
        
                               Philipp von Zesen
                                    Assenat
                                      1670
             Dem Durchleuchtigen / Hochgebohrnem Fürsten und Herren /
 Hrn Johan Georgen / Fürsten zu Anhalt / Grafen zu Askanien / Herrn zu Zerbst /
und Bernburg /uu. aa. mm. Kuhrfürstlicher Durchl. zu Bran- denburg der Kuhr und
              Mark Stataltern / als auch algemeinem Obergebieter
                        über Derselben Reiterei / u.a.m.
                    Seinem gnädigsten Fürsten / und Herren.
            Dvrchleuchtiger / Hochgebohrner Fürst /Gnädigster Herr /
    Dankbar zu sein bin ich schuldig. Seiner Durchl. Ruhm zu erhöben bin ich
verpflichtet. Hierzu reitzet mich Ihre milde Gnade. Hierzu treibet mich Ihre
überschwängliche Gühte. Beide haben mir iederzeit völlig geblühet. Von beiden
seind mir reiche früchte geworden. Vor beides habe ich auch untertähnigst
gedanket: doch bisher nur im hertzen / und kaum mit dem munde. Auch ist es nur
zu weilen in geheim / und spahrsam mit der feder geschehen. Aber eine so stille
Dankbarkeit ist nicht genug. Der heimliche Ruhm ist hier zu wenig: weil S.
Durchl. Tugend / und Gnade so gar gross und offenbar ist. Beide müssen dann
öffentlich ausbrechen. Meine Dankbarkeit mus ich vor den ohren und augen der
Welt bezeugen. Vnd darüm fasse ich auch diese feder. Dieselbe zeigt der ganzen
Welt an / dass S. Durchl. hiesige mitkommende Egiptische Ebreerin von mir
geheiliget wird. Es ist die schöne Assenat / eine Egipitische Fürstin / des
Grössesten unter den Ebreern Gemahlin. Sie hat von mir die Hochdeutsche sprache
gelernet. Damit lesset Sie sich vor S. Durchl. ohren hören. Vnd hiermit
untergiebet Sie sich zugleich S. Durchl. schutze. Von Ihr will Sie /als eine
ankomenende Fremde / beschirmet sein. Vnd hierüm langet S. Durchl. meine feder
auch untertähnigst an. Ja ich flehe für Sie. Ich flehe / Sie mit einem
gühtig-gnädigem blikke zu beseeligen. Anders darf von Seiner Durchl.
allergühtigsten angebohrenheit ich auch nicht hoffen. Vnd dächte / ja hofte ich
anders /so tähte ich sünde. Ich will dann keine worte mehr machen. Die Assenat soll
es nun selbst tuhn. Vnd also lesset Sie in Seiner Durchl. hand derselbe / der
anders nichts wünschet / als in der taht zu sein / und zu bleiben / so lange er
ahtemen kann /
    Seiner Hochfürstl. Durchl.
                                       alleruntertähnigster / dienstschuldigster
                                                                Filip von Zesen.
                           Dem Deutschgesinten Leser.
Mich deucht / ich sehe die Welt ihr leschhorn rümpfen. Mich dünkt / sie ziehet
das maul. Ich höre / sie fraget: was ungewöhnliches / was seltsames / was neues
ist dis? Sie sieht / dass ich diese Liebesgeschicht heilig nenne. Das komt ihr
fremde vor. Darüber verwundert sie sich. Darüber kreuset und kreutzet sie mit
dem zeiger. Freilich ist es was neues / was fremdes / was seltsames. Ja es ist
was heiliges / dergleichen auf diese weise noch niemand verfasset.
    Mit nicht-heiligen / ja unheiligen Liebesgeschichten hat man sich lange
genug belustiget; mit weltlichen übergenug ergetzet. Darzu hat der Grieche
Heliodor zuerst die feder gespitzt. So geht die gemeine rede. Die Spanier und
Wälschen seind ihm gefolget: und diesen die Franzosen / mit den Englischen.
Endlich haben sich auch de Hoch- und Nieder-deutschen eingefunden. Aber nun
sollen diese letzten in den Nicht-heiligen und weltlichen / die ersten sein in
den Heiligen. Hierzu veranlasst sie hiesige feder. Hierzu wird sie ihnen eine
vorgängerin; indem sie diese heilige Stahtslieb- und lebens-geschicht fliessen
lesset.
    Fragstu / warum ich sie heilig nenne? Freilich ist sie heilig / weil sie aus
dem brunnen der heiligen Geschichte Göttlicher Schrift geflossen. Zudem handelt
sie von der Assenat / die aus einer Egipterin eine Ebreerin ward. Ja sie handelt
vom Josef / der ein Nachkömling und Sohn der heiligen Ertzväter war: und selbst
ein Ertzvater worden; indem er zween Stamväter des heiligen Volks der Ebreer
gezeuget. Die Assenat war nicht allein eine gebohrene Fürstin; sondern auch
eines Geistlichen Tochter / und selbst eine geistliche Jungfrau. Darnach ward
sie auch des Josefs Gemahlin / und zugleich eine Mutter des Efraimischen und
Manassischen Stammes. Ja sie ward eine Ertzmutter / wie Josef ein Ertzvater /
dieser zween Stämme des heiligen Volks Israels. Darzu komt noch dieses / dass die
Liebe der Assenat so wohl / als des Josefs / rein / keusch / und heilig wesen.
    Hier siehestu dann klahr genug / dass ich diese Geschicht nicht unbillich
heilig nenne: die ich noch über das / in ihrem ganzen grund-wesen / wie ich sie
n der heiligen Schrift / und in den besten unter den andern gefunden / heil sind
unverrükt gelassen; wiewohl ich ihr zu weilen / nach dieser ahrt zu schreiben /
einen höhern und schöneren schmuk und zusatz / der zum wenigsten wahrscheinlich
/ gegeben.
    Sonsten seind alle dergleichen Liebsgeschichte fast blosse Gedichte. Auch ist
sonsten zwischen dergleichen Geschichtschreibern / und rechten Dichtmeistern
schier kein ander unterscheid / als dass jene in gebundener / diese in
ungebundener rede schreiben. Aber diese meine Geschicht ist / ihrem grundwesen
nach /nicht erdichtet. Ich habe sie nicht aus dem kleinen finger gesogen / noch
bloss allein aus meinem eigenen gehirne ersonnen. Ich weis die Schriften der
Alten anzuzeigen / denen ich gefolget.
    Jene werden darum mit erdichteten wunderdingen ausgezieret / ja oft im
grundwesen selbst erdichtet /oder auf dichterische weise verändert; damit sie in
den gemühtern der Leser um so viel mehr verwunderung gebähren möchten. In ihnen
wird darum die wahrheit mit einer andern gestalt vermummet / und mit
wahrscheinlichen / auch oftmahls kaum oder gar nicht wahrscheinlichen
erdichtungen vermasket / ja selber verdrehet; damit sie üm so viel schöner /
üm so viel herrlicher / üm so viel prächtiger ihren aufzug tuhn möchten. Hier
aber haben wir keiner erdichtungen /keiner vermaskungen / keiner verdrehungen
nöhtig gehabt. Die nakte Wahrheit dieser sachen / davon hiesige Geschicht
handelt / konnte solches alles ohne das genug tuhn. Aus den hinten angefügten
Anmärkungen / da ich meine verfassung / aus den Schriften der Alten und Neuen
bewähre / wird es der Leser sehen: wiewohl ich kaum die helfte / damit ich
seiner geduld / durch alzuüberflüssige weitschweiffigkeit / nicht misbrauchte /
anmärken dürfen. Doch wird verhoffendlich diese helfte den Liebhabern nicht
weniger angenehm sein / als das ganze: weil sie ihnen zum wenigsten die spuhr
zeigt / das ganze zu erspühren. Dahin hat sich auch meine sie feder
bearbeitet. Ja darüm ist mein raht / dass man solche Anmärkungen zuallererst
lese. Dan wan man diese wohl gefasset /wird man die Geschichtsverfassung
selber mit grösserem nutzen so wohl / als verstande / lesen. Viel leichter
wird man dann wissen / wohin ich ziele. Dan wird man sehen / dass ich dieses /
oder jenes nicht vergebens und ohne vorbedacht / noch aus eigner eingebung
gesetzet. Ja dann wird fast kein wort ümsonst geschrieben zu sein scheinen.
    Hierbei soll man auch dieses wissen / dass wir / da /die heilige Schrift
entweder zu kurtz redet / oder aber gar schweiget / in vielen den Schriften der
Araber /und Ebreer / und dann des weltberühmten Atanasius Kirchers / im meisten
aber der Assenat Geschicht /und der Verfassung des letzten Willens der zwölf
Ertzväter / der Söhne Jakobs / gefolget. Diese zwo letzte Schriften haben die
Jüden / aus neide / wie man schreibet / lange zeit verborgen gehalten. Endlich
seind die Griechen darhinter kommen / und bemühet gewesen / sie in die
Griechische spräche überzusetzen. Hierinnen seind sie so lange geblieben / bis
sie ein Englischer Linkolnischer Bischof / Robert der zweite / aus Griechenland
bekommen / und im 1242 jare / mit hülfe Niklasens des Griechen / und des
Albanischen Abts Geheimverpflegers / in die Lateinische sprache übergetragen:
daraus man sie nachmahls auch in die Hoch- und Nieder-deutsche gebracht.
    Im übrigen wündsche ich / dass der Künstler / H. R von Hagen / im entwerfen
der Bildrisse / welche sich / wiewohl sie seine ersten früchte seind / ohne mein
zutuhn / selbst preisen werden / meinem sinne recht eigendlich folgen können.
Ich habe zwar mein bestes getahn / ihm denselben deutlich genug zu erklähren.
Aber es scheinet / dass sich die Kunst nicht allezeit will binden lassen. Darüm hat
sie auch alhier was freier abgeschweiffet / als mein sin und wille war. Doch wo
iemand diese stummen Gemälde nicht vergnügen / da werden es die beigefügten
redenden tuhn. Aus denen wird man genug verstehen / wie sie sein sollten / und
wie die sache selber sich befindet.
    Wird nun dieses Werklein angenehm sein / so soll mein Moses / und Simson /
auf eben dieselbe weise beschrieben / der Assenat folgen. Indessen gehabe dich
wohl / lieber Leser / und belustige dich hiermit nach deinem belieben / ja
begünstige / wan ich dessen währt bin / mit deiner liebe
                        deinen
                                                                          Zesen.
 
                                Das erste Buch.
Der liebliche Liljenmohnd war nunmehr vorbei; die Sonnenwände durch den
rükgångigen Kråbs geschehen: der Niel stieg immer höher und höher; und Osiris
begunte sich dem Jungferschosse seiner himlischen Isis algemach zu nåhern / als
der trübseelige Josef den Ort seines elendes erblikte. Memfis / die Konigliche
stadt / sah er mit klåglichen augen an. Mit traurigem und beängstigtem hertzen
zog er hinein. Das ganze volk fand er in angst: und diese angst beängstigte ihn
noch mehr. Er horete lauter seufzer: und diese seufzer vermischete er mit den
seinigen.
    Aber das ängstliche seufzen der Egipter hatte viel ein anderes ziel. Diese
abergleubische Leute seufzeten zu ihren so vielerlei falschen und leblosen
Abgöttern: er aber zum einigen und wahrem lebendigem Gotte. Etliche båhteten den
ohnmächtigen gehörneten Hammelgötzen / ihren gewähnten Schutzvater / an. Andere
flöheten zu ihrem algemeinen Wohltähter / dem gühtigen Osiris: noch andere zu
ihrer Ernährerin / der mildreichen Isis. Etliche riefen den hundeköpfichten
Knef oder Anubis; und den kraftreichen Sotis / samt dem fruchtbahren Orus / zu
hülfe. Andere schrien den dikbeuchichten Nielgötzen Kanopus / und dergleichen
lächerliche Ungotteiten an. Die meisten aber wendeten sich bald zum schwartzen
Fluhtgötzen Momft / dem verschaffer des wachsenden Niels; bald zum schlammichten
Ebbegötzen Omft / dem gebieter des fallenden strohms. Beide bähteten sie an.
Jener sollte verschaffen / dass der steigende Niel ihre äkker durchwässerte / und
fruchtbar machte. Dieser sollte gebieten / dass er nicht alzuhoch aufstiege / und
zu rechter zeit weder zurückträhte; damit er das land nicht verwüstete. Manche
hefteten auch zugleich wächserne täflein / darauf geschrieben stund / was sie so
ängstiglich begehreten / diesem und jenem Götzen an das bein: damit er ihrer
bitte / wan sie weggingen / ja nicht vergesse. Und das alles tåhten sie / teils
mit klopfen und stossen vor die brust / teils mit bluhtrünstigem aufritzen ihrer
schultern und ärme: dadurch sie vermeinten erhöret / und mit gewündschter
fruchtbarkeit des gewåchses geseegnet zu werden. Ja darüm verfluchten und
beschwuhren sie auch zugleich alle miteinander des boshaftigen Tifons wühtende
macht; damit er durch seine grausamkeit / den liebreichen seegen ihrer gühtigen
Wahngötter nicht verhinderte /ober verderbete.
    Hingegen demühtigte sich Josef / in seinem hertzen / vor dem ewigen
almächtigem Gotte / dem Gotte seiner Väter / Abrahams / Issaks / und Jakobs.
Ach! sprach er / und erseufzete hertzinniglich: ach Gott! ach barmherziger Gott!
ach grundgühtiger Vater! ich bitte nicht für mich / dass du mich aus dieser
leibeigenschaft errettest. Ich flöhe nicht für mich / dass du mich aus diesem
jammer und elende reissest. Dis alles / ja mehr als dis / haben meine
manchfältige sünden verdienet. Mein übermuht hat es verschuldet. Du tuhst wohl /
dass du mich züchtigest. Es war dein Väterlicher wille / dass mich meine Brüder
verkauften. Und darüm bitte ich für sie / dass du ihnen ihre missetaht vergebest
/ und ihre sünde nicht zurechnest. Ja ich /soll stehen / vor meinem Vater. Dan er
ist trostloss /das weis ich. Erscheine ihm mit deinem göttlichen tröste: Ach! er
ächtzet und gråhmet sich üm meint  willen. Er ist unruhig in seinem hertzen; ja
betrübt ist er / betrübt bis in den tod: und darüm lass ihn deinen frieden
befriedigen / und deine freude erfreuen. Ach! mich deucht / ich sehe ihn vor
wehleiden zerschmeltzen; vor hertzlichen schmertzen in trähnen zerfliessen. Mich
dünkt / ich höre ihn vor trauren wimmerleichen / und rufen: ach! mein Sohn /
mein Sohn / mein lieber Sohn / wo bistu? Wie kann es auch anders sein? Er liebte
mich / als seine seele. Ich war sein einiger trost. Ich war seine einige freude;
der einige stab seines alters. Aber ach siehe! was hat er nun. Dieser stab ist
ihm entrükket: diese freude ist ihm entzogen: dieser trost ist ihm geraubet. Ich
bin nunmehr so weit von seinen augen entfernet. Ach! es jammert mich meines
lieben Vaters / meines frommen Vaters / meines traurigen Vaters. Das hertz
bricht mir / wan ich an ihn gedenke: ja es bricht mir in tausend stükke / wan
mir in den sin kommet / dass dieses mein unglück sein graues haar in die grübe
wird bringen.
    Indem er also erseufzete / gelangte die Ismaelische Gespanschaft vor das
haus / da sie ein zu kehren pflegte. Josef stieg vom Elefanten herunter. Die
Kauf wahren warden abgeloset: die lasttiere in ihre ställe gebracht / und alles
auf die seite geschaffet. Mitler weile versamlete sich üm die Ismaeler herüm
eine grosse mänge volkes. Fast iederman / der in dieser gegend sich befand /
vergass! des Buss- und båht-tages. Alle Jungfrauen lieffen herzu. Ja die alten
Mütter selber vermochten nicht in den heusern zu bleiben. Die unvergleichliche
schönheit des Ebreischen Leibeignen machte sie alle entzükt. Aller augen sahen
auf ihn. Niemand konnte / selbst mit tausend anblikken /sein gesichte genug
sättigen. Je mehr sie ihn ansahen /ie schöner er schien.
    Josef war auch in warheit so wunderschön / dass er zu der zeit vor das
allerschonste geschopfe / ja selbst vor das allervolkomneste meisterstükke der
Zeugemutter aller dinge nicht unbillich geschätzet ward. Ja es ist kein wunder.
Sara war seine Vorgrossmutter; und so überaus schön / dass sich zwee Könige / der
von Egipten / und der von Gerar / in ihre schönheit verliebeten. Rebekka war
seine Grossmutter; und eben so wunderschön / dass es wenig fehlete / der
letztgemelte König der Filister hette sich auch an ihr vernarret. Ja seine
Mutter selber / die hold- und lieb-seelige Rahel / schien alle beide / durch
ihre mehr als menschliche schönheit / weit zu übertreffen. Ihr ganzer leib
befand sich so ausbündig zierlich gebildet / und so über die masse schön / dass
der tadel selber keinen einigen fehler an ihr zu finden wusste. Ihre haut war
so hochweis / so klahr / so zahrt / so rein / und so sanfte / als ein erst
gefallener schnee. Durch diese so reinklare haut schimmerten hier und dar /
gleich als im allerweissesten marmel / die zåhrtesten åderlein / so wohl roht /
als blau: und auf den ahrtigen schneeberglein der wangen blühete eine recht
anmuhtige rosenröhte / nicht zu hoch und nicht zu bleich. Alda hatte ihren
eigenen sitz die Schaam /die eigne / wo nicht einige zier des Frauenzimmers.
Uber dem allerzierlichsten schneehügel des kinnes erhub sich des mundes schlos /
mit strahlrohten rubienwållen ümgeben. Hier wohnete die Liebe. Hier lächelte die
freundligkeit. Hier spielete die wohlredenheit. Unter der stirne / der erhobenen
sinnenburg /strahlete / ja blitzelte das zweifache gestirne der
allerliebseeligsten augen / wiewohl mit züchtigen blikken / so weit und mit
solcher kraft herüm / dass sie durch aller anschauer hertzen straks hindrungen.
Ja was wollen wir von ihrem sterblichen / wiewohl allerschönstem Leibe / und von
den allerlieblichsten leibesgliedern viel sagen? Er war nur ein blosses
vergängliches bild / und hinfälliges haus ihrer unsterblichen noch tausendmahl
schöneren Seele. Hieraus liessen sich / als aus einem spiegel / alle tugenden /
die eines Frauenzimmers seele iemahls befessen / hauffenweise schauen. Hieraus
brachen herfür / als mit einem hellen blitze / die recht himlische schönheiten.
Hierdurch überwand sie die allerhårtesten hertzen. Hierdurch besänftigte sie die
allerrauesten gemühter. Hierdurch begühtigte sie die allerbosshaftigsten geister.
Ja hierdurch zog sie aller menschen gunst und gewogenheit auf ihre seite. Mit
einem worte zu sagen / Rahel / die Mutter des schönen Josefs / war mit so
fürtreflichen / so wohl in- als aus-wendigen schönheiten dermassen ausgezieret /
dass Jakob sich nicht verdriessen lies vierzehen ganzer jahre / wie verdrieslich
auch sonsten sein dienst immermehr war / um solch-einen köstlichen schatz zu
dienen. Ja er bekannte es selber / dass ihm alle diese jahre anders nicht als
einzele tage gedeuchtet.
    Weil nun Josefs Mutter / Grossmutter / und Vorgrossmutter / die alle drei aus
einem und eben demselben geschlechte entsprossen / welches zu der zeit den preis
der schonheit vor andern verdienete / so gar schöne gewesen: warüm wollte man
sich dann viel verwundern / dass der zweig seinem baume nachgeahrtet /und die
frucht nicht weit vom stamme gefallen; indem dieser schöne Ebreer von seinen
drei schönen Müttern solche wunderwürdige schönheit gewonnen?
    Dass aber des Tahre / oder / wie ihn die Araber nennen / Asars / Abrahams
vaters / Nachkommen vor allen andern damaligen Menschen mit so wunderwürdiger
schonheit beseeliget gewesen; davon wollen wir der Arabischen / Persischen / und
Kaldeischen Weisemeister urteil vernehmen. Diese bezeugen / dass des Josefs
Uhranherr oder übervorgrossvater Tahre ein fürtreflicher Bildhauer / und zugleich
ein Verpfleger der Götzenheuser des Nimrots gewesen: welcher seinen bildern eine
so überaus schöne gestalt geben können / dass sich viele / die sie gesehen /
straks im ersten anblikke darein verliebet. Weil nun Abrahams Mutter solche so
künstlichschön ausgearbeiteten bilder fort und fort angesehen / und ihr
derselben schonheit dermassen tief eingebildet / dass alle ihre Kinder ihnen ganz
ähnlich geworden; so habe sie solche schonheit ihren nachkommen bis in das
vierde Glied gleichsam erblich und eigen gemacht. Und durch diese erbeigenschaft
hetten sie sämtlich eine solche wunderschonheit gewonnen: wiewohl sie an der Lea
etlicher massen verdorben worden. Unter allen aber were Josef / Jakobs sohn / als
das höchste Meisterstükke der schonheit / der allerschöneste / ja so
unaussprechlich schön gewesen / dass er dadurch die höchste schonheit der Engel
selber übertroffen. Im übrigen stehen auch viel Geschichtschreiber und andere
in der Meinung: dass Labans Götzenbilder / die ihm Rahel / ohne zweifel ihrer
fürtreflichen schönheit wegen / entführet / und Jakob nach der zeit zu Sichem
unter einer eiche begraben / ein sonderliches kunststukke des Tahre / und die
meiste ursache der schönen gestalt so wohl des Josefs / als der Rahel /gewesen;
weil beide Mütter / der Rahel und des Josefs / sie ohn unterlass vor augen gehabt
/ und ihre schöne gestalt einen so tieffen und festen eindruk in ihre einbildung
getahn / dass ihre Kinder denselben ganz ähnlich geworden.
    Und also schien es / dass die Zeugemutter aller dinge nicht allein alle
ausbündigste schönheiten der Mutter / sondern auch alle schönste schönheiten
seiner Gross- und Vorgrossmütter / so wohl von der Mutter / als des Vaters selten
zusammengesamlet / und dem einigen Josef mitgeteilet / ein ganz volkommenes
meisterstükke der allerschönsten schönheit herfür zu bringen. Fast eben auf
diesen schlag verfuhr nach der zeit Apelles / als er das Götzenbild der
Schönheit und Liebe volkömlich schön zu mahlen gesonnen. Er erwehlete aus allen
Krotonischen Jungfrauen die allerschönsten zu einem so fürtreflichen
kunststükke. Von einer ieden nahm er die schönste schönheit / die an ihr vor
andern zu finden. Alle diese schönste schönheiten brachte er zusammen / und
bildete sie ab in dem einigen bilde. Und daher war dieses bild oder gemålde so
überaus schön / dass es mehr durch eine göttliche / als menschliche hand
entworfen zu sein schien.
    Als nun der tag der nacht zu weichen / und die Sonne dem Mohne das gebiet
über die oberste helfte der erdkugel ein zu reumen begunte; da begab sich Josef
/ mehr vom schweermuhte / als von der reise ermüdet / ungegessen zur nachtruhe.
Aber es war umsonst / dass er zu ruhen gedachte. Es war vergebens /dass er zu
schlafen vermeinte. Hier war weder ruhe /noch schlaf zu finden. Seine gedanken
schweiften von einem orte zum andern. Doch nirgend hielten sie sich länger auf /
als bei seinem Vater: dessen bekümmernüs ihn weit mehr bekümmerte / als sein
eigenes unglück. Ach! sprach er / wan ich nur meinem Vater /meinem lieben Vater
die unruhe seines hertzens benehmen könnte; so wollte ich alles meines elendes
gern vergessen. Aber hier ist kein raht. Mein unglück / das uns beide voneinander
gerissen / geht ihn so wohl an / als mich. Was ich leide / das fühlet er. Was
ich fühle / das drükket ihn / das schmertzet ihn / das kränket ihn. Und was noch
das schlimmeste ist / ich sehe dessen kein ende. Morgen werde ich dem Könige
geschenket werden. Aus dessen hand wird mich niemand erretten. Meine
leibeigenschaft wird währen / so lange ich lebe. Wo seind nun meine treume / die
mir so viel glückkes und ehre bedeuten sollen? Ach! wie ist ihre bedeutung
verschwunden? Meine einbildung hat mich betrogen. Meine hofnung ist nun
zerrunnen. Ich gedachte zu herrschen: aber nun sehe ich / dass ich ewig werde
dienen müssen. Ach weh mir! dass sich das blat also verkehret. Möchte ich doch
nur ewig dienstbar sein in meines Vaters hause! Möchten doch nur meine Brüder
ewig über mich herschen! Ach! wie wohl sollte mir sein. Aber nun mus ich dienen
in der fremde. Fremde werden ihre grausamkeit über mich ausschütten. Ach weh
mir! ach weh mir! ach weh /und immer weh!
    In solchen trübseeligen gedanken brachte er die ganze nacht zu. Er stund
zwar auf / so bald der tag angebrochen / in willens / im garten hinter dem hause
/ seinen unmuht ein wenig zu vertreiben. Aber die schweermuht / und die angst
seines hertzens folgeten ihm überal nach. Nirgend fand er ruhe. Nirgend wusste er
trost zu suchen. Alle uhrwesen schienen ihm zuwider. Alle geschöpfe schienen ihn
verlassen zu haben. Nur allein die Beume stelleten sich mitleidendlich an. Also
lies er sich bedünken. Also schlos er aus ihren abhangenden blättern. Also
urteilete er aus ihren niedergebogenen zweigen. Was er alhier ferner vor
gedanken hatte / ist eher zu errahten / als aus zu sprechen. Zuletzt begunte ihm
dieser lustort seine unlust noch mehr zu heuffen. Und darüm eilete er wieder
hinaus. Aber im ausgehen kahm ihm einer von den Ismaelern entgegen. Auf! sprach
er mit harter stimme /auf! und mache dich flugs fårtig. Itzund soltu dem Könige
übergeben werden. Dieses wort König war ihm als ein donner zu hören. Es ging
ihm als ein donnerkeul durchs hertze. Ja es erschrökte ihn dermassen / dass er
böbete und zitterte / als das espenlaub.
    Nachdem nun Josef ein zierliches sommerkleid /welches ihm die Kaufleute zu
dem ende gegeben / angeleget; ward er / samt den Königlichen geschenken /straks
auf die Burg geführet. Alda lag die Königin /mit ihrem ganzen Frauenzimmer /
schon in den fenstern / und wartete mit grossem verlangen auf seine ankunft. Dan
der ruf war albereit den abend zuvor /aus der stadt / bis in das königliche
Schlos erschollen / dass ein überaus schöner Ebreer angelanget / und heute dem
Könige sollte verehret werden. Es ist mit keiner feder aus zu drükken / wie
heftig diese neugierigen durch den ersten anblik des schönen Leibeignen entzükt
warden. Man hatte ihn beschrieben / als einen Engel: aber sie sahen ihn gar vor
eine Gotteit an. Hatte man gestern seine schönheit so überlaut gepriesen; so
ward sie heute / mit bestürtztem stilschweigen des ganzen Frauenzimmers /
betrachtet. Alle Jungfrauen stunden als erstummet. Alle Fürstinnen erstarreten.
Ja die Königin selber war fast ganz aus ihr selber. Doch gleichwohl
behielten ihre Sinnen noch so viel kraft / dass eine iede bei ihr selbst zu
wündschen vermochte einen so schönen Engel / in ihrer schlafkammer / zum
stätigen leibwächter zu haben. Eine guhte weile währete dieses stilschweigen.
Die Königin war die erste / welche zu reden begunte. Ha! sagte sie / soll dieses
ein Leibeigner sein? Sol dieses ein verkaufter Ebreer sein? Das kann ich mir
nimmermehr einbilden. Vielmehr ist er ein Ebreischer Gott; oder aber ein Fürst:
und ist er keines von beiden / so ist er doch zum wenigsten würdig solches zu
sein; ja würdig ist er über die ganze weit zu herschen; wie er dann schon in der
taht beginnet.
    Diese reden hörete Nefrem: und märkte schon /was die glokke geschlagen.
Seine Freulein Tochter sah er bestürtzt: die andern Fürstinnen erstarret: die
Stahtsjungfrauen vernarret. Ja alles Frauenzimmer kahm ihm anders nicht vor /
als über die masse verliebt. Auch betrog ihn diese einbildung nicht. Er war ein
alter abgelebter Fürst. Er war ein eifersüchtiger /und was geitziger Herr. Daher
hassete er die fürtrefliche schönheit des Ebreers. Daher liebere er die
kostbarkeit der angebohtenen schätze. Ja er hassete den Josef üm so viel mehr;
weil er ihm leichtlich einbilden konnte / dass ein alter und nunmehr aus
gemärgelter König bei seinem Frauenzimmer / durch ihn / in die euserste
verachtung kommen würde. Zum wenigsten /gedachte er / wird eine unlust unter dem
Weibesvolke entstehen. Die göttliche schönheit dieses Ebreers wird sie zur liebe
/ die liebe zur schählsichtigkeit / die schählsichtigkeit zur unterlichen
feindschaft / und diese endlich gar zu einer rasenden tolsinnigkeit bewegen.
Alsdan wird alles bunt durcheinander gehen. Alles wird in unordnung / und mein
Hof in gefahr schweben. Ja wan sich schon dieses unheil nicht erregen oder
eusern möchte; so wird doch eine so übermässige hertzentzükkenden schönheit meine
Gemahlin und Tochter / wo nicht in der taht selber / doch gewislich in den
gedanken / an ihrer keuscheit verletzen. Wolte ich ihn auch schon münchen lassen;
so würde es mich zwar ein wenig / sie aber nichts helfen. Vielmehr schmertzen
würde man ihnen zuziehen; weil man ihm dadurch die mittel / sie würklich zu
vergnügen / entzöge / und sie dannoch in der brunst verzappeln liesse. Aus
diesen wüchtigen ursachen (schlos er seine gedanken) mus ich mich nohtdrünglich
entschlüssen / den schönen Leibeignen nicht an zu nehmen. Sein erster / ja kaum
halber anblik hat mir mein Frauenzimmer schon ganz in ruhr gesetzt. Was würde
wohl geschehen / wan ich ihn gar auf das schlos nehmen sollte. Nein! nein! man
mus ihn aus dem wege schaffen. Ich mus mir selber keine laus in den rok
setzen. Er mus fort! er mus fort!
    Hierauf begab sich Nefrem in den königlichen Verhörsaal: darinnen alles von
golde und edelen steinen flinkerte. Sonderlich vermochte kein auge den
prächtigen Reichsstuhl / ohne entzükkung und ohne verblendung / an zu schauen.
Dieser war ein rechtes meisterstükke aus dichtem golde: dem die demanten /perlen
/ rubienen / saffiere / und andere köstliche steine seinen glantz gleich als mit
helleuchtenden feuerstrahlen vermehreten. Rund herüm / ja oben und unten war er
mit allerhand künstlichen bildwerken gezieret. Dieses alles hatte / nach der
geheimen Egiptischen bilderschrift / seine sonderliche bedeutung. Unter allen
aber deutete der grosse güldene Krokodil / der gerade über des Königes heupte
schwebete / auf den König selber / als alter Egiptischen Könige sinbild. Daher
ward auch so wohl dieser Nefrem / als viel andere Egiptische Könige vor und nach
ihm eine lange zeit / Farao / welches auf Arabisch ein Krokodil heisset /
gemeiniglich genennet.
    Alhier war es / da der König der Ismaeler geschenke empfing. Zu allererst
ward ihm Josef / als das alleredleste und allerköstlichste / überreichet.
Darnach folgeten die andern. Hierunter war das Königliche überaus künstlich mit
golde durchwürkte Stahtskleid das fürnehmste. Die güldene Krohne schätzte man
nicht viel geringer. Auch waren die anderen schatzstükke eines so hohen währtes
/ dass sie vor königliche geschenke wohl bestehen mochten. Musai /ein gebohrner
und vieler sprachen kündiger Elamiet /führete / als der ganzen Gespanschaft
heupt / das wort.
    Gnädigster König / sagte er / alhier erscheinen Seiner Majestäht
untertänigste knechte vor Seinem gnädigsten angesichte / unsere schuldigkeit
demühtigst abzulegen. Wir bringen aus unserem armen vermögen etliche
geringschätzige geschenke / Seine gnade zu erwerben. Sie seind zwar genüge:
iedoch verhoffen Seiner Majestäht knechte / gleichwie sie bitten / dass Er
dieselben eben so gnädigst / als wir sie untertähnigst einreichen / an zu nehmen
geruhen werde. Solten sie auch sonsten über verhoffen unangenehm sein; so dürfen
wir doch das vertrauen schöpfen / dass sie dem Könige dieser schöne Jüngling
gleichwohl angenehm machen werde. Dan er wird mit unter unsere geschenke
gezehlet. Und solches geschiehet darüm / dass durch seine so seltene schönheit
die geringschätzigkeit der andern ein ansehen der kostbarkeit bekomme. Hiermit
haben wir untertähnigst anzeigen wollen /dass wir Seiner Majestäht gehorsamste
knechte seind: auch Dieselbe zugleich demühtigst anflöhen / dass Sie unseren
Kaufhandel / wie bisher geschehen / also auch hinfort / in Ihren ländern frei
und ungehindert zu treiben gnädigst vergönnen wolle.
    Nefrem bedankte sich der geschenke wegen sehr freundlich. Er gewährte sie
auch ihrer bitte: und gelobte ihnen bei der gotteit des Osiris / dass er
nimmermehr zulassen wollte / ihren freien Kaufhandel auf einigerlei weise zu
kränken. Aber den Josef schenkte er ihnen wieder / mit angehängter versicherung
/ dass sie gleichwohl deswegen an seiner gnade nicht würden zu zweifeln haben. Er
wollte seinem Königlichen worte dannoch folge leisten.
    Sehr fremde kahm dieses des Königes beginnen den Kaufleuten vor. Es war ein
wunderseltzames ding in ihren augen / ein so überaus köstliches geschenke
verschmähet zu sehen. Keiner konnte errahten / woher es rührete. Keiner konnte
begreiffen / warüm der König eine so wunderseltene schönheit verwürfe. Dan
niemand von ihnen hatte achtung gegeben / was sich im ersten eintritte mit dem
Frauenzimmer zugetragen. Niemand wusste des Königes argwahn. Auch hatte er sich
dessen weder mit worten / noch gebehrden märken lassen.
    In diesen wunderlichen gedanken begaben sich die Ismaeler / mit dem
verschmäheten Leibeignen / wieder nach ihrem würtshause zu: und liessen also das
ganze Königliche Frauenzimmer in der eusersten betrübnüs. Es war keine Fraue /
die nicht seuftzete: kein Freulein / das nicht weinete: keine Hofjungfer / die
es nicht hertzlich schmertzete / dass sich ein so klahres /so fürtrefliches / so
schönes licht aus ihren augen so uhrplötzlich verloren. Ja die Königin selber
/ welche Nefrems schlus den schönen Leibeignen nicht an zu nehmen allein wusste /
wündschte dem Könige tausend und abermahl tausend / ja no comma? tausend
flüche aus den hals. Er allein / sagte sie / hat verursachet / dass diese
wunderschöne Gotteit uns mit ihrer gegenwart nicht allezeit beseeliget. Er
allein ist es /der uns den anblik dieser himlischen schönheit misgönnet. Er /
der neidsüchtige unmensch / ist es / der uns diese lust entzogen / seine
viehische lust / uns unlust an zu tuhn / rechtschaffen zu büssen. Itzt mus ich
schweigen: aber mit der zeit soll es gedacht werden. Wir meinten / die Sonne
were m unserem schlosse auf gegangen / und würde uns nimmermehr verlassen. Ach!
sie war auch aufgegangen in dem schönen Leibeignen. Aber plötzlich ist sie
wieder verschwunden. Osiris hatte sich in menschlicher / was sage ich? in
göttlicher gestalt zu uns gesellet. Aber seiner Gesellschaft hat uns unser
Wühterich verlustig gemacht. Dem allein haben wir zu dancken / dass wir ohne
licht leben. Dem allein müssen wir die schuld geben / dass uns / an statt des
hellen lichtes / eine dunkele nachtdömmerung geblieben. Fast eben so kläglich
lies sich auch die königliche Fürstin Nitokris vernehmen. Diese wollte vor unmuht
bårsten / vor hertzweh verschmachten / ja vor heftiger schmertzempfindligkeit
gar sterben. Aber wir wollen diese traurigen auf der königlichen burg lassen /
und uns zum Josef begeben / zu sehen / was sich mit ihm in seinem Würtshause
zutråget.
    Die Ismaelischen Kaufleute hatten nunmehr das mittagsmahl gehalten / und
sich albereit zur reise nach Nubien färtig gemacht. Die Kamehle stunden schon
ganz beladen / und warden eben vor das tohr geführet / als Musai seine
mitgefåhrten folgender gestalt anredete. Liebe Gespanschafter / sagte er / weil
wir itzund nach Nubien zu ziehen gedenken / da uns der schöne Leibeigne nichts
nütze sein wird / so bedünkt mich / dass es das beste sei / ihn alhier / bis zu
unserer wiederkunft / bei einem Kaufmanne zu lassen. Dan in Egipten wird er uns
mehr gelten / als dort. Die Nubier kauffen ihre Leibeignen nur üm einen geringen
preis. Warüm sollen wir ihn dann mitschleppen: Indem er also redete / erboht sich
ein Egiptischer Kaufman / welcher eben darzu kahm und zu Memfis wohnete /
alsobald / ihn so lange zu sich zu nehmen. Weil nun Musai diesen Kaufman viel
jahre gekant /und wohl wüste / dass ihr Leibeigner bei ihm am besten verwahret
sein würde; so ward er ihm / mit aller bewilligung / übergeben. Und also nahm
der Kaufman den trübseeligen Josef mit sich in sein haus: da ihm iederman /
sonderlich seine Frau und Töchter sehr freundseelig begegneten.
    Vierzehen tage hatte Josef bei diesem neuen würte zugebracht / als eine
Hofjungfrau desselben Töchter besuchte. Diese war überaus verwundert / dass sie
den schönen Leibeigenen alhier fand. Ja sie wusste zuerst nicht / ob sie ihren
augen gleuben dürfte. Darüm sass sie eine guhte weile fast als stum; und eben als
iemand / der den wunderstein Bet angesehen. Nährlich wollte ein wort aus ihrem
munde. Kaum gab sie antwort denen / die sie ansprachen: und antwortete sie /so
war die antwort zu weilen anders / als man fragte. Sie redete sehr wenig und wan
sie redete / so schweifte sie vielmahls vom zwekke so gar ab / dass es alle
märkten. Weil sie nun des Kaufmans Töchtern sehr nahe befreundet war; so trugen
sie keine scheu / ihre Verwantin zu fragen: warüm sie so stille sei? warüm sie
so wenig redete? und wan sie redete / warüm ihre reden vom wege so
abschweiffeten? Ja sie setzten hinzu / ob sie irgend verliebt sei / weil sie in
so tieffer entzükkung sässe? Auf alle diese fragen bekannte die Hofjungfrau die
runte wahrheit. Ja sie scheuere sich nicht einmal in Josefs gegenwart sich
ganz offenhertzig heraus zu lassen. Ach! sagte sie / sollte ich nicht entzükt
sein? Solte ich nicht andere worte führen / als man von mir gewohnet? Diesen
augenblik ist mir ein Glück aufgestossen / das ich nimmermehr hoffen dürfen.
Hierauf wendete sie sich zum Josef / der eben am fenster sass. Ist er nicht /
fragte sie / der schöne Jüngling / den die Ismaeler vor vierzehen tagen unserm
Könige verehren / er aber ihn nicht annehmen wollen? Als sie Josef mit ja
beantwortet; so fuhr sie weiter fort: weis er dann wohl / warüm der König solches
getahn? Josef antwortete / nein: und sie begunte alles zu erzählen / was sich
bei seiner ankunft auf der Burg begeben.
    Den abend zuvor / sagte sie / ehe das königliche Frauenzimmer das Glück hatte
ihn zu sehen / kahm Sefira / Fürst Potifars / des obersten Küchenmeisters und
Halsrichters / jüngste Gemahlin / der Königlischen Fürst in Nitokris / der ich
bedient bin / auf zu warten. Nach wenigen wortgeprängen / fing sie straks an zu
erzählen / dass sie / im fahren durch die stadt /eines überaus schönen
Leibeigenen sei ansichtig worden. Derselbe / sagte sie / sei so schön gebildet /
so lieblich vom wesen / so ahrtig von gebehrden / dass sie zweifelte / ob die
welt iemahls eine so volkommene schönheit an einigem Jünglinge erblickt. Und
eben dasselbe verursachte sie zu muhtmassen / dass er irgend eines Fürsten Sohn
sei; den die Ismaeler seinem Vater gestohlen. Sie konnte nimmermehr gleuben /dass
er ihnen / ihrem vorgeben nach / verkauft worden. Auch hette sie fragen lassen:
ob sie ihn wieder verkauffen wollten / und wie teuer? Darauf sei ihr zur antwort
worden: dass er vor kein geld / aber wohl vor des Königes gnade zu kauffe were:
dem er auch morgen früh sollte verehret werden. Nach diesem bescheide habe sie
sich von stunden an nach der Königlichen burg zu begeben / meinem gnädigsten
Freulein solche zeitung zu bringen.
    Kaum waren diese worte aus ihrem munde / als sie schon der ganze Hof wüste.
Ein Edelknabe der Königin / der meiner Fürstin eben etwas andienen sollte /hatte
alles mit angehoret. Dieser brachte es vor seine gnädigste Frau / in gegenwart
anderer: welche es wieder andern erzehleten. Es ist kaum zu gleuben / wie
behände diese recht neue / ja wohl recht seltzame zeitung von zimmer zu zimmer /
und endlich gar durch das ganze schlos lief. Wo zween oder drei Höflinge /oder
Hofjungfrauen / ja selbst Schüsselwåscherinnen beieinander stunden; da redete
man von nichts / als von diesem schönen Leibeigenen. Jederman war begierig ihn
zu sehen. Jederman verlangte nach dem morgenden tage. Ja ich halte gäntzlich
darvor / dass schweerlich eine / es sei Frau oder Jungfrau / im Königlichen
Frauenzimmer war / die sich nicht schon /vom blossen hören sagen / in ihn
verliebet. Auch darf ich wohl melden / dass das meiste Frauenzimmer / aus
alzuheftigem verlangen / dieselbe nacht schlafloss verschlossen. Kaum war der tag
angebrochen / als sie schon alle in dem fenstern lagen. Die meisten hatten sich
auch so aufgebutzt / und so ausgezieret / als wan sie denselben tag / als Breute
/ sollten zur traue gehen. Gleichwohl hat keine von allen das Glück gehabt
denselben / den sie zum Breutigam wündschten / in der nähe zu sehen / viel
weniger zusprechen. Mir alle in hat itzund das Glück so günstig sein wollen / dass
mir beides widerfåhret. Und darüm darf man sich nicht verwundern / dass ich im
ersten anblikke schier aus mir selbst gewesen.
    Drei stunden waren vom tage schon verlauffen / als der ruf in das schlos
drang: der schöne Leibeigne sei jetzt auf dem wege. Da ward vollend alles rege.
Die Küchenmägde selbst lieffen / von ihrer arbeit / auf den schlosplatz. Ich
wollte dann auch die letzte nicht sein. Bisher war ich noch mit den kleidern
meiner Fürstin geschäftig gewesen. Aber nun trieb mich die neugierigkeit auch
ans fenster. Kaum war ich / wiewohl etwas unachtsam / hinzugeträhten / als ich
desselben / den iederman zu sehen so sehr verlangte /schon von ferne gewahr
ward. Mich deucht / ich fühle noch jetzt die wunde / die sein allererster anblik
meinem hertzen gegeben. Wie dem andern Frauenzimmer zu muhte gewesen / lasse ich
ungesagt. Allein dieses kann ich sagen / dass ich sie alle / teils bestürtzt /
teils erstumt / teils erstarret / ja wohl gar vernarret / dass ich so reden mag /
gesehen. Zu ihrer aller glück war der König eben bei der Königin. Auch blieb er
alda noch eine guhte weile stehen. Indessen mussten die Kaufleute / mit dem
schönen Leibeignen / auf dem schlosplatze / vor unserem gesichte / warten. Ja
ich gleube / dass das meiste / wo nicht ganze Frauenzimmer wündschete / dass
solches warten etliche tage lang gewähret: solch- eine ergetzung schöpften sie
in dieser schönheit. Aber der Königin was zu freimühtig ausgelassene worte von
diesem schönen Wunder verursachten endlich den König sich in den Verhörsaal zu
verfügen / ja gar zu entschliessen / das so schöne Geschenke zurück zu senden.
Und also ward er / vor unsern augen / wiewohl alzugeschwinde vorüber /wieder in
die stadt geführet.
    Hatte uns kurtz zuvor seine ankunft bestürtzt gemacht / so machte uns sein
so jähligen entstandenes scheiden noch tausendmahl bestürtzter. Uns war eben zu
muhte / als wan wir nur einen flüchtigen schatten gesehen. Es war auch in der
taht ein schatte. Dan als wir vermeinten ihn in den hånden zu haben / flohe er
darvon; und wir hatten weniger / als nichts. Niemand war mehr betrogen / als
wir. Wir alle hatten gehoffet /wir würden nunmehr seiner Gesellschaft lange zeit
geniessen. Aber diese Hoffnung ward uns zu wasser. Kein schnee kann von der
sonnenhitze schneller zerschmeltzen / als dieselbe zerschmaltz. Ja mit ihr
zerschmaltz auch / und ward vereitelt alle unsere lust /alle unsere freude:
darauf sich das ganze Frauenzimmer gespitzet. Hiervor hatte es nun nichts
anders / als unlust und trauren. Wan ich an meine Fürstin gedenke / wie sie über
seinen verlust so jämmerlich kärmete /so hertzlich erseufzete; so deucht mich /
ich werde noch itzund / aus erbärmnüs / mit wehleiden geschlagen. Von andern will
ich nicht sagen: die immer eine die andere / durch wehklagen / zum wehleiden
anreitzeten.
    Josef hatte diese reden halb mit verdrusse / halb mit vergnügung angehöret.
Es verdros ihn / dass man sich alzuviel an seiner so nichtigen schönheit
vergaffete / ja gar vernarrete. Hingegen vergnügte ihn zugleich / dass man
dadurch gleichsam ein hertzliches mitleiden / seines elendes wegen / und ein so
guhtes gemühte / ihm dasselbe zu benehmen / oder zum wenigsten zu erleichtern /
spühren liesse. Die Jungfrau wollte noch mehr erzählen: aber Josef fing ihr das
wort auf. Ach! sagte er / was kann doch schönes sein an einem so elenden und
verstossenem menschen / als ich bin? Es ist eine blosse höfligkeit / ja übermässige
guhtahrtigkeit des Egiptischen Frauenzimmers / dass es einen armen fremdling /
einen sonst verachteten Leibeignen so gar hoch erhöbet. Wiewohl ich sehr ungern
von einer schönheit / die man an mir zu sein wähnet / reden höre; so mus ich
dannoch auf ihre so offenhertzige reden / eben so offenhertzig bekennen /dass mir
dieselben nicht übel gefallen. Ich habe daraus ihr guhtes gemühte erblickt; ja
ihre hertzliche zuneugung zu mir. Und dass sie mir nicht etwan eine blaue dunst /
sich mir gefällig zu machen / vor die augen mahlen wollen / kann ich ihr an ihren
augen wohl ansehen. Sie hat aus dem grunde des hertzens geredet. Ihre gedanken
hat sie mir nakt und bloss / und ohne einigen falschen überzug oder schmünke
eröfnet. Ja sie hat anders nichts geredet / als was sie gemeinet. Das weis ich.
Das stehet vor ihrer stirne geschrieben. Das zeigt das unfalsche wesen der
reinen und züchtigen blikke ihrer liebseeligen Augen an. Ja der ümzug / die
bildung / die züge / und das sämtliche wesen ihres ganzen angesichtes seind mir
dessen gewisse zeugen. Die sitzamen gebehrden ihres übrigen ganzen leibes
bekräftigen eben dasselbe. Aus einem munde / der sich mit solcher schaamhaftigen
bewegung eröfnet /kann kein falsches wort gehen. Und eben darüm können mir ihr
reden anders nicht als angenehm sein.
    Josef hatte ihm vorgenommen die Jungfrau von seinem eigenen selbstande ganz
ab zu lenken. Dan es war ihm zuwider / so viel von sich selbst zu hören. Und aus
diesen Ursachen hatte er sich / ihre sinnen und gedanken auf sie zurückke zu
wenden / bisher bemühet; damit sie sich in ihr selber zu spiegeln anlass
bekåhmen. Ja nun trachtete er sie gar aus ihrer ganzen Gesellschaft zu entfernen
/ und an einen solchen ort zu führen / da sie noch weniger gelegenheit hetten
auf ihn zurückke zu prallen. Die Jungfrau / sagte er /hat im begin ihrer rede
Fürst Potifars gedacht. Von dem habe ich auch in meinem Vaterlande gehöret. Er
mus gewis ein grosser man sein / und bei dem Könige in hohem ansehen.
    Ja freilich ist er / nahm sie ihm das wort auf / so gross / dass er nach dem
Könige die dritte stelle besitzet. Er ist nicht allein der oberste königliche
Küchenmeister / und der oberste Halsrichter / den der König über alle
gefängnüsse / ja über leben und tod aller seiner untertahnen zu walten und zu
schalten gesetzt; wie ich zum teile schon gesagt: sondern er ist / auch ein
Fürst aller fürsten aus dem Rahte des Königes. Er ist der oberste Hauptman der
ganzen Ritterschaft /und des ganzen Reichs Mahrschalk. Zu allen diesen hohen
würden hat ihn seine fürtrefliche geschikligkeit erhoben Dan ausser dem / dass
ihn seine angebohrenheit mit den allerherrlichsten gaben / die ein solcher
tapferer Fürst iemahls besitzen mag / mildiglich ausgezieret / ist er auch so
gelehrt und erfahren in allen dingen / dass seine weisheit fast unvergleichlich.
Diese so wohl göttliche als weltweisheit hat er in seinen jugendjahren von den
Priestern zu Heliopel eingesogen. Da ist er geboren. Unter denen ist er
erzogen. Von denen hat er die kunde der Göttlichen geheimnüsse /der
verborgenheiten der Natur / und alle fürtrefliche wissenschaften erlanget. Mit
denen hat er sich in ihrer heiligen Sprache geübet: welches sonst keinem
ausserhalb der Priesterschaft vergönnet wird. Und eben darüm ist er auch
bestimmet / nach des hochbejahrten Heliopolischen Ertzbischofs ableiben / diese
hohe und heilige würde zu betråhten: zumahl weil er ein gebohrner und selbst aus
Königlichem bluhte entsprossener Fürst ist. Hierzu kommet auch noch dieses / dass
er / wiewohl er im ehestande lebet / itzund vor unfruchtbar geurteilet wird.
    So hat er dann keine Leibeserben gezeuget? fiel ihr Josef in die rede. Er hat
zwar / fuhr die Jungfrau fort /bei der einen seiner Gemahlinnen zwei Kinder /
ein Freulein / und ein junges Herrlein gehabt; davon dieses erst neulich
gestorben: aber nach der zeit ist er /wie man saget / unfruchtbar worden. Das
Freulein /welches noch lebet / heisset Assenat: die der hochfürstliche Vater
nicht lange nach ihrer gebuhrt den Göttern geheiliget; wie ihm der göttliche
Ausspruch befohlen. Woher und wie / fragte Josef abermahl / hat man diesen
Ausspruch bekommen; und was hielt er eigendlich in sich? Ich will ihm alles /
antwortete die Jungfrau / vom begin an erzählen.
    Potifar war schon etliche jahr verehligt gewesen: aber die Götter hatten
seine Gemahlin noch nie mit Leibes früchten geseegnet: welches ihn sehr
schmertzete. Als sie nun endlich / im fünften jahre ihrer ehe / mit einem sehr
schönen Freulein / nähmlich der unvergleichlichen Assenat / niederkahm; da war
der hochfürstliche Vater so froh / dass er vor grossen freuden nicht wusste / was
er beginnen sollte. Erstlich richtete er ein grosses und sehr köstliches
Kindermahl an. Darauf erschien der König / mit seiner Gemahlin /selber: welche
dieses neugebohrne Freulein / dem Vater zu liebe / vor ein Königliches Kind und
eine Tochter des Reichs erklähreten. Die fürnehmste Reichsfürsten / samt des
Königes hohen Beamten /stelleten sich gleicher gestalt ein. Dieser tag war der
fröhlichste / den ich meine lebetage gesehen. Alle freude / die man erdenken kann
/ war alda zu finden. Die schällenspiele klungen. Die seiten sprungen. Die
sänger sungen. Die trompeter bliesen. Die pfeiffer pfiffen. Die reientäntze
warden geschwungen. Ja alles / was beweglich war / begunte vor freuden zu
hüpfen. Und diese überschwängliche Lust währete vom mittage bis in die sinkende
nacht.
    Acht tage nach solchem Fürstenmahle stellete der fröhliche Vater auch ein
Priestermahl an. Hierzu warden die fürnehmsten Priester von Heliopel / samt dem
Ertzbischoffe / geladen. Dieser gab der jungen Assenat / nach so viel tausend
glückwündschungen / die man innerhalb zwölf tagen dem Herrn Vater getahn /auch
endlich den seegen. Er legte die hände kreutzweise über des Freuleins heupt /
und sprach: Der allergühtigste Gott Osiris seegne dich / und lasse dich wachsen.
Die allerliebseeligste Isis / die zweifache Gotteit / gebe dir langes leben /
gesundheit / wohllust und freude. Ja alle Götter des Himmels und der erde wollen
alle wündsche / die deinem Vater / dir zu liebe / geschehen / aufs beste
erfüllen. Du heissest Assenat. Ja schöne heistu. Schöne wirstu sein an deinem
leibe: darüm werden dich lieben die Fürsten. die Gewaltigen werden dich ehren.
Schöne wirstu sein an deiner seelen: darüm werden dich lieben die Götter. Der
Himmel wird dich ehren. Nach volziehung dieses seegens setzte sich der
Ertzbischof / samt der anwesenden Priesterschaft / zur tafel: welche schon
gedekt / und mit köstlichen speisen besetzt stund. Dieses Priestermahl ward eben
so fröhlich / als jenes / volzogen.
    Nachdem nun solche algemeine freude vorbei war /entschlos sich Potifar die
Götter zu fragen: wie man dieses Freulein am besten erziehen / und was es
endlich vor ein Glück haben sollte? Die Götter waren über vier jahr mit der
Assenat / sie im mutterleibe zu bilden / geschäftig gewesen / ehe sie dieselbe
zur ausgebuhrt kommen lassen. Darüm war der frohe Vater in alwege neugierig zu
wissen / was doch aus einem solchen Kinde werden würde. Und diese neugierigkeit
trieb ihn so an / dass er sich / straks nach der Entschliessung / samt der
Assenat / wiewohl sie nur drei wochen alt war / als auch ihrer Amme / nach
Heliopel begab. So bald er in dieser heiligen stadt /dem Ertzbischoflichen sitze
des ganzen Königreichs /angelanget / konnte er kaum so lange warten / bis der
Ertzbischof sich angekleidet / mit ihm in das Heiligtuhm der Sonne zu gehen.
    Alhier war es / da man das Freulein Assenat vor dem Sonnenbilde niederlegte.
Der Ertzbischof tåht erst sein gebeht. Darnach traht er zu einem Betten; welches
vor dem Sonnenbilde mit Nielwasser gefüllet stund. Alda sprach er etliche
beschworungsworte: und Potifar selbst täht seine jetztgemeldte zweifache frage.
Straks hierauf begunte sich das wasser zu bewegen. Es sprang wållen- oder
vielmehr hügel-weise in die höhe. Das war ein zeichen / dass die Gotteit sich /
die frage zu beantworten / hinein begeben. Darnach drehete sich das wasser / als
in einem kreuse / herüm. Endlich hörete man ein dunkeles zischen / mit einer
gleichsam lispelnden stimme: daraus man diese worte ganz eigendlich vernehmen
konnte.
Imfal man dieses Kind mir heiligt straks itzund:
so wird es / wan der Niel ist zwanzig mahl gestiegen /
in eines Fremden arm' aufs höchst' erhöhet liegen.
Egipten / schikke dich zu ehren beider mund.
    Weil nun Potifar diese des Sonnengottes Aussprache nicht eigendlich
verstehen konnte; so ging er mit dem Ertzbischoffe eine guhte weile darüber zu
rahte. Im ersten reimbande war seiner frage vörderstes teil zwar deutlich genug
beantwortet: nähmlich dass er seine Freulein tochter alsobald dem Sonnengotte
heiligen sollte. Aber wie und auf wasserlei weise solches begehret würde / war
nicht angedeutet. Doch machte er diesen schlus. Weil er selbst gefraget / wie
man das Freulein Assenat am besten erziehen sollte? dass des Sonnengottes Meinung
sei / dass sie zu Heliopel / in der Sonnenstadt / weil er alda sein Heiligtuhm
und wohnung hette / müste erzogen / und in solcher erziehung / gleichsam von der
Welt abgesondert werden.
    Schwerlich konnte Potifar sich hierzu entschliessen. Schweerlich konnte er so
gar bald von seiner lieben Tochter scheiden: darüm er die Götter / ehe er sie
erlanget / mit so viel tausend seufzern / so lange zeit angeflöhet. Doch weil
der Sonnengott selbst / der das Auge der ganzen welt ist / welches all es
sieht / ein väterliches auge auf sie zu haben sich gleichsam erklähret; so gab
er sich endlich willig darein / sie aus seinen augen zu lassen. Ja solches täht
er üm so viel williger; weil er hofnung hatte in kurtzer zeit selbst zu Heliopel
zu wohnen. Dan der Ertzbischof / sprach er bei sich selbst / ist schon so hoch
bealtert / dass er nicht lange mehr leben kann. So bald er stirbet /komme ich in
sein Ertzbischoftuhm / und dann zugleich wieder zu meiner Tochter. Hierauf fragte
er den Ertzbischof: wo / oder wem er seine Tochter / damit sie den Göttern
gebührender massen möchte geheiliget werden / hinterlassen sollte? Dieser gab ihm
zur antwort: Er kann sie auf der Sonnenburg lassen / welche alda gerade gegen
meinem schlosse über lieget. Und hiermit täht er das Fenster auf / und zeigte
sie dem Potifar. Sie stehet doch / fuhr er fort / ohne das ledig. Assenat kann
sie / mit ihrem Frauenzimmer / wohl bewohnen.
    Wer war froher als Potifar / als er von der Sonnenburg hörete. Diese war vor
seine Tochter die rechte wohnung: welche die Götter durch den nahmen selbst
darzu bestimmet / und eben unbewohnet gelassen zu haben schienen. Alda konnte sie
überaus wohl von der welt abgesondert leben / und wan sie erwachsen /
ungehindert den Göttern dienen. Dan sie ist rund herüm mit zimlich grossen gärten
und vorhöfen ümgeben: und diese seind mit einer hohen und starken mauer ümzogen;
durch welche vier tohre / mit eisernen tohrflügeln / nach der Burg zu gehen. Und
also kann Assenat von keinem menschen in ihrer Gottesfurcht gestöhret werden;
weil niemand einiger zugang vergönnet.
    Auf diese Burg ward dann Assenat / mit ihrer Amme / von stunden angebracht.
Auch lies man starks alle zimmer mit köstlichen prunktüchern auszieren / und mit
andrem haus- und zier-rahte überfliessig versehen. Potifar hatte beschlossen /
dass kein einiges mansbild / so lange sich Assenat alda aufhalten würde / auf
diese heilige Burg / kommen sollte. Darüm musste sie von lauter weibesbildern
bedienet werden. Zur küche /zum keller / und andern dergleichen dingen / ja
selbst zum anbau und wartung der Gärte / bestellen man niemand anders / als
weibesvolk. Nur allein die tohre warden / ein iedes / achtzehen geharnschten
Kriegsknechten zu bewachen anvertrauet. Doch sollte keiner das hertz haben durch
diese tohre hinein zu trähten. Und solches alles geboht und verboht er bei
leibesstrafe. Damit aber die nunmehr geheiligte Assenat auch einige geheiligte
Spielgeselschaft haben möchte / so lies Fürst Potifar sieben Töchterlein /
welche mit seiner Freulein tochter in einer nacht geboren / und aus
ansehnlichen geschlechtern entsprossen / hier und dar aufsuchen. Diese alle
warden / mit ihren Ammen /ebenmässig auf die Sonnenburg gebracht. Alda sollten sie
mit der Assenat erzogen / und künftig / wan sie erwachsen / zu ihren
Stahtsjungfrauen gebraucht werden.
    Nunmehr haben sie alle / die Fürstin / und ihre sieben Spiel- oder
Kammer-jungfrauen / beinahe dass neunde jahr erreichet. Und eben so lange seind
sie auf dieser heiligen Burg gewesen. Vor ohngefåhr vier jahren hat man ihnen
eine Lehr- und Hofmeisterin zugeordnet. Diese ist eine sehr verständige und
tugendvolkommene Frau / aus einem vornehmen adlichem geschlechte. In ihrer
jugend hat man sie in aller Egiptischen weisheit / sonderlich die den
Gottesdienst angehet / unterwiesen: und hierinnen unterweiset sie wieder die
junge Fürstin Assenat / mit ihren sieben Gespielen.
    
    Es seind keine sechs wochen verlauffen / da sie die Königliche Fürstin
Nitokris / als der Assenat nahe Bluhtsverwantin / die ich selber begleitet
habe / besuchte. Ich hatte viel von dieser jungen Fürstin unvergleichlicher
schönheit und wunderwürdigen geschikligkeit gehöret. Darüm war ich so lüstern
sie zu sehen / dass ich meine gnädigste Fürstin inständig anflöhete / mich vor
andern mit zu nehmen. Und also sah ich das schöne Wunder / das Bild aller
tugend und zierligkeit. Ich hatte mir zuvor niemahls einbilden können / dass sie
so gar schöne sei / als der gemeine ruf ging. Aber nun befand ich in der taht /
dass man ihr nicht zuviel / aber wohl viel zuwenig Schönheit zugeschrieben.
Darauf starks im ersten anblikke mein auge fiel /das waren ihre Augen. Darinnen
vergafte und vertiefte / ja verirrete sich mein auge dermassen / dass es sich
daraus so bald keines weges zurückfinden / noch daran sat genug sehen konnte.
Diese allerschönsten åugelein /diese kleine sonnen verursachten / so waren meine
blikke in ihren blitzlenden flämmelein verwürret / dass ich meiner augen eine
lange weile nicht so viel mächtig sein konnte / die übrigen leibesglieder dieses
unvergleichlichen Engelbildes an zu schauen. Ja es waren /durch dis
liebeflinkern / selbst alle meine sinnen so gar aus mir herausgerükt / und so
tief in dis karfunkellicht entzükket / dass ich anfangs ihre so klahre / so reine
/ so lieb- und hold seelige sprache nicht hörete. Je länger ich der schönsten
Assenat äuglein betrachtete / ie mehr ich veränderungen ihrer blikke fand. Und
ein blik war immer schöner / als der andere: einer war immer lieblicher / als
der andere: einer war immer sanfter / als der andere. Endlich kahmen die
hertzentzükkenden hauffenweise herausgedrungen / ja geschossen. Diese waren so
überaus scharf / und so mächtig / ja so durch alles hindringende / dass das
stärkste hertz selber sich ihrer nicht zu erwehren vermochte. Ja ich lasse mich
leichtlich bereden / dass sich der allerschlaueste und allerbehändeste vor
solchen so tausenterlei bewegungen nicht genug hühten sollte. Doch was will ich
viel sagen / eine einige bewegung ihrer süssen englischen Euglein bewog mehr /
als tausend anderer auch wohl der schönsten menschlichen augen. Ja sie hatte
nicht nöhtig / iemandes gunst zu gewinnen / den Limischen Bilderstein Hajaracht
zu tragen.
    Als ich mich nun endlich aus den strahlen oder vielmehr schleifstrükken und
dohnen dieser wunderschönen Eugelein los gemacht: da lies ich meine durch jene
entzündeten blikke auf das allerlieblichste Röselein ihres zahrten Mundes
fliegen / sie durch dessen zukkersüssen honigtau / wieder ab zu kühlen. Alda ward
nicht nur mein auge / sondern auch mein ohr entzükt. Ja mein mund schlos sich
vor ihrem zu: und meine zunge machte die ihrige verstummet. Ich sähe die
lieblich- und lebendig- ja hoch-rohten Lippen: die als ein anmuhtiges
Zukkerröselein / zwischen dem angenehmen hochweissem schnee ihrer liljenhaut
herfürblinkten. Ich schauete mit verwunderung an / wie sie dieselben so ahrtig /
so zierlich zu bewegen wusste. Ich hörete / man sie sich / in solcher
wohlanständigen bewegung / auftähten / eine recht Englische stimme. Ja / worüber
ich gar bestürtzt ward / ich vernahm /aus ihren süssen und zugleich
majestähtischen reden /einen hohen verstand / eine ganz durchdringende kraft
der vernunft und sinnen. Ich wusste nicht / ob ich einen Menschen / ein
Frauenzimmer / oder einen Halbengel sprechen hörete: oder aber ob es gar ein
volkommener Engel sei / der seinen himmel verlassen /uns gebrechlichen menschen
seine himlische volkommenheit blikken zu lassen. Ich sah die Wunderfürstin zwar
euserlich vor ein Freulein von acht jahren an. Und das war sie auch. Mehr jahre
hatte sie nicht. Aber wan ich sie innerlich betrachtete / wan ich ihren
fürtreflichen verstand / in ihrer rede / hörete / und in ihren so überaus
hertzentzükkenden gebehrden erblikte; so wusste ich nicht / was ich von ihr
urteilen sollte. Ich musste gestehen / dass ihre achtjährige jugend so manches
zwanzig- ja dreissig jähriges alter übertraf. Ich musste bekennen / dass sie / so
jung als sie war /eben so reif am verstande sei: und dass sie dadurch ein
volwachsenes Frauenzimmer beschähmete. Ich musste / dann anders konnte ich nicht
urteilen / so hochvernünftig führete sie ihre reden / dass in der galten welt
kein Frauenzimmer zu finden / das weiser sei / oder nur an weisheit ihr gliche.
Es war mit lust an zu sehen / es war mit ergetzligkeit an zu hören; wie sie
meine Fürstin so gar höflich / so überausliebseelig / und mit so sehr füglich
angebrachten worten empfing. Ein iedes wort hatte einen sonderlichen nachdruk.
Kein einiges ward leer ausgesprochen. Nicht eines war überflüssig. Alle
miteinander ziereten ihre rede aus der massen / ja so / dass nicht eines konnte
entbehret werden. Und es schien / dass sie zuvor alle und iede auf der goldwage
ihres verstandes abgewogen / ehe sie eines darvon über die behände zunge heraus
schiessen lies.
    Wir verharreten bei ihr drei tage. Diese drei tage kahmen uns kürtzer vor /
als drei vierteilstunden an unserm hofe. Dan diese zeit über hielt sie uns / so
lange der tag währete / auch wohl zu weilen schier eine halbe nacht / fort und
fort Gesellschaft. Der tag war kaum angebrochen / verlangte meine Fürstin schon
die schöne Assenat zu sehen: welche auch ihr zu liebe früher aufstund / als sie
sonst gewohnet. Dan diese zwo Fürstinnen liebsten einander dermassen /dass keine
der andern in der liebe nachgab. Und ob sie schon so ungleiches alter hatten /
indem Nitokris bei sechs jahren älter war / als Assenat; so schienen sie
gleichwohl eine seele zu sein; Ihre hertzen hatten sich gleichsam so
zusammenverbunden / dass eine ohne die andere kaum leben konnte.
    Nitokris wündschte wohl tausendmahl / dass Assenat an unserem hofe / und in
ihrem zimmer wohnen möchte. Und Assenat wündschte / dass Nitokris auf der
Sonnenburg bleiben müste. Aber alle diese wündsche waren vergebens. Es musste
doch endlich geschieden sein. Wir mussten wieder nach Memfis: und Assenat musste
zu Heliopel bleiben. So hatte es das unümgängliche verhängnüs der Götter
versehen. So wollte es Nefrem / und Potifar haben. Jener schrieb alle tage / dass
wir wieder nach hofe kommen sollten: dann er konnte kaum einen tag ohne die
Königliche Fürstin leben / so hertzlich lieb war ihm seine Tochter. Dieser hatte
ein unveränderliches gelübde getahn / dass Assenat nicht eher von der Sonnenburg
kommen sollte / als bis es den Göttern selbst beliebte /sie / durch den Fremdling
/ in dessen armen sie liegen sollte / von dannen abhohlen zu lassen. Und darüm
durfte sie nicht von dannen. Sie musste bleiben / wohin sie ihr Herr Vater
gleichsam verschlossen.
    Alhier bei diesen letzten worten / erkühnete sich Josef / der Hofjungfrau in
die rede zu fallen. Aber /fragte er / was vor eine deutung schlos Potifar aus
dem andern teile des Göttlichen Ausspruches? Davon hat die Jungfrau noch keine
meldung getahn. Ich zweifele nicht / Potifar / der in der Egiptischen so wohl
göttlichen / als weltlichen weisheit / wie sie vorhin selbst sagte / erfahren
ist / werde desselben auslegung auch eben so nahe / als des ersten / getroffen
haben. Und was ihm darinnen gemangelt / hat vielleicht der Ertzbischof selber
/ als ein alter / in dergleichen dingen lange geübter und hocherfahrner Herr /
ohne sonderliche mühe / die wahrheit errahten können.
    Auf diese reden gab die Hofjungfrau zur antwort: sie hette von ihrem
gnädigsten Fräulein gehöret / dass so wohl der Ertzbischof / als Fürst Potifar
selber /die letzten drei reimbände also ausgeleget. Nähmlich /dass auf eine
gewisse zeit / welche die Götter ihrer alwissenheit allem vorbehalten / und also
nicht nennen wollen / da der Niel zwanzig ellen hoch / das ist auf das höchste /
gewachsen / ein Fremder ausländischer Herr der Assenat würde vermählet werden.
Und dieser Herr sollte / üm der Assenat willen / von den Egiptern / weil sie aus
ihnen entsprossen / und er selber sie mit seiner beredsamkeit an sich ziehen
würde / so wohl / als Assenat / sehr hoch geehret werden.
    Wie verhelt es sich eigendlich / fragte Josef abermahl / mit dem anwachse
des Niels? Ich habe viel darvon / aber noch nie die rechte beschaffenheit
gehöret. Man hat mich berichtet / dass es im Egipten / sonderlich üm Memfis herüm
/ niemahls regnet: daher das erdreich so austruknete / dass es an vielen enden
sich einer manslänge tief voneinander spaltete; und wo es von menschen oder vieh
betråhten würde / vielmahls einen so dikken staub von sich gebe / dass er schier
die ganze luft verfünsterte / und den reisenden sehr beschwerlich fiele. Aber
die Göttliche vorsehung were diesem unheile / damit es das ganze Egipten nicht
als zu eines staubsee machte / zuvorkommen. Sie hette den mangel des regens /
durch den auf- und über- lauf des Niels / reichlich erstattet. Sie hette
verschaffet / dass dieser flus alle jahr einmal / und zwar in der dürresten zeit
/ überlauffen / und also das erdreich befeuchten / ja durch den aufgeführten
fetten schlam gleichsam misten / und zum akkerbaue geschikt machen müste. Wie es
nun mit diesem auf- und über-lauffe des Niels eigendlich zugehet / ist mir nicht
erzählt. Darüm verhoffe ich so bittseelig zu sein /dass ich solches aus ihrem
leutseeligen und verständigen reden schöpfen möge. Und dasselbe verlange ich üm
so viel mehr zu wissen; damit ich gründlich urteilen könne / ob die erzehlte
auslegung des Göttlichen ausspruches in allen stükken / dem eigendlichen
verstande nach / getroffen sei. Dan ich lasse mich bedünken / dass gemelte
Erklährung vom dem wahren und rechtem grundziele zimlich weit abweichet / und es
nur seitwärts und nebenhin berühret.
    Die Jungfrau war über diesen reden sehr erfreuet. Ja sie verlangte gleichsam
mit schmertzen / eine neue und nähere Erklährung der dunkelen worte des
Göttlichen ausspruches zu vernehmen. Was vor einen angenehmen dienst / dachte
sie bei sich selbst / werde ich der Königlichen Fürstin tuhn / wan sie dieselbe
aus meinem munde wird erzählen hören. Was vor einen lieben dank werde ich bei
der liebreichen Assenat erwerben / wan meine feder ihr solches offenbahren wird.
Ja mit was vor gnädigen anblikken wird Fürst Potifar selber mir begegnen: und
was vor eine gnädige Frau werde ich wohl an der Fürstin Toote / des Freuleins
Assenat Frau Mutter / bekommen; wan ich ihnen dieses werde erzählen müssen. Dan
ich weis /die Königliche Fürstin wird nicht lange schweigen können. Sie wird es
der Fürstin Toote bald offenbahren; sonderlich wan dieses schönen Jünglings neue
Erklährung der Assenat ein grösseres Glück / wie ich verhoffe / als die erste /
verheisset. Ohne zweifel wird sie es tuhn. Ohne zweifel stekt was grosses
darhinter. Ich sehe es diesem schönen Jünglinge an den augen an. Und darüm will
ich ihm üm so viel lieber wilfahren. Darüm will ich ihm alles eröfnen / was ich
weis; und solches bald bald.
    Wohlan dann / sagte sie zum Josef / weil er das vertrauen zu meiner wenigen
wissenheit träget / dass sie ihm mehr als ihm bewust ist / wiewohl ich aus seinen
reden sehe / dass er schon viel weis / zu offenbahren geschikt sei; so will ich
seine bitte vor einen befehl annehmen / und diesem zur stunde gehohrsamlich
nachleben. Ich bin nur eine einfältige Jungfrau. Ich bin nicht geschikt meine
reden ordentlich vor zubringen. Darzu weis ich sehr wenig. Doch was ich weis /
will ich alles entdekken: und geschiehet solches schon durcheinander verworfen;
so lasse ich mich doch damit vergnügen / dass ich seinem befehle so guht / als ich
kann / gehorche. Sein verstand wird das verworfene schon ordentlicher entwerfen.
Seine geschikligkeit wird das verworrene schon auseinander entwürren. Und seine
scharfsinnigkeit wird aus meiner undeutlichen rede gleichwohl den rechten sin
und die rechte bedeutung zu ziehen wissen.
    So bald der liebliche Mei- oder Rosen-mohnd vorbei ist / und der rükgängige
Kräbs / im Liljenmohnde / die Sonne von ihrer höchsten strasse / wieder nach
unten zu / gleichsam kräbs- oder rük-gängig gemacht: dann fället in der nacht
über das Erdreich alhier ein fruchtbahrer Tau. Dieser wird zwar des tages / der
grossen dürre wegen / nicht vermärket: doch gleichwohl ist er ein gewisses
zeichen und ein unfehlbarer vorbohte des im wachstuhme begriffenen Nieles. Auf
den sechs oder sieben und zwanzigsten tag des Kräbs-oder Liljen-mohndes fänget
sich dieses wachsen bei uns gemeiniglich an. So lange die Sonne im Kräbse
bleibet / wird der anwachs zwar noch wenig gespühret. Etwan zwee oder drei
finger breit hoch erhöbet sich der Niel auf ieden tag. Wan sie aber in den Leuen
trit / und der Hundesstern aufgegangen / dann steiget er immer höher und höher.
Dan wächset er erst einen halben fuss / darnach eine spanne: endlich gar eine
elle / und so fort zu zwölf / vierzehen / sechzehn / ta aufs höchste zu zwanzig
ellen zu: welches aber gar selten /und nur zu unsrem schaden / sonderlich wan er
solche zwanzig ellen noch überschreitet / geschiehet. Wan er nicht höher als
zwölf ellen wächset / wie es zu weilen sich zuträgt; dann hat man ein mis- und
hungersjahr zu gewarten. Wächset er dreizehn ellen hoch / dann bringt er wohl
etwas / aber noch wenig fruchtbarkeit mit sich. Wan er aber vierzehen ellen
erreichet / macht er das ganze Egipten / durch die hofnung einer reichen ärnte
/ fröhlich. Komt er auf funfzehen ellen in die höhe / so verheisset er uns
getreidigs volauf. Ja wan er noch eine elle höher steiget / dann haben wir aus
einer mehr als reichen ärnte / allerlei wohllust / und einen milden überflus
aller dinge zu gewarten. Seine höchste höhe hat er gemeiniglich / wan die Sonne
mitten im Leuen ist. Alsdan stehen alle lånder und äkker mit wasser
überschwämmet. Und also tränket er das erdreich / wan es am durstigsten ist.
Also machet er es fet / wan es am magersten ist. Ja er tränket es so wohl / und
macht es so fet / dass es ein ganzes jahr genug hat. Von dieser zeit an beginnet
er wieder zu fallen: aber viel viel langsamer / als er gestiegen. Dan er bleibet
fast in derselben höhe / bis die Sonne in die Jungfrau geht. Da sinket er
algemach / und lauffet von den ländern mehr und mehr ab. Um das ende des
herbstmohndes / wan die Sonne in der Wage stehet /ist er erst volkömlich von den
äkkern abgelauffen /und wieder in sein eigenes ufer gefallen. Und also pfleget
der Niel / wie er nach dem längsten tage zu steigen begonnen / erst recht von
den feldern in seinem busem gefallen zu sein / wan man im herbste tag und nacht
gleich gesehen. Alsdan wird / nicht lange darnach / in den feuchten schlam /
damit er das erdreich gleichsam übertünchet / und alle aufgespaltene ritzen
gefüllet / der samen ausgesået. Nach dieser saarzeit / die gemeiniglich mit dem
weinmohnde zu ende leuft / stehet gleichwohl der Niel in seinem busen noch sehr
hoch; und verharret in solchem stande fast den ganzen winter durch. Darnach
beginnet er immer mehr und mehr zu fallen. Und dieses fallen währet bis zum
ausgange des Rosenmohndes im folgenden jahre / ja oftmahls noch länger /
nähmlich so lange / bis der neue anwachs seinen anfang gewinnet.
    Aber woher entspringet der Niel? fragte Josef noch weiter: und wie komt es /
dass er eben mitten im sommer / da man die gröste hitze hat / da es / in den
meisten ländern / am wenigsten regnet / und die luft /samt dem erdreiche /
sonderlich in Egipten / am dürresten und truknesten ist / so hoch / ja selbst
oftmahls zu zwanzig ellen zu / und drüber / in die höhe steiget /und viel
ümliegende länder weit und breit überschwämmet? Es müssen ohne zweifel üm diese
zeit daselber / da er seinen uhrsprung gewinnet / nach der sonderlichen
beschaffenheit desselben luftstriches / grosse schlag- und platz-regen sich
niederstürtzen. Auch kann es wohl sein / dass alda grosse und hohe gebürge / mit
schnee überdekket liegen: welcher schnee von der grossen sonnenhitze üm diese
jahrszeit schmältzet / und den Niel / sonderlich wan gemelte stürtzregen darzu
kommen / so jähligen und so über die mässe schwängert. Sonsten kann ich nicht
begreiffen / wo eine solche mänge wassers so eilend und so gar plötzlich
herkommen sollte: sonderlich weil es hier zu lande das ganze jahr durch gar
nicht / als nur nahe bei der see sehr wenig zu regnen pfleget.
    Hierauf gab die Jungfrau zur antwort: diese beide fragen zu erörtern
befindet sich meine wissenschaft zu klein / meine kündigkeit zu schlecht. Sie
handeln von solchen dingen / die sich ausserhalb Egipten begeben. Die seind
meinem verstande fremde. Gleichwohl will ich ihm auch von diesen fremden dingen
etwas / ja so viel als mir bewust ist / entdekken.
    Ich weis mich noch wohl zu besinnen / was der Ertzbischof von Heliopel / als
er mit der Königlichen Fürstin / dieser sache wegen / vor etlichen Wochen
sprache hielt / hiervon geurteilet. Nähmlich dass der Niel aus dem abendteile des
Königreichs Gojam / im Reiche der Abissiner ober weissen Mohren gelegen /seinen
uhrsprung hette. Alda liessen sich / im lande Sakela / auf einem sehr breiten
hügel eines tahles /welches rund herüm mit hohen bergen ümgeben /zwee Brunnen
einen steinwurf voneinander erblicken: welche man gemeiniglich des Niels augen
zu nennen pflegte. Diese Brunnen / wiewohl der ganze hügel inwendig vol wassers
were / davon auch seine ganze fläche vielmahls überaus zitterte und böbete /
lieffen gleichwohl nicht über. Aber ihr wasser stürtzte sich mit grosser gewalt
unten am fusse des berges heraus. Alda würde er zu einem flusse: welcher mit
vielen anderen flüssen hier und dar vermehret / durch unterschiedliche länder
und Königreiche / mit vielen krummen buchten herüm schweiffete / und endlich
nach Egipten zu seinen strohm fortsetzete.
    Woher aber dieses Wasser / fuhr der Bischof fort /davon das eingeweide des
berges / samt seinem ganzen bauche / vol ist / und unser Vater Niel entspringet
/ in gemelte zwee brunnen komme; hiervon walten unter den Naturkündigern
unterschiedliche meinungen. Ich will allein die meinige beibringen. Weil
dieselbige gegend / da man sagt / dass sich des Niels brunnen befinden / überal
mit sehr hohen bergen ümringet ist; so halte ich darfür / dass vom hange solcher
berge das regenwasser so wohl / als der zerschmoltzene schnee / in das tahl
herunter schiesst / und unter der gemelten breiten hügelfläche solches
gewaltiggrosse gewisser verursachet. Zudem kann es auch wohl sein / weil fast das
meiste Mohrenland vol dergleichen verborgener wasserhöhlen sein soll /dass einer
oder mehr flüsse / unter der erde hin / von den Mohnbergen oder anderswoher / da
sich vom gebürge viel wassers samlet / in mehr berührten Sakelischen berg
geflossen kommen / und sein eigenes wasser dermassen heuffen / dass der mächtige
Vater Niel daraus entstehet.
    Dass aber Flüsse unter der erde gefunden werden /ist nichts neues. Helikon /
ein fllus in Mazedonien /nachdem er einen guten strich über der erde hin
geflossen / stielet sich gleichsam / oder kreucht in dieselbe hinein / und
schiesst so lange unter ihr hin / bis er / über zwanzig Griechische meilen /
sich wieder heraus begiebet. Mehr dergleichen beispiele beizubringen ist
unnöhtig. Dis einige sei uns vor dieses mahl genug.
    Wan nun auf dem Sakelischen gebürge / als auch auf den Mohnd- und anderen
bergen / in den heissen sommertagen / da zugleich auch in selbigen gegenden
überaus grosse schlagregen fallen / der schnee von der hitze der sonne
zerschmeltzet / und das schneewasser / samt dem platzregenwasser hauffenweise
nach den Nielsbrunnen zugeschossen kommet; so kann daraus anders nichts folgen /
als dass er Niel steigen / und endlich überlauffen mus. Hierzu kommen auch die
Hundeswinde / welche seinen strohm / sonderlich bei uns / zurückhalten / und
auftreiben; ja zugleich mit veruhrsachen / dass der Niel in unserem Reiche
etliche tage später steiget und überleuft / als an denen örtern /da er seinen
uhrsprung / aus so vielem herzufliessendem gewisser / gewinnet.
    So viel und mehr nicht habe ich von des Ertzbischofs reden / die er ganz
weitleuftig ausführete / behalten. Es waren dinge / darüm sich das Frauenzimmer
sonst wenig bekümmert. Es waren sachen /die wir den gelehrten an zu märken / und
zu erörtern befehlen. Sie gehen über unsern verstand / über unsern beruf / über
unsere geflissenheit; die sich so hoch nicht versteigen. Darüm habe ich sie bloss
mit einer überhinfliegenden achtlossheit angehöret. Ist mir nun im nacherzehlen
einiger irtuhm entschossen / so wird er es mir verhoffendlich nicht verübeln.
    Aber wir schweiffen von unserem hauptziele zu weit ab. Ich trage verlangen
sein urteil über obgedachte Erklährung des Göttlichen ausspruches / oder
vielmehr seine eigene neue zu vernehmen. Die zeit entschiesst uns unvermärkt: und
die stunde ist schon da / die mir zu scheiden gebietet. Mich deucht / ich sehe
meine Fürstin mir einen wink geben. Mich dünkt / ich höre / dass sie nach mir
fraget. Darüm / kann ich bei ihm auch so bitseelig sein / wie er bisher bei mir
gewesen; so lasse er ihm doch bald belieben / mein kühnes anmuhten zu vergnügen.
    Josef / der lieber reden hörete / als selbst redete /fing endlich solcher
gestalt an. Ich bin der Jungfer einen nicht geringen dank schuldig. Die schuld
/damit sie mich ihr verhaftet gemacht / kann ich schweerlich bezahlen. Mein
vermögen ist zu schlecht. Alles ist arm / was an mir ist. Die armuht ist mein
reichtuhm. Aber damit ist niemand gedienet. Damit kann ich nicht bezahlen / was
ich ihr vor ihre gehabte mühe / die ich ihr selber gemacht / zu bezahlen
verpflichtet bin. Doch gleichwohl will ich das hällerlein meiner armuht gegen
ihren dargereichten goldgülden setzen. Ja ich will das sandkörnlein meines
verstandes gegen den berg ihrer scharfsinnigkeit auf die wage legen. Sie will es
doch nicht anders haben. Sie gebietet: ich mus gehorchen. Und so rede ich dann /
was meine schwache vernunft zu ergründen / meine leere sinnen zu besinnen / und
mein unreiffer verstand zu verstehen sich erkühnen.
    Fürst Potifar hat die Erklärung über das erste Reimband der Göttersprache
sehr wohl getroffen. Besser würde niemahls Osiris selber seinen eigenen sin
erklähren. So viel vermag mein schwacher verstand noch wohl zu fassen. Aber die
übrige erklärung kann er nicht begreiffen. Die scheinet ihm was zu uneigendlich.
Nach meinem schlechten urteile / müssen in der andern reimzeile / durch die
worte zwanzig mahl / nicht zwanzig ellen / die der Niel zuweilen auf ein mahl
und in einem jahre steiget / sondern zwanzig jahre verstanden werden. Und also
wird die vermählung der Fürstin Assenat nicht auf eine ungewisse /sondern aus
eine ganz gewisse zeit angedeutet. Nähmlich nach dem zwanzigsten jahre ihres
alters soll sie sich mit einem Ausländer vermählen. Mit dem wird sie / in Egipten
selber / zugleich m den höchsten Ehrenstand erhoben werden. Ja das ganze
Egipten wird ihm und ihr müssen nach dem Munde sehen /ihr gebot zu erwarten:
welches durch das wort mund /in der Göttersprache / ausdrüklich angedeutet wird.
    So wird dann der Ausländer / fiel ihm die Hofjungfrau in die rede / in
Egipten zum Könige / und das Freulein Assenat / mit ihm / zur Königin erhoben
werden; weil ihnen beiden das ganze Egipten wird müssen nach dem munde sehen /
ihr gebot zu empfangen? Anders kann ich / redete Josef weiter / aus den worten
des Götterspruches nicht schliessen. Zum wenigsten wird er der nächste nach dem
Könige sein. Und der König selber wird ihn über alle masse ehren. Er wird ihm
alle Königliche macht in seine hände geben. Ihm wird er so wohl / als seine
untertahnen / selber nach dem munde sehen / seinen weisen raht zu empfangen.
Dem wird er folgen. Nach dem wird er sich richten. Seinen worten wird er
gehorchen. Er wird tuhn und lassen / was der Ausländer guht findet. Ja er wird
sich gleichsam ganz und gar nach seinem winke richten. Und also wird der König
nur dem nahmen nach König sein: der Fremdling aber in der taht selber. Dieser
wird herschen an des Königes statt / ja als ein volmächtiger und freier König
selber. Er wird sorge tragen vor des ganzen Reichs wohlfahrt. Alsdan wird
Egipten blühen. Alsdan wird die Königliche macht / die nun noch zimlich gebunden
ist / ganz frei und über alles erhoben werden. Und diese freiheit wird ihr der
fremde Herr / durch seine grosse weisheit / durch seine väterliche vorsorge vor
das ganze Volk / zu wege bringen. Willig werden ihm alle Völker zu fusse fallen.
Willig werden sie alle ihre freiheit seiner macht übergeben. Ja die Fürsten
selber werden sich ihm unterwerfen. Ihm werden die Gewaltigsten des Reichs
dienen. Auch nur seinem winke werden sie gehorchen. Kein einiger wird ihm
widersprechen. Nicht einer wird sich ihm widersetzen / auch nicht einmal muksen
dürfen. Ja was noch mehr ist / ohne seinen willen wird sich niemand im ganzen
Egipten unterstehen dürfen auch nur seinen fuss zu bewegen. So gross / so mächtig
/ und so fürtreflich wird seine herligkeit sein.
    Mit grosser verwunderung hörete die Jungfrau alle diese reden an. Ein iedes
wörtlein schien ihr die Fürst in Assenat zur mächtigsten Königin zu machen. Wer
war froher / als sie? Wer war zufriedener / als sie? Wer war vergnügter / als
sie? Ihre geschöpfte hofnung hatte sie nicht betrogen. Mehr guhtes hatte sie
gehöret / als sie gehoffet. Sie sah den Josef mit freundlichen augen an. Mit
den allerliebseeligsten blikken winkte sie nach ihm zu. Vielmahls öfnete sie den
mund / ihm / der Fürstin wegen / zu danken. Aber ihre grosse freude zog diese
dankworte immer zurück. Ihre übermässige verwunderung drükke die lippen straks
wieder zu. Und also sass sie eine guhte weile / in solcher freudigen
gemühtsbewegung / gleich als stum. Ach! sprach sie in ihrem hertzen / welcher
guhte Gott hat diesen guhten Engel zu uns geschikt / uns eine so fröhliche
bohtschaft zu verkündigen? Wir haben gestern den Josef vor einen Engel
angesehen. Nun befinde ich in der taht / dass er warhaftig ein Engel ist. Egipten
mus ihn ehren. Egipten mus ihn anbähten. Egipten mus ihm danken / vor eine so
angenehme zeitung / die er bringt. Was soll aber Assenat tuhn? Die ist ihm am
allermeisten verpflichtet. Die ist ihm am allernächsten verbunden. Kan sie ihm
ihren dank nicht straks itzund blikken lassen / wird sie es doch zu gelegener
zeit üm so viel hertzbrünstiger tuhn. Mit der zeit wird es sich alles wohl
schikken. Inzwischen will ich / wiewohl ich dessen unwürdig bin / ihre stelle
verträhten. Ihrentwegen will ich ihm danken. Ich will / ja mus es tuhn: straks
straks.
    Hiermit erhub sich diese holdseelige Jungfrau von ihrem stuhle. Itzt stehe
ich auf / sagte sie / meinen abschied zu nehmen. Ich mus gehen / dahin mich
meine Gebieterin bestellet. Aber mein hertz wird hier bleiben. Meine gedanken
mus ich hier lassen / ihm / o allerleutseeligster Engel / vor seine so.
freudenreiche bohtschaft hertzinniglich zu danken. Ich meine die neue / die
nähere Erklährung des Ausspruchs der Götter. Seine so klahre Erklährung meine
ich / die mir das Hertz gerühret: seine so wahre Erklährung / die mich aus mir
selbst entführet: seine so schöne / so herzliche / so erfreuliche Erklährung /
davor ihm der allerersinlichste dank gebühret. Darf ich elendes Erdgeschöpfe ihm
/ o himlischer Engel / der Fürstin Assenat wegen danken; so gebe er mir selber
anlass /dass ich ihm mein dankbahres gemühte rechtschaffen und in der taht kann
blikken lassen. Meine dienste stehen bereit. Sie warten auf seinen wink. Ich
werde froh sein / wan ich gelegenheit bekomme / an statt lediger dankworte / ihm
aus dankgesintem hertzen zu dienen. Worte seind bald ausgesprochen. Bald
verschwinden sie auch. Ja sie nützen weniger / als nichts. Sie fliegen / mit der
warmen ahtemsluft / in die kalte und weite weltluft. Alda zertreibet sie der
wind. Alda ergreiffet und vereitelt sie der sturm. Zum wenigsten macht er sie zu
sonnensteublein. Aber was können diese zu einem würklichen danke helfen. Wie
können diese eines tähtigen dankes nahmen verdienen? weil sie nur staub seind /
ja weniger als staub. Den staub kann man noch fühlen. Den kann auch ein grobes /
ein dunkeles auge sehen. Aber solche steublein entschlüpfen uns aus den händen /
aus dem gesichte / auch den allerbehändesten / den allerscharfsichtigsten. Und
eben darüm will ich nicht viel worte machen / ihm mit leeren worten zu danken:
die keines gegendankes / ja keiner bohne währt seind. Ich will keine unnütze
wortgepränge / viel weniger hochfliegende prahlworte gebrauchen: die uns nur
einen hohlen und leeren tohn /wie scharf / ja süsse er auch klinget / ins ohr /
und keinen / als einen ledigen dank in die hand geben. Ich wollte ihm gern in der
taht danken / dass er meinen dank nicht nur hören / sondern auch wahrhaftig sehen
/ fühlen und empfinden könnte. Und darüm bitte ich ihn zu guhter letzte noch
einmal / mir gelegenheit zu einem solchen danke an die hand zu geben. Hiesige
meine bitte kann sein befehl vergnügen. Nach volendung dieser worte nahm sie
abschied vom Josef / von ihren Bluhtsverwanten / ja von allen im hause / welche
sie sämtlich hertzlich seegnete; und begab sich also von stunden an wieder nach
hofe.
 
                                 Zweites Buch.
Nun wollen wir den schönen Leibeigenen / mit seinen Hausjungfrauen / ein
weilichen allein lassen; und der Abgeschiedenen nachschleichen. Wir wollen ihr
das geleite geben; oder vielmehr von ferne folgen. Wir wollen uns / mit ihr /
nach hofe begeben. Alda wollen wir / mit ihr / in der Königlichen Fürstin zimmer
krähten; oder nur hinter der tühre stehen bleiben / zu horchen / was diese
Liebseelige der Nitokris erzählen wird.
    Die Königliche Fürstin stund eben bereit / ihrer Frau Mutter auf zu warten /
da ihre Kammerjungfrau in das zimmer traht. Aber sie ward bald anders sinnes /
als ihr diese Jungfrau heimlich ins ohr flisterte: dass sie den schönen
Leibeignen gesehen / ja selbst gesprochen. Von stunden an musste iederman
abträhten. Straks gab sie dem Frauenzimmer einen wink. Allen Stahts jungfrauen /
welche die Königliche Fürstin hatten begleiten sollen / ward gebohten wieder in
ihre zimmer zu gehen. Alle Edelknaben / alle Lakkeien /alle Kammermägdlein / ja
fast alles / was sehen und hören konnte / warden auf die seite geschaffet.
    Als sich nun die Fürstin mit ihrer Kammerjungfrau allein sah; feierte sie
nicht lange zu fragen / was vor ein Glück sie zum schönen Leibeignen geführet?
und wo / bei wem / und in was vor einer Gesellschaft sie ihn angetroffen? Flugs
flugs! Fuhr sie fort / erzählt mir alles miteinander / und verschweiget mir
nichts /auch nicht das geringste.
    Hierauf berichtete Sie die Kammerjungfrau / dass sie ihre Muhmen besuchet.
Alda hette sie den schönen Leibeigenen gefunden. Wie ist er dahin kommen? fragte
die Fürstin weiter. Die Ismaeler haben ihn alda / bei ihrem wegzuge / in
verwahrung gelassen. So seind dann eure Muhmen / fiel ihr die Fürstin abermahl in
die rede / glückseeliger / als die Königin / als ich selbst / und das ganze
königliche Frauenzimmer / ja unser ganzer hof? Euch allein will ich
ausschliessen; weil unter uns euch allein die Götter mit dem glück /ihn
mündlich zu sprechen / beseeliget. Aber was sagte er guhtes? Das fürnehmste /
antwortete die Jungfrau /das ich Ihrer Hoheit von seinen reden erzählen kann /ist
dieses. Er erklährete die Göttersprache / die Potifar über das Freulein Assenat
empfing / viel anders /und mit viel grösserem vorteile vor das Freulein / als
Potifar / oder der Ertzbischof. Ich will es mit einem worte sagen. Die Fürstin
Assenat wird die mächtigste Königin in Egipten werden. Was sagt ihr mir vor ein
wunder? redete Nitokris weiter. Aber kann der schone Leibeigene / die dunkelen
und verborgenen reden der Götter auslegen; so wird er auch gewis wahrsagen /und
die geheimnüsse der treume erklähren können? Wie kahm er doch von dem Freulein
Assenat zu reden? Wer hat ihm von diesem Ausspruche der Götter gesagt?
    Die Kammerjungfrau redete ferner. Ich gedachte /sagte sie / in meiner rede /
von ohngefähr des Fürsten Potifars. Da fing er mir diesen nahmen auf / und
fragte / wer Potifar sei? Ich gab ihm volkommenen bescheid auf seine frage. Er
fragte weiter: ob dieser Fürst keine Leibeserben hette? Diese frage veruhrsachte
/ dass ich von der Fürstin Assenat / und von der Göttersprache zu reden kahm. Und
also gab ich ihm / unter andern / anlass eine neue Erklährung über dieselbe
Göttersprache zu machen. Diese nun fiel so glücklich / wie ich gesagt / vor die
Fürstin Assenat aus. Seine eigene worte waren ohngefähr diese / und zwar über
die drei letzten zeilen; dann die erste erklährete er eben also / als Potifar.
Dass Freulein Assenat / sagte er / wird einem Ausländer in ihrem ein und
zwanzigsten jahre vermählet / und im Egipten selber / mit ihm zugleich / in
den allerhöchsten ehrenstand erhoben werden. Ja das ganze Egipten wird ihm und
ihr müssen nach dem munde sehen / ihr gebot zu empfangen. Hierzu fügte er / dass
dis letzte /durch das wort mund / in der Göttersprache / ausdrüklich angedeutet
werde. Als ich nun fragte: ob dann derselbe Fremdling König / und das Freulein
Assenat Königin in Egipten werden sollten? Da gab er zur antwort: wird der
Ausheimische nicht König / so wird er doch der nächste und gewaltigste nach dem
Könige sein. Ja der König wird ihm alle seine königliche gewalt übergeben; und
sein tuhn und lassen nach seinem munde / oder weisem rahte richten. Nichts wird
er tuhn ohne seinen willen. Ohne dieses Ausländers willen / wird niemand / im
ganzen Egipten / seinen fuss regen dürfen. Und also wird der König nur dem
nahmen nach / der Fremdling aber in der taht selber König sein.
    Nitokris konnte sich über diese reden nicht genug verwundern. Nun märkte sie
/ dass was grosses aus der Assenat werden würde. Nun sah sie / dass sie ewig auf
der Sonnenburg zu bleiben von den Göttern nicht bestimmet sei. Bisher hatte sie
die Tochter Potifars / als die allerschönste / als die allerliebseeligste /als
die allergeschikteste / als die allerverständigste /und allertugendvolkomneste
Fürstin der ganzen welt geliebt. Nun liebete / ja ehrete sie dieselbe in ihrem
hertzen / als eine künftige Gemahlin eines gewaltigen Königes / als eine von den
Göttern selbst bestimmte Königin über das ganze Egipten / ja über sich selber.
Und darüm wollte sie nicht / dass iemand in der welt diese wüchtige sache wissen
sollte. Darum geboht sie auch ihrer Kammerjungfrau / stille zu schweigen. Ja sie
geboht ihr selber / sich gegen keinen menschen verlauten zu lassen / dass sie
den schönen Leibeignen gesprochen. Doch lies sie ihr zu / der Assenat alles zu
offenbahren: weil sie wohl wüste / dass sie es selber nicht ruchtbar machen
würde. Dan Assenat /sagte sie / ist so klug und so schlau / so jung als sie ist
/ dass sie es niemand / auch nicht einmal ihrer Hofmeisterin / anvertrauen wird.
Sie weis / was und wo sie schweigen / und reden soll. Sie weis / was ihr zu tuhn
/ und zu lassen stehet. Und darüm mögt ihr es ihr kühnlich schreiben. Es wird
sehr viel zu ihrem nachrichte dienen. Guht ist es / dass sie es weis: ja das
beste / dass sie es alles weis. Und eben aus diesen uhrsachen will ich euch über
acht tage zu ihr senden. Alsdan könnet ihr alles mündlich erzählen / was ihr
wisset / und was euch dünkt / das ihr zu wissen ersprieslich ist. Ja von diesem
allem verhählet ihr nichts. Das will ich. Das rahte ich. Das gebiete ich.
    Eben als die königliche Fürstin diese letzten worte redete / ward sie zur
tafel gerufen. Auch kahmen ihre Stahts jungfrauen schon an / sie in den
Speisesaal zu begleiten. Die Fürstin erhub sich alsobald von ihrer stelle: und
das ganze Frauenzimmer folgte ihr nach. Nur ihre vertraute / die Kammerjungfrau
/ die ihr diese zeitung gebracht / blieb zurückke. Dan ihre grosse begierde / der
Assenat die gemelte Erklährung des Josefs kund zu tuhn / lies ihr keine ruhe. Ja
sie trieb und strängte sie darzu so heftig an / dass sie des essens / ja selbst
des schlafens vergass. Sie nahm dann die feder / und schrieb diesen
                           Brief an die junge Fürstin
                                    Assenat.
Gnädigstes Freulein /
    Auf erlaubnüs der königlichen Fürstin setze ich meine feder auf dieses
papier. Ich begehe eine fast unverantwortliche kühnheit. Doch Die sie mir
erleubet /wird sie verantworten. Ja ich schreibe an die allerliebseeligste
Assenat. Darüm tähte ich schier sünde / wan einigen argwahn von Ihr ich / Ihre
ewiggetreue / mein guhtes vertrauen stöhren liesse. Und was noch das
allerwüchtigste ist / ich schreibe von einer solchen sache / auf derer kunde die
ganze wohlfahrt dieser schönen Fürstin beruhet. Darüm wird Sie mir eher gnade /
als strafe anbieten. Aber Ihrer gühte darfich /durch viel vergebliche worte /
nicht länger misbrauchen. Auch darf / noch kann ich dasselbe nicht länger
verschweigen / wovon mein hertz vol ist. Ich mus beichten / dass meine sünden
verschwinden. Und so beichtet Ihr dann / o leutseeligste Fürstin / ihre treueste
dienerin offenherzig: dass ein fremder und wunderschöner Leibeigner mir heute /
in unserer Stadt / von ohngefähr aufgestossen. Dieser vermag alles deutlich zu
erklähren / was die Götter verborgenes sprechen. Er weis die Treume aus zulegen.
Er weis aus dem Gestirne zu sagen / was künftig geschehen soll. Der Götter
Antwort auf die frage / welche ihnen Ihr Herr Vater Ihrentwegen vorgetragen /
hat er mir viel anders und viel klährer erklähret / als sie sonsten ausgedeutet
worden. Ich will den inhalt mit kurtzen worten eröfnen. Die Fürstin Assenat /
sagte er / soll nach dem zwanzigsten jahre ihres alters einem fremden Herren
vermählet / und mit ihm / in Egipten selber / auf die allerhöchste staffel der
ehren erhoben werden. Was er mehr hinzu setzte / darf ich der feder nicht
vertrauen. Aber innerhalb acht tagen wird Sie aus meinem munde selbst / die
ganze sache umständlich vernehmen. Dan gegen die zeit Ihr auf zu warten / hat
meine Fürstin mich schon beuhrlaubet. Indessen sei Sie den Göttern befohlen /
und Ihrer beharlichen gnade ich /imfal ichs verdiene /
                                                     Meines gnädigsten Freuleins
                                                               ewig gehohrsamste
                                                                        Semesse.
    Kaum war dieser Brief versiegelt / als die königliche Fürstin schon wieder
von der tafel kahm. Straks im ersten eintritte in ihr zimmer / geboht sie allen
Jungfrauen abermahl / sich in ihre eigene wohnungen zu begeben. Niemand durfte
bei ihr bleiben / als Semesse. Ja sie wollte diesen ganzen abend niemand anders
bei ihr wissen / als sie: auch von niemand anders entkleidet sein / als von ihr.
Dieses der königlichen Fürstin ganz ungewöhnliches beginnen verursachte
vielerlei gedanken. Niemand konnte errahten / was geheimes sie mit der
Kammerjungfrau zu tuhn / oder zu reden hette. Eine Jungfrau fragte die andre.
Eine forschete hier / die andere dort. Dieser ahnete was guhtes / jener was
böses. Ja sie waren alle miteinander gleichsam entsetzt. Die meisten bildeten
ihnen ein /dass sich etwan eine vom Frauenzimmer verbrochen. Und eine iede unter
diesen lies ihr schwanen / dass ihr das verbrechen vielleicht aufgebürdet würde:
dass ihre Fürstin mit der Kammerjungfrau deswegen zu rahte ginge. Also machte sie
ihre unnöhtige sorge sehr bange. Also brachte sie ihr unnützer argwahn in die
euserste angst.
    Indessen dass sich diese furchtsamen mit solcher bekümmernüs schlugen / fing
Nitokris mit der Semesse ihr kurtz zuvor zerschlagenes gespräche wieder an. Die
Fürstin fragte wohl hundert mahl: ist der schöne Leibeigne auch freundlich? ist
er auch höflich? ist er auch fröhlich? ist er auch wohl erzogen? Ja diese und
dergleichen fragen hatten kein ende. Die Kammerjungfrau beantwortete sie alle /
mit grossem ruhme vor ihn. Sonderlich aber rühmete sie seine sehr bedachtsame
reden / seine ausbündige vorsichtigkeit im fragen / seine fürtrefliche
scharfsinnigkeit im antworten. Endlich fragte die Fürsten: ob sie nicht
verstanden / aus was vor einem geschlechte er sei? Nein /antwortete die
Jungfrau: aber das weis ich wohl / dass er Josef heist / und von Hebron aus
Kanaan bürtig ist. Als die Fürstin Hebron nennen hörete / traht ihr eine
sonderliche freude von stunden an ins gesichte. Flugs flugs! sagte sie / ruft
ein Kammermägdlein her. So bald das Kammermägdlein ankahm / befahl ihr die
Fürstin / in die Königliche küche zu gehen / und einen Ebreischen Jüngling / den
des Kochs bruder mit von Hebron gebracht / zu ihr zu hohlen. Von diesem
Jünglinge / sagte die Fürstin zur Semesse / werden wir ohne zweifel das
herkommen des schönen Leibeignen erfahren: sonderlich weil wir wissen / wie er
heisset. Dan jener ist auch von Hebron / und erst heute mit des Kochs bruder
hierher kommen. Ach! wie guht ist es / dass ihr den nahmen Hebron nennetet. Dan
er war mir schon entfallen: wiewohl er erst itzund über der tafel genennet ward
/ als man erzehlete / dass des Kochs bruder einen Ebreischen Jüngling mit sich
von Hebron gebracht / und ihn morgen mit nach Nubien nehmen würde. Fürwahr! fing
die Jungfrau an / die Götter haben es also geschikt / dass ich eben itzund diesen
nahmen nennen müssen. Dan hette ich ihn morgen genennet; so were es schon
ümsonst /und alzulange geharret gewesen.
    Mitlerweile dass sie also redeten / gelangte der Ebreische neukömling an. Die
Fürstin fragte ihn straks /wo er herkähme? Er gab zur antwort: von Hebron aus
Kanaan: da hette er sich bei den Söhnen Jakobs aufgehalten / und ihnen ihr vieh
weiden helfen. Weil ihn aber sein Herr / einer lüderlichen ursache wegen
/geschlagen / sei er weggelauffen / und habe sich zu des Kochs bruder vermietet
/ der ihn mit in Nubien nehmen wollte. Was hat es doch unter den Ebreern zu
Hebron / fragte die Fürstin ferner / vor fürnehme Leute? Jakob ist der
allerfürnehmste / antwortete der Jüngling / und ein sehr mächtiger und
gewaltiger Herr. Er ist aus einem uhralten und grossem geschlechte entsprossen:
und sein Vater Isaak / und Grossvater Abraham seind gleichesfals sehr mächtige
Leute / und in grossem ansehen bei allen nächstümliegenden Völkern gewesen. Hastu
nicht zu Hebron /fuhr die Fürstin mit fragen fort / einen sehr schönen
Ebreischen Jüngling gekennet / welcher Josef heisset; den die Ismaeler seinem
Vater / wie man sagt / sollen gestohlen haben? Es hat sich wohl gestohlen / fing
der Ebreer hierauf an: seine Brüder / die erst im sinne hatten ihn zu ermorden /
haben ihn den Ismaelern vor zwanzig silberlinge verkauft.
    Die Fürstin ward froh / als sie schon so viel berichts vom Josef eingezogen.
Darüm forschete sie immer weiter und weiter nach. Wie heisset dann sein Vater?
hielt sie mit fragen an. Sein Vater / gab der Jüngling zum bescheide / ist eben
derselbige Jakob /dessen ich itzund meldung getahn. Hierauf befahl sie dem
Ebreer zu erzählen / wan / wie / und warüm Josef sei verkauft worden. Der
Jüngling gab zur antwort: wan es der Königlichen Fürstin beliebt / so will ich
diese geschicht von ihrem allerersten begin an /den man sonderlich in Jakobs
ehstande erblickt /aufs kürtzeste erzählen. Dan darinnen werden uns die
ursachen / warüm Josef verkauft worden / alle miteinander und in einer reihe
nacheinander aufstossen. Weil nun die Fürstin grosses verlangen trug solches zu
hören; so befahl sie dem Jünglinge in seinem vorsatze nur fort zu fahren.
Hierauf sing der Ebreer folgender gestalt an.
    Jakob / Isaaks aus der schönen Rebekke sohn /ist von Gott mit zwölf Söhnen
und einer Tochter geseegnet. Er hatte vier weiber / Lea / und Rahel /beide des
Labans / der seiner Mutter bruder war / ehleibliche töchter; darnach Bilha / der
Rahel Magd /und dann Silpa / der Lea Magd: welche beide in Labans hause geboren.
Mit der Lea zeugete er erstlich den Ruben / Simeon / Levi / und Judah. Darnach
zeugete er mit Bilha den Dan / und Naftali: und mit Silpa den Gad / und Asar.
Diese viere waren Söhne von den Mägden. Hierauf gebahr ihm Lea wieder den
Isaschar / und Sebulon / als auch eine einige Tochter / die wunderschöne Dina:
in welche sich Sichem /der Herr von Salem / Hemors sohn / so heftig verliebte /
dass er von ihr nicht lassen konnte. Aber diese liebe gewan einen bluhtigen
ausschlag. Endlich gebahr ihm auch die unvergleichlich schöne Rahel /welcher
Leib Gott so lange verschlossen hatte / den Josef: und zu allerletzt den
Benjamin; in dessen gebuhrt die fromme Mutter das leben einbüssete.
    Dieser des Jakobs vorletzter Sohn Josef ist gewislich ein rechter ausbund
und spiegel aller leibesschönheit. Und diese so fürtrefliche schönheit ist von
seiner Mutter Rahel / von seiner Grossmutter Rebekke / und von seiner
Obergrossmutter Sara / welche alle drei unvergleichlich schöne Frauen waren /
gleichsam auf ihn geerbet / und als in ein meer der schönheit zusammengeflossen.
Ja es scheinet / dass sich seine gebuhrt nur darum so viel jahre verzogen / damit
die Natur zeit genug haben könnte ein solches Meisterstükke der schönheit zur
allerhöchsten volkommenheit zu / wie sie dann in der wahrheit getahn / aus zu
arbeiten.
    Aber diese euserliche leibesschönheit / ob sie schon keine feder beschreiben
/ seine zunge aussprechen / und kein kunstmahler abbilden kann / ist gleichwohl
gegen die andern gaben / darinnen die innerliche Seelenschönheit bestehet / und
damit ihn der Allerhöchste so gar reichlich geseegnet / nichts zu rechnen. Dan
ihm ist von seiner Mutter / neben der übertreflichen Leibesschönheit / auch eine
über die masse herrliche Seelenschönheit angebohren. Ja diese Seelenschönheit hat
er noch volkommener / und ich darf wohl sagen / auf das allervolkomneste von
seinem Vater / Gross- und Ober-grossvater / die damit vor andern menschen begabet
/ ererbet. Und also seind alle Seelenschönheiten nicht allein seines Vaters und
seiner Mutter / sondern auch seiner väterlichen und mütterlichen Voreltern
allesamt / als aus sechs springbrunnen / in ihn / als in eine tieffe see der
Tugenden /und in ein unerschöpfliches meer des verstandes gleichsam zusammen
geronnen.
    Aus diesen ursachen wird nun niemand leugnen können / dass er würdig sei ein
König aller könige /und ein Herscher über das ganze Menschliche geschlecht zu
sein. Sein Verstand war in seiner ersten jugendblühte schon so reif / dass sich
iederman darüber verwunderte. Seine fähigkeit / seine scharfsinnigkeit / und
sein gedächtnüs war schon dazumahl so fürtreflich; dass er alles / was er sah /
und hörete überaus geschwinde begreiffen / überaus färtig durchgründen / und
überaus feste behalten konnte. Und eben daher kahm es / dass er in seinem so
jungen und so zahrtem alter schon fähig war dasselbe ohne mühe zu fassen / was
seine Voreltern in ihrem mänlichen alter anders nicht / als schwerlich /
begriffen.
    In diesem noch weichlichem alter war es / da er den geheimnüssen der grossen
Zeugemutter aller dinge schon so nachforschete / ihre tiefsten abgründe schon so
ergründete / und ihre verborgnesten geheimnüsse schon so entdekte / dass er in
kurzer zeit in diesen dingen zu einer hohen wissenschaft gelangete. Und also
verstund er / neben dem Akkerbau / und der Viehzucht / die eigenschaften der
Menschen und Tiere. Die würkungen und kräfte der Kreuter und anderer Erdgewächse
waren ihm nicht unbekant. Daher wusste er den manchfältigen gebrechen der
Menschen und des Viehes mit eben so manchfältigen heilsamen Artzneien vor zu
kommen / ja sie selber zu vertreiben. Und hierinnen übertraf er alle seine
Brüder weit; unangesehen dass er der jüngste auf einen war / und sie selber
schon so viel jahre vor seiner gebuhrt allen diesen wissenschaften täglich
nachgeforschet. Daher kahm auch der uhrsprung ihres neides und hasses. Dieses
war die erste ursache / dass sie ihm gram warden.
    Ja er lies sich nicht vergnügen auf der erde zu bleiben. Sein verstand stieg
auch endlich gar bis an den himmel. Alda erforschete er / aus dem lauffe der
Sterne / den geheimen Rahtschlus Gottes. Er ergründete ihre verborgene schrift.
Daher wusste er die künftige witterung lange zuvor. Er wusste was nach diesem auf
erden geschehen sollte. Ja aus diesem Sternbuche erblikte er den ganzen lauf der
himlischen und irdischen kräfte. Hieraus wusste er / was dieser und jener Mensch
vor Krankheiten unterworfen. Hieraus lase er / wan / und wie hart ihm diese oder
jene Krankheit zustossen würde: und darnach wusste er seine artzneien zu richten.
Ich will mehr sagen. Er kahm endlich hierinnen so weit / dass ihm auch selbst die
stunde / ja der zeitblik des todes der Menschen unverborgen war.
    Zu solchem so fürtreflichem Verstande komt auch eine sonderliche
fürtrefligkeit der Tugenden / und leibesgeschikligkeiten. Zur Gottesfurcht
scheinet er geboren: zur Frömmigkeit erkohren. Zur Demuht ist er gezeuget: zur
Sanftmuht geneuget: zur Geduld erzielet. Die Langmühtigkeit / die Beständigkeit
/ die Verschwiegenheit / die Aufrichtigkeit / die Freundligkeit /die Holdund
liebseeligkeit seind ihm als eigen. Diese würket seine seele in ihm mit solcher
kraft / dass sie auch selbst die bewegungen der augen / und alle seine euserliche
leibesgebehrden verrahten. Ja die ganze leibesgestalt / ob sie schon ohne
bewegung dastünde /würde sie gleichwohl entdekken.
    Eine solche lange reihe dieser und aller dergleichen Tugenden wohnet in
einem so schönen leibe: der darüm so gar schon / und so gar hübsch gebildet ist
/weil er so viel und so schöne gäste beherberget / und alle die häslichen
ausschliesset. Dan Josef weis von keinem einigen Laster. Selbst der nahme bleibt
ihm unbekant. Seine angebohrenheit treibet ihn zu nichts /als zu eitel Tugend.
In ihm und an ihm lebet und schwebet auch nichts / als lauter Tugend. Und daher
komt es / dass er sich iederzeit bemühet seinem Vater /durch die
allerersinlichsten ehrenbezeugungen und liebesdienste / gefällig zu werden.
Dieses augenmärk hat er auch glücklich erreichet. Er ist es worden / was er zu
werden suchte. Er hat mehr erlanget / als er zu erlangen verlangte. Sein Vater
liebte ihn ie länger / ie mehr. Die Väterliche und Kindliche liebe stritten
gleichsam miteinander. Lange währete dieser streit. Endlich behielt jene die
oberhand. Sie ward so über aller masse hertzbrünstig / dass sich ihre stammen
nicht länger bärgen konten. Sie brach mit ganzer gewalt heraus. Sie scheuete
sich weder vor Josefs Stiefmutter / der neidsüchtigen Lea / noch vor seinen zehn
misgünstigen Stiefbrüdern. Josef musste einen buntgestikten seidenen Rok tragen:
welches eine tracht war der Königskinder. Josef musste stähts üm ihn sein. Jakob
konnte sich kaum entschliessen / seinen Josef nur einen halben tag aus den augen
zu lassen: zumahl weil er in Josefs angesichte seiner seeligen Rahel /die er so
hertzinniglich geliebt / so ähnliches und schönes / ja no comma? schöneres
ebenbild erblikte. Und darüm hüpfete ihm das hertz im leibe / wan er seinen Sohn
sah. Ja er weinete vor freuden.
    Aber wie dem Vater vor freuden die augen überlieffen: so lief der Lea die
galle vor unmuht und grimmigkeit über; indem sie sah / dass ihre Söhne dem Jakob
so angenehm nicht waren / als Josef. Und also hassete und neidete sie den Josef
/ seiner Tugend wegen: weil er darüm seinem Vater so lieb war. Auch gewan dieser
stiefmütterliche neid in den meist vergalten hertzen nicht allein ihrer sechs
eigenen Söhne /denen er von ihr schon angebohren war / sondern auch in den vier
andern stiefbrüdern des Josefs so tieffe wurtzeln / dass er von zeit zu zeit mehr
und mehr anwuchs. Diese Bösewichter liessen ihren has zwar zeitlich und deutlich
genug blikken. Aber Josef schlug gleichwohl keine acht darauf. Er gedachte / es
sei einieder so aufrichtig und redlich / als er.
    Wie heftig nun den Josef seine Stiefmutter / und Stiefbrüder / seiner tugend
wegen / anfeindeten; eben so heftig / ja hertzlich liebete ihn sein frommer
Vater. Ja Gott selbst lies ihm seine liebe blikken. Der Höchste selbst liebte
ihn zum höchsten. Er offenbahrte ihm im schlafe / durch ein gesichte / was ihm
künftig begegnen sollte. Er zeigte ihm an / im traume / was vor ein Glück ihm
zustehen würde. Und hierdurch versicherte Er ihn der künftigen belohnung seiner
Tugend. Hierdurch reitzete Er ihn an im tugendwege fort zu wandeln. Diese treume
veranlasseten den Josef / auch endlich der Traumdeuterei ob zu legen. Und
hierinnen bekahm er / durch scharfes nachsinnen / und beihülfe seines Vaters /
eine ausbündige fähigkeit. Weil er nun in seinem hertzen ganz nichts arges von
seinen Brüdern gedachte / so scheuete er sich auch nicht seine treume / in
gegenwart / ihrer aller / zu erzählen.
    Der erste Traum war ihm / als er / zur zeit der ernte / bei seinen
Stiefbrüdern / der Bilha und Silpa kindern / geschlafen / in der ersten
morgenwache begegnet. Denselben erzehlete er also. Mir treumete / sagte er zu
seinen Brüdern / dass wir Garben auf dem felde gebunden: und dass meine Garbe sich
aufgerichtet /und gestanden; eure aber rund ümher sich vor der meinigen
geneuget. Als nun Jakob diese worte hörete; da erseuftzete er / und schwieg
stille. Endlich aber / damit er seinem Sohne aus dem traume hülfe /erklährete er
ihn also. Du bist / sagte er / der beste unter deinen Brüdern; darüm hat sich
deinen Garbe aufgerichtet. Und dass sie stehen geblieben / deine Garben aber
deiner Brüder sich vor ihr geneuget: dass bedeutet deine beständigkeit / und ihre
unbeständigkeit in der tugend; ja dass deine Brüder deswegen mit hunger und
kummer gestraft / endlich aber dich / in deinem Glück und wohlstande / üm rettung
und hülfe anflöhen werden.
    Waren dem Josef seine Brüder zuvor feind gewesen / so warden sie ihm itzund
noch feinder. Fast die meisten ergrimmeten und erbossten sich dermassen /dass sie
ihm kein freundliches wort zusprechen konten. Was? sagten sie / solteste unser
König werden / und über uns herrschen? Und als sie allein waren / murreten sie /
und erbitterten sich untereinander noch mehr: sonderlich Simeon / und die Söhne
der Mägde / Dan / Naftali / Gad / und Aser: die ihnen einbildeten /dass sie der
Vater am wenigsten achtete / und Junker Josef / wie sie ihn schimpfsweise
nenneten / ihnen allen vorgezogen würde.
    Ruben / als auch Judah / und Sebulon vermeinten ihnen den gefasten argwahn
aus dem sinne zu reden. Aber sie grolleten und gruntzeten immerfort; sonderlich
Simeon. Judah / der ein verständiger und bescheidener man ist / auch dem Josef
so abhold und abgünstig nicht war / suchte sie auf allerhand weise zu
begühtigen. Was? sagte er / sollte man auf treume achten. Treume seind treume;
und nichts mehr. Solte man so töhricht sein sich über einen traum zu betrüben /
oder zu erfreuen? Josef hat den tag zuvor uns im garbenbinden geholfen. Das ist
ihm die nacht darauf wieder vorkommen. Seine einbildung hat im schlafe ihr spiel
gehabt. Diese ruhet nimmer. Sie pflegt uns allezeit / so wohl wan wir schlafen /
als wan wir wachen / ihre bilder vor zu stellen. Und diese bilder nimt sie
gemeiniglich von solchen dingen / damit wir am meisten ümgehen. Fast eben
dergleichen hielt ihnen auch Ruben / und Sebulon vor. Aber es half alles nichts.
Ihr grol wühtete und tobete gleichwohl so sehr / dass sie mit ganz unruhigem
hertzen voneinander gingen.
    Nicht lange darnach hatte Josef noch einen andern Traum. Es dauchte ihn: dass
sich die Sonne und der Mohn / und elf Sterne für ihm neugeten. Da diesen traum
sein Vater hörete / erseuftzete er noch mehr /als vorhin. Und weil er sah / dass
seine andern Söhne darüber knurreten; strafete er ihn / zum scheine / in ihrer
gegenwart. Was ist das vor ein Traum? sagte er. Sol ich und deine Mutter / und
deine Brüder kommen / und dich anbehten? Aber er behielt gleichwohl alle diese
worte in seinem hertzen. Er wusste gewis / dass ihre bedeutung geschehen würde. Ja
er wündschte /dass er sie bald erfüllet sehen möchte: und erfreuere sich schon in
seinem hertzen / seinen liebsten Sohn in solcher herligkeit zu schauen. Wie sehr
sich nun Jakob auf seines Sohnes künftige glückserhöhung freuete; eben so sehr
betrübeten sich darüber seine anderen Kinder. Ja fast die meisten zitterten vor
Bosheit. Sie böbeten vor gramschaft; und vermochten weder zu essen / noch zu
schlafen vor grimmigem zorne.
    Josef konnte sich noch nicht bereden / dass sie ihn hasseten / ja so überaus
anfeindeten. Er vermochte ihnen nichts böses zu zu trauen. Das lief wider seine
guhtahrtigkeit. Das stritte wider sein aufrichtiges hertz. Er mass sie ab nach
seinem masse. Wie er geahrtet war / gedachte er weren sie auch. Aber es befand
sich im auskehrichte viel anders. Der endliche ausschlag lehrete ihn mit seinem
schaden / dass ihn seine garzuguhte gedanken betrogen. Der Vater selber lies
ihm zwar wohl schwahnen / weil sie ihren unmuht vor ihm nicht so gar / dass er
ihn nicht gemärket / verbergen konten / dass sie dem Josef seine vorstehende
hoheit misgönneten. Aber es war ferne von ihm zu gleuben / dass Brüder / die noch
darzu seine Söhne weren / denen er viel ein anders zutrauete / von einer
boshaftigen gemühtsregung so weit könten verleitet werden / dass sie ihrem
Mitbruder sein Glück so gar feindseelig beneideten. Und darüm schlug er alle
gedanken / die ihm das gegenteil vorhielten / in den wind. Er war sicher. Er
vermuhtete das beste. Er wollte von nichts böses hören.
    Auf den nächsten morgen nach dieser begäbnüs /machten sich Josefs zehen
Stiefbrüder mit den viehheerden früh auf. Sie nahmen zwar / ihrer gewohnheit
nach / sehr freundlich abschied vom Vater; und befahlen dem Josef / seiner wohl
zu pflegen. Aber sie waren so bald nicht auf das feld gekommen / fing sich unter
ihnen / sonderlich unter der Mägde Söhnen / das alte gemurre und geknurre schon
wieder an. Doch knurrete von diesen niemand mehr / als Dan und Gad. Dieser
wündschte dem Josef alle böse drüsen an den hals. Jener verfluchte den tag / da
er geboren. Besser were es / sagte er / dass er hette erde kauen müssen / als
seine Mutter. So weren wir von unserer lebeigenschaft erlöset. Dan weren wir
freie leute. Nun seind wir dienstbar. Nun trotzet uns der Hausjunker /wie er
selber will. Nun erzählt er / uns nur zum verdrusse / seine selbst erdichteten
treume. Ich weis gewis / dass er itzund mit dem Alten zu rahte geht /wie sie es
anfangen sollen / dass seine treume nur bald erfüllet werden. Mich deucht / fing
ihm Gad das wort auf / sie seind schon alzuviel erfüllet. Hat ihn der Vater
nicht schon über die masse verhähtschelt /verzährtelt / und verzogen? Lieget er
nicht schon zu hause / als ein Dachs in seinem loche / und will an keine arbeit?
Wir hergegen müssen arbeiten / dass uns die schwahrte knakt. Und komt er schon zu
weilen zu uns ins feld / so tuht er es nur darüm / dass er uns verkundschaffe /
und bei dem Alten bosshaftig angebe. Was mangelt wohl mehr / dass er nicht ein
König oder Fürst ist / als der blosse nahme Trägt er nicht schon königliche
kleider? Wird er nicht albereit gehalten /als ein Königlicher Fürst? Hat ihn der
Vater nicht schon vorlängst in seinem hertzen angebähtet? Ehret er ihn nicht
schon mehr / als iemand in der welt? Endlich werden wir sehen / dass ihn der
Vater gar zum einigen Erben seines ganzen Hauses einsetzen wird. Werden wir dann
nicht / als huhrenkinder / ausgestossen werden? Werden wir dann / mit allen unsern
kindern / als Leibeigene / dem Josef nicht frohnen müssen? Das wollte ich eben
sagen / fiel ihm Asar in die Rede. Dan itzund wird der endschlus gemacht werden.
    Ob schon Ruben / und Judah / als auch Sebulon /die noch auf Josefs seite
waren / darwider redeten /und einwendeten / man müste vom Vater so gar böse
gedanken nicht schöpfen; so blieben sie doch auf ihrem wahne ganz verstokt /
und wollten keiner einigen entschuldigung gehör geben. Was wolt ihr viel sagen?
fing Simeon endlich auch an: welcher bisher vor grossem zorne nicht reden können.
Haben wir nicht dergleichen beispiele schon in unserem Geschlechte? Ward Ismael
nicht auch ausgestossen? Ist dem Esau / unsers Vaters bruder / nicht fast eben
dasselbe widerfahren? Hat unser Vater sich nicht gescheuet seinen leiblichen und
ältesten Bruder / ja zugleich seinen Vater selber zu betrügen; so wird er es
uns nicht besser machen. Hat er nicht dem Esau den väterlichen seegen entwendet?
Hat er ihm nicht das recht der ersten gebuhrt entzogen? Ja hat er nicht auch
seinem Schwieger- und unsrem Mütterlichen Gross-vater / mit allerhand listigen
ränken / das seinige so vorteilhaftig abgezwakt? Dis hat dieser unser Vater /
als ein kind / seinem Vater / als ein Bruder /seinem Bruder / als ein
Schwiegersohn / seinem Schwiegervater getahn. Was meint  ihr wohl / dass er mit
uns / seinen kindern / nicht auch so spielen werde?
    Judah / als auch Ruben / und Sebulon hatten sich bisher auf das euserste
bemühet / ihren Vater / ja selbst ihren Obergrossvater zu entschuldigen: indem
sie vorwendeten / dass alles auf anstiftung der Weiber geschehen; dessen man sich
itzund nicht zu befahren /weil Josefs mutter todt sei. Aber als sie sahen / dass
sie ihrer Brüder neidische gemühter / durch solche reden / nur noch mehr wider
den unschuldigen Josef erbitterten; so stelleten sie sich endlich / als wan sie
eben also gesonnen weren. Wohlan dann! fing Ruben an / weil ich sehe / dass wohl
etwas böses wider uns möchte vorgenommen werden; so wollen wir mit unsern
heerden was weiter von Hebron wegtreiben. Ich weis / dass bei Sichem / in einem
tahle / eine sehr fette weide vorhanden. Da wollen wir uns / mit dem viehe /
eine zeit lang aufhalten / zu sehen / was unser Vater mit seinem Josef im
schilde führet. Würde er sich dann unterstehen / uns unser erbteil zu entziehen;
so hetten wir der sache schon vorgebauet. Die heerde hetten wir in unserer hand.
Ich wollte den wohl ansehen / der sie uns nehmen sollte. Kein raht wird besser
sein / als dieser. Ich treibe fort. Folget mir nach.
