i aa überalln dass o auf d Brautschau geh«
    »Wer redt Wos werd gredt Du brauchst ja nix z sagn zwegn dass d umi
ganga bischt«
    »N  na«
    »Pass auf lass da sagn Mir gengan do grad zun Limmer bei dem is nix zun
Heiretn dahoam und net amal de Kaltnerin ko dös schmecka zwegne was dass
jetzt grad du daherkimmst«
    »De schmeckt nix bal i mit dir kimm«
    »Wos nacha I ho meiner Lebtag no koan vakuppelt«
    »Na  na Tretter des sell hot koan Wert it«
    »Lass da sagn mir is ja wurscht net Obs du no amal heiretst oder net
dös is mir ganz wurscht aba weil mir jetzt amal den Dischkursi hamm was liegt
denn dro bals d mit mir umi gehst Host net amal so weit wiar auf
Hochakamma«
    »I ko do des Weibsbild net zun Narrn haltn Wos soll i denn redn mir ihr
bal i ja do koan Ernst net mach«
    »Nix redst An Limmer sein Stier schaugst o und bei dera Glegenheit
schiagelst a bissel auf de Kaltnerin nüber«
    »Also vo mir aus Grad dass d an Ruah gibst gehn i halt mit«
    »Des is amal a Wort« lobte der Tretter »Für was muasst denn du allawei
dahoam spinna D Weiberleut oschaugn is aar an Unterhaltung und ma muass ja
net alls kaffa was ma siecht«
    Da hatte er einmal das Richtige getroffen
    Für was sollte der Schormayer bloß immer die verdrossenen Gesichter daheim
betrachten Und wenn er auch auf keine Meile Weges daran dachte sich unterm
Spazierengehen eine Frau zu suchen so war es doch lustig einer das Maul
wässerig zu machen Und für einen Mann zu gelten der leicht könnte wenn er
bloß möchte das war auch eine gute Abwechselung nach den letzten Wochen
    »A Luada bist scho« sagte er zum Tretter »dass du glei wieder oane
aufgabelt hättst für mi«
    »O mei Mensch Bals d willst sag i dir glei a Dutzet«
    »Öhö«
    »Da is beim Eberl in Asbach oani und beim Glas in Bruckberg waar aa koa
zwiderne und da Prantner in Eckhof hätt an überstandige Tochter aba no guat
bein Zeug und da Sedlmoar von Arnzell «
    »Hör auf sag i Mit dir kam i des ganz Bezirksamt aus«
    »Und no zwoa dazua Mei Liaba i kunnt für an Türkl an Schmuser macha«
    »Für mi findst aba do koani«
    »Bist halt z hoakli Aba pass auf wia viel Kinda hoscht n du«
    »Zwoa An Buam und a Madl«
    »Sell is it viel«
    »Aba gnua«
    »San s scho alle zwoa gwachsn«
    »Da Bua is siebnazwanzg und s Madl drei Jahr jünga«
    »So Ja bals d net obeißt nacha kunnt i vielleicht für de was findn«
    »Beim Madl bist vielleicht scho z spat dro«
    »Hot sie scho oan«
    »Na Aba graad heunt is sie aar auf da Schau«
    Und wie der Schormayer das sagte blieb er stehen und fing zu lachen an
    »Grad heunt is sie auf Arnbach übri und jetzt hon i des nämliche Gschäft
z Weichs drent De moant i hock jetzt dahoam und lass mir vo da Zollbrechtin a
Muass kocha Daweil laff i umanand und schatz d Weibsbilder o Do kunntst
varecka«
    Er lachte dass ihm der Atem ausging
    Und dann schlug er dem Tretter der seine Fröhlichkeit ohne Verständnis sah
auf die Schulter
    »Siehgst Simmerl« schrie er »jetzt freuts mi erscht dass i mit dir
hinter an Weiberkittl herlaff und grad fidel muass s heunt wern Und bal ins
de oa net gfallt nacha renna mir wia d Hund bis mar an anderne zwegn
bringa«
    »Wos hoscht denn auf oamal«
    »Nix hab i Kreuzluschti bin i Herrgottsaggerament hot si dös schö
auftroffa dass i heunt auf den nämlinga Markt treib wia d Urschula Wer woass
wer sei Viech schneller obringt Ha  ha  ha«
    »Du damischer Tropf was gfreut di denn a so«
    »De Dummheit gfreut mi  ha  ha  ha Dahoam woasst d hätten s
mar a Kindsmagd eigstellt und dawei laff i bis Weichs an s Kammafenschta«
    »Dös vasteh i net«
    »Braucht s net Simmerl Abar i vasteh s guat wia dumm dös oft is wenn
was recht gscheit sei möcht Und jetzt bin i amal kreuzfidel und Bier trinkn
mir ins heunt gnua«
    »Gilt scho« schrie der Tretter und lachte mit
    Der Schormayer aber schritt noch um eins lebhafter aus und zwischen Husten
und Lachen redete er vor sich hin »Jetzt kunnt s glei ganz dumm geh  ha
 ha  ha  Du Lalln du dappige«
 
                                Fünftes Kapitel
Rosina Buchberger die verwitwete Kaltnerin von Inzemoos war aber ein schieches
Frauenzimmer so viel sich abschätzen ließ Denn genau konnte man ihr Gesicht
nicht erkennen weil die rechte Hälfte übermäßig angeschwollen war und weil sie
gegen ihr heftiges Wehtun ein wollenes Tuch um den Kopf gewickelt hatte Der
Schormayer sah nicht viel mehr als ihre spitzige etwas angerötete Nase und zwei
streitsüchtige Augen und das Maul das nur durch die Zahngeschwulst etwas
behaglicher in die Breite gegangen war Dass sie in ihren argen Schmerzen noch
bissige Worte hatte und so gar nicht zur Wehmut und Milde gestimmt war ließ auf
eine schreckhafte Säure in ihrem Wesen schließen und was ein Mann ist der
achtundzwanzig Jahre lang die frauenzimmerlichen Eigenschaften in der
christlichen Ehe hat aufblühen sehen der kennt sich aus
    Nach der ersten Viertelstunde wusste der Schormayer dass er eine schlechte
Fuhre hätte wenn er sich die Kaltnerin einspannen würde aber diese Erkenntnis
machte ihn nicht traurig sondern er wurde dazu aufgelegt den Tretter und die
Limmerin und die ihm zugedachte Person zu foppen und auf aller Kosten einen
ordentlichen Spaß zu haben Dass sie nach der kürzesten Zeit ihre Heimlichkeiten
miteinander und gegen ihn hatten merkte er gut weil seine Augen durch keine
Wünsche geschwächt waren und er beschloss sie mit Freundlichkeit zu
hintergehen
    Zuerst war er mit dem Limmer und dem Viehhändler im Stall gewesen und hatte
jedes Stück geprüft und abgeschätzt und der Tretter hatte sich viele Mühe
gegeben ihm eine alte Kuh anzupreisen Da wurden alle Fehler zu Vorzügen und
was noch so offensichtlich war wurde abgeleugnet und gefiel dem Schormayer die
hintere Partie nicht dann lobte der Tretter die vordere und hatte der
Schormayer vorne etwas auszusetzen dann tätschelte der Tretter die Kuh hinten
voller Bewunderung
    Aber so oft er auch in die Hand spuckte und sie zu einem treuherzigen und
richtigen Abschluss des Handels hinstreckte der Schormayer schlug nicht ein
sondern beutelte den Kopf wie einer der Fliegen abwehrt
    Wie sie hernach mit den Limmerischen in der Stube saßen und ein Weibsbild
mit eingebundenem Gesichte recht zufällig bei der halbgeöffneten Türe
hereinschaute und gleich wieder zurückfuhr schrie ihm der Tretter nach es
solle nur hereinkommen und sich zu ihnen setzen
    Und da ließ es sich überreden und setzte sich an die Kante der Bank und war
also die Rosina Buchberger
    »So du bischt da Schormoar vo Kollbach« sagte die Limmerin »Ghört hin i
schon an öften vo dir aba bekannt bischt du mi nix gwen«
    »Wia s halt geht mi siecht sich zwar und kennt si net«
    »Dass dei Bäurin an Hirgscht gschtorm is han i wohl vanumma Si is vo
Arnbach gwen gel«
    »Ja von Gruaba z Arnbach is sie gwen«
    »Aha gel ja Was hot ihr nacha gfeit dass sie schterm hat müassn«
    »A da Lungl«
    »Siehgst as do a da Lungl Da lasst si nimma viel richtn bal oans da it
den rechtn Gsund hot Wia alt is sie gwen«
    »Fufzgi waar s auf Liachtmess worn«
    »Dös waar freili no koan Alter Da brauchat sie s no gor it«
    Die Limmerin schüttelte bedauernd den Kopf und dann deutete sie mit dem
Daumen auf das verhüllte Weibsmensch das mit untergeschlagenen Armen
nebendraussen hockte
    »Ihrer Mo hat aa so fruah weg müassn is no koane vierzgi gwen«
    »So« sagte der Schormayer und drehte den Kopf nach der Kaltnerin zu »Is
sie Wittiberin«
    »Scho bald seit ar an Johr«
    »Was hot nacha eahm gfeit«
    »Z tot gsuffa hot er si« gab jetzt die Kaltnerin zur Antwort und ihre
Stimme klang trotz der Geschwulst und dem Zahnbunde noch scharf genug
    »Dös is eahm jetzt aa vaziecha« meinte die Limmerin gutmütig
    »Ja  vaziecha« machte die Witwe und schnupfte unwillig auf
    »Über an Totn soll ma guat redn« mischte sich der Tretter ein »aba was
wahr is derf ma sagn Bal sie it gwen waar hätt da Kaltner an Hof it lang
ghabt der hot nass gfuattert so lang i n kennt hab und de letzt Zeit is er
aus n Rausch nimmar aussi kemma aba sie hat s Sach zsammghaltn und grad
lobenswert Dös muass wahr sei«
    »Hat s scho braucht« sagte die Witwe bitter und feindselig und zog das
Gesicht hinter den Bund zurück dass man nur mehr die Nasenspitze sah Sie nahm
auch keinen Anteil mehr am Gespräch das über Viehstand und Haushaltung einen
bedächtigen Gang nahm
    Bis dass der Schormayer einmal auf die Seite gehen wollte und die Stube
verließ
    Wie er zurückkam merkte er wohl dass sie einen geschwinden und eifrigen
Diskurs über ihn gehabt hatten
    Der Tretter steckte noch ein angefangener Satz im Maul den er mit einem
Husten in der Mitte abbrach und mit einem Schluck Zwetschgenschnaps
hinunterspülte die Witwe aber war zum Tisch herangerückt und streifte den
Eintretenden mit flinken Augen
    Der patschte in die Hände und sagte »So Tretter jetzt müassn mir ins
wieda auf n Weg macha«
    »Ja was waar denn it dös« wehrte die Bäuerin eifrig ab und der Limmer
meinte das ginge doch gar nicht dass der Schormayer nicht auch ein Stück
Geselchtes probiere und der Tretter weigerte sich und die Witwe sagte so
liebenswürdig als es ihre Natur erlaubte
    »Du werst nix vasamma wanns d no bleibst«
    »Aha« dachte der Schormayer »Aha«
    »No vo mir aus« sagte er »bleib i halt no a wengl denn des söll is wahr
dass dahoam neamd auf mi wart«
    »Hoscht koane Kinda« fragte die Limmerin
    »Zwee aba de san scho lang aus da Schul s Madl möcht heiretn und da Bua
möcht regiern«
    »So de san scho so groß«
    »Ja schier über n Kopf ausgwachsn«
    »Hoscht Vadruss damit«
    »Na sell it Aba gfreun ko s mi aa it dass i übagebn muass«
    »Dös brauchst d ja it bals d it mogst« sagte die Witwe
    »Freili ko mi neamd zwinga dazua aba woasst as scho wia s is A lediga
Mensch bedeut it viel auf an Hof Da ghört a Bäurin eina es is amal net
anderst«
    »Na stellst da halt oani ei«
    »Han«
    »A Bäurin stellst dar ei na bischt wieda aufgricht« Die Kaltnerin war
recht lebendig geworden und probierte es mit einem freundlichen Lachen aber der
geschwollene Backen gab ihm einen schmerzhaften Zug
    »No mal heiretn moanst«
    »Wos denn Du brauchst no it vazagn und bist no bei die bestn Jahr«
    »Dös nämli sag i aa« schrie der Tretter lärmend und schob dem Schormayer
ein gefülltes Schnapsglas hin »Da trink amal dass d a Schneid kriagst«
    »Dank schö auf s Wohlsei«
    »Sollst d scho lebn aa Herrgottsaggerament wann oana so bei n Zeug is
wia du und redt von Übagebn«
    »Ja mei Liaba an Fufzga gspür i guat«
    »Schaug an Ertl Kaschpa o« sagte die Limmerin »Der is nah bei sechzgi
gwen wiar a de Gleixnerin gheiret hot und jetzt is sie scho mit n drittn
Kind in da Hoffnung«  »Geh«
    »Freili Gel dös muasst aa sagn« fragte sie ihren Mann
    Und der Limmer nickte zustimmend mit dem Kopf
    »Is scho wahr an Ertl de sei bringt jetzt dös dritt«
    »Na waar s ja no gar it so weit gfeit« lachte der Schormayer
    »Durchaus it« bestätigte die Limmerin »Aba was is denn mögts net a
bissel was z essn A Gselchts mit an Kraut hätt i«
    »Tua s no her« lärmte der Tretter und weil auch der Schormayer nicht
ablehnte ging die Bäuerin in die Küche Die Kaltnerin rückte noch um eines
Näher und schien mit der Zeit eine umgängliche und gesprächsame Person werden zu
wollen
    »Is schad dass d a Gschwär host« sagte der Tretter zu ihr
    »Warum«
    »Weil ma it siecht wies d ausschaugst Sie is sinscht it so unsauber«
versicherte er dem Schormayer der freundlich nickte
    »Mir feit sinscht gar nix« sagte die Kaltnerin eifrig »und s Kranksei is
mir eppas Fremds und zwegn dem Zähnweh schauget i gar it um wann i an Arbet
hätt aba weil i nix z toa hab bleib i halt in da Stubn«
    »Bist da auf da Visit« fragte der Schormayer
    »Ja und na wia ma s nimmt I hocket mi it her bloß zun Hoamgartn aba i
bin in Kaff mit n Atzenhofer von da und jetzt is mir ganz passet dass i bei n
Limmer untasteh ko«
    »So du willst was kaffa Is dös na a grössers Sach«
    »Eppas über vierzg Tawerk«
    »Alloa werst na wohl it furt hausn wolln«
    »N  ja«
    »Dös leidn mir gar it dass du Wittiberin bleibst« sagte der Tretter »Gel
Limmer dös gibt s it«
    »Besser waar gschafft wann s an Beistander hätt«
    »Was na für oan« greinte die Kaltnerin »Vielleicht wieda so oan der alls
vasauft was i derarbet«
    »Öhö Es werd scho anderne aa no gebn Pass no auf was dar i für oan
auftreibt«
    »Siehgst Kaltnerin« sagte Schormayer schmunzelnd »mir zwoa bringan an
Tretter in Schwung Für mi muass ar a Weibets sucha und für di an Mo«
    »Wia waar s denn bal i enk zwoa glei frischweg zsammspannet« schrie der
Viehhändler lustig
    Der Schormayer ging lachend darauf ein und meinte das ließe sich wohl
überlegen und wenn ihn die Kaltnerin für einen Ganzen nehme könne die
Handelschaft am Ende gar noch richtig werden
    Die Kaltnerin zog den Kopf tiefer ins Tuch zurück und sagte da sei doch
kein Ernst dabei und der Tretter sei überhaupt so einer der die Leute foppe
    »Dös is durchaus gar it gfoppt« schrie der Viehhändler der einen schönen
Profit in der Ferne winken sah und darum dringender wurde »Warum soll nacha dös
bloß a Gspass sei Der Schormoar werd koa ganz Junge net mögn de hint und
vorn nix vasteht und du waarst ganz passet für eahm Du bischt deiner Sach schö
fürgstanna in Inzemoos und host it viel Hilf ghabt dabei«
    »Dös sell is gwiss und wahr Hilf hon i gar koane ghabt und überhaupts
hon i de letzten Johr alloa auf dArbet denka müassn wei «
    »No also Dös sag i ja«
    »Wei da Kaltner scho überhaupts gor nimma hat ogreifa kinna aa bal er
mögn hätt weil a d Sucht ghabt hot und is eahm allssammete z schwaar
gwen und bal er s probiert hot is er marodi worn und hot aa glei wieda
gsuffa«
    »Do waar ja i no da besser« sagte der Schormayer treuherzig
    »Da host recht Du bischt scho anderst beinand als wian er gwen is«
versicherte die Kaltnerin indes sie voll Anerkennung ihr Gegenüber anschaute
    »Bei der Arbet bin i heunt no it schlecht und dös letzt Fruhjahr hon i selm
a fufzeh Towerk umgackert dass mir koa Junga net fürkemma waar«
    »Und im Bett bist du aa no it schlecht« schrie der Tretter und schlug
fröhlich auf den Tisch
    »Dös sell woass mi net «
    »Ganz lüaderli werst nacha do scho net sei du Tropf du eiskalta«
    »Geah Red do it so daher« wehrte die Kaltnerin ab
    »Dös ghört aa zun Handel ob er koan gsetzlinga Fehla net hat« lärmte
der Viehhändler und lachte herzhaft über seinen Spaß
    »Du muasst di do schama was du alssammete daher bringst«
    »Wos nacha Kaffst du vielleicht d Katz in Sack«
    Da lachten nun alle miteinander und der Schormayer wurde blaurot im Gesicht
und musste sich die Tränen abwischen Sogar das geschämige Weibsbild wollte
lustig kichern und es ging aber nicht
    Mit dampfenden Schüsseln kam die Limmerin herein Geselchtes das von warmem
Fett glänzte und appetitlich im Kraut lag und auch Erdäpfel brachte sie und
indes sie ihre wohlschmeckenden Gaben auf den Tisch stellte sprach sie ihre
Freude darüber aus dass es so kreuzlustig in der Stube geworden sei
    »Pass auf Limmerin« antwortete der Tretter »es rankelt si was zsamm und
überecks hamm mir a Hozet«
    »Was na für oane«
    »Bal da Wittiber d Wittiberin packt«
    »Oho Dös waar aba schnell ganga«
    »Es is aa no it ganga« sagte der Schormayer »mi redn grad a bissel
davo«
    Die Unterhaltung schwieg denn die Mannsbilder langten zu und hatten tüchtig
zu kauen
    Die Limmerin aber setzte sich neben die Kaltnerin auf die Bank und sie
rückten beide weiter vom Tisch weg und tuschelten eifrig miteinander und was
sich nicht sagen ließ teilten sie sich zwinkernd und blinzelnd in der
Augensprache mit
    Dann wischte dich der Tretter mit der Hand übers Maul »So guat war s« 
»Gsegn s Good« sagte die Limmerin »Hättst vielleicht no mehra mögn«
    »Na es glangt scho Aba pass auf Schormoar jetzt soll mi nacha wirkli
amal vo dera Sach mit Ernst aa redn«
    »Vo was für a Sach«
    »Vo n Heiretn halt Und sie soll sagn was s hat«
    Der Tretter deutete dabei mit dem Daumen auf die Kaltnerin Die schaute nun
auch erwartungsvoll auf den ihr Zugedachten aber der Schormayer holte sich noch
eine Gabel voll Kraut und schob sich einen Bissen ins Maul
    »Für dös is heunt no koa Zeit« sagte er kauend und schmatzend
    »Firti macha brauchst heunt freili nix aba redn kinna mi do redn«
    Der Schormayer nickte mit dem Kopf
    »Sie soll halt redn«
    Da blinzelte der Tretter ermunternd die Kaltnerin an
    »Jetzt sag s eahm was d hast«
    Und das Weibsbild lockerte sein Kopftuch damit man es deutlicher hörte und
schnupfte etliche Male auf und begann
    »Von Inzemoos san ins bliebn fufzehtausad dreihundert und zwanzg March
und achttausad March san Bargeld und des ander is auf zwoate Hypatek aufn
Kaltnerowesn bliebn«
    »De is aba guat da brauchat mi koan Angst it hamm« warf der Tretter ein
»de erst Hypothek is a Bankgeld und it viel«
    »Die erscht Hypatek san viertausend March und na kimmt des inser und vo
dera Hypatek und von Bargeld ghört de Hälft mei und des ander ghört de drei
Kinda und derf aber i de Zinsn ziahgn bis dass sie mündig wern und a so
steht s gschriebn«
    Der Schormayer stocherte mit der Gabel im Kraut herum ob sich nicht noch
ein Stück Fleisch fände und die andern die ihn alle zusammen betrachteten
mussten glauben dass er seine ganze Aufmerksamkeit auf das Suchen gerichtet habe
    Nun wandte er doch seinen Kopf der Witwe zu und fragte »So Kinda hoscht
drei«
    »Ja Zwoa Madln und oan Buam und des ältest is elf Jahr alt und da
Lochmann von Inzemoos nahm s glei zu eahm hat er gsagt weil er s zun
Hüatn braucha kunnt«
    »I tat ma s selm zu der Arbet richtn wann i du waar«
    »Ja no mi sagt grad wann eppa drei Kinda z viel waarn und weil du aa
zwoa hoscht «
    »Wer redt denn vo mir«
    »Mi sagt ja grad für den Fall dass s eppas wurd mit ins zwoa und es war
si a Hindernis vorhandn zwegn die Kinda«
    »Auf des sell gang s aa nimma zsamm aba i ko dir heunt no gar nix sagn
was i an Sinn ho Dös geht so schnell it bei mir und i bi mir it gscheit
gnua«
    »Heiratn is it Kappn tauscht« sagte die Limmerin »und a niada Mensch muss
si dös gnau überlegn und du werst na scho wieda zuakehrn Schormoar bal dir
allssammete passt«
    »Dös is amal richti« versicherte der Schormayer »überlegt muass de Sach
wern Dös lasst si net auf ja und na richtn und i wer jetzt dahoam nachdenka
über dös«
    »Moanst d bei mir is anderst« fragte die Kaltnerin »I woass ja no gar nix
vo dir«  »Mi derfragst d leicht«
    »Mit n Derfragn is it to mi muass aa wissn wia du s mit deine Kinda
hoscht«
    »Deszwegn sag i ja dass i a Zeit brauch zun überlegn«
    
    »Is ja recht Überlegst d as halt«
    Die Kaltnerin hatte ihr mildes Wesen abgelegt und wollte sich nicht mehr
liebreich zeigen und wie der Schormayer aufstand und allerseits einen
herzlichen Abschied nahm verklang ihr Gegengruss beinahe hinter dem Tuch Dann
aber als er schon unter der Türe stand schien es ihr doch dass ihrerseits
nichts versäumt werden dürfte und sie schrie ihm nach etwas hätte sie noch
vergessen dass ihr Vetter der Buchberger von Glonn kinderlos sei und nach
seinem Ableben ihr an dreitausend Mark hinterlassen müsse wenn es nach Rechten
gehe
    »Ganz guat« sagte der Schormayer »und nacha bal i also de Sach übalegt
hab und bal s in Richtigkeit is nacha kimm i wieda oder i tua dir a
Botschaft dass du zu mir umi kimmst Pfüat di«
    Und damit ging er zum Hause hinaus und schmunzelte ein wenig weil der
Tretter noch zwischen Tür und Angel mit den Limmerischen und der Kaltnerin eine
Verhandlung hatte
    Erst am Ende der Dorfgasse holte ihn der Viehhändler ein Sie gingen eine
Weile miteinander ohne zu reden der Tretter hustete weil ihn das Laufen
angestrengt hatte und der Schormayer rülpste etliche Male recht kräftig
    »Dös Schweinerne war aba fett« sagte er
    »Ja ja Und wia gfallt s da«
    »Han«
    »Wia s da gfalln hat«
    »I hab d as scho gsagt dass s z alt is«
    »Z alt«
    »Ja und mehra wia drei Kaibln hat s aa scho ghabt Do kost du mir nix
fürmacha«
    »Drei Kaibln Vo wem redst denn du«
    »Vo da Kuah halt Aba mi drahst du net a mei Liaba«
    »Wer redt denn vo da Kuah I frag di wia da de Kaltnerin gfalln hat«
    »Ah so« Der Schormayer lachte still vor sich hin »Du moanst de Kaltnerin«
    »Freili Dass d mi fei du net vastandn host du Plana du elendiga Jetzt
sag aba gscheit was d moanst«
    »I moan gar nix Tretter«
    »No dös sell muasst d do wissn ob sie dir gfalln hat und ob s mögli
waar«
    »Mögli Warum net Mögli is alls«
    »Sie is koa unebens Weibsbild derfst d ma s glaabn Schormoar Mir hot
sie recht guat gfalln«
    »Dir«
    »Gwiss is s wahr I kenn s scho länga und i gib ihr dös best Zeugnis«
    »Nacha sollst da s selm aufghaltn wanns d vielleicht do no dös
drittmal zun heiretn kamst«
    »Ah was Jetzt hör mit deine Gspassetln auf und red a Wort Magst d as
oder magst d as it«
    »I woass it«
    Da merkte der Viehhändler wohl dass er kein schleuniges Geschäft machen
könne aber als ein zäher Mann mochte er nicht so schnell von seinen Absichten
lassen und er versuchte noch mancherlei
    Der Schormayer gab ihm keine Hoffnung und nahm ihm keine Er war so lustig
aufgelegt wie schon lange nicht mehr weil er den Tretter der ihn hatte fangen
wollen so schön an der Angel hielt Auf seinen Vorschlag kehrten sie in jedem
Wirtshaus unterwegs ein und er freute sich an dem schönen Eheglück das ihm der
eifervolle Schmuser ausmalte und auch daran dass sich dieser Mensch so ganz
umsonst plagte
    Eine halbe Stunde vor Kollbach und an einem Kreuzwege musste er Abschied
nehmen von ihm und er tat ihm auch da den Schmerz nicht an seine wahre Meinung
zu sagen sondern ließ alles im Ungewissen und Aussichtsreichen
    »Also Schormoar« sagte der Tretter indem er mit gläsernen Augen seinen
Weggenossen anschaute »also es bleibt dabei mir gengan no amal umi auf
Weichs«
    »Dös hoasst bal i «
    »Nix da Mir gengan umi und du packst de Kaltnerin zsamm sag i dir
Herrgottsaggerament«
    »Is scho recht Und du gehst jetzt hoam und schlafst dein Rausch aus«
    »Wos Rausch I hon koan Rausch Und dös muass sei Richtigkeit hamm dass mir
auf Nikolo  öha Jetzt hätt s mi bald grissn  also dass du und de
Kaltnerin  vastehst Dass de Kaltnerin und du  gel Alta Spezi Und  und
 woasst i bi dei Freund und i moan da s guat lass da sagn  öha und auf
deina Hozet  da muass i no tanzn und grad luschti muass wern gel Da hau
hera«
    Der Tretter spuckte saftig in die Hand und hielt sie zum Treugelöbnis hin
aber der Schormayer war schon weitergegangen und in der Dunkelheit seinen
Blicken beinahe entschwunden
    Da schrie er ihm mit heiserer Stimme nach
    »Schormoar Pass auf Auf Nikolo gilt s scho Mir gengan umi
Herrgottsaggerament «
    Er schlug den Weg nach Pettenbach ein und schlug einen Haken nach rechts
wenn er links zu nahe an den Graben gekommen war
    Einmal blieb er noch stehen und horchte denn es war ihm als hätte ihm der
Freund gerufen und indem er die Hände vor den Mund hielt schrie er in die
Nacht hinein
    »Wos willst Hoscht d was gsagt«
    Es kam keine Antwort und der Tretter ging weiter
    Der Schormayer hatte nichts mehr von ihm gewollt aber er hatte laut gelacht
und mit sich selber geredet
    »Schaugts no grad den bsuffan Spitzbuam o Hätt er schmusen mögn Ha 
ha  und mit dera Beisszanga«
    Und indem er im Gehen nach dem lärmenden Tretter hinhorchte schickte er ihm
die allerfreundlichste Einladung nach
 
                                Sechstes Kapitel
Ganz nüchtern war der Schormayer selbst nicht mehr wie er nun am Waldrande
dahinging und mit dem Stecken fröhlich an die Baumstämme schlug Alles was er
an diesem Tage erlebt hatte war ihm ein rechtes Gaudium gewesen und seine
Fröhlichkeit war nicht trocken gelegt Wie das schieche Weibsbild einmal grantig
und einmal zutulich gewesen war und sich gleich gar schon ausrechnete was sie
mit ihren Kindern tun werde »Für den Fall dass s eppas wurd mit ins zwoa«
Freilich Her und am Baum nauf Das hätte er sich ja so gedacht Ein zuwideres
Frauenzimmer aus dem Hause hinaus und noch das grimmigere dafür herein und
schlechte Tage einen für den anderen bis zum letzten
    Was sie dem Tretter versprochen haben musste dass der gar so bärig auf die
Heirat wurde Und wie schnell sich die verstanden hatten Han
    Ein paar Minuten war er draußen geblieben und da waren sie schon einig Die
Limmerischen auch Für die hätte wohl auch geschwind was abfallen sollen und
der Zahler wäre er der Schormayer gewesen Jetzt hockten sie gewiss noch
beieinander und rechneten dem schiechen Weibsbild vor was es für ein Glück
machen könne auf dem größten Hof von Kollbach mit gutding hundert Tagwerk Grund
sechs Ross und an die vierzig Stück Vieh Da könnte die Kaltnerin den Hintern gar
stolz drehen wenn sie als Bäuerin in dem allerschönsten Sach herumginge und
alles kommandierte und ihre scharfe Stimme ertönen ließe Was die sich bloß
einbilden Braucht gar nix als nur gerade wollen und das Weibsbild hockte sich
mit seinen fünfzehntausend Mark  oder nein bloß mit der Hälfte  als
Schormayerin nach Kollbach hinein
    Aber das war hernach lustig gewesen wie er sie alle miteinander zwei
Stunden lang an der Nase herumgeführt hatte und den ganz gescheiten Tretter
erst recht »Du muasst it glaabn dass i was davo hab Vo mir aus derfst du gnua
ledi bleibn und zwegn dem bin i um koan Pfenning net ärmer« Hat sie dir
nichts versprochen hinter der Tür und meinst du andere Leute sind dümmer wie
du Du Tröpferl  Hopp auf Ein vorspringender Ast streifte dem Schormayer den
Hut vom Kopfe und da war er auch schon am Walde vorbei und stand auf der Höhe
oberhalb Kollbach Er strengte die Augen an und schaute nach der Richtung wo
sein Haus lag Kein Licht schimmerte darin
    War die Ursula noch nicht daheim oder lag sie schon im Bett
    Und wenn sie daheim war und nicht ihn und nicht die Zollbrechtin gefunden
hatte dann musst sie die Augen aufgerissen haben Herrgott sie hätte ihn heute
sehen sollen beim Limmer in Weichs wie sich vier Leute die schönste Mühe mit
ihm gaben und ihm wie einem jungen Hochzeiter um den Bart gingen Bist doch
nicht ganz und gar der alte Dadädl und Austragler der für nichts mehr gut ist
auf der Welt Muss doch noch was sein an dir wann die Weibsbilder liebreich
werden dass sie dir gefallen Wer weiß ob der Prückl Kaspar heute drüben in
Arnbach der Ursula so schön getan hatte wie ihm die Kaltnerin der die Augen
glanzig wurden vor hoffnungsvoller Erwartung
    Jawohl du Schneegans das hättest du dir nicht einfallen lassen dass der
Vater die Zollbrechtin hinauswürfe und auf die Brautschau ginge und beim
erstenmal ein Weibsbild an der Angel hätte  Die Vorstellung, wie er heute aber
schon auch alle Mitmenschen und seine Tochter am allermeisten hinters Licht
geführt hatte machte den Schormayer immer noch fröhlicher und er stolperte
seelenvergnügt in seinen Hof Der Hund schlug an
    »Sei staad Russel Kennst d mi net«
    Da schloff der Schnauzl in seine Hütte zurück und der Bauer holte unter
einem Steine den Schlüssel heraus und sperrte auf
    Er tappte schwer in das Hausflötz und tastete etwas unsicher nach der
Stubentüre Jetzt knarrte oben im Gang ein Brett und ein Licht blitzte auf
    »Hö Urschula bischt as du«
    »Na i bin s«
    »Ah d Zenzi Bischt du no auf«
    »I bi scho glegn aba i bin aufgstanna wiar i di ghört ho«
    »Is na d Urschula no it dahoam«
    »Na Sie is no it kemma«
    Zenzi war bis zur Stiege vorgegangen und da sah sie der Schormayer im
Unterrock und Hemd oben stehen sie hielt ein Kerzenlicht das sie mit der Hand
gegen den Zug schützte und der Schein fiel auf ihr Gesicht und die bloßen
Schultern
    Irgend etwas trieb den Schormayer dazu dass er die Stufen hinauf ging und
nun auf einmal neben der Dirne stand und sie an der Schulter fasste
    »Herrgott du bischt aba gstellt«
    »Jessas dös wenn d Ursula wisst«
    »Was pass denn i auf de auf«
    »Du passt scho auf Host d mi ja de ganz Zeit nimma oschaugn derfa«
    »A was Dös is grad a so gwen«
    »Lass s guat sei Hör auf«
    »Teufi no a nei Aba du bischt sauber gwachsn«
    »Hör auf sag i«
    »Sei gscheit Madl«
    Dem Schormayer ging der Atem schwer und die heiße Gier stieg ihm zu Kopf
und er kam ins Ringen mit dem üppigen Frauenzimmer Da losch das Licht aus
    »Jessas na Jetzt is d Kirzn aa no ausganga«
    »Was braucha denn mir a Liacht«
    »Geh abi in dei Stubn«
    »I mag it und i bleib amal bei dir«
    »Na dös derfst it«
    »Jo sag i Herrgott wo bischt denn«
    Die Zenzi war ihm entwischt und er hörte sie auf dem Gange und da
schnappte eine Türklinke ins Schloss und ein Riegel wurde vorgeschoben
    Der Schormayer tappte im Dunkeln vorwärts Er stieß mit dem Fuße an seinen
Stock den er hatte fallen lassen und dann suchte er an der Wand bis er die
Magdkammer fand Die Türe war verschlossen
    »Zenzi mach auf«
    Er horchte und hielt den Atem an weil er vor seinem eigenen Schnaufen
nichts hörte
    Drinnen kicherte es
    »Geh Madl sei gscheit und lass mi eini Es reut di gwiss it«
    Wieder war es still
    »Du pass auf Wanns d mi eini lasst is dei Schadn net«
    Da antwortete die Zenzi endlich
    »Na dös sell derf it sei«
    »Warum it Auf wen hamm denn mir aufzpassn«
    »Was tatn denn deine Leut sagn«
    »Dös is mir wurscht Jetzt mach amal auf«
    »Geh abi D Urschula ko all Augnblick kemma«
    »Vo mir aus kimmt s wann s mag Und bals d jetzt net aufmachst tritt i
d Tür ei«
    »Jessas na Gib do an Ruah«
    »Himmisaggerament« Der Schormayer rannte wütend gegen die Türe
    Da raschelte es in der Kammer der Riegel wurde leise zurückgeschoben und
der Bauer fiel beinahe über die Schwelle der sich öffnenden Türe
    »Du bischt aba wild« sagte Zenzi vorwurfsvoll »Und jetzt gehst abi«
    »Jetzt wer i geh  Freili«
    Mit festen Griffen hielt er die Dirne
    »Los do aus I muass ja d Tür zuasperrn«
    Er hielt sie am Arme indessen sie die Kammer verriegelte und dann umfasste
er sie und drängte sie vor
    »Na du bischt oana Aba na Aba na«
    Eine Stunde später rumpelte ein Fuhrwerk in den Hof
    Zenzi fuhr auf und stieß den Bauern der angekleidet neben ihr lag unsanft
an
    »D Urschula is kemma«
    Der Schormayer brummte unwillig und wachte nicht auf
    »Jessas na Jetzt flackt a do und de ander muass scho glei herobn sei«
    Sie schrie ihm halblaut ins Ohr »Du d Urschula is do«
    Er gab keine Antwort und schnarchte weiter
    »Dös werd it schlecht« seufzte die Magd und horchte hinaus
    Indem war aber die Ursula schon ums Haus herumgegangen und zur Küche
hereingekommen Sie machte Licht und schaute nach der Wanduhr
    »Elfi vorbei«
    Da hatte sie sich doch ein wenig lang verhalten beim Ratschen mit der Base
und dem Prückl Kaspar der ihr nicht übel gefallen hatte Und er war auch gar
nicht dagegen die Schormayertochter zu nehmen denn so fünfzehntausend Mark auf
die Hand kriegte nicht eine jede mit Ihr Sonstiges an Vorzügen hatte die Base
auch redlich herausgestrichen so dass der Kaspar sie frischweg eingeladen hatte
mit der Base auf Hirtlbach hinüberzufahren und sein Anwesen anzuschauen Bis man
alles gesehen hatte war es Abend geworden und hernach zog sich in Arnbach bei
der Base wiederum der Diskurs in die Länge denn es musste alles beredet werden
bis sie dann endlich der Vetter heimfuhr
    »Schon elfi durch« Der Vater schlief wohl längst und hörte sie nicht
    Ursula schaute sich in der Küche um und bemerkte mit Wohlgefallen dass die
Zollbrechtin sauber aufgeräumt hätte Es war alles an seinem Platze wie sie es
verlassen hatte
    Sie nahm nun das Licht und ging die Stiege hinauf Was war nun das Vor
ihrer Türe lag ein Stock und wie sie ihn aufhob sah sie dass es dem Vater der
seinige war
    Wie kam jetzt der herauf
    Sogleich war ihr Verdacht geweckt und sie überlegte wie sie den Alten zur
Rede stellen werde
    Da kam ein leises Geräusch aus der Nebenkammer Leise schlich sie vorwärts
und horchte
    Es war wie Schnarchen und hörte plötzlich auf
    Ursula blieb auf ihrem Posten und drückte das Ohr an die Türe
    Und wirklich es war wieder ein tiefes Schnarchen das schnell erstickte und
in ein Brummen überging Denn drinnen hielt Zenzi ihre Hand dem Schormayer auf
Maul und Nase und er wehrte sich dagegen
    Jetzt klopfte Ursula
    »Zenzi«  Keine Antwort
    »Zenzi hoscht ghört«
    Eine schlaftrunkene Weiberstimme gab an
    »Wos is denn«
    »Mach auf«
    »Han«
    »Aufmacha sollst«
    »Zu wos denn I schlof ja scho«
    »Dös sell sag i dir nacha zwegn was Jetzt mach amal auf und gschwind«
    »Los mi do schlafa Wann mi an ganzn Tag arbet derf mi do aar amal sein
Ruah hamm«
    »Stehst d it auf«
    »Na I mag it i möcht schlafa«
    »So Dös ander werst na morgn hörn«
    Zenzi gab keine Antwort
    Da schrie Ursula zornig »I woass wer bei dir drin is«
    »Wo herin Bei mir is durchaus gar neamd«
    »Ja lüag no Du Loas du abscheilige Aba morgn schmeiss i di naus dass d
draussd liegn bleibst du schlechts Mensch du«
    »Mei Ruah lass mi Derf mi net amal in da Nacht sei Ruah hamm«
    »De kriagst na morgn Und der sell soll si schama Pfui Deifi Pfui Deifi«
    Von ihrem Schreien wachte der Schormayer doch auf Er rumpelte auf
    »Was is denn Wo bin i denn«
    »Bscht« machte Zenzi und flüsterte ihm ins Ohr »D Urschula is drausd und
hot wos gspannt«
    Aber Ursula war schon in ihre Kammer gegangen und auf dem Bettrande sitzend
fing sie zu heulen an
    »Da hört sie do allssammete auf A so a Schand«
    Derweilen rieb sich ihr Vater den Schlaf aus den Augen und wollte aufstehen
Zenzi hielt ihn zurück
    »Bleib no a wengl do bis sie schlaft net dass s di nomal hört«
    »I will in mei Bett« brummte er
    »Na ziahg aba d Stiefeln aus wanns d scho abi gehst«
    Das vertrauliche Getu war ihm so zuwider dass er darüber nüchtern wurde und
ein heftiger Zorn stieg in ihm auf über sich und über das Weibsbild und am
meisten über die Ursula
    »Dös Luda hat ihra Nasn überalln drin und s Mäu kunnt s net haltn
de« fluchte er vor sich hin
    »Ja die übersiecht nix« sagte Zenzi
    Ihre Zustimmung erinnerte ihn dass er mit der Person da mit seiner eigenen
Magd Heimlichkeiten hatte und er wurde erst recht unwirsch
    »Lass mi naus« befahl er grob
    »Aba d Stiefln ziahg aus« bat sie
    »Dös geht di nix o I schliaf in mein Haus net umanand wia r a Diab«
    Er war schon bei der Türe und öffnete sie
    »Tua mir a paar Zündhölzeln her«
    Sie gab ihm eine Schachtel und sagte schmeichelnd »Sagst d mir na koa
pfüad Good«
    »Guat Nacht jetzt und lass mi geh«
    Er strich ein Zündholz an und ging laut durch den Gang und fest über die
Stiege dass jede Stufe knarrte
    Eine helle Wut war in ihm
    Das sollte die Ursula erst noch sehen ob er sündhaft und demütig
wegschliche
    Er schlug seine Tür zu und zog sich aus und schmiss sich ins Bett Wenn es
eine Dummheit war dann war es eine Dummheit und fertig
    Die Ursula hörte ihn gut und sie mochte es seinen Schritten anmerken dass
er nicht reumütig und sanft gestimmt war
    Sie unterdrückte ihren Wunsch ihm etwas nachzurufen und hörte vor Staunen
auf zu weinen
    »Da schaug her« brummte sie »Der schamt si gar it amal«
 
