
        
                                Christian Reuter
  Schelmuffskys warhaftige curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu
                                Wasser und Lande
                                     1. Teil
                                       Dem
                                 Hoch-Gebohrnen
                                 Grossen Mogol
                                  den Aeltern
                              weltberühmten Könige
                                 oder vielmehr
                                Keiser in Indien
                                  zu Agra etc.
                       Meinem vor diesen auf meiner sehr
                          gefährlichen Reise gewesenen
                           Freundlichsten Herrn etc.
 
                         Hochgebohrner Potentate etc.!
Ich wäre der Tebel hohl mer ein rechter undanckbarer Kerl, wenn ich nicht vor
dieselbe Guttat, welche ich vor diesen auf meiner sehr gefährlichen Reise
ganzer 14 Tage lang von Eurer Hochgebohrnen Herrlichkeiten genossen, nicht
sollte bedacht sein, wie ichs wieder gleich machen möchte. Nun hätte ich solches
auch schon längst getan, wenn ich nur wissen sollen, worinnen ich Eurer
Hochgebohrnen Herrlichkeiten einen Gefallen erweisen können. Ich hatte zwar
Anfangs willens, Eu. Gnaden und Liebsten ein Fässgen gut Klebe-Bier aus unsern
Landen mit dafür hinein zu schicken, allein so besorgte ich, dass es den weiten
Weg dortin matt und sauer werden möchte und dass Sie es hernach nicht würden
sauffen können. Habe ichs also auch immer unterwegens gelassen!
    Nachdem ich aber meine warhaftige, curiöse und sehr gefährliche
Reise-Beschreibung zu Wasser und Lande unter der Banck herfür gesucht und an den
Tag gegeben, so habe ich nicht umhin können (zumal weil mir wissend, dass Eu.
Gnaden und Hochgebohrne Herrl. ein sonderlicher Liebhaber von curiösen Büchern
und neuen Sachen sein, ich auch dieselbe vor Geld und gute Wort ein Buch aus
Teutschland nach Indien zu schicken versprochen), gedachte meine Curiöse und
sehr gefährliche Reise-Beschreibung dieselbe zuzuschreiben und ein Exemplar in
Schweins-Leder eingebunden mit hinzuschicken. Ich verlange der Tebel hohlmer
nicht einen Dreier dafür, obs gleich was Curiöses ist! Nur dass der Hochgebohrne
Potentate sehen soll, dass ich dankbar bin und verhoffe, es wird Denselben
gefallen. Viel Geprahle will ich zwar nicht davon machen, allein das Werck wird
der Tebel holmer den Meister selber loben, und wenn Sie es durchgelesen haben,
so bitte ich, dass Eu. Gnaden und Hochgebohrne Herrl. es Ihrer Liebste auch
wollen lesen lassen, damit Sie doch auch sieht, was ich vor ein braver Kerl bin
gewesen und wie mirs letzlich so unglücklich auf der Spanischen See gegangen. In
übrigen gedencken Eu. Gnaden meiner in besten und leben wohl! Ich verbleibe
dafür
                            Eu. Hochgebohrnen Herrl.
                                    wie auch
                              Dessen Frau Liebste
                        allezeit
                        Dienstfreundlichst
                        Reisefertigster
                                                                   Schelmuffsky.
 
                             An den Curiösen Leser:
Ich bin der Tebel hohlmer ein rechter Bärenhäuter, dass ich meine warhaftige,
curiöse und sehr gefährliche Reise-Beschreibung zu Wasser und Lande, welche ich
schon eine geraume Zeit verfertiget gehabt, so lange unter der Banck stecken
lassen und nicht längstens mit hervor gewischt bin. Warum? Es hat der Tebel
hohlmer mancher kaum eine Stadt oder Land nennen hören, so setzt er sich stracks
hin und macht eine Reise-Beschreibung zehen Ellen lang davon her! Wenn man denn
nun solch Zeug lieset (zumahl wer nun brav gereiset ist als wie ich), so kann
einer denn gleich sehen, dass er niemahls vor die Stuben-Türe gekommen ist,
geschweige, dass er fremden und garstigen Wind sich sollte haben lassen unter die
Nase gehen, als wie ich getan habe. Ich kann es wohl gestehen, ob ich gleich so
viel Jahr in Schweden, so viel Jahr in Holland, so viel Jahr in Engelland, auch
14 ganzer Tage in Indien bei den grossen Mogol und sonst fast in der ganzen
Welt weit und breit herum gewesen und so viel gesehen, erfahren und
ausgestanden, dass wenn ich solches alles erzählen sollte, einen die Ohren davon
weh tun sollten. Ich habe aber Zeitlebens kein Geprahle oder Aufschneidens davon
hergemacht - es wäre denn, dass ichs bisweilen guten Freunden auf der Bier-Banck
erzählt hätte. Damit aber nun alle Welt hören und erfahren soll, dass ich nicht
stets hinter den Ofen gesessen und meiner Frau Mutter die gebratenen Aepffel aus
der Röhre genascht, so will ich doch nur auch von meiner manchmal sehr
gefährlichen Reise und Ritterlichen Taten zu Wasser und Lande, wie auch von
meiner Gefangenschaft zu Sanct Malo eine solche Beschreibung an das Tagelicht
geben, desgleichen noch niemals in öffentlichen Druck soll sein gefunden worden,
und werden sich die jenigen solche vortrefflich zu Nutze machen können, welche
mit der Zeit Lust haben, frembde Länder zu besehen. Solte ich aber wissen, dass
dasselbe, welches ich mit grosser Mühe und Fleiss aufgezeichnet, nicht von
iederman geglaubet werden solle, wäre mirs der Tebel hohlmer höchst leid, dass
ich einige Feder damit verderbet; ich hoffe aber, der Curiöse Leser wird nicht
abergläubisch sein und diese meine sehr gefährliche Reise-Beschreibung vor eine
blosse Aufschneiderei und Lügen halten, da doch beim Sapperment alles wahr ist
und der Tebel hohlmer nicht ein eintziges Wort erlogen.
    In übrigen werde ich gerne hören, wenn man sagen wird: Dergleichen
Reise-Beschreibung habe ich Zeitlebens nicht gelesen; wird solches geschehen, so
sei ein iedweder versichert, dass ich nicht allein mit der Zeit den andern Teil
meiner warhaftigen Curiösen und sehr gefährlichen Reise-Beschreibung zu Wasser
und Lande, von den Orientalischen Ländern und Städten, wie auch von Italien und
Pohlen unter der Banck herfür suchen will, sondern ich werde mich auch
Lebenslang nennen
                              des Curiösen Lesers
                        allezeit
                                                                 Reisefertigster
                                                                   Schelmuffsky.
 
                               Das erste Capitel.
Teutschland ist mein Vaterland, in Schelmerode bin ich geboren, zu Sanct Malo
habe ich ein ganz halb Jahr gefangen gelegen, und in Holland und Engelland bin
ich auch gewesen. Damit ich aber diese meine sehr gefährliche Reise-Beschreibung
fein ordentlich einrichte, so muss ich wohl von meiner wunderlichen Geburt den
Anfang machen:
    Als die grosse Ratte, welche meiner Frau Mutter ein ganz neu seiden Kleid
zerfressen, mit den Besen nicht hatte können todt geschlagen werden, indem sie
meiner Schwester zwischen die Beine durchläufft und unversehens in ein Loch
kömmt, fällt die ehrliche Frau deswegen aus Eyfer in eine solche Kranckheit und
Ohnmacht, dass sie ganzer 24 Tage da liegt und kann sich der Tebel hohlmer weder
regen noch wenden. Ich, der ich dazumal die Welt noch niemals geschauet und nach
Adam Riesens Rechen-Buche 4 ganzer Monat noch im Verborgenen hätte pausiren
sollen, war dermassen auch auf die sappermentsche Ratte so töricht, dass ich
mich aus Ungedult nicht länger zu bergen vermochte, sondern sah, wo der
Zimmermann das Loch gelassen hatte und kam auf allen vieren sporenstreichs in
die Welt gekrochen.
    Wie ich nun auf der Welt war, lag ich 8 ganzer Tage unten zu meiner Frau
Mutter Füssen im Bettstroh, ehe ich mich einmal recht besinnen kunte, wo ich
war. Den 9ten Tag so erblickte ich mit grosser Verwunderung die Welt. O
sapperment! wie kam mir alles so wüste da vor! Sehr malade war ich, nichts hatte
ich auf den Leibe. Meine Fr. Mutter hatte alle Viere von sich gestreckt und lag
da, als wenn sie vor den Kopff geschlagen wäre. Schreien wollte ich auch nicht,
weil ich wie ein jung Ferckelgen da lag und wollte mich niemand sehen lassen,
weil ich nackend war, dass ich also nicht wusste, was ich anfangen sollte. Ich
hatte auch willens, wieder in das Verborgene zu wandern, so kunte ich aber der
Tebel hohlmer den Weg nicht wieder finden, wo ich hergekommen war. Endlich
dachte ich, du must doch sehen, wie du deine Frau Mutter ermunterst, und
versuchte es auf allerlei Art und Weise. Bald kriegte ich sie bei der Nase, bald
krabbelte ich ihr unten an den Fusssohlen, bald machte ich ihr einen
Klapperstorch, bald zupffte ich ihr hier und da ein Härgen aus, bald schlug ich
sie aufs Nolleputzgen. Sie wollte aber davon nicht aufwachen; letzlich nahm ich
einen Strohhalm und kützelte sie damit in den lincken Nasen-Loche, wovon sie
eiligst auffuhr und schrie: »Eine Ratte! eine Ratte!« Da ich nun von ihr das
Wort Ratte nennen hörete, war es der Tebel hohlmer nicht anders, als wenn iemand
ein Scheermesser nehm und führe mir damit unter meiner Zunge weg, dass ich
hierauf alsobald ein erschreckliches Auweh! an zu reden fing. Hatte meine Frau
Mutter nun zuvor nicht »Eine Ratte! Eine Ratte!« geschrien, so schrie sie
hernachmals wohl über hundert mal »Eine Ratte! Eine Ratte!«, denn sie meinte
nicht anders, es nistelte eine Ratte bei ihr unten zu ihren Füssen. Ich war aber
her und kroch sehr artig an meine Frau Mutter hinauf, guckte bei ihr oben zum
Decke-Bette heraus und sagte: »Frau Mutter, Sie fürchte sich nur nicht! Ich bin
keine Ratte, sond[er]n ihr lieber Sohn; dass ich aber so frühzeitig bin auf die
Welt gekommen, hat solches eine Ratte verursachet.« Als dieses meine Frau Mutter
hörete, Ey sapperment! wie war sie froh, dass ich so unvermutet war auf die Welt
gekommen, dass sie ganz nichts davon gewust hatte. Wie sie mich dasselbe mal zu
hertzte und zu leckte, das will ich der Tebel hohlmer wohl keinen Menschen
sagen.
    Indem sie sich nun so mit mir eine gute Weile in ihren Armen gehätschelt
hatte, stund sie mit mir auf, zog mir ein weiss Hembde an und ruffte die
Miet-Leute in ganzen Hausse zusammen, welche mich alle mit einander höchst
verwundernd ansahen und wussten nicht, was sie aus mir machen sollten, weil ich
schon so artig schwatzen kunte. Herr Gerge, meiner Frau Mutter damaliger
Praeceptor, meinte, ich wäre gar von den bösen Geiste besessen, denn sonst könnte
es unmöglich von rechten Dingen mit mir zugehen, und er wollte denselben bald von
mir austreiben! Lieff hierauf eiligst in seine Studier-Stube und brachte ein
gross Buch unter den Arme geschleppt, damit wollte er den bösen Geist nun von mir
treiben. Er machte in die Stube einen grossen Kreis mit Kreide, schrieb ein
hauffen Cauder-Welsche Buchstaben hinein und machte hinter und vor sich ein
Creutze, trat hernachmals in den Kreis hinein und fing folgendes an zu reden:
Hocus pocus Schwartz und Weiss
Fahre stracks auf mein Geheiss
Schuri muri aus den Knaben;
Weils Herr Gerge so will haben.
Wie Herr Gerge diese Wort gesprochen hatte, fing ich zu ihn an und sagte: »Mein
lieber Herr Praeceptor, warum nehmet ihr doch solche Köckel-Possen vor und
vermeint, ich sei von dem bösen Geiste besessen! Wenn ihr aber wissen soltet,
was die Ursache wäre, dass ich flugs habe reden lernen und wes[we]gen ich so
frühzeitig bin auf die Welt gekommen, ihr würdet wohl solche närrische Händel mit
euren Hocus pocus nicht vorgenommen haben.« Als sie mich dieses nun so reden
höreten, o sapperment! was erweckte es vor Verwunderung von den Leuten im Hausse!
Hr. Gerge stund der Tebel hohlmer da in seinen Kreisse mit Zittern und Beben, dass
auch die um ihn Herumstehenden alle aus der Lufft mutmassen kunten, der Herr
Praeceptor müste wohl in keinen Rosen-Garten stehen.
    Ich kunte aber seinen erbärmlichen Zustand nicht länger mit ansehen, sondern
fing da an, meine wunderliche Geburt zu erzählen und wie es niemand anders als
die jenige Ratte verursachet hätte, welche das seidene Kleid zerfressen, dass ich
so frühzeitig auf die Welt gekommen wäre und flugs reden können.
    Nachdem ich nun mit vielen Umständen denen sämtlichen Hausgenossen die
ganze Begebenheit von der Ratte erzählt hatte, so glaubten sie hernach
allererste dass ich meiner Fr. Mutter ihr Sohn wäre. Hr. Gerge aber, der schämte
sich wie ein Hund, dass er meinetwegen solche Narren-Possen vorgenommen hatte und
vermeint: Ein böser Geist müste aus mir reden. Er war her, leschte seinen Hocus
Pocus-Kreis wieder aus, nahm sein Buch und ging mit feuchten und übelriechenden
Hosen stillschweigend immer zur Stuben-Türe hinaus. Wie auch die Leute hernach
alle mit mir taten und mich zu hertzten und zu possten, weil ich so ein schöner
Junge war und mit ihnen flugs schwatzen kunte, das wäre der Tebel hohlmer auf
keine Kühhaut zu schreiben. Ja, sie machten auch alle mit einander flugs
Anstalt, dass mir selben Tag noch bei grosser Menge Volcks der vortreffliche
Nahme Schelmuffsky beigeleget wurde.
    Den zehenden Tag nach meiner wunderlichen Geburt lernete ich allmählig,
wiewol etwas langsam, an den Bäncken gehen, denn ich war ganz malade, weil ich
auf der Welt gar noch nichts weder gefressen noch gesoffen hatte. Denn der Fr.
Mutter Pietz war mir zu eckel und keine andere Speisen kunte ich noch nicht
gewohnen, dass ich also, wenn sichs nicht so geschickt hätte, wohl verhungern und
verdursten müssen.
    Was trug sich zu? Meine Fr. Mutter, die hatte gleich selben Tag ein gross Fass
voll Ziegen-Molcken auf der Ofen-Banck stehen, über dasselbe gerate ich so
ohngefehr und titsche mit den Finger hinein und koste es; weil mir das Zeug nun
sehr wohl schmeckte, kriegte ich das ganze Fass bei den Leibe und soffs der
Tebel hohlmer halb aus. Wovon ich hernach ganz lebend wurde und zu Kräfften
kam. Als meine Frau Mutter sah, dass mir das Ziegen-Molcken so wohl bekam, war
sie her und kauffte hernach noch eine Ziege, denn eine hatte sie schon. Die
mussten mich also bis in das zwölffte Jahr meines Alters mit lauter solchen Zeuge
ernehren und auferziehen. Ich kans wohl sagen, dass ich denselben Tag, als ich
gleich 12 Jahr alt war, der Tebel hohlmer Speck Ellen dicke auf meinen Rücken
hatt, so fett war ich von dem Ziegen-Molcken geworden. Bei Anfange des 13.
Jahres lernete ich auch alle sachte die gebratene Krams-Vögelgen und die jungen
gespickten Hünergen abknaupeln, welche mir endlich auch sehr wohl bekamen.
    Da ich nun so ein Bissgen besser zu Jahren kam, so schickte mich meine Frau
Mutter in die Schule und vermeinte nun, einen Kerl aus mir zu machen, der mit
der Zeit alle Leute an Gelehrsamkeit übertreffen würde; ja, es wäre dazumal wohl
endlich was aus mir geworden, wenn ich hätte Lust was zu lernen gehabt, denn so
klug als ich in die Schule ging, so klug kam ich auch wieder heraus! Meine
grösste Lust hatte ich an den Blase-Rohre, welches mir meine Fr. Gross-Mutter zum
Jahrmarckte von der Eselswiese mitgebracht hatte. So bald ich denn aus der
Schule kam, so schmiss ich meine Büchergen unter die Banck und nahm mein
Blase-Rohr, lief damit auf den obersten Boden und schoss da entweder die Leute
auf der Gasse mit auf die Köpffe oder nach den Spatzianern, oder knapste denen
Leuten in der Nachbarschaft die schönen Spiegelscheiben entzwei, und wenn sie
denn so klirrten, kunte ich mich recht hertzlich drüber zu lachen. Das trieb ich
nun so einen Tag und alle Tage, ich hatte auch so gewiss mit meinen Blase-Rohr
schiessen gelernet, dass ich einem Sperlinge, wenn er gleich 300 Schritte von mir
sass, damit das Lebens-Licht ausblasen kunte. Ich machte das Rabenzeug so
schüchtern, wenn sie nur meinen Namen nennen höreten, so wussten sie schon, wie
viel es geschlagen hatte!
    Als nun meine Fr. Mutter sah, dass mir das Studiren ganz nicht zu Halse
wollte und nur das Schulgeld vor die lange Weile hingeben musste, nahm sie mich
aus der Schule wieder heraus und tat mich zu einem vornehmen Kauffmann, da
sollte ich ein berühmter Handelsmann werden. Ja, ich hätte es wohl werden können,
wenn ich auch Lust darzu gehabt hätte, denn an statt da ich sollte die Nummern an
den Wahren mercken und wie teuer die Elle müste mit Profit verkauftet werden, so
hatte ich immer andere Schelmstücken in Gedancken und wenn mich mein Patron
wohin schickte, dass ich geschwinde wiederkommen sollte, so nahm ich allemal
erstlich mein Blaserohr mit, ging eine Gasse auf, die andere wieder nieder, u.
sah wo Sperlinge sassen! Oder wenn wo schöne grosse Scheiben in Fenstern waren
und es sah niemand heraus, so knapste ich nach denselben und lief hernach immer
meiner Wege wieder fort. Kam ich denn wieder zu meinem Herrn und war etwan ein
paar Stunden über der Zeit aussen gewesen, so wusste ich allemal so eine artige
Lügente ihn vorzubringen, dass er mir sein lebetage nichts sagte. Zuletzt versah
ichs aber dennoch auch bei ihn, dass es nicht viel fehlete, so hätte er mir mein
Blase-Rohr auf den Buckel entzwei geschmissen! Ich aber merckte den Braten und
gab mit meinen Blase-Rohre reissaus und soll nun noch wieder zu ihn kommen.
Hernach so schickte er zu meiner Fr. Mutter und liess ihr sagen, wie dass ich ihn
allen Unfug mit meinem Blase-Rohre bei den Leuten angerichtet hätte und mich
ganz zur Handlung nicht schicken wollte. Meine Frau Mutter liess den Kauffmann
aber wieder sagen: Es wäre schon gut und sie wollte mich nicht wieder zu ihm
tun, weil ich indem schon von ihn weggelauffen und wieder bei ihr wäre.
Vielleicht krigte ich zu sonst was bessers Lust.
    Das war nun wieder Wasser auf meine Mühle, als meine Fr. Mutter den
Kauffmann solches zur Antwort sagen liess und hatte ich zuvor die Leute auf der
Gassen und die schönen Spiegelscheiben in den Fenstern nicht geschoren, so fupte
ich sie hernach allererste, wie ich wieder meinen freien Willen hatte!
    Endlich, da meine Fr. Mutter sah, dass immer Klage über mich kam und
etlichen Leuten die Fenster musste wieder machen lassen, fing sie zu mir an:
»Lieber Sohn Schelmuffsky, du kömmst nun alle sachte zu bessern Verstande und
wirst auch fein gross dabei! Sage nur, was ich noch mit dir anfangen soll, weil
du ganz und gar keine Lust zu nirgends zu hast und nur einen Tag und alle Tage
nichts anders tust, als dass du mir die Leute in der Nachbarschaft mit deinen
Blase-Rohre zum Feinde machst u. mich in Ungelegenheit bringest?« Ich antwortete
aber meiner Fr. Mutter hierauf wieder und sagte: »Fr. Mutter, weiss sie was? ich
will her sein und fremde Länder und Städte besehen! Vielleicht werde ich durch
mein Reisen ein berühmter Kerl, dass hernach, wenn ich wiederkomme, iedweder den
Hut vor mir muss unter den Arm nehmen, wenn er mit mir reden will!« Meine Frau
Mutter liess sich diesen Vorschlag gefallen und meinte, wenn ichs so weit bringen
könnte, sollte ich mich immer in der Welt umsehen - sie wollte mir schon ein Stück
Geld mit auf den Weg geben, dass ich eine Weile daran zu zehren hätte. Hierauf
war ich her, suchte zusammen, was ich mitnehmen wollte, wickelte alles zusammen
in ein Zwilchen Schnuptuch, stackte es in die Ficke und machte mich reisefertig.
Doch hätte ich mein Blase-Rohr auch gerne mitgenommen, allein so wusste ichs
nicht mit fortzubringen und besorgte, es möchte mir unterwegens gestohlen oder
genommen werden. Liess also dasselbe zu Hausse und versteckte es auf den obersten
Boden hinter die Feuer-Mäuer und trat in den 24. Jahre meines Alters meine sehr
gefährliche Reise an. Was ich nun in der Fremde zu Wasser und Lande überall
gesehen, gehöret, erfahren und ausgestanden, das wird in folgenden Capiteln mit
höchster Verwunderung zu vernehmen sein.
 
