
        
                              Deutscher Idealismus
   Appellation an das Publicum über die [...] ihm beigemessenen ateistischen
                                  Äusserungen
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                             Johann Gottlieb Fichte
                          Appellation an das Publicum
                        über die durch ein Churf. Sächs.
       Confiscationsrescript ihm beigemessenen ateistischen Äusserungen
                  Eine Schrift, die man erst zu lesen bittet,
                            ehe man sie confiscirt.
 
                    Aus der Nationalzeitung von 1798 St. 51.
                                  Chursachsen.
    Folgendes Churfürstl. sächs. Rescript ist an die beiden Universitäten
Leipzig und Wittenberg ergangen:
    
    Von Gottes Gnaden, Friedrich August, Churfürst u.s.w. Würdige, Hochgelahrte,
Liebe, Andächtige und Getreue. Wir haben, wegen der in dem ersten und zweiten
Aufsatze des ersten Heftes des von den Professoren zu Jena, Fichte und
Nietammer herausgegebenen Philosophischen Journals p. ao. 1798 entaltenen
ateistischen Äusserungen die Confiscation dieser Schrift angeordnet. Und da
wir zu den Lehrern unserer Universitäten das gegründete Vertrauen hegen, dass
sie jede Gelegenheit, welche ihnen ihr Amt, und ihr Einfluss auf die Jugend und
das Publicum überhaupt an die Hand gibt, dazu benutzen werden, die angegriffene
Religion mit Nachdruck, Eifer und Würde in Schutz zu nehmen, und dafür zu
sorgen, dass vernünftiger Glaube an Gott, und lebendige Ueberzeugung von der
Wahrheit des Christentums überall gegründet, verbreitet, und befestiget werde.
So lassen wir Euch solches hierdurch unverhalten sein. Datum Dresden am 19. Nov.
1798.
                                                 Heinrich Ferdinand v. Zedlwitz.
                                                             Carl Gottlieb Kühn.
    Der erste Aufsatz in dem genannten ersten Hefte des genannten Journals ist
von mir; ich habe in demselben den Grund unsers Glaubens an Gott untersucht; ich
habe Sätze aufgestellt, welche von einer gewissen abgöttischen und ateistischen
Partei unter uns ateistisch genannt werden; jene Beschuldigung des Ateismus
geht also auf mich.
    Möchte man doch immer in Chursachsen die von mir verfassten oder nur
herausgegebenen Schriften verbieten. Sie haben da schon so manches Buch
verboten, und werden noch so manches verbieten; und es ist keine Schmähung, in
dieser Reihe mit aufgeführt zu werden Ich schreibe und gebe heraus nur für
diejenigen, die unsere Schriften lesen wollen; ich begehre keinen zu zwingen;
und ob die einzelnen selbst, oder ob in ihrer aller Namen die Regierung
versichert, dass sie meine Schriften nicht mögen, ist mir ganz einerlei. Sind
etwa die einzelnen nicht gleicher Meinung mit ihrer Regierung, so mögen sie das
mit ihr ausmachen; es ist nicht meine Sache.
    Also - vom Verbote ist gar nicht die Rede, sondern von dem Grunde desselben.
Sie geben mich für einen Ateisten aus. Dies ist meine Sache: dagegen muss eine
Verteidigung erfolgen, und ich selbst muss diese Verteidigung übernehmen.
    Die Beschuldigung der Gottlosigkeit ruhig ertragen, ist selbst eine der
ärgsten Gottlosigkeiten. Wer mir sagt, du glaubst keinen Gott, sagt mir: du bist
zu dem, was die Menschheit eigentlich auszeichnet, und ihren wahren
Unterscheidungs-Charakter bildet, unfähig; du bist nicht mehr als ein Tier. Ich
lasse ihn bei diesem Gedanken; und sage ihm dadurch: du bist unfähig über
dergleichen Gegenstände zu urteilen, und unwürdig, dass man dich darüber
urteilen lehre; dergleichen Gegenstände sind für dich gar nicht vorhanden; und
ich mache ihn dadurch zum blossen Tiere. - Ich konnte, nachdem man wissen muss,
dass diese Beschuldigung zu meinen Ohren gelangt, nicht stilleschweigen, ohne
eine Verachtung gegen mein Zeitalter zur Schau auszulegen, die ich nicht
empfinde, und welche zu empfinden, mir mein Gewissen verbieten würde.
    Ich konnte nicht stillschweigen, ohne meinen ganzen Wirkungskreis
aufzugeben. Ich bin Professor an der Landesuniversität mehrerer Herzogtümer,
deren Akademie auch von Ausländern zahlreich besucht wird; ich bin
philosophischer Schriftsteller, der einige neue Ideen in das Publicum bringen zu
können glaubt. Es müsste in Deutschland alle Achtung für das Heilige völlig
verloschen, und unsere Nation müsste wirklich sein wessen jene mich zeihen, wenn
nicht die christlichen Fürsten, welche die Hoffnung ihrer Länder, die Väter und
Mütter, welche ihre Söhne auf dieser Akademie wissen, alle, welche angefangen
meine Philosophie zu studiren, ohne sie auf den Grund zu kennen, in ihrem Innern
erbebten; wenn von nun an meine Person und meine Schriften nicht geflohen
würden, wie verpestete. Wer mir sagt, du bist ein Ateist, lähmt und vernichtet
mich unwiederbringlich, wenn er Glauben findet. Ich bin jenen Erschrockenen
Beruhigung, ich bin mir selbst Verteidigung meines Wirkungskreises schuldig.
Geduldig mich lähmen zu lassen, verbietet mir die Pflicht.
    Ich konnte zu dieser Beschuldigung nicht stillschweigen, ohne mich
politischen Folgen, ohne mich der sichtbarsten Gefahr für meine bürgerliche
Existenz, für meine Freiheit, vielleicht für mein Leben, auszusetzen. Jenes
Verbot ist nicht wie so manches andere Verbot durch das Ungefähr aus einem
Loostopfe herausgezogen worden; es ist die Folge eines durchdachten, und langsam
und bedächtig ausgeführten Plans. Von geheimen Intriguen und Stadtgeschwätz zwar
nimmt der rechtliche Mann keine Notiz; nachdem sie aber eine öffentliche
Begebenheit veranlasst haben, ist es Zeit, auch sie selbst der Publicität zu
übergeben, damit jedes Ereignis in seinem Zusammenhange erscheine. Also - es
ist mir sehr wohl bekannt gewesen, dass schon seit einem Vierteljahre und
darüber die Partei, welche es für Gottesdienst halten würde, mich zu verfolgen,
in demjenigen ihrer berühmten Sitze, der mir am nächsten liegt, über jenen
Aufsatz beratschlagt, gemurmelt, gescholten, gepoltert hat; anfangs weniger
laut, dann, durch die in Geheim angeworbene Beistimmung dreistgemacht, lauter
und entscheidender. Für aufgeklärt, für wohldenkend bekannte Teologen haben
geäussert: dass sie nicht wissen würden, was sie von meiner Landesobrigkeit
ferner zu denken hätten, wenn ich dasmal nicht abgesetzt würde. Andere haben,
auf den Fan, dass sie in dieser Hoffnung doch sich täuschten, vom Reichsfiscal
und Reichstage gesprochen. Der erste Schritt, den sie auf ihrem Wege zu tun
hatten, ist gelungen; sie haben ein öffentliches Verbot jenes Journals, eine
öffentliche Rüge jenes Aufsatzes, als eines ateistischen, sich zu verschaffen
gewusst. Ich darf nicht hoffen, dass diese Helden mit dem ersten Siege sich
begnügen, und auf dem errungenen Lorbeer ruhen werden. Ich müsste sie nicht
kennen, oder sie werden, so man sie nicht bei Zeiten entkräftet, alle die
angekündigten Schritte tun, so wie sie den ersten getan haben, und nicht
ruhen, bis ihr Ziel erreicht ist. Sie haben ihren ganzen Grimm und allen
Schimpf, den sie vor der Hand, mit jenem Verbote ausgerüstet, mir antun
konnten, erschöpft: sie haben ihn übertrieben, und ein Verbot, das nur auf das
erste Heft des Journals geht, auch auf das zweite öffentlich, und durch geheime
Intriguen auf das ganze Journal ausgedehnt. - Vanini zog aus dem Scheiterhaufen,
auf welchem er soeben als Ateist verbrannt werden sollte, einen Strohhalm, und
sagte: wär' ich so unglücklich, an dem Dasein Gottes zu zweifeln, so würde
dieser Strohhalm mich überzeugen. Armer Vanini, dass du nicht laut reden
konntest, ehe du an diesen Platz kamest! Ich will es tun, Doch ehe mein
Scheiterhaufen gebaut ist; ich will, so lange ich mir noch Gehör zu verschaffen
hoffen kann, so laut, so warm, so kräftig sprechen, als ich es vermag. Dies zu
tun, gebietet mir die Pflicht. Ich will ruhig erwarten, welche Wirkung es haben
wird. Diese Ruhe gibt mir mein Glaube.
    Der Erfolg für meine Person ist mir ganz gleichgültig. Ich weiss es, und
fühle es mit herzerhebender Gewalt, meine Sache ist die gute Sache, aber an
meiner Person ist nichts gelegen. Unterliege ich in diesem Kampfe, so bin ich zu
frühe gekommen, und es ist der Wille Gottes, dass ich unterliegen sollte; Er hat
der Diener mehrere, und er wird, wenn seine Zeit kommt, die Sache, die seine
eigene Sache ist, ohne allen Zweifel siegen lassen. Wann er dies tun wird, und
ob durch mich oder einen andern, davon weiss ich nichts und soll ich nichts
wissen: nur so viel weiss ich, dass ich auch meine Person verteidigen muss, so
lange ich kann, indem für mich der Sieg der guten Sache allerdings auch an die
Tätigkeit dieser Person mit geknüpft ist. Aber selbst, wenn ich gewiss wissen
könnte, dass ich bestimmt sei, die unzähligen Opfer, welche schon für die
Wahrheit fielen, um Eines zu vermehren, so müsste ich doch noch meine letzte
Kraft aufbieten, um Grundsätze in das Publicum bringen zu helfen, welche
wenigstens diejenigen sichern und retten könnten, die nach mir dieselbe Sache
verteidigen werden. Unter den Ruinen der Wahrheitsmärtyrer hat von jeher höhere
Freiheit und Sicherheit für die Wahrheit gekeimt. In einem jeden Zeitalter ist
die grössere Menge unwissend, verblendet und gegen neue Belehrungen verstockt.
Jedes Zeitalter würde das Verfahren der vorhergehenden gegen diejenigen, welche
alte Irrtümer bestreiten, in allen Stücken nachahmen; wenn man sich doch nicht
zuweilen schämte, selbst zu tun, was man nur soeben an den Vorfahren laut
gemisbilligt hat. Die Zeitgenossen Jesu errichteten den Propheten Denkmäler, und
sagten: wären sie in unseren Tagen gekommen, wir hätten sie nicht getödtet; und
so tut bis auf diesen Augenblick jedes Zeitalter an den Märtyrern der
vorhergehenden. Jedes hat darin ganz recht, dass es dieselben Personen, wenn sie
wiederkämen, nicht verfolgen würde, indem diese ja nun grösstenteils ihre
untrüglichen Heiligen geworden sind; sie verfolgen jetzt nur die, welche jene
nicht für untrüglich anerkennen wollen; aber darin muss man ihnen Gerechtigkeit
widerfahren lassen, dass sie es doch allmählig mit mehrerer Bedenklichkeit und
mit besserem Anstande tun lernen.
    War es je notwendig, dergleichen Grundsätze zur Verteidigung der Glaubens-
und Gewissensfreiheit in das Publicum zu bringen, so ist es gegenwärtig
dringende Notwendigkeit. Verteidigen wir nicht jetzt, nicht auf der Stelle
unsere Geistesfreiheit, so möchte es gar bald zu spät sein. Man unterdrückt den
freien Forschungstrieb nicht etwa mehr, wie es ehemals geschah, hier und da, so
wie es die augenblickliche Laune gebietet; man tut es aus Grundsätzen, und
verfährt systematisch. Welcher ist unter meinen Lesern, der nicht den durch das
Unglück der Zeiten herbeigeführten Grundsatz behaupten, predigen, einschärfen
gehört habe: Freiheit der eigenen Untersuchung gefährdet die Sicherheit der
Staaten; Selbstdenken ist die Quelle aller bürgerlichen Unruhen; hier, hier ist
die Stelle, wo man das Uebel mit der Wurzel ausrotten kann? Die einzige
untrügliche Wahrheit, über die kein menschlicher Geist hinauskann, die keiner
weitern Prüfung, Erläuterung oder Auseinandersetzung bedarf, ist schon längst
fertig; sie liegt aufbewahrt in gewissen Glaubensbekenntnissen; das Geschäft des
Selbstdenkens ist schon längst für das Menschengeschlecht geschlossen: - so muss
man sprechen. Diese Wahrheit auswendig zu lernen, sie unverändert zu
wiederholen, und immer zu wiederholen, darauf muss man alle Geistesbeschäftigung
einschränken; dann stehen die Trone fest, die Altäre wanken nicht, und kein
Heller geht an den Stolgebühren verloren. - Diesen Grundsatz auszuführen,
schicken sie sich jetzt ernstlicher als je an. Für den Anfang musste, um die
Laulichkeit des Zeitalters aufzuschrecken, ein grosses, die Ohren gehörig
füllendes Wort, das des Ateismus gewählt, und dem Publicum das selten zu
erlebende Schauspiel einiger Gottesläugner gegeben werden. Wie gerufen fiel
gerade ich mit meinem Aufsatze ihnen unter die Hände. Man lasse sie nur erst mit
mir fertig sein, sie werden dann allmählig schon weiter schreiten; und vor dem
Ende eines Jahrzehends wird über die geringste Abweichung von der geringsten
Phrase in der Concordienformel kein kleineres Aufheben gemacht werden, als jetzt
über meinen vermeinten Ateismus.
