
        
                              Deutscher Idealismus
   Grundriss des Eigentümlichen der Wissenschaftslehre, in Rücksicht auf das
                             teoretische Vermögen
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                             Johann Gottlieb Fichte
   Grundriss des Eigentümlichen der Wissenschaftslehre, in Rücksicht auf das
                             teoretische Vermögen
           § 1. Begriff der besonderen teoretischen Wissenschaftslehre
    Wir sind in der Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre zur Begründung
einer teoretischen ausgegangen von dem Satze: das Ich setzt sich als bestimmt
durch das Nicht-Ich. Wir haben untersucht, wie und auf welche Weise etwas diesem
Satze entsprechendes als ursprünglich im vernünftigen Wesen vorhanden gedacht
werden könne. Wir haben, nach Absonderung alles unmöglichen und
widersprechenden, die gesuchte einzig-mögliche Weise aufgefunden. So gewiss nun
jener Satz gelten soll, und so gewiss er nur auf die angezeigte Weise gelten
kann, so gewiss muss dieselbe als Factum ursprünglich in unserem Geiste
vorkommen. Dieses postulirte Factum war folgendes: auf Veranlassung eines bis
jetzt noch völlig unerklärbaren und unbegreiflichen Anstosses auf die
ursprüngliche Tätigkeit des Ich producirt die zwischen der ursprünglichen
Richtung dieser Tätigkeit, und der durch die Reflexion entstandenen -
schwebenden Einbildungskraft etwas aus beiden Richtungen zusammengesetztes. Da
im Ich, laut seines Begriffes, nichts sein kann, das es nicht in sich setze, so
muss es auch jenes Factum in sich setzen, d. i. es muss sich dasselbe
ursprünglich erklären, vollständig bestimmen und begründen.
    Ein System derjenigen Tatsachen, welche in der ursprünglichen Erklärung
jenes Factums im Geiste des vernünftigen Wesens vorkommen, ist eine teoretische
Wissenschaftslehre überhaupt; und jene ursprüngliche Erklärung umfasst das
teoretische Vermögen der Vernunft. - Ich sage mit Bedacht: die ursprüngliche
Erklärung jenes Factums. Dasselbe ist ohne unser wissentliches Zutun in uns
vorhanden; es wird ohne unser wissentliches Zutun, bloss durch und nach den
Gesetzen und der Natur eines vernünftigen Wesens erklärt; und die verschiedenen
unterscheidbaren Momente im Fortgange dieser Erklärung sind neue Tatsachen. Die
Reflexion geht auf das ursprüngliche Factum; und dies nenne ich denn die
ursprüngliche Erklärung. - Etwas ganz anderes ist die wissentliche und
wissenschaftliche Erklärung, die wir beim transcendentalen Philosophiren
vornehmen. In ihr geht die Reflexion eben auf jene ursprüngliche Erklärung des
ersten Factums, um dieselbe wissenschaftlich aufzustellen.
    Wie das Ich im Allgemeinen jenes Factum in sich setze, haben wir schon in
der Deduction der Vorstellung überhaupt kurz angezeigt. Es war dort von der
Erklärung dieses Factums überhaupt die Rede, und wir abstrahirten völlig von der
Erklärung irgend eines besonderen unter diesen Begriff gehörigen Factums, als
eines besonderen.
    Dies kam lediglich daher, weil wir nicht in alle Momente dieser Erklärung
eingingen, noch eingehen konnten. Sonst würden wir gefunden haben, dass kein
dergleichen Factum, als Factum überhaupt sich vollständig bestimmen lasse, dass
es nur als besonderes Factum völlig bestimmbar sei, und dass es jedesmal ein
durch ein anderes Factum der gleichen Art bestimmtes sei, und sein müsse. Es ist
demnach Bar keine vollständige teoretische Wissenschaftslehre möglich, ohne
dass es eine besondere sei; und unsere Darstellung derselben muss notwendig,
wenn wir nach den Regeln der Wissenschaftslehre consequent zu Werke gehen, die
Darstellung einer besonderen teoretischen Wissenschaftslehre werden, weil wir
zu seiner Zeit notwendig auf die Bestimmung eines Factums dieser Art durch ein
entgegengesetztes der gleichen Art kommen müssen.
    Hierüber noch einige Worte zur Erläuterung. Kant geht aus von der
Voraussetzung, dass ein Mannigfaltiges für die mögliche Aufnahme zur Einheit des
Bewusstseins gegeben sei, und et konnte, von dem Puncte aus, auf welchen er sich
gestellt hatte, von keiner anderen ausgehen. Er begründete dadurch das besondere
für die teoretische Wissenschaftslehre; er wollte nichts weiter begründen, und
ging daher mit Recht von dem besonderen zum allgemeinen fort. Auf diesem Wege
nun lässt sich zwar ein collectives Allgemeines, ein Ganzes der bisherigen
Erfahrung, als Einheit unter den gleichen Gesetzen, erklären: nie aber ein
unendliches Allgemeines, ein Fortgang der Erfahrung in die Unendlichkeit. Von
dem Endlichen aus gibt es keinen Weg in die Unendlichkeit; wohl aber gibt es
umgekehrt einen von der unbestimmten und unbestimmbaren Unendlichkeit, durch das
Vermögen des Bestimmens zur Endlichkeit (und darum ist alles Endliche Product
des bestimmenden). Die Wissenschaftslehre, die das ganze System des menschlichen
Geistes umfassen soll, muss diesen Weg nehmen, und vom allgemeinen zum
besonderen herabsteigen. Dass für eine mögliche Erfahrung ein Mannigfaltiges
gegeben sei, muss erwiesen werden; und der Beweis wird folgendermaassen geführt
werden: das gegebene muss etwa sein, es ist aber nur insofern etwas, inwiefern
es noch ein anderes gibt, das auch etwas, aber etwas anderes ist; und von dem
Puncte an, wo dieser Beweis möglich sein wird, werden wir in den Bezirk des
Besonderen treten.
    Die Metode der teoretischen Wissenschaftslehre ist schon in der Grundlage
beschrieben, und sie ist leicht und einfach. Der Faden der Betrachtung wird an
dem hier durchgängig als Regulativ herrschenden Grundsatze: nichts kommt dem Ich
zu, als das, was es in sich setzt, fortgeführt. Wir legen das oben abgeleitete
Factum zum Grunde, und sehen, wie das Ich dasselbe in sich setzen möge. Dieses
Setzen ist gleichfalls ein Factum, und muss durch das Ich gleichfalls in sich
gesetzt werden; und so beständig fort, bis wir bei dem höchsten teoretischen
Factum ankommen; bei demjenigen, durch welches das Ich (mit Bewusstsein) sich
setzt, als bestimmt durch das Nicht-Ich. So endet die teoretische
Wissenschaftslehre mit ihrem Grundsatze, geht in sich selbst zurück, und wird
demnach durch sich selbst vollkommen beschlossen.
    Es könnten unter den abzuleitenden Tatsachen sich leicht charakteristische
Unterschiede zeigen, die uns zu einer Einteilung derselben, und mit ihnen der
Wissenschaft, welche sie aufstellt, berechtigten. Diese Einteilungen aber
werden, der syntetischen Metode gemäss, erst da gemacht, wo sich die
Einteilungsgründe hervortun.
    Die Handlungen, durch welche das Ich irgend etwas in sich setzt, sind hier,
weil auf dieselben reflectirt wird, Facta, wie soeben gesagt worden; aber es
folgt daraus nicht, dass sie das seien, was man gewöhnlich Facta des
Bewusstseins nennt, oder dass man sich derselben, als Tatsachen der (inneren)
Erfahrung, wirklich bewusst werde. Giebt es ein Bewusstsein, so ist dies selbst
eine Tatsache, und muss abgeleitet werden, wie alle übrige Tatsachen: und
gibt es wiederum besondere Bestimmungen dieses Bewusstseins, so müssen auch
diese sich ableiten lassen, und sind eigentliche Facta des Bewusstseins.
    Es erhellet daraus, teils, dass es, wie schon mehrmals erinnert worden, der
Wissenschaftslehre nicht zum Vorwurfe gereiche, wenn etwas, das sie als Factum
aufstellet, sich in der (inneren) Erfahrung nicht vorfindet. Sie gibt dies gar
nicht vor; sie erweist bloss, dass notwendig gedacht werden müsse, dass etwas
einem gewissen Gedanken entsprechendes im menschlichen Geiste vorhanden sei.
Soll dasselbe nicht im Bewusstsein vorkommen, so gibt sie zugleich den Grund
an, warum es daselbst nicht vorkommen könne, nämlich weil es unter die Gründe
der Möglichkeit alles Bewusstseins gehört. - Teils erhellet, dass die
Wissenschaftslehre auch bei demjenigen, was sie wirklich als Tatsache der
inneren Erfahrung aufstellt, sich dennoch nicht auf das Zeugnis der Erfahrung,
sondern auf ihre Deduction stütze. Hat sie richtig deducirt, so wird freilich
ein Factum, gerade so beschaffen wie sie es deducirt hat, in der Erfahrung
vorkommen. Kommt kein dergleichen Factum vor, so hat sie freilich unrichtig
deducirt, und der Philosoph für seine Person wird in diesem Falle wohl tun,
wenn er zurückgeht, und dem Fehler im Folgern, welchen er irgendwo gemacht haben
muss, nachspürt. Aber die Wissenschaftslehre, als Wissenschaft, fragt
schlechterdings nicht nach der Erfahrung, und nimmt auf sie schlechtin keine
Rücksicht. Sie müsste wahr sein, wenn es auch gar keine Erfahrung geben könnte
(ohne welche freilich auch keine Wissenschaftslehre in concreto möglich sein
wurde, was aber hieher nicht gehört), und sie wäre a priori sicher, dass alle
mögliche künftige Erfahrung sich nach den durch sie aufgestellten Gesetzen würde
richten müssen.
 
                              § 2. Erster Lehrsatz
   Das aufgezeigte Factum wird gesetzt: durch Empfindung, oder Deduction der
                                   Empfindung
                                       I.
    Der in der Grundlage beschriebene Widerstreit entgegengesetzter Richtungen
der Tätigkeit des Ich ist etwas im Ich unterscheidbares. Er soll, so gewiss er
im Ich ist, durch das Ich im Ich gesetzt; er muss demnach zuvörderst
unterschieden werden. Das Ich setzt ihn, heisst zuvörderst: es setzt denselben
sich entgegen.
    Es ist bis jetzt, d.h. auf diesem Puncte der Reflexion, im Ich noch gar
nichts gesetzt; es ist nichts in demselben, als was ihm ursprünglich zukommt,
reine Tätigkeit. Das Ich setzt etwas sich entgegen, heisst also hier nichts
weiter, und kann hier nichts weiter heissen, als: es setzt etwas nicht als reine
Tätigkeit. So wurde demnach jener Zustand des Ich im Widerstreite gesetzt, als
das Gegenteil der reinen, als gemischte, sich selbst widerstrebende, und sich
selbst vernichtende Tätigkeit. - Die jetzt aufgezeigte Handlung des Ich ist
bloss antitetisch.
    Wir lassen hier gänzlich ununtersucht, wie, auf welche Art und Weise und
durch welches Vermögen das Ich irgend etwas setzen möge, da in dieser ganzen
Lehre die Rede lediglich von den Producten seiner Tätigkeit ist. - Aber es
wurde schon in der Grundlage erinnert, dass, wenn der Widerstreit je im Ich
gesetzt werden, und aus demselben etwas weiteres folgen solle, durch das blosse
Setzen der Widerstreit, als solcher, das Schweben der Einbildungskraft zwischen
den Entgegengesetzten, aufhören, dennoch aber die Spur desselben, als ein etwas,
als ein möglicher Stoff, übrig bleiben müsse. Wie dies geschehen möge, sehen wir
schon hier, ohngeachtet wir das Vermögen, durch welches es geschieht, noch nicht
sehen. - Das Ich muss jenen Widerstreit entgegengesetzter Richtungen, oder,
welches hier das gleiche ist, entgegengesetzter Kräfte setzen; also weder die
eine allein, noch die zweite allein, sondern beide; und zwar beide im
Widerstreite, in entgegengesetzter, aber völlig sich das Gleichgewicht haltender
Tätigkeit. Entgegengesetzte Tätigkeit aber, die sich das Gleichgewicht hält,
vernichtet sich, und es bleibt nichts. Doch soll etwas bleiben und gesetzt
werden: es bleibt demnach ein ruhender Stoff, etwas Kraftabendes, welches
dieselbe wegen des Widerstandes nicht in Tätigkeit äussern kann, ein Substrat
der Kraft, wie man sich jeden Augenblick durch ein mit sich selbst angestelltes
Experiment überzeugen kann. Und zwar, worauf es hier eigentlich ankommt, bleibt
dieses Substrat nicht als ein vorhergesetztes, sondern als blosses Product der
Vereinigung entgegengesetzter Tätigkeiten. Dies ist der Grund alles Stoffs, und
alles möglichen bleibenden Substrats im Ich (und ausser dem Ich ist nichts), wie
sich immer deutlicher ergeben wird.
                                      II.
    Das Ich aber soll jenen Widerstreit, in sich setzen es muss demnach
denselben sich auch gleich setzen, ihn auf sich selbst beziehen, und dazu bedarf
es eines Beziehungsgrundes in demselben mit dem Ich. Dem Ich kommt, wie soeben
erinnert worden, bis jetzt nichts zu, als reine Tätigkeit. Nur diese ist bis
jetzt auf das Ich zu beziehen, oder demselben gleichzusetzen: der gesuchte
Beziehungsgrund könnte demnach kein anderer sein, denn reine Tätigkeit, und es
müsste im Widerstreite selbst reine Tätigkeit des Ich angetroffen oder,
richtiger, gesetzt, syntetisch hineingetragen werden.
    Aber die im Widerstreite begriffene Tätigkeit des Ich ist soeben als
nicht-rein gesetzt worden. Sie muss, wie wir jetzt sehen, für die Möglichkeit
der Beziehung auf das Ich auch als rein gesetzt werden. Sie ist demnach ihr
selbst entgegengesetzt. Dies ist unmöglich und widersprechend, wenn nicht noch
ein drittes gesetzt wird, worin dieselbe ihr selbst gleich, und entgegengesetzt
zugleich sei. Es muss demnach ein solches drittes, als syntetisches Glied der
Vereinigung, gesetzt werden.
    Ein solches drittes aber wäre eine aller Tätigkeit des Ich überhaupt
entgegengesetzte Tätigkeit (des Nicht-Ich), welche die Tätigkeit des Ich im
Widerstreite völlig unterdrückte und vernichtete, indem sie ihr das
Gleichgewicht hielte. Es muss demnach, wenn die geforderte Beziehung möglich
sein, und der gegen sie sich auflehnende Widerspruch gehoben werden soll, eine
solche völlig entgegengesetzte Tätigkeit gesetzt werden.
    Dadurch wird der aufgezeigte Widerspruch wirklich gelöst, und die geforderte
Entgegensetzung der im Widerstreite begriffenen Tätigkeit des Ich mit sich
selbst wird möglich. Diese Tätigkeit ist rein, und ist als rein zu setzen, wenn
die entgegengesetzte Tätigkeit des Nicht-Ich, welche sie unwiderstehlich
zurückdrängt, weggedacht, und von ihr abstrahirt wird; sie ist nicht rein,
sondern objectiv, wenn die entgegengesetzte Tätigkeit in Beziehung mit ihr
gesetzt wird. Sie ist demnach nur unter Bedingung rein oder nicht rein; diese
Bedingung kann gesetzt, oder nicht gesetzt werden. So wie gesetzt wird, dass
dies eine Bedingung, d. i. ein solches sei, was gesetzt oder nicht gesetzt
werden kann, wird gesetzt, dass jene Tätigkeit des Ich Ihr selbst
entgegengesetzt werden könne.
    Die jetzt aufgezeigte Handlung ist tetisch, antitetisch und antitetisch
zugleich. Tetisch, inwiefern sie eine, schlechterdings nicht wahrzunehmende,
entgegengesetzte Tätigkeit ausser dem Ich setzt. (Wie das Ich dies vermöge,
davon wird erst tiefer unten die Rede sein: hier ist nur gezeigt, dass es
geschehe, und geschehen müsse.) Antitetisch, inwiefern sie durch Setzen oder
Nicht-Setzen der Bedingung eine und ebendieselbe Tätigkeit des Ich ihr selbst
entgegensetzt. Syntetisch, inwiefern sie durch das Setzen der entgegengesetzten
Tätigkeit, als einer zufälligen Bedingung, jene Tätigkeit als eine und
ebendieselbe setzt.
                                      III.
    Und erst jetzt ist die geforderte Beziehung der im Wider streite
befindlichen Tätigkeit auf das Ich, das Setzen derselben als eines etwas, das
dem Ich zukommt, die Zueignung derselben möglich. Sie wird, weil und inwiefern
sie sich auch als rein betrachten lässt, und weil sie rein sein würde, wenn jene
Tätigkeit des Nicht-Ich nicht auf sie einwirkte, und weil sie nur unter
Bedingung eines völlig fremdartigen und gar nicht im Ich liegenden, sondern
demselben geradezu entgegengesetzten nicht rein, sondern objectiv ist, gesetzt
in das Ich. - Es ist wohl zu merken, und ja nicht aus der Acht zu lassen, dass
diese Tätigkeit nicht etwa bloss, inwiefern sie als rein, sondern auch
inwiefern sie als objectiv gesetzt ist, mitin nach der Syntesis, und mit alle
dem, was durch die Syntesis in ihr vereinigt ist, auf das Ich bezogen werde.
Die in sie gesetzte Reinheit ist bloss der Beziehungsgrund; das bezogene ist
sie, inwiefern sie gesetzt wird, als rein, wenn die entgegengesetzte Tätigkeit
nicht auf sie wirken würde; aber jetzt als objectiv, weil die entgegengesetzte
Tätigkeit wirklich auf sie wirkt.1
    In dieser Beziehung wird die dem Ich entgegengesetzte Tätigkeit
ausgeschlossen; die Tätigkeit des Ich mag nun als rein, oder als objectiv
betrachtet werden; denn in beiden Rücksichten wird dieselbe als Bedingung
gesetzt, einmal, als eine solche, von welcher abstrahirt, einmal, als eine
solche, auf welche reflectirt werden muss. (Ueberhaupt gesetzt wird sie freilich
in jedem Falle; wie und durch welches Vermögen, davon ist hier die Rede nicht.)
- Und hier liegt denn, wie sich immer deutlicher ergeben wird, der letzte Grund,
warum das Ich aus sich herausgeht, und etwas ausser sich setzt. Hier zuerst löst
sich, dass ich mich so ausdrücke, etwas ab von dem Ich; welches durch weitere
Bestimmung sich allmählig in ein Universum mit allen seinen Merkmalen verwandeln
wird.
    Die abgeleitete Beziehung heisst Empfindung (gleichsam Insichfindung. Nur
das fremdartige wird gefunden; das ursprünglich im Ich gesetzte ist immer da.)
Die aufgehobene vernichtete Tätigkeit des Ich ist das Empfundene. Sie ist
empfunden, fremdartig, inwiefern sie unterdrückt ist, was sie ursprünglich und
durch das Ich selbst gar nicht sein kann. Sie ist empfunden, etwas im Ich -
inwiefern sie nur unter Bedingung einer entgegengesetzten Tätigkeit unterdrückt
ist, und, wenn diese Tätigkeit wegfiele, selbst Tätigkeit, und reine
Tätigkeit sein würde. - Das Empfindende ist begreiflicherweise das in der
abgeleiteten Handlung beziehende Ich; und dasselbe wird begreiflicherweise nicht
empfunden, inwiefern es empfindet; und es ist demnach hier von demselben gar
nicht die Rede. Ob und wie, und durch welche bestimmte Handlungsweise dasselbe
gesetzt werde, muss sogleich im folgenden § untersucht werden. Ebensowenig ist
hier die Rede von der in der Empfindung ausgeschlossenen entgegengesetzten
Tätigkeit des Nicht-Ich; denn auch diese wird nicht empfunden, da sie ja zum
Behuf der Möglichkeit der Empfindung überhaupt ausgeschlossen werden muss. Wie
und durch welche bestimmte Handelsweise sie gesetzt werde, wird sich in der
Zukunft zeigen.
    Diese Bemerkung, dass einiges hier völlig unerklärt und unbestimmt bleibt,
darf uns nicht befremden: vielmehr dient sie selbst zur Bestätigung eines in der
Grundlage aufgestellten Satzes über die syntetische Metode: dass nämlich durch
dieselbe immer nur die mittleren Glieder vereinigt würden, die äusseren Enden
aber (wie hier das empfindende Ich, und die dem Ich entgegengesetzte Tätigkeit
des Nicht-Ich sind) für folgende Syntesen unvereinigt blieben.
 
                             § 3. Zweiter Lehrsatz
  Das empfindende wird gesetzt durch Anschauung oder: Deduction der Anschauung
    Es ist im vorigen § deducirt worden die Empfindung als eine Handlung des
Ich, durch welche dasselbe etwas in sich aufgefundenes fremdartiges auf sich
bezieht, sich zueignet, in sich setzt. Wir lernten kennen sowohl diese Handlung
selbst, oder die Empfindung, als den Gegenstand derselben, das Empfundene.
Unbekannt blieb, und es musste nach den Regeln der syntetischen Metode
unbekannt bleiben, sowohl das Empfindende, das in jener Handlung tätige Ich,
als auch die in der Empfindung ausgeschlossene, und dem Ich entgegengesetzte
Tätigkeit des Nicht-Ich. Es ist nach unserer nunmehrigen hinlänglichen
Kenntnis der syntetischen Metode zu erwarten, dass unser nächstes Geschäft
das sein wird, diese ausgeschlossenen äussersten Enden syntetisch zu
vereinigen, oder, wenn auch dies noch nicht möglich sein sollte, wenigstens ein
Mittelglied zwischen sie einzuschieben.
    Wir gehen aus von folgendem Satze: Im Ich ist, laut des vorigen, Empfindung,
da nun dem Ich nichts zukommt, als dasjenige, was dasselbe in sich setzt, so
muss das Ich die Empfindung ursprünglich in sich setzen, es muss sich dieselbe
zueignen. - Dieses Setzen der Empfindung ist nicht etwa schon deducirt. Wir
haben im vorigen § zwar gesehen, wie das Ich das Empfundene in sich setze, und
die Handlung dieses Setzens war eben die Empfindung; nicht aber, wie es in sich
die Empfindung selbst, oder sich, als das Empfindende, setze.
                                       I.
    Es muss zu diesem Behufe zuvörderst die Tätigkeit des Ich im Empfinden, d.
i. im Zueignen des Empfundenen durch Gegensetzung unterschieden werden können
von dem Zugeeigneten, oder dem Empfundenen.
    Nach dem vorigen § ist das Empfundene eine Tätigkeit des Ich, insofern sie
betrachtet wird, als im Streite begriffen mit einer entgegengesetzten? ihr
völlig gleichen Kraft, durch welche sie vernichtet und aufgehoben wird; als
Nicht-Tätigkeit, die jedoch Tätigkeit sein könnte und würde, wenn die
entgegengesetzte Kraft wegfiele; demnach, nach dem obigen, als ruhende
Tätigkeit, als Stoff oder Substrat der Kraft.
    Die dieser entgegenzusetzende Tätigkeit muss demnach gesetzt werden, als
nicht unterdrückt, noch gehemmt durch eine entgegengesetzte Kraft, mitin als
wirkliche Tätigkeit, ein wirkliches Handeln.
                                      II.
    Die letztere wirkliche Tätigkeit nun soll gesetzt werden in das Ich: die
ihr entgegengesetzte, gehemmte und unterdrückte Tätigkeit aber musste nach dem
vorigen § auch gesetzt werden in das Ich Dies widerspricht sich, wenn nicht
beide, sowohl die wirkliche, als die unterdrückte Tätigkeit durch syntetische
Vereinigung auf einander zu beziehen sind. Ehe wir demnach die geforderte
Beziehung der soeben aufgezeigten Tätigkeit auf das Ich vornehmen können,
müssen wir zuvörderst die ihr entgegengesetzte auf sie beziehen. Ausserdem
erhielten wir allerdings ein neues Factum in das Ich; aber wir verlören und
verdrängten dadurch das vorige, hätten nichts gewonnnen, und wären um keinen
Schritt weiter gekommen.