                              Das andere Capitel.
Der Guckguck fing gleich denselben Tag das erste mal im Jahre an zu ruffen, als
ich in Schelmerode von meiner Fr. Mutter Abschied nahm, ihr um den Hals fiel,
sie auf jedweden Backen zu guter letzte 3mal hertzte und hernach immer zum Tore
hinaus wanderte.
    Wie ich nun vor das Tor kam, o sapperment! wie kam mir alles so
weitläufftig in der Welt vor! Da wusste ich nun der Tebel hohl mer nicht, ob ich
gegen Abend oder gegen der Sonnen Niedergang zu marchiren sollte; hatte wohl 10
mal in Willens, wieder umzukehren und bei meiner Frau Mutter zu bleiben, wenn
ich solches nicht so lästerlich verschworen gehabt, nicht eher wieder zu ihr zu
kommen, bis dass ich ein brav Kerl geworden wäre. Doch hätte ich mich endlich
auch nicht gross an das Verschweren gekehret, weil ich sonst wohl eher was
verschworen und es nicht gehalten hatte, sondern würde unfehlbar wieder zu
meiner Fr. Mutter gewandert sein, wann nicht ein Graf auf einen
Schellen-Schlitten wäre qver Feld ein nach mir zu gefahren kommen und mich
gefraget: wie ich so da in Gedancken stünde? Worauf ich den Grafen aber zur
Antwort gab: Ich wäre willens die Welt zu besehen, und es käme mir alles so
weitläufftig vor und wüste nicht, wo ich zugehen sollte. Der Graf fing hierauf zu
mir an und sagte: Msr., es sieht ihn was rechts aus seinen Augen u. weil er
Willens ist, die Welt zu besehen, so setze er sich zu mir auf meinen
Schellen-Schlitten und fahre mit mir, denn ich fahre deswegen auch in der Welt
nur herum, dass ich sehen will, was hier und da passiret. So bald der Hr. Graf
dieses gesagt, sprang ich mit gleichen Beinen in seinen Schellen-Schlitten
hinein und stackte die rechte Hand forne in die Hosen u. die lincke Hand in den
rechten Schubesack, dass mich nicht frieren sollte, denn der Wind ging sehr kalt
und hatte selbige Nacht Ellen dicke Eis gefroren. Doch war es noch gut, dass der
Wind uns hinten nach ging, so kunte er mich nicht so treffen, denn der Hr. Graf
hielt ihn auch etwas auf. Der sass hinten auf der Pritsche und kutschte.
    Damit so fuhren wir immer in die Welt hinein und gegen Mittag zu.
Unterwegens erzehleten wir einander unser Herkommens; der Herr Graf machte nun
den Anfang und erzehlete seinen Gräfl. Stand und dass er aus einen uhralten
Geschlechte herstammete, welches 32 Ahnen hätte und sagte mir auch, in welchen
Dorffe seine Grosse-Mutter begraben läge; ich habe es aber wieder vergessen.
Hernach so schwatzte er mir auch, wie dass er - als noch ein kleiner Junge von 16
Jahren gewesen wäre - seine Lust und Freude an den Vogelstellen immer gehabt
hätte und einsmals auf einmal zugleich 31 Pumpel-Meisen in einen Sprenckel
gefangen, welche er sich in Butter braten lassen und ihn so vortrefflich wohl
bekommen wären.
    Nachdem er nun seinen Lebens-Lauff von Anfang bis zum Ende erzählt hatte,
so fing ich hernach von meiner wunderlichen Geburt an zu schwatzen und wie es
mit der Ratte wäre zugegangen, da sie meiner Fr. Mutter ein ganz neu seiden
Kleid zerfressen gehabt und meiner Schwester zwischen die Beine durchgelauffen
wäre und unversehens in ein Loch gekommen, da sie hätte sollen todt geschlagen
werden; wie auch von meinen Blase-Rohre, mit welchen ich so gewiss schiessen
können. O sapperment! wie sperrete der Herr Graf Maul und Nasen drüber auf, als
ich ihn solche Dinge erzehlete und meinte, dass noch was rechts auf der Welt aus
mir werden würde.
    Nach solcher Erzehlung kamen wir an ein Wirts-Haus, welches flugs an der
Strasse im freien Felde lag, daselbst stiegen wir ab und giengen hinein, uns ein
wenig da auszuwärmen. So bald als wir in die Stube kamen, liess sich der Herr
Graf ein gross Glas geben, in welches wohl hier zu Lande auf 18 bis 20 Maass ging;
dasselbe liess er sich [von] den Wirte voll Brantewein schencken und brachte
mirs da auf Du und Du zu. Nun hätte ich nicht vermeint, dass der Graf das Glas
voll Brantewein alle auf einmal aussauffen würde! Allein er soffs der Tebel
hohlmer auf einen Soff ohne absetzen und Bart wischen reine aus, dass sich auch
der Wirt grausam drüber verwunderte. Hernach so liess ers wieder eben so voll
schencken und sagte zu mir: Nun allons, Herr Bruder Schelmuffsky! Ein Hundsfott
der mirs nicht auch Bescheid tut! Sapperment! Das Ding verdross mich, dass der
Graff mit solchen Worten flugs um sich schmiss und fieng gleich zu Ihm an: Tob
Herr Bruder! Ich wils Bescheid tun. Als ich dieses Ihn zur Antwort gab, fieng
der Wirt höhnisch zu den Grafen an zu lächeln und meinte, ich würde es
unmöglich können Bescheid tun, weil der Herr Graff ein dicker corpulenter Herre
und ich gegen Ihn nur ein Auffschüssling wäre und in meinen Magen das Glas voll
Brantewein wohl schwerlich gehen würde. Ich war aber her und satzte mit dem
Glase voll Brantewein an und soff es der Tebel hohl mer flugs auff einen Schluck
aus. O Sapperment! was sperrete der Wirt vor ein paar Augen auff und sagte
heimlich zum Grafen, dass was rechts hinter mir stecken müste! Der Graff aber
klopfte mich hierauf gleich auff meine Achseln und sagte: Herr Bruder, verzeihe
mir, dass ich dich zum Trincken genötiget habe! Es soll hinfort nicht mehr
geschehen. Ich sehe nun schon, was an dir zutun ist und dass deines gleichen von
Conduite wohl schwerlich wird in der Welt gefunden werden. Ich antwortete den
Herrn Bruder Grafen hierauf sehr artig wieder und sagte, wie dass ich warlich ein
brav Kerl wäre und noch erstlich zu was rechts werden würde, wenn ich weiter in
die Welt hinein kommen sollte. Und wenn Er mein Bruder und Freund bleiben wollte,
sollte Er mich künftig mit dergleichen Dingen verschonen. O Sapperment! wie
demütigte sich der Grafe gegen mich und bat mirs auf seine gebogenen Knien ab
und sagte, dergleichen Excesse sollten künftig nicht mehr von Ihm geschehen.
Hierauf bezahlten wir den Wirt, satzten uns wieder auf unsern Schellen
Schlitten und fuhren immer weiter in die Welt hinein.
    Wir gelangeten zu Ende des Octobris, da es schon fast ganz dunckel worden
war, in der berühmten Stadt Hamburg an, alwo wir mit unsern Schlitten am
Pferde-Marckte in einen grossen Hausse einkehreten, worinnen viel vornehme
Standes-Personen und Damens logireten. Sobald als wir da abgestiegen waren,
kamen 2 Italiänische Nobels die Treppe oben herunter gegangen. Der eine hatte
einen messingenen Leuchter in der Hand, worauff ein brennendes Wachs-Licht
brandte, und der andere eine grosse töpfferne brennende Lampe, welche geschwüpte
voll Bomolie gegossen war. Die hiessen uns da willkommen und erfreueten sich
meiner wie auch des Herrn Bruder Grafens seiner guten Gesundheit. Nachdem Sie
nun solche Compliment gegen uns abgeleget hatten, nahm mich der eine Nobel mit
den brennenden Wachs-Liechte bei der Hand und der andere mit der brennenden
Bomolien-Lampe fassete den Herrn Grafen bei den Ermel und führeten uns da der
Treppe hinauff, dass wir nicht fallen sollten, denn es waren 6 Stuffen oben
ausgebrochen. Wie wir nun die Treppe oben hinauff kamen, so praesentirete sich
ein vortrefflicher schöner Saal, welcher um und um mit den schönsten Tapezereien
und Edelgesteinen ausgezieret war und von Gold und Silber flimmerte und flammte.
Auf denselben Saale nun stunden 2 vornehme Staaden aus Holland und 2
Portugiesische Abgesandten, die kamen mir und meinen Herrn Bruder Graffen
gleichfalls entgegen gegangen, hiessen uns auch willkommen und erfreueten sich
ebenfals unserer guten Gesundheit und glücklichen Anherokunft. Ich antwortete
denselben flugs sehr artig wieder und sagte: Wenn Sie auch noch fein frisch und
gesund wären, würde es mir und den Hn Grafen sehr lieb auch sein. Als ich mein
Gegen-Compliment nun auch wieder abgeleget hatte, so kam der Wirt in einen
grünen Sammet-Beltze auch dazu, der hatte nun ein gross Bund Schlüsseln in der
Hand, hiess uns auch willkommen und fragte, ob ich und der Hr Graf belieben
wollten, noch eine Treppe höher mit ihn zu steigen, alwo er uns anweisen wollte,
wo wir unser Zimmer haben sollten. Ich und der Herr Bruder nahmen hierauff von
der sämbtlichen Compagnie mit einer sehr artigen Mine Abschied und folgeten dem
Wirte, dass er uns in unser Zimmer führen sollte, welches wir zu unserer
Bequemlichkeit innen haben sollten.
    Sobald wir nun mit ihn noch eine Treppe hinauff kamen, schloss er eine
vortreffliche schöne Stube auf, worinnen ein über allemassen galantes Bette
stund und alles sehr wohl in derselben Stube auffgeputzt war. Daselbst hiess er
uns unsere Gelegenheit gebrauchen, und wenn wir was verlangeten, sollten wir nur
zum Fenster hinunter pfeiffen, so würde der Haussknecht alsobald zu unsern
Diensten stehen; und nahm hierauf von uns wieder Abschied. So bald als der Wirt
nun den Rücken gewendet hatte, war ich her und zog gleich meine Schuh und
Strümpffe aus und pfiff dem Haus-Knechte, dass er mir ein Fass frisch Wasser
bringen musste, damit ich meine Knochen waschen kunte, denn sie stuncken
abscheulich. Meinen Herrn Bruder Grafen waren seine schwarztrüpnen Sammtosen
zwischen den Beinen aus der Nat gerissen; derselbe pfiff der junge Magd, dass
sie Ihn eine Nehnadel mit einen Faden weissen Zwirn bringen musste, dass Er
selbige wieder flicken kunte. Da sassen wir nun allebeide, ich wusch meine
stinckende Füsse und der Hr Bruder Graf flickte seine zerrissenen Sammtosen,
welches sehr artig liess.
    Nachdem wir uns nun so ein Bissgen ausgemaustert hatten, so kam der Wirt in
grünen Sammt-Beltze wieder hinauff zu uns und ruffte uns zur Abend-Mahlzeit,
worauf ich und der Hr Bruder Graf gleich mit ihn giengen. Er führete uns die
Treppe wieder hinunter, über den schönen Saal weg und in eine grosse Stube, alwo
eine lange Tafel gedeckt stunde, auf welche die herrlichsten Tractamenten
getragen wurden. Der Hr Wirt hiess uns da ein klein wenig verziehen, die andern
Herren wie auch Damens würden sich gleich auch dabei einfinden und uns Compagnie
leisten.
    Es währete hierauf kaum so lange als er davon geredet hatte, so kamen zu der
Tafel-Stube gleich auch hinein getreten die 2 Italiänische Nobels, welche uns
zuvor becomplementirt hatten, ingleichen auch die 2 Staaden aus Holland und die
2 Portugisischen Abgesandten und brachte ein jedweder eine vornehme Dame neben
sich an der Hand mit hinein geschlept. O Sapperment! als sie mich und meinen
Herrn Bruder Grafen da stehen sahen, was machten sie alle mit einander vor
Reverenze gegen uns und absonderlich die Menscher, die sahen uns der Tebel
hohlmer mit rechter Verwunderung an! Da nun die ganze Compagnie beisammen war,
welche mit speisen sollte, nötigten sie mich und meinen Herrn Bruder Grafen, dass
wir die Oberstelle an der Tafel einnehmen mussten, welches wir auch ohne
Bedencken taten. Denn ich satzte mich nun ganz zu oberst an, neben mir zur
lincken Hand sass der Herr Bruder Graf und neben mir rechten an der Ecke sassen
nach einander die vornehmen Dames. Weiter hinunter hatte ein iedweder auch
seinen gehörigen Platz eingenommen.
    Unter währender Mahlzeit nun wurde von allerhand Staats-Sachen discurriret -
ich und der Bruder Graf aber schwiegen darzu stockstille und sahen, was in der
Schüssel passirete, denn wir hatten in 3 Tagen keiner kein Bissen Brod gesehen!
Wie wir uns aber beide brav dicke gefressen hatten, so fieng ich hernach auch
an, von meiner wunderlichen Geburt zu erzählen und wie es mit der Ratte wäre zu
gangen, als sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides hätte sollen todt
geschlagen werden. O Sapperment! wie sperreten Sie alle Mäuler und Nasen auf, da
ich solche Dinge erzehlete und sahen mich mit höchster Verwunderung an. Die
vornehmen Damens fiengen gleich an, darauf meine Gesundheit zu trincken, welche
die ganze Compagnie Bescheid tat! Bald sagte eine, wenn sie soff: Es lebe der
vornehme Herr von Schelmuffsky! Bald fieng ein andere drauf an: Es lebe die
vornehme Standes-Person, welche unter den Nahmen Schelmuffsky seine hohe Geburt
verbirget! Ich machte nun allemahl eine sehr artige Mine gegen die Menscher,
wenn sie meine Gesundheit so nach der Reihe soffen.
    Die eine vornehme Dame, welche flugs neben mir an der Tisch-Ecke zur rechten
Hand sass, die hatte sich wegen der Begebenheit von der Ratte ganz in mich
verliebet! Sie druckte mir wohl über 100 mahl die Fäuste übern Tische, so gut
meinte Sie es mit mir, und stoss mich auch immer mit ihren Knie an meine Knie,
weil Sie sich in mich so sehr verliebet hatte. Doch war es nicht zu verwundern,
weil ich so artig neben Ihr sass und alles dazumahl der Tebel hohl mer flugs an
mir lachte!
    Nachdem ich nun mit meinen Erzehlen fertig war, so fieng mein Hr Bruder
gleich auch an, von seinen Herkommen zu schwazen und wo seine 32 Ahnen alle
herkomm[en], und erzehlte auch, in welchen Dorffe seine Grossemutter begraben
läge und wie er, als er noch ein kleiner Junge von 16 Jahren gewesen, 31
Pumpel-Meisen zugleich auf einmal in einen Sprenckel gefangen hätte, und was
das Zeugs mehr alle war. Allein er brachte alles so wunderlich durch einander
vor und mengete bald das 100 in das 1000 hinein und hatte auch kein gut
Mundwerk, denn er stammerte gar zu sehr, dass er auch - wie er sah, dass ihn
niemand nicht einmal zu hörete - mitten in seiner Erzehlung stille schwieg und
sah, was sein Teller guts machte! Wenn ich aber zu discurriren an fieng! Ey
Sapperment! wie horchten Sie alle wie die Mäussgen, denn ich hatte nun so eine
anmutige Sprache und kunte alles mit so einer artigen Mine vorbringen, dass sie
mir nur der Tebel hohl mer mit Lust zu höreten.
    Nachdem der Wirt nun sah, dass niemand mehr ass und die Schüsseln ziemlich
ausgeputzt waren, liess er die Tafel wieder abräumen. Wie solches geschehen,
machte ich und der Bruder Graff ein sehr artig Compliment gegen die sämtliche
Compagnie und stunden von der Tafel auf. Da Sie das über Tische nun sahen,
fiengen Sie alle mit einander auch [an] auf zu stehen. Ich und der Herr Bruder
Graf nahmen hierauf ohne Bedencken zu erst wieder unsern Weg zum Tafel-Gemach
hinaus und marchireten nach unsern Zimmer zu. Die sämtliche Compagnie aber
begleitete uns über den schönen Saal weg und biss an unsere Treppe, wo wir wieder
hinauf gehen mussten. Aldar nahmen sie von uns gute Nacht und wünschten uns eine
angenehme Ruhe. Ich machte nun gegen Sie gleich wieder ein artig Compliment und
sagte, wie dass ich nämlich ein brav Kerl wäre, der etwas müde wäre wie auch der
Herr Graf, und dass wir in etlichen Wochen in kein Bette gekommen wären, als
zweiffelten wir gar nicht, dass wir wacker schlaffen würden und Sie möchten auch
wohl schlaffen. Nach dieser sehr artig gegebenen Antwort ging nun ein iedweder
seine Wege, ich und mein Hr. Bruder Graf giengen gleich auch die Treppe vollends
hinauff und nach unsrer Stube zu. Wie wir da hinein kamen, so pfiff ich den
Haus-Knechte, dass er uns ein Licht bringen musste, welcher auch Augenblicks damit
sich einstellete und wieder seiner Wege ging. Hierauff zog ich mich und mein
Herr Bruder Graf splinter nackend aus und sahen, was alda in unsern Hembden
gutes passirete:
    O Sapperment! wie war der Schweiss darin lebendig geworden! Wir brachten der
Tebel hohl mer über 3 ganzer Seiger-Stunden zu, ehe wir mit todt schlagen
kunten fertig werden. Doch wars bei mir noch nicht so arg, als wie bei dem Herrn
Grafen, der war der Tebel hohl mer über 20000 Mann gut stärcker als ich, dass ich
Ihn auch, wie ich mein Hembde wieder renoviret hatte, in seinem über eine gute
Stunde noch musste todt knicken helffen, ehe das Rabenzeug alle wurde! Da solche
notwendige Arbeit getan war, legten wir uns beide in das schöne Bette, welches
in der Stube stund. Sobald als der Herr Bruder Graf sich dahinein weltzte, fieng
er gleich an zu schnarchen, dass ich vor ihn kein Auge zu den andern bringen
kunte, ob ich gleich sehr müde und schläffrig auch war.
    Indem ich nun so eine kleine Weile lag und lauschte, so pochte ganz sachte
iemand an unsere Stuben-Türe an! Ich fragte, wer da wäre, es wollte aber niemand
antworten. Es pochte noch einmal an, ich fragte wieder, wer da wäre, es wollte
mir aber niemand Antwort geben. Ich war her, sprang nackend zum Bette heraus,
machte die Stuben-Türe auff und sah wer pochte! Als ich selbige eröffnete, so
stund ein Mensche draussen und hatte ein klein Brieffgen in der Hand, bot mir
im finstern einen guten Abend und fragte, ob der frembde vornehme Herr, welcher
heute Abend über Tische die Begebenheit von einer Ratte erzählt, seine Stube
hier hätte. Da Sie nun hörete, dass ichs selbst war, fieng Sie weiter an: Hier
ist ein Brieffgen an Sie und ich soll ein paar Zeilen Antwort drauf bringen.
Hierauf liess ich mir den Brieff geben, hiess sie ein wenig vor der Stuben-Türe
verziehen, zog geschwinde mein Hembde und Hosen an und pfiff den Haus-Knechte,
dass er mir das Licht anbrennen musste, welches er auch alsobald tat und mit
einer grossen Laterne die Treppe hinauff gelauffen kam. Damit so erbrach ich den
Brieff und sah, was drinnen stund. Der Inhalt war wie folget also:
                              Anmutiger Jüngling.
    Woferne Euchs beliebet diesen Abend noch mein Zimmer zu besehen, so lasset
    mir durch gegenwärtige Servante Antwort wissen.
    Adjeu!
        Eure affectionirte Dame
            welche bei Euch heute Abend über Tische an der Ecke zur rechten Hand
            gesessen und manchmahl mit den Knie gestossen
                                                                   La Charmante.
Sobald ich diesen Brieff nun gelesen, pfiff ich dem Haus-Knechte wieder, dass er
mir Feder, Dinte und Papier bringen musste. Darauf satzte ich mich nur hin und
schrieb einen sehr artigen Brieff wieder an die Dame Charmante zur Antwort.
Derselbe war nun auf diese Manier eingerichtet:
                        Mit Wündschung alles Liebes und
                            Gutes zuvor Wohl-Erbare
                                Dame Charmante.
Ich will nur erstlich meine Schue und Strümpffe wie auch meinen Rock wieder
anziehen (denn das Hembde und Hosen habe ich schon wieder angezogen, ob ich
gleich nackend aus den Bette sprang, als das Mensche - die Servante - anpochte
und ich ihr auch nackend auffmachte, da Sie mir Euren Brieff über brachte, so
zweiffele ich, dass sie in finstern was an mir wohl gross gesehen hat.) Hernach
will ich gleich zu Euch kommen. Ihr müsst aber, Wohl-Erbare Dame, die Servante
unfehlbar wieder zu mir schicken, dass sie mir die Wege wei[s]t, wo ich Eure
Stube finden soll; und lasset sie eine Laterne mit bringen, dass ich auch nicht
in finstern falle, denn alleine komme ich der Tebel hohl mer nicht. Warumb? es
ist ietzo gleich zwischen 11 und 12, da der Hencker gemeiniglich sein Spiel hat
und mir leichtlich ein Schauer ankommen möchte, dass mir auf den Morgen hernach
das Maul brav ausschlüge und was würde Euch denn damit gedient sein, wenn ich
eine grindigte Schnautze kriegte! Wornach Ihr Euch zu achten wisset! Haltet nun
wie Ihrs wollet. Hohlt das Mensche mich ab - wohl gut. Kömt Sie aber nicht
wieder, wie bald ziehe ich die Hosen und mein Hembde wieder aus und lege mich
wieder zu meinen Herrn Bruder Grafen ins Bette! In übrigen lebet wohl - ich
verbleibe dafür
            Meiner Wohl-Erbarn Madame
                Charmante
                        allezeit
                                                        treu-gehorsambst dienst-
                                                      schuldigst Reisefertigster
                                                                   Schelmuffsky.
    Diesen Brieff schickte ich nun der vornehmen Dame Charmante zur Antwort
wieder und suchte meine Schue und Strümpffe unter der Banck flugs hervor, dass
ich sie anziehen wollte. Ich hatte kaum den einen Strumpff an das lincke Bein
gezogen, so stund die Servante schon wieder drausen und hatte eine grosse
papierne Laterne in der Hand, worinnen eine töpfferne Lampe mit zwei Daachten
brannte, und wollte mich nach der Dame Charmante ihren Zimmer leuchten, dass ich
nicht fallen sollte. Sobald als ich mich nun angezogen, nahm ich meinen Degen,
welches ein vortrefflicher Rückenstreicher war, unter den Arm und ging mit nach
der Charmante Ihrer Stube zu. Das Mensche die Servante kunte mir mit der
papierne Laterne überaus stattlich leuchten; sie führete mich von meiner Stube
an die Treppe wieder hinunter über den schönen Saal weg, einen langen Gang im
Hoff hinter, alwo ich 6 Treppen hoch mit ihr wieder steigen musste, ehe ich an
der Charmante ihr Zimmer kam. Wie mir das Mensch die Stuben-Türe nun zeigte, so
klinckte ich gleich auf und ging ohne Bedenken unangemeldet hinein. Da mich die
Charmante nun kommen sah, sprang Sie gleich in ihren Nacht-Habit aus den Bette
heraus, empfieng mich auf Frantzösische Manier mit einen gedoppelten Kusse und
bat bei mir um Verzeihung, dass ich solches nicht ungeneigt auffnehmen möchte,
dass Sie bei später Nacht noch zu mir geschickt und mich in Ihr Zimmer bemühet
hätte! Ich antwortete der Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte:
wie dass ich nämlich ein brav Kerl wäre, desgleichen man wohl wenig in der Welt
antreffen würde und es hätte nichts auf sich, weil ich indem vor meines Hn.
Bruder Grafens seinen Schnarchen nicht einschlaffen können. Als ich Ihr dieses
nun so mit einer überaus artigen Mine zur Antwort gab, so bat Sie mich, dass ich
mich doch zu Ihr auff Ihr Bette setzen möchte und Ihr die Begebenheit doch noch
einmal von der Ratte erzählen sollte und in was vor ein Loch sie doch gelauffen
wäre, da man sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides mit den Besen todt
schlagen wollen.
    Ich erzehlete der Charmante hierauf Augenblicks die ganze Begebenheit und
sagte: was das Loch anbelangete, worein die Ratte gelauffen wäre, hätte ich zwar
nicht gesehen, allein so viel ich von meiner Schwester Nachricht erhalten, wäre
die Ratte, als sie Ihr zwischen die Beine unversehens durchgekrochen kommen, vor
ihren Augen verschwunden und kein Hencker hätte hernach wissen wollen, wohin das
Rabenass sich doch immer und ewig müste versteckt haben! O Sapperment! wie fiel
mir das Mensche, die Charmante, um den Hals, da Sie von den Verstecken hörete!
Sie stackte mir der Tebel hohl mer Ihre Zunge eine ganze halbe Elle lang in
mein Maul, so lieb hatte Sie mich, und druckte mir ein Spanisch Creutze über das
andere, dass ich auch manchmahl nicht anders dachte, Himmel und Erden läge auf
mir, vor solcher Liebes-Vergnügung, welche mir das Mensche erzeugte. Wie Sie nun
die Liebes-Regungen durch Ihre allzu grossen Caressen bei mir ganz Schamloss
gemacht hatte und ich der Tebel hohlmer selber nicht wusste, was ich tate, so
gab Sie hernach Freiens bei mir vor und sagte: Ich sollte Sie nehmen! Ich
antwortete der Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte: Wie dass ich
nämlich ein brav Kerl wäre, aus dem was rechts noch erst werden würde, wenn er
weiter in die Welt hinein käme, und dass ich so balde noch nicht Lust hätte, eine
Frau zu nehmen. Doch wollte ich Ihrs nicht abschlagen, sondern es ein wenig
überlegen. O Sapperment! wie fieng das Mensche an zu heulen und zu gransen, da
ich Ihr von den Korbe schwatzte! Die Tränen lieffen Ihr immer die Backen
herunter, als wenn man mit Mulden gösse! Und macht sich da ein paar Augen wie
die grössesten Schaff -Käse Näppe gross!
    Wolte ich nun wohl oder übel, dass Sie sich nicht gar über mich zu todte
heulen möchte, musste ichs der Tebel hohl mer zu sagen, dass ich keine andere als
Sie zur Frau haben wollte. Da nun solches geschehen, gab Sie sich wieder zu
frieden und stackte mir hernach so artig Ihr Züngelgen eine ganze halbe Elle
lang wieder in mein Maul und nutschte mir damit in Halse wie ein klein Kind an
der Mutter Pietze. Nach unterschiedlichen dergleichen Liebes-Vergnügungen nahm
ich selben Abend von Ihr Abschied und liess ich mich durch die Servante mit der
papiernen Laterne wieder auf meine Stube leuchten und legte mich zu meinen Hn.
Bruder Grafen ins Bette, welcher noch eben uf der Stelle da lag und in einen Weg
schnarchte! Ich war kaum ins Bette wieder hinein, so kriegte ich auch etwa seine
Laune und schnarchten da alle beide wie ein altes Pferd, welches dem Schinder
entlauffen war.
    Den andern Tag früh, da es etwan um 9 Uhr sein mochte und ich in besten
Schlaffe lag, so stiess iemand mit beiden Beinen an unserer Stuben-Tür
lästerlich an, dass ich aus dem Schlaffe Klafftern hoch vor Erschröcknüss in die
Höhe fuhr! Das Anschlagens wollte aber kein Ende nehmen - ich war her und sprung
flugs mit gleichen Beinen aus dem Bette heraus, zog mein Hembde an und wollte
sehen wer da war. Wie ich aufmachte, so stund des einen Staadens aus Holland
sein Junge draussen, welcher fragte: Ob der von Schelmuffsky seine Stube hier
hätte? Da ich den Jungen nun zur Antwort gab, dass ichs selber wäre, sagte er
weiter: Sein Herr, der hielte mich vor keinen braven Kerl, sondern vor einen
Ertz-Bärenhäuter, wenn ich nicht zum allerlängsten um 10 Uhr heute vormittags
mit einen guten Degen auf der grossen Wiese vor den Altonaischen Tore
erschiene, und da wollte er mir weisen, was raison wäre! O Sapperm. - wie verdross
mich das Ding, als mir der Kerl durch sein Jungen solche Worte sagen liess! Ich
fertigte den Jungen aber alsobald mit folgender Antwort ab und sagte: Höre,
Hundsf[ott], sprich du zu deinen Hn. wieder, ich liesse ihn sagen: Warum er denn
nicht selbst zu mir gekommen wäre und mir solches gesaget - ich hätte bald mit
ihn fertig werden wollen. Damit er aber sehen sollte, dass ich mich vor ihn nicht
scheuete, so wollte ich kommen und ihn nicht allein zu Gefallen einen guten
Degen, welches ein Rückenstreicher wäre, mit bringen, sondern es sollten auch ein
paar gute Pistohlen zu seinen Diensten stehen. Damit wollte ich ihn weisen, wie
er den bravsten Kerl von der Fortuna ein andermahl besser respectiren sollte,
wenn er was an ihn zu suchen hätte. Hierauf ging des Staadens sein Junge fort
und mupte nicht ein Wort weiter, ausgenommen, wie er an die Treppe kam, so
schielte er mich von der Seite mit einer hönschen Mine recht sauer hinterrücks
an und lieff geschwinde die Treppe hinunter. Ich war aber her, ging in die
Stube wieder hinein, zog mich geschwinde an und pfiff den Haus-Knechte, dass er
eiligst zu mir kommen musste. Welcher sich auch flugs Augenblicks bei mir
einstelte und sagte: Was belieben Euere Gnaden? Das Ding gefiel mir sehr wohl
von den Kerl, dass er so bescheidentlich antworten kunte. Ich fragte ihn
hierauff: Ob er mir nicht ein paar gute Pistohlen schaffen könnte? Das und das
gienge vor sich, wollte ihn keinen Schaden daran tun, und er sollte dafür ein
Trinckgeld zu gewarten haben. O Sapperment! als der Kerl von den Trinckgelde
hörete, wie sprang er zur Stuben-Türe hinaus und brachte mir im Augenblick ein
paar wunderschöne Pistolen geschlept, welche dem Wirte waren! Die eine musste er
mir mit grossen Haasen- und die andere mit kleiner Dunst füllen und 2 Kugeln
drauff stopffen; da solches geschehen, gürtete ich meinen Rückenstreicher an die
Seite, die Pistohlen stackte ich ins Gürtel und marchirte da immer
stilleschweigens nach dem Altenaischen Tore zu.
    Wie ich nun vor das Tor kam, so erkundigte ich mich nun gleich, wo die
grosse Wiese wäre? Es gab mir aber ein kleiner Schiffer-Junge alsobald Nachricht
davon. Da ich nun ein klein Eckgen von der Stadt-Mauer gegangen war, so kunte
ich die grosse Wiese sehen und sah, dass ihrer ein ganz Hauffen dort stunden,
auf welche ich gleich Sporenstreichs zu marchirete. Als ich nun bald an Sie kam,
sah ich, dass der eine Staade da stund und Ihrer etliche noch bei sich hatte.
Ich fragte ihn aber gleich, wie ich zu ihn kam, ob er mich durch seinen Jungen
vor einer Stunde wohin hätte forde[r]n lassen und was die Ursache ware? Worauf
er mir zur Antwort gab: Ja, er hätte solches getan und das wäre die Ursache,
weil ich die vergangene Nacht bei der Madame Charmante gewesen und das könnte er
gar nicht leiden, dass ein Frembder Sie bedienen sollte! War hierauff Augenblicks
mit der Fuchtel heraus und kam auf mich zu marchiret. Da ich nun sah, dass er
der Haare war - O Sapperm., wie zog ich meinen Rückenstreicher auch von Leder
und legte mich in Positur! Ich hatte ihn kaum einen Stoss auspariret, so tat ich
nach ihn einen Saustoss und stach ihn der Tebel hohl mer mit meinen
Rückenstreicher die falsche Quinte zum lincken Ellebogen hinein, dass das Blut
Arms dicke heraus schoss und kriegte Ihn hernach beim Leibe und wollte ihn mit der
einen Pistohle, welche starck mit Dunste und Kugeln geladen war, das
Lebens-Licht vollends ausblasen! Es wäre auch in bösen Mute geschehen, wenn
nicht seine Cammeraden mir wären in die Arme gefallen und gebeten, dass ich nur
sein Leben schonen sollte, indem ich Revenge gnug hätte. Die Sache wurde auch
auff vielfältiges Bitten also bemittelt, dass ich mich wieder mit ihn vertragen
musste, und zwar mit den Bedinge, dass er mir durch seinen Jungen niemahls mehr
solche Worte sagen liesse, wenn ich der Madame Charmante eine Visite gegeben
hätte. Welches er mir auch zu sagte. In was vor Ehren ich hernach von seinen
Cammeraden gehalten wurde, das kann ich der Tebel hohlmer nicht genug
beschreiben! Wo auch nur eine Action vorgieng, da musste ich allezeit mit darbei
sein und die Contra-Parten aus einander setzen. Denn wo ich nicht darbei mit
war, wenn Schlägerei vorgiengen und wurde nur in Geheim so vertragen, davon
wurde gar nichts gehalten. Wo es aber hiess, der von Schelmuffsky hat den und den
wieder secundiret, so wussten Sie alle schon, wie viels geschlagen hatte!
    Die gehabte Action mit den einen Staaden aus Holland erzehlete ich alsobald
der Dame Charmante, und sagte, dass es Ihrentwegen geschehen wäre. Das Mensche
erschrack zwar anfänglich sehr darüber, allein wie sie hörete, dass ich mich so
ritterlich gehalten hatte, sprung Sie vor Freuden hoch in die Höhe und fiel mir
um den Hals, hertzte mich und stackte mir Ihre Zunge lang wieder in meine
Schnautze, welches mir der Tebel hohl mer recht wohl von den Menschen gefiel.
    Hernach so ging ich zu meinen Herrn Bruder Grafen hinauf in die Stube,
welcher zwar noch im Bette lag und lauschte. Denselben erzehlete ichs auch, was
mir schon begegnet wäre in Hamburg. Der war nun so gifftig, dass ich ihn nicht
aufgeweckt hatte! Er hätte wollen auf seinen Schellen-Schlitten mit hinaus
fahren und mich secundiren helffen. Ich gab ihn aber zur Antwort, dass sich ein
brav Kerl auch vor ihrer hunderten nicht scheuen dürffte!
    Hierauf kam der Wirt in grünen Sammt-Peltze hinauf zu uns und ruffte uns
wieder zur Mittags-Malzeit. O Sapperment! Wie sprung mein Herr Bruder Graf
nackend aus den Bette heraus und zog sich über Hals über Kopff an, dass er das
Essen nicht versäumen wollte; wie er sich nun angezogen hatte, marchireten wir
beide mit den Hn Wirte wieder hinunter zur Tafel. Es stellte sich die ganze
Compagnie bei Tische wieder ein, welche vorigen Abend mit gespeiset hatte,
ausgenommen der eine Staade, welchen ich die falsche Quinte durch den Arm
gestossen hatte. Der war nicht da. Ich und mein Herr Bruder Graff nahmen nun
ohne Bedencken die Oberstelle wieder ein; da meinte ich nun, es würde über
Tische von der Action was gestichelt werden - allein der Tebelhohlmer - nicht
ein Wort wurde davon erwehnet und ich hätte es auch keinen raten wollen, denn
die falsche Quinte und der Saustoss lag mir noch immer in Sinne. Sie fiengen von
allerhand wieder an zu discurriren und meinten, ich würde auch etwan wieder was
erzählen, darüber Sie sich verwundern könten. Sie gaben mir auch Anleitung
darzu, allein ich tat der Tebel hohl mer als wenn ichs nicht einmal hörete.
    Die Dame Charmante fieng meine Gesundheit an zu trincken, welche die ganze
Compagnie auch wieder Bescheid tat. Mein Herr Bruder Graff fieng hernach von
seinen Pumpelmeisen an zu erzählen, die er auf einmal in dem Sprenckel gefangen
hätte, und dass dieselben ihn so gut geschmeckt hätten, als seine verstorbene
Frau grosse Mutter ihn solche in Butter gebraten. Über welcher einfältigen
Erzehlung die ganze Compagnie lachen musste!
    Nach gehaltener Mittags-Mahlzeit satzte ich mich mit meiner Liebsten der
Charmante auf eine Chaise de Roland und fuhren auf den Wällen spatziren, besahen
da die Ring-Mauer der Stadt Hamburg, wie sie gebauet war, welche denn an
etlichen Orten nicht allerdings feste gnug zu sein schiene. Ich sagte solches
den Stadt-Capitaine, wie sie ganz auf eine andere Manier perspectivisch könnte
repariret werden. Er schriebs zwar auf - ob sie es nun werden getan haben, kann
ich nicht wissen, denn ich bin von der Zeit an nicht wieder hingekommen. Nach
diesen fuhren wir in die Stern-Schantze und besahen dieselbe auch. O Sapperment!
was lagen da vor Bomben, welche von voriger Belägerung waren hinein geworffen
worden! Ich will wetten, dass wohl eine über 300 Centner schwer hatte. Ich
versuchte es auch, ob ich eine mit einer Hand in die Höhe heben kunte - alleine
es wollte der Tebel hohlmer nicht angehen, so schwer war sie; knap dass ich sie
mit beiden Händen 3 Ellen hoch in die Höhe heben kunte. - Von dar fuhren wir
hinaus an die Elbe und sahen da die Schiffer-Jungen angeln. O Sapperment! was
fingen sie da vor Forellen an der Angel! Es waren nicht etwan solche kleine
Forellen wie hier zu Lande bei Gutenbach oder sonsten dergleichen Orten herum
gibt, sondern es waren der Tebel hohlmer Dinger, da eine Forelle gut zwantzig
bis dreisig Pfund hatte. In denselben Fischen hatte ich mich zu Hamburg ganz
überdrüssig gefressen und wenn ich die Stunde noch Forellen erwähnen höre, wird
mir flugs ganz übel davon. Warum? sie haben in Hamburg keine andere Fische als
nur Forellen Jahr aus, Forellen Jahr ein! Man muss sich darinnen verstänckern,
man mag wollen oder nicht. Bisweilen, etwan um Licht-Messe herum, kommen irgend
ein paar Donnen frische Häringe da an, aber auch gar selten, und darzu wo
erkleckt das unter so einer Menge Volck! Der tausende kriegt keinen nicht
einmal davon zu sehen.
    Nachdem ich mit meiner Liebsten den Angeln so eine Weile zugesehen, fuhren
wir wieder in die Stadt und nach unsern Qvartiere zu. So bald als wir abstiegen,
stund ein kleiner bucklicher Tantz-Meister im Torwege, der machte gegen die
Madame Charmante, wie auch gegen mich ein sehr artig Compliment und invitirete
uns zu einen Balle. Meine Liebste, die Charmante, fragte mich, ob ich Lust mit
hin zu fahren hätte, denn sie könnte es der Compagnie nicht abschlagen und sie
würden wohl indem alle schon auf sie warten? Ich gab ihr zur Antwort: Ich fahre
schone mit und sehe was da passirt. Hierauf gab sie den Tantzmeister Befehl, dass
sie gleich kommen wollte. O Sapperment! wie sprung der Kerl vor Freuden herum,
dass sie kommen wollte und noch iemand mit sich bringen! Er lieff immer zum Hausse
hinaus und nach den Tantz-Boden zu, als wenn ihn der Kopff brannte. Wir satzten
uns gleich wieder auf unsere Chaise de Rolande und fuhren nach den Tantz-Boden
zu.
    So bald als wir nun hinauf kamen, O Sapperment! was war vor aufsehens da von
den vornehmen Damens und Cavalliern, welche sich auch auf den Tantz-Boden
eingefunden hatten; es war ein Gelispere heimlich in die Ohren und so viel ich
hören kunte, fing bald dieser an und sagte: Wer muss doch nur der vornehme Herr
sein, welchen die Madame Charmante mitgebracht hat? Bald sagte ein Frauenzimmer
zu den andern: Ist das nicht ein Wunder-schöner Kerl? Sieht er doch flugs aus
wie Milch und Blut! Solche und dergleichne Reden giengen wohl eine halbe Stunde
unter der Compagnie auf den Tantzboden heimlich vor. Der Tantzmeister
praesentirte mir einen roten Samt-Stuhl, worauf ich mich niedersetzen musste;
die andern aber, wie auch meine Charmante, mussten alle stehen. Damit so ging nun
die Music an. O Sapperment! wie kunten die Kerl streichen! Sie machten mit einen
Gassenhauer den Anfang, wornach der kleine bucklichte Tantzmeister die erste
Entrée tantzte. Sapperment! wie kunte das Kerlgen springen! Es war der Tebel
hohlmer nicht anders, als wenn er in Lüfften flöhe! Wie derselbe Tantz aus war,
so schlossen sie alle mit einander einen Kreis und fingen an Schlangen-weise zu
tantzen; meine Charmante, die musste nun in den Creiss hinein treten und drinnen
alleine tantzen. O Sapperment! was kunte sich das Mensche Schlangen-weise im
Kreisse herum drehen, dass ich auch der Tebel hol mer alle Augenblick dachte,
ietzt fällt sie übern Hauffen! Allein es war, als [ob] ihr nichts drum wäre. Die
andern Mädgens dantzten der Tebel holmer galand auch. Ich kans nicht sagen, wie
artig sie die Knochen auch setzen kunten! Meiner Charmante aber kunte es aber
doch keine gleich tun.
    Nachdem der Kreis-Tantz Schlangen-weise nun aus war, so fingen sie allerhand
gemeine Täntze auch an zu tantzen, als Couranden, Chiquen, Alemanden und
dergleichen. Solch Zeug sollte ich nun auch mit tantzen! Es kamen unterschiedne
Dames zu mir an den Sammt-Stuhl, worauf ich sass und forderten mich auch zu einen
Täntzgen auf. Ich entschuldigte mich zwar erst und sagte: Wie dass ich nämlich
ein brav Kerl wäre, den zwar was rechts aus den Augen heraus funckelte, aber
tantzen hätte ich noch nicht recht gelernet. Es halff aber der Tebel hohlmer
kein Entschuldigen, die Dames trugen mich mit samt den Stuhle in den Tantz-Kreis
hinein und küpten mich mit den Stuhle um, dass ich der Tebel hohlmer die Länge
lang hinfiel! Ich stunde aber mit einer sehr artigen Mine wiederum auf, dass sich
auch die ganze Compagnie auf den Tantz-Boden über mich sehr verwunderte und ein
Cavallier immer zu den andern sagte: dass ich wohl einer von den bravsten Kerlen
auf der Welt mit sein müste. Hierauf fing ich nun an zu tantzen und nahm 3
Frauenzimmer - die eine musste mich bei der lincken Hand anfassen, die andere bei
der rechten, und die dritte musste sich an mein linck Bein halten. Damit hiess ich
die Musicanten den Altenburgischen Bauer-Tantz aufstreichen. Da hätte man nun
schön tantzen gesehen, wie ich auf den rechten Beine solche artige Sprünge tun
kunte; wie ich mich nun so ein klein wenig erhitzt hatte, so sprung ich auf den
einen Beine der Tebel hohlmer Klafftern hoch in die Höhe, dass auch die eine
Dame, welche sich an mein linck Bein gefast hatte, fast mit keinen Fusse auf die
Erde kam, sondern stets in der Lufft mit herum hüpffte. O Sapperment! wie sahen
die Menscher alle, als ich solche Sprünge tat! Der kleine bucklichte
Tantzmeister schwur hoch u. teuer, dass er dergleichen Sprünge Zeitlebens nicht
gesehen hätte. Sie wollten hernach auch alle wissen, was vor Geschlechts und
Herkommens ich wäre, allein ich sagte es der Tebelhohlmer keinen. Ich gab mich
zwar nur vor einen Vornehmen von Adel aus, allein sie wollten es doch nicht
glauben, sondern sagten: Ich müste noch weit was Vornehmers sein, denn meine
Augen, die hätten mich schon verraten, dass ich aus keiner Hasel-Staude
entspru[n]gen wäre. Sie fragten auch meine Charmante, alleine der Hencker hätte
sie wohl gehohlt, dass sie was von meiner Geburt erwehnet hätte! Denn wenn sie
die Historie von der Ratte gehöret hätten, Ey Sapperment! wie würden sie
gehorcht haben!
    Nach gehaltenen Ball fuhr ich mit meiner Charmante in die Opera, welches der
Tebel hohlmer auch da schön zu sehen war, denn sie spielten gleich selben Tag
von der Zerstörung Jerusalem. O Sapperment! was war das vor eine grosse Stadt,
das Jerusalem, welches sie in der Opera da vorstelleten! Ich will wetten, dass es
der Tebel hohlmer 10 mahl gut grösser war als die Stadt Hamburg ist; und
zerstöreten da das Ding auch so lästerlich, dass man der Tebel hohlmer nicht
einmal sah, wo es gestanden hatte. Nur immer und ewig schade war es um den
wunder-schönen Tempel Salomonis, dass derselbe so mit musste vor die Hunde gehen!
Es hätte mich sollen deuchten, wenn nur ein Fleckgen daran wäre ganz geblieben.
Nein, es musste von denen Soldaten der Tebel hohlmer alles ruiniret und zerstöret
werden! Es waren Crabaten und Schweden, die das Jerusalem so zu schanden
machten.
    Nach dieser gesehenen Opera fuhr ich mit meiner Charmante auf den
Jungfern-Stieg (wie es die Hnn Hamburger nennen), denn es ist ein sehr lustiger
Ort und liegt mitten in der Stadt Hamburg an einen kleinen Wasser, welches die
Elster genennet wird. Da stehen wohl 2000 Linden und gehen alle Abend die
vornehmsten Cavalliers und Dames der Stadt Hamburg dahin spatziren und schöpffen
unter der Linden frische Lufft; auf denselben Jungfer Stiege war ich mit meiner
Liebsten Charmante nun alle Abend da anzutreffen. Denn der Jungfern Stieg und
das Opern-Haus war immer unser bester Zeitvertreib. Von der Belägerung Wien
spielten sie auch einmal,s eine Opera, welche vortrefflich zu sehen war. Ey
Sapperment! was schmissen die Türcken vor Bomben in die Stadt Wien hinein! Sie
waren der Tebel hohl mer noch 20 mahl grösser als wie die, welche in der
gedachten Stern-Schantze zu Hamburg liegen. Wie sie aber von denen Sachsen und
Polacken dafür bezahlet worden, werden sie wohl am besten wissen. Denn es
blieben wohl von den Türcken über 30000 Mann auf den Platze, ohne die, welche
gefangen genommen wurden und tödtlich plessiret waren, so ich ohngefehr auch
etwan auff 18 biss 20000 Mann schätze, und 40000 Mann warens gut, welche die
Flucht nahmen. Ey Sapperment! wie giengen die Trompeten da, wie die Stadt
entsetzt war! Ich will wetten, dass wohl über 2000 Trompeter auf den Dinge
hielten und Victoria bliessen.
    Mit dergleichen Lustigkeit vertrieben ich und mein Charmante damahl täglich
unsere Zeit in Hamburg. Was michs aber vor Geld gekostet, das will ich der Tebel
hohlmer niemand sagen. Es geräuet mich aber kein Heller, welchen ich mit der
Charmante durchgebracht habe, denn es war ein vortrefflich schön Mensche, und
ihr zu gefallen, hätte ich die Hosen ausziehen und versetzen wollen, wenns am
Gelde hätte fehlen sollen, denn sie hatte mich überaus lieb und hiess mich nur
Ihren anmutigen Jüngling, denn ich war dazumal weit schöner als ietzo. Warum?
man wird ferner hören, wie mich die Sonne unter der Linie so lästerlich
verbrannt hat.
    Ja Hamburg, Hamburg! wenn ich noch dran gedencke, hat mir manche Lust
gemacht. Und ich wäre der Tebel hohlmer wohl noch so bald nicht heraus gekommen
(ob ich gleich 3 ganzer Jahr mich da umgesehen hatte), wenn mein
Rückenstreicher mich nicht so unglücklich gemacht hätte. Welches zwar wegen
meiner Liebsten der Charmante herkam, doch kunte das gute Mensche auch nicht
dafür, dass ich bei Nacht und Nebel durchgehen musste. Denn ein brav Kerl muss sich
nicht praviren lassen. Die ganze Sache war aber also beschaffen: Ich wurde mit
meiner Charmante in eine lustige Gesellschaft gebeten und mussten an denselben
vornehmen Orte, wo die Compagnie war, des Abends mit da zu Gaste bleiben. Wie
wir nun abgespeiset hatten, war es schon sehr spät in die Nacht hinein. Wir
wurden auch gebetn, da zu bleiben, allein meine Charmante wollte nicht da
schlaffen. Der vornehme Mann aber, wo wir waren, liess seine Carosse anspannen,
dieselbe sollte uns nach unsern Qvartiere zu bringen, damit wir keinen Schaden
nehmen möchten. Wie wir aber bald an den Pferdemarckt kamen, so bat mich meine
Charmante, dass ich mit ihr noch ein halb Stündchen möchte auf den Jungfern-Stieg
fahren, sie wollte nur sehen, was vor Compagnie da anzutreffen wäre. Ich liess mir
solches gefallen und befahl den Kutscher, dass er uns dortin fahren sollte. Als
wir aber durch ein enge Gässgen nicht weit von Jungfern-Stiege fahren mussten,
fingen welche an zu wetzen in derselben Gasse. Nun ware ich Blut übel gewohnet,
wenn mir einer vor der Nase herum in die Steine krigelte und hätte der Tebel
hohlmer 10 mal lieber gesehen, es hätte mir eines eine derbe Presche gegeben,
als dass er mir mit dergleichen Wetzen mir wäre aufgezogen kommen. Ich war her
und sagte zu meiner Charmante, sie sollte nur mit den Kutscher wieder umlencken
und nach den Qvartiere zu fahren, ich wollte sehen, wem dieser Affront geschähe,
und es stünde mir unmöglich an, dass man den bravsten Kerl von der fortune vor
der Nase so herum wetzen sollte. Meine Charmante aber wollte mich nicht von sich
weg lassen und meinte, ich möchte etwan zu Unglück kommen. Sie fiel mir um den
Hals, zuhertzte mich und stackte mir ihre Zunge weit wieder in meine Schnautze
hinein, so gut meinte Sie es mit mir, dass ich bei Ihr bleiben sollte. Allein ich
sprang, ehe Sie sichs versah, mit gleichen Beinen zur Kutsche heraus, hiess den
Kutscher umlencken und marchirete da den Nacht-Wetzern nach, welche ich am Ende
des engen Gässgens noch antraf und zu ihnen anfieng, welche wohl auf ihrer 30
waren: was habt ihr Bärenhäuter da zu wetzen? Die Kerl aber kamen mit ihren
blossen Degen auf mich hinein gegangen und meinten, ich würde mich vor ihnen
fürchten. Ich trat zwar einen Schritt zurücke und da kriegte ich meinen
Rückenstreicher heraus: Ey Sapperment! wie hieb und stach ich auf die Kerl
hinein! Es war der Tebel hohlmer nicht anders, als wenn ich Kraut und Rieben vor
mir hätte: Ihrer 15 blieben gleich auf den Platze, ihrer etliche, die ich sehr
beschädiget hatte, baten um gut Wetter, und etliche die gaben Reissaus und
schrien nach der Rädel-Wache. Ey Sapperm., als ich von d' Rädel-Wache hörete,
dachte ich, das Ding dürffte wohl nicht gut mit dir ablauffen, wenn die dich
kriegen sollten! Ich war her und marchirete immer Spornstreichs nach den
Altonaischen Tore zu. Da spendirete ich den Torwärter einen ganzen
Doppel-Taler, dass er mich durch das Pförtgen musste hinaus lassen. Draussen
satzte ich mich nun auf dieselbe Wiese, wo ich den einen Staaden aus Holland die
falsche Qvinte durch den lincken Elbogen gestossen hatte und gransste da wie ein
klein Junge Rotz und Wasser.
    Wie ich nun ausgegransst hatte, so stund ich auf, kehrte mich noch einmal
nach der Stadt Hamburg zu, ob ich sie gleich in finstern nicht sehen kunte, und
sagte: Nun gute Nacht, Hamburg, gute Nacht Jungfer Stieg, gute Nacht Opern-Haus,
gute Nacht Herr Bruder Graf und gute Nacht mein allerliebste Charmante! Gräme
dich nur nicht zu Tode, dass dein anmutiger Jüngling dich verlassen muss.
Vielleicht kriegst du Ihn bald wiederum anders wo zu sehen! Hierauf ging ich in
dunckeln fort und immer weiter in die Welt hinein.
    Ich gelangete bei frühen Morgen in der Stadt Altona an, welches drei starcke
Teutsche Meilen von Hamburg liegt. Da kehrete ich in den vornehmsten
Wirts-Hause ein, welches zum Weinberge genennet wurde, worinnen ich einen
Landsmann antraff, welcher in der Hölle hintern Kachel-Ofen sass und hatte zwei
vornehme Dames neben sich sitzen, mit welchen Er in der Karte »falsch und alles«
spielete. Denselben gab ich mich zu erkennen und erzehlete ihn, wie mirs in
Hamburg gegangen wäre. Es war der Tebel hohlmer ein brav Kerl auch, denn er war
nur vor etlichen Tagen aus Franckreich gekommen und wartete allda bei dem Wirte
im Weinberge auf einen Wechsel, welchen ihn seine Frau Mutter mit ehster
Gelegenheit schicken würde. Er erzeigte mir sehr grosse Ehre, dass ichs der Tebel
hohlmer Lebenslang werde zu rühmen wissen und gab mir auch den Rat, ich sollte
mich nicht lange in Altona aufhalten, denn wenns erfahren würde in Hamburg, dass
der und der sich da aufhielte, welcher so viel Seelen caput gemacht hätte,
dürffte die Rädel-Wache, wenns gleich in einem andern Gebiete wäre, wohl
nachgeschickt werden und mich lassen bei den Kopffe nehmen. Welchen guten Rate
ich auch folgete und weil selben Tag gleich ein Schiff von dar auf der See nach
den Lande Schweden zuseegelte, dingte ich mich auf dasselbe, nahm von meinen
Herrn Landsmanne Abschied und marchirete von Altona fort.
    Wie mirs nun dazumahl auf der See ging, was ich da und in den Lande Schweden
gesehen und erfahren habe, wird in folgenden Capitel überaus artig zu vernehmen
sein.
 