    Es könnten daher zwar wohlmeinende, aber mit dem menschlichen Herzen und
ihrem Zeitalter sicherlich unbekannte, oder leichtsinnige und eines ernstaften
Nachdenkens unfähige Leser sein, welche mit dem Einwurf meine Schrift in die
Hand nähmen, mit dem Einwurfe sie fortläsen dass ich einer geringfügigen Sache
eine zu grosse Wichtigkeit gäbe, und viel Lärmens erhöbe über wenig oder nichts.
Abgerechnet, dass ohne alle Rücksicht auf die Umstände die Beschuldigung der
Gottlosigkeit schlechterdings nicht für geringfügig aufgenommen werden darf,
sind diesesmal die Umstände in der Tat so, dass meine ganze fernere
Wirksamkeit, dass meine bürgerliche Sicherheit, dass die allgemeine
Gewissensfreiheit sieh in Gefahr befindet. Schon jetzt, - ich schreibe dies
einige und zwanzig Tage nach der Ausfertigung des Verbots - hat sie ohne mein
Zutun und Mitwissen eine misbilligende Stimme gegen meine Ankläger hören
lassen; es würden, wenn ich auch beharrlich schwiege, deren mehrere sieh
vernehmen lassen; denn die öffentliche, feierliche, aus einem hohen
Regierungscollegio ausgehende Beschuldigung des Ateismus ist zu unerhört, zu
ungeheuer; die Veranlassung dazu ist so offenbar und so gänzlich ohne Grund, und
es sind denn doch noch nicht alle Exemplare meines Aufsalzes weggenommen, dass
kein Mensch in ganz Deutschland mehr denselben mit dem deswegen ergangenen
Rescripte vergleichen könnte. Meine Gegner werden sonach in kurzem zu ihrer
eigenen Verteidigung genötiget sein, fort zu intriguiren und zu kabaliren,
ihre Partei gegen mich in Geheim zu verstärken, die Mächtigen gegen mich zu
verhetzen, meine Worte so lange zu verdrehen, bis sie sagen, was sie wünschten,
dass ich gesagt hätte, Lügen auf mich zu erdichten und herumzubieten; kurz mich
völlig schwarz zu machen, damit sie neben mir ein wenig weisser erscheinen.
Oder, wenn auch möglich wäre, was ich zur Ehre meines Zeitalters für unmöglich
halte, dass keiner unter allen freien Denkern ein Wort zu meinem Besten sagte,
und auf diese Weise meine Gegner von aussen nicht weiter gereizt würden; wenn
möglich wäre, was ich für noch unmöglicher halte, dass sie selbst durch ihren
Feuereifer von innen nicht weiter gereizt würden, und sich für diese Sache mit
dem erhaltenen Triumphe begnügten: welches soll denn für die Zukunft unser
beiderseitiges Verhältnis werden? - Ich habe in jenem Aufsatze, der meine
Gegner gegen mich so erbittert hat, meine Grundsätze über Religion bloss
angedeutet; es war ein Gelegenheitsaufsatz, welchen ich der gleich nach ihm
abgedruckten Schrift eines anderen philosophischen Schriftstellers zur
Begleitung mitgeben zu müssen glaubte; ich muss meine Grundsätze noch weiter
auseinandersetzen, noch tiefer begründen, noch eingreifender anwenden. Können
sie ohne ihre vorhergehenden Lügen laut zu bekennen, zu diesem Unternehmen
stillschweigen? müssen sie nicht, nachdem ich durch die gegenwärtig getroffene
mildere Maassregel, wie sie sie nennen mögen, mich nicht warnen, ihr gelinderes
Zuchtmittel nicht an mir anschlagen lassen; - müssen sie nicht notwendig, um
consequent zu erscheinen, zu härteren greifen, und alle jene Schritte, die sie
schon so bestimmt angekündigt, einen nach dem andern, tun? Also, ich müsste
über dergleichen Gegenstände in offenem Drucke ganz schweigen, wenn ich vor
ihnen Friede haben sollte. - Aber nur über dergleichen Gegenstände? man würde
sich sehr irren, wenn man glaubte, dass sie es nur mit meinem vermeinten
Ateismus zu tun hätten: mit meiner ganzen Philosophie, mit aller neueren
Philosophie haben sie es zu tun, und daran haben sie ganz recht, und zeigen,
dass sie ihren wahren Feind wohl kennen; jener vorgebliche Ateismus ist nur
Vorwand. Sie haben in der Freude des Herzens ihr Geheimnis verraten, indem sie
frohlockend ausgerufen: nun sähe man doch Gottlob endlich klar, worauf die
neuere Philosophie hinauslaufe, auf puren Ateismus. Meine Philosophie, meine
ganze Denkart ist durch sie nun einmal in allen ihren Teilen für eine Lehre
erklärt, die notwendig zum Ateismus führt, und sie können consequenterweise
keinen einzigen Zweig derselben anders aufnehmen, als alle übrigen; was ich auch
nur vorbringen mag, sind sie durch ihre Lage genötigt zu verfolgen. Ich müsste
sonach überhaupt nichts mehr drucken lassen, wenn ich vor ihnen Frieden haben
sollte - Aber ist denn der Druck der einzige Weg, auf welchem ich meine
Ueberzeugung mitteile? Bin ich nicht auch akademischer Docent? O sie haben sich
das nicht entgehen lassen, denn noch gellen mir die Ohren von der oft gehörten
Litanei es ist kläglich, wie viele junge Leute dieser Verführer in den Abgrund
des Verderbens mit sich hineinzieht! Nachdem einmal bekannt ist, dass sie es
wissen, ich sei akademischer Docent, können sie nun, so gewiss man bei meiner
Verfolgung sie vom Eifer für die Ehre Gottes und für die Wohlfahrt des Nächsten
getrieben glauben soll - sie können nicht ruhen, bis meine Stimme ebenso auf dem
Kateder, als in öffentlichen Schriften verstummt ist. - Aber man bleibt doch in
der Gesellschaft; man kann doch durch Unterredungen zwar nicht mehr ganze Haufen
von Seelen, aber denn doch immer Seelen verführen, und ihr Wächteramt erstreckt
sich auf die Erhaltung aller. Sie müssen sonach notwendig, wenn sie consequent
sind, mich sogar aus der menschlichen Gesellschaft vertreiben; und nun erst
könnten sie nach ihren Grundsätzen vernünftigerweise ruhen. Also, wenn auch der
unerwarteteste Zusammenfluss von Umständen, und eine noch weniger zu erwartende
Milde meiner Gegner es ihnen möglich machte, das Vergangene zu verzeihen, so ist
doch ihre Ehre, ihre Würde, ihr ganzes äusserliches Ansehen, die Möglichkeit
ihrer inneren Selbsttäuschung, unauflöslich daran gebunden, mir nur auf diese
Bedingung zu verzeihen, dass ich vom literarischen Schauplatze und dem der
Gesellschaft gänzlich verschwinde. In dieses Verhältnis mit einer zahlreichen,
kühnen, politisch geltenden Partei gekommen zu sein, - wer möchte dieses für
geringfügig, und für eine Begebenheit halten, bei der man ruhig sein und zusehen
könnte?
    Wer möchte meine Vorhersagung und Befürchtung für übertrieben halten, wenn
er sich nur einen Augenblick an die Erfahrung der vorigen Zeilen erinnert? Auch
da hob man nicht, weder in den älteren Zeiten beim Verbrennen, noch in den
neueren bei der Vertreibung vom Amt, Haus und Hof durch den Reichsfiscal, an.
Das erste waren immer Confiscationsbefehle, und selten so geschärfte, als gegen
unser Journal ergangen; dass die Schrift ateistisch genannt worden, dass man
den Debit derselben bei Geld- und Gefängnis- - ich sage Gefängnisstrafe,
verboten hätte. Hätten die unglücklichen Opfer der Wahrheit die ersten Angriffe
ihrer Gegner nicht so gleichgültig behandelt, hätten sie nicht von ihnen
erwartet, was man von Feinden der Wahrheit nie erwarten muss, Menschlichkeit und
Vernunft - es wäre wohl mit den wenigsten so weit gekommen, als es kam. Bahrdt,
auch im übrigen wenig wert, für die Wahrheit zu leiden, verdarb sich durch
seinen Leichtsinn; Lessing widerstand unter dem Schutze eines grossmütigen und
aufgeklärten Fürsten kräftig seinem unbarmherzigen Ankläger Gör, der auch vom
Reichsfiscal redete, und seine Gegner schämten sich und verstummten.
    Also - verteidigen muss ich mich, jetzt da es noch Zeit ist, und ich will
mich verteidigen.
                                       I.
    Meine Lehre ist ateistisch, sagen sie. Was entält denn nun eigentlich
diese ateistische Lehre, und was wird insbesondere in jenem verschrienen
Aufsatze über Religion und Glauben an Gott behauptet?
    Ich hätte der Strenge nach zu meiner Verteidigung nichts weiter zu tun,
als jenen Aufsatz noch einmal abdrucken zu lassen, und um ein nicht
unaufmerksames Lesen desselben zu bitten. Er entält seine Verteidigung ganz in
sich selbst, und ich kann auch jetzt nichts neues hinzusetzen. Ich will das dort
gesagte bloss auf eine andere Art sagen, weil ich in jenem Journale für ein
philosophisches, hier für ein gemischtes Publicum rede.
    Was ist wahr; was ist gut? - Die Beantwortung dieser Fragen, die jedes
philosophische System beabsichtigen muss, ist auch das Ziel des meinigen. Dieses
System behauptet zuvörderst gegen diejenigen, welche alles Gewisse in der
menschlichen Erkenntnis läugnen, dass es etwas absolut wahres und gutes gebe.
Es zeigt gegen diejenigen, welche unsere gesammte Erkenntnis aus der
Beschaffenheit unabhängig von uns vorhandener Dinge erklären wollen, dass es nur
insofern Dinge für uns gibt, als wir uns derselben bewusst sind, und wir sonach
mit unserer Erklärung des Bewusstseins zu den von uns unabhängig, vorhandenen
Dingen nie gelangen können. Es behauptet - und darin besteht sein Wesen, - dass
durch den Grundcharakter und die ursprüngliche Anlage der Menschheit überhaupt
eine bestimmte Denkart festgesetzt sei, die zwar nicht notwendig bei jedem
einzelnen in der Wirklichkeit sich finde, auch sich ihm nicht andemonstriren
lasse, wohl aber einem jeden schlechterdings angemutet werden könne. Es gebe
etwas den freien Flug des Denkens anhaltendes und bindendes, bei welchem jeder
Mensch sich beruhigen müsse; welches in unserer eigenen Natur, aber freilich
ausserhalb des Denkens selbst, liege; indem, was das letztere betrifft, dem
Skepticismus die absolute Unaufhaltsamkeit der Speculation durch ihre eigenen
Gesetze vollkommen zuzugeben sei. Es ist in dieser Rücksicht in jenem verrufenen
Aufsatze (Seite 182.) gesagt worden: »hier (bei dem Bewusstsein meiner
moralischen Bestimmung) liegt dasjenige, was dem sonst ungezähmten Fluge des
Räsonnements seine Grenzen setzt, was den Geist bindet, weil es das Herz bindet;
hier der Punct, der Denken und Wollen in Eins vereinigt, und Harmonie in mein
Wesen bringt. Ich könnte an und für sich wohl weiter, wenn ich mich in
Widerspruch mit mir selbst versetzen wollte; denn es gibt für das Räsonnement
keine immanente Grenze in ihm selbst, es geht frei heraus ins Unendliche, und
muss es können, denn ich bin frei in allen meinen Äusserungen, und nur ich
selbst kann mir eine Grenze setzen durch den Willen.«
    Jenes, unser freies Denken Bindende, unsere Vorstellung in eine Erkenntnis
Verwandelnde, und durch das ganze Gebiet unsers Bewusstseins Gewissheit
Verbreitende sucht unsere Philosophie, und findet hierüber folgendes:
    Es drängt sich öfters unter den Geschäften und Freuden des Lebens aus der
Brust eines jeden nur nicht ganz unedlen Menschen der Seufzer: unmöglich kann
ein solches Leben meine wahre Bestimmung sein, es muss, o es muss noch einen
ganz andern Zustand für mich geben! Ein heiliger Mann sagt dies mit besonderer
Stärke: sogar die Kreatur möchte sich sehnen mit uns, und seufzen immerdar, dass
sie frei werde vom Dienste der Eitelkeit, dem sie unterworfen ist wider ihren
Willen. Sage man es, wie man wolle, dieser Überdruss an dem Vergänglichen,
dieses Sehnen Dach einem Höheren, Besseren und Unvergänglichen liegt
unaustilgbar im Gemüte des Menschen.
    Ebenso unaustilgbar ertönt in ihm die Stimme, dass etwas Pflicht sei und
Schuldigkeit, und lediglich darum, weil es Schuldigkeit ist, getan werden
müsse. Ergehe es mir auch, wie es immer wolle, sagt dann der in sich
zurückgetriebene Mensch, ich will meine Pflicht tun, um mir nichts vorzuwerfen
zu haben. Durch diese Ansicht allein wird ihm das an sich zum Ekel gewordene
menschliche Tun und Treiben wieder erträglich. Die Pflicht gebeut nun einmal,
sagt er sich, dass ich dieses Leben fortführe, und in ihm frisch und fröhlich
vollbringe, was mir vor die Hand kommt; und so wenig Wert auch dieses Leben um
sein selbst willen für mich hat, so soll es mir doch um der Pflicht willen
heilig sein.
    Die Stimmung bei dem Bewusstsein des Vorsatzes, unsere Schuldigkeit zu tun,
weil es Schuldigkeit ist, deutet uns jenes wunderbare Sehnen. Indem man die
Pflicht schlechtin um ihrer selbst willen erfüllt, erhebt man sich über alle
sinnliche Antriebe, Absichten und Endzwecke; man tut etwas, nicht damit dies
oder jenes in der Welt erfolge, sondern bloss und lediglich, damit es selbst
geschehe, und der Stimme in unserm Innern Gehorsam geleistet werde. Durch dieses
Bewusstsein wird nun zwar jenes Sehnen nicht befriedigt, aber doch das
schmerzhafte Gefühl, mit welchem es sich äusserte, gehoben; man erhält nicht
Ausfüllung seines Strebens, aber doch Ruhe und inneren Frieden. Jenes Sehnen
heischt Befreiung von den Banden der Sinnlichkeit überhaupt, in unserem ganzen
Zustande, von dem uns die Vollbringung der Pflicht in Rücksicht unseres Handelns
wirklich befreit. Durch jene Anlage in unserm Wesen eröffnet sich uns eine ganz
neue Welt. Ohne dieselbe geht alles Dichten und Trachten des menschlichen
Herzens lediglich auf sinnlichen Genuss, höchstens auf Herrschaft unseres
unbedingten Eigenwillens; sonach immer auf etwas in der äusseren Erfahrung
gegebenes, und vom Zufalle abhängendes. Durch sie erhalten wir eine höhere
Existenz, die von der ganzen Natur unabhängig und lediglich in uns selbst
gegründet ist; durch sie kommen wir in eine Reihe hinein, die sehr schicklich
eine übersinnliche genannt wird.