    Niemand von allen war froher / als die vier Mägdesöhne. Niemand priese
diesen fund mehr / als sie. Ruben war nun der beste man. Niemand war schlauer /
als er. Niemand war klüger und verschlagener / als er. Ja niemand war weiser /
als er: der so einen listigen rank erdacht / einen so heilsamen raht erfunden
/ihrem gewähnten unheile vor zu kommen. So unmuhts als sie zuvor gewesen / so
wohl waren sie nun zu muhte. Nun wollen wir diesen abend / sagte Gad
/rechtschaffen lustig sein. Der stein / der uns drükke /ist vom hertzen
verschwunden. Der kummer / der es klämmete / hat es verlassen. Josef mag nun
treumen /was er will. Der Vater mag ihm geben / und uns nehmen / was er will.
Beide mögen immerhin tuhn / was sie wollen. Wir haben unser erbteil in der hand.
Da wird es Josef nicht heraus treumen / und treumete er schon tausend Treume von
tausend Garben / von tausend Sternen / und tausend Rindsheuptern darzu. Die
Rinder seind unser: die Schafe nicht weniger. Sie werden auch wohl unser
bleiben.
    Indessen ersetzte sich Jakob zu hause mit seinem Josef. Allerhand reden
fielen vor: aber keine / die diesen argwähnischen nachteilig war. Ihre gespräche
lauteten viel anders. Jakob ermahnte seinen Sohn. Er ermahnte ihn zur Tugend.
Dan / sagte er / wan du die tugend lieben / und fest an ihr halten wirst; so
werden deine Treume gewislich erfüllet werden. Gewislich wird dich Gott zum
grossen Herrn machen. Das hoffe ich. Das wündsche ich. Ja das weis ich gewis.
Hiermit fiel er ihm üm den Hals / und küssete ihn hertzlich. Aber / fuhr er fort
/ wan dich der Allerhöchste also erhöhen wird / wilstu dann auch deines Vaters
und deiner Brüder gedenken? Wilstu ihnen auch helfen / wan sie deiner hülfe
nöhtig haben / und dich darum anlangen werden?
    Auf diese reden fing Josef bitterlich an zu weinen. Ach! Vater /
hertzallerliebster Vater / gab er zur antwort / wie sollte ich eurer vergessen?
Wie sollte ich meinen Brüdern hülfe versagen / wan sie meiner hülfe benöhtigt?
Keines von beiden wird nimmermehr geschehen. Auch werde ich nimmermehr zulassen /
dass euer graues heupt sich vor mir / etwas zu bitten / neugen sollte. Nimmermehr
wird ein solcher hochmuht mein hertz besitzen. Das sei ferne von mir. Würde ich
schon ein Herr über die ganze welt; so will ich dannoch euer treuester und
gehohrsamster Sohn verbleiben / so lange mir vergönnet sein wird / euch in
dieser sterbligkeit auf allerlei weise gefällig zu werden.
    Mit diesen und dergleichen freundlichen gesprächen brachten sie den ganzen
tag zu. Beide waren so wohl zu frieden / und so wohl vergnügt / dass sie die
künftige nacht recht süsse zu ruhen gedachten. Aber diese gedanken warden ihnen
bald vereitelt. Diese ruhe ward ihnen bald gestöhret. Sie waren gewohnet /dass
die heerden gegen den abend zu hause kahmen. Itzund kahmen sie nicht. Auch hatte
man von ihnen nicht die geringste zeitung. Niemand wusste / wo sie weideten.
Jederman ward hierüber betrübt. Jederman vermuhtete ein unglück. Die Weiber der
Söhne Jakobs lieffen herüm / und weineten. Etliche bildeten ihnen ein / dass
etwan die Araber eingefallen / und das vieh / samt ihren männern / weggeraubet.
Andere argwähneten sonst etwas. Jene dachte dis / diese das; ja alle das
böseste: keine das beste. Jakob selber war überaus bekümmert üm seine Söhne:
und Josef üm seine Brüder. Und solche bekümmernüs mehrete das wehklagen der
Weiber / das weinen der Kinder. Also ward diese nacht mit trauren und unruhe
zugebracht. Aber auf den Morgen berichtete Rubens Ehliebste /dass sie ihren man
sagen gehöret / er habe bei Sichem eine fette weide gefunden. Da stünde das grass
so geil / dass es jammer sei / solches nicht ab zu hühten. Ohne zweifel weren
ihre männer / mit dem viehe /dahin gezogen. Ohne zweifel hetten sie sich alda
verspähtiget / dass sie gestern abend nicht zu hause gekommen.
    Straks auf diese worte / und auf inständiges anhalten der weiber / befahl
Jakob seinem liebsten Sohne /sie zu suchen. Auf! auf! sagte er / mein lieber
Sohn. Setze dich auf meinen Persichen Gaul; damit du üm so viel geschwinder hin
/ und wieder her gelangen könnest / uns die zeitung zu bringen / wie es üm meine
Söhne stehet. Seume dich unterweges ja nicht. Reite tapfer fort: und lass uns
deine zurückkunft bald wieder erfreuen. Josef hatte zwar itzund nur das
siebenzehende jahr erreichet / und war seinem Vater so lieb / dass er mehr vor
ihn / als vor alles in der welt /sorgete. Gleichwohl konnte sich Jakob
entschliessen /ihn zu einer so gefährlichen verrichtung ab zu färtigen. Daraus
erblikte man sonnenklahr / dass er auch den andern Söhnen mit einer recht
Väterlichen liebe zugetahn war. Und also machte sich Josef auf: und der Vater
gab ihm den seegen.
    Als der abend zu nahen begunte / bekahm dieser bekümmerte Bruder die Heerden
/ bei Dotan / ins gesichte: dann bis dahin waren sie von Sichem abgetrieben. Er
fand sie in guhtem wohlstande. Auch erblikte er seine Brüder von ferne. Er sah
sie / ausser gefahr /frisch und gesund. Da verschwand alle seine bekümmernüs.
Alle seine unruhe verlohr sich. Da erfreuen sich sein hertz. Ja es begunte vor
freuden zu hüpfen. Er wündschte seinen Vater zugegen / ihm ein teil seiner
freude mit zu teilen. Er wündschte / dass seine augen sehen möchten / was ihm zu
sehen aufstiesse. Und diesen wundsch wiederholete er wohl tausend mahl.
    Aber wie erfreuet der guhtertzige Josef war / seine Brüder zu sehen; so
entrüstet warden sie / als sie ihn von weitem erblikten. Seht! seht! sagte Gad:
dort komt unser kundschaffer / unser verrähter / unser unterträhter an. Er wird
abermahl etwas bei uns ausspühren wollen / damit er uns bei dem Vater noch mehr
in die schmütze bringe. Sie haben vielleicht zu hause keinen plauderzeug mehr
ihr geschwätze fort zu setzen. Drüm komt der plauderer / der wäscher / der
treumer / seine ausgeleerte waschtasche wieder zu füllen. Sachte! sachte! bruder
/ sing der hönische Dan an. Du giebest ihm auch alzu verächtliche nahmen.
Dadurch beschimpfestu seine hoheit. Dadurch begehestu ein verbrechen der
verletzten Majestäht. Siehestu nicht / dass er in seinem königlichen stahtsrokke
einhertrabet? Bistu dann blind / dass du des Königlichen rosses unter ihm nicht
gewahr wirst. Eile straks Seiner Majestäht entgegen / und mache seinen traum
wahr. Wirf dich vor unserem Fürsten / vor unserem Könige nieder. Bähte ihn an.
Bitte ihn üm vergäbnüs. Flöhe ihn an üm seine gnade. Eben darüm hat ihn doch der
Vater auf sein allerköstlichstes pferd gesetzt. Um nichts anders komt er so
prächtig aufgezogen / als dass wir ihm mit dem alleruntertähnigsten fussfalle
begegnen sollen. Nichts anders hat er im sinne / als dass er uns durch seine
Majestäht will erschrökken. Nun /denkt er / müssen die Garben sich vor mir
bükken. Nun müssen die Sterne / selbst Sonne und Mohn sich vor mir neugen. Ja
keine andere gedanken hat er / als dass wir ihm / als unserem Obergebieter und
Könige /mit knechtischem gehohrsam / huldigen sollen.
    Was huldigen? fing Simeon das wort auf. Wir wollen ihm auf den kopf huldigen
/ dem Traumkönige /dem Schwarmfürsten / der er ist. Huldigen wollen wir ihm /
dass er es fühlen soll. Sein bunter Fürstenrok mus zerflauschet; er mus in seinem
bluhte gepurperfärbet werden. So bekömt er eine recht königliche farbe. Warüm
fallen wir ihn nicht straks an? Warüm reissen wir ihn / den hoffärtigen
Prahlfürsten / nicht straks zu bodem? Der stoltze hochtrabende kopf mus
herunter. Den aufgeblasenen hochbrüstigen rumpf mus die erde verschlingen / oder
die schündgrube den hunden zu fressen geben. Das sei ihm geschwohren. Zu diesem
schwuhre seind wir alle verbunden.
    Hiermit ging das fluchen / das rasen / das toben erst recht an. Fast die
meisten wühteten / als die ein toller hund gebissen. Ruben aber und Judah
trahten abermahl ins mittel. Diese suchten Josefs leben zu retten. Versündigt
euch nicht / sagten sie / an eurem Bruder. Besudelt eure hände ja nicht mit
seinem unschuldigen bluhte. Dieses bluht wird uns vor Gott anklagen / und üm
rache rufen. Dieses bluht wird unsern alten Vater in die grube bringen. Ja es
wird unser gewissen uns zu einem ewig nagendem wurme machen. Dis allein würde
vor uns strafe genug sein: ob schon der Richter im Himmel stil darzu schwiege.
Aber er wird nicht schweigen. Er hat seine strafruhte schon in der hand. Was
sage ich von der ruhte? Sein schwert hat er gewetzet. Damit dreuet er uns zu
verderben. Gedenket doch an Kain / den erst gebohrnen aller Menschen. Er beging
auch einen brudermord am Abel. Aber Abels bluht schriehe zu Gott: und was Gott
vor rache ausgeübet / ist euch nicht unbekant.
    Als sie aber sahen / dass diese bluhtdürstigen /durch solche reden / nach
Josefs bluhte nur dürstiger warden; so hingen sie den mantel nach dem winde. Sie
stelleten sich mit ihnen in ein horn zu blasen. Sie billigten ihre Meinung. Doch
/ sagten sie / die sache mus behuhtsam angegriffen werden. Die knechte müssen
nichts darvon wissen. Wir müssen ihn heimlich aus dem wege reumen. Sonst möchte
es lautbar / und wir wieder getödtet werden. Zum wenigsten würde es uns zur
ewigen schände gereichen. Gad meinte /durch zaudern würde man die gelegenheit
verlieren. Man diese einmal entwischet / liesse sie sich schweerlich wieder
fassen. Ihr ganzes hinterteil sei mit einer schlüpfrigen ahlhaut überzoge. Wan
sie den rükken kehrete / were sie nicht wieder zu erhaschen. Darüm müste sie /
wan sie sich von vornen zeigete /fest gehalten werden. Ich sage nicht / warf
Judah hierauf ein / dass man die gelegenheit aus der hand lassen soll. Ich rahte
nur / dass man sich derselben klüglich gebrauchen / und sich nicht übereilen soll.
Mit der gelegenheit mus sich zeit und ort fügen. Wan der diebstal soll
verschwiegen werden / mus nicht / mit der tühre / der dich ins haus fallen.
Sonst wird er /durch das gepolter verrahten. Auch mus er nicht bei tage
einbrechen. Der tag hat alzuviel augen und ohren. Man mus nicht so straks
zuplumpen. Heimlich und leise mus man schleichen. Vorsichtig mus man handeln. Im
dunkeln mus man wandeln. Am rechten orte mus man beginnen.
    Indem sie also redeten / stieg Josef vom pferde /und ging vollend zu fusse
nach ihnen zu. Er neugte sich ganz ehrerbietig. Meldete ihnen des Vaters grus
und seegen an. Verständigte sie / wie hoch er sich ihrentwegen bekümmerte: wie
hertzlich er sich befahrete / es möchte ihnen etwan ein unglück begegnet sein;
weil sie gestern abend nicht zu hause gekommen / und man keine einige zeitung
von ihnen gehöret. Aus diesen ursachen habe ihn auch der Vater anher geschikt
/den rechten grund zu vernehmen.
    Kaum hatte Josef diese werte volendet / als man ihn / ohne einige antwort /
schon zu greiffen begunte. Simeon / weil er der stärkste war / musste seine
feuste darzu lehnen. Er musste ihr häscher / ihr hänkersknecht / und stokmeister
sein. Er musste ihn binden / und in seine verwahrung nehmen. Unterdessen trahten
die andern seitwärts ab. Sie berahtfragten sich bei Ruben / was man weiter tuhn
sollte. Dieser hette den Josef gern gerettet / und wieder zu seinem Vater
gebracht. Aber er durfte sich dessen im geringsten nicht verlauten lassen. Sie
hatten ihm den tod geschworen. Das wusste er. Ja er wusste / dass ihre neidische
hertzen so gar erbittert weren / dass / wofern er von seiner lebenserhaltung
redete / sie ihn straks tödten würden. Und darüm sprach er sie also an.
    Weil allen Söhnen Jakobs / welche Rahel nicht geboren / ein unglück gedreuet
wird: so were ich wohl töhricht / mir ein zu bilden / dass ich und meine kinder
dessen entohnigt sein würden. Ich bin mit unter derselben zahl. Ich würde / wan
es ergehen sollte / dem Josef so wohl dienen müssen / als ihr. Ich würde eben
sowohl sein leibeigner sein müssen / als ihr. Meine erste gebührt würde mir
nichts helfen. Der erste würde so wohl das joch tragen müssen / als der letzte.
Und darüm mus ich meinen unglückke selbst vorbauen. Darüm mus ich meiner
sicherheit selbst rahten. Ja darüm mus ich nohtwendig rahten / dass Josef
vertilget werde. Hierinnen beruhet unsere algemeine wohlfahrt. Aber dass wir
unsere hände selbst an ihn legen sollen / rahte ich itzund eben so wenig / als
vorhin. Dan also begingen wir einen Brudermord. Ja wir begingen zugleich einen
Vatermord. Was könnte greulicher gedacht werden? Wan wir den Vater seines
liebsten Sohnes beraubten / würden wir ihn nicht zugleich seines lebens
berauben? Würden wir ihn nicht muhtwillig in ein unaussprechliches hertzleid /
und durch dieses gar in die grube bringen? Ich will mehr sagen. Würde nicht
Josefs bluht über uns rache fordern? Würde nicht des Vaters fluch / an statt des
seegens / über uns kommen? Würde nicht Gottes fluch selbst uns treffen? Würde
nicht unser gewissen unaufhörlich uns ängstigen / und so erschröklich foltern
/dass wir nicht wüsten / wo aus oder ein? Und darüm müssen wir in alwege auf
einen andern und bessern raht bedacht sein. Wir haben einen eidschwuhr abgelegt
/ zu Josefs verderben. Der mus volzogen sein. Aber wie? Es mus zum wenigsten den
schein haben /als hetten wir uns selbst weder an Gott / noch unserem Vater /
noch unserem Bruder vergriffen. Nun wohlan! weil man aus zwei unümgänglichen
bösen das beste erwählen mus; so will ich aus einem zweifachen rahte / der in
diesem handel allein statt kann finden / auch den besten anrahten. Durch dessen
volziehung wird unser eidschwuhr volbracht / und Josef gleichwohl nicht / durch
unsere hand selber / ümgebracht werden. Ich und Sebulon haben neulich / in
jenem walde / eine Wolfsgrube gefunden. Darein wollen wir ihn werfen. Da wird er
genug aus dem wege gereumet / und unser eid volbracht sein. Da mögen ihn andere
Väter und Mütter / ja andere Brüder / nach seinem traume / dienstlich ehren und
anbähten / wie sie wollen.
    Diesen raht billigten und bewilligten sie alle. Ja sie priesen seinen klugen
erfinder. Dem ward auch / zusamt dem Judah / und Sebulon / alsobald die
volziehung anbefohlen. Hierauf zogen sie dem unglückseeligen Josef seinen
köstlichen buntgestikten überrok aus: welcher fast die erste und fürnehmste
ursache ihres neidischen grolles gewesen. Ja sie rissen ihm auch selbst den
unterrok vom leibe. Und also ward er nach der Wolfsgrube zugeführet. Alda lies
man ihn mit strükken / damit er nicht beschädiget würde / hinunter. Ruben aber
hatte bei sich beschlossen / ihn in der nächstkünftigen nacht heimlich wieder
heraus zu ziehen / und seinem Vater zu bringen. Und eben zu dem ende ging er von
seinen brüdern weg. Er gab vor / eine andere weide zu suchen. Aber sein einiger
wundsch war seinen guhten vorsatz zu volziehen. Er dankte Gott / dass er ihm
diesen raht eingegeben. Er verlangte nach der nacht: und das übrige dieses tages
dünkte ihn so lang zu sein / als sonst zween volle tage.
    Mitlerweile erblikten die andern brüder / auf der heerstrasse von Gilead /
eine grosse Gespanschaft der Ismaeler. Diese hatten Würtze / balsam / und mirren
aus Arabien gehohlet. Damit gedachten sie nach Egipten. Sehet / alhier / sagte
Judah / bekommen wir das rechtgewündschte mittel / Josefs ohne bluhtvergiessen /
los zu werden. Was hilft es uns / dass sich unsere hände an ihm vergreiffen? Er
ist ja unser Bruder / unser fleisch und bluht. Komt! wir wollen ihn den
Ismaelern verkauffen. Diesen worten gehorchten die andern. Von stunden an
lieffen Gad und Judah hin / und zogen den Josef aus der Wolfsgrube. Auch
verkauften sie ihn vor dreissig silberlinge: wiewohl sie nur zwantzig bekanten.
Aber sie bedungen darbei: dass die Keuffer ihn nicht wieder in der nachbarschaft
verkauften. Er sollte in ferne länder geführet werden. Das bedungen sie
ausdrüklich. Dan sie gedachten / kommet er so weit in die fremde / so wird er
uns nicht mehr im wege stehen. Und so wird er ein ewiger leibeigner / dessen
leibeigne wir zu werden uns besorgten. Aber Simeon / der mitlerweile zu Sichem
gewesen / war viel anders gesinnet. Dan als er wiederkahm / und den Josef
verkauft sah / erzürnete er sich über den Judah dermassen / dass er ihm den tod
dreuete. Auch were den worten gewislich die taht gefolget; wo es Gott nicht
verhindert. Die hand /damit er ihm dreuete / verdorrete zusehens. Und also konnte
er seine Bosheit nicht volbringen. Als nun die Ismaeler etliche meilen wegwaren
/ überfiel die verkeuffer alle eine plötzliche reue. Itzund bedachten sie erst /
was vor ein schelmenstükke sie an ihrem Bruder verübet. Itzund kahmen sie erst
wieder zu sich selbst. Itzund hetten sie ihn auch üm noch zehnmahl so viel gern
wiedergekauft. Aber es war zu spähte.
    Mit dieser reue überfiel sie zugleich die nacht. Ruben war froh / dass die
gewündschte zeit / den Josef zu erlösen / herzu nahete. Er verzügerte nicht
lange. Er ging / ja er lief eilend nach der Wolfsgrube zu. Alle tritte waren
schritte. Alda fällete er einen mittelmässigen baum. Dessen zakken hieb er rund
herüm so weit ab / dass sie zu leitersprossen dienen konten. Hiermit begab er
sich zur grube: und lies den baum hinunter / damit Josef an demselben herauf
stiege. Darnach legte er sich beuchlings darvor nieder. Josef! rief er /
liebster Bruder! Aber der widerhal rief eben die worte zurückke. Er wiederhohlte
sie noch ein mahl / mit viel stärkerer stimme. Der widerschal rief sie abermahl
nach. Endlich schrie er mit vollem halse: Bruder schläfstu? Der gegenhal fragte
gleich also: ob er schlieffe? Ja er wiederhohlete diese worte etliche mahl: und
wie oft er sie wiederhohlte / so oft warden sie ihm nachgesprochen. Ruben
gedachte an den widerschal ganz nicht. Darüm ward er über diesen nachruf seiner
worte so bestürtzt / dass er nicht wusste /wie ihm geschahe. Er stund im zweifel /
ob Josef selbst / oder aber sein Geist / mit ihm redete. Zum allerletzten rief
er: Ach! liebster Bruder / bistu todt? Da hörete er / was er fürchtete zu hören
/ und nicht zu hören wündschte / das letzte wort todt widerschallen. Ach! sagte
er darauf / bistu todt? Ach! wollte Gott! ich were vor dich gestorben.
    Man kann ihm leicht einbilden / wie dem guhten Ruben zu muhte gewesen. Die
trähnen / die er vergos / waren nicht zu zehlen: die seuftzer / die aus seinem
hertzen stiegen / noch viel weniger. Die schmertzen /die er fühlete / konnte
keine feder beschreiben. Keine zunge war so beredt / seine hertzensangst aus zu
drükken. In solcher eusersten betrübnüs brachte er die ganze nacht zu. Ja vor
grossem wehleiden verfluchte er auch seine Brüder. Er schalt das verhängnüs. Er
murrete wider das gestirne / ja endlich gar wider Gott selber. Und in solchen
halbunsinnigen gemühtsbewegungen kahm er zu seinen Brüdern /eben als die dunkele
nacht der liechten morgenröhte gewichen.
    Hatte Ruben zuvor aus wehleiden gefluchet / so donnerte er itzund aus
übermässigem zorne. Eine iede rede war ein donnerschlag: ein iedes wort ein
donnerkeul. Seine augen wetterleuchteten. Ihre blikke blitzten / und schossen
feurige strahlen. Mit lauter donnerschlägen öfnete sich sein mund. Mit eitel
donnerkeulen bewegte sich seine zunge. Seine stimme brummete und summete. Ihr
nachklang knasterte und prasselte. Sein ahtemwind stürmete so gewaltig / dass er
alles gleichsam zerschmetterte. Und seine sprache brach mit solchem greulichen
gekrache heraus / dass alles darvor erzitterte. Durch ein solches unwetter sprach
er seine brüder an. Durch ein solches donnerwetter gab er ihnen den morgengrus.
Ihr Brudermörder! sagte er / welcher Teufel hat euch getrieben euren Bruder zu
ermorden? Welcher höllische geist hat eure faust beweget / an der Unschuld
selber einen mord zu begehen? Welcher Engel der fünsternüs hat euch so
verblendet / dem das tagelicht zu rauben / den der Himmel zu eurer Sonne
bestimmet? Welches Gespånste des abgrundes hat euch so bezaubert / dem das leben
zu nehmen / den das gestirne zum erhalter des eurigen erkohren? Welche Unholdin
aus dem höllischen giftpfuhle hat euer hertz so vergiftet / dem lieb-und
hold-seeligen Josef / durch das allerfeindlichste /ja mordtähtigste beginnen /
aus dem mittel zu reumen? O ihr ehrvergessene schänder des ganzen stammes der
redlichen Ebreer! o ihr Gottsvergessene Höllenbrände! o ihr greuliche
Natterngezüchte der pech-und schwefel-sümpfe des Abgrundes! Ach! du gerechter
Himmel! Dieses wort fing ihm Judah plötzlich auf / seinen zorn zu stillen. Der
Himmel / sagte er / ist freilich gerecht. Er hat es so wohl geschikt / dass er
Josefs leben in seine beschirmung genommen.
    Das sage / das klage ich eben / fuhr Ruhen fort /dass ihr ihm das leben
genommen. So verstund er diese reden; weil er / aus übermässiger entzükkung
seiner sinnen / sie nicht recht hören. Doch bekahm er endlich seinen verstand ie
mehr und mehr wieder. Er kahm wieder zu sich selbst. Und da vernam er erst recht
/ dass Josef noch lebete. Da sah er das geld /darvor ihn seine Brüder verkauft.
Das verfluchte er. Das verspiehe er. Aber was wollte er tuhn. Es war geschehen.
Er war verkauft. Das zeichen sah er vor augen. Darüm sagte er: besser verkauft
/ als ermordet. Nun habe ich noch diesen trost: Gott ist getreu. Verlesset schon
den Josef sein ungetreues Gebrüder; so wird doch der Himmel ihn nicht verlassen.
Aber womit bedekken wir indessen diesen häslichen schandflek vor der ehrbaren
welt? Womit trösten wir unsern alten Vater? Der wird sich todt grähmen / wan er
erfähret / dass ihr seinen Sohn verkauft. Hierauf stiegen ihnen allen die trähnen
ins gesichte. Sie wündschten es ungeschehen. Aber wündsche seind winde; und
fliegen mit den winden darvon. Dieser wundsch nützte weniger / als nichts.
Niemand war damit geholfen.
    Nachdem sie lange genug gekårmet / und sich nun müde gehärmet hatten /
vermeinten sie / es sei besser den Vater in ein kurtzes hertzleid / als in eine
ewige bekümmernüs zu bringen. Sie beschlossen / ihn / auf Dans einrahten / zu
bereden / Josef sei todt. Er sei von den wilden tieren zerrissen. So /
vermeinten sie /würde er eher zu trauren aufhören / als wan sie gerade zusagten
/ dass sie ihn zum leibeignen verkauft: dadurch sie sich zugleich in eine ewige
schande stürtzten. Und darüm verwundeten sie erstlich dem Persischen leuffer /
darauf Josef geritten / die schenkel; damit man vermeinen sollte / die wölfe
hetten ihn also zerbissen. Hierauf führeten sie ihn bei nachtzeit nach ihres
Vaters hofe zu. Nicht weit darvon liessen sie ihn lauffen / und aus begierde zum
futter / seinen stal suchen. Und also liessen sie dieses pferd ihrem Vater die
erste zeitung vom tode seines Sohnes bringen.
    Auf den morgen schlachteten sie einen ziegenbok. In desselben bluht tunkten
sie den bunten rok ihres Bruders; nachdem sie ihn zerrissen. Und also schikten
sie ihn / mit Isaschar und Sebulon / zum Vater. Sebulon sprach: Ach! Vater /
diesen bluhtigen rok haben wir gefunden. Siehe zu / ob du ihn kennest. Jakob
kennete ihn alsobald / und antwortete: es ist meines Sohnes rok. Ein böses tier
hat ihn gefressen. Ein reissendes tier hat ihn zerrissen. Ach! Josef! Josef! wo
seind nun deine Treume? O ihr betrüglichen treume! O ihr Himmel! warüm habet
ihre meine deutungen vereitelen / und meine hofnung vernichtigen lassen? Mit
diesen erbärmlichen worten / drükke er den Rok an seine brust. Er küssete das
bluht so hertzlich / als wan es seines Sohnes eigenes bluht gewesen. Und also
ward Jakob vergolten / was er an seinem Vater Isaak verschuldet. Er hatte ihn
mit Esaus / seines liebsten Sohnes / Rokke betrogen. Nun mussten ihn seine Söhne
wieder mit seines liebsten Sohnes Josefs Rokke betrügen. Die schmertzen / welche
dieser traurige Vater über einen so unglücklichen todesfal seines so lieben
Sohnes empfand / können mit keinen gedanken erreichet / viel weniger mit einiger
feder beschrieben werden. Er zerris seine kleider. Er legte einen trauersak üm
seine lenden; und beweinete seinen Sohn lange zeit. Es kahmen zwar alle seine
Söhne / und Töchter / ihn zu trösten. Aber er wollte sich nicht trösten lassen.
Ach! sprach er: ich werde mit leide zu meinem Sohne / in die grube /
hinunterfahren. Ja er stellete sich so gar erbärmlich an /dass es ein stählernes
/ ein demantenes hertz zum mitleiden bewegen musste. Wie es nun nach meinem
wegzuge weiter abgelauffen / weis ich nicht. Aber das weis ich wohl / dass man
vom unglücklichen Josef keine einige zeitung / so lange er ist verkauffet gewesen
/ bekommen.
    Die Königliche Fürstin war / durch diese erzehlung / überaus vergnügt. Ja
sie hette wohl eine ganze nacht zugehöret. Sie fragte den Jüngling vielmahls:
ob er vom Josef ganz nichts mehr wüste? Sie wollte gern alles erfahren. Alles
wollte sie wissen. Als er aber sagte / dass ihm nichts mehr bewust sei; da lies
sie ihn wieder von sich: und verboht ihm / bei verlust seines lebens / dass er
sich gegen niemand sollte verlauten lassen / warüm sie ihn entbohten / oder was er
ihr vom Josef erzählt. Er sollte reinen mund halten. Er sollte auch des Josefs
nicht einmal erwähnen. Und hiermit begab sich der Ebreer wieder hinunter in die
küche.
    So bald er weg war / brach die Fürstin gegen ihre Kammerjungfrau alsobald
mit diesen worten heraus: Josef wird gewislich / sagte sie / derselbe Fremdling
sein / davon die Götter gesprochen. Er wird derselbe sein / der so volgewaltig
über Egipten soll herschen. Ich höre es aus allen ümstånden. Er ist es / dem
Assenat werden soll. Er ist es / in dessen armen sie ruhen soll. Er wird es sein /
und kein ander. Das weis ich. Das wündsche ich. Das hoffe ich: ja das gleube ich
ganz gewis. Zur glücklichen stunde ist dieser Jüngling hier angelanget: der mir
alle begäbnüsse des Josefs erzählt. Ja zur glücklichen stunde habt ihr den Josef
selber gesprochen: der euch den Ausspruch der Götter so deutlich erklähret.
Dieser tag ist mir ein glücklicher tag. Dieser abend ist mir ein glücklicher
abend: da mir die Götter beides so wunderbahrer weise geoffenbahret: da ich so
viel wunders erfahren /so viel seltzames gehöret. An diesen abend will ich
gedenken / so lange ich lebe. Und wollten die Götter /dass ich den abend auch so
glücklich erleben möchte /da Assenat in Josefs armen soll ruhen. Was vor freude
würde wohl ich empfinden / ein so schönes / ein so edeles / ein so liebes Paar
gepaaret zu sehen. Anders ist es nicht: es mus geschehen. Der himmel hat es also
verhänget. Die Götter haben es also beschlossen. Und darüm wollen wir dem
verhängnüsse / mit stilschweigen / zusehen. Mit stilschweigen lasset uns die
erfüllung dieses Göttlichen rahtschlusses erwarten. Wir können nichts tuhn / als
schweigen / und der zeit erwarten. Darüm / wan ihr gefraget werdet / was ich mit
diesem Ebreischen Jünglinge geredet; so gebet kurtzen bescheid: dass ihr nichts
darüm wüstet; dass ich in meinem geheimen beizimmer allein mit ihm gesprochen;
dass ihr es nicht angehöret. Ich will wohl wissen / was ich tuhn soll. Niemand wird
etwas aus meinem munde erfahren: auch Assenat selbst nicht; wiewohl ich sie
liebe / als meine seele. Und eben üm dieser liebe willen / will ichs vor ihr
verschweigen: doch gleichwohl auch die erste sein / die ihr alles erzählen wird.
Aber ich mus zuvor die zeit ersehen / da es ihr zu wissen dienet.
    Hiermit stund die Königliche Fürst in auf / sich entkleiden zu lassen. Die
Kammerjungfrau verrichtete diesen dienst: und schied endlich wohlvergnüget von
ihr. Wohlvergnüget ging sie in ihre schlafkammer: da sie / eh ihr der schlaf die
augen zuschlos / alles / was sie den vergangenen tag gehöret / überdachte. Und
in diesen gedanken begab sie sich zur ruhe. Der schlummer überfiel sie: aber das
hertz blieb wakker. Die ganze nacht durch spieleten ihre gedanken. Die
einbildung stellete ihr den schönen Leibeignen bald so /bald anders vor. Bald
sah sie die Assenat in seinen armen. Bald erblikte sie ihn im Königlichen
staht. Eben dasselbe widerfuhr auch der Königlichen Fürstin. Und üm die
morgenstunde hatte eine iede einen sonderlichen traum.
    Nitokris treumete: dass sie einen schönen und jungen Stier zehn tage lang in
Potifars hofe sah / und darbei ein junges schneeweisses Fährsichen; welche sich
beide sehr freundlich gegen einander gehabten. Darzu kahm endlich eine junge
Hindin: welche anfangs dem Stiere schmeuchelte; aber ihn / als er ihr nicht auch
schmeuchlen wollte / zuletzt in ein fünsteres loch stiess. Darinnen blieb er drei
tage lang / bis ihn ein Krokodil wieder heraus gezogen: da dann der Stier eben
auch als in einen Krokodil verändert schien.
    Aber Semesse hatte diesen träum. Es kahm ihr vor / als wan sie einen fremden
Vogel / nicht wusste sie in was vor einem hause / gesehen. Dieser Vogel war
überaus schön von farbe / und sah fast aus / als ein Habicht. In einem bauer
sass ein junges Egiptisches Störchlein; welches er sehr lieb hatte / und oft vor
den bauer flog / mit ihm zu spielen. Aber der bauer war rund ümher zu / und die
tühre so wohl verwahret /dass er nicht hinein konnte. Auch ward sie einer jungen
Henne gewahr. Diese ging anfänglich von ferne üm den Habicht herüm. Darnach kahm
sie ihm immer näher und näher. Endlich bewiese sie ihm etliche liebeszeichen mit
pikken. Der Habicht aber kehrete sich an nichts. Er stellete sich / als
verstünde er nicht / was sie meinte. Alda befand sich auch ein alter Hahn. Wan
dieser aus seinem Hühnerhause herfür traht /verlies die Henne den Habicht. Doch
kahm sie straks wieder / so bald der Hahn den rükken gewendet. Sie klukkerte /
sie kürrete rund üm den Habicht herüm. Sie pikte ihm erst nach den pfoten / und
dann nach dem schnabel. Endlich / als er unbeweglich / und ihr lieblen gleichsam
zu verschmähen schien / ergrif sie ihn mit dem schnabel bei den federn. Er aber
ris sich los /und flohe darvon. Eben kahm der alte Hahn wieder herfür. Dem lief
die Henne / mit des Habichts federn im schnabel / straks entgegen. Eine guhte
weile klukkerten sie miteinander. Ohne zweifel gab die Henne dem Hahne zu
verstehen / dass ihr der Habicht gewalt zufügen wollen. Dan der Hahn stellete
sich /nach langem geklukkere / ganz ergrimmet an. Der kam / der zuvor bleich
gewesen / war nunmehr ganz feuerroht. In solchem erbossten wesen lief er dem
Habichte nach / und jagte sich so lange mit ihm herüm /bis er ihn in ein
kellerloch getrieben. Vor diesem loche hielt der Hahn drei stunden
langschildwache; damit der Habicht nicht darvon kähme. Aber ein Leue jagte den
Hahn vor dem loche weg; und erlösete also den Habicht / der sich in einen Adler
zu verändern schien / aus seiner gefängnüs.
    Kaum hatte sich Semesse aus ihrem bette erhoben /als sie schon nach der
Nitokris zimmer zueilete / ihr diesen wunderseltzamen Traum zu erzählen. Aber
die Fürstin kahm ihr zuvor. Ach! Semesse / Semesse! schriehe sie auf / so bald
sie die Jungfer erblikte. Ach! höret doch / was ich vor einen wunderlichen traum
gehabt. Und eben damit begunte sie ihn zu erzählen. Als er geendiget war / da
erzehlte die Kammerjungfrau den ihrigen auch. Beide stunden über diese beiden
treume bestürtzt. Eine lange weile waren sie sprachloss. Die Fürstin brach
endlich in diese worte aus. Es seind / sagte sie / einerlei treume. Sie zielen
auf einerlei selbstände. Doch der eurige ist dunkeler / als der meinige. In
diesem finde ich den ort / und die zeit / da seine bedeutung soll erfüllet
werden. in eurem aber nicht. Ich sah alles in Potifars hofe geschehen: und zwar
in zehen tagen; darauf noch drei tage folgeten. Damit war alles zum ende. Ohne
zweifel wird Assenat mit im spiele sein: wo nicht auch Josef. Ohne zweifel
werden die dreizehen tage dreizehen jahre bedeuten. Assenat ist itzund
achtjährig / aber nach dreizehen jahren wird sie im ein und zwanzigsten sein.
Dieses jahr ist eben dasselbe / das ihr die Götter /durch ihren Ausspruch / zu
ihrer vermählung mit dem fremden Herrn bestimmet. Was ich gestern aus der
deutung des Göttlichen ausspruchs / und aus der erzehlung des Ebreers vom Josef
/ geschlossen; dasselbe wird ohne zweifel durch diesen meinen träum bekräftiget.
Ja dass dieser mein traum gewislich wird wahr werden / schliesse ich daraus: weil
der eurige auf eben dasselbe zielet; zumahl weil wir beide treume an einem
morgen / und zu gleicher zeit gehabt.
    Wen soll aber / fing die Kammerjungfrau an / der Stier / und das Fährsichen /
mit der Hindin; ja was soll es / dass der Stier in einen Krokodil sich verändert /
bedeuten? Der Stier / den ich sah / und euer Habicht bedeuten einerlei: so auch
mein Fährsichen / und eure junge Egiptische Störchin; meine Hindin / und eure
Henne / ja mein Krokodil / und euer Leue des gleichen. Aber auf wen sie
eigendlich zielen / und was es bedeutet / dass mein Stier in einem Krokodil /und
euer Habicht in einen Adler verändert worden /weis ich nicht zu sagen. Auch weis
ich nicht / worauf euer alter Hahn / des gleichen ich in meinem traume nicht
finde / zielen soll. Ja was soll ich sagen? Diese beiden treume seind mir viel zu
wunderlich / und meinem verstande viel zu hoch. Wir müssen einen andern
Traumdeuter suchen. Aber wo sollen wir ihn finden? Niemand wird hierzu
geschikter sein / als Josef. Darüm kleidet euch straks an. Machet euch flugs
färtig / und geht zu ihm. Erzehlet ihm alle beide treume von stüklein zu
stüklein. Aber in dem meinigen lasset Potifars hof / und die zeit der zehen /
und drei tage weg: weil uns beides schon klahr genug ist / also dass wir keinen
ausleger darzu bedürfen.
    Semesse volbrachte diesen befehl alsobald. Josef stund eben in der tühre /
da sie ankahm: Und die Jungfrauen / zusamt der Mutter / hatten sich in der Isis
Götzenhaus begeben / ihren Götzendienst zu verrichten. Daher war sie froh / dass
sie so eine gewündschte gelegenheit angetroffen / den Josef allein zu sprechen.
Sie grüssete ihn sehr freundlich: und er unterlies auch nicht / ihr mit eben so
freundlichem gegengrusse zu begegnen. Nach wenigen wortgeprängen diente sie ihm
straks an / dass sie / ihrer Fürstin wegen / was geheimes mit ihm zu reden hette.
Hierauf führete sie Josef in den saal: da sie dann ihre worte straks also
anbrachte. Meine Fürstin / sagte sie / hat in der nächstverwichenen nacht einen
Traum gehabt; und ich selbst zwar einen andern / doch einen solchen / der jenem
in allen stükken fast gleich ist. Weil nun diese zwee gleiche treume / die uns
beiden / auch in gleicher zeit / ja in einer stunde / zugleich aufgestossen / was
sonderliches bedeuten werden; so habe ich / auf meiner Fürstin befehl / die
kühnheit gebrauchen müssen / ihn üm eine gründliche auslegung derselben an zu
langen. Hierdurch wird er nicht allein die königliche Fürstin / die ihm ohne dis
schon sehr hoch gewogen / zur höchsten gnade / sondern auch mich selber zur
höchsten wilfärtigkeit verpflichten.
    Josef begunte seinen kleinen verstand in dergleichen dingen straks vor zu
wenden. Er entschuldigte sich aufs höchste. Er suchte die allerersinlichsten
ausflüchte. Er wiese sie zu den Priestern / die darinnen weit mehr geübet weren
/ als er. Ja er schlug die Kaldeer vor / derer tägliches handwerk es sei /
dergleichen geheimnüsse zu ergründen. Aber ie mehr er ausflüchte suchte / ie
mehr sie zuflüchte fand. Je mehr er seinen verstand verkleinerte / ie grösser
sie ihn machte. Ja / sagte sie / seine gestrige erklährung des Göttlichen
ausspruches ist so unvergleichlich guht und so fürtreflich gewesen / dass wir /
in einer so schweeren und wüchtigen sache / zu niemand anders / als allein zu
ihm / unsere zuflucht nehmen. Kein Priester / kein Kaldeer / ja niemand im
ganzen Egipten hat eine so gründliche / eine so volkommene erklährung über
gemelten Ausspruch tuhn können / als er. Und eben darüm haben wir auch von
niemand / als allein von ihm / dergleichen auslegung unserer treume zu gewarten.
    Weil nun Josef sah / dass alle seine einwendungen nichts verfingen; so
entschlos er sich endlich die Semesse / so viel ihm müglich / zu vergnügen. Ich
vermärke wohl / sagte er / dass ich gestern meinen vorwitz / aus unwitz /
alzubloss gegeben. Ich vernehme wohl / dass meine alzumilde vermessenheit ihre
einbildung überteubet. Dan ich sehe / dass sie mich vor denselben helt / der ich
nicht bin. Ich befinde / dass sie meinen verstand hoher schätzet / als er gelten
kann. Ja ich spühre / dass sie mit gewalt von mir zu wissen begehret / was ich
nicht weis. Darüm / solcher ihrer einbildung zu liebeln / mus ich noch
vermessener werden. Ihr zu gefallen werde ich gezwungen in einer angefangenen
verwägenheit / die ich sonst vor einen fehler schätze / zu verharren. Ja was will
ich sagen? Das gebot der königlichen Fürstin ist mein spohren. Und so mus ich /
ob ich schon sonsten nicht wollte. Hier steht der befehl. Dem mus sich mein wille
unterwerfen. Kan ich nicht tähtig / so mus ich doch willig gehorchen. Und dieser
so willige gehorsam wird die verwegenheit meiner taht entschuldigen; ja selbst
der königliche befehl meinen fehler bedekken. Wan es ihr dann beliebt / so lasse
sie mich vernehmen / was sie getreumet.
    Hieraus erzehlete die Kammerjungfrau ihre Treume / wie es ihr die Fürstin
befohlen. So bald sie ausgeredet / fing Josef an. Beide Treume / sprach er /
seind einerlei / wie sie sagt: und daher üm so viel leichter aus zu legen. Dan
einer erklähret den andern. Auch was dem andern fehlet / ergäntzet der andere.
Der schöne junge Stier / bedeutet einen schönen Jüngling: das junge Fährsichen /
eine sehr zahrte Jungfrau / die noch nicht volkömlich erwachsen: die Hindin /
eine schöne hurtige Frau. Diese Frau wird in den Jüngling sich verlieben. Sie
wird ihn strählen; aber er wird sie nicht achten. Und weil er ihr keine
gegenliebe bezeiget; wird sie ihn / aus zorne / verfolgen / ja gar ins gefängnüs
bringen. Dass aber ein Krokodil den Stier aus dem fünsteren loche erlöset / und
der Stier darnach selbst als in einen Krokodil verändert geschienen; solches
bedeutet / dass ein Egiptischer König den Jüngling aus dem gefängnüsse los / und
gleichsam zum Könige in Egipten machen werde. Dan der Krokodil ist der
Egiptischen Könige sinbild: welche sich auch selbst Faraonen / das ist
Krokodillen / zu nennen pflegen.
    In dem ihrigen bedeutet der fremde Vogel / der wie ein Habicht aussah /
eben auch einen Jüngling / der fremde oder ausländisch / und schön / auch eines
feurigen / ja fast Göttlichen verstandes / nach der eigenschaft des Habichts /
sein wird: die junge Egiptische Störchin / eine noch junge Jungfrau / die in
Egipten geboren: der wohl verwahrte Vogelbauer / darinnen diese Störchin
gesessen / ein Kloster / oder sonsten etwas / darinnen sie / in genauer
verwahrung / erzogen wird: die junge Henne / eine junge Hausfrau; welche dem
Jünglinge zuerst von ferne / darnach in der nähe ihre liebe wird blikken lassen:
der alte Hahn / einen alten Ehman; in dessen gegenwart die junge Frau nicht wird
dürfen märken lassen / dass sie den Jüngling liebt. In seinem abwesen aber wird
sie ihm üm so viel mehr liebeszeichen erweisen. Ja / weil er weder mit
liebesblikken / noch mit lieblenden worten zur gegenliebe zu bewegen ist /wird
sie ihn endlich gar mit gewalt darzu ziehen wollen / ihren willen zu volbringen.
Er aber wird ihr entspringen. Hierauf wird die Frau den Jüngling bei ihrem alten
Ehliebsten / aus übermässigem zorne wegen ihrer verschmähung / fälschlich
anklagen / und ihn bewegen / dass er den Jüngling gefänglich wird setzen lassen:
welches durch das jagen ins kellerloch angedeutet wird. Dass aber ein Leue / als
ein königliches tier / den Hahn vor dem loche wegtreibet / und den fremden Vogel
/ der sich darnach gleichsam in einen Adler / der auch ein königlicher vogel ist
/ verändert; solches bedeutet / dass ein König den Jüngling erlösen / und in den
königlichen stand erhöben wird.
    Wan man nun diese beiden Treume / deren der eine den andern / wie ich gesagt
/ sehr ahrtig erklähret /zusammenhelt; so kommet diese volkommene bedeutung
heraus. Nähmlich es wird sich irgendwo ein junger und schöner Ausländer /
welcher / gleichwie der Göttliche und der Sonne geheiligte Habicht / eines
feurigen geistes ist / mit einem schönen noch unmanbahrem Egiptischen
Jungfreulein / das man in scharfer aufsicht und genauer bewahrung / vielleicht
in einem Kloster / erziehet / zusammen aufhalten; und dieses Jungfreulein lieben
/ auch ihrer gegenliebe geniessen. Es wird aber eine Ehfrau / die schöne / jung
/ und munter / auch desselben ortes / da jene zween sich befinden / gebieterin
ist / darzwischen kommen / und in den Jüngling sich verlieben. Anfangs wird sie
scheu tragen / ihm solche liebe zu offenbahren: und darüm zuerst von ferne ihm
liebeln; darnach immer näher und näher kommen / ihn strählen / ja selbst küssen:
bis sie endlich / wan sie ihre liebe verschmähen sieht / ihn mit gewalt zur
unkeuschheit zu ziehen sich unterfangen wird. Er aber wird ihr entreissen: und
dadurch wird sich ihre liebe in zorn verändern. Dieser zorn wird sie bewegen /
den Jüngling bei ihrem Ehherrn fälschlich zu bezüchtigen: welcher ihn unschuldig
ins gefängnüs werfen / und genau bewahren wird. Den Jüngling aber wird endlich
ein Egipitscher König nicht allein aus dem gefängnüsse erlösen / sondern ihn
auch gar in den Königsstand erhöben.
    Josef hatte diese Treume zwar sehr klüglich und gründlich ausgedeutet. Aber
er wusste gleichwohl nicht / dass sie ihn selber so nahe angingen / und dass der
junge Stier und der fremde Vogel auf ihn zieleten. Er wusste nicht / dass das
junge Fährsichen und die junge Egiptische Störchin die lieblichschöne Assenat
sei: derer Göttlichen ausspruch er gestern eben so deutlich erklähret. Doch
würde er es ohne zweifel /wan man ihm in der Nitokris Traume nicht die zwei
fürnehmsten stükke verschwiegen / errahten haben. Dan da hette er des Potifars
haus / und die zeit der vermählung der Assenat / als auch der erhöhung des
Fremdlings in den Königsstaht / wie sie beiderseits von den Göttern bestimmt war
/ unschweer gefunden. Weil nun dieses alles / und noch darzu Josefs eigene
Treume die Königliche Fürstin wusste; so gab ihr ihre scharfsinnigkeit und
stähtiges überwegen dieser des Josefs traumdeutung sehr wunderliche gedanken
ein. Den ganzen tag betrachtete sie so wohl die treume selber / als derselben
deutung. Semesse musste ihr Josefs worte wohl hundert mahl wiederhohlen. Ein
iedes legte sie auf die wageschahle ihres verstandes. Ein iedes deutwort schien
ihr eine sonderliche verborgenheit zu begreiffen. Und also verstund sie wohl
etwas: aber lange nicht alles.
    Inmittels kahm der abend herbei. Nitokris war eben aufgestanden zur tafel zu
gehen / als man plötzlich an ihre tühre klopfete. Ein reitender Bohte war von
Heliopel angelanget. Dieser brachte von der Assenat folgendes
                    Schreiben an die lieb- und hold-seelige
                                    Semesse.
Ihr liebstes brieflein empfange ich eben itzund. Nichts gebe ich zur antwort /
als einen unsterblichen dank. Diesen verspreche ich mit hertz und feder. Es
seind zwar stumme gelübde: doch wird sie die rede meines mundes bald
bekräftigen. Mein mund wird es ihr selber ins ohr / ja ins hertze sprechen /
wie dankbar ich zu sterben gesonnen. Sie eile nur bald / mir ihre gegenwart zu
gönnen. Ich verlange darnach. Ja ich verlange / die volkommene Erklährung des
Götterspruches aus ihrem munde zu hören. Ist es müglich / so finde sie sich
morgen ein. Morgen erwarte ich ihrer. Drüm seume sie nicht. Inmittels will ich
gleichwohl /dass sie meinen Traum wisse: damit ich bei ihrer überkunft /
desselben deutung erfahre. Diesen morgen / da ich kaum halb schlummerte /
deuchtete mich in meines Herrn Vaters Hofe zu sein. Alda sah ich ein fremdes
schlossweisses tierlein; welches man ein Härmlein nente. Dieses wollte meine
Stiefmutter mit schlamme besudeln. Aber es war so behände / dass sie es nicht
erwischen konnte. Letzlich bekahm sie es bei dem ende des schwantzes / und wollte
es mit gewalt in den koht drükken. Aber das Härmlein ris so gewaltig / dass es
ihr nur einen flausch haare in der hand lies /und darvon flohe. Darüber
erzurnete sich meine Stiefmutter dermassen / dass sie das liebliche tierlein in
ein fas einspünden lies. Aber ein Leue sties mit dem kopfe dem fasse den bodem
ein. Da kahm das Härmlein heraus gesprungen / und ward dem Leuen ganz gleich.
Hermit verlies mich der schlaf. Sie sehe zu /dass sie bei dem schönen Leibeignen
die deutung erfahre. Sie vergesse es ja nicht. Bringt sie mir diese mit / wird
sie mir üm so viel angenehmer sein. Ich werde ihr / und ihm danken / so lange
ich ahteme. Die Königliche Fürstin sei hertzlich gegrüsset. Morgen soll Sie auch
ein brieflein von mir empfangen. Unterdessen befähle ich sie den Göttern.
                                                                        Assenat.
    Dieses schreiben verursachte / dass Nitokris von der tafel blieb. Semesse
musste es ihr wohl zehn mahl vorlesen; sonderlich des Freuleins Traum: welcher
die deutung der ihrigen / mit denen er fast ganz überein kahm / noch mehr
bekräftigte. Es war zwar zimlich spähte. Gleichwohl schikte die Fürstin ihre
Semesse straks zum Josef. Noch diesen abend wollte sie die deutung wissen: welche
fast auf eben den schlag ausfiel / als der ersten zwee treume. Nur ward dass
reinweisse Härmlein / das / seiner angebohrnen ahrt nach / sein reines fel
durchaus nicht besudeln will / auf einen eben so keuschen / als schönen fremden
Jüngling aus gedeutet.
    Weil nun Assenat so gar sehr nach der Semesse verlangte / so färtigte sie
die Fürstin noch diesen abend ab; damit sie mit dem frühesten morgen aufsein
möchte. Sie legte ihr fast alle worte in den mund. Sie befahl ihr alles / was
sie reden / und nicht reden sollte. Auch geboht sie ihr / auf alle gebehrden des
Freuleins / wan sie ihr dieses oder jenes erzehlete / achtung zu geben; als auch
auf alle ihre worte. Die sollte sie fleissig anmärken / eigendlich behalten / und
ja nicht vergessen; damit man aus beiden der Assenat verborgneste gedanken
ergründen könnte. Dan die Fürstin war begierig alles zu wissen / auch was in des
Freuleins hertzen verhohlen lag: welches / wie sie wohl wusste /seine meiste
gedanken verschwieg / und als ein heiligtuhm / heimlich bewahrete. Und hiermit
wündschte sie ihr Glück auf die reise.
 
                                 Drittes Buch.
Sefira brante noch. Das feuer / das vor etlichen tagen der schöne Leibeigne in
ihrem hertzen angezündet /war noch nicht verloschen. Darüm trug sie verlangen zu
wissen / wo er were. Darüm bemühete sie sich /ihn aus zu kundschaffen. In alle
würtshäuser schikte sie ihre diener. An allen orten vernahm sie / wo er
geblieben. Etliche wochen lang lies sie ihn suchen. Endlich erfuhr sie / dass ein
Memfischer Kaufman ihn bewahrete. Nicht lange konnte sie ruhen. Straks musste sie
fort. Sie setzte sich auf ihre prächtigste kutsche. Eben so prächtig musste der
nachtrab sein. In solcher pracht lies sie sich sehen. In solcher herligkeit fuhr
sie darnachzu. Gantz langsam mussten die pferde gehen.
    Recht gegen dem schönen Leibeignen über wohnete ein Bildhauer. Vor dessen
tühre hielt sie stil. Sie begehrete seine Kunst zu besichtigen. Man musste ihr
ein Bild nach dem andern vor den wagen zur schaue bringen. Aber es war ihr nicht
zu tuhn / diese leblosen Bilder zu sehen. Josef lag ihr im hertzen. Dessen
lebendiges bild begehrte sie zu schauen. Aber diese augenweide bekahm sie vor
das mahl nicht. Der schöne Leibeigne war nirgend zu erblicken. Ihre hofnung
zerschmoltz. Ihr verlangen war vergebens. Vergebens war ihr anschlag: ümsonst
ihr prächtiger aufzug. Und also musste sie unverrichteter sachen wieder nach
hause.
    Des folgenden tages kahm sie noch viel prächtiger aufgezogen. Sie sass zwar
in eben demselben wagen: welcher von lauterem silber und golde flinkerte / und
von drei schneeweissen Pferden gezogen ward. Aber ihr schmuk und ihre kleidung
war viel köstlicher / als des vorigen tages. Die demanten / die perlen / die
rubiene / damit sie ihren leib gezieret / waren unschätzbar. Die kleider von
weisser seide / mit güldenen rosen und liljen durchwürket / gaben einen
herrlichen glantz von sich. Vor der brust / welche sich mit zwee lieblichen
schneehügeln erhub / trug sie einen busch rohter und weisser Rosen. Aller dieser
zierraht machte ihren schönen leib noch viel schöner. Und also sass sie auf ihrem
wagen anders nicht / als eine Alsgöttin der liebe. Rund ümher lieffen die
leibdiener / auf das zierlichste gekleidet.
    Dieser ungewöhnliche schmuk der Sefira lokkete die einwohner in allen gassen
/ da sie durchhin fuhr /vor die tühren. Die Jungfrauen im hause des schönen
Leibeigenen warden auch lüstern diese so köstlich geschmükte Fürstin zu sehen.
Josef hatte zwar keine lust einige schöne Frau an zu blikken. Er flohe sie
vielmehr. Er verbarg sich vor ihren augen: damit ihr üppiger anblik ihn nicht
verunruhigte. Gleichwohl lies er sich itzund von seinen Hausjungfrauen bereden
mit vor die tühre zu trähten. Eben kahm die Fürstin an. Eben hielt sie vor dem
Bildhauer stil. Straks lies sie die augen auf den Josef fallen. Straks
veränderte sich ihr ganzes wesen. Die röhte ihrer wangen verblich. Die rede
ihres mundes entwich. Die bewegung aller ihrer glieder verging. Ja es war fast
nichts bewegliches mehr an ihr / als das auge. Dieses rollete im heupte herüm /
als eine unruhe am uhrwerke. Es schos lauter flinkernde strahlen. Alle blikke
waren strükke. Ein einiger traf tausend hertzen. Ein einiger machte tausend
schmertzen. Sie lies zwar den Bildhauer rufen mit ihm zu reden. Aber ihre rede
war verwürret / ihre worte gebrochen / ihre stimme gehämmet.
    Als sie nun eine halbe stunde alda verharret / fuhr sie wieder fort. So bald
sie auf ihr Schlos gelanget /erzehlte sie dem Potifar: dass ein Kaufman in der
stadt / durch den dienst eines Ebreischen Jünglinges /auch nur in wenig tagen am
reichtuhme sehr zugenommen. Aber der ruf ginge / dass man ihn diebischer weise
aus Kanaan entführet. Darüm strafet / sagte sie / diese böse taht. Tuht dem
Jünglinge recht. Nehmt ihn zu eurem Hofmeister. Ich weis / der Ebreische Gott
wird uns seegnen. Ja ich weis / dass der himlische seegen bei ihm ist. Was er
tuht / das gelinget. Was er anfänget / volendet er mit lauter glück. Dieses
Glück können wir haben / wan wir es nur annehmen. Es stehet bei euch. Wan ihr
wollet / werden wir glücklich sein: wir werden geseegnet sein: unser reichtuhm
wird sich mehren.
    Potifar achtete zuerst diese worte wenig. Er schob es von einem tage zum
andern auf. Und dieses zaudern machte seine Gemahlin ganz ungedültig. Weil sie
nun ohn unterlass anhielt; so befahl er endlich den Kaufman vor gerichte zu
fordern. So bald er erschienen / sprach Potifar zu ihm: Wie komt ihr darzu / dass
ihr in das Ebreische land reiset / den Eltern ihre kinder zu stehlen / und
verkauft sie darnach vor Leibeigne? Der Kaufman fiel nieder auf sein angesicht /
und baht üm gnade. Mein Herr / sagte er / wessen er mich bezüchtiget / darvon
weis ich ganz nichts. Ich weis mich unschuldig / und rein in meinem gewissen.
Das verhelt sich nicht also / fuhr Potifar fort. Wie komt ihr dann an den
Ebreischen Jüngling / den ihr in eurem hause habet? Der Kaufman antwortete: die
Ismaeler haben ihn in meiner verwahrung gelassen / bis sie wiederkommen ihn ab zu
hohlen. Aber Potifar gleubte ihm nicht; und befahl ihn zu steupen. Unterdessen
lies er auch den Josef hohlen. Den fragte er: Bistu frei /oder leibeigen? Josef
antwortete: Ich bin ein Leibeigner. Der Fürst fragte weiter: Wessen Leibeigner
bistu? Josef gab wieder zur antwort: der Ismaeler. Wie bistu dann ein Leibeigener
worden? fuhr der Fürst fort. Josef gab ihm zu verstehen: dass ihn die Ismaeler im
Kananeischen lande gekauft. Potifar aber wollte auch dieses nicht gleuben. Darüm
befahl er den Josef gefänglich zu bewahren / bis die Ismaeler wiederkähmen.
    So bald aber Sefira erfuhr / dass Potifar den schönen Leibeignen gefänglich
eingezogen / sprach sie zu ihm: warüm setzt ihr einen gestohlenen Freien
gefangen? Es were besser / dass man den edelen Jüngling los liesse / und euch
geisselte. Warüm nehmt ihr ihn nicht lieber zu eurem Haushalter? Der Fürst
antwortete: es ist bei den Egiptern nicht gebreuchlich / eines andern guht /
ohne bewiesene rechtmässige uhrsache /weg zu nehmen. Und also musste Josef
gefässelt bleiben: nachdem er drei mohnden / und fünf tage bei dem Kaufmanne
gewesen. Auch brachte er in solchem elende noch vier und zwanzig tage zu / ehe
die Ismaelischen Kaufleute wieder kahmen / und ihn los machten. Diese hatten
gehöret / dass Jakob sein Vater üm Josefs willen sehr betrübt sei. Darüm sprachen
sie zu ihm: warüm habt ihr uns gesagt / dass ihr ein Leibeigener weret? da doch
euer Vater ein mächtiger Man ist in Kanaan; dem es sehr zu hertzen geht /dass
ihr verkauft seid. Josef hette gern geweinet. Aber er entielt sich. Und damit
er seine Brüder nicht beschämete / gab er zur antwort: man hat euch unrecht
berichtet: ich bin ein Leibeigener.
    Hierauf berieten sich die Kaufleute / wo sie ihren Leibeignen am besten
verkauffen sollten; damit es sein Vater nicht erführe. Dan sie fürchteten sich
vor Jakob. Sie befahreten / er möchte sich an ihnen rächen. Sie wussten / dass er
gross geachtet war vor Gott und Menschen. Unterdessen hielt Sefira bei ihrem
Ehherrn stark an / dass er den schönen Leibeignen kauffen sollte. Dan ich höre /
sagte sie / dass sie ihn wieder verhandeln wollen. Potifar schikte straks hin
/und lies fragen: wie hoch sie ihn hielten? Weil er aber zu teuer war /
zerschlug sich der kauf. So bald es Sefira verstund / sandte sie selbst einen
andern ihn zu kauffen; mit befehl / dass er kein geld ansehen sollte. Dieser
kaufte ihn vor achtzig goldgülden: wiewohl er seine Fürstin berichtete / er
hette hundert gegeben. Und also gelangte Josef in Potifars schlos.
    Sefira hatte nunmehr ihren wundsch erlanget. Niemand war froher / als sie.
Niemand war vergnügter /als sie. Josef musste straks auf das schönste gekleidet
sein: nicht als ein Leibeigener. Als ein Hofjunker musste er gehen. Alle neue
trachten / die am Königlichen hofe aufkahmen / musste er haben. Auch brachte sie
bei ihrem Herren so viel zu wege / dass er ihn nicht als einen Leibeignen /
sondern als einen Freien zu halten befahl. Und Josef selber wusste sich bei dem
Fürsten so beliebt zu machen / dass er ihn endlich anders nicht / als seinen
eignen Sohn / liebete. Er bestelte ihn zum Hofmeister. Er befahl ihm das gebiet
über alle seine Leibeigene. Ja er setzte ihn zuletzt gar über sein ganzes haus.
Damit er aber zu solcher bestallung üm so viel geschikter were: so lies er ihn
auch in aller Egiptischen weisheit unterrichten. Man musste ihm die geheime
Bilderschrift eröfnen: darinnen alle Wissenschaften und Künste verborgen lagen.
Man musste ihm alles zeigen / was sonsten niemand / als den Priestern / zu wissen
vergönnet. Und also kahm Josef in kurtzem so weit / dass er sich nicht entziehen
durfte mit den allergelehrtesten im ganzen Egipten an zu binden. Ja nicht
allein dieses / sondern auch seine sonderliche guhtahrtigkeit / und angebohrne
fürtrefliche geschikligkeit brachte ihn in grosses ansehen. Seine liebseelige
freundligkeit gewan iedermans liebe. Seine holdreiche bescheidenheit lokte
iederman zur gunst. Um seiner demuht willen ward er von iederman geehret. Ja er
zog durch seine Tugenden aller gemühter an sich. Selbst die allerhärtesten
hertzen warden ihm gewogen. Selbst die allerrausten Menschen wardem ihm geneugt.
Selbst die allerunbändigsten Leibeigenen machte er zahm. Sie tähten alles / was
er wollte. Sein wink war ihr befehl. Man war sonst gewohnet die Leibeignen mit
schlägen zur arbeit zu treiben. Aber hier war es nicht nöhtig. Josefs liebreiche
ermahnung richtete mehr aus / als alle schärfe. Eines seiner guhten worte galt
mehr / als sonst tausend flüche / ja tausend schläge.
    Dieses alles sah die verliebte Sefira. Und darüm ward sie ie mehr und mehr
verliebt. Auch gab sie diese liebe dem Josef / durch tausend verliebte blikke /
gnugsam zu verstehen. Anfangs sah sie ihn von ferne mit spielenden augen an.
Dan näher durfte sie nicht kommen. Schaam und furcht / die zwei grösten
hindernüsse der liebe / stunden ihr im wege. Sie schähmete sich mit worten ihre
liebe zu entdekken. Die blödigkeit ihrer achtzehenjährigen jugend hielt sie
zurück. Sie fürchtete sich vor ihrem Ehliebsten. Sie befahrete sich / ihre leute
möchten es märken. Und also wusste sie keinen raht. Ob sie schon ihrem Josef von
weitem so viel hertzentzükkende blikke gab; ob sie ihm schon von ferne so manche
liebes seuftzer zuschikte: so trafen doch alle diese feurige liebesbohten nur
ein kaltes hertz an. Josef wollte ihre stumme bohtschaft nicht verstehen / ob er
sie schon verstund. Seine gebuhrtsahrt blieb im Glück und unglück unverändert.
Seine Tugend behielt er / wie sie ihm angebohren. Hingegen wuchs ihre liebe ie
länger ie mehr. Ihr hertz brante liechterloh. Es stund in vollen flammen. Diese
konnte sie nicht länger ertragen. Unmüglich war es sie zu verbärgen. Ausdrüklich
durfte sie dem Josef nichts anmuhten. Sie war noch zu blöde. Sie schähmete sich
ihr anliegen heraus zu sagen. Zudem fürchtete sie sich auch / sie möchte es so
grob machen / dass es ihr gesinde märkte / ja ihr Ehherr selber gewahr würde.
Und darüm erdachte sie diesen liebesrank. Erstlich wollte sie / durch die
allerersinlichsten liebesbezeugungen / in ihrem Ehliebsten ein so festes
vertrauen zu ihrer tugend erwekken / dass er nachmahls nichts böses / wie böse
sie es auch machte /von ihr argwähnen könnte. Man sie dieses vorteil gewonnen; so
wollte sie hernach trachten auch den Josef zu gewinnen. Solches könnte sie alsdan
üm so viel sicherer tuhn. Fragte er nicht nach ihren guhten worten; so müste er
wohl ihrem befehle gehorchen.
    Also bekahm Potifar die küsse / die allein auf Josef zieleten. Also genos er
die liebe / die einem andern zugedacht war. Dan Sefira lies ihm itzund mehr
liebeszeichen blikken / als sie iemahls zu tuhn vermeint. Und damit sie solches
üm so viel anmuhtiger tähte: so nahm sie der zeit wahr / wan sie gegen den Josef
am heftigsten entzündet war. Wan sie die grösten liebesschmertzen fühlete /
hertzete sie den Potifar am allermeisten. Wan Josef ihr hertz am meisten besass /
nahm sie den Potifar am hertzlichsten in den arm. Solcher gestalt stahl sie dem
Potifar das hertz. Durch diese scheinliebe betöhrete / ja bezauberte sie ihn so
gar / dass er sie vor die allerehrlichste fraue hielt / die der erdbodem iemahls
erblickt.
    Als nun Sefira sah / dass ihr dieser listgrif so wohl gelungen; so vermeinte
sie ihr gewündschtes endziel eben so glücklich zu erreichen. Ihren Ehherrn hatte
sie in den schlaf gewieget: sein mistrauen aus dem wege geschaffet: seine
eifersucht gedämpfet. Und also war sie seinetwegen ganz sicher. Nun trachtete
sie auch die liebe / die Josef in ihrem hertzen erreget / mit dem rechten
laabsaale zu sättigen. Und zu dem ende kahm sie von der ferne zur nähe: von den
liebesblikken /und seufzern zum küssen. Des nachts ging sie vor sein bette / als
wan sie ihn hette besuchen wollen. Sie stellete sich / weil sie kinderloss war /
als wan sie ihn vor ihren sohn hielte. Unter dem scheine ümhälsete sie ihn. Sie
hertzte ihn / als eine Mutter.
    Josef dachte noch kein arges. Vielmehr hatte er mitleiden mit ihr. Er baht
Gott / dass er ihr einen Sohn gebe. Ja er bemühete sich einige Artzneien zu
finden /welche der Frauen fruchtbahrkeit befördern. Er nahm die wurtzel vom
Knabenkraude. Die dürrete er / und sties sie klein. Hierzu mängete er noch
andere artzneimittel / die zum Kinderzeugen dienlich. Als sie nun wiederkahm /
ihm ihre mütterliche liebe / wie sie sich stellete / zu beweisen; da gab er ihr
diese Artznei. Er wiese ihr auch zugleich das Knabenkraut / samt der wurtzel.
Diese wurtzel / sagte er / ist das fürnehmste /das ich zu hiesiger Artznei
genommen. Sie ist sonderlich guht zum Kinderzeugen: zuvoraus wan man ein
Knäblein begehret. Die euserliche gestalt der wurtzel zeigt es an. Dan die
Natur hat vielen Kreutern / auch andern gewächsen ein solches euserliches
kenzeichen gegeben. Darbei kann man zur stunde sehen / wozu sie guht seind. Er
hatte noch zwei andere kreuter mit aus dem garten genommen. Diese lagen eben vor
seinem bette. Sie sehe hier / sagte er: Dieses kraut hat eine wurtzel / wie ein
hertz gebildet. Darüm ist sie auch vor alle krankheiten des hertzens guht. Darüm
würd es auch Hertzwurtz genennet. Und hier liegt noch ein anderes; welches
Zahnkraut heisset: weil es bluhmen / als zähne gebildet / träget; und daher auch
vor die zufälle der zähne dienet.
    Ich habe gesehen / redete Josef ferner / dass sie über ihre unfruchtbarkeit
betrübt ist. Sie wird / nächst der hülfe Gottes / den ich fleissig darüm bitten
will /wohl befruchtet werden. Sie habe nur einen guhten muht. Sie traure nicht.
Sie brauche dieses mittel. Sie wird mit einem jungen Herrlein erfreuet werden /
ehe sie sich dessen versiehet. Ach! fing sie ihm das wort auf / wo sollte diese
freude herkommen? Woher soll ich ein Söhnlein gebähren? Mein Herr ist ein alter /
beinah sechzigjähriger Fürst. Das Kinderzeugen ist ihm vergangen: die lust
selber darzu. Von ihm ist nichts zu hoffen. Kan man von heerlingen wohl
weinbeere pflükken? Kan man aus leerem strohe wohl Korn dräschen? Es ist alles
üm sonst. Meine Frau sei getrost /fing Josef hierauf an. Sie verzweifle nicht.
Beides /das ihrem Herren vergangen / wird sich wohl wieder finden. Sie rufe nur
eifrig zu Gott / und brauche darbei dieses mittel.
    Eben als Josef diese worte redete / ward eine tühre über seiner schlafkammer
eröfnet. Das geknarre höreten sie ganz eigendlich. Darzu vernahmen sie einen
schleichenden gang. Dieses verursachte / dass die Fürstin / mit der Artznei /
eilend aus der Kammer lief. Ja sie lies selbst das licht stehen / und lief im
dunkelen. Dan sie befahrete sich / sie möchte verrahten werden. Man kann ihm
leichtlich einbilden / mit was vor gedanken sie vom Josef geschieden. Wir wollen
ihre verrähter nicht sein. Wer alhier ihre reden / die sie dem Josef zur antwort
gegeben / lieset / wird sie selber unschweer errahten.
    Mitlerweile erfuhr Nitokris / dass Potifar den Josef ins gefängnüs geworfen /
und hernach gar gekauft. Nun sah sie den schönen Leibeigenen in Potifars
Schloss. Sie sah ihn bei einer jungen wohllüstigen Fraue. Darüber schöpfte sie
seltzame gedanken. Hier / dachte sie / wird es auf die bedeutung unserer treume
ausdrehen. Hier haben wir nun den jungen Stier und den fremden Vogel / das
Fährsichen und die junge Störchin / mit der Hindin und jungen Henne / samt dem
alten Hahne / beisammen. Hier wird nun der Assenat Stiefmutter das reinweisse
Härmlein zu besudeln trachten. Hier ist der ort der Schauburg. Hier seind die
Schauspieler schon alle beieinander. Nun wird das Schauspiel beginnen. Es wird
langsam gespielet; und der anfang mit freuden gemacht werden. Das mittel nach
dem ende zu wird traurig; aber das ende selbst sehr erfreulich und glücklich
sein. So lange mus es währen / bis Assenat recht volkömlich wird erwachsen sein.
Also hat es der Himmel versehen. Die Götter haben es also beschlossen.
    Eben als Nitokris in diesen gedanken fortfahren wollte / ward sie / durch ein
hastiges klopfen an ihres Zimmers tühre / gestöhret. Semesse kahm ihr an zu
dienen / dass der schöne Leibeigene da sei / sie zu sprechen. Geschwinde sprang
die Fürstin auf. Geschwinde lief sie fort / die tühre selber zu eröfnen. So
bald sie den Josef erblikte / reichte sie ihm die hand zu / und zog ihn also in
ihr zimmer. O ein seltzamer / doch lieber Gast! waren ihre erste worte. Und
hierauf boht sie ihm straks / mit eigener hand / einen stuhl sich nieder zu
lassen. Aber Josef neugte sich zur erden nieder. Er weigerte sich diese
unhöfligkeit zu begehen. Und Nitokris lies nicht nach. Nicht eher wollte sie ein
wort hören / er hette sich dann zuvor gesetzet. So will ichs dann tuhn / fing er an
/ nur ihrer Hoheit befehle zu gehorchen. Sonsten hette ich meine bohtschaft
lieber auf den kniehen / wie es mir alhier geziemen will / verrichtet.
    Als sie sich nun beide niedergelassen / fragte die Königliche Fürstin
alsobald / was er guhtes brächte? Josef gab zur antwort / dass ihn seine gnädige
Fürstin abgesandt / Ihrer Königlichen Hoheit derselben untertähnige pflicht an
zu melden / und darbei zu vernehmen / ob es Ihr gelegen kähme einen besuch auf
ein halbes stündlein von ihr zu empfangen. Der Nitokris gegenantwort war diese.
Man seine Fürstin /sagte sie / belieben träget / ihre Dienerin derselben
ansprache zu würdigen; so mag sie solches wohl unangemeldet tuhn. Ihr besuch
komt mir niemahls ungelegen. Ich bin zu ihren diensten allezeit bereit. Dieses
kann er ihr / mit anbietung meiner gegenpflicht / aus meinem eigenen munde
vermelden. Hierbei bleibt es. So gesagt / so getahn.
    Auf diese worte erhub sich Josef seinen abschied zu nehmen. Aber Nitokris
wollte ihn nicht lassen. Nein / nein! sagte sie / er mus so bald nicht von mir
eilen. Das Glück seiner gegenwart zu geniessen / hat uns / ich weis nicht was vor
ein unglück / misgönnet. Der himmel boht uns dasselbe zwar erst an: aber es ist
nunmehr in seiner Fürstin / meiner Frau Muhme / schoss gefallen. Diese hat ihn ja
sonsten allezeit vor ihren augen. Darüm wird und kann sie ja nicht schähl sehen
/wan ich ihr seine so liebe gegenwart nur auf ein vierteilstündleinentziehe.
Eine so stachlichte rede beantwortete Josef anders nicht / als mit einer
keuschen röhte / die auf seinen wangen plötzlich herfürbrach. Die Königliche
Fürstin erblikte diese stumme antwort alsobald. Darüm trachtete sie ihn aus der
stillen schaam in ein munteres wesen zu setzen. Vorerst bedankte sie sich vor
die mühwaltung / die er / in auslegung der neulichen Treume / ihrentwegen auf
sich genommen. Sie priese seinen so fürtreflichen verstand in dergleichen
dingen. Sie boht ihm ihre gnade so volkömlich an / als sie ein mensch iemahls
von ihr zu hoffen. Ja er sollte das einige augenmärk aller ihrer gunst sein. Das
sagte sie ihm mit hertz und munde zu. Das beteuerte sie mit einem hohe eide.
Darnach fragte sie: wie es ihm bei Fürst Potifarn gefiele?
    Josef gab zur antwort: Ich kann nicht anders sagen /als wohl. Er helt mich
nicht allein vor keinen Leibeigenen / wie Ihre Hoheit sieht; sondern auch
selbst als seinen leiblichen Sohn. Wie könnte ichs besser wündschen? Was könnte
ich mehr begehren? Und so bin ich in meinem unglückke glücklich. Ich bin ein
Leibeigener / und doch auch keiner. Ich lebe frei. Ich habe mehr zu gebieten /
als mir gebohten wird. Ja hierbei habe ich itzund noch dieses Glück / dass ihre
Hoheit meine wenigkeit so hoch ehret / und so hoch erhöbet / dass mir meine
bewusste unwürdigkeit eine schaamröhte darüber ins gesichte treibet. Das tuht
eine Fürstin / die so hoch geboren ist / dass sie unter allen Egiptischen
Fürstinnen den vorzug besitzet. Die Königliche Fürstin selber / die der Himmel
erkohren den Egiptischen Reichsstab zu führen / erweiset mir diese hohe gnade.
Ja was noch mehr ist / diese hohe und grosse Fürstin erniedrigt und verkleinert
sich selber so gar / dass sie mir / da ich doch nur ein elender Leibeigener bin
/ bei ihrem Königlichen eide / verspricht ihre ganze gunst über mich unwürdigen
aus zu schütten. Und also bin ich nicht allein glücklich bei meinem Herrn;
sondern auch bei andern / über mein verdienst. Ich bin glücklich innerhalb
hauses. Glüklich bin ich ausserhalb. Wie sollte mir dann dieser mein itziger
zustand / den das Glück allentalben ümgiebet / nicht gefallen? Aber wie solche
so über die masse hohe gnade üm ihre Hoheit ich elender Leibeigner verdienet
/weis ich nicht. Noch viel weniger weis ich in meinem armen vermügen einen dank
zu finden; dadurch ich solches / in untertähnigster gehorsamkeit / der gebühr
nach erkennen könnte.
    Josef wollte fortreden. Aber Nitokris fing ihm das wort auf. Die ehre / sagte
sie / die ich ihm erweise /ist schlecht. Die gunst / die ich ihm angelobet / ist
eben so unschätzbar: weil ich sie ihm nicht erzeigen kann / wie ich von hertzen
wündsche. Zudem verdienet seine geschikligkeit viel mehr. Seine Tugend ist mehr
ehre währt. Sie überwäget aller menschen gunst. Und ich weis gewis / weil er
sich selber so gar erniedriget / dass ihn die Götter aufs höchste erhöhen
werden. Wer sich selbst erhöhet / wird erniedriget. Wer sich selbst erniedriget
/ wird erhöhet. Das ist ein unveränderliches gesetze des Himmels. Die Demuht hat
einen güldenen bodem. Sie blühet immerdar. Sie bringt immerdar früchte. Wer
diese tugend liebt und håget /der wird ihrer früchte geniessen. Es kann ihm
nicht fehlen. Er mus endlich steigen. Ist es nicht heute / so ist es morgen. So
hat es der Himmel beschlossen. Dieser schlus stehet fest. Er stehet in den
härtesten marmel gegraben. Der finger des allerhöchsten Gottes hat ihn selbst
darein geetzet. Hingegen hat der Hochmuht einen bleiernen grund. Ja dieser grund
stehet auf einem sumfichten bodem. Er blühet zwar auch eine weile. Aber seine
blühten fallen plötzlich ab. Dan verwehet sie der wind. Der regen vereitelt sie.
Die früchte / die er träget seind nichts: ja weniger / als nichts; weil das
unzeitige abfallen der blüssen ihren wachstuhm hämmet. Daher ist es / dass der
hochmühtige so plötzlich vergehet. Wan er vermeint am gewissesten zu stehen /
fället er über einen hauffen / ja versinket in dem tiefsten mohrast des
Höllischen abgrundes. Und also ist der Demuht das steigen / dem Hochmuhte das
fallen bestimmet. Jene ziehet der Himmel / und diesen der Abgrund zu sich. Und
ob schon der Hochmuht auch nach dem Himmel zusteiget / ja über alle Himmel hin
zu steigen sich vermisset; so wird er doch / in solcher seiner vermessenheit
/uhrplötzlich herunter gestürtzet. Rasch fället er zu bodem. Geschwinde
verschlinget ihn die tiefe. Da findet er sein ewiges grab. Da verbürget ihn die
gruft der vergessenheit für und für.
    Die königliche Fürstin wollte den schlus dieser worte auf den Josef ziehen.
Auch wündschte er selber / dass er ihr länger zuhören möchte. So wohl gefielen
ihm ihre reden. Dis war seines hertzens lust und freude. Aber Semesse müssigte
sie darvon ab. Sie überreichte ihr einen brief von der unvergleichlichen
Assenat. Und diesen Nahmen nennete sie / dass ihn Josef hörete: den sie zugleich
seitwärts anblikte. Zur stunde brach Nitokris den brief auf. Josef aber begehrte
erlaubnüs seinen abschied zu nehmen: den er auch bekahm. Und die Fürstin ging
mit ihm bis an die treppe. Ja sie befahl der Semesse ihn hinunter / bis auf den
schlosplatz / zu begleiten. Im hinabgehen rief sie noch hinter dem Josef her /
dass er nicht vergessen sollte sie oft zu besuchen. Aber dieses besuchen ward ihm
bald verbohten. Dan Sefira hatte ihn itzund /durch einen sonderlichen kützel
getrieben / zur Nitokris geschikt. Sie wollte ihr nur sehen lassen / dass der
schöne Leibeigne nunmehr in ihren händen sei. Nitokris sollte wissen / dass Sefira
glücklicher sei / als sie /und der ganze Königliche hof. Aber hinfort ward ihm
keine bohtschaft mehr an das Königliche Frauenzimmer befohlen. Ja Sefira war so
eifersüchtig / dass er sich / wan sie von ihren Freundinnen besucht ward /kaum
durfte sehen lassen.
    So bald Josef zurück kahm / fragte seine Fürstin scharf nach / was die
Königliche Fürstin mit ihm geredet. Er aber sagte ihr nichts mehr / als was zu
sagen dienete. Nur allein priese er ihre ausbündige höfligkeit. Er lobte ihre
grosse demuht. Hierzu fügte er / dass sie ihm weit mehrehre angetahn / als er
würdig. Er hette sie gern noch weitleuftiger gerühmet. Aber er musste mit ihrem
ruhme kärklicher verfahren / als er gesonnen. Weiter durfte er sich nicht
herauslassen /aus furcht / er möchte seine Fürstin zur schählsichtigkeit
erwekken. Sefira stellete sich euserlich / als wan ihr das lob / das er der
Nitokris / wiewohl sehr spahrsam / und weit unter ihren verdienst /zugeschrieben
/ sehr wohl gefiele. Aber im hertzen dachte sie viel anders. Und in solchen
gedanken begab sie sich nach hofe.
    Mitlerweile verrichtete Josef seine geschäfte. Er trieb das gesinde zur
arbeit: besichtigte den neuen Gartenbau: täht anordnung / wie die felder sollten
abgemässen / und eingeteilet werden. Zu dem ende nahm er die mässchnuhr selber
zur hand. Recht in der mitte ordnete er einen runten Kreus an. Da lies er acht
besondere felder / auch in die runte herüm / von gleicher grösse machen; fast
eben auf die weise / wie der Egipter Glüksrad pflegt abgebildet zu sein. In
iedes feldes mitte ward dasselbe bild / das alda im gemelten Glüks- oder
Wahrsager-kreuse stehet / aus weissem marmel gehauen / auf einen steinern fuss
gesetzt: aber in des ganzen Kreuses mitte das bild der feuchtigkeit / der
Nielgötze Kanopus / in gestalt eines wassersprühenden dikbeuchichten Kruges /
mit eines menschen angesichte obenauf. Zur rechten hand des Kreuses sollte Momft
/ der Fluhtgötze / stehen: zur linken aber Omft / der Ebbegötze. Weiter hin ward
Osiris / und Isis / ein iedes in ein besonderes feld / gestellet. Jener sollte
die Sonne / und diese die Erde abbilden. Voran sollte Orus / das sinbild des
fruchtbahren gewitters / und der wächter Anubis stehen. Noch andere dergleichen
bilder warden / auf Potifars befehl / hier und dar in die gartenbette gesetzt.
Unter denen war auch die so genente Zahara / oder Sahare: welche die Egipter als
eine Göttin der Schönheit und Liebe ehreten. Ohne zweifel zieleten sie damit auf
Abrahams Fraue / die wunderschöne Sara: darein sich ehmahls der Egiptische König
Tautis verliebte. Alle diese bilder warden von den künstlichsten Bildhauern aus
schneeweissem marmel auf das schönste gehauen. Josef ordnete sie alle / wie und
wo sie stehen sollten. Auch lies er hier und dar allerhand Lustbeume setzen.
Nähmlich Zitronen- und Granaten-beume / Goldäpfel- und Balsam-beume / Sant-und
Dattel-beume / als auch Mirten und schwartze Zimtbeume / derer blüssen einen
lieblichen geruch von sich geben. Von den Dattelbeumen lies er zwee und zwee /
nähmlich ein Weiblein und Mänlein / bei einander setzen / und beider zakken
zusammenflechten: dann sonsten bringen sie keine frucht. Die Egiptische
Feigenbeume / die Brustbeerenbeume / und dergleichen mehr warden längst den
Lustgängen hin gepflantzet.
    Mit dieser gartenarbeit lieffen etliche wochen hin. Josef wendete seinen
müglichsten fleis an alles aufs beste zu bestellen; damit sein Herr lust und
nutzen /er aber lob und ehre darvon hette. In solcher zeit war er gar wenig auf
dem schlosse. Und wan er schon dahin kahm / seiner andern geschäfte wahr zu
nehmen / hatte er seine gedanken doch meist im garten gelassen. Also musste Sefira
/ in aller dieser zeit / seiner gegenwart missen. Also konnte sie seines
angenehmen gespräches sehr selten geniessen. Und ob er schon des nachts auf dem
schlosse schlief: so durfte sie sich doch nicht mehr erkühnen vor sein bette zu
kommen. Sie musste sich vor den Leibeignen fürchten / welche über seiner Kammer
schlieffen. Das neuliche knarren der tühre hatte sie schüchtern gemacht. Sie
fürchtete /man möchte sie beschleichen. Sie befahrete das gesinde in argwahn /
und sich in verdacht und böse nachrede zu bringen. Bei so beschaffener sache
wusste sie keinen raht ihre liebe zu vergnügen. Ihrem Ehherrn allein noch länger
üm den mund zu gehen / war ihr alzu verdrieslich. Sie lies sich bedünken / dass
sie ihn schon genug gewonnen. Sie urteilte / dass sie ihm das mistrauen / das er
etwan aus ihrem ümgange mit dem Josef / hette schöpfen können / nun ganz
benommen. Doch gleichwohl durfte sie die angefangene scheinliebe nicht sinken
lassen. Gefährlich war es so plötzlich nach der rechten scheibe zu zielen / und
der ersten den rükken zu kehren.
    In so seltzamen zustande befand sich diese verliebte Fürstin lange zeit / ja
etliche jahre / ehe sie gelegenheit finden konnte / oder nehmen durfte / dem
Josef ihre liebe offenhertzig zu entdekken. Mitlerweile gelangete der
neuangelegte Garten zu seiner volkommenheit. Potifar trug belieben ein gastmahl
darinnen an zu stellen. Hierauf warden die fürnehmsten Herren des Reichs
geladen. Diese fanden sich ein. Sie machten sich lustig. Sie waren guhter dinge.
Potifar selbst war so fröhlich / als ihn Josef noch nie gesehen. Und mitten in
dieser fröligkeit erzehlte er seinen Gästen /was ihm Josef gefrommet. Er priese
seine geschikligkeit. Er lobte seinen verstand. Er erhub seine tugenden bis an
den himmel. Ja / sagte er / ich habe meinen Josef so lieb / und darf mich auf
ihn so wohl verlassen / dass ich ihm mein ganzes haus anvertraue. Ich lasse ihn
mit dem meinigen walten und schalten / wie er will. Ich bekümmere mich üm nichts.
Ich esse nur /und trinke. Ich gehe sorgloss schlafen. Ich stehe sorgloss wieder
auf. Er allein träget sorge vor uns alle. Und darüm wündsche ich nichts mehr /
als dass ich ihm seine grosse treue wohl belohnen möchte. Were meine liebe Tochter
und einige Erbin Assenat erwachsen; so sollte er / mit ihr / alles des
überschwänglichen seegens / den er mir zugebracht / geniessen. Er / und kein
ander sollte ihr vermählet werden. Er / und kein ander / sollte ihrer liebe / vor
die unvergleichliche treue / die er mir erweiset / geniessen.
    Josef hörete von ferne alle diese worte. Er sah das dankbahre gemüht seines
Herrn: welches ihm als ein spohren war / in seinem fleisse fort zu fahren. War
er vorhin fleissig gewesen / so ward er es itzund noch tausendmahl mehr. Alle
seine sinnen und gedanken richtete er dahin / dass er nur seinem Herrn gefallen
möchte. Er bemühete sich einig und allein seine gnade zu behalten. Ja er
strebete darnach mit allen kräften /sie noch immer zu vermehren. Fast kein tag
ging vorbei / da er nicht was neues ersan / zu seines Herrn frommen. Und darzu
kahm so ein reicher seegen vom Himmel / dass Potifars schätze wuchsen über allen
reichtuhm der Egiptischen Fürsten.
    Wie sehr nun Josef trachtete seines Herrn nutzen und wohlstand zu suchen; so
wenig schien er sich üm seiner Fürstin innerliches leiden zu bekümmern. Ja ie
mehr sie sich bei ihm zu zu tuhn begunte / ie fremder er ward. Je mehr ihre
liebe sich näherte / ie abkehriger sie ihn verspührete. Alle ihre mit lauter
liebe erfüllete blikke konten keinen einigen gegenblik erwerben. Und also kahmen
diese stumme reden vor eines tauben und zugleich blinden tühre. Ob auch schon /
nach den flammen dieser blikke / der feuerkwalm ihrer hertzensseufzer aus dem
munde herfür brach; so konnte doch diese hertzbrünstige gluht eben so wenig / als
der blitz ihrer augen / sein hertz entzünden. Ja ob schon ihre seufzer mit einem
hellen knalle los schossen; so ging doch dieser knal zu einem ohre hinein /zum
andern wieder heraus. Der weg nach Josefs hertzen zu war ihm verleget. Da
hinunter vermochte kein seufzer zu dringen. Alle stürme waren vor dieser burg
vergebens.
    Weil nun diese stumme und undeutliche sprache nichts verfing; so entschlos
sich Sefira ihr anliegen deutlicher heraus zu sprechen. Sie entschlos sich
/endlich das hertz zu nehmen / mit ausdrüklichen worten den Josef an zu reden.
Sie entschlos sich / frei heraus zu sagen / was ihr fehlete. Das will ich tuhn
/sagte sie. Ja das mus ich tuhn; weil ich ihn so einfältig im liebeshandel
befinde / dass er nicht einmal weis / was liebeszeichen seind. Man mus ihm / an
statt der fruchtlosen zeichen / die liebe selbst in den mund geben. Hier sehe ich
kein anderes mittel. Hier ist kein ander raht. Und nach dieser Entschliessung
wartete sie nur auf die zeit / da Fürst Potifar etwan in des Königes geschäften
verreisen müste. Alsdan gedachte sie ihr lange gewündschtes ziel gewislich zu
erreichen. Mitlerweile ging sie / ihrer gewohnheit nach / etliche mahl in die
badstube. Da sass sie so lange / bis sie durchwarm geworden. Hierauf bestrich sie
ihr angesicht / samt dem brüsten und dem halse / mit trahne vom Balsambaume
ganz dikke. Mit diesem anstriche blieb sie noch eine guhte stunde sitzen; damit
die kraft des balsams durch die haut / sie rein und klahr zu machen / auch vor
runtzeln zu bewahren / hindringen möchte. Ja sie kahm nicht eher aus der
badstube /als bis der balsam ganz eingetruknet. Auch wusch sie ihn nicht eher
ab / als nach drei tagen. Da überstrich sie erst die haut mit öhle von bittern
mandeln. Darnach wusch sie sich sehr oft auf ieden tag mit bohnenwasser. Dieses
schmünken wiederhohlete sie so oft /bis sie schön und hübsch genug zu sein
vermeinte.
    Als nun diese gemelte zeit herzugenahet / legte sie straks ihren besten
schmuk an. Sie wusch ihr angesicht / samt den händen / mit vielerhand
wohlrüchenden Wassern. Auch lies sie die tafel dekken / und allerhand
eingemachte köstliche lekkerbislein / zusamt den edlesten getränken / aufsetzen.
Nachdem sie sich vor dieser tafel niedergelassen / befahl sie dem Josef an zu
melden / dass er ihr aufwarten sollte. Unterdessen schikte sie alle Kammermägdlein
von sich. Eine iede musste an ihre gewöhnliche arbeit gehen. Josef gehorchte
ihrem befehle zur stunde. Er traht zu ihr hinein / und ward überaus freundlich
empfangen. Ihr tuht sehr wohl / sagte sie / dass ihr so bald kommet / mir die
zeit zu verkürtzen. Und dieses sprach sie mit halbgebrochenen worten. Auch ward
sie bald blas / bald roht; und schwieg hiermit eine guhte weile stil. Josef
märkte hieraus zur stunde / wie hoch es an der zeit sei. Aber er stellete sich /
als märkte er nichts. Er ging an den schenktisch: nahm eine Egiptische
Bohnenschahle in gold eingefasset / und schenkte sie vol melohnenwassers / mit
zukker versüsset. Diese überreichte er der Fürstin mit tieffer ehrerbietigkeit.
    Indessen hatte sich Sefira erhohlet. Ach! sprach sie / wie wohl wird mir
dieser trunk schmäkken / den ich von meines liebsten Sohnes hand empfange! Josef
neugte sich zur erde nieder / und sagte: wo sollte mir dieses Glück herkommen /
dass ich armer Leibeigner einer so fürtreflichen Fürstin Sohn sein sollte? Was
Leibeigner? fing sie ihm das wort auf. Ich habe euch nie vor einen Leibeigenen
erkant: aber wohl mich schon längst vor die eurige. Und das bin ich auch noch in
der taht. Wan ich nun euch meinen Sohn nenne / so tuhe ich noch zu wenig. Ich
achte euch mehr als meinen Sohn. Josef beantwortete diese reden allein mit
stilschweigen / und neugte sich abermahl. Sefira fuhr weiter fort. Ich sehe /
dass ihr noch ganz einfältig in der liebe seid. Ich spühre / dass ihr meine
liebesblikke / ja selbst man ich sie schon mit hertzlichen seufzern beseele /
nicht verstehet. Schon etliche jahre her habe ich euch diese liebeszeichen genug
blikken lassen. Aber ich habe ganz keine würkung von ihnen in eurer seelen
gespühret. Darüm mus ich von den zeichen zu den worten und werken selst kommen.
Ich mus euch versichern / dass ich / eine Fürstin /die über euch gebieten sollte /
mich euch zu eigen gegeben. Ja ich mus euch auflöhen / und flöhe euch itzund an
/ mit meinen schmertzen / die ihr selber in meinem hertzen erreget / ein
mitleiden zu haben. Von euch bitte ich ihre linderung / und hoffe sie zu
erbitten. Und hiermit lieffen ihr die trähnen mildiglich über die wangen.
Hiermit erseufzete sie so sehr / dass sie kein wort mehr machen konnte.
    Josef stund hierüber bestürtzt. Er wusste zu erst nicht was er tuhn sollte.
Und also befanden sie sich alle beide eine guhte zeit als erstummet. Endlich
brach er aus in diese worte. Es tuht mir im hertzen weh / dass meine gnädige Frau
so gar böse gedanken von ihrem getreuesten diener zu haben sich verlauten
lesset. Ich vermeinte / dass ich Ihr / und meinem Fürsten / denen ich nun etliche
jahr her so redlich gedienet / meine treue genug bezeuget hette. Aber nun sehe
ich / dass man an solcher meiner treue zweifelt. Nun märke ich / dass man sie /
auf eine so gar gefährliche weise / zu bewähren vorhat. Ich kann hieraus anders
nicht schliessen / als dass sie mich bei meinem Herrn schwartz zu machen
gesonnen. Aber ach! womit habe ich doch dieses / dass sie meine treue so
verfolget /verdienet? Wie ist mir dann meine gnädigste Fürstin zu einer so
erschröklichen feindin worden? Was habe ich ihr dann zu leide getahn? Worinnen
habe ich mich verbrochen? Kan ich mit meinem bluhte solches verbrechen
aussühnen; so will ichs williglich hingeben.
    Die Fürstin hatte keines weges vermuhtet / dass Josef den sin ihrer reden so
gar verdrehen würde. Ehe hette sie sich des einfals der himlischen feste / als
dieser antwort / versehen. Ach! mein Josef / fing sie an /woher sollte mir das
kommen / dass ich euch zu versuchen trachtete? Habt ihr dann nicht gesehen / wie
gnädig ich euch allezeit gewesen / und wie hertzlich guht ichs mit euch
gemeinet? Ihr wisset sehr wohl / dass ich euch nur darüm vor so eine grosse anzahl
geldes erkauft / dass ihr bei uns in ehren leben soltet? Auch ist euch nicht
unbewust / dass ich meinen Herrn bewogen / euch nicht als einen Leibeignen /
sondern als einen Hofmeister / ja gar als einen Sohn zu halten. Und hierzu solt
ihr noch dieses wissen / dass ich meinem Herrn bloss üm eurentwillen / bisher
solche ungemeine liebe bewiesen. Darüm lasset ja diesen argwahn in eurem hertzen
sich nicht bewurtzeln. Gleubet hingegen gewis / dass ich euch treulich liebe. Ja
gleubet sicherlich / dass diese meine reden aus keinem falschen hertzen / euch
etwan hinterlistig zu bewähren / entsprossen. Ich habe sie darüm so offenhertzig
ausgelassen / damit ich euch zu einiger gegenliebe bewegen möchte. Und hiermit
ströhmeten die trähnen wiederüm über ihr ganzes angesicht hin.
    Josef fing abermahl an zu klagen. Ach! sagte er /wie mag doch meine gnädige
Fürstin so höhnisch mit mir spotten? meint sie dann / dass meine einfalt so tum
sei / ihr ein zu bilden / dass sie mich liebt? meint sie / ich werde gleuben /
dass es ihr ernst sei / mich zur gegenliebe zu bewegen? Ach nein! ach nein! Ich
sehe sie so from / so treu / und ehrlich an / dass ich sünde tähte / wan ich ihre
schertzworte so verkehrt ausdeutete. Und wan sie auch schon dasselbe / was ich
vor schertz aufnehme / mit ganzem ernste meinte; so werde ich doch nimmermehr
die gedanken bekommen zu gleuben / dass es wahr sei. Gott wird mich darvor
bewahren. Ja viel weniger werde ich dahin verfallen / die treue / die ich meinem
Herrn zu leisten schuldig / auf einigerlei weise zu kränken.
    Bei diesen letzten worten / lies sich die Fürstin bedünken / dass sich iemand
vor der tühre bewegte. Darüm hies sie den Josef eilend / durch ihr schlafzimmer
/ seinen abtrit nehmen. Auch hatten sie ihre gedanken nicht betrogen. Die
Königliche Fürstin war eben darvor angelanget sie zu besuchen / als sie dem
Josef ihre liebe zu verstehen gegeben. Die tühre hatte sie offen / und nicht
mehr als das prunktuch darvor hängen gefunden. Daher waren ihr alle worte / so
wohl der Fürstin / als des Josefs / zu ohren gekommen. Sefira sass noch eine
weile stil. Aber als sie sah / dass sich auch das prunktuch bewegete / ging sie
darnachzu. Eben kahm Nitokris hinein geträhten. Auf diesen so unvermuhteten
anblik erschrak die Fürstin. Und Nitokris fragte sie alsobald: warüm sie so
erschrokken aussehe? auch wo der schöne Leibeigene geblieben? So hat sie dann /
fing Sefira hierauf an /unsere reden gehöhret? Ja freilch / antwortete Nitokris.
Aber was gedenkt die Frau Muhme / dass sie ihres liebsten Diener mit so
unziemlicher liebe begegnet? der doch so ehrlich ist / dass er sie / wie ich
verstanden / so bescheidentlich ab zu leinen gedenket. Wie komt sie doch zu
solcher tohrheit / daraus ihr /und unserm geschlechte anders nichts / als ein
schändliches brandmärk / zugefüget wird. Sie sehe wohl zu / was sie tuht. Und
gewislich! ich will sie nimmermehr vor meine Muhme halten / so fern sie mir nicht
angelobet von solcher töhrichten liebe ab zu stehen.
    Sefira beantwortete diese reden anders nicht / als mit weinen und seuftzen.
Ja sie weinete so bitterlich /dass Nitokris / aus hertzlichem mitleiden / sie
tröstete. Ach! sprach sie / liebste Frau Muhme / ich komme nicht zu euch / euer
hertz zu verunruhigen. Habet nur guhten muht. Handelt vernünftig. Lasset die
Tugend euer ziel sein. Es wird sich alles wohl schikken. Hierauf fiel sie auf
ein anderes lustigers gespräche. Aber Sefira sass allezeit betrübt. Keine lust /
noch freude konnte bei ihr verfangen. Endlich baht sie die Königliche Fürstin /
niemand zu sagen / was sie gehöhret. Daran darf sie nicht zweifeln / antwortete
Nitokris. Sie ist meine Muhme. Ihre ehre ist meine ehre: und ihre schande meine
schande. Alles / was ihr zust össet / geht mich mit an. Ich würde teil haben an
ihrer unehre / imfal dieses auskähme. Darüm werde ich wohl so klug sein zu
schweigen. Und hiermit nahm sie ihren abschied.
    So bald die Königliche Fürstin weg war / fing Sefira jämmerlich an zu
klagen. Ach! sagte sie / ach! ich elende! ich trostlose! bin ich nun so
unglücklich / dass Nitokris meine liebe wissen mus? O grimmiges verhängnis! O
unglückseelige Liebe / die ich häge! O Josef! Josef! in was vor einen jammer
versetzet mich deine schönheit? Ich bitte dich / und du bist nicht zu erbitten.
Ich flöhe dich an / und du erhörest mich nicht. Ich falle dir zu fusse / und du
richtest mich nicht auf. Du lessest mich liegen in schmaach und verachtung. Ist
es wohl müglich / dass in einem so schönen leibe so ein grausames hertze
verborgen? Ist es wohl müglich / dass mir derselbe / dessen leben und tod in
meiner gewalt stehet / mir seine liebe verweigern darf? Vielleicht kützelstu
dich noch darmit / dass du deine Gebieterin höhnest? Vielleicht ist es deine lust
/dass du mit mir spottest? O unmenschlicher Wühterich! o grausamer Hänker! Doch
was sage ich! was klage ich über dich? Du hast keine schuld. Du bist so
unmenschlich / so grimmig / so erschröklich nicht. Der argwahn / der zwischen
mir und dir einstehet /verhindert unserer beider vergnügung. Dieser giebet dir
solche seltzame gedanken ein. Dieser macht dich furchtsam und schüchtern. Doch
ich verhoffe noch dis übel aus dem wege geschafft zu sehen.
    Unterdessen hatte die Königliche Fürstin den guhten Josef beklagt. Nun hatte
sie selber erfahren /wie sich ihre und der Assenat Treume zu erfüllen
angefangen. Sie wündschte wohl tausendmahl / dass der ausgang schon vor handen.
Sie hatte vor diesem den Josef / seiner unvergleichlichen schönheit und
geschikligkeit wegen / geliebt. Nun liebte sie ihn /wegen seiner tugend / noch
viel mehr. Diese war ihr /aus seinen reden zur Sefira / auch so unvergleichlich
vorgekommen / dass sie sich darüber nicht genug verwundern konnte. Ja sie konnte
kaum gleuben / dass er /als ein Leibeigner / durch seiner Gebieterin so seltene
schönheit / und so gar freundliches ansuchen / zur gegenliebe nicht zu bewegen
gewesen. Gleichwohl war es gewis. Ihr eigenes ohr konnte solches bezeugen. Und
darüm hielt sie den Josef in allem so volkommen /dass sie zweifelte / ob in der
ganzen welt seines gleichen zu finden. Sie erhub ihn über alle sterblichen: und
schätzte die Assenat mehr als glücklich; weil so ein köstlicher schatz ihr
dermahleins sollte zu eigen werden.
    Eine zeit darnach fing Sefira ihr altes Lied wieder an. Sie bestürmte das
keusche hertz Josefs aufs neue. Sie gab ihm ihr begehren noch deutlicher zu
verstehen. Ach! sagte sie / ist dann euer hertz so gar hart und unbeweglich / dass
es mit meinen schmertzen kein einiges mitleiden haben kann? Ist es dann lauter
demant? Ist es dann lauter stahl? Oder ist es von der ahrt der grimmigen tiere?
Einen demant kann man mit boksbluhte / wie man saget / bearbeiten. Das stahl wird
durch das feuer schmeidig: und das wildeste und grimmigste tier mit guhten
worten gezähmet. Aber bei euch verfangen keine worte / wie guht und freundlich
sie seind. Das feuer der liebe / wie heftig es flakkert /kann euch nicht
entzünden. Meine trähnen / wie heuffig sie fliessen / können euch nicht
erweichen. Meine seuftzer / wie jämmerlich sie ächtzen / können euch nicht
bewegen. Ich elende! ich trübseelige! was soll ich beginnen?
    Hierauf stund sie eine weile / als entzükt. Sie sprach kein wort. Sie
bewegte sich auch nicht. Endlich fing sie plötzlich wieder an. Neulich klagtet
ihr über mich / als wan ich euch versuchen wollte / als wan ich euch in meines
Herrn ungnade zu bringen trachtete. Aber es waren nur nichtige ausflüchte. Ach!
liebster Josef / ich versichere euch / ja ich schwöre euch bei den höchsten
Göttern / dass ich euch wahrhaftig liebe / dass ich euch hertzlich meine. Eure
schönheit / eure tugend liebe ich über alles / was in der welt ist. Diese seind
es / die mir meine schmertzen verursachen / ach! die aller erschröklichsten
schmertzen! die allerunerträglichsten schmertzen! Und darüm bitte ich / ja ich
flöhe euch an / mir / durch einige gegenliebe / lindrung zu schaffen. Sonst mus
ich sterben. Ich sehe sonst keine andere auskunft / wo ich eurer liebe nicht
geniesse. Und hiermit sank sie in ohnmacht zur erde nieder.
    Josef erschrak über diesen plötzlichen zufal. Er hette gern das gesinde
gerufen. Aber er durfte nicht. Auch konnte er nicht; so sehr hämmete der schrik
seine zunge. Darüm hub er die Fürstin allein auf / und setzte sie gemächlich in
einen ruhestuhl nieder. Da kahm sie über eine weile wieder zu sich selbst. Und
als sie den Josef erblikte / der ihr mit der hand ein stärkwasser im
schnupftuche vor die nasenlöcher hielt; da sprach sie mit schwächlicher und
böbender stimme: Ist noch so viel liebe / und so viel mitleidens bei euch? Aber
ach! warüm sucht ihr mir das leben wieder zu bringen / das schon verflogen war?
Wisset ihr nicht / dass ihr zugleich meine schmertzen wiederbringet / die mit dem
leben verschwunden? Mir war wohl: warüm liesset ihr mich nicht also bleiben? Ihr
suchet mich doch nur aufs neue zu peinigen. Ihr erneuert doch nur meine angst /
an statt dass ihr sie lindern soltet: welches anders nicht / als durch eine
hertzliche gegenliebe / geschehen mag. Aber darzu kann ich euch nicht bewegen.
Und es scheinet / als wan eure grausamkeit und meine liebe üm die wette streiten
/ zu sehen / welche die andere vertilgen kann.
    Auf diese worte fing endlich Josef auch an. Wie schöpfet doch meine gnädige
Frau von mir so gar böse gedanken? Leiste ich ihr dann nicht allen möglichsten
gehohrsam? Bin ich ihr nicht zugetahn mit euserster treue? Erweise ich ihr dann
nicht alle untertähnigste liebe? Ja ich versichere sie / dass ich sie über alles
liebe / selbst so weit / als mir immermehr geziemet. Weiter kann sich diese liebe
nicht erstrekken. Die treue / die ich ihren Ehliebsten bezeugen mus / lesset ein
mehres nicht zu. Ein mehres kann und wird sie auch selber nicht suchen. Ich will
mehr sagen. Ein kind kann seine Mutter / unter derer hertzen es gelegen / höher
nicht lieben / als ich sie liebe. Ja diese liebe steiget so hoch / dass ich auch
mein leben vor sie lassen wollte. Mein bluht wollte ich vor sie vergiessen. Was will
sie dann mehr von mir haben? Warum schreibet sie mir dann eine solche grausamkeit
zu? Warüm bildet sie ihr ein / dass ich sie / indem ich ihr leben zu laben
gedenke / nur zu peinigen gesonnen? dass ich sie nur darüm erhalten wollte / damit
ich ihre schmertzen erhielte? Ach! ich bitte / sie entschlage sich solches
argwahns. Sie schöpfe von mir andere gedanken. Sie befriedige sich selbst. Sie
stille ihr unruhiges hertz.
    Ach! fing ihm Sefira das wort auf / wie soll ich mein hertz stillen? Womit
soll ichs befriedigen / wan ihr es noch immer mehr und mehr verunruhiget? Ich
selbst kann es nicht tuhn. Es stehet allein in eurer macht. Wan ihr nur meinen
willen volbringt / so ist mir geholfen. Tuht ihr das; so solt ihr über mich und
alles das meinige herschen. Scheuet ihr etwan meinen Ehherrn? Befahret ihr euch
/ dass ihr dadurch bei ihm in verdacht kommen werdet? Ach! ich versichere euch /
dass er weder von mir / noch von euch etwas böses gedenken kann. Und wan ihm von
uns schon etwas zu ohren kähme; so wird er es doch nicht gleuben. Ich habe
diesen dingen schon vorgebauet. Ich kenne alle seine gedanken. Ja ich weis sein
hertz.
    Josef suchte sie mit gelindigkeit auf einen andern weg zu bringen. Er
ermahnte sie von ihrem bösen vornehmen abzustehen. Er erinnerte sie ihrer
pflicht und ihrer treue / die sie ihrem Ehliebsten geschwohren. Er baht / sie
möchte behertzigen / in was vor erschrökliche sünde sie beide sich stürtzten /
im fal er ihren begierden gehorchete. Er mahlte ihr die strafe des Allerhöchsten
/ die darauf erfolgen würde / aufs greulichste vor. Er bildete ihr das böse
gewissen / das sie hernach fort und fort nagen würde / zum allerabscheulichsten
ab. Ja er machte ihr die hölle so heis / dass sie anfing bitterlich zu weinen.
Und also schien sie sich zur reue zu lenken. Also schien sie leidwesen zu haben
über ihre sündige gedanken. Hierüber über war Josef sehr erfreuet. Und als sie
von ihm geschieden / rief er inbrünstig zu Gott / dass er sie bei dieser reue
erhalten möchte. Auch lies sie ihn eine zeit lang zu frieden. Eine guhte weile
währete diese stille. Aber endlich begunte der sturm viel heftiger / als zuvor.
Uhrplötzlich erhub sich ein erschrökliches unwetter. Unversehens kahmen lauter
donner / und lauter blitze auf den unglückseeligen Josef zugeschossen.
    Weil nun Sefira sah / dass ihr die guhten worte nichts geholfen; so
entschlos sie sich mit der schärfe zu verfahren. Und in solcher Entschliessung
entboht sie den Josef. Ihr Herr war eben mit den Könige ausgeritten. Ihrem
Frauenzimmer hatte sie erleubet sich im garten zu erlustigen. Und also befand
sie sich in ihrem zimmer ganz allein. Josef märkte / straks im ersten eintritte
/ was die glokke geschlagen. Er sah es ihr an den augen an / dass zorn und liebe
in ihrem hertzen stritten. Er fragte / mit tiefster ehrerbietigkeit: was sie ihm
zu befehlen hette? Ich befehle dir / antwortete sie mit harter stimme / dass du
mich hinfort /als deine Gebieterin / ehrest. Ich gebiete dir meinen worten
gehorsam zu sein. Ja ich will / dass mein wille geschehe. Diese worte klungen dem
Josef / als ein donner / in seine ohren. Lieber hette er gewündscht /dass man ihn
in der Wolfskuhle verhungern lassen / als dass er alhier von dieser Fraue / die
seiner keuscheit das verderben dreuete / so heftig sollte bestürmet werden. Was
bildestu dir ein / fuhr sie fort / dass du dich wider deine Fraue so sperrest /
ja ihr so gar schimpflich begegnest? Weistu nicht / dass dein leben und tod in
meiner macht stehet? Wan ich nur winke / bistu ein todter mensch.
    Josef wusste nicht / ob er schweigen / oder antworten sollte. Er sah zween
gegeneinander streitende feinde vor seinen augen. Diese waren Zorn und Liebe:
welche ihm alle beide den untergang dreueten; jener des lebens / und diese der
keuschheit. Davon musste er eines wählen. Wolte er leben / so musste er lieben.
Wolte er dem Zorne entfliehen / so musste er der Liebe sich unterwerfen. Wolte er
aber der Liebe entrinnen /so musste er / auf gnade und ungnade / dem Zorne / ja
dem tode selbst sich ergeben. Er wehlete dann lieber das letzte. Er wollte lieber
no comma? den tod leiden / als einmal in unkeusche liebe bewilligen. Ja er
wollte lieber seine Keuschheit / als sein Leben / erhalten. Und darüm versuchte
er noch einmal mit glimpfe sich aus diesem liebesgarne zu wüklen. Ich weis
nicht / sagte er / ob es meiner gnädigen Frauen ernst ist / mich mit so harten
worten zu erschrökken; oder ob sie nur ihre kurtzweile mit ihrem Diener zu haben
gesonnen. Zudem kann ich nicht verstehen / was sie meint  / und was vor einen
gehohrsam sie von mir erfordert.
    Seht! seht! rief Sefira überlaut / wie er sich so albern stellet. Habe ichs
dir nicht deutlich genug gesagt? Mein wille ist / dass du mich liebest. Mein
befehl ist / dass du diesen willen erfüllest. Mein gebot ist / dass du meine so
hertzliche liebe / die deine Tugend in mir entzündet / mit gleicher gegenliebe
vergeltest.
    Weil es dann nun meine Tugend ist / fing ihr Josef das wort auf / warüm Sie
mich liebt. Ei wohlan! so bitte ich untertähnig / dass sie mich nicht veranlasse
/solche zu verlieren. Dieser verlust würde ja anders nichts tuhn / als mich
ihrer liebe unwürdig machen. Sie würde / ja müste alsdan aufhören mich zu
lieben. An statt der liebe würde mich ihr has verfolgen. Sie würde meine feindin
werden. Ja sie würde denselben /der das ziel ihrer liebe / die Tugend /
verschertzet /weder sehen / noch hören wollen. Was were ihr dann mit solchem
meinem zweifachen verluste gedienet?
    Sefira / die sich also selbst ins netze gebracht /konnte nicht weiter fort.
Sie schwieg stokstille. Sie fand hierauf keine antwort. Aller vorteil war ihr
abgeschnitten. Und dieses schmertzte sie dermassen / dass sie abermahl in ohnmacht
fiel. Die augen warden star. Der mund erblassete. Ja das ganze angesicht war
als mit einer todtenfarbe bestrichen. Josef rief von stunden an ihre
Stahtsjungfrauen. Diese kahmen eilend herzu gelauffen. Sie schnühreten die
Fürstin auf /damit sie luft bekähme. Und als sie ein wenig wieder zu sich selbst
gekommen / begehrte sie nach bette. Alhier war es / da sie auf allerhand
listgriffe bedacht war / den Josef zu überlistigen. Alhier suchte sie allerhand
schlingen und strükke hervor / ihn zu überschnällen.
    Nachdem nun Sefira weder mit liebes- noch dreuworten etwas ausrichten
können; so versuchte sie ihr heil noch auf eine andere weise. Sie stellete sich
/als wan sie im Worte Gottes unterrichtet zu werden begehrte. Und darüm priese
sie zuerst Josefs Tugend und Gottesfurcht aufs höchste. Sie rühmete sein edles
gemühte: welches von allen lastern so weit entfernet /als die sonne von der
erde. Ihr habet getahn / sagte sie zu ihm / was die Tugend gebietet; indem ihr
mich meiner ehpflicht erinnert. Ihr habet gebähten / was euch eure Gottesfurcht
befohlen; indem ihr bahtet euch bei eurer tugend zu lassen. Mit diesen und
dergleichen reden machte sie gleichsam ein vorspiel. Darnach kahm sie zur sache
selbst. Wie soll ich aber /fuhr sie fort / unterdessen meine schmertzen stillen?
Wer wird meine liebe vergnügen? Darüm ach! liebster Josef / weil ihr mich so
sehr verwundet / so tödtet mich doch nicht gar. Es würde fürwahr keine tugend
sein / eine schwache Fraue zu tödten. Imfal ihr meinen willen tuht / so will ich
meine Götzen verlassen. Ich will eurem Gotte dienen. Ja ich will darzu auch meinen
Ehherrn selber bereden. Und also wollen wir nach dem Gesetze eures Gottes
leben.
    Josef aber gab ihr zur antwort: dass dieselben / die in unkeuschheit lebeten
/ Gott nicht dienen könten. Gott sei ein reines Wesen / und wollte mit reiner
seele geehret sein. Er hette kein gefallen an denen / die sich mit Ehbruche
beflekten. Darüm / wan Sefira seinem Gotte dienen wollte / müste sie ihr Ehbette
rein und unbeflekt bewahren. Wolte sie nach dem Gesetze seines Gottes leben / so
müste sie sich aller ehbrecherischen liebe ganz entschlagen. Diese worte
gefielen ihr auch nicht. Sie trieben ihr gemüht auf seltzame gedanken. Ja sie
verursachten sie zu einer sehr fremden entschlüssung.
    Wohlan dann / sagte sie / weil uns meine Ehpflicht im wege stehet; so will ich
gelegenheit suchen / mich von derselben los zu machen. Wolt oder dürft ihr
keinen Ehbruch begehen; so will ich auf mittel bedacht sein / meinen Ehherrn aus
dem wege zu reumen. Solches kann heimlich geschehen. Kein schlag / kein stoss soll
es verrichten. Ich will keinen öffendlichen mord begehen. Ich will ihm keine wunde
zufügen: welche man sehen könnte; welche die taht verriete. Nein /nein! ich will
behuhtsam handeln. Fürsichtig will ich verfahren. Niemand soll es märken. Ein
einiger gifttrank kann alles verrichten. So bleiben wir ausser verdacht. Und
alsdan will ich euch zur ehe nehmen. Alsdan solt ihr mein Ehgemahl sein. Alsdan
können wir /ohne Ehbruch / unsere liebe vergnügen.
    Auf diese reden zerris Josef sein kleid. Er stund ganz bestürtzt. Ein iedes
wort schien ihm schon eine mordpfrieme zu sein. Ach! sprach er / Sie schäme sich
doch vor Gott und den heiligen Engeln / solche verzweifelte worte zu reden. Sie
verzweifele doch nicht so gar. Sie ergebe sich doch dem bösen nicht so ganz.
Sie fürchte den HERrn. Sie bändige die unbändigkeit ihrer begierden: und begehe
solch- eine böse taht nicht. Fürwahr! imfal Sie von diesem vorsatze nicht
abstehet; so will ich ihre Bosheit offenbahren. Ich mus es tuhn. Mein gewissen
dringet und zwinget mich darzu. Und also musste sich Sefira vor dem Josef
fürchten. Sie durfte ihm in langer zeit nichts mehr von ihrer liebe sagen. Ach!
sprach sie bei sich selbst / hat mich dann Josefs schönheit verwunden müssen /
dass seine grausamkeit mich tödtete? Hat ihn dann der Himmel darüm mit so
fürtreflichen Tugenden gezieret / damit man seiner Schönheit nicht geniessen
könnte? Worzu dienet ein schöner Apfel / der zu essen verbohten? Zu nichts anders
/ als dass er den mund wässericht / die zunge lüstern / und das hertz vol
schmertzen machet. Ach weh mir! dass ich so unglücklich gewesen den Josef zu
sehen. Ach ich armseelige! wer wird mich noch aus dieser angst erlösen? Ach ich
armseelige! wer wird sich über mich erbarmen?
    Weil nun Sefira sich ihrer liebe gegen den Josef nicht kühnlich mehr durfte
verlauten lassen; so suchte sie ihn gleichwohl auf eine andere weise zu gewinnen.
Sie schikte ihm allerlei geschenke. Alles / was köstlich und schön war / musste
Josef haben. Auch sandte sie ihm die lieblichsten speisen. Aber ein Engel
warnete ihn / darvon nicht zu essen. Dieser reichte ihm ein messer in einer
schüssel zu. Daraus verstund Josef / dass man seiner seelen heimlich
nachstellete. Und darüm ass er nichts von ihrer speise. Er trunk nichts von ihrem
tranke. Dan beide waren mit Taturensaamen / ihn verliebt zu machen / vermischt.
    Sefira ward es endlich gewahr / dass er von ihrer speise nichts genossen.
Darüm setzte sie ihn deswegen zur rede. Josef antwortete: sie war mit dem tode
erfüllet. Gott hat es mir / durch seinen Engel / geoffenbahret. Und ich habe sie
/ zur überzeugung ihrer Bosheit / aufgehoben. Ich habe sie bewahret; damit Sie /
durch dieselbe / zur reue bewogen würde. Nun soll sie sehen / dass demjenigen /
der mit keuschem und reinem hertzen Gott dienet / die arglistigkeit der
boshaftigen kein übels zu zu fügen vermag. Und hiermit nahm er die speise / und
ass sie in ihrer gegenwart. Der Gott meiner Väter / sagte er / wird mich
bewahren. Abrahams Engel wird mich beschirmen.
    Als sie solches sah / fiel sie auf ihr angesicht zur erde nieder. Sie
weinete bitterlich: und sagte dem Josef zu / dass sie solches nicht mehr tuhn
sollte. Aber ihr hertz brante gleichwohl immerfort. Die unliebe lies ihr keine
ruhe. Sie weinte / sie seuftzete tag und nacht. Sie ass / noch trank nichts.
Dieses alles machte sie so ungestalt / dass ihr Ehherr sie fragte: warüm sie so
kläglich aussehe? warüm sie das heupt so hängen liesse? Ach! gab sie zur antwort
/ mein hertz tuht mir weh. Ich bin so mat / dass ich kaum ahtemen kann. Potifar
trug ein hertzliches mitleiden mit ihr. Er trug sorge vor sie; wiewohl sie nicht
krank war.
    Nicht lange darnach erhub sich abermahl ein sturm. Sefira kahm / im abwesen
ihres Ehliebsten / zum Josef. Ach! sagte sie / ich verschmachte vor wehleiden;
oder ich mus sterben. Ich will mir selbst der angst abhelfen. Ich kann / noch mag
sie nicht länger vertragen. Ich mus mich ertränken. Oder ich will vom schlosse
herunter springen / den hals zu brechen; wo ihr meine begierden nicht
volbringet. Josef sah wohl / dass sie der Höllische geist besass; dass ein Geist
des abgrundes sie in die euserste verzweifelung gestürtzt. Darüm rief er
ihrentwegen zu Gott. Darüm trachtete er ihr diesen mismuht zu benehmen. Ach!
sagte er /warüm ist sie doch so gar entstellet? Warüm gebährdet sie sich so sehr
übel? Wie lest sie die sünde so gewaltig über sich herschen? Wie lest sie ihren
bösen begierden den zügel so gar lang? Welcher böser Engel gibt ihr diese
gedanken ein / ihr selbst das leben zu nehmen? Sie gedenke doch / wan Sie dieses
volbrächte / wie Sechon / ihres Liebsten Beischläferin / ihr gedächtnüs vom
erdbodem vertilgen würde.
    Aus diesen reden begunte Sefira einigen trost zu schöpfen. Nuhn sehe ich /
sagte sie / dass Josef die Sefira aus seinem hertzen nicht ganz verwiesen. Nun
märke ich / Dass ich noch in euren gedanken schwebe. Nun spühre ich / dass ihr
meiner nicht so gar vergessen. Nun habe ich guhte hofnung / dass ich endlich
meinen willen werde erfüllet sehen. Josef aber meinte es viel anders. Sein
ganzer vorsatz war sie von einem so bösen vornehmen ganz ab zu lenken. Er
trachtete nach nichts anders / als ihre kranke vernunft zu heilen. Und darüm
seuftzete er denselben ganzen tag und die folgende ganze nacht zu seinem
Gotte. Er baht / mit weinenden augen / dass doch endlich einmal diese Egiptische
Fraue von ihrer blinden sucht möchte erlöset werden.
    Nicht lange darnach beging man eines der höchsten Egiptischen Feste. Man
feierte das gedächtnüs der Abgöttin Isis: welche / nach ihren gewähnten
götlichen vielen verrichtungen und eigenschaften / so vielerlei zunahmen
führete. Die Priester lieffen / in lang-weissen leinen rökken / auf den gassen
herüm. Sie beweineten den ermordeten Osiris. Sie heuleten / sie klagten / sie
schrien sehr jämmerlich. Sie schlugen vor die brust. Sie hieben und peitschten
sich wund. Etliche trugen des hundeköpfichten Anubis götzenbild auf dem heupte;
und in der rechten hand einen Fiechtenzweig; in der linken aber einen
Seewermuhtstrauch. Andere schlugen die Pauken / bliesen in die Krumphörner /
spieleten mit dem heiligen helklingendem Schällenbügel / und auf andern bei
ihnen gewöhnlichen Spielzeugen. Nach volendeten feiergeprängen vermumten und
verkleideten sich die Priester / auf mancherlei weise / wie die
Fastnachtsspieler. Etliche gingen gekleidet als die Jäger andere wie die
Waldgötzen; wieder andere gleich den Alsgöttinnen der Freien künste / und so
fort. Etliche trugen der Isis götzenbild / andere den schwartzweissen
Götzenochsen / des Osiris sinbild / noch andere des Orus / wieder andere des
Apis / und des Harpokrates abgöttische bilder herüm. Hierauf kahmen allerhand
Sänger und Seitenspieler / mit den heiligen Schällenspielen / trummeln /
pfeiffen und andern Klingspielen. Zu allerletzt trug einer die Weltkugel in der
hand / mit wunderseltzamen gebährden. Diesem Priesterlichen aufzuge folgete der
gemeine man schwarmsweise durcheinander. Etliche trugen Kannen / Fruchtörner /
Spiegel / Kämme / Leuchten / Lampen / und dergleichen zeug: andere Eppichtrauben
/und allerhand Kräntze.
    Weil nun Potifar diesen heiligen festgeprängen mit beiwohnen musste / so nahm
Sefira der gelegenheit wahr. Sie lies ihr zimmer / ihr bette / ja ihren leib
/gleichsam als hette sie es dem hohen festtage zu ehren getahn / aufs
lieblichste und zierlichste schmükken. Der bodem / die tafeln / und bänke waren
mit allerhand wohlriechenden wassern bespränget; auch mit Rosenblättern / mit
blüssen von Goldäpfel- Zitronen-schwartzen Zimmet- und Tatur-beumen / und andern
lichriechenden bluhmen / als auch kreutern bestreuet: welches nicht allein mit
einem anmuhtigen geruche die luft erfüllete / sondern auch mit einer
sonderlichen lust die augen ergetzte. Die vorhänge des bettes waren von weisser
seide / mit güldenen bluhmen durchwürkt / und voran mit rosenfärbigen bändern
recht zierlich aufgebunden. In diesem so köstlichen bette lag Sefira / als eine
zweite Alsgöttin der Schönheit und Liebe. Ihr ganzer leib / den sie mit
wohlriechenden wassern gewaschen / und mit köstlichen salben / auch Ossarmilche
/ alle flekker zu vertreiben / bestrichen / war ganz nakkend. Nur hatte sie
eine rosenrohte seidene dekke bis an die brust darüber gedekt. Und diese war so
zahrt und so dünne / dass ihre schneeweisse liljenhaut ganz eigendlich durchhin
blinkte. Um die ärme trug sie nach oben zu zwo köstliche mit demanten versetzte
güldene spangen: aber unten nach den händen zu sehr kostbare Perlenschnüre.
Dergleichen Perlenschnuhr hing auch üm den hals / bis auf das milchmeer der
schlossweissen brüste: welche sich im ahtemhohlen / wällenweise erhuben / und mit
diesen seemuscheltöchtern gleichsam spieleten. Mitten über das heupt war auch
eine solche Perlenschnur geschlagen: und vor derselben nach der stirne zu ein
köstliches prunkstükke von demanten / in gold eingefasset /zu sehen. An beiden
ohren hingen zwo sehr grosse Perlen.
    Als nun alles solcher gestalt auf das herrlichste und wohllüstigste
ausgeschmükket war / und diese wohllüstige Fürstin in solchem lieblichen
schmukke zu bette lag; dadurch sie auch in stählernes hertz zur liebe bewegen
können: da lies sie den Josef zu sich rufen: da vermeinte sie ihn / durch alle
diese wohllüstige augenweide / in ihr liebes garn / oder auf ihren liebeskloben
zu lokken: da gedachte sie das beste lok-ass / und die rechte beitze gefunden zu
haben / ihn endlich einmal zu berükken. Josef gehorchte zwar ihrem befehle:
aber mit grossem unwillen. Dan er wusste wohl / was er vor einen tantz würde
tantzen müssen. Er wusste wohl / was er für einen harten streit würde angehen
mussen: davor ihm albereit grausete /ja der angstschweis fast ausbrach. Darüm /
eh er hinein traht / rief er zuvor seinen Gott hertz / inbrünstig an / ihn
dermassen zu stärken / dass er seinen feind tapfer bekämpfen / und heldenmühtig
überwinden möchte. Und hierauf begab er sich in das Fürstliche zimmer. Er
näherte sich / wiewohl mit niedergeschlagenen schaamhaftigen blikken / dem
Fürstlichen bette. Er neugte sich / seiner gewohnheit nach / auf das
allerdemühtigste; und fragte / was der Fürstin ihm zu befehlen beliebte?
    Sefira stellete sich erstlich an / als were sie noch sehr unbas. Darüm gab
sie ihm auch zur antwort: dass sie vermeint hette was auf zu stehen / und sich
auf den saal zu begeben den heiligen Festgeprängen zu zu sehen: darzu sie seiner
hülfe benöhtiget. Aber sie märkte nun / dass es ihre schwachheit noch nicht
zulassen wollte. Doch könnte er ihr gleichwohl ein weilichen Gesellschaft halten.
Vielleicht möchte sie sich bald etwas stärker befinden. Hiermit wiese sie nach
dem stuhle zu / der vor dem bette / recht gegen ihrem angesichte über / stund /
an zu zeigen / dass er sich setzen sollte. Und solches täht sie nur darüm / damit
sie ihn /und er sie / recht in die augen bekähme.
    Josef hatte eben / weil man der Isis fest feierte /den Egiptern zu gefallen
/ sein köstlichstes kleid anlegen müssen. Dieses gab nicht allein seiner
schönheit einen helleren glantz; sondern auch der Sefira liebesgluht eine
grössere kraft. Und darüm blikte sie ihn üm so viel öfter und verzükter an;
wiewohl sie ihren anschlag / ihn nicht straks schüchtern zu machen / eine lange
weile verbarg. Seine blikke sollten sich zuvor mit den ihrigen vereinbahren. Sie
sollten von ihrer ausbündigen schönheit / die so bloss und nakkend vor seinen
augen lag / zuvor feuer ziehen / sein kaltes hertz in den brand zu helfen / oder
es zum wenigsten lüstern zu machen. Und zu dem ende spielete sie mit den blitzen
ihrer liebesreitzenden augen fort und fort auf ihn zu. Auch bewegte sie
vielmahls ihren obersten leib dermassen / dass der zweifache schneehügel ihres
füllig-schönen Busems / über der dekke / ganz enblösset zu liegen kahm. Hier
sah man die rechten lokvogel der liebe; die sich / mit so lieblicher / wiewohl
stummer stimme / die weisheit selber zu betöhren bemüheten.