                               Siebentes Kapitel
Und wenn der Schormayer noch nie gemerkt hatte wie dick eines Menschen Kopf
sein kann dann wusste er es an diesem Morgen der seinem abenteuerreichen Tage
folgte
    Er legte sich das Erlebnis mit der Creszentia Gneidl zurecht und fragte
sich was nun geschehen müsse
    Und eigentlich erschien ihm die Lösung einfach und selbstverständlich Das
Mensch musste weg vom Hofe
    Kein zärtlicher Nachgeschmack zwang ihn das Mädchen in Gedanken höflicher
zu benennen oder um sein ferneres Wohlergehen besorgt zu sein und sein
tüchtiger Verstand verhielt sich durchaus ablehnend gegen die Vorstellung, dass
ihn an der Verfehlung gegen die Reinlichkeit des Hauses auch ein Teil von Schuld
treffe Wieso auch Wenn die Zenzi nicht gewollt hätte wäre ihr nichts
geschehen Und man konnte die Sache anschauen wie man wollte jedenfalls ging
es nicht dass er eine Manklerei mit einem Dienstboten hatte von der seine
Kinder wussten und die auch bald genug in der Gemeinde bekannt würde Denn seine
Tochter könnte schon das Maul nicht halten und müsste ihren Verdruss bei der
ersten Gelegenheit einer Nachbarin anvertrauen So viel weiß zuletzt jeder von
den Weibsbildern Und war die Geschichte einmal aus dem Hause dann kroch sie
durch alle Schlüssellöcher Wenn dahingegen die Zenzi im Frieden abzog dann
konnte er seiner Ursula kräftig vorstellen dass über geschehene Dummheiten nicht
gut reden sei
    »So wer i s macha« sagte der Schormayer und war zufrieden mit sich und dem
gehabten Vergnügen Denn ein teufelsmässig sauberer Brocken war das Weibsbild
ein ordentliches Trumm und recht nach seinem Gusto
    Er schmunzelte und wollte gerade die Füße aus dem warmen Bett stecken um
aufzustehen als er durch die Wand den Lärm von kreischenden Stimmen und
klapperndem Geschirr hörte
    »Oha San s scho überanand de zwoa De Lalln hätt ja net wartn kinna«
Er meinte seine Tochter und zog die Füße zurück
    Denn mitten ins Gewitter hinein wollte er nicht geraden und seine kluge
Meinung war am Ende besser an die Frauenzimmer zu bringen wenn sie sich
ausgeplärrt hätten Und dazu hatte es gute Aussicht die Töne gingen schneidig
in die Höhe und klangen messerscharf in der Fistel Dann schepperte aber ein
irdener Topf der in tausend Scherben zerschmissen sein musste und ein gellender
Schrei folgte nach
    »Dös werd ja guat« sagte der Schormayer und da lärmte die Ursula schon in
die Stube und klopfte mit ungestümer Faust an seine Türe
    »Bals d net auf da Stell aussakimmst Vata gehn i auf und davo«
    »Was machst d denn für an Krach du Herrgottsaggerament«
    »I bleib nimma in dem Schandhaus herin und koa Minutn bleib i mehr «
    »Du gehst in dei Kuchl und wartst bis i kimm «  »Aba glei«
    »Dei Mäu halt sag i Und dös Schandhaus zoag i dir na scho du Molln du«
    Da er mit der Lederhose im Bett gelegen war musste der Schormayer nur in die
Pantoffel schliefen und war schnell in der Küche Hinterm Herde stand
unordentlich gekämmt die Ursula ihre Stirne war in viele Falten gezogen und
ihre Augen flackerten auf dem Boden lagen die Scherben einiger Töpfe und der
blecherne Milchkübel zeigte eine große Dulle und daneben war reichlich Milch
verschüttet
    »Was is« fragte der Bauer
    »Ja was is I tat no fragn wann i du waar De Loas de miserablige kimmt
da ganz frech eina und wiar i ihr sag dass s auf da Stell packa soll lacht
s no ganz frech und du bischt da it Herr sagt sie und dös müassn mi erst
sehgn was da Baua tuat hat sie gsagt Und was sag i sehgn willst du was
sag i dös sell kost d sehgn hab i gsagt dass i dir oane neihau hab i
gsagt du Hadern du Schlampen du ausgschamta sag i du «
    »Lass di no net gar a so aus« unterbrach sie der Schormayer
    »Ja da soll mi vielleicht noch staad sei bal mi so was sicht und der
Hadern derfat si gar no aufmanndeln Aba i hon ihr s zoagt ob sie frech sei
derf«
    »Dass du grob bischt dös woass mi so« sagte ihr Vater und schaute die
Scherben an
    »Mit dera geh i no ganz anderst um bal s no amal eina kimmt«
    »So Bischt du Herr da herin«
    »Dös is mir wurscht I leid s amal it«
    »Net«
    »Na Und koa Stund bleib i mehr mit dem Schlampen in oan Haus«
    »Du lass da s gsagt sei wanns d mit mir redst nacha plärrst it a so«
    »Und i schrei amal Und vo mir aus hört s de ganz Nachbarschaft und des
ganz Dorf derf s hörn wia s bei ins zuageht«
    »Sei staad sag i dir«
    »Net bin i staad und von so oan als wia du bischt lass i mir s Mäu gar it
biatn«
    »Wos«
    »Ja von so oan Pfui Deifi«
    Schier hätte Ursula die sich in sinnloser Wut heiser schrie ausgespuckt
aber da sah sie noch wie ihr Vater seine Hand aufzog und sie hielt schützend
einen Arm vors Gesicht und duckte den Kopf nieder Der Schormayer ließ die Hand
sinken
    »Siehgst« sagte er ruhig »wann di du jetzt net a so braucht hättest nacha
hätt i de Zenzi auszahlt und si waar furt ganga Aba jetzt bleibt s bis
Liachtmess«
    »Dös will i seghn«
    »Dös siechst scho du Malafitzkrampn du und grad weils d du a so plärrt
hoscht bleibt s jetzt«
    »Na kost ja heunt nacht wieda aufischliefa dazua«
    »Muass i di fragn was i toa derf«
    »Jawoi weils mi aa was ogeht und weil s a Schand is für ins all
mitanand«
    »Kümmer di du um dei Schand und dös mirkst da was du willst dös
gschiecht gar nia«
    »Na gehn i«
    »Geh zua Hab i di vielleicht bettelt dass d bleibscht Schaug mir amal so
was o Machet dös Viech da herin in aller Fruah scho an Krach dass ma s drei
Häuser weit hört und schmeisset mei Gschirr umanand und nacha reißt sie s Mäu
gegn ihrn Vata auf«
    »Wann du mit Rechtn umgehst sagt koa Mensch was«
    »Allssammete was i tua is mei Sach Herr bin i vastehst und dös gang
mir grad no o dass i in mein Haus an Schpion hamm müasst«
    »Da hat s kann Schpion it braucht du bischt scho so auftrappt dass ma di
hörn hat müassn«
    »Vo dem werd it gredt«
    »So Da derfat mi it redn davo«
    »Koa Wort werd it gredt vo dem Und dös sag i dir bal i was spann dass du
da was aus n Haus aussi tragst na schlag i di amal mitn Ochsenfiesel her Du
bischt ma no lang it z groß gwachsn«
    Indem jetzt der Ursula keine richtige Antwort einfiel setzte sie sich auf
einen Hocker und fing hinter der vorgehaltenen Schürze gottesjämmerlich zu
weinen an
    »So waar s nacha dass mi s Kind von Haus waar und hätt koa Recht umadum
und bal mi dös sagt was amal wahr is na tat er gar sagn er schlagt oan mit
n Ochsenfiesel und d Muatta bal no lebat de schaugat schö «
    Dem Schormayer war es nicht gar zu wohl und er ging zur Türe
    »Gel« sagte er »jetzt kost rotzn Zerscht werd alls zsammgrissn vo
lauta Wuat und nacha werd gheant Wia halt de Weibsbilder san de damischen«
    Und damit ging er Aber die Ursula war einmal im Zug und mochte nicht
aufhören
    »Dös wenn d Muatta wissat wia s bei ins zuageht de hätt jetzt ja im
Grab aa no koan Ruah und is grad guat dass s nix woass und nix siecht vo dem
Saustall und vo dera Schand «
    Sie merkte erst jetzt dass der Vater nicht mehr in der Küche war und
trocknete sich mit der Hand ihr nasses Gesicht ab und schnupfte auf und dann
griff sie nach dem Schürhaken und schaute gleich wieder fuchsteufelswild in die
Welt
    »An Grind schlog i ihr no ei dera« sagte sie
    Ja die Weibsbilder
    Der Schormayer hielt die Hände verschränkt hinterm Rücken und ging in der
Stube auf und ab Noch was Dümmeres gibts nicht wie die Ziefern Alles hätte
mit Ruhe geschehen können und die Zenzi wäre heute noch ohne Aufsehen
fortgekommen und kein Wort hätte man darüber reden brauchen aber nein Es muss
einen Krawall geben und aus der verschwiegenen Nacht muss die Dummheit ans Licht
hingestellt werden dass sie nur ja recht dreckig ausschaut Und geredet muss
darüber werden wo jedes Wort zu viel ist und alles erst aufrührt Er hätte sich
selber schon die Leviten gelesen und aus der Geschichte seinen Merks genommen
aber von einem andern lässt man sich so was nicht unter die Nase reiben
    Herrgott Wie das zuwider und dumm war Stellt sich die Gans hin und kehrt
den Schmutz zu einem rechten Haufen zusammen
    Bei der Magd bist gewesen in der Kammer Zu der Magd bist hinaufgeschloffen
in der Nacht
    O du Lalln
    Wäre es gar nicht gegangen dass man das Maul gehalten und bloß mit den Augen
geblinzelt hätte Ich weiß alles verstehst schon aber  Dann war dem Respekt
nicht weh getan und wenn der Schiefling ausgezogen war hätte die Wunde schön
verheilen können
    So aber war das Kurieren schier nicht mehr möglich Wenn er die Zenzi
wegschickte schaute es aus als hätte er reumütig der Tochter nachgegeben und
sich von ihr zwingen lassen und ob die Magd nach der Schimpferei sich still
verziehen wolle das war auch nicht gewiss
    Und wenn er sie bis Lichtmess im Hause ließ war die Geschichte erst recht
nichts
    So oder so die Blamaschi war einmal da
    Wie das Sprichwort sagt Lange Haar und kurzer Verstand und immer das Maul
voraus und immer zuerst plärren und nachher erst zum Denken anfangen
    Wenn er die Zenzi daliesse  gelt wie die in sich hineinlachen würde aber
doch nicht so heimlich dass es die andere nicht sehen könnte und nicht alleweil
wieder eine Ursach hätte zum Spektakel aufschlagen
    Ja was tun
    Da hätte der Gescheiteste eine harte Nuss zum Aufknacken Und so einfach wär
es zu machen gewesen Fein still und mit aller Ruhe
    Der Schormayer schaute zum Fenster hinaus Gerade fuhr die Zenzi einen
Schubkarren voll Mist auf den Dunghaufen
    Aha Die dachte gar nicht ans Gehen und tat ihre Arbeit wie jeden Tag
    Jetzt leerte sie den Schubkarren um und sah zu ihm her
    Er ging zurück und setzte sich auf die Ofenbank Das war nichts dass die
Dirn noch bleiben sollte Wer wusste denn ob die zwei Weibsbilder nicht eines
Tags im Hofe zu raufen kämen oder ob die Ursula vor dem Knecht ihre Worte in
acht nehmen würde
    Ein Ausweg war vielleicht die Zenzi wegschicken und gleich hinterdrein die
Ursula Die sollte nur zum Basel nach Arnbach ziehen eine Ausrede ließ sich
schon finden Hernach bald heiraten und weg damit
    Der Schormayer konnte es anschauen wie er wollte es war jedenfalls das
einzige was sich noch tun ließ Und mit der Zenzi wollte er gleich reden
    Er stand resolut auf und wie er hinaussah fuhr sie gerade wieder mit dem
Schubkarren aus dem Stall
    Er öffnete das Fenster und pfiff ihr
    »Zenzi«
    Sie wandte das Gesicht lachend gegen ihn
    »Was is«
    »In a halbn Stund und bals d mit der Arbet firti bist kimmst zu mir
eina«
    »Was willst denn«
    »Dös sag i dir nacha scho«
    Er schloss das Fenster
    Sein Sohn der Lenz stand unter der Türe und schaute ihn mit groben
zornigen Augen an
    »Was hat denn mir d Ursula gsagt« fragte er schier drohend
    »Was woass denn i was dir de gsagt hat«
    »Is dir nix bekannt«
    »Frag mi net a so aus Gel Dös is do mir ganz wurscht was de sagt«
    »Aba mir it«
    »So Na red no fleissi damit und stell di in d Kuchl und ratsch«
    »Da braucht s koa ratschn gar it Dös is schnell gsagt gwen was sie mir
zun sagn ghabt hat«
    »Lang oda kurz  mir is wurscht«
    »Ja dir muass scho viel wurscht sei wann die du gar nimma schamst und bei
da Nacht umanandsteigst wiar an alta Koda«
    »Hoscht du mi gsehgn«
    »Na Sinst hätt i s no bei da Nacht aussi ghaut dös lüaderliche Mensch«
    »Bal i di lassn hätt gel«
    »I hätt di scho it gfragt und frag di nacha aa net bal i aussi geh und
hau s mit da Goassl zun Hof aussi«
    »Du«
    »Ja i«
    »Dös will i sehgn«
    »Dös kost glei sehgn bals d am Fensta steh bleibst«
    Lenz griff an die Türklinke
    »Da bleibst« herrschte ihn sein Vater an
    »Was nacha«
    »Du bischt a Mannsbild und vo dir valang i was andersts als wia von dem
dumma Frauenzimma da draussd«
    »Bei dir waar a jeds dumm dös si den Saustall it gfalln lasst«
    »Was gwen is is gwen und du machst as it anders«
    »Aba nausschmeissn ko i de sell«
    »Na Dös kost it du hoscht no lang koa Hausrecht da herin«
    »So Dös will i sehgn bal dös gerichtsmassi werd ob a sellene Person in an
Haus bleibn derf«
    »Um dös kümmert si koa Gricht nix«
    »I zoag s o Hoscht mi vastanna An Kommadant frag i ob mi dös leidn
müassn«
    »Geh no und bring d Schandarm her aba du kimmst nimmer eina dös mirk da
guat«
    »Amal kimm i scho wieda«
    »Na Bürschei Für dös schiab i dir an Riegl vor und auf mei Sterbn
freust di du umasunst«
    »Vo so was hab i net gredt«
    »Aba gmoant host d as Amal kimm i scho wieda sagt der Lackl ganz frech
zu mir«
    »Dir gib i koan Lackl net o«
    »s Mäu halt Und pass guat auf was i dir sag Wann du bei da Tür aussi gehst
und machst ma was drei und sagst was was mir net passt und tuast was was mir
net passt Bürschei nacha fahr i in der nämlinga Stund in d Stadt nei zun Jud
Levi und lass an Hof ztrümmern«
    »Dös kost du leicht sagn «
    »Und grad so leicht toa I bin bessa dabei wann i z Dachau drin
privatisier und brauch enk Maulaufreisser net um mi rum hamm Ös habts mi a so
scho a bissel vagrämt ös zwoa«
    »Mit was nacha Tua r i mei Arbet net rechtschaffn«
    »Tua s halt net na stell i mir an Knecht mehra ein Der nimmt sei Geld und
is zfriedn und zählt net an jedn Tag in Kalenda nach bis i übagib oder
okratz«
    »Du werst vo mir aa nix sellas ghört hamm«
    »Ghört it So schlau bist du freili dass d so was it sagst Aba Augn
macha und d Trentschn hänga lassn vo lauta Vadruss dass i net glei Schnall und
Fall übagebn hab«
    »Was du jetzt allssammete daher brachtst«
    »Dös was i scho lang gspürt hab woasst Dös was mi scho lang druckt dös
kimmt jetzt aussa weils du so frech bischt zu mir Weil di du für mi histellst
und sagst i soll aussi schaugn wias du mein Deanstbotn mit da Goassl aussi
haust «
    »Bal amal d Urschula «
    »Jetzt red i Bischt du aa no oana dass du dein Vatern mit n Schandarm
kimmst Wo nimmst denn du dei Recht her dass du a so aufdrahst Dös sell möcht i
wissn«
    »Mi sagt grad dass mi so was it leidn muass «
    »Muasst aa net Koa Stund net Pack zsamm und geh und kaff dir a Häuslersach
von dein Muattaguat «
    »Dös hon i vom Vatern it vadeant dass mir da Strohsack vor d Tür
gschmissn werd«
    »Dös host du dir in dera Stund vadeant mit deina Frechheit und bals dir it
gfallt kost mi ja über dös aar ozoagn bei de Schandarm Mei Liaba dös
hab i dir ins Wachsl druckt dass d mir du mit n Gricht und mit da Polizei
daherkamst Frag amal dein Kommadant wia ma dös macht wann da Herr Sohn s
Recht hamm möcht und der Alt lasst s it her Vielleicht hilft a dir du
ausgschamta Kerl du«
    »I hab grad gsagt «
    »Du hoscht gsagt dass du mi ozoagst Dass du dein Vatern ozoagst hoscht
gsagt«
    »Dös hon i aa net so ernst gmoant «
    »Na gib i dir an Gspass o gel So redn d Handwerksburschn mitanand aba
net du zu mir«
    »Ja no bal i einakimm und woant mir d Urschula was für «
    »Na gehst du rei und bischt frech Scheniern brauchst du di ja it und mit
mir werst du glei ferti Und bals dir selm it glingt host ja d Schandarm
auf deina Seitn «
    »I sag da ja «
    »Nix mehr sagst und aussi gehst I will di nimma hamm da herin«
    »Und de  de ander da de bleibt«
    »So lang als i will oda bis d Schandarm kemman und mi vahaftn«
    »Vata lass s guat sei«
    »Mach dass d weita kimmst und geh an dei Arbet und lass mi nix mehr hörn
vo dera Gschicht Und dös will i dir no sagn zwoamal habts mi ös dumme Luada
aufghaltn dass i da Zenzi net heut scho an Laufpass gebn hab Zerscht de
ander da draussd und jetzt du«
    »Vata sei gscheit und tua s weg«
    »Na sag i Sinst moanst du i scheuch d Schandarm Und jetzt geh I mag
nix mehr hörn«
    Lenz sah dass keine Zeit mehr war für gute oder gar für zornige Worte Er
hatte noch nie einen ernsten Auftritt gehabt mit dem Alten und merkte zu spät
dass eine unbedachte Rede nicht gar so leicht verklingt sondern einen tiefen Riss
auftun kann und ihn reute was er gesagt hatte
    Er ließ den Kopf hängen und zog die Türe still hinter sich zu
    »Bst Lenz«
    Die Ursula wisperte ihm aus der Küche zu
    »Lenz geh eina«
    Er zögerte ging aber doch zu ihr
    »Dass er gar so gschriean hot«
    »Geh weg Du host mi in was Schöns einibracht«
    »Jetzt kamst du aar a so daher Was ko denn i dafür Müassn mi
zuaschaugn bal so was gschiecht«
    »A hör auf und red it I wollt i hätt mi it eini gmischt«
    »Du muasst ja glei gar zu der andern helfa«
    »Hättst dei Mäu ghaltn na hätt er s selm aussi gschmissn«
    »Dös glaabst du Da bischt d schö dumm«
    »I moan de Dumm bischt bloß du gwen«
    »Da  da schaug Jetzt kimmt sie Sie geht zu eahm eini«
    Ursula deutete hastig gegen das Türfenster hin ihre Blicke hingen sich an
der Zenzi fest die ins Hausflötz herein kam und aus den Pantoffeln schloff
    »Schaug hi« wisperte sie erregt
    Aber die Magd war schon in die Stube eingetreten
    Die Augen der Ursula funkelten und schauten den Lenz vielsagend an
    »Host as gsehgn«
    Er gab ihr keine Antwort und biss an den Fingernägeln
    »Dös muass i hörn was de mitanand hamm« flüsterte die Ursula wieder und
wollte hinaus
    »Du bleibst da«
    »Lass mi do lusn«
    »Na sag i Bal des Mensch rauskam und di bein horchn derwischet Soll s
des aa no im Dorf rum vazähln«
    Er hielt sie am Arm fest und stellte sich vor die Türe 
    Zenzi stand in der Stube vor dem Schormayer sie hatte ein Lächeln in den
Mundwinkeln als sie nun fragte
    »Was willst na von mir Do host gsagt i soll kemma«
    »Ja so I hab ghört d Ursula hat di ausgschafft«
    »Freili Heut in da Fruah woasst Sie hat ja alls ghört geschtern auf d
Nacht I hab dir s glei gsagt dass «
    »Vo geschtern woass i nix mehr Deswegn hab i di net kemma lassn«
    »Net Ja was «
    »Was i dir sagn will is dös dass du bis Liachtmess s Bleibn hoast«
    Zenzi kicherte
    »Du pass auf aba wenn «
    »Dass du bis Liachtmess bleibn kost hab i gsagt und deswegn brauchst it
so dumm lacha Zum Lacha gibt s gar nix So und jetzt gehst wieda aussi und
machst dei Sach mit Ordnung«
    Zenzi schaute ihn verblüfft an er drehte ihr den Rücken zu und sah zum
Fenster hinaus
    Da sagte sie recht kleinlaut »Adjäh« und schlich lautlos in das Flötz und
schloff wieder in ihre Pantoffeln und klapperte in den Hof hinaus
    »Gar so viel müassn s net dischkriert hamm« sagte der Lenz in der Küche
    »Dös ander sagt er ihr nacha scho auf d Nacht bal er wieda aufischliaft«
antwortete Ursula
 
                                 Achtes Kapitel
Es war jetzt eine Krankheit im Schormayerhause an der alle leiden mussten und
sie waren still und missmutig und so feindselig dass auch die gleichgültigsten
Worte wie Grobheiten klangen und wie Beleidigungen vom andern gespürt wurden
Wenn sie beim Essen zusammen saßen merkte jedes das Unbehagen des andern und
stärkte daran sein eigenes und die Löffel klapperten lauter und die Gabeln
stachen spitziger wie ehedem Über Mittag wurde selten etwas geredet und der
Knecht der Hansgirgl der erst ein paar Tage nach dem Streite aus dem
Krankenhause zurückgekommen war wusste sich zuerst in der schweigsamen
Gesellschaft nicht zurechtzufinden und rumpelte bei jedem mit seinen
unbefangenen Fragen an bis er merkte dass hier keine Unterhaltung aufkommen
konnte Die Ursula stellt die Schüsseln unfreundlich und hart auf den Tisch der
Lenz schlang sein Essen so schnell hinein dass man sah wie gerne er wieder
hinaus wollte und der alte Schormayer schnitt ein grimmiges Gesicht und führte
den Löffel so widerwillig zum Maul als hätte er bittere Arzneien zum einnehmen
    Kein Mannsbild hätte sich als Ursache und Gegenstand so vielen Hasses im
Gleichgewicht gehalten aber Zenzi war wie manche ihres Geschlechtes mit einer
gewissen Lust am Kleinkrieg begabt und fand in der unbehaglichsten Stimmung
immer noch stille Freude an der verhaltenen Wut ihrer Feindin Ursula Sie
erzählte auch gerne und unbefangen von den Erlebnissen im Stalle dass die Scheck
stiere und die Prittlbacherin in der Milch nachlasse und die Hoferin gewiss und
wahr aufgenommen habe Wie ihre Stimme aber niemals ein Echo weckte gab sie das
Reden allgemach auf und begnügte sich schmatzend und kauend durch einen
vortrefflichen Appetit stilles Ärgernis zu erregen
    »Woasst du was de hamm« fragte sie einmal der Hansgirgl
    »Was solln denn de hamm«
    »No dös siecht do a Blinda dass s wia Hund und Katz lebn Da is do eppas
fürkemma«
    »Ko scho sei mi bekümmert dös gar nix Auf Liachtmess gehn i a so«
    »So Du gehst Warum nacha«
    »Weil i halt an andern Deanst möcht allawei dös nemlinge is it schö«
    »Aha Freili a bissel an Abwechslung mag a niada Mensch«
    Der Hansgirgl war hell genug dass er die Kündigung der Zenzi mit allem
andern was er sah in Zusammenhang brachte und ein paar Tage später erlebte er
in der Küche einen Streit der ihm ein Licht aufsteckte
    Wie er frühmorgens seine Kaffeesuppe trank kam auch die Zenzi herein und
die Ursula schob ihr den Hafen hin wie man keinem Hund das Fressen vorsetzt
Nah dem ersten Löffel spuckte die Zenzi heftig aus
    »Da is ja a Petrolium drin«
    »Na is halt oans drin« sagte die Ursula
    »Allssammete is do it guat gnua für an Deanstbotn und bal i mei Arbet
richtig mach derf i aa a richtigs Essn valanga«
    »Für so a Mensch tuat s leicht was«
    »So Tuat s leicht was Dös will i sehgn ob i dös saufn muass Da probier
s amal Hansgirgl ob da koa Petrolium it drin is«
    »Mein Kaffee feit nix« sagte der Knecht gleichmütig
    »Probier s grad amal Dös is ja ausgschamt dass mi oan so was gibt«
    »Dös is mei Sach it«
    »Aba i woass scho was i tua« schrie die Zenzi und eilte mit ihrem Hafen zur
Türe hin
    Ursula vertrat ihr den Weg
    »Was willst du toa Wo mögscht du hi«
    »Zun Bauern gehn i eini und der muass amal sehgn wia du mit die
Deanstbotn umgehst«
    Ursula riss ihr den Hafen aus der Hand und schüttete den Inhalt auf den
Boden
    »So jetzt geh eini zu dein liabn Bauern und zoag eahm dein Kaffee«
    Zenzi riss die Türe auf und wollte hinaus aber da trat der Lenz ein
    »Was geit s da«
    »Dera Loas da waar da Kaffee it guat gnua und zum Vatern möcht s«
    »Und i lass ma s it gfalln Da müasst ja oans krank wern aa no in dem
Haus«
    »Du Sei it so frech« sagte der Lenz drohend
    »Da waar mi frech bal mi si net vagiftn lasst Lass mi aussi I geh zun
Bauern«
    Lenz nahm Zenzi beim Arm und führte sie zu der hinteren Türe die ins Freie
ging
    »Da gehst aussi und zun Vatern kimmst du it Und drah mir da it lang auf
sinscht hast d as mit mir z toa«
    Er gab ihr einen leichten Schub und schloss hinter ihr zu
    »Was is dös gwen mit ihran Kaffee« fragte er die Schwester
    »A Petrolium hat sie aussagschmeckt Vielleicht is oans drin gwen Was woass

    »Dös sell sollst d bleibn lassn Dös hat jetzt koan Wert gar it«
    »Bal s n it mag braucht s n ja it saufa«
    »Lass s guat sei und red nix mehr über dös und gib ihr dös richtig Essn
so lang s da is«
    Er gab ihr mit den Augen einen Wink und ging hinaus
    Hansgirgl hatte sich aus diesem Auftritt einiges entnommen und kannte sich
beiläufig schon recht gut aus
    Er trank seine Kaffeesuppe ruhig und bedachtsam und wie er fertig war
schleckte er den Löffel sauber ab
    Ursula hielt ihn noch auf
    »Du Hansgirgl hörst du gar nix dass de sell recht schimpft über mi«
    »De Zenzi«
    »Ja«
    »Da hon i no gar nia nix ghört«
    »Geh weita du sagst as grad it«
    »Na i müasst lüagn sie hat si no gar nia auslassn gegen meiner«
    »Bal sie s aba tuat na glaabst ihr nix Dös is a ganz a schlechts
Weibsbild«
    »I gib ihr scho koan Audienz bal si amal mit so was kam und überhaupts
was mi nix ogeht um dös sell bekümmer i mi ganz weni«
    »Mi sagt grad woasst d dass d di auskennst«
    »Is scho recht nacha Guad Morgn«
    Draußen pfiff Hansgirgl leise durch die Zähne
    »Aha Da hat s was Zu dein liabn Bauern hat de ander gsagt Schau
Schau«
    Der Schormayer hatte das Streiten wohl vernommen aber er wunderte sich
nicht darüber Das war klar und ausgemacht dass die Weibsbilder miteinander
hakeln mussten und wenn es nicht gar zu dick kam wollte er sich nicht
einmischen Sonst brannte das Feuer lichterloh Pfüat di Good
    Und das war auch gewiss dass er die Ursula so bald als möglich ausheiraten
musste denn sie würde keinen Frieden geben und wenn die Zenzi schon lange aus
dem Hause wäre
    Das tröpfelt immer noch das hört nicht auf
    Er tauchte den Kamm ins Wasser und strich sich damit die Haare nach vorne
    Wurden auch schon dünn sackerisch dünn und der graue Esel schaute überall
heraus
    Vierundfünfzig Jahre
    In der Stadt heißen sie es das beste Alter aber heraussen denken sie anders
    Wird bald Feierabend sein Bauer und eine Zeit kommt die nicht schön ist
    Im Austrag sitzen jeden Brocken vorgezählt kriegen und überall im Weg und
zu nichts mehr nutz sein Kann sich einer ja ausrechnen wie der Herr Sohn sich
aufspielt wenn er erst einmal am Regiment ist und hat sich vorher nicht halten
können Die Geschichte mit dem Lenz wurmte ihn und er wurde nicht fertig damit
    Dass die Kinder mit dem Alter nicht an Zärtlichkeit zunehmen weiß man
freilich und es muss auch nicht jedes Wort fein sein aber den Vater kotzengrob
in die Ecke schieben und ihm mit einer Anzeige drohen den Streit aus dem Haus
hinaustragen  das selbige war ein wenig viel getan
    Dass es den Lenz hinterher vielleicht gereut hatte machte nichts anders und
wenn er den Hof einmal in Händen hielt würde er dem Vater am Ende den Streit
heimzahlen Er traute ihm nicht mehr und er wollte sich gut vorsehen Am Ende
war es wirklich das beste wenn er sich mit einem guten Austrag nach Dachau
verzog
    Ein Häusel mieten oder kaufen und allein sein mit einer richtigen Person
die ihm aufwarten konnte Der Blank Andrä von Happach hatte es so gemacht und
hockte dort noch heute zufrieden und guter Dinge Unterhaltung konnte man genug
finden aufs Gericht gehen und den Verhandlungen zulosen auch fleißig Messen
und Rosenkränze aufsuchen seinen Diskursi haben mit allen möglichen Leuten und
wenn man ins Wirtshaus wollte hatte man die Auswahl
    Was erwartete ihn denn daheim in Kollbach An jedem Zahltag ein Schimpfen
über den unverschämten Austrag und Jammern dass es der Sohn nicht erschwingen
könne
    Jedesmal der Versuch was abzuzwacken oder Schlechtes für Gutes herzugeben
und dieselbigen Kunststücke mit denen man die unliebsamen Fresser in stille Wut
bringt dass sich ihre Tage verkürzen Nur nicht angewiesen sein auf den guten
Willen der Kinder War eine Frau im Hause hernach hetzte sie beim Schlafengehen
und Aufstehen wusste alle Tage was Neues zu finden und den jungen Bauern wegen
seiner dummen Gutmütigkeit zu schelten Und gab acht dass verwässerte Milch und
abgestandene Eier und immer das Schlechteste als Deputat hergegeben wurden
Streitest dann ist der Teufel erst recht los und du hast vielleicht den
glücklichen Umstand mit deiner Prozesspartei Tür an Tür zu leben und einen
heimlichen Krieg mit der Schwiegerin zu führen der hundert Bosheiten einfallen
bis du selber auf eine einzige kommst
    Na  na Lenz Das wird sich der Schormayer noch genau überlegen ob er sich
dir mit Haut und Haar ausliefert Jetzt schon gar
    Hast ja ein scharfes Maulwerk zum Erbstück bekommen und kannst grossmächtig
aufdrahen wie mans gesehen hat
    Ein Ross das leicht ausschlagt muss ein schweres Kummet tragen und kurz
eingespannt werden »Hö was is«
    Die Zenzi stand draußen und klopfte ans Fenster
    Der Schormayer öffnete
    »Was is denn dös für a Modi Was willst denn« fuhr er sie grob an
    »An Viechdokta hon i vorbeigeh sehgn und weil mi d Scheck gar it gfallt
hon i gmoant ob er it herschaugn soll«
    »Vo mir aus gnua Aba muasst du dös beim Fensta eina sagn Kunnst du it bei
da Tür einakemma wiar ander Leut«
    »I derf ja it«
    »Was derfst it«
    »Bei da Tür derf i it eini weil mi da Lenz it lasst«
    »Geah Hörts auf mit de Gschichtn«
    »Gwiss is wahr Er hot mi bei da Kuchl aussigschmissn und sagt a bal i
zu dir eina will hot er gsagt na hon i s mit eahm z toa«
    »Kreuz Teufi I wer scho mein Fried amal kriagn Was gengan mi denn enkere
Streitereien o«
    »Jetzt sagst d as so und zerscht «
    »Du Mach dass d in Stall kimmst und bals d ma wieda was z sagn
hoscht gehst vorn bei da Haustür eina I mach scho dass di neamd aufhalt«
    »Und bal er mi amal bei da Kuchl aussi schmeisst und sagt a wias d ma
grad an Schritt einagehst hat er gsagt «
    Der Schormayer schlug das Fenster zu
    Stand nicht die Zollbrechtin am Brunnen und schaute herunter und wusste jetzt
etwas ganz Merkwürdiges dass die Dirn beim Nachbarn fensterln ging
    So eine Gans Stellt sich brettbreit hin und sagt zum Fenster herein dass
der Tierarzt im Dorf ist Als wenn sie weiß Gott was für ein Geheimnis zu
bringen hätte
    Aber freilich wird schon der Herr Lenz wieder strohgrob gewesen sein Der
Schormayer ging in die Küche
    »Mein Kaffee«
    »Da is er« sagte Ursula brummig und erhob die Tasse über den Herd hin
    »Vielleicht tragst d n her am Tisch Und schiabst d n net zuawa wiar a
Hundsschüssel«
    »Ja no«
    Ursula war beleidigt aber sie stellte den Kaffee doch recht manierlich vor
dem Vater hin »s Brot«
    Sie brachte einige Semmeln und er tunkte sich Brocken ein und während er
sie kaute warf er missmutige Blicke herum
    Die Ursula machte sich daran Teller und Schüsseln zu waschen sie konnte
dabei ihren Zorn aufweisen indem sie das Geschirr tüchtig wider einander stieß
    »Du«
    »Wos«
    »San meine Haustürn bein Tag offn«
    »Ob de Tür «
    »Ob meine Haustürn bein Tag offn san frag i«
    »Freili san s offn wer soll s denn zuasperrn«
    »Für was müassn na meine Deanstbotn beim Fensta zu mir einaredn bal s
was zun ausrichtn hamm«
    »Was is jetzt dös schon wieda«
    »Gstell di it a so unschuldi Du hoscht ja do wiedar an Lenz aufghetzt
dass er an Lackl gmacht hot und lasst d Zenzi net bei da Tür eina«
    »Jetzt a so a Lug«
    »Ja di kenn i«
    »Na so a Lug Und alls müasst i gwen sei und allawei waar i schuld Und
dös werd ma scho gar z dumm«
    »Sei staad Und an Lenz sagst er soll froh sei bal i net de Tür zuamach
abar a so dass von enk koans mehr eina kimmt«
    »Was dös Mensch wieda für a Gred ogricht hat Und dös waar bald a so dass
mi gar nix mehr waar «
    »Is scho aufgredt«
    Der Schormayer schlug die Türe hinter sich zu
    Ursula aber lief über den Hof in den Rossstall und traf den Bruder wie er
seinen Gäulen Wasser vorgab
    »Du Lenz i ho da was zun ausrichtn«
    »Vo wem denn«
    »Von eahm«
    Ursula deutete mit dem Kopf gegen das Wohnhaus hin
    »Was nacha«
    »Du sollst di zsammnehma dass er dir die Tür it vor da Nasn zuaschlagt und
di nimma ins Haus eini lasst«
    »Dös vasteh i net Was habts denn da scho wieda ghabt«
    »Dös is it schwar zum vasteh de ander hat n aufghetzt und hot eahm
gsagt du lasst de Deanstbotn nimma zu eahm eini und sie müassn zan Fenschta
eini redn bals an Herrn was zun ausrichtn hamm«
    »A so a gmachte Lug«
    Lenz stellte zornig den Wasserkübel hin
    »Weil i dös Weibsbild net zu eahm in d Kamma hab nei laffn lassn dass da
Krawall net scho in aller Fruah wiedar ogeht«
    »Da Krawall is scho gwen Er kimmt zu mir in d Kuchl eina und grad grob
woasst Seine Kinda schmeisst a aussi und aufpassn tuat a auf gar nix mehr und
was dös Mensch sagt dös muass wahr sei und für ins gibt s überhaupts koa Recht
gar nimma«
    »Woasst du s gewiss dass sie bei eahm gwen is«
    »Er hat s do selm gsagt Sie is beim Fensta zuawi gstanna dass sie s ja
recht markiern hat kinna und grad ghetzt muass s hamm und du sollst di no
zsammnehma hat a gsagt dass er die Tür it zuaspirrt und ins mitanand aussi
tuat «
    Lenz sah sich mit zornrotem Gesicht im Stall um
    »Wo is mei Goassl«
    »Was willst d denn Lenz« tat Ursula erschrocken
    »Mei Goassl möcht i Ob s grad oda krumm geht jetzt hau i dös Mensch
umanand dass s am Lebn vazagt«
    »Lass guat sei Bitt di gar schö«
    »Soll i mir alls sagn lassn Herrgottsaggerament Hansgirgl«
    Lenz brüllte was er aus dem Halse brachte
    »Wos« antwortete hinten eine Stimme
    »Hoscht du mei Goassl weg«
    »I net«
    »Dortn loahnt s« sagte Ursula und deutete in die Ecke
    Lenz sprang hin und krampfte die Faust um die Peitsche
    »Wart Luada Jetzt redn mir mitanand«
    Er wollte zur Türe aber da war der Hansgirgl derweilen nach vorn gekommen
und hielt ihn beim Arm zurück
    »Geh it aussi Lenz«
    »Wos willst denn du Geht di dös was o«
    »It viel Abar a zorniga Mensch woass net allemal was er tuat Bleib herin
Es is gscheiter«
    »Dös sag i aa« fiel Ursula ein »lass guat sei Ma woasst it was allssammete
gschiecht«
    »Waarst du it eina kemma Hättst di du it hergstellt und mir alls vazählt
Dass i von Haus weg muass bal s dös Mensch da draussd hamm will Lassts mi aus
sag i«
    »Net Net« bat Ursula
    »I lass di net aus« sagte Hansgirgl »Da schaug umi Steht da Viechtokta
bein Stall hiebei und da Baua r aa Werst d eahm do vor fremde Leutn koa
selle Gschicht it hermacha«
    Lenz schnaufte zornig und fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare
    »Dös is ihra Glück« sagte er kurz und ging von der Türe weg
    »I dank da schö Hansgirgl dass d eahm zruckghaltn hoscht Dös hätt ja
an Unglück gebn« jammerte Ursula
    »Nix zun dankn Aba bessa is bal du dös Unglück zerscht übalegst«
    »Ja no mi muass do sagn was gschehgn is und bal er selm gsagt hat i
soll s an Lenz ausrichtn«
    »Mach dass d weita kimmst in dei Kuchl« fuhr sie Lenz an »I ko di do
herin it braucha«
    »Vo mir aus I sag da gwiss nix mehr und was mi tuat is it recht und dös
waar jetzt scho bald a so dass mi gar nix mehr recht macha ko und «
    Vor sich hin greinend ging die Ursula auf den Hof hinaus und hielt erst das
Maul als sie merkte dass der Vater zu ihr hinschaute
    Er pfiff grell durch die Zähne
    »Wo kimmst denn du her«
    »An Stall bin i gwen«
    »Hoscht du Zeit zun hoamgartn«
    Der Schormayer drehte sich um und redete wieder mit dem Tierarzt
    Im Rossstall blieb der Hansgirgl noch beim Lenz stehen und sagte
    »Du Lenz i bin jetzt scho neun Jahr bein enk und du woasst dass i zun
Haus halt Aba i sag dir dös pass auf koa Weibsbild durchaus gar it auf Da
macht mi s allawei verdraht bal mi si vo dena was eiredn lasst«
    »Du woasst aa it alls Hansgirgl was bei ins los is«
    »Wissn tuar i gar nix na Aba derratn hon i a bissel was«
    »Was hoscht du derratn«
    »Is gscheita ma redt it davo Dös derfst d mir glaabn inseroans hot aa
seine Augn im Kopf und mi braucht ja net alls sagn was mi siecht«
    »Bals du was gspannt host na werst d aa sagn müassn dass mi da it kalt
zuaschaugn ko«
    »Warum it Lenz Bal mi scho amal zuaschaugn muass na is bessa ma lasst si
d Hitzn it gar z stark aufsteign«
    »Na bin i der Garneamd aufn Hof«
    »Du bischt da Sohn und über s Jahr bischt da Baua Na kost du dir
allssammete richtn wias du s hamm willst«
    »Dös is no lang it gwiss ob i an Hof kriag bals as so weita geht«
    »Öhöhö Gar so gach werd s it oba geh Wer soll denn s Sach kriagn als
wia du«
    »Wart no was no alls kimmt«
    »Na na Lenz Dei Vata is so unrecht it und i kenn eahm do aa guat Bals
d di staad hebst werd s so weit it fehln«
    »Heb di staad bals d a niadn Tag was anderst hörscht«
    »Hör nix Dös is ja grad was i dir sag D Weiberleut kochn allawei was
zsamm und d Mannsbilder solln s ausfressn«
    »Recht host scho«
    »Freili hab i recht Da werst nimma firti bals d amal ofangst und lasst
di auf s Vazähln ei Hoscht du amal a Weibsbild gsehgn dös von selm
aufhört I no net Da muass bohrt wern und bohrt wern bis was bricht Na
stengan s da und wissn eahr it z helfn dö Luada dö dumma«
    »Es is a so Hansgirgl«
    »No also Heb di staad und druck d Augn zua und lass di vo da Urschula gern
hamm Gar so stocknarrisch werd scho da Baua aar it sei und dass i dir s
grad sag wia s is von eahm aus hätt i wohl nix gspannt aba in da Kuchl
drin bin i bald auf a Gspur kemma De selln kinnan ja nix bhaltn«
    »I heb mi scho staad derfst d ma s glaabn dös hoasst so lang s geht«
    »Es geht scho Jetzt derf i aba macha dass i eispann Pfüat di«
    »Pfüat Good Hansgirgl«
 