    An jenes Bewusstsein nun, unsere Pflicht um ihrer selbst willen getan zu
haben, knüpft unmittelbar sich ein neues an: die unerschütterliche Zuversicht,
dass man durch Befreiung seines Willens von der Sinnlichkeit der Befreiung von
derselben in Absicht seines ganzen Zustandes wenigstens würdig werde, und dass,
nachdem man nur getan hat, was von uns abhing, das, was nicht in unserer Gewalt
steht, von selbst sich allmählig einfinden werde.
    Dieses Bewusstsein einer höheren, über alle Sinnlichkeit erhabenen
Bestimmung, eines absolut pflichtmässigen, eines notwendigen Zusammenhanges der
Erfüllung des letzteren mit der Würdigkeit und der allmähligen Erreichung der
ersteren, welches jeder gebildete Mensch in sich finden wird, kann aus keiner
Erfahrung hervorgehen; denn es erhebt uns ja über alle Erfahrung. Wir müssen es
in unserem eigenen von aller Erfahrung unabhängigen Wesen finden; wir müssen es
unmittelbar dadurch wissen, dass wir von uns selbst wissen. Es ist so gewiss,
als unser eigenes Dasein, und von nichts abhängig als von diesem Dasein selbst.
    Dieses Bewusstsein, welches in der Selbstbeobachtung gleichsam abgebrochen,
jedes der genannten Stücke einzeln als ein besonderes Factum in uns vorkommt,
wird durch mein System in einen notwendigen Zusammenhang gesetzt. Es ist, zeigt
dieses System, der zwar zu keiner Zeit zu erreichende, jedoch unaufhörlich zu
befördernde Zweck unseres ganzen Daseins und alles unseres Handelns, dass das
Vernunftwesen absolut und ganz frei, selbstständig und unabhängig werde von
allem, das nicht selbst Vernunft ist. Die Vernunft soll ihr selbst genügen.
Diese unsere Bestimmung kündigt sich uns eben an durch jenes Sehnen, das durch
kein endliches Gut zu befriedigen ist. Diesen Zweck sollen wir schlechtin,
müssen wir schlechtin, wenn wir uns selbst treu bleiben wollen, uns setzen. Was
wir unseres Orts zu tun haben, um denselben zu befördern, und inwieweit seine
Erreichung von uns abhängt, lehrt uns gleichfalls die unmittelbar gebietende,
unaustilgbare und untrügliche innere Stimme des Gewissens. Das Gewissen ist es,
das in jeder Lage des Lebens, wenn wir nur dasselbe befragen, uns entscheidend
sagt, was in dieser Lage unsere Pflicht sei, das heisst, was wir in derselben
zur Beförderung jenes Zweckes aller Vernunft beizutragen haben. Wir müssen
schlechtin jenen Zweck wollen, dies ist die einige unabänderliche Bestimmung
unseres Willens; - die besondere, durch Zeit und Lage bestimmte Pflicht,
ohnerachtet sie im gemeinen Bewusstsein als etwas unmittelbares erscheint,
wollen wir doch nur, wie sich bei einer gründlichen philosophischen Untersuchung
des gesammten Bewusstseins ergibt, als Teil und als Mittel jenes Endzwecks. -
Hieraus erklärt sich auch die unerschütterliche Zuversicht dessen, der um des
Gewissens willen recht tut, dass er der Erfüllung seines Zweckes sich annähere.
Er fühlt unwiderstehlich, wenn er es sich auch nicht bis zum deutlichen Denken
entwickeln sollte, dass jene Gesinnung eben die Bedingung und das Mittel sei zu
seiner Befriedigung und Befreiung, und dass er durch dieselbe schon eintrete in
die Reihe, die sein unaustilgbares Sehnen fordert. - Ich will jene absolute
Selbstgenügsamkeit der Vernunft, jene gänzliche Befreiung von aller
Abhängigkeit. Seligkeit nennen; unter welchem Worte ich ausdrücklich das
Beschriebene, und schlechterdings nicht irgend einen Genuss, von welcher Art er
auch sei, verstanden wissen will.
    Und nun lässt der behauptete Zusammenhang sich so beschreiben: Ich will
notwendig meine Seligkeit, nicht als einen Zustand des Genusses, sondern als
den der mir zukommenden Würde; nicht weil ich die Seligkeit begehre, sondern
weil sie dem vernünftigen Wesen schlechterdings gebühret; und ich kann diese
Forderung nicht aufgeben, ohne mich selbst, ohne mein wahres Sein aufzugeben,
und mich für einen leeren Schein und für ein Truggebilde zu halten. Als das
einzige, aber untrügliche Mittel der Seligkeit zeigt mir mein Gewissen die
Erfüllung der Pflicht; nicht, dass nur überhaupt das Pflichtmässige geschehe,
sondern das es lediglich um der Pflicht willen geschehe. An dieser unmittelbar
in meinem Innern aufgestellten Heilsordnung kann ich abermals nicht zweifeln,
ohne mich selbst aufzugeben; ohnerachtet ich freilich nicht begreife, auch nicht
zu begreifen bedarf, wie und auf welche Weise jene pflichtmässige Gesinnung mich
zu meinem notwendigen Zwecke führen möge. Kurz, es ist so, es ist schlechtin
so, es ist ohne allen Beweis so; ich weiss es unmittelbar, so gewiss als ich
irgend etwas weiss, und so gewiss als ich von mir selbst weiss. Es dringt sich
mir auf der unerschütterliche Glaube, dass es eine Regel und feste Ordnung gebe
- ich Sterblicher bin wohl genötiget, das Uebersinnliche durch Begriffe, die
von der Sinnenwelt hergenommen sind, zu denken - dass es eine feste Ordnung
gebe, nach welcher notwendig die reine moralische Denkart selig mache, sowie
die sinnliche und fleischliche unausbleiblich um alle Seligkeit bringe; eine
Ordnung, welche mir unerklärlich ist, und der mir allein bekannten Ordnung in
der Sinnenwelt geradezu entgegen, - indem in der letzten der Erfolg davon
abhängt, was geschieht, in der ersteren davon, aus welcher Gesinnung es
geschieht; eine Ordnung, in welcher alle sinnliche Wesen begriffen, auf die
Moralität aller, und vermittelst derselben auf aller Seligkeit gerechnet ist;
eine Ordnung, deren Glied ich selbst bin, und aus welcher hervorgeht, dass ich
gerade an dieser Stelle in dem Systeme des Ganzen stehe, gerade in die Lage
komme, in welcher es Pflicht wird, so oder so zu handeln, ohne Klügelei über die
Folgen, indem gar nicht auf Folgen in der sichtbaren, sondern in der
unsichtbaren und ewigen Welt gerechnet ist, welche, vermittelst jener Ordnung,
zufolge des untrüglichen Ausspruchs in meinem Innern, nicht anders als selig
sein können. »Indem ich jenen durch mein eigenes Wesen mir gesetzten Zweck (der
Seligkeit) ergreife, - sage ich darüber in dem verrufenen Aufsatze (Seite 183.)
- und ihn zu dem meines wirklichen Handelns mache, setze ich zugleich die
Ausführung desselben durch wirkliches Handeln als möglich. Beide Sätze sind
identisch; denn, ich setze mir etwas als Zweck vor, heisst: ich setze es in
irgend einer zukünftigen Zeit als wirklich; in der Wirklichkeit aber wird die
Möglichkeit notwendig mitgesetzt. Ich muss, wenn ich nicht mein eigenes Wesen
verläugnen will, das erste, die Ausführung jenes Zweckes mir vorsetzen; ich muss
sonach auch das zweite, seine Ausführbarkeit annehmen: ja es ist eigentlich hier
nicht ein erstes, und ein zweites, sondern es ist absolut Eins; beides sind in
der Tat nicht zwei Acte, sondern ein und ebenderselbe unteilbare Act des
Gemüts.«
    Das der Mensch, der die Würde seiner Vernunft behauptet, auf den Glauben an
diese Ordnung einer moralischen Welt, dieses Uebersinnliche, über alles
Vergängliche unendlich erhabene Göttliche, sich stütze, jede seiner Pflichten
betrachte als eine Verfügung jener Ordnung, jede Folge derselben für gut, d. i.
für seligmachend halte, und freudig sich ihr unterwerfe, ist absolut notwendig
und das wesentliche der Religion. Dass er die verschiedenen Beziehungen jener
Ordnung auf sich und sein Handeln, wenn er mit anderen davon zu reden hat, in
dem Begriffe eines existirenden Wesens zusammenfasse und fixire, dass er
vielleicht Gott nennt, ist die Folge der Endlichkeit seines Verstandes; aber
unschädlich, wenn er jenen Begriff nur zu weiter nichts benutzt, als eben zu
diesem Zusammenfassen der unmittelbar in seinem Innern sich offenbarenden
Verhältnisse einer übersinnlichen Welt zu ihm. Er tut dann nichts anderes, als
was wir alle tun, indem wir gewisse Bestimmungen unseres Gefühls in dem
Begriffe einer ausser uns vorhandenen Kälte oder Wärme zusammenfassen;
ohnerachtet wohl kein Vernünftiger behaupten wird, dass für ihn eine solche
Wärme und Kälte unabhängig von diesen Beziehungen auf sein Gefühl vorhanden sei.
Die Beziehung jener Gedanken-Dinge auf unser sinnliches, - die Beziehung einer
übernatürlichen Weltordnung auf unser sittliches Gefühl, ist das erste
schlechtin unmittelbare; der Begriff entsteht später und ist durch das erste
vermittelt. Es ist im ersten Falle Schwäche des Kopfes, es ist im zweiten Falle
Schwäche des Herzens, das Verhältnis zu ändern, und das Gefühl vom Begriffe
abhängig machen zu wollen. Wer nicht eher glauben wollte, dass er friere oder
erwärme, bis man ihm ein Stück reine substantielle Kälte oder Wärme zum Zerlegen
in die Hände geben könnte, über diesen würde ohne Zweifel jeder Vernünftige
lächeln; wer aber einen auch nur im mindesten ohne Beziehung auf unsere
moralische Natur entworfenen, und von ihr im kleinsten Stücke unabhängigen
Begriff vom Wesen Gottes verlangt, der hat Gott nie erkannt, und ist entfremdet
von dem Leben, das aus ihm ist. Ich werde diese letztere Behauptung tiefer
unten, sonnenklar, wie ich hoffe, erweisen.
    Moralität und Religion sind absolut Eins; beides ein Ergreifen des
Uebersinnlichen, das erste durch Tun, das zweite durch Glauben. Hat es irgendwo
der Menschheit geschadet, eine durch die Philosophie gemachte Distinction der
Ansicht für eine wirkliche Unterscheidung der Sachen zu halten, so war es hier.
Religion ohne Moralität ist Aberglaube, die den Unglückseligen mit einer
falschen Hoffnung betrügt, und ihn zu aller Besserung, unfähig macht.
Vorgebliche Moralität ohne Religion mag wohl ein äusserer ehrbarer Lebenswandel
sein, da man das, was recht ist, tut, und das Böse meidet, aus Furcht vor den
Folgen in der Sinnenwelt; nimmermehr aber das Gute liebt, und es um sein selbst
willen vollzieht. Aber sobald man sich zum Wollen der Pflicht, schlechtin weil
sie Pflicht ist, erhebt, zu einem Wollen, das keine sinnliche Triebfedern hat,
sondern nur das Uebersinnliche des Gedankens, und dem es schlechtin nicht um
das Object der Tat, sondern um das Uebersinnliche der Gesinnung zu tun ist, -
also durch seine Denkart sich selbst in eine andere Welt versetzt; dringt sich
uns sogleich unwiderstehlich der Geist und die Gewissheit dieser anderen Welt
auf; die Befreiung des Willens, welche wir uns selbst verschaffen, wird uns
Mittel und Unterpfand einer Befreiung unseres ganzen Seins, welche wir uns
selbst nicht verschaffen können. - Diejenigen, welche sagen: die Pflicht muss
schlechtin, ohne Rücksicht auf irgend einen Zweck geschehen, drücken sich nicht
genau aus. Abgerechnet, dass sie in ihren Philosophien nimmermehr werden
erklären können, woher denn dem bloss formalen Sittengebote ein materieller
Inhalt entstehe - welches, als eine Schwierigkeit des Systems, nur für innige
Kenner der Philosophie angemerkt wird; - dies abgerechnet, verkennen sie
gänzlich die Denkart des endlichen Wesens. Es ist schlechtin unmöglich, das der
Mensch ohne Aussicht auf einen Zweck handele. Indem er sich zum Handeln
bestimmt, entsteht ihm der Begriff eines Zukünftigen, das aus seinem Handeln
folgen werde, und dies eben ist der Zweckbegriff. Jener durch die pflichtmässige
Gesinnung zu erreichende Zweck ist nur kein Genuss, - das wollen sie sagen, und
darin haben sie recht; er ist die Behauptung der der Vernunft gebührenden Würde.
Welche sagen: selbst wenn jemand an Gott und Unsterblichkeit verzweifelte,
müsste er dennoch seine Pflicht tun, setzen absolut unvereinbare Dinge
zusammen. Erzeuge nur in dir die pflichtmässige Gesinnung, und du wirst Gott
erkennen, und während du uns anderen noch in der Sinnenwelt erscheinst, für dich
selbst schon hienieden im ewigen Leben dich befinden. Darin aber haben sie
abermals recht, das die pflichtmässige Gesinnung sich nicht auf den Glauben an
Gott und Unsterblichkeit, sondern dass umgekehrt der Glaube an Gott und
Unsterblichkeit auf die pflichtmässige Gesinnung sich gründet.