    Welcher Mensch hette wohl diese so lieblich entblösste schönheit / ohne
verzükkung / anschauen können? Welcher mensch / der diese so schönen augen
/diese so blühenden wangen / diesen so lieblichen rosenmund / ja dieses so
zierlich gebildete angesicht ansehen sollen / hette wohl unbewegt und unverliebt
bleiben können? Ja wen hette so ein schöner und noch darzu so schön
ausgeschmükter und in lauter wohllust entblösster leib nicht zur höchsten liebe
bewegen sollen? Man kann ihm leichtlich einbilden / dass Josef / bei diesem
anblikke / nicht unangefochten geblieben. Er war noch in seiner besten jugend.
Sein sechs- und zwanzigstes jahr war kaum zum ende. Er bestund eben / als andere
menschen / aus fleisch und bluhte. Er hatte eben die gemühtsbewegungen / als
andere. Aber gleichwohl schien er mehr ein meister über seine jugend / über sein
fleisch und bluht / ja über alle seine gemühtstriften und begierden zu sein /
als sonst alle sterblichen. Und ob er schon / aus schuldiger ehrerbietigkeit /
die augen von seiner Fürstin nicht ab /noch ihr den rükken zu-kehren durfte; so
blieb er gleichwohl / allen liebes-anlokkungen / allen bewegungen seines
hertzens / ja dem fleisch und bluhte zu trotz / in seiner tugend beständig.
    Eine guhte stunde hatte Josef alhier die anstürmenden flammen der liebe
vertragen. Es schien gefährlich zu sein den streit länger zu wagen. Sein
verstand riet ihm zur flucht. Er trug sorge vor seine keuscheit. Er befahrte
sich / dass der feind von aussen endlich mit voller gewalt in sein hertz dringen
/ und alda seine eigene untertahnen / seine feinde zu werden / aufwügeln möchte.
Diese / fürchtete er / möchten alsdan von innen heftiger stürmen / als der feind
von aussen; ja ihn endlich wohl gar überwältigen. Darüm wollte er diesen so
heftigen einheimischen krieg nicht erwarten. Er wollte fliehen / ehe dieser
selbstreit ihn gäntzlich zu boden würfe. Und also erkühnte er sich seinen abtrit
zu nehmen / mit vorwenden seine geschäfte zu verrichten. Aber es war vergebens.
Eine junge Katze pfleget mit der Maus zu spielen / so lange sie stille liegt:
wan sie sich aber bewegt / tappet sie mit der pfote zu / und scharret sie nach
sich; ja wan sie gar entlauffen will / giebet sie ihr einen bis / und frisset sie
endlich ganz auf. Der Leue / wan er einen Menschen in seiner gewalt hat / und
er sich nur stille helt / tuht ihm kein leid: so bald er aber fliehen will /
zerreisset er ihn zur stunde. Eben also täht Sefira. Eben nach dieser katzen-
und leuen-ahrt spielete sie alhier mit unserem Josef. So lange er stille sass /
täht sie ihm kein böses. Sie strählte ihn nur. Sie liebelte ihm nur. Aber so
bald er aufstund seinen abtrit zu nehmen; da fing sie erst an ihn zu fassen: da
begunte sie erst zu zu tasten. Was? sagte sie / wolt ihr mich nun alle verlassen?
Wolt ihr nun alle von mir lauffen. Ach! mein liebster Josef / wie seid ihr so
gar neidisch / mir den blossen anblik eurer schönheit nicht länger zu gönnen? Mag
ich dann nun / in meinem unglück / auch nicht einmal so glückseelig sein / euer
liebliches angesicht nach genügen zu sehen?
    Josef schlug / auf diesen ersten anfal / die augen nieder / und antwortete
nichts. Und darüm fuhr die Fürstin in ihrer rede fort. Wolt ihr nun / sagte sie
/nicht einmal mit mir reden? Bin ich nun keiner antwort mehr währt? Wisset ihr
nicht / dass ihr dadurch meiner gühte / meiner liebe / ja meiner demuht
unverantwortlicher weise misbrauchet? Wisset ihr nicht /dass ich eure Gebieterin
bin / der ihr zu gehohrsamen verpflichtet? Wisset ihr nicht / dass ihr mein
Leibeigener seid / und ich macht habe euch frei zu lassen / und glückseelig zu
machen / oder aber zu strafen / ja selbst zu tödten / wie und wan es mir
beliebet? Das weis ich alles sehr wohl / fing ihr Josef das wort auf. Aber wie
und was ich meiner gnädigen Fürstin antworten sollte /wusste ich nicht; nachdem
sie abermahl anfing mit mir zu schertzen. Was schertzen? fiel sie ihm in die
rede. Es war mein ganzer ernst. Um so viel weniger konnte ich antworten / fuhr
Josef fort. Were ihr ansuchen meiner tugend gemäss / ich hette so lange nicht
geschwiegen. Ja mit dem werke selbst wollte ich straks geantwortet haben. Aber
die Tugend geboht mir zu schweigen; weil ich doch nicht antworten konnte / wie
meine gnädige Fürstin wündschte.
    Sefira schwieg auf diese reden eine guhte weile stil. Endlich fing sie
wieder an. Ist dann der Gehorsam / sagte sie / nicht auch eine Tugend? Und diesen
seid ihr / als mein Leibeigner / mir zu leisten schuldig. Aber eure
halsstarrigkeit verhindert euch solche den Leibeignen so ganz eigene tugend zu
erfüllen. Und weil ihr euch verhindern lasset / macht ihr die tugend zum laster /
und das laster zur tugend. Der Gehohrsam ist freilich eine tugend / antwortete
Josef. Aber er mus zuförderst Gotte geschehen: und dann erst den Menschen.
Befielet ein Mensch etwas / das wider Gottes gebot ist; so heist es man mus Gott
mehr gehorchen / als den Menschen. Wan meiner gnädigen Gebieterin befehl nicht
wider Gottes gebot lieffe; so were es mir freilich vor eine untugend und vor ein
strafbahres laster zu zu rechnen / wan ich ihr nicht gehorchte. Aber nun ist es
keine untugend; weil sie begehret und gebietet / was Gott verbietet. Und darüm
kann sie meine weigerung wider Gottes gebot zu sündigen / oder meine
halsstarrigkeit / wie es ihr zu teuffen beliebet / kein laster nennen. Es ist
vielmehr eine tugend / die den nahmen der Beständigkeit im gehorsame Gottes
verdienet.
    Die Fürstin hatte ihr eingebildet / dass sie den Josef nunmehr so listiglich
und so feste bestrükket / dass er sich nicht heraus wükkeln könnte. Aber sie
befand sich in ihrer einbildung ganz betrogen. Der vogel / den sie gefangen zu
haben vermeinte / ris ihre falstrükke plötzlich in zwei. Ihr vom eisendrahte
gewähnter garnsak ward zum spingewebe. Der wind blies ihn in flükken. Josefs
ahtem hauchte ihn voneinander. Der blitz des Göttlichen gebots versängte ihn
gar. Als sie nun sah / dass sie mit diesem einwurfe nichts ausgerichtet; so
trachtete sie die Tugend selbst zu vereitelen / und aus dem wege zu reumen. Ach!
liebster Josef /sagte sie / was wolt ihr euch doch so viel auf die Tugend
verlassen? Sie ist doch nur ein eiteles nichts /ein eingebildeter wahn / ein
blosses spiegelfechten. Kan dieses so gar nichtige ding euch wohl der
leibeigenschaft entschlagen / wie ich kann? Kan es euch wohl befördern / und zu
ehren helfen / als ich; wan ihr meinen willen volziehet? Ja wird euch eure
Tugend wohl beschirmen / wan sich / eurer hartnäkkigkeit wegen / meine liebe in
einen has veränderte / und ich bewogen würde mich erschröklich an euch zu
rächen? Würde sie euch wohl aus dem feuer meines zornes erretten? Ich versichere
euch / dass sie mehr / als alzuunmächtig sein würde. Darüm / mein liebster Engel
/ nehmet der gelegenheit wahr / die euch itzund von sich selbst in die hände
fället. Verschertzt das glück nicht / das euch itzund angebohten wird. Lasset
uns in wohllust unsere jugend ergetzen. Lasset uns liebe mit liebe vergelten. Wir
seind allein. Niemand sieht es. Niemand wird uns verrahten.
    Der verrähter schläfet / noch schlummert nicht /fing ihr Josef das wort auf.
Unser gewissen würde uns verrahten / ja noch darzu erschröklich foltern. Gott /
der alle dinge sieht / auch selbst unsers hertzens gedanken weis / würde es
sehen. Die Engel / so wohl böse / als guhte / seind bei und üm uns her: die
würden uns anklagen. Darüm haben wir uns wohl vor zu sehen / was wir tuhn. Ich
weis sehr wohl / was meine gnädige Fürstin vor eine macht über mich hat. Aber
darneben ist mir auch nicht unbewust / dass Gott noch mehr macht über uns alle
habe: und dass sie keine macht hat mir ein haar zu krümmen / wofern es ihr Gott
nicht zulesset. Solte sich dann ihre Liebe in einen Zorn verändern; so wisse sie
/ dass mir solcher zorn lieber sein wird / als diese sündliche Liebe /damit sie
meine Keuschheit verfolget. Ob sie mir auch schon das leben / durch den
allerschröklichsten tod nehmen sollte; so würde ich doch darbei ein unbeflektes
gewissen behalten. Ich würde froh sein / dass ich meinem Herrn treulich gedienet;
dass ich mich an ihm / durch besudelung seines ehbettes / nicht vergriffen. Im
übrigen weis ich auch sehr wohl / dass die Tugend in der welt augen ein
verächtliches nichtiges ding ist. Aber darneben weis ich auch / dass sie vor
Gottes augen üm so viel mehr in achtung kommet. Und gesetzt dass sie mir selbst /
in weltlichen dingen / nichts nützen sollte; so nützet sie doch meinem Herrn /
weil sie mir gebietet / und mich antreibet ihm in allem getreu zu sein. Und
diese treue will ich nicht kränken /noch kränken lassen / weil ich ahtemen kann.
Ich will meinem Gotte / und nach ihm / meinem Fürsten getreu verbleiben bis in
den tod. Davon soll mich weder freund / noch feind ab zu ziehen vermögen. Davon
soll mich weder liebe / noch has / noch etwas / das in der ganzen welt ist /
abwendig machen. Ja nichts soll meinen vorsatz / meinen schlus ändern. Dieser
schlus stehet so fest / dass ihn ihre gedreuete rache nicht ümstossen / noch ihr
allergrimmigster zorn versetzen kann. Und dis ist das lied vom ende.
    Weil nun Sefira sah / dass sie weder mit lieblenden / noch dreuenden worten
/ auch mit allen ihren liebesreitzenden gebehrden / und allen ihren aufs
anmuhtigste ausgeschmükten schönheiten nicht das geringste gewinnen konnte; so
entschlos sie sich zu allerletzt den Josef mit gewalt zu ihrem bösen vorsatze zu
ziehen. Und zu dem ende lies sie eine Zitrone vom bette fallen. Diese nahm Josef
auf / und reichte sie ihr zu. Aber sie erwischte ihn bei dem rokke / ihn aufs
bette zu ziehen. Auch baht sie ihn mit den allerbeweglichsten worten: Er sollte
sie doch endlich einmal ihre lust büssen lassen. Ja diese worte vermischete sie
mit seufzen und trähnen. Josef aber lies den Rok in ihrer hand / lief zum zimmer
hinaus / und flohe darvon. Und also behielt der erkaufte sein freies gemüht: der
geliebte entielt sich der liebe: der gebähtene ward nicht erbähten; und der
ergriffene lies sich nicht halten.
    Straks machte Sefira ein solches erschrökliches geschrei / dass ihre
Stahtsjungfrauen und Kammermägdlein zugelauffen kahmen. Diese entsetzten sich
aus der massen über ihrer Fürstin so abscheuliche gestalt. Kurtz zuvor war sie
ihnen vorgekommen / als eine Alsgöttin der liebe. Nun sah sie aus als eine
leibliche Teufelin. Der Zorn / der has / die rachgier blitzten ihr aus den
augen. Lauter donnerschläge / lauter blitze gingen aus ihrem munde. Ein
flammender dampf stieg aus ihrer nase. Ihre blikke waren feurige strahlen: ihre
worte zerschmetternde donnerkeule. Ihr haar hing ganz zerzauset über die
zerkratzten wangen. Sie tobete / sie rasete / sie wühtete / sie fluchete / ja
sie stellete sich so ungebährdig / dass die Jungfern genug zu tuhn hatten sie
wieder zu besänftigen.
    So bald diese halbtolle Fürstin ein wenig wieder zu ihr selbst gekommen /
fing sie an ihren Herrn selbst zu beschuldigen. Sehet! sagte sie / Er hat uns
diesen Ebreischen knecht herein gebracht / dass er uns zu schanden mache. Er kahm
zu mir in mein zimmer /und wollte mich nohtzüchtigen. Ich rief aber überlaut. Da
flohe er darvon / und lies mir seinen Rok in der hand. Eben diese worte sprach
sie auch zu ihrem Herrn / so bald er zu hause kahm. Ja / fügte sie hinzu / sehet
doch nur / wie mich der ehrvergessene schelm /der ehbrecherische hund
zugerichtet / als ich mich zur wehre stellete. Und hiermit wiese sie ihm auch
den Rok; den sie zum zeugnüsse behalten. Endlich schlos sie mit diesen worten:
Ich habe meine ehre gerettet /wie ihr sehet. Nun möget ihr vor die eurige
eisern; und ihn / den undankbaren / den treulosen / gebührlich abstrafen.
    Der guhte Potifar ward über diesen so plötzlichen unfal über die masse
bestürtzt. Er hatte dem Josef so sehr viel guhtes zugetrauet. Er hatte seine
tugend /seine keuschheit / seine frömmigkeit allezeit so hoch gerühmet. Ja er
hatte auf seine treue ganze schlösser gebauet. Nun erfuhr er das widerspiel
selbst aus dem munde seiner Gemahlin. Diejenige / die ihn vor diesem so manches
mahl gepriesen / klagte ihn nun selber an. Er sah den Rok / als ein zeichen
der wahrheit / vor seinen augen. Er sah seine Liebste so gar entstellet / und
so sehr übel zugerichtet. Und also konnte er anfangs anders nicht gedenken / als
dass es wahr sei / was ihm so ganz unvermuhtlich zu ohren kahm. Er ward
gezwungen / alle diese beschuldigungen zu gleuben. Doch gleichwohl konnte er sich
noch nicht entschlüssen den Josef / nach dieses verbrechens beschaffenheit / so
straks zu strafen. Er konnte es über sein hertz nicht bringen. Zorn und Liebe
kämpften hart widereinander. Der zorn wollte durchaus haben /er sollte ihn
vertilgen. Die liebe dagegen riet ihm / gemach zu verfahren. Er hatte zuvor
keinen einigen tadel am Josef befunden. Und darüm hatte er ihn von hertzen
geliebt. Ja er hatte ihn so hoch geliebt / dass er ihm alles das seinige
anvertrauet; dass er ihn anders nicht gehalten / als seinen Sohn; und was noch
mehr ist / ihm seine einige Erbin und liebste Tochter Assenat / in seinem
hertzen / zur Gemahlin versprochen.
    Diese so hertzliche liebe konnte der zorn nicht so gar verhindern / dass sie
den Potifar nachmahls nicht überredet vom Josef ein bessers zu gleuben / als man
ihm vorbrachte. Ja er vermochte ihm keinesweges ein zu bilden / dass die sache so
gross sei / als man sie machte. Er muhtmassete / es müste ein misverstand
darhinter sein. Er gedachte / die krankheit seiner Gemahlin hette ihr vielleicht
diese böse gedanken eingegeben. Und in solchen gedanken entschlos er sich den
Josef so hart nicht ab zu strafen / als ihm sein erster zorn gerahten. Damit er
aber seine Gemahlin einiger massen vergnügte / so befahl er ihn ins gefängnüs zu
bringen / da des Königs gefangene lagen. Darinnen möchte er so lange liegen /
bis man des verbrechens beschaffenheit gründlich entdekket.
 
                                 Vierdes Buch.
Assenat hatte inzwischen fast alles erfahren / was sich mit dem schönen
Leibeignen begeben. Sie wusste / dass ihn ihr Vater von den Ismaelern gekauft. Sie
wusste / dass er ihm fast zehen jahr gedienet. Sie wusste / dass ihn Potifar über
sein ganzes Haus gesetzet; dass er ihm alles das seinige anvertrauet: dass er
/durch Josefs getreuen fleis und fürtreflichen verstand im haushalten / an
reichtühmern über alle masse zugenommen. Ja ihr war unverborgen / dass ihr Vater
ihn deswegen überaus geliebt / und anders nicht gehalten / als seinen
leiblichen Sohn. Auch war ihr aus Potifars eigenem schreiben / und aus seinem
munde selbst bekant / wie hoch er ihn iederzeit gepriesen. Darüm konnte sie ihr
nicht einbilden / woher sich das blat so gar plötzlich ümgekehret. Sie konnte
nicht begreiffen / woher es kähme / dass Potifar ihn in das gefängnüs geworfen:
davon der ruf schon zu Heliopel erschollen. Ihre verwunderung über eine so
uhrplötzkiche veränderung zwang sie nach zu forschen. Sie vernahm ein gemummel
unter dem volke / dass Josef unschuldig sei. Und dieses verursachte sie noch mehr
die wahrheit zu ergründen. Man wollte damit nicht recht heraus. Man redete in der
stille darvon. Und einer sagte dis / der andere das. Endlich bekahm sie ein
schreiben von der Königlichen Fürstin. Diese schrieb zwar anders nichts / als
dass ihr Vater den Schönen Leibeigenen in haft bestellet; weil ihre Stiefmutter
ihn bezüchtiget / er hette ihr unzucht angemuhtet. Gleichwohl muhtmassete die
klugsinnige Fürstin /dass hinter diesem handel was anders müste verborgen liegen.
    Als nun Assenat hierüber auf so mancherlei gedanken gerahten; so geriet sie
endlich auch auf ihren Traum; den sie vor etlichen jahren von einem Härmlein das
ihre Stiefmutter in den schlam drükken wollen / und hernach in ein fas
einsperren lassen / gehabt. Der Nitokris eben gemeltes schreiben veruhrsachte
/dass Assenat den schönen Leibeignen vor dasselbe Härmlein hielt. Auch urteilete
sie aus den ümständen des traumes / dass das heimliche gemurmel der leute von
Josefs unschuld wahr sein müste. Darüm schrieb sie an ihre Frau Mutter Toote.
Erstlich berichtete sie ihr alles / was sie von Josefs gefänglicher haft
erfahren. Darnach erzehlte sie ihr den oberwähnten Traum von stüklein zu
stüklein: und fügte ihre eigene erklährung darzu. Endlich begehrte sie zu wissen
/ was ihre Frau Mutter von solcher begäbnus / und von ihrem Traume vor ein
urteil fällete.
    Eben hatte Toote diesen brief empfangen / als Nitokris / sie zu besuchen /
ankahm. Nachdem sie ihn nun beide gelesen / fielen mancherlei fremde reden vor.
Nitokris erzehlete / was sie einesmahls / mit eigenen ohren / vor der Sefira
zimmertühre gehöret. Da Sefira dem Josef selber unzucht angemuhtet; aber eine
abschlägige und ganz scharfe antwort bekommen. Auch fügte sie hinzu: dass sie
nachmahls diese geule Fürstin selbst ermahnet / von so bösen begierden
abzustehen: und wo sie solches nicht tähte / wollte sie sich ihrer Gesellschaft
entziehen / und sie nicht mehr vor ihre Muhme halten. Auch habe ich / sagte sie
/ alles dieses heute früh dem Potifar selber / im vertrauen / zu erkennen
gegeben: damit er Josefs unschuld sehen / und ihn nicht etwan fälschlich
anklagen möchte. Es ist guht / und ein grosses Glück vor den Josef / dass ihn der
Fürst in das Königliche gefängnüs legen lassen: da er nunmehr des Königs
gefangener ist; und weder Sefira / noch Fürst Potifar selber macht über ihn
haben. Da wird ihn die Fürstin wohl müssen zu frieden lassen. Von dannen wird sie
ihn nun nicht mehr heraus bekommen. Davor will ich selbst sorge tragen; auch
verschaffen / dass man ihn nicht als einen gefangenen halten soll. Es wird sich
alles wohl schikken. Nach etlichen anderen reden stund Nitokris auf /und nahm
ihren abschied. Auch baht sie die Fürstin Toote reinen mund zu halten; damit
alles / was sie des Josefs wegen miteinander vertraulich gesprochen / unter der
Rose möchte geredet sein. Sie sollte sich dessen bei leibe gegen niemand
verlauten lassen. Niemand sollte etwas davon wissen.
    Mitlerweile hatte der verdrus / die ungeduld / der zorn / die liebe und alle
dergleichen heftige gemühtstriften durcheinander und widereinander / in der
Sefira hertzen / dermassen gestritten / dass sie todtkrank zu bette lag. Nitokris
ging sie ebenmässig besuchen / zu sehen / wie sie sich itzund anstellen würde.
Ach! sagte sie / hertzliebste Frau Muhme / ich habe ein hertzliches mitleiden
mit ihr; weil ich vernehme /dass sie etliche wochen nacheinander bettlägerig
gewesen. Und darüm bin ich anher kommen zu sehen / wie es mit ihrer Krankheit
beschaffen.
    Meine Krankheit / fing Sefira an / hatte zuerst nicht viel zu bedeuten. Aber
der Ebreische Leibeigne hat mich unlängst so heftig erzürnet / dass ich itzund
fast in den letzten zügen liege. Hat sie der schöne Ebreer erzürnet? fing ihr
Nitokris das wort auf. Das kann ich nimmermehr gleuben. Wie sollte die hertzliche
liebe sich so plötzlich in eine so widerwärtige gemühtsbewegung verändern? Sie
mag es gleuben /oder nicht / antwortete Sefira: es ist also. Und so musste es
sein. Weil man mir verübelen wollte / dass ich ihn liebte; so musste ich ihn
hassen. Sie selber sagte mir neulich ins gesichte: ich müste von solcher liebe
abstehen / wan sie meine Freundin und Muhme bleiben sollte. Und solches habe ich
nun getahn. Ihre freundschaft war mir lieber / als seine liebe. Aber hiervon ist
nichts mehr zu sagen. Was geschehen ist /das ist geschehen: und zwar Ihr zu
gefallen. Darüm lasset uns diese sache nicht mehr berühren. Weil nun Nitokris
sah / dass ihrer Muhme dergleichen reden vedriesslich fielen; so begunte sie ein
anderes gespräche; wiewohl sie es auch nicht lang machte. Dan ihre einige sorge
war zu verschaffen / dass Josef bei seinem neuen Würte ehrlich möchte gehalten
werden. Darüm eilete sie wieder nach der Königlichen burg.
    Mit den Königlichen Gefängnüssen war es dazumahl in Egipten fast eben also
beschaffen / als mit den Zuchteusern in Europe. Die Königlichen gefangene / wan
sie arm waren / mussten ihre kost und kleider mit schweerer arbeit verdienen.
Waren sie aber reich / so ward ihnen ein grosses kostgeld abgenommen: und dann
gingen sie müssig. Beides trug der Schatzkammer des Königes / als auch dem
Gefängnüs meister ein grosses jahrgeld ein. Und darüm warden wenig Verbrecher mit
dem Tode gestraft. Alle mussten in dergleichen gefängnüsse tantzen. Und ihre
rechtssachen schob man auf die lange harrebank; damit der genos üm so viel
grösser wäre. Weil nun Nitokris wohl wusste / dass Josef unter die zahl der armen
gefangenen würde gerechnet / und mit harter arbeit belegt werden; so schikte sie
dem Gefängnüsmeister /durch einen unbekanten menschen / eine zimliche anzahl
geldes. Darbei fügte sie diesen Befehlbrief.
    Dem Königlichen Gefängnüsmeister wird hiermit ernstlich befohlen den
gefangenen Josef / Fürst Potifars gewesenen Diener / aller arbeit zu
entschlagen; und ihn mit an seine tafel zu setzen / auch sonsten so ehrlich zu
halten / dass gemelter Gefangener oder iemand anders seinetwegen sich dermahleins
nicht zu beschweeren habe. Und imfal der Gefängnüsmeister /dem deswegen dieses
beigefügte geld geschikt wird /sich möchte gelüsten lassen diesem befehle nicht
in allem gehohrsamlich nachzukommen; so soll er wissen / dass er sich wider das
Königliche Haus verbrechen /und sein leben deswegen in unvermeidlicher gefahr
stehen werde. Wie nun ihm mehrgemelter befehl gnädigst erteilet wird; so wird er
es ihm angelegen sein lassen demselben untertähnigst nachzuleben / und keinem /
auch nicht einem menschen dessen öfnung zu tuhn.
    Diesem befehle gehorchte der Gefängnüsmeister alsobald. Von stunden an ward
Josef entfesselt. Flugs ward er aller arbeit überhoben. Straks zog er ihn an
seine tafel. Ja er gewan ihn endlich so lieb / dass er ihn allen andern
gefangenen vorzog. Und solches täht er nicht allein dem gemelten befehle zu
gehohrsamen /sondern auch aus eigener bewegung. Er sah Josefs grosse tugend. Er
erblikte seinen fürtreflichen verstand. Er verwunderte sich über seine
unvergleichliche geschikligkeit: und darüm übergab er ihm auch selbst das
gebiete über alle gefangene; also dass er sich keines dinges mehr annahm. Was
Josef täht /war wohl getahn. Was er hies / das musste geschehen. Alle gefangene
mussten seinem befehle gehorchen. Alles stund in seiner hand: und was er anfing /
da gab der HErr Glück zu. Also war er in seinem unglückke glücklich: in seinem
gefängnüsse frei: in seiner knechtschaft ein gebieter. Ja er hatte alhier so
viel ledige stunden / dass er sich in der Sterndeuterei unverhindert üben konnte.
Zu dem ende ging er viel üm mit einem gefangenen Kaldeer. Den entschlug er auch
von seiner arbeit; damit er die geheimnüsse dieser Kunst von ihm üm so viel
besser erfahren könnte. In kurtzer zeit gelangte er darinnen so weit / dass er aus
dem stande des Gestirnes in seiner gebuhrtsstunde das ganze Glück und unglück
seines Lebens ersah. Er sah / was ihm vormahls begegnet; was ihm itzund
begegnete; und was ihm noch künftig begegnen würde. Er sah /dass er über zwei
jahr auf eine hohe staffel der ehren würde erhoben werden. Auch untersuchte er
den sternstand in der gebuhrtsstunde seines Vaters / die ihm noch wohl bewust
war. Darinnen befand er / dass Jakob kurtzkünftig in ein fremdes land ziehen
sollte; und alda würde er sterben.
    Solchergestalt übte sich Josef in dieser Kunst / die verborgenheiten der
Sternschrift zu erforschen / tag und nacht. Dieses grosse Buch der Natur war ihm
nun nicht mehr dunkel zu lesen. Sein scharfsinniger verstand drung fast durch
alle desselben geheimnüsse hin. Jedoch war er in dieser sache so abergleubisch
nicht / als die Kaldeer. Er machte daraus keine nohtwendigkeit / wie sie. Er
wusste zwar / dass Gott die Natur geschaffen / und dass Er ihren lauf eingerichtet.
Aber er wusste auch / dass es in seiner macht stünde /sie / zusamt ihrem lauffe /
zu ändern: welches Er gleichwohl ohne hochwüchtige ursachen niemahls tähte. Er
wusste / dass das Sternbuch anders nicht / als Gottes Warn- und zeichen-buch sei:
dadurch Er zugleich den Menschen seine Almacht / so wohl im zorne das unglück /
als in der gühte das Glück kommen zu lassen / vor augen gestellet: dass Er nähmlich
/ wan sie in ihren fünden verharreten / böses / und wan sie darvon abstünden /
guhtes tuhn könnte; aber nicht alzeit wollte: indem Er das angezeigte oder
versprochene guhte / wan sie böses tähten / so wohl als das gedreuete böse / wan
sie hingegen guhtes tähten / nicht tuhn wollte. Er wusste / dass Gott den menschen
hierdurch nur vor unglück zu warnen / und ihm das künftige Glück und unglück
anzuzeigen / nicht aber gewis zuzufügen gesonnen: ja dass Er / durch die
unglückszeichen / ihn zur reue / und / durch die glückszeichen / zur dankbarkeit
zu lokken trachtete. Und darüm gleubte Josef keinesweges / dass es nohtwendig
geschehen müste / was das Gestirn andeutete. Er gleubte vielmehr / dass es in des
Schöpfers macht stünde / dieses /wan es Ihm beliebete / doch nicht ohne
erhöbliche ursachen / zu ändern: nachdem Er sehen würde / wie sich der Mensch
anliesse / und in seinem wandel guht / oder böse verharrete. Ja er gleubte / dass
Gott dem Gestirne keine macht über den Menschen zu herrschen eingepflantzet:
sondern Ihm solche macht selber vorbehalten; und über das gestirn / auch über
ihr angedeutetes Glück oder unglück zugleich herschete. Und dieses beides
veränderte Er / nachdem er urteilete / dass es dem Menschen ersprieslich.
    Also verlies sich Josef auf sein instehendes durch das gestirn angedeutetes
Glück keinesweges so fest /dass er ihm einbildete / es müste also geschehen.
Sondern er verlies sich auf Gott allein: der es ihm durch diese sternzeichen
zwar angedeutet / aber gleichwohl solche andeutung ganz anders könnte ausfallen
lassen; imfal er sich solches glückkes selbst unwürdig machte / oder dasselbe
durch achtlossheit oder sonst verschertzete. Ein König oder Fürst gibt manchem
seiner untertahnen ein zeichen seiner gnade / und verspricht ihm dadurch ein
grosses Glück: aber er will auch haben /dass er sich der würklichen gnade / und des
glückkes /das er ihm verspricht / würdig mache; und dass er selbst darnach ringe:
weil keinem eine gebrahtene taube von sich selbst in den mund flieget. Dan wan
er solche gnade / durch übeles verhalten / oder unachtsamkeit / verschertzet; so
verändert der Fürst seine gnade in ungnade / und lesset ihm das angezeigte oder
versprochene Glück keinesweges widerfahren. Auch dreuet ein Fürst seinem
untertahnen oftmahls eine strafe: wan aber der untertahner sich bessert / so
reuet es den Fürsten / und lest die strafe nicht ergehen.
    Eben also tuht Gott / wan Er uns / durch die Sternschrift / auch sonsten
etwan ein Glück verspricht / oder ein unglück dreuet. Dreuet Er ein unglück; so will
Er nicht / dass der Mensch die Sterne / oder das unglück /das Er durch die sterne
dreuet / sondern Gott selbst fürchten / und mit bussfärtigem leben und gebäht Ihm
in die dreu- und straf-ruhte fallen soll. Ja Er will / dass der Mensch über solches
zeichen nicht verzagen /noch ihm gewis einbilden / dass es also ergehen müsse;
sondern dass er das instehende unglück mit tapferem muhte / und mit vorsichtigem
handel und wandel ableinen und vermeiden soll. Und eben darüm offenbahret Gott
demselben / den Er liebt / solches unglück; und zeigt es auch allen zuvor /
durch die sternschrift / an: doch gibt Er nicht allen den verstand sie zu
verstehen. Verspricht Er ihm aber ein Glück; so will Er nicht / dass der Mensch
meinen soll / er habe es schon in den händen / und sich mehr darauf verlassen /als
auf Gott: sondern Er will / dass der Mensch solches / durch inbrünstiges gebäht /
tugendhaften wandel /und seine eigene geschikligkeit zugleich / zu befördern
trachte / und sich dessen würdig mache.
    Mit diesem rühmlichen zeitvertreibe brachte Josef seine müssigen stunden zu.
Und darbei vergass er alles seines leides. Aber Sefira lag inzwischen in den
allergrösten schmertzen. Die liebe / der zorn / die rache /der eifer / die reue
/ die furcht / und alle dergleichen Seelen- oder vielmehr Höllen-gespenster
ängstigten sie dermassen / dass sie immer schwächer und schwächer ward. Josef
hatte im anfange / in einem finstern loche / dessen einiges fenster in ihrem hof
ausging /gesessen. Alhier hatte sie sich bei nächtlicher weile vielmahls finden
lassen / einen versuch zu tuhn / ob sie den gefangenen Josef nicht itzund bewegen
könnte. Sie hatte ihm angebohten / ihn aus diesem loche zu erlösen / so bald er
nur angelobte ihren willen zu volbringen. Aber Josef liebte seine fessel und
bande mehr / als eine solche freiheit / die er durch den verlust seiner
keuschheit erlangen sollte. Nicht einen einigen trieb / der darnach zu wollte /
empfand er in seiner seele. Und also stellete sie dem Keuschen Josef selbst in
seinem gefängnüsse nach. Aber die treue vorsorge der liebreichen Nitokris benahm
ihr diesen weg. Sie rettete den Josef aus diesem loche. Und hiermit hatte Sefira
alle ihre hofnung verloren. Hiermit veränderte sich ihre Liebeskrankheit in
eine rechte Leibeskrankheit. Ja sie ward so krank / dass die Aertzte an ihrem
leben zu zweifeln begunten.
    Als nun Sefira sah / dass ihr ende vor handen / so dachte sie auf mittel den
Josef aus dem wege zu reumen; damit er ja keiner andern zu teil würde. Ihre
eifersucht trieb sie so weit / dass sie beschlos / ihm einen gifttrank beibringen
zu lassen. Solchen giftigen anschlag entdekte sie ihrer Kammerjungfrau. Aber
diese war viel zu ehrlich solches schandstükke zu verschweigen. Viel weniger
wollte sie damit zu schaffen haben. Sie offenbahrte es der Nitokris. Diese
schrieb an den Gefängnüsmeister straks einen Brief; welcher also lautete:
    Diejenige hand / welche neulich den Königlichen Gefängnüsmeister gewürdiget
an ihn zu schreiben /befielet ihm noch einmal den Josef wohl in acht zu nehmen.
Auch wird ihm in geheim berichtet / dass man vorhat gemelten Gefangenen mit gifte
zu tödten. Darüm will ich / dass er zur stunde gewarnet / und wohl bewahret werde.
Wan es aber der Gefängnüsmeister verseumet / und solche schändliche mordtaht
volzogen würde; so soll des ermordeten unschuldiges bluht von seinen händen
gefördert werden. Ja der Königliche Hof selber wird ihn zur verantwortung
ziehen.
    Dieses alles täht die königliche Fürstin der schönen Assenat zu liebe:
wiewohl sie ihr selber noch zur zeit nicht das geringste märken lies. Semesse
bestelte den brief auch so heimlich / dass niemand erfuhr / wo er herkähme. Josef
selber konnte nicht errahten / wer so treulich vor ihn sorgete. Darüm dankte er
Gott /der die hertzen lenkte sich über ihn zu erbarmen. Auch baht er
hertzinniglich solche so grosse wohltaht tausendfältig zu vergälten. Und also
warden alle der Sefira anschläge vereitelt. Alle ihre giftige ränke gingen den
kräbsgang. Gott sorgete vor Josef. Der Höchste nahm sich seiner an.
    Potifar hatte bisher mit der Anklage wider den Josef verzügert. Und wiewohl
Sefira tag und nacht üm rache gerufen / so bekahm sie doch nur eine leere
vertröstung. Er täht ganz nichts zur sache. Die worte der Nitokris lagen ihm
stähts im sinne. Und daraus konnte er unschweer schliessen / dass diese sache /
wan er sie viel rührete / ihm und seiner Gemahlin mehr schimpfes / als ehre /
bringen würde. Gleichwohl musste dem Josef die Uhrsache seiner gefängnüs
schriftlich eingehändiget werden. Das erforderte der Egipter Gesetz. Es war eine
alte gewohnheit. Und darüm befahl er eine solche Schrift auszusetzen. Aber der
Sefira plötzlicher tod veruhrsachte / dass sie nicht eingehändiget ward. Also
blieb die ganze sache stekken.
    Etliche wochen nach der Sefira ableiben starb auch der Ertzbischof von
Heliopel. In dessen stelle war Potifar schon erwehlet. Diese musste straks
besetzt sein. Darüm brach er eilend auf / und zog nach Heliopel. Gern hette er
den Josef aus dem Gefängnisse erlöset. Gern hette er ihn wieder gehabt. Gern
hette er ihn wieder in sein amt gesetzt. Aber er durfte nicht. Er befahrete / es
möchte ihm / und seiner verstorbenen Gemahlin zur schande gereichen. Darüm
schwieg er itzund ganz stil. Er erwähnte des Josefs mit keinem worte.
Gleichwohl vergass er seiner nicht. Seine tugenden spieleten stähts in seinen
sinnen. Doch lies er sich dessen nichts märken. Er gedachte: mit der zeit wird
es sich alles wohl schikken.
    Straks hierauf versündigten sich wider den König zween seiner Kämmerer / der
Mundschenke / und der Oberste der Bäkker. Jener hatte sich im einschenken des
weinbechers versehen: und dieser sehr viel des Königlichen getreidichs
veruntrauet. Der König ward über sie sehr zornig / sonderlich über den Obersten
der Bäkker. Gleichwohl mussten sie beide fort. Es half kein vorbitten. Beide warf
man ins gefängnüs / da Josef gefangen lag. Doch weil sie so vornehme Beamten
waren / lies man sie ehrlich bewürten. Josef ward bestellet ihnen aufzuwarten.
Fleissig versah er diese bestallung. Mit allen diensten ging er ihnen zur hand.
Sie hatten nunmehr etliche tage gesessen / als sie Josef auf einen morgen sehr
traurig fand. Zur stunde fragte er: was ihnen fehlete? Der Mundschenke gab zur
antwort: uns hat heunte etwas getreumet / und wir haben niemand / der es uns
ausleget. Das auslegen / fuhr Josef fort / gehöret Gott zu: doch lasset höhren /
was es ist. Der Mundschenke fing an: Ich sah vor mir einen Weinstok stehen. Der
hatte drei Reben. Er grühnete tapfer. Erblühete / und trug früchte. Endlich
warden seine trauben reif. Und ich hatte des Königs Becher in der hand. Darein
drükte ich den saft der weinbeeren aus: und reichte ihn dem Könige zu. Der
Könige zu. Der König nahm ihn / und trank.
    Dieses ist ein guhter traum / fing Josef hierauf an. Die drei Reben seind
drei tage. Uber drei tage wird der König sein heupt erhöhen. Er wird ihn wieder
an sein amt stellen. Ihm wird er den Becher wieder zureichen / wie zuvor. Aber
er gedenke meiner / wan es ihm wohl geht; und tuhe barmhertzigkeit an mir. Er
vergesse nicht den König zu erinnern / dass er mich aus dieser haft erlöse. Dan
ich bin aus dem lande der Ebreer heimlich gestohlen. Darzu habe ich alhier
nichts strafwürdiges getahn: und gleichwohl hat man mich gegangen gesetzt.
    Als der oberste Bäkkereiverwalter hörete / dass seines Mitgefangenen Traum so
eine guhte deutung bekahm; so erzehlete er seinen traum gleichesfals. Ich
treumete / sagte er / dass ich auf meinem heupte drei weisse Körbe trüge. Im
obersten Korbe lag allerhand Gebakkenes vor den König. Aber die vogel frassen aus
dem korbe auf meinem heupte. Josef antwortete: ich wollte ihm auch gern was
guhtes gönnen: aber bis ist des Traumes bedeutung. Die drei Körbe seind drei
tage. Nach drei tagen wird der König ihm sein heupt erhöben: er wird ihn an den
galgen hänken. Und alsdan werden die vogel auf seinem Kopfe sitzen / und sein
fleisch fressen.
    Am dritten tage darnach beging der König seinen Jahrstag. Ein herrliches
gastmahl hatte er angestellet. Darzu waren alle seine Beamten geladen. Und da
erhub er das heupt des Obersten Mundschenkens: als auch des Obersten Verwalters
der Bäkkerei. Den Obersten Mundschenken setzte er wieder in sein schenkamt. Aber
den Obersten der Bäkker lies er / als einen des diebstals überwiesenen / an den
galgen knüpfen. Und also begegnete beiden / wie Josef ihre treume gedeutet. Aber
der oberste Mundschenke vergass des Josefs / und gedachte nicht mehr weder seines
dienstes / noch der auslegung seines traumes. So geht es gemeiniglich bei Hofe.
Die hofluft hat diese ahrt / dass sie das gedächtnüs der wohltahten in einem hut
verzehret / oder doch zum wenigsten benebelt. Kaum hatte sie der Mundschenke
eingesogen / da fühlete er ihre würkung schon; und lies also den unschuldigen
Josef in seiner gefangenschaft noch zwei jahre verzappeln.
    Aber die aufrichtige Nitokris war weit anders gesinnet. Sie war zwar bei
hofe geboren; und mitten im hofwesen erzogen. Gleichwohl hatte die schärfe der
hofluft die lauterkeit ihres redlichen hertzens keinesweges verletzen oder
benebeln können. Der Assenat zu liebe hette sie den Josef gern erlöset. Sefira
war zwar todt. Josefs einige verfolgerin war den weg aller welt gegangen. Die
stund ihr nicht mehr im wege. Bei dem Könige / ihrem Herrn Vater / vermochte sie
sehr viel. Es were nur üm ein wort zu tuhn gewesen. Doch gleichwohl durfte sie
es nicht wagen. Der wohlstand wollte es nicht zulassen. Sie befahrete sich eines
übelen nachklangs; wan sie sich des Josefs so eifrig und so öffendlich annehme:
wan sie demselben / den ihre Muhme bezüchtiget / als wan er ihre ehre zu kränken
sich unterwunden / das Wort redete. Und eben darüm war sie heftig bekümmert. Sie
trug ein grosses mitleiden mit ihm. Ja es schmertzte sie über alle massen /dass
eine so unvergleichliche schönheit im gefängnüsse veralten sollte. Noch mehr
betauerte sie seine himlische Tugenden / dass sie ihre strahlen nicht vor der
ganzen welt sollten leuchten lassen. Aber was wollte sie tuhn? Sie musste einer
füglichern gelegenheit erwarten. Unterdessen konnte der Sefira beschuldigung in
vergessenheit gerahten. Mit der zeit konten die Rosen wohl blühen. Ja sie
stunden auch endlich in voller blühte / und gaben der Nitokris anlass sie zu
pflükken.
    Nach zwei jahren beging der König wieder sein Jahrsfest. Und dieses ward
viel herrlicher gefeiert / als alle die vorigen iemahls. Die fürnehmsten Fürsten
des Reichs kahmen nach Memfis / dem Könige Glück zu wündschen. Ja selbst der Adel
aus den fürnehmsten ländern legte diese schuldigkeit ab. In der stadt kribbelte
und wibbelte alles von menschen. Die Königliche Burg war erfüllet mit Fürsten.
Auch kahm das fürnehmste Frauenzimmer des ganzen Egiptens der Königin
aufzuwarten. Alles hüpfte vor freuden. Wo man hinsah / war lauter lust. Ja es
schien / als wan sich alle lust und alle freude aus der ganzen welt itzund in
Memfis zusammengefunden. In allen gassen klungen die trummeln. Fast in allen
Heusern sungen die sänger. Schier aus allen fenstern halleten die trompeten.
Beinah aus allen tühren schalleten die Krumphörner. Ja die lieblichschallenden
Klingelspiele erfülleten die ganze stadt. Die Jungfrauen tantzeten bei dreien.
Bei drei mahl dreien führeten sie den reihen. Die Jünglinge sprungen. Die
schalmeien klungen. Das jauchzen / das frohlokken / das glückrufen hatte kein
ende. So lange Memfis gestanden / war ein so fröhlicher Mei nicht erschienen. So
eine fröhliche Rosenzeit hatte man nie gesehen.
    Die Aernte war eben vor der tühre. Der König bekahm lust die Felder zu
besehen. Alle Fürsten setzten sich zu pferde / ihn zu begleiten. Der Adel folgte
hauffenweise. Die Königin selbst erschien / bei dieser feldlust / auf einem
ganz güldenem wagen. Die Königliche Fürstin Nitokris hatte sie allein bei ihr
sitzen. Das andere Frauenzimmer folgete. Eine Fürstin war immer köstlicher / als
die andere: eine Jungfrau immer geschmükter / als die andere: ein Wagen immer
prächtiger / als der andere. Der schmuk / die pracht / die freude zogen / mit
dieser lustfahrt /gleichsam aus der stadt. Aber nach zwo stunden kehrete alles
wieder zurück. Der ganze schwalk begleitete den König bis in die Burg. Alda
stunden die tafeln schon gedekt: die speisen bereitet: die Mahrschälke färtig
den gästen des Königes ihre stellen anzuweisen. Es war eben mittag / als die
speisen aufgetragen warden. Und von der zeit an blieb man sitzen bis gegen den
abend. Da erhub sich der König. Da stunden die Fürsten auf. Da ward der ganze
Adel rege. Noch eine zeit lang ergetzte man sich stehende. Man hörete den
Kunstsängern und Meisterspielern zu. Teils spracheten miteinander. Teils trunken
miteinander. Endlich ward ein stilschweigen / durch die Mahrschälke / gebohten.
Und damit traht der Reichskantzler hervor. Dieser täht eine kurtzbündige rede.
Er dankte / im nahmen des Königes / der ganzen Versamlung / dass sie / seine
lust zu vermehren / mit ihrer gegenwart dieses Königliche Fest zieren wollen. Er
dankte ihnen allen / dass sie / dem Könige zu liebe / auf sein ausgeschriebenes
Gebuhrtsmahl erscheinen wollen. Endlich dankte er auch den Göttern / dass sie
diesen fröhlichen tag den König gesund erleben lassen. Ja er baht sie zugleich /
dass sie ihn denselben / bei eben solcher gesundheit / noch lange erleben
liessen. Hierauf rief einieder: Lange lebe der König! Und mit diesem zurufe
schieden sie alle voneinander.
    Also nahm dieser erste tag des Königlichen Festes sein gewündschtes ende.
Also war dieser erste freudentag mit vollen freuden volzogen. Und also begab
sich der König wohlvergnüget und wohlbelustiget zur ruhe. Auch ruhete er die
ganze nacht durch / nach eignem wundsche. Er schlief ganz sanfte bis an den
liechten morgen. Da bekahm er einen wunderlichen Traum: darüber er wakker ward.
Aber er schlief straks wieder ein: und treumete noch einen andern / der viel
wunderlicher schien; wiewohl er dem ersten nicht ungleich war.
    Diese zween Treume / sonderlich weil sie so straks und in einer stunde
aufeinander gefolget / machten dem Könige sehr fremde gedanken. Er bekümmerte
sich darüber den ganzen morgen. Er war überaus unruhig in seinem geiste. Ja er
konnte nicht ruhen / er hette dann zuvor ihre deutung erfahren. Und darüm lies er
von stunden an alle Wahrsager / und alle Weisen zusammenrufen. Straks mussten sie
kommen. Flugs sollten sie solche treume auslegen. Geschwinde wollte der König die
deutung wissen. Er erzehlete sie zwar von stükken zu stükken: und sie sonnen
ihnen auch eifrig nach. Aber Gott benahm ihnen alle ihre weisheit. Der HERR
entzog ihnen allen ihren verstand. Sie trahten zwar zusammen. Sie trugen alle
ihre weisheit zusammen. Sie brachten alle ihre Traumbücher zusammen. Sie suchten
/ sie forscheten / sie berahtfragten sich untereinander. Aber sie konten nichts
finden / sie konten nichts erforschen / ja sie sahen keinen raht diese treume zu
deuten.
    Es fielen auch unter ihnen allerhand streitreden vor. Der eine teil wollte
behaupten / dass es rechte bedeutende treume weren: sonderlich weil sie der König
in der frühstunde / da die speisen im magen schon ganz vertauet gewesen / und
derselben dünste keine schweermühtige einbildungen mehr würken können /gehabt
hette. Gleichwohl konten sie keinesweges errahten / was sie bedeuteten. Die
meisten aber stunden in der Meinung / dass es keine bedeutende oder vorspielende
/ sondern nur nachspielende treume weren. Der König / sagten sie / hette sich
gestern auf dem selbe erlustiget. Da hette er das Vieh in den Niel und wieder
heraus steigen gesehen. Da hette er die Kornähren auf ihren hälmern erblickt.
Das beides were ihm die nacht darauf / im schlafe / wieder vorgekommen.
Dergleichen bilder hette ihm die einbildung vorgestellt. Diese hette mit
demselben / was sie den vorigen tag gefasset / bloss allein ihr spiel gehabt. Und
darüm bedeuteten diese treume / weil die einbildung von den Göttern selber
darzu nicht were getrieben worden / nichts sonderliches.
    Eben als diese letzten ihrer Meinung erörterung vorbrachten / war noch ein
alter Kaldeer hinein gekommen. Der befestigte solche Meinung auch. Unter andern
sagte er: dass diese Treume / als auch alle die andern / die aus den tagsgedanken
herrühreten / nichts anders weren / als der nachklang der seiten / wan man sie
aufhöhrete zu schlagen; welcher vom schlage gleichsam zurückprallete / und / wan
dieser nachliesse / noch eine zeitlang währete. Zudem / fuhr er fort /pflegen
dergleichen Treume / die bloss allein aus der übermässigsten der vier
Feuchtigkeiten des menschlichen leibes entstehen / eben so wenig zu bedeuten.
Nähmlich wan die Flüssigen von wassern / sumpfen / schifbrüchen / vom ertrünken
/ und auf halten im fliehen; die Bluhtreichen von gastmahlen / lustigen wiesen /
vogeln / vom flügen / als auch vom sing- und seitenspiele; die Vergalten vom
feuer /vom fechten / streiten / und morden; die Schwartzvergalten von schwartzen
und traurigen dingen / von gräbern / Mohren / Teufeln / und dem tode / treumen.
Weil nun im Könige die Galle / und dann die Flüsse am meisten herschen: so ist es
nicht fremde / dass ihn im traume gedeuchtet / als wan eine Kuh oder Ahre die
andere verschlungen; wie auch als wan die Kühe aus dem wasser weren gestiegen.
    Der König hörete dieses alles mit an. Er märkte auf alle ihre worte. Aber
als er sah / dass aus ihren so unterschiedlichen streit-reden nicht die
geringste deutung seiner treume folgete; da ward er sehr ungedultig. Auch märkte
er / dass dieselben / welche sie vor bedeutende Treume hielten / mit ihrer
deutung nicht heraus wollten. Dan weil der König eine Kuh und eine Ahre die
andere verschlingen gesehen / so urteilten sie / dass es nichts guhtes bedeutete.
Sie stunden und zauderten / und durften nichts sagen. Zuvor hatten die
Traumdeuter / in auslegung der Königlichen treume /gemeiniglich geschmeuchelt.
Sie hatten den Königen nichts / als künftige glückseeligkeit / verkündiget. Und
hierdurch hatten sie getrachtet ihre gunst und gnade zu gewinnen. Aber alhier
wollte das schmeucheln keine statt finden. Diese Treume schienen ihnen alzuböse.
Sie befahreten sich / wan sie schmeuchelten /dass der unglückliche ausfal sie bald
beschämen würde. Schmeuchelten sie aber nicht / und sagten die wahrheit frei
heraus; so hetten sie anders nichts / als des Königes ungnade zu vermuhten. Und
darüm wollten sie lieber schweigen / als eines von beiden zu tuhn sich erkühnen;
weil sie sich / samt ihrer kunst / durch jenes so wohl / als dieses / in gefahr
stürtzen konten. Das war bei ihnen so fest beschlossen / dass der König weder mit
guhten / noch dreuworten / nicht das geringste erlangen konnte. Und ob er schön
befahl / sie sollten die runte wahrheit nur ungescheuet heraussagen / es möchte
guht / oder böse sein; so blieben sie doch bei ihrem schlusse.
    Es war niemahls erhöret / so lange ein König in Egipten geherschet / dass ein
Königlicher Traum nicht hette können gedeutet werden. Egipten hatte die fülle
solcher Leute / welche so färtig in der Traumdeuterei waren / dass ihnen sonst
kein traum zu schweer oder zu dunkel fiel. Gleichwohl fand sich alhier nicht
einer. Nicht einer durfte das hertz nehmen / diese zween treume zu deuten. Und
hierüber ward nicht allein der König / sondern auch die ganze versamlung der
Reichsstände zum höchsten bestürtzt. Diese waren auch entbohten / ihr guhtdünken
zu sagen. Es betraf des Reichs wohlfahrt. Dem ganzen Egiptischen Stahl war
daran gelegen / dass die Königlichen Treume recht gründlich ausgeleget würden.
Einer dachte dis / der andere das. Einer gab diesen / der andere jenen raht.
Aber aus allen diesen rahtschlägen ward kein endschlus. Niemand wusste / wie man
in dieser wüchtigen sache verfahren sollte. Endlich ward den Wahrsagern und
Traumdeutern ein tag zur bedenkzeit gegeben. Ja der König befahl ihnen
ausdrüklich / dass sie vor ihm /bei verlust ihres lebens / ohne die deutung
seiner treume nicht erscheinen sollten. Und hiermit wanderten sie hin.
    Nitokris lag eben im fenster / als die Egiptischen Weisen und Traumdeuter
vom Könige kahmen. Sie sah / wie heftig sie untereinander stritten. Sie märkte
es aus ihren gebährden / dass etwas sonderliches müste vor handen sein.
Geschwinde schikte sie hin zu erfahren / was es were. Sie bekahm bescheid / dass
der König in der vergangenen nachnacht zween unterschiedliche Treume gehabt:
darüber er sehr entstellet sei. Er hette deswegen alle Kaldeer / samt den
Egiptischen Traumdeutern / entbohten. Aber keiner wüste sie auszulegen. Niemand
von allen hette einigen bescheid gegeben. Selbst die Reichsstände weren deswegen
überaus bestürtzt. Der König hette sie versamlet / ihr rahtsbedenken
einzuziehen. Aber da sei kein raht zu finden.
    Nun sah Nitokris die zeit geboren / da sie den Josef erlösen könnte. Nun
sah sie die endliche erfüllung ihres und der Semesse traumes vor der tühre. Nun
war es keine zeit mehr zu schlafen. Vor drei tagen hatte sie dem Josef in geheim
ein stükke geldes / mit einem köstlichen seidenem zeuge zum kleide /geschikt.
Darbei hatte sie schriftlich erinnert / dass er solches / kleid aufs zierlichste
und zur stunde sollte verfärtigen lassen. In zwee tagen würde der König seinen
Jahrstag feiern. Da möchte gelegenheit vorfallen den Josef zu erlösen. Darüm /
wan er entbohten würde / sollte er in diesem neuen kleide erscheinen.
    Also hatte Nitokris schon in vorraht sorge getragen gegen diese zeit. Und
das kahm auch itzund sehr wohl zu statten. Ihr vorsatz war / den König straks zu
besuchen. Straks wollte sie ihn des Josefs geschikligkeit offenbahren. Aber es
konnte nicht sein. Die Reichsstände waren bei ihrem Herrn Vater versamlet. Er
hielt mit ihnen raht über seine Treume. Darüm wollte es ihr / als einem
Frauenzimmer / nicht gebühren / bei so einer grossen versamlung der Herren / den
König anzusprechen. Ja es wollte ihr / als einer Tochter / nicht geziemen / den
Vater in seinen so wüchtigen geschäften durch ihre gegenwart / zu stöhren.
Gleichwohl hette sie dem Josef gern geholfen. Die gelegenheit darzu war da. Sie
hatte sie in den händen. Es war nicht rahtsam lange zu zaudern. Sie befahrete
sich / sie möchte ihr entschlüpfen. Endlich entschlos sie sich bei dem Könige
schriftlich deswegen einzukommen. Es musste gewagt sein. Eher konnte sie nicht
ruhen. Und in dieser Entschliessung entwarf sie folgendes
                         Schreiben an den König / ihren
                                  Herrn Vater.
Hertzhochgeliebter / Höchst geehrter Herr Vater /
    Ich bin sein Kind. Ich bin seine Tochter. Ein Kind ist mehr / als andere /
verpflichtet seinem Vater zu dienen. Eine Tochter ist vor allen verbunden / dem
/der ihr das leben gegeben / mit ihrem leben zu helfen. Doch hier wird so viel
nicht erheischet. Ein guhter raht kann es alles schlichten. Ich habe verstanden /
dass der Herr Vater betrübt sei über seine Treume. Darüm mus Denselben ich / als
seine Tochter / trösten. Ich habe vernommen / dass Er ungedultig sei; weil keiner
von allen Traumdeutern sie auszulegen weis. Darüm erfordert meine kindespflicht
/ Ihn aus solcher ungeduld / durch einen guhten raht / zu reissen. Der Herr
Vater betrübe sich nicht. Er bekümmere sich nicht. Er lasse nur allen unmuht
fahren. Wan sonst niemand raht weis seine treume zu deuten; so weis ichs. Ich
weis raht. Und darüm wird es mir verhoffentlich nicht verübelt werden / dass den
Herrn Vater / in seinen geschäften / mit dieser schrift zu stöhren / ich mich
erkühne. Aber ich will ihn / ohne weiteren ümschweif /entdekken. Derselbe edele
Ebreer / welcher vor zwölf jahren dem Herrn Vater von den Ismaelern verehret
ward / und eine zeit her Fürst Potifars Hofmeister gewesen / weis aller treume
dunkelen verstand aus dem grunde zu erklähren. Ja er weis nicht allein dieses.
Er weis auch aus dem gestirne alles zu sagen / was künftig geschehen soll. Selbst
die Aussprüche der Götter seind ihm unverborgen. Alle ihre heimligkeiten seind
ihm offenbahr. Ich rede darvon aus eigener erfahrenheit. Itzund befindet er sich
/ wiewohl ganz unschuldig / unter den Königlichen gefangenen. Wan es dem Herrn
Vater beliebt / kann er ihn alda abhohlen lassen. Ich weis gewis / Er wird mehr
vergnügung von ihm bekommen / als ich sagen kann. Sein fürtreflicher Verstand /
ja mehr als menschliche Weisheit wird sich selber genug dartuhn. Und dieses
ist der raht / den ich weis. Dis ist der raht / den Ihm / Hertzhochgeliebter
Herr Vater / ausgetrenester Kindespflicht hat endekken wollen
                         Desselben gehohrsamste Tochter
                                                                       Nitokris.
    Dieses Schreiben schikte sie alsobald dem Könige zu. Aber eh es ankahm /
hatte dem rahte der Nitokris der Oberste Mundschenke schon den weg gebahnet.
Dieser / nachdem er des Königes so wohl / als der Reichsfürsten bestürtzung
vernommen / begehrte gehöhret zu werden. Es ward ihm zugestanden. Er traht auf;
und redete den König also an. Gnädigster König / sagte er / itzund gedenke ich
an mein ehmahliges verbrechen. Itzund erinnere ich mich des zorns /den der König
dazumahl auf seine knechte geworfen. Itzund fället mir ein / was mir und dem
obersten Bäkkereiverwalter damahls / im gefängnüsse / begegnet. Wir hatten in
einer nacht einieder einen sonderlichen Traum. Des morgens waren wir deswegen
beide betrübt. Einieder verlangte desselben deutung zu wissen. Aber wir hatten
keinen ausleger. Da kahm Josef /ein edler Jüngling aus dem Geschlechte der
Ebreer /der des Gefängnüsmeisters diener war / zu uns hinein. Dieser legte uns
unsere treume von stunden an aus. Und wie er sie deutete / so ist es ergangen.
Ich kahm wieder an mein Schenkamt: und jener an den Galgen.
    Also war der Königlichen Fürstin der Königliche Mundschenke zuvorkommen. Und
als der König sah / dass das Schreiben seiner Freulein Tochter des Mundschenkens
worte bekräftigte; da vergass er alles seines kummers. Alle seine traurigkeit
verlohr sich. Er hatte ihm zuerst vorgenommen diesen ganzen tag zu fasten. Aber
nun ward er anders sinnes; gleichsam als wan er schon vorher wüste / dass ihm
Josef was guhtes anzeigen würde. Nun befahl er die tafeln zu dekken; und allen
seinen gästen anzusagen / dass sie sich eilend zu des Königes gastmahle wieder
einstelleten. Auch hatte er dem Obersten Mundschenken straks befohlen / dass er
selber geschwinde hingehen sollte / den Josef zu hohlen. Diesem befehle
gehorchte der Oberste Mundschenke zur stunde. Doch schikte er seinen diener
zuvor hin den Josef anzudeuten / dass er sich gefast machte / wan er abgehohlet
würde / straks vor dem Könige zu erscheinen.
    Niemand war froher / als Josef / da er diese froliche zeitung bekahm. Seine
freude war nicht auszusprechen. Keine feder konnte sie beschreiben. Er machte
sich flugs färtig. Er wusch sich. Er reinigte sich. Er badete sich. Auch lies er
das erste mahl seinen bahrt hutzen. Und solches täht er alles nach der Egipter
gewohnheit / wan sie vor ihren Königen erscheinen sollen. Endlich zog er sein
neues kleid an: darzu er den seidenen zeug / nicht wusste er von wem / geschikt
bekommen. Also stund nun Josef bereit; und wartete mit schmertzlichem verlangen
auf seine erlösung.
    Indessen kahm der oberste Mundschenke selbst an / ihn abzuhohlen. Er sass auf
einer köstlichen Kutsche / mit vielen dienern begleitet. Josef musste sich neben
ihn setzen. Und also fuhren sie beide nach der Königlichen Burg zu. So bald sie
alda angelanget / ward Josef straks in den Königlichen saal geführet. Der König
stund eben mitten unter den Reichsfürsten / als er hineintraht. Diese
verwunderten sich alle / ja der König selber über seine herrliche schönheit.
Sie verwunderten sich über sein ansähnliches wesen. Alle sahen seine edele
gestalt gleich als bestürtzt an: sonderlich als er sich / mit so höflichen und
wohlanständigen gebährden / zu neugen wusste. Der Reichskantzler aber winkte ihm
/ was näher herbei zu trähten. Josef gehorchte: und jener sprach ihn also an.
Lieber Jüngling / sagte er / wir haben erfahren / dass dir die Götter verstand
und weisheit gegeben die Treume zu deuten. Weil ich nun auch zween Treume gehabt
/derer bedeutung mir niemand sagen kann; so haben wir dich hohlen lassen / solche
von dir / in des Königes gegenwart / zu vernehmen. Wirstu recht zutreffen
/solstu nicht allein deine freiheit / sondern auch sonsten eine sonderliche
Königliche gnade darvontragen. Josef neugte sich zur erde nieder / und
antwortete: Das stehet in meiner macht nicht. Gleichwohl kann mein Herr / was er
getreumet / erzählen: und Gott wird ihm guhtes ankündigen.
    Hierauf erzehlete der Reichskantzler den ersten Traum. Mir treumete / sagte
er / als wan ich an einem Wasser stünde. Und aus diesem wasser sah ich sieben
schöne und wohlleibichte Kühe an das land steigen. Diese blieben alda in der
weide des grases gehen. Darnach sah ich noch andere sieben Kühe /welche ganz
häslich und mager / aus eben demselben wasser aufsteigen. Diese trahten neben
jene / an das ufer des wassers; und frassen sie auf: doch blieben sie mager und
dürre / wie vorhin. Hierüber entsetzte ich mich dermassen / dass ich erwachte.
Aber ich schlief straks wieder ein: und da sties mir noch einander traum auf.
Ich sah sieben dikke und volle Kornahren auf einem halme wachsen: darnach noch
andere sieben dünne und versängte neben jenen aufgehen. Und diese sieben magere
Ahren verschlungen die ersten sieben. Das seind meine beiden treume / derer
auslegung ich zu wissen verlange.
    So bald der Reichskantzler ausgeredet / fing Josef an. Mein Herr / sagte er
/ ist mir erleubet die wahrheit zu sagen? und will er es nicht übel vermärken?
Der Reichskantzler gab ihm erleubnüs: und Josef fuhr fort. So sage ich dann /
sprach er / dass diese Treume seine eigene Treume nicht seind. Alle ümstände
zeigen es an / dass sie ein König in Egipten getreumet. Dan Gott verkündiget
hierdurch einem Egiptischen Könige / was unter seiner herrschaft geschehen soll.
Und solches tuht er darüm / damit er wisse / was er künftig tuhn und lassen soll /
sein Reich / samt den untertahnen / glücklich zu beherschen / und im erbaulichen
wohlstande zu erhalten.
    Woher weistu das / fing der Reichskantzler wieder an / dass diese Treume
Königliche Treume seind? Aus den ümständen / antwortete Josef; wie ich schon
gesagt. Und die ümstände seind diese. Durch das Wasser / darbei der Treumende
gestanden / verstehe ich den Niel: der die Wohlfahrt und herrligkeit des ganzen
Egiptens bedeutet; weil es von ihm allein seine fruchtbarkeit zu gewarten. Dass
aber der Treumende bei dem Niele gestanden: dadurch verstehe ich sein gebiet
über den Niel / und zugleich über das ganze Egipten. Wem nun ein solcher Traum
getreumet / der mus nohtwendig ein Egiptischer König entweder schon sein / oder
doch bald werden. Hiermit gab der König dem Reichskantzler einen wink / dass er
mit dem Josef in das nächste beizimmer abträhten sollte: welches auch alsbald
geschahe. Und der König selbst folgete / mit dem Reichs-schatzmeister / ihnen
straks nach.
    Sobald diese beide zu jenen hinein geträhten / fing der König zum Josef an.
Du hast recht geurteilet /dass die erzehlten Treume ein König in Egipten
getreumet. Ich bin es selbst / dem sie begegnet. Darüm eröfne mir ihre
bedeutung. Josef neugte sich gegen den König zur erde nieder. Grossmächtigster
König /sagte er / beide Treume bedeuten einerlei. Die sieben schöne und fette
Kühe oder Ochsen / seind sieben fruchtbahre oder wohlfeile jahre. Die sieben
guhte und volle Ahren gleiches fals. Aber die sieben magere und häsliche Ochsen
oder Kühe seind sieben unfruchtbahre und teure jahre. Die sieben leere und dürre
Ahren ebenmässig. Hierdurch wird dem Könige angezeiget / dass im ganzen Egipten
sieben reiche Jahre kommen; und straks auf diese / sieben magere Hungersjahre
folgen werden / in welchen man aller fülle der vorigen sieben fetten jahre
vergessen / und die teurung das land verzehren wird. Alsdan wird aller vorraht /
den man in den sieben fruchtbahren jahren gesamlet / aufgehen; und es wird
dannoch teuer sein und bleiben. Und dieses bedeuten die sieben magere Ochsen /
und die sieben dürre Ahren; welche die sieben fette Ochsen / und Ahren
verschlungen / und gleichwohl so mager geblieben / dass man es nicht gemärket /
dass sie die fetten gefressen. Dass aber der König diese zween einerlei treume
straks aufeinander gehabt hat / dasselbe bedeutet / dass es Gott gar gewis und
eilend tuhn werde.
    Hierauf fragte der König: Warüm haben dann die fetten / und mageren Ochsen
eben aus dem Niele steigen müssen? Darüm / gab Josef zur antwort: weil der Niel
dem Egiptischen lande seine fruchtbarkeit und fettigkeit / wan er sich hoch
genug ergeust; oder aber seine unfruchtbarkeit und magerheit / wan er nicht hoch
genug / oder alzuübermässig hoch aufleuft / veruhrsachet. Der König fragte
ferner: wie soll man ihm aber tuhn / dass die Teurung in den sieben unfruchtbaren
jahren nicht alzusehr überhand nehme / und meine untertahnen vor hunger nicht
ganz verschmachten? Hierzu weis ich keinen besseren raht / antwortete Josef /
als dass der König sich nach einem weisen und verständigem Manne ümtuhe / und ihn
über das ganze Egipten setze. Dieser könnte dann auch Amtleute verordnen in allen
ländern; und / durch dieselben / den fünften teil aller früchte in den reichen
jahren einsamlen / und gegen die künftigen hungersjahre bewahren lassen. Und zu
dem ende müsten Königliche Kornheuser gebauet werden: da man das Getreidich /
zum vorrahte der länder und städte / aufschütten; und in der folgenden teuren
zeit den nohtleidenden / zu ihrem aufentalt / und nutze des Königes /
verkauffen könne. Auf diese weise würde nicht allein die wohlfahrt der
untertahnen / in so gar böser zeit / erhalten; sondern auch die Königliche macht
und herligkeit selber üm ein märkliches vermehret / und zu höherer
glückseeligkeit erhoben werden.
    Diese rede gefiel dem Könige überaus wohl. Auch konten sie seine Beamten
nicht genug preisen. Josef musste noch ein wenig im Beizimmer verziehen; und der
König begab sich / mit dem Reichskantzler und Reichsschatzmeister / wieder in
den saal. Sein fröhliches wesen zeigte genug an / dass ihn Josefs erklährung über
seine treume satsam vergnüget. Er erzehlete allen anwesenden Fürsten die klugen
reden des Josefs. Er rühmete seinen fürtreflichen verstand. Er lobete seine
unvergleichliche geschikligkeit in stahtsfachen. Er erhub seine grosse
fürsichtigkeit /seine weit aussehenden anschläge. Alles / alles / was er redete
/ war anders nichts / als den Josef zu preisen. Ja / sagte er endlich / wie
könten wir einen solchen Man finden / in dem der Geist Gottes ist? Wem könten
wir solches hohe werk / darzu mir Josef gerahten / auszuführen besser
anvertrauen / als dem Josef selber? Wohlan dann! lasset ihn straks herkommen.
    Mitlerweile war Fürst Potifar / der neue Helioplische Ertzbischof / auch
angelanget; und hatte alle reden des Königes mit angehöret. Er war verwundert
über das plötzliche Glück des Josefs: der nunmehr aus einem Leibeignen ein
Freigelassener / aus einem Gefangenen ein Liebling des Königes worden. Ja er ward
noch mehr verwundert / als er den Josef selber herein trähten sah: als er
sah / dass er mitten unter die Reichsfürsten gestellet ward: als er hörete / dass
ihn der König also anredete. Lieber Josef / so sprach ihn der König an / wir
haben deinen verstand gesehen. Wir haben deine weisheit vernommen. Deine
fähigkeit in der Stahtskunde ist uns nunmehr nicht unbekant. Und weil dir Gott
alles / was wir aus deinem munde gehöret / hat kund getahn / halten wir niemand
so verständig und weise / als dich. Du wirst die stelle desselben / den du uns
zu suchen gerahten / am besten verträhten können. Und darüm setze ich dich
itzund über mein Haus. Ja ich setze dich über das ganze Egipten. Alles übergebe
ich deiner macht. Nur des Königlichen Stuhles und Nahmens will ich höher sein.
Deinem worte sollen alle meine Völker gehorchen. Hier stehen die Fürsten des
Reichs dein gebot zu vernehmen. Siehe! ich bin Farao: ohne deinen willen soll
niemand im ganzen Reiche seine hand / oder seinen fuss regen.
    Josef neugte sich hierauf ganz demühtig zur erde nieder. Er bedankte sich
untertähnigst vor die hohe Königliche gnade. Er bedankte sich vor die
aufgetragene hohe würde. Er erkannte das guhte vertrauen / dass der König zu
seiner wenigkeit gnädigst geschöpfet. Er versicherte ihn seines gehohrfams / und
seines getreuen fleisses / so wohl in des Königes / als Reichsgeschäften. Ja /
sagte er / ich verhoffe / durch meine treue / allen ein gnügen zu tuhn. Und
hiermit wündschten ihm alle Reichsfürsten Glück. Jederman war erfreuet. Potifar
selber / der bisher stil geschwiegen / bezeugete nunmehr auch eine ganz
übermässige freude. Er war froh / dass er die ehre hatte /denselben / der sein
Hofemeister gewesen / in einen so hohen ehrenstand erhoben zu sehen. Ja niemand
schien so vergnüget / als er. Niemand euserte seine freude mehr / als er. Mitten
in solcher algemeinen freude begunte man / auf befehl des Königs / die süssen
seitenspiele zu rühren Darnach blies man auch die trompeten. Die trummeln warden
geschlagen. Und dieser freudentohn erhub sich so hoch / dass die ganze Burg
widertöhnete. Ja das jauchzen / das frohlokken /das freudengeschrei / dass sich
mit diesem tohne vermischete / machte ihn so gross / dass ihm die Burg viel zu
änge ward. Er barst in die stadt aus / und drang durch alle ihre gassen hin.
    Indessen hatte man das gastmahl wieder bereitet. Der König lies sich am
obersten ende / unter einem himmel / nieder: und Josef musste / weil der
Königliche Fürst / aus unbäsligkeit / nicht zugegen war / auf seinen befehl /
allein neben ihm sitzen. Hierauf verfügten sich auch alle Reichsfürsten / und
der ganze Adel an ihre stellen. Ein wenig darnach kahm die Königin / mit einer
grossen mänge Frauenzimmers / in den saal geträhten. Da erhuben sich die Fürsten;
und blieben so lange stehen / bis das Frauenzimmer seine stellen genommen. Der
Herren tafeln stunden auf der rechten seite des saals: und des Frauenzimmers auf
der linken. Zuoberst sass die Königin / und ein wenig von ihr ab die Königliche
Fürstin Nitokris / unter einem himmel. Und also sass Nitokris an der Königin
tafel in eben der stelle / darinnen Josef bei dem Könige sich niedergelassen. Der
Ertzbischof Potifar war unter allen Fürsten / der dem Könige am nächsten sass.
Eben also war auch seine Gemahlin Toote / der Assenat Frau Mutter / der Königin
/ unter allen Fürstinnen / die nächste.
    Niemand unter dem ganzen Frauenzimmer wusste von Josefs Erhöhung. Darüm
waren sie alle verwundert / als sie diesen neuen Gast neben dem Könige sitzen
sahen. Selbst die Königin konnte nicht begreiffen /was es bedeutete. Etliche
urteileten / er müste aus Königlichem bluhte entsprossen sein. Andere gedachten
was anders. Der Nitokris allein kahm es nicht fremde vor. Sie wusste / was sie
getreumet. Sie wusste / was die Fürstin Assenat / und was Semesse vor treume
gehabt. Sie wusste Josefs eigene erklährung des Götterspruches wegen der Assenat
erziehung. Ja ihr war noch nicht entfallen / was sie vor etlichen jahren einen
Ebreer von Josefs eigenen treumen erzählen gehöhret. Und darüm urteilete sie
straks / dass das jenige / was die Götter über den Josef beschlossen / itzund
erfüllet zu werden anfinge. Ja sie begunte ihm / in ihrem hertzen / schon Glück
zu wündschen. Sie dankte den Göttern / dass sie den tag erlebet den anfang seiner
herrligkeit zu sehen. Auch wündschte sie wohl tausendmahl die Assenat zugegen;
damit sie das verstossene Härmlein nunmehr wahrhaftig in einen Königlichen Leuen
verändert sehen möchte.
    Mitten in diesen wunderseltzamen gedanken kahmen zwee Königliche Heerolden
in den saal. Diese teilten so wohl an des Frauenzimmers / als an der Herren
tafeln / einen Freudengesang aus. Dadurch eröfnete der Königliche Dichtmeister
dem Frauenzimmer erst die augen. Nun sahen sie auf Josefs heupte die Egiptische
Krohne. Nun erblikten sie den Egiptischen Reichsstab in seiner hand. Ja was
ihnen bisher unsichtbar gewesen / das ward itzund ihren augen entdekket. Was sie
bisher nicht verstanden / dessen verstand kahm ihnen itzund in die hände. Die
Königin selbst lase dieses Freudenlied mit lauter stimme.
                                   Grundstimme
                                  Oberstimme.
                           Dem neuerkohrnen Egiptischem
                               Schaltkönige Josef
                                    Glükzu!
Schönes Reich der Schällenbügel /
schwinge deine beiden flügel
im den Niel was weiter aus.
Lass die zunge lieblich singen;
lass die süssen schällen klingen:
weil sich freuet Farons Haus.
Unlängst dreute dir der Himmel /
durch ein schröklichs zorngetümmel:
aber itzund hat er dir
einen Heiland auserkohren /
der zu deinem trost geboren.
Kom / und schaue seine zier.
Kom / und schaue / wie er sitzet /
wie Er / als die Sonne / blitzet
unter deiner Fürsten schaar.
Kom / und grüsse diese Sonne /
deiner Länder lust und wonne.
Wündsch' Ihm tausend guhter jahr.
Wündsch' Ihm tausend freudenblikke:
wündsch' Ihm tausendfaches glück.
Errif / auf! was zauderstu?
Auf! dein mangel ist ersetzet.
Küsse Den / der dich ergetzet.
Ruf' / ei! rufe laut / glückzu!
Josef! rufe / Josef lebe!
Ja der treue Himmel gebe /
dass er lebe / dir zum heil:
Er / der deines heils Erhalter /
Er / der deines glücks Verwalter /
Er / dein bestes freudenteil.
Mach' Ihm dann auch wieder freude.
Schikk' Ihm zu / in weisser seide /
eine schöne Heilandin:
dass dein Heiland sich ergetze /
seinen mund mit ihrem netze /
und erfrische seinen sin.
Zwischen dessen werd' ich dichten /
Ihm ein Brautlied zuzurichten.
Das soll / in dein Klingelspiel /
meine frohe zunge singen.
Lass es nur baldbald gelingen.
Baldbald! was verziehstu viel?
    Hierauf trahten auch die Meistersänger herfür. Diese sungen / auf befehl des
Königes / das ganze Lied / mit heller stimme. Ja sie mussten es darnach noch
einmal wiederhohlen; und die Klingel- und seiten-spiele darunter gehen. Dieser
liebliche tohn machte die zuhöhrer dermassen verzükt / dass sie des essens und
trinkens vergassen. Ja das ganze Frauenzimmer war als erstarret. Alle Fürstinnen
/ alle Freulein und Jungfrauen sassen unbeweglich. Sie sassen / als die Bilder;
daran sich nichts mehr / dann die augen / durch ein inwendiges kunstwerk /
beweget. Allein ihre augen bewegten sich. Diese spieleten / diese rolleten in
ihren höhlen herüm / als ein geschwindes uhrwerk. Sie funkelten / sie feuerten:
sie warfen ihre strahlen ohn unterlass auf den schönen Josef. Dem schikten sie
tausend liebliche blikke zu: ja tausend wündsche zugleich. Ein iedes Freulein
wündschte wohl tausendmahl dieselbe Heilandin zu sein / die in Josefs armen
ruhen sollte. Es war kein wunder. Josef war ohne das schöhn: und seine schönheit
übertraf alle Menschenkinder. Aber nuhn schien er tausendmahl schöner; weil er /
als ein EgiptischerNebenkönig / in der schönsten herligkeit sass. Sie sahen ihn
nun nicht mehr an / als einen Fremden / als einen gast in Egipten: sondern als
einen eingebohrnen Fürsten. Ja als einen Beherscher des ganzen Egiptens sahen
sie ihn an. Ich will mehr sagen: alle Freulein / alle Jungfrauen / auch die
Frauen selber sahen ihn an als einen / der über alle ihre hertzen herschete.
Ihm / gedachten sie /weren sie zu huldigen schuldig. Ihm / gedachten sie /weren
sie ihre frohndienste zu leisten verpflichtet. Ihm / gedachten sie / weren sie
ihre schatzung der liebe zu geben verbunden. Und also konten sie ihre verliebte
augen an der majestätischen schönheit des Josefs nicht genug sättigen. Were die
Fürstin Assenat gegenwärtig gewesen; ich gleube gewis / es würde ohne
schählsichtigkeit nicht abgelauffen sein. Hette sie diese spielenden blikke /
die alle auf Josefs herrliche schönheit zuspieleten / erblickt; sie würde ihnen
gewis mit liebseifrenden blikken begegnet haben.
    Aber Josef lies sich nichts anfechten. Er stellete sich / als würde er
dessen nicht gewahr. Er sah sich kaum einmal üm. Kaum lies er sein auge auf
etwas anders fliegen / als auf den König / und die Reichsfürsten / die in der
nähe sassen. Kaum führete er andere reden / als von stahtssachen. Und diese alle
waren ernstaftig; doch darbei auch überaus freundlich und holdseelig. Eben also
waren auch seine gebährden. Er sprach nicht ein wort / das nicht zuvor als auf
der goldwage abgewogen zu sein schien. Und also waren alle seine worte anders
nicht / als kletten / die in der zuhörenden hertzen hängen blieben. Zu zeiten /
wan er sie eine weile / mit einem ernstaften fürstlichem wesen / ausgesprochen
/ lächelte er ein wenig darzu. Doch dieses täht er niemahls zur unzeit: auch nie
zu viel. Der König / der ein klugsinniger Fürst war /märkte auf alles genau. Er
konnte nichts finden / das den geringsten tadel verdienete. Josef wusste sein
ganzes wesen / alle seine gebährden / und alle seine worte so ahrtig zu mässigen
/ dass ihm iederman mit verwunderung zusah / mit bestürtzung zuhörete.
    Ist dergleichen fällen pflegt sich sonst der Neid gemeiniglich mit
einzumischen. Aber alhier schien dieses laster gleich als ganz verbannet. Es
war ein grosses wunder. Wunder war es gewis / dass den Josef nicht einer
beneidete. Den Josef / sage ich; der als eine Sonne der Tugenden / als ein Licht
der Schönheiten herfürleuchtete: dessen Verstandes strahlen den nebel der
unwissenheit zertrieben: dem die Ehre höfelte / die Herrligkeit liebelte. Man
pfleget sonsten zu sagen: wo Tugend wohnet / wo Verstand hauset / wo Schönheit
sich findet / wo Ehre sich hin verfüget; da bläset und speiet der Neid sein gift
aus. Aber alhier allein war diese sage falsch. Hier war ganz kein Neid zu
finden. Dis untier hatte sich in diesem klahren Spiegel der Tugend / der
Weisheit und Schönheit /gleich als ein Basiliske / wie es schien / albereit zu
Hebron blind gespiegelt / ja gar zu tode geblasen. Jederman sah den Josef mit
günstigen augen an. Der Misgunst Unke war / aus allen hertzen / in seinen
mistpfuhl verwiesen. Josef ward von iederman gelobet / geliebt / begünstiget.
Niemand hatte nur die gedanken ihn zu tadeln / zu hassen / oder ungünstig
anzublikken.
    In solcher vergnügung auf allen seiten ward diese herrliche mahlzeit
volbracht. Der König / samt allen Fürsten / und dem ganzen Adel / exhub sich
zuerst. Darnach folgete die Königin / mit allen Fürstinnen /und dem ganzen
Frauenzimmer. Die Herren hielten dem Könige / auf dem Tafelsaale / noch eine
zeit lang Gesellschaft. Aber die Königin nahm / mit dem Frauenzimmer / ihren
abtrit. Weil sie nun alda / wo bei dem Könige Josef stund / vorbei mussten; so
riefen sie dem neuerkohrnen Schaltkönige / im vorübergehen / alle nach der
reihe Glück zu! Josef bedankte sich gegen eine iede mit der allertiefsten
ehrerbietigkeit. Nicht lange darnach schieden die Herren auch voneinander.
    Vor den Josef hatte man auf der Burg zwei köstliche Zimmer zubereitet. Dahin
führete ihn der König selber. Und als sie alda ein wenig sprache gehalten /
gingen sie beide zur Königin. Sachte befahl der König die tühre zu eröfnen.
Leise trahten sie hinein. Unversehens überrascheten sie das Frauenzimmer.
Niemand ward ihrer gewahr / als da der König redete. Die Königliche Fürstin
Nitokris war die erste / die den Josef erblikte. Straks gab sie der Frau Mutter
einen wink / dass der neue Schaltkönig vorhanden. Die Königin wendete sich nach
ihm zu / ihn wilkommen zu heissen. Geschwinde hastete sich Josef ihr entgegen /
die zugereichte hand zu küssen. Kurtz / doch anmuhtig waren die ersten
höfligkeiten auf beiden teilen. Josef traht wieder in etwas zurück. Aber die
Königliche Fürstin gab ihm / durch entblössung ihrer hand und bewegung ihrer füsse
/ ein zeichen / dass sie ihn ebenmässig empfangen wollte. Eilend näherte er sich
abermahl / ihrem herzutritte zuvorzukommen. Noch etliche Fürstliche Freulein /
die auf der Burg übernachten sollten / begegneten ihm mit gleicher höfligkeit. Es
war schon zimlich späte. Josefs bescheidenheit wollte nicht gestatten dem
Frauenzimmer länger vedriesslich zu fallen. Darüm nahm er / nach einem kurtzen
gespräche / gebührender massen abschied.
    Die Edelknaben leuchteten dem Josef / auf befehl des Königes / nach seinem
zimmer zu. Davor fand er schon eine Königliche bedienung. Er fand schon seine
Kammerdiener / seine eigene Edelknaben / seine eigene Lakkeien. Das war eine
plötzliche veränderung. Vor zehen oder zwölf stunden war er noch ein Gefangner /
ein Leibeigner / ein dienstbohte: er lag in einem betrübten gefängnüsse; er sass
in einem dunkelen gewölbe; er musste tuhn / was der Gefängnüsmeister ihn hies.
Itzund aber war er ein Freier / ein Fürst /ja ein Gebieter über das ganze
Egipten. Er befand sich auf einer königlichen Burg / in einem lustigen zimmer.
Er hatte seine leibwache / seine leibdiener. Die mussten sein gebot ausrichten.
Ja er hatte selbst die macht den Fürsten zu befehlen. Jederman musste seinen
worten gehorchen.
    Das zimmer / darinnen Josef schlafen sollte / hatte eine lustige aussicht in
den Königlichen garten / und nach dem Niele zu. Das andere hatte seine aussicht
auf den schlosplatz. Beider schmuk war königlich. Die mauren rund ümher sah man
mit überaus köstlichen prunktüchern behänget: und diese von reiner seide mit
golde durchwürket. Der bodem war von weissem marmel / und ebenmässig mit
prunktüchern beleget: die dekke mit zedernholtze übertäfelt / und über und über
dichte vergüldet. Doch den währt des goldes und des holtzes übertraf die
köstligkeit der kunst bei weitem. Das schnitz- und bild-werk / da die ganze
Egiptische weisheit alhier ihre sämtliche kraft /in ausbildung ihres verborgenen
sinnes / angewendet /war eben so unschätzbar / als wunderwürdig. Das Bette stund
als ein Königliches gezelt aufgeschlagen /und auf das prächtigste geschmükket.
Die seulen waren von dem reinsten und weissestem elfenbeine auf das zierlichste
gedrehet: die ümhänge von klahrer weisser seide / mit silbernem bluhmwerke
durchwürket. Eben eine solche dekke war auch über das bette geschlagen. Alhier
begab sich Josef endlich zur ruhe.
    In der ersten morgenwache erschienen ihm im schlafe zwölf Hirsche. Diese
warden endlich zu neunen / und in den Ländern zerstreuer. Auch sah er aus
seines Bruders Judah nachkommen eine Jungfrau / in reine weisse seide gekleidet
/ herfärgehen. Diese gebahr ein unbeflektes Lam. Zur linken hand des Lammes
stund ein Leue. Und alle Tiere streubeten sich wider ihn / und fielen ihn an.
Das Lam aber überwand sie / und traht sie alle unter die füsse. Und über ihm
erfreueten sich die Engel / die Menschen / und das ganze Erdreich.
    Mitten in socher algemeinen freude ward Josef wakker / und dachte diesem
Gesichte nach. Er sah wohl / dass es erst in den letzten zeiten erfüllet; und
aus dem Stamme Judah der längst verheissene Heiland der Welt sollte geboren
werden. Nun sah er dem Weibessamen entgegen / welcher der Schlange den kopf
zerträhten sollte. Mitten in solchen gedanken erhub er sich aus seiner ruhe. So
bald er rege ward /kahm einer von seinen Kammerdienern hinein. Der brachte ihm /
auf befehl des Königes / ein überaus köstliches Kleid / mit allem zugehöre. Auch
ward ihm straks darauf eine Königliche Befehlschrift an den Schatzmeister des
Königes eingereichet. Durch diese war ihm vergönnet / so viel viel gelder / als
er zu seiner ausrüstung / auch sonsten bedurfte / aus der Königlichen
Schatzkammer zu höben.
    Unterdessen trug der König verlangen den Josef zu sprechen / ehe die
Reichsfürsten ankähmen. Darüm schikte er einen seiner Kammerherren hin ihm
anzudienen / dass er seiner wartete. Josef gehorchte zur stunde. Straks ging er
hin die antwort selber zu bringen. Der König stund eben in der tühre seines
zimmers / da er ankahm: und zog ihn bei der hand hinein. Sehr freundlich sprach
er ihn an. Aus der massen liebseelig empfing er ihn. Nach etlichen gewechselten
grusreden / fing er straks wieder an von seinen gestrigen Treumen zu sprechen.
Die deutung lag ihm noch immer im sinne. Bald fragte er dieses /bald jenes: und
Josef gab ihm auf alles bescheid. Unter andern begehrte er zu wissen / wan die
sieben fruchtbaren Jahre beginnen sollten? Josef gab zur antwort: er vermeinte /
dass sich das erste schon begonnen. Nun wohlan! fuhr der König fort: so müssen
wir dann anstalt machen / dass unser vorhaben mit dem ersten seinen anfang
gewinne. Mein Jahrsfest habe ich beschlossen erst über sechs tage zu endigen.
Und dann solt ihr den Landständen / und Reichsfürsten / als auch der ganzen
Ritterschaft / und dem ganzen Egiptischem Volke / mit öffendlichen geprängen /
vorgestellt werden. Unterdessen will ich verschaffen / dass gegen die zeit alles
färtig sei. Ich will euch eine sonderliche Königliche Hofstat zuordnen. Ich will
haben /dass ihr auf das prächtigste aufziehet. So mus es sein. Einen solchen
staht müsst ihr führen: damit mein Volk euch fürchte; damit es euch gehorche.
    Josef bedankte sich auf das allerdemühtigste vor die so gar hohe gnade / die
der König ihm anzutuhn beliebete. Er bedankte sich vor die so gar grosse
Königliche vorsorge sein ansehen und seine ehre zu erhöben. Auch fügte er
darbei: dass er dem Könige hierinnen nicht an oder ab-rahten wollte. Er unterwürfe
sich seinem willen ganz und gar. Seinem guhtdünken sei er bereit zu folgen:
seinem befehle verbunden zu gehorchen: seinem winke selber sei er schuldig auf
das untertähnigste nachzuleben.
    Eben als Josef dieses redete / kahm ein Edelknabe dem Könige anzudienen /
dass die Reichsstände versamlet weren. Hierauf fragte der König den Josef: ob ihm
beliebte mit in die Rahtsversamlung zu gehen? Josef antwortete: dis stelle ich
in des Königes belieben. Wer was dünkt euch? fuhr der König fort: sehet ihr es
vor guht an? Ich darf mich zwar nicht unterfangen / redete Josef weiter / dem
Könige vorzuschreiben: aber auf seinen befehl mus ich mich erkühnen zu sagen /
das es vor dieses mahl sich so wohl nicht fügen will. Ich bin nun noch als ein
fremder. Ich bin in meinem gnädigst aufgetragenem Reichsgebiete noch nicht
bestähtiget. Wan aber dieses geschehen ist; alsdan wird es sich besser schikken.
Itzund möchte mir solches verübelt werden. Man möchte es so deuten /als wan ich
gebietsüchtig were / und das gebiet vor der zeit suchte. Dieses ist mein
geringfügiges guhtdünken. Doch des Königes mus vorgehen. So könt ihr euch
inmittelst / fing hierauf der König an /im garten erlustigen. Wan es zeit zur
tafel ist / wird man es euch schon anmelden. Und hiermit begab sich der König in
den Rahtssaal: Josef aber hinunter in den Garten.
    Semesse lag eben in ihrem zimmerfenster / das nach dem garten zuging / als
Josef hineinkahm. Straks lief sie zur Königlichen Fürstin / ihr solches
anzumelden. Diese seumete sich nicht lange. Eine so gewündschte gelegenheit /
ihn allein zu sprechen /wollte sie nicht schlüpfen lassen. Eilend ging sie
hinunter. Niemand folgte ihr / als Semesse. Eben unter einem schattenreichen
laubergange traf sie den Josef an. Da konnte sie niemand sehen. Da konten sie
frei und ungehindert sprache halten. Sobald sie Josef erblikte / ging er zu ihr
zu. Nach erwiesenen höfligkeiten gegeneinander / fing Nitokris straks an zu
fragen: wie es ihm im gefängnüsse gegangen? Ob er auch Mangel gelitten? Ob man
ihn auch ehrlich gehalten? Als nun Josef geantwortet: dass es ihm im gefängnüsse
besser gegangen / als bei Fürst Potifarn: da fing die Fürstin an zu lächlen. Wie
so? fragte sie ferner. Er hatte ja alda ungezweifelt mehr lust / sonderlich bei
einer so schönen und holdseeligen Fraue. Die Fraue war guht / fing Josef hierauf
an: aber ich war dannoch unglücklich. Ihre guhteit konnte mir wenig helfen.
    Weil nun Nitokris sah / dass Josef sich nicht herauslassen wollte / und diese
reden ihm nur vedriesslich fielen: so führete sie seine gedanken wieder ins
gefängnüs. Aber / fragte sie / wie stellete sich der Gefängnüsmeister gegen ihn
an? Sehr wohl / antwortete Josef: und ich bin von ihm gehalten worden / als wan
ich sein sohn gewesen. Das pflegt er sonst nicht zu tuhn / fuhr die Fürstin
fort: darüm bin ich verwundert. Vielleicht hat er einen guhten Freund gehabt /
der sein Wort geredet. Vielleicht ist iemand gewesen / der ihm zu liebe dem
Gefängnüsmeister solche guhteit belohnet.
    Aus diesen verblühmten reden muhtmassete Josef von stunden an / dass es die
Königliche Fürstin sein müste / die ihn dem Gefängnüsmeister so hoch anbefohlen.
Darüm gab er zur antwort: Ja freilich habe ich solches einem grossen Freunde zu
danken; der grosse barmhertzigkeit an mir erwiesen: der dem Gefängnüsmeister
alles / was er mir guhtes getahn / reichlich bezahlet. Bezahlet! fing ihm die
Fürstin das wort auf. Hat ihm dann iemand geld geschikt? Ja freilich / antwortete
Josef / ihm / und mir. Und das kleid / das ich gestern anhatte / habe ich
demselben / ja noch viel mehr / ebenmässig zu danken. Aber was ist doch das vor
ein Freund? fuhr die Fürstin fort. Bis auf diese stunde / antwortete Josef /
habe ich ihm / nur als einem unbekanten / gedanket: aber nunmehr lebe ich der
hofnung ihm bald / als einem bekanten / zu danken. Warüm sollte er dieses erst
itzund tuhn können? fragte Nitokris abermahl. Weil ich den Freund oder die
Freundin / antwortete Josef / erst itzund / aus ihren worten / kennen lerne. So
meint  er dann / dass ichs selber sein soll? gab Nitokris zur gegenantwort. In
alwege / antwortete Josef wieder. Und hiermit brach er aus in diese worte.
Vorlängst habe ich gewündscht / sagte er / diese barmhertzige Seele zu kennen.
Tausendmahl habe ich begehrt das treuhertzige hertz zu wissen / dass sich meiner
so getreulich angenommen. Aber es hat mir nicht widerfahren können. Diese stunde
allein bat es mir geoffenbahret. Ihr leutseeliger mund hat sich selber
verrahten. Keinen tag meines lebens schätze ich so glücklich / als diesen: der
mich so glückseelig gemacht / dass ich dieselbe mildtähtige hand / die mir so hohe
gnade erwiesen / in alleruntertähnigster dankbarkeit zu küssen vermag. Ach! wie
soll ich solche so treue gunst / solche mehr als gnädige barmhertzigkeit
erwiedern? Mein bluht ist zu wenig darzu: mein vermögen zu arm. Ich werde Ihr
schuldner bleiben müssen / so lange ich ahteme: iedoch ein dankbarer schuldener
/ der sein leben zu pfande setzet / zum zeichen / dass er gern bezahlen wollte /
wan er könnte.
    Aber woher weis er / dass ich seinetwegen dem Gefängnüsmeister sollte geld
geschikt haben? fiel ihm die Fürstin in die rede. Dass er geld bekommen /
antwortete Josef / mich ehrlich zu halten; das hat er mir selbst gesagt / auch
die beigefügten briefe gewiesen. Aber weder ich / noch er konten dazumahl
errahten /von wem solche überschwänglich grosse wohltaht kähme. Und nun bin ich
begierig zu wissen / was doch Meine allergnädigste Fürstin bewogen / mir
unverdientem so gar grosse gnade zu erweisen? Vor mich selbst / antwortete
Nitokris / habe ichs nicht getahn. Eine Fürstin / die er noch nie gesehen / aber
ausser allem zweifel bald wird sehen / und mehr als mich kennen lernen / hat
mich hierzu bewogen. Was von mir geschehen ist / ist alles ihr zu liebe
geschehen. Darüm ist er ganz nicht verbunden mir zu danken. Der dank gebühret
ihr. Ihr allein ist er verpflichtet zu danken.
    Eben als die Königliche Fürstin diese worte redete / höreten sie zur tafel
blasen. Und darüm nahm sie straks ihren abschied. Josef aber blieb noch eine
kleine weile im garten. Darnach begab er sich auch in sein zimmer. Alhier verzog
er so lange / bis ihm angesagt ward zum Könige zu kommen. Mit grosser
ehrerbietigkeit begegneten ihm alle Fürsten. Sobald sie ihn erblikten / machten
sie raum. Sie trahten eilend voneinander in zwo reihen; damit er ungehindert
hindurch könnte. Nach geschehenen ehrenbezeugungen zu beiden seiten / setzte man
sich straks zur tafel. Einieder Fürst nahm seine stelle / da er des vorigen
tages gesässen. Und Josef lies sich neben dem Könige nieder. Die lust / die
freude / die ergetzligkeit schienen täglich zuzunehmen. Auch wuchs die
unterliche liebe der Fürsten mehr und mehr an. Die hertzliche vetrauligkeit ward
immer grösser und grösser / so lange dieses Freudenmahl währete. Die vergnügung
/ die der König hieraus schöpfte / kann keine feder beschreiben. Keine zunge
vermag sie auszusprechen. Ja keine gedanken können sie fassen. Er selber war
so fröhlich. Er erzeigte sich so lustig / dass sich iederman verwunderte. Und
diesem vorgänger folgeten alle seine gäste. Nicht einer verderbete das spiel.
Die traurigkeit schien ganz verbannet: die unlust verwiesen: die
schweermühtigkeit verjaget.
    Dieser algemeinen lust der Fürsten gab des Frauenzimmers fröhligkeit nichts
zuvor. Die Fürstliche Gemahlinnen schritten selbst über die schranken ihrer
achtbarkeit; welche sie sonsten so genau zu bewahren pflegen. Die Freulein und
Jungfrauen vergassen ihrer strengen eingezogenheit. Ihrer sonst angebohrnen
blödigkeit / und gewöhnlichen sitsamkeit / gaben sie vor dieses mahl uhrlaub.
Das kind der zucht / die edele Schaamhaftigkeit / milterten und mässigten sie
dermassen / dass sie so übermässig nicht züchteten / so aus der weise nicht
prunkten / so ohne schertzspiele nicht ernsteten; wie sie sonsten zuweilen
gewohnet. Die gemeinsamheit / die offenhertzigkeit / die freimühtigkeit / die
sprachsamkeit / die ausgelassenheit zur lust und ergetzung hatten das stöltzeln /
das prängeln / samt dem alzuernstaftigen niedergeschlagenem wesen /verdrungen.
Ihre augen liebelten. Ihre wangen lächelten. Ihre stirnen spieleten. Ihr mund
entschlos sich. Ihre zunge ward gelöste. Und also lies sich das ganze antlitz
aus in ein fröhliches anmuhtiges wesen. Ja der ganze leib sass / wo er sass / und
stund / wo er stund /in einer freudigen ungezwungenen bewegung.
    In solcher unterlich einpärigen lust und freude kahm der achte und letzte
tag des Königlichen Jahrfestes herbei. Josef begunte der hofluft / als nunmehr
ein hofman von sechs tagen / alhand zu gewohnen. Bisher war er noch zimlich
eingezogen und stille gewesen. Er hatte wenig geredet / noch weniger
geschertzet. Aber itzund fing er an dreister zu werden. Itzund machte er sich
erst bekant. Itzund lies er so ein freudiges und so munters wesen blikken / dass
er mehr / als iemahls zuvor / die augen dieser Fürstlichen versamlung auf sich
zog. Sobald er in den Saal traht / redete er / mit einer sonderlichen
wohlanständigkeit /bald diesen / bald jenen Fürsten an. Und diese reden waren
meistenteils mit einem anmuhtigen schertze vermischt. Er gedachte: ende guht /
alles guht. Er wollte dis Fest / das er mit stille beginnen helfen / mit freuden
schliessen. Und darüm erzeigte er sich auch so lustig / und so fröhlich / als
wan ihn kein unglück iemahls betroffen. Hatte man ihn vor diesem gerühmet / so
erhub man ihn itzund bis an den himmel. Alle hertzen hingen ihm an. Alle
gemühter waren ihm gewogen. Der König selber hatte ein solches wohlgefallen an
ihm / dass er überlaut sagte: dis sei der lustigste tag von allen / weil sich
Josef so lustig erzeigte. Ja es schien / als wan er / durch solche seine
fröhligkeit / die ganze fröhliche versamlung noch fröhlicher gemacht.
    Ohngefähr drei stunden hatte man tafel gehalten. Der Nachtisch ward
aufgetragen. Allerlei Zukkergebakkenes / allerlei eingemachte früchte / allerlei
obst /allerlei schaugerichte / und allerlei lekkerspeisen warden aufgesetzt. Die
tafeln stunden schon gleich als bedekt mit güldenen schüsseln vol dergleichen
lekkerkost. In dem augenblikke war es / da sich der König plötzlich erhub.
Plötzlich stund er auf / und befahl dem Josef / und allen Fürsten ihm zu folgen.
Jederman war hierüber verwundert. Niemand wusste / was es bedeuten sollte. Alle
stunden im zweifel. Endlich ging der König nach der Königin zu. Diese zog er
/bei der hand / von der tafel: und winkte dem Josef /dass er die Königliche
Fürstin nehmen sollte. Das täht er auch alsobald mit der allerhöflichsten
ehrerbietigkeit. Hierauf ward den andern Herren befohlen dergleichen zu tuhn.
Einieder geselte sich zu einer aus dem Frauenzimmer. Und also stunden sie alle
gepaaret. Die Kunstspieler mussten spielen / und die Meistersänger singen. Noch
konnte niemand aussinnen /was der König zu tuhn gesonnen. Die meisten gedachten /
man würde einen Reientantz tuhn sollen. Aber der König befahl die tühre zu
öfnen: und die sänger / samt den spielern / mussten forttråhten. Alle gingen zur
tühre hinaus. Der König / mit der Königin gepaaret / folgete: und ihm die ganze
gepaarte versamlung. Endlich gelangte man in den Königlichen Lustgarten. Da
hielt diese lustige Gesellschaft einen ümgang. Dis geschahe mit sehr langsamen
tritte. Zuweilen stund man auch ein wenig stil / das gesicht was mehr zu
ergetzen.
    An der überseite des Gartens war eine schöne wasserkunst in etlichen
marmelsteinernen Bildern verborgen. Diese Bilder stunden in einer langen reihe
längst dem gange hin. Eben als der König und Josef hier vorbei waren / fingen
die Bilder an ihre kunst zu beweisen. Etliche sehr dünne wasserstrahlen kahmen
ihnen plötzlich aus den augen / und aus dem munde /ja selbst aus den ohren und
brüsten geschossen. Dadurch bekahmen die vorübergehenden ein unversehenes bad.
Als sie nun von oben also befeuchtet waren; da sprangen und rieselten auch von
unten / aus der erde selbst / etliche zahrte wasserstrahlen in die höhe. Und
dieses geschahe allein auf der seite / da das Frauenzimmer ging: welches / so
bald es die kalten wasserstrahlen / unter den rökken / auf der blossen haut
fühlete / mit dem wasser als üm die wette zu springen und zu hüpfeln begunte.
Darüber erhub sich ein grosses gelächter. Der König befahl den Kunstspielern
lustig aufzuspielen. Diese Schönen sollten nach dem tohne tantzen. Nach dem hohen
und niedrigem / nach dem langsamen und geschwindem klange sollten sie ihre füsse
bewegen.
    Nach dieser kurtzweile begaben sie sich alle wieder in den Saal. Ein ieder
setzte sich in seine stelle. Der Nachtisch ward vorgedienet. Die bächer gingen
rund herüm. Die gesundheit des Königes und des neuen Schaltköniges ward stehende
getrunken. Man wündschte ihnen beiden Glück. Man rief / durch den ganzen saal:
Lange lebe der König! Nefrem lebe gesund! Lange lebe der Schaltkönig! Josef lebe
gesund! Dieses freudige zurufen hatte fast kein ende. Den ganzen abend
erklungen diese glückswündsche / unter dem schalle der trompeten. Sie höreten
nicht eher auf / als bis der König sich erhub. Sie liessen nicht eher nach / als
bis die ganze Gesellschaft bereit stund zu scheiden. Und in diesem augenblikke
traht ein Heerold auf. Der rief durch den ganzen Saal aus. Auf des Königs
befehl / sollten sich morgen früh alle Fürsten und Stände des Reichs auf dem
Reichssaale versamlen. Die ganze Ritterschaft sollte sich einfinden / der
bestätigung des neuen Schaltköniges beizuwohnen. Hiermit schieden die Fürsten
voneinander. Hiermit beschlos man das Königliche Jahrsfest. Hiermit nahm dieses
freudenmahl sein gewündschtes ende.
 
                                 Fünftes Buch.
Die sonne hatte mit ihren herfürbrechenden strahlen den Niel zu erleuchten kaum
begonnen: kaum hatte sie desselben stille fluht zu vergülden angefangen: kaum
hatte sich ihr liebliches antlitz über die spitzen des gebürges erhoben; als ein
grosses freudengetöhne die ganze königliche stadt Memfis erfüllete. Die
Trompeten warden geblasen; die trummeln gerühret; die schällenspiele beweget;
die zinken beseelet; die zittern geschlagen / und andere seitenspiele gespielet.
Die Reichsstände warden rege. Die Ritterschaft erhub sich. Mit einem grossen
geschleppe zogen sie nach der Burg zu. Einieder war aufs köstlichste gezieret /
aufs prächtigste geschmükket. In diesem herrlichen gepränge trahten sie in den
Reichssaal. Da war der König /mit den Reichsrähten / schon zugegen. Er sass aus
einem köstlichen Reichsstuhle / von hintenzu mit seinen Kammerherren und
Hofjunkern ümringet. Auf der rechten hand hatte sich der Heliopelsche
Ertzbischof /mit dem Reichskantzler / und Reichsschatzmeister /niedergelassen:
und auf der linken die Reichsrähte.
    Als sie nun alle beisammen waren / stund der Reichskantzler auf / und täht /
im nahmen des Königes / an die Reichsstände eine kurtzbündige rede. Darinnen gab
er ihnen den willen des Königes zu verstehen / auch warüm er sie entbohten. Und
diese rede beschlos er mit zwo fragen: erstlich / ob sie alle gesonnen weren den
Josef vor ihren Schaltkönig zu erkennen? darnach / ob sie ihm huldigen wollten?
Des Reichskantzlers rede beantwortete der Reichsstände Worthalter eben so
kurtzbündig: und sie selber riefen auf die zwo vorgestellte fragen einmündig
ja.
    Auf dieses so willige jawort erhub sich / auf befehl des Königes / der
Ertzbischof / samt dem Reichskantzler und Reichsschatzmeister / als auch allen
Reichsrähten / den Josef zu hohlen. Nicht lange darnach brachten sie ihn
geführet. Ein Hofmahrschalk ging allein voran; und Josef / zwischen dem
Ertzbischoffe und dem Reichskantzler / hernach: denen alle die übrigen folgeten.
Sobald sie vor den König gelanget / begaben sie sich alle wieder in ihre
stellen. Und Josef blieb allein / nachdem er sich auf das allerehrbietigste
geneuget / vor dem Reichsstuhle stehen. Der König gab ihm einen wink / dass er
nähern sollte. Er gehorchte zur stunde / und traht dichte vor die stufen des
Reichsstuhls. Darauf wiederhohlete der König fast alle worte / die er vor sechs
tagen zu ihm geredet / als er ihn zum Schaltkönige erwehlet. Josef neugte sich
abermahl zur erden nieder / und als er sah / dass der König sich bewegte
aufzustehen / stieg er bis auf die oberste stufe des Reichsstuhls / und fiel
alda nieder auf seine kniehe.
    Hierauf zog der König seinen Siegelring vom finger / und stekte ihn auf
Josefs finger. Darnach nahm er auch eine güldene Kette / die er am halse trug;
und hing sie üm Josefs hals. Unten an diese Kette war ein Brustpfennig / darauf
ein Elefant gepräget stund / angegliedert. Der Elefant sollte die Königliche
Majästäht / die sich / wie der Elefant / vor niemand neuget / bezeichnen.
Hiermit übergebe ich euch / sagte der König / alle gewalt über das ganze
Egipten. Ich bin Farao: ohne euren willen soll niemand im ganzen Reiche / seine
hand / oder seinen fuss regen. Alles soll euch / und ihr niemand / untertahn sein.
Ich heisse Farao: und ihr solt Zafnat Paaneach / das ist Heiland der Welt /
genennet werden. Wir haben ein solches vertrauen zu euch / dass wir es unnöhtig
achten / uns / durch den eid der treue / euch zu verbinden. Ja wir zweiflen
keines weges / ihr werdet ohne das / eurer weisheit nach / so zu herschen wissen
/ dass es uns nimmermehr gereuen wird euch zu unsrem Miterscher erkohren zu
haben.
    Hiernach boht der König dem Josef die hand / und richtete ihn / mit einem
hertzlichen glückswundsche /wieder auf. Er hingegen neugte sich gegen den König
dreimal zu erde nieder; und bedankte sich vor die hohe gnade / vor das guhte
vertrauen / und den hertzlichen wundsch des Königes / in alleruntertähnigster
niedrigkeit. Inzwischen stunden der Ertzbischof und der Reichskantzler auf / und
führeten den neuen Schaltkönig auf einen besonderen Reichsstuhl. Diesen hatte
man / zur linken seite des Königlichen Reichsstuhls / auf ein etwas erhobenes
gestelle gesetzt / und mit den allerköstlichsten prunktüchern ausgezieret.
Sobald sich Josef alhier niedergelassen / setzte ihm der Ertzbischof eine
königliche Krohne / welche der Reichsschatzmeister auf einem weissen seidenem
küssen nachtrug / auf das heupt. Hierauf gab ihm der Reichskantzler auch den
Reichsstab / dessen spitze mit einem Storche / und das unterende mit einer klaue
vom Fluspferde gezieret / der ebenmässig durch einen Reichsraht nachgetragen ward
/ in die hand: und der Ertzbischof sprach endlich über ihn / der gewohnheit nach
/ den seegen.
    Nach volendeten diesen Kröhnungsgeprängen /deutete der Reichskantzler den
Egiptischen Reichs ständen und der ganzen Ritterschaft / durch eine zierliche /
doch kurtze rede / die huldigung an. Sobald er ausgeredet / ward ihnen der Eid
ihrer gehohrsamkeit vorgelesen; und sie bekräftigten denselben mit aufgerekten
fingern. Der König hatte zwar anstalt machen lassen / dass Josef / straks nach der
Kröhnung / durch die gassen der stadt Memfis sollte geführet werden /dem Volke
seinen neuen Schaltkönig zu zeigen. Aber die helfte dieses tages war schon
verlauffen. Der mittag war herbei genahet; und die tafeln zum Kröhnungsmahle
albereit gedekket. Darüm ward solches gepränge bis auf den künftigen morgen
verschoben: und das neugierige Volk bekahm vor dieses mahl seinen neuen Gebieter
nicht zu sehen. Vor dieses mahl musste es sein grosses verlangen mit geduld
speisen: ein solches verlangen demselben Glück zu wündschen / von dessen
wunderlichen glücksfällen der ruf überal / durch die ganze stadt / erschollen.
    Mitlerweile ward das übrige des tages in voller lust zugebracht. Und diese
lust üm so viel angenehmer zu machen / hatte der König / im Burggarten / eine
grosse Läube längst der mauer hin aufrichten lassen. Alhier gab der schatten eine
kühle luft / das auf den bodem gestreuete bluhmenwerk einen anmuhtigen geruch
/und der lust garten selbst ein liebliches aussehen. Hierunter ward das
Kröhnunsgmahl gehalten. Hier ergetzte sich der König: und mit ihm der ausbund
des ganzen Egiptischen Adels. Hier sass Josef nunmehr in voller herligkeit / und
freude. Alles seines vorigen elendes / und alles seines leides hatte er
vergessen. An statt seiner leibeigenschaft / hatte er das gebiet eines so
mächtigen Königreichs in seinen händen. An statt seiner vorigen schmaach und
verachtung / ward er itzund mit kniebeugen geehret. An statt des knechtischen
nahmens / führete er itzund einen königlichen; und ward ein Heiland der welt
genennet. An statt des Rokkes / den ihm die Ehbrecherin vom halse gerissen /
hatte ihn der König in reine weisse seide gekleidet. An statt der eisernen ketten
seines gefängnüsses / trug er eine güldene: an statt des knechtischen
fesselringes /einen Königlichen Siegelring / zur bekräftigung seiner macht. An
statt des zeichens der Leibeignen / führete er einen Königsstab in der hand / und
einen Königskrantz auf dem heupte. An statt des schlammichten Stokhauses / hatte
er eine Königliche wohnung. Ja alles / was er zuvor elendes gehabt / war nunmehr
in lauter herligkeit verändert. So herrlich ward ihm seine Gottesfurcht belohnet
/ seine Tugend bezahlet / seine Keuschheit vergolten.
    Auf den morgen ward des Königes zweiter Stahtswagen färtig gemacht. Dieser
blinkte von lauter golde. Vier schneeweisse pferde zogen ihn. Der pferdeschmuk
schimmerte von köstlichen steinen. Auf diesem prächtigen wagen fuhr Josef durch
die fürnehmsten gassen der stadt. Zween Heerolden / aus den ältesten des Heers
erlesen / ritten vor ihm her / in goldgestikten köstlichen rökken: und vor
diesen vier Trompeter. So oft der Stahtswagen vor einen marktplatz / oder an
eine neue gasse kahm; da bliesen die Trompeter / und die Heerolden riefen mit
lauter stimme vor dem Josef aus: Dis ist der junge Königliche Vater; dis ist der
junge Vater des Reichs. Hinter dem Stahtswagen her ritten etliche Hofjunkern des
Schaltköniges auf köstlichen Arabischen und Persischen pferden. Alle waren auf
das köstlichste gezieret. Zu beiden seiten des wagens lieffen die Edelknaben
/die Kammerdiener / die Lakkeien / in überaus zierlicher leibestracht. Die
Menschen lagen in den fenstern / stunden auf den tåchern / warteten in den
tühren /lieffen und drångeten sich auf den gassen. Alle verlangeten den neuen
Schaltkönig zu sehen. Wo Josef vorüberfuhr / da hörete man ein grosses
freudengeschrei. Das frohlokken / das jauchzen / das glückzu / das lebe lange
hatte kein ende. Ob er schon lange vorbei war /so klung doch der nachruf immer
hinter ihm her. Man rief ohn unterlass / so lange man den Stahtswagen erblicken
konnte. Ja viele streueten Palmenzweige vor ihm her: andere vielerlei bluhmen.
Damit lagen alle strassen bedekt / wo er durchhinfuhr.
    Es war nun hoher mittag. Eben machte die sonne den kürtzesten schatten / als
Josef wieder nach der Burg zu kehrete. Unterdessen hörete doch die freude des
volkes nicht auf. Wer nur etwas vermochte / der hatte seine nachbaren und
freunde zu gaste. Man teilete den armen reichlich aus; ja etliche liessen sie
speisen. Diese algemeine freude währete bis in die sinkende nacht. Alle reden /
die man hörete / waren vom Josef. Sein lob erklung durch die ganze stadt. Eines
ieden mund war vol seines ruhmes. Sie priesen seine fürtrefliche schönheit /
sein überaus leutseeliges wesen. Die ihn niemahls reden gehöret / urteileten
dannoch von seiner so volkommenen Tugend aus den Augen: die als zween
unbetrügliche verrähter des hertzens weren. Sein ganzes Angesicht / sagten sie
/da man die Seele / als auf einem öffentlichen markte /mit den euserlichen
dingen handeln sieht / zeigt es genug an / was vor edle schätze sein hertz
verbürget. Wir seind glücklich / dass wir einen solchen / den die Götter so
volkommen geschaffen / über uns herschen sehen. Das ganze Egipten hat ein
grosses von ihm zu hoffen. Wir alle haben dem Himmel nicht genug zu danken. An
diesen und mehr dergleichen reden war des volkes vergnügung gnugsam zu spühren.
Ja sie bezeugten / durch ihre milde gastfreiheit / und grosse freude / mehr als
genug / dass die worte mit dem hertzen übereinstimmeten.
    Noch zween tage blieb Josef auf der Burg. Innerhalb dieser zeit redete er
mit dem Könige von allem /was des Reichs wohlfahrt betraf. Fort und fort waren
sie beieinander. Alles / was Josef riet / ward beliebet. Seine rahtschläge
hatten ein weites aussehen. Sie gingen durch die instehenden sieben reichen
jahre / bis in die sieben Mageren. Er erwug alles / was zu tuhn stünde / mit
reiffem vorbedacht. Alle seine anschläge zieleten fürnähmlich auf zwei dinge:
den König gross /und die Untertahnen wohlfahrend zu machen. Und darüm entschlos
er sich das ganze Egipten zu besehen. Die beschaffenheit der Königlichen
herschaft war ihm nunmehr aus dem munde des Königes selber bekant. Er hatte
deswegen schon alles genau untersuchet; auch albereit mittel gefunden / sie in
einen besseren stand zu bringen. Aber solches recht auszuführen / musste er
nohtwendig die gelegenheit aller Länder besichtigen. Und dieses musste mit
ehestem geschehen; damit er seine schlüsse darnach anlegen könnte. So zog er dann
auf den dritten tag aus. Der erste zug ging auf Heliopel zu.
    Diese schöne Stadt lag auf einem hohen schutte / in einer anmuhtigen aue des
landes Gessen / zwischen zween ärmen des Niels: zu welcher man / durch einen
verborgenen gang unter der erden und dem Niele hin /von Memfis gelangen konnte.
Die Ebreer nennen sie On; die Griechen aber Heliopel / das ist Sonnenstadt; und
die Araber Betsames / Sonnenhaus / oder Ainsemes / Sonnenauge. Und diese drei
letzte nahmen führete sie vom Sonnenspiegel / welcher alda im Götzenhause der
Sonne gefunden ward / und es mit seinen strahlen den ganzen tag durch
erleuchtete. Egipten hatte keine ältere stadt / als diese. Mizraim /des Noah
enkel / und Hams zweiter sohn / der erste Egiptische König nach der Sündfluht /
hatte sie gebauet. Alhier hat er seinen Königlichen sitz gehabt: als auch nach
ihm sein sohn Mesramutisis; und nach diesem der dreimal grosse Hermes / der
Sonnenseulen erfinder / und uhrhöber der heiligen Bilderschrift / ja der ganzen
Egiptischen weisheit. Und also war dieser Hermes der dritte Egiptische König
nach der Sündfluht. Er war derselbe Merkuhr / den die Egipter Tot / und Ftar /
das ist den Gott der Götter / die Fönizier Taut / die Araber Idris / die Ebreer
Hador / das ist einen fürtreflichen Vernunftfechter / nenten. Ja er war in
dieser ersten Königlichen und Priesterlichen Egiptischen Stadt der erste
Priester. Er war derselbe / der / zu Abrahams zeiten / die Egiptische
Priesterschaft gestiftet. Er war derselbe / der den grund geleget zum
Heliopelschen Ertzbischoftuhme. Einer von dessen nachsassen im Priestertuhme war
itzund Fürst Potifar: den die Ebreer einen grossen Weltweisen / als auch einen
Vorsteher der Gelehrteit und des götzendienstes der Sonne nennen. Diesen /als
seinen ehmahligen Herrn / wollte Josef besuchen. Ein Hofjunker musste voran reiten
/ dem Ertzbischoffe solches anzumelden.
    Sobald der Heliopelsche Ertzbischof Josefs ankunft verstanden; da lies er
alles / was er nöhtig achtete / einen so grossen Gast auf das herrlichste zu
bewürten / alsobald zuschikken. Auch befahl er seine Freulein Tochter / die
Fürstin Assenat / von der Sonnenburg zu hohlen. Diese hatte bis auf gegenwärtige
stunde noch niemahls einiges Mansbild gesehen. Und darüm war sie schüchtern vor
allen mansbildern. Ja sie verachtete sie schier alle. Und dieses wollte ihr /fast
als eine hofart und vermässenheit / zugemässen werden. Sonsten war sie in allen
dingen den Ebreischen Töchtern gleich / und überaus guhtahrtig / auch so schön /
dass sie vor die schönste des ganzen Reichs gehalten ward. Als sie nun ankahm /
gab ihr der Ertzbischof alsobald Josefs ankunft zu erkennen. Josef / sagte er /
der Starke Gottes / wird zu uns kommen: und ich habe beschlossen / dich mit ihm
zu vermählen. Sie aber gab eine weigerliche antwort: dann ihr war noch zur zeit
unbekant / dass der König ihn zum Herscher über das ganze Egipten gesetzet. Nein
/ nein! rief sie überlaut: ich will keinem Gefangenem oder Leibeigenem / aber
wohl einem Königlichen Fürsten vermählet sein. Und indem sie also redeten /kahm
einer von den tohrwächtern dem Ertzbischoffe anzumelden / dass der Schaltkönig
schon in der schlosgasse sei. Als Assenat diese zeitung hörete / da eilete sie
geschwinde nach ihrer Burg zu. Gleichwohl trieb sie ihre neugierigkeit so weit /
dass sie lüstern ward den Josef zu sehen. Und darüm blieb sie oben über dem
Burgtohre / in einem fenster / stehen.
    Unterdessen ging der Ertzbischof / mit seiner Gemahlin Toote / dem Josef
entgegen / bis vor das Schlostohr. Da empfingen sie ihn mit der allertiefsten
ehrerbietigkeit. Und er begab sich / samt seinem ganzen gefolge / in den
vorhof: dessen tohre zur stunde wieder geschlossen / und mit einer stärkeren
wache versehen warden. Josef sass auf dem zweiten Stahtswagen des Königes /
welcher mit golde ganz überzogen / und mit überaus künstlichem bildwerke
gezieret. Vier schneeweisse Pferde / derer zeume /gebis und schnallen von
dichtem golde / mit edelen steinen ausgesetzt / zogen diesen wagen. Er selber
war gekleidet in reine weisse seide; und darüber trug er einen sammeten Rok mit
golde sehr zierlich gestikt. Auf seinem heupte stund eine güldene Krohne / mit
zwölf köstlichen steinen / darüber zwölf sterne zu sehen / versetzet. In der
hand hielt er einen güldenen Reichsstab / und einen Oehlzweig / samt der frucht.
Vier Edelknaben gingen auf ieder seite des wagens. Ihre langen über die
schultern fliegende haarlokken waren zierlich vergüldet / und eben so zierlich
gekrüllet. Ihre kleider waren von schneeweisser seide / mit güldenen bohrten
verbrähmet. In der rechten hand trugen sie einen wurfspies / und in der linken
einen schild / überzogen mit golde. Der vor- und nach-trab war nicht weniger
köstlich und prächtig.
    In dieser pracht und herligkeit erblikte die junge Fürstin Assenat den
Josef. Sie sah seine himlische schönheit: und war betrübt über die worte /
welche sie kurtz zuvor gesprochen. Ach! sagte sie / sehet! die Sonne vom himmel
ist auf ihrem wagen zu uns kommen. Ich wusste nicht / dass Josef Gottes Sohn were.
Dan keiner unter allen Menschen hat eine solche schönheit können zeugen. Keiner
Frauen leib hat ein solches Licht können gebähren. Mit kläglicher stimme sprach
sie diese worte. Mit bereuenden seufzern klagte sie ihre vorige unbesonnenheit
an. Mit traurigem wesen ging sie nach ihrem zimmer zu. Nicht ein wort kahm mehr
aus ihrem munde. Sie war gleich als entzükt: und in solcher entzükkung setzte
sie sich auf ihr bette.
    Unterdessen begab sich Josef von dem wagen / und ging / mit dem
Ertzbischoffe Potifar / in sein schlos. Straks wusch man ihm / nach der
Egiptischen weise /die füsse. Und er fragte mit gebietender stimme: was ist das
vor ein Weibesbild / das über dem burgtohre im fenster lag? dass man sie straks
aus diesem Schloss schaffe. Dan er befahrete / sie möchte ihm auch /wie viel
andere getahn / mit geschenken vedriesslich fallen: die er doch mit unwillen von
sich warf. Aber der Ertzbischof gab ihm zur antwort: Mein Herr /sagte er / es
ist meine Tochter / die alle Mansbilder fliehet. Auch hat sie zuvor niemahls
einiges Mansbild gesehen / als uns an diesem heutigen tage. Doch wan es Meinem
Herrn beliebt / so soll sie kommen ihn zu grüssen. Josef gedachte bei sich selbst
/ wan sie alles mansvolk fliehet / so wird sie mich auch wohl zu frieden lassen.
Und darüm sagte er zum Ertzbischoffe: wan eure Tochter ein solches Freulein ist
/ so habe ich sie lieb / als were sie meine Gemahlin. Sobald die Mutter dieses
vernahm / lief sie eilend auf die Burg ihre Tochter zu hohlen. Und sie brachte
sie in den saal / und stellete sie vor Josefs angesicht. Da geboht ihr der Vater
/ und sagte: Meine Tochter / grüsse deinen Bruder / der alle fremde Frauen hasset
/ gleichwie du alle Männer. Und Assenat neugte sich mit sehr zierlichen und
schaamhaftigen gebährden / und sprach: Gegrüsset sei der Geseegnete des
allerhöchsten Gottes. Darauf antwortete Josef / und sagte: Gott / der alle dinge
lebendig machet / seegene Sie. Und Potifar befahl seiner Tochter ferner / dass
sie den Josef küssen sollte. Aber als sie sich solches zu tuhn näherte; da
strekte Josef seine hand aus / berührete ihre brust /und sagte: Demselben / der
dem lebendigen Gotte dienet / und isset das broht des lebens / und trinket den
trank der unsterbligkeit / geziemet nicht / dass er eine fremde mit seinem munde
berühre. Es geziemet ihm nicht den mund einer solchen zu küssen / welche die
stummen und gehöhrlosen Abgötter küsset / und isset der Götzen broht / und
trinket / aus den bächern der Abgötterei / den trank des todes und der
fünsternüs /und schmieret sich mit öhle der unreinigkeit.
    Als nun Assenat Josefs reden hörete / und sich gleichsam verschmähet sah;
da ward sie von hertzen betrübt. Sie weinete bitterlich. Die trähnen schossen
/als zwee schmertzenströhme / mildiglich aus den augen. Ja es fehlete wenig /
dass sie / vor übermässigen schmertzen / nicht gar in ohnmacht niedersunk. Josef
hatte zwar nicht gern mit dem Frauenzimmer zu tuhn. Kaum gönnete er ihnen / dass
sie ihn ansehen mochten. Er befahrete sich stähts / dass dadurch der spiegel
seiner keuschheit verdunkelt würde. Ja noch weniger lies er zu / dass sie ihn
anrühreten. Dass eine Fraue den Einwohner des Paradieses aus seiner herligkeit
gestossen / lag ihm stähts im sinne. Darüm flohe er den ümgang mit Weibesbildern
/ als eine anstekkende seuche. Gleichwohl bewegte ihn Assenat zum mitleiden. Ihr
betrübtes / doch zugleich allerholdseeligstes und schaamhaftiges wesen zog ihn
zur barmhertzigkeit. Hatte er sich von ihr kurtz zuvor nicht wollen küssen oder
berühren lassen; so rührete er sie itzund selber an. Er legte seine hand auf
ihr heupt / und seegnete sie. Und Assenat erfreuen sich über seinem seegen in
ihrem hertzen dermassen / dass sie vor grossen freuden krank ward. Sie ging hin /
und neugte sich auf ihr bette. Da überdachte sie alle worte des Josefs. Da
beherzigte sie alle seine reden. Diese würkten in ihr ein hertzliches leidwesen
/ eine recht bussfärtige reue. Hertzlich bereuete sie ihr abgöttisches wesen. Von
hertzen war es ihr leid / dass sie bisher den leblosen Abgöttern gedienet. Sie
verleugnete sie alle: und erkannte den wahren lebendigen Gott.
    Unterdessen machte sich Josef fröhlich. Er ass und trank. Und nach gehaltener
tafel / täht er / mit dem Ertzbischoffe / einen lustwandel: da er zugleich die
gelegenheit und fürnehmsten gebeue der Stadt besichtigte. Unter andern besah er
die fürtrefliche Sonnenspitze / welche die allererste war / die man in der
ganzen welt gesehen. Mizraim der erste Egiptische König nach der sündfluht /
hatte dieselbe / auf Hermes Trismegists angeben / zu bauen beschlossen; aber
sein Sohn und Nachsas Mesramutisis volzogen. Dieses geschahe üm das 2213 jahr
nach erschaffung der welt / und vor der heilgebuhrt um das 1840. Vom erfinder
derselben / dem jetzt genenten Hermes /haben die noch heutiges tages in
Deutschland und anderwärts befindliche Irmenseulen oder Hermesseulen ihren
nahmen.