                                Neuntes Kapitel
Der Schnee lag fusstief und an den windstillen Tagen hielt sich eine gute
Schlittenbahn Der Schormayer fuhr selber mit zwei Gäulen Langholz nach Dachau
hinein und die Arbeit tat ihm wohl
    Der Hansgirgl war bei ihm mit einem zweiten Gespann und der Lenz legte mit
etlichen Holzknechten im Wald auf und brachte die Bäume ins Dorf
    So rührten sich alle Hände und über dem Schaffen wurden die
Verdrießlichkeiten vergessen die beim Nichtstun in die Länge und Breite gingen
Wenn am frostklaren Morgen der Schlitten knirschte und pfiff schritt der
Schormayer wohlgemut daneben her und versuchte auch wohl mit der Peitsche ein
altes Gesetzel zu knallen
    Oder er führte mit dem Hansgirgl der dichtauf folgte eine Unterhaltung
    In Dachau setzte er sich behaglich in eine warme Wirtsstube und schon lange
hatte ihm keine Maß Bier mehr so geschmeckt wie hier eine jede, die er sich
verdient hatte
    Er traf auch alte Freunde und Bekannte und konnte von weit und nah manches
erfragen
    Eines Tages wie er beim Zieglerbräu saß und rechtschaffen müd seine Füße
ausstreckte klopfte ihm jemand auf die Schulter und wie er sich umdrehte
musste er sich fast besinnen dass er den Limmer von Weichs erkannte
    »Ja grüass di Good Schormoar«
    »Grüß di Good aa«
    »Triff i di do amal De ganz Zeit hamm mi gwart ob s d net wieda
zuakehrst und hörn hoscht aa nix lassn«
    »Na hot si net auftroffa«
    »A Botschaft hättest d ins scho schickn kinna«
    »I sag d as wia s is i ho koa Zeit it ghabt«
    »Ja ja Sie werd da halt it gfalln hamm«
    »Net recht gmachti«
    »Und sie is ganz stocknarrisch auf di«
    »Geah No hot s jetzt den Hof kafft wo s selbigsmal in Handel gwen is«
    »An Atzenhofer Na I glaab sie wart heut no ob s di net do am End no
daglangt«
    »Mi net Dös kost ihr ausrichtn und an schön Gruass vo mir«
    »Moanst it es werd no was«
    »Net leicht«
    »Siehgst as wia s oft geht Und sie hot si s scho ganz fest eibildt«
    »Eibildt hon i ma scho oft was«
    »Woasst da Tretter hat si überhaupts a so auslassn als wenn s ganz gwiss
waar und als wenn er d Vollmacht hätt für di«
    »So«
    »Ja gredt hot der grad schö Mögst d net moan dass d Leut a so lüagn
kinnan«
    »De Leut muasst d nix glaabn Limmer Da trink amal«
    »Gsegn s Good Schormoar«
    »s Wohlsei«
    »Du hoscht da vielleicht an anderne aufganga«
    »Na«
    »Du Schlaucherl du sagst ma s grad it«
    »I tat da s aa it sagn«
    »Na werd s scho a so sei«
    »Es is it a so aba du brauchst mir nix glaabn«
    »Kreuz Teufi De werd d Trentschn hänga lassn bal i s ihr sag«
    »Dös tuat nix Sie ziagt s scho wiedar aufi«
    »Ja ja No also zun macha is nix«
    »Na gar nix«
    »Nacha pfüat di Good«
    »s Good Limmer«
    »Du Schormoar dass i net vagiss da Buachberger vo Glonn treibt s nimma
lang«
    »So«
    »Er rasselt a so bein huastn woasst als wia wenn ar a Kettn
aufaziahgat und des sell is a schlechts Zoacha«
    »Dös is zwider für eahm aba i kenn eahm ja gar net«
    »Dös is do der selbige vo dem die Kaltnerin ihre dreitausad Markln irbt«
    »Ah so Na sie werd s braucha kinna bal s den Hof wirkli kafft«
    »I ho gmoant du kunntst vielleicht mehra Gusto drauf hamm bal sie dös
Geld kriagt«
    »I hon koan Gusto durchaus gar it«
    »Nacha is gfeit dös siech i scho«
    »Weit gfeit Limmer Pfüat di«
    »s Good Schormoar«
    Hansgirgl hatte aufmerksam zugehört und blinzelte lustig wie er sah dass
der Bauer in sich hineinlachte
    »Hoschtn geh hörn« fragte ihn der Schormayer
    »Er is scho so laut auftretn dass ma s hörn hat müassn Was is denn dös
für oana«
    »Vo Weichs is er Hat a ganz a netts Sach«
    »Hätt er schmusn mögn bei dir«
    »Ja a wengl Da kunnt i no mal glückli wern Hansgirgl«
    »Muass dir aba net recht drum sei was i gspannt hab«
    »Bei dera net«
    Der Schormayer trank und wischte sich lachend das Maul ab
    »Hansgirgl um de tatst di du aar it reissn«
    »Is s so schiach«
    »Schiach wiar a Nachteuln und hantig wiar a sauers Bier«
    »Na pfüad di Good«
    »Dös sell hon i mir aa denkt«
    »Dass sie aba so viel Glaabn auf di hot«
    »Vielleicht kimm i ihr so dumm für haha Da kunntst d hi wern Ganz
bocknarrisch is sie auf mi sagt da Limmer Dös möcht i ghört hamm was eahr da
Tretter alls aufbundn hat«
    »Is der beteiligt bei dera Sach«
    »Er möcht si halt an Kupplpelz vodean«
    »Hoscht du an Sinn dass d nomal heiretst Bauer«
    »It gern«
    »Dös hätt i mir a so denkt was tatst denn du mit an Wei wos d de zwoa
Kinda hoscht«
    »Vo dem will i net sagn bal ma s guat derratet waar s dös schlechtest
no it«
    »Ja ja dös sell gib i zua«
    »Aba ums derratn is und danebn tappn waar halt scho ganz zwider Es
müasst allssammete stimma«
    »Nacha hat dem sei Red do a bissel a Hoamat ghabt«
    »An Limmer moanst Ah da is koa drodenka dös is a Viecherei gwen
sinscht gar nix Na i moan grad a so bal ma si s oft übaleget waar s dös
dümmst net«
    »Ja ja«
    »Brauchst aba nix redn üba dös Hansgirgl Net dass mir da no a Schmarrn
ogrührt werat dahoam I hon a so d Ohrn voll gnua«
    »Vo mir aus werd nix gredt i vabrenn mir s Mäu net«
    »Dös denk i mir aa Bischt ja lang gnua bei mir dass d auf meina Seitn
steh kunntst«
    »Da feit si nix Bauer«
    »I hon di aa allawei für dös ogschaugt Hansgirgl und sinscht hätt i wohl
it a so gredt mit dir«
    Der Schormayer war mitteilsam geworden
    In der langen Zeit hatte er sich nie was vom Herzen heruntergeredet sondern
alles in sich hineingefressen Und da saß ein vertrauter Mensch der die
Vergangenheit kannte und manches Jahr auf seinem Hofe neben ihm geschafft hatte
und der wohl auch die Änderungen sah die jetzt bei ihm eingerissen waren
    »Siehgst Hansgirgl« sagte er »i brauch dir ja nix vazähln aba dass
dahoam nimma alls am altn Fleck steht dös sell kennst ja du selm«
    »Wia s halt is Bauer wenn die Junga herwachsn und de Altn an s Geh
denkn«
    »I denk aba it gar so fest dro«
    »No was willst d macha«
    »Dös woass i selm it siehgst Und i schaug s schier jedn Tag anderst o
Aba d Freud zum Geh is gar it groß bei mir«
    »s Übagabn is nia luschti«
    »Dös woass mi und mi tuat s do wann s rechtsinni is aba ma muass si dabei
naussehgn Grad in d Schlamassi einihocka dös sell is dumm«
    »I hätt aba an Lenz it für unebn«
    »I woass it Hansgirgl Da Reschpekt is it groß bei eahm und na kunnt i
abscheulige Rasttäg kriagn wann i amal der nix mehr bin«
    »I ho von eahm no nix Unrechts ghört net üba di und net über ander Leut«
    »Hoscht d aa nix gsehgn dass er ungeduldi werd«
    »Was hoasst ungeduldi Schau Bauer du werst deinerzeit aar a bissel hart
gwart hamm und bal oana jung is nacha is ja scho d Freud zun Regiern und
zun Arbetn oamal z groß Dös sell is was Natürlichs«
    Der Schormayer schüttelte den Kopf
    »Dass er sie freut dös sell nahm i eahm net übi waar ja trauri bal oana
ohne Freud an Hof übernahm Er braucht s scho Es is it alls schö was kimmt
Aba dös sell hoass i net wartn wann mar an Vata mit die Ellabogn wegschiabn
möcht«
    »Dös wundert mi bal dös da Lenz tuat«
    »Lass ma s guat sei Da Hauptpunkt is dass i no it alt gnua bi zun
Faullenzn Herrgott i wer ja grad luschti bei da Arbet Und da soll i umanand
hocka und Weillang hamm«
    »Verschiab s a Jahr a zwoa«
    »Wern ma s scho sehgn und jetzt zahl i na fahr ma wieda«
    Auf dem Heimweg war der Schormayer fröhlich und aufgeräumt Es zog fest an
und am dunkeln Himmel flackerte ein Stern um den andern auf
    »Heuer trifft aba scho alls auf« sagte der Bauer »akkrat wia ma s hamm
will De zwölf Nacht hamm dös beschte zoagt Am Barbaratag hat s Knospn
ghabt und d Mettn war hell Pass auf mir kriagn a guats Jahr«
    »Mir kunnten s braucha«
    »Freili Hansgirgl und i moan allawei was heuer wachst wachst no für mi
Hoscht a guate Schmitzn na haust nachi«
    Er knallte mit der Peitsche den Fuhrmannsgruss
    »Es geht no it schlecht Gel«
    »Na i muass di lobn«
    »Öh hott a wengl Hott«
    Der Schormayer lief zu seinen Füchsen vor weil ein Schlitten entgegen kam
und er ging dann eine Zeit allein Der Weg führte durch Hochholz und da war es
noch stiller wie draußen auf der Freien
    Man hörte nur das Schnauben der Pferde und ihre klingenden Schellen
    Über den Wald schob sich der Mond herauf und etliche Baumgipfel standen
dunkel und scharf gerändert gegen sein flüssiges Gold
    Der Schormayer summte vor sich hin und wartete wieder auf den Knecht
    »Da fallt mir a Liadl ei dös kunnt schier gar für n Lenz passn
Voda wann gibst ma denn s Hoamatl
Voda wann lasst ma s denn schreibn
s Dirndl wachst auf wiar Groamatl
Ledi will s aa nimma bleibn
    Hoscht dös scho amal ghört Hansgirgl«
    »Jo und de ander Strupfn woass i aa«
Der Knecht sang mit dünner Stimme
»Da Voda der gibt ma scho s Hoamatl
Da Voda der lasst ma s scho schreibn
Mei Dirndl werd gmaht wiar a Groamatl
Braucht koan alte Saudirn it bleibn«
    Da lachte der Schormayer herzhaft
    »Dös passt wieda auf mi und amal lass i s scho schreibn Aba was dös Jahr
wachst wachst no für mi«
    Daheim wartete schon wieder allerhand Verdruss auf ihn Sein bestes Ross ein
Schimmelwallach mit dem der Lenz ins Holz gefahren war hatte den Krampf in den
Muskeln und legte sich kaum dass es in den Stall zurückgekommen war matt auf
die Seite
    Der Hansgirgl der sich auf die Sachen gut verstand schüttelte bedenklich
den Kopf und meinte es könnte die schwarze Harnwinde sein Er wollte gleich zum
Tierarzt fahren aber in der Nacht würde der haute kaum mehr kommen und bis zum
andern Tag könnte es lang zu spät sein
    Nun beratschlagte er mit dem Bauern was für die nächste Zeit zu tun sei
und auch aus der Nachbarschaft kam der Deindl hinzu ein Mann der viel
Erfahrung hatte und der Schmied Finkenzeller ein Meister im Hufbeschlag Die
Männer umstanden den Gaul und der matte Schein der Stallaterne fiel auf recht
besorgte Gesichter
    »Schormoar es steht it guat« sagte der Schmied »s Ross is hartleibi und
rüahrt si kalt o«
    »Kreuzteufi dass ma dös gschehgn muass I ho da s gsagt Lenz lass mar
an Schimmi koan Tag im Stall steh Wann s bei dera Kältn aussi kemman is
schnell was gschehgn Jetzt hamm ma s«
    »Dös bescht waar mi holet de alte Metzin« sagte der Deindl
    »I waar der Meinigung mi wickeln s Ross recht warm ei und waschn s mit n
hoassn Wassa« schlug der Hansgirgl vor
    »Dös is dös allererscht« bestätigte der Schmied »und bals d mir
folgscht Schormoar nacha lasst d an Baldriantee siadn I hätt oan dahoam«
    »Den muass d Zenzi holn und du Lenz gehst umi und sagst zu da Urschula
sie soll Wassa kocha so viel als geht Hansgirgl hol amal d Zenzi«
    Der Schormayer befahl alles bedächtig und griff selber fest an wie sie das
kranke Tier in Decken einhüllten
    »No was« sagte der Schmied »Lassts an etla rupfane Säck hoass macha de
legn mir nachn Wachen üba«
    »Dös bescht waar mi tat de alt Metzin holn« ließ sich der Deindl wieder
hören
    »Zwegn was denn«
    »Schormoar dö kon a niade Kranket beredn I ho s selm bei meina Kuah
ausprobiert Sie hat ihran Spruch to und an andern Tag is d Kuah wieda frisch
gwen«
    Der Schormayer schaute den Schmied fragend an
    »Schadn ko s nia« sagte der »und bal mir sinscht nix vasamma kinnan mir
ja der Metzin ihran Spruch dreigebn«
    »Du werscht seghn dös hilft alloa«
    »Is na scho recht«
    Zenzi kam hinter dem Hansgirgl in den Stall Ihr Gesicht war gerötet und
ihre Haare schienen in Unordnung zu sein auch waren die Augen etwas
geschwollen wie vom Weinen Aber darauf achtete jetzt niemand
    »Du gehst jetzt glei zum Schmied abi und sagst sie solln dar an
Baldriantee gebn Koscht da dös mirka«
    »Jo« antwortete die Zenzi mit weinerlicher Stimme
    »Laff no und den Tee gibscht da Ursula dass s n auf da Stell kocht«
    Zenzi schaute den Schormayer erschrocken an
    »Hoscht mi vastanna«
    »Jo« sagte sie noch gedrückter
    »Na mach und steh it lang umanand«
    »Und de alt Metzin soll s holn« mahnte der Deindl
    »Ja so Vom Schmied ummi gehst aa zun Metz und sagst de Alt soll glei
kemma Jetzt gschwind a wengl Schleun di bessa«
    »Jo«
    Sie ging zögernd weg und wenn der Bauer gesehen hätte wie sie einen
Schritt für den andern setzte und auch stehen blieb und aufschnupfte hätte er
ihren Eifer nicht gelobt
    Er sah es nicht und hatte einen anderen Grund zum Ärger
    »Wo bleibt denn der Lenz«
    »Do bin i«
    »Was is mit n Wassa Und schaug dass d a paar Säck herbringscht de soll
d Urschula hoass macha«
    »D Urschula is it do i ko s it findn«
    »Brav Dös mag i Müassn mir wartn bis sie mit n Ratschn firti is
Hansgirgl schaut zu da Zollbrechtin umi ganz gwiss hockt s wieda dort«
    Die Vermutung war richtig
    In der niedrigen rauchgeschwärzten Küche der Nachbarin saß die Ursula beim
Herd und erzählte der teilnehmenden Person ihr heutiges Abenteuer mit der
scheusäligen Zenzi
    »Woasst am Dreikinitag hot da Vata an ihra Kammatür aar an Kaschpa
Melchior und Baltasar mit da gweichtn Kreidn aufigschriebn und mi hat dös
scho so vadrossn dass i dirs gar it sagn ko«
    »Mi schreibt s aba überalln«
    »Dera ghört s it zua und vo mir aus is da Brauch was da will i leid s
amal it und heut a da Fruah bin i herganga und ho de Schrift mit an nassn
Hadern ausgwischt und sie kimmt grad dazua und fangt s mammsn o und hoasst mi
a boshafts Luada und hoscht scho amal so was ghört wia frech dass so oani
waar Woasst sag i zu ihr du sündigscht auf dös hab i gsagt dass du a Hilf
hoscht aba du muasst it moan sag i dass i vielleicht auf dös aufpass oda
mögst eppa gar hab i gsagt dass dar i schö tua A so waar s ja recht sag
i dass d Tochta an sellan Schlampn nachlaffa müasst hab i gsagt und mi
koscht du gnua vaklamperln weil i auf dös gar it aufpass und na hon i ihr den
nassn Hadern um s Mäu uma ghaut«
    »Da hoscht amal recht ghabt« lobte die Zollbrechtin
    »I hon ihr den Hadern schö eini ghaut und net grad oamal dös sell derfst
ma glaabn und sag i jetza stellst die wieda an s Fenschta und jammerscht
dass da gar a so schlecht geht und da hoscht no oani hon i gsagt dass d di
auskennst sag i«
    »De hoscht d amal schö hergricht«
    »Dös glaab i und s letztmal is dös it gwen und a so geh i scho um mit
dera dass s gwiss koa Freud it hat«
    »Dera ghört s it anderst und du derfst as scho scharf opackn sinscht
bringst d de it aus n Haus Dös sell sag da r i«
    »Ah de bring i scho aussi«
    »Woasst Urschula mi gfallt de Gschicht gar it Wiar i s selbigsmal beim
Fenschta hibei gsehgn ho is mir a Liacht aufganga und bals d ma du aa it
alls sagscht deszwegn kenn i mi do aus aba du derfst mir alls sagn weil
i bei dir steh vastehst und vo mir derfragt neamd was«
    »Bals d ma d Hand drauf gibscht Zollbrechtin dass d nix weita sagst
«
    »Auf Ehr und Seligkeit it und über dös brauchst da koan Kumma gar it z
macha weil i dös überhaupts it mag de Tratscherei «
    Die Zollbrechtin rückte ganz nahe zur Ursula hin und in ihren Augen war
eine lebhafte Freude zu lesen dass ihr nun etwas Neues offenbar werden sollte
aber leider kam es nicht dazu weil heftig an das Fenster geklopft wurde
    »Wer isch draussd«
    »I bin s da Hansgirgl«
    Die Zollbrechtin riegelte die Türe auf und da bestellte der Knecht seine
Botschaft dass die Ursula auf der Stelle und geschwind heim kommen müsse
    »Was geit s denn scho wieda«
    »An Schimmi feit was und da muasst Wassa hoass macha und vielleicht werst d
ins na was z essn gebn aa Mir san grad hoam kemma«
    »I kimm scho«
    »Tua no a wengl gschwind da Vata is it gar z guat aufglegt«
    »Mir werd aar amal in Hoamgartn geh derfa bal mi an ganzn Tag alloa
gwen is «
    »Es pressiert wegn an Schimmi Geh zua«
    Ursula band ihr Tuch um den Kopf und nahm Abschied von der Nachbarin die um
eine Hoffnung betrogen war
    »Pfüad di Good und i kimm scho amal wieda«
    »Adjä Und pass auf Urschula bals du morgn koa Zeit it hoscht dass d zu
mir umakimmst na gehn i zu dir und na vazählst ma dös sell «  »Is scho
recht«
    »Und du derfst gwiss glaabn dass vo mir neamd nix dafragt weil i dös scho
gar it mag«
    »I glaab da s scho pfüat di «
    »Du dös sagscht ma no gschwind Gel es handelt si vo dem Mensch und dein
Vata und «
    »Ja ja aba i muass jetzt geh«
    »Siehgst d as i ho ma s do glei denkt und gfalln hat mi da gar nix
scho von Ofang it weil d Muatta no krank gwen is «
    Ursula eilte weg und wurde daheim hart angelassen
    »Du tuast da ganz leicht du Bal mir vo da Arbet hoam kemman hockst du in
da Nachbarschaft umanand Hoscht du nix herzrichtn für ins«
    »Ös habts enka Sach noch allemal kriagt und mi is do aa koa Hund dass mi
it von Haus wega geh derf«
    »Halt s Mäu und marsch di in d Kuchl und mach s Wassa hoass und warmst a
paar Säck«
    »I geh scho aba mi werd do it oiwei dahoam hocka müassn«
    Der Schmied hatte unterweilen den Schimmel aufstellen lassen und alle
Mannsbilder halfen zusammen und stützten ihn
    Die alte Metzin war auch gekommen und sie schaute mit ihrem scharf
geschnittenen hageren Gesicht in dem Halbdunkel wie eine richtige Hexe aus
    Der Deindl redete eifrig mit ihr
    »I ho s an Schormoar gsagt bal wer helfa ko bischt as du und du woasst
no de altn Sprüch«
    »I woass scho oan«
    »Da Schimmi werd de Harnwindn hamm sagt da Schmied und hoscht du eppas
für dös«
    »Freili hon i eppas«
    »Du Schormoar sie werd s glei hamm« schrie der Deindl eifrig »Lass amal
de Alt zuawi«
    »Dös kimt auf d letzt zerscht müassn mi an Gaul waschn Zenzi geh umi
und hol s Wassa«
    Die Magd zupfte den Bauern am Ärmel und winkte ihm
    Er wandte sich unwillig zu ihr
    »Was hoscht n scho wieda«
    »Geh schick wen andern in d Kuchl i trau mar it «
    »Herrgott  ah was Jetzt vazählst ma nix Hansgirgl geh du Dera is
heunt it guat und sie kunnt s Schaffl it tragn Geh du in dein Stall oda leg
di in s Bett« fuhr er die Magd an »Du gehst ins do im Weg um«
    Zenzi ließ den Kopf hängen und machte sich langsam davon
    Wie dann der Hansgirgl mit dem dampfenden Wasser ankam wusch der Schmied
den Gaul sorgfältig und hinterher deckte er ihn mit heißen Säcken zu und sagte
dem Lenz er solle das noch einigemal tun Wie er aber dem Schimmel heißen
Baldriantee eingab und alles das ziemlich lange dauerte sagte die Metzin sie
könne auch gehen wenn man sie nicht brauche und sie wäre nur dem Schormayer zu
Gefallen gekommen und hätte wohl lieber geschlafen
    Da schaute der Deindl alle Anwesenden vorwurfsvoll an und meinte man sollte
die Leute nicht holen wenn man ihre Hilfe nicht annehme und es würde aber den
Bauer noch lange reuen
    Der Schormayer musste der Alten gut zureden bis sie sich dazu hergab als
letztes Mittel noch ihren Spruch zu geben
    Sie stellte sich neben den zitternden Gaul und lispelte mit ihrem zahnlosen
Mund den Vers
»Jerusalem ist eine schöne Stadt
Darinnen Jesus Christus gekreuzigt ward
Er ward gekreuzigt mit Wasser und Blut
Das ist für Würmbeissen und Darmgicht gut«
    Und dreimal wiederholte sie
    »Im Namen Gottes des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes«
    dabei strich sie jedesmal mit der Hand über den Rücken des kranken Tieres
    Alle sahen voll Scheu zu und indes sie die Hüte abnahmen machten sie auf
Stirn Mund und Brust das Zeichen des Kreuzes
    »Amen« sagte der Deindl mit tiefer Stimme »Und jetzt feit nix mehr
Schormoar werst d as sehgn«
    »Hoffatli Und i dank da recht schö Metzin dass d kemma bischt«
    Er zog seinen Geldbeutel aus der Tasche aber die alte wehrte ernstaft ab
    »Lass guat sei I nimm nix für dös«
    »No nacha schick i dir scho was abi Schmalz und an Loab Brot«  »Dös
braucht s it Guat Nacht beinand«
    Sie humpelte aus dem Stall und auch die andern richteten sich zum Gehen
    »Oana muass halt Wacht haltn« sagte der Schmied »und wenns grad waar dass
a si schlechta herschaugt na müassts mi halt aus n Bett aussa holn I kimm
gern wieda«
    »Es werd it schlechta jetzt is s scho gwunna« versicherte der Deindl
    Sie gingen und in der stillen Winternacht hörte man noch von weit her ihre
Stimmen indem der Deindl die tiefe Wissenschaft der Metzin lobte und der
Schmied seine Ansicht über die Krankheit äußerte
    
    Der Schormayer schaffte noch an dass sich der Lenz und der Hansgirgl bei der
Nachtwache ablösen sollten und wollte über den Hof ins Haus
    Da trat ihm die Zenzi in den Weg
    »I muass da was sagn Baua«
    »Sag ma s morgn jetzt is koa Zeit«
    Sie fing zu weinen an
    »Jetzt woass i ma koa Hilf gar nimma und mi is do koa Stück Viech dass ma si
umanand schlagn lassn muass «
    »Wer hat di gschlagn«
    »D Urschula und an Hadern hot s ma um s Mäu uma ghaut dass i no
gschwolln bi «
    »Habts halt wieda streitn müassn ös damischen Weibsbilda«
    »Wer hot gstrittn Koa Wort hon i gsagt und grad deszwegn hot si mi
gschlagn weils d ma du die heilinga drei Kinni auf d Kammatür aufi
gschriebn hoscht «
    »Zwegn nix andern«
    »Na bal i d as amal sag und an nassn Hadern haut s mar um s Mäu dass
mas Feua vo de Augn wega ganga is «
    »Dös sagst d ma alls morgn«
    »Ja morgn Ös fahrts wieda mit n Holz und i waar alloa mit ihr«
    »De werd di it fressn«
    »I trau ma nimma z bleibn I sag d as wias is de tat ja mit mir was
s gern möcht und i lass alls liegn und steh und laff davo«
    »De zwoa Wocha bis Liachtmess werst d as no aushaltn«
    »I trau ma nimma und i muass dar a so was sagn«
    »Wos denn«
    Zenzi presste beide Arme vors Gesicht und weinte und schluchzte jämmerlich
    »Ja red halt«
    Da schnupfte die Magd auf und sagte zögernd und mit leiser Stimme
    »I glaab i bi in da Hoffnung«
    »Wos Wia dös«
    »Ja woasst as scho«
    »Himmisaggera Du pass auf mach mi da koan Pflanz it vor«
    »Was brauch i dir denn vorzmacha Dös sell werd si scho aufweisn und bal
mi so beinand is haut oan de ander wiar a Stuck Viech«
    »Kreuz Teufi Wia ganga nacha dös dass du «
    »Vata« Die Stimme der Ursula gellte vom Hause her und aus der offenen Tür
drang ein Lichtschein in den Hof
    »Geah zua Sinscht siecht s mi« flüsterte Zenzi und huschte weg 
    »Vata D Suppn is firti«
    »Plärr it a so du Loas« schrie der Schormayer zornig zurück und ging auf
das Haus zu
    »I hon it gwisst dass du im Hof umanand stehst sinscht hätt i wohl it so
gschrien« sagte Ursula
    »I steh dir scho umanand dir Wo hoscht mei Essn«
    »In da Kuchl halt«
    »Tragst d as in d Stubn eini«
    »Warum nacha«
    »Weil i di net sehgn will du grobs Viech du«
    Er schlug die Türe hinter sich zu
    »Hat s scho wieda gratscht Dös zahl a da hoam« sagte Ursula vor sich
hin indes sie Schüssel und Teller in die Stube trug und einen Löffel klirrend
daneben auf den Tisch warf
    Der Schormayer hörte sie nicht
    Er stand in seiner Kammer und schaute zum Fenster in die Nacht hinaus
    Der Mondschein lag voll auf den verschneiten Feldern und sie glitzerten
als hätten alle Engel Diamanten darauf gestreut
    »I glaab i bin in da Hoffnung«
    So is recht
 