    Man kann jedem, welcher nur der wahren Speculation und einer anhaltenden
Aufmerksamkeit fähig ist, leicht und klärlich dartun, dass unsere gesammte
Erfahrung nichts ist, als das Product unseres Vorstellens. Consequente
Idealisten haben dies von jeher angenommen, und bis diesen Augenblick gründet
der sich selbst verstehende und durchgeführte Skeptizismus sich auf die sehr
wahre Behauptung, das es nichts Bindendes für das freie Vorstellen gebe. Was ist
es denn nun, das, zufolge des gemeinen Bewusstseins uns dennoch bindet; das da
macht, dass wir unsere eigenen Producte für von uns unabhängige Dinge halten,
unsere eigenen Geschöpfe fürchten, bewundern, begehren, und unser Schicksal von
einem Schein abhängig glauben, den ein einziger Hauch des freien Wesens
zerstören sollte? Das Uebersinnliche, dessen Wiederschein in uns unsere
Sinnenwelt ist, - dieses ist es, welches uns hält und zwingt, auch seinem
Wiederscheine Realität beizumessen: dies ist das wahre »Ansich«, das aller
Erscheinung zum Grunde liegt; und nicht auf die Erscheinung, sondern nur auf
ihren übersinnlichen Grund geht unser Glaube. Meine sittliche Bestimmung, und
was mit dem Bewusstsein derselben verknüpft ist, ist das einzige unmittelbar
Gewisse, das mir gegeben wird, sowie ich mir selbst gegeben werde, das einzige,
welches mir selbst für mich Realität gibt. Auch wenn ich mir jener hohen
Bestimmung nicht deutlich bewusst würde, und noch weniger sie zu erreichen
arbeitete, so dauert denn doch die Anforderung, sie anzuerkennen, fort, und
diese Anforderung allein ist es, die mir noch Leben und Dasein gibt. Der
gleichfalls unmittelbare Ausspruch meines Gewissens, was meine Pflicht sei, auch
wenn ich nicht auf ihn höre, bestimmt mir mein Verhältnis in der Reihe anderer
sittlicher Wesen; und dieses Verhältnis allein ist es, welches meinem
sinnlichen Auge nach nachzuweisenden Gesetzen sich in eine Körperwelt
verwandelt. Es gibt keine Gewissheit, als die moralische; und alles, was gewiss
ist, ist es nur insofern, inwiefern es unser moralisches Verhältnis andeutet. -
Ich sage hierüber in dem verrufenen Aufsatze (S. 184/85): »die ursprünglichen
Schranken meines Wesens sind ihrer Entstehung nach allerdings unbegreiflich;
aber was verschlägt dir auch dies, - sagt die praktische Philosophie; die
Bedeutung derselben ist das klarste und gewisseste, was es gibt, sie sind deine
bestimmte Stelle in der moralischen Ordnung der Dinge. Was du zufolge ihrer
wahrnimmst, hat Realität, die einzige, die dich angeht, und die es für dich
gibt; es ist die fortwährende Deutung des Pflichtgebots, der lebendige Ausdruck
dessen, was du sollst, da du ja sollst. Unsere Welt ist das versinnlichte
Materiale unserer Pflicht; dies ist das eigentlich Reelle in den Dingen, der
wahre Grundstoff aller Erscheinung. Der Zwang, mit welchem der Glaube an die
Realität derselben sich uns aufdringt, ist ein moralischer Zwang; der einzige,
welcher für das freie Wesen möglich ist. Niemand kann ohne Vernichtung seine
moralische Bestimmung so weit aufgeben, dass sie ihn nicht wenigstens noch in
diesen Schranken für die künftige höhere Veredlung aufbewahre.«
    Weit entfernt sonach, dass das Uebersinnliche ungewiss sein sollte, ist es
das einige gewisse, und alles andere ist nur um seinetwillen gewiss; weit
entfernt, dass die Gewissheit des Uebersinnlichen aus der des Sinnlichen folgen
sollte, folgt vielmehr umgekehrt die teoretische Notwendigkeit, das letztere
für existirend zu halten, und die moralische Verbindlichkeit, dasselbe als
Mittel zu ehren, aus dem ersteren. Die übersinnliche Welt ist unser Geburtsort,
und unser einziger fester Standpunct; die sinnliche ist nur der Wiederschein der
ersteren. Du glaubst nicht an Gott, weil du an die Welt glaubst, du erblickst
vielmehr eine Welt, lediglich darum, weil du an Gott zu glauben bestimmt bist.
    Nach allem ist meiner Lehre zufolge der Charakter des wahren Religiösen der:
es ist nur Ein Wunsch, der seine Brust hebt und sein Leben begeistert, die
Seligkeit aller vernünftigen Weser.. Dein Reich komme, ist sein Gebet. Ausser
diesem Einen hat nicht das geringste für ihn Reiz; er ist der Möglichkeit, noch
etwas anderes zu begehren, abgestorben. Er kennt nur Ein Mittel, jenen Zweck zu
befördern, das, der Stimme seines Gewissens in allen seinen Handlungen
unverrückt, ohne Furcht und Klügeln zu folgen. Das verknüpft ihn wiederum mit
der Welt, nicht als einem Gegenstande des Genusses, sondern als mit der, durch
sein Gewissen ihm angewiesenen Sphäre seines pflichtmässigen Wirkens; er liebt
die Welt nicht, aber er ehrt sie, um des Gewissens willen. Zweck wird sie ihm
nie, in ihr hat er nie etwas zu beabsichtigen oder hervorzubringen, sondern nur
durch sie, nach einem ihm unbegreiflichen und ihn nicht kümmernden
Zusammenhange. Seine Absicht geht immer auf das Ewige, welches nie erscheint,
das aber der untrüglichen Zusage in seinem Inneren zufolge sicherlich erreicht
wird. Darum sind ihm auch die Folgen seiner pflichtmässigen Handlungen in der
Welt der Erscheinungen völlig gleichgültig; wie sie auch scheinen mögen, an sich
sind sie sicherlich gut; denn wo die Pflicht geübt wird, da geschieht der Wille
des Ewigen, und dieser ist notwendig gut. Nicht mein Wille, sondern Seiner
geschehe, nicht mein Rat, sondern der Seinige gelle von statten, ist der Wunsch
seines Lebens; und so verbreitet sich unerschütterliche Freudigkeit über sein
ganzes Dasein.
    Dieser jedem Menschen anzumutende Charakter kann nun, meinen Grundsätzen
zufolge, nur dadurch entwickelt werden, dass man den Menschen vors erste nicht
zur äusseren Ehrbarkeit, sondern zur inneren Rechtschaffenheit führe. Mit der
letzteren, wenn sie nur wirkliche innere Rechtschaffenheit ist, findet der wahre
Glaube und die äussere Ehrbarkeit sich von selbst; ohne sie ist die äussere
Ehrbarkeit eine innere Verkehrteit, und die Religion ein verderblicher und den
Menschen völlig zu Grunde richtender Aberglaube.
                                      II.
    Diese hier im Zusammenhange dargestellte, auch in meinen anderen Schriften,
z.B. in meiner Sittenlehre entaltene, in jenem verrufenen Aufsatze zwar nicht
in derselben Sprache, der ich mich hier bediene, aber doch demselben Inhalte
nach klar und vollständig vorgetragene Lehre - dieselbe und keine andere ist es,
welche jene Ateismus nennen, deren Verbreitung sie bei Gefängnissstrafe
verbieten, um deren willen sie mir Absetzung, und Vertreibung durch den
Reichsfiscal drohen.
    Ehe ich weiter gehe, frage ich jeden Leser, frage ich selbst meine
unbarmherzigen Verfolger auf ihr Gewissen, ob sie im Ernste für gefährlich
halten würden, dass alle Menschen in der Welt dem soeben aufgestellten Bilde
meines Religiösen glichen; ob sie im Ernste glauben, dass sie sich werden
entbrechen können, einen Menschen dieses Charakters zu verehren; - ich frage sie
auf ihr Gewissen, ob sie nicht selbst dieser Mensch sein möchten, wenn sie es
durch ein plötzliches Wunder werden könnten? Ich frage jeden, der nur einigemale
in das neue Testament geblickt hat! ob er da nichts von einer gänzlichen
Wiedergeburt, als der ausschliessenden Bedingung unseres Heils, gefunden; nichts
von einer Ertödtung des Fleisches, und einem Absterben der Welt, nichts von
einem Leben im Himmel, ohnerachtet man sich noch in diesem Leibe befinde; ich
frage ihn, ob diese Worte wohl einen Sinn haben, und welches dieser Sinn sein
möge?
    Jedoch, so ist nun einmal die Sache, sie haben festgesetzt, dass diese Lehre
ateistisch sei. Sie mögen ihre guten Gründe dafür haben. Ich mag sehen, wie ich
diese Gründe entdecke.
    O ich kenne die Partei, welche ein solches Verbot veranlassen konnte, und
ihre Denkart zu wohl, als dass mir schwerfallen könnte, ihre Gründe zu erraten.
    Diese Gründe sind soeben in der gegebenen Darstellung entalten. Nach mir
ist die Beziehung der Gotteit auf uns, als sittliche Wesen, das unmittelbar
gegebene; ein besonderes Sein dieser Gotteit wird gedacht lediglich zufolge
unseres endlichen Vorstellens, und in diesem Sein liegt schlechtin nichts
anderes, als jene unmittelbar gegebenen Beziehungen; nur dass sie darin in die
Einheit des Begriffs zusammengefasst sind. Nach meinen Gegnern sollen jene
Beziehungen der Gotteit auf uns erst gefolgert und abgeleitet sein aus einer,
unabhängig von diesen Beziehungen stattfindenden Erkenntnis des Wesens Gottes
an und für sich; und in dieser Erkenntnis soll überdies noch, nach einigen
mehr, nach anderen weniger, liegen, das gar keine Besiegung auf uns hat. Ich
bekenne von Wärme oder Kälte nur dadurch zu wissen, dass ich wirklich erwärme
oder friere; sie kennen, ohne je in ihrem Leben eine Empfindung von dieser Art
gehabt zu haben, die Wärme und Kälte, als Dinge an sich, und bringen erst nun,
zufolge dieser Erkenntnis, Frost oder Hitze in sich hervor durch die Kraft
ihrer Syllogismen. Mein Unvermögen, dergleichen Syllogismen zu machen, ist es,
was sie meinen Ateismus nennen.
    Um zu dieser Erkenntnis des göttlichen Wesens, welche sie selbst
keinesweges für eine unmittelbare Erkenntnis ausgeben, unabhängig von den
Beziehungen der Gotteit auf uns, welche sie erst davon ableiten wollen, zu
gelangen, müssen sie notwendig Erkenntnissquellen haben, die mir verschlossen
sind. So ist es; aus der Existenz und Beschaffenheit einer Sinnenwelt schliessen
sie auf das Dasein und die Eigenschaften Gottes. Eben indem man ihnen eine
solche Existenz der Sinnenwelt, als unabhängig von unserer Vorstellung, und
diese Vorstellung, als unabhängig von unserer sittlichen Bestimmung, geradezu
abläugnet, machen sie diesen Schluss; beweisen sie aus dieser Existenz, anstatt,
wie nun Not täte, sie selbst erst zu beweisen; und zur wohlverdienten Strafe
ihrer Beweise im Cirkel bringen sie bei dieser Gelegenheit sehr unverständliche
Lehren vor. Sie lassen entweder aus Nichts nicht nur Etwas und Viel, sondern
Alles entstehen; oder sie lassen durch die blossen Begriffe einer reinen
Intelligenz einen unabhängig von denselben vorhandenen Stoff an sich geformt
werden; fassen den Unendlichen in einen endlichen Begriff; und bewundern die
Weisheit Gottes, dass er alles gerade so eingerichtet hat, wie sie selbst es
auch gemacht hätten. Da ich hier nicht in die Tiefen der Speculation
hinabzusteigen, sondern lediglich auf den unaustilgbaren sittlichen Sinn in
jeder menschlichen Brust mich zu stützen habe, so will ich in diesem Aufsatze
über eine solche Beweisart weiter kein Wort verlieren. - - Bloss folgender
Wunsch an meine Gegner! Möchte es ihnen doch gefallen haben, bei dieser
Gelegenheit das von mir erbetene erste verständliche Wort darüber vorzubringen,
was das doch eigentlich heissen möge: Gott habe die Welt erschaffen, und wie man
sich eine solche Schöpfung zu denken habe? - inwiefern nur von der wirklichen
Welt, von der Sinnenwelt, nicht aber etwa von der sittlichen Ordnung der reinen
geistigen Intelligenzen die Rede ist. Möge es ihnen noch gefallen; Möchten sie
auf dieses erste verständliche Wort Preise aussetzen, doppelte, zehnfache
Preise! So lange aber dieses einige Wort nicht vorgebracht wird, habe ich das
Recht, dafür zu halten, dass man seinen gesunden Verstand verlieren müsse, um
wie sie an Gott zu glauben; und dass mein Ateismus lediglich darin besteht,
dass ich meinen Verstand gern behalten möchte.
    Jedoch verhalte sich auch dies, wie es immer wolle, und mögen darin meine
Gegner recht haben oder ich, so haben sie doch darin sicherlich unrecht, dass
sie deshalb das Verbot meiner Schrift auswirkten. Ist es der einige Zweck der
Religion, jenen rein religiösen Charakter zu bilden, den wir oben beschrieben
haben, so ist alles, was auf diese Bildung keinen Einfluss hat, für gleichgültig
zu achten. Aber es hat sicherlich darauf keinen Einfluss, wie man sich die
lediglich philosophische Frage über den Entstehungsgrund dieses Glaubens im
menschlichen Geiste beantworte. Der gemeine Verstand bleibt bei der Tatsache
stehen, und überlässt das Erklären dem Philosophen. Es hat auf dieselbe
sicherlich keinen Einfluss, ob man in seinem Begriffe Merkmale von Gott mit
aufnehme oder nicht, von denen ausdrücklich zugestanden wird, dass sie keine
Beziehung auf unsere sittliche Bestimmung haben. -
    Sonach hätten meine Gegner gar nicht als Wächter über die Volksreligion, und
als selbst Religiöse, sondern sie hätten lediglich als Philosophen, als meine
philosophische Gegenpartei, das Verbot meiner Schrift ausgewirkt. Ueberlegen sie
selbst, ob es für die Güte ihrer Sache und für ihren Mut ein günstiges
Vorurteil errege, dass sie lieber verbieten mögen, als widerlegen.