                              Das dritte Capitel.
Es war gleich in der Knoblochs Mittewoche, als ich mich zum ersten mahl auf das
Wasser begab. Nun hätte ich vermeint, die Schiffe zu Hamburg wären gross, worauf
man bei den Jungfern-Stiege pflegte spazieren zu fahren - allein so sah ich
wohl, dass bei Altona auf der See der Tebel hohlmer noch tausendmahl grösser
waren, denn die Leute nennten sie nur die grossen Last-Schiffe. Auf so eins
satzte ich mich nun; wie ich von meinen Landsmanne Abschied genommen hatte,
schiffte ich da mit fort.
    Ich war kaum eine halbe Stunde auf den Wasser gefahren, so wurde mir übel
und kriegte die See-Kranck[hei]t. O Sapperment! wie fieng ich an zu speien, dass
ich auch der Tebel hohlmer nicht anders dachte, die Caldaunen würden alle aus
den Leibe heraus müssen, denn es war ganz kein aufhören da und ging immer in
einen, drei ganzer Tage und Nacht zum Schiffe hinaus. Die andern verwunderten
sich auch alle, wo ich so viel Zeugs hernehmen müste! Den vierdten Tag früh, als
mir nun begunte allmählig ein Bissgen besser zu werden, so liess ich mir den
Schiffer ein gut Glas mit Brantewein geben, welches so ohngefehr zwölff Mass
waren. Denselben goss ich nun auf einen Schluck flugs hinein und vermeinte, es
sollte mir den Magen wieder zu curiren. O Sapperment! als ich dasselbe Zeug in
Leib kriegte, wie fing mir wieder an übel zu werden, und hatte ich zuvor nicht
gespyen, so spye ich allererst nach den Branteweine, dass auch - als ich vier
ganzer Tage wieder in einen Weg gespyen - den 5. Tag drauf der Tebel hohlmer
das klare Ziegen-Molcken von mir ging, welches ich von meiner Kindheit an biss in
das 12te Jahr gesoffen und sich in Leibe irgendswo so lange noch müsse haben
verfangen gehabt. Da solches nun aus dem Leibe auch heraus war und ich ganz
nichts mehr zu speien hatte, hiess mich der Schiffer ein gut Glas voll Bomolie
aussauffen, dass mir der Magen fein geschmeidig wieder darnach würde, welches ich
auch tat und soff der Tebel hohlmer wohl über 15 Kannen Bomolie auf einen
Schluck in mich hinein.
    So bald als ich das Zeug in Leib kriegte, wurde mir von Stund an besser. Den
13. Tag gegen 10 Uhr Vormittage wurde es stock Raben finster, dass man auch nicht
einen Stich sehen kunte und musste der Schiffmann eine grosse Lampe vor das
Schiff heraus hengen, damit er wusste, wo er zufuhr, denn seinem Compasse durffte
er nicht wohl trauen - derselbe stockte immer! Wie es nun so gegen Abend kam, Ey
Sapperment! Was erhub sich vor ein Sturm auff der See, dass wir auch der Tebel
hohl mer nicht anders meinten, wir würden alle müssen vor die Hunde gehen. Ich
kann der Tebel hohl [mer] wohl sagen, dass es uns nicht anders in solchen Sturme
war, als wenn wir in einer Wiege geboyet würden wie die kleinen Kinder! Der
Schiffmann wollte wohl gerne anckern, allein er hatte keinen Grund und musste also
nur Achtung haben, dass er mit den Schiffe an keine Klippe fuhr. Den 19ten Tag
begunte der Himmel sich allmählich wieder zu klären und legte sich der Sturm
auch so geschwind, dass es den zwantzigsten Tag wieder so stille und gut Wetter
wurde, besser als wir es uns selbst wünscheten. Das Wasser in der See wurde auch
nach diesen Sturme so helle, dass man der Tebel hohlmer alle Fische in der See
kunte gehn sehen. Ey Sapperment! was gab es da vor Stichlinge? Es war der Tebel
hohlmer ein Stichling so gross als hier zu Lande der gröste Lachs ist! Und
Hechte? Die hatten der Tebel hohlmer Zungen zu den Schnautzen heraus hangen wie
die grossen Polnischen Ochsen; unter andern liessen sich auch Fische da sehen
mit abscheulichen grossen roten Augen - ich will wetten, dass ein Auge bei so
einen Fische fast grösser war als hier zu Lande ein Bottigt-Boden ist, worinnen
die Leute das gute Klebe-Bier zu brauen pflegen. Ich fragte auch den Schiffer,
wie sie die Fische nannten? So sagte er: Man hiesse sie nur Gross-Augen.
    Zu Ausgang desselben Monats rochen wir Land und kriegten den folgenden Monat
drauf die Spitzen von den schönen Türmen in Stockholm zu sehen, worauff wir zu
seegelten. Als wir nun etwan noch einer Meile von der Stadt waren, fuhren wir
ganz sachte an den Ufer weg. Sapperment! was sind da vor schöne Wiesen um
Stockholm herum! Die Leute machten gleich um selbe Zeit Heu - sie gingen der
Tebel hohlmer im Grasse bis unter die Arme, dass es nur mit Lust anzusehen war;
es stunden wohl über 6000 Heu-Hauffen auf einer Wiese da, dass sie schon gemacht
hatten.
    Als wir nun ganz nah an die Stadt kamen, so hielt der Schiffmann stille,
hiess uns Fähr-Geld suchen und aussteigen, welches wir auch taten.
    Wie wir nun da an Ufer ausgestiegen waren, so ging hernach einer hier
hinaus, der andere dort hinaus. Ich wanderte nun gleich auch mit in die Stadt,
und weil ich in keinen gemeinen Wirts-Hause Lust zu logiren hatte, blieb ich in
der Vorstadt und nahm mein Qvartier bei dem Lust-Gärtner, welches der Tebel
hohlmer ein überaus wackerer Mann war. Sobald als ich mich nun bei ihn anmeldete
und um Qvartier ansprach, sagte er gleich Ja. Flugs drauf erzehlete ich ihn
meine Geburt und die Begebenheit von der Ratte. Ey Sapperment! was war es dem
Manne vor eine Freude, als er diese Dinge hörete! Er war der Tebel hohlmer auch
so höfflich gegen mich und hatte sein Mützgen stets unter dem Arme, wenn er mit
mir redete, denn er hiess mich nur Ihr Gnaden. Nun sah er auch wohl, dass ich ein
brav Kerl war und dass was grosses hinter mir stecken musste.
    Er hatte einen vortrefflichen schönen Garten, da kamen nun fast täglich die
vornehmsten Leute aus der Stadt zu ihn spazieren gefahren. Ob ich mich nun wohl
wollte da incognito aufhalten und mich nicht zu erkennen geben, wer und wes
Standes ich wäre, so wurde ich doch bald verraten. Ey Sapperm. - was kriegte
ich da vor Visiten von den vornehmsten Damens in Stockholm! Es kamen der Tebel
hohl mer alle Tage wohl 30 Kutschen voll immer in den Garten gefahren, dass sie
mich nur sehen wollten! Denn der Lust-Gärtner mochte mich gegen die Leute so
heraus gestrichen haben, was ich vor ein brav Kerl wäre.
    Unter andern kam immer ein Frauenzimmer in den Garten gefahren - ihr Vater
war der vornehmste Mann mit bei der Stadt - die hiessen die Leute nur Fräulein
Lisette. Es war der Tebel hohlmer ein vortrefflich schön Mensche! Dieselbe hatte
sich nun bis auf den Todt in mich verliebet und gab recht ordentlich freiens
auch bei mir vor, dass ich sie nehmen sollte. Ich antwortete derselben hierauf
aber sehr artig und sagte: Wie dass ich ein brav Kerl wäre, dem was rechts aus
den Augen heraus sähe, dass also dieselbe vor dieses mahl mit keiner gewissen
Antwort könnte versehen werden. Sapperment! wie fing das Mensch an zu heulen und
zu schreien, da ich ihr den Korb gab, dass ich also der Tebel hohlmer nicht
wusste, woran ich mit ihr war. Endlich fing ich zu ihr an, dass ich mich in
Hamburg schon mit einer halb und halb versprochen, allein ich hätte keine Post
von ihr, ob sie noch lebete oder ob sie todt wäre. Sie sollte sich nur zu frieden
geben, in etlichen Tagen wollte ich Ihr Antwort wiedersagen, ob ich sie nehmen
wollte oder nicht. Hierauf gab sie sich wieder zu frieden und fiel mir um den
Hals und meinte es auch der Tebel hohlmer so gut mit mir, dass ich mich auch
gäntzlich resolviret hatte, die Charmante fahren zu lassen und mich an Fräulein
Lisetten zu hängen.
    Hierauf nahm sie mit weinenden Augen von mir Abschied und sagte, dass sie mir
den morgenden Tag früh wieder zusprechen wollte und fuhr damit in die Stadt nach
ihren Eltern zu. Was geschah? Der morgende Tag kam herbei, ich liess eine gute
frische Milch zurichten, mit derselben wollte ich das Fräulein Lisette im Garten
nun tractiren. Der Vormittag lief vorbei, der Nachmittag war auch fast zu Ende -
ich wartete im Garten immer mit der frische Milch, es wollte aber kein Fräulein
Lisette kommen, dass ich auch der Tebel hohlmer so tolle war und weil ich mich
nicht rächen kunte, der frische Milch in die Haare geriet und die in der
Bosheit reine ausfrass! Indem ich den letzten Löffel voll ins Maul steckte, kam
des Gärtners Junge sporenstreichs zum Garten hinein gelauffen und fragte mich,
ob ich was neues wüste? Wie ich nun gerne wissen wollte, was es gäbe, fing er an:
Das Fräulein Lisette, welche gestern Abend so lange in Garten bei mir gewesen,
wäre diese Nacht so plötzlich gestorben! Ey Sapperment! wie erschrack ich über
die Post, dass mir auch der letzte Löffel voll Milch im Halse gleich verstarrete!
Ja (fing der Junge weiter an) und der Doctor hätte gesagt, sie müste sich
worüber sehre gegrämet haben, sonst wäre sie wohl nicht gestorben, weil ihr
ganz keine Kranckheit wäre anzusehen gewesen. Ey Sapperment! wie jammerte mich
das Mensche und da war wohl der Tebel hohl mer niemand an ihren Tode schuld, als
eben ich, weil ich sie nicht haben wollte! Das Mensche taurete mich der Tebel
hohlmer sehr lange, ehe ich sie vergessen kunte. Ich liess ihr auch zu Ehren
einen Poeten folgende Zeilen dichten und auf ihren Leichen-Stein hauen, welcher
die heutige Stunde noch in Stockholm auf ihren Grabe wird zu lesen sein:
Steh! flüchtger Wandersmann, betrachte diesen Stein
Und rate wer allhier wohl mag begraben sein?
Es starb vor Liebes-Gram ein Liessgen in den Bette.
Nun rate wer hier liegt? - das schöne Kind Lisette.
    Nach diesen Liessgen verliebte sich hernach eines vornehmen Nobels Tochter in
mich, dieselbe hiess Damigen, und gab nun ebenfalls wieder freiens bei mir vor.
Es war der Tebel hohlmer ein unvergleichlich Mensche auch. Mit derselben musste
ich alle Tage spatziren fahren und mich stets mit ihr schleppen! Ob ich nun wohl
der Nobels Tochter sehr wohl gewogen war und auch Vertröstung getan, sie zu
nehmen, so hatte ich aber den Handschlag dennoch nicht von mir gegeben. Allein
es trugen sich alle kleine Jungen auf der Gasse mit herum, das Jungfer Damigen
eine Braut wäre; wie das Mensche so wohl ankäme und was sie vor so einen
vornehmen braven Kerl zum Manne kriegte, an welchen auch flugs alles lachte,
wenn man ihn nur ansähe.
    Von solchen Spargement war nun die ganze Stadt voll! Ich hatte mich auch
gäntzlichen resolviret, sie zu heiraten und hätte sie auch genommen, wenn sie
nicht ihr Herr Vater ohne mein und ihrer Wissen und Willen einen andern Nobel
versprochen gehabt. Was geschahe? Damigen bat mich einsmahls, dass ich mit ihr
musste an einen Sonntage durch die Stadt spazieren gehen, damit mich doch die
Leute nur sähen, denn sie hätten von den Lust-Gärtner gehöret, dass ich so ein
braver, vortrefflicher Kerl wäre, den nichts ungemeines aus den Augen funckelte,
und also trögen ihrer viel gross Verlangen, mich doch nur zu sehen. Nun kunte ich
ihr leicht den Gefallen erweisen und sie in der Stadt ein wenig herum führen.
    Es war gleich am Baltens-Tage, welcher dazumahl den Sontag einfiel, als ich
mit Damigen in der Stadt Stockholm herum spazieren ging und Sie bei der Hand
führete; wie nun die Leute sahen, dass ich mit meinen Damigen da angestochen
kame, o Sapperment! wie legten sie sich zu den Fenstern heraus? Sie redeten
immer heimlich gegen einander und so viel ich vernehmen kunte, sagte bald hier
einer: das ist doch ein wunderschöner Kerl? bald fing ein anderer in einen
andern Hause an: Des gleichen hab ich mein Lebetage nicht gesehen; bald stunden
dort ein paar kleine Jungen, die sagten zu einander: Du, sieh doch, da kömmt das
Mensche gegangen, die den vornehmen reichen Juncker kriegt, der draussen bei den
Lust-Gärtner in Quartiere liegt. Bald stunden an einer Ecke ein Paar Mägde, die
sagten: Ach Ihr Leute! denckt doch, wie Jungfer Damigen so wohl ankömmt! Sie
kriegt den Kerl da, der sie bei der Hand führt. Das Mensche ist ihn nicht
einmal wert! Solche und dergleichen Reden murmelten die Leute nun so heimlich
zu einander. Es war auch ein Nachgesehe, dass ichs der Tebel hohlmer nicht sagen
kann. Als wir nun auf den Marckt kamen und allda uns ein wenig aufhielten, dass
ich das Volck recht sehen sollte, mag derselbe Nobel dieses gewahr werden, dass
ich Damigen (welche er zur Liebsten haben sollte) nach aller Lust da herum führe.
Ich versah mich aber dieses nicht, dass der Kerl solch närsch Ding vornehmen
wird! Indem mich nun die Leute und mein Damigen mit grosser Verwunderung
ansahen, kam er von hinterrücks und gab mir der Tebel hohlmer eine solche
Presche, dass mir der Hut weit von Kopffe flog und lieff hernach geschwinde in
ein Haus hinein. O Sapperment! wie knirschte ich mit den Zähnen, dass sich der
Kerl solch Ding unterstund, und wenn er nicht gelauffen wäre, ich hätte ihn der
Tebel hohl mer die falsche Qvinte gleich durchs Hertze gestossen, dass er das
aufstehen wohl vergessen sollen! Ich hatte auch willens, ihn zu verfolgen, wenn
mich Damigen nicht davon noch abgehalten hätte. Die sagte: Es möchte so ein gross
Aufsehens bei denen Leuten erwecken und ich könnte ihn schon zu anderer Zeit
finden. Als Damigen diesen Vorschlag tat, satzte ich meinen Hut mit so einer
artigen Manier wieder auf, dass auch alle die Leute, welche mir hatten
hinterrücks sehen die Presche geben, heimlich zu einander sagten: Es müste was
rechts hinter mir stecken! Ob ich nun wohl gegen mein Damigen mich erzeugte, als
wenn mir nichts drum wäre - dennoch aber kunte ich das Knirschen mit den Zähnen
nicht lassen; so tolle war ich, dass ich auch endlich Damigen bat, wenn sie
beliebete, so wollten wir wieder zum Lust-Gärtner hinaus wandern und uns da im
Garten ein wenig noch divertiren. Damigen gehorchte mir in allen, wir giengen
beide mit so einer artigen Manier wieder zurücke und immer nach des
Lust-Gärtners Hause zu, allwo ich mich in Garten mit meinen Damigen ins Grass
setzte und mit ihr beratschlagete, wie ichs anfangen wollte, mich an den Nobel
zu rächen. Hierauf satzte sich Damigen in ihre Kutsche und fuhr wieder in die
Stadt nach ihrer Behausung zu.
    Den andern Tag drauf, als ich mich nun erkundiget, wo der Kerl wohnete,
welcher mir die Ohr-Feige gegeben, schickte ich des Gärtners Jungen an ihn und
liess ihn sagen: Ich hielte ihn vor keinen braven Kerl, sondern vor dem
allerelendesten Bärenhäuter auf der Welt, wenn er nicht die und die Zeit
draussen auf der grossen Wiese mit ein paar guten Pistolen erschiene, und da
wollte ich ihn weisen, dass ich ein braver Kerl wäre. - Was geschieht, als des
Lust-Gärtners Junge den Nobel diese Worte nun so unter die Nase reibet und von
Pistolen schwatzt? Ey Sapperment! wie erschrickt der Kerl, dass er nicht weiss was
er den Jungen antworten soll! Wie nun der Junge spricht: Was er denn den
vornehmen Herrn zur Antwort hierauf wieder bringen sollte? fänget er endlich an:
Er müste gestehen, ja, dass er mir den Hut von Kopffe geschmissen und es hätte
ihn so verdrossen, dass ich Jungfer Damigen als seine zukünftige Liebste bei der
Hand geführet, und dasselbe hätte er gar nicht leiden können. Dass ich ihn nun
wegen der gegebenen Ohrfeige flugs auf Pistolen hinaus forderte, würde er wohl
schwerlich kommen, denn es wäre so eine Sache mit den schüssen! Wie leichtlich
könnte er oder ich was davon bekommen! Was hätten wir denn hernach davon! Und
darauf käme er nicht. Wolte ich mich aber mit ihn auf druckene Fäuste schlagen,
so wollte er seine Mutter erstlich drum fragen, ob sie solches zugeben wölte. Wo
sie aber ihn solches auch nicht verwilligte, könnte er mir vor die Ohrfeige keine
revange geben.
    O Sapperment! als mir der Junge solche Antwort von den Nobel wiederbrachte,
hätte ich mich der Tebel hohlmer flugs mögen zu stossen und zu reissen! Ich war
her und besann mich, wie ich ihn wieder tractiren wollte? Erstlich hatte ich ihn
willens auf der Gasse übern Hauffen zu stossen und fortzugehen. So dachte ich
aber, wo wird dich dein Damigen hernach suchen! Endlich resolvirte ich mich, ich
wollte ihn in öffentlicher Compagnie die Presche gedoppelt wiedergeben und mit
einen Spanischen Rohre wichtig abschmeissen. Das hätte ich auch getan, wenn der
Kerl nicht wegen des Pistolen hinausforderns so ein gross Wesen flugs gemacht
hätte, dass ich also von hoher Hand gebeten wurde, ich möchte es nur gut sein
lassen - gnug, dass sie alle wüsten, dass ich ein brav Kerl wäre, desgleichen wohl
wenig in der Welt würde gefunden werden. Als ich dieses hörete, dass von hoher
Hand man mich bat, dass ich ihn sollte zu frieden lassen und mich alle vor den
bravsten Kerl auf der Welt aestimireten, hätte ich mir hernach wohl die Mühe
genommen, dass ich wieder an ihn gedacht hätte.
    Allein mein Damigen kriegte ich doch auch nicht! Ihr Vater liess mir zwar
sagen, Er sähe wohl, dass ich ein brav Kerl wäre, desgleichen man wenig findete,
allein seine Tochter hätte er einen Nobel versprochen und wer kein Nobel wäre,
der dürffte sich auch nicht die Gedancken machen, dass er sie kriegen würde. Ich
liess ihn aber hierauf artig wieder sagen, wie dass er nämlich alle recht geredet,
dass ich ein brav Kerl wäre, desgleichen wohl wenig in der Welt anzutreffen wäre
und ich hätte ja seine Tochter noch niemahls verlanget, sondern sie hätte mich
haben wollen! Wie das der alte Nobel seinen Damigen vorhält, spricht sie: ja, es
wäre wahr, und sie nehme doch den nicht, welchen man ihr aufdringen wollte. Wenn
sie mich nicht haben sollte, nehme sie gar keinen, und sie wollte lieber was
anders tun, als einen heiraten, den sie nicht liebhaben könnte. Damigens Hr.
Vater aber war ihr hierauf sehr scharff auf den Dache und verbot ihr bei seiner
höchsten Ungenade, nicht wieder zu mir zu fahren, denn er hatte auch in allen
Toren bestallt, dass niemand sie hinaus lassen sollte. Bekam ich also dazumahl
Damigen nicht wieder zu sehen, hernach so gings den guten Menschen gar
unglücklich, dass also Ihren gestrengen Herrn Vater es alle Leute vor übel
hielten, dass er sie mir versaget hatte.
    Nach diesen hatte ich mir auch gäntzlich vorgenommen, Stockholm wieder zu
verlassen, weil ich in dem 2 ganzer Jahr schon da mich umgesehen. Indem ich
mich nun resolviret, den andern Tag wieder auf das Schiff zu begeben, ging ich
vorigen Tag noch einmal in des Gärtners Lust-Garten und sah, ob die Pflaumen
bald reiff waren. Indem ich einen Baum so nach [den] andern beschauete, kam des
Gärtners Junge Sporenstreichs wieder auf mich zugelauffen und sagte: Dass iemand
draussen vorn Tore mit einen schönen Schellen-Schlitten hielte, der wollte mich
gerne sprechen. Er hätte einen grossen grünen Fuchspeltz an. Nun kunte ich mich
nicht flugs besinnen, wer es sein müste. Endlich besann ich mich auf meinen Hr.
Br. Grafen, ob der es etwa sein müste und lief geschwinde mit den Jungen aus den
Garten vor. Wie ich vor kam, so wars der Tebel hohlmer mein Hr. Br. Graf,
welchen ich zu Hamburg in Stiche gelassen! O Sapperm., wie erfreuten wir uns
alle beide, dass wir einander wieder sahen! Ich nahm ihn gleich mit in des
Gärtners Stube und liess ihn flugs was zu essen und zu trincken geben, denn er
war der Tebel hohl mer bald ganz verhungert und sein Pferd sah auch ganz
mager aus! Das musste des Gärtners Junge flugs hinaus auf die Wiesen in die Weide
reiten, aufdass sichs wieder ausfressen sollte. Damit erzehlete er mir nun
allerhand, wie es ihm in Hamburg noch gegangen wäre und wie die Dame Charmante
mich so betauret, als ich die Flucht nehmen müssen und sie so unverhofft
verlassen. Er brachte mir auch einen Brieff mit von ihr, welchen sie nur
verloren an mich geschrieben, dass er mir denselben doch zustellen möchte, denn
sie hatte vermeint, ich wäre schon längstens todt, weil ich ihr gar nicht
geschrieben, wo ich wäre. Der Inhalt des Briefes war wie folget also und zwar
Verss weise:
Anmutger Jüngling, lebst du noch? oder liegst du schon verscharret?
Weil du weder Brieff noch Gruss deiner Liebsten schickest ein?
Ach! so heist es leider! wohl recht umsonst auf das geharret,
Was man in Gedancken küst und muss längst verweset sein.
Biss du todt! so gönn ich dir dort die höchst vergnügten Freuden;
Lebst du noch, anmutger Schatz? und erblickest dieses Blat,
Welches die Charmante schickt, die dich musste plötzlich meiden,
Als dein tapffrer Helden-Mut dich verjagte aus der Stadt.
Lebst du noch? so bitt ich dich, schreib mir eiligst doch zurücke,
Wo du bist - es mag der Weg auch sehr höchst gefährlich sein,
So will ich dich sprechen bald mit des Himmels guten Glücke,
Wenn du hierauf nur ein Wort erst Charmanten lieferst ein.
    Als ich diesen Brief gelesen, ging mir die Charmante so zu Gemüte, dass ich
mich des Weinens nicht entalten kunte, sondern hiess meinen Hr. Bruder Grafen
essen und ging hinaus vor die Stubentür und gransste der Tebel hohlmer da wie
ein kleiner Junge. Als ich nun ausgegransst hatte, sagte ich zum Lust-Gärtner,
er sollte mir doch Feder und Dinte geben, ich wollte eiligst diesen Brieff
beantworten. Der Lust-Gärtner sagte hierauf: Es stünde alles zusammen oben in
der Sommer-Stube und wenn ichs verlangete, so wollte er solches herunter hohlen
lassen. Beliebete mir aber, droben zu schreiben, alwo ich nicht von Reden
gestöret würde, könnte ichs auch tun. Ich liess mir solches gefallen, bat dem
Hn. Bruder Grafen, ob er mir verzeihen wollte, dass ich ihn ein wenig alleine
liesse, und ich wäre nur gesonnen, den Brieff wieder zu beantworten und
fortzuschicken. Der Hr. Bruder Graf sagte hierauf nur, dass ich doch mit ihm kein
Wesens machen sollte und ich möchte so lange schreiben als ich wollte. Er würde
mich daran nicht hindern.
    Damit so wanderte ich zur Stubentür hinaus und wollte eiligst die Treppe
hinauf lauffen. Ich werde es aber nicht gewahr, dass eine Stufe ausgebrochen ist
und falle da mit den rechten Beine hinein in die Lücke, wo die Stufe fehlt, und
breche der Tebel hohlmer das Bein flugs mursch entzwei! O Sapperment! wie fing
ich an zu schreien! Sie kamen alle, wie auch der Hr. Graf, darzu gelauffen und
fragten, was mir wäre. Allein es kunte mir keiner helffen - das Bein war einmal
in Stücken! Der Lust-Gärtner schickte flugs nach den Scharffrichter, dass der
kommen musste und mich verbinden, denn es war der Tebel hohlmer ein wackerer Mann
in Bruch heilen. Derselbe brachte mirs sehr artig wieder zu rechte, ob er gleich
12 ganzer Wochen an denselben docterte. Als ich nun so ein Bissgen drauf wieder
fussen kunte, so musste ich hernach allererst der Charmante ihren Brieff
beantworten, welcher folgender massen auch Verssweise sehr artig eingerichtet
war:
Mit Wündschung zuvor alles Liebes und Gutes,
Schelmuffsky lebet noch und ist sehr gutes Mutes!
Hat Er gleich vor zwölff Wochen gebrochen das rechte Bein,
So wird dasselbe doch vom Scharffrichter bald wieder geheilet sein.
Der Herr Bruder Graf ist mit seinen Schlitten bei mir glücklich ankommen
Und einen Brieff mitgebracht, woraus ich vernommen:
Das meine liebe Charmante gerne wissen möchte: ob ich lebendig oder todt?
Es hat aber mit mir der Tebel hohlmer noch keine Not.
Ich lebe itzunder in den Lande Schweden,
Wenn nun du, hertzes Kind, wilst gerne mit mir reden?
Zu Stockholm bei den Lust-Gärtner in der Vorstadt hab ich mein Quartier,
So must du bald kommen her zu mir;
Denn ich werde nicht gar lange mehr da bleiben.
Das ists nun, was ich dir zur Antwort hiermit habe wollen fein geschwinde
    schreiben.
Indessen lebe wohl, gesund, frisch spat und früh
Und ich verbleibe allezeit dein
                                                             anmutiger Jüngling
                                                                   Schelmuffsky.
    Ob ich mich nun wohl aufs Verss machen nicht gross geleget hatte, so war mir
doch der Tebel hohl mer dieser Brief Verssweise sehr artig geraten. Denselben
schickte ich nun durch des Gärtners Jungen zu Stockholm ins Postauss, damit er
citò möchte nach Hamburg bestellet werden.
    Hierauf giengen kaum vier Wochen ins Land, so kam meine Liebste Charmante
auch anmarchiret. Wie sie mich nun sah, Sapperment! fiel mir das Mensche nicht
um den Hals und hertzte mich! Sie frass mir vor Liebe der Tebel hohlmer bald die
Schnautze weg. Sie erzehlete mir hernach auch, wie mich die Rädelwache zu
Hamburg 3mahl in ihren Bette gesucht hätte, weil ich so viel Kerl hätte zu
schanden gehauen, und wie mich die Compagnie auf den Tantzboden so ungerne
verloren, weil ich einen vortrefflichen Springer abgegeben. Ich sollte ihr auch
erzählen, wie mirs die Zeit über gegangen wäre, als ich von Hamburg die Flucht
nehmen müssen. Damit erzehlete ich ihr, und auch wie wir auf der See hätten
Sturm gehabt u. was ich vor allerhand Fische gesehen. Aber wie mirs in Stockholm
mit der Ohrfeige wegen Jungf. Damigen gegangen wäre, davon sagte ich ihr der
Tebel hohlmer kein Wort.
    Ob ich nun wohl, wie mein Bein völlig wieder curiret war, mich wollte zu
Schiffe wieder setzen und die Welt weiter besehen, so liess ich mich doch auf der
Charmante ihr Bitten überreden, dass ich ein halb Jahr noch in Stockholm blieb
und ihr dieses und jenes zeigete. Nun ist eben nichts sonderliches da zu sehen,
als dass Stockholm eine brave Stadt ist, sehr lustig lieget und um dieselbe herum
schöne Gärten, Wiesen und vortreffliche Weinberge angebauet sein und dass der
Tebel hohlmer der schönste Necker-Wein da wächset. Allein von Fischwercke und
solchen Sachen gibts eben so wenig als in Hamburg! Forellen hat man zwar gnug
auch da, allein wer kann einerlei Fische immer essen! Aber unerhörte Viehzucht
gibts da wegen der Gräserei. Es gibt der Tebel hohlmer Kühe dort, da eine wohl
auf einmal 40 bis 50 Kannen Milch gibt! Sie machen im Winter auch flugs Butter,
die sieht der Tebel hohlmer wie das schönste gewundene Wachs.
    Nachdem ich meine Charmante nun überal herum geführet und ihr dieses und
jenes in Stockholm gezeiget, machte ich mich mit ihr benebst den Hn. Bruder
Grafen wieder Reisefertig, bezahlete, was ich da bei den Lust-Gärtner verzehret
hatte und dingeten uns auf ein Schiff, welches uns mit sollte nach Holland
nehmen. Wie wir nun mit den Schiffer richtig waren, packte der Hr. Graf seinen
Schellen-Schlitten mit seinen Pferde auch auf das Schiff, dann er, wenn er zu
Lande käme, wieder kutschen könnte. Als es bald Zeit war, dass das Schiff
fortseegeln wollte, nahmen wir von den Lust-Gärtner Abschied und bedanckten uns
nochmahls vor allen guten erzeigten Willen. Da fing der Tebel hohlmer der Mann
an zu weinen wie ein klein Kind, so jammerte ihn unser Abschied! Er beschenckte
mich auch zu guter letzt mit einer wunderschönen Blume; ob dieselbe gleich
kohlbech-schwartze Blätter hatte, so kunte man sie doch der Tebel hohlmer auf
eine ganze Meil wegs riechen! Er nennte sie nur Viola Kohlrabi. Dieselbe Viola
Kohlrabi nahm ich nun auch mit. Damit marchireten wir nun fort und nach den
Schiffe zu.
    Als wir nun dahin kamen, Sapperment! was sah man da vor Volck, welches mit
nach Holland gehen wollte! Es waren der Tebel hohlmer wohl auf sechstausend
Seelen, die setzten sich nun alle auch mit zu Schiffe und hatten in willens,
Holland zu besehen. Wie es uns aber dasselbe mahl auf der See erbärmlich ging,
werden einen die Haare zu Berge stehen, wer folgendes Capitel lesen wird.
 