                                Zehntes Kapitel
Am andern Tag klingelte zeitig in der Früh ein sauberes Schlittengespann durch
Kollbach und wer gerade am Fenster stand schaute ihm gerne nach Die Pferde
hatten blaue und rote Federbüsche aufgesteckt und ein hell tönendes Geläute
umgehängt und gingen auch darum einen stolzen und vornehmen Trab
    Im Schlitten saß ein aufgeputztes Frauenzimmer von dessen seidenem
Kopftuche stattliche Zipfel in die Luft hineinflatterten auch war es in einen
feiertäglichen Schal gehüllt und so vermummt dass man es nicht erkennen konnte
daneben saß ein junger Bauernmensch von hagerem Gesicht aus dem eine scharfe
Hakennase vorsprang und er trug auf dem Hute ein buntes Sträussel
    Beim Schormayer bog der Schlitten in den Hof ein und hielt und derselbige
junge Mensch knallte stolz mit der Peitsche dass die Anfahrt ein nobles Ansehen
hatte
    Da kam auch gleich der Lenz der wegen des kranken Gauls daheim geblieben
war aus dem Stalle und die Ursula trat unter die Haustüre
    Ihr Gesicht zog sich in Fröhlichkeit auseinander als sie die Gäste
erkannte das Basel die Schneiderbäuerin von Arnbach und den jungen
Prücklbauern Kaspar Eichinger von Hirtlbach
    Die Ursula tat sie sich s gehörte geschämig und erstaunt und nicht
wissend warum diese zwei willkommenen Menschen auf Besuch erschienen
    »Ja Basel bischt du do Was treibt denn di daher«
    »I ho s geschting aa no it an Sinn ghabt aber der sell hot ma koan Ruah
it lassn und i muass mit eahm uma fahrn«
    Sie deutete lachend nach dem Kaspar hin der mit Hilfe des Lenz seine Pferde
ausspannte
    »Aba geh no grad eina in d Stubn Basel und warm di auf Du muasst it
schlecht gfrorn hamm«
    »Es is heunt nimma so kalt aba beim Ofa is bessa dischkriern Du Kaschpa
i geh dawei mit da Urschula eini du kimmst nachi«
    »I kimm scho« sagte der Kaspar mit Ruhe und führte hinter dem Lenz einen
Gaul in den Stall
    Sie hingen hier die Pferde an versorgten das Geschirr und erst als die
Arbeit getan war fragte der junge Prücklbauer
    »Du bischt da Ursula ihr Bruada Gel«
    »Ja Und wo bischt du her«
    »Vom Prückl z Hirtlbach Du werst d as scho denkn kinna zwegn was dass
i do bin«
    »A wengl was hat ma d Urschula gsagt«
    »Bal allssammete stimmt kunntn mi heunt richti wern«
    »Ja  ja«
    »Is dei Vata dahoam«
    »Na der is ins Holz aussi Bamm fahrn I muass dahoam bleibn weil ins a
Gaul krank worn is«
    »Der da«
    Sie standen vor dem Schimmel der noch in Decken eingehüllt war
    »Ja Heunt schaugt a sie bessa her geschting hot ma graust«
    »Er werd scho wern Wann moanst denn dass dei Vata hoam kimmt«
    »An Namittag amal kimmt a scho«
    »Saggera dös werd lang No heunt is nia nix mehr vosamt«
    Der Prückl Kaspar biss mit starken Zähnen die Spitze seiner Zigarre ab und
indes er sie ausspuckte fragte er
    »Du pass auf vielleicht koscht ma du an Auskunft gebn wia vui dass d
Urschula kriaget«
    Lenz kam mit einer zögernden und bedächtigen Antwort
    »Gnau woass i s wohl it So um ar a fufzehntausad March umanand«
    »Baar und auf d Hand«
    »I moan scho Von da Muatta her hat s siebntausad und dös ander legt
vielleicht da Vata zua Aba da muasst d scho eahm selm fragn«
    »Dös is gwiss Es is grad dass ma si a wengl auskennt«
    »Ja  ja«
    »Vo da Schneiderin hon i s aa scho beiläufi ghört«
    »Passt s da nacha«
    »Ja Wann sie fufzehtausad auf d Hand kriagt mag i«
    Der Lenz kaute an einem Strohhalm und war nachdenklich
    »Du« fragte er »hoscht du dahoam s Anwesn scho übanomma«
    »No it Wann i an Ehvatrag protakallier kriag i aar an Hof«
    »Wia alt bischt denn«
    »Achtazwanzg wer i«
    »Du hoscht as schö« Der Lenz seufzte wie er das sagte
    »Aar it schöna wia du Bei dir werd s wohl aa nimma lang hergeh«
    »Recht lang werd s nimmer hergeh«
    Der Prückl Kaspar lachte
    »I woass scho es is it gar so leicht bis ma de Altn zu da Ruah bringt i
ho de letztn Jahr her aa gstrittn und gmammst grad gnua«
    »Han Hoscht d aa z toa ghabt«
    Lenz drehte sich lebhaft seinem Gast zu
    »It z weni dös derfst d gwiss glaabn«
    »Aba do is ganga«
    »Sinscht waar i heut it da Freili is s ganga Was wolln denn de Altn
macha Amal müassen s geh«
    »Aba wann halt«
    »Um dös handelt s a si No mir hat dös gholfa dass an Vata a Schlagl
gstroaft hot und d Muatta hot si auf mei Seitn gschlagn«  »Nacha is
freili leicht«
    »Sag dös it Der Alt hot si no eigespreizt als wia und halt gar it
glaabn hat ers wolln bis i eahm anderst kemma bi Auf s Fruhjahr hon i
gsagt heiret i und übanimm oda du stellst da no an Knecht ei I mach dir
koan mehr«
    »A niada gibt it nach auf dös«
    »Was wolln s macha So lang kinnan s do aar it wartn bis mir kitzgraab
san und s Heiretn vasammt hamm«
    »A Muatta is halt da dös best« sagte Lenz und seufzte wieder »De kunnt
drauf drucka«
    »Dös muasst halt jetzt selm toa«
    »Da schaug s schiach aus und vadriasst an Altn«
    »Dös sell gib i zua aba wann s dar a Hochzeiterin woasst nacha kunntn ja
dera ihre Leut a bissel umrührn«
    »Von an fremdn Menschn lasst sie oana it gern was dreiredn«
    »Ja no Du muasst halt wartn recht lang werd s nia nimma dauern und bal
d Urschula aus n Haus is werd dei Vata schnell zeiti wern«
    »Ko sei bal s dir recht is genga ma jetzt zu de Weibsbilda umi«
    Als sie über den Hof kamen stand die Zenzi am Brunnen und pumpte Wasser in
einen Trankkübel Der Kaspar musterte sie mit einem schnellen Blick
    »Was habts denn da für oani« fragte er
    »D Kuahdirn auf Liachtmess marschiert s« sagte Lenz kurz und ein wenig
verächtlich
    »Saggera Hosenzwickl de hätt Haxn«
    »I ho s no it ogschaugt auf dös«
    »Geh hör auf« lachte der Kaspar und drückte ein Auge zu »Dass du so was it
sehgast«
    »I mag s Hausbrot it«
    Es lag in der Antwort des Lenz eine sonderbare Schärfe die sein Gast wohl
bemerkte jedennoch er kümmerte sich nicht viel darum und dachte so obenhin es
werde schon irgendwie einen Grund haben
    Unter der Haustüre warf er verstohlen noch einen Blick auf das saubere
Frauenzimmer das ihm neugierig nachschaute
    Für einen ledigen Burschen wär s kein übler Brocken gewesen so um die
Zeit da er noch beim Leibregiment war
    In der Stube hatte das Basel einen argen Jammer
    »Dös hamm ma dumm daratn Kaschpa Da Vetta kimmt erscht uma drei hoam i
hab da s glei gsagt mi hättn eahm was z wissn macha solln Wos tean mir
jetzt«
    »Jetzt müassn ma scho wartn bis er hoam kimmt no amal umafahrn waar aa
zwida«
    »Ja freili mi vasammt ja sei Zeit und i ko aa net oiwei von dahoam furt«
    »Bleibts halt do« schlug Ursula vor »Mir dischkriern mitanand und na
werd d Zeit scho vageh«
    »I woass scho was i tua« sagte der Kaspar »mir hot da Plank vo Bruckberg
gsagt dass er a Rossgschirr zum vokaffa hätt Da geh i umi dazua is eh grad a
kloane Stund zun geh«
    »Geh weita« bat Ursula »Werst do it glei wieda davo renna«
    »Wos tat i denn do I ko do net fünf Stund herhocka«
    »Schaugst d halt insern Hof o«
    »Den siech i danach aa bis um oans bin i wieda zruck und na werd mi d
Zeit do it gar z lang«
    »Eigatli hot a recht« sagte die Schneiderbäuerin »für was soll a
herwartn wann er dawei a Gschäft omacha ko I und d Urschula mi untahaltn
uns scho und da Lenz werd a so im Stall bleibn müassn na vasammst d nix
Kaschpa wanns d auf Bruckberg gehst aba dass d it z spat kimmst«
    »Um oans bin und zruck Pfüad Good beinand«
    Ursula lief zur Haustüre und rief ihm nach
    »Kimm fei bald zruck Kaschpa«
    »Gilt scho« sagte er gerade hin ohne sich umzudrehen und ging weiter
    »An dem kriagst d amal an richtinga Mo« sagte die Schneiderbäuerin zur
Ursula »werst as sehgn«
    »Bal s gwiss is dass i n kriag«
    »Warum it Bal da Vata a bissel mag werd de Sach heut richtig«
    »Ob er it z viel valangt«
    »Na na was i eahm so beiläufi gsagt hab dös sell is eahm Sach gnua
gwen«  »Moanst do«
    »Freili Lass di no nix bekümmern Urschula Hoscht n denn in da Tomasnacht
it gsehgn«
    »Wia dös«
    »Ös junge Madln wissts ja nix mehr weils koan rechtn Glaabn aa nimma
habts In da Toamsnacht hättest d as leicht dafragt obs d in dem Jahr de
Prücklbäurin werst«
    »Ah dös san so Abaglaubn«
    »Weils no ös alls bessa wissts Aba dös derfst gwiss glaabn bal si oani
in da Tomasnacht ganz nackert auf n Schemmi vors Bett stellt und sagt den
selbinga Spruch nacha siecht s den Burschn der wo s heiret«
    »Glaabst du dös«
    »Und gwiss glaab i s weil s amal wahr is«
    »Wia hoasst na der Spruch«
    »Pass no auf
Betscheml i tritt di
Heiliger Thomas i bitt di
Lass mich sehgen den Herzallerliebsten meinigen
Diese heitige Nacht
    Und nacha kimmt a dem Madl im Traam für«
    »Mir waar liaba i wissat an Spruch dass da Vata rechtsinnig waar gegn
meina«
    »Dös werd a schon sei was will a denn mehra Koa besserne Glegnheit
findt a gar it für di«
    »O mei Basel« sagte Ursula und seufzte recht tief auf
    »Was is jetza dös Lebts ös schlecht mitanand seit d Muatta gstorm is«
    Und war der Ursula beinahe ihr Geheimnis über die Lippen gesprungen bei der
Zollbrechtin weil ihr Herz zum Überlaufen voll war so konnte sie es jetzt
schon gar nicht mehr zurückdrängen in Gegenwart dieser nahen Verwandten die ihr
stets Freundlichkeit bezeigt hatte und ihr jetzt einen Mann zubringen wollte
    Das Wasser schoss ihr in die Augen und sie sagte unter Schluchzen
    »Na Basel mi lebn gar it guat mitanand«
    »Was waar denn jetzt dös Aba i ho ma s oiwei denkt d Muatta hat z fruah
von enk weg müassn«
    Ursula wischte hastig ihre Tränen ab
    »Na Basel sie is it z fruah weg Tröst s da liabe Good aba mi müassn
allsammete froh sei dass s no bei Zeitn gstorm is«
    »Was sagscht ma denn jetzt da«
    »Sie hätt nix schöns mehr dalebt es is gscheita sie liegt an Grab«
    »Geah Was is denn dös«
    Ursula rückte näher zur Base hin dann stand sie auf und schaute auf das
Flötz hinaus ob keine Horcherin in der Nähe sei und setzte sich wieder
    »Woasst mi hamm da a ganz a schlechts Mensch für a Kuahdirn und mit dera
hot si da Vata eilassn«
    »Dös glaab i do it Vielleicht moanscht as grad«
    »Bal i s do selm ghört hab wiar a aus ihra Kamma aussa is und er hat s
aa gar it glaugnt«
    »De Mannsbilda Na Na Je älta dass s wern desto dümmer wern s«
    Die Schneiderbäuerin hatte die Hände zusammengefaltet und schüttelte den
Kopf
    »Wer hätt dös vom Schormoar glaabt und hat so guat ghaust mit deine
Muatta«
    »Ja und an dem Tag wo ma s eigrabn hamm hat a scho ogfangt mit dem
Schlampn«
    »Geah Madl i ko s völlig it glaabn«
    »Wiar i vom Leichntrunk hoam kemma bi is sie bei eahm in da Stubn herin
ghockt und is aufgsprunga und ganz vahofft is s gwen«
    »Am Gräbnistag«
    »Ja Basel«
    »Dös sell is a bissel viel gsagt da möcht mi scho ganz vazagn«
    Die Schneiderbäuerin kam nicht aus ihrer erschrockenen Verwunderung heraus
    »Jessas Marand Josef Wos mi alls dalebn muass Ja wos sagt nacha da
Lenz«
    »Der derf it viel sagn Oamal hot a s probiert und na hot eahm da Vata
glei an Strohsack vor d Tür higschmissn«
    »Sein eigna Kind«
    »Was glaabst denn dass er mi allssammete hoasst Grad oa Viech hi und her
und bal i s Mäu it halt sagt a muass i auf da Stell ausn Haus wia da
schlechtest Deanstbot und koa Grüassgood und Pfüadgood mehr und grad d Türn
schmeisst a zua und koa Freundlichkeit siecht mi de ganz Woch it«
    »Da bedauerts mi scho all zwoa recht«
    »Mi san aa zun bedauern Dass so was fürkemma kunnt hätt jo koa Mensch it
glaabt«
    »I amal gwiss it Jetzt sag ma no grad amal Urschula wo geht denn dös
aussi«
    »Dös kon i dir it sagn da bin i ma it gscheidt gnua Auf Liachtmess hat a
gsagt muass der Schlampn weg aba i glaab gar nix mehr weil a mir erscht
geschting wieda an Krach gmacht hat zwegn dera«
    »O mei o mei Is a ganz in ihra Gwalt«
    »Da hoscht recht Woasst bal amal a paar Täg a Ruah waar na spinnt sie
wieda was zsamm und hetzt n auf und glei ans Fenschta vo seine Schlafkamma
stellt si dös Luada hi und redt vo drausst eina«
    »Aba woasst Madl da muasst du scho koa Schneid gar it hamm dös lasset i mir
it gfalln und de nächst Pfann nahm i her und schlaget ihr an Kopf ausanand«
    »I ho s scho umanandlassn de Loas« sagte Ursula und ihre Augen
blitzten »Geschting hon i s it schlecht hergschlagn«
    »Und da Lenz Warum haut s der it glei ganz aussi bal da Alt amal it dahoam
is«
    »Der traut eahm it Basel Da Vata muass eahm ganz grob kemma sei weil er so
dasig is«
    »No vielleicht is gscheita er schaugt no a weng zua aba bal s auf
Liachtmess it aus n Haus kimmt na soll er amal fescht opacka«
    »Ja nacha kenn i aa nix mehr«
    »Urschula bal i s recht übadenk na is gscheidta du hebscht di jetzt
ganz staad und heiredtst so gschwind als geht an Kaschpa und na bischt du
in dein Haus und kost zuaschaugn«
    »Bal no dös gwiss waar«
    »Lass mi macha i red an Vata guat zua «
    »Aba koan Schnaufa derfst d it toa dass dar i was gsagt hab«
    »Waar s it gscheita i redat frischweg mit eahm und sagt eahm pfeigräd
was mi si denkt üba so was«
    »Na Basel da kunnt s gfeit sei Da Vata waar imstand und tat ma s
Heiratguat kürzn«
    »Dos is scho weit kemma bal mi so was ferchtn muass aba du hoscht recht
es is aa zwegn an Kaschpa bessa bals koan Streit it gibt«
    »Jessas bal er s dafragt moanst d er stand zruck«
    »Zwegn dem it Was kümmert eahm dös was dar Alt in sein Haus tuat aba
bals heunt an Krach gab kunnt er leicht moan dass na mit n Geld it alls in
Ordnung waar«
    »Lass da no grad nix mirka Basel Schaug i ho dir s sagn müassn weil s
mi gar so viel druckt hot aba jetzt derfst d ma dös it otoa dass d an Vata in
d Hitzn bringscht«
    »Dös derf dir da gringst Kumma sei i bring de heiret it ausanand Wos
hoscht n«
    Ursula war aufgesprungen und schaute auf den Hof hinaus
    »Schaug aussi« sagte sie aufgeregt »Do is sie jetzt sie fahrt an Mischt
aussa«
    Die Schneiderbäuerin schaute lange und forschend das starke Weibsbild an
welches mit aufgeschlagenen Röcken auf dem Dunghaufen stand
    »Dös is s« fragte sie mit gedehntem Ton »Wos a no grad an dera findt De
tat jetzt mir gar it gfalln a so a grobs Gstell wia de hot«  »Gel sagst
d as aa«
    »De hot ja do scho nix feins gar it Ja de Mannsbilda Da muass ma si scho
fragn wo de oft d Augn hamm«
    Vor der Essenszeit ging die Schneiderbäuerin mit der Ursula in den Stall um
Kühe und Hennen zu mustern Und das hätte sie zu keiner Zeit unterlassen denn
was eine gute Hauserin ist hält fleißig Umschau in anderer Leute Wirtschaft
weil es dabei was zum Lernen und noch mehr zum Kritisieren gibt Aber hier und
heute hätte es die Schneiderin schon gar nicht übers Herz gebracht von der
Gewohnheit abzulassen weil sie das Weibsbild die Magd in der Nähe sehen
wollte
    In zwei langen Reihen stand das liebe Vieh und schaute gedankenlos auf die
Eintretenden indes es an seinem Futter kaute Es waren Kühe wie andere auch
einfarbig oder gefleckt mit stark oder schwach gebogenen Hörnern und alle
hatten an den Seiten ziemlich viel Schmutz Die eine und andere streckte wohlig
den Buckel auf hob den Schweif und ließ ihr Wasser rinnen von einer andern
platschte es anders zu Boden und die Ketten klirrten und wetzten sich an den
Barren Der unkundige Betrachter wäre vermutlich vorne an den hübschen Tieren
vorbeigewandelt und hätte ihre Köpfe gestreichelt und jeder Kuh in die
treuherzigen Augen geschaut
    Was aber die Schneiderbäuerin war die ging hinten herum und übersann sich
lange bei jedem Stück
    »Mi kemman s so maga für« sagte sei zur Ursula »so eigfalln san s auf
da Seitn Es muass mit n Fuatta it alls richti sei«
    »Dös sag i ja scho lang dass s lüaderli ghaltn san« antwortete die
Haustochter sehr laut
    So laut dass es Zenzi die etwas entfernt davon stand und mit der Mistgabel
die Streu auseinander teilte hören musste
    Sie schnupfte jedoch nur verächtlich auf und stocherte emsig auf einem Fleck
herum
    Kopfschüttelnd schritt die Schneiderin weiter
    »Drecki san s Auf dös solltst wohl schaugn Urschula dass dös it übahand
nimmt guat putzn is halbat gfuattert«
    »Ja da schaug bal mi sellane Deanstbotn hot De wo grad was andersts an
Sinn hamm als wia d Arbet«
    Die Zenzi steckte den Kopf tiefer zwischen die Schultern Eine Antwort wäre
ihr schon eingefallen und schnell auch noch aber dann war der Streit fertig
und sie war mutterseelenallein Und das war leicht zu erraten dass die grobe
Kotzen sie bloß herauskitzeln wollte vor der Fremden
    Was das für eine war und wie sich die aufspielte und überall was
auszusetzen wusste
    Sie räusperte sich und stach die Zinken heftiger ins Stroh
    »A was Reds was mögts i hör s it«
    »De wella is jetzt de Bescht« fragte die Schneiderbäuerin
    »De dritt von vorn eina« antwortete Ursula »mi hamm s vom Schiessl z
Eisenhofa kafft«
    »De braungfleckelte«
    Die Schneiderin ging ein paar Schritte zurück und musterte die Kuh auf ein
neues
    »So dös is enka Beschte Wia viel geit na de Milli«
    »Du hoscht as ghört« schrie Ursula grob zur Zenzi hinunter »Wia viel d
Schiesslin Milli geit«
    »A zwölf Lita« brummte die Magd
    »Zwölf grad« sagte die Schneiderin »Dös is amal gar it viel auf de Bescht
Dös gibt bei mir a mitterne«
    
    »Bei dir werd halt a bessa aufpasst auf s Sach wia ma s kriagt hamm hat
de aa mehra gebn«
    Die Ursula hatte einen schneidigen Ton an sich aber diesmal verblieb die
Zenzi nicht in Stillschweigen
    »De hot no nia mehra gebn« sagte sie kratzig
    »So Muasst du dös wissn Unta dar andern Dirn hamm mi vo da Schiesslin
vierzeh Lita kriagt«
    »Wer s glaabt«
    »Wos Wia redst denn du Derfst du frech sei do herin du  du«
    Die Schneiderin hielt Ursula zurück und winkte ihr mit den Augen
    »Lass guat sei« hieß das
    Und noch ein bedeutsamer Blick sagte der Erzürnten dass es an diesem Tag
keine Aufregung geben dürfe wegen des Alten wegen des Kaspar wegen alles
möglichen
    Ursula verstand die Base und knurrte etwas Unverständliches vor sich hin
und es war ganz gewiss etwas Beleidigendes
    »Übahaupts is dös gar it de Bescht« fing die Zenzi wieder an »de da geit
mehra« Sie stieß mit dem Gabelstiel eine Kuh an die näher bei ihr stand
    Die Schneiderin schaute aber nicht das Tier sondern die Magd prüfend von
der Seite an und drehte sich geringschätzig weg ohne eine Antwort zu geben
    Sie ging die andere Reihe entlang und fand immer wieder einen Grund den
Kopf mit Missbilligung zu schütteln
    »Mi siecht aa dass s Auter it ganz sauba ghaltn is und do bin i hoakli
Bal i dös dahoam mirk jag i oani auf da Stell davo und redn lass i übahaupts
meinen Deanstbotn gar nix I valang d Arbet und firti«
    »Waar no i Herr nacha waar s bei ins grad a so« sagte Ursula
    »Aba du bischt it Herr« dachte sich die Zenzi »Und redts no zua wegn
meina I pass auf dös gar it auf«
    Nach dem Essen setzten sich die zwei einträchtigen Frauenzimmer zu einem
langen Diskurse in die Küche es fehlte nicht an Nudeln und Kaffee und auch
nicht am Gegenstande über den sich vieles sagen ließ
    »Siehgst Urschula jetzt weils d ma du mehra vazählt hoscht moan i es
waar it gar so weit gfeit Dös war a b'suffane Gaudi und es waar gschaidta
gwen du hättest nix dagleicha to«
    »Mi ko do aa s Mäu it haltn bal mi so was spannt «
    »Freili kunnt ma s haltn aba du bischt halt no it alt gnua und kennst di
no z weng aus in da Welt Mi wundert s gar it so viel dass dei Vata de
Dummheit gmacht hot«
    »Du bischt guat troffa Basel Zerscht hoscht aba ganz anderst gredt«
    »I lob s jetzt aa it und koa richtiga Mensch werd da anderst gsinnt sei
Bal so was vorkimmt is ja scho da Respekt bei de Deanstbotn nimma vorhandn«
    »No also«
    »Aba wundern tuat s mi it sag i weil d Mannsbilda allsammete so san bal
s z viel Bier hamm«
    »Von dem dein glaabst d na so was do it«
    »Moanscht«
    »I möcht di it sehgn wann du an sellan Vadacht hättest«
    »An Vadacht hon i koan und i glaab it dass was fürkimmt aba traun tuar i
eahm gar it«
    »Geah«
    »Na gar it Freili unta da Woch und bei da Arbet und so da woass i scho
dass si nix feit aba bal a grad am Sunntag a wengl rauschi hoamkam und stand
eahm so a schlechts Luada hi na waar glei was gschehgn«
    »Da waar mi ja oiwei in da Gfahr«
    »Mi muass halt Obacht gebn Urschula«
    »Na dös sag i glei bal i so was glaabet laffet i auf und davo«
    »Mi lafft it so gschwind«
    »I scho und bal i dös wissat dass da Kaschpa aar auf dera Seitn waar na
möcht i liaba it heiretn«
    »Na muasst d ledi bleibn weil oana is wia dar ander«
    »Du sagscht ma was schöns«
    »Schaug Urschula i will da was vazähln i hon den mein aar amal dawischt
wiar a so schö staad bsuffa bei da Mitterdirn hibei gstanna is und a weng
deutli mit die Händ gredt hot Grad liab waar er gwen«
    »Aba da bischt dreigfahrn«
    »Na dös sell hon i gar it to I ho mi gstellt als wenn i gar nix gsehgn
hätt und hon eahm schö to als wiar an Krankn und hon an in s Bett eini
bracht und da hot a sein Rausch und sei Dummheit ausgschlafa sie san ja gar
it so scharf als wia s tean und de mehra Zeit san s froh bal s eahnan Ruah
hamm«
    »Da müasst inseroans oiwei auf da Pass steh«
    »A bissel Obacht gebn braucht s scho und de Glegnheit auf d Seitn
ramma dös is a Hauptsach«
    »Jetzt muass i dir scho sagn Basel dass mei Freud gringa worn is«
    »Ja grad wegn an schö hamm und wegn da Luschtbarkeit braucht mar it
heiretn mei liabs Madl do werd da no viel untakemma was dar it gfallt s
Kinda kriagn is it luschti und s Kinda wartn aa it aba s muass amal sei
und ledi bleibn is dös alleschlechtast Da woass oans auf oamal nimma wo s
highort und als Bäurin auf seine Sach hocka is it zun varachtn«
    »Aba bals was werd mit n Kaschpa na muass a am an eigna Schwur ablegn
dass er nia an anderne oschaugt«
    »Da wurd a bald meineidi No gar z schiach derfst d as aa it fürstelln
Bei an junga Bauern is de Gfahr it so groß dö selln hamm mehra Stolz und
mehra Eifa zun regiern aba bals amal über n vierzga umi gengan nacha muass
mi guat aufpassn Do kemman s in zwoatn Saft und schlagn no mal aus und
gschleckig waarn s nachar aa und passet eahna so a bissel an Abwechslung
Do kam s eahna glei für als wenn s scho lang gnua bei oane bliebn waarn
und sie san viel dümma Bal sie da oani oschmeichelt glaabn s ihr mehra und
hörn s gern dass s no was taugn«
    »Auf dös pass i amal guat auf«
    »Abar it grob sei und it streitn sinscht bildn s eahna an Stolz ei dass
sie s erscht recht tean Übahaupts mirk da dös de Mannsbilda muass mi oiwei
auf n Glaabn lassn dass alls nach eahnan Kopf geht Mi tean ja do de mehra
Zeit was mi mögn aba zoagn derfen mi dös it und d Nasn derfn mi eahna it
drauf stössn Vo selm sehgn s as it weil s so viel eibilderisch san und
moanan es ko gar it anderst sei als dass sie allssammete regiern De Freud
muass mi eahna lassn und na redn s recht gscheit an Wirtshaus und in da
Gmoa aba staad und hoamli hamm mi s Heft in da Hand«
    Die Schneiderin zwinkerte bedeutsam ihrem Schützling zu und tauchte eine
Nudel in den Kaffee die Ursula aber hielt sich die Hand vors Maul und lachte
voll Verständnis und sah die Zukunft wieder in schöneren Farben
    Indem warf sie aber einen Blick auf die Uhr und rief
    »Jessas jetzt is scho zwoa und da Kaschpa is no it da«
    »Der bleibt it aus und mi hamm ins glei bessa untahaltn weil er it da
war«
    »Genga ma füri na sehgn ma n vielleicht kemma«
    »Vo mir aus« sagte die Schneiderin und sie gingen in die Stube und
schauten vom Fenster aus in den Hof
    Es war wieder Trankzeit in der die Kühe Wasser zu kriegen hatten und darum
stand Zenzi wieder am Brunnen und pumpte mit kräftigen Armen
    »Siehgst d Urschula« sagte die Base »dös leid i net dass sie de
Weibsbilda d Röck gar so hoch aufischlagn«
    »So oane schamt sie ja it«
    »De amal gwiss it Schaug s no grad o Bis zu de Strumpfbandln siecht mar
ihr aufi«
    »Wart i schrei ihr gschwind«
    Ursula wollte das Fenster öffnen aber die Schneiderin hinderte sie daran
    »Lass s guat sei jetzt da kimmt grad da Kaschpa eina«
    Der Prücklbauer schlenkerte gemächlich durch die Einfahrt und wie er die
Zenzi sah schob er den Hut zurück und pfiff lachend durch die Zähne
    Er trat von hinten an sie heran und klopfte ihr mit dem Stecken derb auf die
Waden
    Sie fuhr herum
    »Du hoscht mi aba daschreckt«
    »Bischt du so gschrecki Madl Siechst gar it aus danach«
    »Bals d ma du auf d Haxn haust«
    »I ho grad sehgn wolln ob s it ausgstopft san«
    »Ja freili i wer s ausstopfa«
    »Saggera Hosnzwickel« lachte der Kaspar und schob den Hut verwegen aufs
Ohr
    Aber die Zenzi hatte mit einem schnellen Blick die zwei Frauenzimmer am
Fenster gesehen
    »Geah zua« sagte sie »Lass mi mei Arbet toa i ho koa Zeit it für
Dummheitn«
    Da besann sich der junge Prücklbauer dass er auf fremdem Grund und auf
Freiersfüssen stehe und ging von ihr weg dem Hause zu
    Die Ursula atmete schwer und ihre Augen funkelten
    »Hoscht d as gsehgn Basel«
    »Ja no jetzt sei no staad Mit an Krach derfst d it ofanga bein
Hoamfahrn sag i s eahm na scho dass a si schama soll«
    »So a Schlampn« schnaufte die Ursula und hatte große Mühe ein
freundliches Gesicht aufzusetzen
    Und setzte es aber doch auf wie nur ihr Zukünftiger eintrat
    Der Schormayer war mit seiner Arbeit im Holz fertig und machte sich auf die
Heimfahrt Seine Gäule zottelten Schritt für Schritt durch den Wald schläfrig
und faul aber der Bauer trieb sie nicht an sondern ging tiefsinnig hinter dem
Schlitten her
    Das Geständnis der Zenzi hatte ihn den ganzen Tag nicht losgelassen
    Das ging schon mit dem Teufel zu dass eine allereinzige Dummheit gleich
solche Folgen hatte
    Er sah es deutlich und unschön vor sich wie es nun kommen werde War sie
bei andern Leuten im Dienst hernach brachten ein paar Weibsbilder das Geheimnis
schnell genug heraus und jeder hatte Verdacht auf ihn Hinterdrein kam das Kind
zur Welt und musste vor Gericht einen Vater haben und was sollte das
Frauenzimmer abhalten den zahlungsfähigen Schormayer anzugeben wenn es
obendrein nicht mehr in seinem Dienst war
    Heiligs Kreuzdonnerwetter Wie sie in der Gemeinde zahnen würden wenn sie
s für gewiss hatten dass ein alter Esel aufs Eis gegangen war Stichelreden im
Wirtshaus und Gezänk daheim und Alimenten zahlen als Austrägler
    Der Handgaul fuhr erschrocken in die Höhe weil ihm der Bauer in seiner
stillen Wut eins überzog
    Und die ganze Verwandtschaft rundherum hatte ihre Unterhaltung über ihn
    Gelt das war Zeit dass der Schormayer abdankte wenn er zu seinen Ehhalten
in die Kammer schlich und den Respekt nicht mehr aufrechtalten konnte
    Wie oft sie die Schormayerin im Grabe umdrehen würden damit sie seine
Schlechtigkeit in der ganzen Größe ausmalen könnten Das war eine liebe Zukunft
die sich da zusammenzog
    »Du Krampn du vadächtiga koscht du it aufpassn Fall am ebna Weg zsamm
vor lauta Faulheit«
    Diesmal bekam der stolpernde Sattelgaul einen saftigen Peitschenhieb
    Aber vielleicht war es nur eine Ängstlichkeit von der dummen Person Sie
glaubt es dass sie in der Hoffnung ist sie glaubt es bloß also war es noch
nicht gewiss
    Nix In der Sache kennt sich die Dümmste aus und wird ehender zu wenig als
zu viel sagen Mit dem Trost war es nichts Saggeradi Wenn er der Dumme war
der für einen andern zahlen sollte Aber nie war ein Sterbenswörtel davon laut
geworden dass es die Zenzi mit einem Burschen in Kollbach hatte und nicht
einmal die Ursula hatte in der größten Wut eine Andeutung gemacht und der wär
s doch gewiss nicht ausgekommen
    Es bleibt schon an dir hängen Schormayer und das Netz hat kein Loch Da
war guter Rat teuer
    Das nächste musste sein einmal ausführlich mit der Zenzi zu reden und sie
fragen wie sie s selber im Sinn hatte mit der Sache da mit der Angabe von der
Vaterschaft und auch wohin sie in Dienst gehen wolle
    Ja das war das nächste
    Vielleicht ließ sich das Mensch überreden weit fort zu gehen und für ein
paar hundert Mark sich einzulassen dass es überhaupt keinen Vater nannte
    Das gab es doch auch dass eine dem Gericht nichts sagte und bei der ersten
Fuhr nach Dachau wollte er einen Advokaten fragen So als wenn es sich um einen
andern handeln würde
    Also das war jetzt einmal zu tun und hernach konnte man sehen wie das Rad
weiter lief
    Er war schon nahe am Dorfe und der Moosrainer Simon ein Kleingütler kam
ihm mit seinem Ochsenschlitten entgegen
    »Grüß di Good Schormoar«
    »s Good« brummte der Bauer
    »Fahrst d oiwei no Bamm für n Maier z Dachau«
    »Ja«
    »Heunt hoscht an Bsuach kriagt gel«
    »I«
    »Freili an Vormittag scho«
    »Da woass i nix i bin an Holz draussd gwen«
    »D Leut sagn es waar gwiss a Hochzeita für dei Urschula«
    »De wissn na mehra wiar i«
    »Mi moant halt wei s gar so a nobles Zeugl ghabt hamm«
    »Vo mir aus«
    »Di bekümmert dös gar it viel han«
    »I wer s scho sehgn bal i hoam kimm«
    »No ja freili Du bringscht dei Tochta leicht a Pfüat di«
    »Adjes«
    Es bekümmerte den Schormayer wirklich nicht viel ob die Ursula ein halbes
Jahr früher oder später aus dem Haus kam er hatte andere Sorgen Er ging
deswegen um keinen Schritt schneller und wie er daheim angelangt war spannte
er ohne Übereilung die Gäule aus
    Der Lenz half ihm dabei und sagte
    »Vata s Basel vo Arnbach is scho seit ar a fünf Stund do«
    »So«
    »Und da Prückl vo Hirtlbach is bei ihr«
    »So Was macht denn da Schimmi«
    »I moan es gang eahm bessa«
    »Is da Dokta it da gwen«
    »Jo Er sagt er kimmt scho durchi«
    »I wer n amal oschaugn«
    Der Schormayer ging zu dem kranken Gaul und fühlte ihn an
    »Mir kimmt für dass a nimmt so hart waar«
    »Es is guat gwen dass ma n glei warm eigebn hamm sagt da Dokta«
    »Pass no weita guat auf Du bleibscht morgn no dahoam und i fahr wieda n s
Holz aussi«
    Er ging gemächlich dem Hause zu unterwegs blieb er stehen und schaute zum
Kuhstall hinüber
    »I wer s morgn in s Holz aussi kemma lassn da hamm ma na nacha Zeit
zun Dischkriern« brummte er vor sich hin und dann stampfte er vor der Türe
den Schnee von den Schuhen
    Im Flötz kam ihm Ursula entgegen
    »Vata es waar a B'suach da«
    »Is scho recht«
    »Soll i dar an Kaffee in d Stubn eini bringa du werst was Warms mögn«
    »Du bischt ja heunt ganz ausnahmsweis freundli«
    Es konnte ihm schon auffallen dass er nach langer Zeit wieder ein lachendes
Gesicht daheim sah
    »I ho dar oan aufghobn« sagte Ursula zuckersüss
    »Bring an no eina«
    Wie der Schormayer in die Stube eintrat stand die Schneiderin von der
Ofenbank auf und der Prückl Kaspar räkelte sich langsam in die Höhe
    »Du werscht it schlecht schaugn dass du ins da auftriffst« sagte die
Schneiderin
    »Mi is ganz recht dass d amal kemma bischt«
    »I ho oan bei mir an Prückl Kaschpa vo Hirtlbach«
    Der Schormayer nickte dem fremden Menschen zu
    »So Du bischt da jung Prückl An Vata kenn i wohl«
    »Er hot ma s gsagt«
    »A Gschäft hätt a mit dir« fiel die Schneiderin ein
    »Was für oans«
    Der Kaspar räusperte sich und fuhr sich mit der Hand über den Kopf
    »I« sagte er »soll an Fruhjahr an Hof übanehma und durch dös sollt i
heiretn indem dass de Altn aa nimma weita macha wolln und weil na do a
Bäurin in s Haus muass und durch dös hon a ma denkt obs d ma du it dei
Urschula gebn kunntst«
    »So«
    Der Schormayer holte sein rotes Sacktuch hervor und schneuzte sich erst
einmal
    »Mhm« sagte er »I sag it na und üba de Sach lasst si redn Hock di no
hi«
    Der Kaspar ließ sich auf die Ofenbank nieder und der Bauer setzte sich an
den Tisch
    »So so Mei Urschula mögst du heiretn Wia viel moanst d dass s nacha
kriagn sollt«
    Kaspar sah zur Schneiderbäuerin hinüber und sie nahm für ihn das Wort
    »A tausend a fufzehni hon i eahm ghoassn«
    »Fufzehni«
    Der Schormayer schaute nachdenklich auf den Boden
    »Bals mehra san macht s aa nix« sagte der Kaspar fröhlich
    »Mehra wern s kaam mei Liaba Aba auf fufzehni kunnt s nausgeh«
    »Do waar er scho zfriedn« fiel die Schneiderin ein
    »Dös hoasst bal sie s baar kriaget« sagte Kaspar
    »Baar oiwei de Hypatekngschicht mag i selm it und s Geld liegt auf
Nach da Hozet wurd s auszahlt«
    Die Schneiderin stieß ihren Schützling mit dem Ellenbogen an
    »No also Nacha seids ja scho handeloans brauchts grad eischlagn«
    Aber der Kaspar räusperte sich doch noch einmal
    »Wia is na dös Tat sie na was irbn aa no«
    Ursula hörte die Frage denn sie brachte gerade den Kaffee herein und
nachdem sie ihn auf den Tisch gestellt hatte blieb sie erwartungsvoll stehen
    Der Schormayer rührte den Zucker um und überlegte sich die Antwort
    »Irbn« fragte er »Ko sei aba hoassn tuar i nix gwiss und bal nix
dazwischn kimmt bis i stirb kriagt s scho no a Brocka«
    Ursula hatte wirklich ihren freundlichsten Tag und mit der mildesten Stimme
sagte sie
    »Was soll si denn do dazwischn kemma Vata Do kimmt si do nia nix
dazwischn«
    »Dös woass mi it«
    »Aba Vata woasst do dass mi di in Ehrn hamm und übahaupts brauchst d koa
Kumma üba dös gar it hamm«
    »I ho scho koan und bal alls mit Rechtn geht werst d scho was kriagn
Aba dös is mei guata Willn was i hint lass und vasprecha tuar i nix«
    Die Schneiderbäuerin wollte noch hilfreich sein
    »s Heiretn hoscht d do nimmar an Sinn«
    »Heunt net Aba woass i was morgn is«
    »Geah zua Du werst üba Nacht it anderst gsinnt wern«
    »I glaab s selm it aba dös is schö gnua wann i fufzehtausad baar
auszahl und auf nix anders lass i mi net ei«
    Kaspar hörte es am Ton dass weiterreden keinen Wert hatte
    Er patschte aufs Knie und sagte frischweg mit lauter Stimme
    »Alsdann is mi a so aa recht und dös ander werd scho amal kemma wia s
Recht und Gsetz is«
    Er hielt dem Schormayer die Hand hin und dieser schlug ein
    »Du hoscht as ghört dass er di heiretn möcht vo mir aus liegt nix an
Weg« sagte er zur Ursula
    Sie strich die Schürze hinunter und hielt den Kopf gesenkt
    »Ja no « Sie stockte und schaute den Zukünftigen von unten herauf an 
»Mi is na aa gleich«
    »Gilt scho« sagte Kaspar und gab auch ihr die Hand darauf
    »I mach mei Gratalation und ös zwoa werds it schlecht mitanand hausn und
ös hockts enk aar in a schöns Sach Du kennst an Hof Schormoar« fragte die
Schneiderin
    »I kenn an scho Wia werd denn da Austrag für de Altn Kaschpa«
    »Sie haltn si scho a Geld zruck und nehma si it z weni aus Abar i tua
mar it hart«
    »Dös is na enka Sach Und wos i sagn will mit n Aufgebot und mit n Ladn
und mit dera ganzn Gschicht kon i mi net befassn dös müassts selm macha«
    »I hilf scho und übahaupts gehn i da Urschula an d Hand weil d Muatta
nimma do is«
    »I dank da schö Basel«
    »Dös tuar i gern und wann moants dass d Hozet sei kunnt«
    »Oiwei no vor die Faschtn« schlug Kaspar vor
    »Dös waar in a vier Wocha I moan dös liass si richtn Schormoar«
    »Richts as no Herwartn hot aa koan Sinn«
    »Kimmst d vielleicht morgn auf Arnbach umi Urschula«
    »Bals an Vata recht is«
    »Mi is gleich I bin a so in Holz draussd«
    »Also no gehn i morgn zu dir Basel«
    »Dös is des Gscheidtest da macha mi allssammete aus und was beim Pfarra
und an Bezirksamt sei muass dös sell trifft an Kaschpa und mit n Hozetlada
kinna mir redn und «
    »Jetzt is aba Zeit dass ma gengan« drängte Kaspar »mi hockan scho den
ganzn Tag her«
    »Spann no ei i bin glei gricht« sagte die Schneiderin
    Der junge Prücklbauer nahm seinen Hut von der Ofenbank und ging hinaus
    Im Stall fand er den Lenz auf ein paar Strohbündeln liegend im festen
Schlaf
    »Hö Lenz«
    Der fuhr auf und rieb sich die Augen
    »Wos is«
    »Eispanna hilf ma i fahr«
    Lenz gähnte
    »So du fahrst scho weg Was is nacha worn«
    »Mi san richti«
    »Is a so gwen wiar i gsagt hab Fufzehntausad«
    »Ja No mi wern na scho z toa kemma und d Urschula is ja a guate
Hauserin«
    »Do feit dir nix Wiah Gehts aussa« Er koppelte einen Gaul ab den andern
nahm Kaspar Als sie eingespannt hatten zündeten sie die Laternen an denn es
wollte schon dunkel werden
    Die Pferde scharrten ungeduldig mit den Hufen und es dauerte eine Weile
bis die Schneiderin noch dies und das gesagt hatte
    Endlich stieg sie ein Der Kaspar setzte sich neben sie und grüßte ein
letztes Mal seine Hochzeiterin die mit verschränkten Armen unter der Türe
stand
    »Adjäs beinand Hü«
    Die Gäule zogen scharf an und klingelnd ging es zum Tor hinaus
    »Pfüad di Good Kaschpa« klang die Stimme der Ursula nach
    Schier fein und lieblich
 