    Weil nun Josef sah / dass diese Sonnenseule aus einem sonderlichen und ganz
ungemeinem Marmelsteine bestund; so fragte er den Ertzbischof: woher dieser
Marmel kähme? Er antwortete: der Erfinder der Sonnenspitzen / mein vorfahr
Hermes Trismegist /oder Tot / wie wir ihn eigendlich nennen / hat ihn aus dem
gebürge gegen der stadt Tebe über brechen lassen: und von dannen wird er noch
itzund zu allen Egiptischen Sonnenspitzen gehohlet. Kein ander wird zu denselben
iemahls gebrauchet / als dieser. Dass aber der Erfinder darzu eben diesen Marmel
erlesen /hat er nicht ohne sonderliche uhrsachen getahn. Er hatte beschlossen
die Feuerspitzen / welche man bisher allein den Menschen zum gedächtnüsse
gebauet /in eine andere gestalt zu verändern / die zu seinem vorsatze geschikter
were. Dieser vorsatz war / dass die Strahlen der Sonne / wie des Feuers durch
jene / hierdurch sollten abgebildet; und ihr / der Sonne selber /solche Spitzen
geheiliget; auch ein sin an denselben /durch eine verborgene Bilderschrift /
entworfen werden. Daher hat er diese neuerfundene Spitzen auch Sonnenspitzen /
oder vielmehr Sonnenfinger genennet: und sie schlänker und gerader in die höhe
führen lassen; damit solche heilige Schrift daran üm so viel besser könnte gelesen
werden. Weil er nun sah / dass die Sonne / der diese Spitzen / wie jene den
Menschen / zu ehren sollten gestiftet sein / ihre herschaft über die vier
Uhrwesen am allermeisten ausübete; so hat er auch / zum baue derselben / einen
vierfärbigen Stein /der das geheimnüs solcher vierfachen Herschaft der Sonne
abbildete / erkohren. Dan dieser Tebische Marmel / desgleichen sonst nirgend
gefunden wird / hat gleichsam zur grundfarbe eine goldgläntzende röhte: welche
bald mit Kristal- oder ametistellen / bald mit aschgrauen oder wasserfärbigen /
bald mit schwartzen flekkern durchschäkkert und eingespränkeit ist. Die gold-
oder feuer-rohte farbe soll das Feuer; die durchscheinenden Kristalflekker die
Lust; die graublauen oder wassergrauen das Wasser; und die schwartzen oder
grauschwartzen die Erde bedeuten.
    Wie gross aber / fragte Josef weiter / und wie hoch werden diese
Sonnenspitzen gemeiniglich aufgeführet; und was wird eigendlich vor ein mass im
aufbaue derselben beobachtet? Die kleinesten Sonnenspitzen /antwortete der
Ertzbischof / seind zehen oder zwölf füsse / die grösten hundert / ja wohl
hundert und vierzig hoch. Auch seind sie nicht alle gleich vierekkicht /das ist
an ihren seiten nicht alle von einerlei breite. Wan eine ihrer vier seiten unten
am grundsatze drei ellen breit ist; so ist die ganze Seule / vom untersten
grundsatze an / bis an den obersten grundsatz der aufgesetzten oder
abgestumpften spitze / dreissig ellen hoch. Und also befindet sie sich allezeit
zehn mahl so hoch / als eine seite des untersten grundsatzes breit ist. Die
seite aber des obersten grundsatzes der abgestumpften spitze ist allemahl üm das
dritte teil schmähler / als die breite an des untersten grundsatzes seite. Darüm
/ wan die seite unten am grundsatze drei ellen breit ist / mus dieselbe unter
dem übersatze der abgestumpften spitze nur eine elle breit; und die höhe der
aufgesetzten oder abgestumpften spitze eben so hoch sein / als die seite des
untersten grundsatzes breit ist. Wie nun diese Sonnenseulen oder Sonnenspitzen
von unten auf bis an den obersten güpfel zwar algemach schlänker und schlänker
werden / aber nicht ganz gerade spitzzu lauffen / sondern oben eine
abgestumpfte spitze bekommen; so lauffen hingegen die Feuerspitzen / oder / wie
man sie von ihrem nachmahligen gebrauche eigendlich nennen kann / die Grabspitzen
von ihrem viel breiterem grundsatze nach oben zu / mit allen ihren ekken und
seiten / in einem ganz geraden lauffe hin / bis in das euserste der spitze. Und
was vor ein unterscheid ist zwischen den Sonnenstrahlen / und Feuerstrahlen; ein
solcher ist auch zwischen den Sonnen- und Feuer- oder Grabspitzen: indem diese
viel plumper und dikker / ja viel schieffer; jene aber viel schmähler /
schlänker / und dünner / ja mehr aufgerichteter zu stehen pflegen.
    Nachdem sich Josef im besichtigen dieser uhralten Stadt / daher alle
Egiptische weisheit entsprungen /und fast alle andere völker sie gehohlet / bei
zwo stunden belustiget; da begab er sich wieder auf das Ertzbischofliche schlos.
Alhier verzog er noch ein halbes stündlein: welches mit allerhand gelehrten
reden zugebracht ward. Darnach nahm er seinen abschied. Der Ertzbischof nöhtigte
ihn zwar bei ihm zu übernachten. Aber so bitseelig konnte er nicht sein. Josef
reisete weg. Gleichwohl verhies er über acht tage wiederzukommen. Seine reise
ging auf die stadt Tanis zu: welche die Ebreer Zoan nennen. Diese hatte Mizraim
ebenmässig erbauet. Auch ward sie nach der zeit der Egiptischen Könige Sitz: da
Moses so viel wunderwerke verrichtete.
    Unterdessen legte Assenat ein schwartzes trauerkleid an: und warf alle
Götzenbilder zum fenster hinaus / welches nach dem mittage zuging. Auch
bestreuete sie ihr heupt mit asche / lag auf den kniehen /fastete / und weinete
sieben tage nacheinander. In aller dieser zeit hörete sie nicht auf zu bähten.
Sie bähtete den lebendigen Gott an / den Gott Josefs. Sie flöhete / sie seufzete
tag und nacht; und lies nicht nach / als bis sie der Höchste erhöret. Sie ward
auch in warheit erhöret: und die herligkeit Gottes erschien ihr.
    Auf den achten tag sah Assenat / in der morgendömmerung / zum fenster
hinaus / nach dem aufgange zu. Da erblikte sie den morgenstern: und neben ihm
täht sich der himmel auf. Plötzlich erschien ein grosses mächtiges Licht. Das
sah sie; und fiel in die asche nieder / auf ihr angesicht. Mitlerweile lies
sich ein Man vom himmel hernieder. Der stund bei ihrem heupte. Er rief sie bei
ihrem nahmen. Aber aus furcht konnte sie nicht antworten. Er rief zum andern
mahle: Assenat / Assenat. Da ermunterte sie sich /und antwortete: Herr hier bin
ich: sage mir / wer du bist? Ich bin ein Fürst / gab er zur antwort / des Hauses
Gottes / und ein Herzog der Heerschaaren des HERrn. Stehe auf / und trit auf
deine füsse; damit ich mit dir rede. Assenat richtete sich auf. Sie sah den Man
an: und er war Josef ganz gleich. Er war eben gekleidet / wie Josef. Eben einen
solchen Reichsstab hatte er in der hand. Eben eine solche Krohne trug er auf dem
heupte. Aber sein angesicht war / als der blitz. Seine augen strahleten / wie
die Sonne. Und seine haare gläntzeten und schimmerten / als feuerflammen.
Assenat erschrak über diesen anblik. Sie fürchtete sich / und fiel wieder auf
ihr angesicht. Der Engel aber tröstete sie / und richtete sie auf. Lege dein
trauerkleid ab / sagte er. Tuhe das gürtel deiner busse weg: und den sak deiner
reue von deinen lenden. Wasche den staub ab von deinem heupte. Reinige dein
angesicht / und deine hände mit dem lebendigen wasser / und lege deinen schmuk
und zierraht an; damit ich mit dir rede.
    Hierauf ging Assenat eilend hin / in ihre kammer. Eilend legte sie ihren
besten schmuk an; und kahm wieder zum Engel. Da befahl ihr der Engel / dass sie
ihr heupt entblössen / und den schleier ablegen sollte. Dan du bist / sagte er /
ein Freulein. Eine Jungfrau bistu. Darüm sei stark / und freue dich / o Jungfrau
Assenat. Dein gebäht ist erhöret. Deine seufzer seind durch die wolken
gedrungen. Dein Nahme stehet schon in das Buch des lebens geschrieben. Daraus
soll et nimmermehr vertilget werden. Von diesem tage an solstu / als eine ganz
erneuerte und lebendig gemachte / das geseegnete Broht des lebens essen / und
den Trank der unvergängligkeit trinken: ja mit dem heiligen öhle solstu gesalbet
werden. Heute ist dir Josef zum Breutigam gegeben. Und hinfort solstu
Vielzuflucht heissen. Dan deine Bussfärtigkeit hat dich bei dem Allerhöchsten
versühnet. Nun hat Er dir seine gnade geschenket. Du bist eine Tochter des
Allerhöchsten / eine fröhliche / eine fort und fort lachende /und eine züchtige
Jungfrau.
    Also war Assenat nunmehr bekleidet mit weissem sammet der Heiligkeit. Sie
war angetahn mit reiner seide der Gottseeligkeit. Im ungefärbtem atlasse der
Keuschheit schimmerte sie / als eine liebliche Lilje. Im purper der
Schaamhaftigkeit blühete sie / als eine anmuhtige Rose. In allen Jungfreulichen
Tugenden grühnete sie / als ein lustiger Lorbeerbaum; und wuchs auf / als eine
herrliche Zeder. Ja sie war volkommen schön / als Sara; ganz holdseelig / als
Rebekka; überaus lieblich / als Rahel. Und in solchem herrlichen schmukke gefiel
sie Gott / und ihrem Breutigam.
    Die freude / welche diese junge Fürstin über solcher fröhlichen bohtschaft
empfand / war unaussprechlich. Auch freuete sie sich in wahrheit nicht ümsonst.
Die höchste gnade des Allerhöchsten war ihr verkündiget. Der Himmel stund ihr
offen: im Buche des lebens ihr nahme: die lebensspeise vor sie bereitet. Die
salbung mit dem Oehle der heiligkeit war ihr versprochen: Josef zum Breutigam
geschenket. Nichts konnte sie mehr wündschen. Sie war in die volle glückseeligkeit
versetzet. Die zeitliche und ewige hatte sie beisammen. Und darüm trug sie
verlangen dessen nahmen zu wissen / der ihr alle diese glückseeligkeit
verkündigte. Sie fragte den Engel / wie er hiesse? Er aber gab zur antwort: mein
Nahme stehet mit dem finger Gottes in das Buch des Allerhöchsten geschrieben;
und alle dinge / die in demselben buche stehen / seind nicht auszusprechen. Auch
ist es keinem sterblichen Menschen nütz solches zu hören /oder zu sehen.
    Hierauf hielt Assenat den Engel bei dem saume seines Rokkes. Ach! sprach sie
/ habe ich gnade für deinen augen gefunden / so setze dich ein wenig auf mein
bette / darauf noch kein Mansbild gesessen. Ich will unterdessen hingehen / und
dir die tafel bereiten. Und der Engel sagte / dass sie es mit der hast tuhn
sollte. Hierauf setzte sie ihm alsobald eine neue tafel vor: und etwas brohtes /
und weines / mit köstlichen gewürtzen / darauf. Der Engel begehrte auch einen
Honigfladen. Und als sie betrübet stund / weil sie keinen hatte: da sagte er /
dass sie in ihrer speisekammer /auf dem anrichttische / zusehen sollte. Als sie
nun hinging zu sehen / da fand sie einen schönen Fladen /vom allerreinesten
honige; der so weis war / als der schnee / und ganz lieblich schmäkte. Diesen
trug sie dem Engel vor / und sagte: Ach! Herr / ich habe ganz keinen Fladen
gehabt: aber mit deinem heiligen munde hastu es gesprochen; und es ist also
geschehen. Darüm ist auch sein geschmak eben so süsse / als der ahtem deines
mundes.
    Der Engel erfreuete sich inzwischen über der Assenat hohem verstande. Auch
hub er seine hand auf /und legte sie auf ihr heupt. Seelig bistu / sagte er / O
Assenat / die du die Abgötter verlassen / und an den lebendigen Gott gegleubet
hast. Darüm solstu / und alle dieselben / die / mit hertzlicher reue / sich zu
dem HERRn bekehren / von diesem Fladen essen; den die Bienen des Paradieses
Gottes von seinen edlen Rosen gemacht haben. Darvon essen alle Engel Gottes: und
alle / die darvon essen / werden in ewigkeit nicht sterben. Und er brach ein
stükke vom Fladen / und ass darvon. Das übrige stekte er in der Assenat mund /und
sagte zu ihr: nun hastu das Broht des lebens gegessen / und bist mit dem Oehle
der heiligkeit gesalbet. Von diesem tage an solstu ganz erneuert und gesund
werden. Du solst eine Hofstat sein aller derselben / welche zum Nahmen des
almächtigen Gottes /des Königes der ewigkeit / ihre zuflucht nehmen. Hierauf
rührete er den Fladen an / da das stükke war abgebrochen: und er ward wieder
ganz. Straks rührete er ihn / mit dem eusersten des fingers / noch einmal an:
und der strich seines fingers ward zu bluhte. Assenat war verwundert / als sie
solches sah. Ja sie verwunderte sich noch vielmehr / als sie gewahr ward / dass
sich ein ganzer schwarm Bienen darinnen bewegte: welche so weis waren / als der
schnee / und flügel hatten / als sammet / mit vielerlei farben. Diese Bienen
flogen alle zusammen üm die junge Fürstin her / und machten einen Honigfladen in
ihrer hand. Endlich geboht ihnen der Engel / dass sie wieder in ihr vaterland
kehren sollten; und sie flogen / nach dem morgen zu / ins Paradies. Darnach
rührete der Engel den Fladen zum driten mahl an: und ein feuer ging von der
tafel auf / welches den Fladen verzehrete; die tafel aber blieb unbeschädiget:
und der rauch dieses feuers roch über alle masse lieblich.
    Bisher war Assenat ganz allein bei dem Engel gewesen. Aber itzund wündschte
sie / dass ihre Stahtsjungfrauen seiner angenehmen Gesellschaft auch geniessen
möchten. Ach! sagte sie / Herr / ich habe sieben Jungfrauen / welche mit mir in
einer nacht geboren / und mit mir auch auferzogen seind. Könte ich doch so
bitseelig sein / dass sie möchten geseegnet werden / gleich als ich. Der Engel
gewährete sie ihrer bitte: und als die Jungfrauen hineingeträhten waren
/seegnete er sie / und sprach: Der allerhöchste Gott seegne euch / und lasse euch
werden zu sieben Seulen der Stat der zuflucht. Hierauf befahl er / dass die tafel
wieder aufgehoben würde: und sobald solches geschehen war / verschwand er vor
ihren augen.
    Nicht wenig verwundert war Assenat. Nicht wenig bestürtzt machte sie diese
begäbnüs. Ihr Frauenzimmer erschrak. Es geriet in eine plötzliche furcht. Furcht
und zittern überfiel sie. Nicht wussten sie / wie ihnen geschahe. Inmittels erhub
sich unversehens ein schal der trompeten. Assenat schikte geschwinde hin zu
vernehmen / was es were. Man brachte bericht /der Schaltkönig sei vor dem tohre.
Straks lief sie hinab. Flugs eilete sie dem Josef entgegen. Er zog eben in den
vorhof ein / als sie ihn erblikte. Sie nahete sich hastig. Sie traht vor den
wagen / und grüssete ihn mit tiefster ehrerbietigkeit. Sie erzehlete ihm alles
/was sich begeben. Sie sagte ihm alle worte des Engels. Nicht eines ward
verschwiegen. Und Josef erwog sie in seinem hertzen. Aber er lies sich nicht
märken / was er bei ihm beschlossen. Er schwieg stil. Doch ermahnte er sie in
ihrer Gottesfurcht zu verharren.
    Nach gehaltenem mittagsmahle brach Josef eilend auf / und zog wieder nach
Memfis. Unterwegens begegnete ihm die Königliche Fürstin Nitokris. Diese reisete
nach Heliopel / die Assenat zu besuchen. Beide Stahtswagen hielten stil. Josef
stieg ab / und ging nach der Fürstin zu / seine schuldigkeit abzulegen. Nach
geschehenen grüssen / fragte sie zur stunde: ob er die Fürstin Assenat gesehen?
und wie es ihr ginge? Eben diesen morgen / gab er zur antwort /habe ich die ehre
gehabt sie zu sprechen: und ich weis nicht anders / als dass es ihr wohl geht.
Das hat er vor ein grosses Glück zu schätzen / fing die Fürstin hierauf an: dann
sie zu sprechen ist keinem Herrn iemahls widerfahren. Es ist ein sehr guhtes
zeichen /und ein vorspiel / dass er derselbe Fremdling sein wird / der in ihren
armen schlafen soll. Ja er ist es selber /auf den der Göttliche Ausspruch schon
vor zwanzig jahren gezielet. Nun sehe ich desselben erfüllung vor der tühre. Ja
nun stehet es allein bei ihm / dass er ihr bald die tühre eröfne. Bei ihm allein
stehet es / uns einen fröhlichen tag zu machen. Darüm was er tuhn will / dass tuhe
er bald. Mich selber verlanget darnach.
    Ich märke wohl / antwortete Josef / dass die Königliche Fürstin mit ihrem
diener zu schertzen gesonnen. Ich schertze keinesweges / fiel ihm Nitokris in
die rede. Es ist mein lauter ernst. Und schon vor zehen oder zwölf jahren habe
ich die gedanken gehabt / dass er derselbe sei / der künftig der Fürstin Assenat
sollte vermählet werden. Und hierzu hat mich veruhrsachet die Aussprache der
Götter / die er dazumahl selber erklährete. Ja die drei Treume / die er / auf
mein ansuchen / gedeutet / haben mich darinnen bekräftiget. Alles ist nunmehr
erfüllet / bis auf dis einige / dass er in der schönen Assenat armen ruhen soll.
Er untersuche die sache selber. Er denke ihr selber nach. Ich weis / er wird
es anders nicht befinden. Und keine andere / als die liebseelige Assenat / ist
dieselbe Fürstin / der zu liebe ich ihm alle die gunst erwiesen / die er iemahls
von mir genossen. Sie ist dieselbe / die ich meinte / als ich neulich im
Burggarten mit ihm redete. Mehr weis ich nun nichts zu sagen / als ihm und ihr
Glück zu wündschen. Und hiermit nahm sie plötzlich ihren abscheid / damit sie vor
abende nach Heliopel gelangen möchte.
    Als nun Josef zu Memfis angelanget / da begab er sich straks zum Könige.
Erstlich erzehlte er ihm / was er verrichtet. Darnach täht er etliche vorschläge
/ wie man das Getreidich / in den schon angefangenen reichen jahren / sollte zum
vorraht einsamlen. Delta oder Unter-Egipten hatte er nunmehr meist besichtiget.
Dieser Nordwinkel bestund fürnehmlich in drei teilen. Darüm war er gesonnen auch
drei Kornverwalter alda zu verordnen. Hierzu schlug er den Sohn des Kaufmannes /
bei dem er gewohnet / eh er zu Fürst Potifarn kahm / und dann zween seiner
gewesenen Mitgefangenen vor. Auch sollten ihnen noch fünf andere Unterverwalter
zugefüget werden. Diese alle wählete er aus den besten und treuesten / die ihm
bekant waren. Sonderlich sah er auf dieselben / von denen er ehmahls guhtes
genossen. Und solche beförderte er vor allen andern / wozu sie geschikt waren.
So dankbar war sein hertz / dass er nicht eines vergass. Der König lies ihm alles
gefallen. Was er taht / war wohl getahn. Was er sagte / das galt. Er setzte ein
/ er setzte ab /nach eigener wilkühr. Alles stund in seiner macht.
    Nach abgehandelten Reichsgeschäften / kahm Josef endlich auf seine eigene.
Er hatte nunmehr beinahe das dreissigste jahr überschritten. Auch sollte er nun
seine eigene haus- oder hof-haltung führen. Darzu war ihm eine Gehülfin nöhtig.
Es war zeit zur heurraht zu schreiten. Die gelegenheit boht sich selber an.
Die Fürstin Assenat schien darzu von Gott versehen. Ihr einundzwanzigstes jahr
hatte sie erreichet. Ob sie schon keine Ebreerin war / so war sie doch den
Ebreischen Töchtern gleich. Zudem hatte sie / aus Göttlichem antriebe / den
Ebreischen Gottesdienst ümhälset. Ja es schien / als wan sie zu Josefs Gemahlin
geboren. Es schien / als wan sie darzu albereit in ihrer gebuhrt erkohren. Es
schien / dass sie darzu so sonderlich erzogen. Kein Frauenzimmer fand sich im
ganzen Egipten / das sich zum Josef so wohl schikte / als Assenat. Keine stund
ihm so wohl an /als sie. Und also entschlos er sich den König selber darüm
anzusprechen. Er wartete nicht lange. Straks täht er ihm seinen schlus kund.
Straks brachte er sein begehren an. Zur stunde ward es gebilliget: ohne verzug
bewilliget. Der König schikte flugs hin / die Fürstin Assenat selber zu
hohlen. Er befahl den Ertzbischof / samt seiner Gemahlin / mitzubringen. Eilend
sollten sie kommen. Der wille des Königes litte keinen verzug. Er verlangte fast
mehr diese neue Braut zu sehen / als Josef selber.
    Mitlerweile hatte die Königliche Fürstin den weg glat gebahnet. Sie hatte
der schönen Assenat des Josefs herkommen entdekt. Sie hatte ihr alle seine
glücksfälle geoffenbahret. Sie hatte ihr der Semesse Traum / samt dem ihrigen /
erzählt. Alle erklährungen / alle gedanken / die sie darüber gehabt /hatte sie
ihr eröfnet Nichts / ja gar nichts hatte sie ihr verschwiegen. Und also sah
Assenat augenscheinlich / dass der Himmel sie schon vorlängst zur Gemahlin des
Josefs bestimmet. Ja ausser dem / was ihr der Engel geoffenbahret / sah sie aus
diesen erzehlungen / dass die zeit ihrer vermählung vor handen. Darüm dankte sie
dem Himmel für seine so treue vorsorge. Darüm machte sie sich ie mehr und mehr
bereit / ihr verhingenes Glück dankbarlich anzunehmen.
    Als nun die Königlichen Abgefärtigten ankahmen /die Assenat / samt ihrem
Herrn Vater und ihrer Frau Mutter / zu hohlen; da muhtmassete sie zur stunde /dass
der Allerhöchste seinen schlus über sie zu volziehen vorhette. Sie konnte anders
nicht tuhn / als die Göttliche schikkung annehmen / und dem Königlichen befehle
gehorchen. Sie zog alsobald mit. Des morgens sehr früh brach man auf. Die
Königlichen Abgeordneten / als auch der Ertzbischof / samt seiner Gemahlin /
fuhren voraus. Die Fürstin Assenat folgete. Bei ihr sass die Königliche Fürstin
Nitokris. Straks hinter diesen zwo Fürstinnen kahm Semesse /mit den sieben
Stahtsjungfrauen der Assenat / auf vier sonderlichen kutschen. Eben so viel
kutschen hatten auch die Kammermägdlein. Eine schöne reiterei von drei hundert
köpfen machte den nachschwalk.
    Sobald sie bei Hofe angelangten / ward der Ertzbischof / samt seiner
Gemahlin und Freulein Tochter / vor den König geführet. Dieser empfing sie
überaus freundlich / sonderlich die Fürstin Assenat: die er anders nicht / als
seine Tochter / nennete. Nach abgelegten wenigen höfligkeiten / redete er den
Ertzbischof also an: Ich habe gegenwärtige seine Tochter / sobald sie geboren
war / vor meine und des Reichs Tochter angenommen. Und darüm bin ich
verpflichtet / sie zu versorgen. Ich bin verbunden / auf ihre wohlfahrt bedache
zu sein. Besser aber kann und weis ich solches nicht zu tuhn / als durch eine
guhte vermählung. Des Egiptischen Reichs Schaltkönig Josef / den ich gleichmässig
vor meinen Sohn erkenne / träget belieben zu ihr. Und daher bin ich hertzlich
erfreuet. Auch wündschet nun mein hertz nichts mehr / als dass ihr belieben mit
dem seinigen übereinstimme. Ja ich hofe gewis / ihr Ja werde dem seinigen
begegnen. Und in solcher hofnung / bin ich bereit /Sie mit Ihm zu vermählen. Aus
meiner hand soll Er Sie / als meine eigene Tochter / empfangen. Ich will /dass sie
meine untertahnen vor ihre Schaltkönigin erkennen. Und mit diesem meinem willen
/ zweifle ich nicht / werde sich der wille ihrer leiblichen Eltern vereinbahren.
    Der Ertzbischof bedankte sich gegen den König zum alleruntertähnigsten. Er
bedankte sich vor die hohe Königliche gnade; vor die treue Väterliche vorsorge;
ja vor das allergühtigste hertz / das er seinem ganzen Hause zuzutragen so gar
gnädig geruhete. Auch übergab er ihm seine Tochter ganz und gar /mit ihr / nach
seinem allergnädigsten willen / zu walten und zu schalten. Hierauf wendete sich
der König nach der Fürstin Assenat zu. Meine Tochter / sagte er / ich habe das
guhte vertrauen zu ihr / es werde meine gefaste hofnung auf ihrer seine nicht
vergebens sein. Weil nun das Freulein / mit schaamhaftigen blikken / die augen
niederschlug / und keine antwort gab; so fragte der König: wessen habe ich mich
dann nun zu meiner Tochter zu versehen? Mein dankbahres hertz / antwortete sie /
habe ich Seiner Majestäht schon vorlängst / in alleruntertähnigster gehorsamkeit
/ zu eigen gegeben; und eben also übergebe ichs itzund aufs neue. So will dann
meine Tochter /fuhr der König fort / dass ich Sie mit dem Schaltkönige vermähle?
Mein wille hat hier keine wahl / gab Assenat zur antwort; weil er dem willen
Seiner Majestäht ganz untergeben ist / so dass er auch Seinem winke gehorchen
mus. Gehorchen mus / fing der König das wort auf: das ist mein wille nicht.
Sondern ich will / dass sie willig / und nicht gezwungen ihr Jawort von sich gebe.
Wie es der allerhöchste Gott schikket / fuhr das Freulein weiter fort / und es
der König mittelt / damit bin ich zu frieden. Beides nehme ich willig an; weil
ich wohl weis / dass es zu meinem aufnehmen gereichet. Wie sollte ich der
Göttlichen schikkung / und dem Königlichen willen / die beide so guht seind /
widerstreben? Es sei ferne von mir auch nur die gedanken zu haben.
    Weil nun der König sah / dass Assenat von seinem vorschlage nicht abgeneugt
were; so lies er den Schaltkönig hohlen. Dieser erschien alsobald. Sehr
freundlich empfing er seinen künftigen Vater / seine künftige Mutter / seine
künftige Gemahlin. Auf allen seiten offenbahrte sich die freude. Die liebe / die
sich bisher verborgen gehalten / euserte sich itzund mit voller kraft. Josef
selber konnte sie nicht länger verhehlen. Man erblikte sie aus allen seinen
gebährden. Alle seine worte gaben sie genug zu verstehen. Es war mit lust
anzusehen / wie er der Assenat so liebseelig begegnete: und sie wieder ihn so
holdseelig anblikte. Der König märkte / dass seine gegenwart die liebe /sich
recht zu eusern / verhinderte. Darüm sagte er zum Ertzbischoffe: dass er gesonnen
sei ein lust gänglein im Burggarten zu tuhn; und wan es ihm beliebte /so könnte
er ihm / mit seiner Gemahlin / Gesellschaft leisten. Hierauf ging er straks nach
der tühre zu / und der Ertzbischof / samt seiner Gemahlin / folgete. Josef nahm
die Assenat bei der hand / in willens die Gesellschaft mit zu halten. Aber der
König winkte ihm / dass er bleiben sollte. Wir drei / sagte er / haben etwas
heimlichs miteinander zu reden / dass sie beide nicht wissen sollen. Und
vielleicht wollen sie zwei dergleichen tuhn / da der dritte zu viel ist. Darüm
können sie hier allein bleiben: und wir wollen auch allein unsern lustwandel
verrichten. Bald wird es zeit sein das abendmahl zu halten. Dan wollen wir
wiederkommen / und uns miteinander ergetzen.
    Also blieb Josef mit der Fürstin Assenat im Königlichen zimmer. Die
gespräche / die sie in geheim hielten / wollen wir nicht offenbahren. Was alhier
unter der Rose geredet worden / gebühret uns nicht nachzuschwatzen. Doch wollen
wir dieses sagen / dass der unterliche liebesvergleich in einem stündlein
volkömlich getroffen worden. Dan sobald der König /mit seiner Gesellschaft /
wiederkahm / und lächlende fragte: ob sie nunmehr eins weren? da gab ihm Josef
zur anwort: Eins ist in alwege besser / als zwei. Darüm haben wir uns bemühet /
dieses zwei in Eins zu bringen. Und das ist auch glücklich geschehen. O eine
himlische rechenkunst / die aus zweien Eins machet! rief der König überlaut.
Lange müsse dieses Eins währen! Lange müsse diese Vereinigung tauren! Lange
müsse dieses vereinbahrte Paar leben! Der Himmel müsse es seegnen! Ihm müsse
kein böses begegnen! Alles müsse zum besten gedeien.
    Wie nun solche Vereinigung in geheim geschlossen war; so ward sie noch
diesen abend / in gegenwart des Königes / der Königin / und beider
hochfürstlichen Eltern des Freuleins Assenat / ja des ganzen Königlichen
Frauenzimmers / und aller Hofbedienten /durch ein öffentliches Verlöbnüs
volzogen. Und also bekahm Josef seines gewesenen Herrn Tochter zur Gemahlin; und
mit ihr / zum Brautschatze / sechzig tausend güldene krohnen. So herrlich ward
ihm seine Tugend belohnet / so reichlich seine Keuschheit vergolten. Ja so
köstliche / so fürtrefliche / so schöne früchte trug ihm seine Gottesfurcht.
Assenat war die schönste / die Tugendvolkomneste / und / nächst der Königlichen
Fürstin Nitokris / die allerfürnehmste junge Fürstin des ganzen Egiptens. Eine
so fürtrefliche Braut ward dem Josef zu teile. Ein so edeler schatz musste die
bitterkeit seines gelittenen elendes versüssen. Aus dem Hause / da man ihm die
meiste schmaach zugefüget / ward er mit ehren gekröhnet /mit freuden erfüllet /
mit wohllust gesättiget. Jederman war / mit ihm / erfreuet. Jederman wündschte
den neuen Breuten Glück. Unter dem getöhne der klingspiele / unter dem schalle
der trompeten / erhub sich /durch den ganzen saal / ein fröhlicher zuruf. Und
dieser währete so lange / bis die spähte nacht sie zu scheiden nöhtigte.
    Auf den morgen ward der tag zum Beilager bestimmet. Inzwischen sollte alles
darzu auf des Königes kosten / färtig gemacht werden. Inzwischen wollte Josef das
Ober- und Mittel-Egipten durchreisen. Alda wollte er gleich also / wie er im
Unter-Egipten getahn / zur einsamlung des getreidichs anstalt machen. Nach
dieser Entschliessung begab sich der Ertzbischof /samt seiner gemahlin und
Freulein Tochter / wieder nach Heliopel. Der Schaltkönig begleitete sie: und als
man daselber angelanget / besah er zugleich die heilige Sonnenburg / die
zwanzigjährige wohnung der schönen Assenat.
    Diese Burg lag recht vor dem Ertzbischoflichen Schloss / rundherüm mit
Lust-Baum- und andern gärten / als auch einer starken und hohen mauer ümgeben.
Zwei tohre gingen in den hof des gemelten Schlosses / und eben so viel nach der
stadt zu: jene gegen morgen und mittag / diese gegen abend und mitternacht. Auf
der Morgenseite lag der Lustgarten: auf der mittagsseite der Baumgarten: auf der
abendseite der Küchengarten; und auf der nordseite der Tiergarten. Der
Lustgarten war mit vielerhand bluhmen und andern fremden gewächsen bepflantzet.
Hier schimmerten die Rosen. Hier blinkten die Liljen. Hier lachten die Narzissen
und Hiazinten. Hier blüheten die Tatuhrstauden / und das wohlriechende
Moschkraut. Hier grühneten die heiligen Kreuter und pflantzen; die Seewärmuht /
das Efeu: die heiligen stauden und beume; der Rundbaum / der Lorbeerbaum / der
Magenbaum / und andere dergleichen. Hier wuchs das Knabenkraut / die Hertzwurtz
/ der Augentrost / das Zahnkraut; derer euserliche gestalt ihre innerliche kraft
und würkung anzeigete. Hier stund auch das wunderseltzame Surnag; dessen
wurtzeln / durch ihre entjungfernde manskraft / das zahrte Frauenzimmer
verscheuchet. Von den andern beumen / stauden / pflantzen / kreutern und bluhmen
/ die sich alhier befanden / wollen wir nichts melden.
    Der Baumgarten war mit vielerhand Beumen reihenweise besetzet. Diese alle
stunden schnuhrgerade /in unterschiedlichen schichten: in der ersten /
Goldäpfelbeume / Zitronenbeume / Granahtäpfelbeume / Feigenbeume; in der zweiten
/ Zipressenbeume / Mirtenbeume / Sant- oder Hartzbeume / Karneb- oder Horn-beume
/ daran das Johannesbroht wächset; in der dritten / die Musenbeume / die
Wollenbeume / Atlenbeume / Lablab-oder Bonenbeume / Alkannen; in der vierden /
Schwartze Zimmet- oder Schohtenbeume / Sebesten- oder / Brustbeeren-beume /
Dattelnbeume /derer mänlein man mit den weiblein aneinander geflochten /
Tamarinden- oder Sonnenbeume / Balsambeume / und so fort.
    Der Küchengarten war mit allerhand Egiptischen Kohl-muss- und andern
Küchen-kreutern beflantzet: welche man so wohl roh / als gekocht / und
eingemacht zur speise gebrauchte. Hier wuchsen die berühmten Egiptischen Bohnen.
Hier stund das Egiptische Pappelnkraut oder Bammia: dessen vielekkichte
flaschenfrucht ein angenehmes essen verschafte. Sonderlich befand sich alhier
der Egiptische Kohl in grosser mänge: dessen vertust die Kinder Israels in der
Wüste mit schmertzen bejammerten. Darzu kahmen allerhand ahrten der Melonen /
und eine grosse anzahl kreuter / und anderer früchte / die man alle zur speise zu
nützen pflegte.
    Der Tiergarten war mit allerhand Egiptischen geheiligten Tieren versehen;
welche sie als Götter zu ehren pflegten: als Krokodillen / Katzen / Hunde /
Bökke / Widder / Bähre / Wölfe / Leuen / und dergleichen. Sonderlich aber ward
alhier der Götzen / ochse / der schwartz war und weis geflekkert / in einem
stalle sehr heilig gehalten: als auch der Babian / der dem Abgotte Serapis
geheiliget / und zur erfindung des Wasseruhrs anlass gegeben. Gleichesfals sah
man alda / in einem Vogelhause / mancherlei Egiptische geheiligte Vogel; als den
Habicht / den Eib oder Egiptischen Storch / den Adler / den Sonnenvogel / und
dergleichen mehr. Im vorhofe stund auf der rechten hand ein Springbrun
lebendiges wassers /welches in einen grossen steinernen trog geschossen kahm.
Hiermit pflegte man die gärte zu wässern / auf das ihre gewächse bekleiben
möchten.
    Mitten in diesem weiten ümfange lag die Burg selber / mit zehen grossen
zimmern und sählern versehen. Im ersten hatten die algemeinen Egiptischen
güldenen und silbernen Abgötter / denen die Fürstin Assenat täglich gedienet /
gestanden. Der bodem war mit glatten vierekkichten marmelstükken belegt; die
mauren rund herüm mit edlen steinen geschmükt; und die seulen von lauterem
golde. Im andern ward der Fürstin Kleiderschmuk / Geschmeide / Tafelzierraht
/Gold- und silber-werk / samt den Prunktüchern / verwahret. Im dritten hatten
sich allerhand Götzen des Landes befunden; da die Fürstin ihr gebäht täglich
verrichtet. Im vierden / welches sehr gross / und mit drei grossen fenstern nach
dem morgen / mittage / und mitternacht zu versehn war / wohnete die Fürstin
Assenat selber. Hierinnen stund ein ganz güldenes bette / mit sammet / und
allerhand seidenem zeuge gezieret. In den übrigen gemächern befand sich der
Assenat Frauenzimmer. Diese alle waren mit köstlichen prunktüchern behangen /
und mit anderem schmukke überflüssig versehen.
    Als nun Josef alhier alles besehen / und sich / mit seiner Assenat / ein
wenig ergetzt hatte; da nahm er seinen abschied / die Länder durchzureisen. Der
Ertzbischof begleitete ihn bis an den Sonnenbrun /der nicht weit von Heliopel
gelegen. Diesen brunnen halten etliche vor denselben / in dessen wasser die
Jungfraumutter Marie des Kindleins Jesus wündeln gewaschen / als sie nach der
zeit / mit ihm / vor dem Könige Herodes in Egipten geflohen / und sich in dieser
gegend verborgen gehalten. Auch zeigt man noch itzund alda / bei dem Flekken
Matarea / einen alten Egiptischen Feigenbaum / welcher hohl und auf der einen
seite voneinander geborsten. In diesem Baume soll sich gemelte Jungfrau Marie /
mit dem Heilkinde / vor ihren verfolgern einige tage lang verborgen haben.
Etliche fügen hinzu / dass gemelter Feigenbaum eben dazumahl voneinander
geborsten; und als die Mutter / mit dem Kindlein / sich darein verstekt gehabt /
wieder zusammengeschlossen worden /so lange bis die verfolger vorbei gewesen: da
er sich aufs neue geöfnet / und mit solcher öfnung bis aus den heutigen tag
stehen geblieben.
    Und also besichtigte Josef zum allerersten diese schöne gegend des landes
Gessen; die er nachmahls vor seinen Vater und seine Brüder / sie zu bewohnen
/erlesen. Hierauf reisete er nach Bubast: da der götzendienst der Katzen und
Hunde fürnehmlich im schwange. Bei den Ebreern heisset es Pileset; bei den
itzigen Egiptern Azut oder Aziot. Nach dieser stadt zu warden ehmahls alle
Katzen / die in Egipten starben / eingesaltzen geschikt; und alda / gleichwie
die Habichte zu Butis / mit heiligen geprängen begraben. Von dannen ging die
reise ferner fort in die andern städte des Mittel-Egiptens. Endlich zog er auch
in das Ober-Egipten; dessen hauptstadt das prächtige Tebe / der nachmahlige
Königliche sitz / war. Diese Stadt ist ehmahls so gewaltig gross gewesen / dass
sie mit hundert tohren geprahlet. Als er nun alles besichtiget / und überal
anstalt gemacht das getreidich einzusamlen / auch hierzu königliche Kornheuser
zu bauen befohlen; da begab er sich wieder nach Memfis.
    Acht tage vor der bestimmten zeit des Beilagers kahm Josef in dieser
königlichen stadt an. Eben hatte sich die Fürstin Assenat alda auch eingefunden
/ die Königliche Fürstin zu besuchen. Eben stunden diese beide Fürstinnen im
fenster / als der Schaltkönig zum Burgtohre hineinfuhr. Niemand war froher / als
Assenat / da sie ihren Breutigam erblikte. Kaum konnte sie sich halten / dass sie
ihm nicht straks entgegen lief. Kaum konnte sie so lange warten / bis er selber
kahm seine schuldigkeit bei seiner Braut abzulegen. Das Glück wollte beiden so
wohl / dass der König eben vor die stadt geritten. Und also gab dessen abwesen
ihnen gelegenheit einander üm so viel eher wilkommen zu heissen. Dieses geschahe
mit den höchsten freudenbezeugungen. Niemahls hat die Morgensonne den Erdkreus
lieblicher gegrüsset / als beiderseits grüsse waren. Die holdseeligen reden / die
anmuhtigen blikke spieleten durcheinander. Diese zeigeten an /was jene nicht
durften. Die freudigen bewegungen des hertzens euserten sich durch die augen /
die eignen werkzeuge der Liebe. War die zunge blöde / so waren diese des
zukühner.
    Mitlerweile kahm der König an. Unversehens überraschete er dieses liebe
Paar. Unvermuhtlich traht er zum zimmer hinein. Zur stunde ward ein
stilschweigen. Josef eilete ihm straks entgegen / die Königliche hand zu küssen.
Da veränderte sich der schertz in ernst; der liebeshandel in stahtsgeschäfte.
Der Schaltkönig erzehlte den verlauf seiner reise. Seine verrichtungen täht er
kund. Der König billigte sie alle. Alles / was Josef angeordnet / gefiel ihm
über die masse. Die Kornverwalter waren nunmehr durch das ganze Egipten
bestellet. Hierüber sollten auch Oberaufseher verordnet werden. Derer sieben /
vermeinte Josef /würden genug sein. Nähmlich drei im Ober-Egipten; und so viel
im Unter-Egipten; aber im Mittel-Egipten nur einer; weil er alda selber
zugegen / und neben diesem die aufsicht zu haben vermöchte. Die wahl dieser
sieben hohen Beamten übergab er dem Könige: und der König ihm wieder. Darbei
blieb es. Auf dem Schaltkönige sollte alles beruhen. Alle sollten ihre ämter und
befehle nur aus Josefs hand empfangen.
    Weil nun des Königes wille war / das Josef alles allein nach seinem eigenen
guhtdünken / bestellen sollte; so machte er seinen eigenen Hofmeister zum
Oberaufseher im Mittel-Egipten. Die übrigen sochse wählete er / auf erleubnüs
des Königes / aus den Königlichen Höflingen. Diese alle waren aus dem
fürnehmsten Egiptischem Adel entsprossen / und darbei noch unverehligt. Nach
geschehener wahl / baht Josef den König ihm zu erleuben / dass er auf den abend
seine Braut / samt ihrem Frauenzimmer / und den erwehlten Oberaufsehern / im
königlichen Lustgarten bewürten möchte. Alles ward ihm zugestanden; und darzu
dem Küchenmeister befohlen / dass er solches Mahl auf das herrlichste zurichten
liesse. Hierauf ging der König zu seiner Gemahlin / den Josef bei seiner
Liebsten allein zu lassen. Auch ward gemelten sechs Höflingen angesagt; dass sie
diesen abend des Schaltköniges gäste sein sollten; und über eine stunde in der
Fürstin Assenat zimmer sich einfinden. Diese / welche von ihren neuen
Bestallungen noch nichts wüsten / waren überaus verwundert. Sie konten ihnen
nicht einbilden / woher ihnen solche ehre kähme.
    Nach verlauf der angesagten zeit erschienen die eingeladenen / auf das
prächtigste gekleidet. Der Schaltkönig empfing sie alle sehr freundlich. Auch
zeigete er ihnen alsobald an / mit was vor Bestallungen er sie versehen. Sie
bedankten sich auf das untertähnigste vor solche so hohe gnade. Einieder gelobte
mit mund und hertzen an / seinem befehle getreulich nachzukommen. Der Fürstin
Assenat sieben Stahts jungfrauen kahmen eben zum zimmer hinein geträhten / die
Fürstin zur tafel zu begleiten. Und hiermit erhub sich der Schaltkönig / und
nahm seine Liebste bei der hand. Auch befahl er seinem Hofmeister / und den
andern sechs Oberaufsehern dergleichen zu tuhn. Einieder sollte vor sich eine
Jungfrau erwählen; und also gepaaret ihm folgen. Sobald sie in den garten
gelanget / lies sich Josef / mit seiner Braut / bei der tafel nieder: und die
gäste folgeten ihm / wie sie gegangen / zu paaren. Jederman war fröhlich. Josef
selber hatte seine sonderliche lust an dieser bunten reihe. Er fragte das
Frauenzimmer: ob ihnen diese gepaarte Gesellschaft nicht besser anstünde / als
ihr bisher geführtes einsames leben? Termuhtis / darzu sich sein Hofmeister
gesellet / gab offenhertzig zur antwort: sie wündschte vor ihr teil so gepaaret
zu bleiben. Sie soll es auch bleiben / fing ihr Josef das wort auf: und ich
zweifle nicht / es werde ihrem gatten eben also belieben. Es kann mir nichts
besser belieben / fing der Hofmeister hierauf an: und ich bin mit meiner gattin
mehr als wohl zu frieden. Hierauf riefen sie beiden alle glückzu: und der
Schaltkönig fragte die übrigen / ob sie auch also gesonnen? Weil nun keine von
den Jungfrauen einige antwort gab; so antworteten endlich die sechs Höflinge
alle zugleich / sie wündschten nichts liebers / als fort und fort so gegattet zu
leben: auch fügten sie hinzu / dass sie nicht zweifelten / ihre gattinnen würden
dergleichen wündschen; weil sie ihr ja mit stilschweigen andeuteten.
    Alle diese sieben Jungfrauen waren aus der masse schön. Sie waren alle aus
den fürtreflichsten Adlichen geschlechtern entsprossen. Und wie sie der
schönheit / und dem stande / alle gleich waren / so waren sie es auch in der
schönheit. Keine hatte sich weder hier /noch dar einigen vorzug anzumassen: so
gleichmässig jung / schön / und edel waren sie alle. Und eben darüm war einieder
gatte mit seiner gewehlten gattin über die masse vergnüget. Keiner misgönnete dem
andern sein teil. Einieder bildete ihm ein / er hette die schönste gewehlet. Der
Schaltkönig sprach endlich das letzte wort aus. Weil ich dann sehe / sagte er /
dass sie sämtlich gepaaret sein / und bleiben wollen; so wündsche ich ihnen allen
den himlischen seegen. Ja ich will / dass mein trautag ihr trautag sei. Ich will /
dass meine freude die ihrige vermehre. Das will ich; damit meine lust üm so viel
volkommener sei / wan ich / mit meiner traue / die ihrige volziehen sehe.
    Mitlerweile war der ruf von diesem neuen Liebeshandel vor des Königes ohren
gelanget. Er sass noch /über der tafel. Aber aus neugierigkeit / solche gepaarte
sieben in ihrer vollen lust zu sehen / stund er eher auf / als er gewohnet.
Unvermuhtlich traht er in den garten. Die Königin hatte er an der rechten / und
die Königliche Fürstin an der linken hand. Also nahete er der Sommerlaube /
darunter alle diese Breute sassen. Eben waren sie in ihrer besten lust / als er
sie überraschete. Zur stunde bewegte sich alles. Allesamt stunden sie auf / des
Königes gegenwart zu ehren. Der Schaltkönig Josef und die Fürstin Assenat
trahten von ihrer stelle / dem Könige sie zu übergeben. Aber er winkte ihnen /
dass sie bleiben sollten. Wir kommen nicht / sagte er / sie in ihrer lust zu
stöhren; sondern den neuen Breuten Glück zu wündschen. Auf diese worte neugten
sie sich alle mit tiefster ehrerbietigkeit. Mein Hof / fuhr der König fort / hat
heute von grossem glück zu sagen; weil er sechzehen Breute beieinander schauet.
Das ist nie erhöhret / so lange diese Burg gestanden. Aber woher komt uns ein so
plötzliches und so seltenes Glück? Ohne zweifel haben wir es der Fürstin Assenat
zu danken. Hiermit ging er von ihnen / nach dem hintersten ende des gartens zu;
damit er sie in ihrer freude nicht stöhrete.
    Unterdessen setzten sich alle diese Verlobten noch einen augenblik nieder.
Nicht mehr als einmal ward herüm getrunken / und dem Frauenzimmer noch etwas
vom nachtische vorgedienet. Darnach erhub sich der Schaltkönig / mit der Fürstin
/ So tähten auch alle seine Gäste. Er nahm seine Liebste bei der hand / sich zum
Könige zu begeben: und die neuen Oberaufseher / samt ihren Breuten / folgeten
ihm nach. Also gingen sie gepaaret nach hinten zu; da der könig / samt seiner
Gemahlin und Freulein Tochter / unter einem laubergange sass. Alda ersetzten sie
sich mit allerhand kurtzweiligen gesprächen. Allerhand schertzreden fielen vor.
Allerhand lustspiele warden begonnen. Aber Niemand schien lustiger zu sein / als
der König. Er schertzte fort und fort. Fort und fort erwähnte er des
unvermuhteten glückkes / das heute seinem Hofe zugestossen. Dieser abend / sagte
er / sei würdig / dass ihn der höchste der Götter auf seiner Amme fel mit
güldenen buchstaben anzeichnete; dass dessen gedächtnüs im himlischen
Ertzschreine verwahret würde.
    Es war nunmehr sehr späte. Es nachtete auf dem ganzen obersten weltkreuse.
Der fünstere schatten hatte die helfte der erdkugel ümgeben. Doch machten ihn
die fünkelnden sterne liechte. Der aufgehende mohn zertrieb ihn. Der Kanohpstern
schimmerte von ferne. Er winkte durch die stille luft den Verliebten ein zeichen
zu geben / dass sie scheiden sollten. Es war hohe zeit die nachtruhe zu nehmen /
und die ermüdeten glieder / durch den schlaf / zu erfrischen. Der König begab
sich endlich aus dem garten. Die ganze Gesellschaft folgete bis vor der Königin
zimmer. Alda geseegnete sie der König. Bei der Fürstin Assenat schieden sie
zuletzt alle voneinander. Einieder ging an seinen ort / und begab sich
wohlvergnüget zur ruhe.
    Auf den andern tag bekahm Josef lust die nächstgelegenen Grabspitzen zu
besichtigen. Der König selbst zog mit. Die Königin / samt dem ganzen
Königlichen Frauenzimmer / folgete. Die Fürstin Assenat hielt ihnen Gesellschaft.
Der erste zug ging auf die zwo ältesten zu: welche Schur / Schahaluaks Sohn /vor
der Sündfluht / auf der abendseite des Niels gebauet. Andere melden / dass Enoch
die eine gestiftet: und darein alle seine gühter / und bücher / auch was er
sonst köstliches gehabt / geschaffet; weil er gewust / dass die Erde / mit
wasserfluhten / kurtzkünftig überschwämmet werden sollte. Eine iede dieser Grab-
oder Feuer-spitzen war vierekkicht / ganz glat / und drei hundert und
siebenzehen ellen hoch / auch vierhundert und sechzig auf allen vier seiten
breit. Man hatte sie so stark / so fürsichtig / und so auf die währe gebauet /
dass sie weder vom erdböben / noch von den heftigsten sturmwinden den geringsten
schaden leiden konten. Alle und iede steine / damit man sie in die höhe geführet
/ waren zwo ellen hoch / und fünfe lang. Inwändig befanden sich sieben gemächer:
welche man nach den sieben Schweifsternen genennet. In ieden gemache stund ein
güldener Götze. Der eine wiese mit der hand nach dem munde / und hielt ein buch
vor der stirne. Wan iemand nach ihm zutraht / täht er den mund auf. In diesem
lag ein schlüssel an einer kette. Die ostliche Grabspitze sollte König Schurids /
die westliche seines Bruders Hugits begräbnüs sein. Aber die Sabeer melden / dass
in der einen Agatemon / das ist Set / und in der andern Hermes / das ist Enoch /
und Elmalum / mit dem Zab / des Hermes Sohne / begraben sei.
    Hierauf besah man auch die Grabspitzen und Grabhöhlen auf der morgenseite
des Niels / vor der stadt Memfis. Alda befand sich der grund weit und breit
ganz steinicht und felsicht; wiewohl er mit sande andertalben fuss hoch bedekt
war. In und durch diesen steinichten grund hin waren die Grabhöhlen /mit ihren
untererdischen gängen / gehauen: und auf demselben stunden die ungeheuer-grossen
gewaltigen Grabspitzen. Diese waren nicht aus steinen des grundes / darauf sie
stunden / gebauet; sondern aus andern / die man von anderwärts her / mit grosser
mühe /darzu gehohlet. Und darüm hat man sich üm so viel weniger zu verwundern /
wan wir lesen: dass man mit dem baue der grösten Grabspitze wohl zwanzig jahre
zugebracht / ja wohl dreihundert tausend menschen /in währender zeit / fort und
fort daran arbeiten lassen. In diesen Grabspitzen stunden die Leichen der
Egiptischen Könige / und anderer fürnehmen Herren: und in den steinernen
Grabhöhlen unter der erde der andern Einwohner. So heilig und sorgfältig
bewahreten die Egipter aller ihrer Abgestorbenen leiber; damit sie vor der
gewalttähtigkeit des feuers / des wassers / und der luft ewig befreihet blieben.
Ja sie salbeten sie auch überdas / wider die verwäsung / mit allerhand kräftigen
artzneien / ehe sie in gemelte Grabspitzen oder Grabgewölbe beigesetzt warden.
Und darzu spahreten sie keine kosten.
    Mit verwunderung war es zu sehen / wie solche Grabhöhlen so weit unter der
erde hingingen. Eine war immer grösser und köstlicher / als die andere: und von
einer zur andern konnte man allezeit durch schmahl ausgehauene gänge gelangen.
Dieser höhlen und gänge sah man so viel; auch lieffen sie so krum und so
wunderseltzam in- und durch-einander herüm /dass sie anders nicht / als ein
Irgarten zu sein schienen. Sie erstrekten sich nicht allein bis unter die Stadt
/ derer meistes teil auf diesen Grabgewölben stund; sondern auch / unter der
Sandsee hin / selbst bis an das Ammonische und Serapische Götzenhaus in der
Sarkischen wüste. Und dieses kahm den Priestern sehr wohl zu statten; weil sie
ohne einiges ungemach / vermittelst dieser höhlen / von beiderseits örtern
zusammenkommen konten. Dan sonsten hetten sie / im reisen über der Sandsee hin /
nicht allein der heftigen Sonnenhitze / sondern auch dem überaus verdrüslichen
sandstaube unterworfen sein müssen: darunter die reisenden vielmahls / wan es
ein wenig stürmet /erstükt / und mit sak- und pakke begraben werden.
Gemeiniglich waren solche Gewölbe funfzehen / oder zwanzig füsse lang / und eben
so breit; dergestalt dass sie recht vierekkicht lagen. Auch stunden in den selben
gemeiniglich vier reihen tafeln / aus eben demselben steine gehauen. Jede tafel
war ohngefähr fünf füsse lang / drittehalben breit / und einen hoch. Hierauf
pflegte man die Leichen / in höltzernen / auch wohl steinernen särgen / zu
setzen. An den seitenmauren sah man etliche Bilder der Egiptischen
Beschirmgötzen in einer länglichrunten tafel / mit vorwärtsgebükten gesichtern /
ihre aufsicht über die leichen anzudeuten / ausgehauen. Dergleichen
Beschirmgötze stund auch oben am hauptende / auf den sarg geschnitzt oder
gehauen: wiewohl auf etlichen /an desselben statt / des Verstorbenen bildnüs
gesehen ward. Am fussende stund vielmahls ein Habicht / und mitten auf der dekke
des sarges eine verborgene bilderschrift; welche gemeiniglich auf die
beschirmung des Leichnams zielete.
    Meistenteils war der todtenkasten / darinnen eine Fraue lag / oben auch als
eine Fraue / und darinnen ein Mansbild lag / auch als ein Mansbild gestaltet.
Auf etlichen Frauensärgen sah man der Abgöttin Isis bild / mit den sinbildern
der sechs Gotteiten / welche das böse vertreiben sollten: als den Orus / in
gestalt eines knabens; den Anubis / mit einem hundeskopfe; die Nefte / welche
die Egiptische Venus sein sollte /als ein kniekendes Frauenbild; den Babian oder
Kinozefal / als einen affen; den Osiris / in gestalt eines Habichts; und Arueris
/ mit einem strükke / wie auch alle die andern / die gewalt der gegenstreitenden
machten zu binden; damit sie die Seele des abgestorbenen üm so viel
ungehinderter nach den sieben himmelskreusen zuführen möchten. Die Isis hatte
einen zierlich gestikten schleier üm den kopf / dessen enden auf die schultern
hingen: und vor der brust sieben ahrtig gestikte schweiffe / welche die sieben
Himmelskreuse bedeuteten. Zwischen iedem der ersten drei schweiffe stunden zween
von den gemelten sechs Gotteiten: und ein Frauenbild mit ausgestrekten armen in
der mitte; welche in ieder hand eine schlagfeder / mit einem dreifachen flügel /
hielt / und die Egiptische Jinx / das ist das Göttliche ebenbild / darnach alles
geschaffen worden / bedeutete. Sonsten war gemelte Isis mit einem zahrten netze
überzogen.
    Die Leichen selbst / welche gebalsemet in diesen särgen lagen / waren mit
dünnem leinwand oder seidenem zeuge / das man mit wachse / peche und einer
kreidichten pappe steif und tauerhaftig gemacht / zierlich und dichte bewunden.
Und auf diesen gepapten wündeln stund gemeiniglich des Abgestorbenen bild /mit
unvergänglichen farben / gemahlet: welches die kenzeichen ihres Götzendienstes /
mit den früchten /die man den Götzen zu weihen pfleget / in den händen hielt.
Auch sah man alda unterschiedliche vielfärbige bänder / mit flinkerndem zeuge
bestreuet / schweifsweise über die wündeln hin gezogen oder zusammengehäftet.
Zwischen diesen schweiffen oder kreusen befanden sich vielerhand heilige
bildzeichen; die alle ihre sonderliche bedeutungen hatten.
    Auf eben dieselbe weise waren auch die meisten Serapen oder Beschirmgötzlein
/ welche man an die wündeln der Leichen / sie vor den bösen geistern zu
beschirmen / fest genähet / gewündelt / und mit verborgenen sinbildern gezieret.
Diese bestunden an sich selber aus gebakkenem tohne / und hatten die länge
eines fingers / auch wohl einer hand. Etliche waren gebildet als eine Frau /
andere als ein Man. Gemeiniglich hatten sie eben dieselbe bilderschrift vor der
brust / als die Leiche selber: und diese kahm meistenteils auf folgenden sin
aus: Der Beschirmgott / durch geheiligte gaben / und angenehme dienste bewogen
/gönne dieser Leiche das leben / und führe sie in die Himlischen kreuse. Oder
aber also: Der Geist dieses leibes / durch das leben der gnädigen und
vorsehenden Gotteit beseeliget / soll durch das anbähten der Stäbe des Orus /
der die jahre beherschet / nach dem himmel zu fliegen. Neben gemelten
Schirmgötzlein lagen auch zu weilen mit im sarge etliche papierne Rollen / mit
Egiptischen Sinbildern bemahlet. Darauf stund das Leicher gepränge / oder
vielmehr die abbildung der Götzen / welche man darinnen der Leiche / auf
heiligen bahren / nachgetragen. Dan die Egipter hatten die gewohnheit /wan sie
ihrer verstorbenen begräbnüsse / sonderlich der Könige / Priester / oder anderer
vornehmen leute /hielten / dass sie ihnen die Bilder der fürnehmsten Abgötter /
in eben der ordnung / als in den ümgängen der hohen festtage gebreuchlich /
nachtragen liessen. Und hierdurch wähneten sie / wan ihre Götzen sie
solchergestalt gleichsam mit zu grabe begleiteten / dass sie ihre Seelen üm so
viel eher in die seelige wohnung führen / und vor aller gewalt der
gegenstrebenden bösen Geister vertähtigen würden. Ja eben dasselbe augenmärk
hatten sie auch / wan sie die gemelten rollen / mit den bildnüssen solcher
Abgötter bemahlet /zu den leichen in die särge legten.
    In einer Grabspitze sahen sie auch etliche Todtengefässe / darinnen man die
Leichen der Königlichen Kinder gelegt hatte. Diese waren länglichtrund / über
dem fusse dikbeuchicht / und warden nach dem halse zu immer schmähler und
schmähler. Etliche hatten oben auf des Kanopus angesicht / andere einen
Habichtskopf stehen. Rund ümher waren sie mit Egiptischen Sinbildern reihenweise
gezieret. Bei diesen Leichengefässen / als auch in etlichen Grabgewölben unter
der erde / fanden sie zugleich ewigbrennende Lichter oder Lampen. Diese Lampen
waren von gekochter kreide zubereitet. Teils hatten die gestalt eines hundes /
teils eines Menschen / teils eines habichts /teils eines stiers / auch wohl
einer schlange. Etliche brauten mit drei / andere mit vier / auch wohl mit acht
/ ja zwölf daachten. Die daachte waren von unverbrenlichem steinichtem flachse:
welche mit Steinöhl oder Jüdenpeche / durch verborgene röhren / die man aus den
öhl- oder pechbrunnen in die Lampen geleitet / fort und fort befeuchtet und
getränket warden.
    Mit solchen ewigen Lichtern wollte man die unsterbligkeit der Seele
bezeichnen; auch zugleich die unsterblich gewähnten Gotteiten der Egipter
darnachzu ziehen / die Leiche zu beschirmen / und die Seele / durch ihre
stähtige gegenwart / zu verherrlichen. Dan weil die Egiptischen Weisemeister
sahen /dass die eigenschaft des Lichtes oder Feuers den Göttlichen würkungen sehr
gleich war; so hielten sie das Feuer vor ein solches sichtbahres zeichen der
Gotteit / welches sie / durch eine verborgene kraft / lüstern machte das Licht
mit ihrer gegenwart stähts zu beseeligen. Ja sie wähneten / wan ihre Gotteiten
also bei diesen lichtern stähts zugegen weren / dass sie der Verstorbenen Seelen
/ damit sie in keine leiber der unvernünftigen Tiere führen / da sie elendiglich
leben müsten / bewahren würden. Eben zu dem ende wendeten sie auch so viel
kosten an / ihre Leichen durch balsemen unverwäselich / und ihre Grabstätten
unvergänglich zu machen; damit die Seelen / imfal sie nicht in den Himmel / oder
in andere Menschliche leiber gelangten / gleichwohl in oder bei dem gräbern so
lange verbleiben möchten / bis sie nach verlauf der sieben tausend jahre wieder
in ihre eigene leiber kehreten. Dan sie hielten darvor / dass die Seelen der
Menschen / wan sie gottloss gelebet / so lange üm die gräber herüm schwärmeten /
bis sie eines andern Menschen / oder auch wohl Viehes leib angetroffen /dahinein
zu fahren; sonderlich wan der Leichnam / ihr altes wohnhaus / verwäset / und die
Gotteiten von dannen weggewichen.
    Nachdem man nun diese Grabstätten wohl besichtiget / da zog man weiter fort
/ nach dem Märischen Irhofe zu. Dieses grosse weit ümfangene gebeu bestund in
drei tausend und fünfhundert heusern / also dass es eine grosse stadt zu sein
schien. Alda hatten alle Egiptische Götzen ihre Heiligtühmer: darinnen
unterschiedliche Grabspitzen von vierzig ellen stunden. Auch befand sich eine
Grabspitze von vierzig schritten am eusersten ende des ganzen baues. Diese war
mit grossen ausgehauenen bildern allerlei tiere gezieret; und hatte einen gang
unter der erden hin. Im eingange gelangte man in so viel und so lange irgänge;
welche so wunderlich und so krum herüm durcheinander lieffen / dass sich niemand
/ ohne geleitsman / weder hinein / noch heraus zu finden vermochte. Der ganze
bau war in zwölf unterschiedliche Höfe geteilet. Hier lagen / in sehr prächtigen
gewölben unter der erde / zwölf Könige / die diesen Irhof gebauet / als auch die
heiligen Krokodillen begraben. In allen diesen Höfen befanden sich sehr hohe
köstliche sähler; und üm die plätze herüm überaus prächtige gänge /derer tächer
auf porfiersteinernen bildseulen ruheten. Etliche bildeten die Götzen ab /
andere die Könige: wieder andere hatten die gestalt der ungeheuren Riesen / und
dergleichen Wundergeschöpfe. Wan etliche tühren aufgetahn warden / hörete man
ein heftiges donnern. Auch tähten sich etliche der Götzenheuser von sich
selber auf / sobald das feuer auf der brandhöhe flammete: wan es aber
verloschen / sprangen sie plötzlich wieder zu.
    Inmittelst nahete die bestimmte zeit zum Beilager des Schaltköniges herbei.
Man verfügte sich wieder nach Memfis. Da war eben der Königliche Fürst von
Libien angelanget. Aber er gab sich nicht kund. Man wusste anders nicht / als dass
er ein Edelgesteinhändler were. Davor wollte er auch gehalten sein. Hierdurch
bekahm er gelegenheit die Königliche Fürstin zu sprechen. Etliche mahl kahm er
zu ihr / seine wahren sehen zu lassen. Allezeit brachte er was sonderliches /was
neues / was köstlichers. Endlich lies er ihr eine sehr köstliche Perlenschnuhr
zur schaue. Sie fragte /was sie gelten sollte? Er gab zur antwort: er hofte mehr
darvor in zu bekommen / als sie wählt sei. Die Königliche Fürstin fragte wieder:
wie sie das verstehen sollte? und er antwortete: einer Liebhaberin ist nichts zu
teuer. Sie besah die Perlen. Sie befand sie überaus rein / überaus klahr. Nicht
eine konnte sie finden / daran der geringste tadel zu spühren. Sie waren gross.
Sie hatten einen schönenglantz. Ihre recht runte glätte stund ihr wunderwohl an.
Diese Perlen / gedachte sie bei sich selbst / mus ich haben / und sollten sie
auch noch so viel kosten. Darüm behielt sie die Schnuhr bei sich / sie den König
sehen zu lassen: und befahl dem verkeuffer auf den folgenden morgen
wiederzukommen. Er sagte ja: aber der nicht wiederkahm / war er. In etlichen
tagen lies er sich nicht blikken. Ob schon die Königliche Fürstin hin und wieder
nach ihm vernehmen lies / so war er doch nirgend zu finden.
    Josef hatte nunmehr alles bestellet / was zu seinem Trautage nöhtig. Die
eingeladenen gäste begunten algemach anzukommen. Der Ertzbischof / samt seiner
Gemahlin / war schon vorhanden. Der ganze Hof machte sich bereit gegen
künftigen morgen. Alles Frauenzimmer verlangte die schöne Braut / in ihrem
köstlichen brautschmukke / zu sehen. Nicht weniger trugen verlangen ihre
Stahtsjungfrauen dieser liebseeligsten Fürstin Gesellschaft zu leisten. Sie
zehleten alle stunden / ja alle zeitblikke. Auf den abend versuchten die
Kunstspieler und Meistersänger die Brautlieder /welche bei der traue sollten
erschallen. Dis war ein vorspiel der instehenden freude. Und hiermit erreichte
dieser letzte hofnungstag sein lang gewündschtes ende.
 
                                 Sechstes Buch.
Die Sonne hatte sich über das Arabische gebürge schon vor zwo stunden erhoben.
Mit überaus lieblichen strahlen blikte sie die Stadt Memfis an. Der klahre tag /
die heitere Luft reitzeten alle Menschen zur freude. Assenat stund schon in
ihrem köstlichen Brautschmukke. Ihr kleid war von reiner weisser seide / mit
silbernen bluhmen / aus denen die schönsten demanten schimmerten / durchwürkt.
Ein güldenes Kröhnlein / mit demanten und perlen versetzt / strahlete von ihrem
heupte: und eine Rose von demanten vor ihrer brust. Eine dreifache Perlenschnuhr
hing üm ihren hals / und üm beide hände: auch ein Ohrengehänke mit einer grossen
Perle zu beiden seiten des heuptes.
    In diesem herrlichen zierahte fiel Assenat nieder auf ihre kniehe. Ihr gebäht
stürtzte sie aus zum HERRN aller herren. Zum allerhöchsten Gotte flöhete sie.
Den baht sie mit hertzinbrünstigen seuftzern / dass er zu ihrer vorstehenden Ehe
gedeihen und seegen verleihen möchte. Ohngefähr eine vierteilstunde hatte sie
sich in dieser andacht befunden / als die Königin / mit der Königlichen Fürstin
/ ankahm / die Hochfürstliche Braut zur traue zu führen. Vierzehen Kammer- und
Stahtsjungfrauen folgeten. Diese waren bestimmet die andern sieben Breute / der
Fürstin Assenat Stahtsjungfrauen / gleichergestalt zu begleiten. Die ordnung
ward gemacht: die glieder geschlossen. Je drei und drei folgeten nacheinander.
    Indessen hatte sich der König mit dem Reichskantzler / auch in des
Schaltköniges zimmer verfüget /ihn ebenmässig zu begleiten. Der Königliche Fürst
/der sonst / neben dem Könige / den Breutigam führen sollen / lag noch krank zu
bette. Darüm musste der Reichskantzler seine stelle versehen. Vierzehen der
fürnehmsten Hofbedienten gelangten zugleich an / den sieben Oberaufsehern eben
dasselbe zu erweisen. Alle waren auf das herrlichste / und der Schaltkönigliche
Breutigam gleicher weise / wie seine Braut / gekleidet. Auch trug er auf dem
heupte eine güldene Krohne / die mit ausgesetzten edelen steinen flinkerte. Eben
waren sie in den Trausaal geträhten / als das gepränge der hochfürstlichen Braut
/ mit den andern sieben Breuten / ankahm.
    Ein Ebreischer Jüngling / den der Schaltkönig etliche tage vorher in seinen
dienst genommen / fühlete einen sonderlichen trieb zur Dichtkunst. Fürnehmlich
hatte er sich geübt in den Hürtengedichten / der Ebreer eigenen erfindung. Diese
pflegten unter andern /wan sie im heissen mittage / unter dem schatten der beume
/ bei ihren heerden ruheten / ein Schattenliedlein von ihrer liebe zu spielen.
Ein solches hatte gemelter Jüngling der Hochfürstlichen Braut zu ehren
verfasset. Und dieses ward im eintritte derselben in den Trausaal / erstlich auf
Ebreisch / darnach in Egiptischer sprache gesungen. Die Klingel- und
seiten-spiele gingen darunter. Den Egiptern war es was neues / was seltzames.
Nie hatten sie so ein anmuhtiges Liedlein gehöret. Daher stunden alle zuhörer
entzükt. Alle ihre sinne warden ihnen gleichsam entraft. Aber was verziehen wir
den versuch zu tuhn /solches mit einer Hochdeutschen zunge nachzusingen. Wir
wollen es wagen. Und so singen wir dann verhochdeutscht / der schönen Assenat zum
heiligen gedächtnüsse / solches
                           Grund- oder unter-stimme.
                            Hoch- oder Ober-stimme.
                               Schattenliedlein.
So geht und stehet die Schönste der Schönen /
die Heerden zu höhnen:
die hochweis am Bache zu Hebron geschwämmet /
seuberlich / reinlich / und zierlich gekämmet.
Seht! wie sie blinket.
und blinkende winket.
So mus scheinen
Lieb' im reinen.
Die Schäflein / die unter den Rosen sich weiden /
in grühnenden heiden /
beschähmet ihr sanftes und stilles gemühte /
selber in ihrer noch zährtlichen blühte.
Alles ist stille /
das wesen / der wille.
Sanftes lieben
mus man üben.
Die Schäfelein folgen dem Hürten getreulich.
So folget auch freilich
die treue Braut ihrem treueifrigem Gatten /
unter den schatten / der Liebe zu statten /
unter den schatten /
auf grühnenden matten.
Treu' im lieben
mus man üben.
Da kommet die Treue / die Frömste der Frommen.
Wir sehen sie kommen.
Sie kommet zur Traue / zu eigen ihr leben
ihrem geliebeten Josef zu geben:
den Sie zum lieben /
durch treue / getrieben.
Treu verblieben
mehrt das lieben.
Nun füge dich / trautes Paar / ehlich zusammen /
zu nehren die flammen.
Auf Josef! auf Assenat! schauet! von oben
hat sich der seegen des Himmels erhoben.
Ehliches lieben /
das treulich geblieben /
nimt die Krohne
hin / zum lohne.
    Nachdem man dieses Schatten- oder Schäferliedlein gesungen und gespielet /
da ward alles ganz stil; und die Traue durch den Ertzbischof selbst verrichtet.
Dieser gab zuerst den Schaltkönig mit seiner Freulein Tochter zusammen: darnach
auch die andern sieben Breute. Nach geschehener einseegnung / wündschten ihnen
alle anwesenden Glück. Und dieses geschahe unter dem lieblichen getöhne der
seitenspiele / unter dem fröhlichen halle der trompeten und krumphörner; welcher
die ganze Burg erfüllete. Straks hierauf begab man sich in den Tafelsaal / da
schon alles zu einem köstlichen Brautmahle bereitet stund.
    Sieben tage lang währete diese freude. Der König spahrete keine kosten.
Alles war auf das prächtigste angestellet / auf das herrlichste zugerüstet. Alles
musste mehr als königlich zugehen. Es gebrach nichts am zierrahte / der zu einem
so prächtigen Beilager erfordert ward. Es fehlete nichts an köstlichen speisen.
Allerlei getränke ward aufgeschaffet. Allerlei Kunstspieler / mit den besten
Sängern / die man finden konnte /mussten diese freude vermehren. Jederman war
fröhlich. Alle lust / die man erdenken konnte / ward verübet.
    Drei tage hatten die Herren an besondern tafeln allein gesessen: und das
Frauenzimmer auch allein. Aber am vierden bekahm der König lust eine bunte reihe
zu sehen. Jede Braut ward ihrem Breutigam zur seite gesetzt: und das übrige
Frauenzimmer unter die andern Herren verteilt. Eben als man diese bunte reihe
zu machen begonnen / ward dem Könige bericht getahn / der Libische Königliche
Fürst sei zugegen. Dieser stund mitten unter den zuschauern; und vermeinte /
niemand würde ihn kennen. Aber einer von den Höflingen / der sich in Libien
aufgehalten / ward dessen von ohngefähr gewahr. Er ward dem Könige heimlich
gewiesen. Unvermärkt ging er nach ihm zu. Die zuschauer wichen zurück. So täht
auch der Libier. Aber der König ergrif ihn bei der hand. Solchen gästen / sagte
er / gebühret eine andere stelle. Wir seind erfreuet den Libisschen Fürsten zu
sehen. Noch mehr werden wir uns freuen / wan dessen gegenwart unser Brautmahl
zieren wird. Der Libier neugte sich mit tiefster ehrerbietigkeit. Er trachtete
sich zu entschuldigen. Aber der König wollte von keiner entschuldigung wissen. Er
zog ihn nach der tafel zu / und fügte ihn neben seine Freulein tochter Nitokris.
Diese ward bestürtzt / als sie den Libier sah. Noch wusste sie nicht / wer er
were. Noch sah sie ihn vor denjenigen an /davor er sich selber ausgegeben.
Darüm konnte sie ihr nicht einbilden / warüm ihn ihr Herr Vater so hoch ehrete.
Eben trug sie die Perlenschnuhr / die er ihr neulich gelassen. Daher erröhtete
sie sich / dass sie dieselbe noch nicht bezahlet. Ihr erstes wort / das sie
sprach / war ein verweis; weil er die bezahlung nicht gefordert. Der Libier
antwortete: die Perlenschnuhr sei in guhter hand: seine bezahlung werde wohl
folgen.
    Mitlerweile eröfnete der König dem Schaltkönige /wer dieser neue gast sei.
Sonst niemand musste es wissen; auch die Königin selbst nicht. Und darüm warfen
sie alle die augen auf ihn; sonderlich als er mit der Königlichen Fürstin
vertraulicher ümzugehen sich erkühnete / als sie meinten ihm zu geziemen. Diese
war sonst überaus leutseelig. Gleichwohl nahm sie solche kühnheit nicht aller
dinge wohl auf. Aber sie lies sich nichts märken. Ehrete ihn der König / so
konnte sie anders nicht tuhn / als sich auch ehrerbietig zu erweisen. Und diese
der Fürstin ehrerbietigkeit veruhrsachte noch mehr verwunderung. Wunderliche
gedanken schöpften sie alle. Jederman verlangte das ende zu sehen. Jederman
wündschte zu wissen / was den König bewogen diesen Libier so hoch zu würdigen.
Nach einer guhten weile stund der König plötzlich auf. So stehende trunk er dem
Schaltkönige die gesundheit des Königlichen Fürstens aus Libien zu. Der
Schaltkönig erhub sich gleichergestalt. So täht auch der Libier / mit tiefster
ehrerbietigkeit. War man zuvor verwundert gewesen / dass der König diesen Libier
so hoch geehret; so war man es itzund noch viel mehr / da er eine solche
gesundheit anfing. Niemand konnte begreiffen zu was ende. Man geriet in die
gedanken / dieser Libier were vielleicht ein Gesanter aus Libien. Dan keiner
bildete ihm ein / dass er der Königliche Fürst selber sei: auch Nitokris nicht.
In solchen zweifelhaftigen gedanken warden sie diesen ganzen tag gelassen. So
schied man auch voneinander. Inmittels hatte der König befohlen seinen schönsten
Stahtswagen anzuspannen. Hiermit ward der Libier / durch etliche Höflinge
begleitet / in sein würtshaus gebracht. Diese Höflinge beschenkte er alle mit
köstlichen güldenen ketten. Der Königliche Kutscher bekahm zweihundert
goldgülden. Wunderlich kahm ihnen diese grosse freigebigkeit vor. Solche
ungewöhnliche geschenke veruhrsachten allerhand gedanken. Noch denselben abend
bekahm die königliche Fürstin dieses alles zu wissen. Auch wollte sie bei ihrem
Herrn Vater sich erkundigen / wer dieser Libier sei. Er aber gab ihr keinen
andern bescheid / als dass sie sich bis auf den morgen gedulden sollte; da würde
sie es selbst sehen. Diese worte machten sie zimlich unruhig. Nun begunte sie
ihn höher zu halten / als einen Edelgesteinhändler; auch höher / als einen
Gesanten. Nun betrachtete sie erst sein wesen / seine gebährden / seine
geschikligkeit. Alles kahm ihr höher und edeler vor / als eines solchen / der
nicht aus Königlichem bluht entsprossen. Und mit solcher betrachtung brachte sie
die ganze zeit zu / bis sie endlich der schlaf überfiel.
    Auf den morgen entboht der König den Reichskantzler und Reichsschatzmeister
zu sich. Diesen eröfnete er erst itzund / dass sein gestriger Gast der Königliche
Fürst aus Libien sei. Sechs Königliche Stahtswagen warden färtig gemacht ihn
wieder auf die Burg zu hohlen. Der Reichskantzler und Reichsschatzmeister warden
darzu befehlicht. Alle Höflinge mussten zu pferde. Alle waren auf das herrlichste
und prächtigste ausgerüstet / eben als sollten sie noch einen Breutigam
einhohlen. In solcher pracht gelangten sie vor das würtshaus des Libiers. Da
fanden sie den königlichen Fürsten / mit einem hauffen des Libisschen Adels
ümringet. Diese hatten sich bisher in der stadt hier und dar unbekant
aufgehalten / eben wie ihr Fürst. Aber itzund waren sie alhier / auf seinen
befehl / alle zusammengekommen. Alle sah man auf das prächtigste bekleidet:
darzu auch die diener. Der Königliche Fürst selber trug ein überaus köstliches
und zierliches sommerkleid von zahrtem seidenen zeuge / mit golde durchwürkt. So
bald er die Abgesanten erblikte / eilte er ihnen entgegen. Sehr freundlich
empfing er sie. Der Reichskantzler führete das wort. Er ersuchte den Libier / im
nahmen des Schaltköniglichen Breutigams und der Braut / auf ihrem beilager /
samt seinem bei sich habendem Adel / zu erscheinen. Sehr höflich nahm er dis
anbringen / sehr fröhlich dieses ersuchen an. Zur stunde begab sich iederman
entweder zu wagen / oder zu pferde. Die Königlichen Höflinge ritten voran.
Darauf folgeten der Reichskantzler und Reichsschatzmeister / samt etlichen
Bedienten des Libiers / auf fünf Stahtswägen. Endlich kahm der Königliche Fürst
selber im prächtigsten Stahtswagen des Königes: den eine grosse mänge
leibwärter ümgab. Den nachtrab hatten etliche Libier zu pferde / die das ganze
gepränge beschlossen.
    Die Königliche Fürstin stund eben im fenster / da der königliche Fürst
ankahm. Der König selber ging ihm / mit dem Schaltkönige / und etlichen
Fürsten / bis fast an das tohr entgegen. Straks schwang sich der Libier vom
wagen / als er den König erblikte. Mit ungemeinen freudenbezeugungen empfingen
sie sich untereinander. Die Königliche Fürstin sah dieses alles mit grosser
verwunderung an. Nun zweifelte sie nicht / dass dieser Libier weit mehr sei / als
sie gewähnet. Darüm war es ihr lieb / dass sie ihm des vorigen tages höflicher
begegnet / als ihr wille gewesen.
    Mitlerweile begaben sich alle diese Herrn in den Tafelsaal: da sie das
Brautmahl schon wieder bereitet fanden. Nicht lange darnach kahm das
Frauenzimmer auch an. Dem Könige beliebte wiederüm eine bunte reihe zu machen.
Nichts liebers wündschte der Libier. Nichts angenehmers konnte ihm widerfahren /
als bei der Königlichen Fürstin zu sitzen. Diese hatte nunmehr wind bekommen /
dass er der Königliche Libische Fürst sei. Darüm baht sie ihn / so bald sie
gelegenheit bekahm / ihr nicht zu verübeln / dass sie ihm bisher nicht nach
seinem Stande begegnet. Sie wendete ihre unwissenheit vor: die sollte ihrer
unhöfligkeit dekmantel sein. Er antwortete: dass sie ganz nicht nöhtig hette
einige entschuldigung einzuwenden. Sie hette ihm mehr ehre erwiesen / als er
würdig sei; auch selber dazumahl / da er / als ein Edelgesteinhändler / die
gnade gehabt sie zu sprechen Uber diesem worte Edelgesteinhändler fing die
Fürstin an zu lächlen. Aber / sagte sie / ich bin noch in seiner schuld. Wan und
womit soll ich seine Perlenschnuhr bezahlen? Die bezahlung / gab der Fürst zur
antwort / ist schon geschehen. Ich habe einen solchen schätz darvor erlanget /
der mir lieber ist / als die ganze Welt. Nitokris erröhtete sich hierüber / und
wusste so straks nicht /was sie zur wiederantwort geben sollte.
    In zwischen trunk man dem Libisschen Königlichem Fürsten die gesundheit der
Neugetrauten zu. Und hiermit ward alles rege. Die kunstsänger hatten bisher
geschwiegen; aber nun erhuben sie ihre stimmen. Die seitenspiele klungen
darunter: und wan diese nachliessen / erschalleten die trompeten. Hierdurch ward
die freude gleichsam wakker / der geist zur lust ermuntert / und die ganze
Gesellschaft fröhlich. Der Schaltkönig selber war ihr vorgänger. Seine liebe
Assenat half ihm getreulich. Beide waren an diesem tage so lustig / als sie noch
niemahls gewesen. Und hiermit zogen sie aller augen auf sich. Jederman sah
dieses liebe / dieses schöne / dieses fröhliche paar an: doch niemand mehr / als
der Libische Fürst. Dieser konnte sich über die Fürstliche Braut nicht genug
verwundern. Seine sonderliche lust hatte er an ihren blikken / die ihrem
Breutigam so gar lieblich begegneten. Ihr so gar holdseeliges wesen / ihre so
gar anmuhtige gebährden / ja ihre ganze so schöne leibesgestalt betrachtete er
mit sonderlicher aufmärkung. Er betrachtete alle ihre reden / alle ihre worte;
davon nicht eines ohne sonderlichen nachdruk ausgesprochen ward. Aber nichts
gefiel ihm an unserer Braut so wohl / als dass sie ihrem Breutigam so liebseelig
zu begegnen wusste. Und dadurch machte sie ihm den mund wässericht. Dadurch
mehrete sie sein verlangen / dergleichen teilhaftig zu werden. Auch entschlos er
sich diesen augenblik / straks auf den folgenden morgen sein vorhaben zu
volziehen. Und zu dem ende ersuchte er den König / im scheiden / dass er ihm
gegen künftigen tag eine stunde zu bestimmen belieben liesse; da er ihm in
geheim aufzuwarten gesonnen.
    Weil nun der König hierzu den folgenden ganzen vormittag benennet / so
befahl er auf den morgen sehr früh alles färtig zu machen / den Königlichen
Fürsten zu hohlen. Alle Herren / und alle Höflinge / die des vorigen tages die
einhohlung getahn / begaben sich itzund wieder / in eben demselben gepränge /
vor die behausung des Libiers. Dieser seumete sich nicht lange. Straks machte er
sich / mit allen seinen leuten /nach der Burg zu. Der König empfing ihn mitten
auf dem platze / und führete ihn straks in den Burggarten. Zwischen dessen
hielten der Reichskantzler und der Reichsschatzmeister den Libisschen Höflingen
im Reichssaale Gesellschaft. Nach unterschiedlichen höflichen wortgeprängen / gab
der Libier die uhrsache seiner ankunft in Egipten zu verstehen. Darneben zeigte
er mit kurtzbündigen worworten an: dass seine liebe auf die Königliche Fürstin
Nitokris gefallen; dass er verhofte / der Himmel hette sie zu seiner Gemahlin
versehen: daher were er entschlossen / weil er selber gegenwärtig sei / auch
selber / mit eigenem munde / seine werbung anzubringen. Er wollte nicht viel
ümschweiffe gebrauchen. Darüm ersuchte er den König mit kurtzen / wiewohl
hertzlich gemeinten worten / ihm / in solcher sache / diese bitseeligkeit zu
gönnen / dass er nicht traurig von seinem angesichte scheiden dürfte. Die
Königliche Fürstin / seine Freulein Tochter / darüm er ihn demühtigst anlangete
/hielte er so gühtig / dass sie sein ansuchen nicht ausschlagen würde. Und an des
Königes gunst und zuneugung trüge er ganz keinen zweifel; dergestalt /dass er
gewis vertrauete die freiheit bald zu erlangen /ihn seinen Vater / und sich
selber desselben gehorsamsten Sohn zu nennen.
    Der König bedankte sich vor die guhte zuneugung /die er zu seiner Tochter
trüge. Er bedankte sich vor die hohe ehre / damit er sein Haus zu würdigen
gesonnen. Ja er schätzte sich glückseelig / von einem so fürtreflichem Fürsten
Vater genennet zu werden. Weil er aber in solcher sache / darzu vor allen dingen
der wille seiner Tochter erfordert würde / den endschlus nicht machen könnte; so
wollte er ihn zuvörderst vor diese festung / sie zu gewinnen / gewiesen haben.
Eben als der König diese worte redete / kahm zu guhtem glück die Königliche
Fürstin in den laubergang / da sie sassen. Sie ging / in tieffen gedanken /eine
guhte weile fort. Und also ward sie ihrer nicht eher gewahr / als bis sie ganz
nahe zu ihnen gelangte. So bald sie des Libisschen Fürstens ansichtig ward
/kehrete sie eilend zurück. Aber der König rief; sie sollte stand halten. Und
hiermit erhuben sie sich / ihr entgegen zu gehen. Ist meine Tochter / redete sie
der König an / nun so schüchtern worden / dass sie vor Menschen fliehet? Hier
sieht sie vor ihren augen zwee / die ihr alle liebe zu erzeigen geboren. Der
eine ist ihr Vater: der andere / wan es den Göttern beliebet / ihr künftiges
Ehgemahl.
    Auf diese worte traht der Fürstin die schaamröhte so stark insgesichte / dass
sie sich ganz entfärbete. Das antlitz schlug sie züchtiglich nieder. Die
blödigkeit / die eingezogenheit / die sitsamkeit mischeten sich alle zusammen
unter ihre stille gebährden. Die schaam schlos ihre lippen dermassen / dass sie
schier zu keiner bewegung zu bringen. Der mund vermochte kein wort zu machen.
Die augen stunden in ihren höhlen ganz stil / und kaum halb offen. Wan ein
Mahler die Schaamhaftigkeit abbilden wollen / so hette er es eigendlicher nicht
tuhn können / als nach diesem so niedergeschlagenem wesen. Eine guhte weile
blieb sie so schaamhaftig stehen. Eine guhte weile durfte sie nicht aufblikken /
weder nach dem Könige / noch dem Königlichen Fürsten zu. Endlich begunte sie
ihrer was mächtig zu werden. Endlich erhub sich ein bliklein / erst nachdem
Könige / und dann nach dem Libier. Den blikken folgete die sprache; wiewohl sehr
schwach / und halb gebrochen. Sie begunte sich zu entschuldigen. Sie wendete vor
/ dass ihr nicht geziemen wollen / sie in ihrem gespräche zu stöhren. Das sei die
uhrsache / warüm sie so straks ihren zurücktrit genommen.
    Der König fuhr in seiner rede fort. Meine Tochter / sagte er / stöhret uns
in unserem gespräche nicht. Dan was wir geredet / mag sie alles wohl hören. Ja
es ist ihr nöhtig / dass sie es höret. Sie mus es nohtwendig wissen. Ihr selber
ist zum höchsten daran gelegen. Der Königliche Fürst aus Libien hat mich zu
seinem Vater / und Sie zu seiner Gemahlin ausersehen. Dis ist es / das er mir
geoffenbahret. Davon haben wir itzund sprache gehalten. Nun liegt es allein an
meiner Tochter sich zu erklähren. Ihr wille wird der meinige sein: ihr ja mein
ja / ihr nein mein nein. Hierüber erröhtete sich Nitokris abermahl. Abermahl
ward ihre zunge gehämmet. Sie schwieg stil. Sie antwortete nichts. Der König
wendete sich nach dem Libier zu. Wer schweigt / der bewilliget / sagte er
lächlende. Dis pflegt / gab der Fürst zur antwort / zuvoraus bei dem
Frauenzimmer / gemeiniglich wahr zu sein. Darüm will ich hoffen / dass es sich
alhier auch nicht anders verhalte. Und hiermit traht er ein wenig seitwärts
/Vater und Tochter allein zu lassen.
    Hertzliebste Tochter / fing der König wieder an /ihr seid es / vor die ich
die meiste sorge trage. Die sorge des Reichs habe ich dem Schaltkönige
übergeben. Nun geht mir eure wohlfahrt allein zu hertzen. Nun trachte ich
allein euch glückseelig zu machen. Die gelegenheit darzu stösset uns itzund auf.
Der Libische Fürst ist euch mit liebe zugetahn. Er verlanget nach eurer
gegenliebe. Er träget belieben / durch seine vermählung / euch zur Königin in
Libien zu machen. Grössere glückseeligkeit habet ihr nicht zu hoffen. Ich
würdsche vor mein teil nichts mehr / als euch hierzu geneugt zu sehen. Eure
bewilligung wird die meinige fein. Die Libische Krohne ist so edel / dass sie
nicht auszuschlagen. Ist euer wille dem meinigen gleich / so wird sie bald auf
eurem heupte gläntzen. Dieser glantz wird Egipten erfreuen. Ich selber werde
darüber zum höchsten froh sein. Wan ich dieses sehe /will ich mit freuden
sterben. Wohlan dann! erklähret euch bald. Sagt an / was euch dünket.
    Die Königliche Fürstin stund noch in etwas im zweifel. Gleichwohl gab sie so
viel zu verstehen / dass sie geneugter sei eine solche Krohne anzunehmen / als
abzuschlagen. Der Herr Vater / sagte sie / kennet mein gemüht. Er weis meinen
kindlichen gehohrsam. Er weis / wie mein wille dem seinigen iederzeit
unterworfen gewesen. Und das soll er auch itzund sein; sonderlich in einer so
hochwichtigen sache / da mein verstand seiner weisheit weichet. Ich stelle alles
in sein belieben. Seinem winke will ich folgen: seinem befehle gehorchen: seinen
schlus guht heissen. Ja alles /was er gebietet / will ich gehohrsamlich
volbringen. Dis ist mein vorsatz: und der wird es auch bleiben /so lange ich
ahteme. So gebet ihr dann / fing der König hierauf an / mir die ganze sache
über? Ja freilich /gab sie zur antwort. Der Herr Vater verstehet alles besser /
als ich. Darzu bin ich versichert / dass er mir nichts übels weder gönnen / noch
rahten wird. Und hiermit nahm sie ihren abtrit nach ihrem zimmer zu; der König
aber verfügte sich hin zu einem springbrunnen / bei dem der Libische Fürst sich
niedergelassen.
    Ist die zeitung guht? rief der Fürst dem Könige fragende entgegen. Ja /
antwortete dieser: morgen früh /wan es ihm beliebet / kann er einen Abgesanten an
unsern Hof schikken / und öffendlich üm meine Tochter wärben lassen. Unterdessen
wollen wir uns berahten. Der wohlstand will das seinige auch haben. Drei stunden
vor dem mittagsmahle sollen sich meine Rähte versamlen. In derer gegenwart kann
die sache vorgetragen werden. Ich selber will die antwort tuhn. Hierauf hat er
sich zu verlassen. Der Königliche Fürst war über eine so guhte entschlüssung zum
höchsten erfreuet. Zum höchsten bedankte er sich deswegen gegen den König. In
tiefster demuht verpflichtete er sich ihm / mit seinem ganzen vermögen.
Indessen nahete die tafelzeit herbei. Der König begab sich / mit dem Libier /
auf den tafelsaal. Da war der Schaltkönig eben angelanget. Ein hauffen Adels
stund üm ihn her. Straks kahm auch der Reichskantzler an / samt des Libiers
Hofbedienten. Der König zog den Schaltkönig auf die seite. Er führete ihn an ein
fenster. Da offenbahrte er ihm des Libiers anbringen / sich rahtes zu erhohlen.
Dem Schaltkönige stund alles über die masse wohl an. Auf dieser Ehstiftung /
sagte er von stunden an / beruhet des ganzen Egiptens wohlfahrt. Die Libier
haben viel mächtige Bundsgenossen. Sie silbsten besitzen eine gewaltige macht.
Sie grentzen an unser Reich. Wan wir / vermittelst der Königlichen Fürstin / uns
mit ihnen vereinigen; so werden zugleich alle ihre Bundsverwanten mit uns
vereiniget. Welcher feind wird uns dann anfallen dürfen? Welche macht wird uns
dann bestürmen dürfen? Die vereinigung dieser zwo mächtigen benachbahrten Krohnen
wird allen ein schrökken einjagen. Jederman wird Egipten fürchten. Unser Staht
wird aufs herrlichste blühen. Wir werden in gewündschtem friede leben. Unser
ansehen wird gross / unsere wohlfahrt vermehret / unsere macht geehret werden.
Die Gewaltigsten der Welt werden unsere freundschaft suchen. Ja / was noch das
allerfürnehmste ist / die Königliche macht kann / durch dieses mittel / zur
höchsten freiheit gelangen. Der König kann hierdurch über das ganze Egipten das
freie volgewaltige gebiete bekömmen. Dan wird er sagen können / dessen sich noch
kein König vor ihm unterstehen dürfen: dis will ich / dis gebiete ich; so mus es
geschehen.
    Eben als der Schaltkönig diese worte geredet /kahm der Hofmahrschalk ihnen
anzudienen / die speisen weren schon aufgetragen. Straks trahten sie nach der
tafel zu. Von stunden an ward alles rege. Einieder bekleidete seine gewöhnliche
stelle. Zuerst schwieg iederman. Alles war stil. Aber auf diese stille brach die
fröhligkeit jähligen herfür. Der Libier war der erste / der sich lustig
erzeigte. Dem folgete die ganze Gesellschaft. Das Frauenzimmer selber vergass
sein züchten. Die eingezogenheit ward verbannet: die lust beliebet; alle freude
verübet. Und also ward dieser tag der fröhlichste von allen den vorigen des
ganzen Beilagers.
    Aber der folgende gab ihm nichts zuvor. Ja er war derselbe / der ihn weit
übertraf. An jenem blieb die fröhligkeit / gleich als eingeschlossen / in der
Burg. Aber an diesem brach sie aus in die Stadt / auf das ümliegende land / ja
endlich gar durch das ganze Egipten. Die vermählung der Königlichen Fürstin mit
dem Libier blieb nicht lange verschwiegen. Kaum hatten die Libisschen Abgesanten
das jawort weg / da der ruf es schon überal ausbreitete. Was vor freude dieser
ruf veruhrsachte / kann keine feder beschreiben. Das frohlokken / das jauchzen /
das freudengeschrei klung durch alle gassen der ganzen Stadt Memfis. Selbst /
die ohren des Libiers warden darvon vol. Als er nun auf die Burg fuhr / da rief
iederman glückzu! Selbst die kleinen kinder / die noch nicht sprechen konten /
lalleten aus den fenstern. Ja das fröhliche zurufen hatte alhier fast kein ende.
Es währete noch / als der Libier schon längst in der Burg war.
    Dieser tag war der letzte des Schaltköniglichen Beilagers. An diesem tage
warden die Brautnahmen verwechselt. Nun hörete Josef auf Breutigam genennet zu
werden. Nun übergab er diesen Nahmen dem Libier. Heute ward Assenat eine Fraue.
Heute ward Nitokris eine Braut. Also machte das ende des einen Beilagers den
anfang zum andern. Die Königliche Fürstin ward dem Libier versprochen: das
Ehverlöbnüs geschlossen: der Trautag bestimmet; und den neuen Breuten
glückgewündschet. Und hiermit lief dieser tag mit vollen freuden zum ende.
    Auf den Morgen entschlos sich der Schaltkönig wieder eine reise zu tuhn. Er
hatte vor seinem Beilager zum bau etlicher Frucht- und Korn-heuser anordnung
getahn. Nun wollte er sehen / wie das werk von statten ginge. Etliche sollten auf
die weise der Feuer-spitzen gebauet werden: andere nur schlechtin / als gemeine
gebeue. In diesen sollte man das Korn von gegenwärtigem / und den zwei
nächstkünftigen reichen jahren aufschütten: in jenen die Früchte von den vier
letzten; und darbei das Futter vor das vieh zugleich auflegen. Am dritten tage
setzte er diese reise fort. Seine liebe Assenat war seine gefährtin. Wo er hin
zog / begleitete sie ihn. Assenat konnte ohne ihren Josef / und Josef ohne seine
Assenat nicht sein: so lieb hatten sie einander.
    Weil nun Josef sah / dass diese jahre sich so gar überflüssig fruchtbar
anliessen / so nahm er nicht allein den fünften teil aller früchte / als des
Königes teil / vorweg; sondern er lies auch allen überflus vor bahres geld
einkauffen. Ja er geboht bei leibesstrafe / dass nicht das geringste / was der
Mensch geniessen könnte / vor das Vieh verfüttert / oder sonst unnützlich vertahn
würde. Alles musste in des Königes Kornheuser und Scheunen gelüfert werden. Das
bezahlete man /nach dem damahligen gemeinen / wiewohl sehr geringem preise / mit
königlichen geldern. Und also kahm eine grosse mänge zusammen. Alle Kornheuser
warden erfüllet. Man musste derer immer mehr und mehr bauen.
    Die grosse fruchtbarkeit des landes machte die Egipter übertähtig und
verzährtelt. Der überflus bewegte sie zu aller üppigkeit. Die überaus wohlfeile
zeit veruhrsachte sie schläferig / faul und hinlässig zu werden. Josef / der
alles genau untersuchte / ward dessen straks gewahr. Dem musste / durch heilsame
satzungen / bei zeiten vorgebauet werden. Bei zeiten musste man diesem übel
steuren. Die fruchtbaren jahre fingen erst rechtan: und gleichwohl nahm solches
unheil schon überhand. In den künftigen war noch ein grösseres zu vermuhten. Das
schien dem Reiche den untergang zu dreuen. Dieses alles erwog Josef bei sich
selbst. Und darüm stiftete er Untersuchungen des lebens. Allen Egipten ward
auferlegt / jährlich vor der Obrigkeit zu erscheinen. Einieder sollte
verpflichtet sein rechenschaft zu tuhn / wie er lebete / was er tähte / womit er
sich und die seinigen ernährete. Alles unwesen sollte vertilget / aller müssiggang
abgeschaffet / alles üppige leben gestrafet werden.
    Mitlerweile nahete die bestimmte zeit zum Beilager der Königlichen Fürstin
herbei. Der Schaltkönig begab sich / mit seiner Gemahlin / wieder nach hofe.
Eben kahm der Hochfürstliche Breutigam auch an. Straks folgeten die
eingeladenen. Das Beilager nahm seinen anfang / mit ungemeiner pracht. Der
Ertzbischof verrichtete die Traue. Jederman erzeigete sich fröhlich. Die freude
schien selber leibhaftig gegenwärtig zu sein. Sie brach an allen enden herfür.
Aus allen winkeln lachte die lust. An allen ekken befand sich lauter ergetzung.
Hiermit lieffen sieben tage zum ende. Noch sieben tage letzte sich die
Königliche Fürstin. Hierauf ward die heimführung volbracht. Der König begleitete
seine Tochter bis an die grentzen des Reichs. So weit zog auch mit der
Schaltkönig / samt seiner Gemahlin / und den fürnehmsten Reichsfürsten. Die
Königin aber folgete der Königlichen Fürstin bis Libien.
    Nach volendeten diesen stahtsgeprängen machte sich der Schaltkönig wieder
auf. Bald zog er hier-bald dort-hin. Bald verordnete er dis / bald das. Bald
lies er in dieser / bald in jener stadt neue Kornheuser bauen. Und dieses bauen
währete so lange / bis die sieben fruchtbare jahre beinah zu ende gelauffen. Ein
überaus grosser vorraht ward gesamlet: ein grosses geld ausgegeben. Der gemeine
man wusste nicht zu was ende. Fremde kahm ihm dieses beginnen vor. Man war der
Egiptischen fruchtbarkeit alle jahr gewohnet. Trug das land nicht überfliessig /
so gab es doch zur nohtdurft seine früchte. Und darüm gedachte einer dis / der
andere das. Josef aber lies sich nichts anfechten. Er fuhr in seinem beginnen
fort. Er samlete von jahren zu jahren immer mehr und mehr ein. Er spielete aufs
künftige. Er kaufte so viel getreide zusammen / dass alle Kornheuser gedrükt und
gerüttelt vol / und alle Königliche Geldkasten ledig warden. Dan des
eingesamleten getreides war so über die masse viel / dass man endlich aufhören
musste zu zehlen.
    Die königlichen Beamten sahen es zuerst mit guhten augen an. Aber zuletzt /
als man auch das königliche geschmeide / die köstlichen schatzstükke / ja alles
was seltzam und kostbar in den kunstkammern war /antastete; da begunten sie zu
murmeln. Seltzame reden fielen vor. Jener sagte dis / dieser das. Jederman war
verwundert / dass der König diesem Fremdlinge /diesem neuen Stahtsverpfleger so
viel zuliesse. Niemand konnte begreiffen / wozu dieser unraht dienen sollte. Alle
hielten es vor eine tohrheit. meint dann dieser Ausländer / sagten etliche / dass
der Niel austruknen wird? Wähnet er / dass der Himmel dem lande seine gewöhnliche
fruchtbarkeit zu entziehen beschlossen? Andere redeten was anders. Ja ja /
sagten etliche spotweise / der König mus auch leute haben / die das geld unter
den gemeinen man bringen. Es möchte sonst in den Schatzkammern verschimmeln.
    Als nun diese so seltzame reden auf das höchste gekommen / und dem Reiche
schon einen schädlichen aufruhr zu dreuen schienen; da kehrete sich das blat
uhrplötzlich üm. Die fruchtbarkeit blieb aus. Die wohlfeile zeit verschwand. Im
einen jahre blieb der Niel zurück; im andern lief er so übermässig hoch auf /dass
er alles verderbete / alles verwüstete. Keine selber konten bestellet / keine
äkker besäet / keine gärte bepflantzet werden. Und also ward nichts eingeärntet.
Der mangel entstund an allen orten. Die Teurung überfiel das ganze Egipten. Der
hunger nahm zu. Die einwohner verschmachteten. Die noht zwang sie ihren
Schaltkönig üm rettung anzustehen. Nunmehr verkehreten sich ihre gedanken. Nun
veränderten sich ihre reden. Nun sahen sie / was Josef getahn. Nun märkten sie /
wie vorsichtig / wie klüglich er gehandelt. Die ihn vor diesem beschimpfet /
priesen nun seine weisheit. Die ihn verspottet / erhuben seine so treue vorsorge
himmelhoch. Die ihn verlachet / flöheten ihn an üm gnade. Ja sie nenneten ihn
ihren Erhalter / ihren Heiland / ihren Reichsvater.
    Aber ehe sich diese teure zeit fand / waren dem Josef von seiner lieben
Assenat zween Söhne geboren. Den ersten hies er Manasse: dann Gott / sprach er /
hat mich alles meines unglücks / und meines ganzen Väterlichen hauses vergessen
lassen. Den andern nennete er Efraim: weil ihn Gott im lande seines elendes
wachsend gemacht. Hatte er seine Assenat zuvor geliebt / so liebte er sie nun
noch tausend mahl mehr. Auch gab ihre liebe der seinigen nichts zuvor. Erstlich
liebte sie ihn / dass er sie zur erkäntnüs des waren Gottes gebracht. Dan Josef
hatte nicht allein seiner Gemahlin / sondern auch dem Ertzbischoffe ihrem Herrn
Vater / die Geheimnisse der Göttlichen wahrheit geoffenbahret. Dieser verbarg
sie in seinem hertzen / als einen köstlichen schatz. Er behielt sie allein vor
sich. Er täht sie niemand kund. Es schien auch mehr unnütz / als ersprieslich zu
sein /diese heilige Wissenschaft unter das im aberglauben ersoffene völklein zu
bringen: zumahl weil es gewohnet war / damit es im gehohrsam verbliebe / nur mit
Abgöttereien und falschen Gottesdiensten abgespeiset zu werden. Darnach
heuffeten solche liebe diese zwei lieben Ehpfände / die sie von ihrem
hertzlieben Josef hatte / noch mehr. Und darzu kahm auch endlich der
überschwänglich grosse reichtuhm; den so wohl ihr /als ihrem Vater / Josefs
klüglicher handel veruhrsachte. Dan er hatte vor beiderseits gelber / in der
wohlfeilen zeit / eine grosse mänge getreides eingekauft: und diese bekahmen sie
hernach / in der teurung / tausendfach wieder.
    Im begin dieser Teurung kahmen alle benachbahrten Völker / die der hunger
zum ersten drükte / zum Könige. Darnach erschienen auch die Egipter im Tebisschen
gebiete. Alle begehrten Korn zu kauffen. Alle riefen üm Broht. Aber der König
wiese sie zum Schaltkönige. Was der euch befielet / sagte er / das tuht. Als nun
die teurung durch das ganze Egipten überhand nahm; da täht Josef allentalben
die Kornheuser auf / und lies das getreide verkauffen. Straks lief der ruf
hiervon in alle länder. Straks machten sich alle Völker / Korn zu hohlen / nach
Egipten. Und also verkaufte Josef iederman getreide. Niemand zog leer weg. Allen
fremdlingen ward geholfen. Man sah niemand an. Der Ausländer galt hier eben so
viel / als der Egipter.
    Auf einen morgen ward dem Schaltkönige / da er eben mit seinen Söhnen
schertzte / angedienet; dass zehen Ebreer ihn zu sprechen begehrten. Das hertz
pukte dem Josef straks. Es sagte ihm von stunden an /dass es seine Brüder weren.
Eilend täht er sein köstliches stahtskleid an. In solchem königlichen schmukke
traht er in den Verhörsaal: da alles von golde / perlen und edelen steinen
flinkerte. Eine grosse mänge diener begleitete ihn. Einieder zog überaus prächtig
auf. Und dieses alles geschahe darüm / damit ihn seine Brüder nicht kenneten.
Hierauf befahl er sie einzuhohlen. Einer seiner diener verrichtete diesen
befehl. Ihre schuhe mussten sie ablösen. Und also brachte man sie baarfüssig vor
den Schaltkönig. Da ward ihnen gebohten / auf das antlitz nieder zu fallen / und
ihn königlich zu ehren. Josef sah sie rund herüm an. Seine Treume fielen ihm
ein. Er kante sie straks. Aber er stellete sich ganz fremde. Ja er redete sie
sehr hart an. Woher komt ihr? fragte er durch einen Kaldeischen Tahlmetscher.
Sie antworteten auf Kaldeisch: aus dem Lande Kanaan / speise zu kauffen. Ihr
seid Kundschaffer / fuhr er fort. Ihr komt zu sehen / wo das Reich offen ist.
Nein / mein Herr / antworteten sie abermahl. Seine knechte feind kommen speise
zu kauffen. Wir seind alle eines ehrlichen Mannes söhne. Wir seind redlich: und
seine knechte seind nie Kundschaffer gewesen. Ihr seid freilich Kundschaffer /
wiederholte er seine vorigen worte: ja ihr kommet zu sehen / wo das Reich offen
stehet. Wir seine knechte /fuhren sie in ihrer antwort ferner fort / seind zwölf
brüder / eines Mannes söhne im lande Kanaan: und der jüngste ist noch bei unsrem
Vater; aber einer ist nicht mehr vorhanden.
    Josef redete weiter. Das ists / sagte er / ihr seid Kundschaffer. Verrähter
seid ihr. Man kann es euch an den gesichtern ansehen. Die augen weisen es aus.
Ich will erfahren / ob ihr wahr redet. Bei dem leben Faraons! ihr solt nicht eher
von hier kommen / es komme dann euer jüngster Bruder her. Sendet einen unter euch
hin / der ihn hohle. Ihr unterdessen solt meine gefangene sein. Also will ich
eure reden bewähren / ob sie gleichzu treffen / oder nicht. Wird man sie
unwahrhaftig befinden / so seid ihr bei dem leben Faraons! Kundschaffer. Hierauf
lies er sie allesamt drei tage gefänglich bewahren. Da verwiese Ruben seinen
Brüdern / was sie am Josef verübet. Sehet! sprach er /habe ichs nicht lange
gesagt / dass euch eure Bosheit endlich einmal würde vergolten werden. Alles
dieses habet ihr an eurem unschuldigen Bruder verdienet. Hettet ihr meinem rahte
gefolget / so würde dis unglück euch nicht treffen. Uber diesen worten begunten
sie alle kleinlaut zu werden. Keiner vermochte nicht ein wort zu sprechen. Kaum
rühreten sie sich. Kaum bewegte sich ein glied an ihrem leibe.
    Am dritten tage lies sie Josef fragen; ob sie sich bedacht? Da tähten sie
alle einen fussfal. Ruben / welcher der behertztere war / weil er ein reines
gewissen hatte / führete das wort. Mein Herr / sagte er / wir seind nicht anher
kommen / das land zu verkundschaffen. Wir kommen nur / als auf einen freien
markt. Und darüm haben wir das vertrauen / man werde uns das recht / das man
auch den wildesten Völkern vergönnet / nicht weigern. Doch / imfal mein Herr
seinen knechten keinen glauben zustellet / so bitten wir untertähnig / dass er
einen seiner leute mitschikke. Wir wollen ihn kostfrei halten: und er wird
befinden / dass wir alle eines redlichen Mannes söhne seind. Josef antwortete:
wolt ihr denselben betrügen / der den geist der unsterblichen Götter besitzet?
Dürft ihr wohl so kühne sein / mich zu überzeugen / dass ich irre? Dürft ihr wohl
leugnen / was euch so deutlich vor euren stirnen stehet? Ich sage noch / und
darbei bleibt es / dass ihr ein grosses schelmenstükke entweder schon begangen /
oder zu begehen im sinne habet.
    Hierauf gab ihnen der Tahlmetscher auch vor sich zu verstehen: dass der
Schaltkönig die wahrheit redete. Dan / sagte er / wisset ihr nicht mehr / dass
ihr vor zwanzig jahren einer Arabischen Gespanschaft einen schönen Jüngling
verkauftet? Ich selbst war mit bei dem kauffe. Ich weis es alles noch sehr wohl.
Auch seind mir eure gesichter nicht unbekant. Hieraus allein mus ich gleuben /
dass ihr Verrähter / oder zum wenigsten Menschendiebe seid. Darüm hat man sich
freilich vor euch wohl zu hühten. Ja darüm kann ich nicht vorbei / solches meinem
Herrn anzuzeigen. Dieser Tahlmetscher war eben derselbe Musai / dessen wir
droben gedacht. Er war derselbe / der gemelter Gespanschaft hauptman gewesen. Er
war derselbe /der den Josef kauffen / und wieder verkauffen helfen. Und durch
einen sonderlichen glücksfal war er schon vor etlichen jahren zum Schaltkönige
gelanget. Dem dienete er nicht allein als ein Haushalter / sondern auch als ein
Tahlmetscher; weil er vielerhand sprachen kündig.
    Aus diese reden erblasseten sie alle. Kein glied befand sich an ihrem leibe
/ das nicht zitterte. Die taht war da. Sie konten es nicht leugnen: wiewohl
Ruben mit einem schwuhre beteuerte / dass er weder den Musai / noch die
Gespanschaft iemahls gesehen. Josef aber redete weiter: wolt ihr leben / sagte
er / so tuht / was ich euch befehle. Seid ihr redlich / so lasst einen von euch
in eurem gefängnüsse liegen. Die andern können hinziehen / und heimführen / was
man euch verkauffen wird. Aber euren jüngsten Bruder bringt zu mir. Dan will ich
euren worten gleuben /und euch frei kennen / dass ihr nicht sterben müsst. Sie
aber sprachen untereinander auf Ebreisch / damit es der Schaltkönig / und Musai
nicht verstehen sollten: das haben wir verschuldet an unsrem Bruder. Wir sahen
die angst seiner seelen / da er uns flöhete; und wir wollten ihn nicht erhören.
Darüm komt nun diese trübsaal über uns. Ja Ruben fügte hinzu: ich sagte es euch
wohl / sprach er: versündiget euch nicht an dem Knaben. Aber ihr woltet nicht
hören. Nun wird sein bluht gefordert. Ach! ich bejammere unsern lieben alten
Vater / der durch seiner kinder Bosheit so gar sehr betrübet wird.
    Sie bildeten ihnen ein / dass sie der Schaltkönig nicht verstünde; weil er /
durch einen Tahlmetscher /auf Kaldeisch mit ihnen redete. Aber er verstund es
alles. Und darüm wendete er sich von ihnen weg / und weinete bitterlich. Da er
nun ausgeweinet hatte / und das wehleiden vorbei war; nahm er den Simeon / weil
er die meiste schuld hatte / mitten aus ihnen heraus /und lies ihn vor ihren
augen fesseln. Hierauf täht er befehl / dass man ihre säkke mit Korne füllete /
und ihr geld darzu stekte / einem ieden sein teil in seinen sak. Auch lies er
sie mit zehrung wohl versorgen. Und sie luden das getreidich auf die esel / und
zogen von dannen. Unterwegens täht einer seinen sak auf / seinem esel futter zu
geben. Da ward er oben im sakke seines geldes gewahr. Sobald die Brüder solches
sahen / entfiel ihnen der muht. Sie zitterten vor schrökken; und sprachen
untereinander: warüm hat uns Gott das getahn?
    Als sie nun heim / ins land Kanaan / kahmen; da erzehleten sie ihrem Vater
Jakob alles / was ihnen in Egipten begegnet war. Der man / sagten sie / der des
Königes Verweser / und Herscher des Reichs ist / redete sehr hart mit uns. Er
hielt uns vor Kundschaffer und verrähter des landes. Wir aber antworteten ihm:
dass wir redlich weren / und nie Kundschaffer gewesen; dass wir mit uns zwölfen
alle einen Vater hetten; dass einer nicht mehr vorhanden / und der jüngste noch
bei unserem Vater sei. Hierauf begehrte der Herscher des Reichs: wir sollten
einen von uns allen bei ihm lassen / und mit dem getreidich hinziehen unsern
jüngsten Bruder zu hohlen. Darbei / sagte er / will ich märken / dass ihr redlich
seid. Und dann will ich euch euren Bruder wiedergeben: auch möget ihr im Reiche
wärben / wo ihr wollet.
    Da sie nun die Säkke ausschütteten / fand einieder sein bündlein geldes in
seinem sakke. Hierüber erschraken sie / samt ihrem Vater. Ach! sagte Jakob
/dieses alles geschiehet mit einem gefährlichen vorsatze / mich aller meiner
kinder zu berauben. Josef ist eurentalben ümkommen. Den Simeon habt ihr ohne
zweifel / durch eure unvorsichtigkeit / verschertzet. Und nun wollet ihr den
Bemjamin auch hinnehmen. Ja wer weis / ob ich nicht zugleich eurer aller
entbähren mus. Es geht nur alles über mich. Ruben aber suchte seinen Vater zu
bereden / dass er den Benjamin mitziehen liesse. Gib ihn nur / sagte er / in
meine hand. Ich will ihn wiederbringen. Und wan ich ihn nicht wiederbringe / so
erwürge meine zween söhne. Jakob antwortete: mein Sohn soll nicht mit euch
ziehen. Dan sein Bruder ist todt. Er ist nur allein noch übrig. Wan ihm ein
unfal auf der reife begegnete / würdet ihr nicht mein graues haar mit hertzeleid
in die grube bringen.
    Mit der zeit ging das Korn auf. Die teurung ward in Kanaan ie länger ie
grösser. Jakob begehrte; dass sie wieder hinziehen sollten / was frisches zu
kauffen. Aber Judah gab ihm zur antwort: wan du unsern Bruder mitsendest / so
wollen wir ziehen. Wo nicht /so ziehen wir auch nicht. Dan der Herscher des
Reichs sagte zu uns: ihr solt mein angesicht nicht sehen / es sei dann euer
Bruder mit euch. Jakob aber fuhr fort: warüm habt ihr so übel an mir getahn /
dass ihr ihm sagtet / ihr hettet noch einen Bruder zu hause? Sie antworteten: der
Man forschte so genau nach uns und unsrer freundschaft. Ja er fragte: lebet euer
Vater noch? und habt ihr auch noch einen Bruder? Wir gaben ihm bescheid / wie er
fragte. Dan wer hette gedacht / dass er uns befehlen würde unsern Bruder
mitzubringen? Judah redete weiter. Ach! lieber Vater /sagte er / lass unsern
Bruder mit mir ziehen / dass wir uns aufmachen / ehe wir sterben. Wilstu dann /
dass wir / üm seinet willen / ja du selber / und er zugleich mit uns / vor
hunger verschmachten sollen? Wilstu dann / dass auch Simeon wan wir nicht
wiederkommen / soll hingerichtet werden? Ei lieber! lass ihn mitreisen / damit wir
leben. Ich will bürge für ihn sein. Von meinen händen soltu ihn fordern. Man ich
ihn nicht wiederbringe / und für dein angesicht stelle; so will ich mein
lebenlang die schuld tragen. Hettestu ihn eher mitgelassen / so weren wir schon
wohl zweimahl wiederkommen.
    Hierauf entschlos sich Jakob endlich / seinen Benjamin mitzugeben. Mus es
dann also sein / sagte er: so tuht es / und nehmet ihn hin. Darzu nehmet auch von
des landes besten früchten mit euch. Bringet dem Manne geschenke. Bringet ihm
Balsam / Honig / Rosienen / und allerlei Würtze. Bringet ihm Mirren / Datteln /
Feigen / und Mandeln; so viel / als ihr in eure säkke zu bringen vermöget. Und
also wird er euch üm so viel mehr gnade erweisen. Nehmet auch zum einkauffe des
getreides so viel geldes mit / als genug ist: und darzu dasselbe / das ihr in
euren säkken gefunden. Der almächtige Gott lasse euch barmhertzigkeit finden vor
dem Manne / dass ihr euren andern Bruder / mit dem Benjamin / wiederbringet. Nun
so ziehet hin im friede. Ich aber mus sein als einer / der aller seiner kinder
beraubet ist.
    Also machten sich die eilf Söhne Jakobs auf die reise / und kahmen in wenig
tagen glücklich zu Memfis an. Eben befand sich Josef bei der überfahrt vor der
stadt. Er sah seine Brüder / mit dem Benjamin: und befahl dem Musai / sie
sämtlich auf sein schlos zu führen. Auch fügte er hinzu: dass er sollte schlachten
/ und zurichten lassen: dann sie sollten das mittagsmahl mit ihm halten. Als sie
nun sahen / dass sie auf das Schaltkönigliche schlos geführet warden / da
erschraken sie. Das hertz entfiel ihnen. Ach! sagten sie untereinander / wir
werden üm des gelbes willen / das wir in unsern säkken gefunden / hierher
gebracht. Man will uns eines diebstals bezüchtigen. Man will ein urteil über uns
fällen; damit man uns zu leibeignen /samt unsern eseln / behalte. Und darüm
redeten sie mit dem Musai vor dem tohre. Mein Herr / sagten sie / wir haben bei
euch vor diesem getreide gekauft /aber auf dem rükwege alles geld / das wir
darvor gegeben / in unsern säkken wiedergefunden. Nuhn wissen wir nicht / wie es
hinein kommen. Darüm bringen wir dasselbe / als auch noch mehr mit uns; alles /
was wir gekauft / und noch kauffen würden / richtig zu bezahlen. Der Haushalter
aber antwortete: fürchtet euch nicht. Euer geld ist mir worden. Euer Gott und
eures Vaters Gott hat euch einen schatz bescheeret in eure säkke. Ich habe die
volle bezahlung bekommen.
    Hierauf brachte sie Musai in ein Fürstliches zimmer; lies ihnen wasser
reichen / die füsse zu waschen /und ihren eseln futter geben. Auch führete er
ihren bruder Simeon zu ihnen: der sie mit grossen freuden empfing. Sie aber
gingen hinaus / und eröfneten ihre säkke. Daraus nahmen sie die mitgebrachten
früchte /welche dem Schaltkönige sollten verehret werden. Von einer ieden ahrt
legten sie etwas zur schaue in unterschiedliche schüsseln / dem Schaltkönige /
sobald er wieder heim kähme / zu zeigen. Die übrigen warden ordentlicher gepakt
/ und also die geschenke bereitet.
    Auf den mittag begab sich Josef wieder auf sein schlos. Straks lies er seine
Brüder vor sich kommen. Diese erschienen mit ihren geschenken / und fielen vor
ihm zur erde nieder. Er aber empfing sie überaus freundlich. Von stunden an
fragte er nach ihrem Vater. Wie geht es / sagte er / eurem Vater dem alten /
dessen ihr ehmahls gedachtet? Ist er noch bei leben? Sie antworteten: es geht
meines Herrn knechte / unsrem Vater / sehr wohl / auch lebet er noch. Hiermit
neugeten sie sich abermahl / und fielen zur erde nieder. Darnach warf Josef das
auge auf seinen Bruder Benjamin. Ist das / fragte er / euer jüngster Bruder /von
dem ihr sagtet? und straks fing er an: Gott sei dir gnädig / mein sohn. Weil ihm
nun das hertz gegen seinen Bruder dermassen entbrante / dass er die trähnen nicht
länger halten konnte; so machte er sich eilend auf die seite. Eilend entwich er
in sein zimmer / und weinete daselbst eine guhte weile.
    Endlich / als Josef sein angesicht gewaschen /kahm er wieder / und hielt
sich hart. Straks befahl er die tafeln zu dekken / und die speisen aufzutragen.
Da kahm seine liebe Assenat auch an: welche noch nicht wusste / dass es seine
Brüder weren. Mit derselben begab er sich an eine sonderliche tafel. Gegen
dieser über hatte man eine andere vor seine Brüder gedekt: ja noch eine andere
vor die Egipter; dann diese durften mit den Ebreern nicht essen / weil es ein
greuel war vor ihren augend Alle diese tafeln / ob sie schon unterschiedlich /
und mit unterschiedlichen speisen bedienet warden / hielt man gleichwohl vor
eine / nähmlich des Schaltköniges tafel Seine Brüder warden ihm recht ins
gesicht / und in solcher ordnung ihres alters /wie sie in ihres Vaters hause zu
sitzen pflegten / gesetzet. Und hierüber verwunderten sie sich alle. Alle teller
/ alle schüsseln waren von lauterem golde. Auch trug man ihnen ihre speisen auf
von des Schaltköniges tafel selber / einem ieden sein teil. Aber dem Benjamin
ward fünf mahl mehr. Also assen und tranken sie / und waren guhtes muhtes.
    Nach gehaltener tafel befahl Josef seinem Haushalter / dass er ihre säkke mit
getreide füllen sollte / so viel / als sie fortbringen könten. Auch sollte er in
geheim eines jeden geld oben in seinen sak legen; in Benjamins aber auch seinen
silbernen Trinkbecher darzu. Hiermit machten sie sich des morgens früh auf / und
zogen fröhlich darvon. Aber diese freude währete nicht lange. Kaum waren sie
eine stunde von der stadt / als sie etliche zwanzig reiter hinter ihnen her
eilen sahen. Sie erschraken nicht wenig. Plötzlich überfiel sie die furcht. Ja
diese heuffete sich noch mehr / als sie den Musai erblikten / und ihn von ferne
rufen höreten: Haltet stil / ihr diebe! haltet stil / ihr leichtfärtigen
bösewichter! ihr undankbaren vogel! Als er nun näher hinzukommen; da verwiese er
ihnen ihre Bosheit. Er bezüchtigte sie des diebstals. Ihr habt / sagte er /
meines Herrn Trinkbächer entwendet. Ihr habt ihm den Bächer gestohlen / damit er
weissaget. Ist das die dankbarkeit vor seine erwiesene guhttaht. Hat euch euer
Vater ausgeschikt denselben zu bestehlen / der euch / üm seinetwillen / so
herrlich bewürtet? Straks gebt den dieb her / samt dem gestohlnen: wo nicht / so
solt ihr alle miteinander angesichts niedergehauen werden.
    Warüm ist mein Herr so gar zornig? antwortete Ruben. Warüm begegnet er uns
mit solchen schmaachreden? Es sei ferne von uns ein solches zu tuhn. Sein Herr
hat uns gestern als ehrliche leute befunden / und als liebe gäste gnädig
bewürtet. Woher komt nun dieser plötzliche überfal? Fraget ihr noch /woher? fuhr
Musai ganz erhitzet fort. Darüm / und daher / weil ihr diebe seid: weil ihr
meinen gnädigen Fürsten bestohlen. An den galgen mit solchen buben! Ruben
antwortete wieder. Mein Herr sehe zu / was er tuht. Hat er etwas verloren / so
suche er nach / bis er es findet. Unterdessen lasse man uns ungeschändet. Wir
seind nicht gewohnet des diebstals bezüchtiget zu werden. Wir haben ja das geld
/ das wir in unsern säkken fanden / wiedergebracht. Wie sollten wir dann darzu
kommen / silber oder gold zu stehlen aus seines Herrn schlosse? Bei welchem der
Bächer / fing Judah gleichfals an / gefunden wird / der sei des todes: und wir
alle wollen meines Herrn knechte sein.
    Musai war damit zu frieden. Zur stunde suchte er rundherüm des ältesten
sakke. Von des ältesten seinem fing er an. Er fuhr nach der reihe fort. Zuletzt
kahm er auch an des Jüngsten seinen. Da fand sich endlich der Bächer in
Benjamins sakke. Hierauf liest Musai den tähter straks binden / ihn wieder mit
sich zurückzuführen. Noch heute / sagte er / soll dieser dieb hängen; damit er
morgen nicht auch den König selber bestielet. Ihr aber ziehet mit euren
fruchten hin. Euch erkennen wir frei. Mit euch haben wir nichts zu schaffen.
    Es ist nicht zu beschreiben / wie jämmerlich diese Brüder tähten. Alle
zerrissen ihre kleider. Alle kehreten / mit dem Benjamin / nach der Stadt zu.
Zur stunde gingen sie auf des Schaltköniges schlos. Da tähten sie einen fussfal.
Josef aber sagte zu ihnen: wie habt ihr euch dürfen unterfangen ein solches zu
tuhn? Wisset ihr nicht / dass es ein man / als ich bin / errahten könnte? Judah
fing endlich an / und sagte: ach! mein Herr / was sollen wir reden? oder was
sollen wir nicht reden? und womit sollen wir uns rechtfärtigen? Gott hat die
missetaht deiner knechte gefunden. Siehe da? wir / und der / bei dem man den
Bächer gefunden /seind meines Herrn knechte. Josef aber antwortete: das sei
ferne von mir. Der man / bei dem der Bächer gefunden ist / soll mein knecht sein.
Ihr aber ziehet hinauf / zu eurem Vater / mit frieden.
    Zwischen dessen stunden sie alle miteinander in grosser angst. Und diese
angst machte ihnen Ruben /durch stähtige stichelworte / noch immer grösser und
grösser. Unaufhörlich verwiese er ihnen die taht / am Josef begangen. Und solches
täht er so überlaut / dass es der Schaltkönig selbst hörete; wiewohl er sich
stellete / als verstünde er ihre sprache nicht. Auch rief er etliche mahl: ach
Josef! Josef! wie viel seeliger bistu /als wir. Ach! du magst todt / oder
lebendig sein / so bistu doch aller dieser schmertzen / die wir üm deines
liebsten Bruders willen leiden / überhoben. Dan du siehest es nicht / was wir
sehen. Du weist nicht / dass er so unschuldig in ewige dienstbarkeit geräht.
    Unter allen aber war niemand mehr bekümmert /als Judah. Niemand war mehr in
angst / als er; weil er seinen Vater beredet / dass er den unglücklichen Benjamin
mitziehen lassen. Darüm warf er sich auch noch einmal vor den füssen des
Schaltköniges nieder. Mein Herr / sagte er / lasse seinen knecht ein wort reden
vor seinen ohren. Und sein zorn ergrimme nicht über seinen knecht. Dan Mein Herr
ist eben als Farao. Keiner von uns allen darf wieder in unser vaterland. Keiner
darf wieder vor unsern Vater kommen / wo wir unsern Bruder nicht mitbringen. Ich
am allermeisten werde die schuld tragen müssen. Darzu habe ich mich
verpflichtet. Darzu habe ich mich verpfändet. Dan ich bin es / der unsern Vater
beweget / ihn mitzuschikken. Auf meines Herrn befehl habe ich solches getahn.
Weil mein Herr sagte / wir sollten sein angesicht nicht sehen / wan unser Bruder
nicht mitkähme; so musste solches geschehen. Meinem Herrn zu gehohrsamen / musste
sein knecht / unser Vater /beredet werden. Und darüm musste ich mich selber zum
bürgen stellen. Kan ich nun so viel gnade mächtig sein / so behalte mein Herr
mich / an meines Bruders statt / zum leibeignen; und lasse den Jüngling / mit
seinen Brüdern / hinauf ziehen. Dan / ohne ihn / darf ich nach hause nicht
kommen. Ich würde den jammer meines Vaters / dessen seele an seines Sohnes seele
hänget / sehen müssen. Ich würde sehen müssen / dass er vor grossem hertzleide
stürbe. Ja ich würde hören müssen / dass ich seine grauen haare mit jammer
hinunter in die grube gebracht.
    Dieses alles hatte Josef bisher getahn / seine Brüder zu versuchen. Er wollte
erfahren / ob sie mit dem Benjamin auch so tükkisch handeln würden / als mit
ihm. Er wollte wissen / ob sie seinem Bruder eben so wenig liebe zutrügen / als
ihm: und ob sie denselben eben so bosshaftig verlassen wollten / als ihn. Weil er
nun mehr liebe bei ihnen befand / als er ihm eingebildet; so brach ihm endlich
das hertz. Es ward mürbe: es schmoltz ihm im leibe. Er konnte sich länger nicht
halten. Er rief; dass iederman von mir hinaus gehe! Als nun kein mensch mehr vor
ihm stund / als seine Brüder; da gab er sich ihnen zu erkennen. Da fing er so
laut an zu weinen / dass es die Egipter / und das gesinde des Königes höreten. Da
sprach er zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Lebet mein Vater noch? Und seine
Brüder konten ihm nicht antworten: so erschraken sie vor seinem angesichte.