                              Das vierte Capitel.
Als wir von Stockholm abfuhren, war es gleich um selbe Zeit, da die Kirschen und
Weintrauben sich anfingen zu färben. Sapperment! was war da vor ein Gekrübele
und Gewübele auf den Schiffe von so viel Leuten! Ich und meine Liebste Charmante
wie auch der Herr Bruder Graff - weil der Schiffmann sah, dass wir
Standes-Personen waren - hatten ein eigenes Zimmer auf den Schiffe zu unserer
Bequemlichkeit inne. Die andern 6000 aber mussten der Tebel hohlmer alle nach der
Reihe auf einer Streue schlaffen.
    Wir schifften etliche Wochen sehr glücklich fort und waren alle brav lustig
auf den Schiffe. Als wir aber an die Insel Bornholm kommen, wo es so viel
Klippen gibt, und wenn ein Schiffmann die Wege da nicht weiss, gar leichtlich
umwerfen kann, ei Sapperment! was erhub sich im Augenblick vor ein grosser Sturm
und Ungestümm auf der See! Der Wind schmiss der Tebel hohlmer die Wellen die
höchsten Türme hoch über das Schiff weg und fing an,
kohl-bech-raben-stockfinster zu werden. Zu dem allergrösten Unglücke noch hatte
er zu Stockholm in Wirtshause den Compass auf den Tische stehen lassen und
vergessen, dass er also ganz nicht wusste, wo er war und wo er zufahren sollte.
Das Wüten und Toben von den grausamen Ungestümm wärete 14 ganzer Tage und
Nacht! Den funffzehenden Tag, als wir vermeinten, es würde ein wenig stille
werden, so erhub sich wieder ein Wetter und schmiss der Wind unser Schiff an eine
Klippe, dass es der Tebel hohlmer flugs in hundert tausend Stücken sprang!
Sapperment! was war da vor ein Zustand auf der See! Es ging Schiff, Schiffmann
und alles, was nur zuvor auf den Schiffe war, in einen Augenblick zu Grunde und
wenn ich und mein Herr Bruder Graf nicht so geschwinde ein Bret ergriffen
hätten, worauf wir uns flugs legten, dass wir zu schwimmen kamen, so wäre kein
ander Mittel gewesen - wir hätten gleichfalls mit den 6000 Seelen müssen vor die
Hunde gehen! O Sapperment! was war da von den Leuten ein Gelamentire in den
Wasser! Nichts mehr dauret mich noch die Stunde, als nur meine allerliebste
Charmante! Wenn ich an dasselbe Mensche gedencke, gehen mir der Tebel holmer die
itzige Stunde die Augen noch über. Denn ich hörte sie wohl 10 mahl noch im
Wasser »Anmutiger Jüngling« ruffen - allein was kunte ich ihr helffen! Ich
hatte der Tebel hohlmer selber zu tun, dass ich nicht von den Brete herunter
kipte, geschweige dass ich ihr hätte helffen sollen. Es war immer und ewig Schade
um dasselbe Mensche, dass es da so unverhofft ihr Leben mit in die Schantze
schlagen musste. Es kunte sich auch der Tebel hohlmer nicht eine eintzige Seele
retten als ich und der Herr Graf auf dem Brete.
    Als ich und mein Herr Bruder Graf diesen Trauer-Spiele auf unsern Brete in
der Ferne nun so eine Weil zugeschauet, plätscherten wir mit unsern Händen auf
demselben fort und mussten wohl über hundert Meilen schwimmen, ehe wir wieder an
Land kamen. Nach Verfliessung dreier Tagen bekamen wir die Spitzen und Türme
von Amsterdam zu sehen, worauff wir gleich zu marchireten und den vierten Tag
früh um 10 Uhr hinter des Bürgermeisters Garten mit unsern Brete nach viel
ausgestandener Gefährlichkeit allda anländeten. Damit gingen wir durch des
Bürgemeisters Garten durch und immer nach desselben Hausse zu. Der Hr. Bruder
Graff der musste nun das Bret tragen und ich ging voran. Wie wir nun die
Garten-Türe aufklinckten, welche in des Burgmeisters Hof ging, so stund der
Burgmeister gleich in der Haus-Türe und sah uns da angemarchiret kommen! Mit
was vor Verwunderung uns auch der Mann ansah, will ich wohl keinen Menschen
sagen, denn wir sahen wie die gebadeten Mäuse so nass aus, denn Hn. Grafen lief
das Wasser immer noch von seinen samtnen Hosen herunter, als wenn einer mit
Muhlen gösse. Ich erzehlete den Herrn Burgemeister aber flugs mit zwei drei
Worten ganz artig wie dass wir Schiffbruch gelitten und auf den Brete so weit
schwimmen müssen, ehe wir an Land gekommen.
    Der Herr Burgemeister, welcher der Tebel hohlmer ein wackerer braver Mann
war, der hatte gross Mitleiden mit uns. Er führete uns in seine Stube, hiess warm
einheitzen, damit mussten ich und mein Herr Bruder Graf in die Hölle hintern Ofen
treten und uns wieder trucknen. So bald uns nun ein wenig der warme Ofen zu
passe kommen war, fing der Herr Burgemeister an und fragte, wer wir wären. Ich
fing hierauf gleich an und erzehlte denselben ganz artig meine Geburt und wie
es mit der Ratte damahls wäre zugegangen. O Sapperment! was sperrete der Mann
vor ein paar Augen auf, als ich ihm von der Ratte solche Dinge erzehlte! Er nahm
hernach allemahl, auch wenn er mit mir redete, sein Mützgen unter den Arm und
titulirete mich Ih. sehr Hoch-Wohlgebohrne Herrlichkeiten.
    Nach dieser Erzehlung wurde der Herr Burgemeister hinaus geruffen und blieb
wohl eine gute halbe Stunde draussen, ehe er wieder hinein kam; ich und mein
Herr Bruder Graf waren sehr hungrich, weil wir in 4 Tagen keiner keinen Bissen
gefressen hatten. Sahen derowegen - weil niemand in der Stube war - was in des
Burgemeisters Röhre in der Hölle guts passirete. Der Hr. Graf fühlte hinein und
brachte der Tebel hol mer einen grossen Topff voll Sauer-Kraut da heraus
geschlept, welches vielleicht den Gesinde sein mochte. Sapperment! wie
erbarmeten wir uns über das Sauerkraut und frassen es der Tebel hohlmer reine
aus! Es wärete hierauf nicht lange, so wurde mir und den Hn. Bruder Grafen davon
erschröcklich übel, weil wir solches ohne Brodt in den nüchtern Magen hinein
gefressen. Ey sapperment! wir fingen an zu speien und spyen der Tebel hohlmer
den Burgemeister die Hölle geschissene voll, dass es auch so ein Gestanck in der
Stube wurde, dass wir fast selbst nicht drinnen bleiben kunten! Hierauf kam der
Herr Burgemeister wieder in die Stube hinein und als er solches roche, fing er
zu mir an: Ih. sehr Hochwohlgebohrne Herrl. haben sich gewiss am Ofen versänget,
dass es so darnach riecht. Sapperment! was sollte ich den vornehmen Mann flugs
wiederauf antworten? Ich war her und erzehlete ihn flugs mit so einer artigen
Manier, wie dass wir nämlich wären hungrich gewesen und den Topff mit den
Sauer-Kraute in der Röhre zu fassen gekriecht und hineingefressen, und als uns
das Zeug nicht bekommen wäre, so hätten wir solches wieder müssen von uns speien
und davon würde es nun wohl so übel stincken. Sapperment! wie horchte der Mann,
dass ich solches mit so einer geschickten Manier vorbringen kunte! Er rufft
alsobald seiner Haus-Magd, dass sie die Hölle ausreumen sollte und in der Stube
ein wenig räuchern. Wie solches geschehen, so liess er alsobald den Tisch decken
und tractirete mich und den Herrn Grafen der Tebel hohlmer recht delicat.
    So bald als wir nun gespeiset hatten, kamen etliche von denen vornehmsten
Staaden in des Burgemeisters Haus und gaben mir und meinen Herrn Bruder Grafen
eine Visite. Sie baten uns auch zu sich zu Gaste und erwiesen uns grosse Ehre,
dass ich also wohl sagen kann, dass Amsterdam der Tebel hohlmer eine vortreffliche
Stadt ist. Es wurde zu derselben Zeit bald eine vornehme Hochzeit, worzu man
mich und meinen Herr Bruder Grafen auch invitirete. Denn es heiratete ein Lord
aus Londen in Engelland eines vornehmen Staadens Tochter zu Amsterdam, und wie
es nun da gebräuchlich ist, dass die vornehmen Standes-Personen, welche zur
Hochzeit gebeten werden, allemahl zu Ehren Braut und Bräutigam ein
Hochzeit-Carmen drücken lassen und sie damit beehren, als wollte ich hierinnen
mich auch sehen lassen, dass ich ein brav Kerl wäre. Es war gleich um selbe Zeit
bald Gertraute, dass der Klapperstorch bald wiederkommen sollte und weil die Braut
Traute hiess, so wollte ich meine invention von den Klapperstorche nehmen u. der
Titul sollte heissen:
                        Der fröliche Klapper-Storch etc.
Ich war her und satzte mich drüber und sass wohl über vier Stunden. Dass mir doch
wäre eine Zeile beigefallen! Der Tebel hohlmer, nicht ein Wort kunte ich zu Wege
bringen, das sich zu den frölichen Klapper-Storche geschickt hätte! Ich bat
meinen Hn. Br. Grafen, er sollte es versuchen, ob er was könnte zur Not
herbringen, weil mir nichts beifallen wollte. Der Hr. Graf sagte nun, wie er vor
diesen wäre in die Schule gegangen, so hätte er ein Bissgen reimen lernen. Ob ers
aber würde noch können, wüste er nicht, doch müste ers versuchen, obs angehen
wollte. Hierauf satzte sich der Graf nun hin, nahm Feder und Dinte und fing da an
zu dichten. Was er damahls nun aufschmierete, waren folgende Zeilen:
Die Lerche hat sich schon in Lüfften praesentiret
Und Mutter flora steigt allmehlich aus den Neste;
Schläfft gleich die Maja noch in ihren Zimmer feste,
Dass also ietzger Zeit viel Lust nicht wird gespürt.
Dennoch so will ...
Als er über diesen Zeilen nun so wohl eine halbe Stunde gesessen, so guckte ich
von hinten auf seinen Zeddel und sah, was er gemacht hatte. Wie ich nun das
Zeug lass, musste ich der Tebel hohlmer recht über den Herrn Bruder Grafen lachen,
dass es solch albern Gemächte war! Denn an statt, da er den Klapperstorch hätte
setzen sollen, hatte er die Lerche hingeschmiret und wo Traute stehen sollte,
hatte er gar einen Flor genommen; denn der Flor schickt sich auch auf die
Hochzeit? und darzu hätte sichs auch hintenaus reimen müssen! Denn praesentiret
und Neste, das reimt sich auch der Tebel hohlmer wie eine Faust aufs Auge! Er
wollte sich zwar den Kopff weiter darüber zu brechen, allein so hiess ichs ihn nur
sein lassen und dafür schlaffen. Ob ich nun wohl auch selben Tag ganz nichts zu
wege bringen kunte, so satzte ich mich folgenden Tag früh doch wieder drüber und
wollte von Gertrauten und den Klapper-Storche der Braut ein Carmen machen. O
Sapperment! als ich die Feder ansetzte, was hatte ich dazumahl vor Einfälle von
den Klapperstorche, dass ich auch der Tebel hohlmer nicht länger als einen halben
Tag darüber sass, so war es fertig und hiess wie folget also:
                        Der fröliche Klapper-Storch etc.
Gertrautens-Tag werden wir balde nun haben,
Da bringt der fröliche Klapper-Storch Gaben.
Derselbe wird fliehen über Wasser und Grass
Und unsrer Braut Trauten verehren auch was.
Das wird Sie der Tebelhohlmer wohl sparen
Und keinen nicht weisen in 3 viertel Jahren.
Worzu denn wündschet bei dieser Hochzeit
Gesunden und frischen Leib biss in Ewigkeit,
Auch langes Leben spat und früh
Eine Standes-Person von
                                                                   Schelmuffsky.
    So bald als nun die Hochzeit-Tage herbei rückten, wurde ich und der Herr
Bruder Graff von der Braut Vater gebeten, dass wir doch seiner Tochter die
grosse Ehre antun möchten und sie zur Trauung führen. Ich antwortete dem
Hochzeit-Vater hierauf sehr artig: wie dass ichs vor meine Person solches gerne
tun wollte, aber ob mein Herr Bruder Graf dabei würde erscheinen können,
zweiffelte ich sehr, dieweil der arme Schelm das kalte Fieber bekommen hätte und
ganz bettlägrig worden wäre. Den Hn. Hochzeit-Vater war solches sehr leid, und
weil es nicht sein kunte, musste der Hr. Burgemeister indessen seine Stelle
vertreten.
    Als ich nun die Braut zur Trauung mitführete, O Sapperment! was war vor ein
Aufgesehe von den Volcke! Sie drückten der Tebel hohlmer bald ein ander ganz zu
nichte, nur dass ein iedweder mich so gerne sehen wollte. Denn ich ging sehr artig
neben der Braut her in einen schwartzen langen seidenen Mantel mit einen roten
breiten Samt-Cragen. In Amsterdam ist es nun so die Mode, da tragen die
Standes-Personen auf ihren schwartzen Mänteln lauter rote Samt-Cragen und hohe
spitzige Hüte. Ich kans der Tebel hohlmer nicht sagen, wie ich das Mensche so
nette zur Trauung führete und wie mir der spitzige Hut und lange Mantel mit den
roten Samt-Cragen so proper liess.
    Da nun die Trauung vorbei und die Hochzeit anging, musste ich mich fluchs zur
Braut setzen, welches nechst den Bräutigam die oberste Stelle war. Hernach
sassen erstl. die andern vornehmen Standes-Personen, welche mich alle - zumahl
die mich noch nicht gross gesehen hatten - mit höchster Verwunderung ansahen und
wohl bei sich dachten, dass ich einer mit von den vornehmsten u. bravsten Kerlen
müste auf der Welt sein (wie es denn auch wahr war), dass man mir die Oberstelle
eingeräumt hätte.
    Wie wir nun so eine Weile gespeiset hatten, kam der Hochzeit-Bitter vor den
Tisch getreten und fing an, wer unter den Hnn. Hochzeit-Gästen von
Standes-Personen den Hn. Bräutigam oder der Jfr. Braut zu Ehren ein Carmen
verfertiget hätte, der möchte so gut sein und solches praesentiren. Sapperm.,
wie griffen sie alle in die Schub-Säcke und brachte ein iedweder einen
gedruckten Zeddel heraus geschlept und waren willens, solches zu übergeben. Weil
sie aber sahen, dass ich auch immer in meinen Hosen herum mährete und auch was
suchte, dachten sie gleich, dass ich ebenfalls was würde haben drucken lassen und
wollte mir keiner vorgehen. Endlich so brachte ich mein Carmen, welches ich auf
roten Atlas drücken lassen, aus den Hosen-Futter herausgezogen. O sapperment!
was war vor aufsehens da bei den Leuten! Dasselbe übergab ich nun zu allererst
d[er] Braut mit einer überausartigen Complimente. Als sie nun den Titul davon
erblickte, Sapperm., was machte das Mensche vor ein Gesichte! Da sie aber nun
erstlich solches durchlass, so verkehrete sie der Tebel hohlmer die Augen in
Köpffe wie ein Kalb und ich weiss, dass sie wohl dasselbe mahl dachte, wenn nur
der Klapperstorch schon da wäre! Die andern mochten nun Lunte riechen, dass mein
Hochzeit-Carmen unter ihren wohl das beste sein müste und steckten der Tebel
hohlmer fast ein iedweder seines wieder in die Ficke. Etliche übergaben zwar
ihre allein, weder Braut noch Bräutigam sah keins mit einem Auge an, sondern
legten es gleich unter den Teller. Aber nach meinen war der Tebel hohlmer ein
solch Gedränge, dass sie es alle so gerne sehen und lesen wollten. Warum? Es war
vor das erste von ungemeiner invention, und vor das andere über aus artig und
nette Teutsch, da hingegen die andern Standes-Personen zu ihren Versen lauter
halbgebrochene Worte und ungereimt Teutsch genommen hatten. - Ey Sapperment! was
wurde bei den Leuten vor Aufsehens erweckt, als sie mein Carmen gelesen hatten!
Sie stackten in einen die Köpffe zusammen und sahen mich immer mit höchster
Verwundrung an, dass ich so ein brav Kerl war, und redeten immer heimlich zu
einander: dass was sehr grosses hinter mir stecken müste. Hierauf währete es
nicht lange, so stund der Bräutigam auf und fing an, meine Gesundheit zu
trincken. Sapperment! was war da vor ein aufgestehe flugs von den andern
Standes-Personen und machten grosse Reverenze gegen mich. Ich blieb aber immer
sitzen und sah sie alle nach der Reihe mit so einer artigen Mine an. Der Hr.
Burgemeister, bei welchen ich mit meinen Bruder Grafen in Quartire lag, der
lachte immer, dass ihn der Bauch schutterte, so eine hertzliche Freude hatte er
drüber, dass mich alle mit einander so venerirten. Warum? Es war den Manne selbst
eine Ehre, dass so eine vornehme Person als nämlich Ich, sein Haus betreten
hatte.
    Wie meine Gesundheit nun über der Taffel herum war, so liess ich mir den
Hochzeit-Bitter eine grosse Wasser-Kanne geben, in welche wohl 24 Kannen nach
hiesigen Maasse gienge, die musste mir ein Aufwärter voll Wein schencken und über
die Tafel geben. Da dieses der Bräutigam wie auch die Braut und die andern
Hochzeit-Gäste sahen, sperreten sie der Tebel hohlmer alle Maul und Nasen drüber
auf und wussten nicht, was ich mit der Wasser-Kanne auf der Taffel da machen
wollte. Ich war aber her und stund mit einer artigen Manier auf, nahm die Kanne
mit den Weine in die Hand und sagte: Es lebe die Braut Traute! Sapperment! wie
bückten sich die andern Standes-Personen alle gegen mich! Damit so satzte ich an
und soff der Tebel hohlmer die Wasser-Kanne mit den 24 Maass Wein auf einen Zug
reine aus und schmiss sie wieder den Kachel-Ofen, dass die Stücken herum flogen. O
Sapperment! wie sah mich das Volck an! Hatten sie sich nicht zuvor über mich
verwundert, als sie meine Hochzeit-Verse gelesen, so verwunderten sie sich
allererst hernach, da sie sahen, wie ich die Wasser-Kanne voll Wein so artig
aussauffen kunte. Flugs hierauf liess ich mir den Aufwärter noch eine solche
Kanne voll Wein einschencken und über den Tisch geben, die soff ich nun eben wie
die vorige auf des Bräutigams (Toffel hiess er) Gesundheit hinein. Ey Sapperment!
wie reckten die Staadens-Töchter, welche über der andern Tafel sassen, alle die
Hälse nach mir in die Höh! Die Menscher verwunderten sich der Tebel hohlmer auch
schrecklich über mich, als sie sahen, dass ich so artig trincken kunte.
    Kurtz darauf kam mir so ein unverhoffter und geschwinder Schlaff an, dass
ichs auch unmöglich lassen kunte, ich musste mich mit den Kopffe auf den Tisch
legen und ein Bissgen lauschen. Da solches die Braut sah, so bat sie mich, [dass
ich mich] doch ein wenig auf ihren Schoss legen sollte, denn der Tisch wäre gar zu
hart; welches ich auch ohne Bedencken tat. Ich kunte aber auf ihren Schosse
nicht lange liegen, denn es war mir zu niedrig. Der Kopff fing mir ganz an
davon wehe zu tun und war her und legte mich wieder auf den Tisch. Hierauf fing
der Bräutigam Toffel zu einen Aufwärter an, er sollte mir doch ein Küssgen droben
aus der Braut Kammer hohlen, dass ich nicht so hart da läge. Der Aufwärter lieff
geschwinde und brachte das Küssen, das tat die Braut im Winckel und sagte, ich
sollte mich drauf legen und ein halb Stündgen schlummern. Ich war her und legte
mich die Länge lang hinter die Taffel auf die Banck. Es sass zwar eine vornehme
Standes-Person flugs neben mir, dieselbe musste weit hinunter rücken, damit ich
Ihr mit den Beinen das seidene Kleid nicht dreckicht machte.
    Indem ich nun so eine halbe viertel Stunde etwan lag, Sapperm., wie wurde
mir übel u. fing an zu kruncken. Die Braut, welche mir vor andern sehr gewogen
war, will nach mir sehen und fragen was mir ist. Sie versieht sichs aber nicht
und ich versehe michs auch nicht, dass mir das speien so nahe ist und fange da an
zu speien und speie der Tebel hohlmer der Braut den Busen ganz voll, dass es
immer unten wieder durchlieff. Sapperment! was war da vor ein Gestanck, dass sie
davon alle aufsahen und weggehen mussten. Die Braut ging gleich zur Stube hinaus
und war willens, sich anders anzukleiden. Mir hatte nun der Wein den Kopff ganz
dumm gemacht, dass ich also da liegen blieb und kunte mich der Tebel hohlmer kaum
besinnen, wo ich war. Als solches die andern Standes-Personen mercken mögen, dass
ich voll bin, lassen sie mich ins Qvartier schaffen, dass ich den Rausch
ausschlaffen muss.
    Auf den morgenden Tag wie ich wieder erwachte, wusste ich der Tebel hohlmer
nicht, was ich vorigen Abend getan hatte, so voll war ich gewesen. Das hörete
ich wohl, dass auf der Gasse die Rede ging, wie dass der vornehme frembde Herr
gestern Abend hätte so brav sauffen können u. so schrecklich gespyen, woraus ich
mutmassete, dass ich wohl müste zuviel gesoffen haben. Wie es nun Zeit wieder
zur Mittags-Mahlzeit war, kam der Hochzeit-Bitter und bat mich, dass ich doch
fein bald ins Hochzeit-Haus kommen möchte, denn sie warteten alle mit der
Braut-Suppe auf mich. Ich war her, machte mich gleich wieder zu rechte und liess
durch den Hochzeit-Bitter sagen, sie sollten nur noch ein halb Stündgen mit den
Essen verziehen, ich wollte gleich kommen. Es verzog sich aber nicht lange, so
kam die Braut-Kutsche mit 4 Pferden und hohlte mich aus des Burgemeisters Hause
ab.
    So bald ich nun vor das Hochzeit-Haus gefahren kam, stund Toffel der
Bräutigam mit der Braut schon in der Türe, dass sie mich empfangen wollten: Sie
machten die Kutsche auch auf, dass ich hinaus steigen sollte, welches ich auch
tat und sprung flugs mit gleichen Beinen heraus und über Toffeln den Bräutigam
weg, dass es recht artig zu sehen war. Damit führeten sie mich hinein in die
Stube. Sapperment! was machten die Standes-Personen alle vor grosse Reverenze
vor mir! Ich musste mich flugs wieder zur Braut hinsetzen, und neben mir zur
Lincken sass eine Staadens-Tochter, das war der Tebel hohlmer auch ein artig
Mädgen, denn sie hatten denselben Tag eine bunte Reihe gemacht. Nun wusste ich
nicht, dass ich vorigen Tag der Braut in den Busen gespyen hatte, so aber sagte
mirs Toffel, ihr Bräutigam, und fragte, ob mir nach den gestrigen speien heute
besser wäre. Sapperm., wie erschrack ich, dass vorigen Tag ich so ein Pfui dich
an über der Taffel eingeleget hatte! Ich antwortete Toffeln aber, als nämlich
den Bräutigam, hierauf sehr artig wieder und sagte: Wie dass ich ein brav Kerl
wäre, desgleichen man wenig finden würde, und dass ichs versehen hätte und der
Braut den Busen voll gespyen. Es wäre in Trunckenheit geschehen und ich hoffte,
sie würde sich ihre Sachen wohl schon wieder haben abwaschen lassen. Dass auch
hierauf einer ein Wort gesagt hätte? Der Herr Burgemeister wusste nun schon, was
an mir zu tun war und dass sich leichtlich keiner an mir mit Worten vergreiffen
würde; der lachte nun immer wieder, dass ihn hätte der Bauch zerspringen mögen.
    Endlich dachte ich, du must doch wieder Wunderdinge erzählen, dass sie Maul
und Nasen brav aufsperren und dich wacker ansehen. War hierauf her und fing von
meiner wunderlichen Geburt an und die Begebenheit von der Ratte zu erzählen. O
Sapperment! wie sahen mich die Leute über der Taffel alle an und absonderlich
Toffel, der Bräutigam. Dieselbe Staadens Tochter, welche neben mir sass, die kam
mir der Tebel hohlmer nicht eine Haare anders vor als meine ersoffene Charmante;
sie plisperte mir wohl 10 mal über Tische ins Ohr und sagte: Ich sollte doch das
von der Ratte noch einmal erzählen, und ob das Loch auch gross gewesen wäre, wo
sie hineingelauffen, als sie das seidne Kleid zerfressen gehabt? Sie gab auch
Heiratens bei mir vor und fragte, ob ich sie nehmen wollte. Ihr Vater sollte ihr
gleich 20000 Ducatons mitgeben ohne die Gerade, welche sie vor sich noch hätte
und von ihrer Mutter geerbet. Ich antwortete ihr hierauf auch sehr artig und
sagte: wie dass ich ein brav Kerl wäre, der sich schon was rechts in der Welt
versucht hätte und auch noch versuchen wollte. Könte also mich nicht flugs
resolviren, sondern müste mich ein wenig bedencken.
    Indem als ich mit der Staadens Tochter so von heiraten redete, fing Herr
Toffel, der Bräutigam, an und sagte: Warum ich denn den Herrn Grafen nicht
mitgebracht hätte? Weil ich aber sehr artig anfing und sagte, wie dass er das
alltägige Fieber hätte und nicht aufbleiben könnte, müsten sie ihn verzeihen, dass
er vor dieses mahl keinen Hochzeit-Gast mit abgeben könnte.
    Hierauf ging die Mittags-Malzeit nun zu Ende und das Tantzen an. Ey
Sapperment! wie tantzten die Mädgens in Holland auch galand, sie setzten der
Tebel hohlmer die Beine so artig, dass es ein Geschicke hat. Da musste ich nun
auch mit tantzen, und zwar mit der Staadens Tochter, welche mir über der Tafel
zur lincken Hand gesessen und bei mir Freiens vorgegeben. Erstlich tantzten sie
nun lauter gemeine Täntze, als Sarabanden, Chiqven, Ballette und dergleichen.
Solch Zeug tantzte ich nun alles mit weg. Sapperment! wie sahen sie mir alle auf
die Beine, weil ich sie so artig setzen kunte!
    Nachdem wir nun so eine gute Weile herum gesprungen, wurde ein überaus
artiger Creiss-Tantz von denen Cavalliren und Frauenzimmer angestellet, welchen
ich auch mit tantzen musste. Die invention war also: Die Cavallier oder
Junggesellen mussten einen Creiss schliessen und einen iedweden, so viel ihrer um
den Creiss herum stunden, musste ein Frauenzimmer auf die Achseln treten und mit
ihren Rocke des Junggesellen sein Gesichte bedecken; dass er nicht sehen kunte,
wie solches geschehen, wurde der Todten-Tantz auf gespielet und mussten die
Junggesellen nun darnach tantzen. Ey Sapperment! wie liess der Tantz so propre!
    Ich hatte nun die Staadens-Tochter, welche sich in mich verliebt hatte, auf
meiner Achsel stehen und tantzte sehr artig mit ihr in den Creise herum.
Sapperment! wie war das Mensche so schwer, dass ich auch der Tebel hohlmer ganz
müde davon wurde, und durffte nun kein Cavallier mit tantzen aufhören, bis dass
sein Frauenzimmer herunter gefallen war.
    Wie derselbe Creisstantz nun zu Ende, so baten sie alle, ich sollte mich doch
in tantzen alleine sehen lassen! Nun kunte ich ihnen leicht den Gefallen
erweisen u. eins alleine tantzen. Ich war her und gab den Spielleuten 2 Ducatons
und sagte: Allons, ihr Herren, streicht eins einmal den Leipziger Gassenhauer
auf! Sapperment! wie fingen die Kerl das Ding an zu streichen! Damit so fing ich
nun mit lauter Creutz-Capriolen an und tat der Tebel hohlmer Sprünge etliche
Clafftern hoch in die Höhe, dass die Leute nicht anders dachten, es müste sonst
was aus mir springen. Ey Sapperment! was kamen vor Leute von der Gasse ins
Hochzeit-Haus gelauffen, die mir da mit grosser Verwunderung zusahn.
    Nachdem ich den Leipz. Gassenhauer nun auch weggetantzt hatte, musste ich mit
desselben Staadens Tochter, welche meine Liebste werden wollte, in der Stadt
Amsterdam ein wenig spatziren herum gehen, dass ich mich nur ein wenig abkühlen
könnte. Ich liess mir solches auch gefallen und ging mit denselben Menschen ein
wenig in der Stadt herum, weil ich selbige noch nit gross besehen hatte. Da
führete sie mich nun überal herum, wo es was zu sehen gab. Ich musste mit ihr
auch auf die Amsterdamsche Börse gehen, welche der Tebel hohlmer propre gebauet
ist. Sie wiese mir auch auf derselben des gewesenen Schiff-Admirals Reiters
seinen Leichen-Stein, welcher zum ewigen Gedächtnis da aufgehoben wird, weil
derselbe Reiter so ein vortrefflicher Held soll zu Wasser gewesen sein und noch
alle Tage in Amsterdam sehr beklaget wird.
    Als die Staad. Tochter mir nun dieses und jenes gezeiget, fing sie zu mir an
und sagte, ich sollte sie doch immer nehmen und wenn ich ja keine Lust mit ihr in
Amsterdam zu bleiben hätte, so wollte sie ihr Lümpgen zusammen packen und mit mir
fortwandern, wo ich hinwolte, wenn gleich ihr Vater nichts davon wüste. Worauf
ich ihr zur Antwort gab, wie dass ich der bravste Kerl von der Welt wäre und es
könnte schon angehen, aber es liesse sichs so nicht flugs tun. Ich wollte es zwar
überlegen, wie es anzufangen wäre und ihr ehister Tage Wind davon geben. Nach
diesen ging ich wieder auf den Tantz-Platz u. wollte sehen, wo meine zukünftige
Liebste wäre, welche von mir auf der Gasse so geschwinde weglieff. Ich sah mir
bald die Augen aus den Kopffe nach ihr um, ich kunte sie aber nicht zu sehen
bekommen. Endlich fing eine alte Frau an und sagte zu mir: Ihr Gnaden, nach wem
sehen sie sich so um? Wie ich nun der Frau zur Antwort gab: Ob sie nicht das
Mensche gesehen hätt, welche über Tische neben mir zur lincken Hand gesessen?
Ja, Ihr Gnaden, fing die alte Frau wieder an, ich habe sie gesehen, allein ihr
Herr Vater hat sie heissen nach Hausse gehen und erschrecklich ausgefenstert,
dass sie sich so eine grosse Kühnheit unterfangen und hätte sich von so einen
vornehmen Herrn lassen da in der Stadt herum schleppen, dass die Leute nun davon
was würden zu reden wissen und Ih. Gnad. würden sie doch nicht nehmen. Als
solches die alte Mutter mir zur Nachricht gesaget hatte, fragte ich weiter, ob
sie denn nicht bald wiederkommen würde? Sie gab mir hierauf wieder zur Antwort:
dass sie an ihrer Anherokunft sehr zweiffelte, denn ihr Hr. Vater (wie sie
vernommen) hätte zu ihr gesagt: Trotz, dass du dich vor den vornehmen Herrn
wieder sehen läst.
    Sapperm., wie verdross mich solch Ding, dass ich das Mensche nicht sollte zu
sehen bekommen! Und als sie auch nicht wiederkam, überreichte ich Hr. Toffeln,
den Bräutigam, wie auch der Braut Trauten mein Hochzeit-Geschencke und nahm von
sie wie auch von den andern Standes-Personen und Dames überaus artig Abschied
und ging immer nach des Burgemeisters Hause zu. Ob sie wohl nun 20 biss 30 mahl
die Braut-Kutsche mit 4 Pferden selben Tag wieder hinschickten und mich baten,
ich möchte doch meine vornehme Person nur noch diesen Abend auf der Hochzeit
praesentiren, wenn ich ja die übrigen Tage nicht wieder kommen wollte. Allein ich
kam der Tebel hohlmer nicht wieder hin, sondern schickte die Braut-Kutsche
allemahl leer wieder ins Hochzeit-Haus. Herr Toffel, der Bräutigam, liess mir
durch den Herrn Bürgemeister sagen, er wollte nicht hoffen, dass mich iemand von
den Herren Hochzeit Gästen würde touchiret haben; ich sollte ihn doch nur sagen,
was mir wäre. Er wollte für alles stehen. Allein es erfuhrs der Tebel hohl mer
kein Mensche, was mir war, ausgenommen die alte Frau wusste es, dass ich wegen der
Staadens-Tochter so böse war, dass ich sie nicht sollte wieder zu sehen bekommen.
    Ich war auch gleich willens, mich selben Tag gleich wieder zu Schiffe zu
setzen, wenn mein Herr Bruder Graff mich nicht so sehre gebeten hätte, dass ich
ihn doch bei seiner Unpässlichkeit nicht verlassen möchte, sondern so lange
verziehen, biss dass er sein Fieber wieder los wäre - hernach wollte er mit mir
hin reisen, wohin ich wollte! Blieb also meinen Hn. Bruder Grafen zu gefallen in
Amsterdam noch 2 ganzer Jahr und brachte meine Zeit meistenteils zu in den
Spielhäussern, allwo alle Tage vortreffliche Compagnie immer war von vornehmen
Dames und Cavalliren. Nachdem nun das elementische Fieber meinen Herrn Bruder
Grafen völlig verlassen, ging ich mit ihn in Banco, liessen uns frische Wechsel
zahlen, satzten uns auf ein Schiff und waren in Willens, Indien, in welchen
Lande der Grosse Mogol residiret, zu besehen.
 