    Beide, die aufgezeigte wirkliche Tätigkeit des Ich und jede unterdrückte,
müssen auf einander bezogen werten. Das aber ist nach den Regeln aller Syntesis
nur dadurch möglich, dass beide vereinigt, oder, welches das gleiche heisst,
dass zwischen beide ein bestimmtes drittes gesetzt werde, das Tätigkeit (des
Ich) und zugleich Leiden (unterdrückte Tätigkeit) sei.
    Dieses dritte soll Tätigkeit des Ich sein; es soll demnach lediglich und
schlechtin durch das Ich gesetzt sein; also ein durch die, Handelsweise des Ich
begründetes Handeln, mitin ein Setzen, und zwar ein bestimmtes Setzen eines
Bestimmten. Das Ich soll Real-Grund desselben sein.
    Es soll sein ein Leiden des Ich, wie auch aus der soeben davon gemachten
Beschreibung hervorgeht. - Es soll sein ein bestimmtes, begrenztes Setzen; aber
das Ich kann sich nicht selbst begrenzen, wie in der Grundlage zur Genüge
dargetan worden. Die Begrenzung desselben müsste demnach von aussen, vom
Nicht-Ich, wenn auch etwa mittelbar, herkommen. Das Nicht-Ich soll demnach sein
Ideal-Grund desselben; der Grund davon, dass es überhaupt Quantität hat.
    Es soll beides zugleich sein; das soeben Unterschiedene soll sich in
demselben nicht absondern lassen. Das Factum soll sich betrachten lassen, als
auch seiner Bestimmung nach schlechtin gesetzt durch das Ich, und auch seinem
Sein nach als gesetzt durch das Nicht-Ich. Ideal- und Real-Grund sollen in ihm
innig vereinigt, Eins und ebendasselbe sein.
    Wir wollen es vorläufig nach diesen beiden Beziehungen, die in ihm als
möglich gefordert werden, betrachten, um es sogleich völlig kennen zu lernen. -
Es ist ein Handeln des Ich, und soll sich seiner ganzen Bestimmung nach
betrachten lassen, als bloss und lediglich im Ich begründet. Es soll sich
zugleich betrachten lassen, als Product eines Handelns des Nicht-Ich, als allen
seinen Bestimmungen nach im Nicht-Ich begründet. - Also soll nicht etwa die
Bestimmung der Handelsweise des Ich die des Nicht-Ich, noch soll umgekehrt die
Bestimmung der Handelsweise des Nicht-Ich die des Ich bestimmen; sondern beide
sollen völlig unabhängig, aus eigenen Gründen und nach eigenen Gesetzen, neben
einander fortlaufen, und doch soll zwischen ihnen die innigste Harmonie
stattfinden. Die eine soll gerade sein, was die andere ist, und umgekehrt.
    Bedenkt man, dass das Ich setzend ist, dass mitin diese in ihm schlechtin
begründet sein sollende Tätigkeit ein Setzen sein muss, so sieht man sogleich,
dass diese Handlung ein Anschauen sein müsse. Das Ich betrachtet ein Nicht-Ich,
und es kommt ihm hier weiter nichts zu, als das Betrachten. Es setzt sich in der
Betrachtung, als solcher, völlig unabhängig vom Nicht-Ich; es betrachtet aus
eigenem Antriebe ohne die geringste Nötigung von aussen; es setzt durch eigene
Tätigkeit, und mit dem Bewusstsein eigener Tätigkeit, ein Merkmal nach dem
anderen in seinem Bewusstsein. Aber es setzt dieselben als Nachbildungen eines
ausser ihm Vorhandenen. - In diesem ausser ihm Vorhandenen sollen nun die
nachgebildeten Merkmale wirklich anzutreffen sein, und zwar nicht etwa zufolge
des Gesetztseins im Bewusstsein, sondern völlig unabhängig vom Ich, nach eigenen
in dem Dinge selbst begründeten Gesetzen. Das Nicht-Ich bringt nicht die
Anschauung im Ich, das Ich bringt nicht die Beschaffenheit des Nicht-Ich hervor,
sondern beide sollen völlig unabhängig von einander sein, und dennoch soll
zwischen beiden die innigste Harmonie sein. Wenn es möglich wäre, von der einen
Seite das Nicht-Ich an sich, und nicht vermittelst der Anschauung, und von der
anderen das anschauende an sich, in der blossen Handlung des Anschauens und ohne
Beziehung auf das angeschaute Nicht-Ich, zu beobachten, so würden sie sich auf
die gleiche Art bestimmt finden. - Wir werden bald sehen, dass der menschliche
Geist diesen Versuch wirklich, aber freilich nur vermittelst der Anschauung, und
nach den Gesetzen derselben, doch ohne dessen sich bewusst zu sein, vornimmt;
und dass ebendaher die geforderte Harmonie entspringt.
    Es ist allerdings zu bewundern, dass diejenigen, welche die Dinge an sich zu
erkennen glaubten, jene leichte Bemerkung, die sich schon durch die mindeste
Reflexion über das Bewusstsein darbietet, nicht machten, und dass sie nicht von
ihr aus auf den Gedanken gerieten, nach dem Grunde der vorausgesetzten Harmonie
zu fragen, die doch offenbar nur vorausgesetzt, nicht aber wahrgenommen wird,
noch werden kann. Wir haben jetzt den Grund alles Erkennens, als eines solchen,
deducirt; wir haben gezeigt, warum das Ich Intellisenz ist und sein muss;
nämlich darum, weil es einen in ihm selbst befindlichen Widerspruch zwischen
seiner Tätigkeit und seinem Leiden ursprünglich (ohne Bewusstsein, und zum
Behuf der Möglichkeit alles Bewusstseins) vereinigen muss. Es ist klar, dass wir
dies nicht vermocht hätten, wenn wir nicht über alles Bewusstsein hinausgegangen
wären.
    Wir machen durch folgende Bemerkung das deducirte deutlicher; werfen im
voraus Licht auf das folgende, und befördern die helle Einsicht in die Metode.
- Wir betrachten in unseren Deductionen immer nur das Product der angezeigten
Handlung des menschlichen Geistes, nicht die Handlung selbst. In jeder folgenden
Deduction wird die Handlung, durch welche das erste Product hervorgebracht
wurde, durch eine neue Handlung, die darauf geht, wieder Product. Was in jeder
vorhergehenden ohne weitere Bestimmung als ein Handeln des Geistes aufgestellt
wird, wird in jeder folgenden gesetzt, und weiter bestimmt. Demnach muss auch in
unserem Falle die soeben syntetisch abgeleitete Anschauung sich schon in der
vorigen Deduction als ein Handeln vorfinden. Die daselbst aufgezeigte Handlung
bestand darin, dass das Ich seine im Widerstreit befindliche Tätigkeit, nach
hinweggedachter Bedingung als tätig, mit hinzugedachter aber als unterdrückt
und ruhend, doch aber in das Ich setzte. Eine solche Handlung ist offenbar die
abgeleitete Anschauung. Sie ist an sich, als Handlung ihrem Dasein nach,
lediglich im Ich begründet, in dem Postulate, dass das Ich in sich setze, was in
demselben angetroffen werden soll, laut des vorigen §. Sie setzt etwas in dem
Ich, was schlechtin nicht durch das Ich selbst, sondern durch das Nicht-Ich
begründet sein soll, den geschehenen Eindruck. Sie ist, als Handlung, völlig
unabhängig von demselben, und derselbe von ihr, und geht mit ihm parallel. -
Oder dass ich meinen Gedanken, wiewohl durch ein Bild, völlig klar mache: - die
ursprüngliche reine Tätigkeit des Ich ist durch den Anstoss modificirt und
gleichsam gebildet worden, und ist insofern dem Ich gar nicht zuzuschreiben.
Jene andere freie Tätigkeit reisst dieselbe, so wie sie ist, von dem
eindringenden Nicht-Ich los, betrachtet und durchläuft sie und sieht, was in ihr
entalten ist; kann aber dasselbe gar nicht für die reine Gestalt des Ich,
sondern nur für ein Bild vom Nicht-Ich halten.
                                      III.
    Wir machen, nach diesen vorläufigen Untersuchungen und Andeutungen, die
eigentliche Aufgabe uns noch deutlicher.
    Die Handlung des Ich im Empfinden soll gesetzt und bestimmt werden, d.h. auf
populäre Art ausgedrückt, wir werfen die Frage auf: wie macht es das Ich, um zu
empfinden, durch welche Handelsweise ist ein Empfinden möglich?
    Diese Frage dringt sich uns auf, denn nach dem oben gesagten scheint das
Empfinden nicht möglich. Das Ich soll etwas fremdartiges in sich setzen; dieses
fremdartige ist Nicht Tätigkeit oder Leiden, und das Ich soll selbiges durch
Tätigkeit in sich setzen; das Ich soll demnach tätig und leidend zugleich
sein, und nur unter Voraussetzung einer solchen Vereinigung ist die Empfindung
möglich. Es muss demnach etwas aufgezeigt werden, in welchem Tätigkeit und
Leiden so innig vereinigt sind, dass diese bestimmte Tätigkeit nicht ohne
dieses bestimmte Leiden, und dass dieses bestimmte Leiden nicht ohne jene
bestimmte Tätigkeit möglich sei; dass eins nur durch das andere sich erklären
lasse, und dass jedes an sich betrachtet unvollständig sei; dass die Tätigkeit
notwendig auf ein Leiden, und das Leiden notwendig auf eine Tätigkeit treibe,
- denn das ist die Natur der oben geforderten Syntesis.
    Keine Tätigkeit im Ich kann auf das Leiden sich so beziehen, dass sie
dasselbe hervorbrächte, oder dasselbe als durch das Ich hervorgebracht setzte;
denn dann würde das Ich etwas in sich setzen und vernichten zugleich, welches
sich widerspricht. (Die Tätigkeit des Ich kann nicht auf die Materie des
Leidens gehen.) Aber sie kann dasselbe bestimmen, seine Grenze ziehen. Und dies
ist eine Tätigkeit, die ohne ein Leiden nicht möglich ist; denn das Ich kann
nicht selbst einen Teil seiner Tätigkeit aufheben, wie soeben gesagt worden;
derselbe muss durch etwas ausser dem Ich schon aufgehoben sein. Das Ich kann
demnach keine Grenze setzen, wenn nicht schon von aussen ein zu begrenzendes
gegeben ist. Das Bestimmen also ist eine Tätigkeit, die sich notwendig auf ein
Leiden bezieht.
    Ebenso würde ein Leiden sich notwendig auf die Tätigkeit beziehen, und
nicht möglich sein ohne Tätigkeit, wenn dasselbe eine blosse Begrenzung der
Tätigkeit wäre. Keine Tätigkeit, keine Begrenzung derselben; mitin kein
Leiden von der Art des Angeführten. (Ist keine Tätigkeit im Ich, so ist gar
kein Eindruck möglich; die Art der Einwirkung ist demnach gar nicht lediglich im
Nicht-Ich, sondern zugleich im Ich begründet.)
    Das gesuchte dritte Glied zum Behuf der Syntesis ist demnach die Begrenzung
.
    Das Empfinden ist lediglich insofern möglich, inwiefern das Ich und
Nicht-Ich sich gegenseitig begrenzen, und nicht weiter, als auf dieser, beiden
gemeinschaftlichen Grenze. (Diese Grenze ist der eigentliche Vereinigungspunct
des Ich und Nicht-Ich. Nichts haben sie gemein, als diese, und können auch
nichts weiter gemein haben, da sie einander völlig entgegengesetzt sein sollen.
Von diesem gemeinschaftlichen Puncte aus aber scheiden sie sich; von ihm aus
wird das Ich erst Intelligenz, indem es frei über die Grenze schreitet, und
dadurch etwas aus sich selbst, über sie hinüber, und auf dasjenige, was über
derselben liegen soll, überträgt; oder, wenn man die Sache von einer anderen
Seite ansieht, indem es etwas, das nur dem über derselben liegenden zukommen
soll, in sich selbst aufnimmt. Beides ist in Rücksicht der Resultate völlig
gleichgültig.)
                                      IV.
    Begrenzung ist demnach das dritte Glied, durch welches der aufgezeigte
Widerspruch gehoben, und die Empfindung, als Vereinigung einer Tätigkeit und
eines Leidens, möglich werden soll.
    Zuvörderst, vermittelst der Begrenzung ist das Empfindende beziehbar auf das
Ich, oder populärer ausgedrückt, das Empfindende ist Ich, und lässt sich setzen
als Ich, inwiefern es in der Empfindung, und durch sie begrenzt ist. Nur
inwiefern es als begrenzt gesetzt werden kann, ist das Empfindende das Ich, und
das Ich empfindend. Wäre es nicht begrenzt (durch etwas ihm entgegengesetztes),
so könnte die Empfindung dem Ich gar nicht zugeschrieben werden.
    Das Ich begrenzt sich in der Empfindung, wie wir im vorigen § gesehen haben.
Es schliesst etwas von sich aus, als ein fremdartiges, setzt sich demnach in
gewisse Schranken, über welche hinaus es nicht, sondern ein demselben
entgegengesetztes liegen soll. Es ist jetzt, etwa für irgend eine Intelligenz
ausser ihm, begrenzt.
    Jetzt soll die Empfindung selbst gesetzt, d.h. zuvörderst in Rücksicht auf
das eine soeben aufgezeigte Glied derselben, das Ausschliessen (es wird in
derselben auch bezogen, aber davon ist jetzt nicht die Rede), - das Ich soll als
begrenzt gesetzt werden Es soll nicht nur für eine mögliche Intelligenz ausser
ihm, sondern für sich selbst begrenzt sein.
    Inwiefern das Ich begrenzt ist, gebt es nur bis an die Grenze. Inwiefern es
sich setzt, als begrenzt, geht es notwendig darüber hinaus; es geht auf die
Grenze selbst, als solche, und da eine Grenze nichts ist, ohne zwei
entgegengesetzte, auch auf das über derselben liegende.
    Das Ich, als solches, wird begrenzt gesetzt, heisst zuvörderst: es wird,
wofern es innerhalb der Grenze liegt, entgegengesetzt, einem insofern und durch
diese bestimmte Grenze nicht begrenzten Ich. Ein solches unbegrenztes Ich muss
demnach zum Behuf des postulirten Entgegensetzens gesetzt werden.
    Das Ich ist unbegrenzt und schlechtin unbegrenzbar, inwiefern seine
Tätigkeit nur von ihm abhängt, und lediglich in ihm selbst begründet ist,
inwiefern sie demnach, wie wir uns immer ausgedrückt haben, ideal ist. Eine
solche lediglich ideale Tätigkeit wird gesetzt; und gesetzt, als über die
Begrenzung hinausgehend. (Unsere gegenwärtige Syntesis greift, wie sie soll,
wieder ein in die im vorigen § aufgestellte. Auch dort musste durch das
Empfindende die gehemmte Tätigkeit, als Tätigkeit, als etwas, das Tätigkeit
sein würde, wenn der Widerstand des Nicht-Ich wegfiele, und das Ich lediglich
von sich selbst abhinge, mitin als Tätigkeit in idealer Beziehung gesetzt
werden. Hier wird dieselbe gleichfalls wieder, nur mittelbar, und nur nicht
allein, sondern gemeinschaftlich mit der auch vor dem Puncte des Anstosses
liegenden Tätigkeit [wie gleichfalls notwendig ist, wenn unsere Erörterung
weiter vorrücken und Feld gewinnen soll] als Tätigkeit gesetzt.)
    Ihr wird entgegengesetzt die begrenzte Tätigkeit, die demnach, inwiefern
sie begrenzt sein soll, nicht ideal ist, deren Reihe nicht vom Ich, sondern von
dem ihm entgegengesetzten Nicht-Ich abhängt, und die wir eine auf das Wirkliche
gehende Tätigkeit nennen wollen.
    Es ist klar, dass dadurch die Tätigkeit des Ich, nicht etwa, inwiefern sie
gehemmt und nicht gehemmt ist, sondern selbst, inwiefern sie in Handlung ist,
ihr selbst entgegengesetzt oder betrachtet werde, als gehend auf das Ideale,
oder auf das Reale. Die über den Grenzpunct, den wir C nennen wollen,
hinausgehende Tätigkeit des Ich ist lediglich ideal und überhaupt nicht real,
und die reale Tätigkeit geht überhaupt nicht über ihn hinaus. Die innerhalb der
Begrenzung von A bis C liegende ist ideal und real zugleich; das erstere
insofern sie, kraft des vorigen Setzens, als lediglich im Ich begründet, das
letztere, insofern sie als begrenzt gesetzt wird.
    Ferner ist klar, dass diese ganze Unterscheidung aus dem Gegensetzen
entspringe: sollte nicht reale Tätigkeit gesetzt werden, so wäre keine ideale
gesetzt, als ideale; denn sie wäre nicht zu unterscheiden: wäre keine ideale
gesetzt, so könnte auch keine reale gesetzt werden. Beides steht im Verhältnisse
der Wechselbestimmung, und wir haben hier, nur durch die Anwendung etwas klarer,
abermals den Satz: Idealität und Realität sind syntetisch vereinigt. Kein
Ideales, kein Reales, und umgekehrt.
    Jetzt ist leicht zu zeigen, wie geschehe, was ferner geschehen soll; dass
nämlich das entgegengesetzte wieder syntetisch vereinigt und auf das Ich
bezogen werde.
    Die zwischen A und C liegende Tätigkeit ist es, die auf das Ich bezogen,
demselben zugeschrieben werden soll. Sie wäre als begrenzte Tätigkeit nicht
beziehbar, denn das Ich ist durch sich selbst nicht begrenzt; aber sie ist auch
ideale, lediglich im Ich begründete, kraft des vorher aufgezeigten Setzens der
idealen Tätigkeit überhaupt; und diese Idealität (Freiheit, Spontaneität, wie
zu seiner Zeit sich zeigen wird) ist der Beziehungsgrund. Begrenzt ist sie
bloss, inwiefern sie vom Nicht-Ich abhängt, welches ausgeschlossen und als etwas
fremdartiges betrachtet wird. Doch wird sie - eine Anmerkung, deren Grund im
vorigen § angegeben worden, - nicht etwa bloss als ideale, sondern ausdrücklich
als reale und begrenzte Tätigkeit dem Ich zugeschrieben.
    Diese bezogene Tätigkeit nun, inwiefern sie begrenzt ist, und etwas
fremdartiges von sich ausschliesst (denn bis jetzt ist nur davon die Rede, nicht
aber, wie sie es auch in sich aufnimmt), ist offenbar die oben abgeleitete
Empfindung, und es ist zum Teil geschehen, was gefordert wurde.
    Man wird, nach den nun sattsam bekannten Regeln des syntetischen Verfahrens
nicht in Versuchung geraten, das in der deducirten Handlung Bezogene mit dem
Beziehenden zu verwechseln. Wir charakterisiren das letztere, soviel es hier
möglich und nötig ist.
    Dasselbe geht mit seiner Tätigkeit offenbar über die Grenze hinaus, und
nimmt gar nicht Rücksicht auf das Nicht-Ich, sondern schliesst vielmehr dasselbe
aus; diese Tätigkeit ist demnach bloss ideal. Nun ist aber das, worauf bezogen
wird, auch nur ideale, gerade dieselbe ideale Tätigkeit des Ich. Also sind
Beziehendes und das, worauf bezogen wird, gar nicht zu unterscheiden. Das Ich,
ob es gleich gesetzt und darauf etwas bezogen werden sollte, kommt dennoch in
dieser Beziehung für die Reflexion gar nicht vor. Das Ich handelt; das sehen wir
auf dem wissenschaftlichen Reflexionspuncte, auf welchem wir stehen, und irgend
eine das Ich beobachtende Intelligenz würde es sehen; aber das Ich selbst sieht
es auf dem gegenwärtigen Puncte (wohl etwa auf einem möglichen künftigen) gar
nicht. Also das Ich vergisst in dem Objecte seiner Tätigkeit sich selbst, und
wir haben eine Tätigkeit, die lediglich als ein Leiden erscheint, wie wir sie
suchten. Diese Handlung heisst eine Anschauung; eine stumme, bewusstseinlose
Contemplation, die sich im Gegenstande verliert Das Angeschaute ist das Ich,
inwiefern es empfindet. Das Anschauende gleichfalls das Ich, das aber über sein
An schauen nicht reflectirt, noch insofern es anschaut, darüber reflectiren
kann.
    Hier tritt zuerst ein ins Bewusstsein ein Substrat für das Ich, jene reine
Tätigkeit, welche gesetzt ist, als seiend, wenn auch kein fremder Einfluss sein
sollte, welche aber gesetzt wird zufolge eines Gegensatzes, mitin durch
Wechselbestimmung. Ihr Sein soll unabhängig sein von allem fremden Einflusse auf
das Ich, ihr Gesetztsein aber ist von demselben abhängig.
                                       V.
    Die Empfindung ist zu setzen; das ist die Forderung in diesem §. Aber
Empfindung ist nur insofern möglich, inwiefern das Empfindende auf ein
Empfundenes geht, und dasselbe in das Ich setzt. Demnach muss durch den
Mittelbegriff der Begrenzung auch das Empfundene beziehbar sein auf das Ich.
    Dasselbe ist zwar schon oben in der Empfindung darauf bezogen worden. Aber
hier soll die Empfindung selbst gesetzt werden. Sie ist soeben gesetzt worden
durch eine Anschauung, in welcher aber das Empfundene ausgeschlossen wird.
Offenbar ist dies nicht zureichend, sie muss auch gesetzt werden können,
inwiefern sie dasselbe sich zueignet.
    Diese Zueignung der Beziehung soll geschehen durch den Mittelbegriff der
Begrenzung. Wenn die Begrenzung nicht gesetzt wird, so ist die geforderte
Beziehung nicht möglich; nur durch diese ist sie möglich.
    Dadurch, dass Etwas in der Empfindung ausgeschlossen und gesetzt wird, als
dasselbe begrenzend, wird dieses Etwas selbst begrenzt von dem Ich, als ein
demselben nicht zukommendes; aber eben als Object dieser Handlung des Begrenzens
wird es von einem höheren Gesichtspuncte aus auch wieder in dem Ich erblickt.
Das Ich begrenzt es; es muss daher wohl in ihm entalten sein.
    Auf diesen höheren Gesichtspunct nun haben wir uns hier zu stellen, um jenes
Begrenzen des Ich als Handlung, wodurch das Begrenzte (das Empfundene)
notwendig in seinen Wirkungskreis kommt, zu setzen - und dadurch setzen wir
denn, nach der Forderung, das Empfindende - zwar nicht geradezu in das Ich, wie
soeben geschehen - aber wir setzen es als Empfindendes, bestimmen seine
Handelsweise, charakterisiren es, und machen es von allen Arten der Tätigkeit
des Ich, die kein Empfinden sind, unterscheidbar.
    Um dieses Begrenzen, durch welches das Ich sich zueignet das Empfundene,
sogleich bestimmt kennen zu lernen, erinnern wir uns an das, was bei der
Deduction der Empfindung über diesen Punct gesagt wurde. Das Empfundene wurde
auf das Ich bezogen dadurch, dass eine dem Ich entgegengesetzte Tätigkeit
gesetzt wurde, lediglich als Bedingung, d. i. als ein solches, das gesetzt
werden könnte, oder auch nicht gesetzt. Das Setzende in jenem Setzen oder
Nicht-Setzen ist, wie immer, das Ich. Mitin wurde zum Behuf jener Beziehung
nicht nur dem Nicht-Ich, sondern mittelbar auch dem Ich etwas zugeschrieben,
nämlich das Vermögen etwas zu setzen, oder auch nicht zu setzen. Was wohl zu
merken ist, nicht etwa das Vermögen zu setzen, oder auch das Vermögen nicht zu
setzen, sondern das Vermögen, zu setzen oder nicht zu setzen, sollte dem Ich
zugeschrieben werden; es sollte in ihm demnach das Setzen eines bestimmten
Etwas, und das Nicht-Setzen dieses bestimmten Etwas zugleich und syntetisch
vereinigt vorkommen; und es muss vorkommen und kommt allerdings vor in allen
Fällen, wo etwas als zufällige Bedingung gesetzt wird, wie sehr auch diejenigen,
deren Kenntnis der Philosophie sich nicht über eine dürftige Logik
hinauserstreckt, über logische Unmöglichkeit und Unbegreiflichkeit klagen, wenn
ihnen ein Begriff dieser Art, die durch die Einbildungskraft producirt werden,
und daher mit Einbildungskraft angefasst werden müssen, ohne welche es aber gar
keine Logik und gar keine logische Möglichkeit Beben würde, irgendwo vorkommt.