                                 Elftes Kapitel
Mit rot gefrorenem Gesicht kam die Zenzi ins Möselholz wohin sie der Bauer
bestellt hatte damit sie Daxen zusammenklauben sollte Aber sie dachte sich
gleich dass noch ein anderer Grund dabei sein werde Ein Holzknecht zeigte ihr
wo sie den Schormayer antreffen könnte und als sie ihn sah ging sie zögernd
und von allerlei Bedenken beschwert auf ihn zu
    »Wo soll i na Daxn zsammklaabn« fragte sie schüchtern
    »Dös pressiert it I ho mit dir was zredn«
    »Wos nacha«
    »Dös werst d glei hörn«
    Der Schormayer machte erst die Zugstränge von den Wagscheiteln los damit
die Gäule nicht anziehen konnten dann schaute er die Person die ihre Hände
schützend unter ihr Tuch versteckt hatte scharf an
    »Du hoscht ma vorgeschtan was gsagt Wos soll denn dös sei«
    »Ja no«
    »Dass du in da Hoffnung waarst«
    »Jja«
    »Wia kam denn dös«
    »Woasst as ja so«
    Die Zenzi gab ihre Antworten in weinerlichem Ton denn die Fragen des Bauern
kamen grob und misstrauisch daher und von Mitleid war nichts darin zu spüren
    »Woasst as ja so«
    »Nix woass i Und dass vo dem oamal vo dera Dummheit so was kam dös sell
glaab i dir no lang it I bin ja volla Rausch gwen«
    »Gar so bsuffa werst d it gwen sei«
    »Da hon i Zeugn dafür mei Liabi de müassn dös aufweisn dass i durchaus
rauschi gwen bi«
    »Wos ko denn i dafür dass du kemma bischt I ho da s ja gsagt du sollst
dös it toa und ho no mei Tür vor deina zuagspirrt und hoscht ma s schier
eitretn mit de Stiefeln«
    »So gstellt si a jede dös kennt mi guat«
    »I ho mi durchaus gar it gstellt Mi is selm it recht gwen«
    »Ja mei Liabi Net recht gwen Weil dös it a jede daher bringt Und bals
d as it an Sinn ghabt hättest nacha hättest ja d Tür zualassn kinna I bi
halt in Rausch a weng higfalln«
    Zenzi verzog ihr Gesicht schmerzlich und fing zu weinen an
    »I ho ma s scho glei denkt dass d di weglaugna willst weil i jetzt an
Elend do hock und weil i mir selm nimma zhelfa woass«
    »Plärr it a so Dös sell hot jetzt gar koan Wert«
    »Da sollst d it woana bals du a so daher kummst und sagst i war schuld«
    »Dös sag i pfeigräd Zwegn was bischt denn du daher kemma im Hemmad Hot
dir dös wer ghoassn«
    »I hon a Untarock aar ogehabt«
    »Ja Aba obnauf hoscht di sehgn lassn und hoscht d as mit Fleiß recht
herzoagt Und bal mi bsuffa is na is schnell was gschehgn«
    »Is vielleicht it a so« fragte er barsch weil Zenzi schwieg und vor sich
bin schluchzte
    »I sag gar nix mehr wei i dös scho siech dass di du weglaugna willscht«
    »Ja no Moanst i zahl für an andern«
    Zenzi hob den Kopf rasch in die Höhe
    »Wos für an andern«
    »Werst scho anort mit oan z toa ghabt hamm Was woass i«
    »Bals d as it woasst muasst d as aar it sagn«
    »Weil i s net glaab dass i mit mein Rausch do auf s erstmal scho da Vata
sei müasst«
    »Dös werd si wohl aufweisn weil mi d Zeit aa woass«
    »Vo dem is nix bekannt dass mi s auf oan Tag sagn ko«
    »Bring ma halt oan her der wo dös mit Rechtn behauptn ko dass i mit eahm
beinand gwen bi«
    »Zenzi valass di it z viel auf dös So was kimmt gern auf«
    »Bei mir kimmt gar nix auf weil nix aufkemma ko«
    »Net moanst d«
    »Na durchaus gar it und da kon i a niadn Eid schwiarn«
    »Aba meini Zeugn kinnan aa schwiarn dass i durchaus bsuffa gwen bi«
    »Dös werd na s Gricht scho ausmacha und jetzt gehn i und i ho ma s
glei denkt dass s a so kimmt «
    Zenzi wandte sich langsam um und ging erst zögernd und dann schneller den
Waldweg hinunter
    Sie war nicht weit gekommen als der Schormayer laut pfiff und sie beim
Namen rief
    Da blieb sie stehen und schaute rückwärts
    »Wos willscht no«
    »Geh nomal her«
    »Zwegn wos denn«
    »Geh no her I sag da s scho«
    Seine Stimme klang ruhiger und sie kam gehorsam zurück Er hatte den Fuß
auf einen Baumstamm gestellt und schaute in Gedanken verloren zu Boden
    Schüchtern fragte sie wieder
    »Was willscht d ma denn no sagn«
    Der Schormayer redete nun beinahe sanft und mit Güte
    »Siehgst i will koan Prozess gwiss it und i moan wir kinnan da aar in
Guatn ausanand kemma Aba dös derfst d mar it übl nahm dass mi dös vadriasst
wann i zwegn dera oan Dummheit ganz und gar an Vata macha müasst«
    Zenzi gab keine Antwort
    Er stimmte seinen Ton noch um eins milder
    »Schaug für di is dös aa koa Vorteil bals du grad an altn Menschn
hernimmscht und no dazua dein Bauern weil dir dös d Leut ganz schlecht
auslegn Bals du aba an junga Burschn aufweist na is dös für di vui bessa
wei di der villeicht aa heiret und wei dös übahaupts schöna ausschaugt
Hoscht d denn gar koan«
    »Na Baua Gwiss it Bal i da s amal sag«
    »Du bstehst ma s halt net ei Aba du moasst it moan dass i di zu dein
Schadn frag und dass i nacha bein Gricht den selbinga ogab Dös is durchaus
net da Fall Dös sell koscht da leicht eibildn dass i mi it für s Gricht
histell und üba d Vataschaft streit wiar Deanstknecht I moan da s guat und
is ja besser aa wann mir zwoa zsammhelfan dass si de Gschicht no guat
ausgeht Du derfst ma s gwiss sagn was für an Burschn dass d ghabt hoscht«
    Zenzi schaute ihren Herrn ehrlich an und gab aufrichtig Antwort
    »Siehgst i tat da s gern sagn bal i oan ghabt hätt Aba es hot si it
auftroffa «
    »Geah zua so a saubers Madl wia du werd na lebn wiar an alta
Betschwesta«
    »Mi sagt it vo dem und dös laugn i aa gar it dass i früherszeitn mit an
Burschn was z toa ghabt ho aba dös is scho a guate Zeit her und in Kollbach
übahaupts it «
    »Wia lang is na dös her«
    »Ja weit über s halbi Johr und der lasset si s wohl net gfalln bal i
eahm ogebn tat«
    »Bsinn di no a wengl vielleicht is s do it so lang her«
    »Bal i da s sag Baua dass s a so is I bin untan Johr bei dir
eigstanna in der Arndt und seit dera Zeit woass i von koan Mannsbild nix
mehr«
    »Du moanst vielleicht i möcht mi von Zahln drucka Zenzi Dös is aba it
wohr I zahl scho und i tat glei an schön Betrag auf oamal hergebn und na
kunntst d mit dem Geld heiretn aa «
    »Dös waar mir freili dös liaba«
    »I sag da s aufrichti i hoass dar an gwissn Betrag und du gibst den
richtinga Vata o und sagst eahm dass du a bissel a Vermögn aa hoscht und bal
er gscheit is na heiret a liaba als dass er si bucklat zahlt«
    »Aba Baua es is koana do«
    »Herrgottsaggerament jetzt fangst d ma wiedar a so o«
    »I muass sagn wia s is Was hoscht n du davo bal i di olüag«
    »Du lüagst mi scho o«
    »Auf Ehr und Seligkeit it Auf da Stell sollt i tot umfalln bals it wahr
is«
    »A«
    »Siehgst d Baua i waar ja selm froh wann i an ledinga Burschn aufweisn
kunnt Wei de ganz Sach anderst waar und bal er mi aa net heiretn tat auf
dös gang s it zsamm aba s Gredt waar it so viel und da Vadruss a it «
    Der Schormayer schaute nachdenklich vor sich hin er kratzte mit dem Fuß den
Schnee zusammen und wieder auseinander Es war still um sie herum
    Ein Nusshäher der in ihrer Nähe aufbaumen wollte flog erschrocken und
schimpfend weg
    Von weiter klang eine Säge und dazwischen auch der Ruf eines Holzknechts
    Da fragte der Bauer vor sich hin ganz leise als wenn er mit sich selber
redete
    »Wia denkst dir nacha du dass dös werd«
    »I woass wohl it«
    »Hoscht du scho an Platz auf Liamess«
    »Beim Untaburger kunnt i eisteh«
    »Wos Bei ins in Kollbach In da näschtn Nachbaschafft«
    
    »Er hat mir sagn lassn dass i zu eahm kemma sollt«
    »Und du hoscht di scho vadingt«
    »Na I ho de Botschaft erscht gesting kriagt«
    Der Schormayer redete wieder laut und befehlshaberisch
    »Aus dem werd nix Dös sag i da glei«
    »Was will i macha I muass do an Deanst hamm«
    »Ja muasst d hamm In an etla Monat woass dös ganz Dorf wia s bei dir
steht Dös sell geht it«
    Die Zenzi schaute ihren strengen Herrn ganz und gar hilflos an Aber der
fuhr eifrig fort
    »Und wia lang koscht d denn dei Arbet richti macha Mittn an Summa muasst
d weggeh Na dös passt mi gar it«
    »Lebn muass mi na do und si was vodean«
    »Abar it bei ins in Dorf Du bischt vo Wolnzach umanand dahoam gel«
    »Jja«
    »Warum gehscht na it dort hi Du werscht dort aar an Platz findn«
    »Bal i neamd mehr kenn und meine Leut lebn nimma Da bin i ganz fremd
und aufs Gratwohl hilaffa kon i do it«
    Der Schormayer dachte nach und da fiel ihm sein Freund Tretter ein Der war
für so eine Sache zu brauchen
    
    »Vielleicht kunnt da i an Platz zuabringa« sagte er
    »Wo nacha«
    »Dös woass i jetzt an Augnblick aa it aba i bi mit an Handler bekannt der
wo weit umadum kimmt und dem selln reib i a bissel was ei dass a für di an
Deanst ausfindi macht Ja dös tua i«
    »Werd na do scho a richtiga Platz sei« fragte die Zenzi kleinlaut
    »Warum it Anderst wo is aa net schlechta wiar in Kollbach«
    »Aba bis er oan findt«
    »Bis ar oan findt bleibscht bei mir Jetzt geht s auf a paar Wocha nimma
zsamm und vielleicht kimmt ins scho bis Liamess was passets unta Is da recht
a so«
    »Mi muass s scho recht sei«
    »Na redn ma nix mehr drüba Und was i no sagn will i befrag mi bei an
Advikatn z Dachau ob dös it glei gscheita waar bals du koan Vatern
überhaupts gar it ogibscht«
    »Na Dös sell möcht i net«
    »Zwegn wos net«
    »A niads Kind muass do an Vatern hamm«
    »Wo steht dös gschriebn Dös glaab i liass si ganz guat macha«
    »Na Wia schaugst denn dös aus bal dös Kind vo gar neamand waar«
    »Auf dös geht s wohl net zsamm wann s amal a ledigs is«
    »Na auf dös sell lass i mi it ei «
    »Spreiz di no it gar a so Bal da Advikat sagt dass so was nach n Gsetz
geht zwegn wos solln denn mir nacha so a Blamaschi hermacha«
    »An Vatern muass a niads Kind hamm und dös waar ja grad als wenn s vo da
Strassn aufklaubt waar«
    »Mein Nama ko s nia kriagn«
    »Aba dös wurd geschriebn vo wem dass er is und bal a grössa wurd na
wisst a do wern hergsetzt hot «
    »Du redst grad als wanns d an Buam scho do hättest«
    »Bals a Madl werd is aa it anderst«
    »Pass auf Zenzi Und tua no it glei obn aussi fahrn I woass ja heunt aa net
mehra wia du Aba bal da Advikat ins den Rat gab gsetzt den Fall dass er n
gab na is do gscheidta mir tean wos er sagt indem dass a s do bessa
vasteht Es is ja grad zwenga dem«
    Zenzi gab keine Antwort Zwischen den Augenbrauen saß ihr eine Falte und in
ihrem Schweigen lag ein trotziger Widerstand
    »Red amal a Wort« mahnte der Schormayer gutmütig
    
    »Da wissat mar amal gar nix vo eahm bal nix gschriebn werd und d Leut
kunntn moana woass Gott wos das fürkemma is «
    »Dös is a Gredt dös koa Hoamat it hot Du muasst do vui gscheidta sei Mi
kunntn mit anand an Handl macha Bal dar i an achthundert a tausad March
gab nacha hättest du an aufliegets Geld und waar it schlecht spekaliert indem
dass ja dös Kind sterbn ko«
    »Abar a niads muass an Vatern hamm«
    »Geah zua Mi redn heunt nix mehr üba dös und übalegst da de Sach amal
richti na kimmst scho auf n Vastand dass i s grad guat moan Und bal di oana
heiret der sell kunnt ja dös Kind onehma Waar dös it des allabescht«
    »Aba «
    »Na jetzt gehst hoam und lass da nix okenna und bal da Untaburga no mal
was sagt nacha lasst d eahm wissn dass du it mogst oda sagst glei du
bleibscht bei mir in Deanst«
    »Dass i bei dir bleib«
    »Ja No hoscht dein Ruah Und jetzt pfüad di«
    »Pfüa Good«
    »So a Weibsbild is scho wirkli was Dumms« sagte der Schormayer zu sich
selber und schaute der Zenzi nach »Auf dös kimmt oana gar it vo selm wos dena
alls eifallt s Kind muass an Vatern hamm sagt s und ganz wehleidi tuat s
als wann dös wos davo hätt bal s mi ins Protakoll eini schreibn Na Es is
wirkli a so sie san abscheuli dumm Wiah Steh um Bräundl Öh «  Aber gar
so einfältig waren die Gedanken der Magd nicht als sie durch den stillen Wald
ging und über lauter Sinnieren ihre Schritte langsamer werden ließ
    Die letzte Meinung des Bauern hatte sich fest bei ihr eingehakt
    Geld haben und einen heiraten das wäre freilich das Beste und Schönste Und
als richtiges Frauenzimmer wusste sie alsobald wer derselbige sein könnte Eine
Viertelstunde außerhalb Kollbach stand in einer Waldecke das kleine Haus in dem
tausend bare Mark eine gute Hilfe gewesen wären Und es gehörte der alten
Holzweberin die zwei Kühe hatte und einen Sohn Über den Winter verdingte er
sich als Holzknecht und im Sommer taglöhnerte er wenn daheim die Arbeit getan
war die nicht viel hieß bei den etlichen Tagwerken Acker und Wiesen In der
letzten Ernte hatte er beim Schormayer ausgeholfen und sie waren oft beisammen
gesessen in der Mittagzeit auf einem Feldrain oder im Schatten einer
Haselnussstaude Er war ein lustiger Mensch der keck zu reden wusste mit jedem
Mädel und auch der Zenzi hatte er diesmal was gesagt das ihr jetzt einfiel
    Vorhin auf ihrem Weg zum Bauern hatte sie ihn von weitem gesehen und er
hatte die Axt niedergestellt und herüber geschaut Wenn es der für gewiss hätte
dass sie tausend Mark kriegen könnte ließe er vielleicht mit sich reden Sie
blieb stehen seitab von ihr rief jemand in langgezogenem Ton und dann fiel
krachend ein Baum zu Boden
    Wie sie hinschaute sah sie etliche Leute an der Waldlichte stehen einer
wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirne und ein anderer trank
lange und herzhaft aus einer Bierflasche
    Das war der Holzweber Simmerl
    Die Zenzi erkannte ihn gleich mit scharfen Augen und schier von selber
tappte sie vom Weg ab in den Schnee und ging auf die Holzknechte zu
    »Guat Morgn beinand« sagte sie und lachte den Simmerl freundlich an »Is
insa Hansgirgl it bei enk«
    Der Simmerl wischte sich den Schnurrbart ab
    »Na Is er enk valorn ganga Der kimmt scho wieda bal n hungert«
    »Geah weita«
    »Lang gnua is er do beim Schormoar dass a wieda hoam findt«
    »Du bischt oana«
    »Hoscht an Strick bei dir dass d n glei ohängscht bal a dir untakimmt«
    »I ho ma grad denkt ob er it do is wei i eahm wos sagn möcht«
    »Du muasst vui Zeit hamm bals du zun Dischkriern do aussa gehscht«
    »I bi ja beim Bauan hintn gwen«
    »I woass scho mi hamm di scho gsehgn«
    Der Simmerl drückte ein Auge zu und lachte
    Und da sagte die Zenzi eifrig
    »Du muasst dir nix denka dabei«
    »Mit n denka hob s i übahaupts it«
    »Ja no weils d a so lachst I ho grad Daxn zsammklaabn müassn«
    »So Daxn Dö hoscht aba gschwindi beinand ghabt Und buckt hoscht di aa
it viel wos ma gsehgn hot«
    Er blinzelte lustig zu seinen Kameraden hinüber
    »Geah zua du lachst oiwei« sagte Zenzi schmollend »I woass it wos du zun
lacha hoscht«
    »I wer halt mein luschtinga Tag hamm«
    »Du bischt wohl it oft trauri han«
    »Net leicht so lang i mir no a Maß Bier kaffa ko«
    »Dass ma di gar nia siecht«
    Zenzi schaute bei der Frage den Simmerl ganz freundlich an
    Er nahm wieder einen Schluck aus der Bierflasche und sagte
    »Muasst halt öfta zun Daxn klaabn kemma na siechst mi scho«
    »Du tatst mi jetzt grad dablecka«
    »I Ja was moanscht denn I dableck koa Madl gwiss it«
    »Du net«
    »Na D Madln san für was anders do«
    »Ah du Jetzt red amal gscheidt kimmscht d gar it amal zun Hoamgartn«
    Zenzi fragte leise dass es der andere nicht hören konnte aber Simmerl
dämpfte seine Stimme nicht
    »Mögst d ma was vazähln«
    »Vielleicht woass i was«
    »Wos nacha«  »A so halt«
    Da lachte der Bursche wieder kreuzvergnügt
    »I wer amal schaugn« sagte er »bal i an Weg find kimm i vielleicht«
    »Du findst n scho«
    »It allmal Bei da Nacht is gar finschta«
    »Gehscht halt beim Moschei«
    »Dös is wohr Heunt schaug i amal glei an Kalenda nach«
    »Vielleicht gfreut s di wos i dir sag«
    »Warum it Mir gfreut so wos schnell«
    »Nacha pfüat di Simmerl«
    »Adjes Zenzi Und kimm vielleicht wieda ins Daxn klaabn«
    »N  du«
    Sie stapfte durch den Schnee zurück und am Weg schaute sie noch einmal
freundlich lachend herüber Aber sie konnte nicht sehen was für ein Gesicht der
Simmerl machte denn er stand zurückgebogen da und trank den Rest aus der
Flasche
    Und sie war außer Hörweite wie der andere Holzknecht sagte
    »Mit dera kunntst d bal glückli wern«
    »Moanscht«
    »De hot si ja d Augn aussakegelt vo lauta Gernmögn«
    »Vo mir aus«
    »Du tuast it feini um«
    »Na«
    »I möcht grad wissn was de bein Schormoar hint to hot«
    »Hoscht as ja ghört Daxn hot s klaabt«
    Da lachten alle zwei und der Simmerl nahm seine Axt und ging daran den
Baum zu putzen Nach ein paar Hieben fiel ihm ein alter Vers ein
»He ös meine Menscher
Enk darf s net vadriassn
De Manner zahln sauren Wein
D Junggselln an süassn«
 
                                Zwölftes Kapitel
Der Lichtmesstag hatte sich wie es die Bauernregel lobt mit Schnee und Wind
eingestellt und aus der Kirche worin heute das heilige Wachs geweiht worden
war ging die ehrengeachtete Brautperson Ursula Glas nach Hause In Händen trug
sie einen roten Wachsstock der nach altem Brauche dieser baldigen Ehefrau zukam
und ihr als hoffentlicher Wöchnerin gute Dienste leisten konnte Denn um Hand
und Fuß gewunden wehrte er bösen Zauber von Mutter und Kind ab
    In der Stube saß die Näherin die mit flinker Nadel und klappernder Schere
hantierte und an der Ausstattung arbeitete Da gab es Allerwichtigstes zu reden
und Ursula war schier unwillig als ihr der Lenz zur Tür hineinrief dass sie nur
gleich in die Küche kommen solle
    Er machte zornige Augen und seine Stimme klang gepresst
    »Woasst d as scho D Zenzi is dobliebn«
    »Mi is gesting scho auffallend gwen dass sie si net zun geh richt«
    »Du hoscht as ghört dass a gsagt hot sie muass auf Liachtmess aus n Haus«
    »Freili hot o s gsagt«
    »Also du bischt mei Zeugn I wart jetzt grad auf Mittag und bal s do it
weg is nacha frag i n schnurgrad I will sehgn wos a sagt«
    »Du Lenz lass s guat sei«
    »Wos Kamst du jetzt aa mitn guat sei lassn I zoag s enk all mitanand
dass i net grad da Hanswurscht im Haus bi«
    »Schrei do it a so Hört s ja d Naterin«
    »Dös is mir ganz wurscht Moanst d Leut redn it an ganzn Dorf Und
lachan ins aus den altn Deppn und di und mi erscht recht Is ja wohr aa is
denn dös no a Hauswesn«
    »Aba schaug jetzt mach do koa Gschicht it her de paar Wocha wo i no
dahoam bi«
    »Wos geht denn dös mi o Du redtst da leicht Bal no du in Hirtlbach
hockst na derf do da grösst Saustall sei moanst Du siechst und hörscht nix
davo«
    »Es helft dir ja do nix«
    »Dös wern ma sehgn ob i da gar neamd bi und ob ma bei ins auf koa
Ehrbarkeit übahaupts nimma aufpassn muass Woasst denn du wo dös no higeht«
    »Er werd eahm nacha do selm schama«
    »Der schamt si brav ja Jetzt redtst a so und zerscht hättest da liaba s
Mäu zrissn und hoscht mi grad oiwei ghetzt«
    »Wo hon i di ghetzt I ho da bloß gsagt «
    »Du hoscht bloß gsagt dass der Alt aufischliaft und dass er in Händn vo
dem Himmiherrgottssaggeramentsschlampn is und dass mi gar nix mehr san und dass
vielleicht no amal alssammete hi werd und «
    »Lenz du muasst it a so plärrn Lass da no sagn «
    »Nix lass i mar sagn Du gangst und de bleibat und i waar da Lapp auf und
auf und bal s den Lattürl den damischn ganz rumkriagt werd s vielleicht
no Bäurin«
    »Geah So muasst jetzt aa it redn Dös glaabst je selm it«
    »Wos is da vui zun glaabn Hot ma dös no nia ghört dass so an Alta dappig
worn is und auf gar nix mehr aufpasst«
    »Scho Aba «
    »Aba dir is wurscht gel Du hoscht dei Geld brav eigsteckt und bischt
drei Stund weg vo dera Gaudi Abar i müasst s vor Augn hamm und müasst mi
schindn und plogn und zletzt von Hof geh wiar a Handwerksbursch mit n
Stecka in da Hand Na mei Liabi jetzt drah i amal auf«
    »Da machst d Sach it bessa«
    »Ah So gscheit bischt du jetzt worn«
    »Lass da sagn «
    »Pass auf und lass da sagn und grad guat waarst du und grad sanftmassi Du
redtst halt aa wia s dir glegn is«
    »Bals d ma da it zualusn willst nacha gehn i wieda zu da Naterin
eini«
    »Auf wos soll i lusn«
    »Weil i mit n Basel gredt hab üba dös und de is do gwiss auf inserna
Seitn und hot an Vastand«
    »Und du hoscht ihr alls gsagt«
    »Freili Wia s zletzt do gwen is und an andern Tag in Arnbach nomal«
    »So Hot na de aa nix auszsetzn an dem Zuastand an dem abscheilinga«
    »Gnua hot s auszsetzn aba sie sagt es waar übahaupts gscheidta gwen
mi hättn gar it dagleicha to«
    »Sagt sie«
    »Ja wei da Vata durch dös erscht recht stützig werd und indem dass a si
eibildt er derf ins it nachgebn und wei eahm s Sach zletzt do no ghört
und «
    »Hot sie gsagt«
    »Ja und dass s übahaupt so Leut gibt de wo si auf dös eispreizn dass s
eahna nix sagn lassn Und durch dös waar s vielleicht bessa gwen bal mi
koan Streit gar it ghabt hättn«
    »Hättst halt dei Mäu ghaltn na hätt i nix gwisst hintadrei kimmst jetzt
mit da Gscheiteit«
    »Deswegn muasst as du it no irga macha und bals jetzt no mal an Krach gibt
werst d sehgn da bringst an Vata ganz ausanand«
    »I ho koa Wort nimma gsagt die ganze Zeit her aba heunt is Liachtmess und
die Loas muass weg«
    »Du hoscht ja recht es is schiach gnua dass er s it geh lasst aba moanst
er tuat s bal du heunt aufmahrig werst«
    »Na woass a do was i mir denk«
    »Dös woass ar a so Wos hoscht denn du davo Dös geht na wieda wia s
letztmal dass a dir sagt du bischt it Herr und bals dar it gfallt koscht
geh«
    »Also i muass ma dös gfalln lassn«
    »Wartn sollst «
    »Bis du aus n Haus bischt gel«
    »Zwegn dem gar it aba redst d halt selm mit n Basel«
    Lenz setzte sich und presste die Hände zwischen den Knien zusammen
    »Dass i zuaschaugn muass wiar a Lausbua und derf mi net rüahrn Liaba waar
i Knecht na durft i do redn bal ma wos it gfallt und gang mi aa nix o
kunnt gschehgn wos möcht So muass i oiwei in da Angst lebn dass d Leut
hinterrucks lacha und dös ganz Haus schlecht macha und a niada mi grad für an
Buam oschaugt auf den it aufpasst werd«
    »Wos kinnan denn d Leut redn De wissn ja nix«
    »Na gar nix Dös hoscht scho du gmacht dass si de guat untahaltn kinnan
über ins«  »I«
    »Jawoi Wo mi d Zollbrechtin dawischt redt s mi dumm o und hot ihrn
Jamma und ihr Wehleidigkeit mit mir Moanst dass de grad zu mir was sagt«
    »I hon ihr aba nix vazählt«
    »Hör mar auf Ös Weibsbilda kinnts ja s Mäu it haltn aa net bals
mögts«
    »De soll amal herkemma und soll sagn dass i ihr wos vazählt hab Dös waar
ma scho zdumm bal de a so lüagt«
    »Na hot s as aus da Luft«
    »Wos woass denn i wo s as her hot De ko si denka wos s mag aba dös
braucht s it sagn dass i gratscht hab Weil dös durchaus it wohr is De soll
herkemma und soll dös behauptn«
    »A was Und is aa ganz wurscht ob sie s vo dir oder vo ander Leut hot aba
mi müassn staad sei weil s wohr is Vorgeschtern hot s as daher bracht dass
dös Mensch bei n Altn in Holz draussd gwen is«
    »Dös hoscht ja du gwisst«
    »Scho aba dass s zun Arbetn aussi is glaabn d Leut it Da lachan schö
hoamli«
    »Jessas na Wann no dös amal an End hätt«
    »Kimmt drauf o wos für oans Vielleicht kriagn ma no a sauberne
Stiafmuatta«
    »Geah So was mag i gar it hörn Und dös sell muass aa wohr sei Lenz sei
den selbinga Mal hon i nia mehr wos gspannt«
    »Vielleicht geht a nimma mit de gnageltn aufi und schliaft strumpfsöckli
umanand«
    »I hört n scho muasst it moan dass i dös it spannet«
    »Treibt a s wiar a mog umasinscht hot er s it do lassn«
    Ursula horchte »Sei staad jetzt« sagte sie hastig »er kimmt«
    Der Schormayer war im Hausflötz
    Da stand Lenz auf und ging ohne Gruß an ihm vorbei in den Hof
    »Wos hot n der« fragte der Alte »Macht a Gsicht als wenn eahm d Henna
s Brod gnumma hättn Hot s wos gebn«
    »Na« log die Ursula »I woass gar nix Vielleicht is eahm it recht extra«
    »So«
    Er holte aus der inneren Rocktasche ein mit Papier umwickeltes Ding eine
Wetterkerze die auch am heutigen Tage geweiht worden war
    Er gab sie der Tochter
    »Leg ma s obnauf in Kastn eini«
    »Is scho recht«
    »Was i sagn will i ho ma s übalegt bals du jetzt nacha aus n Haus
gehst muass i wen hamm«
    »Wen« fragte Ursula rasch
    »A Hauserin Is wer da will  wann s no ihra Sach vasteht«
    »Hoscht scho oani an Sinn«
    »Da Wirt hot ma gsagt er wisst oani a seinige Basn sie lebt in
Freising und kennat si guat aus«
    »Wia alt waar na de«
    »Dös is wieda de richtige Frag für a Weibsbild und d Hauptsach«
    »A junge kunntst do it hamm«
    »Warum it Dös is koa Pfarrhof Aba dass d schlafa koscht heunt nacht will
i dir s sagn sie hot scho fufzgi am Buckel«
    »Na is was anders«
    »So Sinscht hätt i d Erlaubnis it kriagt von enk«
    »Mi sagt it vo dem Vata Es is grad wegn de Leut und übahaupts waar s aa
nix für a junge sie hot ja do koa langs Bleibn«
    »Wos woasst du wia lang de bleibt«
    »No recht lang werd s nimma hergeh bis d übagibscht«
    Der Schormayer zwickte die Augen zusammen und schaute Ursula forschend an
    »Aha Habts vo dem wieda a guate Untahaltung ghabt Deswegn hot da ander
so an Schädel aufgsetzt«
    »Gwiss it Vata Mi hamm vo dem durchaus gar nix gredt«
    »Na Der redt ja nia vo dem I möcht wissn wos der sinscht an Sinn hot
als wia dös Von in da Fruah bis auf d Nacht dankt der an nix anders und macht
a Gfriess wiar a vabrennte Wanzn«
    »Er tat si halt leichta wartn bal er was gwiss wissat«
    »Dös gang mehra Leut so Aba eppas gwiss koscht d eahm sagn heuer werd s
nix Und wos dös nachst Johr is dös sehgn ma früah gnua I ko s dawartn
dass i in Austrag kimm«
    »Zerscht hoscht d as aba anderst an Sinn ghabt«
    »Do wer i da net viel gsagt hamm vo dem«
    »Wia d Muatta gstorm is hoscht oiwei von Übagebn gredt und dass di s
Regiern gar nimma freut«
    »Wos ma beim Notari schreibt dös gilt dös ander is bloß gredt An
Wirtshaus drin hamm scho vui Leut kafft und tauscht und übagebn«
    »Mi geht s ja nix o und i misch mi a gar it ei«
    »Dös werd dös gscheita sei und bals dem andern gar a so pressiert na
sagst d eahm dass i no auf n Bock sitz und kutschier und da Wagn lafft it
schnella als wia s i hamm will«
    »I brauch übahaupts nix redn in an etla Wocha bin i a so nimma do«
    »Jetzt hoscht d amal recht Und dass i net vagiss i ho da Zenzi gsagt sie
ko no bleibn bis s an richtinga Platz kriagt«
    »Den kriagt mar aba sinscht auf Liachtmess«
    »Ganz richti Mi waar s aba it passend gwen bal s jetzt ganga waar«
    »Geah Vata«
    »s Mäu halt und lus zua Du werst dir jetzt aa net d Zeit nehma dass d a
neue z orichtn kamst und de Hauserin kunnt aa it vor an Monat kemma«
    »I richt liaba a neue o und is ma koa Müah it z viel«
    »Sagst d jetzt Und nacha hockst bei da Naterin drin und gehst auf Dachau
ins Bezirksamt und muasst zun Basel umi und in mein Stall kunnt s geh wia
s möcht«
    »Bal mi a richtige Dirn hamm de sell werd ihra Sach scho vasteh«
    »Woasst du oani«
    »N  na an Augnblick it«
    »Und i geh it auf d Suach grad weil s dir passend waar D Zenzi bleibt
wiar i s ihr ghoassn ho«
    »Aba bal d Hauserin kimmt stellst d dar an anderne ei dös muasst ma
vasprecha«  »Muass i«
    »Schaug Vata i gang viel leichta furt bal i de Gwissheit hätt«
    »Du gangst it wann s dir net gfreut Und bal du amal Prücklin bischt z
Hirtlbach drent na hoscht di du gnua zkümmern um dei Sach und um dein Bauern
abar it um mi«
    Ursula hielt ihre Hand hin und lachte so freundlich als sie konnte
    »Vata geah sei gscheidt und vasprich ma s«
    »Lass ma do mei Ruah mit dein Schmarrn I ho s durchaus it an Sinn dass i d
Zenzi do ghalt aba dös is mei Sach Warum soll i denn dir was vasprecha«
    »D Leut kunntn dös schlechtast glaabn bal de it geht«
    »Hamm d Leut in mein Hof herin was z schmecka Und muass i auf dös
aufpassn wos de altn Weiba sagn«
    »Du woasst scho«
    »Nix woass i«
    »Schaug es is aa wegn an Lenz«
    »Geht da Wind do her Habts viel zun Dischkriern mitanand üba mi Na mei
Liabi i kriach no lang it zun Kreuz und vasprich dir und dem andern net dass i
brav sei will De Gschicht hot koan Wert it und bals d no so freundli vo
hintn her kimmst«
    »I ho s guat gmoant Vata«
    »Du hoscht nix zum moana ös brauchts mi net bei da Hand führn I ko scho
alloa geh Dös waar ja de vakehrt Welt Bal i «
    »Du muasst it vazürnt sei üba dös«
    »Bal i auf enk hätt wartn müassn na waar i scho lang z spat dro Do
seids ös no Rotzlöffeln gwen wiar i an Hof vorgstanna bin und werd koana
sagn kinna dass a schlecht beinand is und derselbige do der ganz Gscheit
der hockt si amal in dös Sach eina dös i hergricht hab I alloa gel Und ho
koa Lenz it braucht dazua und koan Vormunda«
    »Mi sagt it vo dem«
    »Mi sagt übahaupts gar nix mehr Mi san schon an etlas Mal zsammgruckt üba
dös und wann du wirkli gscheidt bischt nacha sparst da du deine Wort für n
Prückl Den ziaghst dir dass er genau a so werd wias n du hamm mögst und
bals d amal Kinda hoscht na lernst d eahna wos da Brauch is Da hoscht
Arbet gnua«
    »Gwiss und wohr Vata i hätt it gredtt wann du it selm ogfanga
hättest«
    »Und jetzt hon i aufghört Und bal dir der ander d Ohrn voll blast mit
seine Kümmernis na gibst d eahm den guatn Rat er soll si sei Gscheiteit
aufhebn bis er s amal braucha ko Er soll it so umanand schmeissn damit weil
s bessa is bal ma no was hint hot Guat Morgn«
    Im Rossstall hockte Lenz auf der Habertruhe und biss von etlichen Strohhalmen
Stücke ab die er grimmig ausspuckte Nicht weit von ihm stand Hansgirgl im
Sonntagsgewand und schaute behaglich zu wie seine Gäule mit malmenden Zähnen
aus den Barren frassen
    »Siehgst Hansgirgl i tat glei mit dir tauschn«
    »Heunt vielleicht Aba morgn wurdst da s übalegn wanns d amal da Herr
bischt«
    »Ja morgn«
    »Oda übamorgn Lass da no daweil D Zeit geht vo selm de braucht mar it
treibn«
    »D Zeit vogeht und de beschtn Jahr hockt inseroana her«
    »Du tuast dei Arbet wiar i«
    »Um an halbn Lohn«
    »Wos da Alt daspart kimmt dir amal zguat«
    »Hoscht du dös für gwiss«
    »Wer soll s denn kriagn«
    »Vielleicht de do drent«
    Lenz deutete mit dem Kopf gegen den Hof hinaus und Hansgirgl lachte
gemütlich
    »Ah Lass da nix traama«
    »Du koscht leicht lacha geht s wia s mag di bekümmert s nix«
    »Dös is aa it da Fall«
    »Du kriagst dein Lohn danach wia davor«
    »N  no Lenz wann ma lang in an Haus is hot ma s gern bal d Sach mit
Ordnung geht«
    »Do werscht jetzt it viel Ordnung sehgn«
    »I siech nix üba was i redn müasst«
    »Hoscht du it gspannt wia d Leut hinter ins drei redn«
    »I hör hint it«
    »Dös muasst du it so gring schatzn Dös is a Schand für ins allsammete«
    »Wos denn Bal dös Weibsbild da drent aufdrahn derfat und durft si
gscheidt macha im Haus und oschaffa nacha waar s anderst Nacha gang i weil
mi dös vadriassn tat Aba i siech ja nix davo I ho no nix gmirkt dass si de
aufmanndeln derf«
    »Dös sollt aa no sei«
    »Um dös geht s aba So lang ma do nix siecht feit s it weit«
    »Weit gnua sinscht hätt er s it do ghaltn«
    »Ja no Du woasst aa it alls warum dass er s da lasst«
    »Dös is schwar zun Derratn weil sie eahm in Händn hot«
    »Er schaugt it a so aus«
    »Hilf du aa no dazua Dös is schö vo dir«
    »So muasst d mir it kemma Mir is a so it recht wann d mi du in an sellan
Dischkursi über n Bauern einiziagst Aba bal i dir ogib muasst it moana dass i
dir nach n Mäu red«
    »Aba dem andern No ja hoscht d ja recht aa er is da Herr und auf mi
brauchst du no lang it aufpassn Bis i amal drokimm koscht di leicht wieda
drahn«
    »Dös wartst amal o wos i tua Aba dös trau i mir z sagn bal du Herr
bischt werst d aa koan Knecht it mögn der bloß dös schlecht an dir siecht«
    »I schaff mir aa selle o de mi lobn wann i hinta de Weibakittl herlaff«
    »Du woasst heut nimma was d sagst«
    »Aba dös woass i wia du bischt Di kenn i jetzt du Feischpinna«
    »Du brauchst mir koan Nam it gebn gel«
    »A Feischpinna bischt«
    »Ah was I streit mi mit dir umanand bal i dumm bi«
    »Du bischt scho it dumm Du bischt ganz hell woasst Ganz a Feina«
    »Lass mir halt mei Ruah mit dein Glump Jamma ander Leut für de s no irga
macha und a rechte Bedauernis hamm mit dir dass dir dei Vata so schlecht gratn
is Aba mi lass steh«
    »I lass dir steh und geh Derfst aa umiroasn zu eahm und koscht eahm
brüahwarm alls sagn Derfst mi gern vaklamperln«
    »Hab i di scho amal vaklamperlt«
    »Ja du«
    »Bal i umi geh sag i an Bauern was anders Er soll si um an Knecht
schaugn der s Hetzn bessa vasteht«
    »Du koscht dös it Du Feischpinna«
    »Du Rotzbua du trauriga«
    »Wos«
    Lenz sprang von der Truhe herunter und wollte sich über den Hansgirgl
hermachen
    Aber der hatte blitzschnell eine Mistgabel in den Händen und hielt sie
drohend vor sich hin
    »Geh no her du Du bischt ma no lang it z guat dass i di net durch und
durch renn«
    Da wich Lenz zurück
    »Stell dei Gabl hi I möcht di gar it orührn«
    Und als der Hansgirgl mit zornrotem Kopf aus dem Stall ging schrie er ihm
höhnisch nach  »Heut derfst da an extrigs Trinkgeld gebn lassn vom Altn«
    Aber wie er dann allein auf der Truhe saß fing er plötzlich an zu heulen
wie ein Schulbub
    Hingegen war es dem Hansgirgl nicht weinerlich zumut Aber zornig Schon so
zornig dass es ihm in den Händen juckte irgend was zu packen zu zerreißen in
der Mitte auseinander zu brechen
    Was Ein Feinspinner wäre er gar noch und einer der das dumme Gered von so
einem jungen hirntappigen Lappen hinterbrächte Noch jedesmal hatte er seinem
Bauern gut zugeredet wenn er gegen den Lenz was vorbrachte
    Der hatte wohl recht dass er sich dem wetterlaunischen Burschen nicht auf
Gnad und Ungnad auslieferte Bricht einen Streit vom Zaun weil man ihm die
Hitze ein wenig löschen möchte und schimpft einen alten Knecht der ihm von
jung auf bloß alleweil gefällig war schimpft ihn wie einen hergelaufenen
Tagedieb und packt ihn gleich gar an
    Feinspinner Wenn einen was zu allertiefst wurmen kann ist es der Name
Hingestellt werden als ein falscher Kerl der auf zwei Achseln trägt und kein
Vertrauen wert ist das brennt und beißt
    Mit einem beisammen bleiben der so was sagt Nein Es gibt anderswo auch
noch einen Platz einen stilleren als beim Schormayer wo der Junge über den
Alten her ist und es für Falschheit ausgibt wenn man zum Herrn hält Wie es der
Brauch ist und wie es recht war in neun langen Jahren Aus
    Der Hansgirgl riss die Türe der Wirtsstube so heftig auf als ging es da
hinein in das neue Leben und erst ein lustiges Johlen weckte ihn aus seinen
zornmütigen Gedanken auf
    Das Schreien kam von einem Tische her an dem etliche junge Burschen saßen
neben einem grauhaarigen Kerl mit spitziger Nase und verquollenen Augen
    Der war ihm bekannt Ein alter Dienstknecht und Herumtreiber der zwei und
dreimal im Jahr den Platz wechselte und ganz gewiss einmal in der dringendsten
Arbeitszeit
    Man hieß ihn den Unterländer Sepp weil er aus dem Niederbayrischen war
    Die jungen Burschen trugen Sträusse und bunte Bänder auf den Hüten zum
Zeichen dass sie aus dem alten Dienst ausgestanden waren
    Sie schrien dem Hansgirgl mit lauter Fröhlichkeit zu
    »Siecht ma di aar amal Da setz di zuawa Hau di no her alta Schwed Mir
san zünfti beinand Bei oan Bauern strenga mar aus und bein andern ei aba
dürschtn tuat ins überalln«
    Zu einer andern Zeit hätte es dem Hansgirgl schlecht gefallen mit dem
Unterländer Sepp beisammen zu hocken aber zu einer andern Zeit wäre er auch um
Mittag nicht ins Wirtshaus gegangen Jetzt war es schon gleich
    Er rückte in die Bank hinein und gab fürs erste einen schweigsamen Zuhörer
ab
    Sepp war dabei vieles zu erzählen und gute Lehren zu geben wozu ihn seine
reichen Erfahrungen gar wohl ermächtigen
    »Ös Buama« sagte er »ös müassts glaabn dass de Deanstbotn gegn de
Bauern zsammhaltn müassn sinscht san mir allsammt vokafft Als dös erscht
mirkt s enk no grad nix übrigs arbetn wos ma grad oamal freiwilli tuat
werd oan am andern Tag gschafft I hon no koan Bauern gsehgn der auf d Uhr
schaugt bal ma üba sei Zeit arbet aba wanns d am andern Tag wieda ehnder
aufhörscht ziahgt a gwiss sein Prater aussa«
    »Dös werd da no it oft fürkemma sei«
    »It leicht Xaverl wei i a Mensch bi der wo a Gfühl hot für de andern
Deanstbotn Und zun Beischpiel bal mir d Arbet in an halbn Johr firti
macha moants ös de Bauern fuattern ins de andern sechs Monat Also muass mi
trachtn dass oane übri bleibt«
    Die Burschen lachten und waren es ganz zufrieden
    »Nacha mit n Essen« fuhr der Sepp weiter »do ko ma vui Zeit gwinna Es
geit Grossknecht de an Löffi it gschwind gnua aus n Mäu bringa und no glei
wieda aussi an d Arbet Selle Leut san da grösst Schadn für ins all mitanand
wos a richtiga Mensch is der lasst si daweil und braucht zun Löffi oschlecka a
schöni Zeit«
    »Du bischt wohl no it Grossknecht gwen du Hadalump«
    »Na aba ogricht hon i mehra wiar oan dass as Essn it so eini gruacht
hot wiar a Hennahund Und beim Betn hon i eahr aa zoagt dass a rechta Chrischt
langsam tuat sinscht is ja koa Andacht dabei«
    Jetzt mischte sich aber doch der Hansgirgl ein
    »Geh red do it a so mit de Buam«
    »Warum it Jetzt hamm s Zeit dass s wos lernan«
    »De schiabn zerscht it z vui o«
    »Bal s gscheit san it Aba du bischt aa so oana der d Arbet fressn
möcht Moanst du hoscht an Dank davo Wart no bis d älta werst na zoagn s
da de Bauern scho«
    Da fiel es dem Hansgirgl siedheiss ein wie sich der Lenz gegen ihn
aufgespielt hatte und er schlug seine harte Faust auf den Tisch
    »Zletzt hoscht glei recht aa« sagte er »a Deanstbotn is grad a Viech«
    Er schluckte sein Bier hastig hinunter und bestellte lärmend eine neue
Halbe
    »Oho Hansgirgl« lachte der Wirt »So hon i di no gar nia gsehgn«
    »I mi aa no net« brummte der SchormayerKnecht
    »A Deanstbot is grad a Viech« fing der Sepp wieder an »aba oft glei no
dümma Hot ma scho amal a Ross gsehgn dös no ziahgn möcht bal eahm da Baua
Feierabend gibt Is it a jeda Ochs froh bal ma n ausspannt Aba selle Knecht
gibt s de umanand linsn ob s it no gschwind wos zun arbetn findn und a
selle de vor da Zeit aufstengan«
    »De mogst du it Sepp« fragte ein ganz Junger
    »Na du Grasteufi de mog i net und wann du amal bei neunanneunzg Bauern
gwen bischt werst aa so hell sei«
    »Bischt du bei so viel eigstanna«
    »Ja mei Liaba und ausgstanna« Sepp zog den Hut weiter in die Stirne und
sang mit heiserer Stimme
    