                              Das fünfte Capitel.
Die Hundestage traten gleich selben Tag in Calender ein, als ich und mein Herr
Bruder Graf von den Burgemeister zu Amsterdam Abschied nahmen und uns in ein
gross Orlog-Schiff setzten.
    Wir waren etwan drei Wochen auf der See nach Indien zu fortgeschiffet, so
kamen wir an einen Ort, wo so schrecklich viel Wallfische in Wasser gingen.
Dieselben lokte ich mit einen stückgen Brote ganz nah an unser Schiff. Der eine
Bootsknecht hatte eine Angel bei sich, die musste er mir geben und versuchte es,
ob ich einen kunte in Schiff häckeln. Es wär auch der Tebel hohlmer angegangen,
wenn die Angel nicht wäre in Stücken gerissen! Denn als der Wallfisch anbiss und
ich in besten rücken war, so riss der Dreck entzwei, dass also der Angelhacken den
Wallfische in den Rachen stecken blieb, von welchen er unfehlbar wird gestorben
sein. Wie solches die andern Wallfische gewahr wurden und den Schatten nur von
der Angelschnure ansichtig wurden, marchireten sie alle auch fort und liess sich
der Tebel hohlmer nit ein eintziger wieder an unsern Schiffe blicken.
    Wir schifften von dar weiter fort und bekamen nach etlichen Tagen das
gelübberte Meer zu sehen, allwo wir ganz nahe vorbei fahren mussten. Sapperment!
was stunden dort vor Schiffe in den gelübberten Meere! Es war der Tebel hohlmer
nicht anders, als wenn man in einen grossen dürren Wald sehe, da die Bäume
verdorret stünden, und war keine Seele auf den Schiffen zu sehen. Ich fragte den
Schiffmann, wie denn das zuginge, weil so viel Schiffe da stünden? Der gab mir
zur Antwort, dass dieselben Schiffe bei grossen Ungestümm der Wind dahin gejaget
hätte, wenn die Schiffleute nach Indien fahren wollen und den Weg verfehlet, dass
also auf alle denen Schiffen die Leute jämmerlich umkommen müssen.
    Wie wir nun von den gelübberten Meere vorbei waren, kamen wir unter die
Linie. Ey Sapperment! was war da vor Hitze! Die Sonne brante uns alle mit
einander bald Kohl-Raben-schwartz. Mein Hr. Br. Graf, der war nun ein
corpulenter dicker Herre, der wurde unter der Linie von der grausamen Hitze
kranck, legte sich hin und starb der Tebel hohlmer, ehe wir uns solches
versahn. Sapperment! wie ging mirs so nahe, dass der Kerl da sterben musste und
war mein bester Reise-Gefehrte. Allein was kunte ich tun? Todt war er einmal,
und wenn ich mich auch noch so sehre über ihn gegrämet, ich hätte ihn doch nicht
wieder bekommen. Ich war aber her und bund ihn nach Schiffs-Gewonheit sehr artig
auf ein Bret, steckte ihn 2 Ducatons in seine schwartz-samtne Hosen und schickte
ihn damit auf den Wasser fort. Wo derselbe nun mag begraben liegen, dasselbe kann
ich der Tebel hohlmer keinen Menschen sagen.
    Drei Wochen nach seinen Tode gelangeten wir bei guten Winde in Indien an,
allwo wir an einer schönen Pfingst-Wiese ausstiegen, den Schiffmann das
Fähr-Geld richtig machten und einer hernach hier hinaus, der andere dort hinaus
seinen Weg zunahmen. Ich erkundigte mich nun gleich, wo der grosse Mogol
residirete; erstlich fragte ich einen kleinen Jungen, welcher auf derselben
Pfingstwiese, wo wir ausgestiegen waren, in einen grünen Käpgen dort herum lieff
und die jungen Gänssgen hütete. Ich redete denselben recht artig an und sagte:
Höre, Kleiner, kanst du mir keine Nachricht sagen, wo der grosse Mogol in diesen
Lande wohnet? Der Junge aber kunte noch nicht einmal reden, sondern wiess nur
mit den Finger und sagte: a a. Da wusste ich nun der Tebel hohlmer viel, was a a
heissen sollte! Ich ging auf der Wiese weiter fort, so kam mir ein Scheerschliep
entgegen gefahren, denselben fragte ich nun auch, ob er mir keine Nachricht
erteilen könnte, wo der Mogol wohnen müste. Der Scheerschliep gab mir hierauf
gleich Bescheid und sagte, dass zwei Mogols in Indien residireten, einem hiessen
sie nur den grossen Mogol, den andern aber nur den Kleinen. Wie er nun hörete,
dass ich zu den Grossen wollte, so sagte er mir gleich, dass ich etwan noch eine
Stunde hin an seine Residenz hätte, und ich sollte nur auf der Pfingst-Wiese
fortgehen, ich könnt nicht irren. Wenn dieselbe zu Ende, würde ich an eine
grosse Ring-Mauer kommen, da sollte ich nur hinter weg gehen, dieselbe würde mich
bis an das Schloss-Tor führen, worinnen der grosse Mogol residirete, denn seine
Residenz hiesse Agra.
    Nachdem der Scheerschliep mir nun diese Nachricht erteilet, ging ich auf
der Pfingst-Wiese immer fort und gedachte unter wegens an den kleinen Jungen in
den grünen Käpgen, dass er a a sagte. Ich hielte gäntzlich darfür, der kleine
Blut-Schelm, ob er gleich nicht viel reden kunte, musste mich doch auch
verstanden haben und gewust, wo der grosse Mogol wohnete, weil er Agra noch
nicht aussprechen kunte, sondern nur a a lallte.
    Des Scheerschlips seine Nachricht traff der Tebel hohlmer auch auf ein
Härgen ein, denn sobald als die Pfingst-Wiese ausging, kam ich an eine grosse
Ring-Mauer, hinter welchen ich wegmarchirete, und so bald dieselbe zu Ende, kam
ich an ein erschröcklich gross Torweg, vor welchen wohl über 200 Trabanten mit
blossen Schwertern stunden, die hatten alle grüne Pumphosen und ein Collet mit
Schweinebraten-Ermeln an. Da roch ich nun gleich Lunte, dass darinnen der grosse
Mogol residiren würde. Ich war her und fragte die Trabanten, ob ihre Herrschaft
zu Hause wäre, worauf die Kerl alle zugleich Ja schrien und was mein Verlangen
wäre. Da erzehlete ich den Trabanten nun gleich, wie dass ich nämlich ein brav
Kerl wäre, der sich was rechts in der Welt versucht hätte u. auch noch versuchen
wollte. Sie sollten mich doch bei den grossen Mogol anmelden, der und der wär ich
und ich wollte ihn auf ein paar Wort zusprechen. - Sapperm., wie lieffen hierauf
flugs Ihrer zwölffe nach des grossen Mogols Zimmer zu und meldeten mich bei ihn
an. Sie kamen aber bald wiedergelauffen und sagten: Ich sollte hinein spatziren,
es würde Ihrer Herrschaft sehr angenehme sein, dass einer aus frembden Landen sie
einiges Zuspruchs würdigte. Damit ging ich nun durch die Wache durch. Ich war
kaum 6 Schritte gegangen, so schrie der grosse Mogol zu seinen Gemach oben
heraus. Sie sollten das Gewehre vor mir praesentiren. Sapperment! als die
Trabanten dieses höreten, wie sprungen die Kerl ins Gewehre, und nahmen alle
ihre Hüte unter den Arm und sahen mich mit höchster Verwunderung an. Denn ich
kunte nun recht artig durch die Wache durch passiren, dass es der Tebel hohlmer
gross Aufsehens bei den grossen Mogol erweckte.
    Wie ich nun an eine grosse Marmorsteinerne Treppe kam, allwo ich hinauf
gehen musste, so kam mir der Tebel hohl mer der grosse Mogol wohl auf halbe
Treppe herunter entgegen, empfing mich und führte mich bei dem Arme vollends
hinauf. Sapperment! was praesentirete sich da vor ein schöner Saal! Er flimmerte
und flammerte der Tebel hohlmer von lauter Golde und Edelgesteinen. Auf
denselben Saal hiess er mich nun willkommen und freute sich meiner guten
Gesundheit und sagte, dass er in langer Zeit nicht hätte das Glück gehabt, dass
ein Teutscher ihn zugesprochen hätte und fragte hernach nach meinen Stande und
Herkommens, wer ich wäre? Ich erzehlete ihn hierauf nun sehr artig flugs meine
Geburt und die Begebenheit von der Ratte und wie dass ich einer mit von den
bravsten Kerlen der Welt wäre, der so viel gesehen u. ausgestanden schon hätte.
Sapperment, wie horchte der grosse Mogol, als er mich diese Dinge erzählen
hörete! Er führte mich nach solcher Erzehlung gleich in ein vortrefflich
aufgeputztes Zimmer und sagte: dass dasselbe zu meinen Diensten stünde und ich
möchte so lange bei ihn bleiben, als ich wollte, es sollte ihn und seiner Gemahlin
sehr angenehm sein. Er ruffte auch gleich Pagen und Laqvaien, die mich bedienen
sollten. Sapperment! wie die Kerl kamen, was machten sie vor närrische Reverenze
vor mir! Erstlich bückten sie sich mit den Kopffe bis zur Erden vor mir, hernach
kehreten sie mir den Rücken zu und scharreten mit allen beiden Beinen zugleich
weit hinten aus. Der grosse Mogol befahl ihnen, sie sollten mich ja recht
bedienen, sonsten wo nur die geringste Klage kommen würde, sollten sowohl
Laqvaien als Pagen in die Küche geführet werden. Hierauf nahm er von mir
Abschied und ging wider nach seinen Zimmer zu.
    Als Er nun weg war, Sapperment! wie bedienten mich die Bursche so brav. Sie
hiessen mich zwar nur Juncker, allein was sie mir nur an den Augen absehen
kunten, das taten sie. Wenn ich nur zu Zeiten einmal ausspuckte, so lieffen
sie der Tebel hohlmer alle zugleich, dass sie es austreten wollten, denn wer es am
ersten austrat, was ich ausgespuckt hatte, so schätzte sichs derselbe allemahl
vor eine grosse Ehre.
    Der grosse Mogol hatte mich kaum eine halbe Stunde verlassen, so kam er mit
seiner Gemahlin, mit seinen Cavalliren und Dames in mein Zimmer wieder hinein
getreten. Da hiess mich nun seine Gemahlin wie auch die Cavalliers und Dames alle
willkommen und sahen mich mit grosser Verwunderung an. Ich musste auf Bitten des
grossen Mogols die Begebenheit von der Ratte noch einmal erzählen, denn seine
Gemahlin wollte dieselbe Historie so gerne hören. Ey Sapperment! wie hat das
Mensche drüber gelacht: Die Cavalliers und Dames aber sahen mich alle mit
grosser Verwundrung an und sagte immer eines heimlich zu den andern: Ich müste
wohl was rechts in Teutschland sein, weil ich von solchen Dingen erzählen
könnte? Nun war es gleich Zeit zur Abendmahlzeit, dass der grosse Mogol zur Tafel
blasen liess. Ey Sapperment! was hörete man da vor ein Geschmittere und
Geschmattere von den Trompeten und Heerpaucken! Es stunden 200 Trompeter und 99
Heerpaucker in seine[n] Schloss-Hoffe auf einen grossen breiten Steine, die
mussten mir zu Ehren sich da hören lassen. Die Kerl bliesen der Tebel hohlmer
unvergleichlich! Wie sie nun ausgeblasen hatten, so musste ich die grosse Mogoln
bei der Hand nehmen u. sie zur Tafel führen. Es liess [sich] der Tebel hohlmer
recht artig [an], wie ich so neben ihr her ging. Sobald als wir nun in das
Taffelgemach kommen, so nötigte mich der grosse Mogol, dass ich mich setzen
sollte und die Oberstelle an der Tafel einnehmen; ich hätte solches auch ohne
Bedencken getan, wenn ich nicht Lust gehabt, mich neben seiner Gemahlin zu
setzen, denn es war so ein wunderschön Mensche. Also musste sich erstlich der
grosse Mogol setzen, neben ihn setzte ich mich und neben mir zur lincken Hand
satzte sich nun seine Liebste. Ich sass da recht artig mitten inne.
    Über Tische so wurde nun von allerhand discuriret. Die grosse Mogoln fragte
mich: Ob denn auch in Teutschland gut Bier gebrauet würde und welch Bier man
denn vor das beste da hielte? Ich antwortete ihr hierauf sehr artig wieder, wie
dass es nämlich in Teutschland überaus gut Bier gebrauet würde und absonderlich
an den Orte, wo ich zu Hause wäre, da braueten die Leute Bier, welches sie nur
Klebe-Bier nenneten, und zwar aus der Ursachen, weil es so Maltzreich wäre, dass
es einen ganz zwischen die Finger klebete und schmeckte auch wie lauter Zucker
so süsse, dass wer von demselben Biere nur ein Nössel getruncken hätte, derselbe
hernachmahls flugs darnach predigen könnte. Sapperm. wie verwunderten sie sich
alle, dass es solch gut Bier in Teutschland gäbe, welches solche Krafft in sich
hätte.
    Indem wir nun so von diesen und jenen über der Taffel discurirten und ich
gleich in Willens hatte, die Historie von meinen Blase-Rohre zu erzählen, so kam
des grossen Mogols seine Leib-Sängerin in das Taffel-Gemach hinein gegangen,
welche eine Indianische Leier an der Seite hängen hatte. Sapperm. wie kunte das
Mensche schöne singen und mit der Leier den General-Bass so künstlich darzu
spielen, dass ich der Tebel hohlmer die Zeit meines Lebens nichts schöners auf
der Welt gehöret hatte. Kans nicht sagen, was das Mensche vor eine schöne Stimme
zu singen hatte! Sie kunte der Tebel hol mer biss in das neunzehende gestrichene
C hinauff singen und schlug ein trillo aus der Qvinte biss in die Octave in einen
Atem auf 200 Tacte weg und wurde ihr nicht einmal sauer. Sie sung vor der
Taffel eine Arie von den roten Augen und den schwartzen Backen, dass es der
Tebel hohlmer überaus artig zu hören war.
    Nachdem nun die Abendmahlzeit zu Ende war, musste ich wieder die grosse
Mogoln bei der Hand nehmen und mit ihr nach meinen Zimmer zugehen, alwo sie, wie
auch der grosse Mogol, Cavalliers und Dames von mir Abschied nahmen und eine
gute Nacht wündscheten, worauf ich mich sehr artig bedanckte u. sagte: Dass sie
alle mit einander fein wohl schlaffen sollten und sich was angenehmes träumen
lassen. Hiermit verliessen sie alle mit einander meine Stube und gingen auch,
sich ins Bette zu legen.
    Da sie nun von mir weg waren, kamen 4 Laqvaien und 3 Pagen in mein Gemach
hinein, die fragten nun, ob sich der Juncker wollte ausziehen lassen? Wie ich nun
ihnen zur Antwort gab, dass ich freilich etwas schläffrich wäre und nicht lange
mehr offen bleiben würde - Sapperm. wie waren die Kerl geschäfftig! Der eine
lieff und hohlte mir ein paar ganz göldne Pantoffeln, der andere eine schöne,
mit Gold gestickte Schlaff-Haube, der dritte einen unvergleichlichen schönen
Schlaff-Peltz, der vierdte schnalte mir die Schue auf, der fünfte zog mir die
Strümpffe aus, der sechste brachte mir einen ganz göldnen Nacht-Topff, und der
siebende machte mir die Schlaffkammer auf. O Sapperment! was stund da vor ein
schön Bette, in welches ich mich legen musste! Es war der Tebel hohlmer auch so
propre, dass ichs nicht genug beschreiben kann, u. schlieff sichs auch so weich
darinnen, dass ich auch die ganze Nacht nicht einmal aufwachte.
    Einen artigen Traum hatte ich selbe Nacht. Denn mich träumete, wie dass ich
nach den Abtritte meines Bier-Weges gehen wollte und kunte denselben nicht
finden, und fand ihn auch nicht. Weil ich nun über der Tafel vorigen Abend ein
Bissgen starck getruncken und Schertz und Ernst beisammen war, so kam mirs in
Traume nicht anders für, als wenn einer von Laqvaien ein gross silbern Fass
getragen brächte und sagte: Juncker, hier haben sie was. Damit so griff ich zu
und meinte nun der Tebel hohlmer nicht anders, das Fass würde mir aus der Not
helffen und halff mir auch im Traume aus der Not. Aber wie ich des Morgens früh
aufwachte, ei Sapperment! was hatte ich in Traum vor Händel gemacht! Ich schwamm
der Tebel hohlmer bald in Bette, so nass war es unter mir. Doch wars endlich noch
gut, dass ich nicht gar mit der ganzen Schule im Traume gegangen war, sonst
würde ich nicht gewust haben, auf was für Art solcher Fehler im Traume hätte
können bemäntelt werden. So aber blieb ich in Bette brav lange liegen und
trocknete es so artig unter mir wieder, dass es auch niemand gewahr wurde, was
ich gemacht hatte.
    Hierauf stund ich auf und liess mich wieder ankleiden. Wie ich nun fertig
war, schickte der grosse Mogol zu mir, liess mir einen guten Morgen vermelden und
wenn mir was angenehmes geträumt hätte, sollte es ihn lieb zu hören sein, auch
dabei sagen: Ob ich mich nicht ein wenig in sein geheime Cabinet bemühen wollte.
Er wollte mich um etwas consuliren. Ich war hierauf geschwinde mit einer Antwort
wieder fertig und liess ihn sehr artig wieder sagen: Wie dass ich nämlich sehr
wohl geschlaffen, aber was das Träumen anbelangete, so hätte ich keinen guten
Traum gehabt, denn der Angst-Schweiss wäre mir im Traume so ausgefahren; und dass
ich sollte zu ihn kommen in sein Cabinet, dasselbe sollte gleich geschehen.
Solches liess ich ihn durch seinen Cammer-Pagen nun wieder sagen und ging hernach
gleich zu ihn und hörete, was sein Anbringen war. Da ich nun zu ihn hinkam und
meine Complimente sehr artig bei ihn abgeleget, so schloss er einen grossen
Bücher-Schranck auf und langete ein gross Buch heraus, welches in Schweins-Leder
eingebunden war; dasselbe zeigte er mir und sagte: Dass er in dasselbe täglich
sein Einkommens schriebe und wenn das Jahr um wäre und er die Summa zusammen
rechnete, wollte es no comma? eintreffen und fehlte allemahl der dritte Teil
seiner Einkünfte; und fragte hierauf, ob ich rechnen könnte? Worauf ich ihn denn
wieder zur Antwort gab, wie dass ich ein brav Kerl wäre und Adam Riesen sein
Rechen-Buch sehr wohl kante. Er sollte mir das grosse Buch geben, ich wollte schon
sehen, wie die Summa herauszubringen wäre. Hierauf so gab er mir das Buch,
worinnen seine Einkünfte stunden und liess mich allein.
    Wie ich nun das Buch so durchblätterte, ei Sapperment! was stunde da vor
Lehnen und Zinsen! Ich war her, setzte mich hin, nahm Feder und Dinte und fing
an, Eins, zehne, hundert, tausend zu zehlen. Und wie ich nun sah, dass der
grosse Mogol in den Einmahl eins gefehlet hatte und solches nicht richtig im
Kopffe gehabt, so hatte es freilich nicht anders sein können, dass die Summa von
den 3ten Teil weniger bei ihm heraus gekommen war, als er täglich
aufgeschrieben. Denn an statt, da er hätte zehlen sollen: Zehen mahl hundert ist
tausend, so hatte er gezehlet, zehn mahl tausend ist hundert; und wo er hätte
subtrahiren sollen, als zum Exempel Eins von hunderten bleibet 99, so hatte er
aber subtrahiret: Eins von hunderten kann ich nicht, eins von zehen bleibt neune
und 9 von 9 geht auf. Das geht ja der Tebel hohlmer unmöglich an, dass es
eintreffen kann. Als ich nun solche Fehler sah, merckte ich nun gleich, wo der
Hund begraben lag. Ich war her und satzte mich drüber u. rechnete kaum 2
Stunden, so hatte ich alles mit einander in die richtige Summa gebracht und
behielt noch halb so viel übrig über die ganze Masse als er einzunehmen und von
Tage zu Tage aufgeschrieben hatte. Als ich nun den Calculum von Adam Riesens
Rechen-Buche sehr artig und richtig gezogen, ruffte ich ihn wieder zu mir und
wiess ihn nun, wie und wo er in den Einmal eins gefehlet hätte und wie ich alles
so artig und richtig heraus gebracht hätte und noch halb so viel Überschuss
behalten. Ey Sapperm. als ich ihn von den Überschusse schwatzte, sprung er vor
Freuden hoch in die Höhe, klopffte mich auf meine Achseln und sagte, wenn ich
gesonnen wäre, bei ihn zu bleiben, er wollte mich zu seinen geheimbden
Reichs-Cantzlar machen! Ich antwortete ihn hierauf wieder und sagte, wie dass
freilich was rechts hinter mir steckte und dass ich der bravste Kerl mit von der
Welt wäre, und weil ich mein Hertze nur daran gehänget hätte, fremde Länder und
Städte zu besehen, als wollte ich mich vor das gute Anerbieten hiermit bedanckt
haben. Weil er nun sah, dass ich zu solcher Charge keine Lust hatte, so erwies
er mir die 14 Tage über, als ich bei ihn war, auch solche Ehre, dass ichs der
Tebel hohlmer mein Lebetage nicht vergessen werde. Denn es ist ein
erschrecklicher reicher Herr, der grosse Mogol, er wird als Keiser nur dort
tituliret und hat so viel Schätze als Tage im Jahre sein. Die habe ich auch alle
mit einander gesehen, denn er zeigte mir alle Tage einen. Vortreffliche schöne
Bücher hat er auch und ist ein sonderlicher Liebhaber von denselben. Ich musste
ihn auch mit Hand u. Munde zusagen, dass ich ihn eins aus Teutschland in seinen
Bücherschranck schicken wollte vor Geld und gute Wort.
    Als er nun sah, dass ich mich wieder reisefertig machte, so verehrete er mir
sein Bildnis mit der Kette, und seine Gemahlin schenckte mir 1000 species
Ducaten eines Schlags, worauf des grossen Mogols Bildnis gepräget war. Damit
hang ich die Kette mit des grossen Mogols Bildnis an mich, welches von den
schönsten Indianischen Golde war und nahm von ihn sehr artig, wie auch von
seiner Gemahlin, Cavalliern und Dames wieder Abschied und ging von dar zu
Schiffe nach Engelland zu.
 
                              Das sechste Capitel.
Als ich nun von den grossen Mogol Abschied genommen und er mich mit seiner
ganzen Hofstadt bis zu Ende seiner Ring-Mauer zu Fusse das Geleite gegeben
hatte, marchirte ich auf derselben Pfingst-Wiese immer nach denselben Wasser
wieder zu, wo ich vor 14 Tagen abgestiegen war und satzte mich da wieder auf ein
gross Last-Schiff, welches nach Engelland zu segeln wollte und fuhr mit denselben
fort.
    Auf den Schiffe erzehlete ich nun den Schiffmann sehr artig auch: wie dass
mich der grosse Mogol so vortrefflich tractiret hatte und bei meinen Abschiede
sein Bildnis mit der Kette mir auch verehret. Da meinte ich nun, der Schiffer
würde etwan die Augen gross drüber aufsperren und sich über mich verwundern, dass
ich so ein brav Kerl wäre, allein der Tebel hohlmer nicht das geringste! Der
Kerl nahm den Hut nicht einmal vor mir ab, sondern fing gar zu mir an und
sagte: Manche Leute hätten mehr Glücke als Recht. O Sapperment! wie verdross mich
das Ding, dass der Bärenhäuter mir von solchen Sachen schwatzte, und fehlte
dazumahl nicht viel, dass ich ihn nicht ein halb Tutzend Preschen gegeben hätte.
Doch dachte ich endlich, es ist ein einfältiger Mensche, was kanst du mit ihn
machen! Er kennt dich nicht, was Standes du bist, und liess es also dabei
bewenden. Ich erzehlete hernach meinen damahligen Cammeraden zu Schiffe meine
wunderliche Geburt, wie auch die Begebenheit von der Ratte und von meinen
Blase-Rohre.
    Wie wir nun 3 Tage und 5 Nächte von der Indianischen Pfingst-Wiese
fortgeseegelt waren, so kamen wir mit unsern Schiffe auf das grosse
Mittelländische Meer. Ey Sapperment! was gab es da vor allerhand Meerwunder zu
sehen, die schwummen wohl zu etlichen tausenden immer um unser Schiff herum.
Meine einzige Freude hatte ich damahls mit einen kleinen See-Hündgen, das lockte
ich mit einen Stückgen Brote ganz nah an unser Schiff heran, dass es auch
endlich so freundlich tat und mit mir spielen wollte. Ich war her, weil es so
artig aussah, und wollte es aus den Meere ins Schiff haschen. Als ich aber nach
den Aase griff, so biss mich die Wetter-Kröte der Tebel hohlmer durch alle fünff
Finger durch und durch und dauchte drauff unter. O Sapperm., wie lieff das Blut
zwischen die Finger herunter und bluteten wohl 8 Tage, ehe sie wieder aufhöreten!
Sie taten mir überaus weh nach den Bisse. Endlich so brachte mir der Schiffer
ein Glässgen mit Bomolie getragen u. hiess mich die Finger damit schmieren u.
sagte, dass die Bomolie so trefflich gut dafür were, wenn einen was gebissen
hätte. Ich war her und schmierete mir die Finger damit. Es vergingen kaum 2
Stunden, so war der Tebel hohlmer alles wieder geheilet!
    Nachdem wir nun bald durch das Mittelländische Meer durch waren, so liessen
sich erschröcklich viel Syrenen von ferne in Meer blicken. Dieselben Menscher
singen der Tebel hohlmer admirable schön. Da selbige der Schiffmann gewahr
wurde, hiess er uns die Ohren alle mit einander feste zustopffen, denn wenn sie
näher kämen, so würden sie uns mit ihren wunderschönen Singen so bezaubern, dass
wir nicht würden von der Stelle fahren können. Ey sapperment! als ich dieses
hörete, wie stopffte ich mir die Ohren feste zu und hiess den Schiffmann
geschwinde fortfahren!
    Drei Tage hierauf kamen wir in die Ost-See, da schifften wir auch wohl
etliche Wochen, ehe wir durch wegkamen. Was es in derselben See vor Hechte gab,
das kann ich der Tebel hohlmer keinen sagen! Die Boots-Knechte hatten einen
Haamen mit auf den Schiffe. Sapperm., was fingen die Kerl da vor Zeugs von
Hechten! Sie hatten der Tebel hohlmer Zungen wie die grossen Kälber und klebete
wohl an einer Hecht-Zunge über 6 Kannen Fett!
    Etliche Monate hierauf, nachdem wir durch unterschiedene Flüsse durchpassiret
waren, gelangeten wir glücklich in Engelland an, allwo ich vor Londen ausstieg,
den Schiffer das Fähr-Geld richtig machte und in die Stadt Londen hineinging und
mein Qvartier bei den Alamode Töpffer nahm, welcher flugs an den Tore wohnete.
Der Kerl war nun endlich gegen mich sehr höfflich. Er empfing mich, fragte, was
mein Verlangen wäre, wo ich herkäme und wer ich wäre? Ich erzehlete ihn nun
flugs sehr artig auch meine Geburt und von der Ratte und wie dass ich so ein
brav Kerl wäre und wollte das Qvartier bei ihn nehmen; auch wie ich gesonnen
wäre, mich in cognito etliche Wochen bei ihn aufzuhalten.
    Der Kerl, der Alamode Töpffer war hierauf sehr wohl zu sprechen und sah mir
auch flugs an den Augen an, dass ich was rechts sein müste. Aber der Lumpenhund
war etwas sehr undiscret, denn wenn er mit mir redete, so nahm er nicht allemahl
seinen Hut vor mir ab, welches mich denn abscheulich auf ihn verdross, dass er mir
meinen gebührenden Respect nicht gab.
    Es war gut, wie ich nun vermeinte, ich wollte nur Londen als ein schlechter
Cavallier mich aufführen und vor keine Standes-Person nicht ausgeben, so kam der
Tebel hohlmer Hr. Toffel, der vornehme Lord in Londen, mit Trauten, seiner
Liebste, bei welchen ich zu Amsterdam auf der Hochzeit gewesen, zum Alamode
Töpffer in die Stube hinein getreten und hiessen mich da willkommen. Sapperment!
wie verwunderte ich mich, dass sie mich flugs ausgestanckert hatten! Sie
erzehleten mir hernach alles, wie dass sie mich hätten sehen am Ufer aussteigen
und wie ich so artig zum Alamode Töpffer ins Haus hineingewischt wäre, denn
Toffel, der vornehme Lord, hatte seinen Pallast allernechst in derselben Gasse.
Er bat mich auch hernach, dass ich bei ihm das Qvartier nehmen sollte, allein
weil ich mich bei den Alamode Töpffer schon einlogiret hatte und der Mann auch
mich nicht von sich lassen wollte, als[o] mochte ich nicht gerne das Qvartier
verändern, denn es hätte nur Aufsehens von den Leuten erweckt, wenn ich meine
Sachen so hin und wieder schleppen lassen.
    Ich wurde gleich selben Abend von Hr. Toffeln, den vornehmen Lord, zu Gaste
gebeten, allwo viele andere Standes-Personen und vornehme Lords Töchter auch
waren, die sich alle mit einander in mich verliebeten und heiratens bei mir
vorgaben! Denn ich zeigte ihnen des grossen Mogols Bildnis mit der Kette und
erzehlete ihnen, wie dass er mich damit beschencket und vortrefflich gastiret
hätte, weilen ich Ihn den calculum seiner Einkünfte sehr artig und richtig
ziehen können, dass er nämlich über sein ganzes Einkommen das Jahr lang noch
halb so viel Überschuss gehabt, als er eingenommen hatte. Ich sagte auch, dass er
mich hätte zu seinen Geheimbden Reichs-Cantzlar machen wollen, allein weil ich
mich noch nicht Lust zu setzen gehabt, hätte ich mich wegen des guten
Anerbietens bedanckt. Sapperment! wie sahen mich die Menscher, die vornehmen
Lords- über Tische nach einander an! Sie fingen alle mit einander an, meine
Gesundheit zu trincken. Eine sagte, es lebe des reichen Mogols in Indien sein
Herr Reichs-Cantzlar, die andere sagte, es lebe der frembde vornehme Herr,
welcher mit des Grossen Mogols Bildnis ist beschencket worden. Die 3te sagte, es
lebe eine hohe Standes-Person in Gedancken, den was Rechts aus den Augen heraus
sihet. Ich merckte nun wohl, dass dieses alles mir galt, so machte ich allemal
gegen das Frauenzimmer, welche meine Gesundheit trunck, eine sehr artige Mine,
dass es mir der Tebel hohlmer sehr wohl liess.
    Wie die Historie von den grossen Mogol nun aus war, so fing ich von meiner
wunderlichen Geburt und von der Ratte was an zu schwatzen. Ey sapperment! wie
sperreten die vornehmen Lords alle Maul und Nasen auf, als sie diese Dinge
höreten!
    Den morgenden Tag stellte Hr. Toffeln seine Liebste meinetwegen die Tour a
la mode an, allwo wohl über 200 Kutschen mir zu gefallen von Standes-Personen
und den vornehmsten Lords-Töchtern aus Londen mitfuhren. Ich musste mich zu ihrer
zweien, welches Hr. Toffeln seine Jungfer Muhmen waren, in die Carosse setzen.
Wie auch die Menscher unter wegens mit mir getan haben, das kann ich der Tebel
hohlmer nicht sagen! Sie frassen mir bald das Maul ab, so zu hertzten sie mich.
Sie hatten mich nun mitten inne sitzen, welches sehr artig zu sehen war, denn
mein Bildnis hatte ich aus der Kutsche gehängt. Da lieffen wohl über 100 Jungen
neben der Kutsche her und sahen des grossen Mogols sein Contrafait mit grosser
Verwunderung an, worüber ich recht meine Freude auch hatte, dass so viel kleine
Jungen neben der Carosse herlieffen.
    Als wir nun etwan 2 Meilen von Londen an den Ort kamen, wo die Tour a la
mode gehalten wurde, Ey sapperment! wie wurde ich da vortrefflich tractiret! Sie
erwiesen mir auch solche Ehre an denselben Orte, dass ichs der Tebel hohlmer
nicht sagen kann.
    Den morgenden Tag drauf kamen Hr. Toffeln seine Jungfer Muhmen auf ihrer
Kutsche vor des Alamode Töpffers Haus gefahren, allwo ich in Qvartire lag und
baten mich, ob ich belieben wollte, ein wenig mit sie zu fahren? Sie wollten
mir etwas von einigen Antiquitäten der Stadt Londen zeigen, welches ich wohl
vielleicht noch nicht gesehen hätte. Damit satzte ich mich ohne Bedencken zu sie
in die Carosse hinein, und wieder in die Mitten, welches recht artig zu sehen
war.
    Wie ich nun so ein Ecke mit Hr. Toffeln seinen Jungfer Muhmen in Londen
herum gefahren war, so kamen wir an eine grosse Capelle, vor welche wir
abstiegen und alle drei da hinein gingen. In derselben lagen wohl über 200
Schock Sensen, an denselben klebete das Blut Fingers dicke noch. Wie ich nun Hr.
Toffeln seine Jungfer Muhmen fragte, was die Sensen alle da machten und warum an
allen so viel Blut klebete? So gaben sie mir zur Antwort: Sie werden zur Rarität
allda verwahret und alle denen frembden Standes-Personen gezeiget, denn vor
diesen so wäre des Herzogs von Monmout oder wie der Kerl geheissen hatte, seine
Soldaten mit gewaffnet gewesen, und die hätten mit solchen Sensen denen Leuten
die Kopffe so stattlich herunter gesäbelt.
    Nach diesen satzten wir uns wieder alle dreie sehr artig in unsere Kutsche
hinein und fuhren an einen andern Ort. Allda zeigten sie mir auch den Stein, auf
welchen der Patriarcha Jacob sollte gesessen haben, wie er im Traum die
Himmels-Leiter gesehen hätte. Von dar fuhren wir wieder fort und kamen an einen
Ort, allwo ein gross Beil hing, mit denselben wäre gar eine vornehme Person der
Kopff abgeschlagen worden. Sie nenneten mir auch, wie die Person geheissen
hätte, allein ich kann mich der Tebel hohlmer nicht mehr drauf besinnen. Wie sie
mir nun dieses und jenes alles gezeuget, fuhren wir wieder zu Hr. Toffeln, bei
welchen ich wieder mit speisete. Ich muss gestehen, dass mir in Londen der Tebel
hohlmer grosse Ehre die drei Jahr über, als ich da gewesen bin, wiederfahren ist
und absonderlich von den vornehmen Lord Hr. Toffeln und seiner Jungfer Muhmen.
    Als ich nun von denselben Abschied nahm und mich auf die Spannische See
begab, haben der Tebel hohlmer dieselben Menscher die bittersten Zähren
gegransst, dass ich von sie reisete. Sie baten mich wohl 100 mahl, dass ich bei
sie bleiben möchte, ich sollte nicht einen Heller verzehren. Ja wenn ichs
dasselbe mahl getan hätte, so wäre ich wohl ein brav Kerl geblieben! Allein so
dachte ich durch mein Reisen immer höher und höher zu steigen. Es hätte auch
leichtlich geschehen können, wenn ich nicht so unglücklich auf der Spanischen
See gewesen wäre. Wie mirs nun da gegangen, wird man in folgenden Capitel bald
hören.
 
                             Das siebende Capitel.
Wo mir recht ist, war es der 1. oder der letzte April, als ich von Hr. Toffeln,
den vornehmen Lord in Londen, angleichen von seiner Frau Trauten wie auch von
seinen Jungfer Muhmen u. meinen gewesenen Wirte, den Alamode Töpffer, völligen
Abschied nahm und mich in ein gross Last-Schiff, welches schwer mit geräucherten
Hecht-Zungen beladen war und selben Tag aus Portugal kam, setzte. Auf denselben
war ich nun willens, nach den Lande Spanien zu gehen und allda die schönen
Spanischen Weintrauben zu kosten.
    Wir segelten bei guten Wetter von Londen sehr glücklich ab, der Wind war uns
auf der Spanischen See sehr favorable, und der Himmel hatte sich auch also
abgeklärt, dass man der Tebel hohlmer nicht ein schwartz Fleckgen an den Wolcken
gesehen hatte; wie der Schiffmann nun sah, dass uns der Wind so wohl wollte, hiess
er uns alle mit einander, so viel unser zu Schiffe waren, ein lustiges Lied
anstimmen und sung auch selber mit.
    Indem wir nun so in der besten Freude waren, sah ich von ferne ein Schiff
auf uns zugefahren kommen, welches ich den Schiffmanne zeigte und ihn fragte,
was es vor eins wohl sein müste? Als der Schiffmann solches gewahr wurde, fing
er gleich zu uns an: Dass es frembde Flaggen führete und ihn vorkäme, als wenn es
gar ein Raub- oder Caper-Schiff wäre. Sapperment! da dieses meine Cammeraden
höreten, wie erschracken die Kerl! Ich aber war her, lieff flugs hinunter ins
Schiff und sah, ob auch die Stücken alle parat waren; so bald ich nun in
dieselben forne hinein bliess und wollte hören, ob sie auch alle geladet stünden,
so war der Tebel hohlmer nicht ein eintziges zu rechte gemacht! Was war da zu
tun? Ich fing zu meinen Cammeraden gleich an: Allons, Ihr Herrn, es ist Feind
da! Lasset uns unsere Degen fertig halten. O Sapperment! wie stunden die Kerl da
und zitterten und bebeten, so erschracken sie, als ich ihnen von Degen und
fechten schwatzte.
    Es wärete hierauf nicht lange, so kam der Tebel hohlmer das Caper-Schiff wie
ein Blitz auf uns zugefahren, auf welchen der bekandte See-Räuber Hanss Bart mit
erschröcklich viel Capers war. Derselbe fragte nun gleich, ob wir uns wollten
gefangen geben? Ich antwortete denselben aber flugs sehr artig wieder und sagte
hierauf: Ich gebe mich der Tebel hohlmer nicht! Ey Sapperm., wie zog der Kerl
mit seinen Capers von Leder! Ich war nun mit meinen vortrefflichen Hau-Degen,
welches ein Rückenstreicher war, auch nicht langsam heraus und über die Capers
mit her. Da hätte man sollen schön hauen und fechten sehen, wie ich auf die Kerl
hinein hieb. Den Hanss Barte sebelte ich der Tebel hohlmer ein Stücke von seiner
grossen Nase weg, dass es weit in die See hine[i]n flog und wird die Stunde noch
bei ihn zu sehen sein, dass er eine stumpffigte Nase hat; von denen andern Capers
da hieb und stach ich wohl ihrer 15 über den Haufen, ohne die andern, welche ich
tödtlich zu schanden gehauen hatte. Alleine, was wars? wenn nicht der Kerl ihrer
so schrecklich viel gewesen wären, gegen einen Mann. Ja, wenn nur meine
damaligen Cammeraden mir nur ein wenig beigestanden - wir hätten die Victorie
unfehlbar erhalten wollen! So aber stunden die Bärenhäuter da, hatten die Fäuste
alle im Schübesack gestackt und liessen der Tebel hohlmer immer wie auf Kraut
und Rieben in sich hinein hauen und regten sich nicht einmal. Ich war der Tebel
hohlmer auch so tolle auf die Kerl, dass gar keiner von den Schurcken mit Hand
anlegen wollte; und das hat man sein Lebetage gehöret, viel Hunde sind eines
Hasens todt. Denn Hanss Bart hatte so einen erschröcklichen grossen Anhang bei
sich. Ja, wenn ihrer etwan 20 oder 30 nur gewesen wären, so hätte ich bald
wollen mit sie zu rechte kommen! Allein so warens wohl auf 100 solche Kerl, die
alle über mich her waren. Dennoch aber mussten sie selbst gestehen, dass mir was
rechts aus den Augen heraus gesehen hätte, als ich mich so resolut gegen sie
gehalten und weder Hieb noch Stich davon getragen.
    Wie ich nun letzlich mit fechten müde war und sah, dass keine Möglichkeit
vorhanden, die Victorie zu erhalten, musste ich der Tebel hohlmer anfangen, um
pardon zu bitten. Da hätte man nun schön plündern gesehen, als die Kerl in unser
Schiff kamen! Sie nahmen uns der Tebel hohl mer alles was wir hatten! Ich fing
denselben an, von meiner Geburt und die Begebenheit von der Ratte zu erzählen,
sie woltens aber der Tebel hohl mer nicht einmal gläuben, sondern zogen uns
alle mit einander biss aufs Hembde aus, nahmen alles, was wir hatten und führeten
uns noch darzu mit sich gefangen biss nach Sanct Malo, alwo sie uns einen
iedweden a part in ein hesslich Gefängnis steckten. O Sapperment! wie gedachte
ich da an meinen vorigen Stand, wer ich gewesen und wer ich nun in den hässlichen
Loche da wäre. Des grossen Mogols sein Bildnis mit der Kette war fort, die 1000
species Ducaten, welche mir seine Liebste verehret hatte, waren fort, mein ander
gut Geld benebst den Ducatons, so ich mir zu Amsterdam in Banco zahlen liess, war
fort, mein schön verschammerirtes Kleid, worinnen die Standes-Person von
Schelmuffsky sich fast in der ganzen Welt sehr artig aufgeführet hatte, war
fort. Meine wunderliche Geburt, die lag da in Drecke, niemand wollte mirs
glauben, dass die Historie mit der Ratte passiret wär und musste also wie der
elendeste Bärenhäuter von der Welt in einen hässlichen Gefängnis da unschuldig
ein ganz halb Jahr gefangen liegen.
    Ey Sapperment! wie ging mirs da elende! Es waren der Tebel hohlmer Läuse in
den Sappermentischen Neste, da fast eine so gross war als wie die Ratte, welche
meiner Fr. Mutter das seidene Kleid zerfressen hatte. Sie liessen mir der Tebel
hohlmer weder Tag noch Nacht Ruhe; ob ich nun wohl gleich den Tag über auf ein
paar tausend todt knickte, so stellten sich des Nachts wohl auf zehn Regimenter
andere wieder dafür ein und war mein Hembde manchmal flugs so besetzt, dass kein
weiss Fleckgen mehr daran zu sehen war. Ich gedachte da vielmahl an meinen
vorigen Stand und an Hr. Toffeln, des Lords in Londen seine Jungfer Muhmen, dass
die Menscher so um mich granssten, wie ich nicht bei sie bleiben wollte. Ja, wer
kann alle Dinge wissen! Und ich hätte mir der Tebel hohlmer eher was anders
versehen, als dass mirs so gehen sollte. Der Kerckermeister zu St. Malo tractirte
mich auch sehr schlecht in den Gefängnisse, denn er schickte mir niemals nichts
anders als einen grossen Topff voll Kleien-Brei durch seine Tochter, welche
Clauditte hiess. Damit musste ich mich alle mahl 3 Tage behelffen, ehe ich wieder
was kriegte. Manchmahl hatten sie mich auch wohl gar vergessen und brachten mir
den 6. Tag allererst wieder was, dass ich der Tebel hohl mer vielmahl 3 Tage habe
hungern müssen.
    Kurtz zuvor, ehe mir der Kerckermeister gegen Auslösung 100 Rtl. die
Freiheit ankündigte, so kam ein Gespenste zu mir vors Gefängnis! Sapperment, als
ich das Irreding sah, wie fing ich an zu schreien! Das Gespenste redete mich
aber sehr artig an und sagte mit diesen Worten: Anmutiger Jüngling, du wirst zu
deiner Freiheit bald wieder gelangen, gedulde dich nur noch ein klein Bissgen.
Als ich diese Worte hörete, wusste ich der Tebel hohlmer nit, ob ich Mädgen oder
Bübgen war! Teils erschrack ich drüber, teils freuete ich mich auch drüber,
weil es von den anmutigen Jünglinge und von der Freiheit schwatzte. Ich war
her, faste mir ein Hertze und fragte das Gespenste, wer es wäre? So gab es mir
sehr artig wieder zur Antwort und sagte: Es wäre der Charmante als meiner
gewesenen Liebsten ihr Geist, welche dort bei Bornholm zu Schiffe mit 6000
ersauffen müssen. Wie ich nun dieses hörete, dass alles auf ein Härgen so
eintraff, erschrack ich ganz nicht mehr vor den Gespenste, sondern wollte es
weiter fragen, wo denn die Charmante damals, als sie ersoffen, hingekommen wäre?
und wo sie begraben läge? Allein indem ich so fragte, war das Gespenste der
Tebel hohlmer flugs wieder verschwunden! Hierauf wärete es keine halbe Stunde,
so kam der Kerckermeister zu mir vors Gefängnis u. sagte: wenn ich 100 Rtl.
schaffen könnte, so hätte er Befehl, mich wieder los zu geben. Ich gab ihn zur
Antw[ort], wie dass ich neml[ich] ein brav Kerl gewesen, der sonst so viel Geld
nicht aestimiret hätte, aber ietzund sähe er wohl, dass ich der miserabelste
Bärnhäuter wäre. Der Kerckermeister fragte mich weiter, aus was vor einen Lande
und woher ich wäre? und ob ich da etwan noch Rat zuschaffen wüste? So könnte ich
eiligst hinschreiben und meinen Zustand den Meinigen zu wissen tun. Wie ich nun
erzehlete, dass ich eine Mutter hätte und ihr eintziger lieber Sohn wäre u. dass
dieselbe ein sehr gut Auskommen hätte und dass sie sich so viel Geld würde nicht
lassen an das Hertze wachsen, wenn sie hören würde, dass es ihren liebsten Sohn
so elende in frembden Landen ginge. Als der Kerckermeister dieses hörete, fing
er zu mir an: wenn ich meiner Mutter um so viel Geld schreiben wollte, sollte ich
aus den Gefängnis losgelassen werden und so lang bei ihn in seinen Hause arrest
halten, bis dass das Schiff mit den Gelde ankäme. Sobald als ich in sein Begehren
gewilliget hatte, fing er an und sagte: Eröffnet euch, ihr Bande und Ketten und
lasset den Gefangenen passiren!
    Hernach nahm er mich in sein Haus, bis das Schiff mit den 100 Tl.
anmarchiret kam. Nachdem er das Lösegeld empfangen hatte, so verehrete er mir
ein paar alte Schiffer-Hosen, eine alte Schiffer-Mütze, ein paar alte zerludelte
Strümpffe wie auch Schuh und einen alten Caper-Rock auf den Weg und liess mich
damit wieder hinwandern.
 