    Der Gang der Syntesis ist folgender: Es wird empfunden. Dies ist nur unter
der Bedingung möglich, dass das Nicht-Ich als blosse zufällige Bedingung des
Empfundenen gesetzt werde; wie dies Setzen geschehe, davon haben wir hier noch
nicht zu reden. Dasselbe ist aber nicht möglich, wenn nicht das Ich setzt und
nicht setzt zugleich; und im Empfinden kommt demnach notwendig eine solche
Handlung, als Mittelglied zwischen den angezeigten Gliedern, vor. Wir haben zu
zeigen, wie das Empfinden geschehe; wir haben demnach zu zeigen, wie ein Setzen
und Nicht-Setzen geschehe.
    Die Tätigkeit in diesem Setzen und Nicht-Setzen ist zuvörderst ihrer Form
nach offenbar ideale Tätigkeit. Sie Bebt über den Grenzpunct hinaus, wird
demnach durch ihn nicht gehemmt. Der Grund, von welchem wir sie, und mit ihr die
ganze Empfindung abgeleitet haben, war der, dass das Ich in sich setzen müsse
was in ihm sein solle. Sie ist demnach lediglich im Ich, als solchem, begründet.
Ist sie nur das, und weiter nichts, so ist sie ein blosses Nicht-Setzen, und
kein Setzen; sie ist lediglich reine Tätigkeit.
    Sie soll aber auch ein Setzen sein, und das ist sie allerdings darum, weil
sie die Tätigkeit des Nicht-Ich, als solche, gar nicht etwa aufhebt, oder
vermindert. Sie lässt dieselbe, so wie sie ist; sie setzt sie nur ausserhalb des
Umkreises des Ich. - Aber hinwiederum, ein Nicht-Ich liegt nie ausserhalb des
Umkreises des Ich, so gewiss es ein Nicht-Ich ist. Es ist demselben
entgegengesetzt, oder es ist gar nicht. Sie setzt demnach überhaupt ein
Nicht-Ich, nur setzt sie es willkürlich hinaus. Das Ich ist begrenzt, denn es
ist überhaupt ein Nicht Ich durch dasselbe gesetzt; aber es ist auch nicht
begrenzt, denn es setzt dasselbe durch ideale Tätigkeit hinaus, so weit es
will. (Setzet, C sei der bestimmte Grenzpunct. Die hier untersuchte Tätigkeit
des Ich setzt ihn überhaupt als Grenzpunct, aber sie lässt ihn nicht an der
Stelle, die ihm das Nicht-Ich bestimmte, sondern rückt ihn weiter hinaus ins
unbegrenzte. Sie setzt demnach (dem Ich) eine Grenze überhaupt; aber sie setzt
ihr selbst, inwiefern sie gerade diese Tätigkeit des Ich ist, keine: denn sie
setzt jene Grenze in keiner bestimmten Stelle, keine unter allen möglichen
Stellen ist eine solche, von der die Grenze nicht weiter hinaus geschoben werden
könnte und müsste, da auf sie eine ideale Tätigkeit geht, welche den Grund der
Begrenzung in sich selbst haben würde; aber im Ich ist kein Grund, sich selbst
zu begrenzen. So lange diese Tätigkeit wirkt, ist für sie keine Grenze. Hörte
sie jemals auf zu wirken (es wird zu seiner Zeit sich zeigen, unter welcher
Bedingung sie allerdings aufhört), so wäre immer noch dasselbe Nicht-Ich mit
derselben unverringerten und unbeschränkten Tätigkeit da.) Die angezeigte
Handlung des Ich ist nach allem ein Begrenzen durch ideale (freie und
unbeschränkte) Tätigkeit.
    Wir wollten dieselbe vorläufig charakterisiren, um die aufgestellte
Unbegreiflichkeit nicht lange unbegreiflich zu lassen. Nach der Regel der
syntetischen Metode hätten wir sie sogleich durch Gegensetzung bestimmen
sollen. Wir tun dies jetzt, und machen uns dadurch vollkommen verständlich.
    Dem Setzen und Nicht-Setzen ist für den Behuf der gegenwärtigen Syntesis
entgegenzusetzen ein zugleich Gesetzte und Nicht - Gesetztes, und durch diese
Gegensetzung sind beide zu bestimmen. Ein solches war schon nach der obigen
Untersuchung die Tätigkeit des Nicht-Ich. Sie ist gesetzt und nicht-gesetzt
zugleich, d. i. insofern das Ich die Grenze hinausschiebt, schiebt es zugleich
die reale Tätigkeit des Ich hinaus; es setzt dieselbe, aber idealisch, durch
seine eigene Tätigkeit: denn wäre keine solche vorauszusetzende Tätigkeit des
Nicht-Ich, und würde keine gesetzt, so würde auch keine Grenze gesetzt; aber sie
wird gerade dadurch gesetzt, dass sie hinausgeschoben wird; und das Nicht-Ich
trägt zugleich die Grenze hinaus, wie das Ich sie hinausträgt. In der ganzen
Ausdehnung, die wir uns indessen einbilden mögen, setzt allentalben das Ich und
das Nicht-Ich zugleich die Grenze; nur beide auf eine andere Art; und darin sind
sie entgegengesetzt, und um ihre Gegensetzung zu bestimmen, müssen wir die
Grenze ihr selbst entgegensetzen.
    Sie ist eine ideale, oder eine reale. Inwiefern sie das erstere ist, ist sie
gesetzt durch das Ich inwiefern sie das letztere ist, durch das Nicht-Ich.
    Aber auch inwiefern sie ihr selbst entgegengesetzt ist, bleibt sie dennoch
eine und ebendieselbe, und jene entgegengesetzten Bestimmungen in ihr
syntetisch vereinigt. Sie ist reale, bloss inwiefern sie durch das Ich gesetzt
ist, und demnach auch ideale ist; sie ist ideale, sie kann durch die Tätigkeit
des Ich hinausgeschoben werden, lediglich, insofern sie durch das Nicht-Ich
gesetzt, und demnach reale ist.
    Hierdurch wird nun die über den festen Grenzpunct C hinausgehende Tätigkeit
des Ich selbst real und ideal zugleich. Sie ist real, inwiefern sie auf ein
durch etwas reales gesetztes geht; sie ist ideal, inwiefern sie aus eigenem
Antriebe darauf geht.
    Und dadurch wird denn das Empfundene beziehbar auf das Ich. Ausgeschlossen
wird und bleibt die Tätigkeit des Nicht-Ich; denn eben dieses wird mit der
Grenze in das unendliche, so viel wir bis jetzt sehen, hinausgeschoben; aber
beziehbar auf das Ich wird ein Product derselben, die Begrenzung im Ich, als
Bedingung seiner jetzt aufgezeigten idealen Tätigkeit.
    Dasjenige, worauf, als auf das Ich, in dieser Beziehung das Product des
Nicht-Ich bezogen werden sollte, ist die darauf gehende ideale Handlung;
dasjenige, welches beziehen sollte, ist dieselbe ideale Handlung; und es ist
demnach zwischen dem Beziehenden (welches der syntetischen Metode nach hier
ohnedies nicht gesetzt werden sollte) und dem, worauf bezogen wird (welches nach
derselben allerdings gesetzt werden sollte), kein Unterschied. Es findet daher
gar keine Beziehung auf das Ich statt; und die deducirte Handlung ist eine
Anschauung, in welcher das Ich in dem Objecte seiner Tätigkeit sich selbst
verliert. Das Angeschaute ist ein idealisch aufgefasstes Product des Nicht-Ich,
das durch die Anschauung ins unbedingte ausgedehnt wird; und hier erhalten wir
demnach zuerst ein Substrat für das Nicht-Ich. Das Anschauende ist, wie gesagt,
das Ich, welches aber nicht auf sich reflectirt.
                                      VI.
    Ehe wir an das wichtigste Geschäft unserer gegenwärtigen Untersuchung gehen,
einige Worte zur Vorbereitung darauf, und zur Uebersicht des Ganzen.
    Bei weitem ist noch nicht geschehen, was geschehen sollte. Das Empfindende
ist gesetzt durch Anschauung; das Empfundene ist dadurch gesetzt. Aber wenn, wie
gefordert worden, die Empfindung gesetzt werden soll, so muss beides nicht
abgesondert, sondern in syntetischer Vereinigung gesetzt werden. Diese konnte
sich nur ergeben aus noch nicht vereinigten Endpuncten. Dergleichen finden sich
denn auch wirklich in der vorhergehenden Untersuchung vor, ob wir gleich nicht
ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht haben.
    Wir bedurften zuvörderst, um das Ich als begrenzt zu setzen, und die Grenze
ihm zuzueignen, eine dem Begrenzten entgegengesetzte ideale, unbegrenzte, und
soviel wir einsehen konnten, unbegrenzbare Tätigkeit. Soll die geforderte
Beziehung möglich sein, so muss diese Tätigkeit, als eine solche, durch deren
Gegensatz eine andere (die begrenzte) bestimmt werden soll, im Ich schon
Vorhanden sein. Es ist also noch die Frage zu beantworten: wie und durch welche
Veranlassung kommt das Ich zu einem Handeln dieser Art? - Wir nahmen dann, um
das Empfundene, was ausserhalb der bestimmten Grenze liegen sollte, durch das
Ich zu umfassen, und in dasselbe setzen zu können, eine Tätigkeit an, welche
die Grenze hinausschöbe - in das unbegrenzte, so viel wir einsehen konnten. Dass
eine solche Handlung vorkomme, ist dadurch erwiesen, dass ausserdem die
geforderte Beziehung nicht möglich sein würde; aber es bleibt immer die Frage zu
beantworten: warum soll denn auch überhaupt jene Beziehung, und mitin jene
Handlung, als die Bedingung derselben, vorkommen! Gesetzt, es würde in der Folge
sich ergeben, dass jene beiden Tätigkeiten eine und ebendieselbe wären, so
wurde daraus folgen: um sich selbst begrenzen zu können, muss das Ich die Grenze
hinausschieben, und, um die Grenze hinausschieben zu können, muss es sich selbst
begrenzen, und dadurch würden denn Empfindung und Anschauung, und in der
Empfindung innere Anschauung (die des Empfindenden) und äussere (die des
Empfundenen), innigst vereinigt, und keins wäre ohne das andere möglich.
    Ohne uns hier an die strenge Form zu binden, die bisher befolgt und bestimmt
genug vorgezeichnet ist, so, dass jeder mit leichter Mühe unser Raisonnement
nach derselben prüfen kann, gehen wir zur Beförderung der Deutlichkeit in dieser
wichtigen und entscheidenden, aber verwickelten Untersuchung einen natürlicheren
Weg suchen die aufgeworfenen und sich aufdringenden Fragen zu beantworten, und
erwarten vom Resultate, was alsdann weiter vorzunehmen sein möchte.
    A. Woher die der realen und begrenzten entgegenzusetzende ideale und
unbegrenzte Tätigkeit? Oder wenn wir auch dies hier noch nicht erfahren
sollten, lassen sich nicht noch einige Beiträge zur Charakteristik derselben
liefern?
    Die begrenzte Tätigkeit als solche sollte durch den Gegensatz mit ihr
bestimmt, demnach auf dieselbe bezogen wer: den. Aber was nicht, gesetzt ist,
dem lässt nichts sich entgegensetzen. Mitin wird für die Möglichkeit der
verlangten Beziehung nicht nur die begrenzte, sondern, um was es hier eigentlich
zu tun ist, auch die unbegrenzte ideale Tätigkeit vorausgesetzt, sie ist
Bedingung der Beziehung, diese aber - wenigstens nicht vom gegenwärtigen
Gesichtspuncte aus betrachtet - nicht umgekehrt Bedingung von jener. Soll die
Beziehung möglich sein, so ist die ideale Tätigkeit schon im Ich vorhanden.
    Ununtersucht, woher sie entstehe, und was ihre bestimmte Veranlassung sei;
ist so viel klar, dass für sie par kein Grenzpunct C ist, dass sie auf denselben
und nach demselben ihre Richtung gar nicht nimmt, sondern völlig frei und
unabhängig in das unbegrenzte hinausgeht.
    Sie soll durch den Gegensatz mit der begrenzten, als unbegrenzt ausdrücklich
gesetzt werden; das heisst notwendig, da nichts begrenzt ist, was nicht eine
bestimmte Grenze hat, mitin die begrenzte notwendig als in dem bestimmten C
begrenzt gesetzt werden muss, sie soll gesetzt werden, als nicht in C begrenzt.
(Ob sie etwa über C hinaus in einem anderen möglichen Puncte begrenzt werden
möge, bleibt durch diese Gegensetzung völlig unbestimmt, und soll eben
unbestimmt bleiben.)
    Mitin wird in der Beziehung der bestimmte Grenzpunct C auf sie bezogen; er
muss demnach, da sie vor der Beziehung vorher gegeben sein soll, wirklich in ihr
liegen; sie berührt notwendig diesen Punct, wenn er auf sie beziehbar sein
soll, doch ohne auf ihn ursprünglich gerichtet zu sein, gleichsam von ohngefähr,
wie es hier scheinen möchte.
    Im Beziehen wird der Punct C in ihr gesetzt, da, wo er hinfällt, ohne die
geringste Freiheit. Der Einfallspunct ist bestimmt; nur das ausdrückliche Setzen
desselben, als des Einfallspunctes, ist Tätigkeit des Beziehens Im Beziehen
wird ferner jene ideale Tätigkeit gesetzt, als über diesen Punct hinausgehend.
Dies ist abermals nicht möglich, ohne dass derselbe allentalben in ihr,
inwiefern sie über ihn hinausgehen soll, gesetzt werde, als ein solcher über
welchen sie hinaus ist. Ihr wird demnach ihrer ganzen Ausdehnung nach in sie
übertragen; es wird allentalben, wo auf sie reflectirt wird, ein Grenzpunct nur
zum Versuche, und idealisch, gesetzt, um dessen Entfernung von dem erster festen
und unbeweglichen Puncte zu messen. Da diese Tätigkeit aber hinausgehen, immer
fortgehen und nirgends begrenzt sein soll, so lässt dieser zweite idealische
Punct nirgend sich festsetzen, sondern er ist fortschwebend, und zwar so, dass
in der ganzen Ausdehnung kein Punct (idealisch) sich setzen lasse, den er nicht
berührt habe. So gewiss demnach jene ideale Tätigkeit über den Grenzpunct
hinausgehen soll, so gewiss wird derselbe hinausgetragen, in das unendliche (bis
wir wieder an eine neue Grenze kommen dürften).
    Durch welche Tätigkeit wird derselbe nun hinausgetragen! durch die
vorausgesetzte ideale, oder durch die des Beziehens? Vor der Beziehung vorher
durch die ideale offenbar nicht, denn insofern ist für diese gar kein Grenzpunct
vorhanden. Das Beziehen selbst über setzt jenes Hinaustragen, als
Unterscheidungs-und Beziehungsgrund, schon voraus. Mitin wird eben in der
Beziehung und durch sie der Grenzpunct und das Hinaustragen desselben
syntetisch in sie gesetzt; und zwar gleichfalls durch ideale Tätigkeit, denn
alles Beziehen ist lediglich im Ich begründet, wie wir wissen: nur durch eine
andere ideale Tätigkeit.
    Wir finden hier folgende Handlungen des Ich, die wir um der Folge willen
aufzählen: 1) eine solche, welche die ideale Tätigkeit zum Object hat; 2) eine
solche, welche die reale und begrenzte zum Object hat. Beide müssen zugleich im
Ich vorhanden, mitin nur eine und ebendieselbe sein; ob wir gleich noch nicht
einsehen, wie dies möglich sein könne. 3) Eine solche, welche aus der realen den
Grenzpunct in die ideale überträgt, und ihm in derselben folgt. Durch sie wird
in der idealen Tätigkeit selbst etwas unterscheidbar, inwiefern nämlich
dieselbe Geht bis C und völlig rein ist; und inwiefern sie geht über C hinaus,
und also die Grenze hinaustragen soll. Diese Bemerkung wird in der Folge wichtig
werden. - Wir unterlassen hier diese besonderen Handlungen weiter zu
charakterisiren, da eine vollständige Charakteristik derselben erst in der Folge
möglich wird.
    Es wird - um Verwechselungen mit dem folgenden zu verhüten, bezeichnen wir
die bestimmten Tätigkeiten mit Buchstaben - es wird entgegengesetzt und bezogen
die ideale Tätigkeit gehend von A über C in das unbegrenzte, und die reale
gehend von A bis zum Grenzpuncte C.
    B. Das Ich kann sich, wie wir soeben näher gesehen, nicht als begrenzt
setzen, ohne zugleich über die Grenze hinauszugehen, und dieselbe von sich zu
entfernen. Dennoch soll dasselbe zugleich, indem es über die Grenze geht, sich
auch durch dieselbe Grenze begrenzt setzen, welches aufgestelltermaassen sich
widerspricht. Nun ist zwar gesagt worden, es sei begrenzt und unbegrenzt in ganz
entgegengesetzter Rücksicht, und nach ganz entgegengesetzten Arten der
Tätigkeit; das erstere, inwiefern dieselbe real, das letztere, inwiefern sie
ideal ist. Nun haben wir zwar diese beiden Arten der Tätigkeit einander
entgegengesetzt; aber durch kein anderes Merkmal, als das der Begrenzteit, oder
Unbegrenzteit: und unsere Erklärung dreht sich demnach in einem Cirkel. Das Ich
setzt die reale Tätigkeit als die begrenzte, und die ideale als die
unbegrenzte. Wohl, und welche setzt sie denn als die reale? Die begrenzte; und
die unbegrenzte als die ideale. Können wir nicht aus diesem Cirkel herauskommen,
und einen von der Begrenzteit völlig unabhängigen Unterscheidungsgrund für die
reale und ideale Tätigkeit aufzeigen, so ist die geforderte Unterscheidung und
Beziehung unmöglich. Wir werden einen solchen Unterscheidungsgrund finden, und
unsere gegenwärtige Untersuchung geht darauf aus.
    Wir wollen vorläufig den Satz aufstellen; dessen Wahrheit sich bald bewähren
wird: das Ich kann sich für sich überhaupt nicht setzen, ohne sich zu begrenzen,
und demzufolge aus sich herauszugehen.
    Das Ich ist ursprünglich durch sich selbst gesetzt, d.h. es ist, was es ist,
für irgend eine Intelligenz ausser ihm; sein Wesen ist in ihm selbst begründet:
so müsste es gedacht werden, wenn es gedacht würde. Wir können ihm ferner, aus
Gründen, die in der Grundlage des praktischen Wissens aufgestellt sind, ein
Streben, die Unendlichkeit auszufüllen sowohl, als eine Tendenz, dieselbe zu
umfassen, d. i. über sich selbst, als ein unendliches zu reflectiren,
zuschreiben Beides kommt ihm zu, so gewiss es ein Ich ist. Aber aus dieser
blossen Tendenz entsteht kein Handeln des Ich, und es kann daraus keins
entstehen.
    Setzet, es gehe so strebend fort bis C; und in C werde sein Streben, die
Unendlichkeit zu erfüllen, gehemmt und ab gebrochen; es versteht sich, für eine
mögliche Intelligenz ausser ihm, welche dasselbe beobachtet, und dieses sein
Streben in ihrem eigenen Bewusstsein gesetzt hat. Was wird dadurch in ihm
entstehen? Dasselbe strebte zugleich über sich selbst zu reflectiren, vermochte
es aber nicht, weil jedes Reflectirte begrenzt sein muss, das Ich aber
unbegrenzt war.
    In C wird es begrenzt; demnach tritt in C mit der Begrenzung zugleich die
Reflexion des Ich auf sich selbst ein, es kehrt in sich zurück, es findet sich
selbst, es fühlt sich, offenbar aber noch nichts ausser sich.
    Diese Reflexion des Ich auf sich selbst ist, wie wir von dem Puncte aus, auf
weichem wir stehen, allerdings sehen, und wie die mögliche Intelligenz ausser
dem Ich gleichfalls sehen würde, eine Handlung des Ich, begründet in der
notwendigen Tendenz und in der hinzugekommenen Bedingung. Was aber ist sie für
das Ich selbst? In dieser Reflexion findet es sich zuerst: für sich entsteht es
erst. Es kann den Grund von irgend etwas nicht in sich annehmen, ehe es selbst
war. Für das Ich ist demnach jenes Selbstgefühl ein blosses Leiden; für sich
reflectirt es nicht, sondern wird reflectirt durch etwas ausser sich. Wir sehen
es handeln, aber mit Notwendigkeit, teils in Absicht des Handelns überhaupt
nach den Gesetzen seines Wesens, teils in Absicht des bestimmten Punctes,
vermöge einer Bedingung ausser ihm. Das Ich selbst sieht sich gar nicht handeln,
sondern es ist lediglich leidend.
    Das Ich ist jetzt für sich selbst; und es ist, weil und inwiefern es
begrenzt ist. Es muss, so gewiss es ein Ich und begrenzt sein soll, sich als
begrenzt setzen, d. i. es muss ein begrenzendes sich entgegensetzen. Dies
geschieht notwendig durch eine Tätigkeit, welche über die Grenze C hinüber
geht, und das über ihr liegen sollende als ein dem strebenden Ich
entgegengesetztes auffasst. Was ist dies für eine Tätigkeit, - zuvörderst für
den Beobachter, und dann, was für eine ist es für das Ich?
    Sie ist lediglich im Ich begründet, der Form und dem Inhalte nach. Das Ich
setzt ein begrenzendes, weil es begrenzt ist, und weil es alles, was in ihm sein
soll, setzen muss. Es setzt dasselbe als ein begrenzendes, mitin als ein
entgegengeseztes und Nicht-Ich, weil es eine Begrenzteit in sich erklären soll.
Man glaube daher keinen Augenblick, dass hier dem Ich ein Weg eröffnet werde, in
das Ding an sich (d. i. ohne Beziehung auf ein Ich) einzudringen. Das Ich ist
beschränkt: von dieser Voraussetzung gehen wir aus. - Hat diese Beschränkung an
sich, d. i. ohne Beziehung auf eine mögliche Intelligenz, einen Grund? wie ist
dieser Grund beschaffen? - Wie könnte ich doch dies wissen? wie kann ich mit
Vernunft antworten, wenn mir aufgelegt wird, von aller Vernunft zu abstrahiren?
Für das Ich, d.h. für alle Vernunft, hat sie einen Grund, denn für dasselbe
setzt alle Begrenzung ein begrenzendes voraus; und dieser Grund liegt
gleichfalls für das Ich nicht im Ich selbst, - denn dann wären in demselben
widersprechende Principien, und es wäre überhaupt nicht, - sondern in einem
entgegengesetzten; und ein solches entgegengesetztes wird als solches nach jenen
Gesetzen der Vernunft durch das Ich gesetzt, und ist sein Product.