    So steht die Sache, wenn sie mir nur zugeben, dass die von mir
auseinandergesetzte moralische Ueberzeugung von einer göttlichen Weltregierung -
möglich sei, und hinreichend für die Bildung einer ächtreligiösen Gesinnung.
Geben sie mir dies nicht zu; behaupten sie vielmehr, dass der von ihnen
angegebene Weg der Ueberzeugung nicht nur möglich, sondern auch der einzig
mögliche sei, und dass ich ihnen mit ihrem unhaltbaren Beweise zugleich die
Gotteit selbst geraubt habe, dann steht freilich unsere Sache anders: dann
läugne ich ihren Gott in der Tat, dann bin ich wirklich für sie ein erklärter
Ateist. - Ich kenne das System meiner Gegner von Grund aus; ich kenne es
besser, als es viele unter ihnen selbst kennen, und weiss nur zu wohl, dass das
letztere unser Fan ist; und dies nötigt mich, noch ein wenig länger bei ihnen
zu verweilen.
    Ich sage (Seite 188 jenes Aufsatzes), dass der Begriff von Gott, als einer
besonderen Substanz, ein unmöglicher und widersprechender Begriff sei. (Substanz
nämlich bedeutet notwendig ein im Raum und der Zeit sinnlich existirendes
Wesen, aus Gründen, deren Anführung ich hier mich überheben kann; es ist für
meinen gegenwärtigen Zweck genug, dass ich meinen philosophischen Sprachgebrauch
erkläre.) Ich sage, dass der Beweis des Daseins Gottes aus dem Dasein einer
Sinnenwelt unmöglich und widersprechend ist. Ich läugne sonach allerdings einen
substantiellen, aus der Sinnenwelt abzuleitenden Gott. Dadurch nun, dass ich
dies läugne, werde ich ihnen, ohnerachtet alles anderen, was ich über einen
übersinnlichen Gott und über den moralischen Glaubensgrund bejahe, zum
Gottesläugner überhaupt. Was ich bejahe, ist sonach für sie nichts, absolut
nichts: es gibt für sie überhaupt nichts anderes, als substantielles und
sinnliches, sonach auch nur einen substantiellen und aus der Sinnenwelt
abzuleitenden Gott. Zuförderst nun: warum gibt es für sie nichts anderes, und
warum ist ihnen denn das Uebersinnliche nichts, für sie gar nicht, auch nicht
seiner Möglichkeit nach, vorhanden? Das kann ich ihnen sagen. Die Sphäre unserer
Erkenntnis wird bestimmt durch unser Herz; nur durch unser Streben umfassen
wir, was je für uns dasein wird. Jene bleiben mit ihrem Verstande bei dem
sinnlichen Sein stehen, weil ihr Herz durch dasselbe befriedigt wird; sie kennen
nichts über dasselbe hinaus Liegendes, weil ihr Trieb nicht darüber hinausgeht.
Sie sind Eudämonisten in der Sittenlehre, müssen sonach wohl Dogmatiker werden
in der Speculation. Eudämonismus und Dogmatismus sind, wenn man nur consequent
ist, notwendig bei einander, ebenso wie Moralismus und Idealismus.
    Dieser ihr substantieller und um der Sinnenwelt willen angenommener Gott,
was ist er denn nun für ein Wesen? Dass die fromme Einfalt Gott als eine
ungeheuere Ausdehnung durch den unendlichen Raum, oder die noch einfältigere ihn
so, wie er vor dem alten Dresdner Gesangbuche abgemalt ist, als einen alten
Mann, einen jungen Mann und eine Taube, sich bilde; - wenn dieser Gott nur sonst
ein moralisches Wesen ist, und mit reinem Herzen an ihn geglaubt wird - das kann
der Weise gutmütig belächeln; aber dass man denjenigen, der die Gotteit unter
dieser Form sich nicht vorstellen will, einen Ateisten nenne, seine Schriften
verbiete, und ihn vor den Ohren der Nation verschreie, ist um vieles ernstafter
zu nehmen. Und dieses ist ohne Zweifel hier der Fall. Der Hauptgrund dieser
Bezüchtigung ist ohne Zweifel der, das ich Gott als eine besondere Substanz
läugne. Ein substantieller Gott aber ist notwendig ein im Raume ausgedehnter
Körper, welche Umrisse man übrigens auch seiner Gestalt gebe.
    Ich gehe zum zweiten Gliede ihrer Rüge, bei welchem ich mich noch
verständlicher machen kann. Wie fällt denn ein Gott, der um der Sinnenwelt
willen angenommen wird, und von einem Herzen, das über dieselbe sich nicht zu
erheben vermag, - notwendig aus?
    Ihr Endzweck ist immer Genuss, ob sie denselben nun grob begehren, oder noch
so fein ihn geläutert haben, Genuss in diesem Leben, und wenn sie eine Fortdauer
über den irdischen Tod hinaus sich gedenken, auch dort Genuss: - sie kennen
nichts anderes, als Genuss. Dass nun der Erfolg ihres Ringens nach diesem
Genusse von etwas unbekanntem, das sie Schicksal nennen, abhänge, können sie
sich nicht verhehlen. Dieses Schicksal personificiren sie - und dies ist ihr
Gott. Ihr Gott ist der Geber alles Genusses, der Austeiler alles Glücks und
Unglücks an die endlichen Wesen: dies ist sein Grundcharakter.
    Auf dem angezeigten Wege des unausfüllbaren Sehnens nach Genusse sind sie zu
diesem Gotte gekommen; und sie irren sich sonach und tun ihrem eigenen Glauben
Unrecht, wenn sie ihn für mittelbar, für eine Folge von anderen Erkenntnissen
halten. Er ist ebenso unmittelbar wie der unsrige; er geht, so wie dieser, vom
Herzen aus, und nicht vom Verstande. Dass sie die Sinnenwelt, welche den letzten
Zweck auch von ihrem Dasein in sich entält, für an sich existirend, für etwas
wirkliches halten; und ihrem Gotte, der in derselben Glück und Unglück
austeilen soll, die absolute Herrschaft über dieselbe zuschreiben, so dass er
auch ihr Schöpfer sein muss, indem sie sonst nicht gänzlich von ihm abhinge, ist
ganz consequent und in ihrem Systeme notwendig. Nur irren sie sich über die
Weise, wie sie zu dieser Annahme kommen. Sie wissen es in der Tat unmittelbar
und haben es nicht durch Schlüsse. Was sie für Demonstrationen ausgeben, sind
blosse Wiederholungen dessen, was ihr Herz unabhängig von allen Demonstrationen
glaubt.
    Dass ihr Gott den oben angegebenen Grundcharakter wirklich trage, dass er
der Herr des Schicksals und der Geber der Glückseligkeit sei, dass es bei
Schöpfung der Welt sein Plan gewesen sei, die höchstmögliche Summe des Genusses
hervorzubringen; dessen haben sie gar kein Hehl; es geht durch ihr ganzes System
hindurch, sie erschöpfen ihre Beredsamkeit, um es als etwas sehr sublimes
einzuschärfen, sie sind darüber so unbefangen, dass ich es im Geiste mit ansehe,
mit welchem Beifalle die mehrsten von dieser Denkart die von mir soeben gegebene
Beschreibung ihres Gottes lesen, sich freuen, dass ich die Sache so wohl
darstelle, und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lasse, und wie weit entfernt sie
sind, sich einfallen zu lassen, dass man dagegen etwas haben könne.
    Und dadurch legen sie denn ihre radicale Blindheit über geistliche Dinge,
ihre gänzliche Entfremdung von dem Leben, das aus Gott ist, völlig an den Tag.
Wer da Genuss will, ist ein sinnlicher, fleischlicher Mensch, der keine Religion
hat und keiner Religion fähig ist; die erste wahrhaft religiöse Empfindung
ertödtet in uns auf immer die Begierde. Wer Glückseligkeit erwartet, ist ein mit
sich selbst und seiner ganzen Anlage unbekannter Tor; es gibt keine
Glückseligkeit, es ist keine Glückseligkeit möglich; die Erwartung derselben,
und ein Gott, den man ihr zufolge annimmt, sind Hirngespinnste. Ein Gott, der
der Begier dienen soll, ist ein verächtliches Wesen; er leistet einen Dienst,
der selbst jedem erträglichen Menschen ekelt. Ein solcher Gott ist ein böses
Wesen; denn er unterstützt und verewigt das menschliche Verderben, und die
Herabwürdigung der Vernunft. Ein solcher Gott ist ganz eigentlich »der Fürst der
Welt«, der schon längst durch den Mund der Wahrheit, welchem sie die Worte
verdrehen, gerichtet und verurteilt ist. Ihr Dienst ist Dienst dieses Fürsten.
Sie sind die wahren Ateisten, sie sind gänzlich ohne Gott, und haben sich einen
heillosen Götzen geschaffen. Dass ich diesen ihren Götzen nicht statt des wahren
Gottes will gelten lassen, dies ist, was sie Ateismus nennen; dies ists, dem
sie Verfolgung geschworen haben.
    Das System, in welchem von einem übermächtigen Wesen Glückseligkeit erwartet
wird, ist das System der Abgötterei und des Götzendienstes, welches so alt ist,
als das menschliche Verderben, und mit dem Fortgange der Zeit bloss seine
äussere Gestalt verändert hat. Sei dieses übermächtige Wesen ein Knochen, eine
Vogelfeder, oder sei es ein allmächtiger, allgegenwärtiger, allkluger Schöpfer
Himmels und der Erde; - wenn von ihm Glückseligkeit erwartet wird, so ist es ein
Götze. Der Unterschied beider Systeme liegt bloss in der besseren Wahl der
Ausdrücke; das Wesen des Irrtums ist in beiden dasselbe, und bei beiden bleibt
das Herz gleich verkehrt.
    Hier sonach ist der wahre Sitz meines Streites mit ihnen. Was sie Gott
nennen, ist mir ein Götze. Mir ist Gott ein von aller Sinnlichkeit und allem
sinnlichen Zusatze gänzlich befreietes Wesen, welchem ich daher nicht einmal den
mir allein möglichen sinnlichen Begriff der Existenz zuschreiben kann. Mir ist
Gott bloss und lediglich Regent der übersinnlichen Welt. Ihren Gott läugne ich
und warne vor ihm, als vor einer Ausgeburt des menschlichen Verderbens, und
werde dadurch keineswegs zum Gottesläugner, sondern zum Verteidiger der
Religion. Meinen Gott kennen sie nicht und vermögen sich nicht zu dessen
Begriffe zu erheben. Er ist für sie gar nicht da, sie können ihn sonach auch
nicht läugnen, und sind in dieser Rücksicht nicht Ateisten. Aber sie sind ohne
Gott; und sind in dieser Rücksicht Ateisten. - Aber es ist fern von meinem
Herzen, sie auf eine gehässige Weise mit dieser Benennung zu bezeichnen. Meine
Religion lehrt mich vielmehr, sie zu bedauern, dass sie das höchste und edelste
gegen das geringfügigste aufgeben. Diese Religion lehrt mich hoffen, dass sie
über kurz oder lang ihren bejammernswürdigen Zustand entdecken, und alle Tage
ihres Lebens für verloren betrachten werden, gegen das ganz neue und herrliche
Dasein, welches ihnen dann aufgehen wird.
    Jetzt, um sie mit sich selbst noch näher bekannt zu machen, prüfen wir noch
ferner ihren Götzen - der heilige Name Gottes kommt ihm nun einmal nicht mit
Recht zu. - - Eigenwillig, wie sie selbst es sind, nach deren Bilde er geformt
ist, knüpft er die von ihm zu erwartende Glückseligkeit an die Erfüllung
gewisser Bedingungen, schlechtin weil er nun einmal diese Bedingungen will. Je
unbegreiflicher dieser Wille, desto glaubwürdiger ist es, dass es sein Wille
sei; denn dadurch wird er umsomehr ein unerforschlicher, d. i. ein eigensinniger
Gott, dem seine Uebermacht statt alles Rechts gilt. Erfüllung gewisser
Ceremonien, Hersagen gewisser Formulare, Glauben an unverständliche Sätze, wird
das Mittel, bei ihm sich einzuschmeicheln, und seiner Segnungen teilhaftig zu
werden. Geht die Sache noch am erträglichsten, so wird die Tugend dieses Mittel;
es versteht sich, die blosse äussere Ehrbarkeit: denn die wahre Moralität
besteht darin, dass die Pflicht schlechtin um ihrer selbst willen geübt werde,
und wo Genuss als Belohnung beabsichtigt wird, da ist die Sittlichkeit schon
aufgegeben und unwiederbringlich vertilgt. In dieser Function hat jener Gott
wenigstens das Verdienst, mangelhaften Polizeianstalten nachzuhelfen.
    In diesem Systeme wird Gott ohne Unterlass gelobt und gepriesen, wie kein
rechtlicher Mensch sich selbst möchte preisen lassen. Da ist nur immer die Rede
von seiner Güte, und wieder von seiner Güte, und sie können nicht müde werden,
dieser Güte zu gedenken, ohne auch nur einmal seiner Gerechtigkeit zu erwähnen.
Da ist ihm alles einerlei; er lässt sich alles gefallen, und muss sich alles
gefallen lassen; und was die Menschen auch tun mögen, er ist mit seinem Segen
immer hinterdrein. Und, was noch das Heilloseste dabei ist, sie glauben es
selbst nicht, indem sie es sagen, sondern meinen nur, dass das ihr Gott gern
höre, und wollen ihm nach dem Munde reden.