    »Vo Weichs bis auf Irgertsham
     Kenn i s schier allesamm
     Und i ho derazwegn
     Ziemli oa Spitzbuam gsehgn«
    
    
    Alle lachten Bloß der Hansgirgl schaute finster vor sich hin und krampfte
seine schwielige Hand um den Henkel und trank in kurzen Absätzen
    Er redete auch mit sich
    »Ah wos Dir gib i na scho an Feischpinna Dös wern ma ja sehgn«
    »Wos sogscht« fragte ihn sein Nachbar
    »Nix sag i«
    »Lassn steh« schrie der Sepp »Der hot Zeitlang nach der Arbet weil scho
zwölf Stund Feiertag is«
    »Du Mi muasst it dablecka sinscht dalebst wos« knurrte der Hansgirgl
    »I sag ja sie solln dir an Ruah lassn Also Buam passts auf dass was
kinnts bals jetzt bei an neuchn Bauern aufziagts I will enk amal an Kalenda
auslegn denn de Wissnschaft kimmt oiwei mehra o und de Bauern haltn ganz
weni auf den altn Brauch«
    »Lass di no aussa Sepp«
    »Mirkts enk dös alle Aposchtltäg san halberte Feiertäg und dös lassts
enk it nehma wei da Mensch a Religion hamm muass Nacha steht gschriebn am
Karsamschta soll die Erde ruhen Ruhen vastehts«
    »Mir vastenga di scho«
    »Also Net dass oana aussi fahrt und ackert Dös sell war a Frevl Und grad
so is am erschtn April Da soll ma d Arbet einschränken sagt da Kalenda
Übahaupts an koan Samschtag an Mist fahrn sinscht hagelt s«
    »Woasst na selle Täg aa wo ma mehra arbetn soll«
    »Na De hamm si de Bauern gmirkt und es waarn guatding dreihundert«
    Wie nun alle in ein schallendes Gelächter ausbrachen kamen etliche Bauern
in die Wirtsstube der Unterburger dabei
    Der drehte sich im Vorbeigehen um ob er auch recht gesehen habe dass der
SchormayerKnecht bei den windigen Burschen saß die wohl seit der Kirche schon
tranken und jetzt die Köpfe zusammensteckten
    Aber es war so Der Hansgirgl hockte mitten unter ihnen Da winkte der
Unterburger nachdem er am Ofentisch Platz genommen hatte verstohlen dem Wirt
    »Wos is denn dass an Schormoar der sei bei de andern hibei sitzt«
    »I woass it i ho mi selm gwundert«
    »Hätt mar it denkt dass si der it z guat waar«
    »Er is erscht nach de andern kemma und hot a bissel zwida dreigschaugt«
    »Dös tuat a no da hot s was gebn«
    »Soll i n amal schö staad fragn«
    »Na na Mi geht s nix o Bringst mar a Halbi«
    »Beim Untaburga bin i aar amal gwen« tuschelte der Sepp den Burschen zu
»Der teile si s richti ei viel Arbet und weng Fressn Da Schmalzhafa is dös
kleanst im Haus«
    »Du gfreust mi und i kimm zu eahm« sagte ein junger Knecht der stark
schielte
    »Do werst was dalebn Toni Sie is gar a Gnaue Küachln bracht s so
groß dass ma s an da Uhrkettn tragn kunnt und bals d zwoa gfressn
hoscht fahrt s mit da Schüssel o«
    »Dös möcht i sehgn«
    »Da siechst it viel wanns d a kreuzweis in de andern eahnere Teller
schiagln koscht Es is nirgats was drin«
    Die Unterhaltung wurde am Burschentisch immer lauter und so oft ein neuer
Gast kam wusste Sepp etwas über ihn und sein Hauswesen und zuletzt gab er sich
keine Mühe mehr leise zu reden so dass die Bauern aufmerksam wurden und
drohende Blicke hinüberwarfen
    »Sing amal oans Sepp Woasst d as scho dös sell vo de Deanstbotn« schrie
der Toni und der alte Vagabund war gleich aufgelegt alle ehemaligen
Diensterren miteinander zu ärgern
    Er sang so laut er konnte und seine heisere Stimme gellte zum Ofen
hinüber
»Bauern enk kenn i gnau
Enk derf koa Ehhalt trau
Mit enkern toa und Treibn
Kon enk koa Ehhalt bleibn
Brauchts oi Jahr drei und vier
Koa richtiga bleibt enk nia
Alle Tag fangts Jammern an
Wann Liachtmess kam«
    Die Bauern wurden unruhig
    »Wia is denn dös« schrie der Unterburger »Derf a so a Kerl ins aussinga«
    Aber der Sepp ließ sich nicht irr machen und sang dass ihm die Stirnadern
anschwollen
»An Ehhaltn schinden s her
Dass eahm glei d Haut werd speer
Mit lauter Plagn und Scheern
Muass a sein Lohn vodean
Zletzt tean s oan no betrüagn
Tean eahm an Lohn oziahgn
Grobheitn kriagst recht schö
Nacha koscht geh«
    »Wirt Der muass aussi« sagte der Steffelbauer ein Mann mit breiten
Schultern und er sagte es im tiefen Bass ohne Erregung aber so bestimmt wie
einer der nicht viel Widerspruch leidet
    »Wer muass aussi Mir zahln insa Bier so guat wia ös Dös wolln mi sehgn
wer ins ausschaffn ko« brüllte der Toni
    »Halt staad« mischte sich der Wirt ein und stellte sich breitbeinig vor den
Burschentisch »Dös geht it Buam Ös müassts enka Bier mit Friedn und Anstand
trinkn sinscht habts koa Bleibn bei mir«
    »So Dös is brav Du leidst koane Deanstbotn bei dir herin«
    »Lüag it Sepp Vo dem is koa Red it gwen Mir is a jeda Mensch recht der
bei mir was vazehrt abar a Ruah muass sei«
    »Und koa Hadalump derf sei Schlechtigkeit do herin ausüabn« schrie der
Unterburger
    »Bin i dei Hadalump« plärrte der Sepp zurück
    »Jetzt nimma aba gwen bischt da schlechtast«
    »So Dös will i sehgn ob du dös sagn derfst«
    »Sei staad sag i nomal« drohte der Wirt und den Unterburger
beschwichtigte er »Lass guat sei jetzt es kimmt nix mehr für«
    »Is ja wohr aa« brummte der Bauer »Dass so a herglaffna Kerl de ganz Gmoa
aussinga derfat«
    »Der is dir z weni« sagte ein anderer »aba bal a nomal singt tean ma n
aussi und glei a so dass ar in Kollbach koa Bleibn nimma hot«
    Es wurde ruhig in der Stube die Knechte sagten wohl zu einander dass sie
nicht hätten nachgeben dürfen aber sie dämpften ihre Stimmen und schauten sich
scheu nach dem Wirt um der an der Schenke stand und die Augen überall hatte Am
Ofentisch war der Streit schneller vergessen über Gemeindesachen und anderen
Dingen um die sich ein gestandener Bauer mehr bekümmern mag als um die
Frechheit eines zugewanderten Dienstboten
    Aber plötzlich klang vom Burschentisch herüber in die gedämpfte Erregung
hinein eine tremolierende Stimme die noch einmal den letzten Vers sang
»Grobheitn kriagst recht schö
Nacha koscht geh«
    »Ja Herrgott Is koa Ruah gar it Aba jetzt is a zeiti worn«
    »Lassts an Sepp steh« schrien die Burschen dagegen »Hot ja da Hansgirgl
gsunga«
    »Wer«
    »Da Hansgirgl Jawoi«
    Und wirklich saß der SchormayerKnecht mit gläsernen Augen zu hinterst in
der Bank und sang es noch einmal in wehmütig zitternden Tönen
»Nacha koscht geh«
    »Wos waar denn dös Hansgirgl Scham di do«
    »Weil s wohr is« schrie der Knecht und schlug in den Tisch hinein »Do
brauch i mi gar nix z schama«
    »Geh zua Vo dir hot ma no nia an unrechts Wort ghört« sagte der
Steffelbauer
    »So Hob i no nia was Unrechts gsagt Für wos bin i nacha a Feischpinna«
    In diesem Augenblick kam der Schormayer zur Türe herein und sah verwundert
wie die Bauern um den Burschentisch standen und noch verwunderter wie da
mitten unter den jungen Leuten sein Hansgirgl saß und betrunken und zornig den
Steffel anstierte
    Und er hörte ihn noch einmal schreien
    »Koscht ma du dös sagn zwegn wos i a Feischpinna waar«
    Da trat der Schormayer an den Tisch hin und sagte gutmütig
    »Grüß di Good Hansgirgl Di hätt i do aa it gsuacht«
    »I pass ganz guat her do i ghör zu dena«
    »Du woasst recht guat dass dar i nix eired«
    »Und i ghör amal zu dena« schrie der Hansgirgl und nahm seinem Nachbar den
geschmückten Hut vom Kopf und setzte sich ihn mit einem Ruck auf
    »Mi ghört s aa zua dass i a Sträusserl trag als an ausgstandner Knecht«
    »No no Da müasst i aa was wissn«
    »Abar i woass s«
    »I vasteh di net und jetzt sei no wieda guat Hock di a bissel zu mir uma«
    »I mog it i ghör amal zu dena do«
    Dem Rauschigen weicht ein Wagen aus und der Schormayer sah ein dass er
jetzt mit seinem Knecht nichts richten konnte
    »Lassts n geh« sagte er zu den andern und setzte sich an den Bauerntisch
    Es war ihm aber nicht recht und ging ihm nicht aus dem Kopf dass der
Hansgirgl solche Andeutungen gemacht hatte als wolle er den Dienst verlassen
Im Rausch sagt einer erst recht die Wahrheit Und dass der brave nüchterne
Mensch den er in der ganzen Zeit nie betrunken gesehen hatte jetzt in dem
Zustand dort drüben hockte musste seine eigene Bewandtnis haben Er fragte die
Nachbarn
    »Hot s do was gebn Hot er an Streit ghabt«
    »Nix wos i gsehgn ho« antwortete der Unterburger »I bin selm vahofft
gwen wiar i eina kemma bi und er hockt dort hibei«
    »Dös ko it sei dass er si grad a so an Rausch hersauft«
    »Da Wirt woass aa nix er sagt dass da Hansgirgl scho fuchsteufelswild daher
kemma is«
    »Na kenn i mi net aus« sagte der Schormayer und es war ihm nicht wohl
zumut Denn ganz gewiss hatte es daheim was abgesetzt irgend was hinter seinem
Rücken wie er s ja in der letzten Zeit hie und da erlebt hatte Am liebsten
hätte er den Hansgirgl gleich herausgerufen und gefragt aber der war jetzt
schon bockbeinig und wäre ihm doch nicht gegangen Also abwarten bis zum
Heimweg Und dazu kam es schneller als er gemeint hatte denn plötzlich stand
der Hansgirgl auf und sagte grob zum Nebenmann
    »Aussi lass mi«
    Er versuchte gerade zu stehen als er zahlte und ging dann so aufrecht
als es möglich war hinaus
    Der Schormayer trank sein Bier nicht aus legte das Geld daneben hin und
eilte ihm nach Auf der Straße traf er ihn wie er gerade tiefsinnig stehen
blieb und mit sich selber redete
    »So Hansgirgl jetzt genga ma mitanand hoam«
    »Han Wo  genga ma hi«
    »Hoam«
    »I bi nirgats  dahoam«
    »Wos hoscht denn du«
    »An schön Dank hon i  jawoi  an schön Dank«
    »I vasteh di net red halt amal«
    »Hoscht it ghört wos der gsunga hot
Grobheitn kriagst recht schö
Nacha koscht geh«
    »Du Hansgirgl schaug mi amal o Ho dar i wos Unrechts to«
    Der Knecht schaute seinen Herrn bolzengerade an und wurde etwas nüchterner
    »Na du hoscht ma nix to« sagte er kurz
    »Bischt mit wem andern über s Kreuz kemma Gwiss mit n Lenz«  »I red it
davo«
    »Jo sag ma s«
    »I mag it Aba  dös kon i dir sagn dass i morgn geh«
    »Waar it aus Du werscht auf Schnall und Fall weglaffa und mir tatst it
amal an Grund sagn«
    »I geh«
    »Zwegn wos denn Herrgottsaggerament«
    »I  i  bin a Feischpinna  vastehst So a  so a schlechta Kerl
der wo d Leut verklamperlt  und an sellan muass ma net haltn Vastehst«
    »Na i vasteh di gar it Und des ander wer i na scho morgn in da Fruah
hörn Da redn ma wieda mitanand«
    Der Schormayer kehrte um und ging zum Wirtshaus zurück Aus dem Hansgirgl
war heute nichts mehr heraus zu kriegen und je länger er ihn gefragt hätte
desto widerhaariger wäre er geworden Morgen ließ sich das besser an Aber gewiss
hatte ihm der Lenz da was angerührt Na Er wollte ihm hernach schon kommen mit
der Richtung
    Er schaute zurück und sah in der Dämmerung den Hansgirgl mit den Händen
fuchteln Der redete heftig mit einem unsichtbaren Feind
    »Derfst du mi schlecht macha  du  aba jetzt is aus  aus«
 
                              Dreizehntes Kapitel
»Hättn ma s ins geschtan fruah aar it denkt mir zwoa dass mir heut scho
ausanand kemman gel Bräunl«
    Bei diesen Worten patschte der Hansgirgl seinen Lieblingsgaul zärtlich aufs
Hinterteil
    »Ja hätt ma s it gmoant« wiederholte er und seufzte »Aba so geht s
nimmar um der Lalli der dappige wurd jedn Tag hässlicha auf mi und beim
Bauern kennt man si aa net recht aus der woass ja selm it ob a weita macha soll
oda übagebn Und na hocket i do Zletzt bracht mi da Lenz no in s Gredt als
wann i zu woass Good wos für a Dummheit gholfa hätt Na i mog nimma In dem
Haus gwinn i nix mehr und zwischn an Altn und an Junga steh passt mar it«
    Er putzte den Stall sauber zusammen stellte alles an seinen rechten Platz
und legte dann den blauen Arbeitsschurz ab
    »So Do waarn ma wiedar amal firti schaugn mar um a Haus weita Wia mi
da Lenz heunt in da Fruah ogschaut hot Warum i net in d Arbet fahr fragt a
mi Für mi gibt s do koan Arbet mehr sag i Und da lacht a recht drecki Na
Bürschei mit dir mog i nimma zsammgspannt sei Is scho gar worn«
    Der Hansgirgl nahm seinen Janker vom Nagel und schloff hinein Hernach hielt
er noch einmal Umschau Es war alles in Ordnung und kein Mensch konnte ihm
nachreden dass er seine Sache nicht richtig hinterlassen hätte
    Im Haus drüben traf er die Ursula in der Küche an
    »Is da Baua scho in da Höch«
    »Jo Er hot grad voring sei Kaffeesuppn kriagt«
    »Na wer i eini geh dazua«
    »Geh no eini Wos hoscht n du heunt dass du dei guats Gwand oglegt
hoscht«  »Feierabend hon i«
    »Wia dös«
    »Dös siehgst d scho« sagte der Hansgirgl und ging in die Stube
    »Ah du bischt do« lachte der Schormayer »Hoscht dein Sausa vo geschtern
ausgschlaffa«
    »Do hon i net vui zun Ausschlaffa ghabt«
    »Öhö mei Liaba du bischt guat beinand gwen«
    »Zun Abschied macht na dös aa nix«
    »Wos Abschied«
    »I tat di schö bittn Baua dass d mar a Zeugnis schreibst«
    Der Schormayer sprang vom Stuhl auf
    »Wos is denn mit dir Mensch Is dir de Dummheit net aus n Kopf ganga«
    »I hab s für koa Dummheit it«
    »Ah Dös hoscht do grad im Rausch gsagt Bal mi neun Johr auf oan Platz is
lafft mar it ohne Grund weg«
    »I ho scho mein Grund«
    »Den tat i halt nacha sagn und bal wos feit ko ma s ja richtn«
    »Do is nix zum Richtn I sag da s glei Schormoar i bi liaba auf an
festn Plotz und den hon i bei dir nimma Du kunntst morgn übagebn und i
hängat do«
    »Wos woasst du vo mein Übagebn Hot da ander dumm daher gredt Der kunnt
sie aba schneidn«
    »Na der hot nix gredt I passet aa net auf«
    »Wia kimmscht ma nacha mit dem«
    »Ja no dös werd amal schnell geh bal jetzt d Urschula weg is«
    »Wos bekümmern di de Sacha I sag da s für ganz gwiss dass i heuer net
übagib«
    »Sell mog scho sei aba i hon an weitschichtinga Vetta in Vierkirchn drent
und  und bei dem kriagat i jetzt an ruhign Plotz und dös mog ma halt do it
auslassn«
    »Dös is dir erscht geschtan eigfalln«
    »Na dös woass i scho länga er hot ma scho auf s Neujohr gschriebn«
    »Geh hör auf Dös braucht an starkn Glaabn Dass du de ganz Zeit her koan
Schnaufa it to hättst vo dem«
    »Weil i mir selm it gscheidt gnua gwen bi Aba no älta werd mar aa und
bal bei dir alls anderst wurd kunnt i mi aa nimma eigwohna und drent hätt i
de Glegnheit vasammt«
    »Mhm Und zwegn wos bischt na du geschtan so belzi gwen«
    »I«
    »Es schteht da it guat o Hansgirgl dass d ma du it d Wahrheit sagst«
    »I ho nix zun sagn«
    »Dös hamm mehra Leut gmirkt net i alloa dass du geschtan wos ghabt
hoscht und mit wem koscht d di denn zkriagt hamm Mit mir net Also hoscht
mit dem Lackl an Streit ghabt Und i brauch nix z wissn mir schmeisst d an
Strohsack hi und gehst als wia wann mir it neun Johr mitanand garbet hättn«
    Der Hansgirgl war nahe dabei etwas von seinem Verdruss zu sagen aber da
fiel ihm das Wort vom Lenz ein dass er ihn seinetwegen auch verklamperln könne
    Und die Nachrede wollte er sich nicht verdienen zu was auch Gehen musste
er weil das Bleiben kein gut mehr tat
    Also kratzte er sich hinter den Ohren und setzte eine längere Rede zusammen
    »I bi gern bei dir gwen Schormoar dös sell woasst du recht guat und hot
aa nix gebn aba net bal ma si nimma aussi siecht indem dass also du nimma
lang regierscht und mi werd aar älta und durch dös dass mir da Vetta
gschriebn hot i hätt bei eahm s Bleibn derf ma halt so wos it vo da Hand
weisn mi lebt it grad heut und muass aar auf morgn denka Dös sell muasst d
selm sagn«
    »Wanns d it bleibn willst  i kon di net haltn und i dank da recht
schö dass d ma so mit da Tür ins Haus rumpelst Ehnder hättest d ma s it
sagn kinna oda mi glei gar um an Rat fragn  dös sell waar gar it ganga«
    »Ma übalegt si s halt hinum und herum «
    »Und redt hinum und herum Mei Liaba für so dumm muasst du mi net kaffa
dass i gar nix spann Du hoscht mit n Lenz wos ghabt und i muass s Bad
aussaufa Aba dem kimm i und net schlecht«
    »Na dös möcht i fei gor it I mog it mit an Vadruss wegkemma «
    »Dös is na mei Sach Seit an halbn Johr hätt i nix als Zwidrigkeitn mit
dem Kerl und jetzt vatreibat er mir no d Leut«
    »Dös kam nacha so aussa dass n i schwarz gmacht hätt«
    »I glaab s amal net anderst und i schenk s eahm it«
    »Nacha muasst du an Zeugn macha bals hintadrei hoasst i hätt n
vaklamperlt Du muasst as bezeugn dass i vo dem gar nix gsagt hab«
    »Vo wos Gel dass s richti is Jetzt hon i di gfangt«
    »I woass nix Schormoar und mi waar s liaba wann mir jetzt nix mehr redn
üba dös und di tatst mir mei Zeugnis schreibn«
    »Hoscht d as fest an Sinn Hansgirgl«
    »Jo Schaug es is amal it anderst«
    »Aba bal i ganz auf deina Seitn steh«
    »Dös koscht d it Du muasst mit dein Buam länga hausn als wia mit mir «
    »Wart s o wia lang i mit dem no haus«
    »I wünsch enk it dass ös ausanand kemmts und zwegn meina scho gar it I
wer an andern Platz kriagn«
    »I hon gmoant du hoscht n scho bei dein Vetta Gel Hansgirgl hoscht d
di wieda varedt«
    »Na bal i dir s amal sag aba du mögst mi so ausfratscheln und dös hot
koan Wert it Lass guat sei Schormoar Mir gengan in Friedn und schön
ausanand«
    »Und i muass schaugn wo i an Knecht herkriag«
    »I woass dar oan Vom Blank in Neuhof drent an Blasi der gang gern vo
dahoam weg und hot aa scho öfta gsagt dass s eahm bei dir gfallat«
    »Dös is schö Muass i wiadar auf a neus mir oan ofanga«
    »Der kennt sei Arbet an dem hoscht d it viel z richtn und da Lenz is aa
do«
    »Red ma no grad net vo dem«
    »Mogst d ma s Zeugnis it schreibn Schormoar«
    »Wanns s sei muass schreib i s halt«
    Der Schormayer ging zur Türe und rief der Ursula
    »Bring mar a Tintn und a Feda«
    »Es muass alls drin sei«
    »Tua s no her I mog s it suacha«
    Ursula kam in die Stube und fand endlich im Wandschrank hinter alten
Medizinflaschen ein Tintenglas und auch einen Federhalter
    »Wo is na mei Brilln« fragte der Bauer »Ohne Brilln kon i it schreibn«
    Sie war nicht im Schrank und nicht in der Tischschublade und nicht im
Schubfach unter der Bank und fand sich zuletzt in einen Kalender eingeklemmt
auf dem Fensterbrett Der Schormayer setzte sie auf und da wickelte der
Hansgirgl sein Dienstbuch aus allerhand fettfleckigen Papieren und gab es ihm
    »Ja geht denn da Hansgirgl« rief Ursula
    »Geht a Freili geht a Weil ma bei enk it bleibn ko«
    »Wos hon eahm denn i in Weg glegt«
    »Ma redt net vo dir alloa«
    »Und i ho vo so was übahaupts nix gsagt« fiel der Knecht ein
    »Also geh aussi« befahl der Schormayer seiner Tochter »Mi brauchan di net
zu dem Gschäft«
    Er schlug das Dienstbuch auf und las
    »Eingetreten bei mir am viertn Februar neunzehnhundart und oans Do steht
no mei Untaschrift Selbigsmal is da Pressl Bürgamoasta gwen Dös san jetzt
akrat neun Johr« Er schaute über die Brille weg vor sich hin als wenn er über
manches nachdächte »Selbigsmal is no schäna gwen De Bäurin guat beinand und
sinscht aa alls ganz anderst No ja Jetzt is scho so«
    Er rückte die Brille näher an die Augen und schrieb es mit kratzender Feder
und nach mehrmaligen Pausen hin dass Johann Georg Egermayr diese Zeit her bei
ihm in Dienst gestanden und auch seine volle Zufriedenheit durch Treue Fleiß
und Ehrlichkeit erworben habe
    »Dös ko ma bei dir mit guatn Gwissn schreim« sagte er
    Über den Hansgirgl kam es nun doch wie Heimweh als er sein Büchel in
Empfang nahm und in die Tasche steckte der Kragen wurde ihm eng und er zog ihn
auseinander und schluckte ein paarmal
    »I ho schöne Täg bei dir ghabt Baua und i sag dir vagelts Gott und des
ander woasst scho«
    »Und i wünsch dir Glück Hansgirgl und auf den selbinga Vetta waar i schier
harb wenn i dro glaabet« setzte der Schormayer hinzu und um seine Mundwinkel
war ein verstecktes Lächeln
    Aber dann wurde er wieder ernst als er sagte
    »Mit dir geht was Guats vom Hof weg und i wollt du waarst bliebn aba
gegn dein Willn derf i di it haltn Pfüat di Good und lass da s guat geh«
    »Adjes Und nomal schön Dank und bal i auf Kollbach kimm derf i scho
zuakehrn«
    »Allamal so lang i do bin«
    Hansgirgl zog den Kopf ein und machte sich still hinaus
    Eine halbe Stunde später sah ihn der Schormayer vom Fenster aus mit seinem
Koffer über den Hof gehen und unterm Tor sich noch einmal wenden
    Da schaute er zurück auf neun Jahre Leben und Arbeit
    »Hö Is der alt Spitzbua it dahoam«
    Vor der Küchentüre stand ein vierschrötiger Mensch und klopfte mit seinem
Stecken ans Fenster
    Ursula fuhr erschrocken zusammen sie kannte den Fremden nicht
    »Wos willst«
    »Ob der alt Spitzbua it dahoam is«
    »Wanns d mein Vata moanst der is an Rossstall vorn«
    »Ah da schaug her du bischt de Tochta De jetzt Prücklin vo Hirtlbach
werd«  »De waar i ja«
    »Da gratalier i kriagst d an warma Plotz Feit si nix«
    »Wer bischt denn du«
    »I bin da Tretter Jackl vo Pettenbach und hätt eppas z redn mit dein
Vata So so du bischt an Prückl de sei Dass ma fei wos z kaffa kriagt aa aus
enkern Stall«
    »Dös werd na scho er macha«
    »Er is a bissel a Gnaua«
    »Werd scho not toa«
    »Gar a so brauchats as it aba er hot s vo seina Muatta Auf de muasst d
Obacht gebn dass s dar it z viel dreiredt«
    »Sie kimmt ja in Austrag«
    »Ja mei Austrag De altn Weiba gebn si ja nia und lassn it nach de hamm
mehra Häut wiar a Zwiefl Und de alt Prücklin kenn i de schliaft da nach in
d Millikamma und in Kella und bals d dös den erschtn Tag leidst na bischt
vakafft dös sag dar i«
    »I leid s scho it«
    »Derfst d abar a guats Mäu hamm denn de sell halt s mit drei
Schaarnschleifa aus Und mit n altn Prückl werst d aa dei Kreuz hamm der
fallt in d Froas wann a moant es kunnt um an Pfenning Sach hiwern«
    »Du gfallst ma dass du so daher kimmscht und meine Leut verachtn tatst«
    »Sei froh bal i dar a bissel an Auskunft gib es is do bessa du woasst
wias d di zun vahaltn hoscht du kriagst it lauta Schöns«
    »I wer s scho aushaltn«
    »Rühr di nicht grad de erschtn acht Täg und hau ehr mit n Kochlöffi auf
n Rüassl bals dir z fleissi in dein Hafn einischaugn Na wern s
katholisch bals sehgn dass s so leicht it geht Aba wias d dös it tuast
bischt d scho drunt«
    »I dank da halt schö für dein guatn Rat« sagte Ursula und lachte
    »Is gern gschehgn I hilf zu de junga Leut und da Teufi zu de altn
Jetzt muass i aba zun Vata«
    »Geh no umi an Rossstall«
    Dort steckte der Schormayer Heu in die Raufen und ging mit dem Trankeimer
herum als der Tretter unter der Türe auftauchte
    »Herrgott hoscht du an Eifa«
    »Wann ma koan Knecht it hot muass ma selm ogreifa«
    »Hoscht du koan«
    »Na Der mei is heunt ausgstanna«
    »Du do hätt i oan für di aba scho an ganz an guatn«
    »I kunnt vom Blank in Neuhof oan hamm«
    »Vo seine Buam Woass it ob dös guat is wann ma si an Deanstbotn aus da
Nachbarschaft nimmt«
    Das war eigentlich richtig Und der Schormayer hatte noch einen besonderen
Grund dass es ihm nicht lieb war
    »Da hoscht it unrecht« sagte er
    »Nimm den mein der ko heunt no eisteh«
    »Woher is na der«
    »Vo mein Nachbarn in Pettnbach er is heunt mit mir umaganga weil a no
koan Plotz it hot«
    »Dös sell waar a bissel vadächti aba schick n her Bal a mir it gfallt
brauch i n net nehma«
    »I mach eahm s z wissn er hockt beim Wirt Und wos willst na du vo mir
Da Tristl Toni hot mar a Botschaft to dass du mit mir redn mögst«
    »Ja I möcht di was fragn« sagte der Schormayer zögernd und bedächtig
»Bischt du weit umanand mit de Bauern bekannt«  »I moa scho«
    »Pass auf Wissast du koan Deanst für a Madl vastehst für a Dirn A bissel
an leichtn Deanst«
    »An leichtn«
    »No ja im Stall und dass s it de schwaarst Arbet hätt Und net in da Näh
sondern a bissel weit weg«
    »Weit weg«
    Der Tretter schmunzelte und drückte ein Aug zu
    »So so An leichtn Deanst und recht weit weg Du mei Liaba wo bischt d
denn do wieda zuawi kemma«
    »I frag di ja grad Bals d nix woasst is mar aa gleich«
    »Wegn an gleich sei hättest d it umi gschickt zu mir«
    »I ho wem an Gfalln toa wolln da brauchscht du mi it auslacha«
    »Öhö No net glei obn aus Vielleicht fallt ma wos ei aba wia steht s
denn do«
    Der Tretter rieb Daumen und Zeigefinger aneinander
    »Muass ma di für an Auskunft zahln«
    »I will dös it sagn Aba oa Gfalln is den andern wert Muasst halt an
christlinga Preis macha wann i da a Stuck Viech okaff«
    »Do wern mi schon mitanand redn kinna«
    »Jetzt lass mi amal bsinna Recht weit weg Bei Bruck umanand han«
    »Jja dös gang«
    »In Olching moan i kunnt i wos findn Und an leichtn Plotz sagst«
    »Wia s halt san Net«
    »Mhm Bis auf wann kriagt s na s Kind«
    »Wos Kind«
    »No dös is it schwaar zun daratn zwegn wos oane de schwaar Arbet it toa
sollt«
    »Du bischt do scho a gmachta Hanswurscht Kimmt er do mit n Kind daher«
    »I kimm it damit aba sie werd halt mit oan kemma«
    »Kunnt de it a so aa krank sei«
    »Wann dös is na muasst du s in a Krankahaus schickn abar it in Deanst«
    »Bal du a so denkst na lass ma s bleibn Do kam i no in s Gred aa«
    »Mit mir kimmst in koas aba i ko do net auf an Plotz wo i a Gschäft
mach a Dirn hibringa de vielleicht d Lunglsucht hot«
    »Dös is it da Fall«
    »Se werd scho die Neunmonatkranket hamm Du Spitzbua du odrata«
    Tretter lachte dass er außer Atem kam und er hätte schier den Schormayer
angesteckt
    »An leichtn Platz braucht a Ha   ha   ha Bis ans End weit weg H 
ha  ha  ha Bis ans End der Welt O du Tropf du scheiheiliga«
    »Jetzt sag amal gscheit woasst an Deanst oda woasst koan«
    »Auf da Stell it I muass in Olching nachfragn ob wos Passats do is 
für a  ha  ha  ha  für a Wöchnerin«
    »Vo dir lass i mi lang für n Narrn hamm gel Geh weita i brauch di it«
    »Sei no net glei so harb I find scho wos Muass  ha  ha Muass s
gschwind sei«
    »Pressiert gar it«
    »Nacha frag i a wengl nach und kimm wieda her Wer is na de selbige«
    »Dös sag i dir wanns d wieda kimmst«
    »Vo mir aus I bi net neugieri«
    Dem Schormayer kamen allerlei Bedenken weil der Mensch gar so lustig war
Er hielt ihm die Hand hin und sagte ernst
    »Tretta bals d ma du in dera Sach an Gfalln tuast werst d mi aa
findn wann du wos brauchscht«
    »Gern sag i Du kennscht mi ja«
    »Ja ja Aba mach koa Gaudi it draus Und dös sag i dir gschwind wann i
hör dass dus Mäu it haltst und selle Spassetln umanand bringst na san mir
zkriagt«
    »I red grad di a bissel dumm o« sagte der Tretter und kam wieder ins
Husten und Schnaufen und Lachen »I sag s grad zu dir weils d ma du gar so
guat gfallst als barmherziga Bruada«
    »Mi reut s schier dass i di um de Gfälligkeit oganga hab«
    »Warum nacha«
    »I trau dir net«
    »O jessas Mir derfst du gnua traun I bring di net a so in Valegnheit als
wia du mi«
    »I di«
    »Ja gstell di no recht unschuldi Wos moanst denn I derf mi ja nimma in
Weichs sehgn lassn sinscht reißt si de Kaltnerin vo da Kettn los«
    »A mei De Dummheit«
    »Du redtst da leicht aba i hon an schön Dank dafür dass i dir s guat
gmoant ho«
    »Geh weita Hoscht du dös an Ernscht glaabt dass i dös alt Reibeisn möcht«
    »Hättst ma s gsagt aufrichti und wia s a si ghört na waar s anderst
gwen«
    »Dös koscht du da eibildn wann d ma du aufn Weg untakimmst und mir
genga Spaß halba wo hi dass i nacha glei hänga bleib«
    »Es waar dei Schadn nit gwen Für wos sollst denn du it heiretn«
    »Aba de it So a Kloahäuslerin so an armselige«
    »Du hättest as bei ar a andern grad a so gmacht«
    »Dös woass i no lang it«
    Es war etwas in der Stimme des Schormayer was den Tretter stutzig machte
    »Es is ja no it z spat wann du an Ernscht macha mögst«
    »Dös lasst si im Voraus it sagn ma muass do oiwei zerscht wissn wen mar
ins Haus kriagn kunnt«
    »I ho da selbigsmal a paar gsagt Beim Eberl in Asbach waar oani do und
beim Prantner im Eckhof und da Sedlmoar vo Arnzell hätt oani und «
    »Öh No staad Wann ma mog glangt oani aba auf s Mögn kimmt s o«
    »Siehgst jetzt redtst wiedar a so«
    »Pass auf Tretta i sag da wos und bals d gscheid bischt redst nix
davo sinscht kam dir dös Gschäft ganz gwiss aus«
    »Red no« drängte der Viehhändler
    »D Urschula heiret und i haus it guat mit mein Sohn Grad heunt hon i
wieda an Vadruss dass i n am liabstn nimma oschaugn möcht«
    »Dein Buam«
    »Ja mein Buam Er kennt si nimma aus vo lauta Gier auf n Hof und zkriagt
si mit Good und da Welt Geschtan hot a ma mein Knecht der neun Jahr bei mir
gwen is so ausanand bracht dass a ma aufgsagt hot Übagebn mag i net und
als Lediga dahocka und mit eahm furt hausn dös gfreut mi gar nimma I siech
mir bald nimma anders aussi heiretn oda ztrümmern«
    »Dös sagst d jetzt aus Zorn und wann i wos obandl nacha mogscht wieda
nimma«
    »Ja no dös passt mir gar it dass i ganz öffatli auf d Brautschau geh do
bin i z alt dazua und mog aa den Krach dahoam it Dös müasst oiwei staad geh und
it auffällig und bal i oane sehgn tat de mir guat ostand und de do her
passet na sag i net na abar aa net so gschwind ja«
    »Geh mit mir umi auf Arnzell«
    »So mach ma de Gschicht nimma I müasst unta da Hand dafragn wia s mit n
Geld steht und ob s a Hauswesn führn kunnt und bals do koa Ausstellung it
gab nacha kunnt i s amal oschaugn aba alloa und so dass koa Mensch nix
dabei denkn müasst«
    »De Auskunft bring i dir schnell gnua her«
    »Lass da Zeit Vor da Urschula ihra Hozet hot s jetzt koan Wert it und nacha
möcht i aa dös mit dera Dirn zerscht in Ordnung hamm«
    »Ja so de gang da sinscht im Weg um«
    »Mir«
    »I will di it ausfragn Obwoi dass s bessa waar wann i a bissel wos inne
wurd Weil i nacha do leichta mit der Leut in Olching redn kunnt«
    »Du fragscht ob s a richtige Person brauchn kinna und vo mir sagst d
gar nix«
    »Dös tat i a so net aba bal nacha dös auftrifft«
    »Wos«
    »No dös sell halt«
    »Ah so Dös werd it auftreffa und für den Fall dass also  a  für den
Fall is ander Leut aar it bessa ganga und du koscht hintadrei sagn du
hoscht dös it schmecka kinna«
    »Is recht I wer mei möglichs toa Und vo Arnzell do bring i dir a ganz a
gnaue Beschreibung«
    »Dös sehgn ma nacha scho«
    »Es muass dir ernscht sei Schormoar«
    »Jetzt is mir ernscht aba bal i morgn anderst gsinnt bi nacha heiret i
dir zliab it dös koscht glaabn«
    »Dös lasst si denga aba entschädinga müasst d mi für meine Gäng«
    »I mog nix umasunst Und jetzt pfüad di Good und halt s Mäu«
    »Is scho recht Adjä Und pass auf i schaug dei Viech a wengl o Hoscht d
nix zum vokaffa«
    »A paar Kaibln stenga do Schaug da s o und mach an Preis«
    Das hatte nun der Schormayer zu wenig bedacht dass im Stall drüben die Zenzi
war
    Der Tretter musterte alles Vieh und fand auch Gefallen an den Kälbern mehr
aber noch an dem stattlichen Weibsbild das sich ihm zeigte
    Weil aber in ihm sogleich ein Verdacht aufstieg wollte er sich Gewissheit
holen
    Er fing damit an die Zenzi ausbündig zu loben
    »Du hoscht dein Stall sauber beinand grad sauba Ma siecht it viel
solchene Bischt d gwiss scho lang auf n Hof«
    »Na Erscht seit n Juli«
    »Mit dir is oana aufgricht Du haltst dei Viech wia s a si ghört«
    »Mi tuat halt sei Arbet«
    »A jede vasteht s it a so mit n Arbetn alloa is it gmacht Wanns d
amal nimma do bleibn mogscht na lass d ma s wissn Für di hätt i an
ausnehmend guatn Plotz«
    »Hoscht du a größers Sach«
    »Es waar it bei mir Aba no du werst da so schnell it geh«
    »Wo waar denn nacha dös«
    »Bei Bruck umanand Aba i möcht di fei ja it wegredn dös tat i scho net
zwegn an Schormoar«
    »Um dös brauchscht di it kümmern an Baua waar s aa ganz recht«
    »Bal du wegkimmscht«
    »Ja weil a halt a Hauserin her tuat und übahaupts«
    »So  so«
    »Hab i di« dachte sich der Tretter »Also de is No da Gschmack waar gar
it so schlecht«
    Und laut sagte er
    »Nacha sollt i dir an guatn Deanst varatn«
    »Waar ma scho recht«
    »Du muasst ma halt a wengl schö toa du Fackei du mollets«
    »Geah wos hoscht denn«
    Sie wich den derben Händen des Tretter aus
    »Tua no it so I reiss da nix oba vom Fleisch«
    »Wos fallt dir denn ei«
    »Unseroana werd aar amal was saubers orührn derfn«
    »I mag dös it«
    »Hot bloß da Schormoar s Recht dazua«
    »Wos redst denn du daher«
    »Geh hör auf du Sukei du gschmachs Bal an oaschichtiga Mensch so was
mollets in Haus hot no woass ma s scho«
    »Du bischt guat troffa«
    »Herrschaftseitn überanand bal i di no bei mir eistelln kunnt mi
vastandn ins bald«
    »Glaab dös it I mag so was net«
    »Gar net«
    »Na«
    »Da waar i wieda anderst«
    Er griff noch einmal unzart nach ihr aber sie kam ihm mit einer schnellen
Wendung aus Und sie war nicht dazu aufgelegt mit dem wüsten Menschen einen
Spaß zu haben
    Überhaupt war sie nicht lustig gestimmt
    Ihr Zustand und die Ungewissheit und auch dass der Holzweber Simmer gar nicht
dergleichen tat und alles mitsammen machte ihr zuwidere Tage
    »Hör de Sachn auf« sagte sie unwirsch »I bi koa Handtuach wo dir du d
Händ oputzn koscht«
    »Deifi überanand So stolz Vielleicht gibst du s billiga wann i di auf
den selln Plotz bring«
    »I brauch di net dazua«
    »Selm suacha werd da halt oiwei härta okemma«
    »I vasteh di net und jetzt geh amal zua«
    »Adjä schönes Mädichen und grüass mar an Jungfernbund und bals d in dem
Jahr no an Schnulla brauchscht schick i dar oan«
    »Gel du mogscht it so frech sei«
    Aber der Tretter war schon lachend zur Türe hinaus und schlenkerte pfeifend
über den Hof Er suchte den Bauern auf
    »Was kostn de Kaibln«
    »Wos willst d gebn«
    »Fufzgi wia da Preis is«
    »s Pfund gilt jetzt oansafufzg hot ma ghört«
    »Da hoscht falsch ghört«
    »Also nimm s im fufzgi« sagte der Schormayer »Es gilt na für des ander
aa«
    Der Tretter gab den Handschlag und listig blinzelnd sagte er
    »A Kalbin hoscht in dein Stall a recht a foaschte«
    »Da is mir nix bekannt«
    »No de sell de wo i auf Olching umi treibn soll«
    »Geh lass de Gspass Dös stimmt gar it«
    »Net No nacha sag i halt Pfüat Good de Kaibln lass i holn und den Knecht
schick i her«
    Auf der Straße blieb der Tretter noch öfter stehen und lachte vor sich hin
    »Mi möcht a odrahn O du Bauernspitzbua«
 