    (Wir argumentiren so: das Ich ist begrenzt [es muss notwendig begrenzt
werden, wenn es je ein Ich werden soll]; es muss, nach den Gesetzen seines
Wesens, diese Begrenzung und den Grund derselben in ein begrenzendes setzen, und
das letztere ist demnach sein Product - Sollte jemand mit dem transcendenten
Dogmatism sich selbst so innig verwebt haben, dass er sich nach allem und durch
alles bis jetzt gesagte von demselben noch nicht losmachen können, derselbe
würde gegen uns ohngefähr folgendermaassen argumentiren: Ich gebe diese ganze
aufgestellte Folgerungsweise des Ich, als die Erklärungsart desselben zu; aber
dadurch entsteht im Ich bloss die Vorstellung von dem Dinge, und diese ist
allerdings sein Product, nicht aber das Ding selbst; ich aber frage nicht nach
der Erklärungsart, sondern nach der Sache selbst und an sich. Das Ich soll
begrenzt sein, sagt ihr. Diese Begrenzung an sich betrachtet, - und von der
Reflexion derselben durch das Ich, als welche mich hier nicht angeht, völlig
abstrahirt, - muss doch einen Grund haben, und dieser Grund ist eben das Ding an
sich. - Hierauf antworten wir nun, dass er gerade so erklärt, wie das Ich, auf
welches wir reflectiren; dass er selbst jenes Ich so gewiss ist, so gewiss er
nach den Gesetzen der Vernunft in seiner Folgerung sich richtet; und dass er
bloss auf diesen Umstand reflectiren möge, um zu sehen, dass er noch immer, nur
ohne sein Wissen, mit uns in dem gleichen Cirkel sich befand, in welchem wir uns
mit unserem Wissen befanden. Wenn er sich in seiner Erklärungsweise nicht von
den Denkgesetzen seines Geistes losmachen kann, so wird er nie aus dem Umkreis
herauskommen, den wir um ihn gezogen haben. Macht er sich aber davon los, so
werden seine Einwürfe uns abermals nicht gefährlich sein. Woher sein Beharren
auf einem Dinge an sich, auch nachdem er zugestanden, dass in uns nur die
Vorstellung davon sei, herkomme, wer den wir noch in diesem § vollkommen sehen.)
    Was ist die aufgezeigte Handlung für das Ich? Nicht das, was für den
Zuschauer, weil für dasselbe nicht die Gründe da sind, aus denen der Zuschauer
sie beurteilt. Für ihn war sie lediglich im Ich, sowohl der Form, als dem
Inhalte nach: weil das Ich, zufolge seines ihm bekannten, bloss tätigen, und
insbesondere durch Reflexion tätigen Wesens, reflectiren musste. Für sich
selbst ist das Ich noch gar nicht als reflectirend, nicht einmal als tätig
gesetzt, sondern es ist lediglich leidend, laut des obigen. Es wird demnach
seines Handelns sich gar nicht bewusst, noch kann es sich desselben bewusst
werden, sondern das Product desselben, wenn es ihm erscheinen könnte, würde ihm
erscheinen, als ohne alles sein Zutun vorhanden.
    (Das was hier deducirt worden, im Bewusstsein ursprünglich, und gleich bei
der Entstehung desselben zu bemerken, und sich gleichsam auf der Tat zu
ergreifen, ist darum unmöglich, weil bei der Reflexion über seine eigene
bestimmte Handelsweise das Gemüt schon auf einer weit höheren Stufe der
Reflexion sich befinden muss. Aber etwas ähnliches können wir bei dem, was man
Anknüpfung einer neuen Reihe im Bewusstsein nennen möchte, etwa beim Erwachen
aus einem tiefen Schlafe oder aus einer Ohnmacht, besonders an einem uns
unbekannten Orte, wahrnehmen. Das, womit dann unser Bewusstsein anhebt, ist
allemal das Ich; wir suchen und finden zunächst uns selbst; und nun richten wir
unsere Aufmerksamkeit auf die Dinge um uns her, um durch sie uns zu orientiren,
wir fragen uns: wo bin ich? wie bin ich hiehergekommen? was ist zuletzt mit mir
vorgegangen? um die jetzige Reihe der Vorstellungen an andere abgelaufene
anzuknüpfen.)
    C. Für den Beobachter ist jetzt das Ich über den Grenzpunct C
hinausgegangen, mit der beständig fortdauernden Tendenz über sich zu
reflectiren. Da es nicht reflectiren kann, ohne begrenzt zu sein, sich selbst
aber nicht zu begrenzen vermag: so ist klar, dass die geforderte Reflexion nicht
möglich sein werde, wenn es nicht über C hinaus, in dem möglichen Puncte D
abermals begrenzt wird. Da aber die Aufzeigung und Bestimmung dieser neuen
Grenze uns zu weit und auf Dinge führen würde, die in den gegenwärtigen § nicht
gehören, so müssen wir uns hier begnügen unserem vollen Rechte nach zu
postuliren: wenn das herausgehende ein Ich sein soll, so muss es sein
herausgehen setzen oder über dasselbe reflectiren; jedoch ohne uns dadurch der
Verbindlichkeit entledigen zu wollen, an seinem Orte die Bedingung der
Möglichkeit einer solchen Reflexion aufzuzeigen.
    Das Ich producirte durch sein blosses Hinausgehen als solches (für den
möglichen Beobachter) ein Nicht-Ich ohne alles Bewusstsein. Es reflectirt jetzt
auf sein Product, und setzt es in dieser Reflexion als Nicht-Ich; das letztere
schlechtin und ohne alle weitere Bestimmung, und gleichfalls ohne alles
Bewusstsein, weil über das Ich noch nicht reflectirt ist. - Wir verweilen bei
diesen Handlungen des Ich nicht länger, weil sie hier völlig unbegreiflich sind,
und wir zu seiner Zeit, nur auf dem entgegengesetzten Wege, wieder bei denselben
ankommen werden.2)
    Es muss über das Product dieser seiner zweiten Handlung, ein als solches
gesetztes Nicht-Ich überhaupt, wieder reflectiren; gleichfalls nicht ohne eine
neue Begrenzung, die wir zu seiner Zeit aufzeigen werden. - Das Ich ist im
Gefühl leidend gesetzt; das ihm entgegengesetzte Nicht-Ich muss demnach tätig
gesetzt werden.
    Ueber das als tätig gesetzte Nicht-Ich wird abermals reflectirt,
gleichfalls unter der oben angegebenen Bedingung; und erst jetzt treten wir auf
das Gebiet unserer gegenwärtigen Untersuchung. Wir stellen uns, wie bisher
immer, und wie es in dergleichen Untersuchungen, die über den gewöhnlichen
Gesichtskreis hinausgehen und ungeübten Denkern transcendent scheinen, sehr
vorteilhaft ist, auf den Gesichtspunct eines möglichen Beobachters, weil wir
aus dem des untersuchten Ich nichts sehen konnten.
    Es ist durch das Ich und im Ich (doch wie mehrmals erinnert worden, ohne
Bewusstsein) gesetzt ein tätiges Nicht-Ich. Auf dieses gellt eine neue
Tätigkeit des Ich, oder auch, es wird über dasselbe reflectirt. Nur über das
begrenzte kann reflectirt werden; die Tätigkeit des Nicht-Ich wird demnach
notwendig begrenzt, und zwar als Tätigkeit, weil und inwiefern sie in Handlung
gesetzt ist - nicht etwa dem Umfange ihres Wirkungskreises nach, so dass sie
z.B. nur bis E oder F und nicht weiter vorrückte, wie man voreiligerweise
vermuten dürfte. Woher sollten wir doch hier einen solchen Umfang bekommen, da
es noch keinen Raum gibt? Das Nicht-Ich bleibt nicht tätig, sondern es wird
ruhend, die Äusserung seiner Kraft wird gehemmt, und es bleibt ein blosses
Substrat der Kraft übrig, welches letztere zur Zeit nur gesagt wird, um uns
verständlich zu machen, in der Folge aber gründlich deducirt werden soll. - (Wir
können von unserem Gesichtspuncte aus annehmen, dass die Tätigkeit des
Nicht-Ich lediglich durch die reflectirende Tätigkeit des Ich, in und durch das
Reflectiren gehemmt werde, und wir werden zu seiner Zeit das Ich selbst auf den
Gesichtspunct stellen, von welchem aus es das Gleiche annimmt: da aber das Ich
hier dieser Tätigkeit sich weder unmittelbar noch mittelbar (durch Folgerung)
bewusst wird, so kann dasselbe jene Hemmung auch nicht aus ihr erklären, sondern
wird dieselbe von einer entgegengesetzten Kraft eines anderen dem ersten
entgegengesetzten Nicht-Ich ableiten wie wir zu seiner Zeit sehen werden.)
    Inwiefern das Ich reflectirt, reflectirt es nicht über dieses Reflectiren
selbst; es kann nicht zugleich auf das Object handeln und auf dieses sein
Handeln handeln; es wird demnach der aufgezeigten Tätigkeit sich nicht bewusst,
sondern vergisst sich selbst gänzlich und verliert sich im Objecte derselben;
und wir haben demnach hier wieder die oben geschilderte äussere ( die aber noch
nicht als äussere gesetzt ist) erste ursprüngliche Anschauung, aus welcher aber
noch gar kein Bewusstsein nicht nur kein Selbstbewusstsein, denn das ergibt
sich zur Genüge aus dem obigen, sondern selbst kein Bewusstsein des Objects
entsteht.
    Von dem gegenwärtigen Gesichtspuncte aus wird vollkommen klar, was oben bei
Ableitung der Empfindung über den Widerstreit entgegengesetzter Tätigkeiten des
Ich und des Nicht-Ich gesagt wurde, die sich gegenseitig vernichten sollten. Es
könnte keine Tätigkeit des Ich vernichtet werden, wenn dasselbe nicht erst aus
dem, was wir uns als ihren ersten und ursprünglichen Umfang einbilden können
(das, was in unserer Darstellung von A bis C liegt), in den Wirkungskreis des
Nicht-Ich (von C an in die Unendlichkeit hinaus) herausgegangen wäre. Es wäre
ferner kein Nicht-Ich und keine Tätigkeit desselben, wenn nicht das Ich
dieselben gesetzt hätte; Beide sind sein Product. - Die Tätigkeit des Nicht-Ich
wird vernichtet, inwiefern darauf reflectirt wird, dass sie vorher gesetzt war,
und jetzt durch die Reflexion und zum Behuf ihrer Möglichkeit aufgehoben wird;
die des Ich, wenn man darauf reflectirt, dass dasselbe über sein Reflectiren, in
welchem es doch allerdings tätig ist, nicht wieder reflectirt; sondern in
demselben sich verliert, und sich selbst gleichsam zum Nicht-Ich umwandelt,
welches letztere in der Folge sich noch mehr bestätigen wird. - Kurz, wir stehen
hier gerade auf dem Puncte, von welchem wir im vorigen § und bei der ganzen
besonderen teoretischen Wissenschaftslehre ausgingen: bei dem Widerstreite, der
im Ich für den möglichen Beobachter sein soll, über welchen aber noch nicht
reflectirt worden, und der daher noch nicht für das Ich im Ich ist, daher sich
auch von dem bisherigen noch nicht das mindeste Bewusstsein ableiten lässt,
ohngeachtet wir nun alle möglichen Bedingungen desselben haben.
                                      VII.
    Das Ich ist jetzt für sich selbst, in Beziehung auf die Möglichkeit einer
Reflexion über sich selbst, was es beim Anfange unserer Untersuchung für einen
möglichen Beobachter ausser demselben war. Der letztere fand vor ein Ich, als
Etwas, als wahrnehmbares und als Ich zu denkendes Wesen, ein Nicht-Ich,
gleichfalls als Etwas, und einen Berührungspunct zwischen beiden. Dadurch allein
aber entstand in ihm noch keine Vorstellung von der Begrenzteit des Ich, wenn
er nicht auf beide reflectirte. Er sollte reflectiren, denn nur insofern war er
ein Beobachter, und er hat seitdem allen Handlungen, die aus dem Wesen des Ich
notwendig erfolgen mussten, zugesehen.
    Durch diese Handlungen ist das Ich selbst nunmehr auf den Punct gekommen,
auf welchem zu Anfange der Beobachter sich befand. Es ist in demselben,
innerhalb seines für den Beobachter gesetzten Wirkungskreises, und als Product
des Ich selbst vorhanden ein Ich, als etwas Wahrnehmbares (weil es begrenzt
ist), ein Nicht-Ich und ein Berührungspunct zwischen beiden. Das Ich darf nur
reflectiren, um gerade das zu finden, was vorher nur der Zuschauer finden
konnte.
    Das Ich hat schon ursprünglich beim Anfange alles seines Handelns über sich
reflectirt, und aus Notwendigkeit reflectirt, wie wir oben gesehen haben. - Es
war in ihm die Tendenz überhaupt zu reflectiren; durch die Begrenzung kam die
Bedingung der Möglichkeit des Reflectirens hinzu, es reflectirte notwendig.
Daher entstand ein Gefühl, und aus diesem alles übrige, was wir abgeleitet
haben. Die Tendenz zur Reflexion geht fort in das Unendliche, sie ist daher noch
immer im Ich vorhanden: und das Ich kann demnach über sein erstes Reflectiren
selbst, und über alles, was daraus erfolgt ist, reflectiren, da die Bedingung
der Reflexion, eine Einschränkung durch etwas, das sich als Nicht-Ich betrachten
lässt, vorhanden ist.
    Es muss nicht reflectiren, wie wir dies bei der ersteren Reflexion annahmen;
denn dasjenige, wodurch es für die jetzt mögliche Reflexion bedingt ist, ist
nicht unbedingt ein Nicht-Ich, sondern es lässt sich auch ansehen, als entalten
im Ich. - Das, wodurch es begrenzt ist, ist das durch dasselbe producirte
Nicht-Ich. Man dürfte dagegen sagen da es durch sein eigenes Product begrenzt
sein soll, so soll es sich selbst begrenzen, und dies ist zu wiederholten Malen
für den härtesten Widerspruch erklärt worden, und auf die Notwendigkeit, diesem
Widerspruche auszuweichen, gründet sich das ganze bisherige Raisonnement. Aber
teils ist dasselbe nicht ganz und absolut sein eigenes Product, sondern es
wurde nur unter Bedingung einer Begrenzung durch ein Nicht-Ich gesetzt, teils
hält es dasselbe gerade aus diesem Grunde nicht für sein eigenes Product!
inwiefern es sich dadurch begrenzt setzt; und so wie es dasselbe für sein
eigenes Product anerkennt, setzt es sich dadurch nicht begrenzt.
    Wenn aber das, was wir in das Ich gesetzt haben, nur wirklich im Ich
vorhanden sein soll, so muss dasselbe reflectiren. Wir postuliren demnach diese
Reflexion, und haben das Recht, sie zu postuliren. - Es dürften vielleicht, wenn
man uns einen Augenblick, bloss um uns verständlich zu machen, einen
transcendenten Gedanken erlauben will, mannigfaltige Eindrücke auf uns
geschehen: wenn wir nicht darauf reflectiren, so wissen wir es nicht, und es
sind daher, im transcendentalen Sinne, gar keine Eindrücke auf uns, als Ich,
geschehen.
    Die geforderte Reflexion geschieht aus den angeführten Gründen mit absoluter
Spontaneität: das Ich reflectirt, schlechtin, weil es reflectirt. Nicht nur die
Tendenz zur Reflexion, sondern die Handlung der Reflexion selbst ist im Ich
begründet; sie ist zwar bedingt durch etwas ausser dem Ich, durch den
geschehenen Eindruck; aber sie ist dadurch nicht necessitirt.
    Wir können bei dieser Reflexion sehen auf zweierlei: auf das dadurch
reflectirte Ich, und auf das darin reflectirende Ich. Unsere Untersuchung teilt
sich demnach in zwei Teile, welche wohl, wie nach der syntetischen Metode zu
erwarten ist, einen dritten herbeiführen dürften.
    A. Dem Ich hat bis jetzt noch nichts zugeschrieben werden können, als das
Gefühl; es ist ein fühlendes und nichts weiter. Das reflectirte Ich ist
begrenzt, heisst demnach: es fühlt sich begrenzt, oder es ist in ihm ein Gefühl
der Begrenzteit, des Nichtkönnens oder des Zwanges vorhanden. Wie dies möglich
sei, wird sogleich klar werden.
    Inwiefern das Ich sich begrenzt setzt, geht es hinaus über die Grenze, ist
Kanon: also es setzt zugleich notwendig das Nicht-Ich, aber ohne Bewusstsein
seines Handelns. Es ist mit jenem Gefühl des Zwanges vereinigt eine Anschauung
des Nicht-Ich, aber eine blosse Anschauung, in welcher das Ich sich selbst in
dem Angeschauten vergisst.
    Beide, das angeschaute Nicht-Ich und das gefühlte und sich fühlende Ich,
müssen syntetisch vereinigt werden, und das geschieht vermittelst der Grenze.
Das Ich fühlt sich begrenzt, und setzt das angeschaute Nicht-Ich, als dasjenige,
wodurch es begrenzt ist. - Gemeinfasslich ausgedrückt: Ich sehe etwas, und
zugleich ist in mir ein Gefühl eines Zwanges vorhanden, den ich unmittelbar
nicht erklären kann. Er soll aber erklärt werden. Ich beziehe also beides
aufeinander, und sage: das, was ich sehe, ist der Grund des gefühlten Zwanges.
    Was hierbei noch einige Schwierigkeit machen könnte, wäre folgende Frage:
wie kommt es, dass ich überhaupt mich gezwungen fühle? Ich erkläre mir das
Gefühl freilich aus dem angeschauten Nicht-Ich; aber ich kann nicht anschauen,
wenn ich nicht schon fühle. Demnach ist jenes Gefühl unabhängig von der
Anschauung zu erklären. Wie geschieht dies? Nun ist es gerade diese
Schwierigkeit, die uns nötigen wird, die jetzige Syntesis, als in sich
unvollständig und unmöglich, an eine andere anzuknüpfen, die Sache umzukehren
und zu sagen: ich kann ebensowenig einen Zwang fühlen, ohne anzuschauen; und
demnach ist beides syntetisch vereinigt. Eins begründet nicht das andere,
sondern beide begründen sich gegenseitig. Jedoch aber, um diese Erörterung im
voraus zu erleichtern, wollen wir uns sogleich hier, und wie die Sachen stehen,
auf die obige Frage einlassen.
    Das Ich geht ursprünglich darauf aus, die Beschaffenheit der Dinge durch
sich selbst zu bestimmen; es fordert schlechtin Causalität. Dieser Forderung,
inwiefern sie auf Realität ausgebt, und demnach reale Tätigkeit genannt werden
kann, wird widerstanden, und dadurch wird eine andere, ursprünglich im Ich
begründete Tendenz, über sich selbst zu reflectiren, befriedigt, und es entsteht
zunächst eine Reflexion auf eine als bestimmt gegebene Realität, die, inwiefern
sie schon bestimmt ist, nur durch die ideale Tätigkeit des Ich, die des
Vorstellens, Nachbildens, aufgefasst werden kann. Wird nun beides, sowohl das
auf die Beschaffenheit des Dinges ausgehende, als das die ohne Zutun des Ich
bestimmte Beschaffenheit nachbildende, gesetzt als Ich, als ein und ebendasselbe
Ich (und dies geschieht durch absolute Spontaneität): so wird das reale Ich
durch die angeschaute, seiner Tätigkeit, wenn sie fortgegangen wäre,
entgegengesetzte Beschaffenheit des Dinges begrenzt gesetzt, und das so
syntetisch vereinigte ganze Ich fühlt sich selbst als begrenzt, oder gezwungen.
- Das Gefühl ist die ursprünglichste Wechselwirkung des Ich mit sich selbst, ehe
noch ein Nicht-Ich - es vorsteht sich im Ich und für das Ich - vorkommt; denn
zur Erklärung des Gefühls muss es allerdings gesetzt werden. Das Ich strebt in
die Unendlichkeit hinaus; das Ich reflectirt auf sich, und begrenzt sich
dadurch: dies ist oben abgeleitet, und daraus möchte ein möglicher Zuschauer ein
Gefühl des Ich folgern; aber es entsteht noch kein Selbstgefühl Beides, das
begrenzte und das begrenzende Ich werden durch absolute Spontaneität syntetisch
vereinigt, gesetzt, als dasselbe Ich: dies ist hier abgeleitet, und dadurch
entsteht für das Ich ein Gefühl, ein Selbstgefühl, innige Vereinigung des Tuns
und Leidens in einem Zustande.)
    B. Es soll ferner reflectirt werden auf das in jener Handlung reflectirende
Ich. Auch diese Reflexion geschieht notwendig mit absoluter Spontaneität, wird
aber, wie sich erst im Folgenden zeigen wird, nicht lediglich postulirt, sondern
durch syntetische Notwendigkeit, als Bedingung der Möglichkeit der vorher
postulirten Reflexion herbeigeführt. Uns ist es hier weniger um sie selbst, als
um ihr Object, inwiefern es das ist, zu tun.
    Das in jener Handlung reflectirende Ich handelte mit absoluter Spontaneität,
und sein Handeln war lediglich im Ich begründet: es war ideale Tätigkeit. Es
muss demnach auf sie reflectirt werden, als eine solche, und sie muss gesetzt
werden, als hinausgehend über die Grenze - ins unendliche, wenn nicht in Zukunft
durch eine andere Reflexion sie begrenzt wird. Es kann aber zufolge der
Reflexions-Gesetze auf nichts reflectirt werden, ohne dass dasselbe, sei es auch
bloss und lediglich durch die Reflexion, begrenzt werde: also jene Handlung des
Reflectirens ist, so gewiss über sie reflectirt wird, begrenzt. Es lässt sich
sogleich einsehen, was bei jener Unbegrenzteit, welche bleiben muss, diese
Begrenzteit sein werde. - Die Tätigkeit kann nicht reflectirt werden, als
Tätigkeit (seines Handelns unmittelbar wird das Ich sich nie bewusst, wie auch
ohne dies bekannt ist), sondern als Substrat, mitin als Product einer absoluten
Tätigkeit des Ich.
    Es ist sogleich einleuchtend, dass das dieses Product setzende Ich im Setzen
desselben sich selbst vergisst, dass mitin dieses Product ohne Bewusstsein des
Anschauens angeschaut wird.
    Inwiefern also das Ich über die absolute Spontaneität seines Reflectirens in
der ersten Handlung wieder reflectirt, wird ein unbegrenztes Product der
Tätigkeit des Ich, als solches, gesetzt. - Wir werden dieses Product in der
Folge näher kennen lernen.
    Dies Product soll als Product des Ich gesetzt werden; es muss demnach
notwendig auf das Ich bezogen werden. Auf das anschauende Ich kann dasselbe
nicht bezogen werden, denn dieses ist, laut des obigen, noch gar nicht gesetzt.
Das Ich ist noch nicht gesetzt, als inwiefern es sich begrenzt fühlt, auf dieses
müsste es demnach bezogen werden.
    Aber das Ich, das sich als begrenzt fühlt, ist demjenigen, welches durch
Freiheit etwas, und etwas Unbegrenztes producirt, entgegengesetzt; das fühlende
ist nicht frei, sondern gezwungen; und das producirende ist nicht gezwungen,
sondern es producirt mit Freiheit.
    So muss es denn auch allerdings sein, wenn Beziehung und syntetische
Vereinigung möglich und nötig sein soll; wir haben demnach für die geforderte
Beziehung nur den Beziehungsgrund aufzuweisen.
    Dieser müsste sein Tätigkeit mit Freiheit, oder absolute Tätigkeit. Eine
solche kommt nun dem begrenzten Ich nicht zu; es zeigt sich demnach nicht, wie
eine Vereinigung zwischen beiden möglich sei.
    Wir dürfen nur noch einen Schritt tun, um das überraschendste, die uralten
Verwirrungen endende und die Vernunft auf ewig in ihre Rechte einsetzende
Resultat zu finden. - Das Ich selbst soll doch das beziehende sein. Es geht also
notwendig, schlechtin durch sich selbst, ohne irgend einen Grund, und wider
den äusseren Grund aus der Begrenzung heraus, eignet eben dadurch das Product
sich zu, und macht es zu dem seinigen durch Freiheit; - Beziehungsgrund und
Beziehendes sind dasselbe.
    Dieser Handlung wird das Ich sich nie bewusst, und kann sich derselben nie
bewusst werden; ihr Wesen besteht in der absoluten Spontaneität, und sobald über
diese reflectirt wird, hört sie auf Spontaneität zu sein. Das Ich ist nur frei,
in dem es handelt; so wie es auf diese Handlung reflectirt, hört dieselbe auf
frei, und überhaupt Handlung zu sein, und wird Product.
    Aus der Unmöglichkeit des Bewusstseins einer freien Handlung entstellt der
ganze Unterschied zwischen Idealität und Realität, zwischen Vorstellung und
Ding, wie wir bald näher sehen werden.