Josef aber fuhr fort: trähtet doch her zu mir / sagte er. Und sie trahten herzu.
Da sprach er: ich bin Josef / euer Bruder / den ihr den Ismaelern verkauftet.
Nun bekümmert euch deswegen nicht: ja denket nicht / dass ich darüm zürne / weil
ihr mich hierher verkauft habt. Dan üm eures lebens willen hat mich Gott für
euch hergesandt. Zwei jahr haben wir schon teure zeit gehabt. Nun seind noch
fünf jahre vorhanden / dass man weder pflügen /noch ärnten wird. Aber Gott hat
mich für euch hergesandt / dass er euch übrig behalte halte auf erden / und euer
leben errette / durch eine grosse errettung. Ja Gott hat es getahn / nicht ihr.
Gott hat mich dem Könige zum Vater gesetzt / und zum Herrn über sein ganzes
Haus: ja zum Fürsten über das ganze Egipten. Eilet nun / und ziehet hinauf zu
meinem Vater. Machet euch straks auf / ihm anzumelden / dass ich noch lebe. Saget
ihm / dass mich Gott zum Herrn über das ganze Egipten gesetzt hat. Sprecht zu
ihm / das lest dir Josef sagen: komm herab zu mir. Du solt im lande Gessen wohnen
/ und nahe bei mir sein. Saget zu ihm /dass er / mit seinen Kindern / mit seinen
Kindeskindern / und mit seinem kleinen und grossem Viehe /herabkomme. Ich will ihn
versorgen; damit er nicht verderbe / mit seinem hause / und allem / was er hat:
dann die teurung wird noch fünf jahre währen. Berichtet ihn / dass eure eigene
augen / und meines Bruders Benjamins augen selber gesehen / dass ich mündlich
mit euch geredet. Ja verkündiget meinem Vater alle meine herzligkeit in Egipten
/ und alles / was ihr gesehen. Eilet / und komt bald hernieder / mit meinem
Vater.
    Hierauf fiel er seinem Bruder Benjamin üm den hals / und weinete: und
Benjamin weinete gleichesfals an seinem halse. Auch küssete er alle seine Brüder
/ und weinete über sie. Endlich redeten sie miteinander; und warden fröhlich.
Niemand aber war fröhlicher / als Benjamin / und Ruben. Eben kahm die
liebseelige Assenat auch hinein / ihre Schwäger wilkommen zu heissen. Sie hatte
ihre zwei junge Herlein bei der hand: welche ihre Vettern ebenmässig empfingen.
Zum wilkommen verehrete sie iedem Schwager ein Feierkleid; dem Benjamin aber
zwei. Es war ihr leid / dass sie ihre freude / aus unkündigkeit der Ebreischen
sprache / ihnen nicht mit eigenem munde bezeugen konnte. Doch ersetzte solches
ihr ältestes Herlein Manasse. Die Dieser war ihr Tahlmetscher: dann er hatte
einen eigenen Sprachmeister / der ihn im Ebreischen und Kaldeischen unterwiesen.
    Zwischen dessen kahm der ruf auf die Königliche Burg / dass des Schaltköniges
Brüder kommen weren. Da erhub sich eine grosse freude. Es gefiel dem Könige / ja
allen seinen leuten so überaus wohl / dass er von stunden an hinschikte / den
Schaltkönig zu hohlen. Dieser stund eben dazumahl bei dem Könige in höchsten
gnaden; weil er ihm so wohl / als dem ganzen Reiche / so gar grossen nutzen
schaffete. Dan er erhielt das Reich vor andern Reichen und ländern im höchsten
wohlstande. Er errettete die untertahnen vom hunger. Er stiftete
höchsterspriesliche Satzungen. Er mehrete die königlichen Schätze. Er erhub die
Königliche Macht. Ja er machte den König so reich / und so mächtig / dass er der
gewaltigste ward unter allen benachbahrten Königen. Und darüm liebte ihn der
König über alle massen. Er suchte allerhand mittel ihm seine dankbarkeit blikken
zu lassen. Keine gelegenheit lies er vorbei / ihm seine so treuen dienste zu
belohnen. Fast kein augenblik verging / da er ihm nicht eine neue gnade
widerfahren lies. Ja er hatte den Josef schon so reich gemacht / und so hoch
erhoben /dass es fast unmüglich war ein mehres zu tuhn.
    Weil nun der Königerfahren / dass Josefs Vater noch lebte / und seine Brüder
ihm selbst die zeitung gebracht; so lies er auch über diese solche seine gnade
ganz überschwänglich gehen. Befehlet euren Brüdern / sagte er zum Josef / dass
sie ihre tiere mit des Reichs besten früchten beladen / und hin nach hause
ziehen. Auch saget zu ihnen also: nehmet euren Vater / und euer gesinde / und
komt zu mir. Ich will euch gühter geben in Egipten: und ihr sollet das mark der
länder essen. Ja gebietet ihnen / und sprechet: nehmet mit euch aus Egipten so
viel wägen / als ihr nöhtig habet zu euren Kindern und weibern; und führet sie
alle /mit eurem Vater / zu mir. Sehet euren hausraht nicht an. Dan die gühter
des ganzen Egiptens sollen euer sein.
    Josef täht also / wie der König gesagt hatte. Er verschafte seinen Brüdern
wägen; und gab ihnen zehrung mit auf den weg. Auch gab er einem ieden ein
Festkleid; dem Benjamin aber fünfte / mit dreihundert silberlingen darzu. Ja er
schikte seinem Vater zehen esel mit Egiptischen gühtern / und eben so viel mit
getreide beladen. Zudem versorgte er sie mit broht und speisen auf den rükweg.
Hierbei gingen auch des Königes geschenke von güldenen und silbernen geschirren
/ und andern köstlichen sachen: welche zwölf reiter aus den Königlichen
Einspännigern begleiten mussten. Endlich als alles zum aufbruche färtig war /da
befahl Josef seinen brüdern noch zu guhter letzte: sie sollten seinem Vater nicht
sagen / dass er von ihnen verkauft worden. Dan er fürchtete / Jakob würde sich
deswegen über sie entrüsten. Darüm hatte er auch beschlossen / ihn selber zu
bereden / dass er den wilden tieren entronnen / und den Ismaelern in die hände
gerahten: welche ihn in Egipten verkauft hetten.
    Also reiseten Josefs Brüder / unter Königlichem geleite / fort / und
gelangten in wenig tagen frisch und gesund zu Hebron an. Zur stunde verkündigten
sie ihrem Vater: dass Josef noch lebte; und dass er / nach dem Könige / der gröste
Herr in Egipten sei. Aber Jakobs hertz dachte viel anders. Er konnte sich ganz
nicht bereden ihnen zu gleuben. Doch als sie ihm alle worte des Josefs erzählt
/ und er die wagen / samt den geschenken / sah / die er ihm schikte; da ward
sein geist wieder lebendig. Da gedachte er an Josefs Traum / den er von den eilf
Sternen / von der Sonne und vom Mohnde / die sich alle dreizehen vor ihm
geneuget / gehabt hatte. Da sah er / dass diese dreizehende zahl / die dreizehen
jahre bedeutet / nach welchen Josef zu seiner herligkeit erhoben worden. Dan im
siebenzehenden jahre seines alters hatte Josef diesen Traum / und im
dreissigsten / nähmlich dreizehen jahre darnach / ward er Schaltkönig: und diese
hohe stahtswürde hatte er eben itzund neun jahre besessen. Und darüm sprach
Israel: ich habe genug / dass mein Sohn noch lebet. Ich will hin / und ihn sehen /
eh ich sterbe.
    Straks ward alles zur reise färtig gemacht. Geschwinde musste sich iederman
rüsten. Flugs warden die gühter gepakt / die wägen beladen / die esel
belästiget. Eilend lies man die Viehheerden zusammentreiben. In der hast musste
alles geschehen. Und also machte sich Jakob alsobald auf / mit allem was er
hatte. Aber als er nach Bersaba / bei den Brunnen des Eides / gelanget: da
opferte er zuvor dem Gotte seines Vaters Isaaks; damit Er seine reise beglückken
/ und zugleich auch anzeigen möchte / ob sie vor sein Geschlecht ersprieslich
sein würde. Dan er besorgete sich / seine Nachkommen möchten in der Egiptischen
wohllüstigen fruchtbarkeit künftig so grosse lust schöpfen / dass sie alda gar
bleiben / und das land Kanaan / das ihnen Gott versprochen / einzunehmen
vergessen würden.
    Hierauf erschien ihm der HERR des nachtes im gesichte. Jakob / Jakob / rief
Er: und Jakob antwortete / hier bin ich. Da sprach der HERR zu ihm: Ich bin Gott
/ der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht hinab / in Egipten / zu ziehen. Dan
daselbst will ich dich zu einem grossen Volke machen. Ich will mit dir hinab
ziehen. Ich will dich führen: und Josef soll seine hände auf deine augen legen.
Dessen Nachkommen werden lange zeit herschen: und aus ihnen will ich einen
Fürsten erwekken: der das versprochene Land mit gewaltiger hand einnehmen / und
unter dein Geschlecht austeilen wird.
    Straks auf den morgen brach Jakob von Bersaba auf. Seine Söhne führeten ihn
/ samt ihren Kindern und Weibern / auf den wägen / die der König geschikt hatte.
Alles Vieh / und alle habe / die sie in Kanaan erworben hatten / nahmen sie mit:
und kahmen also in Egipten / Jakob / und sein Saame mit ihm. Judah eilete mit
starken tagereisen voran / dem Josef seines Vaters ankunft zu verkündigen.
Straks setzte sich der Schaltkönig / mit seiner Gemahlin / auf seinen wagen /
und zog ins land Gessen / seinem Vater entgegen. Sobald er ihn sah / fiel er
ihm üm den hals / und weinete lange an seinem halse. Jakob aber sprach zum
Josef: ich will nun gerne sterben / nachdem ich dein angesicht gesehen. Dan nun
bin ich versichert / dass du noch lebest.
    Assenat / und alle Egipter verwunderten sich über Jakobs so ansehnliche und
gleichsam blühende gestalt. Dan sein altertuhm war noch so schön als eine
jugend; seine lippen so roht / sein angesicht so lebendig von farbe / seine
augen so klahr und helle / als eines dreissigjährigen Mannes. Auch war er an
schultern / kniehen / beinen und seenen so stark / als ein held: und sein haar
auf seinem heupte so weis / als der schnee. So weis war auch sein bahrt; der
sich bis über die brust recht zierlich ausbreitete. Ja sie verwunderten sich
auch über die mänge so wohl / als ansehnligkeit seiner Kinder und Kindeskinder;
derer dazumahl /den Ertzvater selber mitgerechnet / siebenzig seelen
beieinander waren. Assenat empfing den Ertzvater mit überaus grossen
freudenbezeugungen: und er gab ihr den seegen / und küssete sie.
    Mitlerweile reden Josef mit seinen Brüdern / und gab ihnen / unter andern /
zu verstehen / dass er dem Könige andienen wollte: sein Vater / mit seinem ganzen
Hause / sei angelanget; auch hetten sie alle ihre habe / und alles ihr vieh
mitgebracht. Darüm / wan der König sie fordern liesse / und fragte: was ihr tuhn
und gewerbe sei? sollten sie antworten: dass sie leute weren / die gewohnet mit
Vieh ümzugehen / eben wie ihre Väter getahn. Dan er wollte gern / dass sie / im
lande Gessen / sämtlich beieinander allein und absonderlich wohnen möchten; weil
alle Viehhürten / und die das Vieh schlachteten / den Egiptern / die es vor
Götter hielten / ein greuel weren.
    Hierauf begab sich Josef straks zum Könige / und sagte ihm solches an. Auch
baht er zugleich / dass der König seinen Brüdern / weil sie mit der viehzucht
sich nähreten / vergönnen möchte im lande Gessen zu wohnen. Dan alda war eine
fette viehweide / eine rechte schmaltzgrube. Alda hatte Josef und Assenat viel
eigene liegende gründe. Zudem gehöhrete das ganze land ohne das seiner Gemahlin
Vater / als Heliopelschem Ertzbischoffe / zu. Kein besseres und gelegneres
hetten sie wündschen können / als dieses; da sie von allen Egiptern abgesondert
wohnen / und ihr tuhn und wesen allein haben mochten. Also konnte sich kein
unwille unter beiden erregen. Also konten sie die Egipter / welche kein vieh
mochten schlachten sehen / nicht ärgern.
    Straks darnach führete Josef auch fünf seiner jüngsten Brüder zum Könige:
welcher sie sehr freundlich empfing. Von stunden an fragte er: was ihre nahrung
sei? Sie antworteten: des Königes knechte gehen mit Vieh üm / wie unsere Väter
getahn. Wir seind kommen alhier zu wohnen. Dan im lande Kanaan war nichts / als
misgewachs / zu finden: und wir hatten kein futter mehr vor unsere heerden: so
hart brükten die misjahre das land. Darüm bitten wir untertähnigst / dass der
König im lande Gessen seinen knechten zu wohnen vergönne. Hierauf wendete sich
der König nach Josef zu. Es ist euer Vater / sagt er / und es seind eure Brüder
/ die zu euch seind kommen. Das ganze Egipten stehet euch offen. Lasst sie im
besten lande wohnen. Lasst sie wohnen im lande Gessen. Wan auch leute unter ihnen
zu finden / die ihr wisset /dass sie tüchtig seind; so setzt sie über mein Vieh.
    Endlich brachte Josef ebenmässig seinen Vater hinein / und stellete ihn vor
den König. Den seegnete Jakob. Der König aber / welcher über sein hohes /und
zugleich geruhiges alter verwundert war / fragte ihn: wie alt er sei? Der
Ertzvater antwortete: der jahre meiner walfahrt seind hundert und dreissig.
Wenig und böse ist die zeit meines lebens / und langet nicht an die zeit meiner
Väter / in ihrer walfahrt. Nach etlichen wenigen reden mehr seegnete Jakob den
König abermahl / und nahm seinen abtrit. Josef aber verschafte seinen Brüdern
wohnungen am besten orte des landes: nähmlich üm Heliopel herüm; wie der König
befohlen. Ja er versorgen seinen Vater / und sein ganzes Haus. Er versorgete
seine Brüder / nachdem ein ieder kinder hatte.
    Eben damahls ward die Teurung in allen ländern rund herüm ie länger ie
grösser. Nirgend war broht zu finden. Egipten und Kanaan verschmachteten vor
hunger. Im ersten und jetzt verflossenem zweiten misjahre hatte Josef / durch den
verkauf des getreides /alles gemüntzte gold und silber aus Egipten und Kanaan
zusammengebracht. Nun ging es an das silberwerk. Nun brachte man dem Josef alle
silberne und güldene geschirre. Alle ringe / alle edele steine / alle
schatzstükke mussten herhalten: ja alles was seltzam und köstlich war. In der
wohlfeilen zeit hatte der Schaltkönig / zum einkauffe des getreides / vier
Einhörner aus der königlichen kunstkammer zu gelde gemacht. Aber ehe vier
hungers jahre verlieffen / waren derer zwölfe vor handen. Ja er lösete vor Korn
/ in den ersten drei teuren jahren / hundert mahl mehr wieder ein / als er in
den vorigen wohlfeilen sieben jahren ausgegeben. Dan alle schätze aus Asien und
Afriken brachte Josef / durch dieses mittel / in die Schatzkammer des Reichs und
des Königes zusammen. Zudem zogen auch viel menschen aus den ümliegenden reichen
und ländern / ihr leben zu erhalten / in Egipten.
    Also hatte zu der zeit das Egiptische Reich seines gleichen nicht / weder an
geldmitteln / noch an macht der manschaft / noch auch an lebensmitteln / in der
ganzen welt: welches man / nächst Gott / niemand /als dem einigen Josef / zu
danken. Darüm liebte ihn auch iederman. Jederman ehrete ihn / als einen Vater
/als einen Heiland und Erhalter des ganzen Egiptens. Es war fast kein haus zu
finden / da Fürst Josefs Bildnüs / neben dem Königlichen / nicht hing. Ja sie
hetten ihn öffendlich / wie sie es schon heimlich tähten / gar vor einen Gott
angebähtet; wo es Josef nicht ernstlich verbohten. Und also war es weit gefehlet
/ dass ihn einiger Egiptischer Fürst / wie bei andern Höfen gewöhnlich / beneiden
sollen. Josef verhielt sich gegen iederman solchergestalt / dass er allen hohen
Heuptern allen eifer / und alle misgunst benahm. Sie mussten ihn lieben. Anders
konten sie nicht tuhn. Josef war derselbe / der alles versorgete. Er war
derselbe / der seinen Beschützer beschützte. Er war des Königes Augapfel; der
stab / darauf er sich lehnete. Ja er war alles in allen.
    Die Mohren und Araber spanneten zusammen. Sie kahmen mit gewafneter hand
Egipten zu überfallen. In ihren ländern litte man hunger. Der sah ihnen aus den
augen. Der machte der Araber grausame gestalt noch grausamer; ihr wühtendes
hertz noch wühtender; ihre reuberische ahrt / noch reuberischer / noch
blutdürstiger. Sie unterstunden sich die Egiptischen Kornheuser zu plündern. Sie
unterfingen sich das getreidig wegzurauben. Aber Josef begegnete ihnen mit einer
gewaltigen macht. Man schlug sie zum Reiche hinaus. Ihr Feldherr ward gefangen.
Den stellte Josef / ohne einiges lösegeld / auf freien fuss. Darzu verehrte er ihm
eine zimliche mänge getreides. Darzu vergönte er allen Arabern ein sicheres
geleite. Sie mochten frei und ungehindert in Egipten kommen / getreide zu
kauffen. Aber nicht mehr als hundert auf ein mahl. Hetten sie kein geld mehr /
so möchten sie vieh bringen. Kein lebensvorraht sollte ihnen geweigert werden.
Durch solche freigebigkeit und vergünstigung /begühtigte Josef diese wilden
Völker dermassen / dass sie sich überaus friedlich erzeigten. Ja sie schätzten
sich glücklich / dass man ihnen lebensmittel / vor geld oder geldeswähre /
zukommen liesse.
    Inmittelst wuchs die Teurung immer mehr und mehr an. Die hungersnoht ward ie
länger ie grösser. Kein geld / noch andere sachen / die man zu gelde machen
konnte / getreide zu kauffen / waren mehr vor handen. Die Egipter schrien üm
broht. Sollen wir /nun / sagten sie zum Schaltkönige / vor hunger sterben / weil
wir kein geld haben? Josef antwortete: schaffet euer vieh her. Da brachten sie
das vieh: und er gab ihnen broht üm ihre pferde / schafe / rinder und esel. Also
ernährete er sie dasselbe jahr / üm alles vieh / das sie hatten / mit brohte. Da
nun dieses vierde jahr üm war / kahmen sie im fünften wieder zu ihm. Wir können
/ sagten sie / unsrem Herrn nicht verhalten / dass alles geld und alles vieh hin
ist zu unsrem Herrn. Nun haben wir für ihn nichts mehr übrig / als nur unsre
leiber und unsre felder. Warüm sollen wir sterben für unsrem Herren? Er kauffe
uns und unser land / und gebe uns broht und saamen. Wir und unser land wollen
dem Könige leibeigen sein: damit wir leben und nicht sterben / auch unser feld
nicht veröde. Also kaufte Josef dem Könige das ganze Egipten. Dan die Egipter /
weil die hungersnoht so gar gross war / verkauften / einieder / seinen akker.
Dergestalt ward das ganze land / mit allen einwohnern / dem Könige eigen. Und
Josef teilete das Volk aus in die städte. Aber der Priester feld kaufte er
nicht. Die behielten ihre freiheit / und äkker. Dan der König hatte verordnet /
dass sie von dem benanten / damit er sie begnadiget / ernähret würden.
    Als nun Josef alle Egipter gekauft hatte / da sprach er zu ihnen: heute habe
ich euch und euer feld dem Könige zu eigen gekauft. Da habet ihr saamen /und
besäet das feld. Von dem gewächse solt ihr den fünften dem Könige geben. Vier
teile sollen euer sein. Damit könt ihr euer haus / und eure kinder versorgen.
Sie antworteten alle: wan wir nur leben / und gnade finden für unsrem Herren /
so wollen wir dem Könige gern leibeigen sein. Also machte Josef ein ewiges
gesetz über der Egipter feld: dass der fünfte dem Könige gegeben würde. Aber der
Priester feld blieb frei.
    Hingegen hatte der Schaltkönig / so lange die teurung währete / die ganze
mänge des volkes zu speisen. Das musste er tuhn / wan er diejenigen / die er dem
Könige zu leibeignen gekauft / nicht wollte verhungern lassen. Er bestellete dann
überal Ausspender der lebensmittel. Durch diese lies er iedem täglich nur so
viel reichen / als die nohtdurft erheischete. Davor mussten sie zu hofe dienen.
Sie mussten dem Könige fröhnen. Weil in den noch währenden misjahren der akker
nur vergebens bestellet ward; so warden sie zu andern frohndiensten angehalten.
Josef lies niemand ledig gehen. Keinem lies er den müssiggang zu. Sie warden zum
Baue der Städte / Schlösser / Türne / und anderer gebeue gebrauchet. Teils
mussten an den Grab- und Sonnen-spitzen helfen. Andere mussten Wasserleitungen /
und Fischteiche graben. Noch andere die Tämme üm den Niel und vor den äkkern
ausbüssen und erhöhern.
    Auch lies Josef / nach seiner eignen erfindung / ein Nielsmass bauen: welches
den grösten / kleinsten /und mittelmässigen anwachs des Niels eigendlich anwiese.
Dieses stund am Ufer des flusses. Rund ümher war eine starke steinerne mauer
gezogen. Von hier ging man / durch eine steinerne treppe / hinunter an den
brunnen: dessen wasser / mit dem Niele / zugleich stieg / und fiel. Mitten in
diesem Wasser / das durch röhren aus dem Niele dahin geleitet ward / stund das
Nielmass selber. Es war eine lange marmelsteinerne Seule / mit etlichen
gewissen zeichen nach oben zu. An denen konnte man sehen / wie hoch sich der Niel
täglich erhub. Also hielt Josef nicht allein alle Egipter zur arbeit; sondern
stiftete ihm auch / durch solche herrliche gebeue / ein ewiges gedächtnüs. Ja er
zierete dadurch das ganze Egipten.
    Endlich fand Josef vor die muhtwilligen faullentzer / und andere verbrecher
noch eine andere arbeit. Die ward ihnen zur strafe auferlegt. In den
Mohrenländischen Bergen gibt es sehr viel Goldadern: durch welche zu weilen der
Niel fället / und den Goldsand abspühlet. Diesen führet er / unter dem andern
schlamme / mit sich in Egipten. Aus solchem schlamme lies Josef / mit waschen
und reinigen / den goldsand samlen. Der ward hernach ganz klein zu staube
gerieben / und in schmältzkrügen geschmoltzen. Auch schikte er ein teil gemelter
verbrecher an die Egiptischen grentzen / nach Arabien und dem Mohrenlande zu.
Alda hatte er / im gebürge / befunden / dass durch etliche weisse marmelrotsen
hin goldadern lieffen. Diese goldadern mussten sie / samt den steinen / aushakken
/ und in mörseln zum staube stossen: darnach den staub auf breiten marmeltafeln
noch kleiner reiben / und dann mit wasser so vielmahls abspühlen / bis sie das
gold vom steinichten zeuge gesondert. Endlich ward dieser geriebene und
gereinigte goldstaub / mit blei und anderem ertzwerke / in schmältztöpfe /
welche man oben mit erde fest vermachte / getahn / und auf einem kohlfeuer
geschmoltzen. Und also zeigete Josef den Egiptern / durch die Scheidekunst /
auch das goldmachen: darinnen sie sich nach der zeit immer mehr und mehr geübet.
Doch hielten sie es so heimlich / dass es andere völker nicht nachtuhn sollten.
    Eben üm diese zeit / da Josef am allergeschäftigsten war den Egiptern das
müssiggehen abzugewöhnen / trug sich was wunderseltzames zu. Der Königliche Fürst
sah die Assenat ohngefähr auf der Königlichen burg wandeln. Er sah ihre
fürtrefliche schönheit. Er erblikte ihr allerliebseeligstes wesen. Zur stunde
ward er verliebt. Ein strahl ihrer schönen augen verwundete sein hertz. Dis
brante vor liebe. Und diese liebe trieb ihn zu einer fremden Entschliessung. Er
entschlos sich den Schaltkönig aus dem wege zu reumen / und die Assenat zu
ehligen. Dieses vornehmen offenbahrte er dem Gad und Simeon. Er suchte sie zu
vermögen / den Josef zu tödten. Eine grosse mänge goldes und silbers verhiess er
ihnen. Darzu sollten sie zu grossen ämtern befördert werden. Die verheissungen
waren gross. Aber ihre brüderliche treue war noch grösser. Sie wollten an ihrem
Bruder /dem sie so viel guhtes zu danken / keine verrähter /keine meuchelmörder
werden. Sie tähten / als höreten sie nicht. Sie schlugen keine achtung auf seine
worte.
    Weil nun dieser anschlag dem königlichen Fürsten nicht gelungen / so war er
auf einen andern bedacht. Mit list suchte er sie zu gewinnen. Mit lügen
vermeinte er zu seinem ziele zu bekommen. Er verfügte sich dann allein zu der
Magd söhnen / dem Dan und Gad. Diesen rieb er die ohren. Er gab ihnen zu
verstehen: dass ihnen Josef den tod gedreuet. So bald ihr Vater das heupt legte /
sollten sie hingerichtet werden. Sie weren nur Mägdekinder. Sie hetten ihn den
Ismaelern verkauft. Und noch itzund beneideten sie ihn. Darüm wollte er nicht
zulassen / dass sie mit seinen Brüdern erben sollten. Dieses alles hette Josef vor
den ohren des Königes geredet. Er selber were darbei gewesen. Was meint  ihr
nun / fuhr der Königliche Fürst fort? was urteilt ihr von diesen reden? Habt
ihr nun nicht uhrsache genug eurem untergange bei zeiten vorzukommen? Wan euer
Vater todt ist / wird es zu spähte sein. Straks mus es geschehen. Itzund müst
ihr den Josef aufreiben. Ich will euch etliche reiter darzu verschaffen. Morgen
wird er / mit seiner Gemahlin /von Heliopel nach Memfis reisen. Unterwegens
wartet ihm auf den dienst. Schlaget ihn todt. Nehmet die Assenat gefangen / und
führet sie in den busch. Da will ich zu euch kommen. Ja ich selber will auch
meinen Vater aus dem wege reumen. Zu gleicher zeit will ichs tuhn. Und dieses mus
ich tuhn; weil er dem Josef als ein Vater ist: damit er seinen tod nicht rechen
könne.
    Mit diesen listigen reden liessen sich Dan und Gad fangen. Darzu kahmen noch
grosse verheissungen. Zur stunde entschlossen sie sich. Alsobald griffen sie zur
sache. Straks machten sie sich auf. Geschwinde mussten ihnen dreissig reiter
folgen. In einem busche wollten sie zusammenkommen. Da sollte man auf Josef
lauren. Unterdessen ging der Königliche Fürst des nachts nach des Königes
schlafkammer zu. Da gedachte er seinen Vater hinzurichten. Aber dieser anschlag
schlug ihm fehl. Gott bewahrte den König. Die leibwächter wollten ihn nicht
hinein lassen. Dem Könige / sagten sie / hat das heupt weh getahn. Nun hat er
sich ein wenig zur ruhe begeben. Und wir haben befehl / niemand / auch nicht den
Königlichen Fürsten /zu ihm einzulassen. Das hat er uns ausdrüklich gebohten.
    Weil nun der Königliche Fürst alhier nichts schaffen konnte / so nahm er
funfzig kriegsknechte zu sich. Mit denen eilete er nach dem orte der lauerwache
zu; da Gad und Dan in bereitschaft stunden. Eben brach die morgenröhte herfür /
als er alda ankahm. Nicht lange darnach nahete sich die Schaltkönigin Assenat.
Mit sieben hundert teils reitern / teils fussgängern ward sie begleitet. Straks
fiel der Königliche Fürst auf den vortrab an. Unversehens ward er überraschet.
Plötzlich erhub sich der streit. Alsobald warden alle /die nicht straks zum
gewehre kommen konten / niedergehauen. Benjamin sass eben bei der Schaltkönigin
auf ihrem wagen. Dieser sah den Königlichen Fürsten mit gewalt auf sie zu
dringen. Geschwinde spranger aus der kutsche. Hastig nahm er einen stein. Damit
schleiderte er dem Fürsten in seine linke seite /und traf ihn so wohl / dass er
plötzlich vom pferde stürtzte.
    Mitlerweile waren alle der Assenat leute / bis auf einen / niedergemätselt.
Der hatte sich mit der flucht gerettet / und dem Simeon und Levi angezeiget /
was sich begeben. Straks nahmen diese alle streitbare männer / die bei ihnen
waren / mit sich; und eileten /die Schaltkönigin zu retten. Unvermuhtlich fielen
sie auf die Strassenschänder zu. Viele schlugen sie todt. Dan lind Gad aber
flohen in das Papierschilf / da es am dikkesten stund.
    Benjamin / welcher / mit der Schaltkönigin / noch im fliehen begriffen /
ward dessen straks gewahr. Zur stunde kante er seine Brüder. Flugs lies er
ümkehren. Er fand Simeon und Levi sehr erhitzt / und im vorsatze den Dan und Gad
zu tödten. Aber er ward ein friedemacher. Er besänftigte ihren zorn. Er
versühnete die Brüder. Der königliche Fürst lag noch auf der schaarmützelstat.
Man hub ihn auf. Man wusch und verband seine wunde. Also brachte man ihn zu
seinem königlichen Vater. Dem erzehlete man die ganze begäbnüs. Der König
strafte die sache nicht. Er dankte ihnen vielmehr / dass sie seines Sohnes
geschohnet / und ihn nicht gar todt geschlagen. Gleichwohl starb er auf den
dritten tag darnach.
    Dieser tod des Königlichen Fürstens ging dem Königlichen Vater so zu hertzen
/ dass er ihm in kurtzer zeit folgete. Neun und neuntzig jahr alt war er / da er
starb. Sein Reich befahl er dem Josef: welcher eben zwölf jahr Schaltkönig
gewesen. Dan sein zweiter Königlicher Sohn und künftiger Nachsas / den ihm Gott
in seinem hohen alter gegeben / lag itzund noch an seiner Mutter brust. An
dessen statt sollte Josef so lange herschen / bis er die jahre erreichet gekröhnet
zu werden. Dieses verrichtete er auch so treulich / dass man ihn / durch das
ganze Egipten / anders nicht nennete / als den Vater des jungen Königes. Ja er
wollte rechtschaffen dankbar sein / vor die überschwängliche gunst / die ihm der
alte König Nefrem erwiesen. Darüm lies er ihm auch vor der stadt Memfis / eine
prächtige Grabspitze bauen. Kaum war Nefrem verblichen / als er hierzu schon
anstalt machte. Straks warden die steine gehauen / und herzu geführet. Fast das
ganze Egipten musste helfen. Auch war iederman willig. Keinen antreiber hatte
man nöhtig. Niemand wollte der letzte sein / mit eigener hand seinem Könige die
letzte schuldigkeit abzustatten. Frisch ging der bau fort. Noch zwei jahre
währete der hunger; und fast so lange der stilstand des akkerbaues. Darüm ward
solcher bau in so kurtzer zeit weiter gebracht / als man sonst in zwölf jahren
tuhn können. Dan als der miswachs aufhörete / stund er meist in seinem vollen
wesen.
    Nunmehr besänftigte sich der zorn des Himmels. Seine ruhte verschwand. Die
misjahre lieffen zum ende. Seine vorige ahrt nahm der Niel wieder an. Bisher
hatte er sich / als ein karger stiefvater / erwiesen. Nun ward er üm so viel
milder. Recht väterlich erzeigte er sich über Egipten. Reichlich ergos er sich.
Reichlich befeuchtete er das lechzende land. Mildiglich tränkte er die dürstigen
äkker überfliessig befruchtete er die unfruchtbaren felder. Indessen war Josef
schon herüm gezogen. Er hatte zur saatzeit schon anstalt gemacht. Er haue die
äkker ausgeteilet: die landgühter des Königes eigenen leuten ausgelehnet; ja
alles / was den landbau betraf / durch das ganze Egipten versorget. Diese Land-
und lehn-gühter sollten sie besitzen und nützen / als ihr eigentuhm. Davor sollte
dem Könige von den eingeärnteten früchten der fünfte teil jährlich gegeben
werden. Und hierdurch ward so wohl den untertahnen / als dem Könige / mäklich
geholfen. Diesem / weil er / und alle seine nachkommen zu ewigen zeiten ein
grosses jährliches einkommen zu hoffen: und jenen / weil sie so unvermuhtlich
wieder zu Landgühtern kahmen.
    Nach verrichtung so vieler mühseeligen stahtsgeschäfte / zog Josef / mit
seiner Assenat /nach Heliopel / sich mit seinem Vater und Schwiegervater eine
zeit lang zu ergetzen. Alda nahm er seinen sitz auf der Sonnenburg: die er /
seiner Gemahlin zu liebe / schon mit prächtigen gebeuen ergrössert. Auch hatte
er nahe darbei den grund gelegt zu einem nicht weniger prächtigem Schuhlbaue.
Diesen bau setzte er / durch seine gegenwart / dermassen fort / dass er in sechs
mohnden volendet ward. Inmittels hatte er zu Lehrern albereit die berühmtesten
Sternschauer / und in andern künsten erfahrnesten Männer entbohten. Dan er war
gesonnen alhier eine Schuhle zu stiften /darinnen die jugend in der grossen
Lehrkunst sollte unterwiesen werden. Auch ging alles nach seinem sinne glücklich
fort. Es war keine Kunst / die alhier nicht blühete: keine Wissenschaft / die
nicht zu ihrer müglichsten volkommenheit gelangete. Die Masskunst stieg überaus
hoch: die Sternschauerei noch höher. Alle Deutkünste so wohl der hände /
gesichter / gestalten und gebährden der Menschen / als des Gestirnes selber /
warden alhier geübet. Ja man lehrete /wie man aus den zeichen und zügen der
euserlichen gestalt die innerliche kraft und beschaffenheit aller geschaffenen
dinge erkennen sollte. Und also erzog und erzielete diese Schuhle viel
fürtrefliche gelehrte Leute. Sie brachte der Gelehrten welt einen
überschwänglichen schmuk / einen überaus grossen nutzen; und ihrem Stifter einen
ewigen nahmen.
 
                                Siebendes Buch.
Assenat hatte den schrik / den ihr der Königliche Fürst / durch sein
gewalttähtiges beginnen / eingejagt / noch nicht vergessen. Er lag ihr noch in
allen gliedern. Ja er hatte sich so eingewurtzelt / dass er sie immer mehr und
mehr schwächete. Von der zeit an hatte sie keine recht fröhliche stunde gehabt:
wiewohl der Schaltkönig alle mittel / sie zu erlustigen / gesuchet. Auch täht er
es noch alle tage / bald durch lustfahrten / bald durch ergetzliche gespreche /
bald durch andere kurtzweile. Aber alles half sehr wenig. Ihre lebendige farbe
verlohr sich von tage zu tage mehr und mehr. Ihr liebliches angesicht ward immer
bleicher und bleicher. Ihre zuvor klahre helleuchtende augen verloren ihren
glaub ie länger ie mehr. Die ehmahls so lieblich / so fröhlich / so anmuhtig
spielenden blikke warden immer schwächer und schwächer / immer trauriger und
trauriger: ja die gebährden ingesamt allezeit niedergeschlagener. Und also lies
es sich mit ihr / wo nicht zum tode / doch zum wenigsten zu einer gefährlichen
krankheit an.
    Auf einen mittag war Josef / mit seiner lieben Assenat / bei seinem Vater zu
gaste. Bei diesem mahle befanden sich auch ihre zween Söhne / Manasse und
Efraim: als auch Josefs zwee Brüder / der älteste Ruben / und der jüngste
Benjamin. Man trachtete die Assenat auf allerlei weise fröhlich zu machen. Der
Ertzvater Jakob selber schien seine jugendlichen spiele wieder hervor zu
suchen. Allerhand schertzworte lies er er aus. Allerhand kurtzweile stellete er
an. Und dieses alles geschahe unter dem lieblichsten getöhne der helklingenden
schällen spiele /unter dem anmuhtigsten klange der singenden stimmen. Ja es ging
so hertzlich fröhlich / so lieblich lustig / so anmuhtig vertraulich zu / dass es
ein halbhimlisches wohlleben zu sein schien. Dadurch vermeinte man die traurige
Assenat zu erfröhlichen / ihren unmuht zu vertreiben / ihre schwächligkeit zu
erfrischen. Aber wiewohl sie sich fröhlich zu sein zwang / so hatte es doch
keinen bestand. Es währete nur eine kleine weile. Plötzlich erblassete sie / als
eine leiche. Jähligen ward sie stille. Die lippen warden todtenbleich: die augen
halb gebrochen. Der ahtem blieb zurück. Sie sank auf ihres Liebsten schoss nieder.
Jederman erschrak. Die lust verschwand. Die sänger schwiegen. Die schällenspiele
warden nicht mehr beweget. Die ganze Gesellschaft ward traurig. Josef strich ihr
straks seinen schlagbalsam unter die nase. Der Ertzvater tunkte sein
tafeltüchlein in essig / und hielt es ihr vor. Benjamin nahm safran und ein
wenig goldes. Damit rieb er inwendig das unterste glied des goldfingers an ihrer
linken hand / ihr hertz zu stärken. Hierauf erhohlte sie sich ein wenig. Hierauf
kahm sie / aus ihrer ohnmacht / wieder zu sich selbst. Und so bald sie sprechen
konnte / begehrte sie zu bette.
    Zwischen dessen warden zween Aertzte gehohlet. Einer sollte das Hertz / der
andere das schweere durch schrökken entstellete geblühte genäsen. Dan dazumahl
war es bei den Egiptern gebreuchlich / dass ein ieder Artzt nur ein glied des
menschlichen leibes artzneien musste. Diese urteileten aus allen ümständen / dass
die unbäsligkeit der Schaltkönigin von einem jähligen schrökken herrührete.
Hiernach richteten sie auch ihre artzneien. Hiernach ward die ganze genäsung
angestellet. In drei tagen brachten sie es so weit / dass sie wieder so viel
kräfte bekahm / dass sie gehen und stehen konnte. Aber sich in die luft zu wagen
/weil es eben winterte / wollten sie ihr nicht rahten. Darüm blieb sie noch acht
tage bei dem Schwiegervater / sich was mehr zu erhohlen. Auch erhohlte sie sich
/ und bekahm ihre kräfte zimlich wieder: aber ihre vorige blühende farbe nicht.
Die blieb aussen / so lange sie lebete.
    Nach verflossenen acht tagen begab sie sich wieder auf ihre Sonnenburg. Alda
trug sie belieben die meiste zeit ihres übrigen lebens zu verschliessen. Josef
bemühete sich unterdessen sie zu ergetzen / so viel als er konnte. Auch besuchte
sie der Ertzbischof / ihr Vater / fast alle tage. Mit dem führete Josef viel
reden / die den wahren Gottesdienst betrafen. Unter andern eröfnete er ihm auch
den Nahmen Gottes / Jehovah: welchen Er selbst seinem Obergrossvater dem Abraham
zum alerersten geoffenbahret. Darneben erklährete er desselben sin und
eigendlichen verstand. Dieses gefiel dem Ertzbischoffe so wohl / dass er in das
Heliopelsche Götzenhaus der Sonne von stunden an diese worte mit güldenen
buchstaben / in Egiptischer sprache / schreiben lies. Ich bin / der da war / der
da ist / und der da sein wird: meine dekke hat niemand iemahls aufgedekt. Auch
warden sie nachmahls in die meisten Egiptischen Götzenheuser gleichesfals
geschrieben. Ja selbst über der Weisheit Götzenbilde /welches anders nicht / als
die Isis oder Assenat selber / sein sollte / lase man / in ihrem Götzenbaue zu
Sais / folgende überschrift: Ich bin das algemeine Alles / das gewesen ist / das
noch ist / und das zukünftig sein wird: meine strahldekke hat kein sterblicher
iemahls aufgedekt.
    Assenat selber / welche nunmehr der Welt schon abgestorben zu sein schien
/ hatte ihre sonderliche lust in dergleichen gesprächen. Fast von nichts anders
/ als dem lebendigen Gotte / wollte sie hören In keinen ander / als in Göttlichen
dingen / schöpfte sie freude. Schwatzte schon iemand von der Welt / und
weltlichen sachen; so gingen doch unterdessen alle ihre gedanken nach dem Himmel
und den himlischen dingen zu. Da war ihr ganzes hertz. Dieses ging ihr / mit
den ohren / zugleich auf / wan ihr liebster Josef davon zu sprachen begunte.
Immerfort reizte sie ihn darzu an. Fort und fort fragte sie dis und das / bald
vom Göttlichen wesen / bald vom zustande der Engel / bald von der freude der
Menschen / die sie in jenem leben zu gewarten. Und wan der Schaltkönig seiner
reichsgeschäfte wegen verreisen musste; so lies sie ihr unterdessen allezeit
etwas aus dem Buche Enochs / welches ihr Jakob verehret / durch ihren Sohn
Manasse / vorlesen / und in die Egiptische sprache übersetzen. Ja dieses Buch
hatte sie so lieb / dass sie es nachmahls / als es ganz übergesetzt war /
selber allezeit lase. Und konnte sie eine und andere dunkele rede nicht
verstehen / so suchte sie bei ihrem Gemahle derselben erklährung.
    Zu dieser der Assenat Gottesfurcht / kahm auch eine sonderliche
Barmhertzigkeit gegen die nohtdürftigen. Eine grosse Liebe gegen ihren bedrängten
und nohtleidenden nächsten lies sie leuchten. Die hungrigen speisete sie. Die
durstigen tränkte sie. Den kranken verschafte sie artzneien. In den sieben
hungersjahren ermahnete sie ihren Ehherrn täglich / der armen nicht zu
vergessen. Auch warden sie / auf ihr stähtiges anhalten / so wohl versorget /
dass kein einiger noht litte. Und noch itzund erhielt sie ihrer viele. Ihre milde
hand stund gegen sie allezeit offen. Des Morgens / wan sie aus ihrem bette sich
erhoben / fand sich schon eine grosse mänge vor ihrer tühre. Die pflegte sie ihre
gäste zu nennen. Denen teilete sie reichlich mit. Sehr freundlich sprach sie
ihnen zu. War iemand von diesen ihren gästen krank / dem erschien sie als eine
Aertztin / als eine Heilandin. Mit eigner hand richtete sie die genässmittel zu.
Auch mussten ihre Stahtsjungfrauen täglich wasser brennen aus allerhand kreutern.
Zu gewissen zeiten / da sie am kräftigsten waren / lies sie dieselben samlen.
Hierzu hatte sie ihre sonderliche Kreuterweiber. Die brachten ihr täglich / was
sie begehrete. Und also begab sich Assenat / üm der armen kranken willen / auf
die Artzneikunst. Darinnen kahm sie in kurtzer zeit zu so hohem verstande / dass
sie fast alle krankheiten glücklich genäsete. Dadurch erlangte sie einen grossen
ruhm durch das ganze Egipten. Ihre Weisheit lobeten alle. Ihren verstand in der
Heilkunst erhub man bis an den himmel. Ja es kahm endlich so weit / dass sie der
gemeine man / auch schon vor ihrem tode heimlich / und nach demselben öffendlich
/ vergöttlichte. Man machte sie zu einer Göttin der Weisheit. Man ehrete sie als
eine Göttin der Artzneikunst. Man schrieb ihr derselben erfindung zu. Und weil
sie zugleich die armen mit brohte versorget / bähtete man sie auch an als eine
Frucht- und Zehr-göttin. Alle diese ehre geschahe ihr unter den nahmen Isis.
    Mitlerweile hatte der Ertzvater Jakob erfahren /wie seine söhne Dan / und
Gad sich an seiner Schwiegertochter verbrochen. Er hatte vernommen /dass sie
uhrsache waren an ihrer unbäsligkeit. Er hatte verstanden / dass sie dem
Königlichen Fürsten / in seinem bösen anschlage / die hand gebohten: ohne welche
zu einer so frefelhaften unterwindung er nie würde gekommen sein. Daher war er
über sie zornig. Daher durften sie vor sein angesicht eine lange weile nicht
kommen. Er wollte sie vor seine Kinder nicht mehr erkennen. Ja sie sollten kein
anteil an seiner verlassenschaft haben. Gantz sollten sie ausgestossen und enterbet
sein. Assenat aber besänftigte seinen zorn. Ihre langmühtigkeit war so gross /
dass sie ihnen alles vergab. Ihre leidsamheit war so übermässig / dass sie solches
verbrechens auch nicht einmal wollte gedacht haben. Eine ewige undacht sollte
zwischen ihr und ihnen sein. Darüm baht sie ihren Schwiegervater /wan er sie
lieb hette / als seine Tochter / dass er seinen Söhnen solchen fehler verzeihen
wollte / gleichwie sie selber ihnen alles verziehen. Er sollte keinen has
tragen. Er sollte an kein böses gedenken. Er sollte von nun an die sonne nicht
mehr über seinen zorn untergehen lassen. Ja sie lies nicht eher nach / als bis
sie ihn begühtiget / und seine Söhne bei ihm ausgesühnet.
    Nachdem es diese Liebseelige so weit gebracht hatte; nachdem sie diese
versühnung gestiftet: da lies sie sich bedünken / als hette sie alle ihre
gesundheit wieder gewonnen. Vor grossen freuden befand sie sich auch eine guhte
zeit sehr wohl. Eine guhte weile spührete sie keine beschweerung. Alles ihr
ungemach schien als verschwunden. Der Schaltkönig war hierüber von hertzen
erfreuet; als auch mit ihm der ganze hof. Nie war er milder gewesen gegen die
dürftigen. Nie hatte er so reiche armenspenden ausgeteilet / als itzund. Und
hierdurch teilete er zugleich den armen seine freude mit. Diese frohlokten.
Diese rühmeten seine freigebigkeit. Ja sie wündschten ihm / und seiner Assenat
tausend gesunder jahre.
    Aber wie nichts unbeständiger ist / als die zeit; so seind auch alle / die
in der zeit leben / mit lauter unbeständigkeit ümfangen. Und wie nichts
veränderlicher / nichts flüchtiger ist / als die zeit; so ist auch die zeitliche
gesundheit / die zeitliche freude / ja alles was zeitlich ist / der flucht und
veränderung unterworfen. Wan die freude auf das höchste gekommen / dann mus man
denken / dass die traurigkeit bald folgen werde. Man hatte sich über die
scheinbare gesundheit der Assenat kaum erfreuet; da ward / durch einen jähligen
überfal / solche freude schon gestöhret. Plötzlich fiel sie in eine heftige
krankheit. Die hielt so hart an / dass sie innerhalb neun tagen gesund und todt
war.
    Als nun die Schaltkönigin vermärkte / dass ihr ende herzunahete; da ermahnte
sie ihre zween Söhne / ihr vertrauen auf den wahren lebendigen Gott / den Gott
ihres Vaters Josefs / zu setzen. Dem sollten sie anhangen. Den sollten sie lieben
und ehren. Der würde ihr schirm und schild sein; und ihnen geben / was ihnen
ersprieslich. Auch baht sie ihren lieben Ehherrn / ihre stelle zu verträhten /
und nicht nur als ein Vater / sondern auch als eine Mutter / vor ihre
Ehpflantzen sorge zu tragen. Endlich nahm sie abscheid von allen / und befahl
ihre Seele dem Schöpfer aller dinge. Und also starb die fromme Assenat im
einundvierzigsten jahre ihres alters / und im zwanzigsten ihrer ehe; als Josef
das funfzigste / Manasse das neunzehende / und Efraim das achtzehende lebensjahr
erreichet.
    Dieser so frühzeitige hintrit einer so tugendvolkommenen und alles ruhmes
würdigen Fürstin veruhrsachte eine grosse trauer durch das ganze Egipten.
Jederman war betrübt. Das ganze Volk vergass aller seiner freude. Die Armen
beweineten ihre Ernährerin. Die Kranken beklagten ihre Aertztin. Die Bedrängten
bejammerten ihre Erretterin. Die Angefochtenen betrauerten ihre Beschirmerin. Wo
man sich hinwendete / da hörete man ein klägliches kärmen / ein erbärmliches
jammern; zuvoraus im Schaltköniglichen Hofe. Das konnte man nicht aufhören zu
kärmen. Die Stahtsjungfrauen wollten sich kaum trösten lassen; so gar hatte sie
der schmertz besessen. Die Höflinge waren als von den kopf geschlagen. Das
ganze Hofgesinde ging und wimmerleichte. Ja die zween hinterlassene junge Herren
waren fast aus ihnen selbst über den verlust ihrer Mutter. Der Schaltkönig aber
blikte zwar seiner lieben Gemahlin mit überaus traurigen augen nach. Gleichwohl
wusste er seine traurigkeit dermassen zu mässigen / dass sich iederman darüber
verwunderte. Er wusste seine schmertzen dermassen zu verbergen / dass man ihm
euserlich kaum einige traurigkeit ansah. Und was wollte er auch viel trauren
über eine so liebe Seele / die der Himmel selbst liebete / ja sie so liebete /
dass er sie seiner freude teilhaftig gemacht. So wollte es Gott haben. Das war
sein gnädiger wille. Wider den wollte Josef / durch eine alzuübermässige trauer /
nicht murren. Vielmehr unterwarf er ihm seinen willen. Vielmehr war er zu
frieden / dass Gott seine Gemahlin aus so vielen trübsaalen gerissen.
    Sobald die trauerzeit vorbei war / ward der Assenat Leiche / durch die
gewöhnlichen träger / in das Balsemhaus gebracht / gebalsemet zu werden. Den
Balsemern befahl man ihren besten fleis zu tuhn. Keine kosten sollten sie
spahren. Darüm bedung man auch keinen preis. Keine gemahlte Leichenbilder
/darnach das balsemen sonsten geschahe / warden gezeiget. Man nahm es an auf das
allerköstlichste zu balsemen. Und das ward auch treulich verrichtet. Erstlich
zogen sie mit einem krummen eisen / durch die naselöcher / das Gehirn aus dem
heupte. Das legten sie in ihren zugerichteten siedendheissen pechbalsam / so
lange / bis er sich ganz hinein gezogen. Dieser Pechbalsam war aus Jüdenleime
und todtenpeche /mit mirren / hartze vom balsambaume / zimmet und andern
dergleichen sachen vermänget / gesotten. Darnach schnitten sie mit einem
scharfen Mohrenländischem steine das weiche des leibes voneinander. Das
eingeweide nahmen sie heraus. Dieses reinigten sie zuerst / und spühleten es mit
Fönizischem weine wohl ab. Darnach bestreueten sie es mit gestossenen gewürtzen /
mit mirren / zimmet und andern wohlriechenden sachen: doch hierzu nahmen sie
keinen Weihrauch / als welcher den Göttern geheiliget. Damit fülleten sie auch
das hohle des Leibes: und fügten das eingewand wieder hinein. So bald dieses
geschehen / legten sie den Leichnam siebenzig tage lang in saltz. Nach verlauf
dieser siebenzig tage /ward er gewaschen; und über und über mit seidenen tüchern
/ wündelweise geschnitten / nachdem man zuvor ein güldenes blech unter die zunge
geleget /ümwunden. Hierauf liessen sie ihn in obgemeltem siedendheissem
Pechbalsam so lange weichen / bis der balsam sich in die innersten teile des
leibes hineingezogen. Und dann ward der Leichnam erst herausgenommen / und bei
dem feuer so lange getruknet / bis es alle feuchtigkeit verzehret.
    Diese so köstlich gebalsemte Leiche schikte man endlich wieder auf die
Sonnenburg. Da ward sie noch mit andern seidenen wündeln ümwunden / und in einen
mit dichtem golde überzogenen sark / aus einem Egiptischen feigenbaume gehauen /
geleget. Diese wündeln oder vielmehr dekkleider bestrich man mit einer
kreidichten pappe / darunter wachs und pech gemänget. Und solches geschahe darüm
/ damit sie nicht verfaulen / und die heilige Bilderschrift üm so viel eher und
fester fassen könten. Auf das oberste dekkleid / das man ganz übergüldete /
ward der Assenat Bildnüs / und noch andere bilder der Egiptischen
Priesterschrift / mit unvergänglichen farben /gemahlet. Auch schrieb man recht
vor ihre brust den Nahmen Gottes Jehovah / mit Ebreischen buchstaben. Auf den
sark / der nach unten zu immer schmähler und schmähler gehauen / stund ihr
Bildnüs ebenmässig geschnitten / und mit allerhand farben übermahlet. Vor der
brust dieses bildnüsses waren sieben ringweise gezogene striche oder kreuse /
mit etlichen kenzeichen der heiligen Bilderschrift aus gezieret / zu sehen.
Gemelte schrift kahm auf folgenden sin aus: Der da war / her da ist / und der da
sein wird / mache / durch seine Göttliche kraft / die Abgestorbene seelig.
    Nachdem nun der Assenat Leichnam wider die verwesung mit balsemen / und mit
dem köstlichsten leichenschmukke genug versehen war; da ward sie endlich in
ihres Vaters / des Heliopelschen Ertzbischofs / prächtiges Grabmahl / mit
gewöhnlichen trauergeprängen / beigesetzt. Die liebe / die ihr Josef in ihrem
leben zugetragen / konnte er nicht vergessen / so lange er lebete. Darüm
vermochte ihn auch niemand zu bereden zur zweiten vermählung zu schreiten. Man
schlug ihm zwar diese und jene Fürstin vor. Man suchte ihn / durch gastereien /
mit dem schönsten und fürnehmsten Frauenzimmer bekant zu machen. Aber er hatte
beschlossen ein einsames leben zu führen. Er hatte den witwenstand erwehlet. Er
hatte die keuschheit zu seiner liebsten erlesen. Darbei blieb er beständig.
Davon konnte niemand ihn abbringen. Hatte er in seiner jugend das Frauenzimmer
geflohen; hatte er ihren ümgang vermieden: so täht er es itzund noch vielmehr.
Er hielt sich stähts allein / als ein einsamer Turtelteubrich / dem sein
Teublein gestorben. Ob er schon in der besten zeit seines lebens war / ob er
schon seine beste kraft noch hatte; so war es doch ferne von ihm auf eine andere
Gemahlin zu denken. Noch sechzig jahre lebte er nach seiner liebsten Assenat
tode. Aber in aller dieser zeit kahmen ihm nicht die geringsten fräuersgedanken
in den sin. Er war einig und allein bedacht / Gott und dem Könige zu dienen.
    Aber Manasse und Efraim / Josefs söhne / die nunmehr ihre jahre zu erreichen
begunten / waren geneugter zur ehe. Sie waren so scheu vor der Liebe nicht. Sie
mochten ein schönes Frauenzimmer wohl sehen. Und hierinnen ahrteten sie weder
Vater / noch Mutter nach. Es war auch kein wunder. Sie warden erzogen als junge
Fürsten. Sie hatten ihr anteil an der herligkeit ihres Vaters. Sie zogen auf in
köstlichen kleidern. Sie waren ohne einige sorge. Sie lebten in höchster
glückseeligkeit. Sie hatten überal einen freien zutrit. Die schönheit / die ihnen
von beiden Eltern angebohren / machte sie beliebt. Die tugend / die
geschikligkeit / die liebseeligkeit / die alle ihr eigentuhm waren / brachten
sie in gunst. Daher war auch kein Frauenzimmer / das ihnen nicht mit
liebesblikken begegnete. Und davor flohen sie keinesweges. Sie waren nicht
schüchtern. Sie durften ihnen wohl unter augen trähten.
    Asanel / eine einige Tochter und erbin des Reichsschatzmeisters / war dem
Manasse mit liebe sehr zugetahn / und er ihr auch nicht weniger. Lange zeit lag
diese liebesgluht unter der lodderasche verborgen. Techos / des Reichskantzlers
Sohn / kahm endlich darzwischen. Er begunte bei der Asanel auch haken
anzuschlagen. Er gab ihr seine liebe zu erkenne: Sie aber wiese ihn ab. Sie gab
vor / dass sie ihrem Vater auf seinem todbette versprochen / unverehligt zu
bleiben. Daher möchte er seine liebe nur auf eine andere werfen. Bei ihr were
nichts auszurichten. Sie hette gäntzlich beschlossen in ewiger keuschheit zu
leben. Sie hette ihr festiglich vorgesetzt keinen ihre lebetage zu lieben. Das
sei ihr schlus; den wollte sie nicht ümstossen. Das sei ihr vorsatz; der stünde
nimmermehr zu verändern. Techos hörete dieses mit traurigem hertzen an. Er
verstumte so gar / das eine guhte weile kein wort aus seinem munde ging. Doch
schöpfte er endlich wieder muht. Er hielt abermahl an. Und dieses anhalten
währete so lange und mit solcher ungestühmigkeit / bis Asanel ihm endlich geboht
nimmermehr wieder vor ihr angesicht zu kommen.
    Inzwischen hatte Manasse einen freien zutrit. In dessen gegenwart war Asanel
viel anders gesinnet. Viel anders klungen ihre reden. Dem Techos kahm dieses zu
ohren. Was wollte er tuhn? Er konnte sich nicht rächen. Wider den
Schaltköniglichen Fürsten durfte er nichts vornehmen. Das schmertzte ihn am
allermeisten. Und dieser schmertz bewog ihn zu einer fremden Entschliessung. Er
lies sich öffendlich verlauten / ihm das leben zu verkürtzen. Auch schrieb er
solches der Asanel selber. Dieser brief war so kläglich / und so vol der
allertraurigsten reden / dass er sie zum mitleiden bewog. Sie beklagte sein
unglück. Sie bejammerte seine schmertzen. Sie hette sie ihm gern benommen. Aber
sie fand keinen raht. Endlich offenbahrte sie es dem Manasse. Sie erzehlte die
ganze sache. Manasse riet ihr des Techos liebe auf eine andere zu lenken. Aber
wie? fragte die Asanel; Manasse gab zur antwort: unter meines Grossvaters Jakobs
leuten / hat einer eine sehr schöne Tochter / die beweglich schwatzen und
meisterlich liebeuglen kann. Diese will ich / aufs schönste gebutzt / zu ihr
senden. Unterdessen kann sie dem Techos einen zutrit vergönnen. Wan er ankömt /
lasse sie ihn durch dieses schöne Mägdlein in den saal führen / und eine zeit
lang allein unterhalten. Sich selber kann sie entschuldigen /dass sie eben
fremde leute bei ihr hette: doch wollte sie bald zu ihm kommen. Auch mus man dem
Mägdlein eingeben / dass sie sich aufs allerfreundlichste gegen ihn anstelle. Ich
weis / sie wird ihn straks verliebt machen. Straks wird sie seine liebe
gewinnen.
    Asanel nahm diesen vorschlag an. Sie lies dem Techos ihren willen / ihn zu
sprechen / zuentbieten. Das schöne Mägdlein ward ihr geschikt. Den verliebten
Tachos musste sie empfangen / und / an der Asanel statt / unterhalten. Uberaus
lieblich blikte sie ihn an. Aus der masse freundlich waren ihre reden: welche sie
mit einem anmuhtigen lächlen vermischte. Einieder blik war ein pfeil: einiedes
wort eine angel: einieder lach ein strük. Techos ward auf einmal verwundet
/gefangen / und verstrükt. Hatte ihn Asanel verliebt gemacht / so machte ihn die
schöne Ebreerin noch tausendmahl verliebter. Und diese liebe war ihm so süsse /
dass er der bitterkeit aller seiner schmertzen vergass. Der verdrus / den ihm
Asanel zugefüget / war ganz verschwunden. Ja er wündschte wohl tausendmahl /
dass Asanel ihm nimmermehr ihre gegenwart gönte. Und also zog Techos von dieser
seine liebe ganz ab / und warf sie auf die schöne Ebreerin.
    Als nun Asanel endlich hineinkahm / da war sie zum höchsten verwundert / dass
sie ihren Liebhaber so gar plötzlich verändert sah. Sie wollte sich
entschuldigen / dass sie so lange von ihm geblieben. Er aber gab zur antwort: ihm
were gleichwohl die zeit nicht lang gefallen. Er habe sich bei der schönen
Ebreerin so wohl befunden / dass ihm eine stunde schnäller / als ein augenblik /
vergangen. Asanel war froh / dass ihr dieser listgrif so wohl gelungen. Sie war
froh / dass sie des Techos auf diese weise los worden / und zugleich seinen
gefasten fremden vorsatz vereitelt. Nun konnte sie die liebe / die sie dem
Manasse zutrug / sicherer blikken lassen. Nun durfte sie dieselbe so ganz nicht
mehr verbergen.
    Manasse kahm des andern morgens seiner Asanel aufzuwarten / und zugleich aus
ihrem munde zu vernehmen / ob die schöne Ebreerin dass Wild / in ihrem gehäge /
gefangen. Seine erste worte / nach erwiesenen höfligkeiten / waren: wie ist
gestern der fang gelungen? Seind der Ebreerin pfleile auch mächtig genug gewesen
den Hirsch zu fällen? Asanel antwortete: die schöne Ebreerin hat ihr
meisterstükke in der jagt dermassen erwiesen / dass sie billich eine Jagt-und
Liebe-göttin zu nennen. Ihr pfeil wusste sie so behände und so gerade zu
schiessen / dass sie des Techos hertz recht in die mitte getroffen. Eh ich ankahm
/ war schon alles geschehen. Techos war ganz verwundet; und die Jägerin sah /
mit müssigen händen /zu / wie sein hertz zappelte / seine augen dreheten /seine
hände böbeten. Manasse fragte weiter: wie ist es endlich abgelauffen? Seine
Liebste gab zur antwort: sehr wohl. Dan da wir noch ein vierteilstündlein
miteinander sprache gehalten / brachte Techos dieselbe / die ihn verwundet / auf
seiner kutsche nach hause. Ob sie nun alda seine wunde wird verbunden haben /
weis ich nicht.
    Eben als sie von dieser jagt redeten / kahm die Jägerin selbst an. Eben
traht die schöne Ebreerin in das zimmer. An ihrem goldfinger erblikte Asanel zur
stunde den Demantring / den Techos gestern an seinem ohrfinger getragen. Darüber
war sie zum höchsten verwundert. Und darüm fragte sie straks: ob man ihr Glück
wündschen sollte? Der schönen Ebreerin stieg / unter einem lieblichen lächlen /
eine gelinde /doch anmuhtige röhte ins angesicht. Eben so anmuhtig war auch ihre
antwort. Man Sie mich urteilt in dem stande zu sein / sagte sie / dass man mir
Glück wündschen soll; so habe ich solches Glück Ihr allein zu danken. Und eben
darüm bin ich auch früher / als Sie begehret / anker kommen. Aber woher urteilt
Sie solches? fing sie zu fragen an. Aus dem zeichen an ihrem goldfinger / gab
Asanel zur antwort. So soll dieser Ring das zeichen sein? fragte die schöne
Ebreerin ferner. Den habe ich schon lange gehabt. Er ist freilich ein
unfehlbahres zeichen / antwortete Asanel; ja ein rechtes wahrzeichen. Und eben
so lange ist es nicht / als ich ihn den Techos tragen sah. Aber wie ist er so
bald an ihren finger gerahten? Weil nun die schöne Ebreerin sah / dass Asanel
den ring alzuwohl kennete; so wollte sie ihr zugestossenes Glück nicht länger
verbergen. Sie beichtete frei heraus / und sagte: dass ihr Techos denselben nur
vor einer stunde zugeschikt. Auch wiese sie zugleich sein beigefügtes
          Schreiben an die Schönste und liebseeligste der Ebreerinnen.
    Mein Schöne
Ihre schönheit / ihre freundseeligkeit / ihre klugsinnigkeit hat mich gefangen.
Und ich will auch gern gefangen bleiben. Zum zeugnüsse dessen schikkeich Ihr
eingelegten Ring / mit bitte / ihn günstig anzunehmen. Diese gunst wird mir
genug sein / mich zu versichern / dass sie mich eben so treulich meint  / als ich
Sie. Die liebe / welche Sie in meinem hertzen angezündet / hat mich zu dieser
Entschliessung bewogen. Und hierbei kann Sie festiglich gleuben / dass solche
liebe beständig sein werde. Dergleichen hoffe ich auch von Ihr. Anders darf ich
nicht hoffen. Das gebietet oder verbietet ihre Tugend. Ihre leutseeligkeit lest
es nicht zu. Ja ich tähte sünde / wan ich zweifelte. Und also lebe ich vergnügt.
Mein hertz ist geruhig: mein gemüht befriedigt. Gegen den abend verhoffe ich die
ehre zu haben Sie zu sehen. Ich wollte / dass er schon da were. So sehr verlanget
mich nach ihrer gegenwart. Doch ich zweifle nicht mit ehestem den tag zu sehen /
welcher der anfang sein wird unserer stähtigen beiwohnung. In dessen bin und
verbleibe ich / bis an meinen letzten ahtemzug /
                        Meiner Schönen
                                                                 treuergebnester
                                                                         Techos.
    War Asanel über den Ring verwundert gewesen /so war sie es über diesen Brief
noch vielmehr. Kaum konnte sie ihr einbilden / dass ihn Techos geschrieben. Aber
sie kennete seine hand. Darüm musste sie es gleuben. Sehet! sagte sie / wie
mächtig die Liebe ist. Sie kann den hochmuht zu bodem schmeissen. Sie kann den
trotz bändigen. Techos war vor diesem so hochmühtig / dass er sich über alles
erhub: und itzund erniedrigt er sich dermassen / dass er gleichsam auf den kniehen
vor ihr lieget. Er war so trotzig / dass er niemand etwas zuvorgab: und nunmehr
hat er sich durch einen blik ihrer schönen augen so gar fesseln lassen /dass er
sich willig unter ihr joch bükket. Sie ist in wahrheit glücklich: weil sie so
viel vermocht / als das ganze Egiptische Frauenzimmer nicht vermögen konnte. Er
bildete ihm ein / man müste ihn wohl ohne das lieben. Er gab gewislich nicht
viel guhte worte. Er trotzete / ich weis nicht worauf. Er pochete / ich weis
nicht womit. Und gleichwohl wollte er geliebt sein. Das habe ich Ihr ja zuvor
gesagt / fing Manasse hierauf an. Ich wusste es wohl / dass es also gehen würde.
Diese kunst kann gegenwärtige schöne Ebreerin. Diese kraft haben die strahlen
ihrer augen. Damit kann sie alles / was gewaltig ist / überwältigen. Also
schertzete Manasse: und nach etlichen mehr dergleichen reden / schieden sie
voneinander.
    Mitlerweile nahete die zeit herbei / dass Jakob sterben sollte. Darüm lies er
seinen sohn Josef zu sich rufen / ihm zu sagen / wie es mit ihm / nach seinem
tode / sollte gehalten werden. Habe ich gnade für dir gefunden / sagte er / so
lege deine hand unter meine hüfte. Gelobe mir an / dass du die liebe und treue an
mir tuhn wollest / mich nicht in Egipten zu begraben. Dan ich will in Kanaan /
bei meinen Vätern / liegen. Da lieget Abraham und Sara. Da ruhet Isaak und
Rebekka. Da habe ich meine Lea / und meine liebste Rahel hingeleget. Ja selbst
Adam / unser algemeiner Vater / und Eva / unserer aller Mutter / liegen alda /zu
Hebron / begraben. Da will ich dann auch liegen. Dahin führe mich aus Egipten /
und lass mich in unser erbbegräbnüs setzen. Josef antwortete: ich will tuhn / wie
du gesagt hast. Israel aber sprach weiter: so schwöre mir. Und Josef schwuhr
ihm. Da neugte sich Jakob vor Josefs Reichsstabe / und wendete sich zu bähten /
nach dem hauptende / nach dem heiligen Lande zu.
    Als nun Israel kurtz darnach sehr krank war / da machte sich Josef / mit
seinen zwee Söhnen / auf / ihn zu besuchen. Zur stunde sagte man ihm an: siehe!
dein sohn Josef komt zu dir. Und Israel machte sich stark / und setzte sich im
bette. Der almächtige Gott /sagte er zu Josef / erschien mir zu Lus / im lande
Kanaan; und seegnete mich. Siehe! sprach er / Ich will dich wachsen lassen. Ich
will dich mehren / und zum hauffen Volks machen. Ich will dieses Land deinem
Saamen nach dir ewiglich zu eigen geben. So sollen nun deine zween Söhne /
Efraim und Manasse / die dir in Egipten geboren worden / eh ich hinein kommen /
mein sein / gleichwie Ruben und Simeon. Welche du aber nach ihnen zeugest /
sollen dein sein; und genennet werden / wie ihre Brüder in ihrem erbteile. Dan
da ich aus Mesopotamien kahm / starb mir Rahel zu geschwinde weg / in Kanaan /
nicht weit von Efrat; also dass ich keine kinder mehr von ihr bekahm. Und ich
begrub sie daselbst am wege bei Efrat / die nun Betlehem heisset.
    Nachdem Jakob dieses gesagt hatte / sah er die Söhne Josefs / und sprach:
wer seind diese? dann seine augen waren dunkel worden vor alter / dass er nicht
wohl sehen konnte. Josef antwortete: es seind meine Söhne / die mir Gott alhier
gegeben. Und Jakob sagte: bringe sie her zu mir / dass ich sie seegne. Josef
brachte sie zu ihm. Und er küssete und hertzete sie. Siehe! sagte er zu Josef /
ich habe dein angesicht gesehen / das ich nicht gemeinet hette. Und Gott hat
mich auch deinen Saamen sehen lassen. Hierauf nahm sie Josef von seinem schosse /
und neugte sich zur erde gegen sein angesicht. Er nahm sie aber beide / Efraim
in seine rechte hand / gegen Israels linke; und Manasse in seine linke hand /
gegen Israels rechte; und also stellte er sie vor ihn. Doch strekte Israel seine
rechte hand aus / undlegte sie auf Efraims des jüngsten heupt / und seine linke
auf Manasses heupt: dergestalt / dass sie kreutzweise zu liegen kahmen. Das täht
er wissendlich: dann er wusste wohl / das Manasse der erstgebohrne war. Und er
seegnete den Josef / und sprach: Gott / für dem meine Väter / Abraham und Isaak
/ gewandelt haben / Gott / der mich meine lebetage / bis auf diesen tag /
ernähret hat / der Engel / der mich von allem übel erlöset / der seegne die
Jünglinge / dass sie nach meinem / und nach meiner Väter / Abrahams / und Isaaks
/ nahmen genennet werden / dass sie wachsen / und vervielfältiget werden auf
erden.
    Als aber Josef sah / dass sein Vater die rechte hand auf Efraims heupt legte
/ gefiel es ihm übel. Und er nahm seines Vaters rechte hand / sie von Efraims
auf Manasses heupt zu legen. Nicht also /sagte er / mein Vater. Dieser ist der
erstgebohrne. Lege deine rechte hand auf sein heupt. Aber sein Vater weigerte
sich / und sprach: ich weis es wohl /mein Sohn / ich weis es wohl. Dieser soll
auch ein Volk werden / und wird gross sein: aber sein jüngster Bruder wird
grösser / als er / ja sein saame ein sehr grosses Volk werden. Und also seegnete
er sie / und sprach: wer in Israel iemand seegnen will / der sage: Gott setze
dich / wie Efraim und Manasse. Solcher gestalt setzte er Efraim dem Manasse vor.
Weiter sprach Jakob zu Josef: siehe! ich sterbe; und Gott wird mit euch sein. Er
wird euch wieder in das Land eurer Väter bringen. Ich habe dir ein stükke landes
gegeben / ausser deinen Brüdern. Das habe ich / aus der hand der Amoriter / mit
meinem bogen und schwerte gewonnen.
    Auch lies Jakob alle seine Söhne zusammenrufen. Versamlet euch / sagte er /
dass ich euch verkündige /was euch in künftigen zeiten begegnen wird. Komt zu
hauffe / und höret zu / ihr Kinder Jakobs. Höret euren Vater Israel. Ruben /
mein erster Sohn / du bist meine traft / und meine erste macht / der oberste im
opfer / und der oberste im reich. Er fuhr leichtfärtig dahin / wie wasser. Du
solt nicht der Oberste sein. Dan du bist auf deines Vaters lager gestiegen.
Daselbst hastu / im aufsteigen / mein bette besudelt. Nun folgen die Brüder
Simeon / und Levi. Ihre schwerter seind mörderische waffen. Meine Seele komme
nicht in ihren raht. Dan in ihrem zorne haben sie den Man erwürget: und in ihrem
muhtwillen haben sie den Ochsen verderbet. Verflucht sei ihr zorn / dass er so
heftig ist; und ihr grim / dass er so störrisch ist. Ich will sie zerteilen in
Jakob / und zerstreuen in Israel. Judah du bist es. Dich werden deine Brüder
loben. Deine hand wird deinen feinden auf dem halse sein. Für dir werden deines
Vaters kinder sich neugen. Judah ist ein junger Leue. Du bist hoch kommen /mein
Sohn / durch grossen sieg. Er hat niedergekniehet / und sich gelagert / wie ein
Leue / und wie eine Leuin. Wer will sich wider ihn auflehnen. Es wird der
Reichsstab von Judah nicht entwendet werden / noch ein Meister von seinen füssen
/ bis der Held kommet. Und demselben werden die Völker anhangen. Er wird sein
Füllen an den Weinstok binden / und seiner Eselin sohn an den edelen Reben. Er
wird sein kleid im weine waschen / und seinen mantel im weinbeerenbluhte. Seine
augen seind röhtlicher / dann wein; und seine zähne weisser / dann milch. Sebulon
wird am anfurte des Meers wohnen / und am anfurte der schiffe. Er wird reichen
bis an Sidon. Isaschar wird ein beinerner Esel sein / und sich lagern zwischen
die grentzen. Und er sieht die ruhe / dass sie guht ist; und das land / dass es
lustig ist. Er hat aber seine schultern geneuget zu tragen; und ist ein
zinsbahrer knecht worden. Dan wird Richter sein in seinem Volke / wie ein
anderes Geschlecht in Israel. Dan wird eine Schlange werden auf dem wege / und
eine Natter auf dem steige. Er wird das Pferd in die fersen beissen / dass sein
Reiter zurückfalle. HERr / ich warte auf dein heil. Gad gerüstet / wird das heer
führen / und wieder herümführen. Vom Aser komt sein fettes Broht: und er wird
den Königen zugefallen sein. Naftali ist ein schnäller Hirsch / und gibt schöne
rede. Josef wird wachsen. Er wild wachsen / wie an einer kwälle. Die Töchter
lauffen auf die mauren den schönen Jüngling zu schauen / in königlicher pracht.
Und wiewohl ihn die Schützen zörgen / und wider ihn kriegen / und ihn verfolgen;
so bleibet doch sein boge fest / und die ärme seiner hände stark / durch die
hände des Mächtigen in Jakob. Aus ihnen seind kommen Hürten und Steine in
Israel. Von deines Vaters Gott ist dir geholfen / und von dem Almächtigen bistu
geseegnet: mit seegen des himmels von oben herab / mit seegen von der tieffe /
die hierunten liegt / mit seegen an brüsten und beuchen. Die seegen deines
Vaters gehen stärker /dann die seegen meiner Voreltern / nach wundsche der Hohen
in der welt; und sollen kommen auf das heupt Josefs / und auf die scheitel des
Nasir unter seinen Brüdern. Benjamin ist ein reissender Wolf. Des morgens wird
er den raub fressen; aber des abendes ihn austeilen.
    Also seegnete Jakob seine zwölf Söhne / einen ieden mit seinem sonderlichen
seegen. Und als er alle diese seegen volbracht hatte / geboht er ihnen und
sagte: Ich werde versamlet zu meinem volke. Begrabet mich bei meine Väter / in
der höhle auf dem akker Efrons aus den kindern Hets: in der zweifachen höhle /
die gegen Mamre lieget / im lande Kanaan; die Abraham taufte / zusamt dem akker
/ vom Efron aus Hets kindern zum Erbbegräbnüsse. Alda haben sie Abraham begraben
/ und Sara seine frau. Alda haben sie auch Isaak begraben / samt seiner Fraue
Rebekka. Alda habe ich ebenmässig die Lea begraben / in der höhle des akkers /
der von den kindern Hets gekauft ist. Alda will ich auch dass man mich begraben
soll. Als nun Jakob alle diese und andere gebohte mehr an seine kinder volendet
hatte / da täht er auf dem bette seine füsse zusammen / und verschied /und ward
versamlet zu seinem Volke. Josef aber fiel auf seines Vaters angesicht / und
weinete über ihm /und küssete ihn. Also starb Jakob / als er siebenzehen jahr in
Egipten gewesen / im hundert und siebenundvierzigsten seines alters / und im
sechsundfunfzigsten des alters seines Sohns Josefs.
    Sobald die ersten trauertage verlauffen / befahl Josef den Aertzten / die
ihm bedient waren / seines Vaters Leichnam zu balsemen. Und sie balsemeten ihn
vierzig tage lang. Auch beweineten ihn die Egipter siebenzig tage. Nach verlauf
dieser zeit redete Josef mit den Hofbedienten des jungen Königes: der nunmehr
das funfzehende jahr erreichet. Mein Vater /sagte er / hat einen eid von mir
genommen / als er sterben wollte / dass ich ihn im lande Kanaan / in seinem
eigenen Grabmahle / begraben sollte. Darüm erweiset mir die freundschaft / und
redet mit dem Könige / dass er mich lasse. Ich will hinauf ziehen meinen Vater zu
begraben / und wiederkommen. Die Hofbedienten gehorchten ihm alsobald. Und der
König gab seinen willen darein. Also zog Josef hinauf seinen Vater zu begraben.
Und es begleiteten ihn alle Bedienten des Königes / die fürnehmsten seines
Hauses /und die fürnehmsten des ganzen Egiptens. Auch zogen mit ihm / alle
seine Leute / alle seine Brüder /und das gesinde seines Vaters. Nur ihre kinder
/ samt ihrem viehe / liessen sie im lande Gessen. Und also hatte Josef ein
überausgrosses heer bei sich.
    Da sie nun an die Tenne des Dornbusches kahmen / welche jenseit dem Jordan
lieget / hielten sie eine sehr grosse und bittere klage. Und Josef trug leid über
seinen Vater sieben tage. Die Kananeer / des landes einwohner / sahen dieses
Leichengepränge bei der Tenne des Dornbusches / und sprachen untereinander; die
Egipter halten alda eine grosse klage. Und daher heisset man den ort der Egipter
klage. Hierauf tähten die Kinder Israels / wie er ihnen befohlen hatte; und
führeten und begruben ihn in die zweifache Höhle des akkers / den Abraham vom
Efron gekauft hatte / mit der Höhle / zum Erbbegräbnüsse.
    Nachdem sie nun ihren Vater begraben hatten / trugen die Brüder Josefs scheu
mit ihm in Egipten zurückzuziehen. Dan sie fürchteten sich / er würde nunmehr /
weil ihr Vater todt sei / alle Bosheit / die sie an ihm verübet / rächen. Darüm
schikten sie Ruben / als welcher an ihrem verbrechen keine schuld hatte / zu ihm
ab. Und durch diesen liessen sie ihm anmelden: dein Vater befahl uns vor seinem
tobe / dir seinet wegen zu sagen: lieber! vergib deinen Brüdern ihre missetaht
und ihre sünde / damit sie übel an dir getahn haben. So vergib dann nun et
lieber! die missetaht uns / den knechten des Gottes deines Vaters: und vergilt
uns ja nicht / was wir an dir verschuldet. Rechne uns die schmaach / damit wir
dich beleidiget / nicht zu: und lass uns allen deine gnade widerfahren.
    Diese worte gingen dem Josef so nahe zu hertzen /dass er bitterlich zu weinen
anfing. Ja er ward noch heftiger zum wehleiden beweget / als sie selber kahmen
/ und sich vor ihm auf die kniehe niederwarfen; als er hörete / dass sie sagten:
siehe! wir seind deine knechte. Das hertz brach ihm. Sehr freundlich / sehr
liebseelig sprach er sie an. Fürchtet euch nicht / sagte er: dann ich bin unter
Gott. Ihr gedachtet es böse zu machen: aber Gott gedachte es guht zu machen. Er
gedachte es so zu machen / dass er tähte / was er getahn hat zur erhaltung vieler
völker; wie jetzt am tage ist. Darüm setzet alles misvertrauen bei seile.
Gedenket /dass unser seeliger Vater mir meine Söhne genommen / und sie zu seinen
Söhnen / und euch zu Brüdern gemacht. Gedenket / dass ich euch hierdurch näher
verbunden bin / als zuvor iemahls. Ja gedenket / dass unser Vater dieses unter
andern zuförderst darüm getahn / dass ich / nach seinem absterben / eurer aller
Vater und eurer aller Versorger sein sollte. Und das will ich auch sein. Nicht
allein euer Bruder / sondern auch euer / ja eurer kinder Vater will ich sein. Ich
will so wohl vor euch / und eure kinder / als meine leiblichen kinder / väterlich
sorgen. Das sage ich zu. Das gelobe ich. Das schwöhre ich bei dem Gotte meiner
Väter / Abrahams / Isaaks / und Jakobs.
    Als Josef zu reden aufhörete / fingen seine Brüder vor freuden an zu weinen;
und versprachen ihm allen kindlichen gehohrsam. Ja sie versprachen bei ihm zu
leben und zu sterben. Hierauf machten sie sich sämtlich auf. Josef und seine
Brüder / und alle / die mit ihm hinauf gezogen waren den Ertzvater zu begraben /
wendeten sich wieder nach Egipten. Alda blieb das Haus Israels im lande Gessen
wohnen. Und sie wuchsen in Egipten und vermehreten sich über die masse. Josef
aber lebete nach seines Vaters absterben noch vierundfunfzig jahr: und als er
das neunzigste erreichet / und nunmehr / nach dem letzten willen des
verstorbenen Königs Nefrems / an des jungen königlichen Fürstens statt /
achtundvierzig geherschet; da setzte er ihn auf den königlichen Reichsstuhl /
und übergab ihm die Väterliche Krohne.
    Mitler zeit hatte sich Josef der herschaft so getreulich angenommen / dass er
des Königreichs wohlstand immer höher und höher gebracht / ja die königliche
macht dermassen erhoben / dass kein König in der Welt war / der so freimächtig
herschete / als der Egiptische. Auch sah er nunmehr seine lieben Söhne /dem
Manasse und Benjamin / nach hertzens wundsche vermählet. Ja er sah Efraims
kinder / bis in das dritte glied. Er sah Machirs / des Sohnes seines
erstgebohrnen Manasses / kinder; welche wieder kinder zeugeten auf seinem
Schosse.
    Aber als Josef nunmehr das hunderte jahr seines alters erreichet; da
begunten ihn so wohl / als alle kinder Israels / etliche Rähte des Königes
anzufeinden. Der grosse anwachs der Ebreer war ihnen ein dorn in den augen. Sie
konten nicht vertragen / dass ein fremdes Volk in Egipten so mächtig ward. Mit
neidischen augen sahen sie ihre wohlfahrt an. Mit allerhand tükkischen
anschlägen suchten sie dieselbe zu fällen. Zwei jahre nacheinander rieben sie
dem Könige die ohren. Ohn unterlass trachteten sie ihn wider bis unschuldige Volk
aufzureitzen. Josef / sagten sie / ist alt. Er ist ausgemärgelt und unvermögend.
Seinen verstand hat er verloren. Seine weisheit ist ihm entgangen. Ja er ist
ganz kindisch worden. Nun ist es zeit sein Volk unterzuträhten. Nun hat der
König die beste gelegenheit dasselbe zu zeumen / eh es uns zu mächtig wird. Man
mus ihm ein joch üm den hals werfen. Man mus es fröhnen lassen; damit es nicht
alzuwohllüstig werde. Man mus ihm den kitzel mit hofediensten vertreiben. Die
können dem Könige grossen nutzen schaffen. Mit diesen und dergleichen worten
hielten sie fort und fort an. Der König aber gab ihnen wenig gehöhr. Nicht das
geringste konten sie ausrichten. Ja als sie ihm endlich so gar vedriesslich
fielen /und den Josef so überaus kindisch einbilden wollten: da gab er endlich
eine solche antwort / die eben so wohl in ihren ohren nicht klung. Wohlan dann /
sagte er / weil ihr den Josef vor so gar kindisch haltet / so lasset uns erfahren
/ ob es wahr sei. Niemand hat bisher raht gewust die grosse sumpfichte gegend /
im Nieder-Egipten / bei der see zum lande zu machen. Nun wollen wir versuchen /
was Josef kindische raht hierinnen vermag.
    Hierauf entboht der König den Josef alsobald. Der entbohtene erschien: und
als er gefraget ward / ob er raht wüste solches Gesümpfe trukken zu machen? da
antwortete er von stunden an / ja. So ziehet dann hin /fuhr der König fort / und
tuht euer bestes. Nehmet so viel volkes mit euch / als ihr darzu nöhtig habt.
Straks machte sich Josef färtig. Zur stunde lies er 2000 Gräber aufbieten. Und
mit diesen fing er das werk an. Erstlich warden drei tieffe gräben nach dem
Niele zu gezogen. Darnach lies er hierein das wasser des ganzen Sumpfes / und
aus den ümliegenden Pfühlen leiten / und in den Niel lauffen. Innerhalb
siebenzig tagen war dieses alles verrichtet / und alles wasser abgezapfet;
dergestalt dass die ganze gegend bloss und trukken lag.
    Nach volzogener arbeit reisete der König / samt seinen Rähten / darnachzu /
das neue land zu besichtigen. Niemand hatte mehr ehre / als der Schaltkönig.
Niemand ward mehr gepriesen / als er; wiewohl gegen etlicher Rähte dank / welche
nun rechtschaffen beschähmet stunden. Gehet! sagte der König zu ihnen / sehet
hier! dieses werk ist kein werk von siebenzig tagen / sondern von tausend: und
gleichwohl hat es der Schaltkönig in siebenzig tagen volendet. Nach dieser rede
des Königes ward solches neugemachte Land auch Elfium / das ist von tausend
tagen / genennet.
    Zuvor war der gemelte ganze landstrich ein stünkender dampfichter sumpf
gewesen; welcher unter den herümwohnenden Menschen viel böse seuchen
veruhrsachet. Nun aber was es ein trukkenes / zum akkerbau geschiktes / und
wohnbares land. Zuvor hatte sein fauler schlam anders nichts / als drachen /
schlangen / nattern / und dergleichen giftiges ungeziefer / erzielet; welche die
luft noch mehr vergifteten. Nun aber begunte er schon mit Menschen bewohnet /
und mit allerhand früchten bebauet zu werden. Ja er ist nach der zeit so
fruchtbahr worden / dass er mehr getreides getragen / als sonsten fast alle
Egiptische länder: auch überdas so gesund und lustig / dass der König / als er
diese gegend nachmahls wieder besuchet / mit verwunderung überlaut ausgerufen:
sehet! ein teil des himlischen Reichs. Daher soll auch Schagen / da sich solches
begeben / bis auf den heutigen tag das Reich Gottes sein genennet worden. Ja es
scheinet zugleich / dass / dieser lustigen gelegenheit wegen / die Egiptischen
Königlichen Fürsten / nach der zeit zu Safe /welches Josef alda gebauet / ihren
hof gehalten.
    Nicht allein dieses gemelte Safe / sondern auch mehr andere städte hat Josef
alhier gestiftet. Darunter ist dieselbe / welche / nach dem ganzen Landstriche
/Elfium oder Fium genennet worden / die fürnehmste. Vor alters soll sie Abid oder
Abutich / und Piton /nach einer grossen Schlange dieses ortes / die viel menschen
und viehes erwürget / und endlich vom Herkules / darunter etliche den Josef
verstehen / erleget worden / geheissen haben. In dieser stadt hat Josef sehr
viel herrliche und grosse gebeue aufgeführet: auch selber sein Grab bauen lassen;
wiewohl etliche schreiben / dass dieses zu Nitriote / in einem winkel zwischen
zween ärmen des Niels / bei dem Seebusem Meris / gestanden. Den gemelten und
andern städten dieses ortes hat er zugleich ein gewisses land und sonderliche
grentzen gegeben: welche er alle nach der kunst abgemässen; und hierdurch den
Egiptern mit einem das Landmässen gewiesen.
    Die ärme des Niels / welche über Alkeir oder dem alten Memfis / nach dem
Mohrenlande zu / durch die ehmahls ganz dürren Lantstriche streichen / hatte
der Schaltkönig schon zuvor graben lassen / und dadurch dieselben länder auch
fruchtbahr gemacht. Und also waren ihm die Egipter nur hiervor zum höchsten
verpflichtet. Auch erkenneten sie solches / in der taht /mit der höchsten
dankbahrkeit / nicht allein bei seinem leben / sondern auch / ja noch viel mehr
/ nach seinem tode. Sein Misgönner aber / die ihn in des Königes ungnade zu
bringen getrachtet / warden alle /teils durch den schlag / teils durch einen
andern überfal / plötzlich hingerükt. Das war der lohn vor ihre undankbahrkeit.
Das war die strafe vor ihre Bosheit; welche zuletzt allen Neidhämmeln das garaus
spielet.
    Also trachtete Josef ohn unterlass / auch selber in seinem hohen alter /
des Königreichs frommen und nutzen zu suchen. Allezeit erson er was neues.
Immerzu erdachte er was sonderliches. Die wohlfahrt des Reichs / das aufnehmen
des Königes / die nahrung der Untertahnen behertzigte er mit solchem eifer / dass
er alle seine sinnen und gedanken darnachzu lenkte. Den eigennutz kente er
nicht. Nur der algemeine war ihm bewust. Er wollte sein amt treulich verwalten.
Und das täht er auch redlich. Er war ein solcher getreuer Stahtsman / dass ich
zweifle / ob seines gleichen in der ganzen Welt zu finden. Und eben darüm
seegnete ihn Gott so überflüssig. Er suchte keinen reichtuhm: gleichwohl kahm er
ihm von sich selbst so reichlich in den schoss. Selbst im schlafe fiel er ihm zu.
Wan er sass / und sich üm die algemeine wohlfahrt bekümmerte; da trüpfte / da
flos / da schos ein güldener regen vom Himmel. Indessen er vor andere sorgete
/sorgete der Himmel vor ihn: und belohnete ihm seine treue mit überschwänglichen
gühtern.
    Wir wollen mehr sagen? Josef war ein rechter Lehrspiegel vor alle
Stahtsleute. Er gab ein lehrbild allen Beamten der Könige und Fürsten. Vor
diesen edlen Spiegel möchten alle Stahtsleute / alle Amtsleute / alle
Befehlshaber krähten / und sich bespiegeln. Hier möchten sie lernen / wie man /
durch liebe zur algemeinen wohlfahrt / seine eigene befördert; wie man durch
treue reich wird / und aus vermeidung seines eigennutzes gleichwohl einen grossen
nutzen ziehet. Dan wan sie diesem Spiegel folgen / so wird ihre eigene wohlfahrt
/ ihr eigener reichtuhm / ihr eigener nutz von sich selber blühen. So wird er
grühnen /und nicht verwelken. So wird er wachsen / und nicht verschwinden. So
wird er bestehen / und nicht vergehen.
    Aber darbei müssen sie auch nicht ihre eigene ehre selbst suchen. Und
solches werden sie gleichmässig aus diesem Spiegel sehen. Josef suchte keinen
ruhm /keine ehre vor sich. Er trachtete allein treulich / redlich und aufrichtig
seinem Nächsten zu dienen. Gleichwohl fiel ihm ein überschwänglich grosser ruhm /
und eine unvergängliche ehre zu. Hette er in beförderung der algemeinen
wohlfahrt seine eigene ehre gesucht; hette er solches nur darüm getahn / damit
er gerühmet würde: so weren gewislich seine anschläge /wie weislich und klüglich
sie auch ersonnen waren /so wohl nicht gelungen. Auch würden sie ihm nimmermehr
zu solcher ehre gediehen sein. Keines weges würde er solchen ruhm vor aller Welt
erlanget haben. Und wir selbst würden diesen lobspruch ihm nicht zueignen
können. Und also gab Josef in alle seinem tuhn Gott allein die ehre. Aus
einfältigem hertzen täht er alles; und was er täht / schrieb er Gott zu. Und
darüm ward auch sein tuhn geseegnet. Darüm ging alles so wohl von statten. Darüm
fiel ihm auch reichtuhm und ehre zu. Diese waren der lohn seiner so einfältigen
treue.
    Nach der zeit / da Jakob diese welt geseegnet /waren ihm fast die meisten
seiner Söhne schon gefolget. Aber Benjamin und Naftali lebeten noch. Die hatte
Josef unter seinen Brüdern sonderlich lieb: diesen / weil ihn Bilha / seiner
Mutter magd / auf ihrer hüfte geboren / und ihn Rahel daher / als ihren eigenen
sohn / geliebt: jenen aber am allermeisten / weil er sein einiger leiblicher
Bruder war. Beide mussten fast stähts üm ihn sein; sonderlich Benjamin. Und hatte
er iemand was wüchtiges anzumelden / so ward Naftali ausgeschikt. Dan dieser war
geschwinde vom geiste / und rasch auf den füssen. Darüm hatte ihn auch sein Vater
zu allerhand bohtschaften gebraucht /ja selbst in seinem letzten willen einem
Hirsche verglichen. Hatte Josef einige müssige stunden / so ergetzte er sich mit
ihnen in gesprächen von vielerhand dingen. Sonderlich aber hörete er von denen /
die sich / in seinem abwesen / unter seinen Brüdern begeben /gern reden. Unter
andern erzehlete ihm Naftali auf eine zeit seine treume: darinnen sich Josef
allemahl mitbefunden. Und daher hatte Jakob gemuhtmasset /dass Josef noch lebete.
    Im vierzigsten jahre seines alters hatte er folgenden Traum. Er sah die
Oehlberge auf der ost seite der stadt Jerusalem: und die Sonne / samt dem Mohne
/stille stehen. Auch hörete er seinen Grossvater Isaak zu seinen Brüdern sagen:
lauft hin / einieder nach seinem vermögen: dann die Sonne und der Mohn können
ergriffen werden. Darauf lieffen sie alle zugleich so stark / als sie konten /
darnachzu. Levi ergrif die Sonne; Judah aber den Mohn: und sie warden beide /
mit den Lichtern / aufgehoben. Hierauf gab ein Jüngling dem Levi / der gleich
als die Sonne gläntzete / zwölf Palmenzweige. Judah aber / der wie der Mohn
blinkte: hatte zwölf strahlen unter seinen füssen. Beide ergriffen und hielten
einander. Darnach sah er einen Stier mit grossen hörnern / und Adlersflügeln auf
dem rükken. Dieser stund über dem Erdbodem. Und sie wollten ihn ergreiffen: aber
Josef kahm ihnen zuvor / und fing ihn; auch ward er / mit ihm / in die höhe
gehoben. Endlich sah er eine heilige schrift / welche also lautete: die Assirer
/ Meder / Elamiter / Galater / Kaldeer / und Sirer sollen / durch gefängnüsse /
den Reichsstab besitzen.
    Sieben mohnde darnach hatte er abermahl einen Traum. Er sah seinen Vater
Jakob / mit allen seinen Söhnen / in der Jammischen see stehen. Und ein Schiff /
mit getruknetem Fleische beladen / kahm /ohne schiffer und steuerman / mit
vollem lauffe gesegelt. Auf diesem schiffe stund geschrieben: dis ist Jakobs
schif. Und Jakob sagte zu seinen Söhnen: lasst uns in unser schif gehen. Aber
sobald sie in das schif geträhten waren / da erhub sich ein grosses unwetter /und
der wind stürmete dermassen / dass alles erkrachte. Hierauf ging Jakob von ihnen /
nach dem ruder zu. Der sturm schlug sie von einer seite zur andern / und trieb
sie seewärtsein. Das schif ward bald hier / bald dort gegen den grund
angeschmissen; und bekahm so grosse spalten / dass es vol wassers lief. In dieser
gefahr flohe Josef in das Boht / das am schiffe hing: und die andern Brüder
ergriffen zehen breter. Hierauf hielten sie sich fest / und warden / durch den
sturm /einer hierhin / der andere dortin / voneinander getrieben. Aber Levi zog
einen sak an / und baht den HERrn vor sie alle. Sobald nun dieser grosse sturm
gestillet war / gelangte das Boht unbeschädigt zu lande. Und Jakob kahm endlich
auch an / also dass sie sich sämtlich erfreueten.
    Josef hörete / mit grosser aufmärkung / allen diesen und dergleichen
erzehlungen zu. Er erwog sie bei sich in seinem hertzen: und sah wohl / was der
Allerhöchste mit Levi und Judah beschlossen. Auch sagte er zu seinen Brüdern:
dis seind keine eitele Treume. Gott will uns dadurch anzeigen / was künftig
geschehen soll. Gewislich wird einieder erfüllet werden zu seiner zeit. Und darüm
beweiset den Stämmen Levi /und Judah ihre gebührende ehre. Dan aus diesen
Stämmen wird das Lam Gottes entsprüssen: durch dessen gnade wird das Heidentuhm /
samt Israel /erhalten und seelig werden. Sein Reich wird ein ewiges
unvergängliches Reich sein. Aber mein Reich soll in meinen Kindern volendet
werden / als eine bewahrung der Aepfel. Dan nach der ärnte wird man es nicht
mehr sehen.
    Mitlerzeit märkte Josef / dass seine sterbestunde sich alhand zu nahen
anfinge. Darüm lies er / bei gesunden tagen / seine Söhne / Manasse und Efraim
/samt ihren Kindern / als auch seine Brüder / die noch bei leben waren / zu sich
kommen. Die ermahnete er alle / dass sie brüderlich / friedlich / und einträchtig
untereinander leben: auch sich beständig an den Gott ihrer Väter / Abrahams /
Isaaks und Jakobs / halten / und ihn nicht verlassen sollten. Ja er gab ihnen
zugleich zu verstehen: es sei ihm wohl bewust / dass sie /nach seinem tode / von
den Egiptern sehr würden geplaget und beängstiget werden. Aber der Allerhöchste
würde sie heimsuchen / und aus Egipten in das Land Kanaan führen: welches er
schon vorlängst ihren Vätern versprochen. Und darüm mussten sie ihm / mit einem
eide / angeloben / dass sie seinen Leichnam alsdan / wan sie Gott heimsuchte /
mit sich hinweg führen wollten. Dan imfal ihr meine Gebeine / sagte er /mit euch
führet / so wird Gott / wider die Egipter / im lichte / mit euch sein; und der
Teufel / in der fünsternüs / mit den Egiptern. Auch befahl er ihnen zugleich /
dass sie ihre Mutter Silpa ebenmässig mitnehmen /und zur Bilha / nicht weit von
seiner Mutter Rahel /begraben sollten.
    Kurtz hiernach gelangte / von Astarot aus dem lande Uz / ein Bluhtsverwanter
des berühmten und mächtigen Jobs / des Fürstens zu Edom / an. Dieser brachte dem
Josef eine sehr betrübte zeitung. Er erzehlte ihm / wie Job auf einen tag
viererlei sehr grosse unglücksfälle gehabt. Eben an dem tage / sagte er /da seine
sieben Söhne / samt seinen drei Töchtern /die er mit euer Schwester Dina
gezeuget / in des erstgebohrnen hause sassen / und guhter dinge waren; da kahm
ein bohle zum Job / und zeigete ihm an / dass die Sabeer aus dem reichen Arabien
die Rinder vom pfluge / samt den Eselinnen aus der weide / weggeraubet / und
alle seine Knechte / bis auf ihn / der allein entronnen / todtgeschlagen. Als
dieser noch redete /kahm einander / der brachte die zeitung; das feuer Gottes
sei vom Himmel gefallen / und hette Schäfer und Schafe verbrant / also dass nur
er allein übrig geblieben. Kaum hatte der knabe ausgeredet / da kahm abermahl
einander / welcher meinen Vetter mit diesen worten anredete: die Kaldeer / sagte
er / kahmen /mit drei hauffen / auf die Kamehle gefallen / nahmen sie weg / und
hieben alle Hühter nieder. Ich allein bin darvon gelauffen / damit ich die
zeitung brächte. Nährlich waren ihm diese worte aus dem munde / da kahm der
vierde. Der brachte die allerbetrübteste zeitung. Ach! sagte er / eure Söhne und
Töchter assen und trunken im hause ihres ältesten Bruders; da kahm ein grosser
sturmwind aus der Wildnüs / und sties so gewaltig auf die vier ekken des hauses
/ das es über einen hauffen fiel / und alle menschen erschlug / bis auf mich /
der ich allein der gefahr entkommen.
    Weil nun dieser fromme Job sich dem Josef nicht allein seiner Schwester Dina
wegen / sondern auch von seinem Obergrossvater Abraham her / dessen Bruders
Nahors sohn er war / mit bluhtsfreundschaft zugetahn befand; so ging ihm sein
unglück sehr nahe zu hertzen. Er erschrak und entsetzte sich so heftig über
dieser unvermuhteten zeitung / dass er eine guhte weile kaum reden konnte. Ja als
er vernahm / dass dem frommen Job des andern tages darauf noch ein fünftes unglück
zugestossen / und sein ganzer leib über und über mit bösen blattern geschlagen
worden: da ward er noch vielmehr zum wehleiden bewegt. Ach! sagte er /
geschiehet dieses am grühnen holtze / was wird am dürren geschehen? Job ist
schlecht und recht; er ist Gottesfürchtig; er meidet das böse: und hierinnen hat
er seines gleichen nicht. Gleichwohl hat ihm ein so gar grosses unglück begegnen
müssen. Gleichwohl ist ihm ein so unerträgliches kreutz aufgelegt worden. Ach!
wir arme Menschen / was seind wir? Mus der frömmeste also leiden; was / werde
dann ich / und einander / die wir lange so from nicht seind / leiden müssen? Doch
was will ich sagen? Es ist ein zeichen / dass Gott ihn herzlich liebt; weil er
ihn so väterlich züchtiget. Dan es ist einmal gewis / dass wir schweerlich
anders / als durch viel trübsaal / und zeitliches leiden / zur ewigen freude
gelangen können. So mus es sein. Darzu seind wir in dieser zeitligkeit bestimmt.
Ich habe das meinige auch erfahren. Meine seelige Liebste hat kreutzes und
leidens genug / und ich ihrentwegen /ausgestanden. Meine liebe Assenat. Hier
blieb die rede stekken. Weiter konnte sie nicht fort. Der schmertz hämmete die
zunge. Endlich folgeten die trähnen / welche strohmsweise über die wangen
flossen.
    Die tafel zum abendessen war schon gedekt. Die speisen warden aufgetragen.
Aber den Schaltkönig hatte der schmertz so eingenommen / dass er nicht essen
konnte. Darüm befahl er seinem Sohne Efraim /und seinem Bruder Benjamin / die
eben bei ihm waren / dass sie ihrem angelangten Bluhtsfreunde Gesellschaft halten
sollten. Er inzwischen begab sich zu bette / nachdem er gegen seinen gast sich
zum besten entschuldiget. Efraim begleitete ihn in sein schlafzimmer: da er ihm
/ im scheiden / abermahl befahl /dem Gaste zu sagen / dass er auf den morgenden
tag ihm selbst Gesellschaft zu halten verhofte.
    Aber Josef / es sei / dass das schrökken über das unglück des Jobs / oder der
schmertz über das andenken seiner lieben Assenat ihn übermeistert / brachte die
ganze nacht schlafloss zu. Und darbei war er so schwach / dass er kaum luft zu
hohlen vermochte. Ja sein hertz befand sich anders nicht / als zwischen zwei
bretern eingeklämmet. Er vermeinte zwar als der tag angebrochen / aufzustehen.
Aber er war so mat /dass er nicht konnte. Seine Leibärtzte warden gehohlet. Diese
urteileten von stunden an aus seinem wesen und schlage / dass diese machtlossheit
aus einer heftigen gemühtsbewegung herrührete: welche das hertz und heupt
verletzet. Darüm verordnete ihm der eine straks etliche Hertzartzneien. Der
andere verschrieb ihm einige Hauptmittel die verunruhigten sinnen zu besänftigen
/ und den schlaf zu erwekken. Diese tähten zwar ihre würkungen / so viel sie in
einem alten und schwachem leibe vermochten. Der Schaltkönig fühlete zwar einiger
massen linderung. Das hertzklopfen verlohr sich. Die ohnmächtigkeit lies nach.
Der schlaf fand sich wieder. Doch gleichwohl hatte er so viel kräfte nicht / dass
er aufstehen konnte. Auch vermochte der Magen keine speise anzunehmen.
    Zween tage lang blieb er ohne einige nützung der speise liegen. Endlich
richtete ihm der Magenartzt auch eine Magenartznei zu. Diese würkke so viel /dass
er lust bekahm zuerst ein Hühnersüplein einzuschlurfen: darnach auch vom
Hühnlein selber zu essen. Doch meist behalf er sich mit Mandelmüsern.
Hierdurch bekahm er so viel kräfte / dass er am fünften tage sich aus dem bette
erhub / ja selber seinem Gaste bei der tafel Gesellschaft hielt. Aber diese
erhohlung der kräfte währete nicht lange. Kaum konnte er so lange sitzen / als
die mahlzeit währete. Sobald die Tafel aufgehoben war / musste er sich wieder
legen. Seine schwächligkeit wollte nicht gestatten länger aufzubleiben.
    Der König hatte mitlerweile des Schaltköniges unbåsligkeit zu wissen
bekommen. Straks färtigte er den Reichskantzler ab ihn zu besuchen. Und als er
verstund / dass gefahr darbei were; da schikte er auch zween seiner Leibärtzte zu
ihm. Diese sollten zusehen / ob die gefahr so gross sei / als er gehöret. Nach
eingezogenem berichte / besuchte er den Kranken selbst. Zwo ganze stunden
währete dieser besuch. Der König bezeugte sein hertzliches mitleiden: und Josef
seine schuldigste dankbarkeit. Nach volendeten höfligkeiten ward befohlen / dass
iederman hinausgehen sollte. Hierauf fing der König straks an von
Reichsgeschäften zu reden. Allerlei worte / und wiederworte fielen vor. Endlich
ersuchte er den Schaltkönig / dass er seinen letzten Willen / entweder selbst /
oder durch einen vertrauten / aufsetzte. Dan / sagte er / ihr seid nunmehr
hochbejahret. Das alter schwächet eure kräfte. Hierzu ist diese krankheit
gestossen. Leichtlich möchte noch ein anfal darzu kommen / der euch plötzlich aus
unsern augen rükte. Darüm ist mein begehren / dass ihr bei zeiten anordnung tuht
/ wie es nach eurem hintritte / in einem und dem andern / was den Staht und
desselben beherschung betrift / soll gehalten werden. Bei euch beruhen alle
geheimnüsse des Reichs. Ihr allein habet wissenschaft von den verborgnesten
sachen des Stahts. Von euch allein auch haben wir einen guhten raht zu gewarten.
    Weil nun Josef dieses alles schon lange versorget /so gab er folgende
antwort. Die ganze verfassung /sagte er / ist vorlängst geschehen. Ich selber
habe sie mit eigener hand aufgesetzt. Und darbei seind etliche Beilagen; die der
König / zu seinem nachrichte /vor sich allein und in geheim behalten soll.
Gestern habe ich alles meinem Sohne Efraim wohlversiegelt zugestelt. Dem ist
auch befehl geschehen / solches dem Könige / so balt meine seele von mir
geschieden / in geheim zu überreichen. Der König verlangte sie zu sehen /
sonderlich die Beilagen; damit er vom Josef selber noch einige erklährungen
darübereinziehen könnte. Straks ward hingeschikt / sie zu hohlen. Efraim brachte
sie selber. Der König empfing sie aus seiner hand. Er entsiegelte sie / und
lase sie durch. In den Beilagen stunden etliche heimligkeiten des Stahts;
sonderlich wie der König sein freimächtiges gebiet erhalten sollte. Auch ward
darinnen weitleuftig erklähret / durch was mittel und wege Josef die königliche
macht zu solcher freiheit gebracht. Alles gefiel dem Könige überaus wohl. Er
dankte dem Josef vor seine so getreue vorsorge: welcher auch noch zum überflusse
sein ganzes Rahtsbedenken mündlich wiederhohlte / und mit deutlichern reden
erklährete. Hierinnen schöpfte der König eine solche vergnügung /dass er auch
unersuchet und aus eigenem triebe dem Josef die hand zureichte / und mit einem
hohen eidschwuhre versprach / dass er solches / nach seinem tode / an seinen
Kindern vergelten / und sie befördern / und beschirmen wollte / wo und wan sie
seiner beförderung und beschirmung benöhtigt. Der Schaltkönig bedankte sich vor
solche hohegnade: als auch / dass der König sich so weit erniedriget / seinen
Diener zu besuchen. Und hiermit geseegneten sie einander; und der König begab
sich wieder auf die Burg.
    Vor dem Schaltköniglichen Schloss hatte sich indessen eine grosse mänge
volkes versamlet. Niemand wusste / was es bedeutete / dass der König den Josef
besuchete / und sich so lange bei ihm verweilete. Der eine urteilete dis / der
andere das. Man stekte die köpfe zusammen. Man führete wunderliche reden. Der
Schaltkönig hatte sich sonsten fast alle tage auf der Burg befunden. Aber in
acht tagen war er alda nicht gesehen: auch nie auf der gasse vernommen. Etliche
tage nacheinander waren die Aertzte bei ihm aus- und ein gegangen. Auch hatte
man zween königliche Leibärtzte vor etlichen stunden aus seinem Schloss kommen
sehen. Aus allen diesen begäbnüssen muhtmasseten die meisten / dass ihr
Schaltkönig krank sei. Und in solcher muhtmassung warden sie noch mehr gestärket
/ als sie den König trauriger / dann er pflegte / wiederkehren sahen. Ja das
alberne einfältige volk wollte selbst aus dem langsamen tritte der königlichen
Pferde einige traurigkeit schliessen. Sehet doch! sagten etliche / wie die
unvornünftigen tiere so traurig gehen / wie sie die köpfe hängen lassen.
Gewislich müssen sie es märken / dass der Versorger / der Verpfleger / der
Heiland des ganzen Egiptens krank ist. Ja die alten Mütterchen fingen schon an
zu weinen. Die kinder folgeten; wiewohl sie nicht wussten warüm. Man sah ein
erbärmliches wesen. Die nicht weineten / seufzeten und ächzeten: und die keines
von beiden tähten / gaben gleichwohl / durch ihre hinlässige gebährden / ihre
traurigkeit anugsam an den tag. Nunmehr gleubeten alle / dass Josef krank sei: ja
etliche gar / dass er schon gestorben. Und diese machten den tod des
Schaltköniges straks durch die ganze stadt ruchtbar. Dis gerüchte lief so
eilend von hause zu hause / dass es auch endlich selbst in des Manasse schlos
drung. Dieser erschrak über alle masse. Ja er geriet dergestalt aus sich selber
/ dass er zuerst nicht wusste / was er tuhn sollte.
    Mitlerweile kahm Efraim an. Der berichtete / dass eben itzund der König
selber ihren Vater besuchet. Da fassete Manasse wieder muht. Doch gleichwohl
lag ihm dieser falsche ruf so fest in den gedanken /dass er nicht eher ruhen
konnte / er hette dann seinen Vater selbst gesehen. Geschwinde lies er anspannen.
Eilend setzte er sich mit seinem Sohne Machir / der eben bei ihm war / zu wagen.
Straks eilete er nach dem kranken Vater zu. Nicht hastig genug konten ihm die
pferde gehen. In einem hui gelangte er vor dem schlosse an. Da fand er alles vol
menschen. Nicht allein die gassen waren erfüllet / sondern auch die heuser rund
herüm. Kaum konnte er durch das gedränge hin kommen. Nährlich konnte der wagen das
tohr erreichen. Manasse verlangte ie mehr und mehr. Des Schaltköniges
Leibwächter warden seiner gewahr. Die machten ihm raum / und trieben den drang
zurück. Also gelangte er endlich in das schlos. Das erste / das er fragte / war
dieses: ob der Vater noch lebte? so zweifelhaftig war er in seinen gedanken.
    Als er nun in die kammer traht / da fand er den Schaltkönig sehr schwach.
Kaum konnte er sich nur etwas aufrichten seinem Sohne die hand zu bieten. Manasse
fragte zur stunde: wie es mit seiner krankheit beschaffen? Ach! gab Josef zur
antwort / sehr übel. Vor einer halben stunde befand ich mich zimlich wohl. Aber
diesen augenblik bin ich so schwach worden / dass ich kaum ahtemen kann. Ich märke
wohl /dass sich meine Sterbestunde nahet. Wo ist doch mein Sohn Efraim / und mein
Bruder Benjamin? Lasset sie flugs hohlen. Nicht lange darnach erschienen sie
beide / samt ihren Kindern. Da wiederhole Josef eben dieselben worte / die er
zuvor in seinen gesunden tagen / zu ihnen gesprochen. Auch fügte er noch mehr
hinzu. Sonderlich aber ermahnte er sie zur Gottes furcht / und zur unterlichen
einigkeit. Endlich gab er allen den seegen: und hiermit strekte er seine füsse
aus / und verschied so sanfte / dass er ausging / als ein licht. Dieses begab
sich im 110 jahre seines alters /im 80 seines Fürstentuhms / im 61 nach seiner
lieben Assenat tode / und im 55 nach seines Vaters Jakobs / als er eben 93 jahr
in Egipten gewesen.
    Straks hierauf warden reitende bohtschaften ausgeschikt den übrigen Kindern
Israels zu Heliopel / und im ganzen Lande Gessen / den tod ihres algemeinen
Vaters Josefs anzumelden; damit sie ihn gebührender massen betrauten möchten. Und
hierdurch erschol der ruf durch das ganze Egipten. Plötzlich lief er von
ländern zu ländern / von städten zu städten / von heusern zu heusern / bis er
endlich das ganze Reich erfüllete. Da erhub sich überal ein grosses trauren /
ein heftiges klagen / ein erbärmliches jammern. Das ganze Israel beweinte den
Josef / als seinen Vater / als seinen Ernährer / als seinen Beschirmer. Und die
Egipter gaben ihnen nichts zuvor. Sie betraureten ihn sämtlich / als einen Vater
ihres Vaterlandes / als einen Erhalter und Vermehrer ihrer Wohlfahrt / als einen
Stifter so vieler heilsamer Satzungen. Ja die Armen bejammerten ihn / als ihren
Versorger: die Bedrängten / als ihren Nohtelfer / und Erretter: die Bauern als
ihren Lehnverpfleger: die Bürger / als ihren Friedeschild: die Stahtsleute / als
ihr Auge und Oberheupt: der Adel / als seine Stütze: die Fürsten /als ihre
Krohne. Selbst der König betrauerte ihn / als die edleste / die köstlichste
Perle / die von seiner Krohne gefallen.
    Und also nahm das ganze Egipten / samt dem ganzen Israel / die trauer an.
Von hertzen waren sie betrübt. Mildiglich vergossen sie die trähnen. Jederman
kärmete. Jung und alt weinete. Selbst die kleinen kinder schienen diesen tod zu
bejammern. Es ist auch kein wunder. Josef war ein Herr / dessen Tugenden eben so
unvergleichlich / als sein Glük wunderseltsam / gewesen. Er führte / in seiner
grossen gewalt / ein ganz untadelhaftes leben. Er lies iederman recht und
gerechtigkeit widerfahren. In seinem grösten glück /und höchstem ehrenstande
überhub er sich keines weges. Vielmehr war er niedrig und demühtig. Ja er war
überaus langmühtig / überaus sanftmühtig / überaus barmhertzig. Er hatte
mitleiden gehabt mit allen Egiptern / eben als mit seinen eigenen gliedmassen. Er
hatte ihnen alles guhtes bewiesen. Mit raht und taht hatte er ihnen geholfen.
Die algemeine wohlfahrt hatte er über alle masse vermehret: das Reich in
geruhigem frieden allezeit erhalten: des Königes macht über alles erhoben; und
doch darbei der Untertahnen bestes niemahls verseumet.
    Fast auf eben dieselbe weise / wie man die Assenat balsemen lassen / ward
Josefs Leiche gebalsemet: auch eben also ausgezieret / und in einen köstlichen
sarg geleget. Als dieses alles verrichtet war / folgete das Leichengepränge. Die
Leiche ward auf einem ganz versilbertem wagen geführet. Diesen zogen vier
pferde / mit einem überzuge von weissem seidenem zeuge / der / über die füsse hin
/ bis auf die erde hing /bekleidet. Hinter dem Leichenwagen her ritte sein
Hofmeister / mit einer güldenen Krohne in der hand. Hierauf folgete der
Mahrschalk / mit einem Reichsstabe / gleichmässig zu pferde. Diesem ritte nach
ein Kammerjunker mit des Schaltköniges Schwerte. Hierauf kahmen seine zween
Söhne / Manasse und Efraim / mit ihren Söhnen: und dann Josefs Brüder / die noch
bei leben waren. Auf diese weise ward des Schaltköniges Leiche nach dem
Grabmahle zu / das er ihm selbst bauen lassen / geführet / und alda beigesetzt.
In eben demselben Grabmahle blieb sie eine lange zeit stehen. Aber endlich ward
sie von dannen in die Königliche Schatzkammer gebracht. Dan die Zeuberer und
Zeichendeuter hatten dem Könige gerahten / dass er ja zusehen sollte / sie wohl zu
verwahren. Wan er solches nicht tähte / und Josefs Leichnam aus Egipten tragen
liesse; so würden grosse plagen über die Egipter kommen / ja eine so dikke
fünsternüs das ganze Egipten überfallen / dass keiner den andern / selbst bei
brennenden lichtern / würde sehen können. Zudem hatte man aus gekundschaffet /
dass Josef vor seinem absterben selbst befohlen / seinen Leichnam in das Land
Kanaan zu tragen; auch darbei von eben derselben fünsternüs geweissaget.
    Nach Josefs seeligem hintritte vermehreten sich die Kinder Israels in
kurtzen jahren dermassen / dass sie in ihren städten / welche sie bisher gehabt /
nicht raumes genug fanden zu wohnen. Und darüm musste man noch etliche neue
bauen. Ja die Mütter in Israel gaben den Egiptischen nichts zuvor. In einer
einigen tracht brachten sie zu weilen vier / sechs / ja acht kinder zur welt.
Und diese grosse fruchtbarkeit veruhrsachte das stähtige trinken des Nielwassers:
welches die Aekker und Leiber nicht allein fet / sondern auch so fruchtbahr
machte / dass beide so überaus reichlich früchte trugen. Man pfleget den Flüssen
sonsten gemeiniglich den nahmen Vater zu geben. Aber keinem scheinet solcher
nahme so rechtmässig und so eigentühmlich zuzukommen / als dem Niele: der so ein
reicher fruchtbarer Vater und Erzieler ist nicht allein der Erdgewächse /
sondern auch der Menschen / dass Egipten darinnen schier alle Reiche der Welt
übertrift. Und eben darüm war auch sein wasser in solchem währte / dass man es
iederzeit als was heiliges verwahret / ja als ein sonderbahres geschenk / in
ferne länder den Gewaltigsten der Welt zugeschikt. Ich will mehr sagen / seine
grosse fruchtbarkeit hat auch den alten Egiptern selber anlass gegeben / dass sie
ihrem Niele / wie wir droben gemeldet / Göttliche ehre angetahn / und so
vielerlei ehrennahmen gegeben.
    Wir haben schon in etwas berühret / dass die abergleubisschen Egipter ihren
Josef / da er noch lebete /göttlich geehret: wiewohl in geheim und in der
stille; weil er es selber so ernstlich verbohten. Aber dieses Verbot schien /
nach seinem tode / verjahret zu sein /und nichts mehr zu gälten. Ihre gemühter
waren ihm dermassen zugetahn / dass sie ihn nunmehr öffendlich ganz und gar vor
einen Gott aufwarfen. Sie baueten ihm zu ehren Götzenheuser; sonderlich zu
Memfis. Ihm zu ehren richteten sie Götzenbilder auf. Diese bähteten sie an.
Hiervor fielen sie nieder; und ehrten sie als Götter. Diesem neuen Gotte mussten
alle die alten Abgötter weichen. Die ehre / ja die nahmen die sie jenen gegeben
/ eigneten sie nun diesem zu. Er ward der ansehnlichste / der fürnehmste / der
höchste unter allen. Damit auch der nahme Josef selber üm so viel herrlicher
und göttlicher schiene / so veränderten sie ihn: sie setzten die buchstaben üm;
sie verwechselten sie mit ihren verwanten / und machten Apis daraus. Eben
dasselbe tähten sie auch mit dem Nahmen Assenat: den sie so verzwikten und so
verwandelten / dass sie nur desselben fürnehmsten grundbuchstaben s behielten /
und Isse / darnach Isis daraus machten.
    Josef hatte dem Reiche fürnähmlich dreierlei Guhttahten erwiesen. Erstlich
hatte er den Königlichen zweifachen Traum gedeutet: an dessen deutung dem
ganzen Stahte so sehr viel gelegen. Darnach hatte er einen so heilsamen raht
gegeben: und dann alle Egipter so weislich und treulich versorget; indem er ihnen
vorraht und lebensmittel verschaffet. Diese dreifache wohltaht abzubilden schien
kein füglichers sinbild zu sein / als der Ochse / aus des Königes Traume; als
auch die Kornahre / aus eben demselben. Beides hatte ihnen Gott selbst gleichsam
vorgeschrieben. Und darüm eigneten sie jenes / nähmlich den Ochsen / dem Josef
zu: und dieses / nähmlich die Kornahren / der Assenat / mit dem nahmen Isis.
Unter andern war es auch kein wunder / dass beiderlei Götzendienst sich so bald
ausbreitete / und solche tieffe wurtzeln in den abgöttischen hertzen der Egipter
gewan. Die Assenat war eine Tochter / ja noch darzu eine einige Erbin des
algemeinen Egiptischen Ertzbischofs. Und Josef war ihr vermählet. Er war des
Ertzbischofs Eidam gewesen. Darzu hatte er der Priesterschaft überaus viel gunst
und wohltahten erwiesen. Und eben darüm trieben die Priester / die auch das
meiste darbei vermochten / das werk mit ganzer macht fort. Mit allem eifer
strebeten sie darnach / so wohl dem Josef / als der Assenat / eine ewige
Göttliche ehre zu stiften. Hierzu half auch nicht wenig der alte Ertzbischof
selbst: und desselben nahe verwandschaft mit den mächtigsten des Reichs / ja mit
dem Könige selber.
    Es war ohne dis bei den Egiptern der gebrauch /dass sie das gedächtnüs ihrer
Wohltähter mit zugeheiligten Sinbildern erhielten. Sie waren gewohnet ihren
Nahmen hierdurch zu verewigen / ja zu vergöttlichen /und auf die spähte Nachwelt
fortzupflantzen. Und solches geschahe alhier / aus jetzt erzehlten uhrsachen /üm
so viel mehr / üm so viel eifriger / üm so viel herrlicher. Ja üm der Assenat
willen / widerfuhr dem Josef üm so viel grössere ehre: wiewohl sie üm
seinetwillen auch nicht wenig mehr ehre bekahm. Eines half dem andern. Eine
uhrsache stärkte die andere. Und also erlangten beide die höchste ehre: welche
/wiewohl nur etliche hundertjährige zeiten im götzendienste / nunmehr über die
dreitausend dreihundert jahre gewähret / ja noch währen wird / so lange die welt
stehet. Mit einem worte: die ehre / der ruhm / das lob des Josefs und der
Assenat seind / mitten in der zerstöhrung des Ebreischen und Egiptischen Stahts
/geblieben bis hierher / und werden auch bleiben bis alles Irdische sehen wird
sein endliches
                                     Ende.
 
                           Kurtzbündige Anmärkungen;
 darinnen etliche dunkele örter / und Götzennahmen /die in hiesiger der Assenat
    Verfassung vorfallen /erklähret; und die Zeugnüsse so wohl der Heiligen
               / als unterschiedlicher anderer Schriften / daraus
                dieselbe zusammengeflossen / zu ihrer bewährung
                      / angeführet / auch zugleich vieler
                          widrige meinungen dargetahn
                                  und erwiesen
                                    werden.
 
                                  Anmärkungen.
                       Zu des ersten blats ersten zeilen.
Wie man den drei lustigsten und gleichsam vor andern blühenden mittelsten / und
straks aufeinander folgenden Mohnden unserer jahre gemeiniglich die drei
fürnehmsten Bluhmen zueignet / nähmlich dem fünften die Rosen / dem sechsten die
Liljen / dem siebenden die Näglein; weil eine iede dieser Bluhmen in einem / als
ihrem eignen / derselben Mohnden am ersten oder meisten zu blühen pfleget: so
haben wir auch diese Mohnden selbst / einen ieden / nach seiner zugeeigneten
Bluhme / benahmet. Nähmlich den ersten benahmen wir den Rosenmohnd; den Karl der
Grosse den Wonnemohnd / der Sternschauer / nach seinem eigenen Sternzeichen / den
Zwillingsmohnd /und die gemeine gewohnheit den Mai- als auch den Blüh- oder
Bluhmen-mohnd nennet: den andern den Liljenmohnd; den wir auch anderwärts den
Sommermohnd / vom beginne des Sommers in demselben / als auch den Kräbsmohnd /
vom Kräbse / dem so genenten vierden Stern- oder himmels-zeichen des Tierkreuses
/ welches in dieser mohndzeit die sonne durchlauffet / benahmet: und dann den
dritten den Nägleinmohnd; den man auch / nach seinem zugeeigneten Sternzeichen /
wie er anders gemeiniglich / vom heumachen in demselben / der Heumohnd heisset /
den Leuenmohnd nennen känte. Sonsten führet der mittelste von diesen dreien
gemeiniglich den nahmen des Brachmohndes / vom blossen brachen und ümpflügen der
äkker / das in diesem mohnde geschiehet. Und wie die Lateiner den nächst
vorhergehenden von der Maja / des Merkuhrs mutter / pxa to maiestai oder
vielmehr à Majoribus, das ist den älteren oder mächtigern und grössern / Majus
heissen: also heissen sie auch diesen / von der Abgöttin Juno / oder vielmehr
von den jüngern oder der jugend / à juvenum sive juniorum honore, Junius; als
sagte man der Jugendmohnd / oder der Jünglinge mohnd / Juvenum sive juniorum,
aut Juventæ deæ mensis. Junonius mensis wird er auch vom Festus / und von andern
Junonialis genennet. Juno selber sagt bei dem Ovidius / im ersten seiner
Jahrbücher:
Nec tamen ignores, vulgique errore traharis:
Junius à nostro nomine nomen habet.
Die uhrsache der also geschehenen benahmung dieser zween mohnden zeigt
Makrobius an: nähmlich weil Romulus / der stifter und uhrhöber der stadt Rohm
/das Röhmische volk in Aeltere und Jüngere / oder Grössere und Kleinere / damit
jene mit raht / und diese mit taht / das ist mit waffen / dem Stahtswesen
behülflich weren / geteilet; so habe er nachmahls /diesen zwei teilen zu ehren /
gemelten zween Mohnden solche nahmen gegeben. Fluvius Nobilior, schreibt er l. I
Saturnal cap. 12, in Fastis Romulum dicit, postquam populum in majores,
minoresve seu juniores divisit, ut altera pars consiliis, altera armis
rempublicam tueretur, in honorem utriusque partis, hunc Majum, sequentem Junium
mensem vocâsse. Daher sagt auch Ovidius an obangezogenem orte:
Junius est Juventum; qui fuit ante, Senum.
Es ist aber das Wort Junius aus Juvenius zusammengezogen; wie Junior aus
Juvenior welches von Juvenis, und dieses scheinbahrlich von juvo, das ist ich
helfe / entsprungen. Hiervon schreibet Kristian Bekman in seinen
Grundforschungen der Lateinischen sprache also: Sed Juvenis, nearos unde? Fortè
à Juvo - an possis aliunde, in incerto situm. Ut ita Juvenis sit vegetus,
promtus ad laborandum, aut juvandum. Unter den Griechen scheinen die Atehner
diesen mohnd auch von baios das ist klein / ekatombaion genennet zu haben. Bei
den Beoziern aber hies er ippodromios, das ist Rosspielmohnd / der mohnd des
Roslaufs / darinnen die Renspiele gehalten warden; wie Plutarch bezeuget: bei
den Mazedoniern desios, der Bindemohnd / wie Suidas meldet: bei dem Galenus /
und Josef dem Jüdischen Geschichtschreiber loos, als sagte man der bessere mohnd
/oder der mohnd nach hertzens wundsche; welches wort die Mazedonier ebenmässig
gebrauchten: bei dem Plutarchen kronios, der Saturnsmohnd: bei den Egiptern /
wie etliche wollen / payni; welchen nahmen Ptolomeus / wiewohl andere bayne
schreiben /gebrauchet: und bei den Ebreern .
    Wan dieser mohnd / darinnen sich die sonne von ihrer höchsten höhe wieder
zurück / nach untenzu / gewendet / und gleichsam kräbsgängig worden / vorbei ist;
dann fänget der Niel in Egipten zu wachsen an. Seneca l. 4 quæst. natural. C. 2.:
Natura ita disposuit, ut Nilus solstitio æstivo incipiat inundare Ægyptum, &
æquinoctio auctumnali desinat.
                            Zur 5 / 6 / und 7 Zeile.
Durch den Osiris / als welchem die Egipter / unter andern / die gühtigkeit der
Sonne zueigneten / verstehen wir auch alhier die Sonne: und durch die Isis das
sternzeichen der Jungfrau; darnachzu die Sonne /durch den Leuen / lief / als
Josef in Egipten ankahm. Hiervon kann gelesen werden unser Dichterischer
Sternhimmel / Coelum Astronomico-Poëticum, in Virginis signo: Vossius de
Idololatr. P. 355.
                          Zu der 9 zeile des 1 blats.