                              Vierzehntes Kapitel
Aus den Fenstern des Hirtlbacher Wirtshauses klangen Bombardon und Klarinette
einmal tief hinunter und einmal hoch hinauf und lockten immer neue Gäste herein
zur Hochzeit des Kaspar Prückl
    Über die Stiege gingen Mädeln mit hochroten Gesichtern und wischten sich die
Schweißtropfen ab Burschen in Hemdärmeln riefen ihnen Späße zu Teller
klirrten und die Deckel der frisch eingeschenkten Krügel klapperten und der
Bierschlegel schlug dröhnend den Hahn in ein neues Fass
    Fröhlichkeit und Lärm verrieten schon in den Vorräumen ein reiches Fest Im
Saale aber schleiften die Paare tauchten im Lampenlicht auf und verschwanden
drehend in dämmerigen Ecken
    Aus einer Wolke von Rauch und Dunst schoben sich allmählich bekannte
Gesichter vor
    In der Mitte am Ehrentisch das der wohlgezierten Hochzeiterin Ursula
Kiening nunmehrigen Prücklbäuerin sie saß neben dem hochwürdigen Herrn
Pfarrer daneben war das Elternpaar des Hochzeiters zwei Leute denen Sparen
und Arbeit anzukennen war
    Da sah man auch die Fischerbäuerin von Neuried und den gewichtigen Schneider
von Arnbach und etwas entfernt von ihnen am bescheidenen Platze die Asamin
die mit flinken Augen alle Leute beobachtete alle die saßen und standen und
tanzten und der gar nichts auskam
    Sie hatte es mit der Grieblerin einer armen Verwandten des Hochzeiters
getreulich ausgerechnet was die Sache kosten könne und alle zwei waren der
Meinung dass es ungeheuer viel sei und dass diese Verschwendung sich abscheulich
unterscheide von der Sparsamkeit gegen Verwandte die es brauchen könnten
    Und die Asamin war nebenher noch angefüllt mit Schmerz darüber dass man noch
nicht ein halbes Jahr nach dem Tode ihrer Schwester der Schormayerin eine
Hochzeit abhielt
    »Do ko nix Guats aussakemma« sagte sie »und mi gfallt dös amal gar it
dass mar an Totn so schnell vagisst«
    »Hoscht dös it gsehgn« fragte die Grieblerin »dass si d Hochzeiterin
umdraht hot wia s in d Kircha ganga san wer dös tuat sagt an alta Spruch
der schaugt si nach an andern Ehstand um«
    »Bei der Schormayerischn tat mi gar nix wundern dös sag i dir«
    »Is it alls richti dabei«
    »O mei Da mag mi gar it ofanga Vom Alt sagn d Leut allahand«
    »Wos denn« Die Grieblerin rückte näher
    »Der is auf d Weibaleut aus dass s a wahre Schand is Ganz bocknarrisch is
a sagn s«
    »Geah Der Alt«
    »Zu dem is a no it z alt Hinta a jedn Weibakittl is a her«
    »Gel Gel Ja wann eahr d Weiba sterm wern s ganz bärig Dös hört mar
oft sagn«
    »Und zuageh muass bei eahm Oiwei Krach und Unfriedn De Zollbrechtin sei
Nachbarin hot ma vazählt dass ma s oft weitum hört«
    »Dös lasst si denga«
    »Mi sagt aa dass a deszwegn sei Urschula so gschwind ausgheiret hot und
do hot ma freili net wartn kinna bis auf n Hirgst D Schwesta wann s halt no
wissat«
    »Good schenk ihr de ewig Ruah«
    »De braucht s Chrischtlichs Odenkn hat s net viel bei ihre Leut Wann
inseroans it a diam dafür betn tat kriaget s net viel Vaterunsa«
    »Da tuast d freili a guats Werk«
    »Obwoi dass i gar nix kriagt ho vo ihran Sach It an Spensa odar an Rock oda
sinscht wos Liaba lasst ma s in Schrank dafäuln als dass mi da Schwesta wos
gab«
    »Selle Leut kinnan koa Glück hamm Asamin«
    »Na und mi wern s aa dalebn Jessas is dös a Spektakl«
    Die Klarinettentöne stiegen kreischend in die Höhe hielten sich gellend
oben und kletterten wieder herunter wo sie ein gumpender Bass auffing im
lustigen Takte dass die Röcke schwenkten
    Die Fischerbäuerin rückte ihren Stuhl etwas näher zum hochwürdigen Herrn
Pfarrer Kern und hub mit ihm und der tugendsamen Hochzeiterin ein Gespräch an
    »Dös hot ins scho alle mitanand gfreut Herr Pfarra dass S vo da Urschula
ihra Muatta so schön gredt hamm i ho woana müassn«
    »Das ist recht« sagte der geistliche Herr ein vergnügter alter
Junggeselle »bei einer Hochzeit soll s nass hergehen Regnen soll s weil das
ein Glück bedeut weinen sollen die braven Frauenzimmer weil s ihnen ja so
net hart ankommt und beim Mahl da soll s dann was Ordentlichs zum Trinken
gebn No das is ja auch vorhandn« Und er nahm einen braven Schluck
    »D Muatta hätt s halt dalebn solln« meinte die Fischerin immer noch
wehleidig
    »Ja no das lasst sich nicht ändern Sterbn ist unser aller Los Der eine
früher der andere später Wo hat denn übrigens die Wirtin das Kochen gelernt
Das war ja heute ausgezeichnet«
    »I glaab in Dachau« sagte Ursula
    »So Da war sie in einer guten Schule Ganz delikat war alles zubereitet«
    »Sie hot si übahaupt a Müah gebn«
    »Und hat sich ausgezeichnet und bewährt als eine gute Regentin in ihrer
Küche«
    »Sie sollt halt do bei ins hocka« sagte die Fischerbäuerin
    »Rufen wir sie herauf«
    »Na i moan ja da Urschula ihra Muatta «
    »Ach so Das lasst sich nun freilich nicht machen Gönnen wir ihr den
Frieden und überhaupts net wahr sitzen wir da bei einer Hochzeit und haben
die Hoffnung dass wieder neues Leben daraus spriesst Ja«
    Und nachdem er eine Prise genommen hatte legte er die Dose wieder neben das
Schnupftuch und sagte mit einem gutmütigen Lachen »Der Kaspar scheint mir schon
der Mann zu sein auf den man gewisse Erwartungen setzen kann und auch die
Hochzeiterin ist vertrauenerweckend«
    Die Nächstsitzenden lachten noch herzhafter weil der Spaß von ihrem
geistlichen Herrn kam und die Ursula wusste was geziemend war und schaute
verlegen in den Schoss
    »Da werd nix fein« sagte die Fischerin »mi gfallt scho dös dass de Hozet
bei zuanehmadn Mond gwen is Dös hot mi gern denn bein abnehmadn Mond sagt
mi bleibn d Kinda aus Is it wohr Herr Pfarra«
    »Jawohl das ist ein alter Glaube ob er richtig ist können wir nicht
wissen Aber es ghört halt noch was andres dazu als wie der zunehmende Mond«
    Er zwinkerte lustig und alle lachten wie auf Befehl
    »Dös werd na scho aa vorhandn sei«
    »Hoffentlich Fischerin mich freuts wenn ich Arbeit krieg in dreiviertel
Jahr und wir wollen uns den Taufschmaus gut schmecken lassen«
    »Bal amal wos um an Weg is kimm i zu dir Urschula« sagte die
Schneiderbäuerin »denn die junga wissn it wia ma si vahaltn muass Dass mir
vor da siebntn Wocha koa Kindswasch ins Freie hänga derf und dass mi ja nix
davo ausleicha sollt und dass d Wöchnerin sechs Wocha lang in koan Kella it
geh derf dös san lauta Sacha auf de mi guat aufpassn muass«
    »Zwegn wos sollt oans it in Kella geh«
    »Zwegn de Hexn Fischerin Hoscht du dös no nia ghört«
    »Na aba dös woass i dass a Wöchnerin it von Haus weg geh soll so lang s
net in da Kircha war«
    »Und dass mi in da Schwangerschaft net über an Pfluag steign derf und üba
koa Loata sinscht gibt s a harte Geburt«
    »Dös hon i aa scho ghört und drei Oar soll ma siadn und s Wassa
trinkn«
    »Oda drei Nüss essn«
    »Das sind weise Lehren« sagte der Pfarrer lachend »und diesmal kommt der
gute Rat nicht zu spät«
    »Aba Sie müassn do selm sagn Hochwürdn dass mi auf de altn Bräuch wos
haltn muass«
    »Freilich und auf die alten Weiber denn die wissen mehr wie die Gelehrten
Aber jetzt muss ich mich verabschieden«
    »Bleibn S wirkli nimma Herr Pfarra«
    »Es geht leider nicht Hochzeiterin und ich wünsch also einen guten Anfang
Gute Nacht beieinander«
    Die Ehrengäste begleiteten den geistlichen Herrn zur Türe und wie alles
wieder Platz nahm setzte sich der Schormayer zum alten Prückl
    »Sitz mar a bissel zsamm« sagte dieser »Mi wern jetzt bal Kamaradn si
im Austrag«
    »Woass i no it«
    »Wos koscht d macha De Junga druckn nach bal eahna Zeit kemma is«
    »Ob s halt scho so viel gschlagn hot«
    »A diam is gscheidta ma ruckt d Uhr füri und hört ehnder auf In da
letztn Viertlstund richt ma nimma viel aus«
    »Es is it bei an jedn gleich Prückl«
    »Freut di halt aa net gel Mir is selm it leicht worn vom Sach weg geh
und vo dar Arbet Weil mi grad zuaschaugn muass geht s krumm oda grad und
bal da d Händ jucka koscht d halt s Loatsoal nimma nehma«
    »Drum muass ma si s übalegn vor ma s hergibt«
    »No i ho koan Angst it bein Kaschpa er hot s Hausn von jung auf
glernt«
    »Seids guat ausanand kemma bein Austrag«
    »Mi san handeloans worn gstrittn hamm ma freili a weng aba dös ghört
dazua wer leicht wos vaspricht dem is mit n Haltn net ernscht«
    »Und dei Urschula hat dös bessa Mäu ghabt« sagte die Prücklin »dö
vahungert it wo ma si mitn Redn a Geld vodeana ko«
    »Is s a bissel a scharfe Gel Dös hon i dahoam aa gspannt«
    »Scharf sei schadt it Es braucht s scho bei de Zeitn und mit de
Deanstbotn« sagte die Alte
    »Und da Kaschpa werd ihr scho a Beisskorb olegn«
    »So is und d Schneid valiert si a wengl im Ehstand Wos tuast jetzt du
weil d Urschula weg is«
    »I wer a Hauserin eistelln«
    »A junge«
    »Jetzt muass i do lacha« sagte der Schormayer »dös is wirkli de erscht Frag
von a niadn Weibats D Urschula d Schneiderin und du a jede hot dös gleich
gfragt«
    »Mi woass scho warum«
    »Ja i woass s aa Is aba koa Grund it vorhandn denn sie is scho
übastandi«
    »Ghalt s no it z lang denn dös derfst glaabn ea selle haust oiwei in
ihrn Sack«
    »I muass s halt ghaltn bis amal a Bäurin aufziagt«
    »Hoscht d scho oane fürn Lenz«
    »Na Mi pressiert aa nix«
    »Moanst d nimma in dem Johr«
    »In dem Johr amal gwiss it Prücklin«
    »I kenn s« fiel der alte Prückl ein »i woass guat wia dös is I hätt ma
s aa no a Johr übalegt bal sie it a so bengst hätt«
    »Auf mi muasst d as it schiabn Wann di da Schlag net gstroaft hätt na
hätt i wohl nix gsagt«
    »Dös sell muass aa wieda wohr sei Mi hot s bös ghabt an Ausgang Novemba
Schormoar und a Wocha a drei hon i gar nix mehr glaabt«
    »Dass i net vergiss« sagte der Schormayer »i ho ghört ös seids
weitschichti vawandt mitn Sedlmoar vo Arnzell Is vo dena wer do«
    »Er it aba sie er hot dahoam bleibn müassn weil ar an Wehdam hot
Schaug no umi an dem Tisch sell hockt s nebn an Schuasta vo Pellhamm kennst
d n scho mit seina Plattn«
    »So de is San Kinda do bein Sedlmoar«
    »Zwoa Töchta Die oa is vaheiret in Sulzemoos und de ander is dahoam de
hot an krumbn Haxn«
    »Krumb is s«
    »Vo Kind auf scho Sie hot deswegn it gheiret«
    »Aha«
    »Wia kimmscht du auf n Sedlmoar Hoscht du gmoant wegn Lenz De waar nix
für eahm sie is scho bald dreissg Johr alt und muass vui doktern weil s a
Gschwär aa hot am Haxn«
    »Von heiretn und von Lenz hon i nix gmoant I ho grad a so gfragt weil
znachst oana gsagt hot dass ar eahm a Holz vokaffa kunnt«
    »Do hot s koa Gfahr it zahln tuat a guat da Sedlmoar no dass ziemli oa
Schuldn do san is ja richti aba er haut si scho durch«
    »Mi geht s übahaupts nix o« sagte der Schormayer gleichgültig nahm sich
aber vor den Tretter schön hinauszuwerfen für den Fall dass dieser
unverschämte Mensch zu ihm kommen werde Vor ein paar Tagen hatte ihm der einen
Brief geschrieben und da war kein Wort darin gestanden von dem Olchinger Platz
für die Zenzi aber drei Seiten lang Lobsprüche über die Tugenden und Reichtümer
der Sedlmayertochter von Arnzell Und wie man nur ein wenig genauer hinschaute
waren es lauter Lügen Der hatte sich s rein vorgenommen ihm eine
übriggebliebene anzuhängen und sich noch brav zahlen zu lassen
    »Bischt d it guat aufglegt« fragte die alte Prücklin
    »I Mir feit gar nix«
    »Werst d halt heut oft an dei Bäurin denga müassn Dös ko ma sich
eibildn«
    »Ja  ja Aba jetzt wer i mi a bissel zun Burgamoaschta umi hocka Pfüad
Good dawei« 
    »Gfreut di s Tanzn gar it« fragte die Schneiderin den Lenz der mit
finsterem Gesicht seinen Stuhl zwischen sie und die Ursula geschoben hatte
    »Na zu so wos bin i net aufglegt«
    »Lass da s do it gar a so okenna« mahnte die Ursula
    »Sei no du zfriedn du hoscht jetzt dein Willn und ziagst als Bäurin
auf Da koscht du gscheit redn«
    »I sag s grad wei da Vata scho a paarmal hergschaugt hot«
    »Lassn herschaugn Muass i Gsichta schneidn wia s eahm passt«
    »I vasteh an Lenz guat« sagte die Schneiderin
    »Woasst d Urschula is guat troffa de helfat jetzt bald zun Altn«
    »I helf gar it zu eahm dös muasst d it sagn aba s zkriagn hot a koan
Wert it«
    »Du hoscht recht und vo Hirtlbach bis auf Kollbach umi braucht mar aa net
streitn«
    »Pst« machte die Schneiderin »Gebts auf d Leut Obacht«
    »Und auf meina Hozet werst d ma na do koan Krach it macha«
    »I mach da koan und dös liabst waar ma i waar gar it herganga«
    »Do hättest d überalln an Vadruss aufghobn« begütigte die Schneiderin
    »Auf a bissel mehra geht s nimma zsamm Und is wohr aa i pass gar it her
Zu de Burschn mog i net und zu den Bauern ghör i net«
    »No Lenz in dein Alta müassn de mehrern dahoam an Deanstbotn macha«
    »Ja aba sie sehgn an Ehrbarkeit und hamm a Gwissheit dass s scho amal dro
kemma«
    »Dös hoscht du aa«
    »An Dreck hon i«
    »Pscht D Asamin schaugt scho oiwei umma«
    »Ah wos Dös wos mir hoamli redn pfeifan morgn d Spatzn vom Dach«
    »Is wos neus«
    »Na lauta alts bei ins braucht s nix neus mehr Jetzt hot a dös Mensch
scho als Hauserin eigstellt«
    »De Zenzi«
    »Jawoi«
    »Dös is it wohr Lenz« sagte die Ursula »dös muasst d it sagn«
    »Net is wohr Wer is na in da Kuchl«
    »Sie is grad zu da Aushilf drin«
    »So Woasst du dös«
    »Ja dös woass i Pass auf Schneiderin de Gschicht is a so er hot eahm a
Hauserin dunga de eahm da Wirt zuabracht hot aba de sell is krank worn und ko
erscht in a Wocha oda zwee vo Freising her kemma Und weil d Zenzi a wengl wos
vasteht vom Kocha und scho länga do is muass sie dawei aushelfa und für d
Stallarbet hot ar a Taglöhnerin«
    Der Lenz lachte höhnisch und sagte
    »Dös hört si ganz unschuldi o gel Schneiderin Aba ganz so dumm bin i net
dass i s glaab Dös geht wie s de ganze Zeit her ganga is Da vageht oa Wocha
und zwoa Wocha und deselbige Hauserin werd oiwei no mehra marodi und der
Schlampn bleibt«
    Die Schneiderin machte ein sorgenvolles Gesicht
    »Mi gfallt aa nix mehr Hot a denn gar i denkt wos d Leut jetza scho
redn«
    »Na tuat a s erscht recht Abar i schaug den Saustall it o i geh nimma an
d Stubn eini i iss nimmar am Tisch«
    »Sagts ma no grad wo dös no higeht«
    »Dös kon i dir gnau sagn Basel Vor a Johr um is derfst d wieda in a
Hozet geh in a ganz luschtige da heiret a schlechts Mensch an altn Deppn«
    »Jessas na Es wer s do scho insa Herrgott it zualassn« 
    »Höhö Was machts denn ös für Gfriess her So möcht i s net bei meina
Leich«
    Der Hochzeiter kam von seinem Rundgang bei den Gästen zurück und setzte sich
mit lauter Fröhlichkeit neben seine junge Bäuerin
    »Da trink amal Lenz dass d a Schneid kriagst Flankl a weng umanand San
ja sauberne Madl gnua do«
    »I reiss mi it um dös«
    »Bischt denn du aar a Kerl Wann i net scho oghängt waar heunt kunntst
was sehgn«
    »Ja red no zua Du koscht di leicht prahln«
    »Ah Mach do koa Gschicht it her Pass no auf wiar i auf deina Hozet amal
tanz«
    »So is recht Buam« schrie er den Burschen zu die zum Zwiefach mit ihren
Mädeln antraten »Helfts ma mein Jungherrnstand schö eigrabn Auf geht s«
    Und das wirbelte durcheinander schob links und rechts und drehte sich die
Burschen jauchzend und lachend die Mädchen mit ernsten Gesichtern und
niedergeschlagenen Augen
    Der Schormayer der manchen tiefen Schluck getan hatte ging ein wenig
unsicher an den Tanzenden vorbei zum Ehrentisch und wurde vom Kaspar herzlich
begrüßt
    »Jetzt is amal recht Vata den ganzn Tag san ma no it viel z redn kemma
Koscht ma glei helfn dass mar an Lenz a weng aufriegeln«
    »Lass n do trauri sei den Lappn Mi bekümmert dös ganz weni«
    Er schaute seinen Sohn an und einen Augenblick kreuzten sich ihre Blicke
Zorn und Verachtung blitzten darin auf Aber während Lenz sich zur Ruhe zwang
überkam den Alten eine wilde Lust den Sohn zu reizen
    »Wia kimmscht da denn für als junga Baua« fragte er den Kaspar »Gel dös
is wos schöns wann ma d Arm rührn ko und muass si nimma ducka und sein
hoamlichn Zorn vastecka und braucht sein Vata nimma schö toa ins Gsicht«
    »Dös hon i nia to«
    »Net Na bischt du an Ausnahm Aba selle gibt s gnua de si gar nimma
auskenna vor lauta Sucht nachn Regiment dena d Zung aussahängt woasst und
möchtn an Altn liaba vagiftn als dass s n no oschaugn und derfen s aba
it zoagn vastehst Und müassn schö toa und grad falsch sei und kusch macha
kusch sag i«
    »Geh Vata wos hoscht n« fiel Ursula ein
    »Nix hon i I vazähl grad dein Kaschpa was ma siecht wann ma länga lebt
Setz eahm no Kinda her na werd a no öfta an mi denka«
    »De ziag i mir scho« sagte der junge Prückl
    »Ziag dir s no und schaug dass du zun okratzn kimmscht vor s groß
san Na hoscht d lauta Freud ghabt und d Kinda aa«
    »Schormoar jetzt san ma no gmüatli« rief der Schneiderbauer der sah wie
der Lenz in verhaltner Wut käsweiss wurde
    »Freili san ma gmüatli Warum solln ma s denn it sei so lang ma gsund
san Und scho so gsund dass mar auf und auf koa Kranket it gspüarn und halt
scho gar it vareckn kinnan«
    »Gib nach Vata es horchn d Leut scho«
    »Lass s horcha Urschula Da sehgn s amal dass da Schormoar luschtig is
auf deine Hozet So luschti bin i scho lang nimma gwen Geh her du junga Baua
und stöss amal o Mi gfreut s bal i an Junga regiern siech Dös is was anders
als wia so a Lapp der bloß möcht und net derf«
    »Vata«
    Lenz war aufgesprungen und beugte sich keuchend vor und seine Faust presste
sich auf den Tisch
    »Han« fragte der Schormayer wegwerfend
    »Du  du muasst s it übatreibn«
    »Red i mit dir«
    »Allssammete geht it Vata«
    »Kusch sag i«
    »Lenz bsinn di wos d bischt« beruhigte Kaspar den vor Wut Zitternden
und fasste ihn beim Arm
    Der schaute wild um sich und sah neugierige Gesichter sich näher schieben
und spürte ihre Blicke
    Da drehte er sich schweigend um und ging hinaus
    Der Schormayer patschte sich in die Hände
    »Heunt gfreut mi amal s Lebn und hoam geh tua i no lang it Wos stehts
denn ös da« fragte er barsch die jungen Leute die sich an den Tisch
herangedrängt hatten »Tanzn sollts und it Maulaffn feihaltn Aufgspielt
sag i«
    Er warf einen Taler auf den Tisch »Da gebts n de Musikantn und i will
an recht an schiaberischn Landla hörn So Kaschpa jetzt trink i mir
schmeckt s glei bessa weil i mi a bissel ausdischkriert ho«
    »I misch mi in de Sach it Schormoar«
    »Do hoscht recht und es hot s aa it notwendi I brauch koan Helfa und dem
andern nutzets nix«
    Er griff nach einem Masskrug und trank in langen Zügen
    »Hätt mi schier gar trucka gredt« sagte er und wischte sich das Maul
ab
    Wie er am Tisch herumschaute sah er viele erschrockene Gesichter und
merkte dass die Frauenzimmer einander was zuflüsterten
    »Habts no koane Hoamlikeiten« schrie er »I sag mei Sach aa wiar i mir
s denk und schneid it lang um I ho ma durchaus nix z ferchtn und bal an
etla Weibaleut in Kollbach de Köpf zsammsteckan dös macht mir gar nix I bin
da Schormoar«
    Der alte Prückl trat hinter ihn und klopfte ihm auf die Schulter Er wandte
sich hastig um
    »Ah Du bischt aa no do Hock di her zu mir alta Austragla und vazähl ma
wos vo dein Zuastand dass s ma no bessa graust davor«
    »Wos hoscht denn du«
    »I Mein ganz Sach hon i no und i gib s so schnell it her«
    »Hoscht ja recht bals d it mogscht aba jetzt redn ma vo was andern«
    »Moanst«
    »Freili Wer werd si denn an Zorn eibildn auf a Hozet«
    »I bi kreuzluschti und mir feit nix Aba scho gar nix«
    »Dös is a Wort«
    Der alte Prückl ging mit dem Aufgeregten so vorsichtig um wie mit einem
geschürften Ei und fragte ihn viel nach früheren Zeiten nach Arbeit und
Wirtschaft und nach bekannten Leuten
    Und der Schormayer wurde ruhig und betrunken und schläfrig
    Die Asamin an der unteren Tischecke hatte alles gehört und jedes Wort
richtig gedeutet
    »Hoscht d as gsehgn Griablerin wia de anand gsinnt san da Jung und da
Alt De hättn si liaba opackt vor de Leut«
    »Mi is scho ganz anderst worn«
    »I hätt aa koan Tropfn Bluat nimma gebn Pass auf da dalebn ma no wos
und nix schöns it«
    »Wia hart dass n da Alt gredt hot«
    »Der gibt eahm an Hof it und wer woass was da no gschiecht«
    »Und Augn hot da Jung gmacht«
    »Da siecht ma s wieda Griablerin es is it alls bal mar a Geld hot und
a Religion muass vorhandn sei in an Haus sinscht is koa Glück it dabei«  »Dös
is amal wahr«
    »Und bal mi a Religion hot na gibt mi an arma Menschn wos der wo a tote
Schwesta in Ehrn halt und fleissi bet dafür«
    »Sell is gwiss Asamin«
    Noch manches gute Wort der Frommen wurde übertönt von stampfenden Füßen
Drei Paar lederne Strümpf
Und zwoa dazua san fünf
Hot ma mei Vata a Kartn kafft
San nix wia lauta Trümpf
    Die rindsledernen Stiefel wurden gar ausgelassen und die Röcke schlugen an
runde Waden bis tief in die Nacht hinein Am Ehrentisch war es leer geworden
die Brautleute hatte man schon lange mit schmetternder Musik hinausgeblasen die
Eltern des Bräutigams und fast alle Verwandten hatten sich auf den Heimweg
gemacht da legte sich der Schormayer müd in den Tisch hinein und schlief bis
ihn der Wirt aufrüttelte
    »He Schormoar«
    »Mei Ruah lass ma«
    »Wach auf Du werst hoam wolln«
    Der Schormayer schaute mit blinzelnden Augen über die leeren Stühle hin
    »Ja no fahr ma halt hoam Da Lenz soll eispanna«
    »Der is scho lang furt«
    »Furt Ah so Nacha spannst halt du ei«
    Schläfrig erhob er sich und ging mit unsicheren Schritten über die Stiege
hinunter Neben der Haustüre lehnte er sich an die Wand der Kopf fiel ihm nach
vorne und die Arme ließ er schlaff herunterhängen bis ihn der Hausknecht zum
Wagen führte und ihn hinaufschob Er drückte sich in die Ecke und ließ den
Bräundl nach seinem Willen gehen bergauf und bergab und im langsamsten
Schritt
    Ein zorniger Föhnwind heulte hinter dem Wagen her und stürzte sich wütend in
die Bäume die am Wegrande standen der Schormayer hörte ihn nicht und der Gaul
ging mit flatternder Mähne ruhig fürbass
 