    Die Freiheit, oder was das gleiche heisst, das unmittelbare Handeln des Ich,
als solches, ist der Vereinigungspunct der Idealität und Realität. Das Ich ist
frei, indem und dadurch, dass es sich frei setzt, sich befreit: und es setzt
sich frei, oder befreit sich, indem es frei ist. Bestimmung und Sein sind Eins;
Handelndes und Behandeltes sind Eins; eben indem das Ich sich zum Handeln
bestimmt, handelt es in diesem Bestimmen; und indem es handelt, bestimmt es
sich.
    Das Ich kann sich nicht durch Reflexion als frei setzen, dies ist ein
Widerspruch, und auf diesem Wege könnten wir nie zu der Annahme kommen, dass wir
frei seien; aber es eignet sich etwas zu, als Product seiner eigenen freien
Tätigkeit, und insofern setzt es sich wenigstens mittelbar als frei.3.
    C. Das Ich ist beschränkt, indem es sich fühlt, und es setzt sich insofern
als beschränkt, nach der ersteren Syntesis. Das Ich ist frei, und es setzt sich
wenigstens mittelbar als frei, indem es etwas als Product seiner freien
Tätigkeit setzt, nach der zweiten Syntesis. Beide Bestimmungen des Ich, die
der Beschränkteit im Gefühl, und die der Freiheit im Produciren sind völlig
entgegengesetzt. Nun könnte vielleicht in ganz verschiedenen Rücksichten das Ich
sich als frei, oder als bestimmt setzen, so dass dadurch die Identität desselben
nicht aufgehoben würde. Aber es ist in beiden Syntesen ausdrücklich gefordert
worden, dass es sich als beschränkt setzen solle, weil und inwiefern es sich als
frei setzt, und als frei, weil und inwiefern es sich als beschränkt setzt. Es
soll demnach frei und beschränkt in einer und ebenderselben Rücksicht sein; dies
widerspricht sich offenbar, und dieser Widerspruch muss gehoben werden. - Wir
gehen zuvörderst noch tiefer ein in den Sinn der als entgegengesetzt
aufgestellten Sätze.
    1) Das Ich soll sich als beschränkt setzen, weil und inwiefern es sich als
frei setzt. - Das Ich ist frei, lediglich inwiefern es handelt; wir hätten
demnach vorläufig die Frage zu beantworten: was heisst Handeln; welches ist sein
Unterscheidungsgrund vom Nicht-handeln? - Alle Handlung setzt Kraft voraus; es
wird absolut gehandelt, heisst: die Kraft wird lediglich durch sich selbst und
in sich selbst bestimmt, d. i. sie erhält ihre Richtung. Sie hatte demnach
vorher keine Richtung, war nicht in Handlung gesetzt, sondern ruhende Kraft, ein
blosses Streben nach Kraftanwendung. So gewiss demnach das Ich sich absolut
handelnd setzen soll, vorläufig in der Reflexion, so gewiss muss es sich auch
als nicht-handelnd setzen. Bestimmung zum Handeln setzt Ruhe voraus. - Ferner,
die Kraft gibt sich schlechtin eine Richtung, d. i. sie gibt sich ein Object,
auf welches sie gehe. Die Kraft selbst gibt ihr selbst das Object; aber was sie
sich geben soll, muss sie, inwiefern sie es gibt, auch schon haben; es müsste
ihr demnach schon gegeben sein, gegen welches Geben sie sich leidend verhalten
hätte. - Also Selbstbestimmung zum Handeln setzt notwendig sogar ein Leiden
voraus - und wir finden uns hier abermals in neue Schwierigkeiten verwickelt,
von welchen aus aber gerade das hellste Licht über unsere ganze Untersuchung
sich verbreiten wird.
    2) Das Ich soll sich als frei setzen, weil und inwiefern es sich als
beschränkt setzt. - Das Ich setzt sich begrenzt, heisst: es setzt seiner
Tätigkeit eine Grenze (nicht: es producirt diese Begrenzung, sondern es setzt
sie nur als gesetzt, durch eine entgegengesetzte Kraft). Das Ich muss demnach,
um beschränkt worden zu sein, schon gehandelt, seine Kraft muss schon eine
Richtung, und zwar eine Richtung durch Selbstbestimmung gehabt haben. Alle
Begrenzung setzt freies Handeln voraus.
    Wir wenden jetzt diese Grundsätze an auf den vorliegenden Fall.
    Das Ich ist für sich selbst noch immer gezwungen, genötigt, begrenzt,
insofern dasselbe hinausgeht über die Begrenzung, ein Nicht-Ich setzt, und
dasselbe anschaut, ohne seiner selbst in dieser Anschauung sich bewusst zu
werden. Nun ist dieses Nich-Ich, wie wir von dem höheren Gesichtspuncte aus, auf
welchen wir uns gestellt haben, wissen, sein Product, und dasselbe muss darauf
reflectiren, als auf sein Product. Diese Reflexion geschieht notwendig durch
absolute Selbsttätigkeit.
    Das Ich, ein und ebendasselbe Ich mit einer und ebenderselben Tätigkeit,
kann nicht zugleich ein Nicht-Ich produciren und auf dasselbe, als auf sein
Product, reflectiren. Es muss demnach seine erstere Tätigkeit begrenzen,
abbrechen, so gewiss die geforderte zweite ihm zukommen soll, und dieses
Unterbrechen seiner ersten Tätigkeit geschieht gleichfalls durch absolute
Spontaneität, da die ganze Handlung dadurch geschieht. Unter dieser Bedingung
allein ist auch absolute Spontaneität möglich. Das Ich soll durch sie sich
bestimmen. Dem Ich aber kommt nichts zu, ausser Tätigkeit. Es müsste demnach
eine seiner Handlungen begrenzen, und abermals darum, weil ihm nichts ausser
Tätigkeit zukommt, durch eine andere der ersten entgegengesetzte Handlung
begrenzen.
    Das Ich soll ferner sein Product, das entgegengesetzte, begrenzende
Nicht-Ich setzen, als sein Product. Eben durch diejenige Handlung, durch welche
dasselbe, wie soeben gesagt worden, sein Produciren abbricht, setzt es dasselbe
als solches, erhebt es dasselbe zu einer höheren Stufe der Reflexion. Die
untere, erste Region der Reflexion ist dadurch abgebrochen, und es ist uns jetzt
bloss um den Uebergang von der einen zur anderen, um ihren Vereinigungspunct zu
tun. Aber das Ich wird, wie bekannt, seines Handelns unmittelbar sich nie
bewusst; es kann demnach das geforderte nur mittelbar durch eine neue Reflexion
als sein Product setzen.
    Es muss durch dieselbe gesetzt werden, als Product der absoluten Freiheit,
und das Kennzeichen eines solchen ist, dass es auch anders sein könne, und als
anders seiend gesetzt werden könne. Das anschauende Vermögen schwebt zwischen
verschiedenen Bestimmungen, und setzt unter allen möglichen nur eine, und
dadurch erhält das Product den eigentümlichen Charakter des Bildes.
    (Um uns verständlich zu machen, stellen wir als Beispiel auf ein Object mit
verschiedenen Merkmalen, ohnerachtet bis jetzt von einem solchen noch nicht die
Rede sein kann. - Ich bin in der ersten Anschauung, der producirenden, verloren
in ein Object. Ich reflectirte zuvörderst auf mich selbst, finde mich und
unterscheide von mir das Object. Aber noch ist in dem Objecte alles verworren
und unter einander gemischt, und es ist weiter auch nichts, denn ein Object. Ich
reflectire jetzt auf die einzelnen Merkmale desselben, z.B. auf seine Figur,
Grösse, Farbe u. s. f, und setze sie in meinem Bewusstsein. Bei jedem einzelnen
Merkmale dieser Art bin ich anfangs zweifelhaft und schwankend, lege meiner
Beobachtung ein willkürliches Schema von einer Figur, einer Grösse, einer Farbe,
die sich denen des Objects nähern, zum Grunde, beobachte genauer, und bestimme
nun erst mein Schema der Figur etwa zu einem Würfel, das der Grösse etwa zu dem
einer Faust, das der Farbe etwa zu dem der dunkelgrünen. Durch dieses Uebergehen
von einem unbestimmten Producte der freien Einbildungskraft zu der völligen
Bestimmung in einem und ebendemselben Acte wird das, was in meinem Bewusstsein
vorkommt, ein Bild, und wird gesetzt als ein Bild. Es wird mein Product, weil
ich es als durch absolute Selbsttätigkeit bestimmt setzen muss.)
    Inwiefern das Ich dieses Bild setzt, als Product seiner Tätigkeit, setzt es
demselben notwendig etwas entgegen, das kein Product derselben ist; welches
nicht mehr bestimmbar, sondern vollkommen bestimmt ist, und, ohne alles Zutun
des Ich, durch sich selbst bestimmt ist. Dies ist das wirkliche Ding, nach
welchem das bildende Ich in Entwerfung seines Bildes sich richtet, und das ihm
daher bei seinem Bilden notwendig vorschweben muss. Es ist das Product seiner
ersten jetzt unterbrochenen Handlung, das aber in dieser Beziehung unmöglich als
solches gesetzt werden kann.
    Das Ich bildet nach demselben; es muss demnach im Ich entalten, seiner
Tätigkeit zugänglich sein: oder, es muss zwischen dem Dinge und dem Bilde vom
Dinge, die einander entgegengesetzt werden, ein Beziehungsgrund sich aufweisen
lassen. Ein solcher Beziehungsgrund nun ist eine völlig bestimmte, aber
bewusstseinlose Anschauung des Dinges. Für sie und in ihr sind alle Merkmale des
Objects vollkommen bestimmt, und insofern ist sie beziehbar auf das Ding, und
das Ich ist in ihr leidend. Dennoch ist sie auch eine Handlung des Ich, und
daher beziehbar auf das im Bilden handelnde Ich. Dasselbe hat Zugang zu ihr; es
bestimmt nach der in ihr angetroffenen Bestimmung sein Bild (oder, wenn man
lieber will, - denn beides ist gleichgeltend, - es durchläuft die in ihm
vorhandenen Bestimmungen mit Freiheit, zählt sie auf, und prägt sie sich ein).
    (Diese Mittelanschauung ist äusserst wichtig; wir merken, daher sogleich,
obschon wir wieder zu ihr zurückkommen, einiges an über sie.
    Dieselbe ist hier durch eine Syntesis postulirt, als Mittelglied, das
notwendig vorhanden sein muss, wenn ein Bild vom Objecte möglich sein soll. Es
bleibt aber immer die Frage: woher kommt sie? - lässt sie sich, da wir hier
mitten im Kreise des Handlungen des vernünftigen Geistes sind, welche alle
zusammenhangen wie die Glieder einer Kette, nicht auch noch anderwärtsher
ableiten? Und das lässt sie sich allerdings. - Das Ich Producirt ursprünglich
das Object. Es wird in diesem Produciren, zum Behuf einer Reflexion über das
Product, unterbrochen. Was geschieht durch diese Unterbrechung mit der
unterbrochenen Handlung? Wird sie gänzlich vernichtet und ausgetilgt? Das kann
nicht sein; denn dann würde durch die Unterbrechung der ganze Faden des
Bewusstseins abgerissen, und es liesse sich nie ein Bewusstsein deduciren.
Ferner wurde ja ausdrücklich gefordert, dass über das Product derselben
reflectirt werden sollte, und das wäre abermals nicht möglich, wenn sie gänzlich
aufgehoben wäre; Handlung aber bleibt sie unmöglich, denn dasjenige, worauf ein
Handeln geht, ist insofern nicht Handlung. Aber ihr Product, das Object, muss
bleiben, und die unterbrechende Handlung geht demnach auf das Object und macht
es gerade dadurch zu Etwas, zu einem festgesetzten und fixirten, dass sie darauf
geht, und das erste Handeln unterbricht.
    Ferner: diese Handlung des Unterbrechens selbst, die wir jetzt als gerichtet
auf das Object kennen, dauert sie als Handlung fort, oder nicht?
    Das Ich unterbrach selbsttätig sein Produciren, um auf das Product zu
reflectiren, also um eine neue Handlung an die Stelle der ersteren zu setzen,
und insbesondere, da, wo wir jetzt stehen, dieses Product zu setzen, als das
seinige. Das Ich kann nicht zugleich in verschiedenen Beziehungen handeln; also
jene auf das Object gerichtete Handlung ist, inwiefern gebildet wird, selbst
abgebrochen; sie ist bloss als Product vorhanden, d.h. nach allem, sie ist eine
unmittelbare, auf das Object gerichtete Anschauung, und als solche gesetzt: -
also es ist gerade diejenige Anschauung, die wir soeben als Mittelglied
aufgestellt haben, und die auch von einer anderen Seite als solches sich zeigt.
    Diese Anschauung ist ohne Bewusstsein, gerade aus dem gleichen Grunde, aus
welchem sie vorhanden ist, weil das Ich nicht doppelt handeln, mitin nicht auf
zwei Gegenstände zugleich reflectiren kann. Es wird im gegenwärtigen
Zusammenhange betrachtet, als setzend sein Product, als solches, oder als
bildend; es kann sich demnach nicht zugleich setzen, als unmittelbar das Ding
anschauend.
    Diese Anschauung ist der Grund aller Harmonie, den wir zwischen unseren
Vorstellungen und den Dingen annehmen. Wir entwerfen unserer eigenen Aussage
nach durch Spontaneität ein Bild, und es lässt sich gar wohl erklären und
rechtfertigen, wie wir dasselbe als unser Product ansehen, und es in uns setzen
können. Nun aber soll diesem Bilde etwas ausser uns liegendes, durch das Bild
Bar nicht hervorgebrachtes, noch bestimmtes, sondern unabhängig von demselben
nach seinen eigenen Gesetzen existirendes entsprechen; und da lässt sich denn
gar nicht einsehen, nicht nur mit welchem Rechte wir so etwas behaupten, sondern
sogar nicht, wie wir auch nur auf eine solche Behauptung kommen mögen, wenn wir
nicht zugleich eine unmittelbare Anschauung von dem Dinge haben. Ueberzeugen wir
uns nur einmal von der Notwendigkeit einer solchen unmittelbaren Anschauung, so
werden wir auch die Ueberzeugung, dass demnach das Ding in uns selbst liegen
müsse, da wir auf nichts unmittelbar handeln können, als auf uns selbst, nicht
lange zurückhalten können.)
    Im Bilden ist das Ich völlig frei, wie wir soeben gesehen haben. Das Bild
ist auf eine gewisse Art bestimmt, weil das Ich dasselbe so und nicht anders,
welches es in dieser Rücksicht allerdings auch könnte, bestimmt; und durch diese
Freiheit im Bestimmen wird Aas Bild beziehbar auf das Ich, und lässt sich setzen
in dasselbe, und als sein Product.
    Aber dieses Bild soll nicht leer sein; sondern es soll demselben ein Ding
ausser dem Ich entsprechen: es muss demnach auf dieses Ding bezogen werden. Wie
das Ding dem Ich für die Möglichkeit dieser Beziehung zugänglich werde, nämlich
durch eine vorauszusetzende unmittelbare Anschauung des Dinges, ist soeben
gesagt worden. Insofern nun das Bild bezogen wird auf das Ding, ist es völlig
bestimmt, es muss gerade so sein, und darf nicht anders sein; denn das Ding ist
vollkommen bestimmt, und das Bild soll demselben entsprechen. Die vollkommene
Bestimmung ist der Beziehungsgrund zwischen dem Bilde und dem Dinge, und das
Bild ist jetzt von der unmittelbaren Anschauung des Dinges nicht im geringsten
verschieden.
    Dadurch wird dem vorhergehenden offenbar widersprochen; denn was notwendig
so sein muss, wie es ist, und gar nicht anders sein kann, ist kein Product des
Ich, und lässt sich in dasselbe gar nicht setzen, oder darauf beziehen.
(Unmittelbar seiner Freiheit im Bilden wird das Ich ohnedies sich nicht bewusst,
wie mehrmals erinnert worden; dass es aber, inwiefern es das Bild auch mit
anderen möglichen Bestimmungen setzt, dasselbe als sein Product setzt, ist
gezeigt, und ist durch keine folgende Operation der Vernunft umzustossen. Wenn
es aber gleich darauf eben dieses Bild auf das Ding bezieht, so setzt es
dasselbe dann nicht mehr als sein Product, der vorige Zustand des Ich ist
vorüber, und es gibt zwischen ihm und dem gegenwärtigen keinen Zusammenhang,
als etwa den, den ein möglicher Zuschauer dadurch, dass er das in beiden
Zuständen handelnde Ich als Ein und ebendasselbe denkt, hineinsetzt. Jetzt ist
ein Ding, was vorher nur Bild war. Nun muss es allerdings dem Ich ein leichtes
sein, sich wieder auf die vorige Stufe der Reflexion zurückzuversetzen, aber
dadurch entsteht abermals kein Zusammenhang, und jetzt ist wieder ein Bild, was
vorher nur Ding war. Wenn der vernünftige Geist nicht hierbei nach einem Gesetze
verführe, das wir eben hier aufzusuchen haben, so würde daraus ein fortdauernder
Zweifel entstehen, ob es nur Dinge und keine Vorstellungen von ihnen, oder ob es
nur Vorstellungen und keine ihnen entsprechende Dinge gäbe, und jetzt würden wir
das in uns vorhandene für ein blosses Product unserer Einbildungskraft, jetzt
für ein ohne alles unser Zutun uns afficirendes Ding halten. Diese schwankende
Ungewissheit entsteht denn auch wirklich, wenn man einen solcher Untersuchungen
ungewohnten nötigt, uns zu gestehen, dass die Vorstellung von dem Dinge doch
nur in ihm anzutreffen sein könne. Er gesteht es jetzt zu; und sagt gleich
darauf: es, ist aber doch ausser mir, und findet vielleicht gleich darauf
abermals, dass es in ihm sei, bis er wieder nach aussen getrieben wird. Er kann
sich aus dieser Schwierigkeit nicht heraushelfen; denn ob er gleich von jeher in
allem seinen teoretischen Verfahren die Gesetze der Vernunft befolgt hat, so
kennt er sie doch nicht wissenschaftlich, und kann sich nicht Rechenschaft über
sie ablegen.)
    Die Idee des aufzusuchenden Gesetzes wäre folgendes: Es müsste ein Bild gar
nicht möglich sein, ohne ein Ding; und ein Ding müsste wenigstens in der
Rücksicht, in welcher hier davon die Rede sein kann, d. i. für das Ich, nicht
möglich sein, ohne ein Bild. So würden beide, das Bild und das Ding, in
syntetischer Verbindung stehen, und eins würde nicht gesetzt werden können,
ohne dass auch das andere gesetzt würde.
    Das Ich soll das Bild beziehen auf das Ding. Es ist zu zeigen, dass diese
Beziehung nicht möglich sei, ohne Voraussetzung des Bildes, als eines solchen,
d. i. als eines freien Productes des Ich. Wird durch die geforderte Beziehung
das Ding überhaupt erst möglich, so wird durch Erhärtung der letzteren
Behauptung bewiesen, dass das Ding nicht möglich sei, ohne das Bild. -
Umgekehrt, das Ich soll mit Freiheit das Bild entwerfen. Es müsste gezeigt
werden, dass dies nicht möglich sei, ohne Voraussetzung des Dinges; und es wäre
dadurch dargetan, dass kein Bild möglich sei, ohne ein Ding (es versteht sich,
ein Ding für das Ich).
    Wir reden zuvörderst von der Beziehung des, es versteht sich, vollkommen
bestimmten Bildes auf das Ding. Sie geschieht durch das Ich; aber diese Handlung
desselben kommt nicht unmittelbar zum Bewusstsein; und es lässt daher sich nicht
wohl einsehen, wie das Bild vom Dinge unterschieden werden möge. Das Ich müsste
demnach, wenigstens mittelbar im Bewusstsein vorkommen, Und so würde eine
Unterscheidung des Bildes vom Dinge möglich werden.
    Das Ich kommt mittelbar im Bewusstsein vor - heisst: das Object seiner
Tätigkeit (Product derselben, nur ohne Bewusstsein) wird gesetzt als Product
durch Freiheit, als anders sein könnend, als zufällig.
    Auf diese Art wird das Ding gesetzt, inwiefern das vollkommen bestimmte Bild
darauf bezogen wird. Es ist da ein vollkommen bestimmtes Bild, d i. eine
Eigenschaft, z.B. die rote Farbe. Es muss ferner, wenn die geforderte Beziehung
möglich sein soll, da sein ein Ding. Beide sollen syntetisch vereinigt werden
durch eine absolute Handlung des Ich; das letztere soll durch die erstere
bestimmt werden, Mitin muss es, vor der Handlung und unabhängig von ihr,
dadurch nicht bestimmt sein; es muss gesetzt sein, als ein solches, dem diese
Eigenschaft zukommen kann, oder auch nicht, und lediglich dadurch, dass ein
Handeln gesetzt wird, wird die Zufälligkeit der Beschaffenheit des Dinges für
das Ich gesetzt. Das seiner Beschaffenheit nach zufällige Ding aber entdeckt
sich eben dadurch als ein vorausgesetztes Product des Ich, dem nichts zukommt,
als das Sein. Die freie Handlung und die Notwendigkeit, dass eine solche freie
Handlung vorkomme, ist der einzige Grund des Ueberganges vom unbestimmten zum
bestimmten, und umgekehrt.
    (Wir suchen diesen wichtigen Punct noch etwas deutlicher zu machen. - In dem
Urteile: A ist rot, kommt vor zuvörderst A. Dies ist gesetzt; inwiefern es A
sein soll, gilt von ihm der Satz: A = A; es ist, als A, durch sich selbst
vollkommen bestimmt; etwa seiner Figur, seiner Grösse, seiner Stelle im Raume
nach u.s.f., wie man es sich in dem gegenwärtigen Falle denken kann;
ohngeachtet, wie wohl zu merken ist, dem Dinge, von welchem wir oben redeten, da
es noch gänzlich unbestimmt sein soll, gar nichts zukommt, als das, dass es ein
Ding ist, d.h. dass es ist. Dann kommt im Urteile vor rot. Dies ist
gleichfalls vollkommen bestimmt, d.h. es ist gesetzt, als ausschliessend alle
übrigen Farben, als nicht gelb, nicht blau u.s.w. [gerade wie oben, und wir
haben daher hier ein Beispiel, was durch die vollkommene Bestimmung der
Eigenschaft, oder, wie wir es auch genannt haben, des Bildes gemeint werde]. Wie
ist nun in Rücksicht der roten Farbe A vor dem Urteile? Offenbar unbestimmt.
Es können ihm alle Farben, und darunter auch die rote zukommen. Erst durch das
Urteil, d. i. durch die syntetische Handlung des Urteilenden vermittelst der
Einbildungskraft, welche Handlung durch die Copula ist ausgedrückt wird, wird
das unbestimmte bestimmt; es werden ihm alle mögliche Farben, die ihm zukommen
konnten, die gelbe, blaue, u.s.w. durch Uebertragung des Prädicates nicht-gelb,
nicht-blau u.s.w. = rot, abgesprochen. - A ist unbestimmt, so gewiss geurteilt
wird. Wäre es schon bestimmt, so würde gar kein Urteil gefällt, es würde nicht
gehandelt.)
    Wir haben als Resultat unserer Untersuchung den Satz: Wenn die Realität des
Dinges (als Substanz) vorausgesetzt wird, wird die Beschaffenheit desselben
gesetzt, als zufällig, mitin mittelbar als Product des Ich; und wir haben
demnach hier die Beschaffenheit im Dinge, woran wir das Ich anknüpfen können.