Memfis / die werkstat der Götter / und fruchtbare mutter der ungeheuren bauwerke
/ eine sehr berühmete Egiptische hauptstadt / da die Könige eine zeit lang ihren
sitz gehabt. Atanasius Kircherius Oedipi Ægypt. Part. I, pag. 26, 27. Ihr
eigendlicher Egiptischer nahme war Monf / wie der Ebreer Balmis meldet / oder
vielmehr Momf oder Momft; welches / wie es der Araber Abenef erklähret / Gott
des wassers /oder das wasser Gottes oder des HERrn bedeutet. Daraus haben
nachmahls die Griechen den noch gebreuchlichen nahmen Mempis; und die Ebreer ihr
Mef oder Mof , oder Nof , Ptolomeus schreibet im 5 h. Des 4 b. Nofet) gebildet:
bei denen diese stadt sonsten auch Migdol / das ist ein Turn / ja zuweilen Mafes
/ und Mizraim / nach ihrem ersten stifter /heisset. Eben gemelter Kircher meldet
/ in seiner Egiptischen Landbeschreibung am 27 bl. dass Hams sohn Mizraim sich /
mit seinen leuten / nach der sündfluht zum allerersten in diese gegend begeben;
und seine gezelte / auf den hügeln üm Memfis herüm / weil das übrige land nach
der see zu meistenteils noch unter wasser lag / auf geschlagen. Als aber nach
der zeit die ümliegende gegend trukner und wohnbahr worden / habe er alda die
erste stadt / die er nach seinem nahmen Mizraim / gleichwie auch endlich den
ganzen landstrich / genennet / am ufer des Niels gestiftet. Hierzu fügt er /
dass man zuletzt dieser stadt /als man gesehen / dass sie / mit dem ümliegenden
lande / durch den Niel / ie länger ie fruchtbarer worden / den nahmen Monft oder
Momfta / das ist das wasser Gottes / als wollte man sagen die stadt des wassers
Gottes oder des Niels / gegeben. Herodotus bezeuget in seiner Euterpe
gleichmässig / dass der erste Egiptische König Menis oder Mneiis, der niemand
anders / als Mizraim / ist / gemelte stadt Memfis gebauet. Eben dasselbe
schreibet auch Promisius im Ebreischen Wortbuche dem Mizraim zu. Aber Robert
Steffan / in seinem Wortbuche der eignen nahmen / nennet ihren stifter Ogdous:
welches vielleicht des Mizraims zunahme gewesen. Seine eigene worte seind diese:
Memphis, Ægypti urbs, quam Ogdous rex Ægypti condidit, ambitus stadiorum centrum
& quinquaginta, urbem omnium Ægypti præclarissimam opportuniori totius ejus
oræ loco, ubi Nilus in plures sicissus partes, efficit formam Deltæ. Quo fit, ut
tanquam in Nili claustro posita aditum præbeat, prohibeatque ad superiora loca
navigantibus, etc. Unde & posteri reges ferè omnes, relictis Tebis, eam
sibi regiam delegerunt; ut scribit Diodorus Siculus l. 2. Hodie Alcairum vulgò
vocant. Dass aber etliche wollen / Epafus / der Jo sohn /den sie auch vor den
Egiptischen Abgott Apis halten /habe die stadt Memfis gebauet / und nach seiner
gemahlin / eines Egiptischen Königes tochter / nahmen also genennet; das
streitet ganz und gar wider die geschichte der Egipter. Und hiervon kann
Herodotus im 2 und 3 b. Eliahn im 10 h. des 11 b. seiner Tieregesch. und Vossius
vom uhrsprunge der Abgötterei am 113 / und 215 bl. gelesen werden.
    Sabellikus / Postellus / und andere meinen / dass das heutige Alkair /
welches itzund des ganzen Egiptens hauptstadt ist / eben dasselbe uhralte
Memfis sei. Aber sie irren: weil Memfis und Alkair wohl drei meilen / wie der
Ebreer Benjamin in seinem Reisebuche bezeuget / voneinander / und jenes / nach
Herodotus und der meisten Alten zeugnüsse / auf der abendsette / dieses aber auf
der morgenseite des Niels gelegen. Ja noch mehr irren dieselben / welche das
alte Egiptische Babilon / das vom Deltischen ekke nur 14 oder 15000 schritte lag
/ wie Strabo meldet /dessen verfallene stenhauffen man auch noch itzund auf der
ostseite des Niels sieht / mit dem mehrgemelten Memfis vermischen / und vor
eine stadt halten wollen: da doch des letzteren verfallene schütte / samt
desselben übriggebliebenen Grabspitzen / auf der abendseite des Niels / nach dem
rohten Meere zu /recht gegen Alkair über / gesehen werden; auch der aus Memfis
verzwikte nahme Menchis / wie Postellus meldet / alda noch itzund zu finden.
Dieser Postellus nennet es / in seinen Morgenländischen Geschichten / Mitzir /
Fostat / Nitzrulatik. Mitzir und Missir heisset das heutige Alkair / auch bei
den Türken; und bei den Arabern Mizir und Mazar oder Maser / ; auch Massar bei
den Armeniern: welche nahmen alle aus Mizraim / oder dieser vielmehr aus jenen
gebildet. Bochardus in Phaleg. p. 293. Die Kaldeer aber nennen es Alchabir:
daraus Alkair gebildet zu sein scheinet. Doch meldet Marmol / dass Alkair ein
Arabisches wort sei / aus elkahira / das ist eine versamlung oder
klostergeselschaft. Und andere fügen hinzu / dass diese stadt / welche zuvor
Mezere oder Mesre geheissen / solchen nahmen von einem darbei gelegenem Schloss
bekommen. Dieses schlos hette ein Statalter des Königes Mohes nahe darbei wider
die feindlichen einfälle gebauet / und nach der Königin nahmen Kairet genennet:
dergestalt dass nach der zeit auch die nächstgelegene stadt selber denselben
nahmen Kairet / der endlich in Kairo oder Alkair verändert worden / bekommen /
und ihren alten Mesre algemach verloren. Auch hat das obgemelte Egiptische
Babilon selber / wie Strabo meldet / seinen anfang von einem schlosse
desselben nahmens / welches die hierher gezogenen Babilonier gestiftet /
bekommen. Und wiewohl es mit der zeit zerstöhret worden / so hat sich doch
nachmahls die unsern darvon gelegene neue stadt Alkair so weit /nähmlich auf 30
meilen in die runte / wie Beauvau meldet / ausgebreitet / dass sie itzund das
alte Babilon in ihrem ümkreuse mitbegreiffet. Daher schreibet Brokard sehr wohl:
dass Babilon und Alkair zwo städte weren / aber in eine zusammengefüget. Ja daher
wird auch Alkair von etlichen in das alte und neue geteilet. Durch das neue
verstehen sie das eigendlich also genente Alkair / welches auch / nacht Marmols
und Leons des Afrikers zeugnüsse / eine noch neue und junge stadt ist: durch das
alte aber das Egiptische Babilon; davon der Jüdische Geschichtschreiber Josef im
5 h. des 2 b. meldet / dass es Kambises auf des alten Letuspels stelle gebauet.
Dieses liegt itzund / wie Belloon und Peter della Valla melden / sehr wüste /
und unbemauret; wiewohl ihm Krusius eine mauer von 24 meilen zuschreibet. In
einer Kirche alhier / die den Griechischen und Armenischen Kristen zukomt /
werden noch itzund in einem gewölbe etliche stüklein von den balken des hauses /
darinnen die Jungfraumutter Marie soll gewohnet haben / auf dessen steinhauffen
man auch diese Kirche gebauet / gewiesen.
    Ob aber üm dieselbe zeit / als Josef in Egipten angelanget / der königliche
Hof zu Memfis gewesen /wird von vielen in zweifel gezogen. Dan Dresserus setzet
darvor / in seinen tausendjährigen Geschichten am 152 bl. die stadt Tanis /
welche er 68 meilen von Hebron abgelegen zu sein schreibet: und Samuel
Greiffensohn in seiner Geschicht vom Josef / die Stadt Tehbe; die aber alzuweit
nach Mohrenland zu lieget. Robert Steffan in seinem Wortbuche der eigenen nahmen
/ Dezimator in seinem Schatze der Lateinischen Sprache / und viel andere mehr
scheinen auch in der Meinung zu sein: dass der Egiptischen Könige Hof eher zu
Tehbe gewesen / und von dar erst nach Memfis / von Memfis nachmahls nach
Alexandrien / und endlich nach Alkeir verleget worden. Weil aber die Geschicht
der Assenat selber / welche die Ebreer verfasset / als auch Josefs letzter
Wille / denen beiden wir in unserer verfassung am sichersten zu folgen erachtet
/ bezeugen / dass dazumahl der Königliche Hof zu Memfis gewesen: so haben wir
diese stadt billich vor allen andern behalten; zumahl weil sie bei weitem so
fern von Heliopel / und dem Heiligen lande nicht abgelegen / als Tehbe / und
also unsere ganze geschicht wahrscheinlicher wird /wan wir den Königlichen Hof
üm dieselbe zeit alhier gewesen zu sein schreiben. Zudem befinden wir / wie es
auch die heilige Schrift nicht undeutlich anweiset /dass erst nach Josefs
lebezeit / als t Moses aufkommen / die königliche Hofhaltung zu Tanis gewesen.
Auch scheinet es / dass sie zu unterschiedlichen mahlen von Memfis weg / und doch
wieder dahin verleget worden. Und also kann es wohl sein / dass die Könige /nach
Josefs tode / ihren sitz von Memfis nach Tanis / und von dar wieder nach Memfis
/ ja endlich von hier nach Tehbe versetzet; weil die stadt Tehbe sehr spähte /
und fast erst recht berühmt geworden zu sein scheinet / als der ruhm der städte
Memfis / und Tanis abzunehmen begonnen.
                          Zu der 11 / 12 und 13 zeile.
Ehmahls pflegten die Egipter üm diese zeit des jahrs ein trauerfest zu halten /
weil sie sahen / dass die Sonne sich von ihrer höchsten höhe / nähmlich aus dem
sternzeichen des Kräbses / hinunter nach dem Steinbokke zu begab / und sich
daher besorgten / sie würde sich ganz von ihnen entfernen. Achilles Tatius l.
peri pantos, sive de universo: Quondam Ægyptii Solem videntes à Cancro ad
Capricornum descendere, & longiores contrahere dies, lungere consueverant;
veriti ne paulatim Sol eos relinqueret. Quod tempus incidebat in Jasiorum
festum. Simulatque conscendere coeperat, ac dierum spacia producere; tunc albati
eoronatique procedebant. Aber nach der zeit haben sie die wahrheit mit mährlein
vermischet: dergestalt dass sie itzund fürnähmlich das abwesen des Osiris
beweineten; den Isis / ihrem wahne nach / mit grosser hertzensangst suchete: wie
Plutarch in seinem buche von der Isis und dem Osiris weitleuftig beschreibet.
                              Zur 18 und 19 zeile.
Durch den Hammelgötzen verstehen wir den alten Libisschen Abgott Jupiter Hammon
oder Ammon / Amoyn, wie ihn die Egipter nennen / das ist / den Sandichten
Jupiter; wie es etliche nach dem Griechischen worte ammon, welches sand heisset
/ erklähren wollen. Dan dieser Abgott soll seinem sohne Osiris /wie Nikolaus
Perottus / Higinus aus dem Hermippus / Atenagoras im 5 b. von der liebe / und
andere erzählen / in der Libisschen sandichten wüste / als ein Hammel gestaltet /
erschienen sein: daher er auch nachmahls als ein Hammel oder Widder / oder mit
Hammelshörnern abgebildet ward. Wan wir aber diesen Hammon bei dem lichte
besehen / so befinden wir / dass er kein ander gewesen / als der alte verfluchte
Ham / des Noha sohn / und Mizraims vater / selber: den die Libier und Egipter
/ ja alle Afriker als einen Abgot geehret / und in einem schiffe / zum
gedächtnüsse der Sündfluht / so oft sie ihn üm raht fragen wollten / wie Kurtz
bezeuget / herüm getragen. Und wer mehr hiervon zu wissen begehret / der kann /in
unsrem Dichterischen Sternhimmel / das Sternzeichen des Widders / dahin wir den
Leser wollen gewiesen haben / aufschlagen.
                                Zu der 21 zeile.
Osiris war anders nichts / als des Hams sohn Mizraim oder Misorim / der erste
Egiptische König nach der sündfluht. Und unter diesem nahmen / der aus Misorim /
durch versetzung der buchstaben / gebildet /wie bei den Heiden / wan sie ihre
Wohltähter vergötlichten / gebreuchlich / ehreten die Egipter fürnehmlich die
liebreiche Kraft der irdischen und himlischen dinge. Als erstlich die Sonne / so
fern sie den liechtlosen Mohn erleuchtet / und das kalte Erdreich erwärmet:
darnach den Niel / so fern er / durch seinen überlauf das trukne und durstige
land tränket und fruchtbar machet; wie Seldenus erweiset. Und also war Osiris
dort eine himlische / hier eine irdische Gotteit; ich will sagen ein Sonnen- und
Flusgötze: den sie ehreten / als andere Völker ihren Apollo oder Föbus /und
Bachus oder Liber; indem sie ihm die erfindung des Weinbaues / und Gerstesäens /
wie Augustien bezeuget / zuschrieben. Auch scheinet es / dass sie ihm den nahmen
Osiris üm so viel lieber gegeben; weil sie gesehen / dass Osir vieläugig /
welches sonst der Sone / die sie die einige Gotteit des himels nenten
/zugeeignet wird / bedeutet. Dan die Sonne wirst ihre strahlen überal hin / und
beschauet gleich als mit vielen augen den ganzen erdkreus / samt der see: daher
auch Homerus / im 3 seiner Trojanerin / sie also anredet:
Helios t'os pant' eporas, ki pant' epakoyeis.
Das ist / o Sonne / die du alles siehest / und alles hörest. Und Eschiel sagt in
seinem Prometeus; Kai panoptn kyklon elioy kalo. Das ist / ich nenne ihn den
Sonnenkreus / der alles sieht. Ja Osiris selber gab dem Ziprischen Könige
Nikokreon / als er ihn fragte / was er vor ein Gott sei / folgende antwort:
Eimi teos, toios matein, oion kA ago eipo,
oyranios kosmos kepalh, o ashr talassa,
gaia moi podes eisi, ta dA oyatA en aiteri keitai,
omma the tlayges, lampron paos helioio.
Das ist / Ich bin ein Gott. Aber ein solcher bin ich / wie ich mich selbst
nenne. Die himlische welt ist mein heupt / das gestirn die see / die erde meine
füsse; aber meine ohren seind im himmel. Ich bin das Auge / das alles sieht /
das gläntzende licht der Sonne. Und darüm haben sie auch dem Osiris /so fern er
die Sonne bezeichnete / zum sinbilde einen Reichsstab mit einem Auge zugeeignet
/ der Sonne /die sie auch Jupiters Auge nenten / scharfsichtigkeit und macht /
damit sie durch alles hindringet / anzudeuten. Macrob. Saturnal. l. I, c. 21.
Pierius Hieroglyphic. p. 332, 545. Natal. Comes l. 2, c. 2. Vossius de
Idololatr. Orig. & progressu p. 119, 198, 224, 316, 355, 422, 692, &
710, l. 2. Osiris quatenus naturale, non animale est numen, partim est
coelestis, & idem ac Sol: partim subcoelestis, & idem est ac humor
potabilis; quails aqua Nilotica. Ja sie nenneten den Osiris / so fern er die
Sonne war / auch Sirius / und Sirus; welches sonsten des Hundesterns eigner
nahme: wie Diodoor in 1 b. bezeuget. Suidas: Seir, Seiros o hlios, kai Seirios.
Hesichius: Seirios o hlios, kai o toy kinos ashr, das ist / Sirius heist die
Sonne / und der Hundestern. Siris ward sonst auch der Niel genennet. Daher sagt
Dionisius Afer:
Siris ypo Aitiopon kiklhsketai. oi de Syhnhs
ennaetai sreptenti metA oynoma Neilon etento
das ist / von den Mohren wird er Siris genennet. Aber die Siener haben ihm den
nahmen Niel gegeben: vielleicht darüm / weil das wort Neilos die zahl der 365
Jahrstage begreiffet; als N 50, E 5, I 10, L 20, O 70, S 200.
    Sonsten hatte dieser Abgott Osiris bei andern völkern noch überaus viel
andere nahmen; welche zum teil Ausonius in seinem 29 kurtzbündigem gedichte
folgender gestalt angezogen:
Ogygia me Bacchum vocat,
Osirin Ægyptus putat,
Mystæ Phanacen nominant,
Dionyson Indi existimant,
Romana sacra Liberum,
Arabica gens Adoneum,
Lucaniacus Panteum.
Die Griechen nenten ihn gemeiniglich Bachus; und die Lateiner / seine
fürtrefligkeit anzuzeigen / Liber, das ist Sohn / nähmlich des Jupiters. Beide
nahmen haben einerlei bedeutung: und dieser scheinet von jenem entsprossen zu
sein. Bachus Bakxos ist aus Bar-Chus, das ist der Sohn des Chus, des sohns Hams
/ gebildet. Dieser war Nimrod / des Ninus vater / der erste herscher zu Babilon:
das bei den Alten des besten Weines wegen berühmet. kaireas en Babyloni oinon
phsi gene kaloymenon nektar ist / Chæreas autem Babylone Vinum dicit esse, quod
Nectar vocant, sagt der von Atehn. Und darüm ist Nimrod / das ist Barchus / vor
den erfünder und Abgott des weines gehalten worden. Sonst heisset er auch Belus:
daher das Lateinische wort bellum, das ist Krieg / solentsprossen sein: weil
dieser Belus oder Nimrod zum allerersten gekrieget / oder vielmehr zum
allerersten / wie Higinus im 274 lehrgedichte angezeichnet / im kriege den degen
geführet; da die Egipter und alle Afriker zuvor mit prügeln gefochten. Bei den
Kaldeern heisset Nimra, ein Tiger; welches auf den nahmen Nimrod spielet. Daher
warden dem Barchus oder Bachus die Tigerfelle zum kleide / und die Tiger
selber seinem wagen zugeeignet. Eben also waren Lusus und Lysa, von denen
Lusitanien / anders Portugal / soll genennet sein / des Barchus / gefährten; wie
Plinius aus dem Varro im I h. des 3 b. fürgiebet. Lusum enim, schreibt er /
Liberi patris, ac Lysam cum eo bacchantem, nomen dedisse Lusitaniæ, & Pana
præfectum ejus universæ, i.E. Spaniæ. Dieses hat er ohne zweifel aus den
mährlein der Fönizier: welchen wohl bekant war / das luz bei den Ebreern und
Sirern / eben wie Laus bei den Arabern / ein mandelbaum / auch eine mandel
heisset; daher sie durch solches gedichte andeuten wollen / wie sehr wohl sich
die Mandeln zum Weine schikken. Eupolis sagt / bei dem von Atehn / im 2 buche:
Didoy masa, Naxias amygdalas,
oinonte pinein Naxion apA ampelon
das ist / gib zu essen der Naxier Mandeln / darnach schenke Wein von Naxischen
weinstökken. Nähmlich weil die bittere Mandeln / welche sonsten auch das
luhmichte Nielwasser / zerstossen und darein geworfen / in einem tage klahr und
trinkbar machen /der trunkenheit widerstehen; wie die Aertzte einhällig
bekräftigen. Dioskorides schreibet im 1 b. von den mandeln / und Plinius im 8 h.
seines 2 b. man soll ihrer fünfe vor dem trunke geniessen. Fast eben dasselbe
bezeuget Avizenna im 2 b. von den Mandeln; als auch der von Atehn / und Plutarch
/ im 1 seiner Fragestükke / mit der geschicht von des Drusus Artzte. Auch will
der Mandelbaum bei dem Weinstokke so gerne stehen / dass man die Mandelbeumlein /
wie Teofrast bezeuget / unter die weinstökke zu pflantzen pflegte; weil sie
ihnen ganz nicht schädlich / indem sie mit weniger nahrung vergnüget / zeitlich
früchte tragen / und wenig schattens von sich geben. Weil nun lus bei den
Ebreern einen Mandelbaum / mit der frucht zugleich / eben wie das sonst
gemeinere saked, bedeutet; so bin ich verwundert / warüm etliche neue übersetzer
dieses wort im 37 spr. des 30 h. im buche der Schöpfung / corylus oder Haseln
gegeben: da es doch Hieronimus schon vor so langer zeit virg as amygdalinas, das
ist Mandelruhten übergesetzet. Es waren auch in alwege Mandelstäbe / welche
Jakob streiffenweise schählete / und den schafen in die trinkrennen legte; damit
sie bunte / und gestreifte lämlein bringen sollten. Aber das wort karyinhn,
welches die 70 Tahlmetscher alhier gebrauchet / hat sie / nach meiner muhtmassung
/ betrogen; weil karyon eine hartschahlichte frucht / aber nicht ins besonder
eine Haselnus / sondern ins gemein eine iede frucht mit harten schalen / wie die
Mandeln auch haben / bedeutet. Zudem haben die 70 Tahlmetscher das wort sakedim,
das sonst eigendlich Mandeln heisset / im 11 spr. des 43 h. aus dem buche der
Schöpfung / und im 8 spr. des 8 h. aus dem 4 b. Mos. Auch karya gegeben: welches
wir also beileuftig erinnern wollen.
    Wer nun dieses / was wir alhier / durch veranlassung des nahmens Lusus /
angeführet / betrachtet /der wird leichtlich sehen können / warüm wir auf den
Traupfenning / den der fürtrefliche Künstler Kristof Rudolfs zu Amsterdam
verfärtiget / unter anderen /einen Zierkrantz von Weinreben / mit Mandelzweigen
durchflochten / abbilden lassen / und in der überschrift Bar-Chus vor Bacchus
gesetzet: nähmlich
Bar-Chus amygdalinis Lysæ fit amabilis ulnis.
Nun kommen wir zum nahmen Liber. Also haben die Lateiner den Osiris oder Barchus
/ nach der redensahrt der Ehreer / zubenahmet: welche die Fürsten horim, das ist
Söhne oder Kinder / eben auf die weise / wie die Spanier ihre Königlichen
Fürsten und Fürstinnen / oder des Königes erstgebohrne Söhne und Töchter
Hispaniæ Infantes, das ist Kinder von Spanien / zu nennen pflegen. Im 17 spr.
des 10 h. im Salomonischen Prediger stehet: Wohl dir land / dessen König ein
Sohn ist der das ist der Kinder / nähmlich der wohlerzogenen / wohlgerahtenen /
der Edelen / der Herren / der Helden. Also nennet Esaias im 12 spr. des 34 h.
die Babilonischen Fürsten: da der Kaldeer setzt beni herin, das ist Söne der
Kinder / filios liberorum, sive heroum. Dan hiervon scheinet das wort heros, als
auch unser Herr entsprossen zu sein. Und also nennet Metodius den Nimrod nicht
unrecht adelpon ton hroon: gleichwie auch die Lateiner den Barchus Liber, das
ist einen Sohn / nähmlich des Hams oder Chus; als welche Herren und Edele mit
rechte heissen mochten / weil ihnen ein so grosses teil der Welt zum erbe
zugefallen.
    Wie nun die Egipter den nahmen Osiris / als auch Sirius und Sirus oftmahls
der Sonne zueigneten / so verstunden zu weilen die Lateiner unter dem nahmen
Liber ebenmässig die Sonne: und also mus er bei hem Virgiel im 1 seiner
Feldgedichte verstanden werden /da er spricht:
Vos, ô clarissima mundi
sidera, labentem coelo quæ ducitis annum,
Liber & alma Ceres.
    Ja den nahmen Dionisus / der aus Jehova Nissi, das ist der HERR mein Panier
/ wie die überschrift der aufgerichteten Siegeshöhe im 17. h. des 2 buchs Mos.
lautet / und aus dem Griechischen worte Dios, das ist Jupiter / zusammengeflikt
scheinet / und eben auch des Osiris oder Barchus zunahme war /findet man
gleicher gestalt der Sonne zugeeignet. Eumolp in den gedichten des Weingottes:
Asropah Dionyson, en aktinessi pyropon.
das ist / den erleuchteten Dionisen / den feurigen unter den strahlen. Und
Orfeus in seinen Lobgesängen:
Protos dAes paos hlte. Dionysos dA epeklht,
oyneka dineitai katA apeirona makron olympon.
das ist / er ist zuerst an das licht kommen. Dionisus aber heisset er / weil er
üm den grossen und langen himmel ümgewältzet wird. Bald darauf fügt eben derselbe
hinzu:
Hlios, on Dionyson ephklhsin kaleoysi
das ist / die Sonne / welche sie mit dem zunahmen Dionisen heissen.
    Etliche nennen den Osiris auch Omfis; welches Hermeus / bei dem Plutarch /
einen Wohltähter erklähret: und die Assirer / das ist Einer; darunter sie
gleichmässig die Sonne verstunden. Dahin hat auch ohne zweifel Esaias / im 17
spr. des 66 h. mit dem worte gesehen. Und dieser nahme komt der Sonne sonderlich
zu / eben wie das lateinische Sol von solus, das ist alleineinig; weil sie das
einige licht ist / und allein aus sich selber leuchtet. Makrobius setzet im 23
h. seines 1 b. der Saturnischen feiertage zwar Adad. Adad, sagt er / nomen
dederant. Ejus nominis interpretatio significat unus, das ist / sie haben ihm
den nahmen Adad gegeben. Dieses nahmens tahlmetschung heiset Einer. adad aber
heisset nicht Einer; sondern achad, oder /nach der Sirer und Kaldeer mundahrt /
chad. Daher halte ich / dass / durch das abschreiben oder drükken / vor das ein
sei eingeschlichen.
    Epifanius / Hieronimus / Tertullian / Ireneus im 24 h. seines 1 b. wider die
Ketzer / als auch Skaliger in einem briefe an den Kasaubonus / gedenken eines
Abgottes Abraxas: darunter gleichesfals die Sonne verstanden ward. Dieser nahme
hat vielen Gelehrten zu schafen gemacht: und niemand hat den rechten uhrsprung
ergründen können. Aber ich halte gäntzlich darfür / dass er aus abrech, wie der
Heerold vor des Josefs stahtswagen ausrufen musste /da man ihn zum Schaltkönige
über Egipten gemacht /und in einem öffentlichen gepränge dem Volke sehen lies /
gebildet / und dem jüngsten Osiris / das ist dem Josef / als ein göttlicher
nahme / zugeeignet worden. Hieronimus helt diesen Abraxas mit dem Persischen
Sonnengötzen Mitra oder Mitres / welches / wie es Skaliger im 6 buche von der
zeit verbesserung erklähret / ein Herr heisset / vor einen und eben denselben
Abgott; vielleicht darüm / weil beide nahmen die zahl der jahrstage begreiffen:
wiewohl in Mitrhs 365 nach der Perser jahrrechnung / in Abrax aber nur die tage
des gemeinen jahrs zu finden; als a 1, b 2, r 100, a 1, x 200. Aber es scheinet
/ dass dieser Mitres erstlich der Egipter eigener Sonnengötze gewesen: von denen
ihn die Persier nachmahls entlehnet. Dan Mitras hies derselbige Egiptische König
/ der die Sonnenseulen gebauet / und selbst in der Sonnenstadt hof gehalten.
    Aber es würde zu lang fallen / wan wir alle zu- und bei- oder ehren-nahmen
des Osiris erzählen und erklähren wollten; welches wir unserem Dichterischen
Sternhimmel der sieben Ir- oder schweis-sterne vorspahren: darüm lasset uns in
der folge nur allein noch sehen / wie die Egipter diese Osirische Gotteit
abgebildet. Weil Osivis oder Mizraim den bau des getreides / der durch Ochsen
geschahe / wie wir droben gemeldet / erfunden; so haben ihm die Egipter zuerst
den Ochsen / als sein und des Akkerbaues eignes sinbild / geheiliget. Darnach
ward auch sein götzenbild zu weilen mit einem gehörnten helme von Ochsenfellen
gezieret; und er endlich selber unter der gestalt eines Ochsen / ja gar in
einem lebendigen Ochsen / der schwartz mit weissen flekkern überschäkkert / und
im Osirischen heiligtuhme versperret stund / heiliglich geehret. Bos socius
hominum in rustico opere, & Cereris minister, das ist / der Ochse ist des
Menschen mitgeselle bei dem akkerbau / und der Zehrungsgöttin frohndiener oder
tagelöhner / sagt Varro l. 2, R.R. c. 5. Plin. Nat. Histor. l. 8, c. 45. Daher
ward auch bei leibesstrafe verbohten die Kinder zu schlachten. Ælian. l. 5. Var.
Hist. c. 14. Ja daher war auch der Ochse den Egiptern so heilig / und ein
sinbild ihres Osiris. Zu Heliopel hatten sie einen Stier der Sonne / welche sie
unter dem nahmen Osiris / wie wir schon genug erwiesen / ehreten / geweihet:
auch ward er alda / mit der Sonne zugleich / weil sie beiden die uhrsache des
wachstuhms der früchte zuschrieben / göttlich geehret. Diesen Heliopelschen
Stier oder Ochsen nenneten sie Mnevs Mneiis: und den zu Memfis / der jünger war
/ und dem jüngsten Osiris / das ist dem Josef / auch der Isis und dem Mohne /
wie etliche wollen /oder vielleicht der Assenat / als der jüngsten Isis /
geheiliget / Apis und Serapis. Strabo l. 17. Tibullus l. 1, eleg. 7. Herodotus
l. 2, 3. Ælianus l. 11. hist. anim. c. 11. Diodorus l. 1, & 3. Plutarchus l.
de Iside & Osiride. Ammian. Marcellinus l. 22. Prosper Aquitanicus l. 3 de
prædict. c. 38. Rufinus l. 2 hist. Ecclesiast. c. 22, 23. Jul. Maternus. Suidas.
Hugo Grotius in Sophomphania. Vossius Idololatr. l. 1, c. 29, & l. 2, p.
501.
    Sonsten bildeten sie den Osiris auch ohne gemelten Helm von Ochsenfellen und
hörnern ab: zu weilen in einem schiffe / wie den Hammon / aber mit einem
Krokodille darunter / der es gleichsam forttrug; zu weilen auf einem tragestuhle
/ in gestalt eines unbebahrteten Jünglings / mit einer Fuhrmans peitsche in der
rechten hand / und mit Kornahren und dem Blitze in der linken: welches alles
Ammons oder Jupiters /und des Osiris oder der Sonne vereinbahrte macht
anzeigete. Eusebius, Plutarchus de Is. & Osir. Joh. Pierius Hieroglyph. p.
622. Vossius Idololat. p. 355. Und dieses bildes angesicht stelleten sie
allezeit gegen den untergang / also dass die Egipter sich nach dem morgen zu
wendeten / wan sie es anbähteten: dagegen die Kinder Israels nach dem abende zu
gekehret ihren Gottesdienst verrichteten. Ja sie ehreten den Mizraim auch
überdas hiermit / dass sie nicht allein /nach seinem nahmen / den ersten mohnd im
jahre Mesori nenneten; sondern auch sein sinbild den Ochsen oder Stier / zu
seinem ewigen gedächtnüsse / in den himmel setzten. Dan wie sie / seinem Vater
dem Ham oder Ammon zu ehren / den Widder zum ersten und fürnehmsten Sternbilde
des Tierkreuses machten; so gaben sie auch / dem Mizraim oder Osiris zu ehren
/dem Stiere / in eben demselben Tierkreuse / die nächste und zweite stelle.
Samuel Bochard. In Phaleg. p. 293. Vossius Idolol. l. 2, p. 501, & l. 1 c.
29, & p. 224.
    Dass man aber die alten Egiptischen Könige so gar hoch und heilig geehret /
scheinet darüm geschehen zu sein / wie Isokrates in der lobrede des Busiris
meint ; damit das gemeine volk üm so viel mehr angetrieben würde den königlichen
satzungen und befehlen /als götlichen / zu gehorchen. Auch war dieser ganze
Götzendienst der Egipter anders nichts / als eine nachahmung und vergleichung
der Natur und alten geschichte. Dan die Egiptischen Priester / die in beiderlei
überaus wohl erfahren / märkten auf alles / worinnen die Natur mit den
geschichten übereinkahm / und stelleten nach beiden allen ihren götzendienst /
und alle ihre heilige gepränge an; dergestalt dass sie /durch einen vermischten
götzendienst / der geschehenen dinge gedächtnüs / mit der Natur zugleich /
vorstelleten: jenes den verstorbenen Königen zu ehren /und ihren nachgelassenen
befreundten zum troste; dieses aber den anfangenden lehrlingen zum unterrichte
/damit sie beides die heiligen Satzungen und die natürlichen Wissenschaften
begreiffen möchten; wie Apulejus im letzten seiner Milesischen bücher bezeuget.
    Aber hierbei müssen wir auch beileuftig erinnern /dass uns Mizraim mehr ein
nahme des volkes / das Hams zweiter sohn gezeuget / als sein eigener / zu sein
scheinet. Und also muhtmassen wir / dass er eigendlich Men oder Menes / wie er
sonsten genennet wird / geheissen. In dieser Meinung ist auch Bochard in seinem
Faleg / da er am 292 bl. also schreibet: Misrajim non est nomen hominis. Id non
patitur forma dualis. Itaque cum in Chami filiis secundus censetur Misrajim,
nomine Misrajim intellige partem incolarum terræ Misrajim, id est Ægipti. Ja ich
halte darfür / dass die Egipter erstlich Misorim / darnach aber / als sie sich in
zwei länder oder teile geteilet / Misorajim und zusammengezogen Misrajim seind
genennet worden; weil man befindet / wie auch Orosius / im 2 h. des 1 b. seiner
geschichte / und Aetikus / in seiner Asischen beschreibung / bezeugen /dass
dieses Reich in das Oberste / da der Niel nur einen arm hat / und in das
Unterste / da er in viele sich zerteilt / vor alters sei unterschieden worden.
Auch wird von Misorim oder Misorajim die einzele zahl Masor oder Mazor in der
heiligen Schrift oftmahls gefunden. Nähmlich im 2 b. der Könige 19 /24: alle
Flüsse Masors; und bei dem Esaias 19 / 6: und die flüsse Masors sollen trukken
werden; dabei Kimchi anmärket /dass Masor eben so viel sei / als Mizraim. Bei dem
Micha stehet auch im 7 / 12: von Masor / das ist von Egipten / bis an den flus ,
nähmlich Eufrat / da Kanaans grentze ist. Dieses Masor heisset ein fester ort /
auch wohl ein änger oder schmaler; weil zusammenängen / und schmahl oder änge
bedeutet. Beides komt Egipten zu: welches zuerst vor andern Reichen der welt von
natur über die masse fest ist; wie Diodor am 18 bl. des 1 b. und am 478 des 5 /
als auch Strabo am 819 bl. des 16 b. überflüssig bezeugen: und darnach auch ganz
schmahl und änge; weil es von der see ab / bis nach Siene zu / sehr lang / aber
ganz nicht breit ist: daher auch Esaias 18 / 2 / die Egipter ein lang
ausgestrektes / oder in die länge gezogenes volk nennet.
                            Zu des 2 blates 1 zeile.
Isis war des Osiris schwester und gemahlin / eine algemeine Egiptische Abgöttin;
welcher man fürnähmlich die erfindung des gebrauchs der Früchte / und dann der
Buchstaben / ja der Artzneikunst selber / wie Augustien 18 / 4 / von der Stadt
Gottes meldet / zuschrieb. Sonsten bezeichnete sie auch die ganze der Sonnen
macht unterworfene Natur: da sonderlich der Mohn / und die Erde in betrachtung
kommen. Daher sagt Eusebius im 6 h. des 1 b. von der vorbereitung der
Heilverkündigung / dass Osiris die Sonne / und Isis der Mohn sei. Auch ist sie
zugleich die Erde; gleich wie Osiris der Niel und alle trinckbare feuchtigkeit:
ja selber die Lust; da sie von den Egiptern auch Minerva / wie gemelter
Eusebius am obangezogenen orte / im 2. h. des dritten b. bezeuget /genennet
ward.
    Osiris war allein mänliches geschlechtes: Isis aber beides man und Fraue.
Eine fraue war sie / so Fern sie Osiris / das ist die Sonne den Mohn /
erleuchtet /und gleichsam schwängert / ja der Niel die Erde befeuchtet und
fruchtbar machet: und ein Man / so fern sie als der Mohn betrachtet wird / und
also das empfangene licht durch die luft auslesset / und dem wasser so wohl als
der erde die kraft zu gebähren giebet: daher auch die Egipter den Mohn die
Mutter der Erde nenten. Mhtera tn selhnhn toy kosmoy kaloysi, ki rysin exein
arsenotlhn oiontai, das ist / sie nennen den Mohn eine mutter der welt / und
wähnen / dass er beiderlei natur einflus habe: schreibet Plutarch im b. von der
Isis. Luna Ægyptiis, sagt Vossius von der Abgötterei ursprunge am 422 bl.
bifariam consideratur. Primò quatenus lumen accipit à sole, quo modo fæmineæ est
virtutis, & Isis dicitur: deinde quatenus lumen per aëra in terras, &
aquas diffundit, ad stirpium & animantium generationem; quo pacto jam viri
partes sustinet, & Osiridis quoque nomen habet. Jo. Ravisius Textor in
Teatro suo, p. 843, 863. Agellius l. 1 Noct. Attic. c. 28. Elias Schedius de
Diis Germ. p. 135. Daher sagten etliche unter den Lateinern nicht allein in
weiblicher endung Luna, welches aus Lucina, zusammen gezogen scheinet; sondern
auch in mänlicher Lunus; wie Spartzian in seinem Karakelle bezeuget. Quia Lunam
magis ratione principii activi, ut dignioris, id est masculini, attenderent;
quàm passivi, sive feminei; eò sacerdotes Carreni pro Luna Lunum dicere
jusserunt. Vossius de Idolol. l. 2. p. 466, 690, 696. Und also war Isis so wohl
/ als Osiris / eine himlische und irdische Gotteit: welcher / nach ihren so
vielerlei würkungen und eigenschaften / auch vielerlei nahmen / daher sie
myrionyma, das ist die Gotteit mit tausend nahmen / hies / zugeeignet worden.
Dan wie alle der Heiden mänliche Götzenschaften der einigen Sonne / nach des
Makrobius, zeugnüsse im 1 b. zugeeignet warden; so eignete man auch dem einigen
Mohne alle / die weibliches geschlächtes waren / zu. Daher sagt Aristoteles / in
seinem buche von der Welt: eis on polyonymos esi, katonomazomenos tois patesi
pasin aper aytos neoxmei: das ist /der einige Gott: hat vielerlei nahmen; indem
er nach allen seinen würkungen / die er selber tuht / genennet wird. Servius
in l. 1 Georgic. Virgil. Und also ward die Isis / welche zuvörderst des Mohnes
gotteit bezeichnete / Luna oder Lucina, Latona, Juno, Hecate, Proserpina,
Diana, Olympias, polymorpos daimon Ilytia, Lilit, Anaitis, Cabar, Rhamnusia,
Pessinuncia, Tellus, Ertum oder Erta, Rhea, Cybele, Ceres, Multimammea,
Minerva, Pallas, Bellona, Venus, Astarte, u.s.f. Genennet. Ammiam. Marcellinus
l. 22. Capitolinus in Pertinace & Macrino. Trebellius Pollio in Celso.
Augustinus l. 2 de Civit. Dei, c. 9. Turnebus Advers. l. 22, c. 24. Salvianus c.
8 de provid. Dei. Apuleius. Atan Kircher. Pant. Ebreor. c. 16, & c.
Diodohr meldet /dass Isis von den Egiptern als eine Göttin der gebuhrt sei
geehret worden: daher sie den nahmen Latona, oder Lucina, quòd ejus operâ foetus
in lucem prodeat, bekommen. Katullus:
Tu Lucina dolentibus
Juno dicta puerperis.
Goropius will auch / am 106 bl. des 5 b. seiner Hermatehne / aus dem Plutarch
erweisen / dass durch die Isis die Göttliche Weisheit verstanden werde; und dass
der nahme Isis so viel heisse / als istist. Dass Isis und Zeres einerlei seind /
bezeuget Apuleius im 2 b.
    Wie hoch diese Isis durch das ganze Egipten sei gehalten worden / ist
zuförderst daraus abzunehmen; weil die Egipter sonsten nicht alle einerlei
Abgötter ehreten / wie Herodotus in seiner Euterpe meldet /als allein die Isis /
und den Osiris: die dem ganzen Egipten / als die höchsten und gühtigsten
Gotteiten /gemein waren. Darnach bezeugen es auch unterschiedliche
überschriften / die man / ihr zu ehren /hier und dar in ihren heiligtühmern
angeschrieben. Nähmlich / Ich Isis bin alles / das da sein wird / das da ist /
und gewesen ist; und meinen vorhang hat kein sterblicher iemahls aufgedekt. Fast
dergleichen überschrift stund zu Sais im Götzenhause der Minerve / wie Plutarch
im buche von der Isis meldet: nähmlich / Ich bin alles / was gewesen ist / was
da ist / und was dasein wird: meine flammendekke hat keiner unter den
sterblichen iemahls aufgedekt. Und anderwärts befand sich diese: Te, Tibi una,
quæ es omnia, Dea ISIS. In etlichen warden ihr auch die ehrennahmen / Königin /
Fraue /Herscherin / überwinderin / unüberwindliche / siegsprahlende /
fruchtbringende / und dergleichen zugeeignet. Zudem heiligten die Egipter teils
dieser ihrer Abgöttin / teils dem Osiris fast alles / was ihnen nutzen
beibrachte. Dan ihr war heilig der Hundestern / und ward selber nach ihrem
nahmen Isis genennet / ja dem Morgensterne vorgezogen: weil der Niel / so bald
der Hundestern aufgegangen / zu wachsen anfing; daher sie auch wähneten / dass
dieser stern solchen wachstuhm würkte. Porphyrius in Scholiis ad Aratum p. 19
Vossius de Idololatr. p. 226, 498. Auch war ihr heilig das sternzeichen der
Jungfrau /wie dem Osiris / oder der Sonne dasselbe des Leuens; und ward auch
nach ihr Isis benahmet: weil der Niel / wan die Sonne durch dieses zeichen lief
/ auf das höchste gestiegen / und die felder zur fruchtbarkeit befeuchtete. Ja
der ganze Tierkreus / den die alten Egipter Olimpon nenten / daher sie auch den
nahmen Olimpias bekommen / war ihr geweihet. Eusebius in Chronicis l. 1. Langius
de annis Christi l. 1, p. 171. Auch kann man hiervon unsern Dichterischen
Sternhimmel / im zeichen der Jungfrau / und des Hundegestirnes / lesen.
    Wie nun diese Abgöttin so mancherlei nahmen gehabt / so hat man sie auch auf
mancherlei weist abgebildet. Zuweilen begrif man in einem bilde fast alle
zeichen / die ihre manchfältige macht und auswürkungen andeuteten. Dergleichen
seind in den bilderstükken dieses Büchleins hier und dar zu finden. Auf dem
tittel wird sie mit vielen brüsten / daher sie auch Multimammea, das ist die
Vielbrüstige / heisset / entworfen. Dieses bild war mit verborgenen röhren so
künstlich zugerichtet / dass die hitze der angezündeten lichter unter der hohlen
schirmdekke über dem heupte / durch solche röhren / die milch / welche unten im
bekken stund / straks hinauf in die brüste zog; also dass sie / so lange die
lichter branten / stähts mit milche flossen: welche / als kleine strahlen /
herunter in das bekken geschossen kahm / und von dar wieder hinauf gezogen ward.
Und hierdurch machten die Priester dem gemeinen völklein eine solche blaue dunst
vor die augen / dass es anders nicht gleubete /als dass ihre gewähnte grosse Mutter
der Götter solche milch von sich selber fliessen liesse. Kircherius Oedipi
Ægypt. tom. 2, part. 2, p. 333. Dergleichen zwei gekünstelte Götzenbilder des
Osiris und der Isis stunden auch zu Sais. Das Osirische gab Wein / und das
Isische Milch von sich / so bald das feuer auf der götzenhöhe angezündet ward:
ja ein Trache / wie ein Habicht gestaltet / bewegte sich unterdessen mit einem
heftigen zischen. So bald aber das feuer verlosch / stund alles stil. Hero in
Automatis. So künstlich und arglistig wussten die Egiptischen Priester das arme
volk zu betrügen / und in ihrer abergleubisschen gottesfurcht zu erhalten.
Sonsten ward mehr gemeldete Isis / wan sie den Mohn allein andeuten wollten
/gemeiniglich mit hörnern gebildet; weil der Mohn im ab und zu-nehmen gehörnet /
und ihm der Ochse / der ebenmässig gehörnet / als des Akkerbaues sinbild /gleich
so wohl / als der Sonne / geheiliget war / sonderlich zu Memfis; wie Elian in 11
h. des 11 b. seiner Tiergeschichte / Diodor im 1 b. und Plutarch von der Isis
und dem Osiris / bezeugen.
    Herodotus schreibet in seiner Euterpe: to gar ts Isios agalma eon
gynaikhion, boykeron esi, kataper ellhnes tn Ioyn grapoysi, das ist / der Isis
Bildseule / welche ein weibesbild ist / hat Ochsenhörner; gleichwie die Griechen
die Jo zu bilden pflegen. Diese Jo war Inachs tochter / die er mit des Foroneus
schwester gezeuget; und wird auch vor die Egiptische Isis / gleichwie ihr sohn
Epafus vor den Egiptischen Apis / gehalten: wiewohl es die Egipter bloss vor ein
eiteles geschwätze der lügenhaftigen Griechen annehmen; bei denen nichts
gemeiner war /als dass sie anderer Völker Abgötter ihnen zueigneten. Dass aber die
Egiptische Königin Isis / die mutter des Libisschen Herkels / nachdem ihr gemahl
/ der König Osiris / von seinem bruder Tifon ermordet worden /zum Gambriven in
Deutschland sei kommen / das Getreidich / welches den menschen zuvor unbekant
/unter andern gewächsen gefunden / und solches zu säen / zu mahlen / zu bakken /
auch den gebrauch der wolle / des öhls / und des weines gelehrer / und daher von
den Schwaben vor eine Göttin gehalten und aufgeworfen worden / bezeuget / samt
andern / Aventinus im 1 seiner Bojischen Jahrbücher. Auch schreibet von den
reisen der Isis Diodoor aus Sizilien: der in seinem 1 buche folgendes
schriftmahl anziehet: Ich Isis bin die Königin dieses Reichs / welche Merkuhr
unterwiesen; die solche satzungen gegeben / die niemand aufhöben kann. Ich bin
Gottes des jüngsten Saturns erstgebohrne tochter. Ich bin des Königes Osiris
gemahlin. Ich bin dieselbe / welche den sterblichen zum allerersten die Früchte
gezeiget. Ich bin des Königes Orus mutter. Ich bin dieselbe / die im sterne des
Hundes aufgehet. Mir zu ehren ist die stadt Bubast gebauet. Gehabe dich wohl /
Egipten meine ernährerin. Gleichesfals sagt Tazitus im buche von den sitten der
Deutschen: Pars Svevorum & Isidi sacrificat. Unde causa & origo
peregrino sacro, parum comperi; nisi quòd signum ipsum in modum Liburnæ
figuratum, docet advectam religionen. Und dass sonderlich zu Augspurg / welches /
wie Münster im 3 b. schreibet / unter Schwaben gehöret / der Isis götzendienst
im schwange gegangen / bezeuget / neben andern märkzeichen / der Kienapfel oder
die Zwirbelnus im wapen dieser stadt; weil der Kien- oder Fiechten-baum der
grossen Mutter der Götter / das ist der Isis /heilig war. Ja dergleichen
anzeigungen des Isischen götzendienstes findet man auch anderwärts so wohl im
Nieder- als Hoch-Deutschlande. Eisleben / eine stadt in der Grafschaft Mansfeld
/ da der Deutsche Moses / der grosse Luhter / welcher das Deutsche Israel aus der
Egiptisch-Röhmischen dienstbarkeit geführet / geboren worden / hat ihren nahmen
zweifels ohne von dieser Isis; als auch das Eisenkraut / Isidis herba.
Obgemelter Aventien ziehet im 2 buche seiner Bojischen Jahrgeschichte folgende
überschrift an /welche man in Bäuern / als ein hinterlassenes gedenkmahl der
Röhmischen kriegsleute / gefunden.
                                     ISIDI.
                                   MYRIONIMÆ.
                                    SACRUM.
                               FESINUS. T. IULI.
                               SUTURNINI. G.P.P.
                                SERRARI. POSUIT.
                                  FORTUNATUS.
                               EIUSDEM. SER. T.S.
                                   FACIUNDUM.
                                    CURAVIT.
Eine andere hat man auch im Niederdeutschlande /zum zeichen / dass die Röhmer
alda die Isis ebenmässig geehret / gefunden; und zwar folgende:
                                 ISIDI. SACRUM.
                         SEX. POMPEJUS. SEX. L. SYRUS.
                           MIL. LEG. V. AUG. V.S.L.M.
Servius bei dem 8 b. vom Eneas will / das Isis so viel heisset / als Erde. Isis
autem Ægyptiorum linguâ terra est, quam Isin esse volunt. Macrob. l. 1.
Saturnal. c. 20: Isis cunctâ religione celebratur: quæ est vel terra, vel natura
rerum subjacens soli. Hinc est, quòd continuatis uberibus corpus deæ omne
densetur; quia vel terræ, vel rerum naturæ alta nutritur universitas. Aber
Diodor schreibet / dass Isis so viel gesagt sei als alt; und dass sie diesen
nahmen von der alten und ewigen erzielung bekommen. Andere wollen / dass Isis aus
dem Ebreischen , das ist eine männin oder Jungfrau entspriesset; und dass die
Egiptischen Priester damit auf die gebührt unsers Heilandes aus einer Jungfrau /
davon sie vielleicht aus dem munde der Ebreer gehöret / ein auge gehabt. Doch
hier von genug.
                            Zur 2 zeile des 2 blats.
Anubis / des Tifons und der Nefte / die des Osiris und der Isis bruder und
schwerer waren / einiger sohn / welcher sonst auch Enef oder Knef / wie Kircher
/ Tisius und andere melden / genennet wird / war ebenmässig ein Egiptischer
Abgott. Man bildete ihn gemeiniglich mit einem hundeskopfe: weil er / als er dem
Osiris / seinem vetter / im Kriege gedienet / einen Hund zum waffenzeichen /
oder einen Helm oder sturmhuht vom hundesfelle getragen; oder auch weil er ein
Jäger gewesen; oder aber / wie Tisius meint  /weil der Niel bei angebrochenem
klahren scheine des Hundesternes / vor den auch Anubis selber von etlichen
genommen wird / in Egipten sich ergiesset. Daher sagt Lukahn im 8 buche:
Non in templa tuam Romana accepimus Isin,
Semideumque Canem.
und Virgiel im 8 vom Eneas:
Omnigenumque deûm monstra, & latrator Anubis.
Aber wer mehr von der hundeköpfichten gestalt des Anubis zu wissen lust hat /
der schlage das 268 und folgende blätter unsers Dichterischen Sternhimmels auf;
da wir alles weitleuftig ausgeführet. Etliche / ja die Egipter selber / stehen
in der Meinung / dass dieser Anubis / und Saturn einen und eben denselben Abgott
bezeichnen: weil Kyon bei den Griechen ein hund heisset. und Saturn so wohl bei
den Ebreern /als Ismaelern und Persern / wie Aben Esra bezeuget /Kijun genennet
wird. Und darüm haben viele nicht begreiffen können / warüm die 70 Tahlmetscher
vor das Ebreische wort Kijun / im 26 spr. des 25 hauptst. bei dem Amos / in der
Griechischen übersetzung / das Egiptische Raipan oder Repan gesetzet: weil Repan
oder / wie etliche lesen / Rempan; welches wort noch itzund bei den Koptern in
Egipten üblich /ein ganz anderer Egiptischer Abgott gewesen / als Anubis;
nähmlich eben derselbe / den andere völker Saturn genennet. Auch verstehet
Plautus selber /in einem seiner Schauspiele / durch das wort Ciun nicht den
Anubis / sondern den Saturn; wie Samuel Petit im 2 h. des 2. b. seiner
Anmärkungen anweiset. Aber die gemelten 70 übersetzer / weil sie in Egipten
schrieben / haben das eigentliche alte Egiptische wort lieber gebrauchen wollen;
wie es auch der Bluhtzeuge Steffan / im 43 spr. des 7 h. der Apostelgeschichte
/behalten: anelabete tn skhnhn toy Molox, kai asron toy teoy ymon Raipan. Ihr
nahmet die hütte des Molochs an / und den Stern eures götzen Refans: das ist /
ihr machtet euch den Mars / welcher eben derselbe als der Egiptische Moloch war
/ und den schweifstern des Saturnus zu Abgöttern.
    Sotis / h Sotis, das ist der Hundesstern / oder das Hundegestirn / sonst
gemeinglich seirios, Sirius genennet / war gleichesfals ein Egiptischer Abgott:
dessen würkung die Egipter den auf- und über-lauf des Niels zuschrieben; wie wir
am 252 und 263 bl. unsers Dichterischen Sternhimmels weitleuftig angewiesen. Und
darüm gaben sie ihm die nächste stelle nach der Sonne und dem Mohne / dergestalt
dass sie ihn allen andern sternen / ja selbst dem Morgensterne vorzogen.
Prophyrius in antro Nympharum: Ægiptiis principium anni est, non Aquarius, uti
Romanis, sed Cancer. In cancro enim est Sotis, quam Canis sidus Græci dicunt.
Neomenia autem ipsis est Sotidis ortus, quæ generationis mundi ducit initium.
Ja die Egipter fingen nicht allein ihr Grosses jahr / welches aus vier
Sonnenjahren bestund / vom aufgange des Sotis oder hundesternes an; sondern
nenneten es auch selbst / nach seinem nahmen / das Sotische jahr / annum
Sotidis sive Canicularem. Vossius de Idololatr. l. 1, c. 28. Langius de Annis
Christi l. 1, p. 224. Nic Caussinus de Symbolica Ægypt. sapient. p. 83. Auch kann
hierbei unser Dichterischer Sternhimmel / Coelum Astronomico-poëticum, am 266
bl. gelesen werden. Es ward aber nicht allein der Zungenstern des Hundegestirnes
/der dem Osiris / wie der Stirnstern in eben demselben Sternzeichen der Isis /
eigentlich geheiliget / absonderlich Sirius genennet; sondern auch das ganze
Sternzeichen ingesamt: wie wir am jetzt angezogenen orte mit mehrem angezeiget.
Und unter diesem nahmen ist auch der Hundestern so wohl bei den Lateinischen /
als Griechischen Dichtmeistern nicht wenig bekant.
Virgilius 4 Georgikon:
Jam rapidus torrens sitientes Sirius Indos
ardebat coelo.
Idem:
Præcipueque vigil fervens cùm Sirius ardet.
Et 10 Æneidos:
Non secus ac liquidâ si quando nocte cometæ
sanguinei lugubre rubent, aut Sirius ardor,
ille sitim, morbosque ferens mortalibus ægris,
nascirur.
Hierbei hat Servius angemärket: Sirius stella est in ore Canis, quæ, quantum in
ipsa est, pestifera est: sed pro qualitate adjacentium aut vincitur, aut
majoribus utitur viribus. Hinc est, quòd, cùm tempore certo oritur, non semper
noxia est. Man hat sich aber alhier nicht wenig zu verwundern / dass die
Dichtmeister / sonderlich die Lateinischen / den Sirius gemeiniglich / nach des
Hundegestirnes bosshaftiger / und nicht liebreicher kraft und eigenschaft /
beschrieben: da doch durch diesen nahmen / der sonst alles / was gühtig und
liebreich ist / bedeutet / wie wir im mehr gemelten Dichterischem Sternhimmel
erwiesen / allein das widerspiel sollte verstanden werden.
Statius l. 3. Silvarum:
Acer anhelantes incendit Sirius agros.
Idem:
Illos implacido letalis Sirius igni.
Lucanus libro 10:
- rapidus qua Sirius ignes
exerit.
Valerius Flaccus l. 1:
Sic cùm stabulis, & messibus ingens
ira Deûm, & Calabri populator Sirius arvi
incubuit.
Nonnus:
Meta Seirion, asera Mairhs,
aiteros ason ego se, ki aseroenta teleaso
agxi kynos proteron, sapylhn ina ki si kepainhs
botryos es liteian akontizon seten aigliy.
das ist / sagt Osiris oder Bachus zu seinem Hunde /oder vielmehr zum Anubis /
oder aber Kaleb / der des Moses / welchen Vossius vor den dritten Osiris helt /
getreuer mitgefährte war: ich war dich nach dem Sirius / der Mirjam oder Marien
sterne / (dann Maira scheinet aus Maria oder Mirjam / dem nahmen der schwerer des
Moses / gebildet zu sein) zum bürger des Himmels / und mit vielen sternen / bei
dem vördersten Hunde / leuchten machen; damit du die weinbeeren zeitigest /
indem du deine strahlen auf die trauben wirfest.
                         Zur dritten zeile des 2 blats.
Orus oder Horus / oros, den die Egipter auch Kemin nenten / des Osiris und der
Isis sohn / war ebenmässig ein Egiptischer Abgott; welchen sie vor den herscher
der zeit oder der jahre / wie aus den überschriften der gebalsemten leichen zu
sehen / hielten: wiewohl ihm sonsten eigendlich nur das vierde und letzte teil
ihres Gotischen oder grossen jahres /wie das erste teil dem Sotis oder dem
Hundessterne selber / das zweite der Isis / und das dritte dem Osiris / zu
beherschen zugeeignet war. Und davor hielten sie ihn / so fern er aus dem
himlischen Osiris und der himlichen Isis / das ist aus der Sonne und dem Mohne /
gezeuget zu sein verstanden / und der himlische Orus genennet ward. So fern er
aber irdisch /und aus dem irdischen Osiris und der irdischen Isis / das ist aus
der zusammenfügung des Niels und der Erde / geboren zu sein betrachtet ward;
alsdan bezeichnete er so wohl der erde / als der lust fruchtbare gestalt zum
wachstuhme der dinge geschikt / das ist das fruchtbahre gewitter / die wolken /
den regen / den tau / u.d.g. Daher sagt Vossius vom uhrspr. der Abgötterei am
614 bl. Ex Nili & Isidis concubitu nascitur Orus; nempe subcoelestis; quo
indicatur tum aeris, tum terræ temperies, rebus producendis apta. Und üm dieser
milterung der lust willen / scheinet er auch zum teil von den Egiptern mit unter
die Artzneigötter gerechnet zu sein: da sie ihn Harpokrates nenten. wie Kircher
am 354 bl. des 2. t. seines Egiptisten Oedipus bezeuget. Ja er ward zu weilen
gar vor den Apollo / den Sonnen- und Artznei-götzen /selbst genommen / Macrob.
l. 1. Saturn. c. 21. Wie nun dem Orus die Luft gleichsam zugeignet war: so besass
seine mutter Isis die oberste helfte der Erde / so weit sie nähmlich von der
sonne erleuchtet wird / und der tag reichet; und seiner mutter schwester Nefte
/des Tifons gemahlin / die andere und unterste helfte der Erdkugel / so weit sie
die nacht überschattet; Anubis aber / der Nefte sohn / den Kreusendiger /also
dass er die oberste und unterste helfte der erde /gleich als ein hund / bewachte
/ und gleichsam anbällete / wie Plutarch meldet. Isidi teram dedere, sagt auch
Vossius / qui horizonte nostro continetur. Nephtyi partem terræ pedibus nostris
adversam. Ipsum horizonta Anubidis esse dixerunt: qui filius Typhonis, cuique
dedicarunt canem; quòd hemisphærii utriusque custos sit.
                            Zur 4 zeile des 2 blats.
Kanopus / welches etliche Kanobus / nach dem Griechischen Kanobos, schreiben /
war des Trojischen Königes Menelaus schifshaupman / aus Lakonien bürtig: wiewohl
Aristides solches leugnet / und den Hekateus / der es bejahet / in seiner Rede
von den uhrsachen des wachsenden Niels / widerleget; auch darbei füget / dass
Kanopus / eine nach gemelten Lakoniers nahmen also genente Egiptische stadt
/etliche hundert jahre vor des Menelaus ankunft in Egipten schon diesen nahmen
geführet. Dass er aber in gemelter stadt von einem natterstiche gestorben / und
begraben worden / bezeugen Strabo im 17 b. und Tazitus im 2 seiner Jahrbücher /
als auch Sulpitz. Nach seinem tode soll ihm Menelaus / seine grosse treue zu
vergelten / ein Götzenhaus / dessen Eustatius / und Dionisius gedenken / bei dem
Kanopischen Nielhafen gestiftet haben. Ja die Egipter selbst haben ihn als einen
Wassergötzen geehret / und Neptuhn /wie Steffanus bezeuget / genennet. Sein
götzenbild /wie Eusebius in 2 b. seiner Kirchengesch. meldet /ward mit einem
überaus dikken bauche / und sehr fettem wanste gebildet; vielleicht darüm / weil
der Niel /den man ihm zueignete / fet machte: da doch die Egipter sonst allen
ihren Abgöttern eine schlanke gestalt gaben. Dan sie hielten darvor / wie
Plutarch bezeuget / dass die schlanke leibesgestalt dem Göttlichen bilde am
gleichesten sei. Daher mussten auch die Priester ganz nicht fet sein. Das war
ihnen ein greuel. Darüm lebten sie so über die masse mässig / schreibt Porfirius /
und Tisius vom Stahtswesen der Egipter. Darüm trunken sie auch das Nielwasser /
welches die eigenschaft hat fet zu machen / sehr spahrsam. Ja damit die
geheiligten Ochsen / Mnevs / und Apis /nicht fet würden / gab man ihnen kein
Nielwasser zu trinken. Wie nun die Egipter mit rohtährichten und blassen
Menschen nicht gern ümgingen / so sahen sie auch die fetten wänste nicht gern.
Darüm war ihnen auch der König Menis / seines schmeerbauches / und wohllüstigen
schlemmerischen lebens wegen / so verhasset / dass sie ihm nicht allein die Sau
zum sinbilde gaben / sondern auch selbst eine seule zu Tebe liessen aufrichten /
welche mit lauter flüchen wider diesen könig beschrieben; wie bei dem Pierius im
9 b. seiner Egipt. Bilderschriften zu lesen.
    Sonsten bildeten die Egipter diesen ihren Abgott Kanopus gemeiniglich ab mit
einem runten Wasserkruge; welcher einen dikken bauch / und oben auf dem halse
des Kanopus kopf stehen hatte. Auch war an demselben ein handgrif / darauf eine
zusammengeflochtene Natter / vielleicht darüm / weil den Kanopus eine natter
getödtet / sich erhub. Apuleius in ultimo Milesiarum: ejus orificium non
altiusculè elevatum, in canalem porrectum, longè rivulo prominebat. Et aliâ
parte multum recedens spatiosâ dilatatione adhærebat ansa, quam contorto nodulo
supersedebat aspis sqameæ cervicis stricto tumore sublimis. Zu weilen waren
diese Krüge glat und ohne schrift / zu weilen mit wunderlichen heiligen
schriftzeichen und sinbildern der Egipter gezieret. Weil Känopus ein Schifman /
wie gesagt / gewesen / so heiligten ihm die Egipter auch das Sternzeichen des
Schiffes; und nenneten nicht allein desselben grössesten stern / der am
mittagsruder stehet / sondern auch das schif selber nach seinem nahmen; wie
wir in unsrem Dichterischen Sternhimmel am 325 bl. berühret. Aber von diesem
Abgotte können gelesen werden Stephanus in Kanobos; Suidas in Kanopos; Rufinus
Hist. Eccl. l. 2, c. 26; Petr. Crinitus l. 11. de honesta disciplina; item
Vossius Teol. gentil l. 1, c. 31.
                         Zur 7 und 8 zeile des 2 blats.
Momft / Momphta, Monphta, das ist Gott des wassers / oder Wasser Gottes / wie es
Abenefi erklähret / war ein Abgott des wachsenden Niels / incrementi Nilotici
præses numen, sagt Kircher im 1 t. seines Egiptischen Oedipus / am 115 bl. Ihm
war der Leue heilig: und das Leuengestirn / samt dem Leuenmohnde / stunden unter
seinem gebiete. Daher pflegte der Pfaffe dieses Abgottes / wan er dem Niele
seinen götzendienst leistete / mit einer Leuenhaut bekleidet zu sein.
    Omft / Omphta, war der Abgott des fallenden Niels: daher ihm auch das
sternzeichen der Wage /samt dem herbstmohnde / darinnen der Niel fället
/geheiliget.
                        Zur 14 und 15 zeile des 2 blats.
Die Egipter pflegten ihren Götzen wächserne Tafeln /darauf ihre bitte
geschrieben stund / an die kniehe zu hängen. Daher sagt Juvenahl:
Propter quæ fas est genua incerare Deorum.
                        Zur 18 und 19 zeile des 2 blats.
Cyprianus in carmine de Christiano apostatâ:
            Mente fremunt, lacerantq; corpus funduntque cruorem.
Lactantius l. 1. Instit. Apulejus l. 8. Metamorph. Herodot l. 2. Clemens
Alexandrinus Stromat. l. 6, p. 465, & l. 7, c, 8. Guido Pancirollus rer.
memorabil. deperdit. l. 1. Beroald. ad Apuleji l. 11. Miles. Vossius Teol.
gentil. p. 203.
                        Zur 22 und 23 zeile des 2 blats.
Tifon / Typhon, Typhaon, Typhoëus, den die Egipter auch Set / Bebon / und Smi
nenneten / des Osiris und der Isis / als auch der Nefte / seiner gemahlin
/bruder / ward vor den anfang alles bösen / gleichwie Osiris alles gehalten /
gehalten; weil jener ein wühterich / der auch selbst seinen bruder Osiris
ermordet /dieser aber ein frommer könig gewesen. Ja sie eigneten jenem alles
böse / das in der ganzen Natur war /und diesem alles guhte zu. Und darüm
pflegten sie ihm auch / seine wühtende macht zu besänftigen /Esel und rohte Kühe
zu opfern: und trugen schwartze kleider. Besiehe hiervon weiter Atanasius
Kirchern im 1 t. seines Egipt. Oedipus / in der 2 abteil. am 23 bl. als auch
unsern Dichterischen Sternhimmel / am 114 / 253 und 288 bl.
                        Zur 12 und 13 zeile des 5 blats.
Als Abraham im lande Kanaan / zwischen Betel und Ai / wohnete / überfiel das
land eine grosse teurung. Darüm begab er sich / mit seiner fraue Sara / in das
nächstgelegene Egipten: dem / seiner überschwänglichen fruchtbahrkeit wegen /
keine misjahre /die man mit recht misjahre nennen konnte / bewust waren. Als nun
Abraham in Egipten kahm / dieses seind Moses im 12 hauptstükke seines 1 b.
eigene worte; da sahen die Egipter das weib / dass es fast schöne war. Und die
Fürsten des Farao sahen sie /und preiseten sie für ihm. Da ward sie in des Farao
haus gebracht. Und er täht Abraham guhtes üm ihret willen: und er hatte schafe /
rinder / esel / knechte und mägde / eselinnen / und kamehle. Aber der HErr
plagte Farao mit grossen plagen / als auch sein haus / üm Sara Abrahams weibes
willen / u.a.m. Diesen Farao oder Egiptischen könig nennet der Araber Abdalla
Ben Geled /in seiner erzehlung der Egiptischen könige Tautis: welcher bei andern
auch Faunus und Saruch heisset. Seine eigene worte lauten verdeutscht also:
Tautis war derselbe Farao / welcher die Sare des Abrahams Fraue behielt. Diesem
folgete seine tochter Hazubah; dann er hatte keinen sohn. Sie war aber die erste
Frau / welche über Egipten herschete. Als sie todt war / besass das Königreich
Amhaz Alfa / die tochter Mamums / des sohns Malia: und nach dieser / Alvalid.
Sie lebeten eine lange zeit / und vermehreten sich dergestalt / dass sie das
ganze Egipten erfülleten. Sie waren aber aus dem stamme des Amaleks / des sohns
Luds / des sohns Sems. Und nach Alvalids absterben / herschete nach ihm Alrian.
Dieser war dazumahl König / als Josef in Egipten verkauft ward: den er auch /
weil er seinen traum an legte / aus dem gefängnüsse zog / und zu den grösten
würden in Egipten erhub. Als Alrian Ben Alvalid gestorben war /besass nach ihm
das Königreich Daran: bei dessen lebezeit Josef / friede sei über ihm /
gestorben /u.s.f.
    Dieser Tautis aber war kein ander / als der weltbekante wahrhaftig
dreimalgrosse Hermes / oder Hermes Trismegist / der ganzen Egiptischen Weisheit
springbrun und uhrhöber / ja der erfinder der Sonnenseulen / samt der heiligen
Egiptischen Bilderschrift: welchen die Fönizier / wie Eusebius im 7 h. des 1 b.
bebezeuget / Taut; die Egipter Tot / auch Ftat / das ist den Gott der Götter /
und Hermes; die Araber aber Idris / oder Adris nach dem Ebreischen Hadores / das
ist / einen fürtreflichen Vernunftfechter / disputatorem insignem, genennet. Die
Araber pflegen zwar alle diese nahmen / in ihren schriften / gemeiniglich dem
Enoch zuzueignen; den sie sonst Hanuch /auch zugleich selbst Osiris / nähmlich
den allerersten / nennen; wie aus dem Ahmed Ben Josef Eltifasi /Abenefi / Kaab
Elchabar zu sehen: welcher letztere / in seinen Sarazenischen Geschichten /
unter andern auch dieses schreibet: Es war aber Adris ein schneider / und der
erste / der kleider gemacht hat; und so oft er die nahtel durchzog / lobete er
Gott / und heiligte Ihn. Dieses bezeuget auch Vasiab / als auch Ismael Schiahin:
welcher saget / dass er ihm selbst das erste kleid gemacht / da die menschen
zuvor mit tierefellen ümhänget gewesen; ja er habe zum ersten /im wege Gottes /
die waffen gebrauchet / und wider Kabiels söhne / Kains nachkommen / gestritten;
auch zuerst das mass und gewicht erfunden. Ja es scheinet / dass die Araber und
Kaldeer alles / was die Griechen und andere vom Osiris geschrieben / dem Enoch
oder Adris / wie ihn die meisten nennen / zugeeignet. Aber der zweite und rechte
Hermes Trismegist / der die ersten Sonnenseulen / üm das 2213 weltjahr / oder üm
das 1840 vor der Heilgebuhrt / erfunden / und die Egiptische Priesterschaft
gestiftet /war / nach der sündfluht / nicht allein der erste Priester in Egipten
/ sondern auch der dritte König; der dem Mizraim / und Mesramutisis folgete.
Dahin kahm er erst / aus Wälschland / zum Mizraim; dem er / seiner grossen
weisheit wegen / so lieb war / dass er ihm alle seine heimligkeiten anvertraute /
ja ihn zu seinem geheimen Rahte machte. Nach dessen / und dann auch seines sohnes
und reichserbens tode / erhub ihn seine weiheit gar auf den Egiptischen
reichsstuhl. Und also war er eben dazumahl könig / als Abraham / mit der Sara /
vor der teurung in Egiptm flohe. Von ihm bezeugen auch die Ebreer in ihrem Buche
/ welches , das ist das Haus Melchisedeks /genennet wird: dass er eine sehr grosse
weisheit desessen; dass er einer aus Kanaans nachkommen gewesen; dass er viel
gelehrte Leute erzogen / die nach ihm Adris genennet worden. Eben dasselbe / und
noch mehr meldet auch von ihm der Araber Alkandi / bei dem Gelaldien. Aber wir
herten des Jüden Abraham Zachuts / der üm das 1502 heiljahr geschrieben /schier
vergessen. Dieser nennet / in seinem Buche Juchasim, das ist der
Stambeschreibung / den Egiptischen König / der zu Abrahams zeiten geherschet
Tutis: aber er meldet / dass er der funfzehende nach der sündfluht / und der
erste aus dem geschlechte der Kobter gewesen. Saumbeni neunder sohn /schreibt er
/ hies Tutis. Dieser war der erste Farao / der zu Abrahams zeiten gelebet / und
gestorben ist / auch einen kleinen Sohn hinterlassen. An dessen statt herschete
seine mutter Kuria. Nähmlich dieselbe / die der Saren ihre mago Hagar gegeben.
Andere wollen / dass Hagar des königs Tauts tochter selber gewesen. Jonatan der
Kaldeer / indem er das 16 h. des Buchs der schöpfung erklähret / schreibet also:
diese Sara hatte eine Egiptische magd / die Agar hies / eine tochter Faraons:
die er ihr zur magd gab / als er üm dessent willen / weil er sie genommen / nach
dem worte des HERrn geschlagen ward. Und der Ebreische Schriftmeister Selomo
setzet / in seinen Anmärkungen bei diesem orte / hinzu: dass Farao / als er du
zeichen gesehen / die üm der Sara willen geschahen / zu seiner tochter Agar
gesagt hette: Es ist besser / dass du in diesem hause eine Magd / als in einem
andern eine Fraue bist.
    Abimelech der könig der Filister / welcher zu Gerar hof hielt / lies nach
der zeit Saren / weil sie so schöne war / ebenmässig zu sich hohlen. Und darüm
verschlos der HERr alle mütter des hauses Abimelechs so hart / dass keine
gebähren konnte. Auch erschien Er ihm des nachts im traume / und sprach zu ihm:
siehe da! du bist ein man des todes / um des Weibes willen / das du genommen
hast: dann sie ist eines Mannes Ehweib. Weil aber Abimelech solches aus
einfältigem hertzen getahn / indem er / nach Abrahams und der Saren eigenem
berichte / nicht anders wusste / als dass sie mehr nicht / als seine schwester sei
/ wie sie dann auch vom vater / wiewohl nicht von der mutter / seine schwester
war: so bewahrete ihn Gott / dass er nicht wider ihn sündigte; indem er nicht
zulies / dass er sie berührete: wie Moses im 20 h. des Buches der schöpfung
weitleuftiger hiervon schreibet.
    Dass aber diese Sare so überaus schon gewesen /kann überdas auch daraus
geschlossen worden / weil die Egipter ihre Abgöttin der schönheit und liebe
Zahara oder Sahara genennet: welches wort sie /nach meiner muhtmassung / nirgend
anders her / als aus dem nahmen Sara / gebildet; auch damit keine andere / als
des Abrahams Fraue / die wunderschöne Sara / verstanden. Sonsten wird itzund
Libien von den einwohnern auf Arabisch Sara oder Zaara oder Zahara / das ist
eine Wüste oder Einöde / weil es alda viel wüsteneien giebet / genennet: wiewohl
die Araber diesen nahmen nur einem teile desselben / das steinicht und
kieselicht ist / zu geben pflegen.
                    Zur 14 / 15 / und 16 zeile des 5 blats.
Die schönheit dieser Rebekka / des Betuels tochter /und Isaaks Ehfraue / giebet
Moses im 16 spr. des 24 h. und im 7 spr. 26 h. seines 1 b. gnugsam zu verstehen.
Auch erzählt er im letztgemelten h. was sich mit ihr zu Gerar begeben.
                    Zur 17 und folgenden zeilen des 5 blats.
Der Rahel / die eine tochter Labans des Bruders der Rebekke / und Jakobs Ehfraue
war / ausbündige schönheit beschreibet Moses ebenmässig, im 17 spr. des 29 h.
seines 1 buches / zwar kurtz / doch deutlich genug.
                    Zur 20 und folgenden zeilen des 6 blats.
Hiervon schlage den 18 / 20 / und 30 spr. des jetzt angezogenen 29 h. auf.
                    Zur 5 und folgenden zeilen des 7 blats.
Tahre oder Tarah / Nahors des ersten dieses nahmens sohn / und enkel Sarugs /
Abrahams vater /war ein fürtreflicher Bildhauer; wie viel Geschichtschreiber der
Ebeeer / Araber und anderer morgenländischen völker bezeugen. Ja er machte nicht
allein die Götzenbilder; sondern dienete ihnen / seinen eignen gemächten / auch
selbst. Er selbst war es / der am allerersten / nach der sündfluht / und dem
Babelschen Turnbaue / den Götzendienst wieder aufgebracht; wie Epifanius
bezeuget. Daher wollen ihrer viel urteilen /dass sein sohn Haran / ihm zur strafe
/ eher sei weggerükt worden / als er: welches zuvor noch niemahls geschehen /
als mit dem einigen Abel; den aber nicht Gott / sondern Kain / wegrükte. Und dass
er ein Götzendiener gewesen / deutet die heilige Schrift selber an / im 24 h.
des buchs Josua: welcher alda die Stämme Israels also anredet: Nähmlich / so
sagt der HERr / der Gott Israels. eure Väter wohneten vor zeiten jenseit dem
wasser / Tarah / Abrahams und Nahors Vater; und dieneten andern Göttern. Da nahm
ich euren Vater Abraham jenseit des Wassers / und lies ihn wandern im ganzen
lande Kanaans / u.s.f. Die übersetzung der 70 Aeltesten lautet alhier also:
peran oy potamoy katokhsan oi pateres ymon apA arxhs, tara o patr abraam, ki o
patr Naxor, ki elatroisan teois eterois. Zudem bezeuget Zedrenus: dass Abraham /
als er / im sechzigsten jahre seines alters / seinen vater Tarah vom
götzendienste abgemahnet / und nichts ausgerichtet /das Götzenhaus endlich gar
angezündet: da dann Haran / Abrahams jüngster bruder / indem er die götzen aus
der flamme retten wollen / mit dem götzenbaue zugleich verbrant sei. Was aber
für ein götzendienst in Abrahams vaterlande sei im schwänge gegangen / zeigt
Moses Ben Majemon in seinem so genenten More Nevochim / im 30 h. des 3 b.
weitleuftig an. Unter andern schreibet er / dass man alda das Feuer geehret; und
gegleubet / dass keine andere Götter weren / als die Sterne; ja dass man die Sonne
vor den grösten unter allen Göttern gehalten /und den Mohn nächst ihr: welcher
Meinung Abraham widersprochen / und angezeiget / dass einander würker und
herscher sei / als die Sonne / u.a.m. Hieraus sieht man / dass Sonne / Mohn /
und Sterne nach der sündfluht die allerersten Götter oder vielmehr götzen
gewesen: und dass man das griechische wort teos, das so viel heisset / als Gott /
und von teein, das ist lauffen / gebildet / ihrer stähtigen bewegung und ewigen
lauffes wegen / ihnen am allerersten zugeeignet; dergestalt / dass es von ihnen
entsprossen /und nachmahls auch andern sich gar nicht / oder nicht alzeit
bewegenden / und bald vergänglichen dingen /die man vergötlichte / gegeben
worden. Plato in Cratylo: Painontai moi oi protoi ton antropon pxi tn ellada
toytoys monoys teoys hgeiat, oysper nyn polloi ton barbaron, Hlion, ki Selhnhn,
ki Ghn, ki Asra, ki oyranon. Das ist / die Griechenland zuerst bewohnet /
scheinen mir die Sonne /den Mohn / die Erde / die Sterne / und den Himmel / wie
noch itzund viel Ungriechen tuhn / allein vor Götter gehalten zu haben. Und weil
sie sahen / füget er straks darauf hinzu / dass alle diese dinge fort und fort
lieffen; so haben sie diesselben von dieser eigenschaft des lauffens / oy teein,
das so viel gesagt ist / als götter / genennet. Es ist auch kein wunder / das
diese völker / denen der wahrhaftige lebendige Gott unbewust war / die Sterne /
ihrer stähtigen bewegung halben / vor götter gehalten; sonderlich aber die
Sonne: welche ihnen um aufhöhrlich und so schnäl zu lauffen schien / auch
manchem noch scheinet; wiewohl sie ein überaus grosser klump / und hundert und
sechzig mahl grösser ist / als die Erdkugel / dass sie in einer einigen stunde
zehnmahl hundert tausend meilen fort gelauffen zu sein angesehen wird. Aber
hiervon kann Ludwich Karrio im 2 b. Laktantz im 5 h. des 2. b. Prudentz auch im 2
b. wider den Simmachus / als auch unser Dichterischer Sternhimmel / am 261 und
262 bl: gelesen werden.
                           Zur 18 zeile des 7 blats.
Lea / Jakobs Ehfrau / und Josefs Stiefmutter / die des Labans älteste tochter
war / hatte ein blödes gesichte / sagt Moses in 17 spr. des 29 h. seines 1
buches. Etliche schreiben / dass sie übersichtig gewesen: andere / sie habe einen
stern in den augen gehabt.
                    Zur 24 und folgenden zeilen des 7 blats.
Von diesen Götzenbildern des Labans schreibet Moses im 30 / 32 / 33 / 34 / 35
spr. des 31 h. und im 2 und 4 spr. des 35 h. seines 1 buches. Die Ebreer nennen
sie Terafim; welches etliche aus Serafim gebildet zu sein meinen. Kaussinus
gedenket der Terafim auch / in seinen Anmärkung bei dem Horus Apollo / am 110
blatte: aber wie sie alda beschrieben werden / kommen sie mit den Labanischen
ganz nicht überein. Seine eigene worte seind diese: Nec dissimiles erant
Teraphin, quorum meminit Elias Tesbites in Lexico Ebræo, ad eadem vocem,
dirissima prorsus simulachra, & nefariis imbuta superstitionibus. Mactabant
quippe puerum primogenitum, cujus caput à corpore revulsum sale & aromatibus
condiebant; hinc illi laminam imponebant, eam que immundi spiritus nomine &
charactere signatam, mox odore & suffitu, cereisque accensis, venerabantur.
Et quamquam hoc secretis parietibus occultabatur scelus, nonnunquam tamen etiam
occisorum infantum præsegmina, laminis & bracteis inclusa, superstitiosoque
ritu excantata gestabant. Sonsten hatten die Egipter ihre Serapen oder Serapides
: welche kleine von steinmälhle gebakkene und mit verborgenen sinbildern
beschriebene götzenbilder waren: die sie den Leichen / sie vor aller gewalt der
bösen geister zu beschirmen / an ihr todtenkleid fest näheten. Mit diesen
Beschirmgötzlein sollen / wie etliche meinen /des Labans Götzenbilder oder
Terafim eine und eben dieselbe gestalt gehabt haben. Auch helt sie der grosse
Kircher am 297 bl. seines Eg. Oedip. beide vor einerlei: dem ich zween abrisse
von dergleichen Egiptischen Serapen selber zugeschikt; die er auch mit in
gemeltes buch einverleibet. Der nahme solcher Serapen oder Beschirmgötzlein
scheinet vom Egiptischen Ochsengötzen Serapis entsprossen zu sein. Und dieser
Ochse sei des Argivischen Königes Apis oder Epafus / der in Egipten gesegelt /
und daselber gestorben / sinbild gewesen / meinen Klemens von Alexandrien /
und Augustien in seinem buche von der stadt Gottes. Aber Suidas / Julius
Maternus / Rufinus im 23 h. seines 2 b. der Kirchengesch. der Ebreische
Schriftgelehrte / Aben Esra / Hugo Groht in seiner Sofomfania / Vossius von der
Abgötterei /im 29 h. des 1 b. auch am 501 bl. des 2 b. und anderswärs mehr /
eignen dieses Sinbild dem Josef zu: aus dessen nahmen auch der götzennahme Apis
gebildet scheinet. Der letzte schreibet hiervon also: In templo Josepho formatum
est simulachrum, ob divisionem frumenti, quo famis tempore subvenit Ægyptiis,
etc. Joseph defuncto, instituerunt in honorem ejus templum apud Memphim, in quo
bos quasi optimi agricolæ indicium aleretur, habens quædam honoris insignia: qui
ex nomine ejus Apis appellatus, etc. Josephi nomen immutârunt in sacris, ut
augustius videretur numen, etc. Is honos initio tantùm fuit civilis: propterea
eum Joseph admisit. Tamen degeneravit post mortem in divinum, etc. Dieses
bekräftigt auch der Araber Abnefi / wan er also schreibt: Und Josef sagte zum
Könige; setze mich über den schatz des landes; dann ich will ein getreuer bewahrer
sein. Und der König setzte ihn über alle Körnheuser: auch ward Josef gleich als
em könig über das ganze Egipten; und sie nenneten ihn Apis. Dieses wort heisset
in Egiptischer sprache so viel als ein Ochse. Also ward auch gemelter Ochse /
den man sehr zährtlich hielt / so lange erlebete / genennet. Aber nach seinem
tode / da er in einem todtenkasten eingeschossen lag / nennete man ihn Serapis.
Diesen nahmen soll man ebenmässig obgemeltem verstorbnen Könige Apis oder Epafus /
oder vielmehr seinem todtenkasten oder sarge / darinnen er lag / weiter mit
einer Ochsenhaut überzogen war / gegeben / und ihn göttlich geehret haben:
wiewohl hiervon die Egipter nichts wissen wollen. So bald der Götzenochse todt
war / suchten sie einen andern / der eben also / wie der abgelebte / schwartz
von farbe / und mit weissen flekkern durchspränkelt; und ehreten ihn an des
vorigen stelle. Was aber Serapis gesagt sei / davon seind unterschiedliche
erklährungen. Etliche wollen / Serapis heisse so viel als Sarapis / das ist der
fürst Apis oder Ochse / oder ein fürst des oder der Ochsen: welche dem Könige
die sieben fruchtbare jahre verkündiget. Andere sagen / es heisse so viel als
soros apis oder sorapis, das ist der kasten des Apis /oder der Ochsenkasten; wie
es Plutarch / Luzian /und Varro deuten: dann soroys heist ein kasten. Wieder
andere meinen / es soll so viel gesagt sein / als ein Kornkasten des Apis / das
ist des Ochsen; weil Josef / welcher der letzte Osiris / Apis / und Serapis
zugleich ist / auch im 33 h. des 5 b. Moses einem Ochsen verglichen wird / das
getreide in kasten aufschütten und verwahren / auch in der teurung wieder
ausspenden lassen. Dem sei nun wie ihm wolle / so sieht man doch hieraus genug /
dass diese blinde heiden nichts gewisses von Gott gewust haben; und daher etliche
ihren Osiris / Apis / oder Serapis auf der erde / andere im himmel gesucht / und
dieser ihn als einen Menschen / nähmlich / unter andern / als einen schönen
Jüngling / mit einem korbe vol getreides / und brohtes auf dem heupte / andere
als einen bunten oder schwartzweissen Ochsen abgemahlet / ja einer dieses / ein
ander ein anderes sinbild des Osiris und Serapis erdacht.
                       Zur vorletzten zeile des 10 blats.
Wie derselbe Egiptische könig / unter dessen herschaft Josef in Egipten kommen /
geheissen / davon seind vielerlei unterschiedliche meinungen. Die H. Schrift
giebet ihm / ihrer gewohnheit nach / nur den blossen algemeinen königlichen
Ehrennahmen Farao: so tuhn auch die meisten Geschichtschreiber. Doch der Araber
Abdalla Ben Geled nennet ihn mit dem eigenen absonderlichem nahmen Alrian;
dessen worte wir droben bei der 12 zeile des 5 blats angezogen und der Ebreer
Abraham Zachut ohne geschlechtswort bloss Rian / wan er also schreibet: Hierauf
herschete Eman; nach diesem Valid der sohn des Doma; dem sein sohn Rian folgete.
Dieser ist Josefs Farao: nach welchem könig ward Maadan / und dann derselbe / der
Talma heisset: welcher des Moses / unsers Meisters / über welchem sei friede!
Farao ist / und als ein stein in den abgrund versunken. Aber alle diese nahmen /
weil sie von der Egiptischen mundahrt so gar abweichen /seind mir / als
vielleicht von den Arabern oder Ebreern erdichtete / nicht wenig verdächtig.
Eusebius hingegen nennet ihn / dem Maneton zur folge / Amasis; welcher / als er
25 jahre geherschet / dem Chebron die herschaft hinterlassen: unter welchen
Kircher Josefs verkauffung setzet. Samuel Greiffensohn gibt ihm zwar keinen
andern nahmen / als den algemeinen Farao. Aber seinen sohn nennet er am 138 bl.
in der Geschicht vom Josef / woher weis ich nicht / Tmaus: und schreibet / dass
dieser Tmaus /nach seines vaters ableiben / eben sollte zum könige gekröhnet
werden / als er den Josef aus dem gefängnüsse hohlen lassen seine treume zu
deuten: welches wider alle Geschichtschreiber / die ich hiervon gelesen / auch
wider der Assenat geschicht / und die Verfassung des letzten willens Josefs
selber streitet. Andere gedenken auch eines Königes / der zu Josefs zeiten in
Egipten geherschet / den sie Konchares heissen. Dieser soll der 25 Egiptische
könig / und eben derselbe sein / nach dessen kröhnung im fünften jahre / und
nach Mizraim im 700 / das oben erwähnte grosse Gotische jahr sei eingesetzt und
begonnen worden; wie Lange am 222 bl. des 1 b. von den jahren nach der
Heilgebuhrt / aus dem Eusebius / anziehet. Weil aber die meisten / auch der
Assenat Geschicht selber denselben Farao oder König / der damahls herschete /
als Josef verkauft ward / Nefrem /oder Nefrem Tomestor nennen; so haben wir
lieber dem meisten hauffen folgen / und den nahmen Nefrem in unserer geschicht
vor allen andern behalten wollen.
                           Zur 30 zeile des 17 blats.
Nitokris Nitokris, war des Egiptischen Königes einige Tochter. Eusebius meldet
am 21 bl. des 1 seiner Zeitbücher / dass dieser Nahme eben so viel heisse /als
Atna nikhporoys, das ist Atehne oder Minerve die überwinderin. Und das heisset
er auch. Dan Nit oder Neit bedeutete bei den Egiptern eben so viel /als Minerva
oder Pallas / das ist / die Alsgöttin der Weisheit; wie Plato / wan er von der
stadt Sais / da diese Alsgöttin / als ihre stifterin / geehret ward / und
derselben gebiete schreibet / bezeuget: und in der Arabischen sprache / die der
Egiptischen sehr nahe verwant ist / heisset Kahara überwinden / und Kahar, sieg
/ oder überwindung. Daher ist der nahme Alkair das ist / eine überwinderin; weil
Muassus diese Stadt im zeichen des Mars / der ein überwinder der Welt ist /
erbauet; wie Elmazin am 227 bl. seiner Sarazenischen Geschichte bezeuget. Und
also ist der nahme Nitokris aus Nit oder Neit /und kar / als sagte man Nitokaris
/ oder Nitkaris /zusammengeflossen; und kann besser nicht / als eine sieghafte
Minerve verdeutschet werden.
                   Zur 18 und folgenden zeilen des 12 blats.
Der Krokodil ist der Egiptischen Könige sinbild: 1 /weil er Egipten eigen ist /
und sonst nirgend / zum wenigsten so gross nicht / gefunden wird; 2 / weil er ein
land- und wasser-tier ist / wie Pierius am 69 / und 186 bl. des 2 t. seiner Eg.
sinbilder bezeuget / und die Egiptischen Könige auch zu wasser und lande
gebieten; 3 / weil er gegen die bösen böse / und gegen die guhten guht und
dankbar zu sein pfleget / wie Pierius ebenmässig am 97 bl. seines 2 t. meldet; 4
/ weil er die Bosheit anzeiget / wie Diodohr im 1 b. anmärket; 5 /weil er augen
hat / die gleichsam aus der tieffe herfür ragen; 6 / weil er des aufganges / und
des niederganges sinbild ist / jenes durch jetztgemelte aus der tieffe herfür
ragende augen / und dieses durch seinen niedergebogenen und unter sich sehenden
kopf: dann er ist aytokypton ki katopes to zoon, von natur ein niedersehendes und
nach der erde zu gebüktes tier; wie Horus Apollo in seinen Egiptischen
Bilderschriften angemärket. Dahin zielet auch Ezechiel im 3 sp. des 29 h. Siehe!
Ich will an dich / Farao / du König in Egipten / du grosser Trache (d.i. Krokodil)
der du in deinem wasser (im Niele) liegest / u.s.f. und im 2 spr. des 32 h. Du
bist als ein Leue unter den Heiden / und als ein Meertrache (Wasser- oder
Niel-trache / das ist ein Krokodil / aus der gattung der Trachen oder grossen
Schlangen) und springest in deinen ströhmen / und trübest das wasser mit deinen
füssen (pfohten) und machst seine ströhme luhmicht. Ja eben dahin zielete auch
der Keiser August / als er / nachdem er Egipten erobert / eine müntze / mit
einer Palme / und einem Krokodil / schlagen lies.
    In der Arabischen sprache / davon die Egiptische sehr viel wörter entlehnet
/ heisset der Krokodil Faraon; von Faris oder Farid / das ist absondern; weil er
ein gar sonderliches tier / das von der andern ländern der welt gleichsam
abgesondert /und. Egipten allein eigen ist. Aus dieser wurtzel entspriesset auch
das nenwort parid oder farid /das ist der Rundbaum / Zizyphus oder lotus, der
gar ein sonderlicher baum ist; nicht das Rundkraut /davor es etliche halten:
welches wir darüm also nennen / weil alles / wie Jamblich bezeuget / daran rund
ist / nähmlich die blätter / samt den bluhmen / und der frucht: dadurch die
rundümschweiffende und drehende göttliche bewegung oder würkung des gemütes
angedeutet wird; daher es auch die Egipter ihrem höchsten Abgotte Osiris
geheiliget. Dan alles / war rund ist /wird bei ihnen vor göttlich oder der
göttlichen natur gleich und gemäss gehalten. Daher trugen auch die Priester
rundgeschohrne kolben. Und Empedokles /als er gefragt ward / was Gott sei?
antwortete: Er ist ein runter Kreus / dessen mitteltüpfelüberal ist /und der
ümschweif oder ümzug nirgend.
    Hieraus sehen wir / dass das wort Farao / wie die Egipter vor zeiten etliche
ihrer Könige nacheinander /mit diesem algemeinen nahmen / genennet / nicht König
bedeutet / wie der Geschichtschreiber Josef will / wan er schreibet: o Paraon
katA Aigyptioys basilea shmainei, das ist / Farao heisset bei den Egiptern
König. Zudem wan dieses wahr were / so würde die h. Schrift / wie sie vielmals
tuht / nicht sagen / der König Farao: welches eine ungereimte zusammenfügung
zweier einerlei bedeutenden worte were / so fern Farao vor sich König bedeutete.
Aber die Egipter hatten in ihrer sprache ganz ein anderes wort / welches so
viel als König bedeutete / wie er /im 1 b. wider den Apion / selber bezeuget;
da er das wort yksos auf griechisch giebet basileis ptimenas könige hürten: to
gar ykA sagt er / katA ieran glossan basilea shmainei, dann das wörtlein yk Hük
oder Hik heisset in der heiligen sprache könig. Dieses scheinet aus dem
Ebreischen hok /das ist gesetz / herzustammen: auch wird das wort das sonst
eigendlich einen gesetzgeber bedeutet / von den 70 Aeltesten bald hgoymenos, das
ist führer / gebieter / bald basileis d.i. könig / bald arxon, das ist / Fürst /
gegeben. Ja wir sehen zugleich aus allem / was wir alhier vom Krokodille
gemeldet / dass Farao auch nicht so viel gesagt sei als Baro, das ist Freiherr;
wie Dresserus am 155 bl. seiner tausendjährigen Geschicht wähnet. Aber lasset uns
hiervon Kr. Bekmans erklährung hören. Pharao, , schreibt er in seinem Buche vom
uhrsprunge der Lateinischen sprache / id est, homo multis privilegiis &
immunitatibus gaudens, exemtus jure communi: ex quo sine omni dubio est nobis
usitatum Baro, etiam Germanorum assensu. Radix est , id est, privilegio affecit,
liberum redicit, feriatus est, ut liberè & sine jugo, aut absque labore
vivat. lnde enim aliquis non ineptè quoque derivet latinum privus; nisi J.
Cæsarus Scaligeri etymon malis: item germanicum frei. Literæ enim tanquam teria,
& significatio tanquam forma, assentit. Ich mus zwar gestehen /dass man den
nahmen Farao sehr wohl vom ebreischen , para, das ist frei machen / mit freiheit
begaben / oder feiern / herleiten könnte. Aber dieses stehet uns im wege / dass
kein Egiptischer König vor Josefs zeiten / der ihnen zuerst die volle freie
macht ihres gebietes zu wege gebracht / also dass sie dann erst frei und an keine
gesetze gebunden waren / ein freier herr oder gebieter gewesen: da sie doch
schon lange zuvor / ja selbst der erste nach der sündfluht Menis /der Memfis
gebauet / das ist Mizraim / wie etliche melden / den nahmen Farao geführet.
Jedoch wan man sagte / dass Farao so viel gesagt sei / als ein freigebohrner /
das ist ein Sohn oder kind / wie das wort , bar, welchs ohne zweifel aus
gemelter wurtzel gebildet / bedeutet; so möchte man es noch wohl gelten lassen:
zumahl weil die Edelen oder Fürsten /ihrer fürtrefligkeit wegen / diesen
ehrennahmen geführet; wie wir droben bei dem nahmen des Nimrods / Barchus und
Liber, erinnert. Und ich halte gäntzlich darvor / dass das wort Baro nirgend
anders her / als dem worte , bar, gebildet / auch anders nicht / als nach
gemelter bei den Morgenländern gewöhnlicher redensahrt / soll verstanden werden.
    Also war der nahme Farao bei dem alten Egiptern ein algemeiner ehrennahme
der Könige / oder ein nahme der Königlichen würde: eben wie / nach Alexandern /
bei eben denselben der nahme Ptolomeus /bei den Filistern der nahme Abimelch /
bei den Jüden der nahme Herodes; und noch bei den Persern ist der nahme Sofi /
bei den Tartern der nahme Ham oder Cham, bei den Sinern der nahme Hoangt / bei
den Japanern der nahme Vo oder Dairi / bei den Abissinern oder weissen Mohren
der nahme Prestagan /davor man gemeiniglich verdorben Preste Jan, oder Priester
Jan saget / bei den völkern im Guineischen Königreiche Kajor / üm das Grühne
Ekke herüm /der nahme Burdomel oder Budomel / ja beiden Deutschen / wie ehmahls
bei den Röhmern Cæsar oder Augustus, itzund Keiser.
    Hierbei müssen wir nohtwendig erinnern / dass etliche Holländer einen groben
fehler begehen / wan sie dem Sinischen Grossherrn / als auch dem Japaner /und
Abissiner den nahmen Keiser zueignen: da sie doch wohl wissen / oder billich
wissen sollten / dass dieser nahme Keiser oder Cæsar niemand / als allein den
Röhmischen oder Röhmisch-Deutschen Welterren / den sie vom ersten derselben /
der das Röhmische Weltreich angefangen / nähmlich Julius Zesarn herhaben / als
ein algemeiner erbnahme und als ein erbeigentuhm zukommet; ja dass die Sinischen
bei den Sinern selber von ihrem dritten erwehltem Grossherrn Hoangt / Hoangti /
auch die Japanischen Vo oder Dairi / und die Abissinischen Prestagan /das ist
rechtgleubig / oder Padescha Prestagan /das heisset ein rechtgleubiger könig /
wie es auch in Persischer sprache lautet / eigendlich genennet werden. Dadurch
tuhn sie / die Holländer / nicht allein selbst der höheit der Röhmisch-Deutschen
Welterren zu kurtz / indem sie ihren eigenen und vom ersten Römischen Welterrn
angeerbten hohen Ehrennahmen /so ganz wildfremden Herren / die nicht das
geringste teil am Röhmischen Weltreiche haben / zuzueigenen sich so unbesonnen
erkühnen; sondern sie veranlassen auch manche Hochdeutschen / nähmlich dieselben
/die nicht besser wissen / solcher gestalt zu einer gefährlichen nachfolge: ja
sie geben ihren groben unverstand und achtlossheit an den tag / indem sie nicht
einmal acht schlagen / dass kein Lateinischer Schreiber /auch nicht der
allertummeste / iemahls den nahmen Cæsar einem andern / als den Römischen oder
Röhmisch-Deutschen Welterren / in seinen schriften gegeben. Eben also haben
bisher / mit dem nahmen Keiser / auch alle Hochdeutschen rühmlich getahn:
wiewohl der misbrauch bei etlichen neulingen / die es / als was sonderliches /
den Holländern abgesehen /schon einzureissen beginnet; und man mir selbst in
meiner verhochdeutschung etlicher in niederdeutscher sprache von gemelten
fremden Völkern geschriebener Geschichte / mit einer übel gewaschenen hand / die
wörter Grosskönig oder Grossherr in das wort Keiser / ohne meine bewilligung /
verändert. Ja was will ich viel sagen? Solte wohl ein Siner des Sinischen
Grossherrn eignen algemeinen Ehrennahmen Hoangt /oder ein Japaner der Japanischen
Vo oder Dairi / oder ein Abissiner der Abissinischen Prestagan / wan sie in
ihrer muttersprache von uns Hochdeutschen schrieben / unsrem Welterrn oder
Keiser zueignen? Ich halte nein. Und eben darüm ist es eine grosse tohrheit /wan
wir unserer Welterren ganz eigenen Ehrennahmen Keiser so lüderlich wegwerfen /
und ihrem Hoangt / ihrem Vo oder Dairi / und ihrem Prestagan zuschreiben wollen.
Ich mus zwar gestehen / dass alhier der nahme König / wie man bisher gemelte
grosse Herren / darunter der Abissiner allein 72 königreiche besitzet / wie
Markus Antohn / Sabellikus /und P. Geslin / in seiner heiligen Weltbeschreibung
/bezeugen / aus mangelung anderer deutschen wörter /gemeiniglich genennet / viel
zu wenig sei. Darüm bin ich auch schon vorlängst bewogen worden andere
hochdeutsche wörter / dadurch ihre macht üm so viel besser und eigendlicher
angedeutet würde / aus dem brunnen unserer wortreichen sprache zu bilden / oder
vielmehr zusammenzufügen. In meiner Helikonischen Hechel ist hiervon ebenmässig
erinnerung geschehen. Wir wollen alhier ein teil derselben wieder hohlen. Die
Ehrennahmen Ertzkönig / oder Grosskönig / oder auch Grossherr / pflege ich denen
hohen Heuptern / welche unterschiedliche Könige unter ihrem gebiete haben / und
daher nicht schlechtin Könige können genennet werden / zu geben. Das wort
Ertzkönig habe ich / nach dem schon vorlängst üblichem worte Ertzhertzog;
Grosskönig / und Grossherr / nach dem auch längst gebreuchlichem nahmen Grossfürst
/ Grosshertzog / gebildet. Jenen ehrennahmen / nähmlich Ertzhertzog / pflegen die
Oesterreichischen Heupter zu führen; diese aber / nähmlich Grossfürst / der
Moskovier / und Grosshertzog / der von Florentz. Den Moskovischen oder Russischen
Grossfürsten pflegen etliche neue Schreiber auch Keiser zu nennen; vielleicht
weil er sich selber Tzar / welches von Cæsar gebildet scheinet / in seiner
sprache nennet. Ja viel derselben / unter denen die Holländer die ersten /
wollen dem Sinischen Grossherren / weil er viel Königreiche besitzt / wie auch
dergleichen andern Gewaltigen / den nahmen Keiser ebenmässig zueignen. Aber wie
unrecht solches sei /wissen dieselben / welche wissen / dass der Ehrennahme
Cæsar, oder Keiser / welches wir aus jenem gebildet / vom zunahmen des ersten
Römischen Welterrn herrühret / und auf seine Nachfolger fortgepflantzet sei /
ja daher keinem andern Gewaltigen von rechtswegen zukomme / als den Römischen
Welterren; davor noch itzund die Deutschen Keiser gehalten werden. In etwas
könnte es hingehen / wan etliche den Grosstürken auch Keiser nennen: weil er das
Griechische teil des Römischen Weltreichs besitzt / und daher zum teil ein
Nachfolger des ersten Röhmischen Welterrn ist. Sonst ist es ganz ungereimt
/und wider die ehre des Röhmischen Weltreichs gehandelt / wan man so zuplumpet /
und den hohen Ehrennahmen / der / aus erwähnten uhrsachen / den Röhmischen
Welterren allein und ganz eigen zukömt /auch andern / die nicht ein dörflein
von gemeltem Reiche besitzen / zueignen will / u.a.m.
                           Zur 24 zeile des 14 blats.
Die Egipter pflegten ihre gelübde und eidschwühre sonst gemeiniglich bei dem auf
dem Filischen Inlande beigesetztem Osiris zu tuhn; wie Vossius am 202 b. vom
uhrsprunge und fortgange der Götzenschaft angemärket.
                           Zur 9 zeile des 16 blats.
Nubien ist ein land in Afriken bei dem Niele / mit Egipten und Libien
benachbahrt; dessen einwohner meist Araber seind.
                   Zur 14 und folgenden zeilen des 16 blats.
Hiervon stehen in Josefs letztem Willen folgende worte: Als wir in Egipten
kahmen / zankten und stritten sie sonderlich üm meint  willen / welcher von
ihnen mich zum schatze haben sollte. Und sie warden miteinander eins / dass ich in
Egipten / bei einem Kaufmanne / bleiben sollte / welcher ihnen in ihrer handlung
bedient war / so lange / bis sie mit ihren kaufwahren wieder zurückkähmen. Und
der HERr verschafte / dass mich der Kaufman sehr lieb gewan / und mir sein
ganzes haus anvertrauete. Auch machte ihn der HERr sehr glütlich / und seegnete
ihn in allem / so lange ich bei ihm war: ja er gab ihm viel goldes und silbers.
Und ich wohnte bei ihm drei mohnden und fünf tage.
                        Zur letzten zeile des 16 blats.
Der wunderstein Bet wird auf dem Berge Alard / der zwischen Nubien und Zinchanke
lieget / gefunden. Von diesem schreiben die Araber / dass er dieselben /welche
ihn was lange ansehen / stum machet. Auch erzählen sie / dass Alexander der Grosse
/ den sie Askander nennen / von diesen steinen das Schlos der verwunderug bauen
lassen: und dass ihm sein Lehrmeister Aristoteles / den sie Arkato Talis nennen /
den raht gegeben; er sollte eben so viel leibeigne / als andere leute / solche
steine zu hohlen / senden. Die leibeignen sollten die steine / mit offenen augen
besichtigen und auslesen; seine leute aber mit bedekten augen / darbei stehen /
und wan sie vernommen /dass die leibeignen stum worden / die ausgelesenen steine
kauffen.
                       Zur 27 und 28 zeile des 17 blats.
Des Potifars gemahlin / welche den Josef zur unkeuschheit angereitzet / hat
weder in der heiligen Schrift / noch in der Assenat Begabnüs / noch auch in
Josefs letztem Willen / keinen eignen Nahmen. Samuel Greiffensohn aber nennet
sie / in seiner Lebensbeschreibung des Josefs / woher zeigt er nicht an /
Saliche: und andere / denen der berühmte Ritter Jakob Kats / in seinem
Selbstreite / und wir ebenmässig / gefolget / Sefira.
                          Zur 9 und 10 zeile 18 blats.
Dass die Ismaeler den Josef dem Könige, seine gnade zu erlangen / zum geschenke
überreichet / er aber ihn nicht behalten wollen / zeigt S. Greiffensohn / in
Josefs Lebensbeschreibung am 61 und folgenden blättern / aus den Arabern / an.
                    Zur 8 und folgenden zeilen des 21 blats.
Wie Polemon die Augen des gemühts tuhren nennet; so nennet der Prediger das
Augesicht des gemühtes gasse / und die Augen die schauer durch die fenster; weil
im angesichte sich alle sinne befinden / und die Seele / als auf einem offenen
markte /mit den euserlichen dingen handelt und wandelt. Darüm hat auch der
Schöpfer den Augen den höchsten sitz / recht vor der sinnenburg / gegeben; damit
sie, als von einer hohen warte / üm so viel füglicher üm sich sehn / und eben so
füglich gesehen werden könten. Durch jenes führen sie uns / sagt Plato / zur
erkåntnüs Gottes; indem wir nähmlich zuvörderst den himmel / und desselben heers
so unterschiedliche und wunderliche / doch eben so richtige / als stähtige
bewegungen anschauen: durch dieses geben sie unser hertz / samt seinen neugungen
und gedanken / kund. Und also erkundigen wir / durch die Augen / was ausser uns
/ und machen auch / durch eben dieselben /kund / was in uns geschieht. Ja wie
sie gemeiniglich die wahrheit eher und besser kund geben / als der Mund; so
erkundigen sie auch ein ding viel eher / viel richtiger / viel wahrhaftiger /
als die Ohren. Daher ist das sprichwort / das Auge bezeuget / was der mund
schweiget: und o tion pisoteroi optalmoi, die Augen seind glaube würdiger / als
die Ohren. Ja Plautus sagt: pluris est oculatus testis unus, quàm decem auriti,
ein Augenzeuge gilt mehr / als zehen Ohrenzeugen. Dan vom hörensagen komt
manches schlagen. Euripides sagt in seinem Jupiter:
Eis ommatA oynoy potos eisplepai glyky:
das ist / es ist süsse und lieblich in eines guhten mannes Augen zu schauen.
Polla men optalmoi ton antropinon hton ermhnoysi, d.i. die Augen zeigen viel der
menschlichen sitten an / sagt Filostratus. Ist das Auge guht / so ist das
gemühte guht: und dann bewegt es den anschauer / der auch guht ist /zur Liebe; ja
so wird das Griechische sprichwort wahr: ek toy oran ginetai to eran, Liebe
blühet /wo man sieht; oder anschauen würkt trauen. Unser Heiland sagt bei dem
Heilverkündiger Matteus im 22 spr. seines 6 hauptstükkes: Das Auge ist des
leibes licht. Wan dein Auge einfältig ist / so wird dein ganzer leib liecht
sein: wan aber dein Auge ein schalk ist / so wird dein ganzer leib fünster
sein. Andres agatoi ortos blepoysi ommasi, die guhten und frommen sehen gerade
aus den augen / seind Xenofons worte im 7 b. das ist / sie sehen aufrichtig und
redlich / nicht schalkhaftig / tükkisch und betrügerisch aus: sie lassen aus den
Augen blikken /dass ihr ganzer leib vol tugend sei; dass ihren ganzen menschen
die tugend erleuchtet / und kein laster verfünstert: ja ihrer Augen einfältige
blikke zeigen an /dass sie derselben meister so wohl seind / als der hände. oy
monon dei tas xeiras exein parA ayto, alla ki toys optalmoys, es geziemet sich
nicht allein die Hände in seiner macht zu haben / sondern auch die Augen; sagte
Isokrates zum Sofokles / als er einen schönen Knaben alzuverliebt lobete; wie
Plutarch im leben der zehen Redner bezeuget.
                    Zur 2 und folgenden zeilen des 22 blats.
Dass Potifar / den Flavius Josef / im 2. b. seiner Jüdischen Geschicht / Petefres
nennet / die dritte stelle nach dem Könige besessen / ist aus Josefs letztem
Willen zu sehen; da Josef also spricht: als ich hineingebracht war / bähtete ich
den Fürsten an /und täht ihm seine gebührliche ehre: dann er war der dritte nach
dem Könige im staht / und ein Oberster über alle Geschnittenen. Dass er auch der
oberste königliche Küchenmeister gewesen / bezeuget / an jetztgemeltem orte /
Josef / der ihn einen Fürsten oder Obersten über Faraons küche nennet /
ebenmässig: als auch Josef der Jüdische Geschichtschreiber; wiewohl er nur
schlecht hin saget / er sei über Faraons Köche gesetzt gewesen. Ja dass er
zugleich des Obersten Halsrichters bestallung gehabt / melden die Kaldeer:
welche ihn einen Meister der getödteten / und einen Fürsten über die Halssachen
nennen. Aber Moses nennet ihn im 36 spr. des 37 / und im 1 des 39. h. seines 1
B. des Farao Kämmerer / und Hofmeister; welcher auch gemeiniglich mit über die
Küche zu gebieten pfleget: und der Assenat Geschicht straks im anfange / den
obersten Hauptman der Ritterschaft Faraons. Etliche sagen / füget sie hinzu /
Potifar sei ein oberster Fürst über die Küche gewesen: und das ist der wahrheit
auch wohl gleich. Dan bei vielen Völkern ist der Fürsten Vorkoster oder Trank-
und speise-koster / das ist Vorschneider / ehrlicher und ansehnlicher / als der
Hofmeister. Eben dieselbe Geschicht schreibet auch in der folge dieses: Und
Josef kahm in des Heliopelschen Landes grentzen / dessen Landsfürst Potifar war
/ ein Priester / und Fürst aller Fürsten aus dem Rahte Faraons.
    Ob nun der Potifar / der den Josef gekauft / eben derselbe Potifar gewesen /
dessen Tochter er ehligte /den Moses einen Priester zu On / und Josef der
Geschichtschreiber einen Priester zu Heliopel / welches einerlei ist / nennet;
davon sind unterschiedliche meinungen. Hieronimus meint  / in seinen Anmärkungen
über das Buch der Schöpfung / dass Josefs Keuffer eben derselbe gewesen / der ihm
nachmals seine Tochter vermählet. In dieser Meinung stehen ebenmässig die meisten
Ebreer: welche darbei fügen /dass Potifar / aus Göttlicher schikkung / seine
månligkeit / weil er den Josef zum misbrauche /nähmlich zum dienste seiner
geulheit / gekauffet / verloren; daher man ihn auch nachmahls zum obersten
Priester zu Heliopel erwehlet; welches Amt niemand /als dergleichen Männer / und
die von den edlesten entsprossen / bedienen können. In mehrgemelter Geschicht
der Assenat seind / unter andern / auch folgende worte zu lesen. Potifar war
nicht aus des königes Kammerdienern: dann diese schneidet man sehr jung. Aber die
Ebreer melden / dass er den Josef / der so überaus schön war / gesehen / und ihn
darüm gekauft / damit er seiner misbrauchte. Doch der HErr bewahrete den Josef /
weil er einem Geschnittenen ganz gleich war. Als nun die Egipter sahen / dass
Potifar unfruchtbahr zu sein schien; so machten sie ihn / nach ihrer gewohnheit
/ zum Bischoffe zu Heliopel. Und also ist er viel ehrlicher und ansehnlicher im
Priestertuhme gewesen / als er zuvor im weltlichen Fürstenstande war. Hiermit
stimmet fast überein Rupertus /im 27 und 32 h. des 8 b. Besiehe ferner / was
Salian am 309 / und 321 bl. des 1. t. seiner Jahrgeschichte meldet. Hingegen will
Augustinus / dass des Josefs Schwiegervater ein ander Potifar gewesen / als
derselbe / der ihn gekauft. Und dieser Meinung pflichten bei Lipomanus /
Oleaster / Pererius / als auch mehrgemelter S. Grieffensohn / und Vossius;
welcher am 218 bl. vom Götzendienste / unter andern /also schreibet: Asnat
filia non carceris Præfecti, nomine ; qui Josephum ab Ismaëlitis emerat (nam, ob
impudicitiam uxoris perspectissimam, talis hominis filiam meritò fuisset
avarsatus) sed Cohen, hoc est Sacerdotis vel potius principis viri sive Præfecti
in On, hoc est Heliopoli cui nomen Potiphera. Alhier will Vossius damit beweisen
/ dass Assenat nicht desselben Potifars Tochter gewesen / der den Josef gekauft:
weil er erstlich eine solche Gemahlin gehabt / die ihrer unkeuschheit wegen
einen so bösen nachklang bekommen; und darnach auch Potifar / jener aber /
nähmlich Josefs Schwiegervater / Potifera genennet werde. Aber warüm Josef eben
die Tochter desselben / dessen gemahlin ein solches brandmärk hatte / fliehen
sollen / kann ich nicht sehen. War die Gemahlin leichtfårtig / das konnte weder
dem Potifar / nach der Assenat zugemässen werden. Zudem war sie nur ihre
Stiefmutter / auch schon gestorben / als sich Josef mit der Assenat vermählte:
ja Assenat selber hatte sie noch nie gesehen; weil sie starks nach ihrer
gebuhrt gen Heliopel gebracht / und alda / gleich als in einem Kloster / erzogen
ward. Und also konnte ihr das übele verhalten ihrer Stief-mutter /in derer
gegenwart sie nicht erzogen / keines weges nachteilig sein / wan sie auch schon
ihre leibliche mutter gewesen. Was die nahmen Potifar / welches überflus oder
ein fetter Ochse heissen soll / wie es Heidenius erklähret / und Potifera
belanget; diese /wiewohl sie zween unterschiedliche nahmen zu sein scheinen /
konnte doch gar wohl einer allein führen. Josefs Obergrossvater ward erst Abram /
darnach Abraham / und seine Obergrossmutter erst Sarai /darnach Sara genennet;
wie Moses im 17 h. des 1 b. bezeuget. Eben also nennet die heilige Schrift den
Königlichen Kämmerer und Hofmeister / im 37 und h. des Buchs der Schöpfung /
erstlich Potifar; darnach aber / als er Heliopelscher Bischof oder Priester zu
On / von dannen er auch bürtig / wie Heidenius meldet / worden / im 41 h. eben
desselben buches /zweimahl Potifera. Zudem wird dieser letzte nahme sonsten bei
keinem Geschichtschreiber gefunden. Ja Josef selber bekennet in seinem letzten
Willen /dass er seines Herrn Tochter geehliget. Seine eigene worte an seine Söhne
und Brüder seind diese: überwäget es wohl; dann ihr sehet vor euren augen /dass
ich / üm meiner langmühtigkeit willen / meines Herrn Tochter zur ehe bekommen;
und 60000 güldne Krohnen mit ihr / zum brautschatze.
                           Zur 10 zeile des 24 blats.
Der nahme Assenat oder Asnat / welchen Flavius Josef Asanete / Bochart Askenes
oder Ascens schreiben / wird alhier vom Arabischen worte Asna /welches schön
heisset / hergeleitet. Im Mittagsteile des Egiptischen Königreichs liegt eine
Stadt / welche zuvor Siene genennet ward. Weil aber dieser nahme mit dem
Arabischen Worte Zeicha oder Seicha, das ist häslich / fast gleich lautet; so
haben ihr nachmahls die Araber / weil sie eine sehr schöne stadt ist / den
nahmen Asna gegeben; wie Livius Sanutus in seinem 9 buche bezeuget. Sonsten
heisset Asnat auch so viel als eine Heilandin oder Aertztin; oder vielmehr /als
sagte man Assa-neit / die Aertztin Minerve / die heilmachende Weisheit. Dan Nit
oder Neit ist in der Egiptischen Sprache so viel / als Minerve; wie wir bei dem
17 und am 395 bl. angewiesen.
                    Zur 3 und folgenden zeilen des 26 blats.
Julius Sirenus schreibet im 18 h. seines 9 b. vom Verhängnisse: dass die Egipter
und Sirer / wan sie den Abgott üm raht fragen wollen / ein Bäkken mit Wasser
gefüllet / und darnach den Abgott mit gewissen Worten angerufen: welcher ihnen
aus dem Wasser / mit einem häslichen zischen geantwortet. Auch hette er sie im
Wasser das bild oder die gestalt des dinges /oder des menschen / darnach sie
gefraget / sehen lassen. Sonsten geschahe solches auch durch das Wachs: und
dieses ward Ceronomantia, wie jenes lekonomantia, genennet. Kircherius Oedipi
Ægypt. tom. 2, part. 2, pag. 445.
                           Zur 29 zeile des 26 blats.
Heliopel / Hliopolis oder hlioy mhtropolis, wie sie Arrianus nennet / das ist
Sonnenstadt / Solis oppidum, wie sie Plinius im 9 h. des 5 b. und Mela auch im 9
h. des 3 b. benahmen / weichet Mitres / das ist Mizraim / gebauet / und die
Israeler ergrössert / hat von den Griechen diesen nahmen bekommen. Die Ebreer
und Kaldeer nennen sie , On / das ist unrecht; vielleicht darüm / weil Israels
Kinder alda so vieles unrecht gelitten; als auch die 70 übersetzer im
griechischen / jenen zur folge: Ptolemeus aber Onion: und der Araber Abenefi /
wie Simon Seti bezeuget / Ainschems oder Ainsemes / das ist Auge oder brun der
sonne; andere Betsames oder Betsemes / das ist haus der sonne. Nomen suum adhuc
integrè tuetur; non quidem græcè, sed arabicè, sagt Guilaldien /wie auch Bekahn
im 6 b. von Spanien; und der Ebreer Rasse / in seinem so genenten Mikra
haggedola / über das 30 h. Ezechiels also: On / die Egiptische stadt / wird in
der unebreischen sprache Betsames / oder Ainsemes / das ist Haus oder Auge der
sonne genennet. Raldag / und Aben Esra meinen /in ihren Anmärkungen über das 14
h. des buchs Mos. dass On oder Heliopel / und Ramesse / da die Ebreer wohneten /
eine stadt gewesen. Und dieses scheinet auch der wahrheit nicht unähnlich zu
sein: weil Ramesse dichte bei Heliopel / wie andere bezeugen / gelegen. Aber
Heliopel lag im winkel zwischen zwee Nielärmen / und Ramesse auf der andern
seite / über dem Niele / nach Kanaan zu. Daher urteile ich / dass nichts mehr /
als der euserste schmahle Nielarm / zwischen beiden städten gelegen; und man sie
dannenher gleichwohl / weil sie so nahe beieinander gestanden /vor eine stadt
gehalten. Auch mus es in solchem verstande angenommen werden / wan etliche
schreiben /dass die Kinder Israels Heliopel gebauet / oder vielmehr grösser
gebauet und erweitert.
    Es scheinet aber / dass beide städte ihren nahmen von der Sonne bekommen /
oder vor eine stadt seind gehalten worden; weil man in beiden die Sonne geehret:
wiewohl nur in der rechten und alten Sonnenstadt das Götzenhaus der Sonne stund.
Von diesem Götzenhause schreibet der Araber Artefi / in selbigem hauptstükke /
da er beweiset / dass alles aus einem tüpflein entspriesset / folgender gestalt:
Es war aber zu Heliopel das Heiligtuhm der Sonne: und in demselben stunden zwölf
Sonnenseulen / welche die zwölf himlischen Zeichen des Tierkreuses / und der
Uhrwesen verborgenheiten bedeuteten. Dieses geben / wie sonsten auch alle der
Sonne zugeweihete Götzenheuser / stieg mit einer runten mauer in die höhe / und
hatte oben ein halbruntes gewölbetes tach / mit vielen löchern durchpohret: also
dass dadurch die sonne den ganzen tag / bald durch dieses /bald durch jenes /
einen strahl auf des Osirischen oder Serapischen götzenbildes mund in das
heiligtuhm hinein schos. Daher vermeinte das einfältige blinde volk das dieses
von den Priestern ersonnene betrügliche kunststükke nicht wusste / dass ihr
Sonnengötze Osiris / den sie vor die Seele der Sonne hielten / von ihr aus liebe
mit stähtigem küssen geehret würde. Ja es kahmen auch zugleich / durch eben
dieselben löcher der maur / die strahlen der Sonne fort und fort auf den
Sonnenspiegel / der recht gegen über hing / herab geschossen / also dass das
Heiligtuhm / durch den widerschein / und das zurückprallen der strahlen / den
ganzen tag durch erleuchtet ward; wie die Arabischen Geschichtschreiber
Abenhakem / Aben Saira / und andere melden. Es waren aber die Egiptischen
Götzen-heuser der Sonne darum rund gebauet; weil die Sonne / die Welt / ja Gott
/ wie die Egipter meinten /selber eine runte gestalt hetten. Cornel. à Lapide
in Genes. p 684. Ausser diesem Götzenhause der Sonne / befanden sich auch zu
Heliopel / unter andern / die zu zwölf Götzenheuser der zwölf Egiptischen
Hauptmanschaften; darinnen iede Hauptmanschaft ihren besonderen Tiergötzen
ehrete. Zudem hatte man alda viel Schuhlen / und eine grosse mänge Klöster.
Cornel. à Lapide in Genes. p 316. Dresserus Millenar. 3, p. 154.
                   Zur 28 und folgenden zeilen des 27 blats.
Von dieser Sonnenburg / meldet die Geschicht der Assenat folgendes: Es lag eine
Burg bei Potifars hause / welche gross und hoch war. In derselben stund ein
Schlos / mit zehen zimmern versehen. Das erste war gross / und aus der masse
gezieret; der bodem mir marmel belebt / und die mauren mit edlen steinen
ausgesetzt: ja die seulen waren von lauterem golde. Hierinnen stunden die
güldenen und silbernen Abgötter der Egipter: denen Assenat täglich dienete. Im
andern ward der Assenat zierraht / welcher in golde / silber /edelen steinen /
und vielerlei köstlichen prunktüchern bestund / bewahret. Im dritten waren
allerhand Götter des Landes; als auch das Bähtaus / da Assenat ihr gebäht alle
tage verrichtete. In den übrigen wohneten Jungfrauen / welche überaus schön
waren / und der Assenat dieneten. Mit diesen hatte kein Mansbild iemahls
gesprochen. Aber in der Assenat zimmer selber waren drei fenster: das erste /
welches nach dem morgen zu stund / sehr gross: das andere ging nach dem mittage
zu / und das dritte gegen mitternacht. Auch befand sich alhier ein güldenes
Bette / mit sammet und golde / und mit ausgewürktem leinwand umhängen / ja von
aussen mit hiazinten / purpur / und köstlichem zeuge gezieret. Darauf schlief
Assenat allein: und kein mansbild hatte darauf iemahls gesessen. Um dieses
schlos herüm ging ein grosser vorhof /mit einer grossen mauer von vierekkichten
steinen ümzogen. In denselben Vorhof gelangte man durch vier eiserne Tohre:
welche von achtzehen geharnschten männern bewahrt warden. Auf der rechten seite
des vorhofs stund ein Brun des lebendigen und sehenden wassers: darneben sich
ein ausgehauener stein befand / in welchen das brunnenwasser gelauffen kahm /
alle beume / die im vorhofe stunden / zu befeuchten.
                   Zur 18 und folgenden zeilen des 28 blats.
Von dieser der Assenat spielgeselschaft spricht ihre eben angezogene Geschicht
also: Assenat sagte zum Engel; Herr / ich habe sieben Jungfrauen: die seind mit
nur auferzogen / und in einer nacht geboren /u.a.m.
                           Zur 8 zeile des 30 blats.
Im Afrikschen lande Lime findet man allerhand wunderliche Bildersteine / wie
Aben Gezar und Marmol bezeugen. Die Araber nennen sie ins gemein Hagaracht / und
die Spanier los Hechizos. Auf oder in diesen steinen hat die natur selber bald
einen arm /bald einen kopf / bald ein anderes teil des menschlichen leibes / ja
zu weilen auch einen ganzen Menschen abgebildet. Man pfleget sie zur zauberei
und zum wahrsagen zu gebrauchen. Sonderlich aber helt man dieselben in grossem
währte / in welchen die gestalt eines volkommenen Menschen abgebildet ist; weil
man festiglich gleubet / dass in denselben eine kraft verborgen / der Fürsten und
Könige gunst / wan man sie träget / zu gewinnen.
                   Zur 15 und folgenden zeilen des 33 blats.
Diodor der Sizilier bezeuget im 28 h. des 11 b. es sei in Egipten kein winter:
es regne wenig / ja üm Memfis herüm ganz nicht; weil es unweit vom dürren
himmelsstriche gelegen: nur bei der see spührete man gegen den winter einigen
regen. Hiermit stimmet Plinius überein / wan er in seinem 18 b. schreibet: In
Egipten hat man entweder sehr selten regen / oder wohl gar keinen: dann Gott
macht durch den überlauf des Niels das erdreich fruchtbar / u.a.m. Besiehe
hiervon unsern Dichterischen Sternhimmel / am 238 /239 / 252 / 263 bl.
                   Zur 13 und folgenden zeilen des 35 blats.
Plinius schreibet im 9 h. des 5 b. Der Niel beginner alle jahr / im neuen mohne
nach der sonnenwende / zu wachsen; und zwar algemach und spahrsam / so lange die
sonne durch den Kräbs leuft; überfliessig aber /wan sie den Leuen durchwandert.
Endlich fält er wieder / in der Jungfer / auf eben dieselbe weise / wie er
gestiegen. Und Teon am 19 bl. seiner Anmärkungen über den Aratus: Das ganze
zeichen des Leuen ist der Sonne geheiliget. Dan da steiget der Niel / und geht
der Hundesstern auf / üm die eilfte stunde. Und von hier beginnet man das jahr /
u.a.m. Aber Teon irret / indem er dem beginne des Nilischen wachsens eine
gewisse stunde zuschreibet; da man doch befindet / dass der Niel in einem jahre
wohl ganze tage früher / im andern spähter wächset / nachdem die witterung ist
an denen örtern / da er entspringet. Etliche pflegen den anfang seines auflaufs
in den 12 brach-oder liljen-mohndes / und den begin seines falles auf den 14
ärntmohndes / da die Hundestage sich endigen / zu setzen. Andere dagegen setzen
beiderlei anfang wohl 14 oder 15 tage spähter: welches auch mit der erfahrung
besser übereinstimmet. Gleichwohl trift auch dieser satz so gewis nimmermehr ein
/ dass er nicht zuweilen auf einen oder zween / ja wohl mehr tage solle verrükt
werden; dergestalt dass es nur falsch und vergebens ist eine gewisse stunde
setzen wollen. Zudem bezeuget auch die erfahrung / dass zu unsern zeiten der Niel
viel spähter das erdreich überschwämmet / auch lange so hoch über den äkkern
nicht stehet / wan er schon auf das höchste gestiegen / als er vor etlichen
hundert jahren getahn. Die uhrsache dessen ist das durch den jährlich
zugeführten schlam immer mehr und mehr erhöhete erdreich. Daher dann itzund der
anwachs von sechzehen ellen / der im ärntmohnde sich begiebet / nur die
Königlichen äkker überwässert: und der von achtzehen erst die andern. Aber der
von zwölfen giebet dem lande ganz keine feuchtigkeit: und der von zwanzigen
überschwämmet es alzugewaltig / ja so / dass er die beume auswäschet und das
erdreich verwüstet. Wie die Egipter durch einen bewahrten erdkloss erfahren / wan
der tau vor dem wachsen des Niels fället / schreibet Prosper Alpinus / Vossius /
und andere. Von der länge der zeit aber /in welcher der Niel steiget / seind die
Naturkündiger sehr uneins. Herodotus / Diodohr / Marzellus / und andere
schreiben ihm 98 / ja wohl 100 tage zu: Aristides fast 4 mohnden. Die meisten
aber wollen / dass er 40 tage wachse / und 40 tage falle.
                     Zu den 2 letzten zeilen des 35 blats.
Plinius in 9 h. des 5 b. Ægyptus duodecim cubitis in altitudinem ascendentis
Nili famen sentit; in tredecim etiamnum esurit: quatuordecim cubiti hilaritatem
afferunt; quindecim securiratem; sedecim delitias.
                        Zur 9 und 10 zeile des 36 blats.
Mitten in dem Leuen / oder etwas über die mitte / hat der Niel seine höchste
höhe / nähmlich eine solche /als zur fruchtbarkeit genug ist.
                   Zur 20 und folgenden zeilen des 36 blats.
Eben derselbe Plinius schreibet am jetzt angezogenen orte: Sementem faciunt
Ægypti sole jam Libram tenente. Und also war im Egipten üm den herbstmohnd keine
ärnte / wie in Europe. Dan üm den frühling /sagt Filo der Jüde / im leben des
Moses / waren alle früchte der erde und etlicher beume im Jüdischen lande / in
Egipten / und Babilonien reif.
                    Zur 7 und folgenden zeilen des 37 blats.