                               Das achte Capitel.
Nun wusste ich der Tebel hohlmer dazumahl nicht, wo ich von dar zu marchiren
sollte. Keinen blutigen Heller im Leben hatte ich, wie der elendeste Bettelbube
ging ich, vor nichts rechts sah mich kein Mensche mehr an und wusste also mein
Leibe keinen Rat, wie ich von St. Malo wieder fortkommen wollte. Endlich so ging
ich hin, wo die Schiffe abfuhren, da erzehlete ich den einen Schiffer mein
Unglücke und wie mirs gegangen wäre und bat ihn, wenn er abführe, er möchte
mich doch mitnehmen - ich wollte ihn gerne auf dem Schiffe mit an die Hand
gehen. Der Schiffmann liesse sichs gefallen, denn es war ein Engelländischer
Schiffer und hatte in Franckreich schöne Waaren geholet. Der erbarmte sich
endlich über mich und nahm mich mit. Da musste ich nun, wenn Sturm kam und die
Wellen davon ins Schiff schlugen, immer auf den Schiffe plumpen, damit die
kostbaren Sachen nicht etwan nass würden. So kriegte ich bei ihn zu essen und zu
trincken.
    Als wir nun wieder bei Londen vorbei fuhren, sagte ich zum Schiffer, dass mir
das Plumpen so sauer würde und ich könnte es unmöglich länger ausstehen; bäte
ihn, er möchte mich da lassen aussteichen, ich wollte meinen Weg nach der Stadt
zu nehmen. Der Schiffer war mir hierinnen auch nicht zu wider, sondern fuhr mit
seinen Schiffe ans Ufer, liess mich meiner Wege gehen und schiffte von dar weiter
fort.
    Ich war her und setzte mich da bei den Wasser nieder, zoge meine Schuh aus,
bund sie an einander, hängete sie an den Arm und marchirete in meinen
zerzodelten Strümpffen halb barfuss immer nach den Tore der Stadt Londen zu. Wie
ich nun an dasselbe kam, so stund ich stille und besann mich eine gute Weile, wo
ich mein Qvartier da aufschlagen wollte, weil ich keinen Heller Geld hatte.
Erstlich war ich willens, bei den Alamode Töpffer wieder einzukehren, allein so
dachte ich, was wird der Mann immer und ewig dencken, wenn die vor einen halben
Jahre sich alda sehr wohl aufgeführete Standes-Person wie der ärgste
Landstreicher itzo da aufgezogen kömt? Hernach hatte ich auch willens, ich wollte
bei Herr Toffeln, den vornehmen Lord, einkehren. Alleine so dachte ich auch,
wenn es seine Jungfer Muhmen erfahren würden, dass ich so elende aus Spanien
wiederkommen, so dürfften sie mirs nicht alleine gönnen, sondern sie würden mich
auch noch darzu brav auslachen, dass ich vormahls nicht bei sie geblieben.
Endlich resolvirete ich mich und nahm meinen Abtritt flugs haussen in der
Vorstadt auf der Bettelherberge, allwo ich noch Bettler antraff, denen ich vor
einen halben Jahre mit einigen Allmosen sehr viel guts erzeiget hatte. Auch
etliche zu mir sagten: Mein Gesichte wäre ihnen bekandt und sie sollten mich
sonst wo gesehen haben; allein sie konten sich nicht mehr drauf besinnen. Ein
kleiner Bettel-Junge fing unter andern an und sagte, dass ich bald aussähe wie
der vornehme Herre, der vor einen halben Jahre in Londen mit den vornehmsten
Dames wäre immer in der Kutsche gefahren und hätte ein Goldstücke mit einer
Kette allezeit aus der Kutsche herausgehängt, bei welchen so viel Schock Jungen
stets neben hergelauffen u. das Goldstücke so angesehen. Ich liess mich aber
nichts mercken, dass ichs war, und wenn ichs ihnen auch gleich gesaget, sie
hätten mirs der Tebel hohl mer nicht einmal geglaubet.
    Den andern Tag war ich her, weil ich kein Geld hatte, und ging in die Stadt
Londen hinein. Da sprach ich die Leute, welche mich zuvor als eine
Standes-Person noch nicht gesehen, um einen Zehr-Pfenning an, denn an die
Oerter, wo ich vormals war offters zu Gaste gewesen, kam ich der Tebelhohlmer
nicht, denn Sie hätten mich leichte kennen mögen. Und wenn ich vor Hr. Toffeln
seinen Hause vorbei ging, so zog ich allemahl die Mütze in die Augen, damit
mich niemand kennen sollte. Ich traf auch ungefehr einen halben Landsmann in
Londen an, welches ein brav Kerl war und im Kriege sich schon tapffer erwiesen
hatte. Denselben erzehlete ich mein Unglücke. Er verehrete mir auch 1 Rtler und
versprach mir, mich frei wieder mit in meine Heimbte zu nehmen; allein ich hatte
den Ort vergessen, wo ich nach ihn fragen sollte u. kunte denselben also von der
Zeit an, als er mir den Tlr. schenckte, nicht wied[er] antreffen.
    Zu meinen grossen Glücke fuhren gleich 2 Tage hierauf 3 Fracht Wagen aus
Londen nach Hamburg. Da bat ich die Fuhrleute, dass sie mich mit nehmen sollten,
ich hätte nicht viel zu verzehren. Die Fuhren waren ganz gut und sagten: Wenn
ich ihnen des Nachts ihre Wagen bewachen würde, so wollten sie mich Zehrfrei biss
nach Hamburg mit nehmen. Ey Sapperment, wer war froher als ich! Ich sagte,
hertzlich gerne wollte ichs tun. Hierauf nahmen sie mich nun mit sich, und ich
musste mich forne in die Schosskelle setzen und fahren.
    Wenn wir nun Abends ins Quartier kamen, so gaben sie mir allemahl den Kopff
oder den Schwantz vom Häringe und ein gross Stück Brod darzu, das musste ich nun
in mich hinein reiben. Hernach schanckten sie mir auch einmal dazu und hiessen
mich unter ihre Wagen legen und wachen. Das währete nun eine Nachte und alle
Nächte, biss wir in das letzte Wirts-Haus nahe vor Hamburg kamen, alwo ich von
Fuhrleuten Abschied nahm. Sie fragten mich zwar, ob ich nicht vollends mit nach
Hamburg wollte. Ich bedanckte mich, doch wäre ich wohl gerne mit hinein gewesen.
So aber stunde ich in Sorgen, es möchte mich etwan iemand noch da kennen und
hernach solches der Rädel-Wache sagen, dass ich der und der wäre, welcher vor
etlichen Jahren Ihrer so viel auf einmal zu Schanden gehauen und über den
Hauffen gestossen hätte. Traute also nicht, sondern nahm von den nähesten Dorffe
vor Hamburg meinen March oben im freien Felde weg und ging so lange, biss ich in
ein ander Gebiete kam, dass ich vor der Rädel-Wache recht sicher war.
    Hernach so bettelte ich mich von einem Dorffe zu dem andern, biss ich endlich
das Schelmerode wied[er] erblickte und allda nach meiner überstandenen sehr
gefährlichen Reise - so wohl zu Wasser als Lande - meine Fr. Mutter frisch und
gesund wieder zusprach. Mit was vor Freuden die ehrliche Frau mich damahls
bewillkommte, will ich beim Eingange des andern Teils künftig sehr artig auch
an den Tag geben. Vor dieses mahl aber hat nun der Erste Teil meiner
wahrhaftigen, curiösen und sehr gefährlichen Reise-Beschreibung zu Wasser und
Lande ein
                                     ENDE.
 
                                 Anderer Teil.
  Es mag der Räuber Bart mit seinen Capers prangen,
 Wie Er auff wilder Flut viel Beute sich gemacht,
 So wird Er doch den Ruhm bei weiten nicht erlangen,
 Als wie durch Reisen es Schelmuffsky hochgebracht.
                Dieses schrieb mit eilfertigster Feder zu stetswährenden
                Andencken des von Schelmuffsky vormahls gewesener Schiff-Compan
                bei dem Härings-Fange vor Rom auff der Tyber in einer
                Dreck-Schüte.
                                                                          X.Y.Z.
 
                        An den allezeit curiösen Leser.
Ich hätte zwar Ursache genung und könnte es auch der Tebel hohl mer mit guten
Gewissen tun, dass ich den andern Teil meiner curiösen Reise-Beschreibung unter
der Banck stecken liesse und gar nicht mit denselben an das Tage-Licht wischte;
weil ich aber in dem ersten Teile allen Leuten die Mäuler damit auffgesperret,
den andern Teil auch ehstens herfür zu suchen, als habe ich mein Maul nicht
gerne zur Tasche machen mögen, sondern dem allezeit curiösen Leser mit mehrern
Zeigen wollen, dass ich einer mit von den bravsten Kerlen auff der Welt gewesen
sei, ob ichs gleich ietzo nicht mehr bin.
    Wird nun der andere Teil meiner curiösen Reise-Beschreibung - ebenfalls wie
der Erste - von iederman mit höchster Verwunderung fleissig gelesen und alles,
was darinnen stehet, gegläubet werden, so versichere ich einem iedweden, dass ich
künftiges Jahr, wenn ich nicht sterbe, von meiner hier und dort vergessenen
Reise wie auch von andern denckwürdigen Sachen was rechts schreiben will und
solches unter dem Titul: Curiöser Monate heraus geben. Es sollen auch solche
Sachen herfür gesuchet werden, die mir der Tebel hohl mer keiner leicht aus den
Ermel schütten soll. Inzwischen verbleibe der curiöse Leser denjenigen iederzeit
gewogen, welcher sich Lebenslang nennet
                          Des allezeit curiösen Lesers
                        Reise-begierigster
                                                            SIGNOR Schelmuffsky.
 
                               Das erste Capitel.
Wo mir recht ist, war es gleich am Sanct Gergens Tage, als ich das erste mahl
von meiner sehr gefährlichen Reise in einem alten zerrissenen Caper-Rocke, und
zwar Barfuss, das ehrliche Schelmerode wieder ansichtig wurde. Nun kann ichs der
Tebel hohl mer nicht sagen, wie mir alles so frembde und unbekant in meiner
Geburts-Stadt vorkam! Ich hatte sie auch so verkennen gelernet, als wenn ich
dieselbe Zeit Lebens mit keinem Auge gesehen gehabt. Drei ganzer Tage und
Nächte lieff ich wie ein irre Mensch auff allen Gassen herumb und wusste meiner
Frau Mutter Haus nicht wieder zu finden, wenn es auch mein Leben hätte kosten
sollen. Fragte ich gleich Leute: Ob sie mir nicht davon könten Nachricht geben
oder zum wenigsten nur die Gasse sagen, wo meine Frau Mutter wohnen möchte? so
sperreten sie der Tebel hohl mer alle mahl die Mäuler auff und sahen mich an und
lachten. Ich kunte es ihnen zwar nicht verargen, dass sie so albern taten und
mir auff mein Fragen keine Antwort gaben. Warum? Ich hatte meine Frau Mutter
Sprache in der Frembde ganz verreden gelernet, denn ich parlirte meist
Engeländisch und Holländisch mit unter das Teutsche, und wer mir nicht sehr
genau auff mein Maul achtung gab, der kunte mir der Tebel hohl mer nicht eine
Sylbe verstehen.
    Ich hätte, halt ich dafür, meiner Frau Mutter Haus wohl in acht Tagen noch
nicht gefunden, so mir nicht ohn gefehr die dritte Nacht zwischen eilffen und
zwölffen meine Jungfer Muhmen auf der Gasse wären in Wurff gekommen, welche ich
auch anredete und fragte: ob sie mir keine Nachricht von meiner Frau Mutter
Hause melden könten? Die Menscher sahen mir in Finstern beide scharff ins
Gesichte und verstundens doch (ob ich gleich sehr unteutsch redete) und was ich
haben wollte. Endlich so fieng die eine an und sagte: Ich sollte mich erstlich zu
erkennen geben, wer ich wäre, alsdenn wollten sie mich selber an verlangten Ort
bringen. Wie ich ihnen nun erzehlete, dass ich der und der wäre und dass ich schon
drei ganzer Tage in der Stadt herum gelauffen und kein Hencker mich hätte
berichten können, in welcher Gasse doch meine Frau Mutter wohnen müste, o
Sapperment! wie fielen mir die Menscher beide auff der Strasse umb den Hals und
erfreueten sich meiner guten Gesundheit und glücklichen Wiederkunft! Sie
kriegten mich beide bei meinem zerrissenen Caper-Rocke zu fassen und waren
willens, mit mir nach meiner Frau Mutter Hause zu zumarchiren.
    Indem wir alle drei nun sehr artig miteinander giengen und ich ihnen
unterwegens von meiner Gefangenschaft zu Sanct Malo anfing zu erzählen, so
kamen unvermerckt 2 Kerl hinter mir hergeschlichen, die dencken, ich bin etwan
ein gemeiner Handwercks Pursche, weil ich so liederlich ging, und gaben mir da
rücklings ein iedweder eine Presche, dass mir flugs die rote Suppe zu Maul und
Nase Beins dicke heraus schoss und rissen mir hierauff meine Jungfer Muhmen von
der Seite weg und wanderten mit ihnen immer was läuffstu was hast du - so viel
ich in finstern sehen kunte - durch ein enge Gässgen durch. O Sapperment! wie
verdross mich das Ding von solchen unverständigen Kerlen, weil sie mich nicht
besser respectireten. Ihr gröstes Glück war, dass mir auff der Spanischen See von
Hans Barte mein vortrefflicher Rückenstreicher mit war von der Seite
weggeraubet worden, sonst hätte ich ihnen nicht einen Dreier vor ihr ganzes
Leben geben wollen! So aber hatte ich nichts in Fäusten, und ohne Degen im
Finstern auff Händel auszugehen, glückt auch nicht allemahl. Drum dachte ich, du
wilst lieber die Preschen einstecken und stehen bleiben, biss deine Jungfer
Muhmen wieder kommen, die werden dirs wohl sagen, wer die Kerl gewesen sein -
hernach müssen sie dir schon Satisfaction vor den Schimpff geben. Ich stund wohl
über 3 Stunden auff derselben Stelle, wo ich die Preschen bekommen hatte, und
wartete auff meine Jungfer Muhmen.
    Wie dieselben nun wiederkamen, so waren sie ganz voller Freuden und
erzehleten mir, wie es ihnen so wohl gegangen wäre, und wie sie beide von
denselben Kerlen, welche mir die Preschen gegeben, so vortrefflich beschencket
worden und es sehr betauret, weil ich ihr Herr Vetter wäre, dass sie sich an mich
vergriffen hätten. Nachdem ich von meinen Jungfer Muhmen nun solches vernahm,
dass es unversehener weise geschehen war und dass die Preschen, welche ich
bekommen, einen andern waren zugedacht gewesen, so liess ichs gut sein und
dachte: Irren ist menschlich.
    Hierauff so führeten mich meine Jungfer Muhmen immer nach meiner Fr. Mutter
Hause zu. Als wir nun vor die Türe kamen, so konten wir nicht hinein kommen.
Wir klopfften wohl über 4 Stunden vor meiner Frau Mutter Hause an, allein es
wollte uns niemand hören.
    Wie wir nun sahen, dass uns keiner aufmachen wollte, legten wir uns alle drei
die Längelang vor die Haus-Tür und schlummerten da so lange, biss das Haus
wieder geöffnet wurde. Hernach so schlichen wir uns heimlich hinein, die Treppe
sachte hinauff und nach meiner Jungfer Muhmen ihrer Cammer zu, dass sie und mich
niemand gewahr wurde. Oben zogen sich meine Jungfer Muhmen nun aus und legten
ihren Nacht-Habit an und zwar zu dem Ende, damit niemand mercken sollte, dass Sie
vergangene Nacht anderswo frische Lufft geschöpfft hätten. Da solches geschehen,
hiessen sie mich sachte die Treppe wieder hinunter schleichen und an meiner Frau
Mutter Stuben-Türe anpochen und sollte hören, ob sie mich auch noch kennen
würde?
    Als ich nun unten wieder ins Haus kam, O Sapperment! wie kam mir alles so
frembde und unbekant in meiner Frau Mutter Hause vor! Ich suchte wohl über 2
Stunden, ehe ich meiner Frau Mutter ihre Stuben-Türe wieder finden kunte, denn
ich hatte alles mit einander im ganzen Hause fast gäntzlich verkennen gelernet,
ausgenommen meiner Frau Mutter ihr klein Hündgen, welches sie immer mit zu Bette
nahm und hernachmahls eines unverhofften Todes sterben musste. Dasselbe erkannte
ich noch an dem Schwantze, denn es hatte einen blauen Fleck unter dem Schwantze,
welchen ich den Hündgen unversehens - da ich noch vor diesen in die Schule ging
- mit meinem Blase-Rohre, als ich nach einem Sperlinge geschossen und das
Hündgen unversehener Weise unter den Schwantz getroffen, gemacht hatte.
    Aber meine Frau Mutter, als ich dieselbe ansichtig wurde, so kam sie mir der
Tebel hohl mer ganz unkäntbar vor und ich hätte es auch nimmermehr gegläubet,
dass sie meine Frau Mutter wäre, wenn ich sie nicht an dem seidenen Kleide,
welches ihr vormahls die grosse Ratte zerfressen gehabt, erkant hätte; denn es
war in demselben hinten und forne ein abscheulich gross Loch und zu ihrem grossen
Glücke hatte sie das zerfressene Kleid gleich selben Tag angezogen, sonst hätte
ich sie - der Tebel hohl mer - nicht wieder gekant!
    Nachdem ich nun gewiss wusste und das zerfressene seidene Kleid mir gnungsam
zu verstehen gab, dass ich meine Frau Mutter, welche ich in so vielen unzehlichen
Jahren mit keinem Auge gesehen, wiederum vor mir stehen sah, so gab ich mich
hernachmals auch zu erkennen und sagte: Dass ich ihr frembder Herr Sohn wäre,
welcher in der Welt was rechts gesehen und erfahren hätte! O Sapperment! was
sperrete das Mensch vor ein paar Augen auff, wie sie hörete, dass ich ihr Sohn
Schelmuffsky sein sollte! Sie sagte anfänglich: Das Ding könnte unmöglich wahr
sein, dass ich ihr Herr Sohn wäre, indem ihr Herr Sohn - wie sie vernommen -
einer mit von den vornehmsten Standes-Personen unter der Sonnen wäre und würde,
wenn er wieder nach Hause käme, so liederlich wie ich nicht auffgezogen kommen.
Ich antwortete aber hierauff meiner Frau Mutter sehr artig und halff ihr mit 2
biss 3 Worten gleich aus dem Traume, sagende: Wie dass ich nämlich einer mit von
den vornehmsten Standes-Personen schon in der Welt gewesen und wie dass einem ein
gut Kleid auff der Reise nichts nütze wäre, und wie dass der von Schelmuffsky ein
ganz halb Jahr zu St. Malo gefangen gesessen und ihr eintziger lieber Sohn,
welcher wegen einer grossen Ratte - und zwar nach Adam Riesens Rechen-Buche 4
Monat zu früh auff die Welt gekommen wäre. O Sapperment! als meine Frau Mutter
von der Ratte hörete, wie fiel mir das Mensche vor Freuden um den Hals und zu
hertzte und zu possete mich, dass ichs der Tebel hohl mer nicht sagen kann.
    Als sie sich mit mir nun eine gute Weile getändelt hatte, so fing sie vor
grossen Freuden an zu gransen, dass ihr die Tränen immer an den Strümpffen
herunter lieffen und ihre Sämischen Schuhe pfützen maden nass davon wurden!
Hierzu kamen nun meine Jungfer Muhmen in ihren Schlaff-Habite zur Stuben-Tür
hinein getreten und boten meiner Frau Mutter einen guten Morgen, gegen mich aber
stellten sie sich, als wenn sie mich Zeit Lebens nicht gesehen hätten.
    Meine Frau Mutter hatte auch damahls einen kleinen Vetter bei sich, dasselbe
war eine schlaue Wetter-Kröte und wurde dem Aase aller Willen gelassen. Indem
nun meine Frau Mutter ihren Jungfer Muhmen erzählt, wie dass ich ihr Sohn
Schelmuffsky wäre, der sich was rechts in der Frembde versucht hätte und zu
Wasser und Lande viel ausgestanden, so mochte es der kleine Vetter in der
Stuben-Kammer hören, dass von Schelmuffsky geredet wurde; kam das kleine
Naseweissgen wie eine Ratte aus meiner Frau Mutter Bette gesprungen und guckte
zur Stuben-Türe hinein. So bald als er mich nun erblickte, fing der kleine
Junge der Tebel hohl mer an zu lachen und fragte mich da gleich, was ich denn
schon zu Hause wieder haben wollte, indem ich kaum 14 Tage weg wäre? O
Sapperment! wie verdross mich das Ding von den Jungen, dass er mir von 14 Tagen
schwatzte! Wie ihn nun meine Frau Mutter hierauff fragte: Ob er mich denn noch
kennete? so gab ihr der Naseweiss so hönisch zur Antwort und sagte: Warum er denn
seinen liederlichen Vetter Schelmuffsky nicht kennen sollte? Da ihm aber meine
Frau Mutter die Augen eröffnen wollte und zu ihn sprach: dass er unrecht sehen
müste und wie dass ich mich in der Frembde was rechts so wohl zu Wasser als zu
Lande versucht hätte, so fing mein kleiner Vetter wieder an: Frau Muhme, sie
wird ja nicht so einfältig sein und solche Lügen gläuben! Ich habe mir von
unterschiedlichen Leuten erzählen lassen, dass mein Vetter Schelmuffsky nicht
weiter als eine halbe Meile von seiner Geburts-Stadt kommen wäre und alles mit
einander mit liederlicher Compagnie im Toback und Brantewein versoffen. O
Sapperment! wie knirschte ich mit den Zähnen, als mir der Junge Toback und
Brantewein unter die Nase rieb!
    Nach diesen baten mich meine Jungfer Muhmen, dass ich doch von meiner
gefährlichen Reise was erzählen sollte und was ich vor Dinge in der Welt gesehen
hätte? Wie ich nun Sachen vorbrachte, welche grosse Verwunderungen bei meinen
Jungfer Muhmen erweckten, so fiel mir der Junge allemahl in die Rede und sagte:
Ich sollte nur stille schweigen, es wäre doch alles erstuncken und erlogen, was
ich da aufschnitte. Endlich so lieff mir die Lauss auch über die Leber und gab
ihn, ehe er sichs versah, eine Presche, dass er flugs an die Stuben-Türe
hinflohe und die Beine hoch in die Höhe kehrete! Ey Sapperment! was verführete
deswegen meine Fr. Mutter vor ein Spiel! Wie vielmahl ich mich auch hernach des
Jungens halber mit meiner Frau Mutter gezancket und gekiffen, das wäre der Tebel
hohl mer auff keine Esels-Haut zu bringen und ist meines Erachtens unnötig, dass
ich hiervon viel Wesens mache. Ist aber iemand curiöse und will von solchen
Gekäuffe genauere Nachricht wissen, den kann ich keinen bessern Rat geben, als
dass er nur etliche ehrliche Weiber in der Nachbarschaft deswegen drüm fraget,
die werdens ihn der Tebel hohl mer Haarklein sagen.
    Damit ich aber meinen damahligen Zustand, wie ich von meiner Gefangenschaft
wieder kommen war, mit wenigen berühre, wird derselbe folgender massen sehr
artig beschrieben sein.
 
                              Das andere Capitel.
Es hatte der erste Tag meiner Ankunft seine Endschaft knap erreichet, als ich
mich mit meiner Frau Mutter des kleinen Vetters halber wegen der gegebenen
Presche ganz müde gekiffen hatte und mich der Haus-Knecht mit einer papiernen
Laterne hundert und 11 Treppen hoch zu Bette leuchten musste. Ich war kaum in die
Schweins-Federn hinein gekrochen, so überfiel mich augenblicklich ein
abscheulicher süsser Schlummer, dass man mich auch über das dritte Haus
schnarchen hören und fing da an zu träumen.
    Nun war es der Tebel hohl mer ein sehr nachdencklicher Traum, denn mich
träumete, wie dass ich auff der See wäre und wie dass mir so ein grausamer Durst
ankam. Weil ich aber von guten Geträncke, womit ich mich gerne den Durst leschen
wollte, nichts finden kunte, so war es nicht anders, als wenn ich meine
Caper-Mütze nehme und schöpffte dieselbe voll See-Wasser, welche gekrübelte voll
grosse rote Würmer und grüne Maden war, die hatten der Tebel hohl mer grosse,
lange, breite und spitzigte Zähne in den Schnautzen und stuncken wie das ärgeste
Luder! Dasselbe Wasser soffe ich nun mit alle denen Würmen in mich hinein und
schmackte mir so uneben nicht, denn die Würmer schlichen mir so glat mit
hinunter, dass ichs nicht einmal gewahr wurde. Doch einer wäre mir bald im Halse
stecken geblieben, wenn ich nicht im Traume geschluckt hätte, denn er war mir
mit seinen Zähnen in meinen Halse unter der Zunge an den Zapffen hängen blieben.
So bald ich aber einen Schluck tat, war [er] augenblicks auch bei der sämptl.
Compagnie. Nach Verfliessung einer Viertel Stunde hätte man schön schreiens und
bölckens in meinen Magen gehöret! O sapperment! wie bissen sich da die Würmer
und die Maden in meinem Leibe - es war der Tebel hohl mer nicht anders als wie
eine Hasenhetze und bluteten alle mit einander wie die Schweine! Nachdem sie
sich nun so eine gute Weile im Leibe herum gekampelt hatten, so wurde mir darauf
abscheulich übel u. fing mich an zubrechen; da hätte man nun schön speien
gesehen! Wie ich spie - es ging der Tebel hohl mer hinten und forne 4 ganzer
Stunden nach einander weg und im Traume immer ins Bette hinein, dass ich auch
endlich gar darüber auffwachte. Wie ich nun auffgewacht war, so lag ich der
Tebel hohl mer biss über die Ohren in lauter Unflate und krochen in denselben
wohl über hundert tausend solche rote See-Würmer und grüne Maden mit grossen
Zähnen herum, die frassen das Gespiene alle mit einander wieder auf und
verschwunden hernach, ehe ich michs versah, dass ich auch die Stunde nicht weiss,
wo sie hinkommen sein. Dasselbe Speien continuirte bei mir nun 4 ganzer Wochen,
eine Nacht und alle Nächte, denn es musste wohl von der Lufft herrühren, weil ich
auch flugs so sehre an Händen und Füssen ausschlug. Es war der Tebel hohl mer
mein ganzer Leib über und über wie eine bürckene Rinde und die Haut fing mir an
zu Gucken wie nichts guts; dass ich mir auch manchmahl, wenn ich den Caper-Rock
angezogen hatte, das Leder so zerriebe, dass bissweilen die gläntzenden Rubinen
wie Kleister oder Buchbinder Papp in meinen Caper-Rocke Finger dick kleben
blieben. Ich brachte wohl ein ganz halb Jahr damit zu, ehe ich das Zeug vom
Halse recht wieder los werden kunte, und ich halte dafür, ich wäre es noch so
bald nicht los wieder geworden, wenn ich mir nicht von Bomolie und geklopfften
Ziegel-Steinen eine Salbe hätte machen lassen und die Gelencke immer fleissig
damit geschmieret. Ach! Bomolie, Bomolie! Das ist der Tebel hohl mer eine
herrliche Artzenei vor die Krätze!
    Nachdem ich mich nun innerhalb Jahres-Frist ein wenig ausgemaustert hatte
und die Lufft in etwas wiederum vertragen kunte, so ging hernachmahls kein Tag
vorbei, dass ich mich nicht continue mit meiner Frau Mutter zancken musste. Ich
war auch solch Leben so überdrüssig, als wenn ichs mit Löffeln gefressen hätte
und der Zanck rührete gemeiniglich wegen meines kleinen Vettern her, weil der
Junge so Nase weiss immer war und mir kein Wort, was ich erzehlete, gläuben
wollte.
    Letzlich wie ich sah, dass ich mit meiner Fr. Mutter gar nicht stallen
kunte, befahl ich ihr, dass sie mir musste ein neu Kleid machen lassen und sagte:
Sie sollte mir mein Vater-Teil vollends geben, ich wollte wieder in die Frembde
marchiren und sehen, was in Italien und Welschland passirete - vielleicht hätte
ich da besser Glücke als auff der Spanischen See. Meine Fr. Mutter die wollte mir
nun an meinen Vorhaben nicht hinderlich sein, sondern wäre mich damahls schon
lieber heute als morgen gern wieder los gewesen! Sie liess mir ein schön neu
Kleid machen, welches auff der Weste mit den schönsten Leonischen Schnüren
verbremet war. Weil sie aber nicht flugs bei ausgebe-Gelde war und sonst noch
eine Erbschaft in einer benachbarten Stad zu fordern hatte, so gab sie mir da
eine Anweisung und ich sollte in Nahmen ihrer mir dort das Geld zahlen lassen,
damit sie mich nur aus den Hause wieder los würde.
    Hierauff war ich her und macht selben Tag noch einen Weg dahin und
vermeinte, die Gelder würden da schon auffgezehlet liegen. Allein, wie ich
hinkam, so wollte derjenige, welcher das Geld schuldig zu zahlen war, mich mit
meiner Anweisung nicht respectiren, sondern sagte: ich wäre noch nicht mündig,
und dazu wüste er auch nicht, ob ich der und der wäre. O Sapperment! wie verdross
mich das Ding, dass man mich vor unmündig ansah, indem ich schon unzehliche
Jahre in die Frembde weit und breit herum gesehen und einer mit von den
pravesten Kerlen in der Welt gewesen war! Ich tat aber das und erzehlete ihm
die Begebenheit von der Ratte und von den Loche, wo sie sollte hinein gelauffen
sein. O Sapperment! wie erschrack der Schuldmann hernach vor mir und schämete
sich der Tebel hohl mer wie ein Hund. Er wäre - halt ich dafür - wohl noch halb
so viel lieber schuldig gewesen, als dass er mir nur das nicht mündig sein unter
die Nase gerieben hätte. Denn er sah mich hernach allererst recht ins Gesichte,
und da er spürete, dass mir was sonderliches aus den Augen heraus funckelte, so
bat er bei mir um Verzeihung und kam auch flugs mit der Vorklage und sagte: Er
wollte mir gerne die Erbschaft bezahlen, allein er wäre itzo nicht bei Mitteln.
In 2 Jahren wollte er sehen, dass mir damit könnte geholffen werden. Was wollte ich
nun tun, wie ich sah, dass es der gute Mann nicht hatte! Damit ich ihn aber
nicht in Schaden bringen wollte (Denn wenn ich geklaget, hätte er mirs schon
zahlen müssen und der Tebel hohl mer kein gut Wort darzu), so war ich her und
verhandelte die ganze Erbschaft einen andern, den liess ich mir vor den ganzen
Qvarck den 4ten Teil zahlen und gab ihn in Nahmen meiner Fr. Mutter Vollmacht,
das ganze Capital zu heben.
    Als ich nun das Geld empfangen hatte - O Sapperment! wer war froher als ich,
da wieder frische Pfennige in meiner Ficke klungen! So bald ich zu meiner Frau
Mutter nach Schelmerode kam, machte ich mich wieder reisefertig und packte meine
Sachen alle zusammen in einen grossen Kober, nahm von meiner Fr. Mutter wie auch
meinen Jungfer Muhmen mit weinenden Augen wieder Abschied und war willens, mich
auff die geschwinde Post zu setzen. Indem ich nun zur Stuben-Tür mit meinen
grossen Kober hinaus wandern wollte, so kam mir mein kleiner Vetter entgegen
gegangen, von dem wollte ich nun auch gute Nacht nehmen. Wie ich ihn aber die
Hand bot, so fing die Wett[e]r-Kröte an zu lachen und sagte: Es würde nicht
nötig sein, dass ich von ihm Abschied nehme, meine Reise würde sich so weit
nicht erstrecken, und wenn er sich die Mühe nehmen möchte, mir nachzuschleichen,
so wollte er mich wohl im nächsten Dörffgen in einer Bauer-Schencke antreffen,
allwo ich so lange verbleiben würde, biss die verhandelte Erbschaft in Toback
und Branteweine durch die Gurgel gejagt wäre - hernach würde ich mich schon
wieder einfinden! Ey Sapperment! wie verdross mich das Ding von den Jungen, dass
er mir von den nächsten Dorffe solche Dinge herschwatzte! Ich war aber nicht
faul, sondern gab ihn unversehens eine solche Presche wieder, dass ihn das helle
Feuer flugs zum Augen heraus sprang und marchirete hierauff mit meinen grossen
Kober immer stillschweigens zur Stuben-Türe hinaus und in vollen Sprunge - was
läuffstu was hast du - nach den Post-Hause zu. Da hätte man nun schön
Nachschreien von meiner Fr. Mutter auff der Gasse gehöret, wie das Mensche
hinter mir her schrie und sagte: Schlag, du Schelm, schlag, geh dass du Hals und
Beine brichst und komm nimmermehr wieder vor meine Augen! Mein kleiner Vetter,
das Naseweissgen, der verfolgete mich mit Steinen biss vor an das Post-Haus,
allein er traff mich nicht ein eintziges mahl.
    Als ich nun vor das Post-Haus kam und die geschwinde Post schon völlig
besetzt war, so wollte mich der Postilion nicht mit nehmen. Doch tat er mir den
Vorschlag, dass ich mich hinter in die Schoss-Kelle setzen sollte, wenn ich mit
wollte. Worauff ich mich nicht lange besann, sondern mit gleichen Beinen flugs
mit meinen Kober hinein sprang und hiess den Postilion immer per postae eiligst
zum Tore hinaus fahren.
 