    Zur Beförderung der Uebersicht zeichnen wir das systematische Schema vor,
wonach wir uns in der endlichen Auflösung unserer Frage zu richten haben, und
dessen Gültigkeit in der Grundlage, bei Erörterung des Begriffs der
Wechselwirkung, erwiesen worden. - Das Ich setzt sich selbst als Totalität, oder
es bestimmt sich; dies ist nur unter der Bedingung möglich, dass es etwas von
sich ausschliesse, wodurch es begrenzt wird. Ist A Totalität, so wird B
ausgeschlossen. - Nun aber ist B, so gewiss es ausgeschlossen wird, auch
gesetzt; es soll durch das Ich, welches bloss unter dieser Bedingung A als
Totalität setzen kann, gesetzt sein, das Ich muss demnach auch über dasselbe als
gesetzt reflectiren. Nunmehr aber ist A nicht mehr Totalität; sondern es wird
durch das Gesetztsein des anderen selbst ausgeschlossen von der Totalität, wie
wir uns in der Grundlage ausdrückten, und es ist demnach gesetzt A + B. - Ueber
dasselbe in dieser Vereinigung muss wieder reflectirt werden, denn sonst wäre es
nicht vereinigt; aber durch diese Reflexion wird es selbst begrenzt, mitin als
Totalität gesetzt, und es muss ihm nach der obigen Regel etwas entgegengesetzt
werden. - Inwiefern durch die angeführte Reflexion A + B gesetzt wird, als
Totalität, wird es dem absolut als Totalität gesetzten A (hier dem Ich)
gleichgesetzt; gesetzt und aufgenommen in das Ich, in der uns nun wohl bekannten
Bedeutung; mitin wird ihm insofern B entgegengesetzt, und da B hier in A + B
mit entalten ist, wird B sich selbst entgegengesetzt, inwiefern es teils
vereinigt ist mit A (entalten im Ich), teils entgegengesetzt A (dem Ich). A +
B wird nach der oben angegebenen, und erwiesenen Formel bestimmt durch B. - Auf
A + B bestimmt durch B muss als solches, d. i. inwiefern A + B durch B bestimmt
ist, reflectirt werden. - Dann ist aber, da B durch B bestimmt sein soll, auch
das mit demselben syntetisch vereinigte A dadurch bestimmt; und da B und B
syntetisch vereinigt sein sollen, auch das mit dem ersteren B vereinigte A
damit syntetisch Vereinigt. Dies widerspricht dem ersten Satze, nach welchem A
und B schlechtin entgegengesetzt sein sollen. Dieser Widerspruch ist nicht
anders zu lösen, als dadurch, dass A ihm selbst entgegengesetzt werde; und so
wird A + B bestimmt durch A, so wie es in der Erörterung des Begriffs der
Wechselwirkung gefordert wurde. Nun aber kann A ihm selbst nicht entgegengesetzt
sein, wenn die geforderten Syntesen möglich sein sollen. Es muss demnach sich
gleich und sich entgegengesetzt sein zugleich, d.h. es muss eine Handlung des
absoluten Vermögens des Ich, der Einbildungskraft, geben, durch welche dasselbe
absolut vereinigt wird. - Wir gehen nach diesem Schema an die Untersuchung.
    Ist A Totalität, und wird als solche gesetzt, so wird B ausgeschlossen. -
Das Ich setzt sich mittelbar als Ich, und begrenzt sich insofern, inwiefern es
das Bild mit absoluter Freiheit entwirft, und zwischen mehreren möglichen
Bestimmungen desselben in der Mitte schwebt. Das Bild ist noch nicht bestimmt,
aber es wird bestimmt; das Ich ist in der Handlung des Bestimmens begriffen. Das
ist der schon oben vollkommen geschilderte Zustand, auf welchen wir uns hier
beziehen. Er heisse A. (Innere Anschauung des Ich im freien Bilden.)
    Inwiefern das Ich so handelt, setzt es diesem frei schwebenden Bilde, und
mittelbar sich selbst, dem bildenden, entgegen die vollkommen bestimmte
Eigenschaft, von der wir schon oben gezeigt haben, dass sie umfasst und
aufgefasst werde durch das Ich, vermittelst der unmittelbaren Anschauung des
Dinges, in welcher aber das Ich seiner selbst sich nicht bewusst ist. Jenes
bestimmte wird nicht als Ich gesetzt, sondern demselben entgegengesetzt, und
also ausgeschlossen. Es heisse B.
    B wird gesetzt, und demnach A von der Totalität ausgeschlossen. - Das Ich
setzte die Eigenschaft als bestimmt, und es konnte sich, wie es doch sollte, im
Bilden keinesweges als frei setzen, ohne sie so zu setzen. Das Ich, muss
demnach, so gewiss es sich frei bildend setzen soll, auf jene Bestimmteit der
Eigenschaft reflectiren. (Es ist hier nicht die Rede von der syntetischen
Vereinigung mehrerer Merkmale in Einem Substrat, und ebensowenig von der
syntetischen Vereinigung des Merkmals mit dem Substrate, wie sich sogleich
ergeben wird; sondern von der vollkommenen Bestimmteit des vorstellenden Ich in
Auffassung eines Merkmals, wovon als Beispiel man sich indessen die Figur eines
Körpers im Raume denken kann.) Dadurch wird nun das Ich von der Totalität
ausgeschlossen, d.h. es ist sich selbst nicht mehr genug, es ist nicht mehr
durch sich selbst, sondern durch etwas anderes ihm völlig entgegengesetztes
bestimmt; sein Zustand, d. i. das Bild in ihm, lässt sich nicht mehr lediglich
aus ihm selbst, sondern bloss durch etwas ausser ihm erklären, und es ist
demnach gesetzt A + B, oder A bestimmt durch B als Totalität. (Äussere
bestimmte reine Anschauung.)
    (Ueberhaupt bei den gegenwärtigen Unterscheidungen, und besonders bei der
jetzigen, ist wohl zu merken, dass etwas denselben einzeln entsprechendes im
Bewusstsein gar nicht vorkommen könne. Die geschilderten Handlungen des
menschlichen Geistes kommen nicht getrennt vor in der Seele, und werden dafür
auch gar nicht ausgegeben; sondern alles, was wir jetzt aufstellen, geschieht in
syntetischer Vereinigung, wie wir denn beständig fort den syntetischen Gang
gehen, und von dem Vorhandensein des einen Gliedes auf das Vorhandensein der
übrigen schliessen. Ein Beispiel der deducirten Anschauung würde sein die
Anschauung jeder reinen geometrischen Figur, z.B. die eines Kubus. Aber eine
solche Anschauung ist nicht möglich. Man kann sich keinen Kubus ein.
    ohne den Raum, in dem er schweben soll, sich zugleich einzubilden, und dann
seine Grenze zu beschreiben; und man findet hier zugleich in der sinnlichen
Erfahrung den Satz erwiesen: dass das Ich keine Grenze setzen könne, ohne
zugleich ein begrenzendes, durch die Grenze ausgeschlossenes zu setzen.)
    Auf A + B muss, und zwar in dieser Verbindung, reflectirt werden, d.h. es
wird auf die Beschaffenheit, als eine bestimmte, reflectirt. Ohne dies wäre sie
nicht im Ich; ohne dies wäre das geforderte Bewusstsein derselben nicht möglich.
Wir werden demnach von dem Puncte aus, auf welchem wir stehen, selbst und durch
einen in ihm selbst liegenden Grund weiter getrieben (ebenso das Ich, welches
der Gegenstand unserer Untersuchung ist), und das ist eben das Wesen der
Syntesis; hier liegt jenes die Unvollständigkeit verratende X, von dem oft die
Rede gewesen. - Diese Reflexion geschieht, wie jede, durch absolute
Spontaneität; das Ich reflectirt schlechtin, weil es Ich ist. Es wird seiner
Spontaneität in diesem Handeln sich nicht bewusst, aus dem oft angeführten
Grunde; aber das Object seiner Reflexion, inwiefern es dies ist, wird dadurch
Product jener Spontaneität, und es muss ihm das Merkmal eines Productes der
freien Handlung des Ich, die Zufälligkeit, zukommen. Nun kann es nicht zufällig
sein, inwiefern es als bestimmt gesetzt ist, und als solches darüber reflectirt
wird, mitin in einer anderen Rücksicht, die sich sogleich zeigen wird. - Es
wird durch die ihm zukommende Zufälligkeit Product des Ich, und darin
aufgenommen; das Ich bestimmt sich demnach abermals, und dies ist nicht möglich,
ohne dass es sich Etwas, also ein Nicht-Ich entgegensetze.
    (Hierbei die allgemeine, schon oft vorbereitete, aber nur hier recht
deutlich zu machende Bemerkung. Das Ich reflectirt mit Freiheit; eine Handlung
des Bestimmens, die eben dadurch selbst bestimmt wird; aber es kann nicht
reflectiren, Grenze setzen, ohne zugleich absolut etwas zu produciren, als ein
begrenzendes. Also Bestimmen und Produciren sind immer beisammen, und dies ist
es, woran die Identität des Bewusstseins sich hält.)
    Dieses entgegengesetzte ist notwendig in Beziehung auf die bestimmte
Eigenschaft; und diese ist in Beziehung auf jenes zufällig. Es ist ferner,
gerade wie diese Eigenschaft, entgegengesetzt dem Ich, und daher, wie sie,
Nicht-Ich, aber ein notwendiges Nicht-Ich.
    Aber die Eigenschaft, als bestimmtes, und inwiefern sie dies ist, - also als
etwas, gegen welches das Ich sich bloss leidend verhält, - muss von dem Ich
ausgeschlossen werden, nach den obigen Erörterungen; und das Ich, wenn und
inwiefern es als auf ein bestimmtes reflectirt, wie hier geschieht, muss
dasselbe von sich ausschliessen. Nun schliesst das Ich in der gegenwärtigen
Reflexion auch noch ein anderes Nicht-Ich, als bestimmt und notwendig, von sich
aus. Mitin muss dieses beides auf einander bezogen und syntetisch vereinigt
werden. Der Grund der Vereinigung ist der, dass beide Nicht-Ich demnach in
Beziehung auf das Ich Eins und ebendasselbe sind; der Unterscheidungsgrund der:
die Eigenschaft ist zufällig, sie könnte auch anders sein, das Substrat aber,
als solches, ist in Beziehung auf die erstere notwendig da. - Beide sind
vereinigt, d. i. sie sind in Beziehung auf einander notwendig und zufällig: die
Eigenschaft muss ein Substrat haben, aber dem Substrat muss nicht diese
Eigenschaft zukommen. Ein solches Verhältnis des zufälligen zum notwendigen in
der syntetischen Einheit nennt man das Verhältnis der Substantialität. - (B
entgegengesetzt B. Das letztere B ist gar nicht im Ich. - A + B ist bestimmt
durch B. Das in das Ich aufgenommene an sich vollkommen bestimmte Bild mag immer
bestimmt sein für das Ich; dem Dinge ist die darin ausgedrückte Eigenschaft
zufällig. Sie könnte ihm auch nicht zukommen.)
    Es muss reflectirt werden auf das im vorigen Geschäft ausgeschlossene B, das
wir als das notwendige Nicht-Ich, im Gegensatze des im Ich entaltenen
zufälligen, kennen. Es folgt aus dieser Reflexion sogleich, dass das vorher als
Totalität gesetzte A + B nun Dicht mehr Totalität, d. i. dass es nicht mehr das
alleinig im Ich entaltene, und insofern zufällige sein könne. Es muss durch das
notwendige bestimmt werden. Zuvörderst die Eigenschaft, das Merkmal, Bild, oder
wie man es nennen will, muss dadurch bestimmt werden. Sie war gesetzt, als dem
Dinge zufällig, das letztere als notwendig; sie sind demnach völlig
entgegengesetzt. Jetzt müssen sie, so gewiss über beide durch das Ich reflectirt
werden soll, in diesem einen und ebendemselben Ich vereinigt werden. Dies
geschieht durch absolute Spontaneität des Ich. Die Vereinigung ist lediglich
Product des Ich; sie wird gesetzt, heisst: es wird ein Product durch das Ich
gesetzt. - Nun wird das Ich seines Handelns unmittelbar sich nie bewusst,
sondern nur in dem Producte, und vermittelst des Products. Die Vereinigung
beider muss daher selbst als zufällig gesetzt werden; und da alles zufällige
gesetzt wird, als entstanden durch Handeln, muss sie selbst gesetzt werden, als
entstanden durch Handeln. - Nun kann das, was in seinem Dasein selbst zu fällig
ist, und abhängig von einem anderen, nicht als handelnd gesetzt werden; mitin
nur das Notwendige. Auf das notwendige wird in der Reflexion und durch sie der
Begriff des Handelns übertragen, der eigentlich nur in dem reflectirenden selbst
liegt, und das zufällige wird gesetzt als Product desselben, als Äusserung
seiner freien Tätigkeit. Ein solches syntetisches Verhältnis heisst das der
Wirksamkeit, und das Ding in dieser syntetischen Vereinigung des notwendigen
und zufälligen in ihm betrachtet, ist das wirkliche Ding.
    (Wir machen bei diesem höchst wichtigen Puncte einige Anmerkungen.
    1) Die soeben aufgezeigte Handlung des Ich ist offenbar eine Handlung durch
        die Einbildungskraft in der Anschauung; denn teils vereinigt das Ich
        völlig entgegengesetztes, welches das Geschäft der Einbildungskraft ist;
        teils verliert es sich selbst in diesem Handeln, und trägt dasjenige,
        was in ihm ist, über auf das Object seines Handelns? welches die
        Anschauung charakterisirt.
    2) Die sogenannte Kategorie der Wirksamkeit zeigt sich demnach hier, als
        lediglich in der Einbildungskraft entsprungen: und so ist es, es kann
        nichts in den Verstand kommen, ausser durch die Einbildungskraft. Welche
        Aenderung der Verstand mit jenem Producte der Einbildungskraft vornehmen
        werde, lässt sich schon hier voraussehen. Wir haben das Ding gesetzt,
        als frei handelnd, und ohne alle Regel (wie es denn auch wirklich, so
        lange der Verstand seine Handelsweise nicht umfasst und begreift, im
        Bewusstsein gesetzt wird als Schicksal mit allen seinen möglichen
        Modificationen); weil die Einbildungskraft ihr eigenes freies Handeln
        darauf überträgt. Es fehlt das Gesetzmässige. Wird der gebundene
        Verstand auf das Ding sich richten, so wird dasselbe nach einer Regel
        wirken, so wie er selbst.
    3) Kant, der die Kategorien ursprünglich als Denkformen erzeugt werden
        lässt, und der von seinem Gesichtspuncte aus daran völlig Recht hat,
        bedarf der durch die Einbildungskraft entworfenen Schemate, um ihre
        Anwendung auf Objecte möglich zu machen; er lässt sie demnach
        ebensowohl, als wir, durch die Einbildungskraft bearbeitet werden, und
        derselben zugänglich sein. In der Wissenschaftslehre entstehen sie mit
        den Objecten zugleich, und, um dieselben erst möglich zu machen, auf dem
        Boden der Einbildungskraft selbst.
    4) Maimon sagt über die Kategorie der Wirksamkeit dasselbe, was die
        Wissenschaftslehre sagt: nur nennt er ein solches Verfahren des
        menschlichen Geistes eine Täuschung. Wir haben anderwärts gesehen, dass
        dasjenige nicht Täuschung zu nennen sei, was den Gesetzen des
        vernünftigen Wesens angemessen ist, und nach denselben schlechtin
        notwendig ist und nicht vermieden werden kann, wenn wir nicht aufhören
        wollen, vernünftige Wesen zu sein. - Aber der eigentliche Streitpunct
        liegt im folgenden: »Mögt ihr doch immer,« würde Maimon sagen, »Gesetze
        des Denkens a priori haben, wie ich euch als erwiesen zugestehe,«
        (welches allerdings viel zugestanden ist, denn wie mag doch ein blosses
        Gesetz im menschlichen Geiste vorbanden sein, ohne Anwendung, eine leere
        Form ohne Stoff?) »so könnt ihr dieselben auf Objecte doch nur
        vermittelst der Einbildungskraft anwenden; mitin muss im Geschäft der
        Anwendung in derselben Object und Gesetz zugleich sein. Wie kommt sie
        doch zum Objecte?« Diese Frage kann nicht anders beantwortet werden, als
        so: sie muss es selbst produciren (wie in der Wissenschaftslehre aus
        anderen Gründen ganz unabhängig von jenem Bedürfnis schon dargetan
        worden ist). - - Der durch den Buchstaben Kants allerdings bestätigte,
        seinem Geiste aber völlig widerstreitende Irrtum liegt demnach bloss
        darin, dass das Object etwas anderes sein soll, als ein Product der
        Einbildungskraft. Behauptet man dies, so wird man ein transcendenter
        Dogmatiker, und entfernt sich gänzlich vom Geiste der kritischen
        Philosophie.
    5) Maimon hat bloss die Anwendbarkeit des Gesetzes der Wirksamkeit
        bezweifelt; er könnte nach seinen Grundsätzen die Anwendbarkeit aller
        Gesetze a priori bezweifelt haben. - So Hume. Er erinnerte: ihr selbst
        seid es, die ihr den Begriff der Wirksamkeit in euch habt, und ihn auf
        die Dinge übertraget; mitin hat eure Erkenntnis keine objective
        Gültigkeit. Kant gesteht ihm den Vordersatz nicht nur für den Begriff
        der Wirksamkeit, sondern für alle Begriffe a priori zu; aber er lehnt
        durch den Erweis, dass ein Object lediglich für ein mögliches Subject
        sein könne, seine Folgerung ab. Es blieb in diesem Streite unberührt,
        durch welches Vermögen des Subjects das im Subject liegende auf das
        Object übertragen werde. Lediglich durch die Einbildungskraft wendet ihr
        das Gesetz der Wirksamkeit auf Objecte an, erweist Maimon; mitin hat
        eure Erkenntnis keine objective Gültigkeit, und die Anwendung eurer
        Denkgesetze auf Objecte ist eine blosse Täuschung. Die
        Wissenschaftslehre gesteht ihm den Vordersatz nicht nur für das Gesetz
        der Wirksamkeit, sondern für alle Gesetze a priori zu, zeigt aber durch
        eine nähere Bestimmung des Objects, welche schon in der Kantischen
        Bestimmung liegt, dass unsere Erkenntnis gerade darum objective
        Gültigkeit habe, und nur unter dieser Bedingung sie haben könne. - So
        geht der Skepticismus und der Kriticismus, jeder seinen einförmigen Weg
        fort, und beide bleiben sich selbst immer getreu. Man kann nur sehr
        uneigentlich sagen, dass der Kritiker den Skeptiker widerlege. Er gibt
        vielmehr ihm zu, was er fordert, und meistens noch mehr, als er fordert;
        und beschränkt lediglich die Ansprüche, die derselbe meistenteils
        gerade wie der Dogmatiker auf eine Erkenntnis des Dinges an sich macht,
        indem er zeigt, dass diese Ansprüche ungegründet sind.)
    Das, was wir jetzt als Äusserung der Tätigkeit des Dinges kennen, und was
durch die übrigens freie Tätigkeit desselben vollkommen bestimmt ist, ist
gesetzt in das Ich, und ist bestimmt für das Ich, wie wir oben gesehen haben.
Demnach ist mittelbar das Ich selbst dadurch bestimmt; es hört auf Ich zu sein,
und wird selbst Product des Dinges, weil das, dasselbe ausfüllende und
stellvertretende, Product des Dinges ist. Das Ding wirkt durch und vermittelst
dieser seiner Äusserung auf das Ich selbst, und das Ich ist gar nicht mehr Ich,
das durch sich selbst gesetzte, sondern es ist in dieser Bestimmung das durch
das Ding gesetzte. (Die Einwirkung des Dinges auf das Ich, oder der physische
Einfluss der Lockianer und der neuern Eklektiker, die aus den ganz heterogenen
Teilen des Leibnitzischen und Lockeschen Systems ein unzusammenhängendes Ganzes
zusammensetzen, welcher aber von dem gegenwärtigen Gesichtspuncte aus, aber auch
nur von ihm aus, völlig gegründet ist.) - Das aufgestellte findet sich, wenn auf
A + B, bestimmt durch B, reflectirt wird.
    So kann es nicht sein, daher muss A + B bestimmt durch B wieder in das Ich
gesetzt, oder nach der Formel, bestimmt werden durch A.
    Zuvörderst: A, d. i. die in dem Ich durch das Ding hervorgebracht sein
sollende Wirkung wird gesetzt in Rücksicht auf das Ich, als zufällig. Demnach
wird dieser Wirkung im Ich, und dem Ich selbst, inwiefern es durch sie bestimmt
ist, entgegengesetzt ein notwendig in sich selbst und durch sich selbst
seiendes Ich, das Ich an-sich. Gerade wie oben dem zufälligen im Nicht-Ich das
notwendige oder das Ding an sich entgegengesetzt wurde, so wird hier dem
zufälligen im Ich das notwendige oder das Ich an sich entgegengesetzt, und
dieses ist gerade wie das obige Product des Ich selbst. Das notwendige ist
Substanz, das zufällige ein Accidens in ihm. - Beide, das zufällige und das
notwendige, müssen syntetisch vereinigt gesetzt werden, als ein und
ebendasselbe Ich. Nun sind sie absolut entgegengesetzt, mitin nur durch
absolute Tätigkeit des Ich zu vereinigen, welcher, wie oben, das Ich sich nicht
unmittelbar bewusst wird, sondern sie überträgt auf die Objecte der Reflexion,
demnach das Verhältnis der Wirksamkeit zwischen beiden setzt. Das zufällige
wird bewirktes durch die Tätigkeit des absoluten Ich im Reflectiren, eine
Äusserung des Ich, und insofern etwas wirkliches für dasselbe. Dass es
bewirktes des Nicht - Ich sein sollte, davon wird in dieser Reflexion völlig
abstrahirt, denn es kann etwas nicht zugleich bewirktes des Ich, und seines
entgegengesetzten des Nicht-Ich sein. Dadurch wird nun ausgeschlossen vom Ich
das Ding mit seiner Äusserung, und demselben völlig entgegengesetzt. - Beide,
Ich und Nicht-Ich, existiren an sich notwendig, beide völlig, unabhängig von
einander; beide äussern sich in dieser Unabhängigkeit, jedes durch seine eigene
Tätigkeit und Kraft, die wir noch nicht unter Gesetze gebracht haben, die
demnach noch immer völlig frei sind.
    Es ist jetzt deducirt, wie wir dazu kommen, ein handelndes Ich und ein
handelndes Nicht-Ich entgegenzusetzen, und beide zu betrachten, als völlig
unabhängig von einander. Insofern ist das Nicht-Ich überhaupt da, und ist durch
sich selbst bestimmt; dass es aber durch das Ich vorgestellt wird, ist zufällig
für dasselbe. Ebenso ist das Ich da und handelt durch sich selbst, dass es aber
das Nicht-Ich vorstellt, ist zufällig für dasselbe. Die Äusserung des Dinges in
der Erscheinung ist Product des Dinges; diese Erscheinung, inwiefern sie für das
Ich da ist und durch dasselbe aufgefasst wird, ist Product des Ich.
    Das Ich kann nicht handeln, ohne ein Object zu haben; also durch die
Wirksamkeit des Ich wird die des Nicht-Ich gesetzt: das Nicht-Ich kann wirken,
aber nicht für das Ich, ohne dass das Ich auch wirke; dadurch, dass eine
Wirksamkeit desselben für das Ich gesetzt wird, wird zugleich die Wirksamkeit
des Ich gesetzt. Die Äusserungen beider Kräfte sind daher notwendig
syntetisch vereinigt, und der Grund ihrer Vereinigung (das, was wir oben ihre
Harmonie nannten) muss aufgezeigt werden.
    Die Vereinigung geschieht durch absolute Spontaneität, wie alle
Vereinigungen, die wir bis jetzt aufgezeigt haben. Was durch Freiheit gesetzt
ist, hat den Charakter der Zufälligkeit; demnach muss auch die gegenwärtige
syntetische Einheit diesen Charakter haben. - Oben wurde das Handeln
übertragen; dies ist demnach schon gesetzt, und kann nicht abermals gesetzt
werden; es bleibt daher die zufällige Einheit des Handelns, d. i. das ohngefähre
Zusammentreffen der Wirksamkeit des Ich und des Nicht-Ich in einem dritten, das
weiter gar nicht ist, noch sein kann, als das, worin sie zusammentreffen; und
welches wir indessen einen Punct nennen wollen.