    Da hört man erbauliche Gedanken, wie folgende: wie gütig ist doch Gott; er
hat uns nicht nur Nahrung gegeben, um unser Leben zu erhalten, sondern derselben
noch einen besonderen Wohlgeschmack mitgeteilt. Nun so schmecke doch recht hin,
andächtige Seele, wie süss diese Traube, wie würzhaft dieser Apfel sei, damit du
die Güte Gottes recht schätzen lernst. Armer, vielleicht wohlmeinender, aber
blinder Schwätzer: alle auch durch deine sinnliche Existenz verbreiteten
Annehmlichkeiten sind nicht dazu da, dass du über denselben andächtig brütest,
sondern dass deine Kran gestärkt, belebt, erhöhet werde, das Werk des Herrn auf
der Erde freudig zu tun. So lehre sie die Sache ansehen; und dann werden sie
auch über dergleichen Dinge Gott preisen, wie er gepriesen sein will.
    Dieses System ists, in dessen Munde die erhabenste und heiligste Lehre, die
je unter Menschen kam, die des Christentums, allen ihren Geist und Kraft
verloren, und sich in eine entnervende Glückseligkeitslehre verwandelt hat. -
Ich will sie nicht beschuldigen, dass sie diese Lehre mutwillig verdrehen; aber
so wie dieselbe nur in ihre Sphäre gelangt, verliert sie ihren erhabenen Sinn.
Jene sehen in ihr absolut nichts; und deuten und drehen nun so lange an ihr, bis
ein Sinn herauskommt, den sie fassen können. Durch ihren Mund redet der, der die
Leiden erduldete, da er Freuden hätte haben können, wie ein feiner Epikuräer.
»Kreuziget euer Fleisch, sammt den Lüsten und Begierden« - das sind bei ihnen
orientalische Bilder und Redensarten, welche nach unserer Denkart ohngefähr so
viel heissen: sparet und verteilt weislich eure Genüsse, damit ihr desto mehr
geniessen könnt; esst nicht zu viel, damit ihr nicht Bauchgrimmen bekommt,
betrinkt euch nicht, damit ihr nicht des anderen Tags Kopfschmerzen bekommt.
»Werdet wiedergeboren, werdet aus dem Geiste geboren, werdet eine neue Kreatur«
- heisst nach ihnen in unserer Sprache ungefähr soviel: werdet von Tage zu Tage
verständiger und klüger auf eure wahren Vorteile. »Unser Wandel ist im Himmel;
ich lebe, doch nicht ich, sondern ein neuer Mensch lebt in mir« - ist nach ihnen
blosses Bild, das in unserer Sprache gar nichts bedeutet.
    Wer weiss dies alles besser, wer könnte es besser wissen, als mehrere
ehrwürdige Mitglieder der chursächsischen höheren Regierungscollegien? Sie, die
in einer gewissen Gemeine, deren Sprache ich zwar nicht gebrauchen würde, welche
aber allerdings das hohe Verdienst hat, das Uebersinnliche und Ewige nicht zu
verkennen - die in dieser Gemeine, oder vielleicht auf anderen Wegen, vor jener
entnervenden Lehre verwahrt, die Anpreisung der Religion Jesu, als einer
Glückseligkeitslehre, von chursächsischen Kanzeln und in Kinderlehren gewiss
oft, und gewiss nicht ohne innigen Widerwillen gehört haben. Wer könnte es
besser wissen, als sie; - von deren Einzelnen mir bekannt ist, dass sie sogar
die wabre Quelle dieses Uebels sehr wohl kennen, - die eudämonistische,
oberflächliche, schöngeisterische, süssschwatzende Philosophie, welche bei ihren
Studirenden so viel Beifall gefunden; und dass sie gewünscht haben, diese
seichte Philosophie durch das Studium einer allerdings gründlicheren und
kräftigeren, der Crusiussischen, zu verdrängen. Möchten doch diese die neuere
Philosophie kennen; möchten sie, nicht zufrieden mit einseitigen Berichten
anderer, sie mit eigenen Augen kennen lernen wollen! Allerdings liess sich das
Studium derselben damals. als sie in ihren Hauptquellen noch äusserst
unverständlich war, und Ausleger erhielt, welche selbst von ihr nichts
verstanden, anderwärts beschäftigten Männern nicht füglich anmuten. Diese Zeit
ist vorbei; gegenwärtig lässt sich diese Philosophie wohldenkenden und
unbefangenen auf die leichteste Weise beibringen. - Möchten jene Männer
wenigstens die gegenwärtige Schrift eines aufmerksamen Lesens würdigen; und sie
würden schon aus ihr die eigentliche Tendenz dieses Systems ersehen können. Dass
ich es mit wenigen Worten sage: in Absicht der Religionslehre ist ihr einiger
Zweck der, dem Menschen alle Stützen seiner Trägheit, und alle
Beschönigungsgründe seines Verderbens zu entreissen, alle Quellen seines
falschen Trostes zu verstopfen; und weder seinem Verstande noch seinem Herzen
irgend einen Standpunct übrig zu lassen, als den der reinen Pflicht und des
Glaubens an die übersinnliche Welt. Daher auch in ihrem teoretischen Teile die
Behauptung der absoluten Idealität alles sinnlichen Seins, gegen den Dogmatiker;
dessen Kopf dem letzteren für sich bestehende Realität beimisst, weil sein Herz
sich mit demselben begnügt. - Unsere Philosophie läugnet nicht alle Realität;
sie läugnet nur die Realität des Zeitlichen und Vergänglichen, um die des Ewigen
und Unvergänglichen in seine ganze Würde einzusetzen. Es ist sonderbar, diese
Philosophie der Abläugnung der Gotteit zu bezüchtigen, da sie vielmehr die
Existenz der Welt, in dem Sinne, wie sie vom Dogmatismus behauptet wird,
abläugnet. Welch ein Gott wäre dies, der mit der Welt zugleich verloren ginge?
Unsere Philosophie läugnet die Existenz eines sinnlichen Gottes, und eines
Dieners der Begier; aber der übersinnliche Gott ist ihr Alles in Allem; er ist
ihr derjenige, welcher allein ist; und wir anderen vernünftigen Geister alle
leben und weben nur in Ihm. - Das Christentum ist kein philosophisches System;
es wendet sich nicht an die Speculation, sondern an den moralischen Sinn des
Menschen; es kann daher nicht so sprechen und nicht so articulirt sein, wie ein
philosophisches Lehrgebäude. Aber wenn nicht neun Zehnteile desselben
aufgegeben werden sollen, als absolut ohne Sinn; und in der Erklärung des noch
übrigbleibenden Zehnteils die oben angeführten Auslegungen die einzig richtigen
sein sollen: so hat es denselben Zweck, als unsere Philosophie. Diesen Zweck des
Christentums nun kennen jene würdigen Männer sehr wohl; möchten sie nur auch den
der neueren Philosophie kennen lernen wollen! Sie würden sich dann nicht mehr
durch andere, welche weder Christentum noch Philosophie kennen, verleiten
lassen, Aufsätze im Geiste dieser Philosophie als ateistisch zu verbieten; und
der Name eines verehrungswürdigen Fürsten, welcher wohl wahrhaft religiös sein
muss, da er so gut und gerecht ist, würde nicht an der Spitze von Rescripten
stehen, in denen Verteidigungen der wahren Religion Angriffe auf dieselbe
genannt werden.
    Selbst vor denjenigen Staatsmännern, die um Religion sich nun eben nicht
kümmern, denen aber gründliches Studium, und der Fortgang der Wissenschaften am
Herzen liegt, kann ich meine Sache mit dem höchsten Vorteile führen. Alle Kraft
des Menschen wird erworben durch Kampf mit sich selbst, und Ueberwindung seiner
selbst; und die Geisteskraft insbesondere durch Kampf mit den uns angebornen,
und in unserer sinnlichen Natur begründeten Vorurteilen, und durch Ueberwindung
des blinden Hanges der Ideenassociation. Wer nur treibt, wozu er eben Lust hat,
nie mit eigentlicher Selbsttätigkeit, d. i. einem Hange zuwider, producirt,
sondern sich nur durch den Strom seiner Einfälle forttreiben lässt, der ist und
bleibt, so glücklich auch zuweilen diese Einfälle, und so fliessend ihr Strom
sein mag, ein seichter Kopf, unwürdig des Namens eines Gelehrten. Nur derjenige,
der mit Willkür und Vorsatz seine Aufgabe, von welcher Art sie auch sei,
übernimmt, mit Abhaltung aller fremden Gedanken systematisch seinen Weg
verfolgt; nicht ruht, bis er Grund gefunden, oder wenigstens weiss, wie weit der
Grund geht, und wo keiner weiter zu suchen ist, der nicht glaubt, etwas getan
zu haben, so lange noch etwas zu tun übrig ist, - nur derjenige ist ein
gründlicher Gelehrter. Dieses Vermögen erhält man nur dadurch, dass man mit Mühe
und Anstrengung Grundsätze verstehen und wahrfinden lernt, die sich uns nicht
von selbst darbieten, sondern der gewöhnlichen ersten Ansicht des Menschen
zuwider sind. Dieser einzig möglichen Metode der Geistesbildung ist nichts
entgegengesetzter, es gibt nichts, das den Jüngling so von Grund aus
verseichte, und um allen Geist bringe, als jenes eudämonistische System. Hier
bleibt der Mensch so ganz in seinem Geleise, in welches ihn die Natur stellte,
und hat keine Mühe ein neues einzuschlagen; denn jenes System ist uns allen
angeboren, und es bedarf keiner Anstrengung, um den Zweck unseres Daseins in
Genuss zu setzen. Der nur um des Genusses willen studirende Jüngling fasst mit
Widerwillen auf der Oberfläche seines Gedächtnisses, wessen er doch
schlechterdings bedarf, um durch die, leider! verordneten Prüfungen zu kommen,
und treibt übrigens in geistlosen Gedichten und Romanen die Jagd ästetischer
Floskeln, damit er den Menschen einst ihre Lüsternheit recht rührend an das Herz
legen könne. Selbst denken, seine Gedanken ordnen, über die Ordnung derselben
Rechenschaft ablegen, ist ihm eine harte, unbillige, unerhörte Zumutung. - Ich
fordere jeden, der die Welt kennt und zu beobachten Gelegenheit hat, auf, mir zu
sagen, ob er nicht diese eudämonistisch Gesinnten überall und in allen Fächern,
in welche sie geraten, als Schwätzer und seichte Nachbeter befunden habe. - Ich
maasse mir nicht an, zu entscheiden, sondern überlasse den Pflegern der
Wissenschaft in dem Lande, von dessen Grenzen man die neuere Philosophie so
sorgfältig abhält, selbst zu untersuchen, inwiefern diese Schilderung auf den
wissenschaftlichen Zustand dieses Landes passe.
    Selbst vor denjenigen Staatsmännern, die weder um Religion noch Wissenschaft
sich kümmern, sondern die lediglich die Erhaltung der bürgerlichen Ruhe und
Ordnung beabsichtigen,
    kann ich meine Sache mit dem höchsten Vorteile führen. Wenn es wahr ist, -
was ich hier weder behaupten noch läugnen will - wenn es wahr ist, dass in
unserem Zeitalter ungezähmtere Lüsternheit und Willkür, und Abneigung gegen das
Gesetz, ein vermessenes Klügeln über Dinge, die man nur von einem höheren
Standpuncte aus beurteilen kann, ein lebhafteres Drängen vieler, ihren
angewiesenen Platz in der Ordnung der Dinge zu verlassen, und auf einen höheren
zu treten, ein zügelloseres Streben, sich neue Quellen der Genüsse zu eröffnen,
nachdem die alten versiegt sind, häufiger und unverholener sein Haupt emporhebt,
als in den vorigen Zeitaltern: so höre man doch ja auf, die neuere Philosophie
darüber anzuklagen. In die Denkart des grossen Haufens greift eine verderbliche
Philosophie nicht eher ein, als bis sie eine Zeitlang ausschliessend die Schule
beherrscht, in dieser Ruhe durch ihre Bearbeiter, die keine auswärtigen Kriege
zu fahren hatten, popularisirt worden, in die einige Philosophie des Volks, in
seine Religion, und zu seinen einigen Lehrern, den Geistlichen, herabgekommen
ist; bis sie das Sträuben des gesunden Menschensinnes in dem Zeitalter, dem sie
zuerst vorgetragen worden, überwunden, und sich schon vom Katechismusunterricht
aus ihre Generation selbst gebildet hat. Ihr selbst wisst nur zu wohl, dass die
neuere Philosophie, ihr inneres Wesen jetzt ganz bei Seite gesetzt, in diese
äussere Lage noch nicht gekommen, und noch weit entfernt ist, darein zu kommen.
Ihr selbst, Aufseher der Nationen, wisst höchstens, dass so etwas herumgehe,
aber nicht, was es eigentlich sei; was eure Prediger etwa hier und da aus dieser
Philosophie vorgebracht haben, sind Formeln, die ihnen selbst, so wie den andern
allen, unverständlich sind, und die weder schaden noch helfen können. Soll der
Unfug von einem philosophischen Systeme abgeleitet werden, so müsst ihr weiter
zurückgeben, zu demjenigen, welches vor dem neueren das herrschende war; und da
findet ihr denn abermals jenen Eudämonismus. Dass nach diesem die Religion Jesu
umgeschaffen, dass dieser den Unmündigen aus der Seele abgefragt, und den
Mündigen von der Kanzel gepredigt werde, daran habe ich euch schon oben
erinnert. Und ihr könnt noch fragen, woher das Verderben des Zeitalters
entstehe? Predigt nur dem Menschen, und predigt ihm immer wieder, der einige
Zweck seines Daseins, der Zweck der ganzen Schöpfung, der wahre Wille Gottes,
sei seine Glückseligkeit; schon durch sich selbst geneigt, wird er euch ohne
Zweifel glauben; wird er, da unstreitig er selbst der beste Richter ist, was ihn
für seine Person glücklich mache, dieses sein Glück auf alle Weise zu befördern
streben; in der Erringung dieses höchsten Zwecks seines Daseins durch keinen nur
untergeordneten Zweck sich irremachen lassen, und, nach der Lehre, die ihr ihm
beigebracht habt, daran nichts weiter zu tun glauben, als was der Wille Gottes
ist. Nachdem ihr durch jene Formel ihn des wahren Bandes, das ihn halten sollte,
der Moralität, entledigt habt, werdet ihr vergebens durch eine andere - aber
dies ist nicht dein wahres Glück, - ihn wieder zu binden suchen. Er lacht eurer,
denn was sein Glück erfordere, müsse er selbst wohl besser wissen, als ihr,
denkt er, und denkt daran recht. Ihr mögt das wohl nur so sagen, denkt er, weil
auch ihr euer Glück zu befördern strebt, und er gegenwärtig anfängt, demselben
im Wege zu stehen. Ihr werdet ihn nimmermehr überreden, dass es sein Glück sei,
sich abzuarbeiten, damit ihr, wie es ihm scheint, und vielleicht in der Tat
ist, müssiggehen könnt; dass er des notwendigsten entbehre, damit ihr, wie es
ihm scheint, und vielleicht in der Tat ist, euch gütlich tun könnt; dass er
gehorche, damit ihr herrschen könnt. - Hättet ihr ihm dagegen beigebracht, von
Jugend auf ihm eingeprägt, zu einem Bestandteile seines Selbst gemacht jenen
erhebenden Gedanken: diese Welt ist nicht meine Heimat, und nichts, was sie zu
geben vermag, kann mich befriedigen; mein wahres Sein hängt nicht von der Rolle
ab, die ich unter den Erscheinungen spiele, sondern von der Art, wie ich sie
spiele. Da ich an diesem Platze stehe, so ist es der Wille Gottes, dass ich an
ihm stehe, und freudig und mutig vollbringe, was an diesem Platze sich gehört.