                              Das dritte Capitel.
Es war gleich denselben Tag, als die Nacht zuvor meiner Fr. Mutter die Trütüner
waren gestohlen worden, da ich die ehrliche Geburts-Stadt verliess und meine sehr
gefährliche Reise zum andern mahl zu Wasser und Lande wieder antrat.
    Kaum waren wir einen Mussqueten-Schuss von der Stadt gefahren, so schmiss uns
der Postilion um, das flugs alle 4 Räder an der Post-Calesse in Stücken brachen!
Die Personen, so er geladen hatte, die lagen der Tebel hohl mer im Drecke biss
über die Ohren, denn es war in einem greulichen Morast-Loche, da er uns
umschmiss. Ich hatte noch von grossen Glück damahls zu sagen, dass ich hinten in
der Schoss-Kelle sass, denn wie ich sah, dass der Wagen fallen wollte, so sprang
ich mit meinen Kober herunter, denn wenn ich wäre sitzen blieben, ei sapperment!
wie würde ich mit meiner Nase in Dreck auch gelegen sein! Da war nun Lachen zu
verbeissen, wie sich die Passagirer so im Kote herum weltzten! Der Postilion
wusste nun seinem Leibe keinen Rat, wie er fortkommen wollte, weil die Räder alle
viere am Wagen zerbrochen waren!
    Nachdem ich nun sah, dass ganz keine Hülffe fortzukommen vorhanden war und
ich mich nicht lange zu versäumen hatte, sondern wollte eiligst die Stadt Venedig
besehen, so war ich her - ich nahm meinen grossen Kober und bedanckte mich gegen
meine Reise-Gefehrten, welche noch in Drecke da lagen, vor geleistete Compagnie
und ging immer per pedes nach Italien und Welschland zu.
    Denselben Tag wanderte ich noch zu Fusse 22 Meilen und gelangete des Abends
bei zu rüste gehender Sonne in einem Kloster an, worinnen die barmhertzigen
Brüder waren. Der Tebel hohl mer - gute Kerls! Sie tractirten mich mit essender
Waare recht fürstlich, aber kein gut Bier hatten sie in demselben Kloster. Ich
fragte sie auch, wie es denn käme, dass sie keinen guten Tisch-Trunck hätten? So
gaben sie mir zur A[n]twort: Es hätte bei ihnen die Art so, nicht gut Bier zu
brauen, dieweil sie mit lauter sauren Wasser versehen wären. Damit so lernte ich
ihnen ein Kunst-Stück, wie sie könten gut Klebe-Bier brauen, welches auch so gut
schmecken würde, dass sie es gar mit Fingern austitschen würden, und wie sie
darnach würden lernen brav predigen können. O sapperment! wie danckten mir die
barmhertzigen Brüder vor mein Kunst-Stück, welches ich ihnen gelernet hatte! Sie
stellten auch noch selben Abend eine Probe an, den Morgen früh darauff hatten
sie der Tebel hohl mer das schönste Klebebier im Bottge, welches wie lauter
Zucker schmackte. Ey sapperment! wie zu soffen sich die barmhertzigen Brüder in
den Klebe-Biere und kunten nicht einmal satt werden, so gut schmackte es
[i]hnen. Sie mussten bald immer das Maul mit Fingern zuhalten, so begierig soffen
sie es hinein und wurdens nicht einmal inne, wenn es ihnen gleich in die Köpffe
kam!
    Wie mir auch die Kerl deswegen so gut waren und viel Ehre erzeugten, werde
ich der Tebel hohl mer mein Lebtage nicht vergessen. Sie baten mich auch, dass
ich eine Welle bei ihnen bleiben sollte, allein ich hatte keine Lust dazu. Da
ich von denselben nun wieder Abschied nahm, gaben sie mir ein Hauffen Victualien
mit auff den Weg, dass ich nicht verhungern sollte, denn die barmhertzigen Brüder
hatten gleich den Tag zuvor (welches der Freitag war im Kloster) 6
Ecker-Schweine geschlachtet, davon kriegte ich eine grosse lange Wurst und ein
abscheulich Stücke dicke Speck mit auff meine gefährliche Reise. Nun kann ichs
der Tebel hohlmer wohl sagen, dass ich dergleichen Speck mein Lebetage noch nicht
in der Welt gesehen hatte, als wie ich bei den barmhertzigen Brüdern da antraff,
und wenn er nicht sechs Ellen dicke war, so will ich der Tebel hol mer kein brav
Kerl sein!
    Nachdem ich nun von den Barmhertzigen Brüdern Abschied genommen hatte und
mein grosser Kober ziemlich mit Proviant gespickt war, so nahm ich meinen Weg
immer nach Venedig zu. Unterwegens abholete ich eine geschwinde Post, welche
auch willens war, nach Venedig zu fahren und weil der Postilion nicht viel
Personen geladen hatte, so dingete ich mich auff dieselbe, doch trauete ich mich
nicht unter die Compagnie mit zu setzen aus Furcht, der Post-Knecht möchte etwan
auch umwerffen wie der vorige und man könnte nicht wissen, wie das Umwerffen
allemahl gelückte. So satzte ich mich wieder hinter mit meinem grossen Kober in
die Schosskelle und hiess den Postilion per postae nach Italien und Welschlande
fortfahren.
    Wir fuhren etliche Tage sehr glücklich und wie wir etwan noch einen
Büchsenschoss von Venedig hatten, allwo man zwischen grossen hängigten Bergen
fahren muss, so schmiss der Postilion, ehe wir es uns versahn, den Post-Wagen um,
dass er wohl den einen Berg hinunter über 1000 mahl sich mit uns überkepelte und
nahm der Tebel hohl mer keiner nicht den geringsten Schaden. Ausgenommen zwei
Räder, die gingen an der Post-Calesse vor die Hunde. Aber die wir auff den
Post-Wagen sassen, wurden alle mit einander wichtig von dem Sande bestoben, denn
es glebt um Venedig herumb nichts als lauter sandigte Berge. Es war auch ein
Hauffen Staub und Sand in meinen grossen Kober gekommen, dass an den Specke,
welchen mir die barmhertzigen Brüder mit gegeben, wohl Ellen dicke Sand und
Staub sich dran geleget hatte. Nachdem ich nun sah, dass der Postilion in
Ermangelung 2 Räder an seiner Post-Calesse sich lange da auffhalten wollte, so
ging ich zu Fusse vollends nach der Stadt Venedig zu. Wie mir aber unterwegens
der Wind die Augen so voller Sand und Staub wehete, ist der Tebel hohl mer
unbeschreiblich, denn es war dasselbe mahl ein unerhörter grosser Wind. Doch muss
ich gestehen, dass sich die Stadt Venedig von ferne der Tebel hohl mer recht
propre praesentiret, denn sie liegt auff einen grossen hohen Stein-Felsen und
ist mit einen vortrefflichen Wall umgeben.
    Als ich nun die Stadt Venedig zu Fusse mit meinen grossen Kober erreichet, so
kehrete ich im Weissen Bocke ein, allwo ich sehr gute Bequemligkeit und
Bedienung hatte. Die Wirtin, welches eine Wittfrau war, die empfieng mich sehr
freundlich und führete mich gleich in eine wunder schöne Kammer, worinnen über
200 die gemachten Betten stunden. Dieselbe Kammer gab sie mir zu Verwahrung
meiner Sachen ein und nahm mit einer höfflichen Complimente wiederum Abschied.
    Wie ich nun allein in der wunderschönen Kammer war, nahm ich meinen Kober
vom Halse ab, machte ihn auff und langete mir aus demselben ein weiss Hembde,
denn das Hembde, welches ich sehr lange auff dem Leibe getragen, in demselben
war es nun eben nicht gar zu sicher, indem ich bei den barmhertzigen Brüdern mit
etlichen Regimentern Kostgängern war beschencket worden! So bald als ich mir nun
selwge vom Leibe geschafft und ein weiss Hembde angezogen hatte, versteckte ich
meinen grossen Kober mit den Sachen unter ein gemacht schön Bette, damit ihn
niemand finden sollte und ging aus der Kammer wieder heraus, schloss sie zu und
fragte die Wirtin: Was denn guts Neues in der Stadt Venedig passirete? Die
Wirtin, die gab mir zur Antwort und sagte: Es wäre ietzo allerhand (indem es
Jahrmarckt wäre) auff den Sanct Marx-Platze zu sehen. O Sapperment! wie nahm ich
meinen March nach den Sanct Marx-Platze zu, als die Wirtin vom Jahrma[r]ckte
schwatzte. Ich war her und hohlte meinen grossen Kober mit meinen Sachen
geschwinde wieder aus die Kammer und hing denselben an, damit mir derselbe, weil
es Jahrmarckt war, nicht irgend weg kommen sollte.
    Wie ich nun auff dem St. Marx-Platze kam, ei Sapperment! was stunden da vor
wunderschöne Häuser, desgleichen ich in Holland und Engelland, wie auch in
Schweden und ganz Indien an keinen Orte niemahls noch nicht gesehen hatte. Sie
waren der Tebel hol mer mit den kostbarsten Marmorsteinen ausgemauret und war
ein Haus wohl über funftzig Geschoss hoch, und vor einen iedweden Hause ringst
um den Marckt herum stund eine grosse Plumpe aus Ursachen, weil das Wasser da so
seltzam ist. Mitten auff dem St. Marx-Platze nun stund eine grosse Glücks-Bude,
da griff nun hinein wer wollte. Es musste aber die Person vor einen iedweden Griff
einen Ducaten geben. Es waren aber auch Gewinste darinnen zu 60 bis 70 tausend
Talern und gab auch sehr geringe Gewinste, denn der gerin[g]ste Gewinst wurde
nur auff einen Patzend wert geschätzet, welches in Teutschland 6 Pfennige
macht.
    Wie ich nun sah, dass manche Leute brav gewannen, so war ich her und wagte
auch einen Ducaten dran und wollte mein Glück versuchen. Als ich nun in den
Glücks-Topff hinein griff, O sapperment! was waren da vor Zeddel - ich will
wett[e]n, dass wohl über tausend Schock Million[e]n Zeddel in dem Glücks-Topffe
da vorhanden waren! Indem ich nun in den Glücks-Topff mit beiden Händen hinein
fühlte, so tat ich auch einen solchen Griff, dass ich die Zeddel bald alle auff
einmal mit beiden Fäusten heraus griffe. Da dieses der Glücks-Töpffer sah, O
sapperment! wie klopffte er mich auff die Finger, dass ich so viel Zeddel heraus
geschlept brachte, welche ich aber mit einander flugs wieder hinein schmeissen
musste und hernach vor meinen Ducaten nur einen eintzigen hinaus nehmen, welches
ich auch tat. Wie ich nun vor meinen Ducaten einen Zeddel aus dem Glücks-Topffe
heraus genommen hatte und ihn auff machte, so war es eine gute Nummer und zwar
Nummer 11. Dieselbe musste ich nun dem Glücksbüdner zeigen. Nun meinten damahls
alle Leute, ich würde was rechts davon tragen, weil ich eine ungleiche Nummer
ergattert hätte, aber wie darnach gesehen wurde, was Nummer 11 mit sich brachte,
so war es ein Bart-Bürstgen vor 6 Pfeng. O sapperment! wie lachten mich die um
die Glücks-Bude herumstehenden Leute alle mit einander mit meinen Bart-Bürstgen
aus! Ich kehrte mich aber an nichts, sondern war her und griff noch einmal in
den Glücks-Topff hinein und langete noch einen Zeddel heraus. Derselbe hatte nun
wiederum eine gute Nummer, denn es war Nummer 098372641509. Sapperment! wie
sperreten die Leute alle mit einander in und an der Glücks-Bude die Mäuler auff,
dass ich so eine vortreffliche Nummer ergriffen hatte! Dem Glücksbüdner musste es
nun wohl flugs sein Hertze gesagt haben, dass ich was rechts aus seiner Bude
ergriffen hätte, denn sobald als er den Zeddel nur ansichtig wurde, so fing er
erschrecklich an zu schwitzen und roch um ihn, als wenn er seine Hosen inclusive
und exclusive starck balsamiret hätte.
    Wie nun in der Glücks-Bude nachgesehen wurde, was meine vortreffliche Nummer
vor einen Gewinst hatte, so war es ein Pferd vor 500 Rtlr. und des
Glücksbudners seine Frau, welche auff 1000 Ducaten stund! O mor pleu! was war
vor ein Zulauff, wie es kundbar wurde: Signor Schelmuffs[k]y hätte sich in der
Glücks-Bude so wohl gehalten! Ich musste mich nun gleich auff das gewonnene Pferd
setzen und die 1000 Ducaten an statt des Glücks-Töpffers seiner gewonnenen Frau
wurden alle an ein Pater noster gereihet. Dieselben musste ich über meinen
grossen Kober hängen und in der ganzen Stadt herum reiten, damit die Leute
meinen Gewinnst sahen. Es mussten auch vor meinem Pferde hergehen 99
Trommelschläger, 98 Schallmei-Pfeiffer und ihrer drei mit Lauten und einer
Zitter. Die 2 Lauten und die eintzige Zitter klungen auch so anmutig unter die
Trommeten und Schallmeien, dass man der Tebel hohl mer sein eigen Wort nicht
hören kunte. Ich aber sass darbei sehr artig zu Pferde und das Pferd musste wohl
sein auff der Reut-Schule und auff den Tantz-Boden gewesen, denn wie die Music
ging, so tantzte es auch und trottirete der Tebel hohl mer unvergleichlich. Wie
mich auch das Frauenzimmer zu Venedig, als ich auff den St. Marx-Platz kam, in
einem ansah, kann ich der Tebel hohl mer nicht gnungsam beschreiben, denn es
lachte alles an meinem ganzen Leibe und kunte ein ieder flugs sich an den
Fingern abzehlen, dass meines gleichen wohl schwerlich würde in der Welt zu
finden sein.
    Unter währenden Herumreuten liessen mir wohl über dreissig Nobels-Personen
auf der Gasse nachschicken, und liessen mich untertänigst grüssen und schöne
bitten: Ich möchte ihnen doch berichten, wer und wes Standes ich wäre, damit sie
ihre schuldigste Auffwartung bei mir abstatten könten. Ich liess aber denen
Nobels-Personen allen sehr artig wieder zur Antwort sagen, wie dass ich mich zwar
was rechts in der Welt schon versucht hätte und wäre in Schweden, in Holland und
Engelland, wie auch bei dem grossen Mogul in Indien ganzer 14 Tage lang gewesen
und wäre mir auff seinem vortrefflichen Schloss Agra viel Ehre wiederfahren;
wer ich nun sein müste, das könten sie leichtlich rüchen.
    Hierauff so ritte ich mit meiner Music nun wieder fort und als ich vor dem
Rat-Hause vorbei trottiren wollte, so fielen mir unvermuteter Weise 26 Häscher
meinem Pferde in Zaum und schrien alle zugleich: Halt! Wie ich nun stille halten
musste, so kamen die grossen Rats-Personen, welche in vierzehen hundert Nobels
bestunden, die becomplimentireten mich und schätzten sich glücklich, dass sie die
hohe Ehre haben sollten, meine vornehme Gegenwart zu genüssen. Als sie solch
Compliment gegen mich nun abgeleget hatten, so antwortete ich zu Pferde überaus
artig auch wieder, in halb Engeländischer, Holländischer wie auch bisweilen
teutscher Sprache.
    Sobald als nun meine Antworts-Rede aus war, hiessen mich die sämtl.
Rats-Herren absteigen und baten mich, dass ich ihr vornehmer Gast sein sollte.
Worauff ich mit meinen grossen Kober alsobald abstieg und gab Ordre, mein Pferd
so lange ins Häscherloch zu ziehen, biss dass ich gegessen hätte. Welches auch
geschahe.
    Damit so führeten mich drei Präsidenten in der Mitten auff das Rathauss
hinauff, hinter mir her giengen nun die sämtl. Mit-Glieder des Rats, alle zu
zwölffen in einer Reihe. Wie wir nun 11 Treppen hoch auff das Rat-Haus
gestiegen waren, ei sapperment! was präsentirete sich da vor ein schöner Sahl!
Er war mit lauter geschliffenen Werckstücken von Glase gepflastert und an statt
des Taffelwercks waren die Wände mit lauter Marmorsteinern Gipse ausgemahlet,
welches einen fast ganz die Augen verblendete. Mitten auff dem Saale nicht weit
von der Treppe stund eine lange von Venedischen Glase geschnittene Taffel
gedeckt, auff welcher die raresten und delicatesten Speisen stunden.
    Ich musste mich nun mit meinen grossen Kober ganz zu oberst an die Taffel
setzen und neben mir sassen die drei Präsidenten, welche mich die 11 Treppen
hinauff geführet hatten. Weiter an der Taffel hinunter sassen die übrigen
Mitglieder des Rats und sahen mich alle mit höchster Verwunderung an, dass ich
solchen Appetit zu essen hatte! Unterwärender Mahlzeit wurde nun von allerhand
discuriret, ich aber sass anfänglich ganz stille und stellte mich, als wenn ich
nicht drei zehlen könnte. Da ich mich aber satt gefressen hatte, so tat ich
hernach mein Maul auch auff und fing an zu erzählen, wie dass ich in Indien
einsmahl von den grossen Mogul so vortrefflich wäre beschencket worden und wie
dass ich denselben den Calculum wegen seiner Einkünfte hätte führen müssen und
wie ich noch halb so viel Überschuss heraus gebracht, als er jährlich hätte
einzunehmen gehabt; und wie dass der grosse Mogul mich deswegen zu seinen
Reichs-Cantzler machen wollen, weil ich Adam Riesens Rechen-Buch so wohl
verstanden. O Sapperment! wie horchten die Herren des Rats zu Venedig, da ich
von dem Reichs-Cantzler und Adam Riesens Rechen-Buche schwatzte! Sie titulirten
mich hernach nicht anders als Ihr. Hochwürden und fingen alle mit einander
gleich an, meine Gesundheit zu trincken. Bald sagte Einer: Es lebe derjenige,
welcher in Indien hat sollen des grossen Moguls Reichs-Cantzler werden und hats
nicht annehmen wollen! Bald fieng ein anderer an und sagte: Es lebe derjenige,
welcher noch halb so viel Überschuss über des grossen Moguls Einkünfte heraus
bringen kann, ob ers gleich nicht einzunehmen hat. Welche und dergleichen
Gesundheiten wurden nun von allen über der gläsern Taffel mir zu Liebe
getruncken!
    Wie nun meine Gesundheit herum war, so fieng der eine Präsident, welcher
flugs neben mir sass, zu mir an und sagte: Ich sollte doch meine hohe Geburt nicht
länger verborgen halten, denn er hätte schon aus meinen Discursen vernommen, dass
ich nicht eines schlechten Herkommens sein müste, sondern es leuchtete mir was
ungemeines aus meinen Augen heraus. Hierauf besann ich mich, ob ich mich wollte
zu erkennen geben oder nicht. Endlich so dachte ich: Schiss dir auch drauff, du
wilst ihnen doch nur die Begebenheit von der Ratte erzählen, damit sie Maul und
Ohren brav aufsperren müssen, weil sie es nicht besser wollen gehabt haben. Und
war her und fing an, von der Ratte zu schwatzen und in was vor ein Loch sie
gelauffen wäre. O Sapperment! was erweckte das Ding bei den vierzehen hundert
Ratsherren vor gross Auffsehens, als ich von der Ratte anfieng zu schwatzen! Sie
stackten der Tebel hohl mer an der Tafel die Köpfe alle mit einander zusammen
und redeten wohl drei ganzer Seiger-Stunden heimlich von mir. Was sie aber
durch einander plissperten, das kunte ich gar nicht verstehen. Doch so viel ich
von meinen Herren Nachbar zur rechten Hand vernehmen kunte, sagte er zu den
einen Präsidenten, wann ichs annehmen wollte, so könnte ich Überauffseher des
Rats zu Venedig werden, weil sie indem niemand hätten, der sich darzu schickte.
Nachdem sie sich nun alle so durch einander heimlich beredet hatten, so fingen
sie alle zugleich an zu reden und sagten: Wir wollen Ihr. Hochwürden zu unsern
Rats-Inspector machen - wollen Sie es wohl annehmen? Auff dieses gute
Anerbieten gab ich den sämptlichen Rats-Collegio flugs sehr artig wieder zur
Antwort und sagte:
    Vielgeehrte Herren und respective werte Hertzens-Freunde! Dass ich ein brav
Kerl bin, dasselbe ist nun nicht Fragens wert und dass ich mich in der Welt, so
wohl zu Wasser als Lande was rechts versuchet habe, solches wird der bekannte
See-Räuber Hanss Bart, welchen ich auff der Spanischen See mit meinen
vortrefflichen Rücken-Streicher einen grossen Flatzschen von seiner krummen
Habichts-Nase gesebelt, selbst gestehen müssen, dass meines gleichen in der Welt
wohl schwerlich von Conduite wird gefunden werden. O Sapperment! wie sahen mich
die 14 hundert Rats-Herren alle nach einander an, dass sie von meinen
Rücken-Streicher und von meiner Conduite höreten!
    Worauff auch der eine Präsidente zu mir gleich sagte: Das sämptliche
Collegium hätte nun schon aus meiner Antwort vernommen, dass ich solche
angetragene Charge wohl schwerlich acceptiren würde, indem mein Gemüte nur an
dem Reisen seine Lust hätte. Hierzu schwieg ich nun stock mause stille und
machte gegen die drei Präsidenten ein über allemassen artig Compliment und
stund, ehe sie sichs versahn, wie ein Blitz von der Taffel auff. Da solches
dieselben nun sahen, dass ich auffstund, fiengen sie gleich auch an, alle mit
einander auffzustehen.
    Da sie nun merckten, dass meines Bleibens nicht länger bei sie sein wollte, so
beschenckte mich der ganze Rat mit einen künstlich geschnittenen Venedischen
Glase, welches auff zwantzig tausend Taler geschätzet wurde. Dasselbe sollte ich
ihnen zum ewigen Andencken auffheben und zu Zeiten ihre Gesundheit daraus
trincken. Es wäre auch geschehen, wenn ich nicht - wie man ferner hören wird -
solches unverhoffter weise zerbrochen hätte.
    Nachdem ich nun von den sämptlichen Rate zu Venedig wieder Abschied
genommen und mich vor so grosse erzeugte Ehre bedancket hatte, stackte ich das
geschenckte schöne kostbare Glas in meinen grossen Kober und liess mir von
etlichen Claudittgen mein in der Glücks-Bude gewonnenes Pferdt aus dem
Häscher-Loche wieder heraus ziehen und auff den Sahl oben hinauff bringen.
Daselbst satzte ich mich nun mit meinen grossen Kober wieder zu Pferde und ritte
mit so einer artigen Manier im vollen Courier die Treppe hinunter, dass sich auch
die Rats-Herren alle mit einander über mein reuten höchst verwunderten und
meinten nicht anders, ich würde Hals und Beine brechen müssen, weil es so glatt
auff der Treppen wäre, indem die Stuffen von den schönsten geschnittenen
Venedischen Glase gemacht waren. Allein mein Pferdt, das war gewand, es
trottirete wie ein Blitz mit mir die gläsernen Treppen hinunter, dass es auch
nicht einmal ausglatterte. Unten vor dem Häscherloche, da passten nun meine
Musicanten wieder auff und so bald sie mich sahen von dem Rat-Hause herunter
geritten kommen, so fiengen die mit den Trommeten gleich an, eine Sarabande zu
schlagen. Die Schalmei-Pfeiffer aber pfiffen den Todten-Tantz drein und die zwei
mit den Lauten spielten das Lied darzu: »Ich bin so lange nicht bei dir
gewesen«, und der mit der Zitter klimperte den Altenburgischen Bauern-Tantz
hinten nach.
    Nun kann ichs der [T]ebel hohl mer nicht sagen, wie die Music so vortrefflich
zusammen klang und mein Pferdt machte immer ein Hophegen nach einander darzu.
Damit so wollte ich nun noch einmal umb den St. Marx-Platz herum reuten und zwar
nur deswegen, die Leute dadurch an die Fenster zu locken und dass sie sich wacker
über mein vortrefflich Reuten verwundern sollten. Welches auch geschahe. Denn als
ich mit meinem grossen Kober über den St. Marx-Platz wieder geritten kam, so
stackten wohl auf dreissig tausend Menschen die Köpffe zun Fenstern heraus, die
sahen sich bald zum Narren über mich, weil ich mit meinem grossen Kober so
galant zu Pferde sass. Wiewohl mir auch das Ding von denen Leuten gefiel, dass sie
die Augen so brav über mein vortrefflich zu Pferde Sitzen auffsperreten -
dasselbe werde ich der Tebel hohl mer Zeit Lebens nicht vergessen! Aber was ich
auch dabei vor einen Pfui dich an mit einlegte, davon werden noch biss dato die
kleinen Jungen zu Venedig auff der Gasse davon zu schwatzen wissen.
    Man höre nur, wie mirs ging. Indem ich nun mit meinem grossen Kober überaus
artig umb den St. Marx-Platz herumb ritte, und alle Leute Maul und Nasen über
mich aufsperreten, so zog ich ein Pistoll aus der einen Halffter und gab damit
Feuer! Der Glücks-Töpffer hatte mir aber zuvor (als ich das Pferdt bei ihm
gewonnen) nicht gesaget, dass es Schoss-Scheu wäre und kein Pulver rüchen könnte.
Wie ich nun so in aller Herrligkeit das Pistoll los schoss, so tat das Pferdt -
ehe ichs mich versah - einen Ruck und schmiss mich der Tebel hohl mer mit meinen
grossen Kober flugs aus den Sattel heraus, dass ich die Länge lang auff dem St.
Marx-Platz dortin fiel und das wunderschöne Glas, welches so kostbar sein
sollte, in hundert tausend Stücken zerbrach. O sapperment! wie fiengen die Leute
an, alle mit einander mich auszulachen! Ich war aber her und stund mit meinen
grossen Kober geschwinde wieder auff und lieff immer hinter dem Pferde her und
wollte es wieder haschen. Wenn ich denn nun bald an es war und wollte das
Raben-Aass hinten beim Schwantze ergreiffen, so fing die Schind-Mehre allemahl
geschwinde an zu trottiren und carbetirete eine Gasse hinauff, die andere wieder
nieder! Ich jagte mich wohl drei ganzer Stunden mit dem Schind-Luder in der
Stadt Venedig herumb und kunte es doch nicht kriegen. Endlich so lieff es gar
zum Tore hinaus und in ein Stück Hafer, welcher flugs vorm Tore auff einen
Stein-Felsen gesäet stunde, hinein. Da dachte ich nun, ich wollte es ergattern
und lieff ihn immer in Hafer nach, allein ich kunte es der Tebel hohl mer nicht
habhaftig werden, denn ie mehr ich dem Aasse nachlieff, ie weiter trottirete es
ins Feld hinein und lockte mich mit den Narrens-Possen biss vor die Stadt Padua,
ehe ich solches wieder bekommen kunte. Ich hätte, halt ich dafür, dasselbe wohl
noch nicht gekriegt, wenn nicht ein Bauer aus der Stadt Padua mit einen
Mist-Wagen wäre heraus gefahren kommen, welcher eine Stute mit vor seinen Wagen
gespannet hatte. Bei derselben blieb mein gewonnenes Pferd (weil es ein Hengst
war) stille stehen.
    Wie ich dasselbe nun wieder hatte, so satzte ich mich mit meinen grossen
Kober gleich wieder drauff und beratschlagte mich da mit meinen Gedancken, ob
ich wieder nach Venedig oder in die Stadt Padua flugs Spornstreichs hinein
reuten wollte und selbige auch besehen. Bald gedachte ich in meinen Sinn, was
werden doch immer und ewig die Musicanten dencken, wo Signor Schelmuffsky muss
mit seinen grossen Kober geblieben sein, dass er nicht wieder kömmt? Bald
gedachte ich auch, reutest du wieder nach Venedig zu und kömmst auff den St.
Marx-Platz, so werden die Leute den von Schelmuffssky wacker wieder ansehen und
die kleinen Jungen einander in die Ohren plisspern: Du siehe doch, da kommt der
vornehme Herr mit seinen grossen Kober wieder geritten, welchen vor vier Stunden
das Pferdt herunter warff, dass er die Länge lang in die Gasse dahin fiel. Wir
wollen ihn doch brav auslachen! Endlich dachte ich auch, kommst du nach Venedig
wieder hinein und der Rat erfähret es, dass du das wunder schöne Glas schon
zerbrochen hast, so werden sie dir ein andermahl einen Quarck wieder schencken!
Fassete derowegen eine kurtze Resolution und dachte: Gute Nacht, Venedig! Signor
Schelmuffsky muss sehen, wie es in Padua aussiehet; und rann[the] hierauff in
vollen Schritte immer in die Stadt Padua hinein.
 