 
  § 4. Die Anschauung wird bestimmt in der Zeit, und das angeschaute im Raume
    Die Anschauung soll sein im Ich, ein Accidens des Ich, nach dem vorherigen
§, das Ich muss demnach sich setzen, als das anschauende; es muss die Anschauung
in Rücksicht auf sich selbst bestimmen: ein Satz, der im teoretischen Teile
der Wissenschaftslehre postulirt wird, nach dem Grundsatze: nichts kommt dem Ich
zu, als dasjenige, was es in sich selbst setzt.
    Wir verfahren hier nach dem gleichen Schema der Untersuchung, wie im
vorherigen §, nur mit dem Unterschiede, dass dort von etwas, von einer
Anschauung, hier aber lediglich von einem Verhältnisse, von einer syntetischen
Vereinigung entgegengesetzter Anschauungen die Rede sein wird; mitin da, wo
dort auf Ein Glied reflectirt wurde, hier auf zwei entgegengesetzte in ihrer
Verbindung wird reflectirt werden müssen; demnach hier durchgängig dreifach sein
wird, was dort einfach war.
                                       I.
    Die Anschauung, so wie sie oben bestimmt worden, d. i. die syntetische
Vereinigung der Wirksamkeit des Ich und Nicht-Ich durch das zufällige
Zusammentreffen in Einem Puncte wird gesetzt und aufgenommen in das Ich, heisst
nach der nun sattsam bekannten Bedeutung: sie wird gesetzt, als zufällig. - Es
ist wohl zu merken, dass nichts von dem einmal in ihr festgesetzten verändert
werden darf, sondern alles sorgfältig beibehalten werden muss. Die Anschauung
wird nur weiter bestimmt; aber alle einmal gesetzte Bestimmungen bleiben.
    Die Anschauung X wird als Anschauung als zufällig gesetzt, heisst: es wird
ihr eine andere Anschauung - nicht etwa ein anderes Object, eine andere
Bestimmung u. dergl., sondern, worauf hier alles ankommt, eine vollkommen wie
sie bestimmte andere Anschauung = Y entgegengesetzt, die im Gegensatze mit der
ersteren notwendig, und die erstere im Gegensatze mit ihr zufällig ist. Y ist
insofern von dem in X anschauenden Ich völlig ausgeschlossen.
    X fällt als Anschauung - notwendig in einen Punct; Y als Anschauung
gleichfalls, aber in einen dem ersteren entgegengesetzten, und also von ihm
völlig verschiedenen. Der eine ist nicht der andere.
    Es fragt sich nun, welches denn die Notwendigkeit sei, die der Anschauung Y
in Beziehung auf X und die Zufälligkeit, die der Anschauung X in Beziehung auf Y
zugeschrieben werde, Folgende: die Anschauung Y ist mit ihrem Puncte notwendig
syntetisch vereinigt, wenn X mit dem ihrigen vereinigt werden soll; die
Möglichkeit der syntetischen Vereinigung X und ihres Punctes setzt die
Vereinigung der Anschauung Y mit ihrem Puncte voraus; nicht aber umgekehrt. In
den Punct, in welchem X gesetzt wird, lässt sich, - so setzt das Ich - auch eine
andere Anschauung setzen; in denjenigen aber, in welchem Y gesetzt ist,
schlechtin keine andere, als Y, wenn X als Anschauung des Ich soll gesetzt
werden können.
    Nur inwiefern diese Zufälligkeit der Syntesis gesetzt wird, ist X zu
setzen, als Anschauung des Ich; und nur inwiefern dieser Zufälligkeit die
Notwendigkeit der gleichen Syntesis entgegengesetzt wird, ist sie selbst zu
setzen.
    (Es bleibt dabei freilich die weit schwierigere Frage zu beantworten übrig,
wodurch denn der Punct X noch anders bestimmt und bestimmbar sein möge, denn
durch die Anschauung X, und der Punct Y anders, denn durch die Anschauung Y? Bis
jetzt ist dieser Punct noch weiter gar nichts, als, dasjenige, worin eine
Wirksamkeit des Ich und Nicht-Ich zusammentreffen; eine Syntesis, durch welche
die Anschauung, und welche allein durch die Anschauung möglich wird; und so und
nicht anders ist er im vorigen § aufgestellt worden. Nun ist klar, dass, wenn
der Punct X gesetzt werden soll als derjenige, in welchem auch eine andere
Anschauung sich setzen lasse, der Punct Y aber im Gegensatze als derjenige, in
welchem keine andere sich setzen lasse, beide von ihren Anschauungen sich
absondern, und unabhängig von ihnen sich von einander müssen unterscheiden
lassen. Wie dies möglich sei, lässt sich hier freilich noch nicht einsehen; wohl
aber soviel, dass es möglich sein müsse, wenn je eine Anschauung dem Ich
zugeschrieben werden solle.)
                                      II.
    Wird A gesetzt als Totalität, so wird B ausgeschlossen. Bedeutet A das durch
Freiheit zu bestimmende Bild, so bedeutet B die ohne Zutun des Ich bestimmte
Eigenschaft. - In der Anschauung X, inwiefern sie überhaupt eine Anschauung sein
soll, wird nach dem vorigen § ein bestimmtes Object X ausgeschlossen; so auch in
der ihr entgegengesetzten Anschauung Y. Beide Objecte sind als solche bestimmt,
d.h. das Gemüt ist in Anschauung derselben genötigt, sie gerade so zu setzen,
wie es sie setzt. Diese Bestimmteit muss bleiben, und es ist nicht die Rede
davon, sie zu ändern.
    Aber welches Verhältnis unter den Anschauungen ist, dasselbe ist notwendig
auch unter den Objecten. Mitin müsste das Object X in Beziehung auf Y zufällig,
dieses aber in Beziehung auf jenes notwendig sein. Die Bestimmung des setzt
notwendig die des Y voraus, nicht aber umgekehrt.
    Nun aber sind beide Objecte, als Objecte der Anschauung überhaupt,
vollkommen bestimmt, und das geforderte Verhältnis beider zu einander kann auf
diese Bestimmteit sich nicht beziehen, sondern auf eine andere, noch völlig
unbekannte; auf eine solche, durch welche etwas nicht ein Object überhaupt,
sondern nur ein Object einer, von einer anderen Anschauung zu unterscheidenden,
Anschauung wird. Die geforderte Bestimmung gehört nicht zu den inneren
Bestimmungen des Objects (inwiefern von ihm der Satz A = A gilt), sondern sie
ist eine äussere. Da aber ohne die geforderte Unterscheidung es nicht möglich
ist, dass eine Anschauung in das Ich gesetzt werde, jene Bestimmung aber die
Bedingung der geforderten Unterscheidung ist, so ist das Object nur unter
Bedingung dieser Bestimmteit Object der Anschauung, und sie ist ausschliessende
Bedingung aber Anschauung. Wir nennen das unbekannte, durch welches das Object
bestimmt werden soll, indessen O, die Art, wie Y dadurch bestimmt ist z, die wie
X dadurch bestimmt ist, v.
    Das gegenseitige Verhältnis ist folgendes: X muss gesetzt werden, als
syntetisch zu vereinigend mit v, oder auch nicht; also auch v als syntetisch
zu vereinigend mit X, oder mit jedem anderen Objecte: Y dagegen als durch eine
Syntesis notwendig mit z vereinigt, wenn X mit v vereinigt werden soll. -
Indem v als zu vereinigend mit X gesetzt wird, oder auch nicht, wird Y
notwendig gesetzt, als vereinigt mit z, und daraus geht zugleich folgendes
hervor: jedes mögliche Object ist mit v zu vereinigen, nur nicht Y, denn es ist
schon unzertrennlich vereinigt. So auch X mit jedem möglichen O zu vereinigen,
nur nicht mit z, denn mit diesem ist Y unzertrennlich vereinigt; von diesem ist
es daher schlechtin ausgeschlossen.
    X und Y sind vom Ich völlig ausgeschlossen, das Ich vergisst und verliert
sich selbst gänzlich in ihrer Anschauung; das Verhältnis beider also, von
welchem hier die Rede ist, lässt sich schlechterdings nicht von dem Ich
ableiten, sondern es muss den Dingen selbst zugeschrieben werden: - es erscheint
dem Ich, als nicht abhängig von seiner Freiheit, sondern als bestimmt durch die
Dinge. - Das Verhältnis war: weil z mit Y vereinigt ist, ist X davon
schlechtin ausgeschlossen. Dies auf die Dinge übertragen, muss ausgedrückt
werden: Y schliesst X von z aus, es bestimmt dasselbe negativ. Gehe Y bis zum
Puncte d, so wird X bis zu diesem Puncte, - gehe es bis c, so wird X nur bis
dahin ausgeschlossen, u.s.f. Da es aber gar keinen anderen Grund gibt, warum X
nicht mit z vereinigt werden kann, ausser den, dass es durch Y davon
ausgeschlossen wird, und da das begründete offenbar nicht weiter gilt, als der
Grund: so geht X bestimmt da an, wo Y aufhört es auszuschliessen, oder wo Y ein
Ende hat; und es kommt ihnen daher Continuität zu.
    Dieses Ausschliessen, diese Continuität ist nicht möglich, wenn nicht beide
X und Y in einer gemeinschaftlichen Sphäre sind (welche wir hier freilich noch
gar nicht kennen), und in derselben in einem Puncte zusammentreffen. Im Setzen
dieser Sphäre besteht die syntetische Vereinigung beider nach dem geforderten
Verhältnisse. Es wird demnach durch absolute Spontaneität der Einbildungskraft
eine solche gemeinschaftliche Sphäre producirt.
                                      III.
    Wird auf das ausgeschlossene B reflectirt, so wird A dadurch ausgeschlossen
von der Totalität (vom Ich). Da aber B eben durch die Reflexion in das Ich
aufgenommen, mitin selbst mit A vereinigt als Totalität (als zufällig) gesetzt
wird, so muss ein anderes B, in Rücksicht auf welches es zufällig ist,
ausgeschlossen oder demselben als notwendig entgegengesetzt werden. Wir wenden
diesen allgemeinen Satz an auf den gegenwärtigen Fall.
    Y ist jetzt, laut unseres Erweises, in Rücksicht seiner syntetischen
Vereinigung mit einem noch völlig unbekannten O bestimmt; und X ist in Beziehung
darauf, und vermittelst desselben gleichfalls, wenigstens negative bestimmt; es
kann nicht auf die Art, wie Y durch O, bestimmt werden, sondern nur auf eine
entgegengesetzte; es ist ausgeschlossen von der Bestimmung des Y.
    Beide müssen, inwiefern sie, was hier geschieht, mit A vereinigt, oder in
das Ich aufgenommen werden sollen, auch in dieser Rücksicht gesetzt werden, als
zufällig. Das heisst zuvörderst, es wird ihnen nach dem im vorigen § deducirten
Verfahren entgegengesetzt ein notwendiges Y und X, in Beziehung auf welche
beide zufällig sind - die Substanzen, denen beide zukommen, als Accidenzen.
    Ohne uns länger bei diesem Gliede der Untersuchung aufzuhalten, gehen wir
sogleich fort zur oben gleichfalls deducirten syntetischen Vereinigung des
jetzt als zufällig gesetzten mit dem ihm entgegengesetzten notwendigen.
Nemlich, das im Ich aufgefasste und insofern zufällige Y ist Erscheinung -
bewirktes, Äusserung der notwendig vorauszusetzenden Kraft Y: X das gleiche,
und zwar beide Äusserungen freier Kräfte.
    Welches Verhältnis zwischen Y und X als Erscheinungen ist, dasselbe muss
auch zwischen den Kräften sein, die durch sie sich äussern. Die Äusserung der
Kraft Y geschieht demnach völlig unabhängig von der Äusserung der Kraft X;
umgekehrt aber ist die letztere in ihrer Äusserung abhängig von der Äusserung
der ersteren, und wird durch sie bedingt.
    Bedingt sage ich, d.h. die Äusserung von Y bestimmt die Äusserung X nicht
positiv, welche Behauptung in dem vorher deducirten nicht den mindesten Grund
haben wurde; es liegt nicht etwa in der Äusserung Y der Grund, dass die
Äusserung X gerade so, und nicht anders ist; aber sie bestimmt sie negativ,
d.h. es liegt in ihr der Grund, dass X auf eine gewisse bestimmte Art unter
allen möglichen sich nicht äussern kann.
    Dies scheint dem obigen zu widersprechen. Es ist ausdrücklich gesetzt, dass
X sowohl als Y sich durch freie, schlechtin uneingeschränkte Wirksamkeit
äussern sollen. Nun soll, wie soeben gefolgert worden, die Äusserung von X
durch die von Y bedingt sein. Wir können dies vor der Hand nur negativ erklären.
X wirkt so gut, als Y, schlechtin, weil es wirkt; demnach ist die Wirksamkeit
von Y nicht etwa die Bedingung der Wirksamkeit von X überhaupt und ihrer Form
nach; und der Satz ist gar nicht so zu verstehen, als ob Y X afficire, auf
dasselbe wirke, es dringe und treibe, sich zu äussern. - Ferner, X ist in der
Art und Weise seiner Äusserung völlig frei, so wie Y; also kann das letztere
ebensowenig die Art der Wirksamkeit der ersteren, die Materie derselben,
bedingen und bestimmen. Es ist demnach eine wichtige Frage, welche Beziehung
denn nun noch wohl übrig bleiben möge, in welcher eine Wirksamkeit die andere
bedingen könne?
    Y und X sollen beide in einem syntetischen Verhältnisse zu einem völlig
unbekannten O stehen. Denn beide stehen, laut unseres Erweises, notwendig, so
gewiss dem Ich eine Anschauung zugeeignet werden soll, gegen einander selbst in
einem gewissen Verhältnisse, lediglich in Absicht ihres Verhältnisses zu O. Sie
müssen demnach beide selbst, und unabhängig von einander, in einem Verhältnisse
zu O stehen. (Die Folgerung ist, wie sie sein würde, wenn ich nicht wüsste, ob A
und B eine bestimmte Grösse hätten; aber wüsste, dass A grösser sei, als B.
Daraus könnte ich sicher folgern, dass allerdings beide ihre bestimmte Grösse
haben müssten.)
    O muss so etwas sein, das die Freiheit beider in ihrer Wirksamkeit völlig
ungestört lässt, denn beide sollen, wie ausdrücklich gefordert wird, frei
wirken, und in, bei, und unbeschadet dieser freien Wirksamkeit, mit O
syntetisch vereinigt sein. Alles, worauf die Wirksamkeit einer Kraft geht (was
Object derselben ist, die einzige Art der syntetischen Vereinigung, die wir bis
jetzt kennen), schränkt durch seinen Widerstand diese Wirksamkeit notwendig
ein. Mitin kann O gar keine Kraft, keine Tätigkeit, keine Intension haben; es
kann gar nichts wirken. Es hat daher gar keine Realität, und ist Nichts. - Was
es etwa doch noch sein möge, werden wir wahrscheinlich in der Zukunft sehen. Das
oben aufgestellte Verhältnis war: Y und z sind syntetisch vereinigt, und
dadurch wird X von z ausgeschlossen. Wie wir eben gesehen haben, ist diese
syntetische Vereinigung des Y mit z durch eigene, freie, ungestörte Wirksamkeit
der inneren Kraft Y geschehen; doch ist z keinesweges Product dieser Wirksamkeit
selbst, sondern mit demselben nur notwendig vereinigt, muss daher von ihm auch
unterschieden werden können. Nun wird ferner, eben durch diese Vereinigung, die
Wirksamkeit des X und ihr Product ausgeschlossen von z; demnach ist z die Sphäre
der Wirksamkeit von Y; - z ist, nach obigem, nichts, denn diese Sphäre; es ist
gar nichts an sich, es hat keine Realität, und es lässt sich ihm gar kein
Prädicat beilegen, als das soeben deducirte. - Ferner: z ist die Sphäre der
Wirksamkeit bloss und lediglich von Y, denn dadurch, dass es als solche gesetzt
wird, wird X und jedes mögliche Object davon ausgeschlossen. Die Sphäre der
Wirksamkeit von Y oder z bedeuten Eins und ebendasselbe, sie sind völlig
gleichgeltend; z ist nichts weiter, denn diese Sphäre, und diese Sphäre ist
nichts anderes, denn z. z ist nichts, wenn Y nicht wirkt, und Y wirkt nicht,
wenn z nicht ist. Die Wirksamkeit von Y erfüllt z, d.h. sie schliesst alles
andere davon aus, was nicht die Wirksamkeit von Y ist. (An eine Extension ist
hier noch nicht zu denken, denn sie ist noch nicht nachgewiesen, und sie soll
durch jenen Ausdruck keinesweges erschlichen werden.)
    Geht z bis zum Puncte c d e u.s.f., so ist die Wirksamkeit des X
ausgeschlossen bis c d e u.s.f. Da die letztere aber mit z lediglich darum nicht
vereinigt werden kann, weil sie durch Y davon ausgeschlossen wird, so ist
notwendig Continuität zwischen den Sphären der Wirksamkeit beider, und sie
treffen in einem Puncte zusammen. Die Einbildungskraft vereinigt beides, und
setzt z und - z, oder, wie wir es oben bestimmten, v = 0.
    Aber die Wirksamkeit des X soll, unbeschadet der Freiheit desselben,
ausgeschlossen sein von z. Dieses Ausschliessen geschieht nicht unbeschadet
seiner Freiheit, wenn durch die Erfüllung des z durch Y etwas in X negirt,
aufgehoben, eine ihm an sich mögliche Kraftäusserung unmöglich gemacht wird. Die
Erfüllung von z durch seine Wirksamkeit muss demnach gar keine mögliche
Äusserung des X sein; es muss in ihm gar keine Tendenz dafür und dahin liegen.
z ist schon aus einem inneren, in X selbst liegenden Grunde nicht Wirkungssphäre
desselben, oder vielmehr, es liegt in X gar kein Grund, dass z seine
Wirkungssphäre sein könnte; sonst würde dasselbe beschränkt, und wäre nicht
frei.
    Mitin treffen beide Y und X zufällig in einem Puncte, der absoluten
syntetischen Einheit des absolut entgegengesetzten (nach obigem), zusammen,
ohne alle gegenseitige Einwirkung, ohne alles Eingreifen in einander.
                                      IV.
    A + B soll bestimmt werden durch B. Bisher ist dadurch nur B bestimmt
worden; aber mittelbar wird auch A dadurch bestimmt. Dies hiess oben: das, was
im Ich ist, und da weiter nichts im Ich ist, als die Anschauung, - das Ich
selbst ist durch das Nicht-Ich bestimmt, und das, was in ihm ist, und dasselbe
ausmacht, ist mittelbar selbst ein Product desselben. Wir wenden dies auf den
gegenwärtigen Fall an.
    X ist Product des Nicht-Ich, und ist seiner Wirkungssphäre nach bestimmt im
Ich; Y gleichfalls, beide durch sich selbst in ihrer absoluten Freiheit. Beide
durch ihr zufälliges Zusammentreffen bestimmen auch den Punct dieses ihres
Zusammentreffens, und das Ich verhält dagegen sich bloss leidend.
    So soll und kann es nicht sein. Das Ich, so gewiss es Ich ist, muss mit
Freiheit die Bestimmung entwerfen. - Oben lösten wir im Allgemeinen diese
Schwierigkeit auf folgende Weise: die ganze Reflexion überhaupt auf etwas als
Substanz - auf das dauernde und wirkende, - das dann, wenn es einmal so gesetzt
ist, freilich in notwendigem syntetischem Zusammenhange mit seinem Producte
steht, und davon nicht mehr zu trennen ist - hängt von der absoluten Freiheit
des Ich ab. Hier wird sie gerade so gelöst. Es hängt von der absoluten Freiheit
des Ich ab, ob es auf Y und X als auf ein dauerndes, einfaches reflectiren
wolle, oder nicht. Reflectirt es darauf, so muss es nach diesem Gesetze freilich
Y in den Wirkungskreis z und denselben ausfüllend, und in C den Grenzpunct
zwischen dem Wirkungskreise beider setzen; aber es könnte auch nicht so
reflectiren, sondern es könnte statt Y und X jedes mögliche als Substanz durch
absolute Freiheit setzen.
    Um dies sich recht deutlich zu machen, denke man sich die Sphäre z und die
Sphäre v als zusammenhängend im Puncte C, wie sie denn wirklich also gesetzt
worden sind. Das Ich kann in die Sphäre z statt Y setzen ein a und ein b; z zum
Wirkungskreise beider machen, und es teilen im Puncte g. Dasjenige, was jetzt
Wirkungskreis des a ist, heisse h. Aber es ist ebensowenig genötigt in h a als
unteilbare Substanz zu setzen, sondern es konnte statt desselben auch setzen e
und d und demnach h im Puncte e teilen in f und k und so ins unendliche. Wenn
es aber einmal ein a und ein b gesetzt hat, so muss es ihnen einen in Einem
Puncte zusammentreffenden Wirkungskreis anweisen, nach dem oben deducirten
Gesetze.
    Diese Zufälligkeit des Y und ebenso seines Wirkungskreises rar das Ich muss
dasselbe durch die Einbildungskraft wirklich setzen, aus dem schon oft
angegebenen Grunde.
    Also O wird gesetzt als ausgedehnt, zusammenhängend, teilbar ins unendliche
, und ist der Raum.
    1) Indem die Einbildungskraft, wie sie soll, die Möglichkeit ganz anderer
Substanzen mit ganz anderen Wirkungskreisen in dem Raume z setzt, sondert sie
den Raum von dem Dinge, das ihn wirklich erfüllt, ab, und entwirft einen leeren
Raum; aber lediglich zum Versuche, und im Uebergehen, um ihn sogleich wieder mit
beliebigen Substanzen, die beliebige Wirkungskreise haben, zu erfüllen. Demnach
ist gar kein leerer Raum, als lediglich in diesem Uebergehen der
Einbildungskraft von der Erfüllung des Raumes durch A zur beliebigen Erfüllung
desselben mit b c d u.s.f.
    2) Der unendlich kleinste Teil des Raumes ist immer ein Raum, etwas, das
Continuität hat, nicht aber ein blosser Punct, oder die Grenze zwischen
bestimmten Stellen im Raume; und dieses darum, weil in ihm gesetzt werden kann,
und inwiefern er selbst gesetzt wird, wirklich durch die Einbildungskraft
gesetzt wird, eine Kraft, die sich notwendig äussert, und die nicht gesetzt
werden kann, ohne als sich äussernd gesetzt zu werden, laut der im vorigen §
vorgenommenen Syntesis der freien Wirksamkeit; sie kann sich aber nicht äussern
ohne eine Sphäre ihrer Äusserung zu haben, die auch nichts weiter ist, denn
eine solche Sphäre, laut der in diesem § vorgenommenen Syntesis.
    3) Demnach sind Intensität und Extensität notwendig syntetisch vereinigt,
und man muss das eine nicht ohne das andere deduciren wollen. Jede Kraft erfüllt
(nicht durch sich selbst, sie ist nicht im Raume, und ist an sich, ohne eine
Äusserung, gar Nichts, aber durch ihr notwendiges Product, welches eben der
syntetische Vereinigungsgrund der Intensität und Extensität ist) notwendig
eine Stelle im Raume; und der Raum ist nichts weiter, als das durch diese
Producte erfüllte oder zu erfüllende:
    4) Ausser den inneren Bestimmungen der Dinge, die sich aber lediglich auf
das Gefühl (des mehreren oder minderen Gefallens oder Misfallens) beziehen, und
dem teoretischen Vermögen des Ich gar nicht zugänglich sind, z.B. dass sie
bitter oder süss, rauh oder glatt, schwer oder leicht, rot oder weiss u.s.f.
sind, und von denen man demnach hier völlig abstrahiren muss, sind die Dinge
durch gar nichts zu unterscheiden, als durch den Raum, in welchem sie sich
befinden. Dasjenige also, was den Dingen so zukommt, dass es ihnen, und gar
nicht dem Ich zu geschrieben wird, aber doch nicht zu ihrem inneren Wesen
gehört, ist der Raum, den sie einnehmen.