Lange schreibet an 218 und 223 bl. von den jahren der Heilgebuhrt: Als die
weisen in Egipten sahen /dass alda sich etwas zutrug / das man sonsten nirgend
iemahls gesehen / nähmlich dass der Niel jährlich sechzehen ellen hoch auflief /
und ihr ganzes land wässerte / und dessen uhrsache fleissig nach forschten; so
gleubten sie / dass der helleuchtende Hundesstern / der ihnen üm diese zeit /
unter dem nahmen Sotis / aufging / dieses grosse wunderwerk der natur würkte. Und
darüm hielten sie ihn vor einen Gott /und begunten auf seine zeit fleissiger
achtung zu geben. Ja sie hielten darvor / dass üm diese jahrszeit /da der
Hundesstern aufging / die Welt erschaffen worden. Proclus l. 4. in Tim.
Platonis: Ægyptii horoscopum mundi fecerunt Cancrum, eo quod lucida Canis cum
signo Cancri oriatur. Auch ehreten sie nicht allein den Hundesstern / welchen
sie den überlauf des Niels zu würken wähneten / als einen Abgott: sondern auch
den Niel selber; weil er ihr land fruchtbar machte. Daher sagt Solinus im 35
h. Nilo multas superstitiones, imò ferè divinos honores exhibent. Plinius im 46
h. des 8 b. Vossius aber schreibet / in seinem Buche von der Abgötterei / vom
überlauffe des Niels also: Ægyptii quidem habent exitus, ostiaque Nili: Ætiopes
autem fontes. Nam ab asperis rupibus, qui Lunæ montes dicuntur, decurrit in
Ægyptum, per Ætiopiam. Rex Abyssinorum scribitur Rex Goyome, ubi Nilus orintur,
etc, Crescere incipit mox à solstitio circa XV Kal. Quinctil. Cujus causa sunt
perpetui imbres juxta circulum æquinoctialem: ubi est hiems, quando æstas est
illis, qui sub tropico cancri, & cis eum, habitant. His igitur imbribus
septentrionem versus confertim ruentibus, tota inundatur Ægyptus, etc. Fast eben
dasselbe von den Nielsbrunnen findet man in der Arabischen Landbeschreibung. Dan
sie sagt auch / dass der Niel von den Mohndesbergen seinen uhrsprung / und zehen
brunnen / habe. Hierzu füget sie: dass die erde in der fläche / da endlich die
zehen Nielsbrunnen zusammenschössen / unten hohl sei: ja das ganze benachbahrte
land bei den Mohndesbergen sei unterwaschen. Besiehe hiervon auch unsern
Dichterischen Sternhimmel / am 252 bl.
                    Zu den letzten zwo zeilen des 37 blats.
Hier von kann Atanas Kircher am 59 und folgenden bl. seiner Egiptischen
Landbeschreibung / als auch Isaak Vossius / des grossen Gerhards sohn / vom
uhrsprunge des Niels und anderer flüsse / welche beide dieses alles sehr
weitleuftig ausführen / gelesen werden.
                   Zur 16 und folgenden zeilen des 38 blats.
Die Egiptischen Priester schrieben dem überlauffe des Niels dreierlei uhrsachen
zu; daher sie ihrem Nielgötzen auch drei Wasserkrüge / wider der Dichtmeister
gewohnheit / die iedem Flusgötzen nur einen geben /zueigneten. Die erste
uhrsache war das Egiptische Erdreich selber / welches aus seinem eigenen
schlunde den Niel mit wasser vermehrete: die andere das Meer; worinnen Eutimenes
den Egiptischen Priestern beifiel: die dritte der schlagregen / der üm die zeit
des Nielischen überlaufs am mittagsende des Reichs meist zu fallen pflegte, weil
alsdan die jahrswinde / wie Demokritus wähnete / die regenwolken darnachzu
trieben. Anaxagoras aber legt es auf den schnee / der auf dem morgenländischen
gebürge lieget / und gegen die zeit des Nielischen überlaufs schmältzet: und
Eforus scheinet die obangezogene erste uhrsache der Egipter zu behaupten wollen;
indem er vorgibt / dass das Egiptische Erdreich bimssteinhaftig und löchericht
sei / also dass es den winter durch die feuchtigkeit und nässe einsöge / und des
sommers üm die sonnenwende / gleichsam wieder ausschwjetzte / und dadurch den
Niel schwångerte. Tales einer der sieben Weisen aus Griechenland /wåhnete / dass
die jahrswinde den strohm des Niels zurücktrieben / und ihn also zum aufschwällen
brächten. Andere / sonderlich die heutigen Naturkündiger /unter denen Odaart
Lopes / in seiner beschreibung des Königreichs Kongo / nicht der geringste /
schreiben es dem stähtigen und starkem regen zu; welcher gegen Ostern durch das
ganze Mohrenland zu fallen beginnet / und fast zwanzig wochen lang anhält.
Solche tägliche regen / sagt gemelter Lopes / währen fünf ganze mohnden / vom
Ostermohnde bis auf den ärntmohnd. Und dis ist es / darüber Tahles / Eforus /
Anaxagoras / Oenopides / Timeus / Eudoxus / Agatarchides / Herodotus / Plutarch
/ ja fast alle Egiptische Priester und andere ihre kopfe / etliche tausend jahre
nacheinander zerbrochen. Dem sei nun wie ihm wolle / so ist es doch einmal
gewis /dass die schwängerung des Niels fürnehmlich aus gemelten schlagregen zum
teile / zum teil auch aus den gewaltigen schneefluhten von den gebürgen / welche
dann eigentlich die Hauptbrunnen des Niels machen /entstehet. Und diese
Hauptbrunnen hat endlich Peter Pais / dessen worte bei Kirchern zu lesen / im
1618 jahre / darnach so vielen verlanget / entdekket.
    Der Sirer Moses Barzefa will / in seinem buche vom Garten Eden / des Niels
uhrsprung gar aus dem Paradiese herleiten. Dan er sagt: er habe sich von dar
unter die erde begeben / und sei darunter / ja selbst unter der see / so lange
hingelauffen / bis er endlich in Etiopien wieder heraus gesprungen: da er / mit
dem schnee- und regen-wasser vermehret / sich so hoch ergösse. Auch nennen ihn
die Etiopier selber die Ader des Paradieses / und den brunnen göttlicher
wasser / ankaata marat schamatawi: Homerus einen flus / der aus dem Himmel oder
Jupiters schosse gefallen: Parmenon von Bizanz den Egiptischen Jupiter: die
Arabischen Dichter Ibunsarid / und Eldeburg giatellartim, das Leben der erde:
und die Egipter selber des Osiris arm; auch sagen sie / dass er gleich als eine
Mittelader aus des Osiris hertzen flösse: dann sie sahen / dass er von den
Zairischen bergen her / die nicht weit vom Mohnes gebürge liegen / durch Egipten
in gestalt eines armes schiesst / und nach der see zu sich / als eine hand mit
fingern / ausbreitet; indem er oberhalb Memfis fünf ärme bekommet. Ja er ward
bei ihnen auch ein nachahmer des Himmels / antimimos toy oyranoy, wie Heliodoor
im 9 b. schreibet / genennet: weil er / an statt des regens vom himmel / das
dürstige erdreich tränket. Daher redet ihn auch Tibullus / im 7 ged. seines 1 b.
also an:
Te propter, nullos Tellus tua postulat imbres,
arida nec pluvio supplicat herba Jovi.
                    Zur 2 und folgenden zeilen des 40 blats.
Der flus Helikon / elikon fliesset in Mazedonien bei der stadt Dium vorüber; und
scheinet eben derderselbe zu sein / der bei dem Likofron bepyros, bei dem
Ptolemeus parybos, und bei dem Livius im 44 b. Baphyrus heisset: weil Pausanias
bezeuget / dass der flus Helikon ebenmässig bapyras genennet werde. Sonsten findet
man auch einen flus in Sizilien / der gleichmässig Helikon / vom Fanellus aber
Oliverio, oder Veria vom Leander / genennet wird.
                   Zur 18 und folgenden zeilen des 54 blats.
Im 12 h. des buches der Schöpfung spricht Gott zu Abraham: Ich will dich zum
grossen Volke machen / und dich seegnen. Ich will dir einen grossen nahmen machen:
und du solt ein seegen sein. Ich will seegnen / die dich seegnen / und verfluchen
die dich verfluchen. Und in dir solchen geseegnet sein alle Geschlechter auf
erden. Im folgenden 17 spr. Abraham hatte schafe / rinder / esel / knechte und
mägde / eselinnen und kamehle. Im 2. spr. des 18 h. Abraham aber war sehr reich
vom viehe /silber und golde. Im 3 und 4 spr. Lot aber / der mit Abraham zog /
hatte auch schaffe / rinder / und hütten. Und das land mochte es nicht ertragen
/dass sie beieinander wohneten: dann ihre habe war gross. Im 15 und 16 spr. sagt
Gott zu Abraham: Alles land / das du siehest / will ich dir geben / und deinem
saamen ewiglich. Und ich will deinen Saamen machen / wie den staub auf erden. Im
14 h. eben desselben buchs wird erzählt: wie Abraham 318 knechte / die in
seinem hause geboren waren /gewafnet / und vier Könige die über fünf andere
Könige gesieget / und seinen vetter Lot / gefänglich wegführeten / geschlagen
und in die flucht getrieben: auch wie ihm / nach der schlacht / der König von
Sodom in das feld sei entgegen gegangen; und Melchisedek /der könig von Salem /
broht und wein heraus getragen / und ihn geseegnet. Die grosse verheissungen /die
Gott dem Abraham ferner tuht / ihn / und seine nachkommen überaus gewaltig zu
machen / seind im 15 h. auch in etlichen folgenden mehrgemelten buchs
weitleuftig zu lesen; sonderlich im 16. Im 23 h. nennen ihn die Kinder des Hets
einen Fürsten Gottes unter ihnen. Im 35 / 36 / 37 spr. des 24 h. sagt Abrahams
knecht: der HErr hat meinen herrn reichlich geseegnet: und er ist gross worden.
Und HErr har ihm schafe und ochsen / silber und gold / knechte und mägde /
kamehle und esel gegeben. Darzu hat Sara / meines herrn / weib einen Sohn
(Isaak) geboren meinem herrn: dem hat er alles gegeben / was er besitzt /
u.s.f. Von diesem Isaak / Abrahams sohne / lautet der 13 / 14 und 16 spr. des 6
h. also: Und Isaak ward ein grosser Man / ging und nahm zu / bis er sehr gross
ward: dass er viel guhtes hatte an kleinem und grossem viehe / und ein grosses
gesinde: dass auch Abimelech (der könig) zu ihm sprach: zeuch von uns; dann du
bist uns zu mächtig worden. Im folgenden 26 / 28 und 31 spr. komt der könig der
Filister selber zu Isaak /und lest sich mit ihm in einen bund ein; damit er
ihnen keinen schaden tähte. Hieraus sehen wir klährlich / wie mächtig Abraham /
Jsaak / und Jakob gewesen: welche aus Sems / des Noah sohnes / und aus Ebers /
der Sems enkels sohn war / nachkommen / nähmlich aus Faleg / Regu / Serug /
Nahor / Tarah / entsprossen; daher sie / und ihre nachkommen / nach dem Eber /
mit dem algemeinen nahmen Ebreer genennet worden. Auch kann von Jakobs
achtbarkeit / Hedio / Rufinus im 2 h. und Fl. Josef im 2 des 2 b. gelesen
werden.
                   Zur 10 und folgenden zeilen des 55 blats.
Diese ganze erzehlung von Jakobs Ehe / Efrauen /und Kindern findet man im 29 /
30 / und 35 h. des Buchs der schöpfung.
                   Zur 14 und folgenden zeilen des 55 blats.
Von der Bilha und Silpa sagt Naftali in seinem letzten Willen straks im anfange
also: ich bin von Bella geboren: welche Rahel dem Jakob an ihre statt beilegte /
mit nicht geringem ruhme vor sich selber. Auch gebahr sie mich auf der Rahel
hüfte; daher ich den nahmen Nevralim bekahm. Und Rahel hatte mich lieb / weil
ich auf ihrer hüfte geboren. Auch küste sie mich / da ich noch jung war / und
sagte vielmahls: Gott lasse mich auch deinen bruder / aus eben demselben leibe /
daraus du gekommen bist / sehen; und gebe / dass er dir gleich sei: daher ward
mir auch Josef in allem nach der Rahel begehren / ähnlich. Bella aber / meine
mutter / war des Rohteus / Delboreus bruders / tochter / der Rebekke
Kindermuhme; welche mit der Rahel auf einen tag geboren. Und Rohteus war ein
Kaldeer / aus Abrahams geschlechte / ein gottesfürchtiger / freier und edeler
man. Diesen kaufte Laban /als er gefangen war; und gab ihm seine bluhtsfreundin
Eva zur fraue: welche eine tochter gebahr / die der vater nach dem schlosse
darauf er gefangen gelegen /Selfa (Silpa) benahmte. Darnach kahm sie auch mit
der Bella nieder / und sagte: mit einer seltsamen begierde eilete meine tochter.
Dan so bald sie geboren war / fiel sie an die drust zu saugen.
                   Zur 22 und folgenden zeilen des 55 blats.
Die begäbnüs der Dina und des Sichems beschreibet das 34 h. gemelten Buchs.
                    Zur 2 und folgenden zeilen des 56 blats.
So lange war Sara / Josefs mutter / unfruchtbar / bis alle der Lea ihrer
schwester / als auch der zwo Mägde Kinder geboren waren: und da gebahr sie erst
den Josef; wie aus dem 29 und 30 h. mehr gemeldeten Buchs der schöpfung zu
sehen.
         Zur 15 und vorher- als auch nach-gehenden zeilen des 57 blats.
Flav. Josef. schreibet hiervon im 2 h. des 2 b. seiner Jüdischen geschichte
folgender gestalt: der Vater liebte den Josef vor seinen andern kindern / so
wohl seiner fürtreflichen leibesgestalt / als der tugenden seines gemühts wegen:
dann er war der allerverständtaste. Und diese väterliche liebe machte / dass ihn
seine brüder hasseten und neideten. Besiehe zugleich / was S. Greiffensohn / in
der Lebensgeschicht des Josefs hiervon weitleuftig schreibet.
                  Zum ende des 58 / und beginne des 59 blats.
Moses spricht hiervon im 3 und 4 spr. des 37 h. seines 1 b. also: Israel hatte
Josef lieber / dann alle seine kinder; darüm dass er ihn im alter gezeuget: und
machte ihm einen bunten Rok. Da nun seine brüder sahen / dass ihn ihr Vater
lieber hatte /dann alle seine brüder; waren sie ihm feind / und konten ihm kein
freundliches wort zusprechen.
                    Zur 7 und folgenden zeilen des 60 blats.
Von diesem traume des Josefs schreibet Moses / im 2 / 4 / 5 / 6 und 7 apr. Des
37 h. seines 1 b. als auch Flav. Josef an obangezogenem orte. Matt. Dresserus
Isag. Histor. millenar. 3, p. 149: Mansit enim (Joseph) domi usque ad annum
ætatis 17, audivitque conciones patris, & avi; & didicit. officia
oeconomica inter fratres suos ex ancillis natos, omissis fratribus reliquis
superbis. Hinc mores quoque illius fuerunt modesti prorsus, & ab omni fastu
& simulatione remoti. Propter hanc simplicitatem & moderationem charus
fuit præ cæteris fratribus patri suo. Nihil enim dissimulabat; nihil insidiosè
occultabat: seq quæ viderat à fratibus suis suscipi geri nefariè, ea ad patrem
deferebat, non quidem, ut proditor, sed ut filius, Deo & parentibus debitam
pietatem & obendietiam præstans. Erat eo nomine charus patri, quòd ex
charissima conjuge Rachele natus esset, multis & diuturnis votis expetitus,
videlicet anno ætatis Jacobi 91, etc.
    Aber alles dieses erklähret Gad / in seinem Letzten willen / unter andern
noch deutlicher. Josef / sagt er /hühtete mit uns der heerde / ohngefähr
dreissig tagte lang. Weil er aber sehr zahrt und spilde war / so ward er / der
grossen hitze wegen / krank. Und darüm ging er wieder nach Hebron / zu seinem
vater: welcher ihn bei sich behielt; dann er hatte ihn lieb. Josef aber sagte
seinem vater / dass die kinder der Bella und Selfa das guht unnützlich
durchbrächten und verprasseten / dass es Ruben und Judah nicht wüsten. Dan er
hatte gesehen / dass ich ein Lam aus eines bähren rachen / den ich todt schlug /
gezogen / und das lam geschlachtet /weil es doch darüber ich betrübt war / nicht
länger leben konnte. Dasselbe verzehrte ich mit meinen brüdern: und er verriet
uns bei dem vater. Solches vertrugen wir so lange / bis er in Egipten verkauft
ward. Und der geist des hasses besass mich so sehr / dass ich den Josef weder
sehen / noch hören mochte. Dan er bestrafte uns öffendlich / dass wir das Lam /
ohne Judah / gegessen. Auch gleubte der vater alles / was er sagte. Aber nun /
meine Kinder / bekenne ich meine sünden: der ich vielmahls den vorsatz gehabt
ihn zu tödten. Dan ich hassete ihn mit ganzem hertzen: und trug ihm ganz keine
barmhertzigkeit zu. Ja üm seine treume hassete ich ihn dermassen / dass ich auch
trachtete ihn zu tödten / und zu verschlingen / gleichwie ein kalb das grass von
der erde verschlinget. Und darüm verkauften wir auch ihn / ich und Judah / den
Ismaeleen vor dreissig silberlinge: davon wir zehen diebischer weise behielten /
und nicht mehr als zwantzig unsern brüdern wiesen. Ja ich war so geldgeitzig /
dass ich ihn üm ein stükke geldes wohl wollte ermordet haben. Aber der Gott
unserer väter errettete ihn aus meinen händen / damit ich nichts gottloses
volbringen möchte / u.a.m. Dieses habe ich zuletzt erkant / nachdem ich / üm
Josefs willen / zur reue getrieben ward / u.a.m. Und darüm / weil meine leber
vol ungnade war gegen Josef / bin ich auch ungnädig gepeiniget worden / und habe
das urteil / mit grossen schmertzen / eilf mohnden lang gefühlet: also dass die
zeit meiner strafe / mit der zeit / darinnen ich Josefs verkauffung so hart
triebe / gleich sein musste / u.a.m. Ich sprach dem Josef / in gegenwart unsers
vaters /freundlich zu: aber so bald ich hinaus war / verdunkelte mir der geist
des hasses meinen verstand / und trieb meine seele fort und fort an / ihn
umzubringen.
                 Zur 8 und 11 zeile von untenauf des 60 blats.
Dieses bezeuget Moses im 8 spruche des 37 h. seines 1 b. als auch Flav. Josef /
an obangezogenem orte /am 150 bl.
                   Zur 21 und folgenden zeilen des 62 blats.
Der zweite Traum Josefs wird im 10 spruche des 37 h. des B. der schöpf.
erzählt. Hiervon sagt Flavius Josef also: Gott aber stritte wider ihre (der
brüder Josefs) misgunst / und lies dem Josef noch ein anderes gesichte / welches
viel wunderlicher war / als das vorige / sehen / u.s.f. Diesen traum erzehlte er
/ in gegenwart seiner brüder / von denen er kein böses argwähnete / dem Vater /
der sich nicht wenig darüber ergetzte; mit bitte / dass er ihn auslegte. Der
Vater war auch in wahrheit recht froh / als er die bedeutung des traumes
reiflich erwog / und daraus urteilete / dass seinem sohne eine grosse
glückseeligkeit angekündiget würde: als welcher dermahleins so würdig geachtet
sein sollte / dass ihn so wolhl seine Eltern / als Brüder / anbähten würden. Durch
die Sonne und den Mohn verstund er Vater und Mutter; weil der eine alles
vermehrete und nährete / die andere den dingen ihre gestalt und kraft
einpflantzte: durch die Sterne aber die Brüder; weil die zahl übereinkahm / und
sie von der sonne und dem mohne ihre kraft hetten. Und Jakob hat zwar eine
solche deutung nicht unweislich gemacht. Aber Josefs brüder warden darüber sehr
traurig und unmuhts; nicht anders / als wan irgend einem fremden / und nicht
ihrem bruder / solche glückseligkeit angezeiget würde; da sie doch / als seines
glücks und geschlechts teilgenossen / alles guhten mit ihm zu geniessen hatten /
u.a.m. Moses erzählt dieses mit ganz kurtzen worten / wan er im 11 spr. des
obangeführten h. saget: und seine brüder neideten ihn: aber sein Vater behielt
diese worte.
                   Zur 25 und folgenden zeilen des 63 blats.
Dieses beschreibet Moses wieder ganz kurtz im 12 spruche des 37 h. Flav. Josef
aber ein wenig weitleuftiger: sie beschlossen / sagt er / den Jüngling aus den
wege zu reumen. Und nach genehmgefundenem schlusse / als das getreide nun
eingeärntet war /begaben sie sich / mit dem vieh / auf das Sichemsche feld /
welches eine sehr guhte weide hatte / ohne vorbewust des Vaters; und nahmen alda
der hürten sorge wahr. Aber als niemand von den heerden kahm / und Jakob keine
gewisse zeitung von ihnen hörete; da ward er / seiner söhne wegen / bekümmert /
und traurig / also dass er den Josef ausschikte zu sehen / wie es üm seine brüder
stunde / und ihm die bohtschaft zu bringen / was sie machten.
                           Zur 18 zeile des 64 blats.
Der Vater hatte dem Josef einen bunten Rok machen lassen; wie Moses im 3 spr. des
37 h. seines 1 b. anzeiget. Dieses war eine tracht der Königlichen kinder.
Samuel sagt auch im 18 spr. der 13 h. seines 2 b. von der Tahmar / des Absalons
schwester / welche Ammon / ihr bruder / genohtzüchtiget / also: Und sie hatte
einen bunten Rok an: dann solche Rökke trugen des Königes töchter / wan sie
Jungfrauen waren.
                           Zur 3 zeile des 65 blats.
Diese geschicht von Ismaels ausstossung / der Abrahams aus seiner magd Hagar sohn
war / beschreibet Moses im 21 hauptst. seines 1 buchs.
                    Zur 4 und folgenden zeilen des 65 blats.
Wie Jakob seinem bruder Esau / der nachmahls Edom genennet ward / seine erste
gebuhrt / durch ein Linsengemüse / abgekauft / beschreibet uns Moses im 25 h.
seines 1 b. vom 29 spr. bis zum ende des hauptstükkes. Wie er aber eben
demselben Esau seinen seegen hinterlistiglich entwendet / und zugleich seinen
Vater Isaak betrogen / meldet Moses gleichesfals im 27 h. des 1 b. Wie er ferner
dem Laban seinem Schwiegervater / der ihm das seinige vorentalten wollte / durch
einen sonderlichen listgrif / begegnet /das lesen wir eben auch im Buche der
schöpffung fast am ende des 30 h.
                           Zur 19 zeile des 65 blats.
Dass Ruben / Judah / und Sebulon dem Josef nicht aller dinge abhold gewesen / ja
sein leben / als ihn etliche der andern ümzubringen trachteten / zu retten
gesuchet / kann nicht allein zum teil aus dem 21 / 22 /26 / 29 / und 30 spruche
des 37 h. als auch aus dem 16 / 18 / 32 / 33 / und 34 spr. des 44 h. im Buche
der Schöpfung gesehen werden: sondern es bezeugen es auch viele unter den zwölf
Ertzvätern / des Jakobs Söhnen / einieder in seinem letzten Willen / noch
ausführlicher. Ruben / weil er sich selber / aus eingezogenheit / dessen nicht
rühmen will / schweiget zwar darvon ganz stil: aber Simeon bricht aus in diese
worte: in der zeit beneidete ich den Josef / weil ihn sein vater lieb hatte /
dergestalt / dass ich mir festiglich vorgenommen / ihn zu tödten. Dan der Fürst
des irtuhms sante in mein hertz den geist des neides und verblendete mein gemüht
und meinen verstand dermassen / dass ich mich selbst vor meinem vater Jakob nicht
scheuete. Aber seiner väter Gott sante seinen Engel / der ihn aus meiner hand
errettete. Als ich nach Sichem gegangen war / salbe zu hohlen vor die heerden /
und Ruben nach Dot an / da alles / was uns nöhtig / zu bekommen war; hatte ihn
Judah / unser bruder / den Ismaelern verkauft. Darüber war Ruben /als er
wiederkahm / betrübt: dann er hatte beschlossen ihn seinem Vater unverletzt
wiederzubringen. Aber ich ward auf den Judah / weil er ihn lebendig aus unsern
händen gelassen / so ergrimmet / dass ich fünf mohnde lang auf ihn grollete. Und
Gott verhinderte mich / dass ich meine hände an ihn nicht legen konnte: dann die
helfte meiner rechten hand verdorrete / und blieb also bis auf den siebenden tag
/ u.a.m. Ja Sebulon zeigt solches so wohl vom Ruben und Judah /als von sich
selber / noch deutlicher und weitleuftiger an / wan er unter andern also
spricht: ich wusste nicht / dass ich sündigte / auch dachte ich so weit nicht /
als ich / aus unwissenheit / wider den Josef mishandelte: da ich vor meinem
Vater verschwieg / was sich mit meinen brüdern begeben; wiewohl ich in geheim
sehr weinete. Dan ich fürchtete mich vor meinen brüdern: welche miteinander
beschlossen / dass derselbe / der die sache lautbar machen würde / mit dem
schwerte sollte getödtet werden. Gleichwohl gab ich ihnen / als sie ihn tödten
wollten /mit vielem weinen zu verstehen / dass sie diese Bosheit nicht begehen
sollten. Aber Simeon und Gab lieffen auf den Josef zu / ihn zu erwürgen. Da fiel
Josef auf sein angesicht / und sagte zu ihnen: O meine brüder / erbarmet euch
meiner / erbarmet euch über die glieder unsers Vaters Jakobs; und schlagt doch
eure hände an mich nicht / damit ihr kein unschuldiges bluht vergiesset: dann ich
habe nichts wider euch mishandelt: und habe ich ja mishandelt / so unterweiset
mich / durch eine brüderliche züchtigung; aber legt eure hände nicht an mich.
Das bitte ich euch üm der liebe Jakobs unsers vaters willen. Indem er diese
worte redete / ward ich dermassen zum mitleiden bewogen / dass mir meine trähnen
hauffenweise über die bakken lieffen; dass mein bluht / ja alle meine glieder
erstarreten. Josef weinte / und ich mit ihm. Mein hertz böbete / und meine
gebeine zitterten dermassen / dass ich nicht mehr stehen konnte. Als er nun sah /
dass ich mit ihm weinete / und dass sie zugelauffen kähmen /ihn todt zu schlagen;
da flohe er hinter mich / und baht üm gnade. Hierauf fing Ruben auch an. Brüder
/sagte er / lasset uns ihn nicht tödten: sondern wir wollen ihn in jene grube
werfen; die unsere väter gruben /aber kein wasser fanden. Und eben darüm lies
Gott kein wasser hinein kommen / damit sie dem Josef zur beschirmung und
lebenserrettung dienen sollte. Ja er lies es also geschehen / dass sie ihn den
Ismaelern verkauften. Auch bewilligte ich in die sünde / am Josef begangen /
ganz nicht. Aber Simeon und Gad mit noch andern sechs brüdern / nahmen vor
Josef geld /und kauften vor sich / vor ihre weiber / und vor ihre kinder schuhe;
und sagten: last es uns nicht unter die füsse trähten; dann es ist bluhtgeld vor
unsern Bruder. Aber in der unterträhtung lasset uns das unterträhten /das er
sagte / er sollte über uns herschen: und wir wollen sehen / was seine treume
bedeuten und auswürken sollen. Darüm stehet in Enochs Buche geschrieben: denen /
die ihren Brüdern keinen saamen erwekken wollten / habe ich aufgeschnallet die
schuhe Josefs. Auch warden ihnen / als sie in Egipten kahmen / von Josefs
dienern / vor dem tohre / die schuhe entschnaller und abgezogen: und also mussten
sie den Josef / als den König selber / anbähten. Ja sie bähteten ihn nicht
allein an / sondern fielen auch schaamroht vor ihm nieder / und warden also in
gegenwart der Egipter beschähmet. Zudem höreten die Egipter alles das böse / das
wir Josef getahn hatten. Als nun Josef in die grube geworfen war / trugen meine
brüder die speisen auf zu essen. Aber ich ass in zwee tagen und zwo nächten
nichts; indem ich über den Josef betrübt und mit wehleiden geschlagen war. Auch
ass Judah mit ihnen nicht: dann er bewachte die grübe; weil er fürchtete / Simeon
und Gab möchten hinlauffen ihn zu tödten. Mitlerweile / indem sie sahen / dass
ich nicht ass /stelleten sie mich auch bei die grube / ihn zu bewahren / bis er
verkauft war. Und er lag drei tage und drei nächte in der grube. Darnach
verkauften sie ihn ungespeiset. Als nun Ruben hörete / dass man ihn / in seinem
abwesen / verkauft / ward er sehr ungehalten /und weinete. Ach! sagte er / wie
soll ich nun dürfen unter meines vaters augen kommen? Auch nahm er das geld / und
wollte den kaufleuten nacheilen: aber er fand niemand. Dan sie hatten die
heerstrasse verlassen /und sich stilschweigens seitwärts abgelenket. Und also
kostete Ruben in drei tagen kein broht. Darüm ging Dan zu ihm / und sagte: weine
nicht / und sei üm den Jüngling nicht traurig. Ich weis wohl / was wir zu unserm
Vater Jakob sagen wollen. Wir wollen einen Bok schlachten / und mit desselben
bluhte Josefs Rok besprängen. Dan wollen wir hingehen / und zu unsrem vater
sprächen: Siehe zu / ob dieser Rok deines Sohnes Josefs Rok sei. Dan sie hatten
ihm / da sie ihn verkauffen wollten / den Rok den ihm sein vater gegeben /
ausgezogen / und dagegen ein altes zerlumptes kleid von einem Leibeigenen
zugeworfen. Simeon /der den Rok zu sich genommen / wollte ihn zuerst nicht
hergeben; sondern ihn / aus zorneifer dass Josef noch lebete / und dass er ihn
nicht straks getödtet /zerhauen. Aber die brüder stunden alle wider ihn auf /und
sagten: warüm wilstu den Rok nicht hergeben /da du doch dieses übel in Israel
allein begangen? Hierauf gab er den rok von sich: und sie tähten / wie Dan
gesagt hatte / u.a.m. Um dieser uhrsache willen /hat mich der HErr gesegnet /
und so gnädig angesehen / dass ich niemahls in einige krankheit fiel; da hingegen
alle meine brüder allezeit krunken mussten. Auch warden ihre kinder mit krankheit
geschlagen / und mussten / üm Josefs willen / dahin sterben; weil ihre väter so
gar unbarmhertzig mit ihrem Bruder gehandelt. Aber meine kinder / wie ihr wohl
wisset / seind allezeit gesund und frisch geblieben. Ja ich war einesmahls am
Seeufer in Kanaan ausgefahren vor unsern Vater zu fischen: da ersoffen ihrer
viel in der see; aber ich kahm darvon. Dan ich war der erste Mensch / der sich
unterfing mit einem schiffe die see zu befahren. Gott gab nur weisheit und
verstand darzu. Ich hing den schiffen hinten das rudel an. Ich spannete die
segel an den mast. Und also fuhr ich längst dem ufer hin / und fing fische vor
meines vaters hausgesinde /bis wir in Egipten kahmen / u.a.m. Als wir in Egipten
reiseten / vergolt uns Josef das böse / das wir an ihm begangen / nicht: sondern
erbarmte sich unserer / so bald er mich erblikte.
                           Zur 22 zeile des 65 blats.
Dass Abraham den Ismael seinen sohn / samt der mutter Hagar / aussties / hatte
Sara / seine ehfraue /veruhrsachet; wie wir im 5 und 6 spr. des 16 h. und noch
mehr im 9 / 10 und folgenden spr. des 21 h. im Buche der schöpfung lesen. Dass
auch Rebekke / des Isaaks ehftaue / ihren sohn Jakob beredet und veranlasst den
vater zu betrügen / und den Esau üm seinen väterlichen seegen zu bringen /
bezeuget Moses gleichfals / im 27 h. seines 1 b.
      Zur 31 und folgenden zeilen des 65 / als auch zur 53. des 68 blats.
Besiehe hiervon den 12 und 17 spr. des 37 h. im Buche der schöpfung: auch was
wir droben bei der 25 zeile des 63 bl. aus dem Flav. Josef angemärket.
                Zur 6 und folgenden zeilen des 69 und 70 blats.
Hiervon stehet im 18 / 19 / 20 / und folgenden spr. des mehr gemelten 37 h. aus
dem Buche der schöpfung zu lesen: als auch droben in unserer Anmärkung bei der
19 zeile des 65 bl.
                       Zum 70 / 71 / 72 / und 74 blatte.
Was Ruben alhier seine brüder zu besänftigen und Josefs leben zu retten /
vorbringet / dasselbe ist fast alles / wiewohl kürtzer verfasset / im 3 hauptst.
des 2. b. der Jüdischen Geschichte des Flavius Josefs zu lesen.
                   Zur 19 und folgenden zeilen des 74 blats.
Hiervon meldet Moses / wiewohl mit sehr kurtzen worten / im 22 spr. des 37 h.
seines 1 Buches: aber was weitleuftiger Flav. Josef in seinen Jüdischen
geschichten / sonderlich aber Greiffensohn in Josefs Lebens-beschreibung.
                    Zur 9 und folgenden zeilen des 75 blats.
Dieses findet man im 25 und folgenden spr. des 37 h. aus dem Buche der
schöpfung.
                   Zur 19 und folgenden zeilen des 75 blats.
In der heil. Schrift stehet zwar / im 28 spr. mehrgemelten h. dass Josef vor 20
silberlinge sei verkauft worden: aber Gad bekennet selber / in seinem letzten
Willen / dass er und Judah / im abwesen der andern brüder / 30 silberlinge /
davor Judas auch unsern HERrn und Heiland verkaufte / von den Ismaelern
bekommen; wiewohl sie nur 20 bekant gemacht. Seine eigene worte haben wir droben
in den Anmärkungen bei der 7 zeile des 60 blattes angeführet. Samuel
Greiffensohn / in Josefs Lebensbeschreibung am 30 bl. als auch mehr andere /
setzen ebenmässig dreissig silberlinge; wiewohl Dresser der h. Schrift folget /
und eben also nur von 20 meldet: welche er auf 5 Reichstahler unsers geldes
rechnet.
                     Zu den 8 letzten zeilen des 75 blats.
Vom Simeon / welcher / mit den zwee Mägdesöhnen / Dan und Gad / den Josef am
meisten verfolgete /handelt Sebulon / in seinem letzten Willen / ganz
weitleuftig: dessen worte wir in den Anmärkungen bei der 19 zeile des 65 bl.
angeführet; als auch des Simeons eigene / aus seinem letzten Willen / welche der
Leser alda nachschlagen kann.
                           Zum anfange des 76 blats.
Wie leid es nachmahls Josefs brüdern gewesen / dass sie ihn verkauffet / bezeugen
ihrer viel in ihrem letzten Willen. Simeon selber / nachdem er seine strafe
erzählt / bricht aus in diese worte: ich ward gewahr /und erkannte / dass mir
solches üm Josefs willen zusties. Ich bereuete meine schuld / und weinete. Ich
baht den HERrn / dass er mir meine hand wieder heilete: und ich nahm vor / mich
vor aller Bosheit / neidsucht / und aller tohrheit zu hühten. Ich bekannte / dass
ich übels getahn hette vor dem HERrn / und vor unsrem Vater Jakob / am Josef
meinem bruder / den ich beneidete / u.a.m. Und mein Vater fragte mich / was mir
fehlete / weil ich so traurig sei: Und ich brachte ihm eine lügen vor / und
sagte: mein hertz tuht mir weh. Ich war betrübter / als sie alle: dann es war
meine schuld / dass Josef verkauft ward. Und als wir in Egipten reiseten / und
Josef mich binden lies / als einem kundschaffer; da erkannte ich / dass ich nicht
unrecht litte: und ich ward deswegen nicht unwillig. Aber Josef war ein
aufrichtiger Man / in dem der geist Gottes wohnete. Er war barmhertzig und
gnädig / und hatte keine gedanken mir einiges böses zu tuhn; sondern liebte mich
/ als seine andern brüder. Darüm /meine kinder / scheuet allen hitzigen has und
neid /und wandelt in einfältigkeit euer seelen / und mit guhtem hertzen. Nehmet
ein beispiel an eures Vaters Bruder: damit Gott euch gnade / herligkeit und
seegen widerfahren lasse; wie ihr sehet / dass ihm geschehen ist. Niemahls und zu
keiner zeit verwiese er uns solches: sondern er hatte uns lieb / als seine
eigene seele / ja mehr als seine kinder. Er hat uns gross gemacht /und uns allen
reichtuhm / vieh / und früchte mildiglich geschenket / u.a.m. Darüm hatte Josef
ein liebliches und schönes angesicht: dann in ihm war keine galle / noch etwas
böses. Sein antlitz war rein / und von des geistes gramschaft unbeflekt.
    Dan spricht auch zu seinen Kindern / in seinem letzten Willen / fast
dergleichen / und zwar unter andern also: ich bekenne euch heute / meine Kinder
/dass ich mich in meinem hertzen erfreuete auf den tod Josefs / des guhten und
wahrhaftigen Mannes / und mich belustigte in seiner verkauffung; weil ihn unser
Vater lieber hatte / als uns. Dan der geist der eifersucht und der
aufgeblasenheit sagte zu mir: und du bist ja auch sein sohn. Auch boht nur einer
von Belials geistern seine hülfe / und sagte: nim dieses schwert / und tödte
damit den Josef; dann wan er todt sein wird / soll dich dem Vater lieb haben.
Dieser ist der geist des zornes / der mir riet / dass ich den Josef /wie ein
Pardel den bok / verschlingen sollte. Aber der Gott meines Vaters Jakobs lies ihn
in meine hände nicht kommen / dass ich ihn allein gefunden hette. Auch lies er
nicht zu / dass ich diese Bosheit verübte; damit zwee Reichsstäbe in Israel
sollten entbunden und erworben werden / u.a.m. Was Gad ebenmässig von sich
selber bezeuget / das haben wir droben in den Anmärkungen bei der 7 zeile des
60 bl. angeführet.
                    Zur 8 und folgenden zeilen des 78 blats.
Moses erzählt dieses im 29 und 30 spr. des 37 hauptst. in seinem 1 buche
kürtzlich also: Als nun Ruben wieder zur grube kahm / und den Josef darinnen
nicht fand: da zerris er sein kleid; und ging zu seinen brüdern / zu denen er
sprach: der Jüngling ist nicht da. Wo soll ich hin? Etwas deutlicher / wiewohl
auch sehr kurtz spricht hiervon Flavius Josef: Ruben aber kahm bei der nacht /
ohne vorbewust seiner brüder / zum brunnen / und wollte den Josef erretten. Weil
er ihn nun vergebens rief / argwähnete er / dass er / in seinem abwesen /
ümgebracht worden / und beschuldigte damit seine brüder / u.a.m.
                   Zur 30 und folgenden zeilen des 79 blats.
Jakob hatte seinen Vater Isaak mit seines sohnes Esaus kleidern / die er auf
seiner Mutter einrahten angezogen / geteuschet; und ihm also des Vaters seegen /
den er dem Esau zu geben gesonnen / abbetrogen. wie Moses im 27 h. seines 1 b.
erzählt.
                       Zur 29 und 30 zeile des 87 blats.
Vom Krokodil haben wir droben / in den Anmärkungen bei dem 12 blatte / die
uhrsachen angeführet /warüm er der Egiptischen Könige sinbild sei; auch darbei
angezeiget / dass er von den Arabern farao genennet werde: welche ihn itzund /
mit den Egiptischen Jüden / auch Korbi heissen; wie Megister bezeuget. Kircher
giebet ihm sonsten in seinem Egiptischen Wortbuche den nahmen Picharouki; und
Herodotus meldet / dass ihn die alten Egipter / die üm die stadt Elefantine herüm
gewohnet / Champse, die Siener aber / wie Strabo aufgezeichnet / Suchus, und die
Griechen oder vielmehr Joner Krokodeilon, apo toy deilaiestai krokon, weil er
den geruch des Safrans scheuet / genennet. Den die Indier Kayman heissen / ist
zwar auch von der ahrt der Krokodillen /aber viel kleiner / als die Egiptischen;
wiewohl er so stark zubeissen kann / dass er einem menschen mit einem bisse
plötzlich den fuss ablöset. Er wird gemeiniglich unter die gattungen der
Schlangen gezehlet: welches auch sein schwantz ausweiset / der eben so lang ist
als der rumpf; in dessen rükkengrahte man 60 würbelbeine zehlet. Sein lauf ist
sehr schnäl: aber des steiffen rükkengrahts wegen / kann er sich übel ümdrehen
oder krümen. Wan ihn der hunger / den er vier tage vertragen kann / drükket; so
pfleget er zu weinen /wie ein Mensch / die menschen / wie man sagt / anzulokken
/ damit er sie frefen möge. Daher werden die betrügerischen trähnen
Krokodilsträhnen genennet. Wer mehr vom Krokodille zu wissen begehret / der kann
den Aldrovand / und Jonstohn von den Tieren aufschlagen.
                    Zu den drei letzten zeilen des 87 blats.
Den Habicht nennen die Egipter Bai-et / das ist seelen-hertz / oder eine
behertzte seele; weil seine feurige natur mit der Seelen natur übereinkommet.
Daher ist er auch bei ihnen der Seele sinbild: derer ümschweif / wie die Egipter
meinen / das Hertz ist. Dass aber die Seele eine feurige eigenschaft an sich habe
/darinnen stimmen / mit den Egiptern / die Griechen und Röhmer überein. Unter
den Röhmern sagt Fabius in seiner 10 Rede: Animam flammei vigoris impetum,
perennitatem que non ex nostro igne sumentem, sed quo sidera volant, & quo
sacri torquentur axes, inde venire, unde rerum omnium auctorem parentemque
spiritum ducimus, nec interire, nec ullo mortalitatis affici fato. Sed quoties
humani corporis carcerem effregerit, & exonerata membris mortalibus levi se
igne lustraverit, petere sedes in astra. Ja es haben etliche dafür gehalten /
dass die Seele nicht allein von den sternen ihre feurige eigenschaft schöpfe /
sondern auch gar / nach ihrer ausfahrt aus dem menschlichen leibe / wie
Aristofanes bezeuget / zum sterne werde. Auch ist der Habicht eben daher der
Sonne sinbild; ja Gottes selber. Darüm ward der Abgott Osiris bei den Egiptern
gemeiniglich / durch einen Habicht /abgebildet; eben wie sonsten durch einen
Stier / oder Ochsen.
                           Zur 3 zeile des 88 blats.
Wie der Habicht des Osiris und der Sonne / so war der schwartze Egiptische
Strorch oder Eib / Ibis, der Isis / und des Mohnes sinbild; als auch des krummen
Tierkreuses / der unterschiedlichen und mancherlei krümmen wegen / die er mit
den füssen und den halse machet: dadurch er auch / unter allen tieren zuvörderst
/ den Egiptern zur erfindung der zahlen und buchstaben anlass gegeben; wie
Atanasius Kircher in seinem Egiptischen Oedipus weitleuftig ausgeführet. Ja er
wird zugleich vor einen erfinder oder angeber der Sprützmittel und des
Abspühlers /den wir sonst mit einem undeutschen worte Klistier nennen /
gehalten; weil er / wie Plinius 8 / 27 / bezeuget / wan er verstopft oder
kränklich ist / mit seinem schnabel das Nielwasser aufnimt / und in das
hinterteil / dadurch der unflaht und überschus der speise von ihm geht / hinein
sprützet / solches durch-oder abzuspühlen. Sonsten war dieser Egiptische Storch
auch ein sinbild des Hertzens; weil er fast wie ein hertz gestaltet: und daher
dem Merkuhr / als dem beherscher des hertzens und der vernunft / heilig; wie
Horus Apollo / in seiner 34 Aufgabe der Egiptischen Bilderschriften /
angemärket.
                        Zur 6 und 7 zeile des 93 blats.
Das Härmlein oder Armelein / welches bei den Franzosen hermine, bei den
Engländern hermin, bei den Lateinern mus Armeniacus, Ponticus und Alpinus, unter
dem gemeinen manne mus armelinus, armelina und harmela, auch sonsten mustela
alba, das ist ein weisses Wieselchen / genennet wird / ist ein schneeweisses
tierlein / und helt sein fel so rein / dass es lieber sterben / als solches
besudeln will. Und darüm haben wir es auch dem keuschen Josef auf dem ersten
Kupfer dieses buches / als ein sinbild seiner keuscheit / zugefüget. Ja darüm
hat es auch Ritter Kats / vor seinem Selbstreite / der ganzen ehrbahren Jugend
/ als ein feldzeichen / in einem schilde / rund ümher mit einem aufgeworfenen
schlamme besetzet /zugeeignet. Darbei unter andern diese reimbände zu lesen:
Ohn ziet in dezen ring een van de netste dieren /
rein oder zijn gewaat / rein oder zijn manieren.
Ohn ziet in dezen ring den Witten Armelijn,
genegen uitter arrt om niet besmet the zijn.
Ner slik omvangt het beest: daar is niet uit the raken /
of zijn geprezen bont moet tot den drek genaken.
Doch / mits het reine dier dit boven al ontsiet /
zoo valtet in de praam voor honger en verdriet.
De keus is wonderscherp. Net moet voorseker sterben:
of anders zal her slik zijn witte vacht bederven.
Siet! wat een reinen aart. Der beest in dezen noot /
gaat met een vast beflutt / en kiest de bleeke doot.
Men sieter even staagh sijn reine leden mijden /
om / als het nedervalt / niet in het slik re glijden.
Daar leit het kleine dier ter aarden uitgestrekt /
en geeft zijn leste sucht om niet the zijn bevlekt.
    Effendo la propria natura dell´ Armellino di partir prima la morte, per fame
& per seto, che imbrattarsi, cercando di fuggire, di non passar per il
brutto, per non machiare il candore e la politezza della sua pretiosa pelle.
Paul. Jovius Dialog. dell´ Imprese Militari & Amoros. Malo mori, quàm
pollui.
                           Zum 96 / 97 und 98 blatte.
Diese begäbnüs erzählt Josef selber in seinem letzten Willen / mit kurtzen
worten / folgender gestalt: in dieser zeit fuhr die vorgemelte Memfische Frau
/des Potifars gemahlin / mit einem grossen gepränge vor unserem hause über / und
warf ihre augen auf mich: dann die Geschnittenen hatten ihr von mir bericht
getahn. Und sie sagte zu ihrem Ehherrn: dass ein Kaufman / durch den dienst eines
Ebreischen Jünglings / sei reich geworden: von dem der ruf ginge /dass man ihn im
Lande Kanaan diebischer weise genommen. Darüm tuht dem Jünglinge recht; und
nehmt ihn zu eurem Haushalter oder Hofmeister. Der Ebreische Gott wird euch
seegnen und glücklich machen: dann die himlische gnade wohnet ihm bei. Und Potifar
gab ihr endlich gehör / entboht den Kaufman zu ihm /und sagte: was komt mir von
euch zu obren? Ich höre / dass ihr in der Ebreer land ziehet die Menschen; zu
stählen / und verkauffet ihre kinder. Der Kaufman fiel nieder auf sein angesicht
/ und sagte: Herr / ich bitte üm gnade: doch darvon / dessen ihr mich
beschuldiget / weis ich ganz nichts. Potifar fuhr fort / und sagte: wie komt
ihr dann an den Ebreischen Jüngling? Der Kaufman antwortete: die Ismaeler haben
mir befohlen ihn zu bewahren / bis sie wiederkommen. Potifar aber gleubte ihm
nicht / und befahl / ihn zu geisseln. Unterdessen dass man den Kaufman züchtigte
/ sprach Potifar: lasset den Jüngling herkommen. Und als ich hineingebracht war /
bähtete ich den Fürsten an / und täht ihm seine gebührende ehre: dann er war der
dritte nach dem könige Farao im staht / ein Oberster über alle Geschnittenen /
und hatte eine Gemahlin / auch kinder / und eine Beischläferin. Straks zog er
mich auf die seite / und fragte: bistu frei / oder leibeigen? Und ich
antwortete: ich bin ein Leibeigner. Darauf fragte er ferner: wessen leibeigner
bistu? Ich antwortete; der Ismaeler. Und er fragte wieder: wie bistu dann ihr
leibeigner worden? Ich gab zum bescheide: sie haben mich in Kanaan gekauft. Aber
er wollte es nicht gleuben und sagte / du hast gelogen. Und darüm lies er mich
nakkend geisseln. Dieses sah seine Gemahlin durch das fenster; und lies ihrem
Ehherren sagen: ihr tuht nicht recht / dass ihr einen gestohlenen freien schlaget
und züchtiget. Hierauf befahl er mich / weil ich bei meinen worten blieb /
gefänglich zu bewahren / bis mein herr wiederkähme. Aber seine Gemahlin sagte zu
ihm: warüm setzt ihr doch den edelen Jüngling gefangen? Es were besser dass man
ihn los liesse / und euch geisselte. Sie war lüstern / in ihrer sündlichen lust
und begierde / mich zu sehen: aber ich gedachte kein arges. Und Potifar sagte zu
ihr: es ist bei den Egiptern nicht ehrlich / dass man eines andern guht / ohne
vorbewust und gehörigen beweis /wegnimt. Dieses sprach er von dem Kaufmanne /
und von mir: und ich musste gefesselt bleiben. Aber nach 24 tagen kahmen die
Ismaeler wieder. Diese weil sie erfahren / dass Jakob mein Vater üm meinetwillen
betrübt war / sagten zu mir: warüm habt ihr uns berichtet / dass ihr ein
Leibeigner weret? Wir wissen nun sehr wohl / dass euer Vater ein mächtiger Man
ist im lande Kanaan. Er betrübet sich in dieser sache / und ist sehr traurig.
Ich herre hierauf gern geweinet: aber ich hielt mich hart / damit ich meine
brüder nicht beschähmen möchte; und sagte: es ist dem nicht also /ich bin ein
Leibeigner. Da berieten sie sich miteinander / wo sie mich am besten verkauffen
möchten; damit ich bei ihnen nicht gefunden würde. Dan sie fürchteten sich vor
Jakob / und befahreten / er möchte sich an ihnen rechen; weil sie wohl wussten /
dass er vor Gott und Menschen gross geachtet were. Hierauf sagte der Kaufman zu
ihnen: so erlöset ihn dann aus Potifars urteile. Als sie dieses höreten /
begehreten sie mich wieder / und sprachen: dass sie mich üm ein stücke geldes
gekauft. Und Potifar lies mich los.
    Alles dieses erzählt Josef in seinem letzten Willen; welchem ich alhier /
als auch sonsten / gefolget. Darüm wundere ich mich / dass Samuel Greiffensohn
diese ganze begäbnüs / in Josefs Lebensbeschreibung / so gar anders anführet:
und / ich weis nicht woher / den Potifar zu einem Witwer machet; der die Sefira
/ die er Selicha nennet / und vor der Assenat schwester tochter ausgiebet / erst
nach der zeit / als Josef schon lange in seinen diensten gewesen / geehliget.
Wer lust hat / der kann das 62 / 63 / 66 / 68 69 / und 80 blat bei gemeltem
Greiffensohn aufschlagen.
                     Zu den ersten 12 zeilen des 99 blats.
Hiervon spricht erst angezogener letzter Wille Josefs ferner also: Aber die
Memfische Frau gab ihrem Gemahl ein / dass er mich kauffen sollte. Dan ich
verstehe / sagte sie / dass sie ihn verkauffen wollen. Und Potifar schikte einen
Geschnittenen zu den Ismaelern / zu fragen / wie teuer sie mich hielten. Weil er
aber mir ihnen nicht handeln wollte / kehrte er wieder zurück: und sagte zu seiner
Frau / dass sie eine alzugrosse anzahl geldes vor den Jüngling begehreten. Hierauf
färtigte die Frau von stunden an einen andern Geschnittenen ab / mit befehl /
dass er mich kauffen sollte. Wan sie auch schon / sagte sie / 20 güldene krohnen
begehren / so spahre doch kein geld: sondern kauffe den Jüngling / und bringe
ihn zu mir. Und er gab 80 goldgülden vor mich: wiewohl er zu seiner Frauen sagte
/ er hette 100 gegeben. Ich wusste zwar diesen einkauf: aber ich schwieg stil /
damit der Geschnittene nicht unterfraget würde.
                   Zur 13 und folgenden zeilen des 99 blats.
Die ganze übrige geschicht des Josefs und der Sefira erzählt Moses im 39 h.
seines 1 b. bis auf den 21 spr. kurtzbündig: und was weitleuftiger Fl. Josef /
der Jüdische Geschichtschreiber / im 3 h. des 2 b. von der älte der Jüden; da er
unter andern auch anzeiget / dass Potifar den Josef in den freien künsten
unterweisen lassen / und ihn ehrlicher gehalten / als seine andern knechte.
                                Zum 102 blatte.
Josef sagt in seinem letzten Willen: des morgens früh erwachte ich zu dem HERrn
/ und weinte üm die Fraue von Memfis; weil sie mich keines weges unangefochten
lies. Des nachtes kahm sie zu mir /als hette sie mich besuchen wollen. Und
erstlich stellete sie sich / weil sie keinen Sohn hatte / als wollte sie mich vor
ihren Sohn halten. Ich aber baht den HERrn / dass er ihr ein gewündschtes Kind
bescheeren möchte. In aller dieser zeit ümhälsete sie mich / als ihren Sohn; und
ich wusste es nicht.
    Das Knabenkraut / dessen wurtzel wie Geulen oder Hoden gebildet / wird von
den Griechen orxis und kynos orxis, daher das Lateinische Cynosorchis, das ist
Hundesgeulen / covillon de chien, coglion de cane, Testiculus canis, oder
Testiculus allein bei dem Dioskorides / sonsten auch Satyrion, weil es zur
geulheit antreibet / genennet. Bei den Hochdeutschen hat es den nahmen
Knabenkraut; weil es die würkung haben soll / die jenige / die es einnimt / mit
einem Knäblein zu befruchten.
    Hertzwurtz haben wir von der gestalt seiner wurtzel / und würkung in den
Hertzkrankheiten also genennet. Sonsten heisset es bei den Aertzten gemeiniglich
Antora.
    Zahnkraut / dentaria bei den Lateinern / hat diese beide nahmen von seiner
kraft die zähne guht und vor wehtum zu bewahren; als auch von der gestalt der
bluhmen / welche der innerlichen kraft dieses kraudes euserliches kenzeichen
ist.
                   Zur 10 und folgenden zeilen des 110 blats.
Die abbildung dieses achtfeldichten Glüks- oder Wahrsager-rades / welches die
heilige Schrift Urim vetumim nennet / findet man bei Kirchern in seinem
Egiptischen Oedipus am 472 b. Von den alhier genenten Götzenbildern haben wir
droben in den Anmärkungen bei dem 1 / und 2 bl. als auch bei der 12. und 13
zeile des 5 bl. überflüssig gehandelt.
                           Zur 1 zeile des 112 blats.
Der Balsembaum wächset weder in Egipten / noch Sirien von sich selbst / wie
Teofrast / Dioskorides / Plinius / Justinus / Strabo / und andere vorgegeben;
sondern wird dahin aus dem Glücklichen Arabien /das sein eignes vaterland ist /
gebracht / und in die Lustgärte gepflantzet. Dergleichen Balsembeume waren mit
unter den geschenken / welche die königin von Saba / die der Salmantische Ebreer
/ in seinem buche Juchasim / am 136 bl. Nikolaa / und Salomons Gemahlin / die
ihm einen sohn David geboren / Josefus aber Nikaule / und der Nubische
Landbeschreiber Belkis nennen / dem könige Salomon verehrete; wie Flavius Josef
im 8 b. der Jüdischen Geschichte meldet. Die zäklein dieser beume seind
hartzhaftig / und kleben / im angreiffen / an die finger. Sie haben einen
lieblichen geruch: wiewohl noch mehr die blüssen / derer fünfe / als ein
kröhnlein / an einem stiele hängen. Der Balsem / welchen die Aertzte / nach dem
Griechischen / gemeiniglich Opobalsamum nennen / trüpfet des sommers aus der
aufgerjetzten rinde des baums. Zuerst wan er an die luft komt / wird er weislich
/ darnach grühn / dann goldfärbig / und endlich honiggelbe. Wan er aus den beumen
rinnet / reucht er so überaus stark / dass er kopfweh /ja oftmahls nasenbluhten
veruhrsachet. Aber dieser widrige geruch wird mit der zeit in einen ganz
angenehmen verändert. Fast zu unzehlichen gebrechen und krankheiten wird er
gebrauchet / so wohl innerhalb /als ausserhalb des menschlichen leibes. Besiehe
auch / was wir am 115 blatte gemeldet.
    Der Santbaum / welcher den Pflaumbeumen fast gleich ist / ohne dass er mit
scharfen dornen bewachsen / und diese ahrt an sich hat / dass seine blätter mit
der sonnen untergange zu / und mit ihrem ausgange wieder auf-gehen / ist eben
derselbe baum / daraus das so genente und bei uns sehr gebreuchliche Arabische
hartz fliesset: wiewohl etliche fürgeben / dass solches hartz auch von andern /
als Pflaum- und Kirschenbeumen / welche doch weder in Egipten / noch in Arabien
zu finden / eingesamlet werde.
    Der schwartze Zimmetbaum / der von den Lateinern Cassia fistula, und daher
von unsern undeutschen Kasselfisteln / von den Arabern aber Sagiar el Selichet,
das ist Schohtenbaum / und von den Türken Chai´ar Xamba, das ist schwartze
Kassie / genennet wird / ist unserem Wälschen Nusbaume fast gleich / ohne dass er
längere blätter hat / und an nüsse statt lange pfeiffen oder schohten träget: die
man in der artznei zu vielerhand gebrechen / sonderlich wider die verstopfung
des fluhlganges gebrauchet. Die blüssen dieses baumes / welche goldgälbe seind /
und fast das ganze jahr durch blühen / rüchen über die masse lieblich /
sonderlich in der frühstunde. Daher pflegen auch die Egipter sich unter diesen
beumen mit lustwandeln oft zu ergetzen.
                        Zur 4 und 5 zeile des 112 blats.
Hiervon kann Prosper Alpien in seinem Buche von den Egiptischen Pflantzen / als
auch Vesling / in seinen Anmärkungen hierüber gelesen werden.
                   Zur 7 und folgenden zeilen des 114 blats.
Josef gedachte alhier an diesen spruch. Sæpe familiaritas implicavit, sæpe
occasio peccandi voluntatem fecit. Isidorus Solioqu. l. 2. Und Innocens intuitus
aspectu fit nocens. Gregorius. Darüm flohe er den ümgang / die gemeinschaft /
die gelegenheit / den anblik / ja alles miteinander / das seiner keuscheit
schädlich sein konnte.
                           Zur 7 zeile des 115 blats.
Bei dem 112 blatte haben wir den Balsembaum /und den Balsem selber / der aus
seiner rinde fliesset / auch aus dem grühnen holtze und zakken gekocht wird /
welcher aber lange so kräftig nicht ist /beschrieben. Dass aber der Balsem oder
trahn des Balsembaumes die kraft habe des Frauenzimmers angesicht schön und
hübsch zu machen / auch vor runtzeln und älte zu bewahren / also dass es allezeit
jung bleibet; davon schreibet Prosper Alpinus / als auch andere Aertzte.
                     Zu den letzten 3 zeilen des 115 blats.
Hiervon sagt der Schauspielschreiber Plautus: Qui amore vincuntur, vinctam
habent linguam ut non audeant hiscere.
                     Zu den 3 ersten zeilen des 116 blats.
Die Egiptische Bohne / wird von den Arabern Kulkas, von den Griechen und
Lateinern kolokasia, Colocasia, auch Cyamon, und faba Pharia genennet.
Dioscorides. l. 2, c. 99. Plinius l. 21, c. 15: Est in Ægypto nobilissima
Colocasia, quam Cyamon alli vocant. Hanc è Nilo metunt. Prosper Alpien / als
auch andere geben vor / dass sie in Egipten ganz nicht blühet / aber wohl
ausserhalb / in andern ländern; und ziehen auch die uhrsache an: nähmlich weil
das Egiptische erdreich alzufet und alzugeul sei; daher sich die wurtzeln so
sehr best audeten / vermehreten / und ausbreiteten / dass sie dem gewächse die
kraft entzögen /bluhmen und früchte zu tragen. Aber wan dem also were / woher
hetten dann die Egipter ihre so genenten Bohnenschahlen / oder ihre trinkgefåsse
aus Bohnenschahlen / daraus sie ihr Niel- und Melohnenwasser zu trinken pflegen?
Doch muhtmassen wir /dass durch die Bohnenschahle ein Bohnenblat müsse verstanden
werden; gleichsam als were das blat des Bohnengewächses zur Trinkschahle / das
ist zum Trinkbächer / gebeuget und gemacht. Und hierzu veranlassen uns des
Plinius worte / wan er am jetzt angezogenem orte schreibet: Ægypti adeò Nili sui
dotibus gaudent, ut implexis Colocasiæ foliis in variam speciem vasorum potare
grassimum habeant. Dass Plinius alhier die gemelten Bohnenschahlen / oder
trinkgefässe aus Egiptischen Bohnenblättern /welche von den Griechen / als dem
Nikander / und andern / kiboria, und von den Lateinern Ciboria genennet werden /
beschreibet und meint  / hat Hadrian Junius im 20 h. des I B. seiner Anmärkungen
sehr wohl geurteilet. Kiborion aber / oder kibotion soll /nach des Dioskorides
erklährung / so viel gesagt sein / als ein kästlein / oder schiflein / kähnlein
/ darinnen die Egiptische Bohne / mir feuchtem schlamme beschlagen / wan man sie
säete / ins wasser gelassen werde. Sonsten nennet eben derselbe das Egiptische
Bohnenblat einen Schinken; weil es so gross und breit / auch der gestalt nach /
einem schinken nicht ungleich ist. Daher hat es auch Teofrast mit einem
Tessalischen huhte verglichen. Horatz gedenket des Egiptischen Trinkbächers aus
Bohnenblättern in seinem 7 liebe des 1 b. Ebenmässig:
Oblivioso lævia Massico
Ciboria exple.
    Aus diesen von Bohnenblättern gemachten Trinkgefässen pflegten die Egipter /
die hitzige leber / und den magen zu kühlen / gemeiniglich ihr Melohnenwasser /
mit Zukker / auch zu weilen mit Amber / Moskes / und Rosenwasser vermischet / zu
trinken. Dieses wasser aber nahmen sie von derselben ahrt ihrer Melohnen /
welche Batechia el mavi heisset /und viel grösser und gelber ist / als die
Europische Melohne / auch inwendig nichts / als kernen und ein süsses wasser / zu
haben pfleget. Sonsten haben sie noch eine andere ahrt / welche sie Abdellavi
nennen; und dann eine dritte / die Chajar heisset. Diese ist unangenehm und
wässericht vom geschmakke; und ihre kerne kühlen unter allen Melohnenkernen am
allermeisten.
                   Zur 25 und folgenden zeilen des 116 blats.
Unâ hâc in re blanditur ac supplicat, quæ in cæteris imperabat. Pel. ad
Demetriadem. Der Jüngling /sagt eben derselbe / ward von seiner Fraue begehrt /
doch gleichwohl zu keiner begierde bewegt. Er ward gebähten / und flohe
gleichwohl. Das ehrliche Hertz konnte / weder durch die kraft der blühenden
Jugend / noch durch das grosse ansehen Derselben / die ihn ansuchte / auf einige
weise zur unzucht verleitet werden. Dan ob er schon / nicht allein durch das
anlokkende gesicht / sondern auch durch tähtige ümhälsung / von einer Fraue
genugsam gereitzet ward; so hat er sie dannoch nicht begehret.
                   Zur 3 und folgenden zeilen des 119 blats.
Adulterium cum servo sordidius apud veteres apellatum fuit; cùm sola cohabitio
cum servo servitute coërceretur. Videbatur enim in servirutem consensisse, quæ
servo sese conjunxisset. Tacitus.
                   Zur 14 und folgenden zeilen des 123 blats.
Josef spricht / in seinem Letzten Willen / also: Wie oft hat mich die Egiptische
Frau gedreuet zu tödten. Wie oft hat sie mich / nachdem sie mir viel dampfes
angetahn / wieder zu sich holen lassen? Wie oft hat sie mich gedreuet zu tödten /
wan ich weigerte mit ihr zu tuhn zu haben? Gleichwohl sagte sie zu mir: ihr solt
über mich und alle das meinige herschen; sofern ihr euch mir übergebet / und
meinen willen tuht. Ihr solt unser Herr und herscher sein. Aber ich gedachte der
worte meines Vaters Jakobs: und ging in meine schlafkamer / bähtete den HERrn an
/ und fastete sieben tage. Doch schien ich in den augen der Egiptischen Fraue so
wohl bei leibe / als einer / der in aller wohltust gelebet: dann die üm des
HERren willen fasten / bekommen eine angenehme gestalt. Den wein /den ich bekahm
/ trank ich nicht: und nachdem ich drei tage gefastet hatte / nahm ich meine
tägliche kost / und gab sie den armen und kranken / u.a.m. Zuletzt suchte sie
mich zur hurerei zu bewegen. Aber so bald ich solches verstund / ward ich
betrübet bis in den tod. Und als sie weggegangen war / kahm ich wieder zu mir
selbst; und befand mich eine lange zeit betrübt üm ihrer willen. Dan ich sah
ihren betrug den sie im sinne hatte. Und ich ermahnte sie mit den worten des
Allerhöchsten / ob ich sie vielleicht bewegen möchte von ihren bösen begierden
abzustehen Manchesmahl gab sie mir solche guhte worte / als ein heiliger man.
Manches mahl priese sie / doch nicht ohne arglist /meine keuscheit gegen ihren
Ehhern. Auch sagte sie so wohl offentlich / als heimlich / zu mir: Scheuet
meinen Ehherrn nicht: dann er ist eurer keuscheit so fest versichert / dass er es
nicht gleuben wird / imfal man ihm etwas von uns sagte. Um aller dieser dinge
willen lag ich auf der erden / angetahn mit einem sakke: und baht den HErrn
inbrünstig / dass er mich doch von dieser Egiptischen Fraue erlösete.
                   Zur 21 und folgenden zeilen des 124 blats.
Flavius Josef schreibet / in seinen Jüdischen Geschichten unter andern also:
Josef wollte lieber alles /was leidelich ist / leiden / als ihren willen
erfüllen. Und wiewohl einen knecht nicht geziemet sich gegen den willen seiner
Fraue zu setzten; so ist doch dieses werk so schändlich / dass man sich dessen
billich entschlagen sollte. Maluit liber criminis mori, quàm potentiæ criminosæ
consortium eligere. Ambrosius l. De Joseph c. 5.
                   Zur 15 und folgenden zeilen des 126 blats.
Josef spricht hiervon / in seinem Letzten Willen /also: Nachdem sie / durch
dieses mittel / nichts erwerben konnte / so kahm sie wieder mit anderen reden
aufgezogen: nähmlich wie sie Gottes Wort lernen wollte. Indem ihr wollet / sagte
sie / dass ich meine Götzen verlassen soll / so tuht meinen willen. Dan will ich
auch so viel tuhn / dass sie mein Gemahl ebenmässig verlassen soll: und also wollen
wir nach dem Gesetze Gottes eures HERren wandeln. Darauf gab ich ihr zur
antwort: Wie Gott von denen / die in unreinigkeit lebten / nicht könnte / noch
wollte geehret sein. Auch hette er kein gefallen an denen / die mit Ehbruche sich
besudelten. Sie aber schwieg: und begehrte gleichwohl ihr begehren zu
volbringen. Ich hingegen fastete / und bähtete; damit mich Gott von ihr erlösen
möchte.
                   Zur 12 und folgenden zeilen des 127 blats.
Hiervon spricht Josef abermahl / in seinem Letzten Willen / folgender gestalt:
Wieder auf eine andere zeit sagte sie zu mir: wolt ihr keinen ehbruch begehen /
so will ich meinen Ehherrn tödten: und dann will ich euch zur ehe nehmen. Als ich
dieses vernahm / zerris ich mein kleid / und sprach: Fraue / schähmet euch vor
Gott solcher dinge; und fürchtet den HERrn. Tuht ein so böses stükke nicht /
noch verzweifelt nicht so gar /dass ihr euch dem bösen so ganz ergebet. Dan so
fern ihr nicht ablasset / will ich euer bosshaftiges vornehmen offenbahren. Und sie
fürchtete / ich möchte ihre Bosheit iemand zu erkennen geben / u.a.m. Ornet
prudentiam verecundia, quodque præcipuum in fæminis semper fuit, cunctas in the
virtutes pudor superet. Hieronimus ad Colant l. 2. Epist. 20. Quod unum habent
in malis bonum, perdunt peccandi verecundiam. Seneca l. de vita beata, c. 12. Et
Valerius Flaccus:
Heu! non revocabilis unquam
cessit ab ore pudor.
                   Zur 20 und folgenden zeilen des 128 blats.
Darnach / spricht Josef in seinem letzten Willen weiter / suchte sie mich zu
verführen mit geschenken. Sie schikte mir alles / was das hertz ersinnen mochte
/was schön und köstlich war zum gebrauche der menschen: und dieses schikte sie
mir mit allerhand speisen. Aber als der Geschnittene diese speisen brachte /sah
ich auf / und erblikte einen erschröklichen Man /der mir ein Messer in einer
schüssel zureichte. Daraus verstund ich / dass sie meiner seelen nachstellete.
Und wan er weg war / weinete ich. Auch ass ich weder jetzt /noch sonsten von ihrer
speise. Auf einen tag hiernach kahm sie zu mir / und sagte: warüm habt ihr von
der speise / die ich euch geschikt / nicht gegessen? Und ich antwortete: darüm
dass ihr sie mit dem tode erfüllet. Ja wisset / dass ich mit den Abgöttern keine
gemeinschaft abe / noch ihnen diene; sondern dem HERen allein diene. Dieser /
der Gott meines Vaters /hat mir / durch seinen Engel / eure Bosheit
geoffenbahret. Und darüm habe ich die speise bewahret /euch zu bestrafen: ob ihr
vielleicht dadurch / wan ihr sie erblickt / zur reue möchtet bewogen werden;
oder aber damit ihr sehen möchtet / dass denen / die dem HERen in reiner
keuscheit dienen / keine arglist derer / die Bosheit würken / schaden / noch
einige kraft haben kann. Und ich nahm / und ass sie / in ihrer gegenwart / indem
ich sagte: der Gott meiner Väter /und Abrahams Engel wird mich bewahren. Hierauf
fiel sie vor mir plat auf ihr angesicht zur erde nieder /und weinete. Und
nachdem ich sie aufgehoben hatte /ermahnte und unterrichtete ich sie mit vielen
schönen lehren. Auch versprach sie mir dergleichen nicht mehr zu tuhn. Aber sie
weinte und seufzete aus dem grunde ihres hertzens: dann es brante vor grosser
begierde ehbruch mit mir zu begehen. Ihre augen schlug sie nieder auf die erde /
und lies das heupt hängen. Als ihr Ehherr solches sah / fragte er sie: was ist
euch? Warüm lasst ihr den kopf hängen? Und sie antwortete: mein hertz tuht mir so
weh / dass ich kaum ahtemen kann. Er aber trug sorge vor sie / wiewohl sie nicht
krank war.
    Auch spricht Ruben / in seinem letzten Willen /hiervon folgende worte: Weil
sich Josef von allerlei weibern entalten und bewahrt hat / ja alle seine
gedanken von aller huhrerei und beflekkung gereiniget; so ist er angenehm
gewesen bei Gott und Menschen. Fürwahr! die Egiptische Fraue täht ihm viel
dampfes an: welche die Zeuberer hohlen lies / und gab ihm betrügliche artzneien.
Aber in ihn kahmen keine böse begierden. Darüm hat ihn Gott / der Gott meiner
Väter / vor dem sichtbaren und unsichtbarem tode befreit / u.a.m.
    Tatura ist bei den Egiptern eine gattung des Nachschattens / vom Dodoneus
Stramonia genennet. Mattiolus meldet / dass dieses kraut dem Nachtschatten
welcher sonst Solanus heisset / zwar gleich sei /aber einen geruch habe als
Schlaf kraut / opium, mit weissen wohlrüchenden bluhmen / und dunkelbraunen
gekerbten blättern. Aus der bluhme komt eine runtafte frucht / mit einer
dornichten schahle / wiewohl sie auch zuweilen keine dornen hat: welche von
etlichen vor die nus Metel bei dem Avizenne gehalten wird. In dieser frucht
lieget ein gelber same / der zuletzt bleich wird; und fast eben die kraft hat /
als das Slaf kraut. Dan er machet die menschen tum / tutzig /trunken und
sinneloss; ja sie fallen in einen so tieffen schlaf / der wohl drei tage lang
währet. Daher pflegen ihn die Egiptischen Strassenreuber den reisenden Kaufleuten
/ klein zerstossen / und mit honige vermischt / einzugeben / sie trunken und
schlafend zu machen; damit sie ihnen ihr geld und guht abnehmen können.
Dergleichen pflegen auch die Huhren in Egipten und Ost-Indien zu tuhn / wan sie
einen Jüngling zu ihrem willen zu bringen trachten. Dem geben sie gemelten
saamen gemeiniglich im weine zu trinken: darauf er so sinloss wird / dass er nicht
weis / was er tuht / oder redet / auch nicht einmal / wan er wieder zu sich
selbst kommen / was er getahn oder geredet.
                   Zur 19 und folgenden zeilen des 129 blats.
Als ihr Ehherr / seind abermahl Josefs worte / wieder von hause war / bestürmete
sie mich aufs neue / und sagte: ich verschmachte dann / oder ich mus sterben. Ich
will mich selber erseuffen oder ich will irgend von oben hinunterspringen / und
den hals brechen; wofern ihr mein begehren nicht volbringet. Als ich nun sah /
dass der geist Belials sie besass / rief ich den HERrn an; und sprach zu ihr:
Warüm seid ihr so entstellet / und warüm gebährdet ihr euch so übel? Gedenket
doch / ihr verblendete in den sünden / dass Sechon / eures Ehherrn Beischläferin
/ die euch feind ist / euren kindern manche schläge geben / und euer gedächtnüs
von der welt vertilgen wird / im fal ihr euch selber das leben nehmet. Hierauf
antwortete sie: Nun sehe ich gleichwohl noch / dass ihr meiner nicht ganz
vergessen / noch mich aus eurem hertzen verbannet. Es ist mir gnug / das ihr
mein und meiner kinder leben beschirmet. Ich habe guhte hofnung / dass ich noch
heute bekommen werde / was ich suche. Aber sie erkannte nicht / dass ich solches
aus der furcht meines Gottes sagte / und nicht üm ihrer willen. Dan imfal sich
iemand einigen bösen Gemühts bewegungen und begierden unterwirft / der wird
derselben leibeigner und dienstknecht / wie diese gemelte Fraue. Und wan er
etwas guhtes höret / weil er von solcher anfechtung überwunden ist; so nimt er
dasselbe straks zum vorteil seiner bösen begierden / u.a.m.
                   Zur 22 und folgenden zeilen des 150 blats.
Guido Panzirol bezeuget / aus dem Plinius / am 26 bl. des 1 b. von den
verlohrnen gedenkwürdigen dingen: dass der Egiptischen Priester kleider aus dem
allerzährtesten / weichstem / und weissestem leinwande oder baumwollenem zeuge
gemacht gewesen; und nicht aus wolle von den tieren. Beroaldus ad Apuleji l. 11.
Milesiacor. Daher sagt Ovidius:
Nunc Dea linigerâ colitur celeberrima turbâ.
und Marzial:
Linigeri faciunt calvi, sistrataque turba.
als auch Juvenal:
Qui grege linigero circundatus & grege calvo.
Tertullian nennet / in seinem buche von der Kriegshelden Krohne / des HERrn
Kristus Gewand das eigene kleid des Osiris / nähmlich seiner oder der Isis
Priester. Dass aber diese Priester das haar nicht allein auf dem heupte / sondern
auch über den ganzen leib abgeschohren / damit kein unflaht daran bleiben
möchte / bezeuget Herodotus in seiner Euterpe. Daher nennet sie auch Laktantz im
1 b. seiner Unterweis. deglabra pectora: und Marzial pilatam cohortem, einen
geschohrnen hauffen.
Nunciat octavam Phariæ sua turba juvencæ,
& pilata redit jamque subituque cohors.
Pilata cohors ist hier in keinem andern verstande gesagt / als eine geschohrne
schaar / die aller haare entblösset. Und dieses ist in gemelten Dichtmeisters 6
b. klährlich zu sehen / wan er also spricht:
Exstirpa, mihi crede, pilos de corpore toto;
teque pilare tuas testificare nates.
    Daher komt auch das wort expilator, welches eigendlich einen solchen reuber
bedeutet / der alles so rein hinweg raubet / dass er auch fast nicht ein härlein
an der beraubten leibe übrig lesset.
    Seewermuht / welches von den Lateinern absytium marinum, von den Griechen
seripion, oder apyntion seripion, nach dem Serifischen Inlande der Egeischen see
/ da es überflüssig wächset /genennet wird / war der Isis heilig; gleichwie dem
Osiris der Eppich / und das Rundkraut. Daher ward es auch / mit den
Fiechtenzweigen / in den Isischen festgeprängen herüm getragen. Es pfleget eben
üm die zeit / wan der Niel wächset / zu blühen.
    Die Seitenspiele warden an den heiligen tagen darüm gebraucht / damit /
durch derselben süssen klang / das volk zur heiligen andacht bewegt / und von
weltlichen gedanken abgehalten würde. Von allen diesen Festgeprängen schreibet
Apulejus in seinem 8 und 11 b. weitleuftig.
                   Zur 16 und folgenden zeilen des 132 blats.
Als nun der heilige Festtag / schreibet Flavius Josef im 3 h. des 2 b. vor
handen war / welchen auch die Frauen zu begehen pflegten; da stellete sie sich
gegen ihren Ehheren krank / suchte die einsamkeit / und dadurch gelegenheit den
Josef zu gewinnen. Und als sie dieselbe gefunden / sprach sie ihn / mit den
allerschönsten und süssesten worten / flöhendlich an. Es were zwar / sagte / viel
besser gewesen / dass ihr meiner ersten bitte nicht widerstanden / und entweder
das ansehen der bittenden / oder die heftigkeit der liebe etwas bei euch gelten
lassen; welche mich zwinget zu vergessen / dass ich eure Fraue bin / indem ich
euch mit so untertähnigen worten auflöhen mus. Jedoch werdet ihr klug sein / wan
ihr euch noch itzund bekwähmet / und also euren vorigen fehler verbessert. Ist
es euch auch etwan darüm zu tuhn gewesen / dass ihr aufs neue woltet gebähten
sein; so tuhe ich nun dasselbe viel inbrünstiger / als zuvor iemahls. Dan eben
darüm habe ich mich krank gemacht / und eure liebe Gesellschaft aller freude
dieses Festes vorgezogen. Oder habt ihr mir vielleicht nicht zugetrauet / dass
ichs mit ernste meinte; so könt ihr nunmehr gewis schliessen / dass ich euch
nicht betrüglich versuchet /weil ich in solcher Meinung beständig verharre.
Darüm wehlet entweder die angebohtene wohllust zu gebrauchen / und derselben die
euch aufs höchste liebt / zu gehorchen / daraus ihr auch noch grösseren nutzen
zu gewarten; oder aber machet euch gefast meinen grimmigen zorn und euserste
ungnade / so fern ihr eure gewähnte keuscheit meiner gnade vorziehet / zu
vertragen. Und das solt ihr wissen / dass euch diese keuscheit nichts helfen wird
/ wan ich euch bei meinem Ehherrn angeben werde / dass ihr mich habet
nohtzüchtigen wollen. Dan ob ihr schon die wahrheit sagtet / so würde doch
Potifar meinen worten mehr gleuben / als den eurigen. Aber Josef konnte auf alle
diese worte / welche sie noch darzu mit trähnen bezeugete / weder aus mitleiden
bewogen / noch aus schrökken gezwungen werden / von seiner vorgesetzten
keuscheit abzuweichen. Und also hielt er beständig an diesen so unbilligen
anfechtungen zu widerstehen: ja er wollte lieber alles leiden / als des
angebohtenen geniessen; indem er wohl wusste / dass er sich der rechtfärtigen
strafe teilhaftig machte / so fern er einer Fraue zu gefallen / dergleichen
etwas beginge / u.a.m.
                     Zu den 2 letzten zeilen des 132 blats.
In den Egiptischen sümpfen wächset das kraut / das die Arabischen Aertzte Beid
el Ossar, oder schlecht hin Ossar und el Usar nennen / und man auch in Europe /
da es in etlichen Kreutergårten zwar grühnet und blühet / aber keine frucht
bekomt / zu bringen pfleget. Aus dessen gebrochenen oder angeknikten oder
aufgerjetzten zakken / und bleichgrühnen jungen blättern leuft eine scharfe und
bittere milch; welche von der sonnenhitze zusammenrinnet / und nach der
gleicheit mit dem Manna oder zukker / Man und Saccar el Usar genennet wird. Mit
dieser Milch pflegen die Egiptischm Jungfrauen ihre haut zu bestreichen /sie
schön / klahr / und glat zu machen. Dan sie vertreibet nicht allein die sonnen-
oder sommer-sprossen / und andere flekker; sondern sie beisset zugleich das haar
aus. Daher pflegt man auch die Tierheute / sie kahl zu machen / in dieser milch
einzuweichen. Die bluhmen seind safrahngälbe / und hängen knütschelweise an den
güpfeln der zakken / nach der erde zu gebogen. Die frucht sieht fast aus wie
ein paar kamehlsbälle: daher auch der nahme Ossar, das ist ein bal / den
früchten / mit dem kraude / gegeben wird. Den saamen ümgiebet eine sehr sanfte
wolle; welche man zum zunder gebrauchet / auch die betten / und so genenten
matratzen damit füllet.
                     Zu den 6 letzen zeilen des 134 blats.
Auch hat sie / sagt Josef in seinem letzten Willen / vielmahls ehre ärme / brust
/ und beine entblösset; damit sie mich zur liebe bewegen möchte. Dan es war eine
schöne Frau / und wohlausgezieret mich zu betrügen. Aber der HERr bewahrte mich
für allen ihren anmuhtungen. Chærea apud Terentium in Eunucho: Ego verò
occasionem tam optatam, tam ins per atam amitterem? tum ego pol! verè is essem,
cui assimulabar. Aber so gedachte Josef mit nichten.
                          Zur 10 zeile des 135 blats.
Continens est, qui se continet ab externâ lasciviâ, sed non sine dolore. Intus
enim cupiditatum flammis vexatur; sed nolens volens sese continet. Paræus ad c.
Genes. 39. & Num. 9.
                     Zu den 8 letzten zeilen des 136 blats.
In potestate, inquit Imperator, sunt servi dominorum: quæ quidem potestas juris
gentium est. Nam apud omnes peræque gentes animatvertere possumus, penes dominos
in servos vitæ necisque potestatem fuisse. l. 1. paragr. 1, ff. de his, qui sui,
vel alieni juris sunt.
                          Zur 23 zeile des 138 blats.
Plutarchus Erot. Dulce pomum, ubi custos abest. Ovidius Remed. Amor. 2:
Quisquis amas, loca sola nocent, loca sola caveto.
Solitudo enim est, quæ etiam virum fortem præcipitat in reatum. Petr. Bles.
Epist. 9. Et Magda pars peccatorum tollitur, si peccaturis testis assistat.
Seneca.
                   Zur 25 und folgenden zeilen des 138 blats.
Gundige nicht: dann Gott sieht es / die Engel seind darbei / der Teufel wird
dich anklagen / dein Gewissen wird zeuge sein / und die hölle deine strafe.
Oculum in the intendit suum, qui tuum fecit. Augustinus, de Verbo Dom. Parietibus
oculi hominum submoventur. Divinum autem numen nec visceribus submovetur, quo
minus totum hominem perspiciat ac norit. Lactantius. Deus totus oculus, quia
omnia videt, totus manus, quia omnia operatur; totus pes, quia nbique est.
Augustin. sup. Ps. 120. Intra omnia, nec inclusus; extra omnia, nec exclusus.
Hildebertus. Solius DEI est in duobus locis, & per totum mundum in eodem
momento inveniri. Atanasius q. 26 ad Antioch. Quid prodest non habere conscium,
habenti conscientiam. Lactant. l. 6, c. 24, ex Senecâ. Mala conscientia
delictorum nostrorum ipsa est testis, etc. Das böse Gewissen ist selber
unserer sünden zeuge / selber unser richter / selber unser hänker / selber
unser gefängnüs. Es klaget uns auch selber an / es richtet / verurteilet /und
verdammet uns selber / sagt Barnard. Conscientia cujusque propria certum est
testimonium judicii divini. Richterus Axiom. 48. Darüm sagt unser Josef bei dem
Flavius Josef sehr wohl: Satius esse conscientiæ rectè factorum, quàm peccati
latebris fidere, das ist / es sei besser sich aus sein guhtes Gewissen / als auf
eine ungewisse bedekkung seiner sünden / zu verlassen.
                           Zur 9 zeile des 139 blats.
Dan ausser dem / dass den Josef seine Gottesfurcht /welche Barnard die
tührhühterin des gemühts nennet / hiervon abhielt; so wusste er auch sehr wohl /
dass die Ehbrecher in Egipten / nach Diodohrs zeugnüsse /mit verlust des
mänlichen gliedes gestraft warden. Daher sagt Horatz:
Quin etiam illud
accidit, ut quidam testes, caudamque salecem
demeteret ferro.
Zudem war die strafe der Leibeigenen / die einen Ehbruch begangen / bei den
Alten noch viel schärfer, wie Aerod. im 19 h. des 8 b. von den Jüdischen sachen
bezeuget.
                           Zum beginne des 140 blats.
Gleichwohl / spricht Josef in seinem letzten Willen / zog sie mich nachmahls mit
gewalt bei den kleidern / damit ich sie fleischlich erkennen sollte. Und als ich
sah / dass sie mit aller gewalt unsinnig war / indem sie mich bei den kleidern
festielt; da lief ich weg. Und Flavius Josef schreibet hiervon also: Aber sie
hielt viel heftiger an: und weil sie mir worten nichts ausrichtete / so schlug
sie die hand an den Jüngling / ihn mit gewalt zu ihrem willen zu zwingen. Da
sprang Josef / welcher des weibes unbändige ungestühmigkeit nicht länger
vertragen wollte / indem er auch seinen rok / daran sie ihn fest hielt: /im
stiche lies / zur kammer hinaus. Hierauf beschlos sie / teils weil es sie
schmertzete / dass ihr ansuchen abgeschlagen worden / teils auch weil sie sich
befahrete / ihr Ehherr möchte ihr böses vorhaben erfahren /den Josef bei zeiten
fälschlich anzugeben / und sich also an ihm zu rächen. Dan sie / als eine
arglistige frau / gedachte ihm mit der anklage zuvorzukommen. Und darüm sass sie
betrübt und entrüstet: auch stellete sie sich / als wan dieser aus vergebens
verhofter sättigung ihrer begierden entstandener unmuht ein rechtmässiger
zorneifer wegen ihrer angefochtenen keuscheit sei / u.a.m. Ambrosius lib. de
Joseph, c. 5. Magnus vir Joseph, qui venditus, servile nescivit ingenium;
adamatus, non adamavit; rogatus, non adquievit; comprehensus, aufugit.
    Pel. ad Demetriadem: Concupiscitur à domina Adolescens, nec ad
concupiscentiam provocatur: rogatur, & fugit: castum animum nec ætas
adolescentiæ permovet, nec diligentis auctoritas: nec aspectu solùm, sed ipso
penè complexu, provocatus à fæmina, fæminam non concupivit.
                          Zur 15 zeile des 140 blats.
Amici, qui sese mereri omnia præsumunt, si quidquam non extorserint, atrociores
sunt ipsis quoque hostibus. Aurelius Victor. Aut amat, aut odit Mulier: nihil
est tertium. P. Syrus. Sic omne coactum tragicum habet exitum. Baldus addit.
neque ab initio c. de Nupt.
                   Zur 28 und folgenden zeilen des 140 blats.
Scelere velandum est scelus. Seneca in Hippolito.
                   Zur 21 und folgenden zeilen des 148 blats.
Hiervon schreibet Moses im 39 h. seines ersten buches / in den drei letzten spr.
mit kurtzen worten: als auch Josef selber straks im anfange seines letzten
Willens.
                           Zum anfange des 193 blats.
Dieses erzählt Josef in seinem letzten Willen folgender gestalt: als ich also
gebunden und gefesselt lag /ward die Egiptische Frau vor schmertzen krank. Und
sie stund / und horchte / wie ich den HERrn lobete /und ihm dankte / in der
fünsternüs meines gefängnüsses. Dan ich priese meinen Gott mit fröhlicher stimme
/ und machte seinen ruhm gross; weil Er mich / durch diese gefangenschaft / von
der Egiptischen Frauen erlöset. Aber sie fing auch alhier an / mich von neuen zu
bestürmen. Wohlan dann / sagte sie / nehmt meinem vorschlag an / und tuht / was
ich begehre; so will ich euch von euren banden befreien / und aus diesem fünstern
loche erlösen. Aber so weit konnte sie mich nicht bringen / dass ich auch zu tuhn
Dan Gott liebt denselben / der in einem dunkelen gefängnisse sitzet / und in
reinligkeit fastet / vielmehr / als einen andern / der mit seiner Braut in
wohllüsten lebet. Und wan iemand in sauberheit lebet / und begehret ruhm und
ehre; so bekomt er sie von dem Allerhöchsten / gleichwie ich sie bekommen habe /
so fern es Ihn guht dünket. Ja sie kahm in ihrer krankheit vielmahls vor mein
gefängnüs / und wan sie mich bähten hörete / fiel sie mir üm so viel mehr
vedriesslich. Aber so bald ich ihr seufzen vernahm / schwieg ich stil / u.a.m.
                   Zur 12 und folgenden zeilen des 155 blats.
Hiesige geschicht beschreibet Moses im 40 hauptstükke seines ersten buchs zwar
weitleuftig genug /doch gleichwohl setzt er nicht ausdrüklich hinzu /warüm der
König seine zween Kämmerer zum gefängnüsse verdamet. Aber die Arabischen
Geschichte nennen ihre verbrechen mit ausgedrükten worten: als auch mehrgemelter
Greiffensohn in Josefs Lebensbeschreibung.
                        Zur letzten zeile des 160 blats.
Diesen zweifachen Traum des Königes erzählt Moses / im 41 hauptstükke seines 1
buchs / ausführlich: als auch Flavius Josef in seinen Jüdischen Geschichten /
und Pierius am 28 bl. seiner heiligen Bilderschriften.
                   Zur 10 und folgenden zeilen des 162 blats.
Sunt enim Somnia ex diurna cogitatione quasi in fidibus cessantis impulsus
extremæ quædam motiones, quæ ex impulsu resultant, eoque cessante adhuc
aliquandiu perdurant; inquit Gregor. Nicenus Tract. de opificio hominis c. 13.
Wer mehr von den Treumen zu wissen begehret / der kann des Apomasaris /sonderlich
aber des Artemidorus Traumbücher / aufschlagen; als auch den Aristoteles in
seinem Buche von 1 en Treumen / und unsren Schatz der ungesundheit / im 21
haupst. des 2. B. am 162 bl. u.a.m.
                           Zur 7 zeile des 167 blats.
Dieses erzählt Moses / im 9 und folgenden spr. des 41 h. seines 1 buches.
                     Zu den 3 letzten zeilen des 172 blats.
Alles dieses findet man im 33 und folgenden spr. de 41 haupst. im Buche der
Schöpfung.
                           Zur 5 zeile des 178 blats.
Durch das Reich der Schällenbügel verstehen wir alhier Egipten. Es ist eine
rähtslerische redens ahrt /aus dem Esaias genommen: welcher sein 18 hauptstükke
also anfänget: : das ist / weh dem Lande des Klingels oder der Schällen mit dem
rande / Cymbali orarum, id est Sistri, (da die Ifischen Priester mit
Klingelspielen oder Schällenbügeln spielen) jenseit den flüssen des Kusischen
Arabiens / trans flumina Chus, id est Arabiæ Chusææ: welches Bilder (das Heupt
des Osiris) in die See sendet / und zwar in gefässen oder schiffen vom
Papierschilfe auf den wassern. Oder kürtzer und eigendlicher: weh dem Reiche /
das die Schällenspiele gebrauchet: / und über den Arabischen flüssen lieget:
welches seine Götzenbilder in die See sendet / mit seinen schiffen auf den
wassern. Dieses ist / nach meinem urteile / die eigendlichste erklährung der
worte des Esaias / und derselben verstandes: der auch Hieronimus / in seiner
übersetzung ziemlich nahe / ja unter allen übersetzern am nächsten kommet;
welche also lautet: Væ terræ Cymbalo alarum, quae est trans flumina Ætiopiæ. Qui
mittit in mare legatos, & in vasis papyri super aquas. Das ist / weh dem
lande der Schällenflügel /das über den Mohrenländischen flüssen liegt. Der
Gesanten in die see schikt / und in fässern vom papierschilfe über den wassern /
u.a.m. Aber die siebenzig Tahlmetscher gehen weiter darvon ab / wan sie die
gemelten Ebreischen worte der Weissagung in die Griechische sprache folgender
gestalt übertragen: oyai ghs plaon pterygon epekeina potamon aitiopias; o
aposellon en talassh omhra, ki episolas biblinas epano toy ydatos. Dieses hat
der Lateinische übersetzer also gegeben: Væ terræ navium alarum, trans flumina
Ætiopiæ. Qui mittit in mari obsides, & epistolas papyraceas super aquam.
Das ist / weh dem lande der schiffe mir flügeln oder segeln / über den flüssen
des Mohrenlandes: der im meere bürgen oder pfandsleute / oder vielmehr pfände
ausschikket / als auch Sendeschreiben vom papierschilfe / über dem wasser. Eben
so weit weichet auch der Kaldeische übersetzer oder erklährer vom Ebreischen
grund verstande folgender gestalt ab: væ terræ, ad quam veniunt in navibus de
terra longinqua, & vela eorum extensa sunt, quasi aquila, quæ volat alis
suis; quæ est trans flumina Ætiopiæ. Quæ mittit in aquis nuncios, & in
trieribus super faciem aquarum. Das ist / weh dem lande / dahin man aus fernen
ländern auf schiffen kommet / und derer segel sich ausbreiten / wie ein Adler /
wan er mit seinen flügeln flüget; das über den flüssen des Mohrenlandes ist.
Welches in den wassern Bohten aussendet / und in dreirudrichten schiffen über
den flächen der wasser. Ja unsere Hochdeutsche übersetzung komt dem eigendlichen
sinne des Esaias nicht näher; wan sie also lautet: weh dem lande / das / unter
den segeln / im schatten fähret / disseit den wassern des Mohrenlandes: das
Botschaften auf dem Meere sendet / und in Rohrschiffen auf den wassern fähret.
Hier sehen wir / dass der übersetzer in betrachtung gezogen / dass Esaias im
Jüdischen lande geschrieben / und daher Egipten nicht beschreiben können / als
ein land über den Mohrenländischen flüssen; weil Mohrenland /nach dem Jüdischen
lande zu rechnen / nicht disseit /sondern jenseit Egipten lieget. Darüm hat er
auch / ob schon alle vorigen übersetzer das wort jenseit gebraucht / darvor
lieber disseit setzen wollen: damit seine übersetzung nicht wider die
gelegenheit der länder lauffen möchte. Aber er hette ganz nicht nöhtig gehabt /
dass wörtlein jenseit in disseit zu verändern /wan er gewust hette / dass Esaias
durch das wort Chus, nicht Mohrenland / sondern Arabien / verstanden. Und
hierinnen hatten ihn die vorigen übersetzungen / als auch die meinungen der
Kirchenväter und anderer verleitet. Dan fast alle alte Schreiber / als Filo /
Josefus / Eusebius / Hieronimus / Eustatius / der Verfasser des Alexandrischen
Zeitbuches / ja alle Altväter haben das land Kus vor Mohrenland gehalten: auch
selbst die alten Ebreer und Araber; den einigen Jonatan ausgenommen / welcher in
seiner Erklährung des 6 spr. im 10 hauptst. des buchs der Schöpfung vor das
Ebreische Chus Arabia gesetzet. Und dass diese letzte erklährung besser und
wahrhaftiger sei / hat der fürtrefliche Bochart in seinem Faleg am 238 und 239
bl. eben so gelehrt / als weitleuftig / erörtert. Die flüsse aber des Kussischen
Arabiens / welches ein teil des glücklichen und steinichten Arabiens ist / und
zwischen Egipten und dem Jüdischen lande lieget / seind Besor / der sich in die
Mittelländische see ergiesset; der flus Trajan / welcher bei der Heldenstadt in
das Rohte meer sich stürtzet; Koris / dessen Herodotus in seiner Talia gedenket
/ und andere. Nur eines wollen wir noch errinnern: nähmlich dass so vieler / ja
fast aller alten irtuhm aus der einigen übersetzung der siebenzig übersetzer
entsprossen: welche / weil sie hierinnen geirret / auch nachmahls alle ihre
nachfolger irren gemacht.
    Das obgemelte Ebreische wort , welches die meisten flügel erklähren / haben
wir rand verdeutschet: weil überal vor den rand oder das euserste ende eines
ieden dinges / so wohl der flüsse und der erde / als der kleider und gebeue /
genommen wird. Und also ist ein klingel oder eine zimbel der ränder oder mit
rändern ein Schällenspiel mit rändern oder mit einem bügel ümgeben: welches die
Griechen von saiomai, d.i. rütteln / bewegen / seisron, die Lateiner sistrum
nennen. Dan es ist eine gattung der so genenten Zimbeln: die Esaias alhier
billich das ist / ein klingendes spielzeug / vom klingen / tinnire, heisset.
Diese Klingelspiele waren von ertz / von silber / auch wohl von golde; wie
Apuleius im 11 seiner Verwandlungsbücher bezeuget: und hierinnen von den
gemeinen Klingeln oder Zimbeln unterschieden / dass diese rund waren /als ein
runter bächer / und als ein blat vom Nabelkraude gestaltet / wie Turnebus aus
dem Schribonius Largus im 33 h. des 26 b. anweiset; iene aber ei- oder
länglich-rund / mit einem rande /daran etliche schällen hingen / und / im
bewegen und anschlagen / einen lieblichen klang von sich gaben. Guido
Pancirollus l. 1. rer. memorab. deperditar. p. 29. Alexand. ab Alexandro l. 7,
c. 8. Demsterus paralipomen. ad Rosini Antiquitat. Rom. c. ult. l. 2.
    Von diesem Klingelspiele / cymbalo marginato, id est, sistro, hat Esaias das
Egiptische land terram sistratam, gleichwie andere die Egipter / oder vielmehr
ihre Priester selbst / sistratam turbam, genennet; weil nähmlich das
Schällenspiel oder der Klingelbügel ihr eigenes spielzeug war. Marziahl:
Linigeri fugiunt calvi, sistrataque turba.
Ovidius l. 3 Eleg.
Quid nunc sacra juvant? quid nunc Ægyptia prosunt Sistra.
Idem de Ponto l. 1, Eleg. 1:
    Jactantem Phariâ tinnula Sistra manu.
Juvenalis:
    Isis & irato feriat mea lumina Sistro.
Dan es war der Isis / als ihr eignes spielzeug / geheiliget / und ward von ihren
Priestern / wan sie ihre feiertage begingen / stähts gebrauchet. Daher singt
auch Tibul / im 3 ged. des 1 buchs:
Quid tua nunc Isis tibi Delia? quid mihi prosunt
illa tuâ toties æra repulsa manu?
    Wie nun / bei mehr gemeltem Esaias / des Egiptischen reichs eigene
kenzeichen das Klingelspiel / und dessen gelegenheit über den Kusischen oder
Kusisch-Arabischen flüssen seind; so schreibet ihm eben derselbe noch ein
drittes zu: nähmlich die sendung der Götzenbilder in die see / in papiernen
fässern / über den wassern. Alhier geben etliche das Ebreische wort Bohten /
gesanten / oder bohtschaften / auch briefe; wir aber Bilder oder vielmehr
Götzenbilder / vom zeitworte , das ist bilden. Dan also nennet eben derselbe
Esaias im 16 spr. des 45 h. die Bildhauer oder Bildschnitzer . Und hierdurch
verstehet der Weissager anders nichts / als des Osiris Heupt: welches von den
Egiptern zu Alexandrien jährlich in die see geworfen /und von dar in sieben
tagen vom Teufel nach Biblus getrieben ward; wie Luzian / in seinem buche von
der Sirischen Göttin / bezeuget. Auch melden Zirillus /und Prokopius / in ihren
Anmärkungen über den Esaias fast eben dasselbe. Macrobius l. 1 Saturnal. Elias
Schedius de Diis Germ. p. 74. Die Papierne fässer / oder Gefässe aus Papierrohre
oder Papierschilfe / seind auch anders nichts / als Egiptische schiffe / die man
vor alters aus diesem Egiptischen rohrschilfe zu machen pflegte; wie Teofrast /
und Plinius bezeugen. Des letzten worte seind diese: Ex ipso papyro navigia
texunt, & è libro vela tegetesque.
                           Zur 6 zeile des 178 blats.
Hier haben wir auf die sehr schmahle länge des Egiptischen Reichs / da der Niel
mitten durchhin fliesset /also dass er zu beiden seiten längst hin ein änges
zwischen den gebürgen liegendes land / als zween eingezogene flügel / hat / ein
auge gehabt. Und dieser schmahlen länge wegen / nennet Esaias in eben diesem
jetztgemeltem 18 h. die Egipter gentem in longitudinem extensam, ein
ausgestrektes / und in die länge gezogenes volk: welches / in unserer
Hochdeutschen übersetzung / uneigendlich / ein volk / das ausgemässen ist /
gegeben wird. Hiervon siehe / was wir droben in den Anmärkungen am 367 bl.
gesagt.
                          Zur 11 zeile des 178 blats.
Mit diesen worten zielen wir auf die königlichen Treume: welche Josef gedeutet /
und raht erteilet / wie dem gedreueten übel könnte begegnet werden.
                        Zur letzten zeile des 178 blats.
Errif / also schreibt es Leo der Afriker: welches eben so viel ist / als das
Arabische mit dem vorangefügtem Arabischen geschlechtsworte: das vor dem R
anders nicht ausgesprochen wird. Sonst wird es gemeiniglich ohne das
geschlechtswort gebraucht /als oder , welches in der alten Egiptischen sprache /
wie Horus im 7 h. des 1 b. seiner Bilderschriften bezeuget / eine Birne
geheissen. Und also ward eigendlich dasselbe teil des Egiptischen Reichs /das
itzund den nahmen Delta führet / nach seiner oben zugespitzten / und unten
breitlichten gestalt /von den Egiptern genennet; wiewohl man dadurch auch
zuweilen das ganze Egipten verstund. Die Ebreer haben daraus Rahab gemacht: und
dieses wort wird in der h. Schrift vielmahls ebenmässig vor das ganze Egipten
gebraucht: als im 11 spr. des 89 Harfenliedes / im 9 spr. des 51 h. bei dem
Esaias /und bei dem Job im 12 spr. des 26 h. wiewohl es in diesem letzten orte
vielleicht in einem ganz andern verstande stehen soll. Sonsten ist auch Errif /
welches wir alhier gleichmässig vor das ganze Egipten genommen / ein nahme der 5
Landschaft oder Reichs hauptmanschaft des Königreiches Fes: welche an die
mittelländische see stösset / sehr viel berge begreiffet /und ein rechtes
Weinland ist; wiewohl der wein schwartz von farbe.
                           Zur 1 zeile des 179 blats.
Hiermit haben wir auf den Nahmen Josef anspielen wollen: welcher auf so genente
Kabalistische weise /die uhrsachen / warüm ihn Jakob also genennet / anzuzeigen
/ folgender gestalt entknöhtelt wird:
    Josef. ' Gott
    hat mir benommen
    den mangel.
    Gott
    setze mir hinzu /
    mit hinzusetzen / einen andern
    Josef / das ist Sohn.
                          Zur 12 zeile des 179 blats.
Hiermit haben wir auf den Nahmen Assenat oder Asnat gezielet: welcher schön /
und zugleich auch eine Heilandin / Heilmacherin / oder Aertztin heisset: wie
auch auf Josefs ehrennahmen / der ihm nachmahls zugeeignet ward.
                     Zu den 3 letzten zeilen des 181 blats.
Der Basiliske / wan ihm ein spiegel vorgehänget wird / bläset mit seinem
giftigen ahtem / indem er sein bildnüs darinnen erblickt / und es vor einen
andern Basilisken ansiehet / so stark und so lange darauf zu /den gewähnten
Basilisken im spiegel todt zu blasen /bis er sich selben todt bläset: und darüm
wird er vor ein sinbild der Neidhämmel gehalten.
                   Zur 11 und folgenden zeilen des 184 blats.
Diesen Traum erzählt Josef seinen Söhnen selbst / in seinem Letzten willen.
               Zur 18 / 24 / und folgenden zeilen des 196 blats.
Im 41 haupstükke des Buches der Schöpfung / vom 39 spruche bis auf den 43
erzählt Moses diese begäbnüs mit kurtzen worten: als auch die Geschicht der
Assenat / und Josef der Jüdische Geschichtschreiber. Bei gemeltem hauptstükke
des Moses kann ebenmässig Kornelius à Lapide, in seinen Anmärkungen / gelesen
werden.
    Vom Elefanten / dass er der Könige sinbild gewesen / schreibet Johan Pierius
im 2 b. seiner heiligen Bilderschriften am 15 und 16 bl. weitleuftig. Dass er
sich nicht neugen oder beugen könne / und keine gelenke in den kniehen habe /
wird von etlichen bejahet / von andern verneinet; wie bei dem Aldrovanden /
Johnstohn / und andern zu lesen.
                        Zur 1 und 2 zeile des 198 blats.
 Tsaphnat Paaneach, der Egiptische Ehrennahme des Josefs / den ihm der König im
45 spr. des 41 h. aus dem Buche der Schöpfung giebet / wird auf unterschiedliche
weise gelesen / und erklähret. Die siebenzig übersetzer / die ihre übersetzung
in Egipten selbst gemacht / schreiben Pontonpanex: welches Hieronimus Salvator
mundi, das ist Heiland der welt / giebet; andere in grosser anzahl / einen
Ausleger der geheimnüsse / oder Verkündiger zukünftiger dinge. Viel lesen
Zophnat Paneah, auch Saphenat paneach; und wollen das erste wort vom
Griechischen sopos, das ist weise / oder ein weiser /herleiten. Aber dazumahl
wussten die Egipter von der Griechischen sprache noch nichts. Der seelige Luhter
gibt es einen Heimlichen Raht. Doch hiervon kann Amama über das Buch der
Schöpfung / als auch Kirchers Koptischer Vortrab / im 5 hauptst. und Johan
Vikkars über das 105 Harfenlied gelesen werden.
                          Zur 26 zeile des 198 blats.
Die Reichsstäbe der Egiptischen Könige hatten auf der spitze einen Storch oder
Storchskopf / und endigten sich unten mit einer klaue oder einem fusse vom
Fluspferde / aus golde oder anderem ertze gemacht; wie Suidas / und des
Aristofanes Ausleger /als auch Tisius am 151 bl. und Joh. Pierius am 170 /und
295 bl. melden; weil nun der Storch bei den Egiptern ein sinbild der frömmigkeit
und tugend / das flusspferd aber der Bosheit und untugend war; so wollten sie
hiermit andeuten / dass dieselben / die den Egiptischen Reichsstab führeten / die
Tugend und frömmigkeit erhöben / und ihr folgen; die untugend aber und Bosheit
mit füssen trähten und unterdrükken sollten. Dan wie der Storch seine Eltern so
liebt und ehret / dass er sie im alter speiset / ja selbst auf seinen flügeln
fortträget; so pfleger das Fluspferd / welches Hippopotamus genennet / und im
Niele / auch zu weilen bei demselben auf dem lande gefunden wird /seinen Vater
straks in der ersten jugend frefentlich anzufallen / und seine geulheit an der
Mutter zu büssen; wie Plinius im 25 h. seines 8 b. und Aristoteles im 7 des 2 b.
seiner Tiergeschichte bezeugen. Und dieses beides hat den Egiptischen Priestern
zur erfindung beider sinbilder anlass gegeben. Auch ist Keiser Hadrian eben daher
bewogen worden / einen Storch auf seine Müntzen / mit dieser beischrift / Pietas
Augusta, bilden zu lassen.
                   Zur 10 und folgenden zeilen des 200 blats.
Hiervon schreibet Moses also: und (der König) lies ihn auf seinem andern wagen
fahren / und vor ihm her ausrufen: der ist des Landes Vater. So hat der seelige
Luhter das wort Abrech verdeutschet. Aber Hieronimus giebet es / pater regis
tener annis, das ist / der zahrte und junge Vater des Königes: und Onkelus / als
auch Salomon Jarchi / und Judah / der jüngere Vater.
                          Zur 16 zeile des 201 blats.
Daher hat Polemon die Augen / als bohten des Hertzens / des Gemühts tühren
genennet: und der Heilverkündiger Matteus saget in seines 6 h. 22 spr. das Auge
ist des leibes licht. Wan dein auge einfältig ist / so wird dein ganzer leib
liecht sein. Wan aber dein auge ein schalk ist / so wird dein ganzer leib
fünster sein. Aber besiehe / was wir hiervon bei der 8 zeile des 21 blats
gesagt.
                   Zur 16 und folgenden zeilen des 202 blats.
Von der Stadt Heliopel haben wir droben bei der 29 zeile des 26 blats schon
überflüssig gehandelt.
    Das land Gessen / wie es Hieronimus / und nach ihm die meisten nennen / wird
von den siebenzig übersetzern gesem, Gesem / von andern Gossen /auch Gosen /
denen der seelige Luhter gefolget / und vom Artapan / bei dem Eusebius / Kaisan,
Käsan benahmet. Auch schreibet Benjamin / dass es zu seiner zeit Bulzir Zalbiz
geheissen: und etliche wollen /dass es itzund Tebais genennet werde.
    Vom Hermes Trismegist haben wir bei der 12 zeile des 5 blats ebenmässig genug
gesprochen.
                          Zur 11 zeile des 203 blats.
Des Jüdischen Schriftgelehrtens Eliesers worte vom Potifar lauten also: , hoc
est, Philosophus magnus, ac Præses literarum, & cultus Solis, etc.
                   Zur 20 und folgenden zeilen des 203 blats.
Alles dieses beschreibet die Geschicht der Assenat weitleuftig / und fast mit
eben denselben worten /welche wir alhier gebrauchen: ja die ganze begäbnüs /
wie sie auf dem 204 und folgenden blättern folget.
                          Zur 10 zeile des 206 blats.
Hieronimus / im 1 b. wider den Jovian / sagt von dem Weibesvolke also: Mulieris
tactus quasi contagiosus est ac venenatus, viroque fugiendus non minus, quàm
rabidissimi canis morsus. Und Diogenes urteilete von ihnen / nach seiner weise:
Mulier speciosa est templum ædificatum super cloacam.
                   Zur 28 und folgenden zeilen des 206 blats.
Die Keuschheit ist ein spiegel / der allein durch das anschauen / und anhauchen
verdunkelt wird /sagt Egidius. Und Hieronimus schreibet in seinen Briefen:
Memento semper, quòd Paradysi colonum de possessione sua Mulier ejecerit.
                       Zur 24 und 25 zeile des 208 blats.
Dass dieses üm das 2213 weltjahr / nicht lange vor Abrahams tode / geschehen sei
/ meldet Kircher in seinem Egiptischen Oedipus. Andere setzen es üm das 1840
jahr vor der Heilgebuhrt. Ja fast kein Schreiber komt hierinnen mit dem andern
in der jahrzahl überein.
                           Zum anfange des 109 blats.
Hiervon schreibet Plinius im 8 h. seines 36 B. von den sitten der Egipter: da er
zugleich meldet / dass Mitres / das ist Mizraim / der in der Sonnenstadt
geherschet / oder sein sohn Misramutisis / den die Araber Nakraus nennen / der
erste gewesen / der die Sonnenspitzen zu bauen angefangen: und dasselbe sei ihm
/ durch einen traum / befohlen worden. Aber dieses hat er ohne zweifel nur darüm
vorgegeben / damit es / als eine eingebung der Gotter / üm so viel höher
geachtet würde. Doch hiervon schreibet der Araber Abenefi viel anders.
    Wer von den Sonnenseulen mehr zu wissen begehret / der lese obgemelten
Plinius im 8 / 9 und 10 h. des 36 buches; als auch Isidoren im 31 h. des 18 b.
Blonden im 1 b. seines wiedererneuerten Rohms; den Polidorus Virgilius im 11 h.
des 3 b. von den Erfindern der dinge; den Panzirol im 1 b. von den verlohrnen
dingen am 66 / 178 / und 179 bl. die Araber Abulfeda / Artefi / Aben Vaschia /
und Kirchern in seinem Werke von den Feuerseulen / als auch im s Egiptischen
Oedipus / und in der Pamfilischen Sonnenseule. Diese Seulen waren alle aus
Tebischem Marmel: und man lieset nur von einer einigen bei dem Teofrast / die
aus vier Smaragden / 40 ellen hoch /aufgeführet gewesen / und in einem
Egiptischen Götzenhause des Jupiters gestanden. Plinius im 5 h. des 37 b.
                          Zur 14 zeile des 209 blats.
Diesen Seulen / welche wir nicht eigendlicher / als Sonnenspitzen / nennen
können / wird von den Lateinern / ihrer spitzigen und schlanken gestalt nach
/gemeiniglich der uhrsprünglich griechische nahme Obeliscus gegeben; welches so
viel heisset als ein kleiner Brahtspis. Dan obhliskos, veruculum, ist das
verkleinerungswort von obhlos, veru, brahtspis. Sie möchten zwar mit besserem
fuge / als so gar grosse Seulen / grosse Brahtspisse heissen: aber es scheinet /
dass ihnen dieser verkleinerungsnahme zuerst aus scherze gegeben / und darnach
also behalten worden. Die Araber nennen sie sonsten Messalet Pharaun, das ist /
Faraons spitzen oder nahteln: und die Wälschen / ihnen zur folge / Auguglia;
welches wort sie aus dem Lateinischen acus, das ist / eine nahtel / oder etwas /
das oben spitzig und scharf ist / gebildet. Dass man sie aber in der
Hochdeutschen sprache Nahteln / oder in der Niederdeutschen Naalden / welches
eigendlich Nadelen heissen sollte / nach der Araber messalet, und der Wälschen
aguglia nennen will / das lesset beider worte uhrsprung und uhrsprüngliche
bedeutung in unserer sprache nicht zu. Dan so wohl das Niederdeutsche nadel
/oder versetzt naalde / als das Hochdeutsche Nahtel /ist aus naht gebildet / und
heisset eigendlich ein werkzeug / damit man eine naht nähet. Was hat nun eine
Sonnenspitze mit der naht oder dem nähen zu tuhn / und was vor eine gleicheit
hat sie mit einer geöhrten Nahtel / oder einem dinge / damit man nähet. Darüm
komt den Sonnenspitzen der nahme Nahtel /zumahl weil diese rund / und jene
vierekkicht seind /anders nicht / als ganz uneigendlich / zu: ja noch viel
uneigendlicher den Grabspitzen / welche die Holländer auch Grafnaalden nennen;
weil diese so gar vierschröhticht plump und dikke seind / dass man sie eher
Zaunskaten / oder lieber Trümmel / als nahteln / nennen könnte: ja der nahme
Zaunstake / oder Trümmel selbst were zu wenig ihre so sehr dikke klumpfichte
gestalt damit zu verstehen zu geben. Zudem was haben wir nöhtig ein so gar
uneigendliches wort zu suchen / da wir so ein guhtes und eigendliches / nähmlich
Spitze / haben: welches zu beiderlei seulen sich überaus wohl schikket; weil es
nicht allein ein scharf- und schlank-spitziges / sondern auch ein stumpf- und
plump-spitziges ding bedeutet. Besser hat Hermes Trismegist selber seinen
erfundenen Sonnenseulen den nahmen Sonnenfinger zugeeignet: weil nicht allein
die Strahlen der Sonne / sondern auch die Sonnenseulen / die er nach ihnen
gebildet / den fingern der gestalt nach besser gleichen: und die sonnenstrahlen
seind auch als finger; damit die Sonne gleichsam üm sich greiffet / und ihre
herschaft in den vier Uhrwesen ausführet; ja manchem so hart auf den kopf und in
die augen tastet / wan er lange darinnen stehet / dass er es eine guhte weile
fühlet.
               Zur letzten des 2101 und ersten z. des 211 blats.
Hiervon besiehe den Vorbericht unsers Helikonischen Rosentahls / oder des
Ertzschreines der Deutschgesinneten Genossenschaft Rosenzunft /am 2 und 3
blatte. Dass Moses in der Egiptischen weisheit sei unterwiesen gewesen / lieset
man in der Zwölfbohten Geschicht / im 7 hauptstükke: ja dass er darinnen in
kurtzer zeit so zugenommen / dass er alle Egipter / durch scharfsinniges
nachdenken / übertroffen / bezeuget Filo der Jüde / als auch Justinus der
Weisemeister / in seinem Buche von den Heidnischen fragen / und Klemens im 5
seiner Prunkdekken.
                           Zur 9 zeile des 211 blats.
Tanis / tanis, wird bei dem Ezechiel / im 30 h. Tafnis Taphnis, davor
Hieronimus Zohan oder Zoan lieset / und vom Antonius Tanis, vom Egesippus aber
Tamna genennet. Dieser stadt wegen findet man so vielerlei meinungen / dass das
ende darvon weg ist. Etliche halten es vor des Ptolomeus peloysion, Peluse /
oder Eliopel / oder Helviopel; Arias Montanus vor Sin / und Libna / derer die
heilige Schrift gedenket; Benjamin vor Kaftor bei dem Amos im 9 h. andere vor
Tenes / und vor Damiate /oder des Steffans tamiaps. Aber weil Damiate dichte bei
der see lieget / und Tanis nicht / welches von etlichen wohl 100 meilen darvon
gesetzt wird; so kann unser Tanis keines weges Damiate sein; ja eben so wenig
Heliopel / davor man es auch will gehalten haben. Stephanus: Tanis, h polis tA
Aigyptoy, paloymon onomapomenh Tapnis, das ist / Tanis ist eine Egiptische stadt
/ die vor alters Tafnis hies. Zwischen dieser Stadt und Farbete / welche nahe
beieinander lagen / war der Kinder Israels heerlager; von dannen sie Moses durch
das Rohte Meer führete.
                   Zur 13 und folgenden zeilen des 211 blats.
Alles dieses findet man in der Assenat Geschicht /welcher wir in allem gefolget.
                       Zur 22 und 23 zeile des 217 blats.
Delta ist das Mitternächtige teil des Egiptischen Reichs / bei der see gelegen /
darüm wir es auch alhier den Nordwinkel genennet. Hiervon besiehe weiter / was
wir bei der letzten zeile des 178 blats / auch anderwärts erinnert.
                          Zur 11 zeile des 222 blats.
Wor alters pflegte man eine Rose über die tische zu hängen / damit einieder / so
bald er sie erblikte / eingedenk würde / dass er dasselbe / was er hörete /
verschweigen sollte. Daher ist uns noch das sprichwort geblieben / wan wir einem
guhten freunde etwas sonderliches / das verschwiegen soll bleiben / offenbahren /
dass wir zu sagen pflegen: dis sei unter der Rose geredet. Und also ist die Rose
ein sinbild der Verschwiegenheit; und zwar darüm / weil sie der Liebe
geheiliget; derer tuhn und wesen verschwiegenheit erfordert.
Est Rosa flos Veneris, cujus quo furta laterent,
Harpocrati Matris dona dicavit Amor,
Inde Rosam mensis hospes suspendit amicis,
convivæ ut sub eâ dicta tacenda sciant.
Und eben diese Verschwiegenheit ist eine von den fürnehmsten uhrsachen / warüm
einieder Mitgenosse in der Edelen Rosenzunft der Deutschgesinneten die Rosen /
oder etwas darvon / in seinem Zunftzeichen führet.
                     Zu den 3 letzten zeilen des 222 blats.
Erwägt es bei euch selbst / sagt Josef in seinem letzten Willen / ihr sehet vor
euren augen / dass ich /üm meiner langmühtigkeit willen / meines Herrn Tochter
zur Gemahlin bekommen; und 100 güldene talenten / das seind 60000 güldene krönen
/ mit ihr. Dan Gott schikte es also / dass meine langmühtigkeit mich beförderte:
un darzu gab er mir eine solche schönheit / dass ich war als eine Bluhme über
alle / die in Israel schön waren / u.a.m.
                                Zum 224 blatte.
Dass der König dem Josef sieben tage lang das freudenfest seines Beilagers / mit
allem / was darzu erfordert ward / versehen lassen / findet man in der Assenat
Geschicht / mit kurtzen worten / folgender gestalt beschrieben. Des andern tages
baht Josef den könig / dass er ihm die Assenat zur gemahlin geben sollte. Und
Farao gab sie ihm / und setzte eine güldene Krohne auf sein häupt / ja richtete
ihm sieben tage lang das Beilager aus.
    In eben derselben Geschicht findet man auch die Sonnenburg fast eben also /
wiewohl viel kürtzer /als wir getahn / beschrieben.
                                Zum 225 blatte.
Vom kraude Datura haben wir bei der 20 zeile des 128 blats ausfürlich gehandelt.
    Bei der stadt Alkeir wachsen auf den feldern zwei Kreuter / welche einander
fast ähnlich seind: als Moschkraut / und das so genente Bammie. Bammie schiesst
wohl vier oder fünf ellen hoch auf / und ist an bluhmen und blättern dem Käschen
- oder Pappelnkraude zimlich gleich; ohne dass die blätter an langen stielen
hängen / grösser / ja fast so gross als Kürbsblätter / und was rauch und haaricht
seind; auch die bluhme bleichgälbe / und fünfblättericht ist. Die ganze frucht
/ welche zu weilen fünf- zu weilen zehn-ekkicht / und den wilden Gurken nicht
ungleich /wird von den Egiptern in fleischsuppe gekocht; und der samen auch
absonderlich / als bei uns die Erbsen und Bohnen / zur speise zugerichtet. Das
Moschkraut nennen die Egipter sonst schlechtin Mosch / und desselben saamen
Abelmosch; weil es einen geruch hat / wie der Ostindische Moskus oder Muskes /
dem auch sein saame / dem geschmak und der farbe nach / gleich ist: und darüm
wird hiermit der Moschsaame / den man so überflüssig auch in Egipten selbst nicht
hat / als den so genenten Indischen Muskes / verfälschet / und alles vor
Moschsaamen verkauft; wiewohl der unterscheid / weil der Muskes seinen
lieblichen geruch bald verlieret / mit der zeit erkant ward. Vor etlichen jahren
ward mir ein teil solcher Muskeskörner aus Ostindien mitgebracht: welche zwar im
anfange / da sie noch frisch waren / einen lieblichen geruch hatten / aber
denselben in kurtzer zeit / mit der schwartzgrauen farbe / ganz verloren /und
verblichen. Das Kraut selber schiesst auf / wie das jetzt gemelte Bammie. Aber
die blätter gleichen mehr den blättern des Leusekraudes / und seind über und
über mit weislichten haaren besetzt; auch sprüssen die bluhmen zwischen dem
stängel und den stielen der blätter herfür. Aus diesen bluhmen werden runte
schwärtzlichte heuslein; darinnen kleine bitterhaftige körner von eben derselben
farbe sitzen. So wohl das kraut / als der saame / wird zu den Artzneien sehr
viel gebraucht; sonderlich vor das aufsteigen der Bährmutter / und die
ausgebliebenen Mohndstunden.
    Seewärmuht / ist in den Anmärkungen bei dem 150 blatte schon genug
beschrieben: da der Leser nachsehen kann.
    Efeu oder Ep-heu / welches wir ins gemein Wintergrühn / die Griechen Kiotos,
klymenos, dionysia, die Lateiner / Hedera von hærere, wie Festus will / weil es
an den mauren und rinden der beume gleich als fest klebet / und sich anklammert
/ auch längst denselben in die höhe steiget / darüm es die Niederdeutschen
Klimop heissen / als auch grote Veil / die Franzosen aber Lierre, und die
Wälschen Hellera, auch Hedera nennen / war dem Osiris geheiliget. Daher hatte es
auch in der Egiptischen sprache den nahmen xenosiris Chenosiris, das ist Planta
Osiridis, des Osiris gewächs oder pflantze; wie Plutarch im buche von der Isis
und dem Osiris bezeuget. Und von diesem Egiptischen Nahmen scheinet das wort
channa, oder vechanna, im 80 Harfenliede /entsprossen zu sein: darüber sonsten
die Tahlmetscher ihre köpfe dermassen zerbrochen / dass man wohl siebnerlei
verdeutschungen findet / welche meist alle vom rechten verstande sehr weit
abirren. Aber der Heilige Geist hat alhier ein Egiptisches wort gebrauchen
willen / anzudeuten / dass er von einem solchen Gewächse oder einer solchen
Pflantze handelte / die aus Egipten in das heilige Land versetzet und
fortgepflantzet worden. Und also können wir das work an gemeltem orte anders
nicht geben / als Pynon, plantam, ein gewächse / oder eine pflantze; weil es
kein Ebreisches / sondern Egiptisches wort ist.
    Aber die Egipter hatten nicht allein dieses gewächse dem Osiris / sondern
auch die Griechen ihrem Wein- und Bächergötzen / den Bachus oder Dionisen /
darunter Osiris / wie wir droben bei der 18 zeile des 1 blats angemärket /
verstanden ward / gewiedmet. Warüm sie solches getahn / wird im ersten teile
unseres Schatzes der Ungesundheit / am 46 blatte /angezeiget. Dass aber Plutarch
/ in seinen Röhmischen Fragen / meint  / dass das Efeu trunken und rasend mache /
weil es die rasenden und halbtolsinnigen Götzendienerinnen des Bachus zu essen
pflegten; solches kann nicht allein mit demselben / was der gelehrte Atehner im 5
h. seines 15 h. aus dem Griechischen Artzte Filonides / erzählt / sondern auch
mit der erfahrung selber widerleget werden. Dan die Alten pflegten anfangs das
heupt / wan es vom trunke weh tähte / mit einem schlechten bande zu binden:
darnach aber / an des bandes statt / einen Krantz von Efeu darüber zu stülpen;
weil dieses kraut zugleich der Trunkenschaft / ja der Raserei selber
widerstehet; wie Tertullian / von der Kriegskrohne / und Eusebius in seiner
Vorbereitung / bezeugen. Und daher haben es auch ohne zweifel die alten
Dichtmeister zu ihren kräntzen erwehlet; damit hierdurch ihre sinnen /die vom
vielen und scharfem nachdenken erhitzt / und in eine raserei gerahten / möchte
besänftiget werden. Aber hiervon kann ebengemelter Schatz der Ungesundheit am 12
blatte des 2 teils gelesen werden. Auch scheinet es / dass die Kräntze und
krohnen hiervon ihren uhrsprung gewonnen; und dass der erste Krantz von Efeu
gewesen / nicht allein in geselschaften der Zechenden / sondern auch der
Dichtmeister /und Helden. Dass ihn die Dichtmeister getragen / meldet Horatz in
seinem ersten gedichte von sich selbst /wan er spricht:
Me doctarum Hederæ præmia frontium
Dîs miscent superis.
und Ovidius zielet auch dahin / wan er / im 3 buche seiner Kunst zu lieben /
schreibet:
Nunc Hederæ sine honore jacent, operataque doctis
cura vigil Musis, nomen inertis habet.
Nach der zeit hat man auch Mirtenkräntze / Rosenkräntze / Lorbeerkräntze / und
dergleichen mehr aufzusätzen pflegen; damit nicht allein das gesicht /sondern
auch der geruch möchte ergetzet werden: wiewohl der Dichter Empedokles die
Lorbeerkräntze ganz verbieten will; vielleicht darüm / weil die Lorbeerblätter
alzustark riechen / und alzusehr erhitzen.
    Der Rundbaum / wird von den Griechen lotos, und von den Lateinern Lotus
genennet. Wir aber haben ihm den nahmen Rundbaum / wie auch dem Egiptischen
kraude / das auch Lotus genennet wird /den nahmen Rundkraut gegeben; weil an
allen beiden alles / nähmlich die Wurtzel / das blat / die bluhme / und die
frucht / mit dem Saamen / rund ist / wie Jamblich bezeuget. Der baum ist in
Afriken sehr gemein / wird fast so gross als ein Birnbaum / und hat solche süsse
Früchte / die an grösse den Bohnen gleich seind / und wie die Trauben reiffen /
dass auch ein Afriksches Land und Volk / dem diese früchte zur stähtigen speise
gedienet / darvon den nahmen bekommen. Ja daher wird auch das sprichwort loton
pagein, das ist / von der frucht des Rundbaumes essen / von einem solchen gesagt
/ dem fremde länder so angenehm und süsse seind / dass er seines Vaterlandes
vergisset. Homerus Odyss. 1. Plinius l. 13, c. 17, & l. 21, c. 17.
Teophrastus hist. pl. l. 7, c. 14. Auf gemeltes sprichwort zielet auch Ovidius
/ wan er in seinem 4 buche schreibet:
                        Nec degustanti Lotos amara fuit.
als auch Virgiel / wan er diesem baume das wort impia zueignet / indem er in
seiner Müskke / folgender gestalt spricht:
Inter quas impia Lotos,
impia, quæ socios Itaci moerentis abegit.
Mit dem worte Itacus meint  er den Ulisses / welcher in diesem so genenten
Inlande herschete / und durch sturm in Afriken angetrieben war; da er so viel
verdrusses / und so viel mühe hatte / seine gefährten wieder von dannen
wegzubringen. Das holtz von diesem baume ward sehr viel zu den Schalmeien oder
Pfeiffen genommen; weil der klang / der aus solchen pfeiffen geht / überaus hel
und lieblich zu sein pfleget. Und daher wird die Schalmeie bei den Orfeus
selber lotos genennet.
Kai rA h men lotoys, h dA ay xelhn ekbale xeiron.
In eben dem verstande brauchet auch das wort lotos Euripides in seiner
Fönizerin.
    Das Rundkraut wächset in den Egiptischen wassergräben / wie bei uns die
Seebluhmen / oder das Seebluhmenkraut / Nymphæa oder alga palustris, dem es sehr
gleich ist / und daher auch Egiptisches Seebluhmen-Kraut genennet wird. Ein
ieder stängel / der eben so lang / als das wasser tief ist / hat nur ein blat /
welches oben auf dem wasser schwimmet / und sich allezeit nach der Sonne / wie
man schreibet / zuwendet: oder aber nur eine bluhme; welche gleichesfals auf dem
wasser schwimmet / und wan ihre blätter abgefallen / einen runten knopf bekömt.