So unscheinbar mein Geschäft sei, es geschieht um Gottes und der Pflicht willen,
und dadurch erhält es Würde. Nachzusehen, ob auch andere auf ihren Plätzen tun,
was dort sich gehört, ist nicht meine Sache: ich habe mit mir selbst vollauf zu
tun. Tun sie es nicht, so sündigen sie auf eigene Gefahr: Gott aber wird ohne
Zweifel alle Unordnungen, die daraus entstehen, zu seiner Zeit in die schönste
Harmonie auflösen. - Hättet ihr ihm diesen Gedanken beigebracht; den
Grundgedanken des Christentums, wie ich glaube, und meiner Philosophie - der
Heldensinn, und die unaussprechliche Ruhe, welche derselbe über sein Leben
verbreiten müsste, würde ihn ohne allen Zweifel zum nützlichen und ruhigen
Bürger gemacht haben.
                                       *
    Dass ich alles zusammenfasse: -
    Der Mittelpunct des Streits zwischen mir und den Gegnern ist der: dass wir
in zwei verschiedenen Welten stehen, und von zwei verschiedenen Welten reden, -
sie von der Sinnenwelt, ich von der übersinnlichen; dass sie alles auf Genuss
beziehen, welche Gestalt nun auch dieser Genuss haben möge, ich alles auf reine
Pflicht.
    Durch diese absolute Entgegensetzung der Principien wird nun, inwieweit wir
beide consequent sind, notwendig unser ganzes Denksystem, unsere Philosophie
und unsere Religion, entgegengesetzt. Was mir das allein Wahre und Absolute ist,
ist für sie gar nicht vorhanden, ist für sie Chimäre und Hirngespinnst: was sie
für das Wahre und Absolute halten, ist nach mir blosse Erscheinung, ohne alle
wabre Realität.
    Zu diesen Principien alles unseres Denkens sind wir nun beide nicht durch
das Denken selbst gelangt, sondern durch etwas, das höher liegt, als alles
Denken, und das ich hier füglich das Herz nennen kann. Aber was wir selbst nicht
auf dem Wege des Räsonnements erlangt haben, können wir auf diesem Wege auch
keinem anderen mitteilen; wir können also gegenseitig uns unsere Principien
nicht erweisen. Was wir uns auch demonstriren mögen, demonstriren wir doch immer
aus jenen Prämissen, und unsere Folgerungen gelten uns gegenseitig nur, wenn wir
uns die Prämissen zugeben; diese aber läugnen wir uns ja von beiden Seiten
entschieden ab. Es ist also schlechtin unmöglich, dass wir uns gegenseitig
widerlegen, überzeugen, belehren. Ich müsste ihre Gesinnung annehmen, um ihre
Wahrheit anzuerkennen; und dieses ist, nachdem ich nun einmal da bin, wo ich
bin, unmöglich. Oder sie müssten meine Gesinnung annehmen, um meine Wahrheit
anzuerkennen; und dies halte ich von meiner Seite allerdings für möglich; ja ich
bin im Gewissen verbunden, zu glauben, dass sie dieselbe dereinst noch annehmen
werden, aber nötigen kann ich sie dazu auf keine Weise.
    Ich habe mich wohl zuweilen noch eines anderen Vorteils über sie gerühmt;
aber derselbe verschwindet, wenn die Sache schärfer angesehen wird, beinahe in
Nichts. Sie können, habe ich zuweilen geäussert, nicht erklären, was sie zu
erklären unternehmen, und bringen, statt der gehofften Erklärungen, leere und
unverständliche Worte vor; und dieses wenigstens sollte man ihnen ja nachweisen
können. Aber selbst dies kann man ihnen so schwer nachweisen, indem sie in
derjenigen Höhe der Speculation, in welcher die Unverständlichkeit ihrer
Behauptungen erhellet, grösstenteils selbst nichts mehr verstehen.
    Was ist nun bei dieser Lage der Sachen zu tun?
    Zuvörderst: was könnte etwa zunächst den Gegnern einfallen, zu tun?
    Wollen erhitzte, feindliche Gemüter - ach, dass das edle Ringen um Wahrheit
in persönliche Gehässigkeit ausarten kann! - wollen diese auch über diese
Schrift herfallen, wie sie es bisher mit so vielen meiner Schriften getan
haben, Stellen aus ihrem Zusammenhange gerissen, oder wirklich verfälscht
anführen, um dem Verf. einen Sinn anzudichten, den sein Herz verabscheut, und
ihn leidenschaftlich zu verschmähen und zu verunglimpfen; so sei ihnen dies
vergönnt! Ich hatte gehofft, man werde in meinen bisherigen Antworten auf
dergleichen Begegnungen den guten Mut und die fröhliche Laune nicht verkennen,
noch sie selbst für leidenschaftliche Hitze nehmen; man hat sie verkannt, und
sich daran geärgert, und so gebe ich denn dem Publicum bei dieser Gelegenheit
auf immer das Wort, auf keine leidenschaftliche Äusserung gegen mich weiter
Rücksicht zu nehmen.
    Wollen andere ganz unleidenschaftlich auch jetzt mir abermals erzählen, was
wir schon so oft gehört haben, dass es nun einmal nicht im Menschen liege, auf
allen Genuss Verzicht zu leisten; so erinnere ich dieselben bloss, dass darin
eben der Sitz unseres Streits ist, dass sie mir da eben das Princip anführen, um
meinen Aufsatz zu widerlegen, welches ich im ganzen Aufsatze durchaus
abgeläugnet habe; und dass sie wohl wissen werden, wie dieser Fehler im Beweisen
in der Logik genannt wird. Das können sie gegen andere vorbringen, die es ihnen
glauben; nur nicht gegen mich.
    Will eine dritte Partei, - und ich fürchte, dass diese sehr zahlreich sein
werde - sagen: der Fehler liege nur darin, dass man jene Stützen zu plötzlich
wegreissen wolle; man solle doch gemach gehen, durch jene Lockungen und
Schreckmittel des Aberglaubens die Menschen nur erst zur Legalität bringen, um
sie von da aus zur Moralität zu erheben; so erinnere ich dieselben, dass sie da
nur die gewöhnliche Ausrede der Schwäche und der Halbheit vorbringen, welche die
Wahrheit einsieht, ohne den Mut zu haben, sie anzuerkennen, und zu befolgen;
und dass Sie sich in einem sehr gefährlichen Irrtume befinden. Es gibt von der
Sinnlichkeit zur Sittlichkeit keinen stätigen Uebergang, der etwa durch die
äussere Ehrbarkeit hindurchgehe; die Umänderung muss durch einen Sprung
geschehen, und nicht blosse Ausbesserung, sondern gänzliche Umschaffung, sie
muss Wiedergeburt sein.
    Da wir sonach, wie die Sache gegenwärtig steht, weder an-, noch auseinander
kommen können, so erlauben sie mir einen Vorschlag zur Güte:
    Dass ich bei ihnen unrecht habe, das versteht sich, und hierüber eben will
ich vor der Hand nicht weiter mit ihnen rechten. Aber es wird doch wohl auch bei
ihnen einen Unterschied in meiner Schuld machen, ob meine Behauptungen nur so
frech und kühn, und gleichsam ihnen zum Trotze hingeworfen worden; oder ob sich
Gründe dafür und einiges scheinbare zu ihrem Vorteile anführen lässt. Sie
werden denn doch hoffentlich, nachdem sie diese Schrift bis zu Ende gelesen, das
letztere nicht ganz abläugnen wollen. - Ferner müssen sie mir doch wohl
zugestehen, dass diese Lehre in ihren Folgen nicht gefährlich ist. Wenn sie
recht haben, und ich unrecht, so ist die schlimmste Folge die, dass die Anhänger
und praktischen Befolger dieser Lehre gutmütige Schwärmer werden, die sich
selbst um den Genuss des Lebens bringen; aber was schadet dies ihnen? Wenn sie
in ihrer Denkart consequent sind, so müssen sie sich vielmehr freuen, und von
ihrer Seite alles mögliche beizutragen suchen, um auf diese Weise recht vieler
Mitringer und Mitbewerber um ihre Glückseligkeit entledigt zu werden. Schon
diese ihre Inconsequenz, diese ihre Begierde, andere ebenso klug und so
glückselig zu machen, als sie selbst es sind, ohne dass ihnen daraus der
geringste Vorteil erwächst, könnte sie bedenklich machen: ob denn nicht doch
sogar ihrem eigenen Verfahren ein erhabeneres Princip zu Grunde liege, als sie
zugestehen wollen. - Endlich regt sich doch - ich weiss das sicher, und kann es
wissen - selbst in ihrem eigenen Innern in Geheim der Zweifel, ob ich nicht doch
recht haben dürfte; und sie mögen - ich weiss das sicher - nicht ihr ganzes
Glück in Zeit und Ewigkeit daransetzen, dass ich gewiss unrecht habe:
eigentlich, wenn sie sich recht prüfen, werden sie finden, dass sie nur eine
gelegnere Zeit abwarten wollen, um die Sache zu überlegen. Nun so erwarten sie
diese gelegnere Zeit ! - Wenn ich ganz allein so etwas behauptete, als ich
behaupte, so dürfte ihnen allenfalls noch eher geglaubt werden, dass ich ein
Schwärmer, und meiner Vernunft nicht mächtig sei; aber stehe ich denn auch so
ganz allein? Welchen durch keinen Parteinamen bezeichneten ganz unverdächtigen
Teologen nenne ich doch, als meinen Gewährsmann? Möchtest du, ehrwürdiger Vater
Spalding, dessen Bestimmung des Menschen es war, die den ersten Keim der höheren
Speculation in meine jugendliche Seele warf, und dessen Schriften alle, sowie
die genannte, das Streben nach dem Uebersinnlichen und Unvergänglichen so
trefflich charakterisiren, - möchtest du in meiner Sache stimmen können und
wollen! Und der Herr Oberhofprediger Reinhard, der im chursächsischen
Kirchenrate unter den Richtern über meinen Ateismus, und über meine Angriffe
auf die Religion gesessen haben muss - ich habe keine seiner neuesten Schriften
bei der Hand, aber ich finde in einer gelehrten Zeitung eine Anzeige seiner
neuesten Predigtsammlungen; - was kann er in Predigten »über den frohen
menschenfreundlichen Glauben, dass es immer besser auf Erden werden müsse, -
dass man ohne einen gewissen Grad edler Begeisterung kein wahrer Christ sein
könne, - von dem Gefühle der Unvergänglichkeit, mit welchen Christen die
Hinfälligkeit alles Irdischen befrachten sollen,« - was kann der geistvolle und
gründliche Mann in dergleichen Predigten anderes sagen, als was auch ich in
jenem verbotenen Aufsatze, und in diesem gesagt habe, und was jeder sagen muss,
dem wahre innere Religion am Herzen liegt? Und unter den Philosophen du, edler
Jacobi, dessen Hand ich zutrauungsvoller fasse; so verschieden wir auch über die
blosse Teorie denken mögen, das, worauf es hier ankommt, hast du schon längst,
gerade so, wie ich es denke, gesagt, mit einer Kraft und Wärme gesagt, mit
welcher ich es nie sagen kann,1 hast es zur Seele deines Philosophirens gemacht:
»durch ein göttliches Leben wird man Gottes inne.«
    Also, da dieses alles sich so verhält, mein Vorschlag zur Gotte! - Haben wir
beide lieber von nun an unmittelbar gar nichts mehr mit einander zu tun. Wenden
sie sich lieber an diejenigen, bei denen sie noch hoffen können, Eingang für
ihre Lehre zu finden; und ich will dasselbe von meiner Seite tun. Jede Partei
tue für sich alles, was sie vermag, um Einstimmigkeit mit sich ausser sich
hervorzubringen. Nur tue darin keine der anderen Eintrag; nur sei unser
Wetteifer redlich, und keiner bediene sich unerlaubter Waffen. So wie ich ihre
Schriften sicher nicht verbieten und confisciren, die Besuchung der
Universitäten, auf denen sie ihren Sitz haben, und ihrer Vorlesungen, gewiss
nicht untersagen und verschreien würde, auch wenn ichs vermöchte; so tun auch
sie von ihrer Seite nicht. Erwarten sie, dass zwischen uns die Zeit richte. Nur
eine kurze Frist erbitte ich mir. Wenn nicht nach einem Jahrzehend die grössere
Menge der guten Köpfe und Herzen auf meiner Seite sein werden, wenn dann nicht
selbst viele, die jetzt gegen mich eifern, ganz meiner Meinung, und die anderen
wenigstens gemässigter sein werden; dann will ich kein Wort weitersagen; sie
mögen dann gegen mich verfahren, wie sie können.