    5) Aber aller Raum ist gleich, und durch ihn ist demnach auch keine
Unterscheidung und Bestimmung möglich, ausser unter der Bedingung, dass schon
ein Ding = Y in einem gewissen Raume gesetzt, und dieser dadurch bestimmt und
charakterisirt sei, und nun von X gesagt werde: es ist in einem anderen Raume -
(versteht sich als Y). Alle Raumbestimmung setzt einen erfüllten und durch die
Erfüllung bestimmten Raum voraus. - Setzet A in den unendlichen leeren Raum; es
bleibt so unbestimmt, als es war, und ihr könnt mir die Frage, wo es sei, nicht
beantworten, denn ihr habt keinen bestimmten Punct, nach welchem ihr messen, von
welchem aus ihr euch orientiren könntet. Die Stelle, welche es einnimmt, ist
durch nichts bestimmt, als durch A, und A ist durch nichts bestimmt, als durch
seine Stelle. Mitin ist da schlechtin keine Bestimmung als lediglich, weil und
inwiefern ihr eine setzet; es ist eine Syntesis durch absolute Spontataneität.
- Um es sinnlich auszudrücken: A könnte sich, für irgend eine Intelligenz, die
einen Punct, von welchem, und einen Punct, zu welchem im Gesichte hätte,
unaufhörlich im Raume fortbewegen, ohne dass ihr es bemerktet, weil für euch
keine solche Puncte da sind, sondern nur der grenzenlose, leere Raum. Für euch
wird es daher immer in seiner Stelle bleiben, so gewiss es im Raume bleibt, denn
es ist in ihr, absolut dadurch, dass ihr es in sie setzt. Setzet B daneben;
dieses ist bestimmt, und wenn ich euch frage, wo es sei, so antwortet ihr mir:
neben A; und ich bin dadurch allerdings befriedigt, wenn ich nur nicht weiter
frage; aber wo ist denn A? Setzet neben B - C D E u.s.f. ins unbedingte, so habt
ihr für alle diese Gegenstände relative Ortsbestimmungen; aber ihr mögt den Raum
erfüllen, so weit ihr wollt, so ist dieser erfüllte Raum doch immer ein
endlicher, der zum unendlichen gar kein Verhältnis haben kann, und mit welchem
es beständig fort die gleiche Bewandtnis hat, wie mit A. Er ist bestimmt,
lediglich weil ihr ihn bestimmt habt, kraft eurer absoluten Syntesis. - Eine
handgreifliche Bemerkung, wie mir es scheint, von welcher aus man schon längst
auf die Idealität des Raumes hätte fallen sollen.
    6) Das Object der gegenwärtigen Anschauung wird, als solches, dadurch
bezeichnet, dass wir es in einen Raum, als leeren Raum, durch die
Einbildungskraft setzen; aber dies ist, wie gezeigt worden, nicht möglich, wenn
nicht ein schon erfüllter Raum vorausgesetzt wird. - Eine abhängige Succession
der Raumerfüllung; in welcher man aber, aus Gründen, die tiefer unten sich
zeigen werden, immer wieder zurückgehen kann.
                                       V.
    Die Freiheit des Ich sollte dadurch wieder hergestellt, und das Nicht-Ich
(die Bestimmung des Y und des X im Raume) als zufällig gesetzt werden, dass das
Ich gesetzt würde, als frei mit z Y zu verbinden, oder auch a b c u.s.f. und
dadurch, dass diese Freiheit gesetzt wurde, zeigte sich erst O als Raum. Diese
Art der Zufälligkeit ist ausgemittelt, und sie bleibt; aber es ist die Frage, ob
die Schwierigkeit dadurch befriedigend gelöst worden.
    Zwar ist das Ich überhaupt frei, im Raume Y X oder a b c u.s.f. zu setzen;
aber wenn es auf X als Substanz reflectiren soll, von welcher Voraussetzung wir
ausgegangen sind, so muss es notwendig, laut des oben aufgezeigten Gesetzes, Y
als bestimmte Substanz, und dasselbe als durch den Raum z bestimmt, setzen; es
ist daher unter jener Bedingung nicht frei. Ferner ist es sodann auch in Absicht
der Ortsbestimmung von X bestimmt, und nicht frei; es muss dasselbe neben Y
setzen. Das Ich bleibt demnach, unter der zu Anfange des § gemachten
Voraussetzung bestimmt und gezwungen. Aber es muss frei sein: und der noch
fortdauernde Widerspruch muss gelöst werden. Er lässt sich nur folgendermaassen
lösen. Y und X müssen beide noch auf eine andere Art bestimmt und
entgegengesetzt sein, ausser durch ihre Bestimmteit und Bestimmbarkeit im
Raume, denn beide wurden oben abgesondert von ihrem Raume, demnach gesetzt, als
etwas für sich bestehendes und für sich unterschiedenes von jedem anderen. Sie
müssen noch anderweitige charakteristische Merkmale haben, kraft welcher von
ihnen der Satz A = A gilt, z.B. X sei rot, Y gelb u. dergl. Nun bezieht sich
die Regel der Ortsbestimmung gar nicht auf diese Merkmale, und es ist nicht
gesagt, dass Y als gelbes das im Raume bestimmte, und X als rotes das nach
jenem im Raume bestimmbare sein solle; sondern sie geht auf Y als auf ein
bestimmtes, und in keiner anderen Rücksicht, auf X als auf ein bestimmbares, und
in keiner anderen Rücksicht; sie sagt, dass das Object der zu setzenden
Anschauung notwendig ein bestimmbares sein müsse, und kein bestimmtes sein
könne, und dass ihm ein bestimmtes entgegengesetzt werden müsse, das insofern
kein bestimmbares sein könne. Ob eben X als anderweitig durch seihe inneren
Merkmale bestimmtes; oder Y als durch die seinigen bestimmtes, - bestimmbares
oder bestimmtes im Raume sein solle, bleibt dadurch gänzlich unentschieden. Und
hier hat denn die Freiheit ihren Spielraum; sie muss ein bestimmtes und ein
bestimmbares entgegensetzen; aber sie kann unter anderweitig entgegengesetzten
zum bestimmten machen, welches sie will, und zum bestimmbaren, welches sie will.
Es ist lediglich von der Spontaneität abhängig, ob X durch Y oder Y durch X
bestimmt werde.
    (Es ist gleichgültig, welche Reihe im Raume man beschreibe, ob von A zu B
oder umgekehrt; ob man B neben A setze, oder A neben B, denn die Dinge
schliessen sich im Raume wechselseitig aus.)
                                      VI.
    Das Ich kann zum bestimmten oder bestimmbaren machen, welches es will, und
es setzt diese seine Freiheit durch die Einbildungskraft auf die soeben
angezeigte Art. Es schwebt zwischen Bestimmteit und Bestimmbarkeit, schreibt
beiden beides, oder, was das gleiche heisst, keinem keines zu. Aber, so gewiss
eine Anschauung und ein Object einer Anschauung vorhanden sein soll, muss, laut
dem Gesetze, von welchem wir ausgegangen sind, das Ich Eins von den beiden an
sich bestimmten zum bestimmbaren im Raume machen.
    Warum es eben X oder Y oder jedes mögliche andere als bestimmbares setze,
darüber lässt sich kein Grund anführen, und es soll gar keinen solchen Grund
geben, denn es wird durch absolute Spontaneität gehandelt. Dieses nun zeigt sich
durch Zufälligkeit. Nur hat man wohl zu merken, worin eigentlich diese
Zufälligkeit liege.
    Durch Freiheit wurde ein bestimmbares, dessen Bestimmbarkeit als solche nach
dem Gesetze notwendig ist, und welches als Object der Anschauung ein
bestimmbares sein muss, gesetzt; im Gesetztsein oder Dasein des bestimmbaren
liegt demnach die Zufälligkeit. Das Setzen des bestimmbaren wird ein Accidens
des Ich, welches selbst, zum Gegensatze, gesetzt wird als Substanz, nach der im
vorigen § angeführten Regel.
                                      VII.
    Gerade, wie im vorigen § bei dem gegenwärtigen Puncte unseres syntetischen
Verfahrens überhaupt, so sind auch hier Ich und Nicht - Ich völlig
entgegengesetzt, und von einander unabhängig. Innere Kräfte im Nicht-Ich wirken
mit absoluter Freiheit, erfüllen ihre Wirkungssphäre, fallen zufällig in Einem
Puncte zusammen, und schliessen dadurch, gegenseitig unbeschadet der Freiheit
beider, sich aus von ihren Wirkungssphären, oder wie wir jetzt wissen, aus ihren
Räumen. - Das Ich setzt als Substanz, was es will, teilt gleichsam den Raum aus
an Substanzen, wie es will; bestimmt sich selbst durch absolute Freiheit, was es
zu dem im Raume bestimmten, was es in ihm zum bestimmbaren machen wolle; oder
wählt durch Freiheit; nach welcher Richtung es den Raum durchlaufen wolle.
Dadurch ist aller Zusammenhang zwischen dem Ich und Nicht-Ich aufgehoben; beide
hängen durch nichts mehr zusammen, als durch den leeren Raum, welcher aber, da
er völlig leer, und gar nichts weiter sein soll, als die Sphäre, in welche das
Nicht-Ich frei seine Producte realiter, und das Ich gleichfalls frei seine
Producte, als erdichtete Producte eines Nicht-Ich, idealiter setzt, keines von
beiden beschränkt, noch sie an einander knüpft. Das Entgegengesetztsein, und
dies unabhängige Dasein des Ich und des Nicht-Ich ist erklärt, nicht aber die
geforderte Harmonie zwischen beiden. - Den Raum nennt man mit Recht die Form, d.
i. die subjective Bedingung der Möglichkeit der äusseren Anschauung. Giebt es
nicht noch eine Form der Anschauung, so bleibt die geforderte Harmonie zwischen
der Vorstellung und denn Dinge, die Beziehung derselben auf einander, demnach
auch sogar ihre Entgegensetzung durch das Ich, unmöglich. Wir setzen unseren Weg
fort, und werden auf ihm ohne Zweifel diese Form finden.
                                     VIII.
    1) Y und X in allen ihren möglichen Verhältnissen und Beziehungen unter
einander, so auch in ihrem Verhältnisse zu einander im Raume, - beide sind
Producte der freien Wirksamkeit des vom Ich völlig unabhängigen Nicht-Ich. Sie
sind dieses aber nicht, und sind überhaupt gar nicht für das Ich, ohne eine
eigene freie Wirksamkeit desselben von seiner Seite.
    2) Diese Wirksamkeit beider, des Ich und Nicht-Ich, muss Wechselwirksamkeit
sein, d. i. die Äusserungen beider müssen zusammentreffen in einem Puncte: der
absoluten Syntesis beider durch die Einbildungskraft. Diesen Vereinigungspunct
setzt das Ich durch sein absolutes Vermögen, und es setzt ihn, als zufällig, d.
i. das Zusammentreffen der Wirksamkeit beider entgegengesetzten ist zufällig,
laut des vorigen §.
    3) So wie eins von beiden Y oder X gesetzt werden soll, muss ein solcher
Punct gesetzt werden. Es wird ein Object gesetzt, heisst: es wird mit einem
solchen Puncte, Und vermittelst seiner mit einer Wirksamkeit des Ich syntetisch
vereinigt.
    4) Das Ich schwebt in Rücksicht der Bestimmteit oder Unbestimmteit des Y
oder X frei zwischen entgegengesetzten Richtungen, heisst demnach: es hängt
lediglich von der Spontaneität des Ich ab, ob es Y oder X mit dem Puncte, und
dadurch mit dem Ich syntetisch vereinigen werde.
    5) Diese so bestimmte Freiheit des Ich muss gesetzt werden durch die
Einbildungskraft; die blosse Möglichkeit einer Syntesis des Punctes und einer
Wirksamkeit des Nicht-Ich muss gesetzt werden. Dies ist nur möglich unter der
Bedingung, dass der Punct von der Wirksamkeit des Nicht-Ich abgesondert gesetzt
werden könne.
    6) Aber ein solcher Punct ist gar nichts, denn eine Syntesis der
Wirksamkeit des Ich und Nicht-Ich; mitin kann von ihm nicht alle Wirksamkeit
des Nicht-Ich abgesondert werden, ohne dass er selbst gänzlich verschwinde.
Demnach wird nur das bestimmte X davon abgesondert, und dagegen ein unbestimmtes
Product, das a b c u.s.f. sein kann, ein Nicht-Ich überhaupt, mit ihm
syntetisch vereidas letztere, damit er seinen bestimmten Charakter als
syntetischer Punct behalte. (Dass es so sein muss, ist aus schon oben
angeführten Gründen klar. Das Zusammentreffen des X mit der Wirksamkeit des Ich,
soviel als mit dem jetzt zu untersuchenden Puncte, sollte zufällig sein, und als
solches gesetzt werden; das heisst offenbar soviel als, es soll gesetzt werden,
als damit zu vereinigend, oder auch nicht, demnach an seiner Stelle jedes
mögliche Nicht-Ich.)
    7) Das Ich soll, laut unserer ganzen Voraussetzung, den Punct mit X wirklich
syntetisch vereinigen; denn es soll eine Anschauung von X vorhanden sein,
welche schon als solche, als blosse Anschauung, ohne diese Syntesis nicht
möglich ist, laut des vorigen §. Diese Syntesis nun geschieht, wie vorher
erwiesen worden, mit absoluter Spontaneität ohne allen Bestimmungsgrund. Aber
dadurch, dass X mit dem Puncte vereinigt wird, wird alles mögliche übrige von
ihm ausgeschlossen; denn er ist der Vereinigungspunct des Ich mit einer, als
Substanz, als selbstständig, einfach und frei wirkend gesetzten Kraft im
Nicht-Ich; also werden mehrere mögliche Kräfte dadurch ausgeschlossen.
    8) Dieses Zusammensetzen soll nun wirklich ein Zusammensetzen sein, und als
solches gesetzt werden, d. i. es soll geschehen durch absolute Spontaneität des
Ich, und das Zeichen derselben, die Zufälligkeit, in keiner der oben angeführten
Rücksichten, sondern auch, indem die Syntesis wirklich geschieht, und wirklich
alles übrige ausgeschlossen wird, an sich tragen, und mit diesem Zeichen und
Merkmale gesetzt werden. Dies ist nicht möglich, ausser durch Entgegensetzung
einer anderen notwendigen Syntesis eines bestimmten Y mit einem Puncte; und
zwar nicht mit dem des X, denn von ihm wird durch diese Syntesis alles andere
ausgeschlossen, sondern mit einem anderen entgegengesetzten Puncte. Er heisse
der Punct c, und der, mit welchem X vereinigt ist, d.
    9) Dieser Punct c ist, was der Punct d ist - syntetischer Vereinigungspunct
der Wirksamkeit des Ich und Nicht-Ich. Aber darin ist er dem Puncte d
entgegengesetzt, dass mit dem letzteren die Vereinigung betrachtet wird, als
abhängig von der Freiheit; also, als auch anders sein könnend; in c aber als
notwendig; sie kann nicht gesetzt werden, als anders sein könnend. (Die
syntetische Handlung ist geschlossen, völlig vorbei, und sie steht nicht mehr
in meiner Hand.)
    10) Die Zufälligkeit der syntetischen Vereinigung mit d muss gesetzt
werden, mitin muss auch die Notwendigkeit der Vereinigung mit c gesetzt
werden. Es müssen demnach beide in dieser Beziehung gesetzt werden, als
notwendig und zufällig in Rücksicht auf einander. Wenn die syntetische
Vereinigung mit d gesetzt werden soll, so muss die mit c als geschehen gesetzt
werden; nicht aber wird umgekehrt, wenn die mit c gesetzt wird, die mit d als
geschehen gesetzt.
    11) Nun soll die Syntesis mit d geschehen, laut Postulats; wird sie als
solche gesetzt, so wird sie notwendig gesetzt als abhängig, bedingt durch die
Syntesis mit c. Nicht aber ist umgekehrt c bedingt durch d.
    12) Nun soll ferner die Syntesis mit c gerade das sein, was die mit d ist,
eine willkürliche, zufällige Syntesis. Wird sie als solche gesetzt, so muss ihr
wieder eine andere mit b als notwendig entgegengesetzt werden, von welcher sie
abhängig und durch sie bedingt ist, nicht aber umgekehrt diese durch sie. Ferner
ist b das gleiche, was c und d ist, eine zufällige Syntesis; und inwiefern sie
als solche gesetzt wird, wird ihr eine andere notwendige mit a entgegengesetzt,
zu welcher sie sich gerade so verhält, wie sich zu ihr c und zu c d verhält; und
so ins unendliche hinaus. Und so bekommen wir eine Reihe Puncte, als
syntetische Vereinigungspuncte einer Wirksamkeit des Ich und des Nicht-Ich in
der Anschauung, wo jeder von einem bestimmten anderen abhängig ist, der
umgekehrt von ihm nicht wieder abhängt, und jeder einen bestimmten anderen hat,
der von ihm abhängig ist, ohne dass er selbst hinwiederum von ihm abhänge; kurz
eine Zeit-Reihe.
    13) Das Ich setzte sich, nach obiger Erörterung, als völlig frei, mit dem
Puncte zu vereinigen, was es nur wollte, also das gesammte unendliche Nicht Ich.
Der so bestimmte Punct ist nur zufällig, und nicht notwendig; nur abhängig,
ohne einen anderen zu haben, der von ihm abhängt, und heisst der gegenwärtige.
    14) Demnach sind, wenn von der syntetischen Vereinigung eines bestimmten
Punctes mit dem Objecte, mitin von der gesammten Wirksamkeit des Ich, die nur
durch diesen Punct mit dem Nicht-Ich vereinigt ist, abstrahirt wird, die Dinge,
an sich und unabhängig von dem Ich betrachtet, zugleich (d. i. syntetisch
vereinbar mit einem und ebendemselben Puncte) im Raume; aber sie können nur nach
einander, in einer successiven Reihe, deren jegliches Glied von einem anderen
abhängig ist, ohne dass dasselbe von ihm abhänge wahrgenommen werden in der
Zeit.
    Wir machen hierbei noch folgende Bemerkungen:
    a. Es ist für uns überhaupt gar keine Vergangenheit, als inwiefern sie in
der Gegenwart gedacht wird. Was gestern war (man muss sich wohl transcendent
ausdrücken, um sich überhaupt ausdrücken zu können), ist nicht; es ist
lediglich, inwiefern ich im gegenwärtigen Augenblicke decke, dass es gestern
war. Die Frage: ist denn nicht wirklich eine Zeit vergangen? ist mit der: gibt
es denn ein Ding an sich, oder nicht? völlig gleichartig. Es ist allerdings eine
Zeit vergangen, wenn ihr eine setzet, als vergangen; und wenn ihr jene Frage
aufwerft, setzet ihr eine vergangene Zeit; wenn ihr sie nicht setzet, werft ihr
jene Frage nicht auf, und es ist sodann keine Zeit für euch vergangen. - Eine
sehr greifliche Bemerkung, welche schon längst zu den richtigen Vorstellungen
über die Idealität der Zeit hätte führen sollen.
    b. Aber es ist für uns notwendig eine Vergangenheit; denn nur unter
Bedingung derselben ist eine Gegenwart, und nur unter Bedingung einer Gegenwart
ein Bewusstsein möglich. Wir wiederholen im Zusammenhange den Beweis des
letzteren, welcher eben in diesem § geführt werden sollte. - Bewusstsein ist nur
möglich unter der Bedingung, dass das Ich ein Nicht-Ich sich entgegensetze;
dieses Entgegensetzen begreiflicherweise nur unter der Bedingung, dass es seine
ideale Tätigkeit auf das Nicht-Ich richte. Diese Tätigkeit ist die seinige,
und nicht die des Nicht-Ich, lediglich inwiefern sie frei ist, inwiefern sie
demnach auf jedes andere Object gehen könne, als auf dieses. So muss sie gesetzt
werden, wenn ein Bewusstsein möglich sein soll, und so wird sie gesetzt, und das
ist der Charakter des gegenwärtigen Moments, dass auch jede andere Wahrnehmung
in ihn fallen könnte. Dies ist nur möglich unter Bedingung eines anderen
Moments, in den keine andere Wahrnehmung gesetzt werden kann, als diejenige,
welche in ihn gesetzt ist; und das ist der Charakter des vergangenen Moments.
Das Bewusstsein ist also notwendig Bewusstsein der Freiheit und der Identität;
das letztere darum, weil jeder Moment, so gewiss er ein Moment sein soll, an
einen anderen geknüpft werden muss. Die Wahrnehmung B ist keine Wahrnehmung,
wenn nicht eine andere A desselben Subjects vorausgesetzt wird. Möge jetzt A
immer verschwinden, soll das Ich zur Wahrnehmung C fortgehen, so muss wenigstens
B als Bedingung derselben gesetzt werden; und so ins unendliche fort. An dieser
Regel hängt die Identität des Bewusstseins, für welche, der Strenge nach, wir
immer nur zweier Momente bedürfen. - Es gibt gar keinen ersten Moment des
Bewusstseins, sondern nur einen zweiten.
    c. Allerdings kann der vergangene Moment und jeder mögliche vergangene
Moment wieder zum Bewusstsein erhoben, repräsentirt oder vergegenwärtiget,
gesetzt werden, als in denselben Subjecte vorgekommen, wenn darauf reflectirt
wird, dass in ihn doch auch eine andere Wahrnehmung hätte fallen können. Dann
wird demselben wieder ein anderer ihm vorhergehender entgegengesetzt, in
welchen, wenn in den letzteren einmal eine gewisse bestimmte Wahrnehmung gesetzt
werden soll, keine andere fallen konnte, als die, welche in ihn gefallen ist.
daher kommt es, dass wir immer, soweit wir nur wollen, ja ins unbedingte und
unendliche hinaus, zurückgehen können.
    d. Eine bestimmte Quantität des Raumes ist immer zugleich; eine Quantität
der Zeit immer nach einander. Daher können wir das eine nur durch das andere
messen: den Raum durch die Zeit, die man braucht, um ihn zu durchlaufen; die
Zeit durch den Raum, den wir, ohne irgend ein regelmässig sich fortbewegender
Körper (die Sonne, die Zeiger an der Uhr, der Pendul) in ihr durchlaufen kann.
 
                               Schluss-Anmerkung
    Kant geht in der Kritik d. r. Vft. von dem Reflexionspuncte aus, auf welchem
Zeit, Raum und ein Mannigfaltiges der Anschauung gegeben, in dem Ich und für das
Ich schon vorhanden sind. Wir haben dieselben jetzt a priori deducirt, und nun
sind sie im Ich vorhanden. Das Eigentümliche der Wissenschaftslehre in Rücksicht
der Teorie ist daher aufgestellt, und wir setzen unseren Leser für jetzt gerade
bei demjenigen Puncte nieder, wo Kant ihn aufnimmt.
 
                                    Fussnoten
1 Aenesidemus erinnert gegen Reinhold, dass nicht bloss die Form der
Vorstellung, sondern die ganze Vorstellung auf das Subject bezogen werde. Dies
ist völlig richtig, die ganze Vorstellung ist das bezogene; aber es ist zugleich
richtig, dass nur die Form derselben der Beziehungsgrund ist. Gerade so ist es
auch in unserem Falle. - Beziehungsgrund und Bezogenes muss nicht verwechselt
werden, und damit dies in unserer Deduction überhaupt nicht geschehe, müssen wir
gleich vom Anfange an sorgfältig dagegen auf der Hut sein.
2 Wir erhalten hier beiläufig eine Uebersicht der Puncte, die wir noch zu
untersuchen haben.
3 Die Beweise des gesunden Menschenverstandes für die Freiheit sind demnach ganz
richtig, und dem Gange des menschlichen Geistes vollkommen angemessen. -
Diogenes ging, um vor der Hand sich selbst - denn die verirrte Speculation war
dadurch freilich noch nicht in ihre Grenze zurückgewiesen - die geläugnete
Möglichkeit der Bewegung zu beweisen, Eben so - wollt ihr jemand die Freiheit
wegvernünfteln, und gelingt es euch wirklich durch eure Scheingründe Zweifel
über die in Anspruch genommene Sache zu erregen, so demonstrirt er sie sich auf
der Stelle durch Realisirung eines Products, das er nur von seinem eigenen
freien Handeln ableiten kann.
 
    