                              Das vierdte Capitel.
Padua ist der Tebel hohl mer eine brave Stadt; ob sie gleich nicht gar gross ist,
so hat sie doch lauter schöne neue Häuser und liegt eine halbe Stunde von Rom.
Sie ist sehr Volckreich von Studenten, weil so eine wackere Universität da ist.
Es sind bisweilen über dreissig tausend Studenten in Padua, welche in einem Jahre
alle mit einander zu Doctors gemacht werden. Denn da kann der Tebel hohl mer
einer leicht Doctor werden, wenn er nur Speck in der Tasche hat und scheuet
darbei seinen Mann nicht.
    In derselben Stadt kehrete ich mit meinem Pferde und grossen Kober in einen
Gast-Hofe (zum roten Stier genant) ein, allwo eine wackere, ansehnliche Wirtin
war. Sobald ich nun mit meinen grossen Kober von dem Pferde abstieg, kam mir die
Wirtin gleich entgegen gelauffen, fiel mir um den Hals und küssete mich. Sie
meinte aber nicht anders, ich wäre ihr Sohn! Denn sie hatte auch einen Sohn in
die Frembde geschickt und weil ich nun unangemeldet flugs in ihren Gast-Hoff
hinein geritten kam und sie mich nur von hinten ansichtig wurde, so mochte sie
in den Gedancken stehen, ihr Sohn käme geritten. So kam sie Spornstreichs auf
mich zu gewackelt und kriegte mich von hinten beim Kopffe und hertzte mich.
Nachdem ich ihr aber sagte: dass ich der und der wäre und die Welt auch überall
durchstanckert hätte, so bat sie hernach bei mir um Verzeihung, dass sie so kühne
gewesen wäre.
    Es hatte dieselbe Wirtin auch ein paar Töchter, die führeten sich der Tebel
hohl mer galant und propre in Kleidung auff, nur Schade war es umb dieselben
Menschen, dass sie so hochmütig waren und allen Leuten ein Klebe-Fleckchen
wussten anzuhängen, da sie doch der Tebel hohl mer von oben biss unten selbst zu
tadeln waren. Denn es kunte kein Mensch mit Frieden vor ihren Hause vorbei
gehen, dem sie nicht allemahl was auff den Ermel heffteten und kiffen sich einen
Tag und alle Tage mit ihrer Mutter. Ja, sie machten auch bisweilen ihre Mutter
so herunter, dass es Sünde und Schande war und hatten sich an das hessliche
Fluchen und Schweren gewöhnet, dass ich der Tebel hohl mer viel mahl gedachte:
Was gilts? die Menscher werden noch auff den Miste sterben müssen, weil sie ihre
eigene Mutter so verwünschen. Allein es geschahe der Mutter gar recht, warum
hatte sie dieselben in der Jugend nicht besser gezogen!
    Einen kleinen Sohn hatte sie auch noch zu Hause, dass war noch der beste. Sie
hielt ihn unterschiedene Präceptores, aber derselbe Junge hatte zu dem Studiren
keine Lust. Seine eintzige Freude hatte er an den Tauben und auch (wie ich in
meiner Jugend) an dem Blase-Rohre. Mit demselben schoss er im Vorbeigehen, wenn
es Marckt-Tages war, die Bauern immer auff die Köpffe und versteckte sich
hernach hinter die Haus-Türe, dass ihn niemand gewahr wurde. Ich war denselben
Jungen recht gut, nur des Blase-Rohrs halber, weil ich in meiner Jugend auch so
einen grossen Narren daran gefressen hatte.
    Nun waren auch viel Studenten da im Hause, mit denenselben stunden der Fr.
Wirtin ihre Töchter vortrefflich wohl. Sie lieffen des Morgens immer zu den
Studenten auff die Stuben und quälten sie so lange, biss sie mussten ein gut
Frühstücke hohlen lassen. Wenn das Ding nun gleich ihre Mutter sah oder wusste,
dass ihre Töchter die Studenten-Stuben besuchten, so sagte sie ihnen der Tebel
hohl mer nicht das geringste, sondern wenn sie gewahr wurde, dass die Studenten
ein gut Glas Wein hatten hohlen lassen, so machte sie sich auch ein Gewerb zu
sie und schnabelirte da so lange mit, biss es alle war. Hernach so ging sie
wiederum ihrer Wege und sagte zu den Töchtern: Wenn sie gnung hätten, sollten sie
bald nachkommen, welches sie auch bisweilen taten. Ich kunte die Menscher aber
niemahls um mich leiden, denn vors erste redeten sie kein klug Wort mit einem
und wer mit mir dazumahl reden wollte, der musste der Tebel hohl mer Haare auff
den Zähnen haben. Vor das andere, so hatte ich vor denselben Menschern flugs
einen Abscheu, wenn sie mir nur etwas zu nahe traten, denn sie hatten einen
erbärmlichen übelrüchenden Atem.
    Nun kunten die guten Mädgens wohl nichts dafür, denn so viel ich aus dem
Geruche abnehmen kunte, hatten sie wohl das Vitium von ihrer Mutter gelernet,
denn die Mutter kunte man der Tebel hohl mer flugs rüchen, wenn man sie gleich
nicht einmal sah. Es hätte auch diese Wirtin so gerne wieder einen Mann
gehabt, wenn sie nur einer hätte haben wollen, denn der sappermentsche
Huren-Sohn, der Cupido, musste ihr eine abscheuliche grosse Wunde mit seinen
Pfeile gemacht haben, dass sie in ihrem 60 Jährigen Alter noch so verliebt umb
den Schnabel herum aussah. Sie hätte - halt ich dafür - wohl noch einen Leg
dich her bekommen, (weil sie ihr gutes Auskommen hatte), so aber stunck ihrs so
lästerlich aus dem Halse, dass einen, wer sie nur von ferne sah, flugs aller
Appetit vergehen musste. Den ganzen Tag redete sie von nichts anders als von
Hochzeitmachen und von ihrem Sohne, welcher in der Frembde wäre und sagte: was
derselbe vor ein so stattlicher Kerl wäre.
    Ich hatte, halt ich davor, noch nicht drei Wochen bei derselben Wirtin
logiret, so stellte sich ihr frembder Sohn zu Hause wieder ein. Er kam der Tebel
hohl mer nicht anders als ein Kessel-Flicker auffgezogen und stunck nach Toback
und Brantewein wie der ärgste Marode-Bruder. Ey sapperment! was schnitte der
Kerl Dinges auff, wo er überall gewesen wäre und waren der Tebel hohl mer lauter
Lügen!
    Wie ihn nun seine Mutter und Schwestern wie auch sein kleiner Bruder
bewillkommet hatten, so wollte er mit seinen Schwestern Frantzöisch an zu reden
fangen, allein er kunte der Tebel hohl mer nicht mehr vorbringen als ouy. Dann
wenn sie ihn auff teutsch fragten: Ob er auch da und da gewesen wäre, so sagte
er allemahl ouy. Der kleine Bruder fieng zu ihn auch an und sagte: Mir ist
erzählt worden, du solst nicht weiter als biss Halle in Sachsen gewesen sein -
ists denn wahr? So gab er ihn gleichfalls zur Antwort: Ouy. Als er nun hierzu
auch ouy sprach, musste ich mich der Tebel hohl mer vor Lachen in die Zunge
beissen, dass ers nicht merckte, dass ich solche Sachen besser verstünde als er.
Denn ich kunte es ihn gleich an Augen absehen, dass er über eine Meile Weges von
Padua nicht musste gewesen sein!
    Wie ihm das Frantzöisch-Reden nicht wohl fliessen wollte, so fieng er teutsch
an zu reden und wollte gerne frembde schwatzen, allein die liebe Fr.
Mutter-Sprache verriet ihn immer, dass auch das kleinste Kind es hätte mercken
können, dass es lauter gezwungen Werck mit seinen Frembde reden war. Ich stellte
mich nun dabei ganz einfältig und gedachte von meinen Reisen anfänglich nicht
ein Wort. Nun, da hat der Kerl Dinge hergeschnitten, dass einen flugs die Ohren
davon hätten weh tun mögen und war nicht ein eintzig Wort wahr. Denn ich wusste
es alles besser, weil ich dieselben Länder und Städte, da er wolt gewesen sein,
schon längst an den Schuhen abgerissen hatte.
    Die Studenten, so im Hause waren, die hiessen ihn nicht anders als den
Frembden, und zwar aus den Ursachen, weil er wollte überall gewesen sein. Man
dencke nur, was der sappermentsche Kerl, der Frembde, vor abscheuliche grosse
Lügen vorbrachte; denn als ich ihn fragte, ob er auch was rechts da und da zu
Wasser gesehen und ausgestanden hätte, so gab er mir zur Antwort: Wann er mirs
gleich lange sagte, so würde ich einen Quarck davon verstehen. O sapperment! wie
verdross mich das Ding von dem nichtswürdigen Bärenhäuter, dass er, mir da von
einem Quarge schwatzte! Es fehlete nicht viel, so hätte ich ihn eine Presche
gegeben, dass er flugs an der Tisch-Ecke hätte sollen kleben bleiben. So aber
dachte ich: Was schmeist du ab - du wilst ihn nur aufschneiden lassen und hören,
was er weiter vorbringen wird. Ferner so fieng der Frembde nun an, von
Schiff-Fahrten zu schwatzen. Nun kann ichs der Tebel hol mer nicht sagen, was der
Kerl vor Wesens von den Schiffen machte und absonderlich von solchen Schiffen,
die man nur Dreck-Schüten nennet. Denn er erzehlete seinen Schwestern mit
grosser Verwunderung, wie er bei abscheulichen Ungestüm und Wetterleuchten auff
einer Dreck-Schüte mit 2000 Personen von Holland nach Engelland in einem Tage
gefahren wären und hätte keiner keinen Schuch nass gemacht. Worüber sich des
Frembden seine Schwestern sehr verwunderten. Ich aber sagte hierzu nicht ein
Wort, sondern musste innerlich bei mir recht hertzlich lachen, weil der Frembde
so ein grosses Wesen von der lumpichten Dreck-Schüte da erzehlete. Ich mochte
ihn nur nicht beschimpften und auff seine Auffschneidereien antworten. Denn wenn
der Kerl hätte hören sollen, wie dass ich mit meinen verstorbenen Bruder Graffen
über hundert Meilen aufs ei[nen] Brete schwimmen müssen, ehe wir einmal Land
gerochen hätten und wie dass auch einsmahls ein eintziges Bret unser 50 das Leben
errettet. O sapperment! wie der Frembde die Ohren auffsperren sollen und mich
ansehen! So aber dachte ich, du wilst ihn immer auffschneiden lassen - warum
sein die Menscher solche Narren und verwundern sich flugs so sehre über solchen
Quarck! Weiter erzehlete der Frembde auch, wie er wäre in Londen gewesen und bei
den Frauenzimmer in solchen Ansehen gestanden, dass sich auch eine sehr vornehme
Dame so in ihn hätte verliebt gehabt, dass sie keinen Tag ohne ihn leben können,
denn wenn er nicht alle Tage wäre zu sie gekommen, so hätte sie gleich einen
Cammer-Juncker zu ihn geschickt, der hätte ihn müssen auf einer Schese Rolande
mit 11 gelben Rappen bespannet allemahl holen müssen; und wann er nun zu
derselben vornehmen Dame gekommen wäre, so hätte sie ihn allezeit erstlich einen
guten Rausch in Mastix-Wasser zugesoffen, ehe sie mit ihm von verliebten Sachen
zu schwatzen angefangen.
    Er häte es auch bei derselben Dame so weit gebracht, dass sie ihn täglich
funftzig tausend Pfund Sterlings in Commission gegeben, damit er nun anfangen
mögen, was er nur selber gewolt. O sapperment! was waren das wieder vor Lügen
von dem Frembden! und seine Schwestern, die gläubten ihn nun der Tebel hohl mer
alles mit einander. Die eine fragte ihn, wie viel denn ein Pfund Sterlings an
teutscher Müntze wäre? So gab er zur Antwort: Ein Pfund Sterlings wäre nach
teutscher Müntze 6 Pfennge! Ey sapperment! wie verdross mich das Ding von dem
Kerl, dass er ein Pfund Sterlings nur vor 6 Pfennge schätzte, da doch der Tebel
hohl mer nach teutscher Müntze ein Pfund Sterlings ein Schreckenberger macht,
welches in Padua ein halber Patzenn ist.
    Über nichts kunte ich mich innerlich so hertzlich zu lachen, als dass des
Fremden sein kleiner Bruder sich immer so mit drein mengte, wann der Frembde
Lügen erzehlete! Denn derselbe wollte ihn gar kein Wort nicht gläuben, sondern
sagte allemahl: Wie er sich doch die Mühe nehmen könnte, von diesen und jenen
Ländern zu schwatzen, da er doch über eine Meile Weges von Padua nicht gekommen
wäre. Den Frembden verschnupffte das Ding, er wollte aber nicht viel sagen, weils
der Bruder war, doch gab er ihn dieses zur Antwort: Du Junge verstehest viel von
den Tauben-Handel! Den kleinen Bruder verdross das Ding auch, dass der Frembde ihn
einen Jungen hiesse und von den Tauben-Handel schwatzte, denn die Wetter-Kröte
bildete sich auch ein, er wäre schon ein grosser Kerl, weil er von dem 6ten Jahr
an biss in das funffzehende schon den Degen getragen hatte. Er lieff geschwind
zur Mutter und klagte ihrs, dass ihn sein frembder Bruder einen Jungen geheissen
hätte. Die Mutter verdross solches auch und war hierauff her und gab ihn Geld,
schickte ihn hin auff die Universität in Padua, dass er sich da musste inscribiren
lassen und ein Studente werden.
    Wie er nun wieder kam, so fing er zu seinen frembden Bruder an und sagte:
Nun bin ich doch auch ein rechtschaffener Kerl geworden und trotz sei dem
geboten, der mich nicht dafür ansieht. Der Frembde sah den kleinen Bruder von
unten biss oben, von hinten und von forne mit einer hönischen Mine an und nachdem
er ihn überall betrachtet hatte, sagte er: Du siehest noch Jungenhaftig gnug
aus! Dem kleinen Bruder verdross das Ding erschröcklich, dass ihn der Frembde vor
allen Leuten so beschimpffte. Er war her und zog sein Fuchtelgen da heraus und
sagte zu dem Frembden: Hast du was an mir zu tadeln oder meinst, dass ich noch
kein rechtschaffener Kerl bin, so schier dich her vor die Klinge, ich will dir
weisen, was Bursch-Manier ist! Der Frembde hatte nun blut wenig Hertze in seinem
Leibe, als er des kleinen Bruders blossen Degen sah. Er fing an zu zittern und
zu beben und kunte vor grosser Angst nicht ein Wort sagen, dass auch endlich der
kleine Bruder den Degen wieder einsteckte und sich mit den Fremden in Güte
vertrug. Wie sehr aber der neue Academicus von den Haus-Burschen und andern
Studenten gevexiret wurde, dass kann ich der Tebel hohl mer nicht sagen. Sie
hiessen ihn nur den unreiffen Studenten. Ich fragte auch, warum sie solches
täten, so wurde mir zur Antwort gegeben: Deswegen würde er nur der unreif
Studente geheissen, weil er noch nicht tüchtig auff die Universität wäre und
darzu so hielte ihn seine Mutter noch täglich einen Moderator, welcher ihn den
Donat und Grammatica lernen müste. Damit aber der unreiffe Studente die Schande
nicht haben wollte, als wenn er noch unter der Schuhl-Rute erzogen würde, so
machte er den andern Studenten weiss, der Moderator wäre sein Stuben-Geselle.
    Indem mir nun einer von den Haus-Burschen solches erzählt hatte und noch
mehr Dinge von den unreiffen Studenten erzählen wollte, so wurde ich gleich zur
Mahlzeit geruffen.
    Über Tische fieng der Frembde nun wieder an, von seinen Reisen
auffzuschneiden und erzehlete, wie dass er wäre in Franckreich gewesen und bei
einer Haare die Ehre gehabt, den König zu sehen. Wie ihn nun seine Schwestern
fragten: Was vor neue Moden ietzo in Franckreich wären? so gab er ihnen zur
Antwort: Wer die neuesten Trachten und Moden zu sehen verlangete, der sollte nur
ihn fragen, denn er hielte biss dato noch einen eigenen Schneider in Franckreich,
welchen er jährlich Pension-Gelder gäbe - er möchte ihn nun was machen oder
nicht. Wer was bei demselbigen wollte von den neusten Moden verfertigen lassen,
der sollte nur zu ihn (als nämlich zu den Frembden) kommen. Er wollte es ihn
hineinschicken, denn derselbe Schneider dürffte sonst niemand keinen Stich
arbeiten, wenn ers nicht haben wollte. Ich kans der Tebel hohl mer nicht sagen,
wie der Frembde seinen Leib-Schneider heraus strich und verachtete darbei alle
Schneider in der ganzen Welt; absonderlich von den Schneidern in Teutschland
wollte er gar nichts halten, denn dieselben (meinte der Frembde) waren nicht ein
Schoss Pulver wert - aus Ursachen, weil sie so viel in die Hölle schmissen.
    Nachdem er solches erzählt und seine Jungfer Schwestern hierzu nicht viel
sagen wollten, so ruffte er den Haus-Knecht, derselbe musste geschwinde in die
Apotecken lauffen und Ihn vor 4 gl. Mastix-Wasser hohlen. Nun kann ichs der
Tebel hohl mer nicht sagen, was der Frembde vor Wesens und Auffschneidens von
dem Mastix-Wasser machte! Wie nämlich dasselbe früh Morgens vor die
Mutter-Beschwerung und vor den Ohren-Zwang so gesund wäre und wie es dem Magen
einen so brav zu rechte wieder harcken könnte, wenn es einem speierlich im Halse
wäre. Ich dachte aber in meinen Sinn, lobe du immer hin dein Mastix-Wasser, ich
will bei meiner Bomolie bleiben! Denn ich sage es noch einmal, dass auff der
Welt nichts gesünders und bessers ist, als ein gut Glässgen voll Bomolie, wann
einem übel ist. Als nun der Haus-Knecht mit den Mastix-Wasser kam, ei
sapperment! wie soff der Frembde das Zeug so begierig in sich hinein! Es war
nicht anders, als wenn er ein Glas Wasser in sich hinein gösse und giengen ihm
die Augen nicht einmal davon über.
    Nachdem der Frembde nun vor 4 Groschen Mastix-Wasser auff sein Hertze
genommen hatte, so fieng er ferner an zu erzählen von denen Handelschaften und
Commercien in Teutschland und sagte: Wie dass sich die meisten Kauffleute nicht
recht in die Handlungen zu finden wüsten und der hunderte Kauffmann in
Teutschland nicht einmal verstünde, was Commercien wären. Hingegen in
Franckreich, da wären brave Kauffleute, die könten sich weit besser in den
Handel schicken, als wie die dummen Teutschen. O sapperment! wie horchte ich,
als der Frembde von den dummen Teutschen schwatzte! Weil ich nun von Geburt ein
Teutscher war, so hätte ich ja der Tebel hohl mer wie der ärgste Bärenhäuter
gehandelt, dass ich darzu stille schweigen sollen, sondern ich fieng hierauff
gleich zu ihn an und sagte: Höre doch, du Kerl, was hast du auff die Teutschen
zu schmählen? Ich bin auch ein Teutscher, und ein Hundsfott, der sie nicht alle
vor die bravsten Leute aestimiret! Kaum hatte ich das Wort Hondsfott den
Frembden unter die Nase gerieben, so gab er mir unversehener Weise eine Presche,
dass mir die Gusche flugs wie eine Bratwurst davon aufflief! Ich war aber her und
kriegten den Frembden hinter den Tische mit so einer artigen Manier bei seinen
schwartzen Nischel zu fassen und gab ihn vor die eine Presche wohl tausend
Preschen! O sapperment! wie gerieten mir seine Schwestern wie auch der unreiffe
Studente und der Moderator, oder dass ich recht sage, des unreiffen Studentens
sein Stuben-Geselle, in meine Haare und zerzausten mich da wichtig. Ich wickelte
mich aber aus dem Gedränge eiligst heraus, sprang hinter den Tische vor und
lieff nach den Kachel-Ofen zu. Daselbst hatte ich in der Hölle meinen grossen
Kober an einen höltzernen Nagel hängen, denselben nahm ich herunter, und weil er
von dem Specke (welchen ich von den barmhertzigen Brüdern im Kloster geschenckt
bekommen) brav schwer war, so hätte man da schöne abkobern gesehen, wie ich so
wohl des Frembden Schwestern und unreiffen Studenten wie auch des unreiffen
Studentens Moderator (ei - wollte ich sagen Stuben-Gesellen!) und Frembden selbst
mit meinen grossen Kober da zerpumpte! Dass auch der Frembde vor grosser Angst
das Mastix-Wasser, welches er über Tische so begierig hineingesoffen hatte, mit
halsbrechender Arbeit wieder von sich spie und unter währenden Speien um gut
Wetter bat. Wenn er ausgespien hätte, so wollte er die ganze Sache mit mir vor
der Klinge ausmachen.
    O sapperment! was war das vor ein Fressen vor mich, als der Frembde von der
Klinge schwatzte! Worauff ich auch alsobald Tob sagte und ihn mit meinen grossen
Kober nicht mehr schmiss. Des unreiffen Studentens Stuben-Gesellen aber koberte
ich Gottsjämmerlich ab, und ich sage, dass ich ihn endlich gar hätte zu Tode
gekobert, wenn nicht des Frembden Mutter und Schwestern so erschröcklich vor ihn
gebeten hätten, denn er stund überaus wohl bei den Töchtern und der Mutter. Dass
auch die Mutter, als nehmlich die Wirtin, offtermahls zu den andern
Haus-Burschen sagte: Sie hätte noch niemahls so einen feinen Menschen zum
Moderator vor ihren Sohn gehabt als wie sie ietzo hätte, und wenn er so bliebe,
wäre er wert, dass man ihn in Golde einfassete. Die andern aber, welche sie
sonst gehabt, hätten sie allemahl meistens betrogen. Absonderlich erzehlete sie
immer von einem im weissen Kopffe, der hätte ihr so viel Geld abgeborget und
no comma? nichts wieder gegeben, und von einem, welcher alle Schlösser aufmachen
können und ihr viel Sachen heimlicher Weise entwendet hätte. Allein ich habe
ihre Nahmen wieder vergessen. -
    Nachdem der Frembde nun mit Speien wieder fertig war, hieng ich meinen
grossen Kober wieder in die Hölle und suchte meinen langen Stoss-Degen zur Hand,
welchen ich dazumahl trug, und forderte ihn hierauff vors Tor. Der Frembde
suchte seinen Degen auch hervor, dasselbe war nun eine grosse breite
Mussquetier-Plempe mit einem abscheulichen Korbe, damit marchireten wir beide nun
spornstreichs nach dem Tore zu. Der unreiffe Studente wollte mit seinen
Stuben-Gesellen auch hinten nachgelauffen kommen - allein ich und der Frembde
jagten die Bärenhäuter wieder zurücke.
    Wie wir nun vor das Tor hinaus kamen, so war gleich flugs nahe an der
Ring-Mauer ein hoher spitzigter Berg, denselben kletterten wir hinauff und oben
auff der Spitze des Berges giengen wir zusammen. Wir hätten uns zwar unten am
Berge schlagen können, allein so hatten wir keine Secundanten bei uns; denn wenn
wir Secundanten gehabt, hätten dieselben mit blossen Degen müssen hinter uns
stehen, damit von uns keiner zurücke weichen können. In Ermangelung derselben
aber musste uns der hohe spitzige Berg secundiren, denn da durffte und kunte von
uns beiden auch keiner ausweichen, denn wenn nur einer ein Strohalm breit aus
seiner Positur gewichen, so wären wir der Tebel hohl mer alle beide den Berg
hinunter gepurtzelt und hätten Hals und Beine über unsere Schlägerei mursch
entzwei gebrochen. So aber mussten ich und der Frembde oben auff der Spitze Katze
inne halten und unter wärenden Schlagen wie eine Maure auff den Knochen stehen.
Ehe wir uns aber anfiengen zu schmeissen, so fing der Frembde zu mir an und
sagte: Ich sollte mit ihn auff den Hieb gehen, weil er keinen Stoss-Degen hätte
oder wenn ichs zufrieden wäre, so wollte erden ersten Gang mit mir auff den Hieb
gehen, den andern Gang wollte er mit mir auff den Stoss versuchen. Ich sah aber
nun gleich, dass der Frembde kein Hertze hatte, sondern sagte: Kerl, schier dich
nur her! Es gilt mir alles gleich, ich will mit dir nicht lange Federlesens
machen. Damit so zogen wir beide von Leder und giengen mit einander da auff den
Hieb zusammen. Ey sapperment! wie zog ich meinen Stoss-Degen mit so einer artigen
Manier aus der Scheide heraus! Den ersten Hieb aber, so ich mit meinen
Stoss-Degen nach dem Frembden tat, so hieb ich ihn seine grosse Plempe flugs
glat von den Gefässe weg und im Rückzuge streiffte ich ihn die hohe Quarte über
der Nase weg und hieb ihn der Tebel hohl mer alle beide Ohren von Kopff
herunter! O Sapperment! wie lamentirete der Frembde, da er seine Ohren vor sich
liegen sah! Ich hatte auch Willens, ihn (wie den See-Räuber Hans-Barte) eine
stumpfichte Nase zu machen - weil er aber so sehr um die Ohren tat und mich
bat, dass ich ihn ungeschoren lassen solt und dass er Zeitlebens keinen Deutschen
wieder verachten wollte, sondern allezeit sagen: Die Teutschen wären die bravsten
Leute unter der Sonnen, so stackte ich meinen Stossdegen wieder ein und hiess ihn
beide Ohren nehmen und damit eiligst zum Balbier wandern - vielleicht könten sie
ihn wieder angeheilet werden.
    Hierauff war er her und wickelte seine Ohren in ein Schnuptuch und nahm
seine zerspaltene Plempe mit den grossen Korb-Gefässe unter den Arm und ging mit
mir in die Stadt Padua hinein. In dem grossen Hause flugs am Tore neben den
Auffpasser wohnete ein berühmter Feldscheer (welcher auch wacker wollte gereiset
sein), zu demselben hiess ich den Fremden mit seinen abgehauenen Ohren gehen und
sollte da hören, ob sie ihn wohl könten wieder angeheilet werden? Der Fremde aber
hatte keine Lust, zum Feldscheer hinzugehen, sondern sagte, er wollte erstlich
ein gut Glässgen Mastix-Wasser auff die Schmertzen aussaugen, hernach so wollte
er sich zum Schinder in die Cur begeben und bei dem hören, ob seine Ohren wieder
könten angeheilet werden.
    Nachdem er dieses zu mir gesaget, so ging er von mir und nahm seinen March
immer nach der Apotecke zu. Ich aber war her und schlich mich heimlich in des
Fremden seiner Mutter Haus (alwo ich im Qvartier lag), dass mich keiner gewar
wurde und practicirte mit so einer artigen Manier meinem grossem Kober aus der
Stube hinter der Hölle weg, satzte mich wieder auff mein gewonnenes Pferd und
ritt da ohne Stallgeld und ohne Abschied immer zur Stadt Padua hinaus und nach
Rom zu.
    Von derselben Zeit an habe ich den Fremden, wie auch den unreifen Studenten
mit seinem Moderator oder sage ich Herrn Stuben-Gesellen mit keinem Auge wieder
gesehen. Nachricht aber habe ich Zeitero von dem Universitäts-Boten aus Padua
erhalten, dass der Schinder den Fremden die Ohren wiederum feliciter sollte in 2
Tagen angeseile[t] haben. Er häte aber die 2 Tage über vortrefflichen Fleiss bei
ihm angewendet und hätte unterwährender Cur der Fremde über 12 Kannen
Mastix-Wasser Mutter-Stein allein ausgesoffen und von demselben Mastix-Wasser
(meinte der Universitäts-Bote) wär er meistenteils wieder zu rechte geworden.
    Was den unreiffen Studenten und Moderator wie auch des Fremden ganze
Familie anbelanget, so habe ich biss dato nichts erfahren können, was sie machen
müssen.
    Nun Adieu, Badua - Signor Schelmuffscky muss sehen, wie Rom aussiehet!
 
                              Das fünfte Capitel.
Rom ist der Tebel hohl mer auch eine wackere Stadt, nur immer und ewig Schade
ists, dass dieselbe von aussen keinen prospect hat. Sie ist gebauet in lauter
Rohr und Schilff und ist mit einem Wasser, welches der Tiber-Fluss genennet wird,
rings umher umgeben und fliesset die Tyber mitten durch Rom und über den Marckt
weg. Denn auff den Marckte kann kein Mensche zu Fusse nicht gehen, sondern wenn
Marckt-Tag da gehalten wird, so müssen die Bauers-Leute ihre Butter und Käse
oder Gänse und Hüner in lauter Dreck-Schüten feil haben. O sapperment! was gibt
es täglich vor unzehlich viel Dreck-Schüten auff dem Römischen Marckte zu sehen!
Wer auch nur eine halbe Mandel Eyer in Rom verkaufen will, der bringt sie auf
einer Dreck-Schüte hinein zu Marckte geschlept. Dass auch manchen Tag etliche
tausend Dreck-Schüten auff der Bauer Reihe dort halten und keine vor der andern
weichen kann.
    Vortreffliche Fische gibts des Marckt-Tages immer in Rom zu verkaufen und
absonderlich, was Häringe anbelanget, die gläntzen auch der Tebel hohl mer flugs
von Fette wie eine Speck-Swarte und lassen sich überaus wohlessen, zumahl, wenn
sie mit Bomolie brav fett begossen werden.
    Nun ist es zwar kein Wunder, dass es so fette Häringe da gibt, denn es ist
der Tebel hohl mer ein über allemassen guter Härings-Fang vor Rom auff der Tyber
und wegen der Häringe ist die Stadt Rom in der Welt weit und breit berühmt. Es
mag auch eine Härings-Frau in Teutschland sitzen, wo sie nur wolle, und mag auch
so viel Häringe haben als sie nur immer will, so sind sie der Tebel hohl mer
alle auff der Tyber bei Rom gefangen, denn der Härings-Fang gehöret den Pabste,
und weil er immer nicht wohl zu Fusse ist und es selbst abwarten kann, so hat er
denselben etlichen Schiffern verpachtet, die müssen dem Pabste jährlichen viel
Tribut davon geben.
    Wie ich nun mit meinen grossen Kober zu Pferde vor Rom angestochen kam, so
konnte ich wegen der Tyber nicht in die Stadt Rom hinein reuten, sondern musste
mich mit meinen grossen Kober und Pferde auff eine Dreck-Schüte setzen und da
lassen biss in die Stadt Rom hinein fahren.
    Als ich nun mit meinen grossen Kober zu Pferde auff der Dreck-Schüte
glücklich angelangete, so nahm ich mein Qvartir bei einem Sterngucker, welcher
in der Härings-Gasse, nicht weit von dem Nasch-Marckte wohnete. Dasselbe war der
Tebel hohl mer ein überaus braver Mann und seiner Sternguckerei halber fast in
der ganzen Welt bekant. Absonderlich was den Fix-Stern anbelangete, aus
denselben kunte er erschreckliche Dinge prophezeien, denn wenn es nur ein klein
wenig regnete und die Sonne sich unter trübe Wolcken versteckt hatte, so kunte
ers einem gleich sagen, dass der Himmel nicht gar zu helle wäre. Derselbe
Stern-Gucker führete mich nun in der ganzen Stadt Rom herum und zeigete mir
alle Antiquitäten, die da zu sehen sein, dass ich auch von dergleichen Zeige so
viel gesehen habe, dass ich mich ietzo auff gar keines mehr besinnen kann.
Letzlich so führete er mich auch bei der St. Peters-Kirche in ein gross steinern
Haus, welches mit Marmorsteiner Ziegeln gedeckt war, und wie wir da hinein und
oben auff einen schönen Sahl kamen, so sass dort ein alter Mann in
Peltz-Strümpffen auff einen Gross-Vater Stuhle und schlieff. Zu demselben musste
ich mich auff Befehl des Sternguckers sachte hinschleichen, ihn die
Peltz-Strümpfe ausziehen und hernach die Füsse küssen.
    Nun kann ichs der Tebel hohl mer nicht sagen, wie dem alten Kerle die Knochen
so sehre stuncken - ich will wetten, dass er sie wohl in einem halben Jahr nicht
hatte gewaschen gehabt! Da ich ihn nun die stinckichten Knochen geküsset hatte,
so wollte ich ihn immer auffwecken und fragen, warum er sich denn nicht alle
Abend die Magd ein Fass mit Wasser bringen liesse und die Beine wüsche, wenn man
ihn (weils so die Mode wäre) die Füsse küssen müste. So aber winckte mir der
Sterngucker, dass ich ihn nicht aus dem Schlaffe verstöhren soll und sagte ganz
sachte zu mir: Ich sollte Ihrer Heiligkeit die Peltz-Strümpffe wieder anziehe[n].
O sapperment! als ich von der Heiligkeit hörete, wie zauete ich mich, dass ich
ihn die Peltz Strümpffe wieder an die Knochen brachte und mit dem Sterngucker
wider zum Saale hinunter und zum Hause hinaus marchirete! Vor der Haus-Türe
sagte mirs nun der Sterngucker erstlich recht, dass es Ihre Päbstl. Heiligkeit
gewesen wären, den ich die Füsse geküsset hätte und meinte auch diss dabei: Wer
von Frembden Teutschen nach Rom käme und küssete dem Pabste die Füsse nicht, der
dürffte sich hernachmahls nicht rühmen (wenn er wieder in Teutschland käme), dass
er zu Rom gewesen wäre, wann er solches nicht getan hätte.
    Und also kann ichs mit gutem Rechte sagen, dass ich zu Rom bin gewesen - es
wäre denn, dass mir der Sterngucker aus den Fixste[r]ne eine blaue Dunst vor die
Nase gemacht und dass es sonst etwan ein alter Boten-Läuffer, dem die Knochen so
gestuncken hätten, gewesen wäre. Wenn ich aber drauff schweren sollte, dass es der
Pabst, welchen ich die Füsse geküsset gehabt, gewiss gewesen wäre, so könnte ichs
der Tebel hohl mer nicht mit gutem Gewissen tun, denn der Sternseher kam mir
für, als wenn er mehr als Brodt fressen könnte, weil er sein Hertze so sehr an
den Fix-Stern gehangen hatte; sobald er auch nur an den Fixstern gedachte, so
wusste er schon, was in den Calender vor Wetter stunde.
    Derselbe Stern-Gucker war ein vortreflicher Calendermacher, er lernete mir
dieselbe Kunst auch. Ich habe auch sehr viel Calender gemacht, welche noch alle
geschrieben unter der Banck liegen und treffen doch der Tebel hohl mer noch
bisweilen ziemlich ein. Solte ich wissen, dass Liebhaber darzu möchten gefunden
werden, wollte ich mit der Zeit etwan einen herfürsuchen und zur Probe heraus
geben. Doch kommt Zeit, kömmt Rat.
    Damit ich aber wieder auff meinen vorigen Discurs komme und erzehle, wohin
mich der Sterngucker weiter geführet, als ich den Pabste die Füsse geküsst
hatte. Flugs an der St. Peters-Kirche war ein ganz enge Gässgen, durch dasselbe
führte mich der Sterngucker und immer vor biss an den Marckt. Wie wir nun an den
Marckt kamen, so fragte er mich, ob ich Lust und Belieben hätte, mich in eine
Dreck-Schüte zu setzen und ein wenig mit nach den Härings-Fange spatziren zu
fahren? Ich sagte hierzu gleich Tob. Darauf satzten wir uns beide in eine
Dreck-Schüte und fuhren da, weil wir guten Wind hatten, immer auff der Tyber
übern Marckt weg und unten bei dem Härings-Tore zu einem Schlauchloche hindurch
und nach dem Härings-Fange zu.
    Wie wir nun mit unserer Dreck-Schüte an den Härings-Fang kamen - O
sapperment! was war vor ein gelamentire von den Schiffleuten, welche den
Härings-Fang gepachtet hatten! Da ich nun fragte, was es wäre? so erzehleten sie
mir mit weinenden Augen, wie dass ihnen der See-Räuber Bart mit der stumpichten
Nase grossen Abbruch an ihrer Nahrung getan und ihnen nur vor einer halben
Viertel Stunde über 40 Tonnen frische Häringe mit etlichen Capers Schelmische
Weise weggenommen hätte. O sapperment! wie lieff mir die Lauss über die Leber,
als ich von Hanss Bartens stumpichter Nase hörete! Da dachte ich gleich, dass es
derselbe Kerl sein müste, welcher mich mit so erschrecklich viel Capers weiland
auff der Spanischen See ohne Raison in Arrest genommen und dadurch dasselbe mahl
zum armen Manne gemacht hatte. Ich war flugs hierauff her und fragte die
Schiff-Leute: Wo der Galgenvogel mit den Härings-Tonnen zu gemarchiret wäre? Da
sie mir nun sagten und zeigten, dass er noch auff der Tyber mit seinen
Caper-Schiffe, worauff er die 40 Donnen frische Häringe gepackt hatte, zu sehen
wäre, so setzte ich ihn geschwind mit etlichen Dreck-Schüten nach, und weil so
vortrefflich guter Wind war, so ergatterte ich ihn noch mit dem Stern-Gucker und
etlichen Schiffleuten eine halbe Meile von den Härings-Fange.
    O sapperment! wie fiel dem Hanss Barte das Hertze in die Hosen, da er mich
nur von ferne kommen sah! Er wurde wie ein Stück Käse so rot im Angesichte und
mochte sich wohl flugs erinnern, dass ich der und der wäre, welcher seiner Nase
vormals so einen erschrecklichen Schand-Flecken angehänget hätte. Als wir nun
auff unsern Dreck-Schüten Hanss Barten mit den 40 gestohlenen Härings-Donnen
einholeten, so fieng ich gleich zu ihn an: Höre doch, du Kerl, wilst du die
Häringe wieder her geben, welche du den armen Schiffleuten abgenommen hast oder
wilstu haben, dass ich dir deine krumme stumffichte Habichts-Nase vollends
herunter sebeln soll? Der Hanss Bart gab mir hierauff zur Antwort und sagte: Er
wollte sich eher sein Leben nehmen lassen, ehe er in Güte einen Schwantz nur von
einem Häring wieder geben. Hierauff so rückte ich mit meiner Dreck-Schüte an
sein Caper-Schiff hinan und kriegte meinen langen Stoss-Degen heraus. Nun, da
hätte man schön fuchteln gesehen, wie ich den Hanss Bart auff sein Caper-Schiffe
exercirte! Er wehrete sich zwar auch mit seinen Capers, allein sie kunten mir
nichts anhaben. Denn wenn sie gleich nach mir hieben oder stachen, so war ich
wie ein Blitz mit meiner Dreck-Schüte auf der Seite, den Hans Bart aber jagte
ich der Tebel hohl mer immer um die 40 Härings-Donnen, welche er auff sein
Schiff geladen hatte, herum und hieb wie Kraut und Rüben auff ihn hinein.
Endlich [war ich] so sehr auff den Galgenvogel erbittert, dass ich mich ganz
nahe mit meiner Dreck-Schüte an sein Caper-Schiff machte und ehe er sichs
versah, bei seinen diebischen Federn zu fassen kriegte, aus den Caperschiffe
heraus zoge und plump in die Tyber hinein tauchte!
    O sapperment! da hätte man schön schreien gesehen, wie der Hans Bart
schrie! Er bat mich fast ums Himmels willen, ich sollte ihn wieder heraus
helffen, dass er nicht ersöffe, er wollte den Schiffleuten ihre 40 Härings-Donnen
hertzlich gerne wieder geben. Als ich dieses von Hanss Barten hörete, so gab ich
gleich den Schiffleuten Befehl, das Caper-Schiff zu plündern und hielt ihn so
lange im Wasser bei den Ohren, biss sie die Härings-Donnen wieder hatten. Hernach
liess ich ihn mit seinen leeren Caper-Schiffe hinfahren, wo er wollte.
    O Sapperment! was war da vor ein Jubel-Geschrei unter den Schiffleuten,
welche den Häringsfang gepachtet hatten, dass die durch mich zu ihren
Tonnen-Heringen wieder gekommen waren! Sie baten mich auch alle miteinander, ich
sollte ihr Härings-Verwahrer werden. Sie wollten mir jährlich zehen tausend Pfund
Sterlings geben - allein ich hatte keine Lust darzu. Wie wir nun auff unsern
Dreck Schütten mit den 40 Donnen Häringen bei den Härings-Fange wieder
angelangeten, so verehrten mir zum Trinckgelde die Herings-Pachter eine Donne
von den besten Häringen, die lud ich in meine Dreck-Schütte und fuhr damit nebst
den Stern-Gucker wieder in die Stadt Rom hinein.
    Als ich nun zum Stern-Gucker ins Qvartier kam, so liess ich die Donne
aufschlagen und probirete einem, wie er schmackte. Nun kann ichs der Tebel hohl
mer nicht sagen, wie fett dieselben Häringe waren, dass man auch ohne Saltz (da
sie doch in Einlegen schon scharff gesaltzen waren) nicht fressen kunte. Weil
ich nun wusste, dass meine Frau Mutter eine grosse Liebhaberin von einem frischen
Heringe war, so packte ich die geschenckte Tonne Häringe in meinen grossen Kober
und schickte ihr dieselben durch einen eigenen Boten nach Schelmerode in
Teutschland zu, schrieb ihr auch einen sehr artigen Brieff darzu, welcher
folgendes Innhalts war:
                     Mit Wündschung gutes und liebes zuvor
                       Erbare und Ehrenveste Frau Mutter!
Wenn die Frau Mutter noch fein frisch und gesund ist, so wird mirs der Tebel hol
mer eine rechte Freude sein; ich meines Teils bin itzo ein prav Kerl wieder
geworden und lebe zu Rom, allwo ich bei einem Stern-Gucker logire, welcher mir
das Calendermachen gelernet hat. Die Fr. Mutter hat auch durch diesen Boten in
meinem grossen Kober frische Häringe zu empfangen, welche mir von den
Härings-Pachtern zu Rom sein verehret worden. In übrigen wird der Bote meinen
ganzen Zustand mündlich berichten. Die Frau Mutter lebe wohl und schicke mir in
meinem grossen Kober ein Fässgen gut Klebe-Bier mit zurücke und schreibe mir, wie
es ihr geht und ob sie den kleinen Vetter noch bei sich hat. So werde ich
allezeit verbleiben
                    Der Erbahren und Ehrenvesten Fr. Mutter
Rom den 1. April im Jahr nach Erbauung
    der Stadt Rom. 090
                                allezeit Reisebegierigster eintziger lieber Sohn
                                                        Signor von Schelmuffsky.
    Diesen Brieff schickte ich nun nebst meinem Kober voll frischen Häringen
durch einen eigenen Boten zu Fuss meiner Fr. Mutter in Teutschland zu. Es
giengen nicht 14 Tage ins Land, so brachte mir der Bote in meinen grossen Kober
von meiner Fr. Mutter folgendes zur Antwort wieder:
                     Erbarer und namhafter Junggeselle vom
                       Schelmmuffsky, mein lieber Soh[n]!
Ich habe deinen grossen Kober mit den frischen Häringen empfangen und habe auch
deinen Brieff gelesen und hat mir der Bote auch deinen ganzen Zustand
erzählt, worüber ich mich sehr erfreuet habe. Was mich anbelanget, so bin ich
itzo sterbenskranck und wenn du mich noch einmal sehen wilst, so komm
geschwinde nach Hause; dein kleiner Vetter lässet dich grüssen und deine Jungfer
Muhmen lassen dir einen guten Tag sagen und lassen dich auch bitten, du mögtest
doch geschwinde heim kommen. Lebe wohl und halt dich nicht lange in der Frembde
auff. Ich verharre dafür Lebenslang
                                                          deine liebe Fr. Mutter
                                                                 in Teutschland,
                                                            wohn- und sässhaftig
                                                                 zu Schelmeroda.
Schelmerode den 1. Januarii
            1621.
PS. Das klebebier ist ietzo alle sauer,
    sonst hätte ich dir hertzlich gerne
    was mit geschickt.
    Als ich meiner Fr. Mutter ihren Brieff nun gelesen - O sapperment! wie
packte ich alles in meinen grossen Kober zusammen, sattelte mein Pferdt, nahm
von dem Sterngucker Abschied, satzte mich mit meinem Pferde in der Stadt Rom
auff öffentlichen Marckte wieder in eine Dreck-Schüte und fuhr da immer per
postae bei d[e]m Härings-Tore unten zu einem Schluffloche hinaus. Vor dem Tore
so stieg ich nun von der Dreck-Schüte ab, satzte mich mit meinen grossen Kober
auff mein Pferd und marchirete immer nach Teutschland zu.
    Ich nahm meinen Weg durch Pohlen und ritte auf Nürnberg zu, allwo ich des
Nachts über in der göldenen Gans logirete. Von dar so wollte ich meinen Weg durch
den Schwartzwald durch nehmen, welches 2 Meile Weges von Nürrenberg liegt. Ich
war kaum einen Büchsen-Schuss in den Schwartz-Wald hinein geritten, so kamen mir
unverhoffter weise 2 Buschklepper auff den Hals, die zogen mich der Tebel hohl
mer reine aus und jagten mich im blossen Hembde mit einen Buckel voll Schläge
von sich. O sapperment! wie war mir da zu Mute - dass mein Pferdt, meine
Kleider, meine 1000 Ducaten und mein grosser Kober mit allerhand Mobilien fort
war!
    Da war der Tebel hohl mer Lachen zu verbeissen. Ich kunte mir aber nicht
helffen, sondern musste sehen, wie dass ich mich aus dem Schwartzwalde heraus
fand. Und von dar mit Gelegenheit mich vollends nach Schelmerode bettelte. Wie
ich nun in blossen Hembde zu Hause bei meiner krancken Fr. Mutter bewillkommet
wurde und wie mich mein kleiner Vetter auslachte, dasselbe wird entweder
künftig im dritten Teile meiner gefährlichen Reisebeschreibung oder in meinen
curiösen Monaten, wovon ich in der Vorrede gedacht, sehr artig auch zu lesen
sein. Wesswegen denn ietzo ein iedweder mit mir sprechen wolle:
    Schelmuffskys anderer Teil seiner gefährl. Reisebeschreibung hat nun auch
    ein
                                     ENDE.
 
    