    Den chursächsischen Kirchenrat, oder welches Collegium es war, das den
Confiscationsbefehl und die Beschuldigung des Ateismus aussprach, rechne ich,
nicht nur wegen der Ungleichheit des Verhältnisses, sondern überhaupt nicht
unter meine Gegner. Geschäftsmänner haben weder Zeit noch Beruf, dergleichen
Gegenstände zu ergründen; sie müssen sich darüber an die Berichte ihrer
Gelehrten halten. Aber werden denn nun diese Geschäftsmänner auch meinen Bericht
vernehmen und beherzigen? Werden sie einsehen, was das zu bedeuten habe,
öffentlich, vor den Ohren der deutschen Nation, als Ateisten und Feind aller
Religion einen Mann anzukündigen, von welchem - denn jetzt will ich als das
äusserste ihnen die Denkart meiner Gegner zuschreiben, und annehmen, dass sie
mir nichts weiter zugestehen müssen, als diese zugestehen; - von welchem es denn
doch nicht unmöglich ist, dass er recht habe, und dass seine Schrift vielmehr
eine Verteidigung der Religion, als ein Angriff auf dieselbe sei? Werden sie
den Mut haben, sich zu gestehen, welches die aller mindeste Genugtuung sei,
die sie meinem, so viel an ihnen war, verunglimpften guten Namen, meinem, soviel
an ihnen war, angegriffenen Wirkungskreise schuldig sind; und den daraus
folgenden Mut, diese Genugtuung zu geben? Alles dies sei lediglich ihnen
selbst überlassen, und kann um destomehr ihnen überlassen werden, nachdem gar
nicht mehr mein Interesse, sondern lediglich das ihrige - wenn sie ein solches
Interesse haben - in diese Angelegenheit verwickelt ist. Mir konnte ihre
Beschuldigung nur durch die Wirkung derselben auf das deutsche Publicum
bedeutend werden. Ich habe jetzt die Sache unmittelbar an dieses Publicum
gebracht, und eine grosse Stimmenmehrheit wird, wie ich hoffe, schon jetzt,
oder, wie ich nicht hoffe, sondern gewiss weiss, nach Verlauf einiger Jahre, für
mich entscheiden. Es kann nunmehr nur noch ihnen nachteilig sein - denn dass
sie sagen sollten: ei, wer kann uns etwas schaden, wir sitzen viel zu hoch, was
machen wir uns daraus? erwarte ich nicht - es kann, sage ich, nun nur noch ihnen
nachteilig sein, jene harte Beschuldigung ausgesprochen und sie nicht
zurückgenommen zu haben; so wie es nur noch ihnen Ehre, Zutrauen der Nation in
ihre Urteile, und Einfluss auf die gesammte Literatur des deutschen Vaterlandes
bringen kann, wenn sie freimütig erklären: wir sind infallibel in bürgerlicher
Gesetzgebung und Richterspruch, und verlangen da unbedingte Unterwerfung; aber
in unseren Urteilen über literarische Angelegenheiten können wir uns irren,
denn wir sind Menschen; hier haben wir uns geirrt, und nehmen frei und offen
unseren Irrtum zurück. - - Ich traue ihnen diese Grossmut zu; und die
Erfahrung mag lehren, ob ich ihnen zu viel zutraute.
    Ich gebe ihnen durch diese Schrift eine Veranlassung, dies auf eine
schickliche Weise zu tun. Ihre Leipziger Büchercommission hat nebst dem ersten
durch das churfürstl. Rescript confiscirten Hefte, auch noch das zweite, aus
eigener Machtvollkommenheit, confiscirt.2 Ich klage sie dessen hierdurch
öffentlich an. Befehle der chursächsische Kirchenrat, dass dieses zweite Heft
zurückgegeben werde; gebe er bei dieser Gelegenheit auch den Verkauf des
ersteren frei, auf die Bedingung, dass mein gegenwärtiger Aufsatz mit ihm
zugleich verkauft werde, indem dieser letztere zur Erklärung mehrerer
bedenklichen und leicht miszuverstehenden Äusserungen in den beiden ersten
Aufsätzen des ersteren diene; oder welchen Mittelweg sonst ihnen ihre Weisheit
eingibt; behandle man diesen Befehl nicht, wie gewöhnlich geschieht, als ein
Geheimnis, sondern lasse ihn öffentlich bekannt werden; und ich werde diese
Grossmut dankbar verehren.
    Ich wende mich an die unbefangenen Leser, welche in dieser Angelegenheit
weder gehandelt, noch für oder wider die Meinungen, welche hier streitig
geworden sind, schon Partei genommen haben. Es war die Absicht meiner Schrift,
diese Unbefangenen zu einem Publicum für diese Angelegenheit zu erheben, und sie
zu meinem Richter zu machen. Nur die Unbefangenen: - denn so wenig meine Gegner
eine Stimme fordern können, ebensowenig verlange ich, das die Freunde der
neuesten, und selbst der neueren Philosophie gehört werden; welche letzten, so
wenig sie auch meinen Schlüssen folgen mögen, dennoch mehr oder minder mit
meinem Princip, dem des reinen Moralismus, einverstanden sind.
    Ich habe die Lehre meiner Gegner, zufolge welcher die meinige ihnen als
Ateismus erscheinen muss, und die meinige, zufolge welcher die ihrige mir als
abgöttisch und götzendienstlich erscheinen muss, treu und klar dargestellt. Es
ist jetzt an diesen Unbefangenen, vorerst bei sich selbst, und dann auch, wenn
sie wollen, vor anderen zu entscheiden, ob ihnen denn die Lehre meiner Gegner so
vortrefflich, die meinige so heillos erscheine; zu entscheiden, nach welcher von
beiden sie ihren eigenen geistigen Charakter lieber gebildet sähen; zu
entscheiden, welche selbst in der Schilderung ihrem Herzen wohltätiger ist. Sie
erlauben mir nur noch eine solche Beziehung auf ihr Herz; und dann überlasse ich
sie ruhig ihrer eigenen Ueberlegung.
    Durch jene Lehre machen Sie euch lüstern, durch eure Lüsternheit bedürftig,
durch eure Bedürftigkeit abhängig, klein und niedrig. Der Anfang eurer
Erscheinung Für euch ist zwar allerdings nicht glänzend; ihr findet euch zuerst
als Product der Sinnenwelt, durch euren Mangel an dieselbe gekettet, ein
unsterbliches Wesen, bedürftig dessen, was nur Staub und Asche ist. Von diesem
Zustande euch zu erlösen, gibt es nur Einen Weg, die Erhebung zur reinen
Sittlichkeit; und ihr seid bestimmt, und berufen, diesen Weg zu gehen. Von dem
Augenblicke an, da ihr ihn einschlagt, wird eure bisherige Gebieterin, die
Natur, euch unterworfen, und verwandelt sich in euer folgsames leidendes
Instrument. - Jene aber wollen das Denkmal eures anscheinenden Ursprungs aus der
Eitelkeit eurem unsterblichen Geiste unauslöschlich einbrennen, indem sie es
billigen und heiligen. Indem sie die Begier in euch nicht ausrotten lassen,
sondern sie pflegen und zu Ehren erheben, und einen Gott mit derselben
beschäftigen, verewigen sie eure Bedürftigkeit.
    Die andere Lehre will alles, was ihr zu bewundern, zu begehren, zu fürchten
pflegt, vor eurem Auge in Nichts verwandeln, indem sie auf ewig eure Brust der
Verwunderung, der Begier, der Furcht verschliesst. Ihr sollt euch nur zum
Bewusstsein eures reinen sittlichen Charakters erheben; und ihr werdet,
verspricht sie euch, ihr werdet finden, wer Ihr selbst seid; und werdet finden,
dass dieser Erdball mit allen den Herrlichkeiten, welcher zu bedürfen ihr in
kindischer Einfalt wähntet, dass diese Sonne, und die tausendmaltausend Sonnen,
die sie umgeben, dass alle die Erden, die ihr um jede der tausendmaltausend
Sonnen ahnet, und die in keine Zahl zu fassenden Gegenstände alle, die ihr auf
jedem dieser Weltkörper ahnet, wie ihr auf eurer Erde sie findet, dass dieses
ganze unermessliche An, vor dessen blossem Gedanken eure sinnliche Seele bebt,
und in ihren Grundtesten erzittert - dass es nichts ist, als in sterbliche Augen
ein matter Abglanz eures eigenen, in euch verschlossenen und in alle Ewigkeiten
hinaus zu entwickelnden ewigen Daseins. Ihr werdet, verspricht sie euch, bloss
selbsttätiges Princip, und allein durch euer pflichtmässiges Handeln bestehend
- den Genuss nicht entbehren, sondern verschmähen, alles was da Ding ist, die
Herrlichkeiten eurer Erde, und jener tausendmaltausend Weltkörper, und des
ganzen unermesslichen All, vor dessen blossem Gedanken eure sinnliche Seele
erbebt, tief unter eurer eigenen geistigen Natur finden, und die Liebe und die
Berührung damit für Befleckung und Entweihung eures höheren Ranges halten. Ihr
werdet, verspricht sie euch, kühn eure Unendlichkeit dem unermesslichen All, vor
dessen blossem Gedanken eure sinnliche Seele erbebt, gegenüberstellen und sagen:
wie könnte ich deine Macht fürchten, die sich nur gegen das richtet, was dir
gleich ist, und nie bis zu mir reicht. Du bist wandelbar, nicht ich; alle deine
Verwandlungen sind nur mein Schauspiel, und ich werde stets unversehrt über den
Trümmern deiner Gestalten schweben. Dass die Kräfte schon jetzt in Wirksamkeit
sind, welche die innere Sphäre meiner Tätigkeit, die ich meinen Leib nenne,
zerstören sollen, befremdet mich nicht; dieser Leib gehört zu dir, und ist
vergänglich, wie alles, was zu dir gehört, aber dieser Leib ist nicht Ich. Ich
selbst werde über seinen Trümmern schweben, und seine Auflösung wird mein
Schauspiel sein. Dass die Kräfte schon in Wirksamkeit sind, welche meine äussere
Sphäre, die erst jetzt angefangen hat, es in den nächsten Puncten zu werden; -
welche euch, ihr leuchtenden Sonnen alle, und die tausendmaltausend Weltkörper,
die euch umrollen, zerstören werden, kann mich nicht befremden; ihr seid durch
eure Geburt dem Tode geweiht. Aber wenn unter den Millionen Sonnen, die über
meinem Haupte leuchten, die jüngstgeborne ihren letzten Lichtfunken längst wird
ausgeströmt haben, dann werde ich noch unversehrt und unverwandelt derselbe
sein, der ich jetzt bin; und wenn aus euren Trümmern so vielemale neue
Sonnensysteme werden zusammengeströmt sein, als eurer alle sind, ihr über meinem
Haupte leuchtende Sonnen, und die jüngste unter allen ihren letzten Lichtfunken
längst wird ausgeströmt haben, dann werde ich noch sein, unversehrt und
unverwandelt, derselbe, der ich heute bin; werde noch wollen, was ich beute
will, meine Pflicht; und die Folgen meines Tuns und Leidens werden noch sein,
aufbehalten in der Seligkeit aller. Ihr sollt, verspricht sie euch, auch in
eurem mütterlichen Lande, der übersinnlichen Welt, und Gott gegenüber, frei und
aufgerichtet dastehen. Ihr seid nicht seine Sklaven, sondern freie Mitbürger
seines Reichs. Dasselbe Gesetz, das euch verbindet, macht sein Sein aus, so wie
es euren Willen ausmacht. Selbst ihm gegenüber seid ihr nicht bedürftig, denn
ihr begehrt nichts, als was er ohne euer Begehr tut; selbst von ihm seid ihr
nicht abhängig, denn ihr sondert euren Willen nicht ab von dem seinigen. »Ihr
nehmt die Gotteit auf in euren Willen, und sie steigt für euch von ihrem
Weltentrone herab.«
    Und jetzt habt ihr, noch uneingenommene und unbefangene Leser, bei euch
selbst zu entscheiden, nach welcher von diesen beiden Lehren ihr gebildet zu
sein wünscht: ob nach der, die euch erniedrigt, oder nach der, die euch
unaussprechlich zu erheben verspricht? Wie die erstere auf ein menschliches
Gemüt wirke, werdet ihr ohne Zweifel an euch selbst empfunden haben; wir haben
es alle empfunden, denn wir sind bisjetzt noch alle genötigt, durch diese
Denkart hindurch zu gehen. Ob die zweite ihre grossen Versprechungen halte,
könnt ihr zwar allerdings durch Einbildungskraft und Nachdenken, wenn beides
nicht in ganz gemeinem Grade euch zu Gebote steht, zum Teil ermessen; aber
wahrhaft zur Ueberzeugung darüber kommen, könnt ihr nur dadurch, dass ihr
wirklich tut, was sie von euch fordert. Möchten diese Schilderungen recht viele
unter euch reizen, den Versuch an ihrem eigenen Herzen zu machen! Macht ihr ihn
recht, und findet euch getäuscht; nun dann verdammt mich, wozu ihr wollt.
    Und hiermit lege ich denn die Feder nieder, mit der Ruhe, mit welcher ich
einst mein ganzes irdisches Tagewerk niederzulegen und in die Ewigkeit
hinüberzutreten hoffe. Das noch zu sagen, was ich hier gesagt habe, war meine
Sache; was nun weiter geschehen soll, ist Sache eines Anderen.
 
                                    Fussnoten
1 Besonders: Briefe über die Lehre des Spinoza, S. 234 ff. 2. Ausgabe, in seiner
Verteidigung gegen Mendelssohn; und so in allen seinen Schriften.
2 Nunmehr zwar scheinen sie dies bemänteln zu wollen. In einem, Namen dieser
Commission ausgestellten, von dem Bücherinspector Herrn Mechau unterschriebenen
Attestate, das sich in meinen Händen befindet, wird gesagt: dass man den ersten
und zweiten Aufsatz (die doch nur noch mit einem dritten zusammengeheftet, und
nirgend einzeln vorhanden waren) des ersten Heftes in den Buchhandlungen
aufgesucht. - Nach demselben Attestate steht in dem Rescripte der Ausdruck: dass
jene beiden Aufsätze die gröbsten ateistischen Äusserungen entalten.
 
    