                              Fünfzehntes Kapitel
»Dei Vata is schö vo da Hozet hoamkemma« sagte Christl der neue Knecht vom
Schormayer ein rotaariger aufgeschossener Bursche in dessen sommersprossigem
Gesicht ein paar freche Augen saßen »I hon eahm im Wagl drin aufwecka müassn«
    Lenz gab keine Antwort er putzte an einem Rossgeschirr herum bloß um irgend
etwas zu tun es hätte Arbeit auf dem Feld draußen gegeben aber es hielt ihn
etwas daheim und er schickten nun den Knecht hinaus und war erst recht
missmutig dass er im Hof die Zeit vertragen sollte  Aber hatte er überhaupt
noch etwas zu arbeiten
    »Wos is« fragte er nun den Knecht der fortgeredet hatte
    »Lacha hon i müassn wiar i an Bauern gfundn ho I hon an Gaul ghört
und mach s Tor auf do steht s Wagl draussn und da Bräunl scharrt mit n
Huaf und na hör i schnarcha und wiar i nachschaug flackt dei Vata im Wagl
und schlaft Der waar jetza no it aufgwacht«
    »Schleun di a weng dass d mit n Dunga aussi fahrst«
    »I spann glei ei Woasst na hon i dein Vata aufgweckt und hon eahm ins Haus
umigführt und na hon i an Schlüssl gsucht aba dawei is scho enka Hauserin
kemma und hot an Bauern einizarrt«
    »Wos für a Hauserin«  »De Zenzi halt«
    »Is de vielleicht insa Hauserin«
    »Vo mir aus is s wos mog I vazähl bloß dass s aufgmacht hot und sie
bringt n scho in d Stubn hat s gsagt und hoffentli hot eahm de Kältn it
gschadt Sie werd eahm nacha scho aufgwarmt hamm«
    Christl hatte ein schmutziges Lachen in den Mundwinkeln wie er das sagte
    »Mach amal dass d weita kimmscht mit n Fuhrwerk« befahl der Lenz barsch
und ließ den Knecht stehen
    Er war müde und abgeschlagen und wurde nicht fertig mit dem was ihm gestern
geschehen war Vor allen bekannten und fremden Leuten hatte ihm der Vater
Feindschaft angesagt und aus jedem Wort war es nicht bloß für ihn deutlich zu
hören gewesen dass es aus sei zwischen ihnen und die Hoffnungen die schon so
gewiss waren dass er sie mit Händen hätte greifen können hatten keinen Boden
mehr In einem kurzen halben Jahr war alles verändert Warum Das konnte ihm
doch niemand weismachen dass es von dem selbigen Streit herkam Ein paar heftige
Worte wie sie anderswo genug fallen die hatten das nicht gemacht Aber er
hatte es ja deutlich genug sehen müssen wie der Vater von einem Tag zum andern
gehässiger auf ihn wurde und da war jemand dahinter ja ganz gewiss war eines
dahinter und hetzte und schürte Und niemand anders wie das verfluchte
Weibsbild das sich an den Alten hingemacht hatte schon den allerersten Tag
nachdem die Mutter aus dem Haus war
    Die verstand es Ganz fein ging sie es an und schob sich heimlich auf den
Ehrenplatz im Hause Dass es die Ursula nicht wahr haben wollte und das nicht
sah was doch so deutlich war Die hatte halt mit Ruhe wegkommen wollen weil
sei es doch nicht ändern konnte und jetzt war vielleicht an ihm die Reihe zu
gehen aber anders in Feindschaft und Hass
    Lenz wischte sich über die Stirne der Schweiß stand ihm darauf Herrgott
Wenn er s überdachte  das konnte ja gar nicht sein dass ihn der Vater wegen
der hinausjagte und alle Leute müssten auf seiner Seite stehen und es dem Alten
sagen was es für ein Unrecht sei
    Vielleicht wenn er selber mit ihm reden würde ganz ruhig und würde es ihm
vor Augen stellen dass es die Jahre her nie etwas gebraucht hätte zwischen
ihnen und dass die Mutter verstorben sei im festen Glauben dass ihr Sohn einmal
das Sach in Händen haben werde und dass jetzt eine fremde Person ihm Lügen
erzähle damit sie ihren Vorteil davon habe dann müsste doch der Vater auf das
Rechte kommen
    Und das sollte nun gleich sein und nicht aufgeschoben werden denn der
Zustand war nicht mehr zum Aushalten Wie ein Knecht herumstehen dem man das
Davonjagen angetragen hat und der nicht weiß ob es noch der Mühe wert tut
eine neue Arbeit anzufangen das war das allerschlechteste
    Dem Lenz war sonderbar zumut wie er sich auf den schweren Weg machte Es
war ihm als sei er über Nacht fremd geworden daheim als gingen ihm die
altvertrauten Dinge die er um sich herum sah nichts mehr an oder als müsste er
von neuem ein Recht darauf suchen
    Zögernd trat er ins Haus Im Flötz stand Zenzi vor einem offenen Schrank und
kramte in der Wäsche herum Oft hatte Lenz seiner Mutter zugeschaut wenn sie
die sauber gewickelten Leinwandrollen umschichtete oder ein weißes Linnen
zusammenlegte und mit der Hand sorgsam glättete und von klein auf hatte er
Respekt gehabt vor diesem bunt bemalten Kasten über den die Mutter eifersüchtig
wachte
    Jetzt langte das Weibsbild mit frechen Händen hinein und warf die alte
Ordnung über den Haufen Er gab ihm seinen Gruß nicht zurück und wie es fragte
ob er zum Vater hinein wolle hörte er nicht und ging ohne Antwort in die Stube
    Da setzte er sich an den Tisch und überlegte sich wie er am besten seine
Rede anfangen könne
    Wenn der Alte im Stuhl sitzen würde ihm gegenüber und er würde dann sagen
»Schau Vata des sell hat jetzt koan Wert gar it dass mir da aufanand hässlich
san Also net wahr Jetzt hamm ma so lang mitanand ghaust und zwegn wos
solln denn nacha mir auf oamal zkriagt sei I tua mei Sach und du werscht
gwiss it sagn kinna dass i net gern arbet und du muasst it sagn dass mir d
Zung aussahängt vo lauta Gier nach n Sach Dass i gern auf n Hof kam dös sell
is amal gwiss und weil mi aa gar nia was andersts gwisst hot und weil dös aa
da Brauch is dass mi s Sach vo de Eltern kriagt und hot mi aa seine beschtn
Johr dahoam zuagsetzt durch dös dass ma s gar it anderst gmoant hot aba
deswegn is durchaus it da Fall dass i di mit Gwalt weg hamm möcht oda dass i
dir dei Gsundheit it vagunn und bals du wos sogscht nacha muass dir dös wer
anderna eigredt hamm und dös is amal frech glogn von dera
Herrgottsaggerament «
    Lenz redete immer lauter in seiner Erregung und schlug mit der Hand auf den
Tisch
    Da hörte er in der Nebenkammer husten und räuspern und gleich darauf den
Vater rufen
    »Wer redt denn da draussd«
    »I bin s Vata«
    »Mit wem streitst denn«
    »I ho grad a so für mi higredt«
    »So Sag der andern sie soll an Kaffee in d Stubn bringa«
    »I hätt nacha aa mit dir wos z redn«
    »Wos denn«
    »Zwegn da Arbet und a so halt«
    »Do bin i gar it aufglegt dazua dös sogscht d ma spata«
    »Wann nacha«
    »Dös wern ma scho sehgn aber jetzt lass mir mei Ruah«
    »Sollt i in a Stund wieda kemma«
    »Na sog i Du werst scho wartn kinna«
    Mit der Rede war es vorläufig nichts und Lenz ging verdrossen aus der
Stube
    Er sah Zenzi in der Küche arbeiten und sagte so grob er s herausbrachte
zur halbgeöffneten Türe hinein
    »An Kaffee sollscht d eahm bringa«
    Das Frauenzimmer war in seiner wichtigen Stellung mitteilsam geworden und
rumorte mit der ungewohnten Arbeit mehr im Hause herum als gerade notwendig
war Und jetzt wollte es auch arglos sich vor dem Sohn ein wenig prahlen und
geschäftig zeigen
    »Hoscht d an Vata aufgweckt Dös hättest it toa solln«
    »Hätt i di fragn müassn«
    »Na aba weil a halt so spat hoam kemma is und i ho scho a weng Angst
ghabt dass a si wos to hot weil a no im Wagl draussd gschlafa hot und i hon
an aa so lang it ghört bis da Christl nacha aussi is «
    Lenz unterbrach die gesprächige Person die er mit zugekniffenen Augen
feindlich ansah
    »Du Gel du bildst da wos ei Aba dös is no lang it da Fall Vastehst d
mi«
    Nein die Zenzi verstand ihn und seinen Hass wirklich nicht
    »Wos tat i mir eibildn«
    »Dös was nia werd Gar nia Für dös steh dar i guat du Schlampn du
vadächtiga«
    Und da war er weg und ließ das Weibsbild in wirklicher Traurigkeit zurück
denn es schmerzt mit einem friedfertigen Sinn und der allerbesten Meinung einen
solchen Schlag auf den Kopf zu kriegen Man grübelt darüber nach und weil man
keinen Grund zu dieser besonderen Roheit finden kann glaubt man bald an die
Schlechtigkeit der Welt oder daran dass man sterbensverlassen der Gegenstand des
allgemeinen Unwillens ist Und hernach steht das hilflose Weibsbild mit
tränenden Augen am Herd und wischt sich mit russigen Fingern übers Maul und
schaut aus wie ein Haufen Unglück
    »Wos feit denn dir« fragte der Schormayer wie ihm Zenzi mit stillem
Schmerz den Kaffee hinstellte
    »Nix« sagte sie
    »Wegn nix werst d na do it trenzn«
    »Mi feit nix«
    »Vo mir aus I brauch s it z wissn«
    Sie zog die Türe still hinter sich zu und in dem Gefühl das unschuldigste
Opfer einer ganz abscheulichen Grobheit gewesen zu sein tröstete sie sich nach
und nach
    Der Schormayer löffelte im dumpfen Bewusstsein dass hier wieder einmal eine
Ursache zum Ärger vorhanden sein könnte seinen Kaffee aus
    »Der werd all Tag bessa« sagte er vor sich hin »mit alle Leut is er
saugrob und mir schneidt er a Gsicht hi wia neun Tag Regnwetta An
Hansgirgl hat a vatriebn de ander trenzt im Haus umanand und nacha wer i
drokemma Bals d di no it schneidst du Grobian du haglbuachana«
    Wenn es einmal so weit ist dass sich zwei Leute die zueinander gehören
nicht mehr verstehen dann helfen die besten Meinungen nichts Lenz hatte mit
sich selber eine große Erbarmnis dass ihm sein anerkennenswerter Versuch
sogleich misslungen war und in der dummen Geschäftigkeit der Zenzi sah er nichts
als wohl angelegte Boshaftigkeit
    Und da er seinen Charakter behaupten und keine Arbeit angreifen wollte vor
der Unterredung mit dem Alten ging er am frühen Vormittag ins Wirtshaus Als
einziger Gast an diesem föhnwarmen Werktag der jeden Pflug auf den Acker rief
erregte er das gerechte Aufsahn der Wirtin und sie setzte sich mit einem
dicken Knäuel Wolle neben ihn und hub ein Stricken und Fragen an dass es dem
verdrossenen Menschen zu eng in seiner Haut ward Er gab mürrische Antworten
und gab keine Antworten aber das war für die kluge Frau erst der rechte
Ansporn von allen Seiten und hinten herum anzugreifen denn das war doch einmal
nicht natürlich dass der SchormayerLenz nach der gestrigen Hochzeit mit einem
solchen Gesicht herumging und da war irgend etwas geschehen was sich aus einer
halben Antwort auf drei Fragen am Ende schon erraten ließ
    Außerdem war ja die Unterwirtin nicht gerade auf den Kopf gefallen hatte
auch schon einiges läuten hören und wusste deswegen wo sie das Brett lupfen
musste um auf den Boden zu sehen
    Nach einigen Stunden wusste sie ungefähr wie der Lenz über die Verhältnisse
daheim gesonnen war und wusste gewiss dass er acht Halbe abgestandenes Bier
getrunken hatte
    Beim Schormayer daheim war die Stimmung auch nicht viel schöner Als er sah
dass die Pferde müßig im Stall standen wurde er verdrießlich und wie der
Christl heimkam und sagte dass weiter nichts angeschafft sei für den Tag merkte
er gut dass ihm der Lenz trotzen wolle Beim Mittagessen wollte er ihn schon zur
Rede stellen ob das eine Manier sei am schönsten Tag alles liegen und stehen
zu lassen aber der Lenz blieb aus und der Schormayer musste seinen Ärger
aufsparen
    Es kam auch gleich ein neuer hinzu wie er seine Kommandogewalt ausübte und
dem Christl befahl noch diesen selbigen Nachmittag nach dem Scharrerwinkel
auszurücken und frischweg draufloszuackern Ja das ginge nicht Der eine Pflug
sei noch beim Schmied und bei dem andern müsse auch erst das Streichbrett
gerichtet werden
    Kreuzteufel Ob da keine Zeit dazu gewesen wäre den ganzen Winter Und
jetzt wo jeder Nachbar auf dem Feld sei dächte man erst daran das Zeug
herzurichten
    Es war gut dass der Schormayer wieder einmal selber zum Rechten schaute und
er machte sich auch gleich auf den Weg in die Schmiede Bei der ersten
Strassenbiegung wäre er beinahe an seinen Sohn hingerumpelt der im eifrigen
Selbstgespräch um die Ecke kam
    Oha
    Der Lenz schaute seinem Vater der an ihm vorbeiging verblüfft nach und
richtete erst einmal seine Gedanken auf die ein wenig übers Kreuz stolperten
Dann lief er dem Alten nach und pfiff ihm
    »Halt a wengl Vata«
    Der Schormayer blieb stehen
    »Dös is grad recht dass i di siech« sagte der Lenz »und jetzt möcht i amal
wissn wann mir mit anand z redn kemman«
    »Vielleicht spata wanns d nimma bsuffa bischt«
    »Wo bin i bsuffa«
    »Na gar it Stinkst auf drei Schritt nach n Bier«
    »Dös is it wahr«
    »I streit vielleicht mit dir auf da Strassn Mach dass d hoam kimmscht
und schlaf dein Rausch aus Dös is schö beim beschtn Wetta blitzn und in
Wirtshaus hocka wiar a Handswerksbursch«
    Lenz schaute den Vater mit aufgerissenen Augen an und plötzlich liefen ihm
die Tränen die Backen herunter
    »Du  du willscht mi ja it arbetn lassn und hoscht ma s vor alle Leut
gsagt dass i a  a Lapp bi hoscht gsogt «
    »Geh jetzt zua und scham di I red da nix mehr«
    Der Schormayer ging weg und schaute sich um ob niemand sie beobachtet habe
    Das war noch das allerschönste Mit einem Rausch am hellichten Werktag
durchs Dorf gehen und mitten am Weg einen Streit anfangen Und doch tat ihm der
Bursch wieder leid dass er sich aufführte wie einer der ganz aus dem Geleise
geworfen war und es war etwas in seiner Stimme und auch wie er so zu weinen
anfing was ihn unruhig machte
    Er drehte sich um und sah dass der Lenz noch immer auf dem gleichen Fleck
stand und ihm nachstierte Das ärgerte ihn wieder und er brummte im Gehen »De
bsuffene Sau«
    Lenz ging mit zögernden Schritten heim aber bevor er an den Hof kam packte
ihn die Scheu geradeswegs hineinzugehen und er schlich hinter den Stallungen
vorbei in die Wagenremise Hier setzte er sich auf eine alte Kiste und brütete
lange vor sich hin
    Es war ihm zumute als wenn er nicht mehr auf das Anwesen gehörte und als
wenn hier feindselige und fremde Menschen das Recht hätten ihn fortzuweisen
Draußen rieselte in allen Furchen das Schneewasser und starker Erdgeruch drang
zu ihm herein Er frischte ihn nicht auf sondern machte ihn müde und schläfrig
Von der Dachrinne tropfte es in regelmäßigen Pausen und es war wie eine
eintönige Musik zu seinen wirren Gedanken
    Es fiel ihm nur immer wieder ein dass ihn der Vater zum zweitenmal
abgewiesen hatte
    »Er mag it redn sagt a In da Fruah is eahm it recht gwen jetzt is eahm
it recht gwen i bi neamd mehr dahoam«
    Der Kopf sank ihm tiefer und er schlief ein
    Erst nach etlichen Stunden wachte er auf und fuhr fröstelnd zusammen als
die Sonne hinter den Hügeln verschwand blies eine kalte Luft über die Felder
    Lenz musste sich erst besinnen wie er da in sein Versteck hereingekommen
war und alles an was er sich erinnerte machte ihn zornig gegen sich und die
andern Einen Tag so dumm verhockt und verfaulenzt bloß weil er in der Frühe
nicht hatte reden dürfen
    Aber jetzt wollte ers herunter haben was ihn drückte und gern oder
ungern der Alte sollte ihn heute noch anhören Er wollte sich nicht mehr
abweisen lassen wie ein Bettelmann dem man die Tür vor der Nase zuschlägt und
vielleicht morgen wieder ums Haus herumschleichen und warten aufs gnädige Gehör
Am End hatte er doch auch ein Recht das er behaupten konnte
    Er horchte Im Hof klangen Schritte und dann hörte er den Vater rufen
»Chrischtl Woasst du aa nix wo da Lenz is«
    »Na i hon an den ganzn Tag it gsehgn«
    Lenz schlich zur Remise hinaus ging um die Stallung herum und kam nun mit
festen Schritten auf das Haus zu
    »Bischt du amal dahoam« fragte ihn der Schormayer als sie nun in der Stube
einander gegenüberstanden »Hoscht dein Rausch ausgschlaffa«  »I woass nix von
an Rausch«
    »No da redn mar it lang drüba Aba dös sell sagst d ma vielleicht wos
dir du eibildst Selm nix arbetn an Knecht nix oschaffn s Zeug net
beinand hamm dass mi zuaschaugn muass wia d Nachbarn aufs Feld aussifahrn 
werd dös de neu Modi auf mein Hof«
    »Da bischt du schuld Vata«
    »I«
    »Vielleicht woasst du dös nimma was d ma du geschtan gsogt hoscht vor alle
Leut«
    »Und deswegn saufst du heut umanand«
    »Wann du sogscht dass i für nix bin«
    »I wer schon wissn wos i sogn derf und di wer i no kaam fragn müassn
Und moanst du «
    »Du derfst aa it alls sagn «
    »Lass mi ausredn gel Muass i no freundli sei wann d ma du an Knecht
vatreibst der neun Johr bei mir gwen is«
    »I hab an Hansgirgl it vatriebn«
    »Na du bischt ganz unschuldi Dem is vo selm eigfalln dass a ganga is«
    »Bal a gsagt hot dass n i vatriebn ho na lüagt a Soll a hergeh und
soll ma dös in s Gsicht eini sagn bal a ko Der Leutverhetza«
    »Der hot it ghetzt und hot nix gsagt Aba gar so alt und so dumm wias d
mi du gern hättscht bin i halt no net und sehgn tuar i aa no und durch dös
woass i dass da Hansgirgl bloß wegn deine ganga is«
    »Ander Leut sehgn aa Vata und kinnan glaabn dass da Hansgirgl wegn wos
andern nimma bleibn hot mögn«
    »Wegn wos«
    Lenz zuckte die Achseln
    »Allssammete passt it an jedn«
    Der Schormayer hatte in Erinnerung an den Nachmittag ruhiger geredet aber
jetzt fuhr er wieder zornig auf
    »Wann du wos zum sagn hoscht nacha kimm net vo hint uma und bring dei
Sach für De vastecktn Gschichtn hamm bei mir gar koan Wert«
    »Es is it leicht vo so was redn«
    »Na muasst d gar nix sagn aba so hoamli muasst d as it obringa wolln«
    Lenz gab sich einen Ruck und sagte dann indem er es vermied den Vater
anzuschauen »Es is wohr Amal muass gredt wern und i bi ja deswegn kemma«
    »No aussa damit«
    Der Schormayer stellte sich ans Fenster mit dem Rücken gegen seinen Sohn
und so war der eher imstand alles vorzubringen was er sich die langen Tage her
ausgedacht hatte
    »Siehgst d Vata a so geht s nimma um D Leut verachtn ins «
    »Wen«
    »Ins all mitanand weil  weil «
    »Red no weita«
    »Weil s amal a Schand is und so dumm san d Leut it dass s dös it mirka
zwegn was d Zenzi üba Liachtmess bleibn hot derfa «
    »Wos is denn dei Meinung zwegn wos de bleibn hot derfn«
    Lenz stockte und wandte den Kopf nach rechts und links und zog sich den
Hemdkragen weiter und sagte dann
    »No ja Zwegn dem halt «
    »Dass du gar so gschamig bischt und sagscht zu mir it dös nämli wia zu de
Leut«
    »I ho no nia wos gredt üba dös«
    »Woher woasst na du dass a Gredt umgeht«
    »Dös sagn oan d Leut ohne dass mi fragt«
    »No also wos sagn s denn«
    »Dass  dass du s hoscht mit da Zenzi«
    »Und du glaabst dös aa«
    Lenz zuckte die Achseln
    »I muass scho glaabn Du hoscht d as ja it glaugnt wia dir s d
Urschula fürghebt hot«
    »Na i ho s it glaugnt«
    »Is dös na koa Schand it dass du so oane im Haus haltst«
    »I halt s net zwegn dem Ja da muasst du it lacha Dös steht dir gar it
o dass d mi du obleckst«
    »Da soll mar it lacha Oamal hoscht d as und s andermal hoscht d as
it«
    »Bal mir mit anand redn solln tua mi net Lüagn straffa Sinscht hamm ma
glei ausgredt«
    »Ja no na hör i halt nimma richti«
    »Wissn tuast d nix und eibildn tuast da z vui«
    »Wos is da no zun eibildn«
    »I sag da jetzt dös und du koscht glaabn oda it dös is dei Sach i ho
oamal im Rausch a Dummheit gmacht und es ko sei dass s mi danach net gfreut
hot Üba dös gib i dir koa Rechnschaft aba mit dem oanmal is s aus gwen«
    »Dös lasst si denga«
    »Du brauchst as net glaabn und brauchst net so zahna«
    »Für so dumm muasst d mi na do scho it oschaugn Zwegn wos hättscht du
nacha dös Mensch als Köchin her to und hoscht d as üba Liachtmess ghaltn«
    »Dös hat an andern Grund«
    »Aha«
    »Gar nix aha Weil s mi gfreut hot hab i s ghaltn weil s mi gfreut
hot is s in da Kuchl und bal s mi freut nacha geht s«
    »Und weil s di gfreut hot bischt d mit ihr im Holz draussd zsammkemma«
    »Bischt du dös inne worn Do schaug her Hon i an Schpion im Haus«
    »Dös hamm scho d Holzknecht vazählt und hamm di brav dableckt«
    »Fremde Leut kon i s net vabiatn aba du reißt s Mäu it auf gegn meina«
    »I sag da s grad dass d siehgst wiar i alls woass«
    »An Dreck woasst«
    »Ja dreckig is s do hoscht recht«
    »Ah Bischt du a Pfarra dazua zun Schpion«
    »Du muasst mar it alls sagn Vata Mi geht s a so durch n Kopf dass i mi
nimma auskenn«
    »Bischt d vielleicht no bsuffa«
    »Na Bsuffa bin i gar it I woass grad dass dös nimma sei derf dass du a
Luadalebn führscht mit dem Schlampn und i leid s nimma«
    »Kimmscht wieda mit de Schandarm«
    »I brauch koan I wer scho selm firti mit dem Hadern«
    »Trau da Du Lausbua du nixiga Rühr grad an Finga sag i und du flackst
draussd auf da Strassn«
    »Dös sogscht du zu mir Und tatst dir it Sündn ferchtn Und tatst s
Odenkn it ferchtn vo da Muatta«
    »De müasst si zerscht schama mit dir du Tagdiab«
    »I kunnt dir aa Nama gebn Vata«
    »Gib s Scheuch di net lang Und weils d ma so kimmscht sag i dir wos I
mog di nimma Scho lang mag i di nimma weil i di kenna glernt hob Du tatst
oan mit Füassn tretn wanns d kunntst und an Herrn spieln derfast Aba du
Du hoscht di gschnittn Da Herr bischt net und werst net Du bischt grad da
Hanswurscht do herin«
    Sinnlos vor Wut die ihm die Augen verdunkelte trat Lenz auf seinen Vater
zu und packte ihn an der Brust
    Der riss sich heftig los und wich einen Schritt zurück und schrie mit
gellender Stimme
    »Oho Bürschei An Vata ogreifn San ma scho so weit Du Hund«
    Lenz griff sich an den Kopf Der Atem ging ihm schwer
    »Schimpf zua« sagte er dumpf
    »I schimpf di nimma Mit ins zwoa is s aus Suach dar an Plotz und geh je
ehnder desto liaba I will di nimma sehgn«
    »So hat s ausgeh müassn dass ma sei eigens Kind vajagt«
    »A sellas dös sein Vata schlagn möcht«
    »I hab nimma gwisst wos i tua«
    »Na bsinn di bei fremde Leut und weils d so guat predinga koscht richt
d ar amal dös zsamm wos in viertn Gebot steht«
    Lenz ging mit käsweissem Gesicht an die Türe seine Lippen waren blass als
wäre kein Tropfen Blut mehr in ihm
    Keuchend fragte er noch einmal
    »Is dös dei letzts Wort dass i koa Hoamat nimma hab«
    »Mei letzts Wort«
    »Dass i Platz macha muass für de Für de da draussd«
    »Fangst d wieda o« schrie der Schormayer und ging mit schnellen Schritten
in seine Kammer und schlug die Türe hinter sich zu
    Lenz blieb ein weniges stehen als wartete er auf ein versöhnendes Wort
    Aber es blieb still
    Und da schlich er zum Hause hinaus
 
                              Sechzehntes Kapitel
Es war an Kunigund den 3 März und ein Tag so fein wie Seide warm und
sonnig Über die Berge die ganz ferne wie weiße Streifen die Ebene abgrenzten
war der Frühling gekommen und schritt über die braunen Moore die dunkeln Äcker
her Der Schormayer trat unter die Türe und atmete mit vollen Zügen die
Morgenluft ein
    Eine lange Nacht lag hinter ihm in der er wenig geschlafen hatte Zornige
Gedanken schlechte und gute Gedanken hatten ihn wach gehalten und zuletzt
hatte er doch den Weg gefunden den er gehen musste
    So viel er dagegen suchen mochte stellte sich doch immer klarer die Mahnung
vor ihn hin dass es den ganzen Verdruss nicht gebraucht hätte wenn er von Anfang
beim Rechten geblieben wäre
    Alles hätte sich vernünftig und redlich schichten lassen Und war der Fehler
auch nicht gar zu groß gewesen so wuchs er doch jetzt mächtig an und bedrohte
sein Hauswesen und seine Ehrbarkeit mit großem Schaden
    Das war ja unmöglich dass er alle Fäden zerschneiden sollte die ihn an der
Vergangenheit festielten
    Die Erinnerung wurde in ihm lebendig wie er die ersten Jahre mit seiner
Bäuerin gehaust hatte wie dann die Kinder kamen und als fröhliche Hoffnungen
heranwuchsen die Erinnerung an das Siechtum der armen Frau an manchen Blick
der eine Bitte gewesen war an den letzten Händedruck der als treues
Versprechen hatte gelten müssen Und jetzt sollte er das alles wegwerfen und
vergessen und jetzt wo er zu altern anfing sollte er den Versuch machen eine
neue Zukunft zu gründen
    Das war ja dumm Das konnte sich einer bloß im Zorn auf eine kleine Weile
einbilden In Ehrbarkeit die letzten Jahre leben und bei der alten Sitte
bleiben darin lag Vernunft und bloß das konnte ihm Ruhe und Glück versprechen
Und wegen was sich Unrast auflegen und Feindseligkeit und Missachtung
    Er dachte doch in seinem Herzen nicht daran auf die Freite zu gehen und
nicht eine halte Stunde weit hätte ihn die Lust getrieben sich ein Weibsbild
daraufhin anzuschauen
    Selbst wenn er frei von allen Pflichten gewesen wäre hätte er lieber als
Wittiber fortgehaust als wie in diese zweifelhafte Lotterie gesetzt So was
sagt man nur und tut es nicht Und gar in seinen Umständen Mit den erwachsenen
Kindern uneins werden ihre bitterste Feindschaft erregen die ganze
Verwandtschaft rundum in Bewegung setzen
    Und alles fürs Ungewisse
    Noch einmal das war unnützes Zeug und war so schnell vergessen wie es
gesagt war Aber noch ein paar Jahre neben dem Lenz hausen und dermaleinst einen
vernünftigen Austrag machen und die müden Füße in Behagen ausstrecken und mit
Zufriedenheit zurückschauen auf vergangene Mühsal das war gescheit und war der
Brauch
    Und so wollte er es machen
    Es war ihm völlig leicht zumut wie er den Entschluss gefasst hatte
    Teufel übereinander er hatte lang genug gebraucht und wüstes Zeug geredet
und gedacht bis er so weit war
    Aber nun wars vergangen und mit dem Lenz wollte er bald übereins kommen
    Der würde Augen machen nach dem gestrigen Verdruss
    Und wenn mans recht bedachte war der Schaden nicht so groß für später
wenn der heftige Mensch gesehen hatte dass der Alte auch noch auf seinen Füßen
stand
    Freilich dass der Bursch seine Ruhe so ganz verloren hatte und außer Rand
und Band geraden war das lag nicht bloß an ihm
    Und brauchte es gute Worte um wieder ins alte Gleichmass zu kommen so
wollte er sie suchen und finden
    Und hernach war es auch nicht übel wenn er in Güte ihm das noch zusichern
konnte dass das Weibergeschwätz über ihn und die Zenzi schiech übertrieben war
    »Heda Du«
    Er schrie dem Knecht der einen Gaul aus dem Stall führte
    »Guat Morgn Baua«
    »Is da Lenz no drin«
    »Wo drin«
    »Ob a im Stall is frag i«
    »Na Er is übahaupts it drin gwen«
    Christl schaute den Schormayer lauernd an in Hoffnung auf ein paar
Hindeutungen
    Er hatte gestern wohl etwas von dem Lärm in der Stube gehört aber leider zu
wenig
    Aber er täuschte sich in seinen Erwartungen Der Schormayer blieb
gleichmütig und sagte
    »Na is a vielleicht in alla Fruah scho auf Arnbach umi wia ma s ausgmacht
hamm«
    »Da hätt i en do sehgn müassn«
    »Du werscht aa it alls sehgn bals d schlafst und jetzt roas aussi in
Scharrerwinkl I kimm glei nach mit n zwoatn Gspann«
    »Mir kimmt s a so für als wann er gar it in sein Bett gwen waar«
    »Herrgott Kümmer di du um dei Bett wann d mit da Arbeit firti bischt Auf
geht s sag i und a wengl gschwind«
    Christl war noch nicht lange aus dem Hof da hatte der Schormayer schon
seine zwei Bräundl angeschirrt und fuhr mit dem Pflug weg Einmal fest
geschnalzt und noch einmal Es war schon ein Staat zum erstenmal wieder
hinausziehen hinter dem klirrenden Eisen
    Eine Amsel flog zwitschernd durch die Stauden hinter einer andern her
    »So is recht Treibt s o fleissi Es is nimma z fruah«
    Beim letzten Haus überkam ihn der Gedanke an den Lenz
    Hätte er nicht warten sollen und gleich reden A was Soll er noch ein paar
Stunden bocken Vielleicht kam er aufs Feld hinaus und da hätt man s gleich am
leichtesten den ganzen Verdruss zu begraben
    Wie der Schormayer mit Ross und Pflug einen Hohlweg hinaufschepperte trat
aus des Zollbrechts Stadel der Lenz heraus und schaute ihm nach
    Und schaute aus hohlen Augen ihm lange nach
    Dann wie einer plötzlichen Eingebung folgend wandte er sich rasch um und
lief heim zu
    Der Bursch sah schlecht aus übernächtig verstört die Haare hingen ihm
wirr und ungekämmt in die Stirne herein und seine Stimme hatte einen heiseren
Klang
    Im Hof blieb er öfter stehen als hätte er was zu überlegen und seine
Blicke hefteten sich auf den Boden wenn er zögernd weiter schritt Er schlich
sich in den Viehstall und suchte die Aushelferin die erst seit etlichen Tagen
eingestanden war
    Sie saß hinter einer Kuh und melkte und er trat leise an sie heran
    »Liesi«
    Sie fuhr herum und wäre bei seinem Anblick schier noch mehr erschrocken
    »Bischt du krank«
    »Na grad a weng hoaser bin i«
    »Und de Hoor san voll Heu«
    »Is mas a Schüppl aufigfalln Pass auf du sollscht aufs Feld aussigeh«
    »Wia kon i dös I muass do melka«
    »Dös macht scho d Zenzi Da Vata hat gsogt du muasst glei aussi zu eahm«
    »Bis an Scharrerwinkl hintri«
    »Er hat s amal gsagt du muasst unbedingt kemma«
    »Jetzt kenn i mi gar it aus Was soll i denn da draussd toa«
    »Vielleicht muasst d no wohi geh I woass gar nix«
    »Ja dass a ma s it selm gsogt hot«
    »Da frogscht mi umasinscht Er hot ma gschriean wiar a hint aufi is und
sogt a d Liesi soll in halbn Stund aussikemma und soll bein Wirt a paar
Flaschn Bier mitnehma«
    »Vielleicht moant a d Zenzi«
    »Na Bal i dir s amal sag Er hot s no ausdrückli gsagt d Zenzi soll
daweil aushelfa im Stall«
    »No ja na gehn i halt«
    Da sie gerade mit dem Melken fertig war stellte sie den Stuhl auf die Seite
und strich den Rock herunter
    »Dös woass i gar it was dös is«
    »Vielleicht hoscht dir eppas zschuldn kemma lassn« sagte Lenz und ging
ein paar Schritte weg
    »Da müasst i scho aa wos wissn und dös kunnt mar oan dahoam sogn«
    »Tua was d mogscht I ho da s ausgricht und do hoscht s Geld für s
Bier Dös hot a ma no eigens gebn«
    »Muass i mittn vo da Arbet weg und s Bier hätt da Chrischtl leicht gnua
mitnehma kinna und «
    »Wo san denn de Kaiblstrick« fragte Lenz kurz
    »Hinta da Trucha beim Fenschta«
    »Ah da san s ja de kunnt mar aba bessa aufhebn«
    »Brauchst as du«
    »Na mi is grad eigfalln wei d Kaibln erscht furtkemma san«
    Lenz hatte einen von den fettigen dick gedrehten Stricken genommen und
strich mit der Hand darüber hin
    Nach einigem Hin und Herreden war Liesi so weit dass sie gehen wollte
    »I muass aba jetzt da Zenzi sagn dass d Scheckin und d Blass no it gmolka
san«  »Dös sag scho i«
    »Aba mirk dir s d Scheckin und d Blass«
    »I woass scho und jetzt geh amal zua«
    Kopfschüttelnd ging die Taglöhnerin weg und drehte sich noch ein paarmal um
    Was einem alles angeschafft wird
    Lenz schaute ihr nach und als sie durchs Tor verschwunden war lief er mit
langen Sprüngen dem Haus zu
    Zenzi spülte in der Küche Geschirr ab und verzog das Gesicht als sie den
Burschen sah Sie hatte ihm die letzte Grobheit noch nicht vergessen
    Aber heute redete er freundlich mit rauer Stimme die ihm ein paarmal
schier in der Kehle steckenblieb aber recht freundlich
    »Du Zenzi da Vata hat gsagt du sollscht in Stall aussi geh«
    »Wos tat i denn im Stall«
    »Ja woasst d wei d Liesi furt hat müassn solltst du aushelfa und de
Blass is no it gmolka und gfuattert is aa no it «
    »Dass de vo da Arbeit weglafft«
    »Sie hot müassn bei ihr dahoam is was auskemma und da Vata hot s ihr
verlaabt und hot gsagt du bischt scho so guat und machst heunt amal firti im
Stall «
    »Dass sie nix sagt zu mir«
    »Vielleicht hot s a so pressiert «
    »Hoscht denn du an Baua no gsehgn Er hot di gsuacht«
    »I bin grad bein Hof eina wia d Liesi furt is und er aa da hot a ma dös
ogschafft«
    »Na wer i halt umi geh müassn«
    »Sie werd da nacha scho aar amal an Gfalln toa und bal i dir a wengl
helfa ko hilf i dir gern«
    »Du«
    »Warum it Im Rossstall is nix zun Arbetn und aufs Feld gehn i erscht in
an Stund«
    Der Zenzi kam die Freundlichkeit auffallend vor aber sie dachte nicht viel
darüber nach und band sich die Schürze ab und ging über den Hof
    Lenz ging einen Schritt hinter ihr drein
    Im Stall wollte Zenzi gleich die Blass melken aber wieder hatte der Bursche
eine freundliche Bitte an sie
    »Geh du kunntst in d Tenn aufisteign und Heu obaschmeissn na gib i de
Küah vor wann du melkst«
    Sie wandte den Kopf nach ihm in einem halben Jahr hatte er nicht mit ihr
geredet und ganz gewiss nie ein gutes Wort Aber Lenz hatte sich umgedreht und
ging langsam den Barren entlang
    Wenn er freundlich war konnte er schon einen Grund haben und es tat ihr
wohl ihn auch einmal handsam zu finden
    »Is scho recht« sagte sie »i wer glei drobn sei«
    Sie ging zur Türe hinaus die nach dem Heuboden führte und stieg die Leiter
hinauf
    Sowie Lenz allein war griff er nach der Tasche Das Seil war darin
    Mit ein paar Sprüngen war er an der Leiter und kletterte hastig nach
    Dann kam ein gellender markerschütternder Schrei der über den Hof weg
klang und einen Flug Tauben aufscheuchte
    Und ein paar gurgelnde Laute
    Und dann war es still
    Kurze Zeit später schlich Lenz aus dem Stall horchte sah sich um und
horchte wieder
    Und dann lief er zum Brunnen und pumpte und wusch sich die Hände
    Und wusch sich in fieberiger Hast die Hände
    Am Scharrerwinkel hatte der Schormayer erst etlichemal gewendet und wie er
wieder auf der Höhe des ansteigenden Ackers angelangt war musste er sich
verschnaufen denn bei der ersten Arbeit wird einer gern kurzatmig
    Wohlgefällig sah er wie in dem prallen Sonnenschein alle Ackerkrummen
aufweichten und wie sich förmlich sichtbar überall das neue Leben regte
während in einer schattigen Waldecke Schnee und Eis noch den Platz halten
wollten Er setzte sich auf einen Ranken und indes er den Hut abnahm schaute er
fröhlich gegen Kollbach hinunter auf die breiten Dächer seiner Scheunen und
Ställe
    Da drunten sollte nun wieder nach dem faulen Winter der rührigste Fleiß
obenauf kommen und Ordnung
    Ja Ordnung die er heute schon in sich selber geschaffen hatte und mit ihr
auch wieder die Lustigkeit Denn eigentlich war es doch ein jämmerliches Ding um
das versteckte Streiten wenn kein Gruß mehr galt und jedes Wort einen
Widerhaken hatte
    Aber jetzt konnte es anders werden unter den grauen Schindeln die sich in
der Wärme zu strecken schienen
    »Hoppla Was hamm denn de Taubn«
    Er sah den Schwarm aufsteigen und über die Häuser wegflattern
    Als wenn eine Katze drein gesprungen wäre
    Ihre weißen Federn glitzerten in der Sonne und sie strichen weit hinaus in
die Felder und wollten lange nicht zur Ruhe kommen
    Jetzt sah er unten ein Weibsbild auf dem Feldweg mit eiligen Schritten
gehen
    Sein rotes Kopftuch leuchtete wie Feuer
    Wahrscheinlich eine Magd aus dem Dorfe die was zu bringen hatte Und Leute
gab es ja genug rundum auf allen Äckern überall sah man Gespanne bergauf und
bergab wandeln und auf allen Seiten blitzten weiße Hemdärmel und flatterten im
Frühlingswind
    Das war ein anheimelndes Bild vom Wiederaufwachen der Arbeit
    Jetzt kam die Weibsperson näher heran und winkte herauf
    Ging ihn das an
    Doch wohl nicht aber sie nahm den Weg gerade zu ihm her
    Der Schormayer stand auf und wollte den Pflug aus der Furche heben da hörte
er seinen Namen rufen
    Er hielt ein und schaute noch einmal schärfer hin und dann ging er dem
Frauenzimmer entgegen
    Die Liesi wars
    Schon auf zehn Schritte rief er sie an
    »Wos willscht ma denn du«
    »I will da nix aba was willscht denn du«
    »Han«
    »Für wos mi du holn hoscht lassn«
    Er schaute erstaunt in ihr gerötetes Gesicht
    »I hab di holn lassn«
    »No freili Da Lenz hot ma s ausgreicht i soll auf da Stell zu dir aussa
kemma und soll a Bier mitbringa«
    dabei langte sie ihm zwei Flaschen hin
    »Wos soll denn dös für a Gspass sei dass er di do aussa sprengt«
    Liesi schaute nun auch hilflos ihren Bauern an
    »Hoscht eahm du dös it ogschafft«
    »Ah I hon an Lenz heut no it gsehgn«
    »Jessas na Jetzt hot s ma völli an Stich gebn«
    »Dass der heunt zu sellane Dummheitn aufglegt is hätt i net glaabt«
    »I woass it Schormoar ob da a Gspass dabei is mir is scho den ganzn Weg
her it recht gwen weil a gar so schiach dreigschaugt hot«
    »Was soll s denn sei«
    »I woass wohl it«
    Der Schormayer wurde unruhig und ließ sich von der Liesi den ganzen Hergang
erzählen Und dass sie nicht einmal hatte ausmelken dürfen und auf der Stelle
hatte fortgehen müssen
    »Und d Zenzi hot a gsagt muass dei Arbet firti macha«
    »Ja De Blass und d Scheckin san no it gmolka gwen und dös macht scho d
Zenzi hot a gsagt und du hoscht as ausdrückli ogschafft sagt a «
    »Jetzt gfallt ma selm nix mehr« sagte der Schormayer vor sich hin
    »I spann aus und geh mit dir hoam« setzte er entschlossen bei und gleich
darauf schritt er mit den zwei Gäulen hinter der Magd her
    Dass er gerade die Zenzi zu der Arbeit hinstimmen wollte Und nach dem Krach
von gestern Und daheim hatte er gar nicht geschlafen wie der Christl meinte
    »Liesi«
    Die Taglöhnerin blieb stehen
    »Is dir wos auffallat gwen Weis du sogscht dass a so schiach
dreigschaugt hat«
    »Freili bin i an eahm ganz vahofft gwen D Hoor san eahm einighängt und
so bloach is a gwen wiar a Kranks und aufm Gwand und aufn Kopf is eahm s
Heu ghängt als wann a in an Schober übanacht hätt und d Augn hot s eahm
ganz aussa triebn «
    »Vielleicht is eahm grad a weng schlecht gwen und junge Leut übanachtn
oft auf gspassige Platz Aba geh a weng gschwinda«
    Nach einer Viertelstunde die ihm recht lange vorkam war der Schormayer
daheim
    Der Hof lag still im tiefsten Frieden
    »Lenz«
    Es kam keine Antwort
    »Geh in Stall und hol d Zenzi I bring dawei d Ross eini«
    Schnell hatte der Bauer die Pferde angebunden den Kummet nahm er ihnen
nicht ab Und dann lief er wieder ins Freie
    Drüben kam die Liesi aus dem Stall
    »D Zenzi is it do« schrie sie
    »Ja Herrgott«
    In starker Unruhe eilte er ins Haus und gleich in die Küche
    »Zenzi Zenzi«
    Nichts rührte sich
    Der Schormayer stellte sich ins Hausflötz und schrie noch lauter
    »Zenzi«
    Niemand gab Antwort
    Aber da war es als ob ein Brett droben knarrte Und nun lief der Bauer die
Stiege hinauf und nahm drei Stufen auf einmal
    Im Gang hinten neben dem Fenster lehnte in der Ecke die Schultern
zusammengezogen und mit Augen wie ein scheues Tier der Lenz
    »Lenz was is denn«
    Der sagte nichts und streifte den Vater nur mit einem Blick von unten
herauf
    »Mensch was tuast denn«
    Jetzt redete er endlich mit zusammengepressten Zähnen
    »Mei Sach pack i«
    »Mach koana Dummheitn Lenz Es is it so gmoant gwen und mir lassn de
Gschicht guat sei«
    »Es wird nix mehr guat«
    »Warum denn it Do hoscht d mei Hand drauf«
    Lenz fuhr zurück
    »Na Na I gib da mei Hand it I gib da s it«
    »Geh Lenz«
    »Bitt di gar schö Rühr mi net o«
    Dem Schormayer griff es ans Herz den armen verstörten Menschen zu sehen
und er wollte ihm wieder zureden
    Da drang über den Hof ein langgezogener Schrei an sein Ohr
    Erschrocken horchte er
    Und wieder schrie es unten an der Türe
    »Baua Baua D Zenzi hot si aufghängt«
    In fürchterlichem Entsetzen warf der Schormayer einen Blick auf seinen
Buben
    Der zog den Kopf zwischen die Schultern und ein Zittern lief über ihn hin
    Da brachen dem Alten die Knie
    »Jesus Maria und Josef«
    Das Anwesen des Sebastian Glas zum Schormayer in Kollbach ist im Herbst
des selbigen Jahres zertrümmert worden nachdem sein Sohn Lorenz zur schwersten
Zuchtausstrafe verurteilt worden war
    Der Vater bewohnt in Dachau ein kleines Haus und ist durch starkes Trinken
in seiner Gesundheit sehr zurückgekommen