Die bluhme wird von den Egiptern Arais el nil, das blat aber Biselnil, und die
wurtzel Biarum genennet. Die blätter seind rund herüm gekärbet. Sonst kommen sie
mit den blättern der weissen Seebluhmen sehr überein: gleichwie auch ihre
bluhmen; die einen lieblichen geruch haben / und vor alters zu den
Siegeskräntzen genommen warden / wie Heliodor bezeuget. Die Egipter pflegen / in
den heissen sommertagen / die stängel / mit den knöpfen / welche süsse /saftig /
und sehr kühlende seind / zu essen. Auch wird von den knöpfen / und bluhmen ein
artzneisaft gepresset / und mit zukker vermänget: den die Araber Sarbet nufar
nennen / und wider alle innerliche entzündungen gebrauchen. Teophrast. hist.
plant. l. 4, c. 10. Herodotus l. 2. Plinius l. 13, c. 17, & I, 22, c. 21.
Homerus Iliad. x, Odiss. d. Dioscorides l. 4, c. 111, 112. Atenæus l. 14.
    Von den folgenden Kreutern haben wir in den Anmärkungen bei dem 102 blatte
gesprochen.
    Surnag / ist ein kraut / welches sonst auf der abendseite des berges Atlas
heuffig wächset. Dessen wurtzel hat eine sonderliche kraft den Saamen zu
vermehren / und die lust zum beischlafen zu erwekken. Ja diese kraft erstrekket
sich auch so weit / dass sie die jungen Mägdlein / wan sie nur ihr wasser darauf
abschlagen / ihrer Jungferschaft beraubet; und darüm haben wir ihre kraft eine
entjungfernde Manskraft genennet. Auch bezeugen die Bergleute alhier / dass ihre
Tochter / welche das vieh auf gemeltem gebürge zu hühten pflegen / wan sie ihr
wasser auf diese wurtzel gelassen / nicht nur ihre Jungferschaft verloren
/sondern auch über den ganzen leib aufgeschwollen weren.
    Vom Sant-baume / als auch vom Schwartzen Zimmetbaume / und Balsembaume /
haben wir bei der 1 zeile des 112 blattes weitleuftig gehandelt.
    Karneb oder Karob / das ist Mutter der Hörner. Also nennen die Araber in
Egipten denselben baum /darauf das so benahmte Johannesbroht wächset /von der
hornhaftigen gestalt dieser früchte. Er könnte sonsten auch Schohtenbaum heissen;
weil seine früchte anders nicht / als Schohten / seind / und auch also aussehen:
und die früchte selber Johannesschohten; welche der Teuffer Johannes in der
Wüste soll gegessen haben: daher sie auch den nahmen Johannesbroht bekommen. Die
Araber gebrauchen von diesem baume anders nicht / als gemelte frucht: daraus sie
einen sehr süssen saft ziehen / damit die Schwartzen Zimmetpfeiffen / wan sie
noch grühn seind / als auch die Tamarinden / und der Ingber / an zukkers oder
honigs statt / eingemacht werden. Und weil dieser saft oder honig den leib /eben
als das mark der schwartzen Zimmetpfeiffen / zu öfnen pfleget; so nehmen sie ihn
auch vielmahls zu den Abspühlern oder Klistieren.
    Die Musenbeume / die man / mit der frucht / sonsten schlecht hin Musa oder
Maus nennet / wachsen in Egipten / sonderlich aber in Mohrenland / und Guinee /
als auch in Sine; in dessen Landbeschreibung dieser Baum ausführlich beschrieben
wird.
    Der Wollenbaum / den die Araber Gotne el segiar nennen / ist derselbe baum /
darauf die Baumwolle wächset. Erstlich bekomt er eine bleichgelbe blüsse /mit
purpurfärbigen spitzen an den blättern: darnach aus derselben eine grühne frucht
oder nus / welche so gross ist / als ein apfel. Aus dieser frucht / so bald ihre
schahle sich / im reiffen / öffnet / komt eine schlossweisse wolle / mit
dunkelbraunen körnern / gekrochen. Aber diese Wolle oder Baumwolle wächset auch
an einem Kraude in Kandien / Zipern / Apulien / und Sirien; welches man
Wollenkraut nennet: und wird aus gemelten ländern heuffig in Egipten geführet.
    Die Atlenbeume seind den Tamariskenbeumen fast gleich / ohne dass sie viel
höher / ja zu weilen so hoch / als ein Eichenbaum / aufschiessen / auch längere
und schmählere blätter haben; welche vol grühner haare sitzen. Ihre früchte
seind so gross / als eine nus / und anders nicht als Galäpfel.
    Lablab / ist ein baum / welcher / mit vielen ranken / wie ein Weinstok /
auch eben so hoch aufschiesset /und an gestalt und blättern den Röhmischen
Bohnen ganz gleich ist. Zwei mahl im jahre bekomt er blüssen: welche den
Röhmischen Bohnenblüssen fast ähnlich; und zu langen und breiten schohten werden
/ darinnen schwartze und röhtlichte Bohnen / mit dunkelbraunen flekkern / wie
die Röhmische Bohnen / sitzen. Und daher haben wir ihn auch Schohten- oder
Bohnen-baum genennet. Gemelte Bohnen gebrauchen die Egipter zur speise / eben
wie wir die unsrigen: als auch zum tranke / den etliche vor den so genenten
Koffee-trank halten.
    Alkanne / oder Elhanne ist ein vielzakkichter grühnblätterichter baum oder
vielmehr hoher strauch: dessen blätter den öhlblättern / und blüssen den
Fliederblüssen / welche das Egiptische Frauenzimmer zur lust mit in das bad zu
nehmen pfleget / fast gleich seind. Mit den blättern / daraus eine gälbe farbe
gemacht wird / treiben die Egipter einen grossen kaufhandel. Auch mahlen mit
derselben safte die Frauen ein zeichen auf die nägel der finger / gleich als
einen halben mohnd: darauf es lange zeit stehen bleibet / eh es vergehet. Ja sie
färben mit dem staube der zerstossenen Blätter / den sie Archenda nennen / und
mit wasser befeuchten / ihre hände und füsse: welches sie vor eine grosse
schönheit halten.
    Die Sebestenbeume / die man auch Brustbeerenbeume nennen könnte / weil ihre
früchte / welche die Hochdeutschen Artzneihändler zu weilen auch Brustbeeren
heissen / vor alle gebrechen der brust dienen /seind zweierlei: wilde / und
zahme. Die zahmen tragen grössere Beeren / als die wilden: und werden eher reif.
Die blüssen seind weis: und die früchte / die darauf folgen / den kleinen runten
pflaumen nicht ungleich; auch haben sie dreiekkichte kerne.
    Der Dattelnbaum ist eine gattung der Palmenbeume. Die Araber nennen ihn so
wohl / als die frucht / Dachel. Er ist zweierlei geschlechtes: ein Mänlein und
Weiblein; welche beide mit den zakken müssen zusammengefüget werden / damit sie
einander gleichsam ümarmen und küssen können: sonst tragen die Weiblein keine
frucht. Auch pfleget man den staub / der in den hülsen / welche die Araber dux
nennen / darinnen die Datteln wachsen / sitzet / auf die zakken der Weiblein /
sie fruchtbar zu machen / vielmahls zu streuen; wiewohl Vesling / in seinen
Anmärkungen über den Alpien / eine andere uhrsache der fruchtbarkeit dieser
beume beibringet. Kein baum giebet so grossen nutzen / als dieser. Dan die
früchte seind nicht allein eine guhte speise / und zu vielen gebrechen eine
artznei; sondern auch das holtz selber /mit dem baste / und der rinde / als
auch den blättern /wird / im bauen der heuser / und schiffe / auch sonsten / zu
vielerhand dingen / gebraucht. Und darüm halten die Araber den baum in solchen
ehren / dass sie fast einem ieden teile desselben / und nachdem diese beschaffen
/ einen sonderlichen nahmen geben. Ein blat nennen sie Zaaf: einen zakken mit
datteln / Samarrich: eine junge unreiffe Dattel / Talla; eine was grössere /
Nin; eine halb reiffe / Ramich; eine ganz reiffe / Bellan; eine verfaulte /
Rotob; und eine getrüknete / Tamar. Ja eben daher ist es kommen / dass man den
Sieges-helden die Palmenzweige / als ein zeichen ihrer fürtrefligkeit /
zugeeignet. Es ist ein wunder / dass dieser baum / der so gar dünne und kurtze
wurtzeln hat / und unten am stam-ende so gar schlank ist / die grosse last seines
heuptes / mit so vielen zakken und früchten / tragen kann / und dass er von den
winden nicht ümgeworfen wird. Und dieses hat den Egiptern zu dem wahne / dass er
von der luft lebete / anlass gegeben. Ja wir könten daher auch selber anlass
nehmen / diesen Palm- oder Datteln-baum den schmächtigen / doch darbei weisen
und vielgeschäftigen Leuten / als ein Sinbild / zuzueignen. In der Griechischen
sprache wird seine frucht daktylos, bei dem Dioskorides / im 67 h. seines 1 b.
als auch andern /genennet: und eben daraus scheinet das wort Dattel gebildet zu
sein. Sonsten heisset daktylos eigendlich ein finger: und nach dem finger / weil
sein erstes glied lang / und die zwei letzten kurtz seind / haben die
Dichtmeister / bei dem Plutarchen in seinem Buche von der Singekunst / dieselbe
gattung der Schritte ihrer Reimbände / derer erstes glied auch lang / und die
zwei andern kurtz seind / ebenmässig daktylos geneñet. Wir geben ihnen / in
unsrem Hochdeutschen Helikon / gemeiniglich den nahmen des Dattelschrittes /
oder eines Lang-gekürtzten: und den Reim selber heissen wir einen Dattel- oder
Palmen-reim; ja die ganze Reimahrt / die Datel- oder Palmen-ahrt. Auch wird
dieser Reimgattung solcher nahme nicht unbillich zugeeignet: weil sie / unter
andern uhrsachen / alle andere Reim-ahrten / eben wie der Datteln- oder
Palmen-baum / alle andere beume / übertrift; indem sie viel schweerer zu machen
/ und /wan sie wohl gemacht worden / die allerzierlichste und fürtreflichste zu
sein pfleget. Ja man kann auch dann erst denselben vor einen Dichtmeister halten
/wan er sein Meisterstükke mit dieser Datel- oder Palmen-ahrt / indem er sie
wohl zu machen weis / erwiesen / und also den Palmenzweig / als ein zeichen
seiner fürtrefligkeit / darvon getragen. Aber hiervon kann unser Hochdeutscher
Helikon / und unsere Helikonische Leiter / da wir von der Dattel- oder
Palmen-ahrt ausführlich handeln / gelesen werden.
    Die Damarinden- oder Sonnen-beume werden von den Egiptern Terelside / von
den Arabern aber Tamarinden / das ist / eine Indische frucht / weil sie aus
Indien / in Arabien / und Egipten / gebracht worden / genennet. Wir haben ihnen
den nahmen Sonnenbeume gegeben: weil ihre blätter / welche fort und fort grühnen
/ und den Mirtenblättern gleich seind / sich stähts nach der Sonne zu kehren;
auch / mit ihrem untergange / sich schliessen / und mit ihrem aufgange / wieder
öfnen. Ja diese blätter bewegen sich / im zuschliessen dermassen / und gehen mit
solcher kraft zusammen / dass sie auch die nächstängenden schohten mit
einklämmen / und nicht eher los lassen / als bis die sonne wieder aufgehet. Die
grühnen Schohten oder früchte dieses baumes / welche eigendlich Tamarinden / das
ist Indische früchte / genennet werden / machen die Araber mit Zukker ein; und
geniessen sie / wan sie durch wüsteneien / in heissem wetter / reisen / vor den
durst und brand. Dan sie treiben alle verbrante feuchtigkeiten / durch den
stuhlgang / ab.
    Vom Balsambaume haben wir droben in den Anmärkungen bei der 1 zeile des 112
blats / schon genug gesprochen.
                                Zum 226 blatte.
Die Egiptischen Bohnen seind ebenmässig in den Anmärkungen bei der 3 zeile des 16
blats gnugsam betrachtet: wie auch Bammia bei dem vorigen 225 blatte.
    Von den Egiptischen Melohnen / haben wir in den Anmärkungen zu den 3 ersten
zeilen des 116 blats gehandelt.
    Der Babian / oder vielmehr Bafian vom baffen und klaffen der hunde / das er
nachtuht / deswegen er auch so wohl / als von der gestalt / bei den Griechen
kynokepalos, cynocephalus, das ist Hundeskopf / caniceps, heisset / genennet /
ist eine sonderliche gattung der Affen: und daher heisset er auch Cercopitecus;
und bei uns Hundesaffe. Luc. in Hermat. Plin. l. 7, & l. 8, c. 54. Angellius
l. 9, c. 4. Pancirollus in Nov. repert. p. 406. welcher alhier / unter andern
/meldet / wie Hermes Trismegist / oder die Egiptischen Prister / nach dem
zwölfmahligem wasser-abschlagen / und eben so vielmahligem baffen und bällen des
Bafians in einem tage / indem er solches / so oft eine stunde verlauffen /
allezeit wiederhohlet / das Wasseruhr erfunden / wie auch die einteilung des
tages in zwölf stunden. Ohne zweifel hat hier von unser wort stunde seinen
uhrsprung: weil diese stündliche zeit über / des Bafians wasser / samt seinem
gebaffe / gleichsam stil stund; oder aber / weil nachmahls in den wasser- und
sand-leuffern / wan eine stunde vorbei war / des wassers oder sandes lauf stund
/ und zu lauffen aufhielt / indem alles wasser /oder aller sand ausgelauffen.
Von einem solchen Wasseruhre / das / in der Egiptischen stadt Achante / die tage
und stunden eines ganzen jahres angezeiget / meldet Pierius in seinem 6 buche
von den heiligen Bilderschriften / am 57 und 58 bl. Dass aber der Bafian dem
Serapis geheiliget gewesen / bezeuget Viktorinus / mit dem Tullius. Und Plinius
meldet /dass er auch dem Merkuhr zugeweihet worden. Was er vor eine wunderliche
gleicheinstimmigkeit mit dem Mohne habe / zeigt Pierius am 56 bl. des gemelten
buches an. Von der gestalt und dem gebrauche des Wasseruhrs kann Apuleius / in
seinem 3 buche vom güldenen Esel / gelesen werden / als auch in seiner ersten
Verantwortungs-schrift / und Wilhelm Budeus ad l. ult. § defensores. ff. de
Muneribus.
    Der Adeler vom Adel / den er vor allen andern Vogeln besitzet / daher er
auch vor ihren könig gehalten wird / also genennet / scheinet darüm von den
Lateinern Aquila, als sagte man Acula, benahmet zu sein; weil er ein so gar
scharfes gesichte hat / dass er auch mit unverwanten augen in die stärksten
sonnenstrahlen hinein sehen kann. Plinius meldet im 3 h. seines 10 b. von sechs
ahrten der Adler: als da sind / der Bein- oder stein-brecher / Ossifragus oder
Ossifraga, welcher der stärkeste und gröste unter allen ist /und darüm also
geneñet wird / weil er die beine von der höhe auf den steinen in stükke fallen
lesset: der Bunte Adler / Heteropus, dessen rechtes bein himmelblau / das linke
/ mit dem schnabel / dunkelbraun und weislicht / der leib auch dunkelbraun / mit
schwartzen flekkern durchschäkkert / gleichwie der hals / samt der brust / das
übrige aber schwartz gefärbt: der Entenstosser oder Entendieb / Aquila Anataria,
und Clanga oder Planga: der Flekadler / Aquila nævia, oder Schildkröhtenfresser
/ welcher die schildkröhten von der höhe herab auf einen stein in zwei fallen
lesset. Und durch einen solchen schildkröhtenwurf hat Eschiles / der
Trauerschauspiele erfinder / wie Kwintilian bezeuget / sein leben eingebüsst.
Dan als er unter dem blossen himmel blosses heuptes sass / da warf ihm einer von
diesen Adlern /der seine glatze vor einen stein ansah / im flügen eine
Schildkröhte auf das heupt / dergestalt dass es zerschmettert ward; wie Valerius
Maximus im 12 h. seines 9 b. erzählt. Besiehe auch unsere Horazische
Sittenlehre / am 64 und 65 bl. des 2 Teiles. Der Fischadler / Haliæetus, Aquila
marina, welcher der schwächste unter allen: der Weisschwantz / Pygargus, welcher
am allerlängsten lebet; weil er sein weiblein selten / und anders nicht / als
mit grossen schmerzen der augen / besteiget. Welcher unter diesen sechs
geschlechtern der Adler den Egiptern sei heilig gewesen / stehet im zweifel.
Doch urteilen etliche / dass es der erste / nähmlich der Beinbrecher / als der
edleste / guhtahrtigste und stärkeste / sei. Warüm er aber dem Jupiter
geheiliget / und unter das Gestirne gesetzt worden / darvon kann unser
Dichterischer Sternhimmel am 175 / 176 / 177 und 178 blatte gelesen werden.
    Von den übrigen Tieren und Vogeln haben wir schon hier und dar meistenteils
erklährung getahn. Darüm wollen wir nur allein noch etwas vom Sonenvogel
beibringen. Also nennen wir den vogel Fönix auf Hochdeutsch / gleichwie er auch
bei den Lateinern Avis Titania, und Soligena heisset: weil er / durch die
aufgehenden sonnenstrahlen / gleichsam wiedergebohren wird / und derselben
gläntzende farbe führet; daher er auch Poinix heisset / und nicht vom baume
Fönix / welcher eine gattung der Palmen ist / und /nachdem er verwelket / sich
aus sich selber verjünget / wie Plinius in 2 h. des 10 b. meint . Von seinem
alter / als auch vom orte / da er sich aufhelt / und dem tode / den er ihm
selbst antuht / oder vielmehr seiner verjüngung / seind sehr viel
unterschiedliche meinungen: davon unser Dichterischer Sternhimmel / am 311 / 312
und 313 bl. als auch Pierius in seinen heiligen Bilderschriften / am 198 / 199
bl. kann gelesen werden. Unter andern gedenken auch dieses Vogels Hieronimus an
den Presidius / Klaudian / Tzezes im 5 b. seiner Gesch. Ateneus im 14 b.
Filostratus / Herodotus im 2 b. Seneka im 4 Sendeschr. Solinus /Mela / Albertus
/ Ortel in Titana, Adamantzius / Laktantz / im 10 b. 2. h. Ovidius im 15 seiner
Verwandlungsbücher / und im 2 seiner Liebsgedichte / Artemidor von den treumen /
Tazitus im 14 seiner Jahrgesch. Aldrovand / und Jonstohn am 152 bl. seiner
Tiergesch. Kaussinus / von den Egiptisch. Sinbild. am 71 und 127 bl. Tertullian
von der Auferstehung des fleisches. Etliche wollen gleichwohl nicht gestehen
oder gleuben / dass iemahls ein solcher Vogel in der welt gewesen / unangesehen
dass es so unzehlich viel Schreiber bejahet. Und diese / ob sie schon so
unterschiedlich davon schreiben / seind doch in dem alle einhällig / dass der
Sonnenvogel sich verjünget oder selbst wiedergebähret. Ja die meisten stimmen
auch hierinnen zusammen / dass solches in der Sonnenstadt / das ist zu Heliopel
in Egipten /wie die Priester alda selber bezeugen / geschehe: wiewohl Ovidius
schreibet / dass der alte Sonnenvogel ein nest von vielerhand köstlichen
gewürtzen auf einen Palmenbaum mache / und sich darinnen /indem die heissen
sonnenstrahlen das gewürtz angezündet / verbrennen lasse; ja dass erst darnach der
junge Sonnenvogel / der aus des alten asche gewachsen / solches nest / als des
alten grab / und des jungen wiege / nach Heliopel / vor das Götzenhaus der Sonne
trage: da der allererste Sonnenvogel / wie der von Atehn meldet / soll
entsprossen sein.
    Münster ziehet / in seiner Weltbeschreibung /einen Brief des
Mohrenländischen Königes von diesem Vogel an den Pabst zu Rohm an; darinnen
unter andern diese worte stunden: In unserem Gebiete befindet sich der Vogel
Fönix / dessen lebensjahre sich auf 300 erstrekken. Dieser flieget üm das ende
seines lebens so hoch gegen den Himmel auf / damit er durch die sonne angezündet
werde. Hierauf schwingt er sich wieder herunter in sein nest; da er ganz
verbrennet. Aber aus der asche wird ein Wurm geboren; daraus endlich ein ander
solcher Vogel wächset. Man beschreibet ihn so gross als einen Adler / mit
goldstrahlenden federn üm den hals herüm / und auf dem übrigen leibe purpurrot;
auch mit einem himmelbauen schwantze / welcher mit rosenfärbigen flekkern
durchspränkelt / und auf dem heupte mit einer zierlichen federkrohne.
                          Zur 24 zeile des 227 blats.
Matarea oder Mattaria / welches zwischen einem kleinen Seepfuhle und einem
Wassergraben / 7000 schritte von Alkeir / und 250 von Heliopel lieget / ist in
den Geschichten / als ein ort / dahin die Jungfrau-Mutter mit dem Heilkinde
Jesus / vor dem Wühteriche Herodes geflohen / gnugsam bekant: wie auch der alte
Egiptische Feigenbaum alda; welcher nicht sehr hoch ist / aber seine mit vielen
reisern bewachsene zakken zimlich weit ausbreitet. Die Egipter nennen ihn Giumez
oder Giumes / und die Egiptische Kristen / Tin el Pharaon, das ist Faraons
feige: die Griechen aber sykomoros, als wollten sie sagen Feigen-maulbeerbaum /
oder ein Maulbeerbaum mit Feigen; weil der ganze baum / dem stamme / den zakken
/ früchten / der milch und farbe nach / dem Feibaume / mit der gestalt aber und
grösse der blätter / dem Maulbeerenbaume gleichet; wiewohl seine blätter dikker
seind / und des winters niemahls abfallen. Aber er wächset nicht allein in
Egipten / sondern auch im heiligen Lande so heuffig / dass er in der heiligen
Sprache nicht in der einzelen / sondern mehrern zahl genennet wird. Seine
früchte pflegen wir sonst Adams-feigen zu nennen. Eben ein solcher baum war
derselbe / darauf Zacheus / bei dem Heilverkündiger Lukas im 19 h. gestiegen /
den HERren Kristus zu sehen. Darüm haben die übersetzer / welche das wort
syromoraia an gemeltem orte Maulbeerenbaum gegeben / die rechte ahrt des baumes
nicht getroffen. Dan es war ganz kein Maulbeerbaum; weil er dem Feigenbaume bei
weitem mehr gliche /als jenem / ja ganz andere früchte / nähmlich Feigen /trug.
Diese Feigen seind von innen hohl / auch sonsten an gestalt von den andern
gemeinen feigen in etwas unterschieden. Sie wachsen auch nicht / wie jene / oben
an den zakken / sondern dicht bei dem stamme: welcher allezeit mus aufgerjetzt
werden / wan der baum tragen soll; sonst bleibt er unfruchtbar / eben wie jener /
daran der HERr Kristus keine Feigen fand / und ihn deswegen verfluchte.
Dergleichen beume /welche sehr alt werden / auch / wan ein zweig darvon in die
erde gestekt wird / sich bald bewurzeln / und in die höhe schiessen / pflegt man
längst den Nielstämmen hin / wie bei uns die Weiden bei den wassergräben / zu
pflantzen; damit das erdreich / durch ihre wurtzeln / zusammengehalten / und vom
Niele nicht abgespühlet werde. Und eben daher lieset man bei dem berühmten
Rechtsgelehrten Ulpian / da er von ausserhalbgewöhnlichen Mistahten handelt /
diese satzung: dass niemand sich unterfangen soll einen Egiptischen Feigenbaum
auszurotten. Dass aber der uhralte Egiptische Feigenbaum bei Matarea keinen
menschen / der in unehren gezeuget ist / unter seinen Zakken soll hingehen lassen
/ wie etliche schreiben / scheinet nur ein mährlein zu sein. Hierunter gehöhren
auch manche erzehlungen vom Sonnenbrunnen; welcher nicht weit darvon lieget /
und von den Türken selbst / eben wie gemelter Baum / gleichsam vor heilig
gehalten wird.
                                Zum 128 Blatte.
Bubast / Boybaso, lieget / nicht weit von Heliopel /am eusersten arme des Niels
/ nach Kanaan zu. Ziegler meint  / dass es Vicus Judæorum sei: wiewohl Wissenburg
daran zweifelt. Josefus meldet /aus dem Maneton / dass es vor alters Avaris
geheissen: welches etliche Castra Judæorum nennen.
    Tebe / welches Teodor aus Sizilien sehr herrlich beschrieben / pflegen
viele Diospolis / auch wohl Busiris / und die Ebreer No-ammon / oder Ammon-no zu
nennen. Etliche wollen es vor eine nicht sehr alte Stadt halten. Gleichwohl
meldet Kircher / im 1 teile seines Egipt. Oedipus am 85 blatte / dass Misraim
ihren grund geleget: und andere / dass Busiris sie gebauet / oder vielmehr ihren
bau vermehret / und die stadt erweitert. Homerus nennet sie ekatompylon, das ist
eine hundert-tohrige. Auch schreibet Juvenal / in seinem 15 Schimpfgedichte:
Arque vetus Tebe centum jacet obruta portis.
Und diese Tohre sollen alle hängende gewesen sein /wie etliche wollen / also dass
die Könige ganze kriegsheere in solcher stille aus und ein geführet / dass es
die bürgerschaft nicht einmal gewahr worden. Andere schreiben / dass es keine
hängende Tohre gewesen: sondern hundert unter der stadt hin ganz überwölbete
Schwibbogen; dadurch die Könige ihre völker gleichsam unsichtbar aus der stadt /
und wieder hinein führen können. Wieder andere halten diese 100 tohre vor so
viel fürstliche Schlösser: noch andere vor so viel Prunktühren der Götzenheuser;
oder auch Pferdeställe / bei dem Niele / da man in einem ieden 200 pferde
gestallet. Von der macht dieser herrlichen Stadt sagt Kato bei dem Steffan von
Bizantz / dass sie 30300 Dörfer / 700000 Menschen / 3700 morgen landes / und 400
wälsche meilen in ihren länge / begriffen; und Eustatius schreibet dieser länge
noch 20 wälsche meilen mehr zu: da doch Strabo im 17 b. welches auch gleublicher
/ nur 80 zehlet; ja Diodor ihren ümkreus auf 140 ümschränket. Aber hiervon
schreibet Bochart / in seinem Faleg am 314 und 315 blate / ausfürlicher. Zu
Strabons zeiten lag diese prächtige stadt schon über einen hauffen / und ward
nur stükweise bewohnet.
                           Zur 3 zeile des 229 blats.
Daher ist das Griechische sprichwort: ek toy oran ginetim to ean. Und wir sagen
fast eben auf den schlag: durch schauen / komt trauen. Ja eben daher gebrauchet
der berühmteste Schauspielschreiber unter den Lateinern / vor charissimus, das
wort oculissimus, das ist / einer den man nie aus den augen lässet / vor grosser
liebe; mit einem worte / der Allerliebste. Dan die Augen seind die führer / und
zugleich anzeiger der Liebe. Sehr ahrtig spielet Katullus / wan er an seinen
Mitbuhler schreibet:
Quinti, si tibi vis oculos debere Catullum,
aut aliud, quod charius est oculis:
eripere ei noli multò quod charius illi
est oculis, si quid charius est oculis.
Der verstand ist: wan du wilst / dass Katullus dich mehr / als herzlich / lieben
soll; so mache ihm dasselbe / das er mehr / als herzlich / liebt / wan man ie
etwas mehr / als hertzlich / lieben kann /nicht abwendig. Aber hiervon besiehe /
was wir bei der 8 zeile des 21 bl. angemärket.
                           Zur 1 zeile des 233 blats.
Diptera, diphtera, das ist / ein fel von einem tiere. Also nennet man
gemeiniglich des Jupiters Geschichtbuch; darinnen er alles / was geschiehet /
aufzuzeichnen gewähnet wird. Wir heissen es alhier seiner Amme fel; weil es vom
Pergament aus der ziegen Amalteen felle / welche ihn geseuget / wie die alten
Dichtmeister gedichtet / soll gewesen sein. Melchior Guilaldinus, in tractatu de
Papyro; Pancirollus l. 2, tit. 13, p. 627. Sonderlich kann hiervon unser
Dichterischer Sternhimmel am 90 / 91 / 126 / 127 /und 128 bl. gelesen werden; da
wir ausführlich erklähret / wer diese Amaltee eigendlich gewesen / und was die
alten Dichtmeister darvon gedichtet. Von diesem Felle / oder vielmehr Tagebuche
des Jupiters seind unter den Griechen unterschiedliche sprichwörter entstanden.
Wan einer etwas / das unbekant / seltzam / oder so alt und verjahret zu sein
schien / dass niemand mehr darvon wusste / oder aber was sonderliches sein sollte /
vorbrachte; so pflegte man gemeiniglich zu sagen: arxaiotera tera diopteras
laleis, du bringest dinge vor / die älterseind / als Jupiters Ziegenfel / das
ist / Verzeichnüs. Diesem zur folge haben wir an einen klügelsüchtigen
Naseweisen / der ihm mehr zu wissen einbildete / als alle andere Menschen /
eines wahls geschrieben:
Du hast der Amme fel des Jupiters durchschauet.
Das rühmt auch Koridon / der deinen worten trauet.
Doch dünkt mich / dass es nicht in dieses Fel geschehn:
es war ein Hürtenbeltz / darein du hast gesehn.
Dan das wort diphtera heisset bei dem Aristofanes / da er von einem
Ziegenhürten redet / und dem Luzian / auch ein lederner oder beltzerner Mutzen
/aus Ziegen- oder Schafs-fellen / den die Hürten /Schäfer / und Schäferinnen
tragen / rheno, pastoritus, Arnacis Varroni. Daher wird ein Hürte bei dem Pollux
dipteritis, und eine Hürtin dipteritis genennet. Auch pflegten die alten
Griechen von ihrem Jupiter / wan er / nach langem verzuge / iemand böses oder
guhtes vergolt / zu sagen: o Zeis kateide xronios eis tas dipteras, das ist /
Jupiter hat endlich einmal in sein Ziegenfel gesehen. Fast eben dahin zielet
auch unser sprichwort: Gott kann uns wohl eine zeit lang unsere zeche borgen;
oder durch die finger sehen. Dass man aber nicht allein vor alten zeiten aus der
Tiere felle geschrieben / sondern auch noch itzund; solches bezeuget unser
Pergament / welches so viel gesagt ist / als Pergamisches schreibefel. Dan in
der berühmten Asischen stadt Pergam oder Pergamus / die der fürtrefliche Artzt
Galenus / als sein Vaterland / wie Leuenklau schreibet / noch berühmter gemacht
/ seind nach Varrons und Plinius im 11 h. des 13 b. zeugnüsse / die
Schreibefelle zum ersten erfunden; und nach ihrem nahmen Pergament oder
Pergameen / Charta Pergamena, gleichwie das wort Charta selbst von der so
benahmten Tirischen stadt / genennet worden. Man schreibet zwar die erfündung
des Pergaments dem Eumenes zu / welcher eben eine solche Bücherei /als Ptolemeus
Filadelf / zu Alexandrien in Egipten / angefangen / zu stiften gesonnen: weil
aber Josefus in seinen Jüdischen Geschichten meldet / dass Eleasar / der Hohe
Priester zu Jerusalem / die Heilige Schrift auf sehr zahrtes Pergament
geschrieben / gemeltem Ptolemeus / schon vorher durch die siebenzig übersetzer
zugeschikt; so ist wahrscheinlich / dass Eumenes der erste erfinder nicht sei /
sondern nur anstalt gemacht / dass das Pergamentmachen eifriger fortgesetzt
worden. Zudem seind die meisten bücher in der Alexandrischen Bücherei / welche
sich / als sie unter dem Könige Basiliskus verbrante / auf 120000 belieffen /
meistenteils auf Pergament geschrieben gewesen. Unter andern war in dieser
herrlichen Bücherei ein Trachenfel oder Eingeweide von einem Trachen / 120 füsse
lang: darauf man alle Werke des Homerus / samt der Geschicht der Helden / mit
güldenen buchstaben geschrieben; wie Johan Zonaras im 3 teile seiner Jahrbücher
aufgezeichnet.
                   Zur 23 und folgenden zeilen des 233 blats.
Dieses alles findet man bei dem Araber Josef Ben Altifasi / und Ben Salamas / in
seinem Garten der Wunder der welt: welcher auch zugleich meldet / dass des Schurs
Grossvater Schariak / gewesen.
                   Zur 8 und folgenden zeilen des 234 blats.
Eben derselbe Salamas erzählt dieses gleichfals an gemeltem orte. Hierbei kn
auch Peter Bellonius / da er von den Egiptischen Grabspitzen handelt / gelesen
werden; als auch Fürst Radziviel in seinem Reisebuche.
                                Zum 236 blatte.
Von allen diesen Götzenbildern ist droben / in den Anmärkungen bei dem ersten
und andern blatte / auch hier und dar in der folge gehandelt worden. Auch kann
hierbei Kirchers Egiptischer Oedipus / da er diese Götzenbilder / mit den
heiligen Bilderschriften der Leichen / weitleuftiger erklähret / gelesen werden.
                                Zum 238 blatte.
Von den Sarapen haben wir ebenmässig in den Anmärkungen bei der 27 zeile des 7
bl. gnugsame erklährung getahn. Von den Papiernen Rollen / die man in die Särge
zu legen pflegte / kann obgemelter Kircher in seinem buche von den Gebalsemten
und ausgedürreten Leichen der Egipter gelesen werden. So kann man auch hiervon
den Guyterus / in seinem buche von den Geistern / da er unter andern beweiset
/dass die Röhmer in den Leichengeprängen den Egiptern fast ganz gefolget /
aufschlagen. Niemand aber hat alles / was zu den Egiptischen gebalsemten Leichen
gehöret / besser und ausführlicher beschrieben /als gemelter Kircher in seinem
Buche von der Egiptischen Bilderschrift; als auch Johan Nardius / in seinen
Anmärkungen über den Lukretz / und Peter della Valle.
                            Zum ende des 239 blats.
Von den ewig brennenden Lichtern / ob sie die Alten zu machen gewust / fallen
vielerhand unterschiedliche meinungen vor. Die solches bejahen / führen etliche
beispiele zum beweis an: als unter andern das ewig brennende Licht / welches im
1401 jahre / samt des Pallas Riesenleichnam / ein bauer / nicht weit von Rohm
bei der Tiber / gefunden / mit dieser Grabschrift / welche Volaterran
aufgezeichnet:
Filius Evandri PALLAS, quem lancea Turni
militis occidit, mole suâ jacet hîc.
Diese Lampe hatte schon über 2000 jahre gebrant /und brante noch / gegen wind
und wasser / bis sie unversehens ein loch bekahm / und die feuchtigkeit heraus
lief; da sie straks verlosch. Noch ein anderes ewig brennendes Licht hat man zur
zeit Pabst Pauls des dritten / auf dem Appischen wege vor der Stadt Rohm / in
des Zizerons Tochter begräbnüsse / gefunden; und darbei diese Grabschrift:
                              TULLIOLÆ FILIÆ MEÆ.
Den unverbrenlichen steinichten Flachs / davon diese ewigbrennende daachte /
welche die Franzosen mente sans fin heissen / gemacht waren / nennen die
Griechen asbesinon Asbestinum, welches man von asbeson, das ist unausleschlich /
gebildet. Dieser Flachs ward aus einem eisenfärbigem steine gemacht; wie Plinius
im 10 h. des 37 buchs aufgezeichnet. Von etlichen wird der stein amiantos,
amiantus genennet: wiewohl andere jenen von diesem unterscheiden. Amiantos
heisset sonst rein / unbesudelt / unbeflekt. Daher amiantos litos, lapis
intemeratus, immaculatus, ein unbeflekter stein. Plinius nennet ihn linum vivum,
lebendigen flachs: die Griechen aber asbeson und asbesinon linon,
unausleschlichen leinen flachs. Die Hochdeutschen geben ihm vielerlei nahmen:
als Federweis / Erdflachs / Salmanderhaar /Katzensilber / Glimmer / Pliant /
Asbest / und Amiant. Der stein selber wächset auf dem Inlande Zipern / ist dem
gegrabenen Allaun fast gleich / und wan er ins feuer geworfen wird / bleibt er
unverseeret / und rein. Auch hat man ehmahls tücher darvon gemacht; welche / wan
sie beschmutzt waren / ausgebrant / und durch das feuer / wie das Leinwand durch
das wasser / rein gemacht warden. Plinius l. 36, c. 19. Dioscorides l. 5, c.
119, 148. Georg. Agricola, Encelius , etc.
                            Zum ende des 240 blats.
Dieser Irhof wird Labyrintus ad Lacum Mæridis genennet / und lag nach
Krokodilsstadt zu / wie Herodotus / und Plinius melden: da auch Märis soll
begraben liegen. Herodotus teilt ihn in zwölf Höfe / Plinius aber in sechzehen.
Hierinnen lag / unter andern / des Simendis oder Ismendis Grabbau / zwee morgen
landes lang / und 45 ellen hoch.
                   Zur 18 und folgenden zeilen des 244 blats.
Dass die Ebreer der Hürtenlieder erfinder gewesen /haben wir in einem Gedichte
vor unsrem Salomonischen Geistlichem Hürten-liede / oder Hohem Liede / wie es
ins gemein genennet wird / als auch noch mehr in einem unter der
Höchstpreiswürdigen Deutschgesinneten Genossenschaft Sendeschreiben / erwiesen.
Von den Schatten-liedern / das seind Hürtenlieder unter dem schatten / welche
die Wälschen itzund / mit einem neuen nahmen / Madrigalen nennen / hat Kaspar
Ziegler / ein Leipziger / im 1653 jahre einen zimlichen Unterricht heraus
gegeben. Aber ich wundere mich / dass er schreiben darf: das kleinste
Schattenliedlein habe bei den Wälschen weniger nicht / als fünfreimbände / und
das längste niemahls mehr als funfzehn; ja er hette nur eines von sechzehen bei
Johan Baptist Leonen gesehen. Aber ich finde bei dem Ritter Guarin eines von
einundzwanzig reimen / ja ein anderes gar von dreiundzwanzigen / nicht
liederweise eingeteilet / sondern in einem zuge hin: und bei eben demselben noch
ein anderes mit vielen Sätzen; darinnen ieder satz nur vier reime begreiffet.
Gleichwohl will ich gern gestehen / dass ich diesem Ritterlichen Dichtmeister /
und mehr andern der Wälschen / die dergleichen getahn /hierinnen keines weges
folgen wollte; sondern das ganze Schattenliedlein / wan es in einem satze
bestehet / mit gemeltem Ziegler / viel lieber auf das allerhöchste mit funfzehn
reimbänden schliessen. Vor diesem haben die Wälschen vom worte Madrigaal ganz
nichts gewüst; sondern dergleichen Schattenliedlein / derer Petrarche selber
etliche gemacht / zu und nach seiner zeit / nur schlecht hin Canzon ein lied
/oder Canzonette ein liedlein genennet. Aber lasset uns hören / was der
Königliche Französische Geheimverpfleger und Tahlmetscher / der höchstlöblichen
Deutschgesinneten Genossenschaft Mitglied / unter dem Zunftnahmen des
Deutschliebenden / P. Bense-dupuis, in seinem Apollo von der Wälschen und
Spanischen Dichterei / am 177 / und 178 bl. hiervon schreibet. Le Madrigal, sagt
er / peut estre comparé aussi bien, que le Sonnet, àl' Epigramme des Latins
& des Grecs, c'est le moindre de tous les Poëmes Liriques: & la seule
difference, qu'il y peut avoir entre l'Epigramme, & le Madrigal, est, que le
Madrigal se chante, & l'Epigramme non. Je ne trouve point que le mot de
Madrigal ait esté connu des Anciens, au moins ay-je pris garde, que dans les
vieilles impressions de Petrarque il n'en est de tout point fait de mention:
& ceux, qui ont commenté les premiers cét Auteur, se sont contentez
d'appeller du nom commun de Chanson, ou du diminutif Chansonette, ce que
modernes appellent Madrigal. Bembo mesme en ses Asolans ne luy donne point
d'autre nom, non plus qu' Horace n'appelle pas moins Odes, celles de huict vers,
que celles, qui en contiennent cinquante. Ainsi cét Auteur au dernier Livre
parlant de la Chanson, qui fit chantée par cette Damoiselle, qui servoit
d'Eschanson à la Reine, la qualifie de Chansonette. Questa Canzonnetta cantò
tanta piacevolezza, e con maniere cosi nuove, &c. Et Lodovico Dolce, en son
Traité de la Poësie vulgaire, l'allegue puor example des Madrigaux, qui sortent
des suiets Rustiques, pour traitter de matieres plus relevées.
Amor la tua virtute
non è dal monde, a da la gente intesa,
che dal viltate offesa
segue suo danno, e fugge sua salute.
Mà se fosser tue lodi conosciute
tra noi, si come là, doue risplende
più del tuo vivo raggio,
dritto camino e saggio
prenderia nostra vita, che no'l prende;
e tornerian con la prima beltade
gli anni de l'oro, e la felice etade.
Lorentz Franzosien von Florentz beschreibet das Schattenliedlein / dass es eine
gattung der Gesänge / oder zusammenfügung der Reimbände sei /welche die Hürten
zu singen pflegen. Madrigale, sagt er / una sorte di canzone, o composizion di
versi, che solevano cantare i pastori. Und an einem andern orte schreibet eben
derselbe: Madrigale o Madrigale, poësia lirica, non soggetta à regola di rime,
das ist / das Schattenliedlein ist eine liederdichterei / den gesetzen des
reimes nicht unterworfen. Hierzu füget er auf Spanisch: Madrigal villanzico, das
ist / das Madrigaal ist ein Feldgesang / ein Gesang / den man auf dem lande oder
felde finget: welches eben so viel gesagt ist / als ein Schäferlied /oder
Hürtengesang. Also erklähret auch des Spanische wort Villanescas der Herr Isola
in einem an mich abgelassenem schreiben / da er von den Schattenliedern handelt.
Villanescas, schreibet er / canzoni, che soglion cantare i contadini, das ist /
ein gesang / den die landleute oder bauren zu singen pflegen. Aber ein ander
beschreibet das Spanische wort Villanzico, nicht als ein Feld- oder Hürten-lied
/ sondern als einen Freudengesang auf ein fröhliches fest: una sorta di
canzonetta allegra, che si canta in feste d'allegrezza, come per natale, etc.
Und bei dem Kornelius Kilian wird es Cantio celerior Italica, sive Musica
levicula genennet. Dem sei nun wie ihm wolle / so erscheinet doch aus allen
ümständen / dass diese Liederahrt vor alters anders nichts / als eine gattung der
Schäfer- oder Hürten-lieder / gewesen; und darnach erst zu allerhand andern
vorfällen / als ein kurtzbündiges Sin-gedicht / gebraucht worden. Dan wir sehen
augenscheinlich in allen dergleichen alten Liederahrten / dass sie von nichts
anders / als von büschen / beumen / wiesen / tählern / weiden /bluhmen / flüssen
/ bächen / vogeln / schatten / und dergleichen in büschen und auf feldern
befindlichen dingen handeln. Aber wir wollen den berühmten Deutschliebenden noch
einmal hören / was er am 179 bl. seines obgemelten Apollons hiervon urteilt.
Les Italiens, schreibet er / l'appellent Madrigale, & par sincope Madriale,
du nom Mandra, qui veut dire troupeau, bergerie, loge ou caverne, où les bergers
se retirent. Le mot de Mandra est Grec, & signifie caverne: & de là
vient, qu'en la primitive Eglise celuy, qui estoit Superieur entre ces anciens
Pere Grecs, qui vivoient dans les deserts, & qui n'avoient pour demeure que
les autres & les cavernes, qu'ils y pouvoient rencontrer, s'appelloit
Archimandrita, c'est à dire, Chef de troupeau. De sorte qu'il nous faut dire,
que le Madrigal en son commencement n'estoit autre chose qu'une Chanson
pastorale & rustique, que les Bergers chantoient dans leus Bergeries, ou
plustost, comme dit Couarruvias auteur Espagnol, dans les Cavernes, où ils se
retiroient sur le midy, pour laisser passer la grande chaleur. Et de fait
Petrarque en ceux, qu'il nous a laissez, qui sont en fort petit nombre, ne parle
que d'eaux, de rivieres, de fontaines, de ruisseaux, de glace, d'arbres, de bois
, d'herbes, de fleurs, d'oiseaux, d'ombrages & autres choses champestres,
& boscageres. Mais à present l'on s'en peut servir pour toutes sortes de
suiet. Et nous pouvons dire des Madrigaux ce, que Cesar Scaliger dit des
Epigrammes, Epigrammatum gener a tot sunt, quot rerum, il y a d'autant de sortes
de Madrigaux, qu'il y a de sortes de sujets. Et à quelque matiere que le
Madrigal puisse estre appliqué, pourveu que le suiet en soit bien pris, que la
pointe soit subtile, & sans cette contrainte, que Hugo Grotius condamne
ouvertement dans les Epigrammes, nihil potest esse tam fatuum, quàns extortum
Epigramma; il sera tousjours de mise, & pourra passer pour bon. Hier sieht
man / dass der Deutschliebende das wort Madrigal herleitet vom Griechischen
mandra: welches so viel heisset / als ein stal / oder eine bucht des viehes /
oder die Hürden / darinnen man die schafe des nachtes einsperret; als auch eine
höhle / bei dem Teokritus in seinem 5 Gedichte; ja selber ein ort / da der
wein /in den Weinbergen / gekeltert wird. Vom worte gal / das dem gemelten
mandra, daraus man das n oder n weggelassen / zu ende beigefüget wird / erinnert
er zwar nichts. Aber ich halte / dass es so viel heissen soll / als ein lied oder
gesang / oder vielmehr hal / schal / klang. Dan gallen hat bei den alten
Deutschen hallen oder schallen / auch wohl singen und klingen bedeutet: wie das
noch jetzt übliche niederdeutsche galm / das ist ein hal / oder widerschal / ein
zurückprallender klang / und unser Nachtigal / welches so viel heissen soll / als
ein Vogel / der des nachtes gallet / hallet / singet / klährlich bezeugen. Und
also heisset das wort Madrigal so viel als ein Stal- oder Hürden-lied / ein
Heerden- oder Hürten-gesang /oder aber ein Höhlenlied; welches die Hürten oder
Schäfer bei ihren Hürden oder Heerden in den höhlen gesungen. Wir haben es
lieber ein Schattenlied geben wollen; weil es die Hürten / wan sie üm den
heissen mittag / vor der sonnenhitze / entweder in den höhlen / oder unter
dikbelaubten beumen / unter dem schatten geruhet / zu singen pflegen. Es ist
auch nichts fremdes / dass die Wälschen das letzte wortglied gal in Madrigale von
den Deutschen entlehnet; weil nicht allein sie / sondern auch die Spanier / ob
sie uns schon so fern entlegen / ja noch weit mehr die Franzosen mit vielen
andern wörtern dergleichen getahn. Die Wälschen haben auch das wort gallillo,
das ist / ein glöklein / oder auch die Luftröhre im schlunde oder halse /
dadurch der hal und klang der stimme geht oder gemacht wird. Dieses ist nirgend
anders her / als aus unserem alten deutschen gallen (daraus auch galm / eben wie
aus hallen / hals /und halm / den die Hürten zur pfeiffe gebrauchen /gebildet)
entsprossen. Ja eben daher hat das Lateinische wort Gallus, das ist ein Hahn /
der durch seinen hällen hal den tag anzeiget / selber / und nicht vom alten
nahmen der Franzosen Gallus, wie etliche / weil die Hähne zuerst in Frankreich
sollen entsprossen /oder in grosser mänge / zum fechten oder Hahnenkampfe /
erzogen sein / fürgeben / seinen uhrsprung gewonnen. Dan dieser Völker nahme
Gallus, oder zuerst des ganzen Reichs / Gallia, ist ohne zweifel vom Hahne /
den sie Gallus vom gallen oder hallen genennet / indem er sich alda hauffenweise
befunden /entsprungen. Und also heisset Gallia so viel als Hahnenland: gleichwie
Spanien Kaninenland / und Lusitanien / welches nun Portugal genennet wird /
Mandelnland / weil man in jenem viel Kaninen /und in diesem viel Mandelnbeume
gefunden / dem uhrsprunge der wörter nach / bedeuten. Dan Spanien hat seinen
nahmen nicht vom Waldgötzen Pan / wie Sostenes im 13 b. und andere treumen /
sondern vom Ebreischen oder Fönizischem worte saphan, dass ist ein kanien /
daraus Sphanija oder Spania gebildet: und Lusitanien auch nicht vom erdichteten
Lusus / wie Plinius / aus dem Varro / im 1 h. des 3 b. meldet / sondern von lus,
das ist eine Mandel oder ein Mandelbaum / bekommen. Und diese nahmen scheinen
ihnen die Fönizier oder Kananeer / als sie von den Kindern Israels aus Kanaan
verjagt worden / und sich in diesen ländern niedergelassen / gegeben zu haben.
Mir ist im übrigen auch sehr wohl bekant / dass andere das wort Madrigale lieber
von madre herleiten wollen / also dass es ihnen so viel sein soll / wie sie
schreiben / als Madre della gale, das ist eine Mutter der lieder. Und dieses
gefället mir auch nicht übel; weil ein Schattenliedlein in der taht und wahrheit
/ indem es so klein ist / eine Mutter / das ist ein uhrsprung / begin oder
anfang der andern lieder und gesänge genennet werden kann. Dan in dem verstande
wird / so wohl im Wälschen / als Spanischen / das wort madre, als auch matrize
vielmahls gebraucht: nähmlich madre della stampa, cioè la forma che getta le
lettere, o i caratteri, das ist / ein werkzeug / darein die drukbuchstaben
gegossen / oder darnach sie gebildet werden: matriz de la emprenta; welches
unsere Schriftgiesser / den Wälschen zur folge / auch Matrizen / als wollten sie
sagen / die Mutter oder Mütter der Buchstaben /zu heissen plegen. So benahmen
wir auch die Muschel / darinnen die Perlen wachsen / oder daraus sie ihren
uhrsprung haben / Perlenmutter / wie die Spanier Madreperla, und die Wälschen
Madre de perlas, d.i. nacar, o concha de perlas. Madre del rio, Madre del fiume,
das ist ein uhrsprung der flüsse / ein spring / ein kwäl / sagen die Spanier und
Wälschen gleichfals auf eben den schlag. Von mehr andern erklährungen handelt
der Hochgelehrte von Kempen / unter den Deutschgesinten der Unsterbliche / in
seinem Berichte von den Schattenliedern oder so genenten Madrigalen. Wie nun die
Wälschen diese Schattenliedlein auf so vielerlei weise machen / kann man bei
ihren Dichtmeistern sehen: als bei dem Hieronimus Pret / Sachet / Bokaz / Ariost
/ Bembus / Bernia / Navager / Tassus / Stiglian / Orsien / Peter Michaeln / und
andern; als auch bei der edlen Röhmerin Margareta Kosta / in ihren
Liebesbriefen: vor allen aber bei den zween berühmten Rittern / Marin und Guarin
/ die in dieser Liederahrt auch alle neuen und alten übertreffen. Unter andern
findet man bei dem letzten ein so zu nennen zusammengeketteltes Schattenlied /
von 84 Reimzeilen; darinnen die sätze zuweilen 14 / zuweilen 4 / zuweilen 6 /
zuweilen 12 / zuweilen 10 Reimbände haben.
                          Zum 246 / 247 / 248 blatte.
In diesem Schattenliedlein werden die zur Ehlichen Liebe gehörige eigenschaften
beschrieben: nähmlich im 1 satze geben wir zu erkennen / dass sie rein /
ungefärbt / ohne falschen schein und aller dinge unbeflekt sein mus; gleichwie
die reinen Schäflein /die erst aus der schwämme kommen: im 2 / dass sie sanfte /
lieblich / anmuhtig / und ohne einigen zorneifer / oder andere heftige
gemühtsbewegungen sei; gleichwie die sanftmühtigen und gedültigen Schäflein: im
3 / dass sie auf unverfälschter Treue beruhe; indem die Braut ihrem Gatten eben
so treulich folget / als die Schäflein ihrem Schäfer: im 4 / dass sie beständig
in solcher Treue bleibet; indem sich die Braut endlich mit ihrem Breutigam in
liebe und treue der massen verbindet / dass beider Liebe mehr und mehr zunimt: und
im 5 / dass die solcher gestalt reine / sanftmühtige / treue / beständige und
endlich vereinbahrte Liebe mit seegen vom Himmel gekröhnet werde / und den
höchsten preis / die schönste krohne des ruhmes / darvon trage.
                          Zur 20 zeile des 262 blats.
Dass Josef die meisten Feuerspitzen in Egipten / zur bewahrung des getreides /
bauen lassen / haben viele darvor gehalten: derer Meinung auch Nazianzenus
beipflichtet / und zugleich saget / dass solches der nahme pyramis selber guht
hiesse; weil pyros so viel gesagt sei / als weitzen / oder getreide / und daher
pyros auch eine Weitzen- oder Korn-scheune bedeute; wie dergleichen gebeue noch
itzund von den Egiptern genennet würden. Isidorus l. 15, c. 2. Chassaneus in
Catalogo gloriæ mundi part. 12, consid. 75. Pierius l. 39. Hierogl. de Meta.
Etymologus. Ful. Solinus. Plinius l. 36, c. 12. Zu Karaffar oder Massar / zwo
meilen von Alkeir / findet man noch itzund sieben alte gebeue / welche vor
Josefs Kornheuser /wie Beauvau schreibet / gehalten werden.
                   Zur 32 und folgenden zeilen des 262 blats.
Cornelius à Lapide, in vers. 34, 35, 36 capitis 41 Geneseos: Omnes Ægyptii hoc
septennio fertilitatis, jussu regis, compulsi sunt quintam partem frugum suarum
vendere Regi, servandam in septennium sterilitatis: aut certè, ut vult Tostatus,
durante isto septennio fertilitatis vetuit rex frumentum Ægypto efferri, &
exteris vendi. Frumentum scilicet non trituratum, non excussum, ut simul
jumentis recondatur suum pabulum, puta stramina, paleæ, etc. ut Philo annotat.
Andere wollen / dass dieser fünfte teil / den der König / oder Josef vor den
König / vorweg genommen / mit königlichen geldern sei bezahlet worden: wieder
andere / dass man ihnen andere mittel und wahren / als holtz aus den königlichen
büschen / steine / und dergleichen dinge / darvor gegeben.
                          Zur 20 zeile des 263 blats.
Hiervon schreibet Herodotus / und andere. Auch haben die Griechen und Röhmer
nachmahls / den Egiptern zur folge / dergleichen Untersuchungen des lebens /
welche sie Judica Censoria nenten / ebenmässig angestellet. Pancirollus l. 1.
Rer. deperditar. memorab. p. 282. Sonderlich hat Solon die Satzung /dadurch alle
Egipter verbunden waren / ihre nahmen bei ihren Reichshauptleuten anzugeben /
und zu sagen / wovon sie sich erhielten / bei den Atehnern aufgebracht. Jo.
Ravisius Textor in Teatro Historico l. 3, c. 6, de Ægypt. legib. p. 234.
                            Zum 264 und 265 blatte.
Von dieser des Josefs Korneinsamlung handelt auch Greiffensohn in Josefs
Lebensbeschreibung / am 170 / 171 / 172 bl. weitleuftig.
                          Zur 16 zeile des 226 blats.
Isokrates schreibet / in seiner lobrede des Busiris /die uhrsache des
Götzendienstes bei den Egiptern den Königen zu; und meint  / dass er darüm
eingesetzt sei / damit das gemeine volk den Königlichen gebohten gehorchen
lerne. Tysius in Descript. Ægypti p. 137.
                          Zur 17 zeile des 267 blats.
Besiehe in der Anmärkung bei der 19 zeile des 65 blats / was Ruben / in seinem
Letzten willen / hiervon saget: als auch das 42 heupst. des Buchs der Schöpfung
/ von den folgenden begäbnüssen.
                          Zur 13 zeile des 268 blats.
Delrio meint  / dass Josef seine Brüder darüm drei tage im gefängnüsse liegen
lassen: damit sie vor das dreifache verbrechen / an ihm begangen / nähmlich weil
sie vorgehabt ihn zu tödten / ihn in die grube geworfen / und dann verkauft /
drei tage lang büssen möchten. Aber solches könnte besser auf die drei tage /so
lange sie ihn in der grube liegen und hungern lassen / gedeutet werden.
                       Zur 17 und 18 zeile des 270 blats.
Dass Josef darüm den Simeon vor allen andern binden lassen / weil er die meiste
schuld hatte / dass er zum leibeignen war verkauffet worden / ist des Gennadius /
Filo / Teokritus und vieler Altväter Meinung. Auch ist solches aus der heiligen
Schrift selber genug abzunehmen.
                            Zum 273 und 274 blatte.
Hiervon schreibet Moses vom 16 spruche an / bis an das ende des 43 hauptstükkes
seines 1 buches.
                     Zum 275 / und folgenden zwei blättern.
Dieses wird im 44 haupstükke des Buches der Schöpfung / auch noch weitleuftiger
vom Samuel Greiffensohn / in Josefs Lebensbeschreibung am 198 / 199 /und 200
blatte / erklähret.
                           Zum 279 / und 280 blatte.
Hiesige begäbnüs erzählt Moses ebenmässig im 45 hauptstükke des Buchs der
Schöpfung; als auch Greiffensohn / und Josef / der Jüdische Geschichtschreiber.
                                Zum 282 blatte.
Hierbei kann gemelter Greiffensohn am 214 / 215 /216 blatte gelesen werden. Auch
kann man Josefs und Benjamins Letzten willen nachsehen / wie Josef seiner Brüder
übeltaht / an ihm begangen / allezeit zu vertuschen / und guht zu machen
getrachtet.
                   Zu den drei letzten zeilen des 283 blats.
Dieser Fürst / der das gelobte Land eingenommen /und unter die Kinder Israels
ausgeteilet / war Josua /des Nuns sohn / der zuvor Hosea hies / aus dem Stamme
Efraims / des sohns Josefs / entsprossen; wie aus dem 13 hauptstükke des 4 buchs
Moses zu sehen.
                                Zum 284 blatte.
Diese beschreibung der leibesgestalt Jakobs findet man in der Assenat Geschicht:
da / unter andern /auch von der anzahl der Kinder Israels / die / mit ihrem
Vater / in Egipten kahmen / diese worte zu lesen: darüm zog Jakob / durch ein
gesicht von Gott gestärkt / mit 66 Seelen in Egipten; also dass ihrer / er / und
Josef / mit seinen zwee Söhnen /darzu gerechnet / 70 beieinander waren. Und
Jakob war 130 jahr alt / als ihn Josef vor des Königes angesicht brachte. Im
andern jahre des Hungers / am 22 tage des zweiten mohndes /kahm Israel / mit
seinem ganzen Geschlechte / in Egipten / u.a.m. Hierbei ist zu märken / dass die
Geschicht der Assenat / als auch das Buch der Schöpfung / im 46 hauptstükke / da
ebenmässig nur 70 Seelen gezehlet werden / die Seelen der Weiber nicht
mitgerechnet / wie die Geschicht der Zwölfbohten / im 14 spr. des 7 hauptst.
getahn; da von 75 Seelen meldung geschiehet. Aber Hievon kann Lange in seinem
Buche von den Jahren nach der Heilgebuhrt / am 262 blatte gelesen werden.
                        Zur 6 und 7 zeile des 285 blats.
Bei den worten des 34 spruches am ende des 46 hauptstükkes im Buche der
Schöpfung / Alle Schafhürten waren den Egiptern ein greuel / finden sich
vielerlei unterschiedliche meinungen. Etliche / unter denen auch einer ist der
fürtrefliche Bochart am 374 blatte seines Kanaans /halten darvor / dass die
Viehhürten darüm den Egiptern ein greuel gewesen; weil die Fönizischen Hürten /
derer sechse 242 jahre / wie Maneton / bei dem Afriker / bezeuget / über sie
geherschet / ihre Götzenheuser zerstöhret / ihre städte verbrant / sie selber
teils erwürget / teils mit harter dienstbarkeit beleget /und allen muhtwillen an
ihnen verübet: wie Josef der Jüdische Geschichtschreiber in seinem 1 b. wider
den Apion meldet; welcher aber der Fönizier begäbnüsse mit den geschichten der
Israeler vermischet. Hingegen meint  der Ebreer Rambam / und andere / dass die
Egipter darüm die Viehhürten verfluchet / weil sie das Vieh / welches jene vor
Götter gehalten / geschlachtet: dann sie hetten durch den Widder den Hammon /
durch das Kalb den Apis / durch den Ochsen den Osiris / durch den Bok den
Priapus /als welche sie vor eigene wohnungen dieser Abgötter hielten / geehret;
und darüm geweinet / und getrauret /wan eines von diesen Götzentieren gestorben.
Ja daher were es kommen / dass die Ebreer diese Tiere zu heiligen Schlachtgaben /
und zum tode bestimmet; damit dieser gottlose Gottesdienst / durch einen ganz
widerwärtigen / verdammet / vernichtiget / und solcher greuel vertilget / ja die
sünde zugleich ausgesühnet würde. Fast eben dasselbe lesen die Ebreer in ihrem
Buche Tamtam: da unter andern auch stehet /dass die Ebreer die Leuen / Bähren /
Tieger / und dergleichen andere tiere darüm zu ihrem Gottesdienste nicht
gebrauchet / weil es die Egipter getahn. Gemelter Rambam füget hinzu: dass die
Egipter / aus oberzehlten uhrsachen / das Himlische zeichen den Widder geehret:
ja etliche Sabeer selbst die Teufel / weil sie in gestalt eines Widders oder
Bokkes erschienen; und daher auch Seirim / das ist Boksgeister genennet: von
denen unser Dichterischer Sternhimmel am 53 / 54 und 55 bl. kann gelesen werden.
                           Zum anfange des 290 blats.
Hiervon meldet die Sarazenische Geschicht von Josefs tahten in Egipten / als
auch die Nubische Landbeschreibung: mit denen alle Arabische Geschichtschreiber
überinstimmen. Von diesem Nielmasse kann auch Strabo gelesen werden. Ob nun das
Nielmass /das die itzigen Egipter auf dem Nielischen Inlande Michias haben /
welches ein Mass heisset / und gegen der alten stadt Milfrulhetich / nicht weit
von Alkeir /über gelegen ist / eben dasselbe sei / das Josef gestiftet / darvon
lassen wir andere urteilen. Man beschreibet es / dass es ein runtes gebeu / und in
der mitte mit einem vierekkichten Wassertroge / der 18 ellen tief /versehen sei:
und dass mitten im gemelten Wassertroge eine seule stehe / die eben so hoch /
auch in eben so viel ellen geteilet / als der trog tief ist; darein das
Nielwasser unter der erde hin / durch eine röhre / geleitet wird. Hierher
pflegen alle jahr üm die zeit / wan der Niel zu wachsen beginnet / vom
Stahtsrahte etliche Beamten geschikt zu werden: welche den anwachs des Niels
besichtigen / und desselben höhe / durch Kinder / mit gelben binden üm das heupt
/ in der stadt Alkeir ausrufen lassen. Auch pfleget man / unter währendem
auflauffe des Niels / so wohl in andern städten / als in Alkeir / durch alle
gassen die trummeln zu schlagen / und mit trompeten zu blasen: und gemelte
kinder / welche / bei ihrem ausrufe / das volk Gott zu fürchten ermahnen /
werden von einem ieden mit geschenken begabet. Besiehe / was Leo der Afriker in
seinem 8 teile / als auch Kircher / im Egiptischen Oedipus / hiervon schreibet.
                   Zur 20 und folgenden zeilen des 290 blats.
Kircherius Oedipi Ægypt. tom. 2, part. 2, pag. 430. Diodorus Siculus l. 3, c. 2.
Zu dieser Goldarbeit warden nicht allein alle zum tode verwiesene und andere
verbrecher / sondern auch ihre sämtliche bluhtsverwanten / und alle gefangene
feinde verdammet.
                     Zu den ersten 7 zeilen des 291 blats.
Es scheinet dass die Scheidekunst / sonderlich dieselbe / die mit dem Goldmachen
eigendlich ümgehet /von den Egiptern entsprossen ist; wie hiervon Panzirol von
den neuen erfindungen / am 313 blatte / Suidas / Libavius / Parazelsus / von dem
die Scheidekunst am allerersten Ars spagirica, Apotoy span, & arleirein, das
ist vom zerteilen oder scheiden / und zusammensamlen / genennet worden / als
auch Zedrenus / Petrus Severinus / Tohmas Muffet / Teobald Hogenlande / R.
Lullius / Paul Skaliger / Moresinus der Schotte / Fenot / Karrer / Niklass
Mirandulanus / Fernel / Kardanus / Kleopatra /eine Jungfrau von Tafunt / Maria
die Jüdin / Rosinus von Alexandrien an seine Schwester Teosebie / Seidel / und
viel andre mehr / die von dieser Scheidekunst oder Scheidefügekunst / wie sie
nach des Teofrasts Meinung könnte genennet werden / geschrieben / in ihren
büchern bezeugen.
                      Zum 291 / und folgenden 3 blättern.
Diese ganze begäbnüs wird / in der Assenat Geschicht / weitleuftig erzählt.
                           Zum 296 / und 297 blatte.
Dresserus Millenario 3, p. 154: Hoc officii genere functus est (Joseph) annis
80, usque ad finem vitæ, factumque est, ut anni gloriæ sexies superârint annos
miseriæ ejus. In tanto enim temporis spacio non solùm Politicâ sapientiâ &
auctoritate anteivit omnibus Ægyptiis, sed veram etiam doctrinam de Deo, &
artium notitiam atque professionem in ille regno fundavit atque propagavit. Nec
dubium est, quin Heliopoli Scholam, in qua Astronomia, & cæteræ artes bonæ
explicatæ sunt, constituerit, & immunitatibus magnis ornârit; ex qua
Dionysius Areopagita etiam prodiit, etc. In hac Schola, quæ postmodum Iséum
dicta, imprimis floruit Matesis, Astronomia, Astrologia, Phisiognomia,
Chiromantia, Ars item de Signaturâ rerum, aliæque ejusmodi artes.
                       Zur 20 und 21 zeile des 300 blats.
Dieses Mittel pflegt man den Ohnmächtigen zu gebrauchen; weil solcher gestalt
die stärkende kraft des Goldes und Safrans / durch die Luft- oder Hertz-äderlein
/ die unter dem vorletzten finger / der daher auch der Hertzfinger heissen könnte
/ lieget / und von dar nach dem hertzen zu geht / in das matte und schwache
hertz / seine geister zu stärken / geführet wird. Auch pfleget man eben darüm
meistenteils einen güldenen Ring an diesem finger / den man deswegen
gemeiniglich den Goldfinger nennet / zu tragen; wie Jakob Horst im 5 b. des 3
teils von den verborgenen wundern der Natur / am 182 und 183 bl. bezeuget.
                          Zur 30 zeile des 300 blats.
Diese Aertzte warden Cephalici, Kopfsärtzte / Cordiaci, Hertzensärtzte /
Ophtalmici, Angenärtzte /u.s.f. genennet. Prosper Alpinus lib. de Medicina
Ægypt.
                          Zur 22 zeile des 301 blats.
Hiervon kann Eugubinus / Pierius / und andere gelesen werden.
                          Zur 26 zeile des 301 blats.
Dieses bezeuget Plutarch / in seinem buche vom Osiris / und der Isis.
                        Zur andern helfte des 306 blats.
Vom balsemen der Egiptischen Leichen hat Herodotus in seinem zweiten buche /
nähmlich in der Euterpe / ganz weitleuftig und ausführlich geschrieben: dem wir
auch alhier / was die Fürstlichen Leichen betrift / meistenteils gefolget.
Besiehe gleichfals unsere Anmärkung bei dem 238 blatte. Der Arabische Artzt Hali
hält darvor / dass die Egipter ihre Leichen mit Asfalt / welches wir Jüdenpech
nennen / und mit Hahrtze vom Balsembaume / das der Artzneihändler Opobalsamum
ist / als auch mit Mirren / und dergleichen gewürtzen gebalsemt. Hingegen meint 
Johan Nardius / dass sie nichts anders als gemeltes Jüdenpech darzu genommen;
weil alle gebalsemte Leichen keinen andern geruch hetten / als nach diesem
Peche. Asfalt / aspaltos, welches Suidas vom beraubenden wortteilichen a, und
aspaltos, das ist / mit den füssen bewegt werden / zappeln / aufspringen /
herleitet / heisset eigendlich das hahrtz oder pech / welches auf dem Todten
meere / das aus den versunkenen städten Sodoma und Gomorra / auf 8 meilen lang /
entstanden / und daher aspaltitns, das ist / das Hahrtzmeer / oder das
unbewegliche oder todte meer / weil alles darinnen todt ist / genennet wird / zu
schwimmen pfleget. Honterus Cosmograph. l. 3:
Jordanusque sacer geminis è fontibus ortus,
tandem Aphaltitæ diris immergitur undis.
Von diesem Jüdenpeche schreibet Dioskorides im 100 h. des 1 b. und Plinius im 15
h. des 3 b. als auch Solinus / Justinus / und Kornelius Tazitus weitleuftig.
Auch wollen etliche / dass man zu solchem Jüdenpeche / damit es besser flüssen
möchte / den dünnen Babilonischen Jüdenleim genommen: den die Griechen napta
nennen / und Dioskorides im 10 h. des 1 b. als auch Plinius im 105 h. des 2 b.
Strabo / im 16 b. und Plutarch / mit mehr andern / beschrieben. Viele halten
diesen Jüdenleim vor das so genente Peter- oder stein-öhl; welches in
unterschiedlichen Egiptischen ortern / mit ganzen pfuhlen / gefunden wird:
daraus es die alten Egipter / durch röhren / unter der erde hin / in ihre
ewigbrennende Grablampen geleitet; wie der Araber Schianga / in seinen
Geschichten von den gedenkwürdigsten Egiptischen dingen bezeuget. Wan dieses
Balsempech also zubereitet war /und die Leichen darinnen eine zeit lang gelegen;
so hatte es sich mit solcher kraft selbst in die allerinnersten teile hinein
gezogen / ja den ganzen leib dergestalt zusammengezogen / dass er fast halb
eingekrümpft / und aus einer mansleiche eine kinderleiche geworden zu sein
schien. Daher darf man sich auch nicht verwundern / dass alle solche gebalsemte
Leichen / die man heute zu tage findet / von den unwissenden / mehr von Kindern
/ als erwachsenen Menschen / weil sie alle so klein seind / angesehen werden.
Ich selber habe eine Hand / die von einem gebalsemten Könige sein soll / und
mir vom Herrn Johan Georg Brandauen in meine Kunstkammer verehret worden. Diese
scheinet / auch selber den knochen nach / so klein / als were sie von einem
drei-oder vier-jährigem Kinde. Von gemeltem Jüdenpeche / aus dem Sodom-
Gomorrischen Todtenpfuhle /hat mir ebenmässig der Edele Böhmer / Herr Paul Jahn /
Ritter von Malta / unter den höchstlöblichen Deutschgesinneten der Vermehrende /
ein stüklein /weil es bei uns sonst sehr selten gefunden wird / vor etlichen
jahren zugeschikt. Andere hingegen geben vor / dass solcher also zugerichtete
Pechbalsam die kraft allein nicht haben könnte die Leiber der menschen
unverwäselich zu machen: und daher müsten die Egipter nohtwendig Saltz darunter
gemischet haben. Aber ob schon das Saltz die Leiber eine zeit lang vor der
verderbligteit bewahret / so verzehret es doch dieselben auch zugleich algemach
solcher gestalt / dass sie endlich ganz verschwinden. Und hiervon haben wir ein
wahres zeugnüs an einem Leichnam / welcher / wie Baronius in seinen
Kirchengeschichten schreibet / in den Saltzbergen zu Saltzburg gefunden worden.
Dieser hatte eine schneeweisse haut / und augen /als wan sie lebeten. Auch
schien er an allen gliedern noch ganz volkommen / und das haar unverdorben zu
sein: ja er war so steif / als ein stake. Aber als er drei tage in der luft
gelegen / ward er ganz und gar zu wasser. Und darüm haben die Egipter nur die
Leichen der armen und schlechten leute 70 tage lang in saltz geleget: aber zum
balsam der fürnehmen ganz kein saltz genommen. Hierbei ist zu märken / dass nach
dem einfalle des Persischen Königes Kambises in Egipten / welcher üm das 3430
jahr nach erschaffung der welt geschehen / das Balsamen der leichen / weil der
überwinder alle Priester verjagte / und alle dergleichen gewohnheiten
abschaffete / ganz aufgehöret. Und darüm seind alle gebalsemte Leichen / welche
itzund aus den gräbern üm das alte Memfis herüm aufgegraben werden / vor
gemelter zeit gebalsemet.
    In Guinale / einem Königreiche des Landes der Schwartzen / auf dem
Guineischen bodem / werden die Könige auch gebalsemet; aber ihr eingeweide
zuerst vor dem Abgotte verbrant / und dann die Asche darvon wieder in den
gebalsemten Leichnam getahn.
                           Zur 8 zeile des 307 blats.
Ein solches Goldblechlein / welches ein wenig mehr / als zwee Ungrische Dukaten
/ wüget / findet man noch itzund unter der zunge fast aller vornehmen
gebalsemten Leichen / die in Egipten aufgegraben werden. Und darüm pflegen die
Araber und andere Völker / die zu unserer zeit in Egipten wohnen / wan sie
einige gebalsemte Leichen bekommen / dieselben /aus begierde zum golde / vor dem
munde straks aufzubrechen / und das gold heraus zu nehmen.
                            Zum ende des 315 blats.
Hiervon schreibet Moses / im 29 / und folgenden spr. des 47 h. seines 1 buches /
und im 31 und 32 spr. des 49 h.
                        Zur 2 und 3 zeile des 316 blats.
Dass Adam und Eva / nachdem sie aus dem Paradiese verstossen worden / sich in
Kanaan niedergesetzt /und alda zu Hebron / welche zuvor Kiriat-Arbe /das ist /
die stadt der Viere / geheissen / begraben worden / lieset man im Buche Beresit
Rabba: dem auch Hieronimus / im Grabspruche der Paule / zum teile gefolget. Und
hiervon kann Sixtinus Amama über den 15 spr. des 14 h. aus dem Buche des Josua
gelesen werden.
                       Zur 9 und 10 zeile des 316 blats.
Also erklähren etliche Jakobs letzte worte des 47 h. im Buche der Schöpfung. Und
hierüber kann Kornelius à Lapide gelesen worden. Die folgende ganze Geschicht
wird ebenmässig im 48 und 49 h. weitleuftig erzählt.
                          Zur 13 zeile des 217 blats.
Tertullian / von der Tauffe / und der Altvater von Damask / im 12 h. des 4 b.
stehen in der Meinung /dass diese des Jakobs übereinander geschränkten hände oder
ärme das Kreutz unsers Heilandes vorgebildet. Und Rupertus saget: Efraim seind
die Heiden / welche durch die kreutzweise übergeschlagenen hände / das ist durch
das Kreutz unsers Heilandes /dem sie gegleubet / dem Manasse / das ist den Jüden
/ seind vorgezogen worden.
                          Zur 16 zeile des 218 blats.
Hiervon spricht Ruben in seinem Letzen willen / zu seinen Kindern also: Sehet!
Ich nehme heute Gott vom himmel zum zeugen / damit ihr nicht wandelt in der
unwissenheit der Jugend / und in Huhrerei: darinnen ich mich alzusehr verbrochen
/ indem ich meines Vaters Ehbette besudelt. Ich sage euch in der wahrheit / dass
mich der HERR sehr schlug; dass er mich sieben mohnden lang in meinem eingeweide
plagte. Und hette Jakob / mein Vater / den HERrn vor mich nicht gebähten / dann
Ersuchte mich zu tödten; so were ich vergangen. Ich war dreissig jahr alt / als
ich dieses übel vor dem HERren beging: und war sieben mohnden lang siech; da man
anders nicht meinte / als dass ich sterben würde. Aber sieben jahre lang trug ich
reue vor dem HERren / mit guhtem hertzen. Ich trunk keinen Wein / noch einigen
andern starken trank. Ich ass auch kein Fleisch / noch kostete einige
lekkerspeise: sondern weinete und kärmete über meine sünde; weil sie sehr gross
war. u.a.m.
                          Zur 21 zeile des 320 blats.
Also werden von etlichen die letzten worte des 21 spr. im 49 h. des buchs der
Schöpfung erklähret. Lipomanus. Cajetanus. Cornel. à Lapide in hunc locum.
                            Zum ende des 321 blats.
Dieses erzählt Moses im letzten hauptstükke seines ersten buchs.
                          Zur 25 zeile des 323 blats.
Josef saget in seinem Letzten willen von seinen Brüdern also: Ich hielt ihre
Kinder vor meine kinder; und meine Kinder als ihre diener und leibeignen. Ihre
Seele war meine seele: alles ihr weh / mein weh; und alle ihre krankheit / meine
krankheit; ja mein land /ihr land; mein raht / ihr raht. Und ich erhub mich
unter ihnen nicht / in hofahrt / meiner weltlichen herrligkeit wegen; sondern
war unter ihnen / als der geringeste / u.a.m.
                           Zum anfange des 324 blats.
In der Assenat Geschicht wird gemeldet: dass Josef /nach könig Nefrems tode / 48
jahr / an des königlichen Fürstens statt / geherschet; und ihm dann erst die
Krohne aufgesetzt. Das folgende von Josefs Söhnen /und derselben Kindern
erzählt Moses im 50 h. des 1 b.
                            Zum ende des 324 blats.
Diese geschicht / wie sie auf den nächsten blättern folget / erzählt / aus dem
Ben Abed Hakem / der Araber Gelaldin / in seinem ersten b. von den Egiptischen
Königen.
                          Zur 23 zeile des 326 blats.
Diodor schreibet auch / dass die Egiptischen könige dieses Land ein Geschenk der
unsterblichen Götter / andere eine Gabe des Merkuhrs genennet.
                            Zum ende des 326 blats.
Elphyum oder Phyum liegt an einem kleinen arme des Niels / nicht weit von Munie;
welches 180 meilen von Alkeir entfernet. Leo Africanus 8 part. Livius Sanutus,
Villamont, Maginus, Guiliam de Tyr, Kircher Oedip. Ægypt. tom. 1, p. 8. Benjamin
nent es in seinem Reisebuche pyton; dessen in den Sibillischen Aussprüchen / am
180 bl. erwähnet wird. Und Ortel schreibet / dass es zwoer städte freiheiten und
vorrechte gehabt.
                           Zur 6 zeile des 327 blats.
Zu oder bei Nitriote / schreibet Sanut / soll Josefs Grab / ein altes Gebeu / auf
dem ekke von zween ärmen des Niels / noch stehen.
                    Zur 3 zeile vor dem ende des 329 blats.
Naftali / nachdem er / in seinem letzten willen / seine Treume erzählt / füget
folgende worte hinzu: Da sagte mein Vater / ich halte / dass Josef noch lebet:
dann ich sehe / dass ihn der HERr allezeit mit euch zehlet. Und er fuhr weinende
fort: Ach! Josef / mein Sohn / du lebest / und ich sehe dich nicht; auch
siehestu deinen Vater nicht / u.a.m.
                   Zur 16 und folgenden zeilen des 331 blats.
Fast eben dieselben worte seind in Josefs Letztem willen zu lesen: als auch die
folgenden zu ende dieses 131 / und im anfange des 132 blats. Hierher gehören
auch die worte / welche bei Simeons Letztem willen hinten angefüget stehen: Aber
Josefs gebeine werden von den Egiptern in des Königes Schatzkammer bewahret. Dan
die Zauberer sagten zu ihnen: wan sie Josefs gebeine wegtragen liessen / so
würde über das ganze Egipten eine fünsternüs kommen / mit grossen plagen / also
/ dass niemand / auch bei dem lichte selbst / seinen bruder kennen sollte.
                   Zur 12 und folgenden zeilen des 132 blats.
Astarot / da Job seinen sitz gehabt / wird über den Jordahn / in das land des
halben stammes Manasse /14 meilen von Jerusalem gesetzt. Bis hierher /nähmlich
bis an den Jordahn / erstrekte sich / von der stadt Damaskus ab / das land Uz /
des sohnes Arams. Hieronimus meint  / dass gemelte stadt daher diesen nahmen
bekommen / weil man die Abgöttin der schönheit und liebe / welche bei den Sirern
Astarot / auch Astarte heisset / alda geehret. Und Bernhard von Breitenbach
schreibet / dass man des Jobs grab den reisenden alda noch zu zeigen pflegte.
Viele muhtmassen / dass Job aus des Esaus nachkommen entsprossen. Aber es scheinet
der wahrheit gemässer zu sein / was Hieronimus / in den Ebreischen fragen / und
Luhter / über das Buch der Schöpfung /schreiben: nähmlich dass Job aus dem Uz /
der ein sohn Nahors / des bruders Abrahams gewesen / hergestämmet: daher er auch
Nahors sohn genennet wird. Und etliche meinen / dass er ein könig in Edom
gewesen: andere / dass er Jakobs Tochter / die Dina /geehliget. Von seiner
überschwänglich grossen wohlfahrt und herligkeit / nach ausgestandenen trübsalen
/lieset man bei dem Suidas. Euseb. l. 1. demonstrat. Evang. Dresser. mill. 3. p.
157.
                           Zur 7 zeile des 339 blats.
Levi sagt zwar in seinem Letzten willen: Josef sei im 118 jahre seines alters
gestorben. Aber ich halte / dass es ein drukfehler ist / und dass die druksetzer
die nichtigkeit 0 vor eine 8 angesehen. Dan nicht nur Moses /im letzten spruche
seines ersten buches / sondern auch alle andere Geschichtschreiber / ja der
Assenat Geschicht selber / schreiben ihm einhällig nicht mehr als 110 jahre
zu. Gemelte der Assenat Geschicht wird mit folgenden worten geschlossen: Und
Josef ward in einen sarg gelegt / im 110 jahre seines alters / und im 80 seines
Fürstentuhms / von der ersten Verheissung / dem Abraham / auf der strasse nach
Mesopotamien / getahn / im 287 / und nach Abrahams gebuhrt / von welcher das
dritte alter beginnet /im 361 / aber vom anfange der Welt an / im 2309. Und
Judas ist bis auf die zeit / da die kinder Israels aus Egipten gingen / nicht
bewegt worden. Die andern Brüder seind nach ihrem tode meist alle weggeführet /
und zu Hebron begraben; ja darnach wieder zu Sichem. In welchem jahre nach
erschaffung der Welt Josef gestorben / seind die Geschichtschreiber nicht einig.
Etliche setzen das 2390; aber ich muhtmasse / dass diese zahl versetzt sei / und
2309 heissen soll. Andere zehlen gar das 2399; da vielleicht die erste 9 vor eine
0 eingeschlichen: wieder andere noch anders. Die meisten aber setzen / dass er im
2761 jahre vor der Heilgebuhrt / und im 633 nach der sündfluht geboren; auch im
1651 ebenmässig vor der Heilgebuhrt / und im 743 nach der sündfluht gestorben
sei. Hiervon hetten wir sehr viel zu sagen: aber weder die zeit / nach der
hiesige raum / noch auch des Lesers geduld will solche weitschweiffigkeit leiden.
                        Zur ersten helfte des 340 blats.
Hinter Josefs letzten willen findet man folgende worte angefüget: Das ganze
Israel / und das ganze Egipten / beweineten ihren Josef / mit einer grossen
trauer. Dan er war barmhertzig und mitleidende gegen die Egipter / eben als
gegens seine eigene gliedmassen / gewesen: und er täht ihnen alles guhtes. Er war
ihnen allezeit zugetahn mit guhtem rahte / und in allen dingen behülflich.
                        Zur ersten zeile des 342 blats.
Besiehe hiervon die Anmärkung bei der 16 zeile des 331 blats.
                          Zur 17 zeile des 342 blats.
Dieses bezeugen unterschiedliche Ebreische Ausleger des Buches der Schöpfung.
Avizenna bringt viererlei uhrsachen bei / warüm der Niel so fruchtbar sei.
Hiervon schreiben auch Galenus / Aristoteles / Plutarch / Johan Pierius / l. 46
Hier. Tit. de tribus Urnis; Joh. Langius Epistol. Medicinal. l. 1, epistol. 31;
Alexander ab Alex. l. 14 Genial. dier. c. 17; Pancirollus de Nov. repert. und
viel andere. Daher ist es kommen / dass Egipten so überaus volkreich /ja so reich
an Städten gewesen. Dan alda zehlet Diodor 18000 fürtrefliche Städte; und zu
seiner zeit ohngefähr 1300000 Einwohner / ja vor seiner zeit 1700000. Besiehe
was Bochart in seinem Faleg / am 314 bl. hiervon schreibet.
                            Zum ende des 342 blats.
Die Babilonischen Könige haben das Nielwasser unter ihren schätzen / als was
seltsames und sonderbahres / das sie so weit hohlen lassen / bewahret. Ja die
Egipter selber pflegten es / als ein sonderliches geschenke / in fremde länder
zu senden. So schikte es der König Filadelf seiner Tochter Berenize / welche dem
Antioch vermählet war / in Sirien zu; wie Johan Lange / an obangezogenem orte /
schreibet.
                          Zur 18 zeile des 343 blats.
Dieses bezeuget Abenesra / Abenefi / und Suidas. Die Arabischen worte des
Abenefi lauten in unsrer sprache / also: Und Josef ward gleich als ein König des
ganzen Egiptens; und sie nenneten ihn Apis.
    Isse / oder / wie das Ebreische lautet / Ischa / das ist eine Männin / Fraue
/ Virago, ist aus Isch, das ist ein Man / vir, gebildet / und heisset hier so
viel / als eine Frau der frauen; wie man die fürnehmsten Alsgöttinnen genennet
findet. Besiehe unsern Dichterischen Sternhimmel / im Sternzeichen der Jungfrau.
                                     Ende.
 
                                  Blatweiser.
                                       A.
Abimelech nimt dem Abraham die Sara /
                                                                             387
Abissine begreift 72 königreiche / 401. wie desselben Oberherscher genennet wird
    /
                                                                       399 / 400
Abrahams macht /
                                                                       421 / 422
Abraxes / eines abgottes nahme / woher er gebildet / und wem er gegeben worden /
                                                                             363
Adam und Eva liegen zu Hebron
 begraben /
                                                                       316 / 526
Adler / dessen mancherlei ahrten /
                                                                       494 / 495
Adris / was es bedeutet / und wer also geheissen /
                                                                             385
Alkair / eine Egiptische stadt / woher ihr nahme entsprossen / und was er
    bedeutet / 352 / 396. Ob sie das alte Memfis sei / 351. begreift itzund das
    alte Babilon /
                                                                             353
Alkannenbaum /
                                                                             489
Alrian herschte in Egipten zu Josefs
 zeiten /
                                                                       384 / 394
Amasis ebenmässig /
                                                                             394
Amiantstein / wie er auf Hochdeutsch heisset /
                                                                             505
Angesicht / ein markt der Seele /
                                                                             201
Apelles / womit er seinem Venusbilde eine volkommene schönheit gegeben /
                                                                               8
Anubis ein Egiptischer Abgott / 2. wer er gewesen / und warüm man ihn mit einem
    hundskopfe gebildet /
                                                                             375
Apis / ein götzennahme / scheinet aus Josef gebildet / 392. was er auf Egiptisch
    heisset / 393. Unterscheid zwischen Apis / und Serapis / 393. Seine
    unterschiedliche götzenbilder /
                                                                             394
Artznei vor die unfruchtbahrkeit / 102; und ohnmacht /
                                                                       300 / 522
Aertzte der Egipter unterschiedlich /
                                                                             522
Asbest / und Asfalt / was es ist und
 heisset /
                                                                       505 / 523
Assenat / die jüngste Isis / 364. ob sie desselben Potifars / der den Josef
    gekauft / oder eines andern tochter gewesen / 23 / 407 / 408 / 409. wird
    geboren / und vom Könige zur tochter angenommen / 23: vom Ertzbischoffe
    geseegnet / 24: und auf die Sonnenburg gebracht / 28. ihre schönheit und
    geschikligkeit / 29 / 30 / 31 / 203 / 213 / 224. ihr traum / 92. Siehet den
    Josef zum ersten mahle / und was sie von ihm geurteilet / 204 / 205. wird
    durch seine reden bekehrt / 206 / 207. Ein Engel erscheinet / und bringt ihr
    eine fröhliche bohtschaft / 211 / 212 / 213. Ihr verlöbnüs mit dem Josef /
    und brautschatz / 222 / 410 / 481: vermählung / und beilager / 243 / 244 /
    249. Sie steht in gefahr geraubt zu werden / 291 / 292. ihre unbäsligkeit /
    298 / 300; ergetzung in Göttlichen dingen / 301 / 302; grosse tugend / und
    kunstgeflissenheit / 302 / 303 / 304. Wird zur Göttin der Weisheit und
    Artzneikunst gemacht / und unter dem nahmen Isis geehret / 303. Ihr tod /
    305. sie wird gebalsemt / 306 / 307: und beigesetzt / 308: ihr nahme in
    einen götlichen verändert / 343. ihr sinbild / 343. ihres nahmens bedeutung
    /
                                                                       410 / 472
Astarot / woher es diesen nahmen habe /
                                                                             530
Arlenbaum /
                                                                             489
Augen / verrähter des hertzens / 21 / 201 / 405 / 406: auch führer und anzeiger
    der liebe /
                                                                             500
Augspurg / woher es den Kühnapfel im wapen führet /
                                                                             373
                                       B.
Babian oder Bafian / dem Serapis heilig / gab anlass zur erfindung des
 Wasseruhrs /
                                                           226 / 236 / 493 / 494
Babilon / eine alte Egiptische stadt /
                                                                 351 / 352 / 353
Bachus ist aus Bar Chus gebildet / und war des Nimrods bei- oder ehren-nahme /
    358. Warüm man vor seinen wagen die Tieger gespannet / 359: und ihn Liber
    genennet /
                                                                       358 / 360
Balsemen der Egiptischen leichen /
                                                                       306 / 307
Balsembaums beschreibung /
                                                                 115 / 446 / 447
Bammia / ein Egiptisches kraut /
                                                                       225 / 482
Baro, ein Freiherr / woher es gebildet / und was es eigendlich bedeutet /
                                                                             399
Basiliske / ein sinbild der Neidhämmel /
                                                                             472
Bellum, woher es gebildet /
                                                                             358
Bet, ein stummachender wunderstein /
                                                                        16 / 404
Bilderstein Hagaracht / was er würket /
                                                                             414
Bilha / wessen tochter sie gewesen /
                                                                             424
Brachmonnd / warüm er also genennet werde / und warüm er auch Liljenmohnd
    heisset / 347. Seine unterscheidliche andere nahmen in andern sprachen /
                                                                       348 / 349
Brustbeeren- oder Sebesten-baum /
                                                                             490
Bubast / eine Egiptische stadt /
                                                                       228 / 499
Bücherei zu Alexandrien /
                                                                             503
                                       C.
Cæsar oder Keiser / der Röhmischen Welterren algemeiner ehrennahme / ob er
    andern dergleichen hohen Heuptern könne gegeben
 werden /
                                                           400 / 401 / 402 / 403
Charta, woher es also genennet sei /
                                                                             502
Chebron, ein Egiptischer König zu Josefs zeiten /
                                                                             394
Chenosiris, ein Egiptisches gewächs /
                                                                             483
                                       D.
Daran / ein Egiptischer König / unter welchem Josef gestorben /
                                                                             384
Dattelnbaum wird beschrieben / 490 / 491. trägt keine frucht / wan nicht ein
    mänlein und weiblein zusammengepflantzet werden /
                                                                       112 / 225
Dattel- oder Palmen-reime /
                                                                       491 / 492
Delta / das Egiptische nordteil.
                                                                       217 / 480
Deutschgesinnete Genossenschaft / warüm sie die Rose zum algemeinen sinbilde
    gewehlet /
                                                                             481
Dina / Jakobs tochter / dem Job vermählet /
                                                                             530
Diogenes / womit er ein schönes weib vergleicht /
                                                                             476
Dionisus / des Weingötzen zunahme / woher er gebildet /
                                                                             361
Diphtera, was es sei /
                                                                       501 / 502
                                       E.
Ebreer haben die Hürtenlieder erfunden / 244 / 506. warüm sie die Ochsen /
    widder / und bökke geopfert / 519. woher sie also genennet /
                                                                             423
Efeu / dessen unterschiedliche nahmen / 483. Ob es treumen / und trunken mache /
                                                                             484
Egipten / wie es die h. Schrift nennet / 366 / 471: und Esaias mit 3 kenzeichen
    beschreibet / 465 / 469 / 470. woher es so volkreich sei / 342 / 532. hat
    fast keinen regen: darüm es der Niel befeuchtet und mistet / 33 / 37 / 415.
    hat einen bimssteinhaftigen grund / 419. seiner einwohner und städte zahl /
                                                                             532
Egipter / wie sie die h. Schrift nennet / 366 / 367 / 470. ihr Götzendienst / 1
    / 2 / 383. dessen uhrsprung / und eigendliche beschaffenheit; auch warüm sie
    ihre Könige zu göttern gemacht / 365 / 515. hielten alles / was rund ist /
    vor göttlich / oder der göttlichen natur gleich / 397: und etliche Tiere vor
    götter / 519. hatten zweierlei Götzenochsen / 364. eigneten allen ihren
    götzen einen schlanken leib zu / 381. hefteten ihnen wächserne tafeln an die
    beine / 2 / 282. Hasseten rohtbährtichte und blasse menschen / 381. warüm
    sie die Hürten verflucht / 285 / 518 / 519. ihre eidschwühre / 403: saatzeit
    / 417. straften der verbrecher bluhtsverwanten zugleich / 520. wie sie ihre
    Könige genent / 379 / 398 / 399. derselben nahmen zu und nach Abrahams und
    Josefs zeiten bei den Arabern / 384. wo diese hof gehalten / 353 / 354.
    ihrer reichsstäbe gestalt / 198 / 473. ihrer Priester kleider / 455 / 456.
    ihre h. sinbilder auf särgen und leichen / 236 / 238. wer sie erfunden / 202
    / 385. ihr Gotisches oder grosses jahr / 376; ward in 4 teile geteilt / 379:
    wan es eingesetzt worden / 395. Ihrer Frauen fruchtbarkeit / 342. wie diese
    sich schön und jung gemacht / 115: und die flekker der haut vertrieben /
    132. Wie / und warüm so sorgfältig sie ihre todten vor der verwäsung
    bewahret / 234 / 235. ihrer särge gestalt / 236. ihre ewigbrennende
    grablichter / 239 / 240. wovor sie das Feuer gehalten /
                                                                             240
Egiptischer Feigenbaum / darinnen sich Maria / mit dem Heilkinde / verborgen
    gehalten / 227. seine beschreibung /
                                                                       497 / 498
Egiptische Bohne / und Bohnenschalen /
                                                                       448 / 449
Ehbruchs mit einem knechte strafe /
                                                                       450 / 461
Ehlicher liebe eigenschaften /
                                                                       513 / 514
Eib / ein Egiptischer storch / der Isis und des Mohnes sinbild / erfindet den
    Abspühler /
                                                                             439
Eisleben / wird von der Isis also genent /
                                                                             373
Eisenkraut Isidis herba,
                                                                             373
Elefant der königl. majestät sinbild /
                                                                       196 / 472
Elfium / woher es also genennet sei; und desselben grosse fruchtbarkeit /
                                                                       326 / 529
Enef / sonst Anubis / ein Egiptischer
 Abgott /
                                                                       110 / 375
Enoch / wie er von den Arabern genennet wird / 385. Sol der erste Schneider und
    erste kriegsman gewesen sein; auch das mass / und gewicht erfunden haben /
    385. Sein Buch wird der Assenat verehret / 302. seine Feuerspitze /
                                                                       233 / 234
Epafus / der Jo sohn / ward vor den Egiptischen Apis und Serapis gehalten / 351
    / 372 / 392 / 393. Ob er die stadt Memfis gebauet /
                                                                             351
Errif was es heisset / und vor ein land sei /
                                                                       470 / 471
Ertzkönig / wonach es gebildet /
                                                                             402
Esaias / warüm er Egipten das reich der Schällenbügel und die einwohner ein lang
    ausgestrektes volk nennet / 465 367. Der anfang seines 18 hauptst. wird
    erklähret /
                                                           465 / 466 / 469 / 470
                                       F.
Farao / was es auf Arabisch heisset / 397. War der Egiptischen könige algemeiner
    nahme / und bedeutete nicht könig / wie der Geschichtschreiber Josef will /
                                                                       398 / 399
Feldgesänge der Spanier /
                                                                       508 / 509
Feuer / ein sichtbahres zeichen der Gotteit /
                                                                             240
Feuerspitzen / oder Grabseulen / zu welchem ende man sie gebauet / 209 / 262 /
    514. Worinnen sie von den Sonnenspitzen unterschiede / 210. Die bei Memfis
    werden beschrieben.
                                                                 233 / 234 / 235
Filister / wie sie ihre Könige genennet /
                                                                             399
Fluspferd / ein sinbild der Bosheit /
                                                                             474
Fönix / oder Sonnenvogel /
                                                                       495 / 496
Fönix / eine ahrt der Palmenbeume /
                                                                             495
Fönizier haben vielen ländern nahmen gegeben /
                                                                             512
Fönizische Hürten herscheten über Egipten /
                                                                             518
                                       G.
Gal / und Gallen / alte Deutsche wörter /
                                                                       510 / 511
Gallillo, ein Französisches wort /
                                                                             511
Gallia, was es eigendlich heisset /
                                                                       511 / 512
Gallus, ein hahn / ist aus gallen
 gebilbet /
                                                                       511 / 512
Gefängnisse / wie sie in Egipten beschaffen /
                                                                             147
Gessen / ein Egiptisches land /
                                                                       202 / 475
Gewissen / was es sei /
                                                                             460
Glüks- oder Wahrsager-rad /
                                                                       110 / 445
Gojam / ein Abissinisches Königreich / da / im lande Sakela / die Nielsbrunnen
    entspringen /
                                                                         37 / 38
Goldfinger / warüm er also genennet wird /
                                                                             522
Goldmachen bei den Egiptern / 290 / 291. Ob es von ihnen entsprossen /
                                                                             521
Gott wird beschrieben / 460. was er sei / nach des Empedokles urteile /
                                                                             397
Götter / warüm sie bei den Griechen ihren nahmen vom lauffen bekommen / und
    teoi, d. i Leuffer / genennet worden /
                                                                             390
Götzenbilder der Egipter / welche milch / und wein von sich gaben / 371. warden
    den leichen nachgetragen / und warüm /
                                                                             239
Götzendienst des Gestirnes der erste /
                                                                             390
Grabhöhlen bei Memfis werden beschrieben / 234 / 235 / 236. lieffen unter der
    Sandsee hin / bis in die Sarkische wüste /
                                                                             235
Grablichter / welche ewig brennen /
                                                                 239 / 504 / 505
Grabspitzen werden beschrieben /
                                                                             210
Grosskönigs / oder Grossherr / wonach sie gebildet /
                                                                             402
                                       H.
Habicht wie er von den Egiptern genennet werde / 438. Warüm er der Sonne sinbild
    sei / 439. Ward zu Butis begraben /
                                                                             228
Hagar / der Sara magd / soll des Hermes Trismegists tochter gewesen sein /
                                                                       386 / 387
Halm / und hals / aus hallen gebildet /
                                                                             511
Haran / des Tahre sohn / war der erste unter den Menschen / die Vor ihren vätern
    gestorben / und warüm /
                                                                             389
Härmlein / der Keuscheit sinbild /
                                                                             440
Helikon / ein flus / schiest unter der
 erde hin /
                                                                        40 / 421
Heliopel / die Egiptische Ertzbischöflliche stadt / wird beschrieben / 202 /
    210. wie sie sonst heisset / 411: und woher /
                                                                             412
Hermes Trismegist / wie ihn die Egipter und Fönizier genennet / 203 / 385. Wan
    er die Sonnenseulen erfunden / und die Egiptische Priesterschaft gestiftet /
    203 / 385. war der dritte Egiptische König nach der sündfluht; und aus
    Wälschland zum Mizraim kommen /
                                                           202 / 203 / 208 / 386
Hertzwurtz / dessen gestalt und würkung /
                                                                 102 / 225 / 444
Heumohnd / warüm er der Nägleinmohnd heisset /
                                                                             347
Hundedienst zu Bubast /
                                                                             228
Hundestern / des Nielischen auflaufs uhrsache / 417 / 418 warüm ihn die Egipter
    dem Morgensterne vorgezogen /
                                                                             376
Hürtenlieder / wer sie erfunden /
                                                                             506
                                       I.
Jakobs ehstand / 55: leibesgestalt / 284 / 517: liebe gegen Josef / 58 / 59:
    sein betrug am Esau / Laban / und Isaak selbst begangen / 65. Ob er Hasel-
    oder Mandel-stäbe in die trinkrennen gelegt / 360. wird berichtet / ein wild
    habe den Josef zerrissen / 79. erfähret / dass er noch lebet / 282. reiset zu
    ihm / 283 / 284. kömt in Egipten / und bleibt im land Gessen / 284 / 286.
    mit wie viel Seelen er dahin kommen / 284 / 518. nimt Efraim und Manasse zu
    Söhnen an / 316. Seegnet sie / 317: als auch seine zwölf Söhne / 318 / 320.
    was seine übereinander geschränkten hände in der einseegnung bedeutet / 527.
    Stirbet / 321. wird in Kanaan begraben /
                                                                             322
Japaner / wie sie ihre Oberheupter nennet /
                                                                             399
Idris oder Adris ward Enoch / auch Hermes Trismegist genennet /
                                                                             385
Jinx / das Göttliche ebenbild /
                                                                             236
Jo / des Inachs tochter / ward von etlichen vor die Egiptische Isis gehalten /
                                                                             372
Jobs / des Fürsten zu Edom / unglücksfälle / 332 / 333 / 530. Er war Nahors /
    Abrahams bruders / söhn / und der Dina / Jakobs tochter / vermählet / 333.
    sein grab /
                                                                             530
Johannesbroht / woher es also heisset /
                                                                             488
Johannesbrohts- oder Horn-beume /
                                                                             225
Josef / Jakobs sohn / der jüngste Osiris / Apis / und Serapis / 54 364 / 392 /
    393 / 532. Josefs nahme wird erklähret / 471: als auch sein Stahtsnahme /
    198 / 200 / 473 / 474. Sein ganzes geschlecht wird erzählt / 54 / 55 / 56.
    Seine grosse schönheit und geschikligkeit / woher sie entsprossen / 5 / 6 / 7
    / 8 / 55 / 56 / 57 / 58. Seine Keuscheit und tugend / 112 / 447 / 449 / 454.
    Warüm ihn seine brüder gehasset / 57 / 60 / 63 / 425: als auch seine
    Stiefmutter / 59. Seine treume / 60 / 62 / 184 / 282 / 283 / 425 / 427. Man
    wirft ihn in die Wolfs- grube / 74 / 431. verkauft ihn vor 30 silberlinge /
    75 / 426 / 434. Er komt in Egipten / 1. wird dem Könige geschenkt / 12: aber
    nicht angenommen / 14 / und warüm / 11 / 19. Wie derselbe könig geheissen /
    384 / 394 / 395. Erklähret den Ausspruch der Götter über die Assenat / 41 /
    42 / 43: und der Nitokris / und Semesse treume / 87 / 88: als auch der
    Assenat / 92 / 93: und darnach des Königes / 169 / 170 / 172 / 173. wird auf
    Potifars befehl gefänglich bewahret / 98 / 441: und seiner gemahlin verkauft
    / 99 / 443: die sich in ihn verliebt / 94 / 100: ihm sehr zusetzet mit
    worten / 116 / 117 / 121 / 123: und bedreuungen / 124 / 125 / 450: auch
    vielerhand ränken / 126 / 127 / 129 / 133 / 134 / 451 / 453 / 457 / 459. Er
    gibt ihr eine artznei wider die unfruchtbarkeit / 102 / 444: ermahnet und
    bestraft sie / 123 / 127 / 128 / 129 / 137 / 138 / 139 / 452. wird durch
    einen Engel gewarnet / 128 / 453: auf anklage der Sefira ins gefängnüs
    geworfen / 140 / 142 / 143. Da deutet er der königlichen Beamten treume /
    155 / 156. wird vom könige daraus erlöset / 168: zum Schaltkönige gemacht /
    174 / 196 / 198. Spricht / und seegnet die Assenat / 206 / 208. verlobt sich
    mit ihr / 222. helt beilagerr / 244 / 249. lest Feuerspitzen zur bewahrung
    der früchte bauen / 262 / 514. Seine anordnung in den 7 reichen jahren / 262
    / 263. Stiftet Untersuchungen des lebens / 263 / 515. Samlet überaus viel
    getreides ein / 264: darüber fremde urteile fallen / 265. Seine 2 Söne / 265
    / 266. Seine Brüder kommen zu ihm; und warüm sie bahrfüssig erscheinen müssen
    / 267 / 273 / 431. Seine reden zu ihnen / 267 / 268 / 269 / 276 / 278. Warüm
    er sie 3 tage gefangen gehalten; und den Simeon allein binden lassen / 268 /
    270 / 516. Er offenbahrt sich ihnen / 279. entbietet seinen Vater zu sich /
    280. Seine guhtahrtigkeit gegen seine brüder / 282 / 323 / 517 / 528. macht
    den König / durch wiederverkauffung des getreides / überaus reich / 286 /
    287; ja die Untertahnen alle leibeigen / 288 / 289 Bauet das Nielmass; und
    erfindet vor die faulentzer und verbrecher / indem er die Egipter zugleich
    das goldmachen lehret / eine sonderliche arbeit / 290 / 291. steht in gefahr
    / der Assenat wegen / 291 / 292. Der sterbende König befielt ihm das reich /
    295. Seine anordnung nach den 7 hungersjahren / 296. Stiftet eine Schuhle zu
    Heliopel / 296 / 522. Begräbt seinen Vater / 322. übergibt dem jungen
    Könige die krohne / 351. wird angefeindet / und verleumdet / 324 / 325.
    macht einen Sumpf wohn- und fruchtbar / und dadurch seine feinde zu schanden
    / 325 / 326. Erfindet das Landmässen: und wie er das dürre land fruchtbar
    gemacht / 327. ist ein treuer Stahtsman / 328. wird krank / 334. Seine
    verfassung zu des Egiptischen stahts erhaltung / 336. Eröfnet darbei dem
    Könige sein rahtsbedenken / 336. Stirbet / 339. Sein alter / 530 / 531. sein
    lob / und leichengepränge / 339 / 340. Sein grab / 327 / 529. warüm man
    seine Leiche nachmahls in des königs Schatzkammer bewahrt / 342 / 529. wird
    zum höchsten Gotte gemacht / 343. sein sinbild /
                                                                             343
Josua / aus Josefs nachkommen entsprossen /
                                                                             517
Irmenseulen / woher sie also genennet /
                                                                             208
Isaaks macht / 423. wie er den Esau
 betrogen /
                                                                        65 / 429
Isis eine Egiptische Abgottin / 2 / 349. Wer sie gewesen / und was sie
    bezeichnet / 367. Ward von den Egiptern Minerve genennet / 368. War Man und
    Fraue zugleich / 368. warüm man sie die tausendnahmige genennet / 369. Ihre
    mancherlei nahmen / 369. Was der nahme Isis heisset / 369 / 374 / 532. Wie
    man sie gebildet / 371 / 372 / 374 / 532. ist in Deutschland gewesen / 372:
    auch alda geehret worden / und warüm / 372 / 373. Ihre unterschiedliche
    überschriften / 301 / 370 / 373 / 374. Ihr war die oberste helfte der erde
    zugeeignet / 379: wie ihrem sohne / Orus / die luft / 380. Die Vielbrüstige
    / wie ihr bild fort und fort milch aus den brüsten fliessen lassen /
                                                                             371
Isisches fest / und Priesterümgang wird beschrieben /
                                                                       130 / 132
Jupiter Hammon / ein Libischer Abgott / wer er gewesen / und warüm man ihn als
    einen Hammel gebildet / 355: den man ihm zu ehren an den himmel gesetzt /
                                                                             365
Jupiters geschichtbuch /
                                                                             501
Jüden / wie sie ihre Könige genennet /
                                                                             399
Jüdenleim /
                                                                             524
Jüdenpech /
                                                                       523 / 524
Junius, warüm er also genennet worden /
                                                                             348
Juvenis, woher es stammet /
                                                                             348
                                       K.
Kaiman / eine ahrt der Krokodillen /
                                                                             438
Kajorer / wie sie ihre Könige nennen /
                                                                             400
Kanopus / ein Egiptischer Abgott / 2 / 100. Wer er gewesen / 380. wie man ihn
    abgebildet / 381. Ein stern am himlischen Schiffe /
                                                                             382
Karl der grosse / wie er den Meimohnd heisset /
                                                                             347
Kasselfisteln- oder Schwartzer Zimmet-baum /
                                                                             446
Katzen werden zu Bubast geehret / und begraben /
                                                                             228
Keiser / ob dieser nahme auch andern / als den Röhmischen Welterren / könne
 gegeben werden /
                                                                 400 / 401 / 402
Keuscheit / was sie sei /
                                                                             476
Kijun / und Saturn / seind einerlei nahmen / 376. Warüm es die 70 übersetzer
    Refan gegeben /
                                                                             375
Kiriat-Arbe / was es heisset /
                                                                             526
Knef / ein Egiptischer Abgott / 2. Wer er gewesen / und wie man ihn gebildet /
                                                                             375
Knabenkraut / dessen gestalt und
 würkung /
                                                                 102 / 225 / 444
Konchares / ein Egiptischer König zu Josefs zeiten /
                                                                             395
Königliche algemeine Ehrennahmen unterschiedlicher Völker /
                                                                             399
Kreuter / derer kraft und würkung an der euserlichen gestalt zu erkennen /
                                                                       102 / 225
Krohnen / und kräntze / woher sie
 entsprungen /
                                                                       484 / 485
Krokodil / warüm er der Egiptischen Könige sinbild sei / 12 / 87 / 396. warüm er
    also / und wie er sonst / genennet werde /
                                                                       437 / 438
Krokodillengräber im Mährischen Irhofe /
                                                                             241
Krokodilsträhnen /
                                                                             438
Kuria / eine Egiptische Königin / des Merkuhrs gemahlin / die der Sara ihre Magd
    Hagar gegeben /
                                                                             386
Kus oder Chus, was es vor ein land bedeutet /
                                                                             467
                                       L.
Labans Götzenbilder / ein kunststükke des Tahre / was sie / durch ihre schönheit
    / gewürket / 7. Die Ebreer nennen sie Terafim: und ob sie mit den Serapen
    der Egipter einerlei gewesen /
                                                                       391 / 392
Lablab / ein baum in Afriken /
                                                                             489
Lea / des Jakobs Ehfrau / worinnen sie von ihrem Geschlechte abgeahrtet /
                                                                         7 / 391
Lebensuntersuchungen zu Josefs zeiten /
                                                                             515
Leichen / warüm sie vom balsem einkrümpfen /
                                                                             524
Leichenbalsemen der Egipter / 306 / 523 / 524: der Guinaler / 525. Ob man saltz
    darzu genommen; und wan es aufgehöret /
                                                                             525
Leichengepränge auf papiernen rollen entworffen /
                                                                       138 / 139
Leichenschmuk der Egipter /
                                                                       236 / 237
Luna, scheinet aus Lucina zusammengezogen /
                                                                             368
Lunus vor Luna,
                                                                             368
Lusitanien / woher es also genennet /
                                                                       359 / 512
Lusus und Lusa / warüm man sie dem Bachus zu gefährten gegeben /
                                                                             359
                                       M.
Madrigal, oder Schattenlied /
                                                           506 / 507 / 508 / 509
Majus, warüm er also genennet worden /
                                                                             348
Mandeln machen das Nielwasser klahr und trinkbar / und widerstehen der
    trunkenheit /
                                                                             359
Mährischer Irhof wird beschrieben /
                                                                 240 / 241 / 506
Masor ist so viel / als Egipten /
                                                                       366 / 367
Matarea / ein ort / dahin Maria / mit dem Heilkinde / vor dem Herodes geflohen /
                                                                       22 // 497
Matrizen / ein bastartdeutsches wort der Schriftgiesser /
                                                                             513
Meimohnd / warüm er auch Rosenmohnd heisset /
                                                                             347
Melohnen / ihre dreierlei ahrten / und nahmen bei den Egiptern /
                                                                             449
Melohnentrank der Egipter /
                                                                             449
Memfis / eine Egiptische stadt / 1 / 350. Was sie sonsten vor nahmen geführet /
    und wer sie gebauet / 350 / 351 / 352. Ob alhier der König hof gehalten /
    als Josef in Egipten angelanget /
                                                                             353
Men / oder Menes / des Mizraims eigener nahme /
                                                                             366
Menelaus der könig von Troja stiftet seinem Schifshauptmanne Kanopus ein
    Götzenhaus /
                                                                             380
Menis / ein Egiptischer könig / ward von seinen untertahnen / weil er so fet war
    / überaus gehasset /
                                                                             381
Minerve / wie sie die Egipter genennet /
                                                                             395
Mitres / eines Abgottes nahme / woher er entsprossen /
                                                                             363
Mizraim / Hams sohn / der stadt Memfis stifter / und uhrhöber des Egiptischen
    Königreichs nach der sündfluht / wie er sonsten geheissen /
                                                     202 / 350 / 351 / 355 / 366
Mizraim scheinet mehr eines Volkes / als Mannes / nahme zu sein /
                                                                             366
Moloch war so viel / als Mars /
                                                                             376
Momft / ein Egiptischer Abgott / 2 / 381. Des wortes bedeutung /
                                                                       350 / 382
Mohn ward bei den Egiptern als eine Gotteit geehret / 368: unter welcher sie
    alle andere Weibliche Gotteiten verstunden /
                                                                             369
Moschkraut /
                                                                       225 / 482
Moses war in der Egipter weisheit
 unterwiesen /
                                                                       211 / 489
Musenbaum /
                                                                             488
                                       N.
Nachtigal / was es eigendlich heisset /
                                                                             511
Naftali / warüm ihn Jakob einem Hirsche verglichen /
                                                                             329
Nefrem Tomestor / ein Egiptischer könig zu Josefs zeiten / 395. Die uhrsache
    seines todes /
                                                                             295
Nefte / der Isis schwester / besass / nach der Egipter wahne / die unterste
    helfte der Erdkugel / 379: und ihr sohn / Anubis / den Kreusendiger /
                                                                             380
Niel / wan / und wie er in Egipten zu wachsen anfänget / 35 / 349 / 415 / 416 /
    417. Wie er von den Mohren genennet wird; und warüm ihn die Siener den Niel
    geheissen / 357. Warüm ihn die Götzenochsen nicht trinken durften; und die
    Priester nur spaarsam / 381. Seine unterschiedliche höhe bringt
    unterschiedliche fruchtbarkeit / 35 / 36 / 417. Wan er auf das höchste
    gestiegen / und wie lange er fället / 36 / 417. Woher er seinen uhrsprung
    habe; und wie er so jähligen / und in der dürresten zeit so hoch
    geschwängert werde / 37 / 38 / 40 / 417 / 418 / 419 / 420. Warüm er mit
    recht Vater zu nennen / 342. Seine fruchtbarkeit / 531. Ward göttlich
    geehret / 418: und als ein geschenk grossen Herrn zugeschikt / 342 / 532.
    Warüm er jetzt das land spähter und so hoch nicht überschwämet / 416. Warüm
    man ihm drei wasserkrüge zugeeignet / 419 seine ehrennahmen / und gestalt /
                                                                     420 / 421 /
Nielmass wird beschrieben /
                                                                             520
Nikolaa / die königin von Saba / die den Salomon besuchet / wie sie sonst
    genennet wird /
                                                                             445
Nimrod / des Ninus vater / warüm er Bachus / oder vielmehr Barchus genennet
    worden /
                                                                             358
Nit oder Neit heisset bei den Egiptern so viel / als Pallas / oder Minerve /
                                                                             395
Nitokris heisset eine sieghafte Minerve /
                                                                       395 / 396
Nubien / ein land bei dem Niele /
                                                                             403
                                       O.
Omfis / des Bachus zunahme / was er bedeutet /
                                                                             362
Omft / ein Egiptischer Abgott /
                                                                         2 / 382
On / eine Egiptische Stadt / warüm sie also genennet werde / und was der nahme
    bedeutet / 411. wie auch warüm sie Heliopel / das ist Sonnenstadt / oder
    Ainsemes und Betsames / das ist Haus und Auge der Sonne / heisset / 202 /
    411. Ob sie mit Ramesse eine stadt gewesen / 412. Hatte zwölf heiligtühmer
    der zwölferlei Tiergötzen der Egiptischen Hauptmanschaften /
                                                                             413
Opobalsamum, was es sei /
                                                                             523
Orus oder Horus / ein abgott der Egipter / den sie auch Kemin nenten / wer er
    gewesen / 2 / 238 / 378 / 379: und warüm sie ihn
 Harpokrates hiessen /
                                                                             379
Osiris / ein Egiptischer Abgott / 1 / 349. Wer er gewesen / und woher dieser
    Nahme gebildet / 355 / 356. Was die Egipter darunter verstanden / 356. Warüm
    sie ihm einen Reichsstab mit einem auge zugeeignet / 157. Was er sonst vor
    andere nahmen gehabt / 356 / 357 / 358 / 361 / 362 / 363. Seine sinbilder /
    und gemälde / 364 / 365. War nur mänliches geschlechtes / 368. ward durch
    den Habicht abgebildet /
                                                                             439
Ossar / ein kraut / wozu es guht /
                                                                             458
                                       P.
Palmen- oder Dattel-reime / werden in der Dichtkunst vor ein Meisterstük
    gehalten /
                                                                             492
Papierne Leichenrollen der Egipter /
                                                                             504
Pergament / woher es also genennet sei /
                                                                             502
Perser / wie sie ihre Könige nennen /
                                                                             399
Potifar / was er gewesen / und vor ämter bedienet / 22 / 406 / 407. Zeuget im 5
    jahre seiner ehe die Assenat / 23. Fraget den Abgott / wie er sie erziehen
    soll / 24 / 25. Heiligt sie dem Osiris / und lest sie auf der Sonnenburg /
    als in einem Kloster / mit sieben adlichen Töchterlein / welche mit ihr in
    einer nacht geboren / 27 / 28. Seine gemahlin Sefira kauft den Josef / und
    er selbst setzt ihn über alles das seinige / 99 / 100. Wirft ihn endlich /
    auf fälschliche anklage derselben / ins gefängnüs / 143. Wird Ertzbischof zu
    Heliopel / 154 / 155. Wie ihn die Ebreer genennet / 203. Er erlernete vom
    Josef die geheimnüsse der göttlichen wahrheit / 266 / 301. Des nahmens
    Potifar deutung /
                                                                             409
Pyramis, was es bedeutet /
                                                                             514
                                       R.
Rahel / Josefs mutter / wird ihrer schönheit nach beschrieben / 5 / 6 / 388:
    daher auch Jakob 14 jahr üm sie gedienet /
                                                                               6
Ramesse / ob es Heliopel sei /
                                                                             412
Rebekka / Josefs Grossmutter / was sie durch ihre schönheit veruhrsachet /
                                                                         5 / 388
Refan war der Egiptische Saturn /
                                                                       375 / 376
Rian / ein Egiptischer könig zu Josefs zeiten /
                                                                             394
Röhmer folgeten den Egiptern in den leichengeprängen /
                                                                             504
Röhmischer Welterren algemeiner
 ehrennahme /
                                                                             400
Rose / warüm man sie über die tische
 gehängt /
                                                                       480 / 481
Ruben suchet / unter allen brüdern / am allermeisten Josefs leben zu retten / 70
    / 72 / 74 / 75 / 76 / 77 / 268. hatte Jakobs ehbette besudelt /
                                                                             527
Rundbaum / warüm er farid oder
 parid heisset /
                                                                       397 / 485
Rundkraut / 485 / 486 / 487. warüm es des Osiris sinbild war /
                                                                             397
                                       S.
Sabeer / warüm sie die Teufel geehret /
                                                                             519
Safe / der Egiptischen königlichen Fürsten sitz /
                                                                             326
Saliche / Potifars gemahlin /
                                                                             404
Saltz / ob es die leiber unverwäselich mache /
                                                                             525
Sandsee /
                                                                             235
Santbaum /
                                                                             446
Sara wird / ihrer schönheit wegen / von zwee Königen geliebt / 5. Wie der
    Egiptische / der sie genommen / geheissen / 384 / 386. Der andere war
    Abimelech / der Filister könig / 387. Wird von den Egiptern zur Göttin der
    schönheit gemacht /
                                                                       110 / 387
Sara oder Zahara wird Libien auf Arabisch genennet / und warüm /
                                                                       387 / 388
Saturn / ob er eben derselbe sei / als Anubis /
                                                                             375
Schafhürten / warüm sie den Egiptern ein greuel gewesen /
                                                                       285 / 518
Schagen / warüm es das Reich Gottes genennet worden /
                                                                       326 / 528
Schällenbügel / was es vor ein seitenspiel sei /
                                                                             468
Schattenlieder /
                                   506 / 507 / 508 / 509 / 510 / 511 / 512 / 513
Scheidekunst / wie sie Parazelsus nennet /
                                                                             521
Schiffe vom papierschilfe /
                                                                       469 / 470
Schlafkraut / opium,
                                                                             454
Schlos der verwunderung Alexanders des grossen /
                                                                             404
Schohtenbaum / daran die Johannesschohten / oder das Johannesbroht wächset /
                                                                             488
Sebestenbaum /
                                                                             490
Sefira / der Assenat stiefmutter / verliebt sich in den Josef / 94 / 96. Sie
    kauft ihn / 99. Begegnet ihm mit liebesblikken / die er in den wind schläget
    / 100. Ihr list grif zu ihrem ziele zu kommen / 101. Giebt ihre liebe was
    deutlicher kund / und stellet sich / als hielte sie den Josef vor ihren Sohn
    / 102 / 444. Hierauf bricht sie gar heraus / und eröfnet ihre rechte Meinung
    / 116 / 117 / 118 / 121 / 122 / 123. Auf guhte worte folgen bedreuungen /
    124 / 125: auf diese allerlei ränke / 126 / 128 / 129 / 133 / 453 / 456. Sie
    tuht den vorschlag / ihren Ehherrn aus dem mittel zu reumen / und dann den
    Josef zu ehligen / 127. Endlich will sie ihn mit gewalt zur unzucht zwingen;
    er aber entfliehet / 139 / 140 / 458 / 464. Hierauf bezüchtigt sie ihn
    fälschlich bei ihrem Herrn / der ihn ins gefängnüs würft / 140 / 141 / 142 /
    462. Ja bestürmet ihn selbst im gefängnüsse; und suchet ihn mit gifte zu
    tödten / 153 / 463. Darüber stürbet sie plötzlich / 154. Wie sie bei andern
    heisset /
                                                                             404
Sebulon / der erste schiffer /
                                                                             433
Seele soll zum sterne werden /
                                                                             439
Seewärmuht / der Isis heilig /
                                                                       456 / 457
Serapen der Egipter / was / und wie sie gestalt gewesen / 238 / 391. Ob sie mit
    den Terafim einerlei gestalt gehabt / und woher das wort Serapides
    entsprossen /
                                                                             392
Serapis / der Egiptische Ochsengötze / wird beschrieben; und wessen sinbild er
    sei /
                                                                       392 / 393
Silpa / wessen tochter sie gewesen /
                                                                             424
Simeon feindet / unter allen brüdern / den Josef am meisten an / 65 / 70 / 72.
    Warüm ihm seine hand verdorret / 75. Warüm Josef eben ihn gefänglich
    behalten /
                                                                       270 / 516
Siner / wie sie ihre Beherscher oder Oberheupter genennet /
                                                                             399
Sirius / der Hundestern / ward von den Egiptern vor einen gott geehret /
                                                                       376 / 377
Sistrum, was es vor ein seitenspiel sei /
                                                                       468 / 469
Solon was er vor eine satzung zu Atehn eingeführet /
                                                                             515
Sonne / die einige Gotteit des himmels / 356. wird unter vielerlei nahmen
    geehret / 356 / 357 / 358 / 362. Warüm man sie Jupiters Auge genennet / 357:
    und die Sirer Achad / 362. Ward in einem Ochsen geehret / 364: dessen bild
    man selbst an den Himmel setzte / 365. wie viel sie grösser ist / als die
    Erde / 390. Ihr warden alle mänliche Gotteiten zugeeignet /
                                                                             369
Sonne / Mohn / und Sterne / die ersten Götter /
                                                                             390
Sonnenspitzen / wer ihr erster stifter sei / 477. wo / wan / von wem / und zu
    welchem ende sie erfunden worden / 203 / 208 / 209 / 385. Ihre gestalt / ihr
    zeug / und ganzer bau wird beschrieben / 208 / 209 / 210. wie sie die
    Griechen / Araber / Wälschen / Hollände / und ihr erfinder selbst genennet /
    477 / 478 / 479. Ob sie Mahteln heissen können / 478. eine aus vier
    Smaragden /
                                                                             477
Sonnenburg / der Assenat zwantzigjährige wohnung / wird beschrieben /
                                               224 / 225 / 226 / 227 / 413 / 414
Sonnenbrun / darinnen die Mutter Gottes des Heilkindleins Wündeln gewaschen /
                                                                       227 / 499
Sonnenheiligtuhm / 412. warüm es rund gewesen /
                                                                             413
Sotis / ein Egiptischer abgott /
                                                                         2 / 376
Spanien / woher dieser nahme komt /
                                                                       359 / 512
Stahtsleute / wie sie sollen beschaffen sein /
                                                                       328 / 329
Sterndeuterei / wie weit man darinnen gehen soll /
                                                                       149 / 150
Sternzeichen haben keine macht über den menschen zu herschen /
                                                                             150
Storch / ein sinbild der frömmigkeit /
                                                                             474
Stunde / woher es entsprungen /
                                                                             493
Surnag / ein Wunderkraut des berges
 Atlas /
                                                                       225 / 487
                                       T.
Tahre oder Asar / des Abrahams Vater / ein fürtreflicher Bildhauer / und
    wiederaufrichter des verfallenen Götzendienstes / 6 / 7 / 388 / 389. Was
    seine bilder in den anschauenden gewürket / 7. Warüm sein Sohn Haran eher
    weggerükt worden / als er; und was vor Götzen er gedienet /
                                                                             389
Talma / der Egiptische König / der im rohten Meere ersoffen /
                                                                             394
Tamarinden- oder Sonnen-baum /
                                                                             492
Tanis / eine Egiptische Hauptstadt /
                                                           211 / 353 / 354 / 479
Tartern / wie sie ihre Oberherscher nennen /
                                                                             399
Tatura / was es sei /
                                                                             454
Tautis / der dritte Egiptische König / der die Sara behielt / wer er gewesen /
    384 / 385. Abraham Zachut nennet ihn Tutis / und den 15 König /
                                                                             386
Tebe / eine Egiptische stadt /
                                                           228 / 353 / 499 / 500
Terafim / was sie vor Götzenbilder gewesen /
                                                                             391
Teufel / warüm man sie Boksgeister genennet /
                                                                             519
Tifon ein Egiptischer böser Abgott / 2 / 383. War der anfang alles bösen / Wie
    Osiris alles guhten /
                                                                             383
Tmaus / ein Egiptischer könig zu Josefs zeiten /
                                                                             395
Todtengefässe der kinder /
                                                                             239
Todtes meer / warüm es also heisset /
                                                                             523
Toote / der Assenat mutter /
                                                                              34
Tot / oder Taut / wer er gewesen /
                                                                             385
Trachenfel mit dem ganzen Homerus beschrieben /
                                                                             503
Treume aus den tagesgedanken / werden dem nachklange der seiten verglichen / 162
    / 464. Die aus der übermässigsten der 4 feuchtigkeiten entstehen / bedeuten
    nichts / 162. Des Königs / darüber die Egiptischen Traumdeuter ihr urteil
    fällen / 161 / 162: des Josefs / 60 / 62 / 184: der Nitokris / und Semesse /
    82 / 83: der Assenat / 92: des Königlichen Mundschenkens / und
    Bäkkerei-verwalters / 155 / 156: des Naftali /
                                                                       329 / 330
Türke / ob ihm der nahme Keiser zukomme /
                                                                             402
Tzar / des Muskauers Stahtsnahme / woher er gebildet /
                                                                             402
                                       V.
Verschwiegenheit / ihr sinbild /
                                                                             481
                                       W.
Wahrsagung aus dem Wasser / und
 Wachse /
                                                                       410 / 411
Wasseruhrs erfindung /
                                                                 226 / 493 / 494
Welt / wan sie erschaffen worden / der Egipter Meinung /
                                                                             418
Wollenbaum /
                                                                             488
Wollenkraut /
                                                                             489
                                       Z
Zacheus / auf was vor einen baum er gestiegen /
                                                                             498
Zahara / oder Sahare / eine Egiptische Abgöttin der Schönheit und liebe / wer
    sie gewesen /
                                                                       110 / 387
Zahnkraut / dessen gestalt und
 würkung /
                                                                 102 / 225 / 444
Zwillingsmohnd ist der Mei /
                                                                             347
 
                                  Kupferstiche
   B Titelkupfer
   B Kapitel I, Seite 3.
   B Kapitel I, Seite 13.
   B Kapitel I, Seite 25.
   B Kapitel I, Seite 39.
   B Kapitel II, Seite 47.
   B Kapitel II, Seite 61.
   B Kapitel II, Seite 73.
   B Kapitel II, Seite 91.
   B Kapitel III, Seite 95.
   B Kapitel III, Seite 103.
   B Kapitel III, Seite 111.
   B Kapitel III, Seite 131.
   B Kapitel III, Seite 141.
   B Kapitel IV, Seite 151.
   B Kapitel IV, Seite 159.
   B Kapitel IV, Seite 171.
   B Kapitel IV, Seite 187.
   B Kapitel V, Seite 197.
   B Kapitel V, Seite 207.
   B Kapitel V, Seite 223.
   B Kapitel V, Seite 237.
   B Kapitel VI, Seite 245.
   B Kapitel VI, Seite 257.
   B Kapitel VI, Seite 277.
   B Kapitel VI, Seite 293.
   B Kapitel VII, Seite 299.
   B Kapitel VII, Seite 309.
   B Kapitel VII, Seite 319.
   B Kapitel VII, Seite 341.
 
    